BERLIN Sonnerstag 25. 3uli 1929 10 Pf. Nr. 344 BlU 46. Jahrgang. SrschetattSsltch aoterGinntag«. Zugleich'Abendausgabe de«.Vorirärt«'. Dejug«xrei< beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. 3.60 M. pro Monat. Kcdaktion und Eppedition; BerlioSWSS.LindenKr.3 „VnWwdb l n»elgenprti«: Di« einspaltige Nolipareillejeile SO Pf., Reklameieilt ü M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkoato: Dorwärt«'Verlag G. m. b.H., Berlin Nr.»7S36. Fernsprecher! Dönhoff 292 bis 297 Amerika stellt Kreuzerbau ein. Hoovers Antwort auf Macdonalds Geeabrüsiung. Washington» 23. Jnli.(Eigenbericht.) Skis Antwort auf die Erklärungen Macdonalds im Unterhaus über die Einstellung von Schiffsbauten er- klärte Staatspräsident H o o v e r» dah Amerika eben- falls die drei in Aussicht genommenen neuen Schlacht- kreuzer in diesem Jahre nicht bauen werde. In der Erklärung Hoovers zur Flottenabrüstung heißt es: „Mit wirtlicher Genugtuung habe ich die Erklärung Macdonalds gelesen. Amerikas Volt ist höchst geschmeichelt über den vor- geschlagenen Besuch Macdonalds. Er wird allgemeines Will- kommen finden. Macdonalds Erklärung im Unterhaus bedeutet einen neuen Ausgangspunkt für die Aussprache über die Flottenabrüstung. Ministerpräsident Macdonald führte den Arund- satz der F l o t t e n g l e i ch h e i t ein, den wir jetzt angenommen hoben. Diese Annahme bedeutet, daß Großbritannien und die vereinigten Staaten von nun an nicht' in Rüstungswettbewerb treten, sondern in der Frage der Rüstungsbeschränkung als Freunde auftreten. Macdonald hat einen Grundsatz aufgestellt, der klar und unmiß- verständlich ist und nach dem er sich richten will. Wir werden seine Anstrengungen im gleichen Geiste unterstützen. Macdonald hat den guten Willen und die positive Absicht, der britischen Regierung de. kanntgegeben, gewisse Teile des diesjährigen Flottenbauprogramms zu streichen. Der Wunsch der Vereinigten Staaten ist es, den gleichen guten Willen zu zeigen. Im diesjährigen Bauprogramm der Ver- «inigten Staaten find drei Kreuzer, deren Kiellegung im Herbst er- folgen sollte. Allgemein gesprochen überschreitet zwar die englische Kreuzerstärke gegenwärtig beträchtlich die amerikanische. Wir wünschen jedoch nicht, daß bezüglich unserer Schritte irgendein Miß- Verständnis besteht. Wir werden daher die Kiellegung dieser drei Kreuzer nicht vornehmen, bis sich die Gelegenheit sür eine volle Erwägung ihrer Auswirkungen auf die Flottengleichheit er- geben hat, die wir zu erreichen hoffen, obwohl unsere Hofsnungcn aus Erleichterung mehr im letzten Bauprogrammjahr liegen." China verhandlungsbereit. Für direkte Verständigung mit Moskau. London, 25. Zull. Reuker berichtet aus Schanghai: Der chinesische Außenminister Wang erklärte Pressevertretern, daß China durchaus gewillt sei. in Verhandlungen mit der Sowjetregjerung einzutreten und den Konflikt wegen der Ostchinesischen Eisenbahn beizulegen. Cr sei bereit, dem Wunsche Moskaus entgegenzukommen und die strittigen Fragen iu d i r e k t e n Verhandlungen zu regeln, statt sich der Ver- mittlung eine» Dritten zu bedienen. Der Minister glaubt, daß die Verhandlung«« eher in Moskau als in Charbin eröffnet werden könnten, und hegt die Zuversicht, daß man zu einer Verständigung gelangen werde. Cr erwarte eine Andeutung von Moskau über die Haltung, die die Sowjetregierung gegenüber dem vorgeschlagenen Verfahren einnehme, und eine Mitteilung darüber, wann die Verhandlungen gegebenenfalls eröffnet werden sollen. Auch die Sowjetunion wünscht keine Vermittlung Tokio. 25. Juli. Zwischen dem japanischen Außenminister Shidehara und dem ruififchen Botschafter in Tokio hat gestern eine Besprechung statt- gefunden, in d«r der russische diplomatische Vertreter die japanische Regierung in Kenntnis setzte, daß Rußland keine Vermitt- l u n g einer dritten Macht wünsche, bevor nicht der Status, der vor der Beschlagnahme der Telephon- und Telegraphenlinien der Ostbohn herrschte, wieder hcrgestellt worden sei. * Die heute morgen unter Vorbehalt wiedergcgebcne Meldung von einem Sowjeteinmarsch in der Mandschurei ist unbestätigt ge- blieben, so daß sich bis jetzt ag der militärischen Lag« nichts ge- ändert hat. Japan läßt chinesische Truppen durch. Peking, 25. Luli. Am Mittwoch wurde in Mulden zwischen den: japanischen Generalstab und Marschall Tschanghsueliang ein Abkommen über die Beförderung chinesischer Truppen auf der durch Jap:« kontrollierten südmandschurischen Eisenbahnstrecke nach der Nord- Mandschurei unterzeichnet. Die japanische Regierung hat die Be- Das Trümmerfeld in Borsigwalde Glücklicherweise keine Todesopfer. Sin Augenblick der heUigslen Sxplosionen. Die ersten vefürchkungen, daß bei der Explosion in den vorsigwalder Sauerstosfwerken auch Todesopfer zu beklagen sind, haben sich glücklicherweise nicht bestäligl. Zwei Ar- bell er und eine Arbeiterin wurden zunächst vermißt. aber noch im Lause des gestrigen Abends konnte ermillclt werden, daß sie in der Ausregung davongelaufen und u n- v e r l e h l waren. Di« Lösch- und provisorischen Slufräumungsarbeiten wurden gestern bei Einbruch der Dunkelheit eingestellt. Etwa um 18 Uhr hatten die Detonationen aufgehört, trotzdem mußten sich die Lösch- Mannschaften von dem Hauptbrandherd, unter dem man noch gefüllte und trotz der Hitze nicht erplödierte Sauerstoff- b c h ä l t e r vermutete, in einiger Entfernung halten. Während der vergangenenen Rocht blieben an der Ungluckstell« zwei Löschzügc als Brandwoch* zurück. Die Feuerwehrleute waren zwar auf den Dächern postiert, nm auck die umliegenden Betriebe ständig unter Beobachtung zu halten., An den frühen Morgenstunden wurden heute die Sl u f r ä u m u n g s a r b e i t« n fortgesetzt. Zunächst wurde der Fahrdomm in der Behrcndtstraße gesäubert. Die Baumreih« zu leiden Seiten der Straße ist an der Unfallstell« stark ge- lichtet, von einig«» Bäumen stehen nur noch die Stümpfe. Kurz nach 8 Uhr waren die Arbeiten für die Feuerwehr beendet und die Explosionsstätte wurde d«r Werksleitung übergeben. Lieber die Entstehungsursache gehen die Meinungen auseinander. Es sind durch die Kriminal- Polizei bereits Vernehmungen erfolgt, ohne daß es gelungen ist, aus den gemachen Angaben ein klares Bild zu bekomnien. Bei dem riesigen Trümmerhaufen ist der eigentliche Herd kaum noch zu ermitteln. Einer der im Betriebe beschäftigten Leute führt die Explosion darauf zurück, daß beim Verladen der Flaschen eine herab- gefallen und geborsten sei. Das ist wenig wahrscheinlich, denn die Flaschen sind sc erprobt, daß Stoß oder Fall nicht gleich zur Ex- plosion führen. Der Schaden ist sehr hoch und soll etwa eine halbe Million Mark betragen. Ein Teil des Betriebes muß für einige Zeit gelegt werden. Heut« vormittag waren auf den Dächern der umliegenden Fabriken, die von den niedersansenden explodierenden Sauerstoffbehältern durchschlagen oder sogar in Brand geraten waren, überall Handwerker mit den Reparaturarbeiten beschäftigt. Di« Unglücks- statte ist nach wie vor durch Schutzpolizei abgesperrt., Das Befinden der im Krankenhaus untergebrachten Ver- letzten ist den Umständen nach zufriedenstellend. Weitere Ver- letzt« oder gar Tote sind nicht gefunden worden. förderung von Ii» 000 Mann chinesischer Truppen unter d«r Be- dingung gestattet, daß sie ohne Waffen und Artillerie erfolge. Die Massen werden daher auf Kraftwagen nochgeführt w-rden und zwar vom Mukdener Arsenal nach Eharbin. Die japanische Eisen- bahnverwaltung Hot sich verpflichtet, diese Tnippcnbesörd«rung kostenlos auszusühren. Die chinesische Regierung soll sich bereit er- klärt haben, den Japanern als Gegenleistung für die Unterstllgung zum Schutz der Mandschurei gegen russische Angriffe neue Eisen- bahnzugeständnisse einzuräumen. Das Befinden des Kanzlers. Weitere Besserung. Heidelberg, �25. Zull. Vau den behandelnden Aerzle« wird mitgeteilt: Es ist eine weitere Vesser» ng im Befinden des Reichskan;- ler» festzustellen, ver kranke hat eine gute Rächt gehabt. Die Temperatur ist normal, Rahruugsaujnahme zufriedenstellend. Seit Tagen in der Lust. Die amerikanischen Oauerrekordflieger über St. Louis. Die Jllegcr Zackson und Obtinc, die seit 12 Tagen über St. Louis ihre Sreise ziehen und den Weltrekord für den D a u e r. slug mit Brenn st offübernahme schon um einen vollen Tag überboten haben, sehen ihren Flug weiter fort, doch ist es fraglich, ob sie ihre Absich«, drei Wochen in der Luft zu bleiben. durchführen können, da sie auf einem abgeworfenen Zettel mitteilen, dah der Motor durch Klopsen Zeichen von Ermüdung gebe. Etwa 50 000 Zuschauer wohnen dem Rekordflug bei. Seit- dem die Flieger den alten Rekord überboten haben, er- halten sie von der Eurtlh-Fluggesellschaft und zwei Handelshäusern in St. Louis Prämien von je 100 Dollar die Stunde. Außerdem hat die Handelskammer eine Sammlung eingeleitet. In den Bureaus de« Flugplatzes haben sich bereits riesige Berge von mehr oder weniger wertvollen Geschenken angehäuft. Mittionenunterschlagungen in Mainz. Verhaftung des Direktors der Getreidekreditbank. In den letzten Tagen sind Riesenunterschlagungen bei der Mainzer Getreidekreditbank aufgedeckt worden, die durch verfehlte Spekulationen de» Direktors Georg Hosmann ent- standen sind. Es handelt sich um sehr große Beträge. Die Unter. schlagungen sollen sich auf etwa zwei Millionen Mark belaufen. Seit drei Iahren wurde die Bilanz gefälscht. Direktor h o f m a n n ist verhaftet worden. In einer Sitzung am Mittwoch im Beisein von Vertretern der Deutschen Rentenbank Berlin wurde beschlossen, sofort den Konkurs zu beantragen. Die Schalter der Bank sind ge- schlosien. Durch die Unterschlagungen ist eine Reihe von Firmen sehr erheblich geschädigt worden. Motorradunglück am Kaiserdamm. Sin Toter, ein Schwerverletzter. Auf dem Kaiserdamm ereignete sich heute früh gegen 4 Uhr ein schweres Motorrad nngliirk. An der Ecke der Danckelmannstraße fuhr der 34 jährige Motorradfahrer Bruno Lang aus der Mollwitz st raße 3/4, der aus dem Soziussitz einen Freund, den 30jährigen Erich B r e h m« r aus der C a u e r st r a h e 28 mit sich sühkte, nüt einem Autobus der Linie 9 in voller Fahrt zusammen. Beide Fahrer wurden aufs Straßenpflaster geschleudert und schwer verletzt. Lang st a r b aus dem Weg zum Hildegard- krankenhaus. Brehmer liegt im Westendkrankenhaus, wo er Ausnahme fand, schwer danieder. heute vormittag trug sich am Kaiserdamm, Ecke Rog- nitz st raße ein zweiter schwerer Verkehrsunfall zu. Infolge zu scharfen Bremsens fuhr ein Lastauto auf den Bürgersteig und riß einen Straßenbahnmast um. Zwei Passanten, ein Mann und eine Frau aus der Provinz, wurden von dem umstürzenden Mast getroffen und schwer ver» letzt. Die Verunglückten wurden ins Westendkrankenhaus über- geführt. Ein weiterer tödlicher Unfall ereignete sich in der Groß- beeren st raße in Mariendorf. Dort wurde morgens kurz nach'/H9' Uhr der 64jährige Radfahrer Franz Li ermann aus der Dorfstraß« 5 in Mariendorf von einem L a st a u t 0 überfahren und auf der Stelle getötet. Lubelgruß den Mördern! Seine Wirkung auf das Ausland. „Gott beschütze uns vor unseren Freunden!" möchte man aus- rufen, wenn wieder mal, wie so oft, von jenen Deutschen, die auch heute noch blind sind für die gegebenen Tatsachen in der Außen, Politik,«ine riesenhafte Torheit begangen worden ist. Während unter der Leitung seiner Führer das deutsche Volk in seiner über» wiegenden Mehrheit nach Kräften bemüht ist, die natürliche Konsequenz aus dem Endresultat des Weltkrieges zu ziehen, während der Erfolg dieser Bemühungen sich zu zeigen beginnt in einem zwar langsamen aber sicheren Schwinden der Kriegs- Psychose bei unseren früheren Feinden, während man fast zu fühlen glaubt, wie das Vertrauen zu Deutschland, dem neuen Deutschland, sogar bei den Chauvinisten im anderen Lager erstarkt, — in dieser Zeit glauben gewisse Leute, die sich stolz als die Expo- nenten des nationalen Gedankens bezeichnen, immer wieder einmal die Rolle des Elefanten im Porzellanladen spielen zu müssen. Einen Haufen Scherben gibt es dann jedesmal, die zu- fammeiizuleimen die tapsigen Täter anderen überlassen müssen, well ihnen selbst die Intelligenz dazu fehlt. Ein ganz besonders krasser Fall dieser Art war die von nationalistischen Kreisen im Zirkus Busch in Berlin veranstaltete Kundgebung für die vier Fememörder, die die Mecklenburgisch« Rechtsregierung begnadigt uiH freigelassen hatte. Lesen wir, was die Londoner„Times" dazu zu jagen hat: unter der Ueberschrift„5000 Deutsche lassen Mörder hochleben" heißt e» da u. a.: „50ÜÜ Menschen jubelten Mörder» zu. Das war das sonder- bar« Schauspiel, das man im Zirkus Busch sehen tonnte, als die oor drei Iahren zum Tode verurteilten Mörder eines Soldaten der„schwarzen Armee" auf der Bühne erschienen. Vor drei Tagen waren sie von der Mecklenburger Regierung in Freiheit ge- setzt worden mit der Begründung, der Mord sei in vaterländischem Interesse begangen worden. Auf der Bühne saßen da die Menschen. die ihr Opfer ins verschwiegen« Dunkel eines Waldes gelockt, dort getötet und eingescharrt hatten.