Morgenausgabe Är. 333_„ t A16S � i 889t. anua« um». tm corwi» icStt«. OJ R. »WIchN-ßlIch 60 9f j. tSotsttttmg*. mk BtSfj- P-ftdeft-llgkbllhi-nl. Buslsnk*. «barmement 8,— SS. pro SXonat z?.«Bnatott« ttt�cM■e�nttlr 8ch zweimal, Ssnntog» und Montag« »«»mal. die Lbendousgoden für Varl« und im Sandel mit dem Ittel.Lee «dend-, Illustriert» Beilagen.Volt »nd Zeit' und.Kinderfreund'. Ferner .Unierhaltung und Wissen',.Frauen- stimme»..Technil'..Blick in die vücherwell' und.Jugend-Borwärt»' p> Berliner Vottsblatt Freitag 19. 2uli 1929 Gkvß.Serlin 1V Pf. Auswärts-15 Pf. sx»»t»t»»lt«tz, Ronpareillezett» 80 Psennia. Zieklameteil, i.— Sieich«. mart.„ZUetne tlnzeiar»' druckt« Wort 23 Pseniug Jen" da» settg». I izulSsstg zwei gedruckt» Worte), jede» weiter» Wort 12 Süennig, Stellengesuch« da» ers>« Wort 15 Psennig, jede» wetleri Wort 10 Pfennig. Worte Ober 13 Buchstaben zählen für zwei Worte vrdeit»martt Zeile 60 Psennig. Familienanzeigen Zeil» <0 Psennig, Anzeigenannahme imSaupi- »elchäst Lindenstr-be 8. wochentäglich »ou«-/, di» 1? Uhr. Äentvalovgan der GoziawsmskvatifGen Vartei Deutswlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstratze 8 Fernsprecher: Döndosi ZS2— LS? lelegrarnm-Sdr.: Sozialdemokrat Serli» Vorwärts-Berlag G. m. b. H. Vo fisch« ckkonto:«vclw M KSS.— v-nkkonto! vank der«rdeiler, Pugesielltc» »nd veamle« Wallstr. W, Ditkonto�esellschast. Depositenkass« Lindenstr. 8 Nanking hofft auf Frieden. Alarmierender Bericht aus der Mandschurei? Nanking. 18. Juli.(WTB.) Bis in die späten Nachmittagsstunden hatte das Ministerium des Auswärtige« die sdwjetrussische Note über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen noch nicht erhalten. Präsident Tschiaugkaischek berief eine außerordeutlicheKonferenz der chinesischen Führer ein, die den ganzen Nachmittag dauerte. Es wurde kein offizielles LlommunignS ausgegeben, doch verlautet in gut informierten Kreisen, daß die natio- nale Regierung noch immer auf eine frenndschaft- liche Lösung hoffe. Der Gouverneur der Mandschurei soll telegraphisch mitgeteilt haben, dafz die Sowjettruppen sich längs der mandschurischen Grenze konzentrieren und daß die Situation„äußerst kritisch" sei. * Es sei als wahr unterstellt, daß keiner der beiden Konflikt- gegner den Ausbruch eines Krieges wünscht. Für beide Regierungen steht im Falle des Ausbruches von Feindselig- leiten, deren Folgen in jeder Beziehung unabsehbar wären, viel zu viel auf dem Spiele, als daß sie den Krieg wünschen könnten. Indessen haben die letzten diplomatischen Schritte Moskaus— das Ultimatum und der Abbruch der Beziehungen zu China— eine Lage geschaffen, bei der der kleinste Grenzzwischenfall, hervorgerufen durch irgendeinen subalternen militärischen Unterführer an irgend- einem entlegenen Punkte der langen mandschurischen Grenze. mit rasender Schnelligkeit einen Brand entfachen kann. den die verantwortlichen Staatsmänner nicht mehr meistern könnten, selbst wenn sie es wollten. Diese ungeheure Gefahr gilt es im Interesse der gesamten Menschheit abzuwenden. Das tragische Beispiel von 1914 lehrt eindringlich genug, daß eine ursprünglich nur aus Prestigegründen unternommene und als Bluff ge- dachte diplomatische Aktion sehr leicht Konflikte von Weltausmaß entfesseln kann. Bor fünfzehn Jahren gab es jedoch weder einen Völkerbund noch einen Kellogg- Pakt. Hier ist nun eine Gelegenheit wie noch nie. diese nach dem Weltkriege geschaffenen Friedensinstrumente zu erproben. Die nichtbeteiligten Mächte der Welt müssen sich unverzüglich zusammentun, um auf Grund der Völker- bundsatzung und des Kricgsächtungspaktes auch ohne be- sondere Aufforderung vermittelnd einzugreifen. Jeder Tag, ja sogar jede Stunde ist kostbar und kann für das Leben von Millionen Menschen entscheidend sein! Russische Fliegcrdemonffration? London» 18. Juli.(Eigenbericht.) AuS Peking wird gemeldet, daß s o w j e t. russische Flugzeuge am Donnerstag Demonstra- tiousflügc über Pogranicknaya auf der chinesischen Seite der sibirisch-mandschurischen Grenze ausgeführt haben. Kriegszustand längs der chinesischen Ostbahn. Peking, 18. Juli. Der Gouverneur der Mandschurei, Tschanghueliang, hat «inen Befehl erlassen, nach dem jeder Streik auf der chinesischen Dstbahn aufs schärfste verfolgt werden würde. Die Militärbehörden haben längs der Bahnlinie de» Kriegs- zustand oerhängt. Japanische Truppen zur südmandschurffchen Bahn. Tokio, den 18. Juli. Zwei Regimenter japanischer Infanterie sind nach der südmandschurischen Eisenbahn abgesandt worden. In japanischen Regierungskreisen oerlautet, daß die politische Lage in der Mandschurei sich soweit gespannt habe, daß mit einem russischen Einmarsch in die Mandschurei zu rechnen sei. Japan werde gegen jeden vorgehen, der die japanischen Interessen in der Mand- schüret verletzen sollte. Aufruf der Kuomintang. Peking, 18. 3ull. Das Zenkralkomilce der Kuomintang veröfsentlichk anläßlich des Abbruchs der russisch-chinesischen diplomatischen Beziehungen solgenden'Aufruf an das chinesische Boll: Trotz der Bemühungen der Rankingrcgierung hat die Sowjet- regierung die diplomatischen Beziehungen abgebrochen mW einen Kriegszo stand geschaffen. Da» chinesische Volt muß in diesem Augenblick die Regierung e i n m ü l i g u n l e r st ü h e n. Die Rankingregierung hat keine Angrisfsabsichteu gegenüber Rußland. Sie muß der Sowjelregierung die Verantwortung für den Konflikt überlassen, da durch kommunistischePropa- g a n d a die Beziehungen zu China getrübt wurden. Da» chinesische Heer wird der Roten Armee Widerstand leisten, wenn sie versuchen sollte, die Grenze zu überschreiten. Zn Schanghai und in Peking haben Kundgebungen gegen die Sowjetregierung und zugunsten der Rankingregierung staiigestmden. lleberraschung in London. London, IS. Zull.(Eigenbericht.) Der Entschluß der russischen Regierung, die diplomatischen Beziehungen mit China abzubrechen. Ist in London völlig überraschend gekommen. Alan halte hier allgemein angenommen, daß die chinesische Antwort aus da» russische Ultimatum zu einer Entspannung führen würde. 2a parlamentarisch. politischen Kreisen herrscht jedoch die Auffassung vor. daß trotz de» Abbruches der Beziehungen und der Kriegsvorbereiwngen sowohl ans russischer als auch chinesischer Seite ein Kriegsausbruch vermieden werden wird. Da die britische Regierung bisher ohne jede ossiziellc Nachricht über die chinesisch-russische Lage ge. blieben ist. hat Außenminister henderson bei dem britischen Botschafter in China telegraphisch einen Bericht über die Lage an- gefordert. Deutschland übernimmt die Wahrung der Interessen beider Parteien. Wie die Telegraphen-Union erfährt, ist da» Moskauer A u h e n a m t am heutigen Donnerstag bei dem deutschen Botschafter v. D i r ck s e n vorstellig geworden und hat die Bitte ausgesprochen, daß Deutschland angesichts des Abbruchs der Beziehungen zwischen Sowjetrußland und China die Wahrnehmung der sowjet- russischen Interessen in China übernehmen möge. Die Bitte ist sofort nach Bertin weitergeleiie! worden. Ebenso Hai am Donnerstag der chinesische Gesandte in Berlin im Auswärtigen Amt die Bitte um Wahrnehmung der chine- fischen Interessen in Sowjetroßland durch die dortigen deutschen diplomatischen und konsularischen Vertretungen aus- gesprochen. Die Reichsregierung hat sowohl dem sowjetrussischen wie dem chinesischen Ersuchen entsprochen. Atientaisabsicht auf Miklas. Ol? IOee eines Verrückten. Wien, IS. Juli.(Eigenbericht.) Die Wiener Polizei verhastete am Donnerstag auf dem Burg. platz einen Irrsinnigen namens Anton Lellner, der nach seinen Angaben ein Attentat aus den Bondespräsidenten Mitlas verüben wollte. Lettner versuchte vormittags gegen 9% Uhr in das Gebäude der Bundespräsidenten einzudringen. Dem wachhabenden Beamten trat er mit einem Re v o l v e r entgegen, der jedoch nicht los ging. Leikncr warf dann mit der Waffe nach dem Beamten.. Bei seiner Bec- nehmuug erklärte er. vor einigen Tagen aus Düsseldorf ge- kommen zu sein, um aus den Bundespräsidenten, als den Urheber des wirtschaftlichen Elends in Oesterreich, ein Attentat zu verüben. Lellner hatte einen kleinen Amboß in seinem Besitz, mit dem er den Bundespräsidenten angeblich niederschlagen wollte. Der HSsNing, der einen total verwirrten Eindruck macht, war im vergangenen Winter mehrere Monate in einer Irren- a n st a i l untergebracht. Bürgerlriegsübungen der Heimwehrsaschisten. Wien, 18. Juli.(Eigenbericht.) Der Nationalrat, der am Donnerstag seine letzte Sitzung vor den Sommerferien abhielt, verabschiedete außer einer Vorlag« üb�r die Ausdehnung der Arbeitsgerichte ein Gesetz, das gewissen Klein- rentnern eine Auswertung von insgesamt 16 Millionen Schilling zubilligt. Im weiteren Verlauf der Sitzung brachten die s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e n Abgeordneten ausObcrsteiermork ein« I n t e r. pellation über die Maschinengewehrübungen des cheimatfchutzbundes in Oberstei«rmark ein. Die Interpellation wird mit einer Photographie begründet, auf der eine Abteilung von cheimwehrschutzbündlern mit fünf Maschinengewehren dargestellt ist. Der Bundeskanzler und Iustizminister werden zum Schluß d«r Inter- pellation gefragt, was sie zu tun gedenken, um die cheimatbündler, die Ucbungen mit verbotenen Waffen abhalten, zu bestrafen. Weltbund der Gewerkschaften. Oer amerikanische Gewerkschastsbund und der ZGB. Auf der letzten Arbeitskonferenz in Genf ist von Albert Thomas, dem Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, das Problem und die Bedeutung der Universalität der Ar beitsorganisation eindringlich geschildert worden. Thomas teilte mit, daß das Arbeitsamt den Versuch gemacht hat, die Dereinigten.Staaten zu veranlassen, an der Arbeit in Genf teilzunehmen, da die wirtschaftliche Expansion-der Vereinigten Staaten die Wirtschaft Europas und die soziale Arbeit des Internationalen Arbeitsamtes stark berühre. Der Genfer Versuch blieb erfolglos. Es wird erst dann gelingen, wenn es eine organisierte Weltarbeiterbewegung gibt, d. h. wenn sich die europäischen und die amerikanischen Arbeiter zusammengefunden haben. Der Internationale Gewerkschastsbund hat im Laufe der letzten Jähre bedeutsame Fortschritte gemacht: er ist nach außen gewachsen und hat sich nach innen gefestigt. Das alles ändert aber nichts daran, daß die N i ch t z u g e h ö ri g k e i t von USA. zum IG B. als schmerzliche Lücke in seinem Bestand empfunden wird. Kein Wunder, wenn der VorschlagdesVizepräsidenten desamerika- Nischen Gewerkschaftsbundes. Matthew Woll. einen Weltgewerkschaftsbund zu schaffen, in den europäischen Gewerkschastskreisen ein starkes Echo fand. Woll fordert eine Aufteilung der Einfluß- sphäre zwischen demJGB. und demamerika- nischen Gewerkschaftsbund. Für den amerikani- schen Kontinent erstrebt die American Federation of Labor einen panamerikanischen Gewerkschastsbund, während die Ein- flußsphäre des JGB. die Alte Welt. Europa, Asien und Afrika. sein soll. Beide Bünde, so fordert Woll. mögen zu einem Uebereinkommen gelangen und einen Weltgewerkschaftsbund gründen, der auf der Autonomie jeder dieser Gewerk- schaftsbewegungen der beiden Hemisphären aufgebaut ist. Sie könnten einander volle und ausschließliche Gelegenheit geben, ihre Probleme nach eigenem Gutdünken zu behandeln und gleichzeitig in bezug auf alle Probleme gemeinsamen Inter- esses zusammenarbeiten. Dieser Vorschlag werde schon jetzt und nicht erst anläßlich des panamerikanischen Gewerkschafts- kongresses gemacht, damit sowohl die euroväischen als auch die panamerikanischen Arbeiterbewegungen Zeit haben, die An- regungen und die Art der vorgesehenen Zusammenarbeit in Erwägung zu ziehen. Die„G e w e r k s ch a f t s z e.i t u n g" des ADGB. nimmt zu diesem Vorschlag Wölls in ihrer neuesten Nummer(Nr. 29) in sehr beachtenswerten Aeußerungen Stellung. Da die Amerikaner besonderes Gewicht auf die Autonomie ihrer Gewerkschaftsbewegung legen, weist die ,, Gewerkschafts- Zeitung" darauf hin, daß im JGB. die Autonomie der natio- nalen Organisationen vollauf garantiert sei und weder durch die Satzungen noch durch die Tätigkeit des JGB. be- rührt werde. Es fei also selbstverständlich, daß in einem Welk- gewerkschastsbund erst recht für die Amerikaner der Bestand ihrer Autonomie gewahrt bleibe. Ein Abkommen nach dem Vorschlage Wölls muß praktisch zunächst eine Aenderung in der Form des Ein- flusjes des JGB. in Südamerika, wo Amsterdam bereits festen Fuß gefaßt hat, zur Folge haben. Dieser Ein- fluß würde sich aus einem direkten in einen mittelbaren ver- wandeln. Die„Gewerkschaftszeitung" bemerkt hierzu: An der Stelle, an der sich die beiderseitigen Bestrebungen am stärksten reiben, werde der 2lusgleich der Interessen ein schein- bar hartes Opfer für den JGB. fordern und der Gegen- feite bedeutendsten Gewinn bringen. Die ernsthafte Prüfung der Idee Wölls und ein freundschaftliches Eingehen auf sie selbst würde aber selb st dann nicht abgelehnt werden, wenn die Annahme richtig wäre, daß diese Idee nur der Erwägung entsprungen sei, es fei vorteilhafter für die amerikanischen Gewerkschaften, sich mit dem JGB. auf der Basis eines Abkommens zu verständigen, well sonst zu befürchten wäre, daß der JGB. der Pan- american Federation of Labor in Süd- und Zentralamerita zuvorkommen könnte. Diese Vermutung sei nicht un- gerechtfertigt: denn Woll schreibe in seinem Artikel, wenn ein Uebereinkommen nach seinem Plane erzielt werde, so würden die Gewerkschaften in Amerika die ganze amerikanische Hemisphäre von europäischem Einfluß befreien. Gingen die amerikanischen Gewerkschaften tatsächlich von solchen Ge- danken aus, dann sei das nur ein Zeichen dafür, daß jetzt der rechte Augenblick zur Anknüpfung von Verhandlungen mit ihnen g e k o m m en sei. Dem JGB. werde man es allerdings nicht verübeln dürfen, wenn er seinen Erfolg und seine Stellung in Süd- und Mittel- amerika bei Berhcmdlungen über ein Bündnis mit den amerikanischen Gewerkschaften als günstiges Moment für sich anspreche. Ein V o r z ug des von Woll empfohlenen Planes sei, daß er sowohl Europa wie Asien und Afrika dem Einfluß des JGB überlasse. Seine Verwirk- lichung werde also nicht zur Folge haben, daß der JGB. lediglich die Stellung der kontinentalen Sektion eines Welt- bundes zugewiesen erhalte, wohl aber würde sie dem JGB. mittels festerer Verbindungen mit den Amerikanern einen, Erregte Schuldendebatte. Koch wird als Kronzeuge gegen Herrt'oi zitiert. JJffris. 18. Iull.(Eigenbericht.) Im Berl«nlf der großen Aussprache über die Schul- deuabkommen stellte der Radikal« Durand der Kammer am Donnerstag in einer eindrucksvollen Rede die wirtschaftliche und finanzielle Macht der Bereinigten Staaten vor Aug«n. Abgesehen von den Kriegsschulden hätte— so führte er aus— Amerika heule für 13 Milliarden Dollar Kapitalien in ausländischen Unlernehmun- gen investiert. Demgegenüber müsse festgestellt werden, daß die französische Handelsbilanz ein Defizit von 5 Milliarden aufweise, daß die französische Steuerlast doppelt so groß wie die der Ver- einigten Staaten sei. Die Amerikaner hätten dabei im Jahre 1928 für 6,2 Milliarden Franken Waren nach Frankreich exportiert, Frankreich an Amerika aber nur für 3,2 Milliarden. Diese ganze Situation werde noch durch die amerikanische Zollpolitik erschwert. Hier müßten sich die europäischen Völker einigen, bei der Vereinigung Europos müßten die ehemaligen Kriegsteilnehmer in erster Reihe stehen, da sie all« schon im Krieg« gewußt hätten, daß sie das Opfer eines Phantoms seien. Diese Feststellung rief stürmischen Protest auf der Rechten hervor und führte zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen der Rechten und der Linken, die schließlich Justizminister B a r t h o u mit der salomonischen Bemerkung schlichtete, daß die Annahm««ine» Phan- tom» nicht jede Verantwortlichkeit Deutschlands auszuschließen brauche. Als nächster Redner sprach der Abgeordnet« Lergery, der frühere Sekretär der Reparationskommifsion, später Kabinettschef von Herriot, Schwiegersohn von Krassin und besonderer persönlicher Feind Poincarös. Bergery versuchte, wie bereits Herriot sogleich die Nutzlosigkeit der Ruhrbesetzung nachzuweisen. Hier- bei kam es zu einem großen Zwischenfall. Der Abgeordnete R e i b e l erhob stch, um zwei Briefe de» Marschall» Fach an den Präsidenten der Republik und an ihn selbst zu verlesen, durch die bewiesen werden sollte, daß Fach stch für die Ruhrbesetzung und gegen die„V e r z i ch t p o l i t i k" Herriots erklärt habe. Herriot erwiderte, Fach habe ihm zweimal durch seinen Generalstabsches antworten lasten, daß die Ruhrbesetzung die Sicherheit Frankreichs nicht erhöhe. Außenminister Briand erklärte zu diesem Streit, es sei unnötig und zugleich schädlich, die Militäre der Regie» rung entgegenzusetzen. Es gäbe nur eine verantwortlich« Re- gierung. Die Debatte wird ihre entscheidende Wendung bei der Abstim- mung über die zu den Vorbehalten vorliegenden Anträge nehmen. Nach Beilegung dieses Zwischenfalls suchte Bergery an Hand zahlreicher Schriftstücke nachzuweisen, daß Poincarä den Lonar- L a w- P l a n rücksichtslos abgelehnt habe, ohne ihn auch nur lesen zu wollen, und ihm einen vollkommen undurch- führbaren französischen Plan entgegengestellt habe. Die Ruhr- besehung sei nicht nur finauziell ein sehr schlechte» Geschäft gewesen. sie habe auch den Bankrott der französifchea These in allen wesent. lichen Punkten herbeigeführt. V o r der Ruhr habe Frankreich weder von einer Herabsetzung seiner Forderungen noch von, der Berück- sichtigung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands etwa» wisten wollen. Der Dawes-Plan sei in dieser Hinsicht hfe»•tlllafifl« Liquidierung der Politik Poincaräs gewesen,«it dem Zoung.Plan werde fle endgültig zusammenbrechen. Der sozialistische Abgeordnete Vincent Auriol beklagte sich in seiner Red«, daß jede Gelegenheit, ein« günstige Ver- teilung der Schuldenlasten zu erhallen, verpaßt worden sei. In Versailles halle man olle die Schwierigkeiten, die seitdem yuf- getaucht seien, lösen sollen. Auf die Behauptung des Redner», daß am 13. April 1919 die französische Regierung im Prinzip die gleiche Verteilung der Kriegslasten verlosten habe, kam es zu einer leb- haften Auseinandersetzung zwischen dem damaligen Berichterstatter des finanziellen Teils des Versailler Vertrages, Dubais, Vincent Auriol und anderen Abgeordneten. Auriol kam dann auf die Schuldenoerhandlungen mit Amerika zu sprechen und bedauerte am Schluß die Uneinigkeit der europäischen Staaten gegenüber den amerikanischen Gläubigern, denen jähr- lich 590 Millionen Dollar gezahlt werden müßten. Nach Vincent Auriol sprach sein Parteigenosse Grumbach. Er bestritt, daß Briand mit freien Händen, wie er erklärte, auf die Regierungskonferenz geh«, da er durch eine Reichsmehrheit gebunden fei, deren künftige Politik man nicht kenne. Grumbach verlangte von der Regierung«in« klareStellungnahmezurRhein- landräumung, denn die größte Kammergruppe, auf die die Regierung sich stütze, die Gruppe Marin, sei gegen die Räumung. In diesem Augenblick griff Marin ein und erklärte, die Räumung sei ein« Unmöglichkeit und eine Gefahr, wenn Frankreich bezahlt werden wolle. In dem bei diesen Worten Marin» entstandenen großen Tumult der Linken und äußersten Linken erklärte Grumbach, er kenne Deutschland besser und habe e» schon vor dem Kriege gekannt. Er sei überzeugt, daß für die Sicherheit Frankreichs die Besetzung des Rheinlandes nicht notwendig sei. Sie stelle dagegen einen Faktor der Unsicherheit dar. Deutschland bleibe der bedeutendste Faktor des europäischen Friedens. Zu einem neuen Zwischenfall kam es, als ein Abgeordneter den Redner aufforderte:„Sprechen Sie französisch!*" und ein anderer ihm zurief:„Sie waren in der Schweiz, als wir an der Front warenl*". Es entstand ein solcher Tumull, daß der Präsident mit Unterbrechung derSitzung drohte. G rum b a ch rief seinen Parteifreunden, die sehr erregt waren, zu:„V e r t e i d i g t mich nicht gegen derartiges!*" und erklärte dann, als der Lärm sich etwa» gelegt hatte: Ich habe mich gegen den Vorwurf, nicht Franzose zu sein, nicht verteidigen lasten. Mas bleibt Ihnen im Elsaß noch, wenn Sie mich verdächtigen, nicht Franzose zu sein? Das Elsaß sei wieder zu Frankreich gekommen. Es sei in demselben Maße französisch, wie da» Rheinland deutsch sei.