BERLIN Montag S. Zuli 1929 10 pß. Nr. 314 B 156 46. Jahrgang. erscheint tiglich anßerSvnntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Dezuzsprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, Z.eoM. pro Monat. vledaktioo und Tppedition-, Berlin SW KS. Lindenßr.Z „Ibwasfa Snieigenpret«: Die einspaltige Nonpareillejeil« So Pf., Reklameieile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr.S7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff S92 bis 29? Funker gegen Volksschullehrer. Das Gchulgebäude darf nicht besichtigt werden. Der„Abend" veröffentlicht« am 18. Juni 1929 unter der Uebcr- fchrift„Äulturbild 192 9" zwei Photographien nebst Kommen- tar, die den verwahrlosten Zustand des Grumsdorser Schul- raumes darstellten. Die O e f f e n t l i ch k e i t und besonders die Lehrerschaft des Kreises zeigten für diesen Fall reges Interesse. Auch einige Mitglieder des Kreislehrerrates überzeugten sich persönlich von den tatsächlichen Verhältnissen und fanden die Richtigkeit der im„Abend" gemachten Ausführungen vollauf bestätigt. Tags darauf erhielt der Lehrer solgendes Schreiben von dem Gemeindevorsteher, Herrn Major a. D. o»n Ioeden: sAbschrisl.) Der Gemeindevorsteher. Grumsdorf. deu Z. Zuli 1929. 5/29. Herrn Lehrer SchNedemann Grumsdorf. Herr Rendant Rotrn hat mir gemeldet, daß Sie mit mehreren Lehrer« de» kreise» am 2. Zuli 1929 nachmitlag» die 1. Schul- klaffe besichtigt haben. E» muh angenommen werden, daß diese vesichtigung im Zusammenhang mit Zhren verhetzenden und zum Teil unwahren Veröffentlichungen im„Vorwärts" steht. Hamen« der Gemeinde und de» Schuloorstande» verbiete ich Zhnen, mit fremden Personen, die nicht zur örtlichen Gemeinde bzw. den Schulaussichtsbehürden gehören, ohne Erlaubnis der zuständigen Selb st Verwaltung» st eilen die Schulräume zu betreten. Zch habe Anordnung getroffen, daß alle Personen, die die Schulräume unbefugt und ohne Erlaubnis betrete«, entfernt werden. Der Vorsteher. gez. A. v. Zoeden. Mit dem Schreiben bestätigt der Gemeindevorsteher Herr von Ioeden, daß sich die G r u m s d o r f e r S chu l« in Pom- m e r n tatsächlich nicht sehen lassen darf. Anstatt daß der adlige Herr für menschenwürdige Schulräume sorgt, schreibt er an. mähende Briefe. Nicht unser Artikel war„verhetzend", sondern die Grumsdorser S ch u l o e r h ä l t n i s s e sind ausreizend. Wir hoffen noch immer, daß sich ihrer die zuständigen Stellen annehmen und für Abhilfe sorgen. Dem Lehrer aber, der im Interesse der Jugend besser« Schulräume fordert, muß man dankbar sein. Auch der Junker kann die berechtigte Kritik nicht„verbieten". Er mag sich gesagt sein lassen, daß auch seine Schule der öffentlichen Kritik untersteht."' Nichts zu verschweigen. Die„Wahlen" an der Berliner llniversilät. Die Berliner Rechtspresse behauptet heute, daß die Links- preffe ein Interesse daran habe, das Ergebnis der„Wahlen zur sogenannten„Studentenschaft" an der Berliner Universität zu verschweigen. An sich handelt es sich hier um eine Privat- angelegenheit. Es hat aber kein Mensch Interesse daran, dieses für die Studenten traurig« Ergebnis irgendwie zu verheimlichen. Im Gegenteil, alle, die sich um die Borgänge an der Universität kümmern, müssen wissen, daß weit über KllProz. der Studenten sich an den regi erungsfeind- l i ch e n und reaktionären Wahlen beteiligt haben. Sie müssen wissen, daß von den etwa 11 000 Studierenden der Berliner Universität rund 7000 an der Wahl einer privaten Vereinigung be- teiligt waren. Schon diese Wahlbeteiligung läßt erkennen, welch reaktionärer Geist an der Universität herrscht. Die Studenten und Studentinnen, die sich aus Trotz gegen die Regierung an der Wahl Zur„Studentenschaft" beteiligt haben, haben mit der Stimmabgabe im einzelnen erkennen lassen, wo sie politisch st e h e n. Die gemäßigtere„Finkenschaft" ging von 1291 Stimmen auf 1101 zurück, dagegen hat das radikale Couleurftudententiiin („Wafsenring") die Stimmenzahl von 2275 auf 2742 st e i g e r n können. Die Hakenkreuzler haben sist fast ver> doppelt. Sie stiegen von 749 auf 1377 Stimmen und die n a t I o- nalen Studentinnen— es handelt sich hier wahrscheinlich um das„versöhnlich" wirkende Frauenelement— haben 232 Stimmen erzielt. Dieses Ergebnis gibt ein wirkliches Bild von der geistigen Lsschaftenheit der großen Mehrheit der Bertiner Studenten. Llnter Ookumentenfälschern. „Wunderschäune Fälschung, Liebling! Wämm wilstu andrähn solchenes Kunschtwärk ärster Ordnung?"— „Aerster Ordnung sagst»? Wärrd ich hingänn zu Neichslommissär firr Ordnung!" Finanznot drängt zur Räumung Kein Geld ohne Verständigung. Paris, 8. Juli. lEigenbericht.) In der Tonntagsausgabe des„Populaire" verwahrt sich Leon Blum gegen die von der bürgerlichen Preise aufgestellte Behauptung, daß die französischen Sozialisten nach der Ankunft des Reichstagsabgeordneten Breitscheid in Paris plötzlich gegen die sofortige Ratifikation der Schuldenabkommen seien. Diese Behauptung zeuge von einer erschreckenden Unwissenheit, denn die anderen Par» teien der sozialistischen Internationale hätten die franzö- fischen Sozialisten immer wieder gedrängt, für die Ratifikation einzutreten und gerade deshalb feien fast ernste Mißverständnisse zu verzeichnen gewesen. Im übrigen betont Leon Blum, daß ohne die Rheinland- räumung der Poung-Plan durch Deutschland nicht aus- geführt werden könne. Solange Nicht mit der Räumung des Rheiulandes wirkliche Garantie» für einen Fort- schritt in der deutsch-französischen Annäherung und damit der Sicherung des europäischen Friedens gegeben feien, würden sich für die deutschen Obligationen keine Geld- g e b e r finden. pariser Verzögerungstaktik. Paris, 8. Juli.(Eigenbericht.) Die englische Regierung hat Frankreich inzwischen wissen lassen, daß sie nach wie vor für London als Konferenzort ist und darauf besteht, im Verlauf dieser Tagung alle mit der Ausführung des Poung-Planes zusammenhängenden Fragen zu erledigen. In Paris wünscht man dagegen die Konferenz in ,ch r e i E t a p p e n". In der ersten Zusammenkunst sollen die Grundlagen für die künftigen Verhandlungen festgelegt werden Das Welttreffen der Lugend. Die ersten Züge in Wien.— freudige Begeisterung. Wien. S. Zuli.(Eigenberlchl.) heule vormiltag ist der e r st e Zug mit Teilnehmern de» Znternaiionalen Zugendlressens in Wien angekommen. Er brachte über 500 Holländer, die trotz der ungünstigen Tageszeil von Tausenden begeistert empfangen wurden. Der Marsch vom West- bahnhos bis zum Bezirk Maidling führte durch eine ununterbrochene ketle spalierbildender Arbeiter und Arbeiterinnen, die die hollän- dischen Genossen Immer wieder mit stürmischen Freundschaft». grüßen empfingen. Die wohnhöse am Fuchsseld und der Fuchs- seldhos sowie der Liebknechthos. in denm die holländischen Genossen untergebracht sind, sind überaus reich mit roten Fahnen geschmückt. Die Bewohner dieser Häuser empfingen die ersten ausländischen Gäste mit großer Begeisterung. Der Vorsitzende der holländischen Organisation, v o r r I n k. erklärte in seiner Ansprache, daß der wunderbare Empfang schon jetzt davon überzeugt habe, daß die wiener Tagung der Sozialistischen Zugendinlernotionole zu den stärksten Erlebnissen für alle Beteiligten zählen werde. Die hollän- dischen Zugendtichen werden bis Donnerstag eine dreitägige Wanderung unternehmen und dann nach Wien zurückkehren. Zm taufe de» Donnerstags werden über 20 Sondcrzügc in Wien eintreffen. Belgiens Arbeiterfchast steht fest. 600000 sozialdemokratische Parteimitglieder. Brüssel, 8. Juli.(Eigenbericht.) Der Parteitag der belgischen Sozialisten, der am Sonntag im Brüsseler Volkshaus stattfindet, steht unter dem Eindruck des Todes von Jojes W a u t e r s und des Rückschlages bei den letzten Wahlen. Im Verlauf der Verhandlungen wurde allseiDtz sestgestellt, daß der Stimmenrückgang bei den Parlameniswahlen keineswegs eine Schwächung der organisatorischen Kraft der Partei bedeutet. Die politischen und wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiter- sihaft entwickeln sich im Gegenteil in erfreulicher Weise. Die Mit- gliederzahl ist lu den letzten Zahren sorllausend gewachsen und über- steigt zurzeit 600 000. Die Auflage der sozialistischen Tagespresse hat im letzten Jahr« um 40 000 zugenommen und beläuft sich heute auf etwa 250 000 Abonnenten. Die Debatte über die politische Lage wurde durch ein Referat Vanderoeldes eröffnet. Er verwies insbesondere auf die außerordentlich unbequeme Lage, in der sich die bürgerliche Regie- rung trotz ihres Wahlsieges schon heute befinde und forderte die Einberufung einer außerordentlichen Tagung der Kammer zur Lösung der wichtigen und dringlichen Fragen. Vor allem dürfe das Problem der Liquidierung des Krieges, das unbedingt die Räumung des Rheinlandes mit sich bringen müsse, nicht ohne das Parlament und ohne die Arbeiterpartei geregelt werden. Moskau gegen Labour. Die Sowjets und die Wiederaufnahme der Verhandlungen Moskau, 8. Zuli. Nach den offiziösen„Zswestija" widmet auch die„Prawda" der Frage der Wiederousnahme der Beziehungen mit England einen Leitartikel, der gegen die Regierung Macdonald eine noch schärfere Sprache spricht. Auch die„Prawda" will von Vorverhandlungen, Klauseln und Bedingungen sür die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen nichts wissen, verlangt„schleunigstes Zerblasen" des diplomatischen Nebels", mit dem die ganze Frage umgeben werde und schreibt:„Die werktätigen der Sowjetunion haben allen Grund, die Komödie ruhig zu beobachten, die jetzt von den leitenden Kreisen Englands hinsichtlich der englisch-russischen Frage gespielt wird. Das bedeutet aber nicht, daß sie schweigend das Spiel mit falschen Karten hinnehmen, welches die sog. Arbeiterregierung Macdonalds dabei spielt. Auch die werktätigen Eng- lands sollten sich nicht in Verwirrung bringen lassen. Wir sind sür volle Klarheit in dem Problem der englisch-russischen Beziehungen. wir sind gegen diplomatischen Nebel und Halbnebel, wir müssen ossen erklären, daß wir alle„B e d i n g u n g e n" und Machenschaften hinter dm Suiiffeu ablehnen." „Llntm Vowler" in der Lust. Seit Freitag die erste Nachricht. Nach den heute vorliegenden Meldungen scheint die viermotorige Maschine„Untin Vowlcr" zum Weiterflug nach Grönland gestartet zu sein. Das Flugzeug steht nämliche durch einen Kurzwellensender mit der„Chicago Tribüne" in standiger Verbindung, und der als Zeiche» dafür verabredete«ummerton. daß sich die Maschine in der Luft befinde, ist wieder in Amerika gehört worden. Das Flugzeug dürfte im Laufe des heutigen Tages Kap (£ h i d l e y an der Oftküste van Labrador erreichen und morgen Grönland anfliegen, wo den Fliegern zwei Landeplätze zur Verfügung stehen. Wie aus C h i k a g o gemeldet wird, nahm nian an, daß das Flugzeug„Untin Bowlcr", über dessen Verbleib direkte nähere Nachrichten seit etwa 24 Stunden fehlen, zur Brennstoffcrgänzung in Greatwhale im Innern Salvador s gelandet ist. D!e auf drahtlosem Weg bei der Redaktion der„C h i k a g o Tribüne" eingetroffenen Summersignale, die um 8.10 Uhr morgens begannen und um 9.50 Uhr endigten, haben die Vermutung veranlaßt, daß das Flugzeug die Nacht auf irgendeinem See nördlich von Rupert- houfe zugebracht hat und gestern nach Greatwhale weiter- geflogen ist. Die Radiozeichen nahmen dann allmählich ab, was ei»?« Landung andeutet. Es wird erwartet, daß das Flugzeug in Greatwhale nur etwa zwei Stunden zubringt und, falls das Wetter günstig ist, Port Burwcll an der Nvrdfpige von Labrador noch vor Anbruch der Nacht erreicht. Die Nachrichten über die Ozeanfliegcr sind unbestimmt. Wo sich die Flieger zurzeit befinden, wird sich auch darum sehr schwer feststellen lassen, weil sie über Gebiete fliegen, die noch recht dünn besiedelt sind, so daß Meldungen über den Flugverlauf nur spärlich zu erwarten stnd. Auch sind auf dieser, Nordamerika vorgelagerten Halbinsel nur wenige Stationen, die Funkmeldungen weiter- geben können. Nur der östliche Teil der Insel ist durch Missionare Indianer und Agenten der Hudsvntompagnie einigermaßen erforscht. Die Halbinsel ist von unzähligen Fjorden zerschnitten. Im Innern Labradors liegen die H u l e s o w i l l e- G i p f e l, die bis zu 2000 Meter hoch sind. Die ersten Nachrichten über den Flug- verlauf werden erst heute abend eintreffen können, wenn die Flieger Pont Burwell erreicht oder überflogen haben. Es ist auch möglich, daß die Flieger zu einer Zwischenlandung im Innern Labradors gezwungen stnd und erst später in Port Bur- well eintreffen. Von dort wollen die Flieger sofort weiterfliegen nach Grönland, wo bei der Funkstation Reskjavik«ine Zwischenlandung vorgesehen ist. Die Flieger wollen über Grönland die Route B e r g e n— K o p e n h c g e n— B e r l i n einschlagen. Es ist nicht zu rechnen, daß- die Flieger vor Sonntag oder Montag die Strecke über den Ozean zurücklegen können. Die Berliner werden also frühestens ,M i t t w o ch oder sogar erst Donnerstag die Flieger begrüßen können. Ein Autoraser verhastet. Ursache des Unglücks: Betrunkenheit. Die Kriminalpolizei hat heute mittag in einer Garage in N e u kö l l n einen der Schuldigen, die in der Nacht zum Sonnabend auf dem Prager Platz in rasender Autofahrt zwei Passanten lebensgefährlich verletzten, verhaftet. CS ist ein Chauffeur Paul Staller, der zugibt. mit dem noch flüchtigen Wagenwäscher Bruno Wilden- Hägen die Schwarzfahrt gemacht zu haben. Sie waren beide nach Angabe deS Staller vollkommen betrunken und hatten jede Herrschaft über den Wagen verloren. Das Befinden der Ueberfahrcnen hat sich er- freulicherweise etwas gebessert. TraKdie eines alten Ehepaares. Einer wollte ohne den andern nicht leben. t 3m Hause Watertooufer 15 erschoß am Soankog nachmittag der 77 Jahre alte Klempnermeister und haus- eigentümer Gustav Keitmann seine 71 Jahr? alte Ehefrau Agne, und tötete dann sich selbst. Keitmann gehört« einer alten Berliner Familie an. Er genoß in der Nachbarschaft großes Ansehen. Während er eine gutgehende Bauklempnerei im Kellergeschoß des Hauses betrieb, bewohnte er mit seiner betagten Frau mehrere Räume, im hohen Erdgeschoß. Seine verheiratete Tochter lebt mit ihrem Manne in Alt-Moabit. Ii, der letzten Zeit äußerte das alte Ehepaar wiederholt, daß es in die heutige Zeit nicht mehr hineinpasse und daß es w o h l das beste sei, freiwillig in den Tod zu gehen. Diese Aeuße- rungen veranlaßten die Tochter, des öfteren auch über Nacht bei den Eltern zu bleiben, um sie zu betreuen. Am Sonntag nachmittag besuchte die junge Frau ihren Mann. B«i der Rückkehr gegen 8 Uhr fand sie am Waterlooufer alle Jalousie» herabgelassen und die Räum« dunkel. Auf einem Tisch im Zimmer entdeckte sie einen Zettel, auf dem der Vater mitteilte, daß er in beider- seitigeni Einverständnis die Mutter und sich er- schössen habe. Einer wolle ohne den anderen nicht mehr leben. Frau Kettmami lag tot auf eine Chaiselongue, während der alt« .Herr tot auf einem Stuhle saß. Beide hatten Kopfschüsse. Die Leichen wurden in der Wohnung belassen. -IS