BERLIN Sonnabend 27. M 1929 10 Pf. Ttr. 348 B173 46. Jahrgang. SrschetilttStltch aaßer Siaatag«- Zugltich Adtndauegabt de«.Vvrwärtt'. Belugeil, so ff., Keflamejttlt 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. ostschecktonto: Vorwirts-Dcrlag G. m. b.H., Berlin Nr. 87S36. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 29? Gtinnes jr. freigesprochen. Die Gtaatsanwalifchast legt Bemfung ein. Uttier große« Andrang von Publikum und Presse verkündete Amtsgerichtsdirektor Dr. Arndt heute morgen das Urteil im Stinnesprozeß: Die Angeklagten Ttinnes, Nothmann, Leo Hirsch und S ch n e i d t werden freigesprochen. Es werde« verurteilt: Der Angeklagte v. W a l d o w wegen gemeinschaftlichen Betrugsversnches zu 4 Mona» ten Gefängnis, wovon sieben Wochen durch erlittene Untersuchungshaft verbüßt sind; der Angeklagte Bela Gros, wegen gemeinschaft» licheu Betrugsversuches zu vier Monaten Gesang» nis» wovon eine Woche durch erlittene Uatersuchungs» Haft verbüßt ist. der Angeklagte Eugen Hirsch wegen Beihilfe zu der» suchte« Betrug zu 3000 M. Geldstrafe, hilfsweise zu einem Monat Gefängnis. Die Koste« des Verfahrens fallen, soweit Frei» sprechung erfolgt ist, der Staatskasse, im übrige« den ver- urteilte» Angeklagten zur Last. Waldow wird eine Be» w ä h r u n g sfrist von 3 Jahren zugebilligt. Wie wir eafahre«, wird die Staatsanwaltschaft gegen das heute ergangene Urteil invollem UmfaugeBe- r u f u n g einlegen. Die klrteilsbegründung. Zur Begründung des Urteils führteirekior Dr. Arndt etwa folgendes aus: „Wenn ich jetzt dazu übergehe, die Urteilsgründ« mündlich vor. zutragen, so möchte ich zu Beginn meiner Aueführungen darauf hinweisen, daß ich felbstoerständlich nur die wesentlich st«n Urteilsgründe vortrage. Welche Füll« von Rechts- und Tat» fragen zu erörtern waren, möge man daraus ersehen, daß das Gericht mehrer« Tage zur Beratung gebraucht hat. Die Straf. taten, die den AngeNagten zur Last gelegt werden, führen uns zurück in die Zeit nach der Inflation, als durch die Inflation die Mark entwertet war. Dadurch hatten weite Kreise des Volkes ihr Vermögen verloren, und nachdem die neu« Währung errichtet war und es sich herausstellte, daß die Währung stabil war, da erhob sich immer lauter im Volke der Ruf nach Aufwertung. Diesem Verlangen kam die Gesetzgebung nach durch die Aufwertungsgesetz. gebung. Das Anleiheablösungsgesetz basiert auf dem fundamentalen Grundsatz, daß Altbesih und Reu besitz onlerschiede« «erden müsse und daß diejenigen, die durch nicht rechtzeitige Ab- stoßung der Reichsanleihen geschädigt waren, durch das Gesetz bessergestellt werden sollten. Auf diesem Grundsatz beruhte das Anleiheablösungsgesetz/ Zu den Straftaten selbst übergehend, betonte der Vorsitzende: „5th möchte zunächst auf die Schwierigkeiten himveisen, die in diesem Prozeß der Erforschung der wahr hell, der höchsten Aufgabe des Gerichts. entgegenstanden. Nicht nur, daß die Angaben der Angeklagten miteinander in Widerspruch standen, die Angeklagten haben mit chren Angaben auch in dem Prozeß mehrfach gewechselt. Es sind Zeugen, die uns über wichtige Punkts» Auskunft geben konnten, nicht gekommen, sie waren nicht zu erreichen, da sie sich im Ausland befanden. Diese Zeugen hätten in diesem Prozeß eigenllich auch unwr die Aageklogtea gehör». Es wäre notwendig gewesen, diese Zeugen zu vernehmen, um sich über ihre Glaubwürdigkeit ein Bild machen zu können. Aber so war es nicht möglich. Eine Zeugin und auch ein Angeklagter haben in der Häupt- Verhandlung ganz anders ausgesagt als in der Voruntersuchung. Bei dieser Sachlage kann es nicht anders sein, daß der Sachverhalt gewisse Lücken aufweist und daß das vom Gericht hier Geschaffene nur Srückwert ist. Di« Vorgänge, die hier zur Verurtellung standen, fangen an mit dem' AngeNagten Schneid. Die Angaben des An- geklagten Schneid, daß zunächst noch nicht ein Anleihe- betrug beabsichtigt gewesen sei, sind durch die chauptver- Handlung bestätigt worden." Der Borsitzende gab dann eine eingehende Schilderung des Ge- schästs und betont«, daß sich durch die Verhandlungen in Paris der Gsdonk« kristallisiert habe, neubeschasst« Anleihe« als Altbesih zu frisieren und als solche anzumelden. Der Angeklagte Eugen Hirsch habe es zunächst so geschildert, als ob ein Staatsvcnrag bestünde, nach dem w Frankreich neu« Anleihen unter gewissen Umstände» als Zlltbesitz Plfgawertet werden könnten, v. Waldow habe dann Stinnes das Geschäft in Hamburg angetragen. Stinnes habe die Hinzuziehung Nochmanns oerlangt, der ihm nochmals das Geschäft in der Form vorgetragen habe, daß aus Grund eines Staatsoertrages alter An- lcihebesitz durch neue Anleihen komplettiert werden könnte. Stinnes, der damals besonders viel zu tun gehabt habe, da er die Krise seiner Firma durch Gewährung der amerikanischen Anleihe überwunden hatte und mit der Wiederaufbauarbeit beschäftigt war, habe dann erklärt, daß er sich beteiligen wolle, zwar nicht mit eigenem Geld, aber mit Mitteln, die ihm von befreundeter Seite zur Verfügung gestellt würden, v. Waldow und Nothmann seien dann wieder nach Paris gefahren und zu Eugen Hirsch gegangen, der ihnen in der gleichen Weise das Geschäft schilderte. Dieser habe sie dann zu S ch r a n d t geschickt, dem Generaldirektor der Banque Centrale. Dieser habe ihnen einen Aktenschrank gezeigt, in dem sich angeblich für mehrere Millionen deutsche Anleihen befanden und er habe ihnen und den anderen Angeklagten gesagt, daß man sich bei dem deutschen Sonderkommissar in Paris über die Aufwertung erkundigen könnte. Leider sei keiner der Angeklagten zu dem Staats- kommisiar hingegangen, sonst hätten sie feststellen müsien, daß kein Alberl Grstefinski, der preußische Minister des Innern, vollendet am Sonntag, 28. Juli, sein 50. Lebensjahr. Genosse Grzesinski stammt aus Pommern. Er hat als Metalldrücker gelernt und gearbeitet und wurde später Ge- schästsführer des Metallarbeiteroerbandes in Offenbach und Kassel. Daneben war er ständig in der sozialdemokratisdjen Parteiorganisation tätig. 1919 wurde er in den Preußischen Landtag gewählt, dem er auch heute noch als Abgeordneter angehört. Nach dem Kriege hat er sich besondere Verdienste als Leiter des Landespolizeiomtes XV in der Bekämpfung des Wuchers erworben. Von 1925 bis 1926 war er Polizeipräsident von Berlin, seit Herbst 1926 ist er Innen- minister an Stelle Severings, der damals wegen Krankheit zurücktrat. Das Werk, das Sewering lu'gann, die Rcpublikanisierung der Polizei und der Verwaltung, hat Grzesinski mit zäher Entschluß- kraft vollendet. Donk seiner Energie genießt auch dos Flaggen- Problem heute in Preußen nur noch untergeordnete Bedeutung. Schwarzrotgold hat sich durchgesetzt und gewinnt immer mehr An- Hänger. Die Tätigkeit Grzesinskis liefert überhaupt«inen Beweis dafür, daß dort, wo zielbewußt und entschlossen ans Werk gegangen wird, trotz und gegen alle Widerstand«»ür die Republik und die Arbeiterschaft vieles herauszuholen, hat Grzesinski die große Ausgabe der 11 m g e m e i n d u n g im rheinisch-westfälischen Industriegebiet in Angriff genommen und zum Ziele geführt. Ein« Vor- tage von außerordentlichem Ausmaß, wie sie bisher noch von keiner Regierung bearbeitet und von keinem Parlament verabschiedet wurde, ist damit unter sozialdemokratischer Führung zum Gesetz geworden. Unsere herzlichsten Glückwünsche verbinden wir mit der Hoffnung, daß es dem Fünfzigjährigen noch recht lange oergApnt sein möge, erfolgreich für die Deutsche Republik und deren Trager, di« deutsche Arbeiterschaft, an verantwortlicher Stelle zu wirke». Staatsvertrag mit Ausnahmebestimmungen bestanden habe und das. es sich lediglich um einen Betrug handelt«. Leider habe auch der Angeklagte Stinnes nicht danach gefragt, ob sich die anderen Angeklagten nach dem angeblichen Staatsvertrag erkundigt lätten. Stinnes habe dann 250 090 INark zur Verfügung gestellt, für die deutsche Anleihen In höhe von 30 Millionen Papiermark ausgekauft wurden. Der Vorsitzende schilderte weiter die Anleihebeschafsung in Eng- land und wie aus Veranlassung Echrandts durch den Bankier Hendrix in Amsterdam unrichtige Kaufbescheinigungen ausgestellt worden seien. Schrandt habe bei dieser Gelegenheit auch nicht mehr von dem Staatsvertrag, sondern von einem nichterfüllten Termin- geschäst gesprochen. Aus der Aeußerung Schrandts, daß doch die Bescheinigungen sehr gut gelungen seien, hätte der Angeklagte o. Waldow merken müssen, daß es sich um Fälschungen hau- delte, ebenso aus der Talsache, daß ein Depotkonto bescheinigt wurde. Nach der Einreichung habe dann Schrandt die erste Geldsorderung an o. Waldow gestellt und 2C0 009 Mark verlangt, v. Waldow habe Stinnes Bericht erstattet, allerdings erst verhältnismäßig spät, gegen Weihnachten. Was er ihm berichtet habe, fei nicht mit Sicherhett festzustellen. Der Sonderkommissar habe dann nach längerer Zeit weitere Unterlagen und Bucheinsicht bei Hendrir in Amsterdam ge- fordert, und o. Waldow sei berichtet worden, daß Hendrix nun nichts mehr nachmachen wolle. Dadurch habe v. Waldow in unzweideutiger Aorm erfahren, daß die Sache nicht in Ordnung war, und aus seinen Karten ging auch hervor, daß er damals In Amsterdam ganz verzweifelt gewesen sei. v. Waldow habe sich dann mit dem Führer der Anmelder, dem französischen Deputierten Calmon, in Verbindung gesetzt, und dieser habe für die Herausgabe Provision und einen Vorschuß von 129 000 Frank verlangt, v. Waldow habe Stiirnes in schonender Weise mitgeteitt, daß hinsichtlich der Echtheit der Anmeldungen gewiss« Zweifel beständen. Stinnes habe ihm damals den Auftrag gegeben, aus dem Geschäft herauszugehen, aber Stinnes wollte fein Geld nicht verlleren. v. Waldow hat sich dann angeblich aus steuerlichen Gründen ins Austand abgemeldet. Calmon habe in Paris erklärt, daß der Betrag von 600 000 M. gezahlt werden müßte, da sonst auf Veranlassung des Sonderkomnnfsars Anklage erhoben werden würde. Stinnes und Nothmann hätten aber die Bezahlung dieser Summ« ver- weigert, und der Reichskommissar Heinzmann habe unter semen, Eide ausgesagt, daß er eine derartige Folterung nicht gestellt habe. Keine Spur von Bombe. Seit dem gehewmisvollen verschwinden de» Londgericht»- direktor» Max v o m b e an» Reu-Globsow bei Rheinsberg find heute, acht Tage vergangen, ohne daß es bisher gelungen ist, auch nur di« geringste Spur von dem vermißten zu entdecken. Die Justiz- und Polizeibehörden stehen vor einem Rätsel und niemand— selbst seine engsten Freunde— können sich da, verschwinden de» 55jShrigen er- i klären. Inzwischen sind von der Schweriner Polizei einige wichtige Er- mittlungen gemacht worden. Danach hat Bombe in der Nacht zum Freitag in Zechliner Hütte übernachtet. Auf Freitag hielt er sich mehrere Stunden in Rheinsberg auf und begab sich dann am Nachmittag desselben Tages nach N« u- G l o b f o w, wo er im Fontane-Haus, das in der Ferienzeit voll besetzt ist, mit einem kleinen Mansardenzimmer fürlieb nehmen mußte. Noch am selben Abend hat dann Bombe, nachdem er sein Gepäck untergebracht hatte, das Hotel vertasien und ist erst spät wieder zurückgekehrt. Wie er- mittelt werden konnte, hat Bombe das über 10 Kilometer entfernte Fürstenberg aufgesucht. Am anderen Morgen stand Bombe schon frühzeitig aus. Er machte� einen sehr müden Eindruck: fein Frühstück nahm er im Garten ein und verließ noch vor 8 Uhr den Gasthof. Wohin min Bombe seine Schritte lenkte, bleibt vorläufig ein Rätsel. Bewohner van Dargow, das bei Zechliner Hütte liegt, glauben am Sonnabend früh einen Schuh gehört zu haben. Aus diesem Grunde wurde auch dieses Gebiet durchstreift, ohne daß es gelungen ist, eine Spur von Bombe zu entdecken. Auch die Abfuchung der Ufer des Stechlin- sees sowie der Forstgebiete ist Ergebnislos verlaufen. Eine feit- fame Eintragung enthält ein Notizbuch des Vermißten, das in einem kleinen Handkoffer gefunden wurde. Auf einer Seite steht: „Einliegend 100 vlark, im Portemonnaie 80 Mark." Die 100 Mark lagen tatsächlich im Notizbuch. Nur die Absicht eines Selbstmorde» kann Bombe veranlaßt haben, auch auszuzeichnen, was er in der Börse bei sich führt«, Briand wird Nachfolger. Eintritt der Radikalen in die Regierung erwartet. Paris. 27. Zuli. Der Mlnisterrak im Elyfee. der über das Schicksal der sran- zösischen Regierung beschließen sollte, fand von 10,30 bis 11.10 stall. Nachdem V r i a o d und B a r l h o u von ihren vergeblichen ver- suchen, den Miolflerpräsidenlen poincarä zum Verbleiben im Amte zu bewegen, berichtet halten, beschloß das gesamte Kabinett, seinen Rücktritt einzureichen, der von dem Präsidenten der Republik ange- nommen wurde, ver Staatspräsident wird Im Lause de» Sonn- abends die Vorsitzenden der beiden Sammern und eine Reihe von hervorragenden Parteiführern für die Bildung des neuen Sabinetts zu Rate ziehen, doch versichert man von unterrichteter französischer Seile, daß diese Beratungen sich diesmal nicht wie bei der letzten Regierungsbildung auf einen größeren Kreis von Persönlichkeiten erstrecken dürften. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß bereits am Sonnabend abend oder Sonntag früh ein neues Kabinett gebildet sein dürfte. p a r i», 27. Zuli.(Eigenbericht.) Die pariser presie aller Richtungen erwartet, daß die Krise schnell gelöst wird. Als einziger Nachfolger poincar-s wird Raymond 9*oincare tft, 90 f ihrig, vom Ami de* franmOIHchmTninlflerprBlldrttien »urückgelrelen.» Briand genannt und wahrscheinlich noch im Laufe des heutigen Tage» noch der Gesamtdemission der Regierung mit der Reubildung de» Kabinett» beauftragt werden. Briand dürfte nur geringe personelle Veränderungen vornehmen und vor ollem versuchen, an Stelle der Marin-Gruppe die Radikalen in das Kabinett einzube- ziehen. 0b und wie das geling«, ist vorläufig noch nicht zu sagen. Oer Sturm auf die Hotels im Haag. Deutsche Riesendelegation angemeldet. Amsterdam. 27. Juli.(Eigenbericht.) Im Haag befinden sich zurzeit zahlreiche Regierungsvertreter, die beauftragt sind, für ihre Delegationen zu der bevorstehenden Ne- parationstonferenz Quartier zu machen. Die Scheweninger Hotels sind bereit» vermietet. Di« deutsche Delegation findet im Oranj'Hotel aus der Scheweninger Düne Unterkunft. Sie foll dort nicht weniger als 60 Betten reserviert haben. Die Fron- zosen haben Zimmer im Grand-Hotel belegt. Großfeuer auf der Westerplatte. Wieder das polnische Munitionslager im Oonziger Hafen Zu der vergangenen Rächt, kurz nach els Uhr. brach aus der westrrplotte, an der Weichselmündung. aus dem Gelände de» polnischen Munitionslagers im vanziger Hafen ein Großfeuer aus. ver Brand war in einem nach der Seeselle gelegenen Schuppen im Salpelerlager anscheiaend durch SelbstenlzÜu- düng zum Ausbruch gekommen, ver vanziger Bevölkerung bemäch- tizte sich große Erregung, zumal riesige Flammensäulen weithin sicht- bar waren. Glücklicherweise lagerke zurzeit auf der Meslerplalte kein Pulver und keine Munision, da sonst das Unglück unabsehbar geworden wäre. Da die Feuerwehr mit Schlauchleitungen an den Brandherd nicht herankonnte, wurde dem Feuer mit Löschbooten zu Leib« gegange«. Ver Schuppen brannte bi» aus die Umsasiungs- mauern vollständig nieder. Feiles Unwetter in Böhmen. Schwere Notastrophe bei Tabor. » a d- r lBiihmen), 27. Juli. lSigenbericht.) «m Donnerstag ging abermals über das Gebiet von Tabor ein schweres Unwetter nieder. Nach amtlicher Feststellung ist in den Gemeinden Tschekanitz, Meschift, Hlinitz, Lhota, Stoklasna, Nachod Smislow, Zaradka und Drhowlh die Grat« durch Hagel schlag zu hundert Prozent vernichtet worden. Zu vier weiteren Gemeinden wurde sie zu S0 proz. vernichtet. Die Schlössen hatten die Größe von Hühner-, ja sogar von Gänse- eiern und lagen stellenweis« bis ein Meter hoch, von den Bäumen wurden alle Zweige und sogar die Rinde abgeschlagen. Zweige und Blätter liegen 20Zentimeter hoch unter den Bäumen. Zahlreiche Dächer sind demoliert, viel Geflügel wurde erschlagen. Auf den Feldern wurde sogar Hochwild erschlagen. Ebenso findet man Rebhühner, die von den Eisstücken getötet wurden. Fünf Scheuern wurden weggerisien und drei.Per» sonen verletzt. Der Schoden ist noch nicht abzusehen. � 3 Tot« vom ,Oevonshire". London. 