Morgenausgabe„ Vienstag W?---" � V/ ""BTB?■ w)*-Av-V. MI Swß.Serlin 10 Pf- :rÄÄS5:■■ MTrWfllWf«« MMMi �. Allsw-ris Pf- clnschließlich 6VPfg.Postzeiwngs- und ZW i-DW! W W DD Wl WI ßW W W W■H ?2Psg- Postbkft-llgebühren. ilu-land«» �>WD IIZJBB HW IM MD �5/»MI DW DM kMt DW �D EQ MD I abonnement 6,— HR. �jro SRonat DU�DI TWmS I Hl■H M» WD WM W> �D �D v! MD VW l X»1««INI»«IN«, N-mparelllez- ■9 WW EB DD MW EH MM— WD SAi t iaL. 80 Pfennig. SRetlamewlf&.— Seid * Tr�H HB B9 Hf DM HHl JDHL HD JMS DD �M Wfl mark.„Kleine Anzeigen' da? M W MM M> MWM� MM M M MV�chW« SSW-N«�•>/■, äI-äs-äsä xahlen für zwei Warle. Slrbeitsma (toä® Berliner VoUSblatt � W-SH-?--- Jentvalovgan der �Aozialdemokrattschen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. lelezralnm.Sdr.: Sozialdemokrat Berlin Heidelberg, 22. Juli. lEigenbericht.) Tic Arantheit des Reichskanzlers verläuft vorläufig normal und zur Zufriedenheit der behandeln- den Aerztc. Müller nimmt flüssige Nahrung zu sich, ist zuversichtlich und hofft auf eine glückliche Wieder- gcnesung. Am Montag vormittag empfing der Reichs- lanzler den Besuch seiner Frau und seiner «ekretärin. Andere Besuche wurden nicht zugelassen. Ter Zustand des Patienten ist dennoch e r n st, wenn auch das Fieber nach der Entfernung des Abzesses stark zurückgegangen ist. Ein endgültiges Urteil über den Ver- lauf der Krankheit können die Aerzte jedoch erst in zwei bis drei Tagen fällen. Heidelberg, 22. Juli.(Amtlich.) Um 5 Uhr wurde von ärztlicher Seite erklärt, daß der Verlauf der Erkrankung des Reichskanzlers normal sei. Der Zustand des Patienten sei nach wie vor ernst. » lieber das Wesen der Gallenblosenentzündung schreibt unser medizinischer Mitarbeiter Dr. Marx: Die Ursache der Gallenblosenentzündung sind meist Steine, die aus Kalt und Gallenfarbstofs bestehen und eine wachsgelbe bis schwarzbraune Farbe haben. Wodurch es zur Steinbildung kommt, ist noch unbekannt, es dürfte ober aus einer bestimmten Disposition beruhen. Gallensteine können ohne Beschwerden vorhanden sein, kommen sie ober aus der Gallenblase in den Gollenaussührungs- gang, der in den Zwölffingerdarm mündet, so können sie diesen verstopfen. Die Folge ist eine Stauung der Gallenslüssigkeit in der Gallenblase. Da ober vom Darm aus ständig Bakterien in die Gallenblase kommen, ist der Inhalt nicht keimfrei und die Folge ist ein« Gallenblaseneiterung. Jede Eiterung, die lebende Krankheits- keime enthält, macht Fieber und hat ferner die Neigung, sich zu entleeren. Da die Gallenblase in der Bauchhöhle liegt, findet der Durch- bruch meistens dahin statt. Zum Glück bilden sich aber durch die vorhergehende Entzündung Verwachsungen, die den Eintritt des Eiters in die freie Bauchhöhle verhindern. Bei Hermann Müller bestanden diese Verwachsungen ebenfalls, so daß es sich noch den vorliegenden Berichten wohl nur um eine abgekapselte Bauchfell- entzündung handeln kann. Die Gefahr der Bauchfellentzündung ist die Darmlähmung, die nur schr ungünstig beurteilt werden kann. Da das Fieber des Patienten aber gesunken ist und sich der Reichs- kanzler sonst einer guten Konstitution erfreut, dürfte, da die Ope- rotion sehr schnell erfolgte, die Hoffnung bestehen, daß der Reichs- kanzler in kurzer Zeit die drohend« Lebensgefahr überwunden haben wird. Vonvärts-Verlag G.m.b.H. Lebhaste Anteilnahme. Die schwere Erkrankung des Reichskanzlers hat in fast allen politischen Kreisen tiefste Anteilnahme hervorgerufen. Ein Beweis für die Sympathien, die Hermann Müller als sozial- demokratischer Parteiführer und Politiker weit über die Kreise der deutschen Arbeiterbewegung hinaus besitzt. Der Reichspräsident hat dem Reichskanzler in einem herz- lich gehaltenen Telegramm seine besten Wünsche für eine baldige Genesung übermittelt. Das„Berliner Tageblatt" schreibt zu der Erkrankung Müllers:„De schwere Erkrankung des Reichskanzlers Hermann Müller wird überall lebhaftes Bedauern hervorrufen. Es ist bereits seit Monaten bekannt, daß der Kanzler leidend ist, und man hat in manchen Kreisen schon früher seine Krankheit ernster beurteilt, als sein eigener Optimisnms sie aufzufassen schien. Hermann Müller bat durch die Bornehmhehit und Lauterkeit seines Charakters, durch die Schlichtheit seines Wesens, durch seine unbedingteZuver- l ä s s i g k e i t sich Freunde auch in Kreisen erworben, die seine Politik und seine Partei ablehnen. Wir glauben dem Empfinden der ganzen deutschen Oefsentlichkeit Ausdruck zu geben, wenn wir die Hoffnung aussprechen, daß dem vortrefflichen Ranne, der der Republik ausgezeichnete Dien st e geleistet hat, eine baldige völlige Wiederherstellung beschiedcn sein möge." Di«„Deutsche Allgemeine Zeitung" sagt:„In allen Berliner politischen Kreisen hat die jähe Erkrankung des Kanzlers, mit deren akutem schlimmen Ausbruch trotz der dauernden Gallen- leiden Hermann Müllers niemand gerechnet hatte, lebhafte Teil- nähme hervorgerufen." Der„Demokratische Zeitungsdien st" äußert sich da- hin:„Die plötzliche Nachricht über die schwere Krankheit und die Operation des Reichskanzlers Hermann Müller hat in allen politi- fchen Kreisen aufrichtiges Mitgefühl ausgelöst. Auch in den Kreisen der demokratischen Reichstagsfraktion herrscht herz- lichcs Bedauern, man hofft aber, daß es der kräftigen Kon- stitution des Reichskanzlers gelingt, die Krankheit, über deren Ernst man sich keiner Täuschung hingibt, zu überwinden." In der„Germania" lesen wir schließlich:„Wir wiederholen nochmals, daß wir den aufrichtigen Wunsch haben, Hermann Müller möge der schweren Erkrankung Herr werden und seine Gesundheit voll und ganz wiederfinden. Die Sozialdemokratie würde einenihrer B e st e n verlieren und die deutsche Politik einen Mann von unbedingter Sauberkeit, reinem Wollen und politischer Noblesse." Postscheckkonto: Berlin 37536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. KS. DiSkonto-Gtsellschaft, Depositentasie Lindenstr. t Moskau in Indien. Neuestes Objekt des revolutionären Imperialismus. Von De. Artasches Abeghian. Die Sowjctprcsse widmet neben den Konflikten im Fernen Osten in letzter Zeit ihre besondere Aufmerksamkeit den indischen Angelegenheiten. Die kommunistische Jnter- nationale betätigt sich in derselben Richtung. Diese Aktioie- rung sowjetrussischer I n d i e n p o l i t i k hat einen drei- fachen Grund. Einmal steht sie im engsten Zusammenhang mit der großen Streikbewegung in Bombay. Dann soll sie einen Gegenschlag gegen die Bildung der Arbeiterregierung in England darstellen und drittens ist Moskau eifrig bemüht, nach dem Zusammenbruch feiner China- und Afghanistan- Politik in Indien ein neues Betätigungsfeld für seine „weltrevolutionären" Pläne in Asien zu schaffen. Die Ziele Moskaus haben hierbei zugleich innenpolitischen Charakter. Die Sowjetregierung hofft, die Aufmerksamkeit hungernder und unzufriedener Bauern- und Arbeitermassen auf außen- politische Angelegenheiten abzulenken. Der Generalstreik der Textilarbeiter von Bombay, der am 26. April ausgebrochen ist, hat immer noch kein Ende gefunden. 206 000 Arbeiter sind daran beteiligt. Er verfolgte zwar ursprünglich rein wirtschaftliche Ziele, hat aber im Laufe der Bewegung einen politischen Charakter an- genommen. Diese ist heute nicht nur gegen englische Unter- nehmer, sondern gegen die britische Macht in Indien über- Haupt gerichtet. 1926 waren in Britisch-Indien 259 Textil- fabriken vorhanden, wovon 183 allein in Bombay. Bombay stellt das Zentrum ixer jungen indischen Industrie dar, die aber ist so gut wie gänzlich Eigentum der Engländer. Eng- länder haben in Indien etwa 20 Milliarden Mark Kapital in- vestiert und beziehen von dort jährlich 3,5 Milliarden Mark Einkommen, was nicht weniger'als 25 Proz. des britisch- indischen Nationaleinkommens ausmacht. Von Moskau aus wird die indische Streikbewegung über Bomoay und über den Rahmen der Textilindustrie hinausgetrieben. Die Mos- kauer„Prawda" weiß zu berichten, daß die Bewegung sich allmählich auch auf die Eisenbahner Indiens ausdehnt: die landarme Bauernbevölkerung werde von ihr langsam er- griffen, da große Mengen streikender Arbeiter in ihre Heimat- dörfer zurückgegangen seien und der Revolutionierung indi- scher Landbevölkerung den Weg ebneten. Die kommunistischen Agenten haben alles aetan, um der Streikbewegung in Bombay politischen Charakter zu verleihen und sie zu radakalisieren. Die Leitung der ganzen Bewegung ist in die Hand der jungen, linksradikalen Gewerkschaftsorganisation„Girni Kamgar"(d. h.: Rote Fahne) übergegangen. Die alte, gemäßigte Gewerkschaft Bombayer Textilarbeiter hat heute nur noch sieringe Gefolg- schaff. Die Sowjetblätter verlangen, daß die Bewegung der kommunistischen Partei Indiens unterstellt werde. Damit „die Fehler der Chinapolitik" der Kommunisten nicht auch in Indien wiederholt werden, sprechen sie sich gegen jede Zu- sammenarbeit mit den indischen Nationalisten aus. Sie ver- werfen die Pläne Gandhis, Nehrus und aller übrigen Führer indischer Bewegung und proklamieren die Losung: „Föderative Republik Sowjetindien". Die dritte Internationale hat auf ihrer letzten Tagung in Moskau den Beschluß gefaßt, sich in Indien sehr aktiv zu betätigen. Nicht zuletzt auf die kommunistischen Machenschaften ist es ferner zurückzuführen, daß es zu Anfang der Bombayer Streikbewegung zwischen den Hinduarbeitern und den musel- manischen Pathans aus der indisch-afghonischen Grenze, die als Streikbrecher herangeholt waren, blutige Zusammenstöße stattfanden. Die Bildung der Arbeiterregierung in Eng- l a n d gibt den Sowjetleuten neue Hoffnungen für Indien. Während die„Jswestija", das Rcgierungsorgan der Sowjets, den Kurswechsel in Englattd maßvoll und korrekt zur Erörterung bringen, nimmt ihn im Gegenteil die „Prawda", das Organ der 3. Internationale und der kommu- nistischen Partei Rußlands, zum Anlaß, um unter der Ueber- fchrift:„Macdonald und Indien"(15. Juni 1329) die neue englische Regierung und ihre Jndienpolitit heftig anzugreifen. „Macdonald," schreibt das Blatt,„verteidigt die Interessen britischer Impe rialisten nicht weniger folgerichtig und entschlossen, als Ba'dwin." In einem früheren Leit- artikel schrieb das gleiche Blatt:„Macdonald wird die Sache der Bourgeois mit den Händen der Arbeiterpartei ausführen. Seine Regierung ist die Agentur der Bourgeoisie." Diese verschärfte Jndienpolitit der Sowjets wird in England wohl beachtet. Die Sowjetleute find nicht im Unrecht, wenn sie behaupten- alle Engländer ungeachtet ihrer Parteistellung betrachteten Indien als die„Perle an der britischen Krone". In dieser Hinsicht gab und gibt es aber auch zwischen den russischen Kommunisten und der Miljukow-Richtung keine Unterschiede, wenn es sich zum Beispiel um den Kaykasus oder um Turkeftan handelt. Schon vor Monaten hatte Purcel, der„linke" Gewerkschaftsführer, erklärt:„Auch ein sozialistisches Indien vermag unschwer im B r i- tischen Reich weiter zu leben." Es ist aber völlig falsch, zu meinen, daß es zivischen Mac- Rußland lehnt ab. Vermittlungsversuch der Mächte zurückgewiesen. K o w n o, 22. Juli. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der stellver- tretende Außenkommisiar Karachan die französische Vermittlung, die im amerikanischen Austrag zur Beilegung des russisch-chincsischen Streitfalles erfolgte, abgelehnt. Chinas Antwort an Washington. London, 22. Juli. Tie chinesische Regierung hat nach Washingtoner Mel- düngen auf die Anregung von Staatssekretär Stimsou, daß der chinesisch-russische Streit schiedsgerichtlich gc- regelt werden solle, g ü n st i g geantwortet. Der chinesische Gesandte in Washington stattete am Montag mittag dem Staatssekretär Stimson einen BIsuch ab und übergab ihm die Antwort der Nanking-Regierung. China verhandlungsbereit. Neues Angebot an Moskau. Nanking. 22. Juli.(Reuter.) Das Ministerium des Auswärtigen hat eine weitere Note an die Sowjetregierung abgesandt, in der von neuem dem Wunsch der chinesischen Regierung Ausdruck verliehe» wird, die Eisen bahnfrage in friedlichen Verhandlungen beizulegen. Das chinesische Außen- Ministerium hat ferner gesonderte Noten an die Signatar- mächte des Kellogg-Paktes gerichtet, in denen dargelegt wird, daß China zwar seine Rechte verteidigen wolle, aber nicht die Absicht habe, einen Krieg mit Rußland zu beginnen. In den Noten an die Signatarmächte wird daraus hingewiesen, daß es die Sowjetregierung sei, die die Lsfensive an der chinesischen Grenze begonnen und dadurch den Geist des Kellogg-Paktes verletzt habe. Japanische Warnung an China. Tokio. 22. Juli. Die japanische Presse bringt eine amtliche Mitteilung des Ministerpräsidenten über den russisch-chinefijchen Streitfall. Die japanische Regierung werde alle Maßnahmen ergreisen, um einen militärischen Zusammen st oß zwischen China und der Sowjet- union zu v e r h ü t e n. Die Regierung wolle sich nicht in den Streit um die chinesische Ostbahn einmischen. Es fei nicht denkbar, daß die Nonkingregierung dieselben Schritte gegenüber der s ll d- mandschurischen Eisenbahn unternehmen würde, die in der Nordmandschurei unternommen wurden. Sollte die Nantingregie- rung dennoch einen solchen Schritt wagen, so werde die japanische Regierung die Bahn schützen. Diese Erklärung wird in aus- ländischen diplomatischen Kreisen als eine Warnung an die chinesische Regierung aufgefaßt. Das Befinden des Reichskanzlers Normaler Verlauf.— Zustand dennoch ernst. China antwortet Moskau. Die Aktion gegen die Kommunifienpropaganda. Die chinejitch« Zlationalregierunq veröfsentlichl ein TNowfest. In dem sie Ihr Vorgehen gegen die rusiisch« Ver. maltung der mandschurischen Bahn und die Sousulaie und ksandelsvertreiungen der Sowjetunion in China begründet. Zn diesem vom 19. Zuli daNerien Manifest heiht e»: Im Jahr« 1927 wurden vielfache Komplott« der Sowjets in vielen Teilen Chinas entdeckt, in Nord- wie in Südchina, die deut- lich bewiesen hoben, daß die Snwjetregierung ihre Notschost. Konsulate»nd die vom Staate beaufsichtigten Handels- a g e n t c n dazu benutzt habe, kommunistische Propaganda zu treiben und kommunistische Agitatoren mit dem.�weck �u beherbergen, die chinesische Regierung zu stürzen und den chinesischen Staat zu vernichten. Um sich gegen, eine derartige Gefahr zu schützen, sah sich die chinesische Regierung veronlabt, die Sowjet- b o t s ch a f t und bestimmte Konsulate nicht mehr anzuerkennen und die Handelsagenten der Sowjetregierung zu beseitigen. In der Hoffnung, daß der Sowjetregierung durch obige Maßnahmen das Verwerfliche ihrer Handlungsweise vor Augen geführt werden möge, so daß die Beziehungen zwischen den beiden Ländern oll- mählich wieder zu einem normalen Austand zurückkehren sollten, er- laubte die chinesische Regierung während der vergangenen zwei Jahre, daß die diplomatischen und konsularischen Amtsstellen, die Handelsvertretungen und andere Agenten der Sowjetregierung in Rordchlna unbehelligt ihr Ami ausüben tonnten. Im Frühjahr dieses Jahres wurde es bekannt, daß am 27. Mai im Sowjetkonsulat in Chorbin ein« Versammlung abgehalten werden sollte, an der sehr zahlreiche Kommunisten teilnehmen sollten. Die Ortsbehörden durchsuchten das genannte Konsulat und fanden eine große Zahl von geheimen Dokumenten, in denen die Pläne für verschiedene Unternehmungen niedergelegt waren: 1. eine Mörderbande zu organisieren, die wichtig« Persön- lichkeiten in Nanking, Mukden und anderen wichtigen Stödten be- seitigen sollte, 2. eine Geheimtrupp« zusammenzustellen, deren Aufgab« es fein sollte, die Ostchinabohn zu zerstören, I. Pläne für die Bolschewisierung Chinas und die Verlängerung de» Bürgerkrieges. Im Laufe der Durchsuchung wurde ein« große Zahl von Per- sonen verhaftet, darunter zum großen Teil die leitenden B«> amten der Ostchinabahn. Der Rest der Verhafteten bestand aus den Direktoren und Kommissaren der folgenden Organisationen: 1. des Arbeiterverbandes der Ostchinabahn, 2. der sowjetistischen Z e n- tral-Handclsvereinigung, 3. des Bureaus der Handels- schiffahrt, 4. des„Petroleumbureau» des fernen Ostens", S. des Rationalen Handelsbureaus des sernen Ostens. Die Lokal- behörden der nsilichen Provinzen waren, um den Herd der inneren Unruhen in China an der Wurzel zu packen und die össentlich« Ordnung aufrecht zu erhalten, genötigt, in bezug auf d>« Bahn die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen und die obengenannten Sowjet- organffationen zu schließen. Die chinesische Regierung und das chinesische Volk haben den ehrlichen Wunsch nach Frieden und werden ihn nicht aufgeben, es sei denn, daß sie dazu gezwungen werden.... So enthielt die Antwort der chinesischen National- regierung oam 17. Juli die Bereitschost, einen Vertreter zu Der- Handlungen mit dem sowjetistischen Außenminister zu entsenden. Aber die zweite Rot« der Sowjets erwähnt« diesen Vorschlag über- Haupt nicht. Dies beweist, daß die Sowjetregierung in internatio- nolen Fragen gewohnt ist zur llnmisrichtigkeit zu greisen, um die Völker der Welt zu täuschen. Zusommensassend müssen wir sagen, daß die Veranlassung flir den gegenwärtigen Streitfall die Verletzung des Geistes und des Buchstabens des chinesffch-russischen Vertrages von 1924 durch die russisch« Regierung ist und nicht der Fragenkomplex der Ost chinabahn, denn gemäß der Vereinbarung sollte die Ost- chinabahn ein rein kommerzielles linternehmen sein(Art. 9 Abs. 1) und die Regierungen der beiden Länder verpflichteten sich, sich jeglicher Propaganda in dem Gebiet des Vertragsgegners gegen dessen politisches nnd Gesellschaftssystem zu enthalten. Aber im Gegensatz zu dieser Vereinbarung benutzten die Sowjet- behörden die Konsulat« und die Eisenbahnverwaltungsbureaus. ebenso die Einnahmen aus der Bahn, um kommunistische Agitation in China zu treiben und die gegenreoolutionären Elemente in China zu unterstützen und aus dies« Weise die chinesische Regiexung zu stürzen»nd Unruhen in den östlichen Provinzen hervorzurufen. Das stellt nicht nur eine grobe Verletzung eines internationalen Abkommens dar, sondern vielmehr einen groben Eingriff in Chinas innere Politik und ein« Verletzung der Souveränität des Lande?. Die chinesische Regierung hat deshalb die Geheimdokumente ver- öffentlicht, die im Konsulat der Sowjets in Charbin bei der Durch- suchung gefunden worden sind, damit die gesamte zivilisiert« Welt die Wahrheit erfahre und sich selbst ein Urteil bilden möge. China macht jegliche Anstrengung für die Aufrechterhaltung des Frieden«, wie es der traditionellen Politik des chinesischen Volkes und seiner Regierung entspricht. China wird deshalb tun, was es kann, um den Abmachungen des Kellogg-Paktes zu entsprechen, den es unter- schrieben hat, soweit es sich mit seinem Recht der Selb st ver- t e i d i g u n g in Einklang bringen läßt. Das Recht des Jäelbst- schutzes muß aus olle Fäll« gesichert bleiben. Sollt« die Sowjet- union gegen dieses Recht vorgehen wollen, so wäre sie und nicht China für die Verletzung des Friedens verantwortlich zu machen. donald und Bokdwkn in der Auffassung der indischen Frage keinen Unterschied gibt, daß„Wedgwood Bcnn kein schlechterer Diener des britrschen Imperialismus" fei als Birkenhead („Prawda"). Die Arbeiterpartei Hai in ihrem Wahl- Programm u. a. die Forderung aufgestellt:...Homerule f ü r I n d i e n", d. h. also die Durchführung indischer Selbst- Verwaltung. Allerdings deckt sich diese letztere nicht in allem mit der Dominiumfordcrung der Inder, sie wird aber die erste Etappe auf diesem Wege sein. Die russischen und nichtrussischen Kommunisten werden sich schließlich auch in ihren indischen Plänen enttäuscht sehen: Indien wird seine Homerulc schließlich erlangen und ollmäh- lich auch zur Reform seiner sozialen und Agrarverhältnisse kommen. Dazu gehört aber, daß die indische Führerschaft sich scharf von den Kommunisten trennt. Einer von ihnen, Shiba Rao, hat gesagt:„Der Kommunismus muß auch in Indien besiegt werden, wie er schon bereits überall besiegt worden ist." Die Einsicht bricht sich Bahn. Oeuttiche Worte an die Adresse der Landwirte. Die Reichsregierung und die Preußenregierung bemühen sich ohne Unterlaß, der Landwirtschast Hilfe zu bringen. Auf ihr Betreiben sind Maßnahmen zustande gekommen, die fast über die Grenzen des Tragbaren hinausgehen. Die Landwirte und ihre Organisationen haben dafür nur Undank übrig. Unter diesen Umständen wirken Ausführungen aufsehen- erregend, die das Mitglied der Deutschen Volkspartei Graf zu Stolberg-Wernigerode in den„Jtzehoer Nachrichten"(Landesblatt Schleswig-Holsteins) Rr. 15<1 in einem Artikel„Heraus mit der Landwirtschaft aus ihrer politischen Isolierung!" macht. Albrecht