Rennpferde verbrannt. Hamburg, 8. Juli. Montag morgen gegen �3 Uhr brach in einem Pferdestall auf der Trabrennbahn Farmsen bei Hamburg, in dem eine größere Anzahl Rennpferde untergebracht war, auf bis jetzt noch ungeklärte Ursache Feuer aus. Das Feuer, das in den aufgestapelten Futtervorräten reiche Nahrung fand und dadurch, daß das Ober- geschoß des Stalles aus Holz bestand, schnell um sich griff, konnte von der herbeigeeilten Feuerwehr auf seinen Herd beschänkt werden, doch gelang es nicht mehr, sämtliche in dem Stall untergebrachten Pferde zu retten, so daß 13 wertvoll« Rennpferde dem Feuer zum Opfer fielen. Der Gesamtschaden steht noch nicht fest. Orlow und pawlunowski. Die politischen Hintergründe des Ookumentenprozesses. Seit einer Doch« watet man in Moabit im Sumpf private« Nachrichtendienste» und übelriechender Spihelorganisationen. Degen der vielen pikanten Einzelheiten und sensationellen Andeutungen ist die Oessenllichkeit leicht geneigt, die tieferen Zusammenhänge zu über. sehen, was sich aber vor dem Schössengericht verlin- Schöneberg in diesen Tagen abspielte, war in Wirklichkeit ein Stück Zeitge- schichte. Die Orlow-Pawlonowski- Affäre bildet nur einen ganz geringen Ausschnitt dessen, was seit 10 Jahren die inter- nattonale politische Oefsentlichkeit in breitem Strom überflutet: die normalen Beziehungen zu den Sowjets sollen gestört, oder ihre Anbahnung soll verhindert werden. Hinter dem Angeklagten Orlow erhebt sich mahnend das Gc- spenst des S i n o w j c w- B r i e f« s, der die Wahlniederlage der britischen Arbeiterpartei im Jahre 1924 mit verursacht hat. Die ge- fälschten Borah-Dokumente zeigen den gleichen Hintergrund. Im Sieg der britischen Arbeiterpartei wie in den Bemühungen des Senators Borah erblicken gewisse Kreise die Gefahr einer Annähe- rung an Sowjetrußland. Beide Fälschungen haben die gleiche Quelle: sie führen zu den russischen Monarchisten, denen im Kamps gegen den Bolschewismus jedes Mittel gut genug ist. Di« zaristischen Emigranten in Paris, die für beide Fälschungen ver- antwortlich sind, haben auch im Augenblick nichts Wichtigeres zu tun, als gegen die aus den letzten Wahlen siegreich hervorgegangen« britische Arbeiterpartei zu geifern: Sie werfen Macdonald und Litwinow in denselben Topf und malen in England den Teufel der sozialen Revolution an die Wand. Die demokratische Oeffentlich- keit und in erster Linie die Arbeiterklasse hat allen Grund, dieser Art Kampf mit dem Bolschewismus im Interesse des sozialen Fortschritts und der Völkerverständigung gründlich das Handwerk zu legen. Der frühere zaristische Staatsanwalt und Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten im Kampfe mit den Revo- lutionären, Seine Exzellenz Orlow, ist Fleisch vom Fleische und Blut vom Blute der Pariser monarchistischen Intriganten. Wäre er in Rußland geblieben, so hätte ihm entweder der tschekistijche Nacken- schuß den Garaus gemacht oder er wäre in der Tscheka zu Würden und Ehren gelangt. Er blieb seiner Fahne treu, stillte als Chef des weißen Nachrichtendienstes seinen Bolschewistenhaß am Blut« seiner Opfer und rettete nach Berlin sein immenses Wissen um die tschekisti- schen Angelegenheiten. Er mochte es hier zu Geld. Als seine In- sormationsquellen versiegten, legte er sich auf Fälschungen. Seine Kombinationsgabe und sein literarisches Talent wiesen ihm den weg vom zaristischen Würdenträger zum gemeingefährlichen internationalen Fälscher Der wirkliche geheime Staatsrat ward zu einem„gewesenen" Menschen. Das ist der russische Ausdruck dafür. Ein„gewesener" Mensch ist auch der MitangeNagte Pawlonowski. War bei Orlow der Nährboden die zaristische politische Polizei, so bei diesem die Kol- schew istische. Auch Pawlonowski will gleich Orlow aus ideellen Motiven und glühendem Haß gegen den Bolschewismus in Rußland ein Doppelsipel getrieben haben. Er lügt: Er war Tschekist reinsten Wassers. Soll man ihm wirtlich glauben, daß er, trotz des Verdachts, Verrat geübt zu haben, die Leiter der tschekistischen Laufbahn habe erklimmen können, um schließlich für einen der wichtigsten Posten in der Auslandsabteilung der GPU. auserkoren zu werden? Diese geistige Rull mit dem raubtierartigen Profil wird in Lederanzug und hohen Stiefeln eine gute Figur gemacht haben, als er in der Moskauischen Tscheka mit dem Nagan-Revolver auf dem Tisch seine Opfer befragte. Man sieht ihn leibhaft vor sich, wie er zitternd und schweißbedeckt Siewert seine Aengste anvertraut, in die rusiische Botschaft verschleppt zu werden, der er eben erst, unter Mitnahme wichtiger Dokumente, den Rücken gekehrt hat. Sievert und Orlow waren die einzige Zuflucht, die ihm noch geblieben war. Der Name Sievert führt zum Reichskommissariat für öflent- stche Ordnung, dessen Hauptaufgabe Kampf nach links war. Sievert erhielt Verwendungsgelder und war äls Nachrichtenmann geschätzt. Deutsch-Balte von Geburt, geschworener Bolschewistenfeind, besaß er Beziehungen, verstand sie zu nutzen, war stolz auf seine kombinatori- schen Fähigkeiten und wurde schließlich Opfer seiner politischen Nachrichiensucht. Er. der aus seine Zuverlässigkeit etwas gab. legte sich und die Behörden mit gefälschten Dokumenten hinein. Man habe das bewußt getan, sagt er, um seine Nachrichtentätig- keit zu liquidieren. Gefürchtet von der Sowjetspionage, habe diese durch ihre Desinsormationsabteilung, d. h. einer Organisation, deren spezielle Ausgabe es war, oerwirrende Nachrichten in die Welt zu setze», um auf diese Weis« richtige zu durchkreuzen, sein Nachrichtenbureau auffliegen lassen. Hier gelangt man zur Episode: Pawlow-Kroschko. Kroschko, Pawloiwwskis Gewährsmann, hatte die T r it i s s e r- Briefe geliesert. Er zeigte Sievert einen Ausweis der GPU. mit Stempel und Lichtbild, auch das Wahrzeichen eines Tschekisten, den russischen Nagan-Revolver. In Wirklichkeit arbeitete Kroschko mit dem russischen Korvettenkapitän Pawlow. Dieser hatte eine„Brüderschaft des weißen Kreuzes" aufgc- zogen,«ine Desinsormationsabteilung der Tscheka. Pawlow war M o n a r ch i st und Orlows guter Bekannter. Er begab sich in den Dienst der. GPU. in der Absicht, auch den Weißen zu dienen. Im Auftrage seiner Brotgeber bedient« er sich Orlows, um die gefälschten Trilisscr-Briefe bei Sievert anzubringen. Orlow sagte zu Sievert: „Sie haben sehr viele Feinde unter den Bolschewisten, aber auch einen mächtigen Freund— Pawlow." Und Pawlonowski meinte:„Pawlow arbeitet mit der Tscheka." Das erzählt Sievert. Ist es nicht wahr, so könnte es doch wahr sein. Das wirre Durcheinander in den monarchistischen und bolschewistischen Emi- grantenorganisationen ist ja notorisch bekannt. So findet man in diesem Prozeß alles beisammen: die geheime monarchistische Fälscherzentrale, den ehemaligen Tschekisten Pawlonowski, die DeÄnsormattonsabteilung der GPU. und da» anti- bolschewistische Nachrichtenbureau, da» für deutsche Behörden arbeitet. Das ist es eben: Die Geheimtätigkeit der Komintern ist für viele Länder heute noch das Schrcckengejpenst. Di« politischen Polizeien dieser Länder erblicken ihre Haupttätigkeit im Kamps gegen die Agenten der 3. Internationale, so Rumänien, Ungarn, Italien usw. Hier finden aber die Dokumentenfälscher auch ihre Hauptabnehmer. Das Reichskommissariat für öffentlich« Ordnung, das gleichsolls seine Hauptaufgabe im Kamps gegen Links sah, mußte deshalb gleichfalls auf falsche Dokumente hineinfallen. Schlimmer als das war aber der Umstand, daß die Bespitzelung selbst vor deutschen Behörden nicht haltmachte. Der Zeuge Sievert will von dem Direktor der Grenzpolizei den Austrag erhalten laben. Material gegen W e i ß m a n n und Bartels zu sammeln! Kein Wunder, daß letzter« in Beantwortung der ihnen zu stellenden Fragen sehr vorsichtig waren. Sie wissen nur zu gut, wie di« Fäden b«j diesen Nachrichten, und Gegennachrichten- bureaus ineinander laufen, und daß es unmöglich ist, aus- einanderzuhalten, was in der Oessenllichkeit noch erörtert werden darf und was nur hinter geschlossenen Türen zu behandeln ist. Kein Zufall ist es auch, daß der Pressechef der Sowjetoertrctung einen nicht mißzuverstehenden Druck aus den Sachver- st ä n d i g e n für den bolschewistischen und antlbolschewistischen Nachrichtendienst auszuüben oersucht hat. Di« Sowjetkreisc be- fürchten mit Recht, daß Ding« zur Sprache kommen könnten, die nicht für jedermanns Ohren bestimmt sind. Sie hatten Glück mit dem Sachverständigen: er jagte nicht mehr, wie für die Sowjets und sür ihn gut war. Die russische und deutsche Kommunisten- presse findet aber keinen Ausdruck scharf genug, um Pawlonowski. diese»„käuflich« Subjekt", das„in Deutschland zum Organ der Staatsgewalt" erhoben worden sei, zu brandmarken. Welche Ironie! Allerdings: Pawlonowski war Organ der Slaalsgewalt, nämlich bei der Sowjetregierung in Rußland wie in Deutschland. Dann wurde er zum ganz gemeinen Fälscher. D«r Prozeß dürste keine Ueberraschungen mehr bringen. Einerlei, ob di« Angeklagten verurteilt werden oder nicht, ob das Urteil hart ausfällt oder nicht: die Fälscher werden sich in ihrer Tätigkeit nicht stören lassen. Solang« für ihr« Erzeugnisse Nachfrage besteht, werden sie mit dem Angebot nicht engherzig sein. Internationale Brunnenvergifter und politische Desperados, Unruhestifter und Interventionisten, hoffen sie, mtt ihren Gc- sinrrungsgenosscn als Rückenstützung, immer noch auf das Wunder, daß die Monarchie doch noch einmal in Rußland ihr« Auf- «rst«hung erleben würde. In ihrem Kampf dafür ist ihnen jedes Mittel gut genug. Eigentlich sollten si« wissen, daß die Weltgeschichte längst über sie zur Tagesordnung übergegangen ist. Selbst die rassini«rt«st«n Fälscherkunststückchen sind o h n- mächtig, das Rad der politischen internationalen Ereignisse zurückzudrehen. „Nicht im Auftrage der Reichsleitung." Hitler rüffelt Mücke wegen des Koalitionsangebotes. Dresden. 8. Juli.(Eigenbericht.) Der Münchener Vertreter der„Leipziger Neuesten Nachrichten" erhielt auf Anfrage bei der n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e n Reichsparteileitung die Auskunft, daß der Brief Mückes, der das bekannte Angebot an die sozialdemokratische und kam- munistische Fraktton des Sächsischen Landtages enthielt, nicht im Auftrag, ohne Wissen der Reichsparteileitung abgesandt worden sei und daß Herr von Mücke wegen dieser seiner Eigenmächtigkeit eine Rüge von München aus erhalten werde. Kür die Räumung der befehien Gebiete. Parteitag der pfälzischen Sozialdemokratie. Kaiserslautern, 8. Juli.(Eigenbericht.) Der am Sonnabend und Sonntag hier abgehalten« Bezirks- Parteitag der pfälzischen Sozialdemokratie nahm eine Entschließung an. in der mit E n t s ch i e d e n h« i t die Räumung der besetzten Gebiete gefordert wird. Die Fortsetzung der Besatzung stehe nnt dem Selbstbestimnmngsrecht der Völker in Widerspruch. Die Forderung nach schleunigster Räu numz sei auch formal insofern berechtigt, als Deutschland alle aus dem Versailler. Vertrag herrührenden Verpflichtungen restlos erfüllt habe. Im Auftroge des Parteivorstandes der Sozialdemokratie über- brachte dessen Mitglied Hans Vogel Grüße und Glückwünsche. Bogel verwies u.' a. daraus, daß heute sowohl in d«r Deutschen Volkspartei als im Zentrum Kräfte vorhanden seien, di« auf eine Wiederholung des Rechtsblock-Experimentcs hindrängten. Jetzt, wo es um die Entscheidung gehe, zu wessen Gunsten sich die Reparationserleichtcrungen auswirken sollen, sei auf einmal ein« seltene, bi» ins kleinste gehende Solidarität aller bürgerlichen Parteien, vorhanden und immer stärker komme die gemeinsame Gegnerschaft des Bürger- tums g«gen di« Sozialdemokratie zum Ausdruck. Die Soziald«mo- krati« habe keinen Anlaß zur Furcht vor der Rückkehr in eine Opposition. Es müsse jedoch bezweifelt werden, ob eine der- artige Oppositionsstellung im gegenwärtigen Augenblick angesichts der Herabsetzung der Reparationsverpflichtungen klug sei. Kranunglück am Nordhafen. Zwei Arbeiter getötet, zwei schwer verleht. Am Sonnlag nachmittag ereignete sich aus dem Gelände der Thyssen Eisen- u. Stahl A.-G. in der T o r s st r a ß e 3 Z am N o r d h a s e n ein schweres Kranunglück, bei dem zwei Arbeiter den Tod fanden. Zwei andere wurden schwer verleht und liegen im Krankenhaus bedenklich danieder. Di« vier Arbeiter waren am Sonntag nachmittag mit der Mon- tage eines großen Laufkrans beschäftigt. Plötzlich ritz«in Ver- bindungss«il, und das Eisengerllst stürzt« krachend zusammen. Der Vorfall spielte sich so überraschend ab, daß es keinem der Arbeiter gelang, sich in Sicherheit zu bringen. Sie wurden von den nieder. stürzenden viele Zentner schweren Eisenträgern getroffen und furcht- bar zugerichtet. Die Feuerwehr erschien auf den Alarm„Kran- einsturz— Menschenleben in Gefahr" mit mehreren Zügen an der Unglücksstätte und sorgte für die Ueberführung der Verunglückten ins Virchow-Krankenhaus. Dort sind zwei von ihnen, der Arbeiter Alfred K ö r b e r aus der Lüderitzstraße und der 27jährige Paul Utecht au« der Exerzicrstraße 8, bald nach ihrer Einlieferung gestorben. Auch die beiden anderen Schwervcr- letzten, der Ztzjährige Alfred Scheel« aus der Genter Straße 33 und der Iöjohrig« Georg Kollert aus der Resideuzstraßc 8 in Reinickendorj-Ost, lieg«» bedenklich danieder. JSBÄSÄÄL Vorschlag zur Wohnungsberalung. Tsching-bumm-bumm— mit Blechmusik und einem Fahnenwald schwarzweißrot— mit Gesang„Dir wotTn wir treu ergeben sein � und„Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen.." kommt eine Kolonne Stahlhelm di« Landstraß« nach Z e h d e n i ck gezogen. Etwa 200 bis 300 Mann— ich staun« über die Menge. Eine Frau klärt mich aus: ,La, sehen Sie, das sind meist alles arme Kuhknechte. Sie müssen mi Stahlhelm sein und wenn ein Skusmorsch ist, gibt ihnen der„Herr" noch was extra." Die„Stahlhelmer", die hier ausmarschieren, sind kräftige, braun- gebrannte Landproletarier mit dumpfen gedankenarmen Ge- sichtern. Zum Denken läßt ihnen der„Herr" ja kein« Zeit. Dafür dürsen sie ihren Sonntag hergeben, um hinter schwarzweißroten Fahnen zu marschieren. Abends dürsen sich die irregeleiteten Pro- letarier besaufen und krakeelcn. Das dürsen sie alles— nur nicht nachdenken über ihr eigenes jämmerliches Leben. Proletariersöhne— junge Menschen— schlimmer als Sklaven! Der„Herr" Inspektor, ja manchmal sogar der„Herr" selber, marschiert an der Spitz«. Sie fühlen sich ganz zurückversetzt in jene herrlichen Zeiten, da sie die„Kerls" nach Herzenslust „schleifen" konnten. Die Frau neben mir spricht wieder voll verbissener Wut:„Ja, und einem haben sie Stiesel gegeben, damit er zuni Stahlhelm kam— und Geld kriegen sie geliehen zu billigen Ziilsen und Freibier und die„Herren" drücken ihnen manchmal die Hand— davon werden sie satt und lassen sich treiben, wohin die.Herren" wollerr, die bleiben fein hinten, wenn es«ine„Wucht" gibt!" «- Tsching, tsching-bumm-bumm— vorbei ist der Spuk. Auf allen Landstraßen kommen sie gezogen— nun wird wohl die Stadt Zehdenick voll von ihnen sein. Nachmittag: Die guten Bürger haben in allen Straßen der Stadt geschäftstüchtig schwarz- weißrot geflaggt. An der Hauptstraße liegt das Stahlhelmlokal— drinnen bereits vollendeter Seligkeit nahe Gestalten, draußen in langer Kette die Schupo. * Da, auf derselben Landstraße, aus der heute morgen die Stahl- helmer anmarschierten, kommt ein neuer Zug auf die Stadt zu— rot« Fahnen wehen im Wind— aber die hinter den Fahnen marschieren, singen ja das Erhandt-Lied— alles gerät in Aufregung— was mag es nur geben— näher kommt der Zug— die Stahlhelmjünglinge drängen schon ziemlich schwankend zur Straß«— nur mit Mühe kann die Schupo sie zurückhalten— ,«tzt sind die Fahnen nahe und jetzt kann man auch hören, was da ge- jungen wird: auf die Ehrhard-Mclodie singt m u n i st i s ch c Jugend ein blutrünstiges Lied gegen den Stahl- Helm. Die Stahlhelmer geraten in Wut— die Schupo brüllt. Auf Angebrülltwcrdcn reagieren ja die„freien" Stahlhelmer automa- tisch— di« kommunistische Jugend marschiert vorbei— brüllt„Nieder mit dem Stahlhelm" und singt Kampflieder. Am Markt wollen sie kehrtmachen und noch einmal an dem Stahlhelmlokal vorbei- ziehen. Bis jetzt ging alles gut. aber jetzt könnt««s kritisch werden und di« Schupo legt ihr Veto ein. Der Wachtmeister, der vorher di« Stahlhelmer angebrüllt hatte, versucht seine Methode auch bei der kommunistischen Jugend, aber da ist nix zu machen und fast sieht es so aus, als sollte es nun einen kleinen Kampf mit der Polizei geben. Da kommt zum Glück ein etwas pädagogisch gescheiterer Schupo und redet ruhig und vernünftig auf die jungen Menschen ein. Ein Kommando— der ganze Trupp schwenkt ab und hinaus geht es aus der Stadt mit wütenden Kampfgesängen. * All diese jungen begeisterten Kinder sind knapp einer blntigen Schlägerei entronnen. Die Drahtzieher wissen sich auch hier fein im Hintergrund zu halten. Es ist natürlich viel bequemer mit dem Leben anderer zu spielen, als selbst für das einzustehen, was man in diese jungen Gehirne hineinhetzt. Ein junger Genosse sieht kopsschüttelnd der kommunistischen Jugend nach!