ZXopgeaausgads Rr. 332 A 120 46.Iahrg seitigen. Aber die Sowjetregierung muß, wenn sie wirklich auf die imperialistischen Ziel« in der Mandschurei verzichtet, wie sie es behauptet, aus eigener Initiative weiter gehen und die end- gültige Lösung aus dem Weg« der Gleichberechtigung suchen, der in den Verträgen von 1924 selbst angedeutet ist. Rußland hat in der Mandschurei nichts zu suchen. Die Transitinteressen des transsibirischen Verkehrs können auf einem anderen Wege geregelt werden. Um die Sympathien und Unterstützung des Weltproletariats und vor allem des eigenen Volkes zu erwerben, bemüht sich die Sowjetregierung, das national-revolutionäre China als das Land der Gegenrevolution, als das gefügig« Werkzeug der imperialistischen Großmächte hinzustellen, die mit der Hand Chinas das sozialistische Rußland im Blute zu ersticken suchen. In VUrMchkelk aber ist weder Rußland ein sozialistischer Slaak, noch ist Ehina ein blindes Werkzeug der ausländischen Imperialisten, obwohl das nakional-bürgerlich konsolidierte Ehina ebenso eine Aussöhnung mit den Großmächten sucht, wie seinerseits Rußland nach Anerkennung und Kredit unter den Großmächten wirbt. hier und dort sehen wir bürgerlich« Revolutionen im Ab- stiege, wem: auch unter verschiedenen Deckmänteln und aus den verschiedenen Stufen der Entartung. Hier und dort sehen wir trotz Verschiedenheit der sozialen Basis Parteidiktaturcn auf einer und derselben organisatorischen Grundlage aufgebaut.(Bekanntlich wurden seinerzeit die Kuomintangpartei und ihre wichtigste Stütze, die Notionale Anne«, durch die bolschewistischen Instruktoren nach russischem Muster„reorganisiert".) Hier und dort sehen wir eine unverantwortliche und ost abenteuerliche Außenpolitik, die durch das Volk nicht kontrolliert wird— und darin liegt die größte Gefahr für den Weltsrieden. Di« sozialistische Arbeiterschaft Westeuropas kann deswegen nur in der Wiederherstellung der Demokratie und insbesondere in der freien Selb stb etäti- .gung der Arbeiterklasse die notwendigen Boraussetzungen und Garantien auch für den dauernden Frieden im Osten sehen. Die vorherige Losung der Komintern:„Hände weg von Ehina" wird jetzt durch die neueste Parole:„Hände weg von der ost chinesischen Eisenbahn!" abgelöst. Aber diese Losung kann keineswegs die Parole der Arbeiterinternationol« sein. Denn die ostchinesischc Bahn ist nur ein Werkzeug der rotimperia- listischen Politik Moskaus in der Mandschurei und dadurch in China. Daß China ein Staat ist, der sich aus der national-bürgerlichen l Grundlage konsolidiert, ändert nichts daran. Dem internationalen, wie dem russischen Proletariat einzureden, daß seine Klassen- pflicht ist, den Krieg für die Erhallung der Ostchinabahn in den russischen Händen zu unterstützen, ist sowohl ein Blödsinn wie ein Verbrechen. Dl« internationale Arbeiterschaft kann und darf nicht in dem Streit am Pazifischen Ozean Partei nehmen, sondern muß mit ollen Kräften für den verstäydigungsweg eintreten. Vor 25 Jahren hat der Zarismus das russische Volk für die Waldkonzessionen in Jalu(Korea) In einen blutigen Krieg hinein- gehetzt. Will die Sowjetregierung trotz der traurigen Folgen des zaristischen Experiments im Fernen Osten einen neuen Krieg für die Eisenbahnkonzession in der Mandschurei heraufbeschwören?— Wenn es nicht der Fall ist, muß sie einlenken und den V e r st ä n d i- gungsweg mit China entschieden beschreiten. Peter Garwy. Hoch die Gchühengilde! Auch fle will vom Staate ausgewertet werden. Ueber neue Aufwertungs- und Rentenkuriosa weiß der „Dem. Zeitungsdienst" zu berichten: Daß die Stadt Schönlanke in der Grenzmark Posen-West- prcußen ein« besondere Rolle in der Geschichte gespielt hat, ist bisher nicht bekanntgeworden. Aber einen historischen Wert birgt sie doch, das ist die Schützengilde Schönlanke 1794, die vom Staat eine jährliche Gratifikation von 159 M. erhalten hat und um die Aufwertung dieser Zuwendung vorstellig wird. Da gibt es aber auch in Kiel die Große Grüne S ch ü tz e n g i l d e. Es ist lange her, daß der König von Dänemark Herr über Schleswig-Holstein war. Vor mehr als 2 Jahren, Anno 1725, hat er der damaligen„Großen Schieß- und Brandgilde" in Kiel das Privileg erteill, daß in den Jahren, in denen e i n Königsschießen stattfindet, der jeweilige Schützenkönig von allen Steuern befreit sein soll. 1776 ist dieses Privileg abgelöst worven durch eine an den jeweilige« Schützenkönig zu leistende Zahlung von 40 Reichs- talern. Diese Summe ist mehr als ein Jahrhundert über alle Aenderungen der Währung hinweg gezahlt worden. Die Inflation hat in das Schicksal dieses Erinnerungsstücks an Schleswig-Holsteine Dänenzeit mit rauher Hand eingegriffen, und es ist, wenn man sich die Ansprüche des hessischen Hauses, der Herren von Breidenbach und der Schützengilde in Schönlanke vor Augen häll. nur zu ver- ständlich, daß auch die Große Grüne Schützengilde in Kiel um die Aufwertung ihrer Königsrcnte prozessiert. Es ist wirklich ein Glück, daß leibliche Nachkommen des berühmten Sagenhelden Siegfried in Deutschland nicht bekannt sind. Sonst würden sie wahrscheinlich von der Republik Aufwertung des Nibelungenhortes ver- langen, den der grimme Hagen im Rhein versenkt hat. Die Entscheidung des Reichsgerichts, daß für diesen Schaden die Republik als Rechtsnachfolaerin des burgundischen Königs- Hauses in Worms hastet, wäre so gut wie sicher! Giudeniisches. Immer weiter rückwärts.— Wo bleibt der Abbav des Berechtigungswesens? In Hannover ist am Sonnabend«in sogenannter S t u d e n- tentag zusammengetreten. Slus den Ansprachen und Reden stieg immer wieder der Gedanke hervor, daß es Ausgabe der Studenten- schaft sei. die angeblich so herrli6)en Zustände der Dar- kricgszeit in Deutschland wieder herzustellen. Bei den studentischen Wahlen der Universität Heidelberg. einer der wenigen, an denen bisher die republikanischen Studenten eine geringe Mehrheit hatten, siegten diesmal die rechrsstehendcn Gruppen. Großdeutsche und Nationalsozialisten gewannen von 42 Sitzen 24, haben also/ die absalute Majorität. Immer stärker macht sich auf den Hochschulen der Kastengeist bemerkbar. Die Mehrheit der Studentenschaft will von einem Staat nichts wissen, der die Bevorrechtigungen und politischen Privilegien der Schichten, denen diese Studenten- schaft entstammt, beseittgt hat. Um so mehr wird die Republik sich zu fragen haben, ob es bei dieser Gesinnung nicht«in« Gefahr bedeutet, die tatsächlich noch vorhandenen Privilegien der Studierten aufrechtzuerhalten. Die Vorgänge an den Hochschulen bedeuten eine ernste Mah- nung an die bürgerlichen republikanischen Parteien, endlich am Abbau des Berechtig ungswosens mitzuhelfen, das sich bisher durch ihre Unterstützung noch ausrecht erhalten hat. Dieser Studentenschaft ein Privileg auf deu größten Teil der künftigen Staatsämter zu schaffen, besteht wirklich kein Anlaß. Wenn heute ein tüchtiger Mann Mini st er, Oberpräsident usw. werden kann, ohne im Besitz eines Berechtigungsscheines zu fein, so ist gar nicht zu erkennen, warum für so und so viele untergeordnet« Posten das Examens- und Bsrcchtigungs- wesen aufrechterhalten werden muß. Di« Parole„Freie Bahn dem Tüchtigen" wird zwar von allen im Munde geführt. In Wirklich- keit aber wird dem Tüchtigen in neunzig von hundert Fällen die Bahn verbaut durch die Barrieren des Be- rechtigungswesens. Will sich die Republik nicht selber ihren Feinden ausliefern, so müssen diese Schranken end- lich niedergerissen werden Sozialisten in Ltngarn vogelfrei! Oer Staatsanwalt feiert die Mörder. Budapest, 20. Iuli.(Eigenbericht.) Die Slaalsanwaltschast hat nunmehr auch das verfahren gegen die letzten im verdacht der Ermordung der sozialisti- sehen Redakteure Somogyi und B a c s o stehenden ungarischen Faschisten eingestellt. Die Einstellung de» Versahrens gesen den Hauplbeteiiigten Fejas ersolgke bereits vor mehreren Wochen. In der Begründung des Schrittes des Slaalsanwalles wird die bestialische Mordtat geradezu verherrlicht und u. a. gesagt, daß die Mörder mit der Tat die Absicht verfolgten, dem nationalen Gedanken zu dienen. ,/Oynastie pilsudski?" In dem Wilnaer Blatt„Slawo" empfiehlt der auf dem rechten Flügel der Regierungskoalition stehende Sejmabgeordnete Mackie- wicz die Schaffung einer Dynastie Pilsudskis. Ein solche Dynastie könnte die Fortsetzung einer kräftigen Außenpolitik und die Em- schränkunq gefährlicher innerer Kämpfe um die Macht garantieren. An Stelle des verstorbenen Abgeordneten Lüncuschloß tritt der Kaufmann Robert Schulte, Wonne-Eickel(Wirtschoftspartei), in den Reichstag ein. Zunahme der amerikanischen Staolsausgaben. Das Weiße Haus reckmet mit einer Erhöhung der jährlichen Stootsausgaben um schätzungsweise 249 bis 399 Millionen Dollar. Allein das Gesetz über die Farmerhilse wird 159 Millionen im Jahr beanspruchen. Slußerdem weisen die Ausgabanoorschlägc für öffentliche Arbeiten, Post und Heer beträchtliche AusAabcnsteigerungen auf. Demnach beruht die Hössnung aus eine Senkung der Steuern einzig und ollein noch darauf, daß es gelingt, eine Lösung der jkreuzerfroge herbeizuführen, Sachverständige vor! Das Problem der Arbeilslofigkeii. Die Arbeitslosenzahlen lassen erkennen, daß die Kata- strophe des letzten Winters wirtschaftlich überwunden ist. Der Punkt, auf dem die deutsche Volkswirtschaft sich gegenwärtig zu stabilisieren scheint, ist aber recht tief. Es müßte also alles ins Werk gesetzt werden, um einen A u f st i e g, einen höheren Beschäftigungsgrad, eine größere Stabilität unserer Volkswirtschaft herbeizuführen. Tatsächlich berät gegenwärtig ein Ausschuß von Such- verständigen über das Arbeitslosenproblem. Aber nicht dar- über wird beraten, wie die Zahl der Arbeitslosen, sondern wie die Zahl der unterstützten Arbeitslosen und wie die Unterstützung herabgedrückt werden sollen. Man will„sparen"', indem man mit unserem kostbarsten Kapital, mit der Arbeitskrast verschwenderisch umgeht. Wie wir schon bemerkt haben, behalten wir uns vor, nach Abschluß der Beratungen im Reichsarbeitsministerium zu dem Er- gebnis Stellung zu nehmen. Wie dieses Ergebnis auch aussehen wird, an dem eigentlichen Arbeitslosenproblem wird damit gar nichts geändert. Alle Aenderungen des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung werden an der Arbeitsmarktlage nicht das geringste ändern. Oder glaubt jemand ernsthast, daß die Arbeitsmarktlage günstiger wäre, wenn die annähernd fünf Viertel Millionen Arbeit suchender weniger oder gar keine Unter» stützung erhalten würden? Ganz abgesehen davon, daß die Unterstützung«ine wenn auch wesentlich herabgedrückt« Kaufkraft auf dem Warenmarkt darstellt, so wird doch wohl auch der größte Schreier nach„Reform" der Arbeits- losenoersicherung nicht behaupten, daß z. B. die Schuh- fabriken wieder voll beschäftigt würden, wenn man den Zehntausenden Arbeitslosen und Kurzarbeitern der Schuh- industtie die Unterstützung entziehen oder den Anspruch auf Unterstützung noch weiter herabsetzen würde! Was not tut ist nicht ein Sachverständigenausschuß im Reichsarbeits- Ministerium über die Höhe, Dauer und Voraussetzungen der Arbeitslosenunterstützung, sondern ein Sachverständigenaus- schuß für Arbeitsbeschaffung und Konjunktur- a u s g le i ch. Man hat ja seinerzeit auf diesem Wege schüchterne Per- suche gemacht. Man hat Länderkonferenzen«inberufen, um die Vergebung von öffentlichen Arbeiten zu regeln. Was ist daraus geworden? Auch der Ausbau der Arbeitsvermittlung, der Berufs- beratung und Verufsschulung gehört zu diesem Problem. Und wie wäre es, wenn man den Wohnungsbau, die Melio- rationsarbeiten, die Verbesserung unseres Straßennetzes in Zeiten absinkender Konjunktur intensiver finanzieren würde? Hier liegt ein weites und fruchtbares Feld, das«in Sach- verständigenausschuß beackern könnte. Der Sachverständigenausschuß im Reichsarbeitsministe- rium wird an der Lage des Arbeitsmarktes und der Zahl der Arbeitsuchenden gar nichts ändern können. Er kann besten- oder schlimmstenfalls«in Schönheitsflästerchen auf «in« schwärende Wund« kleben. Das ist kein« Heilmethode, sondern höchstens Kosmetik. �oung-plan und Eisenbahner. Christliche Legenden. „Der Deutsche", das Organ der christlichen Eewerkschasten, brachte in Nr. 168 vom 20. Juli 1929 unter der Ueberschrift„Ein bedenNiches Zeichen. Die sozialistischen Eisenbahnerverbände scheiden aus der Kampffront gegen den Aoung-Plan aus"— ein« Mitteilung des politifch-gewerkschaftlichen Zeitungsdienst«?, die an Verlogenheit nicht übertroffen werden kann. Demgegenüber stellt der Einheitsverband fest- Seit Erscheinen des Doung-Planes hat überhaupt noch keine gemeinsame Sitzung der Eisenbahner- verbände stattgesunden. Es ist daher nicht möglich, daß sämtliche Verbände der Reichsdahnbeamtenschaft geschlossen ihre Forderungen dem Reichsoerkehrs- und Reichsfinanzministerium überreicht haben. Da ein solcher Schritt nach Erscheinen des Noung-Plancs nicht stattgefunden hät, konnte der Einheitsverband aus der gemeinsamen Front auch nicht ausscheiden. Richtig ist, daß der Einheitsoerband gemeinschaftlich mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer der Reichsregierung eine umfassend« Denkschrift über ihre Stellungnahme zu der nach dem Doung-Plan erforderlichen Ab- änderung der Reichsbahngefetzc übermittelt hat. Diese p r a k- tische Arbeit unterscheidet sich allerdings wesentlich von dem Ge- schreibsel der dem DBB. angeschlossenen Verbände, di« bisher in dies«r Frage lediglich Agitationsrummel getrieben haben. Mit welcher Leichtfertigkeit der politisch-gewerkschastliche Zeitungsdienst vorgeht, zeigt seine Behauptung, daß in der Presse des Einheitsverbondes die Stellung der Eisenbahner zum Doung- Plan nur sehr knapp und im ollgemeinen mit den Worten behandelt wurde, daß zwar nicht alles befriedigend sei, aber die Annohm« des Poung-Planes auf keinen Fall verzögert werden dürfe. Wer das schreibt, kann unmöglich die Press« des Einheitsverbandes und der Lokführer gelesen haben- sonst wäre ihm nicht entgangen, daß der Einhcitsverband in jeder seiner Zeitungen seit dem Erscheinen des Aoung-Planes ausführlich« Abhandlungen über dieses Thema gebracht hat. Der Gipfel der Verlogenheit ist di« Behauptung, daß auf die sozialdemokratischen Eisenbahnerverbände eingewirkt worden sei, von den weitergehenden Forderungen der anderen Verbände sich loszulös«n, um der Regierung keine Schwierigkeiten zu be- reiten. Dos ist eine dreiste Erfindung, die die Tatsache verdecken soll, daß di« DBB.- Verbände bisher überhaupt noch keine konkret« Forderung aufgestellt haben. Mit bloßen Redensarten darüber, daß die Eisenbahnregelung im Poung-Plan nicht befriedigt— ein« Auffassung, di« wir durchaus teilen— ist die gewerkschaftliche Pflicht von Eisenbahnerverbänden noch nicht erfüllt. Gleich und gleich gesellt sich gern. Kommunistische Solidarität. Die„Rote Fahne' brachte gestern unter der Ueberschrift„Urich organisiert Stteikbruch bei den Rohrlegern' ein« Notiz, die nicht nur di- Verlogenheit dieses Blattes kennzeichnet, sondern auch di« Methoden, die die unter Führung Niederkirchners stehende söge- nannte„Vereinigung der Rohrleger und Helfer Groß-Berlins" gegen den Metollarbeiterverband betreibt. In dieser Notiz wird behauptet, daß es die im Metallorbeiteroerband organisierten Rehrleger und Helfer auf der Baustelle John u. Nagel abgelehnt hätten, sich dem Proteststreik der Rohrleger Niederkirchnerscher Eouleur anzuschließen, in den dies« wegen der angeblichen Maßregelungen des Bettiebsobmannes Kaiser getreten sind. Den wahren Grund dieser„Maßregelung" verschweigt die „Rote Fahne" jedoch wohlweißlich, weil sonst wahrscheinlich auch keiner ihrer Leser di« Notwendigkeit dieses Proteststreiks begreifen würde. Der Dorfall hat sich folgendermaßen abgespielt: Der Ve- triebsobmann Kaiser und der zur Vereinigung gehörende Rohrleger St. waren auf der Baustelle so betrunken, daß sie ihre Arbeits- kollegen in der unflätigsten Weise anrempelten. Ein 63jähriger Rohrleger, der Mitglied des Metallarbeiterverbandes ist, kam hinzu und ermahnte die beiden Trunkenbold«, sich doch so zu benehnicn, wie es anständigen Menschen geziemt. St. beantwortete dies« Er- Mahnung damit, daß er dem alten Mann ein« gefüllte Bierflasche auf den Kops schlug, worauf die übrigen Bauarbeiter dem Rohling ein« zünftige Tracht Prügel verabreichten. Der Betricbsobmann Kaiser, der in den Streit noch zugunsten des St. eingegriffen hatte, machte mit den Fäusten der empörten Bauarbeiter ebenfalls Be- kanntschajt und wurde von dem alarmierten llebersallkommando von der Baustelle fortgeschafft. Die Firma hat darauf die beiden Rauf- und Trunkenbold« fristtos entlassen. Wegen dieser Enllassung sind die zur Niederkirchnervereinigung gehörend«» Rohrleger in einen„Solidaritätsstreik" getreten. Sie verlangten van den freigewerkfchaftlich organisierten Rohrlegern und Bauarbeitern, daß sie sich dem Streik anschließen sollen, was von diesen jedoch abgelehnt wurde. Mit Recht haben sich die organisierten Arbeiter geweigert, für solche Elemente auch nur«in« Minute Solidarität zu üben. Daß sich die„Rote Fahne" mit Ihnen solidarisch fühlt, ist für das Blatt bezeichnend, aber niemand wird sich darüber wundern._ Ein Fünfundfechzigjahriger. Vor dem großen Hamburger Hafenarbeiter streik im Jahr« 1896 bis zu 1897 war Johann Döring einer der vielen unbekannten und ungenannten organisierten Arbeiter. Bei diesem Streik aber trat der Hafenarbeiter Döring mit in die vorderste Reihe. Am 1. Juli 1898 wurde er im Hafenarbeiterverband, der seinen Sitz in Hamburg hatte, angestellt und schon nach dreioiertellähriger Tätigkeit zum Vorsitzenden seines Verbandes bestellt. Als dann im Jahre 1910 di« Verbände der Hafenarbeiter und der See- leute sich mit dem Transportarbeiterverband in Berlin ver- schmolzen, mit dem heutigen Verkehrsbund, wurde Döring zweiter Derbandsvorsitzender, welchen Posten er heute noch in voller Rüsttgkett versieht. Vierzig von seinen fünftmbsechzig Iahren hat unser Genosse Döring im Dienste der Arbeiterbewegung verbracht und wir können ihm nur wünschen, daß es ihm vergönnt sein möge, noch manches Jahr in voller Rüstigkeit und gutem Humor seinen Posten auszufüllen und der jüngeren Generation seine wertvollen Er- fahrungen zu übermitteln._ Keine Einigung im Vaumwollkonflitt. Loado«. 