B170 46.Iahrgang. BERLIN Mittwoch 24. M 1929 erscheiat tä,lich a«ter S»n»tag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. 3,60931, pro Monat. Redaktion und Expedition-, Berlin SW6S.!indeußr.3 SftaiauLgaße xlei l nzetgenoretsiDle einspaltige Nonpareillezeil, 30 Pf., Reklamezeile ü M. Ermäßigungen nach Tarif. oftscheckkonto: Vorwürts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 87636. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Katastrophe in Borsigwalde. Sauerstoffwerke in die Lust gestogen.- Tote und Verletzte. Bon einer furchtbaren Explosionskatastrophc wurden heute mittag die Bereinigten Sauerstoff» Werke in Berlin-Borfigwalde heimgesucht. Aus noch unbekannter Ursache flog gegen Uhr ein großer S a u e r st o f f b e h ä l t e r beim Umfüllen in d i e L u f t. Eine über 100 Meter lange Stichflamme schoß hervor. Der ganze umfangreiche Gebäude- komplex war im Augenblick in ein Rauch- und Flam- menmeer gehüllt. Nur Sekunden später erfolgten mehrere weitere Explosionen, die von Deto» natione« begleitet waren, die bis ins Stadtinnere deutlich vernehmbar waren. Feuerwehr und Städti- sches Rcttungsamt eilten auf den Alarm mit allen verfügbaren Wagen an die Unglücksstätte. Aus dem Fcuermcer schössen unaufhörlich explodierende Sauerstofflaschen in die Höhe. Schwere Mctalltcilc wurden Hunderte von Meter weit geschleudert. Der Bewohner der um- liegenden Wohngebäudc und der Belegschaften der benachbarten Fabrikbetriebc bemächtigte fich eine furchtbare Panik. Alles eilte entsetzt ins Freie. Durch die gewaltigem Explosionen erbebte der Erd- bodcn, man glaubte zunächst an eine Explosion der Tegeler Gasanstalt ähnlich wie in der Sellcrstraßc. * Die Jeuerwehrmannschaflen konnten zuerst nicht an den Erplosionsherd herangelangen, der Aeuerwehrleitende konnte die Beamten nicht in Gefahr bringen. So war es den Rettungsmannschaften zunächst nicht möglich, gegen den Explosionsherd vorzudringen. Man befürchtet, daß sich unter den Trümmern des Merkes viele Tote und Derlehle befinden. Genauere Feststellungen sind bis zum Schluß des Blattes nicht möglich gewesen. Von den Vorsig-Derken aus war über dem Explosions- Herd eine mächtige Rauchwolke zu beobachten, die das ganze Gelände einhüllte. Bei den telephonischen Uebermittlungen unseres Bericht- erstatters waren die Detonationen im Hörer deut- lich vernehmbar.__ Rätsel um einen Leichensund. Ein unbekleideter Mann auf der Zossener Strecke überfahren Ein geheimnisvoller Leicheufund auf der Z o ff e n e r Strecke, der vielleicht auf ein verbrechen schließen lößl, be. schäftigt zurzeit die Berliner Kriminalpolizei. Auf dem Bahnkörper zwischen den Stationen Marienfelde und Lichtenrade, etwa bj} Meter von der Ueberfiihning der Buckower Chaussee entfernt, machte ein Streckenkontrolleur in der ver° gangenen Nacht kurz nach 2i Uhr einen grauenhaften Fund. Aus den Schienen lag die schwer verstümmelte Leiche eines etwa 30- bis 40jährigea vlanncs. Die Hände und Beine waren dem Un< bekannten abgefahren. Seltsamerweise war der Tote völlig un- bekleidet. Bon der Bahnpolizei wurde die Kriminalpolizei ver- ständigt, die den Befund aufnahm. Es ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß ein Verbrechen vorliegt. Bielleicht ist der Unbekannte an andere? Stelle getötet worden und im Dunkel der Nacht— um �cinen Selbstmord vorzutäuschen— von den Tötern auf die Schienen geworfen worden. Ein Selbstmord ist jedoch eben- falls nicht ausgeschlossen. Die Fundstelle wurde in weitem lim- kreise abgesucht, bisher ist es aber noch nicht gelungen, die Kleider des Toten zu finden- Es war noch nicht möglich, die Persönlichkeit des Mannes, der offenbar dem Mittelstande angehört, festzustellen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach der Mariendorser Halle gebrocht. Von der Reichsbahndirektion ist sofort die Staatsanwaltschaft von dein mysteriösen Lorsall in Kenntnis gesetzt worden. Studenientag. „Feste druff, Leibfuchs! Denk, es war der Ltnterrichtsminister!" Großkampf in der Textilindustrie. Die englischen Industriellen bestehen aus Lohnabbau. London, 24. Juli. Die Ausgleichsverhondlungen in der englischen Baumwollinduslrie sind noch immer ohne jedes Ergebnis ge- blieben. Die Vereinigung der Spinnereibesiher kündigte am heutigen Dienstag an. daß SS Proz. ihrer viitglieder entschlossen seien, am kommenden Montag die Lohnverminderung von 1234 Proz. eintreten zu lassen. Die Arbeilerverbände nehmen weiterhin eine Haltung ein, eher in den Streik zu gehen, als die Lohnverminderung anzunehmen. Unabhängig davon sind inzwischen Bestrebimgen aus wirl- schaflliche Rationalisierung im Gange. Eine Anzahl führender Vertreter der Baumwollindustrie von Lancoshire beschloß, sich für die Einrichtung eines neuen Bleich, und Färbungsvcrfahrens zusammenzuschließen, und für diesen Zweck fünf Millionen Pfund Sterling auszubringen. Die Bemühungen der englischen Arbeitcrrcgierung, die zunächst einen Untersuchungsausschuß einzusetzen beschloß, um die Lage der englischen Baumwollindustrie zu prüfen, scheinen somit an der Hartnäckigkeit der Unternehmer gescheitert zu sein. Die Unternehmer bestehen auf den Abbau der Löhne, ohne dafür den öffentlichen Nachweis erbringen zu können, daß dieser Abbau wirtschaftlich notwendig ist. Es ist in den letzten Jahren wiederholt vorgekommen, daß die englischen Textilindustriellen mit der Aussperrung von Hunderttausenden von Textilarbeitern gedroht haben, ohne ihre Drohung im letzte»'Augenblick wahrzumachen. Es scheint diesmal, als ob die Unternehmer, gerade weil eine Arbeiterregierung besteht, hartnäckiger sind als srüher. Das Befinden Hermann Müllers. Fortschreitende Besserung. Heldelberg. 24. Juli, 10.30 Uhr vorm. Die den Reichskanzler behandelnden Aerzte geben folgendes Kommuniquö bekannt: Nach der heutigen Untersuchung des Herrn Reichs- kanzlers kann von dem Anhalten der fort- schreitenden Besserung gesprochen werden. Der Kranke nimmt bereits leichte Nahrung zu fich. gez. Geheimrat Enderlen, gez. Geheimrat v. K r e h l. Der Schlaf des Patienten war in der letzten Nacht durch ein heftiges Gewitter gestört; trotzdem fühlte sich der Kranke am Morgen frisch. Die Aerzte sind mit seinem Befinden zufrieden. Die Temperatur ist zurückgegangen und beträgt 37 Grad. Wenn auch die Krise noch nicht überwunden sei. so sei doch die Hoffnung be- rechtigt, daß bei der sonst gesunden Konstitution des Kanzlers ein guter Heilungsverlauf zu erwarten sei. Nur die außerordentliche Hitze bereite einige Schwierigkeiten. Die behandelnden Aerzte unterlassen nichts, um dem Reichskanzler alle möglichen Erleich- terungcn zuteil werden zu lassen. So habe man oersucht, mit Eis- blocken die Temperatur im Krankenzimmer herabzudrücken. Auch die Nahrungsaufnahme des Patienten sei zufriedenstellend. Der französische Außenminister Briand hat an Reichskanzler Müller ein Telegramm gerichtet, in dem«r die besten Wünsche zur baltigen Genejung zum Ausdruck bringt. Zahlt Steuern oder rüstet ab! Hoover macht auf die Heereskosten aufmerksam.— Gparkommifsion einberufen. Moorbrand bei Oldenburg. Gestern nachmittag geriet das Zpweger Moor, nördlich von Oldenburg, in Brand. Infolge des heftigen Westwindes verbreitete sich das Feuer mit großer Schnelligkeit und hatte gegen S Uhr nachmittags die grohe Torfslreufabrik Struck- hausen erreicht. Die Fabrik wurde mit sämtlichen Maschinen und sämtlichen Torsbeständen ein Raub der Flammen. Im lehlea Augenblick gelang es noch, einige mit geretteten Möbeln beladene Eisenbahnwagen aus der Gefahrenzone zu entfernen. Inzwischen war das Feuer auf einer Breite von 300 bis 500 Meter vier Kilometer vorgerückt und hatte den Eisenbahndamm Oldenburg— Brake erreicht. Sämtliche Feuerwehren der Umgebung waren bereits nachmittags alarmiert, konnten aber wenig ausrichten, da fast kein Wasser vorhanden war und das Feuer in dem trockenen Tors immer neue Nahrung fand. Nachmittag» 5 Uhr wurden alle Reserven der Oldenburger Ordnungspolizei eingesetzt und abends 8 Uhr zwei Kompagnien der Reichswehr. Erst nachdem Gröben aufgeworfen worden waren, gewann man Gewalt über das Feuer. Außer der Torsstreufabrik sind acht Arbeiterhäuser niedergebrannt. 70 bis 80 Leute sind obdachlos geworden; sie haben die Nacht zum Teil im Freien zugebracht. Das Feuer hielt am späten Abend noch an. Es war viele Kilometer weit zu sehen. Mehrere Stunden war der Bahndamm Oldenburg— Brake von beiden Seiten vom Feuer umgeben, so daß der Nachmitlagszug Brake— Oldenburg umgeleitet werden lyußte. Der angerichtete Schoden ist vorläufig noch nicht zu übersehen. Wasserversorgung wieder ungestört. Die Trübungen im Bezirk Kreuzberg beseitigt. Der durch die Hitze außerordentlich gesteigerte Wasserverbrauch Berlins hat in den letzten Tagen in einzelnen Stadtteilen, ins- besondere in höher gelegenen Straßenzügcn in der Umgegend des Kreuzberges, Druckstörungen hervorgerufen, so daß in den oberen Stockwerken der Häuser das Wasser nur sehr schwach aus den Leitungen fließt. Die Städtischen Wasserwerke haben daraufhin die Reservemaschinen und die Tiesbrunnen der Werke Wuhlheide und Kaulsdorj in Betrieb genommen, um den Druck wieder auf die normale Höhe zu bekommen. Durch diese Um- stellungen macht« sich dann wieder, wie bereits in früheren Jahren während des sommerlichen Spitzenkonsums, eine zum Teil recht 'starke Trübung des Trinkwassers bemerkbar, das durch die in den Rohrleitungen befindlichen schwärzlichen Eisenamalgan- Niederschläge verursacht wurde. Durch die Aenderung der Druck- richtung wurden diese Niederschläge bis in di« Rohrleitungen der Hausanschlüss« hinaufgewirbelt. Die Direktion der Städtischen Wasserwerke veranlaßte sofort auf die zahlreichen Klagen der be- troffenen Verbraucher starke Durchspülungen des Rohr- s y st e m s, die nach Auskunft der zuständigen Stelle am heutigen Vormittag beendet worden sind, so daß die Trübungen des Leitungswassers zum größten Teil beseitigt sein dürsten. Die Städtischen Wasserwerke erklären-weiterhin«in« Kapazität von 300 000 Hektoliter zu besitzen, so daß keinerlei Befürchtungen für die Leistungsfähigkeit und die Sicherstellung der Berliner Wasseroer, sorgung vorhanden seien. Der Wasserverbrauch Berlins betrug am gestrigen Dienstag 800 000 Hektoliter, also noch rund 100 800 Hektoliter unter der Höchstkapazität. Am Montag wurden in Berlin 806 000 Hektoliter verbraucht, während der Konsum am Sonnabend und Sonntag mit Rücksicht auf das Wochenende geringer war und sich auf 740 000 Hektoliter bzw. 523 500 Hektoliter bezifferte. Die Wasserwerke wollen durch weitere Neuanlagen und Verstärkung der vorhandenen Pumpstationen und Tiefbrunnen die Leistungs- fähigkeit auf eine Million Hektoliter Tagesverbrauch steigern, und zwar soll diese Zahl noch in diesem Sommer erreicht werden. In Schöneberg und Charlottenburg, wy im vorigen Sommer sich infolge der Uebernahme des Versorgungsgebiets auf di« Städti- schen Werke— sie wurden vorher von den Charlottenburger Wasser- werken versorgt— Schwierigkeiten bemerkbar gemacht hotten, ssnd in diesem Sommer keinerlei Störungen zü verzeichnen. Wieder fünf Menschen ertrunken. Die täglichen Badeunfälle. Gestern nachmittag fanden, wie wir berichteten, allein vier Personen beim Baden den Tod durch Ertrinken. Im Lause des Abends forderte das Wasser vier weitere und heute vormittag abermals ein Todesopfer. Im Freibad Iörs selbe ertrank der 26jährige Kraftwagen- sührer Albert L ü ck aus der W rieben er Straße 30. Seine Leiche tonnte geborgen werden.— Heute früh ereignete sich bei Iörsfelde wieder ein Badeunfall. Ein Mann, der mit seinen An- gehörigen einen Ausflug an die Havel unternommen hatte, ging beim Schwimmen plötzlich unter. Mitbadende brachten den Er- trunkenen schon nach wenigen Minuten an Land. Ein hinzugerufener Arzt stellte den Tod infolge Herzschlages fest.— Im Flußbad Klingenberg ertrank der Straßenreiniger Otto Goh aus der Prinz-Albert-Strah« 4. Um 20 Uhr ertrank am Westufer des Stößensees der 25jährige Mechaniker Erwin B ä h r aus der Erasmusstr. 1 zu Charlottenburg. Die Leiche konnte »och nicht geborgen werden.