Morgenausgabe Nr. 331 A 167 46.Iahrgang «»ch«»mq UPI. tMVL tan ooraus zahlte üofüujuj 02 TO. »tn>chl>«bNch«0PIg.P°ftz,iNing». und 12 Pf» Poftbefi/HgebQljrfn. Puslonbc «donnemem 6.— PL uro Monat. Sc.PotoSim*«Ichnm Do�tmag. lich JBftmoL Sonntags und Montags einmal, die Ldendausgaden für Veriin und im stand«! mit dem Titel.Per ildend» gllustrlen» B-llag-n.voll And Zeit' und.tlinderlreund'. Ferner .Unterhaltung und Wilsen"..Frauen» stimme" ,r«d)nir.»lief in die Büchermell" und.Iugend-Lorwarts" Vevttnev Vottsvlatt vonnersiag �S. 3uli 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. IM« tfn| pairtg« 10 Pfennig. Retlamezeile b. ',5kl, Ronporeillezeil« eile S.m-» Reich Zeiger druckt» Wort 25 Pfennig mark. eich». fletneAnzeigea� da» iettge» __ ulässtg zwei gedruckte Worte), iede» weitere Wort i2 Pfennig. Stellengesuch» das erst» Wort 1ö Pfennig, jedes wettere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben Shlen für zwei Worte. Arbeitsmark» eile 60 Pfennig. Familienanzetgen Zelle ) Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt« «elchäft Lindenstraße L. wochentäallch von K'/, bis 17 Uhr, Jentralorgan der SoziatdemoSvatifchen Partei Deutschlands Revattion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstroße Z Fernsprecher: Dönhosl 292—237 telearamm-Sdr.: Sozialdemokra« verlw Vorwäris-Verlag G. m. b. H. VostscheckkoMo: verlw 37 S3S.»» BanNonto: Lank der Srdetter, tlngeftell««» und Beamten wallstr. SS. Dtttonto.Vesellschaft, Deposilentalle Ltndenft,. 3 Antrag Blum abgelehnt. Neue Reden Leon Blums und Vriands./ Die Radikalen für die Räumung. Paris. 17. Juli.(Eigenbericht.) Die Mittwochvormlttog-Debatte über die Schuldenabkommen in der Kammer hat fraglos zur Klärung der Situation zwischen Regierung und Opposition beigetragen. Leon Blum übte einleite»rd im Auftrage der sozialistifchen Fraktion nochmals scharfe Kritik an den Ausführungen des Außenministers vom Dienstag. Driand Hab«, erklärte der Sozialiftensührer. eine schöne Rede gehalten, aber seine Partei fordere präzise Zusicherun- gen und Entscheidungen, vor allem unzweideutige Ant- warten auf die gestellten Fragen. Das einzig«, was aus der Rede Briands etwa entnommen werden könne, sei, daß die Regierung dem allgemeinen Schiedsgerichtspakt ohne Vor- behalte zustimmen werde.„Der Minister des Auswärtigen— fuhr Blum fort— hat gestern von. den Vereinigten Staaten von Europa gesprochen. Das war die Idee von Louis Blanc und Mazzini. Die Sozialistische Partei wird sie am wenigsten als Utopie und Chimären behandeln. Aber ihre Verwirklichung seht zuerst eine vollkommene und aufrichtige Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland voraus. Sonst freilich wären es die gefährlichsten Chimären, die schließlich die Bildung eine» nebelhafteren Europa gestatten würden, das sich um ein nationalistisches Deutschland gruppiert. Also schieben Sie nicht die große G e st e aus, die wir fordern, wenn Sie nicht wollen, daß es ein« Geste ohne Vornehmheit wird, die uns demütigt, ohne uns die Borteile der �Eintracht zu geben." Die Sozialistische Partei habe immer den Chauvinismus bekämpft, nicht minder wie jenen Nauonalismus, der immer dem eigenen Lande Unrecht gebe. Der Patriotismus der Sozialisten bestehe in dem Wunsche, ihr Land als erstes Gerechtigkeit üben zu sehen. Im Namen dieses Gesühls, schloß Blum, beschwöre ich die Kammer, zu antworten, da die Regierung nicht antwortet. Briand erwiderte,«r habe in Genf dem Reichs /tanz- l e r Müller erklärt:„Wir wollen nicht von Deutschland unmögliche Dinge fordern. Die Regierungen sollen alle zwischen beiden Ländern bestehenden Streitursachen be- seitigen. Man kann nicht zulassen, daß Frankreich 62 Jahre lang beträchtliche Summen zahlt und Deutschland keine Anstrengungen macht." Der Reichskanzler habe das verstanden und so sei man sich über drei Punkte einig geworden, deren erster die Rheinlandräumung gewesen sei. Briand gab jedoch hier- über keine weiteren Erklärungen ab, da er. wie er sagte, nicht Im voraus seine Hallung auf der kommenden Konferenz darlegen könne. Anschließend prokestlerten einige Vertreter der Rechten, ins- besondere dte ehemaligen Minister Reibet und Fabry, aus» hesiigste gegen die Rheinlandräumung. Außenminister Briand wandte vergeblich ein, daß Deutschland erklärt Hab«, es werd« niemals durch Gewalt seine Westgrenze ändern wollen. Hierauf kam der Führer der Radikalen, Daladier zum Wort. Er erklärt«, es lieg««in Abgrund zwischen den Auffassungen seiner Partei und denjenigen der Rechten. Di« Rheinlandräumung müsse unbedingt aus die Annahme de» Zonng-Planes folgen. Die Sicherheit des Landes sei auch gar nicht dadurch garantiert, daß ZOVOV Mann am Rhein ständen, von denen die Hälft« nicht aus- gebildet sei. Sie beruhe auf der Reorganisation der Armee, besonders aber auf den Verträgen von Locarno und der allgemeinen Schiedsgerichtsbarkeit. Die radikal« Gruppe werde einstweilen s ü r den sozialistischen Dertagungsantrag stimmen, der «in« Regelung der Schuldenfrage in Verbindung mit einer auf- richtigen F r i e de n e p ol i ti k vorsieht. Der Antrag Blums wurde dennoch mit ZS0 gegen 238 Stimmen zurückgewiesen., In der Nochmittagssitzung verbreitete sich H e r r i o t aus- führlich über die Schutdenabkommen. Die juristische Be- rechttgung der Schuld stritt der Redner nicht ab, aber man müsse sich Rechenschaft davon ablegen, daß Frankreich das Schlachtfeld der Freiheit gewesen sei. In bezug aus die Reparationen machte Herriot solgebde interessante Aeußerung:.,5m Grunde ist es die alt« Auffassung vom Tpibut,„vse victiz"(Wehe dem Besiegten!). Aber in Wahrheit muß der Sieger, der die Kette hält, ebenso unbe- weglich bleiben wie der Besiegte, der sie trägt. So entstand die Idee der Solidarität zwischen Sieger und Besiegten." Amerikanische Eindrücke. Die Vereinheitlichung des Berliner Verkehrs vorbildlich für Amerika. Die Berliner Stadträte Reuter und Busch, Stadt- baurat Dr. Wagner und Markthallendirektor M o r a w- s k i sind gestern von einer Studienreise nach Amerika zurück- gekehrt. Die Reise hatte den Zweck, in Amerika Verkehr und Bauwesen sowie die Lebensmitte lversor- gung der Bevölkerung der Großstädte zu studieren. Wir hatten Gelegenheit, uns unmittelbar nach der Ankunft mit Stadtrat Reuter über seine Eindrücke zu unterhalten. Er schilderte seine Eindrücke wie folgt: Unser Ausenthall In Amerika hat etwa sechs Wochen gedauert. Wir haben folgende Großstädte besucht: New Pork. Boston. Bussalo, Cleveland, Detroit, Chicago. Los Angeles, St. Franzisko, Mil- wauke«, Washington, Baltimore, Philadelphia und Atlantik City, wo wir überall freundliche Aufnahm« fanden. Der stärkste Eindruck für uns war die ungeheure Ausdehnung des Aulomobilverkehrs. die für Deutschland fast unvorstellbar ist. Das Automobil wird auf dem Lande fast ganz allgemein, in den großen Städten von der großen Mehrzahl der Bevölkerung benutzt. Für die großen Städte haben sich dadurch die schwierigsten Verkehrsoerhält- niss« ergeben. In den ganz großen Städten kann man kaum noch von einem geordneten Perkehr sprechen. Aus diesen Verhält- nissen heraus ergeben sich Ansorderungen und Neuanlagen, die geradezu phantastisch sind. Es müssen Untergrundbahnen neu angelegt werden, Drücken, zweistöckige Straßen, niveaufreie Straßenkreuzungen hergestellt werden, um den Verkehr wieder einigermaßen zu befreien. Die S!adt New Pork hat für die nächsten fünf Jahre ein kleines Programm für den Ausbau der Untergrundbahnen aufgestellt, das allein 760 Millionen Dollar erfordert. ?n den meisten Städteu find die Verkehrsmittel tn der Hand privater Gesellschaften. Die auf der Hand Legende Notwendigkeit, den Verkehr einheitlich zu regeln, hat in«inigen Städten stark« Tendenzen hervorgerufen, die privaten Lerträge abzulösen. Di« NotwendigkeU der Vereinheitlichung des Verkehrs wird überall anerkannt. Die New-Aorker Stadtverwaltung bemüht sich besonders um die Lösung dieses sehr komplizierten Problems. Aber mit der Anerkennung der Notwendigkeit der Verkehrsvereinheitlichung, sind die wirt- schaftlichen und politischen Schwierigketten noch nicht überwunden, die sich in Amerika den Vereinheitlichungs- tendenzen entgegenstellen. Dt« Berliner verkehrsverelnheillichung ist in den amerikanischen Großstädlen mit dem größten Interesse beobachtet worden. Die Grundfähe der Berliner Verkchrsvcrcinheiilichung werden von "llen amerikanischen Fachkreisen anerkannt und als die allein möglichen bezeichnet. Angesichts der Diskusston um die Frage, ob die Straßen» bahn in einer modernen Großstadt noch ein zweckmäßiges Der- kehrsmittel sei, ist es sehr interessant, daß der Straßenbahn- verkehr in den amerikanischen Großstädten außerordent- lich stark entwickelt ist. Die Straßenbahn wurde uns als das rationellste Massenverkehrsmittel bezeichnet. In einzelnen Städten gibt es viergleisige Straßenbahnen mit erheblich größerem Fassungsraum als die europäischen Bahnen. Ueberall findet man fabelhast gute Automobil- straßen, und die Städte bemühen sich, alles zu tun, um dem Automobilverkehr gerecht zu werden. Ueberall findet man die automatische Verkehrsregelung mit Lampen. Trotzdem ist im Innern der Städte nur schrittweises Vorwärtskommen möglich! Hier wird alles kompliziert durch die Tendenz. Hochhäuser zu bauen. Soweit es sich in einigen weniger ernsten Worten zusammen- fassen lößt, ergibt stch aus den Beobachtungen für unsere Der- liner Verkehrspolitik folgende Lehre: Systematische Weilerbesolgung unserer verkehrspostlit. die selbst für den Amerikaner vorbildlich Ist. Dezentralisation der Großstädte durch die Entwicklung des Verkehr» in den Außenbezirken. Ausbau des Uniergrnndbahnnehes. Herstellung breiler. leistungsfähiger Siraßen unter Berück- sichkigung de» kommenden Automobilverkehrs, keine hochhäusert Indien und Arbeiterregierung. Hoffnungen und Erwartungen. (von unserem Orienttorrespondenten.) Kalkutta, im Juli. Der Niederschlag der durch den Wahlsieg der Arbeiter- parte! geschaffenen neuen Situation für Indien in der in- dischen Oesfentlichkeit erweckt nach außen den irrtümlichen Eindruck, als ob hoffnungslose Resignation die Stimmung völlig beherrscht. Nicht nur die radikalen, auch die gemäßigten Elemente des Indischen Nationalkongresses sind auf' die Formel höchstes Mißtrauen gegen alles eingestellt, was nicht auf völlige Unabhängigkeit und wenigstens die weitgehende Selbstverwaltung für Indien hinausläuft. Selbst Mrs. Annie Besant, die anläßlich ihres Aufenthaltes in Eng- land Gelegenheit hatte, die Stimmung an Ort und Stelle zu studieren, predigt nach ihrem alten Text„Der Preis für Indiens Loyalität ist Indiens Freiheit" größte Skepsis. Angesichts dieser Unentwegtheit, die sich grollend auf das Naturrecht unbeschränkter Selbstbestimmung beruft, scheint die Situation für England höchst schwierig und die einzige Lösung der ohnehin mit allerhand Sorgen belasteten Labour- Regierung in der indischen Frage darin zu bestehen, wenig- stens das Ministerium der nationalistischen Wünsche zu akzep- tieren. Nun ist der Begriff dieses Minimums keineswegs scharf umrissen. Während er für Annie Besant und ihre Freunde in dem sogenannten Nehru-Report enthalten ist, hat ein nicht zu unterschätzender Teil Indiens trotz der Boykottparole des Nationalkongresses die Arbeit der Simon- Kommission unterstützt und sie damit als Plattform für eine Verständigung anerkannt. Verschiedenen Gruppen geht nicht einmal die Forderung der Unabhängigkeit in der vom Kon- greß vorgeschlagenen Form weit genug und in dem großen Topf der indischen Freiheitsbewegung brodeln die verschieden- stell Substanzen wild durcheinander. Nach konservativen Begriffen war der Weg aus diesem Labyrinth der Meinungen leicht gefunden. Er bestand in dem Willen zur Erhaltung der gegenwärtigen englischen Macht- stellung um jeden Preis und mit jedem Mittel. Diese Politik trägt die Häuptschuld an den gegenwärtig so schwierigen Be- Ziehungen zwischen England und Indien. Die Arbeiter- regierung steht nun vor der harten Aufgabe, dieses Verhältnis neu und zwar so zu gestalten, daß die jetzige Form im Wesen bleibt und doch auf eine beide Teile befriedigende Art inner- lich neu gestaltet wird. Als erste Voraussetzung für ein solches Ziel erblickt die englische Politik traditionsgemäß die Prüfung der Realitäten durch ein Gremium von Sachverständigen. Diese Absicht hat auch der Tätigkeit der Simon-Kommission zugrunde gelegen. Das englische Kolonialamt hat jedoch unter dem Einfluß der Tories bei der Festsetzung ihrer Kompetenzen den Fehler begangen, dem nationalen Selbstgefühl der Inder auch nicht im geringsten Rechnung zu tragen. Wenn sie trotz- dem namentlich im Pundschab und im Sind ungeachtet der nationalistischen Boykottpropaganda nicht unbeträchtliche prak- tische Erfolge aufzuweisen hat, so ist das ein Beweis für die Theorie, daß nicht nur zwischen Hindus und Mohammedanern noch tiefgehende Differenzen über die Selbstverwaltung be- stehen, sondern daß auch weite Kreise der nicht mohammeda- nischen Bevölkerung anderer Ansicht über die Notwendigkeiten Indiens sind als die Gefolgschaft der Kongreßpolitiker. Die radikale indische Unabhängigkeitsbewegung ist als ernst zu nehmender Faktor noch nicht sehr weit über die Grenzen Bengalens hinausgekommen. Deshalb bleibt für einen Kampf .wie für friedliche Verhandlungen die Aktivität wie die Abstinenz der übrigen Landesteile ausschlagebend, wenn sie auch kulturell und politisch hinter der Entwicklung des Küsten- gebiets zurückgeblieben sind. Das Problem der Arbeiterregierung besteht realpolitisch gesehen darin, sich dieser Voraussetzungen zu bedienen, ohne sie mechanisch und brutal auszunutzen wie das von konserva- tiver Seite der Fall gewesen ist. Dazu gehört Takt, psycho- logisches Feingefühl und vor allem das Verständnis dafür, daß Freiheit und Demokratie in ihrem Ausmaß nicht aus- schließlich vom stärkeren Partner bestimmt werden. Die Be- urteilung der Persönlichkeit des Staatssekretärs für Indien Wedgwöod Venn in seinem neuen Wirkungskreis deutet darauf hin. daß die ernsthaften Politiker Indiens mit dem Vorhandensein dieser Eigenschaften bei ihm als Plusmoment für die indische Politik und für kommende Verhandlungen rechnen. Die Vertrauensreseroe Englands in Indien ist, wie der Ausfall der Wahlen zu den Provinzial- Verwaltungen erwiesen hat, weit größer als im Aus- lande gewöhnlich angenommen wird. Trotz der allgemeinen durch verschiedene Mißgriffe der anglo-indischen Verwaltung immer wieder genährten Erregung, die von der Opposition weidlich als Agitationsmittel ausgenutzt wurde, ist es den Kongreßanhängern nicht gelungen, ihre Stellung in diesen Körperschaften zu stärken. Mit Ausnahme von Bengalen, das stets«ine nationalistische Mehrheit hatte, sind überall die An- Hänger einer Zusammenarbeit mit der Regierung zurück- gekehrt. Für die vom Indischen Nationalkongreß zu Beginn des Lugend gegen Wien. 17. Suli.(Eigenbencht.) Auf dem Aongreh der Internationalen Arbei« terjugend«stattete am Mittwoch zunächst Heinz»Wien den Bericht über die Lage der politischen Gefangenen. Anschließend referierte LivdslrLm-Schweden üb« Jugendia<«uationale und Militarismus. „Die sozialistische Jugend hat— so führte der Redner aus— den Kampf gegen den Krieg und den Militarismus stet» al»«ins ihrer Hauptaufgaben betrachtet. Wenn auch der Weltkrieg auf brutale Weif« die Erziehung und Propagandaarbeit der sozia- listischen Jugend abgebrochen Hot, so wurden sofort nach dem Frie» densabschluß die zerrissenen Fäden wieder neu angeknüpft. Wir fol- gen der stolzen Tradition der sozialistischen Jugendinternationale, wenn wir heute und in aller Zukunft unsere gesamt« Kraft gegen den Militarismus und gegen den Krieg einsetzen. Es gibt darüber bei uns keine Meinungsverschiedenheit. Ge- genwärtig betrage» die Rüstungsausgaben der Welt jährlich rund 1« Milliarden Mark. Das bedeutet, daß die Staaten für Kriegszwecke VOVmal soviel fährNch ausgeben, al» für den Völk«bvnd. das heißt für die Orzanisterung de» Fried eus. In einer solchen Zeit ist es deshalb für uns«ine der wichtigsten Aufgaben, die geistige Militarisierung der Jugend zu bekämpfen, die in zahlreichen Län- dern auch außerhalb der Kasernen planmäßig betrieben wird. In verbrecherischer Weise geschieht dies Tag für Tag vor allem in den faschistischen Staaten. Die kommunistisch« Zugendbewegung Ist ebenfalls eine einzige Mobilisterungsonstalt. Auch Amerika bil- det in diesem Prozeß keine Ausnahme, und die Mobilisierung macht auch nicht in den demokratischen Zentralstaaten Europas und nicht einmal in Schweden halt. Die Jugend muß deshalb im Ernstfall mit einer Art Zwangsdien st Pflicht rechnen. Wir haben deshalb die doppelte Pflicht, gegen Reaktion und Militarismus Front zu machen und die Jugend für den Friaden und den Sozialis- mu» zu erziehen. Deshalb begrüßen wir die W a h l s i e g e der sozialistischen Parteien in Schweden, Dänemark und England und glauben, daß die Rheinlandräumung in hohem Grade die Lage in Zentraleuropa verbesiern wird. Die politische Stärkung der sozialistischen Demokratie ist das beste Mittel im Fricdenskampfe.