-- In namentlicher Lbstinmmng wurde die vertagnng auf morgen früh sodann mit 330 gegen 247 Stimmen abgelehnte Die Sitzung wurde hierauf bis 10 Uhr unterbrochen. �- mevn guch begrenzten, so doch immerhin unbestrittenen Ein- ftüß in Amerika geben, von Dem schwer zu sagen fei, ob er qrößer oder geringer wäre alsi der Einfluß, den der ZGB. im Wettbewerb mit dem panamerikanischen Gewerkschaftsbund doct zu erwerben vermöchte. Schließlich erscheine im Rahmen des Wollfchen Planes die Pflege und Ausbreitung amerika» nifcher Beziehungen der internationalen Berufsfekre» tariat« sehr wohl möglich. Jedenfalls wäre zu wünschen, daß ein Abkommen mit den Amerikanern der werteren Eni- wicklung Der Berufsfekretariate keine Hindernisse bereite.' Der Wart eines Abkommens zwischen dem JGB. und dem panamerikanischen Gero�rtschaftsbund kann— darin wird man der„Gewerkschostszeitung" beipflichten müssen— nicht von der Frage abhängen, wer dabei mehr oder weniger rerliert oder gewinnt, er muß vielmehr nach dem Gesamt- vorteil bemessen werden, den die Arbeiterbewegung in allen Ländern und Kontinenten durch ein solches Abkommen gewinnt. Das Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerk- ichaftsbundes schließt seine bemerkenswerten Darlegungen folgendermaßen:„Da wir in Uebereinstimmung mit den Ge- werkschasten Europas fest er« Beziehungen des JGB. zu den amerikanischen Gewerkschaften für dringend wünschenswert halten, würden wir cs begrüßen, wenn der Vorschlag Wölls zu einer gründ- I chen Aussprache über dieses bedeutsame Thema und zu einem positiven Ergebnis führen würde. Wir sind über- -engt, daß ein in der Oeffentlichkejt bemerkbares, festes Bündnis der Gewerkschaften in USA. mit dem JGB. einen beträchtlichen Gewinn für die Bedeutung unserer Jnternatio- nale in Europa und einen Antrieb für ihren weiteren Fort- schritt in anderen Erdteilen darstellen würde.** Koch als typischer Militarist enthüllt. Durch seine eigenen Bewunderer. In der Donnerstagsitzung der französischen Kammer hat der Abgeordnete und frühere Minister des nationalen Blocks, Reibel, dem Andenken des kürzlich verstorbenen Mar- s ch a l l s Fach einen Bärmdienst erwiesen. Das Schreiben des Marschalls vom 30. Juli 1924, also am Vorabend der Londoner Dawes-Konferenz, bedeutet eine typische Einmischung eines aktiven Generals in Ge- biete der Politi5„ die das Militär nichts angehen. Fach führte in diesem Brief aus: 1. Vor dem Dawes-Bericht steht der V e r s a i l l e r Vertrag. Da er von Deutschland nicht ausgeführt worden sst, wie zahlreiche Fest- ftellungen beweisen; kann keine Rede davon sein, daß die Alliierten K ö l n am 10. Januar 192S räumen.(Artikel 429.) Die englische Regierung müsse das anerkennen und eine entsprechende Erklärung abgeben. 2. Wir werden das Ruhrgebiet etappenweise räumen in dem Maße, in dem die Bestimmungen und die Zah- l u n g e n, die der Dawes-Plan enthält, tatsächlich erfüllt sind < dessen Staffelung wir angeben werden), ahne bereits jetzt rinen genauen Zeitpunkt für die Räumung festzusetzen in An- betracht der Tatsache, daß der Zeitpunkt, zu dem diese Realisierungen und Zahlungen Wirklichkeit werden, nicht feststeht, ja nicht einmal bekannt ist. 3. Eine rein militärische Besetzung de» Ruhr- Gebiets, die in die Verwaltung des Landes in keiner Weise«in- greift, bildet kein Moment, das geeignet sst, die wirtschaftliche Tätigkeit des Gebiets zu behindern oder zu berühren. In- solgedessen sieht sie der Anwendung des Dawes-Plan» nicht im Wege. Es liegt kein Anlaß vor. mit der Frage der Ruhrbesetzung die der Wiederaufnahme der Milllärkonlrolle und der Durchführung der Entwaffnung zu verbinden. Der französische Oberbefehlshaber wollte also mit rein finanziellen und politischen Argumenten den damaligen Mi- "isterpräsidenten Herriot daran hindern, auf der Dawes- Konferenz das Versprechen der Räumung des Richrgebietes abzugeben. Er wandte sich dabei nicht einmal an Herriot selber, sondern an den Präsidenten der Republik Don- m e r g u e und ließ eine Slbschrift seines Briefes an den oppositionellen Abgeordneten und Vertrauensmann Millerands und Poincarös, R e i b e l, übermitteln. Damit ist Foch nicht nur als ein typischer Militarist, sondern auch als ein gerissener politischerIntrigant nach seinem Tode entlarvt. Als Foch starb, versicherte fast die gesamte französtsch« Presse, daß er immer nur Soldat gewesen wäre, und daß er sich stets von Einmischungen in die eigentliche Politik fern- gehalten hätte. Wir mußten, daß dies nur eine fromme Lüge war, denn die Versuche von Foch, im Winter 1919 die Abtretung des Rheinlandes(natürlich nur aus „strategischen Sicherheitsgründen**) durchzusetzen, waren bereits bekannt. Noch am Donnerstag hat Briand, um den äußerst peinlichen Eindruck dieser Enthüllung Reibels abzuschwächen, sich schützend vor das Andenken von Foch ge- stellt und die Legende wiederholt, daß in Frankreich die Militärs niemals in die Regierungspolitik reinzureden ver- suchten. Aber vergebens! Das Dokument, das Reibe! — natürlich mit einer ganz anderen Absicht— vorgetragen hat, läßt sich nicht mehr aus der Well schaffen. Und wir wagen zu behaupten, daß heute noch die französische Politik unter dem starken Druck von räumungsfeindlichen Generälen steht, und daß gerade Briand zu allererst diesem Druck ausgesetzt ist und daß sein Verhallen seit Locarno immer wieder durch diesen militärischen Druck beeinflußt wurde. Lniernaiionale Kunstbedeuiung. Und der deutschnationale Pfarrer Koch. Die Bezüge de» Generalmusikdirektors Slemperer haben es dem deutschnationalen Pfarrer und Landtagsabgeordneten Koch vngeian. Zwar wird jedermann zugeben, daß bei Vergleich des beiderseitigen Könnens und Schassens nicht der Generalmusikdirektor Klemperer, sondern der Pfarrer Koch als viel zu hoch be- i o l d e t erscheint. Aber ein deutschnationale» Gemüt k«nn es nun einmal nicht oertragen, daß ein anderer— wenn auch bei unoer- -ilaichlich höherer Leistung— mehr bekommt. Namentlich sst solches einem dcusschnationalen Pfarrer ärgerlich� der j» nach Bibel- wort von Berufs wegen nicht Schätzen nachzujagen h«t, die der Rost und die Motten fressen. Auf eine erste Anfrage des gehaltsaufpasserischev Pfarrers hatte der Unterrichtsminister kühl geantwortet, daß das GehaA für Slemperer„nach seiner international en Bedeutung und Bewertung als Künstler bemessen worden ist*". Weit entfernt nach dieser Abfuhr stillzuschweigen, erboste sich Herr Koch doppelt. Denn in der Antwort kam ja das Wörtchen„international*" vor, wenn auch nur in Beziehung auf die Kunstbedeuiung Klemperers. Für«inen Deutschnationalm aber sst das Wort „international*" das gleich« wi« für ein ähnlich veranlagtes, aber vierbeiniges Wesen das rote Tuch. Flugs stellte Herr Koch asso«ine zweite Anfrage: „Wer sind die Sachverständigen de» Ministerium», die fest- zustellen haben, wer ein Künstler von internationaler Bedeutung ist und danach im Gehalt höher einzugruppieren sst al»«in Künstler von nur(in der Anfrage unterstrichen. Red.) nationaler Bedeutung?*" Mit dieser Demonstration nationalen ffunstunverstandes hätte sich Herr Koch begnügen können. Aber sein einmal in Bewegung gesetztes Schreibwerk floß weiter, und er fragt unter Ziffer zwo: „Warum ist der dazu berufene erste Sachverständige des Ministeriums, der Generalintendant Tietjen,«in Sachverständiger von mlernalionalem Rufe, bei der Beurteilung dieser Frage aus- geschaltet worden?" Wenn der Unterrichtsmiuister boshaft wäre, so könnt««r nun Herrn Koch fragen, wie er, Herr Koch, den i n t e r n a t i o- n a l e n Ruf des Generalintendanten Tietjen festgestellt hat, und warum Herr Koch Herrn Tietjen höher schätze als Künstler von „nur" nationaler Bedeutung? Doch«, wäre überflüssig, Herr Koch gehört zn den Leuten, die man sowieso am vielen Fragen ertenntl Erklärung Elynes' über Trohki. Warum man ihn nicht nach England hereinließ. London. 18. Juli.(Eigenbericht.) Der englische Innenminister Elynes äußerte sich am Donnerstag im Unterhaus über die Gründe, welche die Re. gierung veranlaßt haben, Trotzkis Einreisegesuch nach England abschlägig zu bescheiden. Trotzki habe zwar die B e r« s i ch e r u n g abgeben lassen, daß er sich in die inneren Derhältniss« Großbritanniens nicht einmischen werde, nach Auffassung der Regierung Hab« jedoch die Gefahr bestanden, daß Trotzkis An- Wesenheit in Großbritannien von Personen mit böswilligen Ab. sichten für ihr« eigenen Zwecke ausgebeutet worden wäre. Die Regierung wäre dadurch in eine schwere Verlegenheit verfetzt worden und hätte keinerlei Gewißheit gehabt, die Wiederausreis« Trotzkis aus England zu sichern. Großbritannien hob« das Recht, Asyl für politische Personen nach eigenem Gutdünken zu gewähren oder zu versagen. Es könne diesbezüglich kein« fest stehenden Regeln geben. Elynes betonte schließlich, daß die Sowjetregierung keinerlei Versuch gemacht habe, die Entscheidung der brttischen Regierung zu beeinflussen, und daß der Ensschluß der Arbeiterregierung nach vollster Berückst cht! gung aller Umstände erfolgt sei. Erhöhung des Schulpflichtolter, in England. Unterrichtsmimster Sir Charles Trevelnan teilte am Donnerstag im Unterhaus mit, daß das schulpflichtig« Alter vom 1. April 1931«t» auf IS Jahre erhöht werde. Die Art und Höhe der zu ge< währenden staatlichen Beiiragsleistunaen für unbemittelte Schüler stehe noch zur Beratung. Auch dies« Maßnahm« gehört zu den Mitteln, mit denen die Arbeiterregieruvg die Arbeitslosigkeit zu überwinden hofft, Kork aus der KpO.! Wieder neue Llebertritte. Königsberg. 18. SnO(Eigenbericht) Drei ehemalige Funktionär« der KPD. habe» dieser Partei den Rücken gekehrt und sind zur Sozialdemokratischen Partei über- getreten, lieber die Personen der Uebergetretenen unterrichten die folgenden Angaben: Artur Sempf war fett dem L Dezember 1918 Mitglied der KPD., von 1921 bis 1923 und von 1924 bis Januar 1926 Mitglied der Bezirksleitung der KPD., seit dem 1. November 1925 Iungfrontführer de» Gaues Ostpreußen bis zum Februar 1928, von da bis zum 20. August 1928 Bildungsobmann im Gau, seit September 1928 tech. nischer Führer, Stellvertreter des politischen Führers und Führer der Roten Iungfront, von Februar 1929 Angestellter des RFL. P. B a r t l a u wurde 1919 Iugendletter in der KJBD., 1922 bis 1923 Gewerkschaftsoertrauensmonn der Union. 1923/24 2? Gewerkschoftsvertrauensmonn im Heizer, und Maschinistenverband, 1926 bis 1929 im Roten Frontkömpferbund, 1928 Vertrauensmann im Staats- und Gemeindearbetterverband. E. Schwock war vom 1. Mai 192S bis zur Reorganisation Ableilungsleiter im RFB., 1926 und 1927 Bezirksleitungsmitglied ols Bildung»- obmann. Geflogen wegen Schwankung. Di« Epaltungs manöver der Kommunisten in den Gewerkschaften und der Arbetterspottbeweglmg sind kläglich zu- sammengebrochen. Jetzt suchen dies« Schädling« der Arbeiter- bewegung andere Gelegenheiten irnd Möglichkeiten zur Verwirklichung ihrer verhängnisvollen Ziel«: Die Arbeiter-Radio- Bewegung bildet für sie dos neuest« Augriffsobjckt. Aber auch hier fallen sie kläglich ab. Die Mitgliedschaft der Arbeiter-Radio- Bewegung denkt nicht daran, den Kommunisten Gefolgschaft zn leisten. Aus Rache über diese neueste Niederlage hat die Bezirks- leitung der KPD. Berlin-Lrandenburx den 2. Vorsitzenden des Arbeiter-Radio-Bundes, den früheren Sozialdemokraten Hoff- mann. Schmargendorf wegen portesschädigenden Verhaltens ausgeschlossen. Mit Hoffmann mußten noch mehrere ander« Berliner Kommunisten das gleiche Schicksal teilen. Hoffmann äußert sich zu seinem Hinauswurs in der neuesten Nummer des„Arbeiter- funk" wie folgt: „Im Verlauf der Auseinandersetzungen im Arbeiter-Radio- Bund ist mir von meinen engeren Parteifreunden der Vorwurf gemacht worden, daß ich als zweiter Vorsitzender des Bundes nicht scharf und zähe genug die Forderung der Oppo- sition auf der 4. Bundestaaung vertreten hätte: auck auf der er. wetterten Bundesvorstandssitzung am 16. Juni soll ich z u nach, giebist gewesen sein. Als Sünde wider die heilige Disziplin wird nnr als besonders erschwerend vorgehalten, daß ich nach dem eisernen Gesetz der Kommunistischen Partei««cht kommu- nistisch treu und fest genug gegenüber dem Gegner ge- wesen wäre. Der Grund meines Verholten« wird nach dem üblichen Parteibegriff ols„Schwankung" gedeutet. Ich wurde des- halb„wegen parteischädigenden Verhaltens" von der Bezirksleitung Verlin-Brandenburg au« der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Der Ausschluß ist erfolgt, ohne daß ich vorher gehört worden bin." So fliegt eine„schwankende" Gestalt nach der anderen, bis als einzig„Schwankende" Thäimann und Konsorten übrig bleiben. Unerwünscht. Oer»Kochschulring deutscher Art' erklärt die Teilnahme seiner«VJlf*» a» Mitglieder an der Ver fassong«feier für»unerwünscht'. UUtZ/! Oer Kongreß der Lugend. Sozialistische Lugend und Kulturausgaben. Wien, 18. Juli.(Eigenbericht.) Der Kongreß der Internationalen Arbeiter- j u g e n d wurde am Mittwochnachmittag nach der Annahme zahl- reicher Entschließungen geschlossen. Am letzten Derhandlungstag referierten zunächst über «Die VereinheiMchung der sozIaNsklschen Erziehungsarbeit- Paul-Prag und Kcmih-W i e n. Die Gedankengänge von Paul lasten sich wie folgt zusammenfassen: Die sozialistische Arbeiterbewegung ist heute nicht mehr aus- schließlich«ine politische und wirtschaftliche Bewegung. Die Bahn ist frei für den g e i st i g« n und kulturellen A u f st i e g der Arbeiterkloste. Das große Problem drängt sich mehr und mehr in den Vordergrund. Arbeitersportverbände und Jugend- gruppen der Gewerkschaften nehmen sich gleichfalls der Jugend an. und wir begrüßen dies, weil der Vielheit der bürgerlichen Iugendverbände eine Vielheit der sozialistischen Iugendverbänd« ent- gegengestellt werden muß, damit eine möglichst große Zahl Jugend- licher gemäß ihren Neigungen und ihren Interessen.in die Arbeiter- bewegunz hereingezogen werden kann/ Wir wünschen' die innige Zusammenarbeit mit dem Arbeitersport und mit den gewerk- "schaftkichen JSATNdberMkldenT~—.....——......- An Stelle der gegenseitigen Konkurrenz muß dies« Zusammenarbeit immer mehr Raum gewinnen. Dabei ist jedoch m'cht zu verkennen, daß jede Art Jugendorganisation chren besonderen Zweck zu erfüllen hat und es ist die vornehmste Aufgabe der sozialistischen Arbeikersugend. die Zugend für den Sozialismus heranzubilden und zu erziehen. Es darf nur hierüber einen edlen Wettstreit zwischen den verschiedenen sozialistischen Jugendorganisationen geben, einen Wettstreit, wer am besten der Arbeiterklasse und dem Sozialismus dient. Saulh führt« aus: Immer mehr wendet sich das Jntereste der Partei der Jugend zu und auch bei uns wächst die Erkenntnis, daß schon bei Kindern die sozialistische Erziehung beginnen muß. Zu den objektiven Voraussetzungen für den Sozialismus muß auch die subjektive Voraussetzung treten, sonst wäre es ja nicht erklärlich, daß auch viel« Arbeiter immer noch im Lager des Bürger- tums stehen. Die sozialistische Bewegung ist nicht mehr lediglich Sampfbewegung, sondern auch Aufbanbewegung geworden. Diese Aufbau- und Erziehungsarbeit ist schwieriger als der reine Kampf, und deshalb ist es notwendig, unablässig an der Erziehung und an dem Aufbau zu arbeiten. Diese Arbeit muß bei dem Kind begiuneu, muß in den Betrieben sortgesetzt werden und ist eine der wichtigsten Aufgaben der sozialistischen Jugend« organisationen. Wir dürfen nie vergessen, daß das Gefühl bei den Erwachsenen noch viel mehr bei der Jugend und bei dem Kinde eine Hauptrolle spielt und daß wir uns in unserer Agitation mehr als bisher auf diese Tatsache einstellen müssen. Wir brauchen die Roten Falken neben der Arbeiterjugend und eine innige Zusammenarbeit der Organisation ist notwendig. Pflicht der Arbeiterbewegung ist es, die Erziehung?- und Aufbauarbeit an den Kindern zu beginnen. Die Arbeiterjugend wird dann ihre Mithilfe nicht verweigern. Die Nachmittagssitzung galt in der Hauptsache der Verabschiedung zahlreicher Entschließungen. Nennenswert ist vor allem ein Aufruf an die gesamte sozialistische üugend der Welt zum Kampfe gegen Krieg und Militarismus. In einer Entschließung wird der Vorstand beauftragt, über die englische Arbeiterbewegung Fühlung mit den indischen Arbeitern zu nehmen. Ändere.Entschließungen besagen, daß die Jugendpropaganda in' England und Frankreich künftig mit allen Mitteln in Angriff genommen werden soll. Internationale Ferienreisen von Jugendgruppen und der A u?4a usch von Jugendlichen sowie die Verbreitung von Schriften sollen die Jugend über die ver» schiedenen Länder und ihre Arbeiterbewegung mehr als bisher unter- richten. Da» Kino soll in Zukunft ebenfalls in den Dienst der Propogandiz gestellt werden. Schließlich wurde noch«in« Resolution gegen die Unterdrückung der sozialistischen Jugend in den f a s ch i st i- schen Ländern angenommen, ferner ein von der Kommission aus- gearbeitetes großes Jugendschutzprogramm und ein Pro- gramm über die Erziehung der Jugend gemeinsam mit den ver- schiedenen Verbänden und Organisationen der Sozialistischen Arbeiter- internationale. Das Ergebnis der Vorstandswahl war: 1. Vorsitzender Karl Heinz- Wien, Sekretär Erich Ollenhauer. V« r l i n. Beisitzer Koos vorrink-A m st e r d a m, hau» Hansen- Dänemark, Joseph Marek-Belgien, Ernst Tusil-Prag und Ludwig Eohn-Warschau. Damit waren die Arbeiten des Kon- gresies beendet. Mit dem Gesang der Internationale trennen sich die Delegierten der arbeitsreichen Tagung. Ein Taschenspielerstück. Die Kugenberg-Eiique droht mit ihrer Niederlage. In der„Nationalliberalen Korrespondenz- veröffentlichte der Schriftsetzer Beckmann, Mitglied der Deutschen Volks- partei, einen Aufsatz gegen das Hugenberg-Lolksbegehren, der zu folgenden Schlußfolgerungen kam: «Die Befreiung Deutschlands und die Minderung seiner Losten kann nur auf dem Wege geschickter diplomatischer Verhandlungen vor sich gehen. Deshalb werden wir Arbeiter in der Deutschen Voltspartei uns an diesem Volksbegehren nicht beteiligen: Das deutsche Volk soll und darf nicht zur Ruhe kommen,«s muß ständig die Volksseele zum Brodeln gebracht werden, es muß stets etwas im Gange sein. S-nd es nicht die Kommunisten, die unbedingt sich als Retter des Volkes aufspielen und glauben, durch ein Volksbegehren ihrer Idee zum Wohle des Volkes zur Macht zu verhelfen, so sind es zur Abwechslung mal die„nationalen- Kreise derer um Hitler und Hugenberg, die jetzt ein Volks- begehren vorbereiten, durch welches das Volk selbst das Joch von sich werfen kann, welches nun schon 10 Jahre so schwer auf ihm lastet.- Wegen dieser Absage fallen die Mitteilungen der Deutsch- nationalen Volkspartei über den Verfasser her. Sie bezweifeln feine nationale Gesinnung, sie beschuldigen ihn. daß er„beut- schen Männern" in den Rücken falle, und nennen schließlich seine Absage ein„frevelhaftesSpielvolrspartei- licher Arbeiter". Da haben wir die widerliche Hetze in der schärfsten Form—- und besonders interessant ist dabei, daß sie gegen die Volkspartei geht. Das Kernstück des deutschnationalen Ergusses bildet ein Lamento über„die furchtbaren Folgen eines negativen Aus- gangs des Volksbegehrens": „Wie soll in Zukunft jemals«in deutscher Staatsmann erfolg. reich für die deutsche Freiheit kämpfen, wenn das hinter ihm stehende Volk sich vor aller Welt für die Knechtschaft entschieden hat?' Das ist«in sauberes Tafchensptelerkunst- st ü ck! Als das kommunistische Panzerkreuzervoltsbegehren kläglich unterging, hat selbstverständlich niemand den Schluß gezogen, daß das deutsche Volk sich für Panzerschiffe engros begeistere— man hat nur daraus die Lehre gezogen, daß das Volk auf kommunistischen Reklamelärm nicht hineinfällt. Wenn das Hugenberg-Volksbegehren das gleiche verdiente Schicksal erfährt, wird keiner sagen, das Volk sehne sich nach Reparationsleistungen— das allgemeine Urteil wird nur fein, daß das Volk sich mit Verachtung von der Hugenberg-Clique abwendet, weil es ernsthaft die Freiheit will. Eine feine Methode das, die jede künftige Politik im Interesse Deutschlands schwächen und diskreditieren will für den Fäll, daß der eigene Reklamelärm verpufft! Das ist die echt„nationale" Gesinnung, die auf der einen Seite schamlos erpressen will und auf der anderen Seite von vornherein die große Mehrheit des Volkes schamlos beschimpft, sie wolle die Knechtschaft! Und das dazu von den Leuten, deren oberstes Ziel die innere Knechtschaft des deutschen Volkes ist. Wie der Herr, so's Gefcherr! Wenn die Herren Hugen- berg und Hitler heißen, kann man von den journalistischen Bejftechtern ihres neuesten Hetzfeldzuges nichts anderes erwarten. Kriegsschuldfrage gelöst. Die deutsche Sozialdemokratie hat den Weltkrieg gemacht Graf zu Reventlow, Reichstagsabgeorbvtter von Hitlers Gnaden. hat die Frage der Kriegsschuld gelöst: der Schuldig« ist festgestellt, e» ist— die deutsche Sozialdemokratie. Also liest man im„Reichswart": .Hier kommt e» darauf an, daß dos Verhalten der SPD.