y Morgenausgabe Mittwoch äämjfa... Wf 10. 3uli 1929 rr�Ä-ssaas �■fljj � �>IchII.ßN» S0P,g.P°sIz,twn� JHB h�SS■ H■ WS■■■■■■ // M" Tgfg�S&f? nsfa Postdksl-llg-dühr-w Hmlmb». H| u �0 �0■ W» HH �0 Ov 0B 00 p— «ionntmcm 8.— TO. pro Süsnob 19[TM■■■■■■■■■ �■ Dl � �*�1' ÄV��'S *-rmM I M MV B Mit JB.V�AkiH flw B B ��BwkSW mark.„Aletn- Antigen- da» fettg* SrfÄSÄiÄ B fl jyp-#> HM.M. I �ffV S�arsase sjäS'S« MM- � � V#> ZI iS'-awsÄÄ SfblÄ- und-°HI-N für jmtl Watt-«rbtllmartl isssg � Veeliner Vottsblatt �VZWS Jentealorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin. SW 68. Lindenstrotze S /ft... f. a iwnwikchn: S-önboft 292—291 teltBiormn-abt.; 6ojta[bmofrat verli»-4' OtWOrfÖ-�CrlOQ G. M. 0.H. Frankreichs Antwort. Konserenz tn einem neutralen Ort Anfang August gewünscht. Paris, g. 3 tili. sElgenberlcht.) Der Text der Antwortaote der französischen Re- g i e r u n g aus das lehte englische Aide Memoire über den Ort und die Ausgaben der diplomatischen Konferenz wurde am Dienstag morgen vom Ministerrat genehmigt und ist bereits am Nachmittag in London überreicht worden. Frankreich erNärt sich in der Rote mit dem Zusammentritt der Konferenz in den ersten Tagen des August cinvcr- standen und ist auch zu erheblichen Zugeständnissen bezüglich der Ausgaben der Konserenz bereit. Die meisten der mit dem poung-plan zusammenhängenden Fragen sollen in den Dollsihungen behandelt werden, an denen auch die Vertreter der mit Frankreich verbündeten kleinen Mächte und evtl. die D o m i n o v s teilnehmen würden. Einige Spezialsragen, so vor allem Statut und Organisation der Reparationsbank. sollen in einer Spezialkommission beraten werden. Das gleiche gilt für die Rheinlandsrage, au deren Beratung nur die sechs Großmächte teilnehmen würden. Die französische Regierung begründet in der Rote endlich ihren Wunsch, daß die Konserenz au einem neutralen Ort tage, da dort allein eine völlig ruhige Atmosphäre gegeben sei. GnowdenS kritischer Vorbehalt zum �oung-plan. London, S. Juli.(Eigenbericht.) Der Schatzkanzler der Arbeiterregierung, Philipp Snow- den, erklärte am Dienstag im Unterhaus in Beantwortung einer Reihe an ihn gestellter Fragen, daß die Regierung die E r ö r t e> rungen über'die Reparationsfrage, die in Paris vor sich gingen, mit größtem Interesse verfolgte. Die konservative Re- gierung habe bereits bei Beginn der Besprechungen über die Fun- dierung der französischen Kriegsschulden grund- sätzlich betont, daß jede französische Zahlung an Amerika von einer gleichzeitigen proportional entsprechenden Zah- lung an Großbritannien begleitet sein müsse. Die gegen- wärtige Regierung müsse auf den von ihrer Vorgängerin fest- gelegten Grundsätzen bestehen. Im weiteren Verlauf des Frage- und Antwortspiels zwischen Abgeordneten und dem Schatzkanzler erklärte Snowden, daß Groß- britannien keineswegs auf die Vorschläge des goung-verichls festgelegt sei Die Regierung wäre durchaus in der Lage, aus der kommen- den Reparationskonserenz Aenderungen Im Expertenplan zu- Der Preußische Landtag hat am Dienstag den Staats- vertrag zwischen Preußen und der Kürte in dritter Lesung mit 243 gegen 172 Stimmen endgültig ange- nommen. « Für den Vertrag stimmten die drei Regierungsparteien und die Wirtschostspartei, dagegen, aus Gegnerschaft gegen den Inhalt des Vertrages, die merkwürdige Zusammenstellung von Deutscher Volkspartei, Kommunisten und Rationalsozialiften. wegen der angeblichen Zurücksetzung der evangelischen Kirche die-Leuftch- nationalen. Die Kommunisten überhäuften die Sozialdemokraten wegen ihrer Zustimmung zu diesem Staatsvertrag noch einmal mit wüsten Beschimpfungen. Sie müssen aber wohl überzeugt sein, daß das Konkordat seinem Inhalt nach zu solchen Angrisfen gar keinen Anlaß bietet, denn sie erfanden die wirklich plump« Lüge, daß die Zustimmung der Wirtschaftspartei durch ein Versprechen der Mict- erhöhung erkauft worden wäre. Dabei waren die Kommunisten so total von allen guten Geistern verlassen, daß sie gegen den sozialdemok ratischen Antrag stimmten, durch den der Regierung das Recht gegeben wurde, den Freidenke rorgani- sationen von sich aus die Rechte ösfentlicher Körperschaften zu verleihen. Erst sehr energische Zuruse veranlaßten die kam- munistischen Vorkämpfer der Freidenker, sich wenigstens der Stimm« zu enthalten. Mit den Stimmen des Zentrums wurde der Antrag zugunsten der Freidenker ange- nommen. Der Kamps um das Konkordat war damit abgcschlosien. Wir sind überzeugt, daß er in den breitesten Volkomassen noch rascher vergessen sein wird als andere große politische Kämpfe. Denn tat- sächlich wird von diesem Kirchenoertrag niemand in ganz Deutsch- erlangen. Die im Poung-Plan empfohlene Abänderung der sogenannten Spar-Prozente würde für Großbritannien den jährlichen Durchschnittsverlust von ungefähr 48 Millionen Mark bedeuten. Auf der Basis einer S�prozentigen Verzinsung kapita- lisiert, stelle diese Summe schätzungsweise einen Betrog von 740 Millionen Mark dar. Es müsse jedoch hinzugefügt werden, daß der Großteil dieser Verluste erst nach zehn Iah- r e n eintreten würde. Snowden steMe hierauf fest, daß die fran- zösische Regierung nach dem Poung-Plan einen wesentlichen Teil der deutschen Mußzahlungen erhalten werde, daß Frankreich jedoch verpflichtet sei, einen Garantiefonds in der Höhe von 500 Millionen Mark zur Deckung eventueller Verluste der übrigen Gläubigerstaaten zu schaffen. Der britische Anteil sei jedoch im Fall einer tatsächlichen Schaffung dieses Gorantiesonds so lange nicht ernstlich bedroht, als die Verzögerungen der deutschen Zah- lungen sich in der vom Poung-Plan vorgesehenen Frist von zwei Iahren halten. Gegen eine längere deutsche Zahlungssäumnis werde der Garantiefonds Großbritannien allerdings keinerlei Sicherheit bieten. Sofern man diese letztgenannte Möglichkeit über- Haupt in Betracht ziehe, stellten die Vorschläge des Poung-Planes eine Priorität in Frankreich und Italien über Großbritannien dar. Im Verlauf der Debatte über Industrieschutz erklärte der Schatz- kanzler, er hoffe, daß die Arbeiterregierung im Verlauf ihrer Regierungszeit in der Lage sein werde, alle Lebensmittel- Einfuhrzölle völlig zu beseitigen. Deutscher Schritt in Paris. p a r i s. g. Zuli. Der deutsche Botschafter v. hoesch hat im verlaus seiner gestrigen Unterredung mit Außenminister B r i a n d über die vor- bereitung der Regierungskonserenz dem sranzösischen Außenminister eine A u f z e i 6) n u n g unterbreitet, die sich mit dem organisatorischen Ausbau dieser Konserenz beschäftigt und diesbezügliche deutsche Vorschläge enthält. Dieses Dokument ist, wie verlautet, auch in London, Rom nnd Brüssel überreicht worden. Es wird der Vorschlag gemacht, in beschleunigter weise die Im Anhang zum Doung-Plan vorgesehenen Organisationskomitces zusammentreten zu lassen, und zwar, wenn irgend möglich, bereits am 15. Zuli in Berlin. Eine Entscheidung über diese Frage dürste bereits in den nächsten Tagen zu erwarten sein. land etwas zu spürer» bekommen, weder ein Lehrer, noch ein Arbeiter, und tatsächlich wird durch diesen Kirchenvertrag am be- stehenden Rechtszustand auch nicht im geringsten etwas zum Nachteil des Staates geändert. Der Landtag wandte sich dann der Erledigung eines halben Dutzend von M i ß t r a u e n s o n t r ä g e n zu, die von allen Rechtsparteien beantragt waren, teils wegen der Studenten- ausschreit ungen am 28. Juni in Berlin, teils wegen der Frankfurter Reichsbannerrede des Genosien Grzesinski. Die Debatte darüber nahm viele Stunden in Anspruch und zog sich bis spät in den Abend hin. Besondere politische Bedeutung kam, dieses minderwertige Sommertheater nicht beanspruchen. Ministerpräsident Braun erklärte kurz und klar, daß Studenten, die die Bannmeile verletzen, von der Polizei genau so behandelt werden müßten wie kommunistische Arbeiter, die dos gleiche tun, und Innenminister Grzesinski erläuterte seine Frankfurter Reichsbonnerred«, in der er von den Laternenpfählen gesprochen hatte, sehr einfach, indem«r ihren Wortlaut vorlas. Di« Abstimmung über die lächerlich gehäuften Mißtrauens- voten findet am Donnerstagmittag statt. Großfeuer in Alt- Stralau Die Engelhardt-Arauerei brennt. Die Engelhardt- Brauerei in Alt-Ttralau wurde gestern abend von einem verheerenden Groß- feucr heimgesucht. Bei Redaktionsschluß ist noch ein großes Feueraufgebot mit den Löscharbeitcu beschäftigt. (Weiterer Bericht siehe 2. Seite 1. Beilage.) Postscheckkonto: eetlln 87636.- Bankkonto: Bank der«rdetter, Angestellte« und©ernnten Wallstr. 65. Dtikonio-Gel-llschasl. DepositenkaN« Lindenstr. 8 Oanzig und Gdingen. Vom Fischerdorf zum �onkurrenzhafen. Vou Fritz Hirschfeld-Danzig, 2IIs vor etwa neun Jahren langsam und zaghaft in einem kleinen polnisch gewordenen Fischerdörfchen an der Ostsee die ersten Spatenstiche zum Bau eines großen Hafens getan wur- den, variierten die Danziger Freunde des Herrn H e r g t sein l bekanntes Wort aus dem Weltkrieg von den„Amerikanern, die nicht über den Ozean fliegen konnten": Laßt die Polen in Gdingen nur ruhig bauen, meinten sie, daraus wird doch nichts, und wenn, dann wird kein Schiff, das eine andere als die polnische Flagge trägt, in diesem Hasen anlegen. Nun, die Herren haben sich mit derselben Eleganz geirrt wie damals Hergt. Die Polen haben gebaut, sie bauen noch, und es fahren Schiffe aus und ein, deren Flaggen den ver- fchiedensten Nationen angehören. Aus dem Fischerdorf Gdingen ist in nicht einmal zehn Iahren eine Stadt von 30(KK) Einwohnern geworden. Eine Stadt, von der man meinen könnte, sie sei hergerichtet für eine Filmaufnahme. So fast unwirklich ist sie für west- europäische Begriffe. Auf einem großen Gelände verstreut stehen Villen und kleine Häuschen, Bretterbuden mit Stroh- dächern, kleine, halbzerfallene Katen und unmittelbar daneben erheben sich großartige moderne Bauten, Staatsgebäude, die eine Zier für jede Großstadt sein könnten, städtische Bauten und Wohnhäuser. Eine Bautätigkeit ist hier entfaltet worden, zu der nicht nur der irrationale Begriff des polnischen Nationalstolzes, sondern in erster Linie der reelle Wert guten Geldes aus der Tasche der Steuer- z a h l e r verwendet worden ist. Und dieses Geld ist es auch, das Gdingen daran denken läßt, in nächster Zeit ein großes Theater, ein Krankenhaus und wer weiß was noch alles zu bauen. Vorläufig aber genügen noch für die„kul- turellen Bedürfnisse" dieser aus dem Boden gestampften Stadt einige Kaffees mit Musik und Tanzdielen. Und wichtiger als ein Theaterbau ist für eine Hafenstadt die Anlage guter Straßen. Außerdem sieht es besser aus und wirkt repräsen- tativer, wenn die Verkehrspolizisten, die heute an den Kreuzungspunkten von schlechten Dorfstraßen stehen, auf Pflastersteinen oder gar Asphalt ihren bisher nicht sehr an- strengenden Dienst versehen. Edingen ist also als Stadt sehr interessant. Aber es hat den Borzug. noch mehr zu sein. Es ist ein„P r o b l e m". Militärisch, wirtschaftlich und politisch. Ein Problem, das unter engerem polnischen Gesichtswinkel seine erfreulichen Seiten haben mag, unter Danziger Aspekten einige Bedenklich- ketten hat, und vom deutschen Standpunkt aus auch nicht mit den angenehmsten Gefühlen betrachtet werden kann. Das Militärische sei hier ausgeschaltet, obwohl Gdingen wohl vor allem darum entstanden ist. Das Politische ergibt sich, wie überall, aus dem Wirtschaftlichen. Gdingen hat heute einen fast so großen Schiffsverkehr wie die alie 5zafenstadt Königsberg. Nach dem polnischen Projekt soll es 1932 der modernste Hafen der Ostsee sein. Es ist kein Zweifel, daß es Polen gelingen wird, wenn vielleicht auch nicht in der vor- gesehenen Zeit, so doch einige Jahre später, dieses Ziel zu verwirklichen. Schon in diesem Jahre soll Gdingen die gleiche Umschlagsfähigkeit haben, die im vergangenen Jahre Danzig geleistet hat. An sich ließe sich wenig dagegen einwenden, daß ein 30-Millionen-Staat neben dem Hafen des Freistaates Danzig, durch den ihm ja„der freie Zugang zum Meere" gewährleistet ist, noch einen eigenen Hafen besitzt. Doch diese beiden Häfen liegen in der Luftlinie nur 15 Kilometer ausein- ander, so daß man mit bloßem Auge ganz klar und beut- lich von dem einen Hafen aus die Schiffe auf der Reede des anderen Hafens liegen sieht. Platonisch ist Gdingen also nur eine gewaltige Erweiterung des Danziger Hafens auf polni- schem Boden. Praktisch dagegen ist es ein eigener, unter Um- ständen sogar ein K o n k"u r re n z h a f e n. Denn Gdingen besitzt eine eigene Eisenbahnzufuhrstraße, die der polnische Verkehrsminister Kühn in einem Artikel als„eine Umgehung Danzigs" bezeichnet hat. Bei dem Bau des Hafens Gdingen hat man an alle Eventualitäten gedacht und sich darauf eingerichtet, ganz ab- gesehen von der Konkurrenz gegen die deutschen Häfen, auch mit Danzig auf das Vabanqu'e-,.Spiel der freien Kräfte" ein- lassen zu können. In Danzig selbst haben zuerst die Leute mit dem kaufmännischen Fingerspitzengefühl diese Tatsache in ihre Kalkulationen einbezogen und sind unter großzügiger Zurück- stellung ihrer sonst so gern betonten inneren Verbundenheit mit Deutschland nach Gdingen übergesiedelt. Fast alle Danziger Großfirmen sind dort bereits vertreten, einzelne Warenzweige sind ganz und gar„ausgewandert". Man scheint demnach auf die Zukunft Gdingens min- destens ebenso viel zu geben wie auf die Gegenwart Danzigs. Das ist um so verwunderlicher, als auch der Danziger Hafen sich ständig modernisiert und außerdem Polen verpflichtet ist, den„Hafen Danzigs voll auszunutzen." Der polnische Handelsminister Kwiatkowski, der als Ingenieur gern Vergleiche aus der Physik heranzieht, hat einmal die Erscheinungen der Wirtschast in Parallele zu den Kirchenvertrag angenommen. Mit großer Mehrheit.— Debatte über die Mißtrauensantrage. i Koltschak kommt! Mnden Sie, daß Towaritsch sich richtig verhält? Erscheinungen der Natur gesetzt:„Die dünnste Hülle eines Kinderballuns kann den mächtigsten Druckkräften standhalten, menn der von außen und von innen kommende Druck sich die Waage halten. Der auf die Grenzen Polens von außen her wirkende Druck ist von Polen fast unabhängig-, wir mästen und können daher vor allem den von innen herkommenden Druck regulieren." Und er nannte die Ansicht veraltet, daß diesen Druck von innen eine gut gehrillte Armee sckiaffen könne. Es komme vielmehr auf die Organisation des Staates und die Dynamik der sozialen Kräfte an. Die Lösung des wirtschaftlichen Problems Polens liege darin, sich des Meeres als„aktiven ökonomischen Instrumentes" zu bedienen. Der Ausgangs- punkt dazu seien die Häfen von Danzig und Edingen. Mit anderen.Worten: Der verantwortliche Wirtschafts- minister Polens rechnet, daß die Wirtschaft Polens sich stark entwickelt, und daß die Konsumfähigkeit der Bewohner sich steigert. Diese Zukunftsmusik ist für beide Teile von einer erfreulichen Klangfülle. Es liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit, daß ein Zg-Millionen-Staat zwei Häfen(wovon der ein- ein Freistaat ist) sehr gut gebrauchen kann. Vor- läusig aber leben wir in der Gegenwart, und die sieht nie so rosig' aus wie die Zukunft gemalt werden kann. In der Gegenwart werden die Politiker und die Juristen eins der schwersten Problems des Ostens, wenn nicht zu lösen, so doch auf die reale Formel erträglichen Nebeneinanderarbeitens zu bringen haben. Danzig ist imstande, heute den gesamten seewärtigen Worenaustausch Polens zu bewältigen. Der Internationale Hafenausschuß in Danzig ist vertraglich verpflichtet,„den Ausbau und die Verbesserung des Hafens und der Verbin- dungswege sicherzustellen, um allen Vedürfnisten des Ver» kehrs zu genügen." So gerät zwangsläufig der Ausbau Gdingens in Widerspruch zu den bestehenden Verträgen. Wie dieser Widerspruch aufgehoben wird— tatsächlich kann er es nur durch eine gewaltige Steigerung des polnischen Warenaus- tausches, die aber noch in weiter Ferne liegt— das ist die Frage, an der Deutschland genau soviel Interesse hat wie das in seinem Wirtschaftsleben von Polen abhängige Danzig. Groener über Schwarzroigold. Sine Dfode über die Tradition. Der Reichswehrminister hat bei einem Besuch der Marineschule Munoik eine längere Ansprache gehalten, in der er die B e- deutung der Tradition für die Reichswehr be- sprach. Die Tradition stelle die Verbindung zwischen Vergangen- I>-it und Gegenwort dar. Das alte Heer sei ein wundervolles Kriegsinstrument gewesen, aber schwere Irrungen und Wir- rungen der Führung wären den Leistungen der Truppe nicht -erecht geworden. Darum müßten die Verbindungen der Tradition in er st er Linie zurückgehen auf die Truppe. Der Minister ging dann auf die Flaggenfrog« ein, indem er ausführte: „Der jungen Wehrmacht obliegt aber noch eine ganz besondere Verpflichtung der Tradition. Wenn heute auf diesem Hause neben lex Kriegsslagge Schwarzweißrot die neue Rcichsflagge w e h t, S ch w o r z r o t g o l d, so soll das bedeuten, daß die beiden zusammengehöre», daß nicht ein Gegensatz besteht, daß Nicht daraus oeschlossen werden kann, die Wehrmacht ist etwas anderes als das Reich, ist etwa ein Staat im Staate. Die Wehrmacht ist nichts als«in Teil, ein wichtiger Teil des ganzen Volkes und ist das Machtinstrument der Deutschen R e p ub l i t, an dem von keiner Seile gerüttelt werden darf. Wenn die Flaggen oben friedlich zusammcnwehen, so bedeutet das die Verbindung der Vergangenheit mit der Zukunft, und zwar die Ver- bindung einer Vergangenheit nicht etwa nur von 1314 und kurz vorher oder der Vergangenheit seit 1873, sondern es bedeutet die Verbindung mit einer sehr viel früheren Ver- gangen heir. Denn die Farben Schwarzrotgold haben eine sehr viel längere Vergangenheit als die jchwarzweißroten. Das müssen wir uns immer wieder vor Augen halten. Insbesondere hier in Schleswig-Holstein muß es einem ja entgegentreten, daß der erst« Befreiungskampf von Schleswig-Holstein stattfand unter dem Flattern von Schwarzrotgold. Und noch weiter zurück gehen die Farben aus die alten Burschenschaften, auf die Lützowschen Jäger, ja, letzten Endes bis auf die Hohenstaufen in den Farben schwarz und gold. Es ist in diesen Farben ein Vermächtnis aus uralter Zeit zu sehen. Wenn wir nun in Erinnerung an die Einigung des deutschen Volkes und an die Waffentaten der alten Wehrmacht in unserer Kriegsslagge die Farben Schwarzweißrot führen dürsen, so entsteht daraus für uns Soldaten die ganz besondere Verpflichtung, auch dt« Farben der Deutschen Republik hochzuhalten, der wir Treue geschworen haben." Die Regierungsbildung in Mecklenburg. Eröffnung des Landtags.— Wahl des Präsidiums.