BERLIN SienStag 23. Juli 1929 10 Pf. Nr. 340 B 169 46. Lahrgang. erschein» tSglich anßerGinntog«. Zuzle ch Abendausgabe des.DorirSrt»'. BejugSrrcis beide Autaaben SöPf. pro Woche.».««'M. vro Monat. Viedaktlvn und Trredition! BerlinSW6S.Lmdenür.» SfuUaubgaße dßh Sn»eigen»rei«! Die einspaltige Nonpareilleieili «o Pf.. Vicklameieile s M. Ermäßigungen nach Tarif. PoSscheckkont»! DvrwärtS-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr.»7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 2SS b�s 29? Schamlose Kriegslügen. Gowjetrussifche Greuelpropaganda in Deutschland.- Schlimmer als 1914! WWWWMMWff'' ,«« F. p| i% IJ h'� * 4 ««a»> y.mittt SÄtti WM V 0* sWMi! s: M M WWet 2>.vW MWW iDM ifikti 'vt" � �.< �WM\ M;| p| H+ z M ;■ ,.A x jßi ' i as> i»ütct Tsch�ngZaikchetp b«t AKikerte s°e» ArWiee/ �»Ms ö-MezMst >;e- KLS-Nkt«. •v/v.v...w»»» awbww« flüw*»«. lÄkK 5 ZK? b?x»S&H« ! T'ä MOGW? ZyMPWW>sWW .«M WkStt Ok KW�Ä l M MM MM � Sie» 3iild erfchlen in der*&oten Sühne* vom 21. Juli 1020. !--J �\'5 s'' r--5 Veti�'r!nl L.n-im..ii.v«»h Uti Xa�kiK',«m �>rt!'>. i-><'! 7k.»�*' i-< �■v-- c vviK#"" t k »�ichcn d<-p z n;!;> i-:.!.' 7«!<::;'-'<'!!->.X � � � Ju4 1< u>>;> iV•■'; � ,- Mirüe ih�tA'l}T�Ur>vr i 5 k<>« i ------->> x;....; � daß die Sonneneinstrahlung gleichfalls ihre ganze Intensität zur Ge'tung bringen kann. Außerdem werden infolge der durch die Erwärmung über dem Festland entstehenden Randwirbel der meist bis zu den Britischen Inseln reichenden nordatlantischen Depres- sionen auch noch erhitzte subtropische Lustmassen nach Mitteleuropa verfrachtet. Diese drei Faktoren lassen dann die Temperaturen bis zu Werten emporsteigen, wie wir sie gegenwärtig wieder haben, und die keineswegs in jedem Sonimer erreicht werden. So waren die Sommer 1926 und 1927 ganz ohne sonderlich hohe Hitzegrade ver- laufen. Die allerhöchsten Temperaturwette des zwanzigsten Jahr- Hunderts, wie wir sie in den heißen Sommern 1911 und 1921 hatten, sind bisher allerdings noch nicht vorgekommen; sie liegen zwischen 37 und 49 Grad Celsius und stellen ungefähr die Höchst- wette dar, die in unseren Breiten überhaupt möglich sind. D-r normale Hitzebedars des Mitteleuropäers erscheint aber auch mit 34 bis 36 Grad Celsrus reichlich gedeckt und niemanden gelüstet nach mehr. M. L. Oer Äichier von»Gefängnis' Gnaden.'' Er heißt John L. Murphy, das Glückskind, das feine schrist- stellerische Karriere dem Staatsgesängni» von Columbis(Ohio) ver- dankt. Vor etwa fünf Jahren wegen Diebstahls zum unfreiwilligen Genuß der behördlichen freien Station oerurteilt, begann Murphy in der Einsamkeit seiner Zelle lediglich aus Langeweile kleine Skizzen zu schreiben, denen er selbst kein« Bedeutung zumaß. Anhers der Direktor des„Vogelhauses". Von einem literarisch beleckten Gefängnisaufseher auf die Tätigkeit seines Gastes aufmerksam ge- macht, laß er die Manuskripte durch, fand sie ganz ausgezeichnet und leitete die im Gefängnis geborene literarische Produktion an «inen bekannten Verleger weiter. Dieser fand die Novellen eben- falls ganz anständig, und wollte sich vor allem die gewiß nicht all- täglich« Sensation entgehen lassen, die literarischen Versuche eine» zu zehnjähriger Gefängnisstrafe Verurteilten zu oeröffentlichen. Der Verleger kam auf sein« Rechnung: das Publikum stürzte sich förmlich auf die Lektüre mit pikantem Beigeschmack. Das Honorar für die ersten vier Skizzen reichte bereits zur Anschaffung einer Schreib- Maschine für den ideenreichen Verbrecher aus, und so wurde die sonst so trostlos« Gefängniszelle zu einer regelrechten literarischen Werkstätt«, in der Tag für Tag neue Musenkinder da» Licht der Sonne erblickten. Und bald darauf durfte auch der überglückliche Dichter von„Gefängnis' Gnaden" die sonnige Außenwelt wieder- sehen: auf Geheiß de» n»«nsch«nsrcundlichen Direktors setzte ihn ier Gouverneur auf freien Fuß. Er mußte sich ehrenwörtlich ver- pflichten, monatlich einmal bei der Polizei vorstellig zu werden und „zumindest" in seiner fünfjährigen Bewährungsfrist tunlichst jeden Konflikt mit den Behörden vermeiden. Das dürfte Murphy beileib« nicht so schwer fallen._ Die Ausstellung..handelt Zahre vetllner Kunst" im L.nics» auestellungcgebäude am Lehrter Bahnhof ist wegen des Interesse», das sie immer noch findet, bis Sonntag, den 4. August, einschließlich, verlängert worden Die Ausstellung ist täglich, auch Sonntag», bis abend» 7 Uhr geössnet. (Stock schieil I seine Memoiren. Der Groieek-Clown Grock>9. noch bevor er sich in dlcscm Winter von der Bühne völlig.-url.kochen will, unter die Memoirenschreiber gegange». Das Buch, das die Geschichte seines Aufstieges behandelt, wird zuerst in einem deutschen Verlag Ansang nächsten Jahre» herauskommen, Leidensweg eines Sirafgefangenen Ich sah Im Cafe mit einem„Mörder", vor neun Zähren. Als siebzehnjähriger Bursche halte der junge Mensch unker ganz besonderen Umständen in seinem heimatlichen Dorfe eine Frau gelötet. Für sechs Jahre und acht Monate schlössen sich hinter ihm die Tore eines preußischen Jugend- gesängnisses. vor einem Jahr vier Monaten wurde er bedingt entlassen. Uns gerade heute waren die acht Straf- jähre, die diktiert waren, um. Der junge Mensch war seit Monaten arbeitlos, erhielt nur zeitweise ganz ungenügende Unterstützung und hungert«: sein Zimmer blieb auch im Winter, selbst bei der strengsten Kälte, un- geheizt, und unter seinem dünnen Regenmantel bot damals kein Sweater dem schlechlgenährten Körper Schutz. Seine Bronchien waren angegrissen, er hustete sortwährend, sein« eingefallenen Wangen ließen Gefahr ahnen.„Sie werden es wohl manchmal bedauert haben daß Sie v o r d e r Z e i t aus dem Gefängnis ent- lassen wurden. Da hatten Sie doch wenigstens satt zu essen, eine warme Zelle, Arbeit und Freunde."„Nein," meinte mein Tisch- genösse,„es ist doch gut, daß ich heraus bin. Würde ich heute«nt- lassen, so wäre ich doch gezwungen, all das durchzumachen, was mir während dieser 16 Monat« widerfahren ist. Schließlich habe ich auch aus den vielen Enttäuschungen etwas gelernt. Im Gefängnis wurde uns immer gesagt:„Jungens, wenn ihr raus kommt, dann sollt ihr sehen, wie für euch gesorgt wird. Ihr bekommt Arbeit, soziale Helfer werden sich um euch kümmern, nur nicht bange!" So machten wir uns die rosigsten Hosfnungen. Was ich fand, war dos direkte Gegenteil meiner Erwartungen. Vom wirklichen Leben und seinen Schwierigkeiten hatte ich keine Ahnung And als ich draußen war. wußte ich nichts mit mir anzufangen. Ueberall gab es Hindernisse zu überwinden,«ins schwieriger als das andere..."„Ihnen wurde aber doch geholfen?" „Ja und nein..." Während der zwei Stunden, die wir im Eafä zusammenjaßen, durchsprachen wir noch einmal in allen Einzelheiten die Leidensgeschichte dieses jetzt Fünfundzwanzigjährigen vom Tage seiner Entlassung an.» Oraußen und im Kloster. Die ersten Minuten auf dem Bahnhof waren verwirrend, alles eilt« und hastete— wie ruhig und gemessen ging es doch im G e- f ä n g n i s zu. Zu Hause wurde Werner— nennen wir ihn so— von den Dorsgenossen und von den Seinen freundlich empfangen. Die Neugierde der Menschen war aber unerträglich. Saß er in irgendeinem Lokal, so steckten die Leute sofort die Köpfe zusammen und tuschelten. Nein, hier war seines Bleibens nicht Er fuhr zum Gefängnis und bat um Arbeit außerhalb des heimatlichen Dorfes. Man schickte ihn in ein K l o st e r. Werner arbeitete hier bereits vier Monate als Tischler, machte trotz seiner Ungläubig- keit— sie stammte aus dem Gefängnis— die täglichen Messen mit, war froh, daß er Arbeit hatte, als eines Tages ein Dorfgenosse von ihm ins Kloster kam und dem Abt„reinen Wein" über ihn einschenkte. Am nächsten Tage wurde erandieLuftgesetzt. Er fuhr zum Gefängnis zurück und von da nach Hause. Zu Hause und in Köln. Durch seinen Onkel, einen Hütteningenieur, erhielt Werner Beschäftigung. Seine Vergangenheit sprach sich aber bald herum.„Mit einem Kittchenburschen," hieß es,„arbeiten wir nicht zusammen." Werner ging zum Unternehmer und bat, ihn nach Düsseldorf zu versetzen. Dieser meinte:„Ihre Vergangenheit geht niemand etwas an. Sie leisten gute Arbeit, und das genügt." Die Arbeiter aber erklärten nach wie vor:„Mit dem arbeiten wir nicht!" und ließen ihn links liegen. Werner besaß Eigenlieb« und Menschenwürde. Er schrieb ins Gefängnis, daß er hier nicht bleiben könne. Er erhielt die Erlaubnis, nach Köln zu fahren, auch eine Empfehlung an den sozialen Fürsorger. Es war dies ein freundlicher Mensch, der sich Werners warm annahm, ihn in der Kolonie der Arbeiterwohlfahrt in Köln-Deutz unterbrachte und sich für ihn beim Arbeitsamt bemühte. Es gab aber keine Arbeit. Da setzte sich Werner mit dem Gelds, das ihm sein Onkel geschickt hatte, aus die Bahn und fuhr kurzerhand nach Berlin: hier Wo bleibt die individuelle Fürsorge? t mußt« er endlich Arbeit finden! Mit 86 Pfennig in der Tasche traf er im Mai vorigen Jahres in der Viermillionenstadt«in. Polizeirevier und Gefangenenfürsorge. , Drei Tage irrte Werner in Berlin wie in einem Nebel umher Der Straßenverkehr verwirrte ihn. Mit leerem Magen nächtigte er in den Anlagen und entschloß sich am dritten Tage um vier Uhr morgens von quälendem Hunger gepeinigt, bei der Bahnhofs- wache in der Friedrichstraße anzuläuten.„Was wollen Sie hier? Wozu haben Sie geläutet?" fragte der Beamte. Werner erklärte daß er hungrig sei, nicht stehlen wolt« und eines guten Rats bedürfe. Der Beamte läutete im Polizeipräsidium an, es sei ein ehemaliger Mörder da, der«inen sehr anständigen Eindruck mache, ausgehungert sei und von ihm Stullen erhallen habe. Er solle morgen zur Gefangenenfürsorge gehen, lautete der Bescheid. Das tat Werner auch. Hier traf er einen Fürsorger, den er vom Gefängnis her kannte. Man schickte ihn nach Köpenick in das evangelische Arbeitsheim. Evangelisches Arbeitsheim Köpenick. Werner hatte seine bitteren Erfahrungen. Im Kloster war er gezwungen worden, die katholisch-religiösen Uebungen mitzumachen. Als er im Heim einmal vom Morgengebet fortgeblieben war, wurde ihm klipp und klar gesagt: Entweder er nimmt an den Andachten teil, oder er kann gehen! Schlimmer als das war die schlechte Entlohnung. Werner hatte sich, gleich den anderen, für drei Monate verpflichten müssen. Für Arbeit außer dem Hause machte der Höchststundenlohn 40 Pfennig. Werner erhielt 30 Mark. 1,50 Mark wurden täglich an das Heim abgeführt. Seife, Wäsche, Schuhe, Schuhputz usw. mußten außerdem bestritten werden. Das ärgst« aber war der Geist, der im Hause herrscht«: als be- sonders unwürdig empfand man die A u f p a s s e r e i und den Zwang, abends zeitig zu Hause zu sein. Als Werner nach 21 Tagen das evangelische Heim verließ, wurde ihm gesagt, er habe 5,86 Mark Schulden. Er fuhr nach Berlin zur Gefangenen- fürsorge, man mietete ihm ein Zimmer, er fand auch Arbeit als Tischler in einer Werkstatt. Allerdings hatte er es nicht leicht. Im Gefängnis wurde alles mit der Hand gearbeitet, hier nur mit Maschinen. Es war Aushilfsarbeit, die er bald verlor. Ersparen konnte er nichts: er mußte Wäsche anschaffen, auch Kleidung: so war er auf Wohlfahrtsunter st ützung angewiesen. Nöte aller Art. In der großen Stadt ohne Arbeit! Jetzt