«Führer Deutschlands vor dem Kriege jahrzehntelang den feindlichen Mächten ollen Grund zur Annahme gegeben hat, daß sie iu einem Kriege mit Deutschland die Landesverteidigung in irgendeiner Weise sabotieren, jedenfalls erheblich in Frage stellen würden. Bestände nichts als diese Tatsache, so würde die Sozialdemokratie Deutschlands, d. h. ihre Führung, tatsächlich eine schwer« Schuld am Ausbruch des Krieges haben." Herr Reventlow gehörte vor dem Krieg« zu den wildesten Kriegshetzern. Die Sozialdemokratie wirkt« für den Frieden. Also wirft sich der Kriegshetzer zum Richter auf und erklärt: die Sozial- demokratie ist am Kriege schuld. Natürlich: wer für den Frieden wirkt, ruft den Krieg herbei. Dieser Reventlow ist ein Narr für sich, aber so ganz originell, wie er scheint, ist er nicht. Haben wir nicht in diesen Tagen in der kommunistischen Presse gelesen, wir hätten die Schiild am Änesisch. russischen Konflikt und seien die Einbläser Tschiangkaischeks? Das ist dieselbe Neuheit, nur von der anderen Seit«. Morgen kommrvielleicht wieder einer von der anderen Seit- und behauptet, die deutsche Sozialdemokratie hat da, russisch« Ulli- rnatum gemacht..._ politisches Querulantentum. Staatsgerichtshof und kein Ende. Di« Landtagsfraktion der Wirtschaftspartei wird gegen da» vom Landtag beschlossene Gesetz über die kommunale Neugestal. t u n g im rheinisch-westfälischen Industriegebiet Klage beim Staatsgerichtshof einbringen mit der Begründung, daß da, Gesetz dem Artikel 70 der preußischen Verfassung zuwiderlaufe, wo- nach den politischen Gemeinden und Gemeindevcrbänden das Recht der Selbstverwoltunz ihrer Angelegenheiten gewährleistet wird. » Wenn das so weiter geht, wird künftig gegen jedes Steuergesetz. jedes sozialpolitische Gesetz Klage beim Staats- gerichtshof eingereicht werden wegen„Verfassungswidrig- reit", Grunde dafür sind so billig wle Brombeeren, und von politischer Disziplin ist bei den engstirnigen Interessenten- Parteien keine Rede. Wann wird einer der Saboteure aus dem Rechtslager auf den Gedanken kommen, beim Staats- gerichtshof Feststellunasklage zu erheben darüber, daß die Reichsverfassung verfassungswidrig sei? Wonach die Wirffchafispariei fragt. Die Wirtschaftspartei des Landtags hotte die Pressenachrichten ousgegrifsen und zum Gegenstand einer Kleinen Anfrage gemocht, wonach Dr. Magnus Hirschfeld mit Genehmigung des Direk- lars vor den Schülern de» Berliner W« r n e r. S i« m« n s- Gymnasiums in der Aula der Schule einen Vortrag über seine Theorien gehalten haben soll, als dessen Auswirkung sich an diesem Gymnasium«in„Verein der Unentwegten" gebildet habe, der in einem Rundschreiben an andere Gymnasien um seine Ideen wirbt. Da» Staatsministeriilm wurde in der Kleinen Anfrag« um Antwort ersucht, ob die Abhaltung derartiger Vorträge an öffentlichen Schulen den Grundsätzen des Kultusministeriums über die sittliche Ertüchtigung der heranwachsenden Jugend entspricht. Wie der Amtliche Preußisch« Pressedienst mitteilt, stellt die Ant- wort de» Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volks» bildung fest, daß der in der Anfrage erwähnt« Vortrag des Dr. Hirschfeld im Werner-Siemens-Realgymnasium nie statt. gefunden hat. Do« in der Anfrage erwähnt« Rundschreiben ist bereits früher als Fälschung gekennzeichnet worden. Sie provozieren. ZvsammevstSße bei einer kommunistischen Oemonstraiion. Stuttgart. 18. Juli. Don zuständiger Seite wird mitgeteilt: Bei einer von der Kommunistischen Partei gestern abend auf dem Marktplatz veranstalteten Kundgebung wurde«in in der Uniform des verbotenen Rotfrontkämpferbunde» erschienener Mann zvr Fest« stellung seiner Person und zur Abnahme der Unisormstückc nach der Polizei gebracht. Hierbei drängte eine große Meng« lärmend noch. Bei der Bebenhäuser Straße versuchte der k o m m u n i st i> schc Reichstagsabgeordnet« Vogt, die Vorführung des Rotfrontkämpsers zu verhindern und dessen Uniformstück« gc- waltsam zu entreißen. Er wurde daraufhin von den Beamten wegen Widerstand«» festgenommen und zusammen mit dem Rotfrontkämpfer zur Wache gebracht, wo beide noch vor« läusiger Feststellung des Sachverhalts und der Personalien alsbald wieder entlassen wurden., Als die Polizei die Lärmenden, die sich vor der Polizeiwache angesammelt hatten, zum Auseinandergehen aufforderte, zog«in Mann in der Menge einen Revolver und gab gegen einen Pollzeibeamten einen Schuß ab, der jedoch nicht den Beamten, sondern einen der Demonstranten in den Fuß traf. Auf einen weiteren Polizeibeamten, der ihn festnehmen wollte, versuchte er ebenfall»«inen Schuß abzufeuern. Der Schuß versagte jedoch. Nun schlug er nach dem Beamten mit dem Re- volver und brachte ihm eine Verletzung über dem linken Auge bei. Der Mann wurde festgenommen und wird sich vor Gericht zu verantworten haben. Entgegen anderslautenden Berichten wird erklärt, daß die Polizei von der Schußwaffe keinen Gebrauch gemocht hat. Von Niederlage zu Niederlage. Ln Thüringen wird fortgewurstelt. Weimar. 18. Juli.(Eigenbericht.) Der Thüringisch« Landtag lehnt« am Donnerstag gegen den Willen der Regierung die Unterstellung der landwirtschasi- lichsn Berufsschulen unter die Landwirtschaftskommern ab. Die landwirtschaftlichen Berufsschulen bleiben damit Staatsschnlen. Die Auslieferung der landwirtschaftlichen Berufsschulen an die Land- wirtschoftskanmiern war auf ein« Forderung des Land- bundes zurückzusührcn, der von dem demokratischen Landwirt- schaftsminister Paulsen ohne weiteres entsprochen wurde. Mit der Ablehnung des entsprechenden Gesetzentwurfes erlitt die Regierung ein« empfindliche Schlappe. Eivberufung des Preußischen Staolsrales. Der Preußisch« Staatsrat ist auf�Di«nstag nächster Woche zu einer Sitzung ein- berufen, um die Frage zu entscheiden, ob gegen das westliche Um- gemeindungsgesetz Einspruch eingelegt werden soll. Es soll zugleich die Frage behandelt werden, ob der Staatsrat gegen dos Polizei- kostengesetz und die Novell« zum Volksjchullehrerdiensteinkommen, in der die Frag« der Schullasten neu geregelt wird, gleichfalls Ein- spruch einlegen will. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstr. Roeenthaler Str. Moritzplatz Preise für Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat, Mengenabgabe vorbehalten. Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt. Züronen- Girungsgetrink Vtrkaoti Drosen- AMellunj Aauchaak l» den ErfrUchunterSumen Einkechaläser„Globus" V. Ltr. V, Ltr. V« Ltr 1 Ltr.!% Ltr. 2 Ltr. eng 0.30 0.32 0.34 0.33—— weit- 0.36 0.38 0.40 0.42 0.48 10 Gummiringe eng 0.30 wert 0,40 Einkochapparat kompl. mit Thermometer 4,30 Stachelbeeren 0.18 Tomaten....................... Pf,,nd 0.14 Johannisbeeren............. Pfr»" 0.22 0.28 Italienische Pflaumen.......... P'»«d 0.32 Italienische Pfirsiche............. PfBnd 0.32 Zitronen........................... 0.35 Frisches Fleisch hiesige Pfund VaAV Grüne Bohnen Mohren..................... 3"°-d 0.25 Schoten u. Weißkohl............. p'®"' 0.10 Grüne Gurken............ sw-a von 0.08 Einlegegurken.................. p'Bnd 0.12 Holländischer Blumenkohl....«co?« m 0.25«n Neue Kartoffeln......... 10 Pfand 0.48 0.65 Rot- u. Dampfwurst ptd. 1.10 Hausmadicrlcberwurst........... Pfand 1.25 Mettwurst Braunschwelger Art.......... Pfund 1.45 Filetwurst u. Polnische........... Pfand 1.60 Holstein. Zervclat- u. Salamiwurst Pfand 1.85 Feine Leberwurst u. Teewurst... Pfand 1 85 Speck fatt Pfand 1.20 mager Pfand 1.50 Kfiniggfra�v, Roienlhaler Str., MorUxplalg! Landlcbcr wurst 1.05 Knoblaucfaw. Pfand IJiO Norw. Heringe 0 Ton� 0.70 Oclsardinen....... Dose 0.24 Kiubdose.. 0.45 Erdnu�-Ocl••..v. LKer-Dose 0.54'« Uler-Uose 1.00 Bienenhonig............... C1»s 0.46 0.92 Senfgurken....................* d»« 0.82 Konfitüre Eimer Pflaumen 0.92 Orange 1.05 Johannisbeer 1.15 Erdbeer 130 Kirschen, Himbeeren..... 1.35 Ananas 1.40 Kaffee Konsmn-Mlsdiung, elg. BBsierel, frisch gebrannl, Pfd. 2.10 Kalbskamm u.-Brust.....Pfand Kalbsnierenbraten........ Pfand Kalbskeule gyu und geteilt..... Pfand Rinderkamm u-Brust....Pfand Schmorfleisch U. kanstkeek. m. knoek., Pfd. Schmorfleisch ahne ünvchen.... Pfand Querrippe pm. 0.75 Gulasch Pfd. Gehacktes pu. 0.75 Liesen Pfand Schweinebauch u. Racken,». ph. Schweinekamm«. buu. pi.nd ffammeivorderf.eisch..... Pfand 0.90 0.95 1.05 0.80 1.05 1.25 0.90 0.70 1.15 1.20 1.05 Kalbsschnitzel.......• 2.10 Frische Rinderzungen.. 1,20 Holländer» 0.65&0.95 Camembert vonf«tt........... gros« Sdiedn«! 0.58 Edamer...... halbfett, Pfand 0.68 rollfelt. Pfand 0.95 Allg. Stangenkäse baibf. Pfd. 0.52 vollf«!'. Pfand 0.28 Tilsiter............... vouf««, Pfund 0.84 1.08 Tilsttcr Art ohne Binde, halbfett........ Pfund 0.24 Emmcnthaler Art Ohne Binde, halbfett.... Pfand 0.90 Schweizer bayrischer, vollfett....... Pfund von 1.30 an Grasbutter Mecklenburger. Pfd. 1.T4 Tatelbuitcr I................... Pfnnd 1.88 Dänische Butter la.............. Pfand 1.98 Margarine.................. Pfund von 030 an Brathühner"fS.ä 1.15» Suppenhühner»nach geschlachtet.... Pfand vaa 1.1 5 an JnngC GäDSC krisch geschlachtet.... Pfand von 1.15 an Junge Enten frisch geschlachtet..... Pfund von 1.35 an Rehblätter................. Pfund von 1.25-n Rebragout..................... Pfund 0.32 Bratschollen■■ 3 cm 0.40 Seelachs ohne Kopt, ganze Pischc,......... Pfand 0.15 Kabeljau ohne Kopt, ganze Fisch«.....Pfund 0.15 0.25 Schellfische.....................Pfand 0.18 Rotbars........................ Pfand 0.22 FUchfilct................... Pfand 0.25 035 Lebende Krebse............ Mendel von 0.45»» Flundern... Pfund 0.32 0.55 Fettbücklinge.............. Pfanu 0.45 0.55 Seelachs fa StUchcn, geräuchert Pfund 0.38 Schellfische gciluchert...............Pfund 0 42 Lachs hi Stachen. gcrSuchcrt......... Pfand van 1 30 an Neue Matjesheringe...... 3 siodt von 0.25-» Edelapfelwein'SKiiu5' 0.60 Frtlnrr Frnrhtwrin Cyder(sUßer Apielwelni, Stachel- ft Ä- . einer rruuilwcuz �er.(Ohannlsbeeiweln" 83 192S Bergzaberner Letten kcraigcr ptaizweta 1.00 1918 Woilstciner mild, gnler Tlschweta..... 1.15 1918 Mitteler pikanter Bowlenmosel...... j 1918 Sicfershcimer Sandberg B��h- 1 130 1916 Licbfraumildt(blaue Kapselt mild bestechend 1.60 1916 Rüdcsheimer duftiger Bbelngauwew.... 2.00 V, a 1« PI. Kirschsaft n. Zitronensirup.... 0.80 1.35 Himbeer', Erdbeersaft, Orangeade 0.95 1.60 Preise für Vi Flasche, ohne Glos Wein u. Spirituosen vom FaB Äiu 18. Juli(latb unmuariet an Hrrzichloa mein« liebe Frau unb Irene Lebenskameradin, meine gute Soctncr, unsere liebe Schwester, Schwägerin uno Tante Bertha Werk geb. LangwUcfa Im Namen der Hinterbliebenen Jobannci Werk, Reich enberger©trage 166 Euiäscherung, Sonnabenb, 20. Juli, Ic Ubr. Rremototium Baumtchiilenweg Cf c> ( Thealer, L'chtsplele usw. Freitag, 19. 7. Slaats-Oper Unter d. Linden R.-S. 19 19 Uhr Rosen- kavaiier Frei tag, 19. 7. Stadl Oper Bismarckstr Qeicmossen Staois-Oper Am Pl.d.Repubi A.-V. 36 20 Uhr fil am Gtadarmenmarki Oeidilosseo! Staatl.Schiüsr-TliEater.C!iarltli. Geschlossen. Bezirksverband d. SPD. 44. Abt. Am 18. Juli verstarb nnfece langjährige Senasfin Bertha Werk im uollenbeten fünfjiofien Leben«. jähre. Ehre ihrem Andenken. Die Einäscherung findet am Sannabenb, dem 20 Zuli, 18 Uhr. im flremo. torium Banmschuienweg, statt. ReAe Beienigung erwartet Oer �bteUurtgAvorztai»«!. Fllr die uieien Beweise inniger Teil- nähme bei dem Heimgange memes geliebten Mannes. Baiers. Bruder». Schwagers und CmM« sprechen wir hiermit unseren herziichsten Dank aus. Cmmo Schmlhk, geb. Breddin Ell» Schmidt als Tochter. S Ubr Darb. SSZS Borrah Minsvitsch's Eil amarikan sehe Vagebundan usw "onn abend u. So.nt.g Je 2 Vorstellungen ■V* ü.- Uhr. 3 51 ermäßigte Preise d Uhr» zthti. 2818• Kasan griashi Kämpft ScfamcUog.Paolloo Wanderknabe Conche und weitere Varleti.Menbeitcn Sonnabend und Sonntag la 2 Vorstellungen 3� und" Uhr. i» kleine Preise. Volks httiine f üssln 311! äOlowtizit 8»/. Uhr Berlin, wie es weint u. lacht lägt. 8 u. 815 Sonnt. 3. S o 81! Alna. 6C66 INTERNAT. VARIETE meafftr am Sdiiffbanerticmm. Norden 1141 u. 281 R", Uhr Gruppe langer Schenspieler Revolle im SrziehungsliaBS (Urnnltahrnngs- heseuung) Partei- und Qewerk- schaftsm.tgl. gegen Vorzcigungdes.Mit gliedsbuches statt 3 und 4 Mark nur 1 Mark SiBtidiu ibeatei D.I. Norden 12310 8Us Ende gegen II Die Fiederoia&s Musik v.Joh. Strauß. Regiec Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Aasstattg L-Kain TOD UND tallenSchwaben Schwabenpulver„Martlal" vertilgt Sdiwnben samt Brut restlos. Wirkung verheerend. Spritzdose Mk. 0 70. 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Gehpelze 100.—. steine Lombarbwarel ventZMer BaadewerKslrand BandewerKstfiafl Berlin Am Montag, dem 22, Juli, nachm. 5 Uhr, findet in den Residenz-FestsClen, Landsberger Straße 31, eine Baudelegiertenversammlung stau.— Thema:„Der ftnlnil der fieiieralfmaiDiiiiii&ö zur ElnDett". in dieser Versammlung werden die Fragebogen ür die Julistatistik ausgegeben. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimieren. Dar Vorstand. Ohne Anzahlung. Mehrjährig« Ratenzahlung Schlaf-, Speise-, Herrenzimmer Küchen, Polster-, Einzelmöbel Nur Breite Straße 7. Patentmatrasten.Prlmisstma'. Metall. betten. Autlegcmateasten Chaiselongues. Walte«. Slargarderitrahe achtzehn Kein Laben• i8ui.auiKeua.i8r Kottb. Str. 6 Bis 31. fall Tägl. 8 Uhr Gastspiel der i Original Leipziger Prltz- Weher- Sänger Bit ihftn Irfalin«ITr enen Prn-ramm Laslspieihaus Täglich 8>, Uhr Du wirst mich heiraten! 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Zum Teil erklärt sich das aus der starken Zerstiiilterung des New-Forker Bcrkehrswescus, diis auf eine große Zahl Eeselljchasten sich verteilt. Zu niedrige Bemessung des Fahrpreises hat zu einer Verwüstung der Betriebsmittel MstiHrt, die wir uns nicht vorstellen können. Aber New Uork ist nicht Amerika: in vielen anderen Städten Amerikas liegen die Dinge günstiger. Gut ist in Amerika das Straßenbahirwesen entwickelt, ober den ftarlstcn Eindruck macht doch das Autoverkehrswesen, das in den Städten und mehr roch auf dem Lapj»« von sehr großer Bedeutung ist Die> Folge davon ist zinr weitgehende Ausbildung der Straßen- und Wege- In den Großstädten freilich findet die Verbreiterung der .�lrahe ihr« Grenz« an der fteigeisden Kostenhohe. Dort leidet der Antooerkehr unter lästigster Verlan gfamung. Gestetgert iverden die Schwierigkeiten durch die Mehrung der Hochhäuser, die wir in Berlin nicht nachzumachen brauchen. Kein lohnendes biesthäft sind auch in Amerika die Untergrundbahnen, weil der Bau naturgemäß teuer ist. Durchgesetzt hat sich in allen Städten die Auffassung, daß nur Einheitlichkeit des Verkehrs- Wesens den Mängeln des Verkehrs abhelfen kann. Einige Städte haben sie schon, z. B. Boston in vorzüglicher Durchführung mit sehr guten Umsteigemöglichkeiten. Daß die Großstädte in erster Linie den Bau von Untergrundbahnen nötig l? a b e n, Ist dl« allgemeine Ansicht trotz der Erschwerung durch die Höhe der Baukosten. Auch in Amerika fällt diese Aufgabe den Städten zu. New Dork und Ehikago haben Schnellbahn- Projekte aufgestellt, deren Kosten in die Hunderte von Millionen Dollars gehen. Für Berlin ist aus den Erfahrungen Amerikas wichtig, daß auch wir mit einer außerordentlichen Zu- nähme unseres Autoverkehrs zu rechnen haben. Wir werden daher mehr Verkehrsramn schaffen müssen, breitere Straßen. besondere Autostraßen. Stadtrat Reuter kam zu dem Schluß, daß wir die Entwicklung unserer Stadt Berlin, die übrigens doch schäner als New Park sei. in der Rrchtung der vpr- handenen Ansätze, weiterführen muffen. Stgdtbaurat Dr. Ä a g n e r gab einig« der Eindrücke wieder. die«r vom Bauwesen amerikanischer Städte emvfongen hat. Berlin« Entwicklung von jetzt über 4 Millionen Einwohner auf mdgkicherweis« einmal 9 Millionen Einwohner ist abhängig von ein« vorausschauend«, städtebaulichen Gesetzgebung Zn diesem Punkt sdch wir den Amerikanern voraus, denn sie überlassen die Führung in der Städtebaupolitik immer noch der privaten Lnstiatio«. Stärker als bei uns ist aber in Amerika das Einfamilienhaus verbreitet, dank der Herrschaft des Autos, da« die Besiedlung entlegener Außenbezirke erleichtert. Auch die fortschreitende Einführung der fünftägigen Ar- beitswoche trägt dazu bei, Siedler aus der Großstadtbevölke- nmg aufs Land hinauszuführen. Wagner konnte feststellen, daß in amerikanischen Städten bestätigt wird, wie gesund unsere Boden- Politik ist. Aus den dortigen Verkehrsverhältnisjen zieht er die Lehre, daß wir rechtzeitig auch für die Schaffung aus- reichender Verkehrswege sorgen müssen, für Straßen- Verbreiterungen, Straßcndurchbrüche. Vielleicht müssen wir auch bald an Straßen mit zwei Etagen denken. Wagner hält für nötig, daß in Berlin die Verkehrspolizei in die Hände der Stadt kommt, damit die Genehmigung von Bauprojekten sich reibungslos voll- ziel/«n kann. Hochhäuser verwirft auch er, doch rechnet er zu ihnen rivch nicht die Häuser mit sieben bis acht Stockwerken. Der Redner erklärte, daß man die Erfahrungen der Amerikafahrt zum Nutzen Berlins verwenden iverde. Er ließ aber nicht unerwähnt, daß auch in amerikanischen Großstädten es nicht über- all so ordentlich und sauber aussieht, wie man es in ihren Hauptstraßen findet. In den Nebenstraßen stößt man dort manchmal aus eine verkehrliche und hygienische Vernachlässigung, die nicht als Muster dienen kann. Im Schulbauwefen, so führte Wagner aus, bevorzugt Amerika die großen Schulsysteme, die Unterbringung mehrerer Schulen auf einem Grund.vück, wobei es dann möglich wird, die Schulen mit Einrichtungen zu versehen, die bei kleinen Schulen schwerer durchzuführen sind, zum Beispiel, mit Schwimm- bädern usw. Die völkerverbindende„Bremen". Telegrammwechsel Schurman-Norddeutfcher Lloyd. Der amerikanische Botschafter in Berlin, Dr. Schurmann, telegraphierte anläßlich der Iungfernreise der„Brem« n' an den an Bord befindlichen Präsidenten Heinecken vom„Norddeutschen Lloyd":„Ich möchte Ihnen gratulieren zu der glücklichen Fahrt der „Bremen" und Ihnen meine b e st e n Wünsche zu der Jungfern- reise übersenden. Möge das große neue Schiff sich als neues Mittel erweisen, unsere beiden Bölker durch Handel, Verkehr und ins- besondere in persönlicher Fühlungnahme und im gesellschaftlichen Verkehr in gegenseitigem Verstehen und gegen- jeitiger Würdigung einander näher zu bringen. Schurmann, Botschafter." Präsident Heinecken erwiderte herzlich in gleichem Sinne. Wieder rasender Auiofahrer. Ueberfohren und hilflos liegen gelassen. vi« Auloroserei hak gestern nachmittag in der Prinzenallee im Norden der Stadl wieder elnZodes- opfer gefordert. Ein« etwa S S j ö h r i g e noch unbekannte Frau wollte gegen Uhr vor dem Haus« Nr. SS den F a h r d a m m über» schreiten. In rasender Fahrt kam«in Motorrad- f o h r e r die Straße herauf. Di« Frau wurde von dem Rad ersaßt und zu Boden geschleudert. Die Unglückliche blieb bewußtlos auf dem Fahrdamm liegen: der Motorradfahrer suchte sein Heil in schleuniger Flucht. Zu ollem Unglück wurde die Frau noch von einem nachkommenden Autobus, dessen Führer nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte, Übersahren. Mit furchtbaren Verletzungen wurde die Verunglückte ins nächste Krankenhaus gebracht, doch trat auf dem Transport dorthin bereits der T o d«in. Die Kriminalpolizei hat die Ermittelungen nach dem Schuldigen ausgenommen. Millionenwerie vernichtet! Ein Mesenbrand im Emdener Hafen Emden, 18. Fuli. Im Hafen tviitet ein R i c s e n b r a n d. Sehr gensie Werte sind vernichtet. Räch Schätzungen hat der Brand im Emdener Außenhafen einen Gtsamlschaden von mehr a l s e! n e r Million Mar! verursacht. Dem Feuer sind auch vier große Kräne, die zum Em- laden der Schiffe dienten, sowie ein kostspieliger Elevator zum Opfer gefallen. Die Dorderwand des großen Vackstelnspeichers mi! dem angebauten Wohnhaus ist stehengeblieben. Der ehemalige Speicher gleicht einem wüsten Trümmerhausen. Der riesige Elevakor ragt schräg In die Lust und droht einya stürzen. Inmitten der Trümmer liegt ein großer Kessel, dessen eiserne Stützen zusammengeschmolzen sind. Hasenbovl> und Feuerwehr sind kurz vor 8 Uhr noch mit dem Niederkämpfen des Feuers beschäftigt. Doch kann die größte Gefahr als beseitigt gellen. Bei dem Brand erlitten einig« Personen, die mit Löscharbelten beschäftigt waren, Verletzungen. Einwandfrei ermittelt! Abschluß in der Mordsoche Lasch. Schneide mühl, 18. Juli. Als Täter in der Mordsach« Lasch find B a g t« s r i und Libuda einwandfrei festgestellt worden. Alle an- deren Personen, die von Baginski in die Mordsache hin- eingezogen worden find, sind nicht an der Ermordung des Kaufmanns Lasch beteiligt. Auch der angebliche Täter, ein gewisser Wurst, aus der Nähe von Oppeln in Oberschlesien, wurde wieder freigelassen, da sich die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen als völlig falsch er- wiesen haben. Ebenso ist die Freundin des Baginski, S ch w i t t« ck, wieder aus dtr Haft entlassen worden. Frau Baginski bleibt jedoch in Haft. Gegen Baginski wird die Llnklage auf Raubmord lauten: Libuda dürste der Mittäterschaft beschuldigt werden. Selbstmord eines Dankprokuristen. In seinem Bureau in der Schützen st ratze 21 wurde heule früh der ISjährige Bankprokurist Otto Heiter erschaffen aufgefunden. H. hatte sich aus einer Mehrladepistole ein« Kugel in die rechteSchläf« gesagt. Ale die Tat entdeckt wurde, gab der Selbst- mörder noch schwach« Lebenszeichen von sich, er starb je- doch auf dem Transport zum Krankenhaus. Nach den bisherigen Ermittelungen scheinen groß« geschäftliche Verluste den Mann zu der Verzweiflungstat getrieben zu haben. Eine zerplatzte Mondrakete. Aus Worcester(Massachuffetts) wird gemeldet: Universitäts- Professor G o d d a r d versuchte am Mittwoch aus einem eigens dazu erbauten 40 Fuß hohen Turm ein« Mondrakete abzuschießen. nachdem er 17 Jahre daran gearbeitet hatte, sie herzustellen. 