„Wenn die lieber uns helfen würden, dann hätten sie es nicht nötig, Haßgesänge gegen den Stahlhelm zu brüllen. Wenn wir eine einig« Front wären— wagten s i ch die„Herren" ja gar nicht hervor." * Stahlhelmtag in Zehdenick— der Sonntag geht zu Ende. Wie Schlachtvieh werden die Stahlhelmkolonncn in Lastwagen und Eisenbahnwaggons geladen. Morgen ist es aus mit der Herrlichkeit. Da müssen sie wieder schuften und sich ausbeuten lassen,— bis es den„Herren" wiedermal einfällt, sie hinter ihren Fahnen herzujagen. H. G. Panik bei einem Sportfest in Amerika. Mehrere hundert Verletzte. ' Detroit, 8. Juli. Bei einem von Negern veranstalteten B a s e b a l l s p i e l im Mack-Park wurde durch einen Brand, der anscheinend durch Eni- zündung von unter den Holzgalerien stehendein Gasolin hervorgerufen worden war, eine Panik verursacht. Einige tausend Zuschauer flüchteten in wildem Gedränge von den Galerien, wobei mehrere hundert Personen verletzt wurden. Ueber 109 haben schwere Bein- und Schädelbrüche erlitten. Frauen und Kinder wurden niedergetreten. Biel« Flüchtende erlitten Derletzungen, als sie den hohen Drahtzaun zu übersteigen versuchten, der den Spielplatz abgrenzte. 140 Pferde in Klammen umgekommen. 4 pferdepfloger mitverbrannt. New York. 8. Zu«. Zn elnem mehrstöckigen Stallgebäude brach Feuer aus, das mit solcher Schnelligkeit um sich griff, daß es nich* mehr gelang, die 140 Pferde zu retten, da die Feuerwehr lediglich die Ausdehnung des Brandes auf die Nachbarhäuser verhindern konnte. Die 140 Pferde sind sämtlich in den Flammen umgekommen. Anscheinend sind auch vier Pferdepfleger dem Feuer zum Opfer gefallen. Hitzewelle in New Nork. Zm taufe deg gestrigen Sonntags stieg da» Thermometer b i« ®rad Celsius. Zn New Jork selbst war die hlhc so unerträglich« baß hunderttausende Erholung an der See und an andere» schattigen Plätzen außerhalb der Stadt suchten. Eine Person wurde vom Hitzschlag get rossen. Die Nöte des kleinen Mannes. Nennen wir es Utopie. Also einen durchaus wünschbaren Zu- stand, der noch auf sich warten läßt, den aber herbeizuführen jeder anständige und einsichtige Mensch sich bemühen sollte. Wenn sich heute ein junges Paar, es kann auch ein gereistes sein mit einigen Kindern, eine Wohnung, ein endgültiges Heim, vielleicht«in Häuschen mit einem Viertelmorgen großen Garten suchen und einrichte» will, ist es rettungslos auf di« Gnade und den Geschmack von Mäbelsabrikanten und Baugesellschaften ange- wiesen. Man kann ja heute schon sehr froh sein, daß es wohlwollende und gut organisierte Inseln in dem fürchterlichen Meere kapitalistischer Bauspekulation gibt. Daß man zu erschwinglichen Preisen ein sachlich und mit notwendigem Wohnkomfort ausgestattetes Heim von zweieinhalb bis vier Zimmern, mit oder ohne Wohnküche und Bad, erhält. In Berlin ist das aber auch für Arbeiter und An- gestellte fast überall noch eine Utopie: praktisch durchgeführt haben es erst Städte wi« Frankfurt a. M., Celle, Breslau, Desiau, und das auch keineswegs sofort für alle Wohnungsuchenden. Aber es gibt Beispiele, wi« man es machen kann, und man sollte in der hier so äußerst rückständigen Reichshauptstadt nicht aufhören, auf diese Borbilder hinzuweisen und ihre Uebertragung auch für Berlin zu verlangen. Mit strenger Ausschaltung jeder privatwirtschaftlichen Bauspekulasion! Aber das alles ist sozusagen nur die„Moral, die sich van selbst versteht". Es ist tieftraurig, daß man solche Selbstverständlichkeiten überhaupt noch als Utopie hinstellen muß. als einen in weiter Ferne liegenden Zustand, anstatt, daß dieser nicht das Wünschens- werte, sondern eine selbstverständliche Mindestforderung für jeden arbeitenden Menschen darstellte. Was uns beschäftigt, greift eigentlich darüber hinaus und ist doch schon im gegenwärtigen Zustand trauriger Wohnungs-Nicht- fürsorge ein brennendes Problem, das mit wenig Mitteln erfüllt werden kann.• Es handelt sich um die für jeden einmal fällige Gelegenheit, sein Heim einzurichten, sei es«in Häuschen oder eine Etagen- wohnung(deren Tatzen und Nachteile gar nicht ausgewogen wer- den sollen), und um die bestmögliche Art, sich darüber zu orien- ti«ren: wo finde ich gute und billige Möbel, wie sehen die praktischen Handgriffe einer modernen Wohnung aus, was bietet die Industrie an erschwinglichem Komfort? Tatsächlich gibt«s nirgends einen Ort, an dem Hausvater und Hausmutter(als Organisatoren einer Wohnung) sich Rat holen können. Man bekommt eine Fülle von Katalogen, Reklam«dnlck- fachen, Aufforderungen: um Gotteswillen die Ausstellung der Firma X. zu besuchen, ehe man sich fürs Leben unglücklich macht, in die Hand gedrückt. Eine permanente Aus- steilung alles Wünschenswerten: die gibt es nicht. Denn die„Heibauds" an der Potsdamer Brücke in Bertin sorgt zwar» in ausgezeichneter Weise für alles Hauswirtschaftliche im engeren Sinne, gibt weitgehenden Rat und Vorbild, fichrt Geräte vor in Sachen des Kochens, Backens, Waschens, Heizens usw., aber das Einrichten eines Hauses liegt außerhalb ihres Bereichs. Natürlich haben Werkbund, Dessauer Bauhaus u. dgl. Ihre Ausstellungen gehabt: ganz herrliche Sachen sind in den ent- sprechenden Niederlagen der unterschiedlichen deutschen, Wiener und anderen Werkstätten zu besichtigen: jede Möbelfirma setzt ihren Ehrgeiz in möglichste Vollständigkeit aller erdenklichen Herrlichkeiten von Wohnkomfort. Zuletzt hat das Warenhaus Wertheim in seinem Kunsthause Bellevuestraße«inen gescheiten Anlauf dazu genommen, dem ratlosen Publikum mit einer Schaustellung von Materialien und Fertigfabrikaten seine Bestellungen für Wohnkultur zu er- leichtern. � Das alles aber kommt für uns gar nicht in Frage, weil es viel zu teuer ist. Man kann selbst den bestorganisierten Bersuchen des Werkbundes, z. B. in Stuttgart 1927(Weißsnhofsiedlung), den Vorwurf nicht ersparen, daß nur für den„besieren Herrn" mit einigermaßen ausbetoniertem Geldbeutel vorgesorgt wurde. Von der neuesten Wertheimschen Unternehmung ganz zu schweigen, die offensichtlich für großbürgerlichen Geschmack und Beutel eingerichtet worden ist. Dem allen gegenüber fehlt eine anschauliche Beratungs- stelle für Wohnungseinrichtung des kleinen Mannes. Auf das Prädikat„anschaulich" soll der stärkst« Nach- druck gelegt werden. Was hier zu propagieren ist, läuft auf eine Popularisierung des unzulänglichen Wertheimschen Versuches hin- aus. Es sollte also unter Aufsicht und mit Hilfe der G e w e r k- schaften von modern gesinnten Zlrchitekten und Möbelfabrikanten eine Probe-Ausstellung für Haus- und Wohnungseinrichtung geschaffen werden. Praktisch müßte sie sich in drei Abteilungen gliedern: einmal mustergültige Vorbilder von Kleinwohnungen und Zimmereinrichtungen in Lichtbildern vorsühren, damit sich jeder über Art und Geschmacksumkreis seines künftigen Heims unter- richten und sich für eine bestimmte Form entscheiden könnte. Zwei- tcns müßten Möbel, Teppiche, Tapeten, Beleuchtungskörper u. dgl. in Naturgröße, mit Preisen versehen, in möglichst umfangreicher Auswahl und in bestimmten Preisklassen zur Wahl vorliegen. Und drittens sollten alle Rohmaterialien(Holz, Wandbekleidung, Metalle, Glas usw.) und ihre Verarbeitung in die technischen Behelfe der Wohnung, als Tür- und Fensterdrücker, Rahmen, Badeeinrich- tungen, Wandschränke, als Staubsauger, Heizungsanlagen usw., in möglichst vielen und nach Preisen gestaffelten Beispielen zur Der- fügung stehen. Eine vierte Abteilung müßt« all« Hilfsmittel für Gartenbewirtschaftung enthalten. Eine solche Zentrale für Wohnungsberatung könnte unermeß- lichen Segen stiften, voreilige Käufe verhindern, moderne, ge- schmackvolle wie prakttsche Einrichtungen und Bauten(sogar für Baugenossenschaften) vermittln und in dem ganzen ungeheuren Gebiet des Wohnungswesens für Arbeiter und Angestellte vor- bildlich wirken. Ihre erste Voraussetzung müßte allerdings sein, daß sie überall bei den Reflektanten bekannt würde, daß niemand ohne ihre Ver- mitllung sich einrichtete. Darum müßten wohl zunächst die G e- werkschaften ihr« Organi satton in die Hand nehmen: vor allen Dingen in Berlin. Die zweite Bedingung wäre ihre sachgemäße und technisch einwandfreie Organisation: dazu müßten sich moderne Architekten und Kunstgewerbler mit leistungsfähigen Firmen in Verbindung setzen. Ohne einen leitenden Kopf von künstlerischem, organisatorischem und technischem Können aber ist nicht auszukommen. Von der akademischen Freiheit. Ich hatte erst gar nicht hingehört, was man sich am Neben- ttsch« erzählte, es interessierte mich auch gar nicht. Aber auf einmal verstand ich«in Wort. Dann einen Satz d«r Unterhaltung am Nebentisch. Es mußten Studenten sein. Oder auch nur ehemalige Studierende, miter denen ein Student sah, der nun seine Erfahrun- gen auspackte. Es gefiel ihm gar nicht auf d«r Universität. Wissen Sie, diese Proleten, verstand ich nun deutlich, di« machen ja alles kaputt. Dies« Kerle kommen da an die Universität, haben Freistellen und essen in der Mensa zu halbem Preis Keine SV M. haben dies« Brüder im Monat zu verzehren. Und die Streberei dieser Kerle! Natürlich müssen die Brüder jedes Semester eine Prüfung bestehen, damit sie im nächsten weitersttodieren dürfen. Ra und was dabei herauskommt! Jeder will sich natürlich beim Pro- fessor beliebt machen. Und so reißt denn eine Streberei ein, daß es zum Kotzen ist. Ein richtiger Student, der so seine 1000 bis ISOv M. Monatswechsel hat, kommt gar nicht mehr dazu, sein Geld richtig auszugeben, wenn er nicht abfallen will bis dorthinaus. Das ist doch kein Lxben mehr. Wenn der Staat wirklich was tun will an den Leuten, dann soll er sich Leute aus guten Familien, die durch die Derhältnisse heruntergekommen sind, aussuchen lassen und Ihnen mindestens einen Monatswechfel von 2V0 M. bewilligen, statt daß er diesen Proleten Tür und Tor öffnet. Diese Menschen können sich kaum bewegen. Und wo sollen sie es auch lernen, wenn sie nirgends hinkommen, wo vernünftiger Umgang herrscht. Und das Schlimmste ist erst, daß diesen Brüdern dann auch noch weitergeholfen wird. Ueberall trisst man diese Gesellen heute. Die besten Stellen halten si« besetzt. Auf die Korps ist auch kein richtiger Verlaß mehr. Höchstens in Jura kann man noch zu etwas kommen, aber sonst kann man sich einsalzen lassen. Es ist eben aus mit der akademischen Freiheit, resignierte ein alter Specknacken, dessen Schlägernarben rot aufglühten. Aber es kommt nochmal anders. Mag fein, aber was haben wir davon, wenn diese Proleten uns die besten Plätze fortgenommen haben? Nimms nicht so tragisch, mein Junge, meinte nun einer und klopfte dem Aufgeregten auf die Schulter. Schließlich hast du's ja gar nicht nötig, dich bei den Brüdern lieb Kind zu machen. Laß sie doch büffeln. Sieh', ich habe meinen Doktor auch nicht gekriegt und bin doch, was ich bin. Wenn auch heute jeder Prolet seinen Doktor macht, d a können si« doch nicht mit und er zeigte auf sein« dick« Briestasche, aus der er dem Ober eben die Zeche bezahlt«. Das ist wohl wahr, m«inte der Jung«, aber wenn diese Mensa- brüder erst am Ruder sind, kommt es darauf auch nicht mehr so an. Das wäre bitter. Für euch, dacht« ich und war innerlich beglückt. Erich G r i s a r. Oer ttmbau des staatlichen Schauspielhauses. Im März nächsten Jahres wird mit den Umbauten des Berliner Staatlichen Schauspielhauses begonnen werden Es haben sich ein« Anzahl von wichtigen baulichen Veränderungen als notwendig er- wiesen, die nicht länger herausgeschoben werden können. Vor allem soll der Zwischenraum, der de» seuerpolizeMch«« Lnforderimgen nicht mehr genügt, grundlegend geändert werden, ferner wird«ine Erweiterung der zu engen Gänge und Treppen, die im Falle einer Panik keine genügend schnelle Leerung des Theaters gewährleisten, vorgenommen werden. Ferner beabsichtigt man, die Freitreppe, die augenblicklich unbenutzt ist, für das Publikum nutzbar zu machen. Das unter ihr befindliche Kesselhaus, von dem das Theater geheizt wird, soll entfernt werden. Man beabsichttgt, dafür eine Fern- Heizung aus der großen Heizungszentrale, die das Opernhaus Unter den Linden während seines letzten Umbaues erhalten hat. Die Um- bauten machen eine Schließung des Theaters auf mehrere Monate notwendig. Um das Ensemble auch in dieser Zeit zu beschäftigen und den Kostenauswand zu vermindern, erwägt man die Pachtimg einer anderen Berliner Bühne. Unierschlagungen im Deutschen Sängerbund. Die Beratungen in der Gefamtausschußsitzung des Deutschen Sängerbundes und auf dem Sängertag selbst, der vom 5. bis 7. Zu« in Nürnberg tagte, brachten zeitweise recht stürmische Augen- blicke, so namentlich, als der Präsident des Deutschen Sängerbun- des, Rechtsanwalt List-Berlin, durch die Wucht der ihn belastenden Momente seinen Rücktritt erklärte. Die Gründe seines Entschlusses sind darin zu finden, daß er dem ungetreuen Schatzmeister Redling gegenüber, der mit 900 000 M. verschwunden ist, zu großes Ver- trauen entgegenbrachte und den ihm gewordenen