Morgenausgabe Nr. 319 A 161 46. Jahrgang Wöchentlich 85$?* monatlich 8,60 TL tm voraus zahlbar. Postbezug 4L2 Dl. einschließlich 60Pfg.Postzeitungs- uttd 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»« abonnement 6.— M. pro Monat, Der.Ponvürt»' erscheint wochentög» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend* Illustrierte Deilagen.Dolt und Zeit* und.Kinderfreund*. Ferner .Unterhaltung und Wissen*..Frauen» stimme*..Technik*..Blick in die Bücherwelt" und.Iugend-Borwärt»* Veettnev Vvttsbßatt Oonnerstag 11. 3ul( 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Dft•(Bfpdlttge SlonparelVezea» 80 Pfennig. ReNamezeile 5.— Reich». mark.„Kleine Anzeigen" öa» fettge» druckte Wort 25 Pfenmg(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» das erste Wort 15 Pfennig, jedes wettere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte. ArbeitsmarA Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. 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Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold begeht die dies- jährige Verfassungsfeier mit einem gewaltigen Aufmarsch in Berlin auf der ehemaligen Prachtstraße der Hohenzollern, Unter den Linden, vor den Palästen der ehemaligen preußi- schen Könige. 150 600 Reichsbannerkameraden aus dem ganzen Reiche, aus Oberbayern und Ostpreußen, Schleswig-Holstein und aus den am Bodensee gelegenen Ländern kommen am 10. und 11. Augnst in die Hauptstadt der Republik, um für die soziale Republik Zeugnis abzulegen. Noch stärker und imposanter als in Magdeburg und Leipzig, noch gewaltiger als in Frankfurt a. M. wird diesmal das Reichsbanner seine Formationen aufmarschieren lassen. Dieser mächtige Aufmarsch wird eine Kampfansage und Warnung sein gegen jene Parteien und Gruppen, die nach d.em Fall des Republikschutzgesetzes glauben, die Republik un- gehindert und ungestraft verunglimpfen zu können? Nicht nur uniformierte Reichsbannerkameraden werden am Geburtstage der Weimarer Verfassung demonstrieren. Die aelamte republikanische Bevölkerung, vor allem das werktätige Berlin, wird in den Augusllagen den Feinden der Republik und der Arbeiterschaft sehr deutlich zu verstehen geben, daß auch ohne Republikschutzgesetz der aus den Novembersturmen des Jahres 1918 geborene neue Staat nicht ohne Schutz und Wehr ist! Den Herren Seldte, Hugenberg und Hitler samt ihrem Rcichsausschuß. für das Stahlhelmvolksbegehrcn wird zum Bewußtsein gebrocht werden, daß ihrem volksverderblichen Treiben«ine unllbersteigbare Schranke gesetzt ist. 5)ugenberg, Seldte und Hitler sind die Vertreter des alten Vorkriegsdeutschland. Männer, die durch ihre Politik einen neuen Krieg herbeiführen wollen— denn darauf läuft die Propaganda des Blocks der„nationalen" Opposition hin- aus—, werden von den Männern der Arbeit abgelehnt. Ihnen gilt unser rücksichtslose' Kampf! In den Augusttagen 1929 werden die Straßen Berlins andere Demonstranten mit anderen Forderungen und Zielen sehen, als vor genau 15 Iahren, da das Unheil über die deutsche und europäische Menschheit kam. Die aus dem Reiche nach Berlin kommenden Angehörigen des Reichsbanners, sowie die Abgesandten des Deutsch-Oester- reichischen Republikanischen Schutzbundes, werden die Ueber- zeugung gewinnen, daß Berlin als eine Stadt der fleißigen Arbeit in seiner großen Mehrheit treu zur Republik und modernen gewerkschaftlichen und sozialdemokratischen Ar- beiterbewegung steht! Für Berlin hat der Reichsbanncraufmarsch am Ver- fassungstag eine besondere politische Bedeutung. Mit dem Antikriegstag der Sozialdemokratischen Partei am 1. August im Friedrichshain, mit der Kund- gebung der Hunderttausende am 10. und 11. August beginnt der Kampf für die im Herbst stattfindende S t a d t v e r- ordneten- und Bezirksverordnetenwahl. Die Faschisten und Stalin-Kommunisten. die als grundsätzliche AntiParlamentarier nur auf parlamentarische Erfolge werben. werden im August und den folgenden Monaten sich einer Front gegenübersehen, die den mit der Not des Volkes spielen- den politischen Glücksrittern bei der Stadtverordnctenwahl eine empfindliche Niederlage bereiten wird. Berlin den Republikanern! Das ist die Wahlparole für 1929? So rüstet das republikanische werktätige Berlin mit aller Kraft und Leidenschaft und wird nichts unterlassen, um der machtvollen republikanischen Kundgebung am Verfassungstag einen glänzenden Verlauf zu sichern. Diese Kundgebung wird auf viele Einwohner der Stadt Berlin politisch aufklärend wirken. Dem jungen Volks- staat neue Anhänger zuzuführen, das ist eine der großen Aufgaben, die sich das Reichsbanner am zehn- jährigen Geburtstag der republikanischen Verfassung als Ziel gesetzt hat! Nur ein Monat trennt uns. noch von dem Tag, an dem Berlin mit seinen Massen aufmarschieren wird. Die Sozial- demokraten und Gewerkschaftler unserer Stadt werden die Die Aiteniaispest. Oie Kolgen der rechisradikalen Hetze.— Dynamit gegen republikanische Behörde. � Die Attentäter von Niebüll sind nicht gefaßt, ebensowenig wie die Attentäter bei den vorhergehenden Anschlägen. Das Attentat von Niebüll ist das siebente in der Reihe. Das erste derartige Attentat ereignete sich in der Nacht vom 26. zum 27. November 1923 in H o l l e n st ä d t im Kreise Schleswig auf das Haus des Amts- und Gemeindevorstehers. Am 28. No- vember wurde in Lunden im Kreise Norddittmarschen ein Dynamitattentat auf das Automobil des Amtsvorstehers ge- macht. Am selben Tage wurde eine Bombe am Hause des Amtsvorstehers von Beidenffeth zur Explosion gebracht. Das vierte Attentat wurde in der Nacht vom 5. zum 6. April dieses Jahres in Wasselburen verübt. Dort wurden Handgranaten gegen das Haus des Kreisdeputierten Hüß- mann geworfen. In der Nacht vom 22. zum 23. Mai ereignete sich die Explosion im Landratsamt von Itzehoe. In der Nacht vom 29. zum 30. Mai schließlich wurde in der Auto- garage des Schulrates von H o h e n w e st e d t ein Paket Pulver zur Explosion gebracht. Zweifellos handelt es sich um Taten einer organisierten Terrorgruppe, die in irgendeiner Weise mit der Hetze der Nationalsozialisten und des Landvolks in Schleswig-Holstein zusammenhängt— wenn auch die Nationalsozialisten dreist und gottesfürchtig in einer Kleinen Anfrage im Landtag jede Schuld bestreiten. Es ist dieselbe verbrecherische Dynamitmethode, die die Kommunisten im März 1921 anwandten. Es muß gefordert werden, daß die Untersuchung be- sonders tüchtigen Kriminalbeamten übertragen wird, notfalls müßten Berliner Kriminalbeamte zur Untersuchung heran- gezogen werden. Dieser Attentatspest muß ein Ende gesetzt werden! Die Tochter des Landrats verletzt. Niebüll. 10. Juli. Zu dem Bombenattentat werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Die landrötliche Familie hat ihre Wohnung hauptsächlich'nach vorn heraus. Nur die in dem Hinterflügel schlafende 1 2 j ä h r i g e Tochter des Landrates wurde von den Glassplittern vollständig übersät, hat jedoch dabei nur geringfügige Schnittwunden erlitten. Ein vor dem Küchenfenster besinnliches schweres Eisengitter ist vollständig aus der Wand gerissen worden, ebenso wurde der neben dem Küchensenster gelegene Windfang völlig zertrümmert. Das Innere der Küche bildet einen wüsten Trümmerhausen von zerbrochenem Geschirr und Möbeln sowie Mauerteilen. In den benachbarten Häusern sind in einem Umkreis von etwa 50 bis 100 Meter alle Fensterscheiben zertrümmert worden. Die umliegen- den Gärten sind von Mauertrümmern und abgerissenen Baum- zweigen übersät. Auch die Dachpfannen, mit denen die Hinter- wand des Hauses abgekleidet war, sind weit umhergeschleudert morden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben bisher noch nicht zur Auffindung irgendwelcher Spuren geführt, die Anf- klärung über die Persönlichkeit oder den Beweggrund der Täter geben können. Der Landrat, der sich nicht politisch betätigt hat und der Volks partei nahesteht, fft im Kreise Südtondern sehr beliebt und hat keine persönlichen Feinde. Der Sprengstoffanschlag übertrifft an Wirkung die bisher in der Provinz verübten ähnlichen Anschläge. Außer der im Keller liegenden Küche hat auch das darüber gelegene Arbeitszimmer des Landrats große Beschädigungen erlitten. Der angerichtet« S a ch- schaden dürfte auf mindestens 10000 Mark zu schätzen fein. Gegen Mittag traf hier der Regierungspräsident von Schles- wig, Dr. A b c g g, ein. der eine längere Uitterredung mit dem L a n d r a t S k a l w e i t hatte. Landjäger sink) damit beschäftigt, den Trümmerhaufen nach Gegenständen zu durchsuchen, die viel- leicht Rückschlnssc ans die Tat oder die Täter zulassen. Vom Hängen. Also sprach der Nationalsozialist Dr. Göbbels am 25. Juni 1929 im Deutschen Reichstag: „Beichten Sie die Ergebnisse der letzten Wahlen, schauen Sie noch Koburg, wo unsere Partei schon die absolute Mehrheit er- reicht hat. Sind wir einmal so weit im Reich, wir brauchen kein Rcpublikschutzgesetz, wir werden Sie so aufhängen." Der Redner wurde nicht einmal zur Ordnung gerufen! puisch- und Der- waltungsbezirkslcitunaen und als Delegierter zu Parteitagen) einnehmen darf." Wer Mitglied der KPD. fein will, der muß sich erst all« Knochen im Leibe zertreten lasten, bis er willenlos und gestaltlos ist wie ein naster Lumpen. Diese faniose Erklärung haben, wie der„Voltswille" weiter mitteilt, neben anderen unterschrieben: Paul Schlecht, Maelow und Ruth Fischer. Wird sich Ruth Fischer nun abermals umtaufen, da sie geschworen hat, mit Ruth Fischer zu brechen? Werden Ruth Fischer und Maslow unter neuen Kriegsnamen in der KPD. wieder auftauchen? Agent der Bourgeoifie. Was ein Spartakist alles werben kann. Das ist dos älteste Schlagwort der Kommunisten: jene dumme Phrase, daß die Sozialdemokratie das letzte Bollwerk der Bourgeoisie gegen die soziale Revolution sei. Es ist so blöd, daß sich die Kommunisten einige Zeit lang geschämt haben, es anzuwenden. Jetzt, unter der glorreichen Führung der Thälmann und Remmele feiert es seine Auferstehung. Aber wiel Wir lesen in der sozusagen theoretischen Zeitschrift der KPD.: „Es ist ein altes Gesetz der Revolutionsgeschichte, daß die untergehend« Gesellschaft als letzten Schutzwall die Renegaten der Revoluion ausnützt, wie es auch durch die deutsche proletarische Revolution bestätigt wird, ilud damit dieses Gesetz bis zum Tüpfelchen über dem„i� Erfüllung imdet. beeilt sich das.jüngste Renegatentum, rasch in die erste Reih« der Konterrevolution zu aelangen. Paul Fröhliche der gestern noch„Geschichte der deutschen Revolution" schrieb, macht heute schon Geschickte der deutschen Konterrevolution. Man lese sein neues„Gsschichtswerk":„Der Berliner Blut-M-ii" (Seite 30):„Was soll am 1. August geschehen? Putsche!!" Des weiteren denunziert er in seiner Schritt die Parteizeitungen an Grzesinski, um sie, wie die„Rote Fahne", dem Verbot ans»»- liefern, was ihm, wie das Verbot des„Klostenkamps" in Halle beim zweiten Verbot der„Roten Fahne" zeigt, gelungen ist." So wurde Paul Frölich, der alte Spartakist, ein Agent und Schutzwall der Bourgeoisie von Remmeles Gnaden. Aber das find schlecht« Perspektiven, die der brave Hermann Remmele theoretisch entwickelt: der Schutzwall bewegt sich also immer tiefer in die Reihen der Kommunistischen Partei hinein. Er wird nach Hermann Remmele immer stärker und immer dichter! Wäre dieser kommumstilche hohle Schwätzer konseguent, so müßte er festen Blickes den Tag ins Auge fassen, an dem er s« l b st in den Schutzwall der Bourgeoisie einbezogen wird. Denn diese Entwickhing vollzieht sich ocsetzmäßig bis zum Tüpfelchen über dem„i", nicht wahr, also bis zu Hermann Remmele!_ preußen-Elektra baui um. Wichtige Landtaasbefchlüsse. Der HousholUausschuß des Preußischen Landtags genehmigte die von der, Preag", dem staatlich Preußen-Eletlro-Konzern, ver- langte.Kapitalerhöhung von lOO auf 110 Mill. Mark. Damit kommt in der preußischen Elektrowirtschast eine Systemverfeinerung in Gang, die die preußisch«.Kras!» Wirtschaft bis zur Lampe und bis zum Motor vereinheit- lichen wird. Die für das Gesamtgcbiet vorgesehenen drei Abnehmergebiete Kassel, Hannover und Hamburg erhalten Gesellschaf- ten, an denen die Preag sich mit 30 Proz. beteiligt, während die Regionalgesellschoften an der Preag mit 26 Proz. beteiligt werden. Der Smn der Transaktion Ist die organischere Durch- bildung der Strom verteilungs« und Tariffrage im Interesse der Verbraucher und d«s staatlichen Stromerzeugers. Gleichzeitig wurden die Preuhen-Derhandlungen mit dem BrauNschweigischen Ueberlandwerk perfekt, dessen Gebiet der neuen Hannooer-Gesellschast angeschlossen wird. Die Fortschritte im preußischen Elektrogebiet werden besonders der Landwirtschaft gut« Dienst« leisten. Amanullah-Kolgen in Paris. Oer Kotoin'Schmvggel des Gesandtschastsbeomien. Paris. 10. Juli.(Eigenbericht.) Die Untersuchung der Kokain- Schmuggler- ossäre, in welche die afghanisch« Gesandtschaft verwickelt ist, hat ergeben daß die afghanischen Gcsandtjchaftsbeamten uni) der Gesandte seit der Revolte gegen Amanullah keine Gehälter mehr bezogen und sozusagen Hunger litten. Wie verlautet, sind zahlreiche Persönlichkeiten der Pariser Gesellschaft, die sich in der afghanischen Gesandtschaft Rauschgift besorgten, schwer k o m- p r o n> i t t i c r t. Verhandlungen mil den evangelischen Landeskirchen. Di« Per- Handlungen zwischen dem preußischen Staotsministerium und den evangelischen Landeskirchen werden, wie wir aus sicherer Quelle hören, am Donnerstag, dem 11. Juli, beginnen. Das verschobene Stahlhelm-Volksbegehren. Sugenberg:.Die lange Bank, auf die wir es geschoben haben, ist immer noch nicht lang genug! Wir müssen ein neues Stück ansehen." Treibt Polen dem Mgertrieg entgegen? Aeußerst zugespihie Lage.— Pilsudski-Clique für offene Diktatur. Warschau, im Juli.