24� Ratete ging etwa 1000 Fuß In die Höhe und explodierte dam. mit einem meilenweit hörboren Knall, wodurch die Fensterscheiben der Universität in Trümmer gingen. Die Reste der Ratete fielen teilweise brennend zur Erde, richteten aber keinen Schaden an. Die Stadt geriet in große Aufregung, die Polizei und Feuer- wehr eilten zur Stelle, fanden jedoch nur den Professor und seine Assistenten bei den Trümmerreslen. Die Rakete war ö Fuß lang und hatte einen Durchmesser von 28 Zoll. Sie«nchielt Gase, deren Beschaffenheit geheimgehalten wird, sie sollten durch Serien- e x p l o s i o n ein« ungeheure Geschwindigkeit des Raketengeschosses erzielen. Ys Copxriebl 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A.-G, Berlin Sie erleben, wie heftige Sonne nicht endenwollend her- unterknallt auf ihr niederes Wagendach, und wie in nacht- l chen Gewittern ein johlender Regen ihre kleine Behausung fast ersäuft. Die Ritzen der Türen sind Quellen für klein« Rinnsals, langsam fangen die leeren Zigarettenichachteln zu schwimmen an. Sie ziehen die Beine vom Boden auf die Bänke. Im Hieb der Blitze, die zu den schmalen Fensterchen hereinpoltern, sehen sie ihre Gesichter maskenhaft ge�enein- ander gerichtet, grünlich und starr. Es sieht nicht schön aus, und der Holzer will über dumme Berlegenheiten hinweghelfen. drum sagt er:„Mir scheint, wir ham a kleine Nachtübung- Vorübung für da draußen mit Ueberschwemmung und Donnerkrach." Er weiß nicht, wie grauenhaft er die Wahrheit spricht. wenn er betont, daß diese„Hebung" nur„klein" ist. Dann wird es ruhiger, das Unwetter zieht ab, und der Zug läuft sanft wie auf Watteschienen— nach all dem Spek- takel Sie schlafen strumpfig ein, zusammengeknüllt, den tranigen Stiesel über sich im Gepäcknetz, den ungewaschenen Kopf auf dem Kalbfell des Tornisters. Sie schlafen, mehr ermüdet von den vielen Gedanken ins Leere als körperlich erschöpft. So kriechen sie tagelang dahin. Manchmal stehen sie auch einen halben Tag. Dann wieder schleichen sie eine Stund« rückwärts: darüber zerbrechen sie sich den Kops. Der Tram- bahner. der über Geleise und Rangieren am meisten Bescheid weiß von den dreien, vermutet, man müsse aus plötzlichem Grund die Strecke frei machen.„Wißt ihr, die brauchen viel» leicht Platz für einen �ofzug. für einen Zug vom Großen Gsneralstab." Aber der Bader Stöger sagt zaghast und lächelnd mit einer vom Glück verklebten Stimme:„Am Ende Ist gar d,r Krieg schön stad zu End' gegangen, und si« fahren uns wieder heim." Alle drei bekommen em Leuchten in ihre verschmutzten Gesichter, sie glauben nicht an das, was der Bader spricht, aber es ist so verlockend, daß die lächerliche Hoffnung einfach mit ihnen durchgeht. Der Zug geht nicht durch. Er trödest immer verlorener. Da steht er abermals. Und steht so lange, in den Abend, in die Nacht hinein, daß man ihn und seine Insassen überhaupt vergessen zu haben scheint. Vergessen zu sein, ganz heimlich von dieser gefahrvollen Oberfläche des Krieges weggesunken zu sein, wäre auch ganz schön. Nutzlos« Ueberlegung— um Mitternacht kommen si« jählings in Schwung, heftiger denn je nach„vorn", kälter, härter, schleppender, als gelte es eisern, sämtliche Berspätun- gen dieser Tage einzuholen. Wenn sie einmal an einer Fütterungsbaracke, zwischen hundert rußigen Geleisen, einen Heeresbericht angeklebt ent» decken, sehen sie nach, ob der Krieg nicht doch mittlerweile aus ist. An den ersten drei Worten erkennen sie, daß er eifrig weiter geht— und sie stellen das Lesen ein, denn das übrige interessiert sie nicht recht. Später, wie sie wieder rollen, kommen sie auf den Heeres- zettel zurück. Eigentlich muh die Schweinerei ja bald zu Ende sein, denn— und nun beginnen die Debatten. Sie werden so geführt, unabänderlich logisch, mit den krampfhaften Argu- menten für das nahe Friedensbcdürfnis der Feinde, wie sie wachsend oerzweifelt drei weitere Jahre hindurch von Mil- lionen Mündern geführt worden sind. Sie überschreiten die Grenze nach Belgien hinein. Der Schaffner fühlt sich halb als Held, halb freilich auch immer unerbittlicher von den Brauhäusern der Vaterstadt getrennt. Immerhin dünkt man sich jetzt wichtiger als je zuvor im Leben, hier und da bekommt man auch jemanden von der Zivil» bevölkerung zu sehen, wenn der Eisenbahnwagen günstig irgendwo neuerdings ins Stocken gerät, vor einem Hause— häufig hier im Lande, wo sich Haus an Haus zu reihen scheint — eine fremdglotzende Arbeiterfrau, ein verschüchtertes Kind, und da wäre es angebracht, ein wenig stattlicher dreinzu- schauen als man es tut, denn man ist seit Tagen nicht nur ungewaschen, da» wäre nicht so schlimm, man ist auch un- rasiert. Doch wozu fährt ein Bader mit? Der Bader muß sein Messer aus dem Tornister holen. Ein Kaffeerest im Feldkessel ersetzt das Wasser für dt« Seif»— und dt« Schaberei kann beginnen. Si» währt lange, denn sie wird durch das Fahren des Zuges unterbrochen: nur wenn er steht, kann man dos Mesier ansetzen. So erleidet der Schaffner das Schicksal, drei Stunden eingeseift dazusitzen. Er hat es unglücklich getroffen. Ernstlich mit sich zu Rate gehen muß man aber erst, als man vom Belgischen ins Französische gerät. Schau an, die Franzosen haben Bahnhöfe und Stellwerke gebaut, die nicht viel anders aussehen als die unfern. Und Schienen und Weichen scheinen sie genau so zu legen wie wir. Warum ver- tragen sie sich eigentlich nicht mit uns? Warum meinen sie, auf uns schießen zu müssen, so daß wir auch auf sie schießen? Der Schaffner sagt:„Daß die Menschen auf dera Welt sich net vertragen können. Wie schön, könnt's jetzt hier sein, wenn die, wo hier sonst leben, einen Verstand hätten. Aber einen Verstand hat halt der Franzmann durchaus net. Streiten muß«r mit uns, der Bazi. Da kannst nix machen." Auch die beiden anderen finden, daß«s„hier schön sein könnt," obwohl gerade nichts weiter zu sehen ist als eine graue, berußte Mauer, ein verwahrlostes, unbenutztes Stell- werk mit zerbrochenen Scheiben und ein Berg von rostenden Konservenbüchsen in einer schwarzen Lache, die ans schadhaften Wasserröhren ungewollt gespeist wird 3. Endlich landen sie in Lille. Sic landen in einer Halle, die Aehnlichkeit hat mit jener, aus der sie abgefahren sind. Ist am Ende gar nichts Besonderes geschehen? Will sich sozusagen nichts ins Kritische verändern? Wär's möglich, daß der Krieg sich noch einigermaßen harmlos anließe? Man gilt als Frontsoldat, man ist einer— und man spürt von der Front kaum mehr als dje daheim, dank einem glückliche» Zufall, der einen in die taube Ecke geschmissen hat, bis cnd- gültig Schluß ist? Denn Schluß muß ja bald— Da ist— zum erstenmal wieder— irgend so ein Vor- gesetzter und schreit:„Alles aussteigen!" Und man sieht in den Abteilen nach, ob keiner die Ankunft verpennt hat oder gar unter die Bank gekrochen ist oder verborgen im Abtritt hockt, denn was kann man wissen? Hier hört man nämlich— hier hören die Neulinge zum erstenmal Artklleriefeuer: und wenn es auch ganz gedämpft detoniert, als habe man um ihretwillen den Himmel mit Tüchern verstopft—: sie wissen. daß es echt ist, daß es keinen unschädlichen Uebungen dient, daß es nur e i n inbrünstiges Ziel hat: Menschen zu töten oder wenigstens so weit zu verstümmeln, daß sie ihrerseits nicht mehr töten können.(Forts, folgt.) Zwanzig Menschen ertrunken! Schweres Eisenbahnunglück in Amerika. Denver lKolorndo), 18. Juli. Ter nus Chitago kommende Exprefszug der Rocky- Jsland-Bahn stürzte heute früh gegen drei Uhr in der Nähe von Ttrntton in einen Fluh. Nach den bis- herigen Meldungen sind 2V Personen ertrunken. Das Eisenbahnunglück ereignete sich dadurch, doh der sonst seichte Bach durch die Regengüsse der letzten Tage sich in einen reihenden Strom verwandett hatte und die Eisenbahnbrücke durch das Hochwasser unterspült war. Die Lokomotive und der Tankwagen de» au» 12 Stahl- und 8 Pull man- wagen bestehenden Zuge, entgleisten aus der Brücke. Die neun folgenden Personenwagen fuhren ineinander. Die drei letzten Wagen blieben auf den Gleisen stehen, vi« Lokomotive, der Packwagen und 4 Personenwagen stürzten von der Brücke in die Ties«. Ein Personenwagen geriet völlig unter Wasser. Auch die benach- borten Straßenbrücken waren überspült. Die Bergung der verunglückten dürft« mehrere Stunden dauern. da man abwarten muß. bis da» Wasser zurückgeht. Aus die ersten Rochrichten von dem Unglück eilten die Aerzte aus den zahlreichen umliegenden Orlen an die Unglücksstätte. Ein kranken- zug wurde von der nächstgelegenen Station entsandt. Unter den 500 Passagieren des verunglückten Zuges, die säst alle im Schlaf überrascht wurden, befindet sich auch der bekannte Rew-Dorker Theateruntecnehmer Blorris Gest. Auf eine Mine gelaufen. Schweres Schiffsunglück im Schwarzen Meer. Bukarest, 18. Juli. Im Hafen von Konftauza eingetroffene Dampfer berichten, daß sie nachts 508-Rufe des 2000 Touneu große» russischen Dampfers„W o l g a" empfangen hätten, der am 10. Juli mit Passagieren und Fracht vo« Novorossijsk in See gegangen war. Der Dampfer sei auf eine schwimmende Mine geraten, er habe um 3 Uhr morgens gemeldet, daß er sinke und daß 17 Mann der Besatzung und 14 Passagiere bereits ertrunken seien. Großer Bücherdiebstahl in Graz. Oer Oieb, ein Vibliotheksbeamier, ermittelt und überführt. Wien, 18. Juli. Aus den Beständen der Grazer Universitötsbiblio- t h e k sind im Laufe der letzten Monate wiederholt wertvolle wissenschaftliche Werk« abhanden gekommen, ohne daß s» trotz eingehender Nachforschungen und scharfer Ueberwachung ge- lang, das Verschwinden aufzuklären. Schließlich lenkte sich der Ver- dacht gegen einen in der Bibliothek arbeitenden Beamtenanwärter. Die Polizei konnte den Täter bald überführen. Es ist der Beamten- anwärter Dr. Ulbrich. Me die polizeilichen Erhebungen ergaben, hat sich Dr. Ulbrich auch von verschiedenen ausländischen Universi. täten im sogenannten internationalen Leihverkehr zahl- reiche Bücher ausgeborgt, und es besteht der Verdacht, daß er a u ch von diesen Werken einen großen Teil unter- schlagen und verkauft hat. Dr. Ulbrich gab sich als Spezialist für orientalische Sprachen aus, um auf diese Weise von Wissenschaft- lichen Instituten leichter kostbare und selten« Werke geliehen zu be- kommen. hat auch im Kreis« seiner Bekannten verschiedene Hochstapeleien begangen. Als seine Verhaftung bekannt wurd«, haben sich mehrere Geschädigte genieldet. Der Rektor der Grozer Universität hat'sich sofort mit den ausländischen wissenschast- lichen Instituten und Universitätsbibliotheken in Verbindung gesetzt, um festzustellen, ob diese durch Dr. Ulbrich geschädigt wurden. So- weit bisher feststeht, hat der Dieb die gestohlenen Werke in L e i p- zig verkauft. Der angerichtete Schaden beläuft sich auf ZV 000 Schilling, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß sich diese Summe im Laufe der weiteren Ermittlungen noch erhöht. Diese Grazer Diebstahlsassäre hat eine Parallele in dem vor einiger Zeit aufgedeckten großen Bücherdiebstahl an der Frankfurter 'BibUothek, die ein gewisser D r. Kogl er, ebenfalls aus Graz, ver- übt hatte. Aus der Wohnung heraus! Im Seitenflügel des Haufes Tilsiter Straße 78 hat ein Ehepaar K ä s l e r seit 18 Iahren eine bescheidene Wohnung. Trau und redlich hat es die P o r t i e r st e l l« oersehen. Die Frau ist 77, der Mann 68 Jahre alt. Kurz vor Weihnachten geschah es, daß Frau Köster den rechten Arm brach. Da der Mwm Invalide ist. nahn sie eine Aushilfe zur Reinigung. Die Barmittel gingen aus, die Aushelfe konnte nicht länger behalten werden. Man blieb die Miete schuldig, aber das Wohlfahrtsamt griff ein und beglich die Forderung des Hauswirtes. Trotzdem ließ der Wirt, ein Herr namens I e n o b e r. der in der Wilhelm-Stolze-Str. 10 mahnt, durch feine Tochter die R ä u m u ng s k l a g e durchführen. Di« alten Leute mußten heraus, mußten die Wohnung räumen. Seit Montag stehen die Möbel tm Hausflur, das greife Ehepaar hat bei mitleidigen Nachborn Unterschlupf gefunden. Wir geben den Fall den zuständigen Behörden per Kenntnis. Wiederaufbau des Freibades Müggelsee. Im September vorigen Jahres wurde der größte Teil der Frei- badgebäud« am Müggelsee durch Brand vernichtet. Im Frühjahr dieses Jahres waren die Neubauprojekte soweit vorbereitet, daß mü dem Wiederausbau begonnen werden konnte. Der Magistrat hat für diesen Zweck zunächst<7ö 000 M. bereitgestellt. Die Ein- gangshalle zum Bad, die ebenfalls durch den Brand vernichtet wurde, Ist bereits im Rohbau fertiggestellt. Beträchtliche Bodenabtragungen sind vorgenommen worden und dienen gleichzeitig zur Verbreiterung des Badestrandes. Die geplant- Neubauanlage sieht eine wesentliche Erweiterung vor und soll der außerordentlichen Inanspruchnahme dadurch Rech- nung getragen werden. Tausende suchen besonders in den Ferien hier täglich Erholung und oft sind über 10 000 Besucher in diesem Strandbad des Ostens zu Gast. Zwischen Ried und hohen Föhren gelangt der Mittelbau unmittelbar am Strand zur Ausführung. Di« Bedachung dieses Gebäudes ist in T« r r a s s e n f o r m in einer Länge von 300 Meter vorgesehen. Dem Besucher des Freibades Müggelsee bietet sich von hier au» ein reizvoller Ausblick auf den Badestrand des Müggelsees und die Mnggelberge im Hintergrund. Todessturz in den Treppenschacht. Im Hause Lehrter Str. 18/19 stürzte gestern der 43s ährige Kassenbot« August Pahlk« aus der Höhe des dritten Stock- wertes in den Treppenschacht hinab. P. war sofort tot. Ob der Mann das Opfer eines Unglücksfalles geworden ist, oder seinem Leben freiwillig ein Ende gesetzt hat. bedarf noch der Klärung. Oer Herr Regierungsrai. Die Freundin unschuldig auf die Anklagebank gebracht. Einen unerwarteten Ausgang, am meisten unerwartet für den Anzeigenden, nahm eine Verhandlung vor dem Großen Schöffengericht Charlotten bürg. Angeklagt war ein! Pflegerin T. wegen vevsuchter Erpressung. Die Anzeige gegen sie hatte ein Regierungsrat Barch erstattet. Barch behauptete, daß die Angeklagte frühere Beziehungen zu ihm dazu ausnutzen wollte, um von ihm unter Drohungen, der Ehefrau Mitteilungen zu machen und ihn vor seiner Behörde bloß- zustellen, 6 00 0 M. zu erpressen. Die Beweisaufnahme ergab ein ganz anderes Bild. Tatsächlich hatten zwischen der Angeklagten und dem Regierungsrat früher nähere Beziehungen bestanden. Die Angeklagte beteuerte unter Tränen vor Gericht' ihre Unschuld und oersicherte immer wieder, daß ihr olles ferner gelegen habe, als aus dem Liebesverhältnis zu dem Zeuge» Kapital zu schlagen. Was sie von ihm verlangt habe, sei die Einlösung eines ihr g« g e b e- neu Versprechens. Sie habe die gelähmte M u tt er des Zeugen unter sehr schwierigen Umständen bis zu deren Tod« betreut. Während dieser Pflegschaft sei sie mit dem Sohne allerdings i» Liebesbezichungen gckanunen. Nach dem Tode der Mutter hob« der Zeuge ihr"als Schlußentlohming die Einrichtung einer Wohnung und eines Ladens im Werte von 6000 bis 8000 M. versprochen gehabt. Dieser Verpflichtung wolle er sich nun aus dem Wege der Erpressungsanzeige entziehen. Der Zeuge B. hatte diese Umstände sowohl seinen Anwälten gegenüber, die die Anzeige gegen die Angeklagte erstattet hatte», als auch im ganzen Strafverfahren bisher verschwiegen. Als aber zwei Freun- dinne» der Angeklagten unter ihrem Eide die Angaben derselben vollinhaltlich bestätigten, mußte der Zeuge B. �kleinlaut zugeben, daß er seiner früheren Geliebten die erwähnte Schlußentschädigung für die seiner Mutter erwiesene Pslegetätigkeit zugesichert hatte. Auf Grund dieses Ergebnisses der Beweisaufnahme kam das Schöffengericht zu de r'UMie rzeug ung, daß die Angeklagt« keiuen rechtswidrigen Vermögensvorteil erstrebt habe, sondern daß sie einklagbore Ansprüche aus ihren Dienstleiftun- gen gehobt habe. Landgerichtsdirektor Schmitz stellte im Urteil fest, daß die Angeklagt« nichts weiter als ihr gutes Recht vertreten Hobe. Demgemäß wurde die Angeklagte srei- gesprochen. Regierungsrat B. wurden auf Anirag von Rechtsanwalt Dr. Auerbach, weil er durch sein geradezu grobfahrlässiges Verhalten die ungerechtfertigte Anklage oerschuldet hotte, nicht nur die gesamten Kosten des Strafverfahrens, sondern auch sie der Angeklagten erwachsenen Kosten für ihre Ver- t« i d i g u n g auferlegt. Turch vergiftete Pfeile... Eine amerikanische Expedition von Ingenieuren und Geologen ist nach hier«ingetroffenen Berichten aus Caracas(Hauptstadt von Venezuela, Südamerika) durch oergiftete Pfeile seind- licher Eingeborener in der» Dschungeln von Venezuela getötet worden. Der Zweck der Expedition bestand darin, nach O c l v a r kommen zu suchen. Ein schönes Konzert, bei dem Stefan Frenke!(Violine). Franz O s b o r n(Klavier), Johannes Willy(Bariton) mitwirkten, wurde von 20 bis 21 Uhr gesendet. Dann folgte ein Ausschnitt „Aus dem Berliner Leben: Der Stöfsense« in Flammen", öo konnten die Hörer diesen heißen Sommertog wenigstens im Geist am Wasser beschließen, und hatte gewiß für manchen einen Reiz. Sonst war diese Uebertragung eines großen Feuerwerks aus einem Gartenrestaurant nicht weiter ausregend. Aber sie wurde durch Brauns geschickte Reportage wirklich«ine Momentaufnahme aus dem Berliner Leben.