BERLIN Donnerstag 18. Znli 1929 10 Pf. Nr. 332 B 165 46. Jahrgang. ersSetnttSglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.DorwSrlS'. Bezugsrrci» beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. 3,60 lOl. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWos.Lindenstr.S a i e i g e n« r« i«. Die einspaltige Nonparelleteil« «0 Pf.. Reklami»eile S M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkoato: Vorwärts-Verlag G. m.b.H., Berlin Nr. 37S36. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis'297 Sowjetunion bricht mit China. Moskau stellt den chinefifchen Vertretern die Pässe zu. Moskau. 18. Juli. Die Antwort der Sowjetregierung auf die chinesische Rote erklärt, die Sowjetregierung halte die Antwort der chinesischen Regierung ihrem Inhalt nach für unbe» sriedigend und ihrem Ton nach für heuchlerisch. Die Sowjetregierung stellt fest, daß bereits alle Mittel zur Regelung der von de» chinesische« Behörden hervor» gerufenen und durch die Rote der chinesischen Regierung vom 17. Juli verschärften Streitfrage« und Konflikte wegen der Ostchinabahn aus dem Wege der Verständigung erschöpft seien. Deshalb sehe sich die Sowjetregierung gezwungen, folgende Maßnahme« zu treffen, wobei sie die gesamte Verantwortung für die Folge« der chinesi» schen Regierung auferlege: 1. Sämtliche diplomatischen, Konsular- und Handels» Vertreter der Sowjetunion in China abzuberufen; 2 sämtliche von der Sowjetregierung an der Ostchina- bahn ernannten Personen abzuberufen; Z. jegliche Eisenbahnverbindung zwischen China und der Sowjetunion einzustellen; 4. die diplomatischen und konsularischen Vertreter Chinas aufzufordern, die Sowjetunion unverzüglich zu Verlasien. Gleichzeitig erklärt die Sowjetregiernug. daß sie sich sämtliche aus dem Pekinger und Mukdener Vertrag von 4324 hervorgehenden Rechte vorbehält. � Zur Begründung dieser Maßnahmen heißt es in der Note: Im Wunsche, die durch die chinesischen Behörden verletzte recht- Bche Basis der Beziehungen zwischen der Sowjetunion und China wiederherzustellen, hat die Sowjetregierung Ihrer ersten Note drei als das Minimum des Notwendigen zu bezeichnende und durch- aus gemäßigte Vorschläge gemacht. Die chinesische Regierung hat diese Vorschläge in vollem Umfang abgelehnt. Anstatt die Wieder- Herstellung der Abmachungen von Peking und Mulden zu bringen, kanltioniert die chinesische Note die einseitige Aufhebung dieser Abmachungen und zerstört dadurch die Möglichkeit normaler Beziehungen zwischen beiden Staaten. Anstatt der Aufhebung der von dem Tupan gegen die Ostchinabahn getroffenen ungesetzlichen Maßnahmen sanktioniert die chinesische Note diese Maßnahmen und billigt somit die Besetzung der oft- chinesischen Bahn. Ebenso sanktioniert die Note der chinesischen Regierung die unrechtmäßigen Repressalien gegen Sowjetbürger und Sowjetinstitutionen und sucht sie in heuchlerischer Weise durch einen den Tatsachen nicht entsprechenden Hinweis auf angebliche Massen- repressalien gegen chinesische Staatsbürger in der Sowjetunion zu rechtfertigen, obgleich es wohlbekannt ist, daß in der Sowjetunion Zwangsmaßregeln lediglich gegen eine oerschwindend kleine Gruppe von Spionen, Opiumhändlern, Schmugglern, Spelunken- besitzen: und sonstigen kriminaloerbrecherischen Elementen unter den chinesischen Bürgern angewendet werden. Die chinesische Note übergeht die Frage der unverzüglichen Einberufung einer Konferenz, weist damit den dahingehenden Vorschlag der Sowjet- union zurück und zerstört somit die Möglichkeit einer Regelung des Konfliktes durch eine Verständigung der Parteien. Wenn die Note der chinesischen Regierung russische Propaganda als Ursache der unrechtmäßigen Schritte der chinesischen Behörden bezeichnet, so ist das erlogen und heuchlerisch, denn die chinesischen Behörden verfügen über hinreichende Mittel, um eine derartige Tätigkeit nicht zuzulassen und ihre Einstellung zu erzwingen, wenn sie wirklich vorhanden wäre, ohne sich del; Ostchina-Boh» zu b«. mächtigen und die zwischen China und der Sowjetunion bestehenden vertraglichen Beziehungen abzubrechen. Die wirklichen Hinter- gründe des gewaltsamen Vorgehens an der Ostchina-Bahn er- hellen besonders aus einer in der Presse veröffentlichten offiziellen Erklärung Tfchiangkaischeks. « Der Abbruch der diplömatischen Beziehungen mit China durch die Moskauer Regierung stellt die letzte Etappe vor dem Ausbruch des Krieges dar. Aber es bedeutet noch nicht den Krieg selbst. Mehrfach sind schon diplomatische Be- Ziehungen jahrelang abgebrochen gewesen, ohne daß es des- halb zum offenen Krieg gekommen ist. So sind die diplo- rnatischen Beziehungen zwischen London und Moskau seit vier Jahren unterbrochen, ohne daß eine einzige kriegerische Handlung zwischen den beiden Mächten stattfand. Ebenso bestehen fest mehr als einem Jahrzehnt zwischen Amerika Steuerdebatte. s i „Lastenverteilung?- So'n Quatsch! Ick muß meinen Bauch och alleene tragen!" und der Sowjetunion keine diplomatischen Beziehungen: trotzdem ist auch hier der Friede erhalten geblieben. Bis jetzt hat die Sowjetregierung auf die Bahnbeschlag- nähme durch die chinesische Nationalreglerung nur mit p o l i t i sch e n Maßnahmen geantwortet. Ob sie sich unter dem Druck der inneren Kriegshetze entschließen wird, zu kriegerischen Maßnahmen zu greifen, steht noch dahin. Sympathien fände sie damit bei den Imperialisten anderer Länder, die mit Sorge das Vorgehen Chinas verfolgen, weil sie darin den Anfang des Abbaues ihrer eigenen Vorrechte auf chinesischem Boden erblicken. Die Sowjetunion hat jedoch im Augenblick die für sie unbefriedigende Antwort Chinas nicht mit der Kriegserklärung, sondern nur mit dem Abbruch der Beziehungen beantwortet. Das deutet darauf hin, daß zurzeit bei ihr die Einsicht vorherrscht, daß sie ihre imperialistischen Vorrechte in China doch auf die Dauer nicht aufrechterhalten kann. Einstellung des Eisenbahnverkehrs China-Europa. � T o k i o. 1«. 3u(L Der posizug aus Lharbin konnte keinen Anschloß an den russischen Zug in INanschuli erhalten. Aus diesem Umstand wird ge- schlössen, daß der verkehr nach Europa eingesteltt ist. Die chinesischen Behörden beschlagnahmten das verkehrsburean der chinesischen Oslbahn in TRukden und sehten den russischen Direktor ab. Der verkauf von transsibirischen Eisenbahnbilletts ist vom Tokioler Reisebureau eingestellt worden. Ehina rechtfertigt die Rahnbesehung. Kowno, 18. Juli. Meldungen aus Moskau zpjvlge hat der chinesische Geschäftsträger m Moskau am Mttwoch vor dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen dem stellvertretenden Außenkommissar Karechan die Antwortnote der Nonkingregierung auf das Ultimatum übermittelt. In der Note wird darauf hingewiesen, daß die diplomatischen Beziehungen seit dem Abschluß des chinesisch- russischen Abkommens im Jahre 1924 sich wesentlich gebessert hätten. In der letzten Zeil Hab« die chinesisch« Regierung dagegen eine organisierte Propaganda zur Verhetzung des chinesischen Volkes gegen die Regierung festgestellt. Aus diesem Grunde sei die Haussuchung im sowsetrussischen Konsulat in Charbin vorgenommen worden. Die chinesische Regierung habe mehrfach Berichte darüber erhalten, daß der sowjetrussische Leiter der oft- chinesischen Eisenbahn und seine Mitorbciier das Abkommen über die gemeinsame Verwaltung der Bahn nicht eingehalten hätten. Darauf seien die chinesischen Maßnahmen zurückzuführen. Die Verantwortung für die Nichteinhaltung des Abkommen» siege somit auf der sowjetrussischen Seile. Außerdem seien nicht weniger als 1000 Chinesen in Rußland grundlos von der GPU. ver» haftet worden, während die chinesische Regierung russischen Kauf- leuten in China größtes Entgegenkommen erweise. Die chinesische Regierung verlange die Freilassung der verhafteten chinesischen Staatsbürger und werde die gleichen Mahnahmen in bezug auf die Angestellten der ostchmesischen Eisenbahn ergreifen, falls ihre Forderungen erfüllt werden. Amerika wegen Chinas Erfolg besorgt' Es fürchtet für die eigenen Vorrechte. London, 18. Juli. Der stets gut unterrichtete Washingtoner Korrespondent der „Times" meldet: Zu einer Zeit, wo die Ereignisie im Fernen Osten das Staatsdepartement mit Sorge zu erfüllen beginnen, wird bekannt, daß die japanische Regierung im Begriffe ist, aus dem amerikanischen Markt«ine Anleihe für die südinandjchurische Eisen- bahn zu suchen. Die Verhandlungen werden hier von Baron Okura geführt werden. Es läßt sich natürlich noch nicht voraussagen, welches Ereignis sie haben werden. Sollte dos Staatsdepartement der Emission einer solchen Anleihe nicht freundlich gegenüberstehen, dann würden die Gründe ausschließlich politischer Art sein. Es wird in sehr vorsichtiger Form angedeutet, daß keine Neigung besteht, neue große amerikanische Interessen in einem Gebiete ent- stehen zu sehen, dessen Status möglicherweise später einmal streitig sein wird, zuinal die Bereinigten Staaten bereits genug Interessen zu verteidigen haben. Die Bericht« aus Peking, denen zufolge die Natlonalregierung bald den Versuch machen wird, sich der auständi- schen Konzcssionen und Dcrtragsrcchte zu entledigen, werden sehr aufmerksam verfolgt. Auf dem Weg zu diesem Ziele würde der nächste Schritt die Forderung nach Aufgab- des Gesandt- schaftsviertcls in Peking sein. So war es selbstverständlich, haß die Beschlagnahme der chinesischen Ostbnhn durch die chinesi- schen Behörden in Washington als der Anfang des nationalen Feldzugs China« gegen alle ausländischen Rechte und Vorrechte ousgesaßk wird. Es ist vielleicht natürlich, daß man hier eher Rußland als China günstig gesinnt ist. Im übrigen glaubt vorläufig nie- mand, daß es zu wirklichen Feindseligkeiten zwischen China und Rußland kommen wird, denn es wird angenommen, daß China sich nur soweit vorwagen wird, als es notwendig ist, um eine A b- änderung des Abkommens von 1924 zu erreichen. Aber ebenso wünscht niemand hierbei China«inen Erfolg, denn das würde es zur weiteren Anwendung der gleichen Methoden, ermutigen. und die Folgen würden für die Bereinigten Staaten ebenso unan- genehm sein ujie für ander«. Kein Geld zum Kriegführen da. London, 18. Juli. „Financial News" sagt, der chinesisch- russische Streit scheine bisher die Eity nicht besonders beunruhigt zu haben, da ganz abge- sehen von allen anderen Erwägungen, die beiden Gegner schon ans finanziellen Gründen keinen Krieg führen könnten. Sorge vor dem offenen Kriegsausbruch. Moskau. 18. Juli.(Oft-Expreß.V Di« Sowjetregierung ist aus ihrer abwartenden Halfung her- ausgetreten und hat den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit China verkündet. Die Maßnahmen, die die Sowjetunion gegen China nunmehr getroffen hat, werden in den politischen Kreisen als die notwendige» Gegenzüge gegen ine von China in der Mandschurei unternommenen Gewaltakte und Rechtsverletzungen angesehen. Nach der in Moskau als völlig ungenügend beurteilten Antwort Chinas hätte ein« weitere Aufrechterhaltung der diplo- matischen Beziehungen mit dem Prestige der Sowietunion nicht mehr in Einklang gebracht werden können. Das Bekanntwerden des Bruches hat den Kundgebungen der Massen einen neue» Aufschwung gegeben, doch wird auch jetzt in den Entschließungen der Meetings betont, daß die Bevölkerung der Sowjetunion zwar den festen Willen hat, feindlich« Angriffs abzuwehren, daß aber die volle Verantwortung für einen Kriegsausbruch auf China fallen würde.„Im Fall eines Krieges", so heißt es in einer Resolution der Rostower Arbeiterschaft,„werden, wir olle ohne Zögern in die Rote Annee eintreten." In dieser wie in anderen Entschli.'Hungen wird aber zugleich betont, daß das Proletariat keinen Krieg wall«. Kommunisten im Gpitzelsumpf. Haussuchungen und Verhaftungen in Paris Varl». IS. Zull.