Morgenausgabe Nr. 315 A 159 46.Iahrgang «icheiiwch»PI. monatlich VL tm voraus zahlbar. Postbezug 4LZ M. einschließlich 60 Pfg. Postzeiwngs- unb 72 Pfg Postbestellgebühreu. Puslanb» abonnement S.- M. pro Monat. Der.Lorwätt,' erschei«»ochentSg. lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Zldendausgadea für Derlm und tm Handel mit dem Titel.De? Ldenb* Illuftnerte Beilagen.Boll und Zeif und.Kinderfreund'. Ferner "nterhaltung und Wissens.Frauen» nme-.Technik'.Blick in die bücherwelt' und.Fugend-Dorwärts' Vevttner Vottsvlatt vienstag 9. Zu» 1929 Groß-Äerlin IP pf. Auswärts 15 pf. Sit«lalyalttgt RonpanlUtjtD« 10 Pfennig. Stenomelelle 6.— Reich» Morl„Kleine Snjeiaen' da»(enge- druck«. War« 2S Pfennig(guiäffig zwei fettgedruckte Sorte), teile, weitere Wort 12 Pfennig. Etellengefuch, da» erfle Wort ES Pfennig, jede» wettere Wart 10 Pfennig Worte Oder ES Buchfladen iihien für zwei Worte Arbeitsmartt eile»0 Pfennig. Familfenanzeigen Zeile »Ig. 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Es han- delt sich dabei nicht um gelegentliche Eingemeindungen ein- zelner oder mehrerer Gemeinden in eine benachbarte Stadt, die Vorlage bedeutet vielmehr die bewußte kommu- nalpolitische Neugliederung eines großen Gebietes mit rund 6,3 Millionen Einwoh- n e r n, die infolge einer rapiden wirtschaftlichen Entwick- lung in städtebaulicher, verkehrstechnischer und wohnungs- hyg'enischer Einsicht unerträglich gewordene Mißstände auf- we'st. Der Aussibuß hat eine umfangreiche Vorarbeit leisten müssen, um die Vorlage an den Landtag zu bringen. Die Vertreter der kommunalen Körperschaften des Umgemein- dungsgebietes wohnten auf den dichtbesetzten Tribünen der Verhandlung bei. Die Vorlage weist drei Hauptgesichtspunkte auf: Schaffung von Wohn- und Siedlungsgelände für die über- völkerten Großstädte. Bildung leistungsfähiger Verwaltungs- bezirke zur Durchführung dringend notwendiger Verkehrs- technischer und sozialer Aufgaben. Vereinfachung des ge- samten Verwaltungssystems durch die Vereinigung Wirtschaft- lich zusammengehöriger Städte und Landkreise. Die Vorlage sieht in manchen Fällen Zusammenlegungen vor, die auf den ersten Blick als hart erscheinen, die aber im Hinblick auf die Durchführung des Grundgedankens der Vorlage geboten sind. ' Selbstverständlich ist es nicht möglich gewesen, alle Wünsche der Bevölkerung in den einzelnen Gebietsteilen zu berücksichtigen. Die wichtigsten Veränderungen, die durch die kommunale Neugliederung im Industriebezirk eintreten, sind die Der- «inigung von Barmen und Elberfeld, und die Zusammenlegung von fünf Städten des Bergischen Landes: Solingen, Höhscheidt, Ohligs, Gräfrath und Wald. Ebenso werden vereinigt Hamborn mit Duisburg. Die Zu- sammenlegung von M.-Gladbach mit Rheydt fand leider keine Mehrheit. Eine ganze Reihe von Landkreisen sollen ganz aufgelöst und ihre Gebiete den benachbarten Groß- städten zugeteilt oder mit anderen Restkreisen zu neuen, großen Landkreisen zusammengelegt werden. So der Land- kreis Hörde, der bis auf einen Rest, der mit dem Land- kreis Iserlohn vereinigt wird, in die Stadt Dortmund auf- geht. Land- und Stadtkreis Bochum und Landkreis Hattin- gen werden mit dem Landkreis Schwelm und dem Rest des Landkreises Hagen zu einem neuen Eennepe-Ruhrkreis zu- sammengelegt. Der Rest des Landkreises Lennep, von dem der größte Teil der neuen Wupperstadt(Elberfeld-Barmen) und der Stadt Remscheid zugeteilt wird, soll mit dem Rest- kreis Solingen zu einem neuen Südkreis vereinigt werden. Auch der Landkreis Essen geht bis auf Kettwig in die Großstadt Essen auf. Kettwig wird mit den Resten der Landkreise Mettmann und Düsseldorf zum neuen Nordkreis zusammengeschlossen. Interessant ist auch die Zusammenlegung von folgenden Städten im Gebiet der Gute-Hoffnungshütte: Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld werden künftig ein Stadtgebilde sein. Die Städte Mülheim(Ruhr), Duisburg-Hamborn. Düsseldorf und Barmen-Elberfeld werden durch erhebliche Zuteilungen aus den Landkreisen Düsseldorf und Mettmann vergrößert. Linksrheinisch werden aus den bisherigen Land- kreisen Neuß, Grevenbroich, M.-Gladbach, Krefeld zwei neue Landkreise gemacht, der Süd- und Nordkreis linksrheinisch. Di« Landkreise Geldern, Cleve und Mörs bleiben im wesent- lichen unverändert: eine von Duisburg gewünschte Zutei- lung' von einigen Orten aus dem Landkreise Mörs fand keine Mehrheit. Im Regierungsbezirk Münster beschränkten sich die Aen- derungen auf eine kleine Zuteilung aus dem Landkreise Recklinghausen an Gelsenkirchen-Buer und einige Grenz- berichtigungen zwischen Recklinghausen-Stadt und-Land. Nach den Ausschußbeschlüssen ist die Regierungsvorlage nur wenig verändert worden. Es ist anzunehmen, daß sie in ihren Grundzügen auch die dritte Lesung passieren wird Für die betroffenen Städte und Kreise wird es intensiver Arbeit bedürfen, nunmehr die notwendigen Verwaltungs- arbeiten so zu beschleunigen, daß im Herbst die Neu- wählen zu den kommunalen Körperschaften stattfinden können. Termin der Kommunalwahlen. Voraussichtlich der 17. November. Ja der demokratischen Presse wurde gestern abend gemeldet, daß der Termin für die Wahlen zur B e r» liner Stadtverordnetenversammlung und sür die preußischen Gemeindewahle» aus den 17. November festgesetzt sei. Diese Meldung eilt den Tatsachen voraus. Die Preußische Staatsregierung wird erst nach der Verab- schiedung der Umgemeindungsvorlage endgültig über den Termin Beschluß fassen, jedoch ist der 17. November in Aussicht genommen. 4» Die Frage nach dem Wahltermin für die Kommunal- wählen in Preußen wird seit mehr als zwei Iahren allgemein diskutiert. Zum letztenmal wurden die Gemeindeparlamente im Mai 1924 neu gewählt. Seitdem sind sie in Tätig- keit, und der Zeitpunkt der Neuwahlen ist infolge der ver- schiedensten Gründe immer aufs neue hinausgeschoben worden. In der Preußischen Verfassung fehlt nämlich eine der wichtigsten und zweckmäßigsten Bestimmungen, die Fest- setzung der Lebensdauer der Kommunalvertretungen. Der Preußische Landtag hat infolge dieses Fehlens einer festen Zeitspanne die Verpflichtung, durch Gesetz die Neuwahlen zu regeln. Leider hat er das bisher nicht getan. Versuche der preußische� Regierung sind wiederholt fehlgeschlagen. Heute kann man ohne Uebertreibung feststellen, daß im übergroßen Teil der preußischen Gemeinden eine Ueberalterung der gewählt e-n Körperschaften bemerkbar wird, die dringend zu Neuwahlen Veranlassung geben sollte. Immer wieder haben sich Hindernisse aufgetürmt, die einer Ausschreibung der Wahlen den Weg versperrten. Ein- mal war es die Eingemeindung der Gutsbezirke, die in Preußen eine kurzfristige Hinausschiebung des Zeitpunktes wünschenswert erscheinen ließ und deshalb vom Ministerium selbst begründet wurde. Obgleich allgemein auf Grund lang- jähriger Erfahrung die Auffassung vertreten wird, daß die Gemeindeparlamente eine vierjährige Wahl- Periode haben sollen, die man auf keinen Fall über- schreiten will, ist doch alles anders gekommen. Zentrum und Deutsche Volkspartei haben mehrfach mit den verschiedensten Begründungen diesen ihren eigenen Standpunkt aufgegeben und gegen den Wunsch der sozial- demokratischen Landtagsfraktion in Preußen den Wahl- termin hinausgezögert. Wenn wir richtig informiert sind, haben sie dabei die Unterstützung der Geheimräte aus den höheren Verwaltungsbehörden gehabt, obgleich im Herbst die in Frage kommenden Körperschaften fünfeinhalb Jahre im Amte sind und durch die ganze Tätigkeit den Beweis er- bringen, daß ihre Erneuerung keinen Aufschub mehr verträgt. Abgesehen von den Hemmungen in der Arbeit macht sich bei allen Verhandlungen und öffentlichen Sitzungen die seit Jahr und Tag vorhandene Rücksichtnahme auf die bevorstehenden Wahlen bemerkbar. Dazu kommt die Tatsache, daß die heutige politische Zusammensc' ig in den meisten Fällen kraß der wirklichen Stimmung in der Beoöl- kerung widerspricht und dadurch ein Zustand her- aufbeschworen wird, der zur Verärgerung führt. Große Teile der Wählerschaft haben im Laufe der letzten fünf Jahre ihre Einstellung zu den Magistraten und Gemeindeaus-> schüsien grundlegend geändert und stehen heute zu den aus- führenden Organen der Kommunen in Widerspruch. Deutschland und die Konferenz. Ein Zniefview Giresemanns. Reichsminister Dr. Stresemann, der sich zurzeit zum Kuraufenthalt in Bühlerhöhe bei Baden-Baden befindet, empfing den bekannten Außenpolitiker des Matin, Jules Sauerwein, und gewährte ihm nachstehendes Interview: „Ich habe den Eindruck, daß schon recht viel Zeit aus die rein formalen Vorfragen der Einberufung der Regie- rungskonferenz verwendet worden ist. Die Weltöffentlichkeit kann es nicht gerade als«inen glücklichen Austakt zu dieser Konferenz empfinden, wenn die Ansichten über Ort und Zeit noch immer hin und her gehen. Ich hoffe daher, daß diese Diskussion, die angesichts der Wichtigkeit der zu regelnden Problenie doch nur von untergeord- neter Bedeutung ist, nunmehr schnell zum Abschluß gelangt. Jedenfalls bin ich der Ansicht, daß wir vor Ausgaben stehen, die die höchsten Lebensinteressen der Völker berühren, und da scheint es inir nicht gut, die starke politische Spannung, unter der in den einzelnen Ländern Oesfentlichkeit und Parlamente nun schon seit mehr als einem halben Jahre stehen, ohne Rot zu verlängern. Auch die Wirtschaft hat einen Anspruch darauf, daß die Unsicherheit von ihr genommen und daß sie in die Lag« versetzt wird, neue Aktivität zu entwickeln. Ich halle es deshalb auch nicht für zweckmäßig, die Regierungs- Verhandlungen in mehrere Etappen zu zerlegen, wozu nach Zeitnngsmeldungen an manchen Stellen anscheinend Neigung besteht. Das würde die herrschend« Spannung noch weiter steigern und für jedes der beteiligten Länder Gefahren außenpolitischer und innenpolitischer Art in sich schließen. Sie kennen Sinn und Richtung der von mir vertretenen deut- sehen Außenpolitik zu gut, als daß ich Ihnen darzulegen brauchte, warum ich in der bevorstehenden Konferenz einen entscheidenden Punkt für die gesamte Gestaltung der internationalen Beziehungen sehe. Es ist jetzt der Augenblick gekommen, aus der politischen Entwicklung der letzten Jahre das Fazit zu ziehen. Dieses Fazit ist durch die Lage der Dinge so genau vorgezeichnet, daß darüber tiefgehende Meinungs- Verschiedenheiten nicht möglich sein sollten. Die hauptbeteiligten Regierungen haben die Reparationsfrage zunächst in die Hände der Sachverständigen gelegt und sind nun im Besitz der von ihnen einstimmig beschlossenen Vorschläge. Niemand konnte erwarten, daß diese Vorschläge in Deutschland von Regie- rung und Parlament mit Jubel begrüßt werden würden. Die ernsten Bedenken, die in Deutschland gegen die Bemessung unserer künftigen Lasten laut geworden sind, können nur al» ein Beweis dafür verslanden werden, daß wir es mit der Durchführung unserer finanziellen Verpflichtungen ernst nehmen. Nur ein Schuldner, dem es lediglich auf augenblickliche und vor- übergehende Erleichterung ankommt, wird geneigt fein, über den Gesamtbetrag der ihm auf lange Dauer auferlegten Lasten leicht hinwegzugehen. Die Worte, die ich in dieser Beziehung während der letzten Reichstagsdebatte gesagt habe, sind aus Grund einer völlig entstellten Berichterstattung, namentlich der Havaskorrespon- denz, dazu benutzt worden, um meine Einstellung gegenüber dem Poung-Plan zu kritisieren. Es ist leider nicht das erstemal, daß eine außenpolitische Rede, die ich halte, in entscheidenden Teilen so«viedergegeben wird, daß ich eine solche Art der Berichterstattung nur als leichtfertig ansehen kann. Man kann die Haltung, die die Reichsregierung und die überwiegende Mehrheit des Reichs- tags gegenüber dem Plan einnehmen, nicht besser zum Ausdruck bringen, als Herr Reichsbankpräfident Schacht selbst dies neulich in München getan hat. Er hat gesagt: „Der Umstand, daß die deutschen Sachverständigen sich dem llr- tell der übrigen Konserenzmitglieder über die wirtschaftliche Trag. barkell der Doung-Annuitäten nicht hätten anschließen können, entbinde uns und alle verantwortlichen Stellen in Deutschland nicht von der Verpflichtung, in ehrlichster weise und mit ernstem Nachdruck alle Bemühungen darauf zu richten, die Zahlungen aus dem Joung-Plan zu erfüllen." Es ist klar, und auch der Herr Schacht hat das an dieser Stelle seiner Rede betont, daß der Erfolg unserer Bemühungen um Erfüllung des Sachverständigenplans nicht allein von uns abhängen wird. Er wird davon abhängen, ob die i n t e r n a t i o- nale Zusammenarbeit die anderen Mächte zu einer Wirt- schastspolitik gegenüber Deutschland führt, die eine Steigerung des deutschen Exports zuläßt. Es wird ferner aber davon abhängen, daß der Poung-Plan uns in der politischen Entwicklung einen Schritt vorivärts bringt. Wir können die Regelung der Repara- tionen auf der Grundlage des Paung-Plans nicht als ein isoliert zu behandelndes Problem ansehen. Das. was«vir als Ausgabe der Konserenz betrachlen, ist vielmehr neben der Regelung der Reparationen die Regelung der- jenigen politischen Fragen aus dem wellkrieg, die feit langem akut sind, bisher aber leider nicht zu einer Lösung gebracht werden konnten. Das ist der Inhalt des bekannten Beschlusses, in dem das Reichs- kobinett zu dem Sachverständigenbericht Stellung genommen hat. � Jeder weiß, daß nrir damit die Regelung der R h e t n l a n d s> und der Saarfrage gemeint haben. Die letzt« Reichstagsdebatte' hat der Oesfentlichkeit auch gezeigt, daß in diesem Punkte das Par- lament geschlossen hinter der Regierung steht. Ich möchte Ihnen nicht noch einmal den von der Regierung und dem Reichstag stet« einmütig angenommenen Standpunkt wiederholen und begründen, daß Deurschlond einen Anspruch auf endliche Befreiung seines Staatsgebietes und auf volle Wiederher- st e l l u n g seiner Souveränität hat. � Wir haben stets be> wnt und halten auch jetzt noch daran fest, daß wir die Erfüllung dieses Anspruchs unabhängig von der Regelung anderer Probleme fordern dürfen. Nachdem sich ober die uns gegenüberstehenden fremden Regierungen ihrerseits zu einer Crsüllung jener deutschen Forderungen vor der Regelung der Reparationsfrage nicht bereit gefunden hoben, ist es für Deutschland eine Selbstverständlichkei l. daß ihm jetzt umgekehrt nicht zugemutet werden kann, bei der Regelung der Reparationssrage auf die Berücksichtigung jener längst crhobeaca politischen Forderungen zu verzichten. Ich kann es nicht verstehen, daß man es im Ausland teilweise als Ueberraschung empfunden hat, wenn Deutschland neben der als baldigen Mumung des Rheinlandes jetzt auch die Saarsrage aufwirft. Venn die Konferenz wirklich eine Gesamtliquidation der noch aus dem Kriege schwebenden Fragen bringen soll, kann sie keinesfalls an der Saarfrage vorbeigehen. Man darf sich keinen Täuschungen darüber hingeben, daß das Soar> gebiet unter dem jetzt geltenden Sonderregime nicht etwa eine Brücke zwischen Deutschland und Frankreich, sondern im Gegenteil eine Reibungsfläche darstellt, die durch Befreiung des Rheinlandes ihre Gefahr nicht verlieren wird. Es ist doch auch nicht richtig, den unmittelbaren sachlichen Zusammenhang zwischen der Saarfrage und der Reparationsfrage zu leugnen; denn das gegenwärtig« Sonder regime des Saargebiets hat nach dem Vertrag von Versailles fein eigentliches Motiv darin, Frankreich einen Ersatz für die Zerstörung seiner Kohlengruben zu sichern. Man kann deshalb nicht verkennen, daß das Saargebiet gegenwärtig in erster Linie Reparationsprovinz ist. Ich möchte daher hoffen, daß sich auch die anderen Regierungen, insbesondere die französische Regierung, von der Notwendigkeit der Inangriffnahme des Saarproblems überzeugen werden. Es ist nicht notwendig, daß das Problem auf der bevorstehenden Regierungskonferenz schon in allen seinen Einzelheiten endgültig geregelt wird. Wenn sich deutsche und französische Vertreter mit gutem Willen an den Verhandlungs- tisch setzen, so braucht«ine alle Teile befriedigende Lösung durchaus nicht auf große Schwierigkeiten zu stoßen, da eine Erfüllung der deutschen Wünsche vollständig«ine Berücksichtigung der legitimen französischen Interessen zuläßt. Keinesfalls sollte man die Inangrist. nähme des Problems an Bedenken formaler Natur scheitern lasten. Es kommt allein auf den politischen Willen an, an das Problem überhaupt heranzugehen. Ist dieser Wille da. so wird die Form der zu treffenden Vereinbarung keine Schwierigkeiten machen. Frankreich lehnt London weiter ab. Frankreichs An t w o r t auf die letzte englische Note wird, wie Haoos offi.ziös meldet, sich mit dem Termin von Anfang 2s u g u st einverstanden erklären, dagegen in bezug aus einen neu. r r al e n Tagungsort festbleibcn. Hinsichtlich des Verfahrens wirh die Antwortnote vor- schlagen, daß auf der Konferenz separate Organismen gleich. z e i ti g über Reparationen, Vergleichskommission und Rheinland- räumung oerhandeln. Oer Kampf um die Außenpolitik. pariser Kommissionen bereiten die Kammerdiskussion vor. Parl». 8. Juli. lEigenbericht.) Die lang erwartet« Debatte in der sranzösijchen Kammer über die Ratifikation der Schuldenabkommen, den Poung-Plan und wahrscheinlich auch die R h e i n l a n d r ä u m u n g wird nunmehr, wenn nicht in letzter Stunde«ine Verschiebung ein- tritt— am Donnerstag nachmittag beginnen. Inzwischen bereiten sich die Finanzkommission und die aus- wärtige Kommission fieberhast aus die kommende» Entscheidungen ror. In der Finanzkommission wird der neu ernannte Bericht- erstatter über die Schuldenabkommen, De Ehappedeleine, bereits am Dienstag seinen Bericht vortragen. In ihm wird ent- sprechend den Wünschen der Kommission die Aufnahine der Vor- behalte in das Ermächtigungsgesetz selbst empfohlen. Verhinderter putsch in Rumänien. 