BERLIN Sonnabend «. Znli 1929 10 pk. Nr. Sil BISS 46. Jahrgang. erscheint töglich anberGonatag«. Zugleich Abendausgabe de«.VorwSrt«'. Deiugjxrei« beide Susgaben SöPf. proWoche, S.MM. pro Monat. Vledaktion und Erredition; DerlinSWSS.LindenSr.S SfuUaubgaße xlei„ibwasfa l nzeigenoret«! Die elnfxaltige Nonpareilleteil« vo Pf., gietlamejeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. ostschecktout«! Vvrwärts-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr. S7üZK. Fernsprecher: Dönhoff SS2 bi« 2tn Neue Opfer der Autoraserei. Betrunkener Chauffeur überfährt nachts zwei Passanten und flüchtet. 0 ElfdUerdrama vor Qerichl. In der vergangenen Nacht wurden am P r a g e r Platz in Wilmersdorf zwei Passanten von einem rasende« Privatauto Lberfahren und schwer ver- letzt. Der Führer hielt für einen Augenblick hn, suchte dann aber, ohne sich um die Verunglückten zu kümmern, in schneller Fahrt das Weite. Einem Augen» zeuge» gelang es jedoch, das hinten am Wagen befindliche Nummernschild, das die Zahl I X«8 103 trägt, im letzten Augenblick abzureißen und der Polizei z« übergeben. * ttn der Ecke Prager Platz und Aschaffenburger Straße wollten gegen X2 Uhr der tAjährige Kellner Karl Schwarz aus der Holsteinischen Straße 9 und die 34jähnge Johanna Rick- manu aus der Prager Straße 21 den Fahrdomm überschreiten. Wie Augenzeugen berichten raste in diesem Augenblick io geradezu toller Fahrt da» Privatauto Hera», das, ohne Signal zu geben, in die Fahrbahn des Proger Platzes einbog. Die beiden Passanten wurden von dem Wagen er- saßt und übersahreu. Sie hatten schwere Arm- und Beinbrüche er- litten. Zlnstatt sich um die Verletzten zu kümmern, zog es der gewissenlose Führer nach berüchtigtem Gatower Muster vor, zu flüchten. Ein Passant, der Zeuge des Vorfalles geworden war, sprang geistesgegenwärtig hinzu und riß dos Nummernschild ab. Di« Schwerverletzten fanden im Wilmersdorf«! Krankenhaus in der Achenbachstraß« Aufnahme. Da die Nummer des Wagens bekannt Ist, ist auch mit der baldigen Festnahme des Führers zu rechnen. Schon in Charlotten. hurg war dasselbe Auto einer Schupostreis« aufgefallen; l der wagen wurde von dem ilhaufseur im Ilckzackkur» j gesteuert. und als die Beamten zur Feststellung des anscheinend be- trunkenen Führers schreiten wollten, gab dieser Boll. gas und fuhr davon. Di« Beamten nahmen die Verfolgung in einem anderen Wagen auf; der Flüchtig« hatte aber bald einen so großen Vorsprung erreicht, daß ein« weitere Berfolgung als aussichtslos ausgegeben werden mußte. » wie wir ermittelt haben, gehört das Auto einem gewissen Kaufmann fL Der Bruder des Chauffeurs, der als wagenwöscher«ölig ist. ha« in der vergangenen Nacht ohne wissen des Chaussenr» und des Kaufmanns K. das Auto zu elner Schwarzfahrt benutzt. heule früh teilte er seinem Bruder mit, daß er Pech gehabt hätte und der Kotflügel des Auto» abgerissen sei. Cr ist seitdem nicht mehr aufzufinden. Der wagen ist noch auf die Firma horch-werke einge- tragen, well der von dem Kaufmann erstandene wagen noch nicht fertiggestellt ist und ihm deshalb der wagen l. A. 68 103 vorläufig zur Benutzung überlassen wurde. Ozeanflieger unterwegs. Hat Das Flugzeug Grönland schon überflogen? c t t a w a, 0. Juli. Veim Marinedepartemcnt ist ein Funkspruch der Ne- gierungsstation Port Burwell(Hudson-Straits) ein- gegangen, der besagt, das Flugzeug ,.U n t i n B o w l e r" sei heute vormittag unterwegs gewesen, anscheinend in Richtung auf Grönland. Einzelheiten sind nicht be- kannt. Die Station meldet, das Wetter sei im Gebiet der Hudson Straits schlecht. Im Interesse der Flieger werden stündliche Wettervoraussagen gefunkt. In Cttawa ist weiter eine drahtlose Nachricht von der Station Port Burwell eingetroffen, wonach das Flugzeug„Untin Bowler" anscheinend Grönland über- flogen hat. Einzelheiten sind nicht mehr zu erhalten ge- Wesen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Witterungs- Verhältnisse ä u ß e r st ungünstig seien. Paris, 6. Juli. Der Schwurgerichtsprozeß gegen den Elfässer Benoit, der den Generalstaatsanwalt Fachst angeschossen hat, brachte gestern sensatio- nelle Szenen. Die Bernehmung des früheren Generalstaatsanwalts Fachst im Prozeß gegen Georges Benoit führte zu einer Szene von pathetischem AHentäler Sßenoii nährend der Temehmung. Einschlag. Fachst, der nicht als Prioatkläger, sondern lediglich als Zeug« auftrat, erklärte zunächst, daß er überall, auch im Elsaß, nichts als seine Pflicht getan habe, und plädierte dann in bewegten Worten, allerdings nicht mit juristischen Argumenten, sür die Frei- sprechung des Angeklagten. Wie können Sie, so rief er den Ge- schworenen zu, den Arm strafen, wenn der Kopf u m n a ch t e t ist? Benoit hat mich töten wollen, aber andere wollen Frankreich zec- stückeln. Ist das nicht viel schlimmer? Was ist Benoit? Ein durch- schnittlich begabter Mensch, leicht zu beeinflussen. Er hat sich für den Verteidiger und Rächer seiner Heimat gehalten. Er ist aber nur ein Naivling gewesen. Zu Benoit gewandt, fuhr Fachot fort: Ich forder« Sie auf, in Ihrem Heim, das ich nicht zerstören will, zu sagen, daß die Franzosen aus dem Innern, wie man sie dort nennt, nur das Glück des Elsaß wünschen. Frankreich ist ein großmütiges Volk, und ich hoffe, daß Sie eines Tages aus vollem Herzen„Vive la France" rufen werden. Der ganze Saal klatschte bei diesen Worten Beisall. Der Vor- sitzende beglückwünschte Fachot zu seinen Worten und sprach die Hoffnung aus, daß sie im ganzen Elsaß abgedruckt würden. Der Verteidiger Benoits dankte dem Zeugen für seine edelmütige Haltung, was dieser aber mit dem Hinweis zurückwies, daß er für die Erfüllung seiner Pflicht von niemand Dank ent- gegenzunehmen habe. Benoit erklärte hieraus mit zitternder Stimnie: Ich bedauere tief die Handlung, die ich gegen Herrn Fachat begangen habe. Ich danke Gott, daß er sein Leben erhalten hat. Fachst wandle sich nochmals an den Angeklagten: werden Sie ein guter Franzose sein? Venoil antwortete: 3a, ich bin immer ein guter Franzose gewesen. Zu einer zweiten Sensation kam es bei der Vernehmung des als Entlastungszeugen geladenen oberelsässischen Senators Helmer, der von 1919 bis 1921 Sequester der elsässischen Kaligruben war und im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit in der Oeffentlichkeit eine Reihe von Vorwürfen gegen Fachot erhoben hatte. Der Vorsitzende hielt Helmer vor, daß er seinerzeit Fachot Unterschlagungen in Höhe von 2Ü Millionen Franken vorgeworfen habe und daß Benoit durch diese und ähnliche Behauptungen zu seiner Tat be- stimmt worden sei. Helmer bestritt, diese Anschuldigung erhoben und einen derartigen Einsluß auf Benoit ausgeübt zu haben, worauf der Angeklagte auf eine Frage des Vorsitzenden erklärte: Ich habe geglaubt, daß Herr Fachot ein unehrlicher Mensch sei. Hier er- griff der Staatsanwalt das Wort, um auf den Grund der Feindschaft zwischen Helmer und Fachot einzugehen und um schließlich unter großer Bewegung im Saal dem Senator zuzurufen: Sie sind ein mildernder Umstand sür den Angeklagten. Sie sind ein Verleumder. Der Vorsitzende fügte hinzu: Sie haben Benoit die Waffe in die Hand gedrückt. Fachot erklärte auf eine Frage, daß er den Worten des Staats- anwalts nichts hinzuzufügen Hab«. Das Wort Verleumder, das er bereits in Kolmar gebraucht habe, sei heute wieder gefassen. Das genüge ihm. Die spanische Diktatur. primo unö die Arbeiterschast.— Militärputsche und Studentenunruhen. Dos erst« Mal sah ich Primo de Rivers an der Estacion del Norte, am Madrider Nordbahnhof, nach der Ankunft Strefe- mann?. Ein großer, etwas fettleibiger Herr mit blasser Hautfarbe, ergrautem Haar, leicht gebeugt, mit einem müden Gefichtsousdruck und einem etwas gezwungenen Lächeln bestieg«in geschlossenes Auto und fuhr davon. Aus der nicht allzu großen Menschenmenge, die zum guten Teil aus Reichsdeutschen bestand, ertönten einige nicht übermäßig begeisterte Vioarufe Der ältere Herr lüftet« mehr- mals den Zylinderhut, während das Auto langsam davonfuhr. Es fiel mir auf, daß der polizeiliche Absperrungsdienft sehr gering war. Wie mir versichert wurde, geht Primo fast täglich durch die Straßen Madrids fast ohne Begleitung spazieren und setzt sich nnt Vorliebe an die Terrasse irgendeines Cosehauscs an den belebtesten Straßenecken. Daran mag man schon den grund- legenden Unterschied zwischen der Diktatur in Italien und in Spanien ersehen: während Mussolini den größten Teil seines Lebens hinicr streng bewachten Palastmaucrn verbringt und sich nur unter stärkster Bedeckung von uniformierten Milizsoldaten und Geheimpolizisten in der Oeffentlichkeit sehen läßt, zeigt sich Primo de Rivera mehrere Stunden am Tage aus den Straßen, mitten im Mcnschengcwimmel. Nichts wäre für einen Attentäter leichter, als ihn umzubringen, aber er selbst scheint diese Gefahr nicht zu fürchten. Das liegt eben daran, daß er einmal kein Blut vergossen hat— und darin unterscheidet er sich vorteilhaft von Mussolini. Wie überhaupt kein vergleich zwischen den italienischen und den spanischen Diktaturzuständen möglich ist. Der weitere Grund ist, daß Primos eigentliche Feinde nicht in den breiten Massen des Volkes zu suchen sind, sondern elzer In einem Teil der Aristokratie und der kapitalistischen Bourgeoisie und bei den Intellektuellen. Er ist, daß muh objektiv anerkannt werden, bei den prole- t a r i s ch e n Massen nicht unpopulär. Zumindest wird er von „Es gibt nichts zu vertuschen!" Erklärung des Staaisanwalts im Orlow-Prozeß. Die Sitzung wickelte sich heute morgen ruhiger ab. Der Zeuge Sievert kann endlich seine Aussage im Zusammen- hang machen. Man erhalt einen Einblick in die äußerst undurch- sichtigen Verhältnisse beim Nachrichten- und Gegennachrichtendienst. An Stelle des Oberstaatsanwalts hat neben dem Staatsanwalt der Erste Staatsanwalt Köhler Platz genommen. Er erklärt: „Der Prozeß hat einen derartigen Umfang angenommen, daß ich als Leiter der politischen Abteilung mich gezwungen gesehen habe, meinen Urlaub zu unterbrechen. Wenn ich im Lause der ver- Handlung vielleicht die eine oder andere Frage beanstanden werde. so lue ich dies nicht, weil ich etwas vertuschen will. Es gibt nichts zu vertuschen. Ich würde der letzte sein, der irgendeine Behördein Schutz nehmen wollte, wenn an ihr Dreck kleben würde. Man wird sich aber bei den Erörterungen aus das be- schränken müssen, was zur Sache gehört." Sowjetvertreter sprechen von„Kriegserklörung*. Eine aussehenerregende Erklärung gibt der Rechtsanwalt Fuchs ab. Er sagt: Der Vertreter der Sowjetregierung im Gerichtssaal, der Pressechef Stern, hat gestern den Sachverständigen gegenüber ge- äußert, daß die Sowjetregierung ein für sie ungünstiges Gutachten für eine„Kriegserklärung" halten würde. Ich protestiere gegen den Versuch, den Bazillus des Bolschewistentcrrors�zuch in ein deutsches Gerichtsverfahren einzuführen. Zum Glück sind aber alle' Organe der deutschen Rechtspflege gegen einen der- artigen Bazillus immun. Der Sachverständige Voß bittet um Schutz gegen derartige Drohungen. Zeuge Sievert berichtet. Der Vorsitzende fordert nun den Zeugen Sievert auf, im Zusammenhang zu erzählen. Der Zeuge beginnt mck seinem Lebenslauf. Er ist in Kurland geboren, hat in Riga Chemie studiert, war Leutnant der Reserve, ist persönlicher Adjutant des Kommandanten des 3. Armeekorps gewesen, hat die erste Zeit des Bolschewismus in Rußland bei der baltischen cheimwchr miterlebt und später in führender Stellung gegen den Bolschewismus in Lett- land gekämpft. In Deutschland hat er ansangs für einen größeren Kreis von Leuten oertrauliche Ost berichte für die Industrie und Landwirtschaft herausgegeben, in denen die b o l- schewistischey Verhältnisse beleuchtet wurden, und hat den Kreis seiner Abonnenten später eingeschränkt, weil seine Berichte auch dem sowjetistischen Nachrichtendienst in die Hände fielen. Als die deutschen Behörden dank seiner objektiven Informationen auf ihn aufmerksam wurden, begann er einen privaten Nachrichten- d i e n st auszuüben. Falsch sei es, sagt der Zeuge, sein Bureau als Spionagezentrale zu bezeichnen. Es habe sich höchstens um eine Spionageabwehr gehandelt. Er habe seine Nachrichten der politischen Polizei stets kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Rachrichlenfond«. aus dem er schöpfe, stammle sowohl au« dem Reichskommissarial für össenlliche Ordnung, als auch von einigen anderen Behörden. Sobald er von privaten Auslandsstellen angegangen wurde, holte er zuerst die E r l a u b n i s des Rcichskommissariats ein. Der Zeuge fchidert nun feine Beziehungen zu Orlow und P a w l o n o w s k i. Er hat Orlow bereits im Jahre 1922 als einen Menschen kennengelernt, der in den russischen Dingen die gleich« Arbeit leistete, wie er in den deutschen. Orlow war für ihn gewissermaßen