BERLIN Zrettag 26. Zuli 1929 10 p». Nr. 346 B 122 46. Jahrgang. 6 t( d) e t n t t»» l t ch aotet Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche. S.SOM. pro Monat. Kedaktion und Erpedition; Berlin SW 68. Lindenstr.s nV)Yu>wf4&» nzeigenprettiDte einspaltige Nonpareillezeil, «o Pf., Reklamezeile ü M. Ermäßigungen nach Tarif ostscheckkonta: Vorwärts-Derlag G. m.b.H.. Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Dtyhoff 292 bis 297 Das Adelsbegehren. Hugenbergs Volksbegehren ohne Volk.- Kürsien, Grafen und bitter ..Für das Volksbegehren" lautet die Ueberschrift einer neuen Namensliste derer, die dem Hugenbergsche» „Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren" bei» getrete« find. Die Liste enthält genau 38 Unterschriften. Davon führe« neu» Unterzeichner das Adelspradi» tat. einer bezeichnet stch als Ritter» einer als Frei» Herr, einer als Graf und einer als Fürst. Dem Beruf«ach befinde» fich unter de« 38 siebe'« ehe» malige höhere Offiziere, davon fünf ehe» malige Generäle. * ill» ersten der Generäle lesen wir: von Behrendt. General der Znsonleri«. Gin General von Behrendt war e«. der seinerzeit noch der Ermordung Erzberger» am Telephon die klastischen Worte sprach:„Ein Glück, daß das Schwein tot ist. Jehl hole Ich«dir an» meinem Keller die beste Pulle herauf." Es wäre für die Oeffent- lichteit interessant, zu erfahren, ob der Inhaber dieses urdeulschen Gemütes mit dem Aufrufunterzeichner identisch-stt? ferner befinden sich unter den ZS sieben Professoren, ein Prtoatdozent, ein Staatssekretär a. D.. sowie ein Vuhend Juslizräte, Medizinalräte. Landgerichtsdirek. toren und sonstige höhere Beamte. Schließlich vereinige« sich gegen die Bepublik auch noch: der Romanschriftsteller Rudolph Herzog, der Reichsverbandsgeneral von Liebert fhei lewet noch!) und der Generaldirektor Kirdorf, einer der bekanntesten schwerindusiriellen Scharfmacher. Alle» in allem: eine erlesene Korona. Aber wo ist da» Volk, das man doch schließlich für ein Volksbegehren braucht? Bombe verschwunden. Oer rätselhoste Fall des Landgerichtsdirettors. Nach der Meldung eines Berliner Mittagsblattes soll der be» kannte Berliner Landgerichtsdirektor Bombe aus Neuglobsow am Stechlinsee, wo er einkn Ferienurlaub oerbrachte, auf unaufgeklärt« Weise verschwunden sein. Als der Lcmdgerichtsdirektor nach Ablauf seines Urlaubs nicht nach Berlin zurückkehrt«, stellt« ein Freund Erkundigungen nach ihm an, die ergaben, daß Bombe schon vor mehreren Togen unter Mitnahme einer Aktentasche sein Domizil verlassen hatte und nicht wieder zurückgekehrt war. Seitdem fehlt jede Nachricht von ihm. Am Mittwoch dieser Woche sollt« Londgerichtsdirektor Dr. Bombe seinen Dienst wieder antreten. Er erschien jedoch nicht. und als er auch am Donnerstag seiner Dienststelle fernblieb, wurde in seine Wohnung geschickt. Die dort anwesende Wirtschafterin— Dr. Bomd« ist unverheiratet— erklärte, daß sie selbst s e i t m e h r e- ren Tagen ohne Nachricht sei. Ein guter Freund des Vermißten, Eisenbahndirektionspräsident v Schiwen, erfuhr von dem Verschwinden Dr. Bombes und begab sich sofort im Auto nach Neu-Slobsow. Die Feststellungen, die er bisher dort treffen konnte. sind negativ verlaufen. Das Gepäck Dr. Bombes, das er in seinem Zimmer zurückgelassen hatte, wurde durchsucht, ohne daß es gelang, auf irgendeine Spur zu kommen. Die Polizei und die Staatsanwaltfchast sind sofort benachrichtigt worden und haben die Ermittlungen aufgenommen. Landgerichtsdirektor Bombe hat seinerzeit als Vorsitzender die Schwurgerichts.'erhondlungen gegen die Fememörder im Falle Pannier geleitet.?n der Oesfentlichkeit wurde damals bemängelt, daß während der ganzen Verhandlung die Oeffent. lichkeit ausgeschlossen war. Landgerichtsdirektor Bombe ist wegen dieser Sache und anderer behaupteter Verstöße seiner Prozeßführung seinerzeit von einem Untersuchungsausschuß des preußischen Landtags vernommen worden Es stellte sich heraus, daß die Regierung Verhandlung in voller Oeffentlichfeit gewünscht haste, daß aber ein Bedenken des Auswärtigen Amtes, da- die Verhandlungen um einige Wochen hinausgeschoben wissen wollte, den Landgerichtsdirektor Bombe zu seiner gegenteiligen Stellung- nahm« veranlaßt hatte. * von amllicher Stelle wird uns bei Redaksionsfchluß bestätig«. daß Herr Londgerichtsdirektor Bombe sei« Sonnabend bereits vermißt wird. Nachforschungen, die der Landgerichts- Präsident hat anstellen lassen, haben noch zu keinerlei Re- s u l t a t geführt. Dagegen hat sich ein umlausendes Gerücht, wonach Herr Bombe erschossen bei Neu-Globsow aufgesunden worden sei. nach der amtlichen Mitteilung nicht bestätigt. E>au- undIudenrepuvlik straffrei! ,Hier sehen Sie, Herr Kollege, was die Justiz- nur durch geschickte Auslegung- aus einem Paragraphen des Nepublikschuhgesetzes machen kann. Frontkämpfer gegen Abrüstung. Protest gegen die amerikanisch-englische Einschränkung. New Jork. 26. Zuli. Die Amerikanische Legion, der verband der amerikanischen Arontkämpser. legte allerschärfiten Einspruch gegen die von hoover abgegebene Alottenerklärung ein und betonte dabei, die Parität sei nur dadurch erreichbar, daß Amerika sein Flotten- Programm durchführe, während England einen Teil seiner Schisse zerstören müsse. Der Kongreß dürfte jedenfalls bei der Behandlung dieser Frage einen großen Sturm erleben. Slaatssetrelär Stimson erklärte, es handele sich bei der Flollengleichheit nicht um eine Doktrin der Kriegsführung, sondern um eine slaatsmännifche Doktrin, wodurch verhindert werden solle, daß beide Nationen gegeneinander bauen. Sämtliche Flotteneinheiten müßten aus die gleiche Anzahl gebracht werden. Der Vorsitzende des ,211 arineaus- f ch n f f e». vrilton, erklärte sich gegen hoover, der unbefugt das mühselig zustandegekommene Mariuebauprogromm des Senats angreife. Ausgleichsverhandlungen im Gang? Nufsisch-chinesische Besprechungen gemeldei. London, 26. Juli. Ja einem aus den chinesischen Linien stark verzögerten Mukdener Bericht des Sonderberichterstatters des.Daily Tele- groph" heißt es, daß In Tfchangtfchung, dem südlichen Endpunkt der chinesischen Ostbahn, vorbereitende chinesisch-russische Aus- gleichsverhandlungen zwischen dem Abgesandten der Mukdener Regierung. General Tschanghsueliang. und dem bis- herigen russischen Generalkonsul in Eharbin, Melnikow, be- gönnen haben. Die Entsendung von Tschanghsueliang durch die Mukdener Behörden sel mit der ausdrückllchen Zustimmung und ans veranlasiung der Nanking« Regi«ung«folg». Heb« den Gegen stand d« Besprechungen wird dem.Daily Telegraph" berichte«, Tschanghsueliang habe dem Gen«alkonsul gegenüb« versichert, daß d« chinesische General La seine Vollmachten bei d« Be- seltlgung der führenden russischen Persönlichkeiten der chinesischen Ostbahn überschritten habe. China«kenne den Grundsatz der gemeinsamen Kontrolle der Elsenbahn an. Diese grundsätzliche Zu- sicherung von chinesisch« Seile werde, wie man hoffe, den Weg für allgemeine Verhandlungen ebnen. Weiter wird dem„Daily Telegraph" mitgeteilt, daß dem russischen Generalkonsul ein Visum nach Eharbin erteilt worden sei. Er befinde sich bereits auf dem Wege dorthin, um dort den chinesischen Gesandten in Finnland zu tresfen, der mit einer Mission der Nan�inger Regierung beauftragt sei. In Mukden sei jedenfalls eine allgemeine optimistische Stimmung festzustellen, ver- stärkt durch den Glauben, daß die ersten Schritte für die friedliche Beilegung des Streites nunmehr eingeleitet sind. Nuhe in der Mandschurei. Pari», 26. Juli. havas meldet aus Mukden: Entgegen anderslautenden Ge- rächten ist die Lag- in Eharbin sehr, ruhig. Urteilsfähige Bc- obachter glauben, daß eine beträchtliche Entspannung ein» getreten sei. Das Zusammentreffen des Gouverneurs von Kirin und des Oberkommandierendcn der an der mandschurischen Grenze mobilisierten Armeen mit dem Sowjetkonsul in Eharbin scheint die Hojsnung aus Wiederaufnahme der Verhandlungen zu rechtferiigen. Die Kriegshetze der Kommunisten nimmt immer groteskere Formen an. Tagtäglich werden neue blutige Greuelgeschichten aus China— mit ge- fälschten Bildern und ohne sie— den Gläubigen vorgesetzt. Der Münzenberg-Kongreß von Frankfurt, der sich stolz als„antiimperialistischer Kongreß" bezeichnete, hat sogar eine angeblich von Chinesen vorgelegte Resolution beschlossen, die wert ist, auch weiteren Kreisen bekannt zu werden. In ihr heißt es unter anderem: „Die Suomlnkangregierung... führt nur die Befehle der Imperialisten aus, die Bahn für sie zu beschlagnahmen Die Im- perialisten wollen die Bahn als einen strategischen Punkt gegen die Sowjetunion und zur Ausbeutung der Mandschurei benutzen... Seit der Aufrichtung des kuomintangregiemes in Banking hat die Regierung Tschiangkaifcheks nicht nur mehr als Z00 000 chinesische Arbeiter und Bauern ermorden lassen— darunter mehr als 2S 000 Kommunisten und Jungkommunisten. Wieder müssen in den Betrieben für die chinesischen und ausländischen Kapitalisten Frauen und Kinder täglich 15 Stunden ohne Sonntagsruhe schuften. Die Kuomintang hat für die Arbeiter und Bauern schlimmere Zustände hergestellt, als sie vor der Revolution waren." Das sind wirtlich erschütternde Behauptungen. Man sollte meinen, daß die Weltweisen von Moskau und ihre weniger weisen Trabanten in Deutschland die Kuomin- tang immer und zu jeder Zeit klar erkennen könnten. Aber das Gegenteil ist der Fall. Noch vor zwei Jahren, als die deutsche Oeffentlichkeit im allgemeinen die Vorgänge in China nur registrierend zur Kenntnis nahm, überschlug sich die kommunistische Presie in Begeisterung für die „revolutionäre" Kuomintangpartei und be- sonders für ihren Führer Tschiangtaisch�k. Der Kommunistische B i l d e r d i e n st. der sich angeblich jetzt von dem„bürgerlichen Agenten" einer Photoagentur mit einem gefälschten Bild hereinlegen ließ, lieferte damals in der kommunistischen„Arbeiter-Jllustrierten" wochenlang die wunderschönsten BilderausChinamit Siegesnachrichten der Kuomintang. lich wurden die nackten Hingerichteten nicht dem siegreichen Kuomintangfeldherrn zugeschrieben, sondern in der Rubrik „Weg mit der Todesstrafe I" mit folgender Unterschrift vor- gestellt: „Die lveißgardistea aller Länder habe» die gleichen von der kapitalistischen Justiz geheiligten Methoden. Bach Recht und Gesetz„hingerichtete" chinesische Revolutionäre." Die Räuber, die 1901 nach Joseph Kürschner an» geblich die Grenze eines Goldgräberbezirkes überschritten hatten, waren 1927 bei Münzenberg schon zu hingerichteten Revolutionären geworden, aber immerhin noch Opfer von Weißgardisten, gegen die damals die Kuomintang mit Tfchiangkaischek an der Spitze siegreich zu Felde zog. Zwei Jahre später— 1929— sind die gleichen Räuber wiederum chinesische Arbeiter und Dauern, aber diesmal von Tschiangkaischek als dem„Alliierten des Vorwärts" hingerichtet! Man sieht, das kommunistische Karussell bewegt sich dauernd im Kreise. So wie in Deutschland selbst die eine kommunistische Führungsgruppe heute als der Ausbund revo» lutionären Wollens und Könnens hingestellt, morgen aber als der Abschaum allen Verrats und aller Dummheit verdammt und bespien wird, so wie Trotzki bald als Schöpfer der Roten Armee, ein volksheld, bald als Ausgewiesener ein Schuft ist, so geht es auch mit den Führern der„W e l t r e v 0 l u- t i 0 n" im fernen Osten und im fernen Westen. Die g l e i- che» Generale, die heute»och„dem Imperialismus den stärksten Schlag" versetzen, sind morgen Verbrecher, Mörder und—„Alliierte des vorwärts"! Solche Rundreisepolitik könnte, aus der Ferne gesehen, sogar humoristisch wirken. Da sie aber verbunden ist mit der schamlosesten Verlogenheit und der blu- tigsten Kriegshetze, so ist sie ein Verbrechen, und ihre- Urheber müssen vor dem gesamten Volke als Verbrecher am Frieden immer wieder angeprangert werden. „die Eroberung Schanghais der stärkste Schlag gegen den Imperialismus." Und der Held dieser Eroberung w!ir— Tschiangkaischek, den die„Arbeiter-Jllustrierte" un- mittelbar unter dieses große Siegesbild bringen ließ! Zwei Seiten des Blattes waren gefüllt mit derartigen Photo- graphien, darunter auch eine von dem Kongreß der Kuomintangpartei, der angeblich die„F 0 r t s e tz u n g des revolutionären Krieges" beschlossen hatte, und wiederum ein anderes Bild, das die„ausländischen Im- perialisten" zeigte, wie sie„sich hinter Stacheldraht v e r st e ck t e n" vor den revolutionären„Söldlingen Tschiangkaifcheks". Es wird die kommunistischen und andere Leser aber auch interessieren, daß die Münzenberg-Illustrierte schon damals, nämlich in ihrer Rummer 5 vom 2. Fe» bruar 192 7, das gleiche Greuelbild veröffentlichte, das die„Rote Fahne" jetzt herauszustellen wagte als ein Zeichen von dem„Wüten Tschiangkaifcheks". Damals frei» Wir geben weiter oben die Siegesmeldung, wie sie in der Nummer 13 der Münzenbergschen Arbeiter-Jllustrierten vom 3. April 1927 veröffentlicht war. Damals war Ein Lahr Gefängnis gegen Lllitz. Oer Strafantrag des polnischen Staatsanwaltes. kaitowitz, 26. Juli. Im lllih-Prozeß beantragte der Staatsanwalt nach fünf. stündigem Plädoyer ein Jahr Gefängnis für den Angeklagleu Ulih wegen Beihilfe der Entziehung zum polnischen Militärdienst. Das photographierte Schriftstück bezeichnete er 0t» echk. Eine Fälschung erklärte er für ausgeschlossen, da die gestohlene« deutschen Akten nur ganz kurze Zeit lm Besitz de» polnischen Geheimdienstes gewesen sind. Die von der preußischen Regierung vorgelegten Akten bezeichnet er weiter als für den be- sonderen Zweck des Prozesses hergerichtet. Die in dem Schrislstück bestehenden Mängel und Fehler bezeichnet er als ab- sichtlich gemacht, um da» vergehen zu verschleiern. Die Schrift- jachverständigen lehnte er ab, da dies« Wissenschaft noch nicht exakt genug sei. poincar� krank— Kammer schließt. Teilnahme an Konsereaz fraglich. Pari», 76. YuN.