* (Lebhafter Beifall.) An der Aussprache beteiligten sich die Dertreter fast sämtlicher Länder, darunter von Deutschland Dora Fabian, Westphal und C r i s p i e n als Vertreter der Arbeiterinternationale. Leb- hasten Unwillen rief das Mitglied der unabhängigen Labour Party, h a l s a l l, hervor. Er warnte vor den Illusionen, die man über die englische Arbeiterregierung hegt. Nicht nur politisch, auch wirtschaftlich müsse gegen den Krieg durch die Arbeitsverweigerung in den Munitionsfabriken gekämpft werden. Der Redner oerlangt außerdem Fühlungnahme mit den russische« Arbeitern und behauptet unter stürmischem Widerspruch de» gesamten Kongresses, die Kapitalisten hätten in ihrem Kampf gegen Sowjet. ruhland dadurch eine moralisch« Unterstützung in der sozialistischen Arbeiterimernationale, daß diese fortwährend seindliche Acuherungen gegen Sowjetrußland richte und die Spaltung der Arbeit«. fchast die antirufsischen Bestrebungen förder«.(I) Militarismus. es.— Lebhaste Auseinandersehunge«. Gegen diese Aeußerungen von halsall wandte« sich besonders S a p i r» Rußland und Kundadse- Georgien. Auch die Dele* gierten sämtlicher anderen Delegationen mißbilligten dies« Aeuß-s rungen des Engländers sehr scharf. S a p i r sagte u. a., d i e K P D. erschwere den Kampf gegen den Krieg durch ihr« ideologischen Begründungen. Das Programm der komwu- ni st Ischen Iugendinternationol« sei m i l i t a r i sti s ch und die Militarisierung der Jugend beginn« in Rußland schon in den Schulen. Selbst die Dozenten würden dort ebenfalls nach mili» tariftischen Gesichtspunkten gewählt. Der Redner bittet halsall schließlich, in Zukunft vorsichtiger mit seinen Aeußerungen zu sein uttd sich vorher mit der Tätigkeit der Arbeiterinternattonole ver- traut zu machen. Crisplen äußert« gegenüber den Ausführungen von halfall, die Arbeit«. internattonale hatte keine Illusion bezüglich der englischen Arbeiterpartei, weil sie wisse, daß hinter ihr keine Mehrheit stehe. Sie wisse aber auch, daß die Labour Party alles tun werde, um die Lage in Europa zu verbessern. 1S24 sei es die Regierung Macdonald gewesen, die im Derein mit der Regierung herriot die Beziehungen zu Rußland wieder hergestellt habe. und wenn schon Klara Zetkin al» Derrälerln am Proletarial und an Rußland gebrandmorkt werden, so könne kein Mensch an- nehmen, daß die sozialistische Arbeiterinternattonale es den Russen recht machen könne. Im weiteren Vertauf der Debatte erhält der Engländer durch Dora F a b i a n- Berlin Unterstützung. Ihr treten die Der- treter der übrigen Länder ebenfalls entgegen; vor allein Westphal- Berlin. Crisplen sieht sich genötigt, einige Richtigstellungen gegen eine falsch« Darstellung von Frau Fabian zu geben. Im Gegensatz zu seinem Landsmann halsall sagt Wenning- England, daß hinter der britischen Arb«it«r«gi«rung die große Mehrheit der britischen Arbeiterschaft stünde, die die Ar- beiterregierung kontrolliere, und wenn sie dem Willen dieser Mehrheit nicht mehr entspreche, so werde die britische Arbeiterschaft die Arbeiterrcgierung verwerfen. Deshalb könne man in bezug auf die Tätigkeit der englischen Arbeiterschaft und der englischen Re- gierung beruhigt sein. Am Schluß der Nachmittagssitzung des zweiten Kongreßtages erstattete Anton Kimmel-Wien fein Referat über: „Ver Kampf um den Zngendfchnh." Der Gedankengang in seiner Rede war, daß das Proletariat durch die demokratische Entwicklung in den wirtschaftlichen Bau hinein- gehör« und weil es bei feiner Entnticklung immer auch im steigenden Maß« die Verantwortung der Wirsschast gegenüb« den Schichten der Armen festlege, zwing« es der öffentlichen Meinung die Ueber- zeugung auf, daß Jugendfürsorge und Iugendschutz nicht Wohltaten sein könnten, sondern das Recht der Bedrückten und die Pflicht der Gesellschaft sind. Aus der Parole der unsystematischen Einzelaktion schreite die Arbeiterbewegung zum systematischen Aufbau de» Arbeiterschutz««. Di« programmatischen Arbeite» d« Jugend« internattonal« fänden ihr« Krönung in der Schaffung des int er- nationalen Jugendschutzprogramm». Di« Jugend- internationale als da» Parlament der Arbeiterjugend der ganzen Welt gliedert« sich«in in die Kampffront des internationolen sozialistischen Proletariats, um an dem Werk de» kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Aufbaue» de» Sozialismus mitzuwirken. Weiterberotung Donnerstag. nächsten Jahres angesagte �y-eoopsradon-Bewegung, d. h. Boykott des gesamten Verwaltungsapparates, ist das Er- gebnis der mit einem großen Aufwand von geistiger Energie und Geld vorbereiteten Probemobilmachung kein günstiges Vorzeichen. Daher werden selbst Gandhi und die übrigen Freunde der passiven Resistenz im Augenblick einen ehren- haften Frieden vorziehen. Wohin die Wünsche der indischen Nationalisten gehen, läßt sich aus den Londoner Informationen ihrer Presse er- kennen, die trotz der Zurückhaltung der Regierung eine Fülle von Nachrichten über die nächsten PlänedesKabinetts in der indischen Frage enthält. In der Tat sind sie nicht Berichte über Tatsachen, sondern Versuchsballons. Ihre Bedeutung liegt darin, daß sie Reflexe der Wünsche Indiens sind, die Eindruck auf das India Office machen sollen. Alle diese Fühler bewegen sich in der Richtung auf«ine neue Konferenz, bei der auch im Gegensatz zu dem von der Simon-Kommission geübten Verfahren die Führer Indiens mit am Tisch sitzen werden. Der neue Staatssekretär hat den von Indien her zugeworfenen Ball bereits aufgenommen. Seine Unterredung mit der indischen Dichterin und Politikerin Sarojini Naidu ist ganz auf diesen Ton gestimmt. Gut unter- nchtste Leute wollen sogar schon wissen, daß die ersten Fäden 'wischen dem Colonial Office auf der einen und Gandhi und Motilal Rehru auf der anderen Seite bereits gesponnen werden. Die Erwartungen Indiens sind nicht zu hoch gespannt, aber irgend ein« Tat erwartet ganz Indien ohne Unterschied der Partei. Der psychologisch« Moment für eine indische Reform ist niemals günstiger gewesen als jetzt und es besteht die in der Politik nicht allzuoft wiederkehrende Gelegenheit zur Schaffung eines brauchbaren Kompromisies, das die in letzter Zeit stark erschütterten Beziehungen zwischen England und Indien wiederum auf einige Zeit ins Gleich- gewicht bringt._ Max Holz löki wider den Stachel. Sr spricht bei der Linksopposition. Mit einer deutlichen Spitze gegen Thälmann, mit dem cr dauernd Differenzen und Eifersüchteleien hat, erklärt sich Max >') Ö l z bereit, in einer Berliner Mitgliederversammlung des links- kommunistischen Lenin-Bundes zu erscheinen und dort einen Dortrag -u halten. Da bisher von der KPD.-Zentrol« jeder Verkehr mit aus- geschlossenen Kommunisten mit Ausschluß geahndet wurde, darf man gespannt sein, wie Thälmann auf die Anbiederung seines Reben- inchlers an die deutsche Trotztistengruppe reagieren wird. (kine deutsche Reichstagsabgeordnete. Wie veröffentlichten kürzlich«inen Brief Klara Zetkins a» Wilhelm Pieck vom 4. April 1928. Am Schluß dieses vor der letzten Reichstagewahl geschriebenen Briefes finden sich die beiden Sätze: ..Ich habe die Absicht, vor den Wahlen zur Agitation herüberzukommen. Aber was mis meinem heißen Wunsche wird, weiß ich noch nichts Klara Zetkin kandidierte zum Deutschen Reichstag, sie wurde ouch gewählt. Sie hatte die Absicht, sich ihren Wählern vor- zustellen, sie hatte sogar den heißen Wunsch— aber ob sie durste, da, wußte sie nicht. Sie durfte nicht,«nb blieb aeharsam dem Befehle Moskau» dem Wahlkompf fern. Daß sie sich unter diesen Umständen wählen ließ— daß sie trotz ihrer Kandidatur gehorsam in Moskau bNeb: da, eine ist so würdelos wie das andere. Schlesinger. Er ist Minister der Tiationalsoziolistea. Schlesinger— man erinnert sich doch noch an den Spektakel, der von den chakenkreuzlern mit diesem Namen getrieben wurde. Einer der beiden jugendlichen Eisenbahnattentäter von Leiferde hieß so. Er war ein von Hau» au» nicht unbegabter Musiker, hatte bereits sell, ständig dirigiert, und die linksgerichtet« Presse suchte in die Wirrnisse dieser zerfallenen Künstlerseel« einzu- dringe». Sofort hatten die Nazis den Bogen weg: dieses weichlich- sentimentale Mitgeftihl rührte nur daher, weil der Mann Schlesinger hieß, also natürlich Jude warl— Man stellte aus Kirchenbüchern lest, daß Schlesinger einer tatholisch-proteftantischen Mischehe entstammte, daß auch kein Tropfen jüdischen Blutes in ibm war. Tat nicht»— die Schlestngerhetze ging bis auf den heutigen Tag welter. Und nun: in Mecklenburg ist soeben eine christtich-deutschnationole Regiervitg an, Ruder gekommen, dl« sich allein durch die Unter- i'ützung der Nationalsozialisten halten kann. Und dies« Regierung hat«in Fachministerimn an einen Ministerialrat namenz— Schlesinger übertragen. Ausgerechnet Schlestngerl Di« Nazis haben sich zwar anfangs gegen den„untragbaren" Namen de» Herrn gesträubt. Al» man ihnen aber nachwies, daß Herr Schlesinger Urchrist und völkisch. nationalsozialistisch eingestellt ist, haben sie nachgegeben. So regiert jetzt in Mccklenburg-Schwerin da» Hakenkreuz unter dem Namen Schlesinger!„Und da» ist der Humor davon," hätte Shakespeare sein« lustig« Person sagen lassen. Landbund. Wieder eine pleite. Hannover. 17. Juli.(Eigenbericht.) Di« Wirtschastsgenossenfchast Hoya, ein« Landbund» gründun g. ist zusammengebrochen. Der SeschSftsführer wurde seines Amtes enthoben. Zwei Bücherrevisoren sind zurzeit mit der Prüfung der Bücher beschäftigt. Do» Defizit wird vor, läufig aus ZOllOOO Mark beziffert; es Ist nicht ausgeschlossen, daß es sich noch erhöht. Wohnungen vor aftetn! Stadt Frankfurt baut veiter. Frankfurt a. M.. 17. Juli.(Eigenbericht.) Der Magistrat der Stadt Frankfurt teilt entgegen oerschiedeucn Pressemeldungen mit, daß trotz der gespannten Finanzlage, unter denen alle Städte zu leiden haben, keine nennenswerten Einschränkungen im Frankfurter Wohnung, bau- Programm und Schul-Neubauprogramm eintreten werden. Ueber U) Proz. des vorgesehenen Wohnungsbauprogramms sollen zur Durchführung gelangen, das sind 36öl> Neuwohnungen. Auch das Schulbauprogramm soll nach Möglichkeit durchgeführt werden. Drei Schulen, darunter eine moderne Pavillonschule. sind vor einigen Wochen eröffnet worden; zwei Freislächenschulcn befinden sich zurzeit im Bau. Kirche, Reichsbanner und Kriegerverein So etwas nennt sich.politisch neutral'. Gelegentlich des Todes eines Reichsbanncrmitgkiede» des Orts- verein» Spenge in Westfalen beabsichttgte die Organifatton unter Mitführung ihrer in den R e i ch» f a r b e n gehaltenen Fahne an der Beerdigung ihres Kameraden teilzunehmen. Trotzdem der am gleichen Orte bestehende Kriegervcrein stets in der gleichen Weise seine Mitglieder beerdigt, versagte der zuständige Superintendent Schneider und ebenso das Presbyterium dem Reichsbanner die Mitnahme der Fahne auf den Friedhof. Auf«ine daraufhin«inge- reichte Beschwerde erhielt da» Reichsbanner in Spenge vom evan- gelischen Konsistorium der Provinz Westfalen die nach- folgende Antwort: „Das Presbyterium in Spenge vertritt, wie uns berichtet wird, im Interesse der politffchen Neutralität der Kirche den grundsätz- lichen Standpunkt, daß nur die Orgonisattonen, die«inen parte!- politisch neutralen Charakter haben, mit ihren offiziellen Abzeichen an kirchlichen Feiern teilnehmen sollen. Es ist der Anficht, daß diese Voraussetzungen bei der Reichsbanner-Organisation nicht gegeben seien, wohl dagegen bei dem seit langen, bestehenden örtlichen Kriegerverein.... gez. B a r t e l»." Nachdem die evangelischen Kirchenbehörden e, zulassen, daß ihre Pfarrer bei Stahlhelmkundgebungen jahraus und jahrein als offizielle Bertreter der Kirche auftreten, ist es wohl an der Zeit, daß die S t o a t s r e g i« r u n g bei den demnächst stattfindenden Verhandlungen über den Staatsvertrag mit der evangelischen Kirche mit allem Nachdruck Vorsorge trifft, daß einer rein staotspolittschen Organisation, wie e» das Reichsbanner ist, zum mindesten die gleichen Rechte eingeräumt werden wie den Kriegervereinen. Daß die Kirche sich durch ihr Verhalten, wie es oben geschildert «nrbe, felbst am meisten schädigt, ist ihre eigene Angelegenheit. Eine iolle Tendenznachricht. .Erzwungene Spenden zum Sau von Panzerkreuzern.' Di« in Kattowitz erscheinend,„Polska Zachohnia" bracht« in ihrer Nr. 183 vom 7. Juli diese» Jahre, unter der Ueberschrift„Die Unverschämtheit der Deutschen kennt tetn, Grenzen. Erzwungene Spenden zum Bau von Panzerkreuz« rnl" ein« Meldung, jn der e, hieß, daß die preußischen Behörden in Pommern ein« intensiv« Aktion zur Sammlung von Spenden zum Bau eines neuen Panzer- kreuzers entfalteten. In der Presse und auf Plakaten ließen sich die Deutschen über hohe Spenden und Beiträge aus, die sreuvillig für den Baufonds übersandt worden seien. Jn Wirklichkeit ober, so klärt« das Blatt seine Leser auf, verhalt« sich die Sache ganz anders: alle staatlichen und kommunalen Aemter in Pommern hätten geHelme Direktiven erhallen, keine Angelegenheit«Ine» Petenten zu erledigen, sofern dieser nicht vorher ein« bestimmt« Spende für den Panzcrkreuzerbau geleistet habe. Soweit die„Infonnation" des polnischen Blattes, zu der der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Die Nachricht ist so unsinnig und trägt den Stempel der freien Erfindung so ausgeprägt an der Sttrn, daß man«igenttich darauf verzichtcn könnt«,«ff sie sachlich einzugehen und chre vollkomenen« Sinnlosigkeit ausdrücklich zu betonen. Wenn dies jedoch trotzdem geschieht, so nur zu dem Zweck, um insbesondere die polnischen Leser dieses Blattes zu der Frage anzuregen, ob durch die Verbreitung derartig phantastischer Nachrichten, an die der Redakteur, der sie verbreitet hat. doch selbst nicht im Ernst glauben kann, der Verständigung der beiden Völker gedient ist. die von gewissenhaften Politikern immer erneut angestrebt wird, auch wenn diese Bemühungen durch derartig« in ernste Dis- kusston nicht zu erörternde Tcndei�nachrichten nicht ganz erleichtert werden. Oer Tischtitel. ü> dort s u r ch t b a r geschlagen. Dann stellte man mir einen mir unbekannten Mann gegenüber, besten Körper ganz mit Blut bedeckt war und der ausgesagt haben sollte, datz ich chm Flugschristen ge- geben hätte. Ich bestritt dies« Behauptung. Daraufhin wurde ich to lange geschlagen, bi» ich zugab, den Mann zu kennen und von ihm revolutionär« Ausruf« erhalten zu haben. 7,ch tat die» aber nur gezwungen. In Wirklichkeit kenne ich den Mann gar nicht und Hobe nie etwas von ihm noch von anderen Personen erhalten." Der Arbeiter Abbas erklärte zu Protololl:„Ich wurde zur Postzewerwalmng gerufen, wo man mir gewlste Ding« vorlas, von denen ich nicht, mutzte. Da» erklärt« ich auch. Darauf erklärt« der Polizeichef Sabri Bei zu einem seiner Veamtcn:„Bring ihn fort und lchloge ihn so lange, bis B l u t f l i e ß t." Ich wurde daraufhin in da» Bureau de» Ehefs der poliiifchen Abteilung Ibrahim Bej gebracht und dort schwer g«- schlagen, bi» Ich endlich ein„Geständnis" ablegte, wie man es von mir haben wollt«. In Wirklichkeit Hab« ich nicht, ge- w u tz t." Aehnlich sagten die anderen Angeklagten au». Einer schloß seine Darlegungen vor Gericht mit der Feststellung:„Ich habe immer Z«< glaubt, da» Gesetz sei Richter. Aber hier ist der Stock der Richter, und so haben wir denn all« unschuldig etwa, ge» standen, weil man e» so hoben wallte." Schwere Gefängnisstrafen. S m y r v a. 17. ZuN(Eigenbericht.) Da» Smyrnaer Slrosgerichl verarkeille von den im Soziolistenprozeh angeklagten Arbeitern und Angestellten 24 mcgeu Zugehörigkeit zu einer geHelmen verblndoag '-nd wegen Verbreitung reglerungsselndllcher Schriften zu Se. sängnis st rasen zwischen 2 und 5 Zahren. Elf Angeklagte wurden sreigesprocheu. Mecklenburger Z�echtsregierung. / l\ r•.• «T'a* »Die Fememörder sind schon in Freiheit, jetzt wird wohl auch das Flaggenrunterreißen billig werden!� Gowjetruffisches Lockspitzeltum. Aus den Geheimnissen der GPLt. Die Prophezeiung des Staatsanwalts im Orlow-Pawlonowski- Prozeß scheint sich schneller bewahcheitet zu haben, al» er erwartete. Der Reichsmimster des Innern, Seoering, hat in einer von ihm«inberufenen Konferenz der Länderminister sich mit aller Eni- fchiedenheit für die Liquidierung d«s Spitzelwesens erklärt: und der Vizepräsident am Berliner Polizeipräsidium, Dr. Weiß, hat mit dankenswerter Offenheit zum Ausdruck gebracht, datz«ine politische Polizei, die den bestehenden Staat gegen staatsfeindliche Bestrebun- gen sichern will, zwar durch Mittelsmänner Anschluß an die staats- feindlichen Organisationen gewinnen mutz, sich jedoch keiner Ber- trauenemänner bedienen darf, aus die selbst nur ein entfernter Der- dacht von Unsauberkeit fällt. .Wegen dieser Aeuherung des Berliner Dlzepräsidenten ist das Zentralorgan der Kommunistischen Partei aus dem Häuschen ge- raten.