BERLIN Sonnabend 13. M 1929 10 Pf. Nr. 324 B161 46. Lahrgang. Erfch«i«t tigltch«»ßer Ssnntag«. Zugleich Abendausgabe bei ,S3ottr4tM*. Bezuggxreig beide Ausgaben S5Pf. pro Woche. S.soM. pro Monat. Redaktioa«od Expedition; Berlin SW es. Lindeostr.» iMofvtwfib Ullietgevprei«: BieeiuspaltizeNonpareillqeV» •0 Pf.. Reklameteil« 6 ffit Ermäßigungen nach Tarif. Postschecktont»! Dorwärtt-Verlag G.«.b.H� Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 207 Strafantrag gegen Stinnes. Antrag des Staatsanwatts: Acht Monate Gefängnis für Stinnes. 1000 Explosionsopfer in China Explosiva einer Munitionsfabrik in Südchina. London. 18. Juli. In de» ManittoaSfabrlten von YLnanfu ta SLdchknn ereignete sich»ach Honkonger Meldungen ein« schwere Gxploflo». Die Verluste werde«»ach »och unbestätigte» Meldungen mit 10 0 0 Mensche» angegeben. Ausländer solle« nicht getötet sei«. Das britische Konsulat in Hüuanf« wurde durch die Explosion schwer beschädigt, das französische völlig zerstört, die französische Missionsstattv« gleichfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. Man glaubt, daß ei« AnhSnger eines aufständischen Generals den L»schlag ans die Mnnitiouswerke ausübte. Oer Streit um den Konferenz ort Äriand:„Was soll das?" Oer Diener:„Herr Minister haben doch gerufen: der plan!" Äriand:„Vorläufig sind wir noch beim Fahrplan, der o u n g plan kommt später." Neues Llnglück der Autoraferei. Zwei Tote, drei Verletzte.— Wieder der Zickzackkurs. Vor dem hause der Strohe Unter den Eichen Nr. 108 in Llchterselde erfolgte nachts gegen Z Uhr ein schwerer Zusammen. stoß zwischen einem aus Berlin lammenden Vrivatlrastwagen und einem au» Potsdam kommenden ZNotorrNdsahrer. wie seslgeslelll wurde, wollte das iluto dem imZickzacklur» fahrenden Motorrad ausbiegen und geriet zu weit nach link». Der Anprall war so heftig, daß beide Fahrzeuge in» einandergeschoben wurden. Der Jührer des wogen», der Klempner Paul Berlin aus Bornim stürzte nach vorn durch die Windschuhscheibe und blieb aus dem Kühler liegen, während bkt neben ihm sitzende Frau Elisabeth Baserd aus potsda» mit dem Kopf gegen das Eisengestänge der wiadschutzcheibe flog. Die sehr schweren Verletzungen führten bei beiden den s o sorligeu Tob herbei. Zwei weitere Znsassen, der Landwirt S trapp ovo Bornim und SlaraLelkowsty au» Düsseldorf, die sich besuchsweise in Verlin aufhält, kamen mit leichteren Verletzungen davon. Der Führer de» Molorrade». Albert Vrockhau», au» der Großgärschenstratze zu Berlin, hat bei dem Sturz schwere ver. letz au gen erlitten und ist noch nicht vernehmungsfähig. -i-!-- � In der Seidel st raße in Tegel stießen gestern adetzb gegen 11 Uhr eine Kraftdroschke und ein Privatauto» mobil zusammen. Dabei wurde der Führer der Droschke, der 23 Jahre alte Erich Fahl aus der Liebenwalder Straße 44 sowie sein Fahrgast, der 40 Jahre alte Dentist Willi Dullick aus der Brunowftraß« 40 in Tegel, ferner die Infosten des Privatwagens. eine 20 Jahre alte Frau Hedwig Lrachmann und eine Frau Grete hellwig erheblich verletzt. Alle vier Personen wurden nach dem Paul-Gerhard-Stist gebracht. Die Schuldfrag« bedarf noch der Lösung. ver erste Staatsauwalt Storm stellte heute morgen in dem Anleiheschiebuugsprozeß folgende Strafanträge: gegen Hugo Stinnes acht Monate Gefängnis und 100 000 Mark Geldstrafe. drei Wochen von der Strafe sind durch die Untersuchungshaft als verbüßt zu betrachten: gegen v. Wolda w und Nothmann je sechs Monate Gesäognis uuler Anrechnung von sieben Wochen Untersuchungshaft bei dem erster e» und 14 Tage bei dem zweiten. Gegen Leo« und Eugen Hirsch gleichfalls je sechs Monate Gefängnis uuler Anrechnung von je einer Woche Untersuchungshast. Gegen Bela Groß fünf Monate und gegen Schneid drei Monat« Gefängnis. In seiner Begründung zur Strafzumessung führte der erste Staatsanwalt Storm aus: Zugunsten Stinnes' muß angenommen werden, daß er das betrügerische Wesen des Anleihegeschäfts vorher nicht erkannt hatte. Wäre das nicht angenommen worden, so hätte eine wesentlich höhere Strafe beantragt werden müsien. Stinnes hat Ende 1926 erkannt, daß es sich um ein betrüge- risches Geschäft handelte, er ist aber aus demselben nichs herausgegangen, weil er das investiert« Geld nicht vertieren wollte. Es kann Nicht zu seinen Gunsten geltend gemacht werden, daß für den Staat. kein Schaden eingetreten. Wenn das nicht geschehen ist, so geschah es unabhängig von seinem Willen. Zu seinen Ungunsten war der Umstand zu werten, daß hier ein Mann, der im deutschen Wirtschaftsleben eine so hervor- ragende Rolle spielte, sich mit Ausländern verbunden Halle,«m das Deutsche Reich zu schädigen. Dadurch hatte Ssinnes einen Mangel vaterländische« Empfindens gezeigt, der im Augenblick der Notlage de» deutschen Volkes ganz besonders erschwerend in» Gewicht fällt... Da er in gewinnsüchtiger Absicht gehandelt hat, so ist auch auf eine Geldstrafe zu erkennen. Was N o t h m a n und W a l d o w an- betrifft, so standen sie den betrügerischen Lorgängen näher als Stinnes: zu berücksichtigen ist jedoch, daß sie als dessen Angestellte tätig gewesen si�>. Bei Bela Groß war in Betracht zu ziehen, daß er sich über die Folge seiner Beteiligung an dem rumänischen Anlechegeschäft wirtlich im Irrtum befunden habe und daß er später totsächlich versucht habe, aus dem Geschäft herauszukommen. Gegen Schneid hätte der Strafantrag auf vier Monate gelautet, wenn er nicht bereits einen Monat in Paris in Hast gesessen hätte. . Nachdem Staatsanwalt Dr. Berliner noch einmal di« beiden. Stinnes und Genossen zur Last gelegten betrügerischen Ge- fchäft«— das französische und das rumänische— zu- sammensassend dargestellt hatte, erhielt das Wort zu feinem Plädoyer der erste Staatsanwalt Storm._ Aus dem gesamten Beweis- Material greift er nur noch die Geständnisse Sifinnes und walbows heraus. Kein Mensch, sagt er, hatte annehmen können, daß Watoow in der Hauptoerhandtung plötzlich sein Gutachten widerrufen würde. Er wußte, daß diesem Widerruf die größten Zweifel entgegengebracht werden würden. Deshalb hiell er es für notwendig, fein ver- ändertes Verhalten auf die Behauptung znftützen, daß das Ge- ftändnis gewissermaßen durch eine an ihn: angewandte Zer- mürbungstaktik erzwungen worden sei. Es soll zugegeben werden, daß in der Voruntersuchung manches geschehen ist. was an der Hand der Strafprozeßordnung beanstandet werden kann. (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Stahlhelm-Idyll in Schlesien. Sturm auf eine Landarbeiterwohnung/ So geht es auf dem Lande zu! Groß-warlenberg(Schlesien). 12. Juli. Es ist bekannt, mit welchen gehässigen Mitteln auf dem Lande der politische Gegner von den Nationalisten, den Landbündlern und Stahlhelmern bekämpft wird. Der StoWelmführer von Schollendors, Kreis Groß- Wartenberg m Schlesien, Administrator von Künsberg, kann besonders stolz sein auf seine Stahlhelmhelden und ihr« Taten. Dieser Tage zog seine Truppe, nachdem sie sich im Stammlokoi für ihre Heldentat erst gründlich gestärkt hatte, nachts i4l2 Uhr vor die Wohnung des Landarbeiters Schmidt, der als eifriges Mitglied der SPD. und des Reichsbanners bei ihnen be- sonders verhaßt ist. Einige der Heldenjüngllnge drangen ins Haus ein, stiegen die Treppe hoch und rüttelten an der Tür des Schmidt. Di« Mehrzahl schrie und tobte unten im Hofe, beleidigte und bedrohte Schmidt mit den häßlichsten Rufen, wie: der Schmidt, der Lump, der rot« Hund, der muß krepieren! Als einer zur Verminst mahnt«, schrien die andern:„Uns kann ja nichts passieren! W> r sind ja geschickt worden!" Als alle ihre Beleidigungen unbeantwortet blieben, warfen sie dem Schmidt mit Holzscheiten Fensterscheiben und Fensterkreuz ein. Im Erdgeschoß unter Schmidt wohnt ein anderer Landarbeiter, dessen Frau am Tag« vorher entbunden hatte. Als er die nächtlichen Schreier bat. mit Rückficht auf feine Frau doch Ruhe zu hallen, wurde er gleichfall» beschimpft und bedroht. Der Nachtwächter de» Gutes wagte uatürllch nicht, gegen dl« Skahlhelmtruppe elnzuschrcllen. Endlich zogen sie ab. lärmten und tobten aber noch stundenlang im Dorf«. Di« Stahlhelmführer werden es, wie n-ruer, verstehen, die Der- antwortung sür das Tun ihrer verhetzten Trupp« von sich ab- zuwälzen. Es ist bezeichnend, daß schon vor einigen Wochen der Stahlhetmführer von Schollendors, Administrator von Künsberg. dem Schmidt sagen ließ, er übernähme keine Verantwortung, wenn seiii« Stahlhelm- g r u p p e über Schmidt Hersalle, Schmidt nimmt an, daß die Tat ein Racheakt ist, weil er in Schollendors ein« Orts, gruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold gegründet hat. «- Wir feiern bald das zehnjährige Bestehen der deutschen Reichs» Verfassung: ober überzeugte Republikaner, die getreu der Verfassung im Kreis« Groß-Wartcnberg und anderswo von ihren staats- bürgerlichen Rechten im staatsfreundlichen Sinn« Gebrauch machen, sind schutzlos den Anpöbeln n gen des Stahlhelms ausgesetzt. Da die zuständigen Landespolizei- beamten dem Stahlhelm zum Teil angehören oder ihm mindestens freundschaftlich nahestehen, ist die Hoffnung auf eine objektiv« Unter- suchung und exemplarische Bestrafung der Stahlhelmrowdys gering. Ltnierworfen. Radek und vierzig Oppositionelle. Moskau, 1Z. Zuni. Die Presse«eröfseullichl eine Erklärung Radek», Swil» ga» und Preobradschenskis. die in der Opposilionsbewe- gung Trohkis eine führende Rolle gespielt haben, tu der fie Ihre Aebereinstimmuug mit der politischen Linie der kommunistische» Partei und ihren völligen Bruch mit der Opposition betonen. Die Erklärung verurteilt da» Auftreten Trohkis In der bärget» licheu Presse und schließt mit dem Aufruf an srklhere Gesinnung«» genossen, ihrem Beispiel zn folgen. Die Erklärung, die an die Zen- lralkontrollkommission der kommunistischen Partei gertchtek ist. ist von über vierzig früheren OpposiNoneven mikualerzeichnet. Fähre mit 220 Personen gesunken. London. 13. Zult. 1 wie aus Moskau gemeldet wird, ist iu Zrkulfk«in« Fähre mit 220 Personen gesunken. Bisher wurde« 11 Leichen geborgen. Etwa 40 Personen werden noch vermißt. Strafanträge im Stinnesprozeß (Fortsetzung von der 1. Seite.) Das Gespräch zwischen dem Reichskommisjar Heinzmann und Slinneg unmittelbar vor der Vernehmung des letzteren durch den Untersuchungsrichter hätte besser nicht stattfinden sollen. Die An- Wesenheit des Kriminalkommissars Rassow bei der Vernehmung Waldows durch den Untersuchungsrichter ist nicht angängig gewesen. Darf laut Strafprozeßordnung der Staateanwalt solchen Verneh- mungen nicht beiwohnen, so auch nicht dessen Gehilse, als der der Kriminalbeamte erscheint. Unberechtigt ist aber der Vorwurf, daß eine vorsüizliche Mißachtung der Bestimmungen der Strafprozeß- ordnung mit dem Zwecke stattgefunden habe, einer vorgefaßten An- ficht zum Siege zu verhelfen. Von einer Zermürbungstaktik Waldow gegenüber kann überhaupt keine Rede sein.. Wie hätte er sonst dem Untersuchungsrichter Töplitz bei seiner Entlassung die Hand gereicht und sich für die ihm widerfahrene Behandlung bedankt. Wieso hätte er, wenn sein Geständnis eine Folge einer Zermürbungstaktik ge- wesen wäre, es selbst in die Maschine diktiert und überdies noch gesagt, daß er schon bei der Vernehmung durch den Untersuchung?- richter Krüger nahe daran gewesen wäre, ein Geständnis abzulegen, denn es sei ihm sehr unangenehm gewesen, den Herrn, der ihn wie «inen Vater behandelt habe, zu beiilgen. Es ist auch unrichtig, zu behaupten, daß Waldow gerade wegen seiner Erziehung und seiner Herkunft durch die Unlersuchungs- Haft ganz besonders gelitten haben müsse. Das Gegenteil ist richtig: ein Mann mit gestrasstem Körper, der Krieg und Ge- sangenichaf« durchgemacht hat und sein Gut selbst bewirtschaftete. muh in der Untersuchungshaft weniger zermürbt werden als andere. Waldow hat bei Beginn seiner Vernehmung in der hauptverhond- lung einen günstigen Eindruck gemacht. Als aber verschiedene seiner Behauptungen, die er über das Verhalten der Beamten gemocht hatte, sich als unwahr erwiesen: als es sich ergab, daß er die Zeugin Grosch zu einer unwahren Aussage direkt beeinflußt hatte und als er dann, als es.zur Beeidigung der Zeugin kam, nicht nur den leisesten Versuch mochte, die Eidesleistung zu verhindern, fondern dieselbe durch seinen Verteidiger sogar beantragte, da wußte man, wen man vor sich hat. itvaldows Schicksal war in diesem Augenblick besiegelt. Und»u» zn dem Geständnis des Herrn Stinnes. Er will durch den Reichskommissar heinzmann zu seinem Geständnis bestimmt worden sein. Nichts dergleichen ist der Fall. Stinnes fragte den Untersuchungsrichter: Wie ist es, wenn ich zugebe. lind trotz der Antwort des Untersuchungsrichters: Sie sind doch nichk�so naiv, anzunehmen, daß ich mit Ihnen paktieren kann! bat er sich Bedenkzeit aus und machte nach längerer Ueberlegung sein Geständnis. Stinnes beruft sich auch darauf, daß er es abgelegt habe, um Firma und Familie zu schonen. In Wirklichkeit hat er sich sagen müssen, daß aus diese Weise Firma und Familie noch in viel höhercni Maße leiden würden. Man hat der Staatsanwalt- schast vorgeworfen, daß sie in dieser Sache schließlich nur noch Stinnes gesehen habe, hat sie aber, als sie erfuhr, daß hinter der ganzen Sache Stinnes stehe, ihn nicht sehen müssen? hat sie seine Rolle als Geldgeber nicht klarlegen müssen? hätten die Beamten beide Augen zugedrückt, um Stinnes nicht zu sehen, so hätten sie dem Rechtsempfinden des de.utschen Voltes einen -s,ch.l.e.ch t e n D i e n st erwiesest. hieraus ging der Oberstaatsanwalt Sturm zur Dar- „Imißß der bereits oben genannten Strafzumesiungsgründe über. „Gespräche". Over plumpe Erfindung eines Oeutschnationalen!? Im hugenbergschen„Tag" verösscntlicht ein— ziemlich unberühmter— deutschnationaler Reichstagsabgcordneter, Herr von T r o i l o, angebliche„Miteilungen aus Unterredungen mit einer Anzahl sozialdemokratischer Gewerkschasts- i e k r e t ä r e".