(Eigenbericht.) Die pariser Polizei hat anläßlich der Drohungen der Moskauer Znlernationale, am t. August neue Ausslände zu inszenieren, bereits einen energischen Kreuzzug gegen die sranzösischen Kommunisten ein- geleitet. Haussuchungen in der„humonitä". in der„Avant. Garde", In den kommunistischen Zugendverbänden, bei der Arbeiter- bonk und anderen kommunistischen Vereinigungen wurden am Milt- woch abend vorgenommen. Aünf Personen wurden verhastet. Es sollen ungeheure Mengen belastendes Material beschlagnahmt worden sein. Die Polizei behauptet, einer neuen umfassenden Spionage- Organisation der Kommunistischen Partei aus die Spur gekommen zu sein. Die Kommunisten hätten sich nicht nur im Besih von geheimen militärischen Denkschriften, sondern auch von Photographien der neuesten Mafsenmodelle befunden. Die haussuchun- gen und Verhaftungen sollen heute fortgesetzt werden. Während die große Znsormationspresse sich nach Kräften bemüht. den sriedlichen Vürgern In Frankreich einen neuen Kommuniften- schreck einzujagen, erklären einige Oppositionsblälter, daß es sich um nichts handle als um eine polizeimache, denn die Hauptbelastungsdokumente seien den Kommunisten von Polizeispiheln in die Hände gespielt worden. Frankreichs Zollkampf mit Amerika. Wegen der Feststellung des Ausfuhrwertes. Washington, 18. Juli. Das Staatsdepartement hat in der Frage der Bewertung von sranzösischen Importwaren eine Note an den Quai d'Orsay gesandt, deren Inhalt bekanntgegeben werden wird, sobald die französische Regierung sie erhalten hat. Bekanntlich bestehen seit längerer Zeit Differenzen zwischen beiden Regierungen über die F e st st c l l u n g des Zollwertes. Frankreich wehrte sich gegen die Kontrolle der Bücher seiner Fabrikanten durch amerikanische Zoll- a g e n t e ii und verlangte im Januar 1928, daß die Zollbehörde sich mit Bescheinigungen französischer Rotare über den Herstellungspreis und den inländischen Verkaufspreis französischer Parfüms usw. begnügen solle. Dies wurde aber im November 1928 von den Vereinigten Staaten als dem hiesigen Zollgesetz zu- widerlaufend abgelohnt. In vielen Füllen legt seitdem die Zoll» behörde den amerikanischen Wert dieser französischen Waren zugrunde, wodurch die französische Ausfuhr außerordentlich geschädigt wurde. In etwas modifizierter Form unterbreitete die französische Regierung am k. März d. I. nochmals ihren Vorschlag, in dem sie verlangte, daß die obigen Zertifikate wenigstens teilweise als Grundlage für die Zollberechnung benutzt würden, hierauf hat die Regierung der Vereinigten Staaten nunmehr geantwortet, und zwar, wie der Staatssekretär auf eine Anfrage gestern erklärt, in versöhn- licher Form mit dem Bestreben, den Weg zur Beilegung dieses Streites zu finden. pilsitdskis Glückszahl 13. Oer Untergang des polnischen Ozeanfluozeugs. Warschau, 18. Juli. Zwischen den Blättern der Regierimg und der Opposition wird eine erbitterte Polemik über die Gründe geführt, die zum tragischen Ende des polnischen Ozeanfluges führten. Die Oppositionsblätter behaupten, die Katastrophe sei vor allem dar- auf zurückzuführen, daß die meteorologischen Berichte nicht genügend in Betracht gezogen wurden, und daß die Flieger durchaus am 13. hätten starten müssen, weil 1? die Glücks zahl P i I s u d s k j s sei. Daß alles auf die Zahl 13 abgestellt war, be- weise vor allem ein Telegramm des Pariser polnischen Militärattaches, in dein es wörtlich heißt:„Melde den Ab- flug des Flugzeuges„Marschall Pilsudsti" h e u t e d e n 1 3., 13 Mi- nuten vor S Uhr, mit Besatzung Major Jdzikowski und Major Kubala in Richtung New Park". Lainzer Krauenmord aufgeklärt? Ein Verdächtiger in Berlin verhastet. „DoX" über Friedrichshafen. Weitere erfolgreiche Probeflüge. Friedrichshafen. 18. Juli. Das Tornier-Riefenflugfchiff„To. X". in das am Mittwoch vormittag neue Meßinstrumente einge- baut wurden, führte längere Flüge aus, und zwar bis zu halbstündiger Tauer, wobei es auch gegen 4 Uhr nach- mittags Friedrichshafen überflog. Das Flugschiff war mit etwa 30 Personen beseht und führte erstmalig l«äste an«ord. Auch Dr. T o r n i e r beteiligte fich an den Flügen. Das Flugschiff erreichte mitunter eine Höhe bis.zu 000 Metern. Oer Oornier-Wal in Island gelandet. Reykjavik lJslandj, 18. Juli. Das Tornier-Wal-Flugzeug ist hier gestern um 8,33 Uhr abends glücklich gelandet. Zur besonderen Würdigung dieser ausgezeichneten Leistung einer Schulmaschine muß darauf hingewiesen werden, daß es sich bei dem Flugboot um einen Veteranen derLuft handelt, der schon ein wechselvolles Schicksal erlitten hat. Die Maschine, die jetzt die Zu- lassungsnummer D 14 22 trägt, ist nämlich der alte Dornier-Wal N 25, mit dem Amundfen im Frühjahr 1925 den Versuch unter- nommen hatte, den N o r d po l auf dem Luftwege zu erreichen. Be- kanntlich konnten die Expeditionsmitgliedcr mit diesem Wal trotz schwierigster Eisoerhältntsse wieder von Spitzbergen zum R ü ck f l u g »ach Norwegen starten. Später wurde die Maschine in Friedrichshafen neu überholt und dann dem englischen Flieger Caplain Courtney zu seinem O z e a n f l u g zur Verfügung gestellt, » der aber, wie erinnerlich, hinter den Azoren auf dem offenen Meere endete, ohne daß die Maschine irgendwelchen Schaden nahm. Nach einiger Zeit wurde sie dann wieder von England nach Friedrichs- Hafen auf dem Lustwege übergeführt und von hier aus nach dem Einbau neuer Motoren an die Deutsche V e r k e h r s f l i e g« r- schule abgeliesert, wo dieser schon historische Dornier-Wal, wie jetzt der Island-Flug wieder zeigt, noch immer zuverlässige Dienste leistet. Der Reichsbund der deutschen Zungdemokraten erläßt aus Anlaß des"hnten Jahrestages des Kriegsausbruches einen„Ausruf an die radikale Jugend Europas", in dem er zu einem Kongreß der euro- {mischen Jugend einladet. Der Kongreß soll vom 13. bis 17. No- vemder in Berlin stattfinden und sich mit der„Situation der euro- püischen Demokratie" beschäftigen. 3m 3uli vergangenen Jahres berichteten wir über den gräßlichen Jrauenmord im Lainzer Tiergarten in Wien. Da die Tote zunächst unbekannt war. blieben die Nachforschungen der f wiener Polizeibehörden ohne Erfolg, und fast schien e», al, sollte das verbrechen u n g e f ü h n t bleiben. Die Polizei sehte im stillen ihre Ermittelungen ober fort, und gestern abend wurde unter dem dringenden verdacht der Täterschaft der ZSjährige wiener kauf. mann Gustav Bauer in einem Hotel der Friedrichstadl aus Ersuchen der wiener Kriminalpolizei v e r h a s t e t. Am 22. Juli 1928, fast genau vor 12 Monaten, wurde im Lain- zer Tiergarten in Wien eine etwa 25- bis Zlljährige Frau e r- mordet aufgefunden. Sie war durch mehrere Schüsse ge» tötet worden. Der Mörder, dessen Waffe eine Pistole Kaliber 6,35 war, hatte außerdem versucht, die Leiche zu verbrennen. Neben der Toten wurden mehrere hartspirituswürsel gefunden. Die Polizei stand zunächst vor einem Rätsel, der Mörder hatte gut gearbeitet und nicht die geringsten Spuren hinterlassen. Besonders erschwert aber wurde die Untersuchung dadurch, weil man nicht wußte, wer die Tot« war. Ihrer Kleidung nach mußte sie den besieren Ständen angehören. Es tauchte sogar die Vermutung auf, daß die Ermordete eine Berlinerin sein könne. Zur Aufklärung des Ber- brechens wurde aus diesem Grunde auch die Hilfe der Berliner Stellen in Anspruch genommen. Trotz aller Beschreibungen, die von der Toten allen Polizeistationen zugeleitet worden waren, wollt, und wollte es nicht glücken, die Unbekannte zu identifizieren. Jetzt gelang es nach fast einem Jahr der Wiener Polizei durch einen Zufall, die Persönlichkeit der Ermordelen festzustellen. Sie ist jetzt mit Bestimmtheit als.«ine Frau Katharina Fellner erkannt worden. b Frau F. lebt« zur Zeit des Ber- brechens, das an ihr verübt wurde, bereits von ihrem Manne getrennt. Bon den italienischen Behörden fft inzwischen der Gatte, der in Abazzia unter dem Verdacht des Gottenmordes v e r h a f- t e t worden war, wieder freigelassen worden da er ein einwandfeies Alibi erbracht hat. Mehrere andere Per- sonen gerieten gleichfalls in den Verdacht der Mittäterschaft, der sich jedoch"als haltlos erwiesen hat. Durch die Vernehmung des Ehegatten der Ermordeten wurde die Polizei auf den Kauf- mann Gustav Bauer aufmerksam, der. wie die weiteren Er- Mittelungen ergaben, zu der Toten in sehr freundschast- lichen Beziehungen gestanden hatte. Roch am Tage vor dem Word« war Frau Jellner in Begleitung Bauers gesehen worden. Bauer hatte längere Zeit�mit Fellner in G e s ch ä f t s v e r- bindung gestanden und dabei die Frau des Geichöftsfreundes kennen gelernt. Der Wiener Polizei ging weiter«!- Material zu, dos Bauer schwer belastet«, so daß-alle reichsdeutschen Kriminalstellcn durch Polizei funk ersucht wurden. Bauer der sich in Berlin auflgalten sollte, zu v« r h a f t e n. Er pflegte, wü die Ermittlung?» hier ergaben, in einem bestimmten Hotel in der F r i e d r i ch st o dt abzusteigen, wenn ihn seine Geschäfte nach Berlin führten. Am Montag war er dort wieder eingetroffen. Al» von Wien die Aufforderung zu seiner Verhaftung kam, wurde er gestern von Kriminalbeamten aus seinem Zimmer heraus festgenommen. Der Auslieferungsantraa ist von Oesterreich bereits noch Berlin unterwegs. Bauer wird wahrscheinlich schon morgen nach Wien gebracht und dort zu der Mordbeschuldigung weiter ver- nommen werden. Eine nationale Wüte. Stellungsuchende werden geprellt. Josef Fritz Achtel st etter, Direktor eineS von ihm selbst begründeten Nationalverbandes, der K r i- minalpolizei und dem Gericht seit Jahren gut be- kannt, war trotz seiner Rührigkeit wieder einmal aufS Trockene geraten. Seine Vorstrafen hinderten nicht, daß rechtsgerichtete Verbände und Persönlichkeiten ihm mit weitgehenden Empfeh- lungen dienten, obwohl seine neue Tätigkeit in notorischen Lumpereien bestand. Es genügte za für die Herrschaften, daß sich der saubere Bursche gegen„link s" betätigte. Sein letztes Ge- schüft bestand darin, eine Art S t r« i k b r e che r o r g a n i sa t i o n aufzuziehen, wie sie früher in den gelben Verbänden bestand. „Deutsche Arbeitsgemeinschaft" war. der stolze Titel, mit dem Zusah„Verlagsanstalt und Wochenschrift", und in den Kreisen der Beschäftigungslosen fand Achtelstetler zahlreiche Opfer. Der neu« Laden funktionierte vorläufig auch aufs beste, selbst seine betrogenen Ang« st eilten versichern: er hätte bestimmt die Sache geschafft, wenn, ja wenn eben nicht so viele Nutznießer seiner Betrügereien am Werk mitbeteiligt gewesen wären. Das Zentralbureau befand sich in der Landsberger Straße Nr. 1 st 8 und bestand aus zwei kleinen hofräumen und dem Firmenschild mit dem stolzen Titel, hier war A. auch für alle Kunden zu sprechen, die Einlagen brachten, für jene, die ihr Geld wieder haben wollten, natürlich nicht. Einer seiner Tricks war, daß er inserierende Stellungsuchende in den Tageszeitungen abfing und ihnen seine Arbeitsvermittlung anbot. Sein Blatt „Deutsche Arbeitsgemeinschaft" gelangte nie in den Verkehr,«s genügt« ja, daß die Inserenten bezahlt hatten. Umgekehrt machte sich dieser samose„Soziathelser" an jene Unternehmer heran, in deren Betrieben etwa» oberfaul war und denen er Arbeitswillige für Streikbrecherzwecke offerierte. Wenn mit dieser Tätigkeit auch meist keiner der Parteien ge- Holsen wurde, so war fürs erst« doch dem Herrn Achtelstetter selbst geholfen. Selbstverständlich brauchte man für«inen solchen Betrieb auch A n g e st« l l t e. Diese wurden mit allem Rassinement um ihre Kaution betrogen. In eine unmögliche Lage hineinmanövriert, waren sie gezwungen, weiter für ihn zu arbeiten, ohne je einen Pfennig Gehalt zu sehen. Etwa zwölf Angestellte mit je 1909 Mark Einlage haben ihr Geld verloren. Der Dummenfang er- schöpfte sich mit der„Arbeitsvermittlung" allein nicht, er hatte auch «ine Art Rechtsbureau angegliedert, bei welcher Tätigkeit er ebenfalls seine Schäfchen nach Belieben scheren konnte, die wie n der Fabel den Wolf in Schafskleidern nicht erkannten. Wie jolli« ein Mann mit solchen Talenten ein Gebiet unbeockert losten, das heut« der Tummelplatz vieler dunkler Elemente ist: die W o h- nungsvermittlung? Er inserierte in Zeitungen nach Wohnungen und ebenso nach Wohnung suchenden. Die „Deittsche Arbeitsgemeinschaft" war dabei ein vertrauenerweckender Aushängetttel. Herr Achtelstetter hatte dabei im Auge, ganz' Berlin mit einem Netz von Filialen zu umspannen, und für jede Filiale brauchte er einen F i l i a l l« i t e r. Jeder Filiallelter brachte 1991 Mark ein. Der„Neue" wurde dann in ein leeres Zimmer gesetzt, für das die Miete nie bezahlt wurde, und dann bekam er uls „Bureaueinrichtung" einen Federhalter, Bleistift, Gummi und Kleistertopf. Es war etwas wenig fürs Geld, und doch fanden fich zahlreiche Opfer, die geduldig wachen- und monatelang stch von Herrn Achtelstetter hinhalten ließen. Bis der erste zur Kriminalpolizei lief und zuletzt die ganze Hürde ausbrach. Herr Achtelstetler hat lm Augenblick vor seinen Peinigern Ruhe, denn der Untersuchungsrichter hat ihm Quartier im Unter- suchungsgesängnis in Moabit besorgt. Immerhin wird Herr Achtelstetter sich als das unverstandene Opfer einer Hetze betrachten, die für sein soziales vaterländisches Wirten keinen Sinn hat. Aber wir dürfen annehmen, daß es seinen nationalen Gönnern und Freunden mit hochklingenden Titeln ge- lingen wird, sich dieses Talentes auch für die Zukunft zu oersichern. Ein Bombenflugzeug verbrennt. Und eine junge Witwe trauert... Paris, 18. Juli. Gin schwerer Flugzeugunfall ereignete sich am Mittwoch bei C h a r t r e u s e. Ein Bombenflug- zeug mit einem Leutnant und drei Sergeanten an Bord prallte heftig auf den Boden. Das Flugzeug über- schlug sich, wobei ein Benzintank in Brand geriet. Der Leutnant uud zwei seiner Begleiter konnten recht- zeitig aus dem Flugzeug springen, während der Funker sich in die Drähte verwickelte und verbrannte. Er starb nae�-seiner Einlieferung in das Krankenhaus. Der Funker war erst seit drei Wochen verheiratet. Gasmasken als Hausgerät. Wie man sich die Abwehr von Lustgefahren vorstellt. Konteradmiral a. D. Mahrholz veröffentlicht einen Artikel über die Abwehr von Luftgefahren. Der Berfaster ist immer noch der Meinung, daß eine wirksame Abwehr der Gasangriffe aus der Luft möglich wäre. Es ist Kreits wiederholt festgestellt worden, daß es einen erfolgreichen Schutz gegen Gasangriffe aus der Luft nicht gibt. Mahrholz schlägt allen Ernstes vor, die Gas- masken zum Hausgerät zu machen. Die gesamte Bevölke- rung sollte ihre Anwendung üben, und es müßten wenigstens „h u st e n r e i z e n d e Gase" aus Flugzeugen verbreitet werden, um die Bevölkerung zum richtigen Gebrauch der Gasmasken zu zwingen. Die übrigen Borfchläg«, die Mahrholz zur Abwehr von Gas- angriffe? macht, zeigen, in welchen Gedankengängen gewisse Kreis« in Deutschland leben. Der beste Schutz gegen jeden AnqriO ist der Wille und die Bereitschaft zum Frieden. lleber die südslawische Grenze sind albanische Sebirgsröuber eingedrungen und haben große, Schafherden weggetrieben. Kommunistische Trauer. Ilm den Kaiserparagrophen. Die„Rote Fahne" mimt wieder einmal Erregung unter der knalligen Ueberfchrift:„SPD. verschachert Kaiserparagraph an d'.e Deutschnattonalen". Dabei geht es natürlich nicht ohne die üblichen „Enthüllungen" ab:„Die SPD, ging so weil(bei der der Beratung de« Republikschutzgesetzes: Red.), den D e u t f ch n a t i o n a l e n an- zutragen, daß sie den Kaiserparagraphen