Graf zu Stolberg- Wernigerode sagt unter anderem: „Durch die Einstellung der Deutschnationalen Bolkspartei und der Splitterparteien wird die Landwirffchoft selbst in«ine falsche Opposition zu den übrigen Parteien und dem heutigen Staat hinein- getrieben. Darf sich die Landwirtschaft da wundern, wenn sie von diesen Parteien ebenfalls als Gegnerin angesehen und dem- entsprechend behandelt wird? Jedes Einschwören eines Standes auf ein« bestimmten Partei wirkt sich dahin aus, daß die anderen Parteien unvermeidlich auch den Stand treffen, der sich ihr ver- schrieben hat... Je extremer sich die Landwirtschaft parteipolitisch nach rechts einstellt, um so mehr isoliert sie sich zu ihrem eigenen wirtschaftlichen Schaden. Ein Wort an die landwirtschaftlichen Organisationen. Sie klagen über Einflußlosigkeit auf die Regierung. Ja, sind nicht auch sie selbst mit schuld daran, weil sie sich bestimmten einzelnen Parteien verschreiben und dazu noch solchen, die dauernd m der Opposition stehen, jede Regierung bekämpfen und darum notgedrungen von jeder Regierung wieder bekämpft werden? Und sind sie nicht auch insofern mitschuldig, als sie sich im Gegensatz zu den Organisationen anderer Stände, statt nur mit ihren berufs- politischen Fragen beschäftigen. Ich red« hier nicht der politischen Charakterlosigkeit das Wort, wohl aber der politischen Klugheit, wenn ich damit fesfftelle, daß auf dem Gebiet der rein politischen Kundgebungen auch von seilen mancher landwirtschaftlichen Orgoni- jation des Guten zu viel geschieht... Man kann nicht jemanden, der ander« politische Auffassungen hat, alf einen Schuft charakterisieren und gleichzeitig "an ihm verlangen, daß er einem in seiner Stellung als M i n i st e r hilft! Schließlich parteipolitisch und berufspolitisch noch«in letztes. Es mar schon zu Anfang gesagt, daß die Landwirtschaft nicht die Mehrheit des Bolkes bildet, also auf willig« Mithilfe anderer Stände angewiesen ist. Deshalb gilt es. einmal größte Sachlichkeit walten zu lassen. Was nützen olle statistischen, zahlenmäßigen und wortmäßigen Uebertreibungen, die, da ja die Wirtschostszahlen auch den anderen Ständen bekannt sind, doch nicht geglaubt werden und nur dazu beitragen, in Verhandlungen mit der Regierung und mit anderen Ständen den Wert der eigenen Ansicht herabzusetzen! Wer übertreibt, dem glaubt man nicht, wenn er nachher auch die Wahrheit spricht. Zum zweiten gilt es, alle Schroffheit bei der Vertretung land- wirtschaftlicher Belange beiseite zu lassen. Durch schroffes, starkes, überhebliches Auftreten gewinnt man kein« Freunde, sondern stößt sie nur vor den Kopf und oermehrt die Zahl der Feinde. Wenn man weiß, daß heute der überwiegende Teil des deutschen Volkes und gerade gutgesonnen« Kreis« nicht wissen, wie sie sich ihren Lebensunterhalt beschaffen sollen, dann muß jeder Führer der Landwirffchost hierauf Rücksicht nehmen und sich drittens vor Einseitigkeit hüten. Zweck haben nur Anträge, die einigermaßen Aussicht auf Annahme haben. Da aber zur Annahme im Parlament auch die Stimmen derer notwendig sind, die nicht Landwirt sind, so bietet ein Antrag um so eher Aussicht auf Annohme, je mehr er aus die Möglichkeiten im Rahmen des Ganzen Rücksicht nimmt, je weniger einseitig er sst.„Die„land- wirtschaftssreundlichsten" Anträge stellen heißt, den landwirtschaft. iichen Wählern Sand in die Augen zu sEeuen." Diese Mahnung bewegt sich durchaus auf der Linie der Vorwürfe, die von der Linken gegen die Landbundhetze er- hoben werden, sie sind eine glänzende Rechtfertigung der Haltung der Regierungen in der Agrarfrage. Die Pariser Ranschglstossäre. In der Angelegenheit der be> schlagnahmten Rauschgifte, in die der ehemalige Gesandte von Afghaniston verwickelt ist, berichtet„Motin", daß es sich bei dem f aufgedeckten Transport um die zwölfte Sendung handle, und daß der Gesandte bei diesen Operationen insgesamt Millionen Franken verdient habe. Die Mlhelm-&ahl- Spende. Prof. Kahl teilt mit, daß er die Spende, die ihm aus Anlaß seine» 30. Geburtstage» zur freien Ver- sügung übergeben wurde, der Berliner juristischen Fakultät ol» Stiftung für wissenschaftliche Zwecke zugeführt Hab«, Znstrumente der Kriegspolitik. Das Kriegsmanifest der Komintern. Der gesamte Propagandaapparat der russischen Außen- Politik in"der ganzen Welt ist in Bewegung gesetzt, um die Antichinapölitik der Söwsetregierüng zft unterstützen. Der Apparat betreibt eine maßlose Kriegshetze gegen China, die hinter den übelsten Erscheinungen aus der Zeit des Welt- krieges nicht zurückbleibt. Das schamloseste auf diesem Gebiete ist der Aizfruf der Komintern zum 1. August. Er verlangt von den Kommunisten aller Länder, daß sie am 1. August demonstrieren— unter dem Vorwand einer Antikriegskundgebung für die Kriegs- Politik der Sowjetunion. Sie sollen die Rolle übernehmen, die in l�n Julitogen des Jahres 1914 die patriotischen De- monstranten für den Krieg spielten! Dieser Aufruf ist mit seiner maßlosen Hetze gegen China. gegen die Regierungen aller Länder, mit seiner Haßpsychose, mit der Absicht, Kriegsleidenschast zu wecken, und vor allem mit seiner schamlosen Verlogenheit ein wahrhaftes Kriegs- m a n i f e st! Wer am 1. August mit den Kommunisten demonstriert, der dient den Kriegstreibern! Liga gegen koloniale Unterdrückung. Die famose kommunistische.Liga gegen Imperialismus und gegen koloniale Unterdrückung" ist ebenso ein Instrument der russischen Außenpolitik wie die Komintern. Diese Liga tagt augenblicklich in Frankfurt am Main. Tagesordnung:„Das Erwachen der Kolonial- Völker". Zweck der Tagung: Unterstützung der russischen Politik in China.„Völker, hört die Signale"— nämlich des Krieges um die imperialistischen Vorrechte Rußlands auf dem Territorium des chinesischen Volkes. Wie lange ist es her. daß die Liga„Hände weg von China" rief? Jetzt tobt sie gegen China, weil Rußland seine Hände von China wegnehmen soll. Liga gegen koloniale Unterdrückung'. Ein Reptil d-r Sowjetpolitik! Kommunistische Chinapoliiik. Ein Leser der Berliner kommunistischen„Roten Fahne" schreibt dem Soz. Pressedienst: Die Redaktion der„Roten Fahne" spekuliert auf doz�kurze Gedächtnis ihrer Leser und baut hierauf die kühnsten Speku- lationen auf. In der letzten Sonntagsnummer wird der Gsne- ralissimus des neuen China, Tschiangkaischek, als der„Alliierte des„Vorwärts" vorgestellt. Dazu wird ein« Greuelszene aus dem chinesischen Bürgerkrieg veröffentlicht, um das angeblich« Bündnis als besonders blutrünstig zu unterstreichen. Den Anhängern der„Roten Fahne" sei empfohlen, Einsicht in dasselbe Blatt vom 17. März 1927 zu nehmen. Dort finden sie das Bild von Tschiangkaischek. In einem Begleittext wird er als der Führer der revoutionären Arbeiter Chinas g«- feiert. Es ist mir nicht bekannt, daß sich der„Vorwärts" oder irgendein sozialdemokratisches Blatt zu einer solchen Lobhudelei verstiegen hafte. Wahl aber erinnere ich mich, daß in damaliger Zeit jeder durch Deutschland reisende Offizier Tschiongkaischeks van den deutschen Rot-Frontkämpfern aus den Schultern durch die Straßen getragen wurde. Dies«„spontanen" Ovationen fanden zu einer Zeit statt, da sich Stalin, wie die von der komnrunistischen Opposition veröffentlichten China. Dokumente bewe'isen, in einem vor seiner Partei und Internationale verschwiege-> nin Geheimabkommens mit TjchiangkaisHek ver- I pflichtet hotte, ihn bei seinen Maßnahmen in keiner Weise za st ö r« n, sondern ihn zu unterstützen. Es war dieselbe Zeit, da Herr Maslow, der heute zu- sammen mit reinem russischem ehemaligen Oppositionellen der»Roten Fahne" Ehinamaterial liesern darf, von Stalin behauptete, daß er die Chinadokumente versteck« und unterschlage.... Die Getreidenöie in der Sowjetunion. Vom Ausland mußte importiert werde«. Moskau. 21. Juli. In einer großen Red« in Iwanowo-Wosnossensk über die inner« und äußere Loge der Sowjetunion besprach der Sowjet- präsidem K a l i n i n auch die Getreideschwierigkeiten und machte im Zusammenhang damit erstmalig Angaben über das Er- gebniS der Gstreidebereftstellungen in der Kampagne vom I. Juli 1928 bis 30. Juni 1929. Nachdem seit einer Reihe von Monat-n überhaupt keine Ziffern mehr über die staatlichen Getreideankänie veröffentlicht worden sind, hat man sich also jetzt dazu entschlossen, das Gesamtergebnis bekanntzugeben. Die Angaben Kalinins bestätigen, daß die Getreidebereitstellungen in der zweiten Hälfte der Kampagne 1928/1929 einen sehr unbefrie- digenden Verlaus genommen haben. In der ganzen Kam- pagne 1928/1929 wurden um 180 Mill. Pud(etwa 2,62 Mill. To.) Korngetreide weniger als in der Kampagne 1927/1928 bereitgestellt, in der überdies 20 bis 30 Mill. Pud Getreide aus dem Auslande importiert worden sind. Da die Korngetreidebereifftellungen in der Kampagne 1927/1928 sich auf 19,24 Mill. To. stellten, so erreichten sie mithin in der vor kurzem abgelaufenen Kampagne nur 7,62 Mill. To., wobei zu berücksichtigen ist. daß auch dieses Ergebnis nur dadurch erzielt werden konnte, daß man verschiedene Druckmaßnahmen gegen die getreidebesitzenden wohlhabenden Bauernschichten zur Anwendung brachte. � Herr Oengel reist nach Moskau. Er vertrug sich nicht mit dem Kriegshehe-Turkestoner. Der kommunistische Reichstagsabgeordnete D en g el, einer der „schneiöigsten" Schimpsbold« der KPD. gegen die SPD., steht wegen schwankenden Verhaltens bei der Thälmann-Clique unter beson- derer Beobachtung. Zunächst wurde er gezwungen, mit seinem Namen und— versteht sich— mit seiner Immunität die Schmiere- reien jene» Türke st aner» zu decken, der zur Kontrolle der China- Kampagne der KPD-Presse von Stalin besohlen ist. Der Sitzredakteur Dengel hat sich jedoch in der ihm zugewiesenen Roll« nicht wohl- gefühlt. In der Redaktion der„Roten Fahne" ist es deshalb in der letzten Zeit zu bewegten Austritten gekommen, die dem technischen Personal Grund zur Heiterkeit gaben. Seit«inigen Tagen ist der Name Dengels als Verantwortlicher der„Roten Fahne" ver- fchwunden. Angeblich soll er zu einer ähnlichen Reis« noch Maskau besohlen sein wie sein Redakti�nskollege Dietrich, dem die Wohl zwischen Mandatsniederlegung und einem unbefristeten „Besuch" bei Stolin gelassen wurde. Oer ewige Konferenzstreii. lieber den Ort der Reporaticnskonferenz ist ein« Einigung noch nicht erzielt worden. Gegen den Vorschlag B r ü s s e l wurde von deutscher Seite Einspruch erhoben. Di« englisch« Regierung hat sich von neuem für London«ingesetzt. Poincarä hat sich von den Anstrengungen der letzten Wochen i nochnichterholtund muß weiterhin da» Zimmer hüten. Er wird ! sich nach seinem Landsitz Sempigng begeben. Generaldirekioren als Spekulanien. Millionenverluste im Hoefch-Konzern. Der Generaldirektor und das Aufsichtsratsmitglied der Eisen- und Stahlwerke Hoesch, Robert Hoesch, hat seine sämtlichen Posten niedergelegt. Wie in Dortmund gerüchtweis« verlautet, soll Hoesch sich arg verspekuliert l>aben. Man spricht von einem Verlust von mehreren Millionen Mark, wodurch u. a. auch zahl- ctiche kleinere Unternehmungen schwer betroffen wurden. Der Aufsichtsrat soll sich bereit erklärt haben, die Verluste zum großen Teil von sich aus zu decken, um die Angelegenheit nicht in die Oeffentlichkeit dringen zu lassen. Hoesch selbst soll inzwischen nach Belgien abgereist sein. Kein Republikschutzgesetz mehr. Republikaner, schützt die Republik und die republikanische Flagge! Der gesetzliche Schutz der Republik und ihrer Flagge tritt heute mit dem Erlöschen des Reoublikschutzgesetzes außer Kraft. In der radikalen Rechtspresse spürt man erleichtertes Aufatmen. Ein Hetzblatt wie die„Deutsche Zeitung" fühlt sich zu der Feststellung berufen, daß das Gesetz„überflüssig" gewesen sei, wahrscheinlich deshalb überflüssig, weil nach ni«' mals ein Leser der„Deutschen Zeitung" die republikanische Flagge in den Schmutz getreten oder mit Ausdrücken aus der kotigen Sphäre besudelt hat! Ein Blatt, das— wie die „Deutsche Zeitung"— die Mörder Erzbergers und Rathenaus für nationale Märtyrer hält, denen von Rechts wegen ein Denkmal nebst lebenlänglicher Pension gebühre— ein solches Blatt wird allerdings jedes Gesetz als ganz überflüssig emp- finden, das die Staatsform und ihre Vertreter gegen Buben und Meuchelmörder sichert.— Interessant ist folgende Fest- stellung der„Deutschen Zeitung": „Das Republikschutzgeseß wurde fast nur gegen rechts angewandt, die Kommunisten griff man nur, um gelegentlich die „Unparteilichkeit" zu beweisen." Bekanntlich behaupten die Kommunisten das genau« Gegenteil, denn jede der extremen Richtungen sieht von den wirklichen Dingen nur soviel, als jeweils in ihrem Kram paßt, und deshalb freuen sich die Kommunisten mit den Deutsch- nationalen und Völkischen über den Ablauf des Gesetzes. Für die Republikaner aber entsteht die Pflicht, doppelt für die Republik wachsam und tätig zu sein. An Stelle des Gesetzes müssen die Republikaner selber den Schutz der Republik und ihrer Farben übernehmen und die' not- wendige Achtung vor der Selbstverwaltung des Volkes auch da durchsetzen, wo Rüpel und Buben glauben, gefahrlos ihre schmutzigen Instinkte austoben zu können. Wie man Gasten- buben entgegentritt, ist im Volte bekannt. Auch die Repu- blikaner misten es!_ Heimwehrgeschrei. Ganz wie zu Zeiten der Schwarzen Reichetwehr. Wir lesen in der Zeitschrift des Herrn Ullmann,„P o l i- tisch« Wochenschrift". Tendenz deutschnational, fol- genden Erguß: „Es greift einem oft ans Herz, wenn Herr Lobe und andere sozialdemokratisch« Größen begeistert vom ersehnten Anschluß reden und mit bewegten Worten in die Zukunft weisen, in der endlich dieser ihr heißer Wunsch in Erfüllung gehen werde. Unbeschwert von solchen Regungen des nationalen Gemütes fährt indessen das offizielle Organ der deutschen Sozialdemokratie, das schließlich letzt- hin ein richtiges Regierungsblatt geworden ist, damit fort, da» ge- liebte Bruderland Oesterreich in der infamsten Weise zu beschimpfen, vor den Kontrolleinrichtungen der Entente zu denunzieren und in einer Weise zu verleum- d e n. daß nicht einmal mehr der durch den Antisemitismus der öfter- reichischen Heimatwehren tief ins Her, getroffene Wiener Vertreter de»„Berliner Tageblattes" damit Schritt halten kann. Erst vor wenigen Tagen wieder berichtet« der„Vorwärts" in der größten Aufmachung, deren er fähig ist. mit großer, Befriedigung, chaß ddr österreichische Heeresmiuifter einer Verbindung mit den Heimat? wehren„überführt" sei. Daß der„Vorwärts" die, feststellt', wird zwar d«m österreichischen Heeresminister weiter nicht» schaden, wohl aber derAnschlußfreudigkeitderOe st«rr»icher, die sich dem Hochoerrat der deutschen Sozialdemo- k r a t i e schon ausgeliefert sehen, bevor der Anschluß noch voll- zogen ist." Daraus geht hervor: erstens, daß dies Organ mit den Heimwehrbanditen gemeinsame Sache macht; zweitens, daß „das nationale Interesse" auch in Obsterreich das faschistische Verbrechertum decken soll; drittens, daß in den Augen dieser Leute die Aufdeckung illegaler Rüstungen zu Bürgerkrieg- zwecken„Hochverrat" ist. Glücklicherweise ist Deutfchösterreich immer noch eine demokratische Republik und kein Faschistenstaat, und der An- schluß wird kommen— trotz des Heimwehrgesindels und seiner deutschen Parteigänger. Prozeß mit Spitzeln. Die Zeugen im Volksbundprozeß. Sallowitz, Z2. Juli. Heute beginnt vor der Strafkammer des Bezirksgerichts in Kattowig der Prozeß gegen den Geschäftsführer des Deutschen Baltsbunde». 11 l i tz. Die Anklage stützt sich aus die Paragraphen 89 und 102 der Allgemeinen Militärdienstordnung vom 23. Mai 1924 und wirst dem Angeklagten Bechilse zurEntziehungvomMili- tärdienst in einem Falle vor. Von der Anklagebehörde sind acht Zeugen geladen. Bemerkenswert ist hierbei, daß es sich fast durchweg um die gleichen Personen handelt, die als Zeugen in den vorangegangenen Dolksbundprozesien gegen Schulrot a. D. Dudet und die Bezirksgeschäftsführerin Fräulein Ernst und Ge- nassen ausgetreten sind. Die Zeugen sind fast ausschließlich Mit- glieder oder Verbindungsleute de» polnischen Militär- spitzeldien st es. Unter ihnen befindet sich auch eine frühere Angestellte des Deutschen Lolksbundes und des deutschen General- knnsulot» in Kattowitz, die während ihrer Tätigkeit bei den deutschen Stellen mit dem polnischen Geheimdienst zusammengearbeitet hat. Don dem Angeklagten Ulitz sind etwa 20 Zeugen geladen worden. Die Verteidigung liegt in den Händen von Rechtsanwalt Dr. Baj. Kattowitz, und Dr. Smiarowski. Warschau. Letzterer ist sür den vor einigen Tagen plötzlich erkrankten, zuerst vorgesehenen Der- teidiger, den sozialistischen Sejrnobgeordneten Dr. Liebermann, Warschau, eingetreten. Smiarowski hat bisher als Verteidiger in mehreren Drozessen in Warschau in Minderheitenagelegenheiten mitgewirkt. Da» Interesse an dem Prozeß ist außerordentlich groß. Nach einer Auskunft des Gerichts haben sich über 4t) Presse« nertreter, darunter zahlreiche ausländische Vertreter, zu dem Prozeß angemeldet. Man rechnet damit, daß der Prozeß zwei bis drei Tag« dauern wird. Soweit bis jetzt bekannt ist, wird der Prozeß nicht unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt werden. An der bulgorisch-jugoslowischen Grenze sind wieder zahlreiche Zwischenfälle zu verzeichnen Am Mittwoch drang eine bulgarische Bande in der Nähe von Reschau auf südslawisches Gebiet. Als die Bande von jugoslawischen Gendarmen gestellt wurde, kam e» zu einem schweren Feuergesecht, das mehrere Stunden andauerte und auf beiden Seiten Tote und Schwervcrwundete zur Folge hatte. Oer Ostfeeriiter ohne Kurcht und Tadel. r3ef!öfte mir, Znädigste, Ihnen diese frischjeklaute Iudenfahne als Zeichen meiner Verehrung für Ihre echt germanische Rassegestalt zu überreichen!" Oer Kührer Wahrheit und Dichtung um Die„Vostische Zeitung" hat kürzlich sam 12. Zu«) mehr vom Gesichtspunkt der Unterhaltung als dem der sachlichen Information die Phantasien georgischer Fälscher wiederg«. geben. Zu diesem Aussah gehen uns von Nikolaus 3m- naifchwili. dem Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Georgien», folgende Feststellungen zu. 1. Karumidze ist nicht„der geistige Führer der Ge- o r g i e r". Das kannte und kann er nicht sein. Er gehörte der Ratio- naldemokrotischen Partei Georgiens an, die sehr wenig Einfluß im Volke hat; sie hatten in der Nationalversammlung(1919) nur 8 Proz. der Sitze gehabt. Seit dem 2. Mai 1924 ist aber Karumidze auch au« dem Nationaldemokratischen Komitee wegen seiner„moralisch wie politisch völlig unzuoerkässiger Handlungen" ausgeschlossen worden, und seit dem Z. April 1927 auch au» der Partei selbst(siehe „Damonkidebeli Ssakarthwelo"— das Unabhängie Georgien— Nr, 24, in Paris). Anfang 1925 wurde im Pariser Georgischen bolschewistischen Blatt„Achali Ssakarthwelo"(Das Neu« Georgien) ein Brief Ko- rumidzes an den Herausgeber, feinem ehemaligen Parteifreund Grigol W e s ch a p e l i(dieser wurde 1926 von einem georgischen Nationalisten in Poris erschossen) veröffentlicht, indem er sich mit diesem, der schon zum Bolschewismus übergetreten war, in erheb- lichem Maße politisch solidarisierte. Seitdem stand Karumidze bei den maßgebenden georgischen Kreisen(vor allem bei der nationalen Regierung) unter dem stärksten verdacht und konnte keinerlei Beziehungen mehr mit ihnen unterhalten. Karumidze als„den geistigen Führer der Georgier" zu bezeichnen, heißt das georgische Volk schwer beleidigen. 2. Auch„Führer der Bauernbewegung in Ost-Georgien" ist Karumidze nie gewesen. Die Nationaldemokratische Partei, die in Georgien weit rechts stand, war die Partei des Adel» und des Groß- bürgertums; Karumidze selbst stand auf dem rechten Flügel dieser Partei. Die landarme georgische Bauernschaft ist seit 39 Iahren sozial- demokratisch. 3.„Gründer der Nationaldemokratischen Partei Georgiens" ist er ebenfalls nicht gewesen. Die Nationaldemokratisch« Partei wurde 1912/13 gegründet, al» Karumidze«in 26jähriger junger Sozialrevo- lutionär war. Er ist erst einige Jahre später Nationaldemokrat ge- worden. 4.' Karumidze war einer der 139 Abgeordneten der Notio- nalversommlung. 5. Er wird als„Gründer der Wirtschaftsgenossenschaften der Ost- georgischen Bauern" bezeichnet. Dazu ist zu sagen, daß es in Georgien schon seit der Vorkriegszeit etliche hundert Genossenschaften gibt. Bei der Gründung von einer oder zwei Genosienschasten konnte natürlich auch Karumidze teilnehmen. Das ist alles. 6.„Nach der Unabhängigkeitserklärung Georgien» Kommandonl eines Pauernheeres."