BERLIN Zreitag 19. M 1929 10 Pf. Nr. 334 B 166 46. Jahrgang. ErscheisttStlich aalerGinntaz«. Augltich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. Z.eoM. pro Monat. Redaktion und Erpodition; Berlin SW es. kindcnür.S ,}/ofvi>uidb l ozeigenprei«! Di« einspaltige Vonpareilleieile so Pf., Aeklamezeil« s M. Ermäßigungen nach Tarif. oKscheckkoat«: Dorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Belagerungszustand in Charbin Todesstrafe für Verbreitung falscher Gerüchte. Tokio. IS. Juli. sReuter.) Wie aus C h a r b i n gemeldet wird, ist dort sofort nach dem Abbruch der chinesisch-russischen Beziehungen der Belagerungszustand verhängt worden. Starke chinesische Truppenabteiluugen versehen den Patrouillen- dienst in de« Straßen. Eine Proklamation des Gouver- neurs droht für die Verbreitung von unbegründeten Ge- rächten die Todesstrafe an. Alle Zeitungen sind unter Zensur gestellt. Das Geschäftsleben ist zum Erliege« gekommen. Im japanischen Konsulat drängen sich die sowjetrussischen Staatsangehörige», die ein Visum zu er- halten wünschen, um«ach Dairen zu gehen. Einstweilen antwortet Nanking nicht mehr. Schanghai, 19. Juli. fReuler.) wie die chinesischen Blätter erklären, beabsichtigt die Nanking. Begiernng nicht, aus die letzte rusiische Not«, die den Abbruch der Beziehungen erklärte, zu erwidern. Nach Meldungen aus russischen Quellen haben sowjetrussische Flugzeuge In der nördlichen Mandschurei über chinesischem Gebiet Flugblätter abgeworsen. in denen die Proletarier Chinas aus. gefordert werden, die Sowjetregierung zu unterstützen. Wie es weiter heißt, werden die russischen Handelsschisse aus dem Amur in Blagowestschensk zusammengezogen, wo die Möglichkeit besteht, große Truppenmassen in kürzester Zeit in die Mandschurei zu werfen. Erste Keuergefechie? Schanghai, 19. Juli.(Reuter.) Nach von privater Seite stammenden Nachrichten sollen russische Truppen bei Blagowenstschensk den Versuch gemacht haben, de» hier die Grenze bildenden Amur zu überschreiten. Die chinesischen Truppen eröffneten dos Feuer und zwangen die Russen, sich zurückzuziehen. Die Kriegspsychose. Wie der TU. aus Moskau gemeldet wird, hat die chinesisch« Antwortnot« eine tiefe Empörung in der gesamten Sowjet- Union hervorgerufen. In Moskau, Leningrad, Kiew. Odessa und anderen Städten hielten die Arbeiter große Protest Versammlungen ob, in denen die sofortige Bereit- Willigkeit, mit der Masse die Sowjetgrenzen zu verteidigen, zum Ausdruck kam. Das in Winniza und anderen Garnisonstädten stationiert« Militär hat die Sowjetregierung ersucht, unverzüglich Maßnahmen gegen die Ehincsen zu ergreifen und bereits einen Tagesverdienst dem sogenannten Abwehrfonds zugehen lassen. Desgleichen haben die Arbeiter der Ukraine und Weißrußlands Sammlungen veranstaltet, die sofort nach der Auslegung der dritten Industrialisierungsanleihe für die Zeichnung derselben ver- wandt werden sollen. • Moskau. 19. Juli.(Ost-Expreß.) „In Kampsbereitschaf t' überschreibt die„P r a w d a" einen Leitartikel, der den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu China als den einzigen Ausweg bezeichnet, der der Sowjet- rcgierung aus der durch Chinas Verschulden geschasfencn Lage blieb. Jetzt stehe die Sowjetmacht krastvoll gerüstet da, bereit, jeden Angriff abzuwehren und jede Prüfung zu bestehen. Im zweiten Teil des Artikels kommt«ine recht ernste Besorgnis wegen der Stellungnahme der Großmächte zu dem Konflikt zum Ausdruck. Die getroffenen Maßnahmen sicherten den Sowjetstaat nicht vor weiteren chinesischen Herausforderungen, denn„hinler jedem Banditen. der den friedlichen Aufbau der Sowjetunion zu stören sucht. stehen die Kräfte der internationalen imperialistischen Räuber und ihrer sozialdemokratischen Helfershelfer. hinter dem Banditen Tschiangkaischek verbirgt sich dieselbe Hand, die vor zwei Jahren hinter Tschangtsolin steckte, als er den Ueberfall auf unsere diplomatische Vertretung in ißeting unternahm.(Tschangtsolin war bekanntlich der schärfste Gegner von Tschiangkaischek und Hot im Kampfe gegen Nanking schließlich sein Leben eingebüßt. Red.) Und diese Hand wird unermüdlich gegen die Sowjetunion im Westen und im Osten arbeiten, von der Mandschurei her wje auch durch Polen, aus der Richtung Persiens und Afghani- Balkan-Gefchäfi. »Hat sich noch Vorrat vom Weltkrieg. Liefern wir nach Mandschurei. Zssich jetzt neier Balkan!" Folgen der großen Hitze. Kein Tag ohne Badeunfälle. Gestern abend konnte ein junges Mädchen, das ln der Gefahr des Ertrinkens schwebte, durch das geistesgegenwärtige Eingreifen zweier Reichsbannerkameraden der Wassersportabteilung im letzten Augenblick gerettet werden. An der Großen Krampe, dicht am Restaurant Müggelheim, ging der 17jährige Max Banner aus der Reichenberger Str. 16 beim Baden infolge Herzschlages plötzlich unter. Die Be- gleiterin des jungen Menschen, selbst des Schwimmens unkundig, sprang dem Freund nach und geriet dabei selbst in Gefahr. Die lauten Hilferufe wurden von Reichsbannerkameraden, die mit ihrem Boot am anderen Ufer festgemacht hatten, gehört, und in größter Eile iuhren sie zur Unglücksstelle. Nach einigen Be- mühungen gelang es den Kameraden S ch r o e r und B e n d i s ch, dasjungeModchenzuretten. In den späten Abendstunden tonnte durch die Feuerwehr auch die Leiche des Banner geborgen werden. * Dicht am Freibad Tegelort wurde die Leiche eines etwa SSjährigen Mannes angeschwemmt, der nur mit einer Badehose be- kleidet war. Die Personalien des Toten, der wahrscheinlich beim Schwimmen unbemerkt ertrunken ist, sind noch unbekannt. stans, überhaupt aus jeder Reichtung, aus der sie uns einen Schlag versetzen kann." Diese Anspielungen zielen natürlich aus Eng- l a n d ab. In der Sowjetpresse werden auf die chinesische revolutionäre Bewegung große Hofnungen gesetzt.' Ausführlich und mit Genugtuung berichten die Blätter über die Be- teiligung chinesischer Kommunisten, darunter Studenten, an der Demonstration, die vor der chinesischen Gesandtschaft stattfand. Diese Chinesen marschierten gemeinsam mit den russischen Proletariern und riefen:„Nieder mit unserer Regierung! Es lebe die chinesische Revo- lution!" Eine chinesische Arbcitergruppe in Charkow erklärt in einer Entschließung, daß sie als Kommunisten den Sowjetstaat als i h r Vaterland ansehen und im Kriegsfall„das Gewehr schultern und das Sowjetoaterland verteidigen werden." Die Sowjetblätter äußern in mehreren Artikeln die Meinung, daß die„Generals- banden" in China die nicht zu unterdrückende revolutionäre Be- wegung ihres eigenen Volkes nicht in Rechnung stellten und das über kurz oder lang würden büßen müssen. Die Berliner Demon- st r a t i o n e n vor der chinesischen Gesandtschast werden von der Sowjetpresse ebenfalls mit großerBefriedigungzur Kennt- nis genommen.(!!!) Aus verschiedenen Truppenteilen der Roten Armee erhält das Kriegskommisforiat Telegramme, die die begeistert« K a in p s b e r e i t s ch a s t der Truppen zum Ausdruck bringen. Japan und Amerika als Vermittler? New Jork, 19. Juli. Sowohl der japanische Botschafter als auch der ch i n e- fische Gesandte hatten längere Besprechungen mit Staatssekretär S t! m s o n: wie gerüchtweise verlautet, beabsichtigt Japan, die Vermittlung zwischen Ruhland und China zu übernehmen. Andere Meldungen deuten an, daß auch die Möglichkeit einer amerikanischen Vermittlung bestehe, wenn Amerika von beiden Parteien darum ersucht werden würde.„New Uork World" schreibt, Amerika sei zur Vermittlung moralisch verpflich- t e t.„New Bork herald" meldet aus Washington, trotz der Nicht- einmifchungspolitik der Vereinigten Staaten sei die Tür der omeri- konischen Vermittlung zur friedlichen Regelung der russisch- chinesischen Streitfragen nicht verschlosien. Vor den Zug gesprungen. Furchtbare Tragödie eines jungen Paares. . Auf dem VahnhosinKöpenick spielte sich heule früh kurz nach 9 Uhr ein schrecklicher Vorfall ab. Ein junge» paar stürzlc beim Einlausen eines Vorortzuges aus die Schienen und wurde vom Zuge ersaßt, während der Mann, ein ISjähriger Willi Lorenz aus der Prinz- handjery- Straße, aus der Stelle gelötet wurde, erlitt seine Begleiterin, die lkjährige Berta B. aus der Friedelstraßc in Neukölln, wie durch ein Wunder nur leichtere Verletzungen. Willi Lorenz unterhielt zu dem jungen Mädchen seit einigen Monaten Beziehungen. Cr war jetzt arbeitslos und die Eltern des Paares drängten auf eine Trennung. Gestern unter- nahmen die jungen Leute einen Ausflug und blieben die Nacht den Wohnungen der Eltern fern, heute früh kurz nach 9 Uhr wollten sie von Köpenick aus die heimfahrt antreten. Sie standen beide, wie das Mädchen bei ihrer ersten Vernehmung dem Bahnarzt mit- teilte, am Rande des Bahnsteigs, als um 9.19 Uhr der fällige Vorort- zug einlief. Der erste Wagen war knapp noch zehn Meter ent- fernt, als das junge Mädchen von ihrem Begleiter fest am Arm gepackt und mit auf die Geleise gerissen wurde. Dem Mädchen gelang es jedoch weiter zu springen und so wurde es nur von dem Führerwagen gestreift und zur Seite geschleudert. Der junge Mann dagegen war fast bis zur Unkenntlich- keit verstümmelt worden. Di« Leiche wurde in die Köpenicker Leichenhalle gebracht. Das Mädchen wurde ins Köpenicker Kranken- Haus übergeführt. Die.Kriminalpolizei hat die weiteren Ermittelungen zur Klärung der furchtbaren Jugendtragödie aufgenommen. Großfeuer in Berlin NO. Auffällige Zunahme der Oachsiuhlbrände. heute früh entstand im Dächstuhl des Quergebäudes Kreifswalder Straße 228 Feuer, das sich in wenigen Minuten zu einem Großfeuer entwickelte. Der Dach stuhl brannte beim Eintreffen der Wehren in seiner ganzen Ausdehnung lichterloh. Die Flammen fanden an dem trockenen Dachgebälk und dem Inhalt der Bodenverschläge reiche Nahrung. Eine Zeitlang bestand für die angrenzenden Dachstühle größte Gefahr: es gelang jedoch durch starkes Wassergeben aus fünf Schlauchleitungen, den Brandherd nach zweistündiger angestrengter Tätigkeit einzudämmen Der Dachstuhl ist völlig niedergebrannt, die oberen Stocknv."■ haben unter Wasserschaden außerordentlich stark gelitten. War Baue Zum Krauenmord tt Die Vernehmung des beschuldigten Gustav Dauer dehnte sich im Verliner Polizeipräsidium am Donnerstag bis in die späten Nachtstunde« hinein au». Sie ist sehr au»- sührlich und geht aus alle Einzelheiten ein. Zu einem Ab- schluh ist man jedoch noch nicht gekommen und man wird heute noch fortfahren. Bauer erzählt, daß er im Jahre 1321 oder 1922 Frau Fell- ner in Meran kennengelernt habe. In seiner Stellung als Aus- landsvertreter einer großen Bleistiftfabrik mußte er weite Reisen machen. Damals hatte seine Fabrik starke Beziehungen zu Italien. und so kam es, daß er oft noch Bozen, Trieft, Venedig, Rom und Neapel fuhr. Mit der sehr hübschen Frau Fellner war er bald gut bekannt und besuchte sie, wenn er von seinen Reisen zurückkehrte. Sie standen auch ständig miteinander in Briefwechsel. Frau Fellner lebte auf sehr großem Fuße und ihr unstetes Wesen trieb sie bald hierhin, bald dorthin. Das Geld für die Reisen bekam sie von einem Bankdirektor. Bauer war ober immer über ihren Aufenthalt unterrichtet. Ein großer Teil der angesammelten Brief« ging bei einem Umzug Bauers aus der Spiegelgasfc nach der Laxenburger Straße verloren. Zm Zahre 1325 ging Arau Zellner. damals noch Katharina Schäfler, mit dem Gedanken um. sich zu verheiraten. Als sich der Gedanke mehr und mehr verwirklichte, trat in den Ve- Ziehungen zu Bauer eine merkliche Abkühlung ein. Im Herbst 1326 besuchte sie>hn jedoch in Wien. Mündlich und in Briefen ließ sie durchblicken, daß Fellner ihr Anlaß zu klagen gebe. Diese» Zusammentreffen war das letzte mit Bauer, seitdem sahen sie sich nicht wieder. Am 1�. Juni 1328, also zu der Zeit, als der Mord geschah, schrieb Frau Fellner wieder an Bauer und klagte erneut über ihren Mann. Dann kamen Brief«, in denen sie ankündigte, daß sie, von Trieft kommend, ihn in Wien aufsuchen der Täter? Lainzer Tiergarten. werde. Bauer gab brieflich zu verstehen, daß er sich über den Besuch freuen würde. Kurz danach kam das Telegramm, das genaue An- kunftszeit und den Zug mitteilte. Diese Bestimmungen wurden aber am nächsten' Tag« durch einen Eilbrief widerrufen. Bei der Rastlosigkeit der Frau konnte dieses Hin und Her unmöglich auf- fallen. Bauer gibt nun weiter an, daß zu jener Zeit gerade die Festtage des Deutschen Sängerbundes in Wien waren. In seiner Wohnung weilten als Logiergäste SangesbrüderausPforz- heim und fein Stiefbruder, der eben das Krankenhaus verlassen hatte. Don dieser Einquartierung war auch Frau Fellner durch ihn unterrichtet worden, damit sie sich eine andere Unterkunft suche. Um ihren Desuch nichl zu verpassen, halle Dauer eine beabsichtigte Reise nach Zrankreich verschoben. Als aber der Absagebrief eintraf, waren olle Pläne umgestoßen und Lauer glaubt nun, daß er sich noch am selben Tage aus die Zahrt gemacht habe. Bei seinen vielen Reisen kann er sich natürlich nicht auf dyr Tag genau der Abfahrt entsinnen. Es befindet sich aber in Wien unter seinen Papieren der alte Reisepaß, der inzwischen durch «inen neuen ersetzt ist. Aus ihm muß das Abfahrtsdatum zu ersehen sein. Bis zu diesem Punkte sind die Vernehmungen bis- her gediehen. Hofrat Wahl hat sich mit seiner Behörde in Derbin- dung gesetzt, um eine Durchsuchung der Wiener Woh- n u n g Bauers zu erwirken. Von dem Ergebnis der Nachforfchun- gen, insbesondere ob der Paß aufgefunden wird, hängt es ab, ob Bauer, der vorläufig noch in Gewahrsam bleibt, dem Untersuchung-- richter vorgeführt werden wird. Bauer Hot«ine Reihe von Alibizeugen namhaft gemacht, die in verschiedenen Städten wohnen und dort vernommen werden. Feststeht, daß Frau Fellner in der Tot Trieft verlassen und die Grenze passiert Hot. Ucber ihren weiteren Aufenthalt hat sich noch nichts ermitteln lassen. Marin und Ariand. Klarheit tut not! Räch einem Agenturbericht über die gestrige Debatte in der französischen Kammer hat der Führer der stärksten Rechts- gruppe im französischen Parlament. Marin, durch die Rede unseres Genossen Grumbach in die Enge getrieben, seinen Standpunkt zur Frage der Rheinlandräumung präzisiert. Und zwar soll er erklärt haben, daß die Räumung„eine U n m ö g- l i ch k e i t und eine Gefahr sei, wenn Frankreich bezahlt werden wolle". Diese Erklärung ist ungemein wichtig und ernst. Bisher blieb es den Blättern des Nationalen Blocks, insbe- sondere dem„Echo de Paris", vorbehalten, gegen die im Zu- fammenhang mit dem Joung-Plan von Frankreich und Eng- land geforderte Rheinlandräumung Stimmung zu machen. Der Parteiführer Marin hatte sich bisher dazu nicht klar ge- äußert. Seine gestrigen Worte sind schon deshalb wichtig und bedenklich, weil die Fraktion Marin gegenwärtig durch den Handelsminister Bonneffous im Kabinett Poincarö- Briand vertreten ist und sogar die st ä r k st e politische G r li p p e bildet, auf die sich die Regierung stützt. Es ergibt sich also folgende Situation: Die Regierung Poincarö-Briand hat den Antrag der Sozialisten, durch den sie sich zur Rheinlandräumung verpflichten sollte, be- kämpft und seine Ablehnung erreicht. Briand hat in seiner Rede allerdings versichert, daß er den b e st e n Willen zur Verständigung, auch hinsichtlich der Räumung, habe, daß er sich aber nur nicht durch den Antrag Blums vor der Kon- ferenz f e st l e g e n lassen wollte. Aber schon im Laufe der gleichen Debatte erklärte der Führer der stärksten Regierungs- partei, die Räumung wäre unmöglich und gef ährlich. Dadurch erweckt die französische Politik den Eindruck der Zweideutigkeit und der Unaufrichtigkeit. Es muß endlich Klarheit geschaffen werden. Nachdem sich Briand nicht zugunsten der Räumung hat festlegen wollen, ist er zum mindesten verpflichtet, noch vor Schluß der gegenwärtigen Kammerdebatte unzweideutig Stellung gegen Marin zu nehmen. Sonst wird er sich nicht wundern dürfen, wenn in Deutschland die Politik der fran- zösischen Regierung am Vorabend der Konferenz m i t stärkstem Mißtrauen betrachtet wird. Noch 25 Redner gemeldet. Die endlose Schuldendebatte. pari», 13. Juli.