— Aus diesen Mitteilungen soll hervorgehen, daß die Sozialdemokratie emsig nach der D i t t a t u r strebe und als einziges Hindernis auf diesem Weg— Herrn Hilgenberg, den Stahl- Helm und den Landbund sürcht«! Da Herr v. Troilo Rede imd Gegenrede in direkter Form unter Beisetzung von An- sührungszeichen gibt, so muß der unbefangene Leser annehmen, daß es sich um die wörtliche Wiedergabe tatsächlich geführter Gespräche handele. Der kleine Umstand, daß Herr v. Troilo d i e Namen seiner angeblichen Gesprächspartner nicht nennt, wird von Lesern der hugenbergpresse bei ihrer anzunehmenden Einfalt kaum störend empfunden werden. Natürlich handelt es sich bei den Gesprächen um Phantasie- g e b i l d e des Herrn o. Troilo ,die ersonnen sind, einmal um dem Bürgertum das Gruseln vor der diktaturliisternen Sozialdemokratie' beizubringen, und das andere Mal, um den Glorienschein seines Meisters hugenberg in frischpoliertem Hochglanz erstrahlen zu lassen. All das, was her v. Troilo die sozialdemokratische Seite in diesen angeblichen Gesprächen sogen läßt, kann von einem sozial- demokratischen Gewerkschastssekretär in dieser Form und mit diesem Inhalt unmöglich gesagt worden sein. Namentlich die Behauptung, daß die Sozialdemokratie vor Herrn hugenberg ganztie- /sondere und gewaltige Angst habe, ist so durchsichtig, daß hier der Zweck des Ganzen selbst für naive Seelen deutlich zutage tritt! Wir können Herrn v. Troilo nur versichern, daß wir— und mit uns die gesamte Sozialdemokratie— der Deutschnationalen Volks- parte! die geniale Führung Hilgenbergs noch auf Jahrzehnte hinaus wünschen und gönnen! Krach im Thüringer Landtag. Herr von Thuemmel schließt einen Kommunisten aus. Weimar, 13. Juli.(Eigenbericht.) Am Sonabend kam es bei der Beratung des Iustizhaushalts zu erregten Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und dem Präsidium des Landtags, das gerade von dem Landbundabgeordneten o. Thuemmel ausgeübt wurde. Herr v. Thuemmel chloß im Verlauf der Sitzung den Kommunisten Fischer wegen fortgesetzter Störung aus. Fischer weigerte sich, den Saal zu verlassen. Als v. Thuemmel darauf die Sitzung schloß, beschimpften ihn die Kam- munisten in äußerst erregten Zurufen.» Zn Ergänzung der Liste der Arbeiterregierung werden nach- träglich noch folgende Ernennungen bekanntgegeben: Lordadvokat für Schottland Craigie Aitchison, Solicitor General für Schottland John C. Watson, Stellvertretender Generalpostmeister Biant. Direktor der Abteilung für Ueber'seehandel im Handelsamt Gillett. haupteinpcitscher der Regierung Tom Kennedy. Ilnmld der Technik. 3)ie ftlotUage einer aiifornalifcfien S'eni/prcchanlagc. Massenfeiern in Wien. Die Kührer des roien Wien sprechen zur internationalen Zugend. Wien, IS. Juli, stkigenbericht.) Das rote Wien ist seit Tagen die Stadt der roten Jugend. Ueberall auf den Straßen, in allen Straßenbahnwagen, in Autobussen, wohin inan schaut: Jugend und immer wieder Jugend. Und alle sind sie freudig und s r o h: freudig über die Erlebnisse auf den Kundgebungen, in den Hersammlungen und Feiern. Froh über die herzliche Aufnahme. Di« Wiener sind sehr besorgt um ihre jungen Gäste. All« Auskünfte'wÄrden bereitwillig gegeben. Allen merkt man die Freude an, Gastgeber dieser gesunden Jugend zu sein. Es kmipfen sich aus dieser herzlich- keit viele feste Freundschaftsbande. Alle zusammen geben stärkere Friedensgarantien als die Resolutionen und Beschlüsse des Völkerbundes. Es wird der wiener Zugendtag fortleben in der Geschichte der sozialistischen Friedensbewegung als ein lebendiges Zeichen für den Willen der jungen Gar6e der Arbellerfchast aller Länder, nie wieder Kriege zuzulassen. Freitag abend fanden große künstlerische Massen- feiern statt: fünf waren vorgesehen, neun mußten veranstaltet werden. Diese künstlerischen Feiern werden am Sonnabend nach- mittag wiederholt. Alle dies« Feiern beweisen, daß die s o z i a l i st i- sche Bewegung in starkem Maße auch eine Kulturbewegung ist. Das mögen sich vor allem jene Leute merken, die der Arbeiterbewegung immer wieder nachreden, daß sie nur eine Bewegung um materielle Besserstellung sei. Eine international eAbendfeier fand im Arbeiterheim Ottakring statt. Das Programm dieser Feier wurde ausschließlich von Internationalen Gruppen bestritten. Der Leipziger Jugendchor sang, holländische und polnische Ar- beiterjugend brachte das Spiel„Zusammenschluß" gemeinsam mit Truppen der Arbeiterjugend Amsterdams und aus Bodcnbach zur Aufführung. Eine Revolutionsfeier„Jugend für die Jugend" war unter Benutzung einer Reihe von Revolutionsgedichten zu- � sammengestellt. Sie brachte im ersten Teil eine Darstellung des Klaj enkampfesderVergangenheit und der Gegen. wart, zeigte im zweiten Teil, wie die Revolution Männer und Frauen und Jugend erweckt und der Menschheit den Weg zur höhe bahnt. Im großen Musttvereinssaal wurde das Chorwerk „Pioniere" aufgeführt, das zu einem Text des amerikanischen Dichters Wald-Withmann kvmponicrt worden ist. Auf die „Pioniere" folgt« die„Stund« der Befreiung". Dieses Werk von Joseph Luitpold ist das Muster einer sozialistischen Kantate und erntete stürmischen Bcisall bei der Jugend. In den anderen Feiern wurden die jugendlichen Gäste mit der Wiener Musik und Kunst bekannt gemachl. Lieder von Johann Strauß, Millöcker, Lanner und Soupe wurden ge- sungen und Tänze dieser Meister gezeigt. Ein« Feier trug den Titel„Rhythmen kämpfender Völker", eine andere zeigte das Volksstück„18 48". Am Freilag nachmittag und am Sonnabend morgen sprachen die Führer der österreichischen Sozialdemokratie, die Leiter der Gemeinde Wien zu der Zugend. Besonders erwähnenswert ist der Vortrag des Siadlrols Hugo' vreilner über die sozialdemokratisch« Finanzpolltik der Gemeinde Wien. Vor brausenden Beifallsstürmen unterbrochen, schilderte Breitner die Grundsätze des Wiener Steuersystems und belegte sie mit ein- drucksvollen, zuweilen drastischen Beispielen So sagte er. als er erwähnte, daß das Steuerertragnis der feinsten Kon- ditoreien Wiens ausreichte, um 16 Schulzahn- kliniken zu führen:„Die Damen, die sich mit Sußigkeitetr ihre Zähne verderben, mögen so dazu beitragen, die Zähne der Schulkinder gesund zu erhalten." Di« geistreichen und dabei doch außerordentlich populäre Methode der Darstellung fand den begeisterten Beifall der versammelten Jugend, die ein klares Bild der Wienet Finanzen und der Wiener Leistungen empfingen. Außerdem sprachen noch Nationalrat Karl Renner, Nationalrat Paul Richter, Bundesrätin Therese Schlesinger, Stadtrat Anton Weber. Die Wiener Wohnhausneubauten werden von der Jugend jelbstoerständlich stark besucht. Wo ist der R e u m a n n- Hof, wo ist der M a t t e o t i- h o s, wo befindet sich der Fried- rich-Ebert-hof? 100, 200, 300 Jugendgenossen in einem Häuser- block sind keine Seltenheit. Im Matteoti-hof haben Bewohner sogar die Möbel aus ihren Wohnungen bereitgestellt zu einem Massen- q u a j.t i« C. in der Zentral Waschküche. Manchem Jugendsichrer wird einigermaßen bange, wenn er sieht, wie die Jungen und Mädchen. besonders aus. den ärmeren.Ländern und Gebieten, verzärtelt werden. Die Führungen durch das alle und neue Wien unter Leitung von besonders ausgebildeten Zugendordnern werden recht rege in Anspruch genommen. E» ist begreiflich, daß die Führungen durch das neue Wien ein besonders starkes Znteressc finden. Sind doch viele Jugendlich« nach Wien gekommen, um in eigener Person einmal zu schauen, was dos rote Wien in der Wohn- frage geleistet hat, was sozialdemokratische Arbeit sich für st e i n e r n e Denkmäler in Form von schönen, gesunden Wohnungen gesetzt hat. Am Freitagnachmittag waren der Reimannhof und die Sandleiten mit ihrem Kongreßbad, die Lehrlings- Heime und das A m a l i en b a d viele Stunden hindurch das Ziel von Tausenden jungen Gästen. Besonderes Interesse zeigten die Jugendteilnehmer für die neue Fortbildungsschule in der März- straße. Sind doch viele von ihnen selber Berufs- und Fortbildungs- schüler. Am heutigen Sonnabendabend ist eine große in t e r n a t> o- n a l e F e i e r auf der hohen Warte. Anschließend ist ein Fackelzug vorgesehen, der am festlich beleuchteten roten Rathaus sein End« nimmt. Anschlag auf Henderson? Revolverhelven vor seiner Wohnung. London. 13. Juli. Wie die Morgenblätter berichten, sprach am Spätabend des Freitag ein unbekannter Mann in dem Hotel St. Ermines in We"- minster vor, in dem Außenminister henderson und seine Familie wohnen, wenn sie in London weilen. Der Fremde verlangte den Außenminister persönlich zu sprechen. Da er keine zufrieden- stellenden Gründe für diesen Wunsch angeben konnte, wurde lein Ersuchen abgelehnt, worauf er aus seiner Tasche einen Revolver hervorzog und, die Waffe spielerisch bewegend, erklärte:„Gut, ich werde ihn später sehen!" Eine Stunde später sprach ein anderer Unbekannter vor und verlangte gleichfalls den Außenminister-u sehen. Diesmal wurde das Ersuchen ohne weiteres abgelehnt. Die englische Geheimpolizei hat daraufhin in der Halle des Hotels eine Wache aufgestellt. Der ganze Vorfall ill vorläufig noch unai«'- geklärt und hat beträchtliches Aufsehen erregt. Im Zusammenhang mit dem geheimnisvollen Besuch von zwei Männern in dem Hotel, in dem Staatssekretär henderson wohnt. berichtet„Daily Telegraph", daß heute nachmittag der Londoner Bezirksausschuß der Kommunist. schen Partei eine Protestkundgebung außerhalb der Tore des Flugplatzes hendon gegen die dort heute stattfindende Riesenflugfchou veranstaltet Die Kommunisten pro- restieren gegen die Beteil'gung des Premiermini Oers. Snowdens, Lord Thomsons und anderer Mitglieder der sozialisti- schen Regierung und auch besonders gegen den Lustangriff auf einen K u l i s s e n h a f e n. der nach der Behauptung der Kommunisten die jetzt in Rußland errichteten Stahl- und Betonbauten darstelle. Mitglieder des Kabinetts sind„Daily Telegraph" zufolge feit ihrer Amtsübernahme zahlreichen kommunistischen B e l e i d i- gungen ausgesetzt gewesen, und es.wird in tommunistischen Zei- tungen der letzten Woche erklärt, biß die Belassung der Kontroll« über die„Mordmaschinen" in den Händen Macdai-alds und anderer Dilettanten den Selbstmord der Arbeiter bedeute. „Nationale" Hochschullehrer. ,15 Professoren, Vaterland, du bist verloren" In einer Zeit, in der sich gewiss« Professoren wieder einmal für berufen erachten, in„nationaler Politik" zu machen, ist e» wohl nicht ohne Interesse, an einige Urteile zu erinnern, die nicht allein aus der Mitt« des Volkes, sondern auch von Bismarck über gewisse politisierende Professoren gefällt worden Iind� Niemals glauden bekanntlich oielc Inhaber akademischer Leh�- stuhl«, in denen der Durchschnittsdeutsche den Inbegriff aller mensch- lichen Weisheit zu sehen pflegt, so ungehemmt als politisch« Wort- sührer auftreten ,zu können, als in politisch bewegter Zeit. So ist es nicht zu verwundern, dob sich zahlreich« Prosessoren im Jahr« 1848, als das Volk zum ersten Male um seine Freiheit kämpfte, gleich scharenweise ins Frankfurter Parlament wählen liehen Als man aber im Zuge der Ab- geordneten in Frankfurt die vielen Professoreng« st alten gesehen hatte, die an der Schöpfung eines jungen und freien Deutschlands mitarbeiten sollten, las man eines Tages an der Paulskirche in Frankfurt einen Vers angeschlagen, der bald die Rund« durch ganz Deutschland nwchl«. 75 Professoren, Vaterland, du bist verloren! Aehnlich, wie es hier aus dem Mund« des Volke« geschah, pflegte Bismarck über politisierende Professoren zu urieilen, unter denen er besonders die Historiker lächelnd betrachtet«, wenn einer, wie etwa S y b e I, an der Hand de» au? Bismarck» Anordnung drei, und vierfach gesiebten Material» die Gründung de» Deutschen Reiches schrieb„wie sie wirklich gewesen ist", Solange die Professoren sich auf ihre Katheder beschränkten, lieh Bismarck si« im allgemeinen gewähren, was er aber von ihrer politischen Befähigung dachte, geht au» einem seiner Briefe an einen Botschafter hervor, den er zornig fragt«, ob etwa die preußische Politik von Professoren, Kreis- richtern und kleinstädtisch«« Schwägern, also, in die heulige Ausdrucksweise übertragen von Stammtisch- Patrioten, gemocht werden soll«. Den in politicis ost„recht ungeschickten deutschen Professor", wie Bismarck an einer anderen Stelle sagt, dessen politisch« Weisheit er kleinstädtischem Bierbankgeschwätz gleichstellt, sehen wir auch heute wieder am Werk, auf Grund stockfleckiger Bücherkenntnis s« der Regierung Schwierig- leiten zu bereiten. Ueber die Bitterkeiten der angeführten Urteil« mag der trampelnde Beifall urteilsloser junger Leute die professoralen Po- litiker hinwegtrösten, di« nach einem Worte der Bettina von Arnim kein« Gosse überschreiten können, ohne sich darin zu spiegeln. Held gegen Hugenberg. Eine Auswirkung des preußischen Kirchenvertrogs. München, 12. Juli.