fallen lasten würde, wenn sich die Deutschnationalen bereit erklären würden, für die Der- längerung zu stimmen." Das alberne Gerede erledigt stch mit folgender Feststellung: Das Rechiblikschutzgefetz samt dem Kaiserparagraphen ist gefallen. weil die Kommunisten zusammen mit den Deutschnotionaien dagegen stimmten und dadurch das Zustandekommen der Zwei- drittelmehrheit für den verfassungsändernden Kaiferpara- graphen verhinderten. Die Koalitionsparteien hatten jeocrzeii d> Möglichkeit, von sich a u s die Verfassung sä nderizdcn Veftmimunge» zu streichen und dann den Rest des Republikfchutzgefetzes mit ein f a ch e r Mehrheit anzunehmen. Mit dieser Auskunft, die von der sozialdemokratischen Fraktion abgelehnt wurde, wijren gleichzeitig die Stimmen der D e u I> ck- nationalen vollständig bedeutungslos geworden, denn über die einfach« Mehrheit verfügte die Koalition allein, ohne Deutschnationale! Was die„Rote Fahne" behauptet läßt stch auf folgende Formel bringen: Di« Sozialdemokratie Hobe den Deusich- nationalen vorgeschlagen, die verfastungsändernden Bestimmungen zu st r e i ch« n, um— die Deutschnattonalen für eine verlas- fungsändernde Mehrheit zu gewinnen, Wenn jetzt die Regierung eine Aejetzesoortogc bringt, für bi« sie nur die einfache Mehrheit braucht, also ohne verfaf- fungsändernde Destimmungen und ohne den Kaiserparagrophen, so wirkt da, Entrüftungsgeheul der„Roten Fahne" einfach lächerlich, Die KPD, brauchte nur die Erklärung abzugeben, daß sie für ein verfassungsänderndes Republikfchutzgeletz mit Kaiserparagrophen stimmen würde, dann wäre die Zweidrittelmehrheit da und der Kaiserparagraph könnt« wieder hergestellt werden. Es liegt also einzig und allein an den Kommunisten. Geschminktes Man liebt i Fremdwörter enthalten, soft immer wichtige kulturhistorische hinweise: nämlich Hinweis« auf charakteristische Züge und Einrichtungen des Volkes, dessen Sprache das Fremdwort entlehnt ist. Die Fran-osen haben von den Deutschen als einem alten Kriegsvolk viele Ausdrücke übernommen, die Krieg und Heerwesen betrefsen; umgekehrt wir von den Franzosen viele Ausdrücke, die dos gesellschast- liche Leben und seine verfeinerte Form angehen. Wie ist von diesem Standpunkt aus das„I'crsatr" zu lesen? Leider nur so, daß den Nachbarn jenseits des Rheins aufgefallen ist, wie leicht sich die Deutschen mit Ersatzartikeln abspeisen lassen, wie wenig sie das ur- sprüngliche, echte Wesen eines Dinges begrifflich und praktisch festzuhalten wissen. Schon seit Jahrzehnten nennen wir„Deutsches Bcesstesk", was durchaus niit Rindfleisch nicht das geringste zu tun hat! ebenso kündigt die Marke„Deutscher Tee" an, daß das betreffende Kräuter- werk zur Tecpslanze auch nicht in entferntester Beziehung steht. Das worl„deutsch" bedeutet hier ohne weiteres„falsch". es liegt eine besäumende Umschreibung der Unechtheit vor— ob- schon doch auch in diesen Fällen unsere Sprache so ehrlich sein könnte, wie sie es in den Bezeichnungen„falscher Hase" oder „Kunsthonig" ist. Daß Menschen, denen ein Beefsteak zu teuer oder Tee zu auf- regend ist, andere Dinge essen und trinken, kann ihnen gewiß niemand verübeln. Aber es liegt eine Unredlichkeit, verbunden mit peinlichem Mangel an klarem Denken darin, daß diese Crsatzdinge dann mit falschem Namen genannt werden. Wir sind da in eine schiefe, verwahrloste Sprachhandhnbnng so eingewiegt, daß wir das Verwerfliche daran nicht einmal mehr spüren„Die Deutschen nennen geröstete Gerste Kaffee," sagte mit Staunen ein Franzose zu mir. Nicht, daß ein Gerstenabsud konsumiert wird, war ihm dabei das Anstößige, sondern die fälschend« und lügenhafte Bezeich- nung. Das hat in einigen Fällen so weit geführt, daß das Ersahding geradezu den Namen des Originaldinges angenommen hat und daß dieses letztere sich gegen den hochstaplerischen Doppelgänger durch eine Firmenänderung wehren muh. Die Margarine hat sich stelleiiweise des Namens„Butter" so frech bemächtigt, daß diese sich als„Landbutter" von ihr abheben muß. Ein Witzwort erzählt, daß ein Gast im Wirtshaus Kaffee bestellt. Der Kellner fragt zurück. Wünschen sie Kaffee oder Ka?feeh, Mokka oder Mokka extra?"— worauf der ahnungsvoll« Gast erwidert:„Bringen Sie mir lieber ein Glas Bier." Das mag übertrieben sein; aber in vielen Gast- Häusern muß der Deutsche heute noch Bohnenkaffee bestellen, wenn Deutschland. m„Ersatz". er Gerste vermeiden will: und selbst dann noch muß w„Mokka" bestellen, wenn er guten„Bohnenkaffee" beansprucht. Der praktische Erfolg dieser fälschenden Bezeichnungen ist so weitlragend, daß man in Deutschland abgesehen von ganz erstklassigen Restaurants, nur da auf trinkbaren Kaffee(für den Wein gilt das gleiche! rechnen kann, wo diese Zuversicht durch eigene Erfahrung oder zuverlässige Emp» sehlung gestützt ist. Eine Tatsache, durch die sich unser Land sehr unvorteilhaft von Oesterreich, Frankreich, Holland usw. unterscheidet. Es ist eine beschämende Tatsache: genau so wie es bcscbämend ist, daß wir in Deutschland um echte eingekocht« Fruchte zu erhalten, englische Marken kaufen müssen. Und zwar liegt das Beschämende darin, daß diese Tatsache entweder einen sittlichen oder«inen iytellek- tuellen Fehler verrät: entweder wird da bewußt und systematisch gefälscht, oder es zeigt sich, daß der Betreffend« nicht weiß, was Kaffee. Wein und eingekochte Erdbeeren tatsächlich sind. Ein Ka- pitel für sich ist die„handelsübliche Färbung" der deutschen Kon- fitürenprodukt«. Ich verstehe, daß sie überhaupt gefärbt werden: die Färbung soll offenbar eine Fälschung verdecken. Aber ich habe nie begreifen können, weshalb sie vielfach völlig falsch gefärbt und dadurch von den Fabrikanten selber entlarvt werden. Sollten diese Unglücklichen, denen die Marmelade Lebenszweck ist, wirklich in ihrem ganzen Dasein noch kein Glas mit echten eingekochten Früchten gesehen und dabei wahrgenominen haben, daß z. B. Erd- beeren beim Einkochen braun lverden und nicht„erdbecrrot"? Es handelt sich nicht um die konkreten Einzelheiten. Es handelt sich um den mangelnden Sinn für Qualität, nämlich bei Herstellern und Abnehmern von„Ersatz" um einen Fall deutscher Vernebelung und Ungenauigkeit: um ein Nest voll vieler kleiner Lügen, die Uneigentliches an die Stelle des Eigentlichen. Schwindel an die Stelle des Echten schieben. Eine Begriffsbildung, die so unzuverlässig ist, daß sie das Wesentliche des Kaffees in der Vereinigung von„heiß, braun, bitter" findet, ist durchaus keine geistige Zier des Voltes, das sie duldet und pflegt. Sogar auf feie Landkarte greift der Schwindel über. Ich halte es keineswegs für«inen Reichtum, daß das deutsche Vaterland ein« sächsische, eine fränkische und eine holsteinische Schweiz, ein Nürn- berg des Nordens und des Südens und ein Dutzend Athen besitzt. Ein Sinn, der Anschluß an die Wahrheit gefunden hat, freut sich der Einzigkeit, der Originalität der eigenen wie der fremden Dinge und schiebt sie nicht lügnerisch untereinander. Er bettelt das Fremde nicht an um einen windigen Schimmer von Prestige, er schmarotzt nicht scheelsüchtig in der Welt herum und schminkt sich nicht Züge an, die ihm nicht gehören. Wilbeim Michel. Schamlos! Nationalistische Begrüßung der österreichischen Brüder. Der angekündigte Besuch von ISOO Kameraden des österreichischen Republikanischen Schutzbundes veranlaßt die„Deutsche Zeitung" zu folgendem Erguß: Die Wiener Mordbrenner bei der Verfassungsfeier. Nach einer Mitteilung des Reichsbanners sollen zur Bundes- vcrfosfungsfeier des Reichsbanners y. a. auch Abteilungen des famosen Wiener„Republikanischen Schutzundes" erwartet werden, dessen ZNikglieder am tb. Juli 1927 bekanntlich mit Fackeln und Pekroleumkannen den Wiener Zustizpalast anzündeten, raubend und plündernd durch die Straßen zogen, bis die Schobersche Schutzpolizei und die heimwehr dem schamlosen Treiben dieser kostbaren Republik...Schützer" ein Ende machte. Diese Zeilen zeichnen sich nicht nur durch ganz besondere Pöbel- hafiigkeit der Sprache und Gemeinheit der Gesinnung aus, sie sind auck, sachlich von 21 bis Z erlogen! An jenem kritischen IS Juli yat der Ncpublikanischc Schutzbund, zum Teil unter Lebensgefahr seiner Mitglieder, sich dafür eingesetzt, die Exzesse einzudämmen und aus dem brennenden Justizpalast zu retten, was zu retten war. Die von der„Deutschen Zeitung" genannte Heimwehr ist an jenem Tage überhaupt nicht in Erscheinung getreten! Man könnte die Gemeinheit und ZZerlogenheit des Nationalisten- blati-s mit Verachtung übergehen, wenn sich nicht auch hier einmal wieder zeigte, wie wenig der deutsche Nationalismus mit wirk- l i ch e m N a t i o n a l g e f ü h l zu tun hat. So wie die Hitler- Partei aus Liebe für den Faschismus die südtiroler Deut- ichen verrät, genau so wird hier aus innerpolitischer Gehässigkeit eine Demoisttrasion zum Verfassungstage befpien, deren haupisächliche Bedeutung wirin besteht, die geistige Einheit zwischen deutscher und ö st erreicht scher Re- publik zu betonen und dem Anschlußgedanken zu dienen. Wir würden sagen: es ist nicht das erstemal, daß dos Nationalistenkroppzeug seine Ideale verrät. Aber hat diese Gesell- schaft Ideale— abgesehen von der Verherrlichung des Feme- in o r d e s?! Durchaus unerwünscht. Hochschulring veutscher Art und Berfassungsfeier. Der Hugenbergsch«„Lokal-Anzciger" veröffentlicht an seiner Spitze ein Schreiben, das der„Hochschulring deutscher Art" der Universität Halle an den dortigen Rektor gerichtet hat. Der Hochschul- ring, zum größten Teil bestehend aus Korpsstudenten und ähnlichen Fossilien, lehnt die Beteiligung an der ZZerfassungsfeier mit folgen- den Sägen ab: „Im Hinblick auf die zu verteidigende Freiheit der deutschen Hochschulen im Zusammenhang mit dem erst un- längst erfolgten Einschreiten des Ministeriums sieht sich der Hochschul- ring deutscher Art nicht in der Lag«, anläßlich der Ver- fassungsfeier chargieren zu lassen. Für die Mitglieder des Hochschulringes wird die Teilnahme an der Feier als un- erwünscht angesehen." Wir können hierauf nur begeistert erwidern:„Ganz auf Gegen- seitigkeit, ganz auf Gegenseitigkeit!" Oer Kaschauer Zigeuner-Prozeß. Die Geschworenen fällten ihren Wahrspruch. Ka schau, IS. Zvli. Zur allgemeinen lleberraschung wurde bereits am Mittwoch Im Zigeunerprozeß das Gefchworenenverdikl verkündet. desten Verlesung mehrere Stunden in Anspruch nahm. Die Oeffentlichkeit hatte für den Wahrspruch nur wenig Interesse, da der ganze Prozeß, in dem man Untersuchung der Vor- würfe wegen Menschenfresserei erwartete, auf«inen wenn auch ungewöhnlichen Raubmordprozch zusammengeschrumpft war. Der Wahrspruch der Geschworenen erkannt« die Angeklagten Filke, Hudak, K i s a t und Paul Ribar des Raubmordes in drei und der vorsätzlichen Tötung sowie des Raubes in vier weiteren Fällen für schuldig. Das Verdikt erklärt ferner die An- geklagten Eugen Ribar, Alexander Ribar, Gruno. Josef Szigar, Emmerich Szigor, Josef Mi bar und Bela Ribar wegen Beihilfe des Mordes für schuldig. Die zwei weib- lichen Angeklagten Johanna und Esther C z ö m ö r wurden der Hehlerei für schuldig erklärt. Bei weiteren vi«r Angeklagten wurde die Schuldfrage ver- neint, so daß sie freigesprochen werden. Das Urteil wird Sonnabend verkündet werden. �iesenfeuer in der Slowakei. 240 Häufer verbrannt. Prag. 18. Juli.(Eigenbericht.) I« der Slavakei in Nizna S l o o i n k a ist durch eine Brandratastrophe der ganze Lrt vernichtet worden. Auch die Nachbargemiende hat schweren Schaden er- litten. Es sind 240 Anwesen verbrannt. Der Schade» beträgt zwei Millionen Kronen. Sommerschulkurse über den Völkerbund vom ZS. bis 31. August 1929 finden in der Universität in Gens Sommerschulkurse in deutscher Sprache statt, die für die Oeffentlichkeit und insbesondere sür Lehrer der verschiedenen Unter- richtsstufen, für Unioersttätsstudenten und Schüler der Mittelschulen, die sich sür die gegenwärtigen Probleme des Internationalen Lebens interessieren, bestimmt sind. Außer den Borträgen werden freie Aussprachen über die behandelten Themen stattfinden. Gleichzeitig mit den deutschen Kursen findet ein« Sommerschul« in französischer Sprache statt. Die Teilnehmer der einen Schule, die an einigen Vorträgen der anderen teilzunehmen wünschen, können dies ohne Beitriitserhöhung tun. Neben den Kursen werden Empfänge, Be- sichtiqungen von Sehenswürdigkeiten und Ausflüge ftaltfinden. Bei rechtzeitiger Anmeldung wird für verbilligte Unterkunft Sorge getragen: bei genügender Beteiligung kann Fahrpreis- ermößigung beantragt werden. Die Einschreibegebühr beträgt zehn Schweizer Fronken und berechtigt für alle Vorlesungen der Sommer- schule einschließlich der Empfänge. Ausflüge werden besonders be- rechnet. Programm: 1. Der Völkerbund im Jahre 19Z8'19Z9(A. von Bodman): 2. Tw» Minderheltenproblem und der Völkerbund(Dr. Wilson): 3. Die deutsch-französisch« Verständigung und der Völker. bund(Prof. Vermeil): 4. Danzig und der ZZölkerbund: S. Dos Mandatssystem des Völkerbundes: tt. Die Schiedsgerichtsbarkeit und Vermittlung des Völkerbundes(Prof. Hans Wehberg): 7. Völkerbund und öffentliche Meinung(Prof. Ernst Booet): 8. Internationales Arbeitsrecht unter sozioien und weltwirts-t'aftlichen Gesichtspunkten (Dr. Berger): 9. Völkerbund und Schule(Gräfin Dohna). Auskunft erteilt die Geschäftsstelle der Deutschen Liga sür Völkerbund. Berlin W 35, Potsdamer Straße 103a(Kurfürst 3702). Cine Oper wird versteigert. Glanz und Elend eines Berliner Theaters. Ein schüchterner Zettel hängt im Korridor des Amts- gerichts Mitte, der nichts weiter enthält, als die monumentale Ankündigung: am 13. Juli, mittags 12 Uhr, wjrd das Haus der Komischen Oper an der Weidendammer Brücke ver- steigert. Ungeheure Verbindlichkeiten sind zu lösen, und wer weiß, wo der kühn« Mann steckt, eine ausgewachsene Pleite zu über- nehmen. Man hat heute dieses Gebäude in unangenehmer Erinnerung. Hier raste sich Herr �Zames Klein mit seinen vom Geist wenig belästigten Fleisch-Revuen aus. Hier geschah der größte Un- fug, den sich jemals ei» Berliner Theater leistete, und hier ist doch einmal die Stätte gewesen, wo vor Jahren der Grund gelegt wurde zu einer großen, modernen Opernkunst. Dr. Hans Gregor zeigt« in dem grauen Theater am Schiff- bauerdamm am Anfang dieses Jahrhunderts, daß man Opern auch ohne Schwimmbewegungen und ohne wilhelminischen Pomp spielen konnte.