„2>i« Verwendung der schmierigen Achtgroschenjungen, wi« die Bespitzelung der revolutionären Partei und ihrer Bruderorgonl- sationen wird von dem stellvertretenden Polizeipräsidenten zum System erhoben" geifert sie.„Wie schlimm mutz es doch um eine Gefellschaft bestellt sein, die schon im Morast solch niedriger Kampf» Methoden oersunken ist!" Die Sozialdemokratische Partei hat stets politisches Spitzeltum verurteilt, geschweige denn das Lockspitzeltum, unter dem sie selbst Jahrzehnt« zu leiden hatte. Wenn ausgerechnet die„Rot« Fahne", die alles, was in Sowjetrußland geschieht, gut heißt und sowjet- russische Zustände auch-für Deutschland herbeisehnt.- pathetisch aus» ruft: wie schlimm es um«in« Gesellschaft bestellt sein müsse, die schon im Morast solch niedriger Kampfesmethoden versunken ist, so spricht sie damit«in nicht zu übertreffende» Derdommungsurteil gegen ihre Gesinnungsgenossen und Geldgeber in Sowjet rutzland aus. Denn jeder, selbst der naivste Leser der„Roten Fahne" weiß, daß lue Somjetregierung und deren Vertretungen im Auslande«in aus» gedehnte» und straff organisiertes Spitzeltum besitzen. Weniger de- kannt mag das ungeheure Locklpitzelwefen der sowjetrusfifchen politischen Polizei(GPU.) sein. Rur einig« Beispiele statt vieler: Aus der Tätigkeit der Ausländsabteilung der GP!l. Wenn man die vielen Spionogeprozess« in Sowjetrutzland ver- folgt, so erkennt man immer wieder, in welch hohem Maße die Auslandsabteilung der GPU. ihre Hände bei den Spionageorganisationen im Spiel hat. Milunter figurierten die gleichen Angeklagten in verschiedenen Prozessen. Das sind die Lockspitzel, die mit dem fremden Nachrichtendienst und besten wirklichen Agenten Beziehungen angeknüpft hatten— das wird ihnen auch niemand verargen— andererseits aber von sich aus l*«ute anwerben, um sie hinterher samt und sonders zu verroten. Ein gerichtsnotorisch feststehender Fall kam im Zusammenhang mit dem sensationellen Prozeß des früheren estnischen Gesandten in Moskau. Ado Birk, zur Sprache. Birk wurde durch«in kompliziertes Intrigenspiel bei der estnischen Re- gierupg in Verruf gebracht und zu guter Letzt, als er, um nicht nach Reval zurückkehren zu müssen, ins Ausland flüchten wollt«, von der GPU. verhaltet und widerrechtlich in Rußland festgehalten. Erst nach geraumer Zeit gelang es ihm. seinen Wächtern zu entfliehen, und sich mit Hilfe der norwegischen Gesandtschaft den estnischen Be- Hörden zu stellen. Bei diesen Machenschaften der Ausländsabteilung der GPU. spielt« auch ein Namensvetter des Gesandten, Roman Birk, eine Rolle, zuerst als ungewolltes Werkzeug der GPU., später ol» deren geheimer Mitarbeiter. Dem Bevollmächtigten der allrussischen Tscheto, Njahonski, gelang es Ende 1921 unter anderem Namen in Reval mit zwei früheren russischen Offi» zieren in Derbindung zu treten und sie glauben zu machen, datz er von einer antibolschewistischen Organisation zu ihnen gesanidt sei. Roman Birk dient« nun al» Mittelsmann zwischen der angeblichen antibolschewistischen Organisation und den beiden russischen Offizieren. Letzteren wurden verschieden« Dokument« über die Rot« Arme« für den«st irischen Generalstob übermittelt: teil» «cht«, jedoch werllose, teil» von der besonderen Abteilung der GPU. selbst verfertigte. Al» man Nomon Birk auf diese Weis« in der Hand hatte, lockte man ihn eines Tage» in ein« Sackgast« und bracht« ihn in«in« konspirativ« Wohnung, die«r als geheimer Mitarbeiter der CPU. verließ. Jetzt endlich hatte man einen«igenen Spitzel in der estnischen Botschaft und konnte zu neuen Taten schreiten. Die monarchistische Lockspitzelorganifation»Trust'. Alle Lockspttzelorgonisatfonen der ÄPU. überragt« durch ihr Aus- maß wie durch das Raffinement, mit der sie aufgezogen war, di« monarchistffchcholschewistische Lockspitzelorgonisation„T ru st" ge- nannt. Die GPU. taufte den„Trust" mit feiner Selbstironi« „Legende" Eine Legende war sie taffächlich. Zwei hervor. ragend« Mitglieder der GPU., der Ingenieur Ja kusch«» und der ehemalige Leutnant U p e l i n»> O p p« rp u t, schlichen sich in das Dertrauen russischer Monarchisten ein. Es gelang ihnen, sich an die Spitze einer antibolschewistischeii Organisatiön zu stellen, und nun begannen sie in ganz Rutzland ähnliche Gebilde auszuziehen. Reben Antibolsche wisten saßen darin etwa SV Geheim, agenten der GPU. So konnte die Tätigkeit dieser Organi- sationen geleitet, besonders gefährliche Sowjetgegner erledigt und auch mit dem Auslande Beziehungen aufgenommen werden. Man gaukelt« den monarchistischen Emigranten Potemkinsche Dörfer, kon- solidierter antibolschewistischer Geheimzirkel vor. Ein Abgesandter der GPU. erhielt Zutritt selbst zum Großfürsten Nikolai Nlkolasewitsch und wurde von ihm nach russischem Brauch für seine fürstentreu« Tätigkeit gekützi. Man versuchte auch den weißen General Wrangel für sich zu gewinnen und leistet« sich selbst den unglaublichen Witz, den früheren Führer der Rechten in der zaristischen Duma, Schulgin, zu einer Reise durch Sowjetrutzland einzuladen. Jakuschew brachte ihn unter größten Vorsichtsmaßnahmen heimlich über di« Grenze, führte ihm in verschiedenen Städten die monarchistischen EPU.-Organi- sationen vor, konferierte mit ihm und anderen leitenden Persönlich- leiten der staatlichen politischen Berwaltung und geleitete rhu schließlich unversehrt ins Ausland zurück. Nun glaubten selbst die größten Skeptiker an die machtvolle antibolschewistische Organisation. Die Folge davon war, daß die Ausländsabteilung der GPU von jetzt an ihr« Leute auch in den Emigranten- organi sationen besaß. Li» eines Tages dag Geständnis Opperputs wie«in« Bombe unter den Anhängern des Großfürsten Nikolai Nikolajewiffch platzte. Die die Lockspitzel der GPit. arbeiteten. � Es würde zul weit jührey,. m allen Einzelheiten die Tätigkeit der Lockspitzel zu schildern. Ein einzrß« Fall genügt zur Illustra- tion. Di« GPU. von Rostow erhielt im Jahre 1S23 aus Konstantia nopel die Nachricht, daß ein monärchistrscher Ägftator mit einem Paß auf den Namen eines gewissen Franz Unen in wenigen Tagen die Grenze überschreiten würde: er habe den Auftrag, in den Ge- bi»t«n von Don, Kuban und T e r« t monarchistisch« Organisa- tionen aufzuziehen und gleichzeitig für den Rachrichtendienst einer fremden Wacht Material zu sammeln. Der monarchistisch« Agitator hatte in Wirklichkeit seinen Pah von«inen, Agenten der GPU. in Konstantinopel erhalten. Di« Rostower GPU. ließ Unen einige Zeit gewähren, dann verhaftete sie ihn und hatte ihn nach drei Monaten so iveit. daß er zu ollem bereit war. Man gab ihm zwei weiter« Agenten der GPU. zur Seite, und all« drei nahmen Beziehungen zu einer Frau K. aus, deren Adresse Unen von den Konstontinopeler Monarchisten mitgebracht hatte. Die drei Agenten der GPU. bc- gründeten in Rostow ein« monarchistische Be- zirksorganisation und riefen in Südrußland und im Kau- kasu» ähnliche Geheimzirkel ins Leben. Ihre Zlusgab« bestand darin. Antibolschewistcn elnzufangen und gleichzeitig Beweis« für die Tätig- keit der Organisation herbeizuschasfesi, damit die Pariser Mon- orchisten und deren Vertreter in Konstantinopel sich von ihrer Existenz überzeugten. Als es so weit war, wurde einer von drei Agenten der GPU. mit einem Empfehlungsschreiben Upens und der Frau K. nach Konstantinopel entsandt. Von Moskau aus versah man ihn für di« monarchistischen Auftraggeber mit gefälschten Dokumenten und«inigen veralletcn Originalbefehlen des revolu- ticmären Kriegsrats. Der Agent wurde gut empfangen und setzte nach seiner Rückkehr die Organisierung monarchistischer Zellen fort. U. a. richtete mon auch«ine Trausportinöglichkcit für monarchistische Emistar« über Trapezunt nach Tisiis ein. Damit man keinen Ver- dacht schöpfe, wurden ab und zu Abgesandte verhaftet und erschossen. andere für die Mitarbeit an der GPU. zurecht gemacht. Auch Frau K. und Unen ereilt» schließlich das Schicksal. Man bereitete sich zum Hauptschlag« vor: die leitenden Persönlichkeiten sollten aus Konstantinopel nach Ruhland herübergelockt werden. Im letzten Augenblick offenbarte aber einer der drei Agenten die ganze Sache den Monarchisten. Dies« ließen Ihn anfangs gleichseitig für sich und für die GPU. arbeiten, um dieser hinterher von seinem Verrat Mit- teidmg zu machen— sie bedurften seiner nicht mehr... » Den Kommunisten von der„Roten Fahne" ist da« alle» nur zu gut bekannt. Um die Aufmerksamkeit von ihren sowjetrusstschen Freunden abzulenken, machen sie sich den blöden Vorwurf der „Prawda" zu eigen, die in ihrer Nummer vom 13. Juni behauptet, dah Orlow mit den, Wissen der Berliner politischen Polizei fremde Regierungen mit gefälschten gegen di« Sowjetunion gerichteten Dokumenten versehen und die Sozialdemokratische Partei sich des Herrn Orlow u. Co. zu ihrer Antisvwjetpolitik bedient habe. Die Sowjetregierung sollte nur einmal versuchen, die„staatliche politische Verwaltung" zu liquidieren und bloß die politische Polizei als Teil der Kriminalpolizei bestehen zu lasten. Natürlich wäre die Komin- tern di« erste, die dagegen Protest erheben wurde. Denn der sowjeti- stisch« Spitzel- und Lockspitzelsumpf ist das A und O sowjetistischer Staatskunst! Unser neuer Roman..Die P s l a st e r k ä st e n" de. Münchener Dichters A. M. Frey, mit deren Deröffeicklichung wir in der heutigen Nummer beginnen, schildern Leben und Dienst der Sanitäter im Weltkriege. Menschen und Ereignisse ziehen rasch wechselnd in hunter Fülle on, Leser vorüber und geben ihm hoch- interessante Einblicke in Zustände an und hinter der Front des Weltkrieg», die den meisten Zeitgenossen bis heute. unbekannt ge- blieben sind. Ein« Buchausgab« des Romans veranstaltet der Verlag Gustav Kicxcnhauer in Berlin. > 7!r. 331* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Vonnerstag. IS. Juli 192<> Offener Brief an den Schnellrichter Zur Einführung in ein verantwortliches Amt. Berlin, den 17. Zuß. Herr 2lmtsg«richtsrat! Ich besuche das Schnellgericht seit IQZi. Sie haben gestern als Stellvertreter Ihres Kollegen zum erstenmal das Amt eines Schnellrichters ausgeübt. Sie werden in vielleicht mehr als hundert Sachen Urteile zu fällen haben, die nicht selten einen entscheidenden Einsluß auf das Schicksal der Angeklagten ausüben werden, befon- der? wenn es sich um unvorbestrafte Menschen handeln wird. Ihr Kollege hatte es leider oersäumt, Sie in die Schwierig- leiten Ihrer verantwortlichen Tätigkeit einzuführen: so will ich es tun, soweit meine schwachen Kräfte reichen. Gestatten Sie mir zu allererst eine allgemein« Betrachtung über das Wesen des Schnellgerichts. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß Schnellgericht gleichbedeutend ist mit schnellem Aburteilen. Der Sinn dieses Gerichts liegt darin, daß das Urteil unmittelbar auf die Tat folgt: die Gerichtsverhandlung selbst soll nicht weniger gründlich und nicht abgekürzter als in Moabit vor sich gehen, sie soll im Gegenteil, weil hier dem Richter die Zeit zur Vorbereitung fehlt, um so gründlicher sein. Es mag sein, daß 12 oder 14 solcher Sachen hintereinander er« müden— deshalb sagten Sie auch bei Deginn der 11. Sache halb- laut„Ich habegenug". Die Angeklagten können aber doch nichts dafür, daß die Geschäftseinteilung Ihnen während der Ferienzeit auch noch die„Uebertretungen" aufgebürdet hat. Schließlich sitzen ja auch Ihre Kollegen in Moabit nicht selten bis vier, fünf oder sechs Uhr. Weshalb sollten denn unbedingt vor dem Schnellgericht zwötf Sache» in drei bis vier Stunden durchgehetzt werden? Diese Eile, Herr Amtsgerichtsrat— und hier komme ich bereits zu einer Einzelheft—, führt aber dazu, daß die Forderung des preu- hischen Iustizministers, das Gericht solle sich eingehend mft den per. s ö n l i ch e n Verhältnissen des Angeklagten, wie mit den Ursachen, die ihn zur Tat geführt haben, befassen, in Vergessenheit gerät— das gilt auch für den jungen Staatsanwaltsassessor, der an Stelle seines älteren Kollegen eingesprungen ist und dem hoffentlich dieser an Sie gerichtete Brief vor Augen kommt. Was soll der Auhöver denken, wenn er sieht, daß der Schnellrichter genügend Zeft findet, mft größter Gewissenhaftigkeit auf einen möglichen Rückfall hin die Vorstrafen zu prüfen, nicht ober nach M o t i v e n der Tat bei einem noch nicht vorbestraften jungen Menschen zu forschen. Da waren z. B. zwei junge Leute, die sich zum erstenmal einen geringfügigen D i« b st a h l haften zuschulden kommen lassen. Sie, Herr Amts- gerichtsrat, fragten weder nach dem Entwicklungsgmg der beiden, noch nach dem Grund, der sie noch Berlin geführt hat, noch ob sie Eltern oder andere Verwandte besitzen. Da war«in junge» Mädchen, das gleichfalls zum erstenmal gestohlen hatte. Auch hier zeigten Sie gor kein Interesse ftir dos frühere Leben. Do waren zwei Männer, deren Verwandten im'Zuhörerraum sahen und nach Lage der Dinge wohl- hätten befragt werden sollen: die. weinend« Mutter des einen ließen St« erst nach der Verurteilung ihres Sohnes vor den Richter- tisch treten. Wäre es nicht besser gewesen, dies früher z« wn? Es geschah übrigens öfters im Laufe der Verhandlung, daß Sie, schon nachdem där Staatsanwalt seinen Antrag gestellt hatte, ganz un- erwartet, angeregt durch die letzten Worte des Angesagten, an ihn einige belanglose Fragen über feine persönlichen Verhältnisse stellten. Ebensowenig wie dies, war mft dem Geiste der Straf- Prozeßordnung in Einklang zu bringen, daß Sie, anstatt den Angeklagten erzählen zu lassen, ihm die Einzelheiten der Tat aus den polizeilichen Vernehmungsprotokollen vorhielten oder daß Sie die Haftenttassung davon abhängig mochten, ob der Angeklagt« auf die Berufung verzichte. Ihr Kollege hat Sie auch nicht auf die Bedeutung aufmerksam gemacht, die der Mitarbeit des Pflegeomts beim Schnell- g er i ch t zukommt. So waren Sie Wer die plötzliche Einmischung des Fürsorgers scheinbar erstaunt und sahen sich erst auf sein««er- anlassung hin gezwungen, den eben erst gegen einen jugendlichen Angeklagten erlassenen Haftbefehl aufzuheben. Der Zuhörer wird auch sein« Verwunderung darüber kamn unterdrückt haben, in welcher, sagen wir, leichten Weise Sie Dinge behandelten, die den Angeklagten schmerzlich berühren mußten. Aus eine für ihn tragische Schilderung reagierten Sie mft den Worten „Ra, schön", und wo es für jenen bitter ernst war, fanden Sie noch Sinn für Humor. Besonders unangenehm berührte ober Ihre Art, Urteile zu fällen. Mitten im Diktat des Urteilsprotokolls fragten Sie:„Was hat der Staatsanwalt beantragt?", und als man Ihnen den Antrag nannte, sagten Sie:„Also, dann soviel!" Man konnte — natürlich ungerechtfertigterweise— den Eindruck gewinnen, als gingen Sie nur wenig mft sich zu Rate. Allerdings war das von Ihnen bestimmte Strafmaß einigemal unter dem vom Staatsanwall beantragten. Ich will nicht ungerecht fein. Mft geringen Ausnahmen waren sowohl die Anträge des Staatonwalts als auch Ihre Urteile durch- aus nicht hart. Im Gegenteil, man glaubte einen humanen Richter vor sich zu sehen, der mft den Menschen, die das Unglück hatten, vor ihm zu stehen, Mitleid empfand— ganz besonders zeigt« es sich m einem Fall«, als«in vielfach Vorbestrafter um Hastent- lassung bat. Um so bedauerlicher ist es aber, daß Sie, über das wahre Wesen des Schnellgerichts nicht genügend informiert, ungewollte Fehler begingen und überdies noch aus irgendeinem Mißverständnis heraus ein« Art der Verhandlung übten, die dem Ernst der Lage nicht ganz angepaßt schien. In der Hoffnung, daß Sie die wahren Absichten meines offenen Brieses nickst verkennen und daß er den Menschen, die das Unglück hoben werden, im Lauf« der nächsten Wochen vor dem Schnellgericht zu stchen, nützt, bin ich in vorzüglicher Hochachtung Ihr Leo Roseuthol. Ein unseliger Schühe. Er hat seinen Freund aus Versehen erschossen. Gestern nachmittag hat wieder etamal sahrlässiges hantieren mit einer geladenen Waffe großes Unheil angerichtet. Der 42jährig« Polizeihauptwachttneister Lettweiler aus der Seestraße 11 in Rahnsdorf sucht« gestern nachmittag den 18jährigen Sohn Werner des Gärtnereibesitzer» Gimmel, in der Seestroße 44, auf. Der junge Mensch ist mit dem Polizisten schon seit längerer Zeit befreundet. Dos Gespräch drehte sich zunächst um verschieden« Ding«, bis dann Schuß- wafsen und Duelle den Gegenstand der Unterhaltung bildeten. Werner Gimmel, der ein Tesching besitzt, holte es herbei und legte die