(TigenberichU Aus der nächsten Umgebung des boyerischen Ministerpräsidenten Held wird im„Augsburger Anzeiger" an dessen Besitz Dr. Heid seit langem durch Einheirot beteiligt ist, in bemerkenswerter Weif« Stellung genommen zum Abfchlvh dt» Vertrage» zwischen Preuhen und der katholischen Kirche. Es heiht in dem Artikel: „Niemand kann dein preuhifchen Ministerpräsidenten Otto Braun das Verdienst nehmen, dah unter seiner Regierung da» Kon- kordat zustande gekommen ist. Braun Hot in st a a t s m ä n n i s che r Weitsicht und groher Klugheit das Zustandekommen der feierlichen Abmachung mit der katholsichen Kirch« durchgesetzt, man kann wohl sagen: erkämpft. Di« Deutschnationalen hätten«? in der" Hand gehabt, di« sehr weitschauenden Absichten ihres politischen Gegners zu durchkreuzen. In der entscheidenden Stunde haben sie aber etwas getan, was bei den Katholiken das Gefühl wachrufen muh, dah es in Preuhen immerhin noch leichter ist, mit den Sozialdemokraten eine die Interessen der katholischen Kirche wahrende Kulturpolitik zu treiben ol» mit den Deutschnatio- nalen. Aus der Stimmung, die da» preußisch« Zentrum angesichts dieser Haltung der Deutschnationalen erfüllen muß, werden starke, unausrottbare Ressentiments erwachsen, di« in der Zukunft di« toa- litionspolitische Problematik in Preuhen und darüber hinaus im Reich immer wieder beeinflussen werden. Wann«« richtig ist, dah Hugenberg die letzten Kommando, in der deutschnotionalen Preuhensraktion gegeben hat, dann ist da»«in neuer Beweis dafür. wie sehr ihm di« Fähigkeit staatspolitischer In- tuition mangelt und wie sehr er seinen marxistischen Gegnern unterlegen ist." Evangelische Kirche und Republik. Um den Maggenschmuck am Verfaffongstage. Anläßlich des kommenden Lersasfungstage» stellt« der Vorsitzende der Vereinigung der Freunde von Religion und Völkerfrieden den Antrag, dl« Steglitzer Kirchen mit Flaggenschmuck zu versehen und die Glocken zu läuten. Da» Antwortschreiben de» Gemeinde- kirchenrat» besagte:„Wir haben kein« Veranlassung, an unserem vorjährigen Beschluh, am Versasiungstag« nicht zu flaggen und nicht zu läuten, etwa» zu ändern." Selbstverständlich ist Be» schwerde beim Evangelischen Konsistorium eingelegt. Ob»an dort Abhilfe geschossen wird? Die Leiche Lenin» tm Kreml. Das Mostauer Mausoleum, ln dem dl« balsamierte Leiche Lenins aufbtwahrt wirb, wurde für die Oeffentlichkeit geschlossen. Di« Sowjetregimmg beabsichtigt,«in neues Mausoleum zu bauen, tos nn Oktober diese« Jahre, fertig- scstellt werden soll. Unter militärischen Ehrenbezeugungen wurde Ansang dieler Woche die Leiche Lenins in der Nacht nach dem Kreml llbersührt, wo sie bis zur Eröfsnunq des neuen Mäusoleum» ausbewah-t wird. Der Rote Platz war während der Uebersührung abgesperrt. Der chinesische Generalkonsul in San Franzisto, Pingkao, und seine Gottin, sowie«in chinesischer Kuli sind von der gmerita- Nischen Polizei oerhastet worden. Frau Dingkao hott»«rsucht, in ihren, Koffer Opium im Wert« von einer Million Dollar nach den Bereinigten Staaten einzuschmuggeln. Die drei Verhafteten werden vor ein amerikanische« Gericht gestellt werden, obwohl der chinesisch« Geschäftsträger bei Staatssekretär Stimäon den Antrag si« den chinesischen Behörden»uszuliefern, die den Opiumschmuggel unter Umständen mit Todesstrafe bestrafen. Kirchen bleiben Staatseigentum. Der mexikanisch« Finanz- minister erklärt, dah Kirchengebäude Staatseigentum sind, für dessen Erhaltung die Priester verantwortlich seien. Di« Kirchengebäud« würden wie andere össentlich« Gebäude betrachtet Avsbesierungen können aus Kosten der Kirch« erfolgen, jedoch nicht ohne Erlaubnis der Regierung. Die Legende vom Leichenkauf Von Walter Ktaulehu Hinter dem Oranienburger Tor beginnt der Ernst des Todes. Ein« merkwürdig verwinkelt« Straße beherbergt Benzintankstellen. Destillen und Leichenhäuser. Immer wo grüne Bäume sind, wohnt die Wissenschast: Leichenschouhaus, Phnsiologisches Institut, Anatomisches Institut. Beim Pförtner des Physiologischen In- stituts hängt«in Zettel, auf dem die Studenten ermahnt werden, ihre„Präparierbüchlein" mitzubringen. Ein Mann im weißen Mantel erteilt Auskünfte.„Ich möchte mich mal erkundigen, wo ich hier meinen Leichnam verkaufen kann?" Nicht das kleinste Erstaunen macht sich bemerkbar.„Das können Sie hier nicht machen," sagt der Weißmantlig«,„wir kaufen hier schon lang« keine Körper mehr an."—„So, so. ich dachte..."„Besteht denn gar keine Möglichkeit mehr?"—„Nein, es haben sich da zu viel Unregelmäßigkeiten ergeben." Weitere Fragen werden abgewehrt. „Versuchen Sie es mal in der C ho rite. Ich glaub«, die taufen noch Leute an."„??"„Da um die Mauer herum, bis Sie nicht mehr weiter können." Dia,„Um di« Mauer herum", bedauern gleichsalls.„Charite kaust schon lang« keine Leichen mehr an."—„Seit wann denn nicht?"—„0, schon sehr lange nicht!"—„Wo kann ich mich dann verkaufen?"—„Am besten gehen Sie nach der Philippstrahe 12, in? Anatomisch« Institut, da werden immer Leichen gc- kauft." So überquert man. immer in dem Bestreben, sich selbst los zu werden, einen schönen Platz, auf dem sich, aus Sandsteinsesseln, zwei groß« Sezierer in steinernen Operationsmänteln gegenüber- sitzen,— verweilt schließlich einen Augenblick vor dem Schaukasten, in dem ein schönes Bild hängt: Der Mann von der Sanatogen- reklame schwenkt darauf seinen Vollbart über«ine Mädchenleiche... Noch einmal betrachtet man sich in den Spiegelscheiben des Schau- sensters, hinter dem Operationsstühle und Instrument« begehrlich blitzen: diese anderthalb Zentner Fleisch Knochen und Sehnen will man nun, nebst dem Zubehör oerkausen:„verkloppen", wie man in der Kneip« sagt, in der man gehört hat, daß man seinen Leichnam überhaupt„verkloppen" kann. Da» große rot« Haus ist leer und still. Ueber lange Korridore wandere ich, ohne einen Menschen zu tressen. Das ganze Haus ist von einem widerlich süßen Geruch erfüllt. Leichengeruch. Eben will ich in«inen Saal treten, in dem in Glaskästen präparierte Körperteile zu Nutz und Frommen der Studierenden liegen(oer- mutlich sind es die Gesellenstücke der großen Sezierer), als ein Männerschritt durch die Gänge poltert. Der Herr Portier will wisien, was ich hier suche.„Ich will meinen Leichnam oerschenken."—„Wieso?"—„Na, ich will ihn der Anatomie oermachen."—„Der Herr Verwalter ist jetzt nicht da, da müssen Sie morgen noch mal wiederkommen. Aber ich glaube kaum, daß Sie bei den Herren Entgegenkommen finden werden."— „Wieso? Ein« gerade gewachsene Leiche kriegt doch di« Anatomie nicht alle Tage?"— Ein mitleidiger Blick trifft mich:„Ersten? leben Si« noch, zweitens find si« noch jung und drittens weih man nicht, wo Sic einmal verenden werden., Nein, nein, darauf werden sich wohl die Herren nicht einlassen!" So will ich mich schon wieder zurück ins Leben begeben, da treffe ich noch einmal ineinen Freund, den ersten Pförtner. Er: „Wissense, gleich, als Si« kamen, hob' ich mir gedacht, was Si« wollen. Was meinen Sie woll, wieviel Leute hier jeden Tag her- kommen, di« ihren Leichnam oerkaufen wollen. Es ist'n Märchen, junger Mann,'n Märchen. Die(Daumen nach hinten), di« geben kein Geld für Leichen aus Hams« ja auch nicht nötig. Früher, ja, so vor fufszich Iahren, als die Leute noch aus religiösen Gründen gegen das Sezieren waren, tja, da haben se sich Leiche» taufen müssen. Aber heute..!" „Ja, aber irgendwo müssen di« Leichen doch herkommen?" „Kommse auch. Aus Buch nämlich(In Buch sind die städtischen Krankenhäuser. Tuberkulosestationen usw.) All«, di« da sterben und keine Angehörigen haben, die werden seziert. Da liegen immer welche da hinten im Keller.(Im roten Haus, wo der süße Duft ist.) Wöchentlich kommen hier so Sticker fünfe ober sechs« an." „Und was wird dann mit ihnen, wenn sie seziert sind?" Draußen schrillt die Glocke. Mein Freund, der Pförtner öffnet, läßt«inen Wagen über das Pflaster hereinrumpeln, sticht die Kontrolluhr, blickt irgendwo hin und jagt:„Gott, die werden denn eingepackt und verbrannt." Was soll ich noch viel erzählen, von dem städtischen Leichen- Umschlagsplatz, oder wie er sonst heißen mag. wo früher die Masten- sarge standen und die Verteilungsstell« für namenlose Körper war. Die große Stadt gibt den Namenlosen das Broi bis zu ihrem Tode. Das ist Mitleid genug. Dafür bezahlt man das Mitleid, di« Pflege, das Nachtlager und die Sauberkeit nach der langen Wanderschaft mit seinem Körper. „Besteht also gar kein« Möglichkeit, sich zu verkaufen?" „Nee. höchstens, Si« müßten eine Abnormität sein, mit zwei Kopp« oder mit dem Herz aus der rechten Seite." So blieb dieser Vormittag negativ. Und als man wieder an dem Schautaften mit dem schönen Schild oorüberkam, da wußte man, daß auch dieses Werk des Herrn Gabriel Max eine Lüge ist. Der Anatom von heut« zieht nicht mehr Schleier von dem herrlichen Körper des jungen Mädchens, das. des ungetreuen Ge- liebten wegen in den Fluß sprang, sondern ein städtisches Leichentuch von Armut und Tuberkulose,— Entgelt an die Gesellschaft. Wie groß ist der Krauenüberschuß? Der Frauenüberschuß in den einzelnen Ländern Europas ist nicht erst, wie vielfach fälschlich angenommen wird, durch den Krieg entstanden, sondern er hat bereits in den meisten Ländern schon um die Jahrhundertwende einen beträchtlichen Umfang angenommen. Während er in den kriegführenden Ländern in den letzten 2S Iahren recht erheblich angestiegen sst, hat er dagegen in den meisten Ländern zum Teil wesentlich abgenommen. So kamen z. B. in Dänemark um da, Jahr ISflO auf 1000 Männer 1060 Frauen, während im Jahre 1926 nur noch 1051 Frauen aus 1000 Männer gezählt wurden. Ein« ähnlich« Verminderung ersuhr der Frauenüberschuß in Schweden, wo er von 1050 auf 1037 zurückgegangen ist und in Norwegen, wo er vor 25 Jahren 1095 betrug und im Jahr« 1925 sogar nur 1054. Di« Niederlande haben schon vor dem Kriege nur einen sehr geringen Frauenüberschuß gehabt, der 1017 betrug und jetzt ist er sogar auf 1013 zurückgegangen Di« kriegführenden Länder dagegen weisen in dieser Beziehung zum Teil erschreckende Zahlen auf. In Rußland ist der Ueberschuß an Frauen von 1025 auf 1110 gestiegen, in Deutschland von 1029 auf 1067, in Frankreich von 1022 auf 1110. In Serbien, wo vor dem Krieg« die Männer in der Ueberzahl waren, denn auf 1000 Männer kamen nur 936 Frauen, ist jetzt auch ein sehr beträchtlicher Frauenüberschuh sestzustellen, der 1039 beträgt. Das gleiche Er- gebni, hatte der Krieg in Bulgarien, wo im Jahre 1900 950 Frauen auf 1000 Männer und jetzt bereits«in geringer Frauenüberschuß vorhanden ist. E» ist erstaunlich; daß dies« beiden Länder trotz der vielen Krieg«, die sie auch vor dem großen Völkermorden zusammen führten, bi« zum Jahr« 1900 immer noch einen Männerüberschuß hatten. Auch Griechenland, der dritte Gegner in dem Balkankrieg, konnte sich im Jahr« 1900 rühmen, auf 1000 Männer nur 920 Frauen zu besitzen, während jetzt bereits ein beträchtlicher Frauenüberschuß von 1013 zu verzeichnen ist. In Großbritannien hat sich der Krieg nicht so stark ausgewirkt, denn hier bestand schon Im Jahre 1900 ein Frauenüberschuß von 1067 Fmuen auf 1000 Männer, der jetzt auf 1094 angewachsen ist. Auch Belgien hat die Wirtungen des Krieges aus sein« Bevölkerungszusammensetzung nicht so stark empfunden. denn hier ist der Frauenüberschuß von 1017 auf 1033 angewachsen. DI« Vereinigten Staaten von Amerika erfreuen sich immer noch eines Männerüberjchustes, denn«s kommen 961 Frauen auf 1000 Männer oerlängerungsinstituts" treten für eine grundlegende Reform der Männertleidung ein und zeigen durch Zahlen, wie sehr in hygienischer Beziehung die Toilette der Frau der des Mannes überlegen ist. Man hat die durchschnittlich« Kleidung bei beiden Geschlechtern gewogen. und die Ergebnisse zeigen nach Ansicht der Forscher unwiderleglich die..Unsinnigkeit" der männlichen Bekleidungsart. Das Gewicht der weiblichen Kleidung schwankt von 1)4 engl. Pfund(1 engl. Pfund = 453)4 Gramm) bei einem jungen Mädchen von 18 Jahr'en Vis zu 3)4 Psund bei der„mehr altmodisch" gekleideten Dame von 61 Jahren. Die Männer dagegen tragen„Losten", die zwischen 6?L Pfund und nahezu 10)4 Pfund liegen. Schon die Schuhe allein stellen«ine größer« Belastung dar, als die ganze Kleidung einer Dame ausmacht. In einem Fall trug eine Frau, die 174 Pfund wog, Kleidung im Gewicht von 2)4 Pfund, während«in Mam, mit einem Gewicht von 170 Pfund Kleider mit sich herumschleppte, di« 9)4 Pfund schwer waren. Münchener Gastspiel- Max Reinhardt. Den drei Tragödieninszenierungen ließ Reinhardt zum Schluß die Satire folgen.—„Victoria" von W. S. Manghan«,«in« belanglose Farce, aus der M. R. eine spielerische Sehenswürdigkeit schuf. Das neue und überraschende ist die aus der Deklamation des Wortes gewonnen« Heranziehung von Musik und Gesang. Der daraus sich ergebend« neu« Lustspieltitel wird nur dann wirksam, wenn unter dem Antrieb eines phantasieoollen Spielleiters die Dar. steller echten Humor haben und sie losgelassen in Spielfreudigkeit schwelgen. Das Diktoriospiel unter Leitung Reinhardts ist noch immer einzigartig. Einige Umbesetzungen haben das Niveau der Vorstellung nicht erheblich gedrückt.„Victoria" ist noch wie vor Lili D a r o o», unübertroffen in der Feinheit ihrer schauspiele- rischen Mittel. Einen Spezialersolg holt« sich Kurt Bois als parodierender Tänzer. Unter Beifallsstürmen verabschiedete sich Max Reinhardt, mit dessen Wiederkehr nächsten Sommer gerechnet wird. a. m. vie ihren Beruf wechseln. Nicht weniger«1» 1250 Schauspieler, darunter 650 Frauen, sind zurzeit beim Berliner Arbeitsamt als erwerbslas, meist als unter- stützungsberechtigt gemeldet. Dit Stadt Berlin hat das richtig« Gefühl, daß hier„etwas geschehen muß". In erster Linie hat der Stadtrat einen Bettag von 10 000 M. zur Verfügung gestellt, um erwerbslosen Künstlern di« Möglichkeit zu geben, in ander« Beruf« überzugehen. In kürzester Zelt hoben nicht weniger als 64 Schau- spieler und 22 Schauspielerinnen umgesattelt, darunter sind zehn Herren und vier Damen, die als Verkäufer in große» Warenhäusern untergekommen sind.— Aber noch einen anderen Weg hat das! Arbeitsamt beschritten: es hat 10 Schauspielern Gelegenheit gegeben. vor einem Publikum von Thealerdirektorcn aus der Bühne aus- j zutreten, und die Hälft« von ihnen, zwei Damen und drei Herren fanden sofort«in Engagement. Der Erfolg dieser Veranstaltung hat das Arbeitsamt ermutigt, für die nächst« Zeit noch mehrere der- artig« Schaustellungen ms Aitgt zu iolfen. Die Bilanz des deutschen Tonfilms. Es Ist im Juli dieses Jahres ungefähr«in Jahr her, feit di« deutsche Tonsilmindustrie mit einer eigentlichen Produktion begann. Es sind mehr Tonfilme hergestellt worden, als gemeinhin an- genommen wird. Allerdings wurde nicht die ganz« Sliyahl der hergestellten Filme zur Aufführung gebracht, und auch die Theater. in denen Aufführungen veranstaltet io«rd«n tonnten, waren gering an Zahl, da ja im ersten Umstellungsjahr nur wenig« Tonsilm- oorführungsapparaturen zur Verfügung standen. Trotzdem ist das Kapital, das in den hergestellten Tonfilmen investiert wurde, oer- hätinismäßig groß. Es wurden bis Ende Juni 1929 75 deuttche Tonfilme zensiert, unter denen auch die Tonfilmaufnahnun von Ansprachen und von Musikszenen als Tonfilme bezeichnet werden. Die»unsinnige� Männerkleidung. Der Aufstand gegen die Münnerkteirnng macht jetzt in allen Teilen der Welt.Fortschritt«, und besonder» heftig kämpft man gegen den„Wahnsinn" btt Herrentracht augenblicklich in den Ver- «inigten Staaten, in denen ein« andauernd« Hitzewelle dl« Herren der Schöpfung die ganze Schwere der Last, di« sie aus sich genommen haben, verspüren läßt. Die Gelehrten de» New-Yorker.Leben,- Ein Gerhart hauplmann-Museum in Erkner. In Erkner wird dieser Tage in dem Haus, das Gerhart Hauptmann während seine« Berliner Aufenthaltes in den 90iger Jahren bewohnt hat. ein Gerhart-Haupttnonn-Zimmer eingeweiht werden Die Gemcindc- verwaltung Erkner plant, durch Ausruf an die Freunde Gerhart Hauptmann» uud Mitglieder des damaligen Dichterkreises noch weiter« Gerhart-Hauptmann-Ermnerungen zu sammeln, um den Grundstock eines Gerhart-Hauptmonn-Museums zu legen. vi«»Krvppe long er Sche» spiel«', dl« mit dem SampeNchen Schouiplel .Revolte im SrzirhunoSdauS' große Srlolg« aufzuweisen datte. wird vor. auSsichtl!» setzt zur kluflö'ung kommen, nachdem der Leiter Gentchow wie der Regisseur Devpe