27. Zuti. file Zahl der Opfer bei dem Exploflonsunglück aus dem brill- sche««reuzer„Vevoushire" ha, sich aus dreizehn erhöhl. M« verlautet,«st da» Unglück aus die Explosion eines Sech»- zollgeschühe» In einem der Geschühlürme zurückzuführen. Die Explosion war so stark, daß der ganze Turm weggerlsse» »urd«. ver Kreazer befinde« sich aus dem Wege nach dem Hase« von Malta. Schiffskatastrophe in Stettin. Marktdampfer untergegangen.— Eine Frau ertrunken, mehrere perfonen vermißt. s l e l l i n. 27, Zuli.(Eigeaberickl.) Auf der Oder ereignete sich in der verflossenen»acht »ach 1 Ahr ein schweres Schifssunglück. Der Marktdampfer .Schwedt" der Greifenhagenrr Dampsschiffahrts-Gesell- schaft ist am Schwedler User vor dem Slelliner hauptbahnhos aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache g e- funken. Soweit bisher festgestellt werden konnte, ist von den an Bord befindlichen 28 bis 30 passagleren, hauptsächlich Personen, die Gemüse zum Markt brachten, die Frau des Schisssökonomen Redlin aus Gretfenhagen verstorben. � weitere Personen werden vermißt. Der Dampfer.Schwedt" kam in der Nacht mit einer Ladung Fracht und etwa 30 Passagieren außer der Schiffsbesatzung an Bock» kurz vor 1 Uhr am Schwedter User in Stettin an. Bei dem Versuch des Festmachens soll der Dampfer mit dem Bug aus das vollwerk aufgelaufen fein, so daß er ganz auf die linke Seile kippte und das Achterdeck des Schistes zu sinken begann. Hierbei ist ein Prahm auf das Deck des Schiffes geraten und hat es welter in die Tiefe gedrückt. Die Folge dieses Hinabdrückens war dos Vollaufen der Achterräume des Schiffes durch die Bull- äugen. Es begann sich unter dem Druck der eindringenden Wasser. mästen nach rückwärts ins Waffer zu senken und riß dabei den an der Reeling verankerten Prahm mit. Znnerhalb, eine» Zeltraumes von 3 bls 4 Minuten versanken Dampfer und Prahm in den Fluten. Die Fahrzeuge trieben bei diesem Untergehen von der vorgesehenen Landungsstelle ab zur Mitte des Stroines hin, wo sie auf Grund gerieten. S»e Legen von der Landungsstelle etwa 100 M?ter ent- fernt in der Tiefe. Bei dem Untergang des Schiffes hat die Be. fatzung erfreulicherweise vollkommen« Ruhe bewahrt. Durch ihr mustergültiges Verhallen insbesondere ist noch größeres Unglück verhütet worden. Durch ihre und die Hilfe der an der Unfallstelle befindlichen Händlerboote und auch der Beamten der Bahnhofs» Polizeiwache war es möglich, die in» Wasser gesprungenen Personen zum großen Teil zu retten. Ein Teil der Pastagiere flüchtete, notdürftig bek'eidet, ins Master und rettet« sich durch Schwimmen. Unter den Pastagieren befand sich«ine ganze Anzahl Frauen. Di? Rettungsarbeiten wurden außerordentlich erschwert durch die herrschend« Dunkelheit und die vielen umherschwimmenden Körbe und Kisten. Nach den bisherig?» Feststellungen«erden noch eluige paffagiere vermißt. Darunter auch eine Frau Wolter aus Millerwiese. Die Frau des Oekonomen Reblin wurde nach ihrer Rettung ins Städtische Krankenhaus eingeliefert. Dort ist sie noch in der verflossenen Nacht den Folgen des Unfalls erlegen. Unmittelbar nach dem Unfall setzten auch schon die Ermittlungen der Untersuchungsbehörden über die Ursache des Schiffsunterganges ein. Der Stettiner Polizei- Präsident und der Oberstaatsanwall waren wenige Minuten nach dem Vorfall an der Unglücksstell« und leiteten die Vernehmungen und Dergungsmaßnahmen. Es läßt sich ledoch bis zur Stunde noch nicht erkennen, auf welche Vorgänge die Katastrophe zurück- zuführen ist. Das Schiffspersonal und auch die Fahrgäste sind nicht in der Lage, näheres darüber auszusagen, wie das Unglück entstand. Heute früh begann ein Taucher das Innere des gesunkenen Schisses zu durchsuchen. Auch dabei wurden keine wesentlichen neuen Feststellungen gemocht. In den Kajüten wurden keine Leichen ge- funden. Di« Bergungsarbeiten sind daraufhin vorläufig eingestellt worden. Sie werden im Laufe des Nachmittags fortgesetzt. Unier dem Kiel des Schiffes her sollen sechs schwere Seile gezogen werden, um es zu heben. Bor Montag dürfte allerdings an ein Gelingen dieser außerordentlich schwierigen Arbett kaum zu denken sein. Die Stettiner Reichsbahn stellte sofort noch dem Unglücksfall mehrere Räume zur Unterkunft der geretteten Passagiere und auch für Dernehrnungszwecke zur Perfügung. Don der Festnahme des Schiffsführers ist vorläufig Abstand genominen worden, da zunächst keinerlei Anhaltspunkte dafür gegeben sind, daß er an dem Unglück irgendwie Schuld trägt. Bon den Geretteten befinden sich noch zwei Frauen im Krankenhause. Am Oderufer hall« sich natürlich im Lauf« des heutigen Vor- mittags ein« groß« Menschenmenge eingefunden, die gespannt b't Dorgäng« an der Unfallstelle verfolgten. Bon dem gesunkenen Dampfer ragt nur die Masffpitze mit daran befindlicher Toplatern« aus dem Master. Pom Schornstein ist bloß der ober« Rand zu sehen. Das Schiff liegt mit geringer Schlagseite nach Backbord auf Grund. Der Prahm ist völlig unter der Wasseroberfläche ver- schwunden. Begegnungen mit Bombe. Ltniersuchungsrichter in den Moabtier Ltnruhen.- weiter der Fememordprozesse. Zweimal hat mich die Seltsamkeit der Zufäll« mit dem Land« gerichtsdirektor Bombe, der jetzt auf rätselhaste Weise verschwun- den ist, zusammengebracht, und ich dars sagen: In der Art, wie dies geschah, liegt ein Stückchen Zeitgeschichte. Seit der ersten Begegnung sind jetzt gerade zwanzig Jahre verflossen. Als junger Referendar war ich, eben der spießbürgerlichen Atmosphäre eine» kleinstädtischen Amtsgerichts entronnen, dem Untersuchungsrichter beim Landgericht Berlin zugeteilt worden. Nach längerem Irren durch die Gänge des Moabiter Niefenbaues konnte ich mich bei meinem neuen Vorgesetzten melden. Mein Erscheinen löste bei Herrn Bombe, dem» dieser war es, ein Vergnügen aus. das ich zunächst nicht recht verstand. Es sollte mir sehr schnell klar werden. Berlin befand sich damals nämlich mitten in den berühmten„M o o b i t e r Unruhen", die ihren Ursprung in einem unbedeutenden Streik auf einem Kohlenplatz hatten, aber durch das provozierende Eingreifen der gewerbsmäßigen Hintze- Streitbrechergarde(der„Siebenmonatskinder") gewaltigen Umfang annahmen. Die Polizei stand, wie für damalig« Zeit selbst- verständlich, mit Leib und Seele auf der Unternehmerseit«. Ueber die sozialen Zusammenhäng« der Unruhen sowie den Übeln Charakter der Hintze-Gardisten, die sich fast ausnahmslos au« Vorbestrosten und gewalttätigen Elementen rekrutierten, ging der oltpreußisch« Staat zur Tagesordnung über. Di«„Arbeitswilligen" mußten geschützt werden, mochten sie in Wirklichkeit da, arbeitsscheust« Gesindel der Well sein, da» nur scheinbar arbeitete, um das Fortkommen ehrlicher Arbeiter zu vernichten.— Dies« einseitige Stellungnahme der Staatsorgane ließ den Zorn der Arbeiterbevölkerung Moabits gewaltig anschwellen. Di« Ansammlungen vor dem bestreikten Kohlenplatz wurden immer größer, die Polizei ritt und schlug blindlings ein— und die Unruhen waren fertig. In dieser Sache war der damalige Landrichter Bombe zum Untersuchungsrichter bestellt. Täglich wurden zehn bi» zwanzig Der- hastete«ingeliistert, mitunter noch mehr. Sie sowie die Zeugen mußten noch am gleichen Tage vernommen werden. Das gab ein gewaltiges Arbeitspensum. Oft waren wir von 8 Uhr früh bi» 8 Uhr abend,— bei kaum halbstündiger Mittagspause— beim Protokollieren. Und wenn wir dann, müde und abgespanm, gehen wollten, meldet« die Polizei neue Verhaftungen, und die Verhör- dauerten bis in die Nacht. So war die Zuteilung eines zweiten Referendars dem total überlasteten Untersuchungsrichter sehr will- kommen. An Fleiß lieh es Herr Bomb« sicheflich nicht fehlen. Sonst aber war«r der typisch altpreuhisch« Beamte, in seiner inneren Aus- sassung genau so»inseitig gegen die Verhafteten und Angeklagten eingestellt wie der Staat und die Polizei. An sich nur mittelgroß, bot er mit seinen forschen Gesichtszügen, blitzenden Augen und ge- sträubtem Schnurrbart, was man eine„imposante Erscheinung" nennt, und mancher Verhaftet« fühlt« sich schon innerlich vernichtet, wenn die scharfe Kommandostimme des Untersuchungsrichters auf ihn eindrang. Natürlich, das sei gern zugegeben, war sich Bomb« seiner Einseitigkeit innerlich nicht bewußt. Seine Einstellung gegen dl« Streikenden war für ihn wie für all« Organe des alten Systems etwas ganz Selbftoerständliches. Er wäre sicher ausrichtig«rfiaunt gewesen, wenn jemand«» bemängelt hätte, daß er zur Orientierung über die allgeineine Strelklage zwar den Inhaber der bestreikten Firma und einen Vertreter des Arbeitgeberverband«», aber keinen Vertreter der Gewerkschasten vernommen hatte. Er befand sich auch I» Uebereinstimmung mit der damaligen Rechtsprechung, wen» er jede Person wegen Teilnahm« am Landfriedensbruch i» Unter- juchungshaft behielt, die während der Unruhen nur auf der Straß« sich aufgehalten hatte. Al» Protokollführer erlebte ich damals manche Härte und viele erschütternd« Szenen, wenn FamUienväier, un- tadelige und arbeitsam« Leute, vielleicht wegen eines zornigen Schimpfwortes, das sie der Polizei zugerufen hotten, mitten aus Existenz und Arbeit gerissen und auf viele Wochen in Untersuchungs- hast genommen rourden. Aber in meiner untergeordneten Stellung war ich dagegen inachtlo». Ich konnte nur, das war da, einzig«, meine Vernehmungen und Protokoll« so sorgfältig wie möglich ge- stallen, und mich bemühen, da ich bei verhören ziemlich selbständig arbeitete, jede Einseitigkeit aus der Niederschrift ouszujcholtci». Schließlich riß mir doch einmal die Geduld. In einer öffenllichcn Versammlung der„Demokratischen Vereinigung' schildert« ich einig« meiner Erfahrungen. Prompt wurde ich von einem Spitzel ver. pfiffen und sofort von meinem Posten abberufen. Mein erstes Diszi- plinaroerfahren stieg, und, wie ich später zusällig erfuhr: der Lanü- gerichtspräsident bekam einen mächtigen Anpfiff, daß er«inen Resc- rendar von so„unzuverlässiger" Gesinnung in dieser hochpolitischen Sache hatte arbeiten lassen. Damit war meine erste Bekanntschaft mit Herrn Bombe beendet. Ich sollte sie neunzehn Jahr« später erneueri» In wie veränderter Sachlage! Herr Bomb« hatte es inzwischen zum Landgerichtsdireklor gebracht. Für mich aber war meine Maßregelung als Referendar der entscheidende Anstoß geworden, mich sortab ganz und gar der Politik zu widmen. Und nun wollte es die Ironie des Zufalls, daß ich als Berichterstatter des Landtagsuntersuchungsaus- s ch u s s« s über die Fememorde, meinen ehemaligen Popgesetzten. Herrn Bombe, über seine Prozeßführung im Falle Pannier zu ver- nehmen halle. Ich gedenk« noch de» maßlosen Erstaunens, das mich bei dem Anblick des einstigen Gestrengen ergriff. Di« ehemalig« Schneidigkeit war hinweg, es war nur ein kleines Männchen übrig geblieben. An sich nicht ungeschickt wußte Bomb« all« sein« Maß- nahmen während des Prozesses mit jener juristischen Knifflichkeit zu begründen, deren Anfangsgründe der Rechtsstudent mit der Tcho- lastik des römischen Rechts einschlürst. Aber es war sozusagen die Geschicklichkell eines kleinen Menschen, eines typischen Nurjuristen. für den außerhalb seiner Paragraphenwell nichts existiert. Zweifellos hatte Herr Bombe im stillen etwas gegen die Regie- rung frondiert, als er gegen deren ausdrücklichen Wunsch während des Pannier.Prozesse»— des ersten Fememordprozesses vor einem preußischen Schwurgericht— die OeffenUichkeit für die gesamt« ver- Handlung ausschloß. Aber Herr Bombe hatte da, so„korrekt" getan, daß niemand ihm an den Wagen fahren konnte, er hatte sich hinter einer Kautschukauskunft des Auswärtigen Amtes versteckt, das wohl auch seinerseits nicht ohne Vergnügen die Politik des Ge- sarntkobinetts in dieser Frag« durchkreuzte. Ein Richter vom Tha- rakter und von dem Eigenwillen eines Siegert hätte die Kaut» schukauskunft des Auswärtigen Amtes einfach beise-te geschoben und hätte— wie er es im Prozeß gegen Schulz und Genossen tatsächlich getan hat— im vollen Licht der Oesjentlichteit verhandelt. Bomb« war nicht der Mann hierzu. Froh, elne Deckung zu haben, hinter der er sein„nationales Gewissen" oerschanzen und zugleich ohne Gefahr den Willen der Regierung umbiegen konnte, wählte er den Weg der typischer Beamten, und Bureaukrotenseele: den Weg ins Heimliche. So. wie er mir damals vor dem Untersuchung-ansschuß in dieser und in anderen Fragen erschien: stet, korrekt, stet» durch Borschristen gedeckt, ober immer dort, wo ein eigner muliger Ent- schluh am Platze gewesen wäre, mit untrüglichem Bureaukraten- instintt den r ü ck s ch r i t t l i-ch« n Weg einschlagend, stets den B u ch. stoben, aber selten den Sinn der Gerechtigkeit erfüllend— so erschien er mir als vollendeter Typ des monarchischen Beamten, der vielleicht äußerlich seinen Frieden mit der Republik gemacht, von ihrem Sinn und Geist aber kaum etwas begriffen hat. Und doch, wenn ich an den schneidigen Untersuchungsrichter von«inst zurück- denk«— welch Abstieg eueer Herrenkast«! Erick Kuttner. Schweres Erdbeben in Japan. Rem Zork. 27. Juli. Nach Meldungen au» Japan sind auch Tokio und dr« japanische Hasenstadt D o k o h a m o von einem 20 Minuten lang an- dauernden, schweren Erdbeben heimgesucht, viel« Brände sind ausgebrochen, der Telegraphen- und Zugverkehr unterbunden. Fälschungen en gros. vas„Geheimschreiben" des 5.