20. Zuli.(Eigenbericht.) Dl« vermittlungsakkion der Regierung im Laumwollkonslikt muß vorläufig als geschelkeri angesehen werden. Als die llaleroehmer am Freitag In der fei« längerer Zeil vorgeseheneu gemeinsamen Sitzung die Forderung der Arbeitnehmer ans Zu- rückzlehuug der Aossperrungsküadignng vor dem Beginn der eigentlichen Verhandlungen nicht entsprachen, wurden die Verhandlungen abgebrochen, ohne daß die Vorschläge der beiden Parteien auch nur erörert worden wären. Der Handelsmimster Graham will am kommenden Mittwoch im Unterhaus die Einsetzung eines neuen Ausschusses ankündigen, der eine eingehende Untersuchung der gegenwärtigen Lage in der Baumwollindustrie anstellen solle. Kommt es im Laufe der nächsten Woche nicht zu einer Ber- stänldigung, dann beginnt am 27. Juli die Aussperrung von über einer halben Million Textilarbeiter und-arbeilevin- nen, die dadurch gezwungen werden sollen, sich ihre Löhne um den achten Teil kürzen zu lassen. Deutscher Baufteweri-Kuid.«auaewerlschaft Serll». Vt-nts«, 17 Übe, in den Residem-svestsalen, Landsberaer Etr. 31, Baudelec »Kreie Gewerkfchasts«Jugend Groß-Verltn Sali. ■Vi_____________________...___________ leglertenver- fammlung. Theuio- Der Aufruf der Seneralvcrsanunluna zur Einheit. In dieser Bcrsammlunn werden die Fragebogen für die Iunistatisiik ausgegeben. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert. Der Vorstand. Ein« achttägige«Schsische-Schiaeis-Rell« veranstaltet der 8«ntral»erband der Angestellten, Ortsgruppe Grob- Berlin, für seine Mitglieder und deren BngehSrigc. Eie findet vom Eonntag, dem 18. bi» Sonntag, dem LZ. August. statt. Die Teilnehmergebithr beträgt KZ M. und umsaht all« Fahrgelder ob Berlin für Eisenbahn, Dampfer usw., Uebernachtungen«sein Massenauartier). gutes Mittagessen, erstes Frühstück und sonstige Bestchtigungs- und Führungs- kosten einschließlich Trinkgelder. Da nur noch wenige Tellnehmervlät» frei stnd. müssen sich Interrssentea sofort im Berbandsbureau, Belle-Alliance- Straße 7—10, Nl, am Schalter»Hasse", anmelden und gleichzeitig eine An» Zahlung von 1Z M. entrichten. Dort ist auch ein ausführlicher Reiscplan und jede wcitcrc Auskunft erhältlich._■■_ fl beute. Sonntag, folgend« Beranstaltung: Achtung, Sprechchor! che. wcrkschaftsfest � in Spandau. Treffen zur Aufführung um IS Uhr Im Lokal Karlslust i» Hakenfelde. Fahren mit der Straßenbahn Linie ZK bis Endstation.—-Wir bitten, die Bolksbühnenkarte»»mgeheud in der Jugend. zentrale, Eagelufer 24—25, zweck» Umtausch abzugeben. Die Umtauschgebüh- beträgt 1 M. Neuauinabmen find gleichfalls in der Iugendzcntrale ab- zugeben. Iuqendqruppe desZenfralverbandes der AnflesteMen Morgen, Montag, finden folgende Bcranstaltungen statt: Tegel-Rei- »ickendarf: Wir besuchen die Beranstaltung de» Jugendbezirks Wcdding — Wcdding! Achtuiigl Wir treffen uns vor den Tribünen des Sportvlaßes „Rebberge" und suche» ein in der Nähe gelegen» Jugendheim auf. Boriraa- »Ein Tag im Gefängnis". Referent: Lcwinfki.— Schönhauser Borstadt isrüher Prenzlauer Berg): Jugendheim flastanin, aller 81. Bortrog:..Soziales Wandern".— Lichtenberg: Jugendheim Guntcrstraßc. Bortrag:»Wir und die Wehrfrage". Referent: Ludwig Dicderich.— Urban: Jugendheim Sobrechl- Ecke Sandcrstraße. Lieder- und Spielabcnd.— Tempelhol: Jugendheim Ger- maniastr. 4—6. Vortrag:»Ali. Berlin in Watt und Bild". Referent: Georg Scilbrunn.— Eharlottcnburg: Jugendheim Rofinenftt. 4. Borirag: JTüt und wider die Todesstrafe". Referent: Lewinski. @ Berantwortlich für Politik: Dr. Enrt Geyer: Wirtschaft: S. itUagelhäs«: Sewerkfchaitsbewegung: I. Steinet; Feuilleton: Ä. K. Döfcher: Lokales und Sonstiges: Walter Trojan: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Bcrlag: Borwärts-Berlag S. m. b. H.. Berlin Druck: Borwärls-Buchdruckerri und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW 68. Lindenstraße S. Hierzu Z Beilege» und»Unterhaltung und Wissen". D/i.�b�!<>.e!DUNcZ STRICKKLEIDUNG WASCHSTOFFE KLEIDERSTOFFE SEIDENSTOFFE Sportkleid aus gestreift«« kunstseideneo Tofle Kleid b«dr»elct«r VestraA* Kleid bedruckfer reinseid. Japon, Größe 42-46 DAMENWÄSCHE 322 72 1422 Raisemantel H errenstoff, gaaz auf Futter Rslcekostüm kleinkarierter Stoff, Jack 1922 (•KOSTUrn ar(«rt«r Stoff,»— •«rfFnttar• 322 Damenweste gewirkt, Kunstseide mit Boomwolle, ohne Ärmel Pullover verk Knuhotd**. Boumwoff« Jscooard, m» Xraeln Filzhute In vielen Färb. u. Formen, mit Band garniert Hemdhose mit Stickerei Höh I s a Schlafanzug färb. Batist, m. weiß. Krpg. und bunter Stickereiweste " OSO o m HM1■Satt 4,65 222 TRIKOTAGEN 2Z5 22 Strickkleid m. gemustert. 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Die seltsame Atmosphäre des Dach- geschosses steigert nur noch die Spannung, dieser Geruch von dörrenden Balken, moderndem Kalk und trockenem Staub. Dazu schaukeln bedenklich die altersschwachen, splittrigen Dielen. Am liebsten möchte der kleine Junge umkehren. Aber er kommt nicht los von einer grauen, blinden Glasscheibe, die eine Eisen- schiene als Schwanz hat. Er wittert irgendein Geheimnis jenseits dieser Scheibe, etwas, wo man ganz nahe den Bögeln sein kann, turmhoch über alle Menschen. Die Bodenluke wird geöffnet. Ein Freudenschrei grüßt den dicken Sonnenstrahl, der im Nu olle Staubkörnchen tanzen läßt, und endlich kommt der beglückende Moment, wo sich das Kind durch die Luke zwängt und sich dann nicht mehr satt sehen kann. Was kümmert es in diesem Augenblick der beschmiert« Anzug? Gedämpft dringt der Straßenlärm hinauf. Das Brummen des bremsenden Straßenbahnwagens ist kaum zu hören, am lautesten ist noch ein Bierwagen, der über das schwere Kopfpflaster rumpelt. Ein sechsrädriger Autobus sieht wie eine Streichholzschachtel aus. In einer Nebenstraße huscht eine winzige Frau vor einem winzigen Auto über den Damm. So weit der Blick reicht, liegt vor dem Kinde ausgebreitet sein erträumter Puppenst.aai. Ueber glühendheißen Dachziegeln zittert die Luft. Selbst die Schornsteine scheinen müde geworden zu sein: wie wahllos hingestellt« Kisten stehen sie schwerfällig auf den Dächern herum. Drüben hat man tausend Waben eines riesigen Bienenkorbes aufgestellt, aber es ist kein Bienenkorb, nur ein G e st e l l für L i ch t r e'k l a m e. Nebenan gurrt und gluckst es.„Warum lassen Sie die Tauben denn nicht raus?" ,�)ach, dann hätte ich die Tauben das letztemal gehabt. Ich habe doch nur sechs, aber der da drüben hat so seine vierzig Stück. Wenn ich nur die Klappe aufmache, dann sind meine bei dem großen Schwärm da drüben. Ich kann doch nicht jeden Abend auf ander Leute Dächer herumkrauchen und mir meine Tauben wieder zusammensuchen.' Im nächsten Satz erfahren wir. daß der Mann, der die vierzig Tauben„da drüben' hat, alt ist. Schmidt heißt, in einer Mühle arbeitet, na ja, und um das Futter für seine Tauben sich kein« grauen Haare wachsen lasten braucht. Wir haben schließlich vom alten Schmidt das Bild eines ganz großen Knickstiebels, der offensichtlich niemandem etwas zuleide getan hat, aber die vierzig Tauben, das ist zu viel. In seiner Straße rangiert er ungefähr in der Kategorie der Vorbestraften. Schmidts Tauben amüsieren sich. Dick aufgeplustert sitzen sie an der Dachrinne und denken weder ans Säen nach ans Ernten. Wozu arbeitet der alte Schmidt auch in der Mühle. Aus Langeweile schubsen sie sich. Zwei unternehmen eine Kletterpartie zum Dachfirst, ein dicker Kröpser balanciert den Giebelrand entlang. Er muß in dem Taubenschlag etwas zu sagen . haben, die einfachen Tauben gehen ihm auch sichtlich aus dem Wege. Besondere Funktionen scheinen diese nicht zu haben, es sei denn, das systematisch« Weißfärben der einen Dachecke. Vielleicht treibt der alt« Schmidt auch einen schwunghasten Handel mit Taubenmist. Nebenan sorgt sich ein Radiobastler. „Ja, misten Sie, wenn e» mir wie meinem Nachbar nur aus Berlin und Königswu st erhausen ankäme, dann genügt natürlich der Anschluß an die Gas- und Wasterleiwng. Zur Not hört man auch noch Daventry oder Wien. Aber man will doch auch die anderen Sender mal hören, und da habe ich eben meine Hochantenne. Gewiß muh so ein Ding gebaut sein, nach allen Regeln der Kunst sogar, sehen Sie sich doch nur das Gestrüpp ringsum an. Kein Mensch braucht das mehr, seitdem die Detektor- apparate überholt sind. Damals spannte sich ja noch jeder seine fünfzig Meter Draht hier oben aus. Jetzt beherrschen das Feld,' der O'Lj A Kryr Mann meinte natürlich die Dächer,„nur noch die Bastler- k a n o n e n.' Wir dachten bei uns, wenn es dem Mann nur nicht so geht wie dem alten Schmidt, aber es ist ja auch dafür gesorgt, daß die Hochantennen nicht in den Himmel wachsen. Denn im nächsten Radiogeschäst prangt ein Reklameschild:„Einwandsreier Fernempfang mit 3 Meter Draht.' Bald werden die Dächer ihre Ruhe wiederhaben. Bei den �Gutsituierten". Das sind die„Proletarier' unter den Dächern. Auf der Dächern der, sagen wir mal,„gutsituierten Häuser' wird es dafür um so lebendiger. Denn Dachgärten sind heute die große Mode. Grandios, was ein Warenhaus im Süden der Stadt, viertausend Quadratmeter groß und zweiunddreißig Meter über der Straße dort oben hinsetzen ließ. Ueberspannt vom strahlenden Sonnenhimmel, dessen Blau unserem Auge wie Silber erscheint, geziert mit leuchtenden Blumenbeeten, die sich zwischen Felsgestein zu kleinen Hügeln türmen und umrahmt von dem erdrückenden Häusermeer der Weltstadt. Wer achtet zum Beispiel unten in der Hetze des Alltags auf die darbenden Bäume längs des Straßendammes, von hier oben ge- sehen werden Straßen, wo noch Bäum« stehen, zu Alleen eines Märchenlandes. Rolltreppen und Fahrstühle wetteifern, ganze Karawanen in den sechsten Stock zu schaffen. Wer zum ersten- mal oben ist, achtet nicht auf Musikkapellen und Kaffee- t a s s e n, als wäre die Bastion ein Magnet, so zieht sie jeden an. Und Proletarierfrauen mit sorgendurchfurchten Gesichtern stehen neben zufriedenen Bllrgerfrauen und beginnen zu raten, was wohl die Reichstags- und was wohl die Domkuppel ist. Als ob die Menschen aufleben, sobald man sie aufs Dach setzt! Der Dachtgarten eines anderen Warenhauses am Dönhoffplatz steht den A n g e- stellten des Hauses zur Verfügung. Es ist übrigens kein aus- gesprochener Dachgarten, wenn er auch im siebenten Stock ist. Es ist mehr ein« groß« Freifläche mit vielen Liegestühlen, um die natürlich jeden Tag ein erbitterter Kampf entbrennt, wenn die Verkäuferinnen Tischzeit haben. Auch hier ein unersättlicher Hunger nach Luft und Sonne. Bei den, Aristokraten". Im Westen sind die„Aristokraten' unter den Dachgärten, mondäne Oasen, errichtet auf Hotel- oder Caföhauspalästen. Lautlos gleitet der Lift zum Dach, besten Zementboden schwere Teppiche verkleiden. Die Wände sind mit Kupferplatten ausgelegt, über einem dunkelblauen Glasbassin spielt eine Fontäne, gelbe und rote Blumen in silbernen Vasen zieren die schneeweiß gedeckten Tische, weich und grau sind die Polstersessel. Nicht einmal die natürliche Schönheit des Himmels kann man hier gebrauchen, man hat sich einen eigenen gemacht aus blauem Glas, mit großen und kleinen Sternen drauf. Abends tanzt man in Diner-Dreß und tief- ausgeschnittenen Kleidern nach einer schmeichelnden Zigeunermusik. Das Häusermeer interessiert nicht sonderlich. Was ist das schon, geschwärzte Ziegel in diesiger Luft, oder der Mann vielleichr dort hinten, der sich jetzt das Hemd auszieht, weil er es beim Teeren des Daches vor Hitze nicht mehr aushalten kann... von A.M.FreY- Copyright 1929 by Qastav Kiepenheuer Verlag A.-a, Berlin Die drei essen von richtigen Tellern, mögen sie auch nur mit einer alten Zeitung abgewischt worden sein; sie trinken etwas dazu, das Apfelwein sein soll, einen Cidre, und der Schaffner kommt in Laune, während er so dasitzt, Rock offen, Hose entriegelt, als wäre er bei Weib und Kind. Er holt sein griffestes Messer aus der Tasche und stochert behaglich die Reste des Esiens aus den Zähnen zusammen. Er sagt unter einem Rülpser, den er gut erzogen mit den Fingern zudeckt:„Hurenhäuser soll's ja hier in Masse geben.' „Warum? Willst du hin?' grinst der Gefreite.„Ich darf euch aber heute nicht mehr aus dem Haus lassen." Da wissen sie mit einem Schlag wieder, daß keine Minute ihres Lebens ihnen gehört. Reisende, abgestiegen in einer Art von kleinem Hotel? Keine Spur! Gefangene des Krieges— ehe sie noch der Gegner gefangen hätte. Ist es da— gemessen an der Freiheit, nach der man sich sehnt nicht eigentlich gleichgültig, von welcher Seite man gefangen- gehalten wird? Der das denkt, ist Funk. Aber der Schaffner Holzer sagt: ..Zu den Huren? Ich will weiß Gott nicht zu ihnen, mein Lieber. Ich frag nur, weil ich davon gehört Hab und weil ich's nicht Hab glauben wollen, weil's eine Schand' ist.— Mächst am End' du hin, Stöger?' Der kleine Bader schüttelt erschrocken den Kopf. Seine Blicke klagen.„Ich Hab ein treues Weib und neun herzige Kinder,' sagt er in einem Ton, als lese er den Satz ab aus der Romanfortsetzung seiner Zeitung in Altötting. Die anderen lachen. Der Schaffner schlägt ihm auf die Schulter:„Neun Kinder? Kamerad, da hast du das deine geleistet. Den schäbigen Rest brauchst du nicht bei den Weibern in Lille zu verplempern.' Aber von Rest will der Bader nichts hören.„Ein zehntes ist unterwegs," erklärt er mit demütigem Stolz.„Und ich weiß nicht, ob es das letzte sein wird. Unserem Herrgott ist ein schönes Eheleben wohlgefällig.' Sie lachen noch mehr über ihn. Der Gefreite sagt: „Stimmt schon— nicht das mit dem Herrgott mein ich—: das mit den Weibern. Es gibt Häuser für Offiziere und Häuser für Mannschaften. An guten Tagen stehen sie vor den Türen an, wie unsere Frauen daheim vor den Geschäften, wenn's was Rares zu kaufen gibt.— Was willst du auch machen hier, damit du nicht verreckst vor Langerweile? Ein Späßchen muß der Mensch haben, und ausräumen muß er von Zeit zu Zeit auch einmal." „Ich glaub, die ganz vorn sind," sagte der Schaffner an- griffslustig,„die brauchen nicht viel ausräumen, weil nicht viel in sie hineingeräumt wird. Aber ihr hier hinten, ihr freßt immer noch gut und reichlich, und ihr schlaft bequem. Das gibt böse Träume.' „Du kannst dich ja vor die Haustür auf die Steinplatten legen," höhnt der Gefreite. „Das tu ich nicht. Aber mein Gerstl verläppern, das tu ich auch nicht." Er wird großartig, er übersieht den Gefreiten, er wendet sich an die zwei Schicksalsgenossen:„Jetzt, wo wir einmal da sind, wollen wir unsere ganze Kraft dem Bater- lande weihen, was Kameraden?" Der Bader stimmt zaghaft zu, Funk sagt gar nichts, aber der Gefreite dreht ärgerlich die fliegenverdreckte elektrische Birne aus der Leitung und befiehlt ins Dunkel hinein: „Jetzt müßt ihr schlafen gehen. Morgen früh um sieben muß ich euch abliefern." Madame hatte sich gleich zurückgezogen, nachdem sie mit Einkassieren fertig war. Sie tappen an einer Kammer vorbei, aus der fettige Schnarchtöne quellen. Sie sind wieder oben in ihrem Zimmerchen und liegen bald auf den Gestellen, die Betten sein sollen. Sie wanken und ächzen schwachbeinig und ausgeleiert umher wie Schiff- chen im Sturm. „Das meine geht auf und ab wie eine Wiege," meckert der Schaffner.„Du wirst alleweil mehr zum Deppen bei dem Betrieb, Hab ich's nicht immer gejagt. Jetzt legen's dich gar in eine Hutschen, wie einen Säugling. Mein Lieber, wenn s' bei die Huren drüben auch solchene Betten haben, nacha dersst dich aber festklammern am Weib, sonst fliegst aus'm Sattel." Niemand antwortet. Der Bader hat einen Rosenkranz zwischen den gefalteten Händen. Betet er oder schläft er schon? Funk liegt lange wach. Er hört Geräusche aus Neben- Häusern, Gesang, Gepolter. Er hört den Tritt einer Wache auf dem Pflaster. Er hört einen Hund heulen, erst nah und kurz, dann immer ferner und zunehmend kläglich. Ein Zug pfeift, Bahnwagen rollen, erst verschlafen, dann hastiger, dann prallen Puffer in einem unbeschwingten Klang grell aufein- ander. Es folgt ein Stöhnen, als hatten sich die Wagen der Räder verrenkt. Vielleicht bereitet sich der Zug, der uns hergebracht hat. darauf vor, wieder heimzufahren. Die Wursthäute, die Zigarettenschachteln, um unsere vermehrt, fahren nach Hause. Wir nicht. Wir für lange nicht. Ach was, welch ein Optimis- mus, sagen wir doch gleich: vielleicht nie mehr. Er horcht neuerdings. Nun ist die Stadt still. Er hört nichts mehr. Doch— er hört—: mit versteckter Gewalt den nächtlichen Himmel weich erschüttert vom Geschützdonner. Er hört es in den Schlaf hinein, zu jeder Minute des unerquicklichen Schlummers, als die große, den ganzen Raum erfüllende Drohung, die nicht mehr weichen soll. Er träumt, aber eigentlich ist es kein Traum, denn es ist ja kein Schlaf, daß der Himmel selber feuert, und daß Gott ein Artillerist geworden ist. 4. Sie sitzen wieder einmal in der Bahn, aber in einer Feld- bahn. Es geht sehr provisorisch zu mit den Weichen und den Schwellen und dem kreischenden, wildgeschüttelten Wagen- Material, das in einer lächerlichen Hast, ohne recht von der Stelle zu kommen, dahinzottelt. Es ist vom Gegner über- nommenes ausgeleiertes Zeug ältester Sorte. „Die Franzosen haben dir ein Gelump im Berkehr!" mißbilligt der Schaffner.„Das wenn wir daheim unfern letzten Bauern zum Umeinanderkutschieren anbieten wollten, die würden uns selber damit in die Hölle schicken." Kann sein, daß nun wir darin zur Hölle fahren, denkt Funk.— Also nicht nur Sanitätskompaanie, sondern zur Infanterie! Denn mittlerweile ist offenbar geworden, wohin sie trans- portiert werden. Die Liller Kommandantur hat ihnen neue Ausweise gegeben, darauf steht, daß sie einer selbständigen bayerischen Reservedivision angehören und innerhalb dieses Verbandes einem Infanterieregiment.(Forts, folgt.) Oberm� Kissen.| Jnlett,| bezog.| bezog, grau-rot Jn- W grau-rot Un- W grau-rot U Linon, zum M m. handgmg lett/n.grauen%lettm.grauenm_ gestreift, W Knöpfen, m Hohlsäumen. Federn. W Federn, W 60x60, TMzeA�Agssl ifs laben, khandudifimdM; bell-| bett- SaKÄl Ä% stelle, uslelle Z95\63M75in&�%«T 6aÜn-0bers€ilMj?frm.l)mt bimse Farben, M ptrkal,bunt, �Obastian-�j MWN 33mm-Rohr, r siebe _._ Messingvereierung, �TderBismarcR-Stnjl Zugfedertnatn.wsß Gustav Svorenfahrer und Aniiquiläienhändlerin. Zwei Einbrecherkolonnen vor Gericht. vom Sommer tgzs bis Ende Februar 132? kooateu die Villen- besitz er in den westlichen Vororten jede Rächt eine»«»erwünschten Besuchers gewärtig sein. 3a Lichterselde. Rikolassee, im Bezirk Eiche und in der ersten Linie in Zehlendors wurden nacheinander am 26. 