Warnungen nicht energisch genug nachging. Dabei hatte er, ohne den Hauptausschuß zu befragen, mit dem Defroudanten große Geldsummen bei Bon- ken und anderen Instituten aufgenommen, die Redlin, wi« nun« mehr feststeht, dazu verwandte, die durch seine Unterschlagung her- vorgerufenen großen Schulden zu decken. Auch der Abschluß von Verträgen, die gegen den Willen des Hauptausschusies vorgenommen waren, wurden ihm zur Last gelegt. Auf dem Sängertag wurde auch schärfster Protest erhoben gegen die Art der Revision der Kasi«, die alljährlich von den dazu berufenen Personen ausgeführt wurde. Zur Entschuldigung der Revisoren diente der Umstand, daß Redlin ständig gefälschte Bücher vorlegte oder solche, aus denen Unter- schlagungen nicht zu ersehen waren. Nach fünfstündiger Debatte wurde eine Klärung der Verhält- nisse herbeigeführt und die Einsetzung einer fünfgliedrigen Kom- Mission beschlossen, die eine Untersuchung darüber anzustellen hat, ob irgendeine Führerpersönlichkett sich Verfehlungen zuschulden b-'t kommen lassen. Tätlicher Angriff gegen einen ZUusikkritiker. Auf dem Ton- kunstlerfest in Duisburg ereignete sich ein tätlicher Agnriss auf einen Musttkrttiker. Der Königsberger Musikdirektor Hermann Scherchen versetzte m einem Duisburger Lokal dem Musikkritiker der Rhemisch-Wefttättschen Zeitung" Herzog,«inen Wschlag in- Gesicht und beschimpfte>hn. Nach der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung soll es sich um«inen Racheakt Scherchens handeln, der sich kürzlich durch eine Krttck Herzogs beleidigt fühlte und Klage gegen ihn angestrengt hatte. Diese Klage wurde vom Amtsgericht Berlin- Mi«- als u�grundet kostenpflichtig abgewiesen. Der Verband deutscher Musikkritiker hat sich des Falles bereits angenommen. � ver Sprachsorscher Tr-mbetti verunglSckt. In Venedig ertrank beim Laden der bekannte«prachsarscher Prasessor Alfredo Trombettt. Er hat flnschefatb.einen Herzschlag erlitten. Trombettt ist wegen feiner titattoio- gitten Arbeiten betamtt. Er war ProstG« d« Uaw«fitSt w / Kinderausbeutung im Paradies Die Wirklichkeit in(Sowjetrußland. Thron und Mar in Spanien. Verfallenes Veich— absterbende Dynastie. Das Mufeo del Prado ist neben dem Pariser Louvre die herrlichste Gemäldegalerie der Welt. Nirgends in Europa findet man, abgesehen natürlich von den Klassikern der spanischen Malerei, so viele Kunstschätze beisammen: Alt-Niederländer und italienische Primitive, Werke von Dürer, Holbein und Cranach, von Rassael, Tizian und Giorgione, von Brueghel, Teniers, Rembrandt, von Dyck und Rubens, von Poussin und Claude Lorrain, alle europäischen Schulen bis zum XVIl. Jahrhundert sind dort in einer Fülle und Anserlesenheit vertreten, die bei der geographischen Abgelegenheit Madrids staunenswert ist. Da erinnert man sich aber, daß Spanien vor 400 Jahren Weltreich war, daß von Madrid aus unter Karl V. und Philipp II. halb Europa regiert wurde. Und diese Gemäldesammlung des Prado, in der heute Milliardenwerte stecken, ist einer der letzten Zeugen jener verflossenen Vorherrschaft, die sich einst aus die Niederlande, auf Norditalien und Neapel, auf Bayern und auf Oesterreich erstreckte. Es ist bezeichnend, daß von der Mitte des XVII. Jahrhunderts an die fremden Klassiker der Malerei im Pradomuseum immer spärlicher oertreten sind. Von da an dominieren die Spanier: Velasquez, Greco, Ribera, Zurbaran, Murillo, und als letzter Erb« dieser großen Tradition vielleicht der größte von allen: Goya. Durch die langen Galerien hindurch kann man an den Porträts der spanischen Herrscher den körperlich und geistigen verfall der spanischen Habsburger oerfolgen: vom energischen aber verbitterten Antlitz des allmächtigten Karls V., das Tizian und andere verewigt haben, über den schmerz- vollen Blick Philipps II., den die Syphilis langsam zerfrißt, zu dem totenblassen, schmalen Gesichtchen Karls II. mit der vorhängenden Unterlippe. Es folgen dann die Bourbonen: seicht, fett, geistlos, von Goya mit grausamer Naturähnlichkeit auf die Leinwand fixiert. Spanien ist unterdessen eine Macht zweiten Ranges am Rande der Weltgeschichte geworden. Durch alle Palastintrigen, Militärreoolten, inneren und äußeren Kriege, Attentat« rettet sich aber die D y n a st i e hindurch. Ihr letzter, gegenwärtiger Träger, Alfons XIII., hat eine ungeheure historische und erbliche Last über- nommen. Seit dem Ausammenbruch der habsburgischen Dynastie Oester- reich? ist der König von Spanien die letzte„katholische Majestät". Als solcher wird er von der römischen Kirche mit besonderer Lieb« und Sorgsalt behütet und gestützt. Thron und Altar sind:n Spanien unlöslich miteinander verbunden. Der Klerus weiß, daß seine geistige Macht und vor allem sein materieller Reich- tum nur im Kampfe gegen alle Kräfte des Fortschritts behauptet werden können. Seine stärkste Kraftquelle ist der Analphabettsnms, der besonders aus dem Lande und vor allem in den südlichen Provinzen, in einem enonnen Prozentsatz der Bevölkerung herrscht. �bie systematisch gepflegte Ignoranz eines großen Teiles des Land- volles ist der stärkst« Trumpf in der Hand der Kirche. An der Wand des Vortragssaales im Gewerkschaftshaus zu Madrid liest man den Satz„(Zuerer es poder"; es ist dies die spanische Ueber- setzung der Parole von Wilhelm Liebknecht„Wissen ist Macht". Und wohl nirgends in Europa hat dieses Wort solche ties« Be- deutung wie im modernen Spanien. So richtet sich der Kampf der Arbeiterbewegung und mit ihr des gesamten fortschrittlichen Spaniens in e r st e r Linie gegen den Klerikalismus, und in zweiter Linie gegen die Monarchie. Das Proletariat ist republikanisch und hat es bei den letzten vor der Dj/tatur veranstalteten Parlamentswahlen in den meisten Städten, vor allem in Madrid selber, deutlich bewiesen. Aber der tägliche Hauptkampf gilt deni Klentalisnrus, denn nur wenn dessen Vorherrschaft ausgehöhlt ist, wird das Volk aufgeklärt werden können und für eine Ergreifung der Macht auf rcpublikanisch-demo- kratischer Grundlage reif sein. Das Verhältnis des Direktoriums und insbesondere Primo de Riveras zum König ist ein sehr unklares Kapitel. Es hat in den letzten Jahren oft den Anschein gehabt, als ob der König mit Hilfe anderer Generäle den Diktator, den er selber eingesetzt hatte, wieder loswerden möchte. Aber er scheint es nicht ernsthaft zu wagen, denn jede größere Kraftprobe kann für den Thron verhängnisvoll werden. So herrscht neuerdings wieder, wenigstens nach außen hin, ein scheinbar freundschaftliches Vertrauensverhältnis zwischen dein König und seinem Ministerpräsidenten. Aber auf wie lange? Die ganze Existenz der Monarchie ruht auf einer sehr unsicheren Grundlage: nämlich aus der Gesundheit des Königs. Dieser ist ein schwerkranker Mann: erbliche Schwindsucht nagt an seinem Körper seit frühester Kindheit. Er selber wurde von einem im letzten Stadium tuberkulösen Vater gezeugt und erst sechs Monate nach dem Tode des Vaters geboren. Wie sollte es auch anders sein bei der I n z u ch t, die die rezierenden Familien Europas nach den Gesetzen des„Blutes" zu treiben ge- zwungen sind und die in diesem Fall« noch durch konfessionelle Rück- sichten gesteigert wird? Was soll denn bei dieser ewigen Kreuzung zwischen Bourbonen, Habsburgern und W i t t e l s<- b a ch e r n anderes herauskommen als eine Zusammenaddie- rungsämtlicherkörperlicherunhgeistigerDesekte, die sich seit Jahrhunderten in Madrid, Wien und München ange» sammelt haben? Immer wieder machen sich bei Alfons schwere Gesundheitsstörungen bemerkbar, Erkrankungen des Rachens, der Nase und der Ohren, deretwegen er häufig einen Spezialisten in Bordeaux, den Professor Moure, konsultieren muß. Bisher hat er alle gefährlichen Krisen überwunden und das 43. Lebensjahr erreicht. Aber jeder Tag mag«inen Rückfall bringen, der dem Leben des Monarchen ein schnelles Ende setzt. Und was dann? An diesem Tage dürfte das Problem„Republik oder Monarchie" eine ganz automatische Lösung finden. Denn die Erbsrage ist nahezu unlösbar. Der Thronsolger ist koubskumm, der z w e i t« Sohn ist, wie einst der letzte Zarewitsch, ein„B l u t e r". Das Verhältnis zwischen dem König und der Königin, einer ge- borenen englischen, zum Katholizismus übergetretenen Prinzessin Battenberg, soll das denkbar schlechteste sein, weil sie sich gegenseitig die Schuld an dieser katastrophalen Nachkommenschaft zuschieben, und wahrscheinlich beide mit Recht: Die tuberkulöse Taubstummheit des Aelteren stammt vom Vater, die Blutkrankheit von der Mutter, die als Bottenbergerin der gleichen hessischen Familie entstammt, aus der die letzte Zarin hervorgegangen war. Es gibt freilich noch andere Kinder, bei denen, wie es heißt, ernste Gesundheitsstörungen bisher nicht festgestellt wurden, aber es ist kaum denkbar, daß im zwanzigsten Jahrlundert ein immerhin sich stark und modern ent- wickelndes Volk eine Dynastie, die ohnedies wenig populär ist, unter solchen traurigen Umständen beibehält. Durchaus nicht radikale Diplomaten, die an dem Empfang der Dölkerbundsdelegationen beim König im Schloß zu Madrid teilgenommen hatten, haben mir über- einstimmend bekundet, daß der Anblick dieser kranken Königsfamilie und des chicht minder degenerierten" übrigen Hofes auf den ünsie» faygenen Zuschauer als die denkbar stärkste republikanische Propaganda wirkte. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, ist also die spanische Dynastie und damit auch die Monarchie überhaupt im Absterben begriffen. Für diese vielleicht nicht allzu ferne Eventualität muß sich die spanische Arbeiterbewegung bereit halten und die Massen im republikanisch-demokratischen Sinne aufklären und erziehen, denn nur sie stellt die Macht dar, die fähig und berufen sein würde, das sich wirtschaftlich und technisch so schnell modernisierende Spanien auch in p o l i t i s ch e r Hinsicht in ein modernes Land zu verwandeln. Victor S ch i s f. Schlagzeilen in der kommunistischen Jugendprawda:„Kinder außerhalb des Gesetzes."„Helsen wir den kleinen Land- arbestern." Machen wir Schluß mit der Ausbeutung der Kinderarbeit." Das im kommunistischen Paradies, wo Kinderarbeit verboten und der siebenstündige Arbeitstag als letzte Errungenschaft des bolschewistischen Wirtschaftslebens proklamiert worden ist! „Das eiserne Gesetz der Wirtschaft," sagt das Blatt,„trägt dem Sowjetgesetz keine Rechnung und hat es unter den Verhältnisien des Dorflebens völlig aufgehoben. In unserem Sowjet- darf ist die K i n d e r a r b e i t nicht nur Tatsache, sondern zeigt selbst die Tendenz zur Steigerung. Machte im Jahre 1926 die Zahl der Hirten unter 14 Jahren 12 Proz. aus, so waren es im Jahr« 1927 bereits 21 Proz. Der Prozentsatz der Kinder, die als Kindermädchen beschäftigt sind, wuchs in der gleichen Zeit von 8 auf 10 Proz." „Den wahren Umfang der Ausbeutung von Kinderarbeit", setzt das Sowjetblatt fort,„kennt man überhaupt nicht. Die Arbeitsinspektion ist im Kampf gegen die Kinderarbeit machtlos. Auf 285 Wirtschaften gibt es nur einen landwirtschaftlichen Arbeits- inspektor. Die Dorfräte registrieren die Verträge zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern, ohne nach dem Alter zu fragen. Da» ganz geringfügige Material, das über die Arbeitsbedingungen der Kinder vorhanden ist, besagt z. B., daß 50 Proz. dieser Kinder überhaupt keine Sonntagsruhe haben. 59 Proz. der kleinen Kindermädchen arbeiten mehr als acht Stunden. Von den 135 000 Landarbeiterinnen unter 14 Jahren, die erfaßt wurden, arbeiten 130 000 10 bis IS Stunden: nur 4000 acht Stunden." Welche Trostlosigkeit spricht aus den Briefen der sogenannten „Kinderkorrespondenten". Da schreibt z. B. solch ein Jugendlicher: „Bei uns werden die Kinder bereits im Alter von 9 bis 10 Jahren als Landarbeiter gedungen. Sie arbeiten 15 bis 16 Stunden am Tage. Ihre Lebensbedingungen sind nicht besser als die chinesischer Kinder. Deshalb laufen sie auch wie die Hasen davon. Der Hase wird ober vom Jäger getötet, die Kinder dagegen werden von den Eltern wieder aufgestöbert und kommen dann in noch schlechtere Arbeitsverhältnisse: auch Schläge gibt es da" In einem anderen Briefe heißt es:„Die kleinen Land- arbeiterinnen läßt der Arbeitgeber im Kuh st all wohnen, in dem sich fünf Kühe befinden. Sie arbeiten von Sonnenaufgang bis in die späte Nacht. Ist die Wirtin böse, so schlägt und speit sie den kleinen Mädchen ins Gesicht." In Kirgisien gehören die 14jährigen Landarbeiter nicht der Arbeiterovrsicherung an: sie arbeiten 18 Stunden hindurch. Auf dem M u r m a n dingen die reichen Fischer neun- bis sechzehnjährige Jungen: sie werden scharenweise aus Karelien hierher exportiert. Die karelischen Mütter sind froh, die hungrigen Mäuler loszuwerden. Als Zahlung für die ganze Sommerarbeit gilt ein Tönnchcn Salzfisch und 5 Rubel. Der wirkliche Arbeitswert beträgt ober 50 Rubel monatlich. So ungefähr sieht es be! den Privatarbeitgebern aus. Es gibt aber auch landwirtschaftliche Sowjetbetriebe, die es nicht besser treiben. So wird z. B. aus dem Tulaschen Gouvernement geschrieben:„In dem landwirtschaftlichen Sowjetbetrieb Pranst werden dreizehn- bis fünfzehnjährige Kinder beschäftigt: für den zehnstündigen Arbeitstag erhalten sie 40 Kopeken. Im September zwang man sie, schwere Säcke zu schleppen und ähnliche nur für Erwachsene bestimmte Arbeit zu leisten. Während der Ernte mußten die Kinder selbst 12 Stunden sür 50 Kopeken schuften. Versucht man der Verwaltung klarzumachen"— sährt der kleine Briefschreiber fort—„d a ß Kinder so schwere Arbeit nicht leisten dürfen, so riskiert man, entlassen zu werden. Genossen Redakteure, es sind Maßnahmen notwendig, damit Kinder nicht solch schwere Arbeit machen müssen." Nicht immer tritt aber die Ausbeutung der Kinderarbeit so offen zutage. Nicht selten nimmt sie verkappte Formen an. So wird z. B. aus dem Gouvernement Tomsk berichtet, daß dies« Kinderausbeutung unter der Flagge des Verwandtseins, der Vormundschaft und der Adoptierung vor sich geht. Ein« kleine Landarbeiterin erzählt:„Im Alter von vier Jahren bin ich Waise geworden. Da ich keine Unterkunft hatte, nahm mich ein Onkel zu sich. Im Alter von sechs Jahren begann ich, die Kinder auszuwarten, die Stuben aufzuwischen, die Kühe zu melken, Wasser zu tragen. Er prügelte mich und gab mir ganze Tage nichts zu essen. Erst jetzt habe ich zu begreifen angefangen, daß es nicht vorteilhaft sei, bei ihm zu leben." Nicht selten sind es tatsächliche Vormünder und die nächsten Verwandten, die für die Kinder Verträge abschließen und ihren Lohn oertrinken. Ein Kleiner schreibt:„Mutter und Vater haben für mich den Bertrag geschlossen: was soll ich nun machen, ich muß arbeilen." Klagt aber so ein geprügelter und gequälter kleiner Landarbeiter sein Leid den Verwandten, so genügt in der Regel eine Flasche selbst- gebrannte», Schnaps, um die Sache in Ordnung zu bringen. Die Kommunistische Jugendprawda stellt zum Schluß eine An- zahl Forderungen auf, die den Kampf gegen die Kinder- ausbeutung zum Ziel haben sollen. In dem„einzigen Arbeiter- staat