«derarbeiter.Borstande6. Die„Rote Fahn«" bracht« am 25. Juli einen Artikel, d«r mit b«r sensattonellen Ueberschrift versehen war�„Geheimschreiben vom Zentraloorstanb des Lederarbeiterverbandes Derbandsvorsitzender M a h l e r oersendet Spaltungsrichtlinien. Die Berliner Zahlstelle soll ausgeschlossen werden." Nach den üblichen Schimpfereien auf die Verbandsleitung folgt der Abdruck eines angeblich vom Der» bondsvorstondes am 14. Juni 1928 versandten Rundschreibens, in dem den Derbandsangestellten Anweisungen erteilt werden, wie sie„die Säuberung der Zahlstelle Berlin" von den Kommunisten am besten vorbereiten und durchführen sollen. Das Schreiben trägt am Kopfe die Bemerkung„Streng oertraulich! Nicht einheften!" und als Unterschrift den Namen des Derbandsvorsitzenden Heinrich Mahler. Das„Geheimschreiben" ist in Stil und Form so plump gehalten, dah es unschwer als eine grobe Fälschung;u erkennen ist. Aus ein tieferes Niveau kann wirklich ein« Zeitung nicht mehr sinken, wenn es schon Schrift st ück« glatt erfindet und ein« Gewerkschaft oder deren Vorsitzenden als Verfasser bezeichnet. Diese schäbigen und dazu noch so plumpen Manöver werden, wie alle ähnlichen, nur zu dem Zweck inszeniert, um m die Reihen der Arbeiter Verwirrung zu tragen und sie gegeneinander aufzuhetzen. Die„Rote Fahne" von heute früh kündigt noch weiteres „I e n f a t i o n e l l e s" M a t e r i a l an, dos die„skrupellose Leicht- fertigkeit der reformistischen Bureoukratie" bewellen soll. Wir sind gespannt darauf, welches Märchen nunmehr den Hirnen der kommu» niftischen Redakteures entspringen wird. Wie die Berichte und Artikel In der„Roten Fahne" zu be> werten sind, davon lieferte die Nummer vom 17 Juli wieder den besten Beweis. Dort wird in großer Aufmachung der staunenden Mitwelt verkündet, daß die Berliner Lederarbeiter in ihrer Ver- sammlung am 15. Juli gegen die Stimmen der SPD.-Verbands- Mitglieder mit„großer Mehrheit" beschloflen hätten, am 1. August eine Stunde vor Arbeitsschluß demonstrativ die Betriebe zu verlassen. In Wirklichkeit waren von 900 Zstilgliedern ganze 39 in der Versammlung anwesend. Davon stimmten für den früheren Arbeitsschluß 29, wovon noch 15 arbeitdos sind, denen die Durchführung dieses„Mehrheit?. beschlusses" nicht schwer fallen dürfte. Sie spalien weiter. ZOO Oreher gründen einen GewerkfchastSverein. Am Freitag ist in der wildeinberusenen Vranchenversammlung der Berliner Eisen- und Revoloerdreher die seit langem vorbereitete Spaltung diese? Branche vollzogen worden. Trotz der regen Propaganda der wegen ihres verbondsschädigenden Verhallens aus der Organisation ausgeschlossenen Branchenkommifsion für diese Versammlung waren von den mehr als 5000 im Metallarbeiterver- band organisierten Eisen- und Revolverdrehern nur etwa 500 erschienen. Nach den üblichen„revolutionären" Referaten und Dis» kusiionsreden, bei denen die Ortsoerwaltung in Grund und Boden veich.ammt wurde, legte die Branchenkommission der Versammlung ei e Entschließung vor, die natürlich mit„großer Mehrheit", d. h. von noch nicht ganz lOProz. der organisierten Dreher, angenommen wurde. In dieser Entschließung verpflichtet sich die Versammlung, dem Metallarbeiterverband die Beiträge zu sperren und sie von nun an der Branchenkommisllon zuzuführen. Die Branchenkom- Mission soll ferner neue Mitgliedsbücher und Beitrags- marken herausgeben, alles nach dem gleichen Schema, wie es Nieder- kirchner vor kurzem bei den Rohrlegern gemacht hat. Von den rund 500 Anwesenden gaben aber nur etwa 300 ihre Mitglieds- bücher für den neuen Laden ab. Mit der Einberufung dieser Ver- sammlung und den erwähnten Beschlüssen hoben sowohl die ausgeschlossene Branchenkommission als auch ihre Anhänger eine klare Scheidung innerhalb der Dreherbranche herbeigeführt. Der Leginn dieser„Aktion" ist noch viel kläglicher als damals bei Niederkirchner. Die neue Filiale Niederkirchncrs ist ein noch viel lebensunfähigeres Kind als die kommunistische„Vereinigung der Rohrleger und Helfer". Während die Rohrleger eine in sich ab- geschlossene Arbeiterkatgvri« sind und auch einer bedeutend kleineren Unternehmergruppe gegenüberstehen, sind die Dreher nur im Rahmen einer so großen Organisation, wie es der Metallarbeiterverband ist, imstande, dem Verband Berliner Metallindustrieller Erfolge abzuringen, in dessen Betrieben fie zum überwiegend« Teil arbeiten. Diese Dinge sind den meisten Drehern nicht unbekannt, so daß sie es sich reichlich überlegen werden, ob sie der unbedeutenden Splltisrorganisation Gefolgschaft leisten sollen. Der Metallarbeiterverband wird jedenfalls diesen gegen ihn ge- führten„Schlag" der KPD. noch besser und leichter parieren können. al» e, bei den Rohrlegern der Fall war. wo heute trotz der lügne- rischen Gegenbehauptungen Niederkirchners über 2000 Rohrleger und Helfer wellerhin treu zur Mutterorganisation stehen. Guter Verlaus der Zeppelinfohrt. Aber schwierige Landung. Ariedrichshasen. 27. Zuli. Do, eofkschifs„Graf Zeppelin" stieg heule früh 5.4Z Uhr unier Führung von Dr. Ecken« r zu feiner ersten Fahrt nach der Rückkehr aus Frankreich auf. Außer der Vesahung befanden sich ungefähr 25 Passaglere an Bord. Die Fahrt erstreckte sich aus da» Vodensee- gebiel. Räch dreistündiger Fahrt, um 6.5? Uhr, landete da» Lnsl- schiff. Die Landung gestaltele sich ziemlich schwierig, da starke Lust- bare austraten. Ulan war gezwungen, sämtlichen Wasserballast abzuwerfen. während der Fahrt war das Wetter sehr regnerisch und da» Lustschifs dadurch stark belastet worden. Die Ul o t o r e n waren während der ganzen Fahrt stets auf Höchstleistung eingestellt und arbeiteten vorzüglich, ohne irgendeinen Zwischenfall. Am Sonntag früh wird«in« zweite Fahrt unter- nomrnen werden, deren Route zwar noch nicht festgesetzt ist. die sich aber etwas über 12 Stunden hinziehen und sich weiter in dos Reich hinein erstrecken wird. Ob die Fahrt in östlicher oder westlicher Richtung verläust, ist noch ungewiß. An dieser Probefahrt werden etwa 15 bi» 16 Personen teilnehmen, darunter einige Vertreter der Presse. Während der großen Fahrt befinden sich u. a. an Bord zw« Vertreter de» Retchsverkehrsministeriums sowie Koroettenkapitän Fujiyfha und Hauptmann Nankoku von der Berliner japanisch« Botschaft. Bonseln, ja Bonseln! Von Th. W. Elbertzhägen. Hast du während deiner Ferien gebonsell? Nein? Dann hast du deine Gesundheit sehk vernachlässigt und deine Ferien nicht nchtig ausgenützt. Hättest du gebonselt, du wärst nun frisch und munter, aus- geruht und hättest Nerven wie ein junger Berberhengst. Freilich, das Bonseln will auch erlernt sein, und man muß einen guten Willen dazu haben. Immerhin ist es nicht so schwer wie dos Boxen, Hockey oder gar Jiu-Jitsu doch verlangt es mehr Selbftentäußerung denn alle«Portbetätigungen. Zunächst gehört dazu, daß man des morgens früh aussteht, wenn die Sonne noch im ersten Viertel ihres Himmelsbogens klettert und jeder Strahl zum klingenden Weckruf an Bach und W'es« wird. Man kann nur auf einer blumenbunten Wiese bonseln, und ein Bach oder Wässerlein muß auch in der Nähe sein und ein Erlen- oder Weidenbusch. Ein solches Plötzchen, das man mtt viel Sorgfalt und Bedacht gesucht haben muß. kann an jedem Tag« wieder benutzt werden, ohne daß es dos Bonseln irgendwie beeinträchtigt. Schreitest du über die taunoss« Wiese, so brichst du, ohne es zu wollen, in hellen Jubel aus über die Zlbertausend sprühender, funkeln- der Diamanten, die in kaum glaublicher Verschwendung über Gräser, Kräuter und Blumen gestreut sind. An der Stelle die dir am schönsten dünkt, breitest du den sürsorglich mitgebrachten Sommer- mantjt aus und läßt dich getrost darauf nieder, denn ehe dein gesundheitsängsttiches Gemüt seine Bedenken wegen der Nässe aus- gedacht, hat die Sonn« all die taufend Taujuwelen schon wieder in ihr Schmuckkästchen eingesammelt. Nun beginnt das Vortraining zum Bonseln. Du darfst nun überhaupt nicht mehr denken, sondern nur einfach schauen. Di« Hände unter dem Kopf-gesattet, blickst du aufwärts in den blauen Dom, der sich hoch und leuchtend über dir und dem Lande wölbt, freust dich an dem schneeigen Weiß der wandernden Wolken und ihrem goldgewirkten Saum. Allenfalls bekommst du Sehnfucht nach dem Fliegen. Aber der Gedanke riecht leider immer noch nach Technik, Benzin und abgedrosscllem Motor, also muß er verworfen werden. Dir selbst genug und losgelöst von des Jahrhunderts räum- und zeitbesiegtem Schritt, wälzt du dich ein« halb« Drehung um dich selbst und liegst, ganz wohlgefällig prustend, auf dem Bauch. Damit beginnt das eigentlich« Bonseln, zu dem keine Anleitung mehr nötig, denn ohne dein Wissen und Wollen wirst du dazu ge- trieben. Ist dos nicht ein riesiger, schier undurchdringlicher Urwald in den du hineinschaust? Wie möchtige Bäume, hoch und stolz, stehen die doldengekrönten Stämme der Schafgarbe, wie schlank«, im Winde sich wiegende Palmen dle Stengel des rotbraunen Sauerampfers über den unzähligen dichten Grashalmen mit ihrem Saft und Kraft strotzendem Grün. Dazwischen dos tausendfarbig« Bunt des roten und. weißen Klees, Butterblumen, Vergißmeinnicht. Winden, Mas- liebchen, Männertreu und Löwenzahn. Ja, man wünscht sich von Herzen einen Botaniker zur Seite, den man totfrogen möchte übe Namen und Art. Aber nein, lieber doch nicht! Nur staunen und sich freuen an den unzähligen Formen und Blüten, die da vor einem aufgebaut. Aber wie im Urwald von Hinter- und Vorderindien und im Lande der Kaffern. Tiger, Elefanten, vierbeinige Assen und geslügelic Papageien wohnen, so wimmelt es auch in diesem Graswald von großem und kleinem Getier. Stahlblau schimmernde Libellen wippen auf schlanken Halmen, ihren langen spitzen Rüssel naschend in die gefüllten Kelche stoßend. Unermüdlich, vom emsigen Elfer getrieben sammelt die Biene aus jeder der winzigen weißen Schafgarbenblüten den Honig und Blütenstaub und hängt sich die süße Lost in gelben Säckchen an die dünnen Beine, bis ihr das Laufen zu beschwerlich wird und sie mit dem Gebrumm der Befriedigung davon surrt. Aber auch Hummel, Wespe, Fliege. Rolenkäser und Iohanmswurm krab beln von Becher zu.Becher und trinken und schlürfen in feliger Lust. Seltsam, daß alle dies« Geschöpfe so ahne Honig- und Blütenneid neben-, über- und untereinander ihre Nahrung suchen! Keines stößt das andere beiseite oder raubt ihm das Gesammelte. Schmetter- ling und Hummel schlürfen sich an Ort und Stelle zum Umfallen satt, ohne daß dl« zukunstsbedachte Biene ihnen Vorwürfe übe.r ihre Sorglosigkeit macht. Di« Ameise kann ungehindert dos kleine Samenkorn mühsam vor sich herwälzen. Marienkäfer und spanische Fliege, so ihr begegnen, weichen mtt Scheu und Achtung aus, aber das kleine Arbettstier kaum im Rücken, tänzeln sie schon wieder über das spiegelglönzende Parkett einer Butterblume oder Höngen sich übermütig schaukelnd an die Rispe eines Grashalmes. Sie kennen ja nur das Glück der Minute, und wollen nicht mehr, als einen Hunger bis zum andern zu stillen. In der Zwischenzeit baden sie sich im Sonnenschein. Das ein« ist ein Arbettstier. das andere ein Sonnenduminler. Ja, sie sind rechte Lebenskünstler biete kleinen Tier« im Wiesenwold. Ein Glockenschlag irgendeines Kirchturms reißt dich aus deinen beschaulichen Gedanken und am Stand der Sonn« wirst du gewahr. daß es Mtttag ist und du stundenlang gebonselt host, ohne e» zu wissen. Gesunder Hunger treibt dich heim, doch schon freust du dich wieder auf den nächsten Morgen und seine helmlichen Wunder in Blumen und Gros. Vielleicht holst du dir zur Siesta nach dem Essen die Bücher des Weltmeisters deines neuen Sports, des Waldemar Bonfels, die dir für den nächsten Morgen noch weit bessere Anweisungen zum bonseln gibt. Du mußt in deinen Ferien bonseln, sehr viel bonseln, dann kommen dir von Tag zu Tag neue, erfrischende Lebensweisheiten. und du ssehst die Welt mit viel helleren, froheren Augen an. Einige Wochen im Jahr täglich drei Stunden hingebend bonseln, dann gewinnst du die Oberhand über Unrast und Rervosttät, über Neid, Zank, Streit und böses Tun. dann wirst du ein rechter Lebens- künsller, wie es die Tier« schon immer sind. „Nachtlokal." Kammerlichtspiele. Bei der Schilderung eines Doppellebens ergeben sich die dramatisch zu verwertenden Konflikte fast van ielbst. Darum de- nutzte man auch mal wieder den nicht neuen Gedanken, die Be- sitzerin eines berüchtigten Nachtlokal» als reiche Frau ein bürger- liches Scheinleben führen zu lassen. Dies« Frau kämpft als Mutter um ein« bürgerliche Existenz für ihr« nichts ahnend« Tochter. Nach dem Tode der Mutter, verlobt die holde Unschuld sich dann auch mit einem jungen Arzt, und olle die Zuschauer, die ein Glück in satter Bürgerlichkeit sehen, sind hoch beglückt. Alle anderen aber, für die eine gute Partie keine Lösung aller Schwierigkeiten ist, möchten die Problem« eines Doppellebens natürlich anders behandelt und die Konflikte anders entwirrt wissen. Max N e u f e l d, der vorzüglich unterstützt wird durch den Photographen Willi H a m e i st e r, versteht es. Evelyn Holt recht gut herauszustellen. Sie ist zierlich, hat anmutige Bewegungen und photographisch ein hervorragend gut geeignetes Gesicht. Es gelingt ihr, rührend zu wirken, ohne kitschig zu sein. Erna M o r« n a ist die raffiniert elegant gekleidete Frau. Sie gibt Modedamen Unter- richt darin, wie man sich seinem Typ gemäß kleidet. Man kann sich vorstellen, daß in Paris, wo vielfach der Film als rein« Ange- legenhett der Damenkonfektion betrachtet wird, die Toiletten der Erna Morena erhebliches Luffehen machen würden. Iris Arlan und Fred D ö d e r l« i n gefallen in ihren kleinen Rollen als Der- lreter einer sorglosen Jugend. Max Neuseld füllt, wie bei seinen Kollegen üblich, erfreulicherweise den Film nicht unnötig mit den sattsam bekannten Schilderungen des Barleben». Jedoch kann er es auch nicht unterlassen, Im Luxus zu schwärmen, ein« üble Marotte. die nicht, mit wahrer Filmkunst zu tun hat.«. b. Victor Aergers Zustand sehr britisch. Rem York, 27. Juli. Der Zustand des Sozialistensührers Victor- Berg er, der Mitte Juli in Mttwaukee von einer Straßenbahn überfahren und schwer verletzt worden, ist äußerst kritisch. Oer erste Lehrstuhl für Vervrecherwissenfchast. Auf Anregung der luristischen Fakuttät ist an der Universstät zu Berlin der erst» Lehrstuhl für Derbrecherwisseirschost errichtet worden, d. h. für Erforschung aller derjenigen Fragen, die in anthro» pologischer, psychologischer und sozialer Hinsicht für die Entstehung der Verbrechen Bedeutung haben. Diesen neuartigen Lehraustrog hat der Nervenarzt Professor Dr. Karl Birnbaum erhalten, der sich besonders mit der Psychopathologie des Verbrechens besaßt und in praktischen und theoretischen Forschungen aller Art diesen, bedeutsamen Problem näherzukommen versucht hat. Schon jetzt splett der medizinische Sachverständige beim Prozeß eine erheblich« Nolle, und auch das Gesetz kennt Strafmilderung», und Strafaus- schließungegründe. die ssch au» der seelischen und geistigen Verfassung des Verbrechers ergeben. Die Bedeutung de» neuen Lehrstuhls besteht aber in erster Reihe darin, die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Kriminalpsychopathnlogie zu erweitern und zu ver- tiefen, denn auch die Wissenschaft befindet ssch erst in den Anfangs- gründen dieser Forschung. Die" Abgründe der Verbrechers««!