BERLIN Montag 15. Zuli 1929 lOPff. Nr. 336 B 162 46. Jahrgang. erscheint tiglich anterSenntag«. Zugleich Abrndaiitgabe de«.Dorwirt«'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, S,6c»M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW6S. Lindenkr. S nzeigenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeil« so Pf., Reklame�il« 5M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheekkonro: VorwärtS-Verlag G. m. d. H.. Berlin Nr.»75Z6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« SS7 k Oer Marsch der roten Lugend. Das Hohe Oed der Arbeitersolidarität in Wien. s! Unser die Jugend! Wien, 15. Juli.(Eigenbericht.) Wo ist der Dichter, wo der Maler, der diesen Fackelzug der internationalen Arbeiterjugend vom Sonnabend» abend, den Fest- und Siegeszug vom Sonntag schildern und wieder- geben könnte? Wer schildert diese Sommernacht und diesen wahren Sonnentag,' diesen Rausch der Farben und der Freude, diesen Jubel der Jugend und diese Anteilnahme und Hingabe der Zuschauer? An beiden Tagen, am Sonnabend und am Sonntag, zogen die jugendlichen Demonstranten je 2� Stunden long an Hundert« taufenden von Begeisterten, an der Bevölkerung des roten Wien, an einem ganzen Volt vorbei, die weit« breite Stadt in ein Meer der Kraft und Beschwingtheit einhüllend, sie von einem Ende bis zum anderen mit einem gewaltigen Brausen erfüllend. Was wir an diesem Abend und dem folgenden Morgen sahen, war«in Wunder der Organisation, da« Wunder der sozialistischen Zdee, der Teiamps der internationalen Sozioldewo- kratie. Gleich dem schönsten Märchen aus 1001 Nacht stieg am Sonn- abendabend die Jugend und die Zukunft Europas von der„Hohen SBarte" Wiens herab und ergoß stch in die Stadt, im Takt ihrer Lieder, mit der Wucht ihrer Sprechchöre, in der Krast und Schön- heit ihrer Jahre, in glutrotem Fackel- und Fahnenglanz. Wie ein« glühende Schlange wälzt sich der Zug an den beiden Seiten des Donaukanals entlang, und das Wasser glänzt und gleißt wie Gold. Immer näher rüAt es heran, in rhythmischen Bewegungen, und verseht die spalierbildendcn Massen in einen unbeschreiblichen Taumel. Das winkt und jubelt, das grüßt und singt und ruft und marschiert, und es ist, als wäre plößlichein« neu« Welt geboren, die die Nacht zum Tag gestaltet und der Menschheit ein neues Licht vom Himmel geholt habe. Um 9 Uhr abends hat es be- gönnen, und als die Spitzen des von zwei Seiten heranrückenden Zuges das lichtumflutets Rathaus berühren, ist es Nacht, und die Glocken verkünden Mitternacht, und noch immer zieht und rauscht es vorbei, jubelt und klingt dieses begluckende und nie erlöschende Er- lebnis dem jungen Tag entgegen. Er zaubert es noch einmal und führt es zu einem noch höheren Gipfel. An diesem Sonntag beginnt es an demselben Platze, wo der Abend endete: am Rathaus. Nur«in Bruchteil der Jugendlichen findet um 9 Uhr morgens Platz, als Fanfaren und Chöre den Reigen einleiten. Dann erscheinen auf der Tribüne Fritz Adler im Austrage der Sozialistischen Internationale, C-trin-London im Auftrage der Gewerkschastointernational« und Otto Bauer für die österreichische Sozialdemokratie, um der Jugend ihren Gruß zuzurufen. In historischer Stunde und aus historischem Platz, so sogt Fritz Adler, finden wir uns hier zusammen. Heute ist der Jahrestag der großen französischen Revolution von 1789. Sie fortzuführen, gilt unser Schwur. Am 14. Zuli 1889 trat die erste sozialistische Internationale zusammen und schrieb die Maifeier und' den Achtstundentag aus ihr« Fahne., hier ist der Platz, auf dem die Wiener Arbeiterschaft ihren Kamps um da» Recht begonnen hat. Der Kamps von heute gflt der Erhallung der Demokratie, der Verteidigung der Republik, der Erringung des Sozialismus. Deshalb: die Internationale über alles, über alles in der Welt! Der Engländer C i t r i n« begrüßte die Jugend im Auftrage von 14 Millionen organisierter Arbeiter, die sich in der Jnternatt»nale der freien Gewerkschaften zu- sammengesunden haben. Krieg, Militarismus und Faschismus sind heut« die schlimmsten Uebel, denen wir zu begegnen haben. /Citrin sagt es in seiner Muttersprache und schließt seine Rede mit dem einen deutschen Wort, das millionenfach in diesen Tagen Wien durchzittert, von allen verstanden wird und in allen Herzen wider- Ningt. das ein« groß« Wort der österreichischen Arbeiter: Freund- fchaft! (Fortsetzung auf der 2. Seite.) 3)ie Jugend marfchiert über die Stingfirafie. 3)ie gewaltige Sonntagskundgebung, (Eigenes Mldielegramm.) Russisches Mimatum an China. Oreiiägige Krist. Der ruffifch-chinesische Konflikt, auf dessen Bedeutung und Gefährlichkeit wir in der Sonntagsausgabe des„Vorwärts" ausführlich hingewiesen haben, hat sich in- zwischen bedeutend zugespitzt. Die Moskauer Regierung hat durch ihren Botschafter K a r a ch a n der chinesischen Re- gierung eine scharfe Protestnote überreichen lassen, die durch ihre dreitägige Befristung den Charakter eines Ultimatums trägt. Die Note bezeichnet das Vorgehen der chinesischen Behörden in der Mandschurei als die„gröbste Verletzung unzweideutiger Ver- träge" und die durch dieses Vorgehen geschaffene Lage als„außer- ordentlich ernst". Die Note erinnert daran, daß Rußland„wiederholt Beweise seiner Friedensliebe und freundschaftlich en Hal° tung gegenüber China" im Kampfe um die Abschaffung der Diktaisverträge und um die Wiederherstellung der chinesischen Souveränität gegeben und als erstes durch Vertrag auf alle Sonder- Privilegien der ausländischen Staaten verzichtet habe. Hinsicht- lich der chinesischen Ostbahn hätte die Sowjetregierung wiederholt ihr Bereitschaft zur freundschaftlichen Regelung aller Streit- fragen angeboten, zuletzt in einem Telegramm vom 11. Juli, das ober ebenso wie frühere Angebote unbeantwortet geblieben sei. Die chinesischen Behörden betrachteten diese Haltung Rußlands anscheinend als einen Ausdruck der Schwäche. Demgegenüber betonte die Sowjetregierung.„daß sie über hinreichende Mittel verfügt, um die gesetzlichen Rechte der Völker der Sowjetunion vor jedweden gewalttätigen Anzrifscn zu schützen". Der Schluß der Note läutet: ... Ihrer Friedenspolitik treu bleibend, gibt die Sowjetregierung trotz der Provokatorischen Ge» waltmaßnahmen der chinesischen Behörden noch» mals ihre Bereitschaft kund, mit China in VerHand- l u n g e n über den gesamten, die chinesische Lstbahn be- treffenden Fragenkomplex einzutreten. Solche VerHand- langen wären jedoch nur möglich, wenn die verhafteten Staatsangehörigen der Sowjetunion unverzüglich frei- gelassen und sämtliche gesetzwidrigen Handlungen der chinesischen Behörden rückgängig gemacht würden. Dementsprechend schlägt die Sowjetregierung vor: 1. Unverzüglich wird eine Konferenz zur Rege- lung aller die chinesische Ostbahn betreffende« Fragen einberufen. 2. die chinesischen Behörden mache« unverzüglich sämtliche die chinesische Ostbahn betreffenden Willkür- maßnahmen rückgängig. 3. Alle verhafteten Sowjetbürger werde» unverzng- lich freigelassen. Die chinesischen Behörden stellen alle Verfolgungen und Schikanen gegenüber Ttaatsange- hörigen und Einrichtungen der Sowjetunion ein. Die Sowjetregierung rät der Regierung von Molden und der Nationalregierung von China, die ernsten F o l g e n zu bedenken, die sich aus einer Ablehnung dieser Vorschläge der Sowjetunion ergeben würden. Die Sowjet- regierung erwartet innerhalb von drei Tagen eine Antwort der chinesischen Regierung auf ihren Vor- schlag. Falls sie keine befriedigende Antwort erhält, wird sie genötigt sein, zu anderen Mitteln zur Wahrung der gesetzmäßigen Rechte der Sowjetunion zu greifen. Englische Blätter melden aus China, daß die Maß- nahmen der chinesischen Behörden der Mandschurei an- scheinend ohne Wissen der chinesischen Zentralregierung in Nanking erfolgt seien und sogar ohne Wissen des Gouver- neurs der Mandschurei, Tschangsüliang. Das letztere klingt allerdings sehr unwahrscheinlich. Vielmehr erklärt der chinesische Präsident der Ostbahn in Charbin, daß er auf Veranlas sung der Mutdener Regierung vorgegangen sei, weil die Sowjetregierung das Bahnabkommen von 1924 verschiedentlich verletzt habe. Er hoffe, daß Ruß- land die ihm von chinesischer Seite unterbreiteten Vor- schlüge in Erwägung ziehen werde. Gestern fanden in allen großen russischen und sibirischen Städten große Protestkundgebungen vor den chinesischen Konsulaten statt. Die japanische Regierung hat eine Vermittlung vorläufig abgelehnt. J. Oer Tag von Wien. Die Eröffnungsfeier am Sonnabend, (Fortsetzung von der I.Seite.) Otto Bauer folgt und erinnert an den 15. Juli 1927. als die österreichische Reaktion das Blut der Wiener Arbeiter vergoß. Er gedenkt der von ehrlosen Despoten in Italien, Lett- l o n d und Jugoslawien zurückgehaltenen Arbeiter. fugend, die wir wieder an dem Tage bei uns sehen werden, an dem sie über die Trümmer des gestürzten Faschismus hinwegschreiten wird. Der Redner grüßt die englische Ar- beiterschaft, die große Hoffnung des internationalen Proletariats, und er grüßt die d e u t s ch e A r- beiterschaft, die kein Anschlußveroot hindern kann, sich eins zu fühlen mit ihren österreichischen Klossengenossen. Drei Grafen und drei Generäle haben vor 15 Jahren dicht in dieser Näh« die Welt in Flammen gesetzt. Der heutige Tag soll uns die Srast geben, daß uns kein Gras und kein General je wieder gegeneinander führen kann, und daß wir von San Franziska bis zu den Kulis nach Bombay und über die ganze Weit die gesamte Arbeiterklasse oller Länder in der Internationale de» Sozialismus vereinen. Mit dem Rufe:„Freundschaft! Krieg dem Kriege!" schließt die Kundgebung. Der Fest- und Kampseszug setzt sich in Bewegung, marschiert über den Ring zum Prater. Fritz Adler, Crispien, Eitrin, Lobe, Otto Bauer und der Bürgermeister des roten Wien, S« i tz, führen die Spitze, umbrandet vom Jubel der Hundert- taufende, die die Straßen säumen. Am Ende des Stadtringes schwenkt die Spitze und die Ehrengäste mit der Fahne der Jugend- internationale ab und lassen den Aug vorbeilommen. Vh Stunden lang zieht er vorüber, VA Stunden lang marschiert und marschiert in Zehnerreihcn die Jugend vorüber, die die Zukunft Europas i st. Mit Berlin-Brandenburg beginnt es, und wie am Vorabend jauchzen die wiener Arbeiter der Bertiner Jugend besonders stürmisch zu. und im Sprechchor antworten die Berliner: .„Freundschaft, ihr wiener, wir sind die Berliner!" 18 WO deutsche Genossen aus allen Gauen ziehen vorbei, und Lobe erfreut sich besonders ihrer Sympathien und Hochrufe. 18 Länder folgen dann aufeinander mit einem Meer von roten Fahnen. In allen Sprachen und immer wieder ruft es: Hoch das rote Wien! Hoch Bürgermeister Seitz! Hoch die Internationale! Endlich kommt Oesterreich. 5000 Rote Falken, die Acht- bis Dreizehnjährigen in roten Blusen, tapser mit- schreitend und singend eröffnen diesen Zag. Nach ihnen die Jugend aus den österreichischen Bundesländern. Von den höchsten Alpenspitzen sind sie heruntergekommen, aus den fernsten Winkeln Oesterreichs, mit Tausenden und aber Tausenden von roten Fahnen. Dann kommt die Jugend Wiens selbst, geordnet nach Bezirken, nach Gewerkschaften, Verbänden und Be- rufen. Dichter und dichter schließen sich die Reihen, breiter und breiter werden sie, marschieren und häufen sich, und ein unendlicher Jubel liegt über der Stadt und will kein Ende nehmen. Nie haben wir ein höheres und reineres Glück erlebt, nie war. die Sonn« so SSürgermeifier Seils, fprichl. schön, der Himmel so blau wie an diesem Tage der Jugend Europas, wie bei diesem Triumph der Internationale, wie bei diesem Sieges» zug des Sozialisinus in Wien. Seit den frühen Morgenstunden war die kllometerlange Straße von dichten Menschenmengen umsäumt, die den Marsch der Jugend sehen wollten. Sie haben standgehalten bis in den Nachmittag, bis die letzt« Iugendgruppe vorbeigezogen war. Die Größe dieses Jugend- morsches ließ alle Müdigkeit vergessen, ließ stundenlang in Sonnen- brand stehen; nicht nur der Glaube kann Berge versetzen, auch B e- geisterung und Freude können es. Der Abschluß des Wiener Jugendtreffens brachte für die meisten seiner Teilnehmer auch die Abschiedsstunde vom roten Wien. Ein Teil fuhr gleich zurück in die Heimat, ein anderer Teil fuhr in die Berge. Am Sonntagabend und im Laufe des Montags sind neun Sonder- züge nach Deutschland gefahren. Die Abfahrt der Züge war jedesmal ein freuig-fchmerzllches Ereignis. An jedem Zug standen hunderte Männer und Frauen und nahmen Abschied von ihren jungen Gästen. mit denen sie in wenigen Tagen aufs engst« verbunden wurde». Es war keine Seltenheit, daß Tränen flössen auf beiden Seiten. Die Ab- schiedsszenen haben es augenfällig gemacht, was auch sonst überall sichtbar wurde: Die Zugend hak in Wien Großes erlebt. Massenkundgebungen und Feiern, sie hat L» l t d a r i k ä t gefühlt In ihren Quartieren, war