— Und die Menge im Zirkus iprang auf von den Sitzen, ließ unter Händeklatschen und Tücherwchen die Helden, die Patrioten, die Märtyrer der nationalistischen Sache hochleben!— Bor den Mecklenburger Richtern hatten damals die Mörder vergeblich sich damit zu entschuldigen oersucht, der Soldat Hab« getötet werden müssen, weil er eventuell die Geheimnisse der Freikorps der Nationalisten hätte verraten können. Die neuen Minister in Mecklenburg aber, unoerhüllte Nationalisten, und die Menge, die Sonn- tag den Zirkus füllt«, die dort vertretenen Organisationen, ste alle hoben Ansichten, die denen der Mecklenburger Richter diametral gegenüberstehen. Es wurde eine Entschließung angenommen, die die Freilassung weiterer Fememörder forderte.— Was könnte klarer als diese Szene zeigen, daß das neue Deutschland in sich selbst gespalten ist?" Das ist nur eine Stimme des Auslandes. Leider- gibt es un- zählige nationalistische Presiestimmen Im Ausland, die weniger sachlich sind und mit derartigen Kundgebungen ganz Deiitsch.'and verunglimpfen, obwohl der weitaus größte Teil des deutschen Volkes nichts mit Verherrlichung der Fememörder zu tun hat., Die Ookumentenfälscher am Werk (Sin„Geheimerlaß Grzefinskis"- im Ministerialblatt veröffentlicht. Di« Hysteriker im Karl-Liebtnecht-Haus versahen die heutige Morgenausgabe ihrer Lügenfahnennt dem dreispaltigen Balken: „Grzesinski, Severing- Stresemann geben Was- fenschmuggel nach China frei.— Ci« Geheimerlatz Grzefinskis.— Waffenhilfe der SPD.- Minister gegen USSR." Dahinter wird der Text eines vom preußischen Minister des Innern angeblich am 15. Juni unterschriebenen„Geheimerlasies" wiedergegeben, damit der Eindruck erweck? wird, daß die„Rote Fahne" ein ihr vorliegendes Dokument wörtlich wiedergibt. Die Fabrikanten dieser Mitteilung sind jetzt wieder einer„refor- mistischen Provokation" aufgesessen. Es hänbelt sich nämlich um keinen„Geheimerlaß", sondern um den„Runderlaß des Ministers für Handel und Gewerbe und des Ministers des Innern vom 12. Juli", der im Ministerialblatt für die inner« Ver- w a l t u ng abgedruckt und damit der O e f f e n t l i ch k e i t, also auch den Lügenfabrikanten im Karl-Liebtnecht-Haus bekannt wurde. Dieser Runderlaß Iputet: „Waffenhandel nach China". Runderlaß des Ministers für Handel und Gewerbe und des Ministers des Innern vom 12. Juli 1929: „Die Geltungsdauer des Gesetzes über den Waffenhandel nach China vom 3l. März 1928(RGBl. S. 149) ist nicht verlängert worden und daher gemäß§ 4 des Gesetzes am 1. Mai 1929 ab- gelaufen. Damit sind auch die Verordnungen der Reichsregierung vom 28. April 1928 zur Ausführung des Gesetzes(vergl. Ministen al- blatt i. V. 1. Mai 1928, S. 601) und die Runderlasse des Ministers des Innern oom 31. Mai und 15. November 1928(Ministerialblatt i. B. S. 599, 1099) außer Kraft getreten." Dieser Runderlaß war eine Selbstverständlichkeit, da das Reichs- gefetz, auf Grund dessen die preußischen Berordnungen erlassen waren, am 1. Mai 1929 ablief. Der preußisch« Innenminister hätte, gesetzwidrig gehandelt, wenn er etwa die nachgeordneten Behörden von dem Ablauf dieses Gesetzes nicht verständigt hätte. Die Dokumentensälscher im Zentralorgan der Kommunistischen Partei sind damit wieder einmal gebührend entlarvt. Dabei erhebt sich nur die Frage, warum die konnnunistrsche Fraktion im Reichstag nicht rechtzeitig vor dein 1. Mai die Berlängerung dieses Waffen Handeisgesetzes beantragt Hot. Sollte es vielleicht daran liegen, daß im Mai der Konflikt um die Ostbahn zwischen Rußland und China noch gar nicht ausgebrochen war und infolgedessen kein Mensch, ja sogar nicht einmal die Kommunisten, es für nötig hielten, dieses Derbot des Waffenexports nach China zu verlängern? C' Wir sind von Macdonald bestochen. ' Nachdem die„Rote Fahne" schon gestern auf die Entdeckung oer- fallen ist, daß wir ihre Fälschungen nur deshalb entlarven, weil wir von ausländischen imperialistischen Mächten dafür bezahlt werden, wird sie heute noch um einige Grade deutlicher. Sie schreibt: Mit den Redakteuren de»„Vorwärts" ergeht es ' uns ganz ähnlich, wie es harden mit jenen Mördern erging: sie sind selbst alz politische Gegner zu schäbig. Und so wahrscheiu- lich unsere Vermutung recht hat, daß ihr gegenwärtiges hysterisches Solidaritätsgeschrei für den Henker und Kriegshetzer Tschangkaischet nur mit den Pfunden zu erklären ist, die diesen Burschen aus dem Geheimfonds der englische« Macdonald- Regierung zufließen, so sehr müssen wir doch konstatieren, sie leisten wenig für ihr Geld. Wir können der„Roten Fahne" nur dazu gratulieren, daß sie unsere Geldquellen so rasch ermittelt hat. Damit sie uns aber nicht mit weiteren Enthüllungen zuvorkommt, wollen wir auch gleich den Weg eingestehen, auf dem die englischen Geheimfonds zu uns gelangen: In London fungiert als Mittelsmann ein gewisser Karl Marx, der die englischen Subsidien unter dem harmlosen Decktitel „Das Kapital" lausend oerbucht. Karl Marx soll bereits drei dicke Bände nur mit Ziffern der Bestechungssummen gefüllt haben! Das Geld selber wird, wie die„Rote Fahne" auch schon gemerkt hat, in Bierfässern versteckt und dann auf dem be- rüchtigicn Dampfer„Falk e", der je nach Bedarf von 980 Tonnen auf 9000 Tonnen vergrößert werden kann, nach Deutschland im- portiert. Ein Kaufmann namens Friedrich Engel» soll an diesem Schmugglergeschäft hervorragend beteiligt sein. Arbeiter, achtet auf diese dunklen Gestalten! Aegypten wird reformiert. Labour erzwingt die Wiederkehr der Demokratie. Kairo, Mitte Zuli.(Eigenbericht.) Die englische Arbelterregierung hat den bisherigen eng- lischen Oberkommissar Lord Lloyd zum Rücktrlit genötigt, da er mit ihrer neuen, auf die Wiederherstellung demokratischer Zustände in Aegypten gerichtet«« Politik nicht einverstanden war. welchen Stand die zurzeit in London schwebenden ver- Handlungen zwischen England und Aegypten erreicht haben, zeigen diese Darlegungen unsere» Orientkorrespondeuten. Der Endspurt in dem Rennen Um die englische Gunst, der zwischen dem Ministerpräsidenten Mohammed Mahmud und dem Abgesandten des Wafd, William Makran Ebeid, während de» letzten Monats in London mit so großer Erbitterung geführt wurde, hat mit einem Siege des erfteren geendet. Di« seit der vorjährigen Reise des verstorbenen Premierministers Sarwat Pascha unterbrochenen Verhandlungen über)>ie Regelung der englisch-ägyptischen Beziehungen werden wieder aufge- r» o m m e n. In Aegypten selbst hat die Nachricht derartig« Ueber- raschung hervorgerufen, daß die Zeitungen mit der Nachricht im Preis« gestiegen sind, wie Börsenpapier« auf Mitteilungen von einem besonders günstigen Abschluß. Die Blätter wurden den Derkäufern förmlich aus den Händen gerissen und für Exemplare, die normalerweise 10 Ps. kosten, wurden, sehr zur Freude der Zeitungsjungen, bis zu 5 M. gezahlt. Diese kleine Episode beweist die Stärke des Bedürfnisses nach einer Konsolidierung in der inneren Politik Aegyptens. Trotzdem sich Mohammed Mahmud alz der starke Mann gebärdet und feine Diktatur durch Polizeiterror und andere Gewaltmittel zu stärken sucht, wäre seine Stellung bei einem Widerstand Englands 'doch auf die Dauer unhaltbar geworden. Ohne britischen Willen fällt in Aegypten immer noch kein Sperling vom Dache. Der Preis, den der Diktator für seinen Erfolg zu zahlen haben wird, ist nicht gering. Einmal hat er«in Opfer des Intellekts bringen müssen. Er wird zur konstitutionellen Methode zurückkehren und noch vor Ablauf der ursprünglich festgesetzten Bewährungsfrist Reu wählen aus- schreiben., Die die Dolksoertretung von seinen Gnaden aussehen wird, selbst dann, wenn nach dem bisherigen Wahlrecht gewählt werden wird, ist eine andere Frage. Der Regierungsapparat wird bereits seit längerer Zeit auf diese Aufgab« vorbereitet, und die lokalen Be- Hörden werden durch verständnisvoll zusammengestellte Wählerlisten, durch einen Massenauftrieb von Stimmvieh und andere Kunststück« das für die Politik des Ministerpräsidenten erwünschte Resultat her- ausbekommen. Eine zweite, nicht weniger wichtige Chance erhält Mohammed Mahmud durch die wachsende Kampfmüdig- ke it in den Reihen des Wafd. Der Kampf für eine Idee bis zum bitteren Ende gegen einen überlegenen Gegner ist keine ägyp- tische Nationaltugend. Es gibt innerhalb des Wafd eine Anzahl von Persönlichkeiten, die bei«ntsprechendv Friedensbedingungen gewillt sein werden, auf den Boden der Tatsachen zu treten. Unter solchen Umständen liegt das Zustandekommen einer parlamentarischen Mehrheit für die Regierung keineswegs außerhalb des Bereichs der Möglichkeiten, namentlich, wenn sich Mohammed Mahmud dazu wird verstehen können, einigen prominenten Persönlichkeiten Minister- sessel in seinem Kabinett freizumachen. Der zweite Kausschllling, den Mohammed Mahmud zu zahlen hat, wird ohne Zweifel in der Aufgabe dex von Zaghlul Pascha England gegenüber formu- llerten Reservate Aegypten» bestehen. Sie sind zwar bisher von jedem ägyptischen Staatsmann als die cbarta der ägyptischen Politik respektiert worden. Der Derzicht auf sie wird Mohammed Mahmud nicht sehr schwer fallen, denn er hat einen ihrer wichtigsten Punkte, die Forderung nach dem Alleinbesitz des Sudan, bereits in dem englisch- ägyptischen Wasserabtommen aufgegeben. Da das Prinzip der ägyptischen Selbstbestimmung in einem so wichtigen Falle bereits durchbrochen ist, braucht es künftighin auch nicht mehr ängstlich gewahrt zu werden. Selbstverständlich hat sich Mohammed Mahmud zu diesen Konzessionen nicht aus selbstloser Liebe zu England bereit- gefunden. Er hat da» so wenig getan wie das der Wafd im gleichen Fall« getan hätte. Es gibt keinen Aegypter, der ein hundert- prozentiger Englandfreund wäre, und im stillen Kämmerlein wird� der ägyptische Premier lein Verhalten damit rechtfertigen, daß er für die Zugeständnist« auf politischem Gebiet mit solchen auf wir:- schaftlichem bezahlt gemacht wird, die wenigstens die ökonomische Befreiung des Landes van der europäischen Be- oormundung ermöglichen. Die Abschaffung der Kapitulationen kann Mohammed Mahmud schon heut« mit Sicherheit auf sein Kreditkonto buchen. Diese Tat ist für ihn schon Leistung genug, denn er fühlt sich als der Sach- Walter der kleinen aber mächtigen Gruppe, die auf dem Umweg über die Schaffung eines großkapitalistischen Aegypten zu dem Ziel der politischen Unabhängigkeit kommen will. Im übrigen ist der ägyptische Ministerpräsident Orientale genug, um nicht dauernd auf der Lauer nach einem Augenblick zu liegen, der ihn au» dem Gebenden zu einem Nehmenden macht. Der in dem Rennen um einige Längen geschlagen« Wafd wird für einige Zeit die Wüstenwanderung einer Opposition ohne die Aussicht auf eine baldige Rückkehr an die Regierung antreten müssen. Der nicht gerade als sehr zart besaitet bekannte Mohammed Mahmud wird ihm die Zeit der Kasteiung van den Fleischtöpfen der Mach: sicher- lich nicht leicht machen. Der Gedanke der ägyptischen Freiheit lebt so stark im Bewußtsein des Volkes, daß er unausrottbar ist. Die Zukunft wird den Erben Zaghluls gehören, wenn sie aus ihrer Niederlage von heute die Konsequenzen ziehen werden. Die Ge- legenheit für ihn ist günstig, denn die immer mehr in Gang kommende Entwicklung des asiatischen und afrikanischen Islam kann die Renaissance eines ägyptischen Nationalismus beflügeln, der sich der Tatsache bewußt ist, daß die Befreiung des Ostens nicht das Ergebnis agitatorischer und diplomatischer Kunststück«, sondern das Werk eines sozialen Neuaufbaues der aus ihren Fugen geratenen orientalischen Gesellschaft mit Hilfe der ans Licht drängenden Massen ist._ Wetterer Aufstieg der Gemeindearbeiter Trotz großer Arbeitslosigkeit. Wie der soeben veröfsenilicht« Abschluß der Hauptkasse des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter für das 1. Ouvrtal dieses Jahres zeigt, halt die Mitgliederzunahme in dieser Organisation auch in diesem Jahre an. Im 1. Vierteljahr 1929 ge- wann der Gemeinde- und Staatsarbeiterverbcmd 6172 neue Mit- glieder, so daß er am 31. März 264 13SMitglieder mustert«. Daß die Zahl der z a h l en d e n Mitglieder im Laufe des 1. Quar- tals von 247 629 auf 241 075 zurückging, ist wie in sämtlichen Ge- iverkschaften auf die in jedem Winter eintretend« größere E r- werbslosigkeit zurückzuführen, die bekannllich im oergan- genen Winter wegen seiner ungewöhnlichen Strenge außerortent- lich groß war. Wenn die Entwicklung weiterhin so anhält, ist da- mit zu rechnen, daß der Verband der Gemeinde- und Staatsaribeiter die voraussichtlich noch im Herbst erfolgende Verschmelzung mit dem Deutschen Verkehrsbund mit einem Stamm vv» Z7S 000 Mit- Qlitbtrn ooll�ehen wird. Ein« Forderung der Ehrlstttchen Gewerkschaften. Die christliche» Gewerkschaften Münchens nahmen einstimmig ein« Entschließung an, die auf die Notwendigkeit der Arbeitslosenversicherunq Hinwerst und vom Reichstag verlangt, daß er Aenderungen des Ge- fetzes auf objektive Tatsachen und nicht auf Gefühls st im- m u n g e n und politische Tendenzen von Arbeitgeberkreisen stütze. Jede Äusnohmeregelung zu Ungunsten einzelner Berufe wich mit Entschiedenheit abgelehnt. „Das Freie Wori". Eine neue Wochenschrist der Sozialdemokratischen Partei. � Der Parteivorstond gibt durch die„Soz. Parteitorrespondenz" bekannt: „Schon lange war die Lücke sühlbar, die nach dem Einstellen des Erscheinens der wissenschaftlichen Wochenschrift„Die Neu« Zeit" entstand. Wohl wurde nach der Vereinigung der SPD. und der USPD. Ersatz für die„Neue Zeit" gcschafsen in Gestalt der jetzt im sechsten Jahre erscheinenden internationalen Revue für Sozia- lismus und Politik„Die Gesellschaft". Trotz des gediegenen Inhalts dieser Monot-revue verstummten jedoch nicht die Rufe nach einer neuen Wochenschrist, in welcher all« Theoretiker und Praktiker der Partei zu Worte kommen sollen, wenn sie zur Klärung der jeweils umstrittenen Fragen der politischen und ökonomischen Theorie und Praxis wirklich etwas zu sagen haben. Der Vorstand der SPD. entschlotz sich, den Wünschen auf Schaf- jung einer solchen Diskussionstribüne zu entsprechen. Der Partei- ausschuh sowie der Parteitag zu Magdeburg billigten einmütig diesen Entschluh, und so wird am 1. Oktober 1929„Das Freie wort" als Wochenschrist der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands erscheinen. Die R e d a kt i o n der Wochenschrift wird in den Händen des Genossen Ernst H e i l m a n n liegen, dessen journalistische Bc» fähigung und politische Erfahrung Garantie dafür bieten, daß„Das Frei« Wort" als aktuelles und leichtverständliches politisch-wissen- schaftliches Organ der gesamten Partei das sein wird, was fein Name verspricht." Oer naiionale Loiierie-Einnehmer — und die unvergeßliche Kaiserin. Im Inseratenteil der„Deutschen Zeitung" lesen wir: 33/259. Preuß.