3uli. 4., 12., 23. August, am 11. und 16. September, am 17., 21. und 28. Oktober, am£, 10., 12., 15., 21., 23. Rovember, am 12. und 30. Dezember und im Januar und Februar 23Einbrüche verübt. In der Hauptsache hatten es di« Diebe auf Teppiche und Silbersachen abgesehen. Wurde der Schaden— im ganzen etwa 150 000 M.— auch von den Versicherungsgesellschaften ersetzt, so war es doch ein unheimliches Gefühl, zu wissen, daß man am nächsten Morgen die Wohnung ausgeplündert vorfinden konnte. Die Diebe arbeiteten immer auf dieselbe Weise. De? Zaun wurde an irgendeiner Stelle durchbrochen, die Fenster eingeschlagen, und das Kostbarste wurde herausgeholt. Die Polizei ahnte, daß hinter alle den Diebesfahrten ein vielfach vorbestrafter Zuchthäusler K o n r a d stehen müsie. Er blieb aber unauffindbar. Seil Oktober 1928 fanden im Eilyvierlel tu schneller Aus- eiaandersolge Ladeneinbrüche statt. Am 23. und am 28. Oktober, am 5,?., 11., 29. Rovember. am 5. und 26. Dezember, am 10. Januar und 3. Februar erbeuleten die Diebe waren im werte von mehr als 100 000 M. Auch hier mußte immer ein« und dieselbe Kolonne am Werke sein. Die Einbrecher gelangten stets durch ein von ihnen hergestelltes Loch in der Deck« in den Laden. Eines Tages hatte die Polizei Glück. Der Wächter beobachtet« an der Köpenicker Sttaß« am frühen Morgen eine Kraftdroschke und einige ver- dächtige Leute. Als er die Polizei holte, mar das Auto verschwunden. Der Wächter hatte sich aber die Autonummer ge- merkt. Man fand den E h a u f f e u r. Es war der ZSjährige Krafttvagenführer Hahn. Unvorbestraft und in polizeilichen Dingen unerfahren, legt« er ein G e st ä n d n i s ab. So kam di« Krimmol- polizei hinter di« Kolon»»« Ostermann, deren Händeroerk die zehn Einbrüehe im Cityoiertel waren. Hahn war ihr„S o o r e n f ü h r« r'. Als aber Ostermann bei der Gegenüberstellung mit Hahn diesen des Verrats zieh und ihn drohte, auch ihn zu verraten, da kam die Polizei auch hinter die Einbrecher aus den westlichen Vororten. Es war di« Kolonne Konrad, und auch der„Soorefahrer* war Hahn. Nun erfuhr die Polizei auch, weshalb e» ihr sola»»ge nicht gelingen wollte, di« Kolonne unschädlich zu machen. Sie halte tu der Antiquitätenhändleria Toni Weier eine Hehlerin, die im Polizeipräsidium noch«bekannt war. Am Kaiserdamm besaß diese ein« gutg«h«i»de A n t i q u i- tätenhandlung und in der Neuen Kant st roß« eine Filiale. Hier setzten die Einbrecher ihr« Teppich« ab. Man erfuhr auch, wieso die Kolonne mit so großer Sachkenninis die Teppich« bei ihren Einbrüchen zu wählen verstand. Ein Türke stand ihr zur Verfügung, der die gute Ware von der schlechten sonderte. Den Vermittler zwischen den Einbrechern und der Amiquitätenhandlung spielte ein gewisser Lenz, der rvegen Betruges und Raubes vor- bestraft ist, sich Doktor nannte und seinen akademischen Grad durch zwei Schmisse im Gesicht vervollständigt hatte So standen beide Kolonnen mit dem„Soorefahrer" und der „Antiquitätenhändlerin"— im ganzen 17 Mann— vor dem Schöffengericht Mitte. Der Türke hatte sich im Gefängnis das Leben genonmwr». Einer der Hauptakteure in der Kolonne Ostermann war flüchtig, einer der Einbrecher,«in bewährter§ 51er und Hahn, der m der Voruntersuchung sämtliche Ganoven verroten und die Polizei an alle die Ort« geführt hatte, wo die Einbrüche begangen worden lvaren, konnte sich an nichts mehr erinnern. Die Polizei, sagt« er, habe bei ihm das Geständnis herausgeprügell. Jn Wirklichkeit hatten ihm aber die Ganoven im Untersuchung-- gefängnis sämtliche Zähne ausgeschlagen. Mit den Zähnen hatte er auch die Erinnerung verloren! Der Staatsanwalt beantragte im ganzen 30 Jahre Zuchthaus, 5)4 Jahre Gefängnis und 50 Jahre Ehrverlust. Das Gericht verurteilte die Angeklagten O st ermann und M a l ch i n zu je 2 Jahren 6 Monaten, K o n r ad zu 4 Jahren, Schkijawitzzu3Jahren Zuchthaus,Petschtezu l Jahr 6 Monaten Zuchthaus, Lenz zu 3 Jahren und Toni Meier günftigung zu 3 Jahren Gefängnis Baum zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus, Lenz zu 3 Jahren und Toni Meyer zu 18 Monaten Gefängnis wegen Hehlerei. Die übrigen Angeklagten kamen mit Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr« davon. Die Brüder Alfred u»ch Walter Eckwert, Kubbat und Fräulein Schmidt wurden wegen Mangels Beweises freigesprochen. Infolge der verstärkten polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen kam es bei der Verkündung des Urteils zu keinem Zwischenfall. �Oie plaidoyers werden wiederholt." Montag zweite Redeserie im Stinnes-prozeß. Der Vorsitzende, Amlsgerichlsral Arndt, prägte gestern bei der Vertagung der Sitzung im Stinnes- Prozeß ungewollt den sarkastischen Satz:.Am Montag werden die Plädoyers wiederholt"; er versuchte sich zu verbessern und... wiederholte:„Die Plädoyers n>«rl>cn wiederholt." So ganz recht dürfte er damit freilich nicht behalten. Der Staatsanwalt wird, durch die Verteidigung herausgefordert, auf manches eingehen,»vas er in seiner ersten Red« unenvährtt gelassen. Nid# unwidersprochen dürfte auch die Auslegung bleiben, die die Verteidigung der neuesten R e i ch s g e r i cht« e n t fch« i- dung in der Sache SpribWeber gab. Sie soll nämlich besagen, daß all« Verstöße gegen Paragraphen der Sondergesetze durch dies« selbst geahndet»Verden, nicht durch das Strafgesetzbuch. Als letzter Verteidiger kam gestern noch der. väterliche Freund Hugo Stinnes', Rechtsanwalt H o e k, zu Wort. Er machte der Staatsanwaltschaft«inen schlveren Vorwurf daraus, daß sie den Prozeß unter der Handelsmarke„Stinnes" in Szene gesetzt habe. Er. der Verteidiger, habe erwartet, daß die Staatsanivaltschaft nach dem Ausgang der Hauptoerhandlung erklären würde: Stinnes ist rehabilitiert. Ganz falsch sei das Bild, daß hier von Stinnes gezeichnet wurde. Das Motto seines Lebens sei„Arbeit und Verantwortlichkeit". Trotz seiner jungen Jahre habe er vom Vater einen oerantuwrtlichen Außenposten erhallen, den Export und Import der Firma aufgebaut und ihre Schisfahrt wieder hergestellt. Es gehe in diesem Prozeß um mehr als um die Persönlichkeit Stinnes'; es gehe um den Rechtsschutzgedanken, daß das Hauptversahren nicht durch den Wechselbalg ein«r Bor- Untersuchung mit unverantrvortlichen Zeugenaussagen ersetzt »»»erde. Die nächst« Sitzung findet am M o n t a g um 10 Uhr statt. llnerhörle Aeberlreibungen leistet sich die„Rote Fahne". indem sie behauptet, daß einer unserer Filialleiter eii« Botin mißhandelt hätte. Ein« Untersuchung des Falles ergab, daß der Filialleiter versuchte, von der Botin Beschwerdezettel, die sich diese widerrechtlich angeeignet hatte, zurückzuerhalten. Die Genauigkeit de» Berichtes der„Roten Fahne" erhellt schon aus der Behauptung, der neu« Filialleiter habe seinen Vorgänger aus seiner Etellurrg herausgeekelt, weil er sich angeblich mit Kommunisten eingelösten habe. Jn Wahrheit ging dieser nach Ueber- schreitung der Altresgrenze auf eigenen Wunsch in den Ruhe- stand Im übrigen hätte der Frau, wenn st« sich ungerecht behandelt fühlte, jederzeit der Beschwerdeweg an die vorgesetzten Stellen offengestanden, die unvoreingenommen. auch ohne die „Rote Fahne" das Recht gesucht hätten. Zugunfatt in Bayern. Zwei Person««» WW wrlehi. Regensburg, 20. Zull. Die Reichsbahndirekiion leill mik: Am Sonnabend abmd 17.45 Uhr entgleisten in der Rähe von Miesau von dem D-Zug 22 verlin— München die letzten vier wagen. Ein Reisender wurde an der Hand leicht verletzt. Außerdem zog sich ein Küchenmädchen des Speisewager»» Verbrühungen Z». Sämtliche Reisenden konnten die Fahrt fortsetzen. Beide Gleise sind ge s p e r r t. hilsszüge trafen von hos und weiden bald an der Unfallstelle ein. Der eingleisige Verkehr kann gegen 20 Uhr, der doppelgleisige gegen Mitternacht wieder aufgenommen werden. Bis zur Aufnahme des eingleisigen Betriebes werden di« Züge über Markt- redwitz— Kirchenlaibach umgeleitet. Die Ursache des Un- falls ist noch n i cht geklärt. Bei der Dreistundenfahrt am Freitag aus der Rütt-Arena blieben von den«lf Mannschaften bis Schluß acht in gleicher Runde. Knappe-Tonani behaupteten mit 78 Punkten und 123,270 ge- fahren«» Kilornetern den ersten Platz: 2. Charlier-Duray 46 Punkte; 3. Raynaud-Dayen 44 Punkt«: 4. Tietz-Kroschel! 31 Punkte: 5. Kroll-Miethe 29 Punkt«: 6. Goebel-Hürtgen 22 Punkte: 7. Lshmann-Wistel 18 Punkt«: 8 Schön-Dewolf 12 Punkte: eine Runde zurück: 9. Bossi-Mandelkow 11 Punkte: zwei Runden zurück: 10. Behrendt-Rickel 5 Punkte; drei Runden zurück: 11. Schwemmler-Kedzierski. »1151 triieiSvo & ein Laster, rr Kwief- Pflaster ----- 1 jedoch achte dabei immer auf den Patentschutz»Schlimmer Finger" Sei» SO Jahren käuflich in Apotheken ä 4S Pf. Gutachten über Mütkenstiöiß, BijUnseKlenslidie Ä Dom rasenden Strom erfaßt. Schweres Llnwetter un Schwarzatal. Rudolstadt, 20. JuN. Si» schwere« Unwetter Hat der« obere Schwarza-«ad Lichtetal Heimgesucht. WolkenbrücH«. di« zum Teil nnt schwerem Hagelschlag verbutrden rvaren, ließen die Schaxirza und ihre Rebenbäche ni kürzester Frist hoch anschwellen. Auf den Feldern uwrd« die Ackerkrume fortgerissen, und in den Wäldern wurden viele Bäume entwurzelt. Im Gemeindeivald von M e u s e l b a ch omrden allein über 100 Bäume entwurzelt und liegen zersplittert am Boden. Jn der Nähe von Katzhütte-Bahnhof wurden riesig« Men- gen Stein- und Erdmassen auf die Staatsstraße geschleudert. Dtirch das plötzlich andringende Master schwoll di« Weiße Schwarza in wenigen Minuten von etirta 5 Zentimeter Wasterstaird aus einen Meter. Leider hat das Unwetter auch ein Menschenopfer gefordert. Als der Schneidemüller Hortung bei Katzhütte die Schützen des Mühlgrabens öffnen wollte, wurd« er von d«m rasenden Strom erfaßt und mit sortgerissen; er konnte nicht gerettet ii>«rden und ertrank. Jn der Gegend von Schmiedefeld stand das Master in den Kellern und tiefergelegenen Stuben zum Teil meterhoch. Oeuifchlands Zlieste Freidetrferiti. Ein seltenes Jubiläum feierte das Mitglied der Freiregiliösen Gemeinde, Frau Auguste S ch o l z e, Feldstraß« 5. Am 18. Juli 1833 geboren, wurde sie 9 0 Jahre alt. Wenn sie auch den Jahren nach nicht das älteste Mitglied der Freireligiösen Gemeinde ist, die im Frühjahr den Geburtstag einer Fünfundneunzig- jährigen seiern konnte, so ist Frau Scholze doch zweisellvs die älteste Freidenkerin Deutschlands. - Schon als Kind lernte Frau Scholze den Ti«ffta»»d Preußens kennen. Als sie Anfang der fünfziger Jahre mit ihren Eltern, die auch Mitglieder der Gemeinde axrren. und anderen Kindern zur Jugendweihe erschien, kam die Polizei dazwischen mrd löste die „Versammlung" auf. Erst acht Tag« später konnte dann bei einem Mitglied, das sein Hau» dazu zur Verfügung stellte, die Feier vorgenommen werden. Im Jahre 1860 schloß sie sich mit ihrem 1912 verstorbenen Maim der Freireligiösen Gemeinde als Mitglied an._ Hitler auf dem Knegspfad. In diesen Tagen fand in Schönefei b, wo kürzlich mehrere Reichsbannertameraden von Hitl«rleut«n überfallen wurden, ein« Protestkundgebung gegen den„Terror des Reichs- banners" und die.fügend«richte" des„Vorrvärts" statt. Etwa 100 phantastisch ausgeputzte junge Leute zogen mit einer fürchterlichen Musik, vor der alle Hunde zu heulen anfingen, im Dorf umher, brüllten alle Republikaner nieder und sangen all« 3»td«n tot. Weil die Musik der Hitlerleute einfach greulich uxir, steMe« uirser« Kam«- raden Grammophone an ihre Fenster und spielten den De- monstranten schöne republikanische Lieder vor. Schließlich hielte« sie auf der Dorfau««ine Versammlung ab. Der Schluß der Versammlung war erbärmlich, niemand wollt« m das Hoch auf Hitler einstimmen,«in kräftiges„Frei Heil" aber zeigte, daß die Republikaner auf dem Posten nmren. Wieder Verfehlungen eines Rechtsanwalts. Gegen«inen Berliner R e ch t s a n w altLt«teder adiWal von der Staatsanwaltschaft ein verfahren megeneD«. truges eingeleitet worden. Es handelt sich imf den 42jä�«>«n Anwalt Honcamp, der in der Ahorn st raße 1 in Zehlenborf wohnte. H. ist seit etwa einem halben Jahre au» Berlin ver- schwanden und niemand kennt seinen AufeMhaltsort. Es soll sich nicht nur um Unterschlagungen handeln, sondern auch dunkle Wechselgeschäft« scheinen ein« gewisse Roll« zu spiele«. Die Gläubiger ließen di« Einrichtung der Wohnung in der Ahornstraße, soweit sie Eigentum des Flüchtigen«varen. pfänden. Di« G e s a m t s ch u l d e n l a st soll die Summe von 125 000 Mark noch übersteigen. Wohin das Geld verschunden Ist, steht noch nicht fest. Man glaubt, daß Honcamp unglücklich gespielt oder gewettet hat. Promenadenkonzerte im Sportpark Reukölla. Am Sonntag dem 21. Juli 1929 von 7,30 bis 9,30 Uhr vormittag», veranstaltet der Neuköllner Musikverein Harmonie im Sportpark an der Oderstraße zwischen Oker- u»»d Allerstrahe ein Freikonzert für die Besucher der Anlagen. Ferner wird die Neuköllner Lieder- tafel, Mitglied des Arbeitersängerbundes, an derselben Stelle von 17bis18Uhr volkstümliche Lieder für Männerchor zum Dortrag bringen. AKU«V- 4& (L .«üf SM - 1\ !•■. �Ä-Äi;'-■••■?»•, �r\ V W i a»-: i- ,' 0*~~~~~~-"" »�ün ii�S'� I �1 �»1 »&S�'L �# INKOF HERMANNPIA1Z/DEP KAPSTADT'BAHNHOF WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Einkochgläser„Globus" VtLtr.'/, Llr. Vt Ltr. 1 Ltr. IV, Ltr. 2 Ltr. eng 0.30 0.32 0.34 0.33—— weit- 0.36 0.38 0.40 0.42 0.48 10 Gummiringe eng 0,30 weit 0.40 Einkochapparat kompl., mit Thermometer 4.90 & US (Porzellan PreDgiassenrice „Schleuderslern" Schalen 0.85».].35 Kompotteller» cm 0.25 Butterg locke...... 1.25 Käseglocke...... 1.45 Käseglocke geprcBi 0.50 Kuchenplatte o*«i 1.90 Kompotteller gepreßt 0.08 Kompottschälchen ft geprevt, 10 cm Durchm. Ü.Uo Milchsatte disu..... 0.1 8 Zitronenpresse..- 0.10 Zwiebelglocke sÄn0.55 Käseglocke geschliffen 0.90 Römer'«rei? Kristsii. 2.75 Kompotteller Bieikrist 2.00 T raubenspüleröieikrist 4.90 Platte tief, oval, Blelkrlsl. 9.75 Bowle m. Teller u. Löffel 39.00 Welnglasgarni� ur „Gerda" Rotweinglas...... 0.32 Rheinweinglas.... 0.36 Portweinglas..... 0.30 Ltkörgias....... 0.30 Römer mit grtln Stiel, glatt 0.20 RömergrOn Stiel, Schllftbg. 0.68 Limonadenbecher.„ optisch ßlatt v.ZV Bierhecher wlt Land aio Dicroccncr b|a,mus,er u.i� Becher glalt versch. OröB. 0.09 Sturzflasche gw»...0.38 Rosenthal- PorzeJan Obstteller�Ä 0.95 Obstschale Prllchlcdek. mit Goldrand, auf Fuß Gedeck 2 Teile, aorflert 2.90 Kaffeeservice»Teile 11.50 Tafelseivlce ssTeiie 41.00 Talel- u. Kalffcc- Geschirr „Maria Streublumen" Spetseteller««fu. nach" 1.20 Dessertteller..... 0.75 Kompotteller.... 0.50 Terrinen..■ 1000 12.75 Kartoffelschüsseln S.OOji Saucieren.. 4.25 5.20 Salafieren 1.65 ws 3.40 Beilageschale.. 1.30 Platten.. 2.00 w» 10.50 Kaffeekannen 3.25 bis 5.00 Teekannen 3.60 bis 5.00 Milchtöpfe 1.40 bis 2.00 Zuckerdosen 1.80 bis 2.80 T asse......... 1.35 Kaffeegeschirr „Goldstreifen" Kaffeekannen 0.70 bis 1.95 Teekannen 1.30 bis 1.85 Milchtöpfe 0.32 bis 0.58 Zuckerdosen 1.00». 1.10 Buttergiocire. 1.15 1.60 Teller iß cm....... 0.40 Mokkatasse..... 0.45 Kaffeetasse..... 0.60 mit kleinen fehlem Weiß Porzellan Teller«-d.............. 0.25 Dessertteller— t... 0.22 Kompotteller....... 0.12 Terrine.........v:... 1.90 Kartoffelschüssel... 0.90 Sauciere............. 0.90 Salatieren 0.55 0.75 0.95 Beilageschale....... 0.33 Kompottschalen 0.11 0.16 Platten....ov*i 0.60 1.95 Kaffeekannen 0.32 1.10 Teekannen..0.48 bis 0.95 Zuckerdose......... 0.10 Milchtöpfe 0.18 0.25 0.42 Kuchenteller........ 0.35 Tasse 0.18 Obertasse 0.25 massiv Porzellan dekoriert Gedecke.... 0.95 1.25 Mokkasätze 1 Per4Tciic 1.25 Frühstücksservlcc, n_ 5 Teil«,(Ur 2 Personen'•" J Kaffeeservice tVpcrs. 3.50 16 Teile, q eye J0 Teile, qq»je L 12 Pers."- 5 1 1? Per-.< 5 Tafelservice f2� Pers! 17.50 Tafelservice nspeJsl 48.00 Butterglocke..... 0.80 Tassen 0"25 0-48 Tasse Ilekotlert..... 035 Obstteller.... 0.48 0.75 Obstkorb........ 1.15 Tafelgeschirr „Feston Gold" Spelseteiler«efn-tiadi 0.45 Dessertteller.... 0,30 Kompotteller.... 0.22 Platten. 0-70 bis 3.50 Bellageschale.-. 0.80 Platte rund, It«f od. flach 2.60 Salatleren 0.55 bu 1.45 Terrinen.... 4.75 5.25 Ragouts..... 3.35 4.50 Saucleren 1.15 w» 1.50 „Meissner Blumen" mit Halbgoldhenkei Kakaokanne..... 0.85 Teekannen.•• 0.45 0.85 Zuckerdose...... 0.45 MUchtopf........ 0.45 T asse.......... 0.48 Keksdose....... 0.80 Steingut Elmer mo BOgeL(IfcBbchi 4.25 Waschgamlturen 8 Teil«, tarblg 3.1 J m 8 Teile, im» Pollergold O 7«E Größe 86187 era v'l,J Tafelservice �..—* 23 Teile, farbig 1J.UU Tafelservice Teile. Kobaldiand, ml! Qolc&inte Küchengarnitur., 22 Teile, baut 1 1�0 Satz Salats. n-..., � 6 Teile, weiß 0.95 1.50 Butterkühler Ton, mit ainaeineetx 0* SO Hartsteingut mit kleinen Fehlern Teller»reiß,»ef oder Nach 0.18 Kampottelfer»fß.. 0.08 Dessertteller»»>».. 0.12 Teller bnn», lief oder flach 0.24 Kompotteller bot.. 0.12 Dessertteller bnot.. 0.18 Gemüseschüssel__ rund und oval, ohne Oedtel v Jz S.S,S..Gefaße�Ä 035 MUchtopf ca.-H Ltr., bunt 0.15 Vorratsbüchse adfrilt A__ u Holeaeckel, i. Zudier, Kafiee 0.73 Vorratsbüchse sdfrtl». b, Holzdedrel, t Kakao il Tee 0.48 Waschbecken,,__ eilendem 1.45d>»Z35 Waschbecken...... einfarbig 0.93 1.43 (iüirtsehafts-&rtilee1 Emaille Schmortöpfe'4 �®'"J ohne»log, niau 0.45 bis 0.85 Küchenschüsseln»«iß 1 1 cm bis.8 cm 0.20 bis 0.50 Kaffeekannen 4 braun emaliilert bis| Gänsebratpfannen emailliert, �_.. 0 54 cm bis 44 cm 0.95 dls 2.65 Zwiebelbehälter.. 0.45 Großer Posten Aluminium u. Email Geschirr mit kleinen fehlem braunes A— r Backentief! 