in ihrer Mehrzahl zu Gast bei wiener Arbeitern, und sie fand hier nicht nur eine Schlafstätte bereitet, nein, es gab mütterliche Aufnahme und gute, oftmals zu gute Verpflegung. Die Zugend wird diese wiener Tage, wird diese wiener Gastsreundschafl niemal» vergessen. Sie werden immer in Ihrer Erinnerung obenanstehen als ein hohe» Lied von Masfenwlllen und von Arbeiter. Solidarität. Da» wiener Zugendtteffea wird eingehen in die Geschichte der Arbeiterbewegung al» der gewaltig« Ausbruch der arbeitenden Zugend der bedeutendsten Länder zu den Höhen einer frohen, befreilen Arbeit und einer friedlichen Menschheit. Ltnsere Studenten in Wien. Oer Vortrag des Genoffen Renner. Gestern nachmittag Z Uhr wurde im Festsaal de» Alten Rat- hause» da» 2. Internationale Studententrefsen er. öffnet. Au» D e u l s ch l a u d sind 160 Studenten eiagelroffen, 36 Studenten stellt Belgien, Z4 Frankreich, IS hol- l a a d. 22 Polen und 36 die Tschechoslowakei. Be- sonder» begrüßt wurde die Anwesenheit von englisch eu Studentin, die al» Abgesandte de» englischen Studenten- verband«» an der Tagung teilnahmen. Genosse Ingenieur Lohma nn(Wien) begrüßte die Tagung im Namen des Verbandes der sozialistischen Studenten Oesterreichs. Der Abgeordnet« Genosse Ellenbogen sprach für den sozial- demokratischen Parteivorstand, er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die physiologische Barriere zwischen Arbester und Intellektuellen über» wunden werden wird. Der vorsiheyd« der Zugendinternationole, Genosse Karl Heinz, wie» mit Freude aus da» harmonische Zusammenarbeiten der Studenten mit den jugendlichen Arbeitern hin. Genosse Crispien begrüßte die Tagung als Vertreter der sozialistischen Arbeiterinternationale. Er de- zeichnete die Befreiung der Wissenschaft oon�dcn nationalen Schran- ken und die Förderung des Geistes der Völkerversöhnung al» wich- tigste Aufgaben freiheitlicher Studenten. In einer mit großem Bei- fall aufgenommenen, in drei Sprachen gehaltenen Rede dankte Dr. Friedländer(Berlin) im Namen der auswärtigen Studenten für die gastliche Aufnahme in Wien. Staatskanzler a. D. Genosse Renner hielt hernach einen Vortrag über das Thema:„Der Sozialismus und die Intellektuellen". Er führte aus:„Im Mittelaller war die geistige Arbeit von allen anderen Gesellschaftsgruppen geschieden. Geistige Arbeit war geistliche Arbeit, und ein wester Abstand trennte den Klerus von dem Laien. Erst der Humanismus brachte Laienschulen und Laienwissen- schasten. Am humanistischen Gymnasium wurden aber, ebenso wie an den Universitäten, der niedere Adel und das Stadtbürgertum zum Fürstendlenst geschult. Der Iungkapitalisinus brachte die Technik in den Vordergrund. Im Dienst« des Absolutismus oder des Privatunternehmers leisteten die geistigen Arbeiter Knechts- dienst gegenüber den Herren. Heute macht sich bei den Intellek- tuellen immer stärker die Proletarisierung bemerkbar. Eine mißverstandene Entwicklung führt geistige Arbeiter zum F a s ch i s- m u s, Antisemitismus und Chauvinismus aber sind Ausdrücke der Furcht und Engherzigkeit. Di« Zeit stellt dem Akademiker ein neues Ziel: die demokratische Republik weiht ihn dem Dienst am Volk. Ausgabe der sozialisti- scheu Zolellekluellen aller Länder ist e», sich in den Dienst des Volke» und damit der Menschheil zu stellen." Ae Ausführungen des Genossen Renner wurden von unseren jungen Studenten immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen. Ehrung der SS Luliopfer. Matteotti unvergessen. Wien. 14. Juli.(Eigenbericht.) Außerhalb des Jugendtreffen» fand am Donntag auch eine �c- denkfeier am Grabe der Opfer des 15. Juli 1927 statt, an welchem 89 Proletarier von der Wiener Polizei erschossen wurden. Auf dem Zentralfriedhof erschienen Abordnungen der einzelnen Parteiorganisationen aller 21 Wiener Bezirke. Die Schutzbundabterlungen, die an jenem Tage Tote verloren hatten, waren ebenfalls vertrei«» Alle Abordnungen erschienen mit ihren Fahnen. Für die Iugend-Internationalc waren Heinz(Wien) und Ollenhouer(Berlin) erschienen, außerdem eine Abordnung der deutschen Jugendlichen mit der Berliner Fahne. Vom Parieivorstand sowie von de» verschiedenen Abordnungen wurden Kränze an den Gräbern niedergelegt. Dann sprach Genosse Dr. Ellenbogen, der darauf hinwies, daß diese Gräber den Beweis erbringen, daß der Ausstieg des Proletariats Opfer ohne Zahl erfordere. Nach ihm sprach Patochig namens der italienischen Jugend- lichen der Südfchweiz. Er verwies daraus,'daß das italie- 3)ie Zahnen der Jugend. Nische Proletariat leider oerhindert sei. zu dem Jugendtreffen selbst zu kommen und Abordnungen auf diesen Friedhof zu entsenden, daß aber die Italiener der Südschweiz aus der nächsten Nähe de» schweren Kampf des italienischen Proletariats mst ansehen. Wie Matteotti, so seien auch die 89 Toten«in Symbol des proletarischen Kampfes. Hierauf zogen die Delegierten mit gesenkten Fahnen an den Gräbern vorbei. Kommunisten und Heimwehr als Störenfriede Am Sonntag versuchten Kommunisten und Hcimwehrleute in inniger Gemeinschaft auf zwei Plätzen der Stadt die Kundgebungen zu stören. Beide wurden gebührend in ihr« Schranken verwiesen. Die Kommunisten hatten zu ein« großen Demonstration Propa- ganda gemacht, fanden allerdings kein« 400 Teilnehmer. Bundesschule des Reichsbanners. Weihe des Vundessportplatzes. Reichswehr will kein Maffenquartier. Sin Beweis ihrer„Anspruchslosigkeit�. Eine Truppenübung im harz, die dieser Tage staltsänd, lieferte«neu interessanten Beweis für die„Anspruch»! ofigkeil" unserer Reichewehr. Di« 2. Marine-Artillerie-Abteilung von Wilhelmshaven (was übt die eigentlich im Harz?) sollte in Nordhousen«in- quartiert werden. Der Mozistrat versuchte Privatquartier» zu beschaffen. Es gelang jedoch nicht— trog der Inanspruchnahme der Milüärvereinsmitglieder— mehr al» 17 Quartier« zu bekommen, Der Nordhäuser Magistrat richtete deshalb für 74 Mann«in Massenquartier ein und versprach den Soldaten, die in' diesen Quartieren untergebracht werden sollten, eine kostenlos« Auto- b u s s a h r t in den Harz als Entschädigung. Der Kommandant, Korocltenkapitön v. Schräder, lehnte:e- doch die Unterbringung von Soldaten im Massenquartier a b und suchte sich in einem anderen Orte Unterkunft! Magdeburg, 15. Juli.(Eigenbericht.) Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold weihte am Sonntag in Anwesenheit von etwa 15 000 Personen den ersten Teil seines groß- angelegten Bundess portplatzes und seiner Bundesschule „R e u e W e l t" bei Magdeburg ein. Der Auebau der neuen Bundes- schule wird noch rund zwei Jahr« in Anspruch nehmen, e Sin Schuß. Auf die Wohnung des Genossen Künstler. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag, etwa um 12� Uhr, wurde aus die Wohnung des Genossen K ü n st l« r, Weigundufer 16, von der gegenüberliegenden Seite des Ufers aus ein scharfer Schuh abgegeben. Die Kugel schlug etwa 56 Zentimeter neben einem Fenster«in, das zu der«n dritten Stockwerk gelegenen Künstlerschen Wohnung gehört. Der Einschlag ist deutlich zu sehen, da im Umkreis von mehreren Ouadratdezimetern das Mauerwerk be- schädigt wurde. An«inen bloßen Zufall zu glauben, ist hier um so schwerer, als Genosse Künstler in der letzten Zeit wiederholt anonyme Droh- b r i« j e von Kommunisten erhalten hat, und mehrfach auch zu nächtlicher Stunde von Kommumsten vor seiner Wohnung S p e k- takel verübt wurde. Vor allem aber ist zu bemerken, daß seit den Mai-Ereignissen die „Rote Fahne" den Namen unser« Berliner Parteivorsitzenden syste- matisch in der Verbindung mit Schimpfwortcn wie„L u m p" und „Schuft" gebraucht. Wie solche chetze, namentlich bei den unreifen und gewalttätigen Elementen der KPD auf die Dauer wirken muh. kann man sich an den fünf Fingern abzählen. Für die Folgen tragen di« Hetzer in den Schreibstuben der„Roten Fahne" die voll« moralisch« Verantwortung. Die RebeMon der Neitten Gläubiger. Sie wollen mitreden und mehr kriegen. Paris. 15. Juli.(Eigenbericht.) Wie das„Echo de Poris" mitzuteilen weih, hat nun auch die rumänische Regierung, dem Beispiel Griechenlands folgend, einen Protest an die am Poung-Plan beteiligten Großmächte gerichtet wegen der vorgesehenen Verminderung des rumänischen Rs- parationsanteils. Gleichzeitig forderte die rumänische Regierung, an der internationalen Regierungskonferenz teilnehmen zu dürfen. Das „Echo de Paris" glaubt ähnliche Proteste der jugoslawischen und wahrscheinlich auch der tschechoslowakischen und p o r- t u g i e s i s ch e n Regierungen ankündigen zu können. Vandervelde für bedingungslose Räumung. Brüssel. 13. Juli. Der frühere Außenminister und Sozialist Vandervelde verössentlicht in der Zeitung„Peuple" einen Artikel, in dem er erklärt, wenn di« Räumung des Rheinlandes der Annahme einer Rheinlandkontroll« über das Jahr 1935 hinaus durch Deutschland oder der Kommerzialisierung des ungeschützten Teiles der deutschen Zahlungsverpflichtungen untergeordnet werden würde, so würde dies eine Vertagung der Räumung sä calendas graccas bedeuten. Außerdem würde es den Erfolg der künftigen Konserenz zur Liquidierung des Krieges in Frage stellen. Vandervelde fordert, daß di« Räumung der Kommerzialisierung der deutschen Schuld voraufgehen und die Kommerzialisierung somit erleichtern müsie._ Reue Katastrophe in der Türkei. 260 Menschen durch Ueberschwemmung umgekommen. A n g o ra, 16. Juli. Nach offiziellen Meldungen aus den von den Ueber» fchwemmunge« heimgesuchten Zchwarzmeer-Ge» bieten find 21« Häuser vollstäudig und 50 teilweise z e r st S r t worden. Soweit bisher festgestellt werde» konnte, beträgt die Zahl der Todesopfer 250. die der verletzten 5V. Aus 10 Dörfer«, mit denen alle Verbindungen ab- geschnitten sind, fehle»»och Nachrichten. Die Be» völkerung ist fast überall aus dem Ueberschwemmungs- gebiet auf die in der Nähe gelegenen Gebirgsketten ge- flüchtet._ Schweres Autounglück in Mülheim-Ruhr. Zwei Tote, sechs Verletzte. Mülheim. N Uhr. 15. Juli. Ei» mit«ommunisten besetzter Lastkraftwagen stürzte hier am Sonntag abend an der Ecke der Großen- bäum- und Düsieldorfer Straße wahrscheinlich infolge Ver- sagens der Steuerung die Böschung hinab. Es find z w- i Tote zu beklagen. Außerdem wurden zwei Personen schwer und vier leichter verletzt. vi««ommunisten kamen von einer Schwimmveronstal. long ihrer Partei im Wedausee. Diese Veranstaltung hatte bereit» ein Todesopfer gefordert, da einer der Teilnehmer ertrank. Zwölf Landstiedensbrecher verhaftet. lleberfall auf eine Hochzeitsgesellschast. Neurode. 15. Juli. Arn Sonnabend wurden zwölf der liauptbeteiligten an dem Landsriedensbruch in Neudorf, wo ein Lokal, in dem eine Hoch- zeitsgessllschaft seiert«, überfallen und die Innen- «inrichtung vollständig zerstört wurde, verhaftet. Sie wurden unter starker Bedeckung mit dem Automobil nach dem Land- gerichtsgefängnis in Slatz abtransportiert Vauunglück in der Bülowstraße. Aus dem 6. Stock in die Tiefe. Aus de» Grundstück Bülowstraße 9 2 ereignete sich heute mittag ein schreckliche» Bauuuglück, bei dem zmel Arbeiter lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Auf einem Hängegerüst arbeitet« in der Höhe des fünften Stock- wert» der 2Sjährig« Bauarbeiter Karl Tietz aus der Damberger Straße 29. Aus noch ungeklärter Ursach« verlor Tietz plötzlich den Halt und stürzte in die Tief«. Dabei schlug der Unglückliche auf ein im dritten Stockwert hängendes Gelüst auf und riß den 45jährigen Maurer Kart Dellenberg aus der Kuffteiner Straß« 14 mit noch unten. Di« beiden Verunglückten hatten schwere Verletzungen erlitten und wurden von hinzueilenden Arbeitskollegen durch sofort alarmierte Wag«n des Städtischen Rettungsamtes in dos Elisabeth- Krankenhaus gebracht. Der Zustand der Der- letzt« ist sehr bedenklich. �oung-plan und Diktaturgerede. Severing über Verständigungspolitik und über den Kall des Vepublikschuhgefehes Surg(Dichmarschen), 14. Juli.