(Eigenb«richt.) Pm Gesundheit», ustand P» i n c a r<» gibt augenscheinlich dich zu Besorgnissen Antaß. E» bestätigt sich, daß Pvincarä nicht nur a» einem leicht vorübergehende» Unwohlsein, sonder» an einer schon fest Jahre» bestehende« Entzündung der Speiserähr» tridet. kr«cll sich am nächsten Dienstag von einer Kommission Pariser yachär�o untersuche« lassen, ob sein Leiden durch eine streng« Diät oder gar durch ein« Operation behoben werde» kam,. Auf fchen Fall dürfte Poincarö. selbst wenn eine Operation nicht nötig sein sollte, so schnell nicht wieder auf dem Damm sein. E» wäre schon viel gewonnen, wenn er>m günstigste» Falle für einig« Tage an der Eröffnung der internationalen Konferenz teil» nehmen könnte, wozu er am Donnerstag dem Außenminister Briand gegenüber seinen lebhaften Wunsch ausgesprochen hat. Um chm aber die Lasten sein«; Amtes zu erleichtern, hat die Regierung in einem nächtlichen Ministerrat beschlossen, die Parloncentstaguna so schnell wie möglich zu beenden. Vielleicht dürft« da; Schlußdekret schon Sonnabend abend zur Verlesung kommen, falls die Kammer sich bereitfmdet, bis dahin in oller Eile die Steuererleichterungen für da? zwoite chalbjahr ISA und die AmnefUevorlage zu genehmigen. Papstgepränge in Ostom. Prozession auf dem Petersplatz. Rom, 26. Juli. DU groß« eucha ristisch« Prozession auf dem Petersplatz in Rom fanid«nv Donnerstag abend vor etwa ISO 000 Juschmiern statt. Scholl ig stM lsichetl Nachmittagsstunden, wahrend noch tropische Hitze über der Stadt brütete, begann«ine Dölkerwanderung zum St. Peter. Zunächst wurden nur die schattigen Stellen besetzt, all- mählich aber füllte sich der ganze Platz. Der Petersplatz war nach den Kolonnaden hin mit einer achtfachen Militärkette umringt. Für die Prozession selbst war Raum unter den Kolonnaden ge- lassen. Es zog zunächst die palatinische Garde des Papstes auf, die bei dieser Gelegenheit seit 1670 zum ersten Male wieder auf dem Petersplatz erschien. Unterdassen konnte man die halsbrecherischen Kletterübungen der Arbeiter von vi. Peter beobachten, die an langen Seilen längs der Fassade der Kirch« auf» und«bgiittan, um die L« u ch t f a ck« l n für dU abend- Piche Festbeleuchtung angubringen. Drei Flugzeug« kreisten über der Stadt, um die Einhalümg des Flugverlwtes, da» für diesen Tag erlassen worden war, zu überwachen. Um 1S.Z0 Uhr erschien der Papst auf setnem Iragsessel im Hauptpartal. von den Kardinälen und höchsten Spitzen der vatikanischen Behörden be- gleitet. Di« E lacken von St. Peter setzten ein und all« anderen Glocken folgten, während der Papst die Runde um den Peter». platz«achte, wurden die Lampen an der Fassade und an da« . Kalannaden entzündet. Langsam gruppierte sich lm Schein vieler tausend Kerzen der Prvz�sionazug auf der Freitreppe. Erst nach 20 Uhr»erließ der Papst den Tragsessel, der genau nach dem Modell hergestellt ist, da« Berntnt für den Papst»lexander VII.«ntworfen hatte. Der Papst kniete vor dem Altar nieder und erteilt« schließlich nach»errichtetem Gebet der harrenden Meng« den»ucharistischan Segen. A« der Prozession beteiligten stch etwa 60 000 Personen, unter Ihnen über>000 Seminaristen au« aller Welt, die mit Pllgerzügen»or einige« Tagen in Rom zusanemengekvmmen sind. Ein Korrekior als Votfchaster. Amerikas neuer Ootschafier in Krankreich. Parts. 26. Juli. Einer Washingtoner Meldung zufolg« wurde zum Pariser Botschaster der Bereinigten Staaten der repccblikcmisch« Senator van Rem Jersey, Edge, ernannt. Lm 20. Navember 167ll geboren. war Edg« zunächst Ko» rektar an der„Atianttc SW»iee»*, gründet« dann«in internatianales Lnzeigenbürv und wurde später Besitzer zweier graßer Blätter. Außerdem widmete sich Edge auch Bank». Finanz- und Handelsgeschäften. Seine politisch« Äaufbahn war«bens» glänzend wie sein« baruflich«. Im Jahr« 1817 zum Gouverneur von Ren» Jersey gewählt, trat Edge zurück, um im Jahr« 1818 in den Ganat einzutreten, in den er 1936 für «eitere sechs Jahr« gewählt wurde. Die kschechtschc Polizei uniernlmml eine systematisch« Kampagne gegeii die Kommunisten. Sämtliche in dem kommunistischen Partei- bureau befindlichen Schriftstück? wurden beschlagnahmt, der Sekretär und die Sjenotypsstinnen mußten den Weg zur Polizeiwach« an- treten. Insgesamt sind 170 Personen»erhastet worden. Gchülertragößie in Dortmund. Ein pnmaner erschießt seinen Freund und tötet sich selbst. ?n der Bachk zum Freilag gegen �1 Uhr e r s ch 0 h im Zentrum Dortmunds ein Unterprimaner seinen klassenkame- r a d e n und t ö l c l e sich dann selbst. Um die genannte Zeit verließen zwei kaum ZOjährlge Unterprimaner eine Wirkschaft, in der sie gewöhnlich Ihre Iasammenkuasl abhlcllen. Auf dem heim- weg zag der elae Primaner ohne ersichlllchen Grund plätzltch seinen Ra»ol»er und vorletzte den Feenvd durch einen Kopfschuß leben». gefährvch. hierauf lief er auf die andere Seit« der Siraße und brachte sich hier«inen sofort kddlich wirkenden Schuß in die rechte Schläfe bei. Der Dwoggeund z> dieser Blnktal ist vorläufig«och »okkständig unbekannt. Gage« M3 Uhr nachts ist der schwerverletzte Primaner seinen Berlohungen erlogen. Hu der Tragädi« wird ergängend berichtet, doß die Namen der beide« Primaner Helmut St«i«bach, Sohn eine« hiesigen Archstekte», und Fritz Deler«, Sohn eine» Bauführers sind. In der Wirtschaft, au» der die beiden heraustraten, wurde» regel» mäßig Schül«pzusa»imenkünste unter Aussicht eine» Ktudienraie» jeden Donnerstag abgehalten. Ans dem Heimweg« gerieten die beiden Freund« in«in« erregt» Unterhaltung, in deren Berlauf da» Unglück geschah. Steindach erhielt»inen Schuß>" da» link» Auge, stürzt« blutüberströmt zu Boden, wo er stöhnend und in wahnsinnigem Schmerz um sich schlagend liegen blieb. Aus der anderen Straßenseite bracht« sich dann Deler««inen Schuß in die rechte Schi äs« bei, der seinen sofortigen Tod zur Folg« hatte. Das Uebersallkoennaando brachte den sterbende« Steindach in da» Luisen-Hospital,«» er, ahne da, Beeoußtsein wiedererlangt zu haben, seinen Verletzungen erlag. Ueder den Beweggrund zu der furchtbaren Tat tappt man«ugenfeücklich noch»ollständtg im Dunketn. Gerücht«, die»on einem Eisersuchtodrama wissen wollen, sind im Augenblick»«der zu beftäiigen,»och zu widerlegen. Vor der Textilentscheidung. Noch feine Vekpöuviguog im«ailiftfca Arbeilekoufl-tt. London, 24. Z«S. Die Ausgl�chooorhandlnngen in dem Streik i« der evgllfche» Ha»UNv»ffi»basi ri« sind am Danneraia««st stärkstem Bachdruck sortgesetzt worden. Für Freitag Ist ein« gemeinsame Besprechung der Unternehmer- und«rbeitervertrelungcn um zwei Uhr nach. mittag festgesetzt. Daneben werden beide Parteien am vormittag in getrennten Sitzungen»erhandeln. In maßgebenden Kreise« wird ein leiser Opiimlsmu» hinsichlllch der INSglichkeit eine» Ausgleiche» gehegt, ohne daß hierfür bestimmte Hoffnungen oder Anhaltspunkte vorliegen. Für die Ausgleichsverhandlungen bleiben nur noch Freitag und Sonn- abend, da die angekündigte Lohnvermiaderuug für die Alontog«. schicht in Kraft traten würde. Was Landarbeitern zugemutet wird. Ehemalige Gefangnisse, leuchte Gewölbe und baufällige Kriegsbaracken als �andarbeiterwohnungen. Rar einigen Tagen hat ans Gütern in den Kreisen Göll, ist und Rothenburg in Schlesien eine Wohnungsbesichti' g u n g stattgesunden. Dabei sind Feststellungen gemacht worden, die aufs neue die Ruckstimdigteit des ländlichen Wohnungswesens beweisen. Auf dem Rittergut in G. sind nur drei Wanderarbeiter be- sriedigend untergebracht. Zwei Wanderarbeiter müssen sogar in einem feuchten Gewölbe wohnen, das früher einmal als Ab- stellraum Verwendung gesunden hat. Die übrigen Landarbeiter- Wohnungen sind fast durchweg so baufällig, daß deutschen Arbeitern die Annahme von Arbeit in dem Betriebe kaum empfohlen werden kann. In einem anderen Beirisbe desselben Ortes sind die Arbeiter in einem stillgelegten Gutsgebäude untergebracht. Es ist sehr baufällig und für Wohnzwecke kaum noch geeignet. Auf dem Gute in E. sind die Wanderarbeiter in einer Dach- Mahnung untergebracht, die als völlig ungeeignet bezeichnet werden muh. Die Zuweisung von Arbeitskräften an diesen Betrieb ist nach der Darstellung unseres Gewährsmannes kaum zu»er- antworten. Auf dem Rittergut Qu., Kreis Rochenburg, sind die beschäi- tigten 12 Wanderarbeiter, die als Ersatz für die früheren Straf- gefangenen eingestellt wurden, in einem Raum untergebracht, der für die Gefangenen als Gefängnisaufenthalt gedient hat. Die vergitterten Fenster und das Gefühl, in einem Gefängnis zu wohnen, hat«ine Gruppe oberschlesischer Wanderarbeiter bereits veranlaßt, die Arbeit aufzugeben. Auf dem Rittergut G. im Kreise Rothenburg sind 12 Arbeite? in einer Holzbaracke untergebracht, die aus der Kriegszeit stammt und so beschaffen ist, daß Meirfchen � das Wohnen darin nicht mehr zugemutet werden kann. Selbst die bedürfnislosesten Arbeiter werden das Wohnen in der Baracke als eine Oual emp- finden. Die Wohnungsverhältniff« auf dem Gute G. sind um so skandalöser, als der Besitzer' über reichen Waldbestand, über Bau- land und einige Ziegeleien verfügt. Landarbeiter werden in ehemaligen Gefängnisräumen, in bau- fälligen Kriegsbaracken, in feuchten Gewölben und schrecklichen Dach- Mahnungen untergebracht. In solchen Behausungen sollen sie die Ruhe und Erholung finden, die sie nach zehn- und mehrstündiger harter Tagesarbeit benötigen. Es ist«in Skandal, was arbeitenden Menschen heute noch zugemutet wird. Können Abwanderung und Kontraktbrüche da verwundern? Es ist nur erstaunlich, daß sich überhaupt noch Menschen finden, die unter den geschllderten Ber- Hältnissen zur Annahme von Arbeit in den landwirtschaftlichen Be- trieben bereit sind. Die Ergebnisse der erwähnten Wohnungsbesichtigung sind dem zuständigen Landesarbeitsamt mitgeteilt worden. Es wird hoffentlich wissen, welche Bedingungen es den in Frage kommenden Besitzern für den Fall zu stellen hat, daß sie um die Zuweisung von Arbeits- kräften anhalten. Schamlose Hetze. Ein Geistlicher wiegelt gegen die Kinderfreunde auf. Köln, 25. Juli(Eigenbericht). In Leutesdorf, einem Ort« gegenüber der Insel Namedy, wo sich zurzeit die Rote Kinderrepublit am Rhein befindet, gibt«in geistlicher Herr ein Blättchen heraus, in dem in unerhörter Weife gegen die Kinderfreunde gehetzt wird. Man findet darin folgend« Phantasien: „Auf den Wanderungen und Ausflügen wird bei jeder Gelegen- heit Klassenkampf gepredigt. Blutmenfchen, wie Lenin, werden als Vorbilder hingestellt, weil sie„auf kürzestem Wege und ohne taktische Zkompromißtereien" das sozialistisch« Ziel verwirklicht haben. In manchen Liedern der Kinderfreund« Und Rote Falken wild sogar zu Raub und Mord aufgefordert:„Spieß vormr, drauf und dran, setzt aufs Klosterdach den roten Hahn!"... Wie in religiöser Hinsicht, so schaut es auch in sittlichen Delangen recht brenzlig aus bei der Kinderfreunde-Erziehung. Hemmungsloses Zu- fammensein von Buben und Mädchen wird in jeder Weis« gefördert, bei Sport, Wanderungen und Nächtigung. Wohl sucht man Alkohol mtd Nikotin zu bekämpfen, aber was nutzt dies, wenn man höhnisch und grundsätzlich die„moralinsaure religiös-kirchlich« Erziehung' «blehnt und so alle Hemtnungen von Anstand und Sittlichkeit wegräumt. Ob das übrigens nicht mit Tlbsicht geschielst, nach dem Rate des Freimaurers Weißhaupt:„Aenden nur die Sitten und die Revolution ist unausbleiblich?' Die Früchte dieser Erziehung sind rechte„Früchtchen. Diebstahl,, gewalt- f-mes Borgehen gegen die Eltern. Verhöhnung religiöser Sitten, Bräuche und Zeremonien, sakrilegische Schändung der Sakramente, größte Schändungen aller Art sind leider kein« Seltenheit mehr bei dieser Kinderfreunde-Iugend.' Natürlich würde es dem Herrn ungeheuer schwer fallen, auch nur den geringsten Beweis für fein« Behauptungen anzutreten. Aber»ohin solch« Verhetzungen führen, zeigte sich am Mittwoch, als einig« junge Rüpel versuchten� sich Eingang in die Kinder- repubklt aus Ramedy zu verschossen. Sie gaben u. a. einige Schüsse in di« Luft ab, rissen jedoch au«, als sie merkten, daß das Kinderlager gut gesichert war. Das einzige Mittel. Sehr schön wars au der See. Der Himmel blau, das Wasser lau, und die Mücken stechen. Alle Bekannte, denen man glücklich entflohen zu sein glaubt«, tra� man wieder. Sie schlugen einem auf die Schulter:„Da, ist abep reizend, daß wir uns hier wieder- sehenl' usw. Zum Auswachsnj war es. Außer dem Strand, den man«cht betreten tonnt«, werl man überall aus Bäuche jeglichen Forma!» trat, besaad sich in dem Badeort noch«in« Sehenswürdig- keit. Da» war«in« mit prächtigem Gras und Bäumen bewachsene Landzunge, di« sich weit hinaus in die See erstreckt«. Aber an dieser idyllischen Stelle war da» Äaden verboten. Warum, wußte kein Mensch. Also badet« man, Der Ortsvorsteher aber war«in Mann von Ordnung. Sine, MorMins,«l» di« vadewütizen wieder zur Zandzunge pilgerten, stand es, dort drei Landjäger mit grimmigen Gesichtern. Aber was«ollben die drei Ordnungshüter gegen den Schwann von Aurgästen«usr.chien? Pitschnaß»r, rissen sie di« Nwcht. Am fvlxend«« Abend teuf ich de« Ortsgewaltigen im Wirt». hau«,«r strahlte«ber» ganz« Gesicht, al» er mich«rdliette.