Morgenausgabe Nr. 311 A 152 46. Jahrgang WöchenMch SS Pf, m onatNch Z.6Y M. tm voraus zahlbar. Postbezug 4£2 TL einschließlich 60 Pfg.Postzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands» abonnemenr S.- M. pro Monat. Der ,DorwSrts* erscheint wochentSg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaden für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen» stimme"..Technik"..Blick in die Bücherwelt" und.Iugend-Vorwärts" NerUner Vowsvlatt Jentralovgan der Sozialdemokratiftben Vartei Deutschlands Sonnabend (t. 3uli 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die(tntpolttg« Nonparetllezell« 80 Pfennig. ReName�eile 6.— Reichs» mark.„Kleine An�igen�' da» iettge» druckte Wort 25 Pfennig izulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Won 12 Pfennig. Stellengesuch» das erst» Won 15 Pfennig, jedes wertere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaden zählen für zwei Wone. 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Gelegen- heit, eine Anzahl bedeutungsvoller Grklärun- gen zu den Problemen der Räumung des Rhein- landcs, der englisch-russischen Beziehungen, der Unter- Zeichnung der?sakultativ-Klausel und der Beziehungen zu China zu geben. henderson begann seine Red«, seine erste als Außenminister, mit der �zest- ste'llung. die französische Presse habe vor kurzem einen Artikel mit seiner Unterschrist gebracht, in der er Meinungen zur auswärtigen Politik äußerte. Die Ausmachung dieses Artikels habe fälschlich den Eindruck erweckt, als seien dies« Feststellungen von ihm seit lieber- nähme seines Postens als Außenminister gemacht worden. In Wirklichkeit habe es sich um eine aus dem Zusammenhang herausgerissene Stelle einer Rede gehandelt, die er auf dem internationalen sozialistischen Kongreß im vorigen Jahre rn Brüssel gehalten habe. . henderson ging hierauf auf die von Chamberlain angeschnittenen Fragen der englisch-russischen Beziehungen ein und teilte mit, daß sich hinsichtlich der 5? a n d e l s v c r t r a g s v e r- Handlungen Meinimflsvcrschiedenheitei, gezeigt hätten, die zur Zeit unter Beratung stünden. Zur Frage der Unterzeichnung der Fakultativklausel des ständigen Gcrichlshofes im Haag übergehend, be- tonte der Außenminister,, daß Großbritannien diese Klausel nicht unterzeichnen werde, ohne vorher allen Problemen, die sich hierbei stellen, entsprechend« Beachtung zu schenken. Was die Beziehungen zu Rußland anbelangt, so verlas henderson eine von den I u r i st c n des Außenamts stammende Darstellung der Rechtslage zwischen Großbritannien und Rußland, in der die Ausfossung ausgesprochen wurde, daß die Anerkennung Rußlands durch England im Jahre 1924 insalgc des Abbruches der Beziehungen im Jahre 1927 gesetzlich nicht rückgängig gemacht worden näre. Die völkerrechtlichen Pflichten und Rechte zwischen den beiden Staaten hätten deshalb auf die Beziehungen der beiden Rationen untereinander weiterhin Geltung. Die britische Regierung wünsche eine Wiederaufnahme der normalen Handels- beziehungcn: sie weiß sich hierbei in voller Uebereinstimmung mit einem Großteil der öffentlichen Meinung Großbritanniens ohne Rücksicht aus die Parteieinstellung. Die Regierung sei entschlossen. diese Frage so schnell als möglich zu erledigeiz. Sie fei jedoch vor einem Eintreffen der Antworten der Dominien nicht möglich. Der Außenminister betonte hierauf, daß ein Fortschritt auf der Grundlage von Locarno und des Kellvgg-Paktes gemacht werden müsse, solls diese Instrumente der Friedenspolitik jene Wirkung ausüben sollen, die bei ihrer Schaffung erwartet worden sind. Die Zeichnung der Fakultalivklausel sei nicht der einzige Schritt, sondern lediglich der erste. Die Räumung des Rheinlandes, fuhr henderson jort, müsse in Fairneß gegenüber den Deutschen, die— soweit er sehe— bisher alle ihre Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag erfüllt hätten, so schnell als möglich durchgeführt werden. Er fei jedoch fest davon überzeugt, daß eine stückweise Räumung(gemeint ist hiermit die Räumung durch eine einzelne Macht) nicht im Interesse Europas liege und sür die Deutchen eine ebenso große Enttäuschung bedeuten würde, wie die Verzögerung der Räumung überhaupt. „Wir haben," so sprach Henderson wörtlich, „keinen Grund zur Annahme, daß die franzö- fische oder belgische Regierung der völligen Räumung des Rheinlandes irgendwelche unnber- w i n d l i ch e Widerstände in den Weg fetzen werden. Großbritannien wird, insbesondere auf der kommenden Reparationskonferenz, alles tun, was in seiner Macht steht, allen Großbritannien zur Verfügung stehenden moralischen Cinfluß einsetzen, um eine schnelle Entscheidung zugunsten einer völligen Räumung des Rheinlandes herbeizuführen." Der Staatssekretär im Außenminifterium, Dalton, hetont«. in einer Rede, die sich hauptsächlich mit den Methoden der Außenpolitik der gegenwärtigen Regierung bcschäftigie, die Arbeiterregierung plane bei allen wichtigen Fragen die Dominien mit heranzuziehen. Es werde unter der jetzigen Regierung nicht passieren, daß die Dominien zu Protesten darüber gezwungen würden, daß sie in Fragen von größter Bedeutung sür das gesamte Reich vor vollendete Tatsachen gestellt würden. Di« außenpolitische Aussprache gab auch dem in Deutschland als ehemaligen(kommunistischen) Korrespondenten des„Daily herald" und des„Manchester Guardian" bekannten neugewählten sozialistischen Abgeordneten PhilippPrice Gelegenheit zu seiner Jungfernrede im Unterhaus. Price betonte, daß der Einfluß der kommunistischen Internationale in Asien im starken Rückgang begriffen sei, wodurch eine der konservativen Lieblingsargumentc gegen die Wiederausnahm- der Beziehungen zwischen Rußland und England an Bedeutung verloren hätten. �äumungsvorbereiiungen. Interne Besahungelmaßnahmen im votten Gange. Köln, 5. Juli.(Eigenbericht.) wie die„Kölnische Zeitung" berichtet, werden die Räu- mungsvorbereitungen der Besahungsdehörden in Koblenz in größerem Umfange sortgejeht. Der französische General- stob soll nach Ansicht eines französischen Journalisten Vorbereitungen sür die frühzeitige Räumung der Koblenzer Zone angeordnet haben. Die zuständigen deutschen Stellen sind allerdings über die militärischen Maßnahmen der Vesahungsmächte noch nicht in Kenntnis gesetzt. Die Entwicklung wird sich vielmehr so abspielen. daß die militärischen Räumungsvorbercitungen erst in dem Augen- h\\ä vonstatten gehen, da die Rheinlandkommission!ür den Rück- lransport bei der Reichsbahn Züge anfordern wird. Die Befreiung des Gebietes kann daher unier Umstanden sozu- sagen von einem lag aus den anderen erfolgen. In diesem Zusammenhang teilt die„Kölnische Zeitung" noch mit, daß die mm- lärischen Stellen bereits mit einer großen Koblenzer Spedi- k i o n s s i r m a in Verbindung getreten sind und einen E v e n t u a l- a u s t r a g erkeilt haben. Man rechnet auch damit, daß der Schul- betrieb der dortigen Besahungsschulen noch den Ferien nschi mehr ausgenommen wird. Englischer Hegierungsbefehl: sofort Truppen- Übungen abbrechen? F r a n k f u r l a. M.. 5. Juli.(Eigenberichi.) wie wir erfahren, ist dem englischen Hauptquartier von der englischen Regierung in London der direkte Befehl übermittelt worden, die Truppenübungen in der Eiset und in der Gegend von Simmern sofort«inzustellen. Irgendwelche Anord- nungen über die Räumung des besetzten Gebietes sind nicht einge- trossen. Damit erübrigen sich auch die Mitteilungen eine» englischen Llottes. wonach bereits ein Stab von militärischen Rechnungsprüfern in Wiesbaden tätig sei. um die deutschen Schadenersahansprüche sür Verluste während der Besahunzszcit zu prüfen. Nach den holländischen Wahlen. Kein politischer Kurswechsel möglich. Amsterdam, Z. Juli.(Eigenbericht.) Das Bild der Zweiten Niederländischen Kammer erfährt keine nennenswerte Veränderung. Eine Mehrheitsbildung im Sinne der demokratischen Neuorientierung wird mit der Kammer vom Juli l929 ebensowenig möglich sein wie mit der Kommer vom Juli 1925. Die niederländische Sozialdemokratie hat sich im all- gemeinen gut geschlagen. Namentlich das rote A m st« r d a m' bleibt mit einem Zuwachs von 22 000 Stimmen und einer sozial- demokratischen Gesamtstimmenzahl von mehr als 134 000 Stimmen nach wie vor die Hochburg der niederländischen Sozialdemokratie. Auch Rattcrdam mit 94 393 Stimmen hat eine Zunahme um 110l)0 sozialdemokratisch« Stimmen zu verzeichnen. Bon den drei kommunistischen Gruppen werden künftig die Richtung De Visier und die Richtung Wijnkoop in der Kammer vertreten sein: an ein Zusammenarbeiten beider Kominu- nisten ist natürlich nicht zu denken. Die Sozialistisch-Revolutionäre Gruppe des Herrn Sneevliet, des Leiters des syndikalistischen Ratio- nalen Arbeitssekretariats, bleibt mit etwa 19 000 Stimmen weit hinter der für ein Mandat erforderlichen Ziffer von 33 000 Stimmen zurück. Bon den konservativen Parteien haben die A n t i r e v o- l u t i o n ä r e n ein Mandat verloren, so daß sie künftig nur noch über 12 Vertreter verfügen werben, während die Christlich- historischen ihre 11 Mann zu behaupten vermochte». Die Liberalen sind geschwächt, da sie statt bisher 9 nur noch 8 Abgeordnet« besitzen. Die freisinnigen Demokraten haben sich ebenfalls behauptet. Di« niederländischen Wahlen zeigen deutlich, daß eine Ge- s u n d u n g der politischen Verhältnisse des Landes nur durch eine weitere Stärkung der Sozialdemokratischen Arbeiter- parte! herbeigeführt werden kann. Während die Katholiken trotz aller äußerlichen Einheit durch Interessengegensätze zerrissen sind, ist die Sozialdemokratie immerhin bereits heute der stärkste ein- yeitliche politische Machtfaktor im Lande. Der Vertrag mit der Kirche Volkspartei einst und jetzt.— Zentrum und Republik Ter Preußische Landtag nahm gestern abend in einfacher Abstimmung den Staatsbcrtrag mit der katholischen Kirche an. Der Preußische Landtag nahm in seiner Freitag- sitzung die zweite Lesung des Staatsvertrages zwischen Preußen und dem Päpstlichen Stuhl vor. Vor Eintritt in die Tagesordnung dementierte der Volksparteiler Ladendorff die Meldungen volksparteilicher Blätter, daß der Wirtschaftspartei zur Belohnung für die Annahme des Staatsvertrages das Handelsministerium von der preußischen Regierung angeboten worden sei. Er fügte boshaft hinzu. daß die Wirtschaftspartei überhaupt nicht mit der Volks- partei um Ministersitze in Preußen Wettlaufen wolle. Der Staatsvertrag selbst war im Ausschuß unverändert angenommen worden mit den Stimmen des Zentrums, der Sozialdemokraten und der Demokraten, also der drei Regie- rungsparteien, und der Wirtschaftspartei. Deutschnationale und eine Anzahl kleinerer Parteien stimmten dagegen, weil nicht gleichzeitig ein Vertrag mit der evangelischen Kirche ge- schlössen würde: sie erklärten sich aber sonst mit dem Inhalt des Vertrages einverstanden. Gegen den Vertrag selbst haben nur Kommunisten, Nationalsozialisten und— Deutsche Volkspartei sich gewendet. Dabei sind aus dem Vertragswerk auch die letzten Zweifel ausgeräumt worden. Der Artikel 1 des Kirchenoer- träges sichert den Katholiken freie Uebung ihres Glaubens zu. Mit sehr gewaltsamen Auslegungen hat man versucht, das dahin zu deuten, als könnte von dieser Be- stimmung aus ein katholischer Anspruch auf die Schule hergeleitet werden. Inzwischen haben die beiden vertragschließenden Parteien die Erklärung abgegeben, daß die Schule von dem Vertrage weder direkt noch indirekt be- rührt werde. Es handelt sich also im Artikel 1 nur um den ungestörten Gottesdienst. Gegen Artikel 5, der von den Kirchen und kirchlichen Gebäuden handelt, die der Staat der Kirche weiterhin über- läßt, hat man das Bedenken erhoben, daß sein Umfang sich schwer übersehen ließe. Die beiden vertragschließenden Parteien haben inzwischen erklärt, daß der Artikel sich nur auf die Grund st ücke und Gebäude bezieht, über die seit 1821 ein besonderer Vertrag zwischen Staat und Kirche geschlossen worden ist. Kurzum, es ist bis in die letzte Silbe des Vertrages sichergestellt, daß weder die materiellen Interessen des Staates noch die Staatshoheit über die Schule, noch die geistige Freiheit irgendwie beeinträchtigt werden. Wenn trotz- dem Kommunisten und Deutsche Volkspartei sich mächtig über diesen Staatsvertrag aufregten, so muß man das ibrem un- auslöschlichen Haß gegen die preußische Regie- rung zugute halten. Aber ebenso muß man feststellen, daß der Vertrag materiell und ideell weit hinter dem zurückbleibt, was die Sowjetrepubliken der katholischen Kirche zugestanden haben. Und die Volkspartei muß man daran erinnern, daß der Vertrag dem deutschen Reichsaußenminister Dr. S tr e s e- mann vorgelegen hat, und von ihm nicht beanstandet worden ist: daß die volksparteiliche Reichstagsfraktion einen kommunistischen Antrag, das preußische Konkordat zu bean- standen, einstimmig abgelehnt hat; daß die Volkspartei im Kabinett Stegerwald 1921 ein Konkordat gefordert hat, und zwar nur für die katholische, nicht auch für die evangelische Kirche— das steht deutlich in Stegerwalds Re- gierungserklärung. Und endlich schafft nichts den Brief des volksparteilichen Kultusministers Dr. Boelitz aus der Welt, in dem er am 6. Januar 1922 schreibt, er sei bereit, mit dem P a p st über die Sicherstellung der katholischen Inter- essen in der Schule zu verhandeln. Jetzt, wo die Schule restlos aus dem Vertrage ausge- lassen ist. spielt die Volkspartei Opposition. Aber die kate- gorische Aufforderung, Herrn Dr. Boelitz zur Stelle zu schaffen, die am Freitag mehrfach an sie gerichtet wurde, hat sie doch nicht ausführen können. Die Landtagsdebatts über den Staatsvertrag wurde mit einer Erklärung des Genossen König eingeleitet, die diese Sachlage noch einmal mit aller Schärfe umriß und eine er- schöpfend klare Begründung der Haltung der Sozialdemokratie qab. Im übrigen bestand die Diskussion im wesentlichen aus Auseinandersetzungen zwischen Zentrum und Volkspartei,— das große kommunistische Geschimpfe nimmt so wie so niemand ernst, es bleibe deshalb unbeachtet. Immer wieder nagelte das Z e n t r u m die Volkspartei darauf fest, daß ihre Argumente nicht aus der Weitherzigkeit der Weimarer Ver- fasfung, sondern aus der Brutalität des alten Staates stamm- ten. Daran anknüpfend gab der Zentrumsabgeordnete Dr. Linneborn die weitestaebende Snmpathieerklä- rung f ü r d i e Republik ab, die wir je aus Zentrums- munde gehört haben. Der Dienst des Zentrums an der Re- publik und ihr Bündnis mit der Sozialdemokratie sei jetzt auch dogmatisch vollkommen gerechtfertigt, der Papst habe das Preußen Otto Brauns in seiner republikanisch-demokratischen Kraft voll anerkannt. Am heutigen Tags lege die ganze katholische Kirche einen Kranz des Gedenkens und der Ehrung auf das Grab Matthias Erzbergers, der für die Republik gestorben fei. Ihre Gorgen... Oeutschnationale und Kirchenverirog. Zur gleichen Stunde, da das Zentrum im Preußischen Landtag ein neues und besonders begründetes Bekennt- nis zur Republik ablegte, veröffentlicht die Pressestelle der Deutschnationalen Partei hochosfiziell den Wortlaut einer Resolution, die von dem deutschnationalen Katholikenaus- schuß in Potsdam II angenommen worden ist. Darin heißt es, großspurig wie immer: „Die in Preuhcn herrschende Sozialdemokratie, die grundsäglich die Stellung der christlichen Kirchen herabmindern und untergraben will, hat ein natürliches Interesse an der Schaffung konfessioneller Gegensätze. Die Deutschnationale Volks Partei sieht es im Sinne der alten konservativen Partei als eine ihrer vornehmsten Aufgaben an, die konfessionellen Gegensätze im deutschen Volk so weit wie irgend möglich zu überbrücken. Die gemeinsam« Ironl aller Ehrlsten muh sich gegen ihren eigentlichen und einzigen Gegner, gegen die chrificn- scindliche und kulturkämpferisch« Sozialdemokratie, richten. Diese Forderung richten wir vor allem an das katholische Zentrum, das durch seine Koalitionspolitik in den letzten zehn Jahren seit der Revolution die religionsfeindliche Sozialdemokratie erst regierungs> iähig gemacht hat. Es gilt endlich die Solidarität aller Christen gegen den christentumsfeindlichen Marxismus!" Nun muß sich das Zentrum gar von den Deutsch itoitionalen über seine christlichen Pflichten belehren lassen und sogar der Papst, der mit dem Sozialdemokraten Otto Braun einen Vertrag schließt, wird von den katholischen Gefolgsmanncn Hugenbergs in den großen Kirchen bann getan, weil er in der Christenlehre nicht so sattelfest ist wie die Pastoren Koch und ihre evangelisch- konser vativen Marristentöter-Gehilfen! Aber während die katholisch-nationalistische Entschließung auf Parteibefehl ins Land flattert, nimmt in Preußen das vermeintliche Unheil seinen Lauf. Deshalb benutzt die deutsch- nationale Pressestelle in der gleichen Ausgabe ihres parlei- amtlich abgestempelten Papiers noch schnell die Gelegenheit, der Welt mitzuteilen, welche Anträge ihre Freunde zum Schutz der Religion dem Papst gestellt haben. Da liest man denn mit Erschauern: Der erste Antrag bezweckt, die Gefahr abzubiegen, die im Artikel 1 und Artikel 13 des Vertrages für die Staatshoheit in bezug auf die Einmischung der Kirche in die Schule und die Ein- Mischung auherdeutscher Stellen in innerdeutsche Angelegenheiten enthalten sein könnte. „Gefahr kirchlicher Einmischung in die Schule"?! Heiliger Keudell, jetzt gehts dir an den Kragen! Denn auch das Reichsschulgesetz ist noch nicht vergessen, das doch diese Einmischung in ein System bringen sollte. Die Politik Hanswursts. Hokenkreuzsprünge in Sachsen und Mecklenburg. Die nationalsozialistisch» Presse hat es bisher nicht für nötig geholten, ihren. Lesern die Tatsache hes imtionolsozialistischen An- gebois an die Sozialdemokraten und Kommiuniften in Sachsen mitzuteilen. Dieselbe Tolschweigetaktik wird von der H u g e n- btrg-Press« geübt. In Mecklenburg l)oben die Nationalsozialisten zwölf Bedingungen für ihre Unterstützung einer Rechtsregierung gestellt, darunter die Bedingung, daß der bisherige sozialdemokratische Finanzminister Asch vor einen Untersuchungsausschuß gestellt und daß er nicht als Beamter beschäftigt werde. In Sachsen B ü n d n i s a n g e b o t an die Sozialdemokraten, in Mecklenburg Ausnahmerechtc gegen Sozialdemokraten! Gesetzt der Fall, daß die Nationalsozialisten ihr« Forderungen in Mecklenburg nicht durchsetzen— werden sie dann auch dort ein Bündnisangebot.an Finanzminister Asch richten? Möglich ist bei ihnen alle». In Sachsen toben Herr K i l l i n g e r und seine Freunde ob der iir/sterblichen Blamage, die ihnen Herr Mücke im Auftrage der Reichsleitung verschafft hat. Man sagt, daß die Reichsleitung sich aus der Affäre zu ziehen gedenk«, indem sie Herrn von Mücke des- avouieren wolle. Die Blamage aber läßt sich nicht abwaschen! Di« Rolle des Hanswursts in der Politik wird den Hitler-Leuten doch verbleiben! Kirchenverttag in 2. Lesung angenommen. Mi< den Glimmen der Regierungsparteien und der Wirlschastspartei. Verurleiller Verleumder. Was man für 300 M. alles sagen darf. Leipzig, S. Juli.