200 Offiziere verhastet. Linier allen Ltmständen— Räumung! Vor oder mit Reparationsregelung. London, 8. Juli(Eigenbericht.) Der englische Außenminister erwiderte am Montag im Unter- Hans auf eine Anfrage über die Frage der Räumung der Rheinland«:„Di« britisch« Regierung ist ängstlich daraus bedacht, daß die Räumung so früh wie möglich stattfindet. Ihr Ziel ist. mit der belgischen und französischen Regierung zusammen- zuarbeiten, um ein« gleichzeitig« Räumung zu ermöglichen. Es würde eine Aufgabe der internationalen Konferenz sein, die bald -usamm«ntrelen soll, das genau« Datum festzustellen, an dem die vollständig« Räumung d«s Rheinland«? gleichzeitig von den drei Besatzungsmächten ausgeführt werden kann." Der liberale Abgeordnete Horc-Belisha fragte den Außen- minister:„Ist die Frag« der Rheinlandräumung nicht mit der R«- parationssrage verknüpft?" Henderson antwortete:„Ja. bis zu einem gewissen Grade: wenigstens ist diese Verbindung beim Doung-Plan hergestellt worden, der der von mir früher erwähnten Konferenz zugrunde liegen wird." Als der Abgeordnete Hore-Belisha hierauf eine eindeutige Erklärung fordert«»nd fragte, ob diese Antwort bedeute, daß das Rheinland nicht eher geräumt werden würde, bis di« Reparationsfrage geregelt sei, antwortete Henderson mit nach- drücklicher und unmißverständlicher Betonung:„O nein, es wäre ein große» Mißverständnis, zu einem derartigen Schluß zu kommen." Oer Wahlrechtskampf in England. London, 8. Juli.(Eigenbericht.) Di« in der Thronred« angekündigte Untersuchung über die Wahlrechtsreform war am Montag Gegenstand einer neuen Aussprache zwischen dem Ministerpräsidenten Macdonald. dem konservativen Führer Boldwm und dem Führer der. Liberalen Lloyd George. Die Aussprache bezog sich auf den Inhalt der Unter- luchung. die Art der Enquete»nd die Persönlichkeit des Vorsitzenden. Di« O-ssentlichkeit Hai bisher immer nach keine Klarheit darüber, ob die von der Regierung geplante Wohlrechtsr«sorm lediglich auf«ine Beseitigung der Pl u r al st i m m- n und der Universitäissitz« abzielt. oder ob ein« weitgehende Reform, die etwa die Elnsühruag von Stichwahlen oder dergleichen geplant sind, vukareft. 8. Juli(TU.). Der rumänische« Regierung wer es seit einiger Zeit bekannt, baß gewisse Milttärkreise einen Staats- streich beabsichtigten. Um biese Kreise einzuschüchtern. sprach Ministerpräsident M a« i u in seiner Rede am Freitag davon, daß jeder, der di« verfassungsmäßigen Zustände des Landes nicht respektierte, auf die eherne Gewalt des Staates stoße« werde. In der Rächt auf Montag sollte der Staatsstreich verübt werden. Der ehe» malige Kriegsminister und Hofmarschall Angelesen war als Ministerpräsident ausersehe«. Die Regierung hat jedoch schneller zugeschlagen und noch im Laufe dieser Nacht und am Montag vormittag zahlreiche ver- Haftungen vorgenommen. Bis jetzt sind etwa 2 0 0 aktive und Reserveoffiziere ins Militär» gefängnis eingeliefert worden. Darunter befinden sich u. a. General Brosteanu, Oberst Sturdza. Oberst Stoica sowie zahlreiche andere hohe Offiziere. General Angeleseu. der Leiter der Bewegung, ist vorläufig mit Hausarrest bestraft worden. Die Regierung ist Herrin der Lage. Im ganzen Lande herrscht Ruhe. Bratianu als Orahizieher? Bukarest. 8. Juli. Wie bereits gemeldet, ist es der Press« verboten, über die Er- eignisse in Bukarest zu schreiben. Di«„E p o c a", di« trotzdem eine kurze Meldung über die Berhaftungen bracht«, ist deshalb be- schlagnahmt worden. Der„A d« v e r u l* bringt am Montag folgend« b«zeichn«nde Stelle: „Seit d«r Z«it, als Vintila Bratianu seinx Kampagne begann, haben sich Dinge ereignet, die von besonderer Wichtigkeit sind, und di« sogar den Derblendetsten di« elementaren Aufgaben in Erinnerung rufen müssen, di« die Regierungsparteien zu erfüllen haben und die auf der Ueberzeugung aufgebaut sind, daß in Rumä- nien die Durchführung des parlamentarischen Verfassungszustandc» unerläßlich ist. Als Ministerpräsident Maniu am Freitag in der Kammer gesprochen hatte, war«s da nicht unglaublich naiv, wenn Duca, der früher« liberal« Innenminister, an ihn die Frage stellte:„Mit wem kämpft ihr eigentlich, und wen bedroht ihr?" Herr Duca kann damit entschuldigt werden, daß er damals von nichts wußte. Diesen Entschuldigungsgrund kann Herr Bratianu nicht für sich fordern, jedenfalls kann heute niemand, weder der eine noch der andere. Unkenntnis oder Richtbedachtfamkeit vortäuschen." Von niemand bemerkt, nimmt damit der„Zldeverul" klar« Stellung zu den heutigen Ereignissen Und läßt durchblicken, daß der ehemalige Ministerpräsident Bratianu von den Diktoturabsichten gewisser Offizierskreis« informiert war. Damit im Zusammen- hang steht auch das Gerücht, wonach der ehemalge Kriegsminister in der Regierung Bratianu und jetzige Generalinspektor der Armee, General Mardarescu, ebenfalls an dem Diktaturkomplatt be- teiligt sein soll. Eine Bestätigung dieses Gerüchts war jedoch nicht zu erlangen. Hitler wieder für Bünger! Nachdem er bei den Marxisten abgeblitzt ist. München, 8. Juli.(Eigenbericht.) Jetzt endlich, nachdem Adolf Hitler persönlich die inneren Verhältnisse seiner sächsischen Filiale untersucht und Rücksprache mit den ehemaligen Marineoffizieren von Mücke und Killinger, die in Sachsen die Hakenkreuzpolitik machen gepflogen hat, findet der„Völ- fische Beobachter" die Sprache zu dem kompromittierenden Mücke- Brief. Die Dienstagnummer des Blattes enthüll einmal eine lange Er- klärung Hitlers, aus der hervorgeht, daß Mücke seinen Brief tatsäch- lich„nach erfolgter Berständigung mit der natio- nalsozialistischen R c i ch sl e it u n g", also Hitlers selbst, an die sozialdemokratische und kommunistische Fraktion des Sächsischen Landtages geschrieben hat. Da» soll angeblich aber nur deswegen ge- schehen sein, um aus den beiden marxistischen Parteien«ine Aeuhe- rung herauszubringen, wi« dos Schicksal der notionastozialistlfchen Bewegung wäre, wenn statt der bürgerlichen eine marxistische Re> gierung ans Ruder käme. Ueber dies« kindliche Ausred« wird da» homerische Gelächter, das bei Bekanntwerden des Mücke-Briefe» in der ganzen politischen Welt ausbrach, von neuem anheben, denn es zeigt den Gernegroß-Politiker Hitler in seiner ganzen lächerlichen Größe. Seinem Aerger über die Absuhr, die die nationalsozialistische Reichsleitung durch die Ant- warten auf den Mücke-Bries bereits erlitten hat, macht Hitler dadurch Luft, daß er sich jetzt offen für die Duldung der Regie- rung Bünger erklärt, und zwar mit folgender Begründung: „So widerlich im einzelnen di« bürgerlichen Parteien sein werden, so ekelhaft ihr Geschiebe um Ministerstellen auch ist, so sicher sind sie trotzdem für die nationalsozialistische Bewegung da« kleinere Uebel." Schließlich kommt im„Völkischen Beobachter" noch K i l l i n g e r. der Nazisührer im Sächsischen Landtag zu Wort, um die Unter- stützung der Regierung Bünger zu verteidigen. Er erklärt das für notwendig, weil sonst die Große Koalition in Sachsen g«- kommen wäre oder noch kommen würde. Außerdem sei bei der Bil- dung dieser rein antimarxistischen Regierung den nationatsoziolisti- scheu Wünschen, daß kein Demokrat das Inn«nminist«rium ober das Kultusministerium besetzen werde, entsprochen und außerdem die Gewähr gegeben worden, daß auch die weiteren Forderun- gen berücksichtigt und erfüllt werden. Killinger bestätigt weiter, daß die Nationalsozialisten, sofern sie zur Besetzung des Innenministeriums aufgefordert worden wären, d«n Müuchener Hochverräter Fr ick präsentiert hätten. Anschließend fpiev Killinger noch den starken Mann und hält der geduldeten Regierung Bünger folgende Drohung unter die Ras«: „Sollte unter der jetzigen Regierung, falls sie den Dienstag über- steht, zum Beispiel ein Beamter oder Lehrer von sein«? oberen Dienststelle schikaniert werden, w«il er sich zum Hakenkreuz bekennt. dann rürke ich dem zuständigen Minister auf die Bude und erklär«. da? sind Tatsachen, wenn nicht binnen 24 Stunden von ihnen Abhilfe geschaffen ist, fliegt morgen die Regierung auf.". Unter diesen Umständen kann man nicht anders, als dem odlls- parteilichen Ministerpräsidenten Dr. Bünger ebenso aufrichtig wie herzlich zu gratulieren.* Vorwärts in der Handelspolitik. Das Kabinett berät neue Richtlinien. Die letzten agrarpolitischen Beschlüsse des Reichstags haben teil- weife in den deutschen Handelsverträgen verwüstend genzirkt. Der d e u t f ch- f ch w e d i f ch e L e r t r o g ist gekündigt, der deutsch- finnländische durchlöchert, der deutsch-französische abgc- ändert. Auf fast sämliche deutschen Handelsverträge haben di« agrarpolitischen Reichstagsbeschlüsse selbstverständlich eine starke Tin- Wirkung gehabt. Auf der anderen Seit« ist ein Teil der wirischasts- politischen Forderungen der Landwirtschaft erfüllt worden und der Reichslondbund schreibt selbst in seinem letzten Wochenheft mit Be- fnedignng davon, daß sich in der deutschen Wirtschastspolitit zu- gunsten der Landwirtschaft eine grundsätzlich« Aenderung vollzogen habe. So bedauerlich und gefährlich dos auch hinsichtlich der Handelsverträge ist und unter Umständen für die gesamte deutsche Wirtschaftspolitik noch wenden kann, so sind doch Forderungen der Landwirtschaft weitgehend befriedigt worden. Ueber die formelle Notwendigkeit hinaus, die Handelsvertroge der neuen Situativ» anzupassen, scheint das Reichskabinett, nachdem die Landwirtschaft befriedigt wurde, den Augenblick für «in« aktivere Handelsvertrogspolitik für gekommen zu erachten. Auch die Industrie, die jetzt, privat und für die Regierung un- verbindlich, mit polnischen Vertretern verhandelt, scheint ihre Handels- politische Aktivität erhöht zu haben. Iedenfalls beschäftigte sich da» Kabinett mit neuen Richtlinien für di« Zollverhandlungen. wobei auch die deutsch-polnifchen Handelsvertragsoerhandlungen mit einbezogen wurden. Jedenfalls, es ist allerhöchst� Zeit, daß di« Berantwort- lichen für die deutsche.Hondelspclitir Beweisen, daß sie auch etwas zustandezubringen vermögen. Das gilt nicht nur gegenüber Polen, sondern auch gegenüber der Tschechoslowakei und gegenüber O e st c rr c i ch. Oer Beschluß des Kabineiis. Hermes führt die Verhandlungen mit polen veiter. Amtlich wird mitgeteilt:„Da» Reich, kohinett beschäl- llgtc sich am Montag mit den vorarbeiten, die für die Einsetzung der gemäß dem Voung-Vlon vorgesehenen Organisation»- komitee? notwendig geworden sind. E» wurde serner die Frage erörtert, aus Grund derer der Reichsminister a. D. Herme» die Verhandlungen über den deutsch-polnischen Handel»- vertrag demnächst in Warschau wieder ausnehme« soll." Hermes wird also nicht erseht! Wels oder Lobe? Die Lüge ohne Konsequenz. In der kommunistischen Presie war kürzlich ein Interview ver- öfsentlicht, dos angeblich Genosse Wels gehabt hoben soll. E» durch- lies unter dem Titel ,.W e l s spricht mit einem Jungarbeiter" die kommunistische Prooinzpresse. Daß an dieser angeblichen Unter- redung auch nicht ein wahres Wort ist. versteht sich am Rande. Bezeichnend jedoch für die kommunistische Berichterstatter- objektioität ist, daß in der„Süddeutschen Arbeitcr-Zeitung", Stutt- gort(KPD.), am 20. Juni dos wortwörtlich gleiche Interview ver- öfsentlicht wurde, in dieser Zeitung aber unter dem Titel ,L ö b e spricht mit einem Jungarbeiter". Man sieht, die Wahrheitsliebe der KPD.-Preste ist grenzenlos. Oie Verlegenheii Klara Zetkin. Die kommunistische Zentrale verlegt sich auss Oemeniieren Von kommunistischer Seite werden di« Meldungen über Aus- schlußvorbereitungen gegen Klara Zetkin demen- tiert. Ein Rundschreiben de» Zentralkomitee?, in dem„der Partei Mitteilungen über Differenzen mit Klara Zetkin gemocht" worden sind, sei bisher nicht verschickt worden. Gewiß, die Mitglieder der KPD. sind bis heut« von der Parteileitting über die Meinung?- Verschiedenheiten Klara Zetkins mit Stalin und den Komintern nicht unterrichtet worden. Aber will di« kommunistische Press« auch di« Exifteiy eines geheimen, nur für die Pol.-Sekretär« dereinzelnenBezirkebestimmtenRundschreibens leugnen, in welchem Klara Zetkin„sozialdemokratische Aussassungen" und dt« Absicht nachgesagt werden, ihren Aufentholl in Deutschland nicht zu Kur-, sondern zu Fraktionszwecken zu benutzen? In dem Rundschreiben wird serner daraus verwiesen, daß Klara Zetkin „der Bewegung verloren" sei und ausdrücklich Anweisung gegeben. wie der Fall Klara Zetkin ohne Schaden für die KPD. liquidiert werven soll! Staatsmovopol für Bodenschätze und Zentrum. In unserer Somttagsausgabe berichteten wir über die Annahme eines Gesetzes im Preußischen Londtag, das dem Staate das alleinig« Zlneignungz. recht für Steinkohle. Erdöl usw. in den Provinzen Brandenburg, Sachsen usw norbeholt. Wie wir hierzu noch ergänzen hoben für den sozialdemokratischen Antrag, der die Entschädigung der Grund- eigentümer wesentlich einschränkt und namentlich den mühelosen Wertzuwach« ausschließt, außer der Linken auch einige Zentrumsabgeordnet« unter Führung des christliche« Gewerkschaftlers H o r j ch gestimmt. Kerienwetter. , Linter allem Gtresemann?�- ,Was heißt das?� Achtmal'n Silberstreifen am Horizonts Eiertanz um den �oung-plan. Kafil und Voegler sprechen bei den Gchwerindustriellen.- Paul �eusch's Angst um die Enkel. Nun ist auch die grobe demonstrative Tagung, die der Lang» I n a w- Verein für die Ruhr» und Rheinlandindustrte� zur Besprechung des Houng-Planes in Düsseldorf veranstaltet hat, vorüber.„Die führenden Männer der Wirtschast waren fast aus- nahmslos versammelt", so meldet der ausführliche Bericht des WTB. Aber diese führenden Männer der Wirtschaft haben kein erfreulicheres Bild von Verantwortungsbewußtsein dem deutschen Volk zu bieten vermocht, als bisher schon der Reichsverbond der Deutschen Indu- strie, der Bankenzentraloerband und andere deutsche Unternehmer. orgonisationen, als ste zum Houng-Plan Stellung nahmen. In dem Bewußtsein, große Politik auch dem Ausland gegenüber machen zu wollen, wurden große Worte geredet. denen im Ausland niemand glaubt, weil kein« wohlüberlegt« Argu. mentation, sondern nur Schelten oder Jammern dies« Reden charak- tertsierten. Um so deutlicher freilich Hai man der deutschen Reich». regiernng, der mau allein die Verantwortung für die Annahme des ZZoung-Plane» zuschieben will, mit demagogischen Argumenten Richtlinien für eine« reaktionäre und dl« Lasleu aus die Masten abwälzend« goung-politlk noch innen zu geben versucht. Dr. Schacht war nicht da. dagegen Kosil, Melchior und Voegler. und das legitime Kind dieser Unternehmervertreter in Paris Hot man so schlecht gemacht als möglich, um schließlich die ganze Topser. teit der so selbstbewußten cherren von Ruhr und Rhein in folgende pflaumenweiche Entschließung zusammenzusassen: „Der Voung-Plan stellt ein« politische und keine Wirtschaft- liche Lösung der Reparationsirage dar. Die im Langnamnereui zusammengeschlossenen rheinisch-westsälischen Wirtschostskreise lehnen daher die Verantwortung für die Möglichkeit der Erfüllung de» Planes ab." Nichts anderes haben die deutschen Sachverständigen In dem von ihnen unterzeichneten Pariser Bericht auch gesagt und man fragt sich, was der ganze Unternehmerrummel in Düsteldorf soll, wenn er mehr sein sollte, als ein« demagogisch« Demonstration. Herr Paul Reusch führte da» große Wort. Würde der Poung-Plan angenommen, werde er so konsequent durchgeführt, dann sinke Deutschland zu einem geographischen Begriff herab. Aber bei Herrn Reusch zeigt es sich sofort, daß er im Ernst viel weniger gegen die Annahme des Poung-Planes ist, als besorgt darum, daß möglichst die breiten Massen und nicht die Unternehmer die Lasten aus dem Poung-Plan tragen. Und darum wird die Lag« „der Wirtschaft" so düster gemalt als möglich. Ueber 18 Milliarden hätte die„deutsche Wirtschaft" seit 192S mehr zu tragen und Haupt- sächlich durch Lohnerhöhungen.„Wenn di« Theorie von der Wirt- schastssührung durch sortgeseßten Mehrauswand an Löhnen und sozialen Abgaben richtig wäre, müßt« sich di« deutsch« Wirtschaft angesichts dieser Ziffern in lebhaftestem Aufstieg befinden." Leute wie Herr Reusch sind so sehr an das großzügige Jammern und an die rücksichtslose Wahrung ihrer Interesten gewöhnt, daß ste an die Wirklichkeit, die tatsächlich ein ungeheuerlicher Aufschwung In den letzten vier Jahren war, gar nicht mehr denken. Und es ist deshalb gut, daß Unioersitätsprofestor Dr. Weber aus München— freilich in anderem Zusammenhang und um di« unverwüstlich« d e u ts che Kraft zu feiern— mit Befriedigung ausrief: „Unsere Arbeiter, Angestellten, Beamten werden ebenso gut, manche Schichten noch besser bezahlt, als in der Vorkriegszeit. Unsere sozialen Aufwendungen übersteigen die Ziffern der Vor- kriegszeit um das Dreisachs,«s gelingt uns trotz unserer Kapital- not der Arbeitslosigkeit besser Herr zu werden, als die Engländer. obwohl wir aus dem uns verbliebenen Boden 4 Millionen mehr beschäftigen müssen als vor 1914. unsere zerstörte Handelsflotte haben wir wieder aufgebaut, unser auswärtiger Handel übersteigt die Ziffern der Vorkriegszeit, in wenigen Jahren haben wir eine Rationalisierung unserer Industrie durchgeführt, die das Staunen und den Neid des Auslandes erweckt... Das d e ut s ch e Volk hat gezeigt, daß es auch Unmögliches möglich machen kann." Dann kommt die Bemerkung, daß man mit der deutschen Zauberkraft im Interesse der ganzen Welt keinen Mißbrauch treiben solle. Wenn solche Erfolg« das Ergebnis einer sagenannten Mehr- belastung von 18 Milliarden Mark sind, dann erübrigt es sich wahr- haftig— auch für dos Ausland— dos Klagen von Unternehmer- führern wie Paul Reusch tragisch zu nehmen. Herr Reusch bringt es ierrig wehklagend auszurufen in einer Pos« fast wie Hugenberg in Marburg, der mit dem Bolk Proletarier werden will: „Wer wie ich Enkelkinder hat, welche bereits die Schul- bonk drücken, muß bei Durchführung des Abkommens mit der geradezu erschütternden Tasache rechnen, daß seine Nachkommen bis in die fünfte Generation tributpflichtig bleiben." Wir wisten nicht, wie Herr Reusch und mit ihm die anderen großen Magnaten bis ins fünfte Glied ihrer Nachtommenschaft ge- sorgt haben. Mit Sicherheit aber wissen wir, daß Herr Reusch, ebenso wie Herr Hugenberg und mit ihnen die demonstrierenden Zwölshundert in Düsseldorf bis zum heutigen Tag« trotz der Repa- rotionslast noch nichts entbehrt hoben, während die Ar- beiterschaft furchtbare Arbeitslosigkeit, tausendfachen Berufswechsel. wachsende seelische und körperliche Ausbeutung schon seit Iahren auf sich genommen hat, und auch in der Zukunft noch wird auf sich nehmen müssen! In der Diskussion sprachen u. a. auch Dr. Kastl und Dr. Doeg- ler. Auch Dr. Kastl weicht der Verantwortung aus mit den Worten, daß er nicht entscheiden wolle, ob es richtig oder falsch gewesen sei, den Poung-Plan anzunehmen. Er für seinen Teil muß das doch wenigstens wissen, da er unterschrieben hat. Aber es zu sogen, hat er offenbar nicht gewagt. Dr. Voegler bc- kannte ausdrücklich, daß in Paris nicht»sehr hätte erreicht wer- den können als geschehen ist. Dennoch aber ist er trisenfreudig, wie es Herr Thyssen gewesen zu sein scheint: denn er ist der Meinung, daß dos Zurückgehen auf den Dawes-Plan zwar«Ine Krise gebracht hätte, aber doch glaub«, daß auch diese Krise über- wunden worden wäre. Noch den Opfern dieser Krise hat er freilich nicht gefragt. Das Schauspiel von Düsseldorf war unerfreulich bi» ins letzte. Dem Ausland und dem Inland gegenüber. Um billiger agitatorischer Effekt« willen haben di« Wirtschastsführer von Ruhr und Rhein einen Mangel an Verantwortungswillen bewiesen, der. hätte er bei der Arbeiterschaft seit 192S geherrscht. Deutschland in der Tat heruntergebracht hätte. Fememörder verhastet. Oberleutnant a. O. Eikermann in das Schweriner llntersuchnngsgefängnis eingeliefert. Schwerin, S. Juli.nid hat damit Rechtskraft erhalten. Der Reichspräsident hat die Frage des versasiungsmäßigen Zustandekommens«ingehend geprüft. Neben dem Gutachten, dos im Reichsjustizministerium ausgearbeitet worden ist, hat der früher« Oberveichsanwalt Eber- meyer ein Gutachten erstattet, in dem er zu der gleichen Auffastung wie die Juristen des Reichsjustizministeriums gekommen ist, nämlich, daß das Gesetz keinen versassungsänderndcn Charakter trögt. Am Dienstag, dem S. Juli, findet vor dem Reichsgericht in- dessen der Termin für die Renten der Landgrafen von Hessen statt, und zwar handelt es sich hie? um eine Entscheidung des Reichsgerichts, das in dieser Sache bereits vor längerer Zeit als Schiedsgericht angerufen worden ist. Der Vertreter des preußisch«» Finanzministeriums wird auf Grund des nunmehr verkündeten Gesetzes eine Aussetzung des Verfahren» beantragen. Das Schiedsgericht wird darüber zu entscheiden hoben._ Veihlen schielt nach Macdonald. Regierung Ungarns möchte sich auf Gozialdemolratie stützen. Budapest. 