der Welt" ist das trotz allem eine merkwürdige Forderung. Ein neuer Fallschirm. Der Fallschirm ist für den Luftverkehr die Notbremse. Bei .,!elen Unglücksfällen konnte sich die Flugzeugbemannung durch Fallschirmabsprung vor dem sicheren Tode retten. Di« Kon- struktion der Fallschirme war aber immer noch insofern mangelhast, weil eine sichere Landung nicht immer möglich ist. In sehr vielen Fällen zogen sich die Abspringenden Verletzungen dadurch zu, daß der Ausprall auf der Erde zu stark war oder daß sie noch mehrere Male vom Boden wieder hochgerissen wurden. Auf dem Flugplatz Staaken wurde vor einigen Tagen ein neuer Fallschirm ausgeprobt, bei dem eine absolut glatte und sichere Landung möglich sein soll. Der Fallschirmpilot Schreiber wogte einen Sprung aus einem Flugzeug, das mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilonieter über den Platz sauste. Nachdem das Flugzeug einige Mal« in 500 Meter Höhe den Platz umkreist hatte, sprang Schreiber ab, und sofort lö'te sich sein Fallschirm, in ruhigem Gleitflug landete Schreiber einige 100 Meter vom Flugplatz entfernt. Der neue Fallschirm besteht vollständig aus Seide und hat 16 Luftlöcher, die ein pendel- freies Abgleiten ermöglichen sollen. Die Versuchsanstalt sür Luft- fahrt halt« den Piloten mit einigen Mcßapparaten ausgerüstet, um festzustellen, wie groß die Fallgeschwindigkeit und auch der Anprall auf der Erde ist. Sozialistische Bildungsarbeit. Zwei Kurse: Staatsanschauungen und Kapitalismus. Der Bezirksausschuß für sozial! st ische Bil- dungsarbeit veranstaltet in der Zeit vom 25. August bis 7. September d. I. in K l e i n- K ö r i s, im Ferienheim„Reiher- hör st" der Naturfreunde zwei aneinander anschließende Ferien- k u r s e. Der erste Kursus beginnt am 25. August und läuft bis zum 31. August. Dr. Hermann Brill aus Weimar ist der Leiter dieses Kursus. Das Thema heißt:„Die Entwicklung der Staatsanschauungen in der Nachkriegszeit." Es soll den Teil- nehmern ein Ueberblick über den Stand der Allgemeinen Staatslehre gegeben werden in folgender Einteilung: Die bürgerlichen Staats- anfchauungen im 18. und 19. Jahrhundert; ihre rechtliche Aus- prägung in den herrschenden Verfassungen, insbesondere in der Weimarer Reichsverfassung. Die Reaktion des Faschismus, das faschistische Gednnkcnsystem. Das faschistische Rcchtssystem. Der Stand der Staatsanschauungen des Marxismus vor 1917. Die bolschewistische Staatslehre. Das bolschewistische Rechtssystem. Die Sozialisierung und das Privat- und Wirtschastsrecht. Die Demo- kratie und das Sowjetsystem. Erneuerungsoersuche der bürgerlichen Staatsanschauungen. Die Neuromantiker: Oswald Spengler. Othmar Spann. Das Jungdeutsche Manifest. Die reine Rechtslehre: Kelsen. Die Soziologen: Max Weber, Kjellen, Oppenheimer. Fort- bildung der sozialistischen Staatsanschauungen: Kautsky, Cunow, O. Bauer, M. Adler. Neuere Parteiprogramme. Das Heidelberger und Linzer Programm. Das Programm der Menschewiki. Der zweite Kursus beginnt am 1. September und dauert bis zum 7. September. Leiter dieses Kursus ist der Redakteur der „Leipziger Volkszestung", Georg Fuchs. Das Thema heißt: „Der Kapitalismus in der Gegenwart." Der Kapitalismus, seine Ent- stehung, seine Lebensbedingungen. Warenmarkt und Geldmarkt. Industrie, Handel und Finanz in ihren Beziehungen. Von Einzelunter- nehmungen zum Trust. Die Formen der Unternehmung: Aktien- gesellschaft, Gesellschaft mit beschränkter Haftung usw. Die Formen der Konzentration: Kartell, Synditat, Konzern, Trust. Kapital- mangel oder Kapitalüberfluß. Verschiebung des wirtschaftlichen Schwergewichts durch den Krieg. Imperialismus oder Völker- Versöhnung. Die Kosten für jeden Kursus betragen 33,30 M einschließlich Fahrgeld, Verpflegung und Quartier. Wer über zwei Wochen Ferien verfügt, kann auch beide Kurse belegen. In diesem Falle verringert sich der Preis um das einmalige Fahrgeld. Anmeldungen erbeten an das Bureau der Arbeiterbildungsschule, Lindenstraße 3, 2. Hos II. Schluß des Meldetermins 1. August. Weil der Hund über den Vasen lief. Dom Wachtmeister verprügelt und verklagt. Eine auftehenerregende Urteilsbegründung gab Amts- gerichtsrat Flieh in einem verfahren gegen den Z4jährigen Buchhalter Waller Kilometer", heißt es in Holland:„Versuche bitte nicht schneller zu fahren als 39 Kilometer", und wenn dann der Auto- mobilist durch die Stadt hindurch ist, findet er oft«in großes Schild, auf dem geschrieben steht:„Danke". Wohlstand pflegt die Menschen höflicher und freundlicher zu machen. A. Franke. I richtet, daß er so voller Läuse war,„daß er schier so oft als man gewollt hätte, dry Lüß mit ein andren hätte aus dem Busen zogen". Brauchte er mal nicht betteln, so zog er, besonders im Sommer, hinaus an den Fluß, wusch sein einziges Hemd, hängte es auf eine Staude und suchte, während es trocknete, die „Lüß" aus seinem Rock. Und allerwegen kehrt die Klage wieder, wie die.Habitanzen" so gar voller„Lüh" säßen, daß man sie im Stroh hörte„kresmen". So lebte der arm« Schüler in Dreck und Not unter der Tyrannei seines Bachanten. Jahrelang blieben die unterwegs, zogen von einer Schule zur anderen und richteten sich bei der Aus- wähl mehr danach, ob irgendwo der Bettel leicht war, als nach dem„verrimpten" Ruf der Schule. Di« armen Kinder, die ihnen an- vertraut woran, verkamen und verrohten. Wagte es aber ein- mal ein Schütze, seinem Bachanten zu entfliehen, so drohte ihm ärgste Mißhandlung, ja der Tod, nicht nur durch seinen Bachanten, son- dern durch alle anderen„fahrenden Schüler". So erzählt Johannes Butzbach, wie sein Bachant, als beiden eine gute Stellung in reichen Häusern geboten wurde, ihm einfach an zwei andere große Schüler übergab, für die er nun den ganzen Wintet durch betteln sollte. Als er sich weigern wollte, fingen sie ihn ab und mißhandelten ihn in grausamster Weise, banden ihn nackt in eiskalter Kammer die ganz« Nacht über an, bis er sich bereit erklärte, für die beiden anderen betteln zu gehen. Als ihm aber sein Hausherr befahl, im Hause zu bleiben, damit ihn die Bachanten nicht auf die Bettelfahrt schicken konnten, versuchten die fahrenden Schüler sogar das Haus zu stürmen, so daß sie der Hausherr mit Waffen verjagen mußte. Dem Thomas Platter aber drohte fein Schüler, ihn a b z u- schlachten, wenn er versuche zu entfliehen, und zog ihm schließ- lich achtzehn Meilen weit nach, um ihn wieder zu fangen,„denn er hatte eine gute Pfründ an ihm verloren". Dies ist das wahrhettsgetreue Bild des„fahrenden Schülers". des akademischen Proletariats im Mittelaller. Nur die stärksten, physisch wie moralisch widerstandsfähigsten Naturen konnten nach einem solchen Vagantenleben zu der Existenz eines Bürgers oder zu wissenschaftlichen Leistungen kommen. Butzbach entlief seinem Bachanten, wurde Schneiderlehrling, dann Klosterschneider, nahm endlich die Weihen und wurde sogar Prior von Maria- Laach. Er verkürzte sich den Schlaf, um das Studium nochzu- holen, hinterließ mehrere wissenschaftliche Werke und starb schon mit 47 Jahren. Auch Butzbach entlief seinem Bachanten, kam in sein« Heimat zurück und lernte,„um nit ein Pfaff zu werden", das Seilerhand- werk, später die Buchdruckerkunst. Doneben studierte er immer weiter, hielt auch Schule und kehrt« schließlich im Alter ganz zur Schulmeisterei zurück und wurde der Schulmeister von Basel. Mit den Herren der Universität hatte er manchen Streit, denn die gönnten dem„Bönhasen", der sich weigert«, den Magistertitel zu er- werben, nicht, daß fein« Schule bald einen besseren Ruf hatte, als manche„Universität" der damaligen Zeit. Er setzte sich aber durch und starb hochgeachtet im Alter von dreiundachtzig Jahren. Sein Sohn Felix wurde einer der berühmtesten Aerzte seiner Zeit, und auch er hat kulturhistorisch sehr interessante Memoiren hinterlassen. Rose Ewald. Der fahrende Schüler Wie sein Lehen wirklich war Copyright by Orell Füßli, Zürich (14. Fortsetzung.) Man hörte nichts mehr als in Abständen ein Knacken, wie wenn einer über das Dach schritt. Das war der Schnee, der zu schmelzen begann. „Meine kleine Marie, ich will dir alles sagen. Ich kann nicht inehr hier bleiben...(sie wartete einen Augenblick), nein, ich mag nicht hier bleiben, und auch deinetwegen. Ich habe an unser kleines Haus oben auf dem Berge gedacht. Wir werden dort ganz allein, ganz nur für uns sein: aber wenn ich bei dir bin, dann fühle ich mich niemals allein.. „Und ich nicht weniger, Mutter." oersetzte die kleine Marie. Adel« küßte sie lange. Es scheint, daß sie ihre Lippen nicht mehr trennen können. Und immer dieses Geräusch das sich vom Dache her oernehmen ließ, wenn ein Haufen Schnee rasch niederkollerte. Unvermutet fragte die klein« Mari«:„Und der Dater... wird er kommen?" „O, ja," sagte Adele,„er wird kommen." „Und wann denn wird er kommen?" „Noch nicht," oersetzte Adele,„weil er eine große Reise macht. Aber bestimmt: er wird kommen." Sie senkte den Kopf. Nur mit Mühe drängte sie die Tränen zurück. Aber es galt topfer sein. Man mußte sogar fröhlich scheinen: und das ist das schwierigste und das härteste. Nach dem Verschwinden ihres Gatten war es so gekommen. Die Straße war vollständig auf sie zurückgefallen und auch an ihr hatte man sich gerächt. Man sprach zu ihr:„Hast du keine Nach- richt von deinem Mann, dem Dieb?" Diele Leute grüßten sie nicht mehr. Und andere wiederum, im Gegenteil, nahmen ihr gegenüber im Sprechen eine geheuchelte Miene des Mitleids an, und toten ihr noch weher als die anderen. Sie hatte bald eingesehen, daß sie es nicht mehr da aushalten konnte. Aber es gibt für das Herz keine völlige Einsamkeit, hat es sich einmal hingegeben. Etwas fehlt wohl, aber die Liebe füllt aas. Sie macht die Zerstörungen wieder gut, und sie füllt leere Stellen aus, wie sie entstehen. Guter Mut kam über sie für eine Zeit, weil sie ihr Schicksal mutig trug.■- Sie hatten in kürzester Frist ihre Vorbereitungen für die Ab- reif« getroffen. Am anderen Morgen, bei Tagesanbruch, wartete das Maultier vor der Türe. In einem Sack aus grauer Leinwand steckten ihre Lebensmittel, in einem zweiten Sock die Kleider. Auf den Packsattel, die Füße in die Luft, banden sie den Kochtopf, und dann schlössen sie mit dem Schlüssel die Türe ab. Ein wenig aber muß man doch noch unser Haus anschauen: Gott weiß, wann wir wieder hierher zurückkehren. Adele hatte Tränen in den Augen. Marie sagte:„Weine nicht, Mutter." Adele zog ihr Taschentuch heraus, dann ergriff sie das Maul- tier am Zügel. Und Marie führte die Ziege. Gut die Hälfte des Dorfes hatten sie zu durchqueren. Niemand begegnete ihnen. Und es war doch die Zeit, wo die Leute ihre Häuser oerlassen, um frische Luft zu atmen. Aber an diesem Morgen war niemand draußen. Sie schritten unbehelligt davon. Bald hatten sie die Felder erreicht. Der Weg begann zu steigen. Vor ihnen er- hoben sich Waldungen. Das Maultier schritt vorsichtig mit seinem Sattel zwischen von Schnee weiß gepuderten Hecken hin, aus denen von Zeit zu Zeit seltsame große Vögel mit roten Köpfen aus- flogen. Der Fremde bezog Wohnung im Wirtshaus, das Simon, seine Frau und die ganze Familie in großer Elle verlassen hatten. Das Gasthaus umfaßte vier Räume. Dazu kam die Trink- stube, eine geräumige Küche und ein gut gefüllter Keller. Man begriff Criblet nur zu gut. Das Trinken kam ihn jetzt nicht teuer, das Schlafen kaum höher, das Essen nicht kostspieliger zu stehen. Ihm standen zur Verfügung zwei oder drei Kisten mit Makkaroni, ein Sack Reis, ein Faß Heringe. Würste und Schinken hingen in Meng« im Kamin. Und er hatte auch einen Gang in den Keller gemacht und die Fässer eines noch dem anderen beklopft. Er schien beruhigt. Sie führten ein herrliches Leben, sie waren vorläufig nur drei: der Fremde, Lhote und er, und das ging ganz gut. Der Fremde schien völlig zufrieden, Lhote sprach äußerst wenig, und Criblet trieb. was er am liebsten mochte. Er stieg mit seinem teeren Liter in den Keller, init dem gefüllten tauchte er wieder auf. Er machte es sich an einem der Tische am Fenster bequem. Zehn bis zwölf Gläser machen ihm noch lange nicht bange. Wie in einer jener Spieidofen, in die man einen Batzen hineinwirst, um Musik herauszubekommen, knockte bei ihm eine Fed«r, sobald er das so und sovielte Glas ge° leert halte, und er begann ein Lied, das hatte gut fünfundzwanzig Strophen, und die sang er alle durch und wackelte dazu mit dem Kopf. Darauf rührte er sich stundenlang nicht wieder, ausgenommen den Kopf und zum Becherlupf den Arm. und das war ihm die an- genehmste Bewegung. ÜBoHrHaftig, das war ein herrliches Leben. Die Ankunft Elinches verdarb ein wenig die geruhige Loge der Dinge. Denn Clinche war der erste von den Dörflern, die dann nach- einander kamen. Er erschien eines Abends, und man hieß ihn eintreten. Er sagte:„Meine Frau macht mir das Leben unerträglich. Ich habe versucht, sie zu bessern. Alles hat nichts genützt, sie ist wie ver- riegelt. Und da sagt« ich ihr einfach, daß ich das Fell» räume." Und mit Befriedigung die Luft einatmend:„Es ist doch besser bei euch. Wenn die Herren gestatten.. Der Fremd« sagte nur: „Dlatz ist vorhanden." Und Clinche machte es sich bequem, und so war er der vierte, und hotte es nicht zu bereuen. Denn man merkte wohl, daß von nun an der Fremde alles tun würde, zu was ihn die Luft trieb. Die Dorfftraßen waren auf ein- mal verlasien: es war schrecklich, kein sterblich Wesen ließ sich dar- auf erblicken. Man verließ sein Heim nicht mehr, ohne sich versichert zu haben, daß der Fremde nicht sichtbar sei. Erblickte man ihn zu- fällig, schlüpfte man rasch in sein Mausloch zurück. Glücklicherweise verließ er höchst sellen das Gasthaus. Und da hatte man doch Zeit, bis in den Stall zu eilen oder bis an den Brunnen, ober nicht weiter. Und im Lausschritt kehrte man zurück, und den ganzen Tag blieben die Türen oerrammelt, weil man sich sagte:„Vielleicht würde er sich auch bei uns eiirnisten, wie er es bei Simon getan hat." Eine erstaunliche Lebensweise hob an, nie hatte man etwas Aehnliches gesehen: ein Leben im Verborgenen, ein halbes Hin- fristen. Und niemand wußte es sich zu erklären. Furcht lastete auf allen, und etwas wie Lähmung. Selbst die Rauchfahnen auf den Dächern schienen weniger beschwingt als sonst, und sie schleppten sich mühsam über die Dachseiten mit den mächtigen Schiefern, als wagten sie den Flug nicht mehr. Ein Langsamerwerden drang in jedes Ding, und schon kündigten sich schreckliche Krankheiten an, von denen eine.zuerst dos Vieh heimsuchte. Den Kühen wurden die Euter mürbe, und zog man an den Zitzen, dann blieben sie einem in den Händen. Und da sie gleichwohl fortwährend Milch hatten und man sie nicht mehr melken tonnte, litten sie furchtbare Schmerzen und hörten nicht mehr auf mit Muhen und brüllten einander zu von Stall zu Stall. Aber was am meisten überrascht«: nicht olle waren gleicher- maßen heimgesucht. Es war wie eine verkehrte Gerechtigkeit: je ehrenhafter sich einer sonst betrug, desto strenger wurde er bestraft. Und da, wo die schlechten Leidenschaften