— Vor den Augen seines Freundes, eines Bäckergesellen St., ist am Dienstag abend bei Schmetterlingshorst der 29 Jahre alte Arbeiter Valentin Kubitza in der Dahme ertrunken. Di« jungen Leute waren zusammen zum Baden hinausgefahren. St. konnte dem Ver- sinkenden nicht mehr helfen. Kubitzas Leiche ist noch nicht geborgen; er wohnte in Berlin in einem Heim in der M ü h l e n st r a ß e. Zwei Bergleuie toi. Bei einem Waffereinbruch umgekommen! Hamborn, 24. Zuli. Auf Schacht IV/8 der Vergbaugruppe Hamborn der ver- eiaiglenSlahlwerke ereignete sich in der vergangenen Nacht einschwererGrubenunfall. Aus der fünften Sohle wurden zwei Bergarbeiter während ihrer Arbeil von einem Wassereinbruch überrascht, der so stark war, daß fich die beiden Leute nicht mehr in Sicherheit bringen konnten. Sie wurden von milstürzenden Gesteinsmossen getötet. Beide Verunglückte waren verheiratet. Der Wassereinbruch blieb örtlich begrenzt, so daß die Verunglückten bald ge- borgen werden konnten. Der Betrieb ist nicht gestört. Die Bergbaubshörd« hat eine Untersuchung eingeleitet. Sinoausnahmen nicht gestattet. Der Gouverneur der Vatikan- kiodt gibt bekannt, daß aus Wunsch des Papstes Kinoaufnabmen der großen eucharistifchen Prozession am 25. Juli auf dem Gebiet der mikanstadt und des Petersplatzes oerboten sind. An, 25. Juli erden in Rom alle Kirchenglocken von 19 bis 19.30 Uhr läuten. Washington. 24. Zuli.(Eigenbericht.) Staatspräsident hoover kündigt eine starke herabsehung der ainerikanischen Militärausgaben an. Er erklärte, daß das amerika- nische Militärbudget für t929 mit 74t Millionen Dollar dos höchste der Welt sei und daß dieses Budget bis 1933 aus 803 Millionen Dollar ansteigen würde. Ein derartiges Budget sei in Anbetracht der augenblicklichen Weltlage völlig unmöglich Es ist deshalb beabsichtigt, eine Kommission mit der Reduktion der Mililär- ausgaben zu beaustragen.- Auf eine Anfrage erklärte Präsident Hoover, eine Steuer- Herabsetzung komme zurzeit kaum in Frage, solang« die not- wendigen Ausgaben der Bundesregierung auf ihrer gegenwärtigen Höhe bleiben. Das amerikanische Volk müsse sich darüber klar sein, daß das Budget der Armee und der Marine den größten Teil desRHaushaltes ausmache. Seine Hoffnung gründe sich auf den Kellogg-Pakt. Sollte durch sein Inkrafttreten eine Einigung zwischen den Regierungen über eine Rüstungsminderung erzielt werden, so wäre es möglich, das Marinebudget stark ein- zufchränken. Bis dahin müsse man auf eine angemessen« Landesverteidigung bedacht sein. Washington, 24. Juli. Präsident Hoover kündigt an, daß di« amerikanische Garnison in Nicaragua demnächst durch die Zurückziehung von 1200 Marine- soldaten vermindert werden wird. Bis zur völligen Wieder- Herstellung der Ordnung in Nicaragua wird dort eine amerikanische Garnison von 2000 Mnrinesoldaten verbleiben. Japan laßt keine Truppen durch. Südmandschurei als Puffer zwischen China und Rußland- London, 24. Iuli.(Eigenbericht.) Der Kommandant der japanischen Truppen in der Mandschurei hat die Verwaltung der südmandschurlschen Eisenbahn be- oufiragl. den Transport chinesischer Truppen und Munition unter ollen Umständen zu verweigern. Bewaffneten Chinesen soll nur mit Erlaubnis der lokalen japanischen Kommandeure der Durch- zug durch das Gebiet der Eisenbahnzone gestattet werden. Die Sowjetkonsuln freigelassen. Peking, 24. Iuli. Nach einer amtlichen Mitteilung des chinesischen Außenministe- riums ist der Streit zwischen den sowjetrussischen Generalkonsuln in Peking und Tientsin mit den dortigen chinesischen Behörden bei» gelegt. Beide Generalkonsuln sind durch Japan nach Rußland abgereist. Die Fälscher schreien und verleumden aufs neue. Daß wir die schamlos verlogene Treuelpro» p a g a n d a der Sowjetpresse in Deutschland durch Nachweis einer besonders krassen Fälschung von Schreckens- bildern vor der breiten Oeffentlichkeit aufgedeckt haben, ver- anlaßt die Söldlinge der Sowjetregierung zu hysterischen Wutausbrüchen. Die gewissenlosen Burschen, die sich als Wortführer deutscher kommunistischer Arbeiter ausgeben, gestehen kläglich ihre Fälschung ein, um im gleichen Augenblick einen Kübel neuer Beschimpfungen und Verleumdungen über die Sozialdemokratie und den„Vorwärts" zu entleeren. Bei diesem Handwerk sollen sie jedoch nicht ungestört bleiben. Wie macht die KPO. Weltgeschichte? Wir folgen den eigenen Angaben der„Roten Fahne", die sie über" den Ursprung des Greuelbildes zu ihrer Entschuldigung vorbringt. Das Geständnis sieht so aus: Dieses Bikd, mit der Angabe, es handle sich um Hinrichtungen unter Tschiangkaischek, wurde dem Bilddienst der kominunistischen r-"................."'") Qu-ille-aume, der Jldmiral der llatihhig-SloHe. Dies Bild, wie die Räubergeschichte aus dem Josef-Kürschner- Buch von 1901 entnommen, wird demnächst in der„Roten Fahne" als Beispiel für den Heldenkampf der 1- 1 und für die Leichtgläubigkeit kommunistischer Leser erscheinen, Presse zur Verfügung gestellt, der es u. a. an die„Rote Fahne" weiterleitete. Es konnte nicht den mindesten Grund geben, an der Echtheit des Bildes und seiner Unterschrist zu zweifeln... Die Ergebnisse unserer sofort eingeleiteten Unter- suchung habe bereits zu der Feststellung geführt, daß der Betrug an dem Bilderdienst und mit ihm an der„Roten Fahne" durch einen bürgerlichen Agenten der A t l a n t i c- F o t o- A g e n- tur begangen wurde. Dieser hat, als der verantwortliche Redakteur des Bilderdienstes nachdrücklich fragte, ob es sich um eine neue oder ein« ältere Ausnahme handele, immer wieder betont, dos Bild stamme aus der a l l e r l e tz t e n Zeit. Also: Ein„bürgerlicher Agent" liefert dem kom- m u n i st i s ch e n Bilderdienst eine Photographie und ver- sichert ihre Neuheit. Das allein genügt den Stalinisten, um diesem Bild die niederträchtig verlogene Unter- schrift zu geben: To wütet Tschiangkaischek, der Alliierte des „Vorwärts", gegen die revolutionären Arbetter und Bauern Chinas. Tatsächlich ist die Photographie, wie für jeden Kenner ersichtlich, dem Archiv der Bilder-Agentur entnommen und zur Kriegsgreuelpropaganda gegen die deutsche Sozialdemokratie von den Sowjetskriben- ten zurechtgefälscht worden. Davon wäscht kein Regen etwas ab! „Die Ausrede der„Roten Fahne", sie sei einer Mystifika» tion" zum Opfer gefallen, am Ende sogar einer„r e f o r- mistischenProvokation" aufgesessen, sind so l ä ch e r- l i ch. daß sie selbst dem moskaugläubiqsten Publikum nicht imponieren werden. Wenn die„Rote Fahne" Bilder fälscht — dann steckt natürlich die dreimal verfluchte reformistische Sozialdemokratie selbst dahinter!* Aber wenn die„Rote Fahne" eine Fälschung zugesteht. so müßte sie über Nacht ihr Wesen und ihren Charakter ver- ändert haben, falls sie dies in einer offenen und anständigen Form täte. Kann man schon bei so gründlicher Ueberführung nicht leugnen, so muß das Geständnis so dick wie irgend möglich in neue Lügen und Verleumdungen eingewickelt werden— für die ganz Dummen. Wer das Geständnis in der„Roten Fahne" sucht, der findet es nicht etwa unter der Ueberfchrift„Ein gefälschtes Bild" oder„Wir haben unsere Leser beschwindelt"— sondern unter dem dreispaltigen Balken: „Wer bezahlt den„Vorwärts?" Ja, dies ist die Logik des Bolschewistenblattes: Die„Rote Fahne" hat gefälscht, der„Vorwärts" hat die Fälschung ans Licht gebracht-t- also ist der„Vor- wärts" von den Imperialisten bestochen. Wir zitieren wörtlich aus der„Rioten Fahne": Die Frage wirft sich unwillkürlich auf, in wessen Auftrag er es tut, und damit die entscheidende schwerwiegende weitere Frage: Ist es überhaupt denkbar, daß solche Liebesdienst« für die imperialistischen Mächte aus freien Stücken, aus bloßem Haß gegen di« revolutionäre Bewegung geleistet werden? Steckt hier nicht mehr dahinter? Nicht die direkten gekauften Liebesdienste einer feilen Zouroaille, der aus den Geheimfonds der Imperialistischen Mächte Subventionen zugeflossen find? Dagegen läßt sich nichts machen. Es ist nun mal eins alte psychologische Erfahrung, daß jeder Stpolch die U n- an ständigkeit der eigenen Gesinnung auch bei allen seinen Mitmenschen vermutet. Ein gewerbsmäßiger Betrüger hält auch seine sämtlichen Mitmenschen für Betrüger, ein käufliches Subjekt hält seine Umwelt für käuflich. Es entspricht nur dieser Erfahrungs- tatsache, wenn die Redakteure der„Roten Fahne" Käuflichkest der Gesinnung bei anderen vermuten! Ein altes Sprich- wort sagt schon: Man sucht niemand hinter dem Ofen, wenn man nicht selbst dahinter gesessen hat. Der Ofen der Geheimfonds und Subventionen, hinter dem die Redaktion der„Roten Fahne" sitzt, ist weltbekannt. Wenn die MoskauerStipendiaten von„feiler Journaille" reden, so kennen sie ihren eigenen Namen und ihr eigenes Handwerk sehr genau! Sie läßt mit fich handeln. Von ihrer Schwindelmeldung, daß der Dampser„Falk«", der „weit über 9000 Tonnen" fassen soll, mit einer ungeheuren Waffen- ladung den Hafen Edingen mit dem Ziel Schanghai verlassen habe, geht die„Rote Fahne" schon um 55 Prozent herunter, indem sie jetzt erklärt, daß der Dampser nicht 9000, sondern 4000 Tonnen fasse. Wenn man ihr genügend Zeit läßt, so wird sie sckjon auf den wahren Tonnengehalt von 997 Tonnen herunterkommen, wie auch auf die weitere Tatsache, daß der Dampfer nicht von Gdingen nach Schanghai, sondern von Hamburg nach London unterwegs ist. Airrfässer statt Goldautos! Inzwischen ist dt« ,Mot« Fahne" aber schon aus«in neue, Stück Kriegspsychose versallen: sie fordert die Arbeiter auf, all« Bierfässer zu kontrolsierer», da in ihnen möglicherweis« Waffen nach China geschmuggelt würden. So sieht die Ueberschriftz. zeile einer Beilagenseite aus: PaOt auf! Selbst In Biertässern sdimuflgelt man Wattenl Nummer 133 �Vellage Die Rotr Fahne Mittwoch, 14. Juli in, Also draus, auf alle Bierfässer! Da, ist jetzt bei der Hitze sehr zu empfehlen und eröffnet weit angenehmere Perspektiven für die Kriegspsychosegläubigen— als die Jagd aufbie Goldautos Anfang August 19141 Der Friedensschluß in Mexiko. Religionsunterricht in den Schulen bleibt verboten. Der Präsident der Dereinigten Staaten von Mexiko erklärt zu der Sikilegung des Kirchenstreites: .Lch habe mit Erzbischof Ruiz y Flores Unterhandlungen g«- pflogen. Diese Unterhandlungen ersolgten auf die von Er.zbischos Ruiz y Flores am 2. Mai gemachten Erklärungen und die von mir am 8. Mai gegebene Antwort. Erzbischos Ruiz y Flores und Bischof Pascual Diaz berichteten mir, daß die mexikanische katholische Geist- lichkeit glaubt, die Verfassung und vornehmlich die Gesetz«, die ein« R e g i st r i e r u n g der Geistlichen und die chöchstzahl der amtieren- den Priester vorsehen, untergraben die Identität der Kirche und geben dem Staat die Kontrolle über die Kirche. Die Bischöse gaben mir die Versicherung, dah die mexikanische Geistlichkeit von ausrichtigem Patriotismus beseelt, von dem Wunsche erfüllt sei, die Scels-orge wiederaufzunehmen, wenn dies unter gleichzeitiger B«achtung der mexikanischen Gesetze und gewissenhafter Ausführung ihrer Pflichten möglich ist. Sie erklärten, daß dies ge- schehen könne, wenn der Kirche gestattet sei, innerhalb der Gesetz« zu leben und den geistlichen Beruf auszuüben. Ich benutz« die Gelegenheit, öffentlich zu erklären, daß weder die Verfassung, noch die Gesetze, noch die Regierung der Republik beabsichtigen, die Identität der katholischen oder irgendeiner anderen Kirchs zu zerstören oder sich in ihr« Amtshandlungen einzu. mischen. Bezugnehmend auf einige Tesetzesparagrophen, die seinerzeit mißverstanden worden sind, erkläre ich: l. Daß das Gesetz, das die Registrierung der Geistlichen vorschreibt, nicht besagt, daß die Regierung die Registrierung derjenigen Geistlichen verlangt, die nicht von der obersten Kirchenbehörde der betreffenden Religion er- nannt sind. L. Was den Religionsunterricht aubetrisst, so verbietet das Gesetz diesen in den Volk»-, höheren und Privatschulen, ver. bietet aber den Geistlichen nicht. Religionsunterricht in der Kirche zu erteilen. 3. Sowohl die Verfassung als auch die Gesetz« des Landes geben allen Bewohnern der Republik das Recht, ihr« Wünsche geltend zu machen, und somit steht auch den Mit- gliedern irgendeiner Religion das Recht zu, bei der Behörde Vor- schlage für Gesetzesänderungcn oder Erweiterung einzur«ichen. �Gächfische Arbeiierwehr." Eine Anfrage im Landtag.' Dresden, 24. Juli.