« sind noch In großes Dunkel gehüllt. Das Ziel besteht darin, die körperlich-feelifch« Beschaffen- heii eines Menschen kennenzulernen, der zu Derbrechen neigt und die Entwicklung dieser Eigenschaften aus Vererbung. Krankhetten und so weiter zu erkennen. Di« Lehre von der Sriminalanthro- pologie. d. h. von der körperlichen und geistigen Eigenart der ver- brecher ist schon uralt. Wir finden ihr« Anfangsgründe bereit» bei den alten griechischen Philosophen. Bis zur modernen Zeit stützte sse ssch auf unkontrollierbare Anschauungen, und erst die modern« Anthropologie, insbesondere die Schädellehre, ermöglichte exakte wissenschaftliche Forschungen. Sie fanden ihren Niederschlag In der Schule des italienischen Nervenarztes Lombrofo, der auf Grund von Messungen der Schädelbildungen und Gehirnentwicklung zu der Aus- stellung eines sogenannten Berbrechertypus kam. Diese Lehr« ist jetzt völlig aufgegeben. Erst in jüngste, Zeit hat das verbreitete Wort:„Sieht so ein Verbrecher aus?" aufs neu« bewiesen, daß jemand ein schwerer Verbrecher sein und wie ein harmloser onstän- diger Mensch aussehen kann. Trotzdem sind die Forschungen Lombrosos nicht ohne Bedeutung für die Entwicklung der modernen Kriminalpsychologi« gewesen, denn Lombrofo war der erst«, der auf die vererbte Entartung des Verbrechers und auf den Einfluß der sozialen Verhält- nisse hinwies. Die Erfahrung hat gelehrt, daß ein großer Teil der Verbrecher sich aus Psychopathen zusammensetzt, deren Erfor- schung sehr wichtiges Material für die wissenschaftliche Beurteilung des Verbrechens lieferte. Es ist zu erwarten, daß mit der Errichtung eines Lehrstuhls für Kriminalpsychologie, durch den«in Mittelpunkt für dieses große Wissensgebiet geschaffen wird, auch der Entwicklung der Rechtswissenschaft gedient wird. Gin türkisches Theatergastspie». Der türkische Schauspieldirektor Burhan ed-Din Bey wird mit seiner Theatertruppe, dl« In den Wintermonoten in Kairo gastiert hat, zu einem auf 14 Tage berechneten Gastspiel für Mitte August in Berlin eintreffen. Durhan ed-Din Bey ist der vorkampser für die Begründung eine» türkischen Rationallheoters und Hot' im vorigen Jahr« Schiller»„Räuber" und Sudermann«„Ehre", für die türkisch« Bühne bearbeitet, in Konstantinopel herausgebracht. Das türkische Gastspiel wird die Haremstomödi«„Dle Entschleierte" aufführen sowie«in größere» pantomimisches Ballett„Rächte am Bosporus". Rückgang im Sefchäst der Gommertheater. Nach den bei der Abrechnungsstelle de» verband«, Deutscher Bühnenautoren eingegangenen Tantiemeschätzungen ist für die Sommersaison der Theater mtt einem empfindlichen Rückgang de» Geschäft» zu rechnen. Die» betrifft in erster Reih« die groß- städtischen Theater und darin besonder» Berlin wo zweifello, die Nachwirkungen der Im ganzen ziemlich verunglückten Feftspieljaison sich auch für die Sommerdirektionen der Theater zeigen. An und für flch� ist ja die Zahl der offenhaltenden Berliner Theater weit geringer als Im Vorjahre. Aber auch die großen Kurcheater klagen über geringen Besuch. Hiersllr mag nicht zuletzt die Konkurrenz ov Kino»nd Kabarett mit maßgebend sein. »Musik für Liebhaber." Die Deutsche Kammermusik Baden-Baden hat die Versuche von einem halben Dutzend junger Komponisten zur Dis- kuffion gestellt, die in erster Linie bezwecken, den Bedürfnissen der Musskliebhaber an leicht ausführbaren Kompositionen nachzukommen. Alle Werke wurden deshalb auch von Amatcurmusikern aus Baden- Baden selbst und Stuttgart zu Gehör gebracht mit unverkennbarem Eifer. Der Gedanke, zum Schaffen neuer Werke anzuregen, die nicht für' Konzertpodium, sondern für Schul«, Haus und Verein- orchester gedacht sind, oerdient natürlich jede Förderung La» pragr-«« der Staatliche» Schauspiele. An llutzührung«., siu vorgeleben im Schaulpielhau« am<»«ndar«e»»>arln .Hans im Schnalenloch' von Ren4 Tchickele, Schiller«.Dsn Carla«' lNeueinstudlenmii). Cbatetpeare«.Komödie der Irrungen' zni immen mit Äolitre«.Fliegendem Slrzt». Soxei-Komödie von Ferdinand Rehher. Im Z ch 1 1 1 e r l b« a t« r: ,�X2= 5" von Mustao Wied. Wetekind«.Srd.eist", tlnzengriider».vierte» M-bot". Schiller«.Kadale und Liebe' und eine Berliner Posse. Ferner.De« Kaiier» Soldaien" von Hermann Elsig, ein Wert von Bert Brecht..OIfi,iere" von Fritz vo» Unrub. ein Sbatriveare- Werk heroischen llharatter«,.Narzii," von Brachvogel in neuer Bearbeitung und.Liebe aul dem Lande" lin der Bearbeitung von Klabund». Für da» Studio find vier Werke junger Autoren In AuSsich! genommen: al» erst-e .ii'.n Held unler er Tage" von Vantoch. Hiersür sollen Schauspielschüler de Slaailtchen Schauspielschule herangezagen werden. Schrei aus Hinterpommern. Ltngebrochene Lunkertmlltür. Aan schreibt uns: Aeußerlich ein behagliches Bild: braune, spielende Menschen am strande; Fischer, denen die Flundern beim Verkauf fast aus den Händen gerissen werden; Bauern, denen das Korn gelb und schwer zur Ernte reift. Trügerischer Schein. Die Stadtleute berechnen heimlich, daß sie bei diesen Preisen nur drei Wochen bleiben können; Fischer und Bauern sind von Sorgen gedrückt. Noch mehr im Druck sind die Inhaber von Pensionen und Wirtschaften oller Art, denen zwei Monate im wesentlichen den Iahresoerdienst schassen sollen. Hinter diesem bunten Treüben steht als Großmacht im Hinter- gründe das ungebrochene Junkertum. Ansang der fünfziger Jahre enteignete der Großgrundbesitz mit Hilfe des ihm blindlmgs willfährigen Staatsapparates das Küstenland, nahm es den kleinen Bauern fort(ihre.�iitung"), da sie es nicht zweckmäßig zu bewirt- fchaften verständen, ussd schlug es dem eigenen großen Besitz zur Betreuung auf 73 Jahre zu. Der Termin ist abgelaufen, in einigen Fällen haben die Bauern mit Erfolg geklagt, meistens haben sie nicht den Mut und die Kraft dazu. Jenes trotzige Bauerngeschlecht der alten Tage ist nicht mehr: der Bauer Schmidt aus Pustchow führte 30 Jahr« seinen Prozeß gegen den Fiskus; der Herr von Elbe fuhr mit Vieren nach Stargard zum Gericht, der Bauer Schmidt wanderte zu Fuß hin und her, immer wieder, um schließlich doch zu unterliegen. Aber wieviel ehrenvoller diese Nieder- läge als der Verzicht auf ein gutes Recht von seilen der Gemeinde in einer Zeit, wo sie durchdringen könnte. Der kleine Dauern» und Besitzerstand ist moralisch gebrochen, der Junker regiert mehr denn je. Manche Junker verkehren nur mit Menschen, die im Stahlhelm sind, folglich ist das ganze Dorf im Stahlhelm organisiert, wählt allerdings zu 60 Proz. sozialdemokratisch. Die Regierung verlangt die Beflaggung mit den Reichsfarben am 11. August. Die Schuloorstände lehnen glatt die Beschaffung einer Fahne ab. In Karnitz, wo der Pastor und der Schwiegersohn-Pastor bei der Verlobungsanzeige alle militärischen Würden angeben müsicn, my für voll angesehen zu werden, wird die Besorgung der Reichsfahnc vom Schulvorstand glatt abgelehnt: in Poberow gleicher Beschluß: höhnisch fügt ein Mitglied hinzu, eine schwarzweißrote würde er sofort stiften. In Hofs, wo Herr von Koeller, Mitglied des Staatsrates, von 13 Stimmen allein 11 Stimmen repräsentiert, wird eine dilatorische Politik der Ver- tagung geübt— und die Regierung sieht mit verschränkten Armen diesem Schauspiel der Sabotage zu, als ob die Schuloorstände Filialoereine des Stahlhelm wären. Und die Geistlichkeit sekundiert dem Stahlhelm uird hat die Lehrer immer noch als.L a n t o r e n" in der Hand— wann trennt der Herr Kultusmini st er diese beiden Funktionen? Herr von B o n i n auf Dresow, der den Küstenbauern ihr Land vorenthält, ist so in der Lage(well die Junker ja jede Willkür üben dürfen), den Wald st reifen zwischen Dorf und Strand nach Belieben zu sperren oder gnädigst auf Zeit zum Tell freizugeben. Hier müßte sehr ernsthaft an Enteignung eines Küstenstreifens von etw? 200 Meter gedacht werden, schon um die böse Bodenspekulation lahm zu legen. Zurzeit werden bereits in abgelegenen Winkeln 3000 M. für den Morgen gefordert und be- zahlte Schreibt da eine Gruppe von Schülern an höheren Schulen, die ein B i b e l k r ä n z ch e n bilden, an Herrn von Bonin, ob sie im Walde(in dem Gebiet, das den Bauern weggenommen wurde) lagern und Holz sammeln dürften. Glatte Absage: das Holz sei zur Humusbildung nötig! Und das ist doch eine Gruppe von jungen Menschen, die Herrn von Bonin nahesteht: erbittert sprechen sie von dieser Art, Heimatliebe zu pflegen. Den jungen Menschen, die im Walde spielen, begegnet der Herr Rechnungsführer des Herrn von Bonin. Stolz trägt er die Flinte. Mehrfach bedroht er die jungen Leute: Wenn Sie ober Feuer machen, schieße ich! Der Herr ist aus Bayern und hat sich leicht dem hinterpommerschen Geist angepaßt. Der Förster droht öffentlich, Badegäste, die Kienäppel sammeln, mit der Hundepeitsche abzustrafen, er hätte sich eine neue extra besorgt. Kinder, die Walderdbeeren pflücken, werden angeherrscht, sie stehen zu lassen. Der Förster nimmt sie dann selber mit. Und in den Dünen bau: sich Herr von Bonin stolz eine Badebude, geschmückt mst den schwarzweißroten Farben, während das sonstige Publikum die Dünen schonen und nicht betreten soll. Und in das Horn des Herrn tuten seine Angestellten. Badegäste, die ihre republikanische Gesinnung zeigen(schwarzratgold ist bei den meisten tatjächlich so viel wie Kommunismus!), werden in albernster Weise verdächtigt, ihre Strandburgen werden von der Dorfjugend zertrampelt, die Fahnenstange zerbrochen— so läuft die Welle knechtischen Geistes vom Herren herunter bis zum letzten Tagelöhner. Wer auf- muckt, fliegt. Dieser mittelalterliche Junkergeist, rings um Groß-Justin, wo der Schwiegersohn des Herrn Reichspräsidenten Hof hielt, muh endlich gebrochen werden. Organisation der Landorbeiter, Organi- scrtion des mittleren und kleinen Bauernstandes, Zerschlagung der großen Güter— olles würde aufleben, wirtschaftlich, kulturell, moralisch, wenn diese Großmacht im Hintergrunde, deren Kraft ja vorwiegend in der Zagheit und wirtschaftlichen Schwäche der Leute besteht, gebrochen würde. Ziber schwarzweißrote Fahnen wehen in Horst, in Rewahl, in Hoff, in Poberow am Strande; das Lokal- Anzeiger-Publikum, das sich von königlichen Hofopcrnsängern unter- halten läßt, ist die Leibgavd« der Junker und wetteifert, seine Untertanengesinnung zur Schau zu stellen In Rewahl wurden in einer Nacht alle fchtvarzrotgoldnen Fahnen zerfetzt. Der Herr Amtsvorsteher ist nicht„zuständig", der Herr Landrat in Greifen- bcrg ist ja auch ein Junker. Aehnlich werden die österreichischen Studenten im Lüchenthincr Ferienlager mit ihren und den schwarz- w e i ß r o t e n Farben empfangen, und der Herr Oandrat begrüßt sie offiziell. Welch ein seines Taktgefühl: welche behördliche Charaktereigenschaft sprechen sich hierin aus! Es gibt auch in Hinterpommern eine Menge Menschen, die aufrechter Gesinnung sind: sie leiden sogar unter Terror dieser Nachfahren der alten Raubritter. Im Kösüner Gebiet soll es etwas besser sein, aber hier im Eck der großen Junker ist s zum Verzweifeln. Minister, werde hart! Reichsbahn-Karabiner für Stahlhelm Ein Mißbrauch Ser Oienstwaffen. Am 9. Dezember 1928 erschien zu einer Beerdigung in Peis» kretscham in Oberschlesien eine Gruppe des„Stahlhelms" mit ge- schulterten Karabinern, um für den Verstorbenen eine Ehrensalve abzuschießen. Hierbei war festzustellen, daß die Stahlhelmgruppe aus Bahnschutzleuten(also Reichsbahnbeamten) der Station Peis- kretscham bestand. Es handelte sich nicht etwa um alte Gewehr«, Modell 71, sondern um Karabiner neuesten Kalibers. Wegen dieser Vorkommnisse wurde die Republikanische Be- schwerdestelle in Berlin bei dem Oberpräsidenten und dem Re- gierungspräsidenten in Oppeln vorstellig und erhielt nunmehr am 19. Juli 1929 folgenden abschließenden Bescheid: „Die Verhandlungen, die ich sowohl mit der Hauptverwaltung der Deutschen Rsichsbahnqesellsck�ist, als auch mit dem Bahnschutz- dezernenten der hiesigen Reichsbahndirektion gepflogen habe, hoben ergeben, daß die Reichsbahn berechtigt ist, die fraglichen Karabiner zu besitzen. Es ist jedoch seitens der Retchsbahndirektion zu- gegeben worden, daß mit diesen Karabinern auf keinen Fall eine Ehrensalve hätte abgegeben werden dürfen. Der dafür ver- antwortliche Reichsbahnossistent ist deshalb auch disziplinarisch bestraft worden. Im übrigen hat die Untersuchung ergeben, daß eine strafbare Handlung, insbesondere eine solche nach dem Schuß- waffengesetz, nicht in Frag« kommt. I. D.: gez. Dr. Grätz." Es ist dringend zu fordern, daß ein derartiger Mißbrauch der Dienftwaffen nicht wieder erfolgt. Wetter für Verlia: Ziemlich heiter und am Tage mäßig warm bei meist schwacher Luftbewegung aus Nordwest bis Nord.— Für Deutschland: Im Norden wenig Aenderung. Im Süden allmähliche Besserung. Theater der Woche. Vom 26. Juli bis 5. August. Volksbühne. Xtpaia«» Bülowvlatz! Bis 31. Berlin, wie es weint und labt. Theater mit festem Spielplan: Deutsche» Theater: Die ffledermaus.— ttemödieahau»: Theater de, Westen«: Friederike.— Lnstspielhan«: Du wirst mich heiraten.—, Metropsl-Theater: Blauhart.—«loa«,«intergaete», Seat»:~ H-ch�.careil«.— mich heiraten.— Intcrnationalc» Bariet«. Thealer mit wechselndem Spielplan. Di« Samedie: Bi» 31. Reporter. Ab 1. greudize, Sreipni«.— Aase- Theater: Vi- 31. Olaf,«b I. Zlwölftousend.«artenbsthn«: Bi, t. Sriif'.n Mari». Ab ö. Bis frilh um fünf«.- Reichobatleu-Theater: Bi» 3t. Gastspiel Drecdner Viktoria-Sänger Ah L Eteitiner Sänger.— Theater am ttattbuffer Tor: Bis 31. Gastspiel Leipziger lsrih-Webcr-Sänscr. Ab 1. GlUe-Gänger. Ilachmittagsvorstellungen. Theater de, Westens: 23., 4. ssriederike.— Metropol-Theater: 28.. 8. Blaubart.— Siose-Theater, Gartenbnbne: 28. bis 4. Konzert und Bunter Tetl. S. Rheinisches Winzersest.— Plaza: Internationales Variete.— Wintergarten. Scala: 28., 4., ö. Zntcrnaiionales Variete. Erstaufführungen der Woche. D»n«er»tag. Komödie: freudiges Greign'.s.— R»s«-Th«ater: gwölfiausenh.— Montag. Rose-Theater, Gartenbühne: Bi« früh um fünfe. Soooabeock. 27..lull. Berlin. 16,00 Dr. S. RatrWeuicr:„Ludwig rtuerbaeh"(am 12S. Oebnrtstsg»rn 28. Juli). 16.30 San.-Rat Dr. Franlc Medirinlsch-hyrieniscbe Plauderei. 17.00 Roellinghoff liest eigene Humoresken. 17.30 Unterhaltungsmusik. AnsohlieSend Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 19.00 Dr. W. Pohl: Sozialpolitische Umschau. 19.30 Ministerialdirektor Richter: Reformen NN Hochsehulweien". 20.00 Heiteres Wochenende. Nach den Abendmeldungcn bis 9.30: Esplanadc: Tanzmusik. Wlhrerd der Pause: Bildfunk. KSnlgswusterbanseii. 16.00 Aas der Rundfunk- Abteilung des Zenlralinstituts. 16.30 Oberpostrat Dr. Schwellenbacb: Der Berufsgeist des deutschen Beamten: tums. 17.00 NaciunilUgskonrert von Hambarg. 18.00 Q. Krolzig:„Was machen wir mit unserer Freizeit? 18.30 Hauptmann a. D. Steinhardt; Humor aus kolonialer FrSbzeit. 18.58 Richard Stahl; Deutsche Meister der Karikatur. 19.20 Dr. Ludwig Herr; Tbeatererinnernngen eines alten Mannes. Sonntag, 28. Juli Berlin. 6.00 Fanksymnastik, 6.30 Frühkonrcrt. 8.55 Stundcnglockenspiel der Potsdamer Oarnisonkirchc. Morgenfeier. Anschließend Glockengeläut des Berliner Doms. 10.00 WelUrvorbcrsas:c. 11.00 Für den Laadwirt. 12.00 Unterhaltun�musik. 14.00 Kamera, Unter den Lindeq: Unterhalhmtsmusik auf der Worlitrer OrgoU 14.30 Landskacchtslicder.- v- 15.30 Märchen(erzählt von Anla Simon). 16.00 Luiapark: Könrert. 18.30 Berühmte Geiger(Schallplattcnkontcrt). 19.00..Das Streichquartett", Einakter von Sröke Szakall. 19.30 Berühmte Cellisten(Schallplattcnkonrert). 20.00 Orchesterkonzert. I Dvorak: Sinfonie..Aus der neuen Welt". 2. Weber? OnwrtSre zu..Obcron". 3. Gretry-Mottl: Ballcttsuitc. 4. Arensky: Variationen über ein Thema von Tschaikowskl. 