als lebendes Konversationslexikon für bolschewistische Angelegenheiten sehr wichtig. Pawlonowski wurde ihm im Jahre 1924 oon einem gewissen W a s s i l j e w zugeführt Wassiljew erschien eines Tages bei ihm und erzählte, daß aus der Sowjetvertretung ein Beamter mit einem Haufen wichtiger Dokumente geflohen sei. Pawlonowski hatte damals bereits zwei Nächte im Tiergarten zugebracht, glaubte sich verfolgt, machte einen sehr verängstigten Eindruck und hatte von seinen Sachen nichts bei sich. Sie befanden sich noch am Kronprinzen- ufer 19, der Filiale der S o w j e t b o t s ch a s t. Pawlonowskis Material war nicht so wichtig, wie es anfangs geschienen hatte. Es wurde ihm auch nur bedingt das Versprechen gegeben, es ihm für 10 009 Dollar abzukaufen. Den dritten Teil davon sollte Wasstt- jew und ein anderer Herr bekommen, der gleichfalls den Mittels- mann beim Zustandekommen dieser Bekanntschaft gespielt hatte. Bon besonderer Bedeutung war es aber, daß man von Pawlo- nowski nun erfuhr, daß die SowjMregierung im Auslande. ganz so wie in Rußland, eine Tscheka besitze, die hier mit den raffiniertesten Mitteln arbeitet. Der Zeuge bestreitet nicht, daß er von dem Polizeikommissar Heller drei bis vier Monate lang für Pawlonowski 299 Mark erhalten habe, von denen er für sein Bureau 19 Prozent abgezogen hat. Die Sichtung des Pawlonowskifchen Materials verursachte ein« ungeheure Arbeit. Als Orlow eines Tages bat, ihn mit Pawlonowski bekannt zu machen, erklärte er sich dazu bereit, in der Hoffming, auch selbst von der Aussprache der Beiden etwas zu profitieren. In Wirklichkeit begann ober Orlow, der ihm verschiedentlich schriftlich seinen Dank ausgesprochen hatte, zusammen mit Pawlonowski gegen ihn zu arbeiten. So schrieb Pawlo- nowski an Orlow in einem Brief:«Ich weiß nicht, ob es Sinn hat, Siewerts Nachrichtenburcau zu liquidieren. Er zahlt uns doch Geld." Wie Sievert mit Krofckko zusammenkam. Es kommen dann wieder die gefälschten Trillisser-Briefe zur Erörterung. Pawlonowski hatte erklärt,«inen neuen Der- bindungsmann in Krofchko gefunden zu haben,«inen Angestellten der GPU. Der Zeug« lernte diesen Verbindungsmann unter dem Namen Tscherepuchin nachts im Tiergarten kennen. Bei einer Zündholzbeleuchtung zeigte er Sievert seinen GPU.-Ausweis mit Lichtbild und Stempel: noch überzeugender schien sein russischer Re- voloer, System Nagan. Die Trillisser-Briese sollten von Krofchko stammen. Im Jahre 1927, als der Zeuge mit Pawlonowski bereits gebrochen hatte, schimpfte Krofchko auf Orlow. In Wirk- lichkeit war olles abgekartetes Spiel, und auch Krofchko arbeitete mit Pawlonowski und Orlow gegen ihn. Seine Bemühungen, fest- zustellen, ob die Unterschriften auf den Trillisser-Briefen echt seien, führten zu nichts. Herr Mühleisen vom Reichskommissariat für öffentliche Ordnung hatte aber bald heraus, daß alle acht Briese aufgelegter Schwindel ieien. Der Zeuge bestätigt, daß er die Briest niemals in einem geschlossenen Kuvert erhallen habe. Di« B e- gleitschreiben wurden immer später übermittelt. Theoretisch hält er es für unmöglich, daß die Brief« e ch t waren. Pawlonowskis Geständnis, sie gefälscht zu haben, Halle ihn aber oon der Un- «chtheit der Briefe überzeugt. Pawlonowski hat übrigens bei der politischen Polizei zugegeben, daß sie alle von Orlow g«- fälscht sind. Für diese gefälschten Dokumente hat Sievert 13 999 Mark be- zahlt. Das Gericht geht zur Erörterung der po st lagernden Brief« über. Die Poinrarä-Krise dauert an. Wilde Wutausbrüche der Ehauvinisten gegen Henderfon. ihnen nicht gehaßt. Sie betrachten ihn sogar bis zu einem gewissen Grade als das kleinere U e b e l im Vergleich zu gewissen Kliquen, die das Militärdirektorium beseitigt hat. Dies« Kliquen, die sich„liberal" oder„konservativ" normten, haben sich abwechselnd an der Macht abgelöst und bereichert. Selbst grundsätzliche Gegner der Diktatur geben zu, daß das frühere Regime nichts taugte, daß es nur eine Karikatur oon parlamentarischem System darstellte, und daß Primo Fronf gegen die schlimmst« Korruption gemacht hat. Die Arbeiter fühlen sich durch das jetzig« Regime nicht eigentlich verfolgt, sondern haben eher umgekehrt das Gefühl, daß man sie schont, ja daß man ihnen sogar mehr entgegen- k o m m t als unter den Vorgängern des Direktoriums. Vor allem auf dem Gebiete der Lohn- und Sozialpolitik sind in den letzten Iahren Errungenschaften erzielt worden, die zu- mindest zeigen, daß Primo de Rivera auf ein gutes Verhältnis zu den Arbeiterorganisationen besonderen Wert legt. Es sind be- sonders die„paritätischen Komitees" geschaffen worden, durch die die Löhne, die Arbeitszeit usw. in gemeinsamen Beratungen zwischen den Vertretern der Arbeiterschaft und den Unter- nchmern festgesetzt werden. Die freien Gewerkschaften werden als die gegebene Vertretung der Arbeitnehmer vom Staate anerkannt, ihre Führer werden zu den internationalen Arbeits- konferenzen nach Genf delegiert; das Arbeitsministerium, von einem klugen Professor geleitet, hat bereits«ine ganz« Reihe oon sozial- politischen Gesetzesmaßnahmen geschaffen, die von modernem sozialen Empfinden zeugen und jedenfalls für das wirtschastlich und kulturell noch relativ rückständige Spanien beträchtlichen Fort- schritt gegen früher darstelle». Kein Wunder also, daß die Arbeiterorganisationen, besonders die Gewerkschaften, einstweilen zumindest nicht in offener Feindschaft gegen seinen Träger kämpfen. Schon eher läßt sich«ine objektiver« Oppositionsstimmung bei den Sozialisten feststellen, die zwar in Personalunion weseilllich mit den Gewerkschaftsführern identisch sind, die aber auch viele Intellektuelle in ihren Reihen zählen. Bei den letzteren macht sich eine gewisse Unzu- jriedenheit mit dem allzu„loyalen" Kurs der Partei gegenüber dem Regime bemerkbar. Einer dieser Intellektuelle» bemuht« sich eifrig, mir die Notwendigkeit einer stärkeren Aktivität der Arbeiterorgani- jationen gegen das jetzige Regime klarzumachen. Ich stellte eine einzige Gegenfrage:„Da bei einem Sturz Primas die Sozialistische Partei noch nicht stark genug wäre, das Ruder selbst zu ergreifen, würden— nicht wahr— die ersten Nutznießer des Kurswechsels die „liberalen" Politiker von ehedem, Romanones und Genossen, sein? Lohnen diese Herren, daß auch nur ein einziger Arbeiter für sie einen Finger rührt, geschweige denn einen Tag Gefängnis ah- fitzt oder gar sein Leben riskiert?"„Ganz gewiß nicht!" war die entschiedene Antwort dieses radikalen spanischen Parteifreundes. Wie wirkt sich nun die Diktatur aus? Eigentlich ist es nur die Zensur, die sich störend bemerkbar macht. Alle Blätter müssen ihre Seiten vor dem Druck der Zensur vorlegen, die ausschließlich von Offizieren geübt wird. Diese Offiziere verstehen nicht viel von Politik und sind überdies sehr ängstlich, weil die Oppositionsjourna- listen ihnen oft geistreiche Streiche gespielt l�aben. Mit der Zeit ist es aber zu einer Art modus vivendi zwischen der Oppositionspresse und der Zensur gekommen, die Zeitungen enthalten sich allzu scharfer Kritiken an der Regierung, und die Regierung läßt sich dafür in gemäßigten Formen kritisieren. Schärfer wird die Zensur für Auslandstelcgramme und-tele- phonate geübt, soweit innerpolilisch« Vorgänge in Betracht kommen. Indessen scheint in Spanien tatsächlich nicht allzuviel zu passieren. Die Militärputsche des Offizierkorps find reine Eliquenangclegenhciten, für die im Volke, vor allem in der Arbeiterschaft, nicht das mindeste Interesse besteht. Ucbcr die letzte Offiziersrevoltc sind mir recht komische Einzelheiten erzählt worden, die ich natürlich nur unter Vorbehalt wiedergebe. Di« Seele des Komplottes war neben dem angesehenen ehemaligen Minister Sanchez Guerra, der Militärgouverneur der Provinz Valencia. Dieser ehrgeizige General hatte bereits Verbindung zu verschiedenen örtlichen Befehlshabern in ganz Spanien angeknüpft und sich deren Unterstützung gesichert. Natürlich blieb die Sache nicht geheim, sondern wurde rechtzeitig Primo gemeldet. Dieser entsandte nun einen General als Vertrauensmann nach Valencia, der dem dortigen Militärgouverncur so ganz nebenbei erzählte, Primo beabsichtige gerade ihn in den nächsten Tagen zu befördern und ihm ein wichtiges Kommando in Spnnisch-Marokko anzuoer- trauen. Der Militärgouverneur fiel aus allen Wolken und über- schlug sich förmlich in Lobeshymnen auf den Ministerpräsidenten. Gleich noch der Unterredung sandte er an all« seine Mitverschworenen Telegramme in verabredeter Sprache, um den Putsch a b z u- bestellen. Primas Aertauensleute liehen alle Telegramme be- fördern, nur eins hielten sie zurück, um sich einen konkreten Beweis für die Putschpläne des Gouverneurs zu verschaffen. Das zurückgehaltene Telgramm war für den Platzkommandanten von Ein d ad Real bestimmt, der nun ahnungslos am festgesetzten Tag als einziger losschlagend ganz erstaunt war, als er ver- nehmen muhte, daß sich alle übrigen Garnisonen nicht gerührt hätten. Dann ließ Primo de Rivera die putschistischen Offiziere oon Cindad Real und den anstiftenden Militärgouverneur von Valencia oerhaften, ebenso den ahnungslos in Valencia gelandeten Sanchez Guerra. Man erzählt, daß dieser bei der Vernehmung durch den Untersuchungsrichter auf die. Frage, auf wessen Unterstützung die Verschwörer gerechnet hätten, kaltblütig-ironisch geantwortet Hab«: ..3m Falle des Mißlingens. wie Sie sehen, aus niemanden. 3m Falle des Gelingens aus die Unterstützung aller. Auch Sie. Herr Untersuchungsrichter, wären dann begeistert zu mir gestoßen!" Ernster sind die Studentendemonstrationen gewesen. Es handelt sich um die Auflehnung der demokratischen Freiheits- gefühle des intellektuellen Bürgertums. An sich durchaus sympathisch und unterstützungswert. Aber wäre dieses demokratisch-intellektuell« Bürgertum stark genug, um selbständig zu regieren? Man muß es leider bezweifeln. Wahrscheinlich würde bei seinem Sieg die ehe- malige Blutsaugergesellschaft um Romanones wieder das Ruder an sich reißen— und damit wäre dem Volk nicht gedient. Am schlimmsten sdjeint innerpolitisch die katatonische Bewegung der Regierung zu schassen zu geben. Ein schwieriges Kapitel, über das die Ansichten sehr verschieden sind. Die einen behaupten, die Katalonier seien in Rasse, Sprache, Fühlen oon den übrigen Spaniern grundverschieden, die anderen glauben, daß es sich mehr um eine künstliche föderalistische Bewegung handle. Primo war einst Militärgouverneur in Barcelona und soll damals di« Katalonier unterstützt und ihnen Versprechungen gemocht haben, die er später nicht hielt. In B a r c e l o n a ist es mehrfach zu ernsten Unruhen und Auflehnungen gekommen, dort sollen die sonst nur auf dem Papier bestehenden Standgerichte des Direktoriums vor Jahren blutige Arbeit verrichtet haben. Aber von diesen weit zurückliegenden Ausnahmen abgesehen, ist die Diktatur des Direktoriums bisher unblutig verlaufen. Auch mit Gefängnisstrafen und Verbannungen wird nur in sehr seltenen Fällen operiert, ganz im Gegensatz zu Italien und Sowjet- rußland. Wohl aber werden hohe Geldstrafen den Putschisten Paris, 6. Juli.