Morgenausgabe 7lr. 341 A 172 lö.Hchrgang «tchnuliq UPI. moaatNch»M JK. Im voraus zahlbar. PostdezuzIrl»' Berliner VoKsviatt Äentvalorgan der Sozialdemokrattssben Navtei Deutschlands Mittwoch 24. Zuli 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. SU«tulpalttg« Nonparetllezell» 80 Pfennig. Reklamen eile 5.— Reich». wart.„Meint Anzeigen� das lettge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort J2 Pfennig. Stellengesuch» das erste Wort IS Pfennig« jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmorkt 'eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze U ' Pfennig. Anzeigenannahme im5)aupt' Geschäft Lindenstraße S. wochentäglich von LV, bis 17 Uhr. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhofs ZS2— 297 lelezrauim-Ldr.: Sozialdemokrat Berit» Vorwärts-Derlag G.m.b.H. Dostscheckkonto: Berlins? KSK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellte« und Beamten Wallstr. SS. Dtikonto-Gesellschaft, Deposttenkasse Lindenftr.! Oer bedrohte Frieden. Sowjet-Hetze gegen China/ Briands Mahnung. Paris, 23. Juli. Au dem Telegramm, daß die Smvjetregierung di« Dermitt- k u n g Frankreichs im chinesisch-rusfischcn Streitfall abgelehnt habe, wird in einer halbamtlichen Erklärung des Außenministeriums festgestellt, daß die Nachricht den tatsächlichen Ereignissen nicht ent- spreche. Briand habe nicht vermittelt, sondern den Vertretern der beiden in Frage kommenden Länder nur Ratschläge zur Mäßigung erteill und dabei hervorgehoben, daß jede militärische Hand- lung den internationalen Verpflichtungen, die die Länder untereinander verbinde, zuwiderlaufen wurde, insbesondere dem Kellogg-Pakt. Aufforderung zum China-Krieg. ® Riga, 23. Juli.(Eigenbericht.) Die Kriegspsychose in Rußland dauert an. Alle Mittel der„Massenbearbeitung"— Demonstrationen und Versamm- lungen, Zeitungsartikel und Plakate, Gedichte und Abblldungen werden benutzt, um die Arbeiter und Bauern, die Gelehrten und Rot- ormisten, Männer und Frauen, Greise und Kinder— von Lenin- grab bis Wladiwostok und vom Weihen bis zum Schwarzen Meere in«ine Kriegspsychose zu versegen. Die Würdenträger der chinesi- schen Staatsmacht werden als„Banditen" und„Räuber" gebrand- iporkt. Ausfallend ist, daß sich der Massenhaß gegen die chinesische Regierung zugleich auch gegen Japan konzentriert. . Es ist im übrigen bezeichnend, daß die gesamte Sowjetpresse ver- sucht, den von ihr aufgeputschten Massen den Glauben«inzusläßen, als ob Sowjetrußland in China mit Bestimmtheit auf eine„r e v 0 l u- tionäre Reserve" der chinesischen Bauern und Arbeiter stoßen würde. Kein Wunder, wenn unter diesen Umständen bei den Protest- demonstrationen vor der chinesischen Gesandtschaft die bestellte chine- fischen„Revolutionäre" und„Werktätigen" mit den Rufen begrüßt wurden:„Heraus mit dem Sowjet-Kanton!" Die „Prawda" veröffentlicht sogar Abbildungen mit der Unterschrift: ,Ln der Etappe der chinesischen Generäle stehen Dutzend« von Tau- s e n d e n„R 0 t e L a n z e n"(eine ausständige Bauernorganisation), die in dem entscheidenden Moment gegen di« chinesische Gegenrevo- lution sich wenden werden." Das ist ebenfalls indirekte E r m u t i- gung zum Krieg gegen China. Oer Abschob der Bahnangestellten. London, 23. Juli.(Eigenbericht.) Wie aus Charbin gemeldet wird, hat die chinesische Oberleitung der Osteisenbahn aus Furcht vor einem drohenden Eisenbahnerstreit die Deportation von 600 Russen angeordnet. Di« Ab- geschobenen sollen teils durch chinesische Eisenbahner, teils, wie ver- lautet, durch„Weiße" Russen ersetzt werden. In maßgebenden Kreisen Tokios wird der chinestsch-russtsche Streit nach hier vorliegenden Meldungen ruhig beurteilt. Dagegen finden die wirtschaftlichen Folgen der Einstellung des Verkehrs auf der chinesischen Ostbahn zunehmende Beachtung. Die Erntezeit steht vor der Tür. Wenn es nicht gelingt, den Bahnbetrieb in kürzester Zeit wieder in Gang zu bringen, sind die Schäden nach japanischer Auffassung unübersehbar. Der englische Kriegsminister gab am Dienstag nachmittag im Unterhaus bekannt, daß das englische Expeditionskorps in China infolge des chinesssch-nissischen Streitfalles nicht verstärkt werden soll. Sensationsmeldungen... Paris. 23. Juli. Die. Agentur Jndopacifique meldet aus Schanghai, daß die Sowjetstreitkräft« am IS. Juli um 8 Uhr am Suisunsluß, den die ostchinesische Eisenbahn überquert, angegriffen hätten. Russische Flugzeuge sollen Suisenko überflogen haben. Außerdem sollen die Souqets im Bezirk van Wladiwostok alle Männer zwischen 17 und 22 Jahren mobilisiert haben. 21 Sowjetflugzeuge sollen die Stadt Lahassusu in der Gegend von Pogranitschnaia bombardiert und unter der chinesischen Bevölke- rung eine Panik hervorgerufen haben. Eine Bestätigung dieser Meldungen der Agentur Jndopacifique von anderer Seite liegt nicht vor. Soziale Kurpfuscher. Drei Anträge und ihre Auswirkungen. Unter der falschen Flagge:„Beseitigung von Miß- brauchen in der Arbeitslosenvetssicherung" leitete die Vereint- gung der deutschen Arbeitgeberverbände ihren Kampf gegen den Arbeitslosen schütz ein. Daß es sich in Wahrheit gar nicht um die Beseitigung von Mißbräuchen, sondern um den gründlichen A b b a u des Arbeitslosenschutzes handelt, zeigten bereits die berüchtigten„Reform"vorschläge der Unternehmervereinigung. Die politischen Exponenten der Unternehmer haben es ebenfalls vorgezogen, unter der gleichen falschen Flagge zu segeln. Es ist die notwendige Verbeugung vor ihren Ar- beiter- und Angestelltenwählern. Aber auch hier wird die Irreführung für jeden sichtbar, sobald über das allge- meine Gerede hinaus ganz konkret zu bestimmten Fragen des Arbcitslosenschutzes Stellung genommen werden muß. Es zeigt sich die innere Verbindungslinie zu den Unternehmern. Die„Mißbräuche" haben sich in blauen Dunst aufgelöst und übrig geblieben ist die Forderung nach allgemeinem Abbau des Arbeitslosenschutzes. Man muß es mit allem Nachdruck aussprechen, daß die dem Reichstage vorliegenden Anträge der Demokraten, der Volksparteiler und der Deutschnationalen dieses Thema zum Gegenstand haben. So einig sich diese Parteien in der Grundtendenz sind, so verschiedenartig sind die Wege, die sie für einen allgemeinen Abbau vorschlagen. Wir wollen im Nachstehenden die Kernfragen herausgreifen und ihre Auswirkungen zeigen. Die Demokraten sehen den Abbau nach zwei Rich- tungen vor: In den ersten vier Iahren der versicherungs- Pflichtigen Beschäftigung soll die Wartezeit verlängert und die Bezugsdauer verkürzt werden. Nimmt man für den Regelfall an, daß versicherungspflichtige Beschäftigung mit den jüngsten Altersgruppen der Arbeitnehmer gleichzusetzen ist, dann würden nach der letzten Berusszählung rund 15 Proz. der Arbeitnehmer darunter fallen. Aber damit ist der Personenkreis nur unvollkommen gekennzeichnet. So wird beispielsweise durch die Vorschriften über die Versiche- rungsfreiheit der Lehrlinge der Beginn der versicherungs- Pflichtigen Beschäftigung erheblich herausgerückt. Wer sich also in Berufsausbildung begibt, wird bestraft. Wahrschein- lich, weil ungelernte Arbeit Voraussetzung für den ökono- mischen Aufstieg ist. Mit diesem Vorschlag wird aber auch die Landflucht gefördert. Bei den langfristigen Verträgen landwirt- schaftlicher Arbeitnehmer— es handelt sich um Hundert- tausende von Fällen— besteht Versicherungssreiheit; die Ver- sicherungspflicht beginnt erst sechs Monate vor Ablauf des Arbeitsvertrages, so daß die Anwartschaft noch erworben werden kann. Nach dem demokratischen Vorschlag soll diese Berufsgruppe in Zukunft schlechter behandelt werden. Wie man bei solcher Behandlung Jugendliche aus der Stadt aufs Land vermitteln soll,- wird ein Geheimnis der Antragsteller bleiben. Von der gleichen schlechten Einsicht zeugt die For- derung nach Bildung von Gefahrenklassen, u. a. auch für die Landwirtschaft. Das Risiko in der Landwirtschaft wie die erheblichen Kosten für die Arbeitsvermittlung werden zum er- heblichen Teil aus dem Beitragsaufkommen anderer Berufs- gruppen gedeckt. Die Bildung einer Gefahrenklasse bedeutet also entweder Abbau der Leistungen für diese Berufsgruppe oder stärkere Beitragsbelastung, in beiden Fällen: Förderung der Landflucht! Für die Saisonarbeiter sieht der demokratische Antrag besondere Verschlechterungen vor. Die Anwartschafts- zeit soll auf 36 Wochen verlängert werden. Danach würden, je nach Lage des Arbeitsmarktes, 300 000 bis 500 000 arbeits- loje Saisonarbeiter keine Arbeitslosenunterstützung erhalten: sie wären auf die Wohlfahrtspflege angewiesen. Für die übrigen gibt es in den ersten 14 Tagen ebenfalls keine Ar- beitslosenunterstützung. Außerdem' wird die Höhe der Unter- stützung wesentlich herabgesetzt und die Unterstützungsdauer von 26 auf 14 Wochen verkürzt. Die materiellen Auswirkun- gen macht man sich am besten an einem Beispiel klar. Nach dem demokratischen Vorschlag soll sich der Höchstunter- stützungssatz nach der Lohnklasse VI errechnen. Auf Grund der Erfahrungen mit der Sonderfürsorge des letzten Winter waren rund 60 Proz. der arbeitslosen Saisonarbeiter.in höheren Lohnklassen. Der wöchentliche Unterstützungssatz würde sich bei einem Verheirateten mit zwei Kindern, der in der höchsten Lohnklasse XI versichert ist, von 31,50 M. auf 18,15 M. senken. Diese Senkung geht noch unter die Sätze der Krisenfürsorge, hier beträgt in diesem Falle der Unter- stützungssatz 22,50 M. Ein Arbeitsloser also, der zu dem Personenkreis gehört, der zur Krisenfürsorge zugelassen ist, erhält in der gleichen Lohnklasse eine höhere Unterstützung und braucht außerdem nur eine versicherungspflichtige Bc- schästigungsdauer von 13 Wochen nachzuweisen: er hat ferner Anspruch auf eine Bczugsdauer von 39 Wochen. Vergsgen- wärtigt man sich diese praktischen Auswirkungen, dann kann man von diesem Antrag nur sagen, daß er ohne Sinn und Verstand ist. Der Gesetzentwurf der Deutschen Volks parte! Oelkapital gegen Perser-Gchah. Kapitalsinteressen hinter der persischen Aufstandsbewegung. Teheran. Milte lull.(Eigenbericht.) Die Inneren Znstände persiens beginnen sich allmählich in einer Richtung zn entwickeln, die verzweifelie Aehnlichkeit mit denen Afghanistan» vor dem Sturze Amanullahs zeigen. Zn den letzten Tagen haben sichEnglaadnndRußland bereits direkt in die persischen Angelegenheiten eingemischt. Englische Flieger haben die Anssländischen in Südperfien mit Bomben beworfen,.während ein russischer Spezialgesandter, der in Teheran im Flugzeug-eingelrossen ist. Schah Rizah Khan Pehlewi die HUfe der Zowjelregierung bei der Unterdrückung des Aufstände» ängebolea hat. Die Ausitändischen, die sich in der Hauptsache aus den r e f 0 r m- feindlichen Nomaden st ämmen Südpersiens rclrutieren, sind ausgezeichnet mit Maschinengewehren und Munition eng. lisch er Provenienz versehen, die eines Tages von geheinmnis- vollen Persönlichkeiten im ganzen Aufstairdsgebiet zu Spottpreisen vertaust wurden. Die Verbindungen der Rebellen gehen bis in die nächste Umgebung des Schahs. Haussuchungen bei hohen Beamten und Militärs haben zur Verhaftung einer Reihe von persönllchkeiteu geführt, unter denen sich der Minister de» Auswärtigen, der Finanzwinister. der Chef de« persischen Polizeiwesen» und der Gouverneur der Provinz Fars befinden. Alle Verhafteten waren in«in Komplott verwickelt, das die Er- mordung des Schahs und die Einsetzung des Prinzen Firusi zum außerordentlichen Reichsverweser bis zur Rückkehr der von Riza') Khan vertriebenen Kiadscharendynyastie zum Ziele hatte. Die bei den Berhafteten beschlagnahmten Dokumente sind für eine so große Zahl von hohen Persönlichkeiten Persiens derart kompromittierend, daß Rizah Khan ihre Veröffent- lichung untersagt hat und nur die Hauptschuldigen verhaften ließ, während sämtliche übrigen verdächtigen Persönlichkeiten unter Polizeiaussicht gestellt wurden. Auf Schah Rizah Khan haben die Vorfälle einen derart niederschmetternden Eindruck gemacht, daß er die Hauptstadt verlassen und sich ins Hauptquartier der gegen die Aufständischen kämpfenden Armee begeben hat. Inzwischen hat die militärische Lage eine leichte Besse- pmg zugunsten der Regierung erfahren. Wie ein offizielles Kam- muniquc der Regierung meldet, hat der persische Kriegsminister Assad Khan einen Erfolg gegen den 3000 Mann starken Stamm der Kaschgaren erzielt. Dieser Sieg hat den mächtigen Stamm der Bachtiaren, die bereits entschlossen waren, zu den Revolutionären zu stoßen, vorläufig wieder auf die Seite der Regierung gebracht. Die Regierungstruppen treiben di« geschlagenen Kaschgaren in fort- gesetzten Kämpfen nach O st e n, aber die Operationen gehen nur langsam vorwärts, da das gebirgige Terrain nur einen Kleinkrieg zuläßt. Den ersten Anstoß zum persischen Aufstand haben neben Reslnuralionsversuchen der kiadscharendynaslie, die von einem Komilee in Beirut durch große Geldmillel gefördert werden. Differenzen zwischen Rizah Khan und seiner bisherigen Pro- torla, der Anglo-Persian-Oil-Eompany. über die Verlängerung ihrer Konzession in Persieu gegeben. Während die Angw-Persian die Erneuerung der in drei Jahren ablausenden Verträge in der alten Form fordert, setzt Rizah Khan diesen Wünschen heftigen Widerstand entgegen, um die reichen Ein- nahmen der persischen Oelfelder für Staatszweckc zu sichern. pilsudfti sorgi für die Geinen. Warschau, 23. Juli. Wie oerlautet, soll demnächst eine neue Personalverordnung im Kriegsministeriilm herauskommen, der zufolge 1500 Ernennungen, Versetzungen und andere Personnlverändcrungen im Offizierskorps erfolgen werden. Es ist bereits die dritte derartige Verordnung in diesem Jahre: die erste Liste im März umfaßte etwa 800 Namen, die zweite, die erst vor kurzem erschien, 2000 und schließlich die bevorstehend« 1500 Namen, insgesamt also 4300 Ver- änderungen in der Armee im Laufe von wenigen Monaten. Durch dies« Reorganisation soll die Armee vor allem im Pilsudskischen Sinne umgestaltet werden. Es werden aber nicht nur ältere Offi- ziere, insbesondere der ehemaligen österreichischen, deutschen und russischen Armee, die„nicht völlig zuverlässig" erscheinen, beseitigt werden, sondern auch die, die ihrer Eignung nach für eine weitere Beförderung, insbesondere zu Stabsossizieren, nicht in Betracht kommen. Der Offizier im polnischen 5)cere ist schon von seinem 40. Lebensjahre an pensionsberechtigt. sieht für die SaisonarSsiter vor, daß m den ersten drei Dachen keine Arbeitslosenunterstützung gezahlt wird. Außerdem soll ein allgemeiner Abbau der Unter st ützunassätze für alle Anwartschaften unter 52 Wochen erfolgen. Nach der Erhebung vom 15. März würden davon 72,8 Proz. aller Ar beitslosen betroffen. Bei 35,2 Proz. soll eine Kürzung der Unterstützungssätze um 25 Proz., bei 37,6 Proz. sogar eine Kürzung um 50 Proz. eintreten. Ein Verheirateter mit zwei Kindern in der höchsten Lohnklasse würde im ersten Falle eine Unterstützung von 23,63 M., im zweiten Falle von 15,75 M. pro Woche erhallen. Gehört dieser Arbeits- lose zu dem zugelassenen Personenkreis der Krisenfürsorge, dann erhält er nach der Aussteuerung aus der Versicherung 22,56 M., kann er nur 13 Wochen Anwartschaft nachweisen dann erhält er sofort diesen Satz. Es ergibt sich also, daß der Arbeitslose mit 13 Wochen Anwartschaft in der Krisen fürsorge 6,75 M. mehr an Unterstützung erhalt als der Arbeitslose mit 38 Wochen Anwartschaft in der Versicherung und fast ebensoviel wie der Arbeitslose mit 51 Wochen An warffchaft in der Versicherung. Nun sind in der höchsten Lohnklasse nur 16 Proz. der Arbeitslosen. Der Widersinn steigert sich in den unteren Lohnklassen. So erhält der Versicherte mit zwei Kindern in Lohnklasse VI: in der Krisenfürsorge bei 13 Wochen Anwartschast 18,15 M. pro Woche, nach dem Vorschlag der Volkspartei in der Versiche rung bei 38 Wochen Anwartschaft 9,68 M. pro Woche, bei 51 Wochen Anwartschaft 13,62 M. pro Woche und erst bei 52 Wochen Anwartschaft den gleichen Satz wie in der Krisen fürsorge. Auf diese Weife soll vielleicht auch der Abbau der Krifenunterstützungssätze