(Eigenbericht.) Die Kammecbebatte über die Reparations- und Schuldenfragen dürfte in dieser Woche kaum zu Ende gehen. Vorläufig sind noch 2 3 Redner eingetragen. Es kommt hinzu, daß die Diskussion täglich schärfere Formen annimmt. Die gestrige Nachtsitzung dauerte nur zwei Stunden, von 22 Uhr bis Mitternacht. Es sprach lediglich einer der Führer der Rechten, Paul Reynaud, zugunsten der Ratifizierunn des Ab- konnnens. Ein unpolitischer Narr. Feststellung zum Wiener Zwischenfall. Wien, 13. Juli. Di« Morgenblätter stellen fest, daß der gestern wegen des Auf- tritts am Ballhausplatz verhaftete, geistig übrigens nicht nor- male Anton Leitner, kein er politischen Partei angehöre und bisher für die politischen Vorgänge in Oesterreich nicht da» geringste Interesse gezeigt hat. Schwere Explosion in Amerika. Bisher 20 Tote. London, 19. 3uli. 3n der puloervbteilung der Aluminium Company in New Kingston, etwa 25 Kilomeler von Pittsburg«nlsernk, hol sich am Spätabend des Donnerstag eine furchtbare Explosion ereigne». Nach den letzten Berichten beträgt die Zahl der hierbei getöteten Arbeiter 20. Wafferkatastrophe in Kleinasien. lleber ilOOO Menschen umgekommen. konslantinopel, 19. Zuli.(Eigenbericht.) Die seit Tagen andauernde wasserkalastrophe in der Umgebung von Trapezunt nimmt immer größere Ausmaße an. 3« der Dergstadt S i> i n o erfolgte am Donnerstag ein Bergrutsch, dem 5S Häuser mit 150 Menschen zum Opfer fielen. Zn dem Dorfe S e n o riß die Zlut 40 Häuser fort: hundert Menschen werden als vermißt gemeldet. Auch in zahlreichen anderen Dörfern wurden ganze Dorfviertel. Schulen. Moscheen usw. sortgespült. Die Gesamtzahl der Toten wird nunmehr mit 1000 angegeben. Die Aecker sind weithin von Schlamm und Steinen bedeckt, so daß sie bis aus weiteres unbebuubar sind. Die von der Ratur heimgesuchte Devölkerung wurde von einer Panik ergriffen. Es kommt hinzu, daß unter den obdachlosen Zlüchtllngen inzwischen eine Hungersnot ausgebrochen ist. Die �Bremen" auf dem Atlaniik. Bremen, 19. Juli. lieber den Verlauf des gestrigen ersten Tages der Jungfernfahrt der„Bremen" nach Verlassen der Kanalhäsen liegt«in Funkbericht der Schiffsleitung vor, demzufolge die Weiterfahrt des Riesendampfers nach Verlassen des Hafens von Chcrbourg zunächst wiederum durch Nebel beein- t r ä ch t i g t wurde. Erst im Laufe des Donnerstag vormittag besserte sich dos Wetter, um sich dann gegen Abend aber wieder in- folge Regens zu verschlcchtern. Auf jeden Fall ist ober die Schiffs- leitung mit den Ergebnissen dieses Fahrttages auf hoher See zu- frieden, ohne daß Einzelhelten über die erzielt« Geschwindigkeit usw. mitgeteilt wurden. Die Funkstation der„Bremen" nimmt immer noch ununterbrochen Glückwünsche aus aller Welt zum Antritt der Jungfernreis« auf. ..... �'1 Ausweisung des technischen Generaldirektor, der Bismarck- Hütte Kaltenborn, ist aus Intervention einflußreicher polni> scher Industrieller, des Fürsten Radziwill und des früheren Mini- ster» Glivic, zurückgenommen worden. Dem Bürgermeister von New Jork. Walker, dessen Amtszeit abläuft, wurde von dem großen Bürgcrausschuß in feierlicher Weise die Wi e d e r w a h l angetragen. Walker nahm die Kandidatur an. Seine Wiederwahl ist gesichert. Zehnmal Stinktier. Immer feste in Kriegspsychose. Zur Politik der Ultimaten, des Säbelrasselns und des Bluffs gehört das laute Geschrei. Also schreit die Sowjetpress« so laut wi« sie kann. Die„Rote Fahne" selbstverständlich eingeschlossen. Gegen wen schreit die„Rote Fahne"? Selbstverständlich gegen den„Vorwärts" oder, wie sie sich in ihrer blumigen Sprache aus- drückt, gegen„den Pesthauch der SPD.-Journaille". Sehr gut, sehr gut, die Sprache der Kriegspsychose ist schon ganz echt ge- trosfen! Sie schreit über zwei Spalten, daß Macdonald. Her» mann Müller und Tschiangkaischek den imperialistischen Krieg gegen Sowjetrußland rüsten, und der„Vorwärts" dazu hetzt. Natürlich, deshalb haben wir bereits am 2. Juli nach der Affäre von Charbln die Chinesen gewarnt: keine Provokationen, und die Russen: keine Ultimaten! An dem Geschrei des Sowjetorgan» stillt un» nur ein» auf: zehnmal in einem Artikel da» Wort„Stinktier", womit wir gemeint sind. Stinktier? Die Sprache kennen wir! Das ist nicht auf dem Mist der Berliner KP.-Journalisten gewachsen, denen liegt mehr der„Pcsthauch". Stinktier— das ist so ganz echt, so nennen sich die Towaritschi untereinander, wenn sie ihre Fraktionskämpfe ausfechten. Da sorgt irgendein hergeschickter russischer Agent in der„Roten Fahne" für die nötige Kriegspsychose! Oer Landbund zerfallt. Mit fliegenden Fahnen zur Christlich nationalen Bauern« und Landvolkpartei. Der Pressedienst der Christlichnationalen Bauern- und Landvolkpartei teilt freudestrahlend mit: . Der Kr«islandbund T o r g a u hielt eine Versammlung seines Hauptvorstandes, der Ortsgruppenvorsitzenden und V«r- trauensleute in Torgau ab, in der der Vorsitzende de» Kreisland- bundes, Landrat o. D. Dr. Dr. G e r e k«. Mitglied de» Reichswirt- schaftsrates, über di« wirtschaftliche und politische Lag« referierte und im Anschluß daran seinen llebertritt zur Christlichnatio- nalen Bauern- und Landoolkpartei begründet«. Es wurde einstimmig folgend« Entschließung gefaßt: „Hauptvorstand und Vertrauensleute des Kreislandbunde» Torgau begrüßen einstimmig den llebertritt ihres Vorsitzenden, Landrat a. D. Dr. Gereke, zur Christlichnationalen Bauern- und Landvoltpartei und erklären gleichzeitig, daß sie in ihrer Gesamt- heit ausnahmslos sich diesem Schritt anschließen." Damit Ist der Kreislandbund Torgau, der nach Mitglieder.zohl stärkste Landdund in der Provinz Sachsen, geschlossen zur Landvolt- partei übergegangen. Dieses Vorgehen dürft« in Kürz« entsprechend« Rückwirkungen auf andere Kreislandbünd« und auf den Landbund Provinz Sachsen zeitigen. * Dieser llebertritt ist ein weiterer Beweis dafür, daß der Zerfall des Landbundes fortschreitet. Einstweilen ist die Christlichnationale Bauern- und Landoolkpartei die lachend« Erbin. Die Zeit aber ist nicht mehr fern, in der die mittleren und Neineren Bauern erkennen werden, daß sie auch dort ihr Heil nicht finden. Lffs nicht Gotieslasterung... ... so geht es vielleicht mit dem llnzuchtparageaphen? Gegen das Buch Friedrich Mendels„Die Kirche in der Karikatur" wird seit Erscheinen von Dunkelmännern sämt- licher Konfessionen ein erbitterter Kamps geführt. Der Versuch, dem Werk mit dem Gotteslästerungsparagraphen zu Leibe zu gehen, sst in Preußen kläglich gescheitert. Gericht und Staatsanwalt haben sich überzeugen müssen, daß die Reproduktion berühmter antitirchlichcr Karikaturen au» der Zeit Luthers und Lucas Cranachs in einem historisch angelegten Werk mit Gotteslästerung nichts zu tun hat, wenn auch ein naiver Untersuchungsrichter meinte, daß er eventuell auch gegen den Herausgeber von Luthers Schriften wegen Beschimpfung der katholischen Kirche vorgehen würde! Aber di« Gerichte waren doch anderer Meinung. So endete die Attacke in Preußen negativ. In Bayern hat man in solchen Dingen größere Erfahrung. Nicht umsonst hat schon Heinrich Heine München als den Sitz der Dunkelmänner gefeiert. Di« Münchener Polizei ist auf einen neuen Dreh gekommen und hat„Die Kirche in der Karikatur" als unzüchtige Schrift beschlagnahmt! Wahrscheinlich, weil darin di« Unzucht der mittelalterlichen Mönch« und Päpste in zettgenössi- schen Karikaturen wiedergegeben wird. Unzüchtig ist bekanntermaßen nicht, wer die Unzucht verübt, sondern wer sie an den Pranger stellt. Die Geschichte wundert uns nicht weiter. Welches Stück Mittelalter wäre im Lande der Nesel von Konnersreuth undenkbar?! Ein Nachspiel. Zur Schändung der jüdischen Volksschule in Arnsberg. In der Nacht vom 0. zum 7. April 1929 ist bekanntlich in Arnsberg versucht worden, in das jüdische Gotteshaus einzubrechen, was aber mißlang, wogegen die jüdische Volksschule auf das schwerste beschädigt und verunreinigt wurde. Die Tat war zweisello« aus die zügel- lose hetze der Nationalsozialistischen Deutsche« Arbeiterpartei in Arnsberg zurückzuführen. Diese Vorkommnisse veranlaßten die Republikanische Beschwerde- stelle Berlin, in mehreren Eingaben bei dem Regierungspräsidenten in Arnsberg vorstellig zu werden, weil mehrere mittelbare und unmittelbare Staatsbeamte an diesem Treiben der NSDAP, beteiligt waren. So wurde festgestellt, daß der Re- gierungsobersekretär D r e e w s in den D i e n st r ä u m e n der Regierung Eintrittskarten für die Versammlungen der Rational- sozialisten angeboten bzw. verkauft hat, auch für den»Völkischen Beobachter" Propaganda machte. Wegen dieser Vorkommnisse hat der Regierungspräsident K o e n i g(SPD.) den Obersekretär Dreews zu 90 Mark Geldstrafe und den Praktikanten Hagedorn zu 90 Mark Geldstrafe im Diszi- plinarwege oerurteilt. Di« eigentliche Lettung der Aktion hatte der städtische Schlachthofdirektor Dr. T e i p e l. lleber ihn hat der Regierungspräsident in Arnsberg am 12. Juli der Beschwerdestelle mitgeteilt, daß»die erforderlichen Maßnahmen von mir getroffen sind. Dr. Teipel hat di« früher bekleidete Stellung als Vertrauens- mann der NSDAP, für den Bezirk Sauerland freiwillig nieder- gelegt und Hot jetzt keinen Posten innerhalb der notionolsozia- listischen Organisation mehr inne". polizeiinspekior im Siahlhetm-Ltmzug. Wegen unbefugten Waffentragens disziplinarisch bestrast. Die republikanische Presse hatte davon berichtet, daß der Polizei- inspektor Heiden vom Polizeipräsidium Frankfurt a. M. an einem Werbemnzug des„Stahlhelm" in Offeittiach a. M., am 9. Dezember 1928, von der hessischen Polizei festgestellt wurde, weil er sich un- befugterweise im Besitze eine» unter der Kleidung verborgenen Gummiknüppel» befand. Heiden wurde, weil er keinen Waffenschein besaß, vom Amtsgericht in Osfenboch zu 20 Mark Geldstrafe oerurteilt. Die Republikanische Beschwerdestelle Berlin hatte bei dem Regierungspräsidenten in Wiesbaden di« Einleitung eine» Diszipli- narverfahrens gegen diesen merkwürdigen Schützer der republikani- schen Staatsgewalt beantragt und erhielt numnehr unter dem 8. Juli d. I. den amtlichen Bescheid, daß»der Herr Preußische Minister de» Innern die Derhängung einer Ordnung ssttaf« gegen den Polizeiinspekior Heiden wegen seine» Verhalten» in Offenbach anheimgestellt hat. Danach habe ich heute ein« Geldstrafe gegen ihn festgesetzt, gez. Ehrler". Wirrwarr in der KpO. Eine Stabtverordnetenfraktton legt ihre Mandate nieder. Hamburg, 19. Juli.(Eigenbericht.) In der schl«swigcholsteinischen Kreisstadt Itzehoe hoben di« vier kommunistischen Stadtverordneten Lönnies, Seehafer, Karau und Hänisch ihre Mandate niederge- legt. Bei allen sind merkwürdigerweise gleichzeitig»Gesundheitsj rücksichten" die Ursache dieses Schritt«?. Mit der Ricderlegung dieser Mandat« oerlieren di« Kommunisten in Itzehoe jegliche Ber- tretung im Stadtparlament. Klemer Zwischenfall an der italienisch-sran zösischen Grenze. Die Pariser Press« meldet, daß eine Abteilung des dritten Ualieni- schen Alpenjäger- Regiments am Mittwoch die sranzäsisch- Ualienijchs Grenze überschritten habe. Die Italiener seien jedoch sofort umgekehrt, ol» sie ihren Irrtum bemerkt hätten. 3n Florida sind 15 Banken geschlossen worden. Die Finanz. krise ist letzten Endes auf die vom Ausland«ingeschleppt« Frucht- krankheit zurückzuführen, di« ein« ollgemeine Vernichtung des Obste» Zur Folge hat. Goldsendung im Flugzeug. Auf dem Flugplatz von Le Bourgei bei Paris trafen an Bord zweier Aroßsiugzeuge 30 Millionen Gold in Psund Sterling au» London ein, di« für die Bant von Frank- reich bestimmt sind. Kommunistische Liebe. »Pieck sucht einen überparteilichen Entlassungsgrund". Obwohl die Ding« ziemlich traurig sind, die hier über die „Führer" einer sogenannten Arbeiterpartei berichtet werden, wollen wir sie verzeichnen. Das Organ der KPD.-Opposition,„Gegen den Strom", bringt über ein echtes Kommunisten stücklein einen Bericht, dem wir folgendes entnehmen: „Mit vieler Mühe hatte Wilhelm Pieck mit seinen getreuen Kom- missaren Waibel, Gundelach usw. das schwere Wert vollbracht: die Rote Hilse war von allen Renegaten gesäubert. Aber noch immer gab es einig« dieser verruchten Elemente in der Roten Hilfe in Elgers- bürg. Dos muhte geändert werden! Di« Gefahr für die Kinder muhte siegreich abgewehrt, der Zersehungsteim in die starte, aber nicht linientreue Parteigruppe Elgersburg getragen werden. Wer wie dos bewerkstelligen? Denn die Rote Hilfe gilt doch noch auhcn hin noch immer als das, was sie bis zu dem Streich der Pieck und Dahlem tatsächlich war: als überparteiliche Organisation. Gegen den alten Zentralvorstand hatte man noch mit der Lüge zu arbeiten versucht. daß er Fraktionskämpse in die Rote Hilfe hineingetragen hätte— obwohl im vertrauten Kreise Dahlem als Ergebnis seiner Unter- suchung das Gegenteil feststellen muht«.— Aber hier ging das beim besten Willen nicht. Man muhte also einen„überparteilichen Kündi- gungsgrund" suchen. Aber wie ihn finden? Da war guter Rat teuer. Eine getreue Freundin der Eteinfurth-Clique, Frau Pannicke, wurde nach Elgersburg geschickt,» um überparteiliche Kündigung?