5. Chausson: Pofcme, op. 25(Anatol Knoirc, Violine). 6. Tschaikowsky; Ouvertüre zu„1812"« (Alexander Michael Szenkar mit seinem Orchester.) Anschließend Zeit, Wetter, Tagesnachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Während der Pause Bildfunk. • Köoigswastcrhauscn. 18.30 Franz Fischer: Der Herr der Kammer(Jean Jaurds) von Theodor Hertf (zum Gedächtnis Theodor Hezls). 18.55 Vom Lande Utopla(Dr. Hermanns, Einführung; Gerd Fricke, Rezitation). 1. Plato:„Der Staat". 2. Thomas Morus:..Utopia". 3. Francis Bacon: ..Ncu-Atlantis". 4. Campanclla:..Der Sonneostaat".. 19.35 Erdmann Graeser: Wie sich die Berliner vor 50 Jahren vergnügten. �eranttnortl.*Uc die Redaktion: Selfgang Schwarz. Berlin: Anaeiaen: Tb. SloSe, Berlin Verlag: Vorwärts Verlag G. m b H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße S. Sierau l Beilage. � Tkealet, Lidtispiele usw.| 8 Uhr Barb. 9256 Borrah Minevitsch's Elf amsrikan'sche Vagabunden osw. Sonnabend u. Sonntag Je 2 Vorstellungen S*1 u. 8 Uhr. 3* ermlBigte Preise Tägl.» u. S15 Sonnt. 2. Sn 8" -- Alan. 8066 i INTERNAT. VARIETE Rose- Theater. Grobe Frankt nrter Sir, 192. Auf der Gartenbohne Tiglich 5.30 Uhr 9großeVaiMnommerD und Gräfin Mahza. . m innenttieater raglicfa 9,19 Uhr B.AF" Tragödie eines Sportlers VonuMUme rsiitir inBUloviilali BVt Uhr Benin, wie es weint u. lacht WM Theater D.I. 8U.. Norden 12310 Ende gegen 11 Die Fledermsas Musik v.Joh. Strauß Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E- W. Korngold. Ausstattg L. Kainer Netropoi-rti. Tägl.»Vi Uhr Sonntags 4 u. 81/. ülaabart Operette »on Offenbaci Kammersänge: Miller ilrebboli Tbeai. c. Wes'ciu Täglich 8i/. Uht Sonntag 4 u. 8*< rranz Lehar» Wcltcrfolil Fncdfrihc Ilse Muth Willy Thums. Telephon Steinplau 6931 u. 5121 Die Komödie J1 Bismck.2414/7S16 SV«, Ende geg. lO�U Zum 50. Male: Reporter 3 Akte v. Ben Hechi und Mac Arthur Regie; HglU Hllport Donnerstag. 1. Aug. Zum I. Male: Freudiges fereignis Lustspiel von Floyd Dell u. Th. Mitchell LuslspielhaDS Täglich S'z Uhi Du wlrs> mich heiraienl Rundfunkhöret halbe Preise. dett Jkkühmk Täm-Jiaffez uTfaSmeitr STEINMEIE» FRIEDRICHSTRASSE 96 AM BAHNHOF' ecichshalien-Theater 3] Uhr. Gaslspiel der beilebte: , Dresdner Vikioria-Sänoer »I• iMir. 3814•»aiidiei erlan» Wunderknab. Coach« and weitere Vaneti. Neuheiten ionnabend und Senntar Je 2 Vorstellungen "* und Uhr.« kleine Preise Neues; inzendes Programm. Billettbesiell. Zentr 112 63 I.Aug.: Wiederaus raten der Ssetlln.r Sänter önhot»- Srett Variet« t Tanz Orchester Adolf Recker Sommer-Garten-Theater Berliner Prater . 38. Kast,-Allee 7-9. Tel. Hb. 22« ssisoiti oittti Daai, erctai uiie ZareevMscla Operene von Franz Lebii tazn der grohe Veriet6iei nfang Konzert 4250. Burleske u Varict«« ill». Optretlt 8.50. edsn Donnmino oroBsr Volhstao. Jed. Mittw RiBderlesi«. Terlosiao ie»etMeeemeM»Mi BarnrnkHllliiieii Komddianhaua Norden 6304 Täglich 8'f, Uhr Hodtzellsreite TBtiLamKgtn.rar tKottb.Str-6 Bis 31. Juli Tägl.«Uhr Gastspiel 4ar I Orlglul Lalpzlgar Fritx- Wabar» Sdngar alt Ana Irtelli dM» neuen Programm Pianeiarlnm am Zoo r«ril»i'»t4;»ntkile tr,»- B. 6 Barbarossa 5578. 161/« Uhr Sterns Uder na« Sommert V', Uhr Der Qlattall der Sann« 20';.U Von Pel»Pel sm Sternenhimmel Tägl.auBer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk., Kinder 50 Pf. Mittw.; Erwachsene W PI. Kinder 25 Pf nniüiiniiitiiiiiiiiiiiiiiiimiH aaitlongs-.Raball- «.Reklafflemarken regen Nachahmung gesetzt, gesch. 'ertigt seit 48 J«hi als Spezialität GroBiDfilielfalirikl Für Möbelsuchande besondere Gelegenheit— Vorüber- gebend an PriTat verkauft zu Sttustlsen PrelEent Speise-, Herren- a. i i Scblafzimmer in erstklassigen Holz- und Stilarten- Hervorragende Werkstattarbeit 5 Jahre Garantie. Auf Wunsch auch Zahiungs- crleicbicrung.— Anfragen erbeten unter Chiffre ,,H444 an Aiiaciiean• Eipaditioa ISw 4 Stalnar, Berlin W 8, JÄarerntr.«Jtn. OOOOOOOOOOWOOOOOOOOO LJUER6EN5 alexan.der platz Naua Könl«>strassa 43. 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In unserem selbsterbauten Theater und im Turnsaal, in den Kampschulen und im Maleratelier, in allen Gebäuden die wir Vergessenen, Verlorenen, Zermürbten zu unserer noch möglichen Zerstreuung geschaffen hatten, logen Kranke. Kranke zwischen Sterbenden und noch Gesunden. Vor den Küchen, wo wir mit unseren armseligen Blechtöpfen in Reihen anmarschiert kamen, brachen viel« unfreiwillig« Urwald- kamper zusammen und spien ihr Blut. Di«„Trasosmontes" war umgekehrt, war zurückgeschickt worden. Auch an Bord war die „Flu" ausgebrochen, die verheerende Seuche, die am End« des vierten Kriegsjahres über das Gefangenenlager im australischen Urwald wie«in Pesthouch gefegt kam. Heute nachmittag waren sie gesenkten Hauptes zurückgekommen, die da gehofft hatten, bald die Heimat zu sehen. Um sich hier am Ende der Welt, fernab von allem. woran ihr Herz hing, begraben zu lassen. Die unvermutet zurück- gekehrten„Emden"-Leute lagen fröstelnd in ofsenen Baracken. Dies war der traurigste Tag der Gefangenschaft, der hoffnungsloseste, der unerträglichste. Einzig bei uns sieben im Atelier waren noch die Lebensgeister wach. Dubozkq. der lustige Münchener Kampphotograph, der auf dem ersten Transportdampfer heimgesandt worden war, hatte uns ja sein Atelier unter der Bedingung vermacht, daß wir, sein« Erben, komme was wolle, den Mut nicht sinken lassen würden. Wir hatten die Strafe der Ausschließung darauf gesetzt, in unserem Atelier Trübsal zu blasen. Und wir hatten uns tapfer gehalten bisher. Wer schleicht öa Hera«? ie Uhr war zwölf, das Kamp in Dunkel getaucht. Fünf- � tausend Menschen, Deutsch«, Oesterreicher, Ungarn, Kroaten, Bul- garen, eine bunt zusammengewürfelte, aus allen Ecken und Cyden der Südsee hergeholte Menge log draußen in endlosen Reihen, zu» sammengepfercht, schlafend, sterbend, stöhnend. Aber wir sieben Auserlesenen harrten noch auf Besuch. Seit langer Zeit schmuggelte ein australischer Wachsoldat die Medizin gegen so manches, di« einzig unfehlbare Influenzamedizin, den ver- botenen Whisky, in unser Atelier, der im ßpital erst verabreicht wurde, wenn es zu spät war. Seit drei Tagen hatte sich jedoch der Soldat nicht blicken lassen. Es war auch d�> m i t zu Ende. Und man hatte uns erzählt, auch auf dem ersten Transport- dampfer sei die„Flu" ausgebrochen und unter den vielen, di« man schließlich uneingenäht und-beschwert über Bord geworfen, befände sich auch Dubozky. Diesen Nachmittag war überdies der Wiener Tänzer Stephan gestorben, der tapfer noch vom Gefangenenlager seine Familie erhalten hatte, und wir mußten seine Effekten packen und statt seiner in die Heimat schicken. Zehn Kroaten waren in den letzten Tagen gestorben: ihren Nachlaß, die Früchte jahrelanger Arbeit, im Ledergürtel um den Leib geschnürt, und von Leichen- fledderern geraubt. Heut« packte auch uns das Grauen, das di« Menschen wehrlos macht. Uns schien es, als schliche diese Nacht ein achter bei uns ein. Ein ungebetener Gast. Ein Eindringling. Der Tod. Der preist für ö,n Fusel plötzlich hörten wir ein Geräusch. Pipal, unser Diener, der„Back- r schastler", der im Atelier das Regiment führte, zog«inen Korken und hielt eine Schnapsflasche an die tief herabgedreht« Petroleumlampe. Nach dem Fuselgeruch zu urteilen, der ihr«nt- strömte, war es ein letzter Rest des verbotcnzn und schon sehr rar gewordenen Kampschnapses: Marke Stächcldraht. Ein übler Fusel. Aber ohne Zweifel konnte ein Schluck auch noch so schlechten Alkohols dem Berzweiselnden, der kein« Kraft mehr besaß, sich gegen Krankheitskeime zu wehren, das Leben retten. Wir schnupperten. Aber es war nur mehr e i n Schluck in der Flasche. Die Lagerbehörden hatten die letzten geHelmen Brennereien ausspioniert. Die armseligen Schnapsvorräte waren beschlagnahmt worden. Die„Fabrikanten" ins Gefängnis gewandert. Die Gc- fangenen gesangengesetzt. Jetzt handelte es sich darum: wer sollte den letzten rettenden Schluck Fusel bekommen? Das bestimmte Pipal, unser Vcckschafter. Er machte einen letzten Versuch, die Stimmung zu heben, in dieser grauenvollen, der schrecklichsten und vielleicht für unser Schicksal entscheidenden Nacht. Er schlug vor, das Gruseln durch Gruseln zu überwinden. Das wird oft in kritischen Momenten versucht und erreicht. Derjenige von uns sollte den Schluck Schnaps erhalten, sagt« er,, der das haarsträubendste Erlebnis zu erzählen wisse. Der. dem es gelänge, die Gegenwart durch noch schrecklichere Reminiszenzen zu ver- scheuchen. Die Lethargie war gebrochen. Der Geist beschäftigt. Wir sannen«in jeder nach Was hotten wir erlebt, daß es in diesem Abcnteurerkamp von Goldwäschern, Seefahrern, Gummigräbern, Paradiesoogeljägern, Tropenpsionzern, Landstreichern, Strolchen und ehrMchen Leuten mit gleich abenteuerlichen Lebensläufen, daß «s in einem solchen Milieu Eindruck machen könne. Der Gefpensterwatb Am äußersten Südwesten von Tasmanien(begann ich) liegt der ** Gespensterwald. Das ist kein Wald, in dem Gespenster umgehen, das ist ein Wald, der aus Gespenstern besteht. Jeder Baum ist in Form und Erscheinung«ine angewurzelte mensch«nähnliche Geister- erscheinung, die sich gespensterhaft bewegt. Die Bäume, abgestorben. saftlos, und doch noch ihr irdisches Dasein behauptend, werden in einer Siurmnacht unheimlich lebendig und schlenkern drohend ihre Arm«. Unablässig knattert es von fallenden Zweigen wie Maschinen- gewchrfeucr. Der Wind pfeift dazwischen, und di« toten Stämme ächzen und stöhnen. Es hatte den ganzen Tag wie aus Eimern gegossen. In jener Nacht hatte der Sturm die Wolken zersetzt. Mein Gaul, durch fallendes Holz verletzt, lief lahm. Mitten im Gespenster- wald hielt ich inne. Konnte nicht weiter. Um wenigstens dem Hagelschauer dürrer Zweige zu entgehen, versuchte ich, ein Segel zu spannen. Die Nacht war eisig kalt. Das Mondlicht fiel wie grüner Phosphor auf die weißen, nassen Bäume. Meine Hände und Füße erstarrten. Ich versuchte, in einem hohlen Baum ein Feuer zu entfachen. Gewärmt, fast gefröstelt, setzte ich mich unters Zeltdach. Ich weiß nicht, wie es kam, daß ich einschlief. Ein furcht- barer Krach weckte mich. Der Baum, in dem ich Feuer gemocht, war geborsten, mitten entzweigespalten, und leuchtet« wie ein« ungeheure Totensackel in die bleiche Nacht. Die brennende Hälfte wippte. Rasch sprang ich beiseite. Ein zweiter Krach. Zehn Schritt vor mir hat der Baum mein Pferd erschlagen. Tausend rote Käfer ziehen durch die fahle Nacht. Ich fliehe durch den Gespenster- wald, vom Winde getrieben; ich habe Angst, nicht vor dem Spuk, sondern vor dem Feuer, das ich entfache und das alles verschlingen wird, den Wald und mich und die Welt. Der Zug der Skelette Ach hatte kaum geendet, da meldete sich der Overländer zu Worte. ** Ein stämmiger Deutschaustralier mit gebrannter Lederhaut und den blutleeren Lippen des Wanderers in der Sonne. Der Neid seiner Konkurrenten hatte ihn ins Lager gebracht. „Wißt ihr, was es heißt," sagt« er,„eine von Hunger und Durst gequälte tausendköpfige Viehherde über Land zu treiben, viele hundert Mellen durch unbekanntes, unbarmherzig dürres, wasier- loses Land, Wochen und Wochen, unter der sengenden Sonne, dem zitternden Kupferhimmel? Der W«g, den wir zurückgelegt hatten, war ein Band von ver- wesenden Kadavern. Alle Augenblicke brach ein Tier zusammen. Die Zungen hingen heraus. Die Rippen lagen bloß. Die Augen traten wie Kugeln aus den Höhlen. Um ein dürres Grasbüschel, ein paar Tropfen stinkenden Wassers, quetschten die Tiere einander zu Tode.- Wir kamen aus einer Wüste: aber vor uns lag Aergeres als ein« Wüstenei, die Spinifexgegend. Stachelgras, das kein Tier fresien kann, das die müden Beine wie mit grünen Sicheln zer» schneidet. Ich zog das Leichenland nach Süden. Werde ich ein Drittel der Herde zur Küste bringen? Nach einer zweiten Leidenswoche entdecke ich eine Fährte. Ich kreuze den Weg einer anderen Hungerherde. Der Weg ist mit Skeletten bestreut, di« in der Sonne bleichen. Unzählige Toten- schädel liegen umher und grinsen uns an. Soweit man sieht, regiert der Tod. Vor uns liegt grauenhaste Unendlichkeit, hinter uns eine Welt von Gebeinen. Immer tiefer neigen sich die Köpfe der Lebenden zu den Gebeinen der Toten auf der Erde. Mehr und mehr Vieh bricht zusammen. Ich hatte noch«in Viertel der Herde, als eines Morgens der Sonnenball nicht ausging. Der Himmel war bleiern. Mittags fiel balsamischer Regen. Menschen und Tier« atmeten aus.. Wie durch einen Zauberspruch grünte di« Natur. Das matte Vieh grast« und labte sich im strömenden Regen. Es goß immerzu, diesen Tag, den nächsten und noch zweie. Jetzt stand das Wasser höher als das Gras.. Ich änderte die Richtung. Meilenweit war das Land über- schwemmt, wir mußten höheres Terrain erreichen, jenseits eines Flusses. Wir trieben die Herde zum Fluß: das Wasser, über die Ufer quellend, jagte wild dahin und im Wasser drehten sich Kadaver, Skelett« und Baumstrünke in schauerlichem Reigen. Es war der Zug des Todes. Wir mußten durch diesen Totenzug, um auf das Hügelland jenseits zu gelangen. Schreiend trieben wie die Herde an, die vordersten Tier« überraschend, die hinteren auf di« vorderen peitschend. Wir drehten uns im Wirbel. Dos Leben schwamm durch den Tod. Hörner, Köpfe, Kadaver, Skelette, alles wild durcheinander. Die schwächeren Tiere wurden von den anbrausenden Kadavern stromabwärts getrieben Die stärkeren gewannen dos jenseitige Ufer. Von 12 000 Schafen, 2000 Rindern und 500 Pferden erreichten die Küste 800 Stück Vieh ein paar todmüde Männer und ein Ooerländer, der sich und seinen Herrn zugrunde gerichtet hatte. Die gelbe Schlange |Si« dritt« Geschichte erzähtte«in Kaufmann aus Sabang, den di« � Engländr vom Dampfer heruntergchott und in das Konzen- trationslager von Holdsworthy gesteckt hatten. Jedes Jahr, im August, jagte«r, feiern die Chinesen ihr Totenfest. Sic kommen gegen Abend in großer Prozession die Straße von Sabang herunter zum Meer« zu. Gelbe, kahlgeschoren« Priester wandeln unter dem Baldachin, flankiert von Assistenten mtt Killtgeräten und gefolgt vom niederen Klerus und Laienvolk in großer Zahl mit Opfern und Papiernachblldungen: Pferde, Schafe, Schweine. Fische, alles auf Stielen, olles aus Papier. Zwischen den einzelnen Gruppen werden Schüsseln getragen mtt fertig bereiteten Speisen: Aga-Aga. Fisch» gericht«, chinesische Bäckereien, Drachen und Vögel darstellend. Den Schluß bilden die Armen und Aermsten: die Bettler. Di« Papier. figuren werden mit Raketenbeleuchtung ins Meer geworfen, die Speisen ans Meerufer gestellt. Wenn die Honoratioren ver» schwunden sind, stürzen sich die Lettler darauf. Sie essen— diesen «inen Tag des Jahres— von den Schüsseln der Reichen. Wir waren noch junge Leute— ich und mein Freund— und dachten, es sei ein großer Spaß, ein paar chinesische Papiergötter zu rauben und sie einem jungen Mädchen zu verehren. Wir packten einen Drachen und einen Fisch und rannten damit den Hügel hinauf. Sabang ist terrassenförmig ausgebaut, in Zickzackstraßen. Als wir aus der obersten Biegung ins Freie kamen und dem alleinstehen. den Sabaug-Hotel zustrebten, bemerkten wir plötzlich, daß man uns