(Eigenbericht.) Die innere Lage in Polen spitzt sich. von Tag zu Tag zu. Die Spannungen, die im Volk bestehen, straffen sich zusehends und die Regierung tut nicht das geringste, um sie zu mildern. Es scheint fast, als ob die gegenwärtigen Machthaber, die berühmte Clique der P i l s u d s k i st e n, die Entwicklung dieser Spannungen nicht ohne Interesse abwartet: ist ihr doch die bisherige Taktik Pilsudskis, die lediglich aus einer Umgehung und Zurechtbiegung der Gesetze und der Verfassung beruhte, ohne daß diese vollkommen abgeschafft worden wären, zu unentschieden und zögernd. Sie haben den Rück- tritt des aus der demokratischen Arbeiterpartei hervorgeangenen Ministerpräsidenten Bartel durchgesetzt: ober auch sein Nach- solger S w i t a l s l i ist ihnen zu„demokratisch" und„parlamen- tarisch": am liebsten würden sie die noch verbliebenen Ucberbleibsel dieser westlichen Einrichtungen gönzlich abschössen und an deren Stell« ihre eigene Herrschaft setzen, die ja heute schon tatsächlich besteht und deren fehlende formelle und äußere Form ihrer Ansicht nach die eigentliche Ursache der ständigen Reibungen zwischen Exeku- tive und Legislative bildet und damit auch, wie der C z e ch o w i c z- P r o z e h, zu einer Schwächung ihres Ansehens führt. P i l s u d s k i hat sich aber zu einer radikalen Abschaffung de» Parlaments, zu einer o s s e n e n Diktatur nicht entschließen können. Mag sein zunehmendes Alter, verbunden mit mangelnder Energie, mag die Erinnerung an die ersten Freiheitskämpfe, da die jungen Polen, unter ihnen auch Pilsudski, sich«in freies, unabhängiges Polen nicht anders vorstellen, als ein demokratisches Land, mag schließlich der zweifellos bestehende Druck seitens der a m e r i- konischen Geldgeber hierfür ausschlaggebend sein, die von einem Land, dem sie Geld borgen, die kollektive Verant- w o rtu n g des ganzen Volkes für diese Beträge verlangen und sie nicht einer Einzelperson anvertrauen wollen— jedenfalls hat Pilsudski, trotz seines offensichtlich schon ins Krankhoste gesteigerien Hasses gegen die Demokratie und den Parlamentarismus ebenso wie gegen die Abgeordneten bisher jede durchgreifende Lösung vermieden und wird sie wohl auch in Zukunft vermeiden. Es fei denn, daß die Spannungen— und darauf spekulieren die vielen „kleinen Pilsudskis", die hinter dem Rücken des einen„Großen" die Macht an sich reißen wollen— eines Tages zum Ausbruch kommen und dann auch den zögernden Marscholl zu einer Gewalttat veranlassen werden. Diese Spekulation Ist keineswegs unrichtig. Wie long« wird noch der bestehende Zustand des staatsrechtlich und politisch u n- haltbaren Gegensatz es zwischen tatsächlicher Diktatur und scheinbarer, formeller Einhaltung der Verfassung möglich sein? Er steigert sich von Tag zu Tag ins Absurd« und wird plötzlich in sich selbst zusammenfallen. Eine Rückkehr aus diesem Zustand ist ober für die gegenwärtigen Machthaber, auch wenn sie sie, was ziemlich ausgeschlossen ist, wünschen sollten, ganz undenkbar: sie haben sich in ihrer bisherigen Politik, in der Einführung ihres Systems in «ine Sackgasse gebracht, aus der es wohl einen Ausweg— nämlich die ofsenee Diktatur— gibt, aber keine Rückkehr. Sie haben alle Gegensätze, die zwischen ihnen und den übrigen Parteien und den breiten Volksmassen zu Anfang vielleicht nur in geringem Maße vorhanden waren, man möchte fast sagen, zielbewußt und systematisch ins Unerhörte verschärft und alle, ober auch alle, die nicht ihrem eigenen, eng begrenzten Lager, ihrer Clique angehören, sich zu Feinden gemacht, mag es sich um politische, soziale oder nur persönliche Gegensätze gehandelt haben. Seil drei Jahren herrscht In polen die Gewalt über dem Recht und wohl zum erstenmal seit dieser Zeit ist es in dem Czechowicz- Prozeß geschehen, daß das Recht sich nicht vor der Gewalt g e- beugt hat. Aber man bedenke, welch« Folgen moralischer Natur dieser dreijährige Zustand, man kann es ruhig sogen, der Recht- losigkest im polnischen Volt gezestigt hat, die um so verhängnisvoller sind, als es sich ja um«in junges, politisch unerfahrenes, durch jahrhundertelange Knechtschaft ohnehin der fortschrittlichen Ent- Wicklung beraubtes und demoralisiertes Volt handelt, dos erst vor zehn Jahren zu eigenem staaUichen Leben erweckt worden ist. Hat dies« dreijährige Komödie der Rechtmäßigkeit, die oll« Begriff« ver. wirrt und verwildert hat, dem Staat nicht mehr geschadet— so fragt der sozialistische ,.R o b o t n i k" in einem seiner letzten Artikel— als es eine ossene und frei« kommunistische Agitation getan hätte? Die Taktik der Pilsudstisten-Clique muß aber auch einem ober» flächlichen Beobachter des polnischen Staatslebens nicht nur ver» hängnisvoll, sondern vor allem auch von ganz unglaublicher Surzsichtigkeil erscheinen. Man kann noch den Gesichtspunkt der monarchistischen Gruppe des Piljudski-Lqgers verstehen, der es nur um die Er- richtung und Erhaltung der„Dynastie" geht, mag alles andere zugrnnde gehen. Aber wie lautet die Ideologie der für den gegen- wörtigen Zustand verantwortlichen Leute? Es ist für niemand ein Geheimnis, daß die heutigen Verhältnisse nur möglich sind, solange Pilsudski formell oder tatsächlich an der Sitze des Staates steht. Ohne ihn— stürzt das ganze„System", das eigentlich nur Systcmlosigkeit ist, zusammen. Ohne Pilsudski müsien die heutigen Machthaber, die ihre Macht alles andere als im Volke fest veronkert haben, sondern sich nur an Pilsudski ge- klammert, knapp halten können, unweigerlich zugrunde gehen, es sei denn, daß sie offen den Weg der Gewalt, der Unterdrückung, der Mißbräuche beschreiten werden. Aber auch dann ist die Lage nicht klar. Wer soll die Gewalt, als Nachfolger des Marschalls. ühernehmen? Gliedert sich doch das Lager der„Machthaber" In die widersprechendsten politischen, sozialen und religiösen Gruppen. Sollte eine militärische Diktatur von der„Obersten Gruppe" errichtet werden, in der persönliche Streitigkeiten heute schon eine einheitlich« Politik unmöglich machen? Was wird die„Erste Brigade" dazu sogen, die Leute, die unter Pilsudski die ersten Legionen gebildet haben und Pilsudski und sein Erb« sür sich allein in Anspruch nehmen? Mit mißtrauischem Blick schauen sie jetzt schon auf die Leute von der„Vierten Brigade" herab, die sich erst im Lause der Zeit Pilsudski angeschlossen haben. Und die Konservativen und die Monarchisten und die Bauern- und Arbeiter- Parteien, die ins Regierungslager durch allerlei Knisse hinüber- gelockt worden sind, und olle anderen heutigen Pilsudskisten, die wohl den Marschall mit einer sür westliche Begrifse unverständ» lichen slaoischen Mentalität unbedingten Gehorsam entgegenbringen und ihn als den Me s s i a s. der Polen aus dem Joch befreit hat: mit fast religiöser Hingebung verehren— die aber niemand anderen als nur sich selber als den einzig berechtigten Nachfolger Pilsudskis ansehen und gegen jeden anderen nötigensolls auch mit Gewalt vorgehen werden? Wie will man diese verschiedenen Interessen und Anschauungen unter einen Hut bringen? Die Gefahr der Anarchie, de» Bürgerkrieges lostet über polen. Wie schwer die iimerpolitische Lag« geworden ist, geht an» besten aus der veränderten Haltung der polnischen Sozialisten hervor: sie hoben immer wieder, während der dreijährigen Unterdrückung, mit allem Nachdruck betont, daß eine friedliche Liquidie- r u n g des bestehenden Regimes, des Nachmaijystems zugunsten der Demokratie notwendig ist: heute ober haben sie, durch die Ent- wicklung der Ereignisse eines anderen belehrt, mit tiesster Be- stürzung erkannt, daß, wie der sozialistische„Ro-botnik" in einem Leitartikel mit oller Deutlichkeit erklärt, eine friedliche Liquidierung durch die unverantwortliche Arbeil der Machthaber erschwert und sogar unmöglich gemacht worden ist. Der pariser Großkampf. Mindestens eine Woche Dauer. pari», 10. Juli.(Eigenbericht.) Die am Donnerstag beginnende große Ä a m m e r d c b a t t e über die Schuldenabkommen wird wahrscheinlich min- bestens eine Woche in Anspruch nehmen. Außer dem Minister- Präsidenten, für dessen Lussührungen eine Sitzung kaum ausreichen dürste, sind als Redner bereits die Führer aller großen Parteien eingeschrieben, so u. a. von der Rechten die Abgeordneten R e y- n a u d und Marin. Der erste spricht für, der zweite gegen die Ratifikation. Der Abgeordnete F r a n k l i»- B o u i l l o n will «inen neuen Dertagungsantrag stellen und bei dieser Gelegenheit «inen Appell an die Vereinigten Siaaten befürworten. Die Ha l t u n g der S o z i o l i st e n wird A I n c« n t A u r I o l in einer großen Rede begründen, In der er von Briand und Poin» corä genau« Aufklärungen über die Absichten der Regie- rung bezüglich der Rheinlandräumung zu fordern beabsichtigt. Sollten die Sozialisten, was wahrscheinlich ist, hierüber präzise Angaben nicht erlangen können, so werden sie ln jedem Fall mit ollen parlamentarischen Mitteln der Regierung und dem Lande die Notwendigkeil der Räumung und einer großzügigeit europäischen Friedenspolitik vor Augen führen. Refcklüsse des Außenausfchusses der Kammer. pari». 10. Juli. Der Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten nahm die Entschließung des Finanzausschusses, wonach die Vorbehalt« zur Ratifizierung der Schuldenabtommen in den Gesetzestext aufge- nommen werden sollen, mit 14 gegen 6 Stimmen bei 7 Enthol- hingen an. Der englische Minister für Arbeitsbeschasfung, Thomas, wird im Zusammenhang mit seiner geplanten Konadareis« ai'ck der amerika- nischen Industrie einen Besuch abstatten. Er verfolgt damit den Zweck, zur Läsung des englischen Arbeitslosen Problems Studien zu mache». Der Deutsche Holzarbeiterverband Seine Fortschritte im Lahre-192S. Wie in den Vorjahren zeichnet sich auch diesmal wieder dos Jahrbuch 1928 des Deutschen Holzarbeiterverbandes dadurch aus, Nitz sein Inhalt nicht nur für die Verbandsmitglieder von Interesse ist. Es bringt auch Angaben und Betrachtungen, die sür jeden Gewerkschafts- und Wirtschastspolitiker lesenswert sind. Ei» besonders interessantes Kapitel des Jahrbuchs ist neben dem allgemeinen wirt- schaftspolitischen Teil der Abschnitt über die deutsche Holz- wirtschast, in dem außer einem Rückblick auf die Beschäfti- gungslage im Vorjahre auch die Preisgestaltung, die Ein- und Aus- fichr von Holzwarcn und Rohstoffen, die Berufs- und Betriebs- zählung usw. kritisch behandelt wird. Di« Beschästigungslage in der deutschen Holzindustrie im Vor- jähr« ist zwar nicht so gut, dafür aber stetiger als im Jahre 1927. So schwankten z. B. die Zahlen der vollbeschästigten Arbeiter zwischen 76 und 87 Prozent. 1927 dagegen zwischen 68 und 92 Prozent. Im Gegensatz zu früheren Iahren war auch die Beschäftigung in den Betrieben sämtlicher Größenklassen gleichmäßig gut. Die Arbeitslosigkeit war allerdings das ganze Jahr hindurch recht groß. Im Jahresdurchschnitt gerechnet waren 11,2 Pro- zerrt der Derbandsmitglieder arbeitslos gegen 12,3 Prozent im Jahre 1927 und 27, S2 Prozent im Jahre 1926. Die Arbeitslosigkeit in der Holzindustrie war aber auch größer als in der Gesamtwirt- schaft, denn auf alle Gewerkschaften entfallen im Jahresdurchschnitt 1928 nur 8,6 Prozent Arbeitslose. Ständig und gut beschäftig! war die Möbelindustrie, was in der Hauptsache auf die rege Wohnungsbautätigkeit zurückzir- fühten ist. Diese Industrie würde bestimmt noch weit besser flo. rieren, wenn die preise der Möbel in einem besseren Verhältnis zur Kaufkraft der Gefamtarbeiterschoft stünden. Daß an den hohen Möbelpreisen, die im Großhandel zu Ende des Berichtsjahres um 64,6 Prozent höher als in der Vorkriegszeit waren, die Lohnsteigerungen schuld seien, ist eine Behauptung der Unternehmer, deren Unrichtigkeit sich leicht widerlegen läßt. Genau wie in den Vorjahren war dagegen die Klavier- industri« sehr schlecht beschäftigt. Gerode diese Industrie bietet dos beste Beispiel dafür, wie verheerend sich eine über- stiegen« Zollpolitik auswirkt. Der Rückgang der Klavierausfuhr von 76 463 Stück im Jahre 1913 aus 34 3,1 Stück im Jahre 1928 ist fast ausnahmslos auf die h o h e n E i n- fuhrzölle zurückzuführen. Den schwersten Schlag hat die deutsche Klaoierindustrie durch die Einführung des sogenannten Mac-Kenna- Zolles in England erlitten, durch den die Einfuhr deutscher Klaviere in England auf 1753 Stück im Jahre 1928 zurückgegangen ist, gegen 21 69(> im Jahre 1913. Betrachtet man die allgemeine Lage der deutschen Holzindustrie Ausbau der Arbeitsvermittlung. Bei den Arbeitsämtern. Nachdem die R e i ch s a n st a l t für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung nunmehr über die Mittel sür das neue Haushaltsjahr verfügen kann, haben die S tli stverivü 1« tungsorgane der Reichsanstalt über die Verwendung der Be- träge Beschluß gefaßt, die für den sachgemäßen Ausbau der Arbeitsvermittlung und der Berufsberatung im Haushalt vorgesehen sind. Die günstige Jahreszeit soll ausgenutzt«erden, um die Ver- mittlungstätigkcst der Arbeitsämter zu einem rasch und dennoch in- dividuell funktionierenden Werkzeug auszugestalten. Hierin ist der sicherste Weg zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und das best« Mittel zur Herabsetzung der Anforderungen an die Arbeitslosenversicherung zu erblicken. Bor allem soll der Arbeiter- bedarf in den ländlichen Bezirken mehr ersaßt, der Ausgleich zwischen Stadt und Land gefördert, die Beweglichkeit des Außendienstes erhöht und ein« persönliche Beratung der Arbeitslosen ermöglicht werden. Doneben soll die Arbeitsverivittlung für besonders bedeutsame Berufsgebiete fachkundiger ausgestaltet werden, so z. B. für den Bergbau in Mitteldeutschland und Westfalen. für die Metallindustrie in Westfalen und Rhein- land, für Spinnstoffindustrie und Betleidungs- gewerb« in Brandenburg und Sachsen, für die Gast- wirts- und Hausangestellten in allen Bezirken. Be- sondere. Aufmerksamkeit soll der Berufsberatung unter ar- beitsmarktpolitischen Gesichtspunkten gewidmet werden. Wahlsieg im Reichsbahnbeirieb. Unter den freien Gewertschaften gilt der E t n h e i t s- verband der Eisenbahner als eine der jüngsten Orgam- sationen. weil über 99 Proz. seiner Mitglieder erst nach dem Kriege der Organisation beitraten. Aber gerade diese, heute aller- dings auch nicht mehr junge Organisation Hot es verstanden, im Beruf immer mehr an Einfluß und Mitglieder zu gewinnen und die Konkurrenz, insbesondere die Gebilde der KPD., immer mehr zurückzudrängen. Während bei den Betriebsräte- und sozialen Wahlen die Stimmen des Einheitsoerbondes andaueriü» zunehmen, nehmen sie bei der Konkurrenz ab. Daß dies« Entwicklung nach nicht abgeschlossen ist, hat die B c t r i c b s r ä t e w a h l vom 12. Mai gezeigt und die Pensionskasscnwahl vom 24. Juni ebenfalls mal wieder bestätigt. Bon der Penfianskosfenwahl liegt jetzt das Gefamtreful- tat vor. Es zeigt, daß die Konturrenz alle Ursache hatte, mit einzelnen herausgefischten und sür sie günstigen Teilresultatcn, die stellenweise durch die Teilnahme der ständig Bcomtendiensttuenden an der Wahl entstanden waren, ihre Gefolgschaft über die Gesamt- Niederloge hinweg zu täuschen. Di« Pensionskassenwohl erstreckte sich auf Preußen und Hessen. Wahlberechtigt waren die Reichsbahnarbeitcr, die Beamtendiensttuenden und von den fest angestellten Beamten die freiwilligen Mitglieder. Es erhielten der freiaewLrkschastliche Einheitsverband 158299 Stimmen die christliche Gewerkschaft(GDE).. 37 822 dieHirtch-Dunkersche GewerkschastsAEB.) 