eingeleitet werden. Der Vorschlag der Vollspartei bleibt in großem Umfange auch unter den Sätzen der stüheren Erwerbslosenfürsorge, die ebenfalls nur eine Anwartschast von 13 Wochen kannte. Da er vielfach unter den Richtsätzen der Wohlfahrts- pflege bleibt, müßte diese in weitem Umfange ergänzend ein greifen. Das Rezept der Deutschnationalen besteht darin, die Wartezeit zu verlängern und die Vezugsdauer zu verkürzen. So soll in der Lohnklasse IX die Arbeitslosenunterstützung erst nach Ablauf von 24 Tagen gezahlt werden, handelt es sich um einen Saisonarbeiter, erst nach Ablauf von 72 Tagen. Ist dieser Arbeitslose ein Ehemann mit zwei Kindern, dann soll die Wartezeit um 6 Tage verkürzt werden. Man sieht, die Deutschnationalen haben darauf verzichtet, sich in irgend- welche geistigen Unkosten zu stürzen. Diese Vorschläge heben die Grundlagen unseres ge- samten Arbeitslosenschutzes auf: sie machen die Wohl- sahrtspfleg« in großem Umfange zum Träger des A r b« i t s l o f e n f ch u tz e s. Die„Sanierung" der Arbeits- iofenverficherung besteht in einer Abwälzung der Lasten auf die Wohlfahrtspflege. Eine solche Regelung wäre auch ein Rückschritt gegenüber der früheren Erwerbslosenfürsorge. Diese Art von Sanierung ist nichts anderes als soziale Kurpfuscherei und wird den schärfften Widerstand der Sozialdemokratie finden. Krage und Aniwori. Hetzinserate in amtlichen Kreisblattern. Der Landrat des Kreises Echlochau hatte, wie«in« Klem« Anfrage der Deutfchnationalen Volkspartei mitteilte, di« Ausnahme einer Ankündigung zweier Versammlungen im Inse- ratenteil des amtlichen Kreisblattes»«rhind«rt, weil dem Text folgender Satz vorangestellt war: „Der Kampf um das Friedensdirtat von Versailles ist neu ent- brannt. Immer weiter« Dolkskreise fordern gebieterisch den Widerruf der Kriegsschuldlüge. Durch das Pariser Abkommen sollen noch unser« Kinder und Kindeskinder zu Tributzahlungen gezwungen werden. di« Deutschnationole Partei nimmt offen den Kampf ans gegen Kriegsschuldlüge und Tributoersklavung� Das Staotsministerium wurde gefragt, od es die Stellungnahme des Landrotes billige. Der preußische Minister des Innern hat die Klein« Anfrage ebenso knapp wie entschieden klar beantwortet: „Das Staatsministerium billigt die Stellungnahme des stell- vertretenden Landrats in Schlochau. Politisch. polemische, agitatorische Inserat« haben in einem amtlichen Kreisblatt k ei n e n Raum und finden daher in dem amtlichen Kreisblatt des Kreises Schlochau mit Recht grundsätzlich keine Ausnahme.� Oer regierende Kerschi. Er heiratet mit fünfundsiebzig. Mitunter wird die Well daran erinnert, daß es— trotz ISIS — noch«inen deutschen regierenden Fürsten gibt. Es ist dies der Fürst von Liechtenstein, Herr über 12 Dörfer und 10000 Seelen, dessen„Land", zwischen Dorarlberg und Grau- bänden gelegen, infolge seiner Winzigkeit bei ollen weltgeschichtlichen Aufräumungsarbeiten übersehen worden ist. Von Rechts wegen führt Preußen sogar noch Krieg mit Liechtenstein, nicht etwa von 1914, sondern von— 1866 her, wo man den Friedensschluß mll diesem„Feinde" total v« rgessen hatte! Da der jetzig« regierend« Herr sich im ehrwürdige« Aller von 75 Iahren befindet und aus seinen greisen Schultern sozusagen die Verantwortung ruht, daß nicht etwa das einzige noch regierende deutsche Fürstenhaus durch Mangel an Nachkommenschost aussterbe. so hat der hohe Herr in selbstloser Opserbereitschoft das einzige getan, was ihm zu tun übrig blieb:«r hat geheiratet. Am Montag fand seine Vermählung in Dien mll der verwitweten Frau ffiifa mb Erös statt, die sich just an der Schwelle ihres zweiten Halb- jahrhunderts befindet. Wenn auch hier der Viktoria-Soubkosfsch« Altersunterschied von 40 Iahren auf das Wilhelm-Herminische Maß von netto 25 herab- gedrückt wurde, so fürchten wir doch, daß unsere Nationalisten mll dieser Eheschließung nicht ganz zufrieden sein werden. Denn, wie die Hugenberg-Presse verschämt meldet: die verehelicht« Fürstin Liechtenstein, verwitwete Elsa von Erös, ist eine geboren« Baronesse Gutmann. Wer darüber informiert ist, wieviel Gutmonns, Gut- ields, Rothschilds, Hofmannsthals usw. in alten Oesterreich geadelt worden sind, der weiß genug: Das letzte regierende deutsche Fürstenhaus v e r j u d e t I Verhülle dein Haupt. Hitler! Der einzig« Lichtblick m dieser Rassenschmach ist, daß nach Ansicht medizinischer Autoritäten die Hoffnung auf leibliche Nachkommenschast alles in allem einigermaßen begrenzt erscheint... Jonathan. Vorbereitungen für die Brandenburger Provinzialwahlen. Die Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei wird die Provinzial- laudtagswohlen in Brandenburg gemeinsam mit dem Branden- burgischen Landbund, dem Stahlhelm, der Deutschnationolen Volks- Partei, der Deutschen Dolkspareti und den Nationalsozialisten durch- führen.— Die dazu erforderliche Kandidatenliste wird ein schöner Mischmasch werden. Die Spitzel im Generalkonsulai. polnische Polizeimethoden vor dem Gericht.— Prozeß Lllih hat begonnen. Sakkomitz, 23- IuL. Dienstag früh begann unter großem Andrang der polnischen, ostoberschlesischen, deutschoberschlesischen, reichsdeutschen und aus- lündischen Presse— es waren u. o. Vertreter der Times, des Manchester Guardian, des Herald Tribüne und des Messa- gero angemeldet— der Prozeß gegen den Gsschöftsführer des Deutschen Volksbundez in Ostoberschlesien, Otto Ulitz, wegen Beihilfe zur Entziehung vom Militärdienst. Der Prozeß dreht sich formell vor allem um die Frag«, ob«ine angeblich von Ulitz unterzeichnete Bescheinigung über die deutsche Gesinnung eines nach Deutlchlattd geflüchteten Bialucha«cht oder gefälscht ist. Nach dem Zeugenaufruf und nach der Verlesung de» Eröffnung». beschlusses erhielt der Angeklagt« Ulitz das Wort. Als er sich zunächst über die schwere Verantwortung, die den Richtern obliege, äußern wollte, fiel ihm der Vorsitzende in» Wort und erklärte ihm, daß er sich nur zur Sache äußern dürfe. Ulitz bestritt die ihm zur Last gelegten Straftaten in vollem Umfang«. Di« Anklageschrift enchav« eine ganze Reih« von Fehler». Ufitz verwies zunächst darauf, daß es eine Unmöglichkeit fei, daß den Akten vom 29. Mai und 9. Juni 1925 eine Bescheinigung vorangehen könne, di« vom 15. Juni 1925 datiere. Ulitz erklärte, er habe keinen Zweifel darüber, daß, als die Wien an den polnischen Nachrichtendienst gelangten, die De- schetnigung vom 15. Juni sich noch nicht urtter ihnen befanden: er hege vielmehr de« besllmmteu verdacht, daß diese Bescheinigung erst nachträglich hergestellt wurde. Der Angeklagte betonte sodann, daß es sich um einen politischen Prozeß Handel«, und bekanntlich werde in politischen Prozessen häufig mit gefälschten Dokumenten operiert, wie dos ja der Drey- fus-Prozeß und erst in kürzester Zeit der Orloff-Prozeß bewiesen hätten. Als Ulitz auf die drei Hauptbelostungszeugen eingehen will, unterbricht ihn der Vorsitzend« mit dem Bemerken, daß er sich zum Beweisverfahren noch nicht zu äußern habe. Der Angeklagte fragt dann, ob er grundsätzliche Ausführungen zu seiner Stellung zur Militärdienstpflicht machen dürfe, was ihm der Vorsitzende be- willigt. Ulitz oerlos dann einen Aussatz aus der„Kattowitzer Zeitung' vom 18. Mai 1924 mit der Ueberfchrist:„Sollten wir optieren?" In diesem Aussatz hat er geschrieben, daß, wer optiere, sich selbst schade und damit auch seinen deutschen Volksgenossen in Ostoberschlesien. Er unterstrich damals als wichtigste Pflicht der Deutschen in Ostoberfchlesien, auf der Heimaterde zu ver- bleiben. Wenn er damals Zehntausend« von Menschen auf- gerufen habe, auf die Option zu verzichten, fo bestehe gegenüber der Behauptung der Anklageschrift, daß er am 15. Juni 1925 dem Bialucha angeraten haben sollte, nach Deutschland zu flüchten, um sich der Milftärdienstpslicht zu entziehen, eni� unüberbrückbare Kluft. Auf«ine Frag« des Vorsitzenden erklärt Ulitz sodann, er bestrette, daß die inkrnnierte Urkunde in seinem Bureau angefertigt worden sei. Ebenso bestreite er. daß die Uuterfchrsst unter diesem Dokument von ihm herrühre. Der Vorsitzende fragt ULtz weiter, ob er, wenn er annehme, daß er das Dokument unteischricben hätte: bies als Prwatmonn oder als Vorsitzender des Volksbimbes getan haben würbe. Der Angeklagte erklärte hierzu, daß er weder als Privat«»»«»och als Geschäftsführer de» VokkÄnmdes ein« derartige Bescheini- gung jemals unterschrieben hätte. Der Vorsitzende fragte hierauf den Angeklagten noch dem Zweck de» Volksbundes und nach der Art und Weif« der Verwirklichung der Ziel« de» Bunde», worauf der Angeklagte ein« Erktänrng abgab, baß der Bottsbimd es sich zum Ziel gesetzt habe. kulturell« Rechte der Deutschen in Ostoberschleflea zu wahre». Der Vorsitzende fragte den Angeklagten, welchen Wog der Lokksbunb im Falle einer Beschwerde beschrette, und fragt« weiter, ob Ulitz es mit seiner Loyalität als vereinbar halt«, wenn er sich mit einer Beschwerde an«in« fremde Regierung wende. ver Angeftagte erklärte ganz entschieden, daß er sich niemals an eine fremde Regierung in Minderheitssachen gewandt hob«: er würde das mich nie tun, da ja der Weg unmitteibor nach Genf gegeben sei. Aus ein« weiter« Frag« bezüglich de» Bialucha jagte Ulitz, daß er diesen Namen zum erstenmal gehört habe, als der Auslieferung sdntrag an den Schlestschen Esem gekommen sei. Er wisse im übrigen nicht, wer im einzelnen Mitglied de» Dolk»- bundc» sei. Die Versuche, eine Zentralkartothek anzulegen. seien durch die Beschlagnahme der entsprechenden Liste« durch die polnische politische Polizei zunichte gemocht worden. Der Vorsitzende stellte an Ulitz dann die Frage, ob nicht irgendein Angestellter des Bureaus die Bescheinigung ausgestellt haben könnt«, was Ulitz mit dem Hinweis darauf verneinte, daß di« ganzS Abfassung der Be- scheinigimg derart gewesen sei, daß ein Angestellter, der sich derartiger grober stilistischer Fehler schuldig gemocht hätte, keinen Tag länger in der Verwaltung des Deutschen Voik»- bundes hätte geduldet werden können. Er verwie» u. a. daraus, daß in dem Dokument statt des Worte»„Hier" das Wort..Bier" zu lesen sei und daß außerdem in dem Passus, der die Unterschrift enthält und in dem es heißt„Der Vorstand" da» Wort.Her' statt groß klein geschrieben sei. Auf di« Frage des Vorsitzenden, ob er die Unterschrift als gefälscht betrachte, antwortet« Ulitz mit einem lauten Ja. Auf die weitete Frage, ob er einen Verdacht heg«, wer die Unterschrift gefälscht haben könnte, erklärte Ulitz, daß er früher ««genommen habe, baß Biatiuha selbst der Fälscher sei: er sei aber jetzt anderer Auffassung geworden und werde im Lause der Deweis- «nrfnahme nochmals auf diese Frage zurückkommen. Ulitz wie» auch ausdrücklich darauf hm, daß der bei der Abfassung der Urkunde verwandte Stempel nicht derjenige sei, den er zu verwenden pflegte. Aus eine weiter« Frag« des Darsitz enden erklärte Ulitz dann noch, daß entweder er allem, oder zwei andere Beamte der Leitung des Dolksbundes zur Unterzeichnung von Dokumenten berechtigt feien. Darauf folgte ein« Vergleichung der Unterschristen. Der Hauptbelastungszeuge Hauptmann Cychon vom Generalkommissariat in Danzig, ging bei seiner Vernehmung zu- nächst auf die Tätigkett des Deutschen Volksbunde» ein und erklärt«, im Jahre 1925 sei der Nachrichtenabteilung zur Kenntnis gekommen, daß vom Lolksbund ausgestellte Bescheinigungen von deutschen Behörden als Pässe angesehen würden. Da di« Vermutung bestand, daß dadurch die Heeresflucht begünstigt werden könne, feien Schritte unternommen worden, um derartige Bescheinigungen in di« Hand zu bekommen. Zu diesem Zwecke seien durch die Vertnitthrng des ebenfalls als Zeugen geladenen P i e l a w s k i sowohl beim Deutschen Generalkonsulat in Sattowitz wie auch beim Deutschen volksbund vier Spitzel angestellt worden. die dem Rachrichtendienst Mitteilungen zur Verfügung stellen sollten, Das geliefert« Material sei photographiert und die Akten sodann wieder zurückgegeben worden. Unter den erhaltenen Akten befanden sich auch die des bereits mehrfach genannten Bialucha. Ulitz fragt den Zeugen, ob die Akten beim Photographieren auseinandergenommen worden seien, worauf Hauptmann Cychon erklärt, daß es ein Apparat neuester Konstruktion gewesen sei, der es ermöglicht habe, verschiedene Akten aus einmal aus- zunehmen Das müßte allerdings der neueste Apparat sein, warf der Angeklagte Ulitz ein. Ulitz wies auch darauf hin, daß zwei Dokument« zusammen photographiert worden seien,, die über- Haupt nicht zusammengehören: di« Akten wühlen osso auseinandergenommen worden sein. Ulitz stellte weiter fest, daß die dem Gericht vorliegenden Abschriften, die von dem Zeuge.« Cychon beglaubigt worden waren, mit den Dokumenten nicht über- einstimmten. Im wetteren Verlans semer Vernehmung sagte der Zeuge Eychon aus, daß die Post de» Devkscheu Volksbundes immer über das deutsche Generalkonsulat gegangen sei. Ulitz bestreitet das mit Ent- schiedenheit und stellt den Antrag, den E ha uff e u r P r imu«. der sich zurzeit in Brasilien aufhält, als Zeugen dafür zu laden, daß dem Deutschen Volksbund über das deutsche Generalkonsulat niemals Post zu» gestellt worden sei. Der Zeug« Cychon bekundet wetter, er habe in Erfahrung gebracht, daß Ulitz mit Redaktionsmttgttedern der Katto- witzer Zeitung geheime Konferenzen abgehalten hätte. Ulitz fragt den Zeugen, ob er damit sagen wolle, daß es ihm nicht«rlaubr sei, mit irgend einer Person etwas zu besprechen. Der Zeuge will das allerdings nilht zugeben. Der Angeklagte Ulitz stellt den Antrag, die Redaktionsmitglieder der Kattowitzer Zeitung in diesem Zusam- menhang zu fragen, ob es sich bei den Konferenzen um st a a t s- gefährliche Angelegenheiten gehandelt habe. Von der Verteidigung wie auch von den Angeklagten selbst wurde ferner er- klärt, daß diese Konferenzen lediglich den Zweck hatten, die kattowitzer Zeitung zn veranlassen, sich ans eine mehr| staatsb�ahende Politik in bezug auf Polen einzustellen. Der militärisch« Sachverständig« bekundete demgegenüber, man sei bezüglich des Zwecks der Einflußnahme auf die Kattowitzer Zeitung in polnischen Kreisen gerade gegenteiliger Meinung gewesen. Die Zeugenvernehmung, die sich außerordentlich lebhaft gestaltete, mußte schließlich wegen eines Unwohlseins des Zeugen Cychon auf kurze Zeit unterbrochen werden. Als erster Entlastungszeuge wurde der aberschlestsche Sejmmarschall W o l lny vernommen. Cr verneinte die Frage des Vorsitzenden, ob er die BescheirriguM, die Usttz zugeschoben, seinerzeit aber vom Sejm als nicht eckst erkannt wurde, sür«cht hotte. Ueber di« Loyalität des Angeklagten im schlestschen Sejm befragt, erklärt« der Zeuge, daß Mß immer objektiv ge- wesen sei. Di« Belastungszeugen Pielawski und Wuzit wurden daraufhin vernommen. Sie mußten beide zugeben, daß sie die lltttz zur Dast gelegte Bescheinigung uiemai« im Volk» band« gesehen haben., und auch nicht sagen können, daß Ulitz«in« solche ausgestellt hat. Im einzelnen erklärt« der Zeuge Pielawski. daß« im Jahr« 1925 von Kapitän Cychon aus den Deutschen Volksbund aufmerksam ge- macht worden sei und daß e» ihm binnen drei Tage« gelungen sei, von Fräulein Wuzik Originalakten zu erhalten, die er je- doch immer bi» 3 Uhr zurückzugeben hatte. Einsicht in die Akten habe er nicht nehmen können, da et dazu keine Zeit gehabt habe. Den Akt Bialucha habe er gesehen, aber den InHall hätte er eben- falls nicht zur Kenntnis genommen. Er Hab« die Bescheinigung nur später nach der Photographie zu Gesicht bekommen. Nach seiner Schreibmaschinenfertigkeit befragt, erklärt« der Zeug«, daß er im Jahre 1925 noch nicht Hobe Maschine schreiben können. In der weiteren Verhandlung ergibt sich schließlich daß der Zeug« wegen Fälschung eine» Dokument» bereit» mit Gefängnis bestraft ist. Er hott« seine Schulzeit um zwei Gymnasialjahr« erhöht, um auf diese Wesse in den vfftziersdienst treten zu können. Auf Grund seiner Verurteilung wurde er jedoch zum Unteroffizier degradiert. Der Angeklagt« Ulitz stellt« fest, daß er«inen Mann, der bereits einmal wegen Urkundenfälschung verurteilt worden sei, nicht für glaubwürdig halten könne. Die darauf oernornmen« Zeugin Martha Wuzik bekundet«, daß sie die Ulitz zur Last gelegten Bescheinigungen niemal» gesehen habe und auch derartige Bescheinigungen nie herausgegeben habe. Sie habe nur in, Bureau des Volksbundes vom Bestehen derartiger Bescheinungnr gehört. Daß Ulitz selbst solche herausgegeben Hab«, könne sie nicht behaupten. Sie erklärte weiter, daß das Dokument auf der Schreibmaschine von Fräulein Neumann geschrieben worden sein könnte. Aus der weiteren Vernehmung ergibt sich, daß die Zeugin über di« innere Organisation des Volksbundes überhaupt nicht im klaren war, da sie den Unterschied zwischen Bezirks- Vereinigung Kattorvitz des Deutschen Dolksbundes und der Zentral- leitung nicht kannte. Auffallend ist jedoch, daß sie, die im dritten Stockwerk ihr Bureau hatte, über die Verhältnisse im zweiten Stockwerk sehr gut unterrichtet war. Den Stempel der Zentrale, der nur von dem Vorsitzenden des Volksbundes, Ulitz, benutzt wurde. kennt die Zeugin nicht, wie sie ausdrücklich nach einer Probe des Stempel», der am Nachmittag aus dem Bureau des Volks- Kunde« herbeigebracht worden war, erklärt. Reichswehr und Verfaffungsfeiern. Das Reichswehrministerium hat angeordnet, daß die Reichswehr sich in stärkerem Maß« als bisher an den Versassungsseiern beteiligt. Auf Grund dieser Anordnung werden in den Garnisonorten die Reichswehrkapellen Festkonzerte veranstallen. Außerdem werden an den amtlichen Feiern Abordnungen der Stäbe und Truppen teilnehmen. Auch werden Ehrenkompagnien mit Musik und Spielleuten zum Verfassungstag bestellt werden und schließlich werden bei den Sportkämpsen aus Anlaß der Verfassungsfeier die Reichswehrkapellen ebenfalls konzertieren. * Wie amtlich mitgeteill wird, gibt«in gemeinsamer Runder laß des Ministers des Innern und des Finonzministers den nachgeord- neten Behörden bekannt, daß der Reichsrat durch Verordnung vom 2. Juli 1929 die Bestimmungen über di« Vergnügungssteuer dahin ergänzt hat, daß Veranstaltungen, die am 11. August aus Anlaß und zu Ehren des Verfassungstages unter- nommen werden, der Vergnügungssteuer nicht unterliegen. Moskau und London. Wiederaufnahme der Beziehungen?