folgte. Der ganze Zug der Chinesen war hinter uns her. So schnell wir rannten, schob sich der Zug hinterher— eine gelbe Schlange folgt« uns. Die Chinesen, in ihren religiösen Gefühlen beleidigt, sind Dämonen. Wir getrauten uns die Heiligtümer nicht zu Boden zu wersen. Noch weniger sie zurückzugeben. Wir rannten mit dem Drachen und dem Fisch vor der gelben Schlange her. Erreichten das Hotel. Verriegelten die Türen. Schenkten die Götter der Tochter des Hauses und atmeten auf. Kommt der Vater und führt uns zum Fenster. Wir sind von wild gestikulierenden Chinesen umzingelt. Di« gelbe Schlange hat sich um das Hotel gewunden und droht uns zu erdrücken. Das Tor kracht. Wir sind verloren. Der Kopf der Schlange lugt in die Vorhalle. Scheiben klirren. Die gelbe Schlange wälzt sich vorwärts. Wir sind wehrlos gegen di« gelb« Bestie die wir gereizt haben. Sie wird uns die Knochen im Leibe zerdrücken. Wird uns allesamt zu Brei zermalmen. Wer traut sich ihr entgegenzustellen? Ein dr«ijShriges Mädchen hatte den Drachen und den Fisch auf- genommen und trägt jubilierend di« Heiligtümer zu den anderen „Spielzeugen", wie es denkt, die die Chinesen in Händen halten. Dabei lacht es kindlich unschuldsvoll. Das hat uns gerettet. Die Chinesen entrissen dem Mädchen die Götter, und die gelb« Schlange wälzt« sich den Hügel hinab. €in Meer voll Vlut Ahr erinnert euch an den Untergang der„Seine", zwischen Java ** und Singapore, sagte ein österreichischer Diplomat, der von Siam herübergeschleppt worden war. Ich war damals in Singapore und habe«inen der Pasiagiere getroffen, den man gerettet und dorthin zurückgebracht hatte. Er war schneeweiß geworden und raucht« Opium. Er saß in der Gesellschaft liederlicher Frauenzimmer und lacht«. Er kann nichts mehr in der Welt ernst nehmen. Er hat das Fürchterlichst«, erlebt. Wir schwammen, sagte er. nach dem Schiffbruch zu Hunderten umher, weiße, gelbe, braune Menschen, und die Hai« schwammen zu Hunderten um uns herum Wir waren ihre Beute, wenn immer es die Hai« nach uns gelüstet«. Sie wanden sich um uns herum, angezogen durch den süßlichen Geruch des Menschenblutes. Sie drehten sich und schnappten, als seien wir ihr natürliches Futter. Alle Augenblick« war ein Arm abgerissen, ein Bein aus dem Gelenk gezerrt, ein Rumpf geöffnet. Das Meer rötete sich. Wir schwammen in einem Meer voll Blu.. Ich schwamm mit meiner jungen Frau, sagte der Opiumraucher. Wir hietten«inander bei der Hand. Meine Frau betete leise. Dann sah sie mich rührend und uni'c'streiblich an Sii« lächelte fast. Plötzlich traten ihr« Augen aus den Höhlen, ihr Mund verzerrte sich wild. Ihre Hano ließ los. Ihr Körper wurde in die Tiefe gezogen, ihr Kopf verschwand. Das Meer färbt« sich röter mit ihrem Blute... Hunöerttaufenö Rache« �£s sprachen noch ein Maler und ein Matrose. Der Maler be- � schrieb eigentlich nur ein Bild. Eine Sandbank mitten im Ama- zonas. Eine rveite, sonnige, braune Fläche. Baumlos, graslos, regungslos. Aber wenn man genauer hinsah, waren es nicht gerippt« Sandkörner, die dort lagen, sondern gepanzerte Rücken. Tauscnde und aber Tausende von gepanzerte» Leibern lagen auf der Ebene dicht nebeneinander in der Sonne. Sie liefen in einen scheußlichen flachen Kopf aus, von dem Raubtierzähn« wi« Dolche in die Höhe ragten. Hunderttausend Rachen erwarten den Menschen, der dort landet. Es sind zusammengeklappte Krokodilrachcn, die sich öffnen wie di« Hölle und di« so plötzlich und sicher zugreisen, daß es keine Rettung gibt. Ich hört«: man hat einmal einen blonden Mädchenzopf gesunden im Magen so eines Krokod'.ls. Der Totenta«; unö das 4cnöe |&ein, ein Leichtmatrose, war In einem ägyptischen Hafen ausgerückt und als man chn versolgte, ein Stück in die Wüst« gewandert. Wie ich so durch di« Nacht wanderte(er erzählt« mit fiebernder Stimme), erhob sich ein Wüstenwind. Mein Fuß bleibt in einer Art Korbgeflecht stecken... etwas Hartes. Rundes schlägt mir an den Kopf... wie ich danach greife, fassen mein« Finger in zwei Höhlen... ich stolpere, falle. Eine dunkle Säule kommt von der Ferne auf mich zugewandert... die Sterne verlöschen... um mich braust es. Ich liege in einem Schacht, der sich um mich dreht: im Zentrum einer Windhose. Für einen Momem blinkt oben ein Stern herein und ich sehe das Grauenhafteste. Mein rechter Fuß steckt In dem Brustkorb eines Skeletts, meine Finger in zwei Augen» höhlen. Die Säule, die den Sand aufwirbelte, entblößt« andere Skelette... ein Massengrab... ein Lager von Gefangenen viel- leicht, das ausgestorben war, wie wir aussterben werden... durch die Kraft des Windes bewegen sich diese Skelette... sie«rheben sich und führen einen Totentanz aus, sie steigen auf, sie fallen herab, sie führen«inen schauerlichen Reigen um mich auf... da wird es wieder finster und ich höre nur das Geklapper der Gebeine... War das ein« Fieberphantasie oder Wirklichkeit? Wir gaben Hein den Trank: er konnte ihn brauchen. Darauf blitzte«in« elektrische Taschenlampe auf und leuchtete in unsere braunen, nervösen Gesichter. Iacky— ist es möglich! Iacky holte aus verborgenen Taschen verborgene Flaschen. Iacky: wo bist du gewesen? Iacky zeigt uns einen Streifen an seinem Unisormrock. Er ist Korporal geworden. Drei Tage war er betrunken. Jetzt funktioniert er wieder, Gott sei Dank. Der Whiskyschmiiggl«r streicht sein Geld ein, als Extrazulage steckt er jedem I«ine Rum- flasche in den Hals. Die drei Flaschen tranken wir noch in jener Nacht olleine aus. Das hat uns gcr«ttdt. Keiner von uns Sieden ist gestorben. Auch Dubozky war nicht tot, hörten wir später, sondern bloß verheirate' ROMAN VON vwrence: h de-tberrW Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden (9. Fortsetzung.) „Ich»citz genau, daß der Klan den Mord begangen hat*, warf «r gereizt ein.„Kenne Freunde von Tommy Andersen, die er- klären, er sei der anständigste Mensch, den es gibt" Talvin Füller lachte spöttisch. „Ein Taschendieb als anstündiger Mensch!" „Verzeihen Sie," sagte der Gast,„ein Taschendieb kann ein viel anständigerer Mensch sein als manch einer, der, ohne je offiziell gestohlen zu haben, die Hände ununterbrochen in den Taschen anderer hat." Calvin Füller lächelt« belustigt, der junge Mann van Phrkerion spielte seine Roll« gut; man hätte schwören können, daß aus seinen Worten ehrliche Gereiztheit klang. „Wenn Sie derartige Zlnstchten hoben, Herr Carbuckle," meinte er mit unerwarteter Nachsicht,„so werden Sie sich gut mit meinem Bruder verstehen." „Ich bin kein Roter," verteidigte sich Louis Carbuckle eifrig, „sympathisiere aber mit den Arbeitern, zumindest dort, wo sie tat- sächlich ausgebeutet werhen." „Mein Bruder behauptet, daß das in meinem Netriebe der Fall ist." „Darüber kann ich mir einstweilen noch kein Urteil erlauben", wich Herr Carbuckle aus. Jack wurde immer mißtrauischer: was sollt« dos ganze Gerede bedeuten? Wer war dieser jung« Mann, der als Leiter von Fabrik A den Mut fand, offen feine Sympathie für die ausgebeuteten Ar- bester zu erklären? Uird weshalb war Calvin dem jungen Mann gegenüber so müde? Plötzlich fiel Jack die Warnung des Spitzels «in:„Manche, denen man es gar nicht anmerkt, sind weiß." Sollten sich diese Worte aus Herrn Louis Carbuckle bezogen haben? Carmer war Cardlgans recht« Hand, wußte alles, was sich in der Agentur zutrug, würde es auch erfahren, wenn ein neuer Spitzel auf der Dildfläche erschien. Jack beschloß, dem Fremden gegenüber vorsichtig zu sein. Nach dem Esten tranken die drei im Rauchzimmer zusammen Kaffee. Der Diener kam mst einem Telegramm. Das Telegraphen- amt hatte auf dem Umschlag vermerkt:„Vorname leider ver. stümmelt, daher nicht festzustellen, ob das Telegramm an Herrn Calvin oder Herrn Jack Füller adressiert ist. Das gleiche gilt von Unterschrift." Calvin riß das Telegramm auf, runzelte die Stirn „Ich erwarte kein derartiges Telegramm." Er reichte es Jack; dieser las folgende Worte: „Auto wie besprochen abgesandt." „Auto wie besprochen abgesandt", sagte Calvin Füller laut. Und nun ereignete sich etwas Seltsames: Herr Louis Carbuckle zwinkerte erst dem jüngeren und dann, als dieser wieder ins Telegramm blickte, dem älteren Bruder zu. „Hast du ein neue« Auto gekauft, Calvin?" fragte Jack. „Ja. aber ich erhielt bereits gestern die Nachricht, daß es abge- sandt worden ist!" „Für mich ist das Telegramm bestimmt nicht", erklärte Jack und hoffte, daß der Ton seiner Stimme nichts verriet: brachte doch das Telegramm die vereinbarten Worte aus Columbus, die mitteilten. der neue Organisator sei unterwegs! Aber Calvin schien tatsächlich ein Auto zu erwarten: war ein derartiger Zufall möglich? � Calvin erhob sich und sagt«, weit liebenswürdiger, als«s sonst sein« Art war: „Sie müssen mich für«in« halbe Stunde entschuldigen, Herr Carbuckle. Ich hob« noch einige wichtig« Briefe zu erledigen." Damit vorließ er das Zimmer." Jacks Mißtrauen wuchs an: nun ließ Calvin ihn allein mst dem Fremden, das hatte etwas zu bedeuten. Cr suhlte, daß er nervös zu werden begann. Aber auch Herr Carbuckle schien sich mst einemmol nicht mehr behaglich zu fühlen. Erst starrte er Jack mst einem fast hilflosen Blick an, rauchte ein paar Züge und fragte schließlich völlig unvermittelt: „Wo befindet sich das Arbestszimmer Ihres Bruders?" „Nebenan", entgegnet« Jack erstaunt. Der merkwürdige junge Mann, den Herr Calvin Füller als Oester von Fabrik A angestellt hatte, stand auf, ging im Zimmer umher, lehnt« sich in der Nähe der Tür gegen die Wand. Dabei mochte er unversehens den elektrischen Taster berührt haben denn plötzlich verlosch das Licht, das Zimmer wurde völlig dunkel, mir durch den unteren Spall der Tür, der zu Calvins Arbeitszimmer führte, sickerte Helle. Jack hatte beim Verlöschen des Lichts instinktw nach feiner Krücke gegriffen. Aber schon ertönte entschuldigend Herrn Carbuckles Stimme: „Verzeihen Sie, wie ungeschickt von mirl" Und dos Licht flammte von neuem auf. Was nun folgte, erweckte in Jack«inen völlig neuen Verdacht, nämlich daß er es mst einem Wahnsinnigen zu tun habe. Herr Carbuckle tastete olle Zimmerwände ab. hob den Teppich hoch, klopft« leise gegen die unteren Tischplatten, rückte Sestel von der Wand, betastete Bilder, Aschenbecher und Zigarettenschachteln. Schließlich trat er dickt an Jacks Sessel heran und flüsterte: „Wo Ist es denn?" ..Was?" fragte Jack völlig verblüfft. Herr Carbuckle riß«in Blatt aus der Tasche und kritzelt« hastig die Antwort darauf: „Das Mikrophon." „Mi. begann Jack, aber schon lag Herrn Carbuckles Hand auf seinem Mund und er sagte äußerst laut: .Ja. ick war früber in New Pork. doch verträgt meine Gesund- hsit da» Klima nicht." Seine scklan'en Finaer schössen vor. rillen Jack da» Stück Papier au» der Hand, mif da» er noch immer verständnielo« starrt«. Dann setzte sich Herr Carbuckle und begann.zu reden: er redete immer lauter, schrie fast, testte Jack seine Ansichten mit. versuchte offensicktlich. sich bei ihm beliebt zu machen. „Cr ist doch nicht wahnsinnig," dachte Jack,„ist nur ein äußerst ungeschickter Spitzel. Glaubt Calvin wirklich, daß ich auf ihn hinein- falle?" Herrn Carbuckles Augen blieben keine Sekunde ruhig, unentwegt schweiften sie im Zimmer unther. Plötzlich schnellte er abermals auf, lief zu einer Marmorbirste, die auf einem Sockel stand, tastete sie ab und kehrte mit einem befriedigten Lächeln mif seinen Sitz zurück. Jack wurde es immer ungemütlicher zumute, vielleicht zum erstenmal in seinem Leben wünschte er den Bruder herbei. Der unheimliche Gast schien diese Gefühl« zu erraten, plötzlich stand er neben Jack und sagte laut: „Wie, Si« wollen schon gehen? Erlauben Sie, daß ich Ihnen beim Aufstehen behilflich bin." Er schob Jack dt« Krücke unter den Arm. zerrt« ihn fast vom Sesiel. Jack hatte gemig: mochte sich Calvin mst diesem verrückt ge- wordenen Spitzel unterhallen. Er rief durch die Tür ins Neben- zimmer: „Ich gehe schlafen, Calvin. Komm, damit dein Gast nicht allein bleibt." Dann machte er dem unheimllchen Kerl eine stumme Verbeugung und begab sich in sein Arbeitszimmer. Aber auch Herr Carbuckle schien Müdigkett zu verspüren, etwa eine halb« Stunde später hörte Jack in der Vorhalle Schritte und die Stimme des Dieners: „Nicht diese Tür, Herr, di« führt in Jacks Schlafzimmer." Als Iock sich auszog, fand er in seiner Westentasche einen grell- roten Zettel. Erstaunt hielt er ihn ans Licht, las die mit der Ma- schin« geschriebenen Worte: „Was auch immer heut« nacht geschieht, schießen Sie nicht und schreien Si« nicht." Wie zum Teufel war dieser Zellel in seine Tasche geraten? Wer hatte ihn ihm zugesteckt? Iock zerbrach sich eine Zeitlang ver- geblich den Kopf, schließlich aber besiegte ihn die Müdigkeit und er schlief«in. Zwei Stunden später wurde er von einem tallen Lufthauch geweckt, d«r ihm ins Gesicht schlug. Er setzte sich hastig auf, aber noch ehe er ein« wettere Bewegung machen tonnte, sprang etwas leise, mit tatzenhofter Geschwindigkeit auf sein Bett, packt« ihn und flüsterte: „Still! Rühren Sie sich nicht! Es geht um den Streit!" „Wer...!" „Lasten Die manchmal lange Licht brennen, fällt es nicht auf, wenn bei Ihnen lange Licht ist?" „Nein." Der Unsichtbare schien im Dunkeln sehen zu können wie«ine Katze. Ein leises Knocken, dann flammte die grün verschleierte Lampe auf, und Jack sah aus seinem Bett— Herrn Louis Carbuckle hocken! Jack mochte in seiner Verblüffung ein äußerst törichtes Gesicht machen, denn der ungebetene Gast begann lautlos, aber herzlich zu lochen. Dann holte«r aus der Tasche einen Brief und überreichte ihn Jack. Jack las dos Schreiben, seine Züge drückten immer größere Verwirrung aus, er starrte Carbuckle ungläubig an, stammelte: „Sie... Sie... sind. Der Sekretär schreibt... Tommy Anderson...?" „Stimmt, ich bin Tommy Anderson und komm« aus Columbus. Hier ist Ihr Brief, Füller, in dem Sie nach einem Organisator schreien wie ein Kind noch seiner Muster." Und der junge Mann gab Jack den Brief, den Fräulein Crock für ihn befördert hatte. „Ja aber... wie kommen Sie... wie kommt mein Bruder..." Tommy Anderson lachte und kramte aus der Tasche andere Dokumente hervor. „Ich bm der iung« Mann von Pinkertvn, der Star der Agentur! Ihr Bruder hat mich angestellt, um mit meiner Hilf« den Streik zu brechen!" Und nun berichtete er dem gespannt lauschenden Jack von seiner Unterredung mit Calvin Füller. Jack starrte ihn noch immer etwas ungläubig an. „Si« mästen mir verzeihen, Herr Carbuckle... Herr Ander- son... wenn ich nicht sofort... Ihr« Ausweise sind ja völlig in Ordnung.. Aber... wir müssen sehr vorsichtig sein..." „Das weiß Ich. Deshalb sagte ich auch heute abend nichts zu Ihnen, als Ihr Bruder uns so rücksichtsvoll allein ließ. Und ich hatte auch recht: der verdammte Kerl hat unter der Mormorbüst« ein Mikrophon eingebaut das in sein Arbestszimmer sührt." „Wie entdeckten Sie es?" „Well ich selbst häufig mit dem Mikrophon arbeite." Iock schwieg: er fühlte sich äußerst unbehaglich. Die Ausweise des Fremden schienen völlig in Ordnung zu sein, aber auch der Aus- weis der Agentur Pinkerton machte einen echten Eindruck. Tommy Anderson schien Jacks Verwirrung zu begreifen „Sie sprachen beim Esten von Freunden, die Tommy Anderson kennen, bestimmt waren es die Blacks." „Ja." „Außerdem kennt mich David Gordon persönlich. Bringen Si« mich morgen irgendwie mst ihm zusammen, er wird Ihnen für meine Verläßlichkeit bürgen." „Gut." Tommy Holle nun aus feinen anscheinend unerschöpflichen Taschen die von Cardigan aufgestellte Liste hervor, und di« beiden studierten sie genau. Mehr als einmal rief Iock bestürzt: „Was, der auch?!" Er hatte ja gewußt, daß halb Fullersville in Calvins Diensten stand, aber die Lift« bewies ihm, daß er kaum die Hälfte der Spitzel kannte. Die Namen von Leuten waren verzeichnet, auf deren Ver- läßlichkest Jack geschworen hätte. Als sie dt« Liste durchstudiert hatten, meinte Jack stintrunzelnd: „Einer sehst- gerade der wichtigste: der Spitzel, der sich in unser geheime» Streikkomitee eingeschlichen hat." „Verflucht! Haben Sie gar kein Verdacht auf irgendein Mit- glied?"