(Eigenbericht.) Der Verleger und Hauptschristleiter der„Sächsischen B a u e r n z« i t u n g" in Meißen, Ernst Walcher Nestlcr, war vom Landgericht Dresden am 28. Dezember 1928 zu 300 M. Geldstrafe oder 30 Tagen Haft verurteilt worden. Dagegen hatte der Angeklagt« Revision beim Reichsgericht eingelegt, die der erste Strafsenat am Freitag verwarf. In der„Sachsischen Bauernzeitung", als Buniesorgan des Londbundes, erschien am 20. Mai 1928, am Tag« der Rcichstagswohl, als Entgegnung auf einen Bauervbrief, den die sozialdemokratisch« Wahlpropaganda herausgab, ein Artikel, in dem der A m t s h a n p t- mann schwer beschimpst wurde. Ihm wurde darin u. a. nachgesagt, er Hobe als Heercsgulschicbcr im Arbeiter- und Soldaten- rat gewirkt, oerdiene 2500 M. monatlich und außerdem wurde an- gezweifelt, daß er überhaupt Steuern zahle. Der Spitzenkandidat der Sozialdemokratischen Partei, der Amishauptmann Schmidt, suhlte sich mit Recht durch diese Ausführungen beschimpst. In dem Revisionsantrag wurde ausgeführt, daß dem Angeklagten ein« Be- leidigung ferngelegen habe. In dem saiirischen Artikel, der während de» erhitzte» Wahlknmpfes erschienen sei, habe er keine bestimmte Person gemeint. Der Senat war jedoch der Zlusfassung. daß der ?lstitel sehr schwere Beleidigungen eines hohen Beamten enthielt und die darin angesühnen ehrenrührigen Behauptungen nicht der Wahr- heit entsprechen. Satire kommt nicht in Frag«. Außerdem wurde in dem Artikel deutlich genug ausgedrückt, daß es sich um„unseren Amtshauptmann", also um den Meißener, handele. veutsch-sronzösischer Gern werkehr. Do? Ratifikationsgesetz für das am 17. Mai zwischen Deutschland und Frankreich obgeichtoslene Abkommen über den kleinen Grenz verkehr wurde om Mittwoch von der französischen Regierung in der Kammer ein. aebrocht Das Abkommen findet Anwendung auf eine Zone von je 10 Kilomeier beid-rseit, d«r deutseb.sranzösischen Grenze und schasst die aus gesetzliche" und privaten Gründen notwendigen Er- lsichterungen sür den wechselseitigen Verkehr der Grcnzbevölkcrung. In der Freitagsitzung des Preußischen Landtages gab vor Ein- tritt in die Tagesordnung Abg. Ladendorss(Wp.) die Erklärung ab, daß an den Zeitungsmcldungen, wonach der Wirtschastportci das Handelsministerium angeboten worden sei, kein einziges wahres Wort sei. Hierauf tritt das Haus in die zweite Lesung des Vertrages mit dem Heiligen Stuhl ein. Abg. König(Soz.) Gegen den Inhalt dieses Staatsvertrages haben nur drei Par- teien dieses Hauses Bedenken, die Kommunisten, die Rationolsozia- listen und die Deutsche Volkspartei. Sie bemühen sich, nachzuweisen, daß durch diesen Vertrag Staatsrechte preisqcaeben und kultur. politische Freiheiten bedroht werden. Diese Kritik, ebenso wie die des Vorstandes des Lehrcrvereins, beruht auf durchaus irrigen ZZor- aussetzungen.(Sehr wahr!) Zu dem Artikel 1 des Vertrages, der die frei« Ausübung der katholischen Religion in Preußen garantiert, sind im Hauptausschuß übereinstimmende Erklärungen der vertrag- schließenden Parteien abgegeben worden, daß Schulfrogen dadurch auch nicht indirekt betroffen werden, sondern daß es sich ledig- lich n in eine Wiedergabe des Artikel, 135 der Reichsverfassung handelt. Man bat uns gefragt: Wozu dies« Wiedergabe? Weil in der alten preußischen Derfasiung vom 31. Januar 1850 die frei« Religionsübung ebenfalls garantiert war, dieser Verfassungsparagraph aber während des Kulturkampfes auf- gehoben wurde. Deshalb hat die katholische Kirche jetzt Wert daraus gelegt, die freie Religionsübung auch vertragsmäßig festzulegen, und wir haben dagegen sachlich keinerlei Bedenken. Entgegen allen Ler- drehungen aber stellen wir fest: In der Sämlgeseügebuna behält der preußische Staat und da» Deutsche Reich volle Freiheit, volle Staatshoheit. Ein Reichsschulgesetz könnte enthalten welche Bestimmungen es will. Es würde niemals im Widerspruch mit diesem Staatsvertraq stehen. Ebenso berührt dieser Staatsvertrag in keiner Weise die Schulaufsicht und die Schulverwaltung: auch auf diesen Gebieten bleibt die staatlich« Hoheit gänzlich un- n n g e t a st e t u n d u n b e r ü b r t. Es besteht zwischen diesem Kon- kordat und der Schul« auch nicht der kleinste Berührungspunkt, auch nicht die versteckteste indirekte Beziehung. Niemals kann ein deutscher Lehrer in seiner Berufsarbeit durch diesen Vertrag irgendwie be- rührt werden.(Lebhafte Zustimmung.) Ebensowenig wird durch den Artikel 5 des Vertrages die Tren- nung von Kirchen- und Schulamt irgendwie beeinträchtigt oder er- lchwert. Die Bestimmungen des Vextrages bezüglich der dauernden Ueberlassung von Kirchengebäuden an die Kirche bezieht sich wiederum nach übereinstimmenden Erklärungen der Verirogspartner nur auf solcbe Gebäude, aus die die Kirch« seit der Säkularisation vertragliche Ansprüche hat, z. B. den Dom zu Limburg und den Dom zu Magdeburg. Besonders heftige Anarifse haben sich gegen die Bestimmung des Vertrages gerichtet, daß Profcsforen der theologischen Fakultät, die in ihrer Lehre mit der Kirche nicht ühereinstimmen, au» der Fakultät— ober nicht etwa aus ihrem Lehramt— ausscheiden müssen. Aach unserer Aeberzeuqung wird da. Recht der geifliqen For. Ichunq und.Freiheit dadurch nicht berührt. Der katholisch- thcoloqische Universität»prosessor hat eine Spezialansgabe. nämlich die. küustiqx kothotische Geistlich« in die Lehre der Kirch« einzuführen. Kann er dies« Speziolaufgabe nicht mehr erfüllen. so muß er seinen Dlatz räumen. Aber er erleidet weder, einen Verlust an Gehalt noch an seinem Lehramt als Universitätsprosessor, nach wird er irgendwie, lw seiner Forschung unb-in deo Fleußerunq seiner Ueberzeugvn»-beschränkt, Die geistige Freiheil bleibt ebenso wie die Staatshoheit von �diesem Vertrag völlig unangetastet. Deshalb kann die Sozialdemokratie im Geiste der Tale» ranz diesem Staatsvertrag zustimmen. In dielem Geiste der Tole- ranz hat seinerzeit die sozialdemokratische Reichstagsfraktion unter Führung von August Bebel»iird Paul Singer dem Toleronzantrag des Zentrums zugestimmt und sich nicht von dem Einwand beirren lassen, daß damit eine Machterweiterung der katholischen Kirch« ver- bunden sei. Venn die Sozialdemokralie hol sich stet, bemüht, die religiösen Kämpfe aus dem politischen Leben ausziischalirn und dadurch die politischen und wirtschasilichcn Kämpfe der Arbeiterklasse vor der vergistung mit religiösen Hetzereien zu dewahren. Diese Toleranz, die wir im Staat wollen, üben wir auch selbst in der Partei: in der Sozialdemokratie ist Raum für all« Welt- anschouungen, für olle Ueberzeugungen, und von den Sozialdemo- kraten fordern wir nur eine Ueberzeugung: daß er Mitkämpfer ist in unserem großen Kampf für die Durchsetzung des sozialistischen Ideals. Zu diesen Idealen gehört auch die Staatshoheit über die Schule, die Lchrfreiheit, die Forschungssreiheit, die geistige Freiheit im ganzen Umfange. Da sie alle durch diesen Staatsvertrag nicht be- einträchtigl werden, kann und wird die Sozialdemokratie ihm zu- stimmen.(Lebhaster Beifall bei den Soz.) Abg. Koch-Ocynhausen(Dual.): Wir müssen bestreiten, daß der bisheriac Rcchtszustand für die evangelische Kirche günstiger war als für die katholisch«, und wir müssen desl>alb darauf bestehen, daß Verträge mit der evangelischen und katholischen Kirche gleich- zeitig abgeschlossen werden. Abg. Linneborn(Z.): Nach den schweren Zeiten der Säkulari- sation und des Kulturkampfes ist die Freiheit der katholischen Kirche in Deutschland auf dem Baden der republikanischen Weimarer Ver- sassung neu gegründet worden. Die kalhollsche Kirche wird deshalb den 11. August jederzeit mit innigster Teilnahme seiern. (Bravo! links. Lachen bei den Kommunisten.) Die Katholiken er- blicken in der Weimarer Verfassung ein Werk des religiösen Friedens, eine Garantie der freien Ausübung ihres Glaubens. Heul« ichlägt nun ein« historisch« Stunde von bleibender Bedeutung. Wir Kathö- liken finden heut« weit über unseren Kreis hinaus die staatliche An- crkennung unserer kulturellen Vergangenheit und unserer sittlichen Krasi in der Gegenwart. Und der heutige preußische Staat sindet von der katholischen Kirch« die Anerkennung seiner demokratisch- republikanischen Grundloge. Darum ist uns der heutige Tag eine nachträgliche Rechtfertigung für Spahn und Gröber, eine verspätete Ehrung sür den sür die Republik ermordeten Erzberger. Dies« Katholiken haben sich in ihrer Klaubenstreue müssen verdächtigen lassen, weil sie sich rückhaltlos in den Dienst an der Republik gestellt haben. Heut« anerkennt der Apostolische Stuhl das neue Preußen in seiner gegenwärtig republikanisch-demokratischen Versossung. In aufrichtigem Verständigungswillen und in Anerkennung der Staats- Notwendigkeit begegnen sich Dr. Otto Braun und Papst Pius XI. Wie stehen jetzt gegenüber den deutschen Bischösen diejenigen Katho- liken da, die uns unser Bündnis mit der Sozialdemokratie gewisser- maßen als ein: Verfehlung gegen den Glauben ,zuni Vorwurf machen wollten! Wir sind stolz darauf, daß wir heut« ein Werk des Geistes vollbringen, dem wir immer gedient l>abcn, des Geistes der Republik und der Eintracht der Konkordio.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Sorss(Komm.): Das Konkordat ist ein Stück der geistigen Kriegseinheitssront gegen Sowjetrußland. Die Sozialdemokratie, die längst die wirtschastlichen Arbeiterinteressen an den Kapitalismus verraten hat, verrät jetzt auch die geistige Freiheit. Abg. Dr. Ausländer(Komm.) verlangt zur Geschäftsordnung Herbeirufung des Finanzministers, der Auskunst geben soll über die der Kirche zu überlassenden Gebäude und Grundstücke. Finanzminister Dr. Höpker-Zlschoss: Ich kann nur bestätigen, daß Abg. König den Willen der beiden Vertragsparteien in bezug aus Art. 5 des Vertrages vollkommen zutreffend wiedergegeben hat. Abg. Dr. Kriege(D.Vp.): Der Ministerpräsident hat schließlich nicht bestreiten können, daß der Abgeordnete Stendel seine Aeußc- rungcn richtig wiedergegeben hat. Eine Vertraulichkeit dieser Mit- tcilungen war weder vereinbart noch durch ihre Natur gegeben. Der Ministerpräsident kann um so weniger über Jnbiskrctioit sprechen, als er wiederholt vertrauliche Dcrhondluntzen mit der Volkspartei ohne unser Befragen im Pressedienst verössentlicht Hot. Unser« grundsätzlichen Bedenken gegen dos Konkordat sind durch die Ausschußberatungen nur verstärkt morden. Dieser Vertrag gibt Staatsrechte preis und verletzt die Parität und Neutralität im Weit- kämpf der Konfessionen. Abg. Dr. Bahner(Dem.): Trotz aller Bedenken werden mir dem Vertrag z u st i m m e n. Es mag sein, daß das einzig Logische die völlige Trennung von Staat und Kirche wäre. Aber sie ist in der Weimarer Rcichsverfasiung eben nicht erreicht. Sie erschiene mir auch gegenwärtig weder niöglich noch wünschenswert. Ist es ober so. dann kann man sich nicht mit bloßer Logik über alles Tatsächlich« hinwegsetzen. Artikel 78 der Rcichsoersassung sieht Kirchcnverträge ausdrücklich vor, und den ersten derartigen Vertrag hat die Eoange- lisch« Kirche mit Litauen geschlossen. Die Volksparlei fchossl den Brief auch niihl aus der well, in dem am k. Iiinuar 1922 ihr kuliusminister Dr. Boelitz sich bereiierklärl hat, mit dem Papst über die Sicher stellunq der katholischen Erziehung in der Schule zu verhandeln. gbhofte Zustimmung links, große Unruhe bei der Dolkspartei.) schenke Ihnen Ihren ganzen Widerspruch gegen das Konkor- bat, wenn Sie mir die eine Preisfrage beantworten: Wo ist Boelitz?(Große Heiterkeit.) Dadurch, daß dieser Staatsvertrag die Schule unbedingt und ausdrücklich herausläßt, wird die Schule sogar mehr wie bisher dagegen geschützt, Gegenstand des politischen Kuhhandels zu werden. Abg. hestermann(Wp.): Wir bestehen darauf, daß die evan- gelische Kirche nicht schlechter behandelt wird als die katholische. Im übrigen aber ist in den evangelischen Kreisen die Furcht vor dem Konkordat gänzlich geschwunden. Ministerpräsident Dr. Draun: Ich will die Erklärung aus dem Ausschuh wiederholen, daß die Staatsregierung einmütig bereit ist, nach Abschluß des Konkordats mit der evangelischen Kirche über einen gleichwertigen Vertrag zu verhandeln. Was die Erklärung des Herrn Kriege anbetrifft, so stelle ich nochmals fest, daß Herr Stendel meine Aeußerungen dem Sinn« nach nicht genau und imWortlautfalschwieder- gegeben hat. Selbstverständlich war die Besprechung ihrer Natur nach vertraulich, Herr Stendel ist also von dem Brauch ab- gewichen, der unter anständigen Politikern üblich ist. lieber Per-� Handlungen mit der Volkspartei ist im amtlichen Pressedienst nie- mals berichtet worden, ohne vorherige Verständigung mit der Volks- Partei. Meiner Ausfordenina, auch nur einen einzigen gegenteiligen Fall anzuführen, hat die Fraktion der Volksportei bis heut« nicht entsprochen.(Lebhaftes Hört, hört! und Beifall links.) Abg. Prelle(Deutsch-Hannoveraner): Wir beglückwünschen die katholische Kirche zu dem Konkordat, aber wir begreifen nicht, worum die evangelische Kirche nicht gleichzeitig einen Vertrag bekommen soll. Abg. Ley(Natsoz.): Das Zentrum hat sich heute intimer mit. der Sozialdemokratie verbündet als je zuvor.(Zuruf bei den So.z.: Mücke-Brief!) Das angebliche Bündnisangebot meines Partei- freunde» v. Mücke an die söchsisch« Sozialdemokratie ist erfunden,. ist eine jüdische Mach«. Abg. Schwechk(Dnat.) gibt sür die Katholiken in der deutsch- nationalen Froktiow. die Erklärung ab, daß sie für den Artikel-1- des- Konkordat» stimmen würden. 7 Würde aber zn Artikel 2 die Forderung eines glerchzeitigcn Vertrages mit der evangelischen Kirche-, abgelehnt, müßten sie das ganze Gesetz ablehnen. Abg. Pr. Lauscher(Z.) hält den Deutsthnationalen ein langes Sündenregister vor. Aus Zurufe des Abg. Koch, er solle an die christliche Gemeinsamkeit denken, erwidert er: Zentrum und Sozial- demokratie ständen weltanschaulich auf ganz verschiedenem Boden Aber wenn die Deutschnationalen zur Zeit ihrer Herrschaft in Preußen nur einen kleinen Teil der Einsicht für Andersdenkende und der Toleranz ausgebrocht hätten, über die die Sozialdemokratie verfüge, dann brauchte zwischen Zentrum und Deutschnationalen keine so bittere Feindschaft zu bestehen. Die Gedankengänge der Volkspartei ruhten nicht auf dem Boden der Weimarer Verfassung, sondern stammten aus dem Kulturkampf. Herr 0. Campe hob« gesagt, das Zentrum sähe Gespenster. Als er ausgeblickt, hob« er Herrn von Campe vor sich gesehen!(Heiterkeit.) Aber Herr Eampe sei nicht etwa ein Gespenst, sondern Fleisch vom Fleisch und' Blut vom Blute des Kulturkampfes.(Heiterkeit und Beifall im. Zentrum.) Abg. Schulz- Neukölln(Komm.) behauptet, das Konkordat sei ein Verfassungsbruch. Es sprachen noch die Abg. Dr. Eampe(D. Vp.) und Dr. v. Winter- seldt(Dnot.), die ausführlich gegen den Zentrumsabgeordneten Dr. Lauscher poleinisierten. Abg. Dr. Boelitz(D.Vp.) gab zu feinem Brief vom ß. Januar 1922 die Erklärung ab, daß er durch Amtsverschwiegenheit gehindert sei, über die Motive dieses Schreibens nähere» mitzuteilen. Er habe aber nie ein Konkordat gewollt ohne gleichzeitigen Vertrag mit der evangelischen Kirche. Ein Antrag auf Schluß der Aussprache wird angenommen. In einsacher Abstimmung wird hieraus in zehnter Stunde Artikel l de» Gesetzentwürfe» gegen die Stimmen der Deutschen volksportei und der Kommunisten a n g e v 0 mm e n. Räch Ablehnung sömllicher Aenderungsanlräg« wird dann auch Artikel 2 mit den Stimmen der Regierungsparteien und der wirtschafis- partei genehmigt. Damit ist die zweite Beratung der Vorlage erledigt, die driite Beratung sindet nm Dicnsiag statt. Das Haus vertagt sich auf Sonnabend 11 Uhr: Iugcndwohl- fahrtsgesetz, Gewinnung von Steinkohle und Erdöl, Polizeikosten- gejetz-'__ Oer Boelih«Brief. Eine authentische Feststellung. Bei den Landtagsberatungen über den Staatsvertrag mit dem Heiligen Stuhl war von sozialdemokratischer Seite behauptet war- den, auch der frühere volksparteiliche preußisch« Kultusminister Dr. Boelitz habe sich an den Konkordotsbesprcchungcn bcteiligr und in cinent Briefe an den päpstlichen Nuntius P a e e l l 1 sogar seine Bereitwilligkeit erklärt, über die Behandlung der Schul- frage im Konkordat zu verhandeln. In diesem Zusammenhang hatte der Abg. Stendel(DVp.) gegen den Abg. H e i l m a n n (Soz.) den Vorwurf der Fälschung erhoben und erklärt, ein ähn- sicher Brief sei von Dr. Boelitz nur an den Rcichsinnenminister, niemals an Paeelli, gerichtet worden. Wie hierzu von gut unterrichteter Stelle mitgeteilt wird, be- findet sich bei den Slkten des Preußischen Kultusministerium»«in „Berlin W 8. den 8. Januar 1922" datierter Brief, der an den p ä p st li ch e n Nuntius Paeelli gerichtet ist, und in dem die hier entscheidende Stelle lautet:„... Gleichzeitig ermächtigt mich das Preußische Staatsministcrium zu der Erklärung, daß die Preußisch« Staatsregierung auf Ersuchen des Reichs mit diesem in Verhandlungen über die Regelung der resigiösen Seiten der Schul. frage im Konkordat eintreten wird... gez. Boelitz." Oer RepMikfchutzfonös. pointarä vor dem Sturz? Rur ein klares Bekenninis zur Verständigungspolitik kann ihn retten. Vreitscheid klärt die Franzosen auf. Ein Interview mit dem„TempS". Vari». 