(Eigenbericht.) In Leipzig ist kürzlich eine„sächsische Arbeiterwehr' gegründet worden, die nach einer Anfrage der deutschnationalen Fraktion des Sächsischen Landtags in Heidenau einen„Roten Tag' abhielt. Die Teilnehmer sollen trotz des Verbotes des.Moten Frontkämpferbundes', dessen Uniform oder Abzeichen ge» tragen haben. Ein Teilnehmer soll im Besitz eines geladenen Revolvers und eines Gurtes mit Patronen gewesen sein. Es wird gesragt, wie«ine derartige Veranstaltung und die im Ausammenhang hiermit zu verzeichnenden rüpelhosten Vorgänge der Veranstoltungsteilnehmer möglich gewesen seien, trotz des Der- botes._ „Spuren im Schnee." Eapitol. Die Gebirgslandschaft ist sür die Fitmmomifkriptschreiber außer- ordentlich gefährlich, denn auf diesem Terrain wird der Schritt vom Erhaben«» zum Lächerlichen gar zu leicht getan. Wurde doch sogar ein Qubitsch-Bergfilm durch ein ungeschicktes Manuskript zum Versager. Auch diesmal möchte man möglichst wuchtig wirken, was frellich nicht einen Augenblick gelingt. Wegen einer Liebesaffäre mit töd- lichem Ausgang wird ein junger Mann unschuldig ins Zuchthaus gesperrt. Nach fünf schweren Jahren entflieht er in die Berge, wo er eine in einsam«? Hütte hausende Studentin lieben lernt. Während er dort oben den Klauben an di« Menschheit zurückgewinnt, wird drunten im Tal, durch einen befreundeten Rechtsanwcrlt. seine bürger, liche Ehr« repariert, und echteste Kinodmmatik wartet mit einem zweifach guten Ende auf. Der Mann, der im Mittelpunkt all des Erlebens steht, hat In Peter Boß einen durchaus wahr wirkenden Vertreter. Hingegen sind die schauspielerischen Leistungen der übrigen Mitwirkenden nicht zufriedenstellend. Ilse S t o b ra w a, di« ein ganz guter Film- typ sein könnt«, wirkt hart, und Will Dohm ist ein alberner Mann, weil ihm der Sinn für Hmnor fehlt, um eine komisch« Figur zu schaffen. Der Regisseur Willy R e i b e r verlieh sich in allererster Lim« auf die Sklläufer. Sie machten ihre Sache wirklich gut. und die kühnen Sprünge, die saufenden Talfahrten und noch vieles andere bieten reez volle Bilder. Aber heut« wird die Skiläuferkunst für einen Spielfilm nicht inehr von entscheidender Badeutung, da sie schon von zu vielen Regisseuren als Lockmittel verwandt wurde. Der Photograsch Hot bei den Naturaufnahmen oft die eigene Stimmung der Landschaft erlauscht, aber auch sie kann dem Film nicht zum vollen Erfolg verhelfen. e. d. Moral. Wem» du ein Dreierbrötchen maust, Wenn du'ne alle Hose flaust, weil du doch hungrig bist und nackt— Erhoffe nicht»: du wirst verknockil Doch»venn du um Millionen gleich Betrogst das liebe deutsche Reich. Tritt vor die Schranken de» Gerichts Mit Alsberg hin und fürchte nichts! ver legt— natürlich gegen bar— Bezwingend deine Unschuld dar. ver Rebbach wird mit einem Mal Zum heil'gen Dienst am Kapital. Der Richter schwankt, der Schösse»vant«. Am Ende wlrd dir»»och gedankt. Man nennt dich einen Ehreninaan. Und du— glaubst schließlich selber dran. Berer Rießel. «Off« die Jote» ruhen, vusgrabungsarbesten. die auf Ber» anlassung d«r tschechoflowakifchen Regierung in den Grabgewölben der früheren Festung Naarden(etwa 20 Silometer von Amsterdam entfernt) unternommen wurden, haben zur Freilegung dreier Skelette geführt. Eine» davon reklamiert man für die Ueberrefte des be- rühnüen tschechisch«, Pädagogen Eomenius, der am 22. November 1K70 in Haarden begraben worden fein soll. .�ba«»»ckhoff ha» sich genötipt gei-hen, von der Leitung der.Tat' ,urua»ntretm. d, di, von ihm der Z-üschrisi gegeden, Haltung im Rahmen d* D.ederichichen Berlage nicht erselgreich zu verwiÄche» Jugenderziehung und Filmzensur. Von Paul Gutmann. Das Lichtspielgesetz enthält die Bestimmung, daß Filme, die geeignet sind die jugendliche Phantasie zu überreizen, für Jugendliche verboten werden können. Die Praxis der Filmprüfstellen geht dahin, auch solch« Film« zu verbieten, in denen eine naive Freude am Abenteuerhaften, Gefahrvollen und Phantastischen zum Ausdruck kommt. Nach Ansicht der Beteiligten, muß die Phantasie von Kindern und Halbwüchsigen vor jeder Erregung geschützt»verden. Es mag dahingestellt bleiben, ob diese Aengstlichkeit berechtigt ist oder nicht, «ine andere Frage ist di«, ob die Jugenderziehung im allgemeinen darauf bedacht ist, das Erregende und Grausame von der jugendlichen Seet« fernzuhalten oder ob sie nicht im Gegenteil allen Grundsätzen der Filmzensur ins Gesicht schlägt. Nehmen wir die Schule der besser gestellten Klassen, die noch immer als die Grundlage jeglicher höheren Bildung angesehen vnrd, dos Gymnasium oder die Realschule. Der Jugendliche erfährt, daß der Krieg der Vater aller Ding« sei, wie bekanntlich«in griechischer Philosoph gesagt hat. Di« Lektüre beschäftigt sich im Anschluß an diese Philosophie, soweit das Lateinische und Griechisch« in Frage kommt, denn auch fast ausschließlich inlt dem Krieg. Der Rückzug der sD 000 Griechen aus Persien, der Kampf Cäsar« mit den Galliern und Germanen, der an die w i l d« st e n Jndianergeschichten«r- innernde Streit um Troja wegen eines geraubten Weibsbildes werden mit unermüdlicher Zähigkeit der jugendlichen Phantasie einverleibt. Ein« der berühmtesten Stellen jener Lektüre ist di« blutrünstige Darstellung, wie der Leichnam eines erlegten Feindes von Pferden um die eroberte Stadt geschleift wird. Jungfrauen werden geraubt und als Beute verteilt. Jünglinge gemordet, Greise geblendet, Städte ver- brannt und geplündert; olle erdenklichen Greuel iverden an Hand der Gramatik nachdrücklichst dem Gedächtnis einverleibt, olles unter dem glorreichen Zeichen der Jugenderziehung. Mit dem Märchen begann es. Da braten Hexen unschuldige Kinder, da vergiftet die bös« Stiefmutter die gute Stieftochter, da gibt es jegliche Art von Mord, Dergewaltigung und Freiheitsberaubung, fast kein im Strafgesetzbuch enthaltenes Delikt ist ver- gessen. Was das Märchen etiva noch versäumt hat, das besorgt der Religionsunterricht. Ein grausamer Gott läßt ivegen des Vergehens einzelner beinahe die ganze Schöpfung ersaufen und beginnt noch eimnal damit von vorn. Kriege, Verrat, Notzucht, Mord füllen di- Seiten eines der umfangreichsten Werke der Menschheit, das man das Buch der Bücher genannt hat. Der ahnungslose Jugendliche, um im Sinne des Gesetzes zu sprechen, wird von Kindesbeinen an mit der- artigen Erzählungen aus der Frllhzeit der Menschheit gefüttert, oder, wie der Erzieher meint, damit erzogen. Der Geschichtsunterricht besorgt das übrige, indem er dartut, daß«s viele verschiedene Völker gegeben hat, deren Ausgab« es gewesen ist, sich von ehrgeizigen Fürsten sür unbekannte, aber als erhaben hingestellte Zwecke zur Schlachtbank führen zu lassen. Die Verherrlichung des Todes für andere kehrt im Volkslied und im Epos lvieder. Hagen erschlug den Siegfried, und dafür müssen Hunderttausend hingemetzelt werden. Kein schönerer Tod, als»ver vom Feind erschlagen. Kämpften nicht sogar noch die Geister der Erinvrdeten in der Luft iveiter, wie die Sage von der HunNenschlacht meldet? Ist es also in der Mehrzahl der Fälle nicht mehr als naiv, olles Unheil dem so rasch dohinfliminemden, kaum irgendwelche Spuren zurücklassenden Lichtspiel zuzuschreiben, im Jugendunterricht aber das Tierische, Hemmungslose, Selbstsüchtig« alz das Wesentliche im Menschenleben vorzuführen. Welche vermessene Behauptung, daß der flüchtig« Bildeindruck tiefere Spuren hinterläßt, als dos unaus- gesetzte Lesen und Auswendiglernen von aller Filmkunst spottenden Greuelszenen. Der Anblick eines Bildstreisens ergötzt ja nur im Augenblick,»vährend das Lesen, Lernen und Aufsagen eine intensiv« Anstrengung und Selbsttätigkeit erfordert. Entweder ist das Film- gesetz im Unrecht oder eure Jugenderziehung. Wer das eine ver- rvirft, kann das andere nicht gutheißen. Welch klägliche Ausflucht der Jugenderziehung, einen Film zu verbieten, worin ein Akrobat halsbrecherische Kunststücke ausführt, dagegen in der Schullektüre dos Steinzeitlich«, Indianerhaft«, von der primitivsten Schlechtigkeit und Unsittiichkeit Erfüllt« als klassisches Bildungsmaterial zu preisen. Iugenderzieher, die noch immer im Krieg ihr Ideal erblicken, haben kein Recht, Phontasieüberreizung der Jugend nur im verhältnismäßig harmlosen Spiel von Schwarz-Weiß, statt in der Beeinflussung durch ahnungslose, oder von verborgenen Zwecken ausgehende Erwachsene zu entdecken. Schädliche Hihewirkungen. An heißen, schwülen Tagen fühlt sich die Mehrzahl der Menschen unbehaglich, unlustig zur Arbeit, zum Essen; jede Bewegung ist zu viel. Die Ursach« dieser unersreulichen Erscheinungen während der Hitzeperiode liegt in der übermäßigen Inanspruchnahme, in einem gewissen Bersagen des Wärmeregulierungsapparates, mit dessen Hilfe der Organismus bestrebt ist, die Körpertemperatur unverändert auf 37 Grad zu halten. Die Hauptarbeit, ein« Wärmestauung,«ine Ueberhitzung zu verhüten, fällt den Schweißdrüsen zu. Diese kleinen Hautdrüsen sondern, sobald sich die Körpertemperatur zu erhöhen droht, in verstärktem Maße Schweiß ab, dutch dessen Verdunstung an der Oberfläche der Haut dem Organismus die überschüssige, gesahr- bringende Wärm« entzogen wird. Jedoch wird an heißen, schroülen Tagen, an denen die Luft schon mit Feuchtigkeit gesätttgt ist. die Schweißverdampfung erheblich behindert, di« Wärmeabgab« des Körpers somit verringert— und die Folg« ist eine Ueberhitzung. meßbar mit dem Fiederthermometer. In schweren Fällen von Wärme- stauung kann eine Körpertemperatur von 40 und mehr Graden er- reicht werden. Allerdings muß hier zu der schwülen Hitze noch anstrengende körperliche Bewegung— Arbeit, Sport im Freien, Wandern oder derzleichen— hinzukommen: oder die Därmeabgabe wird noch durch unzweckmößig dichte Kleidung erschwert, oder aber auch wird die Wärmeerzeugung im Organismus durch fetthaltige Kost, durch Zufuhr alkoholischer Getränte überflüssigerweise verstärkt, so daß die Wärme- regulierung versagt und sich schwere Gesundheitsstörungen einstellen. Man spricht dann von Sonnen st ich und Hitzschlag, je noch. dem man eher die strahlend« Sonne oder nur die heiße, schwüle Atmosphäre als Ursache gelten lassen will. Meist gehen der Hitzeerkrantung charakteristische Borboten vor. au»; Augenflimmern, Kopsdruck, Ermattung»- und Beklemmung?- gejühle, Schwindel, und Ohnmachtsanivandlungen treten auf, die sich dann plötzlich„schlagartig', aber auch allmählich bi» zu tteser Be< wußtlosigteit entwickeln, oder sich auch zu heftigen Krampf- und Aus- regungszuständen mit Anfällen von Tobsucht und Wut, mit Gewalt- tätigteiten und mit Selbstmord— z. B. Ueberbordspringen— steigern. Hitzschlag und Sonnenstich sind stets als lebensbedrnhlich« Ertrankungen anzusehen und machen schleunigste ärztliche Hilfe er- forderlich. Bis zur Ankunft de« Arztes lagere man den Kranken im Schatten; beengende Kleidungsstück« sind zu lockern, Gesicht und Brust sind mit kühlem Wasser zu besprengen. Beim Bersagen der Atemtätigteit leite man sofort künstlich« Atmung ein. Erst nach Wiederkehr des Bewußtseins dürfen löfselroeis« erfrischende Getränke gereicht werden. Die Verhütung der Hitzekrantheiten ergibt sich aus dem Obengesagten. Kopf und Nacken müssen— vor allem während der Arbeit im Freien— vor der grellen Sonne durch einen breit- randigen Strohhut geschützt werden; die Schweißoerdunstung ist durch dünne, lustige, helle Kleidung zu fördern; nach Möglichkeit vermeid« man überhaupt an schwülen heißen Tagen anstrengend« Arbeit und Sport; zum mindesten aber sollen dabei kühlende Ge- tränk« in kleinen Portionen wiederholt getrunken werden. Die Kost ist am besten fettarm, alkoholische Getränke sind, zumal bei an- strengender Bewegung, verboten. Bei starkem Schwitzen empfiehlt es sich, um den mit der Schweißabgab« verbundenen Salzverlüst zu ersetzen, kleine Mengen doppeltohlensaure» Natron zu sich zu nehmen. Im übrigen sint) Fettleibige und Alkoholiker. Herz- und Lungen- trank« durch große Hitze vorzugsweise gefährdet, so daß derartige Personen ganz besonders sorgfältig die genannten Vorsichtsmaßregeln befolgen sollten. Dr. med. E. Mosbach« r. Heimkino auch beim Tonfilm. Di» pfiffig« amerikanischen Tonstlmproduzenttn haben sich nun- inehr auf«in neue» Gebiet gestürzt. Mit Rücksicht darauf, daß«» m Amerika eine viertel Million Mahnungen gibt, in»Mlchen Projektoren für Hennkino eingerichtet sind, hat jetzt eine Finna ein Zusatzgerät hergestellt, dos an dem schon vorhandenen Heimkino einfach angebracht werben kann. Dies« neu« Konstruktion, die fertig montiert 49 Dollar kostet, erfreut sich bereits großer Beliebtheit. Parallel imt dem lk-Millimeter-Film, den der Projektor enthält, läuft eine Schallplatte, die an einem Lampenapparat angeschlossen ist und durch etnen Lautsprecher hörbar gemacht wird. „Die Arche Aoah." Mozartsaal und Titania-palast. Dieser Monstresilm, der in Parallele zu setzen ist mit d-n „Zehn Geboten' und„Ben Hur', ist zioar als Tonfilm gejchasfen