(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". Silbenrätsel. Aus den SUben: a an des die di« e eg en fen in in tum leh leu lo meist mond mund ni nung nus pcn pin re sau son sta stes t« tech ti tro tur sind 1Z Wörter zu bilden, deren erste und dritte Buchstabenreihe von oben nach unte: gelesen«in Zitat von Goethe ergibt(ch— ein Buchstabe). Die Worter bedeuten: l. Stadt in Anhast: 2. Zunft: 3. Erfinder: 4. technische Fachschule: 5. Wieder- käuet; 8. letztwillige Verfügung' 7. asiatisches Reich: 8. schwedischer Sozialist: 9. wiederkehrende Reihenfolge: 10 Gift: 11. Ruf einer Person; 12. Meßinstrument: 13. Trauerspiel von Goethe. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Zarengünstling: 8. Vorname berühmter Filmdiva: 7. SÄlfart: 9, Nebenfluß der Donau: 10. sommerliches Vergnügen; 11. Europäer; 13. lat. für; 14. Gemütszustand: 17. Ge- würz: 18. Äüstenformotion.— Senkrecht: 2. Holzteilchen: 3. Erd� achse; 4. Donaujtalt: 5. aehörlos: 7 Kinderspielzeug: 8. bissig« Erzählung: 12. Wort für Schnetdigtett: 13. ital. Stadt: IS. engl. Ende: 16. Imperativ von geben..' 3 4 S 6 4 2 5 3 9 5 10 10 10 7 5 10 9 2 3 7 7 5 8 10 9 5 8 6 7 8 6 3 1 5 5 6 3 10 8 7 2 3 5 2 10 10 5 6 15 6 15 6 Zah'enrät'e'. 6 5 7 8 9 10 2 1 Modernes Iugendspiel Englisches Koionialr« ch Eeuchte Lust ewürzpflanze. Enterich Ed?. stein Stadt bei Frankfurt a b.O Deut cher tuß Farbstoff. Kröte Stadt In der Schweiz. Futterpflanze. Nebenfluß der Donau Gefängnis. Di« erste senkrechte Reche lautet wie die erste wagerechte,»d. Rösselsprung. Dersrätsel. Es ist eine Stadt im Deutschen Reich, Ein Teil vom Schiff und Vogel zugleich, Was ist's? (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Silbeniätsel: 1. Waldshut: 2. Offiziös: 3. Viadukt: hna; 5. Eimer; 6. Leichtathleiik: 7 cijelotte; 8. Zndiancr: 9 thriftus; 10. Ilntensisch: 11. 3t,dra: 12. Sorrent; 13. labureil; 14. ömme, 15. Semiten.— Wo viel Licht ist ist starker Schatten. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 2. so; 4. la; 7. Matte: lO Erker: 13. lau; 15. Rom; 16. Gut: 17. Arm: 18. Rede: 19. Saar: 20. wer: 21 Kalk: 25. Gobi: 29. lau; 30. Lee: 31. Mut; 32 ft; 33 Katte; 35. Beete; 37. ad.— Senkrecht: 1. am; 2. Stute: 3 oe; 4'«: 5. Arras; 6. Ar: 8 A g«: 9. taub: 11. Koro; 12. Eni..ia: 14. Laterne: 22. Alma: 23. laut: 24. Kutte: 25. Glied: 26 Oefe; 27. Bett. 28. i; 33. So..34 er; 36. es. Treppenrätfel Senkrecht: Erefeid.— Wagerecht: 1 C: " Ra, 3. Ems; 4 Falb; 5. Eupen: 6. LAtnep: 7. Detmold. Magische Quadrate. 1 Feld: a) Saal: b) Asta- c) Atem; d) Lamm— 2. Feld: a) Rabe: b) Abel; c) Bell: d) Ella.— 3. Feld: a) Riga: b) Jfar; c) Garn: d) Arno.— 4. Feld: a) Erbe: b) Roon: c) Boot; d) Ente.— 5. Feld: a) Zone: b) Ober; c) nein; d) Erna.— 6. Feld: a) Rede; b) Emir: c) Dill; d) Erle. Füllrätsel:!. Andorra: 2. Sandale; 3. Skandal; 4. Veranda: 5. England. 'hui< uj�c t<"r:-MI tü MWSZI! S�lick auf die Kausen am Shannon. &* SS. 5uli d. 5. fsni in der RaJx der Ortschaft ß'Stten in Gegenwart Scs Prüstdenten des irischen ffttifioatcs Co-grave die feierlich« Oeffnutta der Tperrschleusen des Wasserwerke» am etiamum statt. Zlrdnacrusho in Jrlani>. am S h a n n 0 n s l u h. in der Nähe von L i m e r i ck: seit 4 Iahren arbeiten dort toujende von .<)änd«n, Tag und Nacht, an einem gewaltigen Werk: bald werden von diesem kleinen Dorf Ardnacrusha aus über 3 Millionen Men- schen in einem Gebiet von der Größe Bayerns mit elektrischer Kraft versorgt sein. 1S2ö haben die Siemens-Schuckert-Wcrke diesen größten Auftrag seit ihrem Bestehen erhalten: die weiße Kohl«, die Kraft des Shannon, nutzbar zu machen. 10(XXI Quadratkilometer groß ist das Regengebiet dieses wosser- reichsten Flusses Irlands, fast ein Sechstel des Landes, das der Golfstrom reichlich mit Regen bedenkt. In jeder Sekunde werden 240 Kubikmeter Wasser, ja bei Hochwasser 1000 Kubikmeter, von dem Shannon meerwärts gewälzt. Drei Seen(der Derg-, Ree- und Allansee) bilden seine natürlichen Staubecken: nach vollendetem Ausbau können sie 573 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Das Großkraftwerk aber, das jetzt am Unterlauf dieses Flusses entsteht, wird in seinem Endausbau ein« Gesamtabgabeleistung von rund 180 000 IcVA(Kilowatt am pcre) haben. Mit drei Dampfern ist ein Pendeldicnst eingerichtet zwischen deutschen Häfen und Limerick: Lastkraftzüge und Feldbahnen laufen von dort zur Baustell«. 30 000 Tonnen Baumaschinen und Geräte mußten nach Irland geschafft werden, 1500 Förderwagen, 28 Kräne, Z50 Elektromotoren, über 200 Werkzeugmaschinen, 9 Dieselmotoren gekuppelt mit Drehstromgeneratoren zur Lieferung der für den Bau notwendigen Energie. Kraftwagen und Anhänger, Absetzmaschinen, Straßenwalzen, Wasserfahrzeug«.... Millionen Kubikmeter Bodenmateriol aller Art müssen be- fördert werden, 30 Kilometer wasierdichter Dämme, teilweis« bis zu Höhen von 18 Metern, müssen errichtet werden. 1,2 Millionen Kubik- meter Fels müssen gesprengt und zu Schotter verarbeitet werden. 200 000 Kubikmeter Betonmaterial ist notwendig für das Wehr, das Krofchaus und die Schleusen. Dazu kommen die Brückenbauten und Straßenumlegungen, die Dükerbauten und Flußschwellen.— Für die Durchführung der reinen Bauarbeiten>n der ersten Aus- b-ustaffel ist allein ein Gesamtkostenaufwand von 55 Millionen Mark erforderlich. Rohöl-Eimerkettenbagger laufen auf Raupen, heben 300 000 Kubikmeter Mutterboden aus. roden die Hecken. Große Eimerketten- bagger mft 100 bis 150 Kubikmeter Stundenleistung graben das Profil des künftigen Kanals bis zu einer größten Tiefe von 17 Metern. Absetzmaschinen arbeiten an den Dämmen mit einer stund- lichen Leistung von 250 Kubikmeter. Schotter und Betonabdeckplatten werden durch einen Turmdrehkran auf die Dämme ausgebracht. Seilschlagbohrmaschinen lassen einen 7 Meter langen und 700 Kilo- gramm schweren Meißel Bohrlöcher in den Fel? hineinfressen, die mit Sprengstoff gefüllt werden, dessen Lager Tag und Nacht von einer 25 Mann starken Militärtruppe bewacht wird 8 Kilometer long oberhalb des Werkkanals ist der Shannon in Dämmen bis zu 7 Meter Höhe eingefangen. Das Stauwehr hat 4 Oeffnungen von 20 Meter lichter Weite und 2 Grundablässc von 10 Meter, so daß selbst bei Freilassung eines Grundablasies noch bequem die größte Hochwasiermenge von 920 Kubikmeter in der Sekunde unschädlich abgeführt werden kann. Ein Einlaßbauwerk am Beginn des Werkkanals hat drei Oeffnungen von 25 Meter lichter Weite, die durch eiserne Schützen verschlossen werden können, daneben einen Schisfsdurchlaß von 17 Meter. Ueber 12 Kilometer lang fließen in dem Werkianal 550 Kubik- meter Wasier in jeder Sekunde zum Kraftwert hin und stürzen vom y> Meter hohen Wasserschloß aus durch 44 Meter lange Druck- leitungen mit einem Durchmesser von« Meter arbettsgierig in die Turbinen. Bei Gefahr schließen Rollschutztafeln innerhalb von 30 Sekunden die Druckleitungen ab. Sechs solche Druckleitungen sind vorgesehen, von denen zunächst drei ausgebaut werden..In Beton eingebettete Blechspiralgehäuse führen das Wasier den Francis- turbinen zu. Eine jede dieser Maschinen wandelt die Gewalt des Wassers in die Arbeitsleistung von 38 600 Pferden.«Zwei Turbinen von Boith in Heidenheim und ein« von Escher-Wyß in Zürich sind unmittelbar gekuppelt mit 3 Schirmgeneratoren, deren jeder bei 150 Umdrehungen in der Minute eine Leistung von 30 000 kVA bei Drehstromspannung von 10 500 Bolt und 50 Perioden in der Sekunde hat. Preßöl von 12 Atmosphären Druck betätigt die Bremse, die in 5 Minuten den Generator von der Betriebsdrehzahl auf Stillstand abbremst. Gewaltig wie die Kraft, die sie liefern, sind die Abmesiungen dicftr Maschinen. Das Spurlager der Turbinen muß eine Belastung von 480 Tonnen aushalten. Laufrad und Welle allein wiegen 42 Tonnen. Das Gesamtgewicht des Generators einschließlich seiner Erregermaschinen beträgt 376 Tonnen, der Rotor mit seiner 10 Meter langen Welle allein wiegt 190 Tonnen. Für das Montieren u>»d Verfahren dieses Rotors müssen zwei Krane von je 100 Tonnen Tragkraft durch eine Traverse gekuppelt werden. In jeder Sekunde werden etwa 40 Kubikmeter Kühlluft durch den Generator gesaugt. Vielfältig« automattsche Sicherungen sind eingebaut, die jede Gefahr sofort melden und in dringenden Fällen den Generator selbsttätig abschalten. Die Spannung von 10500 Volt, mit der der Strom die Maschinen verläßt, muß gewaltig erhöht werden, bevor er durch das Netz über das ganze Land hinweg gejagt wird: auf 110000 Volt für die beiden Speiseleitungen nach Dublin und Cork und 38000 Voll für das engere Verteilungsnetz. Umgespannt wird der Strom auf 110 000 Voll in drei Umformern von je 30 000 kVA. Preßluft kühlt diese großen Umspannriesen, deren jeder mit seinem Oelinhatt und allem Zubehör fast 100 Tonnen wiegt. Zwei weitere Umformer von je 8000 kVA. bringen die Spannung auf 38 000 Volt; jeder von ihnen wiegt 40 Tonnen/ Sämtlich« Umspanner werden natür- lich ebenso wie die Stromerzeuger durch selbsttätige Schutzeinrich. tungen überwacht und vor Schäden bewahrt. Von einem Befehlsraum aus werden den Turbinen und Gene- ratoren, den Umformern, den Schaltanlagen und Freileitungen die Schaltbefehle übermittelt. Hier, in dieser denkenden Zentrale, laufen alle Meldungen ein über den Zustand des elektrischen Riesenwerkes, desien letzte Glieder chre feinsten Fühler bis an die äußersten Gren- zen des Landes erstrecken. Kupferne Nerven mit einem Querschnitt von 95 Quadratmilli- meter verlasien die im Freien aufgestellte 110 000-Volt-Anlage und versorgen die beiden Hauptstädte des Landes, Dublin und Cork, mit Energie. Von diesen beiden Quellen aus, wie auch von der 38-Kilo- watt-Schaltanlage der Zentral/ wird das über das ganze Land ge- spannte 33-Kilowatt-Verteilungsnetz mit Energie gespeist. 65 Um- spannstationen in Städten und größeren Orten transformieren den Strom von 38 000 Voll wieder auf 10000 Volt herab. Mit dieser Spannung strömt die Kraft durch die 10 000-Volt-Leiwngen zu den einzelnen 10 000-Volt-Stationen, in denen sie endlich aus die Ver- brauchsspannung gebracht wird. Etwa 300 Kilometer 110 000-Volt- leitung, 1800 Kilometer 38 000-Volt-Lcitung und ungefähr 1200 Kilo- meter 10 000-Volt-Leitung gehören zu dem Hochspannungsnetz, dessen Herz am Shannon schlägt: reihte man dies« Leitungen aneinander, so wäre die Luftlinie von Madrid bis Moskau überbrückt. Zwischen Ardnacrusha. Dublin und Cork aber pulst durch die Leitungen nicht nur der hochgespannte Wechselstrom von 50 Perioden in der Sekunde, an diesen Nervensträngen entlang jagen auch die hochfrequenten Ströme der leitungsgerichteten Telephonie, mit der die Stationen sich verständigen. In kurzer Zeit wird der erste Ausbau der Kraftanlage am Shannon vollendet sein, und Millionen von Kilowattstunden werden dann jährlich aus den Wasiern des Shannon gewonnen. Damit ist zum ersten Mal« in diesem ungeheuren Ausmaß der Versuch gemacht worden, die Sorgen eines ganzen Lande»»aus einem Punkt« zu kurieren". Irland, der Nachbarstaat eine» der höchstentwickelten Industrieländer der Welt. Irin, die grüne Insel, besitzt kein« Kohlen; sie mußten von England eingeführt werden. Solang« also Irland seine Freiheit nicht erkämpft hatte, war die Shannonbill die den Bau einer eigenen Krafwersorgung gesetzlich festlegte, unmöglich. Jetzt, mit einem Schlag, folgt der politischen auch die wirtschaftliche Freiheit, jetzt wird der ganze irische Frei- staat elektrifiziert: Haushalt und Industrie stellen sich um, Verkehr und Handel werden beeinflußt, kurz das volkswirtschaftliche Gesicht eines ganzen Landes wird neu geprägt in gewaltigem Aufschwung. Eine berauschende Symphonie der Kraft: die Wogen des Shannon, deren geduldiger Rücken seither nur Schiffe trug, stemmen, herabgestürzt vom Wasserschloß bei Ardnacrusha, mjt ungeheuren Kräften sich in das Lettwert der Turbinen: tonnenschwer kreisen die Generatoren und jagen durch das weithin über. das ganze Land gespannte Netz den pulsenden Strom— allllberallhin. Aufstrahlt das elektrische Licht im letzten Bauernhaus. Maschinen lausen. In- dustrien blühen aus— gespeist von den Wassern des Shannon. Ihr Lied erinnert an Spenglers Wort von dem faustischen Erfinder, der Urgewall seines Wollens, der Leuchtkraft seiner Visionen und der stählernen Energie seines praktischen Nachdenkens. Elektron. Elektron ist eine Magnesiumlegierung, deren Hauptbestandteil Magnesium und Aluminium sind, mit einenl Zusatz von Kupfer, Zink, Mangan, Nickel und Silicium. Das spezifische Gewicht betrögt 1,82, das heißt, daß diese Legierung etwa 40 Proz. leichter als Aluminium ist. Sie liefert einen dichten Guß, ist leicht zu bearbeiten, kann gewalzt, gepreßt und gezogen werden. Wie alle Leichtmetalle ist auch Elektron l ö t b a r und reagiert chemisch cnt- gegengesetzt wie Aluminium. Es ist demzufolge gegen Laugen und Alkalien haltbar, nicht jedoch gegen Wasser und Wasserdampf. Es unterliegt also dem Einfluß des Rostes und der Korrosion, d. h. der Anfressung. Man hat bereits erfolgreiche Versuche unternommen, um diese Rostgefahr durch Zusatz von anderen Metallen zu beseittgen. Es besteht die Hoffnung, daß es möglich sein wird, Elektron sogar gegen Seewasser beständig zu machen.- Infolge seines außerordentlich geringen Gewichtes und der hohen Zugfestigkeit er- scheint Elektron besonders für den. Flugzeug- und Automobilbau ge- eignet. So hat auch die Deutsche Versuchsanstalt für Lustfahrt. Berlin, Versuche unternommen, um die Verwendungsmöglichkeit von Elek- tron-Metallblech im Flugzeugbau zu prüfen. Das Ergebnis dieser Arbeiten bewies, daß dieses Blech für Landflugzeuge überaus geeignet ist. U.a. konnte festgestellt werden, daß Elettron gegenüber Brennstoff und Oel einen sehr günstigen Wider- stand zeigte. Es ist also auch für den Motorbau ausgezeichnet zu verwenden. Bei Seeflugzeugen ist Elektron in seinem augenblick- lichen Zustand noch nicht zu empfehlen. Es genügt hier nicht, im Laboratorium ein brauchbares Metall zu erzeugen: es muß auch die prakttsche Herstellbarkeit im Großen so durchgeführt werden können, daß das Endprodukt wirtschaftlich erzeugt und zu einem erträglichen Preise auf den Markt geworfen werden kann. Die Zukunft im Flugzeugbau gehört den Leichtmetallen, und es ist nur zu sehr ver- ständlich, daß man sich bemüht, die Eigenschaften der vorhandenen Werkstoffe entsprechend den zu stellenden Anforderungen zu ver- bessern._ M. M. Bücher der Technik. Geschäftstraftwagen und ihre wirtschaftliche Verwendung für den Kundendienst. Von R. Haller. 