8. Juli. lEigenberichi.) In der bürgerlichen Presse de« In- und Auslandes wurde be- richtet, daß zwischen der ungarischen Sozialdemokratie und dem Ministerpräsidenten«ine D«reinborung über außenpolitische Fragen zustondegekommen sei. Demgegen- über stellt das Organ der ungarischen Sozialdemokratie, di« „Nepszava", f«st, daß dies« Nachricht unrichtig ist. An der letzten Sitzung des Auswärtigen Ausschusses nahmen die sozialdemokratischen Mitglieder nicht teil, da sie verhindert waren. Sie wurden deshalb vom Grafen Bethlen nachträglich über den Verlauf der Tagung informiert. Bethlen svrderte von den Sozialisten in gewissen Fragen, so besonder» in der Frage der Ab rüstung und des Minderheitenschutzes, ihr« außenpolitischen Der- Kindungen auszunutzen. Die Sozialisten verlangten ol» Aequivalent die Verwirklichung der Demokratie in Ungarn. Da? Gespräch mit Bethlen war damit beendet. Bethlen dezweckt« mit der Besprechung osfeNbar. die Oesfentlichkeit trr« zu führen und namentlich der englisch«» Oesfentlichkeit gegenüber so zu tun. al» ob sich der ungarisch« Kurz g«änd«rt hätte. Man nennt das in Ungarn den neuen englischen Kurs der ungarisch«« Reaktion. Ein Vorstoß gegen Labour. Ei« konservativer Antrag. coadoa, 8. Juli. sEig«nb«richt.) Di« Konservative Part«! hat am Montag im Unterhou» einen Abänderungsontrag zur Thronrede eingebracht, in dem behauptet wird, daß das Fehlen jeder klaren Regierung»- erklärung hinsichtlich der sozialistischen Politik mit Bezug auf den tog«nannt«n In dust r i e s chutz. die Mac Kenna und ähnliche Zölle, sowie hinsichtlich der Reichs-Vorzugszöll« eine Ungewiß- h«it geschossen habe, di« für Handel und Industrie ungünstig sei. Benott freigesprochen. Selbst der Staatsanwalt für mildernde tlmstände. Part». 8. Zuli. Der Elsäster Georg« Benoi». der tm Dezember vorigen ?ohre» auf den Generolsiaolsanwalt im kolmarcr Prozeß. Fachol. mehrere Revolverschüsse abgegeben hatte und sich de,halb vor dem Pariser Schwurgericht verantworten mußte, ist heute frei- gesproch«» worden. Der Staatsanwalt selber hatte sich für die Gewährung mildernder Umstände bei der Verurtestvug ausgesprochen. Völkerbundsanklage gegen Mussolini. Gens. 8. Juli.(Eigenbericht.» Der Generalsekretär de« Völkerbund«» hat den Mitgliedern de» VStterbunde» sowie der Türkei und Sowjetrußlond die Eingabe der Dardanellenlommission über di« Uebersliegung der Meer» enge durch 34 italienisch« Marineflugzeuge zuge- sandt. In der Eingab« wird der Völkerbund gebeten, eine klare Auslegung der Bestimmungen des Dardanevenabkommens zu geben, daß kein Staat eine stärker« Streitmacht als die des stärksten Userstaates des Schwarzen Meeres die Dardanellen passieren lasten dürfe. Die Note der Kommission betont schließlich, daß die stärkste von einem Uferstaat gemeldete Wosserflugzeugslotte die russische mit 21 Flugzeugen sei. und läßt durchblicken, daß danach der italienische Propagandoflug nach dem Schwarzen Meere gegen da» Dardanellenobkommcn verstoßen habe. Kirche und König. In allen Kirche» Großbritanniens wurden am Sonntag Dankgottesdienste für die Genesung de, Königs abge- halten. Der König und die Königin, der Prinz von Wales und Mit- glieder der königlichen Familie wurden auf der Fahrt zur West- minster Abtei von einer dichten Menschenmenge stürmisch begrüßt. Die dortige Meste wurde vom Erzbtschof von Eonterbury zelebriert. Die Humanitären Konventionen. Mii der Raiifizierung ists schlecht bestellt. (JGB.) Es gibt unter den zahlreichen, von den Internationalen Arbeitskonferenzen ausgestellten, Konventionen eine ganze Anzahl von Verträgen, von denen man sagen kann, daß sie sicherlich nicht sogenannte„weitgehende" Forderungen der Arbeiter, sondern ganz gewöhnliche Gebote der Menschlichkeit betreffen, d. h. die Beseitigung von Zuständen zum Ziel haben, die für die ganze Menschheit eine Schande sind und weit über die Kreise der Arbeiterschaft hinaus auch als solche empfunden werden.(Nachtarbeit von Kindern, mangelhafte oder keine Entschädigung von Seeleuten bei Schiff- bruch usw.) Daß diese Konventionen von allen Staaten ohne weiteres ratifiziert werden sollten, proklamierten auf der Tribüne der Internationalen Arbeitskonferenzen gelegentlich sogar die autori- sicrten Vertreter der Unternehmer. Und doch ist es, wie Genosse Mertens, Generalsekretär des Belgischen Gewerkschaftsbundes und Vizevorsitzender des Internationalen Gewerkschaftsbundes, in seiner Rede zum Bericht des Direktors auf der Internationalen Arbeitskonferenz mitzuteilen wußte. selbst mit der Ratifizierung dieser Konventionen schlecht bestellt:„Wir sehen z. B., daß die Konvention be- Drohung der schlefischen Textilherren. Wenn der Schiedsspruch verbindlich erklärt wird. Die TU. verkündet, daß der Schiedsspruch von der Textil- induslrie erneut mit aller Schärfe zurückgewiesen und sein InhaU für widerspruchsvoll und undurchführbar erklärt wird. Es sei däinit zu rechnen, daß, falls die Löhne zwangsweise er- höht werden, mit sofortiger Wirkung neue Betriebs- einschränkungen und Stillegungen in der schlefischen TextiliiUnistrie erforderlich würden. Die Industrie wünsche eine gründliche amtliche Nachprüfung ihrer Verhältnisse an Ort und Stelle und sei der sesten Ueberzeugung, daß deren Ergebnisse die Schlichtungxstellen veranlassen würden, ihre bisherige Spruchweise entsprechend der großen Notlage der schlefischen Textilindustrie zu ändern. Stärker noch hat die schlesische Textilindustrie, das heißt die Arbeitgeberoereinigung der Textilindustriellen, das W T B. für die Vertretung ihrer Notlage in Anspruch genommen. Hier werden alle die bei den Verhandlungen vorgebrachten Argumente gegen eine Lohnerhöhung wiederholt und dem Schlichter der Vorwurf gemacht, daß er von vornherein die bestinimte weitere Absicht gehabt habe, den Arbeitern auf jeden Fall„eine nicht unbeträchtliche Lohnerhöhung" zu verschaffen. Die Herren hatten vom Schlichter offenbar erwartet, daß die Klagen über ihre Notlage ihn bestimmen würden, die Forderung einer Lohnerhöhung glatt abzuweisen. Di- Absicht, die neuen Verhandlungen über den Antrag der Arbeiter aus Verbindlichkeitserklärung de? lxtztxn ischisdSspmches von vom herein unter Druck zu setz e n, durch die Drohung mit Betriebseinfchränkungen und Stillegungen, geht aus den neuen Verlautbarungen der schlefischen Textilherren sehr deutlich hervor. Sie versichern, daß sie die Bereitwilligkeit zu geringen Lohnerhöhungen gezeigt hätten. Jedenfalls haben sie beide Schiedssprüche abgelehnt. Ob das WTB.-Bureau dem anderen Teil der schlefischen Textil- industrie, dem Deutschen Textilarbeiterverbond als Vertreter der schlefischen Textilarbeiterschast, den gleichen Raum geben würde, um den Standpunkt der Arbeiterschaft in dieser Anze- legenheit zu vertreten? Die neuen Verhandlungen sollen noch in dieser Woche im Reichsarbeitsministerium aufgenommen werden. Die Gemeinde- und Gtnatsarbeiier. Vorstandsbericht für Der Geschäftsbericht des Verbandes der Gemeinde- und Staats- arbeiter für das Jahr 19L8 ist nicht nur für den interesiant, der die Entwicklung der freien Gewerkschaftsbewegung mit reger Anteil- nahm« verfolgt, er bietet vielmehr auch dem Kommunalpolitiker manche Anregungen. Dos Interesse gerade dieser freigewerkschast- lichen Arbeiterorganisation an der Kommunalpolitik und ihr ent- schiedener Kamps gegen die Entkommunalisierungsbestrebungen ge- wisser privatkapitalistischer Kreise ist aber auch eine organisatorische Notwendgikeit, denn eine Gewerkschafr, deren Mitglieder zum über- wiegenden Teil Gemeindearbeiter sind, tonn kommunalpolitischen Fragen nicht gleichgültig gegenüberstehen. Um so begreiflicher, wenn der Verband der Gemeinde- und Staatsorbeitcr mit den kommunal- politischen Institutionen der Sozialdemokratischen Partei die besten Beziehungen unterhält und beide sich über die grundsätzlichen Fragen fortschrittlicher Kommunalpolitik ziemlich einig sind. Partei und Ge- werkschaften sollen sich einander unterstützen und ergänzen. Die von der KPD. geforderte Unterwerfung der Gewerkschaften dagegen ist undiskutabel. Wie aus dem Abschnitt des Geschäftsberichts.Kommunalpolitik und Kommunalwirtschaft" hervorgeht, hat sich diese loyale Zusammen- arbeil In mehr als einer wichtigen kommunalpolitrfchen Frage zum Nutzen der Allgemeinheit ausgewirkt. Sehr eingehend wird die Finanznat der Kommunen geschildert, unter der nicht zuletzt das Per- fonal in den Gsnieindebetrieben stark zu leiden hat. In agitatorischer Peziehung ist das Berichtsjahr für den Verband der Gemeinde- und Staotsarbeiter ein gutes Erntejahr gewesen. Die Organisation hat im Vorjahr« rund Z0 000 neue Mitglieder gewonnen. so daß sie am Schluß des Jahres 1928 insgesamt 258 719 Mitglieder zählte. Gegenüber dem tiefsten Stand am Schluß des 3. Quartals 1924 beträgt die Mitgliederzunahme 74 465 oder mehr als 40 Proz. Die Mitgliederzunahme verteilt sich säst gleich- mäßig aus das gesamt« Reichsgebiet. In vielen Betrieben und Ver- waltungen sind die Belegschaften zu 70 bis 100 Proz.-orga- n i s i e r t. So sind z. B. von den Arbeitern der Gas-, Wasser». und Elektrizitätswerke allein im Gemeinde- und Staats- arbeiterverband 74.1 Proz. und in anderen freien Gewerkschaften TA Proz organisiert. Im Gesundheitswesen gehören 63,8 Prozent des Personals der berichtenden Organisation an. Von den T a r i s v e r t r ä g e n, die die Organisation abge- Ichlossen hat, werden etwa 380 000 Personen erfaßt, davon allein durch den Reichsmanteltarifvertrag für d:e Gemeindebetriebe 220 606. Die Tarifverträge erstreckten sich im Berichtsjahre auf über treffend die Schwangerschaft und Niederkunft nur elfmal ratifiziert worden ist(dem IAA. sind 55 Staaten angeschlossen, d. R.). Die Konvention betreffend die Nachtarbeit der Frauen ist von 19 Ländern, jene betreffend die Nachtarbeit der Kinder von 21 Staaten ratifiziert worden. Die Konvention betreffend die Zulassung der Kinder zur Arbeit ist in den ver- schiedenen Zweigen der Wirtschast wie folgt ratifiziert worden: Industrie: 18, Schiffahrt: 21, Landwirtschaft: 12 Staaten. Die Kon- vention betreffend die Arbeitslosenentschädigung im Fall des Schissbruchs brachte es auf 13 Ratifikationen, jene betreffend die obligatorische ärztliche Untersuchung auf 20. Die Konvention betreffend die Entschädigung von Arbeitsunfällen, gegen die sicher niemand Einwände erheben kann, wurde zehn- mal ratifiziert, jene betreffend die Entschädigung von Berusstranken 15mal. Wenn man. mit Ausnahme der Kon- ventionen des letzten Jahres, die zurzeit noch nicht ratifiziert zu sein brauchen, olle seit zehn Iahren angenommenen Kon- vetionen berücksichtigt, so stellt man fest, daß für die angenommenen 26 Konventtonen 352 Ratifikationen vorliegen, d. h. durchschnittlich 13 Ratifikationen per Konventton. Dies bedeutet, alles in allem, daß ein Viertel der Mitgliedsstaaten jede Konvention und drei Viertel keine Konvention ratifiziert haben." de» La»d«surbeit?amt»' vstpreußeu-w Königsberg, well eine unzulässig«, nichtgewerbsmäßige Arbeitsvermittlung vor- liegt. Der Präsident des. Landesarbeiisamts in Königsberg hat nun- mehr unter dem 1. Juli der Beschwerdestelle einen Bescheid erteilt, in dem es u. a. heißt: „Nach meinen Ermittlungen handelt es sich bei dem Versuch des Postinspektors Bartsch in Deutsch-Eylau. Stahlhelm-Mitglieder bei dem«Ägewerk Lodert in Arbeit zu vermitteln, um einen Einzel- fall... Der„Stahlhelm" Bund der Frontsoldaten, Landesamt Ostpreußen in Königsberg, ist unter Hinweis auf den Fall Bartsch in Deutsch-Eylau über die gesetzlichen Bestimmungen über Arbeits- Vermittlung belehrt worden und Hai mit Schreiben vom 14. Juni 1929 erklärt, daß er künftig entsprechend verjähren werde. gez.: Unterschrift." Die rumänischen Transporiarbeiier. Die rumänischen Eisenbahner haben sich der I n t e r- nationalen T ra n s p o r t a rb e i t e r f ö d e r a t i o n an» geschlossen. Vor kurzem wuvd« ein konstituierender Verbands- tag des Allgemeinen Eisenbahneroerbandes Ru- mäniens abgehalten: aus der Tagung wurde der Anschluß be- schlössen. Der Eisenbahnerverbond umfaßt 5500 Mitglieder. Der Lokomotivsührerverband, der 2800 Mitglieder zählt, wird auf seinem kommenden Derbandstag ebenfalls zur Anschluß- frage Stellung nehmen. Das rumänische Straßenbahnpersonol hat sich vor kurzem mtt 2500 Mann im Rumänischen Transportarbeiterverband organisiert 20 000 Arbeiter und Arbeiterinnen mehr als im Jahre 1927. Dem Reichsmonteltarif unterstehen ziemlich zwei Drittel aller im Orgamsatwnsbereich des Verbandes vorhandenen Beschäftigten. Lohnbewegungen führte die Organssation insgesamt 459 in 3467 Orten mit 9162 Betrieben und 365 154 Beschäftigten. Davon waren'oier Streiks in neitn Orten mit 9 Betrieben und 2803 Beschäftigten. Durch dies« Bewegungen wurde ein« durchschnittliche Lohnerhöhung von 2,29 M pro Kops und Woche erzielt Für die männlichen Beschäftigten beträgt die durchschnittliche wöchent- lich« Lohnerhöhung 2,41 M. und für die weiblichen 1,67 M. Da- neben wurde auch für 20 963 Beschäftigte«ine Arbeitszeit- Verkürzung von durchschnittlich drei Stunden pro Woche durchgesetzt. Die Arbcitslosenziffern sind im Vergleich mit anderen Verbänden ziemlich niedrig, da die Beschäftigung in den Ge- meindebetrieben nicht so sehr wie in der Privatindustrie von Kon- junkturschwankungen abhängig ist. Im Jahresdurchschnitt berechnet waren im gesamten Verbands- gebiet 1,6 Proz. der Mitglieder arbeitslos Die Verbands- finanzen haben sich entsprechend dem Aufschwung in der Mit- gliederbewegung gleichfalls günstig entwicklet. Die reine Beitrags- leistung stieg gegen 1927 um rund 1078 000 M Di« Gesamtein- nähme des Verbandes betrug 5 900 000 M Für Streiks wurden etwa 143 000 M. ausgegeben. Das Gesomtvermögen der Organi- sation betrug am Schluß des Berichtsjahres mehr als S Millionen Mark oder pro Mitglied 32,70 M. Alles in gllem kann gesagt werde», daß sich der Verband der Gemeinde-'- uttd Stäatsvr&eiter- im Äahre 1928 günstiger entwickelt hat, als es«in größer Teil be'f Mitgliedet erwartet hat. Diese gesund« Entwicklung wird, wir dir Erfahrung bei anderen Ver- bänden lehrt, auch anhalten, wenn sich die Organisation, was aller Voraussicht nach im Herbst dieses Jahres der Fall sein dürfte, m i t dem Deutschen Verkehrsbund zusammenschließen und damit nach dem Metallarbeiterverband die größte freigewerkschast- liche Arbeiterorganisation in Deuttchland werden wird. „Kommunistische Gpihelarbeii." Der KPO.-Agitator als Hausierer maskiert. In O e l s i. Schl., einer kleinen Stadt ohne wesentliche Indu- strie(es existiert nur«in Reichsbahnausbesserungswerk mit 1500 Be- schästigtcn) kehrte vor einiger Zeit bei dem politischen Leiter der KPD. ein Berliner Kommunist mit seiner Frau ein, um als Händler die Haushaltungen der Eisenbahner aufzusuchen. Mit dem üblichen Geschimpfe auf die Arbeiterverräter, worunter „die Bonzen" in erster Linie gemeint waren, wurde dann versucht, die Herzen der Eisenbahner zu össnen. Dies geschah zu. der Zeit, als die Lohnoerhandlungen der Eisenbahner im Gange waren. Der Zweck war. die Stimmung für die Kommunistisch« Partei unter dieser Berussgruppe festzustellen. Dem Berliner Kom- munisten scheinen auch Versicherungen gemacht worden zu sein, die die Oelser KPD.