(1) Georgien hat nach der Unabhängigkeitserklärung ein regu- lärcsHeer organisiert, in dem alle Volksschichten vertreten waren und mit dem Karumidze nichts zu tun hatte. Ein spezielles„Bauern- Heer" hat es überhaupt nicht gegeben. Wohl gab es«ine Volks» g a r d e, tn der Revolutionszeit'(19l7/18) gebildet, die aus geschulten sozialistischen Arbeitern und Bauern bestand; aber hier Hot der rechts- radikale Karumidze erst recht nichts zu suchen gehabt. Hingegen wur- den in den zahlreichen Verteidigungskriegen, die die junge Republik zu führen hott«, gelegentlich besondere sreiwillige Truppen gebildet. Einen solchen Trupp soll Karumidze ein- oder zweimal in einer kleinen Bergortschaft(Chewsurethi genannt), wo er etwas Einfluß hatte, gebildet haben. Daraus macht man jetzt ein„Bauernheer" und seinen„Kamniandanten". Auch eine Leistung! 7.„Während der Belagerung der Hauptstadt Tislis durch die Rote Armee im Jahre 1921 Führer der Verteidigung."(!) Da» ist glatter Schwindel! Georgien war ein Staat und hat al» solcher seine Armee und ihren Gencralstab gehabt. Dieser letzter« war auch natur- gemäß Führer der Verteidigung. Karumidze gehörte weder dem Generalstab noch der Regierung an: er war weder ein General, nach ein Oberst, noch ein einfacher Offizier. Wie. konnte er Führer der Verteidigung sein? Ein Mann, „der llfli, drei Tag« gegen die bolschewistische llebermacht hielt". der Fälscher. die georgischen Aoienfälscher. Diese„drei Tage" gehören ganz(und wären es auch nur„drei Sekunden") dem Reich der Träume, richtiger der Lügen an. 8.„Verantwortlicher Führer des Frciheit-Komitee Georgiens" (25. Z. vom 15. Juni, Abendausgabe). Vielleicht. Dann ist ober dieses.„Freiheit-Komitee" selbst durchaus unverantwortlich. Zwei Menschen können ein.Komitee bilden. So konnten auch Karumidze und mehrere seiner Komplicen sicher tun. Do» verantwortliche Frciheits-Komitee heißt„llnabhängig- keits-Komitee Georgiens", das aus den Vertretern aller maßgebenden politischen Parteien Georgiens besteht und die national« landes- flüchtige Regierung unterstützt. Mit diesen allein maßgebenden In- stanzen der georgischen Freiheitsbewegung hat Karumidze nicht das�geringste- zü/tun. Wesbalb wird so viel Mögen? Um Karumidze al» einen de- rufen«« Führer der georgischen Freiheitsbewegung darzustellen, wa? »r in keiner Weise ist. Wenn sich trotzdem manche ausländischen politi-. schen oder wirtschaftlichen Kreise in Verbindung mit diesem Abenteurer und seinen Genossen einließen, so zeugt es nur van der politi- schen Gesinnung jener Kreise, die von der Demokratie nie etwas wissen wollen. Auch Herr K e d i a ist ein„kaukasischer oder georgischer Vertreter" genau so wenig wie Karumidze. Der in Bayern erzogene Jüngling Tscherwonzenfälscher S a d a t h i e r o s ch w i l i ist in Georgien völlig unbekannt. Wer ist nun an diesen Lügen interessiert? Erstens die Fälscher selbst, die sich reinwaschen wollen, und zweiten» die Volschewisten, die die georgische Freiheitsbewegung zu kompro- mitlieren suchen. Ob zwischen diesen links- und rechtsradikalen Interessenten(obwohl Karumidze sich jetzt sür einen Gemäßigten ausgibt) nicht unsichtbare Fäden bestehen, mag dahingestellt bleiben. Es genügt uns zunächst festzustellen, daß die beiden Interessenten lügen, wenn st« Ka- rumidze und Konsorten als Führer der georgischen Freiheitsbewegung anpreisen. Kriegsgen'chi gegen Sozialdemokraten Tolle litauische Militärjustiz. Eine Gruppe litauischer Sozialdemokraten, die vor einigen Al analen verhaftet worden sind, unter denen auch der General- sekrelär der Sozialdemokralischen Partei.(B o l i n i s. sich befindet, sind jetzt laut Verordnung der Regierung dem Sriegsfcldgerlcht übergeben worden. Unter krtegsjeldgerichl versteht man ein Gericht, bei dem es keine Gerich lvprozedur gibt, die Oeffentlichkeit ausgeschlossen ist und der Angeklagte sich keinen Verteidiger nehmen darf: als Richter fungieren drei Offiziere. Die Gefahr ist dringend, daß von diesem millelolterlich zusammengesetzten„Gericht" Todesurteile ausgesprochen werden. Der litauische Diklalor sollte dem Unsinn seiner INililär» lieber gteich Einholt tun, statt daraus zu warten, daß das Ausland sich erst wieder für die Zustände in seinem Lande interessiert. 3n den Pflanzungen der Insel Sumatra wurden in letzter Zeit wiederholt europäische?lnge stellte durch eingeboren- Ar. Keiter ermordet. Auf Grund der letzten Mordtoten Hot sich die Regierung veranlaßt gesehen, drei Brigaden Infanterie nach Delhi aus Sumatra zu beordern. Der Schmtedegesellc Anlon Lcitner unter Anklage de, Mord- versuch«. Anton Leitncr. der den Anschlag auf den Bundespräsi- deuten verüben wollte, stt' der psychiatrischen Klinik zugeführt worden. Er scheint sich darüber klar zu sein, daß die Einflußnahme de, Bundespräsidenten auf wirtschaftliche-ind soziale Fragen sehr gering ist. Doch behauptel er immer wieder, ein Staatsoberhaupt, das nicht mit entsprechenden Machtvollkommenheiten ausgestattet sei, müsse van seinem Pasten oerschwinden. Vorn Bundeskanzler hat Leitncr überhaupt kein Wort gesprochen., Neuer Abgeordneter der Viirtschastspartei. An Stelle de? verstorbenen Abgeordneten Luenenjchloß tritt der Kousmonn Robert Schult«. Wanne-Eickel(Wirtschostsportei), in den Reichstag«in. Konjunkturausgleich. Ein praktischer Versuch. Die Rejchsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver- sichcrung teilt mit: Das bekannte Gutachten des Vorläufigen Rcichswirtfchaftsrates über er»« zweckmäßige Verteilung d« r Aufträge d«r öffentlichen Hand an die Wirtschaft ist Anlaß für die Einrichtung einer seit Anfang dieses Jahres laufenden Sta- t i ft i k solcher Aufträge gewesen. Mit einer weiteren Maßnahme soll nunmehr der Beginn zu einer praktischen Konjunl- t u r p o l i ti k gemacht werden, deren Bedeutung durch den Umfang der össentlichen Aufträge— schätzungsweise 7 bis 8 Milliarden Mark— gekennzeichnet ist. Der Reichsarbeitsminifter hat im Einvernehmen mir dem Reichswirtschaftsminister die Rcichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung beauftragt, durch die Präsidenten der Landesarbeitsämtcr in deren Bezirken auf«ine zweck- mäßige Verteilung der öffentlichen Aufträge im Sinne des Aus- gleiches der Konjunktur- und Saisonschwankungen hinzuwirken. Da- mit ist den Wünschen entsprochen, die der Verwaltungsrat der Rcichsanstalt im vorigen Jahre in einer umfangreichen Entschließung niedergelegt hatte. Der Verwaltungsrat hatte damals, veranlaßt durch das scharfe Ansteigen der Arbeitslosenziffern, aus die schweren sozialpolitischen Schädigungen hingewiesen, die sich aus dem Umfang und der Dauer der Saison- schwankungen ergeben: er hotte sich dem Gutachten des Reichs- wirtschaftsrates angeschlossen und die Dienststellen der Rcichsanstalt für die Mitwirkung bei der praktischen Durchführung zur Ver- fügung gestellt. Der Auftrag, der nunmehr der Rcichsanstalt im Sinne dieser Vorschläge erteilt worden ist, ist den Landesarbeitsämtern durch einen Erlaß des Präsidenten der Reichsanstalt vom 2lt. Juli d. I. bekanntgegeben. Die praktische Durchführung sollt hauptsächlich den Landesarbeitsämtern zu: sie sollen mit den Beschasfungsstcllen, die ihren Sitz im Bezirk des Landesarbeitsamtes haben, in r e g e l- mäßigen Zusammenkünften Fühlung halten, da- mit sie jederzeit über beabsichtigte Aufträge der Beschassungsstellen unterrichtet sind, und sollen darauf hinwirken, daß diese Aufträge der Wirtschaft möglichst dann Beschästigung geben, wenn im übrigen der Auftragsbestand gering ist. Die Beschaffungsstellen ihrerseits sollen von den Landesorbeitsämtern über die allgemeine und besondere Arbeitsmarktlage der einzelnen Gebiete und Gc- werbezweige sowie über die geplanten Notstandsarbeiten unter- richtet werden. In Frage kommen als Beschaffungsstellen vor allem die Reichsbankdirektioncn, die Oberpostdirektionen, die Wasser- bauämter, die Landesfinanz- und Finanzämter, die Landes- und Provinzialverwaltungen und die Kreise und größeren Städte. Auf die besondere Bedeutung der Bauaufträge für den Ausgleich der saisonmäßigen Schwankungen macht das Auftrags- schreiben ausdrücklich aufmerksam. Doch ist auch für fast alle an- deren Gewerbczweige die geplante Regelung mehr oder weniger praktisch bedeutsam. lieber die Erfahrungen, die bei diesem Versuch einer Ratio- nalisierung des öffentlichen Auftragswesens gesammelt werden, dürste voraussichtlich im Laufe des Winters erstmalig berichtet werden können. * Wir begrüßen den praktischen Versuch des Reichsarbeits- Ministers, den wir in jeder Beziehung für gangbar halten, fern von allem bureaukratischen Instanzenzug und behördlichen Kompetenzkonflikt. Aber dieser Versuch ist nicht ausreichend. Es fehlt die eigentliche A r b e i t s b e- schaffung, wobei wieder die Finanzierung?- frage«ine wesentliche Rolle spielt. Hier müßte einge- griffen werden! Aus dem sthlefischen Weberbezirk. Nach der Verbindlichkeitserklärung. v r e s la u. 22. Juli. sEigenbericht.) Bei der Wiederaufnahme der Arbeit im schlesischen Textilgebiet haben sich an einzelnen Orten Differenzen ergeben. Die Strei- tigkelten sind zurzeit Gegenstand von Verhandlungen. Die Organi- solionen nehmen am kommenden Donnerstag in Breslau in einer großen Konferenz zu den noch strittigen Fragen Stellung. Von den Beschlüsicn dieser Konferenz hängt das weitere vorgehen der Gewerkschaften in ihren Bemühungen zur Beilegung der Differenzen ab. Neustadt sO.-Schl.). 22. Juli.(Eigenbericht). Der„Vorwärts" bringt in Nr. 333 vom t9. Juli einen Bericht über die Entlassimg von Textilarbeitern in Seidenbcrg, die ein« rühmliche Ausnahme machen soll. Hierzu wäre zu be- merken, daß die Firma 3. Frankel in Neustadt sich würdig an die Seite der Firma Otto Müller». Co. stellen kann, indem allen Arbeitern Karten nach Aufhebung der Aussperrung zugestellt wurden: denen, die wieder eingestellt wurden, weiße, und denen, die tncht wieder eingestellt wurden, grüne Karten. Insgesamt sind bisher 27S beim Arbeitsamt als entlassen gemeldet worden. Die Finna S. Fränkel beschäftigte insgesamt zirka 3400 Arbeiter und Arbeiterinnen, wovon im Vorjahr 1200 zur Entlassung tamen. Jetzt benutzt man die Aussperrung, um wieder Menschen auf die Straße zu werfen, ohne jegliche Kündigung, darunter solche, die 15 und mehr Jahre ihre Kräfte für die Firma Fränkel zur Verfügung gestellt haben. Aber Herr P i n k u s als Vorsitzender des Arbeitgeberver- bandes glaubt ja seinen Kollegen mit„gutem Beispiel" vorangehen zu müssen. Die Bevölkerung von Neustadt nagt am Hungertuche, denn die bisher gezahlten Löhne reichen nicht zuni Leben aus. Vor dem Kriege zählte Neustadt zirka 22 000 Einwohner, heute ungefähr 17 000. Warum dieser Rückgang? Die gesamte Schuh. industrie ist durch Gebietsabtretund an Polen zugrunde ge- richtet worden, da alle Absatzgebiete verloren gingen, die Textil- iirdustrie folgt denselben Weg. Die Lasten der Gemeinde werden immer größer, weil alle Ar- l-Lttslosen. die ausgesteuert sind, der Wohlfahrtspflege anheim fallen. An den Sünden der Väter leidet die heutige Generation. Die meisten Schuhmacher und Weber find körperlich soweit herunter, daß sie nicht einmal mehr imstande sind, andere Arbeit auf- zunehmen, weil die Kräfte dazu nicht mehr ausreichen. Ja, selbst zum Auswandern in andere Gegenden besteht für diese aus- gemergelten Menschen keine Möglichkeit, denn welcher Unternehmer würde sie einstellen?! Es gilt, die gesamte Menschheit Deutschlands für das Elend der Bevölkerung in Neustadt zu interessieren, damit noch Schlim- meres verhütet wird! Die Buchbinder-Lniernationale. Auch die Kleinen marschieren. Die Internationale der Buchbinder hielt dieser Tage in Amsterdam ihre siebente Konferenz ob. Vertreten waren dreizehn Organisationen aus zwölf Ländern mit 88 560 Mit- gliedern. Nicht vertreten waren die Verbände in Spanien, Finn- land, Jugoslawien und Luxemburg. Spanien und Finnland konnten infolge schwacher Kassenoerhältnisse die Konferenz nicht besuchen. Dem jugoslawischen Vertreter war durch Poßschwierigkeiten(!) das Erscheinen unmöglich gemacht worden. Luxemburg bringt der inter- nationalen Verbindung so wenig Interesse entgegen, daß durch die Konserenz sein Ausscheiden aus der Internationale festgestellt werden müßte. Die Buchbinder-Internationale gehört zu den kleineren inter- nationalen gewerkschaftlichen Verbindungen. Allein der Geist, der sie beherrscht, ist mustergültig und ihre Entwicklung gesund und kräftig. Bei ihrer Gründung im Jahre 1907 zählte sie acht Organisationen mit 33 100 Mitgliedern, 1913 fünfzehn Verbände mit 55 000 Mitgliedern und heut« nach dem Ausscheiden Luxem- burgs umfaßt sie sechzehn Organisationen mit 90300 Mitgliedern. England und Amerika stehen der Internationale noch fern. England war schon zweimal Mitglied, es schied jedoch stets kurz nach seinem Eintritt wieder aus. Von Bedeutung ist daher der Beschluß der Konferenz, nach Erledigung der notwendigen Vor- arbeiten zu gegebener Zeit eine S t u d i e n k o m m i s s i o n noch England zu entsenden, die die dortigen beruflich-wirtschaftlichen und organisatorischen Verhältnisse untersuchen und die englische Organi- sation zum Wiederbeitritt zur Jntenrationale veronlasien soll. Ruß- land Hot bis jetzt noch keinen ernsthaften Versuch unternommen, rer Internationale beizutreten. Die italienische Organisation, die ein sehr reges Mitglied war, ist durch den Faschismus zcr- schlagen. Der Bericht des internationalen Sekretärs Hoch st ras f er- Bern wurde von der Konferenz gutgeheißen. Das Buchbinder- gewerbc gehört, wie in dem Bericht zum Ausdruck kam. zu den Gewerbezwcigen. in denen die Frauenarbeit dominiert und die Teilarbeit in einem Ausmaß durchgeführt worden ist, wie kaum in einem anderen Beruf. Ebenso hat die Maschinen- Verwendung in der Buchbinderei einen H o ch st a n d erreicht, so daß man an eine weitere Steigerung und Vervollkommnung kaum glauben möchte. Diese Entwicklung des Berufs, die im ein- zelnen durch drei ursächlich zusammenhängende Referate: Grün- f e l d- Wien„Die Frauenarbeit", Haueisen- Berlin„Die tcch- nische Entwicklung und Rationalisierung der Buchbinderei" und H o ch st r a s s c r- Bern„Das Lehrlingswesen" beleuchtet wurde, gab der Konferenz Veranlassung, neue Richtlinien zur Lösung der neu- ausgetauchten Probleme zu skizzieren. Grundsätzlich hält die Internationole an dem Satz:„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", fest. In einer strengen Trennung der Frauen- von der M ä n n e r a r b e i t, sieht sie eine Handhabe gegen völlige Verdrängung der männlichen, gelernten Arbeitskrast aus dem Beruf. Bei der Arbeitsvermittlung sollen die Arbeitskräfte den Vorzug haben, die als Ernährer für dritte Personen anzusehen sind. Weiter sprach sich die Internatio- nale für«ine wesentliche Verstärkung des Frauen- und Mutter- schutzes aus. Als Mittel zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit for- dert sie ,n einer besonderen Entschließung die Einführung der vierzig stündigen Arbeitszeit(Fünf-Tage-Woche). und als Wegbereitung hierfür die baldige Ratifizierung des Wofhing- toner Abkommens. Für die Heranbildung eines gesunden und beruf- lich gut vorgebildeten Nachwuchses wurden besondere Richtlinien ausgestellt. Verlangt wird in ihnen u. a. die Beseitigung der zur Zeit noch bestehenden gesetzlichen Hemmnisse der Arbeits- annahm« im Ausland, die es dem Nachwuchs unmöglich machen, sich mit fremdländischey Arbeitsweisen vertraut zu iziachen. Der internationale Sekretär Hochstrasser wurde einstimmig wiedergewählt. Die internationale Kommission wurde von fünf auf sechs Mitglieder erweitert. Ihr gehören an Haueisen- Berlin, G r ü n s e l d- Wien, E r i k s o n- Kopenhagen, van S t c y c n- Brüssel, P c y e r und Koch- Bern. Die Arbeiiszeii im englischen Bergbau. Arbeiterregierung will sie verkürzen. London, 22. Juli. Die englische Arbeiterregierung sieht sich in den letzten Wochen vor der Vertagung des Parlaments vor eine der schwierigsten Fragen seit ihrer Existenz gestellt, nämlich der Aushebung des Acht- ftundentoge» in der Bergwerksindustrie. Mar- donald und die Kandidaten der Arbeiterpartei haben sich während des wahlkampses immer wieder für eine baldige Aufhebung der achtstündigen Arbeitszeit in dieser Industrie eingesetzt. Auf der heute erössneten Bergorbeiterkonferenz in Blackpool er- klärte der Präsident der Gewerkschaft. Smith, daß die Gewerkschaft auf eine Reduzierung der Arbeitsstunden in der Bergwerksindustrie noch im Lause dieses Zahres hoffe. Die Debatte über die Ergebnisse der bisherigen Besprechungen zwischen dem Premier- minister Blacdonald und den Bergarbeitersührern in dieser Frage sowie das Problem in seinem ganzen Umfang stehen aber erst für morgen aus der Tagesordnung, heute vormittag hat zwischen Mae- donald und anderen Regierungsvertretern wieder eine Unterredung mit den Grubenbesitzern stoltgesunden. 3n der annähernd zwei Stunden dauernden Konserenz ist nach dem kurzen veröffentlichten Kommunique die Lage in der Bergwerksindustrie weiter aussühr- lich besprochen worden. Eine wichtige Erklärung in dieser Frage werde, so heißt es dann weiter, in der morgigen llnterhausjilzung abgegeben. Kommunisten gegen Kommunisten. Abgesägte Branchenleitung der Eisenformer. Vor einigen Tagen hielten die Berliner Eisensormer in den Pharussälen eine Bronchenversammlung ab, in der die Neuwahl der Bronchenkommission und der Branchenleituizg vorgenommen wurde. Die Wahl war notwendig geworden, weil die alte k o m- m u n i st i s ch e Branchenleitung die gewerkschaftsfeindlichen Parolen der KPD. nicht in allen Punkten befolgt hat und von den„Führern" der Metallarbeiteropposition vor die Alternative gestellt worden war, entweder die Parteibefehle unbesehen und blindlings auszuführen oder ihr Amt niederzulegen. Die Branchenleitung, die nicht aus d«ll schlechtesten Gewcrk- schaftern bestand, was ehrlich anerkannt werden soll, hatte be- schlössen, ihr Amt niederzulegen. Die Vertrauensmänner stellten eine Liste von Kandidaten zusammen, die zwar in gewerk- schaftlichen Dingen sehr wenig Erfahrung besitzen, dafür aber„linien- treue" Kommunisten sind. Bedauerlicherweise hat nicht e i n Mitglied der alten kommunistischen Branchenleitung den Mut auf- gebracht, sich wieder als Kandidat ausstellen zu lassen. Sie haben kampslos das Feld preisgegeben und die Führung der Branche Leuten in die Hände gespielt, die voraussichtlich mit oller Kraft auf die Spaltung der Branche hinarbeiten werden, was bisher von der alten kommunistischen Branchenleitung abgelehnt wurde. Vielleicht ist es auch nur eines der üblichen kommunistischen „taktischen" Manöver. Mag der Rücktritt der alten Branchenleitung nun aus ehrlicher Ucberzeugung oder aus anderen Gründen erfolgt sein, so ist es dennoch bedauerlich, daß die Eisenformer nicht er- kannt haben, auf welchen Weg sie„geführt" werden sollen und den neuen Leuten ihre Stimmen gegeben haben. Noch un- begreiflicher ist es aber, daß in der Versammlung von etwa 1600 im Metallarbeiterverband organisierten Eisenformern nur 179 anwesend waren, die nunmehr entschieden haben, wer die gesamte Branche in der nächcstn Zeit leiten soll. Einige der neuen Branchenkommissionsmitglieder haben fchon in dieser Versammlung durch ihre Reden bewiesen, daß sie noch nicht einmal das gewerkschaftliche ABC beherrschen. Die Eisensormer, die ein Interesse an der Erhaltung der Schlagkraft ihrer Branche haben, werden der neuen Branchenlcitung scharf auf die Finger sehen müssen, wenn sich in der Eisenformerbranche nicht die gleichen Vorgänge wiederholen sollen wie in der Rohrlegcrbranchc. Wielange werden sich die Mitglieder diese Einmischung der KPD. in interne Gewcrkschasts- angelegenheitcn gefallen lassen? Holzarb eiier-Iniernationale tagi. 25 jähriges Jubiläum. Vom Mittwoch bis einschließlich Freitag dieser Woche findet in Heidelberg der Kongreß der Internationalen Union der Holzarbeiter statt. Zwei Momente geben diesem Kongreß eine besondere Bedeutung: Durch den Anschluß der Holzarbeitcrver- bäpdc der Vereinigten Staaten van Nordamerika, von Kanada, Kuba, Südafrika, Australien und Neuseeland ist die Internationale Union eine W e l t i n t e r n a t i o n a l e der Holzarbeiter geworden. Zweitens kann die Internationale Union der Holzarbeiter auf ein fünfundzwanzigjähriges Bestehen zurückblicken. In Verbindung mit dem Kongreß steht das erste Reichs- treffen der Holzarbeiterjugend. Der Weltinternationale der Holzarbeiter soll Gelegenheit gegeben werden, einen Blick in das vielgestaltig« Leben deutscher gewerkschaftlicher Jugendgruppen zu werfen. Das Programm des Iugendtages wird sich wie folgt abwickeln: Sonnabend, den 27. Juli, Zusammenkunft auf dem Wilhelmsplatz, Begrüßung, Weihe des Reichsjugendwimpels, Fackel- zug, Marsch durch die Stadt bis zur Friedrichbrücke. An der Stadt- halle Vorbeimarsch an de» Delegierten der Holzarbeiterinternationole, Neckarsahrt, Schloßbeleuchtung und Feuerwerk. Am Sonntag Kundgebung im Hofe des Schlosses, Ansprachen des Verbandsvor- sitzenden Tarnow und der Vertreter der Internationale Nach der Kundgebung Marsch zum Bergsriedhof und Kranzniederlegung am Grabe des verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Nachmittags Besichtigung der Ausstellung„Die Jugend im Deutschen Holzarbeiter- verband" in der Stadthalle und Besichtigung der Stadt mit Führung. Lubiläumstagung der Dachdecker. Frankfurt a. vi., 22. Juli.