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Die Sozialdemokratie ist die Partei des Friedens und der Bölkerverstandigung. Die N a t i o n a- listen gedenke« der Juli» und Augusttage in de- Hoff» nung. daß recht bald der Tag kommen möge, wo sie aber» mals das Volk vor den Kriegswageu spannen könnte«. Ihr ganzes Sinnen und Trachte» ist. Revanche»» üben für die im Weltkrieg erlittene Niederlage. Die Nommuuiste«, die«och vor Jahresfrist unter der Parole„Hände weg von China" Versammlungen und Kundgebungen veranstaltete«, hetze« gegen das ost» «statische Reich in der übelste» Weife. Ei« Land, da» sich frei machen will von fremdstaatlicher Bevormundung. das endlich im eigene« Lande Herr im Hause sein will. wird von de« Kommunisten als Friedensstörer gebrand» markt. Der Imperialismus Sowjetrnßlands hat diesen Konflikt ausgelöst. Die Kommunisten stehe» mit ihre« in den letzte« Tagen angewendeten Methoden nicht hinter jenen Studenten und Nationalisten»«rück, die in den Julitage» 1S14 in lkriegsstimmnng machte«. Wir Sozialdemokraten wollen am 1. August der ganze« Welt zurufe»: „Nie wieder Kriegs! Nie wieder Menschenmord!? Oer Bezirksvorstand. Aufmarschplan. zurAntt-KriegSkvndgebvng amOonnerstag.4.August4929 ans dem Sportplatz im Ariedrichshain. 1 ftwi» Milte. Treffpunkt: ISA Uhr am Köllnifchen Park. Zlb» marsch 18?L Uhr vom Köllnischen Park. Neu« Friedrichstraße, Wallner-Tbeater-Straße. Markusstraße, Blumen Abmarsch 18?L Uhr vom Köllnischen Park. Neue Friedrich. straß«. Schicklerstraße. Wallner-Theater-Straße, Markusstraße. Blumenstraße, Andreasstraße, Lebuser Straße, Friedrichs- berger Straße, Frisdenstraße, Landsberger Allee, Friedrichs» Hain. Z. kreis wedding. Treffpunkt: Brunnenplatz. Abmarsch 18 Uhr durch die Thür- neyßerstraße, Buttmannstraß«, Badstrahe, Brunnenstraße, Rmnlerstraße. Putbusser Straß«, Demminer Straße. Wolliner Straße, Bernauer Straß«, Eb«rswalder Straße. Danziger Straße. Elbinger Straße, Sportplatz Friedrichshoin. 4 kreis Prenzlauer Berg. Treffpunkt: 18% Uhr vor dem Sportrestaurant Contianstraße, Sportplatz„Einsame Pappel'. Durch die Schönhauser Allee. Danziger Straße, Elbinger Straße, Werneuchener Straße, Friedrichshain. 5. kreis Ariedrichshain. Treffpunkt: 18% Uhr Küstriner Platz. Abmarsch 19 Uhr durch die Rüdersdorfer Straß«. Torellstraße, Gubener Straße, Litauer Straße, Thaerstrahe, Weidenweg. Tilsiter Straße, Straßmann- Straße, Wilhelm-Stolze-Strahe, Langenbeckstraße, Friedrichs- Hain. atz, au der Brommy» 6. kreis kreuzberg. Treffpunkt: 18 Uhr Rummelsburger � brücke. Abmarsch 18% Ubr durch die Mühlenstraße, Frucht/ stroße, Friedenstraß«. Landsberger Allee, Friedrichshain. 7. kreis Thorlollenbnrg. Treffpunkt: 19 Uhr am Königstor. Abmarsch 19% Uhr durch die Straß« am Friedrichshain, Kniprodestraße, Sportplatz Friedrichshain. S. kreis Spandau. Treffpunkt: 18% Uhr Platz am Schlesischen Bahnhof, Fernbahnseite. Durch die Breslauer Straße, Andreas- strahe, Lebusser Straße, Friedrichsberger Stroße, Frieden» straße, Landsberger Allee, Friedrichshain. 9. kreis Wilmersdorf. Treffpunkt: 19 Uhr am Königstor. Abmarsch 19% Uhr durch die Stroße am Friedrichshain, Kniprodestraße, Sportplatz Friedrichs Hain. 10. kreis Zehlendorf. Treffpunkt: 19 Uhr am Königstor. Abmarsch 19% M>r durch die Stroße am Friedrichshoin, Kniprodestraße, Sportplatz Friedrichshain. 11. Srei» Schöneberg. Treffpunkt: 19 Uhr Bahnhof Landsberger Allee. 12. Srei, Steglitz. Treffpunkt: 19 Uhr am Königstor. Abmarsch 19% Uhr durch die Straße am Friedrichshain. Kniprodestraße, Sportplatz Friedrichshain. 13. kreis Tempelhof. Treffpunkt: 18 Uhr Rummelsburger Platz, an der Brommy» brücke. Abmarsch 18% Uhr durch die Mühlenstraße, Frucht» strahe, Friedenstraß«, Landsberger Allee, Friedrichshain. 14. kreis Neukölln. Treffpunkt: 13%' Uhr Warschauer Straße Ecke Renaler Stroße (Promenade), direkt hinter der Warschauer Brück«. Durch die Warschauer Straße, Romintener Straße, Simon-Dach-Straß«, Niederbarnimstraße, Proskauer Straße, Rigaer Straße, Peters» burger Stroße. Elbinger Straße, Friedrichshoin. 15. Srei, Treptow. Trefspunkt: 18%' Uhr Platz am Schlesischen Bahnhof, Fern. bahnseite. Durch die Breslauer Straß«, Andreasstraß«, Lebusser Straße, Frixdrichsberger Straß«, Friedenstroße, Landsberger Allee, Friedrichshain. 16. kreis Köpenick. Treffpunkt: 18%' Uhr Platz am Schlesischen Bahnhof, Fern- bahnseite. Durch die Breslauer Straße, Andreasstraß«, Lebusser Straße, Friedrichsberger Stroße, Friedenstraße, Landsberger Allee, Friedichshain. 17. Kreis Lichtenberg. Treffpunkt: Platz an der Jugendbühn«, Spitz« Berlin. Abmarsch 18% Uhr durch die Eonntagstraße, Wühlischstraße, Simon- Dach-Straß«, Borhagener Straß«, Thaerstraß«, Weidenweg, Tilsiter Stroße, Landsberger Allee, Birchowstraße, Friedrichs- Hain. 16. Kreis Weißensee. Tresspunkt: 18% Uhr Berliner Allee Ecke Lehder Straße. Durch die Greifswalder Straße, Elbinger Straß«, Werneuchener Stroße, Friedrichshain. 19. Kreis Pankow. Treffpunkt: 18%' Uhr vor dem Sportrestaurant Eantianstraß«, Sportplatz„Einsame Pappel', durch die Schönhauser Allee, Danziger Straße, Elbinger Straße, Werneuchener Stroße, Frieorichshain. 29. Kreis Reinickendorf. Treffpunkt: Brunnenplatz. Abmarsch 18 Uhr durch die Thür- neysserstraße, Buttmannstraße, Badstraß«, Brunnenstraße, Rnmlerstraße, Putbusser Straße, Demminer Stroße. Wolliner Straße, Bernauer Straße, Eberswalder Straße, Danziger Straße, Elbinger Straße, Sportplatz Friedrichshain. Treffpunkt der Sozialistischen Arbeiterjugend: 19 Uhr Danziger Straße, An der Schönhauser Allee, Mittel- promenade. Treffpunkt der Sportler: 19 Uhr Danziger Straße, An der Schönhauser Allee, Mittel» promenade. Umkleideraum: Schule Danziger Str. 23. Rückmarsch der Sportler: Mit Musik durch die Elbinaer Stroße, Danziger Straße, zur Danziger Straße 23(Schule). Das Metallarbeiterhaus. Die feierliche Grundsteinlegung. Gestern nachmittag wurde in Berlin der Grundstein gelegt zu eiuem Gebäude, das der Sitz de» Zentraloorftandes der größten sreigewerkschastlichen Arbeiterorganisation Deulschtands und der Welt, des Deutschen Metall- arbeiterverbandes, werden soll. Gegenüber dem Reichspotentamt, in der Alten Iokobstraße, hat der Metallarbeiterverband«in Stück des Geländes erworben, auf dem das Lindenhaus steht, das den„Vorwärts', den Partei- und Bezirksvorstand der SPD. und andere Institutionen der Sozial- demokratischen Partei beherbergt. Wo vor Jahrzehnten die Gäule der Gardekürassier« in ihren Ställen wieherten und schnauzbärtig« Wachtmeister den Garderekruten die Liebe zum„angestammten Herrscherhaus" eindrillten, soll nunmehr ein monumentaler Bau entstehen, von Arbeitern geschaffen und für die Arbeiter- schoft bestimmt. Nur einige Schritte vom Vorstand der Sozial- demokratischen Partei entfernt wird das Zentrum und die geistige Waffenschmiede der organisierten Arbeiter von Schraubstock und Drehbank sein, gleichsam um auch nach außen zu zeigen, wie einig Partei und Gewerks-hasten zusammenstehen. Doraussichtlich noch im Herbst diese» Jahres wird sich übrigens ebenfalls in nächster Nähe des„Dorwärts'-Hauses, in der Friedrich- straße, unweit vom Belle-Alliance-Platz, der Hauptoorstand de» Baugewerksbunde» niederlassen. Drei stark« Eckpseller der deutschen Arbeiterbewegung werden dann auch räumlich nah« bei- etmmder stehen. Doch so nah« auch räumlich und geistig beide, Gewerkschaften und Partei, beieinander sind, keine von beiden wird versuchen, sich der anderen als«in willfähriges Instrument zu bedienen. Si« werden einander ergänzen und, wenn die Situation es erfordert, auch gemeinsam den gemeinsamen Feind schlagen. Daß jeder das uneingeschränkte Selbstbestimmungsrecht behält, ist fast überflüssig zu betonen. Die Partei begrüßt den Vundesbrudcr. der jetzt auch räumlich an ihre Seite rückt, und wünscht ihm«in erfolgreiches Wirken auch an dieser neuen Stätte. Der Vorsitzende des Metallorbeiterverbandes, Genosse Lran- des, leitete den feierlichen Akt der Grundsteinlegung mit einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Metallarbeiterverbandes ein. Wer die politischen Verhältnisse, wie st« kurz vor der Jahrhundert- wende lagen, noch aus eigener Erfahrung kennt, weiß, worum die deutschen Gewerkschaften ihr Domizil nicht in der Reichshaupt- st-rdt aufgeschlagen haben. Berlin war bei der Gründung des Metall- arbeiterverbandes im Jahre 1891 noch der Hort der schlimmsten Reaktion. Mit der politischen wurde auch die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung oerfolgt und unterdrückt. Wenn auch das Sozia- listengefetz gefallen war, so lebt« doch noch lang« der Geist Tessendvrfs und Puttkamers fort. Der Metallarbeiter- verband ließ sich in Stuttgart nieder, wo man damals«in« etwas reinere politische Luft atmen konnte als in Preußen. Inzwischen haben sich jedoch die politischen Verhältnisse radikal verändert. In Preußen ist heut« die Demokratie am sichersten ver- ankert, während man das von Württemberg gerade nicht sogen kann. Berlin ist aber nicht nur das politische, sondern auch de» wirtschaftliche Zentrum Deutschlands. Hier flutet das wirtschastsiche und soziale Leben, an dem die Gewerk- schoften in stärkster Weise beteiligt sind, beteiligt sein müssen. Die Sitzverlegung nach Berlin wurde schon vor dem Kriege erwogen. Der Krieg und die Nachkriegszeit haben aber die Ilebersiedlung verzögert. Während noch auf dem Bremer Verbandstag 1926 an der Zweidrittelmehrheit, die für den Uebersiedlungsbefchluß not- wendig war, zwei Stimmen fehlten, wurde auf dem Verbandstog in Karlsruh« im vorigen Jahre die Sitzverlegung mit mehr als Zweidrittelmehrheit beschlossen. Verbandsvorstand und Ausschuß haben die Frage reiflich erwogen, ob sie die Räume der Berliner Ortsoerwaltung umbauen oder einen Neubau errichten sollen. Beide Körperschaften haben sich für das letztere entschieden. Da» Verbandshaus, das nach den Entwürfen der Architekten Mendel- söhn und Reichel erbaut wird, spll getreu der Einstellling des Verbandes ohne Prunk, aber von Wucht und Größe sein. Es wird ein Werk moderner Baukunst werden, dessen Eikrixe Sernrnler der to rasch belieb« gewordenen Massary-Fahnenbilder erfcoodigen sich immer wieder, ob unser großzügiges Sammelwerk.Wer nennt die linder— kennt die Fahnen?' weiterhin beibehalten werde. Ganzgewißl Wir wollen das Fahnenprogramra sogar ausbauen und arbeite;, zurzeit an einer überraschenden Weiterentwicklung der glück- liehen Idee, zu der ein Stab wissenschaftlicher Berater außerordentlich wertvolles Material zusammenträgt. Diese Vor- Keine Unterbrechung des Massary- Fahnenbilder- Prosramms— Im Oegentell: neue Überraschungen! / Erscheinen des neuen Sammelwerkes hört das Album des Länderfahnen keineswegs auf. Widmen Sie also den Massary» FahnenbQdern nach wie vor Ihr reges Sammelinteresse. Und wenn Sie das wertvolle Album.Wer nennt die Länder— kennt die Fahnen?" noch nicht besitzen, legen Sie sich'« tu. Jedes gute Zigarette ngeschäfl führt es oder besorgt es auf Ihren Wunsch hin für Reichsmark IJOi Sonst schreiben Sie an die Massary»Fahnenbilder»Zentralc, Berlin S 42. Nochmals: Alle Oberhaupt erschienenen Pahnenbilder Bereitungen fordern natürlich Zeit Aber auch mit dem liegen den Massary�ZIgarettenpackungen bei. 'Pfiivat 4-4' Caid. 5 4 Jetzt: Ausgeglichner und noch müder- dazu berühmte Fahnenbilder! ä»ß«r« gönne« schon zeigen, wo» w seine« Znnoee» gesthteht. E» soll ein Haus der Arbeit werden, in dem mit voller Hin- gebung von allen darin Tätigen für den Aufstieg der Arbeiterklasse im allgemeinen und für das Wohl der Verbandsmitglieder im be- sonderen gewirkt werden soll, Genosse Brandes schloß seine Rede mit den Worten:„Sie, meine Herren Architekten und Ihre Mit- arbeiter, bitte ich, das begonnene Werk so zu vollenden, daß nicht nur die jetzige, sondern auch die kommende Generation unserer Derbmidsmitglieder mit Stolz und Freude das Haus betrachten werden, und daß auch alle anderen, selbst unsere Gegner, mit Respekt vor ihm stehen bleiben. Wir aber, die wir hier oersammelt sind, wollen uns geloben, unsere ganze Kraft einzusetzen für die sozia- listische Arbeiterbewegung, für die Gewerkschaftsbewegung allgemein und für den Deutschen Metallarbeiterverband im besonderen. Möge dieses Verbandshaus wie die Pfeiler dieses stolzen Baues(auf dos Haus der Partei weisend) ein Pfeiler der kommenden sozialistischen Wirtschast», und Gesell- schastsordnung werden." Die besoldeten und ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder unter- schrieben dann nacheinander die Urkunde über die Grundstein- legung, die darauf in den Spalt des Grundsteines eingemauert wurde. Zum Schluß folgten die drei Hammerfchläge, die der Verbandsvorsitzende Genosse Brandes mit den Worten begleitete:„Für eine stolze Entwicklung des Deutschen Metallarbeiterverbandes,' für die größtmöglichste Stärkung der Gewerkschaften Deutschlands: für einen stolzen Aufftieg der gesamten deutschen Arbeiterklasse!" Nach ihm ergriff noch der Architekt Mendelsohn den Hammer und lieh ihn dreimal auf den Grundstein fallen mit den Worten: „Der Bau vom Willen des arbeitenden Volkes; des Baues Segen dem Verbände: dem Bau als Baumeister unsere ganze Arbeit."— Und nun, Glück auf zur Dollendung! Et-seadung«,, für dies« Rubril sind Berit» SB KS, Liadenstraße 3, Partemachrichten sürGroß-Berlin stet»»» da» Bezirltsekretariat I. Hof, ZiTrerpea recht», z» richte u. 2. ftrci» Tiergartea. Achtung, ltreiamitalieder! Antitr!ea»k»adaeb>r»a am U«uaust. Di-«rei»leitunaen dc» t.«reise» Mitte und S.«rei»!sriet. richshain richten an die Mitglieder des 2.«reise» Tiergarten da,«r. suchen, mit ihnen am 1. August gemeinsam ,u demonstrieren. EinheUlich« Kundgebungen sind immer besonder, wirkungsvoll und da es auf den Erfolg ankommt, bitte» wir unser« Mitglieder, sich dieser gemeinsamen Demonstration anguschlicsien. Der 2.»reis trifft sich mit dem I«reis Mitte am l. August um iSl, Uhr am«Wnischen Park, Alle Dahnen sind mitgubringe». Der«rcisoorstand.— Dicn»t-g. 23. Juli. lS's Uhr bei«riiger, Putlisistr, 10, Sihung der Deschiiftsteitung mit den 1. und 2. Abteilungsleitern, L«rei» Prenzlauer Berg. Dienstag. 28. Juli, 18 Uhr, kurze Besprechung der Abteilungsleiter mit«rcisvorsibrnden und«assierern bei Klug, Dan- »iger Str. TL •.«rei»«renzbeea. Montag, 22. Juli, 19 Uhr.«reisv-rstandssihung mit den Abteilungsleitern bri«riiger, Grimmstr. 1. T.««1» Eharlottenburg. Dienstag. 23. Juli, tS'h Uhr, Im Rathaus, er» wetterte Vorstandssitzung. 9.«rei» Wilmersdorf. Dienstag, 28. Juli. Sitzung de» engeren«rrisvor» stände» mit den Abteilungsleitern bei Ihlenfeld, Uhl-ndstratze Ecke Gstntzelstratz«. 11-«reis Schoneberg-Driedena». Di« Kassierer werden grteten, uwoerzstalich die Dericnsammellisten mit dem Eeuossen Lager abzurechnen, evtl. sind Borschusigclder abzuliefern. 14.«-ei» Reutölln-Britz. Dienstag, 28. Juli, 19H Uhr, Sitzung des Bor- standes mit Abteilungsleitern. 1».«rei,«öpenick. Am Montag, dem 22. Juli, findet keine«reiworstants- sitzung statt.� SO.«reis Reiuickendorl. Sitzung de» Bildungsausschuste» am Mittwoch, v>, Juli, 20 Uhr, im Vvlksbaus, Reinickeudors-Ost, Schornweberstr. 114. Sämtliche Bildung»ausschutzmidglieder des«reifes mllffen anwesend sein. heule, Sonntag, 21. Juli: tL«dt. vi« MtgNedcr werden dringend ersucht, fiir dir am 10. und 11. Au- aust stattfindende Nerfvssung-seier Mr die Zieichsbanncrkameraden Ouar- tiere dercit zu stellen. Adressen sind in der Geschäftsstelle, Utrechter Strasie 21, abzugeben. Besonders dir Bczirk-.fllhrrr werden um eifrige, Mithilfe gebeten. 27. Abt. Genossen, die am II. August ReiAsbannerkameraden in Ouartie: nehmen können, müssen dies umgehend dem Genossen Etoldt, RHIuow- stratze S, melden. 82. Abt. Die Bezirk sfllhrcr werben gebeten, bei den«assierern der Ge. »ossen Nachfrage zu halten wegen Quartiere für Rcichsdannerkameraden am 10. und 11. August. Adresse» sind umgehend beim Genossen Saas«, Audreasstr. 15, abzugeben. Ab 3. August sind alle Abrechnungen beim Genossen«iesling. Am Lstbahnhof>9, zu machen. Genosse Polchow ist beurlaubt. Morgen, Monkag, 22. Juli: 38. Abt. Wichtige IZunktionärsitzung um I9\i Uhr bei Lolack, Begmestr. tz. Erscheinen unbedingt erforderlich, evtl. Bertrcter schicken. Dienslag, 23. Juli: 1.«bt. l9Zä Uhr bei Spiegel, Ackersir. 1. Dunktionilrsitzung. 18. Abt. 191? Uhr Mtglirdcrversammluug bei«rllger, Sussitenstr. 34, Ecke Scheringstrotzc. Vortrog:»Die iuternational« Vcrschuldimg und die Lasten» Verteilung". Referent.- Dr. Ernst Falck. Millwoch, 24. Juli: 37. Abt. 191? Uhr Miigliebervcrsammlung in der Potzeuhoser-Branerei, Land«» bergcr Allee 27—28. Vortrag:..Die Stadtgemeind« im Spiegel der«om» munalwahlen". Referent: Stadtverordneter Karl«lingler. Parteibitcher zur Kontrolle am Saaleiugaug vorzeigen. Eharlottenburg. 83. Al-t. 191h Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Last. Piötzcnsee, Am Vcrbindungskanal, neben Sau» Sichar. Stratze 12. Vor» trag:„Die internationale Konferenz IN Gens". Rekcrent: Drau,, Josef Durtwängler. Eingeführte Gtisie haben Zutritt.— 28. Abi. 20 Uhr im Rankehaus. Ronkestr. 4, Sitzungszimmer, Porstands- und Funktionär. sitzung. Erscheinen dringend erforderlich. 4-' 4. Abt. Bsranzeig«: Sonntag, 28. ZuII. Isamilienausslug nach Dinkenkrna. Abfahrt 8,82 Uhr Lehrter Bahnhos. Treffpunkt 794 Uhr Bahubos Zaano» witzbrücke. Nachzügler finden uns in dem bctrlichc» Lokal Lindeapark beim Genossen Schuster. 8 Minuten»om Bahnhos. Dortselbst grotz«, «asfeekochen, Ueberraschungen,«inderbelnstigungen, Lateraenumzu«. Gäste an» anderen Abteilungen herzlichst willkommen. Arauenveranstaltungen. 7.«rei» Eharlottenbnrg. Montag. 22. Juli, pünktlich 181h Uhr, im Jugend, heim Rosinenstr. 4, Sitzung der Abteilungsleiterinnen für Agitation und deren Stellucrtreterinneu. Tagesordnung: Stadtverordnetenwahlen und Winterarbeit. Sämtliche Abteilungen müssen vertreten sein. Wenn eine >VockenproArsmm des Berliner Rundfunks. SonntaK, 21. Juli: 6: Funk�ymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.55: Stondenelockenspicl der Potsdamer Ciarnisonkirche. 9: Morgenfeier. 10: Wettervorhersage für Sonntag. II: Für den Landwirt, 12: Mandolinen-Orchesterkonzcrt. 13: Unterhaltungsmusik. 14.20: Ucbertragung Sportveranstaltung Nürnberger Stadion. 15.30: Märchen. 16: Sonaten. 16.40: Ucbertragung Rennbahn Berlin-Qrunewald: Die Hauptprüfung der internationalen Rennwoche. Anschließend: Konzert aus dem Lunapark. 19: Ouvertüren und Lieder. 20: Gottfried Keller zum 110. Geburtstage. 20.30: Bunter Abend. Danach: Tanzmusik. Montag, 22. Juli: 6: Funkgymnastik. 12.15; Wettermeldungen für den Landwirt. 15.30: Frauenfragen und Frauensorgcn. 16: Kunsthandel und Kunstwandel. 