— Dr. Ioharznes v. A l l e s ch, Greifswald, sprach über den„Einfluß der Um- welt aus die Entwicklung des Kindes". Auf der Grundlage der Frend-Adlerschen Lehren entwickelterer die Geburts- angsttheorie, der zufolge die Geburt als der erste Schreck, das erste jähe, tragische Erlebnis des Menschen gilt, das Einfluß aus sein ganzes Leben gewinnt. Dann wächst der Mensch in die Welt hinein: gesund, widerstandsfähig, wenn er neben der richtigen Körperpflege auch geistige Harmonie sand: sprunghaft, gehemmt, allzu stark oder gar nicht auf die Dinge reagierend, wenn seine Jugend ungleich- mäßigen, angsterweckenden Erlebnissen ausgesetzt war. Gut war« es gewesen, wenn der Bortragende in seinen Ausführungen die theore- tischen Betrachtungen ein wenig verkürzt hätte zugunsten praktischer Darlegungen und Ratschläge.—- Dr. M. H i l z h e i in e r, Städtischer Kommissar für Raturdcnkmalspslege, macht in seinein Vortrag „Berliner Naturschutzgebiete" daraus aufmerksam, daß sich in Groß-Berlin eine ganze Reihe von Naturschutzgebieten be- findet. Eins der reizvollsten wird wahrscheinlich noch in diesem Herbst dem Publikum zugänglich gemacht werden: der Lichterfelder Schloßpark, der den märkischen Urwald in seiner ganzen Un- berührtheit zeigt. Zts. Weiblicher Fürsorgezögling... Wie sie sich selbst bezichtigt hatte. Man erlebte neulich vor dem Schöffengericht Derlin-Mitte enw nicht ganz alltägliche Gerichtsverhandlung. Etwas an dieser La» geklagten ging einem nahe. Ihr Benehmen hatte selbst für den hartgesottenen Zuhörer etwas ungemein Rührendes. Ihre Sprache schien so offenherzig, der Tonsall chrer Stimme so treu. daß man fast gegen seinen Willen in den Bann dieser Dreiuul»» zwanzigjährigen geriet. Weshalb sie in Fürsorgeerziehung gekommen, erstchr man nicht; auch nichts über ihre Eltern und ihre Kindheit. Man hörte nur, daß sie nach der Entlassung aus der Fürsorge ein Jahr außerhalb Berlins als Hausangestellte gearbeitet und dann in Berlin bei einer großen Firma als Näherin Anstellung ge- nommen hatte. Sie besaß einen Freund, machte aber nebenbei Herrenbekanntschasten. So lernte sie einen Professor kennen. Er führte sie in die feinsten Restaurants und behiell sie nachts bei sich. Eines Tages beobachtete sie, wie er einem kleinen Beutel, den er aus der Brust trug, einen größeren Geldschein entnahm. Da tral an sie die Versuchung heran. Sie besprach sich mU ihrem Freund und nahm das nächste Rlal au» der Wohnung des Professors den Beutel mit. Der Freund wartete unten. Als beide die Höhe der Summ« — 1200 Mark— sahen, fuhren sie nach Leipzig, kleideten sich ein, verlebten einige vergnügte Tage und kehrten nach Berlin zurück, als das Geld alle war. Sie mieteten sich hier in einem Hospiz ein. Als die H. eines Abends nach Hause kam. war der Freund mit ollen ihren Sachen verschwunden. Jetzt blieb ihr nichts anderes übrig, als auf die Straße zu gehen. Aus Furcht, die alte Sache könne herauskommen, lebte sie unter falschem Namen. -Em Jahr war oerstrichen. H. hatte den Professor fast vergessen: da erschien bei ihr ein Kriminalbeamter.„Sie wissen doch, iporum es sich handelt," sagte er. ,Fia," gab sie zur Antwort.„Sie sind also geständig?"„3a." Im Polizeirevier hielt man ihr einen Diebstahl bei einem Choufseur vor. Sie wider» sprach, erzählte aber vom Diebstahl beim Professor. Davon wußte man im Polizeipräsidium nichts. Sie hatte srch selbst angezeigt. So mußte sie sich wegen des Diebstahls und wegen falscher Namenssührung oerantworten. Hätte aber der Freund näht mit auf der Anklagebank sitzen sollen? „Ist es wahr." fragte der Vorsitzende,„daß Ihr Freund Sie beim Diebstahl beraten und das entwendete Geld mit Ihnen zusammen verausgabt hat? Er bestreitet es."„Ich kann nur sagen, wie es gewesen ist: es war so, wie ich es erzählt habe." Man muß ihr unwillkürlich glauben. Der Staatsanwalt beantragt« drei Monate Gefängnis.„Ich danke!" jagte sie in ihrem letzten Wort.„Ich möchte nur schnell heraus, um wieder za arbeiten." Das Gericht verurteilte das junge Mädchen zu drei Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Diese betrug dreieinhalb Monate... Dem Zuhörer drängten sich aber einige Fra-en auf. Weshalli hatte die Untersuchungshast dreieinhalb V onate währen müssen? Wäre der Angeklagten nicht eine Bew ührungsfrist zugebilligt worden— ihre unbedeutenden früherer Vergehen fallen alle in die. Zeit der Fürsorgeerziehung—, wenn das Gericht sich nicht in der gunstigen Lage befunden hätte, ihr die Unterfuchuvgs». hast anrechnen z» können. Dicso kam es. daß die sozial« Gerichtshllfe sich de» wage» Mädchens nichl schon im Gefängnis angenommen hatte, und weshalb war keine Vertrelerin der Gerichlshilf« in. Gericht»' saal anwesend? Sollte ihr der Termin nicht bekannt gegeben worden sein? AI» der Berichterstatter die soziale Gerichtshilse anläutet« und sie bat» sich des jungen Mädchens anzunehmen, bevor es da» Gefängnis verläßt, tat sie das. Eine Fürsorgerin sprach mit der H. Sie wollte wiederkommen, damit man ihr helfe, Arbeit zu stitdm� Sie kam nicht wieder. Was mag sie jetzt treibend Ein Menschenleben geht in der Großstadt zugrunde, und doch hätte in diesem Falle vielleicht geholfen werden können, wenn... Ja, wenn!..._ Mullwagenkommunisten. Parteigenossen tollen uns mit, daß o« den Woge» de» Städtischen Müllabsuhr Werbeplakate für die kommu» nistischen Umzüge wären, die am 1. August stattfinden sollen, vi«» begrüßen wir sehr. Wir wüßten keinen Out, an dem kommunistisch« Plakate mehr angebracht wären als an den Wagen, durch die der M ii I l fortgeschofit mirfc. Wir sind gewiß die Ersten, die schwere und notwendige Arbeit anzuerkemien, die von den Arbeitern der Städtischen Müllabfuhr im Interesse der Bevölkerung geleistet wird. Aber auch sie werden nicht bestreiten, daß eben das, was sie ab» 'obren.... M ü l l ist. Wollen wir wie Müll auch die Kommunisten. Plakate absahnen lassen! Ein ungetreuer»tadtpfarrcr. Der katholische Stadtpfarrer Wackerl von München- Giesing, einer der großen tathol ssche-u Pfarrgemeinden Münchens. ist plötzlich seines Zlintes enthoben worden. Kirchen» offizrell verlautet, daß sich Wackerl in Geschäfte und Geschäftzver. bindunyen eingelassen Hab«, die in Widerspruch mit den kirchlichen Vorschriften und Anordnungen stehen. Diese Geschäfte bestehen in Unterschlagungen und Betrügereien, über deren Höhe offiziell noch nichts bekannt ist. In katholischen Kreisen erhält sich jedoch hartnäckig dos Gerücht, daß es sich um rund 100 000'M. handelt, um die der Stadtpfarrer gewisse Kirchenfonds und auch Private geschädigt haben soll. Wockerl wurde zunächst in eine Priest er-Korrektionsan st alt geschickt. Achtung. Schwindler unterwegs! Die Berliner Geschäftsstelle einer republikanischen Wochenschrift teilt uns mit, daß ein gewisser Ottomar N o w a ck für das Blatt Inserate wirbt und auf Grund eines gefälfchlen Ausweises Gelder kassiert. man ist nur so alt, wie man aussieti!. , Cxle pB n s Qibt grauen Haaren Voll------------- deshalb benutze man das veltberfthmle,_____ die Jugendfarbe wieder. Färbt naen und nach. Vollständig unschädlich! Seit 30|ahren Welfrut Von lausenden Aerzten, Professoren usw gehraucht und empfohlen. Preis M. 7,— Für schwarze Haare„Extra stark'M. 12.—. Erhältlich in Parfflmerien, Frlseurgesch, Drog. usw, wo nicht, zu haben Parfümeriefabrik„Exiepäng", nur Berlin SO. 90, Muskauer StraBe 9. Schützt Herz und Nerven Eurer Kinder! ihnen Kafffee Hag Nürnberg begrüßt unsere Sportler Auftakt zum großen Bundesfest. Nürnberg, 18. Jnli. sin den alten Mauern Nürnbergs Zeugnis ablegen von der Wucht und Geschlossen- heit dieses machtvoll aufstrebenden Teils der sozialistischen Arbeiter- schast. Großzügig und würdig empfängt die Stadt Nürnberg ihre proletarischen Gäste. Keines der Hunderte ftodteigener Gebäude, das nicht reichen Floggenschmuck in den Farben der Republik trägt, die be- sonders festlich grüßen von den alten Bastionen und Türmen der Stadt. Im gleißenden Sonnenlicht flattert hundertfach Schwarz- r o t g o l d von den hohen Masten am Bahnhofsplatz. In der Mitte ragt hoch empor und weithin sichtbar das Bundesobzeichen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Gewaltige Fahnen mit dem Reichsadler schmücken die Türme und Dachfirsten der umliegenden Gebäude der Reichsbahn und Reichspost. Unten im Gewog« des Berkehrs drängen sich die festlich geschinückten Straßenbahnwagen und Autobusse der Stadt durch die Massen. Die ersten Gäste zum Vundessest des Arbeiter-Turn- und Sportbundes waren Arbeiter- sportler aus Finnland in Stärk« von etwa HO Mann. Kurz nach ihnen rollte der erste San derzug aus Meißen in die Halle, stürnrisch begrüßt von einer freudig erregten Menge. Empfangs- räum ist die mächtige Westhalle des Hauptbahnhofes, deren wunder- volle Ausschmückung den Ankommenden zeigt, das Nürnbergs Ar- beiterfchoft sozialistisch ist. Völlig abgeschlossen vom übrigen Bahn- Hofsverkehr ermöglicht sie, jeden Sonderzug einzeln mit einer kurzen Ansprache und einein dreifachen.Frei Heill' zu begrüßen. An den ersten Sonderzug aus Sachsen schlössen sich weitere vierzehn, dazwischen drei aus Berlin, aus dem Ruhrgelnet und von der Wasserkante. Die Begeisterung kannte keine Grenzen, als gegen Mittag der erste Sonderzug aus Oeslerreich einlies: braungebrannte Jungen und Mädchen aus den anderen Donanstädlea. unter Führung des Bürgermeisters von Miener-Neustadl. Dem ersten Zug aus Wien folgten zwei weiter«. Der Freitag bringt zum Schluß noch einen Sonderzug aus der Tfchecho- I l o w a k« i. Seit Mittwoch hat da» neu erba ut« Stadion auf dem herrlichen Waldgeländc am Dutzendteich im Südosten der Stadt den Arbeitersportlern bereits seine Psortsn geöffnet. Dieses Prosekt der Stadt Nürnberg ist eine vorbildliche Anlage von riesigen Ausmaßen und steht wohl einzig in ganz Deutschland da. Den gewaltigsten Eindruck macht die riesige Rotunde des großen Festplatzes, die in moderner Betonarchitektur 50 000 Sitzplätze hat. An sie schließen sich die vielen Flächen und Kampfbahnen für alle Sportarten, wohl ausgerüstet mit Unterkunftsräumen aller Art. Neuerbaute Straßen und Trambahnen sorgen für eine reibungslose Beförderung von Hunderttausenden. Hie ganze Anlag« steht dem Bundesfest für alle vier Tage kostenlos zur Derfügung, außer- dem leistet die Stadt zu den Unkosten des Festes einen Zuschuß von 100 000 M. Den offiziellen Auftakt nimmt das Bundessest mit einem Empfang der Stadt im Rathaussaal. der für Freitag- vormittag festgesetzt ist. Die eigentlichen turnerischen und sportlichen Wettkämpfe beginnen am Sonnabend früh M8 Uhr. Expwsion aus der Badewiese. Drei Ausflügler schwer verletzt. Gestern vachmillag ereignete sich in Pichelswerder am Ufer der Havel eine Spiritusexplosio«. bei der drei Personen schwere B r a n dve r leh u n gc n erlillen. Auf der sogenannten Badewiese In Pichelswerder, unweit des Ruderoereinshauses„Siemens", herrschte gestern bei dem schonen Wetter starker Badebetrieb. Kurz nach 14 Uhr wollten sich mehrere Ausflügler, die unter den Badenden weilten, die OOiährige Witwe Elvira L y m o n t z c i k aus der A u g u �t- st r o ß e 26, die ZOfährige Frau Charlotte S r a h m au» der Kleinen Rosenthaler Straße 10 und der 2.5iöhrige Schlosser Walter Kalyta aus der A u g u st st r o ß c 37 aus einem Spirituskocher ihr Mittagesjen zubereiten. Ja ganz unoer- antwortlichep Leichtfertigkeit wurde aus eine: g e- füllten Flasche auf den brennenden Kocher Spiritus nach- gefüllt. Zm selben Augenblick schlug eine Stichflamme hervor, und die Flasche expladlerle nnter lauter Detovakion. Die drei Leute wurden von den hervorschießenden Flammen ersaßt und am g a n- zen Körper schwer oerletzt. Mitbadende eilten sofort hinzu und versuchten die Flammen durch Ueberwerfen von Decken zu ersticken. Die Ber- unglückten wurden durch die alarmiert« F e u« r w e hr in dos Spandauer Krankenhaus gebracht. Der Lainzer Krauenmord. Zweifel an der Täterfchast des Kaufmanns Bauer. Der am Mittwoch abend in Berlin verhastele Sausmauo Gustav Bauer, der von der wiener Polizei verdächtig» wird, den Mord an der 40jährigeu Fron Katharina F e l l- „er begangen zn haben, Ist am Donnerstag nachmittag von Kriminalrai Genaal einem kurzen Verhör nnteczogen worden. Bauer gab ohne Umschweife zu, die Ermordet« gut gekannt zu haben-, bis zum Jahre 1926 will er zu ihr in sehr freund- schostlichen Beziehungen gestanden haben. Später wechselte er mit Frau Fellner noch wiederholt Briete: Bauer behauptet da- gegen mit Bestimmtheit, daß er seine frühere Freundin seit 1926 nicht mehr gesehen Hab«. Cr bestreitet ganz entschieden jede Schuld an ihrem Tode. Nach den bisherigen Ermittelungen muffen starkeZweifelander Täterschaft des Berhostslen gehegt werden. Bauer wird vorläufig im Polizeipräsidium noch in Gewahrsam gehalten.* Wie uns vor Schluß des Blattes noch mitgeteilt wird, ist bereits im Laufe des gestrigen Abends aus Wien der untersuchungführende Ches des Sicherheitsbureaus Hosrat Wahl in Berlin eingetroffen. Bon ihm und Kriminalrat Genna» wurde der festgenommene Kausinann Gustav Bauer an Hand des in Wien gesammelten bela st enden Materials nochmals vernommen. Bauer bestreitet nach wie vor. an dem Tode der Frau schuldig zu sein. Ein Alibi für die kritisch« Zeit kann er vorläufig nicht beibringen. Die Zeit liegt schon zu weit zurück, außerdem hat er Papiere, die über geschäftliche Reisen in jefter Zeit Auskunft geben, nicht hier, sondern in Wien. Ob die Vernehmungen in Berlin bald zu einem Abschluß ge- langen, kann noch nicht gesagt werden.... parteinachnchien für Groß-Berlin stet» e» de» Bezirttseiretoriai 2. Hof, 2 Treppe» recht», z» richte» Z«.»eei» 9lt<«Ubatezf. Tchtun«.»«»»(TenOtmetill fteot« Uebinnwabend für da» Waldfest ber Vart-i in ber Walbirbolungssttitt« Tegel. Tteffpunlt pünktlich 19% Übt an der Berliner Site Hermsdorier Strakt in Teael. heute. Freitag, IS. Juli. 85.«it. TeMpelhaf. Die sapwrlung»um U.. w«iter»ua«ien. Deegleiüien_________________________ Parteitaasprotokoll« find irmnebenb beim Senoffen Will» Echlawe ad- »uaeben nebft Zabiung von 2 M. 131.«it. Rlederichönbavicn.»rbcit«gimel»s«aft»Jnnae chenogcn-. 20 Uhr im Lokal Sretb, Bismarckvioll. Diskussionoabenb. SAI. und Zung- ia»ialislen. 138. Abt. Sieinickendorf.Oft. Di« teblenbcn Hefte von Rr. 7»Unser Weg- » sind eingetroffen. Die BegirksfÜbrer können dieselben von VA— 19 H Übt vom Henosien Cchwar». Echillerprovrenade 49. adbolen. Daselbst sind auch I,nner,llglick die Namen der Genossen. Ivelche den Orbnerdienst beim Krciosommersest»erseben. abzugeben. Morgen. Sonnabend, 20. 3u(L 14«.«it.«orfign-albe.» Ubr bei Woitschach. Srnststr. 1» Borstanb«. mch Kurf. tumürfftamg. Lov-iSblige» erscheinen wird erwartet. Sonntag, 21. Juli. ».«it.«»»fing nach dem Raturfrr»»beieiw ZIi«Ißn«r»i»f bei � Henvigsiorf a» der Sa»«l. NiniericUlltignagen. BaffedoieB.«a�l- m Treiivnrft 8� Ubr«tettiner»or-rtbab-b-i-«ach»aaler ieonHeo S de» Dellenei 3ng 13,0» Uhr. Slrbeiterwohlfahrt. Z 3. Kreis Weddiug. Sitzimg der Fachgruppe Zugendwoblführt am W Freitag, dem 13. Juli, 19Vb Illzr. im Ledigenbeim Schönftedtstr. 1, W ü. Stock. Angesichts der wicht�en Tagesordnung tst es Pflicht alter M Helfer, rechtzettig Ku erscheinen. % Zungsozialislen. «Kruppe Schön- berg. Der Gruppenabend fällt beute, Freitag, aus. Dafür Treffpunkt 19 Ubr beute, Freitag, in Dahlem. Endhaltestelle der Linie 43* Sonntag. 21. Juli, Fahrt nach dem Dlumenthal. Treffpunkt 7 Uhr Schlesifcher Bahnhof, Eingang Äoppenstraste. Arbeilsgcmeiuschaft der kiuderfreuude. zentrale. Sonntag. 21. Aull. Besuchstag kiir das Nindetfreundebeim in Bnch. Eltern und Eruvrcn werden am Nahnliof Buch um 14 Ubr erwartet. Abfahrt ab Stettiner Borortbahnbof 13,33 Übt. Raffet 10 Bf. Trinkbecher mitbringen. | Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation� 143. Abt. Zi!aidmanv»Ivst. Unser Genosse IZran» Bagel, Sitbluna, Straße. 9, ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Beerdigung beute, ssrer» tag. 19. Juli. 13 Übt, aus dem ärledbof in Lübars. — Sozialistische Arbeiterjugend Gr.'Verlin Einsendungen für diese Zlubrtt nur an dos Zugendsekretariat Verlin GDtÄ, Qndenssraße 3 Abteilungsleiter! Liefert de» Verichtsbogen vam 2. Quartal nah da» Programm«Ür August ab! Heute. Zreilag. 19Ä Uhr: Schule Slisabethkirchstr. 19. Tagespolitische Rundschau. Sollnischer Pard? Heim Waisenstr. 18. Vortrag:„Jugendpsychologie".— Ae«. trum: Heim Landsberger Str. 50. Vortrag:„Seruelle Fragen". Hansa: Heim Bochumer Str. 8I>. Vortrag:„Wien".-— Moabit II: Heim Lehrter Straße 18-»Z9. Vortrag:„Unser Wandern". Brnewalder Platz: Krim Wehlaner Ecke Rastenburger Straße. Vortrag:„Der Osten erwachs.— Falk- platz II: Schule Sonnenburger Str. 20. Vortrag:„Erlebnisse vom Wiener Iugendtag".— Helmholtzplatz: Heim Dan�igcr Str. K2. Vortrag:„Die Wunder des Stern cnFeltes".— Hnmannplatz: Heim Schereubergstr. 7. Politische Tages. fragen.— Nordost I? Heim Dan�iger Str. 62. Vortrag:„Wien".— Andrea»- platz:.Heim Brommystr. 1. Vortrag:„Soz'alismus und Krieg". � Balten» platz: Heim Tilsttcr Etr. 4—>5. Vortrag:„Der Verfailler Vertrag".— Frieb» richskaiv: Heim Diestelmeycrstr. 5— 6. Vortrag:„Wir und die Getperk» sck>afteu".— Stralauer Viertel: Heim Goßlerstr. 61. Vorlag:„Wien".— Warschauer Viertel: Heim Litauer Str. 18. Vortrag:„Die Ortskrankenkasse", T T: Seim Hauptstr. 15. Vortrag-„Arbeiterjugend und Arbeiter. Charlottcnburg.Süd: Heim Nostnenstr. 4. Vortrag:„Wien".-» Mariendorf: Alte Schule. Dorfstr. 7. Vortrag:„Wien".— Ba»msch«len»ra; Leim Ernststr. U. Vortrag:„Reisebericht über Rom". Fobannisthal: Heim im Ratskeller. Dortrag:„Berlin und Wien".— Riederfchöneweide: Schule Berliner Str. ZI. Vortrag:„Dllrrenoerg" und„Wien".— Borstawalde: Schule Konradstraße. Tagesvolitifche Froqssn.— Reinickendorf'Ost: Heim Lindauer Straße. Vortrag?„Nikotin und Alkohol". Vortrage, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". SesHSftostelle: Berlin 14, Seboftianstr, 97/38. Kok Z Tr. Freitaa. 1». Zvli. Lichtenberg. Sameradschoftovcrsammluna u« 20 Uhr, Borbaaen bei sfriß. Jung. Ecke Oderstraße, Travcplaß bei Ecipke. Echarnwebe» Ecke Aronnrineenstraße, Gustav Tempel bei Eichler, ilß. Podien. Ecke Wanncrstraße. � Bummelsburo bei Pslii«, Leopold» Ecke Emanuel» straße. ffriebrichoselde bei Schwa«, Eapriviallce 102. Aarlshorst bei Romniel, Treotow. Ecke Waldow-Ällee, Biesdorf bei Boratb, Mar/mbner Str. 31, Kauls» dork bei Lübner, Bahnbofstr, 18, Mal>Isdors bei Anders, Babnbosftr. 35. Talles» ordnuns in allen Bcrsammlunqen: �Unsere Vcrfassuuqssrlcr". Erscheine» Pflicht, Wi»terIv»ntabtcUuna, 20 Ubr Monatsoersammluna im Sportrestau» ront stantinnstraße.- Wilmersdorf sOrtsvereinI, Sonnabend. 20. Juli. 19V-1 Übt, Abmarsch Babnbos Beusselstraßr-um Generalappell aus dem Pferde» markt. PNichlvcranstaltung,— So»»taa, 21. Zvli. MMe. Antreten 7� Ub» Babnbos Sadowa, Pslichtvcranstaltuna für alle Kameraden welche an dem Borbeimarsch am Bnndesoorstand am 11. Auaust tcilncbmen. Srei, Weste». Kreisinaendtreffen in Lalldercie. Adfabrt nach dem Generalappell am 20. Juli. WiirtcrsportabteUura. Äletterlursus in den Rüdersdorfer Nalkberaen. Treff» Punkt 7 Ubr Breslauer Ecke Noppenstraße,— Mitte, ftmiaq, 19. Juli, Name» und Liederbücher mltbrinnen."Tie Mitaliedsbvcher stnd liwccts Srneueruna Äamerad Ebristovb 8» senden._ «eichrf-rtell Republik. Sportplaß Aetedricksfelde. Eonntaa. 21. ZnN, laut Bereinbarnnfl, schießen von 9—12 Übt die Oetsvereine sZeiedrichsbain und Mitte, von 12—17 Ubr Trevww und Lichtenbera, Die sollenden Taae bi»«in» schließlich ssreitaa bleiben für bie aenannten Ortsvereine»benfall» frei. «rielter-Rabio-Bnnd Teutschland« E. B., Grunpe Stralau. Gruvpc»lokal O. 17..Sobenlobestr. 