„Nanu. haben Sie vielleicht ew ivilltel gefunden. Ihrem Verbot Nachdruck zu verleihen?' Ja, er Host'«, da» Mittel gefunden zu haben. Aber er»erriet e» mir nicht. Sagte nur:„Gehen Sie morgen früh zur Landzunge.' Und ich giniz. Aber dort, wo früher der Jubel der Badenden geherrscht hatte,, war jetzt Totenstille. Kein Mensch war zu sehen. Kein Mensch.:Nur ein« riesig« Tafel, die im Sande des Strandes steckt«. Und chuf dieser Tafel stand nichts weiter als „Bad«stell« für Unbemittelte!' Die Ausstettun Von Kr Sevilla, Ende Juli 1929. In allen Cafes und allen Straßen von Spanien, Portugal und Spanifch-Marokko suchen die Stiefelputzer ihr« Opser. Entdecken sie auch nur ein leises Staubwälkchen auf dem Schuh eines Bor- übergehenden oder eines Cafehausgastes, so rufen sie schon von weitem ihr.Limpia?'(„Darf ich den Schuh reinigen?'). Dann werden die Stiesel nach allen Regeln der Kunst«ine Biertelstunde lang so blank gerieben, daß sich die heißen Sonnenstrahlen ganz hell und freudig darin widerspiegeln. Ein Stieselputzer verdient 7 bis 15 Peseten pro Tag(4,5t) bis 9,50 M.). Sevilla hat 400 Stiefelputzer. All« drei Monate muß jeder 15 Peseten Steuer an die Stadt zahlen. Sevilla hat relativ mehr Stiefelputzer als irgendeine andere Stadt dieses Landes. Denn hier leben die stolzesten Spanier, die immer ganz blank und in Wichs einherstolzieren. Nirgends ist auch der sozial« Unterschied so stark wie in dieser von der Natur begnadeten Zaube�tadi Wenn zu Ostern jeden Jahres das Volks- fest stattfindet, mieten die reichen Familien vorübergehend Woh< nungen in der Nähe des Festplatzes, um einmal im Jahre zuzusehen, wie die armen Menschen freudig sind. � Zweifellos gehört« die ibero-ameritanische Ausstellung nach Sevilla. Keine andere Stadt ist so wie dies« geeignet, die Größe des einstigen Spaniens der staunenden Mitwelt zu zeigen,— meinen die Serüllaner. Sevilla liegt zwar am äußersten Ende der füd- spanische« Eisenbahnlinie, es ist noch 14 Stunden von Madrid ent- fernt, es �icgt an keiner großen Berkehrsftraße, es ist selbst für die Portugiesen nur auf zahllosen und lächerlichen Umwegen erreichbar, aber weh« � dem Menschen, der den Gedanken ernsthast erwägen könne, ein solches erhabenes Werk wie die ibero-amerikanisch« Aus- stellung hätte in einer anderen Stadt als in Sevilla stattfinden sollen. Ist nicht Ehnstoph Columbus, nachdem er am 12. Ottober 1492 Amerika entdeckte, am 31. März des folgenden Jahres in Sevilla eingezogen, worauf diese Stadt Spaniens größter Hasenplatz wurde? Die Kathedrale von Sevilla birgt sogar die sterblichen Ueberreste des großen Seefahrers(so behaupten die Leute in der Stadt: in Wahrheit liegt infolge eines Irrtums nur Christophe Columbus' Sohn Diego in der Kathedrale begraben). Als dies« Kathedrale, neben welcher der Giraldaturm steht, das prächtige, prunkvolle stolze Wahrzeichen der Stadt, 1401 errichtet werden sollte, befahl die Kirchenbehörde den Bau„in solchen Dimensionen, daß es keine sichere Kirche der Welt mit ihr aufnehmen könne". Das ist echter Geist von Sevilla. Run ist der Wunsch der Seoillaner endlich erfüllt. Run haben sie ihre große Ausstellung. Als sie 1915 zu bauen anfingen, er- höhten sofort alle Hotels ihre Preise. 14 Jahre hat man an der Ausstellung gebaut. Vor zwei Monaten wurde sie eröffnet. Wieder stiegen alle Preise in den Hotels und Kaufläden. 70 Millionen Peseten kostet« der Bau, wovon 40 die Regierung und 30 die Stadt gab. Eingeweihte sprechen mit sehr kundiger Miene von 200 MIX- lionen. 65 Pavillons hat man errichtet. In den 25 Hauptpalästen. alle in reichstem maurischen Prunkstil, alle in einem märchenhaft schönen blumenreichen Part, haben die spanischen Provinzen aus» gestellt, einig« spanische Städte und elf südamerikanische Staaten. Im Pavillon von Portugal zeigen nur zwei Portoweinfirmen ihre Produkte. Eine einheitlich« Richtschnur fehlt. Manche Staaten haben ihre Waren, manche ihre Kunstwerke, ander« wieder beides zur Schau gestellt. Das werwollsi« ist wohl die mexikanische Aus- Heiß oder kalt? In den heißen Jahreszeiten taucht das Problem der Durst- stillung regelmäßig wieder auf. Die Frage, was und wie getrunken werden soll, beschäftigt viele heiße Köpfe! Und wenn die Mehrungen auch noch geteilt sind, so herrscht doch wenigstens darüber Einig- keit, daß der Durst als solcher die Folge einer Wasierverarmung des Organismus, genauer des Blutes, ist, und daß die Durstlöschung in einem Wiederersatz der verlorengegangenen Körperflüssigkeit zu bestehen hat. Also mit einigen Tropfen kann man nur«ine durch örtliche Ursachen bedingte Trockenheit im Munde beheben: echter Durst info'ge ausgesprochener Verminderung des Wassergehaltes im Organismus ist durch ausreichend« Flüssigkeitszufuhr zu stillen. Bei starkem Blutverlust wird der Arzt, um den brennenden Durst des Kranken möglichst schnell zu löfchen, eine salzhaltige Lösung unmittelbar in die Blutbahn einspritzen: auch Darmeingießunge» zur Durststillung gehören in das Bereich ärztlichen Handelns, als» gleichfalls zu den Ausnahmen. Di« üblichste Methobe ist das Trinken. Kalt oder heiß, das ist dje Frage? Die Antwort ist leicht: �enn die Temperatur des Ge- tränke? ist, was den Endeffekt anbetrifft, ziemlich gleichgültig. Es kommt nämlich doch in erster Linie nur darauf an. daß genügend Flüssigkeit in den Körper, ins Blut gelangt, und das läßt sich mit allem„Feuchten" erreichen. Allerdings sind doch Unterschied« vor- fanden. Je lauer die Tempereitur de» Getränkes ist. desto länger dauert es, bis es ins Blut gelangt. Dagegen vermag man durch sehr kalte Flüssigkeit das Durstgefühl sofort zum Schwinden zu bringen, bevor sich das Getränk überhaupt mit dem Blut« vermischt hat. Kälte übt eben auf den Schlund schon beim Herunterrinnen der Flüssigkeit eine örtliche, durststillende Wirkung au». Und SHn- Ii che s gilt auch für heiß« Flüssigkeit. Daher«rsreut sich bei den Arabern heißer Kaffee als durststillendes Getränt größter Beliebt- heit. Und auch bei uns gibt es Sportler und Wanderer, die heiße Getränke zum Löschen des Durstes vorziehen,». B.«in« Bouillon, di« sich schiKll und mühelos durch Ueberdrützen eines Maggi- Fleischbrühwürfels mit kochendem Wasier herstellen läßt. Mit dem Kosfee teilt dieses Getränk die anregende Wirkung auf Herz und Nerven, ohne aber— wie Professor Müller von der Preußischen Hochschul« für Leibesübungen, Spandau, mit Recht hervorhebt � die den Nervengiften Koffein und Alkohol vachfvlgend« Erschlaffung mit sich zu bringen. Beim Genuß eiskalter Getränk« ist besonder« Vorsicht erforder- lich. Auf schnelles Trinken größerer Mengen fotgen nicht selten Reiz- zustände de« Magen- und Darmkanal», die sich dann in schmerzhaften Koliken und Durchfällen kundgeben, vußerbem kommt es zu starken Blutverschiebungen, die bei anfälligen Personen unter Umständen schwer« Störungen hervorrufen können. Wenn man schon eiskalt« Flüssigkeiten zu sich nimmt, so s»ll man st«, zumal in erhitztem Zu- stände, nur langsam und schluckweise trinken, vi« geeignetst« Tempe- ratur für kühle, Wasser und Mineralwasser, mit und»hn« Zusatz»en Fruchtsäften, fiir kühle Milch»der fvr kühlen Tee mit und ohne Zitron», liegt zwischen 8 und 1v Grad. Im lkbrigen fall:« auch bei diesen Flüssigkelten da» unmäßig«, schnelle Trinken großer Mengen, wie man e, nicht selten bei„au»g«trockneten' Wanderern und Sportlern beobachten kann, unterbleiben. Denn erstens werden hierdurch der Kreislauf, das Herz, die Niere sehr stark und plötzlich in Zlnspruch genommen, und außerdem werden die Schweißdrüsen zu unnötiger, verstärkter Tätigkeit angeregt Am empfchlene- wertesten ist auch hier das schluckweis« Trinken mäßige» Quantitäten. g von Sevitta. rt Lenz. stellung. Hier sieht man wirklich und entschieden den Durchbruch von neuem Lxben und neuen Gesellschaftsformen. Auch moderne mexikanische Kunstschulen sind vertreten. 1926 gab es in Mexiko 9 private Kunstschulen, 1927 bereits 10: 1926 zählte man 5 städtische Schulen und ein Jahr später 6, und aus den 2 staatlichen Kunst- akademien des Jahres 1925 wurden 11 zwei Jahr« später. Der Presiepavillon �in der Sevillaausstellung bietet eine Uebersicht sehr kleinen Formats über die lotein amerikanische Presse und ihre Ge- schichte, und schließlich ist noch der Pavillon der schönen Künste er- wähnenswen, in welchem sich außerordenllich mertvolle sonst unsichtbar« Gemälde aus spanischem Privatbesitz befinden, von den spanischen Malern, von Rubens, von Holbein und anderen. Die ganze Ausstellung steht leider unter dem Zeichen des spanischen Königtums und der katholischen Religion. Ueberall sieh! man Statuen von Heiligen und Königen und Bilder von ver- ehrungswürdigen Menschen und Schlachten. In drei Wochen wird sogar ein« Kirch« in der Ausstellung eingeweiht! Bon sozialen Einrichtungen, von der Existenz der Arbeiter oder auch nur von den Schattenseiten der heutigen Wirtschaftsordnung ist nirgends die Rede. Allein in Sevilla gibt es 85 anarchistische Arbeitergruppen Davon weiß man in der Ausstellung nichts. Täglich ist die Ausstellung von 12 bis 6 Uhr geschloffen. Um diese Zeit zählt man bis zu 60 Grad Hitze in Sevilla(in Worten: Sechzig), und da ist es so glühend, daß sich kaum lemand auf die Straße wagt, obwohl in den Hauptstraßen die Dächer der Häuser durch riesige Tücher zum Sonnenschutz verbunden sind. Aber auch in den Stunden, in denen die Ausstellung osfen ist, stehen die Aus- stellungswächter einsam und verlassen da. Der Mann von Sevilla geht nicht zur Ausstellung, weil er sich zu sehr über sie freut, dem Ausländer ist es zu weit, und der«inheimisch« Arbeiter kann schon gar nicht hingehen. Denn außer dem Eintrittspreis von 2 Peseten wird für den Besuch jedes Pavillons noch einmal extra eine Peseta erhoben. Diese Ausstellung ist von reichen Leuten für reiche Leute geschaffen. Die meisten Pavillons sind übrigens noch nicht eröffnet, und einig« Optimisten haften, daß diese vielleicht fertig sein werden, wenn die ganze Herrlichkeit in 13 Monaten schon ge- schlössen werden soll. Man spricht davon, daß neulich eine äußerst reiselustige Eng- länderin den— das sei zugegeben— sehr wahren Satz gelesen hat: „Wer Sevilla nicht gesehen hat, hat noch nie ein Wunder gesehen", und daß sie daraufhin die beschwerliche Reis« nach dieser einzig- ortigen Prunkstadt antrat. Der Direktor der Ausstellung, Herr Jose Cruz Eonde, der vorher Artilleriekommandant war, lud die Dame feierlich ein, während ihres ganzen Aufenthalls Gast der Stadt zu sein. Nun bestaunten alle Leute von Sevilla diese Eyg- länderin als das größte Wunder ihrer Stadt und vergaßen darüber wieder, in die Ausstellung zu gehen. Die Hotellers aber erhöhten sofort von neuem chr« Preise, und nun wundern sich wieder alle Leute von Sevilla, daß kein Mensch zu ihrer Ausstellung kommt. Sie hoffen auf den Herbst, und im Herbst werden sie an den Winter glauben. Indessen schrauben st« alle Preise welter nach oben und wundern sich weiter. Je mehr sie sich wundern, desto stolzer werden sie. Hoch oben auf der bald tausend Jahre alten Ei'ralda ist eine Frauenstatue, die Giraldillo(Wetterfahne), die den Glauben dar- stellen fall. Den Glauben kann eben den Sevillanern niemand nehmen. Ein deuisches„Bühnenfchtff". In Hamburg ist am Donnerstag ein Kreis von Kunstfreunden mit einem neuartigen Plan an die Oeffentlichkeit getreten, um deutsches Kunstschaffen, insbesondere deutsche, Theater, in den Küstenländern des Kontinents und in Ueberse« durch das Mittel eines„Bühnenfchiffes" zu propagieren. Die Unternehmer haben einen Biermastgafselfchoner von 80 Meter Länge und 13 Meter Breite» erworben und so umgebaut, daß das Fahrzeug einen regulären Kammertheaterraum für 500 Zuschauer enthält. Eine zunächst für 18 Monate berechnete Werbefahrt nach Süd- und Nordamerika soll im Januar 1930 angetreten werden. Die„Pro Arie" wird»eben ihrer Eigenschaft als Bühnenschiff Kunst und Kunstgewerbeouestellungen'bieten und durch eine Schau deutscher Qualitätserzeugnisse für heimische Arbeit zu werben suchen. Oer Ausbau der Technischen Hochschule Oa»zis. Mit Rücksicht auf die kulturpolitischen Notwendigkeiten wurde seit einiger Zell die Geisteswisienschastliche Abteilung der Technischen Hochschul« Donzig wesentlich weiter ausgebaut, als dies sonst an den Technischen Hochschulen üblich ist. Ein« ganze Reih« ent- sprechender Lehrstühle, Lehrausträg«, Seminarien wurde geschaffen. Nunmehr ist der Geisteswissenschaftlichen Abteilung das Recht ver- liehen wurde, aus den Hauptfächern: Philosophie und Psychologie, Germanistik. Romanistik, Geschichte. Geographie. Kunstgeschichte, Nationalökonomie