in da» ilaalllche Lchaulpieldau» übernommen find. Vorder war auch schon«alter Gynt al» Regisseur bei StaatSlheater« engagiert wurden. Nachlpiel zae van«ogh-AfiSre?lus Veranlassung der Verliner Krimi- ualpolizei wurden bei dem Düsseldorfer Kunsthändler vacker süns Bilder beschlagnahmt. Wacker ist ein Bruder de» Berliner Kunsthändler« Olto Wacker, der Ende v. IS. im Mittelpunkt der sensattonellen van Gogh-Rffäre stand. Feuerschutz in Warenhäusern. Reue Gicherungsvorschrifien der Preußenregierung. Die große» Fabrtkbräude der letzten Zeit und besonders der verheerende Warenhausbrand in der Ehauffee- straße haben den verantwortlichen Behörde» Vera». lafsung gegeben, neue Sicherungsvorschrlsten für Warenhäuser und andere Betriebe, in denen größere Mengen leichtbrennbarer Slofse lagern oder feilgehalten «erden, herausgegeben. Bisher bestanden die sogenannten Sonderanforde- rungen vom 2. November 1907. Da die Ausarbeitung der neuen Vorschriften noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird, werden die zuständigen Behörden vom preußischen Minister für Volkswohlfahrt und zugleich im Namen des Innenministers und des Ministers für Handel und Gewerbe ersucht, schon jetzt über die Vorschriften vom 7. November 1907 hinaus zur Sicherung der Käufer und des Personals in Warenhäusern usw. folgend« An« ordnungen zu treffen: Für jedes Warenhaus muß während der Betriebszeit eine im Verhältnis zur Größe des Hauses stehende Hausfeuerwehr vorhanden sein. Die Hausfeuerwehr fetzt sich zusammen aus ausschließlich für den Feuerläschdienst bestimmt«» uniformierten Feuerwehrleuten und einer Anzahl von ande- ren, für den Feuerlöschdienst geeigneten männlichen 2lngestellten. Die Feuerwehrleute müssen mindestens drei Monate laug bei einer Lerufsfeuerwehr ausgebildet worden sein und von dieser die Bescheinigung erholten haben, daß sie für den Feuerlösch. dienst in Warenhäusern geeignet sind. Di« übrigen Mitglieder der Hausfeuerwehr sind von de« Feuer. wehrleuten anzulernen und durch gelegentliche Hebungen auf dem laufenden zu halten. Im allgemeinen sind auf 1000 An- g e st e l l t e eines Warenhauses zwei Feuerwehrleute und mindestens zehn andere im Feuerlöschdienst ausgebildet« Angestellt« zu rechnen. Bei mehr als 3000 Angestellten und bei Häusern mit Sprinkleranlagen kann im Einoernehmen mit der Ortsfeuerwehr Ermäßigung eintreten. Da bei allen Bränden schnelle Löschhilfe der best« Schutz ist, so ist tue Haltung einer genügenden Anzahl brauchbarer, vom Feuerwehrbeirat anerkannter Handfeuer» l ö s ch e r notwendig. Für Warenhäuser ist in gleicher Weise, wie es in der Theaterbauordnung vorgeschrieben ist, zu fordern, daß die elet- irischen Beleuchtungs- und Kraftanlagen und Blitzableiter jedes Jahr von einem von der Polizeibehörde anerkannten Sachverständigen untersucht werden: über das Ergebnis der Untersuchung ist der Polizeibehörde ein« mit dem Gutachten des Sachverständigen vcr- sehene schrtftöche Anzeig« zu erstatten. Alke ja Dekorationen, auch bei«Weißen Wochen", verwandte» Stoffe müssen imprägniert sein. Dieses Interim ist nur zu begrüßen, denn im Interesse der Bevölkerung muß alles getan werden, um Leben und Gesundheft der Mitmenschen zu schützen. KomunistischesWori- und Vegriffsspiel. Offizielle und mchtofffzielle ZSetriebsverfammlvng. Im April wurde ein« Betriebsversammlung der Firma Key« ling u. Thomas abgebalten. Leiter der Versammlung war der Vorsitzende des Betriebsrats, der kommunistische Re i ch st a g sab g« ord nete r Hein. Nachdem die Betriebs- angelegenheilten erledigt waren, wählte die Versammlung ein« D e l r- gation für den Rotfrontkämpfertag, der zu Pfingsten in Hamburg abgehalten werden sollt« und beschloß, die Kosten der Delegation durch eine Sammlung im Betriebe oufzu- bringen. Wegen dieser Wahl stellte die Firma beim Arbeitsgericht den Antrag, Hein seines Amtes als Mitglied des Vor- sitzenden des Betriebsrats zuenthebcn, weil er durch Vornahm« einer politischen Parteiangelegenheit in einer Betriebsversammlung s«n« Betriebsratspflichten gröblich oerletzt habe. Vor Gericht suchte sich Hein durch folgende Ausrede aus. der Schlinge zu ziehen: Die Betriebsversammlung sei nach Erledigung der auf der Tagesordnung stehenden Betriebsangelegen- Helten beendet gewesen. Die Wahl der Rotfrantkömpferdele» gation habe also nicht in einer Betriebsversammlung stattgefunden, sondern sie sei spontan aus dem Willen der Anwesenden und ohne seine Mitwirkung zustondegekommen. Was hob« er, Hein, �denn dagegen machen sollen I Er habe doch die Arbeiter, die nach Schluß der Betriebsversammlung noch beisammen blieben, um andere Angelegenheften zu besprechen, nicht aus dem Ver» fammlun geraum hinauswerfen können. Das Gericht kam zu der Auffassung, daß ein Unterschied zwischen offizieller und nicht offizieller Betriebsversammlung nicht gemacht werden könne, um so weniger, als Hein auch während der angeblich nicht offiziellen Versammlung auf seinen Platz als Versammlungsleiter geblieben fei und nicht zu erkennen gegeben habe, daß die Betriebsversammlung beendet sei. Er habe durch die Duldung der Wahl der Delegation sein« Betriebsratspftichten gröblich verletzt. Das Gericht beschloß des« halb: Der Vorsitz und die Mitgliedschaft Heins im Betriebsrat ist erloschen. pensions- und Ruhegehaltsausprüche. Für Streitfälle die ordentlichen Gerichte zuständig. Der frühere Angestellte R. in Berlin klagte gegen die Stühe- gehallskasse der Allgemeinen Automobil 2L-G., Berlin, auf Ruhegehaltsanspriich« beim Landgericht in Berlin. Die Beklagte er- hob Einspruch und macht geltend, daß für diese Klage nicht die ordentlichen Gerichte, sondern die Arbeitsgerichte zu- st ä n d i g feien. Sie stützt sich auf§ 2 des Arbeftsgerichtsgefetzes und verlangt deshalb wegen der Unzuftändigkeft die Abweisung der Klage. Das Landgericht erklärte sich aber für zuständig, da es sich hier um Ansprüche aus einer privaten Ruhe» gehaltstasse handelt. Di« Allgemeine Automobil A.-G. habe den Ruhegehaltsstock von 300 000 M. gegründet, jedoch seien beide Körper getrennt und hätten keinerlei Zusammenhänge. Daher sei für solche Streftsachen nur das ordentliche Gericht, aber nicht das Ar- beitsgericht zuständig. Um in dieser Frage ein« grundsätzlich« Entscheidung herbeizu« führen, legte die Beklagte gegen dieses Urteil Sprungrevi» sion ein. Das Reichsgericht wies die Revision alsvölligunbe» gründet zurück und schloß sich vollinhaltlich der Entscheidung der Borinstanz an. Die Klag« des R. vor dem ordentlichen Gericht fei berechtigt und dieses auch zuständig._ (Schiedsspmch für die Montanindustrie. Bevlheu. 13. Juli. I» der am Freitag unter Vorsitz des Oöerregierungs- und Ge- werberots Prof. Kramer durchgeführtm Verhandlung im Gehalts- tarffkonflikt der oberschlesischen Montanindustrie wurde«in Schieds- spruch gesällt. der eine Gehaltserhöhung um 4 Prozent ob l. 6. vorsieht. Das Abkommen soll bis zum Ende dieses Jahres Geftung haben.. Die Erklärungsfrist läuft am 19. Juli ab. SS 000 polnische Landarbeiter sind nach Angaben des Warschauer Statistischen Amtes in diesem Jahre nach Deutschland zur Saison- arbeit gekommen. Theater der Woche. Vom 74. Fuli WS 22. Fat! * Volksbühne. am nUMWbft: Sctlttt, wi« es weint und feAi. rat Schiffbanewow»! Zienelte int Erziebimachaus, Staatslheater. ßpez Unitx bca Linde«! 14. ffi ätictiwnmunjnc. IS. Stoiente ViNterfln. 16.«itbt« Cbeniee. 17. Joris(Bubanoff. 18. Carmen, lt. SBofeitioncfi«. So« Montag Bis einschließlich iftclfo« Borftellung ju befonbets ermüß'St-n Preisen. Vp»«tn Platz der Repnblii: 14. Carmen. 13, Der fliegotbe SollSnben. 1«. Soffmomts(Srjäblunaen. 17. Salome. 18. Ipbigrni« auf Tauri». 1». MbeLa. Bon Dienstag bis Kreitag besonders ermäßigte Preise. Ab 20. geschloffen. Theater mit festem Spielplan: Deutsche, Dbeater: Di« Mebermaus.— Di« tsalUts Penerter.— »iidienhan,! Lochgeitsreise.— Tbeater des Seite»»: Friederike.— Lnstsriel. bans: bis 16. Revolution bei Sterns, ab 17. Du wirst«ich beiraten.— Metropol-Ibeater: Blaubart.— Sie Tridnae: bis 15. Ssterserie». ab 16. q». schlössen.— Rase-Theater: Dlaf.— Rale-Tbealer-Sarteabtib»«: Gräfin Marian. — Schloßpori-Dbearer Steglitz: Das Gliicksmäöel.— PUHa. vt»t«rg Seala: Internationales Bariete.— Reich« balle». Tbeater: bis IS. Gtettiner Sänger, ab 16. Gastspiel Dresdner BiVoria�Sänger.— Tbeater«or Aott-bnffrr Zar: bis 16. Elite-Sänger, ab 17. Gastspiel Leimiger Iritz-Weber-Sänger. Nachmittagsvorstellungen. Theater de» Westen»! 14 21. Friederike.— Metrapol, Tbeater: 14. Zl. Blau. bart.— Rase-Tbeater-Sartenbüb»«: gon�rt und bunter Teil.— Schladvars. Tbeater StrgNtz: 14. Im siebenten Himmel.— Pia*9. Bintrrgarte», Scale: 14. 20. 21. Internationales Bariete. Erstaufführungen der Woche. Mittwach. Luftsvielbant- Du wirft«ich heirate». Wetter für Berlin: Trocken und ziemlich Hefter,«n Tag« wann. Für Deutschland: Im äußersten Osten wolkig mft etwas Regen, im übrigen Deutschland trocken und ziemlich Hefter, überall warm. Loonsdaock. 13. Juli. Berlin. 16.00 Dr. Ärnideos Grobsnafm: Valimo,«las Rcicb der MÄnebe. 1630 San.-Rat Dr. Paul Trank: Mediriniscb-hygieniscbe Plauderet. 17.00 UnterbaUnngsmusik de» Kapltol-Orchesters Schmidt-Boclcke. AnschlieBend: Mitteiluogea des Arbeitsamtes Berlin Mitte auBerbalb des Programms. 18.40 Prof, O. Meute: Praxis der Autnalmie. 19115 Max Menzel: GroBitldtische Gewerkschaftsarbeit. ]9-30 B. Marquardt; R>ga. Deutsche Kultur ia Lettland. 20.00 Blasorchester-K onrert unter Mitwirkung von..The Songster»". 22,30— 0.30 Hotel Esplanade: Taoimusik. Während der Pause; Bildfunk. Königswusterhausen. 16.00 Min.-Dir. Treodelenburg: Der Vertrag t wisch es PteuBen und der Kurie, 16-30 Reicbsgerichtsrat Dr. Mende: Die wohlerworbenen Rechte der Beamten. 18.30 Von Hamburg: Nachmittagskonrert. 18.00 Aufhäuser: Lebenswelt und Ideologie des moderne» Angestellte». 18.30 Französisch für Anfänger. 18.55 Prof. Dr. Deegener: Zoologische Beobachiuagen I» der Umgebung von Berlin. 19.30 Dr. Ludwig Her«; Tbeatererinuerunge» eines alten Mannes. Sonntag, 14. Juli. . Berlin. 8.33 Morgenfeier. v 10.00 Wettervorhersage für den Landwirt. 13.00 Von Leipzig; MandoIineokonzerL 13.00 Mittagskonzert. 151» Sonaten. 1. Albrecht Luer; Sonate As-Dur. 2. Albrecht Laer; Senate F-Moll.(Der Komponist am Flügel.) 15.30 Märchen,(Erzählt von Johanna Meyer.) 16.00 Kammermusik. 1. Haydn: Streichquartett C-Dur, op. 33, Kr. 3. 2, Mozart; Streichquartett G-Dur-(K.-V. 387).(Bruinier-Quartelt.) 17.00 Konzert ans dem Zoo. 19.00 Schallplatten-Kabarett. AnschlieBend Zeit. Wetter, Tagesoachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30; Tanzmusik. Während der Pause: Bildfunk. KSnigswosterhanse». 11.30 Uebertragung von Königsberg. 18-30 Ob.-Reg.-Rat Dr. Peiser: Was führte zum Sturm auf die Bastille? 1 19.00 Otto Brues: Berlin und die Provinz. Berantwurtl. fUc die Redaktion: Wollgamg Schwarz. Berlin; Änaeigen: Th. Glocke. Berlin. Bertas: Burwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärt» Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer 5- Co.. Berit» SS 88, Lindenftraße 3. Hierzu 1 Beilage. XUztdec. LicUispicle usw. Sonnabend,13.7. Staats-Oper Unter d. Linden R.-S. 11 20 Uhr Sevilla Slaals-Oper Am Pl.d.RepubI. A.-V. 31 Id'h Uhr Sonnabend,13.7. Stadl Oper Bismarckstr. Qslcliiossen am Bendarmeumarkt Oetdilossen! Staat!. Sehiiler-Theater.Ciiaritli. Geschlossen. S Uhr Sarb. 0256 van Horn 6 Jnez, Barbette usw. Stniteog, Sunlag]e 2 Vorttelluacu 3so o. 8 Chr. 330 trmlBlgl* Praln PLAZA ' Tägi. 8 u. 8» Sonnt 2. 5 n 8» __ J AI«». 8066 [ INTERNAT. VARIETE Sommer-Qarten-Theater i Berliner Prater N 58, Kast-Ailee 7-9, Tel. Hb. 2240 I fiasisniBi finstsl Bni, Gistei Ullan i ZarewUsda 1 Operette von Franz Lehdr | Oazw der«rotze Vartatttell. Anfang Konzert USO. Burlesken. Varste S Dhi. Operone 8.30. IMto Donners tn u grober(olkstai. i Jed. Mittw Ktaflerteit n. vertMHBg leMMMM— Msseeee Winter * Garren* 8 unr. Ztntr. 2818» Blichen wiuu Fllm-Sensstlon>..WlaSchm«- llng Paollno baslagt«".— Dar Wundarknab« Conch« und waltar« VarlaU» Nauhaltan. •«« SoimabMd und Sonntag Ja 2 Vorstallungan J» und 8 Uhr. i" kleine Preise. Volks bOline riiutu iallievititi 8V» Uhr Berlin, wie es weint u. lacht Theaier am smufbaoerdamm. Norden 1141 u. 281 8V* Uhr Qrnppe langer Bcfaaneplcler Revolte Im Brziehungsliaas (UrnnlflUininBS- beseumio) Partei- und Qewerk- schaftsm-tgl. gegen ">rzeigungdesMit- liedsbuches statt und 4 Mark nur 1 Mark f Dentsdiei IUeater 0.1. Norde 8Un Endeg Regit Max Reinhardt. iusik. Einrichtu und Leitung E. W. Korngold. Die Konrödie Reporter und Mac Arthur Rose- Oortei ».SO Uhn 8,15 Uhr: GeHNs Marita CroBe Operette von Kilman im Inaentheaiar: r«gUd> 8.15(An P.OEAF*« Tragödie eine. Sportlers WOCHENENDE im r £imasl,ack giöMlen istereatutaet«» popnUnlan Vargongungrpark Deutschland» 100 Attrafcllenan Pral-VarlaM Oreom Orlllant-Pcutrwtric REEDEREI BATHKE& DAVID Spandau, Hamburger Straß« 9»— TeL: Spandau 888 Berlin N 65, lege er Straß« 2— Tel; Moabit kööq BlUlge Tonren- n Ferien-SoBflerfalirfgni na muanta»eck UBoUiim oauai Montag SB« Sasnahsia au tzn Benignim Abfahrt: Ftnnbrücke(Nordhafent Wochentags 9,15 13J0 Seestr.(Beusselbrücke). 9,85 1380 Fennbrücke(Nordh fenl Sonntags 9,15 10,15 l3Jt kjb Seestr.(Beusselbrücke)„ 9�5 10�5 13,50 MJA Wttvpa 8» mi weller 6s; Raa veroemuM. Bdiigniw na Lekiius,« Abfahrt: Berlin, FennbrOcke 6,30, ab Beusselbrücke 6�0. ab Spandan Lindenufer 7,00, ab Tegelott 7.40. Fahrpreis hin und zurOcx RM. 3,-T 1> Wem Donaentig 8U nl walleres; Kam SrBMiUe. Ut-Bachhorst»ig MBllnin Abfahrt: Berlin, FennbrOcke 8,45. ab Weidendammer Brücke?? Fahrpreis hin und zurück RM. 1,78.' 