3. Sißuna am 18, Zuli fallt aus. Nächster Gruppe». abend' Donnerstag, 23. Juli. Gäste willkommen. Wetterbericht der SffeuIUche» wellerdieaststelle Berlin und Umoepend. lNachbruck verboien.) Teils heiler, teil» ipolkig und wann. Gewitier, nelgunss, schwache Lustbewenunsi,— Für Vevtschland: Auch im Osten warm, in Schlesien und dem minieren Deuischlcmd Gewitterneigung, im Nord« Westen etwa» niedrigere Temperaturen als MSber. Ausländer-hochslut bei Karstadl. Das neu eröffnete, Warenhaus Karstadt erhält nicht nur den Besuch von— man möchte sasien beinahe jedem Berliner, nein, auch eine gewallige Zahl von A zi s» [ändern hat sich gemeldet, eine desondere Stelle mit Dol» metschern und geschulten Führern ist eingerichtet. Es kamen Japaner. Griechen. Türken, Russen. Franzosen. Für jeden Tag liegen Gruppen von Anmeldungen ausländischer Besucher vor. Kroß ist auch das Interesse, der Behörden-, es vergeht kein, Tag, an dem nicht die Stadtväter irgendeiner Kommune das Warenhaus besuchen. Um Zahlen zu geben: Bisher haben 12 000 Deutsche au« allen Städten des Reiches und 1250 Ausländer den Karstadt-BcM in geschlossener Führung besucht. Di« Wasieespoetabteilung de» Sportverein, Peel-nb El-ppeabne» trat am 13, Juli mit einem Sommernachtsball im Bootsbaus Sadowa an die O-fsentNchleit. Geschmackvolle Dekorationen und Illuminationen der Räume sowie ein großzügiges Feuerwerk verschSnerten das siest. Die flotte Musik bielt die Teiinebmer bis zu später Stund« beisammen. w KaMpfuMue Sie werden selber schon gemerkt haben, dafi jetzt auch der Konkurrenzkampf gewissermaßen im sportlichen Geiste geführt wird. Die Massary Zigarettenfabrik ist von der Bahn loyaler Werbung nie abgewichen. Sie hat es immer dem Raucher überlassen, sich seine eigene Meinung zu bilden. Was Ca i d betrifft, so sind wir allseitiger Zustimmung gewiß, denn C a i d hat's in sich I CAID massary. 5er &£/.' und HttC uulde»*- J&iu * dufth I Ohl it. Qemüsz Zitronen.-. Apfelsinen Tomaten Pfirsiche--*k 0,35 Franxös. Wein.—«*0,50 Neue Paranüsse.**.0,70 Schoten.................** 0,07 Mohrrüben--- 3 p*. 0,20 Qrüne Bohnen.......**. 0,23 Neue Kartoffeln B m. 0,23 JCoMseeom ßrech-tSehn/tt'-ttft 0,68 Erbsen mHKwam.....«hat 0,75 Leipziger Allerlei%*■ 0,95 Spinat............«wo«. 0,52 Stangenspargel ��� 95 Pflaumen m*...1.0» 0,72 Apfelmus.............. 1.0» 0,75 Heidelbeeren 3iOAoSiO, 95 Birnen w*m----- 0,95 Mirabellen..—.•+*.■0* 1,10 lüeiue Apfelwein m**m-.u*0,60 Edenkobener***1*. 1,00 Tarragona 1,10 Samoa 1,20 Malaga mm 1,30 Muskateller mm*m..tM 1,30 Heldelbeerwe/n***£0, 90 Kailstädter(**inko...*L 1,00 DOrkhelmer(!****..*. 1,10 Obstsekt 1,25 mZOeftuöd Rehragout——.**. 0,35 Rehblätter.—**. 1,30 HirschrOcken 1,60 MasthOhner**m„..m. 1,20 Junge Maatgänse 1,20 Junge Mastenten.** 1,40 Olaard/nen 0,95 FSttheringe rnrmm.ßorm.p* 0,55 Oehelbissen.......... 0,20 Ocheenmeul8eletmm**.0M Woehenend-mSportkonserven Odsches fleisch Qualitäten Hamburger j tZ& Beefsteak..../*** lüucstwucm Hausmach.-Sülze.pfd. 0,43 Biut-od.LeberZ�ßfS. 0,56 Leber<*. Blut�i�*. 0,70 Berl. Mettwurst.....«« 0,88 fe/fle Leberwurst..p*. 1,30 Kalbsleberwurst...**. 1, 80 Plock-miZervelat'Wum. 1, 60 Zervelatwurst**"»� 1, 95 Schinkenspeck Sß.«Sf I» 95 Knochenschinken � 40 w%ttfllltch»r. Im«Ofln*...... Ml JCoufituem Bsrl.Bonbon*imhm*** 0,40 Melblitter-Bonbon** 0,48 Himbeer-Bonbon..r* 0,48 Eisbonbon****■....«« 0,70 Pfefferminz'FondantpM. 0,70 Creme-Pralinen M, 0,70 Keksringe—....... p*0,50 Teegebäck-uttehmg..p*. 1,10 Erfrischungswaffeln p*. 1,00 Creme-Schoko/ade.._ mS firwe»<�e*w«e*...io»-p-r«A/0,25 JtonfUüee Apfel-Aprikosen...... Apfel- Erdbeer.____ Apfel-Kirsch........... Apfel- Johannisbeer Pflaumen--------- 1 Aprikosen--------......10,50 Vierfruchf�eZtfpM�gimv 0,85 Pflaumenmus~*™�0,95 Apfsikraut 0,50 Preisseibeeren /<*•. 0,65 t**.. Omtr 0,95 m-i-P*- eut fRuttet lt. Jiöse. SOssrahm 1,95 Tafelbutter 1,56 Tafelmargarine..... w. 0,50 Kokosfett.........«.... p*. 0,50 Emmenthaler**•"�0,72 Tilsiter iMitfea ph. 0,60 Holländer ronntt....... m* 0,90 AUg. Emmenthaier Pfd. 1,60 Edamer wt*............. /w. 0,65 Frühstückskäse 3 sack 0,20 JCoCotUatmacm Kaffee"%rä?Ux*.t,90 Burma- Voll reis.....** 0,19 Zucker mb.........«....ptd. 0,26 Hartweizengriess.p*. 0,22 Buch weizengrützepfd. 0,38 Kartoffelmehl....... p* 0,22 Puddingpulver k>m..p* 0,37 Gemüsenudeln.....** 0,25 Sultaninen——.**. 0,37 Korinthen-------- Pfd. 0,63 Spicituosm Weinbrand•spw.tvun 2,90 Binger C ab inet 3,60 Binger Auslese........« 4,95 Weinbrand-��2,75 Fretzdorfer CSf/nMgm Art).......... 3,00 6,00 Jägersto/z(MvKo1)ulI.'fii. 3,50 Machandel% 3,00 1 6,00 Cherry-Brandy....... Anisette----- Ingwer v,« 2,95 >/,« 1,75 Jische Schellfisch............. p* 0, 18 Kabeljau um, Kopf..... pm. 0,17 Seelachs onn» Kopf....ptd. 0,17 Rotbarsch ohne Kopf...p* 0,23 Bratscho/Ie............. p*. 0,23 Fischfilet................. pfd. 0,28 Lebende Krebse 2stck. 0,25 U"BAHNH0F-HERMANNPLAT2, DER KARSTADT-BAHNHOF Während der warmen Jahreszeit sind frisches Fleisch, frische Wurstwaren, Butter, Käse, WHd, Geflügel, Obst, Gemüse und Fische vom Versard ausgeschlossen. ZK. AZA» 46. Jahrgang Freitag. 19. Juli 1929 Arbeitsmarkt und Konjunktur. Die Lage Ende Juni.- Stärkt den Inlandsmarkt! In den vergangenen Monaten war die Lage des Zirbeitsmarttes wenig durchsichtig. Der außergewöhnlich strenge Winter, der Wirt- schaftszweige in Mltleidenschast zog. die üblicherweise kaum«in« besondere Winterarbeitslosigkeit kennen, hatte in den Außenberufen geradezu katastrophale Auswirkungen zur Folge und überdeckte die durch die Konjunkturlage bestimmte Arbeitslosigkeit völlig. In- zwischen dürften die eigentlichen Rückwirkungen der Kältekatastroph« ja überwunden sein, die Saisonbewegung der Arbeitslosigkeit in den Sommermonaten ist erfahrungsgemäß bekannt, so daß Rückschlüsse auf die heutig« Konjunkturlage auch aus der Arbeitsmarktlag« möglich sind. Bilanz feit dem Winter. Bekanntlich erreichte im oergangentn Winter die Zahl der bei den Arbeitsämtern verfügbaren Arbeitsuchenden den Höchst- stand mit 3,2 TO II Ii o n e n Ende Februar. Diese Zahl der Arbeitsuchenden ist durch die Frühjahrsbelebung auf 1,4 Mil- lionen Arbeitsuchende Mitte Juni zurückgegangen. Die hauptsäch- lichste Entlastung des Arbeits Marktes erfolgt« im März und Apr'.l. Dom Mai auf Juni ging sie nur noch recht langsam vor sich. Das zeigt auch die Bewegung der Zahl der Hauptunter st ützungs- empfänger in der Arbeitslosenversicherung und Krisensürsorge. Bei beiden Einrichtungen wurden Mitte Juni Söl SSO Personen unterstützt gegen 1 126 582 Mitte Mai. Sowohl die Zahlen der Arbeitsuchenden wie die der Unterstützten liegen um rund ein Viertel über dem Stand von Ende Juni 1928. Die der Wirtschaft währeird des Jahres durch die Bevölkerungsbewegung neu zu- geströmten Arbeitskräfte, die den Arbeitsmarkt mit 200 DM bis 300 000 neuen Arbeitsuchenden belastet haben dürsten und die normalerweise von der in stetiger Ausweitung begriffenen Wirt- schaft aufgenommen werden, konnten demnach keine Aufnahm« finden. Diese Tatsache weist aus eine noch fortdauernde, merk- liche Abschwächung der G e sa m t k o n j u nt tu r gegen da» Vorjahr hin. Die Entwicklung in den Gewerkschaften. Diese Auffassung wird durch den soeben erschienenen Iunibericht de» ADGB. über die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit unter den Ge- werkschaftsmitgliedern gestützt. Die Gewerkschaftsstatistik ermöglicht eine getrennte Beobachtung der Berufe, danach, ob die Beschäftigung überwiegend durch die Konjunktur oder ob sie vor allem durch die Saison, also durch jahreszeitliche Schwankungen bestimmt wird. «rbeUslos««ewerkschastsmiIgNeder 193* 1929 ftsniunttut- Soiion- JUnlunttur- gruppe flnicpe gruppe in Prozente» Ende Januar. » Februar . März. . April » Mai., . Juni.. «.4 6.2 5,9 5.8 5,9 6,0 34.1 30,1 24,6 12,0 «.1 7.0 10,3 11.4 10,6 9,2 6.6 5.4 6atfpn- gruppe 58,4 68,1 43,3 19,2 11,0 9,2 Die in den letzten Monaten zu verzeichnende rückläufige Be- vegung der Arbeitslosenzisfern in der Konjunkturgruppe war nin kaum die Folg« eines Aufschwunges, sondern mehr«ine Er. pXung von den Auswirkungen der Kältekatastrophe. In der Tat nässen wir auch aus den Arbeitslosenzahlen der Konjunkturgruppe der Gewerkschastsstatistik schließen, daß entsprechend der Spanne zwischen der jetzigen Arbeitslosenzisfer und der des Vorjahres sich die Konjunktur verschlechtert hat. wie wird die Konjunkturen twicklung weiter verlausen? Di« Prognose des Konjunkturverlaufs zu geben, ist immer schwer sie dürfte diesmal kaum möglich sein. Die Tendenzen in den einzelnen Wirtschaftszweigen sind absolut uneinheitlich: Die günstige Arbeitsmarktlage der Bergarbeiter zeigte im Monat Juni eine weitere Besserung. Rur 1,3 Proz/ der Gewerkschaftsmitglieder sind arbeitslos, lediglich IL Proz. standen End« Juni in Kurzarbeit. Eine weitere Besserung meldet der Holz» arbeiteroerband(mit 15,3 Arbeitslosen gegen 16 Proz. im Vormonat) Auch der Metallarbeiterverbond berichtet über einen Rückgang der Arbeitslosen auf 7,4 Proz.(7,8 Proz.), wenngleich hier die Kurzarveiterzahl von 7 Proz. auf 7L Proz. stieg. Von einer Besserung in der Textilindustrie ist kaum zu reden, vor allem ist die Kurzarbeit immer noch außergewöhnlich hoch mü 23,9 Proz. Die chemisch« Industrie zeigt ein« geringe Verschlechterung(5,8 gegen 5,6 Proz.). Im Verkehrsgewerbe mit 5,5 Proz. Arbeitslosen bleibt die Arbeitsmarktloge unverändert. In der T a b a k i n d u st r i« setzte sich die Belebung weiter fort, obgleich mit 13,6 Proz. Arbeitslosen und 15,2 Proz. Kurzarbeitern der Arbeitsmorkt immer noch sehr angespannt ist Daaegeu durchaus unbefriedigend ist die Eniwickluaa de» Arbeikvmarkkes iu den typischen Konsumgüterindustrien. Hier wirkt sich wohl besonders die durch die Arbeitslosigtest im Winter verursachte Kauftrastminderung der Bevölke- rung aus. Im Bekleidungsgewerbe sehen wir seit April eine ständige Verschlechterung: Ende April Ende M»i Ende Juni in Prozenten Be tleidungsarbeiter.... 10,8 HL 15,2 Hutarbester....... 21,2 28,8 29,0 Schuhmacher...... 17,9 19,0 19,7 In allen drei Verbänden ist die Zahl der Kurzarbeiter er- schreckend hoch, bei den Schuhmachern betrug sie Ende Juni 30,8 Proz. Auch im Nahrungsmittelgewerbe ist durch- weg ein« Verschlechterung zu konstatieren. Arbiitololr in Prozenten Ende Mai Ende Juni Bäcker, Konditoren usw. 11,0 11,5 Fleischer............. 7,9 8.2 Getränke- und Mühlenarbeiter..... 2.5 2L Böttcher........... 6,7 7,2 Zucker, Konserven. Pflanzensett-Herstellung 7,6 9,1 Auch im Luchdruckgewerbe und in der Papierherftelliihgjst der Arbeitsmarkl weiter verschkechiert. Da das Baugewerbe den Höhepunkt der Beschäftigung bald erreicht haben wird und nur noch eine geringe Saisonbesserung für die beiden kommenden Monate erhoffen läßt, bei den Gärtnern schon der saisonübliche Rückschlag in der Beschäftigung«ingetreten ist (11,4 Proz. Arbeitslose Ende Juni gegen 5,2 Proz. Ende Mai), kann nur«in stärkerer konjunktureller Aufschwung der Wirtschaft eine wesentlich« Entlastung des Arbeitsmarktes bringen. Da die Exportmöglichkeiten bisher schon reichlich ausgeschöpft wurden, ist diese Besserung nurauseinerSteigerungdesInlands- a b s a tz e s zu erwarten. Bankzufammenbruch. ZieichShilse verlangt. Di« D o l k s ba n k Zweibrücken, die bedeutendste gewerb. [ich« Kredit-Genössenschaft Echulze-Delitzschscher Richtung in der Westpfalz, hat Geschästsaussicht beantragt, um den Konkurs abzuwenden, nachdem sich ihre Zahlungsunsähigkeit heraus. gestellt hat. Mehr als 800 kleine Handwerker und Gewerbe. treibend« sollen Zuschüsse zahlen, um den Zuasmmcnbruch der Kreditgenossenschaft aushalten zu können. In einer Metdung aus beteiligten Kreisen heißt es, daß zur Deckung der entstandenen Ver- tust« nur 200 000 bis 300 000 RM. ersorderlich seien. Falls außer- dem 500 000 RM. Kredite zur Dersügung gestellt würden,'ieße sich die Weiterführung der Geschäft« ermöglichen. Unter Hinweis aus die Grenzlage Zweibrückens gegenüber dein Saargebiet wird Rüchs. Hilfe verlangt, ist auch in der Vergangenheit bereits Reichshilfe er- beten worden, die jedoch nicht gewährt werden konnte. Es ist verwunderlich, daß man in der ganzen, ziemlich aus- führlichen Mitteilung nichts davon lieft, daß der bayerische Staat sich für die Schwierigkeiten dieser Pfälzer Dank interessiert hätte. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Appell an die Reichshilf« zunächst etwas oerwunderlich, wenn man auch nicht übersehen darf. daß linksrheinisch« Interessen in ähnlichen Fällen an diese Reichs- Hilfe leicht und gern appellieren. Zum mindesten ist für den Augen- blick, falls die öffentlichen Körperschaften sich des Zwechrück-r Mittelstands-Instiwtes annehmen,«ine genaue Feststellung der Ver. lust« und ihrer Ursachen und ein« Untersuchung der Verantwortlich- ketten ersorderlich_ Kartelle und Vaustoffteuerung. Wie die Ziegelindostrie dazu beiträat. Der Ziegelindustrie ist in der letzten Zeit neue Konkurrenz er- wachsen durch k ü n st l i che B a u st o f f e. In Köln will man Bau- steine aus Müllobfällen herstellen, die Ruhrzechen wollen ihre Schlacken dazu verwenden und die I. G. Farbenindustrie stelst einen neuen Stein aus gebranntem Ton her. Da hier meistens Abfallprodukte verwandt werden und die hergestellten Bau- stoffe tellweise wegen ihres geringeren Gewichtes billiger zu ttans- Portieren sind, sollt« man annehmen, daß die Preise fallend« Tendenz haben müßten. Aber was zeigt die P r« i s st a t i st i k? Am 12. Juni stand der Großhandelsindex auf 134,9(1913— 100). Die Gruppe„Baustoffe" ober auf 157,3. Unter den Baustoffen zeigt den niedrigsten Stand Baueisen mit 141,1, sowohl die Dumpingpolitik der Eisen- Produzenten das Inland schwer belastet: Bauhölzer stehen auf 154,9, aber die wektaus hoch st« Steigerung feit 1913 zeigen Stein« und Erden mit 172,7. Das ist der Erfolg der Kartellierung der Baustoffindustrie. Im Jahr« 1927 gab-s in der Ziegelindustrie 108 Kartell«. Der um 1875 einsetzende Konzentrationsprozeß, der Uebergang vom Handbetrieb zur maschinellen Fabrikation hatte zur Ueberproduktion geführt, die noch verschärft wurde durch das Vordringen anderer Baustoffe. Obwohl die Ziegelindustri« stark an ihren Standort ge- Kunden ist, da die Transportkosten auf weitere Entfernung nicht tragbar sind(sie machen bei 10 Kilometer etwa 14 Proz., bei 100 Kilometer schon 48 Proz. des Wertes aus), war die Konkurrenz unter den Ziegeleien ziemlich scharf geworden. Die Kostspieligkeit der Preiskämpfe machte die Konkurrenten nachgiebig: sie schlössen sich zu Kartellen zusammen, verpflichteten sich, ihre Werke nur bis zu einem fest gesetzten Prozentsatz auszu- nutzen und errichteten gemeinsame Verkaufs st ellen. In den letzten Iahren wurde die Kartellbildung begünstigt durch das stoßweise Auftreten großer Nachfrage, die durch die öffentliche Finanzierung des Wohnungsbaus bedingt war und die häufig nur von einem Verband, dem mehrere Ziegeleien angehörten, befriedigt werden konnte. Durch Festsetzung der Produktionshöhe, durch Verkauf über eine gemeinsame Verkaufsstelle wird somit jede Preisunterbietung aus- geschlossen. Gemeinsamer Kohleneinkauf und gemeinsam« Kredit- Versorgung(unter gegenseitiger Haftung) setzen die Unkosten herab. Die Tätigkeit mancher Kartelle geht über diese ihre eigentlichen Aufgaben noch hinaus. So hat die Z i e g e l v e r t a u f s st c l l e G. m. b. H. in Chemnitz mit dem Arbcitgeberverband sür dos Baugewerbe einen Vertrag geschlossen, nach dem nicht nur beim Ziegelbezug die Verbandsziegeleien bevorzugt werden, sondern auch gegenseitige Unterstützung bei Streiks und Aussperrungen zu- gesagt wird. Die Bauunternehmer dürfen in solchen Fällen nicht von Konkurrenzziegelelen bezieben, und die Ziegeleien dürfen keine streikenden oder ausgesperrten Bauarbeiter beschäftigen. In jüngster Zeit sind im Rheinland ein« Reihe von Kartellen neu entstanden. Und die Absatzpolitik im ganzen Rheinland soll durch ein« gemeinsame Verkaufsstelle in Köln geregelt werden Vielfach hatten die Kartelle untereinander erbittert um den Absatz in Grenzgebieten gekämpft. Eine Einigung führte häufig zu neuen Verbänden, die größer« Gebiete umfaßten. Und um in ganz Deutschland die Konkurrenz unter den Lokal- verbänden auszuschalten, gründete man 1913 den.Der- band der deutschen Ziegelverkaufsvereinigungen E.V.". also ein Kartell der Kartelle, dem 1927 46 von den bestehenden 108 an- gehörten. Neben der Förderung der Syndikatsbildung ist der ausgesprochene Zweck dieses Verbandes, durch Belehrung und Empfehlungen auf ein« stabile Preisbildung und einheitliche Zahlungsbedingungen hinzuarbeiten. Angesichts dieser umfassenden Verbandsbildung kann e, nicht wundern, daß die Preise für Steine und Erden dauernd steigen. Die Uebersetzung der Ziegelindustrie kann nicht beseitigt werden, da ein Betrieb den anderen hält, ein Kapitalist den anderen sichert und die Allgemeinheit ha: den Schaden davon in Gestalt überhoher Mieten und großer Wohnungsnot. An der Znlandskaufkrast fehles! Erfahrungen der Leipziger Frühjahrsmesse. Institut für Konjunkturforschung und Leipziger Messeverwaltung haben, wie schon in früheren Jahren, auch für das Frühjahr 1929 die Messeerfahrungen sür die Konjunktur auszuwerten ver. sucht. Es zeigt sich dabei, daß In der Tat die fortdauernde Lä h- mung der wirtschaftlichen Tätigkeit auf die schwache Kauf- kraft des Inlandes und auch auf die niedrige Einichätzung einer besseren Entwicklung dieser Inlandskaufkraft durch die Messeköuser zurückzuführen ist. 60 Proz. der Aussteller der Tech- Nischen Messe und mehr als 70 Proz. der Aussteller der Muster- messe melden eine Verringerung von Inlandsaufträgen gegenüber der Frühjahrsmesse 1928. Als Waren, bei denen die Rückgänge besonders auffällig waren, werden genannt: Musikinstrumente, Uhren und Schmucksachen, Galanteriewaren,, Schuhe und Leder, pharmazeutische und kosmetische Artikel, Keramik, Haus, und Küchengeräte, Glaswaren, Textilwaren, Lederwaren, Sportartikel. Nur die von der Mode bevorzugten photographischen Artikel und Waren für Kino und optischen Bedarf brachten größere Inlands- auftrage. Dagegen hat das im Vergleich zum Inlandgeschält etwa» günstigere Ergebnis des Auslandsgeschäfies dazu geführt, daß der Anteil der Auslandsaufträge an den gesamten Meß- auftragen stark zugenommen hat. Wie gering die nachträglichen Wirkungen des Messe» geschäftcs eingeschätzt werden, mit anderen Worten, die Nach- bestellungen, zeigt die Angabc, daß zwei Drittel aller Aussteller der Mustermesse nur noch mit geringen inländischen Nachausträgen rechnen. Besonders gering sind die Erwartungen für Porzellan, und Glaswaren, Musikinstrumente, Textilwaren, Edelmetallwaren. Uhren und Schmuckwaren. Die in diesem Bericht im einzelnen aufgezählten Waren ge« hören fast ausnahmslos zu jenem Masjenbedarf, der dann nicht befriedigt wird, wenn dringender Bedarf, insbesondere für die Lebensfristung, sonst unbefriedigt bleiben müßte. Die Erfahrungen der Leipziger Messe bestätigen also, daß die unbefriedigende Kon- junkturentwicklung in erster Linie auf die unzureichende Inlands- kaufkraft zurückzuführen ist, was wiederum zu dem Schluß führt, daß nur vom Inland her eine Konjunkturbesserung möglich ist, nachdem von der Exportsteigerung zunächst wohl nicht mehr allzu viel erwartet werden darf. Mairetord für Stahl im Juni überboten! Di« deutsche Rohstahlcrzeugung steigt weiter. Sie betrug im Juni 1,43 Millionen Tonnen gegen 1,421 Millionen Tonnen im Mai und 1,296 Millionen Tonnen im Juni vorigen Jahres. Tie arb«it»täLli che Produktion, die schon im Mai die Hächstziffer fest Anfang 1928 mit 56 846 Tonnen erreicht hatte, stieg auf 57218 Tonnen(gegen 49 869 Tonnen im Juni vorigen Jahres). Ein ZO-lllillionen- Kredit für Preußens Betriebe. Die Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-A.-G., in der als Dachgesellschaft zur gemeinsamen Geldbeschaffung die Montan- und Elektrizitätsunter- nehmungen des preußischen Staates zusammengefaßt sind, hat einen Kreditvertragjnit englischen Banken zur Ueberlassung von 1 Mil- lion Pfund Sterling oder rund 20 Millionen Mark' abgeschlossen. Der Kredit ist in der Hauptsache als Betriebsmittelkredit für die Preuhag bestimmt, die in Erwartung der schon längere Zeit be- schlossenen, aber noch nicht durchgeführten Kapitolerhöhung um 40 Millionen notwendige Investitionen vornehmen mußte. Der Kredit läuft auf ein Jahr, soll bei Fälligkeit aus laufenden Ein- nahmen zurückgezahlt werden und dürfte bei einer Auszahlung zu pari weniger als 8 Proz. Zinsen kosten. 