-Südd. Staatslolterie. hauptzichung 5. Klasse. 8. August bis 11. September einschl. Starte Vermehrung der Mittelgewinne, Kauflose noch zu haben, Ersatzlose reichlich vor- gesehen. Ich bitte nationale Kreise mn Interesse. Seidel, Oberstl. a. D.. Staatl. Lottr.-Einnehm. Verl in C2S, Landsberger Straße 36. Der Herr Oberstleutnant a. D. reflektiert also nur aus nationale Kreise. Republikaner und Sozialdemokraten werden deshalb richtig QroßsUuU-SilhoueUe. Das Vogelwiesen-Gespenst. Von Peter Michel. Arbeiter auf einem tleubau. handeln, wenn sie diesen Lotterietollekteur nicht mit ihrer Kund- schaft beehren. Die Staatslotterie aber sollte sich die Personen, die sie zu Lotterielollekteuren bestellt, etwas genauer ansehen. Schließ- lich wendet sich doch die Staatslotterie an all«, nicht nur an „nationale Kreise", und sie ist wohl auch nicht dazu da. um solchen Nationalisten eine„standesgemäße Existenz" zu schaffen. Aus dem gleichen Inseratenteil: Sitte! Nationaler Körper- behlnderler. welcher seit Iahren die Er- innerungskartender unvergeßlichen Kai- serin Auguste vltlo- ria vertaust, sucht Abnehmer. Ein Dtz. Bildkarten in Trau- ertleidungFünsMt. Wir geben diesem Patrioten den Rat, ein« größer« Offert« abzugeben nach: Holland, Haus Doorn, per Äldresie„Kaiserin H e r m i n«". Die Adressatin weiß über die„Unvergehlichkejt" ihrer Vorgängerin bestens Bescheid und dürfte geneigt sein, den ganzen Bestand auszukaufen._ Wieder Kriegsschuldigen-Auslieferung Was die süSslawische Diktator von Bulgarien verlangt. Sofia. 25. Juli.(Eigenbericht.) Der südslawische Gesandte in Sofia überreichte im bulgarischen Außenministerium«ine Verbalnote, in der Auskunst darüber erbeten wird, ob die kürzlich von der Sobranje angenommene Amnestie mit den Bestimmungen des Friedensvertrages vereinbar ist. In diesem Friedensvertrag ist u. a. die Auslieferung von Kriegsschuldigen an die Siegerstaaten vorgesehen. Die bulgarische Regierung läßt zu dem Schritt Südslawiens mitteilen, daß der in der Verbalnote genannte frühere oberkommandierends General S ch« k o w beretts vor fünf Iahren amnestiert wurde und von der letzten Amnestie nicht betroffen worden ist. Der verband der englischen Transportarbeiter hat auf der Konferenz in Newcastte on Tyne die Hoffnung auf die baldige Zlb- Haltung der Mächtekonferenz über die allgemeine Abrüstung aus- gesprochen und fordert für den Fall, daß keine allgemeine lieber« einstimmung auf der demnächst abzuhaltenden Reparattonskonferen; über die Rheinlandräumung erzielt werde, die baldigstmögliche Zurückziehung der britischen Truppen. Alle Jahre wieder, wenn die Linden blühen, seiert Dresden das Ncttionaifest der V o g e l w i e f e. Es ist all- und weitberühmt. Leider ist es mst dem Fest genau so wie mit vielen anderen Ve- rühmtheiten: Rückt man ihnen unvoreingenommen auf den Leib, so merkt man bald, daß ihr Ruf besser ist als sie, daß nur lokale Reklame und gedankenlose Nachb«t«-ei ihnen eine Sonderstellung vor ihresgleichen verschafft haben. Oktoberfest, Dom, Vogelwiese oder irgendein namenloser Kleinstadtrummel— im Grunde ist alles ein und dasselbe: Eine wüste Orgie von Staub. Gestank, Kakophonien und aus dem Gleichgewicht geratenen Menschen; flüchtiger Budenzauber mit donnernden Achterbahnen, kreisenden Lichträdern,. Tanzbaracken, Bierzellen, Hippodromen und bedauerns- werten Anreißern, die sich blaurot und heiser brüllen. Im Osten Dresdens, auf dem südlichen Elbufer, ist die geräumige Festwiese. Fünfzig Wochen liegt sie wüst und leer und träumt ihrer großen Zeit entgegen. In der einundfünfzigsten wächst, sozusagen über Nacht, auf ihr eine Budenstadt mst breiten, geraden Gassen empor, mit Türmen, Kuppeln und grellen Plakaten. Am Sonnabend vor der zweiundfünfzigsten Woche wird die Vogelwiese eröffnet, und nun pilgern täglich Zehntausend« hinaus, magisch angezogen, Männer und Frauen aller Alters- und Berussklassen, mst Kind und Kegel, wirbeln den Staub der ungepflasterten Straßen häuserhoch und atmen beglückt den fettigen Brodem prutzelnder Bratwürste und über offenen Kohlenfeuern schmorender Fische. Spaziert man in diesen Tagen des Abends am anderen Clbufer unterhalb der schöngeschwungenen Loschwitzer Höhen, so sieht man über der Fest- statt« eine riesig«, glutgetränkte Wolke lasten, aus der grelle Lichter zucken und dumpfes Stimmengewirr mst» verknäuell« Fetzen aus- dringlicher Rummelmusst herüberschallen. Daß ein Volksfest in Deutschland nur ein halbes oder gar kein Vergnügen ist, wenn nicht höchst« und allerhöchst« Protektoren gnädig ihre Hände darüber halten, weiß jeder, der die Spießer- scel« kennt. Di« Schutzherven der großen Rummels sind seit Alters die Wettiner— auch heute noch, da Friedrich August von Sachsen längst die Krone mit dem Iägerhütchen vertauscht hat. Sein be- rühmtes Königswort: Macht eich eiern Drägg alleene! bezog sich also nicht auf den„Schtoob" der Vogelwiese. Freilich, der„Geenich" mit seinem Familienanhang erscheint seit seiner Pensionierung nicht mehr persönlich bei dem Feste, zum Leidwesen derer, die aus großen Alkoholumsatz Wert legen. Irgendein Kämmerling muß das„hohe Haus" vertreten. Der Kammerherr hat nicht bloß Repräsentationspflichten, sondern— Monarchisten aller Länder, haltet euch fest!— er muß auch dafür sorgen, daß nicht einer der Wettiner unversehens König wird. Allerdings handelt es sich um eine Königswürde besonderer Art, die sich von der gewöhnlichen in einem sehr wesentlichen, ja im wesentlichsten Punkt unterscheidet. Mit dem Vogelwiesenrummel verbunden, eigentlich sogar seine Deranlasfung, ist das große Wett- schießen der„Königlich Priostegierten Bogenschützengesellschaft zu Dresden". Diese Veranstaltung stammt aus der Zett, als zur Der- teidigung der Vaterstadt in Kriegsläuften noch eine ehrsame Bürger- schaft in Waffen auf die Wälle mußte. Im elften Jahr der deutschen Republik schnellt sie ganz wie unter Herzog Friedrich mst der Hasenscharte oder unter Kurfürst Christian dem Beleibten, noch den Bolzen von der Armbrust auf den großen, buntbemalten hölzernen Vogel, der symbolhaft an einer langen Stange über der Festwiese schwebt. Dieser Vogel, dessen Holzkopf als passenden Schmuck einen schwarzweißroten F oderstutz trägt, ist, so blöd er dreinschaut, ein gefährliches Tier. Sein Leib ist in Felder eingeteilt, Kleinode genannt. Sie herunterzuschießen, bringt neben der Ehre auch klingendem Gewinn, der frestich meist sehr rasch am Bierschank draufgeht. Wenn aber endlich auch der„Dukatenspan" gefallen ist, hebt dos Unheil drohend sein Haupt. An der Stange hängt dann bloß noch der zersplitterte Rumpf, der„Gorbs"(Korpus), und wer dos Pech Hot, den herunterzuholen— es geschieht immer nur durch Zufall gegen den Willen der Schützen, oft erst nach stundenlangem Fehlschießen—, der hat sich selber zum König für dos nächste Jahr gemacht. König sein ist gemeinhin ein einträgliches Geschäft— man befrage darüber nur den Ex-Rex Wilhelm von Doorn. Vogelwiesenkönig sein aber bringt nicht nur nichts ein, es kostet vielmehr ein« ganz erkleckliche Stange Geld. Kaum ist dos Opfer des Glücks, sestlich geputzt, in feierlichem Umzug dem Volke vorgeführt worden, muß es seine Schlltzenbriider— in diesem Jahre waren es 378— mst Bratwurst und Kraut traktieren. Di« Kehlen anfeuchten wollen sie natürlich auch. Was sind da die dreihundert Mark, die jedem neuen König aus der Dereinskasse gezahlt werden? Sie reichen nicht einmal für den ersten Abend, geschweige denn für das ganze Jahr, das die Fürsimherrlichkeit dauert. Dreißigmal dreihundert Mark muß die Majestät aus dem eigenen Beutel drauflegen, will st« in Ehren vor ihren getreuen Mannen bestehen. An einer mit Unkosten verbundenen Königswürde liegt auch den Wettinern nicht das mindeste. Solche Fürstenschaft widerspricht zu sehr der Tradition ihres Hauses, für das Markgraf-, Kurfürst- imd Königsein stets gleichbedeutend war mit: von den Untertanen nehmen, recht viel und recht oft nehmen, mst Gewalt, mst List, und ging es gor nicht anders, auf dem unbequemen Weg« über das Gesetz. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich Friedrich August vorzustellen, wie er im schlesischen Sybillenort seinem Sendling für die Dresdner Vogelwiese vor der Abreise verschmitzt lächelnd noch einmal den Wappenspruch der Wettiner ins Gedächtnis ruft: f'rovidcntiae memor! Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!— Bis jetzt hat er immer Glück gehabt. Keiner von denen, die er für würdig befand, ihn zu vertreten, hat jemals den Vogel abgeschossen. Zwei Gprechchorkurse. In der Zeit vom 1. bis 14. September 1929 finden in der Arbeiter-Turn- und Sportschule, Leipzig, Fichtestraß« 32/34, zwei Sprechchorkurse statt, die unter der Leitung von Johannes- s o n- Hamburg, Leiter des Hamburger Sprechchors stehen. Der erste Kursus vom 1. bis 7. September soll«ine grundlegende Einführung in die Tätigkeit des Sprechchors geben unter dem Thema„Grund- lagen der chorischen Gestaltung", während der zweite Kursus vom 9. bis 14. September das Thema„E n t w i cklu ng s- Möglichkeit des Sprechchors" behandelt. . Jeder Kursus wird selbständig durchgeführt, doch ist der zweite Kursus als ein« Fortführung des ersten Kursus anzusehen, so daß interessierte Teilnehmer an beiden Kursen teilnehmen können. Es können sich aber auch Teilnehmer nur jür den einen oder anderen Kursus entscheiden. Im allgemeinen kommt der erst« Kursus mehr für Anfänger und die Chorleiter kleinerer Orte, der zweite Kursus mehr für die Chorleiter und mitwirkenden Chormitglieder größerer Ort«, die über die Anfänge der Sprechchorarbeit hinaus sind,. in Betracht. Im zweiten Kursus behandelt Martin Gleisner, der Leiter des Berliner Dewegungschors, das darin vorgesehen« Thema„D e r Dewegungschor". Außerdem wird der Sprechchor der Leip- ziger Arbeiterschaft unter Leitung des Genossen Zimmermann feine Hebungen im Kursuslokal abhalten und damit die Durchführung der Kurs« wertvoll unterstützen. Die Teilnehmer werden in der Bundesschule untergebracht und verpflegt. Dafür ist ein Tagessatz von 5 M. zu zahlen. Außerdem ist eine Teilnehmergebühr von 5 M. für jeden Kursus zu entrichten. Die Organisationen werden freundlichst eingeladen, Teilnehmer zu den Kursen zu entsenden. Anmeldungen zu beiden Kursen sind mst kurzer Angabe der Betätigung in den Organisationen, des Alters und Berufs bis zum 15. A u g u st d. I. an den Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin<523 68, Lindenstraße 3, zu richten._ Ein spanischer Hauptmann von Köpenick. Die sprichwörtlich gewordene Tat des Schusters Wilhelm Voigt. des.