- gründe zu sinden. Und sie fand! Wo ein« Anzahl Menschen sind, gibt es immer«in wenig Klatsch. Und so fand sie denn auch eine Menge Kleinigkeiten, dah hier mal etwas fehlle, da mal etwas nicht gemacht wurde— das ergab zusammen: Schlechte Wirtschast! Aber das war doch eigentlich«in bihchen mager, und da fand sie endlich die grohe Sünde. Di« Heimleiterin stand nämlich in einem herzlichen Verhältnis zu den übrigen Angestellten, insbesondere zu einem Hausmädchen, einer jungen Genossin. Da tonnte doch was nicht stimmen:—„Herz. liches Verhältnis zu unterstellten Genossen", so was kennt doch ein echter Apparatschik nicht! Und da die Pannicke eine recht schmutzige Phantasie besitzt, so fand sie denn auch die Lösung: Die Heimlesterin hat ein anormales Verhältnis zu dem Hausmädchen, sie frönt der lesbischcn Liebe! Freudestrahlend fuhr die Beauftragte nach Berlin zurück und berichtete:„Der überparteiliche Kündigungsgrund ge- funden! Die Heimleiterin frönt der lesbischen Liebe!" Jetzt tonnt« man beruhigt die Kündigung beschließen und den Kasiierer Schwaiger beauftragen, die Kündigung durchzuführen. Doch ach, mit des Ge- schickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten. Schwaiger tam, sah— und siegte nicht! Er muhte nämlich feststellen, daß alles nicht stimmte. Ist die Heimleiterin nicht anormal veranlagt, so doch mindestens normal. Und richtig bekam man denn auch heraus, daß sie ein nor- males Verhältnis zum Genossen Ehlers hat(sie ist nämlich seine Frau!!!). Jetzt hatte mans endlich! Denn dieser Ehler« ist ja al» Brandlerianer betonnt. Um nun in Zukunft derartige Reinsälle zu vermeiden, hat da» wohlweise Zentralkomitee der KPD. eine gemeinsam« Sitzung mit den zentralen Lestungen des KJVD., der Roten Hilfe, IAH. und des RFMB. abgehalten, die sich mit der wichttgen Frage der Regelung des kommunistischen Liebeslebens besaht hat. Wir sind bereits heute in der Lage, das Resullat der Sitzung, dos Rundschreiben, das allen Mitgliedern mitgeteitt wurde, zu veröffenttichen. Es sieht so aus: „An olle Mitglieder der KPD., des KJVD, der Roten Hilfe, der IAH. und des RFMB.! Wert« Genossen! In letzter Zeit muht« wiederholt festgestellt werden, dah die Ge- nassen bei der Anknüpfung geschlechtlicher Beziehungen die Beschlüsse des 5. Weltkongresses der Komintern und des 4. RGI.-Kongresses nicht Seachten. So muhten wiederhott Beziehungen zu brandleristi- fchen, ultralinken, versöhnlerischen oder depressionistischen Renegaten sowie zu organisierten Arbeiteroristokraten festgestellt werden. Um diesen Mißstand zu beseitigen, haben die unterzeichneten Leitungen folgenden Beschluß gesaßt: l. GeschlechUicher Verkehr mit brandleristischen, ullralinken, ver- föhnlerischen oder depressionistischen Renegaten sowie mit organi- sierten Arbeiteraristokraten ist unvereinbar mst der Mitgliedschaft in KPD., KJVD., RH.. IAH. und RFMB. Bei Zuwiderhandlungen erfolgt Ausschluß, bei Angestellten außerdem fristlose Entlassung oi,ne Einhaltung von Kündigungsfristen und ähnlichen bürgerlichen Ab- weichungen. Bei Bestehen von Ehen mst obenstehend genannten Ele> menten ist sofort Scheidungsklage einzureichen. 2. Außer mit linientreuen Mitgliedern ist den Mitglied«?» ge- nannter Organisationen nur der Berkehr mit revolutionären Un» organisierten gestattet. Für diesen Fall ist es im Interesse der An- passung an die Gesühl« der revolutionären Massen auch erlaubt, von dem sonstigen Normaloerkehr abzuweichen. 3. Die Genossen Geschke und Steinfurth haben ein Instruktions- buch„Wie liebt der Kommunist?" versaht, das al» Grundlag« für die Instruktionskurs« in den Betriebs, und Strahenzellen sowie für die Reuaufgenommenen dient. 4. In allen Ortsgruppen und Bezirken sowie im Reichsmahstab werden„Ausschüsse zur Regelung des kommunistischen Liebeslebcns" „Azurkol" gebildet die die Durchführung der vorstehenden Nicht- linien zu Überwaajen haben. Zentralkomitee der KPD., Zentralkomitee der KJVD., Zentralvorstand der RHD, Landesausschuh der IAH., Bundesleitung des RFMB." Revolte in Klein-Moskau. Niederlage des ZK. Ruhla,«in thüringisches Industriestädtchen mit zirka»0M Ein- wohnern, war bisher eine Hochburg der KPD. Weil es von einem kommunistischen Bürgermeister regiert wird, wird es ringsum im Lande Kliin-Moskau geheißen. Run ist dieser Bürger- meister, Kohl rausch mit Namen, wie schon gemeldet, wegen verschiedener„rechter Abweichungen" ausgeschlossen worden, und damit war eine Machtprobe eingeleitet, die für das ZK. kläglich genug ausfiel. Denn in einer Versammlung, in der der aus- geschlossene K o h l r a u s ch und der Reichstogsabgeordnete Paul Frölich referierten, wurde— trotz erregter Gegenrede des Bezirks- fekretärs Pfaff— mit 8l>0 gegen 4 Stimmen beschlossen. die Wiederaufnahm« von Kohlrausch in die KPD. zu verlangen und Ihn zum Derbleiben auf dem Bürger- meisterposten aufzufordern. Die Revolte Klein-Moskaus gegen Groh-Moskau ist also In vollem Gange— und der Zerfall der kommunistischen Bewegung in Thüringen auch. ...... 1» Ostpreuhen. Die groß« Entfernung nach Berlin hindert die ostpreuhischen Republikaner, in gröherer Anzahl zur Bundesversasiungsseier in Berlin zu erscheinen. Es werden lediglich kleiner« Abovdnnugen an der Berliner Feier teil- nehmen. Dafür findet aber in Ostpreußen, und zwar in Köniqs� berg, eine Parallelveranstaltung gröhten Ausmahlkd statt. Die Weihered« und Berfassiingsred« holt der Preußische Ministerpräsi- dent Otto Braun. In Quartier beimGtahlhelmführer Von Hans Bauer Ein kleines Dorf im Harz: ober keines mit Grand- Hotels, Parkprospekten, Ferienindustrie: ein Bauerndorf,„das deutsche Baucrndors", mit zweistöckigen Häuschen, holperigem Strahcnpflaster, blökenden Kühen, grunzenden Schweinen. Ich muh mich in diesem Dorf einige Tag« aufhatten und der Zufall will es, daß das Haupt der sehr entfernten und nie zuvor gesehenen Ver- wandten, bei denen ick) mich einquartiere, der Stahlhelmführer des Ortes ist. Wie sind seine politischen Aussassungen? Wie argu- mentiert er? Nicht verwunderlich, dah polittsch Ahnungslose den Mund aufsperren und einen leichten Schreck bekommen. Dieser ein- fache Bauer, der nur die Dorfschule besucht hat, rückt da mit Schliesfen, Sven Hedin, Lord Haldane an, den Grafen P o s a d o w s k i scheint er in- und auswendig zu kennen und er weih sogar, dah der srühere Chefredakteur der„Deutschen Tages- zeitung" O« r t e l geheißen hat. Aber dos politische Wissen, dos er hat, ist unorganisch. Bald genug merkt man: Er manipuliert mit einigen Dutzend Zitaten, die irgendwelche prominente oder unprominentc Leute irgendwann einmal irgendwo gesprochen haben— und die machen sein Wettbild aus. Es fehl! ihm der Ueberblick. Die Kriegsschuld- frage: Schuldig allein sind die anderen... Beweis: Sven Hedin hat einmal gesagt, dah er vor Gott und seinem Gewissen schwöre, dah der deutsche Kaiser unschuldig an diesem Kriege sei... England: ein Land ohne Landwirtschaft und daher ein armes Land. Beweis: Eine Englandreisende, die er einmal in Halberstadt kenneu gelernt habe, habe ihm offenbart, dah die englischen Bergarbeiter in zer- rissenen Lumpen aus die Arbeit gehen... Am verlorenen Krieg sind die Sozialdemokraten schuld. Dolchswh? Merkwürdigerweis« nicht, sondern: In den Reichstogen der Dorkriegsjahre hätten sie zu wenig Mittel für den Militäretat bewilligt und deshalb hätten wir, wie ihm«in höherer Ofsizier einmal anvertraut hob«, in der Marne- schlacht mit Kanonen kämpfen müssen, deren Reichweste über die eigenen Linien nicht hinausgegangen sei... Ja, aber die Sozial- demotraten hätten in den asten Reichstogen doch nicht viel zu sagen gehabt?! Biel zu viel, der Kaiser sei ja selbst ein halber Sozialdemokrat gewesen. Ueberhaupt: Bon, Kaiser will er nicht viel wissen, dafür wünscht er den Diktator herbei. Was der tun solle? Die Reparationszahlungen einstellen und der Landwirt- fchaft Helsen.„Die Rot der Landwirtschaft": ewiger Kehrreim. Aber wehe, wenn ich andeutungsweise auf sein eigenes Schlechtergehen schließen zu müssen glaub«. Sosort bricht sich, um es zurückhaltend auszudrücken, das ökonomische Selbstbewuhtsein Bahn. Die in Not befindliche Landwirtschaft besteht aus Landwirten, die es sehr übel vermerken würden, wenn man ihrer persönlichen Soloenz mit Zweifeln begegnen wollte. Ein Äuriosum der Natur. Die Völkischen sind bei meinem Quartierhcrrn ein wenig ver- pönt, aber dos Hot weniger polittsch« als gesellschaftliche Gründe. Völkisch sein: das ist ein bißchen anrüchig, nicht seriös, ehrbar, solid genug. Unter den Völkischen gibt«s„Elemente". Das gesellschaftliche Moment spielt überhaupt eine grohe Rolle. Bauer und Arbeiter: dos sind grundverschiedene Dinge. Undenkbar, daß das Mädel einmal einen Arbester zum Mann nehmen dürste. Der Bc- griff des Standesgemäßen kehrt immer wieder. Kusturdinge kennt unserer Stahlhelmsührer nur vom Hören- sagen. In ein Theater ist er seit ungezählten Jahren nicht gekommen. Kino interessiert ihn nicht. Er hat nur mal gehört, daß es einen grandiosen Film geben soll, der Fridericus heißt. Von litc- rarischen Nomen ist ihm L ö n s gelausig, über Remarque hat er nur das Verwerflichste gehört. Radio besitzt er nicht, er hat auch kein Interesse dafür. Soweit sein Leben nicht in der Arbett auf- geht, gehört es dem Vereinsleben. Zunächst einmal also dem Stahlhelm, dann der Deutschnationalen Partei, dann dem Land- bund, vor allem ober dem Schützenverein. Sein größter Stolz, dah er dessen erster Vorsitzender ist. Sein Borgänger habe seine Tätig- keit etwas lasch ausgefaßt. Was ihn selbst anbelange, so habe er bei der Uebcrnahm« des Vorsitzendenpostcns darauf hingewiesen, dah er die straff« Marschordnung und das Exerziermähige wieder stärker betonen werde. Dabei darf man sich meinen Quartierherrn keines- wegs als Feldwebelnatur vorstellen: Ein hundertprozentiger Bauer, ein fleißiger, ordentlicher Mensch, der das Arbeiten ge- lernt hat, ein bißchen tapsig, ein bißchen schwerblütig. Dos Mili- torische liegt ihm durchaus nicht„im Blut": nur der Trieb, sich ähn- lich zu betätigen wie Leute, die er irrtümlicherweise als höherwertige Kaste empfindet. Einmal, so erzählt er, Hobe er frühmorgens auf dem Feld gearbeitet und da sei ein Herr auf ihn zugetreten, van dem er gewußt habe, daß er ein General a. D. sei und habe ihm eine landwirtschaftliche Frage vorgelegt. Cr habe die Hacken zu« sammcngeschlagen und gesagt:„Herr General, die Dinge liegen so und so.„Bauernstolz". Das Mädel darf nicht zum Tanz in die Dorffchänke, denn dort würde«o ja mit den Arbeitermädchen zu- sammenkommen: aber vor einem ausgedienten Epaulettenträger degradiert man sich freiwillig. Wann kommt der Augenblick, da der Bauer„erwacht": da es ihm unwürdig erscheint, sich vor den Karren stellungsloser Mund- oufreißer schirren zu lassen, da er sich nicht in erster Linie als Be- sitzer und Eigentümer, sondern als fleißiger und regsamer Arbeits- mann betrachtet, der sich einzureihen hat in die Front aller anderen fleißigen und regsamen Arbeitsmänner in Stadt und Land. Der fliegende Graphologe. „Sie sind, meine Dame,... Kurz vor Mitternacht, wenn in der lleinen Kneipe die Gemüts- erweichung rasende Fortschritt« und ernste Männer zu lallenden Kindern macht, erscheint ein bescheiden auftretender junger Mann und tut zweierlei. Er legt auf die Tische sein« Visitenkarte nebst einem Blättchen Papier und spricht dazu folgenden Satz:„Sie können ruhig an mich die höchsten wissenschasttichen Ansprüche stellen, da ich mich zwei Jahre ununterbrochen mit Graphologie be- schästigt habe!" Dann bestellt er sich ein kleines Helles und wartet den Erfolg seiner Bemühungen an der Theke ab. Einen Schluck Bier im Leib, geht er von neuem an die Tisch« und erkundigt sich höflich, ob er darf. Bei den meisten darf er nicht, die meiste» zeigen einen beschämenden Mangel an Interesse für ihren Charakter, den sie außerdem momentan nicht bei sich haben, sie haben ihn wohl im Bureau oder auf der Borstandssitzung ihres Vereins liegen lassen. Ihnen wäre es»vichtiger, zu wissen, wer die nächste Log« ausgeben wivd. und zu solcher Prophezeiung ist der junge Mam, offenbar außerstande. Aber irgendwo m einer lauschigen Nische findet sich imn�er«in Paar, dos sich zur Liebe stärkt und noch Sinn für höheres hat. Hier also darf der jung« Mann auf einer Stuhlkant« Platz nehmen und der Dame des Tisches aus der Handschrift lesen, nachdem sie auf den Zettel„Die Liebe von Zigeunern stammt. Ell! Krause"— ein Zitat, da» chrem sommerlichen Teint ausgezeichnet steht— sovgfällig geschrieben hat. Ihr Herr gibt inzwischen au» seiner Zigarre mehrere wohlgelungene Rouchring« zum besten. Mit einer artigen Verbeugung des Kopfes nimmt der junge Mann den Zettel in Empfang und wirft sich zunächst schweigend über ihn. Er kneift die Augen zu und auf. kratzt sich dezent in den Haaren, runzelt die Stirn, lächelt flüchtig, holt die Lupe au» der Weste und vergrößert sich eingehend da» Zstat. kurz, er beninnnt sich ganz wissenschasttich Da» Paar hat unterdessen Muhe, an die in Aussicht genommenen seligen Stunden zu denken. .„Sie sind, meine Dam«, beginnt der junge Mann setzt fliehend, durch die Lupe zu sprechen,„eine temperainentvolle Rawr, Leiden- schaft ist Ihnen n(cht fremd, und wo Sie übersprudeln können, da tun Sie e« auch. Allerdings hoben Sie auch Stunden, wo Sic der Menschheit ganzer Jammer anpackt, dann sind Sie schwer zu be- handeln und wollen sich auf nichts einlassen. Aber sonst tragen Sic ein harmonisches Wesen zur Schau, lieben das Leben, sind heiter und froh, musikliebend und pflegen den Tanz. Obwohl im Materiellen verankert, sind Sie geistig ungemein regsam, wahr- scheinlich sogar in einer Leihbibliothek abonniert. Sie sagen gern in« Wahrheit, was Ihnen schon manchen Aerger eingetrogen hat. Ueberhaupt haben Sie kein« Feinde, und in Geldfragen sind Sie durchaus großzügig, wenn Ihnen auch Sparsomtest nicht fremd ist. Im Verkehr geben Sie sich zurückhaltend, ohne eigentlich verschlossen zu sein, allerdings meiden Sie die groß« Masse, sondern können- trieren sich ausschließlich auf den Menschen, der Ihnen zur Zeit liegt." Hier erhebt sich der jung« Mann und liquidiert zwei Mark: er wird von der Blumenfrau abgelöst und geht an die Theke zu semcm Rest Bier zurück. Das Objekt seiner Charatterarbeit ober flüstert dem Herrn etwas ins Ohr, worauf dieser energisch nach dem Kellner verlangt. So dient die trockne Wissenschaft dem lachenden Leben zu.zweien. K. R. Krankreich und das deuische Buch. Die„Literarische Well' berichtet über das Ergebnis eiiier Rund- frage über bevorstehend« Neuerscheinungen deutscher Bücher aus dem französischen Markt. Der daraus ersichtliche um- sangrciche Arbeitsplan ist um so mehr anzuerkennen, als die Publi- kation eines deutschen Buches auch heute noch in Frankreich«in er- heblich«» geschäftliches Risiko bedeutet. Di«..Edition» Montaigne" werden eine Reihe deutscher Klassiker heraus- bringen, deren Bände Urtext und Uebersetzung enthallen werden. Die Uebertragung ist meist Universitätsprosessoren anvertraut. Es sind u. a. vorgesehen: Goethe:„Satyros",„Stella",„Promellzeus": Schiller:„Kabale und Liebe": Storm:„>3quis subrnersus"; Hölderlin:„Empedocles": Hein«:„Frankreich": Otto Ludwig:„Der Erbsörster": Kleist:„Prinz von Homburg": Eichendorff:„Aus dem Leben eines Taugenichts". Das Programm der L i b r a i r i e Stock cnthäst u. a.: Werfel:„Der Abituriententag": Hesse: „Demian": Sölten:„Bambi": Reniarque:„Im Westen nichts Neues". R i e d e r, der diesjährige Verleger Leonhard Franks und des„Dostojewski" von Stefan Zweig, bereitet vor: Frank:„Karl und Anna": Buber:„Die Legend« des Bal Schern" sowie ein Werk Werkels. Simon Krah, bei dem die deutsche Literaturgeschichte von Felix Bertaux erschienen ist, denkt an baldige Publikation von: Thomas Mann: Werk«: Heinrich Mann: Werke, und einiger Arbeiten Unruhs und Gundolfs. A l b i n Michel hat in der ver- gangenen Saison mit dem„Iud Süß" von Feuchtwanger und Bettauerz„Stadt ohne Juden" ganz gute Erfahrungen gemacht und wird in diesem Jahr mit der Marlitt sein Glück versuchen. Der Verlag Emil-Paul Frercs Hot das Uebersetzungsrecht von Meyrink: „Der Golem" erworben und die„Editions de France" wollen das französische Publikum mit neuen Werken Arthur Schnitzlers bekannt- machen. Die„Rauvelle Revue Franqaise" wird mich weiterhin besonders da» jüngere deutsche Schrifttum pflegen. Versteigerung der Komischen Oper. Bor dem Amtsgericht Berlin- Mitte erfolgte gestern die Zwangsversteigerung der Komischen Oper an der Weidendamnier Brücke. Nach langen Derhondlungen über den Wert des Gebäudes und der auf ihm ruhenden Lasten trat als einziger Reflektant Kommerzienrat Scharr für die Berliner Terrain- und Bau-A.