- Moskau zögert. £ o n b 0 n, 23. Zult.(Eigenbericht.) Die russische Antwort aus die Stuff orbcmog der britischen Regierung, einen Beoollmächügten zur Aufnahme von vorbe- Iprechungen nach London zu entsenden, ist inzwischen abgegangen und wird dem britischen Auhenamt durch die deutsche Bot. schasl in London überbracht werden. Zn der Antwort erklärt sich die Sowsetregierung grundsätzlich mit der Einladung, einen Vertreter noch London zu entsenden. einverstanden. Moskau erbittet zunächst jedoch noch weitere Mitteilungen über Inhalt und Umfang der von der Arbeiter? regierung gewünschten Vorbesprechungen. Die Sowjetregierung soll insbesondere eine Versicherung de? Inhalts fordern, daß in diesen Vorbesprechungen keine Entscheidungen über die Wiederausnahme der diplomatischen Beziehungen getroffen werden und lediglich die Methode« erörtert werden, die nach der Aufnahme der diplomatt- scheu Beziehungen bei der Beilegung der schwebenden Streitfragen angewandt werden würden. Handelsminister Graham gab auf Anfrag« im Unterhaus die Höhe der britischen Kapitalanlogen in Nutzland in Form von Lterlingbonds, russischen Staatsanleihen, garantierten Eisenbahn- und Munizipalonleihen und anderen Investierungen, für die An- iprüche aus Rückzahlung gemacht werden, mit etwa 800 Millionen Goldmark an. Das Befinden des Kanzlers. Befriedigend, aber noch kritisch. Heidelberg. 23. ZnN.(Eigenbericht.) Die Aerzte bezeichneten den Zustand de» Reichs- kaozler» am Dienstag nachmittag als durchaus b e f r l e d l- g e n d. Die Herztätigkeit ist ungestört. Der patienl hal auch einige Nahrung zu sich nehmen können. Die kritischen Tage sind je- doch noch nicht überwunden. Auch am Dienstag konnte der Reichskanzler den Besuch seiner Frau nnd seiner Sekretärin emp- fangen. Achizehn Millionen Defizit. Oer Unterbilanzblock von Thüringen. Weimar. 23. Juli.(Eigenbericht.) Der Etat de» Landes Thüringen für 1929 inst einem ungedeckten Defizit von 8 192 000 Reichsmark ist am Dienstagnach- mittag von den Deutschnationalen, der Deutschen Doltzpartei, dem Landbund, der Wirtschaftspartei, den Demokraten, dem Sparer- abgeordneten Günther gegen die Sozialdemokraten, die Kommunisten und einen Nationalsozialisten, also mit 29 gegen 20 Stimmen, a n- genommen morden. Die Deutschnotionalen, die Wirtschaftsportei und der Londbund ließen bei der Abstimmung eine Erklävung gegen den Aoung- Alan vom Stapel. Die Deutsche Bolksportei ließ erklären, daß ein schlechter Etat immer noch besser sei als gar keiner. Demgegen- über trat der Sozialdemokrat Fröhlich mit dem Bekenntnis zur Verständigungspolitik und dem Lerlongsn auf, daß Thüringen andere Länder Steuern erheben, aber aufhören hatffc die Steueroase der deutschen Republik zu fein. Auherdem per- langte er rechtzeitige Anberaumung der Landtag»- mahlen, und zwar möglichst im Dezember dieses Jahres, damit der Etat für 1930 nicht auch verspätet eingebracht«erde. Alk d>e Abstimmung beendet war, erklärte Staatsminister Taulsen, daß au» dem Jahre 1928 noch 10 Millionen Mark Defizit vorhanden feien, so datz jetzt mit einem Defizit van insgesamt 18 Millionen Mark gerechnet werden müsse. Er verlangte deshalb von den Regierungsparteien neue Sparmah- nahmen und neue Steuern und behielt sich eventuelle Entschlüsse .zum Abbau de? Defizits vor. Auf die Frage des Sozialdemokraten Fröhlich, ob er damit den Weg der Rotgesetzgeknmg beschreiten wolle, antwortete Pauisen mit nein. Anschließend erklärte Fröhlich, datz jede der Kopfsteuer ahnliche Steuer im Thüringischen Landtag abgelehnt würde: man solle die Steuern daher nehmen, wo sie andere Länder zu schöpfen wüßten. Oer provozierende Minister. In einer der letzten Landtagssitzungen kam es zu neuen stürmischen Auseinandersetzungen zwischen dem demo- kratischen Minister Paulsen und dem Landtage. Nm die Erledigung des Etats in kürzester Zeit noch vor den Ferien zu garantieren, hat der Landtag aus völlig freiem Entschlutz die Redezeit wie in den vergangenen Jahren beschränkt: dabei läßt der Präsident geringe Ueberschrestungen der Redezeit zu. Der Minister Paulsen hielt es nun für angebracht, in diese ureigene An- gelegenheit des Landtages einzugreifen und mehrfach den Präsidenten zu ermahnen, die Redezeit einzuhalten. Der Präsident Leber oerbat sich das in ruhiger vornehmer Form. Trotz- dem rief Paulsen erregt: ,Lich bleibe bei meinem Einspruch." Run brach ein Sturm der Entrüstung im Landtag aus. Der Minister oersuchte seinen Standpunkt zu rechtfertigen, aber seine Aufsassnng fand nicht einmal auf der rechten Seite Resonanz. Der Zwischenfall fand erst ein Ende, als der Fraktions- Vorsitzende Frölich der SPD. eindeutig erklärte:„Wie sich kein Landtags ab geordneter in die Perhandlungen des Staat». Ministeriums einmischen darf, so darf auch der S t a a t s m i n i st e r dem Landtag keine Vorschriften machen. Wenn das der Minister nicht einsehen will, so werden wir ihn in Zukunft am Sprechen hindern."_ Hoesch-Konzern befiaiigi. Oie fehlgegangenen Spekulationen des Stahlmagnaten. Der Rücktritt des Großindustriellen Robert H o e s ch von der Leitung des Hoesch-Konzern, hat die Verwaltung dieser Industriegruppe zu der Mitteilung veranlaßt, daß die privaten Geschäft« Robert Hoeschs mit- der Hoesch A.-G. nichts zu tun haben und der Verwaltungsrat der Hoesch A.-G. Robert Hoesch sofort die Ausübung seiner Tätigkeit als Vorstandsmitglied untersagte, als er von der Angelegenheit ersuhr. Es Hobe dann eine genaue Prüfung des ganzen Sachverhalts eingesetzt, worauf Robert Hoesch endgültig von seinem Posten abberufen worden sei. Die offizielle Mitteilung des Hoefch-Konzerns, besonders aber seine Maßnahmen gegen Robert Hoesch. die bei anderen Konzernen in ähnlich gelagerten Fällen meniger schroff gewählt worden sind. tchließen auf jeden Fall die Verpflichtung in sich, der O c s f e n t- lichkeit nähere Mitteilungen zu machen. Wie es heißt, soll der Ausgang der Spekulationen Hoeschs weite Geschäftstreise mit großen Schädigungen bedrohen. Die Oefsentlichkeit hat deshalb ein Recht, zu erfahren, wie groß die Verluste und wo sie ent. standen sind. Die Geschäftstüchtigkest Robert Hoesch» muß ohne Zweifel von de» normalen Spekulationen der rheinisch-westsälischen Gowjei-Imperialismus. fürchte dich nicht, Gohn des Himmels! Ich bin kein Imperialist,- ich fresse dich nur aus Liebe?' Das West-Gesetz erledigt. Der Siaaisrat genehmigt das Ltmgemeindungsgesetz. Der Preußische Staatsrat trat am Dienstag nachmittag zu einer Sitzung zusammen, um über die eventuelle Einlegung von Einsprüchen gegen einige vom Landtag beschlossene Gesetze Beschluß zu fassen. Genehmigt wurde zunächst eine Abänderung der preußischen Ausführungsanweisung zur Gewerbeordnung, die durch die vom Reichstag beschlossene Handwerksnovelle notwendig geworden war, um die preußischen Bestimmungen dem Reichsrecht anzupassen. Reu- gefaßt werden die Bestimmungen über die Innungen, die Innungs- ausschüsse, die Handwerkskammern und die Innungsoerbände. Zur erneuten Beratung stand dann das vom Landtag beschlossene Gesetz zur Aenderung des Voltsschullehrer-Diensteinkommengesetzes, wonach der für Ergänzungszuschüsse zu verwendende Teil des Be- schulungsgeldes erhöht wird. Auf Antrag des Ausschusses wurde be. schlössen. Einspruch gegen dos Gesetz nicht einzulegen. Auch bezüglich de» vom Landtag bss-hlossenen Polizei. kostengesetzes beschloß der Staatsrat gegen die Kommunisten, von einem Einspruch abzusehen. � Es folgte dann das vom Landtag beschlossene Gesetz über die Umgemeiodnngeu im rheinisch-westsälischen Industriegebiet. Der Ausschuh empfiehlt, von der Einlegung eine, Einspruches ab- zusehen. Der Berichterstatter Else,(Z.) wie, darauf hin. daß der Staatsrat zwar seinen Einspruch gegen einzeln« Bestimmungen des Gesetze» richten könne. Die» würde aber die Wirkung haben, daß das ganze Gesetz dann an den Landtag zu neuer Beschluß- fossung zurückgehen müßte. Demzufolge müsse geprüft werden, ob die Beschlüsse des Landmgs, die von den Beschlüssen des Staats- rates abweichen, so erheblich sind, daß sie einen Einspruch und eine Zurückvcrweisung des ganzen Gesetzes an den Landtag rechtfertigen. Die Berichterstatter sind zu dem Ergebnis gekommen, daß die B e- schlüsse des Landtags zum größten Teil in II e h e r e i n- stimmung mit den L e s chlü sfe n de» Staatsrats stehen, und daß nur in einem kleinen Rest abweichende Beschlüsse erfolgt sind. Die Berichterstatter haben deshalb einem Einspruch widerrate», und der Ausschuß hat sich mit großer Mehrheit dem angeschlossen. Dabei spielte auch die Erwägung ein« Rolle, daß dos Gesetz lange Zeit die Bevölkerung eines großen Teiles Preußens erheblich in Airspruch genommen hat. Wenn das Gesetz jetzt an den Landtag zurückverwiesen würde, dann würde ein Kampf entstehen, der an Verbitterung noch weit über das hinausgehen würde, was man bisher erlebt hat. Die Hinausschiebung müßte auch für un> gewisse Zeil erfolgen, und für die Zwischenzeit würde im Um- gemeindungsgebiet eine Art von kommunaler Anarchie entstehen. In der Aussprach« gab Freiherr von Gay! für die Fraktion Arbeitsgemeinschast folgende Erklärung ab: Die Fraktion Ar- beitsgemeinschast vertritt den Standpunkt, daß ein« gerechte und sachgemäße Neugliederung der kommunalen Verhästnisse des rheinisch-westsälischen Industriegebietes notwendig ist. Sie Hot daher bei der Begutachtung des Gesetzentwurfes im Staatsrat mit- gearbeitet und eine Reihe von Lerbesierungsvorschlägen gemacht. die zum Teil in das Gutachten des Staatsrats aufgenommen worden sind. Das jetzt vom Landtag verabschiedet« Gesetz vermag die Ar- beitsgemeinschast in keiner Weise als eine ihren Grundsätzen ent- sprechende Lösung der Neugliederung anzusehen. Sie wird daher gegen den Ausschußantrag stimmen. Nur angesichts der Geschäfts- läge des Hauses und der Abstimmungsergebnisse im Ausschuß sieht sie von einer förmlichen Wiederholung des Einspruchsantrages ab. Gilsing(Z.) gibt folgende Erklärung ab: Nach Artikel 42 der preußischen Verfassung kann der Staatsrat Einspruch gegen die vom Landtag beschlossenen Gesetze, erheben. Er hat nicht das Recht. Ein- spruch gegen einzelne Teile eines solchen Gesetzes einzulegen. Ein mit Erfolg eingelegter Einspruch des Staatsrats gegen dieses Ge- setz wird daher das ganze Gesetz zu Fall bringen, nicht etwa nur einzelne Bestimmungen. Die Zentrumssraktion muß daher bei der Entscheidung, ob gegen das Gesetz Einspruch eingelegt werden soll oder nicht, von der Prüfung der Frage ausgehen, ob für das ge- samt« rheinisch-westfälische Industriegebiet und das Staats- ganze das Zustandekommen oder Nicktzustandekommen des Ge> fetzes nötig ist. Die Zentrumssraktion ist der Auffassung, daß di« durch den Beschluß des Landtags getroffene Regelung in viele» Punkten nicht richtig ist. Nach sorgsamer Abwägung der Gründe und Gegengründe kommt die Zentrumssraktion zu der Ueberzeu- gung, daß im Interesse des gesamten rheinisch-westsälischen Indu- striegebietes und des Staatsganzen die Einlegung des Ein- lpruchs nicht verantwortet werden kann. fwenen(Komm.) erklärt, das ganze Bedauern des Zentrum» sei in hohem Maße von der Agitation diktiert, wahrscheinlich im Hinblick aus die kommenden Kommunalwahlen. Die Kommunisten würden, wie im Landtag, da? Gesetz ablehnen. Di« Kommunisten forderten nawentliche Abstimmung. Da ein Antrag auf namentliche Abstimmung von zehn Mitgliedern unter- stützt werden muß, aber nur die Kommunisten dafür eintraten, fiel di« Entscheidung in einfacher Abstimmung. Der Antrag de» Ausschusses, einen Einspruch gegen da» Umgemelndungsgesetz nicht einzulegen. wurde gegen die Arbeitsgemeins-haft, die Wirtschastspartei und die Kommunisten angenommen. Bei der Arbeitsgemeinschaft stimmte mir der Oberbürgermeister von Remscheid, Dr. Ho r t m a n n, nicht mit seiner Fraktion.' Der Staatsrot vertagte sich sodann bis Ende September. �Volksabstimmung" in Lennep. Fortsetzung des Llmgemeindungskrieges. Der Bürgermeister zu Lennep teilt uns in einem besonderen Schreiben u. a. mit. daß Sonnabend nachmsttag und Sonntag vormittag„von den Wehrleuten der drei freiwilligen Feuer- wehren und den Mitgliedern der freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in ollen Häusern Unterschriften der Wahl- berechtigten gesammest wurden. Trotz der Kürze der Zeit konnten von 9000 Wahlberechtigten 8051 Unterschriften gegen die Zwangs- «ingemeindung nach Remscheid gesammelt werden." Der Umgemeindungskrieg wird also s o r t g« s e tz t. Die„Volks- abstimmung" in Lennep wird die Beschlüsse des Landtages oder ebensowenig außer Kraft setzen können, wie es die Klagen vor dem Staatsgerichtshof tun können. Schwerindustrie abweichen, die ja tn letzter Zeit ihre Gewinne größtenteils in eigenen Papieren anlegte. Gin Hurra-Witz von Hurwih! vas eroberte Sternenbanner als onti-imperialistische' Propaganda. Ein„ariti-imperialistischer Weltkongreß" ist zu vielerlei gut. Der Manager des ganzen, der betriebsame Kommunist Münzen« derg, erhall durch ihn Gelegenhest, sich früh und spät von vorn — und nach Erschöpfung der Vorderansicht— sogar auch von hinten in seiner Leibpresse porträtieren zu lassen. Ferner können die ver- sammellen„Anti-Imperialisten" als getreu« Mostautnechte das unerschütterliche Recht Sowjetrußland auf di« chinestsch-mandschu- rische Eisenbahn„im Nomen des Anti-Jmperialismus!" proklamieren. Drittens aber kann man auch zeigen, wie antiimperialistische Pro- pagaicha— im Gegensatz zur imperialistischen— getrieben wird. Das sieht— nach dem wortgetreuen Bericht der Münzenberg-Press« — folgendermaßen aus: „Das Auftreten des dritten lateinamerikanischen Delegierten Hurwitz(Nikaragua) bildete den Höhepunkt der Vormittagssitzung. Hurwitz überbrachte die Grüße des Generals S a n d i n o, der in Nikaragua drei Jahre long gegen die Pankees kämvste. Hurwih entrollte zum Schluß feiner Rede unter losendem Beifall de» ganzen Kongresse» eine von den Truppen Sandino» eroberte amerikanische Fahne, die Sandino dem Kongreß zum Geschenk macht. Minutenlang erzitterte der Saal von Hochrufen und Händeklatschen, und dann ertönen von nahezu 400 Dele- gierten in drei Dutzend Sprachen gesungen die Klänge der Internationale,". i-___, Propaganda mit erbeuteten Fahnen war bisher die Domäne de» nationalistischen Imperialismus. In dessen Hand sind immerhin eroberte Fahnen blutiger Ernst. Das vom General Sandino er- oberte amerikanische Sternenbanner aber würde nur dann seinen wahren Zweck erfüllen, wenn man es als P a r o d i e auf den Sieges- trophäenrummel geschwenkt hättel Aber da man es ernst meinte, wurde es zu unfreiwilliger Parodie auf diese„Ueberwinder des Imperialismus". Im übrigen ist der mit der Internationale gefeierte General Sandino etwa ein eben solcher Kommunist wie der vor drei Iahren von der Münzenberg-Elique ebenfalls in den Himmel ge- hoben«— chinesische General Tschiangkaischek. Regierung des Mondes, 2. Auslage. »Bildet Arbeiterwehren" Moskau hat einen Spezialturkestoner zur„Roten Fahne" ge» sandt, um den richtigen Kurs zu überwachen. Dieser Agent hat wie immer kein« Ahnung von deutsche« Verhältnissen und benimmt sich deshalb wie ein Lockspitzel. Unter seinem Kommando verösfentlicht die„Rote Fahne" Greuel- berichte über Polizeiübersälle auf friedliche Arbeiter, Frauen und Kinder— natürlich dreist erlogen— um im Anschluß an die Lügen- berichte di« Parole auszugeben: Bildet Arbeiterwehren. Diesem Sowjetagenten genügen die Leichen der Maitage noch nicht, er bemüht sich, die Kommunisten in neue blutige Zusammen- stoße hineinzutreiben. lokal totaUMir nlPipiinimbiitn J OrtnerwiltuoE Berlin Todeenn Oes Mitgliedern zur Zlnchricht. daß itRier» Kollegin, die Buchbinderei- Arbeiterin Sopkie kiernselci oadnhaft Schiriermacherstn IS. ver- storden ist. Ohre ihrem Andenien! Die Beerdigung findet am Donnere- taa. den 25. Juli, IS Ukr, auf dem Sedaftia»-Friedhof, Reinickendorf- Wefh Humdoldlslraße statt. Rege Beteiligung erwartet Die Orinre Am Sanntag. dem ZI. Juli, nachm. 