—?iück> tritt der alten Regierung. Schwerin, 9. Juli. In der heute nachmittag um 3% Uhr von dem Abg. der Einheits- liste Huchthausen als Alterspräsident erössnet-n ersten Sitzung des ü. ordentlichen Landtags wurde mit 45 von 51 abgegebenen Stimmen der Abg. der Einheitsliste, der Wirtschaftsparteiler Lau- bach, zum Präsidenten gewählt. Laubach nahm die Wahl an und versprach, die Geschäfte unparteiisch führen zu wollen. Zum Vizepräsidenten wurde der jozialdem akratische Landtagsabgeordnetc Höcker. Amtshauptmann in Gü- strow, der im 5. ordentlichen Landtag das Amt des Landtagspräsi- denten innehatte, gewählt. Das S l a a t s in i n i st e r i u m hat heute vormittag beim Land- tagsoorsitzenden die ErNärung abgegeben, daß die drei Minister des >-taatsminist«riumz zurücktreten werden. Diese Erklärung wurde in der heutigen Sitzung des neugewählten Landtages nach der Wahl des Landtagspräsidcnten verlesen. Die K o a l i t i o n s v c r h a n d l u n g c n in Mecklenburg zwischen der Einheitssraktion nationaler Mecklenburger, den National- sozialisten und dem Bauernbund wurden gestern abend bis 1 Uhr nachts fortgesetzt und dann bis morgen 13 Uhr vertagt. Ueber das R e g i c ru n g s p r o g r a m m wurde im großen ganzen eine Einigung erzielt. Es wurde beschloffen, bei der Bildung einer Rechisreoicrung die Zahl der Minister von drei aus zwei zu be- schränken. Als Ministerpräsident wurde der Spitzenkandidat der Einheitssraktion, Landwirtschastskommerpräsident Eschenburg in Aussicht genoininen. Ueber die Person des zmeiten Ministers wurde man sich bis gestern abend innerhalb der Einheitssraktion noch nicht endgültig schlüssig. (Gk!.) Di« Säuberung de» Sowjetapparat«» van unzuverlässigen Elementen und die Untersuchung der Zustände in den Zellen der Kommunistischen Partei scheint trotz der lang« Zeit hin- durch betriebenen Vorbereitungen in den entlegeneren Bezirken zu recht sonderbaren Vorkommnissen zu führen, die ge- legentlich einen stark komischen Beigeschmack haben. In Noschenstoje, einer sibirischen Ortschaft, hatte die Lei- tung der örtlichen Parteizellc einen höchst seltsamen Plan entworfen, um die Zuverlässigkeit und Geistesgegenwart der Parteigenossen zu prüfen. Di« leitend« Gruppe überrumpelte in Verkleidung, und zwar in der Uniform von Offizieren der alten k a i s e r- l i ch nissischen Arme«, um Mitternacht die einzelnen Kommunisten, wobei ein angeblich erfolgter sowjekfeindllcher Umsturz fingiert wurde. Das Vechalten der dieser Nervenprobe unterworfenen Personen wurde dabei auf da» genaueste beobachtet und danach soll imn über da» weitere Derbleiben in der Partei entschieden werden. Begreiflicherweise führte diese sensationelle Maskerade zu einer Panik. Die Weiber liefen heulend durch die uächtllch dunklen Straßen und schrien, Äokfchak(der bekannllich längst erschossene Führer der gezenrevolulionärcn Armee in Sibirien) sei wiedergekommen. Zur Konkordatsabstimmung. Sine ErNärung. Die unterzeichneten Mitglieder der Fraktion der SPD. de» Preußischen Landtages sind gemäß den Grundsätzen de» Parteipro- grannns Gegner der Regelung der Derhältnisi« des preußischen Staates zur katholischen Kirch« durch ein Konkordat. In der Fraktion mit dieser Auffassung in der Minderheit ge- blieben, fügen sie sich dem Fraktionsbeschluß auf Abstimmungs- zwang, indem sie die Geschlossenheit der Fraktion und die Partei» cinheit ihrer persönlichen Auffassung voranstellen. Berlin, den 9. Juli 1929. Richard Schallock, Harnisch(Neukölln), Sabach, Georg Maderchoiz, Otto Meier(Berlin), M. Fechner, Eduard Zochert, Kari Weiner, Ioh. Kleinspehn, Franken(Zeitz), Wilhelm Weidemann, Otter (Bochum), Georg Klaußner, Heinrich Mehrhof, R. Mick(Oberursel), Kirchmann(Stralsund). Reichsgericht! Es hält Spetrgeseh für verfassungsändernd. Der sechst« Zivilsenat de» Reichsgerichts al» Schiedsgericht für die Frag« der Rente des landgräflich hessischen Hause» hat in seiner gestrigen Verhandlung das vom Reichstag beschlossene und von der Reichsregicrung verkündete Sperrgesetz für oerfassungs- ändernd erklärt, soweit«» sich auf Schiedsverträge bezieht, und ist infolgedessen in die Verhandlung über den Auiwertungsanspruch gegen den preußischen Staat eingetreten. Der Senat hat in dieser Verhandlung einen Vergleichs- Vorschlag auf der Basis einer Aufwertung von S8 Proz. gemacht. Di« Parteien sind aufgefordert worden, sich bis End« Juli über Annahm« oder Ablehnung des Schiedsspruches zu erklären. Abrücken vom Stahlhelm. Kriege» vereine und Vaterländische Verbände. kiel, S. Juli. Auf dem 14. Abgeordnetentog de» Preußischen Landes- krieg er- Verbandes, der am Montag hier abgchalten wurde, kam der erste Vorsitzende des Kyffhäuser.Bundes, General a. D. von Horn, in seiner Begrüßungsansprache auch aus das Verhalten des Landcskrieger-Verbandes zu den Vaterländischen verbänden. insbesondere zum S t a h l h e l m, zu sprechen, wobei er erklärte, es liege eine Gefahr darin, daß dies« Berbänd« bestrebt seien, d i e Kriegeroereine vor ihren Wag« n zu spannen. Die Bildung von Stahlhelmgruppen innerhalb der Kriegerverein« müsse aus» schärfste bekämpft wenden. Wer da glaube, in den Reihen der Kriegeroereine Stahlhelmpolitik treiben zu können, der sei auf dem falschen Weg. Er warne die prominenten Führer in den Kriegerverbänden, ihre Namen für die Stahlhelmbewegunz herzugeben, da daraus leicht der Schluß gezogen werden könne, daß die Kriegerverbände hinter dieser Sache ständen. Di« Stahlhelmer sollten ihren Weg, die Kriegeroereine aber wollen ihren Weg gehen. In den Satzungen des Zsysthäuser-Bundes sei klar zum Ausdruck gebracht, daß sich jeder innerhalb der Organisation und jede Or> ganisation als solch« der parteipolitischen Tätigkeit zu entfalten habe. Hakenkreuzstudenienpöbel. Neuer Krach an der Münchener llniversiiät. München, 9. Juli.(Eigenbericht.) Die nationalsozialistischen Terrorakt« an der Münchener Universität machen weiter Fortschritte. Die neuest« Tat richtet sich gegen den Rektor Bumt« und die Universitäts- behörden, weil dem Fememörder Heines die Immatrikulation als stuck, jur. verweigert worden ist. Aus diesem Grunde wurden am Montag vormittag Im Lichthof der Universität von national- sozialistischen Studenten, die sich als solche, keimtlich gemacht hatten, große Mengen von Flugblättern oerteilt, die zum Massen- Protest der deutschen Kommilitonen gegen die Uni- versitätsbehörden aufforderten. Die Flugblätter, die weder«in« Unterschrift noch den Namen des Druckers trugen, enthielten neben der Verherrlichung der Fememörder wüste Beschimpfungen der republikanischen Staatssorm und ein« Verhöhnung der medizinischen Fakultät der Münchener Universität, weil sie„ehemalige Schreiner- und Bäckergesellen zu Ehrendoktoren der Universität" ernannt HU. Damit sind der Landtagspräsident König- Bauer und der Münchcner Oberbürgermeister Schar na gl gemeint, die beide Mitglieder der Bayerischen Volkspartei sind. Di« aus dem Schlaf aufgeschreckten„Prüfiingeck, vi« sich piZtzkich von bewaffneten Offizieren einer längst verschwundenen Armee um- ringt sahen, zeigten natürlich in vielen Fällen nicht die eisernen Nerven, die sie nach dem Wunsch der Arrangeur« dieses Possenfpiels zeigen sollten. Einer sprang Im Hemd au» dem Fenstee und verschwand im nächtlichen Dunkel der Tundra, ein anderer fiel vor Angst in Ohnmacht usw. Die Parteizelle von Noschenstoje berät nun eifrig, wer von den Geprüften das„Examen" b e- standen Hot, ob beispielsweise der durch das Fenster Geflüchtete Feigheit oder Schlauheit bezeigt Hot usw. Dabei zieht sich ober über der Leitung der Parteizelle bereits ein Gewitter zusammen, denn in der Partcizelle wird diese operettenhafte„Säuberungsaktion" selbst- verständlich nicht gebilligt. E» kommt noch hinzu, daß für die..Regte" bei diese« Spektakel- stück ein„echter" Ossizier angeworben war. der früher in der Zarenarmee gedient hat und vermutlich hauptsächlich deswegen mitspielte, um sich über die Parteizelle lustig zu machen. Die„Pra wda" bemerkt mit bitterer Ironie in ihrem Bericht über diese Affäre, daß zu den vielen Fragen der Parteizelle van Roschenskoja jedenfalls noch die hinzugefügt werden müßte: ob die Leiter allesamt Dummköpfe seien... Ozeanflieger gelandet. Flugzeug„pathfinder" bei Santander eingetroffen. Madrid,». Juli. Das Flugzeug Pathfiuder. das gestern iu O r d Orchard zu einem Transozeanflug«ach Rom ge- startet war, ist heute kurz nach 21 Uhr bei der spanischen Stadt Tantander in der Nähe des Strandes gelandet. Macdonalds Mehrheit. Erste Abstimmung im neuen Llnterhaus. London, V. Juli. Bei der hentigen erste« Abstimmung im neuen Par- lament wurde» für die Regierung 340 und gegen die Regierung 220 Stimmen abgegeben. Verbotene Rheinlandmanöver. Tom Shaws Erklärungen im Llaterhaus. £ o n d o n. S. 3nIL(Eigenbericht.) Der englische Sriegsminlfler Tom Shaw erklärte am Dienstag unier lebhaften Beifallskundgebungen der Arbeiterpartei im Unter. hau», daß die britische Vesahungsarmee in diesem Zohre keinerlei Manöver oder Brigade-Feldübungev tm Rhein- land abholten werden. Frankreich und die dritte Zone. Koblenz, S. Juli.(Eigenbericht.) Di« französischen Besatzungsbehörden beob- sichtigen die voraussichtlich im Spätsommer oder Frühherbst aus der zweiten Zone abrückenden Truppen nicht wie ollgemein erwartet nach Frankreich zurückzuführen, sonder» mindestens größer« Truppenkontingent« in die dritte Zone zu verlegen. Diese alarmierend« Nachricht findet«ine gewisse Bestätigung durch Meldungen aus der Pfalz, denen zufolge nach dem Zweibrückener Verspiel auch in Landau und Germer»- heim neue Militärquartiere vorbereitet werden. Rechtsregierung in HoNand. Die Königin empfängt die Führer der Reaktion. Amsterdam. 9. Juli.(Eigenbericht.) Im Zusammenhang mit dem Rücktritt der nieder- ländischen Regierung empfing die Königin am Dienstag die Vorsitzenden der Römisch-Katholischen Staatspartei, der Anti- reaktionären Partei und der Christlich-Hiftorischen Union. Diese Parteien bildeten bi» zum November 1925 die reaktionäre Regie- rung E o l i j n. Bürgerbtock in Estland. Gegen Sozialdemokratie und Kommunisten. Reval, 9. Juli.(Eigenbericht.) In Estland wurde«in« bürgerliche Regierung?. k o a l i t i o n gebildet. Sie besteht aus dem Bavernbund. der Christ. lichen Dolksportei, der Volkspartsi, der Arbeitspartei und den Jung- Wirten. Dos Ministerpräsidium hat der bisherige Gesandte in Warschau. Strandmann, übernommen. Außenminister wurde dos frühere Regierungsmitglied L o t t i k. Die Koalition verfügt im Parlament über 61 von 133 Stimmen. Sozialdemokraten und Kommuni st en stehen zu der Regierung in Opposition. Geflogen. Wieder einer weniger! Saarbrücken. 9. Juli.(Eigenbericht.) Der frühere Redakteur der kommunistischen„Arbeiterzeitung" und jetzige Ortsvorsteher von Ludweilcr. Ernst Lecker. Mitglied des Kreisausschusses des Landkreises Saarbrücken, wurde au» der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Becker hotte sich erlaubt, den Stalmkurs der Parteileitung zu kriti- sieren. Der Adels- und Ofsizicrsausschuß für da? Hugenbergvoiksbe- gehren hat eine„Arbeitssitzung" abgehalten. Die„Arbeit" bestand darin, die Front Hugenberg-Stahlhelm neu zu leimen. Das W o l f f b u r e a u besitzt den guten Geschmack, in weitem Umfange für diesen somosen Ausschuß Propaganda zu machen. Die sächsische Windfahne. Wie dasßhwkn auf dernTurm Sich kann drchnbeiWind und Stum Sbkiinnsich der Nazidrehn. jts lustig anzusehn] Bünger regiert in Sachsen. In der Minderheit geblieben und doch nicht gestürzt. Dresden. S. Juli. Eigenbericht.) 3n der Dlenstagsihung des Sächsischen Landtag» wurde der kam- muniftifchc?N i h t r a u e n sa nt r a g gegen d i e Regierung Länger mit 44 sozialdemokratischen und kommunistischen Stimmen gegen 41 Stimmen der bürgerlichen Parteien einschliehlich des Alt- soziallsten Vuck abgelehnt. Sieben Abgeordnete, und zwar vier Demokraten, zwei Aufwertler und INinisterpräsident Länger enthielten sich der Stimme. Aach der sächsischen Lersassung sind zur Annahme eines Rlisitraucnsvolums 49 Stimmen— das ist die Mehrheit aller Abgeordneten— notwendig. Die Regierung Länger ist deshalb vorläufig gerettet. Vor der Abstimmung verlas der sozialdemokratische Abgordncte L ö ch« l einen Teil eines Briefes des Nationalsozialisten v. M u � e, der der sozialdemokratischen Landtagsfraktion als Antwort auf ihre Absage an die Nationalsozialisten zugegangen war. In diesem Brief heißt es u. a.: „Mein zur Verhandlung stehender Brief zeigt, daß es sich um eine vorausschauende Klärung eines vielleicht eintretenden Falles handelt. Das kürzliche Verhalten der Parteien der früheren bürger. lichen Regierungskoalition zeigt, daß der Bestand der bärger. lichen Regierung Dr. Bünger keineswegs gesichert ist. Die Große Koalition kommt nicht in Frage, es sei denn, daß alle in Betracht kommenden Parteien ihren bisher, und besonders in den letzten Wahlen scharf betonten Standpunkt jetzt ins Gegenteil um- kehren. Genau wie im vorigen Landtag-kann also auch jetzt wieder in Erscheimmg treten, daß für den Fall eines durch die bürgerlichen Parteien selbst herbeigeführten Sturzes des Ministeriums Bünger, als einzige überhaupt noch mögliche parlamentarische Lösung die Frage einer sozialdemokrotischenMinderhcitsregie- rung in den Vordergrund tritt: denn ich darf wohl annehmen, daß Ihrer Partei um so weniger wie etwa anderen Parteien der Gedanke kommen möchte, wiederum die Bajonette anzurufen und eine Re> gierungsbildung zu ermöglichen. Die Tatsach«, daß«ine p a r l a> me n t a r i s ch e Lösung der Regierungsbildung bei«intretendem Sturz der Regierung Bünger ohne die Nationalsozialisten gar nicht möglich ist, vorausgesetzt, daß gewisse Parteien sich nicht politisch kastrieren, zwingt doch, wie jeder denkend« Mensch zugeben muß, die Nationalsozialistisch« Partei dazu, die Frage, ob«in« parlamen. tarisch« Lösung überhaupt möglich ist, zu Nären. Di« Vorbereitung zu diesem Schritt war mein Brief. Ihr« Ablehnung habe ich meiner Parteileitung berichtet. Für alle Fälle wäre festgestellt, daß die Nationalsozialistische Arbeiterpartei ihrerseits alles getan hat, was geeignet war, ein« Wiederkehr der Tatsache zu verhindern, daß eine Regierungsbildung gegebenenfalls aus der Spitze der Bajonette er. folgen muß. Diesbezüglich darf ich nur noch mich angleichend an die von Ihnen gewählte unmißverständliche Ausdrucksweise anführen, daß es uns nur recht sein kann, je eh«r der Parlamentarismus im eigenen Dreck verreckt." Dieser konfus« Brief des Abgeordneten von Mücke ist elxnv falls im Einverständnis mit der R«ichsleitung der Nationalsozialisten verfaßt worden. > Der Sächsische Landtag hat 96 Abgeordnete. Bei den Sozialdemokraten und Kommunisten hat ein Abgeordneter gefehlt. Die Hakenkreuzler haben für Dünger gestimmt. Ferngeblieben sind Herr H e l d t, der frühere Ministerpräsident, Herr von F u m e t t i, der frühere Justizminister, und der Landvolkabgeordnet« Schreiber, der sich in Meißen öffentlich bereits als neuer Wirtfchastsminister vor«: stellte, es aber dann doch nicht wurde. Die Regierung Bünger ist eins ausgesprochene Minder- heitsregierung. Sie kann nicht wagen, vor dem Landtag die Vertrauensfrage zu stellen. Für ihre sachlichen Vorlagen braucht sie eine Mehrheit. Dazu gehört aber, daß Demokraten und Nationalsozialisten gemeinsam für sie stimmen. Es genügt, daß die beiden Aufwertler und die beiden Altsozia» listen sich zur Opposition schlagen, um sie in die Minderheit zu versetzen. Herr Bünger wird also seine politische Kunst auf dem hohen Seil vorführen müssen, und er muß sehr achtgeben, daß er nicht herunterfällt! � Killinger hat Mücke gekillt? München. 9. Juli(Eigenbericht.) Der frühere Kopitänl«utnont Mücke ist offenbar mit der Er. klärung Hillers zu seinem Brief in keiner Weise einverstanden: denn nach einer Mitteilung des„Völkischen Beobachter" hat Mücke nunmehr seinen Austritt aus der Nationalsoziali st i. s ch c n Partei erklärt. poineare will wieder Rekord rede«. Die Radikalen drückensichvor dem sozialistischen Räumungs- Vorstoß. Pari». 9. Juli.(Eigenbericht.) Die französische Regierung hielt am Dienstag«inen M i- n i st« r r a t ab. In einem der Presse übermittelten Kommunique wird dazu mitgeteilt, daß der Ministerpräsident beabsichtig«, gleich zu Beginn der Schuldendebatte das Wort zu ergreifen und der Kammer, die ihn bisher noch nicht gehört habe, einen U e b e r b l i ck über fein« kürzlichen Erklärungen vor den vereinigtcn Kommissionen der Finanzen und des Aeußeren vorzulegen. Infolgedessen richtet« der Ministerpräsident bereits am Dienstag nachmittag an die Kammer das Ersuchen, die Schuldendebatte aus Donnerztag festzusetzen. Offensichtlich verfolgt Poineare auch diesmal sein« un- glückliche Methode, Entscheidungen des Parlaments durch den Bor- trag endloser Materialansammlungen herbeiführen zu wollen. Die Tatsach«, daß beide zuständigen Kommissionen, nachdem er«in« Woche lang vor ihnen geredet hatte, schließlich sich genau für das Gegenteil des von ihm Empfchleiien entschieden, scheint ihn in seinen Auffasfungen von den Gesetzen des parlameit- t arischen Lebens nicht wankend gemacht zu haben. Immerhin bleibt es durchaus wahrscheinlich, daß sich auch diesmal am Ende ein« knapp« Mehrheit findet. In jedem Falle überwiegt jetzt im Lager der Regierungsparteien die Scheu vor der von den Sozia- listen geforderten Diskussion der Rheinlandfrag« vor der Schulden. dcbatte. Leon Blum wird im Namen der Sozialisten einen An- trog auf Rheinlandräumung stellen, dessen Schicksal je- doch— wie das eines ähnlichen Antrages in der Finanzkommifsian — von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, da die Radikalen in einer am Dienstag morgen abgehaltenen Sitzung beschlossen haben, dem sozialistischen Antrag gegenüber Stimmenthaltung zu üben. Di« Begründung dieser merkwürdigen Entschließung lautet, daß„sich leicht die gewöhnliche Majorität der Regierung bei der Abstimmung wieder zu- so mm«»finden könnte". Die Beschlüsse der Finanzkommission. Paris. 9. Juli.