erst lernte Werner so recht die Einsamkeit kennen. Sein einziger Verkehr war der Gcfangenenfürsorger, mit dem er anfangs einmal in der Woche zusammenkam. Die Bekanntschaft mit einem jungen Mädchen ging in die Brüche, als er ihr sich offenbarte. Sie schrieb an ihre Mutter, wer ihr neuer Bekannter sei, und dies« verbot ihr den Umgang. Werners Sehnsucht nach Iranenverkehr blieb un- gestillt: Der Zwischenfall mit dem Mädchen war für ihn ein harter Schlag. Mißtrauisch von Natur, wurde er nun noch mißtrauischer. Der Herbst kam heran. Die Arbeitslosigkeit bedrückte ihn. Die Gefangenenfürsorge immer wieder zu belasten, war ihm p e i n- l i ch. Er suchte sie nicht mehr auf und hungerte sich durch. Kaffee erhielt er von seiner Wirtin. Auch die Wohnungsmiete schuldete er. Mit den Nerven war er vollständig herunter. Die Feuchtigkeit in seinem Zimmer verursacht««inen Bronchial- katarrh. Um leben zu können, oersetzte er einen Teil seiner Sachen. Er war der Verzweiflung nahe. Tagelang döste er in seinem Zimmer oder lag im Bette, ohne einen Menschen zu sehen. In diesem Zustande rief er mich an: Er wolle ein Ende machen. Ich sprach ihm Mut zu, ermöglichte es ihm. seine Sachen auszultlsen und nahm ihm das Wort ab, daß er wieder die Gefangenen- fürsorge aufsuchen werde. Er tat es. Nun sollte er zum Wohl- fa h r t sa m t seines Bezirkes. Auch das tat er. Es stellten sich aber verschieden« Schwierigkeiten formeller Art ein, er erhiell weder Krankengeld noch Wohlfahrtsunterstützung. Krank und hustend, war er gezwungen, im stärksten Frost zu Fuß von einer Behörde zur anderen zu wandern. Das wurde ihm zuviel. Hatte man nicht ver- sprachen, für ihn zu sorgen? Sonnte er dafür, daß man ihn während der sechseinhalbjährlgen(Besängniezeit derart unselbständig gemacht Halle, daß er so leicht mutlos wurde? Er suchte das Justiz- m i n i st e r i u m auf. wurde zum Strafoollzugsamt geschickt, kam zeitweilig wegen seine» nervösen Zustandes in ärztliche BeHand- lung, fand für kurze Zeit Arbeit, mußte sich dann wieder krank melden und lebte die grimmig kalten Wintermonate hindurch in seinem u n- geheizten Zimmer. Und doch konnte er noch von Glück sprechen. Er hatte menschliche Wirte Eines Tages fand er sämtliche Türen zu den übrigen Zimmern versperrt. Nach Wochen erfuhr er den Grund, man hat� in seinem Zimmer ein Papier gefunden, aus dem feine Vergangenheil zu ersehen war. Die Wirtin erschrak: Einen Mörder hatte sie also beherbergt. Die Tochter beruhigte sie, er könne doch nicht dafür, er sei damals ein junger Bursche gewesen. Seine bescheidene und intelligente Art erweckte ihre Zuneigung. Sie war auch das einzige gleich- altrige Wesen, das er kannte. Der Vater, ein Arbeiter, Maurer— Mutter und Tochter arbeiten gleichfalls—, gab das Geld zur Ver- lobung... Ja, Werner hatte Glück. Eins drückte ihn aber unauf- hörlich: seine Arbeitslosigkeit, die Notwendigkeit, sich von der zukünftigen Schwiegermutter durchfüttern zu lassen. Er beklagte sich schmerzlich, daß im Gefängnis ein unmoderner Betrieb herrsche, daß man ihm sowie seinen Leidensgefährten keine richtige Vorstellung von dem Leben draußen beigebracht, ihm nicht von gewerkschaftlichen und politischen Organisationen erzählt und es ihm daher ungeheuer erschwert habe, sich ins Leben einzureihen. Tatsächlich hat er von all dem. was Berlin einem interessierten Menschen bietet, noch nichts kennengelernt. # Es war ein reicher Abend für uns beide, für mich, der ins Leben dieses jungen Menschen hineinschauen durfte, und für Werner, der der freundschaftlichen Aussprache neuen Mut zum Leben ent- nahm. Zwei Dinge braucht er unbedingt: Arbeit und einen Zllcn- schen, der ihm unaufgefordert stets zur Seite steht. Mit der offi- ziellen Gefangenen- und Wohlfahrtsfürsorge ist es nicht getan. Nur ein freier Helfer mit Lebenserfahrung wäre imstande, diesen jungen Menschen, der gleichsam aus einem fernen Land« plötzlich in ein völlig fremdes Land hineinversetzt ist, in dieses Leben ein- zuführen. Werner hatte.unterdes Arbeit gefunden. Der Sommer er- füllte ihn mit frischem Mut... Dann traf ihn ganz unerwartet «in neuer Schlag. Als er eines Tages zur Arbeitsstätte kam, sagte ihm der Chef:„Wir haben erfahren, daß Sie wegen Mord b e st r a f t waren. Nehmen Sie Ihre Papiere, sonst werden wir Ihnen kündigen." Jetzt liegt Werner krank zu Hause ohix Mittel und Aussichten für die Zukunft. Fast könnte man glauben, er habe es im Gefängnis tatsächlich besser gehabt... Leo Rosenthal. Vier deutsche Ratifikationen. Aber der Achtstundentag fehlt noch. Der Reichspräsident hat die formelle Ratifikation folgender drei internationaler Arbeitsübereinkommen vollzogen: Uebcrein- kommen über das Mindestalter für die Zulassung von Kindern zur Arbeit auf See, Uebereinkommen über das Mindestaller für die Zulassung zugekidlicher Personezr als Kohlenzieher oder Heizer mid das Uebereinkömmer» über die psli'chtinäßige ärztliche Untersuchung der Im der Scefchifsahrt beschäftigten Kinder. Das erste Uebereirr- kommen ist bereits von 22 Staaten, das zweite von 21 Staaten und das dritte ebenfalls von 21 Staaten ratifiziert. Ferner hat Deutschland kürzlich das Uebereinkommen über die Einrichtung von Methoden zur Festsetzung von Winde st löhnen ratifiziert. Damit hat Deutschland nunmehr insgesamt 13 von 26 in Kraft stehenden internationalen Uebereinkommen ratifiziert. Aller- dings fehlt noch immer die Ratifizierung des wichtigsten, des Ueber einkommens über den A ch t st u n d e n t a g. Weiler für Verlin: Wolkig und kühler. Gewitterregen. West- liche Winde. Für Deutschland: In West- und Mitteldeutschland west- ostwärts fortschreitende Abkühlung und vielfach Gewitterregen. Jin Osten und Süden noch heiter und warm. Berantworii. Uir die Redaktion: Wollgang Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Sloike, Berlin Beriag: Borwärts Verlag G. m b K., Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanlialt Paul Singer& Co.. Berlin SW KS. LindenliraK« 3. Aierzn 1 Beilage. ISorrah Minevilsch's Ell amarikaivsche Vagabunden usw. ISose- Theater, Groije FrankaorterStr. 1S2. Auf der(xartcnbühne Tätlich 5.30 Uhr 9 große Varietenummem Gräfin kariza. m.na-nmeater raglicfa 8.15 Uhr ILÄff" Tragödie eioe� Sportler* VoiKsbllbne [Dealer anSiilowDlal] m Uhr Berlin, wie es weint u. lacht Thealer am Situnbauerdamin. Norden 1151 u. 281 Vk Uhr Gruppe junger Schaufpl der Zum 252. Male: uevolie im Erziehunoshaus Leute Anltoaningen. Partei- und Oewerk- schaftsm tgl. pegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches statt 3 und 4 Mark nur I Mark Meichshaiien-TiieaCer fs"| uhr. Gastspiel der beliebten BrcsllnerViMiria-SSnner Neues■-•.anzendes Programm. Billettbesiell. Zentr 11263 I.Aug.: Wiederauhrcten zalj der rleltln r Sän'er Önhotr-Bre Variete r Tanz OrchesTer Ado I f R e c k e r WM Tbeatef 0.1 Norden 12310 SU, Ende gegen n Die Fledermaus Musik». Joh. Strauß Regie Max Reinhardt Musik. Einrichtung 6. W. Korngold. Ausstattg L-Kainei Die Komödie J 1 Bismck.2414/7516 SVa. Endegeg. lO�U. Reporter 3 Akte v. Ben Hecht und Mac Arthut Regie: BslU BUptn. f 1*1 n i!■ \ KONZEPT-KAFFEE• BAR• TANZ-PALAST• KABARETT wiemmetsr' friednchsir.% Xm Bahnhof Barnowsk) Komödienhaus Norden 6304 Täglich 8Vt Uhr Mzeiftmu Sommerpreise; Thea», d. Westens Täglich 8i, u. 8>i- Fraus Lehars Weiterfolg Friederitte Lotte Carola, Willy Thunis, Telephon Steinplatz U93I u. 5121 LustspiellitBS Täglich 8»a Uhr Du wirst mich he.raienl Rundfunkhörer halbe Preise. WiaDos zur Miete WSO, An8hacher<»r. 1 Hauten eriauDi Wanderknabe Conche und weitere Vanet�• Neuheiten S. FERIEN-VOLKSTAC Eintritt 50 Pfennig: Kinder frei Voller Betrieb Srillant-Feue; utörkl Mein Kautabak schmeckt mir doch am besten ibtmi.aniKotui.ior tKottb. Str. 6 Bis 31. Juii Tägl.«Uhr Gastspiel dar 9 Original Lelpriger Frltz- Webor» Sänger mit lluem Dr Berlin rilll- "euen ProTamm Meiropol-Th. Tägl. 8V« Uhr Sonntags 3,fc u. 8*/* Blaulmrf Operette �on Offenbach Kammersänger Walter Hirchhoff I'WosveiS: mar a'D.MIllfT Nur GreB-Berlin AVirBTV* n'«i | Pianeiariuin —" am ZOO amm ttr Ja;'n&mthilv itrak B. 5 Barbarossa 5578. 16'/« Uhr Sternbilder nee Sommer« 18'', Uhr Der Glutbell der Senne 20'/, U. Von Ret zu Po am Sternenhimmel Tägl. auBer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.. Erwachsene 50 PL. Kinder 25 Pf osNaRsLsKA Sommer-Garten-Theater Berliner Prater \ 58, Kasu-Allee 7-0. Tel. Hb. 224c uasisol«) fiasiei Ossi. Gm«) lliltn ZarewMsda Operette von Franz Lehär Oaza de» grobe VarielätclL Antang Konzert 4.S0. Burleske u Variete 8 Uhl. OpgretlS 8.30. edsn Oonnerstao oroBer Voiksiao. [ed. Mittw Klndsrteit n. Verlosnno lm»»»»»»:»« Kroße Traarmi-Fabiik verkamt fugenlose Trauringe direkt an Private bis 8 Mk eich 8.So mittel i Im— schwer 4.80 ieich: 16.80 mittel 21.50 schwer 28. Ring 333 gestempelt nur 5 585 585 . 585 OOO 900 900 btaiog;rafis■ DW o Hermann Wiese, Berlin res. geschützt. � Ärlülerieslr. 30 V. Pastauer Sir. 1 2 WW Cura&ticKhcls. Qravicrea«rolls Mtort«am Mim. hm 'Beilage Dienstage 23. Juli 1929 BwAbrad �ZlauUjaHe tut �ftoärA Wir werden älter als früher! Was die Sterbetafeln verraten/ Von Felix Linke Unsere Großeltern haben uns immer erzählt, daß die Menschen siüher viel älter geworden sind als„heutzutage". Und wir haben es als treue Enkel auch geglaubt. Leider haben jene alten Herrschasren immer vergessen, was im Lause ihres Lebens so um sie herum weg- gestorben ist. Sonst würden sie nämlich zu einem ganz andern Er- gebnis gekommen sein, nämlich, daß die Menschen im Durchschnin heutzutage viel älter werden als früherl Es hat keinen Zweck, sich bei solchen Fragen aus das Gesühl zu oerlasien, aus das, was man beobachtet und erfahren und nn Gedächt- nis behalten hat. Viel richtiger ist, die Sache nüchtern zahlenmäßig zu betrachten. Man müßte zu dem Zweck allerdings die gesamic Bevölkerung registrieren und verfolgen, wie alt die einzelnen Per- sonen geworden sind. Für gewisse Bevölkerungsgruppen hat man das schon lange getan, weil es nämlich Interessenten an solch"« Ersahrungen gibt: die Lebensversicherungsgesell- s ch a s t e n. Wollen sie nicht an ihren zu geringen Prämiensätzen pleite gehen— und die Sätze sind bekanntlich immer zu gering, bloß nicht für die Prämienzahler— so müssen sie wissen, in welcher Ord- nung die Menschen absterben, wie alt sie durchschnittlich werden, damit sie für die in ganz verschiedenen Lebensaltern in ihre Ver- stcherung eintretenden Personen auch die richtigen Prämien festsetzen können. Die Bersicherungsmathcmatiker stellen zu diesem Zweck Sterbetafeln aus, die sie dem ganzen Versicherungsgeschäst zu- gründe legen. Solche Sterbetafeln müssen auch vorhanden sein für die Gesamtbevölterung, wenn man so wichtige Dinge wie die soziale Versicherung regelt. Leider hat man in Deutschland ziemlich lange gezögert, ehe man ollgemeine Sterbetafeln aufgestellt und berechnet hat. Erstmalig ist das im Jahr« 1887 geschehen. Aber erst wenige Jahre vor dem Kriege griff das R e i ch s st a t i st i s ch e A m t unter dem Drängen der Oeffentlichkeit und des Reichs- gesundheitsamtes auf diese Ausgab« wieder zurück, und wir haben seitdem für die einzelnen Jahrzehnte seit Bestehen des