herrschten: Neid, Geiz, Trägheit, Trunksucht— diese Häuser blieben verschont. Ihr wißt, wie der Würgeengel am Passahtag durch die Gassen der Juden schritt. Einige Türen waren mit Blut gezeichnet, andere nicht. Es gab Ställe, in denen all« Tiere zugrunde gingen. Und es gab solche, in denen kein einziges getroffen war. Die alt« Marguerite hatte ihr« beiden Ziegen verloren: sie hatte nichts mehr zu essen. Sie hatte den Versuch gemacht, ihren Sohn aufzusuchen, und von neuem hatte er sie zurückgewiesen. Und wieder hatte er ihr gesagt:„Geht weg, ich kenne Euch nicht mehr." Und gleichermaßen taten auch die Dorfbewohner, wenn sie sich an sie wandte. Sie wiesen sie zurück und riefen:„Warum seid Ihr nicht gleich anfangs zu uns gekommen?" Sie ging heim und setzte sich vor ihr Feuer, das verlosch. Und sie merkte, daß alles für sie zu Ende ging. Sie stand auf und nahm einen alten Schal aus Ihrem Schrank, verhüllte sich damit den Kopf und oerließ das Haus. Es schneite. Sie schlug westliche Richtung ein, wo es vor dem Dorfe eine Steingrube gab. Da endete jeder gebahnte Weg. Sie wußte kaum mehr, was sie beginnen sollte. Man sah, daß sie schwankte und im ungewissen war, sollte sie weiter gehen oder zurückkehren. Und sie stand still, ganz klein und winzig unter den Flocken, die jielen. Endlich faßte sie einen Entschluß. Mutz ich denn nicht olles versuchen, da ich ja meinen Sohn habe, vielleicht wird mir Glück beschert? Noch einmal versuchen, sagt man sich: dann erst wird inan gewahr, was einem in Wahrheit zu beginnen übrig bleibt. Und so wandte sie sich denn wieder dem Dorfe zu. Es begann Abend zu werden. Sie horchte: im Wirtshaus wurde gesungen. Si« hob die Augen und schaute zu den Fenstern, empor. Sie sah, daß die Läden gc- schlössen waren. Sie näherte sich der Tür und rüttelte an ihr mit beiden Händen: der Schlüssel war umgedreht und stak im Schlosse. Si« flüsterte:„Ich werde gleichwohl rufen." Sie rief. Man gab keine Antwort. Sie rief zum zweitenmal und wieder erhielt sie keine Antwort. Da schüttelte sie den Kopf. Ohne Zweifel: es sehnte sich niemand nach ihr. Sie schritt durch das Dorf zurück. Niemand war auf den Gassen. Einige, die vorbei- gingen, beschleunigten ihren Schritt noch mehr, wollte si« sie an- holten. Auch da hatte kein Wesen Verlangen nach ihr. Sie hörte das Knarren, wie die letzten Riegel vorgeschoben wurden. Si« dachte an ihren Herd, der erloschen, und an ihr Brotkörbchen, das leer war. Sie schlug wieder den alten Weg ein. Und betrat die Steingrube, durchschritt sie und dann kam der Kiefernwald. Entschlossen stapfte sie durch den Schnee weiter. Sie überlegte:„Ich werde so lang« gehen, wie ich kann. Wenn ich nicht mehr kann, dann werde ich am Ziele sein." Es war völlig Nacht geworden. Sie stieß an die Baumstämme an. Sie glitt hin und wieder aus und stürzte öfters. Aber was macht das, ob ich falle oder nicht, ob ich langsam gehe oder rajch? An den Ort, wohin ich mich begebe, führen alle Wege, und alle Wege, die da hinführen, sind gut. Eine große Gleichgültigkeit senkt« sich nach und nach in sie nieder. Nur ein« Angelegenheit beschäftigte sie noch. Sie sagte sich: „Warum hat er mich geheilt, wenn es so kommen mußte?" Und sie wiederholte:„Mein Gott, warum hat er mich gesund gemacht?" Und noch lange schritt sie so weiter. Aber der Abhang wurde abschüssiger und schroffer, der Schnee fiel dichter und dichter, die Nacht ward dunkler und dunkler und die Kälte heftiger und heftiger. Ihre Füße begannen den Dienst zu versagen, ihr Kops war ganz dumpf, es schien ihr, daß sie den Wald verlassen hätte: aber sie wußte es nicht genau. Sie tat den ersten falschen Schritt, dann den zweiten: in diesem Augenblick er- hob sich zu ihrer Rechten etwas wie eine Böschung. Sie sagte sich: „Lieber hier, als anderswo." Sie braucht« sich mir seitwärts an die Böschung gleiten zu lassen und sie vermeinte, in etwas Weiches einzusinken. Wie die ganz kleinen Kindlein in ihren Wiegen hob sie die Knie hoch, schlang Füße und Hände ineinander und barg den Kopf an die Schulter.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. iniiiniimimmmmmmiinmimnmiinmiinnimiiimmmimmmmmimniiiiiminnmiwmiiMimimnwiimninmiiiiiiminiiiiiiinmniiminmuiUHiuimimimmminmimiiiu H. O. Wells der sich bislang stets geweigert hat, einen Bortrag im Rundfunk zu halten, sofern sein Manuskript eine Zensur zu passieren hätte, wird am 10. Juli im englischen Rundfunk über„Weltfrieden" sprechen. Die englische Radiozensur hat ihm das Zugeständnis gemacht, sein Manuskript vorher nicht zu zensieren. Bekanntlich hat auch G. B. Shaw es bisher wegen der Zensur abgelehnt, im Rundfunk zu sprechen. Londons Einwohnerzahl. Nachdem schon bei der letzten Volkszählung festgestellt worden war, daß sich die Einwohnerzahl Groß-Londons der achten Million, mit 7 805 870 Einwohnern näherte, ist nunmehr die acht« Million überschritten worden. Diese Vermehrung entspringt keiner Ein- gemeindung, sondern einem natürlichen Zuwachs, wie er in den Iahren 1S21 bis 1926 um 4,4 Proz. zu verzeichnen war. Gruner Schnee. Eine sehr interessante Naturerscheinung können Polarforscher oft am Südpol beobachten. Der Schnee sieht dort nämlich sehr häufig nicht weiß aus, sondern grün, rötlich, grünbraun und phospho» reszierend, obwohl keine äußeren Einwirkungen in der Luft oder am Himmel feststellbar sind. Wir haben es hier also tatsächlich mit farbigem Schnee zu tun. Er entsteht dadurch, daß sich in dem von der Salzslut durchnäßten und später getrockneten Schnee kleine Algen befinden, die man nur mit dem Mikroskop erkennen kann und die leuchten, wenn der Schnee eine Temperatur von etwa Minus 10 und die Luft von Minus 33 Grad Celsius hat. Der erste, der dies« merkwürdig« Naturerscheinung beobachtete, war der uns leider viel zu früh durch den Tod entrissene Entdecker des Südpols, Roald Amundsen. Er sagte darüber, daß das Licht, das der farbige Schnee ausströmte, mitunter so stark war, daß er und seine Gefährten zeitweise in einer Mischung aus Schnee und Flammen zu gehen schienen. Ein Matrose fürchtete sogar allen Ernstes, daß seine Kleider und Schuhe von den scheinbar herumsprllhenden Flammen verbrannt werden könnten, woraus man sich ungefähr vorstellen kann, wie intensiv der farbige Schnee auf den Menschen unter Um- ständen wirken kan. Obligatorische Erholung. Der faschistische Parteisekretär hat an die Prooinzialsekretäre «in Rundschreiben erlassen, in dein es heißt:„Diele unserer Kam«- raden bleiben in der Zeit des Militärdienstes dem Leben und der Organisation der Partei fremd, und das häufig deshalb, weil sie keinen obligatortschen Ott haben, wo sie zusammenkommen. Bei der Entwicklung unserer Patteitättgkeit muß es«in leichtes sein, diesem Umstand abzuhelfen usw." Di« armen Teufel sind beim Milttär noch nicht genug gebunden. Sie müssen noch«inen Ott haben, wo sie verpflichtet sind, in ihren kargen freien Stunden zu- sammenzukommen. Und dann soll man das faschistisch« Italien nicht ein Gefängnis nennen! Kino nach Geschlechtern getrennt. Ein ganz verwegener Mann kam auf die Idee, in dem kleinen Städtchen Rürphen in der holländischen Provinz Nordbrabant ein Lichtspielhaus zu eröffnen. Der Gemeinderat bewilligte zwar das Gesuch, aber nur unter der Bedingung, daß die Besucher nach Ge- schlechter» getrennt sitzen müßten. Die Einwohner von Rücph«n bilden nun zweierlei Lager: die Verheirateten, die sich mit der Sache abfinden wollen, und die Unoerheirateten, die darüber empört sind. Der Bezirksausschuß hat ab«r die Verfügung des Gemeinderat«? ausdrücklich bestätigt. Die Hundebahn von Alaska. Die merkwürdigste Bahn der Welt läuft von Nome in Alaska quer durch die Halbinsel Seward in einer Länge von etwa 80 Meilen. Die„Lokomotiven" sind ausschließlich Hunde. Als Schmalspurbahn in den Iahren 1900 bis 1906 erbaut, diente sie zunächst für die Frachtbeförderung für die Goldarbeiter und wurde mit Dampf be- trieben. Mangels Rentabilität ging sie später ein und dann kamen findige Leute auf den Gedanken, sie mit Hunden zu betreiben. Mit ausreichendem Vorspann können zwei Männer pro Tag bequem 40 bis 50 Meilen' zurücklegen. Es können auch entsprechende Lasten befördert werden, wenn mehr Tiere vorgespannt sind. Da die Kosten überaus niedrig sind, erfreut sich die Bahn eines regen Zu- spruchs. Durchschnittlich werden drei Züge pro Tag abgelassen. Vom Bauernjungen zum Mongolenfürsten. Kürzlich hielt der„Herzog der Mongolei" im schwedischen Rund- funk einen Dortrag, worin er seinen Aufstieg vom Jjauernjungen zum Herzog schilderte. Als er im Jahre 1880 nach China auswanderte, trug er den schönen schwedischen Namen„Larsson". Er ließ sich an der Grenze der Mongolei nieder und wurde während des Boxer- ausstandes mit noch 21 anderen Europäern gefangen genommen. Unter Führung Larssons jedoch entflohen sie nach Unga, der heiligen Stadt der Mongolei. Er gewann dott großen politischen Einfluß. so daß ihn der chinesische Ministerpräsident Hsung-Hsi-Ling ersuchte, den Anführer der mongolischen Truppen zum Frieden zu bewegen, was dem ehemaligen Bauernjungen dank seiner Gewandtheit auch gelang.„Der lebende Buddha" verlieh ihm daraufhin den Titel eines„Herzogs der Mongolei". Die Harvard-Universität in New Pork will, nachdem ihr für diesen Zweck 113 000 Dollar von Freunden bewilligt worden sind, den Lehrstuhl für Geschichte der deutschen Kultur wieder errichten. Unter den Spendern befindet sich Felix Warburg mit einer Stiftung von 35 000 Dollar. Die Geschichte einer Marmorbüste. Manchmal geht es schneller als man denktl Ein bekannter Bild- Hauer aus dem Pariser Künstlerviertel Luxembourg, der mehrere Reisen in Südamerika machte, erhielt in seinein Pariser Atelier den Besuch einer etwas angejahrten Witwe, die direkt aus Rio de Janeiro angekomm«» war, um ihn mit der Anfertigung der Büste des- jenigen, den sie ihr ganzes Leben lang betrauern würde, zu beauj- tragen. Sie hatte eine Reihe von Photographien bei sich. Der Künstler setzte sich ans Werk, modellierte eine Gipsbüste, schickte einen Abzug davon der Brasilianerin, die ihm antwortete: „Ich bewundere Ihr Künstlertum. Die Büste ist herrlich, hauen Sie sie sofort in Marmor aus." Als die Büste in Marmor ausgeführt war, benachrichtigte der Bildhauer feine Kundin. Er«rhielt keine Antwort. Er schrieb wiederum. Dieselbe Stille. Ein wenig beunruhigt— man kann es ihm wittlich nicht verübeln— wandte er sich an das französische Konsulat. Man antwortete ihm, daß seine Kundin auf dem Wege nach Frankreich sei, und zwar... mit ihrem Gatten und daß sie ihm die schuldige Summe bezahlen werde. Und einige Tage später kam die Brasilianerin tatsächlich zu dem Bildhauer, bezahlt« ihm den Marmor und seine Arbest... weigerte sich aber energisch, die Düste ihres ersten Gatten, den sie nicht mehr liebte, da sie verrückt nach dem zweiten war, mitzunehmen. Sie ließ alle Photographien im Stich, erklärte mst rollenden „r's":„Alles das interessiert mich nicht mehr!" Der Bildhauer schickte die Büst« zum Kunstsalon, wo sie nunmehr mit dem ersten Preise ausgezeichnet wurde. Auf der Strafe und im Saal. Die Radsport-Meisterschafien bei„Solidarität". Am gestrigen Sonntag nahmen die deutschen Radsportmeister- schaslen des Arbeikerrad- und Sraflfahrerbundes„Solidarität" ihren Aortgang. Zn den frühen Morgenstunden sammelten sich die Slrahensahrer in Groh-Ziethen und wenige Stunden später— die Slratzcnfahrer hatten bereits ihr umfangreiches Programm erledigt — traten in der„Tleuen Welt" die Saalhelden zum weiteren Aus- trag der Wellbewerbe an. In Qroh-ÄetKen. Es ist etwa 4 Uhr früh. Vor dem Gasthaus dos gewohnte Treiben bei großen Straßenrennen. Die Räder werden einer letzten sehr sorgfältigen Musterung unterzogen. Im Saale geht es besonders bunt zu: Fahrer Und Rcnnteitung haben eine letzte Bc- sprechung, dann wird noch einmal eine kurze Massage vorgenom- wen. Der Startmoment naht heran. Filmleute und Photographen rücken, kurbeln und knipsen die zur 5l1-Kilometer-Fahrt Groß- Ziethen— Zossen— Groß-Ziethen bereitstehen- den zwanzig Einzelfahrer. Mit wenigen Minuten Verspätung— kurz nach KS Uhr— ziehen die Fahrer davon. Zunächst bleibt es im Felde ruhig. Doch schon bei Selchow, nach etwa 3,5 Kilometer, bleiben einige Fahrer zurück, wahrend die chauptgruppe— 17 Mann stark— ein flotteres Tempo anschlägt. Die Streckenbesetzttng ist sehr gut organisiert, so daß alles klappt. 14 Kilometer sind zurück- gelegt, als Lüdeck-Aplerbeck zurückfällt. Beim 17. Kilometer ereignet sich ein M a s s e n st u r z, von dem S t i ch l i n g- Wechmar, von Roß- Stolp, Schick- Lichtental und Michaelis- Rohrbach be- troffen werden. Den Wendepunkt Zossen passieren nur noch elf Fahrer, die jeden Ausreißversuch gegenseitig zu unter- binden wissen. Dos Tempo schwankt zwischen 35 und 4l> Kilometer. ZV Kilometer vor dem Ziel vermögen die gestürzten Stichling und Michaelis wieder zur Spitzengruppe aufzuschließen und hier tapser mitzuhalten. Die fast gleichmäßige Stärke des Feldes kann den Sieger nur im Endspurt bringen. Das Ziel rückt näher. Da stürzen Werner-Scheidelwitz und Schüssel-Gelenau. Die dadurch gelöste Geschlossenheit des Feldes benutzt der Kölner Kraus zum Vor- stoß und kann als Ueberraschungssieger das Ziel passieren. Zehn Minuten nach dem Start der Einzelfahrer gehen die Teilnehmer des 5l>-Kilometer-Mannschastswettbe- werbe? auf Fahrt, chier erringt Mutterstadt, Gau 22, den Sieg. Und nun folgt Start auf Start. R. Sch. Am Sonntag vormittag... In beiden Sälen der„Neuen Welt" entwickelte sich ein buntes und farbenprächtiges Bild. Di« Kampfbahnen waren trotz der frühen Morgenstunde von Zuschauern dicht umlagert, die den Dar- bietungen mit größtem Interesse folgten. Mit eipem Liercr-Jugcnd-Schulreigen wurde der Sonntagvormittag eingeleitet. S t e i n b a ch, Gau 16, holte sich hier mit 60,50 Punkten sicher die Bundesmeisterschaft. Aus dem darauffolgenden Sechser-Kunstreigen ging Losch- witz, Gau 7, als Sieger hervor. Viel Anerkennung fand ein Achter-Einradreigen, der von der Frankfurter Mann. schaft so gut und exakt ausgeführt wurde» daß sie mit 77,14 Punkten vor Jeßnitz, Gau 17, mit 66,73 Punkten die Bundesmeisterfchaft über. legen nach Hause brachten. Auch die nun folgenden Konkurrenzen, Schmuckreigen, Einradreigen und Kunstfahren, waren stark umstritten, und das Schiedsgericht hatte mehr als«in- mal Mühe, die beste Mannschaft zu ermitteln. vi« Radballspiele. Während in der„Neuen Welt" noch die letzten Saalsportwett- bewerbe abgewickelt wurden, rüsteten auf der„Rüti-Arena" bereits die Radballmannschaften zum Turnier. Vor zahlreichen Zuschauern traten zum ersten Vorspiel im S e ch ser- R a s e n ra d- ball Pommerensdorf bei Stettin und Gladbeck an. Die Pommerensdorser drehten sofort ein scharfes Tempo auf und jagten bis zum Seitenwechsel den Ball viermal ins gegnerische Tor. In der zweiten Spielhölfte waren die Gladbecker eine Zeitlang über- legen, brachten es aber trotzdem nur zum Ehrentor. Fürth hatte das Los gegen Lichtentanne gezogen. Fürth spielte reichlich