(TU.) Auf einer sozialdemokratischen Bezirkskonserenz hielt Reichs- innenminister S e o e r i n g am Sonntag nachmittag eine Rede. Er beschäftigte sich zunächst mit der Tributfrage und erklärte u. a., daß von der Reparationsbelastung alle Bevölkerungskreise betroffen würden. Es fei leicht, sie mit einem einfachen Nein abzulehnen, wenn man keine Berantwortung habe. Wenn der An- trag auf Ablehnung des Doung-Plans angenommen würde, dann würde der D a w e s- P l a n in Kraft bleiben. Der Poung-Plan sei aber in seinem Zahlungsmodus besser. Ein verbrechen wäre es. den weg der Verständigung zu verlassen. Solche Bewegungen wie die nationalistische seien po- litische Kometen, die auch die Vergangenheit gekannt habe. Sie würden aber wieder vergehen. Die Mehrzahl ihrer Führer kenn« nicht die Zusammenhänge des politischen und wirtschaftlichen Ge- schehens. D« Drohungen vom 28. Juni gegen die Siegerstaaten feien die ungeeignet st«n Mittel, das Rheinland und das Saar- gebiet freizubekommen. Die Alliierten müsse man zu der Einsicht drängen, daß die Rheinlandbesetzung«in Pfahl im Fleisch der europäischen Völker sei. Der Redner ging dann noch auf das Volksbegehren des Stahlhelms und die Frage der Arbeitslosenversicherung«in, um zunr Schluß zum Fall des Rspublikfchutzgesetzes wie folgt Stellung zu nehmen: „Und nun ein Wort zum Diktaturgerede. In einem großen Teil der Press« ist gesagt worden, daß ich durch meine Aus- führungen zum Fall des Republikschußgesetzes diesem Gerede neue Nahrung gegeben hätte. Das können nur diejenigen behaupten, die entweder nach der Methode des ,/)altet den Dieb!" die Aufmert- samkeit von ihrem Treiben ablenken wollen, oder die mit den ver- sassungsrechtlichen Dingen nicht vertraut sind.' Ich habe lediglich eine Art Warnungslasel gegenüber denen ausrichten wollen, die etwa glauben, daß das Bepublikschuh- geseh Gewalttaten zum Schutz« der Verfassung ungestraft lasse. Die Anwendung des Artikels 48 ist nicht vom Belieben eines Ressort- minister? abhängig, sondern nur durch eine Entscheidung des Reichs- Präsidenten oder bei Gefahr im Verzug« durch Beschluß der Länder- regierungen möglich. Selbst der Reichspräsident ist gehalten. die von ihm aus Grund des Artikels 48 getroffenen Maßnahmen unverzüglich dem Reichstag mitzuteilen und auf Verlangen des Reichstages außer Kraft zu setzen. Wie diese Sachlage und mein- Mitteilungen darüber als Diktaturbestreben ausgelegt wer- den können, ist mir unverständlich und schließlich nur durch die außerordentliche politische Verhetzung zu erklären. Ebenso unsinnig sind die Zeitungsmeldungen, daß mit der Vorloge eines neuen Re- publikfchutzgesetzes ein Ausfühningsgefetz zum Artikel 48 verbunden werden sollte. E» ist selbstverständlich wünschenswert, daß das Verfassung». versprechen, die Anwendung des Artikels 48 durch ein Anssnh. rnogsgeseh näher zu umschreiben, rechtlich erfüllt wird. Aber dieses Gesetz mit einem Republikschuhgesetz zu verbinden. Ist sachlich und technisch eine Unmöglichkeit. Dazu kommt noch ein gewichtiges politisches Moment. Würde ich gerade jetzt eine derartige Vorlage einbringen, so wäre 109 gegen 1 zu wetten, daß dieses Vorgehen als eine Bestätigung der Nachrichten und Gerüchte ausgeschrien würde, als ob ich persönlich oder die Sozialdemokratie so etwas wie ein- Diktatur erstreben. Ich halt« es aber aus außen- und innenpolitischen Gründen für geboten, das törichte Diktaturgerücht endlich zum Schweigen zu bringen und möchte darum meinerseits nicht dazu beitragen, es aufs neu« zu beleben. Ich kann nur wiederholen, daß ich der entschiedenste Gegner jeder Diktatur bin." Severing schloß, er stelle sich aus Artikel 1 der' Reichsverfassung: Die Staatsgewalt geht vom Volle aus. Sonst müßte die Sozialdemokratische Partei das Wort demokratisch aus ihrem Namen streichen. Vorbeugende Gesundheitspflege. Genesungsheim Oberschreiberhau der Betriebskrankenkasse der Stadt Berlin. Den Gegnern der Krankenkossen zum Verdruß setzen di« großen Kvankenkossen ihre gesundheitsfürsorgerische Arbeit mit steigendem Erfolge fort. Di« Betriebskrankenkosse der Stadt Berlin, die im vorigen Jahr ihr eigenes Kurheim im Solbad Lüneburg eröffnete, kann jetzt schon wieder ein neues Heiin dieser Art in Betrieb nehmen. Den Segen eines Gebirgsaufenthaltes will sie ihren erholungsbedürftigen Mitgliedern mit diesem G e- nesungsheim ermöglichen, dos sie im Riesengebirge in dem hochgelegenen Luftkurort Oberschreiberhau eingerichtet Hot. Sie folgt dem Beispiel der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin, die bereits vor einigen Iahren mit einem ihrer Genesungsheime sich bei Oberschreiberhau niederlieh. Für dos in Oberschreiberhau zu schassende Genesungsheim „S i« b e r h ü g« l" der Berliner Betriebskrankenkosse war am Rande des Ortes ein Grundstück angekauft worden, das ein« präch- tig« Aussicht bietet. Es liegt so günstig, daß der Erholungsbedürf- tige, der hier Genesung sucht, die ganze beglückende Schönheit der vor ihm ausgebreiteten Gebirgslandschaft auf sich wirken lassen kann. Der Baumbestand des 16999 Quadratmeter großen Grund- stückes hat noch viel von der unberührten Ursprünglichkeit des Bergwaldes. In diese Umgebung stellte der Bertiner Architekt Albert Gottheiner ein Gebäude hinein, das durch feine m i t schlichten Mitteln erreichte Schönheit erfreut. Gott- Heiner hat sich bereits als schöpfer anderer Genesungsheime und Hellstätten einen Namen gemacht. Die oben erwähnten Heim« für die Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin in Oberschreiberhau und für die Betriebskrankenkasse der Stadt Berlin in Lüneburg haben das Können dieses Baukünsller? gezeigt. Wieder ist es ihm jetzt ge- lungen, der Anstalt das Anstaltsmäßig« zu nehmen und ihr die Behaglilbkeit eines wirklichen Heims. zu geben. Wieder er- füllt dieses von ihm geschaffene neueste Werk auch alle Anforde- runqen, die an den Baukünstler im Hinblick aus die für den Be- trieb notwendige Zweckmäßigkeit der Einrichtungen gestellt werden müssen. Das Heim„Siederhübel" bietet Platz für 46 Pfteglinge. Bei einer Aufenthaltsdauer von vier Wochen(in Ausnahmefällen auch von fünf oder sechs Wochen) ist auf 599 bis 699 Pfleglinge zu rechnen, die im Jahre durch das Heim gehen können. Von selber versteht sich, daß ganzjähriger'Betrieb vorgesehen ist. Hoffentlich wird in den Kreisen der Kassenmitglieder der Wert einer Winter- kur recht gewürdigt werden. Man kann von einem Gebirgsaufent- holt zur Winterzeit nicht nur denselben Gewinn wie im Sommer, sondern oft noch größeren Gewinn als ün Sommer haben. Die Pfleglinge werden in Zinimern mit je einem Bett oder mit höchstens je zwei Betten untergebracht. Für die Schlafräume, die gemein- samen Ausenthattsräume und für die Wirtschafsräume sind weit- gehend di« technischen Fortschritte ausgenutzt worden, die man bei Ge- nefungsheimen in unserer Zeit kennt. Reizvoll ist der große Park, der das Heim umgibt. Den schönen Waldbestand des Grundstückes möglichst unberührt zu erhalten, war die Aufgabe des Garten- tünftlers(Gärtnereibesitzer Ahrend in Hirschberg), und sie Ist Ihm gelungen. Durch Wege. Bänke und Lauben ist für Bequemlichkeit gesorgt. Zu der E i n w e i h u n g des neuen Heinis, die nut einer ichlichten Feier in der Heinzelbaude in Oberschreiberhau vollzogen wurde, waren Gäste aus Belln gekommen. Unter den Teilnehmern sah man neben Mitgliedern des Vorstandes der Betriebskranken- 'linier nächfter Stoman, mit dem wir am Mllkwach beginnen, ist ein fesselnder Ausschnitt au» dem amerikanischen Arbeilerleben. Der Süden der ver- einigten Staaten, in dem die soziale Gesetzgebung am rückslän- digsten ist. ist sei« Schauplatz. Der Kapilallsmn» ick seiner brutalsten und skrupellosesten Form tritt in Erschelanag. Mit Bestechung. Spitzellnm und Gewalt wird gearbeitet. Xarrrence 3%. S)esbery, der Autor de» Roman», versteht es. durch Znsammeuballnug sensationeller Ereignisse, durch krasse Gegenüberstellung der Gegensähe und durch wildbewegte Handlung seinem Werk die Spannung eine» Kriminalroman» zn verleihen, wa» den Roman „3m Schallen des elektrifcheu Stuhles" jedoch über den Durchschnitt de» Kriminalroman» erhebt, ist die Liebe sür die Sache der Arbeiter, die au» ihm spricht. hermyuia zur wühle» besorgte die llebersetzung. lasse und ihres Ausschusses die Bertreter der Stadt Berlin als der Arbeitgebenu(u.a. Stadtrat Ahrens, Stadtrat Fabiunke, Bewag- Abteilungsleiter Schäfer, Obermagistratsrat Dr. Bollbrecht). Der- treter des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen, des Verbandes Berliner Krankenkassen(Direktor Bcndig), der Allgemeinen Orts- krankenkass« Berlin(Direktor Bauer). Stadtrat A h r e n s, Vorsitzender der Berliner Betriebskranken- kasie, wies in seiner Weihered« daraus hin, wie sehr Ortskrairken- kassen und Betriebkrankenkasien bemüht sind, die Kranken- Hilfe durch Schaffung von Kur- und Genesung»- Heimen auszubauen. Den anfänglichen Widerstand gegen solche Anstalten der Kasse haben die Kurort« mehr und mehr auf- gegeben. In Worten der Anerkennung gedachte der Redner aller an dem Zustandekommen des Genesungsheims Oberschreiberhau be- teiligten Personen, obenan des Architekten Gottheiner, der das schöne Heim geschossen Ijct, und des Stadtrats Fabiunke, der als Vorsitzender der Baukommission das Werk unermüdlich ge- fordert hat. Glückwünsche der Gemeinde Oberschreiberhau bracht« Bürgermeister S t ä ck e l. Er erinneret daran» daß die Anregung zu diesem Heim einem Sohn des Riesengebirges zu danken ist. Sie geht zurück auf den früheren Berliner Stadtrat Brühl(den jetzigen Präsidenten des Lande sarbeitsomts), der damals Vorsitzen- der der Betriebskrankeirkasi« war. Direktor Bauer von der All- geineinen Ortskrankenkasse Berlin begrüßt« die Betriebskranken- kasse scherzend als„Stiefschwester". Er hob hervor, daß di« vor- beugende Gesundheitsfürsorge der Kranken- kassen die Arbeitskraft des Arbeiters schützt, das wertvollst« Kapital des deutschen Volkes. Für den Hauptver- band deutscher Krankenkassen sprach Geschäftsführer Bohlmann. der die mit der Schasfung solcher Heime betriebene Fürsorge als eine der wichtigsten Ausgaben des.Krankenkassenwesens bezeichnete. Als Vertreter des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes erkannte Kurpat an, daß di« Berliner Betriebskrankenkasse mit ihren Heimen eine glückliche Hand hat. FurchtbarerLust- undZiaubmord Oer Täter festgenommen und geständig. Dresden. 14. Juli. Ein entsetzliches Verbrechen war vor einigen Tagen im Wege- farther Ritt« r g u t» wald entdeckt worden. Unweit der- jenigen Stelle, wo vor etwa vierzehn Tagen ein« unbekannt« mann- liche Leiche aufgefunden worden war und die infolg« der oorge- geschrittenen Verwesung sofort an Ort und Steste beerdigt werden mtz�t«, fanden Pilzsammler im Dickicht einen völlig nackten männlichen Leichnam auf, der bestialische Verstümmelungen auswies. Linker Arm und dergleichen Unterschenkel waren mit Strohseilen an Kiefernstämme angebunden, während der recht« Unter- arm an den Oberschenkel des rechten Beines gefesselt war. Der Ge» schlechtsteil war abgetrennt. Der Tod dürste durch Verbluten einge. treten sein. Der so grausam und meuchlings Ermordete war«in junger landwirtschaftlicher Arbeiter Erich Kurt Zellmer, geboren am 27. März 1911 zu Dresden. Als Täter ist bereits ein gewisser Herbert Becker aus Stettin ermittest worden. Beide waren bei einem Gutsbesitzer in Arbeit und hatten Freuichschaft geschloffen. Es liegt offenbar Sexualverbrechen vor, da Decker homosexuell«in- gestellt ist. Tragödie eines Hoffnungslosen. Selbstmorv eines Sohnes von Hugo v. Hoffmannsthal. Wim. 15. Suili. Am Sonnabend nachmittag hat sich der älteste Sohn de» Dichters Hugo v. Hoffmannthal, der 26 Jahre alt« Franz v. Hoffmannsthal, in dr Villa semer Eltern in Rodaun bei W i e n durch«inen Schuß«in die Schlaf« das Leben genommen. Man oermutet, daß di« Aussichtslosigkeit, sich eine Existenz gründen zu können, den jungen Mann in den Tod getrieben hat. Er hat keinerlei Abschiedsbriefe hinterlassen, und das einzige, was zur Aufklärung des Motivs dienen könnt«, ist der Brief eines Verwandten an ihn, in dem es heißt, daß Franz jetzt bereits 26 Jahre alt sei und daran gehen müsse, sich selbst zu erhalten: er könne nicht weiter vom Gelds seiner Estern leben. Der Tote war im Vorfahre Volontär im Empfang sbnveaa eines große» Berliner Hotels, Professor Hans Delbrück gestorben Schwerer Verlust für Volt und Wiffenfchast. Gestern verstarb der große Historiker Geheimer Regierungorat Professor Dr. H-n» Delbrück im 8l. Lebensjahre. Professor Delbrück war seit längerer Zeit an Grippe erkrankt. . Ein großer deutscher Historiker ist tot. Das deutsche Doli hat einen schweren Verlust erlitten. Hans Delbrück war g«- wiß nicht unser Mann. Vor dem Krieg« war er srei- konservativer Abgeordneter, seine bürgerliche Ein- stellung hat er niemals vcrleugrjet. Aber er war ein Mann von höchster Lauterkeit der Gesinnung. ein Denker und Forscher, der in wahrem Sinne des Wortes und nicht nach den, Ungeist ge- wisser rechtsgerichteter Professoren ein Vertreter der voraussetzungelosen Wissenschaft war. Das sind Gegner, die man gern hat, nein, die man verehrt. Wenn unser Parteifreund Otto Landsberg zum 80. Geburtstag des Geheimrats Kahl im Reichstag sagte:„Es gibt etwas, das alle gesitteten Menschen verbindet, das ist die Verehrung des Derehruilgswurdigcn�. so treffen diese Worte auch auf den verstorbenen Hans Delbrück zu. Hans Delbrück wurde am 11. November 1848, im deutschen Sturmsahr, in Bergen aus Rügen geboren. In Heidel- berg, Greifswald und Bonn studierte er Geschichte und nahm dann als Reserveoffizier am Feldzug 1870/71 teil. Im Jahre 1873 promovierte er zum Doktor der Philosophie und widmete sich dann bespnders dem Studium der Kriegsgeschichte. Der liberal angehauchte Kronprinz Friedrich von Preußen berief ihn zum Erzieher seines Sohnes Waldemar, der bald in jungen Iahren ver- starb. 