„Hoffmanns Erzählungen", die seit dem großen Wiener Theaterbrand in den achtziger Iahren vom Spielplan der deutschen Bühnen verschwunden waren, erlebten durch Gregor ihre Renaissance.„E a r m« n", in der königlichen Hofoper und in ande- ren mehr oder minder dekorativen Opernhäusern ein Prunkstück und ein Lehrgegenstand sür spamsche Volkskunde, wurde als menschliches Drama gespielt, als die Tragödie eines Mannes, der haltlos zwischen zwei Frauen pendelt. „Tost a", die„Boheme",„T i e f l a n d" und Massenets „Werter" erhielten das Gesicht tief erschütternder Tragödien. Bisher unbekannte Werke moderner Franzosen und Italiener wur- den hier von neuem aus der Taufe gehoben. Künstler vom Range einer Maria Labia, einer Artot de Padilla eines N a d a- l o w> t s ch oder Willi Buers wurden zu genialen Gestaltern. Aber die Zeit war für Gregors Ideal nicht reif, und es ist die große Frage, ob sie es heute schon ist. Sang- und klanglos verschwand eines der besten Opernunter- nehmens der Welt, und von diesem Augenblick zog der Kitsch in das Haus, denn der„Egmont", mit dem sich eine neue Direk- Hon versuchte, fiel durch, dank einer unmöglichen Besetzung, unl� erst Sudermanns„Der gute Ruf" bedeutete ein Geschäft. Es ist kein Verlust, daß James Klein definitiv abgewirtschaftet hat. Im Gegenteil, man kann das als ein großes Glück be- zeichnen. Und es ist auch gleichgültig, ob ein Theater mehr oder weniger unter den Hammer kommt. Aber die Berliner Komische Oper tonn als ein Symbol dafür gelten, wie immer mehr eine Kunst zerfällt, wie immer mehr blödsinniger Ungefchmack und albernes Sensationsbedürfnis vorherrschend werden. Doch vielleicht verdient ein snobistisches Großstadtpublikum nichts anderes als diesen Schund. James klein ist nicht zugrunde gegangen, weil das Publikum für diese Farcen kein Interesse aufbrachte, sondern weil ihn eine un- geheure Pachtsumme erdrückte, ebenfalls ein trauriges Kapitel des modernen Theaters.___ F. S. „Ou wirst mich heiraten." �ustspielhaus. Dem Mutigen gehört die Welt! So ungefähr denken die Ma- nager des L u st s p i e l h a u s e s. da sie eine Neueinstudierung herausbrachten zu einer Zeit, da die meisten Berliner Theater dem Sommer nicht länger zu trotzen wagten. So ähnlich denken auch der Lustspielverfasser Louis V e r n e u i l. der trotz seine 36 Jahre bereits 30 Stücke geschrieben hat. und die.Hauptperson seiner neuesten Drausgängerei. Wando, die eben verabschiedete Geliebte des jungen Herzogs Maxime von Bellencontre, der, um seine und seiner Familie Berhältnisse zu rangieren, die reiche Tochter eines Marquis und übrigens Hausfreundes seiner Mutter heiraten soll, gibt die Partie nicht auf. Sie weiß sich mit Hilfe eines fingierten Autounfalls>n die Familie ihres Geliebten einzuführen und dort durch die Keckheit ihres Auftretens alle Männer für sich zu gewinnen und durch ge- wagte Tricks schließlich ihren Willen durchzusetzen. Der in sie gleich- falls verliebte Vater und der sie immer noch liebende Sohn kapitu- lieren vor ihrem entschiedenen Willen. Sie wird alle glücklich machen, zumal die reiche Mitgift der Familie durch einen bereit- gehallenen jüngeren Sohn erhallen bleibt. Man fragt sich, was an diesem muffigen und oft genug dage- wesenen Milieu neu sein soll, und entdeckt dann als einziges Plus das junge, aktive Mädchen, das von unten kommt und die ganze degenerierte Familie in die Tasche steckt. Hilde Hildebrand macht es glaubhaft durch ihre Kehheit, Natürlichkeit und den gewisien Scharm, den sie trotzdem behält. Freilich, auch ihr gelingt es nicht immer, die Klippen der heiklen und sehr konstruierten Situationen zu umschiffen. Egon von Jordan(Maxime), Julius Brand (Marquis), Hugo Flink(Herzog), Olga Engel(Herzogin) bilden das Milieu und geben mit Grazie die Stichworte r. Zemlinsky geht nach Leningrad. Der bisherige Dirigent an der Berliner Staatsoper, Alex- ander von Z e m l i n s k y, hat die Berufung zur musikalischen Oberleitung der Sowjet-Staatsoper in Leningrad angenommen. Vor- ausgesetzt, daß sein Vertrag mit der Kroll-Oper sich zu Beginn der nächsten Spielzeit lösen lassen kann, wird von Zemlinsky schon im Herbst seine neue Tätigkeit aufnehmen. Zusammenschluß der österreichischen Vühuen. Dem Wiener U n t e r r i ch t s n> i n i st« r i u m ist ein Ent- wurf zugegangen, der die Schaffung einer Vereinigung vorsieht, an der sowohl die S t a a t s t h e a t e r als auch die Theater in den Bundesländern beteiligt sind. Von einer Zentralstelle sollen die künstlerischen und finanziellen Aufgaben für diese Theater- Vereinigung gelöst werden. Man rechnet dabei darauf, daß es dieler Zentralstelle gelingen soll, die Frage der st a a t l i ch e n Sud- ventionen für die Landestheater zu regeln. Ein weiterer Plan geht dahin, für die österreichischen Bundesländer Wandertheater zu schaffen, die dem Burgtheater wie der Wiener Oper angeschlossen sind und sich aus deren Ensemble laufettd ergänzen sollen. LiteraturpreiS-Inflation. In Frankreich hat, wie die„Literarische Welt" mitteilt, eine wahre Inflation von Literaturpreisen eingesetzt. Di« A k a> d e m i e hatte in der letzten Zeit einige hundert Preise zu verteilen, von denen die meisten zwischen 500 und 1000 Franken lagen, also bedeutungslos sind. Nun wird ein Preis des Abenteuer- r o m a n s in Höhe von 10 000 Franken angekündigt. Diese Preise scheinen in der Literatur das zu sein, was die Ehrenlegion im öffentlichen Leben: eine Trennungslinie zwischen der Masse der Gekrönten und den wenigen anderen, deren ordenloser Ruhm um so strahlender ist. Verschlechterung des amerikanischen Kilm-Exports. Während der F i l m e x p o r t aus den USA. im Jahre 1928 von 75 Millionen Dollar im Vorjahr sich auf 70 Millionen Dollar reduzierte, ist der Import um eine absolut zwar unwesentliche, relativ aber außerordentlich hohe Ziffer, nämlich von 4 Millionen auf 6 Millionen Dollar gestiegen. Es dürfte wohl kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Erscheinung weniger auf die stärker ge- wordene britische Konkurrenz als auf Verminderung der Export- fähigkeit durch das Uebechandnehmen des Tonfilms zurückzuführen ist. Oeter schwingt den Mingelbeutel. Oer olle ehrliche Seemann. Der kommunistische Landtagsobgeordnet« Dcter, ehemaliger Vorsitzender des Arbeiterrats der Verkehrs-A.-G., ist bekanntlich mit seiner Klage wegen seiner Entlassung vom Arbeitsgericht ab- gewiesen worden. Die Landtagsdiäten scheinen nicht mehr aus- zureichen, deshalb versucht er in Betriebsversammlungen dafür Stimmung zu machen, sein Einkommen durch Sammlungen etwas zu erhöhen. Zu diesem Zweck fanden kürzlich in „Bökers Festsälcn" Versammlungen statt, die angbelich von den revolutionären Vertrauensleuten der V«rkehrs,A.-G., in Wirklich- keit aber von der KPD. einberufen wurden. Der Besuch dieser Der« sammlungen kennzeichnet die Bedeutungslosigkeit der .revolutionären Opposition" in den Berliner Verkehrsbetrieben: von 26 000 Beschäftigten waren in der Versammlung am 3. Juli etwa löO Mann, am 10. Juli 100 Mann und am 11. Juli ganze 62 anwesend! Deter hat in diesen Versammlungen alle seine Kräfte auf- gewendet, um das leck gewordene Schiff der.Opposition" vor dem spurlosen Versinken zu bewahren. Er glaubte sein Ziel damit er- reichen zu können, daß er in allen Farben das.brutale" Verhalten des Direktors Brolat schilderte, den er wiederholt als Jammer« läppen bezeichnete. Glaubt Deter mit solchen Beschimpfungen seine Berufungsklage vor dem Landesarbeitsgericht aussichtsreicher zu gestalten? Dann klagte er sein Leid über die finanziellen Schwierigkeiten bei der Durchführung der Berufungsklage, da die Prozeßvertreter vor dem Landesarbeitsgericht honoriert werden müssen. Zum Schluß bat er das Häuflein seiner Anhänger, ihn doch nicht so im Stich zu lassen wie am 1. Mai und die Sammlung tatkräftig zu unterstützen. Der ebenfalls entlassene„Revolutionär" K a y s e r hatte in einer der Versammlungen ausgerechnet, daß 26000- Mark zu- fammenkommen könnten, wenn jeder Arbeiter der Verkehrs-A.-G. einen Stundenlohn opfert. Das Geschäft würde sich zweifellos lohnen. Die organisierte Arbeiterschaft der Verkehrsbetriebe denkt aber nicht daran, für diesen traurigen Helden, der mit den Jnter- essen der Verkehrsarbeiter ein so frevelhaftes Spiel getrieben hat, auch Nur einen roten Pfennig zu opfern. Es gab eine Zeit, wo die Vertrauensleute der freien Gewert- schaften noch nicht durch das Betriebsrätegesetz geschützt waren und jederzeit von Unternehmern auf die Straße geworfen werden konnten. Die organisiert« Arbeiterschaft hat stets durch gewerk- schaftliche Maßnahmen die Wicdereinstellung der Gemaßregelten ge- fordert und durchgesetzt, jedenfalls den Gemaßregelten Solidarität bewiesen. Für die kommunistischen.Revolutionäre" ist bis zum heutigen Tage selbst von den kommunistischen Arbeiterräten nicht ein einziger eingetreten. Bis jetzt hat auch noch nicht einmal einer bei der Direktion auch nur gefragt, weshalb eigentlich die Entlassungen erfolgt sind. In Versammlungen den starken Mann zu spielen, bei der Wahrung der eigenen und der Interessen der Klassengenossen und Parteifreunde seinen Mann zu stehen, sind zwei verschiedene Dinge. Deter spielte sich auch gern als oller ehrlicher Seemann auf. Bei seiner Entlassung jedoch bracht- er es aber fertig, die Schreibmaschine des Betriebsrates der Hoch, und Unter- grundbahn, die aus Mitteln der Unterstützungskasse gezahlt worden ist. mitgehen zu lassen. Die Mitglieder der Unterstützungskassc sind allerdings der Auffassung, daß die Schreibmaschine Eigen- tum des Betriebsrates ist. nicht Eigentum Deters, und jetzt dem Betriebsrat der Verkchrs-A.-G. als Rechtsnachfolger gehört. Und dann noch eines. Wie war das doch seinerzeit mit der Schokolade der Hauptwerkstatt? Bielleicht gibt Deter in einer der nächsten öffentlichen„Betriebsversammlungen" über seine Einkäuferpraxis" nähere Auskunft. Die„oppo- sitionellen" Derkehrsarbeiter. die Deter und Genossen für kurze Zeit auf den Schild erhoben haben, sind gründlich enttäuscht und wollen von der angeblich revolutionären Opposition nichts mehr wissen. Die Kabrikarbeiier-Iniernationale iagt. > Vierter Kongreß in Hannover. Die Internationale Vereinigung der Fabrikarbeiterverbände umfaßt in neun europäischen Ländern annähernd ein« halbe Million Mitglieder. Vorsitzender der Vereinigung ist der Verbandsvorsitzende des Deutschen. Fabrikarbeitervcrbandes. der Reichstagsabgeordnete Genosse August Brey, und Sekretär der Vereinigung K. de Ionge, Amsterdam. Der Kongreß tritt am 25. Juli zusammen und wird sich ins» besondere mit der Frage der Verschmelzung der drei Jnter- nationalen Sekretariat« der Fabrikarbeiter, der Glasarbeiter und der keramischen Arbeiter befassen, deren Verbände in Deutschland bereits miteinander vereinigt sind. Auch das Verhältnis zu den russischen Verbänden wird erörtert und volle Klarheit darüber geschaffen werden. Reben der Erledigung der rein gewerkschaftlichen und organisatorischen Fragen wird der Kongreß ein Referat des Genossen M a p h t a l i hören. Verhandlung in der englischen Vaumwollindustrie. London. 18. Juli. Am Freitag wird in Manchester eine Konferenz zwischen Ver- tretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer der Baumwollindu- strie abgehalten werden, um womöglich eine Regelung der Lohn- streitigkeiten zu erreichen. Sollt« die Konferenz erfolglos bleiben, dann besteht die Gefahr, daß 600 000 Arbeiter und Arbeiterinnen in Lancashire am Ende des Monats ausgesperrt sein werden. Gowjetpolitik. In der.Fkoten Fahne" vom Dienstag, 16. Juli, beklagt sich ein „Angestelltenkorrespondent" darüber, daß der Vor- sitzende des Angestelltenrates der Konsumgenossenschaft es abgelehnt habe,«inen entlassenen Kollegen vor dem Arbeitsgericht zu vertreten, nur well besagter Kollege aus dem ZdA. ausgetreten ist. Das fei SPD.-Terror und sozialfaschistische Brutalität. Schön. Aber in einer anderen„Angestelltenkorrespon- d« n z" derselben Nummer wird zum Schluß gesagt:„Sie müssen i n d e n ZdA. eintreten." Die Hitze mag manches entschuldigen. Aber immerhin... Man muß allerding» zugeben, baß die Leser de««olschewiste». glattes für geistige Verblödung durch anhallende Trainierung in hohem Grade empfänglich gemacht werden. Roch vor kurzer Zeit hieß es da:„Hönde weg von China!" Und jetzt, wenn man durch unser Ehinesenviertel geht, dann begegnet man sicher einem sowjet- gesternten Jüngling, der jeden Chinamann anpöbelt. Der 1. August als„Antikriegstag" ist nichts anderes als ein einziger Kriegsrummcl. Stalin will es! Ausdehnung des argentinischen Hafenarbeitersireiks Buenos Aires, 18. Juli.(Eigenbericht.) Mit den streikenden Rofario-Hafenarbeitern find bisher die Arbeiter in neun argentinischen Häfen in den Sympathiestreik ge» treten. Die Hafenarbeiter in Buenos Aires planen vorläufig einen 48stündigen Proteststreik. Donnerstag, 18. JulL » B e i Ii s. 16.00 Alfred Einstein: Zum Andenken an Hnjo Rlemann. 