Reichs all- gemeine Sterbetafeln zur Verfügung, von denen auch«ine vor kurzem herausgegebene Veröffentlichung„Beiträge zum deutschen Bc- völkerungsproblem' die Jahre 1924 bis 1326 umfaßt. Es besteht so die Möglichkeit eines Vergleichs über den Zeitraum von einem halben Jahrhundert. Zieht man ihn. so ist man außer- ordentlich überrascht. Man findet dann nämlich, daß ganz im Gegen- teil zu den Erzählungen unserer Großeltern die Menschen Heuzulage ganz erheblich älter werden als früher! Im ersten Jahrzehnt des Bestehens des Deutschen Reiches verzeichnet die Sterbetafel für einen soeben geborenen männlichen Säugling ein« Lebenserwartung von 3S,6 Iahren. Die Sterbetafel für die Jahre 1324 bis 1326 oerzeichnet eine Lebenserwartung von 56 Iahren, also über 20 Jahre mehr! Darin drückt sich aus, daß die Menschen heutzutage tatsächlich viel länger leben als früher, und daß die Besserung, die wir selbstverständlich den besseren Wirtschaft- lichen Verhältnissen, der außerordentlich gesteigerten hygienischen Technik und der medizinischen Versorgung des Bolkcs verdanken, nicht weniger als 56 Proz. äusmacht. Dieses Ergebnis ist für die meisten Menschen so überraschend, daß sie es nicht glcvben wollen. Aber es ist wahr. Und für die weibliche Bevölkerung sind die Verhältnisse insofern noch viel günstiger,'als die Frauen im Durchschnitt überhaupt etwas länger leben als die M ä n n« r. Auch bei ihnen beträgt die Besserung 20 Jahre: sie wurden früher im Durchschnitt 3814 Jahre alt, jetzt 58,8. Howrwissenschast, Technik, Medizin und gesteigerte Staats- fürforge haben das Wunder vollbracht, jedem Menschen jetzt 20 Zahre neues Leben zu schenken! Dieses erstaunliche Ergebnis noch zu steigern, ist wirtlich �des Schweißes aller Edlen wert, und man sollte keine Kosten scheuen, diejenigen Zweige der menschlichen Betätigung aufs emsigste zu pflegen und zu fördern, die uns zu solchem Gewinn verhalfen Zahlenmäßig ausgedeckt haben uns das erst die Sterbetafeln. Sie sind deshalb so interessant, daß es sich wirklich lohnt, wenn jeder auf ihr Studium ein paar Stunden verwendet. Ein paar Zahlen- feiten, so inhalt-, aufschlußreich und spannend, wie ganz« Romane es nicht sind. Man erkennt aus ihnen, daß die L e b« n s e r w a r- tung der Säuglinge mit steigendem Alter zunimmt Der Grund dafür liegt dann, daß trotz der sehr viel günstigeren Ge- staltung der Säuglingssterblichkeit doch immer noch die bei der Geburt ganz plötzlich in eine ganz andere Welt gekommenen kleinen Wesen einer größeren Lebensgefährdung ausgesetzt sind, als die erst richtig in diese Umwelt eingelebten ganzjährigen Menschlein. So kommt es, daß die höchste Lebenserwartung bei den Knaben zwischen dem ersten und dem zweiten Lebensjahre liegt, wofür unsere Tafel 6214 Jahre verzeichnet. Damit ist allerdings nicht gesagt, daß die Sterbenswahr� scheinlichkeit bei diesem Alter am geringsten ist. Sie liegt vielmehr bei den Knaben im 12. Lebensjahre, bei den Mädchen im elften. Die Sterbenewahrscheinlichkeit sinkt also von der Geburt bis zu diesem Alter stark ab und wird dann wieder größer. Für jedes i Lebensalter kann man nach der Absterbeordnung der gesamten Be- ! oölkerung auch«ine Durchschnittszahl der noch zu erwartenden � Lebensjahre angeben Für einen 2vjährigen stehen danach noch i 46,7 Jahr« in Aussicht, für eine 20jährige 48. Für die 4<)jährigen ! lauten die Zahlen 30 und 31,4 Jahre, für die ö0jährigcn 21,3 be- � ziehungsweise 23,1. Die 60jährigen können noch 14,6 beziehungsweise 15,5 Lebensjahre erwarten, bei den 70jährigen sind es noch 8% bzw. 314, bei den 80jährigen 4% bzw. 5, bei den 30jährigen 2°/» bzw. fast 3 Jahre. Ist man erst einmal 100 Jahr« alt geworden, so kann man als Mann immer noch 114, als Frau 2 Jahre zu leben hoffen. Natürlich ist damit nicht gejagt, daß jeder Mensch für sich auf diese Regel Anspruch hat: nur als Massenerscheinung gilt sie für ihn. Der eine muß zusetzen, was der andere gewinnt: Jeder für all« und alle für j«dcn— nach der großen weisen Regel von der solidarischen Verbundenheit alles Menschlichen. Es hat einmal einer behauptet, die V erheirateten lebten länger als die Ledigen. Ein anderer fand dafür die Erklärung: Es wäre gar nicht so, es käme den Verheirateten nur so vor! Aus diesem und nur aus diesem Grunde hat sich das Reichsstatistische Amt veranlaßt gesehen, sein« Feststellungen auch nach dieser Richtung auszudehnen. Man liest dann in den Zahlentabellen, daß die Lebenserwartung e'nes dreißig- jährigen verheirateten Mannes 33,6 Jahre beträgt, die eines ledige» nur 34,8- Selbst bei den gewöhnlich schon recht kräftig durch die Che gezogenen 50jöhrigen Männern ist der Unterschied zugunsten der Verheirateten immer noch 2'A Jahre. Dieser Vorteil s. schwindet aber, je älter die Menschen werden. Und im hohen Alter, wenn also die armen Junggesellen sich erst einmal über die Ehe- lostgkeit richtig hinweggctröstet haben, winkt ihnen als Belohnung ein höheres Lebensalter, als wenn sie verheirate: sind Allerdings muß man die 70 schon überschritten haben, uni dieses Vorzuges teilhaftig zu werden: Bei den Fra.uen tritt dieser Zustand des Vorzuges schon 10 Jahre früher ein, wie überhaupt der Unterschied zwischen'J Ledig- und Verheiratetsein sich bei ihnen in der Dauer der Lebens- erwartung nicht so stark ausdrückt. Ob also die 70jährigen Jung- gesellen endlich so gut gelernt haben, ihre Suppe selbst zu kochen, oder ob die ehelichen Freuden der Lebensdauer vorher wirklich so zuträglich sind, wie es die Sterbetafel für die Männer aufweist, ist allerdings nicht klar ersichtlich. Beinahe scheint es schon so, als ob es den Ehemännern wirklich nur länger vorkommt. Uebrigens kann man auch für die Verwitweten und Geschiedenen die entsprechenden Zahlen nachlesen, und da ergibt sich für dies« Kategorie von Menschen wirklich eine größere Ungunst als für die Verheirateten, ja, diese Leute stehen sogar— sicher zur Strafe— noch ungünstiger da als die Ledigen. Auch hier verhalten sich die Frauen den Dingen gegenüber wieder wesentlich gleich- gültiger als die Männer— woraus jeder zur rechten Zeit die«nt- sprechenden Schlüsie ziehen mag. Es sind also überaus erfreuliche Dinge, die uns die statistischen Tabellen enthüllen, viel erfreulicher, als was man sonst aus der Oeffentlichkeit zu hören pflegt. So ergibt sich denn die seltene Tat- fache, daß man einer Angelegenheit weitgehend Geschmack abgewinnen kann, bei deren bloßer Namensnennung sonst alle nervös und sprung- bereit die Ohren spitzen: Zahlen! Bar unbekannte Soldat Geraon, Sauerbruch und Tuberkulosenheilung durch Diä\ In der Berliner Medizinischen Gesellschaft hat der große Chirurg Professor Sauerbruch, ein Arzt von genialem Format, einen Vortrag gehalten, der schnell seine Runde durch die wissenschastlich« Presse des In- und Auelandes machte, der die Spalten der gesamten Tagespresie in Anspruch nahm.(Der„Abend" berichtete schon am 11. Juni ausführlich über den entsprechenden Vortrag Sauerbruche im ärztlichen Standesverein des Westens Berlins. D. Red.) Handelt es sich doch wieder einmal um eine neue, sensationelle Art der Be- kämpfung der Tuberkulose, die großartige Ausblicke für die Zukunft � erälinen und ein völliges Novum in der Geschichte der medizinischen Wissenschaft darstellen soll. Die Tuberkulose soll durch eine bc- sondere Art der Ernährung bekämpft— und geheilt werden. Diese Ernährungsbehandlung wurde vom Assistenten Sauer- bruch?, Prioatdozenten Dr. Hermannsdörfer, seit sechs Jahren schon in Sauerbruchs Münchener Klinik erprobt und wird von ihm jcgt in der Berliner Klinik fortgesetzt. Die Erfolge dieser Ernährunzs- therapie sollen geradezu verblüsfend sein. Die schwersten Formen der Knochen- und Gelcnktuberkulose, die man sonst als hoffnungslos an- sah, wurden— nach Sauerbruch— in kurzer Zeit so gebessert, daß man praktisch von einer Heilung sprechen kann. Der Direktor der Eießener Hautklinik, I e s i o n e t, erklärte, daß der seit Jahrhunder- ten als unheilbar erkläre Lupus ohne jedes andere Hilfsmittel als die Diätbehandlung heilbar geworden ist. Professor Souerbruch ist zu der Usberzeugung gekommen, daß etwas Aehnliches mit anderen Mitteln nicht erreichbar ist. Er erwartete sogar, daß auch bei anderen Krankheiten, bei denen die Konstitution eine Roll« spielt, die Diätbchandlung von großer Wirkung sein kann. Beim Lupus kann man sogar die Fortschritte mit dem Auge kontrollieren. Dr. Hermannsdärfer schildert« die erstaunlichen Wirkun- gen dieser Ernährungsbehandlung. Bei Lungentuberkulose werden die Einschmelzungsherde so verkleinert, daß chirurgisch« Eingriffe möglich werden. Bei der chirurgischen Tuberkulose der Knochen und Gelenke schließen sich die Fisteln, und die Knochen werden wieder kalkhaltiger. Bei Lupuskranken, bei denen schon seit Iahren grauenerregende Zerstörungen im Gesicht vorhanden waren, trat in wenigen Wochen Besserung und in Monaten Heilung ein. Auch nach Abschluß der Behandlung blieben die D a u« r e r s o l g« bei einiger- maßen günstigen äußeren Verhältnissen bestehen, auch ohne daß die strenge Diät sortgesetzt wurde. Die Diät besteht darin, daß den Tuberkulösen viel Eiweiß und Fett und spärlich Kohlehydrat« in. die Nahrung gegeben wir. und daß das Kochsalz durch andere Salze ersetzt wird, vor allem durch das „Mineralogen', das Kalium und Magnesium enthält. Hermannsdörfer gibt weiter viel Salate und Gemüse, z. T. in ungekochtem Zustande, Und beschränkt den Genuß von gebratenem und gekochtem Fleisch. Es ist kein Wunder, daß die Oeffentlichkeit vom Lobe Sauer- bruchs widerhallt. Man könnt« wieder einmal mit der Gegenwart zufrieden sein, in der die Wissenschast solche Triumph« feiert, die das Volkswohl mit einem ungeheuren Schritt nach vorwärts fördern— vorausgesetzt, daß sich die Erwartungen erfüllen—, man könnte zufrieden sein, und ist es doch nicht. Warum? Das sei erzählt. Es ist kein Ruhmeskopitel sür gewisse Leute. Da lebt in Bielefeld ein bescheidener, kleiner Arzt namens Gerson. Dieser Arzt wird von seinen Bielefelder Kollegen seit Iahren verfolgt und aus Herzensgrund gehaßt. Seinerzeit wurde sogar ein Prozeß wegen irgendeiner Geschichte gegen ihn angestrengt. Das Standesgericht verurteilt« ihn und erklärt« ihn für st a n d e s u n- würdig. Außerdem hat dieser verfemte und mißachtete Arzt das Unglück, sogen wir, kein Arier zu sein. Grund genug, ihn zu schneiden und gesellschaftlich zu boykottieren. Dieser Arzt Gerson hat nun seit Jahr und Tag bei seinen tuberkulösen Patienten diese Diät, die heute in allen Zeitungen gerühmt und gefeiert wird, angewendet, groß- ortige Erfolge erzielt, ohne daß jemand davon Notiz nahm. E r i st der eigentliche Schöpfer der Diätbehandlung: Er ist der Mann, der die von allen Fachblättern, Tageszeitungen und Vorträgen gepriesene große Wendung in der Tuberkulosebehandlung herbeigeführt hat. Er, der standesunwllrdige, verfolgte klein« Arzt in Bielefeld ist der Vater der neuen Tuberkulosetherapi«. Und jetzt kommt das Unfaßbare: Jahrelang wird diese revolutio- näre wissenschaftliche Entdeckung angewendet, ohne daß sich jemand um sie kümmert. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, daß diese Entdeckung der Menschheit zugeführt wird. Professor Sauerbruch er- zählt« selbst in seinem Vortrag, daß er nur durch Zufall— nämlich durch einen Kranken— erfahren hat, daß in Bielefeld«in praktischer Arzt Dr. Gerson durch eine besondere Diät schwere Tuberkulose zu heilen vermag. Sauerbruch schickte seinen Assistenten Dr. Hermanns- dörfer zur Prüfung nach Bielefeld und gab ihm später Gelegenheit, in seiner Klinik diese Gersonsche Methode nachzuprüfen. Der Erfolg gab Gerson recht. Der Zufall hat die entscheidende Rolle gespielt. Hätte nicht ein Kranker Professor Sauerbruch von Gerson erzählt, so hätte der Bielefelder Arzt noch jahrelang, vielleicht für immer unbeachtet sein» Methode anwenden können, ohne daß die wissenschaftliche Welt ihn beachtet hätte. Er war eben verfemt. Was kümmerte es sein« Bielefelder Kollegen, was er trieb. Sie kümmerten sich nicht um ihn, er existierte nicht für sie, er mochte treiben, was er wollt«. Und die Menschheit hätte die Zech« bezahlt. Und da hatte Gerson das große Glück, daß Sauerbruch durch einen Zufall auf ihn aufmerksam wurde. Er hatte das Glück, daß Sauerbruch die Methode nachprüfte und sie als richtig befunden hat. Ter Name Sauerbruch entschied den Erfolg. Und wir sagen: Nur der Name Souerbruch! Er zwang die wissenschaftliche Welt zum Hinhören! Glaubt jemand, daß man dem kleinen jüdischen Arzt ein solches Gehör geschenkt hätte, einem Mann, der bei seinen Kollegen m Bielefeld in Acht und Bann stand?! vle Gerechtigkeit verlangt, daß heule der Name Gerson an erster Stelle genannt wird. Er hatte das Glück, in Sauerbruch einen Befürworter zu finden. Wäre das nicht gewesen, hätten zehn Gersons. kommen können mit zehnmal gewaltigeren Taten— es hätte ihnen nicht». genutzt. Schweigend wäre die Wissenschaft über sie zur Tagesordnung, ae- schritten! Charakteristisch ist die Art, wie sich die Press« mit dem Fall ab- findet. Fettgedruckt prangt der Name Sauerbruch in den Zeitungen! Sci» Eisolg sst es! Der Nan>e Gerson findet sich nur ganz betläufig oder überhaupt nicht. Ein erschütterndes Dokument ist der Bericht der „Münchener Neuesten Nachrichten'. In großer, breitspuriger Aus- machung wird die Rede Sauerbruchs wiedergegeben. Und in dem großen Bericht steht folgender kleiner Satz: „Durch Zufall erfuhr Sauerbruch, daß in Bielefeld e i n p r a k- tisch er Arzt durch eine besondere Diät schwere Tuberkulose zu heilen vermag. Da dieser Methode jede wissenschaftliche Begründung fehlte..... usw.' Der Name Gerson, der Name des Schöpsers der neuen Methode, wird nicht genannt. Er ist der Vergessenheit anheimgefallen! Die Leser dieses Blattes werden ihn nie erfahren! Das Schicksal des unbekannten Soldaten in der Wissenschaft--- Der Zufall hat diesmal die Rolle der ausgleichenden Gerechtigkeit übernommen, soweit die Tat Gersons in Betracht kommt. Sein Name aber soll in Vergessenheit geraten! Man lese die Zeitungen. Die Ueberschriften lauten:„Die neuesten Forschungen der Klinik Sauer- bruch!',„Professor Sauerbruch berichtet!',„Die Forschungen der Sauerbruch-Klinik!',„Ein aufsehenerregender Vortrag Sauerbruchs!', Professor Sauerbruch über erstaunliche Heilerfolge!' So- gar:„Aufsehenerregende Entdeckung Prof. Sauerbruchs!' In keinem der fettgedruckte» Titel wird der Name Gerson er- wähnt. Soweit er nicht verschwiegen wird, wird er im Text mit einigen Worten abgetan, und das hat er nur der Tatsache zu ver- danken, daß Sauerbruch in seinem Referat ihn erwähnte. Schicksal des unbekannten Soldaten! Kein Wort gegen Sauerbruch! Sein Verdienst ist es, daß das Werk Gersons den Menschen zugute kommt. Er ist initiativ sofort dem Zufall nachgegangen, er hat gutgemacht, was die Herren Bielefelder Kollegen bewußt versäumten. Er hat die Methode sorg- fältig nachprüfen lassen und für ihre Anwendung weder Kosten noch Mühe gescheut! Er hat sich für die Gersonsche Methode mit voller Kraft eingesetzt. Er hat in seinem Vortrag ausdrücklich auf Gerson als den Schöpfer hingewiesen. Seine Schuld ist es nicht, daß diesem Bielefelder Arzt das größte Unrecht geschieht, da» sich überhaupt denken läßt. Wir aber halten es für unsere Pflicht, Im Nomen der Gerechtig- k«it gegen dieses Unrecht zu rpotestieren, da wir wissen, daß Gerson selbst zu bescheiden ist, als daß er sein Recht suchte. Dr. Moses. Arzneimittel und Krankenkasse Der Jahresbericht für 1328 der Berliner Ortstranke n- lasse im Umfang von 243 Seiten gibt ein scharfumrissenes Bild von der steigenden Beanspruchung der Kasse durch ihre Mitglieder. Deuttich zeigt dies auch der Bericht über„Arznei, Heilmittel und Apotheker". Die Kosten sür Arzneien und klein« Heilmittel wurden sür 1328 mit 8 558 628,03 M. gebucht. Obgleich die durchschnittliche Mitgliederzahl seit 1326 von Jahr zu Jahr abgenommen hat, so allein gegen das Vorjahr um 15 812 Mitglieder, ist eine ständige Zunahm« dieser Ausgabeposten festzustellen. Die Kasse rechnet auf den Kopf des Versicherten ein« Ausgabe für Arznei, Heil- mittel, Sachleistung«» der approbierten Aerzte und anderer Heil- person«n von 22,83 M.: diese Durchschnittsberechnung betrug 1325 nur 11,41 M. pro Kopf, mithin haben sich also diese Ausgaben verdoppelt! Von den 5 784 061 die Rezeptprüfungsstelle durchlaufenen Arzn«ioerordnungen, die um die Zahl von 332 870 gegen das Vor- jähr gestiegen sind, ließen sich durch Nachprüfung der Rezept« 53 038,51 M. wieder in Abzug bringen. Man könnte hier leicht in den Irrtum versallen, die„Sparsamkeit" der Kasse wirke sich bei der Veradfolgung von Medizinen zum Nachteil der Mitglieder aus, aber es handelt sich ja um Rezeptrechnungen für bereits geliefert« Arzneien. Der Bericht gibt einige der Gründe dafür an. Vc- schieüentlich konnten R-zeptfälschungen, die in der Hauptsache zur Er- langung von Rauschgiften dienten, nachgewiesen werden. In einigen Fällen mußte auch gegen Apotheker eingeschritten werden, durch deren nicht einwandfreies Geschäftsgebaren der Kasse erheblicher Schaden zugefügt war. Ein großer Teil Arzneiverordnungen mutzte ivegen ihrer unwirtschaftlichen bzw. den Vorschriften der Arznei- verordnungsbuches nicht entsprechenden Verordnungen beanstandet uxrden. Es wurden demzufolge gegen 2380 Aerzte geld- licheErsatzansprüchein Höhe von 7977 M. gestellt, von denen 4650 M. bei den Regreßkommissionen auch anerkannt wurden und der Rest als unerledigt noch aussteht. P. dl. Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden (5. Fortsetzung.; „Da schicken Sie uns angeblich zu einem hilflosen alten Weib und wir finden ein verdammtes junges Frauenzimmer vor. das nach dem Schiehprügel greift I' Madame de Theben war, durch den nächtlichen Einbruch ge- warnt, noch vorsichtiger als zuvor, aber die Gegner verfügten über viel Geld, und der junge Boy, der ihre Besucher empfing, hatte eine nette kleine Freundin, die viel von Geschenken hielt. Madame de Theben, die frei von allen bürgerlichen Vorurteilen war. gestattete dem jungen Diener, sein« kleine Freundin am Nachmittag bei sich zu empfangen. So kam es, daß sie eines Abends, statt von der gewohnten Taste Kaffee erfrischt und munter zu werden, plötz'ich eine derartige Müdigkett empfand, daß sie den Freunden durch den Boy mitteilen lieh, sie müsse unbedingt eine Nacht durchschlafen, sei heute keines Gedankens mehr fähig. Aus der einen Nacht, die dem Schlaf gehören sollte, wurden dreiundzwanzig Stunden, und als Madame de Theben, alias Jenny Moore, Gewerkschaftsorganifatorin, wieder die Augen öffnete, merkte sie mit Erstaunen, daß der Fußboden schwankte und ein eigenartiger Teergeruch in ihre Nase schlug. Sie setzte sich im Bett auf und entdeckte, daß sie sich in einer Schiffskabine befand. Als sie auf« Verdeck stürzte, sah sie ringsum nur Himmel und Master. Der freundliche Kapitän trat zu ihr und erklärte, sie befinde sich an Bord eines Frachtdampfers, der auf dem Wege nach Porto Arena in Patagonien sei. Die Fahrt werde geraume Zeit in An- spruch nehmen. Jenny Moore tobte, dann ergab sie sich in Ihr Schicksal. Sie kannte den Klassenkampf in Amerika zur Genüge, um zu wissen, daß sie froh sein konnte, lebendig und mit heilen Gliedern das Abenteuer bestanden zu haben. Auf diese Art wurde in Fullersville auch der zweite Agitator erledigt. Brüder, Spitzel und Quäker. „Ich möchte mit dir sprechen, Calvin," sagte Jack Füller eine Woche nach Madame de Thebes plötzlichem Verschwinden aus Fullersville. „Gut. Wir können es gleich abmachen. Was willst du?" „Dich fragen, mit welchem Recht du meine Post abfangen läßt, meine Brief« liest?" „Deine Post?" „Ja, ich weiß mit Bestimmtheit, daß die beiden Briefe, die ich heute morgen aus New Pork erhielt, bereits einmal geöffnet waren." „Wer ist in meinem Haus dein Spitzel?" fragte Calvin höhnisch. „Erstens ist es unser und nicht dein Haus," brauste Jack auf. „Zweitens arbeite ich nicht mit deinen schmutzigen Mitteln!" „So— o!" Calvin dehnte das Wort und betrachtete dabei den Bruder höhnisch. „Woher hast du dann gewußt, daß ich für morgen einige Waggonladungen Arbeiter erwartet habe?" „Arbeiter?" Aber Jack war eine zu ehrliche Natur, um gut den Verblüfften zu spielen. „Du hast ganz geschickt gearbeitet, lieber Bruder," gab Calvin gönnerhast zu.„Das angeblich von mir abgesandte Telegramm an alle Agenten, daß ich die Leute nicht mehr brauche, war ein ge- schickter Kniff— für den Augenblick. Aber wie lange glaubst du durch derartige Mittel deinen Freunden beistehen zu können?" Jack antwortete mit einer Frage: „Wie lang« hältst du es aus, daß die Betriebe stilliegen?" „Daß laß meine Sorge sein." Calvin lachte.„Jedenfalls länger als meine Arbeiter. Du host ja zum Glück vor einigen Monaten so viel Geld für die Streiter in Pasaic gegeben, daß du unseren Streik nicht ordentlich finanzieren kannst. Außerdem soll seit dem Verschwinden von Madame de Thebes unter den Leuten große Verwirrung herrschen." Jack schwieg betroffen. Calvin aber fuhr, plötzlich die eisige Ruhe verlierend. heftig fort: „Du bist ein Idiot, mein lieber Bruder. Mit diesem ausländ!