1881 habilitierte er in Berlin, 188.Z wurde er außerordentlicher Professor, 1M6 wurde er Nachfolger Treitschkcs als außerordentlicher Professor für Geschichte. Jahrelang leitete er die Preußischen Jahrbücher. Politisch war er von 1882 bis 188S als preußischer Landtagsabgeordneter und von 1884 bis 1890 als Reichstagsabgeord- neter tätig. Sein Hauptarbeitsgebiet, sein Liebliegsgebiet war die Kriegsgeschichte. Tränen standen in den Augen, als ihn vor einem Jahre, bei der Feier seines 80. Geburtstag«?, der Reichswehrmini st er der deutschen Republik„hochverehrter Herr Kamerad" an- redete. Aber dies« genau« Kenntnis der Kriegsgeschichte aller Zeiten befähigte ihn auch, zu einem Kritiker und Beurteiler zu werden, und es ist das Erhebende, daß er, vielleicht gegen Herz und Gefühl, nur die Wahrheit sucht« und diese Wahrheit ohne Rücksicht bekannt«. Generalseldmarschatl v. Schli«fsen baute auf Del- brück? Studie über„Cannä" seinen Plan der strategischen Umfassung aus, den der kranke und willenlose zweite Moltke 1914 fallen ließ. Nach dem Kriege enthüllt« Delbrück Ludendorss und zeigte ihn der Welt„ohne Mantel und Pelz". Eine amerikanische Zeitung nannte Hans Delbrück den„I d o lz e r t r ü m m e r e r": er zertrümmerte militärwissenschaftlich das Idol Erich Ludendorff. Er sagte in seinem Urteil wörtlich:„Wenn sich in einem großen Teil des deutschen Volkes noch die Meinung hielt, Ludendorff sei vielleicht ein schlechter Politiker, aber doch ein großer Feldherr, so wird auch das bald öffentlich als falsch nachgewiesen sein. Vom Soldaten sei nicht die Rede, aber als Feldherr hat sich Ludendorff nicht be- währt: Wir haben den Krieg nicht in letzter Linie verloren durch die Unfähigtest dieses Feldherrn. Fehler haben auch ander« gemacht Aber hier geschah mehr." Von dem Manne, der in den beiden letzten Iahren des Krieges in der Wirkung absoluter Herrscher in Deutsch land war, sagt Delbrück unter Heranbringung eines Vernich tenden Beweismaterials, daß Ludendorff den Frieden sabokierte. und gerade in diesem Zusammenhang muß wiederum darauf hiw gewiesen werden, daß Hans Delbück nach Abstammung und..Ge� sinnung konservativ, monarchistisch, schwarzweißrot gesonnen war. Allerdings ist Hans Delbrück niemals ein Konservativer im Sinne der Junker aus Ostpreußen, Pommern und Mecklenburg gewesen. Der Kranprinzessin Viktoria gegenüber bekannte er sich in den SOer Zahren als konservativen Sozialdemokraten. Schon vor dem Krieg« scheute er nicht vor einer Kritik an den Zuständen im Kaiserreich zurück. Er verurteilt« die h ata» tistische Politik in Posen und E l s a ß- L o t h r i ng« n. Auch während des Weltkrieges, als ungezählt« berauscht waren, wahrt« er die Objektivität des Urteils Er stellte die D e m a- gogie der Alldeutschen fest, er war Gegner des sog« nannten Siegfried-Friedens. Sein großes Können befähigt« ihn. die Lage zu durchschauen und zu erkennen, daß er, der innerlich der Linken ablehnend gegenüberstand� in der Kriegspolitik mil der Linken gehen mußte. Sein großes Werk„Geschichte der Kriegskunst" in vier Bänden ist gerade auch für den Menschen lesenswert, der Krieg und Militarismus ablehnt. Leider Hot der große Gelehrte dos Vermächtnis, das er dem deutschen Volke zugedacht hatte, seine Weltgeschichte, nicht mehr vollenden können. Es ist interessant, daß dieser Kenner der Weltgeschichte, der die Revolution von 1918 immer verurkeilt hak, nachher mik unserem verstorbenen Freunde Friedrich Ebert aus da» innigste zusammenarbeitete. Er sah ein, mochte auch der alte Landwehrofsizier an den Glanz der Kaiserzeit mit Wehmut zurückdenken, hier historisch unumgäng- liche Notwendigleiten eingetreten waren, er sah ein, daß es Pflicht jedes wahren Freundes von Volk und Vaterland ist, am neuen Staat ausbauend mitzuschasfen. Für den über den Dingen stehen- den Mann ist bezeichnend, daß er in Erkenntnis des national Er- forderlichen bei den Dezemberwahlen-1 924 als Redner in einer großen demokratischen Versammlung austrat, und alle Parteilosen ausforderte, dieses Mal für die demo tratische Partei zu stimmen. Kein Mensch, der das Fühlen des alten Mannes versteht, konnte von ihm verlangen, daß er für die Sozialdemokratie«intrat. Der alte Ranke sagte, als er den jungen Delbrück sah:„Das wird einmal mein Nachfolger." Wer einmal Delbrücks Nachfolger wird— wir können es nicht sagen. Vor der Leiche des bedeutenden Gelehrten, des lieben, ehrlichen Menschen, neigen auch wir, die in vielem seine Gegner waren, das Haupt in Dankbarkeit und Ver- ehrung. Ilcuning Duderstadt. Das wettlose Drama. Von Wilhelm Michel. Ich möchte wieder einen Dramatiker sehen, bei dem die Worte und die Dinge das bedeuten, was sie scheinen. Seit Jahren sitzen wir nun ausgehungert vor diesen verkappten Monologen, in denen uns lauter Götter verkündigt werden, die im Busen wohnen und nach außen nichts bewegen können. Die Probleme sind da und werden eifrig abgehandelt. Aber die Welk und Wirklichkeit, aus die sie sich beziehen, sind on» verlorengegangen. Jedes Jahr hören wir von einem neuen„Durchbruch". Aber immer sind es Durchbrüche in noch ärgere Einsamkeiten und Gespenster- Provinzen. Dauthendey schrieb in seiner Jugend ein Drama, das begann mit der Regiebcmerkung: Die Bühne stellt das Innere des menschlichen Gehirns dar. Ist unser Drama über diesen Schau- platz entscheidend hinausgekommen? Hot sich der Geist in uns aus seiner Burg wirklich herausgewagt und hat er das Aergernis und die Beglückung erfahren, daß draußen das„andere" ist, das ohne ihn und selbst gegen ihn existiert: die Welt? Rein. Wir sind zwischen den„Kulissen der Seele" stehengeblieben. Die Welt, die uns fremd war, weil unser Ich sich nicht liebend auf sie einlassen konnte, ward zum Gespenst: daher der moderne Kultus des Grauens. Dann lernten wir dieses Grauen, aus Gründen der Gegenwehr, verhöhnen und bewitzeln: daher die tausend Humore, diese tausend Ironien und Gelächter, die sich nachgerade zwanghaft in alle moderne Geistäußerung drängen. Die Verbindung zwischen Geist und Stoff ist überall durchschnitteii und damit jeder Keim eines Wirklichwerdens der Dinge. Auf die Dauer wird dies grenzen- los langweilig. Mir scheint, daß dieser Punkt im Drama der Reussten erreicht ist. Das Bewitzeln der Realität ödet uns an. Wir— und dabei rede ich vom durchschnittlichen Zuschauer, wir sehen i» diesem ewigen Achselzucken, in diesem Herumdunkeln zwischen Vieldeutig- leiten, vor allem das Versagen d e s G e i st e s, der die Lebens- bindung flieht. Das bedeutet: die Furcht vor der Verantwortung, die Lebens- felgheit, den unbelehrbaren Dilettantismus. Und wir beginnen- endlich zu beareisen, daß im ruhig-bestätigenden „Anschauen kantigen Bergkristolls", zwei Atemzüge lang durch- geführt, eine unendlich höhere geistige Leistung steckt als in stunden- langen Kaskaden ironischen Gelächters Ist es wirklich so, ihr jungen Dichter, daß euch nach so viel gehegter und ausgespielter Jugend das Heldenlied des Lebens immer noch nicht in die inneren Sinne fällt? Was muß denn noch ge- schehen, damit der leer, Abgrund jensetts eures Ich sich mit Wirk- lichkeit erfüllt? Es laßt sich verstehen, daß der Weltkrieg, gerode, weil sein Geschehen alles Begreifen übcrwuchs, die Menschheit nur noch mehr in hitzige und trotzige Subjektivität gescheucht hat. Aber gerade dadurch seid ihr doch an den günstigen Punkt gesetzt, wo ihr zu Zuschauern und Mitwirkenden eines auf- steigenden Lebens werdet Wenn es wahr ist, daß die griechische Kunst als heldenhafte, kriegerische Leistung, als verteidi- gung des Lebens gegen dunNe Ursprungsmächte zu verstehen ist, dann enthält doch gerade die Situation nach diesem Krieg« Auf- forderungen genug, eine Kunstform heroischen Sinnes zu erbauen: eine Kunstform mindestens, in der sich der Geist zu einem Bundes- genossen des Lebens macht. Rings um die Bezirke der Kunst her vollzieht sich denn auch, deutlich sichtbar, ein Prozeß der F e st i» gung. In der Philosophie, in den Wissenschaften, in Religion und Politik ist eine Verdichtung der Welt zu beobachten: überall treien die rebellischen Tendenzen vor den stiftenden und walkenden Kräften, die aus ein wahres Verhältnis zu einem Lebensganzen gehen, in den Hintergrund. Gerade die Politik bietet ein überraschend wahres Abbild der geistigen Verschiebung, die sich unter uns vollzieht: die bloße Opposition ist keine mögliche Haltung mehr. es gilt in die Verantwortung für das Ganze einzutreten. So Hot sich auch der Geist, sofern er die Kunst nährt, lange als Opponent verhalten, und er konnte dies tun, solange Kritik, Erschütterung, Be- unruhigung und Forderung vonnöten war. Heute ist genau das Gegenteil gefordert: Lebensstiftung, Konsolidierung der Weit, Auf- bau einer neuen Wirklichkeit. Dem Kunstgeiste, der dieser Forderung nicht genügt, ergeht es wie einer Oppositions- Partei, die nach erfolgreicher Revolution nicht in die Verantwortung für das Neue und Ganze einzutreten wagt: Selbstentkräftung, Selbstentwirklichung sind die notwendigen Folgen. So glaube ich, daß es sich heute in der Dichtung nicht um stets erneuerte Abwandlungen des ironischen Gelächters, der stoffscheuen, romantisierenden Geistigkeit handelt, sondern um ein neues Ernst nehmen der Welt. Falsche Ziiate. Di« Deutschen sind ein zitatenfreudiges Volk und hoben das Glück gehabt, daß ihnen ihre klassischen Dichter, besonders Schiller, so gut geprägte Weltweisheiten geschenkt haben, daß sie auch als oll- tägliche Münzen noch ihren Glanz bewahren. Freilich, durch allzu bäufige Benutzung geht manchmal etwas von der ursprünglichen Schönheit verloren. Das Gedächtnis läßt im Stich, der Wortlaut wird verändert, und so entstehen„geflügelte Worte", die von dem Originollext abweichen. Wie häufig wir falsch zitieren, zeigt eine interesiante Zusammenstellung von Hilde Fuchs in der„Leststunde" So sagen wir z. B.:„O Königin— dos Leben ist doch schön!", während es im„Don Carlos" heißt:.Königin— o Gott!— das Leben ist doch schön!" Ein anderes Zitat aus tem gleichen Schiller- schen Drama wird ebenfalls immer ungenau angeführt:„Es heißt nicht:„Anders als sonst in Menschenköpfen malt sich in diesem Kops die Welt", sondern:„Anders, begreis' ich wohl, als sonst., Da» beliebtest« Zitat aus demselben Drama:„Der Knabe Karl fängt an mir fürchterlich zu werden" wird ebenfalls stets saljch angeführt. Wer im Schiller nachschlägt, wird zu seiner Ueberraschung finden, daß die Verse lauten:„Der Knabe Don Karl sängt an mir fürchter- lich zu werden." Das Zitat aus Goethes„Erinnerung" heißt nicht, wie man immer wieder hört:„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gut« liegt so nah", sondern:„Willst du i m m e r w e i t e r schweifen?.. Weshalb man immer sagt:„Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan", anstatt, wie es im„Fiesco" heißt:„Der Mohr hat seine Arbeit getan",.ist nicht recht. verständlich. Eher kann man schon begreifen, daß der Dolksmund manch« Aussprüche in eine bequemere Form bringt, so wenn man. zitiert: „Es herrschen im Weltbetrieb« der Hunger und die Liehe", während die Verse in Schillers Gedicht„Die Taten der Philosophie" lauten: „Einstweilen, bis den Vau der Welt/ Philosophie zusammenhält—/ Erhält sie das Getriebe/ Durch Hunger und durch Liebe." Gering- fügigere Veränderungen befinden sich in zahlreichen viel gehörten Zitaten, so z. B. heißt es im„Taucher" nicht:„Laß, Vater, genug sein des grausamen Spiels", sondern„das grausame Spiel". In Schillers„Piccolomini" heißt es:„Die Uhr schlägt keinem Glück- lichen", nicht:„Dem Glücklichen schlägt keine Swnd«"„flöh« Sinn liegt oft im tind'schen Spiele" lautet ein anderes Schiller-Zitat, und nicht:„Es liegt ein tiefer Sinn im kind'schen Spiele." Auch heißt «s im„Tell":„Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern", während fast immer„einig" zitiert wird. Der Vers des.Kamlct" lautet:„Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode", während man stets:„Ist die» auch Wahnsinn.. hört. B. Bezirksgesangssesi in Teltow. Der 4. Dezirk konnte in Velten(Tübecke-Garten) weder an Material der Chöre, noch on Reichhaltigkeit der Dortragsfolg« mit dem Sängerfest des 8. Bezirks in Beeskow rivalisieren. Auch gruppierte sich fast alles Wertvolle nur um den Namen F r i ck e. Die anderen Dirigenten, so Gnedekow, Bree.