-Orlsgruppe ermutigte, mit« i g e n e n S t i in m- zetteln bei der Betiiebsrätewahl und auch der Pensionskassen- vertreterwahl aufzutreten. Der Erfolg war. daß bei der Be- triebsrätewahl 125 Stimmen und bei der Pensions- kassenvertreterwahl 52 Stimmen für die„Opposition" abgegeben wurden.. Die Stimmzettelverteilung bei der Betriebsrätewahl erfolgte von einem Mitglied des Deutschen H o l z- arbeiterverbandes, das zugleich Vorsitzender der KPD. jn dem Orte ist. Für seine Handlungsweise zur Rechenschaft gezogen, verweist dieser starke Kommunist nun auf Berichte, die ihm von seinem Berliner Parteigenossen von dessen Hausierergängen gemacht wurden, wobei selbstverständlich mit persönlichen Ver- unglimpfungen der verhaßten Gegner nicht gespart wird. Das Bei- spiel zeigt, daß die KPD. vor keinem Mittel zurückschreckt, um„Mo- terial" gegen die Gewerkschaftsfunktionär« einzusammeln. Dabei kommt es auf eine Verleumdung mehr oder weniger nicht an. So brachte kürzlich die„Schlesische Arbeiter- Zeitung" einen Bericht, wonach der Angestellte des Einheitsoerbandes und der Bctriebsratsoorsitzendc im RZlW. Oels die Reichsbohnverwaltung beauftragt haben sollte, gegen einen oppositionellen Kandidaten mit wirtschaftlichem Druck vorzugehen. Der betreffende Oppositionskandidat hat aber eine Erklärung ob- gegeben, daß derArtikelvonA bisZerlogenift. Trotz- dem ist er auch von der„Roten Fahne" in Berlin veröffentlicht worden. Arbeiisvermiiilung und Giahlhelm. Der Postinspektor Bartsch, der 2. Führer des„Stahl- Helm" in Deutsch-Eylau. hatte an erwerbslos« Stahlhelm- Mitglieder mit dem Stempel der Stahlhelm-Organisation Brief« ver- sandt, in denen er eine Stellung bzw. eine Arbeitsmöglichkeit bei dem Leiter des neuen Sägewerks an der Försterei Rctbuch nachwies Dabei sollten die Bewerber angeben, von wem sie geschickt seien. Die Republikanische Beschwerdestelle Berlin grijs die Angelegenheit aus und wandt« sich an den R e g i e r u n g s- präsiden t« n in Marienwerder und an den Präsidenten Korderungen der englischen Eisenbahner Der Verbandstag der Eifenbahner-Gewerkschaft Großbritan- Niens in Southampton nahm in seiner Sitzung am Donnerstag eine Resolution an, in der die Nationalisierung der Eisen- bahnen sowie des Straßen- und Lufttransportes ge- fordert wird. Die offizielle Verbandspolittk hatte sich in der Ver- gangenheit auf die Forderung nach einer Nationalisierung der Eisen- bahnen beschränkt. Die am Donnerstag angenommene Entschließung bedeutet eine Anpassung der Verbandspolittk an die jüngsten Ent- Wicklungen im Verkehrswesen. Beschlossen wurde, die vorjährige Vereinbarung, wonach die Ge- hälter der Ei'enbahnangestellten um 2>j Prozent gekürzt wurden. zu kündigen. Die Gewerkschaftsleitung wird mit den beiden anderen Eisenbahner-Gewerkschasten Fühlung nehmen, um ein Einvernehmen über ein gemeinschaftliches Vorgehen herbeizuführen, worauf die Bei Handlungen mit den Eisenbahn-Gesellschaften beginnen sollen. Zum New-�orker Konfektionsarbelterstreik. Der BekieiduNgsarbeiterstreik in New Dort soll nach Meldungen verschiedener Blätter bereits zu Zusammenstößen der Streikenden mit der Polizei geführt haben. Diese Meldungen müssen mit größter Vorsicht aufgenommen werden. Der Damen- konsektionsarbeitcrverband, der dem Amerikanischen Gewerkschasis- bund angeschlossen ist, hat erst por'wenigen Monaten die Hilfe der Polizei in Anspruch genommen, als die Kommunisten aus eigene Faust einen Streik inszenieren wollten. Damals mußte die Polizei die Verbandsmitglieder vor dem Terror der K o m m n nr it.« n schützen.- E? ist mcht ausgeschlossen, daß'vl!! Kommunisten Zusammenstöße provoziert haben, um aus diese Wrtsi! den Streik in ihrem Sinn«„weiterzukreiben". Auch darf nicht über- sehen werden, daß bei den Lohnkämpfen in Amerika die Werk- polizei und Privatdetektiv« der Unternehmer vielfach ihre üble Rolle spielen. Bezeichnend für die amerikanischen Verhältnisse ist die in dem Organ des Verbandes der Damenkonfektion mitgeteilte Tatsache, daß Mitte Juni im— Exerzicrschuppen des 7 l. Regiments eine Versammlung zur Mobilisierung des Streits stattfand, die von 10 000 Teilnehmern besucht war. Giraßenbahnerstreik in Aew Orleans. Echlichtungsverhandiungen eingeleitet. New Dort, 8. Juli. In New Orleans sind am Montag Vertreter der amerikanischen Regierung eingetrossen, um im Streit der Straßenbahner Schlichtungsverhandlungen einzuleiten. Die Herbeirusung der Regierungsvertreter erfolgte auf Veranlasiung des Präsidenten des Gewertschaftsbundes. Streit in der Schanghaier Seidenindustrie. Peking, 8. Juli. Wie aus Schanghai gemeldet wird, sind am Sonnabend 13 000 Arbeiter der j a p a n i s ch e n�u n d chinesischen Seidenindustri« in Schanghai in den Streik getreten. Die Arbeiter verlangen eine Erhöhung ihrer Löhne und die Einführung des Achtstundentages. Die Unternehmer haben sich aii� den chinesischen Oberkommandeur gewandt, die Fabriken und Spin- nercien durchTr uppenbesetzen zu lassen, weil die chinesischen Kommunisten versuchen, die Fabriken zu zerstören. Am Abend habe ein Trupp Streikender in ein japamsches Unternehmen einzudringen versucht und die Maschinen zerstören wollen. Durch das Eingreifen der berittenen Polizei wurden die St reitenden aus. einandergetrieben. Es wurden mehr als 70 Verhaftungen vorgenommen._ �reie Gewerkschafis-Iugend Groß-Berlin Scuir Dicnsta«, IS'z Ubr. tegkn die Gruppen: Spandau: Gruvprn. Inum. Stiidt. Zuecntchcim, Lindcnufer 1. Vortrag:.Dom ,u»!t. gemäßen Arm modernen Wandern".— Rrarkfuiter Allee: Gruppen. beim Etädt. Iugenddeim. Litauer Str. l«. Bunter Abend.—««».LIBtenberg: l'-ae'-dbe-m Eunterstr. 43. Betrag:„Tob sozial« Bersicherungswesen".— Landsberger t-Iafc: Jugendheim Dteftelmenerstr. 5. Vortrag:.Ta« Äiidel in der Zugrndbcweguna".— Lichtenberg: Zugei, dh-im Toiselir. 22. Vortrag: Jugend und Ärbeitsschudgeseti � Entwurf".— Treptow: Gruppenheim. Örf-ule Wildenbruel str. 53—54(Lortzimmerl. Vortrag:„Die Entstehung der Erde— rom Zeuercall zur Sumuszcit".— Kumdoldt: Jugendheim Grau». Ecke Lord'ngllrahe. GeduriBtagsseier unserer Gruppe.— ZLarierdors: Jugendheim Mariendorf. Torsslr 7(Alle Schule). Vortrag:..Unsere genofsenschaft- li-ben und gcwcrkschaftli!l>en Betriebe".— Heute ab l« Uhr Spiel und Sport: Eharlottcnburg: Sportplat, Sophie-Charlotte-Strahe.— Süden, Süd- Westen: Sportplatz ktatzdachstratzc. .�noenQoruvpe des?,sttro>rertandes ver AnoePellien Leute, Tienstaa, ist faigende Veranstaltung: Nordwest: Jugendheim Lchncr Str. 18—19. Auotpracheabend:„Das erwarten wir van unfe- rem Vcrus?" Verantwortlich tllr Politik: Tr. Enrt Geyer: Wirtschaft: G.»lingrlhSirr! Gcwcrklchgstsbcwcaung: Trieb". Etzka:»: Jcuillrton: Gr. John Schikewek!: Lokale» und Sonstige»: Zeitz Kaeftidt; Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Varwörts-Verlag E. m d. L. Berlin Bruck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Vau! Singer u. Eo., Berlin SW 68. Lindenstrafte 8. 3!r. 315• 46. Mraan«"1, �00<�3Ot*t9Clt�0 Oieneia«. 9.3ulil929 Sturmvogel, Glück ab! 9)er Zlugverband der Werktätigen. Letzten Sonntag fegten einig« Flugzeuge über Berlin hinweg, die sich von den Verkehrsmaschincn der Luft-chansa dadurch unterschieden. daß sie am Rumpf und Tragdeck dir schwarzrotgoldenen Farben trugen. Es waren die Flugzeug« des Sturmvogels, des Flus?«« bandes der Werklätigen. In Deutschland ist die Luftfahrt ehe" olles andere als eine Volks- angelegenheit. Der ganze Flugbetrieb riecht nach Kommiß. In ollen Organisationen geben ehe- malige Militärs den Ton an: man kaspelt sich«in. kommt nicht an die Massen heran, die Interesse für den Flugsport haben. Wer von den Werktätigen hat überhaupi schon in einem Flugzeug gesessen? Welcher Werktätige kann die Preise bezahlen, die die Lust-Hansa für einen kurzen Rundflug verlangt? Fliegen— dos ist etwas für die materiell bevorzugten Schichten, ober es ist noch nichts für den Mann aus dem Volk. Und doch ist es notwendig, daß die Luftfahrt, die auf die wirtschaftliche und kulturell« Zusammenarbeit der Völker immer stärkeren Einfluß gewinnt, eine Volksangelegenheit wird. Der neue Flugverband„Swrmvogel"' nun will der Fliegerei frisches Blut zuführen. Er kämpft für eine Demo- k r a t i f i c r u n g des deutschen Flugwesens, er kämpft für eine aktive Verwendung der deutschen Luftfahrt als Instrument der Völkerversöhnung und der Solidarität der Werktätigen über die Landesgrenzen hinaus. Der Flugoerband„Sturmvogel' Hot uns gefehlt, und er wird hoffentlich in kurzer Zeit ein achtunggebietender Faktor in der deutschen Luftfahrt sein. Trotz der kurzen Zeit seines Bestehens hat der Verband in Berlin schon einige tausend Mitglieder, die sich zu 70 Prozent aus Handarbeitern zusammensetzen. In Tempelhof stehen vier Verkehrsmaschinen, mit denen Rundflüge zu billigen Preisen veranstaltet werden. Also: ein verheißungs- voller Anfang. Die Leute vom„Sturmvogel' sind sehr zukunftsfroh.' Das Arbeitsprogramm des jungen Verbandes ist sehr reichhaltig. Bastelstuben sollen eingerichtet werden, eigene Bau- und Reparatur- Werkstätten. In Staaken will man geeignet erscheinende Be- werber zum Sportslieger ausbilden, in den Püttbergen soll Segelfliegerei betrieben werden. Man will F l u g t a g e veran- stalten, Auslandsbesuche, man will sich an Massenfesten der Werktätigen beteiligen. Kurzum: man spürt Leben, Iugend-kraft, frische Luft und kann dem„Stunnoogel', der so flott startet«, nur einen prächtigen Dauerflug wünschen. Sin neuer Lleberseeflug. Don Amerika nach Rom. Old Orchard(Alaine), S. Juki. DU mnerikanifchen Flieger ganzey und Williams sind heute morgen um 8.43 Uhr Ortszeit auf ihrem Flugzeug»P a t h f i n d e r' zum Transozeanftug nach Rom gestartet. Da» Flugzeug löste sich noch einem Anlauf von etwa einer Meile glatt vom Boden und hatte ein« Höhe van etwa 100 Fuß er- reicht, als es das Land Hücker sich ließ und in weitem Bogen im Morgen dunst verschwand. Die.. Flieger hoffen, in etwa 45 bis 5,0 Stunden in Rom einzutreffen. Bis zum Abflug blieb der .Pathfinder' unter sorgfältiger Beobachtung der Polizei, um das Einschieichen eines blinde» Passagiers zu verhindern: der lieber- wachung ging eine genaue Untersuchung der Innenräume voraus. Das Flugzeug, das 500 Gallonen Benzin und 30 Gallonen Benzol mitnahm, wurde eine Strecke weck von einem Wasserflugzeug der Küstenwache und zwei Handelswasserflugzeugen begleitet. ' Der Meteorologe Kimball erklärte, daß das Flugzeug im wesentlichen günstige Witterung antreffen werde. Zunächst müsse es jedoch sich aus der längs der Küste lagernden Rebelschicht herausarbeiten und sich dann südlich der dichten Rebekbank holten, bis ungefähr die Strecke von lKOO Meilen zurückgelegt ist. Bis etwas über die Mitte des Ozeans hinaus bestehe auch die Möglich- keit, daß die Flieger Regen antreffen. Von einem Zemeniblock erschlagen. Tödlicher Llnfall zweier berliner Ferienkinder. Zwei Berliner Schüler. Joachim koczerl au» der Großen Frankfurter Straße 124 und Heinz Berber aus Ileukölln. die vom Jugendamt de» Lez i rk samte» Friedrichs- h a i n mit anderen Berliner Ferienkindern iu da» städtische Jugend- heim S ch e u e u bei Celle iu der Lüneburger Heide verschickt waren, sind beim Spielen in einer Kiesgrube einem Unglücksfall erlegen. Die beiden siebenjährigen Zungen wollten sich vom Grund der Grube bis zur höhe ein« Treppe bauen. Als sie die halbe höhe erreicht hatten, löste sich oben ein Zementblock nnd traf die beiden Kinder so unglücklich, daß sie ihren schweren Verletzungen alsbald erlagen. Es Hot nach den bisher vorliegenden Mitteilungen den Anschein, als ob die Aufsicht Pflicht- und ordnungsmäßig gehandelt hat. Weitere Mitteilungen müssen abgewartet werden. Immer noch Ferienreiseverkehr. Auch am Sonnabend und Sonntag macht« sich auf den Ber- liner Fernbahnhöfen der Ferienreisevcrkehr bemerkbor. Zur Be- fördening der Reiselustigen mußten an den beiden Tagen 5 7 Vor- und Nachzüge eingelegt werden: außerdem verließen nach 12 Ferienfonderzüge die Reichshauptstadt. Sämtliche Züge hatten eine durchschnittliche Besetzung von 90 bis 100 Proz. Am Sonntagnachmittag ließ der Verkehr etwas nach, so daß die Züge nur bis zu 70 Proz. besetzt waren. Raubübersall oder Racheakt? Oer Täter unerkannt entkommen. Kur; nach K Uhr wurde am Montag im Hause Landsberger Straße 93 ein lleberfall auf die b? Jahre alte Witwe P a u l i n e Mies«h, geb. Hossmann aus der Landsberger Straße 108 verübt. Frau Miesch wollte iu dem Hause einen Zahnarzt aussuchen und hatte gerade an seiner Tür geläutet, als ein junger Mann die Treppe hin- unterkam und ihr mit einem stumpfen Gegenstand, allem An- scheine nach einem Totschläger, einen hieb über den Kops ver- setzte. Ehe sie noch recht wußte, was geschehen war. war auch der junge Mann wieder verschwunden. Aus die Hilferufe der Ange- sallenen eilten der Zahnarzt und ein im Hause wohnender praktischer Arzt herbei, der die Ueberführung der Frau in seine Wohnung ver- anlaßte. Es wurde eine erhebliche Kopfverletzung festgestellt, sowie eine Gehirnerschütterung. Frau Miesch mußte nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Die Tochter der lleber- salleoen vermutet einen Racheakt. Ob diese Vermutung zutrifft, steht noch dahin. Visher hat man von dem Täler keine Spur. Ein unverbefferlicherVriefkastenmarder 60 Briefkästen geöffnet.— Drei Jahre Zuchthaus. Der Molkereigehilfe Genschorek, der vor kurzem von dem Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Betruges abgeurteilt wurde, da er mit einem Postbeamten zusammen fingiert« Postanweisungen in den Betrieb eingeschmuggelt hatte, wurde von dem Schöffengericht Charlottenburg jetzt wegen schweren Diebstahls im Rückfall zu drei Iahren Zuchthaus verurteilt. Der Angeklagte hatte in Berlin und Halle sechzig Briefkästen geöffnet und ihnen Briese entnommen. Er erklärte in der Verhandlung, daß er nur sehr wenig Geld, insgesamt noch nicht 100 Mark, in den Briefen ge- funden hätte. Schon früher war der Angeklagte wegen Brief- kastendiebstahls häufig zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen verurteilt worden. Ehristian Siolberg geisteskrank? Hauptverhandlung nicht vor Ende September. Hirschberg, 8. Juli. Graf Christian zu Stollberg-Wernigerode, der im Verdacht steht, seinen eigenen Boter erschossen zu haben, ist auf Derankassung seiner Angehörigen in die Pastor- von- Bodelschwinghsch« A n st a l t Bethel bei Bielefeld gebracht worden, wo er von deni Sachverständigen Profesior Schulze von der Universität Göttingen auf feinen Geisteszustand untersucht werden soll. Dos Unterfuchungsoerfahren dürft« entgegen den bisherigen amtlichen Nachrichten erst in etwa vier Wochen abgeschlossen sein, so daß die Hauptverhandlung nicht vor Ende September stattfinden wird. Achtung, Arbeiterradiobund. Nachdem die bundesschädigenden Elemente aus dem Ar- beiterradiobund Deutschlands ausgeschlossen wri- den, konnte damit gerechnet werden, daß sie unter allen nur mög- lichen Borspiegelungen versuchen, die Oeffentlichkeit zu täuschen und die Berliner Ortsgruppe vollkommen zu zer- stören. Sie benutzen zu diesem Zweck widerrechtlich den Namen der Organisation, das ihnen nicht gehörige Vermögen und Adressen- Material. Der Bundesvorstand übernimmt im Interesse der Gesamt- bewegung keinerlei Verantwortung für irgend welche Vereiickmrun- gen der Ausgeschlossenen und warnt, mit ihnen in Verbindung zn treten. Die verantwortungsbewußten Mitglieder werden ersucht, aus die Töuschungsabsichten der Ausgeschlossenen nicht zu reagieren. Mitgliedskarten sind zum Zwecke der Kontrolle nur an den Bundesvorstand, Berlin SW. 61, Dorckstr. 14, unver- züglich einzusenden. An diese Adresse sind bis spätestens 12. Juli auch die Fragebogen zu richten, die den Gruppen und Funktionären vor wenigen Tagen zugingen. Selbst die geringste Verbindung mit den Ausgeschlossenen bedeutet Schädigung der Arbeiterinteressen im Rundfunk. dack JCondon: (Bereditigie üeberseizung von Erwin Magnus). „Guten Morgen, Larry," grüßte Daylight.„Setz dich und beruhige dich. Du scheinst ein bißchen aufgeregt zu sein." „Das bin ich," antwortete der kleine Irländer heftig. „Grimshaw u. Hodgkins gehen zum Teufel, wenn nicht schnell etwas geschieht. Warum bist du heute morgen nicht ins Kontor gekommen? Was willst du tun?" „Nichts," sagte Daylight nachlässig.„Ich denke, wir lassen sie zum Teufel gehen." „Aber—" „Ich habe nichts mit Grimshaw u. Hodgkin» zu schaffen. Ich schulde ihnen nichts. Außerdem geht es mir selbst nicht besser. Hör, Larry, du kennst mich doch. Du weißt, wenn ich zu etwas entschlossen bin, dann tue ich es auch. Und nun babe ich mich entschlossen. Ich Hab das ganze Spiel satt. Ich will heraus, so schnell ich kann, und mit einem Krach geht es am besten." Hegau starrte seinen Chef an und wandte dann fern entsetztes Gesicht Dede zu, die mitfühlend nickte. „Und daher sollst du alles zum Teufel gehen lassen, Larry," fuhr Daylight fort,„was du zu tun hast, ist. daß du für dich selbst und deine Freunde sorgst. Hör nun zu: Alles ist soweit in Ordnung. Keiner darf zugrunde gehen. Allen, die zu mir gehalten haben, muß geholfen werden, ohne daß sie Schaden leiden. Alle ausstehenden Löhne werden auf Heller und Pfennig bezahlt. Alles Geld, das ich vom Wasserwerk, von den Straßenbahnen und den Fähren ge- nommen habe, wird zurückgezahlt. Und du selbst wirst auch keinen Schaden leiden. Alle Gesellschaften, bei denen du be- teiligt bist, werden sich halten—." „Du bist verrückt, Daylight," rief der kleine Rechts- onwalt.„Das ist der reine Wahnsinn. Hast du Gift ge- kriegt?" „Wahrscheinlich," erwiderte Daylight lächelnd.„Aber setzt spucke ichs aus. Ich bin krank vom Leben in der Stadt wnd dmji Geschäft. Ich will hinaus in den Sonnenschein, aufs Land und das grüne Gras. Und Dede geht mit mir. Du darfst mir als erster gratulieren." „Gratulieren— den Teufel will ich! Mit solchen Dummheiten will ich nichts zu tun haben. Was haben Sie denn nur mit ihm gemacht?" sprudelte Hegau heraus und wandte sich ärgerlich gegen Dede. „Nichts weiter, Larry." Zum erstenmal klang Daylights Stimmn scharf, und die Linien in seinem Antlitz, die von Grausamkeit zeugten, traten stärker hervor.„Fräulein Mason wird meine Frau, und wenn ich auch selbstverständ- lich nichts dagegen habe, daß du mit ihr redest, soviel du willst, so mußt du doch einen andern Ton anschlagen. Und ich will dir noch etwas sagen. Es geht alles auf meine eigene Kappe. Sie sagt auch, daß ich verrückt bin." Hegau schüttelte traurig den Kopf, konnte aber kein Wort hervorbringen und stand mit weit aufgerissenen Augen da. „Es wird natürlich vorläufig Zwangsverwaltung geben," sagte Daylight.„aber die wird nicht lange dauern. Du hast unterdessen die Leute zu retten, die ihre Löhne bei mir haben stehenlassen, alle Gläubiger und alle Unter- nehmungen, die auf unserer Seit« gestanden haben. Die New-Ierfey-Leute sind nach«in paar tausend Morgen aus- gewesen. Sie nehmen sie gern und schlagen sicher sofort zu, wenn du ihnen einen halbwegs anständigen Preis machst. Das hilft schon." Dede hatte kaum zugehört, aber plötzlich schien sie einen Entschluß zu fassen, und sie trat vor die beiden Männer. Sie war blaß, aber ihre Züge hatten einen Ausdruck von Entschlossenheit, der Daylight an den Tag erinnert«, als sie das erstemal Bob ritt. .Fjalt!" sagte sie.„Ich will dir etwas sagen, Elam, wenn du diesen Unsinn machst, so heirate ich dich nicht." In seinem Elend sandte Hegan ihr einen dankbaren Blick. „Ich werde aber doch—" begann Daylight. „Halt!" unterbrach sie ihn wieder.