worden, wurde aber bei uns infolg« des famosen Patentkrieges tonlos vorgeführt. G. Beöcc hatte ein« Musik dazu zujammeng'stellt und dirigierte sein Orchester mit gewohnter Bravour. Ob diese Begleitmusik nicht besser war als die des Tonfilmes, läßt sich mjr� oermuten. Die Arche Noah ist nach dem Prinzip des Warenhauses insze- niert. Der Regisseur Michael Kertesz bietet ungefähr alles auf, was an Publikumswirkung in Amerika gangbar ist: monströse Bauten, Massenaufgebot der Komparserie, Festgepränge und packende Sensationen(ein Eisenbahnzug stürzt über«ine zerstört« Brücke in «ine Schlucht usw.). Zwei Handlungen iverden parollelisiert. Für di« Frommen die Geschichte der Arche Noah, die mit der Sintflut endigt, und für die moderner Denkenden ein« Kriegeepisode, die noch einmal die Schrecken des Krieges vorführt und zum Schluß den Friedensschluß als hofsnungspendenden Regenbogen über das Blut- meer aufsteigen läßt. In beiden Handlungen ist natürlich eine Liebcsgeschichte eingeflochtcn, die jedesmal von denselben Personen dargestellt wird. In der Geschichte Noahs soll die schöne Mirjam, die Braut Iaphets, dem Götzen Jaghuth geopfert werden aber in» letzten Augenblick greift der Gott Noahs mit rächender Hand ein. Ein ungeheurer Sturm und der Einbruch gigantischer Wassennassen zerstören den Tempel und seine Riesensäulen und ersäufen die ganz« Menschheit(man muß an di« Bilder von Dore denken). Noah aber entgeht mit seiner Arche und dem ganzen Getier dem Verderben. Man muß über di« Naivität der Amerikaner staunen, daß sie einem dies« Geschichte in ihren Riesenbilderbogen vorzusetzen wagen. Gott ist hier degradiert zu einem Privatgott Noahs, der nur dessen Ge- schäfte zu be'orgen und immer im letzten Augenblick durch seine Wundertaten Noahs Interessen zu»Vahren hat. Ob in der Arche auch die Klapperschlange, ver Tiger unk der Erreger der Syphilis anwesend waren, wird leider nicht gezeigt. Man muß es wohl annehmen. Ebenso kitschig und naiv ist auch di« Liebcsgeschichte in dem modernen Teil. Die Sängerin Mary wirh von einem jungen Amerikaner während des Krieges in Paris geheiratet. Aber schließlich trilt er doch als Freiwilliger in die Arme« ein und findet seine Frau erst wieder, als sie eben als Spiomn erschossen»Verden soll, dank der Intrige eines von ihr zurückgewiesenen russischen Obersten. Deutsche Granaten begraben die ganze Situation und ein Priester findet hier Gelegenheit, eine Predigt über die Arche Noah zu halten. Di« glückliche Befreiung der Eingeschlossenen und der Abschluß des Wasfensllllstandes bilden das gliickhafte Ende. Di« seltsame Mischung von Bibelgläubigkeit und Pazifismus, von Sensationslust und Schauprunk stößt den Europäer in diesem Film ab, so sehr er seine technische» Wunder und das Massen- aufgebot an Menschen und Materialien anstaunen mag. Man muß an den Riesenzirkus von Bornum und Bailey denken, der seinerzeit die Menschen ebenso überrumpelte. Di« Regie und photographische Leistung ist oft bewundernswert, die Darstellung durch Dolores E o st e l l o und George O'Brien(das Liebespaar) entspricht den anKrikanischen Ansprüchen an Sllßlichkeit Und Sentimentalität. Den russischen Oberst zeichnet Noah B e e r y ganz im Stil des obligaten Bösewichts. O. Prof. Paul(flechsig, der Senior der deutschen Psychiater, Ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Er hat lange Jahre di« Leipziger Universttätshirnklinik geleitet und weit über den Rahmen der Fach- genossen hinaus durch seine Forschungen über die mikroskopische Anatomie de» Gehirns, besonders über die Leitungsbahnen-Lokoli- sation Aufsehen erregt. Sein Buch über„Gehkr, und Seele' ist in seiner Art führend gewesen. Trohde« lonftlm« in drei Ula-Thealen». Trefc der schwebenden Ten. stlinpatenttragen kommen w drei Ulath.atern vollstänbiae Tonsilmprogrmnm« .!;• ,Ut®0.�a6™n8- I" Kamme, lichtspielen am Potsdamer * a?!» ame1n''�.e,.Submarine' gespielt, der noraue- fich«,« ab ftreitaq auch im Ulatheater Turmstrahe zur Porsilhrunq n'Iirat Im Umverssim am Lebnw.rplotz wird gl.ichiall» da« vollftändigc Toni! ,n Programm, der Borkampf Schmelinq-Paoiino mit dem gcmsschten deutsch amertlantichen Tonlilmpiogramm gespielt. Der Usapalaft am Zoo wiw Wttwoch zu R-novi«rung«arbe,t-n und zum Einbau tiner neue» Klang- sttmapperatur aus etat Dache geschtosseu. Festtag in der Lüneburger Heide Ein neues Kinderheim im Landerziehungsheim Scheuen Scheuen ist ein stilles Dorf in der Lüneburger cheide, die nächstgelegene Stadt ist Cell«. Die vielen Berliner Kinder, die in das Stadtberliner Landerholungsheim in Scheuen oer- fandt werden, haben das Vergnügen, in Berlin in den Extrazug zu steigen und, ohne ein einziges Mal umsteigen zu müssen, mit dem� Aug direkt in das Gelände des Erholungsheimes hineinfahren zu können: Steigt dann die ganze Schar aus, ist sie mit wenigen Schritten in ihren Quartieren, denn das Heim hat einen eigen �.n Bahnanschluß mit eigenem Bahnsteig. Das soll ihm irgendein anderes Heim erst mal nachmachen. Die Berliner wissen von diesem Scheuen so gut wie gar nichts, und als in diesen Tagen ein neifes Kinderheim eröffnet und geweiht wurde, bot das Landesjugendamt der Stadt Berlin, dem unsere Ge- nossin Stadträtin W c y l vorsteht, Gelegenheit, das Heim zu be- sichtigen. Die Fahrt geht zunächst auf der hannoverschen Strecke bis Lehrte, einem unbedeutenden Städtchen, nach dem der große Bahn- Hof in Berlin seinen Namen hat. Von dort nach Celle, einer Stadt mit einer Unmenge alter prächtiger und in schönen Farben aus- gemalter Bürgerhäuser. Dazu überall schöne Parks. Man erkennt schnell die ehemalig« Residenzstadt. Das einst fürstliche Residenz- schloß ist der prächtigste Schloßbau im Lüneburgischen. Die alten Welfenherzöge verstanden zu leben. Eine Stunde Fußweg, 20 Minuten Bahnfahrt bringen uns nach Scheuen. Damit sind wir be- reits mitten in der Lüneburger Heide. In Scheuen selbst hat man einen jener überraschenden Fernblicke, wie sie in der Lüneburger Heid- nicht selten sind. In unbegrenzte Ferne schweift der Blick: ernste Wälder und die Heide, die sich jetzt allmählich in stillem Blühen rot färbt. Dann kommen Millionen Bienen und ernten. Hier also, zwar für das Auto nur 1 druckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer � Co.. Berlin SW 68, Lindcnftraße 3. Hierzu 1 Beilage. »u«!, bis zu 18 Monats- Raten MaMafz Berlin W66, Leipziger Strafte 122/123 � Theaiet, Lickispiele usw. � VolHsbUbne aeaier am äülowjlati SV. Uhr 3erTheater m vhr. Gastspiel der beliebten DresflnerVlkloria-S8nner Neues glänzendes Programm! Billettbestell. Zentr. 11263 1. Aug.: Wledcraufireten der Stettiner Sänger luönhioff. Brotti; Varlelt: Tanz Orchester Adolf Becke r Die Komödie J 1 Bistnck.2414/7516 S'/i, Ende geg. IO'/jU Reporter 3 Akte v. Ben Hecht und Mac Arthur Regie: Reh» HliperL 3aniowsky- Bahnen Komädienhaus Norden 6304 Täglich 8lh Uhr Hodizeitsreise Sommerpreise I LostspielhiDS Täglich 8'/> Uhr Oh wirst mich heiraten I Rundfunkhörer halbe Preise. Planetarium am Zoo—■ 'stling. foadiimthaler äiaüi B. 5 Barbarossa 5578. 16', Uhr Starnäilder das Sommers IS1/, Uhr Oer aiutball der Sonne 20'/, U. Von Pol zu Pol am Sternenhimmel Tägl.außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder SO Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf. Kinder 2s Pi ■tVospeisimon1 tiiii n.MIlifi? Nur GroB-Bcriin Alcxandcrolalz 8 Uhr Barb. 9280 I Borrah Minevitsch's Bf amerikanische Vagabunden usw. Tägl. S u. S15 Sonnt. 2. Si 8" Alex. 8066 INTERNAT. VARIETE Rose- Theater, Grobe Franktorler Str. IS». Auf der Gartenbohne Täglich 5J0 Uhr OgrofieVarletänDminern und Gräfin Mariza. im innenlheater TägUcfa 8.1 S Uhr: Tragödie eines Sportlers >— BBBBBii»— Sommer-Qarten-Theater Berliner Prater \ 58, Kasc-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 Gasisnlel fiusiel Beer, Bretel mien ZarewMsda Operette von Franz Lehär Dazu der grobe Varle!6teii. tnfang Konzert 4. SO. Burleske u Varietd e um. Operette».so. legen Donnerstag groBer Voiksiat. |ed. Mittw Kindertest n. Verlosung ••••»•••••■••••eeeeee Berliner lllk-TriO Naukölla. w Latuutr.74/7fei föeilage Mittwoch, 24. Juli 1929 AprÄbpnd SfuUaaiQaße dto t�VuhxWÄ Wenn der Krieg marschiert... Im August erscheint im Verlage von Eugen Tiederichs-Jena ein Buch, das den Krieg aus der Perspektive des sibirische« Gefangenen» lagers Totzkoje schildert. Innerhalb kurzer Zeit gingen hier von SSOOV deutschen und österreichischen Soldaten 17 0 0V a n Flecktyphus zugrunde. Autor des BucheS(„Die Armee hinter Stacheldraht") ist Elwin Dwinger, ein Ueberlebender» der vier Jahre in Ruhland als Kriegsgefangener verbrachte. Wir empfehle« den Towarischtfchi, die in KriegSbegeisterung für einen sowjetrussisch-chinesischen Krieg machen, das nach- folgende Kapitel zur Lektüre. Wir bekommen täglich mehr Platz in den Baracken. Der ewige Kampf um die Pritschen hat sein Ziel gewechselt. Niemand will mehr die oberen, weil jeder fürchtet, nicht mehr hinauf klettern zu können, wenn er einmal Fieber bekommt. Und wer dos nicht kann und keine untere Pritsche hat, muß auf dem nassen Gang in Kot und Urin liegen. Von den Decken hängen trübe Eiszapfen herab. Di« Fiebernden verfolgen gierig ihr Wachsen und stecken sie zur Kühlung zwischen die borkigen Lippen, sobald sie groß sind,' daß man sie abbrechen kann. Jeden Morgen kommt der deutsche Mediziner. Seine einzige Arbeit ist, die Toten festzustellen. Was soll er sonst auch tun? Er braucht sie nicht einmal mehr anfassen, soviel Uebung Hot er bereit». „Ex," sagt er nach kurzem Blick,„ex. ex, ex..." Pod und der Artist, oft auch Seidlitz, begleiten ihn auf diesem Rundgang. Sie schleppen die mit Ex bezeichneten sofort auf«inen Hausen, um sie später hinausschaffen zu können. Man kümmert sich schon nicht mehr um ihre Namen oder Nationalität. Bis vor kurzem haben wir ihnen noch die Erkennungsmarken abgenommen. Jetzt können wir das nicht mehr. Leben wir eigentlich noch? Oder sind wir schon all« tot? Hausen wir schon seit Jahren in diesem Erdloch? Oder erst seit gestern? O, Blank hat recht: Wqxen wir Tiere, wären wir längst verendet. Aber wir sind Menschen... Und«ine Seele ist schwerer umzubringen als ein Körper... Wie lang« soll es noch dauern, mein Gott? Seit vorgestern sterben täglich zweihundert.., » Ich habe das letzte versucht. Ich bin zum Kofakenkapstän ge- gangen. Hatte er nicht die Augen eines Menschen? Ich habe ihn heimlich aufgesucht. Niemand weiß davon. Ein Posten bringt mich aus die Vorgab«, ihn dienstlich sprechen zu müssen, in seine Wohnung. Er liegt mit offener Litewka auf einem Dioan. Als er mich eintreten sieht, springt er aus.„Ist etwas vorgefallen?" fragt er erschrocken. „Nein," sage ich,„noch nicht. Aber niemand weiß, wie lange es noch geht. In uns allen steckt Wahnsinn. Er schlummert nur noch. All« wissen, daß sie sterben müssen— in solcher Lag« schreckt man vor nichts zurück. Was könnte sie auch noch verschlechtern? Nichts... Es könnte unsere Leiden nur verkürzen..." „Was kann ich tun?" fragt er leise. � „Alles! Könnte man uns nicht wenigstens mehr Wasser bringen? Unsere Leute können es nicht mehr hinausschaffen, sind zu aus- gemergelt dazu. Aber Sie haben Soldaten, fünfhundert Mann, die nichts zu tun haben. Oder zum mindesten ein paar Decken? Oder Stroh? Das. Stroh von Ihren Pferden meinetwegen, dos Sie auf den Misthaufen werfen lassen? Samara ist eine große Stadt, nicht weit... Ein bißchen Seif«, nur für die Aerzt«... Etwas Wäsche... Unsere Hemden zerfallen auf dem Leib..." „Ach, verstehen Sie mich doch!" bricht er aus.„Ich bin subal» terner Offizier. Ich kann das nicht veranlassen. Und wenn ich soviel Mitleid mit euch hätte, daß ich daran stürbe, könnt« ich es nicht ändern..." „Etwas müssen Sie tun! Etwas, etwas nur!" Ich flehe fast. „Wir müssen sehen, daß es einen Menschen in diesem Land gibt! Zeigen Sie uns den! Fünfzehntausend Mann oerfluchen Rußland, wenn sie ihn nicht sehen, bald sehen, morgen sehen!" Er wirst sich in einen Stuhl, legt den Kopf auf den Tisch. „Glauben Sie, daß ich in diesem Leben wieder ruhig werden kann? Nein, ich habe zu viel Schande sehen müssen... O. nicht nur hier... Ich bin zweimal verwundet worden. Aber ich hätte mich schon längst wieder an die Front gemeldet. Wenn ich nicht wüßte, daß hier dann—" „Ja, bitte, bleiben Sie!" rufe ich.„versprechen Sie«, mir." „Ich werde bleiben. Und will auch weiter trachten, abzumildern. auszugleichen. Aber das bedeutet ja nichts!" stöhnt er auf.