sowie aus den Nebenfächern: Anglistik und Jurisprudenz den Doktortitel verleihen und da« Staat»«ramen für das Lehramt an höheren Schulen abhalten zu dürfen. Dieses geisteswissenschaftliche Staatsexamen wird nicht nur in Danzig und Polen, sondern auch in Preußen vollwertig anerkannt. Bon den acht Studiensemestern müssen für den Doktor drei, für da» Staats- examen vier an der philosophischen Fakultät einer preußischen»der von Preußen anerkannten Universität zurückgelegt sein. Alles übrig« Studium kann in Danzig selbst zurückgelegt«erben. „Die neue Zeil" in Köln 1932. Auf der Jahresversammlung des Deutschen Werkbunde« in Breslau wurde auch der Plan der Werkbundau»stellung„Die neu« Zeit", die in Köln 1932 stattfinden soll, besprochen. Geplant ist der Bau einer ganzen Universitätsstadt, Wohnungssiedlungen von Dauerbauten, Gr»ß- konstruttionen städtischer Bauten, wie einer Zentralmarkthalle, Schulen und Kliniken. Di« Reichsregierung hat ihre Unterstützung m-Aussicht gestellt. Die Ausstellung wird nach den sieben Geficht». punkten erfolgen: Weltbild, Stärkung des Menschen, Beherrschung der Stöfs« und Zkräfte, Bauen und Wohnen, Landesplanung und Städtebau, Gestallung des Staates, Ordnung der Welt. Für de« stummen Film. Di« Mitglieder des Verbandes Norddeutscher Lichtspieltheaterbesitzer haben, da d:« Bedingungen sir de« Bezug von Tonfilmen und Apparaturen untragbar seien, beschiosi«», einstweilen««der Apparaturen noch Tonfilm« zu erwerben und sich auf den stummen Film«inzustellen. vle ArNsteu-Reviie Georg Salsrrs. Der neue Georg Kaiser.Zwei Krawatten" wird zur Eröffnung der Herbstsaiien mit der Musik van Dpoli- anSth zur Aufsührung gelangen. Das Siück trägt einen ausgesprochenen Reouecherakter, mit GesangSterten als Einlagen. ES werden auch zatl- reich« artistische Nummern dann enthatten sein. Eine erfolgreiche Kur. Aber die Krankenpflegerin wird nicht bezahlt. infolge geschäftlicher Mißerfolge, die er als Teilhaber einer Filnikopieranftolt gehabt hatte, erlitt Kaufmann Liebenau einen schweren Nervenzusammenbruch. Seine ZahAngsfähigkeit stand im Zweifel. Deshalb war der Spezialarzt, dem die Behandlung des Kranken anvertraut wurde, so vorsichtig, zunächst zu fragen, wer ihm sein chonorar zahlen werde. Hierzu erbot sich Liebenaus Schwager, ein in guten Vermögensverhältnissen lebender Bankier Beißinger. Ein von Liebenau gewünschter Kuraufenthalt in Lugano wurde vom behandelnden Arzt nur unter der Voraussetzung als erfolgversprechend bezeichnet, wenn eine tüchtige und zuverlässige Krankenpflegerin den Patienten begleite und ihn in Lugano be- treue. Wieder erklärte sich Beißinger zur Uebernahme der ganzen Kurkosten bereit. Er engagierte auch eine von der Frau des be- handelnden Arztes empfohlene Krankenschwester. Diese war nicht so vorsichtig, von vornherein zu fragen, wer sie bezahle. Sieben Wochen hat sie den Kranken treu und gewissenhaft gepflegt. Als die Kur Ende Oktober v. I. beendet war, bedurft« Liebenau der Krankenschwester nicht mehr. Sie wurde entlassen, aber ihr wohlverdientes Honorar erhielt sie nicht. Bon Monat zu Monat hat sie auf Bezahlung gewartet. Aber Liebenau kann nicht zahlen und Beißinger will nicht zahlen. Erst jetzt wandte sich die Krankenschwester an das Arbeits- gericht. 387 M. hat sie zu fordern, und zwar fordert sie sie vom Bankier Beißinger. Der Richter meint, Liebenau, den die Klägerin gepflegt habe, fei doch ihr Schuldner, an den sie sich halten müsse. Aber die Klägerin erwidert, sie brauche ihr Geld und könne nicht länger warten. Bon Liebenau könne sie, auch wenn er zur Zahlung verurteilt würde, nichts bekommen. Da Bsißingsr die ganzen Kur- tosten übernommen habe, müsse er auch ihr Honorar zahlen. B e i ß i n g e r aber wehrt sich mit größter Heftigkeit gegen diese Zumutung. Er bleibt dabei, daß nicht er, sondern sein Schwager zu zahlen habe. Also, der Mann, der für die Kur seines Schwagers Tausende ausgeben konnte, wo die Bezahlung als Voraussetzung der Leistung angesehen wird, weigert sich beharrlich, den Verhältnis- mäßig geringen Betrag an die Krankenschwester zu zahlen, deren Pflege zur Gesundung des Kranken doch wohl ebensoviel beigetragen hat wie die Aerzte und die Kurmittel. Die PstegSrin, die ihre gewiß nicht leichte Arbeit übernommen hat, ohne sich von vornherein die Bezahlung zu sichern, soll vielleicht noch Jahr und Tag warten, bis Liebenau in der ljage ist, sie zu bezahlen. ' NachdeG das Gericht festgestellt hatte, daß sich Beißinger in einer Unterredung mit dem Arzt ausdrücklich verpfllch- tet halle, die ganzen Kurkosten zu übernehmen, wurde er, da da« Honorar der Pflegerin auch zu den Kurkosten gehört, zur Z a h> lung von 387 M. nebst 8 Proz. Zinsen oerurteilt. Aerzte gegen Krankenkassenverband. Ein Prozeß vor dem Arbeitsgericht. Auf Grund einer Entscheidung des R e i ch s s ch i e d s a m t s, die im Januar 1925 anläßlich des damaligen Konfliktes zwischen Aerzten und Krankenkassen ergangen ist, soll der Verband der Krankenkassen die Verträge, die er mit den in seinen A m b u- l a t o r i e n angestellten Aerzten abgeschlossen hat, nach ihrem Ab- lauf nicht erneuern. Unter dem Zwange dieser Entscheidung des Reichsschiedsamts hat der Verband der Krankenkassen eine Anzahl von Ambulatoriumsärzten, als ihre Verträge abgelaufen waren, entlassen. Zwei von ihnen hatten ihre Entlassung beim Arbeitsgericht als unbillige Härte angefochten, ihre Klagen wurden aber abgewiesen. Neuerdings hatte sich das Arbeitsgericht wieder mit den Klagen von vier Ambulotoriumsärzten zu beschäftigen, die zum 31. Oktober, dem Termin des Vertragsablaufes gekündigt sind. Sie bezeichnen ihre Kündigung nicht nur als unbillige Härte, sondern behaupten auch, in einer Dersammlung der Ambulakoriumsärzte im September 1926 habe der Chefarzt der Ambulatorien, Dr. Bendix, die Zu- sicherung ausgesprochen, daß die Aerzte, die dem Ambulatorium treubleiben, auf eine lebenslängliche Anstellung rechnen könnten.— Der Vertreter des Verbandes der Krankenkassen, Genosse Ebel, bestritt, daß Dr. Bendix ein derartiges Versprechen gegeben habe. Das Gericht verzichtet« auf eine Beweiserhebung über diesen Punkt und erklärte, selbst wenn sich Dr. Bendix in dem an- gegebenen Sinne geäußert haben sollte, so könnten die Kläger daraus keine Rechte Herlellen, denn Dr. Bendix sei zwar ärzllicher Leller der Ambulatorien, er habe aber keinen Einfluß auf ihre geschäftliche Leitung und könne keine rechtsverbindlichen Zusicherun- gen für den Verband der Krankenkassen abgeben. Hiernach wurden die Klagen auf den Einwand der unbilligen Härte beschränkt. Das Gericht wies die Kläger ab mit der Begründung: Nach § 85 des Betriebsrätegesetzes besteht das Recht des Einspruches nicht bei Entlassungen, die auf einer gesetzlichen oder tarifver- t r a g l i ch e n oder durch Schiedsspruch eines Schlichtung?- ausschusses oder einer vereinbarten Einigungs- oder Schlichtungs- stelle auserlegten Verpflichtung beruhen.— Die Entscheidung des Reichsschiedsamtes, sionach die ablaufenden Verträge nicht erneuert werden dürfen, ist eine gesetzliche Entscheidung. Also steht den Klägern ein Einspruchsrecht nicht zu. Das Gericht hat deshalb nicht nachzuprüfen, ob die Entlassung eine unbillige Härte darstellt. Darum mußten die Klagen als unzulässig abgewiesen werden. Wir glauben hierzu sagen zu können, daß es der Verband der Krankenkassen bedauert, durch die Entscheidung des Reichs- schiedsamts in die Zwangslage versetzt zu sein, seine angestellten Ambulatoriumsärzte entlassen zu müssen und daß sich der jetzige Zustand, wonach auf Grund einer Vereinbarung mll dem Wirtschaft- lichen Ausschuß der Kassenärzte alle Kassenärzte turnusmäßig in den Ambulatorien beschäftigt werden sollen, auf die Dauer nicht halten läßt, weil es den berechtigten Interessen der Kassenmitglieder keineswegs entspricht. Oer Sireit in der Geldschrankbranche. Geschlossene Front der Arbeiter und Angestellten. In den Betrieben, deren Belegschaften durch die Branchen. kommisslon und die Vertrauensleute der Bau- und Geldschrank- schlosser zur Niederlegung der Arbeit sür heute früh aufgefordert wurden, sind die Arbeiter der Str«ikpar4>le restlos gefolgt. Es sind unter den 32 bestreikten Betrieben die wichtigsten und größten Werke der Geldschronkfabriken und Bauschlossereien, so u. a. die Geld- schrankfabriken von A d e- A r n h e i m in Reinickendorf und Berlin und von Kuppler tn Weißensee sowie die Vauschlosserei von Schulzu-Holdesleiß, F. P. Krüger. Markus, Blume usw. An dem Ausstand sind bis jetzt ungefähr 1500 Arbeiter beteiligt. Ob im Laufe der nächsten Tage noch weitere Betriebe in den Streit einbezogen werden, hängt von der Entwicklung der Silliation ab, insbesondere aber von der weiteren Haltung der Unternehmer des Schutzverbandes Berliner Schlossereien. Im Streit der Angestellten der Geldschronkfabriken ist die Situation nach wie vor die gleiche. Die Angestellten, die in den von uns bereits mitgeteilten Betrieben auf Anordnung der Streik- leitung die Arbeit eingestellt haben, sind fest entschlossen, die Arbeit nicht eher wieder aufzunehmen, bis die Unternehmer die berechtigten Gehaltsforderungen der AngesteMen dieser Branche restlos anerkannt haben._ Aus der Schule geplauderi. Der Text des folgenden Inserats, da» die„Altonaer Nachrichten� kürzlich brachten, verrät, daß nicht„die hohen Löhne" es sind, die den Betrieb unrentabel machen: Fischräucherei nahe Hptbhf. Mona, bedeutend. Unternehmen, ringfrei. Löhne u. Gehält, sehr niedr„ sucht durch mich Teilhaber mit gr. Barkapital. Rentabllität vorzügl. Illiquidität nur durch zu hohen Aamilienverbrauch verursacht. Osf. u. A. K. 340 an Altonaer Nachrichten. Hier ist wirklich«in Kommentar übdrslüssig. Ein neuer Tarifvertrag für die Hafenarbeiter in Vmuiden, dem Nordseehasen von Amsterdam, kam durch das gemein- schaftliche Vorgehen der Transportarbeiterverbände zustande. Es wurde eine durchschnittliche Erhöhung der Wochenlöhne um 2.25 Gulden erzielt. Auch auf dem Gebiet der sozialen Rahmenbe- stimmungen wurden bedeutsame Verbesserungen erreicht. Der neue Tarif wird mit dem 1. Mgust d. I. in Kraft treten und eine Lauf- dauer von 2-4 Jahren haben. Wetter sür Berlin: Teils heiter, teils wolkige wenig geänderte Temperaturen, meist schwache Luftbewegung. Für Deutschland: Im Süden nach kräftigen Gewitterregen Abkühlung, im Norden keine wesentliche Aenderung. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei._ »nantwortl. fttt die Redaktion:«oltgoag Schwarz, Berlin:«nzeiaen: ri»..«locke, Berlin Lerla«: Borwärts Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwiirl» Buch» druckerei und Berlaasanftalt Paul Singer& Co.. Berlin SS 68, Lindcnftrab« 3. Hierzu l Beilage. VtitaDd der Badibindll nnd Papierverarbeiter Ortsverwaltunc Berlin Todesanzeigen, Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Aollege, der Buchbinder Ernst Schumann mohndart Hochmeistcrstraße 31, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, dem 27. Juli, UV. Uhr, auf dem Zenlralsrtedhos In Friedrichs» selbe statt._ Ferner den Mitgliedern zur Nach- richt, dast unsere Kollegin, die Falzerin Anna Knoll wohnhast Tempclhof. Albrechtstr. 123, verstorben ist Die Beerdigung findet om Sonn» abend, dem 27. Iuti, 16 Uhr, auf dem Temvelhostr Deineindesriedhof, Der- maniastraße, statt. Ehre ihrem Andeuten! Rege Beteiligung erwartet Die Ort. Verwaltung Theater, Lichtspiele usw. 8 Uhr Barb. 0256 Idorrah Minevitsch's Ell amerikanische Vagabunden usw. | Täql. 5 u. 815 Sonnr. 2, 3 D 8» Alex. 8066 INTERNAT. VARIETE Btcise- Theater, Groije Frankfurter Str. 132. Auf der Gartenliöhnc Täglich 5.30 Uhr 9 große Varietßoiioimerri und Gräfin Hariza. vm innealliealer ragiieb 8.1« Uhr: „atAF" Tragödie eines Sportlers VolüsbUIine lbealit imBBIevglali 8Vi Uhr Berlin, wie es weint u. lacht MM MM D.I. Norden 12 31U 8 Ende gegen 11 Zum SO. Male: Die Fiederoiaus Musik v.Joh. Strauß Regie: Max Reinhardt »Musik» Einrichtung £, W. Korngald. Ausstattg» L. Rainer Die Komödie J 1 Bismck. 2414/7516 S'st, Ende geg. IOV2U. Leute 8 iuiianrnnaen Reporter 3 Akte v. Ben Hechi und Mac Arthur Regie: Heinz Hllpen. Donnerstag, 1. Aug. Zum 1. Male: Freudiges isreignis Lustspiel von Fioyd Dell u. Th. Mitchell »SS8OS8888I8O888SS88« äaniowwy-.Onnen Komödienhaus Norden 6304 Zum 25. Male Tätlich 8�2 Uhi Hodizeitsreisg Sommerpreise Lustspieihaus Täglich SUj Uhr Oii wirst mich heiraten! Rundfunkhöret halbe Preise. Sommer-Qarten-Theater Berliner Prater N 68, Kasu-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 Gastspiel Qusiei Bcei. Breie! Ullen ZcarewfliscBe Operette von Franz Lehär Dazu der graste VarletAielL Anfang Konzert 4.30. Burleske u Variete fi Uüi.(iperettB 8.38. öden Donnerstag greller Volkstag. |ed. Mittw Hinderfesi n. Verlosung •eeese�eeeeeeeeeeeeee Besonders Körper. Das Wort wird nicht verdrängt— aber die Kulturbasie wird um einen bedeutenden B-ftimmungsfaktor: das Erleben, unt die Berücksichtigung der reinen Tatsachen, erweitert. Die Welt. die bisher hauptsächlich in Begriffen existierte, wird durch das Aug entdeckt. Nicht nur in Reise- und Expeditionsfilmen, sondern.