5. Juli. tEigenberichi' Der anläßlich der Einweihung de? neuen chsvses der frow Ksischen Sozialistischen Parte! in Paris weilende Reichstagsadge- ordne!« Genosse B r e i t s che! d Hot dem„T« m p f" gegenüber längere Erklärungen über die Annäherungspolitik gegeben. Breit» scheid gab zunächst beruhigende Versicherungen über die angeblich« Gesahr der Rückkehr Wilhelms II. nach der Nichtnerlänge- rung des Republikschußgeseges. Di« deutsche Regierung sei keines- weg» ohne Wosien geg-n die Unruhestifter der Rechten und die Massen Deutschlands würden heute genau so gut wie in den Tagen des Kopp'Putsches eine Wiederkehr der chohenzollern zu v e r h i n» d e r n wissen. Sicher seien auch Meinungsverschiedenheiten im Schoß« des Kabinetts vorhanden, aber im Augenblick nehme die auswärtig« Politik olle Auimerksomkeit in Anspruch. Man wünsche in Deutschland endlich, II Jahre nach dem Wosfenstillstand, zur völligen Liquidation des Krieges zu kommen. Der Foung.Plan seh« schwere Lasten für Deutschland vor, und es hieße unehrlich sein, vxnn mau nicht erklärte, daß das Reich ohne die volle Wiederherstellung seiner Souveränität und die Befreiung seines Bodens van fremden Truppen diese Lasten nicht er- tragen könne. Frankreich werde diesen Wunsch gewiß oerstehen, da es ja selbst nach dem Kriege 187» dem damaligen Ministerpräsi- denten Thiers.zum Dank für seine Bemühungen mit Recht den Titel „Befreier des Landes" verliehen habe. E» sei sicher, daß sich keine Mehrheit im Reichstag für die Annohme der neuen verpslichtnngen Deutschlands finden würde, wenn der Doung-Plon nicht in klarer Weise zugleich die Befreiung des Rheinlandes bedeuten würde. Frankreich und Deutschland besäßen serner«in Interesse daran, daß die Saorsroge sofort durch ein Abkommen geregelt werde, zumal über das Ergebnis der Veiksobstiinmung kein Zweifel bestehen könne. Breitscheid erklärte schließlich, dadurch, daß Deutschland frei» willig seine neuen Westgrenzen anerkannt Hab« und somit das e l s ä s s i s ch e Problem endgültig beseitigt sei, stelle sich der Einigung zwischen beiden Ländern kein ernsthaftes Hindernis mehr entgegen. Alle Regierungsparteien wünschten ein Einoernehmen mit Polen. Was den Anschluß betreffe, so gäbe es kein« verant- wortliche Persönlichkeit in Deutschland, die ihn nicht aus dem gegebenen gesetzlichen Wege vollziehen wolle. Eines Tages würden gewiß alle europäischen Völker verstehen, daß ihre Einheit im Rahmen des Völkerbundes allein nur Wohlstand und Frieden zu sichern vermögen. Deutschland und Frankreich mühten hierzu das Beispiel geben, Der„Temps" kommentiert in seinem heutigen Leitartikel die l'rklärungen Breitscheids, polemisiert dabei wieder einmal gegen den Anspruch Deutschlands auf sofortige Rheinlandräumung in Verbin- dung mit der Annahme des Poung-Plane», spricht von einer Fäl> jchung der Situation", spricht und erklärt weiter zu den Aus» führlingeil Breistcheios, die Saarsrage sei ü b e r h a u pt n l ch t gestellt und könne nicht gestellt werden. Wenn Frank. reich nach 1870 die Befreiung seines Ter'.i.oriums erreicht habe> so lab« es auch vorher gewissenhast den Vertrag ausgeführt. Wenn der Foung.Plan schwere Losten für Deutschland vorsehe, so trag« auch Frankreich Icbwere Losten. Und wenn man heute von der Liquidation des Krieges sprechen könne, so sei dies nicht aus den outen Willen Deutschlands zurückzuführen, on dem es oft gefehlt iRbe, Indern allein(!) rnif den ver s öch nliche.i, He ist Frank- rwchrA---.wr- 7.... I„.y Ii>1»a? u •"'«.....■.......' Dem Redaktionsstab« des„Temps" gehören zugleich mutig! Lerständigungspolitiker und beschränkte Nationalisten rn. Der ständiae außenpolitische Leitartikfer ist ein rabiater belgischer Nationalist, Roland de Maräz, der tag» lich Mißtrauen gegen Deutschland nährt und die ZZerständi» gungspolitik Briands systematisch durchkreuzt. ErzSerger-Mörder in Zugoslawien. Verhastet vnd wieder befreit. Bor einigen Wochen soll noch einer Korrespandenzmeldung in Jugoslawien einer der beiden Erzberger-Mörder oerhastet, beim Abtransport ober van seinen Freunden wieder befreit worden sein. Merkwürdigerweise ist dieser Vorfall in der Oessentlichkeit bisher nicht bekannt geworden, vor allem in Jugoslawien selbst, und auch on den deutschen amtlichen Stellen hotte man von dieser Tatsache bisher nicht die geringste Nachricht. Im übrigen wird von den informierten Kreisen verschwiegen, ob es sich um Schulz oder um Tillessen handelte. Aus jeden Fall erlolgle die Festnahme des Verdächtigten durch jugoslawische Gendarmerie aus einem Gut aus ehe» mal? ungarischem, jetzt zu Jugojlaw'en gehörenden Gebiet. Der Verhastete sollt« dann nah einiger Zeit nach dem Gefängnis der nächsten größeren Stadt durch einen Gendarmen abtranspor» tiert werden. Während dieses Transportes gesellten sich, ohne daß der Beamte es ahnte, drei Freunde des Festgenom- m e n e n, ebenfalls Deutsche, gelegentlickz einer kurzen Rast in einem Dorswirtshous hinzu, und es gelang ihnen, bei einem Zech- gslage. an dem sich der Gendarm ausgiebig beteiligte, den Begleiter des Arrestanten so unter Alkohol zu setzen, daß dieser in einem unbewachten Augenblick entweichen konnte. Sowohl von dem Erzberger-Mörder wie von seinen drei Freunden fehlt seitdem jede Spur, und man nimmt an, daß olle vier unbemerkt über die nicht allzu ferne ungarische Grenze entkommen sind. Dielleicht war das Verhalten des Beamten der Anlaß, daß die jugoslawischen Behör- den diesen ganzen Vorfall nickst der Oessentlichkeit mitgeteilt haben. Oie Reichsreform. Zasammeniriit der llnterousUüsse der Läoderlonferenz. Die Unterausschüsse des Derfassungsausschusses der Länder. konferenz sind Freitag vormittag unter Vorsitz des Rcichsministers des Innern zusammengetreten. Im Mittelpunkt der Beratungen stehen die Fragenkreise„Organisation der Länder und Einiluh der Länder aus dos Reich" sowie„Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern". Die bayerische Opposition. Dem Unterausschuß der Länderkonserenz hat der bayerische Ministerpräsident Dr. Held ein Ergänzungsreserat unterbreitet, in dem er zur Frage des Ausgabenkreises der aus den preußischen Provinzen neu zu schassenden Länder Stellung nimmt. Dr. ckzeld versucht darin den Nachweis, daß nach der Reichsver- fasiung ein« Zuständigkeit des Reiche» zur allgemeinen Organisation der Länder überhaupt nicht bestehe und daß auch die Länderkonfe- renz ihren Entschlüssen keinerlei Austrag zur Prüfung der Frage des Paris. Z. Juli.(Eigenbericht.) Die französischen Linksparteien, denen von der Rechten am Freitag Demagogie vorgeworfen wunde, beweisen in Wahrheit nur, daß sie günstige politische Situationen zu nutzen verstehen. Die Rechtsparteien erwarteten von ihnen, daß sie sich für die bedingungslose Ratifikation einsetzten, damit Poinearä gerettet werden und man die Kariellisien später um so besser als Bolksoerräter brandmarken könne. Die Linke antwortete darauf, daß sie die Genehmigung der Ratifikation von der T>esalgunq einer klar bestimmten Verständigungspolitik durch die Regierung abhängig macht, durch die Europa allein gerettet werden kann und die die beste politische Reaktion Frankreichs gegen die amerikanischen Forderungen beweisen würde. P o i n e a r e, der in der Frage der dem Schukdenabkammen«inzlisügenden Bor- beholte die Linke»nd ein«� Frücht geringen Teil der eigenen?ln. hängerjchast gegen sichhat, sieht sich heute also zur Entscheidung sür«tzne klare und konsequente Politik gezwungen. Die gegenwärtige Verwirrung ist o l l e i n a u s ihn zurückzuführen. Der Ministerpräsident berief am Freitag morgen einen drin- genden Kabinettsrot zusammen, um über die durch das gestrige Votum der Finanzkommission geschossene Lage zu beraten. Innemnimster T a r d i e u soll später aus das Drängen der Journalisten geaniwortet haben:„Schon wieder eine Entscheidung? warum wollen Sie immer eine Enlscheldung?" Des kann«in Witz Tardieus oder erfunden sein, in jedem Fall bezeichnet es kroß die bisherige Haltung der Regierung. Bereits der Nachmittag wird jedoch den Ministerpräsidenten davon überzeugt haben, daß nun» mehr kein Ausweichen mehr möglich ist. Wahrend die gesamt« Pariser Presse aus die Möglichkeit ernster..Entscheiduitzzen", d. h. einer Demission des Kabinetts hinweist, verbreitet das Kabinett selbst in den Wandelgängen der Kammer Gerüchte, denen zufolge Bria n d und Lyucheu r die Absicht haben sollen, ihr« Portefeuilles zur Verfügung zu stellen, um eine Klärung der Loge herbeizuführen. Die Opposition läßt ihrerseits kein Mittel unoersucht, um diese Klärung zu erzwingen, lzierzu schien bereits die von der Kammer am späten Nachmittag vorzunehmende Festsetzung der Daten iür die Diskussion zweier Interpellationen Gelegenheit zu geben. Ein Kriegsbeschädigter bestand in einer Anfrage on den Innenminister gegenüber einem Dementi der Regierung daraus, daß der P o l i z c> p r ä s« k t bei den Frontkämpserinanisestationen am 23. Juni eine Ohrfeige erhalten habe. Der Abgeordnete Gay von der radikalen Linken forderte die sasortige Diskussion «iner von ihm eingebrachten Anfrage über die letzten mit Amerika geführten Verhandlungen zur Verlängerung des Verfall- Länderrechts gegeben habe. Zur Sache selbst erklärte Dr. Held, daß durch die vorgeschlagenen Aenderungen der Länderorganisalion in Preußen olles beim alten' bliebe, während in Mittel- und Sud- deutschland die alten Länder durch die Angleichung an die„Länder neuer Art" vollständig entkräftet würden. Außerdem ist er der Meinung, daß durch die Vorschläge der Aenderunz nichts anderes geschossen wurde als«>n zentralisierter preußischer Staat, der auch noch die süddeutschen Länder in sich ausnehmen soll. Das Rejerat schließt mit dem Hinweis, daß mit mindestens dem gleichen Recht, mit dem eine Einverleibung der nord- und süddeutschen Länder in Preußen verlangt wende, auch der Weg des Ausschlusses preußischer Gebiet« an auherpreußische Länder beschritten werden könnte, wofür er Hessen als Beispiel anführt. Kampf gegen Gireikbrecher. Schwere Stroßenschlacht in New Orleans. New Jork. S. Zuli. ?n Jtew Orleans oersuchten während des Strahenbahnerstreik» Arbeitswillige unter dem Schutz der Polizei vom Hauptdepot mlk drei Strahenbahnzügen abzufahren. Hundc.tc erregter Streiken. der drangen daraus aus die Arbeitswilligen ein. Die Polizisten gaben anfangs W a r n u n g s s ch ü s I e in die Lust ob. s e u e r t en jedoch, al» die Streikenden mit Pflaster. steinen und Knüppeln aus sie losgingen, scharfe Salven In die Menge. t e r m i n s der Handelsschulden. Es ist bezeichnend für die Er- regung, von der die Kammer ergrissen wurde, daß man damit rech- r/ete, die Regierung könne möglicherweise wegen der Ohrfeige des Polizeiprasekten fallen. Im Lause des Nachmitiags erlitt die Regierung in der aus- w ä r t i g« n Kam mcrkom Mission eine neue Niederlage. Die Kommilsinn schloß sich mit 13 gegen IZ Stimmen bei S Enthaltungen der am Donnerstag zum Ausdruck gebrachten Auffassung der Finonzkommission an, baß die Vorbehalte im Ermächti-■ gungsgesetz selbst enthalten sein könnten� Es ist kaum vorauszusehen, wie die Regierung aus der Sackgasse, in die sie geraten ist, noch hinouszugelangen vermag, da nun beide zuständig« Kom- misswnen der Kammer sich für ein Versahreli erklären, dos sie selbst mit Rücksicht aus die Vereinigten Slaoten unmöglich ein- schlagen kann. Aber im Gründe ist es gleichgültig, ob Poineärä die Klipps dieser Tage noch umsegelt oder nicht. Er muß, wie L ä» n Blum schon vor Tagen erklärte und wie auch das größte Pariser Mittagedlatt heute feststellt, fallen. Es sei denn, er besitzt die Einsicht und den Mut, Frankreich und sich selbst noch in letzter Stunde an die Spitze der heute von den Massen Europas getragenen Vcrständigungsbcwcgung zu stellen. Sozialistischer Friedeneanirag. 'Im Finanzausschuß erregte ein vom sozialdemokrati- schon Abgeordneten Vincent Auriol eingebrachter Antrrg großes Aussehen, da er die Regierung nicht nur aus die Räumung des Rheinlandcs. sondern auch aus eine A b-- rüstüngspolitik festlegen will. Er hat folgenden Wartlqut: „Da die intmrotionalen Abkommen über die Schulden und über die Ansprüche Frankreichs an seine Schuldner nur angcwyndt werden können, falls eine Politik der Verständigung und des ivlernationalen Friedens befolg» wird, beschliehl der Finanz- ausschuß, vor der Prüfung der Schuldenabkommen von der Re» gierung und der Kammer zu verlangen, daß diese beiden ihren Willen klar zum Ausdruck dringen, eine derorkige Polillk zu be- folgen. Diese Politik muß ausgebaut sein aus der Beendigung oller militärischen Besetzungen, aus der sofortigen Ratifizierung des Joung-Planes durch alle interessierien Mächte, aus der Anerkennung der Schiedsgcrichtsverträge. der pro- grelsiven Herabsetzung der militärischen Ausgaben in allen Ländern und auf der wirtschaftlichen R e u g e st a l- t u n g Europas." Der Antrag Bineent Auriols wurde aus die nächste Sitzung der Finonzkommission vertagt. Die Streikenden wurden zurückgetrieben und verloren zwei Tote und hunderte von Verletzten. Die über tausend Menschen zählende Menge begab sich daraus einige Straßen weiter, wo sie drei Straßenbahnzüge anhielt, die Arbeit-willigen und die sie schützenden Polizisten aus den Wagen, heraus- holte und sie entwaffnete. Zunächst waren die Streikenden der Polizei überlegen, bi» ver- stärkung für diese einlras. Die Polizei feuerte abermal« ver- sckpedene scharfe Salven in die Menge und trieb sie dann mit dem Gummiknüppel auseinander. Mehrere hundert Personen wurden verhastet. ver frühere Finanzminister Senator Klotz, der inzwischen durch seine Wecks e! sä l j ch u n g o n und ungedeckten Schecks noch berühmter geworden war als durch seine Unterschrisl umer den Bersailler Vertrag, wird noch vor Ende dieses Monats endlich vor der Pa,> risor Stra stammer erscheinen. Trotz der eifrigen Tätigkeit seiner Freunde läßt sich eine weitere Hinnusschiebung des Ver- fahren» nun nicht mehr einrichten. Klotz wird von dem Pariser Rechtsanwalt Torres rerteidiqt, der sich vor einiger Zeit gegen den Willen der Sozialistischen Partei in einem Poriser Porort als sozialistischer Kandidat ausstellen ließ und durchsiel. Lürgermeisterwabl in Dessau. In einer nickiössentlichen Ge- mcindesitzung i» Desjm� Wirde kürzlich der bi->heriqc Bürger- Meister ch e s s e mit 18 Stimmen der Demokraten und Sozialdemo- kroten wiedergewählt. Die Rcchse stimmte gegen die Wieder- wähl. Ein Stadtverordneter enthielt sich der Stimme. Hesse er- klärte sich bereit, die Wahl anzunehmen. PeEK& ClOPPENBURG BERWr�SEKTKAU�TEN�RASS��T Das grofee Haus für Kleidung - wo man moderne, vorzüglich passende Kleidung sehr preiswert kauft Herren»Anzüge 89965 mittelgrauer Cheviot....... n-rdhig Mk. 48.00 89985 hellgrauer buntgemusterter Cheviot i-rdhig Mk. 58.00 89907 modefarbiger gestreifter Cheviot.. ii-rdhig Mk. 68.00 90056 mittelbrauner gestreifter Cheviot.. n-rdhig Mk. 78.00 89913 mittelgrauer grobkarierter Cheviot. i-rdWg Mk. 78.00 89987 heller fischgrätgemusterter Cheviot. n-rdhig Mk. 84.00 89888 modefarb. grobkarierter, glatter, kämfhgarn- artig gemusterter Stoff........ n-rdhig Mk. 98.00 Sport-Anzüge m. kurzer od. langer Hose m. kurzer u. langer Hose Grauer Sportcheviot..... Mk. 48.00 Mk. 60.00 Zwimcheviot blaugrau gemustert.. Mk. 60.00 Mk. 74.00 Blazer Hellblauer weicher Stoff Mk. 29.00 und Mk. 36.00 (Brustweite 82 cm) Anzüge für junge Herren 19155 Blau mit braun gemust. Cheviot haitb. 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Juli verstarb infolge öerz» schlag unser Aollege, der Schlosser Otto Mienert geb. 9 August 1894. Die Einäscherung hat bereits statt- gefunden. Ehre ihrem Andenken! Die Orlsoettoolkuag. Deutsche Lederwarenfabr. Zentrale Alt-Moabit 130 Kottbusser Damm 75 Greifswaider Str. 2 AndreasatraBe 40 Schbg., Herbertstr. 4 Invalidenstraße 7 Charl., Bismarckstr. 78 Chau«seestr.90-92 Spand., Bahnhof ttr. 4 Ncocröffnct axuer Volkskaaf haus Rotenihaler Str. Jft Eigene Konditorei gratis f. unsere Kunden ö Uhr• Zentr. 2810* Räumen erlanhil firofte Tarleie-Sdiaa Sennabend und Senntag Je 3 Verstellungen 3» und 8 Uhr. 3» kleine Preise. | Theater, � � Lichtspiele usw. Sonnabend, 6.7. Slaats-Oper Unter d. Linden A.-V. 170 20 Uhr Aodr� Chenier Staats-Oper Am Plui.Republ. A--V. 28 20 Uhr Neues vom Tage Sonnabend, 6. 7. Städt. Oper Bismarckstr. Geichiossen Staafl. Sdiaospti. am Gendarmenmarkt Oesdiloneiit Staat!. Sehiller-Ttieater.Ciiarltb. Geschlossen. • Uhr Barb. 8256 van Horn& Jnez, Barbetfe usw. Semdeiid n. 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Man wird in der Beurteilung des Zeugen Vorficht walten lassen: erst nach Abschluh seiner Vernehmung wird zu sagen sein, was es bei diesem früheren russischen Oberst mit dem deutschen Namen auf sich hat, ob ihm zu glauben ist»der nicht. Der Eindruck, den er heute gemacht hat, war eher für ihn als gegen ihn. Auf die leicht« Achsel zu nehmen ist er bestimmt nicht. Seinen Feinden bietet er mutig die Stirn: für jede seiner Behauptungen besitzt er schriftlich« Belege. Er ist gut gerüstet, er weiß, was semer im Gericht-faal harrt. Seit einer Woche haben Angeklagt«, Zeugen und Verteidiger alles aufgebaten, die öffentlich« Meinung g«g«n ihn emzunehmen. Als er sich gegen gewisse„Verleumdungen" in d«r Presse wehren will, wird ihm das Wort abgeschnitten: als er gegen die Beleidigungen eines der Anwälte, die gegen chn im Korridor ge- fallen waren, um Schutz bittet, weist man ihn auf den Gerichtsweg Und als schließlich die Verteidiger ihn durch provozierende Fragen in Erregung bringen und er stürmisch auszupacken beginnt, ist die Uhr IS, und die Verhandlung wird abgebrochen. Der Zeug« hatte erst den kleinsten Teil von dem erzählt, was er zu sagen hat. ' Seine Versuche, im Zusammenhang zu sprechen, wurden immer wieder durch die Eingriffe der Verteidigung gestört. Man erlebt« wieder einmal eine seltsam« Verhandlung. War die Prozeßleitung am ersten Tage gewissermaßen an die D o l- inetscher übergegangen, so jetzt an die Verteidiger. Die Strafprozeßordnung bestimmt, daß der Zeuge seine Ausso ze im Zusommett hange mach« und die Fragen der Parteien erst nachher einsetzen. Der Verteidiger Dr. Jafse, der erst in der Morgenzeitung die Anregung gegeben hatte, den Zeugen Sievert im Kreuzverhör zu vernehmen, scheint von dieser Art des Proze- dierens ganz besondere Vorstellungen zu hoben. Er, der am Tage vorher sich mit Recht wegen de« prozeßwidrigen Verhallens der Staatsanwalt beschwert hatte, sollte eigentlich wissen, daß man den Zeugen nicht unterbrechen darf. Und sollt« er das vergessen hoben, so wäre es diesmal Pflicht des Borsitzenden gewesen, ihn an die Prozeßordnung zu erinnern. Dem Zuhörer wurde es ober schließlich von dem Durcheinander in der Vernehmung des Zeugen ganz wirr im Kopfe. Eine straffer« Verhondlungsführung schiene hei diesem schwierigen Prozeßstosf gai� besonders am Platz«. chorald Sievert, 4l Jahre alt. ein gutgepflegter Herr mit kleinem Schnurrbart und intelligenten Gesichtszügen, spricht ein korrektes Deutsch im baltischen Dialekt. Er breitet auf den Zeugentisch sein Akt e�i Material aus und beginnt mit einer Stimm«, die leichte Erregung verrät, die Darstellung feiner Bekanntschaft mit Pawlonowski. Der Angeklagte war bei ihm seit 1924 an- Bestellt: anfangs gegen Gehalt: als er weniger gründlich wurde, vegen Bezahlung von Fall zu Fall. »Ich habe ihm das Leben gerettet!