5>',"he,»erstarb nach langem. schwere« Leiden mein lieber Mann. unser lieber Bater. Schwiegervater und Großvater, der Zimmerer LtnU Müller im 5a Lebensjahre. Zm Namen der Hinterbliebeuen Ida Müller Die GinSfcherung findet am Freitag. dem ZK. Juli, nachm.« Uhr, im Krematorium Wilmersdort. Berliner Straße 101-103. statt. Am Sonntag, dem ZI. Juli 192g, abends I0>/, Uhr,»erfchied nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unser« gute Schwester, Echwä- gerin, Tante und Schwiegertochter geb. BodeU. Im Namen der trauernden Hinter- blie denen Ridiard Meihoeler. Reinickendorf-Ost, den ZZ. Just 1929. Schwarz str. t a. Die Trauerfeier findet statt am Donnerstag, dem ZS. Juli 1929, nach- mittags 0 13) Uhr, im Krematorium Gerichtstr. 87. Vouuvmme Idibtii zili ßßlliviiIU! 8>f. Ufir vsplln. uiie es! wo!M ii. lach! Tbeater am Sdiimaoerflamin. Norden 1141 u. 281 8V» Uhr Gruppe langer Sdtanepicler Zum 253. Male: Revolte Im ErzieRangsRaas Leute inlißunmiiea I Partei- und Gewerk- schaftsmitgl. gegen VorzeigungdesMit- liedsbuches statt , und 4 Mark nur 1 Mark Allen Verwandten und Bebannign die traurige Nachricht, daß am 22 Juli unser lieber Baler, der srsthere Gast- wiri Wilhelm Thiel im 78. Lebensjahr« nach schwerem Leiden gestorben ist. vi« trauernden Hinterbliebenen. Die Giniischerung findet am Donnerstag. ll Uhr, im Krematorium Gerichtstratze statt. Danksagung. Flir die vielen Beweise inniger Teilnahme bei dem Heimgang meiner unvergeßlichen Frau, unserer Herzens- guten Mutti Berta Kranz sagen wir allen Beteiligten, ins- besondere den Genossinnen und Se- nofien der 31. Abteilung unicren herzlichsten Dank! Otto Krane und Kinder, Danksagung. Fiir die Überaus zahlreiche Beteiligung bei dem Heimgange meiner lieben Frau spreche ich allen Der- wandten. Freunden und Bekannten. allen Genossinnen und Genossen sowie den Kollegen der Firma Bolzani und den drei Rednern meinen tiefempfundenen Dank ans Jodannea Werk, Reidienbcrger Straße 160. Von der Reise zarDcfc i£ar. M. Weise Fccharzt für innere Krankheiten Friedczutra�e 15 (! Z TliSatsr, Lichtspiele usw. 8 Uhr Barb. 9250 1 Borrah Minevitsch's Ell aiDBrikanische Vagabunden usw. I Tägl.» u. S15 Snnai. 2, S n 8" »Ion. 8066 INTERNAT. VARIETE ilOSSB- Theater, Große Franktarier Str. 132. Aaf der GaiienbQhne Täglich SJO Uhr 9 große VarietfornminerD und Gräfin Mariza. im Innenlbeater Ttglidi 5.13 Uhr: opOEAF** Tragödie eine« Sportlers llsüMe; Itiaaicf D.I. Norden 12310 8 U� Ende gegen 11 Die Mnnaus Muslkv.Joh. Strauß Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. UKalner Die Komödie J 1 Bfsmck- 241 4/7516 SVi, Ende geg. lO�U Reporter 3 Akte*. Ben Hecht und Mac Arthur Regie: Heinz Hilpert. Komödienhaus Norden 6304 Täglich 8% Uhr Hodizeitsreise Sommerpreise I Theal n. Westens 1 Täglich 8-/. Uhr Sonntag 3'k u. 8'/« Frenz Lehen WeUeriolgl FriederiEel Lotte Carola, Willy Thunis, Telephon Steinplatz 1 0931 u. 5121 1 Lastspielbans Täglich 8>h Uhr Du wirsi mich heiraten I Rundfunkhörer halbe Preise. Metropol-Th. Tägl. 8>/. Uhr Sonntags 3'it u. S1/« Bianbarf Operette von Oflenbach Kammersänger Waller KircbhoH rneai.aEikeitP.iet Kottb. Str. 6 Bis 31. Juli Tägl. 8 Uhr Gastspiel dar 8 Original Lalpilgor Frltz- Wobar» Sänger mit ihren'ir Hcrlle riliia neuen Programm Pianeianlum — am Zoo VerUa;. Jeadiimtlhaler ItnBi B.5 Barbarossa 5578. 16'/« Uhr Starnbllder das Sommers 18»/. Uhr Oer Bluttall der Senne 20»/. U. Von Pel zu Pol am Sternenhimmel Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.; Erwachsene 50 Pf. Kinder 25 Pf 1 PORBllaa-TUttadtOeUnad.. 25?L 3 Eleitesher porzeiua........... 25?l 1 Spelseteller tief od.«oob. statt.- gut, mit»Zoldrazid............... iUPt ! 3 Einder-Secber Porreu»»....... SOpl 1 Milchtopf.Feuertrots*, eft.HsLtr. SflpiL 1 Hfidßr-$erflC02telllfcPoTxellan SOPL 1 ObStteüer Porzellan........... 50 Pf. 1 Teller gesebUtf«i............... 50pf- 1 Salzslrenergescwifien......... 50?,. 1 SenlgelflSS Oliven, geachUffen.. 50?,. 1 Eompollschalß ca. 19 cm, U» Bisse, gepresst.................. 0ÜP,. I Alpaka versilbert. 50?, 1 1 Ess- od. Bessertmeuer Aipat» 50pl 1 H&ilttßlÖU&l Alpaka. 40 g Silbvaiiage 50 Pf. 1 ESSOßSiCCb gebeizt......... Paar 50 Pf. 1 Fflchsschwgnzsäde............ 50?, 1 Wasdiesprenfier ��7«°... 50?,. 1 Brotdose Alaminlnm........... 50 Pf. 1 NÜllSäSQSfel gestanzt, Emaille. 50 PL 1 KfiÖSDSdlBSSßl SmalUe. tief 50?, 1 Brat&DtellfirFeatoUaGkoldnL�a. 95?,. 1 Salatiere rNQd oder sekiU. MM Pestou, cloldrend, Porzvllaa..... ollPt. \ Mrchhocber.?e««trow-...... 95?,.| 1 KflChBBlönn.Pevertrot»�...... 95pf. � 6 Kompottschfileben b»t DderMM Goldrand. Porzellan............."OPf. � 1 Baiietkaine mit Ooldlienkel n. nc Goldrand...................... VSPt H 1 Zackerdoss aad 1 Milditop!..| mit Goldhenkel nnd Goldrand, zna."u Pf. � � 2 TfiSSßDmit Goldhenk. n. Qoldrai�d 95?.' � | UBEinrtDiBr.............. 95pt|| 1 ESSlÖffel Alpaka, 40 g SllberaaS. 95pl H 1 SalBtbCSleÄ Horn........ Paar 95pf. � 1 Ess- od. DessertbesteA..| Zellhorn................ Paar9Spi. G 1 Spam- oder Badelsöde....... 95pt.| |l ESSliBSlBdl 8 talllg. Alpaka.. 95pil � 1 Masckueatopl Ainminlam...... 95 Pf. I SdlXOrtODf Alunlzdam,«nbord. 95pt � 1 Bazarwanne Emuu............ 95pl| 1 Kölaisdj.PIaaaB nuD«ok,Broaiii. 95pt, � . 95pf{ 1 1 � 1 HBsserkaslen................... SOpl 1 Hiileaiiecks btbschea Blomen- rn muster............. ca. 75/75 cm 311 Pf. 3 Pclierföcbe* gelb, ca. 90|S5 cm 511 Pf. 3 HSkelkanleniScber Walas, mit farbigem Hohlsaum nnd gleich- m« farbiger H&kelbante............ DwPf. 1 KflEhssB&anöfDCfi gute Qoau- lät. ca. 48/100 cm, ges&nmt und m« gebindert...................... OÜ?f. MPlIonocteriage...«. do/so cm 50pf. StriGkjÖCMeil versah. Grossen SOpL StriCfibÖSCheQ versah. Grossen 50pt. Slrampfliallirdfirlel m«Haltern 5öpt ll Eimer 1 Wasdiöretl.................... 95pt. IHolitabletl.................... 95pt 1 HitlBndECäß.CrdpoGewebe.Stren-.i- blumen-Dessin, ca. 80/80 cm......... VüPf. 1 Kfisnenhasdlacb gute reinidn. 0m QuaU t&t. gesäumt und geb&ndert"JPf. weiss. Emaille. 3 SHerreB-TasAeatöGfaer Zephir. ■weiss bunt kariert, ca. 43 cm gr. 95p. 1 SiDbeBbandlQCb Reinleinen, MM Jacquard gewebe, ca. 40/ 100 cm.."JPf- I Paar DameD-Slrumpfe«aum- wolle, gut vcrstArkt oder Herren- MM Socken, Mako imit. od. Peideutlor Oi 1 Damen-Hrawatle rem« Saide.,, 50p,. I Mantolkraten ersp« da China, Kn reich bestickt................... OÜPf. 1 KiSSeDStTBlIea u Ecke, Stickerei 50 PL 1 KiDder-Schlüpfer«cht igyp tisch». Mako, fein gcwebt,in vielen Farben Dil Pf. 1 Dafflea-DDleniehscUopIer.. Baum w.,(ein gostrick t.zart.Far ben Dü Pf. � 1 Djunen-Eeindcben Baumwolle, fein ge- wirkt,ca.80cm, lang. 1 Knaben-Kenid Gr. 55-70. s-v �»h. 95?,. 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Die Festwochen der Berliner..Saison" sind vorüber; im großen und ganzen haben sie das Wort Richard Wagners bekräftigt: Wenn Sie wollen, haben Sie eine Kunst. Und die erfreuliche Nachricht, daß Berlin eine größere Anziehungskraft auf die Fremden ausübe als bisher, kam gleich hinterdrein, gewissermaßen um die Berechti- gung einer solchen sommerlichen Anstrengung darzutun. Aber doch gibt es in dem gegen früher schöneren Bilde von.Berlin als Fremden- und Weltstadt" allerhand Flecken. Von offizieller Seite, vom Auslandsminister Stresemann, wurde darauf hingewiesen, daß die Zahl der fremdländischen Besucher unserer .Hochschulen abnehme, und zwar in recht ausfälliger Weise, wenn man die Studenten aus dem deutschsprachigen Ausland außer acht läßt. Die zweite, die Freude dämpfende Nachricht war. daß der D u r ch s ch n i t t s a u f e n t h a lt der Fremden in Berlin nur drei Tage beträgt. Man wird daher noch lang« nicht die Hände in den Schoß legen dürfen, sondern muß darauf bedacht sein, das Interesse für Berlin reger zu gestalten, hinsichtlich der Wissen- schaft wird es notwendig sein, den fanatisch engherzigen Auschau- ungen völkischer und sich als besonders national ansehender Kreis« in Lehrkörper wie Zuhörerschaft der hochschillen von Staats wegen entgegenzutreten. Und für das zweite, schwierigere Problem: wie fesselt Berlin die Ausländer länger? wird die intensive Zusammenarbeit zwischen Stadt und ollen in Frage kommenden Korporationen aufgerufen werden müssen. Daß das Vergnügungs- und Nachtleben noch mehr ausgebaut werden sollte, wird kein Vernünftiger wünschen. Es gilt vielmehr, das Interesse möglichst weiter Kreise aus Berlin zu lenken und dabei all« Darbietungen so zu gestalten, daß auch der weniger Bemittelte daran teilnehmen kann. Nehmen wir z. B. die bildende Kunst. Fragt man heute jemand nach der Berliner Kunstausstellung, so wird er meist erstaunt zurückfragen:„Ja, gibt es die noch?" Und wie steht es mit B e r l i n als Kongreßstadt? Daß das moderne Berlin durch zweck- mäßige Organisation, geschickte Ausbreitung seiner wissenschaftlichen Schätze und seiner im Sommer wundervollen Umgebung«inen Nimbus sich erwerben kann, wie ihn Paris in langer Gastfreundschaft errungen, wird jeder gerecht Urteilende als möglich zugeben müssen, selbst wenn die literarischen Klopffechter der Nationalisten fortfahren sollten, ihrer Auffassung von Gastfreundschaft weiterhin gehässigen Ausdruck zu geben. Wenn Berlin geschickt operiert, es versteht, das in ihm wie an keinem anderen Orte Deutschlands aufgespeichert« Gut an W i ss en. Ku nst, an T ech ni t und Kultur nutzbar zu machen, dürfte es ein Zaudern in der Beantwortung jener Frag« nicht geben: zuerst und vor allem Berlin und dann das andere! 'Thema: Straßenbahn und Omnibus. Straßenbahn- und Omnibusfahren ist seUen ein reines Vergnügen. Zu einer wahren Qual aber wird es, wenn man in völlig »nbekannt« Gegenden kommt, die in der Dunkelheit vielleicht noch schlecht beleuchtet sind, und man leine Anhaltspunkte zur Erkennung des gewünschten Fahrtzieles hat. In diesem Falle ist man auf den Schaffner angewiesen, der jedoch oft die Namen der halte- stellen so leise und undeutlich ausruft, daß man sie unmöglich ver- stehen kann, oder aber das Ausrufen ganz vergißt, weil er in dem überfüllten Wagen zu sehr beschäftigt ist.(Oft kommt es auch vor, daß er, wenn er die Streck« erst kurze Zeit befährt, selber nicht Bescheid weiß.) Man wendet sich dann an sein« lieben Mitmenschen, die ober meist bei Bestimmung der gewünschten Station unter- einander in Streit geraten. Schließlich kann man zufrieden sein, wenn man sich in nicht allzuweiter Entfernung vom Ziel wieder- findet. Diesem Uebel ging« nun nicht ollzufchwer abzuhelfen. Wie wäre es, wenn man an den Pfeilern oder Leuchtsäulen der halte- stellen Schilder befestigt«, die den Nomen der jeweiligen Station trügen? Aehnlich, wie man sie auf allen Stadt- und Unter- grundbahnhöfen findet. Man könnt« sie aus Glas her- stellen, das sich von innen her durchleuchten läßt und auf diese Weise auch in der Dunkelheit eine gut« Lesbarkeit ermöglichen. Derartige Leuchtschilder würden auch das Stadtbild, namentlich dunkle und einsame Viertel, beleben und charakterisieren helfen. Vor allem aber würde der Berkehr, namentlich für die in Berlin weilenden Fremden, wesentlich erleichtert. Die Fahrgäste bekämen«in Gefühl der Sicherheit und brauchten nicht in dauernder Angst zu schweben, ob sie das Fahrtziel auch richtig erreichen, nicht zu früh aussteigen oder, was noch unangenehmer ist, darüber hinausfahren. Wir Großstädter sind schon so abgehetzt, daß man uns derartige kleine Unannehmlichkeiten ersparen sollte. Oeff entliehen Aergernis! Unser« Reichsbahn ist in Berlin unzweifelhaft großzügig vor- gegangen mtt der Elektrifizierung der Stadt- und Vorortbahn. Neu« Bahnhöf«, geschmackvoll und anscheinend praktisch, wurden, falls es notwendig war, erbaut und seit bald einem Jahre dem Betrieb übergeben. So auch«iner in E i ch k a m p. Für alles wurde vorgesorgt. So war es selbstverständlich, daß aus dem neuen Bahnsteig auch für menschliche Bedürfnisse ein nettes Häuschen errichtet wurde. Nicht so selbstverständlich war. daß seit der Eröffnung bis heute das Häuschen den zierlich von Malerhand geschriebenen Vermerk erhielt:„Abort g e- schlössen." Niemand darf die Gelegenheit benutzen: das Publikum in seiner Not sucht Ablenkung auf dem Bahnsteig. Ein neuer Bahnhof ohne jede Gelegenheit usw. Soll das so bleiben? Angeblich sollen vom Magistrat die erforderlichen Anschlüsse noch immer nicht hergestellt worden fein. Jedenfalls erregt dieser Zustand öffentliches Aergernis, ohne daß irgendeine dafür zuständige Behörde darüber stolpert. Wöniglidi Gächingen. Geschmackskunde ist ein« schwierig« Wisienschaft. besonder; wenn es sich um den„guten Geschmack" handelt. Darum muh man es auch geschmacklos nennen, wenn die Drogerie Hans Sachs, Kurfürstendamm 56, das Staatlich Fachinger Mineralwasser als .Königlich Fachingen" auf einem fünf Meter langem Haus- fchrld anpreist. Anscheinend hat der Besitzer dieses Ladens feine eigene Mineralwasierquelle, die nur„königlich" sprudelt. Oder er will seiner Kundschaft«in 1 für ein U machen und ihr einreden, dos.Königliche" Wasser wäre besser, wobei er vielleicht auf die Dummen rechnet, die annehmen, Facksingen liege im Ausland. Wenn Drogist Sachs außerdem noch seine Firmenschilder mtt schwarzweißen und schwarzweißroten Fahnen herausputzt, so ist das sein Privat- vergnügen, man kann da nur sagen: Für jedermann ein eigener Fußball. Aber er sollte ein echtes republikanisches Mineralwasser nicht mit falschem Namen deklarieren. Nach unserer Erkundung gibt der hiesige Brunnen vertrieb für Fachingen schon seit Iahren kein Schild mehr mit der alten wilhelminischen Bezeichnung heraus. Daß aber das Schild noch aus Friedenszeiten herrühre, dagegen spricht seine frische Erhallung. Vielleicht kümmert sich„Staatlich F a ch i n g e n" selbst um diesen Mißbrauch seines Namens. Es ,st nur schade, daß die Republik nicht die Mittel für einen Topf mit roter Farbe aufzubringen imstande ist, um oll dem Unfug mit .Königlich" und.Kaiserlich" usw. mit«in paar kräftigen Pinsel- strichen den Garaus zu machen. Ks Copyright 1029 by Gustav Kiepenheuer Vertag A-Os Berlin „Ihr müht nicht meinen, daß es eilt." flüstert er.