16.30 Dr. Lnther: Zwischen den Zeiten. 17.00 Lieder. 1. fr. Schubert. 2. P. Tschalkowsky.(Sophie Krause, Sopran; am Flügel: Max Nrhrath.) Anschließend Tecmusik Hotel Kaiserbof. 18.00„Die Jaifband unter den Sternen" von Kurt Heuser.(Gelesen von Emil Lind.) Anschließend Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitt«. 19.00 Dr. von Allesch. Qreifswald; Der Einfluß der Umwelt auf die Entwicti lung des Kindes. 19.30 Dr. M. Hilgheüner: Berliner Naturschutzgebiete. 20.00 Uebertragnng aus dem Berliner Leben. 21.00 1. Mozart: Sonate für Violine und Klavier(K.-V. 380)(Stefan Frenke! und Franz Osborn). 2. Lieder von Schubert, Schumann und R. Strauß (Jobannes Willy. Bariton: am Flügel: Willy Jäger). 3. C. Rathaus: So* nate für Violine und Klavier op. 14(Stefan Frenke! und Franz Osborn). Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. 23.00 Ais Einlage: Uetertragung vom Flughafen Tempelhof. Während der Pause: Bildfunk. � K ö n 1 g s w n s t e r h a n s e n. 16.00 William Wauer, Ursula Scherz; Das plastische Gestalten beim Kleinkind. 16.30 Dr. Werner Mahrholz: Neuerscheinungen. 18.00 Dr. Siegfried Scharfe: Deutsche Kulturgeltung in Amerika. 18.30 Hans von Hülsen: Besuch in Ob-mpia. 18.56 Direktor Pfeil: Zucht und Pflege des deutschen Nutzhuhnes. 19.20 Dr. Werner: Ricarda Huch zum 65. Geburtstage. Wetter für Berlin: Nach vorübergehender Bewölkungszu- nähme wieder heiter und warm. Für Deutschlaud: Im mittleren Norddeutschland nur vorübergehend etwas Gewitterneigung. Sonst überall Fortbestand der sommerlichen Witterung. Lecontmortl.'Iii hie Sebaftion: Bulfnang Schwant. Berlin: Äitzetarn: Th. 61» de, Berlin. Berlag: Borwart» Verlag G. m b. 6., Berlin. Druck: Vonnärts Buih- druderei und Bcrfagsanstalt Paul Singer& So.. Berlin£28 68. Linden flrase S. £ictjn 1 Beilage. föefloge Donnerstag, 18. Juli 1929 SprÄbmö StxnJnHi�nlfk<(ti Tiere, die zusammenleben Natarbetrachtung von Hans Hyan In den Pampas von Buenos Aires bis Patagonien im nörd- lichen Amerika lebt ein Nagetier, das dort in grohen Mengen auf- tritt und in kultivierten Gegenden arg verfolgt wird, die D i s c a ch a. Ein Nager, ein Mittelding zwischen Kaninchen, Hamster und Eichhörnchen, mit gedrungenem Leib, viel längeren Himer- als Vorderbeinen und einer sehr drolligen eigenartigen schwarzweißen Kopfzeichnung zu dem grauen Fell des übrigen Körpers. Diese übrigens ziemlich langgeschwänzte Discacha ver- mehrt sich, wie unser Wildkaninchen, außerordentlich stark, ist wie dleses ein Erdtier und unterminiert in rastloser Arbeit ganze Länoerstrecken. Sie wird vom Menschen nicht so sehr seines Titeaya liebt die Möhleneule niriii, aber der kleine ttaehlroget IBfil flcb fein Terfleck vor dem Tagetllehl nicht rauben, Fleisches wegen gesagt, als seiner Schädlichkeit halber vernichtet. Wie alle Nager hält sie sich in der Nähe von Ansiedlungen auf, wo denn tatsächlich auch hunderte, ja selbst tausende der söge- nannten„Discacheras" zu finden sind. Und das seltsamste, was mich veranlaßt, hier von der Viscacha zu reden, ist ihre Lebens- gemeinschaft mit einer Vogelart: der Höhleneule. Diese ist eine Verwandte des Steinkauzes, nicht höher wie eine Hand lang. Lebt im südlichen wie im nördlichen Amerika und jagt gegen Adend und nachts die besonders in Argentinien außerordentlich zahlreichen sehr großen Mistkäfer. Auch Kanincheneule ge- nannt, ist sie, immer paarig lebend, durchaus vergesellschaftet mir den Viscachas, obwohl die immer unsaubere Eule dem Nager ein Greuel mit ihrer Unreinlichkeit ist. Aus diesem Grunde verlassen denn auch die Viscachas ihre Höhlen immer wieder und eröffnen neue Siedlungen, wobei sie mellenweite Landstrccken für die Kultur unbrauchbar machen. Die beiden Tierarten sind aber keineswegs Alleinbewohner der Viscachahöhlen, sondern hier halten sich auch Präriehunde und eine Giftschlangenart auf, di« von der so zierlichen Eule mutig bekämpst wird. Derartige Lebensgemeinschaften, auch Symbiosen genannt. findet man in der Tierwelt immer wieder. Darwin, vielleicht der genialste oller Tierbeobachter, fand als erster die Zusammenhäng« und gegenseitigen Beweggründe solcher Symbiosen, z. B. der Wiesentlee ist für seine Bestäubung auf die Hummeln an- gewiesen: ohne deren Besuch bringt er keinen Samen. Den Hummelnestcrn aber stellen die Mäuse eifrig nach. Und di- Mäuse werden von den Kotzen gefressen. Wo viele Katzen sind, in der Nähe der Dörfer etwa, sind wenig Mäuse, und man wird be- Aber drüben in Amerika sind weder Schlupfwespen noch Naupen- fliegen vorhanden, und so dauerte es gar nicht lange, bis sich die beiden Spinnerarten derart vermehrten, daß sie ganz« Wälder zugrunde richteten und nebenbei da» Auskommen anderer Schad- gesellen, zum Beispiel der Borkenkäfer, sehr begünstigten. Nun gibt es auch Tiers, die eine ganz ausgesprochene Freund- schast miteinander verbindet, wenn man sich auch unter diesem Begriff menschlich etwas anderes vorstellt, als dort wahrscheinlich vorhanden Ist. Das Nützlichkeitsprtnzip, was zweifellos auch dem domo wplen» letzten Endes in allem seinen Tun richtunggebend ist. aber vom Menschen immer dem goldigen Mantel des Ideals umkleidet wird, das tritt in der Tierwelt überragend hervor. Das afrikanische Nashorn, ebenso wie der Elefant, überhaupt wohl das meiste Großwild, da» di« endlosen Steppen des schwarzen Erdteils bevölkert, duldet gern die Gesellschaft gewisier Vogelarten, die auf seinem Rücken dauernd Wohnung nehmen. Besonders di« Kuhreiher, aber auch andere starähnliche Vögel, die sogenannten Madenhacker, sind ständig über den großen Säugern und befreien deren Haut und Fell von den Parasiten, die sonst Entzündungen hervorrufen und den Groß- tieren gefährlich werden würden. Ein weit seltsamerer Anblick aber ist es, wenn man in den Stromgebieten Afrikas die Krokodile im Uferschlamm oder Röhncht beobachtet und man sieht, wie die großen Saurier mit aufgesperrtem Rachen daliegen und in diesem Rachen zwischen den Reihen furchtbarer Zähne kleine Vögel stehen und hin- und herlaufend, der Riesenechse Zahnpflege leisten. Krokodlle werden bis zu tausend Jahre alt. Ein paar hundert Jahr sind noch kein Alter für die Panzerechsen. Die kaltblütigen Tiere haben nämlich einen weitaus langsameren Herzschlag, als die Warmblütler. Bei ihrem außerordentlich trägen Lebenstempo können sie also leicht sehr all werden. Aber sie müssen die Möglichkell haben, zu fressen, zu rauben und ihre Nahrung zu zerreißen. Das Krokodll ist vor- wiegend Aasfresser und zwischen seinen eng gestellten Zähnen bleiben Reste dieser unappetlichcn Nahrung in Mengen sitzen. Davon befreit sie der Wächtervogel. Töte er es nicht, so würden bald die blitzenden Zahndolche faulen und das gepanzerte Ungetüm müßte weit früher zugrunde gehen. Sehr interessant sind die Symbiosen der Meertiere, wenn- gleich wir die Zusammenhänge bei diesen oft nicht kennen. Der Korallenfisch trägt einer Actimenart(S e e n e l k e) direkt Nahrung, Würmer usw. zu Warum er es tut— wir wisien es nicht. Vielleicht hilft sie ihm beim Laichgeschäft, wenn der männ» liche Fisch die abgelegten Eier des Weibchens befruchten will. Diese zwischen Pflanze unh Tier schwankenden Seegeschöpfe sind überhaupt äußerst anschlußbedürftig. Wenn der Einsiedler» krebs ein Schneckenhaus sich aussucht, um seine un- geschützte Hinterfront ans diese Weise widerstandsfähiger zu machen, so ist das verständlich. Weshalb aber die A c t i n t e. die doch auf jedem Felsen sich ansiedeln kann und durchaus bc- d>er rol gelb geflrelfte 3loraUenfl/th irägi der Seenelke If firmer alt Spelfe mu. wegungsfähig ist, gerade die Muschel aussucht, die der Einsiedler» krebs als Schutzgehäuse erwähll hat, das rst nicht so leicht zu ent» rätseln. Wir müssen uns damit trösten, daß die tiefe Logik, die m allem Geschehen unwandelbar mächtig ist, vor unseren etwas kurz- sichtigen Augen häufig verborgen bleibt. Gotthard Brodt: ProphezeihungeD über das Weltende Ter glnjledierkrebt, felbfl gast Im Schneehenhaut, dient der Seenelke alt Seitpferd. merken, daß um die Dörfer herum der Klee bester gedeiht, weil dort eben reichlich Hummeln vorkommen. Man darf also sagen. daß Klee. Hummeln, Mäuse und Katzen eine Lebensgemeinschaft bilden, die ja keineswegs immer eine Freundschaft sein muß. sondern sehr wohl, wie in diesem Fall, auf absoluten Feindschaften fußt, die aber doch in ihrer gesamten Auswirkung zu der Existenz und zum Fortkommen der Geschöpfe und Pflanzen notwendig ist. Bekannt ist. daß über Hunderte und Tausend« von Meilen durch Eisenbahn- und Schifssverkehr. jetzt vielleicht sogar mit dem Flugzeug tierische und pflanzliche Wesen von einem Erdteil oder Lande in das well entfernte andere Gebiet verschleppt werden. Die ehemals nur in Europa vorkommenden Nachtschmetterlings- arten: der Schwammspinner und der Goldafter, sind in die„Neue Welt"' auf solche Weise eingeschleppt worden. Dies- sells des Meeres konnten die beiden Spinnerarten nicht allzu g«. fährlich wcrocn. denn Schlupfwespen und Raupenfliegen töteten Hier den größten Teil der Rachkommenschaft jener Schmetterlinge. Im Jahre 1926 sollte nach den Prophezeiungen der Adventisten die Well untergehen, aber sie ist glücklicherweise noch immer vor- Händen. Nun jagen die hereingefallenen Propheten: der Weltunter. gang stehe nahe bevor, und der Prophet Weißenberg sieht sie schon jetzt teilweise untergehen. Wir brauchen uns aber deswegen keine große Sorgen zu macheii, denn es liegen uns eine große Anzahl von derartigen Prophezeiungen aus allen Zeiten der Geschichte vor, die, wie wir wissen, nicht in Erfüllung gingen, aber damals bitter ernst genomnien wurden. Im Jahre 969 pkophezeite z. B. der Astrologe Bernhard aus Thüringen das baldige Wellend« und nannte sogar den Tag und die Stunde genau, an dem es kommen würde. Er sagte, daß der Tag, an dem das Fest Mariä Verkündigung aus einen Karfreitag fiele, der Tag des Weltunterganges sei. Dies war im Jahr« 992 der Fall, aber die Well zeigte nicht die geringste Neigung, unter- zugehen. Trotzdem begannen aber während des nächsten Jahr- hmrderts alle fürstlichen Erlasse mit den Worten:„Da das Ende der Welt nahe ist..." Im Jahre 1186 fetzten die Astrologen wiederum die ganze Well in Schrecken durch die Noraussagung daß alle Planeten zusammenstoßen würden, und zu Begiim des 14. Jahrhunderts verkündete der Aichemi st Dilleneuoe, daß im Jahre 1333 der Antichrist kommen würde. Der berühmte spanische Wahrsager Vincento Ferrier versicherte, daß die Welt nur so lang«, d. h. so viele Jahre bestehen wird, als die Psalmen Verse entHallen. Da die» ungefähr 2Z99 sind, so haben wir, die wir augenblicklich leben, in dieser Hinsicht nichts mehr zu befürchten. Für das Jahr 1832 war ebenfalls ein Weltuntergang vorgesehen und prophezeit, aber er blieb aus. Trotzdem macht« die Voraussage, daß das Schreckliche bestimmt im Jahre 1819 eintreten würde, geivoitigen Eindruck. Am 6. Januar war der furchtbare Tag. Tausende von Menschen mochten ihr Testament und erwarteten zitternd den Tod. Wir dürfen nun nicht etwa glaubeii, daß der Weltuntergang unbedingt in dos Gebiet des reinen Aberglaubens zu verweisen ist. Dies wäre insofern unrichtig, als auch bedeutend« Gelehrte und Astronomen solch« prophezeit haben, wie wir gleich sehen werden. Wir wollen es also bei den eben aufgeführten astrologischen und kabbalistischen Prophezeiungen belassen und uns den modernen wissenschastschen Theorien zuwenden, die sich mit der Frage des Well- öder besser Erdunterganges beschäftigen. Der berühmt«, unlängst verstorben« französische Astronom, der Direktor der Pariser Sternwart«, Flammarion, war es nämlich, der den Weltuntergang für den 18. Mai 1919 prophezeite. Er glaubte, daß dieser durch den Halleyschen Kometen, der an diesem Tage die größte Sonnennähe erreichte und infolge. dessen nur 2Z Millionen Kilometer van der Erde entfernt war, hervorgerufen werden würde, da die Länge der Kometenschweife von ihm und anderen Astronomen auf 32 bis 56 Millionen Kilo. Nieter geschätzt wurde. Halle daher der Schweif de» genannten Kometen die Richtung nach der Erb« zu, so mußte diese durch ihn hindurch. Sie ist aber nicht durch ihn hindurch gegangen, hat also auch infolgedessen, wie wir wissen, keinen Schaden durch den Kometen genommen Schaden könnte ihr höchstens ein Zusammenstoß mit dem Kometen selbst. Aber zu einer eigenllichen Zer. llürmnerung der Erde würde es auch hierbei nicht kommen, sondern es würde lediglich ein« chemische Verewigung des verdichteten Schweifes des Kometen mll dem Sauerstoff unserer Atmosphäre stattfinden, wodurch dann auf Million«: von Meilen Im Wellraum di« schönsten bengalischen Feuer entstehen würden. In dieser groß- artigen Illumwatwn würde dann in einem Moment das ganz« irdische Leben erlöschen. Aber hö«» wir mm, wie die letzten Tage der Erde van Flamnmrion noch vor wenigen Jahren geschildert wurden: er sagte darüber etwa folgendes: Die Sonne ist ein Himmelskörper, der wie alles.der Ver- änderung unterworfen ist. Schon jetzt nimmt man auf ihrer Ober- fläche viele Flecken wahr, die sich unaufhörlich vergrößern und be- zeugen, jzaß die Sonne erkaltet. Während sie die Erde und die übrigen Planeten durch die frvststarrenden Räume des Wollalls mit sich fortreißt, verliert sie ihre Wärm« und ihr Licht. Es kommt also hie Zeit, wo ihre erkaltete Oberfläche weder Licht noch Wärme ausstrahlt und somit aufhört, die Quelle allen irdischen Lebens zu fem. Aber das Menschengeschlecht wird diesen Tag nicht mehr erleben und die letzten Strahlen der ' erlöschenden Sonne incht mehr sehen. Infolge der Verringerung der