(Eigenbericht.) Die politischen Auguren in Paris wollen heute eine wesentliche Entspannung feststellen können, aber ihre Begründung ist recht fadenscheinig, weil nämlich das Kabinett Poincare am Freitag nicht schon gleich gestürzt worden ist. Der Streit um die Repa- rationen und die iMeralliierten Schulden dauert unverändert fort. Starke Gruppen aus der Regierungskoalition Poincarö haben am Freitag wieder In einer öffentlichen Volksversammlung gegen die Ratifizierung des Schuldenabkommens protestiert. Dabei taten sich besonders Poincarös ehemaliger Pensionsminister Marin und der ehemalige Vorsitzende der Reparationskonferenz. D u b o i«, durch ihre Maßlosigkeiten hervor. poincarö ist also, wenn er die Liquidierung der interalliierten Schulden erreichen will, auf die Stimmen der Linken angewiesen. Diese Stimmen erhält er aber auch heute nur, wenn er sich u n- zweideutig für die Räumung des Rheinlandes und eine Politik der europäischen Solidarität ausspricht. Der sozialistische Abgeordnet« Vincent Auriol hat am Freitag eine entsprechende Resolution in der Finanzkommission der Kammer| auferlegt. Da es sich aber zumeist um«hemalige Minister handelt, die bei der Ausbeutung Spaniens enorme Vermögen ergaunert haben, werden diese Strafen zum Teil glatt bezahlt— den Rest pflegt der König bei besonderen Gelegenheiten gnadenweis« zu erlassen... Primas Regiment zeichnet sich durch dilettontenhafte 3mprovisalionen aus. Ueber Nacht wird plötzlich irgendeine grundlegend« Maß- nähme angekündigt— und nicht durchgeführt. Kürzlich improvisierte der Diktator einen ganz neuen internationalen Abrüstungsvorschlag, der als Kernstück die Schaffung einer internationalen Bölkerbunds- arme« vorsah. Alle Zeitungen sind verpflichtet, diese Stegreif- Produkte der Phantasie des Diktators abzudrucken. Man liest, lächelt und spricht vierundzwanzig Stunden später nicht mehr davon. Das alles ist nicht sehr schön, aber auch nicht sehr schlimm. Von allen Formen der Diktatur in den verschiedenen europäischen Ländern ist di« spanische sicherlich di« relativ am wenigsten unsympathische. Sie trifft ein Bolk ohne festgewurzelte parlamentarische und demo- kratische Tradition und wiib daher von ihm weniger bitter empfunden. Das g e i st i g e Spanien steht ihr unbedingt ablehnend gegenüber. Das werktätige Spanien betrachtet sie als ein eingebracht, worin die Regierung aufgesordert wird, von der Tribüne der Kammer herab sich für die Rheinlandräumung, di« Abrüstung die internationale Schiedsgerichtsbarkeit und die Vereinigten Staaten von Europa auszusprechen. Ueber die Resolution Bincent Auriols soll am nächsten Dienstag abgestimmt werden. Dabei wird natürlich die latente Krise wiederum einen Höhepunkt erreichen, zumal Poincare, wenn man dem„Matin" Glauben schenken darf, die gewünschte Erklärung vor dem Zusammentritt'/ der Internationalen Regierongskonferenz ablehnt. Die RedeHenderfons im englischen Unterhaus, worin sich der Außenminister der englischen Arbeiterpartei erneut und unzwei- deutig für die sofortige Rheinlandräumung ausgesprochen hat, hat bei der französischen Reaktion wilde Wutausbrüche hervor- gerufen. So verlangt Pertinaux im„Echo de Paris", daß die fran- zösische Regierung sofort ein energisches Dementi erlasse. Das gleiche Blatt erhebt auch die irrsinnig« Forderung, daß der ominöse Fest- stellungs- und Schlichtungsausschuß im Rheinland sogar das Recht erhalten soll, die Rheinlandbrücken in die Lust zu sprengen, wenn | Deutschland die geringste Miene zum Widerstand macht. Uebel, ist sich aber bewußt, daß es unter dem gegenwärtigen politischen und kulturellen Reifegrad des spanischen Volkes schlimmere Uebel geben könnte und weigert sich, für noch gefährlichere Klassenfeinde die Kastanien aus dem Fear zu holen. Das großkapitalistische Spanien wägt die Vorteile und die Nachteil« dieses Regimes sorgfältig ab und läßt es ohne Begeisterung, aber auch ohne Feindschaft— gewähren. Das ari st akratische Spanien, degeneriert und charakterlos, in rivalisierende Hos- und Militärcliquen gespalten, ist bereit, die jetzigen Machthaber zu unter- stützen, solange nicht vom König eine andere Parole ausgegeben wird Vilctor Lcbikf. Die Arbeitsgemeinschaft proletarischer volkstanzkreise veranstaltet morgen, Sonntag IS Uhr, auf Platz 5 im Sportpark Tempel- hofer Feld(Eingang Leinestraße, nahe dem Untergrundbahnhof Boddinstraße) ein Volkstanzfest. Eine gute Kapelle unter Leitung von Alfred Linke wird zum Tanz aufspielen. Es werden alte Volkstänze und neue Jugendtänze gezeigt. Eine«cht« Schuh plattlergruppe wird Tänze vorführen. Zur Deckung der Unkoste werden 59 Pf. erhoben. Freunde der Volkstanzbewegung und es noch werden wollen, sind herzlich willkommen. Oer Schimpfprinz zu Lippe. Er spielt die getränkte Unschuld und schimpft weiter. Der Sproß des deutschen Fiirstenhouses bereichert sein« Skandal- chronik um ein neues Kapitel. Bekanntlich war der„Prinz zu Lippe", wie er sich noch immer tituliert, in erster Instanz zu ZOO Mark Geldstrafe verurteilt worden, weil er u. a. geschrieben hatte: „Um heutigen Tages Minister zu werden, müsse man im Zucht- Haus gesessen haben." Es stellte sich heraus, daß eine bei- sitzende Schösfin, deutschnationale Stodtverordnet«, während der Ver- Handlung aus ihrer Sympathie für den Angeklagten kein Hehl ge- macht und ihm ostentativ die Hand gedrückt hatte. Als der Landgerichtspräsident B e r t h o l d wegen dieses Vorkommnisses ein« Untersuchung einleitete, erhielt er von dem Prinzen Lippe einen Brief, der ihm in schnoddrigstem Tone zu seiner „alsbaldigen Ernennung zum Oberlandesgerichlspräsidenten von Jerusalem" gratulierte und ihm anempfahl, den Assessor Pietrkowski, bei- sitzenden Richter der gedachten Verhandlung, nach Jerusalem mitzunehmen. In der Verhandlung zweiter Instanz wurde die Strafe des Prinzen wegen der Verletzung des Rcpublikschutz- gesetzes auf 500 Mark erhöht. Da nun außerdem wegen des beleidigenden Briefes an den Landgerichtspräsidcnten ein neues Verfahren gegen den Schimpfprinzen eingeleitet ist, hält dieser es für geraten, einen Rückzug anzutreten. Die deutschnationole schlesische Press« ver- össentlicht einen Brief„Sr. Durchlaucht" an den Landgerichtspräji- dentcn Berthold, der eine lendenlahm« Entschuldigung in einen neuen Schimpferguß von mehr als hundert Druckzeilen Länge einwickelt. Inhalt und Ton des Briefes atmen den Geist eines Feudalherren, der nichts gelernt und nichts vergessen hat. Charakteristischerweise sucht der Briefschrciber, der so ungeniert als Ehrabschneider gegen republikanisch« Minister und Richier wirkt, sein« Person als das Opfer öffentlicher Ver- unglimpfungcn hinzustellen. Dieser Verleumder der Republik wagt es, prunkend von seiner „Ritterlichkeit gegen jedermann" zu schreiben. Davon gibt der Brief selber einen Begriss. Dieser „Ritter" begründet wenige Zeilen später seine Ausfolligkeiten dem Assessor Pietrokowski gegenüber damit, daß er geglaubt habender Assessor habe das Verhalten der Schöfsin„als Denunziant" in die Oeffentlichkeit gebracht. Jetzt muß der Briefjchreiber zugestehen, daß diese Vermutung durchaus irrig war. So springt ein„ritter- licher" Prinz mit der Ehre seiner Mitinenjchen um. Der gekränkte Prinz behauptet ferner, der republikanischen Presse genügt„zu den gemeinsten öffentlichen Verunglimpfungen gegen mich schon lediglich-die Tatsach«, daß ich einem vorder Re- volution regierenden deutschen Fürstenhaus angehöre". In Wirk- lichkeit betätigt sich dieser Herr selber seit Jahren öffentlich in provokatorischer Weise, wobei er jeden, der nicht seine fürstlichen Standesvorurteile teilt, als nicht national und Vaterlands- los beschimpft. Wenn dem empfindlichen Herrn daiyr in entsprechen dem Ton geantwortet wird, so wundert er sich und schiebt das auf allgemeinen Fürftenhaß Er möge einmal darüber nachdenken, warum andere ehenwlige Fürsten, wie zum Beispiel der verstorbene ehemalige Großherzog von Baden in der republikanischen Presse eine ganz andere Bewertung und Behandlung erfahren haben. Aber dies.Gekränktsein eines Feudale», der selbst die Ehre seiner Mitmenschen dauernd herunterreißt, wundert uns nicht. Gewisse Kreise leben eben in der Einbildung, daß persönliche Ehre erst vom königlich-preußischen Gardeleirfnant an aufwärts beginnt. Immerhin sollte die Justiz diesem adelsstohzen Herrn gründlich klarmachen, daß s«in« Feudalanschauung von Ehr« nicht die jetzt gültige ist._ Reichstagswahlen in Kinnland. Erstes Teilergebnis.— Sozialdemokratie die stärkste Partei. helsingsors, 6. Juli. Roch den bis Mitternacht vorliegenden Ergebnissen der Reichs- tagewahlcn wurden abgegebea für die Schwedische Volkspartei «6839 Stimmen, die Sammlungspartei 83 780, die Fortschrittliche Partei 28 8SS. den Landbund 113 364, die Kleinbauern 6012, die Sozialdemokratie 138513, die Kommunisten 71804 Stimmen. Bisher eroberten die Kommunisten einen Sitz von der Samm- lungspartei.._• Oeuifchland und polen. Minderheitenverhandlungen haben begonnen. Paris, 6. Juli.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen zum Austrag der Mindcrheitenstreitigkeiten zwischen Deutschland und Polen haben am Freitag unter dem Lorsitz des japanischen Präsidenten des Völkcrbundsrates, Adatschi, in Paris begonnen. Die deutsche Delegation steht unter Führung des Leiters der juristischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Martius. Theater der Woche. Vom 7. Fuli bis 14. Juli Volksbühne. �tatn an«ül-wpl-t,:»«Clin, wie«, weint und lacht. -heote« am Schiltbauerd»««!•.Heoolte im Er,>el>ung»hau«. Thalia-Theatee: gritulein, Pardon... Staatstheater. Oper Unter de» Linden: 7. Slosenkavalier.». Rheinaold.«. Waltiire. 10. Andre Ch-ni-r. II. Mona Lila. l2. Siepfried. 1». Satbttt»on Sevilla. 14. Götterdämmerung. 15. Madame Butterfln. vpcr am Pia» der Rrpnblik: 7. Iphigenie auf Tauri». 8. Iidelio. S. Card Mac. 10. po'kmanns Srnädlungen. U. und 15. ffliegende Holländer. 1!. Salome 15. isreifchllh. lt. Carmen. Städtilch« Oper, Schanlpielhau, a» chendarmenmarlt und Schiller. Theater: Geschlofsen. Theater mii festem Spielplan: Drntlche, Theater! Die isledermaue.— Nammerfnlel«: Geschlossen.— Di« Komidi«: Reporter— Theater I. d. königgräher Stroh«: Rivalen.— Ho» mödirnhau»:, choch�eitoreis«.— Thealer de»«eftena: Zriederlke.— Suftspicl- hau«: Revolution bei Stern'«.— Netropol-Theatee: Blaubart.— Di« Tri- tL»»! Osterserien.— Siosc. Theater- Olaf.— Theater in der Behrenlt«. Welchc war',1— Theater i. d. Nlosterltr.i �rauenar/it 218). � Wintergarten, cctU, Piazza: Internationale» Parite.* Nachmittagsvorstellungen. •» �»s,-<»l«t«»i«artendThn,:«tafln Martha.— Theater I. d. Hosterftrah«: 7. Buchs« der Pandvra. Ein Volk Brüssel, Anfang Juli. Ich war im belgischen Kohlengebiet, der Borinage, als die Nachricht kam, daß Wauters, der Führer der belgischen Arbeiterbewegung, gestorben sei. Keine Zeitung hatte die Nachricht verbreitet, denn es war ein Sonntag, aber eine Stunde später schon wehten, wohin man auch sah, schwarzumflorte rot« Fahnen im Winde. Der Lärm der Orchestrions in den Cuses und Bierstuben verstummte. Mit gesenkten Köpfen trotteten die Bewohner der Borinage durch die von niederen Häusern gesäumten Straßen ihrer Quartiere.„Wauters est mort." Immer wieder hörte ich dieses Wort, und die Trauer derer, die es sprachen, strömt« über in mich. Was wußte ich viel von Wauters vor dieser Stunde? Wenn in den letzten Jahren die belgisch« Ministerliste in der Zeitung stand, stand sein Name in einer Reihe mit vielen anderen: wenn die großen Namen der Internationale genannt wurden, stand sein Name neben den anderen. Nun aber hatte dieser Rani« plötzlich ein Gesicht für mich bekommen. Der Tote war lebendig geworden durch die ge- heimnisvolle Macht, die den Vollbringer eines Werkes durch sein Werk weiterleben und weiierwirkcn läßt. Drei Tage lang schwieg allee Lärm in Borinage. Und ebenso viele Tage gingen die Genosse mit gebücktem Nacken an ihre Arbeit. Aber an dem Tage,«n dem die Leiche des Führers von Brüssel nach seinem Heimatort, irgendwo in der Näh« von Lüttich, übergeführt wurde, ruhte die Arbeit in Borinage K«in Rad drehte sich, kein Förderkorb ging hinab in die Schächte von Möns und Chnrlervi. Ilber hinter der Leiche des Toten gingen Zchntausende aus allen Revieren. Mit ihnen trauerte das Bolk Belgiens. Obwohl es in Strömen goß, standen am Abend der Uebersührung Tausende vor dem Maison du Pcuple, die auf den Augenblick warteten, da die Aufbahrung beendet war, und stundenlang desilierten die Massen dann an der Bahre vorüber, die von roten Fahnen umstanden war und von Mitglieder der„garäe rcnixe" bewacht wurde. Auch am anderen Tage, ehe die Trauerfeier begann, zogen noch einmal die Massen vorüber an der Bahre des Toten, zu dem selbst der König in dieser Stunde einen Gesandten schickte. Die Reden gingen vorüber, ungehört von den Zehnlausenden, —--- T" „Das verschwundene Testament." Kammerlichtspiele. Im Film kommt Carlo A l d i n i extra aus Amerika, um sich in Deutschland, dem Lande Schinelings, an solennen und letzten Endes ertragreichen Keilereien zu beteiligen. Unter der Devise „Kinnhaken" erprügeit er sich das verschwundene Testament und die Erbin dazu. Das Filmmanuskript ist so gewollt aus UnwahrscheinUchkeiten eingestellt, daß es die Kritik entwaffnet. Der Regisseur Rolf Ran- d o l f zieht sich sehr anständig aus der Affäre. Cr sorgt für die genügende Spannung und hält dabei stets ein gutes Spielnioeau. Er versteht es recht gut, der Abenteurerlust des Publikums ent- gegenzukonmien. Zugleich macht er aber durch wirklich drollige Einfälle den Film auch für die Zuschauer genießbar, die nicht einzig und allein in Sensationen vernarrt sind. Carlo Aldini hat das Recht und— gemessen an seinem ge- ringen schauspielerischen Können— nahezu die Pflicht, mit seinen Muskeln zu protzen. Den Frack trägt er eigentlich etwas Unglück- lich, befürchtet man doch jeden Augenblick, die ungeheure Muskel- kraft müsse alle Nähte sprengen. Ein« Paroderolle fiel für Sieg- fried Arno ob, der sich als Taschendieb derartig ungeschickt be- nimmt, daß es für ihn tatsächlich das Beste ist, sich rechtschaffen durchs Leben zu schlagen. Daist) D'Oro, die reiche Erbin, trägt außer ihrem, auf Wohlklang zurechtgestutzten Namen, sehr lange Haare. Sie ist noch recht jung, und die kleine Rolle ermöglicht noch kein Urteil über diesen Nochwuchs. e. b.. Oie Ergebnisse der Siphtherie-Schutzimpfung. In Berlin rnird eine aktioc Schutzimpfung gegen Diptherie