„Und wenn du es nicht tust, heirate ich dich." ..Den Porschlag muß ich mir erst klarmachen." Daylight sprach ausreizend langsam und nachdrücklich.„Wenn ich dich recht verstehe, so willst du mich heiraten, wenn ich das Spiel weiterspiele. Du willst mich heiraten, wenn ich weiter arbeit« wie verrückt und weiter Martinis trinke." Nach jeder Frage machte er eine Pause, während sie zu- stimmend nickte. „Und du willst mich gleich heiraten?" „Ja." „Heute? Sofort?", „Ja." Er grübelte einen Augenblick. „Nein, mein Herz, ich tue es nicht. Das geht nicht gut aus, und das weißt du selbst. Ich will dich haben— dich mit Haut und Haar. Sieh, Dede, mit dir auf der Ranch bin ich deiner sicher und auch meiner selbst. Du kannst sagen, was du willst, heiraten tust du mich doch. Und jetzt, Larry, ist es am besten, wenn du gehst. Ich bin bald wieder im Hotel, und da ich meine Füße nicht wieder ins Kontor setze, mußt du mir schon die Papiere und was sonst zu erledigen ist, bringen. Du kannst mich jederzeit telephonisch erreichen. Der Krach muß seinen Weg gehen. Savvy? Ich bin fertig damit." Er erhob sich, um Hegan anzudeuten, daß er gehen soll«. Der war wie gelähmt. Er erhob sich zwar, blieb aber dann stehen und sah sich hilflos um. „Der reine Wahnsinn, völlig verrückt," murmelte er.> Daylight legte ihm die Hand auf die Schulter. „Nimm dich zusammen, Larry. Ich bin ein größerer Träumer als du, das ist alles, und jetzt träume ich etwas, das in Erfüllung gehen wird. Das ist der größte und schönste Traum, den ich je geträumt habe." „Indem du olles verlierst, was du hast,: rief Hegan heftig. „Gewiß, indem ich alles verliere, was ich nicht brauche. Aber die hundertundvierzig Roßhaarzügel will ich doch be- halten. Und nun mach lieber, daß du zu Unwin und Harrifon hinauskommst und in die Stadt zurückfährst." ch Drei Tage darauf fuhr Daylight in seinem roten Wagen noch Berkeley. Es war das letztemal, denn morgen sollte die große Maschine einem andern gehören. Es waren drei an- strengende Tage gewesen, denn sein Bankrott war der größte. den die Panik in Kalifornien verursacht hatte. Die Zeitungen waren voll davon, und ein Wutgeschrei wurde von denen ausgestoßen, die später fanden, daß Daylight ihre Interessen in jeder Beziehung wahrgenommen hatte. Diese Tatsachen waren es, die, als sie allmählich bekannt wurden, die weit- verbreitete Anschauung veranlaßten, daß der wilde Drauf- gänger von Alaska verrückt geworden wäre. Und Daylight hatte geschmunzelt und die Vermutung dadurch bestärkt, daß er sich weigerte, Reporter zu empfangen.(Forts, folgt.) ■,3 Verkäufer/ Einkäufer/ Käufer Es wird jedem Käufer und mehr noch der Zkauferin gelegent- lich einmal aufgefallen fein, mit welchem Eifer der Verkäufer oder die Verkäuferin einen Verkauf zustandezubringen bemüht ist. Ms ob von dem geringen Umsatz von oft nur wenigen Mark sein oder ihr Seelenheil und die ganze Zukunft abhinge. Wenn dann aus dem Verkauf endgültig nichts wird, kann der Käufer oft feststellen, wie sich des Verkäufers eine gewisse Niedergeschlagenheit bemächtigt, die sich in einzelnen Fällen zu Mißmut und offener Unfreundlich- leit steigern. Der Kunde ist erstaunt und verblüfft, beschwert sich wohl gar über den Verkäufer und macht damit das Unheil noch größer. Denn die Personalchefs und Chefinnen stehen auf dem cherrenftandpunkt, daß es zehn Verkäufer für einen gibt und eine Entlassung ist bald ausgesprochen. Deshalb soll hier einmal ein Verkäufer selber das Wort nehmen. Er soll, wie man so sagt, sein Herz ausschütten dürfen, dem kaufenden Publikum zur Beachtung, den Personalchefs und unzähligen Vorgesetzten aber zur Mahnung und zur nachdenklichen Ueberlegung, wie es bester werden kann. Oer Verkäufer spricht: „Wir selber teilen die Angehörigen unseres Berufes in zwei Kategorien ein: Erstens in die Verkaufskanone und zweitens in den Verkäufer schlechthin. Außerdem gibt es natürlich auch Derkäuferlehrlinge. Was lernt nun so ein junger� Mensch in diesen drei Iahren? Er fängt zunächst, gleichviel ob er im Spe- zialgeschäft oder im Warenhaus lernt, mit dem— Staubwischen an. Dann heißt es in den großen Geschäften, die Ware vom Stand zur Kasse zu bringen. In Zeiten der Hochkonjunktur, zu Weih- nachten, im Saisonausverkauf, in der Weißen Woche kann so ein Lehrling von früh 9 Uhr bis abends um 7 Uhr ununterbrochen zwischen Verkauf und Kasse hin und her pendeln. Das sind aber noch nicht alle Arbeiten. Hinzu kommt das Auf- und Wegräumen der vom Verkäufer vorgelegten Waren, die Preisauszeichnung und — natürlich auch— Botengänge für Geschäft und für die An- gestellten. Do» letztere ist selbstverständlich oerboten, wird aber doch gemacht. Welcher Lehrling möchte gegen einen Angestellten, der selber nichts zu sagen hat, ungefällig sein? Und nach einem Jahr bekommt dann eines Tages der Lehrling die Erlaubnis, ein wenig einzugreifen und mitzuverkaufen. Aber wehe dem Aermstcn, wenn er, wie es bei uns heißt,„eine Pleite schiebt", das heißt, einen Verkauf nicht zustande bringt. Dann hagelt es Vorwürfe, die nicht von �stoppe sind. Wirft man nun die Frage auf, woran es liege, daß die jungen Leute in der Lehrzeit oft so wenig lernen, so kann das natürlich leicht an dem Lehrling selber liegen, der sich für die Arbeit nicht interessirt und für den Beruf des Verkäufers nicht geeignet ist. Weiterhin aber kann man weniger die Chefs dafiir verantwortlich machen als die umnittelbaren Vorgesetzten. Das sind in den großen Häusern zuerst die Einkäufer,' dann die zweiten Einkäufer, die so- genanten Substituten, und die Aufsicht, und erst ganz zuletzt die Verkäufer selber. Einkäufer und Substituten sollen dem Lehrling gegenüber den Chef oertreten, sollen sich um seine Ausbildung kümmern. Man frage aber einmal die Lehrtinge und die Lchr- mädchen, ob und wie das geschieht. Die meisten werden ein trau- riges Lied singen. Am Abend aber, wenn alles müde und total ab- gekämpft ist. nnisten sich Verkäufer und Lchrperfonal die Beleh- einen Satz Castons anführen, um zu zeigen, was Verkaufen heißt „Echte Berka ufskun st ist eine der vornehm ften seltensten und feinsten Leistungen des menschlichen Verstandes und Gefühls." * Damit wollen wir für heute die Ausführungen unseres jungen Verkäufer- schließen. Der Käufer aber wird aus diesem Wenigen sehen, wie Unrecht er meistens tut, wenn er in einem vielleicht be greiflichen Aerger oder Mißmut sich sofort über den Verkäufer bc schwert. Es ist möglich, daß diese Beschwerde die Enllassung des Angestellten herbeiführt. Selbstverständlich hat jeder Kunde das Recht, höflich und freundlich und mit weitgehender Auskunft über die Ware bedient zu werden. Aber auch der Käufer hat die Pflicht, in dem Verkäufer den Mitmenschen zu achten: er ist der Helfer, nicht der Diener des Publikums. Und die Chefs werden gut tun, in den Verkäufern nicht die Diener ihre? Hauses, sondern die Mittler zwischen dem Wohl des Hauses und dem des Publikum- zu sehen Wenn das Publikum aber Anlaß hat, ernstlich unzufrieden zu sein dann soll es sich genau überlegen, ob nicht die geringe Auswahl und die ungenügende Qualität der Waren die Ursache des Aergcrs sind. Und wenn es dann, wie es sich gehört, Beschwerde an die Aufsicht richtet oder sich den Einkäufer oder den Substituten herbeiholt, dann soll es nicht versäumen, zu erwähnen, daß die Be dienung zufriedenstellend war, aber Auswahl oder Qualität nicht den Wünschen entspricht. Für die Waren, die verkauft werden sollen zeichnet der Einkäufer verantwortlich. Für den G e i st aber, der in einem Haus herrscht, das heißt für die Art, wie die Vorgesetzten der Verkäufer und diese wieder das Publikum be- handeln, sind natürlich letzten Endes doch die obersten Chefs die Firmenträger verantwortlich. Per fies RepubllHfdiulzgefelzes ist daS Thema in allen KreiSmitgliederverfammlunge«. Die äußerst gespannte politische Lage verpflichtet alle Parteimitglieder, die Versammlungen zu besuchen. Heute, Dienstag, den 9. Juli; 3. Kreis Wedding. 19/4 Uhr im großen Saat der Pharusfäle, Müllerstr. 142. ll. Kreis Schöneberg. 1914 Uhr im Gesellschaftshaus des Westens, Hauptstr., neben der Post. lS. Kreis Treplow. 20 Uhr im Lokal„Zum Einsiedler", Johannis thal, Sterndarnm. borgen, Mittwoch, den 10. Juli: . m.,,.......,„ i. Kreis Mille. 19 H Uhr im Hackeschen Hof, Rosenthaler Str. 40/41. an&0Xm- nlIeJ 1 2. Kreis Tiergarten. 20 Uhr in den Arminiushallen Bremer Str. 73. darauf an. daß man nicht duffallt. Wer widerspricht, wird wohl>, 6,,« ig n«,, gar dem Personalchef gemeldet. 4-«reis Prenzlauer Berg, 10 Uhr m den Kastno-Festsalen, Pappel-� aU.ee lo..- 5. fireis 5riedrichshaln. j9 llftr irt den ÄÄreas-Kestsalen, Andreas- straße 21. Warum wirb getadelt? Was gibt nun den Vorgesetzten Anlaß zum Tadel? Do sind eine ganze Anzahl Gründe zu nennen. In sehr vielen großen Häusern besteht das sogenannte Losungssyslem. Das heißt, jeder Verkäufer und jede Verkäuferin muß in einem Monat einen be- stimmten Umsatz erzielen. Diese Summe richtet sich meistens nach dem Monatsgehalt des einzelnen und wird prozentual errechnet. Hat nun ein Verkäufer seinen Monatsumfatz nicht erreicht und wiederholt sich das, so wird er gemahnt, sich mehr Mühe zu geben. Hilft das nicht, so wird er, wenn er Glück bzw. einen wohlwollen- den Vorgesetzten hat, an ein anderes Lager oersetzt. Im anderen Fall wird er gekündigt. Ueberschreitet aber der Umsatz den be- stimmten Mindestsatz, so stehen dem Verkäufer am Letzten des Mo- nats etwa 1 Proz. von dem erzielten Mehrumsatz zu. Wenn der Verkäufer also nur 10 M. mehr verdienen will, muß er für 1000 Mark über den Mindestsatz verkauft haben. Nur die wenigsten, eben die Verkaufskanonen, erzielen diese Mehrumsätze. Dieses System bringt vorteile nur dem Geschäft und Nachteile dem Verkäufer und dem Käufer. Denn der Verkäufer wird sich nach Möglichkeit befleißigen, recht viele Kunden zu bedienen, so daß er gar nicht dazu kommt, dem Kunden mit fach und fach mäßiger Auskunst zu dienen. Das letztere, das dem amerikanischen „service", das heißt dem Dienst am Sunden, nahesteht, findet man deshalb nur in de,, Geschäften, in denen das Losungssystem nicht üblich ist. Dos System, das den Kunden nicht dient, wirkt sich aber zmn Schaden des Verkäufers aus. Denn man glaube nicht, daß das Losungssystem, das ja eine Art Antreibesystem ist. das ganze Jahr hindurch besteht. Vor den Festtagen, an Extratagen und Ausverkäufen, wird die zu erreichende Mindestoerkaufssumme erheblich erhöht und der Verkäufer geht dann doch wieder leer aus, wenn er auch einen weit höheren Umsatz als sonst erzielt hat. Ein besonderer Fall sei noch berichtet: An irgendeinem Tag wurde die Tageslosung der Verkäuferinnen einer Abteilung ge- 'sammel und festgestellt, wer die„schlechteste" Verkäuferin an diesem Tag war, ein ebenso primitives wie zwecklose- Verfahren. Den Unterschied merkt man, wenn man aus einem Haus tmt Losungssystem in ein solches kommt, wo man dieses Antreibesystem nicht kennt. Hier herrscht nicht die mit unerträglicher Spannung geladene Atmosphäre. Hier geht alles seinen ruhigen, steten Gang. Die Angestellten kennen ihre Pflicht und tun sie nach bestem Können und mit Freude. Und wenn nun mal etwas nicht klappt— dann. liebes Publikum, du weißt gar nicht, wie unzufrieden und nörgelig und unklar du manchmal selber bist, so daß der Verkäufer oft nicht mehr aus noch ein weiß— dann greift die Aufsicht als Schlichter ei». Mit ruhigen, freundlichen und höflichen Worten versucht sie, den schwierigen Fall zur Zufriedenheit des Käufers zu erledigen. Wenn nun die Aufsicht vermöge ihrer größeren Menschenkenntnis und Erfahrung dem Verkäufer nachher in ebenso ruhigen Worten wie dem Käufer die Situation ausklärt, dann wird der Verkäufer dem Vorgesetzten dankbar sein, und alle Teile sind zufrieden. Der Käufer wird �wiederkommen, der Verkäufer wird nicht mit Angst, sondern mit Freude an sein« Arbeit gehen. Der Vorgesetzte wird bei Käufer und Verkäufer an Autorität gewinnen und— da- Haus Hot den Vorteil davon. Das ist wahrer Dienst am Kunden Oer tüchtige Verkäufer. In seinem Buch:„Der tüchtige Verkäufer" richtet der Ame.'i- kaner N. Easson an die Firmeninhaber folgend« Fragen: 1. Werden die besten Verkäufer in Ihrem Betrieb für höhere Stellen ausae- bildet? 2. Darf ein Verkäufer sich niedersetzen, wenn Stehen nicht notwendig ist? 3. Ist der Erfrischungsraum für die ZlngesteU in e r ihr Können. Obwohl sie erst einig« Ausbildungsstunden hatten, zeigten sie sichere Arbeit. Der Senior der Acrztc, Prof. S: a b e l, der den Sanitätern des Reichsbanners bei der Ausbildung zur Seite steht, kritisierte die Art des Eingreisens der Mannschaft. Er lobte besonders die Schnelligkeit der Arbeil. Polizeioberstleutnant B r o d und Oberbranddirektor P o d z i ch sprachen ihre Freude über die Hilfsarbeit aus. Im Anschluß an die Uebungen konnten die Rettungsschwimmer praktisch« Arbeit leisten. Im Liepnitzsee ertrank der Bankbeamte Kicherer. Nach dreiviertelstündigem Tauchen der Rettungsschwimmer konnte die Leiche geborgen werden. Der Verunglückte war einem Herzschlag erlegen. Eifenvahnzusammenstoß bei Regensburg. 27 Ltichtverlehte. Regensburg. 8. Juli. Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Rcgensburg stieß ain Sonnabend um 22. V) Uhr der Personenzug 1029 nach Weiden»weit des Stellwerks I auf die für den Schnellzug D 25 bereitstehende Lokomotive. Durch den Anprall entleiste der Tender der Lokomotive des Personenzuges und der Packwagen. Die Stirnwand des vordersten Abteil« beim ersten Personenwagen wurde zum Teil«ingedrückt. Durch den Ausstoß wurden die Fahrgäste von den Sitzen geschleudert, wobei 27 Reisende leicht verletzt wurden, die jedoch sämtlich die Reise sortsetzen konnte». Die Nachtschnellzüge nach Berlin er- litten Verspätungen. Die Aufräumungsarbeiten waren noch drei- einhalb Stunden beendet. Eine Untersuchung ist eingeleitet. 30 Jahre Hamburger Produktion. Hamburg, 8. Juli.(Eigenbericht.) Die Konsumgenossenschast„Produktion" in Hamburg feierte am Sonntag ihr Ztzjähriges Bestehen, verbunden mit dem Internationalen Genossenichaftstag. Trotz des schlechten Wetters hatte sich eine in die Zehntausende zähleiche Menge an dem Fest beteiligt. Vormittags fand ei» eindrucksvoller Umzug, von etwa 5000 Angestellten und 23 Fe st wagen statt, die sämtliche Einrichtungen der«Produktion" versymbolisierten. In allen Straßen, die der Zug passierte, stand eng gedrängt die Hamburger Bevölkerung. Ein großes Aolkssest vereinigte die Fcstteil- nehmer im Hamburger Zoo, auf dem der Präsident des Internatio- nalen Genofsenschoftsbundes, Baino Tanner(Helfingfors), über die Aufgaben und Erfolge des Internationalen Geiwfsenschofts- bundes sprach. Das Fest schloß mit einem Feuerwerk. Umbau der Chirurgischen Universitätsklinik. Für die Chirurgische Abteilung der Universitätsklinik find in den alten Charitähäusern neue Räume geschaffen, die in diesen Togen mit einer kleinen Feier eingeweiht wurden. Es nahmen der preußische Ministerpräsident Genosse Otto Braun und die Minister Dr.- Becker und Hoepker-Aschosf teil. Professor Eauerbruch empfing seine Gäste in dem neuen großen Hörsaal. Dort gab er«inen Ueberblick über die Entwicklung der Chirurgischen Universitätsklinik. Di« heutige Wissenschost legt großen Wert daraus, daß der Studeut»icht theoretisch, sondern praktisch am Krankenbett ausgebildet wird. Um all die großen Ausgaben erfüllen zu können, war es notwendig, daß die Räume erweitert und umgebaut wurden. Die preußische Regierung hat in dankenswerter Weise diese Pläne gefördert, und in treuer Zusammenarbeit mit der Univer- sität, mit den Architekten und den Arbeitern ist diese neue Anlag« gcschassen worden. Seine Ansprache schloß Sauerbruch mit einigen mahnenden Worten an die Studentenschaft, treu zu und hinter dem Staat zu stehen. Zwei Zeichner rechtskräftig freigesprochen. Die Zeichner Rudolf Schlichter und Erich Goltz waren am 22. März vom Schössengesicht Berlin-Mltte von der An- tlage der Herstellung und Verbreitung unzüchtiger Schriften frei- gesprochen worden. Es handelte sich uin Zeichnungen aus der Zeit- schrift„Götz von Berlichingen". die eine Verspottung der Tiller Girls und eine Geißelung moralischer Miß- stände in der Film brauche darstellten. Gegen das Urteil, das auch den vsrantwartlichcn Redakteur Kurt Ha es freisprach, legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Die Berufung ist nun- mehr zurückgezogen worden, so daß der Freispruch rechtskräftig jje- worden ist. Die Neugestaltung im Westen. Llmgemeindungsgesetz in zweiter Lesung angenommen. Auf der Tages ordnrnig der Montagsitzung des Preußischen Landtages stand als einzigster Punkt die zweite Lesung der großen r h e i n i s ch- w e st f ä l i s ch e n Umgemeindungs- vorläge. Der Entwurf will mehr als ein Dutzend Landkreise durch Austeilung ihrer Gebiete in benachbarte Kreise oder durch Vereinigung ihrer Kommunen mit bestehenden Städten beseitigen. Das Gesetz betrifft insgesamt 6,3 Millionen Einwohner und ist die größte Ilmgeineindungsvorlage, die bisher das Parlament bcschäf- tigt hat. Für den Ausschuß, der seine vorbereitenden Arbeiten mit einer Reise in das Ilmgemeindungsgebiet begann, erstattet Bericht Abg. Dr. Graß(Z.), der hervorhebt, daß die Vorlage durch den Ausschuß etwas verändert, sonst aber in den Grundzügen die- selb« geblieben ist. Abgeändert sei die Borlage insbesondere für die Gebietsgestaltung am Niederrhein. Die Grundsätze der Regie- rungsvorlagc, leistungsfähige Gebilde als Großstädte und Landkreise zu schassen, hätte der Ausschuß anerkannt. Die Beibehaltung des Kreises Dinslaken zeige, daß man nicht nur große Gebilde' für leistungsfähig hielt. Es fei für die erstrebte Rationalisierung der �Verwaltung notwendig gewesen, im Gegensatz zum Norden im' Süden des Gebietes keine Mittelstädte zu befürworten. Bei den Kreisen Mörs, Dinslaken und Rccklinghausdn habe man der Zukunftsentwicklung nicht vorgreifen wollen. Es sei auch nicht angängig, ei» kommunalpolitisches Ge- bilde nur aus einen Wirtschaftszweig zu stellen. Daneben gäbe es noch eine Reihe von Dingen, z.B. die Arbeitsgemeinschaften, deren Erledigung sicher nicht restlos befriedigt werde. Er bitte sür den Ausschuß um möglichst unveränderte Änuahm« des Gesetzes, Abg. Dr. Hofimaiin-Münstcr(Dnat.) behält sich die Stellung seiner Fraktion für die Einzelberatung vor. Abg. Dr. Graß(Z.) weist daraus hin, daß in seiner Fraktion das Gesetz keine ungeteilte Zustimmung finden werde. Di« Mehr- heit stimme ober zu, weil sie von der Vorlage erhoffe, daß sie Ruhe in die umkämpften Gebiete bringen werde. ?lbg. Sobottka(Komm.) hält ein einziges kommunalpolitisches Gebilde im Ruhrgebict von Duisburg bis Dortmund für zweckmäßig, zum mindesten aber die Bildung von fünf gleich großen Städten. damit der Konkurrenzkampf der Gemeinden uiitereinander endlich ckufhört. Im übrigen bedeute die Vorlage die Aufgabe der Selbst- Verwaltung. Die Kommunisten seien sür ein Eingcineindungsgesetz, das die Interessen des Proletariats wahrt. Abg. Dr. Leidig(D. Vp.) hält eine ganze Reihe der Ausschuß- beschlüsse von dem grundsätzlichen Standpunkt der Volkspartei aus für bedenklich. Großstädte dürften nicht durch Gewaltakte entstehen, sondern müßten sich historisch und organisch entwickeln. Da sich in der deutschen Wirtschast noch vieles ändern könne, sei die Frage auf- zuwerfen, oh man nicht lieber di« Verabschiedung der Vorlage nach hinausschieben wolle. Diejenigen Bcvölkerungsteile, deren Wünsche nicht hätte» berücksichtigt werden können, hätten als Minderheit zu Unrecht Zweifel an der Demokratie geäußert. Nur der Liberalismus vertrete auch die Rechte der Minderheit, deswegen sei es gut, wenn diese Leute das nächstemal nur die Deutsche Volkspartei wählen würden.