(Eigenbericht.) Der Dachdeckerverband feiert in diesen Togen sein 40jährigcs Jubiläum. Als Auftakt zu dieser Festlichkeit versammelten sich am Sonnabend die Gauleiter, der Ausschuh und der Zentralvorstand, so- wie die Iubilare und der einzige noch im Verband befindliche Kongreßteilnehmer von 1889 in Frankfurt a. M. zu geschäftlichen Be- ratungen. Der Vorsitzende des Verbandes, Theodore Thomas, befaßte sich in seinem Bericht über die Gesamtlage insbesondere mit den Angriffen auf die Arbeitslosenunterstützung. Die Konferenz nahm zu dieser Frage nach einer ausführlichen Debatte eine Entschließung an, in der mit tiefem Bedauern und Entsetzen von den Verschlechterungsabsichten Kenntnis genommen und der Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß die zur Zeit bei der Aenderung des Gesetzes befindlichen Persönlichkeiten„nicht erneutes Unrecht zu dem schon im vorigen Jahre geschaffenen häufen". Am Sonntag versammelten sich die Vertreter des Dachdecker- Verbandes und zahlreiche geladene Gäste von Behörden und befreun- deten Gewerkschaft-organisationen zu einem würdigen Festakt im Volksbildungsheim. Arbeitsgemeinschaft deutscher Volkshäuser. Am 10. September tritt die Arbeitsgemeinschaft deutscher Gcwerkschasts- und Volkshäuscr in Dresden zu einer Konferenz zusammen. Im Mittelpunkt der Ver- Handlungen fkeht die Frage der Zusammenfassung der deutschen Gewcrkschasts- und Volkshäuscr in ein« Aktiengesell- s ch a ft. * Die Schaffung von Volkshäusern hat in den Niederlanden in den letzten Jahren einen krästigen Aufschwung genommen. Dieser Tage wurde auch in Amersfoort von der Volkshousoereinigung ein großes, gegenwärtig als Geschäftshaus be- nutztes Gebäude erworben, dos mit dem 1. Oktober in den Besitz der Partei und der Gewerkschaften übergeht und dann als Gewcrkschasts- Haus eingerichtet werden soll._ iftme Gewerkschasts-Lugend Groß-Berlin KnUe, Dlenstna, IS'i Ulir. tegrn dir Kruppen: Spandau: Grupprnbeim. Elädt. Iuarnddcim. Lindenulrr 1. Lichlbildervortra«: „Sein bridelbern zum Echwar�wald".— iZrautfurter Allee: Gruppen. beim. Stiidt. Iuaendbeim, Litauer Str. I». Vortraq:„Die Kunst dem Arbeiter". — RcnLichtenbera: Iuaendbeim Gunterstr es. Vnrtra«:„Sie suchen die Seele— Aeitriipe üiir Werkspalilit der Unternehmer".— Landsberacr Plap: Iupendbeim Kiestelmeperstr..i. Leseobend aus:„Die tZorschungsreise des Negers Lukanga Mutaro".— Lichtenberg: Iuaendbeim Dollestr. 22. Leseobend: ..Nnb und MildrI".— Treptow: Kruppenbeim. Schule Wildenbruchstr. Kl— St idert,!,nmer>. Borlrag:„Wandern und Naturschust".— Knmboldt: Jugend- Keim Graun. Ude Lorbingstraste. Vortrag:„Die Denkmäler Berlins ,m Spiegel der Satire".— Rariendors: Iuaendbeim Mariendorl. Dorfste 1. Spielabend.— Wir spielen ob I!l Übe: Sbarlottenburg: Sportplat, Sopbic- Charlotte-Straße.— Lüde», Südwesten: Eportplasl Äastbachstrabe. Iuaendanippe des Zentralverbandes der Anaestellt«n WJtJ Leute. Dienstag, ist folgend« Beronftaltung: Rordweft: Iugendbeim � Lehrter Str. I»— I«. Bortrgg:„Di- Pariser Ncparationsvcrdand. hingen. Aesercnt: Dcrkow. Berantwortlich kllr Politik: Dr. ffurt Geyer: Wirtschalt:«.»lingelhiser; Sewerlschailsdewegung: 3. Steiger: sZeuilleton:#. K. DSlcher: Lokales und Sonstiges: Walter Trojan: Anzeigen: Tl>. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Lorwärts-Verlag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärtz.Buchdruckerei und Bcrligsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW.«8. Lindenstrage 0. Kierzu 1 Beilage,»»d.Unterhalt«,« lind Ligen". Nr. 339* 46. Jahrgang i. Beilage des Vorwärts Dienstag, 23. Juli 4929 Macht geht vor Recht. Endkämpfe im Gtiunes-Prozeß. Vi Set Endkampf im Stinnes-Prozeh steht vor seinem Abschluß. Nur uoch die Repliken der Rechtsanwälle vr. Alsberg. Dr. Gollnik und Dr. Ehlers, das lehte wort der Angeklagten, und am Ireitag oder Sonnabend dürfte endlich nach achtwöchiger Verhandlung das Urteil zu erwarteu sein. Staatsanwalt Dr. Berliner arbeitet« noch einmal- die Haupt- belastungsmoment« gegen Stinne» mit großer Genauigkeit heraus. Da merkte man erst, wie die Verteidiger es ver- standen hatten, außerordentlich geschickt die gesährlichsten Klippen zu umschiffen, wie sie, von ihrer Aggressive geblendet, sich mitunter die Sache sehr leicht gemacht haben. Der Sonderkommissar Heinzmann soll bekanntlich der böse Geist des Stinnes-Prozesies gewesen sein. Er, hieß es, habe Stinnes zum Geständnis gebracht. Was hört« man aber gestern vom Staatsanwalt Berliner? Ganze zwei Stunden lang bestritt Stinnes vor dem Untersuchungsrichter trotz der Untev» Haltung mit Heinzmanu jede Schuld. Dann wurde ihm Waldow gegenübergestellt und nun legt« er sein Geständnis vom 3l>. 21 u gust ab. Wie kann man unter solchen Umständen, fragte gestern Staatsanwalt Berliner, von einer Erpressung de« G«> ständnisses durch Heinzmann sprechen?> Das Reich sollte geschädigt werden. r Noch schärfer ging aber Oberstaatsanwalt Sturm mit den Der- teidigern zu Gericht. Mit der Faust auf den Tisch schlagend, wies er den Vorwurf des Rechtsanwalts Dr. Hoeck zurück, die Staats- onwaltfchaft fei gehässig gewesen. Es könne einmal vorkommen, sagte er, daß«in« unrichtige Behauptung in der Verhandlung wieder- gegeben werde: von da bis zur Gehässigkeit sei aber ein unendlich weiter Weg. Rechtsanwalt Dr. Hoeck, fuhr der Oberstaatsanwalt fort, hat hier den Fleiß und di« Beliebtheit Stinnes gepriesen. Wie ist das aber in Einklang zu bringen mit dem, was Waldow von der Behandlung erzählt hat, die ihm widerfahren ist? Tatsach« ist, daß Stinnes selbst das Geschäft als«in- solches betrachtet hat, von dem man nicht einmal dem Familienanwalt Mitteilung machen durfte. Tatsache ist, daß im Ausland« von Ausländern«in be- trügerisches Geschäft eingeleitet worden war, durch das das Deut- sche Reich um 2 Millionen Mark geschädigt werden sollte: Tatsache ist, daß die Anmelder in Frankreich nie Anleihestück« be- sesien hatten, daß von Bankiers in Rumänien und Holland falsch« Bescheinigungen gegeben worden waren und Tatsach« ist, daß das Geld zur Durchführung des betrügerischen Ge- schäftsoonStinnes stammte. Wenn man das olles einem ehrboren Kaufmann vorhalten würde, so würde er zweifelsohne jagen, es sei unmöglich, daß Stinnes 500 000 Mark für ein derartiges Geschäft zur Verfügung gestellt haben könnte, ohne sich über dessen wahren Charakter zu informieren. Die vornehm st e Pflicht des Staatsanwaltes ist, ohne Ansehen der Person vorzugehen, und von diesem Grundsatz wird sie sich nicht abbringen lassen. Wenn die Staatsanwaltschaft nur gegen die Handlanger Stinnes vorgegangen, wären die Verteidiger wohl die ersten gewesen, die ausgerufen hätten:„die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen". Wenn man den formellen Mängeln hier eine so entscheidend« Bedeutung beimißt, so muß der Eindruck entstehen, daß di« Verteidig«? selbst die Sache Stinnes für verloren halten. Wie kommt es, fragte schließlich der Oberstoats- anwalt, daß die Verteidiger bis zur Hauptverhandlung gegen all di« angeblichen Verstöße in der Voruntersuchung keine Veschwerd««ingelegt, auch fein« Schutzschrift in Beantwortung der AnNageschrift eingereicht haben? Nachdem der Oberstaatsanwalt noch den Nachweis geführt hotte, daß das Branntweimnonopolgesetz und di« im Zusammenhang mit diesen ergangen« Reichsgerichtsentscheidung nicht einfach auf das Anleiheablösungsgesetz angewandt werden könne, daß im letzteren laut Artikel 55 die Vorschriften des Strafgefetzbuches unberührt bleiben und laut§ 56 nur, sofern kein« höheren Strafen angedroht werden, eine Geldstraf« vorgesehen ist, schloß er seine Rede mit folgenden Worten: Ich weiß mich mit Rechtsanwalt Alsberg einig in dem Ausspruch„Recht geht vor Macht!" Es wurde hier mit einem geistigen Rüstzeug gekämpft, wie man es im Moabiter G«richtssaal wohl noch nie erlebt hat: es umfaßt« auch die besten Berliner und Hamburger Anwälte. Jede Stunde, ja jede Minute haben wir dies Rüstzeug auf uns einwirken lassen. Trotzdem und deshalb schließe ich mich den Worten des Rechtsanwalts Dr. Alsberg an:„Recht geht vor Macht". Nachdem noch die Verteidiger R.-A. Sonanini für Eugen Hirsch, die Rechtsanwälte Dr. Waldeck, Dr. Sondock für den Angeklagten Dr. Schneidt, R.-A. Wygoczysky für den Angeklagtcn Leo Hisch« plädiert hatten, wurde die Verhandlung auf heule, �10 Uhr, vertagt. Flugzeugabsturz in Tempelhof. Pilot eines Zeitungsflugzeuges getötet, sein Begleiter lebensgefährlich verletzt. Zu Tempelhof ereignete sich gestern nachmittag eiu schweres Flugzeugunglück. Ein Zeiluagsflugzeug stürzte kurz nach dem Start über Lahngelände ob und geriet unter einen fahreude« Güterzug, ver Flugzeugführer Loeb wurde au» dem Irümmerhoufeu als Leiche hervorgezogen. Sein Le- gleiter, der Lordmonleur Sehriog, hatte schwer« Der- lehuugen erlitten.' Eiu Rettungswagen der Feuerwehr brachte ihn Ins llrban-Srankcnhaus. wo er bewußtlos daniederliegt. Bei d«m Unglück»flugz«ug handelt es sich um den einmotorigen Fokk«r-Apparat D 780, der täglich um 15.15 Uhr startet und Tlbendzeitungen in die Ostseebäder transportiert. Der 34jährige Flugzeugführer Hans Loeb aus der Krenzbergstraße 71 war zusammen mit dem Bordwart, dem 23jöhrigen Fritz S« h r i n g aus der Jüterboger Straß« 3 noch Ueb«rnahme der Spätabendblätter um 15.15 Uhr zur Fahrt nach den Ostseebädern Swinemünd«, Bansin, Koserow, Zinnowitz usw. aufgestiegen. Der Start erfolgte gegen den Wind, der aus südwestlicher Richtung wehte. Der Pilot ging sogleich trotz des schweren Ballastes auf etwa 150 bis 200 Meter Höh« hinauf. Kurz vor der Unberfliegung des Bahndammes geschah da» Unglück. Aus noch uitgeklörter Ursache brach plötzlich die Kurbel. welle, der Propeller riß sich lo» und sauste iu die Liese. Auf einein freien Geländestückchen zwischen den Wohnbarack«n längs der Bahn grub sich der Propeller tief in das Erdreich ein. Das Unglück in der Luft war von vielen Spaziergängern beobachtet worden. Der PUot konnte trotz des obgeriffenen Propellers noch«ine kurze Schleife beschreiben, er versuchte im Gleitflug eine Notlandung vor- zunehmen. Sein Vorhaben mißglückte. Mit Rückenwind schoß da, Flugzeug in ziemlich steilem Flug nieder, kam noch knapp über da» Dach eine» Fabrikgrundstückes hinweg und stürzte aus den Bahndamm nieder. Zu allem Unglück fuhr in diesem Augenblick auf dem Gleis 6«in langer, aus«twa 30 Waggons bestehender Güterzug vorüber. Dos. Flugzeug geriet mit dem Motor und einem Flijgel unter den Zug. Schon der Aufprall hätte genügt, um den Apparat, zu zertrümmern, so aber wurde das Flugzeugwrack noch meterweit mitgefchteift. Wenn der Motor und das abgerisicne Fahrgestell nicht vorhanden gewesen wären, hätte man wohl schwer- lich aus den Trümmern ein abgestürztes Flugzeug wiedererkennen können. Das Unglück war vom Personal des Güterzuges sofort bemerkt worden, und auf ein Notsignal wurd« der Zug zum Halten gebrocht. Mit größter Mühe gelang es Bahnbeamten und Arbeitern, den Piloten aus dem Gewirr von Drähten und Holzteilen zu bergen. Loeb war bereits tot, Sehring gab noch Lebenszeichen von sich. Die Ringbahn sowie Gütergleise mußten sofort gesperrt werden, nach wenigen Minuten rückte die alarmierte Tempelhoser Feuerwehr, das Städtische Rettungsamt und ein großes Schupo- aufgebot an. Dom Flugplatz eilten Beamten der Lustpolizei zur Aufnahme des Befundes herbei. Die Unglücksstätte bot ein furchtbares Bild. Nichts als Leinewandfetzen, Holzteile, Drähte und Eisenteile bedeckten drei nebcneananderlicgende Gleise. Dazwischen lagen Zeitungspakete und die blutbefleckten Kappen der abgestürzten Piloten. Sosort wurde im Beisein der Flugpoliz i ein« Untersuchung eingeleitet. Einwandfrei konnte Kurbel- wellenbruch festgestellt werden, vielleicht ein« Folge. zu schwerer Belastung des sehr leicht gebauten Fokker-Apparates. Während man den Propeller zwischen den Baracken auffand, lag die abgebrochene Kurbelwelle etwa 15 Meter entfernt auf den Schienen. Der tote Pilot wurde ins Jofephs-Krankenhaus in Tempelhos gebracht, fein schwerverletzter Begleiter fand im Urban-Krankenhaus Aufnahme. Die Aufräumungsarbeiten an der Unfallstelle dauerten nahezu zwei Stunden. Während die Stadtbahngleise schon nach halbstündiger Unterbrechung wieder befahren werden konnten, wur>« der Betrieb auf den Gütergleisen erst um 17.30 Uhr aufgenommen. Liebesiragödie und Gelbstmord. Ooppeltod eines Liebespaares. Zn der Eylauer Straße 5 wurden gestern nachmittag de« 21 jährige Gerhard Llume au» der Monumentenstraße 1< und die ISjährige Hilde h o e p f a e r durch Ga» vergiftet tot aufgefundeu. Die Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr waren ohne Erfolg. Die jungen Leute kannten sich bereits längere Zeit, einer ehe- lichen Verbindung standen Hindernisse im Wege. Als gestern nvch- mittag die Eltern des jungen Mädchens einen 2lusflug unternahmen, fand sich der junge Mann in der Wohnung seiner Geliebten ein und beide schritten zur Ausführung eines wahrscheinlich schon seit langem gehegten Vorhabens. Sie schrieben an ihre Angehörigen Abschieds- driefe und drehten dann sämtliche Gashähn« auf. Als Hausbewohner ans d«m Treppenflur Gasgeruch wahrnahmen und die Oeffnung der Wohnung vcranlaßten, war es bereits zu spät. * In einem Hotel in der Invalidenstraße, gegenüber dem Stettiner Bahnhof, verübte gestern der in Theaterkveisen betonnie 51jöhrige Direktor Walter Steinert Selbstmord, in- dem er den Inhalt einer ganzen Dose Verona! zu sich nahm. Der Lebensmüde wurde durch Hotelangestellte zur nächsten Rettungswache gebracht, doch trat bereits zum Wege dorthin der Tod ein. Walter Steinert war früher Direktor des Magdeburger Zentraltheaters und hatte vor kurzem das Breslauer Schauspielhaus gepachtet. Aus einem hinterlassen«» Abschiedsschreiben geht hervor, daß Krankhe-t und finanzielle Sorgen Steinert zu dem Verzweiflungsschrltt gr- tri«b«n haben. von. A.M.FPey. Copyright IS« by Gustav Kiepenbtuer Verlag A.-G., Berlin Die letzte Strecke zu ihm ist nicht mehr lang. Sie sollen noch vor Mittag im Bereich ihrer Truppe sein. Am frühen Morgen. Kaffee und Kommißbrot im Bauch, aber ohne Weg- zehrung, sind sie aufgebrochen.„Verpflegt werdet ihr von nun ab von eurem Feldtruppenteil. Und je eher ihr ihn etteicht, um so eher gibt's was zu fressen." Das soll wohl anspornen, sich in die Arme der Front zu werfen? In der Tat, es macht Eindruck. Der Bader sagt unterwegs, aus einem großäugigen Vorsichhinträumen her- aus:„Ich glaub gar, wenn man ausreißen oder feine Ankunft mir-verzögern wollt', man würde glatt verhungern dürfen." Der Schaffner gibt ihm recht.„Das ist schon so genial eingerichtet. Du kriegst nix, du kannst dir nix kaufen, ohne daß du nicht irgendwo eingereiht bist." Er hebt den neuen Kommandonturzettel in die Höhx.„Ich glaub, du kannst keinen Furz mehr lassen ohne Ausweis." „Die Sanitätskompagnie hätten wir verpaßt," seufzt der Bader.„Das Essen soll dort gut sein." � „Das Essen wird immer besser, je weiter du hinten bist, belehrt ihn der Holzer.„Hinten im Operationsgebiet'st s recht, aber noch weiter hinten, in der Etappe, da wird s«rst zünftig. Mein Bruder, der in Gent hockt, wird fett wie eine Sau." „Sie werden uns auch beim Regiment nicht hungern lassen," beruhigt ihn der Stöger. Der andere ist empfänglich für Tröstungen.„Es wird überhaupt halb so schlimm werden, wie wir vielleicht meinen. Alte Leut' wie wir sind— man kann von uns nicht gar so viel verlangen. Und verpflegen, das ist wahr, muß man unsereinen da heraußen richtig. Sonst geht's überhaupt nicht." Er ist offensichtlich bereit dazu, es andernfalls nicht recht gehen zu lassen. Er versagt schon in Gedanken ausgiebig, man sieht es seiner leidenden Miene an. Es ist ihnen gesagt worden, bis zu welcher Haltestelle sie mittrödeln sollen: bis La Vall6e. Das Züglein hält un» zählige Male, und der Trambahner ist in einer großen ver» kappten Unruhe, heftig buchstabiert er drauf los bei jedem Wort, das er vom Fenster aus erhaschen kann, das Fran» zösische zerbricht ihm fast die Zunge, aber er will La Vallöe nicht versäumen, er will nicht zu spät aussteigen, denn er glaubt, man fahre ihn schnurgerade in die Front hinein. Und da ist möglichst bald aussteigen das Ersprießlichste. Daß sie der Front entlang bummeln in etwa zehn Kilometer Abstand, das wissen sie nicht. Wie friedlich es ausschaut! Welch schöner Herbsttag, den eine leise verschleierte Sonne umgoldet. Da und dort schwim- men auf der Ebene Baumgruppen, üppige Inselchen, ihr Grün ist noch nicht im mindesten gelblich überhaucht. Es scheint keinen Tod zu geben— hier, wo er doch in jeder Ackerfurche zu Hause sein sollte. Freilich, der Acker: er sieht merkwürdia aus. Man muß bei ihm an verstaubtes Gerümpel denken. Aber nehmen wir an, er feiert nur, er ruht sich aus. Auch die Kanonen scheinen zu feiern, man hört keinen Laut, wenn der Zug hält und sechs Ohren angestrengt in die Luft lauschen. Sollte man sich fahrenderweise so weit entfernt haben von der Quelle des gestrigen Geschützdonners? Sollte man doch sozusagen ungeahnten Wonnen entgegeneilen— einem Regiments zu, das aus irgendwelchen, kaum glaublichen Glücksschlägen in Abrahams Schöße ruht? Fast hätten sie ihre Station verpaßt. Sie halten wieder einmal, neben einer geschlossenen'Bahnschranke und einem Wärterhäuschen.„Wir müssen hinaus! La Ballte— dort steht es!" schreit Funk und weist auf ein kleines, halbzer- splittertes Schild. Sie stürzen schwerfällig weg, mit den dicken Tornistern, den schwertlangen Seitengewehren, den großen Pistolen, den Verbandtaschen am Gurt. „Wo geht es nach Chüteau La Vall6e?" ftagt Funk einen -Soldaten, der herumlungert und die Schranke bedienen soll, die er aber aus Bequemlichkeit geschlossen läßt. Weil links und rechts ein Graben ist, der noch unbequemer wäre, müssen die drei unterm Schlagbaum durchkriechen. Den dünnen Bader zieht dabei die Last des Rückens, die Last der Koppel so sehr nieder, daß er der Länge nach in das zermahlene Erdreich der Straße gerät. Den Soldaten freut es herzhaft: jetzt schafft er die Schranke in die Höhe und gibt Auskunft. „Nach La Vall�e? Dorthin." ,vÄst es weit?/ „Nein." „Wie weit?" „Nicht weit," sagt er und kehrt ihnen den Rücken. Sie bieten ihm keine Unterhaltung mehr. Die drei beginnen durch staubige Erde zu waten. Der Feldweg ist zerfahren und ausgetrocknet. Unter einer sommer- lich starken Sonne, die alles Herbstliche der Luft besiegt hat, bricht ihnen nach hundert Schritten der Schweiß aus. Sic bleiben schnaufend stehen, Funk sieht sich um: der Zug, den sie so stürmisch verlassen haben, verharrt immer noch hinter der offenen Bahnschranke. Wie unnötig war ihre schuljungen- haste Eile! Sie stapfen wieder vorwärts— aber da hat nun doch wohl mit einem dumpfen Prall der Zug sich in Bewegung gesetzt— ganz plötzlich, seltsam plötzlich und umfassend laut— oder was war das? Im nächsten Augenblick wisien sie, was es war, denn es wiederholt sich: Geschützdonner, viel stärker, viel näher als je bisher. Alle kindischen Hoffnungen versinken. Das schmeißt einen um im ersten Moment, aber im zweiten erkennt man, daß es gut so ist.„Was für ärgerliche Narren wir gewesen sind, in was für alberne Träume haben wir versucht uns einzulullen!" denkt Funk erbittert.