BERLIN Montag 29. ZU» 1929 10 Pf. Nr. 350 B174 46. Jahrgang. erscheint t i» l i ch aater Eenntag«. Auzlrich Abendausgabe de«.Vorwirtt'. Bezugsreei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, S,60M. pro Monat. kedaktion und expediti»»; BerlinSWes.Linbenftr.s , e i g e n» r e i«. Die einspaltige Nonpareille>eil« Pf.. Keklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. st s ch e ck k o n t»: Vorwättt-Berlaz S. m. b.H., Berlin Nr. 87535. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29t Mesenkamps in England. S00000 Textilarbeiter ausgesperrt. /Llm die Herabsehung der Löhne. -1100 Gefangene im Aufstand. Gesängnis-�evolte im Staate New �ork. London, 29. Juli.(Eigenbericht.) Die Aussperrung in der englischen Baumwollindustrie ist nb heute Wirklichkeit, nachdem auch die letzten Rom» promitzver suche gescheitert sind. Die Aus- sperrung erstreckt sich auf 1800 Betriebe mit annähernd 500 000 Arbeitern. Die Gewerkschaft der Weber, die ungefähr die Hälfte aller von der Aussperrung betroffenen Arbeiter umfasit, hat ihren Vertretern endgültig untersagt, mit den Unter- nehmrr« über Lohnherabsetznngen zu verhandeln. Die Gewerkschaft der Spinner wird noch im Laufe dieser Woche eine Delegiertenversammlung abhalten, um über die Frage eines eventuellen selbständigen Vor- gehens die Auffassung ihrer Mitglieder einzuholen. London, 29. Zull. Frau Zlrbeilsminister Margaret B o n d s I e l d wird heute von neuem versuchen, die Zlrbcitsstreitigkcitcn In der Baumwollindustrie einer Lösung entgegenzufiihren, bevor dieser Industrie ein ernst- k.asler Schaden erwächst. In ministeriellen Kreisen ist man der?ln. ficht, daß wegen des Abbruch» der Verhandlungen, die am Sonnabend stattfanden, eine neue Verhandlungsgrundlage gefunden werden mühte, bevor zwischen Unternehmern und Arbeitern eine neue Verbindung hergestellt werden kann. Uebrigens wird in den Webereien, deren Besitzer den Arbeitgcberorganisotionen nicht angehören, die Arbeit trotz des Abbruchs der Verhandlungen fort- geseht werden. wancheslcr, 29. Juli. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Unternehmer und den Gewerkfchasten sind ergebnislos abgebrochen worden. Die ltzewerkschast der Spinner hotte sich zu Verhandlungen über eine Lohnherabsetzung im Prinzip bereit erklärt, wogegen die Gewerkschaft der Weber nichts von einer Lohnherabsetzung wissen wollte, sich anderseits aber bereit erklärte, den ganzen Streitfall rinem Schiedsgericht zur Entscheidung zu unterbreiten. Mit dieser Erklärung der Weber hatte die Kündigung der Unternehmer für etwa 300 009 Arbeiter Gültigkeit erreicht. Die Gewerkschaft der Spinner und Wollkämmer, die ungefähr 200 000 Arbeiter umsaht und die anfangs zu einer Weiterführung von Verhandlungen über eine Lohnherabsetzung bereit war. Hot in einer am Sonnabend abgehallenen Delegierten- Versammlung über die Frage einer Fortführung der Verhandlungen abgestimmt. Die A b st i m m u n a ergab aber eine äuherst geringe Mehrheit, so dah sich die Gei Haft nicht berechtigt fühlte, hie Verhandlungen weiterzusührcn. Mit dieser Entscheidung Hot die Kündigung der Unternehmer sür die Spinner und Wollkämmer Gültigkeit erreicht. e- Zeit Jahren versuchen die Unternehmer in der englischen Textilindustrie ihre etwas in Rückstand geratenen Betriebe durch eine Lohnherabsetzung auf dem Weltmarkt kon- kurrenzfähig zu machen. Die englische Textilindustrie, wie die englische Industrie im allgemeinen, hatte sich bisher verlassen auf das große Absatzgebiet des englischen Empire, wo der englischen Industrie eine traditionelle und zum guten Teil rechtliche Vorzugsstellung eingeräumt ist. Mit Recht wehren sich die englischen Textilarbeiter dagegen, die Kon» kurrenzfähigkeit nicht durch die allein mögliche Modernisie- rung der Betriebe, sondern durch die Herabsetzung der Löhne herbeizuführen. Eine solche Lohnherabsetzung führt in eine Sackgasse. Die englische Arbeiterregierung, die diesen Konflikt bei ihrem Regierungsantritt bereits vorfand, hatte den Vorschlag gemacht, zunächst