-Leq und Haverland, traten gegen ihn trotz einzelner gelungener Leistungen wesentlich zurück. Dafür aber drückte dieser ganz vor- bildliche Bezirkschormeister H. Fricke mit seinen Einzel- und Ge- sangschören(Männer- und gemischte Chöre) dem Ganzen einen absolut unverwischbaren, tief nachhaltigen Stempel aus. Wer speziell Klau» Pnngsheims„Arbeiterlied" gehört hat, machte sich damals kaum einen Begriff von der Schlagkraft dieses zu den besten zählenden Tendenzstückes. Di« zweimalig« Modifikation des Tein- pos, die prachtvoll klappende Begleitung der Trommel und der Pauke und die grandios gesteigerte Durchführung vsrhalfen dem Chor zu einem stürmisch verlangten Dakapo-Erfolg. Di« behörd- liche Garnierung war diesmal«ine sehr erfreuliche. Landrot Ge- nosse S i e r i n g erinnert an die Pfleg« der Kampflieder, Amts- Vorsteher Genosse Zieger dankt in seiner fein gewürzten, huino- ristischen Rede u. a. dem Chor.Zukunft"-Velten für seine Mit- Wirkung bei den sommerlichen Parkkonzerten, und Gauvorsitzender Schneider rügt in seiner zündenden Ansprache das charakterlos« Mitlaufen so mancher junger Genossen in bürgerlichen Gesang- vereinen und schildert unsere Ziele zum Segen der nachfolgende» Generationen, hielten die Begrüßungsreden. Der große, schöne Garten war vollbesetzt. M. Sin wichtiges neues Arzneimittel. Am 12. Juli tagte im preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt unter dem Vorsitz des Ministerialdirektors Dr. Schopohl«in durch namhaft« Gelehrte ergänzter Ausschuß des Landesgesundheitsrotes'. der sich mit den neuen Arzneimitteln B a n i st e r i n und H a r m i n beschäftigte. Dos Alkoloid Banisterin wird aus einer südamerikanischen Liane ge- Wonnen, während das Harmin in der kleinofiatischen Steppenraute vorkommt. L. Lewin hat in neuester Zeit weiter« Fachkreis« auf das Lanifterin aufmerksam gemacht. Es ist seitdem festgestellt worden. daß das leichter erhältliche Harmin mit dem Banisterin identisch ist. Das neue Mittel führt, ohne daß schon«in völlig abschließendes Urteil gefällt werden kann, zu bisweilen überraschenden Heilerfolgen bei gewissen Fällen von sogenannter Schüttellähmung, ins- besonder« als Folgeerscheinung von Encephalitis, während es bel anderen, an der gleichen Erkrankung leidenden Personen oft nur geringe PZirkung hat oder gänzlich versogt. Jedenfalls ist aber der Arzneischatz um ein neues wertvolles Mittel bereichert worden, obwohl übertriebene Hoffnungen nicht angebracht sind. Theaiergemeinfckast im Ruhrgebiet. Die Umgemeindungs Verhandlungen«erden auch nicht ohne Einfluß auf die Bestrebungen zur Schaffung einer Theatergemeinschaft bleiben. In einer Sitzung des Finanzausschusses teilt« der Düsseldorfer Oberbürger- Meister zur Theaterfrage Mit. daß di« Verhandlungen zur Schaffung einer Theotergemeinschaft soweit fortgeschritten sind, daß in dies« Gemeinschaft von der Stadt Düsseldorf Oper und Operette eingebracht werden sollen, während das Schauspiel von einer anderen Stadt übernommen werden soll Das Klein« Schauspielhaus in Düsseldorf soll dann künftig an Privatinteresienien von Fall zu Fall verpachtet werden. Gegen diese Theotergemeinschaft wird allerdings in der Düsseldorser Stadtverwaltung noch ein erheblicher Widerstand zu überwinden sein_ Zehn Apparate für den Karbenfilm. Zehn Apparat« gibt«» auf der ganzen Welt, so behauptet der berühmteste Farbenfilm-Expert« Amerikas, Alan Crosland, di» imstande sind, Farbenfilme aufzunehmen, und diese zehn Apparat« sind durch einen Vertrag zwischen Warner Brothers und der Technicolor Company auf sechs Monat« an Warner vermietet. Acht Monate werden benötigt, um ein« derartig« Kamera zu konstruieren. Be! der Aufnahme läuft zugleich ein rote» und ein grünes Film» band, von denen jedes di« Farben aufnimmt, für welch« es empfind- lich ist. Natürlich kommen immer noch Fehler und Mißverständniss« vor. So kommt die Farbe, von der die Technicolor-Fachleute er« warteten, daß sie blau ausfallen würde, als wunderschönes Gelb heraus. Eine Moses-Mendelssohn-Ausstellung in Dessau. Am 3. September wird di« 200jährige Wiederkehr des Geburtstages des in Desiäu geborenen Philosoph«» Mose» Mendelssohn unter Beteiligung der städtischen Behörden fest. lich begangen werden Zugleich wird, auch ein« Ausstellung im Moses- Mendelssohn- Haus, zu der auch«in« Reih« auswärtiger Bibliotheken Beiträg« angemeldet haben, eröffnet. «udolf v«» c«b die darüber herabhängt, gegebenenfalls auch um- drehen, ohne sich jämmerlich zu zerkratzen: solide sind auch Küche und Keller, die hart«, dunkelgelbe Butter bekommt man in ganz Italien nicht, noch das gute Oelbrot. das überreich« Nuß- und Mandelbackwerk, und der vino cotto, der gleich nach dem Pressen gekocht wird, muß seine 30 Prozent Alkohol enthalten, nach dem Effekt zu urteilen. Aber eines verdroß mich, als ich die Speise» karte ansah, gleich wieder. Warum will dieses edle, stolze, un ab- hängig«, selbst von den Römern nie ganz unterworfen« und auch heute noch privilegierte, dieses offenherzige, biedere, moralisch hoch- stehende Volk, warum will es überall und unbedingt von den oll den guten Dingen, die es auf der Insel gibt, am liebsten dreccia, meine Schafdärme, essen und mir das Geschäft verderben?! Signor Giulio begegnet« ich zufällig aus dem Landweg droben, bei einem der merkwürdigen, komischen, aus losen Steinen zusammengefügten vorrömischen Befestigungstürmen— muraghe genannt—, die man zerstreut in ganz Sardinien antrifft. Er bog sich von einem Schimmel herab, auf den er mächtig stolz war. Eine vorzügliche, dort allgemein gezüchtete arabisch-sardemsche Kreuzung, erklärte er, die die besten italienischen Kavalleriepserde abgibt. Etwas klein sind die Tier«— aber gescheit: der Schimmel ver- stand den schwierigen sardenischen Dialekt, daß es eine Freude war. „Warum gehst du schon wieder aus den Steinen," sagt« Giulio zum Echimmel,„macht es dir etwa Spatz?" Der Gaul schüttelte den Kopf und trat sogleich aufs Weidegras hinüber, dort drehte er sich auf das Geheiß seines Herrn wie eine Lokomotive aus der Dreh- scheid« herum, und als dieser ihn fragte, warum er heut« so faul sei, schnaubt« dos Tiers machte einen- Sprung und schoß wie ein Pfeil von hinney. Giulio faß ohne Bügel und Zügel„hoch" zu Roß. wie es in Sardinien Sitte ist.„Das sind nur Zirkuskunst' stücke," sagte er, zurückkommend,„aber wenn ich ihm die Hand ein Zittern durch den Körper des Schimmels, er kennt kein« Hinder- mjse mehr und trägt mich wie ein Walkürenroß über Stock und Stein." Signor Giulio war ein Millionär: es gibt erstaunlich viel Millionäre in dem kleinen Ozieri, das durch Viehexport während des Krieges reich geworden war. Fast zweihundert Millionäre gibt es und sie sind so schlicht und einfach, daß man sie nicht von einem besseren Bauern unterscheiden kann. Ihr größter Luxus ist eine Billardportie zu spielen und ihr größter Leckerbissen sind— oh! oh!— dreccia. Die Leibspeise der reichsten Millionäre und ihrer ärmsten Knechte sind Schafdänne. Auch Herr Giulio konnte mich meinen geschäftlichen Zielen nicht näher bringen, da man in dieser Gegend die Eingeweide höher schätzt und teurer bezahlt als das Fleisch. Ich ritt yüt einem von Giulios famosen Pferden tief in das weltabgeschiedene, menschenarm« sardinisch« Gebirge im Insel- Zentrum. Berittene Ehepaare kamen mir entgegen, der Mann im Sattel, die Frau mit baumelnden Beinen hinten auf dem Schweifteil sitzend. Hirten trieben unendliche Schafherden vor sich her, angetan mit der M a st r u c c a aus gegerbtem Schafpelz, ein doppelseitig tragbarer, ärmelloser Rock, der im Winter gegen die Kälte, im Sommer gegen die Gewalt der Sonnenstrahlen, und zwischendurch gegen Regen und Nässe schützt: also ein wirklich prak- . tisches Universolkleidungsstllck. Die Hirten sind virtuos« Bläser, die auf einer altgriechischen, dreiröhvigen Flöte— der S a u n e d a— ein merkwürdiges Kunststück vollführen, indem sie viertelstundenlang gleichzeitig in alle drei Röhren hineinblasen und ihre Finger daran spielen lassen. Sie üben sich das als Kinder mit Strohröhrchen ein, blasen, ohne auszusetzen, in ein Wasserglas, und holen gleichzeitig durch die Nase Atem: probieren Sie's einmal! Auch Jäger traf ich da oben, die Jagd ist frei und die Hirten selbst fangen F ü ch s« in einer Schlingensalle: ö000 war der Iahresrekord. Gentleman- jäger, darunter Engländer und Amerikaner, setzen den kleinen sar- denischen Bären ihres seidenweichen, kaffeebraunen Felles halber nach und- dem Marder geht's auch nicht gut Alberghi gab es keine, aber überall wurde ich gastfreundlich aufgenommen, selbst in einer Hütte, deren aus kotigem Lehm de- stehende Wände ein Platzregen weggeschwemmt hatte, wurde ich zu dem Familientisch geladen, der min, wie die Betten und dos übrige Mobiliar, sich den Blicken des Wanderers weichin sichtbar darbot. „Das Haus ist klein, aber das Herz ist groß" sagten mir die un- verdrossenen Insassen. Wochenlang habe ich im Inneren Sardiniens von der Gastfreundschaft der zutraulichen und vertrauenden, wenn auch in sich gekehrten Bevölkerung leben können, die man nur durch einen Vertrauensbruch zum Feinde machen kann, aber dann zum erbittertsten. Selbst zwischen Familien, die sich Blutrache geschworen haben, wird die Gastfreundschaft heilig gehalten, der darum an- sucht, wird wie eilt" Kind des Hauses aufgenommen, vielleicht ober zehn Schritt« weit ab ermordet, wenn er es verlätzt. Ueberall gibt es andersfarbig« Trachten, und überall sind sie über alle Vorstellung malerisch: Sardinien ist heut« das letzt« Kostümland Europas. Aber auch dort räumt über kurz oder lang die Kultur mit der Poesie auf. Nun: es war der schönst« Mai meines Lebens. Sardinien ist die unberühmteste und romantischste Mittelmeerinsel. Ein mittelalterlicher Traum, gewebt aus treuer Lieb«, langen Röcken, Gastfreundschast und Blutrache. Der Bastillensturm 1789— 14. Juli— 1929/ Von Hermann Wendel Der 14. Juli 1789, Tag des Bastillensturms, ist einer jener seltenen Frühlingstage der Menschheit. deren Glanz nicht. in Jahrhunderten erlischt. Sicher sind ander« Daten für den Verlauf der französischen Revolution nicht minder bedeutungsvoll, etwa der 17. Juni 1789, an dem sich die Deputierten des dritten Standes zur Nationalversammlung erklärten, oder der 10. August 1792, an dem Krone und Szepter des heilige« Ludwig aufs Pflaster rollten, aber mit Recht ist der 14. Juli unter allen Tagen des Jahres begnadet. Daß an diestm Tag« das Volk von Paris gerade die Bastille berannte, hatte taktische Gründe und poiitisdze Wirkungen. Da die feudale Gegenrevolution, verkörpert in König und Hochadel, aus der Provinz vermeintlich ergebene Truppen nach der Hauptstadl zog, um die Revolution mit roher Gewalt im Keim zu ersticken, schien die Bastille als strategischer Stützpunkt..- gegen das Volk ausersehen, das sich nicht umsonst in den Besitz von 28 000 Flinten und S Geschützen gesetzt hatte. Darum mußte sie fallen und fiel, nicht zuletzt, weil sich«in Teil des Militärs auf die Seit« der Aufständischen schlug. Durch diese Niederlage wurde Lud- wig XVI. so eingeschüchtert, daß er zwar noch mit allerhand Ränken bis zum vollendeten Hoch- und Landesverrat, aber nie mehr mit offenem Angriff gegen die Revolution vorzugehen wagte. Der Bestillcnsturm entschied! Aber mindestens ebenso tief reicht« die moralische Bedeutung des 14. Juli. Kein Gebäude in Paris war so verhaßt wie die Bastille, an deren Mauern der Fluch Unzähliger klebte, denn dieses düstere Staatsgefängnis, in dem Mißliebige ohne Anklage, ohne Verhör, ohne Urteil, nur auf einen Wink des Königs oder eines Ministers oder einer königlichen Kebse oft auf Lebenszeit ver- schwanden, war das aufreizendste Sinnbild für die Macht der Willkür und die Ohnmacht des Rechts im alten feudalen Frank- reich. Daß das Volk in blutigem Kampf diese Zwingburg nahm, dem Erdboden gleich machte und ihre Niederlegung durch fröhlichen Tanz auf der Stätte einstigen Grauens feierte, war wirklich das Zeichen für den Anbruch einer strahlend neuen Zeil. Die Erinnerimg an diesen Tag, da sich das Volk aus eigener Kraft, mit der Tyrannei abrechnend, seine Souveränität errungen hatte, trieb wie herrischer Fanfarenstoß die Revolution auf ihrer vor- gezeichneten Bahn weiter. Da die Revolution, die seit einem Jahrhundert und länger in den Eingeweiden Frankreichs wühlt«, um am 14. Juli 1789 unwider- stehlich hervorzubrechen, den Machtantritt des Bürger- t u m s auf Kosten der abgelebten feudalen Schniarotzerschichten brachte und in aller Welt die Bourgeoisie für das neunzehnte Jahr- hundert zur Herrschaft berufen war, handelte es sich beileibe nicht um«in lokalfranzöstsches Ereignis, sondern es war, mit Karl Marx zu reden. eine Revolution europäischen Stils: nicht der Sieg einer bestimmten Klasie der Gesellschaft über die alte politische Ordnung, sondern die Proklamation der politischen Ord- nung für die neue europäische Gesellschaft. Darum zuckte die Kunde vom Fall der Bastille wie ein elektrischer Schlag über den ganzen Erdball. In Deutschland empfanden die edelsten Geister, wie der Historiker Iohännes Müller, der den 14. Juli„den schönsten Tag seit dem Untergang der römischen Weltherrschaft" nannte: ZU tiefst bewegt durch