„Weg damit! Hinein in die Wirklichkeit." Aber die Wirklichkeit selber ist immer noch auf Täuschung erpicht, sie tut sich freundlich auf. Schloß La Ballte wird nach einer Stunde erreicht— einer Oase gleichend, in einem prangenden Park unter schimmernden Wogen von Grün, ein guterhaltenes Prunkgebäude, das nach Festen, nach Tanz, nach schönen Frauen aussieht. Mittlerweile, bis jene vielleicht wiederkommen, hausen hier Verpfleaungsoffiziere und ähnlich beschauliche Leute von der großen»agage. �Immerhin des Regiments, zu dem die drei Kranken- träger gehören. Insofern sind sie endlich angelangt. Aber nur, um gleich weitergeschickt zu werden. Denn ein Leut- nant, vor den sie geraten, sagt ihnen, hier hätten sie gor nichts zu suchen, sie hätten sich unverzüglich zu melden beim Regimentsarzt: der fei in Fournes. Trotzdem versteckt ein gutmütiger Unteroffizier sie in einem grünen Busch, nahe bei einer Feldküche, die aber nicht arbeitet, sondern repariert werden soll, und füttert sie mit einem dustenden Himbeergelee, mit schmackhafter Büchsen- wurst, gezuckertem Kaffee und einer halben Käsekugel. (Fortsetzung folgt.) | Abkühlung Schwere Gewitter in V lleber das Gebiei der Elbmündung und den angrenzenden Tcil von Schleswig-Holstein gingen in der Nacht zum Nlonlag schwere Gewitter nieder. Insgesamt wurden 4 3 5 Gewitter gezahlt. In Büsdorf schlug der Blih in das Schul- haus ein. dos zerstört wurde. Ebenso wurden aus der Insel Alse» zwei GeHöste eingeäschert und im E ck l o k ein Bauern- geHöst zerstört. Das Gebiet der Unterelbe wurde durch eine Windhose heimgesucht, durch die Bäume entwurzelt und Häuser zerstört wurden. In hohenaspe wurde eine mächtige Linde, die ungefähr hundert Zahre alt ist. aus der Erde gerissen und durch den Sturm sortgeschleudert. Sie fiel aus eine benachbarte Gastwirtschaft, die völlig zerstört wurde. Auch im harzgebiet wütete ein schweres Unwetter. In Blankenburg siel eine halbe Stunde lang Hagel: der Boden war schließlich mit einer weißen Eisschicht bedeckt. Vielfach wurden 5klder, Gärten und die Kellercäumlichkeiten in den Häusern überschwemmt. Ebenso waren im Rheinland zahlreiche Gewitter zu verzeichnen. Im Wuppertal herrschte infolge der großen Hitze erhebliche Wasser. not. Die Stadtverwaltungen der großen Industriestädte haben bereits bedeutende Einschränkungen im Wasservcr- brauch angeordnet. folgen der Trockenheit in Aordböhmen. Warnsdorf. 22. Juli. Die andauernde Trockenheit beginnt sich bereits in schlimm- st« in M a ß e auszuwirken. In zahlreichen nordböhmischen Städten droht«in Wassermangel, der schwerer ist als im Vorjahre. Allenthalben ordnen die Stadtverwaltungen bereits Sparmaßnahmen an. Vielfach werden die Wasserleitungen mit Ausnahme einiger Tagesstunden abgesperrt. Zu der Warnsdorfer Textil- industri« müssen, wenn die nächsten Tage nicht große Nieder» schlüge bringe». Betriebsein st ellungen in Färbereien und Appreturanstalten«rsolgen. Die Elbe führt so Die„Bremen" in New �ork. In 4 Tagen IS Stunden von Europa nach Amerika. New B o r r. 22. Juli. Tie„Bremen" Passierte um 15 Uhr 02 Minute« amerikanischer Zelt das Ambrose-Fcuerschiff. Damit hat das Schiff den New Borkcr Hafen er» reicht. Für die Ueberfahrt hat die„Bremen" somit 4 Tage 18 Stunden und 30 Minuten gebraucht. Die„M auritani a", die bisher das blaue Band des Ozeans jnne hatte, hatte die Rekordstrecke Eherbourg— New York zuletzt in fünf Tagen 2 Stunden und 34 Mi» nuten zurückgelegt. Die„Bremen" hat den bisherigen Rekord somit um 7 Stunden und 44 Minuten überboten. Eine amtliche Feststellung des Rekordes mird noch bekanntgegeben werden. ••'Um 13 Uhr verließ das Katapult-Flugzeug die„Brem«!:'' und traf um 13.4S Uhr in New Dork ein. Die Ankunft des deutschen Ozeanriesen bildet in ganz Amerika das Tagesgespräch. Riesige Menschenmengen umlagern bereits die Hafenanlagen, um dem Einlaufen der„Bremen" beiwohnen zu können. Der New Aorker Empsangsausschuß mit dem Vertreter des New Uorker Bürger- meifters Groverwhalen an der Spitze wird an Bord des Dampfers „Marcoom" der„Bremen" bis zur Quarantäne-Station entgegen- fahren. Sämtliche Zeitungen heben lobend hervor, daß seit der Zeit vor dem Kriege niemals einer Dampferfahrt so ungeheure Beachtung geschenkt worden sei, wie der ersten Fahrt der„Bremen". Man b e- wundertdie deutsche Lei stung und weist darauf hin, daß es Deutschland trotz des Verlustes seiner Flotte nach dem Waffen- stillstand gelungen sei, das größte Rekordschiff zu bauen. Die Blätter berichten eingehend über den ganzen Fahrwerlauf und veröffentlichen Bilder vom Schiff und dessen Kapitän. Bis jetzt sind schon 30000 Einlaßkarten zur Besichtigun g des Schiffes während seiner Anwesenheit im New Uorker Hafen ver- kauft worden. Personenzug Berlin— München entgleist 20 Reisende leicht verletzt. Erfurt. 22. Zuli. Die Reichsbahndirektion Erfurt teilt mit: Gestern abend um 9 Uhr 55 Min. ist auf dem Hauptbahnhof Gera der von BerNn kommende und nach München fahrende Personenzug 84 8 auf eine im Einfahrgleis haltende Lokomotive gefahren. Ein Personenwagen ist mit einer Achse entgleist. 20 Reisende wurden leicht verletzt, sie haben nach Behandlung durch den Reichsbahnarzt die Reise sortgesehl. Der Personenzug 848 erlitt durch den Unfall eine Verspätung von SO Minuten. Der Betrieb ist nicht gestört worden. Sieben Reisende, die bei dem Ilnsall Verletzungen erlitten hatten, fuhren bis München weiter. Dort wurde ihnen durch den Sanitätsdienst im Münchener hauplbahnhos weitere Hilfe zuteil. Einer der Verlehlen namens Ludwig Diebert au» Lich- t e r s e l d e- w e st(bei Berlin), Stuben rauchstr. 17. mußte in das Srantenhaua Schwabing eingeliefert werden. Er hat Kops ver- lehuugea und Schnittwunden davongetragen. Die anderen verletzten halten zumeist Sopfverlchungen durch herabfallende Ge- päckstücke. Die Schuld trifft den F a h r d i e n st l« i t e r, der das Frei- sein der Fahrstraße nicht geprüft hatte. Er ist aus dem Dienst zurückgezogen worden. Schwarzweitzroter Weistenberg-Rummel. 0 Wir erhalten folgende Zuschrift: Am Sonntag wurde in der religiösen Siedlung Neu- Jerusalem bei Trebbin die vor einiger Zeit erbaute groß« « u p p e l h a l le der Weihenberg-Anhänger eingeweiht. Verbunden damit war die Weihe des im Innern der Kirche aufgestellten hohen Christuskreuzes. Schon in aller Frühe kamen mehr als 1000 Fest- teilnehmer im Sonderzug unh auf Lastautos nach Trebbin. Alle Teilnehmer trugen schwarzweißrote Bänder und das Bild Ihres„Meisters" Joseph Weißenberg. Während die„Schwestern" gefahren wurden, traten die„Brüder" unter Vorantritt der Musik den Marsch zu Fuß an. Bannerträger und Begleiter waren mit breiten schwarzweißroten Schleifen geschmückt. Den Schluß der Dereinssymbole bildete eine schwarzweißrote Fahne mit einem Kreuz auf der Spitze. Das Kommando des Zuges log in in Aussicht? Nordwestdeutschland. wenig Wasser, daß mit vorübergehender Ein- stellung der d e u t s ch- b ö h ini s ch c n Schiffahrt zu r«ch- nen ist. In Nordwcstböhmen, in den fruchtbaren Bezirken Saaz, Komotau und Brüx, erscheinen tiefe Erdrisse. Die Rübentulturen dörren aus. In den Hopfengärten verbreitet sich die Blattlaus in verheerender Weise. Das Getreide ist überreif und He Körner fallen schon beim Schnitt heraus. lsnweiierfchäden in Oldenburg. Emden. 22. Juli., Die schweren Gewitter, die gestern über Ostfrieslond niedergingen und auch von Hagelschlag begleitet waren, haben schweren Schaden angerichtet. An vielen Stellen ist das Vieh auf der Weide vom Blitz erschlagen worden. Es wurden auch einige Fernsprechleitungen zerstört. In Groß-Oldendorf(Kreis Leer) wurde das Wohnhaus eines Kolonisten durch Blitzschlag eingeäschert. wobei Vieh mitverbrannte. In Ludwigsdorf(Kreis Aurich) wurde das Besitztum des Besitzers Flessner«ingeäschert. Die Frau des Be- sitzcrs, die mit Zwillingen im Wochenbett log.' konnte nur mit großer Mühe gerettet werden. Blitzschlag in den Gchafstall/ 500 Schafe verbrannt Samtens auf Rügen, 82. Juli. Gestern nachmittag gingen über Vorpommern Gewitter nieder, die sich besonders auf Rügen in ihrer ganzen Stärk« ent- luden. Ein Blitzschlag entzündete auf dem Rittergut Umrow des Rittmeisters a. D. Heidborn den Schasstall, von wo die Flammen auf eine Scheune übersprangen und auch dies« in Brand setzten. Beide Gebäude brannten vollständig nieder. In den Stall waren bei Ausbruch des Gewitters 500 Schafe ein- getrieben worden, die sämtlich in den Flammen um- kamen. Ein Drittel der gesamten Heuernte ist mitverbrannt, so- wie eine Anzahl landwirtschaftlicher Maschinen. den Händen eines Herrn mit dem Eisernen Kreuz erster Klaffe, wahrscheinlich eines ehemaligen Offiziers. Das Gang« wirkte wie eine polttifche Demonstration. Insgesamt waren an der Deran- staltung mehrere tausend Menschen beteiligt, und zwar fast mir Mitglieder dieser religiösen Sekte. In der Kirche selbst ging der Unfug weiter. Wer dies« seltsame Mischung von kirchlich-politischem Zeremoniell mitansah, mußte sich unwillkürlich fragen, ob es nicht an der Zeit sei, einer derartigen Hetze gegen die Republik energisch Einhall zu gebieten. Weißenberg ist eben nicht nur«in religiöser Phantast, er ist auch einer der schlimmsten Hetzer gegen den neuen Staat. Aufstand im Clinion-Zuchthaus. 1500 Gefangene meutern. New Jork. 22. Zuli. Zm Elinlon-Gesängnis bei Dauoemora befinden sich 1500 Zuchlhavsinsasien im Aufstand. Ein Teil der Gefangenen übersiel die wachen und nahm ihnen die Gewehre a b. Es gelang den Aufständischen, die Mauern zu erreichen, wo sich ein heftiger(seuerkamps entwickelte. Zwei Ge» sangen« wurden erschossen, als sie die Mauern überNettern wollten, von den Aufsehern wurden gleichfalls zwei nieder- geschoffen. 124 bewaffnele Aufseher hielten die Meuternden solange in Schach, bi« die gesamte zur Verfügung stehende Staat»- gendarmerie auf Motorlastwagen den Aufsehern zu Hilfe eilt«: sie hat in den Häsen Maschinengewehre ausgestellt, lieber all stehen starke militärische wachen. Die Gefangenen sind in die Zellen- Lebäude zurückgedrängt worden. Oer rasende Tod. Massenunfälle beim Automobiivertehr. Ofsenbach. 21. Just. Ein schweres Autounglück ereignete sich am Sonnabend abend gegen 10 Uhr in der Mainstraße. Ein mit fünf Personen besetztes Auto rannte beim lieberholen eines Straßenbahnwagens gegen die Plattform einer entgegenkommenden Straßenbahn. Di« beiden Fahrzeuge wurden erheblich beschädigt und sämtliche Insassen des Auto« schwer verletzt. Bon ihnen sind bisher zwei gestorben. Die Verletzten wurden in das Krankenhaus transportiert. Der Straßen- bahnführer erlitt einen Nervenchock. Lieben werda, 21. Juli. An einem Uebergang der Eisenbahnlinie Berlin— Dresden und der Straße Liebemverda— Mllhlberg wurde am Sonntag nachmittag von dem V-Zug 75, der von Ehemnlh nach Berlin fährt und kurz vor 4 Uhr nachmittags das Dorf Neuburxdorf paffiert, der Kraftwagen de» Kaufmanns Zschiefche erfaßt und ein Stück mitgeschleift. Der Wogen wurde vollständig zertrümmert und der Besitzer selbst getötet. Der Schienemvärter hatte an dem Uebergang auf Bitten eines Radfahrers die Schranken noch, einmal gehoben, nachdem schon kurz vorher«in rangierender Güterzug die Strecke passiert hatte, trotzdekn der fahrplanmäßig« V-Zug noch nicht durchgefahren war. Di« Untersuchungen, die von der Eisenbahndirektion Torgau sofort angestellt wurden, haben ein einwandfreies Verschulden des Bahn- Wärters noch nicht feststellen können. Mör«. 21. Juli. Hxute abend gegen 7 Uhr raste, als über Mörs ein schweres Gewitter niederging, an dem Bahnübergang Rheinbergerstraße ein mit neun Personen besetzter Lieferwagen au» Krefeld gegen einen Kleiubahnzug. Der Lieserwogen wurde vollständig zertrümmert. Sämtliche neun Fahrgäste wurden mit lebensgefährlichen ver- lchungen in, Krankenhaus gebracht. Der Eisenbahnverkehr aus der Strecke Mörz— Vluyn sowie der Straßenbahnverkehr sind völlig stillgelegt. Lugendpflege in Siedlungen. Da» Landesjugendomt und die Bezirksjugendämter versuchen seit-längerer Zeit, auf gemein nützigeBaugesel�schaften. die große Siedlungsbauten errichten, dahin einzuwirken, daß die notwendigen E i n r i cht u n g e n der Iugendwohlfahrt wie Krippen. Kindergärten, Kinderhorte und Jugendheime im Bauplan von vornherein mitvorgesehen und mit errichtet werden. Nachdem bereits an mehreren Stellen in Siedlungen derartige Einrichtungen in ollgemeine Benutzung ge- nommn werden konnten, hat der Magistrat in seinen letzten beiden Sitzungen wiederum Mittel zur Durchführung derartiger Projekt«. bewilligt. Für die Schafstmg eines Kindergortens und-Horts im Bezirk Köpenick durch die Gemeinnützige Ballgesellschaft BerlnA Ost wurden 10 000 M. und für einen Kindergarten und Kinderhort im Bezirk Steglitz durch die Gemeinnützige Ballgesellschaft Hee« straße 20 000 M. bewilligt. Dieser Baugejellschasi wurden für diä Schaffung einer Louftrippe am TegelerWeg 22 mit 30 Plätzen! weitere 6000 M. bewilligt. Ferner erklärte sich der Magistrot mit der Schaffung einer Krippe im Bezirk Friedrichshain ein� verstanden: ein Teil der Gesamtkosten in Höh« von 98 000 M. sind im Haushalt des Bezirks Friedrichshai» für 1929 bereits vorgesehen, ein weiterer Teil wird von den Bezirkskörperschaften bereitgestellt und die restlichen Mittel sollen in den Etat 1930 eingestellt werden, Der Stadtverordnetenversammlung werden für die Sitzung nach den! Ferien entsprechende Vorlagen unterbreitet werden. Ltnschuldig im Zuchthaus? Ein eingeleitete«! Wiederaufnahmeverfahren. In dem Fall des wiederoufnahmeverfahreus des Straf- Prozesses gegen den Schuhmachermeister Langanke ist jetzt eine weitere entscheidende Wendung eingetreten. Aus An- ordnung der Strafkammer ist Langanke am Sonnabend-, mittag aus dem Zuchthaus entlassen worden. Langanke war rechtskräftig wegen Blutschande zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Trotzdem er stets seine lln� schuld beteuert hatte, war von den Gerichten der zwölf« jährigen Tochter Langantes. die ein Kind zur Welt gebracht hatte und die behauptete, daß der Vater sie vergewaltigt habe, geglaubt worden. Die Lehrerin hatte über das zwölfjährig« Mädchen sehr günstig ausgesagt, während dem Angeklagten selbst ein sehr schlechtes Zeugnis ausgestellt worden war. Als Langanke bereit»% Jahr im Zuchthaus zugebracht hatte, tauchten Bedenken auf, ob nicht ein Fehlurteil vorliege. Das Wiederaufnahme- verfahren wurde durch das Schreiben einer Nachbarin an Langanke ins Zuchthaus ins Rollen gebracht. Die Nachbarin schrieb dein Berurteilten, daß sie ihn, wie er wisse, hasse und daß sie sich als sein« Todseindin zunächst über seine Berurteiiung gefreut Hobe. Deshalb habe sie so lange geschwiegen. Ihr Gewissen lasse ihr aber keine Ruhe, daß er unschuldig im Zuchthaus sitze. Die Schreiberin eröffnete dem Langanke dann, daß seine Tochter ein Doppelleben geführt habe. In der Schule habe sie sich sittsam gezeigt, aber sie hob« sich schon seit dem zehnten Lebensjahre mit Jungen herumgetrieben und sei mit Männern von der Straße ins Haus gegangen. Di« von Rechtsanwalt Dr. Feblowicz für Longanke angestellten Ermittlungen bestätigten die Angaben der Schreiberin über das zügellos« Treiben des Mädchens, das den Bater offenbar fälschlich beschuldigt hatte, weil es befürchtet«, in die Fürsorgeerziehung zu kommen. An- scheinend hat auch die Mutter davon gewußt, aber geschwiegen, um ihren Mann, mit dem sie schlecht stand, loszuwerden. Zunächst war das Wiederaufnohmeoerfahren von der Strafe kammer abgelehnt worden. Auf die Beschwerde des Rechtsanwalts ist es jedoch vom Kammergericht angeordnet worden. Nachdem nunmehr Langanke auf freien Fuß gesetzt worden ist, wird dem- nächst die neue Verhandlung gegen ihn vor der Straskammer des Landgerichts I stattfinden._ Feuer im Gaswerk Lichtenberg. Gestern nachmittag gegen 4 Uhr wurde die Lichtenberg«? -Feuerwehr, nach dem k�swerk der Städtischen Gaswerk« am Block- dammweg in Lichtenberg gerufen, wo in einem der Gebäude, in dem der' Kohlenbunker untergebrächt iskj' vermutlich durch Selbst. entzündung von Kohlenstaub ein Feuer ausgebrochen war. das auch auf ein in den Räumen zur Montage eines Elevators dienenden Holzgerüst übergegriffen hatte. Das brennende Gerüst konnte inner- halb kurzer Zeit dem Feuer entrissen werden, die Bekämpfung des Brandes dehnte sich ober doch längere Zeit ans, da an verschiedenen Stellen in dem Raum Kohlenstaub sich entzündet« und unter «xplosionsarttgen Wirtungen und starkem Funtenslug neue Flammen entfesselte. Die Feuerwehr hatte mit zwei L-Rohren fast«inq Stunde zu tun. Ein größeres Fabrikfeuer beschäftigte die Feuerwehr! gestern in den späten Abendstunden in der Hasenheide 5/6, In den Lagerräumen der Deutschen Elementesabrik, auf dem Grund? stück neben dem Karstadt-Warenhaus, brannten Taschenlampen, El«. mente usw. Die Feuerwehr konnte den Brand nach zweistündigci; Tätigkeit auf seinen Herd beschränken. * Im Dachsttchl des Fabrikquergebäudes Belle-Alliance-Straßc 83 entstand gestern am frühen Nachmittag Feuer, das die Feuerwehr in stundenlanger angestrengter Arbeit mit fünf Schläuchleitungen bekämpfte. Der Schaden ist sehr hoch. Oer Ooppelmord bei Innsbruck. Verhaftung des angeblichen Mörders. Innsbruck, 22. Juli. Der IS Jahre alte kaufmSnnisckze Angestellte Peter, her am Freitag in Brandenberg in Tirol das Ehepaar Hummel ans Hochstetten in Niederösterreich er» stchossen und beraubt hatte, konnte am Sonntag in Landl in der Nähe der bayerischen Grenze verhaftet werden. Peter leugnet zwar, die Tat begange» zu haben, doch bestehen dringende Verdachtsmomente, die auf seine Täterschaft schließen lassen. Peter wurde ins Gefängnis eingeliefert. Ztcken-Hermanns Tod. Auf einem Laubengelände an der Ecke de» Hohen- zollerndammcs und der Eisenzahnstraße in Wilmersdorf hauste für sich allein der 70 Jahi% alte Hermann Görke, der in der Nachbarschaft den Beinamen„Zicken-Hermann" führte, weil, er früher ein« Anzahl Ziegen hielt. Er hatte, nachdem seine Frau ihn im ver- gangenen Jahre oerlassen hatte, keinen Dcrkehr mehr mit den Nach« barn unterhalten. Reben seiner Laube war ein Verschlag angebaut, in dem die Hühner des Alten untergebracht waren. Seit dem ver- gangenen Donnerstag war der Mann nicht mehr gesehen worden. Die Rachbarn wurden nun am Montag durch das Klagen der Tier« auf die Behausung aufmerksam und stiegen über den Zaun. Sie fanden den betagten Görke im Hühner st allerhängtund tot auf, Verltner Paddler in der Mürih ertrunken. Schwerin i. M.. 22. Juli. Di« 23 und 17 Jahre alten. B rüde r Horst aus Berlin- Chorlottenburg waren am 14. Juli mit der Bahn von Berlin nach Waren in Mecklenburg gefahren, um von dort au» mit ihrem Paddelboot die Müritz zu überqueren. Am Sonnabend wurde ih? Boot am Ufer de, Müritz-Se«, gefunden. Bon denbeidenBrü? dern fehlt jede Spur. Sic sind wahrscheinlich ertrunken. Lugend, die von Hause ausreißt. Thüringer Miowfti und andere Zugendliche. � Ein achtzehnjähriger Thüringer— ein Ausreißer vom Elternhaus— überfällt im Westen Berlins zwei alleinstehende Frauen, schlagt sie mit einer Eisenstange nieder und raubt aus der Ladenkasse 30 M. Er hat Glück: die Frauen bleiben am Leben. Das Unglück aber sügt es, daß er wenige Tage darauf seinen Landsmann, eben solch einen jungen Thüringer, durch einen sahr- lässigen Schuß tötet. Für den unseligen Schützen vielleicht doch ein Glück: der Schuß auf den Landsmann beschleunigt seine Berhastung— und sollte er jetzt auch für einige Jahre seine Frei- heit einbüßen, so ist dadurch vielleicht Schlimmeres verhütet. Die gelungene Tat in der Nürnberger Straße hätte, nnausgedeckt geblieben, de« jungen Muoschen am Ende noch zum Raubmörder werden lassen. Der Fall dieses achtzehnjährigen Ausreißers vom Elternhause mit der noch brüchigen Stimme, dem Aussehen eines Sechzehn- jährigen und den seingeschnittenen, nicht unintelligenten Zügen, wird zu einer neuen Mahnung: hätte bei größerer Obacht nicht doch manches verhütet werden können? Mag sein, daß hier eine besonders unglücklich« Verkettung von Umständen zusammengewirkt hat, die den Achtzehnjährigen zum Räuber gemacht hat. Etwas muß eben doch in ihm gewesen sein, das ihn zum Werkzeug des andern werden ließ. Als er aber nach seinem geringen Bergehen im Heimotsort mit Geld, Revolver und Motorrad des Vaters die Ferne suchte, um in Hamburg auf See zu gehen, da dachte er nicht daran, daß es mit ihm solch«in End« nehmen würde. Was er sich selbst und seinen Eltern angetan, wird ihm erst in den nächsten Wochen in der Einsamkeit seiner Zell« zum Bewußtsein kommen. Hätte er aber nicht das ungeheure Pech gehabt, in die Moobiter jugendliche Clique zu geraten, die ihm zum Verhängnis geworden, so säße er vielleicht heute nicht im P o l i z e i g e w a h r s a m, son- dern im obersten Stockwerk des gleichen Hauses, im Jugend- heim der W o h l f a h r t s st e l l« im Polizeipräsidium. und harrte hier, gleich anderen Jugendlichen, des Tages, da er als reuiger Sünder in sein Vaterhaus zurückkehren könnte, ohne sein junges Leben mit zwei so schweren Taten belostet zu haben. Sie wissen gar nicht, diese junge« Menschen im Zugendheim. welcher Gefahr sie entronnen stnd und wie leicht sie unter Um- ständen der Versuchung der Großstadt unterlegen wären, hällen sie nicht zeitig hier Unterkunft gesunden. Eineinhalb Stunden unter den jungen Leuten offenbaren Jugend, und Elternnöt«— jeder Fall ein Problem für sich Ein achtzehnzähriger Magdeburger, ein schlanker rot- bäckiger Bursch, erst seit gestern im Jugendheim, erzählt halblaut seine Geschichte: Er war in einem Weingeschäft angestellt: von Freunden verführt,„klaute" er drei Flaschen Wein: ol» e» entdeckt wurde, machte er sich wie er ging und stand, ohne Papiere und Geld, auf den Weg nach Berlin. Daß er gefaßt werden würde. bezweifelte er nicht. Als er nach seinem Tagesmarsch auf einer Bank einnickte, war es. um ihn geschehen. Zeßl ist er froh, daß er im Zugendheim ist!