„Laßt euch Zell. Der Krieg läßt sich auch Zeit. Ihr kommt nicht zu spät." Die drei bedanken sich und wollen doch weiter, denn zu sehr steckt ihnen die Garnisondisziplin noch in den Knochen. „Nichts zu danken." sagt der Unteroffizier.„Ww haben'- hier ja reichlich, wir versorgen die Stäbe. Aber glaubt nicht, daß ihr das alle Tage kriegt. Was ihr da gefressen habt. war Offiziersfutter. Nichts zu danken, wie gesagt, aber wenn's mich einmal erwischt, hoff ich an einen von euch zu geraten, der mich ordentlich verbindet." „Wie soll Sie's erwischen, Herr Unteroffizier? fragt der Stöger harmlos.„Wo Sie doch hier schön heimlich im Schlosserl sitzen." „So? Schön heimlich? Heut und morgen noch. Glaubt ihr, daß wir hier all werden? Es kommt noch ganz anders. „Es kommt noch ganz anders?" forscht Holzer unsicher. «Aber, wie's auch kommt, auf alle Fälle sind wir vor diesem zweiten Winter daheim." „Sonst wär's gefehlt," bekräftigt der Unteroffizier zum Abschied. Sie waten wieder durch eine Landschaft, die unmerklich trostloser wird— sie hätten nicht saaen können, weshelb. Stieg Trostlosigkeit aus ihnen selber? Dort hinten ließen sie, wie eine Fata morgana, Chüteau La Vallse in seiner Voll- kommenhell zurück— vor ihnen aber tat sich nach einer Stunde die von Granaten vielfach angenagte, manchmal auch stärker zerbissene Häuserzeile eines Dorfes auf, das Fournes hieß. Und somit waren sie angekommen. Genug Soldaten ihres Regiments auf allen Wegen, von denen sie zurechtgewiesen wurden. Sie grüßten brav jeden Gefreiten— und wurden belächelt. Sie zogen zaghast ein in einen halbwegs gut er- haltenen Schulbezirk mit Garten, Hof und Gebäuden, darin Revier und Sanität hausten. Hier gibt es genug Menschen mit rotem Kreuz auf weißer Binde, gleich ihnen. Ein Sanitätsfeldwebel nimmt sich väterlich-ftreng ihrer an. „Aha, die Angeforderten vom Ersaßtruppenteil. Auf euch warten wir lange. Aber die daheim lassen sich ja Zeit mll dem Nachschub. Habt ihr Hunger? Laßt euch in der Revierküche was geben. Dem Herrn Regimentsarzt werdet ihr morgen vorgestellt, in der Revierstunde. Der teilt euch ein. Für heut könnt ihr ausruhen. Da— in dem Keller ist noch Platz. Dort könnt ihr ablegen. Es sind sogar äugen- blictlich ein paar Lager ftei." Sie tappen Steintreppen hinunter in einen muffigen, stockfinsteren Abgrund. Beim Streichholzschein sehen sie un- geheure Franzosenbettstellen mit durchgebrochenen Matratzen. aus denen Seegras heraushängt; ein paar Pferdedecken liegen umher, der Boden sieht aus wie der in ihrem Eisen- bahnwagen. Ein Tisch trägt einen klebrigen Ueberzug von gesüßten Kaffeeresten. Nachher sitzen sie fremd im Hose, sprechen leise mitein- ander und warten auf den Abend. Niemand kümmert sich um sie, und sie geben es auf, hochzuspringen, wenn ein Unter- offizier an ihnen vorbeikommt. Denn jeder läßt ihre Ehren- bezeigungen so gelangweilt und erstaunt beiseite liegen, daß sie sie nicht mehr zu machen wagen. „Wo ist eigentlich die Front?" erkundigt sich einer ge- dämpft, als könne man etwas Bösartiges aufwecken, wenn man zu laut ist. „Dort," sagt der andere. „Nein, dort," meint der dritte und weist in die entgegen- gesetzte Richtung. Es ist schon ganz Nacht, da entschließen sie sich zu chrem Keller. Aber siehe da, diesmal ist unten Licht, und jemand sitzt am klebrigen Tisch mit nacktem Oberkörper, lacht und be- schäfligt sich angeregt mit seinem Hemd. „Grüß Gott!" wünscht der neugierige Stöger.„Was treibst denn du, Kamerad?" „Ah, ihr seid neu." sagt aufmerksam der Fremde,„sonst könntest du net so saudumm daherftagen, Kamerad.— Meine Laus' zupf ich zusammen." Und er zeigt eine blecherne Zigarettenschachtel, in der es winzig und ekelhast schwerfällig Fünf Menschen erschlagen! Ein Geisteskranker mordete Frau und Kinder. Brüssel, 23. Juli. Ei» Familiendrama spielte sich in dem Orte B e r- v i e r s bei Brüssel ab. Ein Schloßbesitzer erschlug in einem Anfall von geistiger Umnachtung seine Frau, seine beiden Sühne im Alter von 21 und 23 Jahre« und seine beiden 18- und Igjahrigen Töchter. Der Mörder wurde darauf von seinem Schwager über- wältigt. Mtt einem Eisberg zusammengestoßen. Englischer Dampfer in Seenot. London, 23. Juli. I« Washington wurden funkentelegraphi- sche Berichte des 5700 Tonneu großen englischen Petrolenmdampfers„V i m e i r a" anfgefangen, in denen der Kapitän mitteilt, daß der Dampfer in der Nähe von Neufundland mit einem Eisberg zusammen- g e st o ß e n ist. Der Kapitän bat um Zusendung von Schleppern, damit das Schiff in den nächsten Hafen abgeschleppt werden kann. Einer Meldung von Glasgow zufolge soll bereits ein Schlepper eingetroffen sein. Oer Frauenmord von Lainz. Hastbefehl gegen Bauer erlassen. Aus Grund de; in Wien und verlin gesammelte» ve- lafiuagsmalerlal» Ist jetzt vom Landesgericht tu Straf- jachen II zu Wien Haftbefehl gegen den ktanfmamt Gustav Bauer ertasten worden. Für den Beschuldigten schwer belastend wirkten neuer« Feststellungen, die das von Hofrat Wahl in Wien und Kriminalpoljzeirat Gennat in Berlin zusammen getragen« Material entscheidend mehrten. Durch Eilbrief«, Telegramme und Ferngespräche wurden die jeweiligen Ermittlungen stets der anderen Behörde sofort zugänglich gemacht, so daß man in Wien und Berlin immer auf dem laufenden war. Im Juli, kurz nach dem Morde, hatte Bauer einem Wiener Händler mehrere kostbare P« l z s a ch e n in Kommission zum Verkauf gegeben. Es waren das ein Astrachan- mantel, ein Nerzmantel, ein Biber- und«in Blaufuchskragen, ein Chinchillaunchang und ein« Hcrmelinstala. Obwohl Bauer den Besitz zunächst bestritten hatte, gab er endlich zu, die Pelz« angeboten zu haben. Ueber die Herkunft verweigert er jedoch hartnäckig jede Aussage. Den Nerzmantel hatte der Händler, wi« festgestellt ist, an Bauer zurückgegeben. Der Verhaftete will aber nicht sagen, was aus diesem Pelze geworden ist. Ebenso geheimnisvoll sind Herkunst und verbleib einer klein- kallbrlgen Pistole, die Bauer um die Mitte Zuli de» vergangenen Zahres befaß. Er gibt auf Dorbshalt an, daß er die Wafte schon vor dem Morde an Frau Fellner verkauft habe, will aber nicht sagen wohin und an wen. Trotzdem Kriminalrat Gennat den Derhafteten darauf hinwies, daß er bei harmlosem Besitz der Pelz« und der Waffe all« Veranlassung hätte, mit der Wahrheit ohne Ansehen der Person ans Licht zu kommen, blieb Bauer bei seiner Weigerung. Auf Grund des nunmehr erlassenen Haftbefehls und des bereits eingeleiteten Auslieferungsverfahrens wird Bauer nach Oester- reich abtransportiert werden. Aufhebung der Polizeistunde am August. Der Berliner Polizeipräfidenl hat für die Vachs vom 1 l. zum 12. August die Polizeistunde für Gast- und Schank- wirtschaften aufgehoben. umherwimmelt.„Einundoierzig auf einen Schlag, net wenig. was?" lacht er.„Da, Kamerad Neuling, ich schenk sie dir." Un er schüttet sie dem überrumpelten Stöger hinten hinter die Halsbinde. Der Bader ist sanft oerzweifelt, aber er läßt sich von dem Spaßmacher bald trösten.„Kriegen tut sie heraußen un- fehlbar jeder. So hast du sie gleich richtig." Sie legen sich nieder. Sie löschen die Kerze. Funk hat sich nicht im mindesten entkleidet. Nicht einmal die Haken seines Kragens öffnet er, auch die Mütze nimmt er nicht ab. Heimlich bindet er die Aermel seines Waffenrocks mit Schnürchen zu, mit Bindfaden von Liebesgabenpaketen, denn er ist fest enffchlosfen, keine Läuse zu. bekommen. Aber mitten in der Nacht, aus schlechtem Schlaf, fährt er hoch, weil etwas über seinen Schenkel hinwellt, gegen die- Brust herauf. Er fühlt unter den Fingern für den Bruchteil einer Sekunde«in weiches Fellchen, er denkt für«inen Se- kundenbruchteil an eine Katze, denn er liebt Katzen— aber dann wird er nadelscharf in den Handballen gestochen, ge- bissen wird er, und er begreift in eiskaltem Schreck und Ekel, daß eine Ratte sich die Störung durch seine Hand ver- beten hat. Für den Rest der Nacht, den er schlaflos oerbringt, hört er ihrer viele rafcheln, polternd rennen, plump springen, nagen, schlürfen, quieken, sich raufen und sich begatten. 5. Sie sind eingeteilt worden. Morgens um acht haben sie zusammen mit Leichttranken und obenhin Verwundeten, die bei der Truppe verbleiben, zur Revierstunde antreten müssen. Revierstunde wird abge- hatten im ehemaligen Turnsaal dieses ehemaligen Pensionats. Vorher haben sie Gelegenheit gehabt, sich zu waschen, nach vier Tagen zum erstenmal. Im Hof steht ein Pump- brunnen. Während der eine den Schwengel geschwungen und das Grundwasser heraufgeholt hat, hat der andere den Kopf unter den Strahl gehalten, unter ein brakiges, leise faulig riechendes Wasser. Es trinkend zu„genießen, ist streng verboten. Run stehen sie bescheiden erfrischt und überhaupt sehr be- scheiden in einem Winkel des Saales, dessen Stcinfließcn Kühle ausdünsten. Sie sollen ganz zum Schluß an die Reihe kommen.(Fortsetzung folgt.), Nor dem Llrteil im Gtinnes-prozeß. Das lehte Wort der Angeklagten. Um Sonnabend fällt das Urteil im Stinoes-proieK. !S:i\ Tage bedürfen die beiden Richter und die beiden eHtiffeu, um sich in der sechswöchigen Verhandlung und den zehntägigen Plädoyers zurechtzufinden. lieber da» W I e des Urteils hat es keinen Zweck, sich den Kopf zu zerbrechen. Die in Moabit nur feiten erlebte Schärfe, mit der Verteidiger und Staateanwälte in diesem Fall aufeinanderstießen, waren nur der Ausdruck dafür, was hier auf dem Spiele zu st e h« n scheint. Die Staatsanwaltschaft als Vertreterin des Staates — ob mit Recht oder nicht, mag dahingestellt bleiben— glaubte, daß auf der Anklagebank Machtmittel wie nur selten in Bewegung gesetzt worden sind, um den Triumph des Rechtes zu hinter- treiben: die Verteidiger waren der Ansicht, daß die Justizbehörden selbst mit un gesetzlichen Mitteln gearbeitet hätten, um einen Mann, gerade wegen seines großen Namens, unter allen Umständen zur Strecke zu bringen. So löste der Endkampf im GNnnes-Prozeß eine ungeheure Spannung aus. Hatte der Ober- Nnatsanwalt am Montag im Hinblick auf die Anklagebank für sich .ften Satz in Anspruch genommen:„Recht geht vor Macht', ß» blieb gestern Rechtsanwalt Dr. Alsberg keine Antwort schuldig. Er beschäftigte sich noch einmal mit den formellen Verstößen der Voruntersuchung und fand keine Ausdrücke scharf genug, da» Verhallen der Stoalsanwaltschasl zu brandmarken, die diese Verstöße angeblich decke. Unter anderem sagte Dr. Alsberg: Klar und deutlich habe ich exakt subftantierte Vorwürfe erhoben. Sie könney sie nicht bestreiten, /weil sie aktcnmöhig feststehen und von Ihren eigenen Zeugen oben- � drein beschworen sind. Sie können ihre Gesetzmäßigkeit nicht be- l TOcfsiM, weil in ihnen in Reinkultur das verwirklicht ist, was dos Gesetz als verboten bezeichnet. Was tun Sie? Sie bringen es tat- sächlich fertig, aus der Leporello-Liste der Ihnen vorgehaltenen Ver- stöße fich einen einzigen, den sicherlich am mildesten liegenden, her- nusrusuchen, und Gi« führen uns folgendes Kunststück vor: Sie er- zählen uns,«s handle sich hier um eine bestritten« Rechtsfrage und nejmen einen Kommentator, der seit 32 Jahren keine Neuauflage seine« Kommentars gehabt Hot. Ss ist ein« köstliche Entschuwlgung, wen» uns der Herr Oberstaatsanwalt sagt, rechtliche Irrtümer kämen folMgt vor, als die Menschen keine Automaten seien. Nicht um Jrikvm handelt es sich aber hier, sondern um Absicht. hzl das Gesetz nicht falsch gehandhabl, weil man es nicht bge Frau Emmi S t e I n k« ou» der E o l v i n st r a ß e Z in Moahst. Die Ber- unglllckte konnte schon nach kurzer Zeit geborgen werden, doch waren die Wiederbelebungsversuche der Zehlendorfer Feuer- wehr ohne Erfolg.— Im Teufel, se* im Grunewald ertrank der SMHrlg« Hausdiener Walter P u m t o w f t>, der im Kronken- haus Westend angestellt war.— In der Nähe der Insel Scharfenberg versank im T e g e l e r S e e der Mjährig« Portler Joseph Ranken aus der K a n t st r a ß e 139. Die Leiche wurde geborgen und nach der Tegeler Halle gebracht Ein Opfer der großen Hitze ist gestern der 46iährig« Georg Kräuter aus der Köllnischen Straße SS In NiederschSneweld« geworden.— In der Wallstraße brach der Mann beim Ueberschreiten de. Fahr- damms plötzlich bewußtla» zusammen. Man schafft, den Leblosen zur nächsten Rettungsstelle, wo der Arzt nur noch den Tod infolge Hitzschlages feststellen konnte.— In den späten Abend- stunden wurde au, der Havel b«, Konradshäh» noch die Leiche eine» jungen etwa 29jährlg«n Manne», der nur mit einer Ladehose beklckidet war, gelandet. Japanischer Dampfer gesunken. 60 Passagiere ums Leben gekommen. wie Lloyds aus Tokio berichtet, sind die japanische« Dampfer „Tatsumo Maru' und„hflnkong' gestern nachwlltag aus der höhe der Halbinsel Schaatung während eines Sturmes zu- sammengestoßen. Dl« JiMinkong' sank, 60 Personen erkranken. v>«„Tatsumo warn', dl« schwer beschädigt wurde und»eck«st. hak Kur, auf stöbe genommen. Radfahrer vom Autobus totgefahren« In der Hauptstraße in Schäneberg wurde gestern abend ein etwa achtzehnjähriger unbekannter Radfahrer von einem Autobus der Linie 14 überfahren und auf der Stelle g e- tötet. Neunzehn Menschen ertrunken. Schiffszusammenstoß auf dem Michigansee. New Borr. 23. Juli.' Aus dem Michigansee sind zwei Dampfer mit großer Geschwindigkeit anfeinandergestoßea. IS Passagiere sind ertrunken. Zahlreiche Passagiere konnten sich durch Schwimmen rette«. Ein iottes Verhalten. Oer Gastwirt weist Lebensretter aus dem Lokal. Gestern Rachl ereignete sich ein Unglück aus dem Rlüggelsee: Ein Paddler Arno st o p o s ch k i au, Wilmersdorf. Speffaristraße 7. wurde durch lleberanstrengung von Herzkrämpfen befallen. Sr wäre rettungslo, verloren gewesen, wenn wicht zufällig Fahrer auf«wer Motoryacht die letzten schwachen Hilferufe gehört hätten. Erst noch langem, schwerem Suchen gelang es. den inzwischen völlig Bewußtlosen unter eigener Lebensgefahr an Bord zu nehmen. Die Führer der Motoryacht. Oberleutnant a. D. Heid und Baron v. St. Paul, machten Wiederbelebung»- versuch«, die von Erfolg waren, und liefert« den völlig ge- schwächten im Restaurant Bellevue om Müggelsee«in. Dort nmvden jedoch bei der Aufnahme des Verunglückten durch den Inhaber, Herrn Urban, di« größten Schwierigketten ge- macht. Cr nahm daran Anstoß, daß die beiden Retter im Badedreß den Verunglückten tn das Inzwifcheu fast völlig leere Lokal brachten. Er ging sogar so well, daß er unter Anwendung de» Hausrechls den Elnkrlkk ins Lokal verbok. Den Rettern blieb nichts weiter übrig, als dm Verunglückten wieder an Bord zu schaffen und ihn nach Köpenick in, Kr-mkenhau» zu überführen, wo er Aus- nahm« fand. Es bedarf keines Worte«, das unglaubliche Berhwtten des Herrn Urban zu kennzeichnen. Hoffentlich werden ihm auch sein» Kollegen, die zum Teil seihst Wassersportler find, dm Standpunkt klar machen._ Auch ein Vechiskonsuleni. Betrug und Urkundenfälschungen. Zn da» Treiben der wilden Rechlskonsulevta» lenchteke ein« Verhandlung hinein, die sich var dem Großen SchSssengerich« ReukSlln abspielt«. Obwohl Schrtstsetzrr von Beruf, hatte- sich der Angeklagte Smtl S y d o w im Jahr« 1923 als ,Rscht»b«istand' nieder- gelssim. ohne trgendwelch« Kenntnis der Gefetzesmoterie zu besitzen. wenn man nicht seine.juristische Barbildung' aus der Tat- fach« Herletten wollte, daß er vorher schon eine empfindlich, Frei- heitsstwf« wegm Münzv erbrechen» erholten hatte. Immerhin konnte dies« Wintelodpokvt eine zlenckich lebhafte Tätigkeit ent- falten, die er schließlich dazu benutzte, um seineu Mondanten durch betrstaerisch« Manöver ha« Geld aus her Tasche zu ziehen. In mehreren. Fallen Ist Sydow derefi� zu 1 S Monate« Kefäng- Nid venirteiÜ tSerfien, wertere sechs' Fälle ftanften gestern zur Ber- hanblung. Einmal handelte«s sich d«rum.' daß er dm b« ihm juristischen Rat Suchendm falsche Angaben für seine Tätigkeit als Rechtsbeistand machte/ dann berechnete er«für seine Bemühungm' weit höhere Kosten als die iMchen Amoaltsgebühren. In einem Falle sollte er eine Strafvollstreckung aushattm und zu diesem Zweck ei« Gnadengestich einreichen. Gegen ein Sondochonovar von 50 R.