Waffe, ohne zu wissen, ob sie geladen sei, auf den alleren Freund an. llnverfehens berührte er dabei mit dem Finger den Abzug, der Schuß krachte und in die Schläfe getroffen, brach der Hauptmacht- meister blutend zusammen. In seiner Todesangst über das Unheil, das er angerichtet, lief der junge Mann zu seinen Ellern, die sofort einen Arzt benachrichtigten und die Polizei in Kenntnis setzten. Der unselige Schütze war über seine Fahrlässigkeit so erschüttert, daß er völlig zusammenbrach und sich das Leben nehmen wollte. Man mußte ihn zu seiner eigenen Sicherheft in Schutzhaft nehmen. Der schwerverletzte Beamte wurde eiligst nach dem Kreis- krankenhaus in Köpenick übergeführt, und sofort nach der Aufnahme operiert. Alle ärztliche Hilfe war aber vergebens und Dettweiler, der Frau und Kind hinterläßt, starb m den späten Abendstunden. Kommunisten. Messerstiche gegen einen Wehrlosen. wir berlchlelen gestern im„A b e n d" von dem liebersoll eines Haufens kommunistischer Rowdy» auf«wen kleinen Trupp Rcichsbannerkameradcn im Osten Verlins. Von einem der Ueberfallenen erhalten wir eine ergänzende Darstellung, der wir gern Raum geben. Sechs Kameraden, von denen drei ihre Frauen bei sich hatten, wurde danach von einem Trupp, der aus der Straßmannstraße kam, der Weg abgeschnitten. Gleichzeitig stürzten aus den Büschen am Petersburger Platz 2Z und aus der M a t t e r n st r a ß e etwa 15 Mann hervor, wil Schlagringen. Dolchen. Tolschlägern und Slahlruten prügelte dos Gesindel aus unsere Kameraden ein. Der Kamerad, der uns diesen Bericht liefert, erhiell mit einer Stahlrute einen Schlag über das Genick gegen den Hinterkopf. Er brach zusammen. Trotzdem er wehrlos am Boden lag. versehte man ihm drei Messerstiche iu den Hinterkopf und einen Messerstich in den Rücken sowie mehrere Schläge mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf. AI» das U eberfallt ommando herbeikam, ergriffen die Wege- lagerer die Flucht. An der Wahrheit der Darstellung unsercs Kameraden besteht kein Zweifel. Ein Mitglied unserer Redak- tton hat die Wunden am Hinterkopf mit eigenen Augen gesehen Miowski im Verhör. Er beschuldigt seinen Komplizen. Der sestgenommeue Paul Miowski wurde am Mitt- woch noch weiter eingehend vernommen. Heber sein Vorleben erzählt Miowski, daß er zu Hause bis zum Jahre 1924 die Mittelschule besucht habe. Dann bracht« ihn sein Vater bei einem Dekorateur in die Lehre. Der Jung: ließ sich kleine Diebereien zuschulden kommen, die seinen Vater sehr erbosten. Das gespannte Verhältnis mit seinen Angehörigen veranlaßte den Jungen schließlich, der Heimat den Rücken zu kehren. Er will die Reise nach Berlin mit der Eisenbahn gemacht haben. Er lernte dann in Berlin Herbst kennen. Trotz sei««» Leugnens erscheint dieser der Mitwisserschaft so verdächtig, daß er in Gewahrsam behalten wurde. Hochwillkommene schottische Gäste. Der Ferienaustausch der Vereinigung der Freunde der internationalen Kleinarbeit hat in diesem Sommer ganz besonders gute Resultate gezeitigt. Eine beträchtliche Zlnzahl deutscher Genossen verbringt jetzt ihr« Ferien im Hause soziolistffcher Familien in Großbritannien. Aber auch von jenseits des Kanals kommen die Freunde nach Deutschland. Alle ssnd begeistert von der Aufnahme und beglückt, bei Genossen wohnen zu können. Eine größere Gruppe schottischer Genossinnen und Genossen � Facharbeiter, Lehrerinnen, Studenten, darunter auch der Präsident der sozialistischen Studenten Schottlands—, die alle Mitglieder der Ortsgruppe Edin bürg sind, wohnt bei Mitgliedern der Ber. liner Ortsgruppe der„Fredika". Führer der Reisegruppe ist Genosse W. D. Mitchell, Sekretär der schottischen Landeszentrole und einer der Wahlleiter der Labour Party seiner Heimatstadt. Di« Berliner Genossen sind ganz besonders erfreut, die engeren Landsleute des Ministerpräsidenten des britischen Weltreiches, Gc- nossen Ramsay Macdonald, bei ssch als Gast zu sehen, und dos besonders nach dem beispiellosen Wohlsieg der Labour Party. Die Berliner Genossen veranstalten am Dienstag, dem 30. dieses Monats, pünktlich um 20 Uhr im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25, gegen freien Eintritt einen Abschiedsabend zu Ehren der ausländischen Genossen. Der Proletarisch« Volkstanz-Kreis sowie die Musikgruppe und der Sprech- und Bewegungschor der Freien Gewerkschostsjugend haben sich in den Dienst der Sache gestellt. Einzelheiten werden noch bekanntgegeben. Jeder Gesirniungssrcuzrd ist willkommen. Auskünfte erteilt gern das Internationale Sekretariat, Genosse W. Floerke, SWIS, Kurstraße 32, Merkur 2196. von A.MtFreY- Copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A. Q, Berlin 1. Sie wurden zu drill verschickt. Sie wurden verladen an einem schwülen Septembernach- mittag des Jahres 1915: ein Trambahnschaffner aus München, ein Bader aus AUötting— und emer. der in seinem Dasein bisher manches versucht und wenig erreicht halle, übrigens ein Studierter. DTs war alles, und sie bildeten somit«inen sehr kleinen Transport. Man ließ sie ohne Führer fahren; alle drei waren gewöhnliche Soldaten. Aber wohin sollten sie sich ver- lieren? Sie konnten nirgends Aufnahme als eben dort fin- den. wohin sie abgesandt waren, aufgegeben wie Pakete, wie Stückware mit Geheimadressen versehen, deren Chiffre sie nicht zu enträtseln wußten. Sie hatten kein greifbares Bild vor Augen von dem Platz, an dem sie nun ernsthaft aufge- pflanzt werden sollten. Sie hallen einfach so lange im Zuge zu bleiben, bis alles aussteigen mußte. Wohin der Zug fährt, wird ihnen nicht gesagt. Und sie fragen auch gar nicht: sie sind vom Garnison- dienst her gewöhnt, hierhin und dorthin geschoben zu werden, ohne vorher zu erfahren, wohin, ohne nachher, weshalb. Sie sind für den Sanitätsdienst bestimmt und in ihm in einer phantastisch-theoretischen Weise kümmerlich ausge- bildet, sind nicht mehr jung, bewegen sich auf die Mitte der Dreißig zu, der Schaffner geht sogar schon an die Vierzig heran. Der sie durch die Straßen der Garnison München geleitet hat— mitten auf dem Fahrweg, als seien sie eine räum- verlangende, gewichtige Truppe—, dieser Transportführer, der nur bis auf den Bahnhof mithäll, hat sie in ein sehr schmutziges Abteil dritter Klaffe steigen lassen. Das Coup6 sieht aus. als befördere es feit Kriegsbeginn ununterbrochen, ohne eine Stunde aufatmen zu können, Soldaten, und als fei es niemals mehr gereinigt worden. Vertrocknete Wurst- häute, Kolonnen von Tabakstummeln, zerfetzte Schokoladen- Packungen häufen sich zu Hügeln. Ein kleines Chaos, ge- schaffen aus Abfällen. Die Garnisondienstaugen sind solches nicht gewöhnt. Sie sehen es befremdet, sie sehen es langsam erheitert, Vertrauen fassend und in wachsender Genugtuung. Hier ist ein winziges Abbild des Krieges— von der willkommeneren Seite— hier schon beginnt er— im Gegensatz zur gut aufgeräumten, mit Wasser und Besen immer noch streng gefegten Mamffchafts- stube daheim. Der führende Znfanterieunteroffizier, der einen tnallblau schreienden Rock trägt und einen noch wilder blitzenden Helm, wischt sich den Schweiß unter den Brillengläsern weg und starrt mißbilligend in den Wagendreck, dann aber wider Willen achtungsvoll in die Gesichter der drei von ihm hierher Geschleppten, denn nun fahren sie hinaus ins Feld, er jedoch bleibt weiter daheim— freilich schuldlos, freilich nur feiner fehlerhasten Augen wegen. Um so mehr strafft er sich im engen betreßten Kragen und drückt den Helm härter aufs Haar, das unterm Leder dampft und trieft, denn der Herbst dieses Jahres ist unge- wöhnlich heiß. Er sagt nichts, als die drei Leute im Abteil ihre grauüberzogenen Helme heftig ins Tragnetz legen, bei- nah« werfen, und mit schon ungebundeneren Griffen die schirmlosen Mützen aus den Tornistern zerren. Der Trambahner spürt die verhallen« Hochachtung, die bekämpfte Verlegenheit des Vorgesetzten, der draußen und unter ihm steht, und er sagt in einem nie noch gewagten Ton von Vertraulichkeit:„Herr Unteroffizier, aber hier weht schon ein bisse! ein freierer Windl" Der Angesprochene wird sofort unnahbar. Er ist froh, mft einem Schlag wieder große Distanz zu haben, man hat ihm dazu verholfen, er sagt:„Daß ihr euch da nur nichts einbildet! Ihr fallt was erleben, wenn ihr keine Disziplin hallet. Daß mir keine Klagen an den Ersatztruppenteil kommen, während ihr unterwegs seid! Schlechtes Verhalten wird sofort hinaus gemeldet an euer Feldregiment, und ihr werdet draußen nicht weniger bestrast als hier.— Sie, wie heißen Sie— der Stöger, setzen Sie die Mütze gerade, die Kokarde hat genau über der Nasenwurzel—* Unversehens, mit einem Ruck gerät der Zug ins Rollen, er fährt los ohne Abfahrtszeichen, er fährt einfach davon, als fei das nichts, was er da unternimmt. Die Türen sind offen geblieben, sie werden von den Mitfahrenden ohne Eile heran- geholt. Der Unteroffizier ist vom plötzlichen End« feiner Mission überrascht.„Also dann alles Gute," ruft er obenhin im dienst- lichen Ton.„Und daß mir nicht—!" Es ist unnötig, den Satz zu Ende zu sprechen, die drei sind schon zu weit weg. Er kann nur noch«in respektloses Lächeln von Gesichtern auffangen, die sehr unordentlich aus den Fenstern gebeugt sind. 2. Sie rollen. Sie sehen noch eine Weile rückwärts und ver- spüren, wie die mächtigen Hallenbögen des Bahnhofs zu- sammenfchrumpfen. Mit ihnen schrumpft zur Mausefalle die ganze Stadt, der sie entkommen sind, entronnen aus Draht und Gitter. Sie würden vielleicht noch ungehemmter an Freiheit glauben, wenn sie nicht jetzt in stärkerer Fahrt au den großen Brauereien vorbei klapperten. „Ja ja, mein Lieber," seufzt der eine.„Aber ein Bier haben die da draußen manchmal auch." ..J«dt geht's dahin," sagt der andere. Doch der Trambahnfchaffner, der Holzer, weiß was Besseres.„Ihr feids ja wie die Jungfrau beim Beten," schilt er.„Vermehren wir lieber die Wursthäut'." Und er packt sofort Proviant aus. Er fängt zu essen an, obwohl sie erst vor einer Stund« in der Kaserne ausgiebig gefüttert worden sind. Bald beschäftigen alle drei ihr Gebiß. Man ist doch an irgend etwas geklammert, wenn man einen Brotlaib umfaßt hält, man hält noch ein Stück Heimat fest. Und außerdem ist Zell ausgefüllt, solang« man kaut. Es dunkell, es wird Nacht, es dämmert von neuem, sie rollen an großen Städten vorbei, immer um sie herum, nie in die Personenbahnhöfe, stets ins Gebiet der Güterverladc- stellen. Sie werden getränkt und gespeist, zusammen mit Herden anderer, die auch unterwegs find, und hier schon geht die rasselnde Wirtschaft mit den Feldkesseln los, die noch end- lose Jahre dauern soll— mit den Kesseln, die nie mehr richtig sauber werden, die bald verbeult und muffig sind und bleiben. (Fortsetzung folgt.). I } Oer Wald brennt! Großfeuer im Köpenicker Korst. Zm Söpenicker Aorst. der erst vor etwa sechs Tagen von einem schweren Feuer heimgesucht wurde, wütete gestern nachmittag abermals ein großer Waldbrand. 10 0 0 0 Quadratmeter Waldgelände wurden von den Flammen erfaßt und zum größten Teil vernichtet. Aus dem Jagen 195, einige hundert Meter südöstlich der B i stno r ck- W ar t e, sahen Wassers portler, die mit ihren Booten am User des Müggelsees festgemacht hatten, kurz nach 15� Uhr eine mächtige Rauchsäule aussteigen. Auch von Ausflüglern war der Waldbrand bemerkt worden. Bis zum Eintreffen der Wehren verging jedoch kostbare Zeit, und die Flammen hatten bald ein umfangreiches Waldgebiet«r- griffen. Das trockene Unterholz bot nur allzureiche Nahrung, und zu allem Unglück griff da» Feuer auch auf die Baomwipsel über. Fünf Löschzüge, Adtershof, Köpenick, Müggelheim, Grünau und Riederschöneweide, griffen in den Kampf gegenden Riefen» brand«in. Außerdem beteiligten sich zahlreiche Wasser» sportler an dem Rettungswert. Das brennende Waldgeländ« wurde völlig eingekreist und in aller Eil« Gräben aufgeworfen, die ein Weitergreifen des Feuers verhinderten. In angestrengter, > mehrstündiger Arbeit wurde der Brand dann niedergekämpft. Der Schaden ist sehr erheblich, da dem Feuer viel junger Baumbestand zum Opfer gefallen ist. Während die Löscharbeiten an dieser Stelle noch nicht beendet waren, kam ein neuer Feueralarm aus dem Jagen 1SZ. An drei völlig voneinander getrennten Stellen loderten plötzlich Flammen empor. Hier gelang es, die neuen Brandstellen schon nach kurzer Zeit einzudämmen, so daß größerer Schaden v«r- hütet wurde. Verschieden« Umstände geben der Vermutung Nahrung, daß ruchlos« Hände das Feuer angelegt haben. Don der Feuerwehr wurde eine verdächtige Person der Polizei übergeben. Die Kriminalpolizei hat die weiteren Er mittlungen aufgenommen. Großer Kabritbrand in Adlershof. Mit der Bekämpfung eines großen Fabrckbrand«» waren gestern abend drei Züge der Feuerwehr in der Bismarckstraß« 12 in Adlers- Hof viele Stunden lang tätig. In einer Etikettenfabrik war hier kurz nach Feierabend ein Feuer ausgebrochen, das außerordentlich schnell um sich griff. Die Feuerwehren gaben mit drei Rohren Wasser, konnten aber nicht mehr verhindern, daß die Arbeitsräume fast vollständig ausbrannten, und ein großer Teil der Druckmaschinen, sowie Papiervorrät« ein Raub der Flammen wurden. Das Feuer griff explosionsartig um sich. Erst nach«in- stündiger Arbeit konnte die Feuerwehr der Flammen Herr werden Das Feuer scheint durch Selbstentzündung von Zelluloidmengen«nt standen zu sein, wodurch auch dig schnelle Ausbreitung des Brandes zu erklären ist. paffagiere des»eOerfflinger� geborgen. Hilfe aus Schanghai und Oairen. London, 17. Inli. wie Llotzd, au» Tsiuglau berichtet, find die 24 Passagiere de» auf ein Riff aufgelaufenen Lloyddampser»»Oerfslinger" von dem amerikanischen Torpedoboolszerstörer»Paul Zone»" übernommen und in Tsingtan au Land gebracht worden. Ebenso landet« die„vlackbauN einen Teil der Lesatzung. Da» amerikanische Kavonellboot„B e a v« r" bleibt zur hilfeleistuug tu der ?lShe der..Derfflingcr". Außer von Schanghai find anch von Dairen Bergungsdampser nach der Unfallstelle unterwegs. Die ,Vremen� bei Gouthampton. Bremeu, 17. Zull. Der Schnelldampfer..Bremen" de« Norddeutschen Lloyd» ist heut« nachmiltag um Z Uhr 25 Minuten vpr Soukhamplon ange- kommen. Das Flugzeug im Dienste der Republik. . � Zu dem Thema„Das Flugzeug im Dienste der Republik" sprach in diesen Tagen in einer Reichsbonner-Ortsgruppensttzüng Kamerad Binder. Er entwarf ein Bild der EntwicÄung der Luftfahrt und ihrer Stellung zur Republik überhaupt, besonders aber des erst vor drei Monaten gegründeten Flugverbandes der Werktätigen, des„Sturmvogel", zu besten Grün- dem er gehört. In den sehr lehrreichen Ausfühmngen entwickelte Kamerad Binder, wie die Fliegerei sich als ein Kind des Krieges langsam zu einer nicht mehr zu übersehenden Macht ausgebildet habe. Heute droht der Fliegeroi die Gefahr, aus einem Vorrecht der Reichen zu einem Vorrecht der deutschen reaktionären Wirtschaftskrelse zu werden: damit würde sie dem demokratischen Dolkskörper entfremdet werden. Wenn sich die Flieger«! in dieser Weise weiter entwickelt, kann sie wohl gar zu einer Krise für die Republik führen. Damm sei es nötig gewesen, j«tzt auch die Masse des Vol,te s � für die weitere Gestaltung der L u s t f a h r t zu interessieren. Denn ein willkürliches Aushalten der Entwicklung der Luftfahri in irgendeiner Richtung sei undent- bor, wahrend«s aber dos Gebot der Stunde fei, daß die den republikanischen Staat bildenden Teile des Volkes auf jeden Fall die Macht über die Fliegerei besitzen. Der Weg dazu sei das tätige Mitarbeiten am Fortbau des Luftfahrt- w«sens. Der„Sturmvogel" sei eig«ns zu diesem Zweck ge- gründet und er erfreue sich des größten Interesses der maßgebenden Stellen in Preußen und anderen Ländern. Reben dem Reichs» b a n n e r, dem der„Sturmvogel" am nächsten steht, sei auch das Mitarbeiten der Gewerkschaften und anderer geeigneter Arbeiterorganisationen der Grund zu setner erstaunlich schnellen Entwicklung. Vier eigene Flugmaschinen werdm mit den gesamten zur Verfügung stehenden Maschinen der Lufthansa die erste friedliche Parade am Versassungstag ab- halten. Rundflüge für nur drei Mark, sowie bestmög- liche Unterstützung des Reichsbanneraufmarsches werden die ersten Schritte einer neuen Werbetätigkeit der republikanischen Verbände sein. Ueberhaupt sei es auch das Ziel des„Sturmvogel", propa- gandlstisch für die Republik zu wirken. Welche Dienste sonst Flug- zeuge bei Mossenbeweglingen als Aufklärungs- und Kurier- Maschinen leisteten, brauche ja nicht erwähnt zu werden. Die sicher bald erstehende eigene Luftflott« der republikant- s ch c n Masse werde dann im Ausland für das engste Zusammenarbeiten der Nationen auf dem Wege zur Demokratie und Völkerverständigung eintreten: sie werden ferner da, feste Zusammenhalten des republikanischen Deutsch- l a n d s im Auslande beweisen, und