- schen Gesindel kann man keinen Streit durchführen. Außerdem habt ihr in eurem Streikkomitee, In dem geheimen, nicht in dem offiziellen, einen einzigen Menschen, der etwas oersteht: Bessy Gordon. Die anderen sind unzuverlässige Leute." Jack war blaß geworden. Woher wußte Calvin etwas von dem geheimen Streikkomitee? Calvin schien seine Gedanken zu erraten. „Du und deine Freunde, ihr könnt euch eines merken: es ge- fchieht in Fullersville nichts, das ich nicht erfahre. Ihr könnt eure Vertrauensleute sorgsam auswählen, hundertmal durchsieben, es vird doch immer zumindest einer von meinen Leuten darunter ein. Ja, mein lieber Jack, wir arbeiten immer noch bester, als ihr. ich weiß zum Beispiel auch, daß ein Viertel der Belegschaft von mbrik A bereit ist, die Arbeit wieder aufzunehmen." Jack schwieg. Calvin warf einen Blick auf den an der Wand hängenden lender und sprach höhnisch: „Heute ist der erste November: der Streik hat vor vierzehn ugen begonnen. In weiteren vierzehn Tagen dürfte die Hälfte -r Arbeiter wieder gefügig sein." „Niemals," brauste Jack auf. „Du wirst schon sehen. Sobald du das Hau« verläßt, wirst > übrigens einige interessante Neuigkeiten erfahren," er schwieg "inen Augenblick, fragte dann lachend:„Wir sind doch beide religiös rzogen worden, erinnerst du dich noch an einen Spruch aus dem leuen Testament: Kann denn eiy Blinder einen Blinden führen? fallen sie n'cht beide in die Grube? In diesem Fall, lieber Jack, bist du der eine Blinde, und der andere wird von meinen Arbeitern verkörpert. Glaub mir, die Grub« ist tief genug, um mehr als einem von euch das Genick zu brechen." Er verstummt« und blickte den Bruder herausfordernd an. Host du mir noch etwas zu sagen?" „Ja, daß wir uns trotz allem nicht unterkriegen lasten werden." Calvin zuckte die Achseln. „Glaub es nur, solange du kannst." Jack verließ ohne ein weiteres Wort das Zimmer. Die Worte des Bruders hatten ihm viel zu denken gegeben. Calvin wußte über das geheime Streikkomits« Bescheid, also mußt« sich unter den fünf Mitgliedern ein Spitzel befinden. Aber wer konnte es sein? Bessy Gordon und der alte Jim Gordon waren über jeden Zweifel erhaben, ebenso Charles Ashleigh, der seit zehn Jahren in Fabrik A arbeitete und«in Freund der Gordons war. Die beiden anderen aber, die der Organisation der I. W. Ws. angehörten, hatten sich in den letzten Monaten, sobald von Streit die Rode gewesen war. äußerst Nastenbewußt, verläßlich und tapfer erwiesen. Und dennoch mußte einer der beiden der Verräter sein. Von peinlichen Zweifeln gefoltert verließ Jack das Haus und strebte langsam in die Richtung von Fullersville. Hinter einem Gebüsch des Parkes huschte ein Mann hervor, der sich an Jacks Fersen heftete. Jack lächelte grimmig. Seit Tagen konnte er keinen Schritt tun, ohne Begleitung zu haben. Der Spitzel versteckte sich auch gar nicht, beobachtete ihn offen und un- verhohlen. Jack sollte wissen, daß er beobachtet werde. Ein Plötz- licher Godanke durchzuckte sein Gehirn. Er blieb stehen und ließ den Mann an sich herankommen. Ich möchte mit Ihnen reden. Wie heißen Sie?" „John Calmer, Herr Füller." „Was zahlt Ihnen mein Bruder?" Calmer starrte Jack verblüfft an. „Ich... ich verstehe nicht recht." „Machen Sie keine Geschichten. Sie wissen genau, daß ich weiß, wer und was Sie sind. Was zahlt Ihnen mein Bruder?" „Ich erhalte zehn Dollars täglich." „Eine schlechte Bezahlung, denn ich gebe Ihnen wahrlich Arbeit genug, wie?" Der Mann grinste. „Bei Tag geht es noch an, Herr Füller. Aber daß Sie sich so viel des nachts herumtreiben I Ich persönlich hätte ja nichts da- gegen. Aber meine Frau will mir nicht glauben, daß ich immer nur hinter Ihnen her bin, macht mir furchtbare Szenen." Trotz allem Aerger mußte Jack lachen. „Also auch Sie sind ein Opfer der Verhältnisse, Herr Calmer. Hätten Sie nicht Lust, zwanzig DollaBam Tag zu verdienen und dabei wie ein ehrbarer Mann abends um zehn Uhr nach Hause zu gehen?" Der Spitzel kratzte sich am Kopfe: er hatte begriffen. „Das schon. Aber die Sache ist mir zu gefährlich. Bei uns traut tetner dem andern. Wenn ich... wenn ich auf Ihr freund- liches Anerbieten einginge, so wäre es morgen schon in der ganzen Agentur bekannt, und ich bekäme nie wieder eine Anstellung." „Gut, versuchen wir die Sache anders. Die zwanzig Dollar gelten, aber ein Mensch, der den ganzen Tag herumrennt, ist am Abend müde und sieht nicht mehr so scharf. Einig- Dinge können ihm leicht entgehen, wie?" „Hören Sie mich an. Herr Füller," sprach der Spitzel.„Sie dürfen nicht glauben, daß mir mein Beruf besonders viel Freude macht Ich habe nichts gegen die Roten und liebe die Unternehmer nicht. Aber ich habe sechs Kinder, von denen das älteste erst zehn Jahre alt ist, und meine Frau kränkelt seit einem Jahr. Ickz muß die Familie erhalten, liebe meine Kinder sehr." Von dieser Seite hatte Jack den Spitzelberuf noch nie de« trachtet: er schwieg nachdenklich. „Ich würde Ihnen ganz gem«inen Gefallen erweisen," fuhr Calmer fort.„Sie gefallen mir besser als Herr Calvin, und die Leute sagen alle, daß Sie ein wirklich anständiger Mensch sind. Aber ich habe Angst vor Cardigan und vor Ihrem Bruder... Sehen Sie, ich weiß genau, daß Sie mich seit drei Tagen ab- schütteln wollen, um einen Brief zur Post zu bringen... Und ich kann Ihnen sagen, das hat gar keinen Sinn. Ihre ganze Post tn-.ch überwacht. Sie müssen den Brief durch jemand vollkommen Un- verdächtigen abschicken lassen." Jack lachte bitter. „Entweder der Mensch hört auf, unverdächtig zu sein, sobald ich mit ihm gesprochen habe, oder er ist«in Gegner, dem ich mich nicht anvertrauen kann." Calmer grinste. „Wir werden gleich an dem Häuschen eines unoeodächngen Menschen vorbeikommen. Das heißt, etwas verdächtig ist die alte Närrin ja schon, aber niemand nimmt sie ernst. Ich bin ein frommer Mann, Herr Füller, und glaube, es wäre �für Ihr Seeleuheil äußerst bekömmlich, wenn Sie sich von einer Ouäterin über iis allgemein« Menschenliebe und das Verdainmenswerte der Gewalt belehren ließen." Jack lachte laut auf: „Die alte Cracki Bravo, Herr Calmer, Sie sind ein Genie. Und meine religiöse Unterweisung würde Sie weiter nicht interessieren?" „Nein." Jacks Hand fuhr nach der Tasche, aber der Spitzel kam ihm zuvor. „Ich will kein Geld, Herr Füller, möchte von Ihnen etwas anderes..." Er stockte etwas verlegen. „Was?" fragte Jack erstaunt. „Allabendlich eine von Ihnen unterschrieben« Bestätigung, daß ich ununterbrochen hinter Ihnen her.. war, kein« Seitensprünge ge- macht habe. Ich kann mir wirklich nicht durch den dummen Streik mein ganzes häusliches Glück vernichten lassen." Jack versprach, die Bestätigung zu geben. Inzwischen hatten sie das kleine Häuschen der alten Schul- lehr«rin erreicht, das sich in einem Vorort befand. Um die Ecke lag ein Kaffeehaus. „Ich bin durstig," erklärte John Calmer.„Werde eine Tasse Kaffee trinken. Geben Sie mir Ihr Ehrenwort, Herr Füller, daß Sie bei der alten Crock bleiben, bis ich wieder vor d«m Hause stehe. Sie sind ein guter Mensch, wollen meine sechs Kinder bestimmt nicht zum Hungern verdammen."(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. «liuinHiimninnmiiimmminniiiiiiiiiuiniiininifiniininniianniiramiiimiinuninuiuiiuiiitiimitniimiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiuiiiiimitiimmtmiiituiiiMiiwittwmmiiinMnHiM Die Bevölkerung der Erde, Nach Feststellungen des internationalen statistischen Instttutes leben gegenwärtig 2 Milliarden Menschen auf der Erde gegen 1,g Milliarden im Jahr« 1310. Es entfielen auf Asiei� rund 900 Mil- lionen, auf Europa rund 500 Millionen, auf Amerika rund 220 Mil- lionen, auf Afrika rund 150 und auf Australien mit Ozeanien rund 7 Millionen Menschen. Von den europäischen Ländern stand an erster Stelle Rußland mit 115 Millionen und an letzter Stelle Luxemburg mit 260000 Menschen. Deutschland steht mit seinen 62,5 Millionen Einwohnern unter den europäischen Ländern an zweiter Stelle. Di& Rache der Sekundaner, In«iner mitteldeutschen Stadt konnte einer der Geistlichen mit seiner vielköpfigen Familie von den Einkünften seines Amtes nur in großer Einschränkung leben: er half sich deshalb mit der Auf- nähme von Pensionären, wie dies viele Geistliche und Lehrer In den Provinzstädten tun. Seine Schutzbefohlenen waren Söhne von wohl- habenden Gutsbesitzern und Fabrikanten aus der weiteren Umgegend der Stadt. Die Frau Pastor hatte bei der Fürsorge für ihre Pfleglinge ihre besondere Methode. Es wurde, als bewährtes Cr- ziehungsmittel, im Haushalt nur Margarine verwendet, und auch für die Brote gab's allein dies edle Erzeugnis der Industrie der Oele und Fett«. Die Sekundaner ließen es über sich ergehen und warteten auf den Tag für ihr« Rache. Zur Zeit der Vogelwiese hatten auch die Pensionäre des Pastors Dauerurlaub. Am letzten Dlenstaz, 23. Juli. Berlin. 16.00 Dr. W. LenU: Bei den Hestvölkern des Pamirs. 16.30 Richard Ilnitzky: Winterschäden im dentsehen Weinbau. 17.00 Aas dem Dessoir- Album.(Emmy von Stettan, Sopran. Am FliJtel: Theo Mackeben.) Anschliellend: Nachmittaesmuaik aus dem Kroll-Oarten. AnsehlleOend: Werbenachrichten and Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin- Mitte. 18.40 Stande mit Büchern. Werke nur Amerikakunde. 19.10 Senatspräsident Max Paehier: Welche Mittel hat das Reich, um dem Kriegsbeschädigten zu helfen? 19.35 Dr. Arthur Kürschner; Berlin an der Ostsee. 30.00„Koipoitage". Elnlührpng: Dr. Erich Franzen. Leseproben: Gertrud Eysoidt. 21.00 Chorkonzert. CDer Junge Chor. Berlin DASB. Dirigent; Heine Tiessen.) Nach den Abendmeldungen; Bildfunk. Kdalgsvuiterhaaaen. 16.00 Reg.-Dir. Prötzel: Ans dem er Ziehung« wisse» scheltlieh es Schrifttum. 16.30 Ob.-Stnd.-Dlr. Prof. Dr. Werner und Mitwirkende: Die deutsche Ballade In Wort und Ton. 17.00 Nachmittagskonznrl von Leipzig. 18.00 Mersmann: Voiksliedanalyson. 18.30 Claude Gründer: Die Erkenntnis des Menschen in der franaSslschen Literatur. 18.85 Prof. Dr. Brandl: Niedersachten. 20.00 Ueberiragung von München.. J Abend der Vogelwiese wurden sie mit dem Inhaber einer Bude, in der es frisch gebacken« Krapfen gab, einig, daß er ihnen sein Firmen- schild abließ. Spät nachts begaben sie sich mit dem teuer erstandenen Wertzeug ihrer Rache auf den Heimweg. Das Haus ihres Zieh- vater» lag an einer der belebtesten Straßen. Rechts und links neben der Tür ragten zwei hohe Fahnenstangen. An diesen wurde das Schild de» Krapsenbäcker» gehießt. Der Pastor bemerkte, al» er aufwacht«, daß sich vor dem Hause Leute angesammelt hatten und sich lachend aas einen Gegenstand in der Luft aufmerksam machten. Er dachte einen Augenblick, daß sich vielleicht wieder einmal der Storch auf das Dach seine» Hause» verirrt hätte: da er sich aber keiner Schuld bewußt war, ging er nach der Ursach« de» Auflaufe» zu sehen. Da entdeckte er, in der Höh« de» Daches zwischen den Fahnenstangen schwebend die Inschrift:„Hier wird mit reiner Naturbutter gebacken I" Schwarze Bluten. Blüten mit schwärzlicher Farbe kommen bei un« nur als Zucht- Produkte mit einer oft mühsam und lang« Zeit umfassenden gärtne- rischen Züchtung vor. In China und Hinterindien finden sich jedoch unter den wildwachsenden Pflanzen zwei Gewächse mit schwarzen Blüten. So entdeckt« der Botaniker Handel-Mazetti auf seiner letzten chinesischen Reis« in der Provinz Bünan einen rankenden Schmetter» lingsblütler mit schwarzen Bllltentrauben und In der Nähe de» Ober- laufs des Irowadi einen auf der Erde hinkriechenden Zwerg- rhododendron, dessen langgefttelte, nickende Blüten gleichfalls eine schöne, reinschwarz« Farbe zeigten. Ein Urnashorn In Dänemark, In der ZWe de» dänischen Städtchen» Horsens fand ein Land- arbeiter in einem Torfmoor einen riesigen Tierschädel von eigen- artiger Form. Sein Schwager,«In Lehrer, setzte sich in Verbindung mit der Tierärztlichen Akademie an der Kopenhagener Universität. Dort wurde das Skelett al» der Schädel eine» riesigen Nashorns festgestellt, da»«in Zettgenosse de» Mammut» gewesen ist. Der Schädel weist die Form eine, riesigen Eies auf und zeigt den Abdruck zweier Hörner. Das Naturhistorische Museum in Kopenhagen, de". der Fund überwiesen wurde, hat ihn an bevorzugter Stelle aus. gestellt. Das genormte Besicht. In einem vornehmen New Porker Schönheitsinstitut wird jetzt ein« Maske aus Aluminium angewadt. die nach einem in mehreren Schönheitswettbewerben preisgekrönten Gesicht angefertigt