«rfpvach er dem Mandanten, daß er da» Gnadengesuch „direkt an Hmdenburg' richten werde. In einer anderen Sache erreichte»r für 69 M. die ratenweis« Zahlung eine? Geldstrafe von 49 M. Um sich In dm Besitz wetterer Geldmittel zu setzen, legte sich Eydow schließlich auch noch auf Urkundenfäl- schungen, und zwar schickte er seinen Klienten gefälschte Kastenrechnungen de» Bezirksausschusses und mehrerer Wohnungsämter zu. Auch als khm längst die Genehmigung, als Rechtsbeistand aufzutretm. entzogen war, setzt« der Angeklagte sein gefährliche» Treiben weiter fort. Das Schöffen- gericht verurteilte ihn zu weiteten 11 Monaten Ge- f ö n g n I s. Der Staatsamvolt hatte ein Jahr acht Monate Ge- sängnls beantragt._ �Siesind gefilmi worden/ Ein blühendes Geschäft, das nichts kostete. Auf die Eitelkest de» Publikum« hatte der Filmoperateur Stephan W IIb ran dt eine Geschäftiide« aufgebaut, die ihm eine einträgliche Lebensstellung verschasst hätte, wenn er reell dabei ver- fahren wäre. Hn der Nähe des Anhalter Bahnhof« wurde den Straßenpassanten«in Zettel in die Hand gedrückt, auf dem stand:»Sie sind soeben gefilmt worden'. Gegen Zahlung einer kleinen Gebühr von durchschnittlich 2 bis 3,59 Mark sollten die Kopien der Filmausnahme In» Hau« gesandt werden. Der Zettelverteiler wies dann auch gleich auf einen Mann, der mit dem Kurbelkasten am Europahaus stand und unermüdlich drehte. Er scheint aber zum Teil nur blind gedreht zu haben, denn allmählich liefen bei der Polizei Immer mehr Anzeigen von Leuten«in, die zwar Ihr Geld losgeworden waren, aber keine Film- aufnahm» exHalten hatten. Ausfälligerweif« waren es hauptsächlich Provinzler, die auf den Trick hereingefallen waren. Da» Geschäft blühte derart, daß«r schließlich Leute anstellen mußt«. Er will nur zu Hause entwickelt haben. Auf Grund der vielen Anzeigen hatte sich gestern der Filmoperateur wegen so et gesetzten B e- trüge» vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zu verantworten. Als Zeugen waren große Scharen von Geschädigten aus allen Be- völkerungskreisen vom Oberstudiendirektor und Regienmgsrat bis zu kleinen Angestellten und Kontoristinnen vor Gericht erschienen. Der Angeklagte behauptet«, daß er von seinen Filmoperateuren und Akquisiteuren selbst betrogen sein müsse. Er habe all» Aufträge aus- geführt. Eine Reihe von Sendungen seien allerdings als unbestell- bar zurückgekommen, da dl« Namen etwa» unleserlich geschrieben waren. Da, Gericht trug dem letzteren Ilmstande auch Rechnung, zog aber au» der Fülle der Beschwerden dennoch den Schluß, daß der Angeklagt« sich vielfach des Betruges schuldig gemacht habe und verurtellle ihn zu sechs Wachen Gefängnis. Der findige Herr war übrigen» schon vorbestraft. 3. Spree«, lSsohrt de» Atta. Auch in diesem gair veranstaltet die ArbeliSgemeinschast sür sZorstlchu» und Naturkunde S. unter gtUbrimq de« t: vaisitzcnden Erich Kriebel am 3./4. Aufluft idre bereits traditionell gewordene Spät somm erfahrt in den Spreewald. Von Lüdben aus gebt es diesmal in den Unter- spreewald nach Schiepzig und Kro«. Wasserburg. Di« Teil- nehmer lernen den lchönflen Zell des ganzen Gbreewalde» kennen, da sich gerade der Unterspreelvold durch desvnder« Urwüchstgkett auszeichnet. Gatte flitd rcittfornmen. slnfragen sind an Erich Griebel, Lerll» 0 34, F-anlsurttr Allee 339, zu richten. Amneldeschluß 29. Juli. Berlins Kmder-Gonderzüge. Auch eis Erfolg sozialdemokratischer Kommunalarbeit. Wenn auch schon in den letzten Monaten«in« grohe Reihe pon Kinö«r-Sond«rzügen und Sammeltransporten mit tausen- den von Berliner Kindern nach den verschiedensten Gegenden Deutschlands abgegangen sind, so werden auch in der nächsten Zeit noch viel erholungsbedürftig« Berliner Kinder verschickt werden. Der nächst« Ktnder'Sonderzug verläßt Berlin am Freitag, dem LS. Juli. IlLZ Uhr, vom Stettiner Bahn» Hof und sährt über Stettin, Gollno«. Greifenberg, Treptow nach K o l b e r g. Ein weiterer Sonderzug fährt am Montag, dem 29. Juli, jZ.IS Uhr, vom Stettiner Bahnhof ab, und zwar in die Ostseebäder Swinemünde, Heringedorf, Zinnowitz, Carlshagen und Trasseicheide. Weitere Transporte erfolgen iin August. Sie gehen ebenfalls nach den Ostseebädern, aber auch an die Nordsee, ferner in da» Kinderheim nach Scheuen, nach Thüringen und schließ, lich nach dem Solzburger Land. gür viele Kinder ist der Landausenthall bereit» beendet. In den nächsten Tagen treffen bereits wieder ein« Reche von Eon- derzügen in Berlin ein, die die Kinder von ihren Erholungsstätten nach Berlin zurückbringen. So wird am Mittwoch, dem 24. Juli, ein Sonderzug, der um 1<.c>» Uhr auf dem Stettiner Bahnhos er- wartet wird. Berliner Kinder au» K 0 l b e r g zurückführen, ein anderer Sonderzug, der am Freitag, dem 26. Juli, 18.10 Uhr. auf dem Stettin«? Dahnhof eintrifft, fall Kinder aus den Ostsee- Kadern Swinemünde, Heringsdorf, Zinnowitz. Tarlshagen und Trassenheide zurückbringen. Empfang französischer Ferienschüler. Die zurzeit im Landschulheim Birtenwerder untergebrachten ZS fronzäsischen Schüler werden mit chren drei Lehrern am Donnerstag, dem Z5. Juli, vom Magistrat der Stadt Berlin empfangen und gegen 1 Uhr>m Stadtverordnetenvar» s a a l bewirtet werden. Voraussichtlich werden an dem Empfang zwei Vertreter der französischen Botschaft sowie Vertreter der zu, ständigen deutschen Ministerien und de» Provinzialschulkollegium» teilnehmen. Volksfest der Köpenicker. Li« Kaul, dorfer Wiesen eignen sich besonder» gut für ein Doltssest. Festlich prangten sie am Sonntag im Schmuck von roten Fahnen. Das Dolksfest des Kreise» Köpenick ist wohl, gelungen! Gesangvereine, Sportvereine, Spziallsttsch« Arbeiterjugend. Kinderfveund«, Reichsbanner, Arbetter.Samariterbund, alle wirkten mit. und eine Sommersonne schien, vor der man manchmal sogar den Schotten der Birken aufsuchen muhte. Genast» Bürger- mestter Kohl hielt«lue kurz« Ansprach« unter dem Motto:„Bahn frei! Berlin muß sozialistisch werden!" Er rief alle Parteimitglieder zur tatkräftigen Mitarbeit bei den kommenden Kommunalwahlen auf. Di« neuentstandenen Kolonien In Käpe- nick, die man auf dem Weg zu den Kaulsdorfer Wiesen gesehen hotte, waren ein Beispiel für die Erfolg« unserer Mitorbelt in der Kommunel «rbei!ersa»g«buv!> sSav Berlla) An der am Donnerstag, dem 1. August. m Kriedri«Sdain quf dem Bportplatz llattfindenden ftundltedgnz gtaep deteiligt der durch Stellung Rassencher». Die Singer werden ersucht, recht»ahlretch onzutrelen. Gesungen wird „Arbelter-DaterlandSlied' und»Ich warte dttn!» vi« UrbeifsgetMlnIAsfi fit Zorstschuh und Katurkuud« f. V. viral, staltet am kommenden Sonntag, dem Sd. Juli unter Führung d-S I. Vorsitzenden, Herrn Erich Griedel,«tue Wanderung durch die närkische Schwei j. Ildsahrtl morgen» S.t« Uhr vom Schlesilchen Feinbahnhos nach Dahmsdorf- Müncheberg aus HonnlagSsohrkarte. Gäste wtlllommen._ Aus der Partei. Kampf um Verfassung und Republik. Noteriol für die Verfoffungsfeier. Für die bevorstehende Bersa�sungsfeier bringt da, soeben er- schienen« Jullheft der„S o z i a ts st l s ch» n B t l d u n g" ein« Fülle drouchbaren Materiol». In einer Bllrtragadisposition„Demo- kratie und Republit' sornmliert Dr. E. Mierendorff nach einer Kennzeichnung der innerpolttischen Lage die wichtigsten Aus- gaben der Arbeiterklaste tm Kamps gegen offenen und verhüllten Faschismus.„Der Kampf um die Demokratie" so schließt er— „ist entsprechend der großen Tradition der Sozialdemokratie und ihker geschichtlichen Leistungen Fortsetzung des Komps»» um die Weckung. Erhebung und Befreiung des Proletariats."~ An- schließend hieran gibt W. Könemann in einer Uebersicht.Lehn Jahr« Kampf um Bersassung und Demokratie»ine durch zahlreiche bibliographische Angaben ergänzt« Darstellung der wichtigsten staatsrechtlichen Probleme, die jetzt im Vordergrund des politischen Leben» stehen. In einer Disposition„Cot fünfzehn Jahren" gibt G. Seger gute» Material für einen Bortrog anläßlich d«r Wieder- kehr de» Tage» de» Kriegsbeginne».--» In einem länger«» Aussatz behandelt Prof. Erik Nölttng da, Thema„Mißstand, im Nnroersitätswesen",-in Thema, da- durch die jüngsten Ausschreitungen an verschiedenen deutschen Hochschulen besonder» aktuell geworden ist. Neben einer Schilderung der Mängel der Organisation des Hochschulwesens, des Dozentenkörpers und der Studentenschaft bringt der Artikel Vorschläge für eine Reform der Universitäten, an denen die Oesfentlichkeit nicht vorübergehen darf. Die„Sozialistische Bildung" mit ihren Beilagen„Bücherwarte" und..Sozialistische Erziehung" ist zum Preise von 1.50 M. für da« Bierteljahr durch die Post, die Buchhandlung Dietz, Lindenstr. L, und durch alle„Borwärts".Spedition»n zu beziehen. Einzelnummern tosten 75 Pf. parietnachrtchien lnql, statt. TreffpunÜ pünktlich ISzt Uhr S.?. Eck.«wrum.r Straß.. Beqinn v,r Willriiitg pünktlich 16 Hfit. «nschli.ß.nd aeuiütlich.» B.isamm«ns,i» ist her Hochlchnsbrau.r.i See- Eck. Amrum.r Straß.. All. PartdmitglUdet sind ßmlichst eingeladen. ,S" aVA�tmv"J',■ Sonntag. 38. Zuli. Svmmerlelt Im Tempelhofer Birken. Wäldchen. Beginn 13 Uhr. Festansprache chenosie Pa»! Lüde, ltastdert. ühorgewn«. Bariete, turnerisch, Uebungen. Eintritt» Pf.«rd»lt»l»se chennsien»nst Kinder«It Eltern frei, Heule, Mittwoch, 24. 3u(i: 7, Abt.»itsNesterpersammlung uu Uhr im P«, I„»hau» de» Reichen,, » stonkerdan. Referent� Pen.»r. Bevgmann. Z- 2ü* S'1*«btchlunssversammluna bei Pteinncker silllt au». »-?bt.»emwe 7S«et«ana. Er' r».Mh ladend in Schmidt» Sefekls». Die Be,>rk»,ührer werden gebeten, b-stimmr»ur»und. gedun« am l. Nugust sämtliche«enossinne» und Sendffen schrifilich eiiu iuladen. Tha,l»tt»! Lost.. Bvrwqg *»- Abt- lS'4 Uhr pünktlich MUgliederversammlirng. gokal Ploßensee, Am Perb,nd»n«»tan«l. neben Hall, Sichar, Straß, 12. »ÄfVÄ male — 68.»St. SiSungWiNmer, Morgen. Vonnerstag. 25. Juli: «U. � Barnnschmle«»«.«d U Uh. vm»«�al Saal mit ftabü«tu* all. «ememe Muodl-rtnerbeeitung über den«an»en Ort statt. Da»» deteMaen sich stimmch,«envssinnen und ffienvlsen. Die Be,trk«kührer lade» ein. ist«t. i.«it. B»ra-»eige. Sanntag.'M. Juli, ffamllMnaueftu« nach Finkenkrug. abfahrt 8.83 Uhr Lehrter Bahnhof. Treffpunkt 7T, Uhr Bahnhof Zann». m,»drücke. Rach,ügler finden nn» in dem Lokal jäindeiipaek beim®en. Saftet, 6 Minuten vom Bahnhof. Dortselbst Kaffee loche». Ueber, raschungen,«inberbelustigungen. L-«ern«vum«ug. Kelst, au««ndtmn«d, »eilungen herzlich willkommen. Arauenveranstaltungen. z«.«u. funtfSilnßtJt Jeder 83. Deutsch«, Frauen und Krank«. Kinder.und Greise mitgezählt, wurde ein Opfer de» Weltkriege«. Rußland hatte in jenen„glorrelchen Jahren" die höchste Ber.ushisfer, VA Millionen. Dann folgte Deutschland mit Z 000 000. Dl« Zahl der verwundeten Deutschen überstieg iü Millionen. In diesen nüchternen Ziffern spiegelt sich da» Grauen de« Kriege». Senatspräsident Dr. Max P a e h l e r gab sie als Einleitung zu seinem Bortrag„Welche Möglichkeiten hat da, Reich, um den Krleasbe, schädigten zu helssn?" Heut« beziehen noch Millionen Kriegsverletzte und-Hinterbliebene»ine Rente: 1300 000 Marl sind dafür ausgeworfen, dazu 207 000 Mark sür Osfizlere und Beamte. Aber was bedeutet da» für den einzelnen, der ein« magere Rente bezieht, die nicht zum Leben und nicht zum Sterben langt, oder der überhaupt völlig abgesunden wurde, fall« er im Lause der Jahre weniger al» 2Sprozentig krieg, beschädigt eingeschätzt wurde. Da» Reichsarbeitsministerium hat sich, wie der Bortragend« aussührte, nach Kräften bemüht, all.,« große Härten zu mildern. Die An- spritche unterstützungsbedürftiger Eltern besonders werden Insvig« neuer Erlasse des Relchsarbeiisminister« Wissell entgegenkommender behandelt, ebenso die der Kriegsneurottker. Auch die orthopädische Fürsorge Kriegsbeschädigter soll großzügiger gehandhabt werden. Di« Interessengemeinschaft der Kriegsverletzten hat diele« Eni, gegenkommen dankbar anerkannt. Der Reichsarbeitsmintster hat urch dies« und ähnlich« Erlasse bewiesen, wie sehr ihm das Schick, sal der Kriegsbeschädigten am Herzen liegt. Aber die Grenzen seiner Mittel kann er nicht überschreiten, und deshalb«erden leider mindesten» für noch lange Zeit die bedauernswertesten Opfer de» Krieges am schwersten unter seinen Folgen leiden müssen.— Im Abendkonzert sang Heinz T l e l s« n»„Junger Chor". Ce war eine Freude, ihn zu hören. Dieser Chor ist nicht nur technisch prächtig geschult, er hat wunderbare» Stil« und Musikgesühl, Nicht u-bare» Stil, und Musikgesühl. Nicht Stimmführung herrscht hier vor, son« rucksvollen Melodie. Man darf bei die Freud» an der kunstvollen dern die Freude an der ausdrucksvollen Melodie. Man darf bei dieser Gesangvereinigung wirklich von einem ,. bestellen Vortrag" sprechen. Eine Deranstaltung für Feinschmecker war dl,„Kol- portage".Stund« Dr. Erich Franzens, in der Rose Lichtenstein Herr, liche Kostproben au» häuslgen, gestrigen und vorgestrigen Kol- portage-Romanen gab. Ta». Jungsoziorltsttsch« Bereinigung. Senppe Seukitn. Heute. Mittwvch, A vir, im Jugendheim Treptower Stmße 9S, JtottMn de» Genossen Ahlfeld über.Die Organisation der«ape» ranstlschen WirtlÄSst, Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Fbt. äthlendorf. Sie Spielleitung hat Genosse Z.»onig übernommen. as: ey."««: mMnlvs.«r.tÄÄ.'ifÄS'i: ft.?""- H/Uie iwden keine«eranstaltunge» /ür�die�lmderwitt. Mend» 7 Uhr, Treffpunkt der Dreedener und Pankower Helfer auf dem Markt- Eanii„ach ehol"w»d«n'�"" vlauderadend Uder Gruppeneef-hrungen soll ol». Die«eiteren Beranftaltungen werde» weiter an dieser Stell« MguiU gegeben. Sterbetafel der Groß. Berliner Vartei« Organisation\ 5. Abt. Unser Genosse 7» Jahren«erstorben. 9. Juli. U Uhr, ffierli 8. Abt. Unser lan n.%ia.',»«%,?• sns Friedhof Blanke Hülle statt. IM. AM. fftiedtichjhage«. Unfet Genosse Ludwig Newel, der der Partei 28 Jahre angehörte, ist«erstorben. Sinitfcherun» heute, Mittwoch.« Uhr. m> Krematorium Baumschulenweg. SozialistischeArbeiterjugendGr.'Verlin »fendflngtn f,r Mefe Rute««ur on des Zugendfekertmie« erlin 621 68. etndensteoße I WZ **t?llM»«leitee. reicht sofort den TZericht�oae» fApril-ZunI) *. Quartal ch» Heute. Mittwoch. 24. Zuli. lS� Uhr: te-jrsßssLfP*'- äntä Bertrag;.Stroieechtmeform",—. Tempel hol � Heim«ervmniaftr. 4— 6. Bor. trag;»Arbeiierjugend unb ssreikürperkultur".' Sntichvf. Vortrag~— richstr. 87.«erir Krim Scha Scharnwederstr Voriräge, Vereine undVersammlungen. W Relchsbauner„Schwarz-Rot-Gold". »efchllftastelloe verN» S. Ii. Sedastianftr. 87/36, Hat 1 Cr. Mittwoch, 26. 9*11. Pre«|Io*e» Berg. M Uhr Zugemd. nnd Sport. Sbteiliing. Bersammluna, Schule Greifeuhagener Straße, Turn. "hr Borlwntdsstzung mit zugführer» im Slestau- Halle. Steglitz(Öetooetein). 20 Übt__________.___________ WWWW. rant S-bmidt, Lichterfeld«, Roonstr. 30. Ecke Kindenburadamm. Sportler 20 Uhr Bahnhof Lichteefelde-vst. Reukdln-Britz. Jungbonner, Ab 18 Uhr �oetadend. Platz 7, Eingang Steinmetzsieoße.- Sounorotog, 28, 9*11,«eukölln.Britz. Propagandaummorsch für den Berfaffung-tag. Pslichiantrelen auch für Musik. und Tamböurkoon»)9vi Uhr Keule rplotz�IsirliMenhoef(Ortoperein), 20 Uhr bei Rochu». ReinIckrndoef.Ost. Restdentstraße Ecke Schönhslzee Weg, Qrt». pereinsvorstandositzung.— ffreitag, 26. Zuli. Mitte. 2, und 6. Kameradschaft. Antreten I8',z Uhr b«l Schilling, Pungestoaß«,»um vrduerdienft im Lust' X I»16 Ahr Sl euterplatz. Arinlckendort fvrtoverelnl. Z» Uhr lckrndorf.Vft. Stesidenültraße Ecke«chünhalzet Weg,~ -mer' ......____________ Oer« _.■...... � erscheinen Pflicht, versaffungrteier.— S«___ Kameradschaft Ärnswalder Platz. Sonntag, 28. Jult,.Dampferfahrt. nach . rten. oräuiendne*(Oetdoeeein olstraße, um 20 Vi Uhr. E natopeesamnilung vrdnerdienft ! bei Sternb' stier.