�Hauptmanns von Köpenick", ist jetzt von einem spanischen Deserteur aus der Fremdenlegion, Iosö Abad Helices, wiederholt worden und hat nicht weniger Aufsehen und Gelächter erregt. Helices erschien, begleitet von zwei Soldaten, denen er unterwegs den ZZefehl zum Mitkommen«rteill hatte, in der vollen Uniform eines Jnfanteriehauptmanns in einem Heeresdepot in der Stadt Dillarejo de Fuentes, die in der Provinz Cuenca liegt. Cr erklärte, daß er beauftragt sei, eine Prüfung und Besichtigung der Bestände vor- zunehmen, und die Militärbeamten leisteten ihm unverzüglich Ge- horsam. Er beschlagnahmte eine Anzahl von Dokumenten und eine Summe von etwa i960 Mark, die er in einen Kasten schloß und aus dem Rothaus niederlegt«: einen der Soldaten ließ er zur Be- wachung zurück. Dann ging er fort, indem er erklärte, er werde die Besichtigung am nächsten Tage fortsetzen. Aber nachdem er das Depot verlassen hatte, schöpft« man Mißtrauen und benachrichtigte die Polizei, die ihn verfolgte und gefangen nahm. Er wurde dann in das Militärgefängnis zu Madrid eingeliefert. der Alu« zum«wl»e. Unter diesem Ntel veriffentlichten wir einen ilttikcl unierer Kenolstn Vohm-Schuch an« dem Hell: Nackt,«tnXlder- buch für grob nnd Hein, Betflaften aber ju bemerken, daß die Schrift bei Ernst Oldenburg, Leipzig erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen ist. Max vrand, Oper„Maschinist hopkin," wurde aus Grund seine« autzer- ordentlichen ErsolpeS beim Duisburger To»lünst!ersest sosort von einer S rohen Reihe von Opernhäusern zur Ausführung erworben, o. a. auch von er Städtischen Oper Berlin. Nackte Kinder. Usber die vortrefflichen Wirkungen von Luft und Sonne ist gewiß seit Jahren genug geredet und geschrieben. Dennoch besteht bei den weitaus meisten Menschen eher ein Haß gegen Lust und Sonne. Denn durch ihre Lebensführung, insbesondere durch die Art und Weise, wie sie sich bekleiden, tun sie anscheinend das äußerst«, um gerade im Sommer Luft und Sonne von sich fern zu halten. Ein solches Verhalten ist besonders verderblich, wenn es sich gegen Kinder richtet. Seit einigen Iahren kann der sehr aufmerksame Beobachter erfreulicherweise in den Berliner öffentlichen Parks bis- weilen in der sommerlichen Hitze nackte Kinder bis etwa drei oder vier Iahren sehen. Es fehll nicht an alten Tanten beiderlei G«° schlechtes und jeder Parteischattierung, die ihr« Entrüstung hierüber nicht verbergen können. Bis zu einem Einschreiten der Schupo sind jedoch meines Wissens dies« Fälle nie gediehen. Selbstverständlich gibt es für Kinder in der Sommerhitze nichts gesünderes, als nacktes Tummeln in Luft und Sonn«. Man beachte nur. daß longsame Ge- wöhnung nötig ist, um Sonnenbrand zu vermeiden. Di« Gewöhnung wird gefördert durch Oelen der Haut. Man ölt am besten noch 2Vaschen und kräftigem Trockenreiben. Je schärfer die Sonn«, desto mehr Oel ist nötig. Kinder mit Badetleidung ins Wasser gehen zu lassen, sollt« überall als schmähliches Verbrechen gellen. Denn die nassen Kleider nehmen dem Körper die Wärm« und gewährleisten bis ins frühe Alter Rheumatismus und Nierenleiden. Im übrigen sollt« beim Spielen draußeiMm Sommer für Kinder bis 19 oder 12 Iahren, auch Mädchen, die Badehose statt des Badetrikots völlig genügen. In richtiger Erkenntnis ihrer hohen kulturpolitischen Ausgabe sollten die Vereinigungen für Leibesübungen und für Körperkultur alles dafür tu-n, daß allgemein in vorstehendem Sinneverfahren wird. H. V lleberwacht die Geschichtsbücher. Auf dem internationalen Kongreß für Mittelfchulunterricht im Haag berichtete am Montag der 2)ertr«t«r des Völkerbundes über die Genfer Arbeit zur Verbesserung der Unterrichtsmethoden durch internationale Zusammenarbeit. 46 999 Lehrer gehören zurzeit dem internationalen Büro des Völkerbundes für Mlttelschulunterricht cm. Sowohl dieser als auch die folgenden Redner hoben die Bedeutung einer internationalen Ueberwachung der Geschichtsbücher hervor, um mehr als bisher dem Friedensgedanken zu dienen und die die Völker trennenden Dinge abzuschwächen. Es wurde ein« gegenseitige Ueberwachung befürwortet, die sich auch mit dem beschäftigen soll, was M anderen Ländern über das eigen« Land unterrichtet wirb. Oos Deutsche Musitinstiwt für AuStänoe.. Der Magisttat der Stadt Berlin hat beschlossen, dem Deutschen Musikinstitut für Ausländer im Schloß Charlottenburg ein« ein- malige Zuwendung von 25 099 M. zu überweisen Der preußische Kultusminister hat das Protektorat über das Institut übernommen und stellt« das Schloß Charlottenburg als Lehrstätte zur Verfügung Das Kollegium der Schönen Künste der Unwerfität New Jork hat die musikhfftorifchen und musikästhetifchen Vorlesungen dieses Berliner Instituts öffentlich anerkannt. Die Fachbelegung wird von sämtlichen Universitäten der Vereinigten Staaten anerkannt Ferner hat das Komitee, das die für das Jahr 1933 als Jahrhundertfeier der Stadt Ehikago dort abzuhaltend« Weltau-stellung vorbereitet, das Institut offiziell mit der Vertretung seiner Interessen, soweit sie sich auf die deutsche Musik beziehen, betraut. Für das Lehrer- tollegium sind folgende Herren vorgesehen: Generalmusikdirektor Dr. Furtwängler, Eugen d'Albert, Edwin Fischer, Wallher Giefe- fing, Prof. Willy Heß, Joseph Szigeti, Generalmusikdirektor Cor! Schuricht, Dr. Alfred Einstein, Dr. Hugo Leichtentritt, Prof. Eurt Sachs und Prof. Dr. Ioh. Wolf. Donnerstag, 25. JuIL Berlin. 16.00 Prof. Walter Hauscliild: Berlin und seine Bildhauer. 15.30 San.-Rat Dr. Hirsch: Bauchspeicheldrüse, Insulin, Zuckerkrankheit. 17.00 Unterhaltungsmusik. 18.00 Oestliche Dichtung. Anschließend: Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 19.00 Polizei und Publikum. Zwiegespräch zwischen Schriftleiter Betnarcck und Polizei-Hauptwachtmeister Eggert. 19.30 Prof. Dr. Otto Klemm, Leipzig: Zufall oder Geschicklichkeit? 20.00 Theater bei Tage, eine Plauderei von Artur Kahane. 20.30 Mozart-Abend(Künstlernachwuchs der Staatlichen akademischen Hochschule für Musik, Berlin).(Dirigent: E. von Borck. Das Konzertorchester und did Kapellmeisterklasse.) Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Wählend der Pause: Bildfunk, Königswusterhausen. 16.00 William Wauer, Ursula Scherz: Das plastische Gestalten beim Kleinkind. 16.30 Georg Maria Hoffmann: Mit Knotenstock und Propeller. 18.00 Maximilian Müller-Jabusch: Weltpolitische Stunde. 18.30 Prof. Dr. Müllerburg: Die Weltausstellung in Barcelona. 18 55 Prof. Dr. von Eicker: Die Meteorologie im Dienste der Landwirtschaft. 19.20 Prof. Dr. Bätzner: Nicht Höchstleistung, sondern Bestleistung im Sport. 20.00 Oscar Strauß. Artur Guttmann mit seinem Orchester. Tarifabfchluß der Badeapparaie-Klempner. Lohnerhöhung um insgesamt LL pfg. Der Metallarbeiterverband hatte den Lohntarif für die Berliner Badeapparate-Klempner gekündigt und eine Lohn- erhöhung von 15 Pf. pro Stunde sowie die Aufbesserung der Aktordpreift im gleichen prozentualen Verhältnis gefordert. Direkt« Verhandlungen mit den Unternehmern führten zu keinem annehmbaren Ergebnis, so daß beide Parteien den Schlichtungsaus- f ch u ß anriefen. Dieser fällte am Dienstag einen Schiedsspruch, wonach die tariflichen Mindestlöhne ab laufender Lahnwoche für alle ge- lernten Arbeiter um 7 Pf- pro Stun.de, und ab 1. Oktober um weitere 4 Pf-, insgesamt' also wie bei den Rohrlegern und Bau- klempnern um 11 Pf. erhöhr werden. Die Löhne der ungelernten Aroeüer und der jugendlichen gelernten Arbeiter unter 21 Jahren erhöhen sich im gleichen prozentualen Verhältnis, ebenso auch die Akkordpreise für sämtliche Arbeiter. Die nicht im Tarifvertrag ver- zeichneten Arbeiten müssen so kalkuliert werden, daß ein Arbeiter durchschnittlicher Leistungsfähigkeil mindestens 23 Proz. über feinem Tariflohn verdienen kann. Das Abkommen soll bis zum 31. März 1330 gelten. Di« Badeapparate-Klempner haben gestern, Mittwoch zu dem Verhandlungsergebnis Stellung genommen. Genosse Dietrich vom Metallarbeiteroerband empfahl de» Versammelten, das Per- Handlungsergebnis anzunehmen, was die Versammlung auch nach eingehender Aussprache gegen wenige Stimmen beschloß. Oer englische BaumwoNtonfiiki. Annäherung der Parteien. London. 23. Juli. Sir chorae« Wilson, dem Generalsekretär des Arbeitsmimste» riums, gelang es, heute nachmittag die beiden Parteien im Baum- wollkonflikt zu gemeinsamen Verhandlungen zu be- wegen. Die einzelnen Kommissionen verhandelten zunächst über die Lohnfrage, deren Besprechung die Vertreter der Arbeiter vor- her abgelehnt hatten. Hiermit ist es zum ersten Male nach Abbruch der Verhandlungen gelungen, die Verbindung zwischen den beiden Parteien wieder herzustellen. Wetter für Berlin und Umgebung: Zeitweis« heiter, nur in den ' stli �"..... Mittagsstunden mäßig warm: nordwestliche Winde. Für DeutWand: Im Norden vorwiegend trocken und ziemlich kühl, auch im Süden weitere Abkühlung mit Strichregen. Ein gemü'lichee Treffpunkt der Leser diese» Blatte» mit ihren sZamilien ist da» bekannte Tport-Nestaurant des Prenzlauer.Verg.Bejirks in der Eantian. straf)«(am Erer), nahe Kachbahnhof Dan/fiaer Straße. Großer, schattiger Garten, Kaffeiküche. Gute Speisen und G-tranke. lSiehe heutige» Inserat.1 Verantwortl. für die Ziedaktion: Boisgang Schnmr,. Berlin: Anzeigen: Th. GloSe. Berlin. Berlag: Borwärt» Berlag<5. m b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin Sffl 68. Lindenstraße 3. Lierzu l Beilage. � T keeiiet, Lickispiele usw. j IBcrrah Minavitsch's Elf amsrikanische Vagabundsn usw. Tägl. 5 u.«15 Sonnt.L.S o 8U Alex. 8066 INTERNAT. VARIETfe VoiKsbtliuie liieatii aniBQIoWDlali 8V- Uhr Berlin, wie es weint u. lacht TANZ' PALA ST•ßAP» KONZEPT-CAFE' Kose- | Theater, Große Frankfurter Sir. 1S2, Auf der Gartenbühne Täglich 5.30 Uhr 9großeVaflet6nummern und Gräfin Mariza. 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Wir veröffentlichen diese Etudie, die bcochieniwerle A». regnngen enthält, obwohl wir gnna und gar nicht die Ansicht des Autors teilen, daß der Gemeinschaftsgeist in der modernen dcut, schen Echulbewegung überbetont ist. Wir glauben, baß Person. lichieitsenifaltung und Gemeinschaftsgeist sich sehr wohl miteinander vereinbaren lassen und daß jener Ehrgeiz der gesündeste ist, der darauf gerichtet ist, mehr der Gemeinschaft al» dem eitlen Ich zu diene». Mitte Juli fangen in Frankreich die Ferien in den höheren Schulen an. Ende Juli in den Voltsschulen. So spät? Ja. aber man höre: Erst am Anfang Oktober fängt die Schule wieder an! Volle zwei bzw. zweieinhalb Monate sind also frei. Warum machen die Franzosen das so? Bei der Preisoerteilung am Schulschluß, der ich in einem Pa- riser Gymnasium beizuwohnen Gelegenheit hatte, gab einer der Redner die Antwort auf die Frage. Die Ferien, sagte er, sind eine Wohltat, eine heilsame Pause zwischen zwei Wegabschnitten, wertvoll zum Nachdenken: heraus aus dem Mechanismus des Schul- betrieb?, hat der Schüler Gelegenheit, seine wahre Natur wiederzufinden und neue Lust zum Lernen zu gewinnen. So ungefähr sogt ein Schulleiter wohl auch bei uns zu Ferien- beginn, aber: wieviel wahrer find die Wort«, wenn es sich um so lang« Zeit handelt..Seine wahre Natur wiederzufinden", sagte er— das ist ja bei kurzer Zeit gor nicht möglich, und das ist ja der Kern- und Angelpunkt oller wahren menschlichen Bildung: die harmonische, in sich ausgeglichene, zu sich selbst zurückgefunden« Persönlichkeit____ ..Was hat denn so ein Lausejunge groß für eine Persönlich- kcit?" wird mancher fragen und damit bloß beweisen, wie wenig Verständnis noch für diesen Wert im Volke herrscht— einen Wert, der noch von einer anderen Seite her höchst erstrebenswert erscheint. Sagt doch Goethe mit Recht(vielleicht nicht immer— aber hier hat er recht), daß die Persönlichkeit„das höchste Glück der Erden- kinder" sei. Trotz aller unserer vickberedeten Schulreformen haben wir, Eltern und Leheer, noch viel zu wenig gelernt, Achtung, Hochach- tung zu haben vor der— gewiß noch unentwickelten, aber in der Anlage doch vollkommen, vollwertig vorhandenen, von der Natur (der ehrwürdigen!) gewollten und geprägten, in sich geschlossenen und eigenartigen-— Persönlichkeit des Schülers, einstweiligen Schülers, baldigen Menschen! Wenn dann dieser Wert: Persönlichkeitswachstum bei den längeren französischen Ferien herausspringt(und er springt b—tnis: denn Zeit für sich selber ist das best« Rezept dafür, siehe Dshinel), so lohnt sich wohl ein genauerer Vergleich des beider. foitiaen Ferienfystems. Man hat also in Frankreich außer den großen Ferien von Juli bis Ende September, die die Schuljahre voneinander trennen, Weihnachtsferien: eine Woche, f Ostern: zwei Wochen, P f i n g st e n: einige Tage Ferien, so daß das Schuljahr sich in drei(gleiche) Drittel teilt, statt wie bei uns in vier(ungleiche) Viertel. Die Abschnitte im Winter ent- sprechen sich in beiden Ländern, der Unterschied liegt im Sommer. Die Franzosen haben einen zusammenhängenden Arbeitsabjchnitt, danach einen zusammenhängenden Ferienabschnitt— wir dagegen haben drei Arbeitsabschnitte, getrennt durch die zweiwöchigen Pfingstserien und die vier oder fünfwöchigen Sommerserien. Denken wir uns diese beiden Ferienzeiten derart verschoben, daß sie an die Herbstferien heranreichen und mit ihnen eine zusammen- hängend« Ferienzeit bilden, so haben wir dos französische System Die Franzosen haben nicht etwa mehr Ferien als wir, bloß die Verteilung der Ferien ist anders. Bot der Zusammenhang der sommerlichen Ferienzest einen großen Vorteil, so bietet der Zusammenhang der sommer- lichen Arbeit zeit einen nicht minder großen. Daß bei unserer Schularbeit im Sommer wenig herauskommt, darüber sind die Klagen unter den Lehrern so allgemein, daß wohl nicht daran zu zweifeln ist, daß die Schüler im allgemeinen im Sommer schlecht arbeiten.