Sonnenwärme werden sich die E i s r e g i o n e n immer weiter ausdehnen: m den Meeren und Ländern dieser Regionen wird sich kein Leben mehr erhalten tonnen, und alles Lebende wird sich allmählich unter dem Aequator konzentrieren, wo die letzten Kinder der Erde den letzten Kampf mit dem Tode führen werden. Zuletzt l«rd die zu«wer Wüste geworden« Erde nichts anderes mehr fein als ein riesiges Grob. Die Sonne wird erst rot. dann schwarz werden, und unser ganzes Planetensystem wird nur noch aus schwarzen Massen bestehen, die sich um eine ebenso schwarze Riesentugel drehen. Diese Hypothese Flammarions ist zweifellos interessant, aber ihr ist diejenige, di« der berühmte Naturforscher B u f f o n auf- stellte, gerade entgegengesetzt. Dieser berechnete nämlich daß die Erde allmählich erkalte, die Menschheit aber noch nahezu 93 999 Jahre aus ihr leben könne. So lange würde es dauern, behauptete er, bis die Erdrinde erkaltet sei und alles Leben aufhören muß. Ein« andere Theorie besagt wieder, daß das Innere der Erde au- einer feurigen, flüssigen Masse besteht, und daß, wenn die Vulkane— die die Sicherheitsventile der Erde vorstellen—. sich einmal verstopfen würden, die Erde in Stücke zerspringen müsse. Ihre Scherben müssen dann ini Weltraum verschwinden, und wir Menschen würden auf diese Art nicht durch Kälte, sondern durch Feuer umkommen. Es gibt noch mehr Theorien über das Erdende. So behauptet z. B. eine, daß die Erde langsam und ruhig durch Verslachung der Oberfläche absterben wird: sie erklärt dies folgendermaßen: Wind und Regen führen allmählich die Oberfläche der Berg« zu Tal, und die angeschwemmte Erde wird von Flüssen und Bächen dem Meere zugeführt. Die Unebenheiten der Erde verschwinden infolge- dessen mehr und mehr, während das Meer andererseits immer mehr Über seine Ufer tritt, bis es die ganze Erde bedeckt und alles Leben auf dieser vernichtet hat. Nach der Theorie von A d h e m a r kann der Weltuntergang ebenfalls durch eine Ueberschwemmung herbeigeführt werden. Diese entsteht noch seiner Meinung durch eine Verschiebung des Schwer» Punktes der Erde, die in etwa 6399 Iahren eintreten soll. Dos Auftauchen des ehemals verschwundenen Erdteils Atlantis fällt nach Berechimngen anderer Forscher ebenfalls in di« von Zldhämar errechnete Zeit. Viel früher läßt aber der englische Gelehrte Lord Kelvi» di« Erde zugrunde gehen. Er behauptet, daß in 333 Iahren jede» menschliche Wesen durch den Mangel an Sauerstoff dem Erstickungs» iod geweiht sein wird. Er gründet diese seine Behauptung auf di« Tatsach«, daß, da jede Tonne Brennmaterial drei Tonnen Sauer- stoff verzehrt, der Vorrat an Sauerstoff in dem erwähnten Zeitraum ausgegangen fein muß. Di« Meuchen beschleunigen also demnach das Ende der Erde selbst durch jedes Feuer, das sie anstecken. Trotz ollem: wie und wann die Erde nun wirklich einmal untergehen wird, entzieht sich freilich aller menschlichen Kenntnisse. iftie werden wir es ergründen: denn:„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie." Wer sagt denn bas?" „Der Dater und Cal.* Bessys blosses Gesicht wurde rot vor Zorn. Wie konnten Menschen nur so grausam sein? „Gemeine Leute!� rief sie. Jack starrte sie verwirrt an. „Nein�, widersprach er,„Dater und Cai sind böse Menschen, aber keine gemeinen Leute. Die gemeinen Leute wohnen in Fullersville und sind gute Menschen, wie Nora." „Ich verstehe dich nicht.* Bessy warf einen Blick auf di« billige Küchenuhr an der Wand.„Mein Gott, wie spät! Gleich wird der Vater und David da sein.* Sie lief zum cherd und machte sich dort zu schaffer „Kochst du?* fragte Jack. „Ja.*» „Du bist doch noch ein kleines Mädchen.* „Die Mutter ist vor zwei Iahren gestorben. Seitdem mache ich die ganze Hausarbeit.* Sie deckte den Tisch. Jack hatte noch nie so häßliche Teller und so verbogene Bestecke gesehen. Gellendes Pfeifen zerriß die Luft, klang durchs niedrige Fenster in die Küche. Jack schrak zusammen. „Was ist das?* „Die Sirenen. Mittagspause.* Besiy hantierte immer eifriger in der Küche. „Weshalb pfeifen sie?* Bessy sah den kleinen Gast erstaunt an. Woher kommst du denn, daß du nichts von den Betrieben weißt? Wer bist du?* „Jack Füller.* Bessy runzelte die Stirn, ihr sanftes Gesicht wurde Plötz- lich hart. „Bist du mit Daniel Füller verwandt?* „Er ist mein Vater.* „Oh!* Nur ein kurzer Ausruf,«.in rascher scharfer Blick aus den blauen Mädchenaugen, aber dem kleinen Jack war zumute, als stehe er plötzlich wieder jener Feindseligkeit gegenüber, die sein kurzes Kinderleben mit so viel Bitterkeit erfüllt hatte. Erschrocken blickt« er das Mädchen an. „Jetzt magst du mich auf einmal nicht mehr. Darum. Bessy?* Sie schaute auf die klägliche, verkrüppelte kleine Gestalt, auf die Krücke, die neben der Bant lehnte, und ein gutes Lächeln kam auf ihr Gesicht. Sie trat hastig zu dem Knaben und streichelte feinen Kopf. „Unsinn, kleiner Jack. Es ist nur...* Sie stockte.„Der Dater und David arbeiten in den Betrieben deines Daters und.,. er ist ein schlechter Arbeitgeber...* Jack wußte zwar nicht, was ein Arbeitgeber war,-doch stimmte er Bessy eifrig zu:„Ja, der Dater ist schlecht, das weiß ich. Ich hasse ihn.* Die Tür ging auf, ein älterer, bereits ergrauter Mann trat ein, gefolgt von einem etwa fünfzehnjährigen Burschen. Mit einem kurzen Nicken traten die beiden zum Ausguß, wuschen sich Gesicht und Hände. Bessy hob eine Schüssel vom Herd, stellte sich auf den Tisch. Nun erst bemerkte David Gordon den fremden Knaben. „Wer ist denn das?* fragte er. Bessy zog den Bruder und den Vater in eine Ecke, flüsterte mit ihnen. Der alte Jim Gordon lachte. David aber machte ein zorniges Gesicht. Bessy redete eifrig auf den Bruder ein, und schließlich verschwand der Aerger aus Davids Zügen. Er trat zu Jack, hob ihn auf und trug ihn an den Tisch. «Komm, kleiner Kerl, iß mit uns. Da kannst du sehen, wie gut die Arbeiter deines Vaters leben." „Nicht, David*, der alte Gordon legte Jack freundlich die Hand auf die Schulter.„Was kann das Kind dafür?* Jack staunte über die Mahlzeit, Suppe und Kartoffel.— das war alles. Er war nach dem langen Gang hungrig, hätte gern mehr gegessen. „Warum eßt ihr so wenig?* fragte er. „Weil wir kein Geld haben, um mehr zu essen.* David Gordons Stimme klang gereizt. Jack schwieg etwas erschrocken. „Bist du böse auf mich?" fragte er den Burschen. „Nein, nicht auf dich.* Der alte Gordon mischte sich begütigend ins Gespräch: Jack verlor seine Scheu, erzählte nun auch ihm und David, weshalb er nach Fullersville gekommen war. Davids hartes junges Gesicht wurde sanfter.„Armer kleiner Teufel*, brummte er. „Ich will immer hier bleiben," erklärte Jack.„Gehe nicht mehr heim. Darf Ich bei euch.leben?" Der Gordon lacht«: dann versuchte er, Jack klarzumachen, das ginge nicht, er müsse nach Hause zurück. «Ich habe Geld,* sagte der altklug.„Alles Geld meiner Mutter, ich hörte einmal, wie der Vater darüber sprach. Sobald ich einundzwanzig bin, bekomme ich es. Dann gebe ich es euch und ihr könnt ordentlich essen." Der alte Gordon stand auf. „Zeit, David. Wir müssen gehen. Bessy, beHalle den Kleinen noch hier, ich werde von der Fabrik aus nach Fuller-Manor telephanieren, daß das Kind bei uns ist und mit dem Auto geholt «erden soll." Cr schüllelte Jack die Hand. „Leb wohl, kleiner Kerl.* Auch David nahm Abschied, betrachtete noch einmal den Knaben mit einem seltsamen Blick, halb Milleid. halb Zorn. Eine halbe Stunde später tutete dos Auto der Füllers vor dem Hause, und Bessy half dem kleinen Krüppel di« steile eng« Treppe hinunter. „Ich komme wieder zu euch," beteuerte Jack halb weinend. „nicht wahr, ich darf wieder kommen?* .Freilich, aber dein Dater wird es nicht erlauben." ROMAN VON VWRENCE H Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden (1. Fortsetzung.) Dann komme ich so.* Bessy küßte Jack und hob ihn ins Auto. Der Chauffeur fuhr los. In wenigen Augenblicken war Fullersville mit seinem Rauch, Schmutz und Gestank, mit seinen guten Menschen, die Nora glichen und zu wenig zu essen hallen, aus Jacks Augen verschwunden. Aus feinen Augen, aber nicht aus seinem Verstand und seinein Herzen: da lebten sie weiter, die blasse sanfte Bessy, der llarke zornig« David und der gutmütige alle Gordon Das Bewußtsein, daß er irgendwo Freunde habe, verlieh dem Knaben ein sellsames Gefühl der Sicherhell. Die Schelte des Kindermädchens, die Ohr- feig« des Vaters tränkten ihn weit weniger als sonst. Es war viel- leicht das erstemal in Daniel Füllers Leben, daß sich ein Mensch offen gegen ihn auflehnte. Und dieser Mensch, der dem Gewalligen, dem Beherrscher der Stadt und des Staates entgegentrat, war ein verkrüppeltes kleines Kind, das, die Krücke unter dem Arm, vor dem Schreibtisch des Daters stand, das blasse Gesichtchen fast ebenso hart und grimmig wie das des Mannes, Feindfeligeit und Zorn in den tiefen grauen unkindlichen Augen. „Du bist ein schlechter Mensch!" rief Jack.„Ihr seid alle schlecht. Nur die Menschen in Fullersville sind gut. Und die haben zu wenig zu essen. Und haben nur eine Küche und eine Stube. Kein großes Haus wie du. Aber wenn ich groß bin, werden sie alles haben und du nichts!* Da klatschte die Ohrfeige auf Jacks Wange nieder. Aber der Knabe brach nicht wie sonst in Tränen aus. Haßerfüllt starrte er dm Dater an. „David Gordon ist groß und stark. Stärker als du und Tai. Eines Tages werden sie dich strafen. Ja, sie werden kommen und dich totschlagen!* Jack erschrak vor seinen eigenen Worten. Was wird der Dater jetzt mll ihm tun? Aber seltsamerweise geschah nichts Schreckliches. Daniel Füller starrt« seinen Sohn«inen Augenblick verblüfft an, dann lachte er spöllisch: „So, sie werden mich totschlagen? O nein, mein Junge, das werdm sie nicht. Denn ich bin der Herr, mir gehört alles, die Re- gierung, die Bonken, die Miliz. Sie sollm nur wagen, sich zu mucksen. Es gibt in unserem Staat Gefängnisse genug und auch, Gott sei Dank, einen elektrischen Stuhl. Nein, mein Sohn, ich bii» der Herr und werde es bleiben!* Daniel Füller hatte völlig vergessen, daß er zu einem sieben. jährigen Kind sprach:«r fühlle sich einem Feind gegenüber, einem offenm Feind, mll dem er fertig werden mußte. Aus dem kind- lichen Zorn des kleinen Krüppels hörte er Stimmen klingen, die trotz allem Terror, aller Unterdrückung immer wieder laut wurden, Recht und Gerechtigkeit fordernd. Diese Stimmen mußten zum Schweigen gebracht werden. Daniel Füller wiederholte noch ein- mal hart, unerschütterlich: „Ich bin der Herr.* Und das Kind, das für ihn den Feind verkörperte, entgegnete. unbewußt der Tragweite seiner Worte, nicht ahnend wieviel Millionen Menschen es die Stimme lieh: „Ja, heute noch, aber nicht immer.* Der Rebell. Daniel Füller hatte zum erstenmal in seinem Leben einen Gegner gefunden, mit dem er nicht fertig zu werden oermochte. Bisweilen dachte der Herr von Fullersville und dem Staate Oh o mit grimmigem Lächeln an die Feinde, die er schon zu Kreuz kriechen gesehen halle, an den Gouverneur des Staates, der ein „Reformer* gewesen war und die Kinderarbeit in den Fabriken bekämpft hatte. Wo war der tapfere John O'Eullan heut«? In irgendeinem kleinen Nest im Westen, ein zugrunde gerichteter, ver- grämter, verfemter Mann. Und auch alle anderen, di« sich dem Allmächtigen der Fuller-Betriebe entgegengestellt hallen— es gab keinen einzigen, der nicht besiegt worden wäre. So oder so. Durch Daniel Füllers liebenswürdiges Lächeln, das je nach dem Range des Betreffenden tausend, zebntausend, hunderttausend Dollar br beutete, oder aber, in den seltenen Fällen, da sich der Gegner vi'H bestechen ließ, durch Daniel Füllers unsichtbare Hand, die an den Drähten seiner Puppen, der Behörden zog. Daniel Füller bane sich mit einem gewissen Recht für allmächtig gehalten, und nun mußte er erkennen, es gebe einen Menschen, der ihni Trotz zu bieten wagte, Immer wieder uich wieder, den jede Strafe nur noch eigensinniger und verstockter machte seinen jüngeren Sohn. Er hatte Jack aufs strengste untersagt, nach Fullersville zu gehen und mit den Gordons zu verkehren, aber irgendwie gelang es dem Knaben Immer wieder, seinen Willen durchzusetzen. Er riß aus, bisweilen zu so früher Morgenstunde, daß noch niemand im Hause wach war, fand stets irgendeinen Fuhrmann oder Automobilisten, der ihn ein Stück des Weges mitnahm. Die Gordons rührte die Liebe des Kindes, das allen Strafen, allen Verboten zum Trotz in der kleinen Küche erschien, atemlos, aufgeregt, aber glückselig, wieder bei den Freunden zu sein. Sogar David verzieh dem mutigen kleinen Kerl seine Herkunft und freundete sich mit ihm an. (Fortsetzung folgt.) «« »« PUtf DEN KLEINGÄRTNER. a)iiHiWiwiiininiiuiiuiiuiiuiiiiuiiiiiMiiiiinuiiiiiiin:niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiuuiiiifliiuuiiiiniiiipiiiinmiiiiiiiiiiiiiiniiinnni>niiiiiiiiiMniiiiiiiiuiiiiii>iiiiiiiinuiuiiniminniiiiiimiiuiiiiiiinuimnuai Das Wasser— das Gießen,' Das Wasser spielt bei den Pflanzen genau die gleiche wichtige Rolle wie beim Menschen. Und das Gießen ist dem Trinken ver- gleichbar— die gewissermaßen„auf Vorrat* dauernd zu stark gegossene Pflanze gleicht dem Trinker, der sich übernimmt. Dom Wasser ist nun dasjenige, das die Natur uns direkt bietet, also Fluß- oder Teichwasser und Regenwasser, das für all« gärtnert- schen Kulturen am meisten geeignete. Es ist weich und meist, wenig- stens in den für die Draußenkulturen wichtigen Monaten— nicht so kalt wie das durch Pumpen aus der Erde geförderte Wasser. In und bei Städten kann freilich auch das Regenwasser sich verschmutzt (durch Ruß aus den Schornsteinen) erweisen, und ebenso wird dos Flußwasser darauf zu prüfen