� Der Vorsitzende will wissen, ob der Zeuge Beweif« dafür Hobe, daß die Trilisser-Bries« tatsächlich gefälscht seien.„Die be> fitze ich." sagt der Zeuge. Powlonowski hat mir selbst gestanden, daß Orlow die Brief« gefälscht Hot. Vorsitzender: Sie sollen ihn ober dabei mit dem Revolver bedroht haben.„Rein," sogt der Zeuge.„Da ober Powlonowski plötzlich s e i n wahres Gesicht, dos eines T f ch e k i st e n, gezeigt hotte, der zu allem fähig ist, habe ich den Revolver aus den Tisch gelegt. Es kränkt« mich, daß ich fo viel Geld hergegeben hotte. Ich mußt« wissen, ob die Briefe echt um Sievert. oder gefälscht ssnd. Ich versprach, gegen ihn nicht vorzugehen, nur gegen Orlow." Der Zeuge gerät in Erregung:„Er war mir ver- pflickiet. Ich habe ihm sein Leben gerettet, sonst wäre ihm das gleiche passiert wie den zwei anderen Agenten der GPU.« die ihr den Rücken gekehrt haben, einen Zaroslawsfl. der in einem Restaurant vergiftet und Drufchelowski. der in Ruhland erschossen wurde. Paw- lonowski war von einer geradezu physischen A n g st gepackt und in Schweiß gebadet, sobald er nur eines Sowjetangestellten ansichtig wurde, den er von früher her zu kennen glaubt«:« sagt« immer, man würde chn in die Botschaft schleppen und dort erschießen. Korvettenkapitän pawlow Sowjetspitzel. Der Zeug« kommt erneut auf Krofchko zu sprechen. Jetzt weiß er, wer es ist.„Hier habe ich die Belege," sagt er.„Der Korvetten- kapitän Pawlow, der vor Gericht gegen mich ausgesagt hat, war sein Gehilfe." R.-A. Iaffö unterbricht den Zeugen:„Das machen Sie ja immer so. Sobald jemand gegen Sie vorgeht, so denunzieren Sie ihn. Sievert: Hier ein Originolschreiben Pawlonowskis, in dem tovarz auf weiß zu lesen steht, daß der K o r v« tt e n k a p i t än Pawlow einer der wichtigsten Mitarbeiter der G P U. in bezug auf Informationen über monarchistische Organisa tio- nen ist. Powlonowski erklärt, daß er Pawlow nie gesehen und einen ganz anderen Pawlow gemeint habe. Der Zeuge: Dosselbe weiß ich aber über Pawlow von Drufchelowski und Orlow. Hier ist«in Brief von Orlow. Der Zeuge wird erneut von RA. Iafsi bedrängt: er steht da mit dem Brief in der Hand und fährt in größter Erregung fort:„pawlow war der Begründer der Brüderschaft de« Weißen Kreuzes, einer Desiaformotionsableilung der Tscheka. Dieser Brüderschaft gehört« auch Krofchko an: sie hat meinem Bureau ein Ende gemacht." Sievert und das Reichskommissariat. Der Dorsitzende versucht, den Zeugen zum Deweisthema zurück- zuführen. Er soll über den Austrag erzählen, den er in Verbindung mit dem beim Spion L o u r s« n gestmdenen Dokument vom Reichs- tommissariot erhalten Hot. Der Zeuge ist eben dabei, zu schildern, wie Pawlonowfti von ihm für die restlose Aufklärung 6000 M. gefordert und 500 M. auf Vorschuß erhalten Hot, als er erneut vom Rechtsanwalt Joste unterbrochen wird. Der Verteidiger will den Namen des Manne» wissen, der ihm den Auftrag erteilt hat. Der Zeuge ist der Ansicht, daß es belanglos sei. Der Oberftaats- anwast erhebt sich unb Sußert den gleichen Standpunkt. R.-A. Jaffö verwahrt sich dagegen, daß der Oberftoatsonmolt seine Fragen kontrolliere: er sei hier da, um völlige Klarheit in die Angelegen- heit zu bringen. Er«alle wissen, aus welchem Grunde eine deussch« Reichsbehörde unier Umgehung der poUkiichea Polizei sich an einen Menschen wendet, der in Deutschland ein Fremder ist und den Zwischenträger spielt. Sievert protestiert, mit der Fault auf den Tisch schlagend, gegen den beleidigenden Ausdruck„Zwifchenträger". Er bittet um Schutz gehen den Verteidiger. Der Vorsitzende ersucht N.-A. Joste der- ortige Ausdrücke zu unterlassen. Dieser besteht auf seiner Frage. Dos Gericht lehnt sie wegen Unerheblichkeit ab. Der Ober- staatsoiuvalt, der schon früher einmal versucht Halle, sich für ein« zlstammenhängeiide Darstellung durch den Zeugen enxzusetzen, bittet, die Sitzung wegen des Zwischenfalles zu vertagen. Do» Gericht oertagt die Verhandlung auf Sonnabend. Das Verbrechen an der Dreizehnjährigen. Zur Aufklärung de» schweren Sittlichkeitsverbrechen» in der Jungfernheid« an der lSjährigen Schülerin hat die Berliner Kriminalpolizei umsoffende Maßnahmen zur Unschädlich- machung des Unholds getroffen. Leider war es bisher noch nicht möglich, die Personalien des jugendlichen Begleiters des Mädchen« zu erfahren, der vielleicht ein« genaue Beschreibung des Täters, von dem man bisher nur weiß, daß er eine försterähnliche Uniform ge- trogen hat, zu bekommen. Die Überfallene Schülerin befindet sich außer Gefahr. Oer Tod unter Tage. Gestern drei Katastrophen. Kattowitz,8. Juli. Gestern in später Nacht ereignete sich auf dem Hilde- braud-Tchacht in Antonienhätte ei« schwerer Unfall durch Zubruchgehen einer Strecke, wobei vier vor. Ort arbeitende Leute verschüttet wurde«. Ob die Bergleute«och am Leben sind, konnte bisher nicht festgestellt werden? doch sind sofort Bergungs- arbeiten eingeleitet worden, um zu den Verschütteten vorzudringen. Hamm, 5. Juli.(Eigenbericht.) Auf der Zeche Westfalen ereignete sich am Freitag um die Mittagszeit infolge ein«» Grubenbrandes im„Alten Mann" eine Schlagwetterexplosion. E» wurden zwe.i Arbeiter getötet, die mit Abdämmungsarbeiten beschüstigl waren. Die Mittagsschicht de» Rachbarrevier» tonnte nicht eingefahren werden. Der übrige Betrieb läuft weiter. Mit der Abdämmung des brennenden Revier» wurde sofort begonnen. Eine Untersuchnug de» Unglück, ist von der Oberbergbehörde eingeleitet worden. Gladbeck, S. Juli.(Eigenbericht.) Auf Zech« Matthias Stinnes III/IV wurden infolge Defektes einer Schüttelrutsche fünf Bergleute oerschüttet. Erst nach mehreren Stunden gelang«s, drei der Verunglückten mit schweren, zwei mit leichten Verletzungen zu bergen. D!« Ursache de» Defekte« ist noch nicht festgestellt. Oer Kall Baum. Noch dem Freispruch im Wiederaufnahmeverfahren. Leipzig. 5. Znli. Da» Wiederaufnahmeversahren im Mnhschener Giftmord- prozeß endete, wle gemeldet, mit der Freisprechung de« wegen Anstifwng zum Morde verurteilten Hosarbeiter» An- gast Baum. Der Frestpruch erfolgt« aus Mangel an Beweise«. Da» Schwurgericht hatte sich von der Unschuld des Angeklagten Baum nicht überzeugen können. Zunächst wurde einer der Haupt- belafwngszeugen im ersten Dersahren,«in landwirtschaftlicher Ar- beiter, als unzurechnungsfähig erkannt. Der Angeklagte Baum selbst ist ein aller Mann und Analphabet. Ein weiterer Zeuge, Insasse des Zuchthauses in Waldheim, erklärte, er beschwör« seine Aussagen nicht. � In der Begründung des Urteils wurde erklärt, daß namentlich auf die Aussagen der Zuchthausinsassen von Waldheim kein Wert gelegt worden sei, weit dies« Aussagen durch verbotenen Verkehr der Gefangenen unter sich und durch Beeinflussung nach außen zustande gekommen seien. Andererseits hätten wertvolle Zeugen nach so langer Zeit sich nicht mehr mit der nötigen Sicherheit an die Tatumstände erinnern koitncni 20 Jahre Wohlfahrtsstelle im Präfidium. Vor 20 Jahren, am I. Juli 1909, wurde die W o h l f a h r t s- stell« im Berliner Polizeipräsidium begründet, die seit 1920 zum Landesjugendamt der Stadt Berlin aehört. Au» diesem Anlaß wurden von den verschiedenen Dienst- stellen des Berliner Polizeipräsidiums, die in enger Fühlung und Zusammenarbeit mit der Wohlsohrtsstelle stehen, der seit der Gründung an der Spitze der Wohlsahrtsstell« stehenden Margarete Dittmer die herzlichsten Glückwünsche ausgesprochen. Unter den Gratulanten befanden sich Staatssekretär Dr. A b e g g, der Polizei- Präsident Zörgiebel, der Polizeivizepräsident Dr. Weiß, Re- gierungsdirektor Scholz, vom Frauenhilssverein im Polizeipräsidium Frau Zörgiebel und Frau Polizeirot Henning sowie die Kriminalräte Schlosser und Lindemann. dack Xondon: (Berediügie üebersetzung von Erwin Magnut). Eine halbe Stunde später jagte er nach Berkeley. Und zum erstenmal hielt das große rote Automobil gerade vor dem Hause. Ded« wollte ihn ins Wohnzimmer führen, aber er schüttelte den Kopf und machte eine Bewegung nach ihrem eigenen Zimmer. � �„ „Drinnen." sagte er.„Anderswo will ich nicht. Als die Tür geschlossen war. streckte er die Arme nach ihr aus und zog sie an sich. Dann legte er ihr beide Hände auf die Schultern und sah ihr ins Gesicht. „Dede. wenn ich Ihnen sage, mit reinen Worten sag«. daß ich auf der Ranch von Glen Ellen leben und nicht einen Cent mitnehmen will, daß ich mir jeden Bissen erarbeiten und nie mehr«ine Karte anrühren will von dem geschaft- lichen Spiel, wollen Sie mich dann nehmen?' Sie stieß einen kleinen Freudenschrei aus, und er schloß sie noch fester in seine Arme. Doch im nächsten Augenblick hatte sie sich frei gemacht und hielt ihn in der alten Stellung mit ausgestrecktem Arm von sich ab. „Ich— ich verstehe nicht." sagte sie atemlos. „Und Sie haben mir noch keine Antwort gegeben— ober ich glaube im übrigen, daß das gar nicht nötig ist. Wir heiraten sofort und brechen auf. Ich habe Bob und Wolf schon hingeschickt. Wann sind Sie fertig?" Ded« mußte lächeln: Daylight lächelte auch.„Sehen Sie, Dede, wir müssen offen miteinander reden— die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Jetzt be- antworten Sie mir einige Fragen, und dann will ich Ihnen antworten." Er wartete einen Augenblick, ehe er fortfuhr: „Also, vor allem«ine Frage: Lieben Sie mich genug, um stch mit mir zu verheiraten?" „Aber--" begann sie. „Kein aber," unterbrach er sie scharf.„Jetzt heißt es: Karten auf den Tisch. Wenn ich heiraten sage, fo meine ich, was ich gesagt habe, daß wir von hier fortgehen und auf der Ranch leben wollen. Lieben Sie mich genug, um sich Mit mir zu verheiraten?'. Sie sah ihn einen Augenblick an Dann schlug sie die Augen nieder, und jede Linie ihres Körpers schien ihr« Zu- stimmung zu verraten. „Dann kommen Sie. Unwillkürlich strafften sich seine Beinmuskeln, als wollte er sie gleich zur Tür sichren.„Mein Auto wartet draußen. Sie brauchen sich nur noch den Hut aufzusetzen." Er beugte sich über sie.„Ich darf doch?" sagt« er und küßte sie. Es war ein langer Kuß, und sie sprach zuerst. „Wie ist das möglich? Wie können Sie Ihr Geschäft im Stich lassen? Ist etwas geschehen?" „Rein, noch ist nichts geschehen, ober es kommt ver- flucht schnell. Ich habe mir deine Predigt zu Herzen ge- nommen, und ich oerspreche, daß ich dir dienen werde. Alles übrige kann meinetwegen zum Teufel gehen. Du hast ganz recht. Ich bin ein Sklave meines Geldes gewesen, und da ich nicht zwei Herren dienen kann, lasse ich das Geld schwimmen. Ich will lieber dich haben als alles Geld auf der Welt, das ist alles." Wieder schloß er sie in seine Arm«.„Und jetzt habe ich dich, Dede. Ich habe dich. Und ich will dir noch etwas sagen. Ich habe mein letztes Glas getrunken. Du heiratest einen Säufer, aber wenn ich dein Mann bin, wird die Geschichte anders. Er wird ein an- derer Mensch, und das so schnell, daß du ihn gar nicht wieder- kennst. Wenn wir ein paar Monate in Glen Ellen sind, wachst du eines Morgens auf und entdeckst, daß du einen ganz fremden Mann bei dir hast. Du wirst sagen:„Ich bin Frau Harnifh, und wer sind Sie?", und ich werde sagen: „Ich bin Elam Harnrshs jüngerer Bruder. Ich bin eben aus Alaska zur Beerdigung gekommen."„Was für«ine Be- erdigung?" wirft du dann fragen. Und ich werde sagen: „Run die Beerdigung von dem Taugenichts, dem Spieler und Säufer Burning Daylight— dem Mann, der an Herz- Verfettung starb, weil er die Nächte hindurch das Geschäfts- spiel spielte. Ja, gnädige Frau." werde ich sagen,„er ist um die Ecke gegangen, das ist sicher, aber jetzt bin ich gekommen, um seinen Platz«inzunehmen und Sie glücklich zu machen. Und jetzt, gnädige Frau, werde ich mit Ihrer Erlaubnis auf die Weide gehen und die Kuh melken, während Sie das Frühstück bereiten." Wieder ergriff er ihre Hand und tat. als ob er sie zur Tür ziehen wollte. Als sie Widerstand leistete, beugte«r sich zu ihr herab, nahm ihren Kopf in jein« Hände und küßte sie wieder und wieder. „Ich sehne mich nach dir, mein Herz," murmelte er. „Setz dich und sei vernünftig." bat sie mit brennenden Wangen, während das goldene Licht goldener flammte, als er es je gesehen. Aber Daylight wollte seinen Willen durchsetzen, und als er sich jetzt hinsetzte, tat er es neben ihr und legte den Arm um sie. „Du hast noch nicht auf meine Fragen geantwortet," sagte sie vorwurfsvoll, während sie sich mit roten Wangen und strahlenden Augen aus der Umarmung löste. „Also, was willst du denn wissen?" fragte er. „Ich will wissen, wie das alles möglich ist? Wie du zu einem solchen Zeitpunkt dein Geschäft im Stich lassen kannst. Was du damit meintest, daß bald etwas geschehen würde. Ich—" Sie hielt inne und errötete.„Ich habe ja auch deine Fragen beantwortet." „Komm und laß uns heiraten," sagte er, und der neckisch« Klang seiner Stimme wurde durch den Glanz seiner Augen verdoppelt.„Du weißt, daß ich meinem starken jungen Bruder weichen muß und nicht mehr lange zu leben habe." Sie verzog das Gesicht ungeduldig, und er wurde plötzlich ernst.„Siehst du, die Sache ist so, Dede. Ich habe wie vierzig Pferde gearbeitet, seit die verfluchte Panik anfing, und unterdessen lagen die Ideen, die du mir gegeben hattest. zum Keimen bereit in mir. Run, und heute morgen keimten sie wirtlich, das ist alles. Ich stand auf mit der Absicht, wie gewöhnlich ins Kontor zu gehen. Die Sonne schien durchs Fenster herein, und ich wußte, daß es ein herrlicher Tag in den Bergen würde. Und ich wußte, daß ich gern mit dir in die Berge reiten wollt«— dreißigmillionenmal lieber als ins Kontor gehen. Aber dabei wußte ich, daß es unmöglich war. Und warum? Des Geschäftes wegen. Dos Geschäft erlaubte es nicht. Mein ganzes Geld stellte sich auf die Hinterbein«. versperrte mir den Weg und wollte mich nicht durchlassen. Eine Art und Weise hat dies verfluchte Geld, sich einem in den Weg zu stellen. Du weißt es selbst. Und da sagte ich mir, daß ich jetzt an einem Kreuzweg angekommen wäre. Der eine Weg führte ins Kontor. Der andere nach Berkeley. Und ich wählte den Weg nach Berkeley Ich setze meine Füße nicht mehr ins Kontor. Das ist vorbei! Fertig! Und ich lasse alles zum Teufel gehen." Sie sah erschrocken zu ihm auf. „Du meinst--" begann sie. J (Fortsetzung folgt.) j. € Nordend-�oseneck- 51. Rückfahrt: U«Bahn Dahlem(Thielploh) bis V-Vahn Nordring, dann Sl bis Nordend. Ein« Fahrt ohne Umsteigen von bedeutender Länge und mit hervorragend günstig gelegenen Endpunkten vermittelt die Straßen- bahnlim« 51: Nordend— Roseneck. Hunde kehl« und Roseneck sind die beiden Slusfalltorc für den südlichen Teil des Grunewalds, der durch di« Seenkette Grunewaldsec mit Paulsborn, Krumme Lank« mit Onkel Toms Hütte und Schlachtensee besonder« Anziehungskraft ausübt. Ist man nun tagsüber gewandert, so kommt der stet» gefürchtete Augenblick des Hineinguetschens in bereits übervoll« Wagen: Eisenbahn oder Straßenbahn oder Omnibus — die Heimfahrtqual ist meist die gleiche. Für unsere diesmalig« 20-Pf.>Wochen«ndtour hat man aber eine bequeme Heim» fahrt, wenn man sich, Zehlendors oder gar Wannse« entweder ganz vermeidend oder früh oerlassend, nach der in Dahlem be- ginnenden Untergrundbahn begibt. Thielplay ist die Endstation— man wird di« Chancen eines nicht zu anstrengenden Antrittes für die Rückfahrt für stch haben. Und dann saust man durch dieses Riesen-Verlin bis zur Station Nordring, von wo Straßenbahnen 48, 49, 51. und Omnibus 9 die weitere Rückbesörde- rung nach dem Norden übernehmen. Die letzte U.-Bahn verläßt Thielplatz um 0,47: auch sür die, denen die bisher noch recht kühl« Abendluft sympathisch ist, gibt dasselbe ZD-Pf.-Billet noch Anrecht auf einen Anschlußwagen der Straßenbahn od»r einen Anschluß' omnibus. Das um Nordend gruppierte Gebiet von Pankow und Niederfchönhausen, ausgezeichnet durch natürlich« Schön- heiten und Kunstschöpfungen, ist eine den Berlinern wohlvertraute Begend, aber auch darüber hinaus locken Orte wie Nofenthal, Blankenfelde und Buchholz den Wanderlustigen. Durch die am 24. Juni«röfsnet« Ommbuslini« nach Sch ild o w über Blankenfelde hat dieser Teil de» Nordens einen neuen Neiz für den Ausflügler bekommen. Straßenbahn 51 stößt auf den ab Pankow fahrenden Omnibus, der allerdings einen Extrapreis von 30 Pf. fordert. Wegen der Karten sieh« im ZO-Pf.