55 Prozent Rolendeckung. Der Ausweis der Reichsbank vom 15. Juli zeigt eine für die Monatsmitte ungewöhnlich starke-Eni- lastung. Wechselbeständc und Schecks gingen um 288.2 auf 2399,8, Bestände an Reichsfchatzwechscln um 95,6 auf 14,8 Millionen zurück, ! während die Lombardbestände wie gewöhnlich zur Monatsmitt« zugenommen haben, und zwar um 93,5 aus 173,4 Millionen. Die fremden Gelder auf Girokonto stiegen um 11 auf 614,9 Millionen. Der Notenumlauf verringerte sich um 262,5 auf 4347 4 Millionen. Da sich die Goldbestände weiter um 41,7 auf 2036,2 Millionen ver- mehrt, die deckungsfähigen Devisen um 17 auf 351,9 Millionen abgenommen haben, ergab sich eine Verbesserung der Golddeckung von 43,3 auf 46,8, und der Gold- und Devisendeckung von 51,3 auf� 54,9 Proz. Deutschland hat die viectgröhte Handelsflotte der well. Nach der Lloyds Rcgijtraturstatistit umfaßte die Wellhandelsflotte am 30. Juni d I. 68 1 Millionen Bruttoregistertonnen, wovon 66,4 Mil- lionen maschinell waren. Gegenüber der gleichen Zeit des Vor- jahres ist der Bestand der Welthandelsflotte um 1,7 Proz. ver- gröhcrt. Der deutsche Anteil ist schneller gewachsen, da sich die deutsche Handelsflotte in der gleichen Zeit um 315 000 Brutto- registertonnen oder um 8 Proz. auf 4,1 Millionen BruttoregisZer- tonnen vermehrt hat. In den 811 Iahren seit 1 9 20 hat Deutschland also ziemlich genau vier Fünftel seines Bestandes von 1914 wieder aufgebaut,. nachdem damals fast die gesamte Handelsflotte ausgeliefert werden mußte. Vor Deutschland rangieren jetzt noch England niit 20,2, USA. mit 11,8 und Japan mit 4,2 Millionen Tonnen. Deutschland steht also heute wieder an vierter Stelle. Die„Europa" soll zum 1. TNär, 1930 fertig werden, nachdem die„Bremen" gegenwärtig ihre erste Uebersecfahrt durchführt. In den beiden Schiffen„Bremen" und„Europa" ist insgesamt ein Kapital von rund 120 Millionen Mark investiert, wie Blohm und Laß. die Erbauerin der„Europa" mitteilen. 252 000 TUark Zahrcsgeholl fall der Generaldirektor jener Elektrizitätsgesellschaft erhalten, die zur Durchführung der Elektrifi- zierungskonzession Harrimans in Polen gegründet werden säll. Interessanterweise wird aus Polen unverbürgt gemeldet, daß der polnische Handelsministei Kwiatkowski Generaldirektor werde» soll. Man könnte sich vorstelle», daß ein in Zlaty verhältnismäßig niedrig bezahlter polnischer Minister als Minister gerne einnial ein Auge zudrückt gegenüber dem ausländischen Konzessionär, wenn ihm«in solches Iahres�ehalt später blühen würde Wir wollen natürlich nichts gegen«inen polnischen Minister sagen, aber 252 000 Mark sind wahrlich eine zu hübsche und verführerische Summe, um menschliche Sellen anzurühren, was eine allgemeine Bemerkung darüber wohl rechtfertigt. Die größte kohlenverslüfsigungsanlage der welk wurde im Bei- fein des englischen Innemninisters bei Glasgow(Schottland) eröffnet. Di« Anlage verarbeitet täglich 600 Tonnen Kohle, woraus 4M Tonnen rauchloses Brennmaterial. 67 000 Liter Rohöl und 420 000 Kubikmeter Gas hergestellt werden sollen Man arbeitet nach dem Bussey-Prozeß, der auch in Frankreich, Holland unb Deutschland demnächst zur Anwendung gelangen soll. Oer Streik der,.Oreitagearbeiter" Gegen das Bezirksami Aeuköttn. Wahl selten sind über einen Streik soviel Lügen in die Well gesetzt worden, wie bei dem Streik der Neuköllner Wohlfahrt erwerbslosen. Der Magistrat hatte beschlossen, die in der N o t h i l f e Unterstützten der sozialen Arbeitsfürsorge einzureihen. Es sollte dadurch erreicht werden, daß Arbeitern, die von der Arbeitslosen- und Krisenunterstützung ausgesteuert sind, das bedrückende Gefühl genommen wird, nunmehr von der Stadt Unterstützung annehmen zu müssen, zum andern sollt« noch erreicht werden, daß durch die Ableistung der Arbeit wesentlich höher« Beträge herauskommen als bei der Unterstützung. Die Lohnsummen bewegen sich zwischen 20,63 und 43,41 M. netto, die Unterstützungssätze zwischen 13.20 und 27 M. Inzwischen ist verfügt worden, daß die Mindestarbeitszeit auf vier Tage erhöht wird. Der niedrigste Lohn beträgt infolgedessen 27,40 M. Es werden die tariflichen Löhne nach dem G e m e i nd e o r b ei t« r ta r i f bezahlt. Di« Streikenden verlangen Bezahlung nach dem Fach- orbeitertarif der betr. Berufe. Eine Forderung, die unmöglich f erfüllt werden kann. Doneben wird den Arbeitern das Fahrgeld vergütet, sofern sie weite Wege zurückzulegen haben, und dos Essen der Volksspeisung auf die Arbeitsstell« zum Preise von 10 Pf. geliesert. Die Forderung geht dahin, das Essen in wesentlich ver- besserter Form unentgeltlich zu liefern. 1120 Arbeiter und Angestellte sind auf diese Weise beschäftigt und es herrschte allgemein das best« Einvernehmen. Wie kam es zum Streik? Am 2. Juli demonstrierte ein Teil der Belegschast vor dem Neuköllner Rachaus gegen eine andere Regelung der Lohnzahlung, der Forderung wurde stattgegeben:«s kam zur Einigung. Daneben wurden Freistellung der Per- trauensleute von der Arbeit oerlangt und Ausschaltung des Betriebsrats bei Verhandlungen. Diese Forderung wurde vom Bezirksamt abgelehnt, ebenfalls die Bezahlung der Demonstrotionsstunden. Die„Rote Fahne" schrieb am 10. Juli„gegen die Stim- m e n der kommunistischen Stadträte". Wir wieder- holen die Frage von neulich: Woher weiß das die„Rote Fahne"? Sie soll doch Dr.Schminke und seine Freunde fragen Auf die Ablehming der Forderungen wurde der Streit proklamiert. Am ersten Tage streikten 70, die„Rote Fahne" mochte darauf 1000 am 12. Juli. Die Zahl der Streikenden ist keinen Tag über 400 hinausgegangen, obwohl ein unglaublicher Terror«in- setzte und ist so im Abflauen, daß alle Arbeits st«llen wi«- der in Betrieb sind. Am 18. Juli streikten nur noch IKS Arbeiter. Welches sind nun die Forderungen? Nach unseren Feststellungen sind dem Bezirksamt Neukölln überhaupt noch kein« Forderungen der Streikenden über, reicht worden. Lediglich die.Jtote Fahne" bringt am 12. Juli die Forderungen. 1. S«chs Tag« Arbeit, 2. Zahlung des Tarif- 1 o h n s der entsprechenden Fachgruppe, eine einmalige Zahlung von 30 Mark, Freistellung des Annanns der Ber- trauensleute von der Arbeit, Verbesserung und frei« Lieferung des Bolksküchenestens. Dies« Forderungen kann nicht das Bezirksamt, nur der Magistrat könnte st« bewilligen. Sie sind zum Tell schon im Juni gestellt und dem Mogistrat übermittelt worden. Die„Rot« Fahne" macht nun cir» groß«„revolutionäre Aktion" aus diesem Streik. Täglich st«hen Schwindelnoiizen darin, die einfach unglaublich sind, so am 13. Juli„Bezirksamt läßt Kampsleitung oerhaften". Sein Wort davon wahr! Am 14. Juli„Mit Htls« des Reichsbanner» und der sozial- demokratischen Parteiorganisation werden Streikbrecherkolonnen zu- sammengestellt." Ebenfalls k- i n W o rt wa Hr. eine Vermittlung kommt gar nicht in Frage, da es sich durchweg um Arbeiten han- delt, die vorläufig liegen bleiben können. Am 18. Juli:./zeute finden Verhandlungen statt, Erfolg der Neuköllner Dreitagearbeiter. Nun, zu den Verhandlungen ist niemand von d«a Streitende« erschiene«. So sieht die Vertretung der Streikenden aus. Der Streik war zusammengebrochen, als er begonnen wurde, bedauerns- wert sind nur di« Armen, die sich während dieser Zeit mit der knappen Unterstützung begnügen, und glauben den Drahtziehern dieser neuen kommunistischen Aktion Handlangerdienste leisten zu müssen. In Nr. 323 des„vorwärts" haben wir die.Mote Fahne" ge. fragt, ob sie ihren Lesern weitererzählen will, daß die kommunistischen Stadträte des Bezirksamts für die Forderungen der Fürsorgearbeiter stimm- ten. Die„Rote Fahne" hat zwar jeden Tag über die Neuköllner Vorgänge berichtet, aber bis jetzt, seit fünf Tagen, es ängstlich ver- mieden, unsere Frag« zu beantworten. Warum so schweig- s a m? Nun, die„Rote Fahne" hat sich ihre„Weisheit" aus d«n Finger gesogen. Wir haben nach diesem langen Schweigen allen Grund zu behaupten, daß die kommunistischen Stadträte, die Lücke, Raddatz, Schminke und Schimairsti genau so wenig die Berliner Richtlinien„umgebogen" hab«n wie unsere Vertreter im Bezirksamt. Aber nach außen mußte der Eindruck erweckt werden, daß nur die verdammten SPD.-Bezirksamtsmitglieder an dem„Streik" schuld sind. Wie es in Wirklichkeit aussieht, zeigt uns di« Zu- fammensetzuiTg des vor einigen Monaten gebildeten Ausschusses zur Prüfung und Abstellung etwaiger Beschwerden bei der Durch- sührung der Arbeitsfürsorg« für Erwerbslose. Obwohl die KPD. einen ihrer größten Schreier, den Stadtver- ordneten Baartz im Ausschuß hat, ist bis heut« noch kein kam m uni st i scher Rotstandsunterstützungsempsän- g e r für diesen Ausschuß bestimmt worden. Erst dieser Tage ging den Bezirksoerordnet«»«ine Aufstellung der Mitglieder des Ausschusses zu und steh« da, es fehlt immer noch der Vertreter der KPD.-Erwerbslosen. E» ist ja nicht das erstemal, daß die Kommunisten die Interessen der Arbeltslose« mit Füße« trete». Als die KPD. ihre Rundreiseaiüräg« zu de« Arb«itslos«nfrag«n einbrachte, wurde in Neukölln ein besonderer Ausschuh von der»«- zirksversammlung«ingesetzt. Diesem Ausschuß gehörten drei Ber- t r« t e r der Kommunisten an. In der ersten Sitzung war ein ordentliches Mitglied, und«in Stellvertreter anwesend, in der zweiten fehlten alle drei ordentlichen Mitglieder und nur«in stellvertretender Horchposten war da. Unser Redner hat das damals in der öffentlichen Lezirksversammlung unter eisigem Schweigen der KPD. gebührend gebrandmarkt. So treibt inan jetzt mit den Für- sorgeardestern dasselbe Spiel. Oer Streik der Bauklempner. Heute Verhandlungen. Di« Bauklempner hatten Donnerstag vcrmittag in den An- dreasfälen ihr« erste Streikversammlung. Wi« von der Streikleitung berichtet wurde, stehen bis jetzt in Berlin etwa bov'Bautlempner im Kampf. Wegen der vielen kleineren Baustellen und Geschäfte war es m den ersten Streiktagen nicht möglich, oll« Arbeiter zum Anschluß an den Streik zu bewegen. Durch die Kontrolle der Streikleitung und mit Hilfe der Streikenden wird es jedoch gelingen, bis zum Schluß dieser Woche auch di« noch arbeitenden 200 bis 300 Bauklempner zur Arbeitseinstellung zu ver- anlassen. Die Streikenden erwarten, daß auch die Bauarbeiter darauf achten, daß auf den Baustellen kein« Streikbrecher- arbeit verrichtet wird. Alle Redner, die über ihre Betriebe be- richteten, teilten mit, daß der Streik von den organisierten Berufs- kollegen mustergültig und diszipliniert durchgeführt wird. Es wurde bekanntgegeben, daß der Schlichter von Berlin- Brandenburg die Parteien zu heute. Freitag vormittag. zu Einigungsverhandlungen geladen hat und daß di« Organisationsleitung zusammen mit der Lohnkommission an diesen Verhandlungen teilnehmen wird. lieber dos Ergebnis dieser Verhandlungen wird den Der- trauensleuten morgen. Sonnabend vormittag 10 llhr, in einer Konferenz im Verbandshaus der Metallarbeiter Bericht er- stattet. Die Versammlung war van einem zuversichtlichen Kampf- geist erfüllt. Di« Derhandlungskommission wurde beauftragt, von den Forderungen, um die der Kampf geht, nicht abzugehen Bauorbeiter, übt Solidarität! Aach der Verbindlichkeitserklärung. Entlassung von Textilarbeitern. Nachdem durch di« Berbindlichkeitserklärung de« Schiedsspruches die Aussperrung in der schlesischen Textilindustrie beendet wurde, ging die Wiederaufnahme der Arbeit glatt vonstotten. Eine un- rühmliche Ausnahm« macht die Firma Otto Müller u. Ca. in Seidenberg. Der Inhaber dieses Betriebes, Herr Dr. v. Mülle«. setzte im Herbst vorigen Jahres sämtliche männlichen Weber der Seidenweberei aufs Straßenpflaster, well angeblich der Lohn für Männer zu hoch sei. Die Firma erklärte noch vor ungefähr 10 Wochen einem Vertreter de» Deutschen Textilarbeiterverbandes, daß sie ihm dankbar sein würde, wenn er ihr 150 Seidemveberinnen fldergtbl man not o-tn Na»w«l, S«t t>mrdin HluRttnecbaHbtt, Berlin. Korn- mandantenstr. 63,64. Diinhog 3277—7» 9—8. Sonntag, 10—| U|t Aul«unsch t«ertreterbel»». beschaffen könnt«. Jetzt aber, nachdem die Aussperrung durch die Verbindlichkeitserklärung beendet ist, läßt dieser Herr Dr. von Müller seine Arbesterschaft sein« Rache fühlen. Rund 75 Arbeiter und Arbeiterinnen, darunter solche, die eine Generation hindurch dort beschäftigt waren, wurden entlassen, angeblich wegen Arbeitsmangel. Zwei Mitglieder des Betriebsrats und der Betriebsratsoorsitzende wurden mit entlassen. Ein entlassene» Betriebsratsmitglied ist«in alter Arbeiter von 70 Iahren, der 30 Jahr« im Betrieb« befchästigt ist. Der Betriebs- ratsvorsitzende ist seit 41 Iahren im Betrieb« tätig. Von jeher zeichnete sich diese Firma dadurch au«, daß sie den Tariflohn nickst zahlt« und mit Vorliebe ausländische Arbeitskräste beschäftigte. Di« Entlassenen sind meist gewerkschaftlich organisiert und in Seidenberg ansässig. Die Firma bzw. ihr Inhaber ist deutschnational! Der Herr von Müller soll bei der be- vorstehenden Gemeindewahl der Bevölkerung als Spitzenkandidat präsentiert werden. Aus Grünberg wird berichtet, daß dort mehr Arbeiter ein- gestellt werden, als vor der Aussperrung beschäftigt waren. „Ver unbekannte Diktator.� Ludolf Philipp macht ihn bekannt. Am Donnerstogabend sprach Rudolf Philipp, der Verfasser des Buches„Der unbekannte Diktator Thomas Bata", dessen Freigabe durch da? Landgericht aller Voraussicht nach in kurzer Zell erfolgen wird, vor den Besitzern der Berliner mechanischen Schuhreparatur- Werkstätten über dos System Bata. Der Redner schilderte den Werdegang Botas und di« Mittel zu seinem Erfolg. Er zeigte den Unternehmern, welchen Weg st« gehen müssen, um zu verhindern, daß Bata auch in Deutschland all« kleineren und mittleren „selbständigen" Existenzen schachmatt setzt. Philipp betonte einleitend, daß die Arbeiterschaft in diesem Kampfe gegen da» System Lata mit dem Unternehmertum eigentlich nur wenig« Berührungspunkte habe: denn dieser Kampf sei nickst ein Kampf gegen den Mann Bata, sondern gegen einen bestimmten Vertreter de» Großkapitals. Do» System B a t o s iit auch nichts weiierschütterndes, denn auf eine ähnliche Weis« sind bisher alle großen Vermögen der Welt entstanden, sind alle Jndustriegewaltigen groß geworden. Das Buch soll ei»« sozial« Reportage, ein« Anklag« gegen da» Großkapital sein. Sein Buch ist auch hauptsächlich geschrieben worden, um der Arbeiterschaft zu zeigen, wi« ohnmächtig das Proletariat gegenüber dem Ausbeutertum ist, wenn es keinen Rückhalt in starten Gewerkschaften hat. Es soll ein W a r n u n g» s i g n o l sein für die internationale Arbeilerschaft. Genau so wie er, Philipp, da» System Bata be< kämpft, würde er auch die seinem Dortrag lauschenden Unternehmer bekämpfen, wenn er erfahren würde, daß st« ihr« Arbeiter ebenso «»beuten, wie e» Bata tut. Es sei irrig, anzunehmen, daß er oder di« Arbeiterklasse ssch gegen die Rationalisierung wendet. Aber Batas Erfolg basiert auch nicht allein auf der iechnischen. sondern auf der menschenökonomischen Rationali- sierung. Diese Art der Rationalisierung werde Bata dank de? gewerkschaftlichen Geschlossenheit der deutschen Arbeiter nicht an- wenden können, wenn er in Deutschland versuchen wird, Fuß zu fassen. Aber er wird sich auch ohne sie in Deutschland erfolgreich behaupten können, wird verdienen und trotzdem noch billiger pro- duzieren oder reparieren können als die deutschen Unternehmer. wenn sie sich nicht mit ihren Kalkulationsmethoden und in ihrem technischen Denken gründlich umstellen. Das Eindringen Batas in Deutschland wird kein deutscher Unternehmer oerhüten können. Unsinnig wäre es, die Arbeiterschaft zu einem Boykott gegen die Bata-Produkt« aufzurufen, der doch nicht gut wirksam werden könnte und nur eine Propaganda für Bata sein würde. Seinen Einzug in Deutschland könne man auch nicht durch Schutzzölle verhindern, die wieder Agrarzälle noch sich zi°hen und somtt de» Konsumenten belasten würden. Der einzige Weg. der B a t a- G« f a h r zu begegnen, ist der, die Betriebe technisch auf die Höhe zu bringen und durch scharfe Kalkulation die Warenpreise zu lenken. Stellen sich die deutschen Unternehmer derart um, d?nn können sie in dem bevorstehenden Wettrennen vielleicht den Sieg davontragen. Tun sie es nicht, werden sie unweigerlich nur Zweiter werden. Wie auch dieser Kampf ausgehen wird, so werden doch die mittleren und kleineren Unternehmer nicht ver- hindern können, daß sie allmählich ob st erben. Das ist nun ein- mal die Entwicklung, die mit dem Hochkapitolismus verbunden ist und die uns, ob wir wollen oder nicht, zur sozialistischen Gemein- Wirtschaft führt. Die Ausführungen Philipps waren verschiedenen der an- wesenden Unternehmer nicht sehr angenehm, zumal was die Vor- aussage ihres unentirrbaren Schicksals im Kampfe gegen den Hoch- tapitalismus betraf. Einige der Herren versuchten, ihrer Stimmung durch deplazierte Reden gegen di« Arbeitslosenver- s i ch e r u n g Luft zu machen, die Philipp aber durch einige beißende und mit Humor gewürzte Redewendungen treffend zurückwies. Orohender Holzarbeiierstreik. Mit 12000-15000 Arbeitern in fRheinland-Westfalea. Essen, 18. Juli. Vom Verband der Hv&irbeiter wird mitgeteilt, daß noch im Laufe dieser Woche die Holzarbeiter des rheinisch-westsälischen Industriegebiets in den Streik treten, da die Verhandlungen nach der Ablehnung der Unternehmer, die gleichen tarifvertrag- lichen Bestimmungen, di« für das ganze Reich ver- einbart worden sind, anzunedmen, als endgültig gescheitert anzusehen sind. Von dem Streik werden etwa 12 000 bi» 15000 Arbeiter betroffen. Die Texiilarbeiier«Internationale. Tagung in Warschau. Die Exekutive der Textilarbeiterinternationake, die dieser Tag« in Warschau zusammengetreten war, hat ihren bisherigen Sekretär, den jetzigen englischen Kriegsmimster, Tom Shaw. beurlaubt. Shaw bat, ihn von seinem Amt zu entbinde». Inder alten Streitfrage der Organisationszugehörigkeit der Glanzstoff. industriearbeiter kam die Exekutive zu der Auffassung, daß dies« Arbettergruppe ausschließlich den Textilarbeiter« verbänden gehöre. Die nächste Tagung der Exekutiv« findet in London statt. Streik im pariser Tiefbaugewerbe. pari». 18. Iufl.' Donnerstag früh ist in den hiesigen Tiefdammternehmunge» ein« Streikbewegung aufgetreten, angesichts deren die meisten Unter- nehmer die Arbeitsplätze schlössen und ihr Personal entließen. Nach den bisherigen Meldungen sind hiervon etwa 2 000 Erd. arbeiter und Maurer bettoffen worden. Achtung. Ofensetzer! Die Unternehmer planen die allgemeine Einführung von setzfertiger Kachelware in Berlin, wollen jedoch derartige Abzüge hierfür vom Lohn vornehmen, daß diese» für uns untragbar ift._— Die erst« Verhandlung über Festlegung eines Setzerlohnes für diese War« hat sich zerschlagen. Wir ersuchen alle Berliner Ofensetzer, die Verarbeitung dieser Ware überall dort zu verweigern, wo der Unternehmer Abzüge vom tarifmäßigen Lohn vornehmen will. In kürzester Zeit findet ein« ösientliche Versammlung der Ofen- setzer Groß-Berlins statt, di« eins Entscheidung über die weiteren Maßnahmen in dieser Angelegenheit treffen wird. Deutscher Saugeivcrksbund. Vaugewerkschaf« Berlin. Die Fochgruppenleiluug. «ettlch», Ba>ifta>»tl»te»li, B-ugenxlNcheft Berti«. SKonto«, 2! Zuli. 17 Uhr, in den Reslden».g«stsSl-n. Landsberger Str. 31.«andelegiertenver. f/l TVimfit vt e*'Tf fs i- OTttfrtfl Kar« n Te* a r..____ ati_«. t• tt, >%rcfe Gewertfchaffs-Iuaend Groß-Nerlin f;. �____ Leute, greitog. 19H Uhr, tagen di, Srupven: Stordrlna: Jugend. beim. SchulH�Sonnenburgrr Str. A. Bortrag:..Vrcssrschgu.— thar. Iugendheiv Stirn, schul, Eonnenburg-r Str. 20. Bortrag:.Breslrschau"—«dar. Zug«ndh«im i-vr-estr. 30, Li-derabrnd.- gevselluptaj,: bt'M de, B-urlso-nt» Wedding.?urw«r Eck« S-rft-ahk. Vortrag:„Vom nunftefmtn jnim freien Arbeltrr".— Sermannvlaj,! Trum>«nd-im, Jugend. heim, Sanderltr. U, Me Sobteätftrol».. Lichtbildervortrag:, Unser« Vampfrr- fahrt 1S2»�.— Süden, Sidwefteii: Grupvenheim Walsertorftr,«, vorn vt. »ampflirdrradend,— Wedding: Jugendheim Zuriner Set« Seefiraße. Vechts- fragen des öffentlichen Lebens.— Südosten: Wir baden im �luhbad Klingen, Sera.— Spiel. Spsvt und Tan, heute ab IS Uhr-«eihenf«: Staden am ffaultn See.— 0Iuaeni>aruppe des �eniralverbande«! der Anaessellten Leute, greitaa. find folgende Veranstaltungen: Pankow.?!'-d--' r~n- tanlttt: Jugendheim Sörschstr. 14(großes äimmerl. Ion,, und Lieder. abend.- vbertpre«: Jugendheim Laufener Sir. 2. Borirag: Sviel und Sxvrt Im BUd".—»ipenick: Jugendheim Sriinaurr Str. f. Vortrag:„Sie du. Ichichle der deuifchen Jugeiiddewegung"� Vrfrrent: Lein, Man».— TSdmest: liugendhe m Belle-AIIignee-Sir. 7— 10. Bortrag:„Was ich im GefSngni, sah". Reterent: Wilhelm Lewinski.