-- wichtiger für uns ist: in politischen Filmen. Copyright by Merlin-Verlag 0.tn.b.H., Baden-Baden (8. Fortsetzung.) Q. ivin Füller betrachtete die Karte, der Name sagte ihm nichts: Carbuckle. Aber er lvor dermaßen schlecht gelaunt, daß ihm jede Ab- vnkung«rnwnscht erschien. „Fuhren Sie den Herrn herein." Der Diener oerschwand und kehrte mit einem eleganten jungen landen Mann zurück, der auf Calvin Füller einen äußerst guten Cindnick machte. Der junge Mann wartete, bis der Diener gegangen war, dann zog er aus seiner Brieftasche«inen Umschlag und reichte ihn Calvin Füller. „3ch komme, um Ihnen in der schwierigen Lage, in der Sie sich befinden, meine Dienste anzubieten. Herr Füller. Hier sind meine Ausweise." Calvin Füller entnahm dem Umschlag«in Dokument, das be- sagte, daß Herr Louis Carbuckle einer der besten Detektive der Agentur Pinkerton in New Dork sei und Herr Calvin Füller ihm volles Vertrauen schenken dürfe. „Wie kommen Sie auf den Gedanken, mich auszusuchen?" fragte Calvin Füller nicht gerade liebenswürdig. Der Hinweis auf sein« „schwierige Lage" hatte ihn gereizt. Ein Füller konnte gar nicht in eine schwierige Lage geraten. Der jung« Mann lehnte sich bequem im Lehnstuhl zurück, schlug die Bein« übereinander, zeigte ein paar wundervoll« Seidensocken und sagte, ohne die Frage zu beantworten: „Können Sie mir eine Zigarette geben. Herr Füller? Ich habe mein Etuis im Hotel vergessen." Calvin Füller horchte auf: in diesem Ton hatte noch kein Ge- Heimagent mit ihm gesprochen. Verblüfft hielt er Herrn Louis Carbuckle ein Zigarettenetui hin. Der junge Mann zündete gemächlich eine Zigarette an und starrte dann schweigend beharrlich so lang« auf die Kaffeemaschine, bis Calvin Füller sich gezwungen sah, nach einer zweiten Tasse zu schellen. „So," sprach der junge Mann, als der Diener das Zimmer ver- lassen hatte,„zwei Stück Zucker und«inen Tropfen Sahne... Vor- ficht, wirklich nur einen Tropfen. Danke. Also, wie ich dazu komme, Sie aufzusuchen. Nun. Fullersville steht auf der Land- karte und ist mit dem Zuge zu erreichen. Außerdem haben die New-Dorker Zeitungen viel über den Streit in Ihren Betrieben bs- richtet, und ich weiß, dank meiner Verbindungen, daß Sie nicht so leicht mit den Leuten fertig werden dürften. Außerdem haben Sie zum Leiter Ihrer Geheimagentur einen gonz� berüchtigten Idioten, der nebenbei nicht über jeden Verdacht der Bestechlichkeit erhaben ist, Herrn Michael Cardigan." Der junge Mann verstummte, schlürfte langsam seinen Kasse« und blickt« Calvin Füller erwartungsvoll an. Der wußte nicht mehr, was er tun sollte. Das sichere Auf- treten des jungen Mannes imponierte ihm, nur ein tüchtiger Mensch konnte es wagen, mit dem Herrn von Fullersville auf diese Art zu . verhandeln. „Sie wollen also..." begann er. Herr Loms Carbuckle lehnte sich vor, die brennende Zigarette zwischen den Fingern, und sprach lässig, im Ton ungezwungenen Geplauders: „Ich muß Ihnen sagen, Herr Füller, daß Streiks meine Spezia- lität sind Stellen Sie mich an, so garantiere ich Ihnen, daß der Streik in drei Wochen abgewürgt ist. Im Verlauf dieser Zeit wird es zu den schönsten Zwischenfällen kommen. Sie werden die ganz« öffentliche Meinung auf Ihrer Seite haben." Calvin Füller war ein Mann der raschen Entschlüsse. „Gut, ich bin bereit, Sie anzustellen. Wieviel verlangen Sie?" „Darüber werden wir reden, wenn der Streik zusammen- gebrochen ist. Augenblicklich begnüge ich mich mit zwanzig Dollar pro Tag." Ein etwas teurer junger Mann, dachte Calvin Füller bei sich. Herr Louis Carbuckle schien seine Gedanken zu erraten, denn er meint« lächelnd: „Eigentlich arbeite ich nur aus Patriotismus und Liebe zur Sache für die Agentur." „So? Also abgemacht. Sie treten für die Dauer des Streiks in mein« Dienste?" „Halt, einen Augenblick, erst muß ich meine Bedingungen stellen." „Ihre Bedingungen?" staunt« Calvin Füller.„Bisher habe immer ich die Bedingungen gestellt." „Bisher hatten Sie es auch stets mit minderwertigen Kräften zu tun", entgegnete herablassend der Star der Agentur.„Ich muß -ntweder so arbeiten können, wie ich will, oder ich lasse überhaupt die Finger davon." Etwas im Akzent des jungen Mannes fiel Füller auf. „Sind Sie Engländer?" fragte er. „Ja, ich stamme aus der alten Heimat. Sie wären äußerst - staunt, Herr Füller, würde ich Ihnen den Namen meiner Eltern nennen. Hier drüben bin ich ganz einfach Herr Louis Carbuckle." Calvin Füller empfand«ine gewisse Beruhigung: er hatte die Andeutung«» des Zungen Mannes verstanden, begriff jetzt auch die Lässigkeit seine» Austretens, den Mangel an Ehrftircht, mit dem Herr Louis Carbuckle ihm begegnet war. Der Sohn eines englischen Aristokraten— das erklärte alles, ilebrigeno sah man es dem mngen Mann auf den ersten Blick an, Züge, Gestalt, das ganze Äesen verrieten Rasse. Calvin Füller war«in viel zu guter Amen- aner, um nicht vrr Aristokraten Ehrfurcht zu empfinden. „Alf», Ihre Bedingungen. Herr Carbuckle?" fragte er äußerst �«benswürdig. Kim klang d,« Stimm« des jungen Mannes ganz geschäftlich, 'in Gesicht»erhärtet« sich,«r schien ein anderer Mensch zu werden. „Ich werde als Leiter in Fabrik A angestellt, den früheren 'eiter müssen Sie eben irgendwo anders unterbringen. Keiner Ihrer Spitzel hat sich um mich zu kümmern, hingegen haben alle Angestellten der Agentur Cardigan meinen Befehlen zu gehorchen, Cardigan selbst mit inbegriffen." Er schwieg einen Augenblick, sagte dann freundlich, aufmunternd, fast wie man zu einem Untergebenen spricht: „Vielleicht notieren Sie sich meine Bedingungen, damit wir nicht noch einmal darauf zurückkommen müssen." Calvin Füller war über diese unglaubliche Frechheit dermaßen verblüfft, daß er sein Notizbuch hervorholte und tatsächlich die Be- dingungen niederschrieb. Herr Louis Carbuckle ließ ihm dazu Zeit und fuhr dann fort: „Ferner muß ich ungestört, unbespitzelt mit den Arbeitern reden können. Sie müssen den Eindruck erhalten, daß ich zwar kein wasch-' echter Roter, aber immerhin ein Sympathisierender bin. Notieren Sie bitte auch das." Calvin Füller gehorchte. „Sie werden mich zuerst mit Ihrem„roten" Bruder bekannt- machen und mir nichts in den Weg legen, wenn ich mich mit ihm anfreunde. Haben Sie es notiert?" Calvin Füller nickte stumm. „Sie werden Ihr« Provokateure zurückziehen, wo imnier Sie welche sitzen haben. Uebrigens hätte ich gern eine Liste Ihrer Spitzel. Dielleicht können Sie sie bis heute ab«nd zusammenstellen lassen. Das würde meine Arbeit sehr erleichtern." „Sie sollen sie haben." „Noch eins: Ich weiß, daß Sie Arbeiter aus Colunibus und Cineinnati kommen lassen wollen. Das darf nicht geschehen, solange ich hier für Sie arbeite. Verstander.?" .Hören Sie, Herr Carbuckle", rief Calvin Füller, der allmählich die Geduld zu verlieren begann..„Sie kommandieren hier henim, reden aus«in« Art und Weise mit mir, daß..." Herr Louis Carbuckle lächelte liebenswürdig: „Wenn ich Ihnen nicht zusage, Herr Füller, bitte." Er erhob sich. „Nein!" rief Calvin Füller,„bleiben Si« sitzen. Ich gehe auf Ihre Bedingungen ein." „Das freut mich für Sie, Herr Füller. Ich habe schon ganz andere, besser organisierte Streiks abgewürgt als diesen hier. Auf mich kann man sich verlassen." „Hören Sie," sprach Calvin Füller sehr ernst.„Der Streit muß bis zum 20. Dezember zu Ende sein." Louis Carbuckle lächelte gönnerhast. „Das weiß ich. Am 20. Dezember wird Herr Jack Füller voll- jährig und erhält sein mütterliches Erbe ausgehändigt. Seien Sie ganz unbesorgt, Herr Füller." Er erhob sich und streckte Calvin Füller die Hand hin. „Also' abgemacht. Lassen Sie mir, bitte, bestimmt bis heute abend die Listen zusammenstellen und auch meine von Ihnen unter«. schriebenen Bedingungen in zwei Exemplaren auf der Schreib- Maschine niederschreiben. Lassen Sie außerdem Michael Cardigan und seine Leute über mich und meine Stellung unterrichten." Mit einer anmutigen Verbeugung verließ Herr Louis Carbuckle das Zimmer— jeder Zoll ein echter unverkennbarer Aristokrat. „Auto wie besprochen abgesandt." Michael Cardigan ärgert« sich maßlos, als ihm Calvin Füller mitteille, die ganze Agentur unterstehe von nun an Herrn Louis Carbuckle. Wie kommt der hergelaufene Kerl, der junge Grün- schnabel dazu, ihm, dem alte» erfahrenen Leiter der Agentur, Befehls zu ertellen? Was bildet«r sich denn eigentlich ein? Aus laute? Wut empfand Cardigan zum erstenmal in seinem Leben Sympathie für die Roten. Wäre Jack Füller in diesem Augenblick, eine größere Banknote in der Hand, an d.-n Leiter der Geheimagentur heran- getreten, dieser würde sich ihm sofort verdungen haben, um gegen seinen früheren Herrn zu arbeiten. Bei der Anfertigung der Liste für Herrn Louis Carbuckle leistete er sich eine kleine Genugtuung: Nr. 152 wurde nicht vermerkt. Hin- gegen rief Cardigan sein« Leute zusammen, klärte sie über das Vor- gefallene auf und versprach jedem, der irgendwie, irgendwo etwas Ungünstiges über Herrn Louis Carbuckle herausfinden könnt«, eine glänzende Belohnung. Als Jack Füller, der zu seinem großen Erstaunen von seinem Bruder zum Diner eingeladen wurde, am Parltor seinem Schatten Lebervohl zuwinkte, sprach John Calmer die etwas unverständlichen Worte: „Manche, denen man es gar nicht anmerkt, sind weiß." Jack starrte ihn verständnislos an, er hatte sich bereits an die geheimnisvollen Warnungen des seltsamen Spitzels gewöhnt, diese jedoch erschien ihm völlig unerklärlich. Nor wem wollte Calmer ihn warnen? Vor dem Diner sührtc der Diener einen elegant gekleideten jungen Mann, den Calvin Füller seinem Bruder als den neuen Leiter von Fabrik A, Herrn Louis Carbuckle, vorstellte, in den Salon. Herr Carbuckle war liebenswürdig und heiter, plauderte an- regend über hunderterlei Dinge, schien in allem Bescheid zu wissen. Jack betrachtete ihn mißtrauisch. Weshalb brachte ihn Calvin, der sonst so sorgsam dartluf achtete, daß Jack nicht mit den Leitern seiner Betriebe in Berührung kam, nun mit diesem jungen Mann zu- sammen? Während des ganzen Essens sprach Jack kaum«in Wort, be- trachtete verstohlen den Fremden. Einmol kam die Rede auf eine Skandalaffäre, die vor einigen Iahren viel Aufsehen erregt hatte, einer der reichsten Männer Amerikas, Herr Henry Word, war von seiner Schwiegertochter getötet worden und etliche Jahre später wurde auch sein Sohn von unbekannter Hand ermordet mif der Straße gesunden. „Die rote Presse", bemerkte Calvin Füller,„verdächtigte selbst- verständlich den Ku Klux Klan, obgleich alle Beweise dafür sprachen, daß Harvey Word von einem Taschendieb, Tommy Andersen, er- mordet wurde." War es die grelle elektrische Beleuchtung, oder wurde Louis Carbuckle tatsächlich blaß? Jack zuckte ungeduldig die Achseln. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. ■miiimniinnnniiTWieniiiiinniimiiiiniinniiiiiniaiiiinniinimmniimiimiminmiimiiiiiiuraiiiimminmiimmiimniiimuliiiiiiiiuiiiiiiiiiniiiiiiniiiiimiiiiiimiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiin Menge derartig an, daß der Straßenverkehr stundenlang lahm- gelegt war. Inzwischen hielten die Gefangenen vom Dach aus Reden, in denen sie sich über die schlechte Behandlung und die miserable Kost beklagten. Ein Kordon von Polizisten, die das Gebäude um- ringten, behielt die beiden scharf im Auge, konnte aber ihren Rede- ström nicht eindämmen. Don einem gewaltsamen Vorgehen mußte man absehen, da es den Polizisten völlig unmöglich gewesen wäre, di« beiden dingfest zu machen, ohne sich einer Lebensgesahr aus- zusetzen. Man tat das Klügste, was unter diesen Umständen getan werden tonnte: man wartete ruhig ab, bis die Sträflinge müde und hungrig wurden. Diese Methode erforderte zwar ein wenig Geduld, ober man kam auch so an das ersehnt« Ziel. Endlich ergaben sich die jungen Leute, die ihre unangenehme Lag« nicht mehr aushallen konnten, und stiegen unter den Bravorufen der Menge di« Leiter herunter, um von den wartenden Polizisten in Empfang und an den Ort ihres Aufbruchs zurückgebracht zu werden. Der Mütterbaum der Blutbuchen. All« La-France-Rofen stamemn von einer einzigen Mutter- pflanze ab, von der-sie durch Pfropfung gewonnen wurden. Nun hat sich erwiesen, daß auch alle Blutbuchen von einer einzigen, einmal als Darietät aufgetretenen Blutbuche abstammen. Der Baum, den man als die Mutter der deutschen Vlutbuchen betrachtet, und der heute etwa 250 Jahr« alt ist. steht, wi« der„Naturschutz" meldet, im thüringischen Forst« Oberspier bei Sondershausen. Er ist 27 Meter hoch und kräftig entwickelt, obwohl er schon einmal an einer schlimmen Pilzkrankheit litt. Da er aber dauernd gut gepflegt wird, dürfte sich die Urahne unser«? schönen deutschenn Blutbuchen voraussichtlich noch lange erhalten lassen. Auskunft nach Minuten bezahlt. In«inem Redaktionsbureau in Sydney in Australien ist eine Bekanntmachung angebracht, worin die auskunfterteilenden Redak- teure eine Entschädigung für Zeitoerlust oerlangen. Die Besucher werden daraus aufmerksam gemacht, daß vorn an der Kasse Er- laubniskarten zu lösen sind für die Unterhaltung mit den Auskunfts- rcdokteuren, und zwar kostet eine Stunde 10 Schilling, ein« halbe Stunde 5 Schilling, während ein 10-Minuten-Gespräch schon für 3 Schilling zu haben ist. Als Neuerung ist in letzter Zeit eingeführt, daß den mit Erlaubniskarten versehenen Besuchern auch die im Druck befindlich« Ausgab« der Zeitung für di« bezahlte Zeit vorge- lesen werden kann. Die Stadt ohne Fenster. In der„Umschau" wird über ein« Denkschrift berichtet, die der frühere New-Aorker Stadtarchitekt Sullivan M. Jones über ein« neue Art von Zweckbauten veröfsentlicht hat. Es handelt sich dabei um riesige, fensterlos« Wolkenkratzer. Dies« Bauweis« soll eine Reih« wesentlicher Vorteil« bieten. Zunächst ein« erheblich« Ersparnis an Geld: Der Baugrund und der Bauraum kann besser ausgenutzt werden, die Bauweise wird vereinsacht, dadurch sinken di« Kosten für Baumaterialien und Arb«iterlöhn«. Künstliche Beleuchtung, Heizung und Lüftung ermöglichen weitgehende Anpassung an di« sanitären Forderungen und an die Bedürfnisse des einzelnen. Temp«. raturschwankungen der Außenwelt werden ferngehalten, lästig« Ge- räusche können in das fensterlose Gebäude nicht eindringen. Jones betont, daß der fensterlos« Wolkenkratzer durchaus keine so große Neuheit darstellt, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Unser« mlü>ernen Theaterpaläst« seien z. B. auch in d«n weitaus meisten Fällen fensterlos gebaut. Er meint, daß das Leben und Dohnen in solchen fensterlosen Gebäuden wie so viel« andere Ding« nur«in« Frag« der Gewohnheit sei. Die Ansprache der Ausbrecher. Das Pentonvillegefängnis im Londoner Osten war vor einigen Tagen der Schauplatz eines ungewöhnlichen Dorfalls. Zwei jungen Strafgefangenen, die im Spital des Gefängnisses untergebracht waren, gelang es. zu entfliehen. Si« kletterten auf das Dach des Gefängnisses und weigerten sich, als ihre Flucht bemerkt wurde, herabzusteigen. Die Gefangenen blieben den ganzen Abend und ein Teil der Nacht auf dem Dach. Inzwischen hatte sich«in« Meng« von Neugierigen vor dem Sesängnisgebäud« versammelt, ohne daß es der Polizei gelang, die Ansammlungen zu zerstreuen. Als sich die Nachricht in der weiteren Umgebung verbreitet«, wuchs di« I°re!t,». 