4 U ledaa Montag Blensag. Hlttwaa 1. Dm nrsiag; Bach kmiiis. Patsun> Tinniia Abfahrt; Berlin, Fennbrücke 9,00, ab Beusselbrücke 9,15. ab Soandän Lindenoler IOJO. Fahrpreis hin und zurück RM.2,A P a' Vermlehmg von modenm» Dampfen aad Salonmetoredüffca m y,, ,» Mrote» nav. W WHMrtea PtcImb. l ,—*• (Beilage Sonnabend, 13. Juli 1929 SprAbmÄ Qfifit l�vu�tx�Ä Portier bei Tag unö Nacht ftnf verantwortungsvollem Wösten/ Das Her; der Hotelmaschine/ lebendes Kursbuch Um es gleich vorweg zu nehmen, der Portier, von i>cm wir hier sprechen/ ist nicht zu verwechseln init jenem livrierten Man» an den Drehtüren der grasten Restaurants und Cases, dem wir eberrsalls den Namen Portier geben. Dieser führt den Namen nur zu Recht, wenn wir darunter den Türschlieher verstehen, der den Gästen die Türe öffnet und hinter ihnen wieder zumacht. Der eigentliche Portier, derjenige nämlich, der in den großen Ho- t e l s hinter einem großen Tisch sitzt und einen mit goldenen Streifen gezierten Gehrock anhat, ist eine viel gewichtigere Person. Ihm untersteht nicht nur der Pförtner und der Fahrstuhlführer: auf sein Aornmando horchen auch die Boys, die in ihrer hübschen, schicken Uniform die Vestibüle der großen Hotels bevölkern. Er hat den verantwortungsvollsten Posten im Haus. Wenn ein Gast ein Anliegen hat, kmnmt er. zum Portier. Der Portier ersetzt ein ganzes?luskunfts- und Vertehrsburcau. Er muß wissen, wann die internationalen und nicht internationalen Schnell- züge ankoinnien, wann sie abfahren, welche Wagenklasse sie führen, ob Schlafwagen. Er muß aber auch wissen, wann sie in Madrid ankommen, in Warschau, in Paris, in Mailand usw. Der Portier ist ein lebendiges Kursbuch. Wehe ihm, wenn er nur einmal versagt. Sein Ansehen ist dahin und nie mehr wendet sich der Gast an ihn. Ortsfremde Gäste kommen und möchten die Stadt kennen lernen. Wo erfährt man am besten, was man sich ansehen soll? Beim Portier! Der Partier, ein in Erfahrung und Höflichkeit er- fahrener Mann, weiß aus den ersten Blick, was er gerade diesem Gast zu empfehlen hat. So rät er dem einen also zur Oper, dem anderen zur Revue oder zur Operette. Zwischen dicjcn beiden ist ja kein großer Unterschied mehr. In Berlin wird zurzeit eine Operette gegeben, die beides in einem ist. Auch nach Kinos und Filmen wird gefragt, aber das sind dann schon dte weniger an- spruchsvollen Gäste. Hoch steht auch da? Lustspiel im Kurs. Der Reisende will keine schwere Kost oorgeletzt bckmnmen. Er will sich erholen, und dazu ist ein lustiger Schlager gerade recht. Der Portier lächelt. Er, der nie Zeit hat, sich ein Stück auf der Bühne anzusehen, erzählt mit der freundlichsten Miene von der Welt, was sich in dieser Komödie alles begibt. Der Gast hört interessiert zu und entschließt sich, diesen Abend im Lustspielhaus zu verbringen. Dem Portier trägt..er auf, die Karten zu besorgen. Oer Portier ist der gebildetste Mann von der Welt Woher aber weiß der Portier, was in diesem Stück gespielt wird? Er liest die Kritik. Da er selber nicht zum Besuch des Theaters kommt, muß er sich dach irgendwie über den Inhalt orien- tieren. Was er nicht von Hotelgästen erfährt,.das. eignet.er sich so aus den Zeitungen an. Es gibt noch viele andere, unzäh�f lige Dinge, die er'verfolgen muß. um Red« mid. Antwörl stehen zu können. Da ist zum Beispiel das Wiüier.' Es kommen Geste, die ihre Zeit nicht'aus dem Zimmer verschlafen wallen. Die wollen wissen, was es für Wetter gibt, ob es ichön bleibt, ob es aufheitert, ob mit einem langen Regen zu rechnen ist. Danach trcsfen sie chre Dispositionen. Und inmier wenden sie sich an den Portier, von dem sie annehmen, daß er es so eo ir>*o wissen muß. Der Portier ist nicht nur eine Respekts-, er ist auch ein«Vertrauens- person. Und in diesem Sinn wird er auch von den Gästen ve- bandelt. Gerade die weitgereisten und weltgewandten Gäste sind es, die sich mit allen wichtigen, ihren Aufenthalt angehenden Fragen an ihn weichen. In schwierigen Fällen ziehen sie ihn sogar in ihr Vertrauen und pumpen sich mal rasch ein paar Mark, die er ohne Bedenken gibt. Denn auch dieses gehört zu seinem, wie wir sehen, sehr verantwortungsvollen Amt. Und die Fälle sind nicht selten, daß er dieses Geld nie wieder sieht. Man wird sagen, ja, warum pumpt der Portier eigentlich? Geld leihen ist immer eine kitzliche Geschichte! Stimmt. Aber„ohne* geht es ichen nicht. Es gehört einfach zu seinem Beruf, und will er seinen Posten nicht vertieren, so muß er mir den Wösten heulen und vorstrecken. Er kann von dem Gast, der ins Theater will und sich von ihm eine Karte besorgen läßt, nicht den Betrag im voraus verlangen. Erstens weiß er nicht, was es kostet und zweitens ver- trägt das Renommee des Hauses nicht, daß er Mißtrauen zeigt. Iln- gefÄ>r weiß man natürlich schon, wem man Kredit geben kann und wem nicht. Aber so abgrenzen, daß man dabei nicht zu Schaden kommt, läßt es sich natürlich nicht. Wer weiß, ob der Gast, der schon dutzend Male hier gewohnt hat und als vermögend gilt, es noch ist. wenn er zum dreizehnten Male eine Anleihe nimmt? Hier liegen die R i s i k o q ue l l e n. die der nicht übersehen darf, der dem Portier ein großes Einkommen zuschreiben möchte. Gerade darüber bestehen in der Oeisentlichkeit sehr irrige Meinungen. Die Pressestimmen sind nicht selten, die wisien wollen, das ein Portier in wenigen Jahren ein reicher Mann ist. Besondere Fälle ausgeschlossen, wird man wohl sagen dürfen, daß diese Darstel- lungen durchaus irrig sind. Die Portiers, mit denen ich darüber gesprochen habe, befinden sich alle in reiferem Alter, zum Teil über zwanzig Jahre an einem und demselben Ort. Keiner von ihnen hat Reichtümer gesammelt, obgleich sie zum Teil in internationalen Hotels mit einem großen Publikum befchäitigt sind Die großen Vermögen der Portiers find Märchen. Im Gegen- teil tonnte Ich feststellen, daß ihr durchschnittliches Einkommen m keinem Verhältnis steht zu dem Aufwand von Mühe und Arbeit und dem Kraft- und Nervenoerbrauch, der von ihnen im Dienst verlangt wird. Die Portiers sind vorzeitig alt. Die meisten sind dem Ansturm von Fragen und Antworten, die im Lause eines Pages an sie gestellt werden, nicht gewachsen. Wenn sie am Ende ihrer Lausbahn nicht aus die öffentliche Fürsorge angewiesen sein wollen, müssen sie in der Lage sein, in der Zeit ihres besten Mannes- alters Rücklagen zu machen, von denen sie später leben können. Es kommt natürlich auch vor, daß sich ein Portier nach einer ge- wissen Venstszeit selbständig mächt und ein kleines Restonrant oder Hotel zur Venvoltnng übernimmt. Aber diese Fälle sind nicht gar s« hausig. Wo kommen die Portiers her? In den meisten Fällen gehen sie aus dem Kellnerberuf hervor. Menschenkenntnis. Weltkenntnis, S p r a ch e n k e n n t- Ii i s ist die notwendige Voroiisseßuna Gres Berufes. Der Typ von Portier ist nicht selten, der nä'.'n Eng', i.h in d Französisch auch noch auf drei, vier ander« Sprachen zu antworten weiß. Zwei davon fließend ist unerläßlich. Die meisten Portiers find in jungen Jahren im Ausland gewesen und kennen die Sitten und Gebräuche fremdländischsr Nationen bis auf ihren Nationalfeiertag. Jan Um- gang mit den Hotelgästen besitzt der Portier bei aller Höflichkeit, die felbstoerftöndlich ist, eine gewisse Zurückhaltung. Der Portier hat die Würde des Hauses zu wahren. Er darf nie das Gleichgewicht verlieren und muh immer auf dem Posten fein. Und dieses Auf-dem-Posten-sein heißt nichts anderes, als darauf zu achten, daß sich kein zweifelhaftes Gelichter in das Hotel«inschleicht. Aber auch das schärfste Aug« kann natürlich nicht verhindern, daß sich Gäste einfinden, deren Gehen man lieber sieht als ihr Kommen. Und da beginnt nun die besondere Geschicklichkeit des Portiers. Ein unauffälliges Beiseitenehmen, so daß es niemand auffällt, eine diskrete Anfrage und der Gast verläßt, so rasch wie er gekommen ist, wieder das Haus. Verdächtige Gesellen, die an an, deren Orten aufgefallen sind, werden durch die Organisationen avisiert und ihr Aeußeres beschrieben. Der Portier hat sür derlei Leute einen scharfen Blick und erkennt sie mit oder ohne falschen Bart. Ein Anruf bei der Kriminalpolizei, und der Hoch- staplcr wird in liebevolles Gewahrsam genommen. Der Portier wahrt bei dieser Vorsorge nicht nur die Interessen seines Chefs, des Hoteldirektors, sondern auch die seiner Kollegenschast, die ja meistens zu den bevorzugten Opfern dieser Art Wettreisenden ge- hören. Ein Portier in der Näh« des Anhalter Bahnhofes erzählte mir auf meine diesbezügliche Frag«, daß er mit dem Geld, um dos er von solchen Leuten gebrocht worden ist, mit seiner ganzen Fa- milie eine vierwöchige Mittelmecrreis« machen könnte. Ahcr auch sonst bringt der Porticrbcruf manche unliebsamen Folgeerscheinungen mit sich. Da läßt ein Gast beim Portier einen Pcrferteppich abgeben. Bevor er noch auf dos Zimmer gebracht werden kann, wird er in einem uirbcwachten Augenblick gestohlen. Wer haftet für den Verlust? Der Portier. Solche und andere Fälle machen den Abschluß einer Schutzversicherung zu cinnn dringenden Bedürfnis. Wie wir erfahren,.stehen diese Vcrhand- lungen nah« vor dem Abschluß. Neben der Würde hat der Portier aber auch die G a st- f r e u n d s ch a f t des Hauses zu vertreten. Er muß jederzeit freund- lich sein und den Gast aus das zuvorkommendste behandeln. Selbst da, wo es ihm schwer fällt. Deshalb erfordert dieser Beruf die größte Selbstzucht und Selbswerleugnüng. Iii die schwierigste Lage kommt der Portier dort, wo die geschäftlichen Prinzipien mit denen der Gastfreundschaft in Widerspruch geräken.: Darf der Portier einen Scheck in Zahlung nehmen? ■j*. Mit gutem' Grund wird er es ablehnen, wenn er den Gast nicht temil. Schwieriger liegt der Fall jchon, wenn es sich um«inen Stammkunden handelt. Aber.wie kann der.Porsler«üsstri�p b der Scheck gedeckt ist? Nachfragen lasten sich nicht gut anstellen, wenn es sich um auswärtige Bonken handelt. Also? Er nimmt das Risiko ans sich oder lehnt ab. Im ersten Fall wird er eine schlailose Nacht verbringen, im anderen aber bestimmt den Gast beleidigen und vertreibend Solche Fälle-losten sich ober nirgends vermeiden, und man wird es dem Portier nicht übelnehmen dürfen, wenn er sich vor Schaden schützen will. ■' Der Portier lebt von den Trinkgeldern. Das Gehalt, das er vom Hoteller bekommt, ist so minimal, daß man es«igent» lich nicht gut Gehalt nemien kann. Die Höh« dieser Trinkgelder wird natürlich wieder von der Größe und dem internationalen Ruf des Hotels abhängen. In der Mehrzahl der Fälle dürft« das Ge- halt in kleineren Hotels größer sein, da hier die Trinkgelder ent- sprechend niedriger sind. Groß ist die Differenz jedenfalls nicht. Dagegen sehr, was die Trinkgelder anlangt. Genaues läßt stch frei« lich nicht feststellen. Sieht man einmal von den Verlusten ab, die dem Portier in seinem Berufe entstehen, so dürfte das Ein- kommen eines Portiers in einem mittleren Hotel dem eines mittleren Beamten, und dos des Portiers in einem Groß- betrieb dem eines höheren Beamten gleichkommen. Auch äußerlich wirkt stch dieser Unterschied aus. Der Portier in einem ersten Betrieb wird di« dem Portier eigentümliche Sorgfalt in der Garderobe verdoppeln. Sein Kragen wird nie benutzt, seine Klei- dung nie abgetragen erscheinen. Beim Portier laufen alle Fäden zusammen, die das Hotel zu einer lebendigen Mafchinc machen. Er ist sozusagen das Herz d i e s e r M a s ch i ii e. An feinem Aenßeren wird man erkennen» wie das Hotel international einzuschätzen ist, an semer Umsicht und Veweglichkeit, wie es geleitet wird, welche Annehmlichkeiten es bietet. Dein Portier selber wird man nie ansehen, mit ivelchen Kleinigkeiten und Winzigkeiten de; Berufes cr sich außerdem noch abgeben niuß. Bei ihm melden sich die Neuangekommenen Gäste und trogen sich in das Fremdenbuch ein. Bei ihm befinden sich die Zirnmerschlüstel in Verwahrung, wird die Post abgeliefert und ab- geholt, werden Bestellungen aufgegeben und angenommen, Kleinig- keilen, die sich zu einer ungeheuren Tagesleistung summieren. Da- neben die vielen Anfragen und Auskünfte, die von ihm eingefordert werden. Da muß angeordnet werden, daß«in Gast statt des Feder- bettes eine Steppdecke erhält, da. daß das Kopfende des Bettes nach der Türe gestellt wird, daß die Fenster dichte Vorhänge habien, daß das Zimmer geräuschlos ist, uiid wie die Wünsche alle lauten, die von empstndsamen und anspruchsvollen Gästen- gestellt' werden. Für alles ist der Portier zuständig. Auf- seinen Wink allen die Loys und schleppen das ankommende Gepäck in den Bor- räum, auf feinen Wink heben sie es in den Wagen. Seine dorni- nierende und imponierende Persönlichkeit- heißt den Gast wilkkom- �n«n-undi.Ml�Äet-'thn. mit eii-tänt Wiederfehetisgruß aus den.hoAen. Der Portier, das Herz des Hotels und nicht selten auch fein Verstand. Oer Vranöftifter von Moskau twbekanniesi aus dem Jahre nn/ Von Hottharöt Bcom Der Brand von Moskau war das Werk eines Mannes, der heute so gut wie vergessen ist. Es handelt sich um einen angeblichen Nachkommen Dschingis-Khons, den Graien F e d n r Rostnpfchi n, der dem Feudolodel seiner Zeit wegen seiner natürlichen Denkweise und seines unaristotratischen Benehmens stets ein Dorn im Äuge war. Er wurde am 23. März 1765 auf einem kleinen Landgut bei Iwny inr damaligen Gouvernement Orcl geboren. Seine Erziehung war seibstverstiiitiilich sehr sorgfältig. Er sprach mehrere Sprachen ebensogut wie seine russische Muttersprache und war selbst nach den Berichten sranzösischcr Historiker, die ihn im allgemeinen nur als Mordbrenner bezeichnen, außerordentlich gelehrt. Schon mit ein- undzwanzig Iahren wurde er von Katharina der Großen in diplomatischer Mission noch Berlin geschickt und nach seiner Rück- kehr mit der Gräfin Protasoff, einer intimen Vertrauten Katharinas, vermählt. Katharina schätzte den klugen weitblickenden Mann sehr: denn schon damals waren derartige begabte Männer in der russischen Aristokratie selten. Als sie ihm aber eines Tages zu- mutete, Spitzeldienste im Gefolge ihres Sohnes Paul zu leisten. verweigerte er ihr den Gehorsam und hatte sogar den-Mut, sich auf die Seite Pauls zu schlagen. Die Folge war seine sofortige Per- banmmg. Nach dem Tode Katharinas kehrte er wieder an den Hof zurück und sah hier mit steigendem Entsetzen dem tyrannischen Wüten seines einstigen Freundes zu. Er sah, wie die Gärung im Volke wuchs/ und wie sich der eigene Sohn Pauls schließlich von seinem Vater abwandte und sich mit einigen adligen Verschwörern, die unter Leitung des Grasen Pohlen— dem Günstling Pauls— die Ermordung des Zaren vorbereiteten, zusammentat. Er erhob seine warnende Stimme, aber sie verhallte ungehört, und er mußte zum Dank dafür in die Verbannung zurück. Kurz darauf, am 24. März 1801, wurde der Z a r P a u l dann auch von seinen vermeintlichen Freunden erdrosselt, und der Sohn, nunmehr Kaiser A l e x a n d e r, überschüttete die Mörder seines Vaters mit Orden und Ehren. Rostopschin fehlte dafür jedes Verständnis, und so zog er sich denn nach Aufhebung des Verbannungsurtsils nach Woronowo bei Moskau zurück, wo er elf Jahre in stiller Zurückgezogenheit lebte. Erst i m I o h r e 1812, als das russische Heer vor Napoleon immer mehr zurückweichen mußte, erinnerte man sich am Zorenhofe wieder Rostopschins und ernannte ihn zum G e n era k g o uv e r n e u r von Moskau. Hier begann der Graf nun eine Emsigkeit zu ent- falten, die niemand mehr von ihm erwartet hätte, Tag und Nacht gönnte er sich keine Ruhe: Proklamationen erschienen, die— wie es heißt—„den Stempel rücksichtsloser Härte und Wildheit trugen*. Tagsüber tauchte er plötzlich in irgendeinem Menschenhaufen auf und hielt Haßreden gegen Frankreich und Napoleon. Rostopschin kannte das Volk und das Volk hatte ihn. wenn man so sagen darf, gern. Sein Gerechtigkeitssinn, die Geradheit seines Charakters und das Volkstümliche seines Auftretens gewann ihm die Herzen der Moskauer mehr und mehr. Als dann die Schlacht bei Börodino für die Russen verloren ging und Napoleon aus Moskau zu marschierte, eilte Rostopschin auf dem schnellsten Weg ins russische Hauptquartier, wo K u t u s o w, der Chef der Armee, und Zar Alexander rat- und tatlos beieinander saßen. Befragt, was er von der Situation halte, antwortete Rostopschin nach einem Bericht des Herzogs Eugen von Württemberg: „Soll ich jetzt einen Rat geben, so ist es der, daß Ihr die heilige Stadt lieber niederbrennt, ehe Ihr sie dem Feinde - überlaßt.