durchgeführt, nachdem seit dem Ende 1926 ein dauernder und bedrohlicher Anstieg dieser Seuche zu verzeichnen war. Die Ergeb- niss«, wie sie im Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin vorliegen, veröffentlicht Professor E. Seligmann in der„Deutschen Medizi- nischen Wochenschrift". Es sind mehr als 100 000 Kinder geimpft worden. Die groß« Masse hat die beiden gewählten Impfstoffe anstandslos vertragen: bei einen Teil der Kinder kam es zu lokalen Reaktionen, bei wenigen zu Allgemein-Reaktionen: Dauerschädi- gungen wurden nie beobachtet. Die Erkrankungshäufigksit bei ge- impften Kindern betrug im ersten Jahre durchweg nur etwa ein Drittel der sonst beobachteten Sterblichkeit(bei Geimpften und Un- geimpften). Seligmann folgert daher, daß die aktive Schutzimpfung gegen diese Seuche auch bei uns günstige Erfolge oerspricht. Rot- wendig ist eine mindestens zweimalige, besser noch dreimalige Impfung. Empfehlenswert dürfte es ferner fein, das Zeitintervall zwischen den einzelnen Einspritzungen auf etwa 2— 3 Wochen zu verlängern. Zu prüfen bleibt, ob die jetzt verwandten neutralisier- ten Impfstoffe schon das höchstmögliche leisten oder ob die mit einer Giftspitze versehenen Impfstoffe, wie sie in Amerika verwandt wer- den, oder die neuerdings empfohlenen Anatoxine noch weiter helfen. Auf die Entscheidung dieser Frag« braucht man aber nicht zu war- ten: auch die jetzt in Berlin verwandten Impfstoffe sind wirksame Waffen. vrofessor Dr. Hans Meyer, ehemals Professor für Kolonial-Gco- graphie an der Universität Leipzig, ist am Freitag in Leipzig an einer Infektion, die«r sich auf einer Reise auf den Kanarischen Inseln zugezogen hotte, gestorben. Professor Meyer war am 22. März 1858 in Hildburghausen geboren. Er war Forschungsreisender, Geograph, Kolontalpolitiker und Buchhändler. Er hat zahlreiche Reisen unternommen und in seinen Werken behandelt: u. a. hat er als erster den Kilimandscharo oestiegen. Er war«in Enkel des Begründers des Bibliographischen Instituts, das er später selber mstleitete. Aber welch ein Wechsel: Der alte Meyer, ein armer Schuhmacherssohn, war ein genialer Kopf, ein wahrhaft freisinniger Bürger, der den Deutschen außer zahlreichen anderen guten Gründungen das beste, freieste und größte Konversationslexikon(50 Bände von 1832 bis 1855) liefert«: der Enkel ein nationalliberaler Professor. Die(früfiliihrsousssellung der Akademie der Süasfe am Pariser Platz mutz mit Rücksicht daraus, dah clne Reihe von Werfen für auswärtige AuS- stellungrn erbeten ist, bereits am Tonntag geschlossen werden. An diesem Tage ist sie noch von 10 bi« nachmittags 5 Uhr dem Publikum zugänglich. veulsche Graphik-Ausstellung ln Rußland. Wie man au? Moskau ineldci. wird Anfang Äeplember in Moskau eine Ausstellung der deutschen Graphik- Kunst«rössiiet. Dle Ausstellung sand im Lause der letzten S Wochen in Charkow und Kiew statt, wobei sie von 14 000 Personen besucht wurde. in Trauer. die das Volkshaus umstanden, aber ihr Sinn ging nicht verloren. im Angesichte von mehr als 1000 roten Fahnen, die wie ein dichter Wald vor dem Toten sich neigten. Nach den Führern der Parteien, der sozialistischen Presse und der Gewerkschisten sprach Leon Blum, mit Tränen in den Augen, für die Internationale. Crispien dankte ihm als Vertreter der deutschen Partei durch einen Händedruck. Dann setzte sich der Zug in Bewegung. Eine Hundertschaft der „garde rouge* voran. Dann der Wagen mir dem Sarg, und dann die Träger der Kränze und Blumenspenden. Wohl 2000 Kinder, Frauen und Männer waren nötig, sie zu tragen, und mehr ms eine halbe Stunde verging, ehe die übrigen Anwesenden dem Zuge folgen konnten. Der ganze Weg den der Zug zu machen hatte, war mit Blumen besät, aber sechs große Lastwagen genügten nich!, um am Schluß der großen Kundgebung die Blumen fortzuschaffen, die nun den Hügel bedecken, unter dem der Tote ruht. Länger als eine Stunde ruht« der Verkehr in den Straßen, die der Zug berührte, und Hunderte von Autos stauten sich vor dem Palais des Königs, vor dem ein einsamer Posten verwundert Wache hielt. Die da zogen, waren kein«, die gekommen waren, um an- zugreifen. Es war die Armee der Verteidiger der Recht« der Ar- beiier�dic da marschierte und die einem der ihren nach einem Leben des Kampfes für die Armen das letzte Geleit gaben. Einer der ihren, der einer der unseren ist, einer von denen, die noch Zeitgenossen jener Großen waren, in deren Herzen der So- zialismus zuerst als eine kleine Flamme aufgeglüht und der sie schüren hals in einer Zeit, da noch nicht Hunderte bereit standen, um in die Bresche zu spriiigeii, wenn der Tod einen aus der Reihe riß. Aber die hunderttausend, die heute marschierten hinter dem Sarge des Führers, find Gewähr dafür, daß eine Armee bereit steht, um zu kämpfen für eine neue Welt, zu kämpfen dafür, daß auch der letzte von denen, die heute noch überwältigt und beunruhigt den Zug der Sozialisten an sich vorüberpassieren ließen, eintritt in die Armee der'Arbeiter unter der rotcn Fahne, die am Tage de» Sieges befreit von den Floren der Trauer hell und rot wehen sollen im Winde einer neuen, freieren Zeit. Ericli Gnsar. Eine repräseniaiive Galerie. Zu der Erwiderung auf meine Besprechung im„Abend" des 4. Juli, einige aufklärende Wort«. Die Schinkelfche Bauakademie war eine Lehranstalt, aber für Architekten, nicht für Unioersitätszwecke. Daher ihre aus- gezeichnet hohen Fenster, ihre Raumhelligkeit, die sie für ein Museum besonders geeignet macht. Das„Miniaturmuseum" der B i l d n i s s a m in l u n g ist eben nur deshalb so klein und wenig beachtet, weil drei andere Institute ihm Luft und Raum fortnchincn. Gibt man ihm die schon vor dem Krieg zugesagte Bauakademie als Ganzes, so kann im Umsehen das schönste Porträtmuseuin der Welt entstehen. Bildnisse höchsten Ranges find in Ueberfluß vorl>anden: das deutsche Volk soll staunen, wie gut es darstellerisch in seinen großen Menschen repräsentiert ist! So wie es jetzt dasteht, mit acht Sälen, ist es freilich nur eine Keimzelle. Endlich zur Hochschule für Politik(sollte„Politische Akadeniic" nicht dasselbe bedeuten?). Das große Schloß liegt„einen Steinwurf" entfernt jenseits der Spree. Es müßte wundernehmen. wenn die Hochschule dort nicht weit ausgedehnte Räume finden könnte— wo sie, Ironie der Weltgeschichte, nicht übel hinpaßt. Dr. vaul F. Schmidt. Oie Berliner Funkstunde besinnt sich. Der neue Berliner Rundfunkintendant, Dr. F l e s ch, wird stärkeren Einfluß auf die Programmgestaltung erhalten, die nicht mehr der Berwaltung der Funkstunde unterstehen wird. Das Ressort„Borträge", dos bisher Direktor Wagner innehatte, wird Dr. Flefch unterstellt werden, während sich die Funktionen des Bor- standes, wie bereits in anderen Gesellschaften, auf rein verwaltungs- technische Ausgaben beschränken werden. Damit, wird auch die Tätigkeit Alfred Brauns etwas eingeschränkt» der wahrscheinlich ein neues Ressort„Aktuelles Mikrophon" zugewiesen erhält. Die lite- rarische Abteilung soll dafür um einen Posten verringert werden. Ob der Vertrag Arnold Bronnens, der in den nächsten Monaten abläuft, erneuert werden wird, steht noch nicht fest. Wie wir hören, beabsichigt Dr. Flefch alle einzelnen Ressort- unter eine einheitliche Leitung zu stellen. Oie größte Brücke der Welt. Die Amerikaner werden wieder einmal Gelegenheit haben, sich mit einem Rekord zu brüsten. Diesmal ist es«ine Brücke zwischen New U o r k und New Jersey, für die eben die zwei Trag- türme für die der Aushängung dienenden Kabel erbaut wurden. Die Brücke selbst wird als längste freifchwebende Brücke«ine Länge von 1060 Meter und eine Breite von 44 Meter besitzen. Jeder der Türme hat allein eine Last von 112 500 Tonnen zu tragen. Auf d«r New-Porker Seite wurde das ungeheure Fundament im März, drei Monate vor der veranschlagten Zeit, vollendet. Dort wurden über 6000 Kubikmeter Felsen ausgehöhlt und 8000 Kubikmeter Beton für das Fundament verwendet. Schwieriger war die Arbeit auf der gegenüberliegenden Seite. Wenn die Verankerung vollendet ist, wird sie einen einzigen festen Block von 60 Meter Breite, 88 Meter Länge und 40 Meter Höhe darstellen. Zur Befestigung der Kabel wurden in den Untergrund mächtige Tunnels gegraben, in denen bequem vier Grubenwagen nebeneinander fahren können. In diesen werden die 61 Kabel fest verankert werden, dann werden die Tunnels ganz mit Beton ausgefüllt. Ein jedes Kabel besteht aus 26474 doppelt galvanisierten Stahldrähten und hat einen Durchmesser von etwa 90 Zentimeter. Da» zutünstige New Jork ohne Woltenkraher. Der General- bebauungsplan für New Park, der von der Regierung des Staate» New Jork grundsätzlich angenommen worden ist und auch die Staaten Jersey und Connecticut umfaßt, erstreckt sich über ein Ge> biet von 14 300 Quadratkilometern. Die Bevölkerung New Porks wird darin für 1965 auf 20 Millionen geschätzt. Die Neueinteilung von Verwaltungs-, Industrie- und Wohnvierteln sieht überall als Ziel vor Augen, die Anhäufung des Verkehrs zu vermeiden, so daß. wie ausdrücklich in der Denkschrift betont wird. Wolkenkratzer künf- tig vermieden werden müssen. Die bestehenden Schnellverkehrs- mittel sollen durch planmäßigen Luftverkehr ergänzt werden. Beugt Berg» Zilm„Die lehleu Adler" wird infolge des«rotze» Erfolges bit etnlchlictzlich Donnerstag im Universum, am Lehniner Platz, verlängert vengt Berg spricht auch weiterhin m jeder Borstellung zu sehte« Mim. Llm ungehobene Bodenschätze. Bürgerliche und Kommunisten für arbeitslosen Gewinn der Grundeigentümer. Der preußische Gesetzentwurf über einen Staatsvorbehalt zur Aufsuchung und Gewinnung von Steinkohle und Erdöl in den Provinzen Brandenburg, Sachsen und Niederschlesien wurde am Donnerstag im preußischen Rechtsausschuh verhandelt. Das Gesetz hat eine interessante Vorgeschichte. In geheiingehalte- ner Forschungsarbeit hatte die preußische GeologischeLandes- o n st a l t ein bestimmtes Gebiet nach Steinkohle und Erdöl er- forscht. Dabei war man in der Gegend von kirchhain-vobrilugk ln 600 Meter Tiefe auf ein Steintohlenflöh gestoßen, das mit einer Mächtigkeit von 12 Metern und einer Ausdehnung von vier Kilometern im Quer- schlag(die Längsausdehnung ist noch nicht erforscht), Aussichten auf rentablen Abbau in dieser— bisher völlig steinkohlenleeren Gegend— eröffnet«. Außerdem wurden auch Spuren von Erdöl erbohrt, so daß auch mit der Möglichkeit von Erdölvorkommen zu rechnen ist. Um nun zu verhindern, daß durch spekulative Bohrungen etwa vorhandene Erdöllager verwässert würden, um ferner zu oerhindern. daß durch planlose Abteufung von Steinkohlenschätzen wilde Speku- lation und stoffvergeudende Ueberproduktion gezüchtet würde», hatte seinerzeit die preußische Staatsregierung eine Notverordnung er' lassen, die im wesentlichen die Bestimmungen des allgemeinen Berg- gesetzes vom 24. Juni 1565 auf diese Gegenden übertrug. Nach dem Berggesetz ist die Steinkohle grundsätzlich vom Der- fügungsrechte des Grundeigentümers ausge- schlössen. Dieses Berggesetz gilt aber nur in den bergbau- treibenden westlichen Provinzen, während in dem ehemals kur- sächsischen„Mandatsgebiet" die Grundeigentümer ein unbe- g r e n z t e s Eigentum, auch in die Tiefe ihrer Grundstücke gehend, haben. Diese Notverordnung hat auf Einspruch des Preußischen Staats- rats der Staatsgerichtshof für ungültig erklärt, nicht wegen ihres Inhalts, sondern weil derartige Bestimmungen nur durch Gesetz hätten erlassen werden können. Für den Inhalt der Ber- ordnung war die Entscheidung des Staatsgerichtshofs sogar außer- ordentlich günstig, denn sie sprach aus, daß es sich bei der Be- schränkung des Grundeigentümerrechts nicht um eine Enteignung gemäß Artikel 153 der Reichsverfasiung handle, weshalb«ine Eni- s ch ä d i g u n g für die Minderung des Rechts auf Aneignung von Kohle nicht gewährt zu werden brauche. Es komme vielmehr Artikel 155 Absatz 3 der Reichsoerfassung in Betracht, wonach eine Werlsteigerung des Bodens, die ohne eine Arbeit und Kapilalsoufweadung des Grundeigentümers entsteht, für die Gesamtheit nutzbar zu machen ist. Die preußische Regierung hatte aus dieser Entscheidung die Lehre gezogen, daß sie— im Gegensatz zur Notoerordnung— aus dem Gesetzentwurf die Entschädigung für die Grundeigentümer strich. Di« bürgerlichen Parteien im Ausschuß kämpften nun mit fänden und Füßen, um die Entschädigungspflicht für die Grundeigentümer wiederherzustellen. Zur Begründung dieses Anspruchs verstiegen sie sich zu den tollsten Ar- gumentationen. So erklärte zum Beispiel der Abg. von Gers- d o r f f(Dnat.), daß wir in Deutschland schon jetzt eine kolossale Ueberproduktion an Steinkohlen hätten. Genosse O st e r r o t h sprach seine Verwunderung hierüber aus. Bisher sei man in Deutschland allgemein der Ansicht gewesen, daß durch die Fortnahme der Saarkohle, der oberschlesischen Kohle, der lothringi- schen Gruben usw., durch den Vertrag von Versailles, Deutschland viel zu wenig Kohlen habe. Herr v. Gersdorff solle seine An- ficht nur nicht unseren ehemaligen Gegnern mitteilen, sie würden sich ins Fäustchen lachen! Dann baute der Abg. Ponfick(D. Fr.) die Theorie, daß die Auffindung von Kohlen(durch die preußisch« Geologische Landes- anstatt!) auf einem Privatgrundstück gar keine Wert steige- rung des Grundstücks darstelle, denn die Kohlen seien — vorher auch schon dagewesen! Ihm erwiderte der Genosie Kutt» ner, daß eine solche famose Werttheorie nur einmal in der Literatur aufgestellt sei. allerdings nicht in der nationalökonomischen Litera- tur," sondern im„Faust". 