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Rohde(Wirtsch.-P.) kritisiert In längeren Ausführungen die Lorlage, die die Rechte der Minderheiten vergewaltige und einen Kampf aller gegen alle entsesiele. Sie werde keine Ersparnis der Verwaltung bringen und seine Fraktion werde sie ablehnen. Die Abgg. Pohl und Werves(D. Fr.) kritisieren die Dorlazo ebenfalls und behalten sich die endgültige Stellungnahme für die Einzelberatung vor. Abg. Drehler(Dem.) hält es nicht für notwendig, lange Aus- sührungeu zu machen. Die aus dem Umgemeindungsgebict sehr zahlreich anwesenden Tribünenbesucher kennen die Lorlage in ihren Einzelheiteil und seien in der Lage, die Abstimmungen zu würdigen. Abg. Haas-Köl»(Soz.) ist ebenfalls der Auffassung, daß die Tribünenbesucher als Interessenoertretcr des Rheinlandes keine langen Reden hören wollen, sondern aus Entscheidung drängen. Da während der Debatte noch zahlreiche Anträge ein- gegangen sind, vertagt sich das Haus aus eine halbe Stunde, damit die Fraktionen Gelegenheit bekommen, dazu Stellung zu nehmen. Es sind zirka 100 Anträge gestellt. Nach der Pause stimmt das Haus über die nach den Beschlüssen des Ausschusses gefaßte Borlage und die dazu gestellten Anträge ab. Es werden beschlossen u. a. die Vereinigung von Barmen mit Elberfeld, die Zusammenlegung von fünf Städten des Bergischen Landes: Solingen, höhscheidk, Ohligs, Gräfrath und Wald. ' mlk Dnis !e Zusammenle Rheydt keine Mehrheit Ebenso werden vereinigt Hamborn mlk Duisburg. Dagegen stndet die Zusammenlegung von M.-Gladbach mit Der Landkreis Hörde geht bis auf einen Rest, der mit dem Land- kreis Iserlohn vereinigt wird, in die Sladi Dortmund auf. Land- und Stadtkreis Bochum und Landkreis Hattingen werden mit dem Landkreis Schwelm und dem Rest des Landkreises Hagen zu einem neuen Ennepe-Ruhrkreis zusammengelegt. Der Rest des Landkreises Lennep, von dem der größte Teil zu Elberfeld-Barmcn und zu Remscheid kommt, wird mit dem Restkrcis Solingen zu einein neuen Südkreis vereinigt. Der Landkreis Kettwig geht bis auf Kettwig in der Großstadt Esten auf. Kettwig wird mit den Resten der Landkreise M e t t- mann und Düsseldorf zum neuen Nordkreis zusammen- geschlossen. Im Gebiet der Gutehoffnungshütte werden Ober- hausen, S t c r k r a d o und Osterfeld zu einem Stadt- gebilde vereinigt. Mülheim, Duisburg-Hamborn, Düsseldorf. Bannen-Elberseld werden durch erhebliche Zuteilung aus den Land- kreisen Düsseldors und Mettmann vergrößert. Linksrheinisch werden aus den bisherigen Landkreisen Neuß, Grevenbroich, M.-Gladbach und Krefeld zwei neue Landkreise gemacht, der Süd- und Nardkreis linksrheinisch. Die Landkreise Geldern, Eleve und Moers bleiben im wesentlichen unverändert-, eine von Duisburg gewünschte Zuteilung von einigen Orten aus dem Landkreise Moers fand keine Mehrheit. In, Regierungsbezirk M ü n st« r beschränken sich die Aenderungcn aus eine kleine Zuteilung aus dem Landkreis Reckling- Haufen an Gelsenkirchen-Buer und einige Grcnzbcrichtigungen zwischen Recklinghausen-Stadt und-Land. Damit ist die zweite Lesung der Umgemeindungsvorlage be- endet. Hierauf wird ebenfalls in zweiter Lesung da» Einführung?- g e s e tz zum llmgemeindungsgesetz verabschiedet und die 48 Paragraphen en bloc angenommen. Donach vertagt sich dos Haus auf Dienstag, 9. Juli, mittags 12 Uhr. Tagesordnung: Besprechung der Mißtrauenanträge gegen die Regierung, dritte Lesung des Sta'atsvertrages mit der Kurie. 8port. Rennen zu Ruhleben am Montag, dem S. Juli. 1. Rennen. 1. Enzian lMrohm-nn), 2. Natur, 3. Soften. Toto: 76: 10. Platz: 15, 16, 11: 10. Ferner liefen: Fechtmeister, Hagel, Marco- brunner, Gertrud H., Lu-t!o, Elrusker. 2. Rennen. 1. Ralal f Eh. Mills). 2. Flaggenlied, 3. Harfenmädchen, 4. Paffer. Toto: 30: 10. Platz: 2S, 2V, 5V, 26: 10. Ferner liefen: Per afpera, Anifricd. Larl Eugen, Edzard, Michael, Lllmanfor, Tamerlan, Divifionär, Anita Worthy, Elija, Lebemann. 3. Rennen. 1. Charmant(F. Schmidt), 2. Marone, 3. Piaster. Toto: 22:10. Platz: 1:!, 14, 33: 10. Ferner liefen: Edelgunde, Nordeck, Tullia, tzlpsel, Heurela, Elvira. 4. R e n n e n. 1. Tizian fCH. Mills), 2. Banco Dussh, 3. Hannibal. Toto: 27:10. Platz: 12,14,17:10. Ferner liefen: Nerv. PeracampoS, Albrecht Dürer, Edy<80 Pro,. Platz zurück», Jngelinde. Arnim. S. Neunen. 1. Nebelkappe „Die strenge Durchführung des Druttoprinzips im Reichshaushaltsplan und in der Reichshaushaltsrechnung, das heißt die Veranschlagung und Verrechnung der Einnahmen und Ausgaben je für sich und in voller Hohe, ist Erund» bedingung einer geordneten Finanzwirtschaft und einer klaren und durchsichtigen Rechnungslegung des Riüchs." (Aus' der jüngsten Denkschrift des Rechnungshof» des Deutschen Reiches. Die formale Grundlage des deutschen Haushaltsrechtes ist die Reichshaushaltsordnung, deren Neubearbeitung für den Herbst beoorstehi. Der entscheidende Schutz des Haushaltsrechtes ist ein starkes Parlament. Am deutlichsten wird das an dem Kampf um das Bruttoprinzip, der zwischen dem Parlament und be- stimmten Kreisen der Ministerialbureaukratie, aber auch gegenüber dem alten Bureauschlendrian geführt wird. Um was es geht. An sich erscheint es ganz einfach und selbstverständlich, daß im Reichshaushalt jede Einnahm« als Einnahme verbucht wird und jede Ausgabe als Ausgabe. Aber in der Praxis ist diese Ver- buchung nicht immer ohne weiteres selbstverständlich. Deswegen hat die Reichshaushaltsordnung bestimmte Abweichungen vom Breuttoprinzip zugelassen. Nehmen wir«in einfaches Beispiel. Die Kleiderkammer eines Heeresteiles verkauft aus ihren Beständen an einen Soldaten «ine Uniform. Würde man diesen Betrog als«ine Reichseinnahme oerbuchen, so wäre das eine Selbsttäuschung. Es handelt sich ja nicht um einen„Verdienst", sondern um den baren Ersatz für die Ausgabe einer Uniform aus dem Bestand. Anders wird die Frage schon, wenn bei der Abgabe der Uniform nicht mir die Selbstkosten, sondern auch ein Gewinn berechnet wird. Wenn dies« Einnahme den„Mitteln" zufließt— die offizielle Hausholtsformel lautet in solchem Fall«:„Einnahmen fließen den Mitteln zu"—, dann vergrößert sich der b e w ill l i g t c Etatstitel um den Gewinn- betrag bei deni Verkauf einer Uniform. Noch westergehend sind aber diejenigen Eiirnahmen, die entstehen, wenn bestimmte Etatstitel den zuständigen Stellen zur Selbstbewirtschaftung über- wiesen werden. Dann wird mit den so bewilligten Mstteln noch dem Grundsatz der wirtschafllichen Verwaltung gewissermaßen geschäftlich verfahren. Ueber diese Einnahmen, die nicht nur einfach den Mitteln zufließen, sondern in Selbstbewirtschaftungsfonds ver- schwinden, weiß heute die Oeffentlichkeit so gut wie nichts, und auch der Reichstag ist im wesentlichen unorientiert. Seinen besonderen Grund hat das darin, daß die Sclbstbewirtschaf- tungsmittel vom Rechnungshof nicht so gründlich geprüft werden, wie es bei den anderen Titeln geschieht. Gegen die Uebrweisung von Mitteln zur Selbstbewirtschaftung an bestimmte Dienststellen ist nichts einzuwenden, wenn die Sicherheit besteht, daß daraufhin diese Mittel wirtschaftlich und sparsam oerwaltet werden. Wenn aber die Selbstbewirt- schaftung dazu führt, daß nicht nur die an sich berechtigten Rück- einnahmen, sondern auch alle anderen Einnahmen aus der Selbst- bewirtschaftung einfach in den Bcwirtschaftungstitel fließen, so bedeutet das eine Verselb st Sndigung jener Dienststellen g e g e n ü be r dem Reichs Haushalt und dem Parlament. . Hier muß noch gründlich für Klarhest gesorgt werden. Die echtpr Einnahmen gehören noch dem Bruttoprinzip unter allen Um- ständen auf die Einnahmeseite des Reichshaushalts, sie dürfen nicht über die Ausgabebewilligung hinaus eine parlamentarisch n ich t beabsichtigte Zuschußausgabe darstellen. Zum Beispiel der Wehretat. Nachfolgend geben wir für den Wehretat 1929 die Rück- einnohmen, die den„Mitteln" zufließen. Dabei ist zu beachten, daß es sich um voraus geschätzte Rückeinnahmen handelt. Es ist anzunehmen, daß die Rückeinnahmen, die ohne Bewilligung des Reichstages dem Wehretot zufliehen, in Wirklichkeit höher sein werden, als sie vom Reichswehrininisterium oeranschlagt worden sind. veranschlagte Rückeivnahmeu im Wehretal 1929. Kapstel Ein- Titel Bezeichnung nähme Mark 2100 sooo Bezeichnung Marine Z/32 Gefechts- und Geländeschießübungen 3/13 Heeresbücherei 3/36 Zivilberuflicher Unterricht 3/37 Turn- und Sportgerät..-,, Z/16 Dienstgrundstücke....... Z/31 Mundverpflegung ohne Brot.. S/32 Brotverpflegung....... S/33 Butter........., 6/1 5a Maschinen und Werkzeug.... 6/23 Anfertigung von Bekleidungsstücken 6/31 Verbrauch an Stoffen tili « i<9 fe i ü i« i e a i 20 000 > e■ e 8 i 100 ...... 1 198 040 ...... 4303 208 • 8> I • 9 9 I »89- 4 353 990 118 900 400 1 500 10000 6/32 Verbrauch an Schubzeug und Bekleidungsstücken 5 000 6/34 Sportbekleidung............ l 000 6/38 wonderbekleidung des Kroftfahrpersonals,.. 3 200 7/12 Geräte in den Diensträumen» 20000 7/15 Gebändeunterhaltung usw..»,, 8-, 8 198 420 7/16 Dienstgrundstücke............ 1 027 040 12/12 Lazarettgeräte 12000 12/16 Dienstgrundstücke............ 2 000 12/35 Lazarettwirtschasts- und Krankenpflegekosten,, 1 398 070 12/36 Arzneien usw........ 1500 13/34 Hufbeschlag und Tierarzneigelder.,..., 67 000 14/31 Remonteämter..........,,, 968 000 15/31 Waffenunterhaltung........... 22 200 15/32 Beschaffung und Unterhaltung von Munition,. 55 000 15/33 Waffengerät......,...... 14000 15/34 Fahrräderunterhaltung 500 15/35 Gasschutzgerät..........» 650 16/31 Heergerät, Instandhaltung, Lagerung, Ersatz usw. 8 800 000 16/32 Verwaltungskosten...... 12 000 17/31 Pioniergerät....., 9000 17/32 Unterhaltung des Waffengeräts der Pioniere.. 1 200 18/34 Kraftfahrgorät............. 208350 18/35 Ersatzleistung für Kraftfahrzeugschäden.... 3 500 19/32 Brieftauben usw.....,.,.,9»» 1500 19/35 Nachrichtengerät 9.99.9999919 14 000 20/35 Unfallversicherung..,,,,....._ 600 Zusammen 23 458 968 Heer Mark 2/31 Uebungsgelder an Land....,999. 600 2/32 Gefechts- und Geländeschießübungen..,.. 50 3/13 Büchereien........ 99999. 800 3/33 Zivilberuslicher Unterricht 100 7/12 Geräte in den Diensträumen.. 9,». � 9 23 700 7/16 Dienstgrundstücke...... 91.91. 243 000 12/16 Dienstgrundstücke 2 470 12/35 Lazarettwirtschatfs- usw.-kosten.. 9.,,, 42 700 12/36 Arzneien......... 400 12/35 Lazarettwirtschafts- usw.-kosten 42 700 13/39 Sonderbe kleidung Kroftfahrpevsonal,, 500 13/40 Kraftfahrgerüt.......; 9 9 a 9 20 000 13/41 Schadenersatz Ma ri ne k raftfahrzeu ge,,»,, 200 16/31 Werst- und Arsenalbetrieb......., 353550 17/31 Depotinspektionen ,,,,,,,,,,, 4000 17/32a Heergerät.....9999999999 200 17/35 Munttionsbeständ«.,.,9,9,99, 5 000 20/33 Küstennachrichtenwesen. 300 21/37 Wcrstkrantenhaus Wilhelmshaven,,.... 6 000 Zusammen 707 290 Sicher sind in diesen Rückeinnahmen auch solche Beträge ent- halten, die berechtigterweise den bewilligten Mitteln zu- fließen müssen. Aber wir brauchen die Klarheit des Haushalts. Die Aufgabe der nächstjährigen Haushaltsberatungen wird es sein, genau durchzuprüfen, wieviel von den obige« 2 4 Millionen «cht« Einnahmen sind, die auf die Einnahmeseite des Reichshaushalts gehören. Es gehl nicht an. zuzulassen, daß womöglich der Wehrhaushalt um Dutzende von Millionen höhere Ausgaben zu leifleo vermag. als ihm durch den Reichstag bewilligt siud. Kurt Heilig. Gute Montankonjunktur. Siahlverein meldei für April bis Juni größere Produktion und Ltmsähe. Die vierteljährlichen Veröffentlichungen der Verewigten Stahl- werke A.-G. sind für die deutsche Montankonjunktur repräsentativ und typisch. Der letzte Bericht über das zweite Quartal 1929 läßt sowohl eine erhebliche Steigerung der Produktion, al» auch eine noch größere Steigerung der Umsähe erkennen. Die deutsche Montan- konjunktur, als die Konjunktur einer Schlüsselindustrie besonders wichtig, zeigt nach dem Bericht des Ruhrinowawrusts weiter nach oben. Auch die Arbeiterschaft wird das beachten. Gegenüber dem ersten Vierteljahr d. 3. ist die kohleofördernng von 6,84 auf 6,96. die Kokserzeugung von 2,43 aus 2.61, die Roheisenerzeugung von 1,66 aus 1.72 und die Rohstahlerzeugung von 1,82 aus 1.88 Millionen Tonnen gestiegen. Diese Produktionssteigerung Hot eine ganz besondere Be- deutung deshalb, weil man schon die ersten Quartalsziffern als über- höht und anormal betrachtet hat wegen des Produktionsausfalle«, den der R u h r a r b« i t st a m p f im letzten Quartal 1928 gebracht hat, und dessen Nachholung die ersten Quartalsziffern anormal hoch erschienen ließen. Die Steigerung im zweiten Quartal wird so um so beachllicher. Es ergibt sich auch für die neun Monate von Oktober bis Juni 1 929 ein« Steigerung im Vergleich mit der gleichen Zeit der Vorjahre, wenn man die ausgefallene Produktion des Ruhrkampfmonats, die größtenteils ja doch von anderen Produzenten gedeckt wurde, einrechnet. Unter dieser Be- dingung ist die Kohlenförderung von 19,85 auf 20,43, die Koks- erzeugung von 6,93 auf 7,40, die Rohstahlerzeugung von 5,29 auf 5,32 Millionen Tonnen in den verglichenen Drewierteljahren ge- stiegen, und nur bei Roheisen ergibt sich ewe kleine Senkung von 4,97 auf 4,95 Millionen Tonnen. Das ist ein« glanzvolle Bilanz, wenn man bedenkt, daß 1927/28 die Konjunktur gut genannt wurde. 1928/29 dagegen schlecht. Auch unser Konsiinktur- institut sollte dargus lernen. Die Gesamtbelegschaft der Vereinigten Stahlwerke hatte sich am 30. Juni gegenüber dem 31. März 1929 von 187 158 auf 191 508 Arbeiter und Angestellte erhöht. Ewer zwei- bis sechsprozentigen Vermehrung der Produktion entspricht ein« nicht viel mehr als zweiprozentige Vermehrung der Belegschaft. Der Lcistungseffekt der Belegschaft scheint also weiter ver- b e s se r t. Die Besienmg in den vereinigten Stahlwerken war aber nicht nur eine mengenmäßige, sondern auch eine preismähige. Der sogenannte Umsatz mit Fremden— nämlich ohne den Umsatz zwischen den eigenen Abteilungen und mit den Be- teiligungswerken— hat sich vom ersten zum zweiten Quartal 1929 von 352,11 auf 407,55 Millionen erhöht. Einer zwei- bis sechsprozentigen Produktions st«ige- rung steht also«ine etwa fünfzehnprozentigc Umsatzsteigerung gegenüber, die zugleich, da auch der Leistungscffekt erhöht worden ist, mit einer relativen Senkung der Produktionskosten verbunden war. Auf die Inlandsabnehmer kam dabei ein« Steigerung von 222,13 auf 248,27 Millionen, auf die Ab- nehmer im Ausland eine solche von 129,98 auf 159.29 Millionen. Freilich erscheint der Gesamtumsatz für die neun Monate vom Oktober bis Juni, verglichen mit der entsprechenden früheren Periode mit 1034,67 gegen 1063,39 Millionen etwas geringer. Doch darf hierbei der Ausfall des Ruhrkampfmonats vielleicht mit rund 100 Millionen angesetzt werden, so daß sich auch hier statt einer Senkung eine Steigerung ergäbe. Daß die inländische Eisen- konjunktux in den verglichenen Zeitabschnitten schlechter wurde, zeigt sich aus dem Rückgang des Umsatzes mit inländischen Abnehmern von 722,19 auf 651,09 Millionen, und daß in der Tat die deutsche Konjunktur auch in den neun Monaten seil Oktober in erster Linie vom Ausland profitiert hat, zeigt die gleichzeitig« Steigerung de» Umsatzes mit Auslandsabnehmern von 341,20 auf 383,58 Millionen Mark. Von den Auftragsbeständen der Hüttenwerke und Ver- feinerungsbetriebe an Eisen- und Stahlerzeugnissen zum 30. Juni wird gesagt, daß sie etwa 100 Proz. des entsprechenden Austrogsbestandes im Monatsdurchschnitt des Geschäftsjahres 1927/28 aus- machen. Auch das ist ewe gute Relation, denn 1927/28 galt als das Jahr einer recht guten Konjunktur, Englischer Gchutzzollabbau? Daß die englische Arbeiterrezierung das Schutzzollprogramm und den Aufbau der Schutzzölle der verflossenen konservativen Regierung nicht weiterführen will, ist bekannt. Fraglich ist das Ausmaß des Abbaues der Schutzzölle, wie es sich aus der von der Arbeiterregierung verfolgten organischen Wirtschaftspolitik ergeben würde. Ein Londoner Blatt, das„Sundoy Journal" glaubt Einzel. heilen geben zu können. Danach soll der Zoll aus Seide und Kunsts« ide beibehalten werden. Ziemlich gewiß s«. daß- hie Zölle auf Automobile. E m a il l e wa r e n, Küchen gerate, Handschuh«, Messerschmiedewaren. Mu sikinstrumente. Wand- und Taschenuhren ousge- hoben werden. Allerdings würde den beteiligten Industrien eine angemessen« Zeit gegeben werden, sich den veränderten Verhältnissen anzupassen. Möglicherweis« Handell es sich hier um Vermutungen und um Versuchsballons, die neue englische Regierung über ihre Ab sichten zum Reden.zu bringen. Interessant ist die Erwartung, daß es sich bei der möglichen Senkung der englischen Zollmauer um einen allmählichen Abbau mit der Wirkung degressiver Anpassungs- und Erziehungszölle handelt. (Selbstfinanzierung bei Gilverberg. Was hat Rheinische Braunkohle wirklich verdient? In den Bilanzen der Rheinischen Altiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikotwn des Herrn Paul Silverberg kehrt mit Beharrlichkell immer derselbe Reingewinn von zirla 7,5 Millionen Mark wieder, aus dem stets 10 Proz. Dividende vec- teilt werden, obwohl der Umsatz steigt und steigt. Das beste Zeichen dafür, daß die Bilanz„frisiert" wurde. Was hat aber dieser Haupt- beteiligte am Rheinischen Braunkohtcn-Syndikat(von der Gesamt- quote besitzt er ein Drittel) nun wirklich verdient, in diesem Kälte- jähr, das der Braunkohlenindustrie einen Rekordabsatz bracht«? Dos naheliegendste, sozusagen harmloseste Mittel der Gewinn- Verschleierung besteht in Erhöhung der Abschreibungen. Das kann man um so leichter hin, als nach den Jahren der Rationali- sierung, der technischen Umstellung im Bergbau es sehr einleuchtend klingt, daß man zwecks dauernder Anpassung an technische Fort- schritte heute in viel kürzerer Frist abschreiben müsse als früher. Davon hell nian denn auch gründlich Gebrauch gemacht: als 1925/26 3,8 Millionen Mark abgeschrieben wurden, wurden die Aktionäre rebellisch, jetzt werden 6 Millionen Mark abgeschrieben! Dos andere Mittel der Gewinnverschleierung, für die Oeffentlich- keit viel schwerer erkennbar, deshalb den Unternehmern um so synr- pathischer, ist die von Herrn Siloerberg propagierte„S e l b st finanzierung". Vor dem Kriege, zuzeiten„gesunder" Wirt- schaftsverhällniste, baute man die Betriebe mit Geldern aus Anleihen oder Kapitalserhöhungen aus: die Gewinne wuvden in hohen Dioi- denden ausgeschüttet. Heute hat man sich von der lästigen Gewinn- kontrolle durch die Oeffentlichkeit. von der Abhängigkeit vom Ka- pitalmarkt befreit. Bellnebsverbessenmgen, Neubauten usw. werden aus laufenden Einnahmen bezahlt, und die Gewinne dadurch in den Betrieb gesteckt und einfach nicht ausgewiesen. Herrn Silverbergs Praxis ist ebenso beispielhast, wie seine Theorie bei den Unternehmern Schule macht. Bei Prüfung der letzten Bilanz der Rheinischen Vraunkohlen-A.