(MTB.) Der Finanzausschuß der Kammer beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung, nachdem der Bericht des Abgeordneten Chappedelaine über die Ratifizierung der Schuidenob- kommen angenommen worden war, mit dem Antrag der Sozialisten, die Ratifizierung von bestimmten Zusiche- r u n g e n der Regierung über ihr künftige Außenpolitik, insbesondere über die Rheinlandräumung, abhängig zu machen. Die vom Abgeordneten Nogaro beantragte Verweisung an den Auswärtigen Ausschuß wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Im Einverständnis mit den Radikalen, die wegen dar allzu präzisen Fassung des sozialistischen Antrags befürchteten, daß er in der Kammer eine Mehrheit gegen sich vereinigen und so der Regierung Poincart einen billigen Erfolg verschossen werde, zogen die Sozialisten nunmehr von sich au» ihren ursprünglichen Antrag zurück und ersetzten ihn durch folgende Formel: „Der Finanzausschuß beauftragt seinen Berichterstatter, von der Regierung Erklärungen über die Bedingungen z u t ordern, unter denen sie, in Anbetracht der Totsoche, daß der Voung-Plan mit den Schuldenabkommen verknüpft ist, beabsichtigt, ihre künftige Außenpolitik auf die B« s e i t i g u n g de r will- täriscken Besetzungen im Rheinland, desgleichen auf di« Ratifizierung des Plan» durch alle interessierten Mächte, auf die Schiedsgerichtsverträg«, auf die schrittweis« Her- absetzung der Kriegsausgaben in ollen Ländern und auf di« wirtschaftlich« Organisierung Europas zu gründen." Di« erst« Hälft« dieses Antrags, das heißt der Teil, der keine präzisen außenpolitischen Forderungen enthält, wurde in einfacher Abstimmung angenommen. Ein Zusatzantrag des Abg. Mandel, die Artikel 426, 429 und 430 des Verfoiller Vertrags ausdrücklich zu erwähnen, wurde mit 33 gegen 3 Stimmen abgelehnt und hierauf auch der zweite Teil des sozialistischen Antrags mit 19 gegen 18 Stimmen in namentlicher Abstimmung ange» n o m m e n. Llngarischer Iustizskandal. Oer ungesühnte Mord an Somogyi.— Nene Spuren? Budapest, 9. Juli.(WTD.) Die Staateanwaltschaft für den Pester Landbezirk hat der Witwe des im Jahne 1920 nach dem Sturz der Proletarier- diktatur ermordeten f o z i a l d e m o k r a tischen Redakteurs Bsla S o m o g y i den Bescheid gegeben, das Verfahren wegen die des Mordes verdächtigen Personen, und zwar gegen den Reichstags- abgeordneten Iwan Hessas, dessen Bruder Aurel Hejjas und Dyonifius Vibo fei mit der Begründung e i n g e st e l l t worden, daß die Untersuchung keinerlei verdachlsmomenl« ergeben habe. In der Begründung dieses Bescheids wird aus- geführt, daß sämtlich« Belastungszengen teils bei der Konfrontierung ihr« Aussogen zurückgezogen hätten, teils daß di« be- lasteten Personen ihr Alibi hätten nachweisen können. Dagegen hätten sich gegen vier welkere Personen Verdachtsmomente ergeben, die die Einleitung einer Untersuchung gegen die Letresfenden bc- gründet erscheinen lassen. Der Prioatklägerin steht das Recht zu, Kinnen acht Tagen gegen diesen Bescheid Berufung einzulegen oder ober selber die Älagcrertretung beim Untersuchungsrichter anzu- melden. Zur Vorgeschichte dieses Bescheides ist zu erwähnen, daß im Februar 1920 während der gegenrcvolutionären Ausschreitungen die beiden Redakteur« des sozialdemokratischen Parteiorgans„Nep zavo" („Volksstimme"), Bcla Somagyi und Bela B a c s o, durch uniformiert« Person«» verschleppt bzw. ermordet worden sind. Die mehrfach«ingeleitete Untersuchung in dieser Strasangelegenheit konnte di« Töter aber nicht ermitteln, so daß di« Erhebung einer Anklage bis zum heutigen Termin unterblieben ist. Die Angelegen- heit wurde übrigens wiederholt von demokratischer nnb sozialistischer Seite im Parlament zur Sprache gebrocht, doch tonnten der Innen- »nnister bzw. der Honoedminister aus die an sie gerichteten Anfragen nichts anderes erwidern, als daß es eben bisher nicht gelungen sei. die Täter ausfindig zu machen und daß daher das weitere Der« fahren eingestellt werden müsse. Selbstmord de» sowjelrnssischen Vertreter» bei der ostchinesischen Eisenbahn. Wie aus Charbin gemeldet wird, hat der Vertreter Moskaus im Verwaltungsrat der Ehinesischen Ostbahngesellschait Tscholmanenko, der an der Versammlung im Snwjet-Kon- lulat vom 27. Mai teilgenommen hatte, ober wegen seiner amt- lichen Stellung nicht verhaftet worden war. Selbstmord begangen. Eine rechtsradikale propagandalüge. Das.Geheimschreiben"' des Regierungspräsidenten. Vor einiger Zeit wunde w verschiedenen rechtsstehenden Blättern die Nachricht verbreitet, der Regierungspräsident von Schleswig Hobe dem Gericht durch«in Geheimschreiben an- empfohlen, dos Verfahren gegen die im Itzehoer Prozeß an- geklagten Bauern bzw. gegen zwei dieser Angeklagten besonders zu führen, d. h. sie besonders hart zu bestrafen: Einige Landtags- abgeordneten der Deutschen Fraktion gaben dies« Meldungen wieder und fragten, ob tatsächlich ein Eingriff in ein schwebendes Verfahren erfolgt fei. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, beant- wortet der preußisch« Minister des Innern die Anfrage folgender- maßen: Der Regierungspräsident in Schleswig hat wieder an das Gericht geschrieben noch sonst in ein schwebendes Gerichtsverfahren«in- gegriffen oder ein solches Verfahren zu beeinflussen versucht. Er hat lediglich am 4. Dezember 1928 bei dem Oberstaatsanwalt in Altona gegen den Landwirt Frauen aus Hemm« ein« Strafanzeige wegen Berdachtes eines Vergehen» gegen das Gesetz zum Schutz« der Republik erstattet und dabei angeregt, das Er- mittelungsoerfahren mit größter Beschleunigung und so durchzu- führen, daß di« Oeffentlichkest von dem Vorgehen der Staatsanwalt- schost Kenntnis erhielte. Das Schreiben ist als„geheim" bezeichnet, weil Strafanzeigen vertraulicher Natur sind. Zu einer B« a n- standung gibt dieses Verhalten des Regierungspräsidenten in Schleswig keinerlei Veranlassung. Vom roien Zarismus. Terror selbst im Gewersschastsparlameni. Der neue Kurs Stalins hat, laut authentischen Meldungen des „Sozialistischen Boten", selbst unter den GPil.-Leuten lebhafte Un- ruhe hervorgsrufen. Einige Leiter der Staatspolizei haben in einer Denkschrift den Allmächtigen vor möglichen Folgen seiner Politik gewarnt. Die Antwort Stalins lieh nicht lange auf sich warten: auf feine Veranlassung entsandte dos Polbüro seinen Vertrauensmann M i k o j a n als Kommissar mit besoiiisren Vollmachten in die Lei- tung der GPU. Nicht ganz reibungslos ist auch die Kaltstellung T o m f k i s und seiner Gesinnungsfreunde vor sich gegangen. Als die Mehrheit der kommunistischen Fraktion im Zentralrat der Gewerkschaften sich weigerte, Tomski und die übrigen vom Polbüro Bezeichneten fallen zu lassen, drolste Iaruslawsti nicht nur mit Parteisondern auch mit Polizei moßnahmenl Gegen das letztere „Argument" war die Mehrheit machtlos. Tomski wurde schleu- «igst fallen gelassen! Säugling ersetzt Beamten. Die jetzt auf dem ganzen Sowsetgebiet mit großer Strenge b«- triebene Revision der Sowjetbehörden, die bekanntlich in der kam- munistischen Presse als„Säuberung" bezeichnet wird, führt gelegentlich zu recht verblüffenden Resultaten, die eines komischen Beigeschmacks nicht entbehre». In I r k u t j k wurden beispielsweise von der Revisionskommission S29 Sowjctbeamte wegen Unfähigkeit bzw. Amtsvergehen verschiedener Art abgesetzt und aus dem Dienst entlassen. Man sah sich aber genötigt, mehr als die Hälft« der auf di« Strasliftc gesetzten Personen auf ihren Posten zu be- lassen, weil für«inen Ersatz in keiner Weise vorgesorgt war. Da di« Beamtenstellen vorwiegend Arbeitern oder Bauern übertragen werden, diese aber in der Mehrzahl der Fälle die nötige Vorbildung nicht besitzen, so ist angeordnet worden, jetzt während der„Säube- rung" rechtzeitig geschulte Kräfte bereit zu halten, um sie in die freiwerdenden Stellungen einrücken zu lassen. In Irkutsk war das nun nicht beachtet worden und die Sowjetpresi« vecfehlt nicht, den erwähnten Borfall als abschreckend«; Beispiel hinzustellen. Di« ..Prowda" bringt dazu auch eine amüsante Karikatur: der zur'Ab- setzung vorgemerkte Beamte sitzt behaglich an seinem Schreibtisch und betrachtet seinen„Ersatzmann", einen vergnügte»Säugling, wozu er bemerkt:„Man hat mich hinauszefegt— Wichtigkeit! Bis ich meinem Nachfolger die Geschäfte übergeben kann, wird sich noch manche» schassen lassen." Jugend- und Bildungsfragen. Das Programm des Lnternationalen Gewerkschastlichen Komitees. Das vom Jnternatiimalen Gewerkschaftsbund(IGD.) eingefetzte Internationale Gewerkschaftliche Komitee für Jugend, und Bildungs- fragen hat beschlossen, dem Vorstand des JGB. nachstehende Anträge zur Annahme zu unterbreiten: I. Gewerkschaftliche V Übungsarbeit. Das Komitee hat sich mit der Frage beschäftigt, in welcher Weise die gewerkschaftlichen Bildungsbestrebungen. der einzelnen Länder vom JGB. aus gefördert werden können und wie auf diesem Gebiete international eine Tätigkeit ausgeübt werden kann. Voraussetzung jeder Arbeiterbildung ist»ine ausreichende. allgemeine Schulbildung. Der JGB hat deshalb bereits in seinem Jugendschutzprogramm die Forderung erhoben: „Elementarschulpflicht bis zum vollendeten 14. Lebensjahr(min- bestens acht Jahre). Einführung des obligatorischen Fortbildungsschulunterrichts(Be- rufsschule) für alle Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebens- jähre. � Zur Förderung der Arbeiterbildung ist es dringend notwendig, daß sich die Landeszentralen der Gewerkschaften in ihren Ländern mit allem Nachdruck für die Durchführung dieser Forderungen ein- fegen. Neben der Pflege allgemeiner Arbeiterbildung, wie sie in vielen Landern von den Arbeiterbildungszentralen aus erfolgt, muh aber «ich eine spezielle Schulung für die' besonderen Aufgaben der Gewerkschaftsbewegung vorgenommen werden. Dies geschieht am zweckmäßigsten durch die Gewerkschaften selbst. Die Landeszentralen sind zu oer- pflichten, jährlich dem JGB. über Art und Umfang der geleisteten gewerkschafllichen Bildungsarbeit zu berichten. Die Berichterstattung soll für einen bestimmten Zeitabschnitt und auf Grund bestimmter vom JGB. zu stellender Fragen erfolgen. Das Komitee hält es für wünschenswert, daß gelegentlich Fragen der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit auf die Tagesordnung des Ausschusses des JGB. gesetzt werden. Bei diesen Tagungen sollte das internationale Koinitec teilnahmeberechtigt und den Landes- zentralen anheimgestellt sein, Spezialbearbeiter für gewerkschaftliche Bildungssragen zuzuziehen Besichtigungen von Arbeiterbildungs- stätten(Gewerkschaftsschulen) find hierbei möglichst mit vorzunehmen. Um größere Einheitlichkeit in der Beurteilung ge- werkschaftlicher Probleme vorzubereiten, ist es wünschenswert, die von den Gewerkschaften bzw. ihren Schulen aufgestellten Lehr- plane, herausgegebenen Vortragsdispositionen und ähnliches Ma- terial durch den JGB. allen Landesorganisationen zu übermitteln: es sollte in einer der drei Verhandlungssprachen zur Verfügung gestellt werden. Soweit gewerkschaftliche Schulheime(Internate) vorhanden sind, die wertvoll« Erziehungsstätten fein können, sollte es aus- kä ndischen Gewerkschaften gestattet sein, dorthin Schüler zu entsenden., II. Znternakionale Zusammeukünfte. 1. Diese Zusammenkünfte werden vom JGB. veranstaltet, der auch, soweit die Beiträge der Teilnehmer nicht ausreichen, die Kosten trägt. 2. Es werden nur solche Teilnehmer zugelassen, die von den Landeszentralen oder den Internationalen Berufs- sekretariaten auf ihre Kosten entsandt werden. Beiden steht es frei, sich von den Berufsorganisationen, denen der Teilnehmer angehört, die Kosten erstatten zu lassen. 3. Die Dauer der Zusammenkünfte wird vorläufig auf eine Woche festgelegt: sie finden jedesmal in einem anderen Lande statt, und zwar als Internate. 4. Der Zweck der Zusammenkünfte ist. den Nachwuchs in der Gewerkschaftsbewegung der verschiedenen Länder miteinander in Verbindung zu bringen und einen Ge- dankenaustausch zu ermöglichen. Von Vorträgen theoretischer Art ist abzusehen, es sind statt dessen gewerkschaftliche Ein- r i ch t u n g e n und gewerkschaftliche Tagcsfragen zu besprechen. Einige Themata sind im voraus bekanntzugeben, damit sich die Teilnehmer vorbereiten können. Soweit wie möglich soll die Einleitung zu den einzelnen Punkten von den Tellnehmern selbst gegeben werden. S. Als Hauptsprache gilt die Sprache des Landes, in dem die Zusammenkunft stattfindet. Uebersetzungen sind nur summarisch zu machen. Don den Teilnehmern muß verlangt werden, daß sie sich vorher ein« gewisse Kenntnis der betreffenden Sprache aneignen. 6. Di« offiziellen Tagungen sollen nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen, dagegen sollen in geeigneter Weise die Möglich- leiten geschaffen werden, nicht allein die Arbeiterbewegung, sondern auch die wirtschaftlichen und kulturellen Verhält- nisse des Landes, in dem die Zusammenkunft stattfindet, kennen- zulernen. 7 Der Kostenbeitrag für den einzelnen Teilnehmer soll nicht nur die Ausgaben für die Pension, sondern auch einen kleine» Teil der allgemeinen Kosten decken. Das Komitee ersucht den Vorstand des JGB., die erste Zu- sammenkunft im Jahre 13 30 zu veranstalten, und zwar aus Zweckmößigkeitsgründen in einem deutschsprechcnden Lande. III. Ausbildung jüngerer Gewerkschaslsangestellter. Das Komitee empfiehlt dem Vorstand des JGB. und den inter- nationalen Bevufsfekretariaten, im Interesse der besseren Ausbildung jüngerer Gewerkschaftsbeamter Möglichkeiten zu schaffen, Sprache und Gewerkschaftsbewegung in anderen Ländern durch praktische Arbeit in den Landeszentralen oder Berufsgewerk- schaften kennen zu lernen. Soweit wie möglich sollte dies über den Weg des Austausches von jüngeren Gewerkschaftsangestellten auf die Dauer von einigen Monaten geschehen. Es wird erwartet, daß die leistungsfähigen Landeszentralen und Verufsoerbände den finanzschwächcren Organisationen in jeder Hinsicht entgegenkommen. Montag mittag schriftlich die Erklärung«£, daß da» Personal der Bielefelder Verkehrsbetrieb« Dienstag früh in den Streit treten werde._ Die Schiedssprüche in der Schiffahrt. Bon den Unternehmern abgelehnt. Essen, g. Juli. Di« Schiedssprüche für Hafenarbeiter in den Rheinhäfen, die eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 4 Proz. vorsehen, wurden von den Arbeitern angenommen, von den Unternehmern in Köln, Düsseldorf und Duisburg jedoch abgelehnt. Auch der Schiedsspruch für die westdeutsche Kanalschiffahrt wurde von den Gewerkschaften angenommen, von den Unternehmern abgelehnt. Die Arbeiter beantragten auch in diesem Falle Verbindlich- keitserklärung. Für die staatlichen Schlichtämter sind Schlichtungsverhandlungen auf den 16. Juli in Bremen, für die Weserschiffer auf den 17. Juli ebenfalls in Bremen anbe- räumt. Krise in der polnischen Metallindustrie. Wie aus Warschau gemeldet wird, ist in der polnischen Metall- industrie eine sehr scharfe Krise ausgebrochen, so daß fast alle Fa- briken dazu übergehen, die Arbeitszeit stark einzuschränken und einen Teil der Arbeiter zu entlassen. Lohnkampfe in Amerika. In den Vereinigten Staaten machen sich nach Mitteilung des Arbeitsdepartements in' Washington in letzter Zeit in steigendem Maße Konflikte zwischen Unternehmern und Arbeitern be- merkbar. In den meisten Fällen handelt es sich um Angriffe des Unternehmertums und um Abwehrmaßnahmeu der organisierten Arbeiter. Am 15 Juni waren 69 Streik- im Gang«. Die Vermittlungsversuche des Arbeitsdeportements zur Bei- legung dieser Streiks waren vielfach erfolglos. Daneben schweben noch weitere 24 Konflikte: hier stehen zurzeit die beiden Parteien in Verhandlungen. Die Arbeiterschaft hat in den Konflikten verschiedentlich beachtliche Erfolge erzielt. So haben die K o n st r u k t i o n s- etsenarbeiter in Chicago es durchgesetzt, daß sie ab 1. Ok- tober einen durchschnittlichen Togeslohn von 13 Dollar(54,69 M.) erhalten. Die R ö h r e n a r b ei te r in Dradford(Pennsylvania) erkämpften die 44stündlge Wochenarbeitszeit und eine Lohnaufbesserung von 59 Cents pro Tag. Die B a u h i l f s o r b e i t e r in St. Louis erhalten vom 1. August ab einen Stundenlohn von 87 Cents(rund 3,65 M.). In New Port droht ein großer Schriftsetzer st reik auszubrechen. Die Arbeiter verlangen die Fünftagewoche und Lohnaufbesserungen. Sie haben für ihre Forderungen bei den Unternehmern bis jetzt wenig Gegenliebe gefunden. Zurzeit er- halten die New Parker Setzer bei sechs Tagen Arbeit 5 7� Stunden Wochenlöhne von 66 bis 73 Dollar(277 bis 399 M.). 30 Lahre im Gewerksthastsdienst. In der Gewerkschaftsarbeit steht Michael Kayser freilich nicht erst drei Jahrzehnte, sondern ein Jahrzehnt länger. Schon im Jahre 1888 war er Bevollmächtigter der Filiale des Tischlervcrbon- des in Mannheim. Zehn Jahre später wurde er ehrenamtlicher Gauvorsteher des Mannheimer Verbandsgaucs. Am 19. Juni 1899 wurde K a y f e r im Verbandsbureau in Stuttgart als Hilfsarbeiter angestellt. Und seitdem, seit 39 Iahren, steht er als„Besoldeter" im Dienste seiner Organisation. Doch erst mit der Verlegung der ,/)olzarbeiter-Zeitung" von Hamburg nach Stuttgart im Januar 1993 fand Michael Kayser eine seinen Neigungen und Fähigkeiten besser entsprechende Tätig- keit als Redakteur der„H o l z a r b« i t e r- Z e i t u n g", als der er nun nahezu ein Vierteljahrhundert erfolgreich tätig ist. Seine Tätigkeit als sozialdemokratischer Stadt- verordneter in Berlin zeigt, daß er auch in der politischen Bewegung seinen Mann steht. Wir hoffen, daß ihm vergönnt ist, noch viele Jahre in körperlicher und geistiger Frische weiterzuwirken. erwarten,, daß nunmehr der am 14. Juni gefällte dreiprozentige Schiedsspruch vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erklärt ! und damit der feit März währende Tarifstreit endlich beigelegt wird. Zu den kommunistischen, Enthütlungen� Gegen Dorstandsmitgliever des Textilarbeiter-Berbandes. Der Vorstand des Deutschen Textilarbeiter-Berbandes schreibt uns: „Die„Rote Fahne" setzt in ihrer Nr. 119 vom 9. Juli ihre sogenannten„Enthüllungen" gegen den Hauptvorstand des Deutschen Textilarbeiter-Berbandes fort, um nach ihrer Angabe denselben zu zwingen, das vorhandene Material zu veröffentlichen. Wir haben nichts zu verheimlichen, lehnen es aber ab, uns von der„Fahne" die Richtung vorschreiben zu lassen. Der Klageantrag gegen die„Rote Fahne" ist eingereicht, ebenso ist der Antrag auf Aushebung der Immunität des verantwortlichen Redakteurs beim Reichstag gestellt worden. Wir haben also alles getan, was unter den gegebenen Um- ständen möglich ist, um der„Roten Fahne" ihre„Enthüllungspflicht" zu erleichtern." * Dos Moskaublall sucht die Zeit bis zur gerichtlichen Klarstellung. falls es eine solche nicht durch die Bcrstcifung seines Verantwort- lichen auf dessen parlamentarische Immunität vereiteln kann, auf alle Fälle zu weiterer Hetze auszunützen. Tarifstreii im Verficherungsgewerbe. Die Generaloersammlung des Arbeitgeberoerbandes Deutscher Vcrjicherungsunternehmungen hat den Vergleichsvarschlag des Reichsarbeitsministcriums, wonach ein Viertel des Monatsgehalts zum Geschäftsabschluß und ein halbes Monatsgehalt zu Weihnachten ausgezahlt werden sollte, abgelehnt. Die Versicherungsangestellten Das Giempelparadies Lippe-Oetmold. Im„Berliner �okal-Anzeiger'. Bei dem Kesseltreiben gegeK die Arbeitslosenversicherung darf das Hugenberg- Blatt natürlich nicht fehlen. Kürzlich tischte es seinen Lesern ein Märchen aus oon dem„Stempelparadies" Lippe- Detmold. Die Detmolder Abteilung des Deutschen Fabrik- arbeiteroerbandes machte dazu folgende F e st st e l- l u n g e n: Falsch ist die Behauptung, der größte Teil der Ziegler habe ein kleines Häuschen mit ein paar Morgen Acker. Nicht ein Fünftel der Ziegler besitzt ein eigenes Häuschen, ge- schweige denn noch ein paar Morgen Land. Falsch ist die Be- hauptung, daß die Ziegler im Winter auf Nebenarbeiten wie Holzfällen, Steinebrechen, Wegebau usw. pfeifen. Soweit solche Arbeiten im Winter zu verrichten sind, werden sie auch heute noch von den Zieglern gern und freudig übernommen. Solche Arbeits- Möglichkeiten sind jedoch gegenüber der Lorkriegszxit heute wesentlich weniger vorhanden. Bis jetzt ist von den Forstbesitzern niemals über Arbeitermangel im Winter geklagt worden. Ja. es kann festgestellt werden, daß sich für die Forstarbcittn mehr Arbeiter meldeten, als ge- wünscht wurden. Für die Kampagnearbeit in den Zucker- betrieben hat sich mehr als die doppelte Zahl der erforderlichen Arbeitskräfte um die zu vergebende Arbeit bemüht. Das Lippesche Landes Präsidium hat in einem Schreiben an den Reichsarbeitsminister ausdrücklich daraus hin- gewiesen, daß die Arbeitsmöglichkeiten im Winter für die Ziegler infolge der veränderten wirtschaftlichen Ver- hältniss« heute bedeutend geringer seien als früher. Industrie, Gewerbe wie Land- und Forstwirtschast hätten in- folg« der Rationalisierung und Technisierung eine geringere Auf- nahmefähigkeit. Der lippische Wanderorbeiter habe deshalb heute nicht mehr die in früherer Zeit im Winter ohne weiteres ge- gebenc Arbeitsmöglichkeiten. Verkehrsstreik in Bielefeld. Bielefeld, 9. Juli. Seit Dienstag früh ist in Bielefeld der gesamte Straßen- und Autobusoerkehr eingestellt, da das Verkehrs- personal des städtischen Vetricbsamtes Bielefeld wegen Lohnforderungen in den Streik getreten ist Die Straßenbahner verlangen eine Erhöhung des Stundenlohnes um fünf Pfennige statt der bereits zugestände- ncn von drei Pfennigen. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter Bielefelds gab Oer Zirkus. Alljährlich gibt das„P r o g r a m m", Organ der Internationalen Artlstenloge.«ine Zirkusnummer heraus, die stets mit besonderer Spännung erwartet wird. Erfährt man doch durch diese Nummer, wo die einzelnen Artisten, bei ihrem steten Lauf um den Erdball, gerade jetzt stecken und wie sie zum„Programm" und zu der Inter- nationalen Artistenloge stehen. Der Zirkus ist in Not, gewiß, aber wo die Artisten so viel urpersönliches Leben und starkes Organisationstalent besitzen, kann er nie und nimmer untergehen. In ehrender Pflicht gedenkt man der Künstler von früher, aufmunternd erzählt man von der Tatkraft, die in den Unternehmen von heute steckt und von berufener Feder wird mitgeteilt, was die Artisten durch ihre Organisation alles erreicht haben. Der Zirkus ist in Not, aber er bettelt nie und nimmer um Mitleid, die Zirkusleute wissen was Selbsthilfe ist und was ein fester Zusammenschluß bedeutet Sie wünschen vom Publikum und von den Behörden nur Verständnis für ihre Arbeit und ihre, etwas aus dem allgemeinen Rahmen fallende besonders gestaltete Lebens- form. Das Berussausbildung sgesetz, das vom Reichsrat verabschiedet ist, wird, wie wir erfahren, in etwa vier Wochen dem Reichstag als Lorlage zugehen. Acht»»«, Spinnslolfabrit nnb«mit I-dlendorf! Am Donnerstag, a U. Juli. 16 U-'---------« oecfanrmluna aller t>em U. Juli, 16 Uhr. im Waldschlößchen. Seehof,»»chtige ssroltions» r SPD.-Senossen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Araltioasnorstand. »�reie Gewerkschasts-Zugend Groß-Berlin Leute. Mittwoch, I9M, Uhr. tagen die Gruppen: Zentrum: Jugend- heim zehdcnickcr Str. 24—26. Dortrag:-Soziales Wandern".— Rord. ring: Jugendheim. Schule Sonncndurger Str. 20. Literarischer Äoeno. Berlins Denkmäler in lalirikchcr Betrachtung.— Weißensee! Truppenheim Wctßcnsec. Darkstr. 66. Vortrag:„Das Programm der Gewerkschaftsjugcnd". — Baumschulcnweg: Jugendheim Baumschulenweg, Ernstste. 16. Abendspazicr. gang.— Rculöllu: Jugendheim Bergstr. A sSof>. Boetra»!„Der Zweck gcweri. sämftüchcr Jugendtrefsen".— Süden, Lüdweftc»: Stadt. Jugendheim Borck. straßc II s�abrikgebäude) Lichtbildervortrag:„Der deutsche Wald".— Kcute spielen ab 18 Uhr: Zronlsurtcr Alle« uud Landsberger Blaß: Srortplaß Jr.-t>. richshain— Lichtenberg uud Rcu-Lichtenber«! Wiese I im Dreptowcr Bark.— Sumboldt und Eesundbruuueu: Spielplatz im Lumboldthain.— Spondau: Svortplaß Sceburgcr Straße.— Wedding.Zeppeliuploh: Große Wiese im Schillcrpark. Iuaendaruppe ves 3-ntralverbandes der Angesiellien Heute, Mittwoch, sind folgende Veranstaltungen: Grsuudbrunucu! Jugendheim Schönstedtstr. I sLcdigcnheim). Lescabend. Wir bekommen Besuch aus der Gruppe Degel-Neinickendorf.— Ostcu: Spielen aus dem Sport. plaß 4m Friedriche-Hain.— Siralau: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61. Bortrag:„Dichter unserer Zeit" Referent: Lcwitiski.— Nordpstcn ssrUhcr Borden): Jugendheim Danziger Str. 62 lBarackc 6). Vortrag:„ssreizeit der Jugend".—..Forderungen und Ausfüllung-" Referent: Otto Lamm.— Reu. löllu: Jugendheim Böhmische Str. 1—4. Untcrhaltungea'acnd.— Lüdest: Jugendheim Wrangcsstr. 126. Vortrag:„Vorbereitung und Durchführung einer Wanderung". Referent: Werner Decker.— Spandau: Jugendheim Lindenuscr I. Badeabcnd am Ruit.— Potsdam-Rowawes: Jugendherberge Rowawcs. Priester. straßc. Vortrag:„Alt.Bcrlin in Wort und Bild". Referent: Georg Leilbrunn. Verantwortlich iilr Politik: Dr. Euet Geyer: Wirtschast: G. ttliugclhöscr-, Gcwcrkschastsbcwcauna: iZriedr. Eykorn: ZciliNe'an: Dt. Jobn SGirowsk!: Lakales und Sonstiges: Walter Trojan; Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Dorwärts-Berlag G. m. b. L. Berlin Druck: Dorwärts-Buä druckcrci und Vcrlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW 66. Lindenstraße Z Licrz» 2 Beilagen und„Unterhaltung und Wissen". Für die Reise Wanderungen und das Wochenende unerläßlich Chlorodont» Zahnpaste und die dazugehörige Chlorodont-Zahnbürste mit gezahntem Borstenschnilt zur Beseitigung fauliger, übelriechender Speisereste in den Zahnzwischenräumen und zum Weißputzen der Zähne. 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Der in seiner Heimat sremd Gewordene steht vor der Gemeinnützigen öffentlichen A u s w a n de r e r b e- ratungs stell«, ehemals Hauptauskunftsstelle des Reichs- wanderungsamts. Im Empfangszimmer. Die Beratungsstelle ist ein kleines, altmodisches Bureau. Das Empfangszimmer ist zugleich Registratur, Kasse und Archiv: eine Schrank« teilt sogar noch zwei Quadrat- meter als Warteraum ab, wovon wiederum der Kachelofen ein Viertel beansprucht. Schließlich bleibt Platz für vier eng anein- andergestellte Stühle. Zwei Kontoristinnen arbeiten hier in diesem überladenen Raum, der so gar nichts von einer Behörde hat, son- dern eher wie die Agentur einer kleinen Versicherungsgesellschaft in Neuftrelitz oder Spremberg aussieht. Auf der Schranke liegen zahllose Prospekte von Schiffahrtsgesellschaften ausgebreitet, die den Heimatmüden versprechen, sie in wenigen Tagen über den Ozean zu bringen: aber was fragen Auswanderer, die ihr« Hoffnung aus die Steinwüsten Mexikos oder aus di« Fiebersümps« des Kongo gesetzt haben, nach einer Zeitdisferenz von 48 Stunden. Eine Difse, renz von 48 Mark wäre hundertmal wichtiger. Die Wände des Zimmers sind mit Anpreisungen von Geschästen sür Tropenaus- rüstungen, solchen von Sprachlehrern und Aerzten beklebt, einer empfiehlt den Ankauf einer Toschenapotheke, bevor der Weg ins Nichts beginnt. Dazwischen hängen Warnungen charitativer Orga- nisationen vor den Gefahren der Fremde, meist zusammen mit einem langen Verzeichnis von Ucberseeplötzen, damit der Sünder in Hongkong oder in Kapstadt wenigstens weiß, wo das nächst« Asyl der Heilsarmee ist. Noch mehr hängt an der Wand, schön« bunte Bildxr. Da fährt«in weißlaitierter Vergnügungsdampfer in die romantischen Fjorde Skandinaviens ein, von dem Zähne- klappern im Zwischendeck eines Liniendompfers ist hier natürlich nichts zu bemerken. Auf einem anderen Bilde sieht man eine Hazienda, es ist Feierabend, das ganz« Bild atmet Ruhe und Frieden. Alle Schichten sind vertreten. Low dieser Sorte Bilder, die m der Mehrzahl Besitzungen während der Vorkriegszeit reichgewordener Pjlanzer darstellen,.sind ungefähr zwanzig da. Und dann eine Aufnahme, hie den Beratern sicher das Gewissen schlagen ließ: die Behausung' eines deutschen Auswanderers in Südamerika, in jenen Gebieten, wo es noch gar nicht allzu lang« her ist, als man den Weizen statt Kohl« oerfeuerte. Sie steht au« wie«in verkommener Schweinestall, ihr ganz«? In- ventar ist«in« Pritsche mit einem Bund Stroh und einer alten Decke, wenn man von den Nägeln in der Bretterwand absieht, di« den sehlenden Schrank ersetzen müssen. Mit diesem einen Bild ist das ganze Schicksal des westeuropäischen Auswanderers aufge- fangen: entweder kommt er als Herr in die Tropen oder er geht dorthin als Knecht. Wählt er das letzt«,' wozu ihm nichts anderes übrig bleiben wird, dann muß er mit dem Reis der chinesischen Kulis oder dem Mai» afrikanischer Kaffern fürlieb nehmen. Di» B e- ratüng beginnt mit einer Formalität, der Ausfüllung des kurzen Fragebogens. Name, Alter, Beruf, ob selbständig, in Arbeit oder ohne Arbeit, ledig, oerheiratet, wieviel Kinder. wohin des Wegs und wieviel Geld man besitzt. Erwerbslos« wer- den kostenlos beraten, di« anderen zahlen eine Mark. Alle Alters- schichten sind vertreten, vom 18jährig«n Kontorburschen, in desien Kops immer noch di« Old Waoerly und Buffalo Bill herumspuken bis zu dem enttäuschten älteren Angestellten, den die Rationali» sterung brotlos machte. Dazu jener zweit«, dritte, viert« Bauern- söhn, sür den auf der Scholle seiner Bäter kein Platz ist. Arbeiter dagegen, die beraten sein wollen, sind an den Fingern abzuzählen. Was kostet die Reise? „Der Herr nach Smyrna bitte Zimmer 27" ruft das Fräulein. Die Beratung ist sachkundig und aussührlich. Obwohl gewisie Fragen bestimmt zum zehntausendsten Mal« an die Beamten gestellt wer- den, finden sie immer wieder ihr« eingehende Beantwortung, von Zeit zu Zeit bereichert durch neue Informationen au» den einzelnen Ländern. Ueberhaupt muß die Geduld der Berater«in« enorme sein, es gehören Nerven dazu, so tausendmal einen kleinen Dortrag über Kanada oder Brosikien zu halten. Wieviel die Butter da kostet, wieviel«in Anzug, was da verdient wird, ob erstmal Arbelt zu kriegen ist, wo man denn wohnen kann und meist zum Schluß die entscheidend« Frage: Wieviel kostet die Reise dorthin? Wenn dann die Summen genannt werden, die in di« Tausend« gehen, dann ist die letzte Illusion in alle Winde oerflogen. Die Beamten raten niemandem ab und keinem zu, sie sagen nur die Wahrheit, was in Swakopmund. in Valparaiso oder in Singapore „los" ist, aber da» genügt schon: mit einem tiefen Seufzer ver- lassen die Auswandererlustigen die Beratungsstelle. Würden sie zu- dem die Frage noch den Reisekosten an den Anfang stellen, dann machte sich so manch« Beratung überflüssig. Für heut« bescheiden sie sich und gehen nach Haus«.... Da« neue tfoftmufeum. tTir berlchMen corgeflern über da* neue Berliner Stoflmufeum. Unsere Xe/er sehen hier da« fehmucke einladende gehMude. Raubmordversuch im Westen. Zwei Frauen niedergeschlagen. In der Nürnberger Strohe im Westen Berlins wurde gestern abend aus zwei Frauen ein schwerer Raubübersall verübt. Durch die Aufmerksamkeit der psörlnersfrau des Hauses wurde dos verbreckzen kurz nach IS Uhr entdeckt, und die Uehersallenen, die noch schwache Lebenszeichen von sich gaben, wurden in das wilmersdorfer Krankenhaus in der Achen- dachst rahe gebracht. Zu dem furchtbaren Raubmordanschlag erfahren wir noch soigeüde Einzelheiten: Im Hause Nürnberger Straße 63 wohnt seit langen Iahren die S3jäHng« Frau Ida Nasse, die dort zusammen mit ihrer 40jährig«n Tochter Paula ein Wäschegeschäft be- treibt. In den Abendstunden, etwa gegen 18 Uhr, erschienen zwei jung« Leute, die angeblich ein Oberhemd kaufen wollten. Die beiden Frauen legten den Männern verschiedene Sachen vor, ohne daß sich dies« für einen Kauf entschließen zu können schienen. Als sie die Aufmerksamkeit der beiden Frauen auf diese Weis« abgelenkt hatten, schlugen sie plötzlich mit einem Totschläger und einer ver- borgen gehaltenen Eisenschiene aus die Ahnungslosen ein. Die Schläge wurden mit solcher Wucht geführt, daß die beiden Frauen mit schweren Kopfverletzungen bewußtlos zu Boden sanken. Di« Burschen plünderten min die Kasse und suchten das Weite. Leider sind sie von keinem der Anwohner beobachtet worden. Erst einige Zeit später fiel es der Pförtnersfrau des Hauses auf, daß die Frau N. die Jalousie des Ladens nicht herunter- ließ. Als sie auf di« Ladentür klinkte, fand sie sogleich Einlaß und sah zu ihrem Schrecken die beiden Frauen bewußtlos am»oden liegen. Di« Pförtnersfrau alarmierte die Polizei, di« für die sofortig« Ueberführung der Schwerverletzten ins Mlmersdorser Krnnkenhaus in der Achenbachstraß« sorgte. Das Befinden der 4<>jährigen Paula Rasse ist so schwer, daß an ihrem Auskommen gezweifelt werden muß. Die Schläge sind mit ungeheurer Wucht geführt und haben den Schädel an mehreren Stellen zertrümmert. Das Befinden der Mutter ist weniger ernst. Der Kriminalpolizei ist es im Laufe der späten Abendstunden gelungen, die Beschreibung eines der Täter durch die Aussage der Frau Ida Rasse zu erlangen. Danach soll der eine der Burschen einen grauenAnzug getragen haben. Dazu hatte er eine graue Schiebermütze. Auf die Ergreifung der Täter hat die Kriminalpolizei 1600 Mark Belohnung ausgesetzt. 22 Tote auf Ll-Boot H 47. Oer Kommandant und ein Matrose sind gerettet... London, 9. Zuli. Der Kommandant des nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Unterseeboot gesunkenen Unterseeboote» h 47 ist gerettet worden. Außer ihm Ist. wie bereits die frühere« Meldungen vermuten Keßen, nur noch ein Mitglied der im Augenblick de» Unglück» 24 Köpfe starken Besahung de» Booke» goeborgen morden. Zu dem Unglück gab heute im Unterhause der Erst« Lord Admiralität Alexander folgende Erklärung ab: In a r Eile sind die notwendige» Schritte unternommen worden, um die Lage de» gesunkenen U-Bootes festzustellen. Die Rettung des Bootes ist aber sehr unwahrscheinlich. Die besten Tauch- apparate sind sofort an die Unglücksstell« gebracht worden. Mit Be- dauern muß ich jedoch sagen, daß wir so gut wie keine Hoffnung haben, die Mannschaft retten zu können. Zum Stlnnes-Prozeß. In unserem gestrigen Bericht über den S t i n n«»- P r o z e ß ist ein Mißverständnis unterlausen. Ober- regierungsrat Steiger ist nicht im Ministerum für Landwirtschaft tätig, sondern im Ministerium für die besetzten Gebiete. 9ttcJt Xondon: (Bereditigte Uebersetzung von Erwin Magnus). Zr ließ das Auto vor Dedes Tür halten, und mit der- selben gewaltsamen Taktik wie das letztemal schloß er sie in die Arme, ehe sie noch ein Wort hatte hervorbringen tonnen. ..Erledigt!" kündigte er an.„Du hast natürlich die Zeitungen gelesen. Ich bin ausgepumpt bis auf den letzten Cent, und jetzt will ich lkur wissen, an welchem Tage w,r nach(Blen Ellen ziehen können." nun u Er hielt inne und sah sie an. Unentschlosienheit und S>orgz stand auf ihrem Antlitz. Aber dann wich alles dem Lächeln, das er so gut kannte, sie warf den Kopf zurück und lachte auf ihre alte frische Knabenart.. Wann kommen die Leute zum Einpacken. fragte sie. ?öie lachte wieder und tat. als ob sie vergebens versuchte, sich aus seinen Bärentatzen loszumachen. . Lieber Elam," flüstert« sie,„lieber Slam. Und zum ersten Male küßte sie ihn. Sie strich ihm kosend mit der chand über» Haar. „Jetzt sind deine Augen ganz golden." sagte� er.„Och kann genau in ihnen lesen, wie lieb du mich hast. „Sie sind schon lange golden für dich gewesen, Elam. Ich glaube, auf unserer kleinen Ranch werden sie immer golden sein.". � „3n deinem Haar ist auch Gold, ein« Art Feuergold. Er drehte ihren Kopf gegen das Licht, hielt ihn zwischen seinen Händen und blickte ihr lang« in die Augen.„Und neulich, als du sagtest, daß du mich nicht heiraten wolltest, da waren deine Augen auch golden." Sie nickte und lachte. '„Du wolltest deinen Willen haben, gestand sie.„Aber ich konnte einen solchen Wahnsinn nicht mitmachen. All das Geld gehört ja dir und nicht mir. Aber ich liebt« dich di« ganze Zeit. Elam. weil du so ein großer Jung« warst. der nun ein Spielzeug für dreißig Millionen zerbrechen wollt«— nur weil er des Spielens müde geworden war. Und wenn ich auch nein sagte, so wußte ich doch die ganze Zeit, daß es Ja war. Und ich wußte, daß meine Augen di« ganze Zeit golden waren." Sie barg einen Augenblick ihr Gesicht an seiner Brust, dann sah sie wieder mit strahlendfrohkn Augen zu ihm auf. „Siehst du, Elam, ich— ich mußte dich einfach heiraten. Aber ich betete, daß es dir glücken möge, alles zu verlieren." „Ich habe«Ine Idee," sagte Daylight,„wir entfliehen ja dem Stadtleben und allem, was damit zusammenhängt. Es hat doch eigentlich keinen Sinn, daß wir uns in der Stadt trauen lassen. Also meine Idee: Ich fahre nach Ranch, um das Haus ein wenig instand zu setzen. Du kommst in ein paar Tagen mit dem Morgenzug nach. Dann Hab ich alles mit dem Pfarrer in Ordnung gebracht. Und noch ein« Idee: Du nimmst dein Reitkleid im Handkoffer mit. Ich bin mit ein paar Pferden da, und wir reiten dann über Land� Du kannst gleich dein Gut besichtigen— und es ist wirtlich schön. Also, es ist alles in Ordnung, und ich erwarte dich über- morgen mit dem Frllhzuge." Dede war rot geworden, und sie sagte:„Du bist«in solcher Brausewind" „Ja, gnädige Frau," sagte er langsam,„ich kann das Warten nicht vertragen."Und es ist«in Skandal, wie lange wir gewartet haben. Wir hätten uns schon vor mehreren Jahren heiraten können." * Zwei Tage später stand Dayligbt wartend vor dem kleinen Gasthof von Glen Ellen. Die Trauung war vor- über, und Dede war hineingegangen, um ihr Reitkleid an- zuziehen, während er dke Pferde holte. Jetzt zog er Bob und Mab am Zügel hinter stck her, und im Schatten des Wassertroges saß Wolf und sah zu. Schon di« zwei Tage der starken kalifornischen Sonne hatten Daqlights früher so sonnenverbrannter Haut neue Glut verliehen. Aber wärmer noch war die Glut, die in seinen Wangen und Augen brannte, al» er Dede zur Tür herauskommen sah, die-Reit- peitsche in der Hand und in dem Reitkleid, das er so gut von früher her kannte. Auch in ihrem Gesicht waren Wärme und Glut, als ihr Blick dem seinen begegnete und dann auf die Pferd« fiel. Da sah sie Mab. Aber ihr Blick suchte wieder den Mann. „2lch, Elam!" flüsterte sie. Es war fast ein Gebet, aber ein Gebet, das tausend- fachen Sinn enthielt. Daylight versuchte sich dumm anzu- stellen, aber das Lied, das in seinem Herzen klang, war zu jubelnd, als daß er sich hinter seiner gewöhnlichen Scherz- haftigkeit hätte verschanzen können. Alles lag in dem einen Wort— Vorwurf, in Dankbarkeit geläutert, und hinter allem Freude und Liebe. Sie trat vor, liebkoste das Pferd, und dann wandte sie sich wieder zu ihm und flüsterte:„Ach, Elam!" Wieder machte er eine Anstrengung, zu scherzen, aber der Augenblick war zu feierlich selbst für Liebesscherze. Keiner von ihnen sprach. Sie ergriff die Zügel, und Daylight beugte sich nieder und nahm ihren Fuß in die Hand. Er hob ihn, sie sprang und saß im nächsten Augenblick im Sattel. Gleich darauf saß er selbst im Sattel, und während Wolf in seinem typischen Wolfstrott vorauslief, ritten sie Seite an Seite bergauf, den Weg. der sie zur Stadt hinausführte— auf zwei rotbraunen Pferden zwei frohe verliebte Menschen, die durch den warmen Sommertag ihren Flitterwochen ent- gegenritten. Daylight war wie berauscht. Höher konnte nie ein Mensch gelangen, war nie einer gelangt. Sie erreichten den Gipfel des Hügels, und er sah ihr Antlitz vor Freude leuchten, als sie das schöne Land vor sich liegen sah. „Das ist unser," sagte er.