2. Teil, wo Mephisto noch unaufgefundene Bodenschätze als Deckung für sein Papiergeld benutze. Der Erfolg sei allerdings entsprechend! Da nach der Debatte der Artikel III des Gesetzes, der die Nicht- entschädigung der Grundeigentümer vorsah, keine Aussicht auf An- nähme hatte, und sich die bürgerliche Mehrheit für einen deutsch- nattonalen Antrag auf uneingeschränkte Entschädigung der Eigen- tümer aussprach, stellte der Berichterstatter, Genosse Osterroth, einen Kompromißantrag, wonach wenigstens die Wert steige- rung des Bodens, die gemäß Artikel 155 ohne Arbeits- und Kapitalsaufwendung des Grundeigentümers entstände, nicht cnl- schädigt werden solle. Jedoch stimmten für diesen Antrag nur die Sozialdemokraten und Demokraten. Gegen den Antrag, also für ungehemmten Bodenwuchcr, stimm- ten Rechte. Zentrum und— Kommunisten. die sich an der fünfstündigen Aussprache im ganzen mit einem Satz beteiligt hatten, jetzt aber bei der Abstimmung glorreich den Boden- wucher zu einem Erfolge verhalfen. Die Sozialdemokratie wird den Antrag im Plenum erneut ein- bringen, und es dürfte sich dann in namentlicher Abstimmung zeigen, welche Parteien den nacktesten Bodenwucher begünstigen wollen. Wetter für Berlin: Wechselnd wolkig und etwas kühler. Einzelne Regenschauer. Zur Deutschland: Ostwärts fortschreitende Abkühlung mit Regenschauern. Verantwortl. für die Redaktion: Wolsgang Schwarz, Berlin: Anzeigen: Td. Stocke, Berlin. Bcrlag: Vorwärt« Verlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& So., Berlin EW tS, Lindenstraße 3. Kierzu 1 Beilage. Theafer, Lichtspiele usw. t Uhr Barb. 8256 «an Horn& Jnez, Barbette usw. Soegitud I Suntig|i 3 Ventelluigci | 330 u. 8 Uhr. 33» ermlBIgt* ProlM I Tägl. S D.«15 | Sonnt. 2. 3 HS" Alax. 8066 ( INTERNAT. VARIETE pi» Aza Winjer * Qcirren* 1 8 UDr• Zenir. 2818» Raadien erlaoml Grefte Vartete-Sdiaa Sonnabend und Senntag Ja 3 Vorstellungen 3» und 8 Uhr. 3» kleine Preise. VolhsblUine lliiitir unBlllovpliti «>/. Uhr Benin, wie es weint u. lacht Theater am blffhauerdamm Norden 1141 u. 281 «>/. Uhr ppe fnaSei Sehanspielcr Revolle im OlranttfllirnnBS- beseUnng) OeDtJdiej Ibeater >. I. Norden 12 310 Us Ende gegen 11 Zum 25. Male: Regie: Max Reinhardt. isik. Einrichtung und Leitung E. W. Komgold. Itg L. Rainer Die KomOdle J1 Bismck.2414/7516 SVi, Ende geg. IOViU. Reporter Regie: ItlM minart Theat.».Westens Täglich Slk Uhr Sonntag Vh u. SV» Franz Lehars Welterfolg f Friederike Ilse Muth, Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Netropol-Ib. Tägl. 8'k Uhr Sonntags 3V» u-SV» Blaubart Operette von Offenbach Kammersineer Lea Slezsk ncai.am Kotn.Tsr Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Elite- Sänger Ntses Programii! Ab 17.-31.7. Gastspiel der 9 Original Klpxlgsr Frin-Wcbsr-SDnotr Rose- { Thealer, Grobe Frukfarter Str. 132. Gartr.nbühnr 1 5,30 Uhr: Ronxcrt iL 8 Varlettmnuuni 1 8,15 uhr: Die geschiedene Frau vom 8. bis II. Juli O«o aXoscnS«»« Innenlli ealer: Täglich 8.15 Uhn „OEAF" Barnovsky- Buhnen Theattr i» dar Hniggrützir StraBt Bergmann 2110 Täglich SVt Uhr Rival an Komödienhau« Norden 6304 Täglich 8Vj Uhr Hodizeitireise Sommerpreise! Lnstspielhias Täglich 8>b Uhr Revolntion bei Stern's Rundfunkhörer halbe Preise. Plane lariam am Zoe" Verlies, iudiimttule Stnit B.5 Barbarossa 5578. 16'/« Uhr Stsmblltftr das Bammart ISV, Uhr Dar aiotfcall 20-/. U. Van Pal ra Pal am ttarnanhlmmal Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk.. Kinder SO Pt Mittw.: Erwachsene 50 Pf„ Kinder 25 Pf. zur Niete WSO.Ansbacberstr.I Abends Uhr Slefflncr Sander mit dem sdlOoni UUl-Pro- granm(nur noch bis 15. 7.) Ab 16. 7.: Gastspiel der Dresdner Vlciorla-Slnger Dönhoff- Brettl: (Saal und Garten) Varlet6: Tanz> Orth. Ad. Becker I-HÜR Sonnabend, 6. Jnll. VOLLER BETRIEB Brillant- Feuerwerk. Sonntag, 7. Jnll, Das Riesenpregramm 3 Sensationen auf dem Frei-Vtrietd. 100 Attraktionen. Brillant- Pauarwark. LUNA-K ABARETT. Tanz im Freien. 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Aufnahmegebühr 50 Pfennig Mitglieder- Aufnahmen werden in sämtlichen 280 Abgabestellen der Konsum- Genossenschaft vollzogen. föeilage Sonnabend, 6. Juli 1929 SprAbsmd �•nlsmlßsifZa jfox I�r*U>txWi Die reichsten Millionäre veutjchlands Ein Überblick/ von Nuöolf Martin, früher Regierungsrat im Reichsamt ües Innern Nachdruck, auch im AuZzug, verboien. An der Spitze der reichsten Millionäre Deutschlands stehen heute, wie vor dem Kriege, die größten Magnaten und die größten Schwerindustriellen. Der Besitz an Grund und Boden in großem Ausmaße, in Sonderheit an Waid, sowie an Kohlen und Fabriken der Schwerindustrie mußte den Krieg und die Inflation am besten überstehen. Die reichste Person im Deutschen Reiche ist der ehemalige Kaiser Wilhelm II., dessen Vermögen fast vollkommen in Grundbesitz im Deutschen Reiche besteht. Er besitzt rund 300 900 Morgen, meist Wälder, und überaus wertvolle Schlösser und Parkanlagen, beispielsweise in Groß-Berlin und Potsdam. In dem Vergleiche zwischen dem früheren Königshause und dem preußischen Staate vom 12. Oktober 192Z wurde ihm Schloß Babeisberg mit einem Park von 140 chektar— 140 000 Quadratmeter abgetreten und zum Preise von 17 Millionen Mark in Ansatz gebracht, während der wirkliche W e r t zu 30 M. pro Quadratmeter sich heute schon auf 42 Millionen Mark bezfffert. Ein viel größeres Wertobjekt ist das ihm abgetretene Schloß Bellevue mit seinem ungeheurem Park am Tiergarten, welches nur mit 36 Millionen Mark in Ansatz gebracht wurde. Die gesamten Wertobjekte, die dem ehemaligen Kaiser herausgegeben wurden, bewertete der Vergleich mit 180 Millionen Mark. Sobald einmal später der gesamte Besitz des früheren Kaisers parzelliert und verkauft werden sollte, wird sich herausstellen, daß er mindestens einen Wert von 500 Millionen Mark hat. Der Grund hierfür liegt in dem Steigen der Preise der Forsten und des städtischen Bodens. Fürst Alberl von Thurn und Taxis in Regensburg ist der zweite unter den reichsten Millionären Deutsch- lands und besitzt in Deutschland, Oesterreich und Polen zusammen rund 495 000 Morgen, aber sein städtischer oder an Städte un- mittelbar angrenzender Grundbesitz kann sich nicht entfernt an Wert mit dem des. früheren Kaisers messen. Durch die Folgen des Krieges ist der große Grundbesitz des Fürsten zu Krotoschin, in der ehemaligen Provinz Posen, sowie in Böhmen und Kroatien erheblich entwertet, dagegen ist aber wiederum der Wert seiner Forsten in Bayern und Württemberg durch das starke Steigen der cholzpreise sehr gestiegen, so daß er auch heute noch 270 Millionen Mark be- sitzen dürfte wie vor dem Kriege im Jahre 1914. Aber der Fürst von Thurn und Taxis hat ebenso wie der frühere Kaiser die recht- liche Verpflichtung, zahlreichen Mitgliedern seiner Familie einengst andesgem st nTe�hJ.ljt zu gewÄhrem' fv lange sein Vermögen den Chaichster mneSiF'Mkommisses hat. An dritter Stell« ske�* Frau Bertha Krupp von Bohlen und Halbach auf b«m Hügel bei Essen(Ruhr), die heute ein vermögen von inindestens 200 Millionen Mark besitzen dürste, während sie vor dem Kriege im Jahre 1914 ein Vermögen von 320 Millionen Mark und ein Jahreseinkommen von 21 Millionen Mark hatte. Da die Firma Friedr. Krupp?l.-G. seit der Wiederherstellung der Währung nach Beendigung der Inflation trotz bedeutender wirtschaftlicher Fort- schritte als Familienbesitz noch keine Dividende ausgeschüttet Hot, vermehrt sich der Wert der Firma in sehr schnellem Tempo. An vierter Stelle steht Fritz Thyssen in Mülheim a. d. Ruhr und auf Schloß Landsberg bei Kettwig a. d. Ruhr, der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Vereinigten Stahl- werke A.-G., ältester Sohn des erst nach dem Kriege verstorbenen Schwerindustriellen August Thyssen. Fritz Thyssen und sein jüngerer Bruder, Baron Heinrich von Thyssen-Bornemisza im Haag in Holland, erhielten im Jahre 1926 bei der Begründung der Ver- einigten Stahlwerke A.-G. als Gegenwert für die eingebrachten Anlagen der Thyssengruppe 208 Millionen Mark Aktien der Ver- einigten Stahlwerke die damals mit 130 Proz. an der Berliner Börse eingeführt wurden, vorübergehend auch 160 Proz. erreichten und heute etwa 104 Proz. stehen. Das Vermögen von Fritz Thysien ist aus 140 Millionen Mark und das seines jüngeren Bruders, des ungarischen Baron Heinrich, auf 60 Millionen Mark zu schätzen, wenn man erwägt, daß der Rest den übrigen Ge- schwistern zugefallen sein dürfte. An fünfter Stelle unter den reichsten Millionären steht Otto Wolfs, Hauptinhaber der Eisenhandlung Otto Wolfs in Köln, der es zu einem vermögen von 130 Millionen Mark gebracht hat, während sein Teilhaber, der Geheime Regierungsrat Ottmar Strauß, ein Vermögen von 70 Millionen Mark besitzen dürfte. Die Firma Otto Wolfs u. Co. besaß schon im Jahre 1921 ungefähr 40 Proz. des gesamten Aktienkapitals des Phönix, der im Jahre 1926 ebenso wie die Thyssen-Gruppe 208 Millionen Mark Aktien der vereinigten Stahlwerke A.-G. für sein Einbringen in die Vereinigten Stahl- werke erhielt. Und dabei befand sich damals weder die Phönix A.-G. noch die Thyssen-Gruppe in irgend welcher Geldverlegenheit, denn die Phönix A.-G. hatte soeben 20 880 495 M. und die Thyssengruppe 38 Millionen Mark bar von dem Reichskanzler bei Gelegen- heit der Entschädigung der Ruhrmagnaten ausgezahlt erhalten. Uebrigens ist Otto Wolfs u. Co. auch Hauptaktionär der Rheinischen Stahlwerke A.-G., die bei der Begründung der Bereinigten Stahl- werke A.-G. für.ihr« eingebrachten Anlagen 68 Millionen Mark bar erhielten. Der sechst« in der Rechenfolge der Millionäre ist Johann Fürst zu hohenlohe-Oehringen, Herzog von Ujest, der seinem am 14. Mai 1926 verstorbenen Bruder Fürsten Christian Kraft im Besitz des Fideikommisies folgte und auf Schloß Oehringen in Württemberg und in Slawentsitz in Ober- schlesien, Regierungsbezirk Oppeln, seinen Wohnsitz hat. Das Ver- mögen des verstorbenen Fürsten Christian Kraft betrug im Jahre 1912 154 Millionen Mark bei einem Jahreseinkommen von 6,5 Mil- 'Ponen Mark, dessen Niedrigkeit auf der Pflicht der Apanagierung von Familienmitgliedern beruhte. Das vermögen des Fürsten Johann kann nicht niedriger als 125 Millionen Mark geschützt wer- den. Allein in Oberschlesien besitzt er eine Fläche von rund 170 000 Morgen. Infolge der Entwicklung der Kohlen- und Zinkgewinnung aus seinem Grund und Boden stieg das Vermögen des verstorbenen Fürsten Christian von 45 Millionen Mark im Jahre 1895 auf 154 Millionen Mark im Jahre 1911. Der siebente dürste Fürst Maximilian Egon zu Fürsienberg in Donaueschingen sein, der das Haupt des fürstlichen Gesamt- Hauses Fürstenberg ist, und auch in Pürglitz in Böhmen sowie in Prag und in Wien sein Palais hat. Fürst Fürstenberg besitzt allein in Baden mehr als 122 000 Morgen, darunter 100 000 Morgen Forst, ein Besitz, der von der Deutschen Bank bei einer Abschätzung Der geschädigte Millionär Cin kalifornisches jlpropos Von Heinrich Hemmer Min Valley, die abgebrannte Millionärsstadt, was hatte es damit sür eine Bewandtnis? Ich entsinne mich, ich war zu einem Reeder hinausgeradelt, dessen Marmorpalast stand mitten im Walde, traf den Gewaltigen mit einem Schlauch in der Hand, seine Blumen sprengend, und als er sich auf meine unvermutete Anrede plötzlich umwandte, schoß mir der Wasserstrahl direkt ins Gesicht. Das war ein großes Glück sür mich! denn als ich nun in längerer Rede mein« Bitte vortrug, eine sehr unbescheidene Bitte(er sollt« mir auf einem seiner Frachtschiffe eine Passag« nach Pokohama „kreditieren"), brummte er e i n Wort(„allright) und kein Maß der Freud« und des Dankes vermochten ihm ein zweites heraus- zulocken. Eine Passage: gut— aber sich mil mir unterhalten, einem Radfahrer, das geht zu weit.. In den sechs Wochen bis zur Abreise lernte ich noch zwei weitere kalifornische Millionäre kennen. Ein deutschböhmischer Grundstuck- makler hielt auf der Landstrahe hinter Santa Barbara an. wo ich nach amerikanischer Vagabundensitte wie ein Wegweiser einen Arm nach der Richtung ausgestreckt hielt, in der ich mitgenommen zu werden wünschte— ich durfte, auf mein Deutsch hin, einsteigen und wurde bis Los Angeles mitgenommen, wo dieser Mister Luis zahl- reiche Grundstück« in einem neuen Stadlviertel besitzt, mit schönen asphaltierten Straßen, Gas-, Wasser-, elektrischer Leitung, und allem, ollem, ausgenommen bloß eines: die Häuser. Bei einem dritten Millionär fand ich vorübergehende Beschält!