die Nachricht, vertraute der greis« Dichter K l o p- stock einem Freunde an: Großes ist geschehen für Gesetzlichkeit der Obermacht! Aber Größeres steht bevor: Kampf der Patrizier und der Plebejer durch ganz Europa. und selbst in dem fernen und finsteren Petersburg umarmten sich ine Menschen auf der Straß«, einander Glück wünschend,„als ob ihnen olle die Kette abgenommen wäre". Wer immer des künstlich verlängerten Mittelalters überdrüssig war, fühlte, daß in Paris an diesem Julitag seine eigenste Sache gesiegt hotte. Audz als Kaiser und Könige sich versdzworei,. den Drachen der Revolution zu erlegen und ihre Söldnersdiaren vor den Freiwilligenheeren der jungen Frankenrepublit auseinandefttaben, sdzlug das Herz aller für die Freiheit Erglühten dort, wo die Trikoloren wehten. Hälder- lin schrieb im Sommer 1792 seiner Schwester:„Bete für die Fran- zosen, die Bersechter der Menschenrechte!" Und Goethe verkündete an den Beiwachtfeuern von Valmy:„Von hier und heute beginnt eine neue Epoche der Weltgeschichte!" Auch als sich die Revolution unter der Schreckensherrschaft mit dem Blut Unschuldiger befleckte, als die Diktatur der Demokratie in eine Diktatur des Cäsarismus mündete und als die Verteidigungs- kriege der Republik in Eroberungskriege des Kaiserreichs ausarteten. ging das große Werk, das mit dem Bastillensturm so glorreich be- gönnen hatte, nidsi allmählich unter. Trotz allem war Napoleon insofern der Testamentsvollstrecker der Revolution. als er ihr« sozialen Errungenschaften schützte: die Niederlegung der ständischen Schranken, die Rechtsgleichheit aller Bürger und der Uebergang des feudalen Grundbesitzes in die Hand der Bauern- schast und Bourgeoisie— alles das blieb und wirkt« werbend auf die anderen Völker. Aus den Eehieten. aus denen wie aus dem linksrheinischen Deutschland die französische Verwaltung Feudatis- Mus Leikftig?nschäft hinäusfeote, sprühten die Gedanken der Großen Revolution wie Feuerfunken in alle Welt, und wann und wo immer im neunzehnten Jahrhundert der dritte Stand, sein Recht heischend, an die Pforte des absolutistischen Staates klopfte, berief er sich auf das Jahr 1789. Im innersten Wesen war die Revolution so sehr eine bürgerliche Bewegung, daß In ihrer radikalsten Vertretung, dem Nationalkonvent, unter 783 Abgeordneten zwar 29 zum Bürgertum übergelaufene Adlige. aber nur 2 Arbeiter saßen, und wenn zuweilen in Wart und Tat der Reichtum hart mitgenommen wurde, kamen solche Borschläge und Verfügungen aus das in belagerten Festungen Uebliche heraus und hatten nichts mit Sozialismus zu tun: die Danton, Robes- pierre, Marat waren eingefleischte Sachwalter der Bour» geoisie. Wohl ober hatte der 14. Juli 1739 noch die Bedeutung, daß er das arbeitende Volk, die Blasse, das Proletariat, handelnd neben das Vllrg«rtum auf di« Bühne stellte. Arbeiterblut floß beim Bastillensturm für die Freiheit, denn unter den rund hundert Toten, die der Tag kostet«, war eine Anzahl so arm, unbe- kannt und verlassen, daß mehrere Wochen Nachforschens ihre Namen nicht aus dem Dunkel zu ziehen vermochten: mit Recht sagt Jean I a u r e s von diesen proletarischen Bastillenstürmern, daß sie durch ihren Mut und ihr« Kraft dem großen revolutionären Tag das Merkzeichen ihrer Klasse aufgepreßt hätten,„so daß es dank diesen Wackeren heute unter der Sonne nichts gibt, was völlig der Bour- geoisie gehört, nicht einmal ihr« Revolution". Aber die historische Entwicklung machte die Arbeiter» kl a s s e auch zum Verwalter eines guten Teiles des Gedankenguls, das 1789 und in den Jahren danach seine verständlichste und mit- reißendste Form erhielt. Gehemmt durch Eigensucht und zerfresien von Gewinngier, zeigte sid> die Bourgeoisie weder willig noch sähig. die besten ihrer eigenen Forderungen in die Wirklichkeit zu über- tragen: von der erhabenen„Erklärung der Menschen- rechte" blieb das meiste totes Papier, als die Klasse, deren wirt- schastliche Macht auf dem Kopitalbesitz, statt auf dem Grundbesitz ruhte, zur Herrschast kam. Darum hat di« Arbeiterklasse, die neben dem Sozialismus auch die Demokratie, die den Sozialismus durch die Demokratie erstrebt, mit Fug die hohen Prinzipien von 1789 aufgegriffen: Freiheit, Gleichheit. Brüderlichkeit heißt auch ihre Losung, und ihr Kampf gilt nicht minder dem Ideal, für das die Männer des 14. Juli ihr Sieben ließen. Nicht von ungefähr begann der erste Kongreß der Zweiten Internationale zu Paris am Iahrhunderttag des Bastillensturms. am 14. Juli 1889, und wenn L e n a u zum Beweis, daß sich der Sonnenaufgang nicht mit Purpurmänteln oder dunklen Kutten verhängen lasse, die kühn vorwärtsdrängenden Geister und Gruppen der Menschheitsgeschichte aufzählt, nach Huh und ZIska Luther und Hutten: Die dreißig Jahre, di« Gevennenstreiter, Die Stürmer der Bastille, und so weiter so umspannt dieses„und so weiter" heute vor ollem die Bataillone, die sich unter den Fahnen der Sozialdemokratie zum Swrm auf die letzten Bastillen der Vergangenheit zusammenschließen. Copyright by Orell FüBli, Zürich (20. Fortsejiung.) Cr leert« sein Glas in einem Zuge, oll« taten desgleichen: man weiß, was wahre Trunkenheit wert ist. Alles strahlt jetzt in erstaunlichen Farben. Ich sehe blau, ich seh« grün, ich seh« gelb, ich sehe rot. Es hängen um mich herum Stücke Sonn«, reifen Früchten ähnlich. Ein Tisch stürzte zusammen und begrub Gläser und Flaschen, mit denen er beladen war. Dabei war der Lärm durch das Gelächter erstickt, das sich erhoben hatte. 5taum sah man, wie der Tisch einbrach: so grotz war die Unordnung. Und draußen vor dem Haus« schliefen ausgestreckt Menschen, die zu viel getrunken oder gegessen hatten(und die anderen Lust- barkeiten ermüden gleichfalls). Einige lagen auf der Seite, den Kopf in den Arm gebogen, ander« mit dem chintern nach oben, weiter« auf dem Rücken, den Hut über die Lugen gezogen. Da lag die dick« Lucie, ganz osfenherzig. So war es«uf diesem ganzen Platz: einige Schritte weiter kam die Kirch«, da war es ganz anders. Sie machte einem bang« mit ihrer großen Tür und den abgerissenen Angeln, mit den Rissen und dem hohen Turm, der schief stand. Aber da» Dorf war noch schrecklicher:«s zeigte sein« eingestürzten Dächer, die Verwüstung seiner Gassen und aus? Geratewohl v«g- geworfen«(wie man Kehricht wegwirft) unförmig« Dinge, die herumlagen. Eine Schar tauchte auf, sie kam die steil« Straße hinunter. Sie schrien: „Wir bringen noch drei...' Und wirtlich sah man, daß sie noch drei gelesteten, zwei Männer und-ine Frau. Aber sie tonnten nicht mehr zu Fuß gehen, man mußte sie tragen. Und auch sie wurden in die Herberg« geführt, und jener, der hier Herrscher war, empfing sie und er hieß sie, wie die anderen, das umgekehrte Zeichen schlagen. Und wie er sich nicht mehr ver- steckte, so sagte er jetzt: „Wißt ihr, wer ich bin?" Er lachte. „Es gibt weder Gutes noch Spechtes mehr." Er lachte. Er sagt« weiter: „Ihr müßt um der Erde willen auf den Himmel verzichten/ Aber alle, die da waren, hatten auf den Himmel verzichtet. Und er lacht« und begann von neuem: „Es gibt nichts mehr, weder Gut noch Löf«/ Und olle lachten wie er, denn der Knecht ahmt den Meister nach. Rur Lhot« nicht, der abseits faß: er sprach seit langem nicht mehr. Er schien den Dingen entfremdet. Er war blaß. Seine Altgen waren groß geworden. s«in Bart länger und schwärzer. Der Fremd« rief ihn: „Und du Lhot«, was hältst du davon?' Lhote hob den Kopf. „Und was glaubst du? W«r bin ich?" Da antwortet« Lhote: „Ich glaub«, du bist Christus, und du zeigst dich, wie du es für gist findest.' „Mein armer Lhot«. du täuschest dich. Sieh her/ Er trat an da» Fenster. Er braucht« nur die Hand zu erheben: «in« finster« Wolke erschien, ein Donnerschlag erschallte. Der Fremd« sagt«: „Da siehst du../ Aber Lhot« schüttelt« den Kopf: „Ich behaupte trotzdem, du bist Christus... denn die Toten gehorchen dir../ Siebentes Kapitel. Und so kam noch ein Tag. Ein weiterer Tag, der kommt, und einer der längsten de« Jahre». Und an diesem Tag erglänzte die Sonne in den Höhen de» Luftmeer, von fünf Uhr an: ober unten war zum Glück all«» durch jenen seltsamen Nobel verdunkelt. Noch ein Tag kommt, vielleicht der letzt« für viele unter uns, und zu unserem Glück ist er verdunkell: der schrecklichen Dinge wegen, des gräßlichen Schweigens wegen. Denn die einen hatten nicht einmal mehr die Kraft zu klagen, und die anderen schliefen eben ein, als die Sonne aufstand. Noch«in Tag kommt: nichts ist mehr da, niemand ist mehr da—, nur dort, weit drüben in den Diesen irrt ein Mann herum. Es ist Jean Lüde. Noch ein Tag, vielleicht d«r letzt«: nicht, mehr, niemand mehr, nur Jean Lüde: denkt noch jemand an ihn und wie er von Scham gepackt ins Weit« floh, nachdem er die Grenzsteine versetzt hotte? Da ist er nun wieder, da kommt er wieder: aber er wagt sich nicht in die Nähe. Di« ganze Zeit, sest er den Ort umschleicht, wo sein Glück war, und wo für ihn, wie er dachte, niemals mehr Glück zu finden sein kann. Um den Ort, wo er wähnt«, daß Frau und Tochter weilten. Nichts wußte er: er stöberte Im Kreis herum, aber ganz weit weg, dort zwischen den Wiesen, seit Wochen schon, seit Monaten— und so sehr trieb ihn die Liebe: aber er wagte es nicht. Noch«in langer Tag kommt. Unter der rotstämmigen Kiefer sitzt er, allein, dieser arme Mensch, den Hut tief in der Stirn, mit seit lange nicht geschnittenen Haaren. Die Knochen der Augen- bögen springen kantig hervor,«in spitzer Ball sticht über den hohlen Wangen aus der Haut heraus, und wo der Bart wächst, sieht es aus wie häßliches Moos. Unter der rotstämmigen Kiefer sitzt er und wartet. Seit so manchem Monat wartet er. Sein Haupt sinkt müde herunter. Und nun hebt er«» wieder hoch. Er muß sich einfach gehen lasten. Und er kann sich nicht n«hr holten: jetzt ruft er. er ruft, und er weiß wohl, wen er herbeiruft. « Just diesen Morgen hott- sie sich aufgemacht, die Ziege auf dem Berg« zu weiden: die beiden lebten da oben ganz allein und auch sie wußten nicht, was vorging. Weiß man noch, wer sie sind. Adel« Lüde und ihre Tochter Maria, und wie sie aus dem Dorfe weg mußten, als der Winter kam? Der Winter kam. der Winter ging: wie mild« Flötenklänge hatte sich des Kuckucks Stimm« au» den Schluchten vernehmen lasten: der Kuckuck hatte mit vollem Ton gerufen, und da» Gras war ge» wachsen, und heut' war wieder ein Tag, einer der längsten im Jahr. Denn es war viel Zeit vorübergegangen: aber es mußte auch viel Zeit vorübergehen. Und just diesen Ntorgen war sie mit der Ziege auf die Weide gegangen, unt> die Ziege war eben am schönsten Grasen. Marie hob den Blick. Sie sah niemand. Nichts war in der Nähe, als der Hang, mit dem schön gewachsenen Gras, wo die Ziege an den Krautbüscheln zerrte und sie ausriß und dabei chren weißen Bart schüttelte, und sonst war noch oben am Hange der Himmel da und schien wie eine blaugestrichen« Zimmerdeck«. Hatte sie nicht recht gehört? Nein: denn eben vernahm sie wieder, als fi« den Blick senkte, ein« Stimme: „Marie! Marie/ Und abermals: .Marie!' Dann nichts mehr. Doch neuerdings wieder: „Mari«: du. wenigsten», weil du mir Mut gibst, du wenigstens wirst dich meiner erbarmen/ Denn nun war die Zeit gekommen, und nun kam auch die Stimme, und nun hatte sie sie auch erkannt. Wie lange schon war er fort gewesen! Und wo kam nun seine Stimme her? Und sie schaute von neuem in die Runde, und niemand war da, nur die Stimme ollein: da dachte sie gleich:„Er braucht mich notwendig/ Sofort war sie entschlossen: die Ziege konnte bleiben, wo sie war. „Die Mutter freilich/ sagte sie sich,.wird sich gewiß kümmerri. sieht sie mich nicht heimkehren: ober ich will ihn ihr heimbringen/ Sie schlug die Richtung ein, aus der die Stimme zu kommen schien, und das war gerade der Weg, der zum Dors hinabging. Bon Zeit zu Zeit schaute sie um sich: sie sah nichts, ober immer tönte wieder die Stimm«, und sie schien immer von weiterher zu kommen, se mehr sich Marie näherte. Und dann bemerkte man die Zeichen. Die Sonn« verschleierte sich. Etwas wie«ine gelb« Haut zog über sie hin und wurde immer dichter: kani es ihr auch nur zum Bewußtsein? Denn kaum steht sie still, so erhebt sich wieder die Stimme, und verstummt wieder, und erhebt sich wieder und schwillt an und wird voller Ungeduld, und Marie beschleunigt ihr« Schritte, so sehr sie kann. Jetzt kamen die Tannen, die über den Weg gefällt waren, und sie mußt« hinüberklimmen, und nun eilt sie noch mehr. Dieser Morgen, dieser lange Tag, einer der längsten im Jahr, aber matt und glanzlos, und glanzlos die Luft und le«r— denn eben war noch der Iubelsang der Vögel da. Stimmen erklangen und Kirchenglocken und die Schellen der Weidetiere, und nun keine Stimmen mehr und keine Glocken und kein Ton. alles aus! Nur die ein« Stimme:„Marie, Marie!' Und jetzt tut sich der Ausblick auf, das Dorf liegt da in seiner Mulde. Mein Gott, wind sie wirk- lich...? Nichts hält sie ab, sie geht weiter. Gleich war sie bei der Mühl«: da ist das Dach auseinander- gezerrt, die Mauern klaffen, das Wasterrad mit seinem Moosgewand liegt zerbrach«»..Kern lebendes Wesen war ihr noch vor die Augen gekommen: aber auf einmal, gerod wie sie hinblicktc: „Wo willst du hin? Was machst du hier?" Ein Fenster wurde ausgeschlagen, ein Kopf erschien im Rohmen. Es war die Frau des Müllerz. Marie erkonnte sie nicht, so sehr war sie verändert. Und weiter bat die Müllerssrau:/ „Geh nicht weiter, sonst bist du ein verlorener Mensch/ Aber Marie fragte: .fiabi Ihr ihn gesehen?" Und da jene ihn nicht gesehen hatte, ging sie weiter ihres Weges. Jetzt war sie nur noch wenige Schritte von den ersten 5?