16.30: Heutige Volksspiele in antiken Arenen. 17: Unterhaltungsmusik. 18: Ucbertragung Brcslaucr Stadion: 4XI00-m-9taffcl. 18.20: Frauenbildnissc. 19: Unsere Minister, woher kommen sie...? 19.30: Wesen und Werden des Tonfilms, 20: Berliner Skizzen. 20.30: Ucbertragung Warschau. Danach: Tanzmusik. Deuischlandseader: 20: Blasorchester-Konzert. 21.30;„DJ« Hasenpfotc", TragfkomMfc von Brenncrt Dienstag, 23. Juli: 6: Funkgyranastik. 12,30: Di« Viertelstunde für den Landwirt. 16: Bei den Restvölkcru des Pamirs. 16.30: Winterschäden im deutschen Weinbau. 17: Aus dem Dessoir-Albutn.— Lieder. Anschließend: Nachmittagsmusik. 18.40: Stande mit Büchern. 19.10: Welche Mittel hat das Reich, am den Kriegsbeschädigten zu helfen? 19.35: Der Berliner auf Reisen. 20: Gertrud Eysold liest aus„Kolportage". 21: Chorkonzert. Deuischlandseader: 20: Ucbcrtragtuig aas München: Konzert, Rezitation. Mittwoch, 24, Juli: 6: runk-ymnastik. 12.18: Wettennddimt« kür den Lnadirirt. 18.39: Sclxädlinrsbekämpfimi In Hau nexl Hol. 16:„Tiere rsfen dich". 16-10; TeduiUche Wochenplaoderel. 17: Zveite» Kinderfe*«. 19: Die Pyramiden Aerypten». 19.30: Die ehrenamtliche Tatickelt in der Berliner Stadtverwal. tnnr. 20: Wovon man spricht. 20.30: Frank Wedekind mm 65. Gebnrtstace. Danach; Tanzmusik. mm „B e rlin, rote es weint und locht", das amüsante Volksstück, wurde am Abend aus dem Theater am Bülowplatz über- tmsteil. Natürlich konnte diese Uebertragunq nicht den Reiz der sichtbaren Ausführung haben. Die wechselnden Bilder aus dem Alt-Berliner Leben, der Auscumiienhanq der Hmidlung werden erst dem Zuschauer richtig lebendig. Aber der Hörer konnte sich doch herzlich an den lustigen Situationen, an dem derben Humor der volkstümlichen Couplets ergötzen.— Einen Vortrag, der klar die Bedeutung der Tarifverträge für die Angestellten erkennen ließ, hielt Max Günther, Gauleiter des Bundes der Technischen Angestellten und Beamten, unter dem Titel„Tarifvertrag oder individuelle Regelung der Arbeitsbedingungen von Angestellten". Er zeigte, daß allein der Tarifvertrag dem Angestellten wirtschaftlichen Rückholt bietet. Ohne ihn ist er wehrlos dem Unternehmer aus- geliefert und muß froh sein, wenn er gegen Mindestbezahsung Arbeit findet. Beschäftigt heute ein Unternehmer einen Angestellten unter Tarif, so ist, nach gerichtlicher Entscheidung, der Angestellte berechtigt, die Differenz einzuklagen, denn er hat in einer Notlage gehandelt, als er die Stellung zu ungünstigeren Bedingungen annahm. Der von den Unternehmern angestrebt« Leistungstarif hat dort, wo er besteht, gezeigt, daß er nicht genügt. Denn der Unter- nehmer versucht dann auf Kosten der Angestellten' zu sparen. Er- Hebungen haben bewiesen, daß das Lebenshaltungsniveau dieser Angestellten, verglichen mit dem anderer, wesentlich tiefer lag.— Professor Dr. Georg W e g e n e r empfahl in seinem Vortrag „Spanien als Reiseland". Es kommt natürlich nur für sehr Wohl- habende als Reiseziel in Frage. Doch die Schilderungen waren so cnschaulich. daß ssc die Grenzen einer einfachen Reiseempfchlung weit überschritten und ollen Hörern etwas bieten konnten. Domierstsg. 25. Juli: 6: Fnnkgymnastik. 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Berlin und seine Bildhauer. 16.30: Die Bauchspeicheldrüse, das Insulin und seine Beziehung zur Zuckerkrankheit. 17: Unterhaltungsmusik. 18: Oestlichc Dichtung. 19: Polizei und Publikum. 19.30: Zufall oder Geschicklichkeit? 20: Theater bei Tage. 20.30: Mozart-Abend. Danach; Tanzmusik. Deutschlandsendcr: 20: Oskar-Slrau.s-Abend. Freitag, 26. Juli: 6: Funkcymnaslik. 12-18: Wette rnieldunzm tür den Landwirt. 18.30; Fraoenfrasen und Fraucnsorcen. 16: Wilhelm Tisch dem. 16.30: Systematische Vermöccnsverwaltunc. IT: Lieder. 19: CieAtrKche. ebeenisebe»nd physikalische Probleme beim Fernsehen. 19.30: Das Wochenende. 20s Aus dca Archiven der Operetten-Literatur. Deutscfalandseailer: 21: Kammermusik. Sonnabend, 27. Juli; 6: Funkcymnastik. 12.18: Wettermelduncen für den Landwirt. 16: Lndwic Feuerbach tum 123. Geburtstage am 28. Juli 1929. 16.30: Medizmisch- hycienische Plauderei. 17: Charlie K. Roellinchoff liest tisene Humoresken. 17.30: Unterhaltuncsmasik. 19: Sozialpolitische Umschau. 19.30: Reformen im Hochschulwesen. 20: Heiteres Wochenende. Danach: Tanzmusik. Kölligswusterhausen. Sonntag, 21. Juli: Ab 6: Uebertracunc ans Berlin. 14-20: Uebertracuni ans MOnchen. Ab 18.30: Uebertracunc aas Berlin. 18.30: Wisby einst ond letzt. 19: Detlev von LMicncron zum 29. Todestace. Ab 20: Uebertracunc ans Berlin. Montag, 22. Juli: 16: Französisch(kultnrknndlieh-literarische Stande). 16.30: Die Rokoko- Oper mit Beispielen. 17: Uebertracunc ana Berlin. 18: Deutsche Master- koraödieti. 18.30: Wettercutninc ldr der Urlaub. 18-58: Neue Wect für den Absatz von Obst und OemUse in Mitteldentschland. 19.20: Die freien Berufe. 19.88: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Dentschlandsender: Blas. orchostcr-Konzcrt. 21.30:„Die Hasenptote", TracikoraOdie von Brainert. Anschließend: Uebertracunc ans Berlin. Dienstag, 23. Juli: ,6: Bemerkenswerte Erseheinuncen ans dem erziehuncswissensehattlieien Schrifttnm 16.30: Die deutsche Ballade In Wort nnd Ton, 17; Uebertracunc aus Leipzic. 18: Musikverstehen. 18.30: Die Erkenntnis des Menschen in der tranzOsischen Literatur. 18.88: Das ceistice und physische Antlitn Deutschlands. 19.85: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 28: Deutschland. sender: Uebertracunc aus München: Konzert, Rezitation. AnschiicPcnd. Uebertracunc aus Berlin. Mittwoch, 24. Juli: 16: Die cecenwirtice Läse des deutschen Schulwesens im Ausland. 16.30: Huco Wolf als Opernkomponist. 17: Uebertracunc ans Hamburc- halbes Jahr Arbeilsmarktentwicklunc. 18.30: Erlebnisse in Abesswien. 18.85: Die physikalischen und physiolocischen Qrundlacen des Sincens und Sprechens. 19.20: Deutsche Musik im Auslande. 19.58: Wetterbericht lür die Landwirtschaft. Anschließend: Uebertracunc aus Berlin. Donnerstag, 25. Juli: 16: Erzlehuncsberalunc. 16.30: Aus dem Tacebuch eines Wanderburschen. 17: Uebertracunc ans Berlin. 18: Weltpolitische Stunde. 18.30: Die Welt- ausstellunc in Barcelona. 18,85: Die Meteorolozie im Dieoste der Landwirtschaft. 19.20: Nicht Hdchstleistunc. sondern Bestleisiune im Sport. 19.58; Wetterbericht lür die Lardwlrtschalt. 20: Dcutschlandscnder; Konzert. An- schließend: Uebertracunc aus Berlin. Freitag, 26. Juli: 16: Was lehrt uns die hellenisch« Sporteeschichte? 16.30: Romain Rolland. 17: Uebertracunc aus Leipzic- 18: Das Silber, ein sterbender Weitherrseher. 18.30: Die Welrausstellunc in Barcelona. 1885; Die Wandlunz im Geistesleben der Oecenwarl. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrat für Tierirztr.>"88: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Uebertracunc aus Berlin. 21: Deutschlandsender: Kan.menjinslk. Anschließend: Uebertracunc aus Berlin. Sonnabend. 27. Juli: 16: Aus der Rundfunk-Abteilunc des ZentraHnstituls„ 16.30: Der Berufs. -eist des deutschen Becmtentums. 17t Uebertracunc aus Hamburc. 18: Was machen wir mit unserer Freizeit? 18.30: Humor aus kolonialer Frühzelt. 18.58: Deutsche Meister der Karrikatnr. 19.20: Theatererinneruncen eines alten Mannes,>988: Wetterbericht für die Landwirtschaft. Ab 29; Uebertracunc aus Berlin. Set genannten Genossinnen nicht nbkömmlich ist, mutz fte durch eine politische IZunktionürin vertreten sein.— Mittwoch, 24. Juli, Konsum- «afseckochrn im Restnvront Svnnduuer Bock.. f.«rei» Bilmeesboef. Miitwoib, 24. Juli, Besichtinun» des Volksporks Rehberae, Goethcporf. Weddin». Trefspnnkt pünktlich 188i Uhr See. Ecke Amrumer Strotze. Beginn der IZiihrnna pünktlich 16 Uhr. An. schiletzend oemütlidses Beisommeniein in der Sochschulbrouerci, See. Ecke Amrumer Stratze. Interessierte Porieigenossinnen sind Willkomm'», gnhr- verbindung: Unierarnndbohn bis Seestratzc, bonn mit den Linien 8 nnd 17 szwei Loitestellen). 20. Abt. Den Genossinnen zur Kenntnis, imtz dir s?rouenobende In den Mo- noten Juli und August ousfnllen. 37. Abt. Unser ssrouenabend fällt ou». Alle Genossinnen beteiligen sich am Kosfeekochen der Konsum-Genosseuschait am 23. Juli, 14 Uhr, im Saolbau Driedrichshain. 40. Abt. Montag, 22. Juli. 20 Uhr, bei BSticher, Bagelberger Str. 9..Grs. tesleir, Satiren und lustige Lieder." Vortragender: Genosse Sofemann. 41. Abt. Die ssrauenabende fallen in den Sommeemonaten aus. Dafür findet am Sonntag. 28. Juli, ein aemeinsames Kaffcekochen im Restau- rant..Waldschenke", Machnower Schleuse, statt. Treffpunkt und ssahr- Verbindung werden nach bekanntgegeben. 42. Abt. Der s?ra»ennbend am 22. Juli fällt au». Die Genossinnen werden gebeten, sich dafür zahlreich am Kasfeekochen im Volkspark Neukölln, Sauptresiaurant, zu beteiligen. Treffpunkt 18 Uhr. 81. Abt. Friedenau. An Stelle des ausfallenden Frauenabends Findet am Dienstag, dem 23. Juli, ein Ausflug zur sterienkolonie des 11. Kreises, Restaurant„Wohlfahrt", Dahlem sEndhaltestelle der Linie 43), statt. Treff» vunkt 18 Uhr an der Stratzenbahuhaltestelle Kaiscreiche. »7. Abt. Reukölln. All« Genossinnen beteUigen sich am Montag, dem 22. Juli, am Konsum-Kaffeekochen in Britz, Raddatz ssestsälen. Treffnnnkt 14 Uhr Bahnhof Sermannstratze. Der ssrauenabend am 29. Juli fällt au». Da» für findet ein Ausfsua nach Pichelsdorf statt. Treffpunkt S's Uhr Saite» stelle Seemann» Ecke Ionasftratze. 110. Abt. Grünau. Montag, 22. Juli, Kaffeekachen in Waldesrnb. m..'-- 14 Uhr feriedrich» Ecke Bahnhosstratze. Nachzügler lresfen sich in Waldes» ruh. Gäste willkommen. 120. Abt. Isriedrichsselbe. Dienstag. 23. Juli, Ausflug der firauen und Kinder »ach Raveufteiner Mühle. Besichtigung des Säugling«, und Kinberheim». Im Wiesengrund Kasseekochen. Abfahrt 13 Uhr vom Bahnhof Lichten. herg-Iriedrichsfelde. Iahren bis lsriedrichshagen. Arbeilerwohlfahrt. g.' Rttit Vilmcrsdorf. tGrunewald-Eichkamv.) Mittwoch, 24. Juli. stchtignng tos Volksparks Nelcherge((Eortfifpark Wedding). Treffpunkt pilnlt» lich Wi Uhr Ecke See- und Amrumer Strafte. Führung durch Herrn Garten. direktor Germer beginnt um 16 Uhr. Nach der Besichtigung oemsiHichcs Beisammensein in der 5!>ochschulb?a'.:erei, See-' Ecke Amrumer Strafte. Inter- essierte Parteigenossen willkommen, �ghrverbindnngen: Untergrundbahn S«e» strafte, dann evtl. E�raftenbahnen 8 und 17 Dwei Haltestellen). Jungsozialislen. Gruppe Dohnsbor). Dienstag. 28. Juli. 19>6 Uhr. im Jugendheim Dachtel» stratze 1, BorUeag:„Bereinigte Staatten von Europa". Reierent: Kau, Waldmann. Gruppe Süd««. Sonnlag. 21. Juli, ssahri noch dem Mtiggelinfee bei Wilmersdorf. Treffpunkt 7 Uhr Potsdamer Ringbahnhof. Nachzügler treffen sich 8 Uhr Bahnhof Porckstratze. Gruppe Ebarlottenburg. Montag. 22. Juli, 20 Uhr, im Jugendheim Ro. sinenstr. 4, Vortrag:»Dre Bedeutung der Internationale". Rcfcrenl: Rai Hepdemann. Geburtslage, Jubiläen usw. 28. Abt. Unser Genosse Wilhelm«»ttert. Prenzlauer Allee 222, beaehi heute seinen 80. Geburtstag. Wir wünschen ihm, batz ee seiner ünmilic und der Partei noch lange Jahre bei bester Kcsundheit erhalten bleibe» wöge. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation . 31. Abt. Unsere Genossin Berta»ranz, Schänslietzer Str. 10. ist im Alter von 49 Iahren verstorben. Ebre ihrem Andenken. Einäscherung am Mon- tag, 22 Juli, 18'!■ Uhr. im Krematorium Eerichtstratze. 2» Reinwollene Slriffihlelder Inden allerneuesten Muatern, mit breiten auderBfarbißen Querstreifen, mit neuartigem Aus- Bchnitt, in allen(xrö&en und vielen Farben 22.- Reinwollene weihe smde-jadee mit kunstscidenen Effekten in reizenden Mustern verarbeitet. 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Es kamen Griechen, es kamen Türken, es kamen Franzosen und Russen. Bis weit in die nächsten Wochen hinein liegen für jeden Tag Anmeldungen großer Gruppen von Ausländern vor, die beweisen, wie groß das Aufsehen ist, das dieses Werk deutschen Wagemutes, deutscher Technik und deutscher Gründlichkeit außerhalb der Grenzen des Reiches erregte. Um nur Brifpicff rn«Ä«;«tae R-sf« s«f-klsch-ft französischer Brand dlrektoren studierte die Sprinkleranlag« des Hauses. Eine bekannte französische Fußballmannschafi benutzte die Sporthalle des Warenhauses zu einem kurzen Er- gänzungstraining. Besonders stark ist aber vor allem das Interesse der Behörden. vb diese Hii,«! Wo finden wir wirklich Erholung und Ersrischung? Rur auf den Kilhlen und wundervollen Fahrten der Ster». und»rei-fchifsahüt. Wie ongenehin und wohltuend ist-in Ausflug ,u Wasser mit de» bekannlen und so beliebte» Dampscru und Motorschiffen der Etcrn. und Kreisschiffahrt. die jetzt ,ur Ferienzeit wieder ltberallhin ihre billigen Extrafahrten ausfilhrt. Von der Weidendammbrücke fährt täglich— auher Sonnabends— ein grosses modernes Ealonfchiff über Potsdam nach Paretz. Ketzin. Forsthaus Templin und Ferch: auf der Oberwree fahren täglich Dampfer nach Woltersdorf und Drünhcidc, nach Schmöckwitz. Fiegenhals, Prierosbrück und durch die herrliche Dubrow nach Teupitz, ferner an allen Tagen auch nach Paretz. Kohlhasenbrück, Forsthaus Templin und der Machnower Schleuse.— Von Tegel gehen billige Fahrten nach dem Werbellin- und Lehnitzsee, noch Paretz und Phöben sowie durch den Grossen und Kleinen Wannsce nach Potsdam— Alter Tor- no».—#»n Berlin und Spandan besteht fern« an W»«i Tagen in der Woche Damvferoerbtndung nach Brandenburg. Aus dem Teltowkaual finden täglich — ausser Sonnarends und Sonntags— mit grossen Molorfchiffen billige Fahrten nach Paretz. Ketzin. Ferch und den Elindocr Aloen statt, ausserdem auf der Oberspree zu den schön gelegenen Lokalen„Prinzengarten" und „Rübezahl", nach der Woltcrsdorser Schleuse und nach Schmöckwitz. Die Preise für alle Fahrten find recht niedrig bemessen. Auskunst über Preise und Abfahrtszeiten durch das Zentralbureau. Mittelstr. Lü, Zentrum 2747. Said in Löchstsorm! Sie wissen: Said, die Massarn.Z.Pfennig.Ziqar-tte. Die ist jetzt wundervoll aiisgeglichc». Ganz mild und dennoch belebend. Und in den Mossaru-Karlons finden Sie die begehrte» Fahnenbilder. Alle die bisher erschienen finbl Ja: Taid hat's in ficht Ein« iuteecffaute-merilauisch« Feststclluu«»um deutsche»«»t»«rv»rt»ach USB. Dem �est 5 der Zeitschrift des Deutschamerikanlschen Wirtschastsver- bandes«ntnelfuien wir: Der„Board of Trade for German-American Commerce" teilt mit, dass 1Z Proz. aller im Jahre lüA in die Lercinigtrn Staaten eingeführten Kraftfahrzeuge Mercedes-Wagen der„Doimler-B.mz- Werte" in Stuttgart gewesen find. In Anbetracht de, ausserordentlich starken Wettbewerbs der grossen Automvbilfabriken oller Länder auf dem amen. fanischen Markt sei da» al» ein besondere» Zeichen der Anerkennung seitens der Amerikaner mit Bezna aus die hohe Dualität und technische Ausführung dieser deutschen Automobile zu werten. MÖBEL WERBETAGE besonder» S! fÄ Alle Zimmer-Einrichtungen und Einzelmöbel preiswert! umsonst ELSASSER STRASSE 37 am Orsnlenbura« Ter BRUNNENSTRASSE 33 nahe Imaltdenstnfte räch ihren Wünschen Hotel EigenUrn.: Gurt Elsohaer Berlin Excelsior E.— Größtes Hotel des Kontinents 600 Zimmer/ 800 Besten f Zimmer U. 8.— an MdetKe (keine Zuschlige, keine Prozente)/ Sttrfläche für ca. 2000 Pees. 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Tägl-S'/s Uhr Sonntags Z'.tz u.&h Blaobari Operelte von Offenbach Kammersänger Wnlter Ilrebhoft Tragödie etoe» Sporllcr» nanelamnn —» am Zoo■—~ l»SH- JimSieiftalet Stnl» B.S Barbarossa 5578. 16''» Uhr Sternbilder des Sommers W, Uhr Der Shrtbell der Seime SOVjU. Von Pol ni Pol am Sternenhimmel Tägl. außer Montags u. Mim». Erwachs. 1 Miü, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf. Kinder 25 Pf Billie SonUtirten Ab Oerlin-WaltSeiMSaminbrOcke t 9 Uhr: Jeden Sonnt, Dienst, Donnerst nach Perel».— Jeden Moni., Freit nach Ketsln mit Rnndlehrt am Potsdam. FBünirels hin n. larüflc Werkt. RH. I... Sonnt. RM. S.-— Jeden Mlttw. nach Templin RH. 1.30 und Ferdi RH. 2.-— Jeden Mittw. ab Weidendammbrücke 7.30 Uhr nach Brnndenharg(Havel) f abrorcls RH. 3.' — Jeden Donnerst ab Spandau, Charlottenbrücke, 8 Uhr nach Brandenbarg(Havel) lakrpritt HM. 2.-- Jeden Dienstag ab Charlottenburg, SchioBbrücke, 13.30 Uhr, nach Kohlhasenbrttdc, Grlebnltzsee.— Jeden Mittw. und Freit, ab Charlottenburg, SehloSbrücke 9,30 Uhr nach Dirkenwerder- Lehnitasee,— Jeden Donnerstag ab Charlottenburg. Schloßbrflcke, 9.30 Uhr nach Qlln- dower Alpen Fahrpreis hin u. zur.: nach Kahlhasen. brück RH. 1.20. nach LehnUasee RH. 4.30. nach Glln- dower Alpen RH. 2.-. Ab Berlln-Iannowltzbracka; Jeden Werkt 9 u. 14 Uhr nach Grönau and SchmOck- wltz, sowie SJO Uhr nach Wolleredorfer Schleuse- Mölleosce.— Jeden Werkt(auß. Sonnabend)>0 Uhr nach Z.egenbals.Weisses Schloss— Jeden Sonntag, Dienst, Donnerst 7.45 Uhr nach Teaplta'Tornows Idyll.— Jeden Moni., Mittw, Freit. 9jo Uhr nach Prlerosbrflck.— Jeden Mont, Mittw, 8J0 Uhr nach Paretz.— Jeden Dienst 8-50 Uhr nach Madhnower Schleuse.— Jeden Donnerst 8.30 yhr nach Kohlhasen- brück.— Jed. Freit 8-50 Uhr nach Forsthaus Temptin. Ab T«sel-»oauPari 7 Uhr: Jeden Mont, Mittw, Freit nach Werbeniatce. Aus dem reltew-KaMli Ab Neukölln, Rudower Str. 8.30 Uhr u. den dazwischen- liegenden Stationen: Jeden Moni, nach Ferch.—Jeden Mittw nach GUndower Alpen.— Jeden Donnerst nach Ketzin.- Jeden Dienst u. Freit nach rareta, sowie ab Lichterfelde, Giesendorfer Straße. 9,30 Uhr. — Jeden Dienst nach Prloaengartea.- Jeden Mittw. nach WollersdoHer Schleuse.— Jeden Donnerst nach Rübezahl.- Jeden Freit, nach Schmöckwitz. Nähere Auskönttc durch d. Hauptbüro: MUielslr. 24. Telephon: Zentr. 4747-474». TheeL fl. Westens Täglich SOs Uhr Sonntag 3 Vi u. Vit Franz Lebars Welleriolgl FriederlKe Lotte Carola, Willy Thunis, Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 LustspIelbtDS Täglich 8'b Uhr Du wirst mich heiraten I Rundfunkhörer halbe Preise. TolKsbiilme ThultrsnBilovplili 8»/s Uhr Baüiii. wie es weint n. lacht TßaiBn Denfsdier Baagewerksbnnd Banftewerlttduül Berlin Am Montag, dem 22. Juli, nachm. S Uhr, findet in den ResIdenz-FestsSlen, Landsberger Straße 31, eine Baudeleglerftenversammlung statt— Thema; �Der Aatrnf«er fieneralvertaiamlnng __ Eblbetf". In dieser Versammlung werden die Fragebogen für die Julistatistik ausgegeben. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimieren. Der Voraland. Vorzeigung des glledsbnches i 3 und 4 Mark statt Mark nur 1 Mark WM NM D.I. Nordes 12310 8U, Ende gegen 11 Die Fleflcriaiis Musik v.Joh. Strauß Regie; Max Reinhardt Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ansstattg. L. Die Komödie J I Bismck.2414/7516 8V», Ende geg.]0Th«ater m Uhr. 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Anläßlich der Trauerseter meine» geliebten Manne», Sohne», Schwieg er- söhne» und Bruders �VNKelin sage allen StfOegm de» Werkes .Klingenbera', den Senosseit der 91. und»7. Abteilung der SPD. und dem Berband meinen herzlichsten Dank. Midlu Roiliti, gebJttohi nebst In ehirigen DeutidieilllMtiitHM Olensfag. den 23. 3nU, abend» 7 Ahr, im Sitzungssaal de» verband» Hause», Liniensir, 83/35 Konferenz der weibi. uertrauenspersooen und Betriebsräte Tagesordnung: 1. Die Auswirkung des Tarisvertrages iilr die Broß-Berliner Metallindustrie. 2. Branchenangelcgenhciteu und Ber- schiedenes. Da es sich in dieser Konferenz um wich- tige Fragen handelt, ist e» dringend not- wendig, daß jeder Betrieb oenreteu ist. Die Funltionärinnen können organisterte Kolleginnen als Gaste»insllhren. vieuskag. den 2Z. In», abend» 6 Ahr, in den ArminhaNeu, Aammandantenskrab« 58/50 Branchenuersammiung fl. Metailscbleiter.Baiuaniseure. Hinsarbeiter und Arbeiterinnen Tagesordnung: 1. Situation in der Branche. 2. Diskusston. .7. Verband, angelegenheiteu und Ber. schiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Da» Ersche neu aller Kollegen Kolleginnen ist Pflicht. und Fllr die viele» Beweis« herzlicher Anteilnahme bei» Heimgang, unsere» Itedeu Sohne» Otto sage» mir allen verwandte» und Bekannten, sowie dem Redner der Freidenker fllr seine trdftendeu Worte unsere» berzltchften Dank. Aarl Halm nebst Iran. zd Sellin. Bekam»tmachuog. Die am 18. Mai 1929 vom Kassenaueschuß beschlossene Eatzungsänderung sl. Nachtrag) betreffend Pudlikalion in.Das Deutsche Holzgewerde, Zeitschrift für da» Holz» gewerbe und du Holzindustrie" ist nun- mehr vom Oberverflcherungmunt Berlin genehmigt worden. Die Saßungsänderung ist mit dem«. Zuli 1929 in Kraft getreten. Druckstucke der Aenderuna stnd in acht Tagen im Kaffenlokal zu erhalte». Berlin, den 15. Juli 1929. Set Vorstand. Ernst Mallwiß, Hubert Stieffenhofer, Borstßender. Schriftführer. Verkäufe Landparzelleu 980,—, schiin gelegen. kleine Anzahlung. 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Ohne Mitgliedsbuch kein gutritt Wegen der Wichtigkeit der Tagerord- nnng ist das Erscheinen' aller«olleginnen und Kollegen dringend erforderlich. vir OrtiTcrwalhmg. Tapeten. Szillat. Koloniestraße 9 Zeiß-Ikon, Gelegenheitskäufe, und an- der« Markenkameras. Prismengläser spottbillig, au» Versteigerungen stam- mend. Photo-Täuber, An der Span- dauer Brücke 8(Bahnhof Börse), Beachtenswert! Deutsche, Tevvichhau» Emil Lefiwre seit 1882 nur Oranien straße 158. Keinerlei Beziehungen zur ähnlich klingenden Firma. Man achte au! Pornamen Emil. Bciilriiliintfzsiüülf'e. Wasct.e usw Leihhaus Morißplaf, 58a. Perkauf oo» «avalier-Darderode. teils auf Seide, Jackett-, Frack-, Smokinganzüae, Gabar- dinemäntel, Bauchanzüge, fllr lede Figur passend. Eitra-Angebvte wr neue Gar. derobe. Pelzjacken 50.—, Pelzmäntel 98,—, Sportpelze 85,—. Gehpelze 100.—. Keine, Lombqrdwarel Wenig getragene Jackettanzllge, tei!» auf Seide. 18,—, Smokinganzllge, Bauch aazllge, Taillenmäntel. Paletots, stau nend dillig. 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Ein Zwischenbericht, dem bald der letzte Endbericht folgen wird. Der Reparationsogent S. Parker Gilbert hat durch die Reichs- regierung seinen Zwischenbericht an die Reparationskommijsion. der neun Reparationsmonate und sechs Wirtschaftsmonate bis 31. Mai umfaßt, der deutschen Oesfentlichkeit übergeben. Wie wir schon im politischen Teil mitgeteilt haben, enthält der Bericht keine der mög- licherweise zu erwarten gewesenen Sensationen. Er ist eine im ganzen sehr um Objektivität bemühte Darstellung, insbesondere der Entwicklung des deutschen Reichshaushalts— geringer ist diese Objektivität schon bei der Kritik der Gemeindehaus- halte—. eine Darstellung auch ohne jenen überschwänglichen Optimismus, der das tatsächliche Bild der deutschen Wirtschaftslage im letzten Jahresbericht des Agenten so sehr entstellt hat. Reparationsleistungen und Berichte der Kommissare „Die Ausführung des Plans ist, soweit Reparationszahlungen und Uebertragungen in Frage kommen, während der ersten neun Monate des fünften Annuitätsjahres vorschristsmähig verlaufen. Wie in den Vorjahren hat Deutschland loyal und pünktlich die durch die Bestimmungen des Plans vor- geschriebenen Zahlungen geleistet,"' mit diesen leider schon zur Formel gewordenen, die ungeheure praktische und historische Tragweite der Reparationssragen kaum mehr ent- hüllenden Worten beginnt der Bericht. Der Bericht des Reichs- bankkommissars würdigt die Währung?- und Reichs- b an t tri je, die Deutschland während der Pariser Verhandlungen zu überstehen hatte, abjchließend mit folgenden Worten: „Die Krise gehört setzt der Vergangenheit an. Als Gewinn ergibt sich, daß tatsächüch bewiesen worden ist, daß, wenn die Notenbank fest bleibt, eine Wertminderung des Zahlungsmittels nicht befürchtet zu werden braucht. Der Bericht des Eisenbahn kommissars oermeidet es, sowohl die Entwicklung als auch die Finanzloge der Reichs- bahn als ungünstig darzustellen, was für die Frage der im cherbst zu entscheideitben Tariferhöhung beachtet werden sollte. Optimismus spricht aus der Feststellung, daß schon in den Monaten April und Mai die während der katastrophalen Kälte- monate erlittenen Berkehrseinbußen„restlos wieder ausgeglichen wanden" sind, und aus der weiteren Feststellung,„daß jetzt manches dafür zu sprechen scheint, daß der Güterverkehr für das Jahr, als Ganzes genommen,«inen höheren Stand aufweisen wird als das Äahr 1328." Wie auch wir sieht der Eisenbahnkommissar für die Reichsbahnfinanzen in der nach dem Poung-Plan nicht mehr weiter aufzufüllenden Ausgleichsrücklagc eine Entlastung der Reichsbahnfinanzen:„Die Gesellschaft wird sich alsdann um eine jährliche Belastung von einigen hundert Millionen erleichtert sehen." Zu der neuen Belastung der Reichsbahn durch die verbindlich erklärte Lohnerhöhung und zu der von der Reichsbahn geforderten Tariferhöhung nimmt der Eisenbahn- kommissar keine Stellung, sondern schildert n»r die Tat- bestände. Die Oefiziimirtschast des Bürgerbwcks. Den öffentlichen Finanzen in Deutschland wirt>, wie schon gesagt, der weitaus größte Teil des Berichtes gewidmet. Der Reparationsagent schildert in sehr ausführlicher Weise die Entwick- lung seit 192Z/26 im deutschen Reichshaushalt und trifft dabei Fest- stellungen, ohne selbstverständlich die einzelnen verantwortlichen Regierungen zu nennen, die die Verantwortlichkeit der seinerzeitigen Bürgerblockregierunge n für dl? von der neuen Regierung im Mai 1928 übernommene böse Defizit- erbschaft deutlich kennzeichnen. Die ohne irgendeine obere Grenze festgesetzten Prozentsätze für Gemeinden und Länder im Finanz- ausgleich, die Ausgleichsleistungcn für das in der Inflation zer- störte Invalidenversicherungsvermögen(192o/26), die Ablösung der öffentlichen Vorkriegs- und Kriegsanleihen(1926/27), die erhöhten Beamten- und Angestelltengehälter(1927/28), die unbegrenzte Re-chsverpflichtung für die Arbeitslosenversicherung, das Kriegs- schädenschlußgesetz(1928/29), die für die Wivschaft in steigendem Maße gewährten Darlehen und übernommenen Garantien,— fast lauter neu«, immer wiederkehrende Iahresbelastungen,— hätten großenteils mangels der Lorsorge für neue Ein- nahmen während der Fünf-Jahres-Periode den Stand des Rcichsetats in sein Gegenteil verkehrt,„das heißt, aus einem be- deutenden Ueberschuß im Jahre 1924/25 war im Jahre 1928/29«in erheblicher Fehlbetrag geworden"... Weiter sagt der Bericht: „3n den letzten drei Jahren zusammengenommen... liehen die Angaben die doch in ansteigender Bewegung befindlichen Einnahmen um lZSO Millionen hinler sich, zehrten den vorhandenen Ueberschuh der beiden Vorjahre ans und verursachten am Jahresschluß von 1928/29 In der hauzhallsrechnung einen Fehlbetrag von 859 Mit. lionen... Für die unbegrenzte Verpflichtung des Reichs aus Grund des Arbeilslosenversicherungsgesehes wurde in den Etat keine ander« Deckung als Anleiheermächligungen ein- gebellt: und nach Auslegung der Inneren Anleihe vom Februar 1927 (Reinbold-Anleihe— d. R.) wurden keine wirksamen Schrille zur verellstellung einer Deckung stän- digen Charakters für das wachsende Defizll des Extra- ordinariums ergriffen, bezüglich dessen der R e i ch s m i ni st e r der Finanzen vor ein paar Monaten Im Reichstag bemerkte:„Seil dem Zahre 1927 haben wir ein Bleigewicht von 1000 M I l- lionen Mark im Außerordentlichen Etat mit uns gcschteppl." Der das sagt«, war der sozialdemokratische Reichssinanzministcr Dr. chilferding, dem auch der Reparationsagent, der gewiß nicht milde in der Etatkritik ist, jetzt bestätigt, wie schwer die von den Bürgerblockregierungen übernommene De- fiziterbschaft war. Für die Desizitvermehrung in der Periode der neuen Koalition aber kann auch der Reparationsagent keine ander« Ursache nennen als die ungeheuerliche Lastenvermehrung aus der Arbeitslosigkeit des letzten Katastrophenwinters mit seinen seit 200 Jahren unerhörten Kältetemperaruren. .3m Wesen doch gesunde Reichsfinanzen. Sein Gesamturteil über ds« Reichsfinanzen faßt der Reparationsagent in folgende Worte zusammen:„Die Etatsschwierigkeitcn der letztverflossenen sechs Monate haben, wenn sie auch die Notwendigkeit eines klarumrissenen, schöpferischen Finanz- Programms haben erkennen lassen, an der im Wesensgrund« doch bestehenden Gesundheit der Reichssinanzen keinen Zweifel auf- kommen lassen können." Wenn man dieses Urteil auch als etwas optimistisch ansehen muß, besonders, da der Reparationsagent mit dem jetzigen Reichssinanzminister bezweifelt, ob die im neuen Etat für 1929/30 vorgenommenen Abstriche an den Ausgaben sich würden verwirklichen lassen, so hätte der Reparationsagent zu seinem optimistischen Urteil nicht kommen können, wenn er den im Gegen- satz zur Politik des Bürgerblocks heute beschrittenen Wegen nicht Vertrauen entgegenbringen würde. Diese Zuversicht ist freilich um so überraschender, als die kürzlich im„Vorwärts" vom Genossen Breitscheid kritisierten Ver- mutungen des französischen Politikers Per- tinox, der Reparationsagent werde sehr scharfe Kritik an der neueren Finanzpolitik üben, in dem Bericht nicht bestätigt werden. Den Zeitpunkt für eine große organische Reform der Reichssinanzen sieht der Reparatzionsagent heute gekommen. Das Reich wisse heute, welche Verpflichtungen es aus allen internen Nachkriegs-, Ausgleichs- und Abgeltungsmaßnahmen habe und könne dem- entsprechend seine Haushaltspläne aufstellen. Der A°ung-Pla'n schließlich mit seiner Endgültigkeit der Zahlungsverpflichtungen und seinen bedeutenden Abstrichen an den Annuitäten biet«„die Gc- legenheit und den Antrieb zu dem Entwurf und zur Durchführung eines schöpferischen Finanzprogramms ebenso wie die unerläßliche Grundlage dafür". Ohne Kritik zitiert der Bericht die A b- ficht Hilferdings, zu Ansang den aus den Einsparungen des Poung-Plans„resultierenden Betrag für die Schaffung eines Betriebsmittelfonds und für die Deckung des im Ordentlichen Reichs- Haushalt vorhandenen Fehlbetrags zu verwenden"(I). Er fügt allerdings die auch von Dr. Hilferding„von höherer Warte und weiter hinausschauend" angekündigte Notwendigkeit hinzu, im Zu- sammenhang mit den allgemeinen Plänen der Reichsregierung für eine Finanzreform„eme Senkung der Gesamtsteuerlast als eine dringende und notwendige Ausgabe vorzunehmen". Bei der Kritik des Außerordentlichen Haus- Halts, dessen Fehlfinanzierung durch die Bürgerblock- regierungen die Defizitwirtschaft zur Folge hatte, legt der Reparationsagent sehr ausführlich und eindringlich noch einmal die Zujammenhänge klar und stellt die Verantwortlichkeiten für dst Desizilwirlschasl[est:„3n der Tal haben die Geschehnisse der letztverflossenen drei Zahre mik immer größerer Deutlichkeit dargetan. daß der Außerordentliche hauehalt durch Anleiheermächtigungen nur in dem Ausmaße balanciert wird, wie diese Ermächti- guvgen sich in effektive Barmittel umsehe« lassen, und daß das Exlraordinorium ebenso wie das Ordinarium ausgeglichen werden muß, wenn das allgemeine haushaltsgleich- gewicht erhalten bleiben soll, während dieser drei Zahre hat sich der Außerordentliche Haushall weitgehend als ein wertzeug zur Tätigung von Ausgaben über den Rahmen der vorhandenen Wittel hinaus erwiesen, und im Jahre 1928/29 spitzten schließlich die sich häufenden Schwierigkeiten dieses Etats zu und führten im Reichs- Haushalt, als Ganzes genommen, einen beträchtlichen Fehlbetrag herbei." Währung und Wirtschast. Der Kreditlage in Deutschland und der Sicherheit der deutschen Währung schenkt der Bericht wieder große Aufmerksamkeit. Die 51 r e d i t r e st r i k t i o n der Reichsmark wird als„Notstctndsmoß- regel aus der Periode der Erholung von der Inflation" gekenn- .zeichnet. Der Reparationsagent geht mit seiner Schätzung über die im ersten halben Äahr 1329 gegenüber dem Vorjahr aus- gebliebene Kapitaleinfuhr— 838 Millionen— noch über die jüngste Schätzung der Reichskredit-A.-G. hinaus. Von der deutschen Währung wird gesagt, daß sie in den letzt- verflossenen Monaten wie seit dem Inkrafttreten des Dawes-Plans überhaupt allen praktischen Erfordernissen der Goldwährung genügt habe. Di« deutsche Wirtschaftsentwicklung wird zurückhaltend beurteilt. Der Reparationsagent muß auch die Frage offen lassen, ob die seit März 1323 eingetretene Aenderung „nur eine Ausfüllung des während des Winters entstandenen Vakuums bezeichnet, oder ob sie das Wiedereinsetzen einer groß- zügigen und gleichmäßigen Wirtschaftstätigkeit bedeutet..." Für die Beurteilung der letzten großen Arbeitslosigkeit erscheint auch'dem Reparatlonsagenten neben der Katastrophenkäste die mangelnde Kapitaleinfuhr uni�-'die 5)öhe der Zinssätze wichtig. Der Bericht schließt mit einem Ausblick auf die durch den �oung-plan veränderte Situation: „Die Annahme dieses Plans(des Dawes-Plans von 1924 — D. R.) stellte den we n d e p u n k l in dem Genesungsprozeß nach dem Kriege dar. und die Zahre. die darauf gefolgt sind, sind Zahre einer sich ständig vermehrenden Stabilität und wesentlicher wirt- schaftlicher Erholung nicht nur in Deutschland, sondern in Europa in seiner Gesamtheit gewesen. Der Sachoer st Sndigenplan von 1929 bietet Deutschland und den Rcparallonsmächlen die Gelegenheit zur endgültigen Regelung des Reparationsproblem» und schafst damit die erforderliche Grundloge für den weiteren Fort- gang der friedlichen wiederausbauarbeil." Konsumbrot bleibt billig. 1 Kilo im Durchschnitt um fast S Pfennig billiger als Bäckerbrot. Brot ist das Hauptnahrungsmittel des arbeitenden Volkes. Jede Brotpreiserhöhung trifft Mann, Frau und Kinder im Massen- Haushalt, weshalb sie, wenn irgend angängig, oermieden werden muß. Leider handeln die Konsumvereine nach diesen Gesichts- punkten, nicht aber die privaten Bäcker. Wohl wurde Anfang Juni infolge der stark gesunkenen Roggen- preis« auch vom privaten Bäckergewerbe eine kleine Verbilligung des Brotpreises herbeigeführt. Sie wurde aber nicht lang« inne- gehalten. Bereits am 8. Juli gab der Zweckoerband der Bäcker- meister Groß-Berlins in Nr. 160 der„Berliner Bäcker- und Konditor- Tageszeitung" bekannt, daß ein Brot zum Preise von 50 Pf. ein Gewicht von 1155 Gramm Hobe. Bis zum 8. Juli wog das öO-Pf.- Brot noch 1215 Gramm. Also eine Brotoerteuerung um rund 5 Proz. kommt durch die Gewichtsverminderung zum Ausdruck. Verwundern muß es dabei, daß versucht wird, die Brotverteue- rung durch irreführende Pressemitteilungen zu verheimlichen. Im„Berliner Börsen-Courier" vom 10. Zuli 1929 ist zu lesen:„In den letzten Tagen waren Gerüchte verbreitet, daß infolg« der Er- höhung der Getreidezölle der Brotpreis erhöht oder das Brotgewicht vermindert werde. Es war sogar schon davon die Red«, daß die Ber- liner Bäcker das öO-Pf.-Brot im Gewicht von 1200 Gramm um 48 Gramm verringern würden. Wie wir von der Berliner Bäcker- Innung erfahren, eilen diese G-Üchte den Tatsachen voraus." Am 8. Juli war die Gewichtsverminderung, die der Teuerung entspricht, aber schon bekanntgegeben. Wie reimt sich das zusammen? Die Konsumgenossenschaft hat bis heute an ihrem niedrigen Brotpreis festgehalten: nach wie vor wird für 60 Ps. ein Brot im Gewicht von 1635 Gramm an die Mitglieder verabfolgt. Legt man einer vergleichenden Berechnung ein Brotgewicht von 1000 Gramm zugrunde, so ergeben sich zwischen dem Preis des Konsumbrotes und dem Preise des Brotes der Ber- liner Bäcker folgende Unterschiede: konsumbrol, 1000 Gramm 36,7 Ps., unter Berücksichtigung der 4prozentigen Um- satzrllckoergütung je Kilogramm 35,3 ps.; in den privalböckereien Groß-Berlins bemiht sich der Brotpreis je Kilogramm aus 43.2 ps. ver Preisunterschied zwischen konsumbrol und Bäckerbrot belrägl demnach 7,9 ps. Bedarf es noch eines Kommentars oder einer Aufforderung? Arbeitsmarkt weiter unverändert. Geringe Vermehrung der Hauptunierstuhten. Die Arbeitsmarktlage im Bereich« des Landesarbeitsamtes Brandenburg bot in der Bcrichtswoche zum 13. Juli 1329 das gleich« Bild wie die Vorwoche: insbesondere behielt auch die Zunahm« der Zahl der Hauptunteistützungsempfänger das gleiche gering« Ausmaß. Gut beschäftigt und weiterhin auf- nahmefähig war der Braunkohlenbergbau. Dagegen hielt die Ver- schlechterung der Arbeitsmöglichkeiten in der Metallindustrie für die männlichen Berufe an.(Entlassungen der Fahrzeugindustri«, der Gießereibetrieb« und der Gelbmetallindustrie.) Im teilweise un- befriedigenden S p i n n st o f f g e w e r b e ist eine gute Arbeits- marktlag« für Guben, Luckenwalde, Finsterwalde und Forst fest- zustellen. In der Berichtswoche fiel die Zahl der Arbeit- suchenden um 315 auf 235 661, d. h. um 0,39 Proz., gegenüber einer Zunahme von 3044 gleich 1,30 Proz. in der Vorwoche. Die Zahl der Hauptunter st ützungsempfänger. in der ver- sicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung betrug 122 298, in der Krisenunterstützung 26 421, zusammen 148 719 Personen. Leicht erhöhter Einfuhrüberschuß. Im ganzen Rückgang des Außenhandels. Der Gesamtumfang des Außenhandels ist, wie im Mai, auch im Juni zurückgegangen. Die Einfuhr im Juni betrug im reinen Warenverkehr. 