zerfahren. Lichtentanne war ständig überlegen. Nach der Pause wirkte das Spiel recht eintönig. Mit 2:0 verließ die„Lichten- tanner Sechs" den Rasen. Im dritten Spiel kam Plauenscher Grund zu einem verdienten 2:l.Sieg» über Wesermünde. Plauenscher Grund hatte sehr geschickte und schnelle Spieler in den Wettbewerb geschickt, leider kommt ihre große Ueberlegcnheit zahlenmäßig nicht zum Ausdruck. Am Nachmittag fand das Zwischen- und Endspiel im Sechser- Radball statt. Für das Zwischenspiel hatten sich Lichtentanne und Pommerensdorf qualifiziert. Pommerensdorf wirkte, ganz im Gegensatz zum Vormittag, ausfallend schwach und mußte sich mit 3: 0 geschlagen bekennen. Mit großer Spannung wurde min dem Endspiel, das den neuen Bundesmeister ermitteln sollte, entgegengesehen. Plauenscher Grund hieß die glückliche Mannschaft, die nach einem famosen Spiel mit 2:1 siegte. Lang- wogte der Kampf 1: t. erst eine Spielverlängerung brachte die Entscheidung für Plauenscher Grund. Motorradfahrer-Blumenkorso Die Rasenradballspiele waren knapp beendet, als auch schon der Blumenkorso der Motorrodfahrer, der seinen Sammelort am Michaelkirchplotz hatte, in Sicht kam. Die prächtig geschmückten Fahr, zeuge fanden allseitigen großen Beifall. Am Sonntogabend fand die zwei Tage umfassende Vcranstal- tung in der„Neuen Welt" einen würdigen Abschluß. Draußen im Garten konzertterte eine schmissig« Kapelle unter Leitung ihres Dirigenten Gericke-Funke, es produzierten sich unter starkem Beifall das Berliner U l k t r i o, die Kunstfahrerfamilie S ch i e r i tz und mehrere andere gute Artisten, denen schon am Vorabend für ihre Darbietungen reicher Beifall gespendet worden war. In beiden Sälen, die eine beänsttgende Fülle aufwiesen, begann dann das Schaufahren der neuen Dundesmeister, das zwei volle Stun- den in Anspruch nahm. H- Im Regen bei Rütt. Trotz der ungünstigen Witterung weist die Bahn in der Hasen- Heide recht guten Besuch auf. Ja, im Verlauf des Rennens füllen sich die Tribünen immer mehr, die an der Zielgeraden ist voll besetzt. Nun zu den Rennen: Arbeitcrradler pflegen noch nicht lange den Rennsport, müssen also unter ganz anderen Gesichtspunkten ge- wertet werden. Sie haben nicht wie die Bürgerlichen die Mittel zur Verfügung und müssen sich Schritt für Schritt mühsam ein- arbeiten. Das gilt besonders bei den Bahnrennen, deren Pflege in finanzieller Hinsicht mehr erfordert als die Straßenrennen, die mit weniger Unkosten bestritten werden können. Die Straßenfahrer fuhren groß und sicher, während die Bahnfahrer noch suchen und fühlen müssen, wo der richtige Weg zu betreten ist. Doch gemach! Auch sie werden eines Tages sich den gebührenden Platz in der Bahnrennbcwegung erkämpft haben. Leider konnten nicht alle Bundesmeister sestgestellt werden. Nach Erledigung einiger Meisterschaften ging, wie bei Rütt üblich, ein Regenschauer nieder, der ein weiteres Befahren der Holzbahn verbot. Motorfahrer-Stafette aus Breslau! Der G a u b u n d Ost(Gau 7, 8, 9 uitd 15) des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer-Bundes„Solidarität" hatte es sich nicht nehmen lassen, eine Moiorfahrer-Staffette zu den Rad-Meister- Auf der Rfittareno. schaften zu entsenden, die best« Wünsche der Gaubundleitung über- brachte. Um 9 Uhr verließ der Fahrer Breslau. Um 10 Uhr 17 Min. erfolgte die Uebergabe in Liegnitz Gau 7), um 15 Uhr 50 Minuten in Elsterwerda(Gau g). Ankunft in der„Neuen Welt" um 18 Uhr 50 Minuten. Die zurückgelegte Kilometerzahl betrug 479,3. Die Ergebnisse. Scchstr-Schulrelocn Jugend. Bundcsmeister: l. Svrccdorf, Sau 15. 55,50 Punkte: 2. Bcnsliausen.(Bau 1«, 54 Punkte: 3. Kassel.(Sau 18, 50,50 Punkte. Achter- Nun Itrcigcn, Klasse B. Bundesmeistcr: 1. ssrankfurt a. M., Kau 18, 82,50 Punkte: 2. Dessau, Kau 17, 82,44 Punkte: 3. Stuttgart, Kau 21, 56,13 Punkte. Achter. Schul» tctaejt, Iug«nd. Bundes inelster: I. Görlitz,(Sau 7, 59 Punkte: 2. Olvenstedt, Gau II, 49 Punkte; 3. Frankfurt a. SD?., Kau 18, ausgefch. «>erer»nunstrclg«n, Klasse B. Bundesmeister: 1. Luckenwalde, Kau 9, 70,17 Punkt«: 2. Rositz, Kau 16,«5,50 Punkte: 3. Pleidelsheim, Kau 21, i?-?*■ öwolfer.Aunstikigen. Klasse B. Bundesmeister: Leipzrg, Kau 14,«0,5« Punkte. Achter-Farbc ureigen. Bundes» melstcr: 1. Weinböhla, Gau 15.«0,50 Punkt«; 2. Halle a. d.£., Kau 17, 59 Punkte. 3. Fcucrbach, Kau 21, 53 Punkte. 4. Altrip, Kau 22, 51,50 Punkte. 3 wölfer, Farbenr«ig«n. Bundesmeistcr: 1. Delitzsch, Kau 17, 59,50 Punkte: 2. Fllrth. Sau 19, 64,50 Punttc; 3. Kberftadt, Kau 18, 50 Punkte. Zwaier, Radballspiel«. Erwachsen«. Vundesmeister: Reupodersschau, Kau 18.«:S. zweier- Radballspitl, Sr. wachsen«. Bundcsmcifter: Ropperpahl, Gau 5, 8:5..ss w« i« r. R a d b a I l. fptcl, 3ua«nd. Bundesmeistcr: Borsdorf,(Sau 14, 8: 3. Zweier Rad- ballspiel, Jugend. Vinnhorst, Kau 10, 8:2. B i e r e r.«» n st. reizen. Bnndesmeister: Delitzsch,(Sau 17, 80,30 Punkte. 2. Nauheim, Kau 18, 78,88 Punkte. B. Penzberg 74,74 Punkte. Krupp« n»Sun st» fahren. Bundc-meisler: Freiburg, Gau 21, 17,«0 Punkte. 2. Frankfurt am Main, Gau 18, 15,48 Punkte. 3. Brand-Erblsdorf, Sau 15, 14,44 Punkte. Radpolo. Vorsprele. Tilsit— Wiederitzsch l: 5, Geesthacht— Sries- heim 21:11, Wiefa— Edigheim 81:11. Fricdrichshain— Augsburg 21:17. Vierer-Schulreigen, Jugend. Bundesmeistcr: 1. Etcinbach, Kau 18, «0,50 Punkte: 2. Malmitz, Gau 7. 54 Punkte: 3. Wahlitz. Sau 17, 47.ö0 Punkte. Eechfer.Aun st reize», Klasse E. Bundesmeistcr: 1. Lcschwrtz, Gau 7, 88,04 Punkte; 2. Neuheim, Kau 18, 65,80 Punkte, 3. Freiburg, Kon 21, 64,49 Punkte. Achter. Einrad reiaen. Bundesmeister: 1. Frank- fürt a, SD?., Kau 18, 77,14 Punkte: 2. Jeßnitz, Kau 17, 66,73 Punkte: 3. Landsberg, Gau 9, 66,44 Punkte, Vierer. Schulreigen. Fahrerinnen. Bundesmeister: 1. Niederwiesa, Kau 14, 54 Punkte: 2. Osterholö-Ellen, Kau«, 51,5« Punkte; 3. Düsseldorf, Kau 13, 48,50 Punkte. Achter-Schul» reiaen, Fahrcrinncn, Bundesmeistcr: 1. Lücke mralde, Sau 9, 56,50 Punkte. 2. Nürnberg, Sau 19, 55.50 Punkte, 3. Sera, Kau 1«, 51,50 Punkte. Sechfer-Echulreigen, Fahrcrinncn. Bundesmeieftr: 1. Salle(Eaale), Kau 17,«1,50 Punkte: 2. Offenbacki a. SD?., Kau 18, 57,50 Punkte: 8. SBtll- wasser, Sau 7. 50 Punkte. Bierer. Steucrrohrreigen. Bundes» Meister: 1. Lissa. Kau 7.«8,38 Punkte: 2. Delitzsch. Gau 17,«6,88 Punkte: 3. Nauheim, Kau 18, 60,27 Punkte, Sechser-Schmuckrcigen. Bundesmeistcr: I. Erfurt, Kau 1«, 63,50 Punkt«: 2. Pulsnitz, Kau 18, 62,50 Punkte: 8. Augsburg. Gau 20, 58 Punkte, Vierer. Einradreigen. Bundes. meistcr: 1. Reichcndrand,(San 14, 74,45 Punkte: 2. Nauheim, Kau 18, 67,97 Punktc, 3. Glogau, Kau 7, 65,63 Punkte. slweier.Aun st fahren. Bundesmeistcr: 1. Frankfurt a. M., Kau 18, 16,66 Punkte: 2. Halle{ Saale), Kau 17, 16,60 Punktc: 3. Lauterberg, Kau 10, 12,03 Punkt». Sechser- itunstrctzen, Masse A. Bundesmeister: 1. ftitckcheim,(Sau 21, «U« Punkte: 2. Kassel, Gau 18, 76,09 Punkt«: 8, Planitz. Kan 14, 75,53 Punkte. gweier-Radballspi«!', Bundesmeistcr Wiederitz. zweier-Radpolo: Bundesmeistcr Lissa. Dreier-Radvolo: Bundesmeistcr Gries. Fweier-Radpolo: Bundesmeistcr Lissa, Drcicr-Nadpolo: Bundesmeieftr Gries- heim, Die Siraßcn- und Vahnmeisterschaften. 50. Kilometer. Einzelfahren. Bundesmeister: 1. Kraus, Köln, Kau 18, 58,21,8 Minuten: 2. Bauernichustcr, Neuhaus a. I,. Kau 20, 58,23 Minuten: 3. SchüRter, schwcinfurt. Kau 19, 88,24 Minuten, 50. K t I o. m«ter. Rannschaft, fahren. Bundesmeister: 1. Muttcrstadt, Kau 22, 82,10,2 Minuten: 2, Nürnberg,(Sau 10, 82,58,8 Minuten, 25»Kilo» Nieter» Mannschaftsfahren, Bundesmeister: 1. Köln,(Sau 13, 37,335 Minuten: 2. Breslau, Kau 8, 4052,8 Minuten: 3. tzeitz. Kau 17, 41,7,4 Minuten, 20. Kilometer. Mannschaftssahren. Bundes» melster: 1, Muttcrstadt, Kau 22, 32,27 Minuten: 2, NoRdors, Gau 9, 34,3,8 Minuten: 3, München, Kau 20, 34 555 Minuten. 10-Kilometer. Einzelfahren, Fahrer 18—20 Jahre, Bundesmeister: 1.Kerlinger, Köln, San 13, 20.47 Minulen: 2. Dcgler, EroRiiiaersheim, Sa» 21, 21,19,3 Minuten: 3, P-rftcke, Stabelwitz. 6)a» 8, 21,39,2 Minuten. 2- K 1 1»> Meter- Ein, erfahren. Jugendliche. Bundesmeister: 1. Hilbert, Eppstein,(San 22, 3,47,8 Minuten: 2, Eighart, TeticnwciR, Da» 20, 3 Rad- längen»urllck: 3, Rickert, Gladbeck, Gau 12. 4 Nadlangen»urllck, Motor. rad-zuverläfsigkeitsfahren. 35.Kilom«ier-Tempofahr»n, Bunde»- Meister: 1. Müller, Schwaria»,(bau 4, 60,30 Minuten: 2, Schneider. Nürnberg, (Sau 10. 63,07 Minuten. IS-Kilometer-Temvosahren. Bundesmeister: 1. 581, el, Fllrth, Kau 19, 20 Minuten: 2. Untiedt, Hamburg, Kau 5, 2250 Minuten: 8. Finger, Frankfurt a. 91?., Kau 18, 22,55 Minuten. ü-kilometcr-Tempo. fahren. Bundesmeister: 1. Eimo, NUrnberz,(Sau 19, 15,19 Minuten: 2, Boll- Mannhelm. Kau 22, 15,35 Minuten: 3. Hcick. Lübeck,(Sau 4, 12,40 Minuten. Bahn Wettbewerbe. 1. Dorla:, f 1 Kilometer. Sauptilassc. 1. Weber, Nürnberg. 2. Bat,. Franklurt a. SD?. 2. Vorlauf, l-Kilomeler-Hauptklasse. 1. Sirobl, München. 2. Zimmermann, Kirchhcim, Endlauf 1 Kilometer, Hauriklass«: 1. Weber, Nürnberg. Bundesmeistcr, 2. Balg, Frankfurt a. M. 1. Vorlauf 2 Kilometer, Altersklasse: 1. Hassert, Mutterstadt, 2. Dikl»», Dresden. 2. Vorlauf, 2 Kilometer, Ailersllossc: 1. Ehristopf. München, 2. Kreil, Chemnitz. Endiauf 2 Kilometer, Altersklasse: l. Djklu». Dresden, Bundesmeistcr. 1. Vorloul, 2 Kilometer, Lauptklasse: 1. Walterscheid, Berg.» Gladbach. 2. Breitner, Mannheim. 2. Vorlauf: 3 Kilometer: Hauvtilass«: 1. Bal«, ssrankfurt a. SD?.. 2. Kimmermann, Kirchheim. Entlauf: 2 Kilometer Kaupillasse: 1 Walterscheib. Veegisch-Kladbach. Bundesmeistcr, 2. Balg. Frankfurt om Main, 1. Borlauf: 5 Kilometer, Altersklasse, 1, Diklu», Dresden. 2. Chriftorl, München, 2. Vorlauf 5 Kilometer, Alter». «lasse: 1. Hasseri. Mutterstadt, 2. Felaee. Fürth. Endlauf 5 Kilometer. Alter». flass«:—, 1. Vorlauf 5 Kilometer, Hauptklasse: 1. Richer, Dresden, 2. Forst. meier. Nürnberg, Berliner Meisterschaft im Ringen. Die Kämpf« km Wilmersdarfer Viktoriagarten um den Berliner Meister nehmen ihren Fortgang. Am Freitag siegt« im ersten Kampf der Holländer van den Vorn über den Glatzer Voigt in der 11. Minute durch Armfallgriff. Das Treffen zwischen Poczeba.vbcrichlcjicn»nd Hansen Esch wurde mit größter Erbitterung durchgeführt, erst nach 24 Minuten gelang es dem Rheinländer, seinen Gegner mit einer prächtigen Krawatte am Boden auf die Schulter zu bringen. Das Treffen zwischen Maru...: Sachsen und Neström-Skandinavien endete nach 25 Minuten ohne ein Resultat. In dem Entscheidungskamps siegte der Berliner Mosbus über den Esttänder Rentner in der Gesamtzeit von 35 Minuten. Der sechste Kampfabend sah im ersten Tressen Schachschneider-Berlin über den prächtigen Berliner Moebus noch der 21. Minute durch einen Hllstschwung erfolgreich. Hansen Esch und der Sachse Marunke, zwei der stärksten Ringer im Wettstreit, schieden, ohne ein Resultat erzielt zu haben; das Treffen wird an einem der nächsten Abende bis zur Entscheidung durchgeführt. Der Kölner Kochhansti erzielte im Enflcheidungskampf mit dem starken Holländer van den Born einen weiteren beachtenswerten Erfolg, in der 56. Minute gelang es ihm als dem schnelleren, einen Schulter- schwung erfolgreich durchzuführen. Gestern gab es wieder recht flotte Kämpfe, es rangen im ersten Kamps Voigt-Glaß und der Bres- lauer Brückner, zwei Gegner gleichen Formats, die erbittert vieles wagten. Bei einer Serie wechselseitiger Kopfzüge glückte es dem Glatzer durch plötzliches Zurückreißen seinen Gegner bereits in der 19. Minute aus die Schultern zu drücken, Schachschneider, Deutsch- lands ehemaliger Amateurmcister, und der Sachse Marunke, der letzte Schüler des großen finnischen Ringerwunders Huthanen, schieden nach 25 Minuten völlig offenen Kampfes ohne ein Resultat, Der grobe und äußerst temperamentvolle Finnländer Neström, der über ungeheure Körperkräste verfügt, läßt sich nur allzu leicht zu unfairen Mätzchen hinreihen, obwohl es nur wenige Gegner gibt, die ihm gefährlich werden könnten. Seinem prächtigen Gegner Pogrzeba brachte er in der 21. Minute durch einen blitzschnellen Ärmsallgrisf die zweite Niederlage bei. Heute ringen im Protestentscheidungskamps Kochhanski gegen Marunke-Sachsen. Ferner ringen Schachschneider gegen Pogrzeba und Hansen Esch gegen Mobus-Verlin. kuhball mit Kindertrompeten. Hertha BSC.— 1. FC. Nürnberg 0:0. Nach einem spielerisch recht hochstehenden Kampf trennten sich am Sonntag im Poststadium Hertha BSC. und 1. FC. Nürnberg nach 2,A Stunden Spieldauer torlos. Hertha hatte einen seiner guten Tage und ohne den Torwart Stuhlfauth hätte sicher Nürnberg geschlagen abziehen müssen. Das Können dieses Spielers grenzt an Artistik. Eine recht bedauerliche Begleiterscheinung waren die groben Unsportlichkeiten der Spieler auf beiden Seiten. Die erste Halbzeit war eine reine Holzerei. Das Tollste aber war das Publikum. Mit Kindertrompeten und Kuhglockengeläut oersuchte man den Gegner nervös zu machen, und sogar bindenbetreßte Aufsichtspersonen scheuten sich nicht Stuhlsauth zu bedrohen und zu beschimpfen. Ein beschämendes sportliches Bild. Das Spiel ist zum zweiten Male nach Düsseldorf angesetzt. •ARBEnBUTUSSSALL Resultate vom 7. Juli. Das Hauptinteresse konzentierte sich auf die Begegnung W e i ß e n s e e gegen Neukölln. Schon das erste Spiel zeigte die Gleichwertigkeit beider Mannschaften. Gestern rechtfertigten die Weißenseer ihre führende Stellung durch einen Sieg 4: 0 über die Neuköllner, Wenn das Resultat dem Spiel- verlauf auch nicht ganz entspricht, so waren die Weißenseer doch die technisch ausgeglichenere Mannschaft, die den Sieg vollauf verdiente. Lichtenberg 1 konnte gegen Rathenow ebenfalls mit 4:0 triumphieren und damit die zweite Stelle in der Tabelle behaupten. Oberspree weilte bei W o l t e r s d o r s zu Gast. Hier gab es eine kleine Disharmonie. Der angesetzte Schiedsrichter zog es vor, nicht zu erscheinen. Der als Ersatz«ingesprungene Genosse war dem Spiel nicht gewachsen, so daß das Spiel beim Stande 3: 1 für Woltersdorf abgebrochen werden mußte.— Ciseiispalterei mußte sich, troß anfänglicher Ueberlegenheit, eine Niederlage 4: 1 von Ger- mania-Pankow gefallen lassen. Zum dritten Male mußte da- Spiel Lichtenberg 2 gegen Potsdam angesetzt werden, bevor es endgültig zum Austrag gelangte. Die Lichtenberger konnten mit 4:0(3: 0) den zweiten Platz behaupten. .Ardeiter'Uocke�. Nürnberg-Mannschaft spielt 2:2. Wie zu erwarten, war der Widerstand der kombinierten ASE.- O st r i n g- Mannschaft sehr stark. Sehr lange sah es sogar nach einem Sieg der vereinigten Gegner aus. Erst dem besseren Zu- sammenspiel nach der Pause gelang es der Nürnberg-Mannschaft, gleichauf zu bleiben. Von Beginn an legten die ASC.-Ostring-Spieler ein scharfe- Tempo vor, unterstützt durch gute Stocksicherheit und dem planvollen Störungs- und Aufbauspiel des Mittelläufers. Es ist schade drum, daß der ASE.-Mann nicht mit nach Nürnberg darf, weil er zurzeit keinen Urlaub erhält. Lange Zeit geht das Spiel hin und her, bis es den Vereinigten in der 25. Minute gelingt, das erste Tor anzubringen. Nürnbergs Läuferreihe muß ganze Arbeit leisten, um das Spiel offen zu halten, aber auch ihr Sturm wird jetzt besser. Auch nach der Pause greift die Vereinigte ASE.