24553 die.revolutionäre" KPD-Opposition 14 221, Da die osfiziellcn Bcrichtsbogen der Wahlstellcn keine Rubrik für die Zahl der Wahlberechtigten enthielten, mußte diese nach der Zahl der Beschäftigten usw. errechnet werden. Sie machte 299999 bis 399 099 aus, so daß etwa 75 bis 89 Proz. gewählt! haben. Dieser für eine soziale Wahl sehr hohe Prozentsatz läßt| unter diesem Gesichtspunkt, muß der agitatorische Erfolg des Holz- arbeiterverbandes im Borjahre besonders hoch bewertet werden. Denn es gelang der Organisation im Berichtsjahre 19 799 neue Mitglieder zu gewinnen. Der Holzarbeiterverbond zählte am Schluß des Bor- johres 313 544 Mitglieder, wovon 267 718 männliche, 21 481 weibliche und 24345 jugendliche waren. Die Zunahme beträgt b«! den männlichen Mitgliedern 17 151 oder 6,84 Prozent, bei den weib- lichen 1918 oder 4,97 Prozent und bei den Jugendlichen 1 5 4 9 oder 6,75 Prozent. Don etwa 199 999 Lehrlingen, die in der gesamten deutschen Holzindustrie vorhanden sind, ge- hörten- Ende 1928 dem Holzarbeiterverband 17 9 9 6 an. Die finanzielle Entwicklung der Organisation kann gleichfalls als sehr gut bezeichnet werden. Die gesamten Jahresein- nahmen des Verbandes betrugen im Berichtsjahre 14 913 664 M. und die Ausgaben 11 493 445 M. An Unterstützungen wurden 6 941 6SZ Mark gezahlt gegen 2 754 942 M. im Vorjahre. Für Streikunterstützung wurden 3977 519 M.(1927: 784 043 M.f und für Arbeits- l o f« n u n t e rstützu n g 2 338 994 M.(1927: 879 975 M.) aus- gezahlt. Das vergangene Jahr war für den Holzarbeiterverband auch ein bedeutendes K a m p f j a h r. Es wurden 616 Bewegungen mit 3 49 897 Beteiligten geführt. Davon waren 13 5 Streiks bzw. Aussperrungen, an denen 31 489 Personen beteiligt waren. Fast alle Bewegungen konnten erfolgreich beendet werden. Durch die Arbeitseinstellungen gingen über eine Million Arbeitstag« und mehr als 87 Millionen Mark Verdienst ver- loren. Die Lohnbewegungen brachten eine wöchentliche Lohn- erhöhung von durchschnittlich 3,54 M. und durch die Abwehrbewegungen wurde eine Lohnkürzung von durchschnittlich 5,71 M. pro Kops und Woche verhütet. Daneben wurde noch für 1524 Personen eine Arbeitszeitverkürzung von durch- schnittlich 2,6 Stunden pro Woche erreicht. Ende 1928 bestanden ins- gesamt 320 Tarifverträge für 26 538 Seiriebe mit 335 694 Arbeitern. Der Holzarbeiterverband hat wiederum bewiesen, daß er eine Kampsorganisation ist, die den Unternehmern ansehnliche Zugeständ- nissc abzuringen vermag. Der Verband hat noch eine ziemliche Aus- breitungsmöglichkeit. Nach der Berufszählung sind in der deutschen Holzindustrie etwa 809 000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, von denen Mit der Zeit sicher noch ein großer Teil sür die Or- ganisation zu gewinnen ist. Es fehlt also den Mitgliedern und Funktionären des Verbandes auch weiterhin nicht an Arbeit. erkennen, daß die Reichsbahnarbeiter ihren sozialen Einrichtungen «ine große Bedeutung beimessen und daß der Wahlkampf recht heftig war. Vergleicht man das Wahlergebnis mit dem der vorletzten Wahl im Jahre 1925, mit demselben P«Ts onen kreis und d« r- selben Wahlbelei'liguug, so ergibt sich folgendes Bild: Von je 199 abgegebenen gültigen Stimmen erhielten: Eiahett»-.ZlevolutionSre" »erbaod �® Oppostt on 1925 61,30 17,86 12,28 8,56 1929 67.38 16,11 10,46 6,05 Mithin hat sich die Stimmcnzifser aus der vorletzten vergleich- baren Wahl bei dem Einheitsverband um 9,92 Proz. üermchrt. Vermindert hat sie sich bei den Christen(GDE.) um 12,86 Proz., bei den Hirschen(AED.) um 17,49 Proz. und bei der„revolutio- nären" KPD.-Opposition, die im Jahre 1925 unter der Firma „Freier Eisenbahnerverbaiid" segelte, um 41,48 Proz. Diese Entwicklung mag insbesondere für di c KPD. recht schmerzlich sein, denn die Reichsbahn ist der größte lebenswichtigste Betrieb Deutsch- lands, und in diesem keinen Einfluß zu haben und trotz der riesen- haftcsten Anstrengungen immer mehr zu verlieren, läßt auch alle Hoffnung aus einen erfolgreichen Putsch an der sonst auesichts- reichsten Stelle schwinden. Damit wird die KPD. sich jedoch abfinden müssen, denn d i e Eisenbahner ziehen praktisch« Arbeit den Phrasen, Putschen und der märchenhaften Weltrevolution vor. OerKommunist als Llniernehmeranwalt Wie er sich herauszureden sucht. Im„Abend" vom 4. Juli brachten mir einen Bericht über eine Verhandlung des Arbeitsgerichts und kennzeichneten das Verhalten des Arbcitnehmerbcisitzers Hermann Müller, der Kommunist und zweiter Vorsitzender des S ch u h m a ch e r v e r b a n d c s ist. Müller hotte in dem von uns besprochenen Falle, wo die Klägerin ohne Zweifel ein Versäumnisurteil zu ihrem Gunsten haben konnte, feiner Meinung dahin Ausdruck gegeben, daß die Forde-. rung der Klägerin nach dem Tarif unbegründet sei. Hierzu schreibt uns Hermann Müller: „Ich habe mit dem genannten Termin weder als Vertreter der Klägerin noch als Beisitzer am Arbeitsgericht etwas zu tun gehabt, so baß ich den Prozeß in ungünstigem Sinne gar nicht beeinflußcn konnte. Ich erwarte, daß Sie diese Richiigstellung an einer genau so aussälligcn Stelle bringen wie die schmutzige Beschuldigung gegen mich." Wer diese angebliche„Berichtigung" liest, der muß doch glauben, Müller sei an dem bctrcjscndcn Tage überhaupt nicht auf dem Arbeitsgericht gewesen und wisse von der ganzen Sache nichts, Diesen Eindruck zu erwecken, war auch wohl d i e A b s i ch t des Herrn Müller. Wäre dies« Absicht gelungen, dann hätte er im Kreise seiner Parteifreund« den„Abend" der Lüge zeiben können. Aber dies Manöver ist mißglück t. Wir boben Hermann Müller an seiner Arbcitsstöii« ausgesucht und in ihm den Mann erkannt, der in dem betreffenden Termin als Arbcitnehmerbcisitzcr am Gerichte- tische s a ß und dem Vorsitzenden klar zu machen versuchte, daß die Klägerin kein Recht auf ihre Forderung habe.— Daß er sich in die- fem Sinn« geäußert hat, bestreitet Müller uns gegenüber nicht. Aber— so sagt er— das sei eine private M e>- nungsäußerung gewesen. Er habe in jenem Termin, der ein Giitetennin war, als Beisitzer nicht mitgewirkt, sondern a l s Unbeteiligter dabei gesessen.» Damit wird aber die Sache für den Kommunisten Müller noch schlimmer. Warum braucht e r sich denn dagegen zu wenden, daß der abwesend« Unternehme« verurteilt wird, da er doch bei dem Urteil gar nicht mitzuwirken hott«. In der Kommu- nistischen Partei wird man ihm das gewiß nicht verzeihen. Hieraus hinzuwirken war der Zweck unserer Ausführungen, die Müller als„schmutzige Be s ch u l d! g u n g" bezeichnet, o b- gleich er ihre Richtigkeit nicht bestreiten kann und sich deshalb durch«ine irreführende Angabc herauszureden versucht. Lohnbewegung der Graveure. VerhandlungSergebnis in Äerlin abgelehnt. Der Deutsche Metollarbeiteroerband hotte die Lohnabkommen der Graveur« und Ziseleure für sämtliche drei Tarifkreise des Reiches zum 31. März gekündigt und ein« achtprozentig« Lohn- erhöhung gefordert. Trotzdem mehrmals mit dem Deutschen Gra- veur- und Zifeleurbund«. B. verhandelt wurde, kam wegen der geringen Augestäillmisie der Unternehmer keine Einigung zustande. Ilm Dienstag wurde in Berlin nochmals verhandelt und zwar für den ersten Tarifkreis, der die Städte Anna- berg-Buchhalz, Aschersleben, Berlin, Kastel, Chemnitz. Dresden, Halle(Saale), Hamburg, Hannooer, Kiel, Leipzig, Magdeburg, Suhl, Zellä-Mehlis und Zwickau umfaßt. Nach neunstündiger Verhandlung kam schließlich, vorbehaltlich der Zustimmung der Torisparteien, eine Vereinbarung zu- stände, wonach die Tarifspitzenlöhne in der Gruppe I von 1,17 aus 1,23 Mark, in der Gruppe II von 1,12 aus 1,18 Mark und in der Gruppe III von 1,97 auf 1,13 Mark erhöht werden sollen. Die Arbeiter, die bisher infolge von Leistungszulagen einen höheren als den Tarifspitzenlohn hatten, sollen gleichfalls eine Zulage erhalten. Dies« Zulage soll je nach der Leistungszulage drei bis sechs Pfennige pro Stunde betragen. Das Lohnabkommen soll vom 15. Juli ab gelten bis zun, 31. Dezember 1939. Mit diesem Verhondlungsergebnis beschäftigte sich am Mick- woch abend eine Vollversammlung der Berliner Graveure und Ziseleure im Metallarbeiterverband, die nach längerer Aussprache die Vereinbarung ablehnte. Die Stellungnahme in den übrigen Orten des I. Toeifkreises stsht noch aus. Die ausgesperrten Textilarbeiter. Ist ihre Geduld zu Ende? Wie die TU. berichtet, spitzt sich die Lage im Reicheniachcr Textilbezirk immer mehr zu. Slm Mittwoch früh habe di« Polizei mehrfach eingreifen müssen, um die Ruhe aufrecht zu erholten. Mehrere hundert Ausgesperrt« hätten die noch in kleinem Umfang« arbeitend« Hueskcrjche Rohsiedrei umlagert und die an der Arbeits- ftätte erscheinenden„Arbeitswilligen" bedroht. Ein Streikbrecher sei dabei so schwer mißhandelt worden, daß er in ärztliche Behandlung gebracht werden mußte. Am Eingang der mechanischen Weberei Fleischer sei der Führer eines Lastkraftwagens arg verprügelt worden. Erst Polizei habe di« Ruh« wiederherstellen können. „Tarisunsähige" Tischlermeister. Tischlerstreik in Dresden. Nachdem di« Verhandlungen über den Mantel- und Bezirks- tarifvertrag abgeschlossen worden waren, hat nunmehr der Ver- band sächsischer Tischlermeister erklärt, daß er taris- unfähig sei. Die Drcsbener TiMer beschlossen daraufhin, tn-'i allen Betrieben von den Unternehmern die Anerkennung d es Tarifvertrages zu verlangen und, wo diese Anerkennung ver- weigert werben sollte, mit Kampsmaßnahmen vorzugehen. In einer Reih« von Betrieben sind die Tischler in den Streik getreten. Die Arbeitsniederlegung in weiteren Betrieben steht bevor. Steinseher und Berufsgenossen! Im Tarifbezirk Berlin-Brandenburg. Wie den Kollegen bekannt ist, hat der sogenannt« Gesellen- verein der Steinsetzer Groß-Berlins gegen uns eine Klage beim A r b e i t s g« r i ch t angestrengt. Er beantragte: 1. Die Zahlstelle Berlin des ZentraloerbaiAdes der Stein- arbeiter Deutschlands ist verpflichtet, den Mitgliedern des Gesellen- Vereins eine spezialisierte Abrechnung der Wohlsahrts- k a s s e vorzulegen. 2. Beklagte ist zu verurteilen, die den einzelnen Steinsetzern angeblich zu viel abgezogenen Beträge in Höhe von rund 19 999 M. nachzuzahlen. Bon einzelnen Mitgliedern des Gesellenvereins wird nun auf den Baustellen behauptet, daß wir zur Zahlung von 56 999 M. oerurteilt wurden. Wir erklären hiermit öffentlich, daß diese Bc- hauptungen glatt« Lügen sind und geben der Kollegcnschaft zur Kenntnis, daß der Gescllcnverein mit seiner Klage k o st e n- pflichtig abgewiesen wurde und an Genchiskosten 300 M. zu zahlen hat. Also das Gegenteil dessen, was von jener Seite behauptet wird. Wir ersuchen unsere Mitglieder, wenn derartige Behaup- tungen wieder auftauchen, die Betrcjscnden als Lügner zu brandmarken uns uns eventuell die Namen der Vorbreiter solcher Gerüchte mitzuteilen, damit wir diese Verleumder zur Rechenschaft ziehen können. Zcntralverband der Steinorbcitcr Deutschlands, Ortsvcrwaltung Berlin. I. A.: Gust. R tische. gk§M H-iUe. Tennft.Mji, ISV. Uljr. toqcn bie Grc.'pvcn: Lichte« btt. anb WEf sUu-Lichlrriberq: Cluficnbbeim SViuffltraRP, on bet fflor. tifchcc Eeocn- hnb� äßätöKrobcitb.— Gesundbrunnen: Iuaenddcim. Rote Schuse. Gotenburftcr strnste. Portroa:„Unsere Etellunq vir sZreik'orver. fultut".— Schöneweibe: Iuqenbbeim Oberlchönrwcibe, Lousener Str. 2 toberr» bintereo zimmert. Spie. abend.— Kören ich: Oruvpenoeim.?uaenbbclM. It-ril- nairer Str. f>. T-ortraa:„(öotiales Wandern".— Moabit: Stadt. Iuaendbctm Lehrter Str. 18-10. Sin?enscr. Tressen um 18 Mir vor dem Sinaana der Badeanstalt.— Sport, und Spielabenbe ob 18 Uhr: Reulöün und Lermonnplaji: Bolkspark Sasenbelbe. kleine Wiese. Kreis Obersprec: Wiese 8 im Treptower Bork.— Nchtüna. Gruppen- uub Kreisleiter! Meide. frfituft llic eine encntuell brabsichtiate Mitwirkuna b-r Gruppen und Kreiie auf unserem Daldfeft und unserer Tampfcrsabrt am' 12. Juli in der Iuacnd. .centrale. Iuaendaruppe des?entralvcrbandes iier Angestellten «K» deute, Donncrotaa. sind iokaenbe Bcranlialtunaen: Oltcui Iuocndlieim Litauer Str. 18. Bortraa:„Kulturarbeit der Gewerkschaften". Referent: Derkow.— Treptow! Iuaendbeim Dildenbruchstr. 88(Siiaonfi, von der Groctt- strafte in Treptowl. Wir gehen tn den Treptower Park.— Schineberg: Jugendheim Kauptftr. 18 sdofgcbäude, Thüringengimmerl. DIskusstonsabenb. Berantwortlich tür Politik: Br. Tuet Keyer! Wirtschast: K. Klingelhöser: Sewerkschoktsbeweauiio: isricd". Sttkoe»! Teuille'on: Gr. Lodn S-bjsowski: Lokale, und Sonstiges: Walier Trojan: Anzeigen: Th. Klock-t sämtlich in Berlin. Berlaa: Zorwärls-Berlag G. m. d. S-. Berlin Truck: Borwärls-Buchdeucherei und Berlagsanstals Paul Singer u. Co., Berlin SW. 88, Lindenstrafte 3. dierzu 1 Beilage,..Unterhalt»«» und Wissen" und..Kranenstimw--, �reie Gewerkschasts-�ugend Groß-Verlin ftr. 319• 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 11. Iuli 1929 Sin mmUes QroftkraHwerk Unweit der Nonnendammallee in Siemensstadt sind dl» Vorarbet- ten für das Kraftwert West im Tang«, das in seiner Anlage und Ausdehnung dem Grohkraftwerk Klingenberg Nicht viel nachstehen wird. An der nahen Spree wird ein Hafen angelegt. Zahlreiche Dampframmen treiben S— 8 Meter lange Betonpfähle In den etwas sumpfigen Boden, der eine gründ- lich« Fundamentierung notwendig machi. Ein 80 Meter hoher Mon- tagetran befördert die Eisenton- struttionsteile Besonders nachts bietet der Bauplad im Licht« der Scheinwerfer«inen phantastischen Anblick. Sechs Hauptmaschinen werden in diesem Spitzenkraftwerk je lWOM Kilowatt erzeugen. Hinzu kommen noch zwei Vorwärmer- turbinen von je 12 000 Kilowatt für die Deckung des Eigenbedarfes. Zwei Schornsteine, aber von erheblich größerem Umfang als die bekannten Klingenberg�Jchornstein«, werden 120 Meter Höhe erreichen. Die Kessel erhalten Stoter-Feuerung. Der erste Bauabschnitt wird Herbst 1930, der zweite»in Jahr später vollendet sein. Ehetragödie im Norden. Die Frau auf offener Straße niedergeschossen. vor dem haus« Exerzierstraße 6 aus dem Gesund- brunneu spielt« sich gestern abend ein blutiger Ehe- zwifl ab. Der Arbeiter Seemann hatte eine länger, Freiheitsstrafe zu verbüßen; gestern war er aus dem Tefängnis entlassen worden. Sein erster Weg galt feiner inzwischen von ihm geschiedenen 3SjShrigen F r a u M a r i a. Da er sie in den Mittagestunden nicht in der Wohnung antraf, lauerte er ihr im Hausflur zwei Häuser weiter auf. Als dl« Arau gegen 16 Uhr ahnungslos die Exerzier- striche heraufkam, trat Seemann aus dem Hausflur plötzlich hervor und gab auf seine frühere Frau vier Schüsse ob. Eine Kugel drang der Frau in den Oberkörper, so daß sie ohnmächtig zu- sammenbrach. Die anderen Kugeln hatten glücklicherweise ihr Ziel verfehlt. Mehrere Passanten, die Augenzeugen des blutigen Dorfalls ge- worden waren, hielten den Täter fest und entwaffneten ihn. Auf dem nächsten Pviizeivevier gab der Revolverschütze zu. die Absicht gehabt zu haben, seine ehemalige Frau zu töten. Frau Seemann liegt tm Jüdischen Krankenhaus in der Exerzier. straße schwer danieder._ Das Stralauer Großfeuer. Da» Troßfeuer in der Engelhardt-Brauerei hat gestern länger» Zeit die Untersuchungskommission der Kriminalpolizei