„Das sind ja nur Tropfen.. „Hören Sie." falle ich ein,„gibt es denn keinen Weg. uns wenigstens die Kaserne als Isolierbaracke freizugeben? Könnten Sie nicht, könnten Sie nicht eines Tages... vergessen... dort Posten... auf, zustellen?" Er sieht auf.„Und dann?" fragt er gedämpft. „Dann ziehen wir ein. Und wenn wir einmal drinnen sind... Nein, uns wieder hinausjagen, wird er nicht wogen.. .Gut..." „Und noch eins: Kommen Sie einmal zu uns! Ich bürg« für Sie! Es geschieht Ihnen nichts. Aber Sie haben bis jetzt nur gehört, wie es bei uns aussieht. Sie müssen es einmal sehen— sehen..." „Ich werde kommen. Aber jetzt müssen Sie fort. Niemond darf wissen, daß id) mit Ihnen im geheimen sprach. Ich werde degradiert und komme nach Sibirien, wenn er erfährt, daß ich..." Er drückt mir beide Hände. .Hier, nehmen Sie..." Er gibt mir«ine Schachtel Zigaretten. „Nun gehen Sie... Ich will olles hm! Bei Gott.. Wie warm und sauber seine Hand war! Wie gut und tröstend seine Stimme klang.. » Brünn hockt aus einer leergewordenen Pritsche. Sein Haar ist weiß, sein Bärtchen hängt herab, seine Augen sind unruhig. Zwischen den Fingerspitzen hält er eine groß« Laus. „Daß ein solches Biest den Tod in sich hat, was?" sagt er mit einer Stimme, die vor Erregung zittert.„So klein und unschcin- dar— man sollt« es nicht glauben..." Seine Augen werden starr, beginnen wie hypnotisiert auf den helle», graue» Punkt zu blicken, der sich mit heftige» Bewegungen aus seinen Nägeln zu befreien sucht.„Willst mich wohl beißen, was? Willst mich wohl impfen? Oder hast du es schon getan...? Plötzlich zerdrückt er sie, schleudert sie auf die Pritsche, steigt mit beiden Füßen darauf, trampelt wie wahnsinnig aus ihr herum. „Du Biest?" kreischt er auf.„Du Biest! Willst du mich morden? Willst du uns all« morden...?" « Heute war der Kosakenkapitän in unserer Baracke. Pod gewahrt« ihn zuerst.„Ein russischer Offizier steht an der Tür und will dich sprechen," sagte er. „Er will unsere Baracken besichtigen. Pod!" sagt« ich fliegend. „Aber es darf ihm nichts geschehen! Nimm den Artisten mit... Schnarrenberg, kommen auch Sie..." Wir gehen zu viert ans Tor und nehmen ihn in Empfang. „Ich danke Ihnen," sage ich leise. Er hebt die Hand an die Mütze. „Bitte, rasch!" stößt er aus. Sein Geficht ist ganz grün. Er steht aus, als ob er sich übergeben müsse. Kommt das von dem fürchter- lichen Gestank in unserem Erdloch? Wir merken es nicht mehr, wir kommen fast nie hinaus, kennen es nicht anders. Im ersten Quergang liegen zwölf Tote übereinander. Wir warten auf den Arzt, um sie hinaustragen zu können. Vom zweiten Pritschenblock tropft es schleimig herunter. Auf ihm liegen vier Ruhrkranke. Wir warten seit acht Tagen auf ihren Tod, aber sie sind zäh. Der Boden ist mit halbgefrorenen Urinpfützen und zer- tretenem Menschenkot besät. „Schlagt sie tot, die russische Bestie!" gellt plötzlich eine Stimme aus dem hinteren Gang. Wir kennen sie, es ist die Stimme des Schwalangschers. Pod schiebt sich enger an den Kapitän und faßt das Holzscheit fester. Hatschek geht voraus ohne Waffe. Schnarrenberg und ich gehen rechts und links. Ein Steiermärker singt, auf seinen Knien liegend,«inen mono- tonen Psalm. Es hört sich an, als ob es ein Sterbelied sei. Ein Bosniok hebt und senkt sich, das pergamentene Gesicht nach Mekka gewandt, in ryhthmischem Gebet auf seiner Pritsche. Ein Bauch- lyphuskranker, der im Fieber herabgerollt ist, versucht vergeblich wieder, auf seine Pritsche zu gelangen. Pod hilft ihm im Vorbei- gehen hinauf. Wir kommen in unsere Ecke..Hier wohnen wir, Herr Kapitän!" Er bleibt einen Augenblick stehen, die Hand mit dem Taschentuch vor den Mund gepreßt, Seidlitz grüßt militärisch. In seinem Gesicht zuckt kein Muskel. Blank steht müde auf. Brünn rührt sich nicht, sieht ihn nur schräg, bleich vor Haß, in die Augen.„Ver- dämmte Hunde, verdammte Hunde!"" stöhnt nebenan der Pionier. Der Kapitän wendet sich ab. Sein Gesicht sieht aus, als ob ihn ein Alp zerdrück«. Der kleine Blank hebt flehend die Hände hinter ihm her. Wir drehen um und gehen zurück. Ich zeig« hiechin, dorthin.„Wir haben in der letzten Zeit täglich zwanzig Tot« in diesem Loch, Herr Kapitän!" sage ich.„In einem Monat ist unsere Baracke leer..." Als wir wieder am ersten Quergange sind, gurgest plötzlich«in halbes Dutzend Schrei« auf.„Laßt ihn nicht lebend hinaus, den Menschenschinder!" kreischt«ine österreichisch« Stimm«:„behaltet ihn als Geißel!"«ine deutsche. Aus dem Quergang kommt«in ungarischer Husar gelaufen. In seinen Augen glüht nahender Irr- sinn. In seiner Faust hängt«in losgerissener Pritschensuß. Che er herankommt, hat ihn der Artist schon unterlaufen, durch ein« blitz- hafte Fußstellung unter die Pritschen geschleudert. „Ruhe!" ruft Pod mit seiner tiefen Stimm«. Wir öffnen die Tür. Der Kapitän nimmt das Taschentuch vom Mund, sieht uns der Reihe nach an. In. seinen Augen stehen Tränen. Von der beißenden Luft, von der inneren Erregung? Er gibt jedem von uns die Hand. Er will etwas sagen, kann es aber nicht. Er wendet sich und geht rasch davon. „Er weint jetzt, wenn ich nicht irre," sagt Pod langsam. Ema Büsing: Fritz Fischers Verhängnis Was von Tausenden erstrebt wird, ihm, dem jungen Schweizer gelang es: er wurde von einem Zirkus mit auf Reifen genommen. Da der junge Bursche sehr anstellig war und seine Lieb« zu Tieren offensichtlich, wurde er Raubtierwärter. Schon nach zwei Jahren konnte er die erste Gruppe übernehmen. Ein alter Meisterdompteur hatte st« fertig gemacht, sieben schöne Tiger. Aber der Neu- ling wollte nicht nur vorführen, er wollte auch dressieren. Es er- schien ihm widernatürlich, daß der Rundkäsig in der Arena voller Postament« stand, daß die Tiger Pyramiden stellten und durch blanke Messingreifcn sprangen. Er sann und sann. Die natürliche Veranlagung der Tiger in der Dressur zur Geltung zu bringen, war sein Ziel. Und eines Tages kam er auf die Idee: mein« Tiger sollen auf Bäume klettern. Aber da die Tiger in der Freiheit nicht auf Bäum« klettern, machten sie es im Rund- käfig auch nicht getne, auf jeden Fall ohne Eleganz. Er war mit dem Experiment nicht zufrieden. Einig« Monate fpät«r stand der Zirkus in Spanien in einer der großen Stierkamp farenen. Natürlich verabsäumt« der junge Dompteur es nicht, sich die Stierkämpfe anzusehen. Er war empört über die Roheit, und als einem Pferde, dem das Horn des Stieres den Bauch aufgeschlitzt hatte, die hängenden Gedärme wie- der zugenäht und die zermarterte Kreatur in die Arena zurückgetrieben wurde, da war es um die Standhaftigkeit des Mannes geschehen. Er floh und der Ekel schüttelte ihn dermaßen, daß er sich über- geben mußt«. Es ist ein Märchen, das den Raubtterdompteuren Brutalität nachsagt. Nein, was da in der Stierkampfarena getrieben wurde, schätzte er gar nicht. Und doch nahm er von diesem Schauplatz, von dem er geflohen war, eine Anregung mit, die ihn mit einem Schlage zu einem berühmten Dompteur machen sollte. Er sah, wie die Toreros das taten, was in seinen Kreifm als wider olle Regeln der Raubtierdrcssur galt: sie knieten vor dem an- stürmenden Stier nieder. Da dachte er: was in der Stierarena gelingt, warum sollst du es nicht auch vor deinen Tigern wagen? Uitt» er tat das. was vor ihm noch kein Dompteur getan hatte: er macht« sich klein vor der Bestie, er kniete vor ihr nieder. Der Erfolg war für den Dompteur nicht weniger sensationell, als später für dos Publikum. Pascha, den er sich für das Ex- pcriment ousgesucht hatte, ein großer sibirischer Tiger, mit breiten Beinen und schwerem, eckigem Kopf, ein Tier, das bis dahin unter Kennern nicht gerade als elegant gegolten hatte, Pascha griff nicht an, aber in ihm erwachte plötzlich der natürliche Spieltricb, der jeder Kotze innewohnt. Cr fauchte, er sperrte den Rachen aui, seine Fangzähne leuchteten hinter gefletschten Lefzen, der Schnauzbart sträubte sich, er tobte mit Herrchen durch den ganzen Käfig. Un- aufgefordert spielle Pascha den wilden Mann. Er hatte den Tiger da, wohin er ihn haben wollte: jenseits aller Dressur gab er sich s», wi« t» seinem Wesen entsprach. Der Dompteur war die Sensation des Tages. Di« Toreros hatten allen Grund, eifersüchtig zu werden. Wer sie zeigten jene chevaleresk« Großmut, die man dem Spanier nachsagt: sie de- teiligten sich an den Ehrungen uttd schenkten dem Dompteur ein« prächtige, handgestickte Stierkämpferuniform. Seitdem spielte die Zirkuskapelle das Stierkämpferlied aus„Carmen", wenn der Domp- teur in seinem Ehrenkleide im Rundkäfig erschien. Pascha nahm ein tragisches Ende. Die Tigergruppe, deren Mittelpunkt er war, wurde unleidlich untereinander. Jeden Abend gab es B e i ß e r e i e n in der Gruppe des Dompteurs. Dem meisten Publikum machen derartige Beißereien natürlich Riesenspoß. mögen sie auch die größte Gefahr für den Dompteur bedeuten. Doch das ist das geringste, was einen Dompteur in solchen Situa- tionen quält. Eine Gruppe, die sich nicht verträgt, muß schließlich auseinander. Und das ist für den Dompteur eine schwerer Schlag, steht doch jedes dressierte Tier an xinem Platz, der so leicht nicht wieder ausgefüllt werden kann! Als ob sie sich verabredet hätten, sielen eines Wends alle Tiger über Pascha her, der sich gerade im Laufgang befand. Der Dompteur rief seine Tiere, er gab Schreckschüsse ab, er begoß die Raufenden mit Wasser: nichts nützte. Als er sie endlich mit einer Eisenstange auseinandertrieb, da war Pascha totgebissen. Der Dompteur war in Schweiß gebadet. Schminke und Puder liefen ihm in engen Rillen über das Gesicht. Leichenblaß betrat er den Zentralkäfig. Er war wieder der Herr der Tiere und führte die Nummer, trotz der verminderten Gruppe durch. Dem Publikum war unheimlich zumute. Keine Hand hob sich zum Beifall. „Die anderen Tiger waren neidisch auf Pascha und mich, sie haben mir Pascha aus Eifersucht totgebissen," sagte der Dompteur später zu seinen Freunden. Suchte der Dompteur einst danach, dem Tiger die Aufgabe zu stellen, die seiner Natur entsprach, so suchte er jetzt nach einem Tigerparwer, der diese Aufgabe erfüllte. Er mußte leicht oerständ- lich und klug sein und schauspielerisch veranlagt dazu. Bei der ge- jährlichen Arbeit durfte der Dompteur nicht nur auf den Ausdruck der Lichter, des Ohren- und Schwanzspitzenspiels angewiesen sein, sondern er mußte aus einer gewissen seelischen Uebereinstimmunz heraus sofort wissen, wann der Tiger vom Spiel zum Ernst überging. In T o n i a, einer grimmig aussehenden, bildschönen Insel- tigerin, fand er diesen neuen Partner. Sie übernahm haargenau Paschas Arbeit, nur daß bei ihr, einem zarten Weibchen, alles viel eleganter aussah, als bei dem schweren Tigermann aus Sibirien. Monat auf Monat Machte der Dompteur mit Tonia, die selbst im Spiel fest im Gehorsam blieb, die berühmte Pantomime, die viele Zuschauer fälschlicherweise als Hypnoseversuche bezeichneten. Doch eines Tages photographierte ein sürwitziger Photograph mit Blitzlicht, und feit dem Augenblick war Tonia verdorben. Sie hatte sich erschreckt und das Vertrauen zu ihrem Herrn war erschüttert. Während der Dompteur sich noch bonge Sorgen um sein Ver- hältnis mit Tonia macht«, kam das Unheil von Prinz. Dos war «in kleiner Tigerjunge, der erst in die Gruppe hineingearbeitet und mit Flcischhappen zu Kunststückchen angeregt und gelockt wurde. Am fraglichen Wend prangten bunte Blumen am grellen, neu- bemalten Zirkushimmel. Das Hatto Unruhe unter den Tigerrl zur Folge, denn der Tiger, der im Bereich der Erde nichts fürchtet, fürchtet immer die Gefahr aus der Luft. Bei der allge- meinen Aufregung machte auch der Dompteur andere Bewegungen. Prinz, noch unerfahren, dachte offenbar, fein Herr wolle Fleisch- stücke aus der Tasche nehmen und ihn füttern. Als die Belohnung ausblieb, wollte er sie sich selber holen, schlug dem Dompteur die Krallen in den Rücken und hing sich mit seinen Fangzähnen in seinen Arm. Der Dompteur blieb ruhig. Er schüttelte Prinz ob und trieb die Tiere aus dem Käfig. Dann brach der Gebissene ohnmächtig zusammen. Da die Wunden sich zugleich zuzogen und man nur klein« schwarze Punkte bemerkte, hielt der Arzt die Sache für un- bedenklich und unternahm nichts weiter. Dos war ein Verhängnis- voller Fehler: bald stellte sich Wundfieber ein, der Verwundete laa (Fortsetzung auf der nächsten Seite.) Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden (6. Fortsetzung.) Jack gab sein Ehrenwort, unb der Spitzel begab sich ruhig in das Kajfehaus. Jack traf die ölte Lehrerin daheim an, sie bereitete eben in der Küche ihr bescheidenes Mittagsmahl zu. Ihr graues chaar hing ver- wirrt in das blasse, seine Gesicht, die sanften, kindlichen, blauen Augen füllten sich immer wieder mit Tränen. Als Lilan Crock Jack erblickte, lief sie, den Kochlössel in der Hand, auf ihn zu. „Oh. Herr Jack! Das ist doch nicht erlaubt! Jesus hat uns ge- lehrt, einander zu lieben. Und nur den Sanftmütigen wurde dos Himmelreich versprochen. Die Gewalt stammt vom Teufel! Sie dürfen dos nicht zugeben, Herr Jack!" Jack erschrak heftig. Hatten sich die Streiker provozieren, zu Gewalttätigkeiten hinreißen lassen? „Was ist geschehen?" fragte er hastig.„Ich komme eben von daheim. Weiß von nichts." Fräulein Crock sank auf einen Küchenstuhl und wischte sich die überquellenden-Augen. „Ich bin kein- Rote!" schluchzte sie.„Hasse die Gewalt. Jesus lehrt-, daß wir einander lieben sollen. Ich werfe keine Bomben..." Tränen erstickten ihr« Stimm«. Jack erschrak noch mehr. Bomben, um Gottes willen, war«ine Bombe geworfen worden? Das konnte nur das Werk eines Provokateurs gewesen sein. „Aber eine Mutter von ihren kleinen Kindern fortreißen, einen alten kranken Mann aus t«m Bett zerren. Liebet eure Feinde, hat der Herr Jesus gesagt, segnet denen, die euch fluchen..." „Ja, aber was ist denn geschehen?" rief Jack nun völlig ver- wirrt. „Mary Lshleigh wurde verhaftet, und das Kleinste ist erst«in halbes Jahr alt. Und den alten Menachem Rosenfeld hat die Polizei aus dem Bett geholt... Das ist nicht recht, Herr Jack. Ich dachte schon daran,.zu Ihrem Bruder zu gehen, die Heilige Schrift in der Hand.. ," Das also waren die interessanten Neuigkeiten, von denen Calvin gesprochen hatte! Wie geschickt hatten die Feind« gearbeitet! Sie hatten nicht Charles Afhleigh verhaftet, der vergnügt grinsend den Polizisten gefolgt wäre und für den«ine Verhaftung mehr oder weniger belanglos war, sondern die zarte jung« Frau, an der er mit ganzem Herzen hing und die das Leben im Gefängnis, gefoltert von dem Gedanken an das kleine Kind daheim, bestimmt nicht er- tragen würde. Und auch der alt« M«nachem Rosenfeld, der seit dem Uebersall beständig kränkelte, würde sicherlich im Gefängnis völlig zusammenbrechen. Die alte Ouäterin weinte noch immer still vor sich hin. Jack, der nicht vergeblich der Enkel des alten Lincoln war und das Eisen zu schmieden verstand, solange es heißt, überrumpelte si« mit«iner Frag«. „Wollen Sie den Verhafteten h«lf«n, Fräulein Crack?" „Freilich, ich sagte Ihnen doch, daß ich zu Ihrem Bruder gehen wollte, ihm Jesu Worte.. „Das hat keinen Sinn. Sie kennen Calvin nicht. Aber wenn Sie für mich einen Brief fortschicken können, ohn« daß«r in die Händ« der..." Er hatte„Feinde" sagen wollen, ersetzte aber hastig das Wort durch„Gottlosen",„fällt, so werden Sie Mary Ashleigh und Menachem Rosenfeld einen großen Dienst«rw-.isen. Haben Sie in Columbus Verwandte oder Bekannte, die dort für Sie einen Bri«f aufgeben würden?" „Ja, mein Bruder lebt dort." „Gut." Jack zog einen adressierten Brief aus der Tasche und reicht« ihn der alten Ouäkerin. „Schicken Sie, bitte, diesen Brief sofort an Ihren Bruder � er soll ihn unverzüglich in Eoluinbus aufgeben." (Fortsetzung des Artikels:„Fritz Fischers Verhängnis") monatelang an Blutvergiftung und bekam«in« Spritze nach der anderen gegen den Wundstarrkrampf. Das ist eine ganz alltäglich« Erscheinung. Mitunter sieht der Prankenschlag oder der Raubtierbiß ganz harmlos aus und er wäre es auch, wenn nicht durch den Biß oder den Schlag Schmutz. teilchen und Fäulnis st offe in die Wunde kämen, die zu lebensgefährlichen Vergiftungen führen, wenn die Wunde nicht so- fort sorgfältig behandelt wird. Der Dompteur genas. Er verteidigte Prinz gegen den Vor- wurs seiner Freunde, ihn angefallen zu haben und erklärte ihnen, daß der junge Tiger nur seine Belohnung habe holen wollen. Aber seine Freunde ließen sich nicht davon abbringen, daß Prinz den Dompteur auf dem Gewissen habe. Und so war es wohl auch letzten Endes: Der Dompteur stand wieder im Zentralkäsig und führte Abend für Abeird seine Gruppe vor. Beim Aufbau des Zirkus in einer kleinen belgischen Stadt klagte er jedoch plötzlich über Schwindel. Sein Wohnwagen stand ihm zu geräuschvoll. Er ging ins Hotel und starb in der gleichen Nacht, 3Sjährig, am Gehirnschlag. Die indirekte Folge des Abenteuers mit Prinz und der sich daran anschließenden monatelangen Blutvergiftung, sagten seine Freunde. Man ließ den Verstorbenen in einem Zinksarg provisorisch bei- setzen, weil die Leiche, aus Kosten der Zirkusdirektion, nach der Heimat übergeführt werden sollte. Monat für Monat hat:e der Verstorbene der Mutter eine ansehnliche Summe Geldes nach Hause geschickt. Doch von Hause kam die Nachricht, der Bater ver- zichte auf die Leiche. Er hatte es dem Sohn nicht ver- ziehen, daß er wider den väterlichen Willen Dompteur ge- worden war. So mußte der rot« Dompteur in der kleinen belgischen Stadt beerdigt werden. Aber auch hierbei gab es einen Zwischenfall. Die Freund« sammelten für ein Denkmal und ein Tierbildhauer meißelte einen herrlichen Tiger in den Grabstein. Als das Denkmal fertig war, durfte es nicht aufgestellt wer- den. da auf einem christlichen Kirchhof Tiger, selbst wenn sie nur in Stein gehauen sind, die Ruhe und öffentliche Ordnung stören.... Und so liegt Fritz Fischer als echter Zig«uner ohne Grab- stein begraben. Lilian Crock zögerte einen Augenblick, den Brief in der Hand. „Sie gehören zu den Roten, Herr Jack, ich möchte nichts Unrechtes tun. Können Sie mir versichern, daß der Herr Jesus diesen Brief weiter befördern würde?" „Ja, Fräulein Crock, er täte es bestimmt." „Gut, dann werde auch ich«s tun," versprach die alt« Lehrerin. Jack dankte ihr und verließ das Haus. Draußen wartet« John Calmer bereits auf ihn. „Nun?" fragte er vergnügt.„Hat Sie die alt« Crack in den Lehren Jesu unterwiesen?" „Ja." entgegnete Jack.„Sie hat mich gelehrt, daß man seine Feinde lieben soll und Ihn«n Gut«s tun. Daher müssen Sie mir erlauben, H«rr Calmer, Ihnen für die sechs Kleinen je zehn Dollar zu geben, für Weihnacht«»." John Calmer grinste. „Man soll den Menschen nie daran hindern, Gutes zu tun. Aber lieber nicht auf der offenen Landstraße, Herr Füller." Jack nickte. „Ich oerstehe. Also ich schuld« Jhn«n sechzig Dollar. Und jetzt werde ich beim nächsten Autostand einen Wagen nehmen und zu Menachem Rosenfelds Frau fahren." Der Spitzel war einverstanden. Als Jack in» Auto stieg, winkte er eine zweite Droschke herb«i und folgte der ersten. * Vor Menachem Rosenselds H«jm drängte sich ein« zornig- Menge. Frau Rosenfeld stand im Türrahm«» und schrie laut ihren Jamm«r in die Welt hinaus. „Er hält es nicht aus! Wird sterben! Ich Hab' ihm immer gesagt, er soll sich nicht mit den Gojim einlassen. Er hat ober gesagt, Goj oder Jud, ist einerlei, es gibt nur zweierlei: Ausbeuter und Ausgebeutete. Ich Hab' ihm auch gesagt,«in alter Mann wie du, Menach«m, soll sich nicht in fremde Angelegenheiten misch«n. Der braucht seine Menüche. Aber er hat mir ja nie glauben wollen." Jack war aus dem Auto gestiegen und schritt auf Frau Rosen- feld zu. Da schrie aus d«r Menge eine heisere Stimme auf: „Da kommt ein Füller! Vorsicht, ihr Leute. Hütet«uch vor den Füllers! Die sind allesamt Betrüger und Mörder. Nieder mit den Füllers!" Jack wandt« sich verblüfft in di« Richtung, aus der die Stimme tönte. Er kannte die Menschen, die sich hier drängten, und auch sie kannten ihn, wußten, daß er ihr Freund war. Woher kam der Angrifs? „Sie raub«» unt» morden," schrie dt« heiser« Stbnme wfl neuem.„Wollen alles haben, gönnen keinem ander«n etwas. Schlagt sie tot." In d«r Menge entstand Bewegung. Eine Stimm« schri«: „Bück dich, Jack!" Ein Schuß knallte. Die Kugel schlug, ohne Unheil anzurichten, in die Hausmauer«in Weiber kreischten, Männer fluchten. Vier Arbeiter hielten einen Mann s-st, zerrten ihn fort. Um die Ecke bogen lausend sechs Polizisten, die Gummiknüppel in der Hand. „Auseinandergehen! Auseinandergehen!" brüllten sie. Die Menge zerstreute sich hastig. Frau Rosenfeld schleuderte den Polizisten einen jiddischen Fluch zu und zog sich dann eilends ins Haus zurück. Der Mann, der den Schuß abgegeben hatte, war verschwunden. Auf dem gesäuberten Platz blieb Jack allein. Ti«fc Traurigkeit erfüllte ihn. Nun hassen sie auch ihn. weil«r ein Füller ist. Ueberall in den vornehmen Vierteln der Stadt hatte er Gefahr ge- wittert, sich vorsichtig oerhalten, in den Arbeitervi«lt«ln von Füllers- vill« jedoch hatte er sich sicher geglaubt, von Freunden umgeben. Und jetzt... Der Schuß hatte ihn dennoch getroffen, mitten ins Herz. Er schwankte, lehnte sich gegen die Mauer. „Fehlt Ihnen etwas. Herr Füller?" fragte ein« besorgte Stimme.„Der Sihuß hat Sie doch nicht getroffen?" Jack blickte auf und sah neben sich s«inen Schatten, seinen un- vermeidlichen Begleiter: John Calmer. Er schüttelt« den Kops und sagte tonlos: „Für heute werden Sie nicht mehr viel zu tun haben, Herr Calmer. Ich fahre heim." Der Spitzel blickte ihn erstaunt an. Er begriff die plötzliche Mutlosigkeit des jung«n Mannes nicht. Dann, jählings, verstand er. „Machen Sie sich keinen unnötigen Kummer, Herr Füller," sagt« er tröstend. .Lhre Freunde haben sich nicht gegen Sie gewandt. Der Mann, der auf Sie geschsss«» hat, war kein Arbeiter." „Wie? Woher wissen Sie es?" „Ich sah sein Gesicht, als die Arbeiter ihn fortschleppten. Uebrigens haben sie ihn in einer Hintergasse gehörig verprügelt." Jack war zumute, als sei di« ganze Welt mit«inemmal wieder hell und schön. „Kein Arbeiter, sagen Sie?" rief er freudig.„Wer denn war es?" John Calmer grinste: ,Es hat sich hier um eine kleine Familienangelegenheit ge- handelt. Der Mann, der auf Si« schoß, war Ihr Vetter Ralph Philipps. Er l«bt seit sechs Monaten wieder in Fullersvillc." Ver junge Mann von Pinkerlon. Der Streik schleppte sich weiter: Jack begriff selbst nicht recht. was ihn vor dem Zusammenbruch bewahrte, denn die Stimmung unter der Arbeiterschaft war eine gedrückte, hoffnungslose. Es gab auch nichts, was den Mut der L«ute entslammen, ihre Solidarität und Kampflust hätte stärken können. Versammlungen unter freiem Himmel waren verboten, und kein Wirt wagte«s, den Streikern ein Lokal zu vermieten. Dazu kam bei jedem einzelnen das Be- wußtsein, daß«r bespitzelt werde, das gegenseitige Mißtrau«», die Furch vor Verrat.(Fortjetzung folgt.) Rät seh Ecke des„Abend". aimiuiuiiiiuiiuiiiuiiiiiiviiiHiiiiuiimuiiiniHHUiiuiuiinuHiiinniiHHUHiiiiiiKNVmuimiiiiiuiiimiHiiiuuiiiiuuiiiiuuuiiiuuNiauiiiiiiiiiiuuiiiniuiiiiuniimiiuiiiiiiiiiiiinnin • Silbenrätsel. Aus den Silben a o ath bu chri di dra dukt«i fi fisch Hut ih im in l« leich li lot me mer mi na ner of ös renk rett s« se sor stus ta te ten t«n tik tin vi walds zi sind 15 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide won ob«n nach unt«n gelesen,«in Zitat von Go«the ergeben(ch— 1 Buchstabe). Die Wörter bedeuten: 1. Stadt in Baden: 2. Halbamtlich; 3. Talbrücke; 4. Nebenfluß der Oder: 5. Küchengerät: 6. Sportzweig: 7. Weiblicher Vorname: 8. Menschenrasse; 9. Biblische Person; 10. Weichtier; 11. Gefeiertster Gott der Inder; 12. Landschaft in Italien: 13. Niedriger Sessel: 14. Insekt; 15. Bewohner Vorderasiens. Kreuzworträtsel. Irr. Wagerecht: 2. Adoerb: 4. französischer Artikel: 7. gesloch- tener Teppich; 10. Teil d«s Hauses: 13. mittelwarm: 15. europäische Hauptstadt: 16. landwirtschaftliches Anwesen: 17. Körperorgan: 18. Teil des Weinstocks: 19. deutscher Fluß: 20. Fragewort; 21. Düngemittel: 25. Wüste, 29. wie Nr. 13; 30. segeltechmscher Ausdruck: 31. gute Eigenschaft: 32. Bindewort: 33. Freund Fried- richs des Großen: 35. Gartenanlage(Mehrzahl): 37. lateinisch zu.— Senkrecht: 1. Präposition: 2. weibliches Pferd; 3. Umlaut; 4. französischer Artikel: 5. französische Stadt: 6. Flächenmaß; 8. Wasserpflanze: 9. organischer Fehler; 11. weiblicher Vorname; 12. weiblicher Vorname; 14. Beleuchtungskörper; 22. weiblicher Vor- name; 23. Wort für geräuschvoll: 24. Mönchsgewand: 25. Wort für Zugehörigkeit: 26. Verschluß; 27. Ruhestätte: 28. Vokal: 33. ab- gekürzte Firmenbezeichnung: 34. persönliches Fürwort; 36. Fürwort. dl dl E B N Treppen'�äisel. Ordnen Sie die Buchstaben um, und zwar so, daß die erst« senk- rechte Reche den Namen«iner deutschen Stadt, die w a g e r e ch- ten Reihen loben beginnend) fol- gendes ergeben: 1. Konsonant; 2. Sonnengott: 3 deutsches Bad; 4. Geologe: 5. deutsche Stadt: � 6. deutsch« Stadt: 7. deutsche Stadt I I Magische Quadrate Die Felder jedes«inzel, n«n Quadrats sind derart mit Buchstaben zu be. decken, daß je Quadrat vier gleiche Wörter, senk. recht und wagerecht ge- lesen, entstehen. Die Wörter bedeuten: 1. Feldi z) großer Raum; b) Vor- nam« einer berühmten Filmdiva; c) lebenswich» tiger Bestandteil: ä) Haus- tier. 2. Feld: a) Vogel: b) biblische Figur:«) be- rühmter Geistlicher; d) weiblicher Vorname. 