-G. findet man folgend« Selbstfinon- zierungs-Beträgc: Zugänge bei Anlagen, Maschinen us«.. 3 371723,— M. Zugänge bei Tochtergesellschaften,.. 1 914 960,— M. 5 286 413,— M. Das ist aber noch nicht alles. Neben den Konten für Reserve- fonds und für Abschreibungen hat man noch ein Konto„Verschiedene Rückstellungen" gebildet, das außerhalb der Gewinn- und Berlusi- rechnung um 1,72 Millionen gegenüber dem Borjahr erhöht wurde. Und schließlich erscheinen die Forderungen an Banken um 1,49 Mll- lionen hoher; auch dieser Betrog dürfte aus Betriebsüberschüssen stammen. Das alles ergibt zusammen die Summe von rund 8,50 Millionen. Läßt man die recht hohen Abschreibungen außer Ansatz, so kommt man zu einem tatsächlichen Reingewinn von über 15,5 Millionen gegen über dem ausgewiesenen von 7,5 Millionen. Daraus hätte man auf dos Aktien- kapital vo« 67,2 Millionen Mark nicht weniger al» 23 Pro.-. Dividende zahlen können. Aber selbst bei solchen Gewinn« sind Lohnerhöhmrgen nur mit Hisse des Schlichters durchzudrücken? Verluste bei Oürkopp. Der Dürkopp. Konzern in Bielefeld legt für das Jahr 1928«inen Abschluß vor, dezp man zumindest nicht absprechen kann. daß er wirkliche Verlust« ausweist. Ob die Berluste die an- gegebene Höhe erreichen, läßt sich bei der in der Bilanz und in der Gewinn- und Berlustrechnung geübten Zurückhiltung sehr schwer entscheiden. Die Situation bei Dürkopp wird aber durch zwei Merl- mal« bedenklicher Art gekennzeichnet: der Konzern mußte das Ber- liner Werk verkaufen und entfernt sich so von dem wichtigen Berliner Markt. Andererseits haben sich die Bankschulden von 2,83 Millionen aus 5,25 Millionen Mark binnen Jahresfrist erhöht. Der Geschäftsbericht verweist auf alle möglichen Faktoren, die die Entwicklung migünstig beeinflussen, u. a. auf die Frostperiode, die Metallarbeiteraussperrung in Rheinland und Westfalen im vori- gen Herbst und auf die Lohnerhöhungen, die trotz gestiegenen Exports nicht ausgeglichen werden tonnten. Unseres Erachtens wird über- sehen, daß die Krise in der Fahrrad- und Rähmaschinenindushie. für die ja der Dürkopp-Konzern in Frage kommt, M wenig von der wirtschaftstechnischen und fast gar nicht von der Seile der Massen- kouftraft betrachtet wird. Die beiden genannten Wirtschaftszweig-- ersticken nickt nur an ihrer Kapazität, sondern auch an ihren Lägern. an der Bielheit der Typen, der Uneinheitlichkeit der ganzen Fabri kation. Hier stecken die Wurzeln der ungünstigen Entwicklung, und wem, man so weiterwurstelt wie bisher, werden wir erleben, daß selbst ein alter und im großen und ganzen noch gut fundierter Kon- zern wie Dürkopp die Waffen strecken muß und auf der Strecke bleiben wird._ Reue lO-MlNonen-kapikalerhöhung der preag. Das Preußische Handelsministerium hat den Antrag eingebracht, dos Aktienkapital der Preußischen Elektrizitäts A.-G. von 100 auf 110 Millionen Mark zum Zwecke weiterer Angliederungen von Stromverteilungzunte'- nehmen kommunaler Verbände im Arbeitsbereich der Preag zu or nehmigen. Die Preag hat erst im Frühjahr ihr Aktienkopual onn 80 auf 100 Millionen Mark erhöht. Die Fernseh-A.-G. eingetragen. Die neue Fernseh-A.-G-BerNn die mit 100 000 Mark Kapital zunächst als Studiengesellschoft ae' gründet wurde und Schutzrechte aller Art für die H-rstelluna un>i den Bertrieb von Fernsehgeräten erwerben soll, wurde im Handel-.' register eingetragen. Daraus ergibt sich, daß aus Deutschland� Robert Bosch A.-G.. die Zeiß-Icon-A.-G u�. d, 2° ewe- Rad 10 G m. b. H. beteiligt sind und von englischer Seite der Baird-Telemsion-Konzern. 0£!UC Dienstag 9.311(11929 Unterhaltung unö AAissen Beilage des Vorwärts /I (Bruno Schönlank: Sin kleiner ffiadeorl Das Geheimnis. Cs gibt Surorte, Äie einem erst nach«in paar Cidschwuren und Hanbschlögen, sie ja niemand weiter zu verraten, ins Ohr geflüstert werden. Da hört ma» wahre Wunderding« von Landschaft und Der- pflegung.„Eine Landschaft sag« ich Ihnen!" Der Erzähler ver- dreht entzückt die Augen.„Eine Landschaft! Herrlicher Wald ganz nahe am Hause. Wiesen und Meer. Einfach unsagbar schön!" Der Erzähler macht ein« Kunstpause und sängt an mit der Zunge zu schnalzen. „Und ein« Verpflegung," fährt er fort,./eine Verpflegung!" lind je noch seiner Phantasie und sprachlichem Reichtum läßt« die Koteletts und Filets groß wie Riesenteller oder Slbtrittdeckel sein. „Der Frühstückstisch biegt sich unter der Fülle von Schinken, Eiern, Milch, Brötchen und Honig. Vom Abendtisch ganz zu schweigen!" Wieder eine Kunstpause. Und dann stößt er in die Luft,.�vie Preise erst! Einfach lächerlich. Vier Mark und ein« halbe täglich für die ganze Pension. Kurtaxe ist noch«in Fremdwort dort." Allmählich fängt man selbst auch an. mit der Zunge zu schnalzen und die Augen zu verdrehen und fühlt sich glücklich in dem Besitz des großen Geheimnisies. Um so mehr, als dort eine Ruhe herrschen soll, überhaupt märchenhaft. Mit Mühe und Rot findet man den Ort auf der Landkarte und fährt nach dem empfohlenen Haus los. Oer Badeort. Wirklich noch unverfälscht« Ratur ohne Großstadt getu«. Pferd«, Kühe und Schafe auf den Weiden. Wogend« Felder. Sich drehend« Windmühlenflügel. Zu b«id«n Seiten der schmalen Landzunge Buchten der Ostsee. Nur der Wald ist dreiviertel Stunden«ntfernt. Wo der Erzähler den Wold nur gleich am Hause gesehen haben mag?! Sogar die älteren Ureinwohner� der Landzunge laufen noch in der alten Tracht herum. Unter Lindenbäumen sitzen die allen Fischer mit ihren weißen Schüddelbüxen, von denen«in« einzige Swss für acht Strandhosen abgeben würde. Das Tempo ist nicht auftegend. Man genießt die Ratur, ist willkommen, denn schließlich gehört man zu den ersten Schwalben der Dorsaisvn. Wie herrlich ist es, kein« Zeitungen zu lesen! Immerhin guckt man sich am ersten Tag beinahe die Gucköuglein aus noch Schinken und Eiern zum Frühstück. Immerhin, es gibt wenigstens Butterbrötchen mit Honig oder Marmelade, und da» ist auch nicht übel. Die Sotelettphantalien schrumpfe« auf Handteller- größ« zusammen; � Doch das Mittagessen ist reichlich genug, de«» Tfaherfiti'IrääüJ. mir außer den vielen Schulden wenigstens auch die Sartoffeln. Da» Abendessen«ntzpricht beinah« den Phantasien. Roch der. ersten Woche bekommt man wieder«in« Berliner Zeitung in dic.- Hand und liest in neu erwachtem Buchstabenhunger Zeil« für Zeil«. Da sieht man auf einmal unter den anzeigende» Kurorten(und glaubt seinen! Augen nicht zu trauen) den so geheimen Badeort in dicken Buchstaben angezeigt. Man wischt sich mit der Hand über die Augen.,' E» stimmt. Da steht Altreddewitz und ich bin kein Eidbrüchige g?, wenn ich den Ramen nicht nur flüstere, sondern brülle, den n da»„man" bin ich. ' Andere Ufer. Bor /dem Hause liegt gleich der Badestrand. Die Ruhe ist ansang» /bezaubernd, und gleich im Badeonzug zum Strand zu gehen, sckion beinahe paradiesisch.> Die neuerwachten Energien drängen nach Betätigung. Di« Flott« lies Hauses, ein Ruderboot, steht mir fast allein zur De» fügung. Auf der anderen Seite lockt Gager. Da« Wasser ist ruhig und spi egelglatt und zwei Frauen vertrauen sich mir kühnem See- Helden an. Silbrig glänzt der Sonnenschein auf dem Wasser. Don den Rudern fallen glänzende Wassertropfen in die klar« Flut und bilden kleine Kreis«. Die Stimmung steigt mit der glückliche« Landung. Gager ist noch unberührter als Altreddewitz. Weiß« Schüddelbüxen blähen sich auf den Wäscheleinen. In den Dorgärtchen der schilfgedeckten flau{er blüht der letzte Flieder. Hinter den kleinen Fenstern blühen alte liebe Dorfblumen, vor ollem Frauenschuhe.„Damenschuh«" nennt sie«in« alte Fischerfrau, der wir unsere Bewunderung au». sprechen. Im dicht«» Buschwald blühen Hunderttausend« von Maiglöckchen. Wir erklimmen den über«W Zenttmeter hohen Bakenberg und haben einen herrlichen Rundblick auf Ostsee, Buchten, kleine Inseln und n«rschwimmendes Festland. Die entzückten Ausruf« der beiden Frauen buche ich als flEnt- decker und Seefahrer auf mein Konto, denn schließlich— ohne mich... Diese Ueberhebung mochte der Allmacht nicht gefallen haben, denn.auf der Rückfahrt erhob sich«in großer Sturm. Der sanfte oeee schäumte auf und ließ den Kahn wie eine Nußschale auf und nieder tanzen. Ich hält« dies« Wirkung der Naturgewalten lieber �om sicheren Ufer aus wahrgenommen, noch lieber ober hätten die» die beiden Frauen, denen die folgende Nacht hindurch Bett und Schrank einen tollen Rundtanz aufführte«. Mutti? MumittüH? Der Badestrand vor dem Haus« zeigt allmählich sein« Tücken, denn der Kindersegen wächst mit der nahenden Saison für das kleine Haus allzu reichlich. Kinder sollen ein Geschenk de» Himmels sein, ich habe nichts dagegen. Sie erfreuen uns durch ihr« an- murigen Bewegungen, sie erquicken uns durch ihre drolligen Ein- iälle und töten uns durch ihr Geschrei. Mit einem Jungen, einem begabten Muttischreier, fing es an. Dann wurden es chrer sieben. Und da ein Kind in den Ferien für sieben schreit, waren es neun- undoierzig. Es ist leichter, für Kinder Märchen und Gedichte zu schreiben, al» einen geschlagenen Tag hindurch Muttigeschrei und Quäkstn zu hören. Di« lieb« ruhig« Dilla ward zum Ouäkkasten Ich bin ein Kindersreund, ober dieses Muttischreien kann rasend machen. Dielleicht hat der bös« Herode» die Geburt Jesu nur al» vorwond genommen, um einmal Ruh« zu hohen. Mein einiger Traft blieb bei schlecht«» Wetter«nein Freund August, da» rosige Schwein des Hauses, das mich alle Morgen glücklich begrunzt« und bequiekt«, wenn ich ihm«in Marmeladenbrödchen bracht«. Mel- leicht bin ich«in völlig verrohter Mensch, ober ich muß gestehen, daß mir dieses Gsgrunze«in Labsal war nach dem Muttischreien. Habe Dank dafür, lieber August. Auch dein Ausbruchsversuch, den du mir dummen Städter antun wolltest, sei dir verziehen. Du konntest ja nicht wissen, daß ich null ein wenig Landwirt lernte und dich so bei deinem Ringelschwänzchon noch gerade vor deinem Sturz in den Abgrund zu fassen verstand. Es tat weh, aber noch weher tut ei» gebrochenes Leinchen. Abstbied! Herrlich ist da» Kindergefchrei, wenn man am nächsten Tage abfährt. Lieblich die Kunde, daß noch ein halbes Dutzend Kinder nachkommen sollen. Ach, man ist so versöhnlich und schadensroh. Leb wohl, du lieb« Kinderschar! Lebt wohl, ihr Buchenwälder. Leb wohl, du Hön Höft und du Hotel mit deine» Rainians und Tänzen der Schüddelbüxler, zum Eintritt von 50 Pfennigen. Also auch die Tracht ist ein wenig Fremdenindustrie! Leb wohl, du Kaufladen, in dem man fast alles haben konnte, mit deinen Schnaps- und Oelfäßchen! Wie zuckte es in mir, die Spunde herauszuziehen, um die Wirkung zu erproben. Es sah hier ähnlich aus wie der Kaufladen in Reuters„llt min« Strömt id". wo der angeheuerte Ladendiener die Stöpsel aus den Oel- und Essig- säßchen herauszog und der verzweifelte Kaufmann Kurtz, Kuürtzchen, so ominös« Verse anhören mußte, denn di« beiden Daumen mußten dem Lhnmüchttgen als Spunde dienen. Lebt wohl, ihr Klatschseligen, die ihr di« Echtheit der Ehen be- schnuppert. Lebt wohl, ihr netten Menschen! Lebt wohl, ihr Störche, Rohrdommeln und anderes Getier! Leb wohl, kleiner Badeort Baabe, mtt deinen irnttigen schwarzrotgoldenen Fahnen! Leb wohl, Altreddevitzl Es war«Ales in allem doch wunderschön. Und ich werde nicht versäumen, das Geheimnis deiner Existenz nach berühmten Vorbildern wieder anderen in die Ohren zu flüstern. vielleicht hast du bis dahin schon Kurtaxe, denn die sieben ange- tommenen Strandkörbe rücken dich verdächtig in die Nähe eines Weltbades. Doch davor möge dich der Himmel behüten! 9Mnricb Stemmer: dm TagabundensBug Wie man für billiges Geld nach dem kanadischen Westen kommt (die Ueberlandreis« ist nicht wohlfeiler al» die Amerikafahrt), sagte mir der Wirt von der unsichtbare« Bar in Montreal. Jeden Herbst, zur Zeit, wenn in de» Weizendistrikte« des Westens die Ernte eingeholt werden muß, geht ein Arbeiterzug nach der Prärie: mit dem sollt« ich fahren und mit dem fuhr ich auch. Der Zug war billig und direkt— man tan« nicht ander» sagen. Wir fuhren Tag und Nacht, große Ortschaften, ja sogar die Hauptstädte ignorierend, und hielten nur sesten einmal an einer einsamen Pumpe oder einem versteckten Kohlenlager. Erst am zwetten Tage wurde in einem kleinen Nest gestoppt, welches, indessen die Lokomottve sich restaurierte, meine Reisegefährten alsbald üderfluteten, um ihre Vorräte(Kaugummi, Tabak und Schnaps) zu ergänzen. Was sahen wir? Die Rolläden waren herabgelassen und die Türe» verschlossen. Die Bewohner hatten Angst gekriegt vor de» Passagieren des Extra- zuges. Die Reisenden waren nicht so sehr das. was man sich unter Landarbeiter vorstellt, als vielmehr jenes andere, da» auf der Land- straß« angehallen und nach dem Paß geftagt wird. Ein luftiges "Gesindel. Gesprochen wurde wenig im Zug und wenn, so ging nach Rowdysitte jedem Substanttvum ein Fluchwort voran, um ihm Kraft und Nochdruck zu oerleihen. Der Hauptzeitvertreib war Tabak- und Gummikauen, und di« größte Befriedigung gemährte offenbar da» dobirnl» hervorgerufene häufig« Ausspucken, das nichts mit dem ge- wohnlichen Akst/ei«n zu!a» hat. seäde�«Ö«», wtsgebiidc\ treffsicheres, R./r'ddijlanzen anjrrevende» Kunzespucken ist. Ein em- legen«» Punkt des Abteil»,»der des Peron», wenn wir hielten, wurde als Ziel visiert und fogleich von einem formidablen und unfehlbaren Schrapnell getroffen, so daß man wie in einem Kreuz- seuer auf- und abging, wollt« man einmal die Lein« strecken. Nach drei Tagen d vier Nächten langten wir in Moosesaw an. in der Prärie, Dort wurden nicht die Läden geschlossen: freundlich« Blick« grüßten die Logabund«» wie di« Soldaten«ine» siegreichen Heeres: die Weizenarmee. Und wie die Tage verstrichen, sah ich manch einen wieder: über den Zaun mit der Farmerstochter schäkern oder mit dem Zahnstocher im Mund großartig vor einem Restaurant stehen oder mit den Stiefelsohlen gegen die Frontsenster eine» Hotel, protzig im Streckstuhl sitzen und nach der gähnenden Hauptstraße hinausstarren, wo ab und zu ein berittener Backfisch den Staub aus- wirbelt«! Heute aber, wenn ich, der Geittleman-Mitreisend« im Baga- bundenzug, die Heimstätten dieser Leute abgehen würde, so träfe mich wohl überall derselbe Blick, der da sagt: Hollo, mein Freundchen. ich glaub«, der wirkliche Bogabünd im Zug«, das warst wohl du! Was aber die Bor in Montreal betrifft, di« ist unsichtbar nur. wenn zur Unzeit ein Polizist eintritt: da verschwinden Gläser und Flaschen und all di« alkoholischen Herrlichkeiten, wie die Wertpapiere eines Schreibtische», über den man di« Rolläden herunterzieht. Sie ist dicht beim großen Platz, wo man viele Gestalten in den Keller huschen sieht, die nicht wiederkommen. 3>oroihea Ziegel: f 000 Wochen Broadway Innerhalb der letzten hundert Jahre wurde au» einem selten betretenen Rinderpfad die größte Straße der Welt. Ihr« inter- «ssantest« Entwicklungsstufe aber liegt wohl innerhalb der letzten zwanzig Jahr«, zwischen Hochrad und Transatlanttkflug. Im Jahre 1908 bildet« sich aus einem Kreise der größte» New- Porter Kaufleu t«. Repräsentanten. Unternehmer und Finanzier» eine Gesellschaft, die das Sefchäftsleben am Broadway steigern wollt«. Diese Herren standen damals an einem schöne« Aprilmorgen am Fenster eine« kleinen Hotelzimmer» und sahen in eine Straße hinunter, di« noch nicht» von Wolkenkratzern wußte. Doch hatten olle, die diese erwachende Herzkammer der Well sahen,«ine Vision an, ihrer Jugend, da Grund und Boden hier noch Spiel- und Sportplätze der obersten Vierhundert gewesen. Weshalb sollte hier nicht der Pulsschlag der Welt klopfen, wenn man«st Handel und Industrie von einer gefahrverheißenden Dezentralisation zu retten vermocht«? Im Jahre 1824 wollte«in Grundeigentümer seinen Boden los- werden. Einem Kaufmann bot er ihn für 3000 Fünf-Cent-Zigarren an. Der akzeptierte ober nicht, da er„feine Zigarren auch überall gegen Kassa verkaufen könne..." Der Grund kostet jetzt schon 10 Millionen Dollar. 