„Im Sommer bummeln, und erst im Winter sich aus die Hosen setzen," ist der bekannte beliebt« Schüler- grundsatz. Ist dieser Grundsatz vielleicht daran schuld, daß im Sommer so wenig geleistet wird, so ist an diesem Grundsatz wiederum viel- leicht doch die den Sommer hindurchgehend« Verzettung von Ar- beitszeit und Ferien schuld, und die Wurzel des Uebels läge doch im System und nicht bei den Schülern. Das französisch« System jedenfalls macht den schlimmen Schülergrundsatz unmöglich indem es für die zusammenhängende Arbeitszeit, die es hat, durch den Schuljahrsschlüß im Juli mit Versetzung und Preisoer- teilung noch einen besonderen Ansporn gibt, der dem erschlasf enden Einfluß der sommerlichen Wärm« die Waag« hält. lieber diese Preisverteilung bei Schulschluß noch ein paar Worte. Grundsätzlich zunächst: Sie fft die hervortr elendste Auswirkung der im französischen Schulwesen stark wirksamen Tendenz der Anstach e l u n g des Ehrgeizes.(Ehrentafeln gibt es außerdem, Orden für gute Arbeiten, mit denen die Schüler in den Straßen herumlaufen und dergleichen.) Diese Teirdenz ist im deutschen Schulwesen verpönt und im Abbau begriffen. Die früher zumeist üblichen fllassenplätze Hot man abgeschafft wegen der angeblich ungesunden Anstachelung des per- sönlicken Ehrgeizes zugunsten der Förderung des Geineinschasts- prfühls— sehr schön! Nun sind aber Selbstgefühl und Ge- meinschaftsgefühl zwei polare Gegensätze, die beide als ausschließliches Prinzip unmöglich gelten können, zwischen denen vielmehr ein Mittelweg, ein Kompromiß gesucht werden muß. Es entspricht dem französischen Wesen und stimmt zu unseren obigen Gedankengängen, daß man in Frankreich der Pstege des Selbstgefühl», mit dem ja Ehrgeiz und Persönlichkeitsbewußtsein einen Kompler bilden, mehr Zugeständnisse macht- als in Deutsch- land, daß man bei uns dagegen mehr das Gemeinschaftsgefühl be- tont. Vielleicht indes— ich möchte es hoffen— tritt bei uns bald wieder ein« Verschiebung in der Wertung ein. Eine zu st a r k e Betonung des Gemeinsamkeitebewußseins wirkt lähmend auf die persönlichen Kräfte ein. Das Gefühl, ein Tröpfchen nur im Strome der Mensckheit zu sein, die auf ihrem Sternchen mit Schwärmen anderer Gestirn« durch das Weltall schwirrt, braucht ein Gegengewicht(das nur das Persönlich- ksitsgefühl sein kann), und von den Franzosen wird man wohl Sicht behaupten, daß ihr betont» Persönlichkettsgesühl(ihr Ehr- Eine Schule geht neue Wege... Vormittag Rütti-Schule./ Vau Haus Bauer. In der Rütli-Schule zu Neukölln.„Du, Mädel," frag« ich auf dem Schulhof ein kleines Ding,„wo werde ich Herrn Rektor Jensen finden können?" Sie hat mich nicht sogleich vetftandcn. „Herr Rektor": das ist hier eine unbekannt« Formal!«. Dann unterrichtet sie mich lächelnd:„Onkel Ad(eine Abkürzung für den Vornamen Adolf) ist im Zeichensaol!" Hinauf in den Zeichensaal. Um«inen weißhaarigen Mann sitzen und liegen kleine Jungen und Mädel herum, und rasch genug wird der Hospitant gewahr, daß hier, in dieser Versuchsschule, anders als an anderen Schulen Pädagogik getrieben wird. Zunächst«in- mal fallen all die Formalitäten wie Aufstehen und Handaufheben sott, die Kinder können auch reden während des Unterrichts und sich, in gewissen Grenzen, Bewegung machen. Trotzdem gibt es natürlich eine Disziplin: denn zuweilen kann der Unterrichtende ohne Ruhe und Konzentration nicht auskommen, aber auch dann enträt er des Prügelns oder der Strafandrohungen(es gibt hier kein Nachsitzen und keine Strasaufgaben, wie es kein Sitzenbleiben und keine Zen- suren gibt), er begnügt sich mir humoristisch gehaltenen Aufsorderun- gen und im Notfall mit Appellen an den kindlichen Ehrgeiz, sich doch anders zu betrogen, als etwa ein Kind, das noch zu klein sei, um die Schule besuchen zu können. Immerhin sind die gelockerte Disziplin und der Verzicht auf autoritatioe Mittel nicht das Hauptcharakteristikum der Art, wie hier gelehrt wird. Das Reformatorische liegt in der Zuspitzung des Prinzips: Arbeits- statt Lernschule.„Onkel Abs" Haupt- these: Es gilt, in die Kinder mir soweit objektiven Wissensstoff hineinzutragen, als damit das Ureigenste, das in ihnen schlummert, sich befreien und Geltung verschossen kann..Lächerlich," sagt er, „ihnen zuzumuten, daß sie die Hauptstadt Portugals kennen sollen. Aber das ist wichtig, daß sie Karten gebranchen lernen, damit sie, wenn es sich nicht um die Hauptstadt Portugals, sondern um ein kleines portugiesisches Nest handelt, wissen, wie man es anstellt, den richtigen Plan in die Hände zu bekommen und das Nest darauf zu finden." Eine Meiming, zu der man nicht ohne weiteres ja oder nein ja�en kann, die aber doch nachdenklich macht. Was heißt„Bildung"? Ich schlage ein« beliebige Seite des Konversationslexikons auf: sie enthält-tt Stichwörter, 36 davon sind mir böhmische Dörfer. Ich weiß nicht, wer Grondidier, Graener, Granet, Gramer de Cassagnac, Grant waren, weiß nicht, wo Grand Island, der Grand-Iunktion-Kanal, Grand Rapids, Grandson, Grangemouth, Granitz und was nicht sonst noch liegen, weiß nicht, was Grondmehl, Gräne, Granne, Granulation vorstellen. Es gibt Leute, die mehr wissen als ich: Aber auch ihned werden 30 bis 33 der Stichwörter unbekannt sein, und es gibt Leute, die weniger wissen als ich. Ihnen werden 39 der der 41 Stichwörter ungeläufig sein. Ruht in dieser Differenz„Bildung" und„Unbildung"? Ge- wiß nicht. � „Darauf kommt es an," sagt„Onkel Ad",„schon in diesen siebenjährigen Burschen und Mädelchen die Persönlichkeit zu ent- decken, sie sich selbst geben zu lassen, herauszufinden, was in ihnen steckt, ihrer Urwüchsigkeit und Natürlichkeit Bahn zu verschaffen. Er legt mir einige A u f s a tz h e s t e vor, deren Inhalt freilich wesentlich von jenem konventionellen Optimismus abweicht, den man in Aussatzheften anderer Lernansänger in der Regel findet. Nichts von jenen schöntuerischen Phrasen, daß„der Ausflug gestern schön" war, daß„die Blumen duften" und daß man„Mutti liebe", sondern solche Echtheiten: „Wen ich gros bin ferheirat« ich mir nie und gehe auch nie ein Glos Bier trinken mit das Matchen. Das kost blas so viel Geld und ich wil sparen. Dann kauf ich mir ein Bandonium und ein Klavir..." Oder:„Unsere Susi hat schon wieder liblingskumer. Da haben wir«in Eimer Wasser genomen und haben die Susi mit den Potsch reingesetzt. Dan hoben wir den auskloper genomen und haben ir auf den Potsch gehauen und da hat sie immer mer getrampelt dos hat mir aber leit getan..." Oder:„Onkel Ad soll mal Heftflaster mitbringen und die kinder, die imer petsen auf den mund kleben. Ursela Bleistcin is die erste weil die am meisten pest und den tut sie so als wen sie gleich sterben muß..." Die Orthographie ist nicht m der Ordnung, wie man sieht.' „Orthographie", sagt„Onkel Ad",„muß sein, aber sie wird bei uns nicht als Wichtigstes angesehen, sie wird nebenher gelehrt und den Kindern als das dargestellt, was sie ist: als eine Konvention unter den Menschen, die man vorteilhafterweise berücksichtigt, entscheidend ober sind Frischheit, Lebendigkeit, inner« Wahrhaftigkeit der Auf- sätze."„Onkel Ad" will von„schwer erziehbaren Kindern" wenig wissen. Das gäbe es, aber nur in verschwindend wenigen Fällen. So gut wie jeder Schüler sei'für den Unterricht zu gebrauchen, es komme nur daraus an, sich in seine Eigenarten zu versenken und das, was als Verstocktheit oder Flegelei in Erscheinung tritt. durch geeignete Behandlung in Positives umzusetzen, die inneren Spannungen in Schöpferisches überzuleiten. Ende der Unterrichtsstunde. Aber die Mädchen und Jungen denken nicht daran, fluchtartig das Schulzimmer zu verlassen. Es scheint ihnen gar nicht recht zu sein, daß sie nach Haus gehen sollen. „Onkel Ad" ist ja nicht nur ihr Lehrer, er ist ihre Dertrauenssielle. Sie haben viele klein« privat« Nöte, die sie sich jetzt vom Herzen reden müssen.„Onkel Ad" hört willig zu: ein Berater und Heiser. Recht interessant sind die Aeußerungen, die ehemalig« Schüler der Rütli-Dersuchsschule auf Grund ihrer nachträglichen Erfahrungen über den Wert dieses Schulsystems gemacht haben. Es geht aus den Protokollen, die darüber existieren, l�ervvr, daß die Meinungen geteilt sind. Etwa zur Hälfte verteidigen die früheren Rütlianer ihre alte Schule. Oft mit begeisterten Worten. Ein Fortbildungsschüler. Maler, sprich� sich ver- nichtend über sein« neuen Klassenkameraden aus. Das einzige, was sie zuwege brächten, sei das Strammstehen vor den Lehrern, hinter ihrem Rücken ober alberten sie. Wirkliche, ernste Arbeit leisteten fast ausschließlich die Rütli-Lcute. Er selbst käme in allen Fächern bestens mit. Aehnlich spricht sich ein Besucher der chemischen Fort- bildungsschule aus. Wiewohl viele seiner neuen Mitschüler aus höheren Schulen stammten, kämen sie nicht so gut mit fort wie er Er habe denken gelernt, jenen sei etwas eingetrichtert worden. Ein dritter Schüler, jetzt Besucher einer Berufsschule, bekundet ebenfalls. daß er auf keinerlei Schwierigkeiten beim Unterricht stoß« und aus- gezeichnet folgen könnte. Auch er wirft seinen neuen Mitschülern vor, daß sie den Lehrern heimliche Schabernacks spielten, im übrigen aber häusig Kriecher seien. Eine Kunstgewerbeschülerin hotte zuerst befürchtet, im Deutsch Lücken aufzuweisen, aber ihre Furcht sei unbegründet ge- wesen. Sie fühlt sich gut vorbereitet für ihren Beruf. Ein Zeitungsfahrer lobt den freien Geist, den die Rütli-Schule ihm ins Leben mitgegeben habe. Das sind einig« der günstigen Urteil«. Die u n g ü n st i g'e n sind bezüglich des Objekts ihrer Kritik nicht recht einheitlich. Ein junger Arbeiter vermißt die bewußte und betonte Erziehung zur Kameradschaftlichkeit und zum proletarischen Klassenbewußtsein. Ein anderer bemängelt, daß zuviel gespielt und gesungen worden sei. Das Leben schenke niemandem etwas. Der angehende Proletarier werde in der Rütli-Schule verweichlicht. Eine ehemalig« Sck.lllerin, die als Stenotypistin tätig ist, führt Klage darüber, daß sie auf Abweisung gestoßen sei, wenn sie an der Arbeitsstelle, um die sie sich bewarb, angegeben habe, daß sie eins Rütli-Schlllerin sei. Eigentliche Unzufriedenheit mit der vermittelten Bildung wird nur in einem, einzigen Falle ausgesprochen: van einer in einem Haus- halt tätigen Erzieherin, die Mängel in ihrem Deutich empfindet. Eines ist gewiß: Mit Beklemmung denkt kein ehemaliger An- gehöriger dieser Neuköllner Versuchsschule an seine Lernstätte zurück. geiz, ihre Eitelkeit) das Gemeinschaftsgefühl bei ihnen hätte ver- kümmern lassen. Es liegt mir fern, die Preisverteilung am Schuljahrsschluß, wie wie sie in Frankreich üblich ist, etwa zur Einführung an unseren Schuien zu empfehlen, aber zweifellos ist sie lehrreich und gibt Stoff zum Nachdenken. Die Pariser höheren Schulen sind R i e s e n a n st a l t e n mit über 1000 Schülern und haben außer„Pensionären", die hier in der Minderzahl, in der Provinz aber in der Ueberzahl sind, noch„Halbpensionäre", die über Mittag in der Anstalt bleiben und dort essen(eine Einrichtung, die, neben- bei gesagt, in Neukölln für die Oberstuf« der Karsenschen neuen großen Einheitsschule geplant ist) und„Externe", die nur zum Unterricht in die Schule kommen. Zur Preisverteilung kommen nur die mit Preisen bedachten Schüler— bei der Schule, zu der ich Zutritt hatte, waren es gegen 200. Und so ging es zu. Auf dem Podium vor der mit rotein Stosf verhängten Rückwand des Schulsaales mit Schul- wimpel und Flaggen in den Landesfarben stehen(katholisch bunt) Reihen hellblauer Ehren sessel und Stühle, vor dem Podium zwei long« Tische, hochbepackt mit Büchern. Die vordere Hälfte des Saales nehmen die Schüler(auch einige Mädchen sind darunter) ein, die hintere Hälfte ist von Angehörigen besetzt. Ein(gemietetes) Orchester spielt die Marseillaise, alles erhebt sich und— herein zieht in schwarz glänzenden Talaren mit gelben, roten, violetten Auf'chtägen, Gürteln und ebensolchen Schärpen auf der l irrten Schulter, mit Barett und langem weißen Jabot der Trupp des Verwaltungsrotes, des Lehrkörpers und der Ehrengäste. Den Ehrenplatz in der Milte nimmt als„Vorsitzender" ejn Mann ohne Kostüm,- ein nomhafter Schriftsteller ein, der geladen worden ist, um durch seine Redekunst dem Feste einen besonderen Glanz zu verleihen. Es folgen drei Festreden: die erste gedankenlief und ernst, die zweite voll Menschlichkeit und Esprit, oft von Beifall unterbrochen, die dritte voll Würde zur Ehrung eines abgehenden' Lehrers, alle drei aber— nicht frei gesprochen, sondern vom Blatt gelesen!