1077,7 Mill. M., während die Einfuhr von Gold und Silber sich verdreifachte(35,5 Mill. M.). Die Ausfuhr im reinen Warenverkehr ging von 1175,8 Mill. M. im Mai auf 1079,3 Mill. M im Juni zurück, worin Reparationslieferungen in Höhe von 63 Mill. M. enthalten sind. Der bisherige Ausfuhrüberschuß (einschließlich der Sachlieferungen) ging auf 1,7 Mill. M. zurück: ohne die Sachlieferungen ergibt sich ein Einfuhrüberschuß von 61,4 Mill. M.. Sintudr 1929 Ausfuhr 1929 Warengruppe» Juni Mai Juni Mai _ in 1000 M. nach D? lande, teilweise auch über die See und an einer ganzen Anzahl von Sperrgebieten und Gefahrzonen vorbei, deren sorgfältige Umfliegung den Bewerbern zur Pflicht gemacht wird. Unter den 28 Nennungen, die der französisch« Aeroklub abgegeben hat, befinden sich 17 französische, 5 englische, 2 belgisch«, 2 jugo- slawische, 1 amerikanischer und 1 brasilianischer Bewerber. Die vom Aeroklub von Deutschland abgegebenen Nen- nungen verzeichnen 32 deutsche, 1 kanadischen und«inen öfter- reichischen Bewerber. Wrsorge für erholungsbedürftige Kinder. Der Magistrat hat beschlossen, für die Verschickung erholungsbedürftiger Kinder aus den Mitteln der Notstandsaktion weitere 466666 Mark zur Verfügung zu stellen. MordamReichswehrsoldaie« aufgeklärt Oer wahre Täter hat gestanden Zu der Nacht vom 2. zum Z. März d. 2. wurde aus der Ehaussee Berlin— Stettin in Schwedt n. d. Oder der Reichswehrsoldat Otto B e n t e r, ein Zischersohn aus Usedom, sterbend ausgefunden. Er hatte schwere kopsvertehungen, denen er schon am nächsten Tage im krantenhaus erlag, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Im Verlaufe der Untersuchung, die Beamte der Berliner Mord- inspektion zusammen mit den Ortsbehörden führten, wurden vier Schwedter Arbeiter festgenommen. Einer von ihnen erschien besonders verdächtig, weil er zur Zeit der Tat im Orte gesehen worden war und blutbesudelt« Kleider hatte. Einer der Ar- beiter wurde schwer belastet durch den Gastwirtssohn W i l k e aus Schwedt. Dieser sagte unter Eid in der Voruntersuchung am 23. Mai d. I. aus, er habe beobachtet, wie der Arbeiter den Soldaten niederschlug. Aber auch Milte selbst erschien belastet. In einer erneuten Untersuchung hat er jetzt dem Untersuchungsrichter ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er hat die Tat allein ausgeführt und zwar aus Eifersuchl. Eine Greisin totgefahren. Am Bahnhof Iungfernheid« in Eharlottenburg e> eignete stch am Sonnabend nachmittag ein schwerer Straßen- u n f a l l mit t ö d l i ch e n Folgen. Beim Ueberschreiten des Fahr- dammes wurde die 87jShrig« Frau Iullanne henfchke aus der Leonhardt st raße 11 von einem mit Sand beladenen Last- outo überfahren. Die Greisin wurde aus der Stelle getötet. U SozlalistischeArbelterjugendGr.-Verliu c�inscndunqen für diese Riibrtt nur an das Zugendsekretariat Äerlm GW 68,(tndenstraße 3 heute, Sonntag: Mlaftasta BotfU«! Echönflietzei Str. 7. Srimaben».— gri«drich»h-c,-»! Sei» ffriebrichstr. S7. Heimabend. Zimmer».— Tegel! Heim Bahnt»!- straZe 1». Bunter Abend. IS Uhr. Morgen. Montag. 19� Uhr: Roa&l* Ii Schule Woldenler Sir. 20. Vortrag:.Srlebniff« vom Wiener Jugendtag'.— Faltplatz l! Schule Sonnenbnrger Str. 20. Vortrag:.Wiener und ffahrtenerlednisse'.— lZalivlag U! Schul« S-nn-nburger Str. 20. Vor- trog:.Darwinismus'.— Rordvften IX: Heim Danziger Str. 02. Bortrag- „Der Untergang des alten Bvms'.— Krankfurter Viertel! Heim Litauer Strohe 18. Vortrag:„Wien-Erlednille".— Stralaner Viertel: Heim Köhler. straß« 01. Bericht von der Kerienfahrt.— Lallesch«» Tor: Heim Porckstr. 11. Heiterer Abend.— Westend: Heim Nostnenstr.«. Vortrag:.Das wahre Ko ficht Rußlands'.— Borfigwolde: Schule Nonradfiraße. Bericht vom Wiener Iuqendtag.— Panlow IN: Heim Körschstr. 14. Betriebs, und �ahrtenerleb- niste.— Schönhauser Borstadt: Schule Sonnenbnrger Str. 20. Bortrag: „China— Rußland'._ Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Keschilitsstelle: Berlin S l4. Eebastianstr. Z7ßS. So' 2 Tr. Kauvorstand. Dienstag. 2z. Juli, 20 Uhr. Antreten des Epicl. mannsguges?:>r Bundcsverfassungsfeier in Oberschöncwccd«. wir- mensstr. l, in Bannertleidnng zum Ausmarsch.— Montag, 22. Juli. Brenz- lauer«erg. Achtung. Svielleute! All« Evielleute Uhr Allersheim Dan- ziger Straße. Bonnerkleibung. Nreuzberg. Iugrnd I. 20 Uhr Jugendheim?,orc,» straße ll..Pmmcr s, Vortrag. Treptow. Iungbanner und«chußsportlcr i-d::l Montag ab IS Uhr Sportplaß Banmschulcnweg lBlänterwald).— Dienetag, 22. Juli. Charloticnburg. Kameradschaft Spree' Versammlung der Slort, Kaiserin.Augusta.Allee 90. Referent: Kamerad Ring:„Die Avkgabe des Reichs. banncrs wr die Zukunft". Charlotten bürg. 20 Uhr Plaßkon,crt des Orts- Vereins aus dem Blaß am Ließenlc« CKaiserbomml. Den Schuß stellen die Kameradschaften Westend und Stuttgart um 19-� Uhr.— Mittwo». 24. Zuli. Friedrichshain,«ameradsch-lt Petersburg. 1914 Uhr Kamerodschoftsverlamm. [ung. Besprechung über die Verfastungsfeier. Erscheinen Pflicht. Krengberg. Zug 0. Außerordentliche Mitgliederversammlung bei Leuschner, DleNenbach» straße 54 Wichtige Mitteilungen?>:r Perfafiunasfeier. Schönebern-striedeaau. Kam. Rathaus. 20 Uhr Kameradfckiaftsversammlung in der ffrnaniklause. Typographlfche» Orchester. Mufikverein Berliner Buchdrucker. Uebungs- stunde leben ffreltag. 29 Uhr. Neukölln. Sermannstr. 1S9 fRestaurant.Sänger. heim"). Blattspieler stets willkommen, spe,. Blech und Hol». Belegung: Kroßes Orchester. Dirigent: Kapellmeister Erich Kulgeit. wekterbertchl der össenkllchen w-llerdienststest« Berlin und Umgegend. (Nachdruck verboten.) Sehr warm und ziemlich heiter. Mewltterneiguiir,. schwache Luslbewegung.— Für Veulschtaud: Fortdauer de» sehr warmen Wetter», mit örtlichen Gewtltern. W KfytesßdRateteu VCfKL tfaßfradweHt, H&Li&TaeS/racKi cfc/'£t&veHt&cßaßc/& ipiipiiiiii"1""1""-"—■■"»■'»"'''»'■''"""'""»'"viiiiii» mcu«in» C Cm Niederlagen mit Reparaturwerkstätte in Berlin; Gr. 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Daran hielt er sich nun schweigend fest und sah mit zu- sammengekniffenem Munde über das graugrüne Wasser, auf dem der alte, rostfleckige Dampfer eben zu drehen begann. Seine Augen hatten einen merkwürdigen Ring um die Pupillen, alles Wollen schien daraus verschwunden, und etwas unbestimmt Aengstliches lag darin, das der festgeschlossene Mund nicht heraus ließ. Später sah der junge Matrose öfters mit dem„vom Dorfe" zusammen, als habe er von ihm noch etwas zu erwarten. Von dem Alten ging nichts anderes aus als eine besonders Stille, die sie beide umfing, bis Peter das Herz aufging, und er zu erzählen begann: von zu Haufe, seiner kleinen Schwester, von Vater und Mutter, was sich gerade vordrängt« in diese«mpfangs- bereite Stille. Dazu sah der Alte den Jungen mit seinen Pupillen- ringen an, die, wie Peter jetzt wußte, Greiseirringe hießen, und sagte wohl zuweilen ein paar englische Brocken, etwa:.tbats-II ri«lit". Just the s-me to rne" oder dergleichen. Man merkte so recht, das holt« er au» einer fremden, angeflogenen Well und brachte es dar, wie einen Kappengruh. Sein« Art war die Stille ein« Mannes, der, wenn er mit dem Tode ringt, die Zähne zu- sommenbeißt und schweigt. Einmal vor dem Hafen wurde er krank, und ganz selbstverständlich kümmerte sich Peter um ihn. Ms sie valpanrtso an- liefen, bracht« er ihm einen Brief, wozu der Alte wieder englisch sagte:„A letter kor rne?— Not possible*. Als ob die Unmöglich- teil, daß er«inen Brief bekomme, aufzeige, wie allem er auf der Welt sei. Peter sollte den Brief-vorlesen, und als er ihn zuvor überlas, zuckte er zusammen. Sem Blick zog sich erst zurück, um dann wie bei einem großen Ereignis um st» rascher zu stießen. „Gott verdamm mich," rief er, hast das große Los gewonnen! Dreimalhunderttaufend Marli Da steht's!" All« drängte um Peter, wollte den Brief sehen, worinnen die Glückwünsche des Lotterieunternehmers standen» wie daß diesen Brief an all« Orte gesandt werde, wo der Dampfer anhalte. Wie sich der Alle vom Dorfe da verändert«! Auf einmal war er ge> sprächig und lustig: Verdammt, da» hätte er nicht gedacht, wie er Laden getreten sei. Weil der Kerl absolut spielen mußte, und der damals mit dem Chinamann, der Heizer bei ihnen gewesen, in den feine Herr hinter dem Ladentisch mit dem Gitter zu ihm gesagt hätte:„Sie, mein Herr Seemann, sollten Ihr Glück auch einmal probieren, vertun ja doch bloß Ihr Geld und könnten sich einen schönen Lebensabend sichern. Der Einsatz kommt außerdem beinah sicher heraus, da legen Sie ihr Geld auf eine Spartassel" Da hätte er gedacht, was kann das schlechte Leben nützen und hätte gleich ei» ganz« Los genommen. Hundertzwanzig Mark hält's gekostet. Gestern hätte er noch seinen Tabak darauf geschnitten. „Lang mir doch ein» da« Ding aus meiner Kiste, Peter!" Wirtlich, da» Los war braun vom Plattentabak und hatte zwei kleine Schnitt« in der MUte. Die Nummer stimmte jedoch, alle» war richtig und gültig, nur der Alt« hatte sein« still«, schweigende Tapser» keit verloren, und aus seinen Augen leuchtete Freud«. Und da, viel- leicht, weil jener so anders war, dachte Peter plötzlich, ob er dir auch etwa» abgibt von den Dreihunderttausend— vielleicht Fünfzig oder Fünftausend?— Und plötzlich begann er mit sanfter und mahnender Stimme zu sprechen:„Da mußt du gleich hinschreiben, oder noch besser, du fährst gleich nach Hamburg.— So was verfällt nach einiger Zeit.— Und vorher machst du dein Testament, daß der- jenige oder diejemge, denen du was abgeben willst.« auch be» kommen. Und da brauchst du nur zu schreiben: Das ist mein letzter Wille, und dann, was du willst. Und Ort und Datum darfst du ja nicht vergessen." Doch da antwortete des Alten Stimm« völlig fremd und abwehrend:„Ja, gib du nur erst mir selber mal mein Los— ," und als Peter um sich sah, blickt« er in lauter höhnisch« Gesichter. Einer trat auf ihn zu mit Augen, heiß von Hohn und Ueberlegenheit und sagte:„So, hast du das all vorher schon gewußt?— Hast deswegen dem Alten die ganze Zeit schön getan?— Hä, wolltest ein bißchen erbschleichen, dir was von dem Gelde sichern?"— Das war ja Unsinn. Woher hätte er wissen sollen, daß der„vom Dorfe" das groß« Los gewonnen hatte? Aber da war kein Auge, das ihn nicht zornig und bös angesehen hätte, kein Mund, der nicht zitterte vor Hohn und Abscheu. Selbst der Alte, dem er das Leben gerettet hatte, blickte mißtrauisch. Da wandelte sich etwas in ihm zu Eiseskälte, und Verachtung kroch in ihm herauf. Also so etwas, und war es noch so dumm, dachte man sofort von ihm. Er drehte sich longsam im Kreise um, wobei«r sie alle verächllich ansah, zer. knüllt« das Los in seiner Hand, warf es dem Allen aufs Bett und ging hinaus. Eine Weile stand er draußen an der Reling, sah über Bord auf das vorüberschäumende Wasser, und die Verachtung gegen sie alle oerhärtete sich immer mehr in ihm. Als«in Teil der Leute vor der offenen Mannschaststüre stand, konnte er sich nicht mehr holten, ging auf den Sprecher von vorhin zu und sagte:„Was hast du vorhin gesagt, was ich bin—?" Und als der Mann nach einer Weile mit scheelem Grinsen erwiderte:„Ein Erbschleicher!—", da schlug er ihn mit einem einzigen fürchterlichen Schlag zu Boden. Dumpf schlug der Bursche mit dem Hinterkopse auf, und der erste Offizier, der in der Nähe gestanden hatte, kam mit einem Fluch herbei und schrie, was das sei? Und jetzt bekam Peter eine helle Stimme und schrie auch:„Was das ist? Dem Hund Hab« ich eine aufs Maul gehauen!— Ein Erbschleicher sei ich— weil ich dem „vom Dorfe" ins Wasser nachgesprungen bin, öfters mit ihm zu- sammcn war, und er heute einen Brief bekommen hat. daß er das große Los gewonnen hat!— So eine affenmähige Dummheit!— Aber hier sag ich'?, kein Wort mehr red ich mit ihm und mit niemand von der Bande da— wenn einer was will, hier steh ich und werd ihm die Zähne in den Rachen schlagen!" Nun staunte der Erst« auch, aber Peter ließ sich aus nichts mehr «w. drehte allen den Rücken und ging. Später warf er sich auf seine Koje, und schloß die Augen, ohne schlafen zu können. Als er sich einmal auf den Arm erhob, sah er wie der„vom Dorfe" ihn mit den Greisenringcn anblickt«. Das besondere Leben von vorhin war wieder aus ihnen gewichen, eher war wieder Angst darin zu sehen, und der Mund war fest geschlossen. Ja, dachte Peter, jetzt bist du es wieder selber. Aber jetzt ist's vorbei und alles ausl Und er hielt aus in diesen schweren Wochen, wenn er mit keinem ein Wort sprach, oder der Alte sich schweigend neben ihn setzte, und jene Stille von einst zu ihm herüberkam. Gewöhnlich pflegte der alte Mann nach einiger Zeit leise wieder weg zu gehen, am Ende aber begann er leise zu seufzen, bevor er sich zum Gehen erhob, und das schnitt dem Einsamen merkwürdig ins Herz. Aber der alte Kerl hatte doch auch ängstlich sein Los verlangt, als ob er's ihm hätte stehlen wollen,— so geschah's ihm recht. Als der Alte beim Panamakanal sich vor ihn hinstellte und sagte:„Nachher geh ich, von wegen dem Los und nach Hamburg fahren," da wandt« er sich zwar schweigend ab, ober so viele Wochen er trotzig und einsam gewesen war, mn so mehr wogte die Sehnsucht nach menschlichem Anschluß wieder in ihm, den er natürlicherweise doch nur bei dem Alten finden konnte. Als der„vom Dorfe" mit seiner Kiste und dem Seeinonnssack am Kai stand und ohne ein Wort nach ihm herüberblickte, da sagt« er sich plötzlich: es ist ja doch egal, ob sie denken, du tust e» wegen seines Geldes, und sollt« er'» selber auch denken, so will ich doch nicht so von ihm gehen. Und sprang, wie er war und stand, vom Schiff auf den Kai. Dom abfahrenden Schisse her hörte er noch ein wildes Hohngelächter, und als er sich umschaute, sah er jenen frechen Burschen, de» er damals nieder- geschlagen hatte, ihm triumphierend das Los entgegenhalten.„Hat der Kerl das Los," fragt« er den Allen?—„Kalkuliere," erwiderte der auf englisch, das wie ein« saloppe Kleidung an ihm hing,„es ist deins. Tat's in deine Tasche und ein Testament dazu, bin nicht fürs Halb«, wie ich schon sagte." „Das ist der beste Weg," erwiderte Peter,„laß es gehen, wie es will." Er fühlt« sich höchlichst befreit, schüttelte dem Alten die Hand, und es war kein Wort mehr zwischen ihnen beiden nötig. Der Frachtdampfer war inzwischen weggefahrcn. Er konnte überall genug Leute kriegen, die sich umsonst Heimarbeiten wollten, so ließ er Peter, der ihn bloß eine hübsche Heuer gekostet hätte, wo er war. Und der junge Matrose hatte mit dem Alten«in schönes Leben fast ein halbes Jahr lang. Sie bauten sich neben einer Flußmündung am Strand eine Hütt«, fischten, schoßen Enten, Seehunde und rote Antilopen, bis der Alte starb. W» Peter aber sich in Hamburg wieder meldete, denn schließlich war« ja kein« richtig« Desertation gewesen, siehe, da war er der staunend« Erbe des großen Loses. Ein Neidischer hatt« dem Kapitän die Sache erzählt, und der hotte das Los an sich genommen mitsamt dem Testament des Allen. Richtig genug hatte der es abgefaßt. So hatte das bißchen Böse, das Peter im Lugenblick gedacht und mit seinen Worten beabsichtigt hatte— so man doch einmal von Gut und Böse reden will— seine Frücht« getragen, und hcO« ihm da» viel« Geld gebracht, das er nun ohne viel Federlesens ein» strich. Oder sollte es doch die Zuneigung gewesen sein, die zwischen den beiden entstanden war?