26..Juli. Berlin. 16.00 Loliar Brlerer: Wilhelm Thchbel«(gest. 26. Juli 1829). 16.30 Dr. Bruno Birnbaum: Systcmitlache yermögenavervaltuni:. 17.00 Lieder.(.Mary Wuim-MeyeeBberc, Sopran; an riütei: Roekstroh.) AnschUeCead Uatcrkaituarenntik. 19.00 Dr. Albert Neuburger: Etektrisehe, chemische und pkysilndischa PreMeoe beim remeehea. 19.3» Artur Rehbein(Atz ven RhyrO: Zum IMOUhrlrm Brandenburg a. d. H. 38.00 Aus den ArehiTaa der Operetlenllleratnr. Dirigent Dr. Ernst ROmer. Else Keebhtnn, Sopran, uad Karl Ziegler. Tenor. Nach den Abendmelduagea: Bildluak. — KOalgiwaaterhaaeen. 16.00 Dr. Metel: Was lehrt uaa die betler.ieeke SpencnecUcfate. 16 30 Dr. Neyrat: Romain Rellaad. 17.00 Nackmltiazshoazeet von Leipzig. 18.00 Hans Hlrschatein: Das Silber, ein sterbender Weltherrscher. 18.30 Müller bürg: Die Weltausstellung in Barcelona. 18.55 Mahrbolz; Primitivität oder die Krials der Bildung. 19.20 Wissenschal. lieber Vortrag(Or Tierärzte. 21.00 I. W. A. Mozart: Trio C-Dur, 2. R. Volkmann: Trio B-MoII, op. 5. (Ros-Trio: Wollgang-RosA, riflgel; Konrad Liebrecht, Violine: Wolf, . Cello.) i Alle 40 Sekunden ein Saxophon. Alle 40 Sekunden wird in den Vereinigten Staaten ein neues Saxophon fertiggestellt. Im vergangenen Jahr betrug die Pro- duktion 788 400 Stück, und man erwartet, daß man die Produktion in allernächster Zeit zumindest verdreifachen, wenn nicht oervierfachen kann. Wenn die Männer fn früheren Zeiten in den Krieg zogen oder lange Reisen antraten, schützten sie sich— wie heute noch in Abesssnien— gegen die Un- treu« ihrer Frauen durch den sogenannten Keuschheitsgürtel, der im Jahre 1870 in Deutschland noch massenhaft hergestellt wurde. IMer- essant aber ist es. daß noch im Jahre 1906 der„Deutsche Reichs- anzeiger" folgende Eintragung beim Berliner Patentamt bekannt- gab:„Gebrauchsmuster 60 6 204 598. Verschließbares Schugnetz für Frauen gegen ehelich« Untreue. Frau Emilie Schäfer. Berlin. Rigaer Straße 23. 13. III. 06 Sch. 13093." Oer stille Portier. Ein wichtiger Helfer. Der stille Parlier— wem gibt er nicht Auskunst? Bäcker- jungen, Milchfrau, Briefträger und nicht zuleht auch dem Gerichtsvollzieher! Was nützt es schon, wenn man beim Aus. suchen einer Wohnung nur weih: Schulze wohnt in Strohe und Bummer soundso, wenn der dann in dem hause fehlt, der eigentlich immer da sein sollte: Der stille Portier! Sonst beginnt dann das„T r e f p a u s- T r e p p a b". Wer weih denn vorher, daß Schulze nicht im ersten, sondern im zwei- ten Gartenhaus(Hinterhaus) wohnt. Di- Mieler im Parterre- aeschoh werden dabei nur allzuokt als regelrechte A u s k u n s t s- b ü r o s betrachtet. Kein Wunder, wenn ein solch geplagter Mieter selbst bei der höflichsten Anfrage verärgert die Tür dem Fragenden vor der Nase zuschlägt. Oder man klettert als schüchterner Mensch, um den lieben Mitmenschen nicht zu belästigen, treppauf, treppab, um Schulze endlich im letzten Hinterhaus zu finden. Wem dies gelegentlich passiert, der wird sich ja schließlich noch damit abfinden, anders ist es bei den Leuten, die beruflich gezwungen sind, die Wohnung eines Adresiaten aufzuspüren. Nicht viel besser geht es dem Sucher nach einem Untermieter aus dem großen Heer derer, die jahrelang ohne eine eigene Wohnung leben müssen. Die Jahl der Untermieter ist in Groß-Berlin leider erheblich größer als angenommen wird, sie entspricht ungefähr der Einwohnerzahl einer M i t t e l st a d t im Reich. Anderthalbhundertlousend sind es. Bereits mehr als IM 000 Männer und Frauen leben in Berlin möbliert: im Jahre 1023 zählte das Statistische Amt noch 1ZZ09S Zimmerobmieter, davon 85 375 männliche und 47 723 weibliche Personen. Inzwischen ist durch Zuzug aus dem Reich und neue Jahr- gängc Berufstätiger diese Zahl längst erheblich überschritten, weiter wird sie verstärkt durch die von Monat zu Monat steigend« Zckhl neu geschlossener Ehen. In dieser Zahl sind nicht enthalten 47 000 Schlafgänger und Familien, die mit oder ohne Küchen- benutzung bei Verwandten oder Fremden wohnen, die nach der Zählung von 1025 mit rund 110000 Personen beziffert wurden. Wer findet da diesen oder jenen Untermieter, o h n e zu fragen? Und wer sich dann vom ergebnislosen Suchen überzeugt hat, sendet dem stillen Portier— wenn er noch vorhanden ist—«inen inhaltsreichen Blick herauf! Wieviel Fragen und unnütze Wege könnten gespart werden, wenn auch die Untermieter angeführt wären und wenn sogar auch noch ein Plätzchen für die wichtigsten Adressen, die nächste P o l i z e i st a t i o n, di« zuständigen De- richte und das nächste Standesamt, sowie die in kürzester Zeit zu erreichende Unfallstation enthalten wäre. Es soll beileibe nicht Name des Vermieters dabei stehen, sondern nur ganz kurz der fjin- weis, daß im ersten Hinterhaus zweiter Stock rechts das Ehepaar M. oder der Schlafgänger K. wohnt. Seitdem wir Mietskasernen haben, hatten wir auch den stillen Portier im Hausflur: aber leider ist er auf dem Weg von der Miels- kaserne zum Hochhaus nicht immer allerorts mitgegangen.— Der stille Portier ist denn heut« schon ein« Seltenheit g«. worden, in dunklen Hausfluren fristet er vernachlässigt und längst vergessen sein kümmerliches Dasein. Früher, ja da schob der Hauswirt stets mit geglätteten Sorgenfalten einen neuen Namen in das noch zum Teil leere Brett ein. Lang ist es her... Heute unterläßt er es meist aus Bequemlichkeit, Ist es vielleicht auch etwas Wut auf die so oft geschmähte Zwangswirtschaft, die dem Hauswirt den Drang zu dieser Betätigung raubt? Der ausländische Hauswirt— in Berlin stellt er«ine stattliche Zahl— hält wohl von sich aus diese Einrichtung nicbt für notwendig und spart gern die freilich nur geringe Ausgabe ein. Als eine Wohltat aber würden Briefträger und Boten das Wiederinstandsetzen oder Neuanbringen eines„st i l l e n P o r- tlers� begrüßen. Aufklärung eines Kindesmordes. Verzweiflungstat einer unehelichen Mutter. In der Wortgrube des Bahnhofes Reinickendorf» Rojenthol wurde am 2. Juli, wie damals berichtet, di« Leiche eines etwa acht Tage alten Kindes gefunden. Der Befund ließ auf einen Mord schließen. Kriminalkommissar Dr. Berndorst und seine Beamten forschten nun in den amtlichen Registern nach, wo zu der fraglichen Zeit«in Kind geboren war. So ist e» jetzt ge- lungen, di« Mutter zu ermitteln. Es ist«ine 20 Jahre alte Landarbeiterin Anna Kiemann. die damals auf einem Gute bei Mühlenbeck beschäftigt war. Sie hatte Beziehungen zu einem jungen Manne angeknüpft, die nicht ohne Folgen blieben. Ms sie nach der Geburt des Kindes aus dem Krankenhaus wieder entlassen wurde, traf sie auf dem Bahnhof einen Mann, der mit ihr und ihrem Freunde zusammen gearbeitet hatte. Dieser Arbeits- kollege erzählt« ihr. daß ihr Geliebter sich inzwischen eine ander« Braut angeschafft habe. In der Ber- zweiflung über die vermeintlich« Untreue wußte dos Mädchen, das schon«in Kind hat. nicht mehr, was ss« mit dem kleinen Neu- geborenen anfangen sollte. Geld, uitt es wie das ander« in Pflege zu geben, besaß sie nicht. So warf sie denn das schlasende Kind in die Abottgrube und nahm Arbelt auf einem Sute in der Prignitz an. Hier traf sie mit Ihrem Freunde zusammen und erfuhr erst jetzt, daß di« Erzählung des anderen Mannes Lüge gewesen war. Er hatte sie mit der Klatschgejchlchte ärgern wollen. Bestärkt wurde das bedauernswert« Mädchen in dem lSlauben an di« Abkehr des Geliebten noch dadurch, daß sie«uf ein« Kart«, die sie ihm schrieb, keine Antwort erhielt. Der Freund ist aber Analphabet und ander«, die ihm di« Karte vorlasen, hatten den Inhalt entstellt. Das Mädchen, das jetzt festgenommen worden ist, ist geständig und wird dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Di« Hilflosigkeit der unehelichen Mutter und eine Bertettung unglücklicher Umstände hat hier wieder einmal einen jungen Menschen schuldig werden lassen. Hoffentlich findet sich ein menschenfreundlicher Anwalt und ver- ständig« Richter, um den jungen Menschen»or dem Schwersten zu bewahren._ Die weise Frau geht u«. Seit ewiger Zeit fällt es in Pstsftwwr K«,»k»»h«,ser» wieder auf. daß verhältm»mäßig»iel« Fr»u«« und Mädchen« septische» (eitrizen) Krankheiten eingeliefert werde*. 9» handelt sich bei de» Patientinnen um unerlaubt« Eingriffe. In letzter Zest sind such mehrere Todesfälle durch Bauchfellentzündung zu verzeichnen. Am letzten Sonnabend wurden im stidtifchen Kranken- Haus Obduktionen an zwei verstorbenen jungen Frauen vorgenom- men. Di« Potsdamer Staatsanwaltschaft hatte di« Leichen deschlag- nahmen lassen. Auch hier lag Septis infolge verbotenen Eingrifjes vor. Allem Anschein nach handelt es sich, wie vor Jahren, um eine weise Frau, die in Potsdam und Nowawes ihr Unwesen treibt. Sport in Amerika. Staatliche Hochschulen— militärische Drillanstalten. Mit diesen Worten leitete Dr. Carl D i e m seinen Bortrag ein, den er Im dichtgesüllien Langenbeck-Saal d«r Berliner Eharitä hielt. Der Generalsekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibes- Übungen berichtete über Ersahrungen, die er und der DRA.-Dor- sitzende Lewald auf ihrer fünfwöchigen Reise durch Amerika, auf der sie über 9000 Kilometer auf der Eisenbahn zurücklegten, gesammelt haben. In USA. gibt es über 300 Universitäten und Hoch- schulen mit über eineinhalb Millionen Studenten, von denen jede nicht nur eine Turnhalle hat, sondern neben Stadion, Schwimmbad und Spielfeldern ein großes Sporthaus in den Dimensionen des Berliner Sportpalastes. Die älteste Universität Amerikas, di« Har- vard Univerfity in Baston, verfügt außer dem Sporthaus noch über ein Stadion, zwölf Spielfelder, 120 Tennisplätze, vier Schwimm- bäder usw. Der Besuch der Universität ist für jedermann frei. Die Studenten müssen sich aber auf den staatlichen Universitäten einer zweijährigen militärischen Ausbildung unterziehen, wäh- rcnd es auf den privaten Studienanstalten in ihrem Belieben steht, ob sie diese Ausbildung mitmache«: an allen Universitäten muß aber jeder Student täglich seine Leibesübungen treiben. Aber nicht nur die Studenten, sondern jeder Amerikaner exhält Gelegenheit zum Sportbetricb durch die unzähligen städtischen Spielplätze. Allein in Manhattan, dem dicht bebautesten Teil von New Port, gibt es 40 öffentliche Spielplätze, im ganzen Nordamerika gibt es über 4000 Golfklubs, deren Mitglieder ihren Sport auf den öffentlichen Plötzen betreiben. Für jeden Spielplatz ist ein Spart- lehrer angestellt: in den 80 größten Städten sind ollein über 20 000 Sportlehrer auf solchen Plätzen tälig. In welchen Dimen- sionen die Städte Mittel für die Leibesübungen zur Verfügung stellen, zeigt die Tatsache, daß in den 93 größten Städten pro Kopf der Bevölkerung etwa 2,80 M. jährlich aufgewendet werden gegen 71 Pf. in Deutschland. Die Sportorganisation ist in USA. erheblich einfacher als bei uns. Es gibt einen großen Mhletikverdand, der die Leichtathletik, die Schwerathletik, Boxen und Schwimmen beauf- sichtigt, daneben zwei Hochschulverbände und«igen« Derbänd« für die übrigen Sportarten. Der gesamte Sportbetrieb zerfällt in drei Gruppen: neben dem Betrieb der reinen Sportverbände gibt es noch di« Organisation der Bereinigung Christlicher Junger Männer mit IL Millionen Mitglieder und eine Organisation der Firmen- sportvereine. Sportvereine allerdings gibt es nicht