-G. mit einem Angebot von l 200 000 M auf, und ihm wurde auch der Z u s ch l a g erteilt, während der Schätzung»- wert mehr als 2 Millionen Mark beträgt. Scharr war einer der Hauptgläubiger mit rund 000 000 Mark Hypothekenforderungen. Was der neue Besitzer mst der Komischen Oper beginnen wird, steht nur insoweit fest, daß das Theater weiterverpachtet werden soll Di« Verhandlungen mit den verschiedenen Interessenten sind jedoch noch nicht bis zu einem bevorstehenden Abschluh gediehen, so dah sich noch nicht sagen läßt, ob die Komische Oper als Bühne erhalten bleibt oder ob sie, was auch geplant wird, vielleicht in ein Ton-. f i l m t h e a t e r umgewandelt wird. Die Beisetzung Hugo v. Hofmannsthals. Gestern nachmittag fand in der Kirche von K a l k s b u r g die letzte feierliche Einsegnung der Leiche des Dichters Hugo von Hof mannsthal statt, die im Altarraum der Kirche aus einem hohen Katafalk aufgebahrt war. Di« Kirche war noch vom Leichen- begräbnis seines Sohnes her schwarz ausgeschlagen. Nach der Feier zog«in unabsehbarer Trauerzug zum Friedhof. Reden wurden auf Wunsch des Verstorbenen nicht gehalten. 2S-Iahrfeier der Oanziger Technischen Hochschule. Als Auftakt zur Feier des 2öjährig«n Bestehens der Tech- nischen Hochschule Danzig hatte der Senat der Freien Stadt Danzig zu einem offiziellen Empfang im Artushof«ingeladen. Die glanzvolle Festoersammlung vereinigte die Spitzen der Dan- zigcr Behörden mst dem gesamten Lehrkörper der Technischen Hoc� schule und den Vertretern der Press«. Unter den Ehrengästen sah man als Vertreter der Reichsregierung den Gesandten v. Freytag. für das preuhifch« Kultusministerium den Mi nisterialdirektor Dr. R! ch t e r u. o. m. .Doge und Vogar«ija-. eine Oper in ü Auszügen von Ludwig Noselius, ist von Generalintendant Tietjen zur Aufführung sür die Staatsoper erworben worden. 40 Lahre Oachdeckerverband. Eine kleine, sehr rührige Organisation. Am 22. Juli 1889 wurde der heutige Zentrolverband der Dach- decker in Halle an der Saale gegründet. In den nächsten Tagen schicken sich die Dachdecker an, im ganzen Reich dieses Jubiläum festlich zu begehen. Verhältnismäßig spät— gemessen an den Gründungsterminen anderer Gewerkschaften— find die Dachdecker zur Zentralisation ge- kommen. Das hat seinen Grund in der starken Lokalvereins- be w e g u n g, die in diesem Beruf damals vorherrscht«, die ihrer- seits wiederum zu erklären ist mit der außerordentlich großen Zunftvergangenheit. Die Dachdecker haben sich lange Zeit vorher schon mit den Auseinandersetzungen über den Wert der Zentralisation beschäftigt, haben auch nach der Gründung noch fast ein Jahrzehnt darüber gestritten, welche Form die beste sei. Aller- dings nachdem diese Entscheidung zugunsten der Zentralisation ge- fallen war, hat sich der Verband ununterbrochen aufwärts bewegt, er war schon vor dem Kriege, wenn auch nicht in der Zahl, so doch in dem Prozentverhältnis der Mitglieder durchaus mit zu den besten zu zählen. Aus d«m Grunde haben weder die Kriegs- wirren, noch die Revolutionsfolgen, ebensowenig wie die In- flationsgewinne und-Verluste den Verband wesentlich erschüttern können. Seine Mitgliedschaft setzt sich zu einem sehr großen Teil aus alten erprobten Mitgliedern zusammen, die wissen, was sie wollen. Wenn heute der Zentralverbanü der Dachdecker mit seinen 12 000 Mitgliedern rund 80 Proz. der Geleralen ersaßt. wenn er im Bauberufe mit seinen Löhnen mit an der S p i tz e marschiert, seit zehn Jahren einen allgemeinverbind- lichen Reichstarif besitzt, in dem die meisten Arbeitsverhält- niste üb«r das ganze Reich geregelt find, so zeigt das durchaus von einer gesunden Entwicklung. Wenn ferner der Verband, der neben der Erwerbslosenunter st lltzung auch die Invaliden- ,versicherung«ingeführt Hot, trotzdem pro Kopf sechzig Mark Kassenbestand in der Haupttasse hat, so kann auch daraus der Schluß gezogen werden, daß es sich hier zwar um eine kleine aber rührige Organisation handelt, die die Interessen der Mitglieder zu wahren weiß. Neben seiner bei den Mitgliedern sehr beliebten„Dachdecker- Zeitung" gibt der Verband noch ein Iugendblatt, den„Iung-Dach- decker" heraus und außerdem eine besondere Zeitung für die Bei- sitzer in den Spruchwusschüssen. Für die berufliche Ausbildung sorgt neben einer Fachbeilage«ine alljährlich im Winter zusammen- tretende Lehrlingsschule für Erweiterung des Wissens. Im Kampf um die Maifeier, um die Abschaffung der Akkord- arbeit, um die Verbesterung des Bauarbeiterschutzes, um den Achtstundentag(seit 1918 ohne Einschränkung), um die Kulturbeiträge zur Unterstützung der Akademie der Arbeil und der Wirtschaftsschulen sowie aller Bildungsbestrebungen sind die Dachdecker immer mit führend gewesen. Nur in einem waren sie allerdings nicht führend, wenigstens nicht bei ihren Abstimmungen: In dem Gedanken des Anschlusses an eine größere Organisation, an den Baugewerksbund. Da haben die Mitglieder ihren Vorstand noch immer im Stich gelassen. Aber auch das erklärt sich aus der Vergangenheit des Berufes. Gewissermaßen als I u b i l ä u m s g e s ch e n k hat der Vor- sitzende des Verbandes. Genosse Th. Thomas, jetzt ein Buch ge- schrieben, das den ersten Bond der Organisationsgeschichte darstellt, niit dem Jahre 1800 beginnt und mit der Gründung des Ver- bandes 1889 abschließt. Hier ist eine Mäste Geschichtliches über den Beruf zusammengetragen. Ferner ist eine 24 Seiten starke Fest- nummer erschienen, die diese Woche zur Ausgabe gekommen ist und einen trefflichen Querschnitt durch das Verbandsleben ergibt. Die KPO. braucht„Bewegung". Auf Kosten der Gewerkschaften. Die Berliner Vaugewerkschaft des Baugewerksbundes hat einen Aufruf an die Berliner Bauarbeiter gerichtet, um der organisato- rischen Zersplitterung ein Ende zu machen. Den bis zum 1. Oktober aus dem Kaiser-Derein übertretenden Mitgliedern soll die frühere Mitgliedschaft im Verband samt der im Koiser-Verein angerechnet werden. Di« KPD.-Strategen suckzen nun ihren ehemaligen Genossen Kaiser gegen unseren Genossen Drüggemllller auszuspielen und um- gekehrt, um ihre„revolutionäre Opposition" in empfehlende Erinne- rung zu bringen. Diese hat— nach Auffassung der KPD.— zu bestimmen, und zwar auf deren Befehl, was geschehen soll. Und die KPD. kommandiert:„Die zurzeit brennendste Frage für die Bauarbeiter ist— nicht etwa die organisatorische Geschlossen- heit, sondern—„die Organisierung zwischentarislicher Lohnkämpse". Aus dem Flugblatt des Baugewerksbundes wird der ganz richtig« Satz:„Vcrtragszeiten sind Kampsespausen" herausgegriffen und'„revolutionär" so glossiert: „Mit anderen Worten, an dem Tarifvertrag darf nicht gerüttelt werden, mögen die Bauarbeiter verrecken, die„Tariftreue" kann nicht angetastet werden." Zum Schluß dekretiert das KPD.-Blatt:„Das nächste strategische Ziel der Berliner Bauarbeiterschaft ist, in den kommenden Wochen und Monaten eine große einheitli�e zwischentarifliche Lohnbewegung und, wenn es nicht geht, eine Welle zwischentarislicher Lohnbewegungen zu entfalten." Weil wie in allen Gewerkschaften so auch beim Baugewerks- bund weniger„revolutionäre" und verantwortungslose Begriffe über Taristreue gelten wie bei der KPD., deshalb deren Feindselig- keit gegen den Baugewerksbund, wie gegen sein Bestreben, im Jnter- esse der einheitlichen Organisation die Splittergruppe Kaisers lahm- zulegen. Der Lohntarif für das Baugewerbe ist seit einem Viertel- fahr in Kraft. Die KPD. Hot nichts zu verlieren, wenn sie versuckst, ihn zu dtirchbrechen. Sie will durch„zwischentarifliche" Machenschaften ihrer Agitation aufhelfen und wird erst recht auf den Baugewerksbund schimpfen, wenn er sich weigert, die Kosten für die„revolutionären" Klimmzüge zu zahlen. Kurzum, die KPD. ist g e w e r ksch a f ts f e in d l i ch durch und durch. Gehaltserhöhung auf den �uhrzechen. Nachdem die technischen Angestellten der Ruhrzechcn am Mittwoch eine Gehaltserhöhung von 2 Proz. durch Schieds- spruch bekamen, wurde den kaufmännischen Angestellten am Donnerstag die gleiche Erhöhung durch Vereinbarung zugestanden. Das Abkommen soll bis 30. September 1930 gehen. Die Angestellten- verbände haben sich eine Erklärungssrist bis Dienstag vorbehalten. I Die Frau von Rothenhausen. Das Ferienabenteuer einer Hausangestellten. Als die Familie Cohn ihre Sommerreise antrat, wollte sie ihre Hausange st ellte entlassen. Weil aber die An- gestellte angab, sie könne einige Wochen bei Verwandten in Oeynhausen zubringen, erklärte sich Herr Cohn bereit, ihr für die Zeit seiner Abwesenheit den Barlohn zu zahlen. Bei seiner Rückkehr könne sie die St e l l u n g w i e de r antreten. Die Familie Cohn ging in die Sommerfrische. Aber Fräulein Spieß, die Angestellte, fuhr nicht nach Oeynhausen. Dort hatte sie gar keine Verwandten. Dies« hatte sie nur erdichtet, um nicht entlasten zu werden. Fräulein Spieß wollte in Berlin einige Wochen auch einmal als Dame leben. Dazu fehlten ihr zwar die Geldmittel, aber sie wußte ja aus Zeitungsnachrichten, daß jemand, wenn er sich einen klangvollen Namen beilegt, überall offene Türen findet und ein« Zeit auch ohne Geld ganz gut leben kann. Mit diesem Trick wollte auch sie es oersuchen. Also nannte sie sich Frau o. Spieß-Rothenhausen, geb. v B o d i e n. Unter diesem Namen fand sie denn auch willige Aufnahme und Kredit in einer bescheidenen Pension, die nebenberuflich von einer Frau R. betrieben wird, deren Mann als Tischler- geselle arbeitet. Dem Ehepaare R. gegenüber wußte sich die angebliche Frau v. Spieß noch dadurch wichtig zu machen, daß sie ihnen vorredete, sie könne ihnen im Hause eines Dr. Cohn in der Kaiserallee«ine Portierstelle mit guter Wohnung und 120 M. Monatslohn verschaffen. Der klangvolle Name und das gewandte Auftreten des Mädchens hatten nicht nur die Wirtsleute, sondern auch einen in derselben Pension wohnenden jungen Mann betört. Der hatte sich in„Frau o. Spieß" oerliebt und wollte sich mit ihr in aller Form verloben.— Inzwischen hatte sich das Ehepaar R. wegen der in Aussicht gestellten Portierstelle in der Kaiserallee umgesehen und festgestellt, daß es dort einen Hausbesitzer Dr. Cohn gar nicht gibt. Nach dieser Erfahrung schwand natürlich das Vertrauen zu der Dame mit dem klangvollen Namen. Auf Veranlassung des Herrn R. stellte der Vater des verliebten jungen Mannes Nachforschungen wegen der Persönlichkeit der angeblichen Frau o. Spieß an, und dabei stellte sich heraus, daß man es mit Fräulein Spieß. Haus- angestellte bei Kaufmann Cohn zu tun hatte. Drei Wochen hatte das Mädchen in der Pension gewohnt und gegessen, ohne einen Pfennig zu bezahlen. Dann wurde sie an die Luft gesetzt. Der Geliebt« gab sie auf, und als sie ihre Stellung bei Cohn wieder antreten wollte, wurde sie fr ist« los entlassen. Beim Arbeitsgericht klagte Fräulein Spieß wegen B e» Zahlung des Kündigungsmonats. Hier mußte sie sich ebenso scharfe wie berechtigte Angriffe durch den Vertreter des Bc- klagten und besonders durch die als Zeugen vernommenen Ehe- leute R. gefallen lasten. Auf Vorschlag des Gerichts kam e i n Vergleich zustande, wonach die Klägerin SO Mark erhält, die. wie das Gericht anregte, den geschädigten Eheleuten R. gezahlt werden sollten. Aber die Klägerin wollte das Geld für sich haben und bekam es auch, da es rechtlich nicht möglich ist, einem Dritten die Dergleichssumme zuzusprechen.— Die Pensionsinhaber haben also ihr Vertrauen in einen klangvollen Namen mii einem für ihre Verhältnisse erheblichen Verlust bezahlen müssen. Wetter für Berlin: Warm uird ziemlich heiter, nur geringe Gewitterneigung.— Für Deutschland: Fortdauer des beständigen Eommerwettcrs, vereinzelte Gewitter nicht ausgeschlossen. Berantwortl. Sir die Redaktion: Wolfgang Schwarz. Berlin; Anzeigen: Th. Slocke, Berlin Verlag: Vorwärts Verlag®. in b 6., Berlin. Druck: Vorwärts Buch, druckcrei und Verlagsauftalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW 68. Lindcnslrabe 3. Hierzu 1 Beilage. EArfff"lYii'f V■ aler. Lidtlspiele usw. i] Freitag, 19. 7. Staats-Oper Unter d. Linden R.-S. 19 19 Uhr Rosenkavalier Staats-Oper Am RI.d.Republ. A.-V. 36 20 Uhr Filio Freitag, 19.7, Stadl Oper Bismarckstr. aarchiossan Staatl. Sdiauspb. am Gendannenmarltt StaatLScUUe�heater.Cbarltb. Geschlossen. 8 Uhr Barb. 9290 Borrah Minevitsch's Elf amerikanische Vagabunden usw. Sonnabend u. Sonntag je 2 Veratellungen 3«> u. 8 Uh r. 3» ermSBigte Preiae Rose- Thealer, Grobe Franktnrler Sir. 132. Auf der Gartenbohne Täglich 5 3ChUhr OgroOeVarietennminern und Gräfin Mariza. In Innentbeoter Täglich 8.15 Uhr: ..OLAF*' Tregfldle eine« Sportler- Tägl. 5 u. SIS Sonnt. 2, S n 8" Alan. 8066 INTERNAT. VARIETE Winrer * Garren* 8 IHN» Zontr. 