- ____>_______ WW_______________■ j, Dampf«. �.. ber allen Berliner Schwei», Abfahrt 8 Uhr»on der. Oderbaumbriicke... Giiste radschglt Buben». Tharmaldfenstraße. Vereinigung ehe«. Keteoogel-uaene» Verkin-Süde». Donner sto*.». Zuki, »Vi Uhr. bei«rüger. GrimmütTT. Kriminolgericht). Sprechstunden und kostenlose Auskunft erleilun« t«gNch son Ilhy.-,'• A • iÄ"ÄÄ8.wttSnf% wvsutsrm �"Deutlchei Vlpernnto-Vund, vrtogruppe verNn. Areitag,» Uhr.»on- ditorei Dobrin. Hgckefche» Warft. Knell-h�Iertn»n.8acI«i7. col» fosendurg, verlin V. Bülowitra», 1. 6. p.m. Ucstirti Preotnt D»y Esiuegtlo» by Mrs. Frltii Paeschke. / Sport. Renne« zu Hoppegarten am Dienstag, dem 2Z. Aull. 1. Nennen- 1- Machuoran lllhadlw). 9. Seberu». S. Sramontan». Tpioi LS, 10 Platz, IS. 11. IS- 10. gerner lies«,: Olympiade, Mauru», Serpatlu» II. gTeiii. AWSko. S. Rennen, l, Senai«(Hatztie«), S. Berfhhnung. 3, Vergangenheit- Toto; 20:10. Platz: 1Z, LI, 15; 10. Ferner lieseni KrirgZipicl, Winter. mSrchen. Lansranchi, Herjoz Wilhelm. Guropa, Ute, Matador, Doraiide, S. R i n n« n. Dominica(tzuguenin), S. Tarqulnia, S. Arabella. r»t°! 31 l 10. Drei liefen. �. ».Rennen. 1. Cocktail(K. Narr), s. Ssikari. s. Teutone. Toto: IIS: 10. Platz! IS. 11. 14! 10. Femer liefen: Alicig, Forno, Amelung. Tintor, tto, gsilom. Solos. S. Rennen. 1, Woldwächter(Ch. Korb), Z. Dal.bor, 3. Caianova. Toto: 20: 10. Platz: 18, 35, 20; 10, Ferner liefen: Waravedi», Loblied Schneeberg, Sigmar, Orestes, Lag», Strug, Periander.' 8. Rennen. 1. Osram lwrabsch), 2. Stromschnelle, 3. Putz. Toto: Logarithmus. Pharisäer, Mirim Wetterbericht der össenllichen Wellerdienststelle Berlin und Umgegend. sNachdruck yerbplen.) Tests heiler, teil» wolNg. etwas lühler. ocreinjelt Gewitterneigung, frisch, Westwind«.-- Zstr veulschlgad> gm Süden und Südosten kein» tvesentiich» Aenderung, im Norden mid Nordosten et»«» lühler. im Nordwelten Strichregen. Cityqettofat to+Mds Hat's eben in sich! Selbst ein Sproß der Zeit» trögtenn der heiß« Mittag kommt, wird sie schweigen. Zunächst ist es ein Ton, als hätte er zu warnen oder einer Erregung Aus- druck zu geben. Dann wird er süßer, schwellender, mit schluchzenden Lauten angefüllt, hingeworfen o»i««in abgestimmter Fall von klingenden Kugel» und in einen langen klagenden To» hingehalten. Dazwischen hwein springt und fällt da» zwckschernd« Geplapper einer Felsen meise. Dreimal am Tage läßt du mich ihn, Geist und Pan des steinigen Abhanges, hören. Zum erstenmal morgens, wenn die dunklen und verbrannten Jnfelbauern, mit den roten Mützen auf den Ohren und den riesigblauen Pluderhosen um die Schenkel auf Segelbooten in die Bucht treiben und die Berg« ganz erstarrt und steinkalt aus der kühlen Rächt sich schälen. Ehe ich noch meinen Traum beende, singt der Vogel sein« zarte, schwermuthafte Strophe aus dem wilden Granatapselbaum. Man kann feine Kehle einer Flöte vergleichen, die ein trauernder und in sich versponnener Knabe bläst. Wie soll ich ihn deuten, diesen reinen rufenden Ton der Morgenkühle, der ich mich mck nackten Füßen über den Stein der Terrassen schleich«, um nach dem Sänger zu spähen, wie er seine klopfend« Kehle durch das Gezweigs pochen läßt. Unergründlich bleibt mir. wovon der Vogel singt: von dem Haus« vielleicht, das Schatten über den Baum wirft, der da am Felsen hängt, und in dessen Gabel dein Reit, selig« Kreatur, in kaum gewahren Wind« zittert? Bon dem Mädchen, da» bald an den Strand kommen wird und mck Mlffcheln spielt? Von mir, der ich nach den Segelbooten spähe, die hölzerne Fässer an Bord und weiße erlegte Fische unter den Ruderbänken haben. Aber was geht ihn das Menschlich« an! Sein« Geheimnisse, fem« Gefühle, sein« Stimmungen, seine Klagen bleiben mir so unbekannt wie die Gesetze, die das Gestirn des Großen Wagens im diamantenen Wirbel der hohen Sommernacht aufbauen. Den ganzen Mittag wird er ruhen: dann ist nur das Geräusch der Wellen vernehmbar und das leichte Sausen des Mistralwindes, der weit draußen auf dem Meer« sich um die Zeit erhebt, wen« die Kraft der Sonn« am stärksten und glühendsten ist. Der Bogel ist verstummt, nun ist Schweigen. Aus der Terrasse liegt mit weißen atzenden Feuern die Sanne. Der Ausschnitt der Tür«, durch die ich schiue, halt mir die Spitz« einer Zypresse ent- gegen, di« starrend und unbewegt mit schwarzem Riß die Bläu« schneidet. �ropJfcfic Früchte bei SSerttn Wie bekannt ist der Bersuch. mck Abwärme Tomaten- und Gurkenzucht einzurichten, in verschiedenen Kraftwerken mit Erfolg durchgeführt worden. Zuletzt im Kraftwerk Klingenberg bei Berlin. Wenn man die Abwärme nitht für städtische Zeickral- Heizungen verkaufen kann, und das wäre sa nur einig« Wintermonate hindurch möglich, so ist die landwirtschaftliche Verwertung von größter volkswirtschaftlicher Bedeutung. Diese gelungenen Bersuch« haben weitere Pläne gezeitigt. Man sagt sich: wenn die Gurken bei 24 Grad gut gedeihen, warum sallen wir nicht Bananen oder Orangen bei 26 und 28 Grad zu ziehen versuchen? Dieses Problem ist volkswirtschaftlich noch inter- essa nter, weck es— tn weiter Ferne zunächst— uns unabhängig nwchen tonn von Einfuhr, well es viele Millionen jährlich er- sparen lehrt... sobald die Sache gelungen sein wird. In aller ©litte sind Voroersuch« ausgeführt, die an Erfahrungen in thürin. gifchen Treibhäusern anknüpjen. Was daraus wird, kann noch nicht festgestellt werden. Auf oll« Fälle sind die Versuch« inter- essant und wichtig. SCardl norm: Ä«? AntvIRvStt „Wie sah er denn aus?' fragt man Amalie.„Wie ein Per- brecherl' Und nun schildert Amalie, wie sie sich einen Verbrecher vorstellt. Das ist also ein Mann mit blitzenden Augen, vorspringen- dem Kinn,«in Mann, der ein Knüpftuch um den Hals und eine Mütze auf dem linken Ohr trägt. Amalie schildert den Verbrecher so. wie sie ihn in Detektivfilmen gesehen hat. Nun ist das Leben eines.Film-Berbrechers' meistens viel amüsanter als es In Wirk- lichkeit ist. Die Verbrecher im Film oder im Roman sind mit einem Schimmer von Romantik umgeben, sie gehen nachts vermumntt auf Raub aus, sie hocken in Kaschemmen, die einen malerischen Anstrich haben. Solche Kaschemmen, wie sie im Aufnahmeatelier aufgebaut werden, gibt e» in Wirklichkeck gar nicht. Die Lokale, in denen Verbrecher verkehren, unterscheiden sich im Aeußeren absolut nicht von einer Stehbierholl«. Und die Herren Verbrecher gehen tadellos in Schale, sie pfeifen auf das Knüpftuch und di« Ballonmütz«. Ach, und sie haben so gar nichts van Roman- tik an sich, di« Geldschrankknacker, Hochstapler und Taschendieb«. Eine verhöllnizmäßig kleine Schar ist es. die den gewaltigen Appa. rat unserer Kriminalpolizei in Bewegung hält. Eine verlialtnis- mäßig kleine Schar ist es, di«. sobald ste ihr« Strafe abgesessen hat, sofort wieder zu ihrem Werkzeug greift und Geldschränke knackt. Taschendiebstähle ausführt, erpreßt, betrügt oder gar mordet.$ie Straf« schreckt den Berufsverbrecher nicht ab. Mag man ihn fünf oder zehn Jahre einsperren, er wird sich in sein Schicksal fügen wie ein Soldat, der in der Schlacht gefangengenommen wurde. Der bekannte Kriminalist Robert Heindl findet beim Beruf?» oerbrecher drei charakteristische Merkmale vertreten.„Das Motiv der Tat ist Gewinnsucht. Das zweite Charakteristikum fft die rasch« Aufeinanderfolge der Straftaten. Das drille besteht in der An- wendung einer ganz bestimmten Arbeitsmethode. Nichts kann den Berufsverbrecher hindern, immer wieder dasselbe Spiel zu spielen. Und wenn er auch weiß, daß es sein Verderben bedeutet, er kehrt wieder unter hypnotischem Zwang stet» zu seinem Spezialtrick zu- rück. Ein Beispiel: Der englische Bankräuber Mahon. der 1!V>8 in der bayerischen Hypotheken- und Wechselbonk zu München eine Gastrolle gab. Er wechselte Geld, griff im„psychologischen Moment' durch» Schalterfenster nach einem Bündel hochwertiger Banknoten und rannte damit davon. Er hatte allerdings den stämmigen Portier nicht in Rechnung gestellt. Dieser sonst etwas phlegmatische Türhüter hielt den Flüchtling am Hauptportal der Bant an. Per- sonolien, Antezedenzien, letzter Aufenthalt waren zunächst nicht zu ermftteln. Der Engländer verweigerte jed« Aussag«. Schließlich stieß ich beim Durchsuchen seiner Effekten, die man in einem Hotel- zimmer fand, auf ein Reichskursbuch. Es war offenbar viel ge- braucht, aber noch tadellos sauber erhalten. Ich stellte nun fest, »»«lchs Seiten benutzt waren, indem ich ein van mir schon öfter erprobte» Verfahren anwandte: ich preßte das Buch zusammen und betrachtete dann die Schncktflächen. Di« benutzten Sellen hoben sich als dunkle Streifen auf weißem Grunde ab. So konnte ich die Reiseroute des Engländers, di« durch Deutschland, Oester» reich, Italien und Frankreich führte, in allen Details konstruieren. Allen Polizeibehörden, die auf der Route lagen, wurde der Sach- verholt und das genaue Signalement mitgeteilt, und au» den meisten Städten tras die Antwort«in, daß dort genau derselbe Nebersall sich obgespieU hotte.' Die Berufsverbrecher bilden einen Staat im Staate. Sie sind ausgezeichnet organisiert. Meist finden sie sich in Vereinen, die «inen harmlosen Namen tragen, zusammen. Wer einmal Gelegen- hell hatte, einer Geselligkeit oder einer anderen Veranstaltung der Professionellen beizuwohnen, ist zumeist enttäuscht von disser Art übelster Spießbürgerlichkeit, die sich unter ihnen breit macht. Ich habe einmal erlebt, daß ein mehrfach mck Zuchthaus bestrafter Junge vor einem würdigen Brautpaar die kitschigsten und senti- mentalsten Gedichte aussagte, in einer absolut nicht parodierenden Weise. Er tratschte von sonnigem Familienglück, Kindersegen, und war von seinen Phrasen derart. gerührt, daß ihm die Tränen in den Augen standen. Drei Tage später schlug er einem Familien- vater mit einem Eisenstück auf den Kopf. In diesen Sport- oder Geselligkeitsvereinen werden oftmals sehr hohe Beiträge erhoben. Und das ist ja auch verständlich, wenn man bedenkt, daß die Organisation die Rechtsanwälte bezahlt, flüchtende und im Gefängnis sitzende Mitglieder unterstützt, llnd der Berufsverbrecher ist ja überhaupt nicht knauserig. Es tomlnt ihm gar nicht darauf an, den Erlös einer Beute an einem Abend mck Freunden und Mädchen zu verjuxen. Außerdem muß er stets damit rechnen, gefaßt zu werden, und dann mill er wenigstens die Genugtuung haben, auf ein paar flott erlebte Wochen zurückzu« blicken. Weinrich'Memmer:&ilv dt 6 Dos chinesische Totenfest— das in die heißest« Jahreszeit fällt— hat nichts von der unsicheren Melancholie des unseren, Man zieht freudig aus(ein ganzes Dorf, eine Stadt), um die Toten als gute Freunde zu besuchen. Die chinesische Religion kennt weder Gott, noch Jensecks, sondern nur vergötterte Menschen, und das sind eben di« Ahnen, die man aus tiefstem Grund der Seele ver» -ehrt und im übrigen behandelt, als wären sie gar nicht tat: als waren sie nur pensioniert vom Leben und seinen Mühen und nähmen Anteil an unserem Tun und Treiben und wären bereit, Uns" zu helfen, wenn mir danach sehen, daß ihnen ihrerseits nichts ab» geht, draußen in ihrer Retrait«, im Hause der Ewigkeit, das man einander ja schon bei Lebzeiten schenkt, als passendes Geburtstags- g«schenk oder so. Man bringt den Taten daher nicht so llnnützes wie Blume», sondern stellt ihnen Leckerbissen auf di« weißgetünchten Grabhügel: da? Beste vom Besten. Dabei entschuldigt man sich wie(vi einem fürstlichen Gast, daß man ihm nicht noch mehr bieten könne, weil eben dies und jenes in dieser verslirten Zeit nicht recht gestoppt habe, und bittet die Toten, mit dem Gebrachten gütigst vorlieb zul nehmen und es sich gut schmecken zu lassen. Ich habe«ine chinesische Mutter an einem kleinen Grabhügel ihr Kind anrufen hören: es möge sich vor dem Gewitter nicht fürchten, die Sonne käme gleich wieder zum Dorschein. Wenn die Chinesen mit ihren Tpten ge- sprachen und ihnen den letzten Tratsch erzählt haben, fühlen sie sich in ihrem materialistischen aber treuen Herzen erleichtert, plouder», lachen und rauchen... � Nun hat für da» sünftausendjöhrige Reich ein« neue Estachs begonnen, es gibt Tausende der modernsten Schulen, geineinsain« Erziehung der Gsschlechter, frei« Zeitungelesehallen und Vortrags-- fäle, Freiluft- und Analphabetenlschuleo, den modernsten Komfort und den Klimbim europäischer Bergnügungsetablissements. Einmal traf ich in einem Schanghaier Nachllakal, wie man es am Kur» sürstendamm nicht luxuriöser findet, einen Chinesen von dör letzte» Boulevardeleganz und eine Bubikopfchinesin, die ich beide zu meinem Erstaunen beim letzten Totenfest die altväterlichen Speijeschüssel» auf«in Grab hatte stellen sehen. Nachdem mir viel geplaudert, ge- raucht und getrunken hatten, erlaubte ich mir die Frage, ob. nach Ansicht des chinesischen Dandys die Ahnen tatsächlich von de« Speisen essen, die man ihnen auf» Grab hinausstellt. „Oh ja,' sagte mem genialer Mann,„die toten Chinesen esse» von den mitgebrackten Speisen mit ebensoviel Genuß wie die toten Europäer an den Blumen riechen, di« ihr ihnen aufs Grab legt.' 3n Gefahr erprobt. Oer Texiilarbeiierverband-1926. �cicht beim Aufstieg, sondern beim A b st i« g der Konjunktur zeigt sich die Kraft einer Organisation. Erst in Defahren und Nöten wird sichtbar, was eine solide Organisation vermag. 192S war für den Deutschen Textilarbeiterverband ein Jahr der Nöte und Gefahren. Im Gegensatz zu dem für die deutsch« Textilindustrie außer- gewöhnlich guten Jahr 1927 setzte 1928 ein Rückgang des Geschäfts- ganges«in, der das ganze?ahr hindurch anhielt. Die Zahl der Arbeitslosen stieg, weil zu der„schlechten" Konjunktur auch die Befchleunigung des Rationalisierungsprozesses kam, der in der Textilindustrie damals einen gewissen Höhepunkt erreicht«. Ein schwieriges Jahr,«in Jahr voller Anstrengungen, das Jahr 1928, und dennoch ein Jahr schöner Fortschritt« und Erfolge für die sreigcwertschastlich organisierten Textilarbeiter. Das in den nächsten Tagen erscheinende Jahrbuch des Deutschen Textilarbeiterverbandes bringt dafür eine Füll« von Beweisen und Belegen. Die Bilanzen der Textilfirmen, die bis zum Abschluß des Jahr- buches veröffentlicht waren, zeigen, daß die Textilindustrie auch 1928 im allgemeinen trotz aller Schwierigkeiten nicht ganz so schlecht abgeschnitten hat, wie in der Unternehmerpresse oft geklagt worden ist. Abschreibungen und Reingewinn machten 1927 insgesamt 21, K Proz. des Aktienkapital» und 1928 29,8 Proz. au«. Der Reingewinn betrug 192? 