- gung. Der Mann besitzt ein paar Kilometer vom anderen Ende der Stadt eine Orangenfarm. Es ist ein poetisches Handwerk: Orangenpflücken, aber zehn Stunden täglich ist des Guten zu viel. Morgens zog ich wie ein Dichter auf die Hochstraße von Glendora und kehrte abends wie ein Galeerensträfling zurück. „Sieh dir den an," sagte einmal der Orangentönig zu seiner Tochter,„das ist kein Arbeiter, sondern ein Gent, der sich ein« Reise nach Mexiko zusammenpflllckt." Ich hätte einen Augenblick inne- halten, mich höflich verneigen und lächeln müssen. � Aber es war am Nachmittag, wo schon der Rücken zu schmerzen beginnt und der Ausseher einen fest im Aug« behält, daß man ja nicht eine Minute verschnauft. Ich fiel über den Baum her, schor ihm wütend die Orangen ab, oben und unten, hinten und vorne, kehrte der Erbin den Rücken und ging zum, ich weih nicht wie viel Hunderisten Male, nach dem Depot, den Sack navel-cranges(Nabel-Orangen) zu entleeren.(Sie haben oben ein nabelförmiges Gebilde, die großen, kernlosen, saftigen, aber nicht sonderlich aromatischen kalifornischen Orangen, als wären sie lebendig zur Welt gekommen.) Später kam wieder einmal der Nabelkönig mit seiner Millionen- tochter. Der Schnee der fernen Berge glitzerte in der Morgen- sonne und die Orangen glänzten wi« golden« Lampions im dunklen Laube: da lächelte ich selig, blickte nach dem jungen Fräulein hin und ließ die Orangen Orangen sein. Aber diesnial war der Farmer nicht gekommen, seiner Tochter ein Exemplar eines Gents zu zeigen, sondern betrachtete mich als Arbeiter auf meine Leistungsfähigkeit. Ich hatte dem Krösus zwei Minuten Zeit-Lohn gestohlen. Er sprach ein Wort mit dem Aufseher, der nahm mich ins Bureau, zahlt« mich aus und gab mir den Laufpaß. Infolgedessen' mußte die Reife nach Mexiko auf das äußerste eingeschränkt werden. Ich kam nur bis M e x i k a l i, gegenüber der kalifornischen Grenzstadt Calixico. Calixico ist trocken und in Mexikali ist jedes Haus«in Wirtshaus. Es ist der feuchteste Punkt der Erde. Auf der Straße stehen finsterblickende Männer mit großen hüten un- beweglich wie versteinerte Raubmörder. Nirgends aber sah ich eine Spur von dem feueraugigen Naturkind, das einem auf der Mexiko- Reklame des Los Angeleser Touristenbureaus über den Zaun zu- lächelt und darunter ich die Worte las: ZVaiting kor z-ou.(„Sie wartet schon auf Sie...") Nächsten Tags fuhr ich zurück nach dem goldenen Horn. Mill Valley sah ich nicht wieder. John D. Rockel eller. der Oelkönig, der am 8. Juli 90 Jahre alt wird, ist der reichste Mann der Welt, hier ist sein Lebenslauf: Am 8. Juli 1839 als Sohn eines Hausierers geboren. 1849 Besuch der Volksschule in Cleveland. 1854 Pferdejung« und Holzhacker auf einer Farm. 1855 Clerk in den Clevelander Docks, Wochengehalt 4 Dollar. 1856 ein Vormögen von 100 Dollar gespart. 1858 Teilhaber des Koinmissionsgeschäftes „Clark und Rockefeller" in Cleveland. 1859 erst« Petroleumgeschäfte. 1865 Vermögen von 10 000 Dollar. 1865 Gründer der„Standard Oil Works" bei Cleveland. 1868 kauft er die ersten Oelländereien. 1870 Vermögen 1 Million Dollar, Gründer der„Standard Oil Company". 1872 Kampf mit den gmerikanischen Eisenbahnmagnaten, in dessen Verlauf er die Pennsylvania-Linie erwirbt. 1875 Ver- mögen 5 Millionen Dollar. 1882 Standard Oil-Trust Be- Herrscher des Petroleum-Marktes. 1900 Vermögen 1 Milliarde Mark. 1909, 70. Geburtstag, Vermögen 2 Milliarden 800 Mil- Losen Mark. etwa zwei Jahre vor dem Kriege auf etwas mehr als 94 Millionen Mark geschätzt wurde. Daneben hat Fürst Fürstenberg einen statt- lichen Grundbesitz in Württemberg, sowie in Bayern und in Böhmen. Angesichts des Sleigens der Holzpreise im Schwarz- wald muß sein vermögen aus mindestens 120 vtillianen Mark ge- schätzt werden, auch wenn' man annimmt, daß der Wert seines Be- sitzes in Böhmen erheblich durch die Zeitumstände gesunken ist. An achter Stelle steht Fürst Guidotto Henckel von Donnersmarck, Fideikommißherr auf Tarnowitz-Neudeck, wohnhaft auf Schloß Neu- deck in Polen sowie in Berlin, ältester Sohn des verstorbenen ersten Fürsten von Donnersmarck, der im Jahre 1914 ein Vermögen von 290 Millionen Mark und ein Einkommen von 14 Millionen Mark hatte. Auch Graf Kraft, der jüngere Bruder des Fürsten Guidotto. aus Schloß Repten bei Tarnowitz ist durch den unglücklichen Aus- gang bes Krieges auf polnisches Gebiet geroten. Das vermögen des Fürsten Guidotto ist aus 115 Millionen Mark und das ver- mögen des Grafen Kraft von Henckel aus Repten ist aus 75 Mil- lionen Mark zu schätzen. Im Jahre 1910 betrug die durchschnittliche Förderung pro Tag auf den Gruben des Fürsten von Donnersmarck in Oberschlesien 5700 Toimen Steinkohlen bei einer durchschnittlichen Arbeiterzahl von 4500 Mann. Neben dem Fürsten Pleß, dem Fürsten Hohenlohe und dem Grafen Hans Ullrich von Schaffgotsch gehörte er zu den größten Kohlenproduzenten Schlesiens. Dank der Kohlenindustrie hat sich das Vermögen des Fürsten von Donners-� morck trotz der Wertminderung seiner nach Polen gefallenen Besitzung und seiner großen Bestände an Aktien während der In- flotion doch schnell wieder erholt, so daß das Vermögen der beiden Brüder zusammen 190 Millionen Mark beträgt und nur 100 Mil- lionen Mark hinter dem Höchststand des väterlichen Vermögens vor dem Krieg zurückbleibt. An neunter Stelle der Millionäre steht Hans Heinrich XV., Fürst von Pleß auf Schloß Fürstenstein, Regierungsbezirk Breslau, mil einem ver- mögen von 110 Millionen Mark. Unmittelbar vor dem Kriege im Jahre 1912 betrug sein Vermögen 99 Millionen Mark und sein Jahreseinkommen 2 245 000 M., da sein Vennögen und Einkommen klar aus der amtlichen Statistik abzulesen war, indem er der höchst- besteuerte in dem Regierungsbezirk Breslau war. Sein Vater, der herzog von Pleß, Hans Heinrich XI., starb am 14. August 1907 und hatte im Jahre 1895 ein Vermögen von 84 Millionen Mark und im Jahre 1905 ein Vermögen von 91 Millionen' Mark mit' 2.5 Mil- licnen Mark Einkommen deklariert. Der gegenwärtige Fürst Pleß verheiratete sich in London am 8. Dezember 1891 mit M a r y West aus dem Haufe des Carls Delawarr. Aus' dieser El)« sind'drei Söhne hervorgegangen. Sein gesamter Grundbesitz umfaßt 204 000 Morgen, von denen der größte Teil, ungefähr 162 000 Morgen, in dem sogenannten Fürstentum Pleß in Oberschlesien durch den Frieden zu Polen gekommen ist. Der Fürst hat von sämtlichen jchlesischen Magnaten die größten Steinkohlen Vorräte unter der Erde. Im Jahre 1912 betrug seine Steinkohlenförderung 7272 Tonnen pro Tag und die Zahl seiner Kohlenorbeiter 9200. Der größere Teil der Steinkohlenförderung wurde im Molden- burger Bergland gewonnen, welches bei Deutsctstand geblieben ist, und der kleinere Teil im Fürstentum Pleß, welches polnisch ge- worden ist. Infolge der Steigens der holzpreise und der Stein- kohlen hat sich der Wert seiner Forsten und seiner Kohlengruben trotz des Ueberganges eines so großen Teiles seines Besitzes nach Polen gesteigert. Der zehnte unter den reichsten Millionären Deutschlands ist Prinz Friedrich von Preußen in Berlin, der älteste unverheiratete Sohn des verstorbenen Prinz- rsgenten von Braunschweig, des Prinzen Albrecht. Sein Vermögen beträgt 105 Millionen Mark und besteht in der Hauptsache aus dem Nossou-Oranien-Niederländischen Fideikommiß in Schlesien mit dem Schlosse Kamen,;, welches nahezu 84 000 Morgen und davon mehr als 54 000 Morgen Wald umfaßt. Der Vater des Prinzregenten, genannt Prinz Albrecht der Aeltere, Kommandeur des Kavallerie- torps in der Armee des Prinzen Friedrich Karl in der Schlacht bei Königgrätz, verheiratete sich am 14. September 1830 mit Marianne. Prinzessin der Niederlande, die mit dem Gelds ihrer Aussteuer die Herrschaften Seitenberg, Schnallen- siein und Kamenz als Familienfideikommiß für ihre Nachkommen- schaft kaufte. Die Besitzungen des Prinzen Friedrich Heinrich am Rhein haben einen Wert von 3 Millionen Mark, sein Palais mit dem großen Park in Berlin auf der Wilhelmstraße 102 hat einen Wert von mindestens 17 Millionen Mark unh sein Grundbesitz in Schlesien einen Wert von mindestens 85 Millionen Mark. An elfter Stelle unter den reichsten Millionären steht ein« Dame, nämlich Frau Dr. Alfred Pagensiecher. geborene Irma Gräfin Adelmann von Adelmannsfelden zu Wiesbaden. Sie ist das einzige Kind der am 24. Mai 1913. zu Wies- baden gestorbenen Frau Dr. R i ch a r d F l e i s ch e r. geborene Lucy Cockerill aus Aachen. Die gleichfalls verstorbene Mutter der Frau Lucy Fleischer, geborene Cockerill, Thusnelda verw. Heinrich Cockerill in Buttscheid ist eine geborene h a n i e l und war bis zu ihrem Tode Teilhaberin der Firma Franz haniel u. Co„ Schiffsreederei in Duisburg. Der Schriftsteller Dr. med. b. c. Richard Fleischer zu Wiesbaden, früher Herausgeber der..Deutschen Revue", vertritt die Interessen seiner Stieftochter noch heute als Mitglied des Aufsichtsrats der Gewerkschaften Rheinpreußen und Neumühl am Niederrhein, die bekanntlich zu den besten Stein- kohlengruben des Haniel-Konzerns gehören. Das vermögen der Frau Irma Pagenstecher, zusammen mik dem vermögen, welches ihr Stiefvater nach dem Testament ihrer Mutter noch für sie verwaltet, ist aus 100 Millionen Mark zu schätzen. Gegenüber der letzten Auflage meines„Jahrbuches der Millionäre" unmittelbar vor dem Kriege 1914 ist eine wesentliche Veränderung des Vermögens der reichsten Millionäre und ihrer Reihenfolge nicht eingetreten. Copyright by Orell Füßli, Zürich (13. Fortsetzung.) Und bald wurden sie des Dorfes ansichtig. Man erblickte es von der Höhe der Hänge, ganz eingebettet in eine Falte wie ein frierendes Kätzlein. Sogleich hott« man den Zug Entdeckt, jogleich rannte ein jeder herbei. Eine Greifin schritt an ihrer Spitze. Trotz der Anstrengung, die ihr das Gehen bereitete, ganz steif vor Alter und gebückt und hinkend schritt sie ihnen voran, hielt mit einem Male, wie sie die anderen überholt hatte, allein mitten auf dem Wege still:„Ist er bei euch?" Sie kamen immer näher. Sie mochten einen solchen Lärm, daß man nicht verstand, was die Greisin rief. Aber sofort hotten sie die alte Marguerite erkannt, und wen sie begehrte, darüber waren sie nicht lang« irn Zweifel. Sie schrien zurück:„Nein, wir haben ihn nicht gesehen." Sie waren nur noch wenige Schritte von ihr entfernt. Sie warf die Arme empor und rief und schüttelte den Kopf:„Zu was war es denn nütze? Zu welchem Zwecke habe ich den, der mich gesund machte, oerroten, wenn mein Sohn nicht wiedergefunden wurde?" Dann wechselte sie den Ton ihrer Stimme und streckte die Hände von sich weg:„O, mein Gott, er ist's, den sie herbeibringen." Sie schaute hin und ward inne, daß sie ihn trugen. Und sie schrie von neuem und stürzte sich auf ihn, als hätte sie ihn den anderen mit den Händen entreißen wollen:„Welches Leid hat er euch getan? Welches Leid hat er euch zugefügt?" Aber sie halten sie bald entfernt. Man vernahm ihr Schluchzen, aber es wurde schnell erstickt. Die Menge war rasch gewachsen, Ge- schrei wunde laut: als Antwort erhoben sich aus der Kolonne andere Schreie, immer mit Gelächter vermischt:„Das ist unser König, den man herbeibringt. Gebt ihm die Ehre, wie man sie einem König schuldet!" Eine Frau löste sich aus der Menge, die Spalier bildete. Und sie spie ihm ins Gesicht. Eine andere Frau folgte. Und eine dritte Frau eilte heran und spie ihm ins Gesicht. Die Träger ließen ihn ein wenig hinunter, daß er leichter er- yeichbar wurde. Und da spuckten ihm noch andere Frauen ins Gesicht. So näherten sie sich den ersten Häusern. Unter ihnen befand sich das Josephs. Mit einem Mal« trat er aus der Tür. Er trug in der Hand einen Dornenzweig nud schlug damit dem Fremden mitten ins Gcfichf, so stark, daß Blut floß. Sie gelangten in die Straße, die einen Vogen macht. Sie ließen den Brunnen hinter sich: dann stiegen sie ein wenig bergan. Sie kamen auf den Platz: er war von Menschen erfüllt. Es gab keinen Zug mehr, die Menge hotte ihn aufgelöst. Ein Strom von Köpfen hätte man die Menge zwischen den Dächern nennen können, der in einer falschen Richtung floß. Und wie einen Baumstamm, den die Gewalt des Wildbachs aufrecht dooonquirlt, sah man den hoch ge- hobenen Leib des Fremden mit dem beschmutzten Gesicht, dessen Augen Blut weinten. Und die Menschen auf dem Platze, die das Blut fließen sahen, riefen:„Was werdet ihr mit ihm tun?" Und die Antwort darauf:„Wir werden ihm den Kopf ob. schlagen." Die Menschen auf dem Platze fragten von neuem:„Und vor- her... Was werdet ihr mit ihm anfangen?" „Man wird ihm die Nägel von den Händen und Füßen ab- zerren, man wird ihm die Augen ausstechen, man wird ihm die Zunge abschneiden, man wird ihm ein glühendes Eisen in die Ohren bohren." „Aber weiter noch," fragte jemand. Eine Stimme antwortete:„Und wir werden ihn an den Händen und an den Füßen an ein Scheunentor nageln wie eine Fleder- maus." Und von allen Seiten schrie man:„Jawohl! Nageln wir ihn aus!" Mädchen standen auf der Bank, die um den Stamm der Lind« herumlief: Buben waren bis in die Kirchcnfenster hinauf geklettert, auf deren Gesimsen sie sich niedersetzten und von wo sie die Füße hinunterbmimeln ließen. Die Mädchen nahmen den Kopf in die Hand, die Buben bogen sich weit vor, um besser zu sehen. Ein« mächtige, kreisende Bewegung entstand, Branchu wirbelle rasend um sich selbst herum. Er neigte sich, er richtete sich wieder auf, neigt« sich von miuem. In diesem Augenblick teilten zwei Männer die Menge: der eine trug eine lange gespitzte Stange, der andere einen Schmiedehammer. Und ein allgemeines Zurückweichen erfolgte nach dieser Kreisel- bewcgung, weil man vor ihnen zurückwich. So bildete sich ein Kreis um den Ort herum, wo Branchu stand: und Branchu blieb weiterhin unsichtbar. Der Mann mit der Stange hob seine Stange. Man schrie:„Es ist also wirklich wahr?" Und antwortete:„Gewiß... es ist so." Und schon sank die Stange nieder und senkte sich ein zweitesmvl. Man begann von neuem:„Sie werden ihn zuerst totschlagen." „Nein!" schrien andere.