3. Feld: a) Ostseestadt: b) Donau-Nebenfluß: c) Nähmaterial: d) männlicher Vorname. 4. F e l d: a) Besitznochsolger; b) Staatsmann t:. c) Wasserfahrzeug: d) Haustier. 5. F e l d t a) Wort für Region; b) Ruf für Kellner: c) Verneinung: d) Mädchenname. 6. Feld: a) Vortrag: b) orientalischer Fürstentitel: c) Pflanze: d) Baum.* Füllrätsel. Die Buchstaben aaaaeeegk l l l n o r r r s s v sind in ob>ge Figur derart einzusetzen, daß Wörter folgender Bedeutung in den w ge- rechten Reihen entstehen: Europäische Republik; 2 Fußbekleidung: Tumul- tuarische Szene: 4 Balkon: 5. Europa- isches Königreich (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Rummer. D ia ma ntr äts el: 1. S.: Z. Rom: 3. Gemle, 4. Schmied; 5. P«rl«berg: 6. Sommer reis«: 7. Moosrosen: 8. Frieden. 9. Brief: 10. Ast; 11. E. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 2. Kap: 4. Sarau: 6. le; 7. es; 9. Reis; 10. Ober; 11. in: 13. ee: 14. Enkel: 17, Oel.— Senkrecht: 1. zart: 2. Ko; 3. Pa, 4. Seine: 5. Uebel: 6. Lei; 8. See; 12. Oker; 15. no: 16. el. Silbenrätsel: 1. Asbach: 2. Ursel: 3. Fiffi: 4. Senne; 5. Oberalp-Pah: 6. Zölibat: 7. Island: 8. Ali; 9. Lüge: 10. Zmker; 11. Saale; 12. Tari: 13. Edith; 14. Nase; 15. Sellin.—„Auf Sozialisten, schließt die Reihen." ZahUnrätsel: Mesopotamien. Naturfreunde auf Fahrt. Die letzte Wochenendfahrt des Touristenoereins„Die Naturfreund e" führte nach Fürstenberg. Ein kurzer Rundgang durch Fürstenberg schlotz sich der Bahnfahrt an. Nun rührte uns der Dampfer von der Baalenseebrücke über den großen Stolpsee nach Himmelpfort. Hier wäre besonders die alte Kloster» ru i n e zu erwähnen. Von den Gebäuden find nur noch das alte Brauhaus, dann der Kirchenchor, der im Laufe der Jahrhunderte renoviert wurde und sehr gut erhallen ist, vorhanden. Der Dampfer fährt nun durch die Himmelpsorter Schleuse und gelangt dann noch kurzer Fahrt in den herrlichen Wobiitzkanal, besten Ufer von Herr- lichen Buchenwäldern umgeben sind. Nunmehr kommt man in den großen Lychensee zur Dampferanlegestelle. An die Dampferfahrt schloß sich«ine Führung durch dos alte L y ch e n an. Durch das Fürstenberger Tor und weiter durch einige Straßen an der Stadt- mouer entlang gelangt man zum Stargarder Tor, und durch die Stargorder Straße kommen wir zum Markt mit altem Rathaus. Lychen selbst besitzt seit 1285 Stadtrechts und hat eine wechselvoll« Vergangenheit hinter sich. Durch verschiedene Kriege mit den Mecklenburgern fies Stadt Lychen an Mecklenburg, um nachher wieder zur Provinz Brandenburg zu kommen. Auch wurde der Ort zweimal durch Feuer fast zerstört. Nach der Mittagspause führte uns der Weg am schönen Wurlsee entlang und nach kurzem Rund- gang gelangten die Teilnehmer wieder zum Dampfer, um über Fürstenberg noch Berlin zu fahren. Durch di« Veranstaltung von Wochenendfahrten des Touristenvereins„Die Naturfreunde"' ist es vielen möglich, in die näher« und weitere Umgebung Berlins zu gelangen. Auf die nächsten Wochenendfahrten sei hingewiesen. Am 27. /28. Juli geht es in den Oberspreewald. Di« Teilnehmer dieser Fahrt werden von R a d d u s ch mit dem Kahn abgeholt und fahren mit demselben durch die Radduscher Kaupen zum Erlkönig. Sonntag srüh wird ein Spaziergang nach Burg gemacht zum Kirchgang der Wendinnen. Nach der Mittagspause findet die große sechsstündige Kahnfahrt durch den Hochwald statt und zwar über Forsthaus Eiche, Kannomühle, Wotschowska nach Lübbenau. Preis der Teilnehmerkarte inkl. Eifenbahnfahrt, Kahn- fahrten, Logis(Betten), Morgenfrühstück 12,25 M. Am 3. und 4. August fühpt«in« Fahrt nach Dessau und durch den Wörlitzer Park. Di« Fahrt nimmt kurz folgenden Verlaus: Bahnfahrt nach Dessau und Besichtigung der Stadt. Sonntag früh Bahnfahrt nach Wörlitz und Besichtigung des herrlichen Naturparks. Preis der Teil- nehmerkart« 15,40 M. inkl. Bahnfahrten, Logis(Betten), Besichti- gungen und Kahnfahrten. Ferner findet am 4. August«ine Fahrt durch die Ruppiner Schweiz statt, die sich bisher regen Zuspruchs erfreute. Vom Stettiner Bahnhof nach Neu-Ruppin. Dampferfahrt über den Ruppiner See und durch den Rhin vorbei an Alt-Ruppin und weiter über Neumühl« mit Schleus«. Malchow- see, Teetzense«, Zermützelsee nach Forsthaus Tornow. Der Dampfer- fahrt folgt ein Spaziergang am Teufelssee vorbei nach Binenwald und weiter am herrlichen Binenbach entlang nach Boltenmühle und weiter am Tornowsee nach Tornow. Preis der Teilnehmerkarte 5,50 M. inkl. Eisenbohnsahrten und Dampferfahrten. Teil- nehmerkarten sind zu haben in der Geschäftsstelle der Natur- freunde, N. 24, Johannisstraße 14/15, von 17— 20 Uhr: Schmidt, W. 50. Rankestr. 30; Walter, Neukölln, Siegfriedstr. 55: Meckelberg (Vorwärts-Spediiion), SO., Graetzstr. 50: Sinn, N. 20, Stettiner Straße 30; Thomas, N. 65, Luxemburger Straße 1. • Die im Touristeirverein„Die Naturfreunde" zusammen- geschlossenen Arbeiter-Wanderer sind ständig bemüht, ihr Heimiietz weiter auszubauen. Sie boten dadurch bereits Tausenden von Ar- beiterimien und Arbeitern gute Erholungsmöqlichkeiten und sind deshalb in Deutschland nicht mehr so unbekannt. Mehr denn 250 Heime wurden hier ollein errichtet, abgesehen von rund 200 in außerdeutschen Ländern. Einfach« Wanderhütten wechseln mit gut ausgestatteten Ferienheimen, die auch den modernsten hygienischen Anforderungen— ohne hotelmäßtgen Komfort— gerecht werden. Unter den wenigen Wandergebieten in Deutschland, die auf dies« Weste bisher der Arbeiterschaft noch nicht erschlossen waren, befand sich auch der Spreewald. Jetzt ist es den K o t t b u s s e r Naturfreunden endlich auch gelungen, das vor drei Iahren in Naundorf bei Vetschau erworbene Grundstück nach völligem Umbau fertig zu stellen. Wasser, Garten, Spielplaß und geräumige Wandererküche, in der sich jeder sein Mahl bereiten kann, machen auch dieses Heim angenehm. Aber es stecken ungeheure Sorgen, di« Spargroschen der Naturfreunde und Taufende von Arbeitsstungen in diesem Bau. Hier bewährt« sich wiederum das solidarische Prinzip in der Arbeiterklasse, denn nur durch eigene Arbeit war es möglich, unter günstigen Verhältnissen einen solchen Ausbau zu schaffen. Mehr denn 50 Crholungssuchende können gut« Unterkunft finden. Der Wert des neuen Heim« erwies sich schon früher bei Treffahrten und größeren Zusammenkünsten. Da« schmucke Haus wird manchem Spreewaldfahrer gut« Heimstätte werden. Die Fahrttnöglichkeiten von hier in den Spreewald sind üb«r- aus vielseitig. Das Heim ist von Vetschau und Burg in je einer Stunde zu erreichen. Verbindungen noch allen wertvollen Punkten des Spreewalds sind herzustellen. Der schattige Kanal. der direkt bis zum Hause führt, macht es.zu einem äußerst wichtigen Stützpunkt für F a l t b o o t f a h r e r. Unterstellmöglichkeiten für di« Boote selbst sind gegeben. Von hier aus ist das vielgestaltige Wafsernetz des Spree walds nach allen Richtungen hin zu durch- streifen, ohn« daß man von Kahnfahrten und Wirtshäusern ob- hängig wird. Am 27. und 28. Juli ist die offizielle Einweihung«» f e i e r des neuen Heiins. Arbeiter-Wanderer aus allen Orten sind dabei willkommen.(Anmeldungen an Willi Kaua, Kottbus, Branitzer Straße 15). Die anschließenden Fahrten durch die Perle der Mark werden jedem Freude und Genuß bereiten. 17. deutsches Bundeskegeln. Das 17. Deutsche Bundeskegeln wurde vom 14. bis 19. Juli in dem zur Keglcrarena umgewandelten Achilleion, einer der größten Hallen des technischen Messegeländes in Leipzig, abgehalten.— Der Kegler verband Leipzig, dem vom Deutschen Keglerbund die Ausrüstung desselben übertragen wurde, hatte das Fest aufs best« vorbereitet. 60 nebeneinander liegende Kegelbahnen im Achilleion, 20 Bohlen-, 30 Asphalt-, 8 Scheren- und 2 Amerikabahnen(Zehnkegelstand) bildeten da« Sportfeld für di« wechseloollen Kämpfe. Die Bahnen waren eingeteilt in Haupt- und Nebenbahnen. Auf den«rsteren wurden die Einzel- und V e r- bands-Bundesmeisterschaften für Männer und Frauen auf Asphalt, Bohle und Schere, auch für Senioren(über 60 Jahre alte Mitglieder) ausgekämpft, ferner die Meisterschaft im Figuren- kegeln. Außerdem lagen auf diesen Bahnen auch die Bewerbungen um dos Bundessportabzeichen. Ferner fanden darauf auch die kombinierten Gaukämpfe über 2000 Kugeln statt, bei denen«ine aus 20 ausgewählten Keglern bestehende Mannschaft je 100 Kugeln zu schieben hatte, und die internationalen Wettkämpfe aus den beiden Amerikabahnen, auf denen amerikanische, schwedstche und deustche Mannschaften um den vom Europameister Max Schme- ling gestisteten Wanderpreis rangen. Die Nebenbahnen boten Gelegenheit zum W«ttkampf mit ver- fchiedener Kugelzahl in mehreren Spielarten. Alle Bahnen waren von den Tribünen aus gut zu übersehen und boten in ihrer Gesamtheit«in vielseitiges Bich tegelsportlichen Lebens.— Die gesellschaftlichen Veranstaltungen wurden durch einen Begrüßungsabend eröffnet. Den Glanzpunkt des Festes bildete am ersten Sonntag ein Festzug, der besonders glänzend durch die Mit» führung von 30 Bundes-, Gau- und Verbandsbannern ausgestaltet wurde, von denen di« schwersten in Bonnerwagen geführt, alle anderen aber gauweise geordnet im Zuge getrogen wurden. Etwa 10 000 deutsch« Kegelsportler in weißem Dreß oder im schmucken dunkelblauen Straßenonzug marschierten in mustergültiger Marsch- ordnung an der Bevölkerung vorüber. Bundessportwart H e ck er begrüßte im Auftrage der Bundesleitung di« Meng«. Bundes- versitzender Schluck schob die erste Ehrenkugel. Es wurde auf ollen 60 Bahnen täglich von 8 bis 23 Uhr gekegelt, oll« waren in unauf- börlichem Betrieb, viele Kegler mußten trotz der großen Zahl der Bahnen zurücktreten. Ein solcher Andrang war bisher noch nie da- gewesen. Nachstehend die Höchstleistungen: fftaueBOwifttti« auf Schere, 50»ugeln: ffrau Hol, lbannover) 547; ffeauen- rncifttnn auf Noble, 60 gngern: grau Schmcht lSlbin«) z»; �tauenmeiftcrin ouf«fjcholt, no«ufltln: grou Meoer kzwick-ui 275 Hol,.— Z?»i--r»»e>fter auf Schere. 50«»«ein: Werner lSannovcr) 340; Senlorenmrifter ouf Bohle, 50 Ku«,ln: Dordt(Niel) 5«1: Seniorenmrister ouf Asphalt, 50«uftiln: Schorf llvessa») 27« Hol,.—«»,»l««lf»r»fch»st«uf Scher«, 100 Nuseln; Cornelius fgiel) 1452; Einzelmeister auf Bohl», 100 gugeln: Buckow(Berlin) 1540; Ein,clme>Ner auf Olfphall, 100 stuaeln: giefer(Frankfurt a. M0 1100 Hol,.— Berl»-»d«»«isterfch»ft auf Bohl», Ähnerniannfchoft 100«. I« Mann 100»uaeln; Berlin 7454; Berdairbsmeisterfchoft auf Schere, Zehnerinoniilchott 1000, je Mann 100»uaeln:«iel«901: B-rbantsmeifteilchaft ouf Afha». 3'hnermannschaft 1000 je Mann 100»uaeln: MUnchen 5200 Hol,.— Im Znternoti.nole» Länderia»»! sieaten: als 1. Amerika mit 2313 Punkten; al» 2. Schweden mit 2248 Punkten: als 5.«elstcrbach(Dculschlond) mit 2150 Punkten.—«hren- bahnen, 10»uaeln.«lfphalt; Männer: Schneider(?»i>ickau) und Schalwauer (Milnchenl je«; Bohle: Männer;«.»in»»I(Berlin) und Eifert(B-xlin) je 50 Hol,: Scher«: Männer: Mtiller(Braunschweia) 7« Hol,: Alphalt: ffrauen: Seneuh(Dresden)«3: Bohl«: sirauen: Brämmel(Holle) 77: Schere: sirauen: Jyirtro'fl(Blankenbura) 66 Hol,.— SOO-ÄtKnI.»«*,(. Asphalt: Brvmmel l Halle) 1654; Boble: Soers(Sannover) 23M: Schere:-Zuhrmann(Aachen) 2200 Hol,.— Llub. Dreikampf. Asphalt:«lud.Weih-Krlln' l»84 aeaen Leip»ia 5«! Bahle: Klub„Auaustusbrilder I" a-O-n«iel 10S0 Hol,; Asphalt(ssrauen):.»lud ..Bresdensia" aeaen Dresden 7»l Hol,.— Deribahnenkampf. Asphalt, Bohle, Schere, je 20»uaeln: Arp(»iel) 415: Blltwer(Holberftadt) 404 Hol,.— Svor-ab�eich«»: erfiUlt auf Alphalt: 6 Männer, 5 grauen! auf Wahle: 125 Männer, 15 Frauen: auf Scher«: 48 Minner,« Frauen.~ Sieze» der lambinlrrt«. Saukämpf«:»roiwaer Mannfchaften, f« Mannschaft 2000, I« Starter 10««uaeln: Asphalt sl0 Mannschaften). X. Sieaer: Söchfifchet Bund, «reis I 11006; 2. Sieger: Sächsischer Bund,»rei- IV 10 785: 8. Siager: Sachs,. scher Bund,»reip in 10779.— Bahle(8 Mannschaften). 1. Mitteldeutscher«au 15168: 3. Borddeutscher«au 15034: 3. SchTrsiW«»UR*.U87«.-r«che« (3 Mannschaften). 