uns Republiknnem werden sie als das Symbol unserer Macht auf unseren Aufmärschen voronfliegen. Ferienkurse für ausländische Studenten. Das„Deutsche Institut für Ausländer an der .".1."".r(i i ö t Berlin" eröffnete am Montag mittag seinen diesjährigen Ferientursnz in der schönen ölten ilnioersirötsaulo� Di« Anwesenheit einer großen Anzahl Vertreter der Konsulat«, Bot- ichaften, sowie deutscher Behörden zeigte das öffentliche Interesse an dieser praktischen Arbeit des Lölkeroerstehens. Deutsch« Studenten leisten jetzt in den Ferien an ausländischen Hochschulen dieselbe Arbeit, die die 500 nach Berlin gekommenen Ausländer nun hier beginnen wollen. Diese 300 Studierende fremder Rationen vertellen sich auf 40 Nationen, wovon den Hauptanteil unsere östlichen Nachbarn tragen. Die gestiegene Besuchsziffer der Spanier er- klärt sich aus der Einführung des wahlfreien Deutsch- Unterrichts an ollen spanischen höheren Schulen. Die Kursusteilnehnvr wollen nun hier in sechs Woche» die Fähigkeit erlangen, deutsche Kultur und Sprnch« m ihrem Heimatlande zu lehren. Einige Länder entsenden ihre besten Absolventen höherer Schulen, um ihnen Anregung für speziell« Studien z» geben, dl« dann praktisch dein Heimatlande zugute kommen. Denn dieser Ferienkursus unterscheidet sich ja vom ständigen Fachstudium fremder Studenten Innerhalb der Semester. Die Anzahl fremder Studieren- der kann man als Maßstab gelten lassen für den geistigen Konnex unseres Vaterlandes mit den anderen Nationen. Denn es kommen nicht nur eigentliche Studenten nach Deutschland, sondern auch solche Studierend«, die in ihrem Lande schon fertig studiert haben und oft hohe Aemter einnehmen, die also die geistig« Welt de» fremden Landes darstellen._ Modellmarkt in der Kunstakademie. Vorstellung und Wirklichkeit. Modelle l Die meisten Menschen haben bei diesem Wort eine Vorstellung von hübschen Mädchen, die mehr oder minder bekleidet In den Ateliers sitzen, malerisch umgeben von Vorhängen und Kisten. Die auf rauschenden Atelierfesten in Wein und Sekt schwimmen und die Geliebten der Maler stnd. Vielleicht hat der eine oder ander« auch schon einmal etwas von Entbehrungen vernommen, von der wirklichen Not aber, wie sie auf dem Modellmarkt, der jeden Montagvormittag in der Kunstakademie stattfindet, zutage tritt, haben die wenigsten ein« Vorstellung. Modellmarktl— Menschenmarkt! In der Tat, hier wird alles gehandelt. Jeder Typ, jedes Alter. Auf der linken Seite de» ge räumigen Lichthofes sitzen die Frauen, rechts die Männer. Neben ge pflegten, gepuderten Jünglingen sitzen Greis«,, zwtfchen Ztgeunern finden sich Herren tu hohen Stehkragen, die aussehen wie geputzte Handwerker und hier merkwürdig fremd anmuten. Aus der Frauen seit« dieselben Typen: geschminkte Jugend, ehrbare Greisinnen, Prole. tariersrauen. In einer Ecke kauert ein ungefähr sünfzehnjähriges Zigeunermädchen. Als ein Künstler, der Interesse an ihr gefunden hat, sie bittet, ihren Namen in sein Notizbuch zu schreiben, schüttelt sie lächelnd den Kopf. Eine Analphabetin! Die meisten sitzen ganz uninteressiert, lesen, rauchen, unterhalten sich. Die Konjunktur ist jetzt denkbar schlecht. Viel« Künstler sind verreist. Nur hin und wieder schreitet einer durch den Raum, schaut sich diese oder jene Gestalt näher an, fordert sie auf, sich zu erheben. Nach eingehender Prüfung und Besprechung kommt meist das Engagement doch nicht zustande. viele Verhandlungen scheitern daran, daß die gewünschte Kleidung nicht gestellt werden kann. Die Bezahlung istentsetzlichschlecht. 1,25 M. pro Stunde für Akt, für Kopf 1 M. Zwei Stunden ungefähr dauert die täglich« Sitzung. Selten einmal, daß«in Modell höher« Preis« erzielt! Die Künstler möchten vielleicht mehr zahlen, können aber nicht, da sie meist selber in größter Not stnd. Viele warten so manchen Montag vergeblich. Oft bleiben sie monatelang ohne Engagement. Es kann unter diesen Umständen natürlich keine Rede davon sein. daß Modellstehen eine ausreichende Exlslenzmögllchkeit biete«. Es ist nur ein Nebenverdienst, noch dem oft engagements- lose Schauspielerinnen, Schauspieler und Filmstatisten greifen. Auch Leute, die früher selber bildende Künstler waren, findet man und Kleinrentner. So manchem hat das erste„Stehen" eine große Ueber- Windung gekostet. Von 19 Uhr bis 20.22 Uhr Unterhaltungsmusik mit geringen Unterbrechungen: danach Tanzmusik: ein Programm, wie es an einem heißen Sonntag willkommen ist. Das Beste waren die Schallplatte ndarbiewngen, die berühmte Dirigenten zu Gehör brach- ten, darunter Pietro Mascagni, Franz Schecker, Eduard Möricke. Das Konzert aus dem Luuapark bot naturgemäß einfachere musika- tische Unterhaltung. Die„Kammergesänge aus früheren Iahrhunterten" tonnten dagegen auch dem anspruchsvollsten Hörer genügen. Dies« Konzertstück« aus vergangenen Zeiten, ohne tiefere Empfindung, aber kunstvoll in der musikalischen Linien- führung, wurden von Lola Polajewer, begleitet von einem Kammerorchester unter Leitung von Dr. Ernst Römer, schön gesungen.— Welches Interesse hat der Rundfunk eigentlich daran. Karl May wieder populär zu machen? Es ist kein« Frag«, daß noch der Karl-May-Serie der Iugendbühne die Auflage dieser verstaubten Schundliteratur sich wieder wesentlich hebt. Wer sollte der Rundfunk nicht die Jugend Leder mit guter als mit schlechter Literatur befreunden? Don der Nacht von Dienstag zum Mittwoch ist noch die H u g o» oon-Hoffmannsthal-Bedenkseter nachzutragen. Au» Anlaß der jähen Todesnachricht des Dichters war diese Er- innerungsstunde geschaffen worden/ Man muß dem Rundfunk dafür dankbar sein, daß er durch eine so würdig« Feier, bei der das Hevemann-Qattett mitwirkte, Dr. Bernhard Biebokd die Gedenkrede hielt und eine--- in Anbetracht der kurzen Zeit recht gelungene Aufführung von Hofmannsthal„Der Tod de» T i z i a n" den toten Dichter ehrte. Te». Neue Opfer der Autoraferei. Eine Person getötet, fieben schwer verteht. Wieder einmal hat gestern abend die Antoraserek ihre Opfer gefordert. Ahnungslose Passanten nnd Spaziergänger wurden von einem Privatauto, das nach einem Znsammenstoß mit einem anderen Fahr- zeug aus den Bürgersteig geraten war, über- fahren und schwer verletzt. Eine Skjährigc Frau starb bereits aus dem Transport ins Kranken- Haus. An der Ecke Berg- und Bismarck st raße in Steglitz fuhr um 19 Uhr eine Autodrofchke mil einem Privatwagen in voller Fahrtgeschwindigkeit zusammen. Während die Droschke zertrümmert auf dem Fahrdamm liegen blieb, geriet das Privatauto, dessen Führer offenbar die Nerven völlig verloren hatte, auf den Bürgerstetg. Un- glücklicherweise befindet sich an dieser Stelle, unmittelbar neben der Straßenbahnhaltestelle, eine Ruhebank, die hauptsächlich von Frauen besetzt war. Das Auto riß die Bank um und überfuhr außerdem mehrere Fußgänger, die in dem Augenblick die Unfallstelle passterteu. Laute Schmerzensschrei« ertönten, und sofort eilten von allen Seiten Leute herbei, um den Verunglückten zu helfen. Beamte der Schutzpolizei sperrten die Unglücksstätte sofort ab und alarmierten Rettungsamt und Feuerwehr. Sieben Verletzt«. die ööjährige Frau Bertha Jakob aus Steglitz, Schaden» rute 17, die 29jShrige Frau Lina Schnermann aus der Friedrichsruher Straß« 30-, deren gleichaltriger Eh«- mann Fritz, der ISjährig« Schüter Edgar Thiel aus der Binger Straß« 32 aus Wilmersdorf, der 20iährige Droschkenchauffeur Heinz Matuschka aus der P a l l a s st r a ß e 26, die 43iährige Frau Veronika Levinski aus der Frankfurter S1 l l« e 34 und die 36jährige Frau Anna Ringel aus der Berg- st r a ß« 73 mit ihrem einjährigen Kind« Willi wurden durch Rettungswagen des Städtischen Rettungsamtes und der Feuerwehr ins Schöneberger Krankenhaus gebracht. Fron Jakob ist bereits ans dem Transport znm Krankenhaus an den Folge« eines doppelte« Schädel- braches gestorben. Ein« strenge Untersuchung über die Schuldsrag« ist von der Polizei«ingeleitet worden. Beide Fahrzeuge waren so schwer beschädigt, daß sie später abge- schleppt werden mußten. Neue Straßenbahnlinie zum Freibad Müggelsee. Am Mittwoch, dem 17. Juli ist der Straßenbahnbetrieb auf der neuen Bahnstrecke Bahnhof Friedrichshagen— Röhn?- darf eröffnet worden und zwar mit der Linie 1S7, die von Hirschgarten über die Köpenicker Straß«(statt bisher See- ftroße— Friedrichstraße) und vom Bahnhos Friedrichshagen über die Straße 50 und die Fürstenwalder Chaussee nach Rah»?- darf(Freibad— Paradiesgarten) geführt wird. Zum Ersatz für die Linie 187 in der«eestrerß« und Fneorichstrahe wird an Stelle der Einsatzlinie 84 S, Alt-Glicnickc— Müggelsee, ein« neue Linie 184, Alt-Glienicke— Bachitho f."Frredrlchshagen.. ein- gerichtet, die bis Hirschgarten den Weg der Linie 84 nimmt und weiter über Seestraße, Friedrichstraße bis zum Bahnhof Friedrichs- Hägen geführt wird. Die Linie 84 bleibt unverändert. Gleichzeitig wird die O ni n i b u s l i n i e 22. H e s s e n w i n k e l— R a h n s darf, daselbst Anschluß an die Straßenbahn. Linie 187, Röhns- darf— Beerenstraße, eingerichtet. Die bisherige Borortommbuslinie Bahnhof Friedrichshagen— Hessenwinkel wird eingezogen. Ei« Rathenau-Brunneu in den Rehberge«. Die Deputation für Kunst- und Bildungswefen hat im Ein- vernehmen mit dem Bezirksamt Wcdding beschlossen, zur Aus- schmückung des Lolksparkes in den Rehbergen auf der Erhöhung am Ende der großen Allee einen monumen- talen Brunnen nach einem Entwurf von Professor Georg Kolbe zu errichten. An den Stirnseiten der beiden Pfeiler der zur Höhe führenden Treppe sollen die Reliefs von R a t h e n a u, Vater und Sohn, angebracht werden. Die Mittel sind von privater Seite zur Verfügung gestellt worden. Der Stadtverordneten- Versammlung wird eine Borlage des Magistrats zwecks Zu- stimmung zur Errichtung der Brunnenanlage auf dem gekennzeich- neten Platz in den Rehbergen zugehen. Wie die Reichsbahn spart! Es ist allgemein bekannt, daß der Berliner Sonntags wie in ein« Heringstonne gepreßt ins„Grüne" fährt. Zurück ist e- ineistens noch schlimmer, da kann oft kein« Srecknadel mehr auf die Erde allen. Wer glaubte, daß durch die Elektrifizierung der Stadt- und Vorortbahnen ein Wandel eintreten würde, mußte bald feststellen, daß eher da? Gegenteil eingetreten ist. So wird uns von der Strecke Berlin— Erkner berichtet, daß Sonntags ein lebensgefährliches Gedräng« herrscht, weit die Reichs- bahn nur«inen Bahnsteig für an» und abfahrend« Züge freihält. Meist kommen die Züge schon überfüllt von Rahnsdorf an. weil ganz findige Reisende, einfach, um einen Platz zu bekommen, die Fahrt bis Erkner mitmachen, um dann � im Zug nach Berlin gleich drin ,zu bleiben. Wer wirklich aussteigen will, der muß sich vorher in die Lebensversickzerung ausnehmen lassen, denn er kommt ramponiert heraus. Die wenigen Beamten sind dem Ansturm der Massen nicht gewachsen und müssen die Dinge laufen lassen, wie i« sind. Früher gab es drei Bahnsteige, wo Züge an- und abfuhren, dadurch trat auch ein« E n ti a st u n g«in. Warum, so ragen wir, geht das jetzt nicht? Falsche Sparsamkeit? Haschischschmuggler am Werke. Aus Haifa wird uns gemeldet: DI« Kühnheit der H a s ch i s ch- ch m u g g l e r ist so groß geworden und ihr« Verbindungen sind so ausgebaut, daß sie zu den unglaublichsten Mitteln greifen können, um chr« kostbare War« vor den Augen der Polizei über die Grenze zu bringen. In dem Salonwagen des ägyptischen Ober- kommissars Lord Lloyd wurden auf der Reise nach Po- lästino und Syrien bei einer unerwarteten Revision 2 4 Ballen Haschisch gefunden, von denen niemand wußte, wie sie in den Wagen gelangt waren. vimafton die wunderrolle goldklare Haarwaschseife für jedes Haar,«ach als Shampoon jfüf 3&&fennig~ parieinachn'chien für Groß-Verlin «»I»»r>ll-g.n für diese Rubrik lind >« r l i» SB 68, Ltndenstraße 3, stet»«n da» Bezlrkasekretariai 2. Hos, 2 Treppe» recht», ,» richte«. Achtung! Kreisleiter? Konnabend, den 20. Zuli, 18 Uhr, im Konferenzzimmer der vorn>ärtS'Redak»ion. Lindenstr. Z. 4. hos. IV Treppen, findet eine sehr wichtige Sihung des engeren Bezirksvorslandes mit den Sreis- l eitern statt. Alle Kreise müssen bestimmt vertreten und pünktlich zur Stelle sein.' Der Bezirksvorstand. Morgen, Freitag, t9. Juli. � J*1"..-20 vH?11 Ilc' �«brcchlaw, Ewinemllndcr Str. U, LuKerst wichtige ssunkiwniirsitzung. !!' Doldschmidt, Etolvische Str. 36, ffuuttionätslÄunfl. 37. BW. 19',4 Ufic bei Middeldorf.(Sbclingftt. 1, wichtige RunltionäcTigung. Sonnabend. 20. Juli. 18. BW. A> Uhr Mitglieder« rsammlung, verbunden mit einer Aabnennng». lung im ffofe Särtuer. Buschlichend gemütliche» Beifammenseiu. Säfte find willkommen. Sonntag, 21. Juli. 18. BW. Buoflug»ach Hohenschöpping. Trefwnnkt 8 Uhr Stettiner Borort. bahnhof. Säfte willkommen. 182. BW, Baumschnlenweg. Der Dampseranoflng der BWeil»»g findet am beim Seuoisea Hertel. Baumschnleustr. 2g,»nd«Senoflen Lempert. Schi». taler Str. 8, erhältlich. Slrbeiterwohlfahrt. 8. Krei» vedding. Fachgruppe Iugendwohlfahrt. lZreitag, IS. Zuli, ISi-, Uhr, Ledigenheim Schönstedtstr. t. v. Stock, Kochgruppenlihung mit samt, lichen Helfern der 14.— 23. Abt. Erscheinen oller Helfer dringend notwendig. Erkner. In Erkner finden ab 22. Juli Ierienspiel« und »inderspeifungen auf dem Rund in der Siedlung statt. Die Mittel hierfür spendet der Kreis Riederbarnim und die Arbeiterwohlfahrt für die Erkner Kinder. Die Leitung liegt in den Händen der Genosstn Grete Schleyer, Sem- nonenring 8Z�di» auch Anmeldungen hierzu bis ssreitag. den IS. Juli, ent- qegennimmt. Weitere Anmeldungen können bei ffitfch, Eatholystr. 34, Kuhnert, Kdnigstr. 8 und Schöning. Eemnonenring 80, erfolgen. Zungsozlalisten. Brnppe Eharlottenbnr». Heute. Donnerstag. Treffpunkt« Uhr am Reich». kanzlerplatz(Ititungstiosk), zum gemeinsamen Spaziergang nach öem Teufelssee. Sinpp« Süden. Heut», Donnerstag. 2« Uhr. im Jugendheim Porckftr. u, Diptuftionsohend:»Krieg und Arbeiterschaft". Säfte herzlichst willkommen. Zlrbeilsgemeinschast der Sinderfreuade. Srnpp« P-uko». A« Sonnabend treffen 40 Kinder und Helfer einer Dresdener Kinterfreundegrupp« hier«in, um 8 Tage bei uns zu bleiben. Es fehlen noch lluartiere. Welch« Parteigenossen ssnd bereit, Kinder während dieser Ieit in Quartier und Pflege zu nehmen? Meldungen umgehend an Willi Heinrich. Pankow, SchloKstr. 18, erbeten. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 17. Abt. Unser Genosse Paul Ragel, Rurgsdorfstr. 13, ist»erstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag. 18. Juli. Ill'.i Uhr. im Krcma- torium Serichtftrahe. »I. Abt.«eukölln. Unter lieber Genoss« Kurt Ubechel, lNughafenstr. 48. ist seinem langen schweren Leiden erlege». Ehr« feinem Andenken. Ein. äscherung heute, Donnerstag. 18. Juli, lg� Uhr. im Krematorium Baum. fchulenweg. 87. Abt.»euköllu. 8«. Bezirk. Unser S-n-ss« Wikhelm Rochlitz, Warth«. strasse 71, ist am 14. Juli nach langem schwerem Leiden verstorben. Ehr« fernem Andenken. Einäscherung am Donnerstag, 18. Juli. 17 Uhr, im Kre. matorium Baumschulenweg.__ Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schtnarz-RoMBold". DefchStt»»«!!»: Berlin ffi U. Kedosti-nNr. 37/38, Hot z It Donnerstag, 18. Juli, ffriedrichshaia. 181h Uhr große Funktionär. ssßung bei Blawert, Weberstr. 24». Dazu sämtliche Funktionär-. Die Kam-radschastsquart� verein). 20 Uhr Versammlung aller Sport Kameroden bei Vülow, Wilhelmshof, Hirst ierkommiffii rmlung all ionen müssen erscheinen, äövenick(Ort». aller Sportler und am Sport interessierter ..................,—.„�rtener Straße.— Freitag, 19. Zuli. Friedrich» Hain. 19 Uhr Antreten auf den Kameradlchaftsfammelplähen. Di« Blockführer laden ein. Pflichtveranstaltung. Retuickcndorf.Ost. 20 ühr Kameradfchaftsssßung bei Kiehne. Zicssdenzstr. 8. Vorstand und Ouartierkom. Mission 1 Stund« früher.— Sonnabend, 2». Juli. Krei, Westen. ZV Uhr Ecneralappell zur Bundrsverfassungsfeier auf dem Pferdemarkt(neben dcr Olvmpia.Nennbahn) mit Fahnen und Musik. Tiergarten. l»'h Uhr Antreten Rahnbof Beusselftraße zur Krcisveronstaltung. Iungbanner anschließend Nacht- nusmarsch. Proviant ist mitzunehmen. Eharlottenbueg. Antrete» 18 Uhr auf dem Pferdcmorkt zum Deneralopvell. Steglih(Ortsverein). Antreten zum Deneralappell 18 Uhr Bahnhot Wilmersdorf. Friedenau. Nachzügler 20 Uhr. Bahnhof Beusselstraße.— Krei, Vlll! Die Ortsvereine, die die Meldungen für den 10. und u. August noch nicht eingesandt haben, werden gebeten, dieselben umgehend an den Sauvorstaird und Krcisführer abzuschicken.— Reinickeu. dors-Weft(Kameradschaft). Donnerstag. 18. Juli. Antreten zur PNichtver- anstaltung, Weißense«, 18Z-! Uhr, Vcreinslokal.— vinterfportabteiluug. Freitag, 18. Juli. 20 Uhr, Monatsverfammlun« im Svortreflauvant, Kantian. Maße.