-Ostring-Mann- schast wieder flott an. Bald stand es 2: 1 für Ostr!ng-ASC. Erst nach dem Ausscheiden des Mittelläufers, infolge einer schmerzhaften Bein- Verletzung, gelingt es der Nürnberg-Mannschaft, gleichzuziehen. Beim Nürnberg-Sturm wurde die bessere, rechte Seite zu wenig beschäftigt. Läuferreihe war eifrig, spielte aber zu planlos. Im allge- meinen wurde der Ball zu lange gehalten, das sonst gewohnte kurze Zu- oder Paß-Spiel fehlte. Trotzdem— wohlgerüstet zieht unsere Kreismannschaft nach Nürnberg und hat alles mit. um auch Berlin siegreich zu vertreten. FTGD.'Brih: Heute Montagabend ab 18.30 Uhr: Spiel und Sport im Neuköllner Stadion. Platz 2(5 Minute» vom Bahnhof Hermannstraße). Treff bis 18.15 Uhr Brücke, Ehausseestraße— Trescburgcr User. FTGB. Schwimmbezirk Kreuzberg. 8. Juli, 20 Uhr, Bezirks- Versammlung bei Krüger. Grimmstraße 1. 11. Juli, Werbe- Veranstaltung des Bczirkstartells Kreu.zbcrg. Treffpunkt pünktlich 18.30 Uhr, Sportplatz Urbanstraße. Erscheinen aller ist Pflicht! Rennen zn Hoppegarten. 17. iV«bugueni»), 2. Marchetta. 3. Frontsoldat. Toto: "efen:<5(nWo'c' �""-rßr.if, Sonate, Do- Schmidt), 2. Kilgamesch. 3. Irwin. Toto: 43.10. Protürn Fetiuf 1®,mpl't lbcm' Torronc, SMiinncrtreu II. Tafna, mJ: �e£n,en%1- Splnelly(SM. Schmidt), 2, Aoxana. 3. F-ldberg. Toto: 107:10. Bwtz: M, 20: 10. Ferner liefen: Obacht. Majati. Eoraoia, -ni.» Gehmifch). 2. Farn, 8. Herzkönlgln. Toto: 38>10. PUR 21, 31: 10. Ferner lief: Scrapis. v°» 5» 1- Osmunba(Haynes). 2. Mellitus, 3. Strona. Toto: 67:10 PUR: 23, 35, 31; 10. Ferner liefen: Roderich, Mangrove, Ämalsi, Polyglolt, Hyfiorla »,•*■ l-.SchfflOtJÖOtn lstehmifchi, 2. Ana-ndiener. 3 Daland, Toto: '» P�R: 23, 23:10. Ferner liefen: Dominica, Pohle, Machvoran, Wmfenwabe jl(Binzen», 2. Lea. 3. Rotbart. Toto: 40: 10. : Kern» lielen: Forelra. Dogmatiker, Iagannat'h, Rosenherzo?, Priina-, Türkenbund, Konigslmd, Windspiel. \ Konsumhaus im Jestgewand. Weithin sichtbar weht die rote Fahne mit dem KGW-W a p p e n auf dem Dach des von der Arbeiterschaft begründeten Kons» in- Warenhauses in der Oranienstraße. Viele kleine Fähnchen, die ebenfalls das Wappen der MJB. mit dem Berliner Bären tragen, schmücken die.zwei großen Fronten des Riesengebändes. Dazwischen die farbenfreudige Fahnenanordnung mit den internationalen Ge- nossenschastssahnen, die die Farben des Regenbogens tragen. Auch der Eingang weist in seiner symbolhaften Ausgestaltung auf die festliche Bedeutung des Tages hin. Das Eckschausenster der Oranien- straße bringt in geschickter künstlerischer Darstellung als Dekoration den Aufbau eines Hochhauses, das den Konsumgedanken in seiner Entwicklung aufzeigen soll. Die Pfeiler des Hauses werden gebildet von den grundlegenden Wirtschaftsformen des Zusammen- schlusses der Arbeiterkonsumenten, als da sind„Die Sparkassenent- wickiung".„Umsaßsteigerung der KGB.",„Ilmsaßsteigerung der GEG." und des„Mitgliedsrzuwachses" als letzter Pfeiler. Die«in- zelnen Etagen zeigen gestaffelt die zahlenmäßige Entwicklung des hier genannten Konsuniwachstnms vom Jahre 1924'2S bis heute. Der„M i t g l i e d e rz u w a ch s" betrug im leßten Jahre 3 4 0 0 0 Haus h alt unqe n. Ein Schild macht auf die Gesamtzahl von 178 000 Haushaltungen aufmerksam. Wenn Zahlen sprechen, so sind es gewiß diese! Eine Auffchrist aus dem Gebäude besagt:„Wir dienen dem Bolke!" Ein anderes, das am Dachfirst ange- bracht ist, deutet in fröhlicher, zuversichtlicher Weis« darauf hin: „Wir bauen weiter!" Viel Publikum, das in das weit- geöffnete Portal einströmt, hat bereits den gutgemeinten Rat beher- zigt:„Hinein in den Konsum!" Tafeln mit Aufschriften in diesem Fenster erregen die Aufmerksamkeit der Passanten, die sich dicht an den Schaufenster» zusammendrängen:..Die Genossenschast ist das Eigentum ihrer Mitzkieder!"„Die Genossenschaft ist die Wirtschafts- form der Zukunft!" Das Eckfenster ans der Seite des Luisenusers bringt auf einem das ganze Fenster füllenden Gesamtplan die sämt- lichen Verkaufsstellen der KGB. zur Darstellung. Auch hier locken die in Rot und Gold gehaltenen Farben schon weithin das Publikum zum Anschauen heran. Ein Schild hier hat die notwendige Aus- klärnng auf die denkbar einfachste Formel gebracht, nämlich:„Der Weg der Genossenschast führt zur Gemeinwirlschast!" Reform der Männerkleidung. Nach Londoner Meldungen haben sich dort männliche Berufs- organisationen zusammengeschlossen, um als Männerklcider-Resorm- Vereinigung gegen den Zwang des althergebrachten M ä n n e r a n z u g s zu rebellieren. Kürzlich veranstaltete diese Vereinigung einen Propagandaumzug, in dem nur Männer mit offenen Krage n Hemden ohne Schlips zu sehen waren. Daß diese neue Mode— wenn man von einer Mode in diesem Sinne sprechen will und nicht von einer gesundheits-hygienischen Wandlung— mit der nötigen Energie durchgedrückt wird, beweist die Teilnahme der Frauenwelt, die diese Reform in Tausenden von Briefen lebhast unterstützt. Die besten Schneider- und Herrenartikel- gcschäste hatten ebenfalls ihre Schaufensterauslagen dem löblichen Zweck zur Verfügung gestellt und wollten beweisen, daß«in Mann ohne Kragen und Schlips ebenfalls gut aussehen kann.— Auch in Berlin sind diese Versuche bereits gemacht worden, ohne daß sich jedoch die Reform richtig durchsetzen will. Die„H o f s n u n g", das von Arbeitern und Angestellten geschaffene genossenschaftliche Bekleidungsunternehmen, ist ein eifriger Vertreter einer„Männer- kleiderreform" in der hier bezeichneten Weis«. Das„I o n n y h emd", wie es aus Amerika kommt, und das bequeme„Oxfordhemd" liegen schon seit einigen Jahren der Kundschaft vor. Bei der Sport- kleidung verbietet es schon der gesund« Sinn, geschlossene Kleidung zu tragen. In den Stoffen, die zu fertigen oder Maßanzügen für den Sommer oerarbeitet werden, wird der poröse leichte Stoff bevor- zugt, der an Haltbarkeit und guter Qualität nichts zu wünschen übrig läßt. Vielleicht muß bei uns wie in allen Dingen auch die Arbeiterschaft in dieser Reform vorangehen. Notwendig aber wäre, daß ein Unternehmen wie die„Hoffnung", vor allem aber unsere Arbeiterjugend-, Gesundheit?- und Sportorganisationen diese Fragen einmal öffentlich behandeln. Oas neue Postmuseum. Vor einigen Tagen wurden die Tore des Reichspost- museums wieder geöffnet, nachdem es gründlich erneuert wurde. Das Telephonamt ist mit vielem veralteten Material zusammen verschwunden. Obwohl verhältnismäßig wenig Apparate heraus- genommen wurden, ist doch durch geschicktes Zusammenstellen mehr Raum gewonnen. Der Gesamteindruck ist heller und freundlicher geworden, im ganzen Gebäude herrscht eine vornehme Ruhe, die gerade das Ziel eines sonst leicht zerstreuenden technischen Museums ist. Die Kunst ist jetzt auch zu ihrem Recht gekommen. Ueberall geben Gemälde an den Wänden einen har- manischen Abschluß. Diese Bilder waren wohl schon vorhanden, aber sie hingen bisher unglücklich. Auch eine Deckenmalerei ist jetzt sichGar geworden. Gemälde, die durch handdicke Goldrahmen er- drückt waren, sind künstlerisch im Treppenhaus in die Wand ein- gelassen. Die Zusammenstellung der Schaukästen wurde der Architek- tur und dem Licht angepaßt. So sieht man jetzt einige Kostbarkeiten, die früher nicht exponiert genug standen, wie z. B. einen schönen goldenen Tragschrank aus China. Die früher ermüdende, un- organische Zusammenstellung von Po st hausschildern wurde Übersichtlich in einem längeren Gang untergebracht. So wirkt jetzt jedes Schild für sich künstlerisch und die chronologische Aneinander- reihung läßt denn auch die politische und geschichtliche Entwicklung einmal in der Richtung„Preußen-Reich" und dann anderer deutscher Staaten erkennen. Die früher bis zur Decke hinauf an die Wand gehängten B r i e f k ä st e n sind ebenfalls in erreichbarere Zonen gerückt. Der erste wurde 1824 angebracht und mit allgemeinem Interesse bewundert. Endlich Hot man jetzt auch einmal eine echte alte Postkutsche vor Augen. Ihre Geschichte ist interessanter als ein Wallace-Roman. Von der hohen Postbehörde wollte sie 80 Jahre lang nichts wissen (übrigens gegenseitig) und nun entdeckte und erstand ste die Hohe Obrigkeit bei einem Schmied. Ueberall war sie mit Gras bewachsen, aber heute steht sie wieder schmuck da.— Den vielen Modellen wurde durch oft unbedeutende Zutaten Leben eingeflößt, in die Eisenbahnwagen z. B. kamen Briefe und kleine Einrichtungsgegen- stände.— Die Schweden zeigen str ihrem Kasten auch eine Morl« wasfe, hoffentlich rechnen sie nicht noch heute mit Texas-Jack, Manieren ihrer Landbewohner! Die sehr schönen russischen Modell- gruppen stehen jetzt sehr hell und sind darum besonders gut an- zusehen. Neu ist die Einrichtung der F u n k a b t e i l u n g mit 600 Apparaten, angefangen mit dem Nadeltelegraphen des Schilling von Cannstadt, 1833. Ein modern eingerichteter Vortragsraum dient durch» schnittlich täglich 100 Personen zu den Vorführungen um 13 Uhr- Wetter für Berlin. Unbeständig und kühl, noch Regenschauer, zeitweise auffrischende, nordwestliche Winde. Für Deutschland: Ueber« all unbeständiges und kühles Wetter, besonders im Norden noch viel, fach Regenschauer. diontss, 8. Juli. Berlin. 16.00 Gustav Hochstetter: Der Notizzettel im täglichen Leben. 16.30 Regierungsrat Schöny: Ein Besuch bei der Londoner Polizei. 17.00 I. Chopin: Sonate B-Moll(Luise Gmeiner. Flügel).— 2. Tschaikowsky Elli Sendlcr, Alt).— 3. Liszt: Etüde F-Moll(Luise Gmeiner).— 4. Strauß(Elli Sendler). Anschließend: Tee-Musik(Hotel Kaiserhof). Anschließend Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. -19.00 Dr. med. Ernst Rothe: Wir reisen, 19.30 Erich Pommer: Der Tonfilm. 20.00 Notizen(Sprecher; Alfred Kerr). 20.30 Internationaler Programmaustausch. Uebertragung von Budapest. Konzert. 1. Erkel: Ouv.„Hunvadi Laszlo"(Orchester der ung. Oper. Ltg: Kapelim. Tibor Polgar).— 2. Dohnänyi: Streichquartett Des-Dur. 3. a) Dohnänyi: Mnrschhumoreske; b) Dohnänyi; Pastorale; c) Liszt: Valse impromptu; d) Liszt: Consolation Des-Dur; e) Liszt: Ungarische Rhapsodie Nr. 13(Ernö Dohnänyi, Klavier).— 4. Kodaly:„Palotas44 aus der Oper„Hary Janos"(Orchester der ungar. Oper). 5. Konzert der Zigeunerkapelle B�Ia Radios mit„Tärogato,4-Solo,— 6. Liszt: Rhapsodie Nr. 2(Orchester der ung. Oper). 22.30— 0.30 Tanzmusik. Während der Pause: Bildfunk, Königswusterhausen.� 16.00 Französisch(kulturkundlich-literarische Stunde), 16.30 Dr. H. Hofer: Die Rokoko-Oper. 18,00 Dr. Langheinrich-Anthos: Deutsche Meisterkomödien. 18.30 Prof. Dr. Degener: Zoologische Beobachtungen in der Umgebung von Berlin. 18.55 W. Barnbcck: Deckung des Saisonarbeiterbedarfs in der Landwirtschaft. 19.20 Carl Meißner: Reise durch Fwinland. 20.00 Unterhaltungsmusik. 20.45 Vom Wandsbecker Boten(Artur Kraußneck. Rezitation). 21.15 1. Joh. Seb Bach: Sonate G-Dur.— 2. Joh. Brahms: Sonate A-Dur, op. 100:(Prof. Havemann, Violine, und Paul Höffer, Flügel). Anschließend bis 0.30 Uebertragung von Berlin. Verantwortl.*üt die Redaktion: Wolfgang Schwarz. Berlin; Anzeigen: Th. SloSe, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckcrei und Derlagsanstalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW 68. Lindenftrake 3. Hierzu l Beilage. i Xltealec, Lidtlspiele usw.| ---- jj.-»ai.- Montag, 8. 7. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 172 20 Uhr Staats-Opor Am Pl.d.Republ. R.-S. 152 20 Uhr fidelio Montag, 8. 7. staut. Oper Bismarckstr. .'l/•'■ Geschlossen Staat). SdiaDspti. am Gendarmenmarkt GesAlm! Staatl.Sebiller-Theater,Ciiarttli. Geschlossen. S Uhr Barb. 8258 I»an Horn& inez, Barbe ttt mw. [ Tägl. S u. 813 Alex. 8066 I INTERNAT. VARIETfe Win� Quarren* 8 Uhr• Zenlr. 3818» Biadwn erlaub! firohe VarlelC-Miaii VolKsbUluie Dieater amBölowplati 8V. Uhr Berlin, wie es weint u. lacht SiaatsoperanPlaU der Bepnuilh 8 Uhr Fidelio Deotsdies Ibeater D.I. Norden 12 310 8 Us Ende gegen 11 Die Fledermaus Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung und Leitung E. W. Korngold. Aussfattg. L. Kainer Die KomSdie Jl Bisinck.2414/7516 8V«, Ende geg. IOVsU. Reporter Regie; Belm Hllpen. Rose- Thealer, Grobe Frankinrler Str. 133, OroOes Rosenfesg Beginn 4 Uhr Tanz im Freien, Feuerwerk uaw. g,is Uhr: Gräfin Marisa Große Operette von Kälman Im Innenltteater: Taglich 8,15 Uhr; „OlAF" Tragödie eines Sportlers ReU Bamowsky-Bflhnen Theater in der KBniggrätzer Straße Bergmann 2110 Täglich BVt Uhr Rival en Komödi.nhaua Norden 6304 Täglich 8>/i Uhr Hodiieitsreise Sommerpreise! Theater am Sflilttdauerdamm Norden 1141 u. 281 S'/c Uhr Grnppe langer Schauspieler Revolte im Erziehungshaus (Urantiatninos- Deseunnn) Am 5. Juli verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser treusorgender Vater und Großvater, der Gastwirt Otto Niendorf im 56. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Hulda Niendorf. Berlin-Mariendorf, den 6. Juli 1929. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 9. Juli, nachmittags 3 Uhr, auf dem Gemeindefriedhot in der Friedenstraße statt. Vach:„(Enf' «Igeahe me- enthält ca. 40 Bauzeichnungen. Ansichten, Roftenangaben für Ein» und Mehrfamilienhäuser und zeigt den Weg, wie sich jeder durch äffenti. und gemein- wirtschaftliche Finanzierung ein eigenes Hau» mit 500 M. Eigen- fopital auf je 10 000 M. Bauwert erbauen lasten fann. Nach- nähme NM. 2.00 und Porto. Derlag Terhorst 4 So., R.-®.. Halle o. S. SW 47, Schwetschfestr. 38 ROtren. Fiitci ErsatzMIIt Preisliste gratis KoblankzCo. Pumpenfabrik BERLIN II BS, Rtipidteiidorfir Str. 95 Möb.ei Potenlmatsoken»B timissiina". Metall- betten. AuflegematraRcn, Chaiselongues. Walter. Stargarderltraste achtzehn,«ein Laden' Tuest, um KoltO.Tor Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Elitesanger Neues Proararnra! Ab 17.-31. 7. Gastspiel der 9 Original leipxiaer Frlii-Weber-sanoer Netropol-Th. Tägl. 8Vc Uhr Sonntags S'/s u. S'/c Blaubarl Operette von Offenbach Kammersänger Leo Slezak Theat. d. Westens Täglich SV» Uhr Sonntag 3lh u. SV* Franz Lehars Weiler folg! FriederiHe Ilse Muth, Hanns Wilhelm Telephon Steinplau 0931 u. 5121 Abends 1 6| Uhr Slellincr Sänger mit dem idiOoen lull-Pro- .»ramm(nur noch bis 15.7.) 'Ab 16. 7.: Gastspiel der Dresdner Victoria-Sänger Dönhoff- Brettl: (Saal und Garten) 1 Variete t Tanz: Ordi. Ad. Bedser »I««»«««»»»» Sommer-Qarten-Theater Berliner Prater N 58, Kast-AIlee 7-9. Tel. Hb. 2246 GastSDiel Gauel Beer. Gietei Lilien Zarewftiscla Operette von Franz Lehär Dazu der grobe VarietäieiL Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Variet« 8 Gill. Operelte 8.30. leden Donnersiag g rollet Volksiag. Jed. Mittw Kinderfest n. Verlasnag ••••eeeeeeoeeeeeeeeee Loslspielhaas Täglich 8-Ä Uhr Revolntion bei SteriTs Rundfunkhörer halbe Preise. Wims zur Miete W50, Ansbachers tr.I Berliner IIUt-TrlO Naukölla. w Utuutr.7i/7S<- Tziehung 16- unck 17. 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