„Und das ist nur eine Probe von der Ranch. Warte nur, bis du den großen Canjon siehst. Dort sind Waschbären, und da hinten in Sonoma gibt es Nerze. Tiere!— Weißt du, diese Berge wimmeln von ihnen, und ich glaube, wenn wir uns Mühe geben, können wir sogar einen Berglöwen erwischen. Und weißt du. da ist«ine kleine Wiese— aber jetzt sag ich nichts mehr. Wart, bis du alles selbst gesehen hast." Sie bogen in«ine Gatterpforte ein, und beide sogen mit Entzücken den warmen Heuduft ein. Wie bei Daylights erstem Besuch sangen die Lerchen und flogen vor den Pferden auf, bis sie den Wald mit den blumenübersäten Lichtungen erreichten. „Jetzt sind wir auf unserem eigenen Grund und Boden," sagt« er, als sie über di« jüngst gemähte Wiese kamen.„Er erstreckt sich über den unebensten Teil des Landes. Aber wart« nur, bis du alles gesehen hast." tFortsetzung folgt.) Partei und Ziepublikschutzgeseh. Die Kreisversammlungen der Berliner Genoffen. .Der Aall de» Republtrschutzgeietze�.— das ist das Thema der Sreisoerstmmluttgen unserer Berliner Parteigenossen, die für gestern und heute angesetzt find. Der starke Besuch und die rege Anteilnahme bezeugen, datz die Sozialdemokratie und in ihr das Berliner Proletariat nach wie vor der stärkste Schutzwall gegen Reaktion und Rlonarchismus ist. wir berichten: Im 11. Bezirk, Kreis Schöneberg, führte Genofstn Bohm-Schuch in ihrem Referat aus, das Republikschutz- g e s e tz sei bereits umkämpft worden, ehe es geschaffen war. Die ersten Jahre nach dem Kriege, die von politischen Leidenschaften durchtobt waren, brachten die Morde an Staatsmännern. Schon als Erzberger erschossen wurde, war der Ruf nach dem Re- Publikschutzgesetz in breiten Volkskreisen laut. Ws der zweite Mann, Rathenau, durch Mörderhand fiel, war der Einwand der Schwäche, der die republikanischen Parteien von der Einführung des Gesetzes abgehalten hatte, hinfällig geworden, und unsere Par- ' tei war es, die das Verlangen nach einem Schutz der Männer erhob, die ihre Person in den politischen Vordergrund stellten. So kam das Republikschutzgesetz zustand«, und während der Jahre seines Bestehens haben selbst die Deutschnationalen für die Verlängerung des Gesetzes gestimmt. Die Verlängerung wäre auch diesmal gewährleistet gewesen, wenn der sogenannte Kaiser- Paragraph daraus entfernt worden wäre. wir haben mil dem Flüchtling noch Holland nicht dos geringste zu tun, wir fürchte« ihn auch nicht. Di« Rcdnerin gab«in Bild über die Vorgänge während der eigeizartigen Sitzung, die einer Tragikomödie glich, und zeigte die Ursachen auf, die das Gesetz zu Fall brachten. Die Wirt- schaftspartei, die den Ausschlag bei der Mstimmung gab, hat statt staatspolitischer Erwägungen Dergeltungs�politik" getrieben. Di« Kommunisten, die gemeinsam mit den Rechtsparteien gegen das Gesetz stimmten, würden selbswerständlich, wenn der Kaiser zurückkehren sollte, ein lautes Geschrei in ihrer Presse an- stimmen, daß daran die Sozialdemokratische Partei schuld sei. Aber trotz des Falles des Gesetzes Ist die Republik reichlich geschützt, solange die Arbeiter zu diesem Staate stehen. Voraussetzung ist, daß die Republik eine Politik durchführt, die für die Verbundenheit der Massen mit dem Staate bürgt. D«nn die Regierung aber die sozialen Sicherhetten der Arbeiterschaft nicht schützt, dann freilich kann die Gefahr wachgerufen wer- den, daß auch die Republik in ihrem Bestand erschüttert wird. In Treptow sprach Genoste Harnisch, der gleichfalls be- tonte, daß die Republik durch das Fallen des Schutzgesetzes nicht bedroht würde, weil die Arbeitermassen hinter ihr stchen. Der Kreis Wedding hielt feine Versammlung in den Phorus- säten in der Müllerstraße ab. Als der Genosse Fr a n k die Sitzung mit treffenden Worten eröffnete, war der Saal übervoll. Bis in die Gänge hinein und bis dicht an die Tür standen dicht gedrängt die Parteigenossen, die nach der Ablehnung des Republikschutzgesetzes zu der Frage„Sicherung der Republik' Stellung nehmen wollten. Genosse Reichstagsabgeordneter Vogel ging in seinem Referat auf die Verhandlungen der Regierungsparteien über die Verlängerung des Republitschutzgesetzes ein. Er kritisierte scharf das Verhalten der W i r t s ch a f t s p o r t e i, die ein reines Kuh- Handelsgeschäft betreiben wollte. Die S p i e ß e r in der Wirffchaftspartei hatten Angst vor dem WohnheimstSttengesetz und wollten nur dem Republikschutzgesetz zustimmen, wenn ein Wohn- heimstättengesetz nicht gemacht wird. vor allem die Sozialdemokrakie Hai aber nicht mit sich handeln lasten, und darum Hai die wirstchastspariei den Kommunisten und Rationalisten beigestanden. Wenn in der nächsten Zeit der rüde Ton von rechts und links noch ausfallender wird,-so werden sich alle Politiker dafür bei der W i r t- schaftspartei zu bedanken haben, wenn aber den Monarchisten wieder der Mut wächst, Wilhelm zurückzuholen, so können wir uns dafür bei den Kommunisten bedanken. Der beste Schutz der Republik sind aber nicht die Gesetze, sondern der Wille der M a s s en, für die Republik einzutreten. In eindringlichen Aus- führungen hob Genosse Vogel hervor, daß allein durch die Mitarbeit der Sozialdemokratie in der Regierung ganz erhebliche so- ziale Aufbauarbeit geleistet werden konnte. So ist trotz er- heblicher Arbeitslosigkeit und einer schlechten Wirtschaftskonjunktnr der R e a l l o h n des deutschen Arbeiters im letzten Jahr pro Woche um 3 M. gestiegen. Die Mitarbeit der Sozialdemokratie in der Regierung ist immer von dem Wollen getragen, der Arbeiter- s ch a f t zu dienen. Die Darlegungen des Referenten fanden sehr starken Neifakl. Ein Rabenvater vor Gericht. S Uhr(8 Uhr nachmittag»), im strematorwm Baum- schuienweg. iiiefholzstraße. statt. DeMeF Uelallarbeiter- Verband Venraltuntutelle Berlin Den Mitgliedern zur Ziachricht, daß unser Tollege, der Werkmeister m\\\ Philipp geb. 18. Dezember 1906, am 2. Juli mfolg« Unfalls gestorben ist. Llm 8. Juli starb an Leberleiden unser Aolleg», der Sllrtler llermsv» Vsväer geb. 28. März 1871. Die Beerdigungen habe» bereit» stattgefunden._ Am 7 Juli starb an streb»»nser stollege, der Dreher «SX Bader geb 24. April 1884 Die Beerdigung findet am Donners- tag, dem II. Juli, na hm. 2>/> Uhr. von der Leichenhalle de» gentrai- Friedhofe» in Friedrichsfelde au» statt Rege Beteiligung wird erwarte«. Ehr» ihrem Andenken! vi» Otlsnennaltang. /Vi Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch. 10. 7. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. ,74 20 Uhr Staats-Oper Am PULRepubl. IL-S. 154 lS>» Uhr Mittwoch, lO. 7. Stadl Oper Bismarcks tr. eetchiossen am Geadarmenmarln Getdilossenl Geschlossen. S Uhr Barb. 8256 Horn a Jnez. Barhette bw. Tfigl. B o. SU SOBDI. J, S B 1" AI«. 8066 INTERNAT. VARIETE PtA?A Arbeiter. Angesteme u. Beamte sollen sieh nach den Beschlüssen desOewerhsohaftshongresses, der Oenossenschaitstage, des Allgemeinen freien Angestelltenbandes and des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes nur versichern bei dem eigenen Unternehmen, der Volhsittrsorgc GewerKsduiftlldi-GenossensdiaU]. TerddieranGs- AKtienfieseUsdiaii Auskunft erteilen bezw. Material versenden kostenlos die Rechnungsstelle Berlin, BitterstraBe 126, oder der Vorstand der Volksfürsorge in Hamb arg 5. An der Alster 58/59. Berthold Bodeutsch, Mariendorf. Ringstr. 16, 2 A. III: Rechnungstelle 28; Rudolf Meißner, Cöpenick, KurfOrstenallee 13, ptr.: Rst. 66; Otto Schmidt, Lichtenberg, �Hubertusstr. la, v. 1: Rst 70; Theodor Scrtmaltek, Reinickendorf- Ost, Justusstr. 10, ptr: Rst 80; Otto Metting Bernau bei Berlin, Lohmühienstraße 5. Rst 84. Arbeiter-Baugenossenschaft„PARADIES". zu Berlin, E. G. m. b. H. Bilanz am 31. März 19Z9. Vermögen Gebäude-Konto 1—6..., Abschreibung.,,»,, Grundstock Rückstände Inventar.....«<• a. Abschreibung.•<«■<» Gebäude-Konto 7., Abschreibung. Grund und Boden Kassa-Konto........ Geldentwertungs-Ausgleich-Konto Abschrift......... Eingänge......., Beteiligung Gehag..»»<•. Sparkassen-Guthaben..... Bank-Guthaben....... Gebäude-Konto 8—10.,.«- Abschreibung Ausstehende Forderungen,,, 2 200,— 1 223,75 Sebalden. Hypotheken-Konto(SffentL Mittel). Getilgt im Vorfahr...... im Berichtsjahr... Sonstige Hypotheken...... Getilgt in frllheren Jahren.. im letzten Geschäftsjahr Geschäftsanteil-Konto...... Reservefonds........, 560,- 6 085,30 8 939�3 8 313,47 Sparfon.. Hilfs-Reservefonds., Rücklagen..... Erneuerungs-Konto., Schuldverschreibungen Darlehen-Konto.., Gewinn....... RM 126 468,96 I 090,— 125 378,96 13 000,— 67,60 66.60 79874,72 13 970,47 3 423,75 1 548 472,60 15 617,53 RM 1046400,— 6 645,30 632 343.76 17252,70 RM 138 378,96 1 941, 60' I,— 79 374,72 11 824,33 2 908,01 10 546,72 6 500,— i oio,— 78 753,62 1532 855,07 18 795,— 1882 889 03 RM 1 039734,70 615001,06 65 154,- 16SS2A4 42 022/91 24 459,49 19 212.- 15 342AI 1 155,- 15S88A9 28 556,24 Anzahl Eingetrt 1882889,03 ,___„ der Genossen am 1 April 1928.. 705 mit 709 Anteilen Angetreten bis 31. Mär, 1929...... 45, 45 V Ausgeschieden am 31. März 1929.-,» ,29.»» Anzahl der Genossen am 31. März 1929.. 721» 725, Das Geschäftsguthaben hat sich im Geschäftsjahr am 2735 Mx, die Haft summe der Genossen am 4800 Mk. vermehrt____ Die Haftsumme, für die alle Genossen zusammen am Schlosse des Geschäftsjahres aufzukommen haben, beträgt 217 500 Mk. Der Aofaldilsret Der Vorstand. A. Waicker, Vorsitzender. Georg Dorner. Pen I Seh, ff ke. Die RevtolonehommUeloo. Feldberg- Mierseh. Zimmermann.___ Rose- Theater, Grofjc Frankfurter Str. 132. [ Beginn 4 Uhr Taas Im Freien, Feuerwerk usw. 8,1s Uhr; arAfin Mariza Grote Operette von Kälman im laaeataeater: Täglich 8.15 Uhr; „OLAF" Tragödie eines Sportlers Raichahallen-Theatar Ahesd»[sj Uhr Slelltncr Sänger mit dem schOaen Inll-Pro- gremni(nur noch bis 15.7.) Ab 16 7.: Gastspiel der Dresdner Victoria-Sänger Dönhoff• Brattl; (Saal und Garten) Vartett i Tanz; Orch. Ad. Becker Sommer-Garten-Theater 1 Berliner Prater N 58, Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 1 Sulnlti fiulti fleer. Gietai Lilien 1 ZaareewUsda Operette von Franz Lehär( Dazu der grohe Varlctetell. 1 Anfang Konzert 4.30. Burleske u. 1 Variete 6 BÜI. Operetl« 8.30. 1 jeden Oonnerstau groBar folkstag. jed. Mlttw. Klnderlesl o. Verlosong Sanuvsky-Bohuen Theater ta dar Kdalggritzar Straß« Bergmann 2110 Täglich 8V. Uhr Letzte 4 Aufführungen Riva■ en Komödienhaus Norden 6304 Täglich 8 Vi Uhr Hodizeitsrei» Sommerpreise i Planetarium Völlig. Jadsestbelv itnk B.5 Barbarossa 5578, 16V. Uhr Sternbilder dn Sommer« 18V« Uhr Der Qlutball der Sonn« 20V« U. Von Pol zu Pol «m Sternenhimmol Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pt, Kinder 25 Pf. Winter ★ Garren* 8 Ohr» zemr. 2010• HandieD erlantit I Grofte Tartel�'Sdian TüßaL n. Westens VotiuDttline rmitir»Btiivpiiti 8V. Uhr Berlin, wie es weint u. lacht Stuiuotran Piati dtr BtpnBllk 'Vit Uhr Hoffmaons theeter am Sdünbanerdamm. Norden 1141 n. 281 8V» Uhr Orappe langer Idiaaspleler Revolte Im EnleimaosIiBos (Dnuimtnuiii- Mittzm) Deutsdies liieater D.I. Norden 12310 SU, Ende gegen II Die Fleflermaos Musik v.Joh. Strauß Regie: Max Reinhardt, Musik. Einrichtung und Leitung E. W. Korngofd. Ausstattg L. Kainer Die Komödie J1 Bismck. 2414/7516 8V«, Ende geg. I0>6U Reporter 3 Akte v. Ben Hecht und Mac Arthur Regle:««lä3 Hllpgn. Loslspielbins Täglich SVi Uhr Revolotion bei Stern's Rundfunkhörer halbe Preise. Täglich 8V. Uhr Sonntag 3«/, u. 8V. Franz Lchar* Welterfolg'■ Friederike Ilse Muth. Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Netropol-Tb. Tägl. 8". Uhr Sonntag* u. 8V« Blanbari Operette von Offenbach Kammersänger Leo 51»» TksaLsa RottlLTor Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Elite- sangen Nenes Progrannn! Ab 17.-31. 7. Gastspiel der 9 Original . Lslnxlgsr Fniz-WeDer-Sdnaer �OmnftiisSR-� eh Grünau. Bahnsdorf bt» Airchplua übet 90 Parzellen an der Schönefelder Dhaufsee. Derld, Restparzellen qm 1 M an Ber- fstufer Sonntag» anwesend. C. A. Winkler ZehlandoH- Mitte Teilowee Str. 8 ySehlenbocl 2S38J ZU Mittwoch, den 10. Juli nachmittags Z>/, Uhr Main Kautabak schmeckt mir doch am besten WetteraPrognose. „Meine HQhneraugen schmerzen mich mal wieder besonders heftig. Es wird Regen geben. 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Seit unter der entscheidenden Führung der So- zialdemokratischcn Partei die früher fast zmei Dutzend selbständigen Städte und Orte an der Spree zum einheitlichen Groh-Berlin zusammengewachsen sind, wird auch der wichtigste und dringendste Bedarf lebender und wirtschaftender Menschen, der 2edars nach Verkehrsmitteln, Licht, Wärme, Kraft und Wasser immer einheitlicher befriedigt. Und es ist das Wahrzeichen des roten Berlin, daß dieses millionenfache gleiche Berlangen nach Verkehrsmitteln. Licht, Wärme und Wasser immer weniger durch privatkapitalistische, immer mehr durch öffentliche Unternehmungen befriedigt wird und daß diese öffentlichen Unternehmungen, die überwiegend dem Volke von Berlin selbst gehören, diese Bedarfsbesriedigung immer einheitlicher und immer wirtschaftlicher durchführen können. Einen neuen Beweis dafür bietet der übergebcne Bericht der Berliner Städlischen Elektrizitätswcrke A.-G. für 1928, jener städtischen Aktiengesellschaft, der als Detriebsgesell- schaft mit dem kleinen Aktienkapital von nur IS Mill. Mark durch die Stadtverwaltung von Bcrün die Bewirtschaftung aller Kraft- crzeugungsstätten und Derteilungsanlogen übertragen ist, die einen Wert von kaum weniger als einer Milliarde Mark reprä- sentiert. Die Bewag konnte im Jahre 1928 den von ihr verkauften Nutz ström von 913 auf 1098 Mill. Kilowattstunden, also auf über eine Milliarde steigern, wobei der Anteil des von außerhalb(in der Hauptsache Reichselektrowerk«) bezogenen Fremd- stroms zwar absolut von 408 auf 411 Mill. Kilowattstunden leicht anstieg, relativ aber beträchtlich zurückging, nämlich von 37,3 auf 31,7 Proz. Den kleinen Mann, d h. den eigentlichen Haus- hall der arbellenden Massen, erreichte die Stromabgabe im Jahre 1928 neu mit nicht weniger als rund 143 000 Zählern, das ist fast ein Viertel des Bestandes von End« 1927, und in den letzten zwei Iahren hat sich die Zahl der eingebauten Elektrizitätszähler um mehr als eine Viertelmillion oder um fast 60 Proz. erhöht. Diese Demokratisierung des Licht- und Kroftver- brauch- in der Weltstadt Berlin wäre sicher nicht möglich ge- wesen— man bedenke nur die unverhältnismäßig hohen Per- teilungskosten in fern abliegenden Siedlungen mit relativ wenig Kraftverbrouch— wenn nicht der öffentliche Charakter der Licht- und Kraftwirtschaft das Bedarfs de ckungsprinzip höher stellte als das Gewinn st reden. Aber auch Herr im Hause ist Groh-Berlm im Jahre 1328 geworden. Die Einheitlichkeit und Wirtschaftlichkeit in der Graß-Berliner Kraft- und Lichtwirtschoft war bisher noch empfind- lich gehemmt durch die zwar relativ kleinen, aber doch vorhande- nen Inseln nicht städtischer Kraftlieferung und ungleichmäßiger Tarife, die die einheitliche' Planung hinderten und auch die kraft- und lichttechnische Freizügigkeit, wenn man so sagen darf, unmöglich macht«. Die Bewag hat auch damit im Jahre 1928 entscheidend aufgeräumt. Ein Bertrag mit der Elektrizitätswerk Südwest AG. sichert allen Niederspannungsabnehmern, d. h. in erster Linie den Licht- stromverbrauchern, den 16- Pf.-Tarif der Städtischen Werke. Für unzählige Haushaltungen eine sehr fühlbare Erleichtc- rung der monatlichen Stromrechnungen und ein mächtiger Ansporn zum stärkeren Stromverbrauch, der sich im Haushalt durch die er- höhte Bequemlichkeit ja so tausendfach bezahlt«nacht. Ein Vertrag mit dem Märkischen Elektrizitätswerk führte zur Eingliederung von Friedenau, Lichterfelde, Gatow, Cladow, Staa- ken, Pichelsdorf und Tiefwerder— ohnehin zu Groß- Berlin gehörende Gebietsteile— in die einheitliche städtische Licht- und Kraftwirtschaft, die Berliner Vororts-Elektrizitätswerke und die Tempelhofer Elektrizitäts-Lieferungsgesellschaft— zwei Tochter- gesellschaften des Märkischen Elektrizitätswerkes— wurden Eigen- - tum der Stadt Berlin und bleiben nur bis 1938 weiter verpachtet. Dafür wurden Kreisteile von Ober- und Niederbornim. Teltow und Beeskow-Storkow, die die Bewag bisher beliefert hatte, dem Mär- tischen Elektrizitätswerk übergeben. So wurde die gebielliche Ein- heit des Licht- und Kraft-Berlins weiter abgerundet. Noch größer ober ist die Bedeutung einer anderen Vertrags- regelung mit dem MEW. und seinen Tochtergesellschaften. Dieser Märkische Konzern Hot sich nämlich verpslichtct. für die von ihm und seinen Tochtergesellschaften noch belieferten Berliner Ortsteile— abgesehen von den Industriellen Großabnehmern— die gleichen Preistarif« wie die der Bewag In Groß-Berlin anzuwenden. so daß Groß-Berstu heule fast hunderlprozeukig einen eiuheil- llchen Licht- und Strom laris hat, einen Tarif, der mit seinen 16 Pf. pro Kilowattstund« und seinen rund 24 Df. unter Einrcchnung der Grundgebühr zu den billig- sten in Deutschland und in der Welt gehört. Diese Vereinheitlichung des Absatz- und Tarifgebictes ist eine sehr wichtige Voraussetzung zur größeren Wirtschaftlich- k« i t in jeder Licht- und Kraftwirtschaft, deren größte Sorge die regelmäßige und volle Ausnutzung der sehr teuren Kraftanlagen, das heißt die Vermeidung jener so kostspieligen Bedarfsspitzen ist, die durch die verschiedene Länge der Tage im Jahre und durch den geringen Licht- und Kraftverbrauch während der Nachtstunden ent- stehen. Auch in dieser Richtung brachte das Jahr 1928 den städtischen Werken Erfolg«. Ein Prämienstasfeltarif für die im großen abnehmend« Industrie, ein Speicherstromnachttaris dienten erfolgreich der SpitzeneMlastung: ebenso ein Vertrag mit den Reichsclektrowerken, in den Wintermonaten November bis Februar die Dauerleistung von 60 000 Kilowatt auf 80 000 Kilowatt, und während einiger Stunden des höchsten Spitzenbedarfs weiter auf 110 000 Kilowatt zu erhöhen. 