fein, ob es frei ist von Chemikalien (aus oberhalb gelegenen Fabriken). Aber sonst zwei ideale Wasserquellen, di« leider nur Verhältnis- mäßig wenigen Menschen zu Gebote stehen. Schnell sind bei starkem Regen die verfügbaren Bottiche, Eimer, Kriig« usw. gefüllt, und noch immer stürzt aus den Dachrinnen das kostbare Naß herunter und läuft nutzlos auf dem Wege fort. Das erste Regenwasser wird von dem Staub usw. des Daches schmutzig sein: da man nie wissen kann, wi« lange namentlich ein heftig«insetzender Regen anhält, ist es ge- boten, schon dieses erste Wasser aufzufangen, es aber nachher fort- zugießen und durch neues Wasser zu ersetzen. Die Schäden, die das„harte*, d. h. kalkige Wasser bewirkt, kann man durch ein einfaches Mittel abwenden: man läßt das Wasser eine längere Zeit hindurch, eventuell tagelang stehen: der Kalk fetzt sich, und das abgestandene Wasser ist verwendbar. Schlimmer ist es mit salpeterhaltigem Wasser. Der Siedler, der nicht durch andere Gründe auf«in bestimmtes Terrain hingewiesen wird, sollte daher sich nicht nur von der für Menschen, sondern auch für Pflanzen einwandfreien Beschaffenheit des erreichbaren Wassers überführen, und es wäre nur ein Akt der Klugheit, wenn die ihre Parzellen ousbietenden Gesellschaften und Privatpersonen in ihren Prospekten bestimmte Angaben über das Wasser machten. Auch die Tief«, m der man Wasser findet, kennen zu lernen ist erwünscht, da der für den Brunnen in Rechnung zu stellende Geldbetrag von der Tiefe abhängt. Wasserleitung, öffentliche oder mit elektrischem Motor und guter Pumpe versehene eigene Leitung, ist für größere Betriebe unbedingt notwendig. Das Pumpen des Wassers durch Windmotor« war einst sehr beliebt, und in Gegenden, wo fast immer Wind herrscht, auch gut geeignet: heute wird man aber zum elektrischen Motor greifen, der jederzeit gebrauchsfertig ist. Bei jeder Leitungsanloge sollte man einen hochgelegenen Wasserbehälter(auch Reservoir genannt) errichten, einmal um ohne Mowrdruck Wasser entnehmen zu können und zweitens, um jederzeit abgestandenes Wasser zu haben. Denn für Sämlinge in warmem oder kaltem Kasten das aus der Erde kommende kalte Wasser zu benutzen, wäre eine gleiche Torheit, wie das Eintauchen eines durch Sport erhitzten Menschen in eiskaltes Wasser.... Man wird des abends den Behälter vollpumpen und durch Schließen eines Ventils vor dem Ablaufen in di« Röhren sichern: am Morgen entnimmt man ihm dann das für das Gießen der Sämlinge und anderer empfindlicher Pflanzen— z. B der tags- vorher ausgepflanzten oder vor der Blüte stehenden notwendige Wasser. Da bei warmem Wetter gewöhnlich mehrfaches Gießen dieser Kulturen notwendig ist, wird man zunächst immer wieder auf Füllung des Behälters bedacht fein. Ist die Anbringung eines solchen Behälters nicht möglich, so kann man an den Standrohren od«r dem Standrohr der Leitung je einen(zweckmäßig nicht hölzernen, sondern aus Metall gefertigten Bottich aufstellen, in dem man sich abge- standenes Wasser verschafft. Bei einigermaßen größeren Betrieben genügt aber dieses Quantum abgestandenen Wassers nicht und so muß man schon zu den vom Motor geförderten kalten Wasser seme Zuflucht nehmen. Man wird aber vermeiden, es in dickem Strahl direkt auf di« Pflanzen auszuschütten, sondern vielmehr den Boden genügend durchfeuchten. Die jetzt in der Form von kleinen Sprengern(zuerst als Rasen- sprenge? auftauchend) konstruierten selbsttätigen Apparate sorgen für eine gleichmäßige feine Verteilung des Wassers: sie werden mittelst eines Schlauches an dem Standrohr der Leitung befestigt. Die großen Regenonlagen mit Röhrenaufbau über viele Meter hin- weg sind für große Betriebe geeignet. Daß man das Küchen- und Zimmerwasser nicht zum Gießen benutzt, wird begreiflich erscheinen, wenn man die Änwesenheit von Soda. Seife usw. denkt. Dieses Wasser ist gut für den Kompost- Haufen. Wie man sieht, ist die Wasserfrag« eine der wichtigsten des Gartenbaues, zumal, wenn man noch Rücksicht auf zu hohen oder leicht sich ändernden Wasserstand zu nehmen, und«in Zuviel womöglich durch Entwässerungsanlagen zu entfernen hat. Aber auch das Gießen selbst ist— wenn auch keine Wissenschaft — so doch eine Arbeit, die mit Ueberlegung ausgeführt werden muß. Davon soll in einem zweiten Artikel die Red« jein. Topfpflanzen. Topfpflanzen zu stqyken Exemplaren zu erziehen sst der Wunsch jeden Gartenfreundes, der auch leicht zu erfüllen ist. Man hat nur zu sorgen, daß die Pflanzen mehrmals umgepflanzt und dabei jedes- mal in größere Töpfe gebracht werden, deren neue Erde möglichst nahrhaft gewählt sein muß. Und die sorgfältige Bewässerung mit abgestandenem Wasser, sowie das Abspritzen des Staubes von bei Blättern trägt auch zum freudigen Wachstum bei. Die Erde der Töpf« soll feucht, aber nicht naß sein: auf guten Abzug durch die unten eingelegte Scherbe ist Wert zu legen. Wenn aber ein warmer Regen herniederströmt, ist es unbedenklich, die Pflanze hinou»-- zustellen: sie werden dieses Naß dankbar empfinden. Ameisen. So interessant es Ist. dem Lebe» u«d Treibe» der Ameise» zuzusehen, so unangenehm können sie werden, wenn sie sich an alle» Stellen des Gartens vorfinden. Obgleich sie keinen direkten Schaden anrichten, müssen sie dann doch beseitigt werden, damit der Besitzer und seine Gäste sich in Ruhe niederlassen können. Uebergießen de- Nester mit kochendem Wasser tütet die Ameisen und beseitigt auch einen großen Teil der Eier. Aber nicht immer ist dieses Mittel anwendbar, namentlich wenn die Ameisen sich am Fuß« der Obs:- bäume heimisch gemacht haben. Sie wandern sogar durch die Leimgürtel in die Kronen der Bäum«. Um sie �ür ihr« Naschhaftigkeit zu strafen, legt man in Zuckerlösung(oder Sirup) getauchte Schwämm' aus, in die sie hineinkriechen. Wenn man glaubt, daß der Zweck erfüllt ist, wirft man di«(oder den) Schwamm in kochendes Wasser. das di« Tiere tötet. Nach gründlicher Säuberung der Schwämme ist ihre Wiederverwendung im Haushalt ohne Bedenke». Ein einfaches Rasen' Düngemi tief. Nach dem Scheven des Rasens sst«ine gründliche Tränkung des Badens notwendig. Hat man einen Selbstsprenger, so läßt mau ihn ein« Viertelstunde auf einem Fleck stehen. Mit dem Gießen tan», man aber auch gleich eine Düngung verbinden. Mo» benutzt tz«.zu dos geschnittene Gras, wirft es in eine Tonne und gießt doppelt so viel Wasser darauf. Nach einigen Tagen nimmt man dt« braune Brühe und verdünnt sie mit der dreifachen Menge Wasser. M«eis der Gießkanne und Brause wird dieses einfach« Düngungsmittel auf den Rasen gegossen. Achtung, hier nicht baden! Weg mit Verbotstafeln, dafür richtige Aufklärung. Wenn in der Sommer- und Ferienzeit die Wanderfahrt an die schimmernde Fläche eines Gewässers führt, überkommt den Menschen die alt« Sehnsucht nach dem Wasser und das Bedürfnis nach Baden und Schwimmen. Der Wonderkundig« weiß viele herrliche Badeplätze, aber dort prangt gewöhnlich eine Tafel'„Baden bei Strafe verVoten." Wenn wirtlich dos Gewässer mit Gefahren droht, wenn also das Verbot «ine bestimmt« vorbeugende Maßnahme darstellt, dann wird es Anerkennung finden. Aber dazu bedarf es sicherlich keiner Straf- endrohung. Empfohlen fei das Borbild aus der Auestellung „Reifen und Wandern" in Dresden, wo man in einer Kose fÄechte und gut« Verbotstafeln ausgestellt hat. Ein rnuiterhasies Bei- spiel sieht fo aus'„Achtung, hier nicht baden!" und dann folgt die Aufklärung über da» Verbot mit bestimmten Schlagworten, z. B.: Steile Ufer— tiefer Schlammgrund— Schlinggewächse in der Nähe — hier S Meter Tiefe usw. Jeder Schwimmtundige wird an solchen Stellen kaum baden, denn es wäre größte Verantwortungslosigkeit und nahezu Selbstmord, angesichts falcher öffentlich bekanntgemachten Eefihrlichkeiten fein Leben zu riskieren Leider sieht man solch« „Warnungstafeln", die wirklich Nachahmung verdienen, vorläufig nur in einer Ausstellung. Die meisten Verbotstafeln sind Lockmittel oder Fallen, man spekuliert dabei aus den Widerstand und die Auflehnung bade- lustiger Menschen gegen derartige Verbote— Man läßt die Fremden erst vergnüglich baden, dann kommt der„Herr Besitzer" aus dem Hinterhalt und verlangt mit teuflifchem Grinfen die ihm rechtlich zustehenden Strafgelder. Die Gefahren beim Baden sind vielseitiger Natur. Am schlimmsten ergeht es den Schwimmunkundigen. Selbst im flachen Wasser auf schlüpfrigem Gestein sind schwer« Unfälle möglich. Dr. F. Petersen von der Universität Kiel beschäftigt sich seit Jahren mit der Untersuchung von Todesfällen an sich gesunder Menschen, die plötzlich im Wasser versanken. Er kommt dabei zu folgenden Fest- stellungen. Schnelles wielangsamesZuwassergehen führt fast immer zu einer mehr oder minder deutlichen Pressung. Der Badende geht in den meisten Fällen mit wagerecht erhobenen, leicht krampfhaft gehaltenen Armen ins Wasser und stellt den Brust- korb nach tiefem Einatmen in dieser Stellung fest. Die Pressung ist somit vorhanden. Sie wird um so intensiver sein, je größer der Gegen- satz zwischen der Temperatur des Wassers und der"Hautoberfläch'e ist und je plötzlicher die Abkühlung einsetzt. Durch die Pressung kann es in bestimmten Fällen zu Bewußtseinstrübungen kommen, die beim Aufenthalt, selbst im flachen Wasser Menschen mit kleinem, schwach- wandigem Herzen verhängnisvoll werden können. Gerade dadurch er- klärt sich, daß sich so viele Unfälle erstaunlicherweise in flachem Ge- wässer und bei Menschen ereignet haben, die des Schwimmens kundig waren. Die gleichen Vorgänge der Pressung finden sich in noch aus- gesprochenerem Maße bei Kopfspringen und T i e f t a u ch e n, wo sich zur Atembehinderung, den außerordentlich großen Kraft- anstrengungen auch noch der hohe Außendruck des Wassers hinzu, gesellt, so daß mit diesen Erscheinungen alle Bedingungen gegeben sind, den Druck der Lungenkrast sehr schnell noch weiter steigern. Ein z» voller oder zu leerer Magen, Menstruation oder übermäßige körperliche Erregungen vor dem Baden erleichtern eine plötzlich auf- tretende Ohnmacht. Der Wanderfllhrer trägt ein volles Maß von Verant- wortung, wenn er mit seinen Schützlingen einen Badeausflug unter. nimmt. Darum muß es um so verwunderlicher erscheinen, daß man wenig danach fragt, ob der Wandersührer schwimmen kann. Der Wanderführer kann seiner Gefolgschaft Sinn und Technik in bester Weise übermitteln. Pflicht eines jeden Führers ist es, den anderen in der Gefahr Hilfe zu leisten. Und erst recht beim Baden und Schwimmen. Daher muß jeder Wanderführer schwimmen können, und zwar ordentlich und sicher. Und wer über solches Können ver- fügt, der kann die Badeplätze bei Wanderungen vorher erst auf ihr« Sicherheit hin prüfen, ehe seine Schützlinge von den Gefahren über- rascht werden. Wenn Menschenleben in Gefahr sind, muh der Wanderführer beherzt hinzuspringen, helfen und retten können. Gewiß verlangt diese Forderung außerordentliche Schwimmtüchtig- ke-it, aber sie stärkt das Vertrauen persönlich und allgemein und kann zu einer wesentlichen Dermisderung der häufigen Badeunfälle beim Wandern beitrogen. Mögen alle Jugendgruppen und Organisationen der Arbeiterschaft sich dieser Gedanken einmal in herzhafter Weise annehmen. Im Sonderzug nach Nürnberg! Zum 2. Arbciter-Turn- und Sportfest. 5dl den heutigen Dermittagsstunden werden auf dem Haupt- bahnhof in Nürnberg di« Banner des Arbeiter- Turn» und Sportbvn'des hochgezogen. Die Arbeiterschaft Nürnbergs wird auf dem weiten Bahnhofsvorgeländ« aufmarschiert sein, um die Gäste aus dem Reich zu begrüßen. Aue allen Sauen Deutschlands werden die Sonderzüge, die Lastwogen und die Radsahrerkolonnen in den heutigen Dor. und Nachmittagsstunden in Nürnberg eintreffen. Di« Stadt de» Mittelaller» wird im Festschmuck prangen, auch in den kleinsten winkligen Gassen werden die roten Banner und die de» Reiches grüßen. Di« Berliner Sportler sind gestern abend nach Nürnberg ab- gefahren. Nach den wochenlangen Porberellungen, nach den un- zähligen Ausfcheidungskämpfen waren endlich die Mannschaften zusammengestellt. Weit mehr Sportler, als in den Wetlkampfen austreten werden, haben die Fahrt nach Nürnberg mitgemacht. Sie wollen die Kamps- und Keterstunden der roten Sportler mitmachen. Am Hertzbergplag In Neukölln sammelten sich gegen 19 Uhr die Neuköllner Nurnberg�lahrer. Mit Musik und Gesang ging es zum Hauptsammelolatz, dem Gewerkschastvhaus. Im Gewerkschastshaus war ein buntes Leben und Treiben. Ueberall stoloerte man über Rucksäcke, über eingepackte Faltboote. Die eingerollten Fahnen und Wimpel standen in den Ecken. Die Funktionär, hatten all« Hände voll zu tun, um die Fahrtteilnehmer richtig zu gruppieren und auf die beiden Sonderzüge zu verteilen. Das war gar nicht so einfach, jeder hall« sein« besonderen Wünsch«, der«ine wollt« nicht mll dem ersten, der andere nicht mit dem zweiten mitfahren. Mit viel Humor war aber schließlich all«, so weit, daß der Zug zum Babn- hos formiert werden tonnt«. Die FTGB.-Kapelle setzte sich an die Spitz« des Zuges und bracht« die Sportler zum Bahnhof. Zu Tausenden gaben die Berliner Sportler den Nürnberg-Fahrern das Geleit, vis an die Bannmeile marschierten die Sportler in einem geschlossenen Zuge und dann in einzelnen Gruppen zum Dahnhof. Aus dem Anhalter Bahnhos waren dl« Wortesäle schon in den frühen Abendstunden von den Spsrtlern besetzt. Aus dem Saugebiet waren die Nürnberg-Fahrer schon nach Berlin gekommen, um von hier mit den Beilinern gemeiniam weiterzufahren. Mitten in dem Reisetrubel wurde der erste Sonderzug zusammengestellt. Gleich nach dem Nürnberger V-Zug verließ er 10.S» Uhr di« Halle. Im erste» Zug fuhr auch die«reislettung. Die zurückbleibenden Sportler schickten ihre Komeradtn mit einem stürmischen„Frei Heil auf die »eise. Eine helbe Stund« später folgt« der zweit« Zug. der über- vell besetzt»ar Luch hier wieder«in eifriges Winten und Rufen, bt» der Zug bi« Hell« oerlassen hatte. Heut« vormittag»erden bi« Berliner i« Nürnberg eintreffe«. Nürnberg het feinen Ruf als gastliche Stadt für Arbeiter. In, Sehr« 19» legte die AMeiterfugend ihr großes Jugendtreffen in die Dllrer-Stadt. 