und andere Sackverständige beschäftigt. Die erste Vermutung, daß der Brand durch irgendeine Fahrlässigkeit entstanden sein könnte, hat bisher keine Bestätigung gefunden. Die in dem Betrieb tätigen Arbeiter sind all« al» zuverlässig« und gewissenhafte Leute bekannt. Nach dem Ergebnis der Ermittelungen scheint e» sich um «inen sogenannten Staubbrand zu handeln. In der Malzputze der ausgebrannten Mälzerei wurden die Gerste- und Malzvorräte auf etwa 80 bis 100 Grad erhitzt, um den Zuckergehalt auszu- scheiden. Die Staubteilchen werden durch Schlote und Schächte abgeführt. Schon am Nachmittag bemerkten Arbeiter, daß einer der Säcke, in die die Staubteilchen fallen, wahrscheinlich infolge eines hineingeflogenen Funken schwelte. Sie löschten den kleinen Brand ab und sicherten alles, als sie nach Feierabend den Raum verließen. Man nimmt deshalb an, daß in einem der Abzugskonäle durch Funkenflug der Riesenbrand hervor- gerufen worden ist. Eine strafbare Handlung liegt jedenfalls nicht vor; es handelt sich um ein Vorkommnis, wie es in diesen De» trieben auch bei größter Sorgfalt und Kontrolle passieren kann. Wochenendgeseh in England. Die Ladenbefiher sind mit frühem Schluß einverstanden. Ikach der Londoner„Itlorning-Posi" soll e« in der Absicht der neuen britischen Regierung liegen, da» Gesetz über den Ladenschluß an Sonniagen derart abzuändern und obligatorisch zu gestalten, daß von Sonnabend mittag» 12 Uhr bis Montag früh die Schließung in Kraft tritt. Der verband der Ladenbesiher hat sich bereits mit dem Projekt befaßt. Die große Mehrheit der Geschäftsleute ist der Ansicht, daß diese Wochenend- schließung durchführbar und auch vom Standpunkte de« Ladenbeslhers au» praktisch sei. Es werde trotz dieser Schließung, die den Angestellten größere Erholungsausflüge gestatte, in den Läden auch nicht um einen penny weniger gekauft werde«. Und in Deutschland? In Berlin vor allem? Seit zwei Jahren spricht und schreibt man viel über Wochenende, aber die Reichs. bahn ist bockbeinig und will die Tarife erhöhen, di« Hoteliers und T a st w i r t e der Provinz verfallen sofort dem Nepp, wenn die Wochenendpropagando sich für sie erfolgreich auswirkt, die Geschäftsleute aber meinen, sie müsien Pleite machen, wenn sie ihren Angestellten von Sonnabend um 12 Uhr ab freigeben sollen, sie selber fahren selbstverständlich mit ihrem 40/120 Auto» in die schöne Freiheit und lassen es zu, daß ihre Angestellten abends um 9 Uhr erschöpft nach Hause kommen. Wann kommt«in deutsches Wochenendgesetz? Und warum lassen wir uns alles vom Ausland vormachen? Mord im Machnower Forst? Ein Mann im Dickicht tot aufgefunden. Gestern abend machten Spaziergänger im Machnower Forst einen grausigen Fund. Unweit des Jagdschlosses Dreiliade«. in nächster Nähe der versuchsan- sialtfürhandfenerwaffea. entdeckten sie im Dickicht in einer großen Blutlache die Leiche eine» Mannes. Die Leute benachrichtigten sofort da» nächste Polizeirevier, das mehrere Beamte an den Fundort entsandte. Verschiedene Umstände ließen dm starken verdacht aufkommen, daß der Mann den Tod von fremder Hand gefunden hatte. Aus diesem Grande wurde sofort die Mordkommission alarmiert, die unter Leitung des Kriminalrates Gennat, sowie der Kommissare Müller und P a s s o w an die Fundstelle eilte. Außerdem wurde der bekannte Polizeiarzt Professor Dr. Strauch benachrichtigt, der sich unverzüglich nach der Mach- nower Forst begab. llnbetannter Toter im märkischen Wald. Im Jagen 47 der Michendorfer Forst fand ein Pilz- sucher die stark verweste Leiche eines unbekannten Mannes, der sich erschossen hat. Der Tote mag an der wenig begangenen Stelle wohl schon 7 bis8Monate gelegen haben. Er war etwa 40 bis S0 Jahre alt, 1,7S Meter groß und trug schwarzen steifen Hut, schwarzen Paletot mit Samttragen, schwarzes Cheviotjackett und Weste, gestreifte Hose, schwarzen Schlips mit gelben Streifen und schwarze Schuhe. In seinen Taschen fand man nur»in Mesier mit Hirschhornschale» aber weder Geld noch Answeis- papier«._ Die Auiokaiastrophe im Osten. Ein unsicherer Herrenfahrer ohne Führerschein. Die Autokalastroph« aus der Thaussee von hohen- schönhausen nach Alt-Landsberg wurde zur Klärung der Schuldsrage von der Kriminalpolizei untersucht. Es wurde festgestellt, daß der Führer des Personenwagens, der Handelsvertreter Walter Haertel aus der Thaerstrahe, seinen Wagen er st kürzlich erworben hat. Am Mittwoch unternahm Haertel eine Probefahrt, auf der ihn sein Wert- meister begleitete. In mäßigem 30- beiter find, im Eegrrfatz zu den Anhängern der extremen Parteien keine romantischen Fcuerköpfe, sondern klardenkende Menschen, Sfe von einem einheitlichen Willen beseelt sind und im gegebenen Mo- ment zu handeln wissen. Das fft der beste Schutz der Republik, die NiederfchZogung des Kapp-Putfches hat es treffend bewiesen. Zum Schluß äußerte sich Genosse Heinig zu dem Gespenst der Rückkehr des ehemaligen Kaisers: Wilhelm ist heute politisch machtlos: sollte er bei einer Rückkehr irgendwelche politischen Machtvcrsuche unternehmen, so würde er eine Front gegen sich finden, die von der äußersten Linken bis weit hinein in die Rechten reicht. Denn Hugenbcrg und andere haben selber Diktaturgclüste. Die aber werden die sozialistischen Massen in Schach zu halten wissen. Der Kreis Mltte der Part« hielt feine Versammlung gestern abend im Hackeschen Hof ab. Der große Saal war b i s auf den letzten Platz besetzt. Mit großer Spannung folgte die Versammlung dem Referenten, Landtagsabgeordneten Genossen Meier. Temperamentvoll begann der Referent feine Ausführun- gen mit einem Appell an die Partei, alle Kraft zusormncnzuraffen, um die Reaktion, die durch den Fall des Republikfchutzgesctzes neue Hossnung hegt, niederzuhalten. Das Rcpublikfchutzgesetz ist ge- fallen, weil kleinliche Spießer ihre eigenen P a r t e i i nt« r e s s e n für wichtiger hielten als das Staatsinteresse. Roch läuft das Schuhgesetz und schon wird die Reaktion von Tag zu Tag frecher. Das zeigen besonders die randalierenden Studenten. Der Reichsinnenminister hat angekündigt, daß er ein Gesetz ein- bringen wird, das die Paragraphen des Strafgesetzbuches, die den Schutz der Republik betreffen, recht bald in Kraft fetzt. Die deutsche Sozialdemokratie hat im letzten Wahlkampf gewinnen können, weil sie der reaktionären Regierung des Reichs die Preußenregierung gegenüberstellen konnte. Die Reaktion war nicht so sehr darüber erschüttert, daß 22 Kronen in den Staub rollten, als daß sie die preußische Polizei, den Hort der Reaktion verlor. Die Sozial- demokratie hat in der Preußenregierung erfolgreicher kämpfen können als in der Reichsregierung. In seinen SchlnßausMrungen legte Genosse Meier die Grün de für und gegen das Kon- k o r d a t noch einmal dar und skizzierte die Stellung der Berliner Landtagsabgeordneten. Mit einem anfeuernden Appell, gegen die Reaktion all« Kräfte zu mobilisieren, schloß er seine Ausführnngen unter stürmischem Beifall. Die Versammlung schloß nach einer Aussprache mit der Annahme der Entschließung. Gowjeigroßflugzeug in Nerlin. Gestern nachmittag traf auf dem Flughafen Tempelhof das auf einem Europarundfluq befindliche dreimotonge Großflugzeug„Flügel des Sowjet" unter Führung des bekannten Piloten Gromoff ein. Zum Empfang hatten sich der russische Botschoiter K r e st i n s k i, der russische Pressechef Stern, Geheimrat Fischer vom Verkehrs- Ministerium, Konsul S ch u l z- S p o n h o l z vom Zluswärtigen Amt, der Vorstand der Lufthansa sowie der Deruluft und Vertreter der Presse eingesunden. Das Flugzeug, das glatt landete, hat dieselbe Spannweite(26 Meter) und das Aussehen unseres R o h r b o ch- Roland. Außer seinen drei Mowren a 230 OS ist es r e i n r u s- s i s ch c s Fabrikat und eine Konstruktion des früher bei den Iunksrs-Wcrken in Moskau tätigen Ingenieurs Tupoleff. Es ist ein Ganzmetoll-Hochdecker und aus demselben Material wie die Junkers-FUlgzeuge bergest:llt und hat außer Führer und Monteur 9 Sitzplätze. Seine Stundengeschwindigkeit beträgt im Durchschnitt 170 Kilometer. De: Flug, der pchorlich al» Werdesluq für dio Sowjetverkechrsstiegerei gedacht ist, wird in zwei Tagen über Paris, Wien und Warschau sortgesetzt. Em Herr mit Famen F...7 (St benutzt den Lehrstuhl zu seltsamen Semerkungeu. Der Professor an der Berliner Universttät Dr. Gustav Zt., Z führte m seiner Vorlesung über„Althochdeutsch* am Freitag, dem 5. Juli, von 9—10 Uhr, folgendes aus: „In der erfreulicherwms« von Ihnen abgehaltene« Protest- Versammlung haben Sic est:« Entschließung gefaßt, die wir all« begrüßen. Es ist unglaubstä), daß man der deutsche» Wissenschaft. die mehr als jeder andere zur Stellungnahme berufen ist, den Mund verbieten will. Aus feinen, wahren Gefühl herouö muß jeder Deutsche dagegen Front machen, aus logischen Grüuden ist jeder Mensch dazu verpflichtet. Jenn was ist dieses Verbot anderes als eins unwürdige Verbeugung x>or dem feindlichen Ausland, was anderes als«in Ausfluß häßlichen Partcihaders?... Es ist genau umgekehrt als jener He-r mit dem unaussprech- lichen polnischen Namen vor einigen Wochen(hier ist offenbar auf die Rede des preußische,, Innenministers beim Wart- burgfest der Republik angespielt) behauptet hat.* Da der Professor über„Althochdeutsch* doziert, kann er einen Namen mit polnischem Klang natürlich sehr schwer behalten. Vielleicht hat er sich aber doch beispielsweise den Namen des Stahl- helinführers der 5)aßbotschast aon Fürstenwakde. des Rittmeisters von M o z o f o w i c z, nach angestrengten Gedächtnisübungen ein» prägen können. Wir wissen übrigens nicht, ob der Professor Na ck« l, Neckcl, Nickel. Rockel oder Nuckel heißt. Er ist m, all, gemeinen unbekannt, die Schreibmaschine hat bei der lieber- mitllung etwas gestottert, und es fejsien uns Zeit und Lust, im Dozenten°Vcrzeick)nis der Berliner Universität nachzusehen. Ems wissen wir aber: Wenn von dem Professor nnt dem Anfangsbuch. staben R. niemand mehr spricht. Wird der preußisch« Innen- minister mit dem unaussprechlichen Namen»Grzefinski� bestimmt noch nicht vergessen sein! Zum Fall: Rektor His. 25. Zum und 11. August. Die Berliner republikanischen Studenten vaten st» einem Schreiben an den Rektor der Universität darum, ihnen zu einer am 10. oder 11. August zu veranstaltenden Verfassungsfeier, bei der ein Universitätsprofessor sprechen sollte, den Lorhos zur Verfügung zu stellen. Daraufhin ist unter dem S. Juk 1929 folge,»- der Bescheid vom Rektor zugegangen: Ich seh« mich zu meinem Bedauern nicht in der Lage. Ihrem Antrag aus Genehmigung zur Veranstaltung einer Versassungs- ieier am 10. oder 11. August d. I. im Borhose der Universuät stattzugeben, da es nicht den Gepflogenheiten der Universität entspricht, in ihren Räumen derartige voi» einer Gruppe veranstalleten Feiern zuzulassen. Bei der augenblicklichen Zuspitzung der Lage würde eine solche Feier nur eine Verschärfung der Gegensätze innerhalb der Studierenden zur Folge haben. Schon aus diesem Grund« halre ich die Veranstaltung der beabsichtigten Feier aus dem Gelände der Universität für nicht angängig. Der Rektor, gez. His. Es fei hierzu noch bemerkt, daß es sich hierbei um denselben Vorhof der Universität handelt, auf dem am 28. JuNi d. I die völkischen Studenten unter Duldung der Umvcrsitätsdehörde und Händedruck des Rektors demonstrieren durften. Schweres Grubenunglück in England. « Tote und 10 Schwee oerletzte. - eondon. tft. Juli. In der Milfracn-Grube in Blocnavon in der Grafschaft Man. mouthfhire ereignete sich am Mittwoch mittag ein schwere, Explosionsunglück. Die Rettungsarbesten, die sofort i« Angriff genommen wurden, waren durch die Entwicklung von Gift. gasen außerordentlich erschwert. Erst nach stundenlangen An-, strengungen gelang es, sechs Tote zu bergen, �ehn Berg, a r b e i t e r haben schwere Brandwunden davongetrage,,. einer davon ist lebensgefährlich verletzt. Zwei Bergleute werden noch vermißt. Die Rettungsmannschaften mußten verschiedene Male zurückgezogen werden, da neben der Entwicklung von Giftgasen ständig Einstürze im Schacht erfolgtem Zur Zeit der Explosion arbeiteten etwa 60 Mann inder Grube. Dia Ursache der Explosion sieht noch nicht fest. Schwedische Genossen auf der Durchreife. Am Mittwoch morgen trafen auf dem Stettiner Bahnhof 3 4 0 schwedische Genossen ein. um noch kurzem Ausenthalt in Berlin zum Zweiten Internationalen Sozialisti, [che Jugendtreffen in Wien weiterzusahren. Der „Reichsausschuß für sozialistische Bilduogsarbeit* bereitete den fremden Genossen einen herzlichen Empfang. Nach dem allgemeinen Frühstück wurde mit zehn großen„BVG.*,2Vcgen eine Stund« fahrt durch Berlin unternommen. Die Organisation lag in den Händen der Sozialistischen Arbeiterjugend, die auch die Autobusführer stellt«. Genosse Dietrich sprach Wort, der Begrüßung. Er betonte das sichtbare Emporsteigen Berlins zu einer sozialistischen Stadt wie«s Wien schon ist. Ein schwedischer Genosse übersetzte die kurz« Ansprache, die lebhaften Beifall fpnd. Im allgemeinen stammten die Genossen aus den Städten und waren darum entsprechend gekleidet. Nicht einer hatte Wander- kleidung an: sie alle repräsentierten den uns Deutschen wohlbekannten sympathischen nordischen Charaktertyp des hilfsbereiten, dabei aber vornehm zurückhaltenden Weltmannes. Besonders die Skandinavier sind ja schon lange praktisch mternational durch Beziehungen zur ganzen Welt. Nur wenige schwedische Genossinnen beteiligten sich an der Fahrt. Unser« Berliner Genossen werden heute nacht und morgen einig« Eisenbahnzüge nach Wien senden. Bestimmt wird das dies- jährige Treffen in Wien einen weiteren Schritt auf dem Vormarsch des Sozialismus bedeuten. Oer„pdthfmder� in"Horn. Rom, 10. lust. Das Flugzeug„Pakhfinder* ist um 2134 Uhr st» Rom unter dem Zubcl einer großen Menschenmenge gelandet. vimwten die w-andervolle goldklare Haarwaschseife für jedes Haar, auch als Shampoon 3 LT Sievsris Uuchi in die Krankheii. Oer Schluß Der Rewewaufnahme im Fälscherprozeß. Der jähe Absckiluß der Beweisaufnahme im Do- knmenienfälfcherprozeh kam völlig unerwartet. Zu die Hochspannung des Gerichtssaales schlug Sieverts Erklärung wie eine Bombe ein. Weshalb war er nicht erschienen? Sollte man an seine Krankheit glauben, oder war sie nur eingebildet? Hatte er etwa Ursach« zu befürchten, in der Verhcmdtung der U n- Wahrheit geziehen zu werden? Allerdings mußte für die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen seiner Gegenüberstellung mit dem Rcgierungsrot Bartels und dem Russen G u m a n s k i enischei- deiröe Bedeutung zukommen. Dieser soll aus Grund von Sieverts Denunziation im Zusammenhang mit diesem Fälscherprozeß ver- haftet worden sein. Man sah es diesem Russen an, daß die plötzliche Erkrankung Sieverts ihm eine arge Enttäuschung brachte. Bier Tage lang harrte er mit seiner Aktenmappe unter dem Arm des Augenblickes, da er seinem Feinde gegenüber- stehen würde. Jtodf interessanker hatte sich da? Zniammenkressen des Re- gierungsrals Bartels mit Sievert gestattet. Die Aussag« dieses Vertrauensmannes des Reichskomnnssanots für öffentliche Oiforamg mußte für den früheren Mitarbeiter des preußischen Staatskommissoriats äußerst peinlich gewesen sein. Sievert hatte erzählt: Als ich gewisse Beziehungen zur Grenzpolizei abgebrochen hatte, die später vom Staatskommissarint übernommen wurden, hörte ich durch Zufall, daß Regierungsrot Bartels mich ausweisen will. Ich suchte ihn auf und er sagte mir:«Jawohl. Ihre Freundschaft zum Reichskommiisariot wird Ihnen nicht helfen. Preußen weist Sie aus." Ich er- widerte dem Regierungsrat:«Ich weiß, wer dahinter steckt. Es ist der Direktor der Grenzpolizei. Er ist gegen mich, weil ichmich geweigert habe, seinem Wunsche gemäß gegen Sie und Weißmann Material zu sammeln." Man hätte von Bartels gehört, was an der Sache wa h r ist. Auch die Kriminalkommissare Dr. Braschwitz und Dr. Heller hätten über die Persönlichkett Sieverts einige Auf- schlüsse geben können. Falsch wäre, zu glauben, daß die weitere Vernehmung des Zeugen etwas mehr Licht rn das verwirrende Dunkel des Räch- richtendien st es hineingetrogen hätte. Don öffeittlichem Inter- csss wäre es aber, über den ehemaligen Gewährsmann des Reichg- kommissariats mehr Klarheit z» erhalten. Soviel stand jedoch bereits nach der Aussage des Zeugen Mühleisen fest: Sieverts Lelchkfertigkeil in der Enlgegeanahme von Dokumenten grenzt an fchuldhafte Fahrlässigkeit. Der Wunsch, den Behörden unter allen Umständen z« dienen, ncranlaßte ihn. wahllos zu übermitteln, was ihm geliesert ivurde. Hätte da» Gericht gestern aus Sieverts Erscheinen be- standen, so hätte man ihn bestimmt noch zu hören bekommen. Für die Anklage ist es schließlich ohne Belang, ob der Beweis für den Betrug im Falle Sievert erbracht ist. Es bleibt immer noch der versuchte Betrug im Falle Knickerbocker. Hier hatte Orlow die Dokument« gefälscht, und Pawlonowski hat ihm dabei assistiert. Mau darf auf das Urteil gejpannt fein,.