worden ist. Man glaubt hiermit den Jdeottyp gesunden zu haben und hofft, damit den Gesichtern der Kundinnen den größten Teil der Schönheit durch das ständige Tragen der Maske bei der Nacht aufokroyieren zu können ,, Grausamkeit". Da» von dem amerikanischen Repräsentantenhaus eingelegte Komitee zur Prüfung der Gründe, warum dl« Ehescheidungen über. Hand nehmen, hat nunmehr seinen Bericht in Form«ine» dick- leibigen Wälzer» veröffentlicht. Als Kuriosa von Scheidungsurteilen finden sich darin folgende:„Aus Grausamkeit" wurde eine Ehe ge- schieden, weil der Mann sein falsche» Gebiß auf dem Büfett hatte liegen lassen, ein« andere Eh« wurde getrennt, weil der Mann in unmittelbarer Näh« der Ohren seiner Gattin geschnarcht hatte,«in« dritte, weil der Mann ständig im Hause Filzschuhe getragen hatte. Ausklang in Nürnberg. Erfolge der Berliner Leidifaihleten. Heben den Htaffcnoeranffaltungen der itcbcilcrfporflet in Nürnberg fanden in den übrigen Sporlplohanlagen und am Duhendleich Sondervorsührungen statt, über die wir heule noch Berichte nachtragen. Die Berliner Leichtathleten haben in einer Reihe Sportarten gute Erfolge verzeichnen können. Im KV-Meter-Laus der Männer lief Heldt-ASE. 10.8 Sek. als erster. Bei der olympischen Stafette belegte der 2ISC. noch Finnland den 2. Platz in 3 Min. 43.3 Set. Bei der Schweden-Stafette machte ASC. den ersten in 2-5 Min. Die Freie Turnerfchaft Groß-Berlin hatte beim Hochspringen L-Klasse Frauen den 2. und 3. Platz, Geschwister Bleul mit 1,38 und 1,33 Meter. Bei der kleinen olympischen Stafette (Frauen) belegte die FTGB. den 4. Platz. Beim 10 X 100-Meter der Frauen hatte die FlGB. Pech, bei der 8. Läuferin wurde durch Zwischenlauf eines Gastes die Läuferin derart gerempelt, dah diese. führende Mannschast ausgeben muhte. Wiederholung war au» tech- nischen Gründen nicht möglich. Bei der Jugendstasette 4 X 100 Meter war die FTGB. vierter mit 48 Sek. Als erster lief„Bor- wärts"-Süd-Leipzig 46.8 Sek. Bei den Frauen 4 X 100 Meter wurde die FTGB. zweiter mit 53.0 Sek. G. Bleul-FTGB. wurde bei den Festkämpfen der Frauen über 100 Meter mit 14 Sek. vierter. Kanuwettkämpfe auf dem Dufzendfeidi. Auch den Anhängern dieser Sparte des Wassersportes wurde in Nürnberg Interessantes geboten. Der Dutzendteich, diese überaus prächtige Anlage in direkter Nähe des Stadions, wurde von Tausenden umlagert. Die Berliner Vereine mußten sich hart ins Zeug legen, um einige Erfolge für sich buchen zu können. So koniite'im Frauen-Stilpaddeln über 300 Meter der Kanuvierer der Freien Turnerschaft Groß-Berlin mit 66 Punkten den ersten Platz vor Mainz belegen. Ferner konnte die FTGB. beim Seniorrennen über 800 Meter mit dem Kanu- »ierer ebenfalls die beste Zeit herausholen. Sofort nach dem Start führten die Mainzer, aber dank der ausgezeichneten Besetzung und Technik kann die FTGB. allmählich, aber sicher aufholen, um bei 300 Meter mit Längen zu führen. Trotz emsigster Arbeit der Mainzer hält FTGB. die Spitze und erreicht mit 4.06 Minuten da» Ziel. Beim Doppellajak für Senioren, 800 Meter, fiel der Erste ebenfalls nach Berlin. Hier waren es die F r e i e n Faltbootsahrer Berlin, die mit zwei Längen Vorsprung vor Franken-Nürnberg und 4.38.2 Minuten bei ständiger Führung den Sieg an sich brachten. Einerkajak für Junioren, 800 Meter, siel an Dresden-Fortschritt. Doppelkajak für Senioren, 800 Meter, Falt« boot:. 1. Freie Turnerschaft Heidelberg in 4.51 Minuten. Re»(i!tatt im Schwimmerwehkampf. Die B ruft sta fette 4X100 Meter für weibliche Jugend wurde von den Freien Schwimmern Groß-Berlin In 7 Min. 20,6 Sek. gewonnen, dann folgte Hannooer und als dritter Hellas Berlin. Es gab einen harten Kampf, der erst in der letzten Runde zugunsten Berlins entschieden wurde. Bei der Wasserball-Bundes- Meisterschaft kam Berlin in die Zwischenrunde und siegte über Hglle mit 9:1(5:0). Im Ausscheidungstampf kam Berlin vor überfüllten Tribünen mit Wien zum Kamps, nachdem Nürnberg spielfrei geblieben war. Die Wiener spielten brillan� die Berliner muhten sich mit 14: 2(6:1) geschlagen bekennen. Im Brust- schwimmen Männer 400 Meter siegte Lux-Berlin in 6 Min. 43,0 Sek. vor dem Wiener Raab. Einen glatten Sieg erzielte auch Frohn- Berlin im 100-Meter.Rückenschw!mmen mit 1 Min. 36,1 Sek., serner Trippensee-Berlin beihi FreistllsthwimntM' IWMeter männliche Jugend mit 1 Min. 13'Sek. Weitere Resultate: Männer. Seiteschwimmen 100 Meter(Entscheidung): 1. Faulde-Breslau 1 Min. 17,3 Sek.: 2. Her- mann-Dresden und Melzer-Heidemm 1 Min. 19 Sek.: 3. Kossuta L6bc mit den ÜnnUndUdien Arbeitertportlern. 45 000 Menschen anwesend waren. Für diese Riesenarbeit waren allein im Stadiongebiet acht große Stationen eingerichtet. Alles lief in der provisorisch erbauten Zentrale, in der Genosse Dunkel, Chemnitz, mit unerschütterlicher Ruhe seine Anweisungen gab, zu- sammen. Der Rundgang durch sechs große Zelt« lieh erkennen, daß die Samariter auch für ernstere Situationen gewappnet waren. Der Bundesvorsitzende, Kretzschmer, Chemnitz, nahm am Bundesfest teil, um selbst den Sanitätsdienst zu überwachen. Daß auch die K i n d e r- f ü rf o r g« ganz besondere Berücksichtigung erhielt, bewieß die Einrichtung eines großen Zeltes, das nur für diesen Zweck reserviert war. Zehn eigene Krankenautos, drei Last- und drei Personenautos standen jederzeit zur Verfügung. vi« Antwort der Funkstunde. Auf unser« Anfrage bei der Funkstunde, warum di« Ueber- tragung der Sportveranstaltung des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes im Nürnberger Stadion abgebrochen wurde, erhalten wir folgende Antwort: Das Programm der Veranstaltung war uns vom Leipziger Sender übermittelt worden. Hiernach sollte um 2.20 Uhr der Auf- marsch beendet sein, dem sofort die Ansprachen des Herrn Reichs- innenministers und des Herrn Gellert folgen sollten. Al» dritter Punkt war Reportage über die Massensreiübungen, als weitere Punkte Abmarsch- der Männer, Ausmarsch, der Frauen und Turn- Übungen der Frauen vorgesehen. Die ganze Veranstaltung sollte in einer Stunde beendet sein. Vorsichtshalber haben wir, um ja nicht in der Zeit bedrängt zu sein, die nächste Veranstaltung erst auf 3.30 Uhr gesetzt, d. h. also eine Zeit von einer Stunde und zehn Minuten für die Uebertragung reserviert. Es war ferner dafür Sorge geträgen worden, daß, wenn«in verfrühter Abbruch infolge wesentlicher Ereignisse des Tenniskampfes um den Daois-Pokal nötig wäre, im Sinne des Doppelprogramms der Deutschlandsender die Nürnberger Uebertragung bis zum Schluß bringen sollte. Die Veranstaltung wickelte sich nun nicht programmäßig ab. Zunächst wurde der ganze Aufmarsch geschildert. Als dieser beendet war, kamen nicht, wie vorgesehen, die Ansprachen, sondern dis»Re- portage, während gleichzeitig mitgeteilt wurde, daß«in starkes Ge- mitter die ganz« Veranstaltung behindere. Wir haben nun mit dem Abbruch bis etwa 3.45 Uhr gewartet, und haben uns erst dann dazu entschlossen, als es uns wahrscheinlich erschien, daß überhaupt keine Reden gehalten würden, sondern daß der zweit« Programm- punkt(Ansprachen) ausfiele. Diese Annahme war um so wahr- jcheinlicher, als sich dl« übrigen Programmpunkte wie vorgesehen abwickelten. Wie Sie sehen, war es für die Funkstund« unmöglich, vorher zu wissen, daß nunmehr plötzlich doch noch di« Reden gehalten werden sollten. Uns selber störte die Nichlinnehaltung de» Pro- gramms außerordentlich. Wir hatten ja schließlich eine so lange Zeit nicht wegen einer Reportage, sondern eben wegen der Reden, di« zu unserer Ueberraschung ausfielen, vorgesehen. Wenn man uns mitgeteilt hätte, daß die Reden nachgebracht würden, so hätten wir, wi« wir hier ausdrücklich festlegen wollen, unter Umstellung unseres Programms den Deutschlandsender weiter d:e Nürnberger Ver- anstaltung übertragen lassen. Die Schuld an der Nichtllbertragung liegt also nicht an uns. Die Endkämpfe im Ringen. Wer wird der Meister? Die Berufsringkämps« im Wilmersdorf er Viktoriagarten nähern sich dem Ende, von den 13 Bewerbern sind bisher schon 5 Ringer ausgeschieden. Im ersten Kampf siegte Freitag abend die Routine des Rheinländers Honsen-Esch über den Holländer van dem Born schon nach 9 Minuten. Schachschneider- Berlin hatte im Kampf mit dem unermüdlichen Finnlander Neström riesiges Pech. Nach äußerst lebhaftem und wechselseitigem Kampfglück siegte der Finne nach einer Gesamtzeit von 49 Minuten durch blitzschnelles Abfangen eines Schleudergrifse». Der Sachse Marunke traf auf den neu hinzugetretenen Berliner Pietro Scholz. Dieser wtrklichschäneKamvf— in jeder Nuance prächtig— war für den Ringsportfreund ein sellener Genuß. Der junge ehrgeizige Sachsenmeister gab gegen diesen großen Könner sein Allerbeste» her. um Pielro Scholz beizukommen. Der technisch wundervolle Kamps blieb bis zum Schluß völlig offen und endete nach 25 Minuten mit Unentschieden Der R i n g e r w e t t st r e i t erfährt durch den Start des erfolgreichen Berliner Meister» eine starke Bereicherung. Der ebenso grobe wie massige Tscheche Spevoczet traf auf den noch un- besiegten Westsolen Grunwald, der nach äußer st prächtiger Gegenwehr in der 25. Minute einem festen Doppelnelson de» stärkeren Tschechen erlag, der während des Kampfes wieder die all- abendlichen Verwarnungen— diesmal mit einer Geldstrafe verschärft — erhielt. Die Teilnahme de» ungewöhnlich groben und äußerst unfairenTschechenSpevaczekistfürden Ringer- Wettstreit eine außerordentlich starke Belastung— seine Disqualifikation wäre längst angebracht. Am Sonnabend besiegt« der Berliner Pietro Scholz auch den Kölner Kochhanski schon noch 16 Minuten durch einen plötzlichen Armfallgrisf. Dem jungen Sachsenmeister Marunke gelang es. nach prächtigem Kampf, dem stämmigen vberschlesier Pogrzeba durch einen Schulterschwung eine weitere Schulterniederlage beizubringen. Hansen- Esch und der Westfale Grunwald rangen in ihrem ersten Treffen unentschieden. Das Handikap Spevaczek gegen Gocksch gewann der Berliner. Der Sonntagabend brachte im ersten Treffen den Sieg des erfolgreichen Grunwald über den Holländer van den Born durch einen Kopfzug: mit dieser Niederlage scheidet der Holländer aus. Pietro Scholz rang im ersten Treffen mit dem massigen Tschechen Spevoczek ohne ein Resultat erzielen zu können. Im Entscheidung»- kamvf tonnte der stärkere Finne Neström auch dem Rheinländer Hansen-Esch nach 59 Minuten durch Abfangen eine» Schuller- schwunge» ein« Schulterniederlage beibringen. Gestern kamen gleich drei Entscheidung stämpf« zum Äustrag. Im ersten Kampf siegte wieder Pietro Scholz, diesmal über den Sachsen Marunke m der 60. Minute mit doppelten Armfallgriff. Der Stich kämpf zwischen Neström und Spevaczek endet« bereit» im ersten Gang, dem I Finnen glückte in der 14. Minute ein schneller Untergriff/ Nach! einer Gesamtzeit von 62 Minuten glückt« dem Berliner Schach- schneider ein plötzlicher Armzug am Boden, der den Rheinlände: Honsen-Esch für die Zeit festhielt. kteuer Weltrekord bei den Frauen. Ebenso wie die Meisterschastskämpfe der Männer, so nahmen auch die Titelwettbewerbe der Frauen, die im Stadion zu Frank- furt a. M. begannen, einen verheißungsvollen Ansang. Es gab einen Weltrekord und eine neue deutsche Bestleistung. In der ein- gelegten 10x l00-Meter-Staffel verbesserte Brandenburg- Berlin den bisher yon Olympia-AC.