- Er erwartet itntworl au» Magdeburg. Ein Bayer: er hatte Differenzen mit seinem Chef, einem Kaufmann, fühlt« sich beleidigt und kündigte. Ein Freund, der nach England fuhr, schlug ihm vor, daß er ihn bis Haniburg begleite. Das Geld zur Rückfahrt wollte er ihm zur Bersügung stellen. Auf dem Lehrter Bahnhof sagte er ihm aber plötzlich, er Hab« keines. Der Bayer ging zur Wohlsohrtsstelle und bat um eine Rückfahrt- karte. So kam er ins Jugendheim. Er schimpft aus die Preußen wie ein bayerischer Rohrspatz. Dos Telegramm von seinem Vater ist bereits«ingetroffen. Ein Mainzer, Lackierer von Beruf, mit 50 Mark von Haus« ausgerückt. Er wollte in Ham- bürg auf ein Schiff. Zwei Tage versuchte er hier sein Glück und fand es nicht. Dann fuhr er zurück und kam bis Berlin. Vom Bahnhof schickte man ihn zur Wohlsahrtsstelle. Ein Sechzehnjähriger aus G l e i w i tz. Sein Vater ist Ziinmererheuer. Der Lehrherr schlug den Jungen. Cr verließ die Stelle und erklärte dem Bater: Ich gel)« zu einem Bauer. Der Bater sagt«„nein", da ging er heimlich. Es gefiel ihm da gut. Sein Arbeitskollege, ein Berliner, lockte ihn mit nach Berlin und lieh ihn hier sitzen. Das Geld war alle, der Junge suchte das Obdachlosenasyl in der Fröbelstraße auf und fand im Jugend- heim Aufnahme. Ein H« i l b r o n n-e r— zu Hause liest man das sozialdemo- kratisch« Blatt„Neckar Echo". Der Junge war drei Tage in der Woche in einer Fabrik beschäftigt. Dann wurde er arbeitslos. Mit seinen Ersparnissen, 00 M., fuhr er nach Mannheim zur Tante. Hier blieb er vier Tage: l�gab sich dann noch Bonn, von da nach Darmstadt, von Darmstadt nach Stuttgart zum Onkel: erhielt von diesem 15 M. und traf in Berlin«in. Als er am Abend in einer Gastwirtschaft in der Nähe des Potsdamer Bahnhofs zu Abend speiste, mactstc der Wirt«inen Schupobeamten auf den fremdartig sprechenden Sechzehnjährigen aufmerksam. Dieser fragte nach den Papieren und schaffte den Ausreißer zur Wohlsahrtsstelle. Zwei Sachsen, ein sechzehnjähriger Leipziger und ein anderer aus der Umgebung Dresdens. Der Leipziger ist in der Fabrik seines Vormunds beschäftigt, seine Eltern find tot. Der Junge hatte Ferien: mit 15 M. fuhr er nach Verlin, um sich die Stadt anzusehen, und hatte am zweiten Tage keinen Pfennig mehr. Im Asyl für Obdachlose zeigte man ihm den Weg hierher. Der ander« Sachse ist Bäcker. Auch er ist vom Elternhause aus- gerissen. Er verträgt sich nicht mit der Stiefmutter: es gefällt ihm hier so gut, daß er gar nicht fort inöchte. Ein Siebzehnjähriger aus Freiburg im Breisgau. Gleich dem Heilbronner, ist er das vicrtemal den Eltern davcn- gelaufen. Vater, Mutter, Bruder und Schwester sind als Künstler tätig. Auch er wollt« einer werden, hatte deshalb keine Ruhe auf seiner Arbeitsstätte. Bier Tage und vier Nächte lungerte er durch Berlin— ohne zu schlafen, behauptet er. Dann begab er sich zur Bahnhofsmission: die schickte ihn in eine Herberge nach der Brunnenstraße. Hier blieb er eine Woche lang, bis man ihn ins Jugendheim bracht«. Er weiß, daß er jetzt in die Erziehungs- anstatt kommt. Ein frischer junger Bauer aus Stettin, der sich Berlin ansehen wollte, ein blasier Bursch aus Velten, ein Ham- burger/Maler von Beruf, für den es im Jugendheim genügend Beschäftigung gibt, und schließlich eine größer« Anzahl Berliner. Ein schmalbrüstiger Junge, Mcchanikerlehrling, dem man Lungen- krankheit am Gesicht abliest— seine Mutter ist an Tuberkulose ge- starben—, verträgt sich mit dem Dater schlecht: er hat sich freiwillig in der Wohlfahrtsstell« gemeldet und bleibt jetzt hier, bis man ihn anderweitig unterbringt. Ein Neuköllner: Nachdem er 2 Monat« auf der Walze war, hat man ihn in Nürnberg aufgegriffen und nach Berlin zurückgeschickt: ohne Erlaubnis des Daters darf der Siebzehnjährig« nicht durch Deutschland wandern. Er ist erst ein« Nacht hier. Ein kesser Berliner, der eine Unzahl Berufe aus- probiert lzat, fühlt sich im Jugendheim„sauwohl" usw usw. Unter den 17 Jungens des Jugendheims fällt ein achtzehn- jähriger Bursche in: Wmdervagelklust aus. Er ist zu Besuch ge- kommen. Drei Wochenlang genoß er hier Unterkunft, big er Arbeit fand. Er hat eine Schlafstelle und kommt in alter Freundschaft. Er soll nicht der einzig« sein. Unwillkürlich vergleicht man den Thüringer, den„Räuber" und „Mörder", der einige Stockwerke niedriger im Polizeigefängnis sitzt,, mit diesen Jungens hier. Wenn er unter ihnen säße, wahr- haftig, er machte keine schlechte Figur aus. Vielleicht wäre er der Intelligenteste, vielleicht rein physiognomisch genommen, der normalste: nichts in seinem Gesicht hätte auf Taten schließen tasten, wie er sie begangen hat. Za. die Zungens hier ahnen nicht, welcher Gefahr sie entronnen. » Das gütige Geschick, dos ihnen zuteil geworden, war dem Thüringer versagt. So wurde er„Räuber" und„Mörder"... I.e Berlin SB 83, Lindenstraße 3, stets an da» Bezirkssekretariat 8. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. Wahlvorbereiiungen. Kommunalpolitischer Zerientursus am Werbellinsee. Zum erstenmal hat der B e z i r k s v.e r b a n d Branden- burg-Grenzmark der SPD., der seit langem den kam- munqlen Angelegenheiten eine erhöht« Aufmerksamkeit zuwend-t, einen regelrechten k o m m u n a l p o l l t i s ch e n Ferienkursus veranstaltet, an dem mehr als 3V Hörer und Hörerinnen teil- nahmen. Der Kursus nahm«ine volle Woche ii�. Anspruch, und es darf wohl oefogt werden, daß dieser erste Versuch, der schon sehr bald eine Wiederholung erfahren soll, durchaus geglückt ist. Von zwei Dozenten, die praktisch im kommunalpolitischen Leben stehen, wurden die verschiedensten Fragen der kommunalen Wirtschast und Politik behandelt, so Städterecht, Geschichte der Selbstverwaltung. Gemeindebetriebe und die vielgestaltigen Fragen der Wohlsahrtspflege und der Schulpolitik. Am letzten Abend wurde außerdem«ine improvisierte kommunal- politische Wahlrede gehalten. In der Jugendherberge Brunoldhouo am Werbellinse«, wo die Kursusteilnehmer auch init voller 33er- pslegung untergebracht waren, war der Tage«raum für Altwonderer ol» Dortrogslaal zur 33«rfügung gestellt worden. Mehrfach wurden die Erträge auch im nahen'Walde gehalten. Di« besondere Lebendigkeit der Besprechungen nach den Vorträgen war«in deut- licher Beweis sür die Anteilnahme der Hörer in kommunalen Fragen. Allgemein wurde der Wunsch ausgesprochen, daß diese Ferienkurse zu einer dauernden Einrichtung der Partei werden möchten. Soviel bekannt, hat der Bezirksvorstand Brondenburg.Grenzmark dies« Absicht ohnehin. Di« diesjährigen kommunalpolitischen Ferienkurse haben den besonderen Sinn, für den bald heraufziehenden kommunalen Großwahlkampf nützliche Anregungen zu geben. Es ist onzu- nehmen, daß dieser Zweck schon im ersten Kursus— der zweite soll im August in Altdöbern abgehalten werden— erreicht worden ist. Die Verbindung von Arbeit und Erholung(an den Nach- Mittagen wurde gewandert, gerudert und im Werbellinsee gebadet) erysies sich als«in außerordentlich glücklicher Gedanke.—I. Böse Bienen zerstechen zwei Pferde. Schwerin, 20. Juli.(Eigenbericht.) Auf dem Gute L«v«n»dors wurden zwei Pferde, die vor einem Heuwagen standen, von einem Bienenschwarm überfallen. Die Bienen stachen aus die» Pferde ein, so daß eine» der Tier« an den erlittenen Verletzungen starb. Dos andere Pserd wurde ebenfoll» derart zerstochen, daß es wahrscheinlich «otgeschlochtet werden muß. Die Pferde, die in ihrer Angst pxld wurden und durchgingen, richteten großen Schaden an. Wellerbericht der äffenlltchen wellerdienststeZ« Berlin und Umgegend- tNachdoick verbalen.) vereinzelt Gewitter, etwas klihler, mäßige westliche Winde.— Allr Deutschland: In Mistel- und Ostdeutschland nach vereinzelten Gewittern kuhler, sonst keine wesentliche Aendcrung. Das zweite Bundesfest des Wrbeiter-Turn- und Sportbundes wurde am Sonistagnachmittag aus Nürnberg übertragen: ausnahmsweise einmal die Uebertragung einer spart- lichen Veranstaltung, die bestimmt das Interesse der Arbeiterhö-er fand. Zlber während sonst zugunsten von Ruderrogatten, Pferde- rennen usw. alle anderen Veranstaltungen ani Sonntag zurücktreten mußten, wurde diese Uebertragung rücksichtslos unterbroch.'n durch die Anlagen von den Tenniswettkämpsen und später durch die Märchenstunde. Von unseren Lesern sind uns deswegen bereits lebhafte und, wie uns scheint, sehr berechtigte Klagen über diese» Vorgehen des Berliner Senders zugegangen. — Das Beste von den Unterhaltungsdarbietungen om Sonnlag war da» Schallplattenkonzert und die halbe Stunde, in der Leo Reuß die amüsante Erzählung„Kleider inachen Leute" au» Gottfried Kellers„Leuten von Seldwyla" vorlas. Man ehrt das Andenken eines Dichters im Volke durch solche Vorträge aus seinen Werken viel besser als durch langatmige Reden. Eine Veranstaltung sür künstlerisch Anspruchsvolle war das Sonatenkon.zert om Nachmittag. Die Freunde leichter llnterhalwnsismusik kamen bei den beiden Mittagskonzerten. dein Mandolinenorchesterkonzert der Bereinigten Finkelschcn stNandolinenchöre und der Unterhaltungsmusik der Ka- pelle Emil Rooß. aus ihr« Kosten. «- Am Montag las Fred Hildenbrond Berliner Skizzen. Hilden- brond lieht die Stadt seine« llBirkens mit jener schmerzlichen Lieb«, die selbst das Mangelhafte und Unzulängliche zärllich umfaßt. So stellt er die drei Männer nebeneinander, den Film-Vergsührer. den Dauertänzer und den redebesessenen Kaplan. Jeder von den dreien lebt in einer 3L«lt, die von der der beiden anderen unerreichbar weit entfernt ist— und doch ist die Welt dieser drei Menschen oder wenigsten» ein großer Teil ihrer Welt: Berlin, die geheimnisvolle, vielseitige große Stadt.— Im internationalen Programmaustausch hörten wir ein Konzert aus Warschau, dos durch die Mitwirkung ausgezeichneter Solisten seine stärksten Effekte erhielt. Der größte Teil des Nachmittagsprogramms fiel aus. da man ständig«mpfangs- bereit auf Nachricht von der„Bremen" hofft«. Die ÜVartezcit wurde mit Unterhaltungsmusik ausgefüllt. Tes. 3. Äwis Weddina. Heute. Dicnsta«. 2S. Juli, IS Uhr, itrciskonferenz bei Wende, Koloniestr. 147. N. Krei« WilmcrLiwrf. Dicnstan, 23. Juli, Sifumg des engeren Kreisvor. standes mit den Abteilungsleitern bei Ihlenfeld, Uhlandstraste, Ecks (Sünt;elstraßc. Heute. Dicnslag. 23. Zuli: 16. SIbt. im Uhr Mitaliedcrvcrsammluna bei Krüaer. Hussitenstr. 34, Tel« Schcrinastraße. Vartra«:„Die inteenationalc Verschuldung und die Lasten. verteiluna". ZIcferent: Dr. Ernst stallt. 48. Stbt. Die stunltionäre werden gebeten, die Ouarticriisten umgehend dtim Genossen Otta Danske, Gitschincr Str. SS, v. NI. bei Wohlgemuth, ab» zugeben. tZZ. Abt. Buchholz. Genossen und Vorwärts-Leser, die in der Lage sind, zunr >0. und 11. August fiir Reichsdannerkameraden Quartier bereitzustellen. meiden dies umgehend dem Genossen Erich Stach, Vlichhotz, Bahnhof- straßc 28. Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen. ZNittwoch. 24. Zuli, IS'/i Uhr: � labende in den bekannten Lvkalen. Wichtige Mitteilungen. Tie BeZirkstühre? müssen umgehend bie Abreßbüchcr der Vor«ärtslcser beim Genossen Dobrohlam zwecks Ergänzung abgeben. 7. Abt. Im Vereinshaus des Nordens, Cvartenstr. L, Dortrag über das Konkordat. Referent: Genosse Robert Breuer. 8. Abt. Nationalhof, Bülowstr. 37, Vortrag über„Crwerbslofenversicherung". . Referent: Genosse Dr. Schönberg. Abt.?.ahl- und Diskutierabend bei Zufenbach, Perleberger Str. 64. Vor. trag:„Die Demokratisierung der Verwaltung". Referent: Genosse /ttrnarb 3g wt, M. d. L. Eintrittskarten zum Kreissommerfest am 28. Juli im Moabiter Schühenhaus sind auf bem Iahlabend beim Genossen Laoven zu haben. Genossen und Genossinnen, die zum Vcrfassungstag am 16. und 11. August Reichsdannerkameraden beherbergen können, werden um- gehend ersucht, dieses dem Genossen Albert Schmidt. Rathenower Str. 25, mitzuteilen. Löwenbrauerei, Lochssr. 2, VS. Vortrag:„Warum Erwerkschasten?"— Reuköln V: Seim Böhmische Sir, 1- 4. Bericht»om Wiener Juaendlaa.— Renlölln Vit! Schule ilaiser.�riedrich. Strafte. Vortrag:„Die Jugend Im Prodntlionsrozeft".— Reniöll» Vitt: Heim Bergstr.'29, Zimmer 1. Vortrag:„Scruellc Jrogen".— Rcinickendorl-OIt: Seim Lindauer Strafte. Vortrag:..SPD. und Wehrprogramm".— Tegel: »Heim Bahnhofstr. IS. Bericht von der Wienfährt. Vorträge, Vereine und Versammlungen. chja» Reichsbanner..SchwarzRok-Gold". G- s ch i t t s n e l l»: Berlin 6 14. Sebastianür, 37/3«. Hot 2 ilr. Dienstag, 23. Juli. Eharlottendurg.«am. Spree.. Versammlung hei Lkork,«aiserin-Augulta-Allre 90. Retercnt:«am. Ring:„Dia Aufgabe de» Reichsbanners für die Sufunfl".— Donnerstag, 25. Juli. Friedrich» Hain.«am. Petersburg. IS-ZL Uhr Autofahrt Petersburger Plag. Pflicht. Veranstaltung,«reuzbcrq. Sportler jede» Dounerstag von 15- Z04j Uhr' in Treptow. Spielwiese 9. wilmersdors. 20 Uhr Jugendgruppe bei«rolft. Hol. steinische Str. 60.«am, Nord. 20 Uhr hei Venzien, Hohenzollerndamm 3. Treptow kOrtsnerein), Jeden Donnerstag Sandballspieler ab 17 Udr Training in der Wiihlheide, Bei heiftem Wetter Baden im lZreidad Oberschöncwelde. — Zsriedrichshaia,«am, Stralau, Dienstag, 23. Juli, 20 Udr,«amcraofchatts» nerfammlung hei Wertaller, Hohentohestr, 3.— Prenzlauer Berg, Diensiag, 23, Juli. 20 Uhr, hei Burg, Prenzlauer Allee, Siguna oller Sanitäter,«am, iralte bei Jeugr, Milostr, 5, Persammlung, Borstandswahl. Berfassunostog. Mittwoch. 24, Juli, Zll Uhr. Juaenh. und Sportadteilung, Versammlung Schule Geeitenhaaencr Strafte. Turnhalle,— Itegltft iDrlsvercini, Mittwoch. 24. Juli, 20 Udr, Borstandssiftuna mit Zugführern bei Schmidt, Lichterfeld», ötoonür. 39. Sportler 20 Uhr Bahnhof Lichtcrfelde-Ost,— Rculölln-Brlft. Jungdanner. Mittwoch, 2t. Juli. 18 Uhr, Sportabend. Plaft 7. Eingang SUrnmeftstrafte. Kämpfe in der Eisenwirtschast. Zur Verläugemng der Deutschen Rohstahlgemeiuschast. Die deutsch«(Eisenindustrie hat«in« gute Konjunktur, und von Monat zu Monat steigt die Produktion weiter. Wird doch jetzt schon im verkleinerten Deutschland dasselb« Quantum Rohstahl gewonnen, als 1S13 im Deutschen R«ich einschließlich der abgetretenen Eisengebiete Oberschlesien, Lochringen und Saargebiet. In diese gut« Konjunkturperiode fällt der Kampf um die Verlängerung der Deutschen Rohstahlgemeinschast und ihrer Untergesellschaften, fallen die Anstrengungen um die Verlängerung der Internationalen Roh- stohlgemeinschaft. Die Deutsche Rohstahlgemeinschaft läuft am 3l. Oktober 1829 ab. Es mußte nunmehr um die Verlängerung dieses Dachkartells gekämpft werden. Ein Provisorium sieht«ine Verlängerung auf den 31. Dezember 1929 vor. Es mag angebracht erscheine», über den Zweck der Deutschen Rohfiahlgemeiuschast etwas zu sagen. Diese ist kein Synditat, sondern ein Mengenkartell, da» die Aufgabe hat, die Produktion zu kontingentieren. Der Gesellschaftsvertrag der Rohstahlgemeinschaft nennt im Z 1 folgende Zwecke:„a) Die Förderung des Stahlgewerbes durch Zusammenfassung und einträchtige Zusammenarbeit der beteiligte» wirtschaftlichen Kräfte: d) Anpassung der Rohstahlerzeugung der Gesellschaster an de» jeweiligen Bedarf: c) Verfolgung der gemeinsamen wirtschaftlichen Ziele im In- und Ausland." In diesem Rahmen hat die Deutsche Rohstahlgemeinschaft seit dem 1. November 1924 gewirkt. Wie bei früheren Kartellerneuerungen traten auch bei der Erneuerung der Rohstahlgemeinschast die bestehenden D i f f«- renzen klar zutage. So einig die Schwerindustrie auch nach außen gelten mag, noch innner fft sie, besonder» durch den Quoten- kämpf, eine Gemeinschaft voller Gegensähe. Innerhalb der Schwerindustrie kämpfen zwei Richtungen miteinander. Die ein« Gruppe will möglichst freie chand haben und würde es aus diesem Grunde gern sehen, wenn wenigstens sür kurze Zeit das freie Spiel der Kräfte mal wieder herrschen wurde und so jene Werke zum Verschwinden bringt, die nur der Schutz der Kortelle gehalten hat. Die Gruppe mit den gemäßigteren An- sichten hält an der Ideologie fest, daß nur durch einen lückenlosen Zusammenschluß oller Glieder der Eisenindustrie gedient sei. Scharfe Gegensätze bestehen zwischen den Firmen Mannesmann und Krupp. Di« Mannesmann- Röhrenwerke haben in Hückingen am Rhein auf das modernste«in- gerichtet« Hochofenanlagen geschaffen. Dadurch ist der Mannesmonn- Konzern bezüglich der Roheisen- und Rohstahlversorgung S e l b st- versorger geworden. Aus diesem Grunde beantragte die Firma Mannesmonn eine wesentliche Erhöhung ihrer Beteiligungs- quote. Bisher hatte Mannesmann bei der Rohstahlgemeinschast eine Jahresquote von 404 88(1— 2,612 Proz. der Gesamtquote. Infolge der wesentlichen Vergrößerung der Anlagen erhöht sich die Mannes- mann-Quote um 130 0(1(1 Tonnen oder auf rund 635 000 Tonnen ~ 3,5 Proz. der Gesamtquote. Mannesmann rückt dadurch in die Reihe der Großerzeugerwerke auf. Nicht gelöst ist dadurch jedoch der Sonflikl mit der Firma Krupp. Diese mar früher der Großlieferant von Mannesman». Krupp kann das von ihm erblosen« Rohmaterial und Halbzeug nicht ver- arbeiten. Es ist notwendig, große Mengen an andere Werke ob- zugeben. Da Mannesmonn bisher einen großen Bedarf an Roh- stahl und Halbzeug hotte, konnten sich die Werk« gut ergänzen. Nun- mehr ist Krupp darauf angewiesen, den im Ueberfluß vorhandenen Rohstohl und Halbzeug auf den übrigen in- unck ausländischen Märkten abzusetzen. Dos Vorgehen der Mannesmann-Werke hat bei Krupp den Gedanken verstärkt, seine Produktionstätigkeit durch den Bau eines modernen Röhrenwerkes zu erweitern. Bei den übrigen Großwerken in der Röhrenerzeugung, Stahlverein und Mannesmann-Werke, hat dieser Entschluß der Firma Krupp naturgemäß böses Blut gemacht. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Es ist noch nicht bekannt geworden, durch welche Konzessionen oder Ilebcrtragung von neuen Produktionsmöglichkeiten die Firma Krupp von dem Bau des neuen Röhrenwerkes abgehalten werden kann. Bei dem jetzigen Entschluß, die Deutsch« Rohstahlgemeinschast um zwei Monat« auf den 31. Dezember 1929 zu verlängern, spielen die inneren Gegensatze naturgemäß eine große Roll«. Man will die fünf Monate ausnutzen, um durch Verhandlungen und Kon- Zessionen die Differenzen möglichst auszugleichen. Man kann wohl erwarten, daß die Deutsche Rohstahlgemeinschaft auch über den 1. Januar 1930 hinaus bestehen bleiben wird. Ein besonderes Ge- wicht erhält die Erneuerung der Rohstahlgemeinschast und ihre Unter- verbände durch die verhavdluagea zur Erneuerung der Zakeruittlonalea Rohstahlgemeinschast. Auch hierüber muß in den nächsten Monaten eine Entscheidung fallen. Die deutsch« Gruppe hat bekanntlich eine Quotenerhöhung gefordert. Für das erste Halbjahr 1929 ist die deutsch« Quote bereits wieder um zirka IPV Millionen Tonnen überschritten. Selbst wenn man den Ausfall durch die Novemberaussperrung mit berücksichtigt, muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß solch hohe Quoten- Überschreitungen auf die Dauer eine Uninögtichkeit sind. Die der deutschen Gruppe bisher gewährte Erhöhung der Quote reicht immer noch nicht aus, die Gefahr starker Quotenüberschreitung zu beseitigen. Bei der Verlängerung der Deutschen Rohstahlgemeinschast spielt die Zukunft der internationalen Kartellierung ein« sehr große Rolle. Deshalb wird das Gesamtproblem aufgerollt werden müsien, damit aber auch manche Frage der inneren EisenpoliM. Es sollte namentlich von der eisenverarbeitenden Industrie einmal gründlich die Frage studiert werden, ob die sogenannten Avi- Abkommen den Lerhältniflen entsprechen oder ob nicht hier durch das jahrelang« Rachgeben eine einseitige Verschiebung der Machtposition eingetreten ist. Es ist ferner notwerüng, einmal die Frage zu untersuchen, ob die E i s e n z ö l l e trotz der internationalen Kartellierung aufrechterhalten werden müssen. Die Abkommen der deutschen Werke mit den ekfaß-lochringifchen und luxemburgischen Werken werden in nächster Zeit ebenfalls Gegenstand von VerHand- lungen sein. Ferner ist der Zeitpunkt nicht allzu weit, wo über den deutsch-französischen Handelsvertrag wieder einmal verhandelt werden muß. Die nationalen und internationalen Eisen- kortelle stehen mit diesem Handelsvertrag in sehr enger Verbindung. Alles Probleme, die bei der Behandlung dieser Ding« nicht mehr außer Betracht gelasien werden dürfen. Die deutschen Weiteroerarb.eiter, die Regierung und auch die Arbeiterschaft haben an diesen Dingen ein nicht geringe« Interesse. E« ist auf die Dauer ein unwürdiger Zustand, daß die Regierung und die übrigen Bevölkerungsschichten bei der Frage der staatlichen und überstaatlichen Eisenkartelle lediglich als Zuschauer in Betracht kommen. P. U. Berliner Bierbilanz. itOS Liter pro Kopf der Bevölkerung werden jährlich verbraucht. Ueber Produktion und Verbrauch von Bier in Berlin bringen die„Berliner Mrtschaftsberichte* Angaben, die nicht nur für die Bierfreunde interessant sind. Die überragende Stellung Berlins im deutschen Braugewerbe wird durch die Finanzstatiftik von 1926 klar gezeigt: Landesfinanzamt Fläche in qkm h" h' Veteied Berlin....