„ v* Wie Ll-Voot H 41 versank. Letzte Versuche, die Mensche« zu retten. � London. 10. ZulL Ueber die Einzekhelken des Zusammenstoßes der beide« Unter. s-eboolc liege« noch wenig Angaben vor. Alan ist der Auf- sassuuq, daß da» Uaterseeboot kl 47 ein Leck erhielt und voll Wasser lief, bevor es der Befaßung gelang, zu entkommen oder sich retten zu lasscu. Das Unterseeboot Ii 12 fft durch den Zusammenstoß nicht beschädigt worden. Der Zerstörer„Vioian" und das Schlachtschiss „Rodncy" sind ebenfalls an die Unglücksstelle abgegangen. Von diesen beiden Schiffen aus sollen die T au ch o p c r a t i o n e n vor- genommen werden. Gestern abend wurde bekannt, daß auch vier Minensucher abgedampft sind, um die Position des gesunkenen Unterseeboots festzustellen. Ihre Arbeit soll durch Teile der Unter- sceboot-Abwehr-Flottill« und durch Flugzeuge unterstützt werden. Ferner ist ein Tauch er pro hm mit eigener Moschinen- krast auf dem Wege nach der Unglücksstcllc, er hat Spezialrcttungs- gerät an Dord. �„ Keine Aniwork... London, 10. Juli. Tag Unterseeboot L 96 hat heute an der Stelle, wo kl 47 gesunken ist, getaucht, um den Versuch zu macheu. durch Schallzeichen eine Verständigung mit der eingeschlossenen Besahung deS gesunkenen Bootes her- zustellen. Das Boot erhielt jedoch keine Antwort. Vor einem Wetierumschlag? Das Barometer ist seit kurzem in anhaltendem Steigen begriffen. Hinter dem verschwindenden.tief von Südwesteuropa erfolgt ein neuer Borstoß des Azoren-Maxmnnns, der auf kommendes schönes Sommerwettcr schließen läßt. Am stärksten hat sich die Tempcratursteigerung bisher in Frank- reich, Holland und Südengland ausgewirkt. Die Neugliederung im Westen. Llmgemeindungsgefeh in dritter Lesung angenommen. Der preußische Landtag erledigte am Mistwoch, dem 1k>. Juli, zunächst einige kleine Borlagen und nahm darauf ohne Aus- lprache in dritter Lesung den Gesetzentwurf über Verlängerung und Aenderung desPolizeikostengesetzes und den Entwurf eines Polizeikostengesetzes an. Hierauf folgt die Z.Lefung ösöGeseheniwurfsüber die Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets. Die Abstimmung ergibt im wesentlichen die unveränderte Annahme der einzelnen Paragraphen noch den Be- schlüssen der zweiten Lesung. Die Vereim gung von Rheydt mit M.- G l a d b a ch, die in der zweiten Lesung nicht angenommen wurde, wird ebenfalls beschlossen. Nach Beendigung der Einzelberatting gibt Abg. Dr. von kries(Dnat.) eine Erklärung ab, aus der hervor- geht, daß die schweren Bedenken seiner Fraktion gegen die Vorlage noch durch die zweite und dritte Lesung verstärkt worden sind. Es fei eine ganz einseitige Großstadtpolitik getrieben worden, die durchaus im Zuge kommunistischer Kommunalpolitik liege.(Heiterkeit.) Es sei eine Politik der Bergewaltigung, die seine Fraktion unter keinen Umständen mitmachen könne. Di« Bor- läge hebe das Selbstverwaltungsrechi auf und seine Freunde werden sie deshalb einstimmig ablehnen. Der Entwurf, der o e r f a s s u n g s< ändernd sei, gebrauche zur Annahme eine Zweidrittelmehrheit. (Widerspruch.) Auch könne der Landtag in seiner heutigen Zu- sammensetzung, d. h. vor dem Urteil des Staatsgerichtshofes, über ein solch weittragendes Gesetz nicht entscheiden. Abg. von Eyncrn(D. Bp.) betont, daß an der unendlichen Mühe und Arbeit, die die Borlage gemacht habe, auch die OppositXons- Parteien ihren Anteil hätten. Dennoch hätte niemand ein Gefühl der Befriedigung, denn nicht im entferntesten seien olle berechtigten Wünsche erfüllt worden. Bei einzelnen Regierungsparteien sei aber sicher nicht vam sachlichen Gesichtspunkt aus gearbeitet worden. Seine Fraktion sehe auch in der Vorlage eine VerletzungdesSelbst- verwaltungsrechts und werde deshalb in der Schlußab- stimmung nicht zustimmen. Abg. Dr. Rohde(Wirtsch. P.) lehnt die Vorlage ebenfalls Ob, Abg. Haas-Köln(Goz): Wir sind nicht verwundert über die Erklärung der Deutfchnatto- nalen und der Vollspartei. Aber es ist erstaunlich, daß sie für ihre Fraktionen den einmütigen Entschluß, dagegen zu stimmen, zum Ausdruck brachten, weil sie sich damit in krassen Widerspruch zu den Fraktionsmitgliedern gestellt haben, die im Ausschuß eifrig mit- gearbeitet und als interessierte Mitglieder gestimmt haben. Herr von Eynern hat allerdings nur eine negierende Politik getrieben. Die Vorlage als einen Erfolg kommunistischer Kommunalpolittk zu bezeichnen, ist unsinnig. Sie ist lediglich das Ergebnis der Tut- Wicklung im Ruhrgebiet. Ob die Lösung jedem gefällt, ist eine Sache für sich. Jedenfalls haben wir alle das beste gewollt. Das Gesetz ist nicht verfassungsändernd und bedarf deshalb auch keiner Zweidrittelmehrheit zur Annahme. Die Erklärungen der Oppositionsparteien haben nur den einen Zweck: sie sollen lediglich Parteiagitatorische Wirkungen auslösen.(Sehr wahr! bei den Regierungsparteien.) Abg. Baumhosf(Z.) ist ebenfalls der Meinung, daß die Er» tlärungen der Opposition trotz der feierlichen Aufmachung keinen tiefen Eindruck hinterlassen. Auch dos Zeittrum habe schwerste Be- denken gegen verschiedene Teile des Gesetzes. Aber es werde sin- mütig zustimmen, weil ein Scheitern der Vorlage die oöllig« tom< munalpolitische Anarchie im Industriegebiet bedeuten würde. Die Abgg. Pohl(D. Fraktion) und Svbottka(Komm.) erklären die ablehnende Stellung ihrer Fraktionen. Nunmehr schlägt Abg. Lüdicke(Dnat.) vor, die Abstimmung erst am Donnerstag vorzunehmen.(Die Rechtsparteien hatten offenbar. nicht alle Mitglieder im Hause!) Der Antrag wird abgelehnt. In der nun folgenden Sch l u st allst i in in u ng, die nament» lich ist, wird die Vorlag- unter großem Beifall der Ne» gierungspartcien mit 210 gegen 169 Stimme» attge- norntnen. Präsident Bartels spricht hierauf denjenigen Mitgliedern des Hauses, die an der Vorlage mitgearbeitet haben, den Dank aus. Es sei schwierig gewesen, dieses große und viel umstrittene Gesetzeswerk zu Ende zu bringen. Sicher seien nicht alle Wünsche der beteiligten Kreise erfüllt worden, er hoffe aber, daß das Gesetz dem Industrie- gebiet ein weiteres Aufblühen bringen werde. Innenminister Grzesinski: Ich will mich darauf beschränken, mich dem Dank des Herrn Präsidenten anzuschließen, möchte ihn ober ausdehnen auch auf olle diejenigen, die außerhalb des Hauses an dem Gesetz mitgearbeitet haben. Die Regierung hat sich bei der Vorlage nur von allgemeinen staatspolitischen Gesichtspunkten leiten lassen. Es ist erfreulich, daß sich der Landtag im großen und ganzen auf den Standpunkt der Staatsrcgicrung gestellt l)at. Ich hoffe, daß das umgemcindete Ge- biet in seinem neuen komnnmalpalitischen Rahmen mit Hilf« der Selbstverwaltung auch fernerhin segensreiche Ausbauarbeit für das ganze Vaterland leisten muß.(Beifall bei den Regierungsparteien.) hieraus wird in einfacher Abstimmung auch das Einsührungs- gejeh zum llmgemeindungsgefeh angenommen. Das Haus erledigt hierauf noch eine Reihe von mündlichen Be- richten des Ausschusses für Beamtensragen und vertagt sich hierauf auf Donnerstag, den 11. Juli, 10 Uhr. Tagesordnung: Abstimmungen über die eingebrachten Mißtrauensvoten. 4H00 Zentner Teeröl ausgelaufen. Oelüberfchwemmung im Emdener Hafen. Emden. 10. Juki. . Ein O e lt a n k der Rütgers-Werke A.-G. in der aus zwei Tanks bestehenden Anlage auf der Westmole ist Dienstag nach- mittag durch Bruch des Ventilstutzens plötzlich leck geworden und sein InHall von insgesamt.4600 Zentnern Tee röl, der unter dem gewaltigen Druck ttn einem riesigen Strahl herausschoß, drohte die Wasseroberfläche des Hafens mit der gefährlichen entzündlichen Flüssigkeit zu bedecken, was zu einer unabsehbaren Katastrophe führen konnte. Hafenpolizei und Wasscrbauamt wurden sofort alarmiert und der Rcgierungs- dampfer Emshörn wurde mit einer zur Ausnahm« des Oels be- stimmten Schute im Schlepptau an die Unfallstelle entsandt. Da die Schute sich aber zur Aufnahme der immer stärker hervor- quellenden Oelmengen als unzureichend erwies, sah man sich genötigt, das Oel auf freies Gelände abzuleiten. Bis spät in die Nacht hinein war es noch nicht gelungen, den Oclstrom abzudämmen. � Orkanfchaden in der Tschechsslowakei. Fünf Todesopfer.- Millionen an Sachschaden. Prag, 10. Zuli.(Sonderbericht.) Die Stärke des Sturmes, der im ganzen Gebiet der Republik herrschte, wurde von der Prager meteorologischen Station mit 100 Kilometer in der Stunde angegeben, was einen Druck von 65 Kilogramm auf den Quadratmeter darstellt. 3n Pardubitz | und Umgebung wurde durch das Unwetter ein mehrere Mil- lioncn Kronen betragender Schaden angerichtet. Aus dem Bezirk Pardubitz allein werden fünf Todesopfer ge- meldet; zwei Personen wurden durch Berühren herabgeschlagener Drähte der elektrischen Leitung und eine Person durch ein herabstürzendes Dach getötet: aus dem Bahnhof wurde ein Reisender beim Aussteigen aus dem Zuge vom wind unler die Röder ge- morsen und überfahren. 3n Plößnitz(Blähren) deckte der Sturm dos Doch des Gymnasiums ab. riß das Gerüst eines Reubaues ein und beschädigte auch diesen selbst. Zu der benachbarten Ortschaft Ehrosin riß der Sturm den 30 Meter hohen Kirchturm um. der im Fall das Dach der Kirch« durchschlug, so daß diese ge- schlössen werden mußte. Aus einem nahen Hügel wurde eine alle Windmühle weggefegt Ans dem Friedhos des Vorfes wurden Marmorgrabsteine umgeworfen, wobei sie die Veto«. decke der ausgemauerten Gräber durchschlüge», in die offenen Gräber stürzte« und die Särge zertrümmerten. Auch in der Gemeinde Smrciee deckte der Sturm die Kirche ab und trug das Dach fünf Meter weil auf die vorfstraße. Die Straßen des Protzniher Bezirks eullang hat da» Unwetter Taufende von Bäumen, darunter zwei 106 bzw. 1S0 Zahre alte Riesenbäume, entwurzelt. Vootsunglück bei Koserow? Ein Segelboot mit fünf Badegästen verschollen. Swinemünde. 10. ZuN. Aus dem vstfeebad Koserow kommt eine Meldung, die auf ein schweres Voatsunglück schließen läßt. Am letzte» SoNtttag früh fuhr ei« Badegast, der Kaufmann Menne aus Berlin, mit zwei Damen und zwei Herren in einem kleinen Segelboot, ohne Wissen des Eigentümers, des Gastwirtes Schlechter vom holet«Seeblick", von Koserow aus in See. Das Ziel der Fahrt sollte Rügen sein. Die Abfahrt erfolgte bei schönstem Wetter. Das Boot mit den fünf Insassen ist seitdem verschollen. Eckhausdachstuhl i» Alamme«. Durch ein Großseuer wurde gestern in den späten Mittagsstunden der D a ch st u h l des Eckhauses Kösener Str. 12 in Schmargendorf zerstört. Die Feuerwehr hatte annähernd sechs Stunden mit den Lösch- und Aufräumuno-arbeiten zu hin. Sechs Schlauchleitungen stärksten Kalibers und zwei mechaniich« Leitern mußten zur Bekämpfung des Großfeuers eingesetzt wer- den. Der Feuer- und Wasserschaden ist sehr hoch Die Entstehungsurfach« konnte noch nicht ermittelt wenden, Ein bestätigtes Urteil. Die Berufungsverhandlung vor d«? Großen Strafkammer des Landesgerichts I gegen den Hauptschrist. leiter des.Tag", Freiherrn v. M e d e n und den S6)riftlette? F l e m m i n g, wegen Beleidigung des Ministerpräsidenten Braun endete noch zweitägiger Verhandlung mit einer V er, w e r f u n g sämtlicher Berufungen. Das Schöffengericht hatte auf 600 bzw. 500 M. Geldstrafe erkannt gehabt� Seitens der Staats- anwallschaft war eine Erhöhung der Strafen auf 1000 und 500 M. beantragt worden, während die Rechtsanwälte Watter Bahn und Dr. Ehlers Freisprechung verlangten. werden alle für den Winter eingemaditen FräSte sidtcr gesdiüizi, wenn man su mit Dr. Octkcr's Einmachc-Hülfe einmacht Es ist das einfadisie, billigste und trotzdem ausgezeidineie Verfahren.- i Päckchen von Dr. Oetker's Einmadie-Hülfe für 7 Pfg. genügt, um 10 Pfund eingemadite Früchte, Gelee, Marmelade, Fruchtsäfte, Gurken USW. hallbar ZU machen, GebtaBths-AtweSamtg tu Jedem Päckchen ou/gedrudct Dr. August Oetker, Bielefel Dt. 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Und wo liegt die Grenze für den Begriff„Schmutz und Schund"? Frau Bohm-Schuch betonte, daß es viel zweck- mäßiger und einfacher gewäsen wäre, der Jugend in ihren Organ»- sationen die Zensierung der Schriften zu überlassen und ihr nur die gesetzliche Vollmacht zur Aufstellung von„schwarzen Listen" zu geben. Im übrigen seien gesunde Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten der best« Schutz der Jugend gegen die Berührung mit Schmutz und Schund in jeder Form.— DI« Abendunterhaltung war recht kurz- weilig. Bor dem Mikrophon bewährte Künstler und Kunstgemein- sihaft«n hatten sich mit einem abwechslungsreichen Programm zu- sainmengesunden: die beiden Jazzers, der Atkordionvirtuose Arthur Marsttowsky, der ausgezeichnet musizierende Zitherklub 1897, Neukölln, Iren« de Nolret, die unheimlich vielsprachige Sopranistin, sang anmutig Dottslieder der verschiedensten Länder. T«a. Wgs SozsalistischeArbeiterjugendGr.