-London mit 2: 08,4 gehaltenen Weltrekord auf 2:05,3, Frl. Ha ux- Frankfurt a. M. schu, im Vorkampse zum 8 0- M e t e r- chü r de n l a u i e n mit 12,6 Sekunden einen neuen deutschen Rekord. Von den drei Entscheidungen des ersten Tages geyiann Frl. Jacobs-Charlottenburg die Meisterschaft im Speerwerfen mit 38.27 Meter, Frl. Grolh- Itzehoe sicherte sich dos Schlagballweitwerfen mit 74.27 Meter. Frl. Braumüller-Berlin gewann den Hochlprung mit 1.45 Meter. Leider lieh die Organisation und die Abwicklung des Programms mehr als zu wünschen übrig, die Kämpfe zogen sich über Gesühr in ie Länge. l Straßenrennen bei Solidarität. Die Rennfahrer des Arbeiter-Rad- und Kraft- fahrerbundes Solidarität hatten am Sonntag, dem 21. Juli 1929 ihr Straßenrennen im Einzelfahren auf der Strecke Köpenick, Müggelheim, Neu-Zittau, Friedersdorf und zurück. Zunächst schien es, als ob das Rennen zu Wasser werden sollte, denn schon In den frühen Morgenstunden setzte ein Regen Än, der die Teerstraßen schlüpfrig machte. Doch kurz vor Ltartbeginn hatte auch der Himmel ein Einsehen und die Regenfchltzusen wieder ge- schlössen. In der Jugendklasse konnte der Charlottenburger Herbert Woth« seine Erstlingsfahrt gleich mit einem Siege krönen. Die H a u p t k l a s s e wurde nun bei noch nassen Straßen auf die Reise geschickt, so daß der Straßenschmutz den Fahrern Gesicht, Beine und Rücken in keinen erbaulichen Zustand versetzte. Die Fahrt, welche über 50 Kilometer ging, war aber trotzdem ein interessantes Rennen, wohl wurden auf der Strecke wiederholt Versuche gemacht, da» Feld zu sprengen. Rübekohl, Reichenbach und Schwarz gaben sich die größte Mühe, durch flottes Tempo die übrigen Konkurrenten klein zu kriegen, aber alle Mühen waren vergebens, da sich dieses Mol all« gestarteten Fahrer völlig gleichwertig waren, und so wurfcs denn auch der Wendepunkt Friedersdorf von einer dicht geschlossenen Gruppe passiert. Auf der Rückfahrt wurden»eitere Vorstöße unter- nommen, an welchen sich besonders Köllner, Praufe und Seitz be- teiligten, aber er half alles nichts, der Haufe wurde nicht kleiner. Bei Gosen bedeckte dicker Sand die Rennstrecke und erschwerte den Fahrern das Vorwärtskommen, dies war auch die Ursache, daß zwei aussichtsvolle Leute, Neumann und Schlichting, stürzten und sich erhebliche Hautverletzungen zuzogen, Arbeiterfamoriter, welche auf der ganzen Rennstrecke die Rennfahrer betreuten, nahmen sich sofort ihrer an und sorgten für ihren Weitertransport. Mittlerweile stürmte das Feld dem Ziele zu, und es stand jetzt schon fest, daß der Sieg nur im Endspurt entschieden werden kann. Hier zeigte sich Hans Seitz, welcher bekanntlich bei dem Rennen am 30. Juni nur durch Sturz kurz vor dem Ziel um seine Sieges- Chancen kam, wieder als ein vorzüglicher Spurter, denn aus dem dichten Rudel, welcher am Ziel auf der Müggelheim«! Chaussee eintraf, konnte er im guten Endspurt das Rennen für sich entscheiden, dicht gefolgt von Erwin Prause, Karl Köllner, Heinz Rllbekohl. Die sonst tüchtigen Hans Reichenbach und Schwarz mutzten sich mit dem 5. und 6. Platz begnügen. Die Besetzung der Rennstrecke wurde von den bundestreuen Ortsgruppen Köpenick und Neu-Zittau gemeinsam mit den Arbeitersamaritern, welche sogar einen Trans- portwagen zur Stelle hatten, musterhaft durchgeführt. Bei dieser Gelegenheit seien alle Freunde de» Arbeiter-Radrennfparts darauf hingewiesen, daß am kommenden Sonntag, dem 28. Juli, Nach- mittags 3 Uhr, Bahnrennen und Bahntraining auf der Stadion- Bahn im Grunewald stattfinden: Eintrittspreis nur 50 Pf. Aus- kunft und Neuaufnahmen bei Gen. Rudolf Meinert, Berlin SO 16, Brückenstr. 5 b. Die Ergebnisse: Jugendklasse 5 Klm.: Sieger Herbert Wothe, Eharlötten- bürg, Zeit 8:51; 2. Kirchherr, Willi, Berlin, 8:57. 'Hauptklasse 50 Klm.: Sieger Hans Seitz. Berlin, 1:28: 2. Erwin Praufe, Berlin, eine halbe Radlänge zurück: � 3. Karl Köllner, Berlin, eine halbe Radläng« zurück: 4. Heinz Rübekohl, Charlottenburg. Radlänge zurück: 5. Hans Reichenbach, Lichterfelde, Radlänge zurück: 6. Erwin Schwarz, Lichterfelde, 2 Mtr. zurück: 7. Paul Zimmermann, Wilmersdorf, 1:28:17: 8. Hans Rllbekohl, Eharlottenburg, 1:28:17: 9. Fred Floercke, Berlin, 1:28:19: 10. Fritz Rückert, Berlin, 1:38:5: 11. Uhlemann, Robert, Berlin, 1:39:18. wiener Staffel-Weltrekord. 4 mal 100-Meter in 40,8 Sekunden. Der Schlußtag der deutschen A t h l e t i k- M e i st e r- s ch a f t e n in Breslau stand im Zeichen de» Sport-Club Charlotten- bürg, der alle drei Staffein an sich reißen konnte. Die Sensation des Tages war der Wettrekordlauf der Charlottenburger Sprinter- staffel, Körnig, Krüger, Nathan, S ch l ö.s k e. Bei der scharjen Konkurrenz von Eintracht-Frankfurt a. M. liefen die SECer die einzig dastehende Zeit von 4 0,8 Sekunden(!) heraus. Damit war der Weitrekord für Vereins- und Ländermannschaften von 41 Sekunden um zwei Zehntel Sekunden unter- boten. � Auch die Frankfurter Eintrachtsstafsel lief mit 40,9 Se- künden noch Weltrekord. Zu einem weiteren Rekordlaus kam es in der 4 X 1500-Meter-Stafsel. Hier liefen Schmidt, Kahn, Sujatta und Böcher gegen Teutonia-Berlin einen sehr leichten Sieg heraus und verbesserten mit einer Zeit von 16:25,9 den erst kürzlich von„Teutonia" geschaffenen, aus 16:32,1 stehenden deutschen Rekord recht erheblich. Hertha BSC erhebt Einspruch! Gegen die Ansehung des, Entscheidungsspieles um die Fuß» ballmeisterschaft nach Nürnberg hat Hertha-BSC. beim Deutschen Fußballbund Einspruch erhoben. Berlins Meister, der nun zum vierten Male hintereinander im Endspiel steht, hat vor drei Jahren in Frankfurt a. M. und im Vorjahre in Altona, in beiden Fällen also Im Landesteil des Gegners gespielt und verlangt nun, daß dieser wichtige Kampf an einem neutralen Ort ausgetragen wird. Als solcher ist Nürnberg nicht zu betrachten.„Hertha" will unter keinen Umständen am Sonntag in Nürnberg gegen Fürth an- treten, wünscht vielmehr die Verlegung des Spiels in das Gebiet eines neutralen Landesverbandes. Der DFB hat den Einspruch zur Kenntnis genommen und will nun erst eine A b- st i m m u n g unter feinen Vorstandsmitgliedern herbeiführen. Bis dahin dürften einige Tag« vergehen, und so ist es nicht ausgefchlosien. daß der Kampf doch noch auf den 4. August verlegt wird. Touristen»,«i».Sie Rainrsrennde-', vrt»aru»»e Beelin.». B. Beran. sialtunsen am Di«n»taa, 28. Juli:«eddlns-Zupend: 19', 4 Uhr Sitiunfl. See. (itoftt 84.— Martenr 20 Uhr, Sonncnduraer Str. 20. Zimmer 5,«ussproche. oben» stber Nacktkultur.— griedrichohai»! 20 Uhr, Litauer Str. 1».„AHtäa. licheo" vom Genossen Losemann in Wort und Bild.— Krietzena»! Abend- wanderun«.— Lichteneodei 20 Uhr, Naiscr.Vilb-Im.Str. 78.— Pxnlow! Gilrsihstr. 14. 30 Uhr Gesang und Mustk.— Beranstaltunacn am Donnersiog. 28. Juli: Olsen««�endmanderuna unter Leitung der Naturkundlichen Adlciluno nach dem Sachs-Npla»:.Deutsch« Landschaften in«inen, Bark". Trcsipuns! ISZH Uhr U.Babn Sleich»kan4l-rplati.— Tiergarten: ISl* Ubr Ledrier Str.»>9. —»«sundbrunnen: Zum Soethepark IVA Uhr Trefspuntt MUller- Eck- See. strahc. Badwug mitbringen.— Prenzlauer Berg- X9H, Uhr Danzigcr Str. 62. .greikdrperkuliur."— Siidwest: 20 Uhr, Porckstr. 11, Gcschiiftliches.— Lichten. der»; 18 Uhr Ruhbad Lichtenberg. Oer Konflikt um die Bahn. Die Mandschurei zwischen Rußland, China und Zapan. Die Zuspitzung der ruMch-chinestschen Beziehungen lenkt die politische Aufmerksamkeit auf die Mandschurei, an der neben Ruß- land auch Japan stark interessiert ist, von England und Amerika ganz abgesehen. Die o st chinesische Eisenbahn stellt das Streitobjekt zwischen Rußland und China dar. Zu Beginn des Jahres 1926 ergriffen die nordchinesischen Be- Hörden das e r st e m a l Gewaltmahregeln gegen die Sowjetrujsen und verhafteten den russischen Generaldirektor der Bahn, Iwanoff. was ein Ultimatum Tschitscherms zur Folge hatte Im August des gleichen Jahres ging der damalige mandschurisch- nordchinesische Machthaber Tschangtsolin noch schärfer gegen Sowjetbeamten in der Mandschurei vor und konfiszierte die russische Sungari-Flotte. Karachan— damals russischer Botschafter in China— wurde gezwungen, China zu oerlassen. Auch die Durchsuchung der Pekinger Sowjelbotschasl im Frühling 1927 und die Abreise des russischen Geschäftsträgers stand mit dem Mandschureikonflikt im Zusammenhang. Des wei- teren unternahm die chinesisch« Regierung im Dezember 1928 scharfe Maßnohmen gegen Sowjetorganisation an der Ostbahn. Dies veranlaßte einen neuen diplomatischen Protest Karachans. Aber auch in Kanton, Südchina, blieben Ueberfälle gegen das ruf- fische Konsulat nicht aus(Dezember 1927), desgleichen in Charbin, noch im Mai dieses Jahres. Schließlich haben die Chinesen vor ganz kurzem die schärfsten Maßregeln gegen Sowjetrußland in der Mandschurei ergrisjen, indem sie den russischen Bahndirektor und viele andere Beamten abgesetzt und des Landes oerwiesen haben, woraufhin die Zuspitzung der Lage im Fernen Osten erfolgt«. Die Mandschurei hat vor allem durch die o st ch i n e s l s ch e Eisenbahn weltpolitische Bedeutung. Mit diesem Namen wird die Fortsetzung der sibirischen Bahn bezeichnet, deren Aus- gangspunkt die Grenzstation Mandschuria, deren Endpunkt aber der russische Hafen W l a d i w o st o k am Japanischen Meere ist. Charbin ist der Knotenpunkt der chinesischen Ostbahni von dort aus zweigt sie sich südwärts, bis Tajchangtschung. Unmittel- bar daran schließt sich die südmandschurische Bahn mit dem Zentrum Mukden und mit dem Endpunkt Dairen (Dalny) bei Port Arthur am Gelben Meere. Die südmandschurische Bahn ist demnach ein organischer Teil der ostchinesischen Linie, ist aber samt der Südmandschurei, und zwar traft des Ports- niouther Friedens, den Japanern zuerkannt und trägt seidem auch den jetzigen Namen. Somit stellt also die Mandschurei ein in zwei Zonen geteiltes Einflußgebiet dar: die Nordmandschurei ein russisches, die Südmandschurei. ein japanisches. Was die Ostbahn in der Nordmaudschurei anbetrifft, so untersteht sie einer gemischten russisch-chinesischen Verwaltung, und zwar gemäß eines Abkommens Sowjelrußlands vom 31. Mai 1924 mit der Pekinger Zentralregierung, dos am 29. September des gleichen Jahres auch mit der autonomen mandichurischen Regierung getroffen wurde; diese beiden Verträge beruhen auf dem chi- ncsisch-russischen Vertrage vom Jahre 1396 über den Bau und die Ausbeutung der chinesischen Ostbahn. Die Sowjetrussen begnügen sich nicht mit der wirtschaftlichen Ausnutzung der genannten Bahn, sie haben dort auch ihre politischen Einrichtungen getroffen: Partei- organisalionen, Press«, Genossenschaften, Gewerkschaften, Schulen u. a., alles Organe ihrer Machtstellung im chinesischen Osten. Di« Sowjets haben zwar auf die zaristischen Sonderrechte in China— Exterritorialität. Boxerentschädigung usw.