* Der Zar und Kutusow stimmten zu und Rostopschin fuhr nach Moskau zurück, wo er sich mit zwei Deutschen, dem ehemaligen Würzburger Arzt F r a n z L e p p i ch und dessen Freund S ch e s l e r. — die dqr Regierung den Vorschlag gemacht hatten, die feindliche Armee mit Explosivstoffen zu vernichten— zusammentat. Diese beiden Männer arbeiteten jetzt Tag und Nacht an der Herstellung von Projektllen, Zündern und Brandraketen und verließen erst Moskau, als die Franzosen schon vor den Toren der Stadt standen. Rostopschin aber befahl noch, ehe er Moskau verließ, daß die Ge» fang nisse geöffnet und sämlichen Verbrechern die Freiheit geschenkt werde. Er ließ die Brunnen zuschütten und sämtliche Lösch- apparate zerstören oder sortsiihren. Seine eigenen Häuser in Moskau und Woronow lieh er zerstören. Am 13. September, morgen 9 Uhr, verließ Moskaus General- gouverneur die dem Untergang geweihte Stadt. Auch die Einwohner zogen ab und allmählich breitete sich jene unheimliche Stille in der großen, alten Stadt aus, die den damals mächtigsten Mann Europas etwas später fast rasend machte. Und am Abend nach dem Ein- niärsch der Franzosen flackerten plötzlich überoll, wie auf ein ge- gebenes Zeichen, Feuersbrünste aus und oerbreiteten sich, durch den geradb herrschenden Sturm angesacht, mit rasender Schnelligkeit über dke alte Riesenstadt. Ein gewaltiges Schauspiel bot sich dem unersättlichen Eroberer dar. Die Holzbrücken der Stadt stürzten ein und trieben zwischen brennenden Schiffen aus der Moskwa dahin, krachend stürzten, die Kirchen zusammen und aus Häusern, Hütten und Palästen loderten die Flammen hell in die Nacht hinein. Ein unabsehbares Flammenmeer dehnte sich vor Napoleons Augen aus der nur die Warte hervorbrachte:„Was für ein Mensch muß -dieser Rostopschin sein! Er.ist ein Barbar— ein E z y t h e!*— Rostopschin hotte Rußland einen großen Dienst- erwiesen was die zaristischen Gerichte doch nicht hinderte, ihn dafür der Barbarei anzuklagen und deswegen zu verurteilen. Fast völlig verarmt starb er dann am 12. Februar 1826, nach- dem er die Inschrift für seinen Grabstein festgelegt hatie. die lautet: „hier liegt, um immer zu liegen, mit verwondeler Seele, leerem herzen und abgeuülzlcm Körper ein aller«oler Mensch: Meine Damen und Herren, muchen Sie. daß Sie weiterkommen!" Copyright by Orell Fflßli. Zürich M (19. Fortsetzung.) „Vielleicht mutz man es nur erzwingen." Und die anderen taten wie er, in den kleinen dunklen Zimmern, in denen«ine schlechte Luft gärte, alle, mit Ausnahme von Joseph. der unbeweglich oerharrte und dachte: „Was geht es mich jetzt an?" Und man wußte nicht, wie es zuging, daß er noch lebte. Es ging mit ihnen immer liefer abwärts, wie ein Hausierer be< richtete, der von der Höhe der Engpässe kam und in die Ebene hin- unterstieg. Und er sagte: „Ich habe einen Umweg machen müsien. Das ist kein Dorf mehr, das ist ein Friedhof, mit viel Naben drauf und anderen Wgeln, die auf Aos ausgehen. Gebt nur acht, daß das Unheil nicht zu euch herabsteigt." Und man war aufmerksam. Aber es kam kein Mensch mehr. Da dacht« man denn: „Vielleicht sind alle tot." Sie waren keineswegs alle tot. Es trug sich etwas Schlimmeres zu. Das war, daß immer mehr von ihnen schwach wurden. Zuerst waren sie einzeln ins Wirtshaus gekommen, und jetzt kamen sie in Scharen. Wie die Sonne über«inen Haufen Schnee kommt und in seiner Masie arbeitet und ihn in seinem Innern zugrunde richtet, so kam die Versuchung. Und in ihnen regten sich ihre Gedanken und verschoben sich. Zuerst hatten sie gesagt: „Man muß dem treu sein, was Gottes Gebot ist, selbst wenn es uns das Leben kosten sollte!" Aber jetzt sagten sie sich: „Das Leben ist vielleicht etwas Kostbareres als die Gebote." Man sieht: zuletzt mußte die Wahl getroffen werden. Man kann lange an seine Seele denken: der Leib ist da, und der schreit stärker. Sie riefen sich jene Wallfahrt in Erinnerung. Sie dachten: „Vielleicht ha! Gott uns verlassen." Sie verloren im voraus den Mut, Gott in ihren Gebeten anzu- rufen. Und wenn sie von Gott verlassen waren, wäre es nicht besser, sie hätten einen anderen Beschützer? Sonst müßten sie allein und verdammt einem schrecklichen Tode entgegentreiben. Und ein jeder erging sich so in seinen Gedanken. Der Geizige frage sich, wozu ihm sein Gold dien«. Der Träge sagte sich, daß er niemals mehr nötig hätte zu arbeiten. Für jene, die den Genuß liebten und die davon so lange ausgeschlossen waren, war dieser Biß im Innern um so schmerzhafter, und der Fresser sah Fleisch, und der Trunkenbold drängt« nach Wein, und die Wollüstigen brüllten gieriger nach Wollust als die Kuh, die das Gras riecht. Und es gab auch Zornausbrüche, weil einige begannen, den Thron Gottes unter Lästerungen zu beschuldigen. Und«in Aufruhr erhob sich so. Und andere Krankheiten waren hinzugekommen. Schwarze Beulen traten ihnen jetzt ani Halse hervor, und die platzten zuletzt, und es gab immer inehr Tote, immer mehr unbeerdigte Leich- name, immer weniger Mehl in den Backtrögen. Dann oernahm nian die Stimmen derer, die singend die Gassen durchzogen. Sie schlugen an die Türen und riefen: ,Le da drinnen! Könnt ihr euch nicht entschließen? Macht es euch denn Spaß, auf diese Weise zu verrecken, während ihr nur mit uns zu kommen braucht, um glücklicher zu sein, als ihr es je in eurem früheren Leben gewesen seid? Man wird doch nicht viel von euch oerlangen: das verkehrte Zeichen des Kreuzes. Ihr kommt, der Meister sagr zu euch: Macht das, und ihr tut es. Und dann seid ihr rosig und fett gemästet und guter Ding« wie wir." Es ist wahr: sie hatten ein gutes Aussehen. Man hob ein wenig die Vorhänge: und sie waren alle da, Männer und Frauen, gut gekleidet, mit runden Gesichtern, mit dicken Lippen, mit blitzen- den Augen und lebhaftem Blick. Sie schlugen von neuem an die Türen, und oft blieben sie ver- schlössen. Aber andere Male öffneten sie stck' Sie schrien: „Bravo! noch eins!" Und sie führten das Neue triumphierend mit sich weg. So verhielt es sich mit Amelie. Sie hörte, wie man ihr rief. Denn es waren ihre ehemaligen Tänzer, und die kannten ihr Haus. „He, Amelie! Hast du uns vergessen? Warum willst du nichts mehr von uns? Komm doch! Da drüben ist es viel schöner. Und dann— weißt du! jetzt tut man, was man will. Es ist nicht mehr wie früher. Also, vorwärts! Entschließe dich! Schmoll« nicht länger. Sei wieder ein artiges Mädchen..." Ausgestreckt auf dem Fußboden hob sie den Kopf und stützte sich auf die Ellbogen und horcht«. Ihr Vater und ihre Mutter waren im Zimmer. Aber der Bater war nicht mehr bei Bewußtsein: nur mit Mühe atmete er noch. Und auch ihre Mutter hatte längst kein« einzige Bewegung gemacht. Und da hob Amelie. während diese Stimme näher kam, mehr und mehr den Kopf, weil sie sich gui erinnerte und weil jener, der sie rief, wirklich oft mit ihr getanzt hatte, oft auch war sie mit ihm durch die Feldwege im Mondschein spazieren gegangen, oft waren sie gemeinsam von den Sennhütten hinuntergestiegen, wo man an Sonntagabenden tanzen geht. Und sie fühlte sich ganz aufgewühlt. Sie dachte: „Wenn ich dorthin ginge, wie er mich auffordert? Ihm ist es dort gut gegangen..." Und weil er dort war, fühlte sie, wie ihr der Mut kam. Denn wenn sie dorthin ginge, müßte sie ihn wieder finden, und das müßte schön sein. Einen kleinen Augenblick schwankte ihr Herz, wie ein Apiel am Ende eines Aste-*. Und dann kniete sie nieder. Und sie warf einen Blick nach dex Seite des Bettes, und sie erblickte ihren Vater, der sich nicht mehr rührt«, und ihre Mutter schien eingeschlafen. Und draußen rief die Stimme. Sie nahm einen Anlauf, stand auf. wandte sich gegen die Türe: sie war verschlossen. Aber well sie«in Weib ist, kann sie es nicht laflen und muß sich im Vorbeigehen im Spiegel besehen. Sie erschrak heftig, weil ihre Augen so umschattet waren. Sie sagte sich: „Um so eher wird er mich begreifen." Und sie brachte nur die Flechten in Ordnung, well die Stimme fortwährend rief. Sie mußte nur bis an die Türe schleichen, nachdem sie die Küche durchquert hotte. Aber die Tür war davoelt ver- schlössen. Und während sie sich zu öffnen abmühte und hier stand und den großen Schlüssel, der im Schloß rostig geworden war, in ihre beiden Hände genommen hatte, geschah es, daß mit einemmal ein Schrei kam, ganz anders als der Ruf, der sie draußen lockte und der jetzt verstummt war. Der Schrei stieg aus und zerriß die Lust und das mächtig lastende Schweigen der Zimmer, in denen man stirbt, in denen man aus Hunger stirbt. Der Ruf bat und befahl: Geh nicht! Geh nicht!" Und er wurde noch lauter: von neuem:„Geh nicht! Geh nicht!" Und dann verstummte er. Und«in Geräusch entstand nun wie von zwei nackten Füßen, die auf den Fußboden springen. Amelie strengt« sich immer noch an, die Tür zu öffnen. Aber der Schlüssel dreht« sich nicht. Und so hatte jene, die sie rief, Zeit, sie einzuhllen. Sie war im Hemd und so mager, daß ihr vorn am Halse die Haut wie«in Vorhang herniederhing. Sie hatte ihr« Tochter an den Schultern ergriffen: „Amalie, ich bitte dich, du weißt wohl, wer dich unten erwartet. Denk' an die Qualen nachher, später, wenn das Feuer da sein wird und der Schwefel... und die Schmerzen d.mern ewiglich.." Aber mit einer sehr heftigen Drehung entledigte sie sich dieser Kette, und das Band des eigenen Fleisches war gelöst. Und nun kreischte der Schlüssel im Schloß. Und während die Mutter vor ihr auf die Erde schlug, schob sie flink den Riegel zurück. Da fühlte aber Amelie, daß ihr« Füße festgehalten wurden. Sie wandte sich um, und mit ihrer geballten Faust schlug sie zweimal auf dieses Gesicht nieder, das ganz mit grauen Haaren bedeckt war. Und eben jetzt sagt« draußen die Stimme: „Man hat geöffnet... Sie ist es... Komm schnell... liebes... Du wirst sehen, wie gut man dich halten kann... Di« Schar entfernte sich nach der Seit« der Wirtschaft hin. Eine andere durchschwärmte in diesem Augenblick eine Nachbargass«: da rief ein Sohn seiner Mutter, oder ein Gatte seiner Gattin, oder Schwestern ihren Schwestern. Brüder ihren Brüdern. Eine ganze Familie kam: Vater, Mutter und fünf Kinder. Aber sie lachten nicht, wie die anderen taten. Sie kamen daher mit gesenkten Köpfen und hielten einander bei den Händen. Sie näherten sich: der Mann begann ganz leise zu sprechen. „Wir haben so lang« ausgehalten, als wir konnten. Aber die Kinder sind klein, um schon zu sterben. Tut mit uns, was ihr wollt..." Man gelellete sie wie die anderen ins Wirtshaus. Und man sprach zum Manne: „Du mußt nur das umgekehrt« Kreuz schlagen." Cr tat, wie man ihm befahl. Und gleichermaßen auch sein« Frau. Dann kam die Reihe an die Kinder, die es nicht gut zu machen verstanden. Aber welche Freude, wie man ihnen zu essen brachte! Sie be- kamen ein« gute Suppe, Makkaroni, Fleisch und alle Arten von Süßigkeiten, die sie nicht zu berühren wagten, da sie noch niemals derartig« Herrlichkeiten gesehen hatten. Es waren Kitchen aus Schokolade, andere aus Sohn«, wieder andere mit Sternen darauf, die aus Stücken von Fruchtrinde und Mandeln gemacht waren. Sie getrauten sich nicht. Man ermutigte sie: „Nur vorwärts!" Dann streckten sie beide Hände aus, und ihre Augen funkelten vor Vergnügen. Wie gut: man war diesen Zimmern entronnen, wo die Luft so dick war, daß sie den Mund füllte, ohne daß man sie atmen konnte. Es ist herrlich, die Sonne zu spüren. Es ist schön, sich nach Gutdünken um«inen Tisch herum niederzulassen, unter diesen Leuten, die so glückliche Gesichter haben. Fortwährend wurden Flaschen aufgetragen. Dank der Mundharmonika fehlte es auch nicht an lustigen Weisen. Criblet hatte sich in Gesellschaft von Clinche in einer Ecke nieder- gelassen. Di« beiden verstanden sich nicht sehr gut. Clinche sagte:„Halt das Maul, du schwatzest zu viel." Denn Clinch« war des Weines längst überdrüssig. Er macht« ihn traurig. Criblet im Gegenteil war immer fröhlich. Er sagte: „Ich bin unabhängig." Und indem er sich zu Clinche hinwandte: „Während du Frau und Kinder hast... Und das ist's, was dich bedrückt." Clinche antwortete:„Ich habe sie gehabt... ehemals... jetzt bin ich wie du... frei..." Aber Criblet zuckte die Schultern. Und ihre Streitigkeiten kamen daher, weil Clinche behauptete, Criblet ähnlich zu sein, während Criblet ihn als unter ihm stehend und ungleichwertig behandelte. Clinche schlug mit der Faust aus den Tisch:„Aber schließlich Was bist du denn...? Was hast du. in Wahrheit, je getan? Wenn man dich auch auf die Wag« legen würde! Kein Rappen! Nicht einmal ein Handwerk! Du siehst, mein alter Criblet. du hast keinen Grund, dich zu blähen.. Und er versuchte zu lachen. Aber Criblet blieb unerschütterlich. denn er bewahrt« immer sein« Ruhe, und sagt«:„Das ist es eben: du urteilst von außen. Ich, siehst du. ich prüfe die Häuser nicht so sehr nach dem Aeußeren� als nach der Art. wie die Mauern gefügt sind. Ich trete ein, ich wäge, ich messe. Und du! Und d» kümmerst dich nur um die Farbe der Fensterläden." Clinche schrie: „Fensterläden! Schweig du mit deinen Fensterläden!" Er erhob sich. Man fürchtete, er