-Fiihrer der BVG-Karten 3 und 4(Grunewald). Oer Mord in Weißensee. Zwei Mitwisser verhastet. In der weihenseer Raubmordassäre sind im Dause de» gestrigen Tages noch zwei Männer festgenommen worden, die von dem Täter der Mikwisserfchafl bezichktgk werden. E» sind dies der ZZjährige Erich Scheffel und der gieichollrige Karl Mallersen. Die Burschen hatten zusammen mit Przybylsti di« Oertlich- k« i t« n genau ausgekundschaftet. In der Mordnacht wollt« P. zusammen mit Scheffel den geplanten Raub ausführen. Scheffel hatte aber keinen„Mut", und so fuhr P., der in seinen Kreisen den Spitznamen„I o n n y" hatte, allein mit der Straßen- bahn noch Weihense« hinaus. Gegen 1 Uhr macht« er sich auf den Weg nach der Schönstraße. In einem günstigen Augenblick schob er die nicht ganz Heruntergelasten« Jalousie hoch und drang In den unverschlossenen Laden ein. Ein unglücklicher Zufall wollte es, daß die Händlerin, die sonst skei, oben zu schlafen pflegte, gerade in dieser Noch« zum ersten Male ihr Lager in der hinlerstub« ausgeschlagen Halle. Der Grund dazu war in alten Fa Milien st reitigkeiten mit den im selben Haus« wohnenden nächsten Verwandten zu suchen. Di« Schlafende erwachte plötzlich durch ein Geräusch und wollt« auf- springen. Der Täter, der von der Straß« her Stimmen zu hören glaubte, wagte aus diesem(Brimde nicht, durch den Laden zurück- zufiüchten,' drang mit dem Pflasterstein aus die Ueberrascht««in und streckte sie durch mehrere wuchtig« Schlösse nieder. Der 22jährige Marian P r z y b y I s k i ist übrigens wegen Diebstahls mehrfach vorbestraft. Di« drei Fest- genommenen werden heut« dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Die Stadtbibliothet am Bülowplatz. Di« Stadtverordnetenversammlung hatte in der Sitzung vom ZI. Januar 1929 die Notwendigkeit der Errichtung eines Gebäudes für die S t a d t b ib li o t h« k sowie eines neuen städtischen Verwaltungsgebäudes aus dem städtischen Ge- länd« am Bülowplatz anerkannt. Der Magistrat hat daraufhin durch die Hochbaudeputation einen Kostenanschlag nebst Erläute- rungsbericht ausarbeiten lasten. Der Anschlag schließt mit einer Ge- samtsumm« von 4 035 000 M. für die Stadtbibliothet und 2 710000 Mark sür das Verwaltungsgebäude, zusammen also mit 6 745 000 M. ab. In dieser Summ« sind di« Bauzinsen unter Zugrundelegung einer Bauzeit von einem Jahr enthalten. Der Grund und Boden ist bereit» Eigentum der Kämmereiverwaltung. Von den Kosten sind im Haushaltsplan des laufenden Jahres bei der außerordentlichen Verwaisung für die beiden Gebäude je 1 000 000 M. eingestellt. lieber die Bauvorlag« des Magistrats wird die Stadt- oerordnetenversammlung nach den Sommerserien entscheiden. Der Bau des Bibliotheksgebäudes soll in erster Linie in An- griff genommen werden. Der Vertrag über das Marstallgebäude, in dem die Stadtbibliothek jetzt untergebracht ist, läuft am 31. März 1930 ab. Da bis zu diesem Termin eine Fertigstellung des Ge- bäudes unmöglich ist, ist mit dem preußischen Staatsfisku» bezüglich der Bibliotheksräum« über eine Verlängerung de» Vertrage» bis zum 31. Mörz 1931 verhandelt worden. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, doch läßt sich mit Sicherheit annehmen, daß hierüber eine Einigung Zustandekommen wird. Dagegen würden sich voraussichtlich Schwierigkeiten ergeben, wenn infolg« einer Ber- zogerung de« Baues die Verlegung der Bibliothek au» den Marstall- räumen bi» zum 31. März 1931 nicht erfolgen köimte, da der Staat die Räum« von diesem Zeitpunkte an sür sein« eigenen Zwecke be- nötigt. Berücksichtigt man außerdem, daß der Umzug der Bibliothek in das neue Gebäude länger« Zeit in Anspruch nehmen wird, so kann die rechtzeitige Räumung des Marstalls nur erfolgen, wenn noch im Spätsommer dieses Jahres mit dem Neu- bau begonnen wird. �_ Der Geldrstub im Reifebureau. Der raffiniert ausgeklügelte Geldraüb im Mitteleulo- päischen Reisebureau konnte noch nicht weiter geklärt werden. Im Zusammenhang damit scheißt allerdings«in Vorfall zu stehen, der in einer Filiale derselben Gesellschaft in der Friedrich- straße vor einigen Tagen Aufsehen erregte. Dort erschienen zwei Männer von osteuropäischem Typus, die«ine Fahrkarte nach Paris haben wollten. Di« Kassiererin hatte jedoch vorsichtiger- weis« ihren Schalter zugezogen und abgeschlossen als sie sich für einen Augenblick in die Hinteren Räume begeben mußte. Als sie zurück- kehrt«, sah st«, wie einer der beiden Männer versuchte, durch da» Gitter zu langen und sich de» Geldes zu bemächtigen. Sie schlug sofort Lärm und di« beiden Individuen suchten ihr Heil in der Flucht. Im Gewühl der Straß« konnten sie unerkannt ent- kommen. Man vermutet, daß di« Täter mit den Geldräubern, die im„Mer" Unter den Linden mit größerem Glück arbeiteten, i d e n- tisch sind. Da von den mutmaßlichen Tätern«in« ziemlich genaue Beschreibung gegeben werdtn konnte, ist anzunehmen, daß die Polizei ihrer bald habhaft wird._ Wohnfledlung Friedrich(Schert. Eine feierliche Grundsteinlegung. Bei Sonnenschein und in festlich schwarzrotgoldenem Farben- glänz fand dl« Grundsteinlegung derWohnsiedlungFriedrich Eberl statt. Der Bau- und Sparverein„Eintracht" zu Berlin ernchiet auf einem mehr als 100 000 qm großen Gelände eine Wohn- s i e d l u n g mit 1440 Wohnungen. Das Wohngeländ« erstreckt sich von der Müller st roß« die Swatopmunder Straß« ent- lang bis zum Volkspark Rehberg« und wird von der A f r i- konischen und Togostraße durchschnitten. Die Siedlung wird nach einem Bebauungsplan der Architekten Prof. M e b« s und Emmerich und de» Baurot» Bruno Taut im Zellenbau errichtet. Die Zugänge zu den Wohnungen liegen fast völlig an stillen Wohnwegen. Der Abständ der einzelnen Gebäude- gruppen beträgt mindestens 25 Meter und ist mit Grün- flächen und Kinderspielplätzen ausgefüllt. Die ganze Sied- lung fügt sich harmonisch der großen Grünflächenparkanlage der Rehberge ein. In Angriff genommen ist der Bau von 800 Wohltun- gen, während die restlichen 560 Wohnungen tm nächsten Jahre erbaut«erden sollen. Di« Wohnungen erhalten Zentralheizung, Warm- Wasserversorgung und zentrale Waschküchen mit modernen Wasch- Maschinen. Durch Gewährung von Hauszins st euerhypo- t h e k« n und Zusotzhypotheken seitens der Stadt Berlin zu billigem Zinsfuß wird angestrebt, hier ein« weitere Senkung der Meten zu ennöglichen. Die erst« Hypothek gibt di« R e i ch» v« r- sichern n gson st alt sür Angestellte. Lorstand und Aus- sichtsrat des Bau- und Sparvereins„Eintracht" haben beschlossen, diesen neu zu erbauenden Stadtteil„W o h n s i e d l u n g Fried- r i ch E b e r t" zu nennen. Ein Gedenk st ein zum Gedächtnis de» verstorbenen ersten Reichspräsidenten Genossen Eberl wird ain Eingang der Siedlung errichtet werden. Bei der gestrigen Grund- steinlegung gab der Vorsitzende, Genosse Bauer, zum Ausdruck, daß durch diese Ehrung de» Verstorbenen ein Neiner Teil des Dankes zum Slusdruck gebracht werden soll, den da» deutsche Volk dem Mann« schuldet, der in Deutschlands schwerster Zeit in kluger und besonnener Weis«, in treuester und selbstlosester Pflichterfüllung da» Deutsche Reich vor Zerfall und Untergang rettet«. Genossin Luise E b e r t gab der feierlichen Niederlegung der Urkunde einen Rosenstrauß mit dem Wunsche bei, daß die neu« Siedlung dem Wohle des Volke» dienen möge. Treugelöbnis am Gonnenwendseuer. Llnsere Arbeiterjugend feiert. Di« westlichen Bezirke der Arbeiterjugead der Provinz Brandenburg hatten zu einer Sonnenwendseier nach F a l k e n s e« ausgerufen. Zu Hunderten kamen sie, die Jungen und Mädel in ihren blauen Kitteln mit ihren roten Fahnen. Ein statt- licher Fackelzug formiert« sich in den späten Abendstunden, und mit Kampfesweisen ging es durch Falkensee nach dem Festplatz am Fattenhagener See. Die Natur lag in Schweigen, al» aus jungen Kehlen das Lied„Dem Morgenrot entgegen" erscholl. Einig« Lieder zur Laut«, und dann zog alle das Sprechchorwerk „Grenzentose Erde" von Max B a r t h e l in Bonn. Schon loderten die Flammen, al» der Redner des Ab eich», Ge- nost« Lücke- Berlin, zündende Worte in die Stille der.Nacht hinaus- rief. Cr feierte den Sonuenwendtag als den Tag der inneren Ein- kehr und Besinnung aus unser Menschsein. Der natürlich« Freiheit»- wille der arbeitenden Menschheit fordere auf zum Kamps um neue Lebensrechte. Neu« Menschen brauchen wir zum Ausbau einer neuen Welt, in der die Grundgedanken des Sozialismus— Freiheit, Gleichheit. Brüderlichkeit— ein wichtiges Fundament bilden. Sonnemvend« kann somit nicht allein ein symbolisches Fest einer Nation sein, denn überall aus dem Erdenrund schmachten noch die Menschen in Fabriken, Schächten und elenden Hütten. Der Jnter- nationale des Kapitalismus muß ein« Internationale de» Soßlalksenus entgegentreten. Die Jugend ist am Wert«, diese« sozialistischen Internationale den lebendigen Inhalt zu geben. Im roten Wien werden in einigen Tagen 35 000 Jungen und Mädel aller Länder, darunter 12 000 Deutsche, für die Friedensbereitschast der Jugend und für den Sozialismus demonsttieren. Alle, die nicht nach Wien fahren können, legten schon hier am Sonnenwendfeuco das Gelöbnis zur Bölkerverständigung ab. �Alle wollen sie Bau, meister zum Aufbau einer neuen Welt lein. So ist für uns Sonnen� «ende zugleich Symbol einer kommenden Menschheits- und Welten, wende. Die lodernden Flammen lösten Begeisterung für den Sozialismus aus, alle gelobten, daß die Flamme des Sozialismus In Mllionen von Herzen hell werde. Bei Spiel und Tanz um das Sonnenwendfeuer verlebten jung und alt noch frohe Stunden, bis das Morgenrvat den neuei, Tag grüßte._ Kesselexplosion im Gaswerk. Gin Arbeiter tot, ein Schwerverletzter. Wiesbaden. 5. Zull. In dem Gaswerk Biebrich explodierte in der Nacht auf Freitag aus unbekannten Gründen ein Dampfkessel. Bei der Explofioa wurde«in Arbeiter tödlich verletzt,«in zweiler erlitt schwere Verwundungen, außerdem entstand großer Sachschaden. Der Schornstein de» Werke, wurde teilweise um» gelegt und das Dach des Kesselhause» zum größten Teil zerstört. Erweileruag des..Vewag"-Hause«. Die Berliner Städtische Elektrizitätswerke haben da, Grundstück Schiffbouerdamm 23 mit einer Flächengräße von 1404 Quadratmeter als Bureauhaus zur Erweiterung des Bureau» gebäudes Schiffbauerdamm 22 für 1 050 000 M. gekaust. Die Auflassung und Eintragung des Eigentums in das Grundbuch ist inzwischen erfolgt. vllllaer Soanlag tm Z««. Der nächst« Sonntag, am 7. Juli, ist im Soologilchtn Garten billiger Sonntag. Der �Eintritttprei» für Er. wachsen- beträgt S0 Ps., sur Kinder LS«f.: dieselbe Ermäßigung gilt gang» lassen de» Zoologischen Gartens zu haben. parieinachrichien fürGroß-Verlin stet» an da,«ezirk.sekretartat 2. Hos, 2 Treppen recht,, zu richten. «»sr»»m,,,n fbr dies« Stutr» find Herlt»«« 68, Smdmytr-b« 3, S.»reie BeUiifl. Dir B«»irksfllbr«r werden ersucht, ,u der KmsBrrfamm, luna am Dienstoq, 9. Zuli, 19V4 Uhr, im«rohen Enal der Pharuosöle, Mtimm» einzuladen.._... 7. ÄteU Iharlotteabur« und Spandau. Lebte Juristische Speechstund« vor den Gevchtoferten findet heute, Eonnabend. 8. Juli, von 17—13 Uhr. im Iuaendheim Zlostnenstr. 4, statt,»elenenheit«m«iechenau-tritt. II. ltreia Treptow. Die Abteilunaen werden«ehrten, die?inladuna»«ttek flii die«reismitgliederurrfammluna vom Genossen Sasowsk», Riedre» schdneweidr Grünauer Steche, heute, Eonnabend, 6. Juli, nachmittag, bestimmt abzuholen. 17. ftrei» Lichtenber«. M-Iitaq. 8. Juli, 19 Uhr, im Arbeitmimt Schreiber, Hauer Steahe. iTunktioniletonferen,..„..... 13. ftnl,»eihense«. Montag, B. Juli, 19 Uhr. bei GalTa», Lrhdrrstrahe« Krrisvoestcndsstttung.._ M. Itei«»rwieteudaef. Bio zum 23. Znll find all- für den Neeiovoeficnd bestiimntrn Gcnbunflin an den Genossen Paul TiriM, Retmckendors.Ostck Kauvtstr. 119/ zu richten. heut«. Sonnabend, k. Zuli. 13.«». Ivcz Uhe tei Oaur®, tMelrf. ttter Berdowsseoher Kunktiontrstdu?!», 24.«bt..Unser SBcfl" ist sofort vom Genossen Rageodski. Ghriftbueger Str. 1». abzuholen. Die Geupvrnkartothek ist bestimmt mikubelngen. »!!.»dt. Reutölw. Einlahtarien füe das Nrrissommersest find noch be'M Ge, Nossen Birwra. stiethenste. 71. Hol IN Tro.. ,u haben.—«ontag. 8. Juli. 20 Uhr, bei«eusch, Zägrrstr. 10. Sitztina aller ssunkuanar« ort den Bezirtsfitheern und allen in der Wohkfahrtspfleg« tätigen Ge» nosstnngn und Genoffen. Material in Empfana nehmen. 131.»dt. Treptow. 13 Uhr in der«orwiietsspeditlon Sraetzstr.»0, Sihung mit den BezirksMhreen und den Bestellern. Morgen. Sonnlag. 7. Zuli. »1.«». MrukSl». Die«btrllun» beteillat sich restlos am«ammrrsest de» Kreise» im Hilten Sierhauschen in Treptow. Beginn 1« Uhr. Zungfozialislen. Sruppe Südeo u»h Lichtenberg treffen stch am Eonndag. 7. Zuli, Bot» damer Bahnhof»ur ffahrt zum Eakrower Sre. Arbeilsgemeinschafk der kinderfreunde. Die Brvodknsahrer der»reife Prenzlauer Berg und SchZueberg tresfei, stch Eon nahend.«. Zull, 3 Uhr in der Ziaehalle des Lehrter Bahnhof», und nicht, wie iertitmlich angegeben wnrde. um 2a Uhr... Weihensee. Treffpunkt der Namedyfaheer: Weihensee„Vorwärts um S>4 Uhr Antonvlai.— Hohenschönhausen„Gemeinsthaft um 3' 5 Uhr Dreien- waldee Elke Berliner Strahe. Gemeinsamer Teeffpunit 7 Uhr Lands« beeger Plast. Geburlslage. Jubiläen usw. 4.»dt. Unserem Genossen Gnsta» Barts» uodle'-er Ehe! tan. Schwebte« Steahe 43. ,-««ilberhochzeit die herzlichsten GILtkwSnsche. j Sterbetafel der Groß< Berliner Partei. Organisation� 3.»b». Am Mittwoch, z. Juli, nerstarb vlöstlich unser treuer Äenoffe Sari Elsenblätter im 50. Lebensjahre: Eher seinem Anbenten Elnascheeun.z am Montag. 8. Juli. I7>4 Uhr. im»eewotorutM Geeich, Nrahe. 43. Abt. Unser langjaheiacr Genosse,«eenhard Burtert ist am 2. Juli nach schwerem Leiden veestorben. Ehre seinem Andenken Einäscheruna heute Sannabend.«. Zuli, IZih Uhr. im»eemataeium Baumschulenweg. SozialistischeArbetterjugendGr.-Scrlm aMsenbuoien ftir diese lllubrif nur an da, Zügen dsrseetaela« aerlin«35)68, Qnbenstraie 3 Montag, 8. Sali, ldth Uhr, Abteilungeleiteeloufereu,. Berckste. u, zu, Ausgabe der gahr- und Lülartiertorten ftie Men. Dienstag, 9. Suli. 19'h Uhr, B«, Irlsamt«rrnzberg. PorckNt.II. stw. lammrnlunft aller nicht durch die Gruppen gemeldeter Sienlahre, tMaterinl- Heule. Sonnabend. 19� Ahr: Schenhanlee Vorstadt: Zehrt nach Tiefensee. Tresfpunkt 18 Uhr Bghnbas Schönhausee Allee.— Warschauer Viertel und Waeschauer Viertel Schulaula Triedenstr.»1..Bunter Abend" mit dem Refergt:„Die Bedeutung des stugendtage» in Wien". Reierent: Gustav Weber.— Wilmersdorf: Keim Wilhelmsaue 128. Leiterer Abend.— Zempelhns: Lestte Besprechung der Wienfadrer um 20 Uhr im Heim. Werbe bezirl Prenzlauer Berg: Die sür Wien vaegesehene Demonstration findet nicht statt. Tambourkorps: Heute Ausmaisch, Treffpunkt 10 Uhr Bahn- hos Prenzlauer Allee. Erscheinen aller Spieler ist unbedingt erforderlich ���Weebe bewirk Besten: Weebebezirkovoestandsststung im Heim Eharlottrn- bürg, Zlostnenstr. 4. Peeichtsbogen bitte mitbringen. Morgen. Sonnlag: Würthee Plast: Elternfahrt nach dem MUHlendecker See. Treffpunkt 7 Uhr Stettiner Bahnhos sRormaluhr).— Zieuköll, t'IIl: itzahet. Tresspunkt 7 Uhr »aiser-sZrieteich-Strahe Ecke Wetchseiplast.- Lichtenberg. Rittet ssahrt nach Seiner. Tresspunkt 7 Uhr Stralau-Rummelsburg. » Werdebrziel Zienlöll»! Achtun»! Kommenden Dienstag Wrrdedemanstrotio» und Wientundgebung. Treffpunkt 10 Ahr auf dem Reuterplast. Die Beieili. gung der Genössen an der Deranstaltung ist Pflicht. Auf der Echluhlund» gedung Hohenzollernplast spricht Ludwig Dieduich. Billige Anzug-wochel Herrenanzüge...... 49.« 59.- 69. Regenmäntel........ 18" 19" 21. Einige Beispiele: 79.- 89.- 98.- Wl. 27»- 29.- 39.* if M. Siülmeisler : Koitbuser Tor- Unterhaltung unö �Bissen m�tVahlschl Pralle Sonne füllt die enge Gassenschl«ucht mit gelbem Leuchten. Fünfstöckige Häuser wachsen an den Dächern zusammen. Die Trikoloren(Hände schieben fi« aus holbgeschlossenen grünen Iotou- sien hervor) kreuzen sich von hüben und drüben und werfen spitze Schatten auf die Mauern. Aus der Tür tritt er. tänzelnd. Zwischen seine Bastschuhe und die granitene Regenrinne schiebt sich ein« Schicht Sonnengold. Das Blau seiner pludrigen, an den Knöcheln zusammengebundenen Hosen und das Rot feines Gürtels überstrahlen die Farben der Fahnen. Mit heldischem Ruck wirft er die Strähne schwarzen Haares aus der braunen Stirn. Sein kühnes scharfgekantetes Ge- ficht, halb nach oben gewendet, sammelt allen Lichtglanz auf Kinn und Nase. Seine starken Zähne blitzen. Plötzlich, da er sich vor Freude nicht mehr fassen kann, zieht er aus der Hosentasche den Revolver, hält ihn hoch über sich und knallt sechs Kugeln in die Luft. Bei jedem Schutz hüpfk er van einem Bein aufs andere.