annähernd so viel wie bei uns, dafür sind di« bestehenden um so größer: die meisten Sportklubs hoben mehr als tausend Mitglieder, die größten Bereine sind derart übersüllt, daß sie die Aufnahm« gesperrt haben. Die Klubs verfügen über fabelhefte Häuser mit allen möglichen sportlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen in höchster Bollendung. verblüffend ist di« große Zahl der überall vorhandene u Schwimmbäder. Die Stadt Detroit z. B. mit ihren 1000 000 Einwohnern hat 4 6 Schwimmbäder, während die 4>--Mil- lionen-Stadt Verlin sich mit 14 Bädern begnügen muß, ebenjo vielen, wie es allein in hen großen N«w-Dorker Hotels gibt. Seit dem Kriege hat der amerikanische Sportbeirieb sich fast ausschließlich auf den Spielbetrieb umgestellt, die sormalen Hebungen werden wenig geschätzt. In jedem Sport wird aber streng auf Einhaltung entsprechender spielfreier Perioden gehalten, selbst der Athletik- betrieb beschränkt sich auf zwei„Seasons", zwei Monate im Sommer und zwei im Winter. Der Frauensportbetricb ist sehr gering, selbst an den größten Universitäten blieben Bcrfuche, ihn auszudehnen, erfolglos. Den hochinteressanten Vortrag beschloß die Vorführung von ungefähr 100 Lichtbildern, die den Eindruck der Ausführungen des Vortragenden noch steigerten. Handballpleite der Bürgerlichen. Wir brachten vor wenigen Wochen die Nachricht, über den katastrophalen Rückgang der bürgerlichen Hand ballbewegung in Oesterreich uird den gleichzeitig guten Auf- schwung des Spielbetriebs im Arbeitersport. Diese Mitteilung wird jetzt durch folgendes bestätigt: In der kürz lich abgehaltenen Vorstandssitzung des österreichischen Handballver- bandes wurde der Beschluß gefaßt, daß es dem Untcrverband Steicr mark gestattet ist, in Spieloerkehr mit den Arbeitersport ucreincll zu treten, um dem stark zurückgegangenen Spielbetrieb neue Impulse zu verleihen! Ein beschämendes Eingeständnis! Zu einem gemein- samen Spielbetrieb lassen es die österreichischen Arbeitersportler aber nicht kommen, da sie einmal der Meinung sind, daß über kurz oder lang der bürgerliche Handball in Oesterreich sowieso zersällt, dann aber auch, weil die Luzerner Sportiitternationale ihren An- gehörigen derartige Kämpfe verbietet. Spieleinteilmig beim Daviscup-Finale. Jim Donnerstag nachmittag fand in Pari- die Auslosung und Ausstellung des Spielplans für die Herausforderungsrunde um den Davispokal zwischen Amerika und Frankreich statt. Es stehen sio, gegenüber: Freitag, 26. Juli: Borotra und Lott, Cochct und Tilden: Sonnabend, 27. Juli: Cochet— Borotra und Allison— JSan Ryn: Sonntag, 28. Juli: Borotra und Tilden. Cachel und Lott. tiRBEllEH TUSSBALL Werbespiele in Neukölln am 28. Juli. Der bundestreu« Freie Fußballoerein Reu- kölln I 2 8 ladet all« bundestreuen vereine Groß- Berlins ein zur Unterstützung der Arbeite�-Fußballbewegung Ren- köllns. Der Freie Fußballverein Reukölln veranstaltet als�Abfchluß seiner Werbesußballspiele vorher einen Werbeumzug mit Tambour- korps durch Renkölln und erwartet von den Beretnen eine zahlreiche Unterstützung. Der Treffpunkt für die Vereine ist um 1 2 U h r bei Max Schraeden, Neukölln, Steinmetzstt. 52, Ecke Schillervromenade. ver Abmarsch«rsalgt um 12.30 Uhr von dort. Umkleideräume sind reichlich vorhanden. Jlnschließend an den Werbeumzug finden die Zwischenrundenfpiele aus dem Städtischen Sportpark Neukölln, Platz Nr. 6 und 7. verlängert« Steinmetzstrahe, statt. Zwischenrunde am 28. Juli auf Platz Nr. 6 Gruppe A; 1. Spiel um ILO Uhr Hoppegarten I gegen Nowawes 94 I; 2. Spiet irnt 2.45 Uhr Lichtenberg Abt. II 1. M. gegen BFE. Borussia I: 3. Spiel unr 4.10 Uhr Reinickendorf I gegen Rathenow 1; 4. Spiel um 5.40 Uhr vorwärts Wedding I geaen FrFV. Neukölln I. vormittag um 10.30 Uhr Iugendfpiel Lichtenberg II 1. Jugend gegen Vorwärts Wedding 1. Jugend.—?luf dem Platz Nr. 7 Gruppe B am 28. Juli: 1. Spiel um 130 Uhr Vorwärts Wedding II gegen Neukölln II: 2. Spiel um 2.45 Uhr Schönsbcrg I gegen Sokol (Falke) Charlottenburg I; 3. Spiel um 4.10 Uhr Wildenbruch I gegen Lichtenberg II; 4. Spiel um 5.40 Uhr Zehlendorf I gegen Neukölln Ib. Am Sonnabend, dem 27. Juli, Sportpart Platz Nr. 1 um 7 Uhr Vorwärts Wedding gegen Lichtenberg II nochzuholendes Spiel. Am 28. Juli veranstalten die an dem Turnier teilnehmenden Bereine ein« Turnierseier in den Passage-Festsälen, Neukölln, Berg- straß« 151. «, Das Spiel BFE.-Bsrussia I gegen Nowawes 94 I begann unter Leitung eines Genossen von Saxonia. Nowawes greift flott an und kann schon in der 4. Minute das erste Tor buchen. Gleich daraus machte ein Spieler einen Fehler und Nowawes führt 2:0. In kurze» Abständen fallen noch zwei Tor«. Run kann auch Borussia zwei Tore ausholen. Nach Halbzeit zieht Borussia dann Nowawes gleich. Bei einem Stund« von 4:6 für Nowawes greift Borussia stürmisch an. Es glückt vvrussia auf 5: 6 zu kommen und 6 Minuten var Schluß ein Unenttibieden zu erreichen. Bei 6: 6 brach der Schiedsrichter das Spiel 4 Minuten vor Schluß ab. Nowawes oerzichtete aus Weiter- spiel, somit kommt Borussia in der Zwijäzenrunde. Der Besuch war gut. » Am Sonnabend, dem 27. Juli, 6X Uhr, trefien sich die Mann- schatten Bad Köstritz und Germania-Pankow aus dem LSB.-Platz in Pankow. Bad Köstritz,«in« der spielslärtzren Mannschaften im 4. Kreis, ist es aaungen. endlich ein Spiel in verlin zu ab- folvieren. Bad Köstritz tritt in stärkster Aufltellung an. Halblinks und Linksaußen dürfen die besten Spieker sein. Germania tritt«it stark veränderter und verbesserter Mannschaft an und wird Berlins Farben würdig»ertreten. Der Besuch ist lohnend. Kommunisiiscfacr Betrug. Ehemalige Mitglieder unserer Organisation wollen am nächste» Sonntag, dem 28. Juli, auf der Rütt-Arena öfsentliche Bahnrennen veranstallen unter Mißbrauch unseres Organisationsnamens, des Arbeiter-Rad- und Kroftfahrer-Bundes Solidarität. Gau 9, Bezirk 1. Um Irrtümer zu vermeiden, weisen wir darauf hin. daß weder Gau noch der 1. Bezirk auf der Rütt-Arena am 28. Juli Bahnrennen hat, das somit der Name uckseres Bundes fälschlicher Weise zur Irre- führung der organisierten Arbeiterschaft benutzt wird. Ardeitsr-Rad- und Knastfahr ertartd Solidarität. Gauleitung. Llädlekampf im Freien Kegler-Bund. Der in Braunschweig »oustatten gegangen« Kampf am den Wanderpreis der Stadt Halber- stadt endete wiederum mit einem überlegenen Sieg« der Berliner Mannschaft. Es waren von jedem Kegler 100 Kugeln, je 50 auf Bohle und Asphalt, zu schieben, pro Mannjchaft also insgesamt 1000 Kugeln. Bei Wertung der fünf Besten einer jeden Riege ergaben sich folgend« Resultat«! 1. Berlin mit der Mannschaft Niki Hofsmann, Herzog. Krupke, W. Pürschel und Kollath 3200; 2. Halberstadt 3049 Holz: 3. Braunschweia. 4. Wernigerode, 5. Neinstedt. Beste Einzel- leistunoen: Berlin: Hosfmann 657 und Herzog 642 tto z: Halber- stadt: Thiemann 622 Holz. Aus der Industrie. Opel hat Unter den Linden 66 seine Ausstellungsräume erweitert, so daß die Möglichkeit einer gründlichen Beseitigung der einzelnen Typen der Rüsselsheimer Werke ssoch besser als bisher gegeben ist. Die Vielseitigkeit dieser ständigen Schau imponiert, zumal hier und da im Waoenliau die Form ichnittiger und rassiger geworden Ist. In der Reihe der Personenwagen sind die Stärke» 4/20. 8/40, 10/40, 14/50 und 16/60 I'5 vertreten. 16/60 ist ein fiebensitziger Salonwagen und ist mit einem Perkaufspreis von 10 800 M. das teuerste Produkt Opels. Lei de» 4 20 LL-Wagen, die wohl am meisten interessieren, finden wir zunächst drei Typen: den ossen Zweisitzer mit 2150 M.. den Viersitzer mn 2600 M. und Ichließlich die Limousine mit 2980 M. Neu Hinzugetaminen ist das zweifitz-a- Roadsker Cabriolet, das noch über zwei Notsitze verfügt. Es würde zu weit führen, alle ausgestellten Mrdelle hier zu er- wäßnen, hingewiesen sei jedoch noch auf die Liefer und Schnell- lastevaAen, die mit%, 1Z-5 und 2 Tonnen vertreten sind. Alles in allem«ine Ausstellung, die den Jlutointeressentcn manches neue vermittelt. Di« Bayerischen Motorenwerke werden für den „Großen Preis van Deutschland" aus dem Nürburgring in der 500-Kubikzentimeter-Aategorie die Fahrer Henne, Stelzer, Koeppen und Stegmann, und in der 750-Äubikzentinietcr-SIategone die Fahrer Dauhofer und Soenius starten lassen. Die B.-M.-Werke haben die größten Anstrengungen gemacht, ihre Rennmaschinen durch Einbau eines Aoller-Komprefsors so leistungsfähig wie möglich herzurichte». Ein Sieg in diesem Rennen bedeutet ja mehr, als eine einmalige gut« Leistung: denn er ist nicht nur für den Absatz deutscher Krafträder>uf dem Weltmarkt ein nicht zu unterschätzender Faktor, sondern muß auch für den nationalen Motorradsport als entschei dende» Ereignis angesehen«erden. Trotzdem die Bayerischen Motorenwerk« erst seit 1923 Motorräder bauen, haben sie sich bald durch die fortschrittliche Konstruktion, die im In- und Ausland Aufsehen erregte, zur führenden Motorrad- fabrik entteickelt. lfMie T»»o«rsch«st«loS-SMlin, Be,. Ucnl«». Ter vk,irl Pantow dl- 2�««- siMnsUU«»«m Senntaq. LZ. 3uli, mit allkli AdliU»,>-,, w Uhr, nn lakal a»n SStofim, IZrantfurter«Ücc 258, finde »te statt. Rat Anttkrirgskundarbung am I. iiuaust treffra ant ans uat UV, Uhr in»er Schul« Daniiger Str. 23, Zllr Mttgiirdr: di« mch««rschetne»,»«stellt sllr«int»« fl«it Spiel», rbol. ffk Unan-Ualan•«•»-•»«(in.«lt.«tfaer: Baotahaua in Srlncr. Boois- straß«»I. «ad»ite».Na». na» staaftfa»r«.«na».kxlidaritätt, vrtsqrnppe Stoh-Berli», B«». t. t um» tl. Durch«, schlug de,«orsiande, finden am So, miau. 28. Juli, felltat« Pflichtteure» statt. ffUt die 1. und 2. 2tW., Rotorfahrcrabt. ftreuz- »«fl und sdmtlich« Adleiluns!-», Ortegruppen des 2. Dez. uarti Äijrl'isln;«. Sanrmeiftatt 1 Uhr»ürtiekrua.— 5., 8., 10. Abt., ZRotorfnhtctaöl. skriadtlchdhaln und sämtlich« Aoleilungtn und Ortsarupven des 21. Dc.i. uaä> laliel. Samtnelstart 1 Uhr.— Start: 1. Abt.: 6 Uhr Bülawstraße. 2. Abt.: 5 Uhr Sehe»stau fenplah. Ztermalichr. S. Abt.:.1 Uhr Laudsbcract Platt. I.«6t:« Uhr«tolaifche Sit. M.#. Abt.:« Uhr Trist str. 63. 10. Abt. 6 Uhr PeltreButaet Str. 8.— 2. Bez., Abt gharlattenburat 6 Ubr flanai. O'ti; Alsineredotser Straße. Abt. Schencbttg: 6 Uhr Ewbenrauchftr. 6a. Abt. fltsUIat( Uhr SoScnjoHernpTaft.— 21. Bez., Abt. Lichtenbcrq: 7 Uhr Jona- sttaße 20 Abt. vberschänemeidet 6 Uhr Wilhelminenhefflt. f.Z. Abt. flanlu- dotf: 8 Übt Sschtsch. Abt. Weißensee-Seinetedorst 6 Uhr Lanadanestr. 102. Netatfaheet, Abt. fttenzittfl t 6 Uhr üausitur Plah. Abt. tzricdrichebain: 6 Uhr Land«berqtr Pich. Abt. Rculelln: 7 Uhr Hohen., ollcrnpiah. Abt. Killten bet»: 7 Uhr llunosir. 2S. Abt. Pankow: 7 Uhr Naiscr-ssriedrich.Str. 67. Radtahmabt. rreptew-BaumschuIenwes: 27. Juli Sammcrnachtsball im Allen Sierhau«. Ansttn« 7 Uhr.— 1. Bez.: ssrettah. 28, Juli, 20 Uhr. im Keweri schastshau,, Seneralnersammlung. Eintritt nur gegen Vorzeigung de, Mil- gliedobuch, mit unterschriebenem Neuer,. Die vtt»graP»« Sorna roea de Arbeiier-Ztad» und itraftsahrcr.Buades.Sei daritäf ist ahne Ausnahm« buudestreu. Etfasgt Eine MotorjahtercMeii■ Htm 20 Ofeaotfen.— ssahrt Sonutaa. 28. ssnff. 7 Uhr. Ceanng Schon im Jahre 1921 war es ein R ü ck f a l l d i e b st a h l. Und erst im März dieses Jahres erbielt sie nach eineinhalbjähriger Zuchthaus- strafe die Freiheit wieder. Uebsr ihrer ganzen Erscheinung liegt so etwas wie trostlose Resignation. Ihre Stimme ist klanglos, ihr Gesicht farblos, ihre Augen und Bewegungen sind unsagbar müde. Es ist so, als hätte sie nur einen Wunsch, so schnell wie inöglich von hier fortzukommen. Es ist ihr alles ganz egal, sie hat mit dem Leben abgeschlossen. Ihr Verbrechen? Sie lernte auf der Straße einen Mann kennen. Trotz ihrer 56 Jahre ging sie mit ihm in ein Lokal. Er war angetrunken. Sie stahl ihm aus der Hosentasche Geld, 51 Mark. Cr hat das Geld wiederbekommen. Der Staats- onwalt beantragt die Mindeststrafe: 1 Jahr Zuchthaus. Was sagen Sie dazu, fragt der Richter.„Ich kann nichts dazu sagen." Der Richter verurteilt sie zu einem IahrZuchthaus und 3 Iahren Ehrverlust mit der Begründung: die Tat war ziemlich unverfroren, sie hat einen Menschen bestohlen, den sie eben erst kennengelernt—, es sind ihr aber mildernde Umstände zuzubilligen, ihre Verhältnisse scheinen eben nicht rosig gewesen zu sein. Das waren sie bestimmt nicht! Die Verurteilte nimmt die Strafe an. Rur weg von hier— scheint ihre letzte Bewegung zu sagen Dann kommt die Junge ran. Auch die andere hat gestohlen. Sie ist Hausangestellte und unbestraft. Ueber ihr Vorleben erfährt man noch viel weniger als über das der ersten— sie hat ja keine Vorstrafen. Sie ließ nachts ihren Freund in die Wohnung, der nahm Rad und Schuhe der Herrschaft an sich und so mußte sie vor den Richter. Das verschüchterte junge Mädchen kann kaum den hervorsprudelnden Fragen des Richiers folgen, noch weniger sie beantworten. Dem Bräutigam gehört die Idee des Diebstahls. Er hat sie gefragt, ob ein Rad da sei. Wo er jetzt steckt, weiß sie nicht; auch seinen Namen kennt sie nicht. Auf chrer neuen Stellung war sie erst acht Tag«. Der Richter bemüht sich, Klarheit zu schaffen: was sie sich eigent- lich bei all dem gedacht habe und zeigt sich dabei vollkommen hilflos. Der Staatsanwalt will mit Rücksicht auf die Jugend der Angeklagten und auf die offenbare Verführung durch den„Bräutigam" sich mit einer Woche Gefängnis begnügen.