2818» Bnaffion erlaimi Kampf: Scbmellng-Paolloo Wunderknabe Concbe und weitere Varieti-Neuheiten Sennabend und Senntag Je 2 Vorstellungen J"0 und 8 Uhr. i" kleine Preise. VolKsbllhne rueitn im BOlov iliti 8-/. Uhr Berlin, wie es weint u. lacht Theat. d. Westens Täglich 8'/« Uhr Sonntag 3� u. S1/« Franz Lehars Wellerfolg I Friederike Lotte Carola, Willy Thunis, Telephon Steinplatr 0931 u. 5121 Theater am Slhlfthaaerdamm. Norden IUI u.281 SV, Uhr Gruppe junger Schanapielcr Revolle im Erztehunoshaas (Uraunahnings- besttiuna) Partei- und Oewerk- schattsmitgl. gegen VorgeigungdesMit- gliedsbuches statt und 4 Mark nur 1 Mark t888888888l888888888 Sommer-Garten-Theater| Berliner Prater N 58, Kast-Allee 7-9, Tel. Hb. 2246 1 fiastsglBl Gostei Beer. Gietei Ullgn| Zarewlisda i Operette von Franz Lehär 1 Dazu der grobe Varieldteil, Anfang Konzert 4.30. Burleske u 1 Variete 6 um. Operelle 8.30. leden oonnersiaj aroBer Volksina.. jed. Mittw Kinderlesi 0. Verlosnno OOOOOSGGSOGOOSSSSSSS» Deotsüies Theater D.I. Norden 12310 8 U., Ende gegen II Die Fledermans Musik v.Joh. Strauß- Regie. Max Reinhardt. Musik. Hinrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Die Komödie J I Bismck.2414/7516 S'A, Ende geg. lO'feU- Reporter 3 Akte v. Ben Hecht und Mac Arthur Regie; Heinz Hilpert. Banwwskj- Bohnen Komödiunhaua . Norden 6304 Täglich 8V> Uhr Hoibzeitireise Sommerpreise! (q) Luslspielhins Täglich 8'b Uhr Du wirst mich heiraten I Rundfunkhörer halbe Preise. Metropol-Th. Tägl. SV, Uhr Sonntags SVa u. SV, Blaubarf Operette von Offenbach Kammersänger Vilter lirchhoff TtuLnra Kann, rot Kottb. Str. 6 Bis 31. Juli Tägl. 8 Uhr Gastspiel dar 9 Original laipzlgar Frltx- Wabur» Sdngar lit ihrin l|r larlin rillio neuen Programm Plaaelannm — am Zoo—— Veriliz. ludunstbils Slnh B.5 Barbarossa 5578. 16'/« Uhr Sternbilder da« Sommers 18'/, Uhr Oer eiuttsll der Sonne 20'/, U. Von Pol zu Pol am Sternenhimmel Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf, Kinder 25 Pf kabareff' mos schönen Frauen CHimuer Reichshailen-Theater [»] Uhr. Gastspiel der beliebten DresOnerVlKtoria-SänoRr Neues glänzendes Programm! �Billettbestell. Zentr. 112 63 jJf I.Aug.: Wiederauftreten der Stettlner Sänger Kll Dönhoff- 8re 1 1• Varlel�: Tanz Orchester Adolf Be c k e r M FMEDIUCHSTU.96 AM� BAHNHOF Iii zur Niete WSO.Ansbacherstr.i Spezlal- JL*_ inBafiep. rrlsouas nnrior misTape siliwsre Fälle beseitigt vorden. Uaamssibare Hellertolge. BesUtlgang und Referenzen. Irztlicn empfohlen, invaildensirafle 108. 9—11,1—«. Sonniap 10— 12. lacobv. Besä» ____ wenn .leslgesieili In 13 Tagen sind Extra-Angehot für die Reisezeit! MM Mg f.- Sportwolle Kilo 8.— hllc n3VlCiarDclISBU-rfuiut>el c) Deutsche Kultur......... 6„ deutschen Volkes. Dieses Vorgehen wird die Ueberproduktion von Akademikern noch ver- größern, es dient jedoch auch dem Aufstieg der Begabten. Eine Zahl kann dies erläutern: In der Gesamtstudentenschaft Deutschlands stammen nur 1,5 Proz. der Studenten von Arbeitereltern, in der Zahl der von der Studienstiftung Unterstützten sind es 15 Proz. Auch mit dem Problem des Werkstudententums beschäftigte sich die Tagung. Einstimmig wurde beschlossen, daß die studentische Werk- arbeit nurimEinvernehmenmitdenGewcrkschaften durchzuführen sei. um zu verhindern, daß Studenten Streikbrecher würden. Es wurde davor gewarnt, daß Studenten aus ihrer immer- hin kurzen Erfahrung von einigen Monaten bis zu«inem Jahr allzu weitgehende Schlüsse über ihr Vertrautsein mit dem Arbeiterschicksa! zögen, daß sie eine Art Katheder-Proletarier würden. Was aus dem Werkstudententum entspringen muß. ist eine ganz andere Wertung und Einschätzung des Arbeiters und seiner Arbeit. Richard Lothe. « (2. Forschung.) So kam es, daß Jack Füller mit vierzehn Iahren ebenso genau um das Leben der Arbeiter Bescheid wußte wie um das der Millionäre, zu denen er gehörte. Er sah die Opfer der Betriebs« Unfälle und erfuhr auch, wie häufig die Unglücksfälle durch mangei- hafte Schutzvorrichtungen verursacht wurden. Er konnte die Not der großen Familien, die mit ihrem Lohn nicht auskommen konnten. Verglich er das Leben seiner Kaste mit dem der Menschen, die unentwegt schufteten, so stieg ihm die Schamröte ins Gesicht. chundsrt von sozialistischen Reden, das Lesen ungezählter.roter" Broschüren hätten nicht vermocht, bei dem Sohn Daniel Füller» ein» wirksamer« Propaganda zu treiben, als der Anschauungs» Unterricht, den«r im chause der Gordon» und anderer proletarischer Freund» genoß. Aber auch das theoretische Wissen um soziale Fragen kam bei Jack zu seinem Recht, dafür sorgte Menachem Rosenfeld, der Schneider und Literaiurobmann der sozialistischen Partei. Der zwang Jack, allerlei zu lesen, fragte ihn darüber aus, freut« sich über di« Intelligenz des Burschen. Viele von Jack» Freunden geHärten der sozialistischen Partei an, und er selbst wartet« mit Ungedukd aus den Augenblick, da auch er alt genug sein würde, um ihr beitreten zu können. Daniel Füllers Betriebe waren eine offen« Werkstatt,«r duldet« keine organisierten Arbeiter, stellt« nach Möglichkeit Ausländer an. Di« waren hilflos und verloren, kannten d-e Sprach« nicht, ließen sich sofort einschüchtern. Menachem Rosenfeld bearbeitet Jack: .Du lernst zu Haus«, gehst in keine Schule, könntest wirklich in deiner freien Ze't Slowakisch und Ungarisch lernen. Das käme uns ollen gut zu statten." Und Jack, der sich daheim jedem Befehl widersetzte, gehorchte dem alten Inden, lernte ächzend und stöhnend die schweren Sprachen, konnte mit siebzehn Iahren bereits mit den Ungarn und Slowaken reden, wenngleich denen dos Verständnis seiner Wort« durch den amerikanischen Akzent heftig erschwert wurde. Aber Jack erlebte nicht viel Freud« bei diesen Propaganda- oersuchen. Die Ungarn und vor allein die Slowaken dankten Gott und dem Aufseher, wenn sie nur Arbeit hatten, und ließen sich Lohnherabsetzungen und Ueberstunden ohne ein Wort des Murrens gefallen. Sie zeigten auf di« vielen Kinder, die in den Stuben um- herwimmelten und erwiderten auf Jacks Vorwürfe: .Was willst du, Bruder, di« Kinder müssen essen. Besser ein geringer Lohn ol» gar keiner. Du oerstehst dns nicht. Hast nie Hunger gelitten.' Jack verstununt» beschämt. Der Weltkrieg schien an Fullersville fast spurlos vorüberzugehen. Die Betriebe arbeiteten weiter, Daniel Füller wurde immer reicher. Calvin wurde äußerst patriotisch, hielt viel« Reden, trat später auch in die Amerikanische Legion ein. Cr war völlig dem Vater nachgeraten, hart wie Stahl, unerbittlich, von einer fast wahnsinnigen Selbstsucht. Daniel guller konnte mit seinem ältesten Sohn zufrieden sein. Als Calvin zwanzig Jahre zählte, machte ihVi der alt« Füller zu seinem Compagnon. Einen Freund verlor Jack durch den Krieg, David Gordo». Nicht etwa, daß David aus dem SchlachlfAd gefallen wäre, aber er betrieb so unverhohlen kriegsfeinbliche Propaganda, bekannte so osfen sein« revolutionären Ideen, daß er entlassen wurde. Und da e» im.Land der Freien" eine schwarze Liste gibt, so fand«r im ganzen Staate keine Arbeit, mußte nach dem Norden ziehen. Jack tobt« vor Wut, macht« dem Vater Szenen, rannt« geg«n dessen spöttisches Lächeln an: .Ich dm hier der Herr, mein Sohn. Der mir im Weg steht, muh gehen.' Als Jack achtzehn Jahre zählte, erhielt er auf Grund de» Testamente» seiner Mutter die Zinsen des ihm hinterlassen«« Vermögen». Hatte er das einundzwanzigste Jahr erreicht, so durste er frei über das Kapital verfügen. Im Vergleich zu dem Füller- Vermögen bedeuteten di« zwei Millionen ein« geringfügige Kleinigkeit, dennoch sprachen Daniel Füller und sein ältester Sohn häusig mit Sorgen von dem Tag, da Jack da» Geld in die Hand bekommen würde. .Der verdammte Rarr ist imstande, das Ganz- zur Finanzierung der Roten auszugeben!' flucht« Ealoin Der alt« Füller nickt«. „Vielleicht macht er bis dahin einen derart dummen Streich. daß wir ihn für unzurechnungsfähig erklären lassen können. Dann erbst du das Geld.' .Wäre er doch als Kind.gestorben, der verfluchte Krüppel!' Daniel Füller lächelte vorwurfsvoll. .Du erinnerst mich an dein«» Großvater, Tai. Wir arbeiten mit anderen Methoden. Weißt du keine Freundin für ihn? Du bist doch beschlagen auf dem Gebiet.' .Er macht sich ja weder aus anständigen jungen Mädchen, noch au» Choristinnen«twa»,' seufzte Tal, der beide weibliche Gattungen zu schätzen wußte. .Wir werden mit ihm noch schöne Ding« erleben." Aber Daniel Füller erlebte den gefürchteten«inundzwanzigsten Geburtstag seines jüngeren Sohne» nicht. Cr starb an einem Schlag- anfall, wenige Wochen nach dem Friedensschluß, als Jack zwanzig Jahre zählt«. Calvin Füller war fein Universalerbe und übernahm die Bc- triebt. Sichert der Welt die Demokratu Was alles hatten di« kriegführenden Staaten ihren Völkern nach Beendigung des Kriege» versprochen! Wohlstand. Recht« und Freiheit. Amerika war mit dem Losungswort:„Sichert der Welt die Demokratie!" in den Krieg eingetreten, feine Söhn« waren ge- fallen oder si« waren verstümmelt heimgekehrt und erwarteten nun herrliche Dinge von der geretteten, gesicherten Demokratie. Der Krieg hatte die Welt wie ein ungeheurer Wirbelsturm heim- gesucht, nun, da er sich gelegt, erhofften all« blauen Himmel und Sonnenschein. Aber die kapitalistischen Zauberer, di« den Wirbel» stürm heraufbeschworen hatten, waren von neuem an der Arbeit. Oer Himmel nerfinsterte sich, schwarz Wolken verhüllten die Sonne der Demokratie, und in allen Ländern inußten die Werktätigen er- kennen, daß der Krieg nicht zu Ende sei— im Gegenteil, er begann von neuem zu toben, der letzte, der unbarmherzigste Krieg: der Klassenkampf, der einzig«, der wirklich die Freiheit und di« Gerech- tigkeit zu sichern vermag. Dieser neue Krieg begann auf besonders grausame Art. weil die eine Seite, gutgläubig den Versprechungen trauend, zum größten T«ii die Waffen sortgeworsen hatte. Wi« die Deutschen nach Brest- Litowsk gegen Wehrlose weiter vorrückten, so griffen jetzt die Unter- nehmer Amerikas, versehen mit den wirksamsten Waffen, das allzu vertrauensselig« Proletariat an. da» an einen Frieden geglaubt und die warnenden Worte der.Linken" verlacht hatte. In einigen Staaten, wo Parteien und Organisationen gefestigt waren, konnte» stch die Ueberrumpelten rasch erholen und sich zur Wehr setzen. Brach aber der Kampf in einem Staat oder einer Stadt der offenen Werkstatt aus, so schien im Anfang die Sache der Proletarier verloren. So war es auch in Fullersville. Ein altes Sprichwort sagt, daß selten etwas Besieres nachkommt: der alte Lincoln war ein harter Arbeitgeber gewesen, doch hatte In seiner Seele noch Irgendwo verborgen ein Fünkchen Gerechtigkeit gelebt. Daniel, der Sohn, als Unternehmer fewer Zeit voran, ließ den Dater als ein Ideal er- scheinen. Ealoin, der Enkel, aber übertral noch Daniel an rücksichts- loser Härte und Eigensucht. Sobald er an di» Regierung gelangt«, war es fein erster, die „Betriebe zu säubern". All« Arbeiter, die irgendwie„verdächtig" waren, wurden kurzerhand auf die Siraße geworfen. Löhn« wurden herabgesetzt, der Elfstundentag wurde wieder eingeführt, wem es nicht paßt, der soll sich anderswo Arbeit suchen. Dl« Pr«ise der Lebensmittel stiegen— feltfamerweif« kam dos nicht den Farmern zugute, die zu Hunderten zugrunde gingen, die Mieten wurden erhöht. Arbeitslos« drängten sich vor den Fabrik- taren und wirkten al» abschreckende» Beispiel auf sen«, die noch Arbeit hatten. Ganz Fullersville lebt« gleichsam mit verhaltenem Atem: wo» wird morgen geschehen, welch neue, Unheil wird uns treffen? Di« schwarzen Rauchwolken der Schlot« drückten die Menschen zu Bod«n. Rur um Gottes willen schweigen, mit ollem einverstanden sein, damit wir unser« Arbeit nicht verlieren, damit unser« Kinder nicht hungern müssen! Im Betrieb traute keiner den anderen; jeder Neuangestellte konnte ein Spitzel sein. Dumpf» Berzweiflung bemächtigt« sich der Arbeiter. Der alt« Jim Gordon war als einer der ersten entlassen worden. Tolvin Füller hat dazu die Zeit gewählt, da Jack sich in New Park befand. Als«r heimkehrte, fand er im Betrieb viele neu« Gesichter; Menachem Rosenfeld lag mit einem gebrochenen Bein im Bett. Er war«ine» Abends auf dem Heimweg überfallen und halbtot geprügelt worden. Jack wurde daheim von einem Brief erwartet, in dem Beffy ihn bat, nicht zu ihnen zu kommen. Es war den Gordons klargemackst worden, daß die Freundschaft mit Jack für si«„schädlich" sei. Und Bessy, die in der Fabrik arbeitet«, mußte nun auch den orbeitslvsen Dater erhalten und durste ihr« Stelle nicht verlieren. „So kann es nicht weiiergehen, Jack. Die Löhne sind von nächstem Montag an um zehn Prozent herabgesetzt. Etwas muß geschehen." schrieb Bessy.„Ich glaube, die Arbeiter sind jetzt reis für den Streit, aber wie soll man ihn mit diesen unorganisierten, unwissenden Ausländern durchführen? Kannst nicht du«inen Gewerkschoftsorganisator kommen lassen? Unsere Post wird de- stimmt überwacht, wir wagen nicht, etwa» zu tun." Das Ergebnis dieses Briefes war, daß zehn Tag« später in Fullersville ein Reisender m Lederwaren austauchte, der sich Artur Hammond nannte. Jack traf den Fremden einmal zufällig in einem Gasthaus und die beiden Männer schienen sofort für einander eine unerklärlich« Sympathie zu fühlen; sie saßen säst zwei Stunden mit- einander plaudernd in einer Eck«. Der rothaarige Oberkellner des Lokals bemerkte dos und ließ den Tisch, an dem di« beiden saßen, nicht aus den Augen. Sich feiner Würde begebend, ließ er sich sogar herab, dort eigenhändig zu servieren, doch hörte er nur, wi« der Lederreisend« mit Jack über ein neues Drama sprach, das eben in New Tort aufgeführt worden war. Der Oberkellner begab sich ins obere Stockwert und rief von dort einen Mann namens Michael Eardigan an. Kurz« Zeit darauf betrat«in neu« Gast das Lokal und der Oberkellner hals ihm um- ständlich beim Ausziehen des Mantels. Als Artur Hammond dos Lokal verließ und in di« dunkle Herbstnacht Hinaueschritt, folgte chm Michael Cardigan und sah, daß Hammond in da» von den Gordons bewohnte Haus trat. Noch in der gleichen Nacht wurde Michael Eardigan durch eine Hintertür in» Hau» d«r Füller» eingelassen und zu Calvin geführt. Er stattete Bericht ab. „Sie glauben also mit Bestimmtheit, daß der Kerl ein Organi- sator ist?" fragt« der Herr von Fullersville ungeduldig, im Zimmer auf und ab gehend. „Ja. Herr." „Woraus stützen Sie ihr« Vermutung? Mein Bruder Jack hat die Gewohnheit, sich mit den unwahrscheinlichsten Leuten anzu- freunden. Und daß der Kerl zum alten Gordon geht, beweist noch nichts.