„Vive Napoleon!" schreit er. Blasse Hände klatschen Beifall. Violett« Seidenschärpen wehen zwischen den hölzernen Fensterläden. Sieg, grotzer Sieg! Er verschwindet stolz und lachend in der Ouergaff« und wird von schwarzen Schatten«ingeschluckt. * In Afaccio siegen bei jedem Wahlgang die Bonapartisten. Das gehört zur Tradition. In Corte dagegen, der alten korsischen Haupt- stadt und unvergleichlich malerisch gelegenen Räubcrfestung, siegen eben so sicher di« Republikaner im Zeichen des Generals Paoli, der «in Sippenfeind der Bonapartes war und«in« korsische Sonder- Politik zugunsten der Engländer trieb, als der Stern Napoleons bereits das Firmament Europas überstrahlte. Diese Ereignisse liegen hundert und etliche Jahre zurück, und die Geschichte hat inzwischen zu wilderen Tänzen aufgespielt. Insel- nolker leben jedoch langsamer als kontinentale. Der Geist ihrer Heroen wandert nicht aus, selbst wenn die Körper von der letzten Seefahrt nicht zurückgekehrt sind. Der Sieg war sicher. Aber würde«r die Herzen erheben, wenn nicht wenigstens der Anschein bestünde, ihn ruhmvoll und unter Opfern erkauft zu haben? Die letzten Tage vor den Wahlen Der- wandelten die friedlichen Ströhen und Plätze der Stadt in Schlachtengelände. Zunächst bekämpften sich die streitenden Parteien. Republikaner an roten und Bonapartisten an violetten Schleifen kenntlich, durch die Macht des Gesanges. Stundenlanges Geheul durchtobte die Häuferschluchten. Marseillaise und Ajaccienne steigerten sich, wenn die Züge einander begegneten, zum wüsten markerschütternden Gebrüll. �Später begann das Rcvolverschietzen. Jeder korsische Mann trägt sei» Schietzeisgn bei sich. Es wird nur in die Luft geschossen� aber imt scharfer Munition. Das knallt lauter. Die Taufende von Bleikugeln, di« allabendlich gegen die Sterne geschleudert wurde«, haben jchliehlich all« wieder zur Erde zurückkehren müssen. Zum ersten Male nach dem Krieg« sehnte ich mich nach dem Stahlhelm als schlichter Kopsbedeckung.. Rotfeuer qualmten nachts zwischen den hohen Gassen. Dom Berge aus gesehen, schwelte die Stadt wie der Brand des nero- Nischen Roms in rotkolorierten Filmaufnahmen. Kanonenschläg« explodierten und zerrissen die düstere Glut durch grelle Blitzgarben. Feuerwerksrösche sprengten unter die dichtgedrängte Menge republikanische oder napoleonische Argumente. Es gab nur wenig« Verwundete. In einem Dorf der Ilmgegend starb ein junges Mädchen durch den Querschlag einer verirrten Kugel. Man lobte allgemein die Mätzigung und Zurückhaltung der Parteien und meinte, es hätte viel schlimmer kommen können... * Der Sieg ist erfochten. Der letzt« Kandidat auf der bonapartisti- schen Liste hat einige tausend Stimmen mehr heimgetragen, als der erste aus der republikanischen. Die Demonstration der Sieger ist auf 6 Uhr angesetzt. Schon acht in«/fjacclo seit Mittag krachen die Kanonenschläge. Fahnen, Fahnen. Vor den Häusern Napoleonbüsten. Altäre mtt violetten Schleiern umwunden. Pferde, Maulesel, Hund« und Kotzen tragen violette Maschen. Von den Autokühlern wehen violette Wimpel. Und die Motorrad- fahrer! Neun Fahnen hat einer am Gestänge seiner Maschine fest- gebunden, große und klein«, die größte, beinahe ein« Regiments- standarte, quer vorn am Lenker. So sitzt er blauweitzrot umwallt, kann kaum di« Straße vor sich sehen und rast dennoch mit offenem Auspufstopf, irrsinnig hupend, auf dem Eours Napoleon auf und ab, daß Mensch und Tier angstvoll beiseite springen. Nun formiert sich der Zug. Die lebendig« Stadt marschiert durch ihre toten, ausgestorbenen Quartiere. Musik, Bläser mit den hellen durchdringenden Clairons. Wer hört sie? Gesang von vielen Tausenden mit dem Hunderlsach wiederholten Kehrreim:„Napoleon... Na-poleon." Man errät ihn nur aus den offenen Mündern und den zitternd gespannten Halsadern. Lauter schon und doch eben nur wie ferne Brandung vernehmbar das Surren der Motorfohrzeug«, die alle im ersten Gang laufen ohne Schalldämpfer. Ein imponierendes Geräusch. Das große Hörspiel aber, auf das es ankommt bei dieser Volks- belustigung, wird von drei Instrumenten vorgetragen. In jedem Augenblick strecken Hunderte von Fäusten Pistolenläufe empor und knallen die sechs Schuß der Magazinladung im Schnellfeuertempo heraus. Dos ist der Orgelpunkt. In jedem Auto stehen drei oder vier Männer und schießen doppelrohrige Jagdflinten und Karabiner ab, laden so rasch, als ging« es ums Leben, schießen wieder. Dos ist die Melodie. Die gewaltigsten Kanonenschläg« geben den Pauken- rhythmus. In dieser schrecklichen Prozession tanzen alle Menschen, Männer, Frauen, Mädchen und Kinder, zwei Sprünge auf einem Bein, dann wiegen sich die Körper, zwei Sprünge aus dem anderen. Cor- magnole. Bluttanz. Es zieht vorüber eine höllisch« Vision, stampfend, schießend, brüllend. Man kann es glauben: der den Raum Europas mit Schlachtendonner füllt«, der sein« todesmutigen Kohorten zwischen Buadalquioir und Beresina oerbluten ließ für Phantom«, di« viel- leicht in seinem Hirn lebendige Gestalten waren: Ruhm, Welt- Herrschaft, er wirft seinen Schatten noch heut« über die einfach« Seele dieses Bergvolks, das ihn wie einen Gott verehrt. Napoleon, Napoleon. Als man im vorigen Jahr hier, am historischen Ort,«inen Film drehte, warfen sich viele Menschen vor dem Schimmel in die Knie, auf dem der Schauspieler in Uniform und Haltung des kleinen Korporals durch di« Straßen ritt... Weit hinter dem Zug promeniert ein Dutzend Gendarmen ohne Waffen. Sie schauen geflissentlich ins Blau« und tun, als hätten sie Sonntagsurlaub. Ich kenne ihren Chef und gehe ein Stück Wegs an feiner Seite. Er stammt aus der sanften Provence und findet die barbarische» Sitten der Insel abscheulich.„Was wollen Sie, M'sieur," resigniert er,„ich kann nicht 20 000 Menschen ins Gefängnis stecken. Morgen ist alles vorbei.. • Wirklich, es ist vorbei. Gravitätisch thronen wieder die Markt- freuen hinter den Festungen aus Schafkäse. Die Händler bieten sechs Kragenknöpse, ein Paar Manschettenholter und goldene Schmucknadeln für einen Franken an. Die Fischer flicken ihre Netz« und ernste Männer beraten unter Palmen würdig die Weltloge. Hunde und Katzen balgen sich um Knochensplitter, die unter dem Hackbeil der Metzger hervorschwirren. Man ahnt nichts mehr von ihrer politischen Meinung. Sie tragen weder rot« noch violette Schleifen. Di« Gendarmen haben wieder ihre dicken Revolver- toschen umgeschnallt, während di« Zivilisten unbewehrte harmlose Staatsbürger sind. Ordnung regiert und der cäsarische Gott schläft auf Denkmals« fockeln den Triumph aus. Schon welken die Kränze aus Irisblüten zu seinen Füßen. emn xud.ri,. gegen den Mricg «n»!*m neuen Buche Smil Ludwia»„Juli 14*', bei die Bot. «eschicht- de»«ri-ae» b. donbell. neebiienlUchen«il m.t»en«dmi«ung de» iZerloze» Stnß R o w a d l t � Berlin, den nachsolgrndcn Abschnitt. Wo blieb die Vernunft? Hat sie Europa verlassen, seit sie ein paarmal mit vergebens flehenden Blicken hinter den Sesseln der Diplomaten erschien? Ist sie der sacht miniercnden Gestalten müde, die hinter den geschlossenen Türen alter Palais ungestört an den kleinen Höllenmaschinen arbeiten, damit sie pünktlich zur bestimmten Stunde explodieren und unter gewaltigem Getöse den Erdteil be- graben? Hofsnungslos hat die Vernunft die Kabinette verlasien, sie ist auf die Straß« gegangen. Es rauscht durch die Städte. Unter di« Millionen hat sie sich gemischt, da sie die zwanzig bis dreißig Herren Europas verließen, unter die Namenlosen, da sie die großen Herren mit den langen Namen verraten haben. Jetzt reizt sie die. Sklaven zum Protest. Di« sind bereit, man braucht sie nicht zu überreden! Dumpf und schwitzend murren sie: hinter ihren Schraubstöcken und Drehbänken, Kesseln und Dampfhämmern, Motoren und Walzen hören sie, was ihnen die Zeitung vom drohenden Gewitter spricht. Aber abends trotten sie aus der steilen Grauhcit, aus der muffigen Enge ihrer Vorstädte In die glänzenden Quartiere des Geldes, und mit einem Male bilden sich Kolonnen, sie ordnen sich gu fünft, zu acht, die Mädchen Höngen sich ein, die Frauen lassen ihr« Arme hängen und schieben neben dem Manne her. Böse blitzen Knopfe und Augen der bewaffneten Polizisten herüber, noch lassen sie sie durch. Jetzt oerlassen ihre Polsterstühle Minister und Botschafter, Staatssekretäre, Generale und Kanzleiräte, Lords, Grafen und Großfürsten, sie treten an die offenen Fenster: denn die Strohe rauscht. Klingt es nicht wie Marschtritt, bevor wir noch den Befehl gaben zu marschieren? Wer rottet sich zusammen, bevor Kaiser oder Präsident das Dekret unterschrieb? Wallt ihr's erzwingen. „Frieden! Frieden! Wir wollen keinen Krieg!" rauscht es tausendfach vom Brandenburger Tore herüber, um die Ecke der breiten Wilhelmstroße, und mit dem Geriuh der übersommerten Linden steigt etwa? wie Dampf aus den verschwitzten Kleidern der Tausende zu den Fenstern des niedrig langen Ministeriums empor. „Friedenl Frieden! Nieder mit dem Krieg!" rauscht es zur gleichen Stunde von, Wiener Burgring herüber, und von den Stufen des sorgsam verschlossenen Parlaments dringen die Rufe über die Wipfel des durchtummclten Volksgartens an die Barock- fenster des Ballhausplatzes. „A bas la guerre! Vive la paix!" rauscht es zur gleichen Stunde von den beiden großen Seinebrücken zum Quai dDrsai herüber, und an den dunklen Fenstern des Clyfee dröhnen die Tritte hinüber, und die hinreißenden Rhythmen der Marseillaise prasseln, Völkerfreiheit fordernd, zum Hause des Präsidenten empor. „Peacel Peacel No war!" rauscht es zur gleichen Stunde vom Trafalgar-Square, und die Träger des Friedensgedankens fordern von den Stufen des größten Kriegerdenkmals den Frieden der Welt. Nur in Petersburg ist um diese Stunde das Rauschen ver- stunnnt: rasch hat man hier di« Demonstranten mit Knuten und Säbeln, mit Pserdehufen und Revolvern vertrieben, zertreten, erschossen. Hinter einem Schleier, heiliger als der von Sais, arbeiteten die Diplomaten der großen Mächte dem Kriege entgegen, dem sich die entscheidenden Chefs der Aemter nachher sämtlich entzogen. Jene ober, di« sie im Schweigen ihrer Kabinette zum Tode ver- urteilten, die.eine maßlose Forderung des Staates zwang, zu marschieren, wann immer die Trommel wirbelte, waren erwacht und schienen entschlossen, sich zu wehren: machtlos erhoben die Friedens- vereine der Welt die Jdcalistenstimme, machtlos tot der Vatikan ein paar zaghafte Schritte. Weil das Schicksal Europas fast ganz von einer Klasse gestallet werden sollte, war eine andere Klasse berufen, es zu wenden. Weil Philosophen und Lehrer des Rechts nur wie aus luftleerem Raum ihre moralischen Gedanken zum Frieden den Völkern zuriefen, braucht« die Geschichte den heiligen Egoismus der Aermsten und Bedrängtesten zum Rufe gegen den Krieg. Unverrückbar starrten die obersten Blocke der kunstvollen Pyramide in die Wüste umher: da singen die untersten Stufen an, stöhnend unter dem Druck der Jahrhunderte, langsam, Zoll für Zoll sich zu rühren. „Weil der Krieg vor ollem aus der Arbeiterklasse lastet und ihr nicht bloß das Brot nimmt, sondern auch das Blut, weil der bewaffnete Friede di« produktiven Kröst« lähmt..., wird de- schloffen, sich völlig dem Friedenskongresse in Gens anzuschließen, um möglichst bald zur Abrüstung sowie zur Bildung und Der- einigung der Freien Staaten Europas zu gelangen.." Dies war der erste Beschluß der Arbeiter gegen den Krieg gewesen, gesaßt vom Kongreß in Lausanne. Ein vierzigjähriger Fried« hatte diese Geister nicht eingeschläfert: jetzt war der Augenblick, das groß« Nein emporrauschen zu lasten! mTtoviohr:SonderbaretKaffeehäufer Die wenigsten Menschen gehen ins Cafe, um Kaffee zu trinken. Es ist hier wie bei den meisten Dingen im Leben: Di« Begleit- umstände sind wichtiger als die Sache selbst. Die Eofetiers wissen das schon lang« und suchen mit allerhand Genüssen besonderer Art aufzuwarten. Aber mit Musik und Zeitungen ollein ist es nicht mehr getan. Man muß schon besondere Attraktionen haben. Manche Eafätiers haben Glück. Sie brauchen nur mit ihren Gäste« zu prunken, di« sie nichts kosten, sondern ihnen noch etwas einbringen. Aber viele müssen sich den Kopf zerbrechen und originell sein. In einem neuen Berliner Eafö mitten im Herzen der Stadt ist dies« originell« Idee eine Rolltreppe. Do» Tafä liegt im ersten Stock. Man geht keine Trepp« herauf und fährt auch nicht mit dem List. Man benutzt di« moderne Rolltreppe. Erwachsene benutzen sie mit dem gleichen Vergnügen und der gleichen Ausdauer, wie Kinder rodeln. Viel« kommen nur, um Rolltrepp« zu fahren, rasen dann die Treppe herunter und fahren wieder herauf. So lange, bis sie müde und so durstig sind, daß sie doch oben im Cafä landen. Wer hat sich nicht schon über die fünf Minuten, di« man oft beim Friseur warten muß, grün und gelb geärgert? Wer sich fortan ohne Acrger rasieren lassen will, der geht in«in bestimmtes Cafe, fitzt bei Musik und fröhlichem Geplauder, bis«in Page der Reih« nach herausbittet. Man läßt sich schnell rasieren Wer die Haar« schneiden und sitzt mit affenartiger Geschwindigkeit schnell und ver- schönt wieder an seinem Tisch in diesem Eofä. Bei einem anderen Caft ist es sehr schwer zu sagen, ob das ein Eafä mit Kunsthandel oder ein Kunsthandel mit Eafä ist. Bilder hängen an den Wänden, Bilder werden gezeigt. Die Verkäufer rechnen mit der altbekannten Tatsache, daß. wie der Appetit beim Essen, die Kauflust beim Sehen kommt. Man hat das Argument, daß man nicht zu kaufen, sondern nur Kaffee zu trinken kam. Dennoch wandert manch einer, der nur einen Schwarzen nehmen wollte, mit einem Kolossal-Orlginal-velgemäld« noch Hause. Im Berliner Westen ist«in Cafö, das einen sonderbaren Ein- druck macht, wenn man zum ersten Male hineinkommt. An jedem Tische sitzt nur ein« Person, und neben fast jeder Toffee Kaffee steht «in Glas Tinte. Und olles schreibt. Ruhe herrscht hier, absolute Ruhe, keine Musik, kein Geflüster. Selbst die Kellner gehen leise wie auf Filzpantoffeln, tztur Federn hört man über das Papier kratzen. Da werden Briese geschrieben, Liebesbriefe zumeist. Männer, die kein Heim mit einem schonen Schreibtisch haben, Backfische, die eine Beaustichtigung fürchten, flüchten hierher. Hier stört niemand, hier hat alles nur das gleiche Interesse: gegen den Mietpreis einer Taste Kaffee Schreibgelegenheit und Weltabgeschiedenheit benutzen zu dürfen. Aber welch« Brief«, außer den zartbesaiteten, schreibt man heute noch mit der Hand, ohne sich ein« wirtschaftliche Blöße zu geben? All der kleinen Kaufleute, der Reifenden, der unentdeckten Iourna- listen, die keine Moschine haben, nimmt sich ein anderes Casä an. Es gibt jedem Befucher das Recht, auf einer Schreibmaschine zu tippen. Da kommen sie an, die hastigen und unruhigen Zeitgenosten, stürzen einen Kaffee herunter und tippen:„Auf Ihr Geehrtes von vorgestern...", und schreiben di« berühmten„binnen"-Briese und die mit„widrigenfalls". Da kommen sie an, die verträumten und phantastischen Zeitgenossen, lasten den Kaffee neben sich kalt werden und tippen mit einem Finger die Feuilletons, die von Redaktion zu Redaktion wandern und doch nicht das Licht der Druckerschwärze erblicken. In wieder einem anderen EafS braucht der glückliche Wirt nichts weiter zu tun als zu lächeln und die scharenweise hereinflutende Bohäme zu begrüßen. Die Boheme, die nicht pumpt, die gut ge- kleidet ist, Geld hat und möglichst im eigenen Auto vorfährt. Da fitzen Leute, di« nicht nur vom Theater, vom Film und vom Kaba- rett reden, sondern wirklich dort zu finden sind. Da sind Männer mit langen Künstlerlocken, di« noch herumlaufen wie zu Schuberts Zeiten. Da sind Männer nach der letzten Mode gekleidet, wie aus den Journalen eleganter Schneider entsprungen, da sind vor allem Frauen, schone Frauen aller Jahrgänge, fast so viele wie im Eofö der Manneqins. Das ist im Textilviertel ein kleines, unauffälliges Lokal. Wer durch die Drehtür geht, der muh irgendwelche Beziehung zur Text'ilbranchc haben, zwischen zwölf und zwei ist Hochbetrieb. Bald ist kein Stuhl mehr frei. Ein« Fülle schöner, junger Frauen, dazwischen Männer au» der Konfektion, denen man den Beruf schon am Anzug ansieht. In der Ecke sitzen sechs entzückende Mädels. Man weiß nicht, wtlche man zuerst anschauen soll. Immer neu« kommen, verteilen sich an allen Tischen, kommen und gehen. Jeder kennt jeden. Hier trinken die Manneqins ihren Mittagskaffee. Dazwischen nierden Geschäfte gemacht und Flirts, Engagements geschäftlicher und privater Natur. Man lächelt beim Kommen, man drückt sich die Hand beim Gehen, und der Teufel weih, was man inzwischen verabredet hat. Ein Eaft der Cngagementslosen ist in her Straße, In der die Theateragenten Ihr« Bureau« haben. Hier hocken von morgens bis' abends die engagementslosen Schauspieler, Opernleutr, Artisten vom Kabarett, vom Bariet«, vom Tingeltangel, die vielen Filmstatisten, die auf der nahen Filmbörse wieder kein« Arbeit bekommen haben. Da sitzen sie herum, machen traurige Gesichter, sch�npfen von elf bis zwölf auf die Agenten, von zwölf bis ein» auf die Direktoren, von eins bis zwei auf die ganze Welt, und am Nochmittag geht es in umgekehrter Reihenfolge wieder weiter. Zwischendurch klappern sie die Bureaus der Agenten ob, bis sie wieder müde und traurig m ihrem Stommeafi landen. Das Cafe der Bnesmarkensammler schließlich ficht schon ganz wie eine Börse aus. Da sitzt kaum einer auf seinem Platz. Alles wandert umher van Stuhl zu Stuhl, sieht Bekannten und Unbe- kannten über die Schulter und lächelt dabei mitleidig oder bricht in anertennende Bewunderung au». Jeder zieht«in Büchlein au» der Tasche und blättert darin. Do» sind lauter Briefmarken-Tauschhefte. Hier wird mit einer Leidenschaft getauscht, die Nichtsammler verständnislos„besserer Dinge" für wert halten. Aber wo» kann es für diese Leute besseres geben, als diese Popierchen zu sammeln! Manchmal ist so ein Tausch schwierig. Bon wegen Wert und so. llnd manchmal einigen sich die Tauschenden nicht. Dann entscheidet der Ober. Auch er ist, wie es sich hier gehört, Sammler. w Vt, Bädi>ru.Kuror+i> Wohin reisen die Berliner? Anhaltender Sommerreiseverkehr. Soweit sich jetzt schon in den Reisebüros übersehen läßt, scheint der diesjährige Sommerreiseverkehr den des Vorjahres an Umfang zu übertreffen. Die Reisebüros haben schon seit Anfang Juni Hochbetrieb. Der starke Verkehr, der an den letzten Tagen vor dem Ferienbeginn seinen Höhepunkt erreicht, hat auch bis heute noch nicht nachgelassen. In diesen Tagen wurden ollein in dem großen MER-Reisebüro im Potsdamer Bahnhof täglich bis zu 8000 Pexsonen bedient! Obwohl nicht alle dies« Personen Fahr. karten kauften, sondern sich z. T. nur Auskünfte und Prospekte geben ließen, ist doch die Zahl der täglich verkauften Fahrkarten auf ein Vielfaches dieser Zahl zu veranschlagen, da die meisten der Besucher drei, fünf und z. T. noch mehr Fahrkarten kauften. An den Auskunftsschaltern des genannten größten Berliner Reisebüros wurden im Juni etwa 30 000 Auskünfte über Zug- Verbindungen erteilt, obwohl die dem Publikum in den Reisebüros und auf den Bahnhöfen gebotenen Möglichkeiten zur Selbst. iinformation durch Plakate und Faltblätter mit den günstigsten Zug» Verbindungen stark vermehrt und verbesiert wurden. Di« hier ge- gebenen Auskünfte, die statistisch festgehalten werden, lassen auch bis zu einem gewisien Grade erkennen, wohin sich der Reisestrom aus Berlin ergießt. An erster Stelle steht da— wie feit Iahren die O st s e e, die von Berlin bequem zu erreichen ist. Auffallend stark ist auch die Nachfrage nach dem Harz, der in diesem Jahre stier noch vor den schlesischen Gebirgen rangiert. Lebhast wie immer ist auch die Nachfrag« nach dem Rheinlande und nach Süd» st a y e r n. Interessante Entwicklungen lassen sich auch im Reiseverkehr nach dem Auslande beobachten. Hier stehen im Vordergrund die Schweiz und Oesterreich. In diesem Jahre scheint— nach den Feststellungen der genannten Büros— Oesterreich von 35er. linern mehr aufgesucht zu werden als die Tschechoslowakei, iwahrend im vergangenen Jahre ein umgekehrtes Verhältnis zu beobachten war. Vielfach„gefragt" sind in diesem Jahr« auch