„Haben Sie was zu sagen?" fragt der Vorsitzende.„Wieviel?" erhält er zur Antwort.„Eine Woche Gefängnis..."„Ja," sagt sie.„Was wollen Sie nun machen?".„Wieder in Stellung gehen."„Na schön...* Also ergeht das Urteil: Die Angeklagte wird zu einer Woche kosten- pflichtig verurteilt: es war besonders schlimm, daß sie ihre Herrschaft bestohlen hat." Das mit dem„kostenpflichtig" wird die Angeklagte wohl wieder nicht verstanden haben. Ob sie das Urteil annehm«. Sie weiß nicht, was zu sagen.„Natürlich, bleiben Sie lieber gleich da," meint der Richter. Also keine Bewährungsfrist für die noch nicht Vorbestrafte? Stattdessen ein unerlaubter Druck, damit sie die Strafe annehme!? Da tritt im letzten Augenblick die Für- sorgerin vom Pflegeamt in Erscheinung. Sie erklärt sich bereit, für das junge Mädchen zu sorgen. Das ist etwas anderes. Jetzt ordnet der Richter Haftenlasiung an. Wahrscheinlich wird auch eine Bewährungsfrist zugebilligt werden. Wie aber, wenn es nur diesen Richter gäbe und kein Pflege- amt? Ja, dann läge im Anfang des Schicksals dieses jungen Dinges bestimmt der Keim zu einem End«, ähnlich dem Schicksal der Alten. Jetzt wird diesem Stumpfnäschen vielleicht doch noch geholfen— trotz Richter und Paragraph... Gowjetrussischer Alttag. Meine Züge aus dem Leben. Das beste Studium des sowjetrussischen Lebens ist die Lektüre von Sowjetzeitungen. Selbst die Feder des genialsten Satirikers verbleicht vor der schmucklosen Wiedergabe des sowjet- russischen Alltags, wie ihn die Sowjetblötter— und das soll ihnen hoch angerechnet werden— dem russischen Leser vorsetzen. Wir geben einige dieser schmucklosen Schilderungen wieder. Die Zwangsvorführung von Zeugen. In der Stadt Lyskow ist ein Termin gegen die Bordellwirtin Borissowa anberaumt. Das Gericht ordnet an: Neun Zeugen, darunter auch das Mitglied des Moskauer Voll- zugsrats Lawrentjew, find zwangsweise vorzuführen. Acht von den Zeugen werden oerhaftet und ins Polizeirevier gebracht; hier sitzen sie in Haft bis zum Ansang des Prozesses und wenden dann unter Bewachung in den Gerichtssaal geführt. Der neunte Zeuge, das Mitglied des russischen Vollzugsrats, liegt gerade an der Grippe krank darnieder. I» seiner Wohnung erscheinen sechs Polizisten, binden ihn mit Stricken an Händen und Füßen, wickeln ihn, wie er ist— in der Unterwäsche— in die Decke, setzen ihn in einen Wagen und schaffen ihn ins Gericht. Also geschehen laut„Moskauer Abendblatt" vom 7. Februar im sowjetrussischen Musterländle, im 12. Jahre der bolschewistischen Revolution. Die Mutier des Sowjeigefandten. Ort der Handlung: ein sowjetrussisches Dorf. Die Epidemie des Parteireinigens hat auch diesen weltentlegenen Winkel er- griffen. Vor den Allgewaltigen der Reinigungstommission steht eine ehrwürdige Greisin. Zwischen ihr und dem Vorsitzenden entwickell sich folgende Unterhaltung:„Also, Sie, Mutter, erklären, daß sie 28 Jahre makellos zum Besten des anatphabetischen Volkse wirken? Sie säen sozusagen das Vernünftige, Gute, Edle und agieren trotz- dem gegen die Sowjetgewalt? Es ist schlimm, Mutter! Wundert uns sogar sehr."—„Aber Towarisch Vorsitzender, wie können Sie sowas sagen? Ich bin doch gar nicht gegen die Gewalt, behüte Gott!"—„Na, sehen Sie, Sie stehen immer noch im Banne reli- giöser Vorurteile— Sie sagen„behüte Gott". Und Geld haben Sie aus dem Auslande bekommen?"—„Habe ich bekommen." —„V o m Sohne haben Sie es bekommen! Wir haben davon gehört. Und korrespondiert haben Sie auch?"—„Wer selten."—„Zwei- bis dreimaf im Monat doch!"— ,Lwei- bis dreimal wird es schon gewesen sein."—„Da haben wir's: Geld haben Sie aus dem Ausland bekommen: mit dem Ausland haben Sie Beziehungen unterhalten: Ihr Sohn ist nicht irgendein Arbeits- loser, sondern aktiver Funktionär. Wie soll man Sie noch in Sowjet- diensten behalten?"—„Towarisch Vorsitzender—*—„Rein, ich kann nicht, unter keinen Umständen kann ich es.— Sie sind eine schädliche Bürgerin. Nur wegen Ihres Alters tele- phoniere ich nicht an die in Frage kommenden Stellen." Die alte Lehrerin wurde gereinigt. Und Ihr Sohn? Ihr Sohn ist Gesandier der US SR. in einem der westeuropäischen Staaten. Alter Bolschewik!... So zu lesen in der Arbeiterzeitung vom 22. Juni 1929. Alles wegen eines Zimmers. Und das kam stc Ein gewisser Kiriloff— das heißt, man könnte fast sagen der berühmte Kiriloff. denn er hat eine äußerst wertvolle Erfindung auf dem Gebiete der Glasindustrie gemachi— traf in Moskau ein und begab sich hier auf Zimmersuche. Ungefähr anderthalb Jäher dauerte sie. Er fand zwar kein Zimmer, dafür sammelten sich aber'bei ihm 499 Schriftsätze an— Reso- lutionen, Erklärungen, Protokolle, Beschlüsse usw. usw.. alle in be- zug aus das von ihm noch immer zu findende Zimmer. Und nachts träumte er von den gewalligen siebenstelligen Zahlen, die als Ein. gangs- und Ausgangsnummern auf den Schriftstücken standen und gleich einem Albdruck auf ihm lasteten. Da war z. B. die Bescheinigung eines Zentralbureaus unter der Nummer 2 171 475, die Be- kanntmachung eines anderen Zentralbureaus unter der Nummer 271 474; ein Gesuch des Zentralkomitees des Chemikerverbandes unter der Nummer 623(919) 98; dann wieder ein Gesuch unter der Nummer 2 716 404 usw. usw. Da gab es einen Schriftsatz des Arztes des Wohnungsamts, ein Gesuch der Moskauer Bauern- und Avbeiterinstitution, ein Gesuch der„Prawda" für ihn, ein zweites derartiges Gesuch, einen Schriftsatz des Vollzugsrats des Bezirks Presna— mit einem Wort, eine Unzahl von Institutionen und Privatpersonen hatten sich für den armen Erfinder eingesetzt, und er konnte anderthalb Jahre lang, trotz seiner größten Erfindergaben, kein Zimmer finden. Glaubt man dem„Moskauer Abendblatt", so sucht er es noch heute. Was ein richtiger Kommunist ist? Man erfährt es aus der„Prawda" vom 11. Juni. Der Mann hat den schwierigen Namen Solochmatnikow. Das Leben nahm er aber leicht. Seit 1929 ist er Mitglied der russischen Kommunisti- schen Partei, und zwar kein simples Mitglied. Eine Zeitlang be- kleidete er sogar den Posten des Kommandeurs einer Artilleriedivision. In Parteidingen kannte er kein Ab- rutschen, weder nach links noch nach rechts. Solochmatnikow galt als gutes Parteimitglied. Privathandel und Spekulation ist für ihn ein Greuel. Seine Frau treibt aber so ganz nebenbei Handel. Und als guter Ehemann instruiert er sie, wie man am vorteilhaftesten Fleisch, Aepfel, Handschuhe, Manu- fakturwaren usw. verkaufen kann. Und wenn er vom Urlaub nach Hause kommt, dann legt auch er selbst freudig Hand an. Auf den Versammlungen schleudert er Donner und Blitze gegen Bourgeoisie und Religion. Seiner Frau schreibt er:„Meine liebe Musja, ich gratuliere zum neuen Jahr und zum neuen Glück. Ich hoff« dich in diesem Jahr im Amte eines Bourgeois zu sehen. Ich gratuliere Dir auch zum heiligen Weihnachtsfest und wünsche Dir, daß Du es in bester Gesundheit begehst." Genosse Solochmatnikow ist Mönchen spinnefeind; seiner Frau schreibt er aber:„Meine teure Musja, die Aebtisiin gibt mir alles, was ich will, selbst Kissen hat sie mir versprochen. Das Kloster ist mir gewissermaßen untergeordnet, und da bekomme ich alles, da ich auch für die Mönche verschiedenes tue." Auch sein Lobensideal vertraute er schriftlich seiner teuren Musja an:„Ich wünsche mir einen traulichen Winkel, wo ich glücklich leben und auf gutem weichen Pfühl genieße n� könnte." Aus dem weichen Pfühl wurde aber nichts. Eines schönen Tages verkrachte sich der Kommunist Solochmatnikow mit seiner „teuren" Ehefrau Musja, und diese hatte nichts Eiligeres zu tun, als den gesamten ehelichen Briefwechsel der vorgesetzten Parteibehörde vorzulegen. So erfuhr von dem Sündenfall dieses vorbildlichen Kommunisten die„Prawda", und aus ihr auch der deutsche Leser. Kussus. PROGRAMM für die Zelt vom 26. dl, 29. Juli K I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 26. bü 29. Juli ©OIG Potsdamer Strafe 38 BrotUc mit Ita Rina und Olaf F|ord Riff und Raff» die Fraaenheldea Rhcinstra£e 14 RoienmoBia, Du ,ule Dclproframi (An der Kais.-Eiche) Odeon, PoisdamerStr.75 Das vcrschwundeiie Tesiament mit Carlo Aldlni Die Liebe der Brfider Rott mit Olga Tschediowa Aiexanderstr. 39-40 (Pasiatze) Den ganzen Tag geöffnet! Du vcrichwandcnc Tcafameni mit Carlo Aldlni Du Weib der GardUten Turms tra�e 12 Der Geiger tob Floreas mit ElUabeih Bergner Müdcfacnsdiea mit Harold Lloyd jugendliche haben Zutritt Alhambra Schöneberg, Hauptstr. 30 Qdo vadU mit Emil JaBBisg« Die rollende Kogel mit Harry Liedilte BOhnenubau Tiiania(Ufa$3ÜJ£berg) Hauptstraße 49 Beginn ab 6.30 Uhr RoseBmontag Eie Jagd nach der Erbrdiafi Nordwesten Welt-Kino Alt-Moabit 99 Der Tenfelsreporier m. Eddie Polo HotarenBeber mit Panl Hetdemana W Chartottenbura Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 7 u. 9.15 S. ab 4 U. Das Galeeren sefatff mit John Barrymore Unter falschem Namen mit Monte Dlue ■ Steglit« a Titania-Palast Steglitz, SchloBstr. 5, Ecke Outsmuthsstr. Uraufführung: Die Ardie Noah Wochentags 6.30, 9 Uhr Stg.5,7,9ü. Stg.3U.J.' Hindenburgdamm 58a S Molfer und Kind m. Henny Porten Die KaUerfSger mit Werner Pltt.cfaaa Bflhncnsdsaa Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 4.30 Uhr Verdnn (Das Heldentum zweier Völker) PrUcillu Fahrt ins Glück mit Mady Christians Filmeck B<:ginn: Skalitzer Straße, am Görlltzcr Bahnhof Der Kdnld von Soho mit Emil Jannlnga Gate BfthnensdiaD Hi-Li Südwesten Fiim-Paia«t Kammersäle Teltower Str. 1— 4 Beginn 6 U. Der Adjutant des Zaren mit Mosjukin Familie Scfaimek m. Hermann Pidia i Ha Ma T i Mariendorfer L la- Ltl Lichtspiele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jog.-V. Lax, der König der Verbrecher mit Carl Ancn Drei Tage Karneval Bflbncnschau Süden Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7, 9 Uhr Geschminkte Jagend Koniciti Internationale BOhnensdiao W Neukölln j Primus-Palast Hermannplatz Indizlenbevels mit Henry Edward, Roth Wheyer, Sosy Vernon, Olaf Fjord u. a. m. Auf der Bühne: Jonnr Bing, Tanzkomödiant Martinet and sein Rabe Atlantic Comp., Schleuderbreti- akrobaten Elysium(fiÄTui) Hasselwerderstraße 17 Absdiiedswalzer(Chopins letzte Liebe) Revue: Ladiende Liebe � WelOensaa"��1� Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205— 210 Wenn der weihe Flieder wieder blüht Du verschwundene Testament Variet« Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentg. ab 7 U„ Sonntag ab 5 U. Peter, der Matrose mit Reinhold Schünzel Auf der Bühne: Hier herrscht Ordnangl mit Bruno Kastner, Luise Tirsch Luna-Filmpalast Or, Frankfurter Str. 121 Vater, ich klage dldi an I mit M. Jacobini Irrwege der Leidenschaft Internationale Bühnenschaa Concordia-Palast Andreasstraße 64 Sündig und süch mit Anny Ondra Bühne: Otto Renler Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Wenn der weit« Flieder wieder blüht t Buster-Kcafon-Grotesken Bühne: Singspiel Jugendliche haben Zutritt » FriattrUhaficIa» Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Mann, Weib, Sünde mit John Gilbert Die Räuberbande mit P. Hörhiger Nordosten „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Der König von Soho mit Emil Jannings Sündig and SÜH mit Anny Ondra Bühne: Otto Fassei, Rundfunksänger Norden Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Helrafsfieber mit M*ri« Pandlcr, Fritz Kampers Vagabandenlicbchea m. R. Dcnny DQhnenschaa Collosseum Schönhauser Allee 123 Film- und Bühnenschaa Aufruhr Im JanggcseUenbelm Bühne: Mireffc-Bailet g GesuncabrunnGn H s# Alhambra" Badstraße 58 Der Könid von Soh* mit Emil Jannings Revue: Einmal- aber ridülg Alhambra Aiüllerstraße. Ecke Seestraße Ja, 1a, die Fran'a sind meine schwache Seite Revue: Alles lacht Fortuna-T ageskino Müllcrstraße 12 c Beg. 10 U. vorm. Das fahrende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt- Produktion/ Mctro-Palast Chausseestraße 30 Die Liebe der Brüder Rott mit Olga Tschediowa Das verschwundene Testament mit Carlo Aldlni Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 6 U., Stg 5 U. Stg. 3 U. lugendv. Aufruhr im Jonggeseilenhelm Der fliegende Cowboy m. H.Gibsoc „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Das indische Grabmal I. u. II. Teil Bühne: Barry, der Dollarkönig Vineta-Kino Vinetaplatz 3, Ecke Woliiner Straße Der gefesselte Polo m. Eddie Polo Ferner: Der tcschc Erzherzog djjgjgjgfcgDdorF-Oist � Bürgergarten-Lichtsp. Hauptstraße 51 Verdnn(Heldentum zweier Völker) SchmeUug schlügt Paollno Ballschmieder- Liditsp. Badstraße 16 Uraufführung: Frauen und Geld mit Walter Rllla Eva Im Paradies mit Betty Baltoor Grobe Bühnenschaa Humboldt-Theater Badstraße 16 Der wei�e Harem Reichhaltiges Beiprogramm Grotjc Bfthnenschan Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Das Weib des Gardisten Oer tanzende Tor Grobe Bühnenschaa J Palast-Theater Breite Straße 21 a Es war... m.G. Garbo u. J. Qilbcri Pfiicbt and Liebe mit Ramon Novarro Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Dr. Mabase der Spieler 1. u. 2. Teil in einer Vorstellung W Nledertctiönhamen � Film-Palast Blankenburger Straße 4 Die Hölle der Heimatlosen Hoppla. Vater steht» Ja nicht