— Lächeln wir und nicken zustimmend mit dem Kopfe; denn schließlich müssen viele kleine widerstrebeilae Momente zusannnenlommen, ehe etwas wird, und niemand weiß, ob nicht da» Fehlen von einem einzigen alles in Frage gestellt hätte. x. m. maier: 3m Elch- und ffiernHeinlande 3)ie Entdeckung des Oftens III Master und Wald haben wir w der Mark genug, wir brauchen deshalb nicht noch Ostpreußen zu wandern. Aber nur einmal in Deutschland gibt«» die Nehrung, vor ollem die Kurisch« Reh» rung, die sich in weitem Bogen, nur ein paar Kilometer breit, vor da» binnenländische Haff legt und sett ihrer Entwaldung im 17. und 18. Jahrhundert die mertwürdigen Erscheinungen der Wanderdünen hervorgerufen hat. Die Dampsersohrt von Cranz über das Haff bis nach Schwarzort und weiter gibt einen Ueberblick über das ganz« Gebilde. Auf weiten Strecken leuchten heute noch die weißen Wanderdünen, die unauffällig von der Höh« steil ins Haff herniederführen und dort neues Land bilden. An der See ist durch die Bepflanzung der Vordünen jetzt jeder weiter« Zustrom von Sand abgeschnitten: ober die einmal ausgerissenen Dünen, die nicht durch die sehr kostspielig« Wotdbepfianzung festgelegt sind, wandern welter, bis sie erschöpft und die von ihnen begrabenen Dörfer und Wälder wieder frei geworden sind. Es ist«in unbe» schreiblicher Eindruck, über diese öden, von jedem Leben entblößten, kahlen Gebiete zu wandern, die das Sonnenlicht blendend reflek- tieren und einem wohl das Gefühl einflößen können, in der Wüste Sahara. * Das Wunder der Nehrung, das Okapi Ostpreußens, habe ich nicht erlebt. Vergeblich hatt« ich im Königsberger Tiergarten den E l ch gesucht und daraufhin leichtsinnigerweise meinen Königsberger Freunden versprochen, ihnen von der Nehrung, wo ja dieser Msame Schaufelhirsch-noch in«inigen Reservationen gedeiht, ein Exemplar mitzubringen. Aber auf allen meinen Streifen habe ich keinen ent- deckt, da ich allein auf die Euch« ging. Ich muhte mich belehren lasten, daß nur die Eingeborenen die Stellen wissen, wo diese» seit- same Tier— tiergeschichtlich jünger als der Hirsch, aber«inen weit urtümlicheren Eindruck erweckend— in Sümpfen haust. Das Tier ist an die Wagen, die zu seinem Besuch eintreffen, gewöhnt: man kommt bis auf zehn Meter heran, es rührt sich kaum, wenn die Wageninsassen ruhig sitzen bleiben. Königsberg wird also vor» läusig ohne den von mir versprochenen Elch auskommen müssen: ich aber hasse, ihn bei der nächsten Tour auf der anderen Seite des Haffs, Im Ibenhorst, mit eigenen Augen zu sehen. Der Eindruck des Elchs mutz nach den Erzählungen derer, die mehr vom Glück begünstigt waren, besonders in gewissen Abend- stimmungen, ein ganz merkwürdiger sein: dies große, hohe Tier mit dem breiten, riesigen Geweih— es hat bekanntlich«inen noch viel größeren Bruder in Nordamerika in dem Moosedeer— mit dem schweren Bau, bis zu den Knien im Morast stehend. Einst hat es die Wälder ganz Deutschlands bevölkert, und nun geht es seinem langsamen Ende, wenigstens in Deutschland, entgegen. * Der Glanzpunkt Ostpreußens ist neben der Nehrung— ich spreche nicht von den oberlänbifchen Seen, nicht von der Romintener Heide, nicht von interessanten alten Städten, wie Frauenburg und Braunsberg— die s a m l ä n d i s ch e S t e i l k ü st e. Hier kämpft das Meer seinen Kampf mit dem Lande siegreich weiter, immer noch stürzen ganz« Stück« der Küste den steilen Hang hinab, und in den tief eingeschnittenen Rinnsalen, die sich in tiefe Schluchten vom Inlande bis ins Meer erstrecken, liegen die entwurzelten Baumstämme übereinander gestürzt. Dutzende von Buhnen(Stein- dämm«) werden ins Meer geführt, um den Andrang der Wellen abzuwehren. Eine Wanderung von Cranz bis nach Palmnicken um die Samländische Küste herum, wie ich sie zu Fuß zurückgelegt habe, bietet einen hohen Genuß. Bald geht man oben in präch- tigen Wäldern, immer mit dem Blick auf das Meer, bald unten am Sandstrande, der herrliche Gelegenheiten zum Baden bietet. Cranz ist das Bad vor den Toren Königsbergs, wohin tausende schon am Sonnabend fahren, um das Wochenende dort zuzubringen. Noch glanzvoller ist Rauschen, das große Modebad, das von einem Kranz von Wäldern umsäumt ist, und manche ruhigeren, stilleren Orte setzen die Kette fort bis zur Nordspitze von Brüsterort. Die Ostküste ist weniger einladend, aber fiir den Freund einsamer Wan- derungen sehr zu empfehlen. * P a l m n ick e n ist das Zentrum der Dernsteingewinnung. Es hat ein natürliches Monopol aus dieses Gold des Meeres und nirgendwo in der Welt ein« nennenswerte Konkurrenz in Natur- bernstein. Seit Jahrtausenden wird an der Küste des Samlanbes der Bernstein gewonnen, früher durch Fischen und Tauchen, seit einigen Jahrzehnten bergmännisch. Früher hat man den Unter- tagbau betrieben, neuerdings wird, da dos Wasser diesen gefährdete, der Bernstein nur noch im Tagbau gewonnen. Nur noch ein Zehntel wird auf andere Weis« beschasst. In der sogenannten blauen Erde hat sich der Bernstein— fossile Tränen längst verschwundener Fichten aus dem heißen Klima der Tertiärzeit— angesammelt. Auf einem weiten Gelände sind nahe der Küste riesige Bagger am Werk, um 40 Meter Deckschichten fortzuschaffen: dann wird die blaue Erde erreicht, Schwenkbagger fassen die blaue Erde, schütten sie in Selbst» entladewagen und schaffen sie in elektrisch betriebenen Zügen an die Wäsche, wo durch starke Wasserstrahlen die Erde weggeschwemmt und der Bernstein bloßgelegt wird. Di« Bernsteingewinnung ist auch heute noch ein Monopol wie zur Ordenszeit und im absolu- tistifchen Preußen. Wer ein Stück findet, muß e» obliesern(gegen Entgelt): früher stand die Todesstrafe auf jeder Uebertretung. Der Bernstein, der in Königsberg verarbeitet wird, ist heute nicht mehr die große Mode. Dieser herrliche Schmuck des durch- sichtigen Goldes, der seit Jahrtausenden die Menschheit entzückt hat, ist der vornehmen Welt zu vulgär geworden. Der amerikanische Markt ist zum Teil verloren gegangen durch«inen Kunstbernstein (Ambroid). Dieser wird gleichfalls aus den natürlichen Harzen einer � Fichte gewonnen. Bekanntlich wird auch w Deutschland aus dem vielen Absall des Bernsteins ein Kunstbernstein, der sogenannte Preßbcrnstein, erzeugt. Es gehen hier dieselben Prozesse vor sich wie auf dem Gebiet der Edelsteine: der synthetische Rubin ersetzt den natürlichen. Ich habe meinen Parteifreunden in Palmnicken, die die weit- läufige Führung im Werk übernommen hatten,«in« Enttäuschung bereiten müssen. Der Bernstein ist der älteste und wichttgste deutsch« Exportartikel gewesen, der in die Welt ging, für den man Gold und Bronze eintauschte, auf den langen Handelswegen, die, den großen Flüssen solgend, bis nach Italien und Griechenland führten. Aber der älteste Bernsteinexport, der ungesähr die Zeit von 2100 bis 300 v. Chr. umfaßt, geht nicht yom �imlande, sondern von der Nordsee aus, wo Bernstein früher in größerem Maße, besonders an der Westküste Schleswig-Holsteins, gewonnen röorden ist. Ich selber habe noch nach einer starken Flut an der Wesermündung ein so großes Stück gefunden, daß es auch in Palmnicken Ehre eingelegt hätte. Für nieine ungläubigen Freunde im Osten gebe ich die Quelle an, wo sie das Nähere nachlesen können, nämlich in dem auch sonst empfehlenswerten Buche von C. Schuchhardt, Vorgeschichte von Deutschland. Wer sich eingehender mit dem Bernstein beschäftigen will, der ja immerhin auch wirtschaftlich eine beträchtliche Bedeutung hat—' auf dem Regalbetriebe in Palmnicken werden an 700 Personen be- schäftigt—, dem sei der Besuch des Städtischen Museums in D a n z I g oder der Bernsteinsammlung der Königs» berger Universität empfohlen. Der Direktor dieser Samm- lung Professor Andröe gibt neuerdings Bernsteinforschungen heraus. * Spät Hab« ich den deutschen Osten entdeckt. Aber so sehr man auch bei jeder Ferienreise die vorherrschend« Sonntagsstimmung berücksichtigen muß. so glaube ich doch, aufrichtig sagen zu können: ich werde wiederkommen. Der herbe Reiz dieser Landschaften, die kernig« Natur seiner Bewohner haben es mir angetan, und ich hoff«, noch mehr Entdeckungen im deutschen Osten machen zu können. Eine will ich meinen Lesern zum Schluß noch dringend ans Herz legen. Für die Hin- oder Rückreise empfehle ich ihnen, einmal die prächtigen großen Dampfer der Stettiner Dampsschiffgesellschast zu benutzen, die von Swinemünde über Zoppot, Pillau nach Memel und zurück fahren. � Di« Ostsee hat ja nicht den stürmischen Charakter der Nordsee, aber manchem wird es gerade angenehm sein, wenn er die Gefahren der Seekrankheit mit einiger Sicherheit meiden kann. Bei meiner Rückfahrt war das Meer spiegelglatt, und auf der ganzen Fahrt von Pillau, den Seehofen, von Königsberg, bis Swinemünde, die von 12 Uhr 30 bis zum nächsten Morgen 5 Uhr dauerte, braucht« niemand Neptun ein Opfer zu bringen. Man konnte sich um so ungestörter den Stimmungen von Himmel und Wasser hingeben, und wenn man den Blick vom Festlande ablenkte, sich aus ein weites Meer verschlagen glauben und den ganzen Zauber genießen, den das freie und befreiende Meer auf den Festland- menschen ausübt. Also: Auf nach dem deutschen Osten! GENOSSENSCHAFT BERLIN u.UMQEGEND E-6 M B H S>er �rSprung des tfiaffees Der Kaffee, du uns heut« ein so unentbehrliches Gcnußmittel geworden ist, gehört zu den jüngsten Errungenschaften des mensch- lichen Spürsinns, und Jahrtausend« menschlicher Kultur, die sich des Weins und des Bicr«s erfreuten, haben ohne ihn auskommen müssen. Profesior I. Ruska, der in der„Medizinischen Welt* das vielumstrittene Problem des Ursprungs des Kaffees von neuem untersucht hat, kommt zu dem Ergebnis, dah man di« Bekanntschaft mit den Wirkungen der aromatischen Bahn« und die richtige Zu- bereitung des Getränkes nicht über das 15. Jahrhundert hinaus zurückverfolgen kann. Die ersten, freilich noch legendären Nachrichten stammen aus den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts, so daß wir also jetzt auf ein h a l b e s Jahrtausend des Kaffeegenusscs zurückblicken können. Nicht die Araber, wi« man früher geglaubt hat, sind die Entdecker des Kaffees gewesen, sondern nur sein« ersten Verbreiter. Der Strauch ist in Südarabien in der Landschaft Jemen, in der er zuerst im großen angebaut wurde, nicht heimisch. Die Cnflea„arabica", wie der Strauch genannt wurde, wächst wild nur im abessinischen Hochland, besonders in Kaffa, von wo der Name stammt, und südwärts bis zu den großen Se«n. Von dort her stammt der prächtige immergrüne Strauch mit den kirschlorbcer- ähnlichen Blättern, den weißen, wohlriechenden Blüten und den scharlachroten Früchten, deren jede zwei Steinkerne, di« Kaffee- bahnen, enthält: auch in den roten Schalen und dem Fruchtfleisch Hot man den für diese Pflanze ch«rakteristischen Stoff, das Koffein. festgestellt, und im Orient verwendet man auch di« gerösteten und gepulverten Schalen zur Kaffeebereitung. In Abessinien muh daher zuerst die wunderbare Wirkung dieses durch keine besonderen Merk- male gekennzeichneten Stoffes ersaßt worden sein und ebenso di« keineswegs naheliegende Art der Zubereitung. In den«rsten curo- päischen Abhandlungen über den Kaff««, die in der zweiten Hülste des 17. Jahrhunderts erschien««, finden wir über der, Ursprung des Getränkes allerlei Geschichten erzählt, die aus der arabischen lieber- lieferung stammt Da soll ums Jahr 1440 ein abessinisch«r Hirt«, d«r in der Gebirgslandschaft Kaffa seine Herde weidete, den Mönchen des benachbarten Klosters voll Erstaunen erzählt haben, seine Tiere seien, statt wie gewöhnlich zu schlafen, die ganze Nacht aufgeregt herumgesprungen, und di? Mönche hätten dann, als sie dieser Er- scheinung nachgingen, sestgestellt, dah die Tier« die Blätter und Früchte der wilden Kafseebüsche abgeweidet hatten. Di« sronimen Beter wären dann auf den Gedanken gekomnien, an sich die Wirkung dieser Früchte zu erproben, um sich bei ihren nächtlichen Gebetübungen den Schlaf zu vertreiben. Eine andere Sage erzählt von einem herumziehenden Bettelmönch, der zufällig von diesen Früchten gekostet und ihre belebende Kraft entdeckt habe. In Wirklichkeit sind wohl die Abessinier auf die Kasfeebereitung durch die Beobachtung d«s Aromas gekommen, das sich bei dem Verbrennen der fruchtbeladenen Zweige des Strauches entwickelte. Der geschichtliche Kern der Legenden besteht darin, daß es moham- medanische Mönck)« waren, die den Kaffeegenuß im Heimatland des Strauches kennen und schätzen lernten und ihn dann in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts nach Südarabien einführten. Nach einer arabischen lleberiieferung soll schon ein gewisser Ali ibn Omar al-Schadhili, ein Heiliger aus dem Schadhiliya-Ordsn, der 1418 starb, den Kaffee nach Mokka gebracht haben. Jedenfalls wird er bis auf den heutigen Tag in Mokka als Schutzpatron der Kaffeepflanzer, Kaffeeköchc und Kaffeetrinker verehrt. Das Getränk bürgert« sich dann bald in Mekka«in, man trank den Kaffee sogar innerhalb der Moschee, und es wurden Kaffeehäuser eröffnet, in denen sich Männer und Frauen bei Musik zusammenfanden oder Schach spielten. Dann verbreitete sich der Trank im Lause des 15. Jahrhunderts in Arabien, und der Genuß war zu Anfang des 16. Jahrhunderts schon so all- gemein geworden, daß die Frommen an ihm Anstoß nahmen. Als der türkische Sultan Ouansuh in Kairo den gewalttätigen Kha'ir Beg nach Mekka sandte, kam es zu der ersten Verfolgung der K a f f« e t r i n k e r, die ja dann später auch nach dem Einzug des Kaffees in Europa so viel nachgeahmt wurde. Der Statthalter ließ di« Leute, die den braunen Trank in den Moscheen und Kaffee- Häusern schlürften, gewaltsam auseinandertreiben und berief 1511 die berühmte Kaffe«synode«in, in der Priester und Aerzte den Kaffee für„kalt und trocken* und für berauschend erklärten: er wurde dem Wein gleichgestellt und wie dieser den Söhnen Allahs verboten. Man behauptete, dah di« Gesichter aller Kaffeetrinker am Tag« des jüngsten Gerichts noch schwärzer erscheinen würden als der Kasse« selbst. Wer trotz des Verbotes beim Kaffeegenuß betroffen wurde, mußte zur Strafe rückwärts auf einem Esel reiten und wurde so zum Spott der Menge durch die Straßen geführt. Doch diese Maßnahmen halfen nicht viel, und der Kaffee drang durch jemenische Derwische bis nach Kairo, wo er 1532 ebenfalls streng verboten wurde: es kam zu Plünderungen der Kaffeeläden und zu Mißhand- lungen der Besitzer. Aber der Siegeszug des Getränkes war nicht mehr aufzuhalten. Von Aegypten aus, das damals unter türkischer Herrschaft stand, verbreitete sich der Kaffee nach Syrien, Persien und der europäischen Türk«« Sultan Selim t. hatte den Kaffee bereits in Aegypten und Syrien kennen gelernt. Die ersten Kaffeehäuser in Konstantinopel wurden 1554 von zwei Kaufleuten. Hakim von Alcppo und Scheins von Damaskus, cingerichtet, die glänzende Ge- schöfte machten. Bald versammelten sich hier die Gelehrten und hohen Beamten, selbst die Paschas, und die Cafäs wurden zu Mittel- punkten des geselligen Ledens, erhielten den Namen„Schule der Gebildeten*. Mochten auch die Priester den Kaffee für ein«„Art Kohle* erklären, die der Prophet zu essen verboten habe, und die Kaffeehäuser als„irdische Höllen* bez«ichnen, so konnten sie doch nichts gegen den neuen Trank ausrichten, in dem die Beherrscher der Gläubigen durch Besteuerung eine treffliche Geldquelle fanden. Von Konstantinopel aus ist dann der Kaffee im 17. Jahrhundert lanzsam nach Europa vorgedrungen. Die Benutzung der Dolksbibliolheken. In den«ingelnen Bc- zirken Groß-Berlins wird gegenwärtig ein« Statistik über die In- anspruchnahm« der Dolksbibliotheken aufgenommen. Hierbei zeigt es sich, daß der Prozentsatz der ausgeliehenen belehrenden Literatur ungefähr sich auf gleicher Höhe bewegt wi« für Romane und Er- Zählungen, nämlich zwischen annähernd je 45 Proz. Auf Dramen, Gedichte und gesammelte Werke kamen durchschnittlich nur 5 bis 6 Proz. In den Lesehallen für Jugendliche sind überall die jüng«r«n Kinder bei weitem in der U eberzahl. Um die überall neu ein- gerichteten Jugendbüchereien einem größeren Besucherkreis zugäng- lich zu machen, werden die abgehenden Klaffen der Gemeindeschulen jeweils vor Ostern durch die Büchereien geführt und mit ihren Ein- richtungen bekannt gemacht. S>er Selbfimord des Skorpions Sine Schopenhauer-Anekdote Arthur Schopenhauer kehrte in behaglichster Laune von seinem Mittagsmahl im Frankfurter„Englischen Hos* zurück. Denn«in durchreisender englischer Naturforscher hotte ihn dort aussindig ge- macht, ihm fein« Bewunderung zu Füßen gelegt und ihn trefflich unterhalten, während sie gemeinsam ein gutes Menu verzehrten. Und jetzt freute er sich auf di« Stille� seiner häuslichen Kaffeestunde und auf das gewohnte Nachmittagsfchläfchen. Da aber fand er in seiner Stube den Profesior Weißenborn von der Universität Marburg, der sein« Kur in Homburg unter- brachen hatte, um dem groß«« Schopenhauer seine Reverenz zu er- weisen und der jetzt seit einundeinhalb Stunden auf ihn wartete. Schopenhauers gut« Laune war wie verflogen, obgleich der Herr Professor ihn sofort mit einem Schwall von bewundernden Worten übergoß, denn er haßt« inbrünstig di« offizielle Philosophie und ihre Vertreter, die ihn und seine Philosophie jahrzehntelang ignoriert hatten. Aber er bat doch den Besuch, Platz zu nehmen, und wandte sich zur Tür, um nach dem Kaffee zu rufen. In dem Augenblick Hub Professor Weißenborn an zu rühmen, wie jetzt ein Philofophicprofcssor nach dem anderen von dem hellen Licht der Philosophie Schopenhauers bezwungen werde: ihm selbst sei es ja nicht anders gegangen. Da blieb Schopenhauer stehen und knurrte den Sprecher an:„Ich wollte, Ihr wäret alle miteinander echt« Skorpione!* „Wie?* fragte Profesior Weißenborn.„Skorpione? Wieso?* Da reckte Schopenhauer sein bärbeißiges Gesicht mit den gesträubten Haaren über den Schläfen zu dem Sprecher hinauf und sah ihn mit seltsam herausfordernden Blicken an: ,�Ja, ja! Skorpione! Wissen Sie: ich hatte heute Mittag interessanten Besuch, den englischen Naturforscher Allan Thomson, den, der auf Skorpione Jagd macht. Die lieben Tiere kennen Sie doch? Diese greulichen Gliederspinnen mit den zwickenden Kiesersühlern und dem Giftstachel am Ende des Schwan, zes: richtige Philosophieprofessoren! Von denen hat mir der Thomson erzählt, wi« sie Selbstmoed begehen.* „Was?* sagte Professor Weißenliorn,„Selbstmord?* und er versuchte zu lächeln. „Jawohl! Selbstmord! Hören Sie nur! Ein dutzendmal hat der Thomson das Experiment gemacht: Er setzt einen Skorpion unter ein Wasserglas und läßt ihn drin, bis es dunkel geworden. Dann nimmt er eine brennende Kerze und hält sie dicht an das Glas. Sofort beginnt der Skorpion in seinem Glaskäfig herum- zurasen, als wollte er vor dem Licht fliehen. Da da» ober ruhig weiterleuchtet, wird das Licht dem Skorpion augenscheinlich uner- träglich. Er bleibt plötzlich stehen, streckt den Schwanz über seinen Rücken so weit nach vorn, bis der Giftstachel über dem Kopfe hängt, dann stößt er sich ihn wie einen Dolch in die Schädeldecke. Und in zwei Sekunden ist«r tot.— Sehen Sie, lieber Freund: Die brennende Kerze, das ist meine Philosophie. Und die Skorpionen. die wahrlich lang genug gezwickt hatten, sollten nun auch den Mut haben, da sie dem Licht doch nicht entschlüpfen können, sich selbst auszulöschen.* Professor Weißenborn lächelte etwas gezwungen, dann dankte er für das anregende Gespräch, verneigte sich und ging rasch zur Tür. Schopenhauer aber rief nach dem Kaffee und machte es sich behaglich. Lo. KON§lJI«|.BROT weMcras am billi�sien T Ein Brot der Konsum- Genossenschaft Berlin im Gewicht von 1635 Gramm kostet 60 Pf., unter Anrechnung der 4% igen Umsatz-Rückvergütung beträgt der Preis.... Nach einer Bekanntmachung des Zweckverbandes der Bäckermeister Groß- Berlins und der Vereinigung der Brotfabrikanten Groß-Berlins in der„Bäcker- u. Konditor- Tageszeitung'" Nr. 166 vorn 15. Juli beträgt der Preis für ein Brot im Gewicht von 1155 Gramm........... Ein Gewicht von 1000 Gramm der Berechnung zugrunde gelegt, ergibt in der Konsum-Genossenschaft Berlin einen Preis von 36,7 Pfennig je kg, unter Berücksichtigung der 40/oigen Umsatz-Rückvergütung beträgt der Preis je kg In den Privatbäckereien Groß-Berlins bemißt sich der Preis je kg auf.................................. 57,6 Pfennig 50 Pfennig 35,3 Pfennig 43,2 Pfennig Der Preisunterschied zwischen Konsum-Brot und Bäckerbrot zugunsten des konsumgenossenschaftlichen Broterzeugnisses beträgt demnach |e ifiSl 1,9 PSeimi�. sämtlichen 285 Warenabgabestellen der Konsum-Genossenschaft seinen Bedarf zu decken. Die Aufnahmegebühr beträgt 50 Pfennig.— Mitglieder»Autnahmen werden in sämtlichen Abgabestellen der Konsum-Genossenschaft vollzogen — Jedes Mitglied ist berechtigt, in Die Abgabe der Waren erfolgt nur an Mitglieder.