-Verlin Rtmktmgan für bltf« Jtnbrt» nur«a M 3u«eTib(efr«Url tzriebrichshaiu.©t« sslugblöttcr stnd sofort dvn tm«ameradschaftsfllhrern bei«am, tob LSwenberg, Blumen str. 61, abzuholen. ___ Berlin für Einhritsknrzfchrlft. Uebung in allen Geschwindigkeiien sehen ffreiiag o»n 20--S2 Uhr tm französischen Gnmnastum, Reichstagsufer 6. am Reichstogsgebäude. und jeden Dienstag von 20—22 Uhr im Sdnilhavst Utrechter Str. 30—31(am Wedding). Snfängerkurse sowie Aufnahme neuer Mitglieder zu feder steit. Auskunft erteilt Fritz Plaufchinn. Berlin. stehlen. dorf, Daldemarstr. S. Des Rännrrchor.Berliner Liederfrennde" E. B.(MdDAS.) veronstaliet am Sonnodend. dem 18. Juli, 20 Uhr, in Tegel, Frei« Scholle(Lilienthalhof), ein Freiluftkonzert._ Sport. Reuven zu Grunewald am Mittwoch, dem 10. Juli. 1. Amadeus(Torke), 2. Dirichau, 3. GrasenIieKe. Ferner lirsen: Faseist, Rundsitnk, 1. Rennen. Toto: 18:10. Platz! 18. IS. 13:10. Heideland, SUmene, Vercingtorix, Greisenkrone, Soda. st. Rennen. 1. Ozema sv. Hoiiel), st. Szakan. Z. Ardoritin. Toto: 17: 10. Platz: Ist, 13: 10. Ferner Nesen: Bea. Diomant. 3. Rennen. 1. Verena(Vöhlke), 2. Avitus, 3. Fernländer. Toto: 20: 10. Platz: 18. 14, 43: IG Ferner liefen: Scipio, Rosenquarz. Conkurent, Gero, Fürstenbrauch. 4. R k N n e n. 1. Anton(K. Thiel), 2. Lord val, 3. Bell«. Toto: 27: 10. Platz: 14, 30, 18:10. Ferner Uesen: Gold. Frieden, ManneSlreue, Nootllero, Kill. ».Rennen. 1. Vigor sv. Metzich), 3. Immelmann. 3. Myron. Toto: 20:10. Platz: 16. 33:10. Ferner Uesen: Arber, Oberjäger. S. R e n n» N. 1. Kopia(K. EorSIer), 2. Posten, 2. Ecklagbaum- Toto: SZ: 10. Platz: 25.73, 22:10. Ferner liefen: Dmf, Shaiimar, MithridateS, Zarentrone, Poppenberg, Mossuk. 7. Rennen. 1. RemuS(Huguenw), 2. Eldon, 3. Bordes Bruder. Toto: SS: 10. Platz: 28, 23. 32:10. Ferner Uesen: Goldwächler, Eis- läuser. Bernhard, Emphelung, Windspiel, TaSna. Beluga, Immortelle, Felsenspitze. . Treptow. unseren befltnDa'hr sstr die Gratulationen zu unserer Silderhochz«». Karl Vierorr n. Fron,' B- ermannstr. 5. Allen Verwandten und Freunden die traurige Nachricht, daß unser Sohn Und Bruder Otto Helm infoige eine« Unglücksfalle« am Dien«- tag. dem». Juli, abend», gestorben ist. Um stille« Beileid bitiet Karl Keim, nebst Frau und«»Ichmtfter. Sie Beerdigung wird»och bekannt- gegeben. Statt itartea. Nach langem schweren Leiben per- schied am Sonntag, de« 7. Juli, mein geliebter Mann und Boter. Bruder, Schwager und Onkel Wilhelm Schmidt im SI. Lebenesahre. In tiefer Trauer krnrna 5«i>mlcU, gel». Breddtn, Ulla.Schmidt, al« Tacht-r, nrhel allen Angehfirtgen. »etil«, den X Juli 1829. Prenzlauer Allee 40. Die Einäscherung findet a« Don- nersiog, de« N. Juli, abend« 7 Uhr, t« Krematorium Gerichtstratze statt Kranzspende»»erbeten. ff Theater, Lichtspiele usw. Donnerst, II. 7. staafs-ßper Unter d. Linden A.-V. 175 1»", Uhr Staais-Ogir Am Pl.d.Repubi. A.-V. 21 20 Uhr Der MM MM Donnerst, II. 7. Staat. Oper Slimarckstr. aefehiossen Stsatl.Stliaiisph. am Kcadsrntenmarlrt CEitiliGSJSü! Staat!. Sehiiler-Iheater.Cbarltb. Geschiossen. Scjitl 8 Uhr Barb. 6256 I nw Hwn ch Ma, Bartrett« niw. | Tägl. 8 u.»II boiwl. 2. 5 u»1° _ Alan.£066 INTERNAT. VARIETE Rose- Theater, Orotzc Frankinrier Str. 132. OroOae« Kc»s«na«*d Beginn 4 Uhr Tau las Freien, Fenervcrk new. 8,15 Uhr; QrSfln Marlxa Große Operette von Kilman 1» laacatkeater: TigUch 8.15 Uhr; „OLAF" Tragödie eines Sportlers 8888888888I8888>8888< Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 98, Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 Eaitiplel Gmlgl Beer. Bielel Lilien Operette von Franz Lehdr Dazu der große Vartetttell. Anfang Konzert 4J0. Burleske u. Varietß 0 um. llptreue 8.30. Itun Dtangnug graller Volksiag. jed. Mlttw. Kindeilni 0. Verlosuao 8888888888— 888888881 Relchshalien-Thealer AU abendlich[ä] Uhr Sleffiner Sänger nur noch bis 13. 7. .Ab 16. 7.: Gastspiel der ' Dresdner Vletoria-Sfinger □ Onhoff-Brettl: (Saal und Garten) Vartctd t Konzert 1 Tanz Adall-Beckef-Orchester voutsbume rheitflr iDBilöPilati 8'/i Uhr sarlin, wie es weint u. lacht Theater am Sdiltibauenlainm. Norden 1141 u. 281 8«/i Uhr dr upy/'luiitfcr Sdbmaspielcr Rcvülle Im ErzleöunQsllaos (Draitianniiias- besetzung) Partei-und Oewerk- schaftsmitgl. gegen VorzeigungdesMit- glledsl gungdes buche« 4 Mark stau und 4 Mark nur 1 Mark WM Tbeatti v.l. Norden 12310 8U, Cndt gegen 11 Die Fledengaos Musik v.loh.StrauB. Regie; Max Reinhardt. Musik. Einrichtung und Leitung E. W. Korngold. Ausstatt«. U Keiner Die Komödie j I Bismclc.241 4/7516 S'/i, Ende geg. IO'/sU- Reporter 3 Akts v. Ben Hscht und Mac Arthur Regie: Helm HUpeN. Tllcal. 0. Westens Täglich 8>/< Uhr Sonntag i'h u. fi'/i Franz Lthars Welierlolg! FriedcrtRe Carola,' Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Bamowskr lohnen Theatsr in dst Kilnlggrätzer Straß« Bergmann 2110 Täglich 8V« Uhr Letzte 3 Aufführungen Riva I en Komhdianhaus Norden 6304 Täglich 8"/» Uhr üodizeitireise Sommerpreise| Lastspielhaus Täglich«Vi Uhr Revolntion bei Stern's Rundfunkhörer halbe Preise. zur Miete W50, Ansbachers tr.I Palent-Mairatzen und Ruhcbelten mit Belema- Federung Sind geräuschlos und liegen sich nicht ein. 20 j. Gar. Ueberau erhältlich. Ben. Ped«r»M«tr.-P«br. Koppenstr. 29. r-OrlginaMSeSenta— Heu! Drehbett. Ein Griff- ein Bett Deutsches Reichtpatent 458204 mit doppelseitig~" V-TPdV Netropoi-TD. Tägl. 8'/. Uhr Sonntags 3'Jt u. S'/i Blaubartf Operette von Offenbach Kammersänger Leo Sleiah Theal.am KolUi.Tor Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Ente- Sänger Neues Pronramm I Ab 17.-31. 7. Gastspiel der 0 Original icipzleer friu-ffeber-SSoDer Planetariuni am Zoo- VirllBj. loiblBlfliil» Sinti B.S Barbarossa 5578. IfiVi Uhr Sternbilder des Sommars 1SV« Uhr Oer QIctbiN der Senne 20'/, U. Von Pol zePol am Sternenhlram«! Tägl. außer Montags u. Mitriv. Erwach«. 1 Mk, Kinder 50 Pt Mittw.: Erwachsene 50 PI., Kinder 25 Pf. ■fHoipelsmaei hol n.MUisr Nur Qroß-Berlin AHexantierplatz. ENWERBEir W(ydiianl Süsshind 's Mi*-"y tz Apfelwein, süß..... JohfinnUbecrveteg sQt.»»» K i-WH- * Fefnsfe Desjcrt-Obstwcfnc» Itter 0.75 .___. 0.9« Kirschwein,«06 ia.»»>■„ LZ5 Enlieerwein,»llt. 1.45 » Edilc Südwcfne* Tnrragoca,«05........ Uter«.»« Griechen wein, ,05. rot.»,.. V90 Mnlaga dunkel.«05. UOO Intel tamo» gold,<05...>, 1.90 Tnsnno dunkel,»05...... 1.90 Wermulhwclr» Ia, fOr Krank«. 1.85 Douro Portwein, eztro(«In... X80 Pcpslnwcln. für Kranke.... 2,90 * Spirituosen» Agu&vflart Sportpelst 32% Ur. 175 H. 2.15 Idenlltkör..... 32%, 3.73 ,284 Wtkibrend V#rKftn.'~SteTn, 5.60, 2.60 Weih- and Rotweine Flasche von- 91 an Hehler wclfj-r Bordeaux,»05.. L45 *5/by* 5 VtSrwCnff uh�cHI p t l A? W WW TMM \ ; jM Ül Kostproben gratis! 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Ja, er war ein Teufelskerl, der Achmed! Früher hatten sie ihn als Lügner oerschrien, wenn er von Deutschland erzählle, aber jetzt glaubten sie ihm. Er hatte die Wahrheit gesprochen. Allah hatte ihn ausgezeichnet. Er könnt« sich ja mit einem fremden Mann in einer fremden, sonderbaren Sprache, di« wie das Schreien wilder Kamele klang, verständigen. Und dann sangen die Fischer. Sie sangen monotone Lieder mit endlosen Einzelstimmen, die dann in dunklen Chören erstarben. Ihr Führer Sultan Khanow spielte dazu auf einer kalmückischen Balaleika. Auch der Alte mit dem Silberbart stimmte ein Lied an. Er sang einen Heldengesong aus die tatarischen Khans der Goldenen Horde, die früher einmal Rußland beherrsch: hatte und an die Pforten Europas donnert«. Die armen Fischer fielen rauschend In den Gesang ein. Sie waren wieder die alten Helden. Immer noch schrie der Sturm. Di« Sonn« war schon lange untergegangen. In der Asche der freien Feuer lagen die wilden Hund«. Auch Besseiners Hund, der Hund Natascho, lag in der warmen Asche. Aber dann fiel Angst in sein Herz. Die Nacht war wie ein llrwetihund und heulte. Wo war der weiß« Gott mit der tröst- lichen Stimm«? Da erhob sich Natoscha und verließ seine Art und kroch in dos Zell. Er fand seinen Herrn, erhob die goldgrünen Inwelenaugen und war getröstet. Aber sein Herr war nicht auf dieser Welt. Er dachte, in seinem Herzen war Sturm, an die großen Fifchzüge, die überall gehen und nicht nur bei Astrachan an der unteren Wolga. Di« Tataren sangen immer noch und berauschten sich an jenen wilden Rillen, die damals die Welt erschütterten. Achmed löst« sich aus der singenden Roll«. Er kam zu Bessemer und fragte: „Teurer Gast, willst du kalmützki Tanz-sehen?" „Ja, ja, ich will kalmückischen Tanz sehen, Achmed!" Der Tatar ging zu seinem Führer, der die sechzig Mann als Fischer an die Wolga gebracht hotte, und besprach sich mit ihm. Dar Gesang erstarb. Sultan Khanow lächelt« und besprach sich mit cirtilm dicken, aufgeschwemmten Mann. Dann klatschte er in die harten Hände. Im Zell wurde es ganz still. Man hörte nur noch den Sturm heulen. Dann schoß aus der Ecke des Zeltes, aus der Dunkelheit, der aufgeschwemmte, dicke Tatar und stellte sich starr unter das Licht einer Lampe. Dann fügte er seine haltlosen Glieder zum kolmücki- scheu Tanz. Der Tanz war«ine Entlarvung und Verhöhnung. Di« Tataren haßten die Kalmücken. Auch dos wurde sichtbar. Ja, die Tataren waren einmal die Herren Rußlands gewesen, aber was waren die Kalmücken? Ein armes Helotenvolk, Nomaden der Steppe, ihre Hauptstadt war ein« russische Stadt, war Astrachan, und sie waren Fischer im Kaspischcn Meer, Fischräuber in der Wolga, See- hundjäger in den wüsten Lagunen. Der Tanz, den der Fremde zu sehen bekam, war ein vollkommen asiatischer Tanz. Der träge, feiste Tatar dreht« sich wie«in Kreisel, ließ sein« Hände wie wilde Schlangen wirbeln und erstarrte dann, wie auf ein geheimes Zeichen, in unheimlicher Ruh«. Der Tanz arijehe Scher war ein götzenhafter Tanz, und als der Tatar stM stand und nur die Füße leicht bewegte, sein Oberleib bei Buddha oder bei Allah war, in jenen starren Sekunden griff er blitzschnell hinter sich und hob seinen ganzen Körper in tollen, erotischen Bewegungen. Der Tänzer hob und senkte sich mit so schamlosen Gebärden, daß die neuen Tänze, die man jetzt in Europa zu sehen bekommt, weller nichts als die harmlosen Sonntagsspiele keuscher Iungsrouen sind. Dabei blieb das Gesicht des Tänzers steinern, als er seinen Leib auflöste und preisgab. Die tatarischen Fischer im Zelt Notfchten mit harten Händen Takt und Beifall. Und Sultan Khanow mit dem wilden Gesicht und der weißen Lammfellmütz« spielte dazu Balaleika. Grischko stammte aus Mirgvrod in der Ukraine. Di« große Hungersnot hott« ihn nach Moskau und von dort an die untere Wolga getrieben. Er hotte diesen Tanz mit brennenden Augen ge- sehen, und als der feiste Tatar«inen Augenblick ermattet anhielt, sprang er in den freien Kreis und begann mit einem ukrainischen Tanz. Seine Augen blitzen und die Füße stampften unruhig und zuckend die Erde. Dazu stieß er klein« Schrei« aus, wie es die jungen Pferd« hin, wenn si« im Frühling über die blühenden Wiesen jagen und springen Grischko, der kleine Mann aus der Ukraine, verschlagen in das tatarische Zelt bei Astrachan, war nun, als er tanzte, wie«in zuckendes Herz. Auf und ab, auf und ob ging fein Tanz, ein heiterer Wirbel mit wilden Schreien. Die Balaleika verstummte. Der Alt« strich sich bedachtsam seinen weißen Bart. Der feiste Tänzer stand neben Achmed und ließ seine schief- gestellten Augen funkeln. Sullan Khanow lachte. Die anderen Fischer waren ganz still und starr. Und Grischko tanzte immer noch und zeigte mit seinen Sprüngen, auf und ab, aus und ab, die groß« Klust zwischen den verachteten Kalmücken und den fröhlichen und stolzen Ukrainern. Mitten in seinem Tanz erschien der russische Fangleiter Maxim Petrowitsch. „Ich habe mit Feuer nach dem anderen Ufer telegraphiert," sagte er zu Bessemer,„sie haben geantwortet. Die Barkasse ist wieder unterwegs. Ich habe ihr Licht gesehen. Diesmal wird ste's schon schaffen." ,I)u hast wie der Wüstenwind getanzt," sagte der kleine Tataren- junge Ali lächelnd zu dem kleinen Ukrainer Grischko. Die Tataren schrien wild durcheinander. Auch sie lobten den Tanz. Auch der Mann, der die Kolmücken verspottet hatte, klatschte Beifall. Und Grrschka war stolz wie noch nie. Bessemer erhob sich. „Lebt wohl, tatarische Fischer," sagt« er zum Abschied,„ich werde diese Stund« niemals vergessen." „Auch wir werden dich nicht vergessen," antwortete Sultan Khanow, erhob sich und verbeugt« sich dann: ,�Du hast uns diese Stunde süß wie Honig gemacht.".." Der Mann aus Deutschland mußte viele Hände schütteln, harte, tatarische Fischerhände, die nur aus Schwielen zu bestehen schienen, und ging dann mit dem Russen, mit dem klemen Ukrainer und seinem Hunde Natascha aus dem Zelt. Der Sturm hatte nachgelassen. Die Wolga schäumte wohl noch, aber sie brüllte nicht mehr. Di« Dunkelheit war zerfetzt. Di« Lichter vom jenseitigen Blockhaus funkelten. Am Himmel waren die Sterne sichtbar. In der Hütte von Maxim Petrowitsch warteten zwei Fischer- mädchen auf die Barkasse. Der alte Fischer wollt« es diese Nacht weich und warm haben und lud di« beiden Mädchen in seine Hütte ein und tanzte wie«in Faun um sie. Aber sie lochten nur und schaukelten sich in ihren breiten Hüften. Das Licht der rettenden Barkasse taumelte immer näher. Ein Boot löst« sich und stieß an den Strand. Und mit den Mädchen, mit Grischko und dem Hund fuhr Bessemer nach dem Schiff. Die Tataren brüllten„Hurra!" Der andere Tag war schön. Die Fische schwärmten vom Kaspischen Meer. mim,. Wondfcheinfahri Eine dunkle Sommernacht liegt über der Oftsee. In Saßnitz plätschern ein paar leichte Wellen im Hasen, sacht schlagen sie an die Schiffe, machtlos, bar der geringsten Kraft, die Fahrzeuge auch nur in die leiseste schaukelnde Bewegung zu setzen. Der Abend spinnt die grünbewachsenen Hügel in dunkle Schleier ein. in den terrossen- förmig in die Fussen gebauten Häusern brennen Lichter, sie schauen aus, als seien sie verschlafene Glühwünnchen, die sich nach an- strengender Gebirgstour zur Ruhe gesetzt Hätten.