2n Charlollenburg wurde eine sogenannte Ruths- Speicheranlage errichtet, wo die Kraftspeicher nachts, während die Stromabgab« zurückgeht, für den Verbrauch am nächsten Tage geladen werden. Nm das große Klingenberg-Werk zu einem jahrein jahraus, Tag und Nacht voll ausgenutzten Grundlastwerk zu machen, unabhängig von aller Spitzenbelastung, wird jetzt«in neues riesige» Wepkrastwert errichtet— bis 1930/31 soll es vollendet sein—, das nicht nur den sprunghaft steigenden Bedarf auch in den kommenden Iahren befriedigen, sondern auch durch einheitliche Regulierung der Spitzenbelastung die Wirtschaftlichkeit weiter erhöhen soll. Für die wenigsten klar erkennbar, laufen Dutzende von weiteren Maßnahmen zur Erhöhung der Wirtschaftlich- keit neben diesen Großmaßnahmen einher, von denen die äugen- fälligste die Werbung für den Verbrauch von elektrischen Haushaltsgeräten ist, denen die zahlreichen Dorführungs- läden der Bewag dienen und das bekannte Elektrisiimateilzahlungs- system— Eleklrissimakreditgefuche stiegen im letzten Jahr um 52 Proz. auf 170 000. Klar, daß in einer solchen weltstädtischen Kraftwirtschaft sehr groß« Kapitalien investiert werden. Rund 17S Millionen Mark sind allein seit Ende 1927 aus Ausländsanleihen und langfristigen Krediten neu in die Berliner Kraftwirtschast gesteckt worden. Die Gewinnrechnung zeigt natürlich enorme Ziffern. Die Einnahmen der Bewag haben sich gegenüber dem Vorjahr von 124,56 auf 131,18 Millionen erhöht. wovon allein 129,17 Millionen auf Einnahmen aus der Strom- lieferung entfallen. Die reinen Stromerzeugungs. und Strom- onkausstostea stiegen aber trotz der Erhöhung der vertausten Strom- mengen nm fast 20 Proz. nur von 36,01 aus 37,17 ZKillloneu oder um noch nicht 3 proz. Rechnet man sämtliche anderen Unkosten— ohne Steuern, Zinsen, Stadtabgaben, Abschreibungen und- Rücklagen hinzu, so stiegen sämtliche Kosten won 53,98 auf 60,89 Millionen oder nur um rund 9 Proz. Hier ist also auch der rechnungs- mäßige Beweis für die Wirtschaftlichkeit der öffent- lichen Berliner Kraftwirtschaft gegeben. Doch worum sind die Tarife nicht noch billiger? Leider wird— das muß offen ausgesprochen werden, die Bewag ist aber nicht schuls daran, sondern die politischen Macht- Verhältnisse in Berlin— von den städtischen Werken immer noch zu viel verdient. Mögen die hohen Abschreibungen und Reserven, die im vergangenen Jahre gebildet worden sind,— nicht weniger als 34,23 Millionen—, im Werksinteresse notwendig oder zweckmäßig sei»: aber daß die Berliner Stromverbraucher den Stadtsäckel mit einer Abgabe von 12,90 Millionen einer Sondcrabführung von 9,01 Millionen und dann noch mit einer Dividende von 1,5 Millionen, zusammen mit 2 3,41 Millionen füllen müssen, statt daß entsprechend mehr Steuern erhoben würden, das scheint uns eine ungerecht- fertigte und überslüssigc Belastung des Stromverbrauchs. Dies« Mehrbelastung ist gegenüber dem Vorjahr noch um mehr als 3 Mil- lionen Mark gestiegen, und diese Mehrbelastung trifft in der 5) a u p t s a ch e den kleinen Mann, nicht die industriellen Großverbraucher, die durch besondere Eroßabnehmertarisc ja geschützt sind. Diese indirekte Steuerbelastung bedeutet, daß in jeder kilowattslunde, die auf die Kleinverbraucher entfällt, eine indirekte Steuer von 4 Pf. einkalkuliert ist. Mit anderen Worten, die Wirtschaftlichkeit der Berliner Strom- und Krastwirtschast wird dauernd erhöht, die verbesserte Wirtschaftlichkeit kommt aber den Verbrauchern nicht ausreichend zugute. hier liegt noch eine Aufgabe der Zukunft, die freilich auch wie alle Fragen der öffentlichen Wirtschaft eine Macht frage ist. Die öffentliche Wirtschaft Berlins wird zwar schon in ent- scheidender Weise von der Sozialdemokratie beeinflußt, aber die Macht der Sozialdemokratie reicht noch nicht au». und zwar wegen der Opposition der llnkernehmerparteien, um den Zugriff der Steuerpolitik mit dem groben Mittel indirekter Kopfsteuern beim Stromverbrauch zu verhindern. Für den 17. November sind auch in Berlin neue Kommunalwahlen angesetzt. Das Volk von Berlin, Männer und Hausfrauen, soll bis dahin nicht vergessen, daß auch eine Berliner Kroftwirtschafl noch Ausgaben zu lösen gibt, denen nur eine ausreichende Macht der Sozialdemokratie gewochsen Ist. Konsum im» Juni. lieber 34000 Haushaltungen der KGN. im lehten Jahr gewonnen. Den konsumgenossenschaftlichen Fortschritt in der Reichshaupt- stadt kann auch die Sommerzeit nicht hemmen. Der Juni brachte einen Zugang von Z4SS Haushaltungen in der Mitgliederliste. Die zwölf Monale des am 30. 3uni abgeschlossenen 30. Geschäftsjahres brachten insgesamt 34 264 Neuaufnahmen, ein Rekord für Berlin und das Reich. Dem Zugang steht ein Abgang von 9471 Mitglie- dern gegenüber, der sich aus Todesfällen, Mitgliedschaftsüber- tragungen, Kündigungen und Ausschlüssen zusammensetzt. Der Mit- gliederbestand wuchs unter Berücksichtigung des Abganges um 24 793: die Zahl der Milgliedshaushaltungen stieg von 146192 auf 17(1985..,..... r-, t,,,■.„- Obwohl der Juni 1929 einen Verkaufstag weniger aufwies als der Juni 1928, hat sich gleichwohl der U m s a tz um 1 031 958,15 M., von 4 845 127,28 M. auf 5 877 085,43 M. erhöht: die Steigerung gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres betrug 21,3 Proz. Mit 89,5 Proz. Steigerung steht die Gruppe der Fleischabgabestellsn weitaus an der Spitze. In der konsumgenossenschaftlichen Sparkasse standen den Einzahlungen in Höhe von 1 475 268 M. 1 105 451 M Auszahlungen gegenüber. Der Z u g a n g an Spargeldern belies sich auf 369 817 M.. womit ein Einlagcnbestand von mehr als 35 Millionen Mark erreicht wurde. Am 1. Juli traten in der Sparkasse der KGB. folgende Zinssätze in Kraft: 6 Proz. für täglich verfüg- bare Gelder, 6�- Proz. für Spargelder mit monatiger Kündigung, 7 Proz. für Spargelder mit vierteljährlicher Kündigung. „Hoffnung* DekleidungS O. m. b. H. wird Warenhaus. Dar KGB. als Tochtergesellschaft angegliedert ist seit Jahr- zehnten die„Hostmung", Bekleidungs- nv b. H.. im Norden Berlins, Brunnenstraße. Diese mit schönstem Erfolg arbeitende ge- meinwirtschaftliche Umernehmung der KGB,— 1928 überschritt der Umsatz weit 1 Million— wird jetzt das Warenhaus V der KGB., in dem in Zukunft auch nur noch Konsum-Mitgliedcr taufen können. Die Mitgliedschaft mit dem Vorteil der R a b a t t o e r- g ü t u n g kann natürlich von jedem bisherigen Kunden— soweit es noch nicht der Fall war— sofort erworben werden. Auch in der neuen Form, die durch die unsinnigen Steueraus- legungskun st stücke des Reichsfinanzhofs erzwungen wurde— bleibt die alte' Hoffnung" eine neue und erfolgsichere Hoffnung des werktätigen Volkes. 200 Pfund Sterling je englische Tonne mit etwa 1016 Kilogramm Inhalt sehr gut zurechtkommen und eine künstliche Steigerung der Preise durch Kontrolle mit damit verbundener Einschränkung der Produktion absolut nicht notwendig ist. Der Widerstand bei den südamerikanischen und holländischen Produzenten ist so groß, daß man sich in London jetzt auf den Zusammenschluß der britischen Zinnhütten beschränken will. Auf den Markt haben diese Pläne in- sofern Einfluß gehabt, als die Spekulation mehr als sonst kaufte, was, wie aus nachsthender Tabelle zu ersehen ist, zu Preis- steigerungen führte. 100 Kilo kostete» am; Elektrolntkupfer Blei.... Zmk.... Zinn.... 29. Mal 170,50 46,- 53,— 403,— 10. Juni 170,50 47,- 53,— 408,— 18. Juni 170,75 48,- 52.- 409,— 5. Juli 170,75 RM. 45,75, 50,-. 411,-. Ltm die Kartette für Alei und Zinn. Preissteigerungen für Zinn- Sehr große KupferproOuNion Fast immer, wenn das Geschäft an den Metallmärkten schlechter wird oder durch Produktionsausdehnung die Preise sinken, tauchen neue Kartell- oder Trustprojekte der Erzeuger auf. Die englischen Zinngesellschasten haben an alle Erzeuger die Aufforderung zu Vcr- Handlungen über eine Produktionskontrolle gerichtet, die die Syndi- zierung zum Ziel hat. Am aktivsten ist dabei die Anglo-Oriental-Co., von der der ganze Plan auch ausgeht. Man arbeitet mit dem Hin- weis auf eine angeblich bevorstehende Verknappung der Erzläger. Doch wird das sogar im eigenen Lager der Zinn- Produzenten bestritten. Aus der kürzlich abgehaltenen Generalver- sammlung der Billiton-Gesellschast, die an der Spitze der holländi- schen Zinnwirtschaft steht, wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, daß von einer Verknappung vorläufig gar nicht die Rede sein kann, daß die Erzläger so reich sind, daß der Wellbedarf voll und ganz gedeckt wird. Auch statistisch kann von einer Matcrialknappheit nicht ge- sprachen werden. Die Weltproduktion betrug 1927 rund 158 000 Tonnen und 1928 179 000 Tonnen. Der Verbrauch ist für 1928 auf etwa 155 000 Tonnen zu schätzen. Nach der Produktionsentwicklung in den Zinnerzgebieten, besonders in den Malaienstaaten und in Bolivien, ist für dieses Jahr eher mit einer Zu- als mit einer Abnahme der Produktion zu rechnen. Die starke Steigerung der Weltbestände seit Dezember vergangenen Jahres beweist auch deutlich, daß die Pro-, duktion sich auswärts und nicht abwärts bewegt. Interessant sind die Ausführungen, die sich mit den Gestehungskosten befassen. Aus ihnen geht hervor, daß die Produzenten bei einem Preise von Die Bleiproduzenten sprechen auch wieder von der Bil-' dung eines Kartells, und von England wird nunmehr die definitive Abhaltung der Wellkonferenz für die ersten Tage des Juli ange- kündigt. Di« Aussprache soll aber ohne die Produzenten der Der- einigten Staaten und Deutschlands stattfinden. Bei dem großen Uebergcwicht der amerikanischen Produktion dürsten dann die Ver- Handlungen ihr Ziel kaum erreichen. Im übrigen arbeiten durch die seit Januar eingetretenen Preissteigerungen selbst die teurer erzeugenden Hütten in Spanien und Australien rentabel. Das K u p f e r g e s ch ä f t hat sich in letzter Zeit verschlechtert. Die Produktion ist gestiegen, was auch gleichzeitig zll einer Vergrößerung der Vorräte führte. Von amerikanischer Seite werden die Gesamtbestände für Nord- und Südamerika per 31. Januar mit 285 000, am 28. Februar mit 263 000 und am 31. Mai mit 300 000 Tonnen angegeben. Von einer Knappheit kann also in der Kupfer- Wirtschaft, wie früher einmal vom Kartell behauptet wurde, jeden- falls jetzt nicht mehr die Rede fein. Auch ein We»t-Farben?artell? Anläßlich der zehnten Jahresversammlung des Verbandes der britischen Farbenverbraucher erklärte der Präsident Sir Henry Sutcliff« Smith, daß die unlängst zustande gekommene deutsch- schweizerisch- französische Farbenverständigung der bis dahin zwischen den Produzenten bestehenden scharfen Kon- kurrenz ein Ende bereitet habe. Es sei zu erwarten, daß ähnliche Abmachungen auch mit gewissen amerikanischen Produzenten zustande kommen werden und daß auf diesem Wege die Voraus- setzungen für die Bildung eines Weltfarbenkartells geschaffen würden. Der vor einigen Tagen zum Abschluß gebrachte internationale S t i ck st o f f- V e r t r a g sei bezeichnend für die weitere Entwick- lung der Beziehungen zwischen der deutschen I. G. Forbenindustne und der englischen Imperial Chemical Industries. für Waggonaufträge. Di« Deutsche Wagenbau-Vereinigung hat nunmehr mit einem Bankenkonsortium unter Führung der Darmstädter Bank folgendes Kreditabkommen getroffen: Die Reichsbahn erhält zur Bezahlung von Lieferungen der Waggonfabriken auf drei Jahre einen Kredit von bis zu 100 Millionen Mark, für den sie 6,9 Proz. Zinsen zu zahlen hat. Die Waggonbauvereinigung hat soviel zusätzliche Zinsen zu zahlen, bis der Zinssatz 1 Proz. über Reichsbankdiskont, min- bestens aber 7 Proz. beträgt: außerdem muß sie jährlich IVi Proz. Provision entrichten, gleichgültig, ob der Kredit beansprucht wird oder nicht. Schließlich muh sie für einen Teck des Kredits, der von ausländischen Bankiers übernommen wird, das Valutarisiko über- nehmen und für die ganze Sumnie hasten. Die Waggonfabriken werden Zluf'räge in Höhe von 75 Millionen Mark erhalten(den R e st des Kredits verwendet die Reichsbahn für eigene Bauten), an denen sie 10 Proz. verdienen werden. Durch diese Aufträg? werd-n die Werke zunächst ausreichend beschäftigt sein Schutz des Ladenmieters. Die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels hat einen Gesetzentwurf zur Aenderung der Miet- bestiinmungen des BGB. ausgearbeitet. Die vorgeschlagene Gesetzes- änderung soll de» Ladenmieter gegen nicht gerechtfertigte Kündi« gungen sichern, die den Standort des Geschäfts und den davon abhängigen Geschäftsbetrieb gefährden. Otto Braun rechnet ab. Gegen die naiionale Verantworiungslosigkeii der Osuischnationalen. Auf der Tagesordnung der Dienstagsitzung des Landtages stand die dritte Lesung des Staatsoertrags zwischen Preußen und der Kurie. In der Absliimnunz wurde zunächst ein kommunistischer Antrag die Beratung des Konkordats auszusetzen, mit 345 gegen 50 Stimmen abgelehnt. Artikel 1 des Konkordats wird mit 32s Stimme« gegen 92 Stimmen der Deutschen Bolkspartei. der Kommunisten und Nationalsozialisten angenommen. Der deutschnationale Antrag, daß das Konkordat erst gleichzeitig mit einem evangelischen Kirchenvertrog in Kraft treten soll, wird mit 265 gegen 127 Stimmen der Deutschnationalen und Deutschen Volkspartei abgelehnt. Ein ähnlich lautender Antrag der Wirtschastspartei wird mit 275 gegen III Stimmen obge- lehnt! dagegen stimmt auch die Volkspartci. Artikel 2 des Konkordats wird mit 243 Stimme« der Regierungsparteien und der Wirtschaftspartei gegen 173 Stimmen der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei, der Nationalsozialisten und Komm»- nisten angenommen. Ebenso in der Schlußabstim- mung das ganze Gesetz mit 243 gegen 172 Stimmen. Ein Antrag der Sozialdemokratie, die Regierung zu ermächtigen, durch Verordnung den Freidenterorganisationen Körperschaftsrechte zu geben, wird nnt den Stimmen der Regie- rungsparteien a n g e n o m in e n.. Die Kommunisten, die teilwelsc dagegen gestimmt hatten, enthalten sich schließlich der Abstimmung. Das kommunistische Mißtrauensvotum gegen das Kabinett wegen des Kirchenvertrags wird mit 227 gegen 52 Stimmen abgelehnt. Es folgen die Interpellationen aller Rechtsparteien und der Kommunisten wegen der Gtudsnienkrawalle am 2S. Juni «nd wegen der Frankfurter Rcichsbannsrrede des Innenministers Grzesinskis. Abg. Steuer(Dnat.): Die Regierung hat olle Kundgebungen zum 28. Juni unterdrückt, angeblich um den Erlaß der Reichsregie- rung über den 10. Jahrestag von Versailles nicht abzuschwächen. Dabei war dieler Aufrus so schwächlich, daß cr eine Stärkung er- fordert hätte. Wenn das Reichsbonner innerhalb der Bannmeile Seoering einen Fackelzug bringen kann, müssen die Studenten auch das Recht haben, Herrn Becker ein Ständchen zu bringen. Aber Herr Becker ist gar kein geistiger Führer des deutschen Volkes, sondern ein tvpischer Repräsentant preußischer Regierungs- subaltcrnität. Die Sozialdemokratie muß die Argumente der Entente unterstützen, um ihren 9. November zu rechtfertigen. Der Geist von Weimar ist ein System der Lüge. Etwa Adolph Hoff- mann plus Lauscher, dividiert durch zwei. Wir brauchen eine Einheitsfront aller nationaldcntenden Deutschen, um die Pest des Marxismus zu überwinden.(Bravo! rechts.) Wg. Dr. Boelilz und Ab-z. Schwarzhanpl(DDp.) begründen die volksparteilichen Interpellationen. Statt das Volk zusammenzuisassen, habe Grzcsinski in Frankfurt den Bürgerkrieg an die Wand gemalt. Wg. Dr. ponfiS(Bauernpartei) führt Klage über Grzesinskis .Laternenpfcchlrede" und feiert die Baucrminnchen, die mit Sicherheit zunehmen und stärker werden würden. Die Interpellationen beantwortet Ministerpräsident Braun. Di« Stoatsregierung hat kein« BeraiÄassung, zu der Red« des Innenministers in Frankfurt Stellung zu nehmen. Das Staats- Ministerium ist nicht Acnsvr für die außeramtlichen Kundgebungen der Minister.(Bravo! links.) Was die Kundgebungen zum zehnten Jahrestage von Versailles angeht, so gehe ich arrf die Ausführungen des Abg. Steuer nicht «in! ich will die Angelegenheit mit dem Ernst behandeln, den sie verdient.(Lebhaftes Bravo links.) Es ist ein beschämendes Zeugnis der Unreife gewisser durch p aridhaß verblendeter kreise des deutschen Volkes, daß sie in der Frage de» versailler Friedens, in der Einigkeit das höchste Gebot ist. versuchen, Zwietracht im Volke zu säen. (Unruhe rechts.) Die preußische Regierung hat seit dem Jahre 1919 unaufhörlich gegen das Versailler Zwangsdiktat protestiert, zuletzt durch meine Rede vr-m 22. April dieses Jahres in der Kundgebung oegen die ungeheuerlichen Reparationssorderungen. Gegen die schmerdrückenden Bestimmungen dieses Diktats find wir entschlossen, alle erfolgversprechenden Mittel anzuwenden. Welche Mittet freilich Ersolg versprechen, darüber gehen uirsere Anschauungen weit aus- einander. Ein ungeeignetes Mittel ist z. B. die Be- kämpfung der Kriegsschuldlüge. Selbst wenn das Un- mögliche gelänge, die blütenweiße Unschuld der deutschen Bnrkriegs- Staatsmänner nachzuweisen, würden die Ententestaaten nicht einen Dollar von ihren Kriegstributfordcrungen nachlassen.(Lebhafte Zu- stimmung links.) Es ist eine Illusion, aus diesem Wege Erreichte- rung der Kiiegeiasten zu suchen. In den zehn Jahren seit dein furchtbaren Friedensschluß hat jeder verantwortungsbewußte deutsche Mensch lernen können, daß wir eine Erleichterung nicht erreichen durch Radaupatriotisnuls und nationalen Ueberschwang, sondern nur durch eine nüchterne, verantwortungsbewußte Polllik, die auf die Erhaltung des Friedens und die Verständigung der Völker abzielt. (Lebhafte ZustÄraming links und in der Mitte.) Wenn in Weinsar die Rechtsparteien die Annahme des Versailler Friedensdiktates er- mä glicht haben, indem sie den Ja-Sagern ihr patriotiscl/s Motiv bestätigten, sollten sie vaterländische Beweggründe auch denen nicht absprechen, die durch Annahme des Ynniig-Planez die Reparation?- last erleichtern und die B'satzungÄast abschütteln wollen.