äusern de» Dorses entfernt: auch da gingen Fenster auf: „Steh still, geh' nicht weiter!" „Du kannst ja nicht wissen...!" Aber sie horcht« nicht hin: denn gerade jetzt, in diesem Augen- blick, hatte sie geglaubt, ihn zu erblicken, wie sein Kopf über einer Mauer erschien, wie wenn er noch ihr gespäht hätte oder sich hätte zeigen wollen— war er's nicht gewesen oder hotte er den Kopf gleich zurückgezogen? Da sagte sie: „Ich will in unserem Hau» Nachschau halten/ Und wi« sie zu diesem Zweck den Platz durchqueren mußte. wandt« sie sich nach dieser Richtung, obwohl man fortfuhr, sie anzu- rufen: einig« von den Bewohnern hatten sich soweit erkühnt, daß sie ihr« Häuser verließen. Und die» nur. um sie zurückzuha'trn' Oder weil sie etwas wie ein Licht über ihrem Kopf sahen, und weil ein guter Schein von oben mit ihr ging? » * Indessen begannen jene auf dem Platz zu erwachen. Einer nach dem anderen erhoben sie sich mühsam auf die Ell- bogen: sie gähnten— dann ließen sie sich wieder zurückfallen. Auf dem Platze hatten sie sich zum Schlaf niedergelegt, weil es ihnen in den Häusern zu heiß geworden war. Und sie lagen wirr durcheinander unt«r d«r großen, alten, kahlen Linde. Da, wo de? Schlaf sie eben überraschte, da liehen sie sich zur Erde sinken, basta. Dort, wo die Lust sie verließ, da fand sie anderen Morgens wieder die Lust. So war es wieder am heutigen Morgen: ein Tag für sie wie die anderen auch. Unter der großen kahlen Lind«, die wie in schwor- zem Stein gehauen dastand, der Stamm, die schweren Aeste wie mit Meißelschlägen bearbeitet, die zarten äußeren Zweige mit Geduld bis in die Enden hinaus ziseliert. Der Morgen war wieder einmal gekommen: oh, wie diese Tage sich glichen! Einig« hatten sich wie Tiere ins Stroh gestreckt, andere schliefen auf der bloßen Erde. Es waren ihrer hundertfünfzig und mehr: Männer, Frauen, Kinder. Alle und Jung«. Criblet, Clinche, die dicke Lucie. sener Vater mit der Mutter und ihren fünf Kleinen. Tr«nte-et-Ouarante, Labre, Gentizon, oll« sene, die wir kennen, und auch Lhot« war nicht weit weg, obschon er sich nicht unter sie mischte. Kerzen branten immer noch aus den Tischen, auf denen Wein- flaschen standen, zur Hälfte verschüttet. Auf dem braunbemalten Holz lag der Wein in Lachen und vertropfte durch die Spalten. In der großen Stille oernohin man das Fallen der Tropfen wie das Ticken ein«r Uhr. Don Zeit zu Zeit knisterte ein« der Kerzen. Und die Menschen lagen wirr durcheinander, gleich den Toten eines Schlachtfeldes. Dennoch räkellen sich da und dort und immer mehr Arm«: Knie wurden hin und her gerückt: Körper wendeten sich. zur Seite. Gähnen wurde laut und Seufzen. Selbst mitten in ihrem Schlaf streckten sie ihre Hände nach dem Vergnügen aus: es trieb sie ein seltsames Pslichtgesühl dazu wie andere zur Arbeit. (Schluß folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Paradox, Daß ein Taschendieb lang« Finger macht, um etwas zu nehmeil. daß ein Einbrecher Türen aufbricht, um etwas zu holen, kommt leider heutzutage immer wieder vor. Daß ober ein Mann— als Taschendieb— zuerst etwas stiehlt und dann— als Einbrecher— dem Bestohlenen einen Teil des Gestohlenen wieder zurückbringt, ist bestimmt nichts Alltägliches. Ein Ingenieur in Mailand aber hatte es mit einem solchen paradoxen Einbrecher zu tun. Der In- genieur ging abends in«in Kino auf dem Korso„Dittorio Emanuele". Er ist ein vorsichtiger Mann. Er weiß, daß es in Mailand von Taschendieben wimmelt. Da er nun 200 Lire bar und üb«r lO 000 Lire in Wertpapieren bei sich trug, wottls er sich sichern. Er nahm deshalb sein« Brieftasche au» seiner inneren Rocktasche und steckte si« in die Hintere Hosentasch«.— Hiet wird kein Dieb sie suchen, dachte der übervorsichtige Ingenieur. Vergoß aber dabei, daß sehr leicht ein Bösewicht beobachtet haben konnte, wie das Portefeuille von der«inen in die ander« Tasche gesteckt wurde. Und in der- Tat! Ein Taschendieb in dem Gedräng« am Eingang des Kinos hatte es gesehen. Als Herr Mario nach Schluß der Vorstellung seine Brieftasche wieder in den Rock stecken wollt«, fand er in seiner Hos« hinten«in großes Loch. Ein geschickter Tosch«ndi«b hall« ihm mit einem haarscharfen Messer geschickt die hintere Hosentasch« weg- geschnitten und die Brieftasche entwendet. Das Geld, da» si« enthielt, hätte der Ingenieur schließlich noch verschmerzen können. Aber d«r Verlust der Briese und der Dokumente war für den Ingenieur von katastrophaler Bedeutung.. Bestürzt eilte er nach Hause. Hier aber wartete seiner eine neue, unliebsam« Ueberraschung. Während er im Kino sah, war bei ihm eingebrochen worden. Die Eingongstür zu seiner Wohnung war mit einem Nachschlüssel geöffnet worden. Was mag dem Verbrecher alles in die Finger gefallen sein? Herr Mario sucht und sucht nach einem Verlust und findet keinen. Der Einbrecher hatte ihm nichts genommen, sondern etwas gebrocht. Di« gestohlen« Brieftasche lag auf dem Schreibtisch. Ohn« Geld und Wertsachen. Aber die Briese und Dokumente fanden sich unversehrt in der Brieftasche vor. Ein Nationalpark für Frankreich. Ein etwa 100 Quadratkilometer großes Gebiet in der Provence mit zahlreichen Sümpsen, Flußarmen, Altwäjsern und steinig«» Steppen, da» als einziges Gebiet in Europa noch den Flamingo"be- herbergt, ist zum Naturschutzpark erklärt worden. Man wird dort nach Möglichkeit versuchen. Tier« anzusi«diln, die In ond«r«n Se> genden Frankreich« nur noch selten anzutreffen sind. Eine Taube fliegt übers Meer. Sin bemerkenswerte» Ereigni» lr. der S«schicht« de» Brieftauben- fluge» ist di« Ueberquerung d«, AUamischen Ozean» durch ein« französisch« Taube, di« einem Feuerwehrmann zu Watrelo» im De« partement des Nordens gehört, vor«inem Jahr etwa verlieh die Taub« den Taubenschlag und kehrt« nicht mehr zurück, ver Besitzer erfuhr nun kürzlich zu seiner großen Ueberraschung aus einer tona- dischen Zeitung, daß di« Taub« in einer Stadt der Provinz Ontario in erschöpftem Zustand aufgesunden wurde Daß«s sich um seine Brieftaube handelt, ist für den Eigentümer David Cornely ganz «UIIMIIIWIlIIIIIIIUIMIIIIIIlUIIIIIUIIMIIIIMIMIIieitlllMIllllwIlMIIMIIIIIIIMIIIIUlII zweifellos, da fi« einen Ring mit seinen Initialen und anderen An- gaben trägt: ober wie sie den Flug zurückgelegt hat. ist unbekannt. 10 Millionen Mark für Schulbauten in Mamburg. Die Hamburger Bürgerschaft beschloß di« Errichtung von ins- gesamt sechs Schulneubauten. Di« Ausführung erfolgt mit Stahl- skelettbau. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 10,5 Millionen Mark. Die Moral der Millionäre. In New Dork hat sich«in Theaterklub gebildet, der nur die oberen..Vierhundert', wi« Rockefeller. Morgan und Banderbilt zu seinen Mitgliedern zählt. Der Klub stellt ein« Art oberste Zensur» behörd« für die New-Vorker Theater dar. Durch eigen« Kritiker werden di« zurzeit am Broadway ausgeführten Stück« auf ihr« Moral geprüft. Der Klub gibt täglich an seine Mitglieder gedruckt« Berichte heraus. Ein Boykott durch diese Millionärvereinigung hat selbstverständlich den völligen Mißerfolg des Stückes zur Folge, da es zum guten Ton gehört, sich dem Geschmack der oberen„Vier- hundert' anzupass«n. Wie der Gewehrfisch seine Beute erschießt. In den Gewässern des nördllchen Queensland(Australien) gibt es einen Fisch, der die bemerkenswerte Kraft besitzt, seine Beut« zu„«rschiehen". Der„Gewehrsisch", wi« man ihn nennt, schwimmt im Wasser leise«in paar Zentimeter unter der Oberfläch« und wartet daraus, daß sich Fliegen oder ander« Jns«kt«n auf die umhertreiben- den Blätter und Zweige setzen. Sobald er dies bemerkt, schießt er auf sein Opser ein«n Wasserstrahl ab, der es In die Strömung wirst, wo ee von dem glücklichen Schützen ergriffen wird. In England besteht noch heute ein Gesetz, noch dem unter gewissen Umständen«in Ehemann seine Frcm verkaufen kann. Als im Jahre 192S in London«in derartiger Prozeß verhandelt wurde, grub der Ver- leidiger des Angeklagten diesen au» dem Mittelalter stammenden Paragraphen aus und erzielte damit«inen Freispruch für seinen Klienten. Die fleißige Belchterin. Ein biederer Pfarrer einer kleinen Gemeinde des Böhmer- walds kam mittags in den Gasthof essen, erzählte dies und dos und so auch, daß heute sogar als erst« Beichterin eine Frau mit Ehebruch gekommen sei. Mehr darf er natürlich nicht sagen. Der Wirt jedoch schmunzelte, seine Frau wäre solcher Tot nicht fähig. Kaum gesogt springt di« junge Wirtin zur Tür herein, begrüßt die Gäste, dann den Herrn Pfarrer und prahlt mit ihrer Emsigkeit und sagt:„Gellens, Herr Pfarrer, heut war ich fleißig, weil ich di««rst« bei der heiligen Beicht« war/ Der Pfarrer, total ver- wirrt, stottert, er könne sich gar nicht besinnen wer die erste Beichterw gewesen sei. Di« Wirtin aber in UnkeNNtnis der Gewitter, die sich schon auf der Stirn des Gatten zusammenballen, beharrt«igen- sinnig darauf, die«rst« gewesen zu sein Nun wußte der Mann genug. Der Pfarrer beschwichtigte zwar aber der Mann ließ sich nicht halten und es gab«ine furchtbar« Tracht Prügel alz fühl- bare Büß«,,. Fest der Kinder in Nürnberg Der Auftakt zum Arbeiterbundesfest vas Fest der Kinder in Nürnberg gall als die lehie grohe Sport- demonstration des Arbeitersports vor den Hauptveraltstaitungcn zum 2. vundessest. Es wurde zu einem großen Austakt. Zehnlausende Zuschauer waren begeistert und so wurde das Kinderfest eine prächtige letzte Werbung für dos Bundessest. Das Fest der Kinder hatte das schöne Stadion als Rahmen, das seinen letzten Schliff für das Bundesfest erhält. Z2 lXZ!) Zuschauer, darunter die beiden Bürgermeister der Stadt, waren Zeugen von Darbietungen im Massensport, die begeistern mutzten. 3n«IIa, Z Nirbach. 3. Bernbarb. 4. Lehmann, 5. Balle, 8. Nrollmann, 7. Iolsch, Und nun die Sieker! Kurz nach 18 Uhr wurden die zehn Teilnehmer am E n d l a u f der Stehermei st erschoft gestartet. Krewer hatte den ersten Platz vor Bauer gelost. Die nächstm waren Schmidt. Sawall, Li- wanow, Ros.ellen, Damerow, Hill«, Möller. Saldow. Schon nach wenigon Runden besetzt« Sawall den zweiten Platz vor Möller, der sich ebenfalls nach vorn schieben konnte. An oierter Stelle war dann Bauer oor Lewanow zu finden. Auch Hille ver- suchte nach vorn zu gehen, vermocht« jedoch das Tempo nicht zu holten. Lewanow und Bauer wechselten dafür des öfteren mitein- ander ihre Plätze. So wurde Rund« auf Runde zurückgelegt, ohne daß etwas etwas besonderes eintrat, Wohl stritten die schwächeren Fahrer wie Saldow, Damerow, Rosellen um die Plätze, ohne je- doch den Verlauf des Rennens zu beeinflussen. Schmidt und Hill« fuhren gleichmäßig und kannten sich lange vor einer Ueber- rundung schützen. In der 70. bzw. 71. Rund« wurde W- meister Saldow, der vorher schon weit zurückgefallen war, von Krewer und Sawall überholt. Nach der ersten Halste des Rennens gibt Saldow erschöpft auf. Bei 50 Kilometer war der Stand: 1. K r e w« r 41: 25,5: 2. Sawall 50 Meter: 3. Möller 200 Meter: 4. Bauer 330 Meter; 5. Schmidt 370 Meter: 6. Lewanow 430 Meter: 7. Hille 550 Meter: 8. Rosellen 000 Meter; 9. Damorow 640 Meter: 10, Saldow 3330 Meter zurück. Auch die anderen mußten an die Ueberrundung glauben. Nur Bauer, Lewanow und Schmidt vermochten sich in gleicher Runde zu halten. Plötzlich fiel vor dem 60. Kilometer Möller zurück. Sein« von Meißner ge- steuert« Schrittmachermaschine hatte Defekt. Hi Itter» dem Ersatzschrstt- wacher fand sich der Hannoveraner nicht zurtcht und verlor sehr viel Platze Gleich darauf, in der 88, Runde, ging Sawall zum Angriff über und verdrängte in der 89, Runde Krewer von der Spitze und hielt diese überlegen bis zum Schluß. Wohl versuchte der groß fahrende Kremcr noch drei Run- den vor Schluß vorzustoßen, ohne jedoch seine harte Arbeit mit Erfolg krönen zu können. Bauer behauptete zäh seinen dritten Platz vor Lewanow. Hille aber, dieser junge talentierte Fahrer, nahm noch zuletzt dem Dresdener Schmidt mit 30 Meter Dorfprung den 5. Platz ab. R, Sch. Um die Ringcr-Meisterschaff. Bei den Berufsringkämpfen um die Berliner Meister. fchaft im Wilmerdorfer Vitloriagarten war der gestrige Sonntag ein Großkampftag. Ausgezeichnete Paarungen und ausgezeichneter Sport wurden geboten. Wo» der Kölner Kochlzanfki in seiner geschickten Verteidigung sowie im Angriff gegen den bärenstarken Finnländcr N e st r ö m Zeigte, war hervorragend. Durch plötzliches Abfangen eines An» griff» und mit darauffolgendem Ueberftürzer fiegke der Finne in der 20. Minute, Ein faires, jederzeit offenes Ringen zeigten Hansen- Esch und der Berliner Schachschneider, beide schieden nach 25 Minu- ten schönen Kampfes mit einem Unentschieden. Ein Katz- und Mausspiel war das Treffen des mächtigen Tschechen Szeoaczek mit dem leichteren Berliner Moebus, der nach heroischem Widerstand seinem massigen Gegner nach 9 Minuten erlag. Es empfiehlt sich doch für Zukunft, solchen schweren und äußerst starken Ringern nur körperlich gleichwertige Gegner zu stellen, damit diese un- erquicklichen Kämpf« fortfallen. Der Tscheche muhte wegen un- fairen Ringen» zwei Verwarnungen einstecken. Der stärkere Sachse Marunke brachte dem Brcslaucr Brückner in der 15. Minute die Schulterniederlage bei. Am Sonnabend erzielte Marunke einen weiteren, sehr beachtenswerten Erfolg: in einer Gesamtzeit von 1 Stunde 1 Minuten konnte er durch plötzliches Abfangen eines Schleudergrjff» den ebenso prächtigen Rheinländer Hansen-Esch auf die Schultern drücken. Schachschncider rang mit dem robusten Tschechen Szevoczck: diesem fast Unförmigen Gegner glückte in der zweiten Kampfhälste ein Doppelnelson, dem der Berliner Minuten- lang standhielt: bis er dann zermürbt auf die Schultern mußte. Prögzeba und von den Born rangen 25 Minuten ergebnislos. Der starke Finnländer Neström gab eine Gastrolle als Kraft- athlet, feine ungeheuren Körperkräfie gestatten ihm auch auf diesem Gebiet ganz Außergewönhnliches. Heute ringen:' Renter— Marunke, Kochhanfki— Prögzeba und Neström gegen Szsvaczek.