(Allgemein ist also die.berühmte französische Redekunst doch nicht verbreitet.) Die kurzen Pausen zwischen den Reden und die lange danach vor de? Verteilung der Preise werden vom Or- chester ausgefüllt: kein Schüler— dos ist mit Bedauern festzu- stellen— ist an der Ausgestaltung des Festes irgendwie aktiv be- teiligt. Dann beginnt der Nomensaufruf und die Ueberreichung der Preise. Einige Preise bestehen in Geld, die meisten in Büchern, aber nicht in einzelnen— manchmal gibt es ganze Stapel, mit bunten Bändern zusammengebunden. Es gibt Preise für alle Fächer, für all« Klassen, für die besten Schüler jeder Klasse, für die kleinsten Abcschützen gibt es Preise, neben den Preisen noch ehren- volle Erwähnungen. Zum Schluß ein Ferienglückwunsch, und noch einmal die Nationalhymne, unter deren Klängen der kostümierte Schwärm durch die stehende Menge hindurch den Saal verläßt- voran der Schriftsteller mit der Hand in der Hosentasche. F. Lindemanr Kerfchettstsiner. An seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag(23. Juli) darf auch auf die großen Verdienste hingewiesen werben, die sich der greise Pädagoge Georg Kerschen st einer um die Prägung des neuen Begriffs„Sachlichkeit" erworben hat. In dem 102S in sechster Auslage erschienenen Werk„Begriff der Arbeitsschule" finden wir zum ersten Mal das Wort„Sachlichkeit" in einer über den bis- herigen Sprachgebrauch hinausgehenden Bedeutung. Sachlichkeit heißt hier nichts andres als Einstellung auf objektiv ge'tende Werte und steht in bewußtem Gegensatz zur reinen formalistischen und subjektivistischcn Lebenserfahrung. Wer sachlich denkt, sucht den Dingen und ihrem Wertinhalt auf den Grund zu gehen und läßt bei der wissenschaftlichen Erforschung des Lebens kein anderes Ge- fühl walten als das der objektiven Erkenntnis. Sachen hoben ihren eigenen Wert, der nur erkannt werden kann, wenn man von allen personalen Gefühlswerten abstralziert. Kerschensteiners Theorie, von ihm nur auf die pädagogische Praxis angewandt, trägt unzwsifcl- hast Züge des Positivismus und der Phänomenologie. In ihrer sinnfälligen, dem Zeitdenken angepaßten, Terminologie hat sie aber ein« weit über die Gebiete der Pädagogik hinausgehende Wirkung getan. Der Begriff der„Sachlichkeit" hat wie kein zweiter „Schule" gemacht. Von Kerschensteiner stammt der Satz:„Sachlich- keit ist Entpersönlichung." Das Wesen der von ihm propagierten philosophischen Richtung umreißt er noch deutlicher, wenn er„die auf die Möglichkeit der Selbstprüfung ruhende, immer mehr aus- reichende sachliche Einstellung" des Beschauers fordert. Dr. Paul Herzog. Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden (7. Fortsetzung.) Jack hatte den Kordons und Charles Ashleigh mitgeteilt, im geheimen Streikkomitee müsse ein Verräter sitzen und die Tatsache, daß entweder Fred Duggan oder Alf Buster, die an jeder Sitzung teilnahmen,«in Verräter war, lähmte das Komitee. Der Herr von Fullersville schien sich einstweilen mit der Ver- hastung von Mary Ashleigh und Menachein Roseuseld zufrieden zu geben. Zu Jacks Erstaunen blieben die von ihm finanzierten Streikküchen unbehelligt. Calvin Füller schien abzuwarten, seine Pläne in aller Ruhe vorzubereiten. Und gerade dieses Abwarten, diese ruhige Gelassenheit des Feindes zerrte an den Nerven der Streiker. r Gegen Mitte November kam David Gordon nach Fullersville zurück. Stark und gebräunt von der Erntearbeit, schien er in die dumpf« Sticklust der Verzagtheit einen frischen Lusthauch zu tragen. Jack war glücklich, den Freund wieder zu hoben. Aber David merkte gar bald, daß er sich äußerst vorsichtig benehmen müsse, denn auch ihm gesellte sich«in Schatten bei.«in unvermeidlicher Dezleiter, der ihm nicht von den Fersen wich und der weit weniger zugänglich war als Jacks Schatten. John Calmer. Dieser seltsame Spitzel schien für Jack ein« ausgezeichnete Syui« pathie zu empfinden. Allmorgendlich, wenn Jack das Haus verließ, teilte er ihm die neuesten Nachrichten aus Fullersville mit. Ja, er ließ sich bisweilen sogar herab, ihm einen nützlichen Wink zu geben. Aber wie sehr auch Jack in ihn drang, um den Namen des Ver- räters im Streitkomites zu erfahren— io weit ging Calmers Sym- pathie denn doch nicht. Dazu war feine Angst vor Cardigan und Calvin Füller zu groß. Jack ärgerte sich, doch konnte er es dem zärtlichen Vater von sechs Kindern nicht übel nehmen, daß er um seine Stellung besorgt war. Er ließ den Spitzel sein Verhalten nicht entgelten und behandelt« ihn nach wie vor äußerst gut. John Calmer. der nun schon seit drei Iahren ein Verfemter war, oerackstet und gehaßt von der eigenen Klasse, verachtet und angeschrien von jenen, die ihm Arbest geben, wußte Jacks Freund- lichkeit zu schätzen, und als er eines Tages Gelegenheit fand, dem jungen Mann einen großen Dienst zu erweisen, tat er es, obwohl er dadurch die eigene Stellung gefährdete. Es war gegen zehn Uhr abends. Jack hatte sich in sein im unteren Stockwerk gelegenes Arbeitszimmer zurückgezogen, als das Telephon heftig zu klingeln begann. Jack ergriff den Hörer und vernahm zu feinem Erstaunen ein« helle Kinderstimme: „Hallo! Sind Sie Herr Jack Füller?" „Ja. Wer spricht?" „Her» Jack, Sie müssen sofort kommen. Der Dater ist krank und will Sie sehen." „Wer bist du? Wer ist dein Vater?" „Sie müsien sofort, sofort kommen," wiederholte die Kinder- stimme ängsttich.„Im Auto. Es ist weit. Ich warte auf Sie vor der Mcthodistenkirche. Aber kommen Sie gleich!" Jack schöpfte Verdacht. Sollte er in eine Falle gelockt werden? „Sosort! Sofort!" flehte die kleine Stimme fast weinend ins Telephon. „Gut, ich komme." Jack steckte einen Revolver zu sich, holte aus der Garage seinen Zweisitzer und fuhr in die schwarze Nacht hinaus. Vor der Methodistenkirche machte er halt imd blickte sich nach allen Seiten um. Zuerst sah er niemanden und dachte zornig, daß ihn jemand zum Narren gehalten habe Dann aber kroch aus dem Schatten etwas Kleines auf ihn zu, und Jack sah mit Erstaunen, daß ein etwa zehnjähriges Mädchen vor dem Auto stehen blieb. „Wartest du auf mich?" fragt« er verblüfft. „Ja, Herr Füller. Wir müssen da« Licht auslöschen, niemand darf uns sehen." Jack verlöschte die Autolampen, das kleine Mädchen kletterte ins Auto und setzte sich neben ihn. „Herr Füller," flüsterte es ängstlich.„Beim Rathaus ist eine Bombe gelegt worden. Um Mitternacht soll sie explodieren. Der Vater sagt, Sie könnten sie noch fortnehmen. Sonst gibt es viel Unglück." „Wer ist dein Vater?" „Ich darf es nicht sogen. Niemand darf wissen, daß ich mit Ihnen gesprochen habe. Bitte, bitte, fahren Si- gleich zum Rat- haus, sonst glaubt der Vater, ich habe meine Sache schlecht gemacht." „Warum ist dein Vater nicht selbst gekommen?" Jack wurde immer mißtrauischer. „Cr konnte nicht." Das kleine Mädchen begann zu weinen. „Bitte, bitte, Herr Füller, fahren Sie sofort zum Rathaus. Ich spreche die Wahrheit." Jack zögerte noch immer. Da flüstert« die Kleine, noch leiser und ängstlicher als zuvor, einige Worte, die ihr wohl als Er- kennungszcichen dienen, aber nur im äußersten Notfall gesprochen werden sollten: „Ich und meine fünf Geschwister, wir danken auch sehr für das Weihnachtsgeschenk. Jack stutzte: dann mußte er lachen. Jetzt wußte er bereits, wer der geheimnisvolle Vater war. „Gut," sagte er. Dein Vater ist trotz allem«>n wackerer Mann, und du bist ein tapferes kleines Mädchen. Ich fahre sofort zum Rathaus." Die Kleine seufzte erleichtert auf, hatte aber anscheinend noch etwas auf dem Herzen. „Niemand dar' wissen..." begann sie. . Selbstverständlich Morgen weiß nicht einmal ich mehr etwas. .'.'n:»r eem dritten P'eilvr" flüsterte das Kind noch sprang aus tl ro'!Nd vrr'.hwand saufend in der Dunkechsit. ck fuhr zum Ratbau» und fand unter dem dritten Pfeiler eine twas altmodische Höllenmaschine mit einer tick.'nden Uhr Er hob sie sorgfältig auf, trug sie bis zu dem etwa einen Kilometer entfernten Fluß und warf sie ins Wasser. Erst als er wieder daheim angelangt war, begrisf er recht, welch großes Unheil verhindert worden war. Wäre in der Nacht das Rathaus in die Luft gefwgen, so hätte es selbstverständlich geheißen, die Streiker haben die Donibe gelegt. Ganz Fullersville wäre in eine furchtbar« Aufregung versetzt worden, die Zeitungen hätten gebrüllt und getobt, die Polizei aufgefordert, rücksichtslos gegen die Verbrecher vorzugehen. Es wäre zu Verhaftungen gekommen, und die Streikküchen wären geschloffen worden. John Calmer hatte eine gute Tat begangen, um derentwillen ihm manches verziehen werden konnte. Als Jack am folgenden Tag mit dein Spitzel zusammenkam. grinzten beide einander an. Der Dorfall der vorhergegangenen Nacht jedoch wurde zwischen ihnen nicht erwähnt. Nur einmal sagte Ealmcr völlig unoermittelt:„Ich mag ja ein Schuft sein, aber es gibt Schweinereien, die selbst ich nicht mitmache..." ♦ Hätten die Arbeiter Calvin Füllers Stimmung gekannt, sie würden ermutigt worden fein. Dem Herrn von Fullersville war übel zunmte. Die gottverdammten Streiker ließen sich nichts zu- schulden kommen, übertraten auf keinerlei Weis« das Gelctz und er- rangen dadurch sogar in Fullersville die Sympathie der Allgemein- heit. Die Quäker traten geschlossen für sie«in, der Civic-Liberty. Club ergriff für sie Partei. Das konnte so nicht weitergehen: Irgend etwas mußte geschehen. Am Morgen, der auf Jacks nächtliches Abenteuer folgte, stürzte sich Calvin Füller beim Frühstück auf den„Fullersville? Adler" und dos„Ohio-Morgcnblatt". Das Voinbenattentat mußte auf der ersten Seite stehen! Kein Wort! Fioberhoft erregt las der Herr von Fullersville die ganzen Zeitungen durch: keine Zeil«! Nichts! Was war ge- fchehen? Er schnellt« auf, lief ans Telephon, rief Cardigan an: „Sofort herauskommen." Eardigan, der ebenfalls am Morgen«inen unangenehmen Nervenschock erlitten hotte, betrat blaß und verstört das Arbeits- zimmer seines Drotgebers. Calvin Füller wies ohne ein Wort auf die Zeitungen, in denen die einzige, die wichtige Nachricht nicht stand. Cardigan begann zu stammeln: „Der Auftrag wurde erledigt, Herr... bei Gott.. ich war selbst zugegen... Um halb zehn... es ist mir völlig unver- ständlich..." „Ihnen hat nichts unverständlich zu sein!" herrscht« ihn Calvin Füller an.„Wozu sind Sie denn da? Was treiben Ihre Leute? Es ist ihnen noch immer nicht gelungen, auch nur einen einzigen Zwischenfall hervorzurufen!" Cr ließ den Drehstuhl vor seinem Schreibtisch kreisen, starrt» Cardigan an und fragte völlig unvermittelt, langsam, jedes Wort betonend: „Wieviel zahlt Ihnen mein Bruder?" Cardigan fuhr zusammen: darauf war er nicht vorbereitet ge- wesen. „Keinen Cent, Herr Füller, keinen Cent. Ich weiß gar nicht, wie Sie auf diesen Gedanken kommen." „Er ist recht naheliegend," entgegnete Calvin Füller höhnisch. „Ich kann mir nicht vorstellen, daß der Leiter einer Geheimagentur ein derartiger Idiot ist, und muß daher annehmen, daß er sich be- stechen läßt." Cardigan fand keine Worte. „Und Nr. 152", fuhr Calvin Füller gereizt fort.„Was treibt denn der Idiot im Geheimkomitee? Ist der Kerl nicht imstande, etwas auszurichten?" „Er wirb immer von den anderen überstimmt." „Lächerlich. Er hat Gelegenheit genug, mit ihnen einzeln zu- fammenzukommen, sie zu bearbeiten. Glauben Sie denn, daß ich die Leute vom Geheimkomitee zu meinem Vergnügen frei herum- laufen lasse?" Cardigan schwieg abermals. „Wissen Sie einen Ersatz für Nr. 152?" Cardigan kratzte sich den Kopf. „Augenblicklich nicht, Herr Füller." „Sie müssen einen finden. Sobald Sie ihn haben, lasse ich 152 oerhaften, damit wir ihn log sind. Er wird dafür entschädigt werden. Uebrigens verdient der Idiot nichts Besseres. Sonst etwas?" „Ja." Cardigan grinste: diese Nachricht würde dem Herrn von Fullersville angenehm fein.„Die Rationen der Streikküchen werben von nächster Woche an verkürzt." Aber anscheinend war Calvin Füller an diesem Tage nicht zufriedenzustellen. Er runzelt- die Stirn. „So? Das bedeutet nur, daß die Leute zu wirtschaften ver- stehen. Sich auf einen langen Kampf vorbereiten. Konnte Nr. 152 das nicht verhindern?" „Er hielt es für eine gute Maßnahme, glaubte, die Leute würden unzufrieden werden." „Der verdammt« Idiot! Von wem ging die Idee aus?" „Von Herrn Jack." „Das ist bestimmt nicht auf seinem Mist gewachsen. Da steht ein anderer dahinter. David Gordon wahrscheinlich. Diese Gordons sind überhaupt die treibend« Kraft." Cardigan wollte sich beliebt machen. „Wollen wir sie nickst verhasten?" „Damit all« Quäker zu brüllen anfangen! Das sind schlaue Füchse, die Gordons, die hüten sich vor jeder Bloßstellung." Calvin Füller warf seinem Geheimagenten einen wütenden Blick zu. „Ja, ivenn ich mit intelligenten Leuten arbeiten könnte! Da wäre der Streik schon längst zusammengebrochen. Aber Sie und Ihre Leute..." Cardigan war froh, als er endlich gehen durste. Als Calvin Füller nach dem Mittagessen den schwarzen Kaffee trank, kam der Diener mit einer Visitenkarte: „Der Herr möchte Sie sprechen, Herr Füller." (Fortsetzung folgt.) «» «« FÜR DEN KLEINGÄRTNER. «ttiuiiuinnniiiiiiiuwittraiiiiflniiHiiiiiiiiiiiiuiniiiiiiiiitiiiiinMiiiiiiiiiiiiiiiiiii»iiuiiiinnniiinimimiiinniimnMiiniiiiMmiimiiiiiiiiiiniiinniniiiininnuiiinmniiiiiiniiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiHininiiiiiiiiu Vom Kalken des Bodens. Zur Bildung der Pflanze sind vier Nährstoffe nötig: Stickstofs, Phosphorsäure, Kali und Kalk. Da nur sehr selten ein Boden diese Nährstoffe in idealer Menge darbieten wird, ist es nötig, ihm durch die Düngung das Fehlende zu geben, zumal bei der Gemüsezucht, die von kleiner Fläche große Mengen ernten will. Wenn nun auch die tierischen Dünger Stickstofs, Kali und Kalk an» meisten enthalten (auf 100 Kilogramm etwa 5 Kilogramm, 6,3 Kilogramm und 7 Kilogramm), dagegen Phozphorsäure wenig, nur 2,5 Kilogramm. so wird im allgemeinen der künstliche Düngerzusatz sich zunächst auf die Herbeischaffung der sehlenden Phosphorsäur« beziehen. Wo aber z. D. mit Jauche(1000 Liter enthalten an Kalt 0,2 Kilogramm) gedüngt wird, oder der Boden an und für sich kalkarm ist, wird man auch die Bereicherung des Ackers mit Kalk in erster Linie stellen müssen. Denn der Kalk hat nicht nur ein« Rolle als Nahrungsspender, sondern beeinflußt den Boden in physi- kalischer Beziehung so günstig, daß man verstehen wird, wenn wirk- lich erfahrene Männer der Praxis die Wahrheit des Satzes: ohne Kalk kein Leben, keine Fruchtbarkeit verkünden. Dies« indirekte Wirkung des Kalkes auf den Boden besteht darin, daß die humosen Bestandteile sowohl des Mutterbodsns wie des zugeführten Stall- mistes gründlich zersetzt und die Stickstoffverbindungen in Salpeter oerwandelt werden, in welcher Fonn der Stickstoff von den Pflanzen aufgenommen wird. Aber er geht auch den mineralischen Bestand- teilen des Bodens zu Leibe, bewirkt ihre Auflösung, so daß auch sie den Wurzeln der Pflanzen zu gut« kommen können. Endlich werden durch den Kalt all« im Boden sich vorfindenden Säuren gebunden. Für tonigen und schweren Boden ist der gebrannte Kalt, sogenannter A e tz t a l t, besonders vorteilhast: der Boden wird lockerer und wärmer. Für Sandboden eignet er sich dagegen erst dann, wenn diesem durch Lehmzvfuhr eine Struktur gegeben wird, die das Eingreisen des Kalk begünstigt. 