Frankreich und England, die früher eine kaum Neimens- werte Roll« als Reiseziele der Berliner im Sommerreiseverkehr spielten. Bergsommer überm Vierwaldstätiersee. An schönen Iulitagen liegt der See oft glatt und regungslos zwischen den steilen Felsen. Der Himmel trögt die Klarheit«wer durchsichtigen Glocke, und niemand ahnt, wi« wild Wolken und Wellen aufbrausen können, wenn der Sturm um die Vorgebirge heult. Bisweilen versammelt ein abendliches Gewitter ein« Ztund« von. hart umrissenen, regenschwangeren Wolkenbällen, aber dies« Sommergewitter sind«in Segen und höchstens«in Abglanz jener wafeftätischen Schlachten, die der Föhn des Frühlings zu schlagen gewohnt ist. Die Berge entragen einem klar geschnittenen Relief, der See v«gt gleich einem Spiegel, und nur in der kühlen Morgenfrühe heften sich zart« Dunstschleier auf die Felsengrate, um ein« Welle im aufspringenden Frühwind zu wehen und unter den worm«n Sonnen- strahlen rasch zu verflattern. Man muß an einem solchen Tage um die Mittagsstund« indasTalvonEngelberg hinein wandern. Am diese Zeit liegen die Schatten der Felskolosse als dunkle Tücher in den Togtrog hineingefaltet und der Weg schlüpft durch Woldhalden und über blumige Weidewellen talein, ohne daß es ihm ein- fallen würde, dem Wandersmann Staub und Hitze vorzusetzen, wie man es gemeinhin auf mittägigen Wanderungen nicht anders erwarten zu dürfen glaubt. Von den Felswänden rieseln überoll Gischtbäche nieder. Dos Moos zwischen den Wettertannen behält die morgenfrische Kühl« lange in den Nachmittag hinein, und trotz der glühenden Prospekte, die der sonnige Bergwall mit Firnen und Gletscherstirnen im Hintergrunde aufzieht, wandert man in diesen Pillen Talgründen ohne Beschwerden fürbaß. Droben über steil aufgestocktem Fels regt sich das Gletscher- Ungetüm. In den Tagen der steigenden Sonne krochen die Gletscher- schründe dumpf wie ferne Geschütze. Der weiße Firnschnee ist zer- jschmohzen und hat den zerschrundeten Gletscherleib entblößt. Aus den Gipfeln des T i t l i s uird Grasjen, vor den Falszähnen der Epannörter und in den hohen Gletscherjochen aber glänzt oft frischer Schnee. Wer von der Gerschnialp im schwanken Seilzug der Schwebebahn zudenHöhenvonTrübsee hinaufglellet, der «fährt in wenigen Minuten, w» bedeutend die Höhenunterschiede dieser Engelberger Talflanken sind. Droben auf der von Alpenrosen geröteten L«hne wenden sich nicht nur di« Ausblicke, sondern auch die Eindrücke, nach denen sich die Nachhaltigkeit des Bergerlebens richtet. Klein, wie blitzendes Spieheug in der Schachtel, liegt dos Kloster, liegen die großen Kurhäuser Engelbergs im Tal«, wi« eine Scherbe glänzt das alpine Schwimmbad herauf und erdrückend nah, gebieterisch in der Wucht seines kolossalen Urweltteibes, trotzt der weiße Z5«rg._ Helgoland. Durch die Pi esse ging kürzlich di« Nachricht, daß die größeren deutschen Norstseebäder dazu übergegangen sind, den In- habern von Kurkarten freie kalte Seebäder zu gewähren. Es soll nicht unterlassen werden, daraus hinzuweisen, daß di« Bad«. Verwaltung Helgoland sich zu noch größerem Entgegenkommen«nt- schlössen hat, indem sie an Inhaber von Pauschalkurkarten nicht nur die Seebäder frei abgibt, sondern ihnen auch freie Dünenfahrt gewährt. Dampferverbindung Sietkia— Nordländer. Die Schiffsverbin- düngen zwischen Stettin und Dänemark, Norwegen, Schweden sind bedeutend»«bessert worden. Es oerkehren jetzt Passagierdampfer von Stettin nach Kopenhagen Dienstags. Mittwochs, Freitags, Sonnabends ab Stettin IS Uhr, von Kopenhagen nach Stettin Sonntags, Montags, Mittwochs, Donnerstags 16 Uhr. Verbindungen zwischen Stettin und Oslo jeden Dienstag und Frellag ab Stettin 18 Uhr, ab Oslo jeden Mittwoch und Sonnabend 14 Uhr. Schiffsverbindung zwischen Stettin und Gotenburg ab Stettin jeden Mittwoch und Sonnabend 18 Uhr, ab Gotenburg jeden Mitt- woch und Sonnabend 16 Uhr. In Kopenhagen alle 10 Tage An- fchluß mit Dampfer nach Orten der westnorwegischen Küste bis Drontheim und alle 14 Tag« Anschlüsse noch Island. Da» schöne Schlesien! D« Schlesische Verkehrsbund hat vor einiger Zell seine Schrift„Das schöne Schlesien" erneut heraus- gegeben. Die neuerschienene Schrift ist durch neue Bilder bereich«! worden, insbesondere durch dos alpin« Bild von den Schneegruben im Riefengebirg�, Winter im Riesengebirge, Weinernte von Grünberg, die Niederschlesische Gedirgsecfe bei Neiße, Ziegenhals, Neu- ftadt, Breslau am Abend: si« behandelt mit ihren Bildern die ver- jchiedenen Teile Schlesiens, vor allen Dingen die Gebirge: Iser-, Riesen-, Waldenburg«-, Eulen-, Glatzer- und Altvat«gebirge, das Vorgebirge mit seinen Burgen, aber auch das altertümliche und schöne Breslau, di« zahlreichen Heilbäder und Luftkurorte, die In- dustrie Schlesiens, das Tiefland mit seinen Wäldern und Seen. Di« Schrift, die 52 Seiten und dabei 48 Bilder, darunter 26 bunte, um- faßt und vom Verkehrsdiretwr Georg Hollamo flott und unter- haltend geschrieben ist. ist in allen Reise- und Verkehrsbureous zu hoben: vom Schlesischen Berkehrsverband« Breslau, Am Haupt- bahnhof 1. gegen 30 Pf. Porto. Ein volksreiseburean ist Anfang dieses Jahres in Bremen von den freien Gewerkschaften nebst einer Ueberiee- a g e n t u r eröffnet worden. Es wird Auskunft ertellt in sämtlichen Angelegenheiten, wie Passagen, Fahrzeiten der Dampfer. Pah- und Mit einigen Zweifeln sah man d« Uebertrogung aus Stullgan entgegen. Der„Lübecker Totentanz", diese ausdrucksstark« Bilderfolge mit den niederdeutschen Versen ist schließlich im wefent- lichen auf die Augenwirkung b«echnet. Doch Hermann Reutters musikalische Ausmalung fand etwas von der plastischen An- schaulichkeit der Bilderfolge wieder, die so schlicht und volkshoft naiv die Einstellung der verschiedenen Menschen zum Tode schildert.— Eine Abendunterhaltung von dem fröhlichen Vater der klassischen Musik, von Joses H a y d n, bestreiten zu lassen, war sicher kein schlechter Einfall. Dr. Erich Fortner soll den verdienten Dank dafür haben und ebenfalls die übrigen Mitwirkenden, die mit Liebe und Können für das Gelingen der Veranstaltung sorgten. Solchen „Wiener Abend" läßt man sich gern bieten. Di« improvisierte Ge- burtstagsfeier eines alten Wiener Musikfreundes war ein sehr guter Rahmen für die Klänge dieses Abends. Nur die etwas umständliche Einleitung, die zudem von manchem Hörer vielleicht mißverstanden wurde, halle wegfallen dürfen. Wunderschön war das Bruchstück, das Dr. Fortner' aus der Hoydn-Nooelle von— ja, von wem?— las. Der Name des Autors wurde zweimal genannt, leider so un- deutlich, daß er nicht genau festgehalten werden konnte. Die Schil- derung, wie die Musik den Krieg auslöscht, für eine durch sie ge- segnete Nacht, wie plötzlich die Klänge der Geige die Menschen er- lösen und das Trio der„Feinde" zusammen musiziert, war von überzeugender und ergreifender Schlichtheit. T e s. Konsulatsbestimmungen usw. Jedem Ausreisenden ist dringend an- zuraten, di« Di«nst« des genannten Bur«aus nicht nur wegen Aus- kunft, sondern auch wegen Platzbelegung und Unterbringung in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig veranstaltet das Volksreisebureou billige Ferienfahrt« n und Ferienaufenthalte, und zwar vom 15.— 21. Juli für 140 M. nach Paris und zum Rhein vom 4.— 10. August ebenfalls für 140 M. Alle organisierten Kollegen beteiligen sich an den F«ienreisen des Volksreisebureaus Bremen, Nordstraße 45/47. Dohrenbach. Für den Schwarzwaldreisenden hat d« Name Döhrenbach von oltersher einen guten Klang. Im freundlichen Hochtal der Breg zählt Vöhrenbach zu den schönsten Schwarz- waldkurplätzen. Im Südwestkni« des Bregtol», in dessen herrlicher Loge sich Vöhrenbach geschützt ausbrellet, und in den anheimelnden charakteristischen Seitentälern zeigt sich der Schworzwald in seiner unverfälschten Eigenart. Prospekte sind kostenlos erhältlich durch den ZZerkehrsoerein Dohrenbach. Sport. Ren neu zu Grunewald am Freilag. dem 5. Fall 1. Rennen. 1. Minister(Durst), 2. Lladi» II, S. Sontra. Toto: 51: 10. Platz: 1«, 30, 11: 10. Ferner liefen: Poppenberg, Shalimar, Posten. FrundSberg. Sstaminet, Roxane. 2. Rennen. 1. Ausbau(v. Hollei), 2. Bubi, 3. vrber. Toto: 58:10- Platz: 21, 22: 10. Ferner Uesen: varbh, Ril, Wels agbr. 3. Rennen. 1. vettana(vincenz), 2. Trunkenbold, 3. Bentheim. Toto: 25:10. Drei Uesen. 1. Rennen. 1. Enzian(v. Götz), 2. Mon Petit, 3. Per». Toto: 23: 10. Platz: 15. 21:10. Ferner lies«»: Tredullle, Ereme de Menthe. Dezna. S. Rennen. 1. Lelnga(JL Derschug). 2. Ritornell, 3. Ottogebe. Toto: LS: 10. Platz: 11. 28, 17: 10. Ferner liefen: Si-gbert«, Mmnelicd, Wien, Franzis, Sonnenlicht, Enterpe. 5. Rennen. 1. Leuchtturm(Lüdet), 2. Rohrpost, 3. Eomptendorf- Solo: 56:10. Platz: 14, 13, 17:10. Ferner Uesen: Radame», Dia», Fascist, Bercingetorix, Leckmesser, Grasnelke. 7. Rennen. 1. Neton(W. Printen), 2. Opar, 3. Ping Pona- Toto: 26:10. Platz: 10, 11, 11:10. Ferner liefen: Erinnerung, Einspruch- Tanncnberg II, Die Königin. Vorträge, Vereine uudVersammlungen. i%% Reichsbanner �Schwarz. Rot-Gold". «WM Seschitt, stelle: Berlin«. 14. Sebastianstr.»7/33. Lot i Tr. WJf\!w SaitMtfteB». Die tte Stontaa, 8. Juli, anseffple Iunobann-r. OTfcrfrfilimn fäOt au«. Di« nächst« Sistuna findet am Montag. 39. Juli, statt— IwrflatUm.»onierodlchakt Stepdan. H«ut«. 30 Uhr. a«nuu. lich«r Adend mit Ang«höiia«n bei Gchl«stna«r. Lübecker Str.».— Sonntaa, 7. Inli. stharlottrnbaea. Der Ortsverein beteiligt sich am Rochmittaa an dem Wcrbeschichen de» S. Ä. S. Republik im.zeblendorfee Schiidenpau». Säfte milltommen. Bernau. Labe bürg, Börnicke. Röntgenthal. Saulanitätoitbung am Liepniple«. Antreten in Bernau»Vj Uhr am Wasserturm mit und ohne Räder. — Mautag. K Zuli. streu« beeg. Jugend IN. 20 Uhr 8ua««rsammlun, im Zuaendbeim Srangelstr. 12«. Tempelhol lOrtaoerein>. 20 Uhr erweiterte Bor. ftandsssNung mit Quartier, und Fessousschub bei Ma-Li. Renköllo-Br:«. l. Kamcradschait. 20 Uhr Aameiadfchaft»-?unktionärverfainmluna bei Wilke, Rochf.. Reuterstk. 17.— S-Höoeberg.zeieden-U. Sonntaa. U. Juli, findet unler« l. Autofahrt statt. Meldungen di» spätesten» Mittwoch. 10. Juli, bei ben Funktionären erbeten.—»reu�berg. Kameradschaft Südost. Gannabend. «. Juli, Wanderfahrt. Treffpunkt 17 Uhr SSrlider Bahnhof. Rochgügler und Angrhörigr Sonntag. 7,95 Uhr, nach Dross-Destcn. Arbeiter-Samariter-Bund 9.». stolonne Berlin,»italiederverlamm. lungen Hohen folgend« Abteiinngen: Montag, S. Juli. Neukölln: Lokal Schilling,«irchhofstr. 4l.—«eliensee: L-kal Stärk«. Sbarlottenburger Str. z. —«Spenick: Lokal Stipvekohl. Schdnerlinder Str. 5.— Schdneberg: Lokal Rolenthal, Sder-str. 5».— Sohnaiotf; Lokal He. mann. Walteradorfer Strohe 100.— Dienstag. 9. Juli. Mitte. Schule Sipsstr. 23».— Treptow: Schul« Wildenbruchstr. 2.— Kewwhorf: Turnhalle Roonftrass«—«reutberg: Lokal Urbanhafen Ecke Planufer.— griedrichshain: Lokal Tilsiter Str. 27.- Donn»»tag. ll. Juli. Eharlottenbura: Jugendheim Rosinenstr. 4.— Wedding: Lokal Raland, Turiner Str. 5.— Pankow: Jugendheim stilsingenftr. 4».— Hof: Lokal Lindisch. Rathau» strosic. Repudlitanisch«»edneruereiniguug. Montag. S.?uli, 30 Uhr. Vortrag»» abend mit Diokuksion im»Alten Aekanier". Anhaltstr. ll. Es spricht Sr» noss« Eternberg über da» Konkordat". Säst« willkommen. «Iperanto-Selellschakt äharlatteuburg. Montag, 8. ZuN. 20 Uhr.»an. diiorri Wolter, Eharlottenburg. Biemarckstr. 114(stnir). stlubisimmcr. Vor. trag:»Der Berliner lsrauenkongreh". Reichabund der»lieg, belcha big te». striagateilnehreer uad»rieaerhiuter. bliebeneu, Beairk Webding. Mnaliebernersammlnna am Dienata«, 9. Juli. um 20 Uhr. im Lokal Patzenhofir. Chaussee str. 54. »eklerberichk der SffevMchea Wetterdienststelle»erst"«md Umgegend. (Nachdr. verb.) Ziemlich heitere« Detter bei mähiger Wörme, später zeit. weise Gewitterneigung.— Zflr Deutschland: Im Westen vielfach, im Osten »eremzelt Gewitterregen, Temperaturen wenig verändert. K. ii r � s r t e n i n!»s!»or kaltes Seebad frei! Auskunft und Propclrta' MMbOraa u. Badmnnbiina lenhnl I-Paznaun, UOOm ÜOblllll Höhenkurort Gasfliol Sola. 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Eine Entscheidung ist noch nicht endgültig getroffen, sondern wird erst im cherbst fallen Hier wollen wir in erster Linie von der Fleisch- und Viehzollpolitik sprechen. Der Versuch, die Gefrierfleischeinfuhr zu beseitigen, ist an dem Widerstand der Sozialdemokratie gescheitert, die Einfuhr von Leber ist für die nächsten Jahr« gesichert. Bei der Ergänzung des§ 4 des Reichsoiehseuchen- g e s« tz e s vom 28. Juni 1909 ist es der bürgerlichen Mehrheit ge- lungen, eine Verschlechterung der Regierungsvorlage durchzusetzen. Die Auswirkung derselben läßt(ich nach nicht überblicken. Es scheint jedoch, als sei eine Kontingentierung des Fleisches aus den Seegrenzschlochthöusern nach dem Inland geplant. Der Schrei nach erhöhten Vieh- und Zieischzöllen ist keineswegs verstummt. Ein Verbot der Einfuhr von Gesrierfleisch wird ebenfalls gefordert. Das Versprechen einer Reichsregierung, das die zollfreie Einfuhr von Gefrierfleisch bis Ende 1933 sichert, soll gebrochen werden. Weiter wird gefordert die Angleichung der Zölle für Lebcndvieh an den Fleischzoll. Damit hofft man die Einfuhr von Schlochroieh obzudrosseln. Ilm die notwendige Stimmung für diesen„edlen Zweck" zu machen, werden die Einfuhrzahlen besonders srisicrt. Dabei hilft das VerseheneinesZollamts kräftig mit. Im September vorigen Jahres soll die Einstihr von Kälbern aus Dänemark 12 443 betrogen hoben. In Wirklichkeit waren es nur 4 4 8, ein Zollamt hatte 12 999 zuviel angegeben. Die Vieheinfuhr von Dänemark, besonders nach dem Hamburger Markt, spielt in letzter Zeit eine besondere Rolle in der Landbundagitation. Die Einsuhrzisfern für dänisches Schlachtvieh sind 1928 folgende: Kälber..........*. 448 Jungvieh bis zu 1'/, Iahren... 4 8495 Jungvieh von 1'/» bis 21/j Iahren.. 3 534 Färsen.......... ca. 12 999 Kühe.......... ca. 169186 Bullen.........,.. 38 329 Ochsen... 34 686 257 538 Die oft vertretene Ausfasiung, die auch vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft gestützt wird, daß mehr denn. zwei Drittel der dänischen Vieheinsuhr Kühe seien(die Abfall- Produkte der dortigen Milchwirtschaft), bedarf einer entsprechenden Korrektur. Die Vieh- und Fleischeinfuhr wird nicht nur durch Zoll, sondern auch durch Frachtkosten, verschiedene Gebühren und S p e- s e n belastet. Je nach der Höhe der Zölle für Fleisch oder Vieh schwankt die Einfuhr in lebendem Vieh oder zubereitetem Fleisch. Fracht und sonstige Spesen sind bei der Vieheinfuhr größer und deshalb nur trogbar für gutes Schlachtvieh. Die Transportkosten für Fleisch ob Dänemark nach Homburg betragen im Durchschnitt 5 Pf. pro Kilo, dagegen bei Lebenseinfuhr das Doppelte. Dazu kommen noch Gefahren für größere Verluste auf dem Seeweg. Wird also dem Verlangen, die Zollsätze für Schlachtvieh zu erhöhen, nach- gegeben, dann wird die Zufuhr von Fleisch gesteigert. Den Schaden tragen die Steuerzahler. Die mit vielen Millionen erbauten Seegrenzschlachthäuser werden mit groben Summen Zuschubbetriebe. und eine nicht unerhebliche Zahl Fleischergesellen, Viehtreiber usw. wlrd arbeitslos. Die verlangt- Annähen ng des Viehzolls an den Flcischzoll bringt keinen Nutzen, dafür ober nicht unerhebliche Schäden. Die Erfahrungen der letzten Jahr- bestätigen die Richtig- keit unserer Auffassung. Das Verlangen, die Einsuhr dänischer Rinder für die Sommermonate zu sperren, bringt temeswegs den gewünschten Erfolg. Die Entschließung des Reichstags in dieser An- gelcgenheit Hot in Dänemark bereits Beunruhigung gebracht. Direktor Helstedt mm dänischen Landwirtschastsministe- rium hat u. a. erklärt:„Ich betrachte es als ausgeschlossen, doß Deutschland ein Verbot gegen die Einfuhr von Vieh aus Dänemark in den Sommermonaten erlassen wind. Es stände das in direktem Gegensatz zu den Tendenzen des Völkerbundes und der Ä 0 n v e n« tion über Ein- und Ausfuhrverbote, der Deutschland im Prinzip beigetreten ist." Die Behauptung, daß in der Vortriegs- zeit eine solche Sperre bestanden Hot, ist unzutreffend. Beachtenswert ist jedoch, daß in den Monaten Oktober-November, wo starke Auftriebe deutschen Weideviehs zu oerzeichnen sind, die dänische Zu- fuhr erheblich nachläßt. Di« Dänen bleiben in dieser Zeit dem deut- schcn Markt fern, weil sie entsprechende Preise nicht erzielen können. Der Anteil des Auslandes an der Fleischlieferuug ist im Jahre 1928 wieder auf den Vortriegszustand zurückgegangen. Im Mai 1929 ist die Einfuhr von frischem Rind- und Kalbfleisch annähernd 9999 Doppelzentner geringer als im Mai 1913. Bei Schweinefleisch betrug die Einfuhr vom Januar bis Mai d. I. 79 635 Doppelzentner gegen 148 299 Doppelzentner in derselben Zeit des Jahres 1913. Die„Deutsche Tageszeitung" vom 27. Juni d. I. muß in einem Artikel über den„Ruin der deutschen Viehzucht" aner- kennen, doß die Fleisvers'orgung durch die deutsche Landwirtschaft noch nicht ganz gesichert ist. Trotzdem verlangt sie erhöhte Zölle und Einfuhrverbot für Gefrierfleisch. Die unzutreffende Behauptung, daß nur abgemolkene Kühe(also geringe Qualitäten) eingeführt werden, wird wiederholt, um„zu beweisen", doß die Preise für deutsche geringe Qualitäten gedrückt werden. Das Landbundorgan verschweigt, doß Preise und Qualität dieser Klais« Kühe von heute mit denen der Vorkriegszeit nicht verglichen werden können. Die Umstellung in der deutschen Landwirtschaft hat zur Folge ein erheblich größeres Angebot abgemolkener Kühe sehr ge- ringer Qualität. Die wiederholt veröffentlichten Preis vergleiche zwischen der Vor- und Nachkriegszeit sind deshalb unzutreffend. Die weitere Behauptung, daß die Auslandszufuhren b e s 0 n- ders auf dem Ha mburger Markt größer seien al, die In- landszusuhrcn, ist ebenfalls unrichtig, wie di« nachstehenden Zahlen ergeben. Die Zufuhr nach dem Hamburger Markt war 1928: Inlandexich A u» l a n S« v i eh Ochlen...... 21 318 19 942 Färsen...... 19 578 8 451 Bullen...... 11 198 4 478 Kühe...... 39 794 19 572 Kälber...... 71 963 283 Schweine...,, 657 166— Schafe...... 