— verzichtet. Sie habe» aber in Wirklichkeit die wichtigsten früheren Rechte des zaristi- scheu Rußland auf die ostchinesische Eisenbahn, die sich durch das rein chinesische Mandschureigebiet erstreckt, weiter beibehalten. Kraft des Abkommens 1924 untersteht die chinesische Ostbahn einer Der- waltung, woran Chinesen und Russen gleichmäßig beteiligt sind. Die Nordmandschurei besitzt wirtschaftlich eine hervorragend« Be- deutung. Im Lause eines Menschenalters ist die Bevölkerung der Mandschurei— infolge natürlichen Wachstums, mehr aber infolge starker Einwanderung aus Nordchina— von 3 Millionen aus etwa 30 Millionen gestiegen: in der Südmandschurei mehr als im Norden. Wenn auch diese Zahl im Verhältnis zu der großen Ausdehnung des Landes(etwa 1 Million .Quadratkilometer) immer noch recht gering ist, so trägt der ständig« Bevölkerungszuwachs immerhin zur wirtschaftlichen Entwicklung erheblich bei. Für Japan stellt die Südmandschurei ein viel be- deutenderes Gebiet landwirtschaftlicher Einfuhr und industrieller Aussuhr dar, als die Nordmandschurei für Rußland. Somil prallen aus mandschurischem Boden die Interessen Japans und Rußlands heftig aufeinander. Inwieweit nun die allerletzten, ziemlich aggressiven Schritte Chinas gegen Rußland auf die n e u e japan'sche China- bzw. Mandschureipolitik zurückzuführen ist, mag dahingestellt sein. Die „Prawda", das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Rußlands, schrieb noch vor einigen Wochen(2. Iun: 1929) aus Anlaß der Haussuchungen und Verhaftungen im russischen Konsulat zu Charbin im Mai, die Nankinger Regierung handele nur als Beauftragter Japans und Englands. Aehnlich erklärt sich die scharfe Sprache des russischen Ultimatums das der Leitartikel der„Prawda" mit den Worten erklärt:„Es ist Zeit, diesen Lakaien des Imperialismus(d. h. der chinesischen Regierung) klarzumachen, daß es für alles doch eine Grenze gibt!"' Japan hat die Südmandschurei, wenn nicht ethnisch— sie ist durchweg von Chinesen bevölkert—. so doch wirtschaftlich erobert; in unvergleichlich höherem Maße, als Rußland die Nordmandschurei. „Japan muß in China ein Gebiet haben, aus dem es Reis, Weizen, holz, kohle. Eisen und ander« Rohstoffe beziehen kann zur Versorgung seiner schnell industrialisierenden BeoStkerNng. Die Mandschurei ist allein imstande, diese Ausgabe zu erfüllen." Diese Worte eines hohen japanischen Eisenbahnbeamten in der Mandschurei sind deutlich genug. Die Mandschurei stellt aber für Japan nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in strategischer Hinsicht ein wertvolles Gebiet dar. Das japanisch« Eisenbahnnetz in der Mandschurei wird von Jahr zu Jahr dichter. Es dehnt sich immer mehr in der Richtung nach der Nordmandschurei und der Mongolei. d. h. also nach den Einflußgebieten Rußlands aus. Die wichtigste, im »au befindliche Eisenbahnlinie ist die in w« st S st l i ch« r Richtung mit dem Ausgangspunkt Kiri« und noch dem Japanischen Meer» hin. mit den Endstationen Roszin und Saistn am Koreanischen Meer. Sie läuft mit der russischen Charbin— Wladiwostok-Lini« parallel. Zum zweiten eine Süd-Nordbahn von Sypinga an der südmandschunschen Bahn bis zur Station Tzitzikar an der ostchinesischen Bahn, also eine neue Parallellinie der russischen Charbin— Tschangtschung-Linie. Eine dritte läuft nach der mongolischen Grenze Außer diesen Bahnlinien, die zum Teil schon fertig sind, haben die Japaner noch einige andere geplant, teilweise sogar nordwärts der russisch-chinesischen Ostbahn, also in der Richtung nach dem Amur-Gebiet nördlich von der Mandschurei. Diese Bahnbauten sind zwar nominell Unternehmungen chinesischer Mandschureibehörden, tatsächlich aber sind sie meist ebenfalls japanisch, da sie mit japanischem Kapital und durch japanische Kräfte aus- geführt werden Die mandschurischen Bahnlinien sind die Rohrleitung gen der politischen und wirtschaftlichen Expansion Japans in der Mandschurei und den Nachbargebieten Allein die Tatsache, daß es nicht weniger als zweieinhalb Milliarden Mark in der ManMchu- t« investiert hat, macht das Sonderinteresse des Landes der auf- gehenden Sonne für dieses fernöstlich« Gebiet klar. Diese Interessen- gegensätze Chinas, Rußlands und Japans sind es, die die Konflikt- stofse in der Mandschurei angehäuft haben. Maslow wieder in der KpO. Er mußte in die Partei aufgenommen werden. Der„D o l k s w i l l e". das Reichsorgan des Leninbundes (Linke Kommunisten) schreibt über Maslow, der wieder in die KPD. aufgenommen werden mußte: „Da Maslow bereits von dem geschäftstüchtigen Münzen- berg angestellt ist und Münzenberg immer eine gute Nase für Wendungen in der Linie hatte, kann die Wiederausnahme Maslows keinem wundernehmen. Fraglich bleibt nur, wie man der Mitgliedschaft der KPD. plausibel machen will, daß der abwechselnd zum Sozialdemokraten oder Parteispitzel gestempelte Maslow jetzt plötzlich die Stalinfche Politik betreiben kann. Wir bewnen: wir halten Maslow weder für einen Poizeispitzel noch für einen Sozialdemokraten. Wir stellen ihm das Zeugnis aus, daß er es vorzüglich verstehen wird, sich, wie schon früher, der zeweils offiziellen Linie anzu- schmiegen, und da er in letzten Iahren einiges auf dem Gebiet der russischen Fraktionstätigkeit und deren Auswirkung auf die deutsch« Partei hinzugelernt hat, ist sogar anzunehmen, daß er dem großen Herrn und Meister Stalin in Deutschland Paroli zu bieten versteht. Wir bedauern mar, daß wir nicht Zuschauer sein können, wenn Maslow den großen Führer der KPD., Thälmann, wieder wie einen Schulbuben zur Raison bringt, wie er das 1924 und früher so gut verstand." Daß die Moskauer Diener alles daran setzen, ihren Herren zu gefallen, ist hinlänglich bekannt; daß sie sich von den besten Kennern ihrer Organisationen und Verhältnisse ihre Charakterlosig- k e i t bescheinigen lassen müssen, ist immerhin wieder einmal �e- merkenswert._ Buchann hinausgereinigi. Das Plenum des Exekutivkomitees der Komintern hat die rechts. oppositionellen Kommunisten Bucharin, Gitlow, Serra und Humbert-Scoz aus dem Präsidium hinausgeworfen. "tför den Theoretiker Bucharin ist voller Ersatz vorhanden. Das Referat über die Wirtschaftskämpfe hielt: Teddy Thäl- mann. Die deutschen Landkreise in Baden-Baden. Die Haupwersamm- lung des Deutschen Landkreistages findet am Montag, dem 16. Sep- tember, in Baden-Baden statt. Als Hauptoerhandlungsgegenstände sind gewählt Wohlfahrtspflege und ländliche Wirtschaft Bericht- erstatter ist der Landrat Dr. Kracht-Heide, Mitberichterstatter Ober- regierungsrat Dr. Schühly im badischen Ministerium des Innern. für die Zeit vom 23, bis 2S. Juli K i N O-T A F E L PROGRAM M fflr die Zeit vom 23. bü 25. Juli ©IOIG Potsdamer Strafe 38 Grog-tedtfailend mit Harry Liedtke Der Wächter des Glfick»(5 Akte) Rheinstra£c 14 k�Ä) Die Todeskurve von HlUbury-Roek Mädcfaenscheu mit Harold Lloyd Odeon, Potsdamer Sh-, 75 Der Katzensteg mit LU«1 Arn« Moderne MOller m. Irene Rldi, Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnetl GroAsladtjugend mit Harry Liedtke Der Wächter des Glücks(5 Akte) Turmstrafie 12 Buddenbrooks mit Mady Christians Heiter der Rache(5 spann. Akte) Alhambra Begfa�&h9;,iU Schöneberg, Hauptstr. 30 Die Dame hinter dem Vorhang mit Ramon Novarro Totentanz der Liebe mit Greta Garbo ftühncnschau Titania(�.£&«,«) Hauptstraße 49 Beginn ab 6.30 Uhr Sündig und süh mit Anny Ondra Quartier Latin mit I. Petrovich, C Don' Welt-Kino Alt-Moabit 99 Wie Sdimclln» Paotlna beslefie An der xhOnen bleuen Domen Schlüter-Theater Schlüters tr. 17 W. 7 u. 9.IS U, S. ib 4 U. Abenlencr mit Cbertle ChepUn Mein Herz Ist eine Jazzband ■ st« am« j Titania-Palast Steglitz, SchloBstr. 5, Ecke Outsmuthsstr. Uraufführung: Die Ardlc Noah H!„I i Wochentags 6J0, 9 Uhr l'*-1 Stg. 5, 7, 9U. Stg. 3U. J.-V. Hindenburgdamm S8a Die Siegerin mit Oha Ttcbedsowa Glück bei Frauen mit Andre Mstioni BOhnensdiea Film-Palast Kammersäle Teltower Str. I— 4 Beginn 6 U. Der SUtenridifer(§ 218) mit Erna Morena O Jagend, wie bis! da so sehfin Vf~ f{ Mertendorf er L Jtt- 1.1 UAlsplele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Da« GeetlndaU der drei Die Prinzesetn and ihr Narr Bühnen Khaa Th. am Moritzplatz Beginn; W. ab 0.15 Uhr. Stg. ab 4J0 Uhr Oer Hcrzentpboiograpb mit Harry Liedtke Die Nacbl ohne Hoffnung Filmeck Beglnn:W-£Ä Skalitzer Straße, am Göriitzer Bahnhof S. O. S.(Schiff in Not) mit Uane Haid, A. Frcrland Moderne Müller Gate Bühnen« cfaea Urania-Theater Wrangelstr. II. Köpenicker Brücke Woch. 6.45. 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7, 9 Uhr Drei Tage Karneral Jagd nach der Ka««efte 3 Bühnen-Attraktionen Primus-Palast Hermannplatz Madame wünsdif keine Kinder mit Harry Liedtke, Moria Corda. Maria Pendler Die Herrenbofsage n. d. Erzählung von Selms Lagerlöf Bühne: Die vier FerdlnU in ihrer Jongleurszene: Im Hatladen > Elysium(FuS�pSa� Hasselwerderstraße 17 Wie Sduneling Peollno besiegle Das edle Blut Bühnenschaa jugendliche haben Zutritt » WlOnnsee M Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205—210 Das Weib des Gardisten ilhr Leidensweg) lehre wieder, Afrika i Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentg. ab 7 U, Sonntag ab 5 U. Ist Eddie Polo«huldig 7 mit Eddie Polo Fernen Aas gezeichnetes Beiprogramm Groge Varl et Asch an Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Erotik(veriSngerti) Wander d. Films, m. Begleitvortrag Bühne: Koltai-Revue: In der Temfllmschnle Concordia-Palast Andreasstraße 64 Der Pechvogel mit H. Lloyd Maharadscha von Domeioalen mit Ad. Menfoo Bühnenschaa Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg. Lückstraße 70 Die Hölle der Heimallesen Vagabondenliebcben mit Reginald Denny Bühnenschaa Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Ledige Mütter mit Walter 5 lesak, Werner Fütter er Freibeuter der Prlrie »Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Wochenendzanber mit Harry Liedtke. Maria Paadler Kehre wieder, Afrika I Bühnenschaa Skala-Lichtspielc Schönhauser Allee 80 Verdnu(Heldentum rwcler Völker) Hotelgeheim nisse m. Magd« Sonja Groge BOhnenschau Film« und BOhnenschan Collosscum Schönhauser Allee 123 Riff und Ralf, die Franenhelden Ein MIdel mit Tempo m. M. Davies Alhambra MOlierstraße, Ecke Seestraße Wie Schmeling Paollno besiegle Das verschwaBdene Testament mit Carlo Aidlnl Lebe, liebe, lache, Revue Fortuna-T ageskino MQllerstraBe 12 c Beg. 10 U. vorm. Oaa fahrende T ageskino ab 10 Uhr spielt nur Splixcnfilme der Welt- produktion Metro-Palast Chausseestraße 30 Großstadtfagend m. Harry Lledlke und Maria Paadler Dolderin Weib mit Maria Corda Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 6 U, Stg. 5 U. Stg. 3 U. lugendv. Lord Blatt mit Margot Lancia Was eine schöne Fran begehrt ssRialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Das ausgezeichnet gute Zwei-Schlager-Programm. Burgergarten-Lichtsp. Hauptstraße 51 GIrendes Blut hMh"<,er WCi�e �cMexlko)Fakir d. Liebe Das große Doppelprogramm Kristall-Palast Prinzenaliee 1—6 Erotik mit Olaf Fjord(Verlingerf) Ferner: Hotel Potcmlda Gute Bühnenschaa ■ P3nkow B Palast-Theater Breite Straße 21 a O, Linden wirf. v. Rhein(dtsch. Bes.) Die welS« Spinne, m. Paadler, RUla Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Don Juan mit J. Bonymore(Der große Liebhaber) Der fliegende Brintlgam Große Bühnenschaa �JNIedcrtchönhaute� Film-Palast Blankenburger Straße 4 Der Ring der Bajadere Jugendliche haben Zutritt