«87 37 5 195 140 421 München.... 37 281 801 6 958 8 687 Nürnaerg... 24 764 1834 4 596 2 506 Münster.... 21 424 89 3857 43335 Zwar ist die Produktion im Landesfinanzamtsbezirk München um 1,77 Mill. Hektoliter höher, aber sie verteilt sich auf eine viel größere Fläche, nämlich auf ganz Südboyern, während in den Ber- liner Ziffern nur die Produktion von Groß-Berlin enthalten ist. lind daß die Konzentration der Betriebe in Berlin an weite sien fortgeschritten ist, daß hier die wichtigsten Groß- betriebe ihren Sitz höben, zeigt die Durchschnittszisfer der auf einen Betrieb entfallenden'Hektoliter. Der Anteil der Berliner Produktion an der des Deutschen Reichs betrug 1928 10 Proz., und zwar ist er seit 1925(10,82) etwas gesunken. Dos liegt aber nicht an einem Sinken der Berliner Pro- duktion— sie ist absolut gestiegen—, sondern an einem stärkeren Anwachsen der Produktion im Reich. Denn Berlin hotte schon 1925 in der Biererzeugung.etwa die Dorkriegshöhe erreicht, war also der Entwicklung, die seitdem im Reich vor sich ging, vorausgeeilt. Der Hauptteil des im Jahre 1928 erzeugten Bieres entfiel auf Vollbier(90,2 Proz.): verschwindend gering war der Anteil des Storkbieres, das also zum größten Teil nach Berlin eingeführt wird. 2.6 Proz. der Berliner Erzeugung waren Schankbier: diese Menge stellte aber 55,8 Proz. des im ganzen Reich hergestellten Schank- bieres dar, weil dazu das Berliner.Nationalgetränt", das Weiß- bier, zählt. Der Weißbierkonsum ist in den letzten Iahren wieder erheblich gestiegen. Der Gesamtoerbrauch Berlins an Bier wuchs von 4 07S000 .Hektoliter im Jahre 1925 auf 4 575 000 Hektoliter im Jahre 1926: das macht pro Kopf der Bevölkerung eine Steigerung von 101 Liter auf 106 Liter aus. Diese Zahlen sind bedeutend höher als die ent- sprechenden für das Reich: 1925 betrug der Verbrauch pro Kopf 75,4 Liter und für 1928 wird er auf 86 Liter geschätzt. Der höhere Verbrauch der Berliner wird zum Teil auf Rechnung der Fremden zu setzen sein. Man glaubt nicht an ein weiteres Steigen des Bier- konsums, nicht so sehr wegen der Propaganda gegen den Alkohol- genuß, wie wegen„der Einschränkung von Ausgaben für alkoholische Getränke bei der jungen Generation zugunsten der Au» gaben für Sport und Reisen",— was man ja nur begrüße» kauul Berlins Bedeutung für die Bierproduktion ist um so größer, als ein bedeutender Tell der hergestellten Biermengen o u s g e- führt wird. Wieviel davon ins Ausland geht— Afrika, Aegypten. Indien. China— ist nicht festzustellen. Den Austausch mit deutschen Gebieten zeigen folgende Zqhlen für 1927 (in Tonnen— 1000 Kilogramm):• Eingang Ausgang Brandenburg.... 1 444 75 582 Westdeutschland... 1526 213 Süddeutschland.. 14 343 29 Uebriges Deutschland. 2 665_ 47 310 19 978 123134 Die Berliner Bier-Hand ei sbilanz für 1927 ist also aktiv mit 103 156 Tonnen Bier. Ueberragend ist die Ein- fuhr echter Biere aus Süddeutschland und auch aus Westdeutsch- land(Dortmund). Zu diesen Zahlen kommt noch eine Einfuhr von 5 Tonnen aus Oesterreich und 6524 Tonnen aus der Tschechoslowa- kei— und das Bild von der Bierversorgung Berlins ist vollständig. Eines werden die Berliner Biertrinker mit Unwillen ver- nehmen. Die Steuerbelastung pro Hektoliter Bier mit 6,26 M. ist höher als im Reich mit 5,95 M.(im Jahre 1926). Das ist eine Folge der Staffelung der Steuersätze, die eine niedrige Betriebs- Produktion weniger belastet als eine hohe. Und die Stadt Berlin bedauert wieder, daß die kommunale Biersteuer, die ihr 1926 etwa 8 Mill. Mark brachte, in Fortfall gekommen ist. Die Angaben sind interesiant. Sie rechtfertigen folgenden Schluß: Berlin ist nicht nur— münchnerisch ausgedrückt— Deutschlands Wasserkopf: Berlin ist auch sein„B i e r k o p s": nicht so sehr, weil hier über den Durchschnitt im Reich getrunken wird, sondern weil ein maßgebender Teil der Brauindustrie hier konzentriert ist. Das preußische Berlin läßt dem bayerischen München nicht einmal seinen Bierruhm. Sparkassen helfen Ostpreußen. Aus die Bitte des Ostpreußischen Landkreistages ha: der Vorstand des Deutschen Städtetages beschlossen, allen Mitgliedsstädten die Uebernahm« von 6prozentigen ostpreußifch«n landschaftlichen Pfand- briefen durch die Sparkossen zu empfehlen. Dieser Weg, der oft- preußischen Landwirtschaft erststelligen R«olkr«dit zuzuführen, wird eine wirksame Ergänzung der staatlichen Ostpreußenhilfe sein. Konsumsparkaffen sind sicher! Das Bürgerliche Gesetzbuch hat in seinem Katalog der mündel- sicheren Anlagemöglichkeiten nur die öffentlichen Spar- lassen aufgenommen. Zum Unterschied von öffentlichen Spar- lassen ist die Anlegung bei einer genosienschostlichen Sparkasie. ins- besondere bei der Sparkasse eines Kons um verein?, dem- noch nur auf besonderen Antrag des Vormundes beim Vormund- schaftsgericht möglich. Das Vormundschaftsgericht hat dann im Einzelfalle die Eignung der genossenschaftlichen Sparkasse zu unter- suchen. Es darf den Antrag nur ablehnen, wenn die beabsichtigte Art der Anlegung noch Lage des Falles den Grundsätzen einer wirt- schaftlichen Vermögensverwaltung zuwiderlaufen würde. Das Sächsische Oberlandesgericht in Dresden Hot kürzlich einem solchen Antrag stattgegeben und ablehnende Beschlüsse des Amtsgerichts Dederon und des Landgerichts Freiberg ausgc- hoben. In seiner Begründung betont« das Oberlandesgericht, daß der Vormundschastsrichter sich bei der Entscheidung über den Antrag einer übergroßen Aengstlichkeit enthalten müsse. Beson- der» hervorgehoben zu werden verdient ferner der Satz, daß„die Art der Organisation des Sonfumvereln». der Gegenstand des Unter- nehmen» mit dem Vertriebe lebenswichtiger waren, die Entwicklung und der Aufschwung, den Genosienschaften dieser Art genommen haben, und der Zusammenschluß zu einer grüßeren Organisation namentlich hinsichtlich der Spareinrichtungen eine Gefährdung der Spareinlagen nicht gerechtfertigt erscheinen laste". Das find treffliche Sätze, die man manchem dummen Geschwätz entgegenholten kann._ Mehr selbstgestopfie Zigaretten. Die 5-pfennig-3igarette überwiegt. In dem soeben erschienenen Bericht des Kommissars für ver- pfändet« Einnahmen werden wichtige Angaben über den deutschen Zigarettentonsum gemacht. Er ist bis zum 3. Quartal vorigen Jahres dauernd gestiegen: seitdem ist«in Rückgang eingetreten, der im 1. Quartal dieses Jahres am stärksten war. Als Grund dafür wird die große Arbeitslosigkeit angegeben. Interessant ist, daß die meistgekaufte Zigarette die zu 5 Pf. ist (55 Proz. des ganzen Konsums): der Anteil der Zigaretten zu 4 Pi. und 5 Pf. zusammen beträgt 81,6 Proz. Wenn auch das Aus- kommen aus der Tabak st euer mit 870 Millionen Mark das des Borfohres(794 Millionen Mark) übertrifft, so Hot sich doch der Ueber gong zu den s e l b st g e st o p f t e n Zigaretten stark bemerkbor gemacht, da Tabak allein und Zigarettenhülsen alleist erheblich niedriger besteuert werden als fertige Zigaretten. Der Verbrauch des Zigarettenpapiers stieg von 1699 Millionen Hülsen im Jahre 1926/27 auf 2742 Millionen Hülsen, also um 60 Proz. Stahlwerksverband-1926. Der Jahresbericht des Stahlwerksverbandes für 1928 zeigt«inen beträchtlichen Minderabsatz auf dem Inlandsmarkt: der Aus- londsabfotz ist ober bei erhöhten Preisen stark gestiegen. Als Grund für den Rückgang werden Kapitalmangel, Ausfall von Reichsbahn- auftragen, schlechte Beschäftigung der verarbeitenden Industrie und erhöhte Lohn- und Transportkosten angegeben. Wichtig ist der Hin- weis auf den Ausfall infolg« Ruhraussperrung, den man wohl mit einem Zwölftel bis zu einem Fünszehntel des Absatzes von 1927 ansetzen darf.- Daher ist nicht der ganze Abfatzrückgonz auf dem Konjunkturrückgang zu rechnen.". 7' Der Großhandelsindex ist in der Woche vom 10. bis 17. Juli von 137.4 auf 138.2(1913— 100), also um 0.6 Proz. gestiegen. Die Steigerung ist auf höhere Preise bei Agrarstoffen und Kolonial- waren zurückzuführen.| Alles in 1000 Tonnen Der Gefamtobsatz war also um 0,8 Millionen Tomren niedriger als im Borjahre. Der um 0,57 Millionen Tonnen gebesserte Aus- landsabfatz tonnte den Rückgang auf dem Inlandsmarkt von 1,37 Millionen Tonnen nur zum Teil ausgleichen. Von diesem Mindcrabsoß auf dem Inlandsmarkt darf man etwa die Hälfte auf den Ausfall infolge der Aussperrung rechnen, so daß der Kon- junkturrückgang nur einen Minderabsatz von etwa 8 Proz. verursacht hoben dürste. Es läßt sich somit sagen, daß fast der ganz« Konjunkturrückgang durch den gesteigerten Aus- landsabfatz ausgeglichen wurde. Der Auftragsbestand am Ende des Jahres sicherte die Beschäftigung auf zwei Monate, Di« Aussichten für Verlängerung der Internationalen Rohstahlgemeinschast werden günstig beurteilt. Das neue Jahr hat bekanntlich Rekordzisfern der Erzeugung und des Absatzes gebracht. Gute Zeiten für Kohlenzechen. Nach dem Bericht des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats stieg der G e s a m t,a b s a tz(einschließlich Zechenselbstoerbrauch) im Juni aus 10 Millionen Tonnen(gegen 9,63 Millionen Tonnen im Mai) und übertraf damit den des Juni 1928 um 19,15 Proz. Die Förderung stieg von 9,68 Millionen Tonnen im Mai auf 9,99 Millionen Tonnen im Juni oder arbeitstäglich von 397 268 Tonnen auf 409 733 Tonnen: die Besserung gegenüber dem Vorjahr« beträgt 14,83 Proz. Der Absatz sür Rechnung des Syndikats betrug 4,78 Millionen Tonnen und war gegen den Vormonat um 4,65 Proz. und gegen den Juni 1928 um 26,07 Proz. gebessert. Der Absatz von Kohle betrug im unbestrittenen Gebiet 2,45 Millionen Tonnen(im Mai 2,35 Millionen Tonnen), im bestrittenen Gebiet 2,34 Millio nen Tonnen(gegen 2.22 Millionen Tonnen): der Absatz von Koks stieg von 1,27 auf 1,44 Millionen Tonnen. Der tägliche Koksabsatz war gegen Mai um 16,63 Proz., gegen Juni 1928 um. 20,64 Protz, höher. Auch die Bayern sind dabei. Di« Gründung des Einheitsverbondes der landwirtschaftlichen Genossenschaften wird auch die bayerischen Genossenschaften umfassen. Um Irrtümer zu vermeiden, wird darauf besonders in einer Meldung hingewiesen. Es handelt sich um den Revisionsoerband des Bayerischen Bauernvereins, dessen Führer der als.Fönig von Tuntenhausen"— nach dem Ort der Jahrestagungen— bekannte Dr. Heim ist. Vienskag 23.3u(t 1929 Unterhaltung unö ÄNissen Beilage des Vorwärts Ossip malenler: HlOClelatf Vietl Es war ein« Sensation, und niemand Geringeres als die Gräfin Mag n an d'Orgueil gab dazu Anlaß� Die Zeitun- gen waren voll davon, die Abgeordneten aller Parlamente ver- wendeten die Tatsache, um ihren Reden damit eine pikante Note zu geben, und die Geistlichen aller Konsessionen benutzten die Ge- legenheit, um Ihren Gläubigen wieder ein Beispiel von der Der- derbtheit dieser Welt vor Augen zu führen. Der berühmten Gräfin Magnan d'Orgueil, dem Titelblatt aller Magazine, dem Traum oller Snobs, dem Inbegriff des Schicks und der Summe der Elegan,;, dieser bewunderten, gefeierten und beneideten Frau war es eingefallen, das strahlend blonde, fein« und reiche Haar ihres Bubcnkopfes, kurz wie ein Rasen, nicht mehr schneiden, sondern wachsen zu lassen, lang und wild, wie es wollte... Es war eine Sensation. Zuerst bedeckte das Haar nur den Racken und die schmalen Schultern, und damals hielt es die Gräfin mit einer goldenen Spange gerasft.„Damit es ihr nicht in die Suppe hängt," be- merkte ein Witzbold. Bald aber fiel es ihr wirr und wüst, in langen, barbarischen Locken bis zur Brust. Die Damen der Gesellschaft fanden es skandalös, und st« stimmten hierin völlig mit den Frauen des Bürgerwms, den braven Familienmüttern und Haussrauen, übercin. Würdige Matronen, die ihr Lebtage lang ihr Haar kurz und mit Anstand getragen hatten, liehen sich zu öffentlichen Schmähredcn hinreihen, und alle Grohmütter schüttelten die in Ehren ergrauten Bubiköpfe und ermahnten ihr« Enkelinnen, iich nicht den schönsten Schmuck der Frau, das gebobbte Haar, zu verschandeln. Die Jungmodchenvcreine konnten sich gar nicht genug tun im llampf gegen diese schändliche Mode, die— welche Torheit fände nicht sogleich Anhänger und Nachahmer!— mehr und mehr um sich zu greisen begann. Als unkeusch, frivol und s i t t e n- l o s bezeichneten sie in ihren flammenden Protesten das lange Haar, als das„flatternde Sinnbild der Sinnenlu st". Während die Aestheten an Hand unserer in allen Lebenslogen Trost spendenden klassischen Philosophie bewiesen, dah es jeder Schönheit, jeder Anmut und alles Edlen ermangele und nichts sei als ein böser, bekämpfenswerter, finsterer Atavismus, gelang Pro- icssor W. E. Wotcrishead von der Gossip-Ilniocrsity in Indiana- polis in einer glänzenden Broschüre der Nachweis, dah es guch in hohem Mahe unhygienisch und der Allgeyieinheit schädlich sei, das Haar länger als 0.<1247 Meter unter dein Ohrläppchen zu tragen; >>0001 Meter wollt« er eventuell zugeben.„Heere von Seuchen nerden diese hählichen Staubsänger und notorischen Bazillenträger über die unglückliche Menschheit bringen", schrieb Prosessor W. C. Wateryhead. Nur die Haarwuchsmittclfabrikantcn und die Dichter waren es zufrieden. Jene lieferten, zum Teil nach den mittelalterlichen Rezepten des 19. und 20. Jahrhunderts, ganz« Ozeane der ver- schiedenfarbigsten Flüssigkeiten, deyen ein« marktschreierische Re- Käme nachsagte, sie bewirkten, dah nach drei Togen die Haar« be- rcits aus der Ftasth" wüchsen; diese hingegen frischten alte Lieder und Legenden auf, in denen das lange Frauenhaar besungen und bedichtet ward. Allein, das Publikum zeigte sich nicht gewillt, alles das ruhig hinzunehmen. Der gesunde Menschenverstand regte sich, und bald entstaiid Skandal auf Skandal. In Paris brach bei der Aufführung einer uralten, längst verstaubten und vergessenen Oper eines gewissen Debusty, der einst unsere Urahnen entzückte, an- läßlich der Arie„Deines Haares Geranke. Mellfand«.. ein derartiger Tumult aus, dah das Haus, um es vor der sicheren Demolierung zu bewahren, durch Polizei und ein rasch alarmiertes Aufgebot Mjlitär geräumt werden muhte. In Berlin steckten Bubenkopffanatikerinnen ein Theater, das es wagte, ein Mysterienspiel„Ich, Anna Czillag", erneuert von Hofmann von Hugosthal, herauszubringen, kurzerhand in Brand. „Gott sei Dank gibt es noch unverdorbene Elemente, die Zucht und Ordnung zu wahren wissen und sich nicht ihre heiligsten Güter rauben lassen, Frauen von altem Schrot und Korn. Treue, die am Althergebrachten, an den hehren Sitten unserer Väter fest- haitenl" erklärte damals der bekannte Literarhistoriker Bardolf Atels in einem vielbeachteten Leitartikel. Ihren Höhepunkt erreicht« aber die allgemeine Empörung, die die Gutgesinnten aller Nationen in gleicher Weise«rgrifsen hatte, als dieselbe Gräfin Magnan d'Orgueil, die Ihr Haar jetzt, spleenig genug, im Nacken zu einem Knoten verschlungen trug und der, wenn sie es löste(was sie nicht selten und meistens vor Photo- graphen tat), das Haar schamlos und frech bis über die Hüsten hing..., als, so sagte ich, diese kapriziöse und frivol« Frau auf die merkwürdig« Idee kam, ihre Beine bis zu den Knöcheln in weite, wollende Gewänder zu hüllen.„Sie verhüllt sich, um sich besser enthüllen zu können," Wsagte ein Zyniker. Der Widerwille der gesunden, normal empfindenden Frauen kannte keine Grenzen. Wie sollte eine anständige Frau in Kleidern �>ic diesen lausen können? Waren nicht Moral und Gesundheit ärger bedroht als durch die schon verabscheuungswürdig genug anmutende Haarmode? Selbst die ältesten Frauen konnten sich einer ähnlichen Mode- torheit nicht entsinnen, und keine hatte je den Rock länger ge- tragen als bis zum Knie. Auch hier blieben die Proteste nicht aus. Nicht selten geschah es, daß Frauen, die sich in den langen und bauschigen Rock- Ungetümen der Gräsin Magnan blicken ließen, einfach entkleidet wurden, oder aber die empörten Hüterinnen der Tradition und Wohrerinnen des Schicklichen schnitten ihnen die ketzerischen Kittel zwei Hand breit überm Knie, wie es sich ziemt«, auf offener Straße ab. Doch alle Mühe und aller Eifer waren vergebens. Kein Hirtenbrief und kein Bölkerbundsdekret vermach- ten zu helfen oder zu hemmen. Auch diese Mode, von«nbe- denklichen, leichtsinnigen Geschöpfen getragen, von gewissenlosen Männern unterstützt und gefeiert, gewann mehr und mehr An- hängerinnen, und schticßlich trugen den Bubikopf und den knie- freien Rock nur noch die Frauen gewisser sittenstrenger, puritani, scher Kreise: Pastarengattinnen, die Witwen der Generäle und alte adelig« Stiftsdamcn. Viel versprochen und nichts gehalten Vriumpftzug und Ende„epochaler" Erfindungen Das Wort„Erfinder" hat keinen guten Klang. Man denkt dabei an einen Menschen, der mit irgendeiner halb- verrückten Idee herumläuft, olles mögliche oerbessern will, aber nichts rechtes kann und weiß. Diese Vorstellung hat zweifellos eine aewiffc Berechtigung, denn es gibt in der Tot«in« Menge solcher Erfinder. Allerdings gibt es auch andere Arten von Erfindern: Erfinder, die mit ihre» Erfindungen ihrer Zeit vorausgeeilt sind, ja sogar solche, die nichts erfunden und nicht zuletzt Erfinder, die etwas , norbeierfunden" haben, das heißt irgend etwas Großes„fast" er- sannen, ohne daß die großen Verheißungen, die man daran knüpfte, sich verwirklicht hätten. Es ist bekannt, daß die Sonne der Erde mehr als hundert- tausendmal soviel Wärme zuführt, als von der insgesamt verbrannten Steinkohl« erzeugt wird. Es lag daher die Frage nahe, ob es nicht möglich wäre, die Sonnenwärme unmittelbar in mechanische Energie umzuwandeln. Gelehrte des Altertums sprachen schon'solche Gedanken aus. Die Möglichkeit einer praktischen Ver- wirklick'ung rückte jedoch erst dann in die Nähe, als einige Jahre vor dem Kriege der Amerikaner S h u m a n in Aegypten eine große Anlage aufstellte, die die Sonnenwärme mit fünf drehbaren Riesen- spiegeln von je 210 Quadratmetern Fläche auf einen Dampfkessel konzentrierte. Selbst Sachverständige sprachen damals äußerst verheißungsvoll über diese Bersuche, und vor den Augen der Welt eröffneten sich plötzlich phantastische Perspektiven: die afrikanischen Wüsten unter Zuhilfenahme von Sonnenenergie zu bewässern, der Kultur zu erschließen und die Lebensbedingungen für den Europäer in den Tropen durch Erzeugung von Kälte(durch Sonne!) zu verbessern, kurz nach den sensationellen Berichten wurde der Sonnenapparat in aller Still« abmontiert. Und die Sahara wartet noch heute auf ihre Bewässerung durch die Sonnen- kraftmaschine, trotzdem seit ihrer Erfindung drei Jahrzehnte ver- flössen sind.