- Wir müssen vorsichtig sein, Cardigan Ihre letzte Dummheit hätte uns äußerst unangenehm ausfallen können." Michael Cardigan wurde dunkelrot; er erinnert« sich nicht gern an dies« Geschichte. Vor«twa zwei Monaten war ein Fremder noch Fullersville gekommen, der äußerst geheimnisvoll«rfchien, den ganzen Tag im Hotelzimmer verbrachte und nur des nachts da» Haus oerließ. Michael Cardigan hatte geschworen, der Kerl sei ein roter Agitator,«in Kommunist, der hergekommen war, um die Arbeiter aufzuhetzen. Di« Tatsach«, daß ihn wedtr Cardigan noch ein anderer Spitzel je mit einem Arbeiter sprechen sah. war kein Gegenbeweis, dezeugt« im Gegenteil nur. wie schlau der Kerl zu Werke ging. Jedenfalls mußt««r unschädlich gemacht werden. Das geschah auch,— In der üblichen Art. mit Gummiknüppeln und Stöcken. Und dann ereignet« stch etwas Schreckliches: es stellte sich heraus, daß der„rote Agitator" ein äußerst ehrbares Mitglied der Handelskammer von Boston war. der tn Fullersville ein« Liebes- gcschichte mit einer verheirateten Frau der guten Gesellschaft hotte und sorgsam darauf achten mußt«, weder si« noch den eigenen guten Ruf als einer der sittenstrengsten Männer dieser tugendhaftesten Stadt der Vereinigten Staaten zu gefährden Damals hatte Michael Cardigan beinahe seine gute Stell« oer. loren. Deshalb war er nun doppelt vorsichtig. Diesmal jedoch fühlt« er stch seiner Sache gewiß. Er zog aus der Tasche«inen Stoß illustrierter Zeitungen und eine Photographie, legt« sie aus den Schreibtisch. „Sehen Sie, Herr, wir haben Photographien von allen Organi- satoren und Agitatoren der Gewerkschaft. Und das ist der Kerl, wi« er leibt und lebt. Er. hat sich nur«inen anderen Nomen zu- gelegt, heißt in Wirklichkeit Jerry Poggan." Ealoin hi«It im Aus- und Abschreiten inn« und betrachtete das Bild.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Das schwarze Chikago. Das„schwarze Chikago' gewinnt immer mehr Bedeutung im öffentlichen Leben der WeUstodt am Michigansee. Dieser schwarz« Stadtteil hat heut« schon 330000 Einwohner. Al» sich seinerzeit Reger in«iium Stadtteil von Chikago ansiedelten, nahmen zahlreich« lOOprozentige Amerikaner an diesem Zuwachs heftigen Anstoß, oer- kauften ihre Häuser und oerzogen nach einem anderen Stadtteil, wodurch die Neger Gelegenheit hatten, sür billige» Geld gut« Häuser zu erstehen. Heut« hat sich dt« schwarze Stadt endgültig konsolidiert. Schwarze Polizisten stehen an den Straßenecken und regeln den Verkehr. Mit Genugtuung sehen Neger zu, wie sogar„weiße Autos" auf den Wink der schwarzen Polizisten halten müsien. Di« Schwarzen desttzen aber nicht weniger luxuriös« Autos, und viel» von ihnen wohnen in herrlichen Villen, die an Pracht hinter den pompösesten Häusetn der Weißen nicht zurückstehen. Da« schwarz« Chikago de- sitzt ein eigene» Theater das Rcgal-Theater, in dem sowohl Direk- firm, wi« Schauspieler, Bühnenarbeiter, Schließer und Portiers schwarz sind. An der Spitz« eines ausgezeichneten schwarzen Sinfonieorchesters steht«in Regerdirigent, ein hervorragender Musiker, der zugleich in der Negerzeitung des schwarzen Chikago» al« Musikkritiker tötig ist und als solcher von weihen Sängern nicht umsonst gefürchtet ist. Bor kurzem ist in der schwarzen Stadt ein neuer, riesengroßer Tonzpalast eröffnet worden. In dem man die echteste und lebendigste Jazzmusik genießen kann. Paradies— verboten! Ein Stück de» amerikanischen Dramatikers Christopher Morley .,E»,t oi Ecken* ist von der englisch«« Zensurbehörde jetzt für die Ausführung verboten worden. Da» Stück behandelt eine Familien- szene im Parodi«». Adam, Eva und Familie Koin am Frühstück- tisch, an dem über Gott und die zukünftige Entwicklung der Mensch- heit diskutiert wird. In der Begründung des Verbots wird aus- drücklich erNärt, daß der Dialog an und für sich nicht anstößig sei, vielmehr allein die Tatsach«� daß man di« mit der Religion oer- bundenen paradiesischen Vorstellungen aus die Bühne bringt. In der Kritik dieses Verbot» erinnert die englische Presse daran, daß man seinerzeit Shaw»„Zurück zu Methusalem" nicht verboten Hab«, obwohl auch dort di« Handlung im Paradies beginnt. Freibillette für Untergrund. vi« Südlinie der Londoner Untergrundbahn hat zu einem drastischen Mittel gegriffen, ihre Linien m den südlichen Doronen der WeUstodt populär zu machen. Si« versandte Anfang der Woche an jeden Grundstückseigentümer von Stockwell und Chatham, eine Siedlergegend, Freikarten durch die Post. Jede Karte berechtigt zur freien Hin- und Rücksahrt und zugleich zu einer Preisermäßigung für das Wochen, und Monatsabonnement. Bisher sind 15 000 Frei- billette zur Verteilung gelangt. Die Werbetätigkeit wird fortgesetzt. Farben-Fernsehen. Di« erst« Vorführung de» Fernsehen« in Farben erfolgte dieser Tage in den Laboratorien der amerikanischen Telephon- und Tele» graphengesellschast zu New York. Di« Uebertragung geschah über Draht, nicht drahtlos, und das erst« Fernbild, das gezeigt wurde, war ein« Wiedergabe der Fahne der Dereinigten Staaten auf einer Fläche von der Größe«twa einer Briesmarke. Alle gezeigten Bilder hatten dieses kleine Format. Es folgt« dann in Farben das Bild eines Manne», der ein« Wassermelone ißt, eine» Geranientopses, eines Rosenstrauches in verschiedenen Farben und einer jungen Dame in einem farbigen Kostüm. Di« Wiedergab« der Forben war au»- gezeichnet. Der vorführende Ingenieur Dr. Hcrbert Joes erklärte. daß man jetzt soweit sei, um oll« Fernbilder n Farben wiedergeben zu können und daß e» auch nicht schwierig sein würde, die Bilder zu vergrößern, nur seien dann die Kasten sehr viel bedeutender. Es bedars für da« Farbenfernsehen keiner vollständig neuen Apparatur, sondern es müssen nur neue Vorrichtungen an den photoelettrische» Zellen de» Senders und an den Neon- und Argonlampen des Empfänger» airgebracht werden. Das Gehör der Ratten. lieber die Hörsähigkeit der Ratten sind von dem amerikanischen Psl)chologen Prof. Sheppard von der Universität Michigan neuer- dings Untersuchungen angestellt worden. Er brachte die Nager in ein Labyrinth mit einem Boden, der schalldicht war. Unter normalen Verhältnissen fänden die Ratten durch die.Irrgänge bald einen Aus- weg, aber wenn sie aus dem schalldichten Boden nichts hören konnten, war es ihnen unmöglich, sich aus dem Labyrinth herauszufinden. Das Gehör ist also sür die Orientierung der Tier« von großer Be- deutung, und Pros. Sheppard schließt au» diesem Versuch daß man überhaupt die Intelliger� der niederen Tier« überschätz!, daß sie sich hauptsächlich aus ihr« Sinneseinpfindungen verlassen In dem Labyrinth wirkt« das Geräusch in den einzelnen Höhlen etwa wie das Rauschen des Meeres, und zwar durch die Schwingungen der äußeren Lust. Im Dunklen zu lesen... In«tnigen Londoner Theatern wird zurzeit ein tntereslanter Versuch mit neuartigen Theaterprogrammen die im Dunkeln zu kerrn sind, gemocht. Tie u.e>den aus schwarzem Grund mit weißen Lettern gedruckt, und der.Jiruckerweiße' ist etwa« Phosphor dei- gemischt. Amerika... In der Empfangshalle«in«s amerikanischen Hotels hängt ein Plakat:„Rauchen verboten! Denken Sie an den Brand des Central-Hotels!" Eine» Morgen« sah man darunter ein anderes Plakat:„Ausspucken verboten! Denken Tie an di« Ueb«rlchwemmung«n i» Mississippigebiet!' d�T�ei�nSpor-lr Zweites Arbeiler-T um- und Sportfest. 50 000 Sportler bereits in Nürnberg eingetroffen. Die große Heerschau de, deutschen Arbeiter- spart» hat begonnen, würdig hat sich die Feststadt geschmückt. Schwarzrotgold leuchten die Häuser im Fahnen- und wimpet- schmuck, rote Fahnen und Transparente empfangen uns und lassen alle herzen höher schlagen. Das Stadion hat sein Festgewand angelegt, hier und da wird noch ausgebessert, denn e, muhte alles mlt großer Eile fertiggestellt werden. Die Stadtverwaltung hat nicht nur 100 000 Mark für da» Fest gegeben, sondern auch Plähe und Raulen beschleunigt. Schulen für Quartiere der Massen freigegeben. Die Revölterung hat reichlich Freiquartiere bereitgestellt, die riesige Festarbeit auf sich genommen und füllt die Straßen und Plätze. Ron Fürth bis Nürnberg sind große Masten aufgestellt. oben das große Vundesabzeichen, mit großen roten und weißen Fahnen, teilweise verbunden mit quer über die Straße gehenden Wimpeln. Der große Rolkspart, in dessen Mitte sich da» Stadion, die vielen Sportplätze und die Schwimmbahn befinden, erregt allseitig freudige Ueberraschung. In der großen nordbayerrschen Zentrale steigt das Fest des sozialistischen'Arbeitersports. Partei und Gewerkschaften sind in Front, helfen mit, sie betrachten es auch als ihr F e st I Körper- und Geistesarbeit, Lebensfreude und tlasienbewiißter Kampf- gcist verbinden alle zur solidarischen Zusammenarbeit. Aus der sportlichen Arbeit wird auch der Sozialismus neue Streitergewinnen. Die Wettkämpfe haben am Donnerstag ihren Anfang genommen. Fußball. Tennis, Hockey und Handball sind bei den Dorkämpfen. Die offizielle Eröffnung des Feste« ist Freitag vormittag und wird durch Rundfunk übertragen. Nurnderg empfängt die ausländisdben Gäste. Unaufhörlich rollen die Sonderzüge in die Bahnhofshall« Nürn- berg». Aus allen Himmelsrichtungen Deutschland« treffen die Fest. teilnehmer ein. Die Riesenhall« dröhnt von den tausendsachtn Frei- heil- und Willtommen-Rusen der Ankommenden und der Nürnberger Arbeitersportler. Jeder neue Fcstzug wird unter den Klängen der ohne Pausen spielenden Kapellen zur festlich geschmückten Westhall« geführt und dort von den Vertretern Nürnbergs ofsiziell begrüßt. Draußen am Bahnhofsvorplatz grüßen riesige Masten mit großen schwarzrotgoldenen, rvtweißen und weleßblauen Fahnen, die um einen hohen Obelisk, den das Bundes- zeichen krönt, gruppiert sini». Di« Nürnberger Bevölkerung um- lagert zu Tausenden den Vorplatz und begrüßt die ankommenden Sportlerinnen und Sportler mit begeisterten Zurufen. Die Straßen weisen unzähligen Fahnen- und Blumenschmuck auf. Erwiesen ist schon jetzt, daß nicht nur alle Funktionäre, sondern die gesamte Be- völkerung Nürnbergs schier Unmögliches geleistet hat. Die Stadt- Verwaltung hat sich in entgegenkommendster Weise dieses Riesenfestes angenommen. Auch die amerikanische Delegation— Fahrtleiter Theodor W e i se n st« i n— wurde begeistert ausge- nommen. Die ungarische Bruderorganisation ist durch ihren Präsi- denken Mtder Fülöp, den technischen Leiter Andreas Reich und 32 ungarffche Arbeitersportlerinnen und-sportler ver- treten. Selbst die jüngste ausländische Bruderorgani- s a t i o n, Dänemark, ist mit ihrem Gründer und Führer A a g« Hermann und seiner Tennismannschast erschienen. Au« Aden- r a g e n ist eine Turnermannschaft anwesend. Die Letten, die auf Motorrädern seit Tagen unterwegs sind, treffen durch einen bei Gera erlittenen Zwischenfall verspätet ein. Auch der Reichs- innenmini st er Genosse Severing weilt bereits unter den Festgästen. Von allen Festgästen wird der aus dem 1. Kreis er- Ichienene 65jährige Brandenburger Otto Gartz, der Grün- der des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, freudig begrüßt. Oer Auttakt der Kinder. Das war«in Freudentag der Kleinsten, bei dein die Begeisterung aus hellen Augen leuchtete. Die Passauer fuhren 11 Stunden mit der Bahn, die Münchener und Nördlinger waren auch dabei. Vormittags war der große Festzug der 3000 Kinder durch Nürnberg, dann das große Nudelsuppenessen und nachmittags ein Sportfest, das ollen Kindern Freude machte. Gymnastik nach Musik(Kinderlieder-Potpourri), das waren eigenllich gar keine Frei- Übungen, sondern lustiges Spiel vom Jäger aus Kurpfalz u,ch dem Fuchs, der die Gans gestohlen hat. Dann Hand- und Fußballspiele, Stafctteniäuse, Turnen der Knaben und Mädchen an 20 Böcken Antreten zum Kinderfest. und 20 Barren nach dem Muster des süddeutschen Vereinsturnens. Das waren ernste Dinge, bei denen Kampfgeist triumphierte. Sing- spiele und Tänze brachten wieder die warme Freundlichkeit als Abschluß. Dazu 12000 Zuschauer, deren Augen leuchteten. Di« Kinder haben am 14. Juli«inen guten Auftakt gegeben. verliner Stänker sind da! Die Opposition macht Radau. Bereits in den Abend- stunden des Mittwoch, als die ersten Festzüge eintrafen, bellten die Rot-Front-Möps«: Nieder, nieder, nieder, verteilten Schimpfblätter gegen den Bund und rissen aus, als die Polizei eingriff. Aber sie haben ihr Ziel erreicht: es gab kleinere Kollisionen, wobei Unbeteiligte in Mitleidenschast gezogen wurden. Daneben haben die „Tippelbrüder" zum Bundessest Besprechungen unter Mitarbeit der Opposition gehabt und Forderungen aufgestellt. Die Berliner Kra- kehler sind Donnerstag früh eingetroffen, um die Führung in der Störung des Festes zu übernehmen. Sie können einem leid tun und ernten die Verachtung der hunderttausend bundestreuen Ar- beitersportier. Es sind Möpse, die den Mond anbellen. Sport ainVertassuiigstaKe Am 11. August 1929 jährt sich zum zehnten Male der Tag. an dem das deutsch» Volk sich seine Verfassung gegeben hat. Dieser Gedenktag von überragender Bedeutung soll durch würdige Feiern festlich ausgestaltet werden. Wie der Amtliche Preußische Presie- dienst mitteilt, hat der preußische Minister für Dolkswohlfohrt durch Erlaß vom 12. Juli die Regierungspräsidenten auf den Beschuh de» preußischen Staatsministeriums, betreffend die diesjährige Ver- fasiungsfeier. hingewiesen. Danach wird empfohlen, außerhalb der amtlichen Dersasiunasseier durch Anregung von verschiedenartigen Veranstaltungen in der Bevölkerung für eine möglicht volks- tümliche Feier des Verfassungstages Sorge zu tragen. Als besonders geeignet zur Ausgestaltung der Berfasiungsfeiern haben sich turnerisch« und sportliche Bezirks- und Kreisjugendwett- kämpfe sowie Jugendtreffen erwiesen, wie sie in einzelnen Regierungsbezirken m den letzten Jahren mit immer wachsendem Erfolge veranstallet worden sind. Der preußische Minister für Volkswohlfahrt Hot die nachgeordneten BeHorden aus seinen Rund- erlaß vom 3. Januar nochmals ersucht, die Turn-, Sport-, Jugend- und Wandervereine zur Abhaltung von Wettkämpfen an diesem Tag« zu veranlassen und auch bei den übrigen Jugendpslegevereinen geeignete Zusammenkünfte oder Feiern anzuregen. Der Reichs- Präsident hat für bedeutendere sportlich« und turnerische Ver- onstaltungen, deren besondere Beziehung zum Versassungstage außer Zweifel steht, auch in diesem Jahre die Ausprägung einer auf die Veranstaltung des Tages hinweisenden Plakette genehmigt, über deren Verleihung ein Besitzzeugnie ausgestellt werden wird. Um jedoch die Zahl der zu oerleihenden Plaketten in angemessenen Grenzen zu halten, werden am Verfassungslage serner Ehren- Urkunden mit der Unterschrift des Reichspräsidenten verliehen werdcn. Dies« Urkunden sollen in, besonderen die Plaketten er- setzen und gegebenenfalls auch für die Auszeichnung eines dritten Siegers Verwendung finden. Ebenso wie im vergangenen Jahre sind hierbei für die einzelnen Wettkämpse Mindestleistungen fest- gesetzt worden, die erreicht werden müssen, um bei der Verleihung der Wakett« und der Ehrenurkunde berücksichtigt zu werden. Für die sportlichen Deranstaltungen der Landespolizei anläß- lich der Verfasiungsseier Hot der preußische Minister des Innern besondere Bestimmungen erlassen. Groher Preis der Republik. Das«ugefchaffen« Riesenreirnen der Traber, der Große Preis der Republik, der am Sonntag. 