— Schöveberg.Friedenau. Sonnabend, 20. Juli, 18 Uhr. Antreten de» gesamten Ortsverein» am Bahnhof Ebersstraßt. Lngllkd Conrerutlontl Club{ounäet 1878. Meetings every Friday 8 p. m. Cafd Josty, Potsdamer Plate Lecturer: Mr Hafkelberg 6n:„The Speaking Pictore." Ouests, Ladies 4 Oentlemen, are welcome. SozialifiischeArbetterjugendGr.-Verliu awsendimzen für diese Rubrik nur an do» Zugendsekrckarla« Berlin SÄ SS. Cindenstraß« 8 heule, Donuerskag. 19� Uhr. Norden: Heim Lorßing. Ecke Draunstraße. Vorirag:„Der Lehrling uno die Gewerkschaft".— Rordostrn N: Heim Donziger Str. 62. Vortrag:..Wo» wir in Wien erlebten".— Tchinhause« Vorstadt! Schule Kastantenall-- 82. Bericht von Wien.— Köpenicker Viertel: Schule Wrangclstr. 128. Beridit vom Wiener Iugendtag.— Südwest! Heim Lindenstr. 4. Bericht und Er. lebte» vom internationalen Jugendtag".— Westeud: Heim Rossncnstr. 4. Vor, trag:„Wie ein Buch entsteht".— Ichleiidors: Gen. W. Warnccke fpridit über: „Weg zum Sozialismus", bei ssiemann, Karlftr. 11.— Tegel: Heim Bahnhof» ftraßc 13. Vortrag!«Sozialismus, Kommunismus, Faschismus". Sport. Rennen zu Hoppegarkeu am Aliklwoch. dem 17. Zuli« 1. R e tt tt« n. 1. Sendbote(Rastenberger), 2. Finnland, 3. Vipida. Tsto: 45:10. Plgß: 22, 20, 80:10. Ferner liefen: Siesta, Tramonta, Seöeruä, Mtftnot, Ouellendorf, Hellseherin, Staub, Hella X, Eenista, Rot- Nelke.\ 2. Rennen. 1. Mantegna(®. vatard), 2. Tenerifse, 3. Augendiener. Toto: 92:10. Platz: 20, 13, 16:10. Ferner liefen: Silo, Baczogo, Tara Bube. Bellac, Orestes, Carlsmlnde, Lorbeerkranz, Ledon, Loblied, Anikar. 3. Rennen. Präfekt(Bählkc), 2. Radetzki, 3. Monima. Toto: 53: 10. Platz: 19, 24, 17: 10. Ferner liefen: Achmed, Evenne, ServuS, Trabuko. 4. R c n n e n. 1. Obertvinter(M. Schmidt), 2. Pachalik, 3. Diarritz. Tolo: 20:10. Platz: 13,17,47:10. Ferner liefen: Conteffa Maddalena, ASkari, KönfgSmarl II, Postmeister, Safar. 5. Rennen. 1. Simplex(Böhlle), 2. Adebar, 3. Pawlowa. Toto: 144:10. Platz: 2«, 20, 19:10. Ferner liefen: Roderich, Beltana, Der- gangenbeft. K. Rennen. 1. Licderlranz(M. Schmidt), 2. La Margna. 3. Racahout. Toto: 29:10. Platz: 13, 15, 18:10. Ferner liefen: Skalde, Farinelll, Bakou. 7. Rennen. 1. Cldon(Stand inger). 2. Do» Jof4, 3. Faretra. Toto: 44:10. Platz: 20, IS, 20:10. Ferner liefen: Vindspiel, Hako. Stein- seid, Grisettchen, Die Königin, Jrmingard, VaraSdin, Sanktion, Conteffa. Wetterbericht der SffenlNcheo Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. (Nachdruck vcrooten.) In den östlichen Teilen dcS GebieleS bei hellerem Wetter etwas niedrige Temperaturen. Sonst kelne weicnlliche Aenderung. — FSr veutschland: Ocstllch der Oder etwas kühler, fönst keine Aenderung. »agSSSß? gäjssss-»1""'-• 'BAHNHOF HEßMANNPUn/DBi KÄPSIÄW'BAHNHOF Vermahlungszwang/ Vrotteuerung Oie verderblichen Kolgen der neuesten Reichstagsbeschlüffe. Wenn die Sozialdemokratie für ein« wirkliche Gesundung der deutschen Getreidewirtschaft an Stell« des bisherigen starren Zoll- systems die Einführung eines Getreidemonopols fordert, so tut sie das hauptsächlich, um ein« stabile Getreidepreisbeldung zu sichern und durch Ausschaltung der bisherigen großen Preisschwan- kungen die Zwischenhandelsspann« zwischen Getreideerzeugerpreis und Brotpreis zu verkleinern. Dieses durchaus vernünftige und auch von zahlreichen Vertretern der Landwirtschaft angestrebte Ziel konnte trotz horter Arbeit um die Gestaltung des Getreidemonopols in den letzten Wochen nicht verwirklicht werden, weil seiner Durch- fichrung bei den Demokraten und im Zentrum zu starke mittel» st ändle risch« Rücksichten«ntgegenstanden. Es blieb also bei der bisherigen starren Zollpolitik, die nichts an den verderblichen Preisschwankungen ändert und die weder den Derbrauchern einen Schutz noch den Erzeugern eine Preisgarantie bietet. Um nun die Wirksamkeit des Preisschutzes für die Landwirtschaft auch unter Beibehaltung der starren Zölle stärker zu sichern, hat der Reichstag gegen die Sozialdemokratie für Weizen einen Rermahlungszwang eingeführt. Dieser schreibt den Mühlen vor. während des nächsten Erntejahr«, von der gesamten oermahlenen Weizenmenge m i n d e st« n s 3 0 P r o z. inländischen Weizen zu vermählen. Während der Zest vom 1. August bis 30. November beträgt dieser Anteil sogar 40 Proz. Der volkswirtschaftlich« Unsinn dieses kaum über- legten und nur unter dem Druck der nahen Reichstagsserien kurz vor Reichstagsschluß durchgepeitschten Vermahlungszwanges liegt auf der Hand. Während sich bisher die deutschen Mühlen— je nach ihrer Lage an Einfuhrplätzen oder im Binnenlande— teils mehr auf die Vermahlung von Auslandsgetreide, teils mehr auf die von Jnlandsgetreide legten, soll nunmehr diese durch den Standort bedingte Arbeitsteilung künstlich unterbunden werden. Die an den westdeutschen Wasserstraßen und Einsuhrhäfen gelegenen Großmühlen, die bisher hauptsächlich Auslandsweizen vermählen haben, sind gezwungen, um ihren gesetzlichen Berpflich- tungen nachzukommen, 30 Proz. und in den Herbstmonaten sogar 40 Proz. Inlandsweizen zu vermählen. Sie sind also genötigt, aus dem Binnenlonde, aus Süddeutschland, Sachsen. Schle- sien, deutschen Weizen zu kaufen, wenn sie ihre Betriebe aufrechterhalten wollen. Den in diesen Liefergebieten gelegenen Mühlen, die bisher fast ausschließlich Inlandsweizen vermählen hoben, wird dadurch aber die Rohstoffbasis entzogen. Die Preise für inländisches Getreide werden sinnlos herauf- getrieben und die im Inland gelegenen Mühlen werden ge- nötigt, sich Auslandsgetreide zu beschaffen, wenn ihr« Beschäftigung nicht auf«in Minimum zurückgehen soll. Au Stelle eiuer natürlichen, durch de» Staudort bedingten Arbeitsteilung zwischen Binnenwühle» und Einfuhrmühleu muß also künftig ein großer Dell des deutschen Weizen» unter un- nützen Soften durch ganz Deutschland nach dem Westen und ent. sprechende Mengen Auslandsgetreide von dem Westen nach dem Vinnenlande spazieren gefahren werden. Während da» von der Sozialdemokratie gefordert« Getreide- Monopol zu einer Verringerung der Spann« zwischen Getreid«pr«is einerseits und Mehl- und Brotpreis ander«rs«ils geführt hätte, bringt der Vermahlungszwang zwangsläufig eine Vermehrung der Zwischenhandelskästen, der Transportkosten und damit eine starke Aufblähung der Spanne zwischen Getreide- und Mehlpreis. Keineswegs werden nun dies««rhöhten Zwischenhandelskost«n vom GetreidehandA und von den Mühlen getragen; vielmehr hat die Erhöhung des Mehlzolles von 11,50 M. auf 14,60 M.(nachdem eine zuerst geforderte, noch weitergehend« Zollerhöhung auf 18.75 M. von der Sozialdemokrati« abgewehrt werden konnte) die Möglichkeit geschaffen, die vermehrten Handels- und Tronsportunkosten voll auf die V« r b ra u che r f cha ft abzuwälzen. Die Mehlzoll- erhöhung bietet nämlich den Mühlen nicht nur einen der Weizen. zollerhohung entsprechenden Schutz, sondern sie erlaubt noch«ine weit darüber hinaus gehende weitere Mehl- und damit auch Vrotverteueruug. Der im Gang befindliche Lertrustungsprozeß der Mühlenindustri«, und die bereits abgeschlossenen Mehlpreis- konventionen, di« bei dem hohen Mehlzoll den Mühlen ein Preis- diktat für Mehl gestatten, werden dadurch nach unterstützt. Bereits jetzt sind die Mehlpreise den Gelreidepreiseu weit vorausgeeilt. Es kosteten in Berlin 1 Tonne Weizen 1 Tonne Mehl Spanne Mai Monatsdurchschnitt.. 217,8 264 46.2 M. 17. Juli........ 261,0 332,5 71,5. Bereits jetzt hat sich also di« Spanne zwischen Getreide- und Mehlpreis um über 50 Proz. erweitert, und das. nachdem sich außerdem der Getreidepreis in den letzten Wochen, Haupt- sächlich durch die internationale Spekulation bereits um rund 50 Mark für die Tonn« gehoben hat! Diese Steigerung geht sogar weit über die abgelehnten Zollforderungen der Deutsch- nationalen, di« eine autonome Zollerhöhung für Weizen um 35 Mark gefordert hatten, hinaus! Die gesamte deutsch« Weizenmehl, und Brotverforgung ist durch den Vermahlungszwang gefährdet. Die gefährlichen Folgen der Ausschußbefchlüffe. Run steht allerdings in§ 3 des Gesetzes über den Dermahlungs- zwang, daß der Reichsernährungsminister den Vermahlungszwang zeitweilig außer Kraft setzen oder die zu vermählenden Prozentsätze ändern muß. wenn die Entwicklung des Getreide- oder Brotpreises dies erfordert. Mit Recht haben sich di« Vertreter der Sozialdemokratie anläßlich der Besprechung der Aus- führungsoerordnungen zu diesem Gesetz am Dienstag im Reichstag auf den Standpunkt gestellt, daß die starke Preiserhöhung für Weizen der letzten Wochen eine Aufschiebung der auf den 1. August festgesetzten Einführung des Permahlungszwanges unbedingt er- forderlich mache. Dies ganz besonders auch deswegen, weil die in diesem Jahre verspätete Weizenernte es den Mühlen unmöglich machen wird, im August inländischen Weizen aus neuer Ernte zu vermählen. Die Bestände aus der letzten Ernte sind aber bereits vollstältbig verbraucht. Die Undurchführbarteit des Dermahlungszwanges ist daher bereit« jetzt voll erwiesen. Angesichts der kolossalen Weizenhausse der letzten Wochen wäre ein Außerwirkungfetzen des Vermahlungszwangss nicht mehr als eine einfach« Erfüllung des Gesetzes. / Trotzdem haben sich die Bertreter des Zentrums gegen den sozialdemokratischen Antrag ausgesprochen. Die aus dieser Einstellung des Zentrums entstehende» Schwierigkeiten der Mehloersorgung und die Teuerung werden sich zuerst und am stärksten im Rheinland bemerkbar machen, denn dort wird es den auf di« Vermahlung von Auslandsweizen eingerichteten Mühlen nicht oder nur unter ausgesprochener Preistreiberei möglich sein, genügend inländisches Getreide zur Erfüllung des Gesetzes zu erwerben. Die gesamte Derbraucherschaft, insbesondere ober die volkreichen Gebiete des industriellen Westens, werden durch die volkswirtschaftlich unverständlich« Haltung des Zentrums leiden müssen. Wie Gemeindeausaaben wachsen. Das Statistische Reichsamt veröffentlicht im 1. Iufiheft von �Wirtschaft und Statistik" weitere Ergebnisse der Finanzstatistik für die Jahre 1925 bis 1928. Sie betreffen die Gemeinden über 10 000 Einwohner und die Kreis- und Provinziolverbände, und zwar ihren Zufchußbedorf, d. h. diejenige Summe der Ausgaben, die durch Einnahmen der Gemeindebetriebe und durch Steuern gedeckt iverden nmß. Für diese Gemeinden und Gemeindeoerbände betrug die Ge- famtsumme des Zuschußbedarfs 1925/26 3076 Millionen Mark. 1926/27 3551 Millionen Mark(-f- 15ch Proz.), 1927/28 3798 Millionen Mark(-f- 6,9 Proz.). Die Steigerung des Jahres 1926/27 entfiel zu 60 Proz. auf das Wohlsohrtswesen und zu 20 Proz. auf das Woh. nungswesen; di« Steigerung von 1927/28 zu 50 Proz. auf Straßen- und Wegewefen, zu 35 Proz. auf das Bildungswesen. Die Zahlen zeigen folgendes Bild: Oer Anteil der Wohlfahrtslasten. Anteil der einzelnen Aufgabengebiete am Zuschußbedarf der Ge- meinden im'Jahre 1927/28: Der teuerste Teil des Gemeindehaoshalls ist also das wohl. sahrlsweseu mit einem Anteil von 31.4 Proz. Di« allgemeine Der- waltung(einschl. Steuer- und Finanzoerwastung) beansprucht nur 10 Proz. Don besonderer Wichtigkest für die Gemeindefinanzen war die Einführung des Arbeitsloscn-Lersicherungs- g e f e tz e s. Vorher hatten die Gemeinden wefentlich zur Erwerbs- lofenfürforge beizutragen; jetzt zahlen sie nur ein Fünftel des Auf- wandes der Krifenunterstützung. Deshalb ging der Posten„Unter- pützende Erwerbslosenfürsorge" von 121 Millionen Mark im Jahr« 1926/27 auf 53,7 Millionen Mark zurück. Nun ist aber die Bedeutung der einzelnen Aufgabengebiet« für die Gemeinden verschiedener Größe und für die Ge- meindeverband« ganz verschieden, wie obig« Tabelle deutlich zeigt. Der Anteil des Wohlfahrtswesens am Gesamtzuschußbedarf geht mit abnehmender Einwohnerzabl st ort zurück, während der Anteil des Bildungswesens, allerdings nicht so stark, wächst. Bei Kreis- und Prooinzialoerbäniden hat das Bildungswesen nur untergeordnete Bedeutung. Dafür beansprucht di« Ver- waltung der Straßen und Wege«inen um so größeren Prozentsatz, der bei den Provinzen sogar den des Wohlfahrtswesens übertrifft. Die Ginnahmen der Reichsbahn steigen Oie mißbrauchte Lohnbelastung. Die Relchsbahngesellfchast hat über die Derkehrsentwicklung im Juni und über di« Einnahmen und Ausgaben des Monats Mai be- richtet. Der Güterverkehr des Juni überstieg mst 3L3 gegen 3,92 Millionen Wagen nicht unerheblich den des Monats Mai, nachdem zu berücksichtigen ist, daß der Juni weniger Arbeitstage hatte. Gegenüber dem Juni vorigen Jahres hat sich die orbeitstägliche Wagengeftellunz um 6,4 Proz. erhöht. Der Per- fonenoerkehr war durch die Sommerzeit sehr lebhaft. Die Reichsbahnfinanzen im Mai zeigen ein« inter- «ssant« Entwicklung. Im Personenverkehr haben sich die Ein- nahmen von 107,3 auf 136/5 Millionen oder um fast 30 Proz. er- h ö h t, im Güterverkehr liegt ein Rückgang von 2S0L auf 282,8 Millionen vor, so daß sich bei relativ gleichgebliebenen sonstigen Ein- nahmen gegenüber April ein« Einnahme st eigerung von 430,8 aus 451,5 Millionen oder um 21 Millionen ergibt. Die Mindereinnahmen des April gegenüber dem Monat März im Bc- trage von rund 27 Millionen sind also fast aufgeholt. Di« Ausgaben der Reichsbahn haben sich insgesamt von April bis Mai van 429,1 auf 44KB Millionen gesteigert. Für rund 19 Millionen, also 2 Millionen mehr als die gesamte Ausgabe- steigerung, liegen aber Mehrausgaben zur Erneuerung der Eisen- bahnanlagen vor, die nicht ohne weiteres zu den laufenden Ausgaben zu rechnen sind; die Erneuerungsausgaben sind von 49,7 auf 68.5 Millionen gestiegen. Dos Personal Hot sich im Mai gegenüber April von 715140 aus 728 4.94 Köpf« erhöht. Die günstige finanzielle Entwicklung im Mai verstärkt den Eindruck, daß die Reichsbahngesellschaft bei der Begründung cher von ihr beantragten Tariferhöhung mit dem Argument der neuen Lohnbelastung Mißbrauch treibt. Rur nicht zuviel Profit ausweisen. porzellanfabril Kahla. Vorsichtig sind die deutschen Unternehmer auf alle Fälle. Und auch die Prozellanfabrik Kahla hält an dem schönen Brauch fest, nur nicht zu viel Gewinn auszuweisen, wenn man auch die Dividende auf das von S auf 12 Mill. Mk. erhöhte Kapital von 7 auf 5 Proz. herabsetzen muß. Der Rohgewinn des Jahres 1928 beträgt wieder rund m Mill. Mk., die Abschreibungen sind etwas höher<650 000 Mark), und auch der Gewinnvortrag(432 000 Mk.) übertrifft den des vorigen Jahres. Schon aus der Höhe des Gewinnvortrages. der SM Proz. des Aktienkapitals entspricht, kann man sehen, wie wenig notwendig die Dioidendenherabsetzung war! Dabei erklärt die Gesellschaft, die schon fest Jahren sich stille Reserven schafft, daßdieVorrätesehroorsichtigbewertet seien. Und alle Bilanzposten sind gebessert: die Reserven um den Ueb�rschuß aus der Aktienmission— 300 000 Mk.— höher, Akzepte um 800 000 Mk., Gläubiger um über 1 Million Mk. issedriger. Unter den Aktiven sind die Forderungen um 900 000 Mk. höher, die Bor- röte(trotz der vorsichtigen Bewertung) um 600 000 Mk. gestiegen Schon dies« Verbesserungen sind mehr, als die Kapitalserhöhung ausmachte. Und die Zugänge auf Anlagen und Maschinen zwecks Rationalisierung in Höhe von etwa 900 000 Mk. dürften„über Bc- trieb" bezahlt sein. Der Geschäftsbericht sagt, daß der Umsatz in Gebrauchsporzellan bedeutend höher, aber die Preise unzureichend gewesen seien. Das Geschäft in Elektroporzellan sei in jeder Weife befriedigend gewesen Und auch die deutschen Unternehmer haben gelernt, Zollgrenzen zu überspringen. Englands Schutzzoll macht die Einfuhr von Elektroporzellan unmöglich: also gründet man mit dem englische» Chemieirust eine Fabrik in England(8testit« v. Loreelain Lroäuets Ltd.), um die patentierten Isolatoren von dieser Fabrik gegen.angemessene Vergütung" herstellen zu lassen. Natürlich wird auch solche Beteiligung aus laufenden Einnahmen bezahlt und gering in der Bilanz bemertet. Mannesmann erwariei höhere Gewinne Zur Einführung von 25 Millionen Stammaktien des Mannes- manüröhren-Konzerns an der Berliner Börse hat der MaNnesmann Trust einen Prospekt veröffentlicht. Auch bei dem Mannesmam) Trust ging offenbar- die Produktion im Jahr« 1929 scharf aufwärts Jedenfalls wird gesagt, daß die ersten Monate des gegenwärtigen Geschäftsjahres gut waren und es sei damit zu rechnen, daß die Aktionäre auch für das erhöhte Aktienkapital ein„befriedigendes Ergebnis" erwarten dürfen. Für 1928 wurden 7 Proz. Dividende verteilt. Im Jahre 1929 werden rund 24 Millionen m>r mit Divi- dendc zu versehen sein. Daß ein„befriedigendes Ergebnis" erwariel wird, läßt also auf erheblich gesteigert« Gewinne schließen. Verkaufe Wtbfthl«r-T«»»iche. iNelne Wedfehl» Zx» 19,— Mark. Kleine Websehler 2X3 24,- Mark. Kleine Webfehler 38,- Mark Kleine Webfehler 8 x 4 59.— Mark. I». Qualität 2 x 3 38.— Mark la. Qualität 2tbX314 55,— Mark. Ii Qualität 3x4 85,— Mark. Körner, Berlin. Votsdamerstraße 26b. Sausnummcr beachten. Betteuoerlauf! Wegen Geldmangel fpo'tbilligl Neue 15.