1. Norddeutscher«Sau 14 035; 8. Miiteld-utscher«au 14 028 Hol,. Nach dem Bundesfest der RAST»! Dem Berliner Arbeitersport sind große Aufgaben gesteckt. Nach dem glänzend durchgeführten Bundesfest folgt bald der Reichs- arbeitersporttag, der bekanntlich am 18. August in den Reh- bergen stattfindet. An di« Vorarbeit muß schon jetzt gedacht werden. In der rein sportlichen Durchführung des RAST, werden sich zahl- reiche Anklänge an dio Darbietungen in Nürnberg ergeben. Der Reichsarbeitersporttag wirb in diesem Jahre den Charakter eines wahren Volksfestes tragen. Der neue Bolkspark In den Rehbergsn scheint dazu am besten geeignet. Den Auftakt dazu bildet ein großer Demonstrattonszug durch die nördlichen Arbeiterbezirke. Im Stadion erfolgt nach dem Aufmarsch mit Ansprache usw die Durchführung de» Sportprogramms. Nach den Freiübungen folgen die üblichen Läufe, Radfahrerreigen, Heben, Ringen, Jiu-Jitsu, Handball, Fußball, Kunstturnriegen der Frauen. Kinderstaffeln, Iugendtänze usw. Aus der großen Spielwiese wirken die Naturfreunde und die Hand- ballspieler, im Tanzring hinter dem Sporthaus Volksgesundheitler und Gymnastikgruppen. Aus den Tennisplätzen werden Freund- schaftsspiele mit auswärtigen Tennisgruppen ausgettagen, während im Sporthaus selbst der Arbeiter-Schachbund seine Tätigkeit ent- faltet. So zeigt sich im gesamten Volkspart reges Leben. Die Schwimmer sind bereits am 11. August in Plötzensee aktiv. Die Bedeutung des diesjährigen RAST, liegt in der klaren Kraftstellung des Berliner Arbeitersports nach schweren Zeiten unersprießlicher Auseinandersetzungen. Dessen mögen sich Mitglieder und Funktionäre bewußt sein. -ARBEJTEIL rUSSSALL Neuköllns Fufzballiurnicre. Die Neuköllner Fußballturniersp iele sind unter der Tropenhitze für die Arbeitersportbewegung ausgetragen. I.Spiel Vorwärts-Wcdding gegen Rathenow Halbzeit 0: 0 endete mit 1: 0. Beide Mannschaften spielten sehr aufgeregt. Das Spiel war bis Halbzeit ausgeglichen, nach der Halbzeit singen beide Mannschaften an, hart zu spielen, durch einen Fehler der Rathe- nower Verteidigung konnte der Halbrechte von Wedding den Fehler ausnützen und das einzig« Tor des Tages einsenden. Rathenow versuchte mit aller Macht, das Spiel unenstchieden zu gestalten. Im II. Spiel Reinickendorf I gegen Neukölln I war Reinickendorf gezwungen, mit drei Ersatzleuten zu spielen. Trotzdem spielten sie noch mit zehn Mann. lieber das Spiel läßt sich weiter nichts be- richten. Neukölln war dauernd in Führung. Das Resultat war bis Halbzeit 6: 6 und Endresultat 6: 11 für Neukölln. Im III. Spiel Hoppegarten gegen Lichtenberg, Abt. 2 I. Mannschaft, war der Sieger bis Halbzeit noch nicht festzustellen, da beide Mannschaften mit Aufopferung gespielt haben, bis Halbzeit stand das Spiel 2: 3 für Lichtenberg. Nach t>«r Halbzeit konnte Lichtenberg sich noch ver- bessern und mit 3:7 als Sieger hervorgehen. Gruppe II Schöne- berg I gegen Zehlendorf I endete mit 5:1 für Zehlendorf. Leider mußte Schünerberg in diesem Spiel mit mehreren Ersatzleuten an- treten: da die eigenen Genossen nach Nürnberg zum Bunde'sfcst gr- fahren sind und Neukölln freiwillig Ersatz gestellt hat, so mußte Schöneberg gegen Zehlendorf eine Niederlage einstecken. Im Spiel Neukölln III gegen Lichtenberg II war das Resultat: Halbzeit 0: 2 für Lichtenberg. Endresultat 3:2 für Lichtenberg. Das IV. Bor- rundenspiel findet am Mittwoch, dem 24. Juli, auf dem Städtischen Sportplatz Kaiser-Friedrich-Straße Ecke Jnnstraße statt. Es treffen sich Berliner Fußballklub Borussia gegne Noivawes 94. Anfang 7 Uhr, vorher Jugendspiele. Welhneistcr Sawall auf der Rüü- Arena! Nach dem so glänzend besetzten- 3-Stuiiden-Maniischaftsrenneii bringt die Rütt-Arena am-kommenden Freitag wieder ein großes Steher-Programm mit Weltmeister Sawall an der Spitze. Riitt hat aber auch dafür gesorgt, daß der neue deutsche Meister ganz hervorragende Gegner erhält. Da ist zuerst der sieggewohnte Franzose Maronnier, der seinen ständigen Rivalen tüchtig einheizen wird, ferner das„Haagsche Wonder" Leddy, der Steher- meiste? Hollands, ein anerkannter Spezialist der Holzbahnen, der Belgier D e w o l f, der auf der Rütt-Arena auch als Steher gegen gute Konkurrenz schon zweimal siegreich war, und schließlich der kleine Bauer, der durch seinen dritten Platz bei der Deutschen Meisterschaft im Stadion, wo er überrundet hinter Sawall und Krewer endete, allgemein überraschte. Internationale Wcti kämpfe am Verfassnngsiag. Am Verfassungstag, dem II. August, wird im Poststadion ein großer internationaler leichtathletischer Klubkamps H a k o a h- W i e n und Hagibor-Prag vereint gegen Bar Kochba- Berlin von statten gehen. Der Klubkampf wird die Konkurrenzen 100 Meter. 400 Meter, 1000 Meter, 3000 Meter, Kugelstoßen, Hochsprung, Weit- sprung, 4 X 100 Meter Staffel, 3 X 100 Meter Staffel umfassen. Jede Mannschaft stellt für jede Konkurrenz zwei Vertreter und eine Staffel. In der Wien-Prager Mannschaft werden unter anderem die neuen österreichischen Meister Blödy und Frankl teilnehmen. Jni Mittel- punkt der ganzen Beranstaltung steht der internationale Fußball kämpf Maccabi-Paris gegen H a k o a h- B e r l i n. Tausend-Meter~Hdhentlug in der Rhön. Bei frischen südöstlichen Winden herrschte am Sonnabend 5)och- betrieb aus der Wasterkuppe. Bei einem Flug von der Kuppe zum 4 Kilometer entsernten Ehrenberg und zurück erreichte der bekannte Segelslieger H i rth- Stuttgart eine' Höhe von über 1000 Meter. Dann setzte er zum Streckenflug an und landete schließlich 36 Kilo -meter von der Starfftelle entfernt in Rimbach. Arb.-Rads.-Derein Groß-Verlin. Sonnabend, 27. Juli, 18 lAsr. Nachttour Werbelinsee, Altenhof.— Sonntag, 28. Juli, 13 Uhr, Röntgenthal, Blaue Grotte. Stört: Waldemarstraße, Ecke Mariannen platz. Gäst« willkommen. „ver Mensch und der Sport. ff Gleichzeitig mit dem Bundesfest ist auch die Ausstellung„D e r Mensch und der Sport" eröffnet worden. Die Stadt Nürn- berg Hab für diesen Zweck die Wanderausstellung des Dresdener Hygiene-Museums gewonnen, im Herbst will Nürnberg ein eigenes Museum eröffnen. In'mehreren Räumen werden die weiten Ge- biete des Sports demonstriert, der Einfluß auf de n Körper in den verschiedenen Lebensaltern. Photographien und sonstige Abbildungen, Kontrollapparate für die Einwirkung auf Lunge und Herz, Geistesgegenwart und Schnelligkeit geben einen interessanten Einblick in die Sportwistenschaft. Di« großen Sport» o rg a n isa ti on en sind in ihrem Ausbau und Stärke- Verhältnis dargestellt. Aerztliche Führungen erleichtern dem Besucher das Verständnis für die Fragen der Hygiene und Er- nährung. Di« Besucher des Bundesfestes, insbesondere aus den kleinen Städten und vom Lande können hier ihr Misten bereichern und machen von der Einrichtung starken Gebrauch. Tansring auf dem Bundesfesf. Am Sonntag mittag wurden in einem besonderen Tanzring dn Gymnastikubungen gezeigt. Mittags 1 Uhr bei größter Hitze begann dieFreieTurner- schaft Groß- Berlin mit einer interessanten Gymnastik» Vorführung. Dann kam das Süddeutsche Vereinsturnen mit 4500 Teilnehmern in 140 Riegen, das alle Bielseitigkeit des Turnbetriebs demonstriert und einen großen Eindruck hinterließ. Der 17. Kreis(Oesterreich), zeigte im kleinen Rahmen de» Tanzringes Gymnastik. Achtzehn österreichische Mädels— vornehm» lich Wienerinnen kamen unter den Klängen eines fröhlichen Marsches in den Tanzring marschiert, im roten Dreß, so rot wie die Blumen, die den entzückenden Tgnzring umkränzen. In 20 Mi- nuten zeigen sie in anmutiger Welse den Zuschauern ihr Turnen, das sich wesentlich von der heutigen Gymnastik der deutschen Frauen unterscheidet.— Diese Vorführung ist mehr ein rhythmi- sches Körperspiel, man hat den Hauptwert darauf gelegt, vornehm- lich durch Bewegung der Arme der Uebung einen gewissen Aus- druck zu verleihen, ohne die anderen Körperteile zu berücksichtigen, ohn« also besonders auf die Grundformen der Gymnastik einzugehen.— Gegen 19 Uhr betraten über 250 Turnerinnen di« große Festwiese. Alle in bunten Tanztleidern. Mit leichten, zierlichen Laufschritten ordnete sich schnell alle» zu verschiedenen kleineren und größeren Kreisen. Nach den Klängen des Blumen-Polka be- wegte sich da. Ganz«, bald schneller, bald langsamer werdend, link» und rechts, auf und ab, um zum Schluß mit� einem schnellen Wirbel die Tänze zu enden. Ein wirtlich farbenprächtiges Bild war der Büttner. Tanz, der die Bezirk, schul« Nürnberg. historisch echt, der dos ganze Amphitheater begeistert«.— Die Turnerinnen der K r e i s s ch u l e Berlin zeigten gut zusammen- gesetzte gymnastische Gruppen.— Die Leipziger Jugend zeigte eine Tanzidichiung:„Die bunten Schuhe" nach einem Märchen- motin Andersens von Otto Zimmermann(Leipzig), der auch mit Füchs«!(Leipzig) upd Genossin Brünner(Plauen) als Einzeltänzer auftrat. Die Idee des Stückes: Ein betörtes Mädel löst sich aus der Gemeinschaft, wird verführt, und findet erst pach hartem Kampf den Weg zur Gemeinschaft zurück, diese Idee, die Verherrlichung des Gemeinschaftsgeistes war zugleich die in tänzerische Form gegossene Idee des Arbeitersports. Die hervor- ragend« Darstellung und künstlerische Gestaltung wirkte mit der herrlichen Naturanlage außerordentlich auf die zahlreichen �u- schauer, die dichtgedrängt den Ring umlagerten. Dcufschnationale Angst. Die nationalen Belange sind in Gefahr? Ganz Nürnberg und Umgegend bis Fürth prangte im F l a g g e n s ch in u ck, die Bevölke- rung war mit Kind und Kegel auf den Beinen, man sprach nur noch vom großen Fest. Da kribbelt» den bayerischen Hitler-Deutsä)- nationalen in allen Gliedern. Der„Fränkische Kurier" klagt Stein und Bein: Wo sind„unsere ehrwürdigen und heiligen schwarzweiß- roten Fahnen"! Man denke: die staatlichen Anstalten entbieten den Marxisten ihren Gruß. Die Reichsbahn geht noch weiter, sie hat am Bahnhof nicht nur die schwarzrotgoldene Fahne heraus- gehängt, sondern duldet am Marientunnel ein großes rotes Tuch mit dem Festzeichen der sozialistischen Sportler. Unsere städtischen und, man staune» auch unsere staatlichen Gebäude(Reichsbahn, Reichspost, Finanzamt und Reichsbank) haben Flaggenschmuck an- gelegt sür ein sozialdemokratisches Fest! Auf dem Lorenzer Platz steht sogar ein hoher Fahnenmast, dessen Fahnenbllndel oben durch eine Anzahl blutroterundrosaroter Fahnen gekrönt wird. So klagt der„Kurier", und entsetzt zitiert er die Worte des Partei- Vorsitzenden Genossen Wels:„In Deutschland marschieren Sozial- demokratie und Arbeitersport auf gleicher Straße", sowie die Worte de» preußischen Innenministers Genossen Grzesinski:„Die Arbeiter Turn- und-Sportbünde wollen der Idee des Sozialismus dienen." Der alte Schlachtruf ertönt wieder: Der Staat ist in Gefahr— die roten Turner kommen! Die„Vaterländischen Verbände" von Bayern und vom„Ring Schwarz-Weiß-Rot Nürnberg" haben einen langen Protest bei der Reichspost und der Reichsbahn eingelegt. „Als berufene Vertreter aller der Kreise, denen das Vater- l a n d über der Partei steht, echeben wir schärfsten Einspruch!" Die Arbeitersportoerbände wollen die Arbeiter von jeder Berührung mit dem Bürgertum fernhalten und sind daher Parteiverbände. Die Beflaggung der Dienstg�bäude sowie der R e k la m est c m p e k für das Arbeitersportfest auf allen Nürnberger Briessachen ist eine Rück- sichtslosigkeit und hat die nationalen Kreise sehr verstimmt. Aber man will wieder vaterländisch sein, wenn auch zum National- sozialistischen Parteitag geflaggt wird. Daß zu den bürgerlichen Sportfesten seit Jahrzehnten der ganze Behörden- apparat aufgeboten wurde, verschweigt man. Die viertägigen sportlichem Veranstaltungen werden auch totgeschwiegen. Die Press« schweigt, aber ganz Nürnberg und Umgegend sieht, hört und staunt, was die bösen Roten für schönen Sport zeigen. Alles wird angesteckt von der Begeisterung. Bayern erlebt eine iße ideelle Sache, die laiige in der Erinnerung bleiben wird. war haben die Schwarzweißrotcn Angst! � ßelchifa-Jlnsnger � töezivß füden-tVefien. PläMäiC an den �1,2 Ansdilagsäulen in Qroß-Berlin haben stets Erfolge. Ausführung durch die Berliner Anschlag- und yfOvl vlft Reklamewesen G.m.b.H. Berlin 5W19,Grünstr. 17/20, Fernspr.; El BerolinaS991 Bandagen-Müller Prinzenstraße 43, am Moritzplatz er- Künstliche Glieder, Gummistrümpfe, Plattfußeinlagen Eigene Werkstatt Lieferant für sämtliche Krankenkassen mmZAct Gegen Infektion In allen einschlägigen Geschäften erhältlich Freitag« G. 26. 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