würde sich auf Criblet stürzen. Aber der Fremde ließ sie nicht aus den Augen. Er verstand Ordnung zu halten. Er brauchte nur«ine Gebärde zu machen. Nur eines durfte sein: daß da Menschen waren, die sich zum Vergnügen zusammengefunden hatten und daß draußen die Sonne herrlich glänzte. Sie spieglte sich in den Tellern und machte den Grund der Gläser gelb, in denen ein kleiner Rest des Weines schläft, so. daß man ihn nicht mehr anrührt. Und sie erzählten sich ihre Geschichten. Wessen siq sich früher geschämt hatten, dessen rühmten sie sich jetzt. Und was sie früher gepriesen, das»erbargen sie jetzt. Ich habe meinen Vater besrohlcn. ich habe meine Mutter belogen. Der eine hatte Wasser in seine MUch gegasten. Ein anderer betrog beim Heuwägen, der Müller streckte sein Mehl mit Gips. Sie erfanden Verbrechen, wenn sie keine begangen hatten: den» man lachte sonst über sie. Und was sie liebten, das war die Auf- geblasenheit. Auch Trente-et-Quarante war da und gab sein« Geschichte zum besten: „Es war zehn Monate alt, und es hatte mich angelächelt. Well es eben gesäugt hatte, war eine seiner Wangen rot, die andere weiß, Wie ein Apfel, das Gesicht. Ich bin gekommen: es hat mich a». gelächelt. Ich ergriff es und steckte es in einen Sock, in einen Sack von starker Leinwand, mit nur einer Oeffnung oben. In dieser?. Augenblicke schrie es. Da schob ich seinen Kopf unter den Arm Es wollte mit den Füßen stoßen: ich brauchte sie nur zusammen- zuklemmen. Ich Hab« wohl gespürt, wie das knackte. Aber ich mußte rasch machen, und das hat mich am Laufen nicht gehindert Das Ganze war hübsch erdacht, ihr oersteht. Und man steueri» gerade auf die Brücke los, man drang bis in die Mitte, das Wasser war schön beim Mondschein, und das macht« kluk! Der Stein war drin, und ich sah noch eine kleine Weile, weil das Wasser so durchs sichtig war. den Sack und das Kleine untersinken. Aber zugleich kamen mir auch die dreißig Franken in den Sinn, die es mich jeden Monat kostete... Sagt, habe ich recht? War dies nicht übel erfunden?" (Fortsetzung folg,. RätsehEcke des„Abend'*. iiniHiiiiiiiiiiiiumiinniiiiHiiiiiiiiiniHiiiniiiiiunniiininiiiiiuiiiiiuiiiiiiutttiiiiuiiHuuliuuuaiiiiiiiuiiMiiiiiuiiiiiniiiiiiiiiiiiiuiiininiiiiuiuiiniiiiiiiiiiiiiiiuiiiiniiiiiuMiiiiiiiiniiiiw deuten: 1. Aufenthalt für Fremde: 2. Promenade: 3. unbeliebter Zeitgenosse; 4. trägt heute auch kurzen Rock: 5. Treffpunkt: 6. befindet sich auf jeder Nummer des Blattes: 7. Zierstück der Weltstadt: 8. Betriebserweiterung: 9. Berliner Sommerschau: 19. notwendige Ergänzung für die Wellstadt: 11. führt die Glanznummer im Variete aus: 12. ist für Weiterbeförderung von Gas und Wasser tätig: 13. Platz zur Ertüchtigung des Weltstadtbewohners: 14. Welt- stadtvehikel: 15. wird dem Tüchtigsten zuteil: 16. etwas für Schlemmer: 17 in der Weltstadt in reicher Zahl vorhanden. 8. v. Kreuzworträtsel. n Wäger echt; 2. männlicher Vorname; 5. Kirchenbeamter: 7. abgekommener Mädchenname: 9. Bezeichnung für sehr alt: 19. Teil eines Bühnenwerks: 12. Musikinstrument: 15. russisches Zupfinstrument: 19. Präposition: 29. Bestimmungsort; 21. persön- liches Fürwort: 22. Abkürzung für etcetera: 24. Nebenfluß der Donau; 25. Auszeichnung.— Senkrecht: 1 Baumschmuck: 2. lateinisch und: 3. Ausruf; 4. Verkehrsmittel: 6 altes französisches Adelsgeschlecht: 8. Läutinstrument(Mehrzahl): 19. lateinisch zu: 11. Erdprodukt: 13. afrikanischer Fluß: 14. biblische Figur: 15. Raub- tier: 16. Gegenteil von aus: 17. Umlaut: 18. männlicher Vorname: Magisches Quadrat. Die Buchstaben sind so zu ordnen, daß die wage- rechten und senkrechten Reihen vier gleiche Worte ergeben'* Silbenrätsel. Aus folgenden Silben sind 17 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben«inen Spruch ergeben, der dem Charakter der jetzigen Ausstellung der Weltstadt gerecht wird: a a a auf bau der büs da e fon gän gast gen ger gnu groß he Hof land le le Ii lungs ma ma mal na ne ni not nue om pa preis re renn rer rohr schwarz s« ser sied sonn spart ste tags tä te te ter the trupp tum uhr ur ve ver was(ue am End« ein Buchstabe). Die Wörter be- 1. Chlor— Wasser 2. Stein— Wein 3 Geld— Stand 4. Pflanzen— Geld 5. Schweins— Wurm 6. Wald— Staat 7. Kohlen— Kreis 8.~' 9. Ergänzungsrätsel. An Stelle der Striche ist je ein Wort zu setzen, das sowohl mit dem voran- gehenden als auch mit dem nachfolgenden ein neues Wort bildet. Die Anfangs- buchstaben der neuen Wörter nennen eine» Staatsvertrag. sb. luß— Fang hren— Sucht (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auslösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel: Wagerecht: 1. Park; 2 Gold: 6. Hahn: 8. Esse: 12. Max: 15. lau: 16. Esel: 17. Tag: 19. Reis: 29. Akt; 22. arg. 23. Ei,: 24. ad: 25. See; 27. Eos: 28. Moor; 29. Mut: 31. Moll: 37. alt: 28. Uhr; 41. Hamm; 42. Grog: 43. Kadi: 44 Ober. — Senkrecht: 2. Rad: 4. Ost: 5. Lama: 7. Note; 8. Efeu: 9. Opus: 19. Kate: 11. Hanf: 13. Art: 14. Bua: 18 A.-G.: 21. Tee: 22. Ade: 26. du: 28. Mull: 29. Mai: 30. Tip:.32. Lehm; 33. Oase; 34. Dann: 35. Rang! 36. Erle; 39. Bad: 49 Lob. Silbenrätsel: 1. Manege; 2. Ananas: 3. Neid: 4. Segel: 5. Petroleum: 6. Renate: 7. Isonzo: 8. Chaldäa: 9 Tberete: 19. ve- getabilien: 11. Esche; 12. Rüböl: 13. Gabriel; 14 Erstling: IS. Lra- vour: 16. Ebro: 17. Runne: 18. Senator: 19. Verlosung; 29. Ziffand; 21. Eisenach: 22. Leim: 23. Uranus: 24. Masuren: 25 Zebra: 26. Ur- adel; 27. veroillta: 28. Erbswurst: 29. Rcinerz: 39 Senegal: 31. AI- wine: 32. Grönland.— Man spricht vergebens vie' um zu versagen der andre hört von allem nur das Nein. Arithmogriph. Schlüsselwörter: Storm. Bach, tZe�s Wild.— Ausspruch von Babeuf:„In einer wahrhaften Gesellschait darf es weder Arme noch Reiche geben." Scherzfrage: Esten. Die fehlende Mittelsilbe: Silbe mi.— s0mil,if Hermine, Semiten, Komiker, Mimikry, Kriminal. Terminus Mumi, Remis«, Gummiring, Prämie, Salmiak, Simili, Prominenz Nr. 324 46. Jahrgang Sonnabend 13. Juli 1929 Vom Kreislauf des Waffers Auch sin Beitrag zur Ausheilung»Gas und WalTer« Erde, Walser, Wärm«, Luft und Licht sind die Urelementc des Lebens. Die Sonne ist der Quell aller dieser Naturschätze, die den Menschen als Beherrschern des Crd- balls zur Verfügung stehen. Unter diesen Naturschagen ist dos Wasser nicht der geringste. Wasser und Lust sind die- jenigen Elemente, die mit Hilf« der Wärme des Must«rgestlrns die träg« Erde durch- dringen und sie zu dem fruchttragenden Garten machen, ver das ganze Leben erhält. Ein großes Diorama der Ausstellung „Gas und Wasser" in der Funlhalle soll den Kreislauf des Wassers»er- anschaulichen. Aber dieses Bild ist doch recht primitiv und läßt uns keineswegs die ungeheure Kompliziertheit ahnen, unter denen Wasser und Luft ihr« lebenspenden- den Eigenschaften entfalten. Schon in der Schule hören wir, wie das vor sich geht. Meere, Seen und taufeucht« Wiesen, Bäume und ander« Gewächse atmen aus Billionen Poren die seinen Wasserdompfmoleküle aus, die unter der Wirkung der Sonnenwärme in die Luft steigen, sich dgxt zu Wolken ballen und über Land und Wasser als Regen, Schnee und Hagel herniederfallen. Aber damit ist der Wasierkreis. lauf auf der Erde noch lange nicht erschöpft. Zwar führen die Ströme, wie Murroy berechnet hat, olljährliä) über 30 000 Kubik- kilometer Wasser ins Meer. Aber der ganze irdische Wasserkreislauf ist viel größer. Seine Menge ist etwa fllnfzehnmal so groß, so daß außer den Flüssen auch noch andere Strömungen und andere Wege vorhanden sind, die die Strömungen lausen. Man stellt sich zwar nicht so recht vor, welche Masse ein Kubik- tilometer Wasser ist und wieviel tausend«, ja hunderttausende Kubik. tilometer ausmachen. Aber dennoch ist es immer gut und richtig, sich von alledem einen zahlenmäßigen Begriff zu machen. Denn nur an einem solchen kann man schließlich auch eine Anschauung gewinnen. Brückner und Fritzsche hoben sich einmal daran gemacht, den >Val1eHersislauf in Form einer Bilanz zu erfassen. Da man die zirkulierenden Wassermassen nicht mst dem Litermaß abmessen kann, sind dazu gewisse Annahmen erforderlich. Zuerst gilt natürlich eine Bilanz des Wasserkreislaufs nur für die Jetztzeit, also immerhin für eine Epoche, die die bisherig« Geschichte der Menschheit um das Vielfache übersteigt: denn wir wissen, daß die Bewölkung der tErd« in diesen Epochen ebenfalls gleichbleibend ist, daß die Atmosphäre den Sonnenstrahlen gleichbleibenden Ein- ström gestattet und daß die Sonnenstrahlung selbst ziemlich gleich bleibt. Au» anderen geologischen Forschungen wissen wir, daß jährlich«ine verhältnismäßig nur unbedeutend« Wassermenge im Erdboden sür immer verschwindet und an fest« Gesteine gebunden wird(Hydratisierung der Gesteine). Andererseits werden aber wieder jungfräuliche Wassermengen durch die Vulkane, die Geiser und die Sprudel au» dem Erdinnern emporgebracht und in den oberirdischen Wasserkreislauf geworfen. Unter diesen naheliegenden Annohmen ergibt sich dann von selbst, daß die mittler« jährliche Verdunstung dem mittleren jähr. lichen Niederschlag gleich sein wird. Dafür gibt es auch gewisse Bestätigungen. Denn, würde z. B. die Verdunstung größer sein als der Niederschlag, so müßt« ja der Gehalt der Atmosphäre an Feuchtigtest zunehmen. Er müßt« andererseits abnehmen, wenn die Verdunstung nicht so stark wäre wie der Niederschlag. Auch der Meeresspiegel müßt� dadurch eine Aenderung in seiner Höh« er- fahren. Dergleichen wird aber nicht beachtet. Um die Grave des Niederrchlags und die Verdunstung festzustellen, muß man Kunstgriffe anwenden. Man muß zuerst einmal scheiden in Verdunstung und Niederschlag, die über dem Meer« erfolgen und die über Land. Davon sind durch die allgemeinen Beobachtungen mit hinreichender Genauigkeit die Verdunstung über dem Meer« und der Niederschlag auf dem Lande «rmittelbar. DI« Meeresverdunstung beträgt jährlich etwa 384 000 Kubikkilometer Wasser, wobei der Fehler dieser Zahl 10 Proz. nach oben oder unten betragen mag. Die Niederschlagsmenge auf dem Lande hat Supan schon berechnet: sie beträgt 112 000 Kubikkilometer. Die Flüsse führen den Ueberschuß des Niederschlages über die Ver- dunstung auf dem Land« ins Meer, während die Verdunstung über dem Meere größer ist al» über dem Land, so daß der Verdunstungs- Überschuß durch die Wind« auf das Land getragen wird und dort den Niederschlagsüberfluh hervorbringt. Dieser geschlossene Kreislauf ist im wesentlichen eine Zirkulation in senkrechter Richtung. Stellt man die einzelnen Bilanzposten zusammen, so ergibt sich folgendes: Berdunstung über dem Meere... 384 000 Kubikkilometer Niederschlag über dem Meere... 333 360 ,. Berdunstung auf dem Lande... 81 360„ Niederschlag auf dem Lande... 112000„ Bbfluß in da» Meer...... 30 640„ Gesamter Wasserkreislauf.... 463000„ Da das Meer 361 Millionen Quadratkilometer Fläche hat, ver- dunstet von ihm jährlich etwas über 1 Meter. Der Niederschlag auf dem Meere davon beträgt etwas weniger: der Unterschied ist etwa 8 Zentimeter, der der viel kleineren Landfläche zugut« kommt und dort ein? Niederschlagshöhe von 73 Zentimeter erzeugt, etwa 20 Zentimeter mehr als das Land selbst verdunstet. Man darf allerdings nicht vergessen, daß noch«in kleiner Posten vorhanden L UBEBM riEEQ,, 3ö�000cbhm. yo 02,1% Ig VEBDUM/TUnö h OfJAMTEß. wmQmmuf 165000 ebkra 100% \ -X UBEßM \ nEEß s \353000cbXra 7ö% 1 hlEDEßJCMLAG 72%�. /// 3a6,, Tiergarten, Waldcrholungspark ujw. lS4 Hektar, Teichbefiß 65 Hektar, Sportpark 31 Hektar, das eigentliche, eingezäunte Sradiongelände lS,K Hektar, Tennis- pläße 2,5 Hektar, Turn- und Spielwies« 9,5 Hektar. Am Rande des Geländes liegt der große Dutzendteich mit Strandbad und Um- kleidehallcn, gleichzeitig Sportstätte für Ruderer und Kanufahrer. Im übrigen ist Nürnberg wasserarm, es muß fein Trinkwasser in mächtigen Röhrenleitungen aus der Fränkischen Jura beziehen. Ein kleines harmloses Flüßchcn zieht durch die Stadt, die Pegnitz. Außer dem Strandbad am Dutzendteich ist ein 100 Meter langes Schwimmbecken mit Terrassen für Zu- schauer und vorzüglichen Sprunganlagen vorhanden, die wir im Bilde wiedergeben, anschließend ist ein Sonnenbad mit Planschbecken und Plantschkanal, ferner ein großes Licht-, Luft- und Sandbad. Das eigentliche Stadion ist mit sechs Meter hohen Zu- schauerwällen umgeben, die die Form eines Achtecks haben. An der einen Längsseite befindet sich die große Haupttribün«. In dieser H a u p t k a m p s b a h n ist für 60000 Zuschauer Platz, außerdem sind reichlich Umkleideräume für die Sportler vor- Händen. Für die M a j s e n f r c i ü b u n g e n der Zwanzigtausend ist freilich auch dieses Stadion noch zu klein, dieselben finden deshalb auf der großen Festwiese statt, die für Mitwirkende und Zu- schauer reichlich Platz bietet. Wir haben ein« besondere Hockey- wiese, einen Faustballkampsplatz, einen Tanz- und Vorführungsring, zwölf Tennisfpiclfeldcr, einen Platz für Schwerathletik, drei Fußball- felder. Für die turnerischen Wettkämpfe sind besondere Hallen ge- baut. Es können zu gleicher Zeit etwa 150 000 bis 200 000 Zuschauer den verschiedenen Wettkämpfen beiwohnen. Und wenn Petrus vcr- nllnftig genug ist, sein« Sprenganlage während der Festtage außer Betrieb zu setzen, dann können wir wohl sogen: Solch«in Ge- wimmel möcht ich sehen, mit freiem Volk auf freiem Boden stehen! Nürnberg, wir grüßen dick! Sprungtürme und Startplätze des Schwimmbeckens Um die Steher-Meisterschaft! Die gestrigen Vorläufe. Auf der Radrennbahn des Grunewald-Stailions wurden gestern die beiden Vorläufe ,zur Stehermcisterschaft über 100 Kilometer zum Austrag gebrocht, die mit 21 Teilnehmern besetzt waren. Jürgens-Braun schwecg, Olböter-Stettin und Haucke-Breslau er- schienen nicht am Start. Etwa 6000 Besucher waren versammelt, als der erste Vorlauf 'it'Ki Uhr gestartet wurde. Altmeister Karl Saldo w hatte die Spitze gelost vor Ax, Thomas, Damerow, Ehristman», Meyer, Letbanow, Earpus, Möller, Neumann und Hille. Als erster wurde Ncumann-Chenmitz überrundet, bis in der siebzehnten Runde Möller Saldow von der Führung verdrängte. Nach und nach klärte es sich im Felde, dos in Möller, Lewanow und in dem Nachwuchs- fahrcr Hille die stärksten Leute hatte. Ueberhaupt Hille wußte eine gute und starke Fahrweisc an den Tag zu legen. Als Lewanow, der stets mit Bravour hinter Möller fuhr, durch Defekt zurückfiel, konnte der Leipziger den zweiten Platz besetzen und bis zum Schluß halten. Auch toaldow hatte Defekt und verlor viel Platz, doch ließ sich der Altmeister nicht entmutigen und fuhr tapfer -vcitcr. Neu mann und Corpus verloren Runde um Runde und verließen schließlich die Bahn. Thomas, Christmann, Meyer- Hannover und Ax fuhren den Lauf zwar zu Ende, keiner von ihnen konnte sich ledoch sür den Evdlaus placieren. Ergebnis des 1. Vor- lauss: 1. Möller, 1:29:37: 2. Hille, 40 Meter: 3. Lewanow, 1360 Meter: 4. Saldow, 1490 Meter; 5. Damerow, 1630 Meter, 6. Christmann. 