—!-"rachtuolle 22L0! Ö,— 1 Bauernbetten 29.— 1 Keine Com. bordwarel_ Leibbaus Brunnenftrahe 4? Linoleum. Ezillat. Koloniestraße 9• Btldeidungssiücke, Wasche us* Weiüa oon MiMonären. getragene Kavaliergarderobe onären. Serzten, Anwälten. fabelhaft billige Preise. Empfehle aillenmäntel, Paletots. Fracks. Smo- iings. Eehrockangllge, Holen. Sport- EeHvelfte. Gelegenheitskäufe in neuer Garderobe. Weitester Weg lohnend. Lothringerstraße 56, 1 Treppe. 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Man mutzte wieder fechten gehen Es kamen schlimme Zeiten Auf der nächtlichen LiegestSit« sprach Petjka mit Andrejka über die Zukunft: „Für den Winter wäre es gut, Geld aufzuhamstern, um Handel zu treiben Betteln ist im Winter schwer, lind das Wichtigste, ohne Kleidung und Unterkunft ist es kalt. Diesen Winter ha« mich«in Lokomotivführer auf emer Lokomotive schlafen lasten Morgens mar die Fratze voll Ruß. Kommt man dann irgendwo hin, wird man gar nicht hineingelassen. Jeder sagt:„Wo hast du dich denn !o schön gemacht/ Ja. wenn man irgendwo so zwei Millionen itiebitzen würde, könnt« man damit etwas anfangen. Der schiel« äugixe Petjka hat ein Quartier und sogar«ine Geliebt«. Und dabei ist er kleiner als ich/ Pctjka fragte Andrejka nach allem au«, wer sein Dater und Mutter gewesen seien und wieso er in dies« Stadt gekommen sei. Von sich aber erzählte er gar nichts. Nur einmal machten sie sich an«inen dickhalsigen Herrn mit offenem Kragen: „Eine kleine Unterstützung../ Der Herr jagte laut zu der neben ihm gehenden weißgekleideten Dame: „Wie dies« verwahrloste Jugend überhand genommen hat. An jeder Straßenecke trifft man sie und jeder ist ein Derbrechertandidat. Diese Haderlumpen b« deinen«in« grohe Gefahr für den Staat/ Petjka rief daher der Dame ein sehr hätzliches Schimpfwort nach und beide liefen dann davon. Als sie stehen blieben um auszurasten, jagt« Petjka: „Es ist schlimm» Bursche, wenn Vater und Mutter Hungers sterben../ „Und sind die deinen daran gestorben? „Das geht dich nichts an/ Cr macht« sich an«inen Buben mit nackten Knien heran. Dieser stand an einem Tor. „Ein Bitb und Haare wie ein Mädchen!? Auch ein Bub/ Das fünf- oder sechsjährige wohlgepjlegtc Kind antwortete mit einem dünnen Stimmchen: „3?h bin ja gar kein Bub, ich bin Nadja/ „Nahja-a? Wieso Host du denn dann eine Hose an?* „Weil es so heiß ist. Im Sommer kann man sich wie ein Bub kleiden/ Petjka stimmte zu: „Natürlich. Ist dein« Mutter zu Haus«?' „Nein, sie ist mit Nastja aus den Markt gegangen. Die Groß- imiji£ey: Wer Bölsches älter« Schriften kennt, mit ihrem ständig wieder- kehrenden Denken und Forschen um das Thema„Mensch und Ur- well" und der Liebe zu den ältesten deutschen Zoologen, speziell zu dem größten Gesttc der Frühzeit moderner Zoologie, zu Konrad Gesncr, der wußte schon fest langem, datz ihm das Thema des Sagcndrachen und seines naturwissenschaftlichen Hintergrundes nicht auf die Dauer Ruhe lasten würde. Und nun ist auch tatsächlich ein Bäichchen mit dem Titel ..Drachen' von ihm(im Kosmosverlag) erschienen, in dem er alles das zujammenjatzt. was teilweise schon früher von ihm kurz an- gedeutet wurde. Es lohnt auch wirklich, einmal zu verfolgen, wie. ~ und ob man überhaupt— an den Sagendrachen noturwisten« Ichaftlich herankommen kann. Auf dem Papier vorhanden ist er schon genau so lange, wie run Bücher über naturkundlich« Gegenstände geschrieben hat. B:i dem Römer Plinius spiest er eine große Rolle,— und natürlich auch bei den Quellen dieses alten Sammlers, die wir heut«, teil» leider, teils Gott sei Dank, nicht mehr olle kennen. Di« alten Babylonier bildeten auf Ihren berühmten Reliefs sogar einen in leuchtenden Emailfarben ob;«in seltsame« hochbeiniges Tier ist es, mit langem Hals und kleinem Kopf, einen«bensolangen erhoben getragenen Schwanz mst einem stochelähnlichen Gebilde am End«. Auf dem Ischtartor gibt es noch ein anderes sonderbares Bild, ein rinderähnliches Wesen, das auch länger« Zeit Gegenstand xrußer Grübeleien war und unter der Bezeichnung„Einhorn von Babylon' lief. Schließlich fand man hier heraus, daß es stch um ein« etwas stilisierte strenge Profildarstellung des Stammvaters unseres Hausrindes, des Ur handelt. Dieser Fall also ist geklärt, die Sache mit dem Drachen aber... Dieses Urtier, von dem eben die Rede war. taucht in den alten Tierbiichern Gesners aus dem fünfzehnten Jahrhundert noch als in Polen lebendes Wild auf. Und in den gleichen Tierbüchern ist auch ein beinahe hundert Folioseiten langes Kapitel vom Drachen. vssner, der alles zusammentrug, was man überhaupt zu finden vermochte, sagt dabei selbst, daß es ober wohl verschieden« Arte» von Drachen geben müstc. Seine Beschreibung gibt dann auch zu- nächst einmal alles das wieder, was man heut« im Tierbuch unter dem Stichwort.Riesenschlange' zu lesen bekommt(auch das Wort „draco' bedeutet nichts anderes. Dann aber wird e» fabelhaft. Di« Riesenschlangen bekommen plötzlich Deine und schließlich auch noch Flügel dazu. Sogar Bilder fehlen nicht, die solch bebeinte und ge- s ügelte Wesen zeigen, wie es im Tert heißt, nach„jungen ge- dörrten Drachen', die durch Wellreisende nach Paris gelangt seien. Nun gibt e« auf den Sundainseln eine klein« Eibechj«, Sie „fliegender Drache' heißt und jedersests«inen kleinen halbrunden oder dreieckigen Fallschirm hat, der durch einen Hautlappen gebildet wird, der sich über frei aus dem Körper herausstehend« Rippenfort. sähe spannt. Dieser fliegende Drache ist hormlos(man kann ihn ja der Hand zerdrücken), er weist aber äußerlich eine groß« Aehn- SEwei freunde mutier ist daheim. Und wo ist eure Mutter? Ist sie auch ouf den Markt einkaufen gegongen?' „Ist auch auf den Markt gegangen, aber stehlen. Hör mal, bring uns ein Stück Brot. Sag aber nicht, daß es für uns ist. Sog, daß du es selbst essen willst, oder für einen Hund brauchst../ Das kleine Mädchen brachte wirklich ein mürbes Brötchen und Backwerk. Sie aßen es ouf und begannen mit ihr zu spielen. Sie war sehr spaßig und plauderte unaufhörlich. Sie brachte in den Hof einen Hund, um ihn zu zeigen. Sie verspielten sich mit dem Hund und bemerkten nicht, wie die Dame mit dem Dienstmädchen in den Hof kam. „Nadja, wen host du denn da? Wo ist die Großmutter? Warum gibt sie nicht acht! Was sind das für Buben?" Ilnd st« blickte sie unter dem Hut hervor verdächtig an. „Woher seid ihr?' Nadja zur Mutter: „Ihre Mutter ist auf den Mark stehlen gegangen. Laß sie in. zwischen mit mir spielen/ Die Dam« begann zu gackern: „Wie?... Was?... Wohin stehlen?' Im Nu mar sie draußen. Die Bein« hatten Arbeit. An diesem Tage trieben sie sich kein Essen auf. Ilnd am nächsten aßen sie ein wenig Kartoffeln. Petjka war gedrückt. Wahrscheinlich von der Hitze. Am dritten Tage ging er ohne Andrejka allein vom Friedhof weg. Als sie einander auf der Straße trafen, blieb er gar nicht stehen und sagte nur im Vorbeigehen: „Heute nacht hob« ich ein Geschäft. Ich habe«ine Per. obredung... Warte auf mich frühmorgens auf dem Grab, wo wir gestern geschlafen haben. „Und ich?' „Wenn ich dir sag«, warte. Du bist noch zu weich dazu!" Und er lies weg. Andrejka wartete seit dem Morgen einen halben Tag. Aber vergeblich. Es vergingen noch einige Tag«, Peista aber bekam er nicht zu sehen. Eine Woche trauerte er um ihn. Er kam jeden Abend auf den Friedhof und rief: „Petjka... Petjkal' Keine Antwort.— Der Herbst kam mit seinen Regen. Man konnte vor lauter Kot nicht mehr zum Friedhof. Andrejka gelang es, in einem Kinderasyl unterzukommen. Er vergaß Petjka. Aber nicht ganz. Manchmal ft'hr«i ihm nachts wie mit einem scharfen Reibeisen übers Herz: „Petjka, wohin bist du geraten?" Vater und Mutter hatte er keine Träne nachgeweint, Petjka nachzuweinen kam ihn sehr oft an. An einem Zaun jedoch, vom Wind noch nicht zerrissen, vom Regen noch nicht verwaschen, hing«in Zeitungsfetzen. Darauf stand in unauffälligen, kleinen Lettern und kaum von jemand beachtet eine Mitteilung über einen mißlungenen nächtlichen Einbruch: „:..Die Einbrecher schössen auf der Flucht. Bei der Schießerei wurde«in Teilnehmer an dem Einbruch, ein minderjähriger Per- brecher, getötet." und 3)rachenfagen lichkeit mit den jungen Parffer Drachen auf, worauf ich schon w meinem Buche„Äonrad Gesner, Leben und Werk' aufmerkjom ge- macht habe, mit dem Bemerken, Saß Sie„jungen Drachen' von Paris höchstwahrscheinlich fliegende Drachen von den Sundamseln gewesen seien. Eine gewisse Sorte Fachkritit hat mir diese„seuilletonfftffche Phantasie' sehr verübelt und außerdem noch beleidigt daraus hin- gewiesen, daß die wissenschastliche Biographie für jedermann ver- ständlich und also ungehörig sei. Nun seh« ich aber, Bölsche sagt dasselbe, und man wird es wohl als Taffache nehmen müssen. Immerhin aber, diese kleinen sonderbaren Eidechsen gerieten nur nachträglich in das Sagendrachiengewebe hinein, die Veranlassung zu diesem Gewebe muh aber doch wohl bei einem gefährlicheren Tier ruhen. Daß st« bei einem Tier ruht, dürft« auch klar sein, denn die „Unwetter und Blitzdrachen', mit denen reine Sagenforscher, die nicht Naturwissenschaftler sind, das ganze erklären wollen, sind ebenso ersichtlich später hineingeraten. Welches Tier nun aber? Teilweise die Riesenschlange, das hörten wir schon, dann auch ein bißchen Krokodil, aber es muß noch etwas fremdes fein. Viele haben an die ollen Saurier gedacht, die ja wirklich ent- setzlichste Sogendrachen waren, aber sie starben lange vor dem Auf- treten der Menschen aus. Auch wenn man annimmt, daß ver- schieden«, in besonders geschützten„Asylen'(etwa nach dem Muster des Romans Conan Doyle„Berlorenc Well', der solche Situation schildert) länger ausdauerten, reicht es noch nicht ganz zur voll- ständigen Erklärung. Es bestehen recht viele Vermutungen, daß es in Afrika noch ein unbekannte« Großreptil— einen Saurier, wenn man will— gibt. Schomburg erzähll davon, ebenso der Leller der deuffchen Litualo-Kongo-Expedition 1913/14, Freiherr von Stein Auch Bengt Berg hat solche Eingeborenenfabeln gehört. Aber diese Geschichten gehen nicht über enge Gebiete heraus, und sind eben mir Geschichten von einem bösen Reptil, nicht aber Sagen. Also wieder hervor mit der Vermutung von den echten atten Sauriern al» Fobelerzeugern! Steinmann, ein recht verdienstvoller Forscher, hat einmal so etwas wie eine Theorie entwickelt, noch der die Saurier gar nicht ausgestorben seien, sondern sich nur zu einem bestimmten Zeitabschnitt plötzlich verwandelt hätten, der Ichthyosaurus in den Delphin, die kängunchartigen Großechsen in die Straußvögel und ihre ausgestorbenen Verwandten, die riesigen Maas, dix großen Pflanzenfresser in die Elefanten und Flußpferd«. Nimmt man an, daß das stimmt(es ist unwahrscheinlich), dann führt das auch nicht näher an die Sage heran. Dann wären die Saurier zwar nicht ausgestorben gewesen, als der denkfähigs Mensch entstand, ober er hätte sie nur als Strauß«, Delphin« und Elefanten kennengelernt— und die haben keine Sagen geschaffen. Die anderen Versuche, den Menschen bis zu den allen Kreidezeitdrachen zurück- zudatieren, sind aber all« mißlungen, insofern nämlich, als jeder schließlich zugeben mußte, daß der„Mensch der Kreidezell' doch »och kein„Mensch" war, der Ueberlleferungen und Mythen schuf. Man käme also nicht weuer, wenn man nicht aus einem ganz anderen Erdteil einen Fingerzeig bekäme. Die Eingeborenen Austra- liens erzählen jetzt noch schlimme Geschichten von einem schweren Eidechsenungeheuer, das Menschen fraß. Man kennt diese Eidechse nicht, oder vielmehr nicht lebend. Wohl aber hat man in Schichten Queenslands, deren Enistehung man in das Ende der Eiszeit(wo es. schon jehr wirkliche und sehr viele Menschen gab) verlegt, Reste evner Eidechscnsoite von 10 Meter Länge gefunden! Der australisch« Drache ist damit sichergestellt, er gehört zoologisch sogar zu den Waranen, dem Echsengeschlecht, dem auch der berühmte vier Meter lange Komodoworan entstammt. Gerade diese Warane sind trotz I ihrer Größe unheimlich beweglich, angrifsslustig und gefährlich, sogar s die kleineren, häufigen Sorten, etwa von Meterlänge. Wissenschaftlich sickergcstellt ist, daß die Warane«in« in jeder Hinsicht gchr große Zell hinter sich haben, die nicht so weit rückwärts liegt, daß sie nicht mit der Mcnschenzeit noch zusammenfiel. Zwar hat man die R«ste von 10 Meter langen Bestien, wie in Australien. noch nicht überoll gefunden, trotzdem ist nach Indizien anzunehmen, daß es sie fast überall in der alten Well gab. Bölsche kommt zu dem Schluß, daß ausgestorben« Riesenwarane unbekannter Arten die weitverbrellete Drachensag« hervorgerufen haben, die sich dann später, als der Mensch die wohl nicht mehr häufigen Riesenwarane untergekriegt hatte, auf Riesenschlangen, Krokodile und schließlich mit dem Irrtum, es Handel« sich um Jung«, sogar auf den kleinen harmlosen Iavadrachen übertrug. Diese Ansicht ist so wahrscheinlich und brauchbar, daß man ruhig ouf sie schwören kann, vorläufig allerdings nur ouf die An ficht i wenn Knochenreste einmal entdeckt fein werden, wird man auch auf die Tötsacho schwören können. Veberempfindlichhen gegen Sifchgenuß Aus Kiel wird ein lehrreicher Fall bekannt, in dem es gelang, Erscheinungen hochgradiger Ueberempfindlichkeit durch planmäßige Behandlung zu beseitigen. Die Krank«, um die«s sich dabei handelt, war sell ihrer frühesten Jugend gegen den Genuß jeglichen Fisch- fleisches stark überempfindlich und bekam jedesmal, wenn si« auch nur in Spuren Fischfleisch zu sich nahm, quälende Hautentzündungen, Magen- und Darmbeschwerden usw. Um die Ueberempfindlichkeit festzustellen, wurde ein Fischfleischextrakt zubereitet, gekocht, mit der vierfachen Menge Wassers verdünnt und von der so verdünnten Flüssigkell Vim Kubikzentimeter unter die Haut eingespritzt. Auf die Einoerleibung dieser winzigen Menge antwortete die Kranke mit einem lebensgefährlichen Krankbeitsbilde, nämlich mit Zllemnot, Blaufärbung des Gesichts, Blutdrucksenkung und weiteren'so schweren Allgemeinerscheinungen, daß man an ihrem Aufkommen zweifelte. Sie erholte sich aber unter geeigneter Behandlung rasch wieder, und nun wurde mit der planmäßigen Unempfindlichmachung begonnen. Als geringst« Gab«, die keine Erscheinungen von Ueber- empfindlichkeit mehr hervorrief(als sogenannter„Schwellenwert'), erwies sich ein« Menge von 0,000 000 005 Gramm des oben er- wähnten Fischextraktes. Durch vorsichtig« Steigerung der regel- mäßigen Einspritzungen ließ sich erreichen, daß die Kranke nach drei Wochen bereits das TOOOOOfachc des Schwellenwertes vertrug. Die Einspritzungen wurden dann, langsam immer weiter ansteigend, fortgesetzt und gleichzeitig vorsichtig auch innerlich gering« und langsam zunehmend« Mengen von Fischfleisch gereicht. Nach weiteren sechs Wochen konnten 50 bis 100 Gramm Fijchfteisch also eine normale Mittagsportion verzehrt werden, ohne daß irgendwelche Heb er- empsindlichkellserscheinungen mehr auftraten. Die Kranke war also von ihrer Ueverempfindlichkell gegen Fisch geheilt worden. Weiflbrol und tftoggenbrol lleberblickt man unsere Ernährungsgewohnheiten, so kommt man zu dem merkwürdigen Ergebnis, daß unter den G�treidearten sell langem solch« bevorzugt werden, die einen oerhällnismäßiz geringen Fellgehall und demgemäß etwas geringeren Brennwert (kalorischen Wert) haben, nämlich Roggen und Weizen, und unter diesen beiden in steigendem Maße wiederum der Weizen,'und zröar in Gestalt des überaus fettarmen feinen Weizenmehls! Gleichzeitig ergibt stch die längst nicht genügend bekannte und beachtete Tatsache, daß der Mensch in dem Maße, in dem er das Roggenbrot durch Weizen, also Weißbrot ersetzt, weniger Mineralstoffe ausnimmt. Wenn man nun bei rein zahlenmäßigem Vergleich des Ausnutzunzs- Verhältnisses zwar findet, daß das feine Weizenmehl, somit dos Meißbrot, dem gröberen Roggenmehl und dem daraus hergestellten Schwarzbrot, ebenso dem aus gemischtem Mehl hergestellten' so- genannten Graubrot oder Feinbrot, etwas überlegen ist, so ist damit noch keineswegs bewiesen, daß der weitgehende oder gar voll- ständige Ersatz des gröberen Roggenbrots durch das aus seinem Weizenmehl hergestellte Weißbrot im ganzen gesundheittich fördernd ist! Wo die bei den Großstädtern heute vielfach wieder übliche Ernährung mll sehr schlackenarmer Kost im Berein mit der sitzenden Lebensweise so oft zu dauernder Stuhlträgheit und deren lästigen Begleiterscheinungen führt, sollte vielmehr von jung auf mehr Augenmerk auf eine natürliche Regelung der Darmtätigkeit gerichiet werden, wie sie sich bei einer paffend zusammengestellten, schlackenreicheren Kost gewöhnlich von selbst ergibt. Damll ist aber gesagt, daß die zunehmende Bevorzugung des Weizenbrotes und der aus feinstem Weizenmehl hergestellten, faßt