106 Seiten mit 68 Abbildungen, einer Tabelle und einem Anhang: Einfache Buchführung für Kraftsahrzeugbetricb«. Berlin 1929. Richard Carl Schmidt u. Co., Berlin W 62. In Leinen 3,50 Mark. Das reich illustrierte und flüssig geschriebene Büchlein möchte ein Ratgeber sein für alle Geschäftsbetriebe, die bereits mit Kraft- wagen arbeiten oder aber beabsichtigen, sich einen Kraftwagen zur Erleichterung der Kundenbedienung und zu sonstigen Geschäfts- zwecken zu beschaffen. Es behandelt«ingehend die verschiedenen Fahrzeuge, Krafträder, Dreiradlieferwagen, Kleinlieferwagen und Benzinkarren. Elektrokarren, ferner Schncllastwagen mit Ver- brennungsmotor, mit elektrischem und mit benzin-elektrischcm An- trieb. Auch eine Reihe von Spezialwagen, wie Brot- und Milch- transportwagen, Viehtransportwagen, Eistransportwagen. Möbel- lieferwagen u. a. werden im Bild gezeigt und besprochen. Sehr lehr reich sind auch die Abschnitte über Betriebsorganisation und Be- triebskosten und endlich die Anteilung zu einer einfachen Buch- führung für den Geschäfi-manii. 34« 46. Jahrgang Sonnabend 27. Juli 1929 3)as Werk am Shannon. Das Arbeiterstrandbad in Wien! Eine kulturelle Großtat Wiener Arbeitersportler! In einem Wiener Vorort, knapp bei Vretteldorf, haben Wiener Arbeitersportler eine proletarisch« Sport- und Erziehungsarbeit ze- leistet: sie haben ein großes Strandbad, heule in ganz Wien das„A rbeiterstrandbad" genannt, errichtet. Die Schöpser der Idee sind Mitglieder des„Wiener Arbelter-Schwimmvereins". Bor 18 Jahren wurde da, wo heute die Kanzlei des Bades steht, die erste Bauhutte errichtet, die man dann später mit ilinkleideräumen ausstattete. Eine Krankentasse stiftete damals 2000 Kronen zu diesem mutigen Versuch. Man begann zuerst den Schottergrund zu ebnen. Doch ohne«norme Schwierigkeiten sollte es nicht abgehen. Trotzdem haben die Wiener Arbeitersportler das Bad mit eigenen Kräften, ohne fremde Mittel, ausgebaut. An- fangs übernahm«in Fuhrunternehmer die Arbeit, führte etwas Schotter weg und Erde zu, und erklärte nach kurzer Zeit, daß das Geld alle sei, ließ alles stehen und fuhr nach Hause. Was tun? Neues Geld war nur gegen Sicherheit zu haben. Aber wo haben Proleten Sicherheit oder Faustpfand? Da rief der Obmann des ASV., Genosse Stroringer, seinen Leuten zu:„Macht's selbst!" Krampen und Schaufeln waren glücklicherweise da, und so packten die Mitglieder des ASV. selbst an und schafften den ebenen, mit reichem Rasen bedeckten Grund, auf dem die heutige Anlag« steht. Tag für Tag bis in die Dunkelheit hinein waren viele Genossen draußen, um dem Wiener Proletariat, besonders den Arbcitersportlern eine Ruhestätte nach der Alltagsarbeit zu errichten. Das neue Bad wurde bald beliebt, war es doch in seiner Art das erste in Wien. Mit Riesenschritten ging nun die Entwicklung oorwär�. Zuerst stellte man etwa 150 Badekabinen auf, die zu bezahlen, trotz aller Aufopferung der einzelnen, den Verein fast an den Bettelstab brachten. In kürzester Zeit erwies sich jedoch diese Zahl als viel zu gering, und heute gibt's im Arbeiterstrandbad nicht weniger als 4500 Einzelkabinen, ferner sind 1500 Notauskleidc- gelegenheiten, so daß das Bad gleichzeitig von 6000 M e n- schen bequem benutzt werden kann. In diesem Jahr wurde das Bad— ei» Stolz für seine arbeitsfrohen Besitzer— mit den neuzeitlichsten Errungenschaften aus- gestattet. Da der Druck einer Hochquellcnwasscrleitung nicht ausreichte, um an heißen Tagen die Anlage bespritzen oder bei F«uersbrunst rechtzeitig eingreisen zu können, wurde aus Ein- nahmeüberschüsien eine Maschinenpumpanlage ein- gebaut. Auch eine R« st a u r a t i o n m>t einer riesigen Glas- veranda und einer modernen Kühlanlage, so daß auch an heißesten Tagen kalte Getränke, besonders Milch, zu haben sind. Alkohol i st v e r p ö n t I Daß bei dem Ausbau dieses Bades, das ja von einem Sportverein errichtet wurde, der Sportler nicht zu kurz kommt, ist ziemlich selbstverständlich. Eine sportlich einwandfreie 100- Meter-Schwimmbahn mit Startblöcken, eisernen Sprungbrettern und S p r u n,g t u r m ist vorhanden. Ein ehemaliges Kinderbad wurde in ein Wasserbaltfeld, das einzige, st«ts betriebsbereiteWiens umgewandelt. Nach der Flußjeile hin bilden zwei starte Flöße den Schutz gegen die nichl gering« Strömung. Als das Bad in diesem Sommer eröffnet wurde, hatte es, im Gegensatz zu den anderen Wiener Flußbädern, trotz nicht gerade günstigen Wetters, starken Besuch auszuweisen. Heute herrscht wieder lebhaftes Treiben auf dem Strand, der ausschließlich Arbeitern gehört. Auf der 100-Meter-Bahn üben die Sportschwimmer des ASV. Wien sür dos Schwimmen„Quer durchdieDonau". Das fröhlichste Bild geben aber die zahllosen Kinder ab, die sich bei munteren Neckereien im seichten Wasser tummeln oder an den Turnplatzgeräten ihre ersten llebungen machen. Der Arbeiter. Schwimmverein gewährt, um ja nur recht vielen Jüngsten die Freude an Wasser und Luft zu ermöglichen, allen Gruppen von Kindern, die geschlossen das Bad besuchen, freien Eintritt: eine Vergünstigung, von der insbesondere die Kinderfreunde gerne Gebrauch machen. Durch die Arbeit der Wiener Schwimmsportler sür diese große Sache ist an der„Alten Donau" ein Bad entstanden, das ganz und gar den Arbeitern gehört und in ihrem Sinne geführt wird. Auch die bürgerliche Welt känn sich heute, trotz früherer scharfer Angriffe, eine Anerkennung nicht verkneifen. Di« Wiener wissen das Arbciterstrandbad zu schätzen, denn beispielsweise im Vorjahr, das keinen besonders günstigen Sommer aufwies, wurden 150 000 Besucher gezählt. In diesem Jahr, wo die weitere Ausgestaltung so riesig« Fortschritte gemacht hat, rechnet man mit einer bedeutend höheren Besuchsziffer. Diese Anlage, auf der von weither sichtbor eine breite, rote Fahne den Eigentümer erkennen läßt, beweist deutlich, zu welch großer Leistung Solidarität führt. Anderen zur Nachahmung emp- fohlen. Die Wiener Sportler werden, wenn sie zum 2. Bundesfest nach Nürnberg kommen, erkennen müsien, daß auch die reichs- deutsche Arbeitersportbewegung, trotz aller Quertreibereien der„Aus- geschlossenen" in den letzten Jahren große Zkulturarbeit im sportlichen Sinne geleistet hat. K. R. Wft HU C V am 18- August I in den Rehbergen Cochet überrennt Tilden. Frankreich fuhrt 2:0 im Davis-Cup. Der Schlußakt im diesjährigen Weit st reit der Nationen um den Davis-Pokal hat am Freitag in Paris seinen Ansang genommen. Die E n t s ch e i d u n g ist bereits so gut wie g e- fallen, denn Amerikas Vertreter hatten gegen Frankreichs Muske- tier« nicht die geringste Chance und muhten sich in beiden Einzel- spielen leicht geschlagen bekennen. Im ersten Spiel wehrt« sich der junge Amerikaner Lott verzweifelt gegen eine Niederlage durch Jean Borotra, er kam aber nur zu einem Satzgewinn und mußte sich mit 6:1, 3:6, 6:4, 7:5 geschlagen geben. Dos mit riesiger Spannung erwartete M a ich Cochet-TIlden war eine recht einseitige Angelegenheit.„Big Bill", der vor wenigen Tagen in Berlin glänzend zu gefallen wußte, mar hier nicht wiederzuerkennen und wurde von Cochet glatt mir 6:3, 6:1, 6: 2 überrannt. Der Kampf Vorotra— Lott. Bei sonnigem, aber nicht zu heißem Wetter hatte das Pariser Roland-Garros-Stadio'n einen ganz großen Tag. Die weiten Tribünen waren von einer zehntausendköpsigen erwartungs- vollen Menge dicht gefüllt. Im ersten Spiel zwischen Lott und Bo» rotra machle der junge Amerikaner anfangs einen recht nervösen Eindruck und hatte,«he er es sich versah, den ersten Satz 1: 6 vcr- loren. Bedeutend schärfer ging es im zweiten Satz her. Nach dem Ausgleich von 3: 3 gelang es Lott mit heftigen Angriffen die drei nächsten Spiele und damit diesen Satz für sich 6:3 zu entscheiden. Auch im nächsten Satz harter Kampf. Nach 3: 3 und 4: 4 setzte Borotra alles auf eine Karte und buchte diesen Satz mit riskierten Netzangriffen 6: 4. Zum vierten Satz traten beide nach kurzer Pause wieder völlig frisch an. Borotra legte sich gleich mächtig ins Zeug und führte schnell 2:0, aber Lott gab sich noch keinesfalls geschlagen, es gelingt ihm nicht nur der Ausgleich 2: 2 und 3: 3, sondern eine Schwächeperiode des Basken verschaffte ihm sogar eine 5: 3-Führung. Dann aber machten sich die Anstrengungen des schweren Kampfes doch bemerkbar und unter dem Jubel der Zu- schauer buchte Borotra die nächsten vier Spiel«— das letzte war «in Nullspiel— und damit den ersten Punkt für Frankreich. Cochets Meisterleistung. Altmeister Tilden traf auf einen Henry Cochet in Höchstform. Was der Erste der Weltrangliste hier an Tennis zeigte, war einfach verblüffend. Sämtliche Bälle, die es überhaupt gibt, wurden von ihm in Vollendung gezeigt. Der Franzose verfolgte die ausgezeichnete Taktik, daß er immer dann, wenn Tilden das Spiel zu verschärfen suchte, das Tempo verlangsamte und umgekehrt dann angriff, wenn„Big Bill" mit Schnittbällen langsainer werden wollte. Er gewann sehr schnell bei 2:1, 3:1 und 3: 2 den ersten Satz 6: 3 und war von Beginn des zweiten Satzes an völlig überlegen. Tilden verlor seine letzte Ruhe, als das Publikum bei ejnigen zweifelhaften Entscheidungen mit einem Pseiskonzert eingriff. Der Amerikaner vermochte im zweiten Satz nur ein Spiel, im dritten nur zwei zu buchen und damit ist wohl die Höhe seiner Niederlage am besten gekennzeichnet. In weniger als einer Stunde hatte Cochet seinen Gegner abgekantert und damit auch den zweiten Punkt erobert. biurbur-T r aining. Regen und Nebel in der Eitel. Der erste offizielle Trainingstag zu dem am Sonntag stattfindenden Großen Preis von Deutschland für Motorräder litt unter dem schlechten Wetter. Nedelschwaden hingen über den Eifelhängen und ununterbrochen ginges Hum- boldtstain. Wichtige Tagesordnung: Unser«artellsommerfest. Veleiltgung au der Antikriegsdemonstration der Sojraldemotratischen Partei und Reichsarbciter» sporttag tNAST). Varststendc, gassterer und Techniker der Vereine oder Ab. Icilungen müsse» erscheinen. Plakate und Karlen für unser Kartellsommersest müssen schnellstens vom Genossen E. Meier, Sportplatz Siel, berge, abgeholt werden. Frei« S-nu.llaiou Grotz-Verlin. Die Vorstandssstzung der Union findet am Montag, 29. Juli, 20 Uhr, bei Sachse, Lindowcr Str. 2S. statt. Wichtige Tages- � Bcnrl-kartcll lZ. Bezirk. Die nächst« Bezirkskartellsttzung findet am Mit!» Zl. Juli, l9'r, im Ingendbs'M Schule Germaniastr. 3 IN Tempelhot Außer den Delegierten müssen alle Vereinstechniker erscheinen. wach. statt. Die Steher in der ftlasenheide. heddx bester Mann— der Weltmeister enttäuscht! Rütts Dauerrennen hinker Leichlmotoren finden beim Sporkpublikum immer mehr Anklang: wies doch seine gestrige Veranstaltung.» die mit Sawall, ZNaronnier. Bauer und Dewolf beseht war, nahezu ausverkaufte Tribünen auf. Die drei Dausrrenen über 20. 30 und 50 Kilometer oerliefen durchweg interessant, allerdings hemmten die vielen Motordesekte im großen Lauf die Kampfesmöglichkeiten. Alle Fahrer stritten um ihre Position, nur Sawall enttäuschte im 50-Kllometor- Lauf, wo er von Leddy einige Male überrundet wurde, und nun glaubte, nicht mehr mittun zu brauchen... Im„L e h n i n- P r e i s" über 20 Kilometer hatte der Welt- meister die Spitze vor Bauer, Leddy, Maronnier und Dewolf. Leicht schiebt sich der Franzose an Leddy und auch an Bauer vorbei. In einem Dreirundenkampf mit Maronnier holt sich der kleine Char- lottenburger seinen Platz wieder, vermag ihn aber nicht zu halten und muß Dewolf den Vortritt lasten. Auch Leddy wird flotier. In der 36. Runde dreht Maronnier auf und fährt nun als Zweiter hart hinter Sawall. Bauer, der viel Platz eingebüßt hat, wird von den beiden ersten, dann aber auch von Leddy überrundet, lieber- Haupt weiß der Holländer im Verlauf des Rennens die Bahn immer bester zu nehmen und besetzt schließlich in sicherer Weise den zweiten Platz hinter Sawall und vor Maronnier, Dewolf und Bauer. So bleibt die Reihenfolge bis zum Schluß. Sawall war Leddy nur mit 5 Meter Vorsprung voraus. Im 30- Kilometer- Lauf ist Dewolf vor Maronnier, Leddy, Bauer und Sawall Spitzenreiter. Schon nach 2 Runden hat Maronnier die Führung. Bauer, Leddy, Dewolf und Sawall folgen in dieser Reihe. Auch hier beweist Leddy groß« Angriffsfreudigkeil, die zunächst erfolglos ausläuft. Die hinteren Plätze wechseln oft. Mehr Leben kommt ins Feld, als in der 43. Runde der Holländer Maronnier von der Führung verdrängt. Dewolf weiß seinen zweiten Platz gegen Maronnier. Bauer und Sawall zu halten. Einen kurzen erregenden Kampf gibt es, als etwa zwei Drittel der Wegstrecke bedeckt sind: Bauer geht vorbei, holt sich aus vierter Position di« Führung. Vier S ch r I t i m a che r m a s ch i n e n liegen hart zusammen, vier Steher jagen hinterher: Bauer, De- wols und Leddy. sie alle drei treiben den an letzter Stelle liegenden Sawall vor sich. Leddy läßt keine Ruhe. Er greift den führenden Bauer an und der lachend« Dritte ist— Dewolf. Während die beiden ersteren platzen und kurze Zeit von der Rolle kommen, übernimmt er die Führung bis zum Schluß. Der Weltmeister wogt endlich einen Vorstoß der aber nicht sonderlich erfolgreich ausläuft. Er kann wohl vorübergehend Leddys dritten Platz besetzen, zum Schluß ist aber Leddy wieder in dieser Position hinter Bauer. Maronnier ist fünfter. Der mit Spannung erwariete 50-Kilometer-Lauf:st reich an Motordesekten. Die Reihenfolge ist hier Maronnier, Dewolf, Leddy, Bauer und Sawall. In der 58. Runde holt sich Leddy den zweiten Platz. Dewolf hat als erster Motordefekt, Bauer „schwimmt", beide fallen weit zurück, so daß nur noch Maron- nier, Leddy und Sawall in gleicher Runde liegen. In der 80. Rund« s«tzt auch Maronniers Motor ans. Leddy und Sawall sind ollein auf weiter Flnr. Der Holländer ist j«doch flinker als Sawall, dessen Schrittmacher Pasquier jr. wohl wacht, doch nicht verhindern kann, daß Leddy In der 124. Runde Sawall postiert und vierzehn Runden später noch einmal das Spiel wied-rholr. Dann können auch alle anderen Fahrer an Sawall, her 40 Runden hindurch völlig tust los fährt, vorbeigehen. Nach etwa 170 Runden taut er noch einmal für kurze Zeit auf. Läßt dann wieder noch und begnügt sich mit seinem zweiten Platz der infolge der durch Motorschaden zurückgefallenen anderen Fairer nicht gefährdet ist.~~ R. Sch. Er«ebnisse:_______...________________.. 8. Seifert. Ma»»!ch>»kt»lvm»Iun>: 1. Nroll-Micche. 19 Deirtkch« Meile für A mateirre: I. Paß 6! 2. S. Schul»! -------..—------——-----------— v-! 2. oenbn»�" ouüti i. H P.— Tauctrenr.cn. 20 Silomctcc; 1. S-wall 19: 13.2: 2. Ecbbn, 5 Meters Ä. Maronnier. 70 iüjc'cr; 4. Dewolf, 210 Meter: S. Bauer, 4.10 Meter»utUtf /SO Kilometer' 1. ,Dewoli 29:14: 2. Bauer, 100 Meter: 3. Leddn 120 Meter' 4 caroall, ISO Meter; 3. Maronnier. 460 Meter»urilci. 30 flilaneiei' 1 Led!»! 49: 08,2: 2. Sawall. 1875 Meter: S. Maronnier, 2410 Meter- 4. 9a"er 8570 Meter; 5. Dewolf. 9000 Meter»uriiit.' �"'