11. August, in?kuh- leben zur Entscheidung kommt, liegt jetzt in der Ausschveibung vor. Die Veröffentlichung wird in der am Sonnabend erscheinenden Nummer de» Trabrennkol« nders erfolgen. Die Proposftion wird lauten: Großer Preis der Republik. Preis 60 000 Dt. (35000, 12000. 7000, 4000, 2000) und Ehrenpreis dem Züchter des Sieger», gegeben vom Preußischen Ministerium für Landwirt- fchaft, Domänen und Forsten, sowie Ehrenpreis« dem Besitzer und Fahrer des Siegers Fük 3— 7jShrige inländisch« Sxngste und Stuten. Rennstrecke 3000 Meter. Dreijährig« vom Start, Vierjährig« und älter« 60 Meter Zulage. Für jede gewonnenen 10 000 M. 10 Meter Svnderzulage. Marimalzulag« außer der Alter-zulag« 60 Meter. Ein. satz 600 M., davon 250 M. am Dienstag, 30. Juli, 350 M. am Mon« tag, 5. August. Ein hochinteressantes Rennen über lange Distanz, dessen Pro- Position so gut durchdacht ist, daß mit einem starken Interesse der Ställe ohne weiteres zu rechnen ist. Das Rennen dürfte demnach die besten inländischen Traber vollzählig am Start sehen, da sich viel« Besitzer und Trainer mit Recht ein« hervorragende Chance ausrcchncn werden. Die 60 Meter betragend« Alterszulage sichert dem Derby- Jahrgong angemesicne Aussichten gegenüber den äfteren großen Könnern, die zudem noch durch ihr« hohen Gewinnsummen gehandi- capt sind. Die Maximalzulage bewirkt, daß kein Pferd mehr als 120 Meter hinter dem Start steht, so daß also Augias, Lebenskünstler und Karl Heinz, die da» Feld beschließen könnten, immer noch sehr reelle Aussichten haben._ Deutsche Polizeimeisterschaften im Fußball. Di« von dem Herrn Reichsminister des Innern ausgeschriebenen Deutschen Polizeimeisterschaften im Fußball �sind bis zu dem End- spiel gediehen. Dieses wird am Sonnabend, dem 2 0. I ü l l d. I.. 18 Uhr, in Spandau, auf dem Platz des Spandauer Sportvereins in der Neuendorfer Straße 18/24, aus- getragen. Die Deutschen Polizeimeisterschaften sind offen für die Polizeien aller deutschen Länder und werden jährlich, aus allen Sportgebieten wechselnd, ausgetragen. In diesem Jahre werden außer der Fuhballlmeffterschoft noch Meisterschaften in der Leicht- athletik in Erfurt, im Schießen in Themnitz und im Radfahren in Bremen veranstaltet. Um die Deutsche Polizelsußballmeisterschast haben sich fast all» deutschen Länder bewoibc». In den Vor- und Zwischenrunden mußten so gute Mannschaften wie Rheinland-Westfalen, Hessen, Braunschweig, Lübeck, Breslau, Hannover und Burg ausscheiden. Alle diese Mannschaften spielen in ihren Heimatstandorten im Rahmen der Spiel« der Zivilverbände eine ausschiaggebende Rolle. Di« Leistungen der Endspielgegner Polizei Hamburg und Po- lizei Sachsen sind daher besonders zu werten. Sachsen stellt eine kombinierte Mannschaft, die sich zusammensetzt aus Spielern der Polizelsporwereine Chemnitz, Leipzig und Dresden. Hamburg bringt die eingespielt« Oberiigmnannschaft. Der Ausgang des Spiele« ist ungewiß. Hamburg als Titelverteidiger hat die größten Siegesaussichten. Das Spiel, das in Gegenwart der Vertreter des Reichsinnenministeriums, des Preußischen Innenministeriums, des Sächsischen Innenministeriums und des Senats Hamburg vor sich gehen wird, wird oller Voraussicht nach den Fußballfreunden«ine interessante Abwechslung bieten. Vor dem Meisterschaftsspiel konzertiert die Kapelle der Berliner Schutzpolizei ab 17 Uhr. Gleichzeitig wird die Preußische Polizei- schule für Leibesübungen, Berlin-Spandau, Werb«-Faustballspiel« »orführen.— Um weiten Kreisen die Möglichkeit zu geben, der Veranstaltung beizuwohnen, ist der Eintrittspreis für sämtliche Plätze auf 50 Pfennig festgesetzt. Schüler zahlen die Hälfte, Städtckampf Im Freien Keglerbund. Am Sonnabend und Sonntag findet in Braunschweig«in großer Städtewettkampf zwischen Berlin, Wernigerode..Halberstadt, Neinstadt und Braunschweig statt. Der hauptlampf geht um den von der Stadt Halberstadt im vorigen Jahre gestifteten Wander- .preis, welcher von dem Sau Berlin des FKBD. zu verteidigen est. Sportliches Allerlei. Der unpolitische Reichsausschuß. Die Spitzenorgonisation des bürgerlichen Sports, die sich in bekannter Bescheidenheit den eben- so unwahren wie irreführenden Namen„Deutscher Rcichsausschuß für Leibesübungen" angemaßt hat, macht wieder einmal von sich reden. Anläßlich des von den nationalistischen Verbänden insze- nierten Kriegsschuldrunmiels trat der Deutsche Reichsausschuß in oerschicbenen Orten mit Kundgebungen an die Oesfentlichkeit. So hat der DRfL. i» Gera einen Aufruf mitucherzeickmet, der die Kricgsschuldlüge bekämpft. Der„unpolitische" Reichsausschuß befindet sich da in feiner Gesellschaft. Mitunterzeichncr sind samt- liche nationalistischen Organisationen vom Alldeutschen Verband des Herrn Claß, der DRVP., den Nationalsozialisten bis zum Stahlhelm und dem Werwolf.— Di« bürgerlichen Sportler müssen ja wissen, wo sie hingehören.... Wieder einer unschädlich! Man»niß dos zugeben: die Amen- lauer verstehen es ausgezeichnet, sich unbequem« Konkurrenten im Sport, und nisbefondere in der Leichtathletik, von, halse.zu schassen. Einer der bekanntesten bürgerlichen Sportler, der schwedische Lang- streckenläuser Edwin Wide, ist in Amerika Leichtathletiktrainer ge- wenden und damit in die Reihe der Berusssportler gerückt. Er ist also den Weg allen Fleisches(richtiger: aller Dollars) gegangen und die USA.-Langstreckler brauchen ihn bei der Olym- piade in Los Angeles nicht mehr als unüberwindlichen Gegner zu fürchten. Im Gegenteil, er stellt sein Wissen und Können in den Dienst der Amerikaner, die so doppelt gewinnen. Zn Front gegen links. Der katholisch« Sportverband ist eifrig darauf bedacht, seine Schäflein zu mehren. In einem Ausruf des „Regensdurger Anzeigers" werden kriegerische Worte wie„Schlacht- reihe",„Feuer" und„Front" laut. In erster Linie wird„Front gegen links" geübt. Die bösen Sozialisten versuchen angeblich nicht nur durch Terror, Zwang imd Einschüchterung, sondern auch„mit den äußeren Lockmitteln des Sports(Arbeiterturn- und Sportvereine) rder der Natur und Wonderfreude(der sozialistische Touristenver- ein„Naturfreunde") die Jugend zu gewinnen. Das katholische Blatt stellt mit Betrüben fest, daß„die sozio- listische Jugend- und Sportbewegung wächst und ihr Einfluß auf die Jugendseel« im Schul- und kirchlichen Leben sich immer mehr geltend macht".— Dies« Bescheinigung unseres Wachstums ist er- freulich sie wird zu weiterer Anstrengung Anlaß geben. ..Revolutionäre" Festivitäten. Die ihren Reden»nd Artikeln nach so klassentämpserisch cuigestellten Ausgeschlossenen können scheinbar auch anders. Ein Teilirehmer der Dampferfahrt des oppo- sitionellen Pankowcr Turnvereins beweist im Btatt der Lenin- Bimdler, daß die oppositionelle„Arbeitersportbewegung spießbürger- lich verseucht wird. Die Kapelle spielte Kolauer, nur kein Arbeiterlied, nicht mal ein Turnerlicd. Wir waren empört über den spieß- tüirgerlichen Kitsch."— Und so weiter. Di«„echten" Klassentämpfer scheinen das aber zu billigen, wenigstens hat die„Rote Jahne" bisher noch nicht mitgeteilt, daß die Veranstalter dieses spießbürger- üchen Kitsches als Depressiomsten oder Versöhnler oder gar'Rechte entlarvt und aus den Reihen der Opposition gestoßen seien. Oppositionelle Kritik. Selbst im eigenen Lager der Opposition hat das Kreisfest der Ausgeschlossenen nicht ungeteilten Beisoll ge- fimden. In der linkskommunistischen„Berliner Zeitung" heißt es unter anderem über diese Bercmstalkmq:, Kleinere Rot-Front-Ab- teilungen marschierten unter schwachem Beifall ein. Man hotte den Eindruck, als ob die Partei(KPD.) versuchte, das Kreisfest für sich als ein« rein« Parteikundgebung auszubauen." Während in der offiziellen KPD.-Press« heckerts Festred« als ein Höhepunkt hingestellt wurde, heißt es in dem eben zitierten Artikel weiter: „heckert ging über zu allgemeinen Phrasen, daß die Zeit des 4. August 1914 abermals angebrochen sei usw. Teile der Sportler wurden über seine lange Rede unruhig und gaben schon ziemlich laut ihre Mißstimmung darüber zum Ausdruck." Da muß Herr heckert ober schon sehr gelangweilt hoben, iveim selbst die Ausgeschsosienen an Stelle der obligaten stürmischen Be- gersterung unruhig wurden. s.st. Werbe-Fu$ballspiel in Neukölln. Der Freie Fußbollverein Neukölln I 28 ver- anstaltet vom 21. bis 31. Juli auf dem st ä d t i s che n ,S p o r t- platz Neukölln, auf Platz 6 und 7, verlängert« Steinmetzstraße, ein Werbc-Fußballspiel. Auf die Turniereinladung hin haben sich bereits 11 Vereine mit 14 Mannschaften zur Verfügung gestellt, um für die bundestreue Arbeiter-Fußballbewegung in Reukö'lln sowie auch die Spielvereinigung des I.Kreises der Provinz Brandenburg zu werben. Am Sonntag, dem 21. Juli, Vorrundenspiele Platz Nr. 6. Abtei- lung A: I. Spiel: Vorwärts-Wedding I gegen Rathenow I um 13.30 Uhr. II. Spiel: FTGB.-Reinickendorf I gegen Fr. F. Neu- kölln I um 15.10 Uhr. III. Spiel: Hoppegarten I gegen FTGB.- Lichtenberg. Abtlg. II, I M.. 17 Uhr.— Abteilung U: Platz 7, II. Spiel, Lichtenberg II gegen Vorwärts-Wedding II um 14.15 Uhr. Wildenbruch I gegen FF. Neukölln II um 15.50 Uhr. IV. Spiel, FTGB.-Schöneberg gegen Zehlendorf I um 17.30 Uhr. Am Mut- wach, dem 24. Juli auf dem städtischen Sportplatz Jnnstraße um 19 Uhr IV. Spiel von Abteilung A. VFC. Borussia gegen Turn- und Sportverein Nowawes 94 I: vorher Iugendspiel. Am 28. Juli findet die Zwischenrunde sowie groher Werbe- umzug durch Neukölln mit Sportdreß, mit dem Tambourkorps des Reichsbanner, Schwarz-Rot-Gold Neukölln, Abmarsch 12.30 Uhr vom Lokal M. Schröder,, Steinmetzstr. 52(Ecke Schillerpromcnade) aus statt. Am 31. Juli, Endrund« auf dem städtischen Sportplatz Jnnstraße. Fahrverbindung: D-Bahnhof Boddinstraßc und sämtliche Straßen- bahnoerbindungen in Richtung Neukölln, hernmnnstroße. Wir rufen die organisierte Arbeiterichast aus, unsere Werbeveranstaltung zu unterstutzen. Das neu« Berkehrslotal des Vereins ist»ei K. W i ck- mann, Neukölln, Bettheledorferstr. 7. »rbrikr.A«».«»d Xt«r(faiMt-«aab �olibairtät", OtNflt. ®«u» Be,. 1, i und a. Unsere ssahrien am Sonniaa, ai. Juli, lind foloenbt; und wer uinchi mitf l. Bez. Seschötlsstell,: Stoberl«otiibarli, EW U. Echiinebereer 6twSe 17. 20. Juli:«e»irlsiuaendlour nach dem Sed- diner See. l.«dt. 10 Uhr: Wildau. Start:«lllowstr. ZS. 2.«dt. 20. Juli. 17 Udr: Jugend t»»r nach dem Eeddtner See. M. Juli. 5 Uhr: Seddiner See.«iart: S-Henstaufenolati, Normaluhr. Z.«lt.,& Uhr: Liepnihsee. La>K«i>«r«er. Aht,„ Uhr: MUHlendecker See. Siart: Siol- pisch« Strohe»,«M., Wildau. Start: Tritts, r.« bei Schreiber. 1».«dt.. SoiSVi«tdettzse«.«»»tl! Petersburger Straß« S. 2. Be,.»cschilftsstcll« W'IIi Brennling, aharlottenbur« I. Am«olkohause 1.»dt.»da'i'ttesdurg, « Uhr: Linnewit, See Jugendtreffen de» 2.. A. und 24. Be,. Ad«. Schö»:. übr: Wildau. Start: Stubenranchstr. rn. Eck« Erdmannstroßc. Abt. ReulSI«. k Uhr: MSllense». Start: Hohen«llernplat,. Abt. Treptow-Baum- Ichuleuweg: Linnewihsee. Iuaendtreffsn. Start- IM, Uhr. Bahnhof Baum- schuleitweg, 5 Uhr: Bahnhof Treptow. 21. S»n. Geschaftsflelle Paul Schuppen,, O 112. Niederbarnimftr. 10.«dt. Lichteubem, S Uhr- Wildau. Start: AU- griedrichsf-Ide 98.«dt. Oberfchii-eweche. 6 Uhr: Werlfee. Start: Wil- helminenhofftr. St. Abt. gaul»horf, 20. Juli: Sitiuna bei Efchrich. 21. Juli, « Uhr:. Werlfe«. Start bei Efchrich. Abt. Seißepsee. Seincr-dors. ti Uhr: Miidlendeck. Start S«in?rzdorf. Kirch«. «otoeeadfahoer. Abt. Kren, der». Anschrift: Ernst Lemi«, O 17. Laskerltr. 2. Burg. Spreewald. Start: Uhr Bahnhof Tewvelhof.«dt. grichrich»h-i». Anschrift: Heinrich Sugel, Meuh,I»f»hnstr.».» Uhr: Wildau. Start: Land». deraer Ploh.»dt. tldail-tte-barg. Anschrift: Brun» Tscheuschner. Z!W 87. Sickingenstr. 57. 7 Uhr- Badetour Rahmersee. Start: Wilhelmplah.»dt. »««IS»«,«nschrist: Richard Habel, S. 59, Kottbusser Damm 0«. Start- 7 Udr, Soheusollernplah.»dt.»Ipenick. Anschrift: Max �chleffler, Berlin-Bohna- darf. Privatstrah« 10. 7 Uhr: granlfurt a. h. k>. Start: stilpenick. Kaiser. Dilhelm-Straß« Z. Abt. Lichtenberq. 5 Uhr: Storlow-Bugk. Start: Jung. ilrohe 29.»dt. Bank»«, 8 Uhr: Frankfurt a. d. O. Start: Prooin,str. 108. Anschrift: Ott»«naak, R 112.«ch-nenschcftr. 0. Tonrist««Mtei»„Sie RatnrsrenndeA«dt Eharlottend-rg. Treffp. zur Wendwanderung, 20 Uhr, Reichoianzlerplah(heut»), Wanderung Sonntag nach Wilnsdorf— Sr.-z«chsc«. Abs. 6.21. Potsdamer Ringbahnho!. ffieie sta»»- Union..«r-H B-rli»-, Abteilung Eekne«: Bootshaus in Erkner, Bootswerft Lindemonn. Sihung am greiiag. 1». Juli,»m 20 Uhr, im Restaurant„.Zur Eiche", Betlin-Reukiilln. staifertzZriedrich. Eckr Saalc. steahe. Sstfle»infonuntn, Mitglieder werden aufgenommen. Anschrift: Veprb Dewald. SO 56.»leshaleste. 16: Nieder mit Militarismus in Bekanntlich dauert in Rußland der Heeresdienst zwei Jahre in der Infanterie und drei Jahre in der Marine. Außerdem besteht für die Jugendlichen von 19 bis 21 Jahren vorbereitender militärischer Pflichtunterricht*). Im folgenden sollen nur die Methoden geschil- dert werden, mit denen die Zivilbevölkerung militari- s l e r t wird. Die Aufgabe dieser Militarisierung formulierte der Volkskommissar für Kriegswesen, W o r o s ch i l o v, wie folgt: „Wir müssen uns in kürzester Zeit psychologisch niobilisieren. Wir müssen, indem wir uns selbst in der Partei militarisieren, auch die Arbeiterklasse der Sowjetunion niilitarisieren und nachher diesen militärischen Geist in die Masse der Bevölkerung hineinpumpen." („Prawda" voin H. Januar 1927.) Diesem Zweck dienen verschiedene Mittel. Zuerst der Sport. „Die Gewerkschaften verfolgen das Ziel, aus den Sportlern, ohne sie mit Kriegsübungen zu überlasten, gesund« Kader heranzubilden. die sich im Falle der Mobilisierung in kurzer Zeit die notwendigen Kenntnisse aneignen könnten."(Bericht des Zentralrates der Gcwerk- schaften 1926—1928, S. 234.) Der vom Staatsverlag herausgegebene Arbeitskalender für 1929 schlägt die gleichen Töne an:„Auf diese Weise können die Leibes- Übungen ein ausgezeichnetes Mittel für die Vorbereitung der Jugend zum Militärdienst sein." Sogar in dem deutschen Lesebuch für An- fänger heißt es:„Der Arbeiter und die Arbeiterinnen, der Bauer und die Bäuerin, der Student und die Studentin, der Schüler und die Schülerin, all« lernen die Kriegskunst."