19A> da, Reichsbanner feine große v-rfassungsfeier. Wer beide Feiern mllgemacht hat. der weiß, daß die Nürnberger auch diesmal wieder alle« aufbieten Verden, um den großen Aufmersch de» Arbeiter- Turn- und Sportbundes zu einer gewalftgen Veranstaltung werden zu lassen. Die Nürnberger «erden nicht nur ihre Stadt ausschmücken, werden nicht nur die Gift» au, dem Reich festlich bewirten, sie werden auch feldst mitmarschieren, wenn die Arbeiterfportler zum Semmel» rufen. Die kußball sparte in Nürnberg. Zu de» zweiten Lundesfest in Nürnberg hat der 1. Kreis zwei repräsentative Mannschaften ausgestellt. Die eine Mannschaft gitt als Kreis» die andere als Funklionärmaiinfchast. 5ür die Kreismannschaft sind folgende Spieler vorgesehen- osenk«(Karow), Eckelt(Karow), Taubmann(Weißensee), Moritz (Polsdamm gz), Krüger(Luckenwalde), Jahn(Weißensee), Lang« (Butab), Kleine(Lutab), Bengsch(Oberspree), Israel(Eiche- Köpenick), Wendland(Luckenwalde). Als Ersatz Fellner(Weißen- jet), Friedrich, Gebhordt, Zinnvw(fämtlich Potsdam 94). Die Funttionärmannlchaft hat folgend« Aufstellung: Israel (Eiche.Kopenick). Radtke(Kreisvorstand), Zachow(Saxonia). echuittmüRn(Schweissterne). Taubmann(Weißenfee), Brandenburg (Schwelssterne), Malina(Saxonia), Stöhr(Saxonia), Bengsch (Oberspree), Lange(Butab), Scheller(Vutab). Durch die Spiele in Nürnberg finden nur wenige S e r i e n s p i l e statt. In Brandenburg a. d. H. treffen sich Brandenburger auf Ruhlsdorf. Die Ruhlsdorser. die über eine sehr spielstarke Mannschaft verfügen, werden den Branden- burgern schwer zu schaffen machen. T e m p e l h o s Mrt ngch Luckenwalde, um dort gegen die 5. Abteilung der Lücken- w a l b e r Turner zu spielen. Am letzten Sonntag zeigten die Tempelhofer gegen Brandenburg ein sehr gutes Spiel, so daß sie mit einem Siege heimkehren dürften. Hoppegarten und Hertha 11 treffen sich in Hoppegarten. Zweite Mannschaften: Rathenow 3 gegen Branden. bürg, Nowawes gegen Obsrspree�Iuaend, Brandenburg gegen Caputh, Lichtenberg ll gegen Stettin, Spandau gegen Werder 77, Cladow gegen Vorwärts. Anfang der Spiele: erste Mannschaften 17 Uhr. zweite Mannschaften IS, 15 Uhr, Jugeno 10,30 Uhr. kreitag abend bei Rüth Raynaud-Dayen oder T on an i- Knappe? Diese Frage soll am Freitagabend auf der Rütt-Arena entschieden werden, wo seit langer Zeit wieder zum ersten Male«in S-Slunden- Mannschaftsrennen nach Sechstageart mit folgender Besetzung vor sich geht: Raynaud— Dayen, Eharlier— Duray, Tonani--K»appe. Sdjön— Betvolf, Kroll— Miethe, Tietz— Kroschel, Goebel— Hürtgen, Lehmann— Wissel, Bossi— Mondelkow, Behrendt— Nickel, Kedzierst!-� Schwemmler. Das Rennen weist 24 Wertungsfpuris auf, und zwar 6 Kruppen zu je 4 Spurts hintereinander, die alle 30 Minuten stattfinden. D!« Teilnehmerschar ist nicht nur überaus stark, sondern auch recht gleich- wertig, und es ist fchwer, die Sieger vorauszusagen. Die Entscheidung müßte aller Voraussicht nach zwischen Raynaud— Dayen, Tonani— Knappe, Eharlier— Duray und Kroll— Miethe liegen, aber Ehaneen haben felbstoerständlich auch Goebel— Hürtgen, Tietz— Kroschel und vor allem Schön— Dewolf, bi» bei vielen das große Fovoritenpaar find. Jedenfalls bilden sie das große Fragezeichen! Das Nennen beginnt Punkt 2 0 Uhr. Berliner Ringcr-'Meistcrschaft. Marunke wirft Spcvaczek. J»»ilmer-dsrfer Viktsriegerte» renne» im Diensteg im ersten Kampf van dem Born- Holland und der B«r- liner M ö b u s: der stärkere Holländer siegte in der 15. Minute durch einen Hüftzug. Das Treffen Hansen- Esch gegen N e st r ö m blieb nach 25 Minuten noch unentschieden. Der erst» Start d»» neu hinzu, getretenen G r u n wa l d- Westfalen war gleich ein Erfolg, er besiegte den Glatzer Voigt schon nach 4 Minuten durch Untergriff von vorn. Der Tscheche Spevaezek, der durch seine yanz enormen Körperkräfte und sein ganz ungeheures Gewicht der einzig« Ringer im Wettstreit ist, der noch kein« Niederlage hinnehmen braucht«, fand in dem jungen und äußerst schnellen Sachsen Marunke seinen Messter, der als erster den Siegeszug des Tschechen unterbrach. Ei glückte dem Sachsen, den schweren Spevaezek nach 19 Minuten durch tinen Ueberroller aus der Brückenlage zu über» rumpeln und auf die Schultern zu zwingen. Starker Beifall he- lohnte diese einzigartige Leistung. Auch der gestrige Kampfabend wies guten Besuch auf. Der freie Ringkampf zwischen dem massigen Spevaezek unb dem Holländer van dem Born zeigte leider nicht allzuviel: mit einmen raffinierten Griffen zwang der Holländer den Tschechen zur größten Borsicht. In dem zweiten Gang erwischte der Tscheche aber die Zehe seines Gegners und ließ mit feiner Urkraft diesen sicheren, äußerst schmerzhaften Griff nicht wieder los und«r- zwang somit von Born dos Abklopfen dos Kampfes. Zeit: 9 Minuten. Auch seinen zweiten Start kannte der Wektfale Grunwaid mit einem Sieg« beenden, mit einem festen Untergriff von vorn bracht« er auch dem Breslauer Brücker eine Schulterniederlage bei. Neftröm und Schachschneider, die seit langer Zeit erstmalig aufeinandertrafen, trennten sich nach 25 Minuten mit einem Unentschieden. Der Snt» scheidungskampf Kochhanski-KSln gegen Pogrzeba-Oberschlesten war der schönst« Kampf des Abends, mit ungeheurem Tempo durchgeführt, endete er mit dem Siege des Kölners nach einer Gesamtzeit von 1 Stund« 15 Minuten. Runter. Voigt und Möbus find mit je fünf Riederlagen ausgeschieden. Heute ringen: Spevaezek— Hansen-Esch, Kochl)anski— Grunwaid, van den Bori�-Pogrzeba, und der stortsreie Noström wird ver- suchen, zwei in Fahrt befindliche Autos festzuhalten. Sportärztliche Beratung. Kostenlose Beraiung durch die Siadt Berlin. Mit der Pflege der Leibesübungen eng verbunden ist die sportärztliche Beratung. Sie soll Wegweiser für die Eignung des einzelnen, Ratgeber für die Unerfahrenen und B e r o t e r für den Wettkämpfer fein. Es kommt nicht darauf an, sich unbedingl einer bestimmten Sportart zuzuwenden, sondern der Veranlagung entsprechend für eine vernunftgemäße Körperertüchtigung zu sorgen. Die Vereine und Verbände haben die sportärztliche Untersuchung und die regelmäßige Kontrolle befürwortet und gefordert. Di« Sladl Berlin hat diesen berechtigten Wünschen durch Errichtung von 14 sportärztlichen Beratungsstellen Rechnung getragen. Diese Einrichtun- gen ersüllen aber nur dann ihren Zweck, wenn die Inanspruchnahme ein« kostenlose ist. Deshalb wird jeder Besucher der Sprechstunden un- entgeltlich beraten und aufmerksam gemacht, daß Sportarten nicht nur fördernd, sondern auch schädigend wirken können. Nachstehend das Verzeichnis der sportärztlichen Beratungs- stellen der Stadt Berlin: 1. t. iStmiinhmi sportärztliche Beratungsstelle der Stadt und der Uni- versttät Berlin, Luifenstr. 133. Leiter: Privatdozent Dr. Kerdeimer.(Sc- öffnet: Montag und Freitag 8—13 und 17—21 Uhr. Mittwochs 8~1Ä Uhr 2. Bezirk Mitte: Albrechtstr. 20. Leiter: Dr. Gerda Windler. Geöffnet: Mittwoch ö— ö Uhr. Fitr Schülerinnen und«dem. Schülerinnen untrr 1» Iadren. 3. Bezirk Tiergarten: Turmftr. 21. Leite,: Dr. Fr. Simon. Ge. öffnet: Dienstag IS— 21 Uhr. 4. Bezirk Wedding: Anionftr. 30. Leiter: Dr. Dienemonn. Ge»» öffnet: Manner: Mittwoch ad 20 Udr. Frauen: Dienstag ad 1» Udr. 3. Bezirk Prenzlauer Berg: Greifenhagener Straß« 58. Leiter: Dr. Schall mann. Geöffnet: Montag ISZd— izld Udr. Mittwoch is(u bis ISlö Udr. s. Bezirk Kreuzberg: t) Am Urban 10/11. Leiter: Dr. Liebeuow. Geöffnet: Männer: Dienstag 13—20 Udr. Frauen: Freitag 10—20 Uhr. b> Frauen: Reichenberger Stralie 07/70. Leiter: Frau Dr. Göd. Geöffnct: Donnerstag 10—20 Uhr. 7. Bezirk Wilmersdorf: Gefunddcitsdaus, Berliner Str. 137. Leiter: Dr. Loffa und Dr. Korallet Geöffnct: Frauen: Freitag IS— 20 Uhr. Männer: Freitag 20—21 Udr. 8. Bezirk Schöneberg: Neues Nathaus, Zimmer 17S. Leiter: Schul» unh Sportgrzt Dr. Schweitzer. Geöffnet Mittwoch IS— 19 Uhr. 9. Bezirk Steglitz(nicht rein städtisch: Albrechttzrad« M. Leiter: Neg.-Mediz.-Rat Dr. Eiebert. Geöffnct: nach vorheriger Verein. barung. 10. Bezirk T c m oc I d o f: Mariendorf, Nathausstr. 73. Leiter: Dr. Hirfchbcrq. Geöffnet: Montag 12— IS Uhr nach vorheriger Anmeldung ll. Bezirk Neukölln: Eangholerstraste Staddad. Leiter: Dr. Fcucrhak. Geöffnet: Frauen: Dienstag 10—20 Uhr, Männer: Mittwoch 10—20 Uhr. 12. Bezirk Treptow: Niederfchöneweide, Grünauer Straße 1-. Leiter: Dr streuz, S�adtoberlchularzt. Geöffnet: Montag 13— IS Uhr. 13. Bezirk Lichtenberg: Stadthaus. Türfchmidtstraße 24. Leiter: Stadtarzt Dr. Loewenftcin. Frl. R. Brandt. Frl. Dr. Litlmann. Geöffnet: Donnerstag 10—20 Uhr. Im Sommer: Flußbad Lichtenderg. Leiter: Dr. Loewenftein. Dr. Leitan. Geöffnet: Donnerstag ab 1» Uhr. 14. Bezirk Spandau: Rathaus. Am Wall 3. Leiter: Dr. Franzmeuer. Stadtarzt. Geöffnet: Männer: Mittwoch 10—20 Uhr. Frauen: Donnerstag 10-20 Uhr._ Motorradrennen auf dem Nurburgring. Der groß» Preis von Deutschland für Motor- k- d« r. der am 28. Juli auf dem Nürburgriny zum Austrag kommt, hat«in ganz hervorragendes Nennungsergeb- nis gebracht. In den letzten Tagen gingen noch Meldungen von der Firma Fabriqu« Nationale d'Armes de Guerr«(F. N.), der englischen Fahrer Longmann, Porter, Himing, des Holländers Wyngaorden und anderen«in. Man kann m i t r« h i g e m Gewissen ohne Ueberireibung sagen, daß es sich bei dem Größen Preis von Deutschland 1929 um das best besetzte Motorrad- rennen der Welt handelt, mich unter Berücksichtigung der� eng- tischen Tourist Trophy. In England sind die einheimischen Fahrer unter sich, aus dem Nürburgring treten die Mehrzahl dieser Fahrer mit den gleichen Maschinen gegen die Elite der kontinentalen Fahrer und Maschinen an. Es wurden nicht weniger als 24 englische T.-T.»Fahr«r gemeldet, darunter 7 Fahrer, bi« unter den zehn ersten der«nglifchen Senioren T. T 1929 waren, und zwar der 1„ 3.. 4.. 5.. 7. und 8. Fahrer. Von kontinental, n Firmen haben all« an maiorradjportlichen Veronftaltunaen interessierten Firmen gemeldet: BMW. 7. DKW. 7. UT. 4. FR. 5. Standard 2. Schüt- ioff 2, Hör«; 2, Motosacoche 2, Sarolea 2. Hinzu kommen noch eine große Zahl deutscher und ausländischer Fahrer, die unabhängig von den Fabriken meldeten. Die ausländischen Fahrer kommen aus England. Belgien, Frankreich, Schweiz, Italien, � Holland, Ungarn: es treffen also Vertreter von acht Nationen aufeinander. Die Gesamtzahl der Nennungen betrügt 90, davon 36 Ausländer: im einzelnen 24 Engländer, 4 Belgier, 3 Schweizer 2 Holländer, 1 Italiener, 1 Franzose, 1 Ungar. Audi Allison-van Ryn eingetroffen. Am Mittwoch sind, von Barcelona kommend, nun auch Allison und van Ryn, die Davispokalgegner im Dopoelfpiel, eingetroffen. Noch kurzem Aufenthalt im Hotel begaben sie sich in Gemeinschaft von Tilden und Hunler nach ben Rot-Waiß-Plätzen im Grunewald, um sofort mit dem Training zu beginnen. Die Aufsicht führte der tscheiyisch« Berufsweltmeister Karl Kozeluh, der schon beim Kampf Deutschland-England die Gegner der von ihm beireuten amerikanischen Mannschaft studiert«. Am späten Nachmittag des Mittwoch wurde auch die Spieleinieilung für die am Freitag he- ginnenden Wettkämpfe vorgenommen. Für das Doppeljpiel am Sonnabend wurden deutscherseits ebenfalls Prenn und Molden- Hauer nominiert, doch können noch bis 24 Stunden vor dem Spiel Äenderungen vorgenommen werden. Ts ist möglich, daß der Deutsch« Tennisbund für das Doppelspiel doch noch den vemährien Dr. Kleinfchroth«infetzt, um Prenn oder Maldenhauer für die letzten Einzelspiel« zu schonen. Es spielen: Freitag, 14,30 Uhr: Molden- Hauer gegen Tilden, Prenn gegen Hunter. Sonnabend, t5 Uhr: Moldenhauer-Prenn gegen Allison-van Ryn. Sonntag, 14,30 Uhr: Prenn gegen Tilden, Maldenhauer gegen Hunter, 1928: 4000- 1929; 10000 Mitglieder. Der niederläichisch« Arbeiter-Sporthund trat gestern In Rotter- dam zu feiner dritten Keneraloersammlung zusammen. Der Bor- sitzende Muller tonnt« dabei mitteiien, daß der Bestand i.i diesem Jahre von 4000 aus 10 000 Mitglieder gestiegen ist. louristenverei»»Sit Notuefreunde» Freitag, i>. tzuli: Faltboot. Abt. .... � t* O*'«*. Berti«. Beranftaltunzen t.: 20 Uhr. Britzer Straße 27, Fohri a« ....., J________ MW_____ Mnttn, mötzlichkeiten. W e d d i n g: Abenbwa.idcrung, 18.30 Uhr, See, Ecke Müller- straßc, E ü d- O st: 20 Uhr, Britzer Str. 27, Portragoabend, Chor- l o t t e n b u r a: 10.30 Uhr, Spreestr,»0, Abendspaziergang mit Bad. 3! e u- l B II u: 20 Uhr, Flutzhefenftr. 38, Liederabend. Treptow: 10.30 Uhr, Mcnstr.$, Ljcdtiabend. Leranstaltuniien am Montatz, 22. Juli: Osten. Iusenß: 2» Uhr. Scharnweberstr. LS. Besuch de« Bades aiinaenber». Ph»toge«einfch«st: 10.30 Uhs, Große Franisurte, Straße 13. Da» Nepatio, wie es ist und fein soll. Malkunfttzemeinschaft: 10.30 Uhr. Woffcrtorstr. 0, 8. 142. Nohlczeichnen(Portät). Arbeiter-Athleten Bund 4. strei», Berlin-Brandenbuea E. 8. Am Sonn- tan, 21. Juli, findet in der Turnhalle, resp. auf dem Turnplatz der Sporl. lichen Bereinifluntz Lichtenbcrq.Fricdrick'sselde. in Friedrichssclöe, Rummels- burger Straße, eine Sreisüdungsstunde statt, Beginn derfelbeu 10 Uhr. «ebelter s Nadsahrer.«rrei»«roß. Berti«. Sanniog. 21. Juli, 5 Uhr, Störitzsti bei Fangschleuse. 13 Uhr. 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