9hm erklärt sich auch die oft gemachte Beobachtung: trotz Düngung mit Stallmist bleiben die Erträge mit den Iahren immer mehr zurück, bis der Rat eines Fachmannes Wunder schafft.„Geben sie dem Boden Kalk und er wird sich wieder dankbar erweisen." Vorausgesetzt— so muß man hinzufügen—, daß bald daraus eine reiche Düngung erfolgt. In diesem Sinne ist das Sprichwort zu verstehen:„Kalk macht reiche Väter, aber arme Söhne." Eine ganz natürliche Folge der Belebung des Bodens durch Kalt ist die schärfere Beanspruchung der Nahrungsstoffe des Bodens, so daß durch die Düngung hier Nachschub geleistet werden mutz. Aber diese Mehrausgabe macht sich durch die erzielte Steige- rnng des Ertrages bezahlt. Kohlarten und Kartosseln nehmen mit weniger Kol? vorlieb, Erbsen und Brhnen. dann vor allem d'« Aepfel. Birn« und Kirschbäum«, überhaup: alle» Obst, seelcmzt reichlich Kol? Wann und wie soll gekalkt werden? Am besten im Herbst wenn die Quartier« abgeerntet sind und das für den Kaltringsprozetz sehr notwendig« trockene Wetter eintritt. Es mutz danach getrachtet werden, daß der Kolk sich gründlich mst der Erde vermischt: man erreicht dies am besten durch ein Kompostierungsoer- fahren: man legt kleine Haufen aus den betr. Aeckern an, erste Schicht Mist, dann Schicht Erde, dann Kalk, und so ein paar mal, bis zur Höhe eines halben Meters. Der Kalt darf nicht direkt mit dem Mist in Berührung kommen. Statt Mist kann man auch Rasen. Torfmull, Kehricht u. a. nehmen. Durch die Winterfeuchte wird der Kalt gelöscht, und die im Frühjahr zum Untergraben fertige Mass« wird durch Auseinanderziehen des Hausens über den Boden gebreitet. Solche Kaltung hält bis zu 5 und 6 Jahren vor. Man nimmt pro Ar bei schwerem Boden etwa 20 Kilogramm Kalt, bei leichterem 10— 15 Kilogramm. Haltbarkeit von Frühkartofiein. So willkommen die Ablösung der alten Wintertartofseln durch die neue(Früh-) Kartossel ist, so bringt dies«, falls ein größeres Quantum geerntet wird und ein schneller Verkauf nicht möglich ist, den Erzeuger in eine gewisse Verlegenheit. Er muß ihr mehr Auf- merksamkeit zuwenden, als anderen Früchten und dies in einer Zeit, wo die anderen Erntearbeiten drängen. Man darf eben nicht die aus der Erde genommenen Kartoffeln wahllos in dem Keller auf- stapeln: durch das dichte Lagern entstehen meist starke Ver- l u st«. Wenn man aber die einzulagernden Kartoffeln gleich mit der Hand ausliest, alle nicht ganz einwandfreien(angefaulte, beschädigt« und kranke) Knollen entfernt und die guten in dünnen Schichten im trockenen, lustigen Keller lagert, und wenn man dann noch jede Woche nochsieht und angefaulte Knollen entfernt, so kann man sicher sein, feinen Bedarf und etwa zum Verkauf bestimmte Ware monatelang zu halten. Verwertung von Fallobst. Das Fallobst sollte täglich aufgesammelt werden, damit darin sitzendes Ungeziefer nicht erst wieder herauskriecht. Fallobst kann in der Hauswirtschaft gut verwendet werden, so z. B. kocht man aus Aepfeln Gelee oder Mus, nachdem man alle schlechten Teile entfernt hat, Aber auch zum Trocknen ist Fallobst geeignet. Di« Acpfel werden geschält, unter Entfernung des Kerngehäuses in Scheiben geschnitten, dann auf Zwirnfäden gezogen und an Sonne und Lust getrocknet. Der Rapünzchensalat. Er wird auch Acker- und Feldsalat genannt, da der Landwirt ihn vielsach aus die nach der Ernte umgepflügten Aecker sät. Dies.'m Beispiel folgend, kann der Kleingärtner auch seine abgeerntelen Beet« damit bestellen, ohne neue Düngung— der Salat stellt weder an Lage noch Boden besondere Ansprüche Bon Juli ab bis in den Oktober hinein kann man Aussaaten machen: die ersten Aussaaten liefern bereits im Herbst und Winter ein« Ernte, während die le' t« Saat Salat für das Frühjahr liefert, man kann ihn also nach Äe- darf au» dem Boden nehmen. Bti starkem Frost ohne Schnee it tf jedoch ratsam, den Boden mit Etraußel oder Reisig zu deck«»». In lchneereichen Gegenden benutzt mau wohl einen leer-.n ft-frcn, um hn ß»ranzuzi> hin und deck: bei Sckme. i ll Brener über. Di» Kultur ist äutze.st eins ch-, man sät bre twü:f g.und ziinmD ick den feinen Samen— 1000 Korn gehen aus 1 Gramm und man nimmt 1 Gramm auf«inen Quadratmeter auf das gut gegrabene und geharkte Land, der Samen wird nur flach untergeharkt— eine wichtige Bedingung— und das Land während der Keimung feucht gehalten. Der kleinblättrige Feldsalat wird den breit- und groß- blättrigen oder vollherzigen Sorten vorgezogen. Man sollte diesen so geringe Müh« machenden späten Salat viel mehr anbauen. Segefflieger und Scgeliiiigzeiige. Bei unserer«motorlosen Elite" in der Rhön. r. J[ i« g e r l a g e r, 24. Iuli. Der von bet Rhön.Rossilken-Geselljchast mit Kenehmigung des Deutschen Luftrates veranstaltete diesjährige Jubiläums. Segeislug-Wettbewerb, dessen sportliche Leitung in den Händen der Südwestgruppe des Deutschen Luftsahrt-Verbandes und des Deutschen ZNodell- und Segelflugverbandes liegt, nimmt unter stetig wachsender Flugtätigkeit seinen Fortgang. Die Veranstaltung soll wiederum der Förderung des Segelslugsporte» und der «eiteren Erforschung der Segelslugmöglichkeiten dienen. Zum 10. Male hat sich unsere„motorlose Elite" aus der Masserkupp«. im klassischen Gelände des Segelfluges, zum friedlichen Wettstreite«ingefunden. Und doch zeigt der 10. Rhön-Segelslug- Wettbewerb im Vergleich zu früheren Iahren ein anderes Bild: es fehlt die große Zahl der Gleitflugzeug« der Anfänger. Die finanziell« Notlage der deutschen Luftfahrt hat zu dieser Einschrän- kung des Wettbewerbes geführt. So nehmen am Uebungs- und Leistungswettbewerb lediglich unsere fortgeschrittenen und geübteren Segelflieger teil. Einigen 90 Segelswggeräten und über 590 Lagerbewohnern von 1928 stehen demzufolge etwa Z9 Segel- flugzeuae und ungefähr 399 Teilnehmer gegenüber. Unsere I u n g s e g e l s l i e g e r, die der deutschen Segelslug- bewegung während der letzten Konkurrenzen einen starken Auf- jchwung brachten, fehlen diesmal mit ihren Ansängergeräten „Zögling" und„Prüfling". Sie müssen die für sie im Schulungs- Wettbewerb ausgesetzten Preis« an ihren lokalen Segelslugplätzen ausfliegen. Unter den 39 gemeldeten Flugzeugen befinden sich die von früheren Wettbewerben her bewährten Maschinen. Als neue Konstruktionen sind zu nennen: die„Wien" des bekannten Segel- fliegers Robert Kronfeld, sowie die„Schloß Meinberg" des vor- jahrigen höhenrekordfliegers Dittmar. Auch die Neuschöpsungen unterscheiden sich in ihrer Form nicht wesentlich von den in langen Iahren erfolgreichen hochdeckertypen. Hiervon ist die Mehrzahl freitragend, während auch in Anlehnung an den vorjährigen ,.Professor".Typ der RRG. einig« abgestrebte Flugzeuge vorhanden sind. Wenn auch in Form und Aufbau besondere Neuerungen nicht ohne weiteres festzustellen sind, so zeigen sich doch für den Fachmann erkennbar Einzelheiten, z. B. Verbesserungen in aerodynamischer und konstruktiver Hinsicht. Schon jetzt, nach den wenigen hinter uns liegenden Tagen, läßt sich sagen, daß die„19. Rhön 1929" gerettet zu sein scheint! Der bisherige Verlauf mit seinen 119 durchgeführten Wettbewerbsslügcn — im Vorjahre fanden während der ersten sechs Tage lediglich einige 59 Flüge im Ucbungs- und Leistungswettbewerb stutt— überrasci>e wohl den ältesten„Rhöner". Mit zähem Eifer gingen unser« Segel- jlieger an ihr« manchmal nicht leichten Ausgaben heran, trotz der verhältnismäßig geringen Preise. Sicherlich ein Beweis für den hier oben herrschenden vorbildlichen S p o r t g« i st. Restlos wurden bei jedem Wetter, gleichgültig, od heiterem, Gewitter oder Sturm, die Hochleistungsmaschinen eingesetzt. Der jung« Oesterreich«! K r o n f e l d, der Lehrer an der Fliegerschule der RRG. ist, machte erst soeben wieder von sich reden durch seinen..Frontensegel- f l u g"(im Aufwinde, der vor Gewitterwalzen entsteht). Sein famoser Streckcnflug von 159 Kilometer Länge bis in die Gegend von Iena-Gera machte ihn zum ersten Anwärter des„F e r n- fegelflugpreises" der Ausschreibung(2599 M.) Die Flieger des Uebungswettbewerbes(Segelfliegerausweis C nach dem 1. Januar 1928) bewerben sich meist um die Preise für die größte Gesamtslugdauer im Werte von 1899 M.(an der Spitze äugen- blicklich N e i n i n g e r auf„Darmstadt", Akaflieg Darmstadt mit säst 9 Stunden, Krebs auf„Kakadu", Akaflieg München und Bachem auf„Stadt Stuttgart") und die Preise für die größte höhensumme im Werte von 1599 M.(augenblickliche Reihenfolge der Anwärter: Krebs, Bachem und der junge Berliner Bedau auf.Luftikus" vom Berliner Segelslugverein mit 1399 Meter, 899 Meter bzw. 698 Meter). Außerhalb der Preise der Ausschreibung setzt die Sportleitung, die auch in diesem Jahre bemüht ist, die Flieger vor ständig neue Aufgaben zu stellen.„Tagespreise" aus: für die Uebungsflieger meist längste Dauer auf einem Fluge und für die„Kanonen" Streckenflüge mit Rückkehr zur Startstelle, also ohne Zwischenlandung. Di« neuere und neueste Taktik der diesjährigen„Segelfluggrößen" beruht mehr oder minder auf der geschickten Ausnutzung der durch Erwärmung der Luft am Boden hervorgerufenen thermischen Aufwinde und vor allein solcher vor Gewitterfronten. Von all den zahlreichen Flügen, die bislang unternommen wurden, sollen noch die Erstlings- flüge des werkstattneuen Hochdeckers„Elida" unter Max Kegel vom Niederhessischen Berein für Luftfahrt, Kassel, und der erste Rhön- flug einer Dame hervorgehoben werden. Die bekannt« deutsche Kunstfliegerin Marga von Etzdorf führt« auf dem„Hugo" der Württemberger einen wohlgelungenen Flug von 29 Minut�i Dauer aus. Der Flugbetrieb ist in diesem Jahre äußerst rege. Wiederholt schwebten über dem Weltensegler- und Pelznerhang stundenlang bei leichten Winden soviel Flugzeuge, daß die Sportleitung aus Sicher- heitsgründen den Start sperren mußte. Die zur Verhütung von Zusammenstößen in der Luft diesmal erstmalig in Kraft getretene „F l u g v e r k e h r s o r d n u n g" hat sid) als durchaus notwendig erwiesen. Der Segelfluggedanke hat zweifelsohne an Boden gewonnen: um aber«in wahrer Volkssport zu werden, muß er noch mehr in die Breite, d. h. in di« Masse, gehen. Wir denken hierbei an den„S t u r m v o g e l", an den neuen Flugoerband der Werktätigen, dessen Mitglieder hoffentlich auch im nächsten Jahre vereinzelt auf der Wasserkuppe ihren Einzug halten werden. WirnKerK- Echo! Das gewaltige zweite Deutsche Arbeiter-Turn- und Sportfest hat, wie nicht anders zu erwarten war, neben begeisterten und anerkennenden Worten der bürger- lichen Presi« auch neidislhe, unfreundliche und gehässig« Kritik ge- erntet. Die„B. Z. a. Mittag" anerkannte lebhaft den deutlich erkennbaren Aufschwung des Arbeitersports so- wohl organisatorisch wie auch rein l e i st u n g s m a tz> g. „Eine gewaltige Demonstration für die G e> s ch l a s s e n H e i t der Bewegung." Die„W e l t a m A b e n d (ach, sie hätte so gern geschwiegen) bracht« eine genau« Darstellung des Festverlauts, konnte es sich aber nicht verkneifen, stets als Be- gleitung neben diese anerkennenden Zeilen einige Stänkereien und Sticheleien vom Stapel zu lassen In einem mit„Ernste Mah- nun g" unterzeichneten Aufsatz aber heißt es:„Sie(die bürgerlichen Zeitungen) loben die Disziplin und die Leistungen der Teilnehmer. Es war kein Geringerer als A u g u st B e b e l, der einmal das Wort prägte, daß di« Arbeitersportbewegung auf einem schlechten Wege lei, wenn sie von ihren Gegnern gelobt wird. Dieser Fall ist eingetreten." Wer oie bürgerlichen Presseberichte über Nürnberg aufmerksam und ehrlich liest, der wird merken, daß das, was die , Gegner" schreiben, gar kein Lob, sondern ein erschreckende» Er. kennen über die Riesengrößc und Macht des Arbeitersports ist. Wenn da z B. eine bayerische Zeitung in den Ruf ausbricht:„Die roten Sportlsr— eine Gefahr für den deutschen Sport! Große Leistungen beim Nürnberger Fest'.", so wird unschwer zu erkennen sein, ob Lob od-r Angst das vorherrschend« Motiv waren, unserem Bundessest Erwähnung zu tun. Ein weiterer Beweis dafür sind auch die un- zähligen, mißgünstigen Aeußerungen rechtsgerichteter valitischer Organisationen und Blätter. Wie klar der Geist des Arbeiter- sports zu erkennen war. beweist aber die Aeußerung der„Rhein- Mainischen Dolkszeituna". die da schreibt:.... aber der Grundton dieses Festes der 199 999 war leider nicht das«portlich« in erster Linie. sondern � der proletarische Klassenkampf- �' �Dic bayerisch'en Blättchen sind erstaunt, wie leicht es den Führern des Arbeitersports geworden sei, noch Bayern einzudringen. Äst das etwa auch ein Lob?