„Nagelt ihn lebendig an das Tor!" Und viele Stimmen:„Schlagt ihn lebendig an!" „Wie eine Fledermaus!" „Wie einen bösen Nachtvogel!" Der Mann mit dem Hammer begann zu lachen und öjjnete den Mund ganz weit. Aber man hörte sein Lachen nicht. Eben jetzt mußte der Plann mit der Stange fertig geworden sein(übrigens war man ihm behilflich), aber es handelte sich darum, daß man ihm auch weiter half. Er machte ein Zeichen und einige traten hinzu. Man versuchte, etwas zu sehen, und stets sah man nichts, außer daß Branchu geschleppt wurde. In der Mauer der Kirche war eine blau bemalte Tür. Der Mann mit dem Hammer war auf die Schultern eine» seiner Nachbarn gestiegen. Und dann sah man ein graues Bündel mit Mühe sich erheben und man richtete es gegen tos Tor. Dann wurde ein zweiter Mensch auf die Schullern ge- hoben: er hielt ein Messer. Alles verstummke. Der Mann hob sein Mekssr, zerschnitt die Stricke am linken Arm, er zerschnitt sie am rcchten. Der Kopf Bronchus hing hinunter. Und jetzt falteten sie ihm die Arme auseinander. Und der Hammer hob sich, um die Nägel einzuschlagen. Aber auf einmal erscholl ein gräßliches Lachen, und man wußte nicht mehr, was geschehen war. Man hätte gerade noch Zell zu be- merken, daß Branchu den Kopf wieder erhob, gleichzettig war er entschlüpft und zur selben Zeit waren der Mann mit dem Messer und der Mann mit dem Hammer zur Erde gesprungen. Und schon war der Platz leer, und auch die Gassen leerten sich: überall hörte man die Türen ins Schloß fallen. Nichts war mehr da als das Lachen und der Fremde. Er stand in der Sonne, die Stricke, die seinen Leib und seine Beine eng umschnürt hatten, lagen zu seinen Füßen. Sein Gesicht war klar, jede Spur von Blut war verschwunden: die Haut seiner Wangen schien frisch, wie bei einem, der gerade vom Schlummer kommt, und nicht weniger die Augen und die Stellen unter den Augen. Seine Kleider waren rein, hatten keine Falten mehr und keine Schrammen. Und fortwährend lachte er und schaut« rund um sich her. Dann zog er seine Pfeife aus der Tasche, und voller Ruhe begann er sie zu stopfen, wie er gerne tat, wenn er seine Arbeit vollendet hatte. Aber einer kam laufend herbei durch die hintere Straße:„Ich habe alles von weitem mitangesehen, ich bin gekommen..." Und er kniete vor den Fremden hin:„Sie haben dir ins Gesicht gespien, sie haben dich mit Dornen geschlagen..." Und mehr und mehr dämpfte Lhot« die Stimme.„Und sie wollten dich kreuzigen. Aber deine Macht hat sich vor ihnen enthüllt. weil geschrieben steht: Er wird seine Stärke zeigen..." Der Fremd« begann ihn, ohne etwas zu sägen, zu betrachten »ich bließ für eine Weile vor ihm ein« Wolke blauen Tabatrauches in die Lust. Und jene, die kommen mußte, hatte Zeit, ebenfalls zu kommen. Denn sie hatte ihrem Sohne aufgelauert. Und jetzt war sie ge- kommen und rief ihm zu:„Mach aus mir, was du willst. Ich glaube, was du glaubst, und ich liebe, was du liebst..." Sie kam herbei und auch sie warf sich auf die Knie. Aber Lhotc hatte sich aufgerichtet:„Geh weg! Ich kenne dich nicht mehr." Sie fiel zur Erde, mit dem Gesicht in den Schnee. Dann ließ sich ein Kichern vernehmen, und ein Spucken und ein leiser Husten. Man erblickte Criblct mit dem Uebernamen die Schlange, und er war der Dritte und Letzte. Er ging nicht ausrecht, weil er niemals aufrecht ging. „Ob du Jesus bist oder der Teufel... das ist mir ganz gleich- gültig... Aber das weiß ich: mit dir, in deiner Gesellschaft werde ich wohl bestellt sein." Er wollte den Arm heben, er vermochte es nicht, weil er sonst gestürzt wäre. Er hustete von neuem, er wischte sich den Mund: „Und du ließest mich schon einmal hundert Franken verdienen. Da habe ich mir denn gesagt, daß du mich wohl hundert weitere würdest verdienen lassen." Fünftes Kapitel. Zur selben Zeit rief eines Morgens Adele, die Frau des ent- jchwundenen Grenzsteinversetzers Jean Lüde, ihr Töchterchcn zu sich heran:„Marie: hast du mich lieb?" „O, ja. „So fest wie du kannst?... Dann höre..." Aber sie schwieg, Man kann nicht immer sagen, was man will, und auch nicht so leicht, wie man möchte. Sie sah vor sich nieder. Sie war noch nicht fünf- unddreihig Jahre alt, und doch hätte man gesagt: eine alte Frau. Denn der Kummer war bei ihr eingekchrt. Sie schlief nicht mehr. Und was sie nun zu sagen hotte, war schwer zu sagen, vor allem einem kleinen Mädchen, das noch keinen Verstand hat. Und wie sie diesermaßcn nachgedacht hatte, da entschloß sie sich, nichts zu er- klären. Und sagte einfach:„Nun denn, Marie, da du mich lieb hast... würdest du mit mir kommen?" „Ja, Mutter," sagte die Kleine. „Aber ich habe dir noch nicht gesagt, wo wir hingehen. Du wirst nicht mehr zur Schule gehen können, du hast keine Freundinnen inehr..." Die Kleine entgegnete:„Du bist mir eine liebere Freundin als alle meine Freundinnen." Sie schaute ihre Mutter an. Sie hatte sehr schöne Augen. Sie war ein sauberes Perjönchen. Weil ihre Haar« rückwärts gekämmt waren, hatte sie eine helle, offene Stirn. Nur ein wenig blaß war sie. lind Adel« drückte sie an sich: sie hatte sie auf ihre Knie gesetzt. Ein süßer Trost wenigstens.(Fortsetzung folgt.) Lorniadend, 6. Juli. Berlin. 16.00 Dr. Otto Erhardt Dresden; Deutsches und italienisches Opernideal. >6.30 Franz Helmberger: SO Jahre Reicbsdruckerei. 17.00 Naclmittagskonzert ans dem Kroll-Qacten. Anschließend: Mjueilun&en des Arbeitsamtes Berlin-. Milte. 18.40 Dr. Joachim Tiburtius: Deutsche Ware im dentschen Einzelhandel. 19.05 Hanns Lilie: Indiens Eruachen. 19.30 Prof. Dr. Heinrich von Ficker: Aufgaben und Grenzen der Wettervorhersage. 20.00 Akustischer Film. 1. Wochenschau. 2. Lustiges Beiprogramm. 3. Groß- iilrn(Mitwirkende: Dr. Bccce mit seinen Terra-SinfonikemJ. Nach den Abendmeidungeii bis 0.30: Tanzmusik. Während der Pause; Bildfunk. KSnlgswasterhaoscn. 16.00 Stephan Konetzky: Päd. Abteilung des Zcntralinstituts für Erziehung und Unterricht. 16.30 Schulrat Wolfi; Was muß der Beamte vom Aufbau des deutschen Schulwesens wissen? 17.00 Uebertragung von Hanlburg. 18.00 Duo Schweitzer; Rationalisierungsbewegung und Qcwerkschaftspolitik. 18.30 Französisch für Anfänger. 18.55 Prof. Dr. Bcrendsohn: Weiner von Heidcnstam zum 70. Geburtstage. 19.20 Dr. Ludwig Herz: Theatcrerinneruigen eines alten Mannes. Sonntag, 7. Juli. Berlin. 6 00 FuiüigymnaiStik, 7,00 Hamburger MaicnKongert. 8.55 Stundenglockenspicl der Potsd, Garnisonkirche. 9.00 Morgenfeier. Glockengeläut des ßcrliner Poms. 10.00 Wettervorhersage. 1.1.00— 12.00 Für den Landwirt. 12.00 Blasorchester-Konzert. 14.00 Chinesische Anekdoten. Ueberiragen von Dr. F. Kuhn.(Erzählt von Ecwia Kaeser). 14.30 L Händel: Cbaconnc Q-Dur Marga Hcnatsch, Klavier).— Z. Mozart: Sonate G-Dur CK. Y. 301)(Nicolaus Lambinon, Violine, und Marga Henatsch, Klavier.— 3. Weber:(Irmgard Preiß, Sopran; am Flügel; Marga Henatsch).— 4. Chopin: Ballade G-Moll(Marga Henatsch).— 5. a) Brahms: Sapphische Ode; b) Liszt: Die Lorelei(Irmgard Preiß). — 6. a) Ectcl: Melodie; b). Müngersdorf; Serenade(Nicolas Lambinon). — 7. �wast: Studie A-Pur �Marga Henatsch). 15.30 Märchen.(Erzählt von Pora Saloschin.) 16.00 Unterhaltungsmusik. 18.00 Uebertragung von München. Konzert anläjilich der zweiten Nürulcrser Sängerwoche des Deutschen Sängerbundes. 20.00 Hermann Hesse(Sprecherin: Lina Lossen). 30.30 Marek Weber spielt. Anschließend: Zeit, Wetter, Tagcsnachrichtcn, Sport. 22.30— 0.30 Tanzmusik. Während, der Pausen: Bildfunk. Könlgswustorhivseii. 17.30„LiudsttönT'-Schall platten. 15.00 Fritz Ucymann: Musik in und um Spanien. 18.30 Dr. Ehrhardt: Mozarts Zauberflöte. 19.00 Julius Bab: Vom Sinn des Schöpferischen. RätseI=Ecke des..Abend". Kreuzworträtsel. t i iW R B 13 M ,N 3 Oiamantratsel. Die Buchstaben in der Figur sind so zu ordnen, daß die wage- rechten Reihen nennen: 1. Mitlaut: 2, Luftart: 3. Handelsplatz: 4. In bestimmte Form ge- brachte Rede: lv Stadt an der Saale: Mit- glieder— w o ist die Radsportorganisation, die Gleiches von sich sagen könnte? Und dabei ist„Solidarität" eine„junge" Or- ganisation: heute vor 36 Jahren brachten diese Spalten den ersten Aufruf an die„sozialdemokratischen Radfahrer in Berlin und Um- gegend" zum Zweck der Gründung eines Radfahrerbundes! Es war ein schwieriger und doch, der Zeit nach gerechnet, ein kurzer Weg von den ersten„B e l o c i p e d i st e n- C l u b s" bis zum heutigen Arbeiterrad- und Kraftfahrerbund„Solidari- tät"! Die Bewegung hat in all den Jahren zu kämpfen gehabt wie alle anderen Arbeitersportverbände auch. Innere und äußere Feinde haben wieder und wieder oersucht, die Organisation zu zer- trümmern. Sie haben es nicht vermocht, und auch die heutige „Opposition", die versucht, selbst dieses Fest durch eine Gegen- kundgebung zu stören, wird elendiglich Schiffbruch erleiden. Heute mehr denn je, denn jetzt ist der Bund gerüstet und stark. Und wenn heute punkt 4 Uhr die Wettkämpfe in der„Neuen Welt" ihren An- fang nehmen, dann wird sich erweisen, wie recht der Bund hatte, aks er dieses Fest Deutschiands schönste und größte Radsportschau nannte. in den Rennen die Kraft auf die stärkste Probe gestellt werden, dann sind die Radsportmeisterschaften ein vollgültiges, wertvolles Glied in der Kette der Sportarten. Und wenn sie, wie das in der Arbeitersportbewegung geschieht, unter Abkehr von all den häß- lichen Unarten des selbstischen Sports helfen, gewandte, mutige und kraftvolle Menschen zu schaffen, dann erfüllen sie zu ihrem Teil Erziehungsarbeit. Daß diese Erziehungsarbeit dann bewußt im Sinne sozio- listischer Weltanschauung zur Bildung wahrer Arbeilersportler. wahrer Sozialisten führt, dafür bürgt die Tradition von„Solidarität" und der Wille der Mitglieder! In dieser festen Ueberzeugung begrüßen wir die roten Radler und ihre deutschen Radsportmeisterschaften! -i- Sonnabend, 26.36 Uhr, ziehen sämtliche Saalmannschaften von der Rütt-Arena durch die Sibold-, Lehniner, Camphausen- Urban, Kaiser-Friedrich-, Fulda- und Berliner Straße zur„Neuen Welt" in einem R a d k o r s o. Anschließend daran ist ein Ausmarsch der Wettbewerber in beiden Sälen. Sonntag, 14 Uhr, beginnt der B l u m e n k o r s o der Motorradfahrer vom Michaelkirchplatz aus über die Melchiorstraße, Mariannenplatz, Wrangel-, Manteuffel-, Wiener, Glogauer, Pannier-, Kaiser-Friedrich-, Weichsel, Berliner Straße, Hasenheide, Slboldstraße zur Rütt-Arena. Ankunft 13 Uhr. * Wir machen unsere Leser und besonders die Besucher der Rad sportmeisterschaften in der„Neuen Welt" darauf aufmerksam, daß von kommunistischer Seite, eine Gegendemonstration in einem der„Neuen Welt" gegenüberliegenden Lokale geplant ist. Repu blikaner, Parteigenossen und die treu zu den Gewerkschaften Stehen den besuchen die Veranstaltungen von„Solidarität" und meiden die kommunistische Veranstaltung. Radsporkmeisterschaslen, t das ist eine aufs Höchste kultivierte Synthese von Mensch und Tech- nik im Sport. Das ist lautloses Gleiten trainierter Menschen und Maschinen, es ist ein scheinbar unentwirrbares und zielloses Kreise- ziehen, und doch ein raffiniert zweckmäßiges System, in dem jede Radumdrehung, jede Linie vorausberechnet und das Ganze zu einer erstaunlichen fließenden Harmonie der Bewegung gebracht wird. Radsporirneisterschaften— das