� Hostenden Schrittes eilt eine' Schar von Ausslüglern einem weiß- gestrichenen Dampfer zu. Bald ist Unruhe an Bord des Schiffes. Geräuschvoll sucht man die besten Plätze aus, schrell laut nach Be- kannten und Freunden, stößt einander unabsichtlich, entschuldigt sich höflich mit böser Miene, macht sich mlleinnnder bekannt oder rückt absichtlich fort und erfüllt alles mit diesem ungezogenen Lärm des kleinen egoistischen Menschen. Andere Ausflügler folgen, und es kommen noch andere und noch andere und noch mehr und noch immer mehr. Ein jeder ist voll Unruhe, ein jeder will dabei sein. Natur genießen will keiner, aber dabei sein wollen sie alle. Bald ist auf dem Schiff auf ollen seinen Decks eine drangvolle Enge. Und dann geht's hinaus zur MondscheinsaHrt. Der Mond scheint freilich nicht, aber was macht's. Mondscheinfahrt, das klingt so schön romantisch. Eine drei Mann starke Musikkapelle lärmt. Die Musiker sind müde, abgehetzte Menschen, ewige Anwärter auf Brosamennahrung. Sie können nicht viel. Woher sollte auch bei ihnen Können stammen. Zum guten Können braucht man erstens eine Lernmöglichkeit und zweitens die nötige Muße zur Reife. Diese„Künstler" aber waren immer Aushilfe, steter Notbehelf, sie haben es sich schon nachgerade selbst abgewöhnt, sich als Lollmenschen zu betrachten. Da zur Mondscheinfahrt unbedingt so etwas ähnliches wie rührselige Stimmung gehört, beginnt die Musik mit„Schön ist die Jugendzeit". Ein paar Möven, die auf dem Wasser schwimmend geschlafen hoben, schrecken auf, holen den Schrei kräckkrack ganz ties aus ihrem Schnabel, umflattern in schwerfälligem Fluge das Schiff und begeben sich daim wieder zur Ruhe. Die Musik spiest„Fuchs, du hast die Gans gestohlen", und an Bord wird das erste Tänzchen gewagt. Bald tut der Alkohol die übliche Wirkung, man lärmt, die Musik kommt arg in Disharmonie und die Tanzenden meinen, sie spiel« Jazz. Die Fahrt geht nach dem Königsstuhl. Ein Scheinwerfer be- leuchtet die Steilufer. Sie sind unnahbar schroff, weiß und gigantisch heben sie sich ab von den dunklen Wellen der Ostsee, die leise an der Küste nagen. Schwer tragen die Felsen an dem uralten Buchen- wald. Manche Baumriesen hängen mit ihrem mächtigen Wurzelwerk nur noch locker in der Kreide, bei dem nächsten Sturm oder schweren Regentag stürzen Jahrhunderte ins Meer. Doch die Natur, so wie sie ist, hat aus die hyperzivilisierten Menschen von heute keine Wir- kung mehr. Darum erläutert heiserstimmig ein Erklärer die Ge- bilde der Küste. Man vermenschlicht die Felsen. gehLimnist etwas in sie hinein in plumper, derber Art.„Sehen Sie, dort liegt ein« japanische Tänzerin, und die Felsportie da sieht aus wie ein Tor- pedoboot ohne Mast." Die Noturbeflissenen, die nicht tanzen, recken sich fast die Hälse aus, um mtt den Vexierbildern fertig zu werden. Zur Hebung der eigenen Intelligenz sehen sie vorgeschriebenermoßen und bestätigen ihre eigene Findigkeit mit Ausrufen wie„fabelhost", „ganz richtig",„wunderbar!" Unaufhörlich spielen die Scheinwerfer. Von der Bordseite mit dem Blick nach See kann man in die be- drückende Dunkelheit starren, die da eindrücklichst predigt von der Allmacht der Meere. Doch kein Mensch sucht nach einem Schiffs- licht oder starrt nach einem wegleuchtenden Seezeichen. Für die Passagiere ist Tanz und Erklärung die ortsübliche, vorschriftsmäßige Mondscheinfahrt, die man mitgemacht haben muß, wenn man ein Bad aus Rügen besucht. Die Musik spielt irgendeinen Schlager und ein Halbbetruntener singt laut seine Parodie. Wie ein Jaulen aufsteigender Raketen geht darob ein lautes Lachen durch das ganze Schiff. Und man singt und trinkt, bis man wieder im Hafen von Saßnitz landet, wo man aussteigt. Dann liegt es verlassen, das Schiff, das so viele Menschen bevölkerten, von denen keiner etwas sah, nicht weil der Mond nicht schien, sondern weil keiner die innere Bereitschaft zum Sehen hatte. Soll man sich darüber ärgern? Nein, denn das ist so eine Art ausgleichender Gerechtigkeit, daß man Schönheit sehende Augen, daß man die Natur liebende Herzen nicht kausen kann und daß darum der einfache, unverbildete Mensch, der irgendeinen kleinen Hügel erklimmt, vielleicht mehr sieht als der Millionär, der mit eigener Lustjacht am Fuß« des Königsstuhl» ankert. Quitov Qiblm: Auf dem Wohlfahrlsamf Ich lobe mir den Menschen im allgemeinen und den Beamten im Besonderen, der pünktlich ist. Wir haben Millionen von Beamten, die seit 20 und mehr Iahren morgens punkt 8 Uhr den Federhalter ergreifen, um ihn punkt 12 Uhr wegzulegen. Ihn wieder um 2 Uhr in die Hand nehmen, punkt 6 Uhr weglegen. Wehe aber dir, deutscher Bürger, wenn du von so manchem Be- amten alten Schlages verlangen würdest, daß er um 12 Uhr mittags noch m einer dringenden Sache«ine Arbeit verrichten sollte. Nun verstehe ich, daß kein Mensch gern Ueberzeit arbeitet. Wir wissen aber, daß es häufig sich nicht umgehen läßt. * Zu den Beamten, die sicherlich viel Geduld aufbringen müssen, zählen(zugegeben!) in diesen Zeiten der fürchterlichen Arbeitslosigkeit die Beamten an den Wohlfahrtsämtern. Aber gerade von ihnen müssen wir verlangen, daß sie viel Ge- duld, viel Liebe und vor allem Verständnis für die Gereiztheit der Hungernden und Darbenden aufzubringen vermögen. Wer dieses Talent als Beamter nicht besitzt, soll dem Wohl- fahrtsamt fern bleiben. Wer schon aus Nächstenliebe einem besonders notleidenden Mit- menschen nicht auch ein paar Minuten Ueberzeitarbeit widmen kann, sollt« noch weniger an solchen Posten stehen. * Wir haben einen schlimmen Winker hinter uns. Er war unerträglich für die Armen, die schlechte Wohnungen und wenig Kohlen hatten. Sehr schlimm daran war«in kriegsbeschädigter Handwerker in Darmstadt, der infolge eines schweren Ohrenleidens arbeitslos ge- worden war. Seine Familie wohnt« in einem leeren Pserdestall, dessen Beheizung im letzten Winter so ungenügend war, daß nicht nur das Eis an den Wänden hing, sondern daß den Kindern im Bett Hände und Füße erfroren. Eine Aerztin, die die Familie schon längere Zeit behandelte, be. stätigte den menschenunwürdigen Zustand dieser Behausung. Sie hatte der Familie hauptsächlich Kohlen und kräftige Nahrung ver- ordnet. Der Handwerker ging sofort mit diesem Schein auf das Wohl- fahrtsamt in Darmstadt. Als er aber in das Amt eintrat, war e» gerade 12 Uhr mittags geworden. Der zuständige Herr Inspektor wollte das Bureau verlassen. Trotzdem dem„Herrn Inspektor" das ärztliche Attest sagen mußt«, daß hier«in besonders dreinglicher Fall vorlag, weigerte er sich, den Handwerker zu bedienen. Ich gebrauche absichtlich das Wort„Bedienen", weil ich der Auf- fassung bin, daß in einem demokratischen Staat jeder Beamte ein „Diener des Volkes"(im höchsten, edelsten Sinne auszusossen!) sein muß, wenn er überhaupt als würdig befunden sein soll, den Ehren- Posten eines Beamten einzunehmen. All« Bitten des arl�itslofen Kriegsbeschädigten fruchteten nichts� Da packte' den Berzwerselten die Wut. Er fchnnpst« und in fiMenf berechtigten Zom warf«r«in Regal um. „Ich habe jetzt um 12 Uhr keine Sprechstunde mehr!" hatte dem armen Handwerker der„Herr Inspektor" geantwortet. Wohlfahrtsämter einer Stadt sollen die größte Not zu lindern versuchen. Und ein Beamter eines solchen Amtes hat, auch wenn er seinen Bureaukittel bereits ausgezogen hat, für Menschen, die der Verzweiflung nahe sind, jederzeit, wie ein Arzt für d!« Schwer- kranken Sprechstunden zu haben. Was tat aber der„Herr Inspektor?" Er setzt« sich(natürlich in feiner Dienstzeit) hin und schrieb auf langen Aktenbogen eine Anklage gegen den arbeitslosen Kriegs- beschädigten wegen Beamtenbeleidigung. Nun stand dieser Tage der arm« arbeitslos«, schwerkrank« krieg»- beschädigte Handwerker in Darmstadt vor dem Gericht und hatte sich wegen Beleidigung zu verantworten. Die Verhandlung ergab einen herzzerreißenden Einblick in die unglaublichen Wohnverhältnisse, in das fürchterliche Elend der Fa- milie des Kriegsbeschädigten. Der Richter hatte ein menschenliebenderes Herz als der„Herr Inspektor" vom Darmstädter Wohlfahrtsamt. Auf den Vorschlag des Gerichtsvorsitzenden soll durch Ersuchen an den Oberbürger- meister der Stadt Darmstadt die Anklage zurückgezogen werden. Gerichtet war mit diesem Vorschlag einzig und allein und mtt Recht der„Herr Inspektor", der. weil die Glocke 12 geschlagen hat, einen Verzweifelten mit samt seiner Familie(die Kinder haben im Bett Hände und Füße erfroren!) abweist mit der Bemerkung:„Ich habe keine Sprechstunde mehr!" » Ich hob« noch nie eingesehen, warum ausgerechnet der Beamte gegenüber dem Arbeiter besser« Anstellungsverhältnisse haben soll. Warum er allein das Recht auf Pension haben soll. Recht und Anspruch auf Versorgung für sich und sein« Ange- hörigen hat jeder Mensch, der krank ist, invalid und arbeitsunfähig oder beim besten Willen keine Arbeit bekommen kann. Das ,Mecht zum Leben", dos„Recht zur Arbeit" hat jeder Mensch. Und das Wort von der Nächstenliebe wäre nur fohler Schein, wenn wir dieses Ziel nicht mtt aller Kraft zu erreichen versuchen. Ein Prioatangestellter, der sich In einem solch dringenden Fall weigern würde, noch«in paar Minuten über seine Zeit zu arbeiten, würde fristlos entlassen werden. Ein Arzt, der sich weigern würbe, zu einem schwer oder zu Tod kranken Menschen zu gehen, mit der Begründung:„Ich habe kein« Sprechstunde mehr!" würde von seinen Berufskollegen als unwürdig weiter Arzt zu fein, erklärt werden. Ein Beamter eines Wohlfahrtsamtes, der nicht diese» Ethos seines Berufes Im Herzen trägt, sollte von seinen Borgesetzten für unwürdig erklärt werden, wetter an solch wichtiger Stelle zu amten, die dazu berufen ist, das schlimmste Elend zu mildern. Ein„Turm der Geschichte". Ein eigenartiger Denkmalsge- danke ist jetzt in Ungarn aufgetaucht und soll dort bald verwirklicht werden. Es handett sich um«inen Turm, der auf dem Petöfi- Platz in Budapest im Angesicht der Donau errichtet werden soll. In seinen 10 Stockwerken soll die ganze tausendjährige Geschichte Un- gorns in sorgsältig gewählten Zeugnissen dargestellt werden. Jedes Stockwerk ist für ein Jahrhundert bestimmt, und so soll beim Be- steigen des Turmes die ganze Geschichte des Landes M>n der Er- oberung Ungarns bis zum Wettkrieg an dem Besucher vorüber- ziehen. Deutliche Konjunkturbeffenmg. Auch Aufstieg in den Produktionsmittel-Industrien. Der„Vorwärts" hat nie d«n omtlich-offiziösen und den unter- nehmer-offiziellen Konjunkturpessimisnius mitgemocht, mit dem die Stockung im Konfunkturauffchwung feit über einem Jahre und die exorbitante Arbeitslosigkeit des vergangenen Winters begleitet war- den sind. Wir waren immer der Auffassung, dotz von einem Kon-, junkturabstieg keine Rede sein kann, daß leicht erkennbare Gründe, insbesondere die Drosselung der ausländischen Kapitolzufuhr und die Versteifung auf dem internationalen Kopitalmaikt die Stockung in der Konjunkturentwicklung erklären und daß die beispiellose Arbeits» lnsigkeit dieses Winters einen ganz abnormalen Kotastrophencharakter hotte, was in dem deutlichen Beschäftigungsrückgang auch bei In- dustnen zum Ausdruck kam, die nicht faisoirempfindiich sind. Wir waren weiter der Meinung, daß die Erholung in diesem Frühjahr noch verlangsamt wurde durch die psychologischen Rückwirkungen der ungelösten Reparationsfrag« auf die Initiative der Unternehmer, die wiederum von innen her durch die Ausfälle in der Massenkcmfkrcrft infolg« der Arbeitslosigkeit nicht nur ohne Anregung blieb, sondern auch durch die künstliche Drosselung insbesondere öffentlicher Auf- träge sonst natürlichen Auftragszuwachs vermissen mußte. Wir waren endlich überzeugt, daß der Wegfall aller dieser hemmenden Faktoren, besonders angesichts der fortdauernd starten Welt- kvnjunktur, der deutschen Konjunkturentwicklung eine sehr starke An- regung mit der Wirkung geben mußte, daß der vorübergehenden, durch den Katastrophenwinter verstärkten Wirtschaftsstockung bald ein neuer Aufschwung folgen müsse. Die Entwicklung der Dinge im letzten halben Jahr hat unseren Optimismus besläligl. Seit die Kälte überwunden wurde, bewegten sich die Der- kehrszisfern der Reichsbahn auf erstaunlicher» Höhe. Die Kohlen-, Eisen- und Stahlkonjunktur hat von Monat zu Monat Rekorde gebracht, wofür der letzte Bericht der Ruhr- montantrusts neues eindrucksvolles Material lieferte. Die deutsche Ausfuhr zeigt trotz gewisser kleiner Rückschläge Jiffern von nie erreichter Höhe, und die deutsche Gesamtwirtschaft Kermes in den Zeiten der Attacke auf unsere Währung und einer plötzlichen Kredit- Verteuerung um vielleicht M Proz. ein« Widerstandskraft, die nach den pessimistischen Prophezeiungen der offiziellen und offi- ziösen Konjunkturmacher niemand hätte erwarten dürfen. Das Erstaunlichste aber war der Arbeilsmarkl selbst. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger ist allein gewiß kein ausreichender Maßstab zur Beurteilung der Wirtschafts-log«. Aber gleiche Fehlerquellen vorausgesetzt, sind doch Ausmaß und Tempo der Arbeitsmarktentlaftung ein zureichend sicherer.Maßstab. Don Mitte Februar bis Ende Juni ist die Zahl der Hauptimterftütztcn um nicht weniger als 180l1l10l) von fast 2V2 Millionen auf nicht viel mehr als 700(XXI zurückgegangen. Darüber hinaus hat die Wirtschaft rund 400 000 Menschen aus der Bevölkerung«- Vermehrung mehr aufgenommen. Der Stand der Unterstützten lag dem» nach Ende Juni nur um 110000 über dem Stand« der Dorstchre und nur ym rund 170 000 über dem Stand« von Juli 19 27, einem Zeitpunkt, zu dem der damalige Aufschwung der Kon. junkwr, abgesehen van der leichten saisomnäßigen Ermattung Im Sommer, seinen Höhepimkt erreicht hatte. Angesichts dieser Dinge konnten die pessimistischen Prognosen über die wirtschaftliche Ent- Wicklung nicht richtig sein, besonders, wenn man die lähmende Ein- Wirkung berücksichtigt, die von der Drosselung der Kapitaleinfuhr, der ungelösten Reparationsfrag« und dem schwierigen internationalen Kapitalmarkt ausgingen. Heute kommt ein neues Moment hinzu, da« unseren vptimismus rechtfertigt. Das ist der Bericht des Vereins Deutscher Maschinenbauan st alten für den Monat Juni und der gleichzeitig gegebene Rückblick für das erst« Halbjahr 1929, aus dem sich, höchst bemerkenswert nach der sehr günstigen Entwicklung der gesamten Montanindustrie, auch in der Produktions- m i t t e l i n d u st r i« ein unverkennbarer Aufschwung zeigt. Räch dem Bericht des VDMA. haben vermehrt« inländische und ausländische Anfragen im Juni den Eingang von Austrägen weiter erhöht. Die Zahl der geleisteten Arbeiterstunden hat 70 Proz. der Normalzahl, die früher, was zu beachten ist, ober sehr viel geringere Aufträge umschloß, wieder überschritten. Für Werkzeugmaschinen, Kraftmaschinen, Hütten- und Bergwerksanlagen, Kranba», Auf- bersitungsmaschinen, Baumaschinen und Druckmaschinen, also fast für die meisten Maschinenbauzweige wird eine aussteigende Eiüwick- lung gemeldet. Und in dem Rückblick des DDM«. für da» erste halb- jähr 19Z9 heitzl es: „Der Gesamlaustrag seingong stieg vom Januar an zwar nicht gleichmäßig, aber doch ohne größere Rückschläge, so daß der(Bs. samtauslragswerk des ersten Halbjahrs 1929 um etwa lZ Proz. über dem des zweiten Halbjahr» 1928 lag. Das Auslandsgeschäft nahm ständig an Bedeutung zu und machte im Durchschnitt der ersten sechs THonate 1929 44 Proz. des Gesamtwertes der Aufträge der Maschiuenindustric aus gegen 40 Proz. im vorigen