— Sonnenkraftmaschinen haben auch nachher viele er- funden, ohne jedoch zwischen Theorie und Wirklichkeit ernste Brücken geschaffen zu haben. Die neue Energiegewinnung spielt überhaupt seit Jahr und Tag bei den Erfindern eine große Rolle. Taucht eine Theorie auf, wie zum Beispiel die des Prof. Plauson, der in seinem Buche, das vor Iahren großes Ausehen erregte, darzulegen suchte, daß man die Lustelektrizität zur Energiegewinnung heran- ziehen könnt«, und ein Drittel des deutschen Territoriums genügen würde, um 700 Millionen l'L. auf dies« Weise zu gewinnen, so nimmt die Welt diese Hypothesen gern für bare Münze und stellt sich die Verwirklichung als ein« Kleinigkeit vor. Auch Ebbe und Flut werden immer als neue Kraftquelle in Betrocht gezogen, und auf Grund einer Formel von Einstein stellen besonders befähigte Träumer selbst die.innere Energie der Atome in den Dienst der Menschheit und phantasieren davon, den Wärmebedarf der ganzen Wellwirtschast, die jetzt die Verbrennung von 1500 Millionen Tonnen Steinkohle nötig macht, einst durch die Zertrümmerung der Atome von etwa 500 Kilogramm Sand decken zu können. Zweimal in diesem Jahrhundert sah es so aus, als ob das geheimnisvolle Phänomen der Wünschelrute, durch die unter- irdische Quellen, verbbrgene Schätze, Verbrecher usw. aufgefunden werden sollten, gelöst worden wäre. Im Jahre 1902 setzte sich ein Landrot B ü l o w- B o t h k a m p für dos Problem ein, und feine Beobachtungen wurden durch Gelehrte van Rang bestätigt. Doch seine mathematisch-physikalifche Grundlage, die er für die Frag« des Rätsels der geheimnisvollen Zweiggobcl gefunden haben wollte, bewährte sich ebenso wenig, wie 1909 die des Dr. Aigner in München, dessen Experimente und scheinbaren Erfolge auf kurze Zeit die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich zu lenken vermochten. Den modernen Üllchimisteir geht es auch nicht besser als ihren Vorfahren. Man erinnert sich wohl an die vor einigen Jahren verbreiteten Nachrichten, die allmählich zu einer Weltsensation wuchsen, daß es dem Prof. M i c t h c gelungen wäre, aus Queck- filber durch Zerstörung des Quecksilberatoms Gold herzustellen. Die ganz««tssenschaftlichc Welt geriet in Aufruhr, und»ach jähre- langen harten Pro- und Kontra-Disputen endete der Kampf mit der Niederlage von Prof. Miethe. Es stellte sich hierbei heraus, daß Micth« das Opfer eines wissenschaftlichen Irrtums geworden war, und daß das Gold, das er fand, Naturgold und nur ein Bestandteil des Quecksilbers war, womit er experimentierte. Die Jahre des Weltkrieges boten eine sehr düstere Gelegenheit für großartige Erfindungen. Einige von ihnen wirbelten viel Staub auf, doch ihr praktischer Wert stellte sich bald als nichtig heraus.— Dem Nahrungsmittelmangel zufolge befaßten sich namhafte Wissenschaftler mit der Frage, Heu und Stroh, bzw. Holz zu Brot zu verarbeiten. Doch muhten die enthusiastischen Erörterungen bald verstummen, da es sich herausstellte, dah diese Erzeugnisse ohne jeglichen Nährwert waren.— Zur selben Zeit erhielt eine große deutsche Industriefirma Patent auf die Herstellung von künstlichem Leder. Es wurde behauptet, daß Bakterien oder Schimmelpilze, auf Bierwürze übertragen, und einer gleichmäßigen Wörme ausgesetzt, rasch zu starken Häuten heran- wachsen. Bei entsprechender Behandlung sollte aus diesen Gebilden «in dem natürlichen Oberleder ähnliches und„vollauf gleich- wcrtiges" Erzeugnis gewonnen werden, das bei entsprechender Weiterbehandlung sogar zu einem Lackleder verarbeitet werden könne. Diese Erfindung brachte ihren geistigen Bätern auch kaum Millionen ein. Auf dem medizinischen Gebiet kommen Ueberraschungen und Fehlschlüge noch am seltensten vor, denn hier wird das„Nur- Schritt-für-Schritt-Vorwärts" am konsequentesten durchgeführt. Doch ganz ohne Enttäuschungen geht es auch hier nicht zu. Gemeint sind nicht solche sensationslüsternen Meldungen, die Jahr für Jahr sämt- lich« unheilbaren Krankheiten durch ein« neue Heilmethode als heil- bar vorgeben, vielmehr jahrelange Ergebnisse ernster Forschung?- arbeit, denen auch der gewissenhafteste Mediziner zum Opfer fallen kann. Solch«in Versagen wurde 1910 die Entdeckung des„M e s o- t h o r i u m s" durch den Berliner Chemiker Hahn, von dem behauptet wurde, daß es an Radioaktivität selbst das Radium über- treffen sollte. Ebenso wird wohl auch die Tuberkulose- H ei l m e t h o d e des Kopenhagencr Professors M ö I l g a a r d, dessen Goldprttparat„S a n o c r y s> n" den Erwartungen nicht ganz entsprach, als ein Fehlschlag zu bezeichnen sein. Auch andere Experi- mente, von denen von Zeit zu Zeit siegreiche Nachrichten durch die Welt gehen, wie zum Beispiel die erfolgreiche Beeinflussung d«s Geschlechtes bei dem werdenden Kinde oder die verschiedenen Ver- jüngungsmethadcn, haben vorläufig nicht die Bedeutung, die man ihnen gern zuschreiben möchte. Die„umwälzenden" Erneuerungen, die das Musikleben unserer Zeit erfahren hat, verdienen«in besonderes Kapitel. 1925 wurde das Farblichtklavicr des Pianisten Alexander Laszlü vorgeführt, das zwischen Ton- und Farbkunst eine Ver- bindung herstellen sollt«. Bei seiner Würdigung sprach man schlecht- hin von dem Werden einer neuen Kunstgattung: man beabsichtigt«, eine Farblichtakademic zu gründen, sarblichtmusikalifche Konzerte zu veranstalten, und das Dessauer Bauhaus wollte nicht nur für den Konzertsaal, sondern auch für den Hausgebrauch Farbcnorgeln bauen. Die Farbenmufik war monatelang das beliebteste Thema.— Wer spricht aber heute noch davon! Auch Prof. Theremins Aetherwellenmusik bezeichnete man als ein wahres Wunder, von dem es sich nur in Superlativen zu sprechen schickte. Der Menschheit Träume von der Sphärenmusik sah man verwirklicht, als ohne Instrument, nur durch Annäherung oder Entfernung der Hände des Meisters, auf einem dem Aether entnommenen Griffbrett Musik entstand. Auch hier war es„nicht abzusehen, welch umwälzenden Möglichkeiten hier Raum geboten" wäre— und wer würde dieser Erfindung heut« mehr Bedeutung beimessen als der einer immerhin sensationellen V a r i et ö n u m m e r. Allerdings find das Erfindungen der allerletzten Zeit, über die man noch kein abschließendes Urteil fällen kann. Doch wenn man allen Nachrichten hätte Glauben schenken können, so wäre das ganze Schiffahrtswcsen durch Flettners Rotorfchiff revo- lutionicrt, wobei es sich jedoch herausstellte, daß diese Erfindung, von der die ganze Welt als der größten des Jahrhunderts sprach, den übergroßen Erwartungen kaum entsprach. Auch stünde heut« das ganze E i f« n b a h n wc f c n auf dem Kopf, denn die„genialen" Erfindungen von Einschienenbahnen hätten ihren zwei- schienigen Genossen längst den Rang abgelaufen. Unser Glos, das sich Jahrtausende lang so gut bewährt hat, wäre schon längst durch „biegsames" und„unzerbrechliches"-Hartglos oder durch das „ideale Fenster" aus Bauinwolle ersetzt. Und Gold hätte» wir wie Sand am Meer, denn das Merwasscr enthält bekanntlich Gold, das man ihm— wenn auch nur in der Theorie— immer wieder abringen wollt«. Kohle- und Wasserkraft hätten wir nicht mehr nötig, feit der Wiener Ingenieur Schabendsky uns die Elektrizität?- gewinnung aus der Luft ermöglicht hat. Sonne hätten wir, soviel wir wollten, denn den Amerikanern B a n c r o f t und W a r r e n ist«s gelungen, mit elektrisch geladenem Sand die Wolken zu vertreiben. Und Regen hätten wir nach Herzenslust, wenn wir noch dem Muster der Amerikaner H a i g h t und Davis Wettertürme bauen würden, die die Wolken magnetisch anziehen und sie zur Entladung zwingen. Diese Erfindungen waren dennoch keine Bluffs, vielmehr Arbeiten, für deren erfolgreiche Durchführung nicht selten ein halbes Leben geopfert wurde. Nur sind sie von der Zeit, diesem größten und gerechtesten Richter der Weltordnung, gewogen und für zu leicht befunden worden, weil bei der Rechnung irgendwo ein Fehler unterlaufen ist, der nicht mehr zu korrigieren war. Dr. Nikolas Aranyofi. f in Wlaler, der feine Siildcr nidil verkauf le Trotz aller seiner Riescnbilder, trotz all des Aufsehens, das fein Atelier durch Jahrzehnt« hindurch gemacht hat, ist der belgische Künstler Anton Joseph W i e r tz(gest. 1865) nicht in die cigeiüliche „.Kunstgeschichte" hineingekommen. Kurze Zeit glaubte man, es bei ihm mit einem Künstler von den Ausmaßen eines Rubens, eines Michelangelo zu tun zu haben, die belgische Regierung ließ ihm ein Atelier von der Größe eine» Kirchenhalle bauen, und die Zeitungen aller Nationen belustigten sich sehr, als Wiertz sich den Spaß machte. der Poriser Ausstellungskommission, nach mehrfachen Ablehnungen seiner Arbeiten, ein echtes Werk von Rubens einzureichen und dann lochend der Welt zu verkünden, daß mich Rubens von den erlesenen Kunstrichtern der Jury Frankreichs abgelehnt worden fei. Aber als sich die Lust an den Sensationen ersättigt hatte, und man dahinter gekommen war, daß verblüffende Nachahmer-Geschick- lichkeit noch kein Beweis für starke Künstlerfchaft ist, und daß Riesenformatc noch keineswegs„große Kunst" zu umschließen brauchen, ebbte das Interesse für Anton Joseph Wiertz' Kunst schnell ab. Man sah in dem„Wiertz-Museum", seinem Atelier, nicht viel mehr als«in Panoptikum,«inen Anziehungspunkt für reisende Gaffer und Sensationslüsterne. Vielleicht ist aber auch dieser Standpunkt nicht der richtig«. Denn eine„Persönlichkeit", ein„Original" war Wiertz in jedem Falle. Dafür spricht schon die folgende Anekdote: Wiertz war niemals dazu zu bewegen, eines seiner Gemälde zu Verkäufen. Ein Porträt, das ihm in Auftrag gegeben wurde, das ließ er sich gern bezahlen, denn die Wiedergabe eines'AntlitzesD schien ihm— wie di« Arbeit eines Photographen— eine Arbeit aus zweiter Hand, gewissermaßen Handwerkerarbeit: und jede Ar- beit war ihres Lohnes wert. Aber Ideen, die ans der Tiefe feines Inneren herauswuchsen, Gestalten, Schöpser im höchsten Sinne sein, das war doch wahrlich kein«„Arbeit"! Man konnte doch feine„Kinder" nicht verkaufen! Als fein„Kampf um den Leichnam des Patroklus" in London ausgestellt worden und ungemessenes Aufsehen erregte, wünschte die Königin von England, das Bild zu kausen. Wiertz aber erklärte, daß es gegen feine Grundsätze sei, ein Bild zu verkaufen, daß er aber mit großem Vergnügen bereit sei, das Gemälde der Königin zu schenken. Do Wiertz sich aber auch nicht Einmal bereit finden lieh. ein Gegengeschenk anzunehmen, verzichtete die Königin begreiflicher« weise auf den Besitz. Merkwürdigerweis« hielt Wiertz es für weniger gegen die Würd« seines künstlerischen Schossens verstoßend, w-nn er seine Bilder für Geld sehen ließ. Da er keineswegs reich war, lebte er im wesentlichen von den 50 Centimes Eintrittsgeld, die eins alte Magd an der Türe seines Ateliers einkassieren mußt«! Denn Porträt- auftrüge kamen nur selten� V o. % vaue* QesundheifspFeife &0ix£ Schont Herz und Lunge UnbedenkLRauchsn'.KnXichemofbhlenJ Denfsdisr Metallarlieiter-YerbaDd Verwaltungsstelle Berlin Todesanzelgan. Den Mitgliedern nur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Max Engel geb. 2. Januar 1993, am 19. Zult gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dien,- tag, dem 23. Julis 13'/, Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhoses in Steg- iig, Bergstraße, aus statt. Am 19. Zuli starb an Luimenlelden unser Kollege, der Mechaniter kalter Langner geb. 29. Januar 1908. Die Einäscherung findet am Diens- tag. dem 23. Juli. 1» Uhr. im Kre- malorium Baumschulenweg, Kiesholz- ftcaß», statt. Ehre ihrem Andenleni Rege Beteiligung erwartet Die Otlsoecnoltana. Am Freitag, dem 19. Juli, 20,40 Uhr, enischlies nach langem, qualvollem Leiden meine liebe, gute Mutter, unsere Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante, Frau Heclwig Seepe Witwe, im 42 Lebenslahre. In tiefstem Schmerz zeigen die» an Hie tTBaerndea Hinterbliebenen Berlin W. 57, Droßgörschenstr. 41. Die Einäscherung findet am 25. Zuli 10 Uhr. im Krematorium Wilmer,- dorf statt. 0sKl»aguns. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahm« bei der Beisetzung meine» lieben Manne» fran? Pagel sage ich allen Belannten und Partei- genossen meinen herzlichen Dan! Vw. Pagel. LGbarser Stnli 156. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich de» Hinscheiden» unlere» lieben Manne» und Baier» sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, insbesondere der 92. Abt. der SPD. sowie der Ortsgruppe Neutälln des Reichsbundes d. Kriegsteilnehmer und Hinletdliebenen unseren herz- lichsten Dank! Wv. Anna Ubecbel nebst Todttcr. S Uhr Bei*, aas« .Bomb Minnitsch'» EH saafiknltchi Tagabundeu uw. TSgl.» d. 8» SoMLtS« 8U ______ Alex. 8066 INTERNAT. VARIETfe Rose- Theater, Große Frankliu iei Str. 1S2. Aal der QartenbtUue Täglich SJO Uhr 9 große Varietönnmmeni und Gräfin Mariza. im laasaiaeater. TtdUcb Uhn „OEAF" Tragödie eines Sportler» Reichshallan-Theater fä] mir. Gastspiel der beliebten DresoaerYHrtBriasaoBer Nene» glänzendes Programm! Billettbestell. Zentr. 11263 UAng.: Wlederauftrcten der Stettiner Sänger Dönhoff- Srstth: Varlett: Tanz O r c h ester Adolf Becker So m mer-Oart«n-Theater Berliner Prater N 58, KasL-AIIee 7-9. Tel. Hb. 2246 Gutsplei Gssicl Beer. Graul uiieo ZaarewUscXa Operette von Franz Lehdr Dan der große VarlctOteiL AnTang Konzert 00. Burleske u. Variete S Olli. Opgrtllg 6.30. isdtn Dmraeniig a roher Vollntiig. Jed. Mittw. RMetlnl B. Vtltoinn Winter ★ GofiGfl* 1 6 Otu> leotr. 38X0» Ulli Ol eo erlubl Wanderknabe Concbe und weitere VarietG.Neuheiten Vomsütmne lliiitKingllloviililz «-/. Uhr Benin, wie es weint n. lecnt Theater am SihUfhaDerdamm. Norden 1141 u. 281 8Ve Uhr Grnppe langer Schaasptcler Zum 252. Maie: HeTolte im Eniehunashans Leute Xaiiflstningen! Partei-und Qewerk- schaftsmitgl. gegen Vorzeigiing des Mitgliedsbuches statt und 4 Mark nur 1 Mark WM Theater D.1 8U, Norden 12310 Ende gegen 11 Die Fleflermaos Musik v.Joh.StrauB Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E.W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Die Komödie J1 Bismck.2414/7516 SV», Ende geg.lO'/jU. Reporter 3 Akte v. Ben Hecht und Mac Arthur Regie; BeiOl BUptn. Bamowsky-BOhfiin Komödlnnhau» Norden 6304 Täglich 8>/i Uhr Bodizeltireiie Sommerpreise I Theal. d. Westens Täglich 8V« Uhr Sonntag 3Vi u. S1/» Franz Lehan Wellerfolg I Friederike Lotte Carola, Willy Thnnis. Telephon Stelnplatz 0931 u. 5121 LostspitlliaBS Täglich 8'h Uhr Du wirst mich hairalanl Rundfunkhörer halbe Preise. Tbeat.sinKanii.T« Kottb.Str.6 Bis 31. Juli Tägl. 8 Uhr Gastspiel dar t Origlul Lolpzlgar Fritz- Waber- Sänger mit ihna UrBirll« Ml, neuen Programm reCTi 2. FIRI1N> VOLKSTAG Mittwoch, dem 24. Zaii. abends S Uhr, in ben(Becmania- prachtsSIen, Thausseestrafie 110 Branchenversammlung der Bau- und GeidschranH- schlosser Tagesordnung: 1. Beri hr v»n denBerhandlungenmit dem Schutzverband Berliner Schlossereien über den Lohn- und Mantettariss vertrag. 2. Stellungnahme dazu( evtl. Streik- bcfchlusj). S. Ergänzungswahlen zur Branchen tommisflan. In Anbetracht der wichtigen Tagest ordnung, da in dieser Versammlung evtl. erneStreilabstimmung durchgeführt werden muß. find all, Kollegen verpfiichtet, zu erscheinen. Wir bitten die Kollegen der anderen freien Eewerkschaften. bezugnehmend auf die Durchführung de» 8. Punkte» der Tagesordnung, auf der Galerie Platz zu nehmen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Badsapparaie-Klampner! Mittwoch, den 24. In», nachm. S Ahr, im Cofal Lehmann. Zenghaf- Ecke Mustauer Skr. Vei'ssmmiung siiep in«er Bndvindiisli'is vvslliiznizrsn «sissgsn Tag esordnung: Beridtt von der Verhandlung vor dem Schlllbtunzsansschuß und Beschluß' sassung dariider. » Die Anwesenheit aller Kollegen ist bringend erssrderiich. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt Die Ortsrervaltaag. Dienstag, den 23. Juli j nachmittag, SV, Uhr. Voller Betrieb Brlllanl-Fwiierwark Mctropol-Th. Tägl. SV» Uhr Sonntags 3Vi u. 8V» Blanbarf Operette von Ottenbach Kammersänger Willer Ilrehhoff Planetarlnm — am Zoo Talin. Joadirotksla itnh B. 5 Barbarossa 5578. I6V< Uhr StomblUw dM Sommer, 18V» Uhr D»r Blatkall der Sonne 20-/, U. Vee Pel z» Pel am Stemanhlmeiel Tägl. auSer Moni u. Mittw. Erwacl I Mk, Kinder 50 Mittw.: Erwacheene 50 Pf. Kinder 25 P(. chg» ichs. OPt MiaD» zur Miete WSO.Ansbacherstr.l ftft L-)uergens Alexanderplatz Neue KSnlgstr. Gegen Wanzen Tod und Teufel Wanzelifluib»Marslal- tötet jede Wanze ouf der Stelle unb zerstört die Ärutnester restlos. Nicht fleckend, überall anwendbar. Flasche Ml.-.SS, Mt. 1.30 unb Ml. 2.40. 3n Drogerien erhältlich, sonst durch Otto Reichel, Äerlin SO, Eisenbahnstr. 4. Ingenieurschule Lad 8nlzaj?tlür. UShere TecHn. Lehranstalt, Maschinenbau, Elektrotechnik, Automobil» und Plugtechnik, Gas- und Wasaertechnlk, Chemie. Programm frei |Dle Akieleeirtoi erhalten deaZeegnie der mtttl. Reife J Ein Geheimnis? Männer! Nene Kraft! Man kennt heute nnr noch yiOlUlM14(nach Geheimrat Dr. med. 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Wendenstr. 34. »Baumschulenweg: Strahl, Kiesholzftr. 179. Oder- schoneweid« 1072. B««au. Röntgeutal, Zep-«lck. Schönbrück.»arow und Buch: Heinrich Brase, Bernau, Müblwstr. 5. vagfelde: Anna vrochmann, Dorfstr. l5. Bieidors-Nord: Karl Kellermann,«Snigstr. 17. vieädors-SSd: Georg Winkler, Fortuna-LIIe« 40. Birkenwerder: Frau Z o o r, Bahnhofstr. 6. vohnsdors: Karl Kußke» Eichbuschstr. 9. vorgsdorf: Oäwald Börner. Siedl. Vorgtdvrs 36. Borsigwalde: Gebauer, Schudertstr. 32, v. 3 Tr. chholz-Blankenburg: Wagner. Burgwallstrabe 63. Pankow 233. Tablow, Neue Mühle Jäkel, Cablow, Mühlen weg 59. Caputh: Fritz Dan, Krughofstr. 23. —''--- Str. 1. 0 1«teiichl. 4156. Taurvggener Str. 11. iputh: Fritz Dan, Krughofstr. harlottcnburg I: Sesenheimer Z harlottenburg II: Eiäseld, (i. ildüLinl Su>\hind ADsoaluDe-iDdebote! 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Köpenicker Str. 119. Halensee, Grunewald, Sichkamp: Frau Noack, Kiosk Henriettendlatz. Privatwodnuna: Katharinenstr. 4. Seinersdorf: Schulz, Hildeftr. LS. 'enuigsdorf: Frau R u d a t, Natbenaustr. 8. «rmsdorf: Gustav Schley, Moltkestr. 11. Hoheuueueudorkt Frau Neuendorf.BerlinerStr.28. Hohenschouhaui«»: Frau Sehr. Orankeftr. 19. Hof Part. Hoppegarten: Rausch, Hoppegarten-Birkenstein, Par- zelle Nr 119. Johauuisthal: Lehmann, Kaifer-Wilheliu-Str. 6. «arlshorft: Bern dt. Kiosk. Bahnhofsplatz. Kaulsdors: Vogt. Bredereckstr. 19. AZuigswvsterhans«: E. Mever. Potsdamer Str. 9. Köpenick, Hirschgarte», Mahisdors-Süd: Schlag. Kö- penick, Kietzer Str. 6(Lad«). Ee> 1«. »Lichtenberg II. R-mmeliburg. Stralau: voxhagener Straße 62. E 8 Andreas 733. »Lichlerfelde-Oft, Lankwitz: A. Wenzel, Lankwitz. Zietenstr. 15. Tel.: Lichterfelde G. III 2703 Lichterfelde-West: Höhn, �ehtendorf. Teltower Str. 3. Telephon: Zehlendorf 1853. Lichtenrade: Frau Lenz, Bahnhofstr. 20. Mahlsdors: Wilhelm Kur,. Hönower Str. 177. Mariendors: Frau L e i p. Chausseestr. 29. Marieuseld«: Alfred Pöschk, Berliner Str. 8o. Marzahn: Siedlung der Kinderreichen. G: m p e r-. lein. Landsberger Chaussee 39c, Block l. Wohnung! Nmenhagen: W« n z l e, Ziegelstr. 1. »Neukölln I: Neckars»!. 2. F 2 Neukölln 6707. »Neukölln II: Siegfriedstr. 28:29, F 2 Neukölln 5706« Neukölln HI: W i n k l- r. Hobrechtstr. 40, v. 1 Tr »Reukölln-Britz: Mittag. Britz. Chausfeestr. 82. d 2 Neukölln 2550. »euschult-ndors: F r° n z K u h l Ernststr. 54. Niederschöneweide: FriedrtchStankewiy Sprer- straße 4, v. 3 Tr. Niederschönhauseu-Ost: Frau Goldbach. Schloß- alle« 45. v. 3 Tr. Nowaweö: Eisenbahnstr. 10._„ v Oranienburg: H e t n r. Leonhardt, Stralsundkr. 6 Obersch-neweide: Robert Paul. Wilhelminenhoi' straße 44a. F 3 Oberspree 0621. Pankow: R i ß m a n n, Mühlenstr. 70. Pankow 2452. Potsdam: Gebr. Schubert. Junkerstt. 26. R-Hnsdors: Urbaniak. Rahnsdorf Muhle. Hohe». zollernstr. 136. Neinickendors-Ost: Mahle. Prodinzftraße bS. öffnet 2—6. Reinickeudorf-W-st! B« n d t. Scharnweberstr. Volkshaus. Reinickendorf 3621. Rosenthal: Fritz Koffert. Kronprinzenstr. 4 Rudow: Otto Koiler. Waltersdorfer Chaussee. Sadowa, Kaulsdors-Süd: Henfchke, Kaulsdors, Sfid. Waldstraße G«. »Schmargendorf I: Nehab,»reite Str. 3. H 1 Pfalzburg 3541._ Schönblick: Neuendorf, Echönblick. »Schöueberg: Belziger Str. 27.<3 1 Stepha» 7409. S«zig: Friedewald, Cbauffeeftr. 54. SiemeuSstadt: Sten.i«l, Brunnenstr. 6, d. 1 Dr. Steglitz: Frost. Schadenrute 2. Südeude: Ludwig. Holskestr. 36. Tegel. Tegelort: Spieß. Tegel. Schlteperstr. 52. Teltow: H ä f e I. Ritterstr. 29 Tempelhof: Harsdorf, D-rderstr. 31 v. Part. Ncut-mp-lhos: Rindfleisch. Fidicmstt. 35, d. ptt Trebbin: G ö r i n a, Parkstr. 22. »Treptow: M« ck e I b- r g, G»»tzstr. 50.?! Mpl. SStk W-idmauusl-st: Rohde. Oraniendamm 10. Sannfe«: Wolter. Glientcket Str. 29. «eißenfee: R e i n k» e ch t. Rölckestr. 175. p. 1 Tr. Weißensee 973. «ilda». Hoherlehme: Rud. Lettow, Hoherlehme. Friedrich-Ebert-Str. 66. Vilmersdors I: Lauenburger Str. 28, Loden. Rhei». gau 905�. Wilmersdorf II: Friedrich Bauer. Paultborne: Straße 22. l. Stfl. IV. WtlhelmShagea. Hesseuwiulel: Schulze, Wilhelms- bogen. Wilhelmstr. 31. «itteaau: Z i b e l I. Hauptstr. 65. Woltersdorf: Frau Aepler, Fangfchleufenstr. 2». »Zehleudorf. Schlacht«?«». Nikolassee: Höhn. Sehlen- dorf. Teltower Str. 8. G 4 Zehlendorf 1853. Zernsdorf, Niederlehme: Otto Liefegang. Zerusdors. Breite Str. 105. Zeuth«. Mleridorf: Alb. Behling, Bahnstr. 2. Zossen: Witt. Baruther Str. 12. Sämtliche Literatur sowie alle wissenschaftlichen Wertk werden geliefert. Sonntag» find die veschöstSftell« geschlossen. Die mit einem* versehenen Ausgabestellen find nachmittags von 2—6 Uhr unter der angegebenen Rum- «er telephonisch zu erreichen. Verkäufe Klein. Mar,. — 4r- Klrin» Dedsehler «leine Websihler Kleine Webfehler l». Qualität b. Qualität I*. 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