(„Komsomol. Prawda" vom 28. Februar 1929.) Die Gewerkschaften nehmen an der Militarisierung regen Anteil. In dem oben zitierten Bericht lesen wir:„In der Zeit vom 1. Februar bis zum 1. April 1928 ist die Zahl der militärischen Arbeitsgemeinschaften in den Arbeiterklubs von 266 auf 1666, in den „roten Ecken" und in den Betrieben von 437 auf 4322 gestiegen" *) Wir verweisen auf die Schrift von Peter Garwy„Der rote Militarismus", Berlag Dietz. Berlin 1928. dem Krieg! »er Gowjeiunion. (S. 237) und weiter:„In seinem Rundschreiben vom 16. Juni 1928 Nr. 98 hat der Zentralrat der Gewerkschaften die Gewerkschaften an- gewiesen, aus den Bildungsfonds feste Beträge für die militärische Propaganda abzuwerfen"(S. 241). Auf den Hochschulen wird Militärunterricht erteilt. Der Mili- tärunterricht ist ein Bestandteil des allgemeinen Lehrplanes und nimmt während des Winters 186 Stunden in Anspruch. Außerdem ziehen in den Sommerserien die Studenten ins Feldlager, wo sie Heeresdienst leisten. Noch der Absolvierung der Hochschule dienen die Studierenden neun Monate und werden dann als Offizier« der Reserve aus dem aktiven Heeresdienst entlassen.(„Prawda" vom 13. November 1928.) Man sucht alle Gelegenheiten auszunutzen, um die Bevölkerung militärisch auszubilden. So hat man in Moskau ein spezielles Feld- lager eingerichtet und Arbeiter und Angestellte aufgefordert, ihren Urlaub dazu zu verwenden, um im Lager„die gesunde Erholung mit den interessanten Momenten der militärischen Ausbildung zu verbinden."(„Komsomol. Prawda" vom 13. Juni 1929.) Selbstverständlich spielt bei dieser militärischen Tätigkeit der Kommunistische Jugendverband(KJB.) eine große Rolle. Der jungkommunistische Verlag gibt militärische Schriften heraus, von denen die„Prawda"(vom 23. Juli 1928) schreibt:„Sie sind be- stimmt, die Jugend im Geiste der Kampftraditionen des Heeres und der Marine zu erziehen." Ueber die militärische Tätigkeit des KJB. berichtet das Zcntralorgan des Verbandes, die„Äornspm. Prawda": „Der KJV. hat im vergangenen Jahre umfangreiche Arbeit auf dem Gebiete der militärischen Ausbildung geleistet. Hunderttausende der Jungkommunisten waren in militärischen Zirkeln, in speziellen Arbeitsgemeinschaften beschäftigt, sie haben Feldzüg« der Jugend mitgemacht. Zehntausende eigneten sich spezielle militärische Kennt- nisse an."(„Ä. P." vom 24. März 1929.)„Schon seit drei Iahren wird gemäß dem Beschlüsse der Berbandszentral« der militärische Unterricht für die Jungkommunisten obligatorisch durchgeführt." („Äom. Prawda" vom 6. Februar 1929.) Von der(Sowjeijustiz. Oer Himmel ist hoch und Moskau ist weit. Es würde zu weit führen, alle Meldungen der sowjetrussischfti Presse über die Auswüchse der russischen Justiz zu registrieren. Erst vor wenigen Tagen verbreitete die Sowjetpresse die Nachricht von der ungeheuren Demoralisierung der Justizbehörden in Astrachan. Jetzt meldet die„Prawda" ähnliche Erscheinungen aus P o l t a w a. Die gesamten Spitzen der Justiz sollen hier„ange- fault" sein. Der Borsitzende des Bezirksgerichts— soviel wie bei uns der Landgerichtspräsident—, und sein Stellvertreter, der Be- zirksstoatsanwalt,— soviel wie bei uns der Generalstaatsanwalt— und dessen Stellvertreter der Bolksrichter, ein früherer Volks- richter, der Untersuchungsrichter und noch andere.„Die Herren fühlten sich vollständig straffrei", sagt die„Prawda": jeder„Willkür- okt", jedwedes„Rowdytum" ging ihnen durch. Die Gesetze existierten für sie nicht, mit ihren Widersachern machten sie nicht viel Feder- lesen». Nach ihrem- Gutdünken leiteten sie Verfahren ein, oder schlugen sie nieder. So stellte z. B. der leitende Staatsanwalt Mogila aus eigener Machtbefugnis das Verfahren gegen sich selbst ein: er war beschuldigt worden, einen Bauern schwer oerletzt zu haben. Nicht immer gelang es. aber ohne weiteres, die Akten vom Unter- suchungsrichter anzufordern: dann zettelten die Ehrenmänner ein- fach gegen ihre Mdersacher irgendein Verfahren an. Ein Beispiel statt vieler: Die Herren obersten Justizbeamten versammelten sich besonders gern in der Wohnung des Kaluken Krawzow.„Die Saufgelage", sogt die Prawda,„erreichten hier eine unerhörte Schamlosigkeit. Die Nachbarn duldeten es. Was sollten sie auch tun? Sie konnten doch nicht gegen den Staats- anwalt und die Richter sich beim Staatsanwalt und beim Gericht selbst beklagen. Schließlich fand sich ein mutiger Mann, ein Mit- arbeiter der Konsumgenossenschaft. Er legte bei der Konttoll- kommission Beschwerde ein. Jetzt war Gefahr im Berzug. Was taten unsere Iustizbeamten? Sie leiteten gegen den mutigen Mann ein Berfahren wegen Mißhandlung der Frau ihres Gastgebers ein. Der Beschuldigte wurde zwar frei- gesprochen: als aber der Berleumder Krawzow in Haft genommen werden sollte, stellten seine Freunde dos Verfahren gegen ihn einfach kurzerhand ein. Nicht weniger charakteristisch war ein anderer Fall. Der Sohn des Vorfitzenden des Bezirksgerichts hatte 1236 Rubel veruntrem: außerdem war er noch wegen bewaffnete» Raubüberfalls verhaftet worden. Er wurde aus der Hast entlassen und das Verfahren niedergeschlagen. Di« Spekulanten, Antisemiten, Nepmänner und Veruntreuer führten aber unter d ie s e r Justiz ein„Schlarasfen- leben". So berichtet die„Prawda". Uud die sowjelrussische Zeitung „Trud" berichtet, daß in T w e r das frühere Mitglied des Twer- jchen Gouvernementsgerichts Paschkow und der Bandit Sotolow zum Tode und der Beamte der Kriminalpolizei Wichrow zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden sind. Alle drei hatten eine Räuberbande organisiert. Der frühere Richter und der Beamte der Kriminalpolizei oersorgten die Bande mit Waffen. Fast zu gleicher Zeit ist laut der Zeitung„Trud", des Zcntrolorgans der russischen Gewerkschaften in Baku nach 26tägiger Verhandlung der Prozeß des früheren Staotsanwoltsgehilfen Sagrabekows und Ge- nassen zu Ende gegangen: sie waren angeklagt, den berühmten Ban- diten Gongschinski begünstigt zu haben. Das Gericht verurteilte den Staatsanwalt zu drei Jahren Gefängnis und den Inspektor der Kriminalpolizei, der es nicht gewagt hatte, den Banditen in der Wohnung des mit ihm verwandten Staatsanwalts zu verhaften, gleichfalls zu drel Jahren Gefängnis. In W i t e b e k sind der Ga» fängnisdirektor, dessen Gehilf« und noch drei weitere Beamte zu fc drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Man sieht: Sowjetrußland ist der Welt voran! Zur Phosgen-Katastrophe. Ursache nicht geklärt.- Kein Verschulden von Behörden. Hamburg, 18. Juli(Eigenbericht). Der Senatspräsident im Reichsversicherungsomt a. D. Dr. Fischer Hot zu dem Phosgenunglück, das sich am 26. Mai 1928 in Hamburg ereignete, ein umfangreiches Gutachten erstattet, in dem es heißt, daß die Ursache des Abreißens des Dornes an den Phosgen-Lagerkesieln bisher nicht festgestellt werden konnte, daß die für die Zulassung des Lagerbetriebes zuständigen Hamburger Behörden fach- und pflichtgemäß gehandelt haben und daß ihnen an dem Phosgenunglllck kein Verschulden zuge» messen werden kann. Im einzelnen wird in dem Gutachten daraus hingewiesen, daß es bis heute nicht gelungen sei, die Entstehungsursache des Unfalles einwandfrei fe st zu stellen. Fest stehe lediglich, daß von einer Ucberfüllung des Kessels keine Rede sein könne. Die Annahme, daß das Phosgen auf die Schweißnähte des Kesiels chemisch eingewirkt haben könne, sei durch nichts erwiesen. Eine Zersetzung des Phosgens und die Bildung von Salzsäure, die auf die Kesselränder zerstörend hätten einwirken können, sei eben- falls nicht festgestellt worden. Solange aber über die Ursache der Zerstörung keine Klarheit bestehe, könne von einem Verschulden der zuständigen Behörden nicht gesprochen werden. Di« Beschaffen- heit der Kessel hätte den Vorschriften der Verordnung über den Verkehr mit verflüssigten und verdichteten Gasen entsprochen. Ergebnis des Preisausschreibens der Deutschen Liga für Völker. bund. Für das an den Preußischen Pädagogischen Akademien ver- anstaltete Preisausschreiben der Deutschen Liga für Völkerbund über das Thema:„Werden und Wirken des Völkerbundes, dar- gestellt für Kinder des achten Volksschuljahres", hat den Preis den Arbeiten der Herren Wilhelm Bender- Bonn und Willy Verhoeven-Glesch. Kreis Bergheim, zuertannt. Der Preis besteht in einer Reise nach Genf und 14tägigem Aufenthalt dort zur Zeit der Svmmerkurse und der Vollversammlung des Völkerbundes. Freitag, 19. Juli. Berlin. 16.00 Dr. Bollraann: Die Spcrischau des Monats, 16.30 Dr. Birnbaum; Weee aum Wohlstand. 17.00 UnterhallurzsTnusik der Kapelle Alfred Brox. 19.00 Dipl.-Inx. H. Qroetk: Das Verhalten unserer Metalle bei hohen und tiefen Temperaturen. 19.30 0. E. Kitzler: Die Rosengärten von Forst(Niederlausitz) and Britz. 20.00 I. Debussy: Prdlude(Alexander Michael Szenkar mit seinem Orchester). 2. Gauguin: Briefe aus Tahiti(gelesen von Ernst Qinsberg). 3. Steven. son: Nacht Im Busch(gelesen von Meinhart Maur). 4. Delius(Orchester. masik). S; Stevenson: Eine Südsee-Hochzeit(gelesen von Gertrud Eysoldt). 6. Braunr Beim Wirbelsturm(gelesen von Ernst Qinsberg). 7. Debussy; La mer(Orchestermusik). 8.„Unterm Karibischen Mond", dramatische Studie von Engine G. O'Neill, übertragen von Gustav Kauder. Nach den Abendmeldungcn: Bildfunk, Kfinigsvusterhansen, 16.00 Dr. Meisel; Der Sport als Volksschule. 16.30 Mersmann: Einführung in Sonate und Sinfonie. 17.00 Nachmittagskonzert von Leipzig. TS.OO Direktor Platzer: Bevölkerungs- und Lehrlingsmangel. 18.30 Dr. Arnold Funke: Sommerreise durch Norwegen. 18.55 Mahrholz: Die Wandlung im Geistesleben der Gegenwart. 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 20,15 Aus dem Theater am Bulowplatz:„Berlin, wie es weint und lacht", Volksstück mit Gesang. ©O0 Potsdamer Strafe 38 Dm veradswandenc Testament mit Carlo Aldfnf SdimcliBg scbUgt Paolino Rheinsiratjc 14-fAn-dtr Kais.-Eiche) Baddenbogoks m. M«dy ChristiAiu u. Alired Abel Hotel Potemkta m. Ltllan Harvey OdcOD, PohdamerSkr.75 Die rclchsle Freu der Weift rnil Lee Parry Gesd&mlnkfte Jagend ntll Toaj vmn Byk Alexanderstr. 39-40 (Pagsage) Abenteuer mit Charlie Chaplin Mäddtens cheu mit Harold Lloyd Turmstratjc 12 ■ Sehdnafcara j Alhambra Be«�Sh9;,5lJ SchSneberg, Haupts tr. 30 Verden (Das Heldentum zweier Völker) Bahnenschaa Jugendliche haben Zutritt Titama Cuta slhs�herg) Hauptstraße 49 Beginn ab£30 Uhr Sfindig und sfl| mit Anny Ondra Quartier Latin mrt 1. FetiorWh, C- Baal Welt-Kino Alt-Moabit 99 Wie Sdiinellnd Paolino besiegte An der sdaönen blauen Donan Schlüter-Theater Schill terstr. 17 W. 7 u. 9.15 U, S. ab 4 U. Abenteuer mit Charlie Chaplin Mein Herz Ist eine Jazzband ■«t.B.lt«■ Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. z, Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung; Die Ilfadic Witwe Dolore« Costello Rln-Tin-Tins MUlloneahalsbaad W Uchfrfnldn-Wnat> { Wochentags 630, 9 Uhr Stg. 5, 7, 9 U. Stg. 3 U. J.-V. Hindenburgdamm 58a Die neue Heimat mit R. Schildkraut Jahrmarkt der Liebe Bohnen schau Südwesten Fflm-Paiast Kammcrsälc Teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. Hurra, Ich lebe I m. Nikolai Kolin .... und abend« In» Maxim W Marlendorf> M«a T s Marlendorfer lia-L-1 Ltchtoplele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Zug. V Hingabe(Weib am Kreuz) Wie Madame befehlen ■»nd*n* Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 430 Uhr Der rote Kreis mit Lya Mar« Mßdcl sei lieb mit Colleen Moore Filmeck Beginn:W'Ä Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Wenn der welbe Flieder wieder blüht mit V. ScfamltterlAw Gute Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Urania-Theater Wrangclstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7, 9 Uhr Leutnant ihrer Majesftlft mit Petrovidk 2 Lustspiele 3 BObncn-Afttraktionen Primus-Palast Hermannplatz Ja, Ja, die Frau'n sind meine schwache Seite mit Hans Alben Auf der Bühne: Engen Rex, Vorträge zur Laute Elysium Giim"�) Hasselwerderstraße 17 Abenteuer mit Charlie Chaplin Eine Nacht In London mit L. Harrey Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205—210 Die Kamcradschaitsebc Wie Schmellng Paolino besiegte Groge Rem« Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentg. ab 7 U.. Sonntag ab 5 U. Die Weltsensation: Wie Sduneilng Paolino besiegte Ferner: Auf der Reeperbahn nachts nm Vjl Sensations-Lustspiel mit Eddie Polo Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Erstaufführung für den Osten: Erotik Revue: Liebeszauber Im Lenz Concordia-Palast Andreasstraße 64 Das verschwundene Testament mit Carlo Aldini Die Regimen stcxhtez mit Betty Baitour Bühnenschau Kosmos-Lichtspielc Lichtenberg, Lückstraße 70 Das nfrrische Glück mitM.PandIer Zirkus Fat und Patachon Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt W FrfodrtcHsenldn> Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Lemkes sei. Witwe mit Llssl Ama Ein Bandit von Ehre mit Fr. Thomson „Elysium", Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Boxkampf Schmellng- Paolino Ja. Ja, die Frann'n sind meine schwache Seite Bühne: Engen Rex Skala-Liditspicle Schönhauser Allee 80 Verdnn(Heldentum zweier Völker) Hotelgehelmnlsse m. Magda Sonja Groge Bühnenschau CollOSSCUm Bühnenschau Schönhauser Allee 123 Das verschwundene Testament mit C Aldini Launen der Liebe, Revue Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Wie Schmellng Paolino besiegle Das verschwundene Testament mit Carlo Aldini Lebe, liebe, lache, Revue Forhma-T ageskino Müllcrstraße 12 c Bcg. 10 U. vorm. Da« fahrende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Weift prodakilon Metro-Palast ChaussecstraSe 30 Gro�stadHugend m. Harry Liedftke und Maria Pandler Dulderin Weib mit Maria Corda Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 6U., Stg 5U Stg. 3 U. jugendv. Das verschwundene Testament Sklavin einer Ebe- D. Siegespreis „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Zlgcnaerblul Oer Apache W BolnielconclorNon�h Bürgcrgartcn-Lichtsp Hauptstraße 51 Hotelgehelmnlsse mit Magda Sonja Abcntcncr mit Charlie Chaplin a qozunctbrtinnwn» „Alhambra" Badstraße 58 Verden(Heldentum zweier Völker) Das Paradies der Kletterer Groge bühnenschau Ballschmicdcr- Lichfsp. Badstraße 16 Sündig und sük mit Anny Ondra Der rasende Ritt Bühne: Revue Groge Bühnenschau Humboldt-Theater Badstraße 16 Das indisdie Grabmal I. n. IL Teil Relcfahalftiges Beiprogramm BOhncnschaa Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Erotik mit Olat Fjord 4 Bühnen- Attraktion Beiprogramm B Pankow M Palast-Theater Breite Straße 21 a Im Rampenlicht m. Esther Ralston Das gewisse Etwas m. Clara Bow Tivoli« Pankow Berliner Straße 27 Unter d. Laterne(Trink, Brüder- lein, trink) Sketch: Madame betrügt g HtociercchanhcauinTh Film-Palast Blankenburger Straße 4 D»r*',B�?»deBb"g«r Tor mit Fritz Kampers Der Prtsldent m, Iwan MoaJnUn