2500 Meter: 7. Thomas, 3900 Meter: 8. Meyer, 7000 Meter: 9. Ar, 10 900 Meter zurück. Aufgegeben: Corpus und Neumann. Zm zweiten Vorlauf trafen sich Krcwer und Sawall. Krewer hotte die Spitze vor dem Weltmeister. Die nächsten waren Schäfer-Frankfurt a. M.,�Schind- ier, Wißbröker-Hannover, Bauer, Dedertchs, Sawall, Schmidt- Dresden, Rosellen und Saai-Erfurt. Krcwer fuhr ein gleich- mäßig starkes Rennen. Seme Führungsposidion war nie gefährdet, zumal er so viel Platz ausholen konnte, der genügte, den an zweiter Stelle liegenden Sawall vor sich herzutreiben. Zu einer Ueberrundung kam es jedoch nicht. Hinter Sawall lag lange der kleine Bauer, der infolge Defekts seinen dritten Platz an Schmidt verlor. Den fünften hielt Rosellen, Wißbröken, Saal, Schindler und Rosellen wurden als erste von Krewer und Sawall geholt. Später, als das Tcmpo noch schärfer wurde, fielen mich Schmidt, Dederichs(Defekt), Schäfer und Bauer zurück. Bauer und Schmidt hielten sich von den Zurückgefallenen»och am besten und waren am Schluß auf den vierten bzw. dritten Platz zu finden. Wiß- bröker gab aus. Ergebnis des 2. Vorlaufs: 1. Krewer, 1:23:10,8: 2. Sawall. 610 Meter: 3. Schmidt, 2950 Meter: 4. Bauer. 5650 Meter: 5. Rosellen, 5760 Meter; 6. Schindler, 6360 Meter; 7. Schäfer, 10 Runden: 8. Dederichs, 12 Runden; 9. Saal-Erfnrt, 17 Runden zurück. (für den Endlauf am Sonnlog haben sich nun Möller, Hill«, Lewanow, Saldow. Damerow. Krewer. Sawall, Schmidt, Bauer und Rosellen qualifiziert. Krewer. Möller und Sawall sind gleichstarke Gegner. Es fragt sich nur, welcher von den dreien die schwere Stadionbahn am besten zu be- fahren weiß. Gestern war es jedenfalls Krcwer. Aber auch Sawall und Möller werden noch schnell bemüht sein, ihre Bahnkenntnisse zu verbessern. Die Fahrweise Hilles imponierte. Allerdings wird der Nachwuchsfahrer gegen die drei genannten nur schwerlich aus- kommen können. Bei Lewanow ist die Radsportgemeinde an Ueber- raschungen gewöhnt... Bauer, Schmidt, Saldow, Rosellen und Damerow werden untereinander plänkeln. Vielleicht wird ober auch dieser oder jener van ihnen weiter vorn zu finden sein, denn 100 Kilometer sind eine lange Fahrt. R. Sch. Berliner Meisterschaft im Rinken. Im Wilmersdorfer Viltoriagarten zeigten am zehnten Tage des R i n g e r w e t t st r e i t s als erstes Paar Kochhanski. Köln und Brückner-Breslau ein äußerst schnelles und technisch gutes Ringen. Der starke Kölner Kochhanski blieb erst nach'23 Minuten durch einen schnellen Hüstzug Sieger. Das Treffen Szevaezek- Tschechoslowakei, der jetzt neu hinzugekommen ist, gegen den körperlich schwächeren Glotzer Voigt endete schon nach drei Minuten mit dem Siege des ungeheuer starken Tschechen mit einem Untergriff von vorn. Im Entscheidungskampf konnte der ehemalige Amateur- meifter Schachschneider nach einer Gesamtzeit von 1:8 Stunden cinen verdieMen Sieg über den sich prächtig verteidigenden Ober- schlesier Pogrzeba erringen. Der letzte Kamps, Marunke-Sachscn gegen de» stämmige» Rheinländer Hansen-Esch, wurde leider noch 10 Minuten durch die Schbußstunde— die auf 11 Uhr angesetzt ist— abgebrochen. Am Donnerstag rangen vor dicht besetztem Haus Kochhanski-Köln und der Oberschlesicr Pogrzeba'25 Minuten ohne Entscheidung. Der schwere Finite Ncström erledigte den schnellen Breslauer Brückner schon nach 13 Minuten durch Untergriff von hinten. Der Tscheche Szevaezek setzte seinen Sicgeszuq weiter fort. der robuste Holländer van den Born mußte in der 9. Miiuite mich vor diesen starken Gegner die Waffen strecken; ein sestgefaßtcr Untergriff von vorn wurde ihm zum Verhäitgnis. Der Sachse Marunke erwies sich dem Berliner Lckcichschiieider lange Zeit als ebenbürtig, erlag aber dann doch der Routine des Berliners nach 1:5 Stunden. Gestern rangen die beiden stärksten Gegner des Ringcrwctt- streits, der Tscheche Szevaezek und der Finilländer Reström '25 Minuten, und trotz größter Anstrengungen kam nur ein Unent- schieden heraus. Schochschneider-Bcrlin, der in ganz ausgezeichneter Form startete, siegte Über den starken Kölner Kochhanski noch 1:5 Stunden Gesamt.zeiet durch cinen ganz plötzlichen Hüftschwung. Der Holländer von den Born siegt? über den körperlich bedeutend schwächeren Estländer Renter in der 15. Minute mit einem schnellen Schul tcrschwung. Heute ringen: Pogrzeba gegen van den Born, Schachzchneider gegen Szevaczek und in K.nnpssortsclzung Hansen-Esch gegen Marunke. Der Finnländer Ncström wird mit athletischen Kraft- leistungen aufwarte»._ Das grof�e Tennis-Turnier. Deutschland führt 1: 0. Das Davispokal-Endspiel der europäischen Zone hat einen für Deutschland sehr guten Anfang genommen. Die beiden Einzelspiele des ersten Tages wurden von Prenn und Moldenhauer— wie bereits berichtet— leichter ols� erwartet in drei Sätzen gewonnen, es erging also unseren diesjährigen Gegnern genau so wie den Spaniern, Italienern und Tschechen, die ebenfalls in den ersten Einzelspielen beide Punkte an die deutschen Vertreter abgeben mußten. Daniel Prenn schlug Gregory 6:3, 6:3, 6:2 und Hau» Moldenhauer fertigte den gefürchteten Austin 6: 4, 6:3, 6:2 ab. Damit führt Deutschland nach den beiden Spielen des ersten Tages bereits 2:0. In dem 24 Stunden später folgen- den Doppelspiel werden di- Engländer Gregory-Collins wohl kaum zu schlagen sein, aber in den beiden Einzelspielen des letzten Tages, in denen Prenn mit Austin und Moldenhauer mit Gregory zu- fammentrifft, müßte der Endsieg Deutschlands sichergestellt werden können. Damit wäre der Weg für Deutschland zum Interzonen- finale mit Amerika frei. Bereits am nächsten Wochenende wird Berlin dann neuen großen Tennisercignisien entgegensehen. Heiße Sommersonne lag über dem Meisterschastspiatz„Rot- Weiß*, aber trotzdem war die Berliner Tennisgemcinde in statt- lichsr Zahl vertreten. Wie Prenn gewann! Bei drückender Hitze betraten Prenn und Gregory zum ersten Einzelspiel den Meisterschaftsplatz. Prenn eröffnete den Kampf und gewann trotz eines Doppelfehlers das erste Spiel. Bis zum 7. Spiel gewann jeder seinen Ausschlag, dann aber, nach 4:3 für Prenn, forcierte dieser das Tempo. Er holte sich das 8. und 9. Spiel, ohne einen Boll abzugeben und hatte unter lautem Jubel den ersten Satz 6:3 in 23 Minuten gewonnen. Im zweiten Satz gewann Gregory seinen Aufschlag, mußte aber dann nach 4: 3 abermals für Prenn auch die beiden nächsten Spiel« abgeben und damit war der Satz wiederum 6: 3 für Prenn entschieden. In den beiden letzten Spielen war der Deutsche, der bis dahin ein überwiegend auf Verteidigung eingestelltes Grundlinienspiel vorführte, ungestüm ans Netz gegangen. Im dritten Satz lag Prenn 8: 0 in Führung. Noch einmal gelang es dem Engländer, im 7. Spiel mit mehrere« Kanonenschüssen ein Spiel zu gewinnen, dann aber konzentrierte sich der Deutsche auf das nächste Spiel und siegte mit den Fehlern des Gegners 6: 2. In genau 60 Minuten hatte Deutschland den ersten Punkt gewonnen. Moldenhauers größte Leistung. Ebenso leicht wie Prenn wurde Moldenhauer mit seinem Gegner fertig. Der jung« Austin, der in Wimbledon Leute wie Brugnon, Hunter und v. Kehrling besiegt hatte, war eme Klasse schlechter als der Deutsche und wurde in drei Sätzen glatt mit 6:4. 6:2, 6:3 abgefertigt. Moldenhauer begann schlecht, verlor mit einem Doppelfehler seinen Aufschlag und auch das zweite Spiel brachte Austin an sich. Dann hatte sich der Deutsche gefunden, buchte hintereinander drei Spiele, als Austin wiederum den Gleich- stand herstellte. Nach einem weiteren Ausgleich 4: 4 gewann Moldenhauer das hart umkämpfte 9. Spiel und brachte dann mit einem flach wegrutschenden Ball den ersten Satz 6: 4 an sich. Im zweiten Satz führt« Austin zunächst 1: 0. Nach 1: 1 zog der Deutsche in Front und sicherte sich den zweiten Satz 6: 2. Nach 2:0 für Moldenhauer im dritten Satz riß sich der Engländer noch einmal zusammen, gewann drei Spiele hintereinander, aber dann war es mit seiner Kunst vorbei. Unter dem Jubel der vielen Taufende von Zuschauern zog Moldenhauer nun unwiderstehlich dem zweiten Punktgewinn für Deutschland zu, den er 6:3 im dritten Satz sicherstellte. Sport des Sonntags. Di« einen Erfolg versprechende Internationale Berliner Renn- wache nimmt auf der G r u n e w a l d b a h n ihren Ansang. Der mit 70 000 M. ausgestattete Große Preis von Berlin über 2600 Meter fleht im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Hier muß Oleander, für dessen Steuerung eigens Iockey I. Childs aus England kämmt, sich leicht vor Antonia, Serapis, Impressionist und seinem Stallgesöhrten Avant, behaupten können. Ein« großartige Besetzung hat am gleichen Tage das mit 30 000 M. ausgestattet«' Internationale Hürdenrennen über 3500 Meter gefunden. Die deutsche Klasse, repräsentiert durch Mar- cellus, Heluan und Anton, wird«inen schweren Stand gegen die Franzosen Lasleur, Le Bouif, Labichc, Vauparsand und Mauken- tosh sowie gegen den Engländer Alan hgben. In Bad Harz- bürg wird die traditionelle Rennwach« zu End« geführt, weitere Galopprennen finden in M ü l h« i m- D u i s b u r g und München- Riem statt. Das Internationale Rcittournier in L u.zern wird am Sonntag abgeschlossen. Mit der Austragung der deutschen Meisterschaften sür Berufs- tahrer im Deutschen Stadion konzentriert sich das bahn- Iportliche Geschehen völlig auf die Reichshouptstadt. Sämtliche Bahnen im Reiche pausieren. Von den Geschehnissen aus der Landstraße verdienen die?l m a t e u r- S t r a ß c n m e i st e r s ch a s t der DRU. in Braunschweig und der Preis von A l g ä u für Wertpreissahrer Erwähnung. In allen Gauen des BDR. werden die Meister in, V i e r e r m o n n s ch a s t s f a h r e n ermittelt. Dos bedeutendste Ereignis des Jahres, der Große Preis der Nationen für Sportwagen versammelt«in starkes Feld hachklafsiger Fahrer auf dem Nürburgring. Um den Sieges- preis von 30 000 M. und den Goldpokal dcs�A. v. D. wird ein heißer Kampf über die 509 Kilometer lange Strecke zwischen den rund 35 Bewerbern entbrennen. Der mehrmalige Sieger Eoracciola (Mercedes-BetzzV hat sich in erster Linie mit Kimpcl(Mercedes- Benz) und den fran.zösischen Bugattisahrern Louis Chiron, Baron Rothschild und Bauriaud abzufinden. Beim Karlsruher Wildparkrcnncn sind einige der besten Motorradfahrer wie Kiemel-Waldsee, Geiß-Psorzbcim, Hiller-Feuerbach, Pätzold-Köln und Henne-München am Start. Auf der Rundstrecke von Francorchamps bei Spaa wird der Große Preis von Belgien für Motor- räder entschieden. Das 1. Nationale Altherren-Sportfest des Berliner Sport-Clubs, das auf dem Tiergartenplatz in Szene geht, Hot eine Besetzung aus alle» Teilen des Reiches gesunden. Viele„Kanonen" aus früherer Zeit werden sich am Ablauf einfinden. Bei den Deutschen Hvchschul Meisterschaften in Münster i. W., die die Gebiete Leichtathletik, Schwimmen, Tennis, Fußball, Hockey. Handball, Schlagball, Faustboll usw. umfassen, sind annähernd 800 Wettkämpfer versammelt. Besonders die leichtathlctischen Kämpfe werden eine gaiyze Reihe namhafter Athleten am Start sehen. Zahlreiche Ländcrkän, psc stehen bevor.. Im Schwimmsport werden die K r« i s in e i st e rs ch a f t e n ausgetragen. Die westdeutschen gelangen in Dortmund, die süddeutschen in Ulm, die schlesischen in G l e i w i tz, die mittel- deutschen in B i e l e l e l d, die norddeutschen in D r e m? n und die von Brandenburg/Pommern in A n k l a n, zur Durchführung. Hauptereignis im Rudern ist die große Hamburger Regatta, wo die besten norddeutschen und Berliner Mannschaften zusammen- treffen._ iMlYuLbcUV Die Spiele am Sonnabend und Sonntag. Das Bundesfest rückt immer näher, und aus diesen, Grmche hat die Nürnbergmannschaft des Kreises am heutigen Sonnabend ihr letztes Probcspiel. Das Spiel findet um 18 Uhr im Köpenick«? Stadion, Marienstraße, statt. Der Gegner ist die Städtemannschaft. Weiter spielen»och FTGB.-Rosenthal gegen FTGB.-Norden 1 um 1914 Uhr in Roscnthal, Hmiptstraßc. Lorwärts-Hennigsdorf empfängt Tegel um 19 Uhr, während Velten mit beiden Männer- Mannschaften nach Friedrichsthal fährt. Erkner und Karlshorst spiele» um 191- Uhr in Erkner, Gcmeindesportplatz. Am Sonn- t a g besucht die Freie Turnerschast Wilmersdorf Hennigsdorf, die Frauen spielen um 15 Uhr, die 2. Männer um 14 Uhr und di« 1. Männer um 16 Uhr. Eintracht-Mahledorf 1 spielt um 16 Uhr in Mahlsdorf, Hönower Chaussee, gegen FTGB.-Stralau, währcick die 2. Mannschaft nach Trebbin jährt. Köpenick 2 besucht Straus- berg-Schwimmer. FTGB.-Karlshorst hat um 10 Uhr in Karlshorst, Z reskowollee, FTGB.-Spandau als Gegner. FTGB.-Pankow spielt um 14 Uhr gegen die Freie Turnerschast Koulsdorf in sfomkow. Kissinger Straße. Freie Turnerschast Nauen spielt gegen Ketzin um 14 Uhr in Nauen. Fahrkarken nach Nürnberg. Si« gabr>«rt«n nach Stttnbetq fiit Be-liser Seteine lös»««»»« Sonn- ab«»t> l> Uhr»rd»o»(äoit-Unq ,o Uhr ab qeflen Bowiftun« der Host. »»»eiluogoabschnitt« oder d«r QllUtungea bei Orhlschl仫r. Kochstetter 3lt. 10 iU-BahnhosLeopoldplah), Lucrgebäudc I, durch die Hcrrinofahrtlcitcr abgeholt werde». Kämpfe im Freie« ttrgl-r-Buod. Di« Rlubfämpfc im Kau Berlin d'» gAB?. lind beendet. Es linden am Eonntag. dem ,4. Juli, im Keglerbeim Reubabelsberg die Echlichkämpfe um die Ein.,elm:iflcrschaltcn statt und werden hirrbei die beiden Kauriegen ermittelt «rb«iter.Schjjt,e»b»»d.«leinkaliberschiehen Eonnlag. 14. Juli. 9 Uhr, lZriedrichsfeldc, Uppstallweg. Turn, und Sportverein.Eiche" l«9« ET., ESpeoiS,»«,>rl«oh»»d»r>. Sonntag Trelipunkt l2dj Uhr Bahnhof Grüna» tum Volksfest der SPD. gTKB.-Rürnberglahr«». Wer an der tzahrt am Mittwoch nicht ieilnehme» kann, gibt bis spätestens Monigg abend leine Vdress« an die Gelchäftsstelle, zwecks Zusammenstellung einer Gesellschaitsfghrt gm Tonersiag. dem IS. tzuli. Wahrt 1« Uhr. TTEB. Tbrechunug oller»eliirkolasstrrer am Montag, IZ. 3uli. 19 Uhr. in der Grschöftsstellc. 3llr Luartglsabrechnung müsse» alle stgssierer per- treten sein.