schlackenfreien Backwaren von sehr zweifelhaftem Werte ist. Ein unbekanntes Bildnis Spinozas. Spinoza ist, trotzdem er in der Blütezeit der holländischen Malerei sicher Beziehungen zu Künstlern hatte, mir sehr selten dargestellt worden: die Königin vqn Hallaich besitzt ein Bichnis. das angeblich von dem Hauswirt des Philosophen, Hendrik van der Spyck, stammt, und ein anderes Gemälde hängt in der Bibliothek von Wolfenbüttel. Nun veröffentlicht I. Levy in Donaths.Kunstwanderer' eine signierte Arbeit des Malers Samuel van Hoogsttaaten und vermutet in dem Portrait das sich in dem Besitz eines Berliner Juristen befindet, ein Bildnis Spinozas. Ein Gelehrter in schwarzem niederländischen Mantel fft dargestellt mit weißem Leinenkragen und weißen Man- schetten. Das dunkle, auf die Schultern fallende Haar und der bräunliche Teint scheinen für portugiesisch-jüdische Abkunft zu spreche». Die hohe Stirn, das abgemagerte längliche Profil mit sichtbaren Leidenszügen(Spinoza war lungenleidend) entsprechen dem. was man von dem Philosophen weiß. Und bekannt ist, daß Hoogstraaten, der zu den Schülern Rembrandts zählte und gleich. zeitig mit Spinoza im Haag wohnte, sich mit den Gedankengängen des Philosophen beschäftigte. Er schrieb ein moralistisches Buch und hatte auch menschlich Berührungspunkte mit Spinoza. So spricht vieles dafür, daß er ihn in dem Portrait 1670 dargestellt hat. (Sin Reparationsskandal. Wie Arbeiter behandelt werden. ,i)M Repamtionsbau-Skandalen soll mm entlich auf geräumt ..erden! Wie mir hören, sind dank der Jnitiatwe der Gewerk- schaften bereits Ta ri f v« rh a nd l u n g e n anberaumt, die am kommenden Mittwoch beginnen. Nach dem Muster des Tarifver- träges für das Verdun-Gebiet in Südfrankreich wird zunächst sür das Gesamtgebiet der svanzSstschen Mosel-Kanalisation«in Tarif geschaffen werden. Der Houptwtderstand gegen den Abschtuh eines Tarifuertrvges geht vom Roichsverband industrieller Bauunternehmer aus. Die Scharfmacher werden sich jedoch damit abfinden müssen, daß auch für die deutschen Arbeiter bei den Reparationsbauten menschenwürdige Lohn- und Arbeits oer. höltmsse geschaffen werden; denn die Reparationsbau- Skandal« müssen aufhören, wenn Deutschland, in dessen Reichsregierung zur- zeit auch sozialistische Minister sitzen, vor dem Ausland Nicht btomert werden sollen. lieber die unerhörten Schikauen, denen die Reporoticms- bauarbeit er bei der Mosel-Kanalisienmg ausgesetzt sind, bringt der .Grundstein' in seiner nächsten Nmnrner(Nr. 29) neue be- achtensroerle Beleg«. Besonders schkimm ist es bei der choch- und Tiefbau-A.-G. vormals Friedrich Helfmann, die früher in Frankfurt am Mam ansöfsig war und jetzt in Zköln und Eisen zu Hause ist. Uebel Legen die Verhältnisse auch bei den Arbeiten der Frank- furter Firma PhitippHolzma»nu.Go. inLeHavr«. Di» Finna zahlt den bei ehr beschäftigte« Baggers rbeitern den Bremer- hooener Lichnsatz, wie er vor zwei Jahren sestgesetzt worden war, und 10 Proz. Auslandszulage, im Endessekt aber immer noch 6 Pf. weniger als in der Heimat gezahlt werden müßte. Auf die Beschwerde der Arbeiter antwortet« der Geschäftsführer/ sie könnten überhaupt kein« deutschen Tariflöhn« beanspruchen, da sie nicht«man deutschen Reichstarifoertrog unterstellt seien. Im übrigen hätten sie in Le Havr« die Möglichkeit, täglich IS Stunden zu arbeilen. Daß das auch dem französischen Gesetz widerspricht, kümmert die Firma Holzmann anlchemend sehr wemg. Sie riskiert es, mit der französischen Gewerbeaufsichb�ehörde in Konflikt zu kommen. Für Bauten in Mülhausen im Elsaß wurden von der Firma Züglin u. Co. Bauarbeiter gesucht. Sie bot für Fach- nrbeiter pro Stunde 0,75 und für Hilfsarbeiter 0,58 M. Der durch- schnittliche Wochenlohn für einen Facharbeiter würde also 36 und für einen Hilfsarbeiter 28 M betragen, wovon neben den Sozial- Versicherungsbeiträgen 14 M. in der Woche für Kost«nd Logis abgehen. Man kann sich ausrechnen, welche Riesenrücklagen dies« Saisonarbeiter für den Winter machen können. Eine hübsche Jllu- stration zu dem Kapitel: Saisonarbeiter und Arbeitslosenversicherung! Angesichts all dieser Dinge fragt man sich unwilltürlich, wieso es denn überhaupt zu den Reparationsskandalen kommen konnte und warum nicht rechtzeitig durch Tarifverträg« Sicherungen ge» schassen worden sind. Die Antwort lautet: Di« Suremikrotie des Reichsfinanzmini st erinms hat mit den Baufirmen Vertröge abgeschlossen, ohne vorher die Organisationen auch nur gehört zu haben. Mißachtung der Gewerkschaften durch die Dureaukratie gehört im Reichssmanzministermm ansthemend zur Tradition. Sie sst ja vor kurzem bei den Verhandlungen mit den Reichsarbeitern besonders deutlich zu spüren gewesen. Wen» die Firmen ihr« Verträge in der Tasche haben, dann ist«s natürlich recht schwierig sie zur Bewilligung anständiger Lohn- und Arbeits- bedingungen zu bewegen. Wir stehen erst im Ansang der Reparationsbauarbeiten in Frankreich. Roch eine gange Reche solcher Arbeiten sollen durch- geführt werden. So sind z. B. noch große Baggerarbeiten vorgesehen und, wie verlautet, auch der Bau eines Kanals Lille— Süttich. EssstalsanocheineMengeArbeitzuvergeben. Noch den Erfahrungen, die bis jetzt die Arbeiterschaft bei den Repa- rationsbauarbeiten gemacht hat. müssen es sich d!« verantwortlühen Stellen zum Grundsatz machen, daß nur dl« Firmen, die willen» sind, Tarifverträge mit den Gewerkschaften abzuschließen und anständige Lohn- und Arbeitsbedingungen zu bewilligen, Repara- tionsausträge erhalten. Kommunistische Gireiksührung. Zn Theorie und Praxis. Suhl, 17. Juli.(Eigenbericht.) In Suhl streiken die Metallarbeiter seit zwei Wochen. Jetzt ist dieser Streik.abgewürgt' worden. Aber nicht durch die dreimal verruchten Reformisten. Denn m Suhl herrschen bei den Metallarbeitern immer noch die waschechten Kvmmunsten, die ihren Mantel nach dem Wind« hängen, der gerade au» Moskau weht. Beide Geschäftsführer der Ortsverwaltung de» Deutschen Metall- arbeiterverbande» sind Kommunisten, die im Berein mit ihren kom- muntstischen Kollegen es von vornherein darauf abgesehen hatten. den Streik durch die staatlichen Schlichtungsinstanzen abzuwürgen'. Der Gipfel sst aber, daß der Schiedsspruch des Schlich- tungsausschusses, der ahn« jede Verbesserung, ohne jede Lohn- «chöhung den bisher gültige» Tarif bis zum 30. Januar 1930 oer- längert. mit de» Stimmen der kommunistischen Bei» sitz er des Schllchtungsausschusses gefällt wurde! Wenn.refor- mistssche' Gewerkschaftsvertreter jemals eine solche Haltung eingenommen hätten-- sofern man hier überhaupt noch von Haltung sprechen kann— würden sie mit Recht scharf kritisiert worden sein. Gar nicht zu reden von den Anpöbelungen durch die KPD. und ihr« Papageien. Aber von de» kommunistische» Streitabwürgern von Suhl wird die.revolutionär« Opposition' kein Wort oerlauten lassen. Handelt es sich doch hier um die vielgepriesene kommunistische Strerkführung. Llrabstimmung der Geldschrankbranche. Lieber den Streik der Angestellten. Am Mittwoch beschloß die von den drei AsSl-Derbänden, Bund der technischen Angestellten und Beamten, Deutscher Wertmeister-Berband und Zentralver- band der Angestellten einberufene Versammlung einstimmig. ein« Urabstimmung in den Betrieben über einen Streik zur Durchsetzung der vom Schutzverbond der Geldschrantsahriken und Bauschlossereien abgelehnten Sehaltssorderungen zu veranstalten. Der Referent, Lange vom AdA. wies nochmals wie in der kürzlich oorangegangenen Versammlung auf die elenden Gehaltssätze hin, die seit dem 1. April 1928 Geltung hatten. Nur der angestellten- schädlichen Handlungswess« de» DHD. und des GdA.. die den Kün- digungstermin versäumten, ist«, zu danken, daß die Unternehmer. die die Kündigung längst erwarteten, die Angestellten derartig brüskieren konnten, alle Verhandlungen abzulehnen. Der Schlich- tungsausschuß lehnte wegen der Haltung der bürgerlichen Verbände die Fällung eines Schiedsspruches ab, empfahl aber dem Unter- nehmeroertreter, bis zum Mittwoch ein neue» Verhandlungsangebot zu machen. Der Unternehmersynditus hielt aber dergleichen nicht für nötig und erklärte erst am Tag« de» Stattfinden» der Branchen- Versammlung, man könne ja am 23. Juli, also fast eine voll« Woche später, oerhandeln. Allgemein« Uebereinsdimmung herrscht« darüber, daß dem großspurigen Herrn mitgeteilt werden müsse, Verhandlungen tämen nur zu einem früheren Termin in Frage. Ohne Rücksicht auf da» nach allem Vorangegangenen wahr- scheinlich negative Berhandlungsergebnis wird ab«; zur Urabstimmung über den Streik geschritten werden. Den Beginn des Streik» wird die Taviskommifsion festsetzen. Die anwesenden Verbandsvertreter teilten für all« drei beteiligten Verbände mit. daß dies« die Streiksanktion bereit» gegeben hätten. Im Schlußwort wie» Lange darauf hin, daß es gelt«, die alle Vortämpsertradition der Beamten für all« Berufszweig« der Angestellt enschasi zu erneuern, und rief zu geschlossenem und kÄzipli- niertem Zusammenstehen auf. Einigung im Röhreuhandel. Erhöhung des Grundlohnes um 5 Mark pro Woche. Der beinahe unvermeidlich scheinende Arbeitskonflikt im Röhrenhandel sst noch in letzter Stunde durch einen Vergleichs« Vorschlag des Vorsitzenden des Schlichtungsausschusses, de« die Unternehmer znr Vermittlung angerufen hatten, abgewendet worden. Nach mehrstündigen Derhonolungen am Dienstag vor dem Schlichtungsausfchuß machte Gewerberat Körner den Vorschlag, den Grundlohn der Hof- und Transportarbeiter ab 1. Juli um 3 M. und die Löhn« der übrigen Arbeiter um 2 M. pro Woche zu erhöhen. Den Arbeitern, die bereit» vor dem 1. Juli im Betriebe tätig waren, sollen weiterhin die sozialen Zulagen(Frauen- und Kinderzuschläge) gewährt werden. Die Unternehmer hatten bei den direkten Verhandlungen nur eine Erhöhung de» Grundlohnes um 2 M. pro Woche angeboten, gleichzeitig aber den Abbau der sozialen Zuschläge gefordert, was von den Arbeitern des Röhrenhandels abgelehnt wurde. Die Lohn- kommisfion, die durch Vertrauensleute aus den größten Betrieben erweitert worden war, und von den Arbeitern die Vollmacht hatte, eine bindende Abmachung zu treffen, stimmte diesem vergleich»- Vorschlag einmütig zu. Die Unternehmer hoben Ihn gleichfall» sofort vor dem Schfichtungsausschuß angenommen. Da« Abkommen gilt bis zum 30. September 1930. Die Handseher werben. Nachdem der Lerbandstag der Buchdrucker in Frauksurt 0. M. einstimmig die offizielle Bildung einer Handsetzer- spart« innerhalb des Verbandes beschlassen hatte, erfolgt« in Heidelberg die Konstituierung der Sparte. Zum Vorsitzenden wurde Fiedler- Berlin gewählt. Als Auftakt zu der nun allgemein zu entfaltenden Sparten- arbeit hiell die Berliner Handsetzervereinigung am Sonntag ihre erste Wanderversammlung in Eberswalde ab. Die Ber- liner Handsetzer beteiligten sich mit ihren Angehörigen sehr zahl- reich an der Veranstaltung: vertreten waren auch der Berliner Gau- vorstand und de? Verbandsvorstand. In der Versammlung im.Neuen Stadttheater' in Eberswalde referiert« der Zentralkominijsionsoorsitzende Fiedler über:.Ver- bandstog und Handsetzersparte'. Er führte aus, daß die Handsetzer von der fortschreitenden technischen Entwicklung und von der R a- tionolisierung im Buchdruckgewerbe am meisten be- trossen sind. Heute sei die Zahl der Handsetzer bereits auf etwas mehr als 50 Proz. aller Berufsangehörigen zusammengcjchniolzeii. Auch auf lohnpolitischem Gebiet sind die Handsetzer dadurch stark in» Hintertreffen geraten. Um der Arbeit der Handsetzer wieder die notwendige Wertung angedeihen zu lassen, sei ein fester Z u- sammenschluß aller Handsetzer dringend erforderlick Di« Handsetzer seien in erster Linie Mitglieder des Verbandes, dem sie gemeinsam dienen. Erst in zweiter Linie betätigen sie sicki fit- ihre besonderen Berufsinteressen. Sie wollen auch als Sparte in enger Zusammenarbeit mit den übrigen Sparten für den Fortschritt der Buchdrucker wirken. Der Bortrag fand allgemeine Zustimmung. Gemeinsame Ausflüge mtt den Eberswalder Buchdruckern in die Umgebung des Ortes trugen wesentlich zur Stärkung des SolidaritStsgefiststs bei. Bausperre für parkettbodenleger. Der Bau der Firma Schropsdors. Steglitz, Borstel., Ecke Albrechtstraße, sst für Parkettbodenleger gesperrt. Der Zwischen- messter Schlesinger hat die dort beschäftigten Arbeiter ohne Nachweis eingestellt«nd erfüllt nicht die tariflichen Lohnbedingungen. Deutscher Holzarb eiter-Berband. Verwaltung Berlin. Schiedsspruch für technische Angestellte. Essen, 17. Juki. Hier wurde heute unter dem Vorsitz des Schlichters von der Schlichterkammer ein Schiedsspruch gefällt, nach dem die Gehälter aller technischen Angestellten des Ruhrbergbaues um 2 Praz. erhöht werden. Der Vertrag läuft bis zum 30.«September 1930. In dem Lohnstreit der kausmännischen Angestellten des Ruhrberg- bau«» finden morgen vormittag Verhandlungen der Parteien statt. rbe Der Mantelvertrag für die Holzindustrie und das sst im Fresstaat Sachsen durch einen Spruch des S.. ausschusses als rechtsverbindlich für dl« sächsische Tischlerinnung erklärt worden. Damit sst der Konflikt zwsschen ausschusse» anzuerkennen. Die Zahl der Arbeitslosen iu England hat sich laut Ausweis vom 8. Juli auf 1144200 erhöht, ist also gegen die Vorwoche um 1US gestiegen, dagegen um 96 233 gegen die gleiche Zeit des vergangenen Jahres zurückgegangen. Zn Ml« ist der Stand der unterstützt»» Arbeitslosen in der ersten Hälfte des Monats Juli mit 54616 ziemlich unser- ändert geblieben. Der Stand ist wn 6184 niedriger als im Vorjahre._ «Berlin t SiütnS l»d»«-eichte»»»«- Suarniiets paulltUabe. Rädel» ttiat was ibr kön-tl— MBeManu«) ---------- schule,©ottnbuta« Strub». SSns-SBrab.— B4_____ Iuaenddei» OberichSuewride, Lautener Str. 2 ködere» dinterr» ftfanut) Sicht. btlbernorna«;.Die ffSZ. in Wort und»Hb".— ftfcwiUi®n»ri*nbeii*. ZusemdKeim, StSnanti Str. S. Sviel. irab Liederabend— Reedit: Stildt. 6vrtse»nn- be»„OTSte i«.— SflWgn; Srnrvenheim Reichen �ndbeiw Ledrier Str. IS— Ift, W> «rbeiterbenesu»,— Kurl%grt«*. '.Mit 9» betnet Str. 66 igenerwebrbau»). Mit Walter sseiae durä.....__________> — Xtanelbcf; Drunvenhei«. Cnieum Germania tzr. 4—6. Dortraa:.Wandern tintt«Nd letzt".—«wdtaa-«läbl. Nnaentcheim Ortdftt. 10.»ort««:.Iua-nb lchu» und Ina« ndrecht".—«rei» vberwree- Der Svielabend de. Streif«- fällt aus. Wir beteiliqen un» am Llchtdildervortea«:.Au» dem Leben der fVGS.". ~"" lim ObetfiftBnemelb«. Lanfener Str.»,— Air'"" ,____________ eichen. durch den»erNner Humor. 4—6. Dortraa:.Wandern iWS.*. .18 läe: HermaNo. Rordriua!»lad v Z auf dem Svortulad Stantianstratze.— platz- Meine Wies». D olkspart Hokenbeide. � Zuaendpruppe des?entralverband«s der Anaeffellten Heute. Don «Hbenb»��» ÄniMnonjajfiT. 00 Dollotaniabend. rintzeniimmerl. Heiterer Abend. veranNoortllch w- Politik! Dr. Gurt Geyer, Wirtschaft:». fUia,«ft»fer: Serlaaoaniiolt Paul Singet u. To.. Berlin 648 68, Linden ftratze 8 Hier»» 1 Bello«, and.Uateedeltuo« und viffen». Bon jadrelonaen. qualvollen Leiden wurde mein« liede Frau und herjeno. guten Mutter Frieda Lohse geb. Hlael am Ii. ZuU durch den Aod erldfd Dies zeigen tiefbetrübt an Panl md Todblv« Bln..Matieudorf, ben 18. Juli Gwtzfcherung am Freitag, dem lS, Zuii. nachm. 6 Uhr. im Nremnl»rrtchtttratze tatetoWÜZfMWfftaS Veruialtungsmltgliederl Arn Freitag, dem II. Juli dar»iittaran ort» Sitzung lltung. Nie Ortrrerwnliung. Theater, Lichtspiele usw. • Uhr Barb.»BS« Borrali Ulneriiieh't Bl amarlkanisohe Vagabunden usw. Ttql.» u.»» somlj.s««» Al«x. 8064 INTERNAT. VARIETE Donnerst, 18. 7. Staab-Opir Unter d. Linden IL4L 16 19% Uhr Staiis-Oper Am PULRepubl. A.-V. ts 19 Neabclten »•■•••••••■••»ssseee Sem mer-Qarten-Theatar Berliner Freier N 58, Kast-Aliae 7-0, Tel. hb. 2246 Euitglgi Bastei keei. cietti Ullen ZarewlisctK Operette von Prani Lehär Dan der grob« VarietitelL Anfang Konzert 4.80. Burleske u. Variete B 0dl. OpgreliB 8.30. jeden nonnerstao oroBer Veitzsisg. jed. Mlttw. Xinderliit n. Vetiasaas eeeeeeeeeeoeeeeeeeeee Reifhshallea-Tlicater [T] unr. Gastspiel der deliedtev Dresdner VIRtorla-sanger Neuer(üinrender Programm! �Blllettbesiell. Zentr. 1)263 I.Aug.: Wiederaufirettn /QaS der Stettlntr Sänecr l ! Oönhoff- Bretti Varicit: Tans Netropoi-TD. Tigt r/4 Uhr Sonntags 3"i u- 8V< Blaobarf Operette von Olltnbaeh Kammersänger Waller Klrtbhtzfl TknLaB Kein, rar Kottbusser Str. 6 f. MoritzpL 160 77 t TRtzi. bis 31. Juii TägLSUhr Gastspiel M alt Dmm'Ir Benin dllli neuen Prerremm Plandarliun •mm* mm ZOO w Mn. Indinrtlaler Unk B. 5 Barbarossa 5578. t6Vi Uhr ttamklldei dea Samaian 18", Uhr Bar BtattaM dar Sanas 20V, U.» Pal tu Rai am StaraeatilmiMl Tä(f!. außer Montan? u. Mittw. Erwachs. 1 Mk.. Kinder 50 Pt Mittw.: Erwachsene 50 Pt, Kinder 23 Pfj Datoesschau mv afiusstsHim? Bresdent929 ÜMfll flUi-Oktoliöi