1927 brachte ein 40 Fuß breite« Gebäude ein« Iahresrente von 187 500 Dollar. Ein Teeraum am Broadway kostet täglich 137 Dollar Miete. Die Broadwoy-Gesellschost projek- tierte allein in den letzten fünf Iahren se 80 Millionen Dollar für Bauten und besitzt ein Siebentel des Gesamthausbesitzes von New Park. An den günstigsten Plätzen valutiert bei ihnen ein Quadratfuß mit 370 Dollar. In den ersten Jahnen des neuen Jahrhundert» wuchs ein« junge Industrie expansiv empor, Kovsektionehäuser und als Trabanten Süßwarengelchäft« für die Arbeiter verdrängten die wirtlichen Be- wohner der 5. Avenue. Di« Gebäude wurden durch Retlame ent- stellt, dt« Rocht- und Soniitugsarbeit der Maschiue»«achte das Dohnen in dem Distrikt zu einer Pein, und erst eine furchtbare Feuertatastrophe setzte dem Treiben ein End«. Bon da an begann man, die viel zu schmal« Straße zu er- weitern. Di« Honfa-Eabs und andere Wagen konnten nur müh- selig Schritt um Schritt vorwärts kommen. Mit Einwilligung der Stadt fielen Reihen von„kunstvollen" Fronten au« den Gründer» jähren. Die 5. Avenue war jetzt SS Fuß brett und diente nun in sachlichem, neuem Gewand« einem bereiis geregelten Verkehr. Unbewußt hatte man hier die erste und zweckmäßigste Autostraße ge- schaffen. Eine Bewegung unter dem Motto:„Rettet New Park" dämmt« den großen Strom ein, der den Broadway zu überfluten drohte. Man teilte die Stadt in Zonen ein, in Diertel, deren Note vor- gezeichnet war, und diese» System haben später SS3 Städte und Dörfer in den Staaten nachgeahmt. New Park hatte eine City. Eine besondere Broadway-Polizei, die sich aus einer Privat- wachgesellschaft bildete, ist Tag und Nacht auf dem Posten. Denn da gibt es Bettler, Hausierer. Wagenhändler. Vagabunden und An- reißer aus der dunklen Bowery. Es gibt keinen Umbau, keine Renovation, die nicht der Kontrolle dieser Beamten unterliegt. Ab- brucharbeiten werben mit derselben Sorgfalt registriert wie etwa offen« Auspuffklappen, schmutzig« Fenster in der Front, im- hygienische Anlogen oder störender Lärm. Die S. Avenue gestattet keine Leuchtreklame! Mögen sonst am Broadway die kochenden, brodelnden, bunten Lichter den Nacht. Himmel anspringen, w der S. Avenue bedient man sich einer dezenten ZeSam, Trotzdem Hai i/nin auch hier Außenseiter gehobt, die ihre Fenster mit lebendigen Leucht,lguren«isstottetrv. Ab« da» uvge. schrieben« Gefetz des Distrikt» hat ihnen bald da« Bleiben verleidet. Eo hat diese Straße ihr ehernes Gesicht, das man in der ganzen Welt kennt. Eine Stadt, die ihre Kirchen und Paläste der Spitz- hacke opfert, um aus Betonflächen und AsphattkanAen ein Gebilde zu schaffen, da» sich nun organisch au» sich heraus weiter zu ent- wickeln oermag, eine solche Stadt wird der alten Welt noch manche, Wunder offenbaren. Stiefen und Zwerge unter den dnfeMen Zn den größten Formen im Insektenreich gehören mehrere Arten der in den Tropen lebenden Gespensterheuschrecken, die eine Körperläng« von mehr als 30 Zentimeter aufweisen. Trotz ihrer langgestreckten Körper sehen diese Tier« aber ziemlich unansehnlich aus, weil Körper und Gliedmaßen sehr dünn sind und genau den laudlosen Pflanzenzweigen ähnlich sehen, zwischen denen diese Heu- schrecken sich aufzuhalten pflegen. Dagegen wirkt der größte Schmetterling der Erde, die in den amerikanischen Tropen ein- heimische Rieseneul« Erebu», viel massiger, da bei einer Flügel- spannweite von 30 Zentimeter auch der Körper dieses Falters vor- hältnismäßig brett und dick ist. Da die Erebus-Falter so groß sind. werden sie von den Indianern, die ihnen eifrig nachstellen, auch nicht im Netz gefangen, sondern fast immer mit dem Blasrohr— geschossen. In Brasilien lebt auch die größte Flieg« der Erde (BcaattiQner» pict»), ein Tier, dessen Körper bis 7 Zentimeter lang wird. Die gleichfalls in Südamerika vorkommende Riesenwanze Belostom» grande erreicht bei einer Flügelspannung von 18 Zenti- meter ein« Körperlänge von 10J4 Zentimeter und ist so kräftig, daß sie klein« Fisch« überwältigt. Auch bei einer exottschen Zikade (Pornponia) erreichen die Flügel bis zu 20 Zentimeter Weit«. Diesen Insektenriesen stehen Zwerge" mit so geringen Körpermaßen gegen- über, daß man sie mit unbewaffnetem Auge überhaupt kau im wahr- nimmt, denn die kleinsten Insekten der Welt sind Tierchen, deren Körperläng« nur Bruchteil« von Millimetern erreicht. Das after- kleinste Insekt der Erde ist nach den neuesten Feststellungen von Handlirsch ein Hauff lügler aus der Gruppe der Mymarinen mit einem Körperchen, da» nur 0,2 bis 0,3 Millimeter lang wird. Dann gibt es noch einen der Familie der Trichopterygiden angehörenden Zwergkäser, dessen Körperläng« etwa 0,2S Millimeter beträgt, Kleiner« Insekten hat man bis jetzt nicht gefunden. Ivoher stamm! die Erdbeere? Die Griechen und die Römer kannten zwar die Erdbeere, bauten sie aber nicht an. Erst die Mauren in Eüdspanien verhalfen ihr zum Ansehen. In den Gärten in Granado und Cordova gediehen die köstlichen Früchte, die sogar von den Dichtern am Hofe d« tunstliebenden Omajaden besungen wurden. Die maurische Erdbeere kam über Frankreich an den Rhein, wo wir sie schon im Jahre 1570 eingebürgert finden. Zu- gleich schlug sie durch die muselmonischen Länder den Weg nach Osten ein und gelangte so über di« Bolkan-Halbinsel noch'Wien, wo sie 1083 schon angepflanzt war. Inzwischen hatte sie in der aus Kanada stammenden Himbeer-Erdbeere eine Nebenbuhlerin ge- flmden. Diese, auch virginische Erdbeere genannt, wurde um die Mttte des 17. Jahrhunderts in England angebaut und kam bald darauf auch auf das Festland. Beide Sorten beherrschton den Markt, bis sie w der 1715 aus Chile nach Europa gebrachten Riesen- Erdbeere und 1767 in der aus Coyenne stammenden Ananas-Erd- beere wiederum gefährliche Rivalinnen fanden. ...-Irankrelch erhält einen Notionolpark. Ei» etwa 100 Quadrat- kllometer großes Gebiet in der Provence mit Sümpfen, Flußarmen. Aitwassern und steinigen Steppen, das als einziges in Europa noch Flamingos auszuweisen hat. ist zum sranzösifchen Naturschutzpark erklärt worden. Man will dort auch Xitxe ansiedeln, die im übrigen Frankreich im Aussterben begriffen sind. Alles in allem ein wenig erfreuliches Sonntagspro- gra mm. Es ist hier sehr oft darauf hingewiesen worden, daß{ich der Rundfunk bei den Uebertragungen mehr oder minder wichtiger Sportereignisse mehr Zurückhaltung auferlegen sollte. Sicherlich interessiert es sehr viele Menschen, welche Mannschaft nun die ent- scheidende Anzahl von Toren schließt, außerdem ist Alfred Braun ein ganz ausgezeichneter Reporter, aber es existieren auch sehr viele Hörer, die am Nachmittag nicht das Rasen einer sportbegeisterten Menge hören möchten, sondern vielleicht Musik oder ähnliche weniger aufregende Dinge. Durch die Uebertragung eines sicherlich welt- bewegenden Fußballspiels fiel das Konzert aus Nürnberg einfach aus. Drei Stunden ereiferte sich dafür Alfred Braun vor dem Mikrophon. Dann Lina Lossen, die herrliche Sprecherin, bei einem Bortrag von Dichtungen Hermann Hesses. Darauf spielt Marek Weber Phantasien, Tangos und Walzer, eben alles, was das Herz sich wünscht, sehr schmelzend, sehr sanft, sehr melodisch. In der Märchenstunde spricht Dora S a l o s ch i n Märchen, die keineswegs durch ihren Inhalt begeistern, die aber durch den warmen, einfühlenden Ton der Sprecherin das Interesse selbst der Erwachsenen erregen. Es kommt eben nicht allein auf den Stoff des Bortrages an, sondern auch auf die Art, denn bereits bei Goethe heißt es schon: „Allein der Vortrag macht des Redners Glückt F. S. Montag: Ein schönes Nachmittagsprogrmmn. Die Pioniftm Luise Gmeiner, ist«in« künstlerische Persönlichkeit. Sie be- wies es an Chopins O-Moll-Sonate, die sie herb, unsentimental. mit großer, klarer Linienführung spielte. Ihr Anschlag blieb, selbst in der virtuosen k'-Moll-Etüde von Liszt so sauber und weich, daß er dem Ohr ein Wohlgefallen war. Die Altistin Elli S endler ergänzte das Konzert mit Liedern von Tschaikowsky und Strauß.— Der„Internationale Programmaustausch" brachte am Abend eine Uebertragung aus Budapest, temperamentvolle Musik, von ersten Kräften ausgeführt.— Alfred Kerr gab Randglossen zu Tages- ereignissen unter dem Titel„Notizen". Nicht der Inhalt, sondern der Zweck dieser Plauderei war wesentlich: sie sollte helfen, die Menschen im Alltag wachzurütteln, sie zum Sehen, Hören, Verstehen zu erziehen. Borträge ähnlicher Art sollte der Rundfunk viel öfter bringen.— Hans Conrady sprach über die„Künstle- rischen und kulturellen Aufgaben des Tonfilms", und erörterte sachlich die ihm heute offen liegenden Möglichkeiten. — Dr. med. Ernst Rothes Ausführungen„Reife, wie du, wenn du, wenn du kommst, wünschen wir st. ge. reist zu sein", brachten manche beachtenswerte Anregung— leider eigentlich nur für solche, die über keinen allzu mageren Geldbeutel verfügen. Tes. parieinachrichien fürGroß-Nerlin Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW 68, Lindenstraße 3, stet, an da» Bezirktsekretaria» 3. Hos, 2 Treppe» recht», zu richte». II. Ättt« Köpenick. Mittwoch, 10. Juli, 18 H Uhr, wichtige Sitzung de» Kreis- bildungsausschusses in Köpenick, Schloßstr. 27, I. Jede» Mitglied muß bestimmt erscheinen. 20. Krei» Reinickendorf. Berichtigung! Der Senoss« Paul Tirpitz wohnt»'cht, wie irrtümlich angegeben, Hauptstr. 119, sondern: Retnickendors-Ost, Haupts«. 19a. heute, Dienstag. 9. Juli: 38. Abt. 1914 Uhr bei Bartusch, ssriedenstr. 88, Material abholen. abende am Mittwoch fallen au». Die Zahl- 47.»bt.„Unser Weg" und Markenmaterial kann umgehend vom Senoisen Marzanke, Köpenicker Str. 176. abgeholt werden. Morgen. Mittwoch. 10. Juli: In den nachstehend angegebenen Abteilungen fallen Zahlabende und Mitgliederversammlungen au«.— Dafür beteiligen sich alle Genossinnen und Genossen an der Mitgliederversammlung ihres kreise» heute Dienstag. 9„ resp. am Mittwoch, 1». Juli.(Siehe Sreisnachrichlen.) 8.«bt. 17.«bt. 30.«bt. 32.«bt. Mitgli-dobichrr sind mitzubriage». ZZ.«bt. 37.«bt. Drr schon angekündigte isamlli«nan»fluq nach Rauchfangzwerder ist a« Sonntag, dem 14. Juli. Spiele für«lt und Jung. Dadcanzua mit- bringen. Kasseetocheu. Tresspunlt 6% Uhr bei Raschle, Matternftr. 14.«b» marsch 7 Uhr. Bahnfahrt bi, Bahnhof Zeuthen und Motorbootfahrt. Zu- lammen 1 M. Säfte herzlichst willkommen. 39.«bt.„Unser Weg" ist»»» S-nosicn Schwab», Ritterstr. 20, abzuholen. 43.«bt. 70.«bt. Schoneberg. 81.«bt. Friedenau. Treffpunkt für die Kinder drr Ferienkolonie am Lanlee. platz.(Nicht Kaisereiche.) 88.«bt. Lichtenrade. 100.«bt. Rudow. Di« Zahl. abende sind erst am Mittwoch, dem 17. Juli. 106. Abt. Johannisthal. III.«bt. Bohn»dors. Donnerstag, 11. Juli, 20 Uhr, bei Seimann, Waltersdorier Straße 100, Fnnktionärsitznng.«»»gäbe»on wichtige« Material. 113. Abt. Lichtenberg. 116. Abt. Lichtenberg. 118. Abt. Lichtenberg. 119.«bt. Lichten- berg. 131.«bt. Riederfchönhansen. 134.«bt. Buch. 133.«bt. Karow. 139a.«bt. Tegel. Freie Scholle. Tresspunkt 19 Uhr an der Srrm»borser Straße. 140. Abt. Borsigwalde. Morgen, Mittwoch, 10. Juli: 21.«bt. 1014 Uhr Zahlabende in den bekannten Lokalen. 12«.«bt. Friel»rich»felde. 20 Uhr in Wiehes Sesellschcftsh-us, Wilhelm str. 38, Mitgliederversammlung. Vortrag:.Kulturpolitische Aufgaben in Staat und Gemeinde�. Referent: Christoph König. M. d. L. 122. Abt. Biesdorf. 20 Uhr bei Porath, Marzahner Str. A, MitgNederver. fammluna. Vortrog:.Der Fall des Republilschutzgefetzes*. Referent: Dr. Ernst Falck._ 124. Abt. Mohlsdorf. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Anders. Babnhof. straße 37. Vortrag:„Die Kommunalpolitik der SPD." Referent: Stadt. verordneter Franz Käming._. Eichwalde. Bei Lindner, Bahnhofstr. 12, Zohlabend. Bortrag:.Nach dem Magdeburger Barteitag". Referent: Wilhelm Krsigcr. Kohenneuendorf. Bei Jfsinq, Bahnhofshotel, Mitgliederversammlung. Bor- trag. Partei- und Semcindeangelcgenbeiten. Berschiedenes. Arauenveransialtungen. 7. Abt. Di« Genossinnen beteiligen sich restlos an der Kreismitgliederver- fanmilung im Sackcschen Los. Der Ausflug nach Lohenneuendorf fällt aus. Näheres über den Ausflug in der Sonntagnummcr. 130. Abt. Reinickendorf. Oft. Donnerstag, 11. Juli, 20 Uhr, Funktwnärinnen- sttzung in der Lindener Straße. Jungsozialisien. Achtung, Sruppenlelter! Die Gruppenprogramm« für Angnsi uud die Teilnehmerzahl für die Landagitotionsfahrt a« 4.«nguft sind bi»»nm 13. Juli<--» Kurt Zingelmnn». Schöneberg, Fritz-Reuter-Straß«. einzusenden. Ebenso find all« Aasragen»nd Angelegenheiten bis zum 31. Jnli, die die Ber. ciniguug bctrasfen, an den Seuoffcn Ziagclmann zu richten. Srnppe Liohtenberg. Heute, Dienstag, 20 Uhr, im Jugendheim Gunter- straße 44, Vortrug:„Die Rolle der Kommunistischen Partei in der deutschen Arbeiterbewegung":. Referent: Hans Seigewasier. Geburtslage, Jubiläen usw. 117. Abt. Lichtender.?. Unser Senosi« Rudolf Hornel begeht heut« seinen 75 Geburtstag. Als inuz?>, Bursche hat et schon mit unserem Angnsi Bebcl in Leipzig während de, z. zzialistengeietzes für die Bcrbreitung be» Sozia- li«m», beigetragen. Wir wtzzkchen den Jubilar, welcher beute noch in geistiger und körperlicher Frische«■ d.-n Parteiarbeiten teilnimmt, einen frohen Lebru»ate»d. Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation 18. Krei, Weißensee. Am Freirag, 3. Juli, verstarb infolge«in«, Un. glllcksfalle, auf unserem Volksie,'t unser Jugendgenosse und Turner Kur Koch, ein eifriger Förderer der Iug.nbdcwegu.ig und des Sports. Ehre seinen: Antenken. Beerdigung am Mittwoch, 10 Juli. 13 Uhr, aus 6cm Gemeinde friedhof. Roelckestraße. Die Genossen werden>-m rege Beteiligung gebeten 24. Abt. Unsere liebe Genossin Anna Pähl. Mgrienburgcr Str. 34, ist plötzlich am 7. Juli nach längerer Krankheit im Hufeland-Hoipital verstorben. Sie bat lange Jobre hindurch ber Partei ihre gunze Kraft zur Berlügunr gestellt. Ehre ihrem Andenken. Beerdigung am MittoG. 10. Juli. 16 Uhr. aus dem Immanurlfriebhof. Weißensee, Faikenbergeir Straße. 30. Abt. Unser Genosse Louis Houfchiid. Polizetwachtmeisirr, Hollesche? Ufer 26, ist am 23. Juni verstorben. Ehre keinem Andenken. 55. Abt. Eharlottenburg. Am 29. Juni verstarb unser Genosse, der Amt-. rat Julius Priester. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. Ehre seine n Andenken. 01. Abt. Neukölln. Unker Genosse Kurt Körner, Flughafei-str. 55, ist seinen Leiben erlegen. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung erfolgt am Mit■ wach, dem 10. Juli, 19 Uhr, in Baumschuienwrg. Rege Beteiligung wird erbeten._ Vortrage, Vereine und Versammltmge??. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Sebastianstr Z7<38 So» 2?> Dienstag, 9. Juli. Köpenick(Drtsoerein). 19Z4 Uhr engere To --- standssttzung bei Broun, Flcmmingstr. 11. Kameradschakr. 21 II!' erweitert« Vorstandssitzung bei Braun.— Donnerstag, 11. Jnl:. Tierqaitc Kameradschaft Hansa. 20 Uhr bei Trstmper Fiensburger Str. 3. außerord:n- liche Generalversammlung Erscheinen Pflicht Prenzlauer Berg. Beksamr.- wng um 20 Uhr. Kameradschaft Balkan bei Bogel, Iablonskistr. 9.»am radschaft Konigstor bei Rösner, Immanuelkirchstr. 25. Kameradschaft Fa.- bei Zeuge. Milastr. 5.«reu, berg. Sportler. Jeden Donnerstag von lb b■ 2014 Ul>r in Treptow, Spielwiese 9.— Frietrichshain. Kam Frank-ur Dienstag, 9 Juli. 20 Uhr. Lersammluna bei Otto. Rigaer Ecke Proskan- Straße. Erscheinen Pflicht.— Neukölln. Britz. Mittwoch 10. JuI-. Jungbgnii.". Ab 16 Uhr Sportabend auf dem Platze an der Innstraße.— Meißens««. M, woch. 10. Juli.(Drtsverein.) 18 Uhr Vorstandssttzung mit den technzsche i Funktionären im Berliner Sos. 20 Uhr außerordenliiche Mitgliederversammlung im gleichen Lokal. Erscheinen Pflicht.— Wedding. D>« Turnhalle Iii- ticher Straße ist im Juli geschlossen. Uebiingsobende Dienstag Eportp.al Rebberge. Mittwach und Freitag Svorlvlatz Sumboldthain. ab 10 Uhr Sau P� training Dienstag.- Neulölln. Britz Tau,, Orth. Ad. Bedeer 1 Winfer ★ Ciarren* 8 Ubr> Zenlx. 2819» Baidien erlanht Grofte TarietC-Sdiaa | Sommer-Garten-Theater Berliner Prater 1 N 58, Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 ' Gflstipibl fiisttl Ben, ki, ist Ullen ZareavUsda » Operette von Franz Lehär 1 Dazu der große Varleltteil. ' Anfang Konzert 4.J0. Burleske u. Variete s um. Operette uo. | jeden Donnnntag ort) her Vollniig. , jed. Mittw. Klodertest n. Verlosnno eeeseeeseweeseeeee VoiKsbtUine Tbeitir amBlllowpliti 8i/. Uhr Berun, wie es wenn o. lacht staanopernn PliU der Bepohllk • 8 Uhr Cardillac Theater an SdüUfeaDerdainm. Norden 1141 n. 281 8»/. Uhr Gruppe Junger Stbausplcler Revolte In EnlelBagshaas (llmnumits- besetiug) Oentsdin Theater D.I. Norden 12310 8U„ Ende gegen 11 Die Fledermaus Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung und Leitung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Rainer Die EomSdie J 1 Bismck.2414/7516 SV*, Ende geg.!d%üi Reporter 3 Akte v. Ben Hechi und Mac Arthur Regle: BdlU BDptrL Samowsky- Bahnen Theater in der KOnlggrätzer Straße Bergmann 2110 Täglich N/a Uhr Rivalen KomSdianhaus Norden 6304 Täglich 8V1 Uhr Boi&zeitsreise Sommerpreise 1 rhdai.im KotibJor Kottb.Str.6 Tigl.SUhr Elite- sangar Nenes PragraniRi! Ab 17�31. 7. Gastspiel dir 9 Original Idlpzlncr Frlu-W«b»r-SdB06i Planelarlam — am Zoo——- Vostai. Judumftaltr Sind B. 5 Barbarossa 5578. 15V. Uhr Stcrnbltd.r des Sommers 18", Uhr Der Blatte I der Sonne 20". U. Von Pol zu Po am Sternenhimmel Tllgl. außer Momag! u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.; Erwachsene 50 PL. Kinder 25 PL TUeat. d. Westens Täglich 8V. Uhr Sonntag S'h d. 8Vi Franz Lehars Wcltcrtolgi Friederike Ilse Muth, Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 LDStspiolliaBJi Täglich 8V, Uhr RevoiDtion bei Stera's Rundfunkhörer halbe Preise. Netropol-Tli. TägLSV. Uhr Sonntags ä1*, u. 8V. Blanbarl Operette von Offenbach Kammersänger Leo Sie: ängei zak Am Freitag, R. JiilL verstarb durch Unglücksfall unser Zugendgenosse Kurt Koch im 18. Lebensjahr«, ein eifriger För- derer der Zugendbeweanng und des Sports Ein ehrendes Andenken bewahren ihm 5?l>. Weibezuee. SAJ. Weißense«. Beerdigung Mittmoch, 10. Juli, 15 Uhr, auf dem Semetndefriedhof Roelckestraße. »MMMMUMMMUM NM MM Vllll Ml neb««»MI IlllillMIIlllttilltllUIMllllllllttl Ilr. Niidii, Nach langem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden entschlief heute morgen Im 58. Lebensjahr mein innigstgeliebter, treusorgender Mann, Vater und Schwiegervater, der Buchmacher Georg Felsmann In tiefer Trauer Was da FeUmean, geb. Schilling Fanny Hühl, geb. Fetsmann ueorg tttim Berlin-Tempelhot, den 6. Jnli 1929. Berliner Straße 38 Die Beisetzung findet am Mit twoch, dem 10. Juli, vormittags 11 Uhr, von d'er Kapelle des Kirchhofs der Gemeinde Temp.elhof. Ger- maniastraße 59-65, aus statt. 1 Aogeaant NenKölln. Berostr. 12. Der keköminlidisie kacilabak ist Kapitän, 15 d.20 Piffl- Vkf. Fordern Sie In den Qcschäften au8drflckU.:n diesen. I KLEINE ANZElGENl Jedes Wort 12 Pf. 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