— Die Tage in Nürnberg sowie das Presseecho von rechts bis links haben gezeigt, daß der A r b e l t e r f p o r t a l s proletarische Kult urkampforganlsatirn die richtigen Wege geht: das haben alle erkannt, die mit dabei waren, und daran können auch all«„Ernste Mahnungen" unserer lieben unentwegten „Oppositionellen" nichts ändern, die mit einer„N«klameabte>lung nach Nürnberg gesahren waren und vom vorüberziehenden Festzug mitleidig belächelt wurden, als sie in„Rot-Front-Ruf« ausbrachen. Bezirksjugendlreffcn. Am 7. und 8. September findet das B e z i r k s j u g e n d- treffen des 1. Bezirks in Strausberg statt. Am«onnabend ab«nd beginnt di« Veranstaltung mit einem Fackelzug durch Straus» berg und einer Abschlußkundgebung(Musik. Anspra-Hen, gemein- sam«r Gesang und ein Gelübdespruch), Ucbernachtung in ver- schiedenen Sälen(Strohlager), außerdem sind Privatquartiere vor- Händen. Auch ist Platz vorhanden, Zelte aufzuschlagen. Sonntag vormittag Morgenfeier, Mus.k, Gesang, Iugendtänze Jugend- spiel« usw., anschließend Gymnastik, Spielen und Baden. Das«nd- gültig« Programm gibt der Iugendausfchuß noch bekannt. Das erste Jugendtreffen nach der Spaltung muß eine gewaltige Kund- aebung für den Arbeiter-Turn- und Sportbnnd werden. Nicht nur die Bundcsmitglieder bis 18 Jahre solle» erscheinen, sonder» alle, die mit der Jugend mitleben, sind willkommen. Bogemdifcflen! Der Schießsport mit dem Bogen ist die Schießsportart, di, man direkt al»„Leichtathletik" ansprechen kann. Wenn man 199 Schuß mit einem 59.Pfund.Bogen abgegeben hat, so wurden 59 Zentner mit der Linken gestemmt und mit der R«cht«n g«hob«n und gleich- zeitig all« anderen Muskeln des Oberkörpers in Tätigkeit gebracht. Die Beine kommen dabei keineswegs zu kurz, da das Zurückholen der Pfeile ihn«n g«nug zu tun gibt. Das Bogenschießen ist auch nicht nur für junge Leute geeignet, sondern auch die ältere Generation beiderlei Geschlechts kann«s mit Lust und Vorteile für ihre Gesund- heit betreiben in einem Alter, wo Ballspiele und sonstige Spiele im Freien, bei denen Schnelligkeit und Elastizität den Ausschlag geben, längst nicht mehr geübt werden. Eine Bog«nabteiluna«rösfnet der Arbeiter-Schützenbund dem- nächst, und erteilt an Interessenten jegliche Auskunft in der Ge- schästsst«lle: Stefan B r u in i r s k i, Berlin SW. 19. Kommandanten. straße 77. Merkur 7752__________ Hertha muh nach Nürnberg. Am Sonntag Entscheidung um Deutschen Meister. Wie vorauszusehen war, hat der Deutsche Fuhballbund den Einspruch von Hertha BSC. gegen di« Ansetzung des Meisterschafts- Endspieles nach Nürnberg abgelehnt. Berlins Meisterelf muh also wohl oder übel am bevorstehenden Sonntag im Nürnberger Stadion gegen die Spielvereinigung Fürth antreten, wo si« ein über das andere Mal den Schlachtruf der Fürth-Anhänger ver- nehmen wird:„Deutscher Meister wird— Spieloereinigung Fürth!" Vor nicht allzulanger Zeit war die Einstellung in der großen deut- schen Fußballgemeindc: Wer den Club schlägt, wird deutscher Meister. Hertha BSC. hat das Kunststück fertiggebracht, hat den 1. FC. Nütnberg nach insgesamt vier Stunden schwersten Kampfes mit 3:2 niedergerungen und steht nunmehr zum vierten Mal« vor der höchsten Aufgabe, zum vierten Male im Endspiel um die Deutsch- Meisterschaft. Vielleicht glückt den Berlinern diesmal der große Schlag. Das unter Leitung von Dr. Baumens- Köln statt- findende Spiel soll um 17 Uhr beginnen.„Hertha" wird in der gleichen Aufstellung wie am letzten Sonntag in Düsseldorf antreten. Die Abreise der Berliner erfolgt wahrscheinlich erst am Sonnabend vormittag um 19 Uhr. prm�endlenhinul im Sportforum. Geschmadclosigkeil in der Republik. Der„Deutsche Reichsausschuß für Leibesübun- gen" teilt mit: Am Sonnabend, dem 3. August wird auf dem deut- fchen Sportforum im Grunewald ein Denkmal für den im Lustkampf gefallenen Prinzen Friedrich Karl von Preußen eingeweiht werden. E» folgt in der Mitteilung eine längere Schilderung der sportlichen und militärischen Leistungen des Prinzen. Wer den Prinzen Friedrich Karl von Preußen gekannt hat, w«iß, daß er ein einfacher, bescheidener Mensch war. Er unterschied sich bierin vorteilhast von dem größten Teil seiner Verwandten, vor allem auch von seinem Vater, dem Prinzen Friedrich Leopold, über den wiederholt in mit Recht tadeln- der Form in der Presse berichtet werden mußte. Friedrich Karl ist als einziger hohenzollernprinz im Felde gefallen. Aber die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes vermag nicht einzusehen, warum gerade für ihn, den Prinzen des hohenzollernhauses, an einer Stätte, die von der deutschen Republik unterhalten wird, ein Denkmal gesetzt werden soll. Es sind so viele Männer mit einfachem bürgerlichen Namen als Flieger gefallen, und darüber hinaus ist die Zahl derer, die in den Schützengräben fielen, übergroß. Auch sie waren zum Teil vor dem Krieg« als erfolgreiche Sportsleute tätig, niemand denkt daran, ihnen ein Sonderdenkmal zu setzen. Wir sind der Ueberzeugung, daß dieser Prinz, wenn er lebte, in seiner schlichten, sympathischen Art ein« Ehrung, wie sie gerade ihm, dem Toten, jetzt zugedacht wird, als geschmacklos ablehnen würde. Wer fährt nach München? Am Sonnabend, dem 17. August, fahren mit dem O-Zug ab Anhalter Bahnhof 29,99 Uhr verschiedene Gruppen des Touristenvereins„Die Natursreunde" nach München. Wer mit nach München oder Kusstein fahren will, melde sid) zwecks Fahrpreisermäßigung an das Reisebureau des Touristenvereins„Die Naturfreunde", dl 24, Iohamnsstr. 14/15. An die Berliner Arbeitersportierl Die Sozialdemokratische Partei hat für Berlin zu einer kund- gebung gegen den Krieg am 1. August ausgerufen. An diesem Tage ruht Sport und Spiel! Seile an Seite mit unseren Genossen wollen wir durch eine machtvolle Demonstration bekennen: Nie wieder Krieg! Sportler, denkt daran, wie eure Bisten und Gesündesten dem Moloch Krieg zum Opfer sielen, wie unsere Reihen sich lichteten.- Soll das wieder so sein? Wir rufen: Nein und abermals nein! Wir vergessen nicht! Neuer Konsliklsstosf hat sich zusammengeballt, der jeden Augenblick ein ähnliches Unglück über die Menschheit bringen kann wie 1914. Das zu verhindern, den Frieden zu erhalten, dasür demon- firieren wir als Arbeiterspo rtler am 1. August mit der SozialdemokratischenPartei, einig in der Forderung: Nie wieder Krieg! Der Geschästsführende Ausschuß. F. Barthelmann. R. Oehlschläger. Motorrad-Preis von Deutschland. Internahonale Exiraklossc auf dem Nürburg-Ring. Vierzehn Tage nach dem Rennen der Sportwagen ist die ideale Rennstrecke in der Eifel abermals Schauplatz eines bedeutenden motorsportlichen Geschehens. Am kommenden Sonntag, 28. Juli, bestreiten die Motorfahrer ihren Großen Preis von Deutschland. Die Besetzung des Rennens läßt mit 99 Bewerbern aus acht Nationen nichts zu wünschen übrig. Außer den besten deutschen Fahrern stehen noch solche aus England, Belgien, der Slhweiz, Italien, Holland, Ungarn und Frankreich auf der Liste. Mit einem gewalligen Aufgebot rückt die englische I n d u st r i e an. Nicht weniger als 24 der Besten aus dem Inselreichc geben der Veranstaltung das Gepräge. Neben dem vorjährigen Sieger D o d j o n(Sunbeam), der in der letzten Zeit fast alle bedeutenden kontinentalen Rennen gewinnen konnte, seien noch L o n g m a n (Ardie Jap), 5) a n d l e y(Motosacoche), Porter(New Gerrard), Johnstone(Blackburne), h i m i g(Jap Zenith), Walker (Rudge Withworth), und S. A. C r a b t r e«(hccker Jap) genannt. Aus Deutschland ist natürlich alles zur Stelle, was Anspruch auf den wertvollen Siegcspreis erheben kann. Genannt seien nur Socnius-Köln, Bauhofer, Henne, Stelzer, München, Köppen-Berlin, Stegmann-N«uölsnitz(BMW.), Zündorf-Köln, Niemeck-Hameln, I. Klein-Waldkirchen, Geiß-Pforzheim, Winkler-Chemnitz(DKW.), Gall-Ludwigsburg, Rüttchen-Erkelenz(Standard), Wemhöfer-Bielc- feld(Velocette), Graf Bismarck-Varzin(AIS.), Ernst-Breslau (AIS.), Ernst-Breslau(AIS.), Kiemel-Waldfee(UT. Jap), Tennig- keit-Berlin(Rudge Wichworth) u. a. m. Die Maschinen bis 175 Kubikzentimeter haben 339,5 Kilometer, die bis 259 Kubik- Zentimeter 367,9 Kilometer, die 359er 396,2 Kilometer und die Maschinen der Halbliter und Literklasse 424,5 Kilometer zurück' zulegen. Bei der schweren Konkurrenz ist es sehr leicht möglich. daß der vorjährige Rekord Dodsons von 98,415 Stundenkilometer» für die 15 Runden eine Verbesserung erfährt. An Barpreisen stehen insgesamt 15 999 M. zur Verfügung, von d«nen der Fahrer mit der schnellsten Zeit neben seinem Klassenpreis noch einen Sonder- preis von 3999 M. erhält. Ein großer Teil der Bewerber, darunter die meisten der englischen Konkurrenten, ist auf dem Nllrburgring bereits eingetroffen, um sich mit der Bahn vertraut zu maihe». Frankreich oder Amerika? Vor der Davispokal-Entscheidung. Auf dem Cenire-Court d«s Pariser Roland-Garros-Stadions sieht am Freitag, Sonnabend und Sonntag der letzte Akt der dies- jährigen Davispokalspiele vor sich, die herausforderungs- runde zwisd)en dem Pokalverteidiger Frankreich und dem Endsieger aller Ausscheidungen, Amerika. Altmeister Tilde» hat in Berlin eine so phantastisch« Form gezeigt, daß es den Fran- zos«n diesmal wirklich nicht leicht fallen wird, die heißbegehrte Trophäe zu behaupten. Die Franzosen müssen mit der Möglichkeit rechnen, beide Einzelspiele an Tilden abzugeben, obwohl„Big Bill" schon mehrmals von Cochet geschlagen worden ist. In-den beiden anderen Einzelspielen sollten Cochet und B o r o t r a gegen George L o 1 1, der an Stelle von hunter aufgestellt worden ist, die Punkte sicher I)aben. Von ausschlaggebender Bedeutung dürfte das Doppel- spiel sein, hier hat Amerika die Wimbledonsieger van Ryn— A l l i s o n zur Verfügung, die sich beim Training in Paris niit Karl Kozeluh und Tilden in denkbar bester Form zeigen. W«r von den Franzosen am Sonnabend zum Doppelspiel antritt, hängt vo» dem Ausgang der beiden Einzelspiele des Freitag ab. Steht die Schlacht nach dem erst«» Tage 1: 1, so wird man wohl B o r o t r a— B r u g no n spielen lassen, um Cochet für d«n Schlußtag zu schonen. Di« Aussichten erscheinen diesmal durchaus offen. Das Ergebnis kann ebensogut 3:2 für Frankreich wie für An>«rika lauten. Berliner Ringer-Meisterschaft. Die Ringkämpfe im Wilmersdorf er Viktoriagartc n bringen jetzt allabendlich sehr spannende Entscheidungskämpf«. Er- bittert wird um die ersten Plätze gestritten. Der äußerst starke Besuch ist ein Beweis, daß auch die Ringkämpfe wieder eine größere An- ziehungekraft auszuüben vermögen. Am Dienstag rangen im Stichkamps Marunke gegen Hansen- Esch. Der junge Sachse scheiterte an der Routine des Rheinländers: in der 53. Minute brachte ihn Hansen durch Eindrücken der Brücke glatt aus b«id« Schultern. Der völlig offene Kampf Neström gegen Grunwald endete nach 25 Minuten unentschieden. Die noch zur Ver- fllgung stehend« Zeit von 15 Minuten reichte nicht aus, um zwischen Pietro Scholz und dem Tschechen Spevacz«k eine Entscheidung herbei- zuführen. Der Sachse Maninke mußte am Mittwoch einc� iveitere Niederlage hinnehmen, er verteidigte sich gegen Grunwald in seiner schönen gewandten Art. erlag aber schon in der 23. Minute ein«,» Armfallgrisf. Trotz größter Anstrengungen gelangten Pietro Scholz und Neström in ihrem ersten Treffen zu keinem Resultat. Der prächtige Oberschlesier Pogrzeba fing den Kölner Kochhanski in der 44. Minute sp geschickt ab, daß dieser durch einen plötzlichen Kopf- zug auf beide Schultern kam. heute ringen: Pietro Scholz gegen Spevaczek, Pogrzeba gegen Grunwald und Hanscn-Esch gegen Kochhanski. A rbeiter-Schütz«»-«»»». v-ae-lchieb-n ffr-iiog IS'z Uhr. Tonnt-q 9 Uhr. Eporwlah iZrildrlchzfeld«, am uppstallmeg. To»rist«a>>«rr>a„Tic Slat»rsr«>l»d«", Zentral« Wien. Abt. Charl-ttcnbura: llrcitag, A. Juli, 20 Uhr, Sprcestr. SO, Vortrag übte Freizeit.— Abt Siibost: tzreilaa. 2S. Juli. 20 Uhr, Abenlnvanterung.— Abt. Treptow: ftcci- tag, 2(5, 5uli, 20 Uhr, Slfenstrahe 8, RaturwilleuschaMiche Plauderei— ««. Reukölln: ssreita«, 28. Juli. Vabeabcnb im Freibob«linaenberg.— Photo gemrinsehaft: Montag, 29. Juli, 20 Uhr, Große.Frankfurter Str. 10. Saal,„Reprobutti-n-ph-tographie".— Abt.«riß: MonNig, 29. Juli, 20 Uhr. Ghauffeestr. iS, Feriencrlebniss«.— Mallunstge meinschaft: Montag, 29. Juli. 20 Uhr, Waffertorftr. 9. Kohlezei»nen.- Zuqenbgruppc Osten: Moülag, 29, Juli. Peiuih beo Antilriegsmuseumo. Tenni»-Rot, Abt. Lichtenberg. Stächst« Monatsvcrsaminluiig am Mittwoch. 81. Juli, um 20 Uhr, im Lokal Hugo Wcgner, Frankfurter Allee 208. Wichtige � ßifchäfis-Jtnseiger � föezivfc Jtorden-Csten. SM« NIW! Eltenwarenhandlang Berlin-WeiBensee Berliner Allee 20(B.23| maierhütte Berlin e.m.to.N. 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