(Sehr gm! links.) Durch Beschluß vom 7. Juni Hot das Reichskabinett gebeten. mit Rücksicht aus die Reparationsvcrhaudlungcn von weiteren Kund- riebungen zum zehnten Jahrestag von Versailles, abgesehen vom Ausruf des Herrn Reichspräsidenten und der Reichsregierung, ab- zusehen. Es war ein einfaches Gebot der nationalen Disziplin danach zu verfahren. (Vielfaches Sehr wahr!) Dadurch wurde die akademische Freiheit, die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre in keiner Weise be- emträchtigt. Die Zeiten, wo das in Preußen geschah, sind überhaupt ein für ollemal vorbei. Die Protestkundgebungen der Studenten hoben leider zu groben Gesetzesoerletzungen gefnhrd. Insbesondere von dem Teil der Studentenschaft, der eine Beteiligung an der Hochschulkundgebung zun, zehnten Jahrestag von Versailles vor- her ausdrücklich abgelehnt halle.(Ledhaftes Hört! Hört! links.) Diesen Korporationen war der 28. Juni nur cm will- kommener Anlaß, den verhaßten Kultusminister zu beschinrpsen, weil er seit vielen Jahren sein verständnisvolles Interesse besonders den Hochschulen und den Studenten zugewendet hat. Wenn die Polizei- beamten ein Tadel trifst, dann höchstens die leitenden Polizeiorzan«, WksRKFJAUM AU S<3 T BRESLAU, 2 L S 18.iJUNI-,S. SEPT. daß sie nicht bessere Vorkehrungen gegen die Verletzung der Bonn meile getroffen hallen.(Sehr wahr! links.) ?n Zukunft wird erforderlichenfolls schärfer vorgegangen wer- den: ohne die übertriebene Rücksichtnahme der volizei hätten die skandalösen Ausschreitungen räumlich und zeitlich nicht so großen Ilmfang annehmen können. (Lebhoste Zustimnwng links.) Die Studierenden Holben in Preußen kein Sonderrecht. Akademische Freiheit. setzt akademisch« Disziplin voraus. Niemand in Preußen darf ungestraft Gesetze übertreten Wir müssen von den Hochschulkreisen Verständnis für das Verant- wortlichkellsgefühl von Reichs- und Staatsregierung fordern und verlangen, daß sie sich in nationaler Disziplin"einfügen.(Lebhafter Beifall links und in der Mille.) Innenminister Grzesinsti: Dos von den Studenten verletzt« B a nm m« ile.n- G e s e tz ist von der Volksportei und Deutschnationolen mitbeschlossen worden. Wir werden dafür zu sorgen Huben, daß niemand es verletzt. In meiner Frauksurter Rode"habe ich ausgeführt, daß die Zeit der Morde an Erzberger und Rathenau nicht wiederkehren darf. Glück- licherweife sei die Republik viel gefestigter als damals, auch p e r s o nell.(Hört, hört! rechts.) Ja. das ist eine meiner wichtigsten Ausgaben.(Sehr gut! links.) Ich habe weiter ausgeführt, daß jeder Polizeibeamte und Offizier die Verfassung mit äußerster Kraft schützen werde. Meine Kameraden vom Reichsbanner brauchten nicht an Gewalt zu denken, denn die Ideen seien letzten Endes immer stärker.(Zuruf rechtsi L a t e r n e n p f a hl!) Ich komme jetzt zu den, von Ihnen so geliebten Latcrnenpfahl!(Große Heiterkeit rechts.) Ich komme a u f den Laternenpsahl, nicht a n den Vaternenpfahl. Ich habe in Frank- furt darauf hingewiesen, daß Deutschnationale, Nationalsozialisten, Kommunisten und ähnliche reaktionäre Parteigebilde(Heiterkeit) nach dem Diktator schrien. Wenn es ihnen gelänge, die Regierung zu überrumpeln— ich verwies ans die Drohungen im Reichstag mitdemlegalenAufhängen— dann würden die Massen der Arbeiter nr.d Bürger sich zur Wehr setzen und nicht mehr de» bewuichernswerten Langmut von 1918 beweisen, sondern diesmal die Putschisten wirklich an den Laternenpsahl hängen, und dabei würden sich die Massen von niemandem in den Ann fallen lassen. Das war keine Drohung, sondern e,ne Warnung. Ich unterstreiche heute noch eimnal. daß, wenn die Herren von� ganz rechts und links ihre Putschabsichten ausgeben, ich solche Möglich- leiten nicht zu erörtern brauchte. Aber ich kann die Kommunisten vom 1. Mai und die nationalsozialistische Agitation im ganzen Lande nicht unbeachtet lassen,? Wo das Gesetz verletzt vnd der Skaal angelastet wird, müssen die Republikaner rücksichtslos werden. Deshalb habe ich meine Frankfurter Rede gehalten, und was ich dort gesagt habe, war richtig.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Brandenburg(Soz.): Die randalierenden Studenten bezeichnet das Berliner Hugen- berg-Blall als die künftigen Führer des deutschen Volkes. Wer das deutsche Volk führe» will, muß erst Achtung vor dem Gesetz und natioimle Disziplin beweisen. Die Zeit der Donner Borussen ist für Deutschland endgültig vorüber. (Sehr gut! links.) Wenn gewisse Studenten eine nationale Trauerkundgebung in einen nationalistischen Parteirummel verfälscht und dabei das Gesetz verletzt hoben, mußten sie mit den staatlichen Macht- mittein in die Grenzen zurückgewiesen werden. Mit Taschentuch- wedeln und Zuckererbsenwersen konnte die Polizei gegen die jungen Herren, die übermis gewalttätig waren, nichts ausruhten.(Sehr wahr! links.) Zur Frankfurter Reichsbonner red«: Vor dem Kapp-Putsch haben die Rechtsparteien entrüstet geleugnet, daß sie jemals einen Putsch mitmachen würden. Nachher waren sie 1*. geistert dabei. Selbst Herr Stendel interessierte sich damals für Pferdepflege und Schnapsflasche.(Große Heiterkeit.) lletzl vergeht keine Woche ohne blutrünstige Dandbund- Resolutionen, nationalsozialistische Galgendrohungen und geheime Stahlhelm-Zlnsmarschpläne. Glücklicherwerse steht als Schutztruppe der Verfassung dos Reichs- banner bereit. Gewaltmoßnahmen nötigenfalls mit Gewalt zu de- gcgnen. Wenn die Deutschnationolen beleidigt sind, daß auch Re- publikaner von der Möglichkeit einer vorübergehenden Diktatur sprechen, scheinen sie ja mit der Diktatur in ihrer eigenen Partei sehr schlechte Erfahrungen gemacht zu haben.(Heiterkeit.) Aber eins fallen sich alle Feinde der Republik merken: kommt es zum Schlagen, Der fall des RepuMlkfdralzdefelzes ist das Thema in alle« Kreismitgliederversammlunge«. Die Snßerst gespannte politische Lage verpflichtet alle Parteimitglieder, die Bersammlungeu zu besuche«. Heute, Mittwoch, den 10. Juli: 1. kreis Witte. 19 ff Uhr im Hackeschen Hof. Rosenthaler Str. 40/41. 2. kreis Tiergarten. 20 Uhr in den Armininshollen Bremer Str. 73. 4. Kreis Prenzlauer Berg. 19 Uhr in den Kasino-Festfälen, Pappel- alle« 15. 5. kreis Friedrichshain. IS Uhr in den Andreas�festsälen, Andreas- ftraße 21. 6. kreis krcuzbcrg. ISZf Uhr bei Rabe, Flchteftr. LS. 7. kreis Chorlottenburg. 19 ff Uhr in Ahlerts Festsälen, Nerliner Str. 88, Ecke Brauhofstr. g. kreis Wilmersdorf. 19 ff Uhr im Viktoriagarten, Wilhelms- oue 114/115. 10. kreis Zehlendorf. 20 Uhr im Lokal Lindenpark, Zehlendorf, Berliner Sir. Ecke Gartenstr. 12. kreis Steglitz. 19ff Uhr bei Lehmann. Lankwitz, Kaiser- Wilhclni-Straße 29/31. 13. kreis Tempelhof. 19 ff Uhr. Moli, Mariendorf, Chousseestr. 14. kreis Neukölln. 19 ff Uhr im Lokal Bergschloßhöhe, Karls- gartenstr. ß/ll. 15. kreis Köpenick. 19ff Uhr im Stadttheater, Kleiner Saal, Friedrichstr. 6, in Köpenick. 17. kreis Lichtenberg. 19 ff Uhr, Zlula der Mittelschule in Lichten- berg, Marttstr. IS. kreis Weißensec. 19ff Uhr, im Lokal„Zum Pferdemorkt", Schönstraße. 13. kreis Pankow. 19 ff Uhr, Lindner» Konzerthaus, Pankow, Breite Str. 32. 20. kreis Reinickendorf. 19 ff Uhr im„Alten Krug* Tegel, Hauptstr. 14. Redner: Siegfried Aufhäuser, Hans Bauer, Max Fcchner, Kurt Heinig, Max Heydemann, Marie Kunert, Franz Künstler. Erich Kuttner, Carl Litke, Otto Meier. Georg Maderholz, Gustav Sabath, Dr. Hermann Schützinger, Wolfgang Schwarz, Georg Mendt, Mathilde Wurm» Eduard Zachert. dann nierden die deutschen Arbeiter und Republikaner in jedem Falle Hammer und nicht Amboß sein.(Lebhafter Beifall! links.) Abg. Baecker(Dnat.) legt dar. daß Deutschland keille Spur von Kriegsschuld trüge. Die Gummiknüppelbehandlung der Studenten werde die Deutschnationalen zu verschärfter Opposition veranlassen. Abg. Letterhous(Z.): Die nationalistische Gruppe der Studentenschaft soll und wird die Autorität des Staates zu spüren bekommen. Wir billigen die Haltung der Staatsregierung in vollem Ilmsange. Zlbg. Kasper(Komm.) verliest«inen Artikel der Reichsbanner. zeitung zur Ablehnung des Republikschutzgesetzes, der ausführt, daß diese politischen Heringsbändiger gegen bare Kasse die Republik»er- kauften oder schützten," und verlang: zu wissen, was man der Wirt- schoftspartei für das Konkordat bezahlen werde. Die Debatte geht vor stark geleertem Saal bis in die späten Abendstunden weiter. Im Laufe der weiteren Aussprache kam es gegen lO�UHr abends zu einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Svzialdcmo- lrotcn. Bei der allgemeinen großen Nervosität des Hauses und dem hierdurch um das Rednerpult herum verursachten Tumult war nicht festzustellen, wer die Angreifer waren. Präsident Bartel unterbrach die Sitzung aus zehn Minuten. Nach Wiedereröffnung der Sitzung teilt« Präsident Barkel» mit. her sozialdemokratische Abgeordnet« Behrens sei gegen den Nationalsoziali st cn Dr. Ley tätlich geworden und werde daher von der heutigen Sitzung ausgeschlossen. Der deutschnationale Abgeordnete Fischer, Bormsleben, der mit einem Knoten stock auf die Sozialdemokraten losgehen wollte, wurde ebenfalls von- der Sitzung ausgeschlossen. Dann gingen die Beratungen weiter. Di« Abstimmung über die Mißtrauensanträge finden am Donnerstag statt. Mittwoch dritte Lesung der rheimsch-westsälischen Umgemem- -dungsgesetze._ Paul Müschs Oeklamaiioneu. Uoung-P!an, Llniernehmer und Arbeiterschaff. Wir haben gestern die Rode Reuschs zum Doung-Plan auf der Langnamvereinstagung scharf kritisiert und die Stellungnahme des Vereins zum Voung-Plan als schwächlich charakterisiert. Der Essener Korrespondent der.Bossischen Zeitung" formuliert seineil Eindruck über die Tagung und die Entschließung in folgenden Worten: Es ist nicht der erste Fall in der deutschen Rachkriegspolitik, daß sich gewisse Kreise darauf oerlassen, daß verantwor- tungsbcwußtere Politiker internationale Ab- machungen unterzeichnen, die sie zwar ablehnen. deren Vorteil sie jedoch an erster Stelle für sich beanspruchen.* „Die Tagung war unter Berücksichtigung der Bedeutung der im Langnamoercin zusammengeschlossenen Industrien enttäuschend. Die Ausführungen der maßgebenden Persönlichkeiten waren so wenig durchdacht, daß krasseste Widersprüche die natürlich« Folge sein müßten." Und über Reuschs Zumutungen an die Arbeiterschaft: „Was soll u. a. der Vergleich der h c u t i g« n Löhn« mit denjenigen der ersten Nachinflationezeit besagen, wenn diese da- mols im Einverständnis mit der Arbeiterschaft unter das pri- mitivste Existenz in inimunl herabgedrückt wurden, weil die Arbeiterschaft bewußt und in Erwartung einer späteren Re- visivn die Vorleistung übernahm, um die d e u t s cl, c Wirtschast aufzubauen? Mit dem Verstich. bei der Ar- beiterschost heute nochmals das Ventil zu suchen, da» zur Beseitigung der wie auch immer gearteten Kalamität geöffnet wer- den könnt«, wird man die Verständigung zwischen Unter- nehmertum und Arbeiterschaft nicht herbeisühren können, nach- dem sich das Unternehmertum seit fünf Jahren jede auch noch iv geringe und berechtigte Lohnerhöhung nur durch Zwangs- ichiedssprücbe Hot abringen lassen.> Di« Verständigung ist auch heute wieder in Düsseldorf, und zwar mit Recht, als unerläßliche Voraussetzung für die Erfüllung der übernommenen Reparationsverpflichtungen bezeichnet worden. Sie ist jedoch, dos sollte endlich erkannt werden, nicht zu diktieren. Wenn es richtig ist. daß, wie Professor Weber ausführte, letzten Endes die breiten Massen der Bevölkerung die Last der Tribute zahlen müssen, dann hätte man erwarten können. daß das Interesse der Allgemeinheit jetzt einmal vor das eigene Interesse gestellt worden wäve.* So urteilt ein bürgerlicher Ohrenzeuge, so urteiit die.Bossische Zeitung", die gewiß jede würdige und vernünftig« Argun»enlation respektiert haben würde. Aber Würde und Vernunft waren nicht in Düsseldorf. Sws«ado»gs!> für dies« Rabrtk sind Berit» 823 63, Lirdenstr-ßc 3. parieinachrichien���surGroß-Berlin stet» an baa Br,trk»se?retar!a, 3. Ho!,! Treppen recht», z» rtchleu. heute, Mittwoch, lfl. Juli. 2t. Ntt. Di« Mitgliei>-m-rsammlul>a fällt au». Jassir«etelliwin« an der Nreismitzlielierversammlung in den Carino-Ecftfälcn. 29.«dt. Milolieder-ersammlung fällt in diesem Monat an». Dafür Be. teilifluno an der tlreiamitqliederrersammlung. 27.«bt.«chäueber». 2. Br,IrI. 20 Uhr Zablabend de, Jürgen». Barbaraga. strakc� S». Bortrag:.Die Stadt Berlin als Arbeitgeber. Referent: Paul Achte n berg.� I lt.«bt.«Meilimganereantmlun« fäüt au» unb findet«ü am Rittmsch.?4. Juli, im Lsgenlafina statt.— 118.«bt.»Unser Weg ist »um®cno!T«n Kode, ffiollinicflt. 2, abzubolen. 132.»bt. Blankenburg. Der Zablabend ist aus Mittwoch. 17. Juli,«erlegt. Alle Mitglieder müssen ,ur Nrcismitgliederoersammlung IN Pankow er. 138.«bL�Hermsdors. MitgNcderversammIuna fällt au». Alle Ve nassen be. leiligen sich an der«rei-mügliederversairanlung in Tegel. Morgen. Donnerstag. Ii. 3uli. 131.«bt.««,!rk Blantenfeldc. 20 Ubr Versammlung im Lokal Müller, Echil- dawer Str. 3. Niemand darf fehlen. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlsahrk. 7 Nr«!» eharlottenburg. Akt-nbcsprechung fällt im Juli au». Nächste Be. fprechuna am Zreitag. dem 2. August. lS'.h Uhr. im Rathau, Tharwlt-nburg. 19«rci» Banlow. Am greiloo. dem 13. Juli. Besicht. gung des Siefen�. nissk,'PlStl»ns««. Treffpunkt Rordbahrchof Wollankstrahe. pünktlich 16 Vi U.it. Barteinndfl Ol# Ausweis mitbringen. Inngfozialisten. Srnppe Baumschulenweg. Heute, Mittwach. 20 Uhr. im Jugendheim Ernst, strahe 1«. cbruov-nabcnd. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Gr«VP« Weifcevsec. Wir beteiligen uns beute an der Brndigun�» unseres verstorbenen Genossen Koch und treffen uns 14'� Ubr im Iugendbelm. Geburtstage. Jubiläen usw. «6. Abt. Uns,«« lieben, treuen Mitkämpser, dam Be,>r1,vcr»rbuet«p pari Sie wert, Slatihrt Str. IIb, zu seinem 60. Heb» rtr tage die herzlichsten Glück. wünsche.___ |(Sterbetafel der Groß> Berliner Partei- Organisation J 6.«bt. Unser Genosse Richard ssrank ist verstorben. Di« Beerdigung hat dereit» stattgefunden. Eh« sein«« Andenken. Für die CiesundheitS Faehlngtr Urswistelle, Berlin Sl II ScbSacberter Str. 16». TeLLütigns�ai Unterhaltung unö Missen Wlax fä&rlhel: Deffemer war über die Wolga gefahren, ehe der Sturm begann. Gegen den dunklen Himmel, der hier und dort noch ein wenig ocker- gelb aufleuchtete, standen die noch schwärzeren Figuren der tatarischen Fischer. Sie standen bis zur Brust im schäumenden Wasser und be- mühten sich um das große Schleppnetz. Sie hatten sich auch am festen London das Augseil gespannt und berührten mit ihren Stirnen beinah« die Erde. Endlich war das iRetz eingebracht, das Schweigen löst« sich, die Totaren trotteten nach den freien Feuern bei den Zelten. Die gefangenen Fische logen,«in glitzernder Haufen, in der großen flachen Barke. Aus den Zelten kam eine neue Arbeitskolonnc und warf ein neues Netz aus. Der Fremd« ging zu den Feuern und trank, wie die Fischer, aus einer schmutzigen Holzschal« Tee. Den Tee hatte der kleine Ali ge- kocht, ein zwölfjähriger Knabe mit gelbem Elfenbeingestcht und schwarzen, brennenden Augen. Auch Grischto. ein kleiner ukrainischer Vagabund, der mit über die Wolga gefahren war, stand am Feuer und trank Tee. Dan ging er nach dem nahen Ufer, holte sich einen großen, rotgetupften Fisch und briet ihn an den hellen Flammen. Der Sturm heulte. Die Wolga schäumt«, und aus der nahen Wüste trieben schwere Sandwolken nach den Fischern und detl Zelten. Die Barkasse müht« sich über den gcnxiltigen Strom, um die Barke mit den Fischen nach der anderen Seite, wo die großen Fischkeller lagen, herüberzuholen. Erischka blieb bei dem kleinen Ali, Bessemcr aber ging nach der Wolga zu den Fischen und der Barke. Dies« Barke war ein Schiff des Sterbens und des Todes, ein Schiff der Opfer und der Opferungen. Biel« taufend Fische lagen da, zappelten, rissen die runden Möuler auf, glitzerten, ein gleißender Schimmer von ollen Farben, von Rot, Grün, Blau, Schwarz, Silber und Lichtgrün. Und die grausige Swmmheit der Fisch« schrie lauter als der heulende Sturm. Dann kam die Fahrt noch dem anderen Ufer, nach den Blockhäusern und den Schlachtbänken, auf denen die breithüftigen Mädchen und Frauen saßen, die spitzen Messer in den blutige» Händen, und schallend sangen. Manche Fische lebten noch und einigen von ihnen glückte wohl auch der Sprung in den freien Strom, aber auch das war ja mm«in Sprung in das Verderben, denn bergaufwärts senkte sich ein Netz an das andere, ein Tod an den anderen. Di« Fische aber verachtete» den Tod, solange sie noch die runden Mäu'er aufreißen konnten. Sie zuckten und schlugen mit den Schwänzen, und durch den kühlen schimmernden Berg wühlten sich die großen, schwarzen Welse ans Licht. Dies« schwarzen Welse mit den klugen Köpfen und den langen Bartfühlern lebten am längsten. Die kleinen, stachlichten Sterletts waren sofort tot. Di« Störe, die den kostbaren Kaviar gaben, schwammen m einer anderen Barke. Lange starrte der Fremde ans die vielen gefangenen Fisch«. Dabei dachte er an das unbegreifliche Gesetz der Natur, das dies« schimmerden Fischmillionen aus dem Kospischen Meere jagte, wenn die Laichzeit kam. In sagenhaften Zügen schwärmten dann die Fische, und ihre Eier häuften sich zu hohen Milliarden. Viele Ge- schlechter zogen ans, viele Arten schwärmten, die Hering«, die Störe, die Welse, die Fische Wöbla, Sterlett und Lcsch, und das Geschlecht und die Art blieb doch erhalten, wenn auch hunderttausend und hundert Millionen Fische im Frühling oder im Herbst gesangen wurden. Und dann lag in grauen Sondstürmen die Stadt Astrachan und wartete aus den Fang. Nun begann der Sturm mit neuer Wut zu brüllen. Immer dunkler wurde der Himmel, immer weißer und wilder schäumt« die � Wolga. W>e Tiere lagen die Fischer an dem Zugseil. Wieder be> rührten ihre Stirnen die Erde. Plötzlich begonnen die Männer mitten im Sturm, mitten in schwerer Arbeit mit einem Gesang. Sie sangen eines der uralten Arbeitslieder, die schon in Aegypten um den Bau der Pyramiden geisterten, sie stimmten«ins der schwermüti- gen Lieder an, die nur im tiefsten Dunkel aufkommen können und erst dann sterben oder sich wandein, wenn der hell« und samtne Schrei der Dynamos zu singen beginnt. „Los, Grischka, zeige, was du kannst,* sagte Bessemer,„Komm, mein Freund, auch wir gehen an das Seil* Der Knabe war nicht besonders entzückt davon, aber«r spannt« füh doch an das Seil und versuchte, die dunkle Melodie des tatari- schen Liedes einzufongen. Wohl tropften die Tränen der armen Leute durch dos Lied, das Leid ganzer Geschlechter, ober durch die Tränen und durch das Leid häinmerte das unverzagte Herz des Volkes. Endlich hatte auch Bessemer die Sprache des Liedes ge. funden und sang mit de» Tataren: Und noch einmal Und noch einmal Und jetzt und jetzt Und noch einmal Zieht und zieht den Strick! Da, dunkle Lied kämpfte mit dem Sturm und der brüllenden Wolga. Schritt um Schritt kam das Netz an den Strand, aber dann blieb es unbeweglich in der Tiefe des Stromes hängen. Wi« eine Mauer stand das Wasser vor dem englischen Netz. Jeder Ruck und jeder Zuck war vergeblich. Das neue Netz saß fest aus dem Grunde der Wolga. Der russische Fongleiter Maxim Petrowüsch sauste nach dem Wohnzelt der Tataren und jagt« sie in den Sturm,«sechzig Mann spannten sich an das Seil. Sechzig Nacken beugten sich zur Erde, hundertzwanzig Fäuste rissen an den Stricken. Das Arbeits- lied war nicht mehr ergeben. Es brüllte wie der Sturm und war finster wie der Himmel, zerfetzt« dann, zuckte, aber das Netz kam doch sr«'..»,,. „D«r Teufel hat den Sturm losgelassen, der schwarze Teufel, flucht« Maxim Petrowitsch,„ich glaube, wir müssen d«n Fang schwiinmen lassen. Wir müssen das Netz retten.