ist aber auch schnelle, blitzschnelle Be- wegung beim Spiel, ist sekundenschnelles Zusammenrücken aller Energie und spielerische, jagende Bewegung auf kleinstem Raum. Das ist Kampf und Kampfspiel, bei dem oft genug die Jagd nach dem Ball die Menschen und Maschinen auseinanderprallen oder im letzten Augenblick noch aneinander vorbeiführen läßt. Spieltrieb, gehennnt und doch wieder gefördert durch die Maschine. Radsport- Meisterschaften— das ist schließlich aber auch die Jagd mit der Zeit und dem Gegner, das ist die nerven- und kraftverbrauchende höchste Energieanspannung. Kampf auf der Bahn und Kampf auf der Straße stellen höchste Anforderungen an Meirsch und Maschine, zwingen zur Hergabe des letzten Kraftvorrats. Rennen sind woh- liges Tumtneln im Vollgefühl der Kräfte und verbissene Hätz mit jeder Faser des Körpers und des Geistes zugleich. Wenn so im S a a l s p o r t die Gewandtheit, in den Spielen der Mut und ksslloige der Radsporimeisierschaflen von „Solidarität" Sonnabend, den 6. Juli 1929 16 Uhr.NeueWelt'GroßerSaal-NeuerSaal Saalsportwettkämpfe 20 Uhr.Neue Welt' im Garten, In den Sälen Begrüßungsfeier Sonntag, den 7. Juli 1929 4.30 bis 7.45 Uhr Start und Ziele bei Groß-Ziethen Straßenwettkämpfe 8 Uhr.NeueWelt'GroßerSaal-NeuerSaal Saalsportwettkämpfe 15 Uhr Rütt-Arena Bah n wett kä m pfe- 1 4 Re n n e n 18 Uhr.NeueWelt'GroßerSaal-NeuärSaal Schaufahren der Radsportmeister von Deutschland 900 Wettkämpferinnen und Wettkämpfer aus ganz Deutschland Arbeiter- Wasserball» Nürnberg-Mannschaft- Charlottenburg 1:1. Am Donnerstag spielten im Freibad Plötzensee die 1. Wasser- ballmaniischast der Freien Schwimmer Charlottenburg(rote Kappen) gegen die Nllrnberg-Mannschaft(weiße Kappen). Während die Charlottenburger durch den guten Torwart von Hellas eine wefent- lich« Verstärkung erhalten hatten, mußte die Nürnberg-Mannschaft mit Ersatz antreten, was sich natürlich während des Spielverlaufs bemerkbar machte. Die Charlottenburger legten sich sofort mächtig ins Zeug und bedrängten mehrmals das Tor der Nürnberg-Mannschaft, die schwere Abwehrarbeit leisten mußte. Jnmier wisoer brach der Charlotten- burger Verbindungsinann durch und schuf dadurch kritisch« Situa- tionen. Kamen die weißen Stürmer vor das rote Tor, dann fanden sie einen Torwächter, der.fast unüberwindlich war. Sa ging das Spiel hin und her, ohne daß ein« Mannschaft zu Torerfolgen kam. In der 9. Minute gelang dem rechten weißen Verteidiger ein Durch bruch, und der rote Torwächter war geschlagen. 1: 6 blieb es bis Halbzeit. 2 Minuten nach Halbzeit glich der rot« Mitielstiirmer aus. Der rote Torwart verwirkte mehrere Freiwürfe, weil er mehrmals den Ball über has Tor lenfte. Eine solche Gelegenheit nützt der rechte Stürmer der Nnrnberg-Mannschast geschickt aus, und es steht 2: 1. Bei diesen: Resultat bleibt es bis Schluß. Die Nürnberg-Mannschaft zeigte nicht das, was man erwartet hatte. Die Ersatzleute stinden sich nicht in das Gefüge der Mann- fchaft, wodurch das mäßige Zlbfchneiden der Mannschaft zu erklären ist. Die Charlottenburger hatten in dem Verbindungsmann ihren besten Mann. Das nächste Spiel findet Donnerstag, 11. Juli, 3ASO Uhr, in Spandau, Wröhmonnerstr. 26, gegen die spielstarke Spandauer Mannschaft statt. Kmderspoi-t in Strausberg. Morgen, Sonntag, findet in Strausberg das Bezirks- K i n d e r s p o r t f e st der Vereine des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes statt. Vormittags Proben und Vorkämpfe, großes Wecken. llm 13 Uhr Abmarsch des Festzuges vom Pestalozziplatz zum Sta- dion. Dort Massenfreiübungen, Mannschaftsdreikampf, Stafetten, Sondcroorfllhrung der FTGB.-Abteilungen und Spiele. Um 18.36 Uhr Abmarsch. Die Arbeiterschaft und Freunde unserer Kinderbewegung sind herzlich dazu eingeladen. Eintrittspreis für Erwachsene 56 Pf., für Kinder 25 Pf. Arbeiter-Handball. Vsrwärts-Hennigsdorf besucht am Sonntag die Freie Turner- schaft Erkner. FTGB.-Spo.ndau hat um 9 Uhr FTGB.-Stralau als Gegner. Wilmersdorf 1. Männer spielt um 16 Uhr gegen Kaulsdors in Wilmersdorf, die 2. Männermannschaft fährt nach Drewitz. Freie Turnerschaft Bornstedt hat FTGB.-Norden um 16 Uhr als Gegner. In Köpenick. Marienstraße, spielen um 13 Uhr Eiche-Köpenick- Frauen gegen Hennigsdorf, die 2. Männer gegen Eststracht-Mahls- darf 2 um IL Uhr und die gleichen 1. Männer um 17.16 Uhr. Ii; Trebbin spielen Trebbin gegen Schöneberg. Die Freie Turner- schaft Zossen hat FTGB.-Adlershof als Gegner. Luckenwalde 2. Frauen-Abt. empfängt FTGB-Südost. Steher und Flieger bei Rütt. Kein Rütt ohne Regen! Ermutigt durch den verhältnismäßig guten Erfolg seiner Steher- Prenriere, hatte Rütt auch für den gestrigen Renntag wiederum 5 Steher verpflichtet. Diesmal verliefen die Rennen jedoch nicht so interessant. Corpus und Damerow fanden sich anscheinend nicht so gut auf der Bahn zurecht, wie Saldow, Läuppi und Dewolf. Asßerdem hatte der Wettergott von Rütts Veranstaltung Kenntnis erhalten- und öffnete im Verlauf des großen Dauerrennens, das Karl Saldow gerade in flotter Fahrt sah, unbarmherzig die Schleusen, womit wieder einmal Schluß auf der Rütt-Arena mar. Im ersten Lauf über 26 Kilometer um den„Preis von T e m p e l h o f" wechselten sehr oft die Plätze. Am gleichmäßigsten fuhr Dewolf, der von Beginn bis Schluß die Spitze hielt. Der sehr angriffslustige und auch wohl sonst starke Läuppi büßte viel Platz durch Defekt seiner Schrittinachermaschine ein, fiel ganz zu- rück, während Damerow den zweiten Platz besetzte. Corpus konnte nicht recht mit und endete als vierter hinter Saldow. Im zweiten Lauf hatte Läuppi die Spitze und beendete ihn auch als Sieger vor Saldow, Dewolf, Damerow und Corpus, der hier niehrfach überrundet wurde.— Im großen Lauf über 4 6 Kilometer verdrängte Saldow sofort Damerow von der Spitze. Läuppi, der an vierter Stelle vor Dewolf lag, ging sofort nach, passiert« Ear- pus und jagte nun hinter Saldow. Der Stettiner machte jedoch seinen Platzverlust bald wieder wett und griff in der 13. Runde Damerow und Läuppi erfolgreich an. Gerade, als Saldow in schöner Fahrt war und seine Gegner bis auf Corpus überrundet hatte, setzte der Regen ein. Das Rennen wurde in der 37. Runde abgebrochen. Saldow erhielt den Sieg zugesprochen. Das Rahmenprogramm bildeten Fliegerrennen für Be- rufsfahrer und Amateure, die flott« Kämpfe brachten. Zunächst die Professionals, die u. a. ein Fliegerhauptfahren zu bestreiten hatten. Nach Vor-, Hoffnungs-, Zwischen- und Befähigungsläufen traten die Italiener Basfi, Bossi und der Augsburger Steger zum End- lauf an. Sieger konnte hier nicht aufkommen. Die Italiener teilten sich die beiden ersten Plätze. Das Armbinden-Rennen war ein Lauf der Defekt«. Zweimal mußte abgeläutet werden, doch dann konnte Schön die Armbinde erfolgreich gegen Stockelynck ver- leidigen. Recht interessant verlief auch das Ausscheidungsfahren, das schließlich Wette als Sieger sah.— Beim Runden-Rekordfahren der Amateure unterbot Johow mit 13,4 Sekunden den bis- herigen Rekord um'A» Sekunden. Die„Deutsche Meile" sicherte sich Engelmann. Endlich noch das einleitende Vorgaberennen, das der Einzelfahrer Stock, allerdings mit 83 Metern Vorgab«, gewann. __ R. Sch. heule, Sonnabend. 19 Uhr. findet bei Krüger. Putlitzstr. 16. ein« Vorständekonferenz der Groh-Berliner Fußballvereine statt. Zu dieser Konferenz mutz jeder Verein zwei Mitglieder delegiere». Arbeiicr-Futjball. Stand der Spiele am 30. Juni. Obwohl die erste Serie noch nicht ganz zu Ende ist, lohnt es sich, einen Ueberblick über den Stand der Spiele zu bringen. Nicht immer verliefen die Spiele reibungslos; teils durch Regen, teilß durch andere große sportliche Veranstaltungen mußre mehrmals ab- geblasen werden. In der 1. Klasse, die auch den Kreismeister ausspielt, finden harte Kämpfe um die Führung in den Abteilungen statt. In der Abteilung A ist Brandenburg a. d. H. bisher unge- schlagen an der Spitze. Luckenwalde I und schließlich Lichtenberg I, auf die man so große Hoffnungen setzte, mußten die Ueberlegenheit der Brandenburger anerkennen. Di« Tabelle in dieser Abteilung sieht so aus: Verein Brandenburg Spiele , 6 > 6 . 7 . 6 , 8 . 9 , 6 , 4 9 Luckenwalde l.,, Lichtenberg l... Luckenwalde V.,, Luckenwalde III,. Eiche-Köpenick.,. Rathenow.,,. Ruhlsdorf.... Tempechof.... Sotol-Charlottenburg In der Abteilung B führt Weißensee, der Bezwinger des letzten Kreismeisters. 5iertha-Luckenwalde folgt dichtauf. Der Kreis- meister Luckenwalde II steht fast am Schluß der Tabelle. Aller- dings haben die Luckenwalder bisher erst drei Spiele absolviert. Stand der Tabelle: gew. 6 3 3 4 3 2 3 2 2 unentsch. verl. 1 2 2 3 4 6 3 2 9 Punkte 12:6 16:2 16:4 9:5 6:6 6:16 6:12 5:7 4:4 6:18 Verein Weißensee.,» Hertha 11.,» Oberspree... Woltersdorf 16. Eifenspalterei t. Germania.,* Neukölln...» Luckenwalde II, Karow...» Nowawes 94.. Hoppegarten.. Auch in der 2. K l a s Spiele 6 7 7 4 6 6 7 3 7 8 7 gew. 6--- 3 1 3— 3— 3— 2 2 2 2 2— 2— 1— — 1 unentsch. verl. 1 2 1 3 2 3 1 5 7 6 Punkte 12:6 11:3 16:4 6:2 6:6 6:6 6:8 4:2 4:16 2:14 1:13 ___ �..........,, e gibt es hartnäckige Kämpfe um die Führung. In A b t c i l u n g A sind es Jüterbog und Lichtenberg II, die sich die Führung streitig machen. Beide Mannschaften haben bisher kein Spiel verloren, das angesetzt« Spiel der beiden Gegner konnte nicht zun. Austrag kommen. Der Sieger aus diesem Spiel dürfte voraussichtlich Abteilungsmeister werden. Einen Ueberblick über den Stand dieser Abteilung gibt folgende Tabelle: unentsch. Spiele . 4 . 3 . 4 . � - 3 . 4 gew. 4 3 2 1 verl. Spiele . S . 4 . 3 � S . 4 . 4 gew 5 3 2 2 2 1 3 4 verl. Punkte 8:1 6:0 4:4 2:2 0:6 0:8 Verein Jüterbog. Lichtenberg II Schöneberg Potsdam 94 Kloster Zinna Caputh.. „Butab" führt ungeschlagen in der Abteilung B. dicht gefolgt von den..Schweifsternen". Borussia, auf die immerhin einige Hoffnungen gesetzt waren, stehen an vorletzter Stelle. Tabelle: Verein Spiele gew. unentsch. Butab... Schweifsternc 1 1 3 3 4 Punkte 16:6 6:2 4:2 4:6 1:7 1:9 Treuenbrietzen Cladow., Borussia k. Herzfelde., Abteilung C. Hier führt die neugegründete Saxonia- Mannschaft: trotzdem Saxonia erst zwei Spiele absolviert hat. dürfte ihm die Meisterschaft so leicht nicht zu nehmen sein. Spandau 23 steht mit 5 Verlustpunkten an der zweiten Stelle. Werder 77 galt in dieser Abteilung vor Beginn der Serie als Favorit. Verein Saxonia., Spandau 25, Vorwärts., Werder 7?., Trebbin... Reinickendorf. Spiele . 2 . 5 . 4 . 2 . 2 . 4 gew. 2 2 2 1 1 1 unentsch. 2 1 verl 2 2 1 1 3 Punkte 3:1 3:3 4:4 2:2 2:2 2:6 Serienspiele am Sonntag. Morgen, Sonntag, finden folgende Spiele statt: Germania gegen Eisenspalterei in Pankow auf dem Andreas-Hoscr-Platz. Weißensee gegen Neukölln in Weißensee, Stadion Fauler«ee. Lichtenberg II gegen Potsdam 94 in Lichtenberg, Normannenstraße. Rathenow gegen Lichtenberg I, Brandenburg gegen Tempelha;, Hoppegarten gegen Hertha-Luckenwalde, Luckenwalde II gegen Karow, Woltersdorf-Luckenwalde gegen Oberspree, Kloster Zinna gegen Caputh. Zweite Mannschaften: Nowawes gegen Rathenow, Rathenow 3 gegen Neukölln, Brandenburg gegen Ober- spree, Germania gegen Neukölln 3, Karow gegen Vorwärts, Weißen- see gegen Lichtenberg II. Jugend: Brandenburg gegen Werder, Weißensee gegen Caputh, Lichtenberg II gegen«axonia, Spandau gegen Ketzin, Kladow gegen Vorwärts. Zum Sonnabend Hai sich Lichtenberg I I die sehr spielstarke Spandauer Mannschaft verpflichtet. Das Spiel findet um 19 Uhr auf dem Städtischen Sportplatz in der Normannenstraße statt._ Kommunistenbluff! Die.«elt am Abend" regt sich in ihrer Freitagausgabe darüber auf. daß der„Abend" die rcchtspolitische Einstellung der „Deutschen Turnerschaft" gegeißelt hat, und sie verdächtigt dabei sozialdemokratische Kommunalbeamte, die als B e z i r k s b ü r g e r- meister oder Stadträte bei Veranstaltungen der Deutschen Turnerschaft eingeladen werden und erscheinen. Gegen die Verdächtigungen brauchen wir unsere Genossen nicht zu verteidigen, die „Welt am Abend" fragen wir aber, warum dieser Tage der russische Botschafter Krestinski die Tochter von Hugo Stinnes mit einem Blumenstrauß begrüßt hat und warum seinerzeit Tschitscherin, der russisch« Außenminister, mit dem König von Italien auf einem faschistischen Kriegsschiff diniert hat? Freie Arbeiter- Schach-Vereinigung Groh-Verlin. Sonntag, 7. Juli, 16 Uhr, findet in Potsdam, Augustastr. 9, Mllhlenberg- grott«, die III. Runde der Kreiskämpfe statt. Es spielt hier der Favorit„Berlin" gegen seinen schärfsten Widersacher„Branden- bürg". Der Ausgang des Kanipfei- ist vollkommen ungewiß. Im gleichen Lokal trefsen zur selben Zeit in, Freundschaftstreffen die Berliner Abteilungen Kreuzberg und Treptow mit den Vereinen Potsdam und Nowawes zusammen. Treffpunkt für sämtliche Teil- nehmer: Bahnhofsausgang in Potsdam(9 Uhr).