— Rrutöla und Urban: Ad 20 Uhr Spielen auf der Spielmtef« im Neuköllner Volkspark. BeTErHaitunosHranKheiren,�,��« Ischias.Nerven- und Kopsschmerzen, haben sich Togol-Tabletten hervor ragend bewährt. Laut notarieller Bestätig, anerkennen über 5000 Aerzte die hervorragende Wirkung des Togal. 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In der bismarckischen Zeit stand er in meiner hannoverschen chei-nat auch in politischem Mißkredit: die Gendarmen und die Landrät« wurden daher bezogen, und gelegentlich kam auch ein Arbeiter mit polnischem Nomen, der weit unter unserem heimischen Niveau stand, van dort. Erst neuerdings hat sich diese Situation verändert, man hat im Reich entdeckt, daß auch der Osten seine Reize hat; und be- sonders seit der Trennung Ostpreußens vom übrigen Deutschland sängt man an, das Land zu bereisen. * Ich mußte 57 Jahre alt werden und hatte längst da» ganz« übrige Deutschland gründlich tennengelernt und dazu ein großes Stück Europas, ehe ich die Oder und die Weichsel überschritt. Der Voltsbühnentag in Danzig war die nächste Veranlassung, meine Reisesehnsucht nach dem Osten endlich zu stillen. Seit zehn Iahren versammelt der Verband der Deutsdjen Volksbühnenvereine alljährlich seine Vertreter aus allen Gauen Deutschlands jeweilig in einer anderen Stadt und erwirbt sich zu feinen sonstigen Kulturleistungen auch das Verdienst, die Kenntnis schöner deutscher Städte unter seinen Mitgliedern zu verbreiten. Vor Antritt meiner Reise hatte ich einige zwanzig Bücher über Danzig, West- und Ostpreußen studiert. Ich hätte also von Rechts wegen Anrecht darauf, über dies Gebiet ein Buch zu schreiben: denn es ist von alters her des Landes so Brauch, daß aus elf Büchern immer«in zwölftes gemacht wird. Wie sollten unsere Privat- dozenten sonst epistieren und die für die Professur nötige Anzahl von Büchern zusammenkriegen! Aber der deutsche Wald tut mir leid, und zudem hat mein Kolleg« Willy Möbus mir diese Aufgave schon abgenommen. Sein Büchlein„Me östliche Insel'(Verlag I. H. W. Dietz Nachf., Berlin) sei ollen Oslreisenden empfohlen. Es ist eine Sammlung von Feuilletons aus ganz Ostpreußen, die alles behandelt, was dort sehenswert ist, und«ine Belesenheit auf allen Gebieten preisgibt. Leider gibt das Büchlein keine Anweisungen für Touren, und hier macht sich überhaupt«in bemerkenswerter Mangel in der Reiseliterotur bemerkbar. Außer Städteführern und dick- und dünnleibigen Werken über Samland und Mosuren gibt es zwar auch speziell« Reiseführer für Ostpreußen, aber sie sind alle für Königsberg zugeschnitten und geben dem eiligen Reisenden keine Wink«, wie man in einer zusammenfassenden Tour Land und Leute kennenlernen kann. » An landschaftlichen Schönheiten ist der Osten viel reicher, als man insgemein im übrigen Deutschland weiß. Der Boden ist lang« nicht so flach wie etwa zwischen Weser und Elbe. Die Ausläufer des Urolisch-boltischen Höhenzuges bedingen hier eine viel mannig, faltigere Bodenbildung und erreichen Höhen über 800 Meter. Man spricht nicht umsonst in der Umgegend von Danzig und auch sonst von Klein-Thüringen. Leider sind die schönsten Waldgebiet« in der Umgegend Danzigs mit den, Wechselspiel von tiefeingeschnittenen Tölern und ansteigenden Höhen, alles mit Mischwald bestanden, nicht mehr deutsch. Aber auch, was geblieben ist, ist reizvoll genug, wenn man etwa von Oliva aus eine Höhenwanderung nach Zoppw antritt. In der letzten Iuniwoch« erlebte man hier den Frühling, der uns in Berlin vier Wochen vorher durch schlechtes Wetter v«r- saut wurde, noch einmal. Die charakteristischen Maiblumen blühten. das Grün war prachtvoll jung und frisch, die Vögel sangen wie nur je im Mai bei uns, und in den Gärten blühten Flieder und Ka- fiani«. Dasselbe Schauspiel erlebt« ich später noch einmal in der Umgegend Königsbergs auf der Nehrung und an der samländischen Küste. Hier lernt« ich auch die ostpreußische Nachtigall kennen, den Sprosier, ein« Drossel, die hier die Nachtigall vertritt.(Die Ost. Preußen hoben e» also immerhin noch bester als meine Landsleute aus den Marschen an der Wesermündung, wo kaum Säume wachsen und unsere einheimische Nachtigall der— Frosch ist) * Danzig, dem Liebhaber alter deutscher Städte durch Ab- bildungen und vielfache Bcschrcib-ungen vertraut, übertrifft doch alle Erwartungen, die mit seinem Glanz verbunden sind, bei weitem. Alles, was zum Ruhm einer alten deutschen Stadt gesogt werden kann, die aus ihren besten Zeiten das Beste bewahrt hat, trifft auf Danzig zu. Den deutschen Charakter verkünden heut« wie je die ruhmreichen Bauten dieser Stadt, die auch in den Jahrhunderten. da das übrige Deutschland danioderlag. im 17. und 18..«ine hohe Blüte erlebte. Daß die Stadt nachher wirtschafllich so lang? still- stand, hat dazu beigetrogen, ihren alten Charakter zu bewahren. Immer noch präsentiert sich die Langgaste Im Schmuck der vielen sclpnalen. Hochgicbeligcn Hauser, die bald von niederländischer, bald von italienischer Renaissance zeugen. Unter den vielen turinreichen Kirchen reckt St. Marien das trutzige Massiv ihres stumpfen Tuin-es wie eine geballte Hand gegen den 5)immel. Die ganze Größe und Wuchtigkeit des Baues offenbart sich gerade in der Umgebung und Eng« der kleinen Häuser, die die Kirch« umgeben. Der überaus schlanke und vielfach gegliedert« Rathausturm ist der denkbar schärfste Kontrast dazu, die Herrlichkeit des Artushofes mit seinen hohen Gewölben, worin den Vertretern der Volksbühne«in schöner Enipfong bereitet wurde, die Prachtfajsadc des Zeughauses, die vielen schöne» alten Tore, die die schmalen Gassen so gut abschließen, da» Belebende der Walserarme, die mitten durch die Stadt fließen, die Speicherinsel mit ihren hochragenden Bauten, alle« dies-s und vieles andere lockt immer wieder zu neuem Anichouen. In dieser Siadt zu kneipen ist«in wahres Vergnügen, schon was die Räum« anbelangt Viele olle Keller und Häuser, die den Stil der früheren Jahrhundert« bewahrt hoben, locken dazu. In den allen Gasten, in denen logor zum Teil die malerischen Ausbauten, die Beischläge, erhallen sind. präsentiert sich die Likörstube de, Danziger Lachse». Was bürger. liche Wohnkullur in einem Potrizierhouse des 18. Jahrhundert« be- deutet hat, offenbart noch heute das Uphagen-Haus. Abends«r- strahlen die interessantesten Gebäude ini Licht der Reflektoren und osfenbaren in dieser phantastischen Beleuchtung Schönheiten, die man am Tag« nicht bemerkte. Ein« Fahrt durch den Hafen zeigt«in ganz andere» Danzig. Immer weiter hinaus sind die Anlagen erstreckt worden, zum Um- lade« der jetzt polnischen Kohle sind technisch bewundernswert« Ein- richtungen getroffen, die Hafensinrichtungen werden dauernd ocr- vclltommnet, und trotz der polnischen Konkurrenz, die weiter draußen an der Ostsee in Edingen geschaffen wird, hat die Frequenz der Danziger Häfen bedeutend zugenommen. Freilich hat die Stadt wirtschaftlich schwer zu kämpfen. Aus all den Reden, die wir in Danzig hörten, klang die Sehnsucht nach Deutschland, das durch zahlreiche hier abgehallene Kongreste seine Zusammengehörigkeit mit dieser einzigen Stadt beweist. Auf einer Autofahrt durch den ganzen Danziger Werder, die der Genosse Senator Arczynski mit uns nach Marienburg unter- nahm, lernten wir dieses fruchtbare Land kennen. Es hat ganz denselben Eharakter wie meine heimatlichen Marschen an der Weser- mündung. Diele Weiden mst grasendem Vieh, viele Höfe statt der geschlostenen Dörfer und manches andere beweisen, daß gleiche Be- dingungen die gleiche Wirtschaft ergeben. In einem dieser Dörfer ist Max Halbe geboren. Er hat die Landschaft und ihr« Menschen u. a. in seinem Drama„Eisgang' gestaltet, das den großen Weichsel- ström zum Hintergrund hat. * Z o p p o t ist noch kein Monte Carlo: aber es möchte gern eins werden. Die Spielsäle— niemand hat sie konzessioniert, sie bestehen sozusagen verfassungsmäßig überhaupt nicht, aber sie werden ge- duldet— ziehen außer dem Bad viele Besucher her. Man wuiüicrt sich, daß die Dummen nicht alle werden, und daß die vielen Vor- luste und die Selbstmord« die Spielerschar nicht mindern. Wie saszi- niert sitzen die Spielfanatiker um den Roulettetisch. Alles starrt aus die Kugel, die ein paarmal hcrumkreist, ehe sie in ihr Loch sälli. Dann streicht zumeist der Croupier den ganzen Roibach ein, und die anderen haben das Nachsehen. Dann und wann steht einer von den Habitues auf, er ist blank, aber wahrt feine Haltung. Auffallend ist, wieviel Damen mit Hingabe diesem kostspieligen Zeitoeptreib frönen. Von den Dolksbühnenleuten hat auch mancher, der,- einen Versuch machen wollte, Haare lassen müssen. Nur ein Bertiner, der vom Roulette keine Ahnung hatte, war so klug, nachdem er auf irgendein Feld seine zwei Gulden gesetzt und daraus 70 Gulden gewonnen hatte, das Geld einzustreichen und mit einer dankenden Verbeugung dos Lokal zu verlassen. Zoppot ist ja sonst schön genug: der Strand ist herrlich, man kann dort auch bei mäßigem Wetter spazieren gehen. Ich war der einzige Gast, der am letzten Iunitage ein Bad riskieren wollte, aber man hiell mich förmlich mit Gewalt davon ab: so kalt und rauh war die Witterung. Das Spiel ist in Zoppot nur geduldet, aber die beteiligten Gemeinden, in erster Linie Zoppot selber, nehmen die Millionen von dem Ucberschuß, um ihre Steuerlasten dadurch zu mildern. Stuguetle garnier: Ich war in der 6. Klaste der Mädchenschul«. Wir waren dreißig Kinder, olle elf Jahr« alt. Eines Morgens brachte uns Fräulein Baume, die wir unter uns die„schöne Alice' nannten, well sie eine weiße Stirn und so blaue Augen hatte, ein fremdes Mädchen. Es war sehr niedlich angezogen und schien kein bißchen eingeschüchtert von den neugierigen Blicken. Die schöne Alice hielt eine Einführungs- rede und setzte die Klein« zwischen Else R. und Martha F. Dann begann die Stunde, und wir wagten nur im geheimen zu der Neuen hinüberzuschielen. Kaum hatte die Lehrerin nach dem Klingelzeichen die Klasse ver- lasten, ging das Getuschel los. Else und Martha teillen ihre Eni- deckungen mit: ,T>ie Neue hat herrliche Spitzen an ihrem Unterrock!' wir rutschten alle auf der Erde herum, um einen Zipfel dieses ge- rühmten Rockes zu erhaschen, und wirklich! An den rohseidenen Rock war die feinste Spitze genäht. Neben unseren groben Rockspitzen er- schien sie raffiniert vornehm. Wir stammten durchweg aus mehr oder weniger einfachen Bürgerhäusern:.aus dem dauernden Rechnen unserer Mütter kannten wir den Preis der Dinge. Solche Spitze kaufte keine in unserem Stadtteil! Hanni R. betrachtete mit gefurchter Stirn den weißen Kragen, den langen Schlips, den seidenen Gürtel unserer neuen Klassen- kameradin, zählle im geheimen alles zusammen und hotte schon den Strich unter die Rechnung gemacht:„Wer weiß, wo die Mutter das hernimmt!' Die rot« Annie aber meinte neidvoll:„Das ist Schick!' Da stand die schöne Alice in der Tür—, sie klatschte dreimal in die Hände und wir flogen auf den Hof. Dort nahmen wir die Neue in unser« Mitte. „Wie heißt du? Wo wohnst du? Was ist dein Dater?' Die Klein« hatte schon heraus, daß wir sie als etwas Besonderes betrachteten. Sie antwortete sehr bestimmt. Sie hieß Iren« Durois, ihre Mutter war Witwe, sie wohnten beide in eiiiem neuen Haus in der Nolandstraße. Das letzte fiel rühmlich ins Gewicht. Wir olle hatten beobachtet, wie dort die allen Gebäude abgetragen und Stein auf Stein neue Häuser„mit ollem Komfort' errichtet wurden. Ich fragte:„Da» Haus mit Bad, Wannwaster, Telephon und allem?' „Ja,' bestätigte Iren«. Sie ließ sich nicht um nähere Auskünfte bitten. Sie erzählte, ihr Zimmer sei blau tapeziert, dos ihrer Mama silbergrau und der Salon mit Brokatseid«. Wir all« fühllen uns bezaubert. Jede wünschte im geheimen, ihre Freundin zu werden. Hann! R fragt« noch:„Was war dein Vater?' „Direktor.' Da waren wir besiegt. Wir glaubten ihren Worten: sie blickte so offen wie«ine Wahrhaftige— so hatten wir'» von Fräulein Baum« erfahren— nur blicken kann. Tag für Tag ließen wir un» von Iren« erzählen. Zwischen den Zimmern hingen schwere Samtvorhäng«: das Mädchen hatte die Porzellantasse au» der Vitrine genommen und zerschlagen: die Katze war unmöglich: sie hatte da« Blumenmuster des Kistens ausgerissen! Zweimal im Monat wechselte Irene die Kleider. Als sie im Mai in einem rosenroten Kleidchen ankam, auf dem ihre braunen Locken glänzten, schwuren wir einstimmig:„Irene Ist die Schönste der Klasse!', und die rote Anni, die bisher diesen Ehrentitel getrogen hatte, lief drei Tage mit geschwollenen Augenlidern herum. Wir erzählten uns unsere Träum«, die jetzt voll waren von Ivene» Erzählungen. Da sie kein bißchen stolz war, hielt unsere Anbetung nichts zurück. Eine» Tages fehlte sie. Man erzählte, sie Hab« den Fuß ver- staucht.„Eine muß ihr die Schularbeiten bringen,' sagt« die schöne Alice.„Wer will?' Dreißig Finger standen in der Luft und aufgeregt schrien wir durcheinander: ,Lch..„ ich..„ ich.. Ich durfte Irene die Schularbeiten bringen. Endlich würde ich in ihr Parodie» dringen, meine klein« Freundin in aller Pracht sehen, ihrer Mutter vorgestellt werden... Ich zitterte, als ich beim Portier klingelte. Der wies mich:„Hof. vier Treppen.' Ich glaubt«, falsch verstanden zu haben. Oder schickt« man mich, dl« beste Freundin des jungen Fräulein Durois, die Hintertreppe hinauf? Ich wollt« umkehren. Doch meine Schüchternheit hinderte mich. Ich vertraute, oben dazu gezwungen zu werden. Doch wie war ich erstaunt, als ich im Stock ein Schild fand:„Frau Durois, Maßschneiderin'. Ich rang nach?ltem. Drinnen rumart? es. da klopfte ich schnell. „Herein,' rief ein« helle Stimme, und da ich nicht gleich ge- horchte, öffnete man. Eine junge, müde blickend« Frau stand mir gegenüber. Ich brachte mein Anliegen vor. „Komm herein. Irene wird sich freuen.. Ich trat ins Zimmerchen. Da standen eine Nähmaschine, ein langer Tisch, eine Modellpuppe. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Seidenstoffe und Fäden lagen verstreut umher. Ich er- kannte«in beinahe fertiges Kleid aus dem rosenroten Seidenstoff, den Irene trug. Von seidenen Tapeten, Vorhängen. Vitrinen.. keine Spur! Irene lag in einem armseligen Eisengcstcll an der Wand. Als sie mich erkannte, drehte sie sich zur Wand und begann jämmerlich zu schluchzen. Die Mutter war erschreckt.„Was hat sie denn? Aber, was hat sie nur?' Di« Kleine weinte..., weinte ihren schönen Lügen nach, die meine Gegenwart nun ausdeckte. Es war offenbar: ihre Mutter war Schneiderin, ihre Kleider aus den Stosfresten der Kundinnen gefertigt.. ihr gebührte keine Bewunderung! Ich ging, ohne ihr Gesicht gesehen zu haben. Ich hätte ihr gern gesagtz daß ich das Geheimnis wahren würde! Sie ließ mich aber nicht an sich heran. Einig« Tage später ersuhren wir von Fräuießn Baume, Iren« wäre verreist. Wir sahen sie nie wieder. „Sicher ist sie auf dem Gut ihrer Großmutter,' seufzte Hann! R. Man sprach von dem mächtigen Park, den Weiden, den Hühner- Höfen, dem Herrenhaus, der alten Mühle, von denen Irene Wunder- dinge erzählt hatte.„Sie wird im Ponnywagen fahren'.' .Sie wird rudern!' Ich senkte den Kopf. Do? schmal« Zimmer stieg vor mir aus. Ich sah den besorgten Blick der Mutter, das Erstaunen, mit dem sie auf das weinende Kind blickt«..., und in meinen Ohren klang der traurig« Ton, der mir mit den Jahren immer mehr ans Herz greift: „Was hat sie denn? Aber, was hat sie nur?' lBercchtlgt« Uedetfrftun» von U.®. Jacob?.) 3)er gute Ton von i62ä Im Jahrs 1624 machte dos rüpelhafte Benehmen der jungen österreichischen Kadetten nachstehenden llkas des österreichischen Hof- marschallamtes notwendig, der einen äußerst interessanten Einblick in die Sitten der damaligen Zeit gewährt. Er lautet: „Seine königlich« Hecheil haben geruht, verschieden« vssiziere zur Tafel zu loben, und haben häusig Gelegenheit gehabt, zu bemerken, daß der größte Teil der Offiziere sich mit der größten Höflichkeit und guten Erziehung benimmt und sich gleich wahren und würdigen Cavalieren aufführt. Nichtsdestoweniger erscheint es Höchstdcmselbcn aber ratsam, den minder erfahrenen Kadetten folgende Ordnungsvorschrift zu machen: Sie sollen: 1. Seine Königliche Hoheit gleich nach Ankunft ihre Hochachtung beweisen, hübsch gekleidet, mit Rock und Stiefeln versehen, und nicht in das Zimmer in halbtrunkenen Zustand treten. 2. Bei der Tafel nicht mit dem Stuhle schaukeln oder sich darin rekeln, noch die Bein« der Länge nach ausstrecken. S. Nicht nach jedem Mundvoll trinken: denn wenn sie da» tun, so werden sie bald berauscht sein. Sie dürfen also den Becher nicht mehr als zur Hälft« nach jsdem Gang leeren und müssen sich vor und nach dem Trinken den Mund und Schnurrbart rein abputzen. 4. Die Hände nicht in die Schüsseln stecken und die Knochen nicht unter den Tisch werfen. 5. Nicht die Finger ablecken, noch in die Teller ausspucken und ebensowenig die Nase am Tischtuch abputzen. 6. Nicht so bestialisch trinken, um vom Stuhle zu sollen und verhindert zu sein, aufrecht zu gehen.' Und diese Herrchen waren nun Sprößling« der ersten Familien de» Landes. Wie mag wohl ihr Benehmen gewesen sein, wenn sie zufällig mal mit dem.Boll' zusammenkamen? _ Gotthard B rodt. Die neueste Slalislit über die Devö'ferunq der E-de stellt fest, daß unser Erdball heute von etwa zwei Milliarde» Menschen be- wohnt wird, davon entfallen S00 Millianen auf Asien. 500 auf Europa, 220 auf Amerika, 150 auf Afrika und 7 Millionen ans Australien. Unter den europäischen Ländern steht das europäisch« Rußland mit 115 Millionen an der Spitze. Es folgen Deutschland mit 62,5, Großbritannien mit 42.7. Italien mit 41. Frankreich mit 39-5, Spanien mit 21,5. Polen mit 20. Rumänien mit 17. die Tschechoslowakei mit 13,6, Jugoslavien mit 13, Ungarn mit 8, Belgien mst 7.8, die Niederlande mit 7,6, Oesterreich mit 6 5. Schweden und Gtiechcttland mit st«, Portugal mit 5,4, Bulgarien mit 4,5, Irland mst 4,2, Eslland mit 4.1, die Schweiz mit 3.9, Finnland mit ZH, Danemark mit 3.4, Norwegen mit 2.7. Litauen mit 2.1. Lettland mit 2. die europaische Türkei mit 2. Albanien mit 0.8 und Luxem bürg mst 0,26 Millionen. Obst, Ocmftse«nd ander« Jdcbt Terderbllch« Wann Tom ■Versand ans�esetalouca— Verfcanl soweit Vorrat Preise aar Preltaf a, Gemfise und Obst Neue Zitronen Grüne Bohnen Grüne Gurken Puffbohnen..... »♦«•«••»••Ol «•»«•«••««GO«« twwis.35» ,J» KOpO 10pt .«pm 58 n�dalOS 10p. Weisskohl..... Wirsingkohl ..Pfand 10pt .Read 18pt •...3 Plud 20pt «.M...3 Pfsad 28?. Junge Höhren Tomaten__ Schoten...........................„...s nssd 28. Blaubeeren..................... 34p. Neue Kartoffeln...........«p� 48p. Neue Nierenkartoffeln pm. 42 ip. Naue Hatjesheringe 8.10, 15 p. Johannisbeeren Aprikosen Pfirsiche...... Bananen Birnen..................................... p�Op. Stachelbeeren............. p� 20p. Kirschen........................... Pt»d24p. ..«tad 20p. «...Ptaad 36p. ..Pfasd 32p. • 3 Pfand 1 sftäfe nttb&tttt Romadour...................... atuklSpi ACsäuer StansenkSse»%, tu. 58p. Blockkäse I»a«BthaI«( Art,«0% Pfd. 1,15 Tilsiter Blockkäse»v..... ptaad 78p. Tilsiter VDlUett................... Pfand 88p. Edamer batbfett...............Pfand 66p. Edamer miuett................. ptnad 84?. Holländer iun>Mt.............. Pfand 62?. Holländer roIUett...............Pfund 94p. Bayr. Schweizer roiuet. pm. tob 1 ,28 an Dän. Schweizer»v......... Pfand 84?. Emmenthaier« muc....... umim 78?. Margarine.....................ptandSOp. Molkereibutter____________ pf-nd 1 ,56 Grasbutter................ Pfand 1.72 Bratenschmalz............... pf-nd 78?.. cktswutalwaee« Stadlon-Auszusmehli-piaad.»«. 1 ,25 Bruchreis....................... Pfand 18p. Italienischer Reis............ Pfund 26?. Patna-Reis................... pt-nd 28?. Karolinen-Reis.............ptaad 38 p. Hartweizensriess.......„..Pfand 22p. Weizengriess............„...pt«nd 22?. Kartoffelmehl............. ptmd 21?. Eierfadennudeln........... ptand 38?. Eierbandnudeln............. Pfand 36?,. 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Ananas s sehet b.«............ i, vo« 1 ,20 25. 50.95 Pf. REKORDTAGE HERMANN TIETZ Leipziger Str.* llexanderplatz» Fraikfirter Allee* Wilnersderfer Str. ♦ Belle-Aliiance-Sfr. ♦ Kottbusar Dann ♦ Bninneastr. 4 Andreasstr.