halben Jahr 1928 und zs proz. im ersten halben Jahr 1928. Die Inland- austräge des ersten Halbjahrs 1929 gingen infolge des tiefen Standes vom Januar und Februar nur(aber doch! D. Rod.) uni etwa 1 Proz. über das Ergebnis des vorhergehenden Halbjahrs hinaus und blieben noch um 9 Proz. hinter den Austrägen des ersten Halbjahrs 1928 zurück. Die Kurve des Boschästigungs- grades vermochte sich erst vom Februar an ganz allmählich von 67 Proz. auf etwas über 70 Proz. im Juni zu heben." Es ist kein Zweifel, daß, wenn der BDMA. nicht Prozentziffern� sondern die absoluten Wertziffern der Auftragseingänge bekann geben würde, ssch eine noch erheblich besser« Lage der Maschinen industrie zeigen würde als sie aus der Vermehrung der Arbeiter stunden sich abnehmen läßt. Weitere Entwicklung und die Konsequenzen. Es kann angenommen werden, daß zunehmend auch Inlands auftrage, nachdem bisher die Auslandskonjunktur die Lage günstig gehalten hatte, in den Produktionsmittelindustrien neue Anregungen bringen: denn es ist klar, daß bei der allmählichen Wiedcrauffüllung der inländischen Kauftkraft auch der Investitionsbcdar der Berbrauchsgüterindustrie steigt und sich damit die Nachfrage nach Anlagegütern, die sich aus der guten Auslands konjunktur ergibt, weiterhin vermehrt. Man wird sich aber auch klar darüber fein müssen, daß zur weiteren Erhöhung der Wirtschaft- lichen Aktivität auch eine neue Initiative für die Er» höhung des Arbeitseinkammens der Massen un> ausweichlich wird. Schließlich besteht die ganze Kunst ver- nünftiger Wirtschaftsführung, besonders unter dem Poung-Plan, darin, die Konkurrenz- und Leistungsfähigkeit oller inländischen Wirtschaftszweige zur Abwehr des Auslandes im Inland und zur Gewinnung neuer Märkte im Ausland ohne protektiv- nistische Mittel zu erhöhen. Diesem Ziel wird aber nach der Erfahrung der letzten fünf Jahre am allerstärksten gedient, wcnn man die deutsche Produktion durch einen Binnenmarkt stützt, dessen Aufnahmefähigkeit nie groß genug ist und der starte Garantien gegen die Zufälligkeiten der Entwicklung der Welt- konjunktur bietet. Kölner Lehren für Hekoga. Merkwürdige Preisdifferenzen. Die von uns kürzlich besprochene Denkschrift der Kölner Stadt- Verwaltung, in der ein Vertragsabschluß mit der Ruhrgas A.-G. und der Thyssen-Gesellschaft empfohlen wurde, hat gezeigt, daß die Ruhrzechen der Stadt Köln weitgehende Zugestand- nisse machen mußten. Das Gruppenversorgungsprinzip mußte mit demonstrativer Wirkung gutgeheißen werden, Köln behielt die volle Gebietshoheit, die Ruhrzechen konnten sich auch kein Reservat für die Industrieoersorgung ausbedingen und die Koksversovgung des töl- nischen Gebietes wird unter dem Konkurrcrydruck des Gaskokses bleiben. Das überraschendste Zugeständnis aber, das Köln freilich dem verdienstvollen Kohlenselderonkauf unter der Führung Frank- furts zu danken hat, sind die von den Ruhrzechen der Stadt Köln garantierten Preise. Der Kubikmeter Gas wird 2.8, höch- ftens 2,9 Pf. kosten. Hier aber entsteht eine sehr wichtige Frage, die sich die Hessische Kommunale Gas-Gesellfchost bis heute scheinbar noch gar nicht vorgelegt hat. Es entsteht nämlich die Frag«, wie Köln ein Preis von 2,8 bis 2,9 Pf. angeboten werden konnte, auf der anderen Seite aber die Ruhrgas A.-G. von der Hekoga 4,10 Pf.— im günstigsten Falle— verlangen konnte. Und es entsteht die weitere Frage, wie es möglich war— wir sehen in diesem Zusammenhang von dem südwestdeutschen Projekt der Produktions- gemcinschaft ab—, daß das durchaus viel günstigere Eigen- «rzeugungsprojekt so schnell aä act» gelegt wer- den konnte. Gleiche Bedingungen vorausgesetzt wie bei dem Angebot der Ruhrgas A.-G., kostet nämlich die Eigcnerzeugung nach Prof. Eberls 3.02, nach Prof. Heidebroek sogar nur 2,15 Pf. pro Kubikmeter. Dennoch hat der Borstand der Hekoga das Ruhr- angebot mit 4,10 Pf. empfohlen. Im Kölner Projekt zeigt sich, daß bei ähnlichen Liesermengen, wie sie für die Hekoga in Frage kämen, Preise van 2,8 bzw. 2,9 Pf. möglich sind, das heißt Preise, die auf der Mitte zwischen der Berechnung von Prof. Eberle und derjenigen von Pros. Heidebroek liegen. Bei allen Preisen, die wir genannt haben, sind die Kosten für Fernleitungen. Kapitaldienst und Rohverluste nicht berücksichtigt, die Preise sind also vergleichbar. Hat sich in Hessen noch niemand die Konsequen- zen überlegt, die sich daraus ergeben? Patentingenieure und Patentreform. Seit nahezu einem Aierteljahrhundert ist die Neugestaltung der rechtlichen Grundlagen des deutschen Erfindungs- und Marken- wesens, der Gesetze des gewerblichen Rechtsschutzes und der damit zu- sammenhängenden internationalen Verträge, Gegenstand der Er- örterung. Der erste Entwurf von 1913 trat für«ine weitgehend« Verstärkung der Rechtsstellung des Erfinders ein. Nach Uebergang des Patentwesens an das Reichsjustizministerium stockten die gesetz geberischen Vorarbeiten, bis 1928 ein neuer Entwurf erschien, der stärkste Kritik in Fachkreisen auslöste. Dem neuen Entwurf und der Neugestaltung des Patentsachwalterwesens galt die kürzlich« 24. Hauptversammlung des Verbandes Beratender Patentingenieure in Köln. Die Vorträge der Tagung bildeten die Einleitung zu der grundlegenden Erörterung der schwebenden Patcntreform, deren wichtige Fragen durchberaten wurden. Die deutschen Potcntinge- nieure traten erneut«in für Erfinderrechte und Erfinderehre, für Verlegimg des Beginnes der Potentdauer und Beseitigung der Er- findersteuer, für Verstärkung der Stellung des Warenzeichetiinhabers und wandten sich mit Entschiedenheit gegen einseitig« Einflüsse auf diesem Gebiete. An den R e i ch s j u st i z m i n i st c r wurde«in Telegramm ge- sandt, das eine entschieden- Förderung der Potentresorm und der Neugestaltung des Patentsachwallerwesens mit Beschleunigung wünscht. preußenfaffe und Genoffenfchasten. 3n den Nachrichten von einer angeblichen Subventionierung Dem Amtlichen Preußischen Pressedien st wird von unterrichteter Seite geschrieben: Die Verhandlungen über die Konstitniening des Einheitsver- bandes der ländlichen Genossenschaften nähern sich ihrem Ende, und es setzen nunmehr die leider im Endkampf vielfach üblichen Versuche ein, den Gegner durch Erhebung moralischer Vorwürfe mattzusetzen. Eine dem Hugenberg- Konzern angehörige, dem Deutschen Landwi-rlschastsrat nahestehende Korrespondenz behauptete kürzlich. in di- Erörterungen über die Zusammensetzung des Vorstandes des Einheitsverbank-es spielten Gehaltsfragen hinein. Der Prösi- dent der Preußenkesse Hot diese Mitteilung anläßlich der Tagung des Reichsoerbandes der deutschen landwirtschaftlichen Teiwssen- schast-n als unrichtig bezeichnet. Dieselbe Korrespondenz ver- breitet nunmehr, und zwqr unter Gegenüberstellung einer.ehren- amtlichen oder entgeltlichen Tätigkeit der künftigen Mitglieder des Vorstandes des Cinheitsoerbondes, die Nachricht, die Preußenkass« sei für den Fall einer ihren Wünschen entsprechenden Regelung der P-rloneniragen bereit, den Einheitsverband zu subocntio- nieren. Diese Gegenüberstellung ist nur eine scheinbar«: denn die für den Vorstand des Emheitsverbandes in Betracht kommenden Persönlichkeiten sind fast ausnahmslos Beamte genossenschaftlicher Organisationen, und es ist natürlich nur eine Frage der Zweckmäßig- feit, ob Gehaltebezüge von der Zentrale oder von Unterorganisa- tionc» getragen werden. Die zur Rede stehenden Nachrichten sind unter diesen Umständen auch lediglich in einigen Blättern von lokaler Bedeutung erschienen. In einem„Nachwort zur Königsberger Tagung des Reichsver- bandes", das ein Bild des augenblicklichen Standes der Der- Handlungen über die Gründung des Einheitsverband«» und eine l Voraussoge für die Zusammensetzung seines Vorstandes zu konstruieren versucht, behandelt nunmehr das„Berliner Tage- blatt" diesen Fragenkomplex u. 0. mit folgender Wendung: „Es ist nun zwar der Gedanke ausgetaucht, daß der neue Einheitsvorband von der Preußenkosse in irgendeiner Weise dotiert werden könnte, damit er in der Lage sei, seine Geschäfts- führung auf eine breitere finanzielle Basis zu stellen. Dieser Vorschlag ist natürlich, wie nicht anders zu erwarten, von allen Gruppen, die für den Einheitsverband in Frage kommen, sehr entschieden abgelehnt worden." Da hier eine negativ« Haltung der Genossenschaftsverbände einem Vorschlage gegenübersteht, wird die Auslegung angedeutet, die Preußenkasse beabsichtige, den Einheitsverband gegebenensalls zu subventionieren. Hierzu ist zu sogen, daß zwar in früheren Iahren Einrichtungen genossenschaftlicher Spitzcnorganisationen auf Antrag regelmäßig finanziell unterstützt worden sind. Ein im vorigen Jahre geäußerter Wunsch, diese Zuwendungen zu erhöhen, .ist abgelehnt worden. Di« Subventionen sind vielmehr teilweise bereits abgebaut, und ihre demnächstige völlige Beseitigung ist vor längerer Zeit angekündigt worden. Dementsprechend ist und wird seitens der Prenßenkafse auch eine Dotierung des fünf- t i g e n Einheiisvcrbandes nicht in Betracht ge« zogen._ „Ringbilöung" im Baugewerbe. Zum Kapitel Kartelle und Monopole. Zu unserem Artikel vom 4. Juli..Machtgruppierung im Bau- gewerbe". der die fortschreitende Trustbildung behandelte, finden wir Ergänzungen in den Heften 11 bis 13 der„Sozialen Bauwirifchast". die einige Schlaglichter auf das dunkle Kapital der ik a r t e l l- mäßigen Bindungen im Baugewerbe werfen. Besonders interessant ist der Artikel von Karl Hermann über„Preis- schutzverbände in der Bau- und Baustofsindustrie", der sich auf die Vernehmungen vor dem Enquete-Ausschuß stützt. Ein solcher Preisschutzoerband ist der Deutsch? Eisenbau-Verband(EDV.), in dem die Eisenbausirmen organisiert sind und der schon 1904 entstand. Die für die Aufnahme- fähigkeit des Marktes zu große Leistungsfähigkeit der Firmen und dauernde Verschiebungen der Konstruktionen, die die Kalkulations- grundlagen veränderten, haben eine straffe Bindung an Mindest- preise bisher verhindert. Aber die Bedingungen für Ausführung, Zahlung und Nachsordemngen bei nnvorhergesehner Erhöhung der Produktionskosten sind einheitlich geregelt. Wichtiger ist die Ver- banbsbestimmung, daß jedes Mitglied die Beteiligung an einer Ausschreibung zu melden hat: die Geschäftsstelle vermittelt dann unter den Beteiligten an einer bestimmten Ans- schreibung eine Aussprache über Angebot und Durchführung des Auftrages. Kommt es zu einer Einigung, dann macht eine Firma das niedrigste Angebot, in das ein Gewinn- a n t e i l für alle Firmen eingerechnet ist: die anderen Firmen geben höhere Scheinofferten ab. Trotz oller Konkurrenz und trotz vieler Außenseiter erfolgt eine Einigung in 25 Proz. aller Fälle. Das Beton-, indTiefbaugewerb« hat im Jahre 1910 eine sogenannte„Nachrichtenstelle" gegründet, die in ähnlicher Weise tätig ist wie der EDV. In den Satzungen findet sich die Bestimmung, daß bei der Vereinbarung von Preisen deren„An- gemessenheit" zu prüfen sei. Schöne„Angemessenheit wcnn in dem Preis eine Gewinnbeteiligung vieler unbeteiligter Firmen ein- gerechnet ist! Auf Verletzung der Meldepflicht sind hohe Bertrags st rasen gesetzt. Die Tätigkeit der„Nach- richtenstelle" führte 1927 in 9 Proz. aller Fälle mit einem Werte von 75 Millionen Mark zu einer Verständigung. Die Quote der Gewinnbeteiligung betrug nicht weniger als 3,9 Proz. vom Wert der Objekte. Um miitdestens diesen Prozentsatz waren also die Kalkulationen zu hoch. Mit dem Zweck, allen an einer Ausschreibung Beteiligten den Ersaß ihrer Kosten für Projektausarbeitung zu sichern, Hot die Zwangsinnung für das Baugewerbe Dortmund" eine„Melde- stelle" gegründet. Jeder, der eine Offertenabgabe„beabsichtigt", hat diese Absicht zu melden: ihm wird dann die Anzahl der Kon- kurrenten gemeldet, noch der er bestimmte Sätze für Projektunkosten in sein Airgebol einzusetzen hat; dieser Betrag ist bei Ausführung an die„Meldestelle" zu zahlen. Durch diese Belastung werden gerade die kleineren Bauvorhaben nicht unwesentlich verteuert: bei 20 Teilnehmern an einer Submission(Absicht genügt!) macht der Aufschlag bei einem Vorhoben von 50 000 Mark Wert 3,7 Proz., bei 200 000 Mark 1.9 Proz. bei 1 Million 1.2 Proz. aus. Die große Gefahr solcher„Meldestellen" liegt aber in der Erleichtening der „Ringbildung(stehe oben!). Solche ungerechtsertigtcn Monopol- bestrebungen erhöhen die ohnehin zu hohen Baukosten immer mehr; sie sind ein Verbrechen an der Allgemeinheit. Wieder 83 Millionen neue, Gold bei der Reichsbonk. Der Wochenausweis der Reichsbank zum 6. Juli zeigt ein- weiter« Stärkung der Reichsbank uni» eine erfreulich st a r k s — zugleich normal zu nennende— E n t l a st u n g nach dem tin sich nicht schweren Juni-Ultimo. Die Wechselbe stände gingen um 154,9 aus 2688.1, di- Bestände an Lombarddarlehen um 114.4 ans 79V. di« Bestände an Reichsschatzwechseln um 47,7 auf 110,1 Millionen zurück. Die unverzinslichen Gelder auf Girokonto zeigen mit 603V Millionen eine klein- Abnahme um 27,4 Millionen Mark. Der Umlauf von R e i ch sb a n k n 0 t e n hat sich um 228,6 aus 4610,0 Millionen gesenkt. Hauptsächlich durch Goldkäule in London stiegen di« Goldbestände um 83,0 auf 1994,5 Millionen: gleich- zeitig konnten die Bestände an deckungsfähigen Devisen weiter um 8,4 aus 368,9 Millionen erhöht werden. Der Rückgang des Noten- Umlaufs, die Vermehrung der Deckungswerte verbesserten das Deckungsverhaltnis der Noten. Durch Gold ollein waren die innlaissenden Noten mit 43V gegen 39V Proz. in der Vorwocke gedeckt, durch Gold- und deckungssähige Devisen zusammen mir 51,3 gegen 47,0 Prozent. Berücksichtigt man das Deckung?- Verhältnis allein, so wäre die Zeit für eine Diskonter Mäßigung gekommen. Vata-Berichtigung und Bala-prozesse. Wir berichteten kürzlich von einer einstweiligen gerichtlichen Verfügung, wonach der Rameo-Schuh- AG. deren Aktienmajorität in der Hand des tschechischen Schuhtonzerns Sota ist. die Feilholwng von bestimm. tcm„minderwertigen Schuhwerk unter irresührenden Bezeich. nungen" verboten wird. Die Ülorneo-Schuh-A®. gibt in einer Z:- schritt an uns zu, daß der gerichtlichen Verfügung gewiss, Tatsachen zugrunde liegen. Es wird aber gesagt, daß es sich In keinem Falle um Fabrikate der Firma Bata gehandelt habe, sondern um falsch gekennzeichnete Waren einer deutschen Schuhfabrik. Wir teilen auf Wunsch diese Dinge mit, ohne st« jedoch Irgendwie auf Richtiq- keit nachprüfen zu können.— Die Oeffenttichkeit wird es interessieren. daß am Samstag, dem 13. Juli, vor dem 10. Senat des preußischen Kainmcrgerichts ein« Verusungshauptver. Handlung stottsindet, in der über die Verbreitung des PH livv- chen Buches»Der unbekannte Diktator Thomas Bata" endgültig entschieden werden soll. Am gleichen Tag« wird vor demselben Senat auch in einem Bata-Prozeß gegen den Deut- schen Schuhmacherverband entschieden.