28.5 Millionen Mark(13,6 Proz. des Aktienkapitals) und 1928 21,6 Millionen Mark(12,5 Pro;.). Der Deutsche Textilorbeiterverbond hat deshalb ganz gut daran getan, daß er sich 1928 nicht durch das Geschrei der Unternehmer über die angebliche„Unrentabilität" der Betriebe abhalten lieh, seinen Kamps um bessere Lohn, und Arbeitsbedingungen für die Textil- arbeitcrschast fortzusetzen. An Bewegungen zur Verbesserung der Arbeits- und Lohn- bedingungen führte er im Jahre 1928 insgesamt 299 durch, an denen in 1925 Orten und 11 892 Betrieben insgesamt 1 119 962 Arbeiter und Arbeiterinnen beteiligt waren. An Lohnerhöhungen wurden für 566 957 Personen insgesamt 851 437 M. pro Woche erzielt. An Arbeits- zeitverkürzungen wurden für 199 197 Personen pro Woche 471 486— das sind für den einzelnen Beteiligten 2.5 Stunden pro Woche— erkämpft. Außerdem wurden für 391 197 Textil- arbeiter noch weitere Verbesserungen, wie bessere Urlaubsvegelur.g und Akkordbestimmungen, Zuschläge für Nacht- oder Schichtarbeit, erreicht. Mit Streik» und Aussperrungen waren 54 Be- wegungen, an denen 56 215 Personen beteiligt waren, verbunden. Die Gesamtzahl der am Ende des Jahres 1928 bestehenden Tarif« oerträg« belief sich auf 151: sie erstreckten sich auf 9619 Betrieb« mit 818 842 Besänftigten. Die Arbeit des Verbandes in der Betriebsrätebewe- gung hatte, wie das Wahlergebnis zeigt, Erfolg. Die Zahl der Betriebe, in denen gewählt wurde, stieg im Berichtsjahr gegen- über 1927 um 226 auf 3235, in denen insgesamt 15 779 Arbeiter als Bstriebsratsmitglieder gewählt wurden; davon gehörten 13 92-5 dem Deutschen Textilarbelterverband an, der damit 88,6 Proz. der Betriebsräte zu Mitgliedern zählt. Im Jahr 1927 waren 14 499 Arbeiter als Betriebsratsmrt- glieder gewählt worden, von denen 12 819 dem Verband an- gehörten. Neben dem Mandatsgewinn, absoluten und prozentualen, ist auch besonders erfreulich die Tatsache, daß die Beteiligung der weiblichen Mitglieder an der Uebernahm« des Verantwortung»- vollen Betriebsratsamtes sich mehr und mehr bessert, was im wesentlichen auf die Arbeit des Arbeiterinnensekreto- r i a t» beim Hauptvorftand zurückzuführen ist. Das Sekretariat hat im'Berichtsjahr auch eine Reihe von Veranstaltungen durch- gesührt, in denen die weiblichen Mitglieder über die Notwendigkeit gewerbeärztlicher Untersuchungen aufgeklärt wurden, so daß deren Durchführung ohne viel Widerstand vorgenommen werden konnte. Das so gewonnen« ärztliche Matexial stellt eine wertvolle Er- gänzung der vom Verband veröffentlichten Ergebnisse über den Gesundheitszustand der Textilarbeiter dar. Die Arbeit de? Deutschen Textilarbeitcrvcrbandes sinidet bei der Arbeiterschaft Würdigung und Anerkennung. Der Beweis dafür ist die M i t g l i« d e r b e w e g u n g der Organisation und die Eni- wicklung der Kassenverhältnisse. Die Mitgliederzahlen konnten 1928 von 399 679 auf 319 941, also um rund 19 399 gesteigert wenden. Bon den vorhandenen Mitgliedern waren 131184 männliche und 159 757 weibliche Textilarbeiter. Die Gesamteinnahmen de» Verbände» betrugen pro Kopf und Mitglied 35,29 M. gegenüber 29,49 im Jahre 1927 und 19,19 im Jahre 1913. Für Bildung wurden rund 587 999 M. und für Unterstützungen 2 679 999 M. ausgegeben, davon entfallen 639 999 M. auf Streik- und Gsmoßregeltenunterstützung. 767 999 M. auf Arbeitslosen- und 1 295 999 M. aus Krankenunterstützung. Die Restsumme verteilt sich aus die übrigen Unterstützungseinrichtungen des Verbandes: auf Reife-, Rot-, Rechtsschutz-, Umzugs- und Sterbe- Unterstützung. Finanzielle Besserung der Michsanstalt Lleberfchuß im Landesarbeitsamt Rheinland. Ueber Arbeitsmarkt und Wirtschaftslage in der R h e i n> Provinz berichtet da» Landesarbeitsamt Rheinland: Die Zahl der unterstützten Arbeitslosen ist in der letzten Woche j auf 129999 gesunken. Auch dies« Verminderung ist ebenso wie in' der Vorwoche überwiegend auf die Veränderung de» P e rs o n e n k re is e s der Krisen Unterstützung, also weniger auf wirtschaftliche als nielmehr auf rechtlich« Gründe zurückzuführen. Gegenüber dem Höchststand ist die Zahl der Arbeitslosen um 58 Proz. gesunken. Durch dies« Verminderung ist es jetzt inög- lich, die von der Rsichsanstalt zu tragenden Kosten aus den in der Rheinprovinz aufkommenden Beitragsmittsln zu decken. Im Juni betrugen die Gesamttosten 8,7 Millionen Mark, die Beitrags- einnahmen 9,67 Millionen Mark. Im Rechnungsjahr 1928 beliefen sich die Beitragseinnahmen im Monatsdurchschnitt auf 8,7 Millionen Mark. * Es muß allerdings bemerkt werden, daß in» Bereich des Londesorbeitsamt» Rheinland die Wirtschaftslage etwas günstiger ist als im Reichsdurchschnitt. Immerhin ist auch hier die Ein- schränkuirg bemerkenswert, daß die Verminderung der Zahl der Unterstützten nicht gleichbedeutend ist mst einer Berminderung der Zahl der A r b e i t» l o s e n. Es kommt eben nicht darauf an. das sinanzlelle Gleichgewicht der Reichsanstalt, sondern das Gleich. gewicht der Wirtschaft herzustellen. NeSellierende Znnungskrauter. Gegen tariflichen Lehrlingsschuh. Im rheinisch-westfälischen Holzg«w«rbe ist im folge des Widerstandes der Tischlerinnungen ein Streik ausgebrochen. Bis zur Stunde sind rund 3999 Streikende gemeldet. Bis Ends der Woche dürfte sich die Zahl der Streitenden auf 6999 steigern. Wenn die Unternehmer in Anschluß an die Streikbrnegung zur Aussperrung schreiten, dann dürften ungefähr 9999 Ar- beiter davon betroffen werden. Bei dem Konflikt handelt es sich, wie überall im Reich, bei der Rebellion der Tischlerinnungen gegen den neuen Manteltorif für da, Holzgewerbe in erster Linie um die Bestimmungen über die Entschädigung und die Ferien für die Lehrling«. In Rheinland- Westfalen ist die Opposition gegen dl« tarifliche Regelung der Lehr- lingsbestimmungen besonders stark. Der Deutsche Holzarbeiter. verband steht jedoch dieser Opposition sehr kühl und gelassen gegen- über. Auch die Jnnungsrebellen im Westen werden sich bei ihrem Widerstand ebenso den Kopf einrennen, wie die Krauter in den übrigen Tarlfbezirken. In Sachsen hat die Tischlerlnnung den Mantelvertrog wohl oder übel anerkennen müssen, nachdem der Schlichtungsausschuß gegen sie entschieden hatte. In B a y e r n haben sich die Gewerk- schaften über den Kopf der widerstrebenden Landeeorganisationen der Innungsleute mit dem größten Teil der Meister verständigt. In Württemberg ist der Streit noch nicht entschieden: auch hier werden die Schlichtungsinstanzen angerufen werden müssen. In Nordwest-Deutschland ist von den Bereinigttn Tischler- innungen di» Aussperrung beschlossen worden; in Bremen hat jedoch die Innung den vertrag anerkannt. In allen genannten Gebiete» handelt e» sich um Differenzen mst Kleinunternehmungen. Zahlenmäßig fallen für den Deut. schen Holzarbeitervevband die durch di« Konflikt« entstehenden Unter- stützungszahlungen nicht ins Gewicht. Di« Innungsrebeyen werden, ab sie wollen oder nicht, sich mit den durch den Manteltarif gc- schaffenen Verbesserungen für die Lehrlinge abfinden müssen: denn über die Rochtsgültigkeit der Lehrlingsbestimmungon des Mantel- Vertrages kann kein Zweifel bestehen. Di« tariflich« Regelung der LehrlingsentfchSdigung Ist durch das Reichsarbeitsgericht längst als zulässig erNärt worden. Das Lehrverhältnis ist, was allmählich auch die Tischlerinnungen begreisen müssen, nicht nur ein Er- Ziehung?-, sondern auch«in Arbeitsverhältnis. Auch im Holz, gewerb« werden die Innungskrauter den sozialen Fortschritt nicht aufhalten. Tkeites englisches Bergbaugefeh. Vom Handelsminister angekündigt. London, Z3. Juli. Der Präsident des Handelsamts, Graham, teilte heut« im Unter- aus mit, daß die Regierung demnächst einen Gesetzentwurf über di« Regelung der Arbeitszest und anderer Fragen des englischen Kohlen- bergbaues vorlegen werde. Die Regierung werde inzwischen hin, sichtlich der Bestimmungen des geplanten Gesetzentwurfs in stäo- diger Fühlung mit dem Bsrgarbeiterverband bleiben. Den Zechen« besttzern sei bei ihrer gestrigen Besprechung mit dem Premierminister und anderen Mitgliedern des Kabinetts mitgeteilt worden, di« Regierung wünsche, daß sie regional« Organisationen für den Kohlen- einkauf einrichten und einen Plan für die Zusammenfassung der Tätigkest der regionalen Organisationen vorbereiten sollen. Graham erklärte, daß er keine weiteren Einzelheiten des geplanten, aber noch nicht fertiggestellten Gesetzentwurfs mitteilen könne. „Gewerkschastsstaiuten als Vorbilder." Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Die„Deutsch« Allgemeine Zeitung" veröffentlicht«inen ausführ- lichen Artikel, in dem sie gegen das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbestslosenoerstcherung mst Hilf« der Gewertschaflsstatuten Propaganda zu machen sucht. Einleiteist» versucht das Matt boshaft zu werden, indem es zu verstehen gtbt. daß die Arbeitsbedin- gungen der Angestellten der Gewerkschaften nicht immer aus der Höh« der Arbeitsbedingungen in den Privatbetrieben stünden. Es ist richtig, daß die Gewerkschaften mst den Geldern ihrer Mstglieder nicht so hausen können wie die Berwastungsräte der AUiengesellschasten, wenn sie die Gehälter der Direktoren und di- Tantiemen der.Aussichtsrät« festsetzen. Im übrigen aber würden die Arbeitskonflikt« sozusagen auf den Nullpunkt sinken, wenn die Privat- kapstalisten ihren Arbeitern und Angestellten di« Arbeitsbedingungen gewähren würden, die die Gewerkschaften ihren Angestellten zu- oilligen. Wem» die„DAZ." vorschlägt, di« Gewährung der Unterstützung in der Arbeitslosenversicherung noch denselben Grund- sätzen und Voraussetzungen zu regeln wie die Gewerkschaften ihren Mitgliedern gegenüber die Arbeitslosenunterstützung regest», so übersieht das Unternshmerblatt— ob mit Absicht oder aus Unkenntnis wissen wir picht—. daß di« Gewerkschaften nicht Bereinigungen für Arbeitslosenversicherung sind, sondern Berufsorganisa- Honen, deren Hauptzweck di« Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen»st. Da es den Gewerkschaften in dem Maße, in dem chr« Mit- gliederzahl und damst ihre Stoßkraft stieg, gelungen ist, erhebliche Beträge anzusammeln, und es sich herausgestellt hat. daß die Kämpfe zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen nur in Aus- nohmesällen die gesamt« Beitragsleistung der Mitglieder erfordern, hafrei» die Gewerkschasten außer der Unterstützung bei Streiks. Aussperrungen und M a ß r e g« l u n g e n für ihre Mitglieder noch andere Einrichtungen getroffen. Aus den Beiträgen, die di« „DAZ." im Verhältnis zur Arbeitslosenunterstützung stellt, werden außer den bereits envähnten Unterstützungen bei Arbeitskonflikten den Mitgliedern gratis die Zeitungen geliefert, B i l d u n g s- e i n r i ch t u n g e n für die Mitglieder unterhalten mst» die Kosten der Verwaltung und der gesamten Agitation bestritten. Damst nicht genug, sind die Gewerkschasten dazu übergegangen, auch im Falle der Erkrankung, des Ablebens und sogar der Invalidität chre Mitglieder regelmäßig zu unterstützens ganz abgesehen von den Unterstützungen, die gewährt werden in des an- deren Notfällen oder im Falle des Umzugs. Es ist also«in« zum mindesten sträfliche Dummheit des Unter- nehmerblattes. die Beitragshöhe und die Arbeitslosenunterstützung in den Gewerkschaften zu vergleichen mst der Beitragshöhe und dem Unterstützungsanspruch in der Arbeitslosenversicherung. Wir nehmen an, daß selbst die Leser der„DAZ.", die als Unternehmer mit den Gewerkschaften zu tun haben, über den selbst m den Hundstagen ungewöhnlichen Unsinn den Kopf geschüttelt haben. Dem» schließlich die„DAZ." triumphierend verkündet, daß auch die Geroerkschasten so etwas wie eine Bedürftigkeits- Prüfung Hütten und ausdrücklich in den Statuten betonen, daß die Mitglieder keinen Rechtsanspruch aus Unterstützung haben, so hätte ein beliebiges Mitglied einer beliebigen Gewerkschaft den klug tuenden Artikelschreiber aufklären können, daß die Gewerk- schaften deshalb diese Klausel in ihr« Statuten aufgenommen haben, um nicht dem Versicher ungsgesetz unterstellt zu werden. Im übrigen kennen wir keinen Fall, wo eine Gewerkschaft ihren Mitgliedern die Unterstützung verweigert hätte, aus die st« nach den Satzungen Anspruch haben. Wir verstehen, daß die„DAZ." im Sinne ihrer Geldgeber gegen die Arbeitslosenversicherung oder, was dasselbe ist, für die„Reform" der Arbeitslosenversicherung eintreten muß. Es ist aber ein sehr schlechtes Zeichen für die Feinde der Sozialpolitik, daß der Kampf mit so einfältigen und unzulänglichen Argumenten geführt wird. Schluß mit der Llueinigkeii! Appell der Baudelegierten an die Vouarbeiter Nachdem bereits die Generalversammlung der Vaugewerkschof: Berlin des Baugeiverksbundes an alle Berliner Bauarbeiter den Appell gerichtet hat, mit der organisatorischen Z« r- s p l i t t e r u n g endlich Schluß zu machen und sich dem Baugewerks- bund anzuschließen, wurde von den Baudelegierten in ihrer Zu- sammenkunft am Montag in den Residenzfestsälen der A u s r u s zurEinigung noch einmal unterstrichen. Der 2. Beoollmächtigle der Berliner Baugemerkschaft Bruno Krause zeigte den Bau delegierten an verschiedenen Beispielen aus der Praxis, daß nichi «ine dieser Splitterorganisationen seit ihrem Bestehen mehr slF die Bauorbeiterschaft erreicht Hot als der Baugewerksbund. Alb' diese Organisationen nehmen an den lohn- und torifpolitischen Er folgen des Baugewerksbundes teil, ohne zu diesen Erfolgen etwa» andere» als„revolutionäre" Phrasen beizutragen. Die Erfolge besriedlgen den Baugewerksbund keinesfalls: sie würden aber auch bestimmt anders aussehen, wenn dem geschlossenen Bounternehmer- tum«ine geschlossen« Organisation der Bau- o r b e i t e r gegenüber stehen würde. Ein Teil der im Industrieverband und in den Akkordvereinen organisierten Bauarbeiter hat die Zwecklosigkcit der Sonderbündelei bereits eingesehen und entsprechend dem Aufruf der Baugewerk- schoft Berlin den Uebertntt zum Baugewerksbund vollzogen. Kraus« richtete zum Schluß seiner Ausführungen an di« Baubelegierten die Aufforderung, jetzt ihr« ganze Kraft für die Einigung der Berliner Bauarbeiter einzusetzen. Nach einer längeren Debatte, ln der über dos osttnals unsolidarische Verholten der Akkordarbeiter lebhaft Klage geführt wurde, nahm die Versammlung»instimmig die im„Vorwärts" bereit» ver- öffentlichte Entschließung an, die von der letzten Generalversammlung zur Einlgungsfrag« gefaßt worden ist. Labourregierung und Baumwollindufirie. London, 23. Juli.(Eigenbericht.) Der Handelsminister teilte am Dienstag im Unterhaus mit. daß** die von der Regierung geplante Enquetekommtssion über den � Stand der britischen Baumwollindustrie aus zwei Mimstern, einem führenden Industriellen, einem Gnverkschaft» sührer und einem bautechnischen Sachverständigen bestehen werde Di» Kommission wird den Gesamtzustand der BaumwoMndustne und di« Mittel und Weg« zu ihrer Wiederbelebung zu untersuchen haben._ Lohnerhöhung im belgischen Bergbau. vrilsiel. 23. Juli.(Eigenbericht.) Die paritätische Kohlenkommission hat am Dienstag nachmitta? beschlossen, den Bergarbeitern eine ö-prozentiq« Lohnerhöhung über den tarifmäßigen Lohn hinaus zu gewahren. Die Lohnerhöhung tritt mit dem 1. August in Kraft. SPD.-Nrbeit« uns.Sogest llte tu» Betirleamt» Paula»! ffreitaa, M SS Uhr. Im..Tttrlifchen Zelrt, Pankgw, Prclt« Str. 14, wichtig«»er- k lammiung allir Partaig-oossr» sowi« mit im» SgmpathisiireiU»»«.§ Tagcaordniuig: 1. Bortrag des Land tageabgeardnrtrir strich ktuttncr fc ilb-r«tirtn Sad« deutsch« Stltchtoerfoffung*. Auosorach«. 3. Vichttal Petrirdaaogeleglnhriteil. godlr-ichrn Besuch erwartet De» Barftaob. »Freie Gewerkschasts-IugenS-a-» Sportplab Hmnboldthaip.— Franlsurter SU-- und Landsberger Plagt Sport. via» griedrichshain.— Lichtenbarg und Sru-LIchteubarg! Dies«» im Trep, tower Part. fäk Luaendarupv« des Zentralverbondes Ser BnaesteUtcp »-stl Saut«. Mittwoch, sind folgend« Beranstaltuirgen: Grsvnbtrunaeo: Zugendheim Schbnftedtstr. I sLcdixenhe'm». Lortrag!„Loben un- Wirken von Karl Marx", isteferent: Dr. Mar Schütte. Wir bekomme» B-, such au» de» Gruppe Tegel-Reinickenhorf.— Osten! Spielen auf dem Sport. plag im ffriedrichohain.— Stralau! Zuganddeim der Schule Eohlerftr. 6! Spielabend.— Stardoftau sfrühcr ZIarden): Zugenddeim Danzig-r Str. g.- sssarnch« 8*|. Boetrag:„Wandern und Sckxtue»". Referent! Werner Decker.„. ttailliH»! Jugendheim Diihmifche Str.»— 4. Spiel, und Licderaoend.— ELdost Zugendheim Wrangelstr. 12S. Lichtbildervortrag:„Das rate Wik»-* und„Dai Berchtesgadener Land-*. Rokerent: S-org H-ilbrunn.— Sxarda»! Zugend heim Lindenufer 1. Liederabend ibri gutem Wetter im Freien», r->7atad«p>. Rowawos: Badeaband. Verantwortlich wr Palltlk: Dr.«ort»eper: Wirtschaft:®. stlingelhkscr Gaw-rkschaitab-w-gung: 3. Steiner: fituiBcion: Jt S. Däschar: Lotaiee und Sonstige»! itrig Narstädt: Aneeioen: Ib. Glocke: sämtlich in Berlin. Paria«: Borwärto-Varla«®. m, b. S. Berlin. Druck: Porwärta-Buchdruckerei unb Berlagaanftalt Vau! Singer u. Co., Berlin SA 68 Li»d:nstrah« 8 Lierzn l Vellage unb.Unterhaltung und Wilsen-- k-S!» Serband der Gemeinde- und Aeatsarbeilel Filiale Berlin Freitag, den 2S."Juli 1929. 18 Uhr. im Saal 4 des Gewerk- schaftshaufe«, Engelufer 24-25: Ssnsi'shrsi'sünnmluns Tagesordnung! I Bericht vom 2 Quartal 192S:-) Geschäftsberich», K) Kassenbericht. e) Bericht der Revisoren. 2. Berbandsangelegenheiten. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches und der Delegiertenkarte. Pünktliches und bestimmtesErscheinen wird erwartet. Die Orlsverwallung.