* Dann brüllt« der Russe, sein« groben, roten Hände als Trichter vor dem Mund, dem Kontrollbaot, dos weit draußen auf den Wellen tanzte, sein« Befehl« zu. Zwei Männer beugten sich dann über die Bordwand, lösten das Fangnetz und ließen die Fische in die Freiheit blitzen. Das geöffnete Netz hereinzubringen, war«in Kinderspiel. In einer halben Stunde war alles erledigt. Die Tataren verkrochen sich in ihre Zelt«. Die Dunkelheit wogt« immer dichter heran. Dann kam der Tatarenjunge Ali und brachte von dem Führer der Fischer, von Sultan Khanow, eine feierliche Einladung. „Kommt. Bürger,* lieh er melden,„kommt und macht unsere Wohnung hell.* Die Dunkelheit lagert« finster über der Wolga. Di« Feuer waren erloschen. Nur aus den tatarischen Zelten schimmert« Licht. Luch vom jenseitigen User zuckten und tanzten feurig« Spritzer. sicher Ein Feuer schien über der Wolga zu schwimmen, stand still, versank. Das Feuer kam von der Laterne der großen Barkasse, die trog des Sturmes wagt«, Bessemer und Erischka zu holen. Aber der Sturm trieb das Schiff immer wieder zurück. Bei den Tataren wurde der Deutsch« großartig begrüßt. Die Fischer erhoben sich von der Erde und verbeugten sich. Das Zelt war kahl. An schmalen Gerüsten hingen groß« Lampen. Auf den Gerüsten war auch der kleine Hausrat der Tataren aufbewahrt. Das Wort führte zuerst der Tatar Achmed. Er war der Held der Stunde. Er war einmal Kriegsgefangener gewesen und erzählte nun von Deutschland. Deutschland, das war«in Land, wo Wagen ohne Pferde fuhren und wo sich die Leute viel« tausend Kilometer durch Kupferdraht unterhalten tonnten. Deutschland, das war dos Land, wo der Affe erfunden wurde. Es waren geschickt« Leute, dies« Deutschen! Unter den Fischern saß ein aller Mann mit weißem Silberbart. Am frühen Morgen war der Alt« aus dem Steppendors ausgebrochen. um Sohn und Enkel an der Wolga zu besuchen. Und nun sah er aufmerksam in dem knatternden Zelt. Di« Nacht stieg aus dem Wasser, der Sturm heulte, aber der Alte saß gut und warm bei den Genossen, trank Tee und oh Fisch. Imvrticn der zerlumpten Arbeiter saß er wi««in Mullah da. Sein heller Wolfsdlick ging zu dem weißen Mann aus Deutschland. Achmed kannte Deutschland. Das heißt, er kannte das Dorf in Westfalen, er kannte den Bauern, bei dem er«in Jahr gearbeitet hatte. Er kannte auch in Berlin di« Linden, wo die Riftsisch: Botschaft stand. Sonst kannte er wenig von Deulschland. Cr stnunie. als Bessemer einen Füllsederholler zeigte. Für Achmed war da» eine schwarze Röhre, ans der Finsternis tropft. Für seinen Sohn Ali aber tropfte Licht daraus. Ali konnte schreiben. Er nahm den Füllfederhalter und. matt« auf ein Sisück Papier drei russisch« Worte hin, seinen Namen, den Namen seines Steppendorses und den Namen der Stadt Moskau. Darunter schrieb er schnell und gelenkig die verschnörkelte Reihe tatarischer Buchstaben. Der alte Mann mit dem weißen Bort konnte nicht lesen und schreiben. Er stammte noch aus einer Zeit, in der Lesen imb Schreiben ein« Geheimwissens cha st für Auscrwählt« war. Der kleine Ali wusch sich ganz selten, aber er konnte gut Tee kochen und sehr gut Fisch« braten und von seinem Vater Achmed lernte er Deutsch. Ali tonnte schon zählen. Er zählte:„Ein, tswei, drei, vier,(uns, sets, sieben, och, nein. Ijehn." Darin und in einem ausgewachsenem Fluche bestand seine Kenntnis der deutschen Sprache. Don jenem Fluch und von jenen Zahlen aber war Bessemer so sehr begeistert daß er dun kleinen Tataren(denn das war ja Bewegung an der unieben Wolga, war Jugendbewegung) eine deutjch-rujsijche Grammatik schenkt«.(Schluß solgt.) ""SSt S>ie Snme Ein dänischer Gelehrter Sophus Lars«» hat jüngst«ins Schrift verässentlicht, in der er die Behauptung aufstellt, daß zwanzig Jahre vor Kolumbus der amerikanisch« Kontinent von deutschen Seejahrern entdeckt worden ist. Sehr tiefgründig hat er seine Forschungen an- gelegt, und das Resultat ist folgend«: Der dänische König Christian nahm um 1470 zwei deutsche Seeräuber Dietrich P i n i n g und Hans P ot h u rst in seine Dienste. Im Jahre 1472 wurden di« beiden mit einer Flotte von zwei Schissen nach Grönland gesandt, um dort die verschollenen Siedelungen zu besuchen. Eins von den Schiffen ist dann südwärts gefahren und hat die Küste von Labrador gefunden, auch die Insel Neusundland, auf der eine Landung vorgenommen wurde. Die Schisse kamen glücklich wicber in die Heimat, und Pining und Pothurst, di« vom König den Admiralsrong erhalten hotten, erstatteten Bericht. Auf ihre Kund« von dem Fischreichtum der Gewässer bei Neufundland sind viele bretonische Fischer dorthin ausgebrochen. Doch geriet diese Entdeckung Amerikas bald in Der- gesienheit, und über das Schicksal der beiden Entdecker ist nur wenig bekannt. Wie es heißt, sind sie im Jahre 14S1 in einem Seegefecht von den Engländern getötet worden. Diese Meldung ist sehr interesiant. Doch nicht ungewöhnlich. Demi es gibt keine Nation aus der Welt, die nicht den Anspruch erhebt. lange vor Kolumbus Amerika entdeckt zu haben. Schon Ko- lumbus selbst wird von vielen Völkern reklamiert. Wir Aeltercn haben ihn in der Schule als Portugiesen vorgestellt bekommen, heute ist er aus Genua. Die Universität von Madrid will durchaus bewiesen haben, daß Kolumbus ein Spanier war, und zu allem Ueber- fluß existiert eine kleine Schrist, die den Entdecker als Juden rekognoszieren will. Die Juden selbst treten auch als Bewerber um die .Ehre der vorkolumbianischen Amerika-Entdeckung aus. Und mit ihnen sind es noch ein volles Dutzend anderer Völker. Die Bar- ahnung einer westlichen Welt war jedenfalls schon bei den klassischen Völkern des Altertums vorhanden. Man kannte damals bereits die Kanarischen Inseln, um die sich wegen ihrer üppigen Fruchtbarkeit und ihres milden Klimas ein reicher Sagenkranz rankte. Auf den Karten jener Zeit erscheinen sie als die„glücklichen Inseln". Doch im weiteren Westen des Ozeans wurde noch ein anderes Land ver- mutet, und durch manche Zufälle bekamen die Hoffnungen neu« Nahrung. So schenkte 62 v. Ehr. ein germanischer Häuptling dem gallischen Konsul Cancilius Metellus Celer einige Gefangene von unbekannter Raffe, di« in einem Boot an der deutlchen Küste zwischen Weser und Elbe gestrandet waren. Waren das omerikonische Eingeboren«? Zweimal durch Chroniken beglaubigt ist ein anderer Fall aus dem zwölften Jahrhundert. Roch aus dem Jahre 1508 wird berichtet, daß in der Nähe der englischen Küste„ein ans Baum- rinde ongesertigtes Boot gefunden worden ist, in welchem sieben Männer von dunkler Hautfarbe mit breiten osfenen Gesichtern saßen*. Die Wissenschaft ist geteilter Meinung darüber, ob die Ang«. schwemmten wirklich amerikanische Indianer waren, gibt aber die Möglichkeit zu. Aus alten chinesischen Geschichtswerkcn kommt hie Beschreibung eines sagenhaften Landes F u s a n g, in dem einige Gelehrte Amerika erkennen wollen. Die Meinung, daß noch in historischer Zeit die Mongolen Amerika gekonnt haben und einen reichen Handelsverkehr unterhalten haben, hat man heute allerdings ausgegeben. Doch darf die Möglichkeit nicht van der Hand gewiesen werden. Ueber den Stillen Ozean kommt man leichter nach Amerika als über den Atlanti- schen. Die Kuro-Siwo-Trift im Stillen Ozean ist direkt gegen die amerikanisch« Küste gerichtet, während der Golfstrom von ihr ab- lenkt. E» kommt heute noch sehr oft vor, daß verlassen« chinesische oder japanische Schiffe über den Ozean treiben und an der amerika- Nischen Küste stranden. Auch die Iren wollen Amerika lange vor Kolumbus entdeckt haben. Es gibt eine Unmenge von Sagen über dieses fern« Land mit seiner Fruchtbarkeit, seiner milden Lust, seinen Wohlgerüchen usw. In alten Büchern, die man in einem isländischen Kloster gefunden hat. ist von dem rätselhaften Weißmännerland die Red«, nach dem di« Gelehrten jetzt fieberhaft suchen. Dann und wann erscheint eine Meldung, daß man einige Spuren gesunden hat, die ans Amerika deuten, doch läßt sich auch über das Weißmännerland nach nichts Genaues sagen. Die allen isländischen Quellen beschreiben zwar das Land mit allen Einzelheiten genau und lassen sogar ganze Familien- romane sich daraus abspielen, doch wir finden es nicht. Und werden wir es je finden? Was aber genau feststeht und sicher bewiesen werden kann, Ist die Entdeckung Amerikas um di« Jahrtausendwende durch die Nor- mannen. Ihr Weg führte über Island und Grönland. Grönland rechnet geographisch schon zu Amerika, und wir haben«ine reiche ge- schichtliche Literatur über das Land und seine Bevölkerung etwa von 080 bis 1430. Damit könnte man ja zufrieden sein, wenn es sich nur um die Entdeckung Amerikas handelte. Aber es steht sogar fest, daß di« Normannen das amerikanische Festland betreten haben. Dos « oltisländifche Landnamabuch enthält darüber eine Meng« Angabe», und unabhängig davon berichtet der deutsche Kanonikus Adam von Bremen um 1070 das gleich« nach Mitteilungen, die man ihm am Hof zu Kopenhagen machte. Die Nonnannen kamen ungefähr im Jahre 876 nach Grönland und besiedelten das Land. Der erste Missionar erschien um 1000 n. Chr., 1121 wählte Grönland seinen ersten Bischof, dessen sämtliche sechzehn Nachfolger den Namen nach bekannt sind. 5)ier von Grönland aus wurde das amerikanische Festland entdeckt. Ein Isländer Bsarne war auf einer Reise nach Grönland an die amerikanisch« Küste oerschlagen worden. Das Land erschien ihm aber so unwirtlich, daß er nicht landete, sondern froh war, seinen Bestimmungsort in Grönland zu erreichen. Seine Erzählungen von diesem jernen Land reizten Lcif Ericsson,«ine Fahrt zu unreniehmen. Er kaufte Bjarnes Schiff und warb 3S Gefährten, um das geheimnisvolle Land zu finden. Schon nach kurzer Zeit landeten sie an der amerikanischen Küste. Der Strand war mit mächtigen Steinen bedeckt, dos Land war rauh und unfreundlich. Die Seefahrer nannten es„Stcinlond" und sichren weiter nach Süden zu. Hier trafen sie nach einigen Tagesreisen auf ein anderes Land, welches flach, mit weißen Sand- dünen durchzogen und stark bewaldet war. Die Normannen nannten es Markland, d. h. Waldland und fuhren weiter. Ein günstiger Wind brachte sie welter nach Süden, und sie kamen an einen Küstenstrich, der ihnen zusagte. Sie fanden das Land sruchtbar. wilder Wasserweizen wuchs in Menge, und nach einer Sage soll sogar ein deutsches Mitglied dieser Expedition namens Tyrker wildwachsenden Wein gefunden haben. Sie nannten das Land Dinland, d. l. Wein- land mit dem Beinamen: dos Gute. Di« Normannen lernten auch die Eingeborenen kennen, die sie„Strälinger* nannten, und mit denen sie kleine Reibereien hatten. Die ersten Entdecker deluden ihr Schiff mit Holz und Wein und kamen glücklich wieder nach Grön- land zurück, wo sich die Kunde von dem neuen Vinland natürlich schnell verbreitete. Jetzt beginnt in der nordischen Literatur eine ganze Reihe von Binlandssahrten. Man weiß nicht recht, ob man alles glauben darf. Der Name eines in Amerika geborenen Weißen— er hieß Snorre— ist uns sogar überliefert worden. Immer und immer wieder haben Fahrten»ach Vinland stattgefunden. Am glaubwürdig- sten erscheint noch die Reise eines Priesters angelsächsischer oder irischer Abkunft im Jahre 1050, der nach Vinland ging, um den dortigen Kolonisten zu predigen. Die letzte Fahrt nach Vinland fand im Jahre 1347 statt. Ein Schiff ging mit Bestimmung nach Markland in See, um von dort eine Ladung Holz zu holen. Auf der Ueber- fahrt wurde des mit siebzehn Leuten bemannte Schiff durch einen Stunn nach Island verschlagen und konnte mit knapper Not Etraum- fjord in Westisland erreichen. Dann verliert sich die Spur Vinlands in der Geschichte. Doch in alten Handschriften aus wälffchen Klöstern taucht ein« neue Amerika-Entdeckung auf. Es wird berichtet von einem Herzog Madoc, der im Jahre 1170 Wales verließ und mtt wenigen Schissen nur ein fruchtbares Land im Westen entdeckte, das er besiedelte. Ja, «r kam noch einmal zurück in die Heimat, rüstetet neue zehn Schiffe aus und nahm Kolonisten mit hinüber in das neuentdeckte Gebiet. Zahlreiche Amerikareisende wollen bis weit Ins neunzehnte Jahr- hundert hinein die Spuren jener walisischen Kolonisten gefunden haben, doch ist das mehr als zweifelhaft. Noch«in Volk will Amerika entdeckt haben: die Basken zwischen Spanien und Frank- reich. Sie berichten in ihren Chroniken sogar, daß ein Baske es ge- wesen sei, der Kolumbus auf den neuen Erdteil aufmerksam gemacht habe. Dann hat ein Pole, Johann von Kolno, im Jahre 1476 eine Fahrt unternommen, die nach den allerdings sehr ungenauen An- gaben ebenfalls eins vorkolnmbianische Amerika-Entdeckung sein könnte. Di« Fahrt des Franzosen Jean Cousin aus dem Jahre 1488 käme sicher auch in Betracht. Es sind ein« Menge Anhaltspunkte vor- banden, doch leider sind die einzig maßgebenden Dokumente, die Schiffstagebücher, bei einem Brand des Marinearchivs in Dicpp« vernichtet worden. Sagen und sagenhafte Erzählungen über westlich gelegen- Länder mit reichen Schätzen gab es zu allen Zeilen der Geschichte. Ko- lumbus ist nicht einmal der erste, der einen König um Hilfe bat, um diese sagenhaften Länder zu entdecken. Im Jahre 1486 schloß ein Ferdinand Dulmo mit dem Portugiesischen König einen Vertrag, in dem er sich erbot, dem König„die groß« Insel oder das Festland" zu schenken, welche man für die Insel der sieben Städte halte. Wir wissen sogar, daß ein Deutscher an dieser Fahrt teilgenommen hat, doch sind ihre Ergebnisse nicht bekannt. Die«inen behaupten, der deutsche Geograph Martin Bchalm sei Teilnehmer der Fahrt ge- wesen, und von ihm hätte Kolumbus die Anreoung bekommen, seine Fahrt z» unternehmen. Wir werden wohl kaum jemals die Wah:- heit hierüber wissen. Nur eins ist klar: Kolumbus hat Amerika r.'*' entdeckt, er hat es nur wiederentdeckt. SozialistischeArbetterjugendGr.'Verlin Tinsendungen für diese Tin tri» nur an dag Zugendsetteiariat 3trlin«»68, iinbenilralt 3 Wienfohree! 1. �ug Tresspunkt s Nacht»am lUV Uhr Möckernsiraße. 2. Aug Treffpunkt 1�0 Mittrvach taM Sdit#etsl62) licht Hallesch.«trab«. Treffpunkte der Abteilungen zur Fahrt nach Wiea: »Sllnlschtr Pari: 22� Uhr Strausberger Plach,—«esuadbruuue» II 2»f4 Uhr Pringcnollee Crfe Nadstrane.— Schillerpari: 28!� Uhr Bahnhof Wedding.- Wedding: 28 s4 Uhr Bahnhof Wedding.— Weiching«..F.: 23,/4 Uhr Bahnhof Webding,— Wedding-Rord: 28� Uhr Bahnhof Wedding.— Tempelhof-Mariendorf: 73 Uhr Dorf- Elfe Berliner Straße. Renfölla I und VlU: 28>4 Uhr Lcrmannplaß iApotheke). Srkonaplaß: Schul« Elisabeth klrchstr. t. 30—22 Uhr Vortrag:..Was bringt »ns der Völkerbund?� 22— 22hl Uhr Fahnenweihe und Abschied der Wien- fahrer.— Brunnenplaß: Gruppenabend im Heim Orihstr. 10. Alle Wien. fahret müssen unbedingt erscheinen, da Materialausgabe.— Faliplag II: Schule Sonnenburger Str. 20. Abschiedsfeier der Wienfahrer mit den Eltern. r- Petersburger Biertel: Heim Tilliter Etr. i. Abschiedsseier für die Wien- fahr«.—»eichenVegr« Wertel: Beim»rißer«.».«bschiedsfeier f»r die Wiensahrer.— Friedrich, Hagen: Heim Friedrichstr. 87. Abschied von den Wienfahrern.— Lichtende eg-MiUe: Wir beteiligen UNS an der Feier de» Berbebegirl». Werbebezirk Lichtenberg: Hei» Gunterstr. 46. 28 Uhr Abschiedsfeier für die Menfahrer._ Vorträge, Vereine undVersammlungen. FA» Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". GefchSftoKelle: Berlin S 14. Sebaftianstr. 37/88, Hof 2 Zr j&Vy Mittwoch, 10. Juli. Sleuköllu-Briß. Iungbanner. Ab 18 Uhr Sport- »ch» abend auf dem Platz an der Jnnstraße. Weißeuse« iOrtsverein). Die angefetzte Versammlung fällt umständehalber au».— Don- »erstag. 11. Juli. Kreuzbeeg. Sportler jeden Donnerstag von 18—20'-. Uhr in Treptow, Spielwiese 9. Neufölln-Britz. Iungbanner. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Balewski, Boddinstr. 57. Lichtenberg. 20 Uhr groß« Funktivnärsttzung bei Seipfe, Kronprinzen- Ecke Scharnwebcrsrraße. Gesamt, vorstand, Kameradschostsvorstände, Oblrute, 3ug- und Srupprnfllhrrr. Reinickcn. dort iOrtsvrreinl. ISth Uhr Sitzung drs Porstantrs und der Quartiermochrr bei Rochaus, Restdenzstraße.— Freitag, 12. Juli. Fricdrichshalu. Antreten 19 Uhr»um Propagandamarsch iür die Vcrsassungsfcicrn mit Mustk und Fahnen auf den Sammelplätzen der Kameradschaften. Di« Blockfilhrcr sind orrpfTtchttf sfngufabrck. PMchtanfrrfen. Aerwsboef. 30 Uhr Kamrpechschafho- Versammlung bei Ofrint. Berliner Ecke Dabnhokstraße. Vortrag:»Die' Ber- sossungsfeier". Mariueabteilung. 20 Uhr Schwimmen im Bootshaus Tegel. Weddiag. Di« Turnhall« Lsttticher Straße ist im Juli geschlossen. Uebungs- abcnde: Dienstag Sportplatz Rehberge. Mittwoch und Freitag: Sportplatz Humboldthain ab 19 Uhr. Hauvtrainin« Dirnstag.— Treptow lOrtsoereinl. Am 18. und Ii. Juli Nachttour. Antreten Sonnabend, 18. Juli, 20 UI,r, Bahnhof Mahlsdorf. Nachtquartier Alt-Landsberg. Mittag in Strausberg. Rück- fahrt von Petershagen. Angehörige treffen uns ab 15 Uhr in Petershage» im„Alten Dessauer". Nachtquartier. Mittag und Fahrgeld 1,50 Mark. So»- stige Derpflrgimg, Eßlöffel und Badezeug mitbringen. Pflichtveranftatwng. — Wilmersdvis lOr:svrrcin). Donnerstag, II, Juli, 20 Uhr. wichtig« Mit- gliederversammlung im Biktoriagarten, Wilhclmsaue. Erschetnen aller Mitglieder ist Pflicht.-_ Srieiter-Siadio-Bund Deutschands S. v. Gruppe Stralau. Donnerstag. 11. Juli, 20 Uhr, Versammlung im Srupprnlokal Wrrtalla, Hohenlohestr, 8. Erscheinen Pflicht._ Wellerbericht der öffentlichen weNerdtenststelle Sersso vad Umgegend sNnchdr. verb> Teils heiter tells wolfig, wärmer, vorwiegend trocken, we'l- liche bis südwestliche Winde,— Für Leoffchlond: An der Ostseelüste nur porübergebende'Aujhetterimg, wenig Tempcraluränderung. im übrigen Reiche teils heiter, teils wolfig bei ansteigenden Tageslemperaturen, nirgends nennenswerte Niederschläge. Herren- Socken Jacquard gemustert 65 'aar W W» Herren- Socken Elegant« Anslübrane, mit Tierfacher Sohle 45 Paar 1 Verkauf eoveit Vorrat— Heugenabgab««orbekalteu— Verkäst nicht as Wledanrtrklufer Bluse« Dumper ans Waiohs««»(Su*ftMid«V(•■ 4� »trelft, zum Durcblrndpfen..................... 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