62116 6 An geschlachteten Tieren einschließlich gefrorener Tierkörper wurden zugeführt: Großvieh Kälber. Schweine Schase. 11 719 39 995 29 244 3 833 6 532 19 857 1 495 29 613 Der Homburger Markt versorgt nicht nur das Städtegebiet Hamburg. Altona-Wandsb«k, Horburg-Wilhelmsburg, sondern auch einen erheblichen Teil des Industriegebiets. Ein erheblicher Teil der schleswig-holsteinischen Wurstfabriken deckt feinen Bedarf eben- falls auf dem Hamburger Markt. Die stürmisch geforderte Angleichung der Lebeadviehzölle bringt der Landwirlschast keinen Rußen, den Verbrauchern Räch teile und der allgemeinen Volkswirtschaft Schaden. Dazu komme« noch im besonderen die Schäden für die städtischen Seegrenzschlachthäuser und für eine erhebliche Zahl im Schlachterhandwerk tätiger Meister. Gesellen und Arbeiter. Erhöh« Zölle und Einsuhrverbote sind nicht die Allheilmittel für die tandwirtschast, sondern nur die von der Sozialdemokratie wiederholt in- und außerhalb des Parlaments gezeigten Wege. Der hesfifche Ferngaskampf. Keine Entscheidung für die Ruhr.— Vorhandlungen über kommunalpolitifche Lösung. Die mit Spannung erwartete Generalversammlung der Hekoga tagte unter Ausschluß der Presse. Eine der Oeffentlicht«t übergeben«, einstimmig gefaßte Entschließung läßt erkennen, doß die Hekoga das Ruhrangebot noch nicht angenommen hat und zunächst mit der Süd- westdeutschen Gas A. G. über den Plan der Produktionsgemein- schaft weiter verhandeln will. Die Entschließung lautet: „Die Generalversammlung hat von dem Stand der bisherigen Verhandlungen Kenntnis genommen. Sie stellt fest, daß V 0 r sta n d und Aufsichtsrat allen Möglichkeiten der Gasbeschaffung in objektiver Weise nachgegangen sind und alles getan haben, den Interessen der hessischen Gasverbroucher bestens gerecht zu werden. Die Generalversammlung erkennnt insbesondere auch an. dätz Vor- stand und Aufsichtsrat bemüht waren und nach den abgegebenen Erklärungen auch zukünftig bestrebt sein werden, den berechtig- tcn Interessen des Saargebietes in loyaler Weise Rechnung zu tragen. Die Generalversammlung stellt weiter fest, daß die bisherigen vorbereitenden Arbeiten den Entschließungen de? in der Hekoga zusammengeschlossenen kommunalen Verbände in keiner Weis« vorgreifen. Di« Generalversammlung ist hinsichtlich der neuertsings von der S ü d w c g a eingeleiteten Verhandlungen mit Aufsichtsrat und Vorstand der Meinung, daß— unabhängig von der Frage, ob auf der Basis von 5,16 Pfennig eine Gassernversorgung aufgebaut werden kann— wegen des Vorschlages über die Herbeiführung einer gemeinsamen Produktionsbasis eine Prüfung der Kalkulation und der Rechnungsuntcrlogen notwendig ist,«he«ine grundsätzlich« Entscheidung zu dem Angebot der Südwega in Frage kommen kann, daß ober in erster Linie der Vor st and der Hekoga nun» mehr seinerseits der Südwega Vorschläge für «ine Zusammenarbeit unter Verwendung der von der Hekoga seither erzielten Verhandwngsergebnisse unterbreiten, soll. Die Generalversammlung beschließt: Der Vorstand bleibt beauftragt, hiernach die Verhandlungen fortzuführen und so bald wie möglich das Ergebnis dem Aufsichtsrat und der Generalversammlung zur Beschlußfassung vorzulegen. Stillegung in der Kunstseidenindustrie. Arbeiter und Angestellte auf der Straße. In der Kunstseidenindustrie der ganzen Welt wird zwar noch mächtig verdient, aber in den letzten Jahren ist es durch die riesen« hafte Ausdehnung der Produktion zu schweren Preiskämpsen gekom- mcn. Vor allem sind es die kleineren und unabhängig gebliebenen Fabriken, die gegenüber den Großkonzernen nicht mehr mitkam- men. Zu diesen Fabriken gehört offenbar auch die 1923 gegründete Spinn st offwerch Glauchau A.-G. in Glauchau-Sachsen. Von dieser Gesellschaft wird jetzt gemeldet, daß der Betrieb zum 1. Juli stillgelegt worden ist. Rund 899 Arbeiter und 69 An- g e st e ll t e sind arbeitslos geworden, da nur ein kleiner Teil der Belegschaften mit Aufräumungsarbeitei, beschästigt wird. Die Verwaltung hat erklärt, doß es sich nur um eine vor» übergehende Stillegung handle, die wieder ausgehoben werden solle, wenn die Verhältnisse auf dem Kunstseidenmarkt» d. h. offenbar die Preise, sich wieder gebessert Hütten. Es ist bekannt, doß die Vereinigten Glanz st offwerke mit der holländischen Enka-Gesellschast sich deshalb verschmolzen haben, weil sie damit eine Erhöhung der Kunstscidenpreise glauben erreichen zu können. Wie wir gehört haben, rechnet man mit mindestens 1 Mark Preiserhöhung pro Pfund. Da die Glauchauer Werke nach der Angabe der Verwaltung ihre Produktion bisher immer glatt absetzen konnten, wenn auch nur mit Verlusten, könnte die Rechnung richtig sein, daß die Preis" später wieder bessere Ver» dienstmöglichketten geben. Es stimmt allerdings bedenklich, daß das Glouchauer Werk auch in früheren Jahren, wo die Preisoerhältnisse günstiger waren, keine Gewinne ausschütten tonnte. Stock Motorpflug halbes Kapital verloren. Seit 1925 bereits hat die Stock Motoj-pflug A.-G. in Berlin mit Verlusten gearbeitet. Jetzt zeigt sich, daß trotz des Hilfskredits für die landwirtschaftliche Maschinenindustrie, an dem auch die Stock Motorpslug A.-G. beteiligt war, die Gesellschaft weiter schwere Verluste erlitten hat. Sie muß mitteilen, daß das halbe Aktien- kapital von 2,42 Millionen durch die eingetretenen Verluste als ver- loren angesehen werden muß und» schlägt vor, das Kapital im Der- hältnis 19: 1 zusammenzulegen und fpäter wieder auf 1,6 Millionen zu erhöhen. Eine Opel-Finanzierung G. m. b. h. Die Firma Adam-Opel Hot in. Gemeinschaft mit der General Motors Co. ein« Opel-Finanzienings-Gesellschaft m. b. H. gegründet. Das neue Unter- nehmen verfügt über ein Kapital von drei Millionen Mark. Es soll Kredit« an Autokäufer vermitteln und entsprechende Wechsel diskontieren. Damit hat das Rüsselsheimer Unternehmen die eigene Finanzierung des Autoabzahlungsgeschäftes nach amerikanischem Muster übernommen. Bremer vulcan hat schön verdient. Die Bremer Vulcan Schiff- bau- und Maschinenfabrik in Vegesack, die dem Thyssen-Konzern nahe- steht, Hot im Jahre 1928 ihre Rohgewinne von 2,45 auf 2,58 Millionen erhöht. Durch Erhöhung der Abschreibungen um rund 199 999 Mark auf rund 799 999 Mark ging der ausgewiesene Reingewinn leicht von 1,11 auf 9,98 Millioonen zurück. An Aktionäre wird wie im Vorjahre die schöne und bei Wersten beachtliche Di vi- dende von 8 Proz. verteilt. Alle Zweige des Unternehmens waren noch dem Geschäftsbericht im vergangenen Jahre gut mit Arbeit versehen, der anständige Gewinn wurde trhtz der drei» monatigen Stillegung durch Aussperrung und Streit er- zielt, und die hereingeholten Auftrage geben der Werft für das neue Geschäftsjahr ausreichende Beschäftigung. Amerika in der deutschen Flugzeugindustrie.— Flugzeuge gegen Abzahlung. Zu den jungen und scheinbar mit Erxolg arbeitenden Werken der deutschen Flugzeugindustrie gehört die R a a b- K a tze n. st e i n- F l u g z e u g w e r k G. m. b. H. in Kassel. In diesem Werk hat sich jetzt eine amevikamsche Flugzeuasabrik festgesetzt, und zwar durch Uebcrnahme von 19 Proz. der Geschäftsanteile und durch den Erwerb sämtlicher Lizenzen der deutschen Firma für Nord- und Südamerika. Raab-Katzenstein bekommt dafür Bargeld und außer- dem 7 Proz. des Kapitals der mit einer halben Million Dollar arbeitenden amerikanischen Gesellschaft, die ihrerseits sämtlich« Flug. zeugtypen des Roab-Katzensteinwerkes bauen will. Die Amerikaner haben di« Absicht, dos Kasseler Werk zu reorganisieren und noch amerikanischer Art auch in Deutschland Flugzeuge gegen An Zahlung und Abzahlung zu verkaufen. Allerdings wird gleichzeitig gemeldet, daß Arbeiterentlassungen oorge- nommen werden sollen. Die Frag« wäre also zu prüfen, inwieweit Raab-Katzenstein nicht etwa nur Verkaufs- und Montagegesellfchast für die amerikanische Firma werden soll. ll Außenhandel in Polen. Die polnische Statistik zeigt en Außenhandels. Von ...„. zurückging. Um rund 4 99 Mill. Zloty ist die polnische Außenhandels- bilanz also passiv. Ein Blick genügt Qua I ität heisst immer SAMMAN DE fi. fi. Z£ u 6 N i S DER G ß'O" S S-I£,* o U ß Die schlesischen Textilbarone. Auch den neuen Schiedsspruch lehnen sie ab. Der Verband schlesischer Textilindustrieller hat auch den am 3. Juli gefällten neuen Schiedsspruch abgelehnt. Die Lohnerhöhung von 8,7 Proz. trage der besonderen Notlage der schlesischen Textil- industrie in keiner Weise Rechnung. Die Herrschaften übersehen bei ihrer Klage absichtlich, daß die Notlage der Arbeiter und Arbeiterinnen in der schlesischen Textilindustrie dringlicher ist als die von ihnen vorgeschützte eigene„Notlage", die sie als solche der Textilindustrie ausgeben. Dieser brennenden Notlage soll die in dem Schiedsspruch vorgesehene Lohnerhöhung ein wenig steuern. Abhelfen kann sie ihr nicht. Allein die Herrschaften klagen ganz so, als ob sie selber schon daran wären,«ine solche Hungerexistenz zu fristen, wie sie sie einem großen Teil ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen zumuten. Die sche- matische Erhöhung aller Stücklohnsätze sei in den Schiedsspruch ohne Rücksicht auf die Verhältnisse der emzelnen Betriebe vorgeschrieben und würde in der Praxis zu den größten Schwierigkeiten führen. Aus den Schlichter ergießt sich die Schal« ihres Aergers über den Schiedsspruch. Der aus Westdeutschland berufene Schlichter mit seiner„mangelnden Kenntnis der Verhältnisse in der schlesischen Grenzprovinz"— wo wie überall neben den Unternehmern auch die Arbeiter und Arbeite» rinnen leben müssen!— Hab« der besonderen Wirtschaftslage der schlesischen Textilindustrie nicht gerecht werden können. Der Antrag der Unternehmerbeisitzer, die Fällung eines Schieds- spruchs zu vertagen,„um wenigstens jetzt die wirtschaftlichen und so- zialen Verhältnisse im schlesischen Textilbezirk vor Auferlegung einer so weitgehenden neuen Belastung an Ort und Stelle zu untersuchen", sei von der Schlichterkammer durch Mehrheitsbeschluß abgelehnt worden. Als ob die Herreu die Regelung der Differenzen nicht lange genug verschleppt hätten, die sie durch ihr» Elendslohnpolitik längst verschuldet haben. * Die Funktionäre der Textilarbeitergewertschaslen haben am Frei- log in Breslau den neuen Schiedsspruch einstimmig angenommen. Die Gewerkschaftsleitungen wurden beauftragt, an da» Reichsarbeit»- Ministerium den Antrag auf Verbindlichkeit zu stellen. Hoffentlich wird nunmehr diesem Antrag vom Reichsarbeits- Ministerium stattgegeben und damit dieser Akt in dem Trauerspiel der schlesischen Textilindustrie beendet. Es ist Zeit! Verfehlte kommunistische Spekulation. Lleber 2000 Rohrleger im MetaNarbeiterverband. Die provisorische Branchenleitung der im Metallarb«it«rverband organisierten Berliner Rohrleger und Helfer hatte die Branchen- angehörigen zu Donnerstagabend nach den Sophiensälen geladen, um sich über die Auswirkung des neuen Lohn- und Manteltarifes in den Betrieben zu informieren und vor allem, um die Wahl einer ordnungsmäßigen Brancheirkommission vornehmen zu lasten. Die Versammlung war von etwa 700 Rohrlegern und Helfern besucht, die entsprechend der Aufforderung des Metall- arbeiterverbandes ihre Mitgliedsbücher der Organisation zur Kon- trolle vorgelegt und damit bekundet hatten, daß sie wetterhin treu zu ihrer Organisation halten wollen. In der Debatte, die sich dem Tätigkeitsbericht der provisorischen Branchenkommistion an- schloß, wurde von allen Rednern das unkollegiale und terroristische Gebaren Nieder kirchners und seiner Gefolgschaft verurteilt. Einmütig brachten die Der- sammelten zum Ausdruck, daß sie dem Terror der Nieder- kirchner-Gruppe fortan den schärfsten Widerstand entgegen- setzen und alles aufbieten werden, um die von Niederkirchner irregeführten Berufsangehörigen wieder zum Metallarbeiieroerband zurückzuführen. lieber die Auswirkung des neuen Mantellarifes wurden keine Klagen geführt, mit Ausnahme von zwei Betrieben, wo trotz der Bestimmung des 8 2 des Tarifvertrages über den Befähigungs- Nachweis Helfer ausgebildet werden, die nicht vom Arbeitsnachweis und ohne Zustimmung des Betnebsrats eingestellt worden sind. Die O r t s ve r waltu ng wurde be- auftrogt, dafür zu sorgen, daß auch diese beiden Unternehmer die tariflichen Bestimmungen einhasten. Die Versammlung schritt dann zur Wahl einer ordnungsmäßige« Branchenkommistion. Von den Vertrauensleuten war eine einheitliche Liste mit 16 Kandidaten für die Veseßung der Branchenkommistion aufgestellt worden. Einem Vorschlag des bisherigen provisorischen Branchen- leiters Kurt Friedrich, aus der Mitte der Versammlung noch weitere Wahlvorschläge zu machen, um die Branchen- kommistion aus 23 Person en zusammensetzen zu können, stimmte die Versammlung einmütig zu. Die so ergänzte Liste wurde gegen etwa 1l) Stimmen gewählt. Die Branchenkommission wählle Kurt Friedrich als Branchenleiter, und zwar einstimmig, Friedrich Werner als Stellvertreter gegen drei Stimmen, Georg Müller als Schriftführer gegen fünf Stimmen und als seinen Stell- vettreter Otto Tupschanski gegen eine Sttmine. Mit dieser Wahl ist auch das Geschrei Niederkirchners und seiner Anhänger erledigt, daß die provisorisch eingesetzte Branchenkommission wahr- scheinlich lebenslänglich, zumindest aber so lange amtteren würde, wie es der Ortsverwaltung beliebe. Nach der Wahl gast der Branchenleiter Genosse Friedrich einen kurzen Rückblick auf die Vorgänge in der Rohrlegerbranche im Lause der letzten Monate. Er teilte mit, daß sich bis jetzt 2036 Rohrleger und Helfer der Buch- kontrolle der Ortsverwaltung und Branchenkommission unterzogen haben. Aufgabe der neuen Branchenkommission sei es, alle tarif- lichen Kommissionen so zu besetzen und auszubauen, daß d i e Interessen der Rohrleger und Helfer unter allen Um- ständen gewahrt bleiben. Der Vertreter der Ortsverwastung, Genosse G u t s ch e, ver- sicherte den verbandstreuen Rohrlegern und Helfern, daß die Orga- nisation ihnen m Zukunft die gleiche Treue halten wird, wie sie von den Rohrlegern in der schweren Zeit dem Verbands bekundet wurde. Er teitte schließlich noch mit, daß die Ortsverwaltung auf Beschluß der Vertrauensleute beim Reichsarbeitsminister den An- trag auf Allgemeinverbindlichkeitserklärung des Tarifvertrages gestellt hat, welchem Antrag sich auch die Unter- nehmer angeschlossen hoben. Dieser Schritt war notwendig, um zu verhindern, daß eiiyeln« Unternehmer die Zersplitterungsaktion Riederkirchners gegen die verbandstreuen Berussangehörigen aus- nutzen. Mit einem Hoch auf den Deutschen Metalls»b elter- verband wurde die gut verlaufene Versammlung geschlossen, die bewiesen hat, daß das Gros der Berliner Rohrleger und Helfer ihr Geschick auch sehr gut ohne Parteibefehle meistern und mit der Ortsverwaltung in loyaler Weife zum Nutzen der Gesamtorgani- sation zusammenarbeiten kann. «-- Ein Besuch in England. Vorbildliche gewerkschaftliche Einrichtung. Die Filiale Berlin des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter entsendet elljährlich 12 ihrer Mitglieder zu Studienzwecken nach dem Auslande. Der diesjährigen Studien- reife, die nach England führte, hat sich auch die Filiale i,- e s ir« n mit fünf ihrer Mitglieder angeschlossen. � Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungs- arbeit erledigte die Borbereitungen dieser Reise: ein Vertreter des Reichsausschusses nahm an der Reise teil. Die Durchführung des Reiseprogramms in England war Ausgabe der Workers' Travel Associatton(Arbeiterreisegesellschast), die den Teilnehmern auch einen Führer stellte. Die Reise dauerte 14 Tage. Ihr Zweck war das Studium technischer Cinrichtun- gen, besonders der in kommunalen und Staatsbetrieben, das Stu- dium der wirffchaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse und die Förderung internationaler Beziehungen. Besucht wurden Lon- don, Oxford, Birmingham, Manchester, Sheffield, Roltingham, Cambridge und eine Anzahl kleinerer Orte. Der Präsident der National Union of General and Municipa! Wörter«, Minister Clynes. hat den Reiseteilnehmern«inen fest- lichen Empfang bereitet und hielt bei diesem Anlaß unter Bezug auf den Wahlausgang in England eine hochbedeutsame polittsche Rede, in der der Hinweis auf die künstige Gestaltung der internationalen Beziehungen sich besonders klangvoll herausnahm. Die Distriktverwaltungen der National Union of General and Municipol Workerz und auch die Spitzen der kommunalen Behörden asser besuchten Orte haben die deutschen Gewerkschafter ouherordent- lich gut empfangen. Behörden als auch Privatunternehmer haben in konziliantester Weise alle nur denkbaren �Erleichterungen den Reiseteilnehmern geboten und sie bei der Erfüllung ihrer Aufgabe unterstützt. Daraus dürfte der Schluß auf den großen Einfluß ge- folgert werden, den die englische Arbeiterbewegung überall besitzt. So war es allen Reiseteilnehmern möglich, vieles Wertvolle zu sehen und zu lernen. Es darf gesagt werden, daß die der Reife zugrunde liegende Absicht, die Erweiterung des Wissens, wesentlich gefördert worden ist. Gefördert wurde aber auch das Sich-Verstehen-Lernen. Ein Grund, mit dem Reiscergebnis zufrieden zu sein. A. R. Sireikunruhen in Bombay. Die Streikunruhen nehmen ihren Fortgang. Auch aus Ban- galore werden Unruhen gemeldet. Dort hatte die Polizei eine Versammlung der streikenden Arbeiter g e s p r en gt und mußte mehrere Polizisten aus der Volksmenge befteien. die mit Stein- würfen gegen die Polizei vorgegangen war. wobei eine Anzahl Polizisten oerletzt wurde.__ �reie Gewerkschafis-Iuaend GroßBerlin irtirtt, e«»»»b«»d, lind folgend« Veranfialtungen:»»«ch-»»d Be- »«g»»g»ch»r: TreOvunlt für die Luckenwalder ssabrt um I8V3 ilfir im «nd-It-r Badnhof iVorliolle).— Morgen, Sonntag. Treffpunkt filr die Sahrt nach Luckenwalde um Udr auf dem Schulhof.«lembe-renftr. J Di« ffuhrtgruppenieiter treffen sich um 7�. Uhr an der gleichen Stell«. EK. gefchirr und Ejb-steck find mitzubringen�___ f «erantwortlich für Politik: Dr.«nrt»«nrr:»irtfchaft: S. lllingelhifer! Drwerlschaftobeweauna:«riete. 8*1«»:«-uill�-n: Dr. Zahn Schwn»»«! L-Ialeo und Sonstiges: s-ig n-rstädt; Anz-Ig-N-«lock-: sämtlich irr Berlin. Verlag: Borwärto-Berlag