__ Deutscher Sieg im Tcnnisturmcr. Prcnn rettet den deutschen Sieg. Deutschland ist einer Niederlage durch England im Schlußspiel der Europazone um den Daviscup entgangen. Nur durch das auf- opfernde Spiel des deutschen Meisters Daniel Prcnn konnte der Endsieg knapp mit 3: 2 für Deutschland sichergestellt werden. All- gemein rechnete man mit einem glatten Erfolg Moldenhauers über Dr. Gregory, aber der Deutsche, der am ersten Tage gegen Austin ein so großes Spiel geliefert hatte, versagte gegen Gregory und drückte dadurch die deutschen Hoffnungen auf ein Minimum herab, Der Ausgang des letzten Einzelspiels Prenn— Austin war somit für beide Parteion über Sieg oder Niederlage in dem Länderkampfe entscheidend. Nachdem Moldenhcmer von Gregory mit 6: 0, 6:2, 6:3 geschlagen worden war, bracht« Prenn das Kunststück fertig, Austin völlig zu zerniürben. Bereits das bevorstehende Wochenende stellt unsere Spitzenspieler vor eine neue, ungleich größere Aufgabe, gilt es doch, gegen Amerikas Extraklasse das Interzonenfinal« zu bestreiten. Der Sieger aus diesem Kampf« wird dann Frankreich im eigentlichen Kampf um den Pokal entgegentreten. Das Treffen Deutschland— Amerika findet vom 19. bis 21. Juli ebenfalls auf dem Rot-Weiß-Platz in Berlin statt, i Prcnns heroischer Kampf und Sieg. Ein dramatisch bewegter Kampf. Prenn gewinnt durch zwei Schnittbälle dos erste Spiel, dann erobert sich der Engländer mit genau placierten Bällen und herrlichen Diagonalschlägen die nächsten drei Spiel« und führt 3: 1. Das 5. Spiel gewinnt Prenn und kann schließlich auch den Gleichstand herstellen, wird dann aber mit Passier- schlagen um den Gewinn des ersten Satzes gebracht, der mit 6: 4 an Austin geht. Da- umgekehrte Bild im zweiten Satz. Prerm wird nach l: 1 zusehends besser, nimmt dem zierlichen Gegner Spiel um Spiel ab bis auf 5: 1 und erkämpft sich nach zweimaligem Ein- stand den ausgleichenden zwsitcn Satz 6: 2. Im dritten Satz hart- nackiger Kampf, keiner der beiden kann einen Borsprung von mehr als zwei Spielen herausholen. Nach 4: 4 gewinnt Prenn mit einem Schmetterball das neunte Spiel, im Anschluß daran nimmt er Austin den Ausschlag ab und holt sich den dritten Satz 6: 4. Nach der Pause beginnen beide überraschend frisch, schnell ist der behende Eng- länder 3: l in Front, dann rückt Prenn, nachdem es im fünften Spiel dreimal auf Einstand gekommen war, 3: 3 auf. Er hat aber dann viel Pech mit zu kurzen Lobs. Nach dem nervös.zermürbenden achten Spiele, in dem es nicht weniger als sechsmal Einstand ge- geben hatte, führt Austin 5: 3 und gewinnt den vierten Satz 6: 4. Beidi! Spieler sind von dem langen Kampfe in der Tropenhitze stark ermüdet, aber die meisten Schwächen zeigt der jchmächtige Austin, der zunächst 1:0 in Führung ging, dann aber völlig erschöpft war. Prenn buchte hintereinander süns Spiele, der mit Aufbieking der letzten Kräfte standgehaltene Austin bricht zustimmen, nach f a st dreistündigem Kampfe zieht der Engländer zurück. Orkan- artiger Beifall belohnt die beiden Kämpfer, Prenn kann sich der Ovationen kaum erwehren. � Im Motorboot Über den Atlantik. In einem solbstkonstruierten kleinen Motorboot fuhr, wie„Assa- ciated Preß" meldet, der Deutsche Joe L e p p i ch mit vier Teil- mehmern in Richtung Hamburg zur Fahrt über den Atlantik ab. Sie führen 500 Gallonen Benzin und für 3 Monate Lebensmittel mit sich. Man muß sich nur darüber wundern, daß sich für folche Unter- nehmen, deren Gelingen nur von Zufälligkeiten abhängt, immer wieder Leute finden, die Geld und Leben daran setzen. Gedient ist jedenfalls niemandem damit. Vereinsvorfländ« und Photofreunde! Der R c i ch s g r b e i t e r- Sport tag muß in diesem Jahre zu einer großzügigen Werbung sür den Arbeitersport werden. jDazu wird auch gutes Bildmaterial benötigt. Di« Vereinsvorstände wie auch die einzelnen Photofreunde in den Berliner Arbeiter-Sportvereinen werden gebeten, baldigst gute Sportphotos aus dem lebendigen sportlichen Leben(keine ge- stellten Bilder) an Adolf Lau, Berlin 0. 34, Eckertstr. 4 1, einzn- senden.___ Quer durch den Bodcnseei Am 18. August findet von Frie- drichshofen aus noch dem fchwei.zerifchen Ufer bei Romans- Horn ein über 12 Kilometer sich erfireckendes interuatio- nales Langstreckenfchwiminen.Ouer durch den Boden- fee" statt. Man will dafür die Zusage des fetzt als Böcker in Kanada lebenden Bierkötter erholten haben. PTGB. bereit für Nürnberg! Seilt Heifit den Rucksack packen! Räch Erlebiguna aller Borberciwnarn durch dl« memal» müden gunltionöre wird Mrikvoch, 17. Juli, die Sat)rt jut ffeflftoM 9Hltnbern angetreten. Alle Mitalieder sammeln sich bezirksweise in den einzelnen Stadtteilen und marschieren dann»um Sauptirefspunti: Vewerkschaftshaus, Sngelufer. Sa trifft sich Mittwoch, 17. Suli, R« u l ö l l n« B r i k bis spateile»» 20 Übt am Sersiberaplall. Da» Musikkorp» sZTGB. fftbrr dann den Sun»um Hermannplasi, wo sich der Bezirk Süden anschließt um doirn mit klingendem Spiel gerneinsam zum Gewerkschaft»!» US zu marschieren. Bon dort gemeinsamer Abmarsch 20.30 Uhr zum Anhalter Bahtchof, voraussichtlich in gorm eine» ssackelzugesl Auch die Berelnsmitalieder. die nicht noch Nürnberg fabetn. begleiten den Rüg»um Babntos. Mittwoch perlasse» zwei Sonderzüse Berlin, die FTSB. fährt mit dem zweiten guge 23i.S2 Uhr. Und nun das Ränzel geschnürt und mit roten Sahnen und dem Geiang der alten«ampflieder aus zum 2. Bündelest in Rllrndergl Touriftenverri»„Die Ratursreuende» Vrtsgc. Berlin. Beranstaltunaen am Dienstag, den 18. Suli: A d t. Mitte: 20 Uhr. Geschäftsstelle. Johannis. strahe lö, Bortraqsabenb. Sugend-Gesunddrunnen: Schilnstecht- Nraße 1. 20 Uhr,„Unter PN»". Spgend-Weddin«: 12,80 Uhr. See- strafte»4,„Lesen au« Seilung und Buch". Norden: 2V Uhr. Sonnenburger Strohe 20, g. 3. ssr i e d r i ch» h a i n: 12 Uhr, Bhf. Warschauer Strafte, Spaziergang, ssriebenau: 12,30 Uhr, Offenbacher Str. Sa, Badeadend. Lichtenrade: 20 Uhr.«aiser-Wilhelmstrahe 73 Pankow: 20 Uhr, Görschsir. 14. Abenbbnmnikl. Veranstaltungen am Donnerstag, den 1«. Suli: ssührerfektio»: 13-20 Uhr. Geschäftsstelle. Anskünfte. Photo- g e m e i n s>ha f t: 18—20 Uhr, Geschäftsstelle(Sohannisstrahe), Beratung und Auskunft. Naturkundliche Abt.: Sohannisstr. 13, 20 Uhr, Bor- trag:„Ltppenbllttler". Tiergarten: 12.30 Uhr. Uehrterstr. 18/12. Prenzlauer Berg: Abrntnvanberuna. 19 Uhr, Pankoroer«irche. Süd- West: 20 Uhr, Porckstr. II, Musik- und Gesang sabend. Span bau: 20 Uhr, Lindenuker 1. Schöneberg: 12.30 Uhr. Sauptstr. 13. Ltchtenberg: Guntherstr. 44. Musikabend. Arbeiter. Sport verein eebönebcw.Rtfcbe»«» 07. Heute, Montag, den 13. Juli, Vereinoversammlung. Pieeadilln, ckdersstr. 80. kl, Saal. ZoS Uhr. Mitgliedsbuch gilt als Aumvei«. Nllrnbergsahrer letzte Mitteilungen. Vor. standsmitglieber eine Stunde vorher...,,.. !?!»». Riirnbe««lahrer. Abholung der enenbahnfahrlarlen von der Geschäftsstelle bereits am Montag, den 13. Suli., v,,,. KIG«. Alle Bezirislassieeer müssen zur Ouartalabrechnung In der Ge. schästsstelle erscheine».,„,,.. stTGB.«ez. Lichtenberg. Alle Nürnberg, ahrer sind bestimmt am Dien». tag. den 16. Suli 1929. in Turnhalle Sahn.Realgnmnasium. Dort Ausgabe der Lstihrkarten und letzt« Snformatlonen. Mittwoch, den 17. Juli Treffpunkt �9 Uhr pünktlich Etralau-Rummeloburg. Nachzügler 9 Uhr Gewertschafis. AT»«. Bezirk Renlölln Britz. Alle Nürnberakahrer Plüssen am Montag. NM 18 Uhr, vollzählig auf Platz II im Stadion fein. Letzte Snformation und Proben. Am Mittwoch. 17. Suli, pünktlich 20 Uhr, Abmarsch vom Hertzberg- platz. Borher werben die Tahrkarten ausgegeben. Auch alle übrigen Bezirks. mitöliedei müen sich zahlreich einsinden. Die Miigliedee der Rüenbeeger Lockey-Rannschnst treffen sich morgen abend um 20.30 Uhr im alten Patzenhofer, Landsberger Me« 138, zu einer wichtigen Aussprach«. „ssreie Tnr»ersch-st«tlmmbgtf.* Sämtliche Rttrnherqfahrer, als- auch Radfahrer, treffen sich Dienstag, nach dem Training 20.30 Uhr. im Grüne- woid-Gasino, Abfahrt Mittwoch! (freie Schwimme, Sroh-Berli» 9. B. Für die 8eit vom 13. Suli bis 17. August sind, Zuschriften für den Berein an den Kassierer Adolf Preusi. «erlin O 112. Rigaer Straße»0/31»» _ Äi.ftx. 8066 INTERNAT. VARIETE Rose- Theater, Grobe: Frankfurter Str. 133. Ckartembttlan«: B.30 Uhn Konzert u. Gr. Variete-Varste Hg. 8,is Uhr; drSrin Harlza Große Operette von Kälman In ianenikeaier; TCglidi 8.13 Uhn „OEAF" Tra�Odlc eines Sportlers Rcichshallan.Thsatsr Heute(Montag IS. 7.) letit. Auftreten d. Sfefflncr Sänger Ditnst. Ii. 7. I. Qaitsp.der DrednerTiktimi-gtaer Dönhoff- Brettl; (Saal und Garten) Varletd; Kauert; Tau Adolf-Becker-Orehester SSOOOOSS»IOSS«»«SSS» | Sommer-Garten-Theater Berliner Prater 1 N 58, Kasc-Allee 7-9. Tel. Hb. 2216 | BMtsBlsl Castel Beer, Gieiel Lilien i ZarewUsda 1 Operette von Franz Lehär Dazu der grobe VarletAiell. ' Anfang Konzert 4.30. Burleske u. . Varietd 8 Ulli. Optrttte 8.30. I jeden Donnerstag groBcr Volkilng. , jed. Mittw. uiodsrtni n. Verlosung tlieatir inBilOTgliti SV* Uhr Berlin, wie es weint(i. lacht santioptr am nau dir aepnmik 8V« Uhr Dir MM Dralsöies Theater D.I. Norden 12 310 8L\ Ende gegen II Die Fledermaus Musik v.Joh. Strauß. Regie: Mag Reinhardt. Musik. Einrichtung und Leitung E. W. Korngold. Ausstattg. L, Kainer Die Komödie J I Bismck.2414/7516 S'/i, Ende geg. IOVsU. Reporter 3 Akte v. Ben Hecht und Mac Arthur Regie: flglai Hilpert Netropol-TD. Tägl. 8>/« Uhr Sonntags 3>> u. 8 Vi Blaubart Operette von Offenbach Kammersänger ValUr Klrehtotf Theater am Sdiiffhaaerdamm. Norden 1141 u. 281 8V« Uhr Gruppe Junger Scfaauspl eter Revolte Im Erzlehuooshaos (liraonsiirangs- besntxnng) Partei- und Gewerk schaftsmitgl. gegen VorzeigungdcsMit- Sliedsbuches statt und 4 Mark nur 1 Mark Bamowsk)- Komödienhaua Norden 6304 Täglich 8 Vi Uhr Hodizeilsreiie Sommerpreise I Tbeai.d. Westens Täglich SV« Uhr Sonntag 3% u. 8 Vi Frau Lehar* Wellerfolg 1 Friederike Lotte Carola, Willy Thunis, Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 LustspielhaDS Täglich SV» Uhr Revolution bei Stern's Rundfunkhörer halbe Preise. KABAD�JJJTANZ-P/äMST'J lälln. Hermannpiatz 7; Sieglitz, Schiaß» straß« 107; Belle-'"" e-Straß, 95, Unlergrund.Bahnhot.* Musikinstrumente dintpiano*. überaus preiswert •obtif Link Brunnen ttraäe 35 Pia. 10. fllontctc. Seiegenheitskäut«. ge. brauchte, neue, große Auswohl. fUn» stigste Zahlungsbedingungen. Thür, Koltbusser Damm 64. gegenüber KarftabL Fahrräder Teilzahlung, kulante Bedingungen, zabrikpreife. nur Quaiitätsraber. nähr. raddau.Wima" Ackerftraße dreißig Ksufgesucke zahngcbifl«. Piatinabtälle. Lätzinn. Biet, Quedtilber. Silbertchmelze. Toid. Shriltionat. Köpen icke,. ittef""""' tchmelzerei,. WI_____ tleaße 39 ldaltettell» Abaidertftraße) Vermietungen 2-, 2V4-, 3-, 3'i.3immei.Seuboua)oh. »nngen in Hirt»garte». Rummelsburg Karlshorlt und Reinickenhorl. Rückzahi.' barer Beuizufchuß 500 M. vro Zimmer Bestehbar totort. Wohnraum. Bellet Llliance.Stzaße 79. LergMUUi 6334. V