durch eine Untersuch ungskom- Mission die wirtschostliche Lage der englischen Textil- industrie zu durchleuchten. Die englischen Textilindustriellen weigerten sich aber, das Ergebnis dieser Untersuchung ab- zuwarten und verlangten eine sofortige Herabsetzung der Löhne. Es bestehen allerdings Anzeichen dafür, daß den eng- tischen Textilindustriellen bei dem Riesenkampf, der nunmehr durch ihre Schuld ausgebrochen ist, nicht recht wohl ist. Es ist sicher, daß die englische Arbeiterregierung nichts tun wird, was den Kampf der Arbeiter erschweren könnte, und daß.sie den Unternehmern die Niederringung der Ar- beiter nicht erleichtern wird. Darin unterscheidet sich die Kampflage während der Aussperrung der Bergarbeiter vor drei Jahren. Man kann deshalb erwarten, daß der Aus- gang dieses Kampfes sich wesentlich unterscheiden wild von dem Ausgang des Kampfes im Bergbau im Jahre 1S2K. Die Führer der englischen Textilarbeiter, zu denen auch der jetzige Kriegsminister Tom Shaw gehört, sind be- tannt sür ihre vorsichtige und abwägende Taktik. New Jork, 29. Iuli. lT-genberichl.) Am Sonnlag nae, um die Telephondrähte durchzu» schneiden und so eine M o s! e r. f l u ch t zu ermöglichen. Trotz- dem gelang es, 130 Mann Nationalgafde. 75 Staatspolizisten und die Feuerwehr aus allen Nachborsiädlen herbeizuholen. Di« ganze wehrfähige Be v ö l k e r u n g der Stadt Aubukn wurde bewaffnet, und nur. so gelang es, hie Sträflinge allmählich nach d«n Zellen- gebäuden zurückzudrängen, wo sie.mit den Wachen kämpften. Dprt entstand'eine neue Panik, da auch diese bereits in Brand geraten waren. Tagung der Lniernationale. Zürich, 29. Juli.(Eigenbericht.) Am Sonntag trat hier die Exekutive der Arbeiter-Internotionale zusammen. Deutschland ist vertreten durch Crispien, Stel- ling und Vogel vom Parteivorstand. Auf Antrag Vandervelde; wurde der holländische Sozialist W i b a u t zum Vorsitzenden ge- wählt. �Hermann Müller wurden auf sranzöstschem Antrag telegraphisch die besten Wünsche zur Wiedergenesung über- mittelt. Die Tagung wandte sich nach einem Bericht über die Ab- rüstungsaktion der Internationale und einer Diskussion über die weiteren Maßnahmen der Erörterung der Kriegsgefahr im Fernen Osten zu. Man besprach dann nach einem Bericht von Dandervelde dos Reparationsproblem im Zusammenhang mit der bevorstehenden Diplomatenkonferenz. Die Diskussion ergab volle Einmütig- teit. Die Konferenz befaßt« sich schließlich mit Daltansragen und Vorgängen innerhalb der ungarischen Sozialdemokratie. Da« Meim am Werlsee Der XaugetwrkMbund hat am Sonnabend sein neue» Jfefm am TTerl see geiner fteglimmung übergeben.'Unsere SBÜ der aeigen oben die Qe snmlanaichi des neuen Xauses, unten das stilvolle Treppenhaus. LsnterBriand kehren alle wieder Radikalen lehnen Kabinettsbeteiliguna ab.— poincaröS Kabinett unter Äriands Führung. P a r i s. 2S. Juli. Die Radikale Partei hat das Angebot Briands. Mit» glieder der Partei als Staatsminister in das Ministerium aufzunehmen, abgelehnt. Der Borfitzende der Partei. Daladier. hat Auftrag erhalte«. Briand hiervon i« Kenntnis zu setzen. Vriand begibt sich nunmehr nach dem Elhsee» um dem Präsidenten der Republik von diesem Beschlust Mitteilung zu machen. Man kann nunmehr. wie Havas betont, als fast sicher annehmen, dast alle Mitglieder des zurückgetretenen Kabinetts dem neuen Ministerium angehören werden. Oer Kampf um Tardieu. Paris, 29. Zuli.(Eigenbericht.) Vriand ist bei seinen Verhandlungen aus grohe Schwierigkeiten gestohen, will aber bis heule abend sein Kabinett zustande bringen. Es ist sehr zweifelhaft, ob er die„republikanische Kon- zentrntion" oon den Radikalen bi» zur Vlarin-Gruppe durchführen kann: das hängt von dem Ausgang de» Streites um da» Innen- Ministerium ab. Die Radikalen haben ihren Anspruch auf diese» RlinifterUim noch nicht ausgegeben, während die RIarin- Gruppe beschlossen hat. das Kabinett Vriand nicht zu unterstützen, Iflünssen«um Verfaffungstag Zum 11. August 1929, dem Zehnjahrstage der Reicheverfassung, wird eine Gedenkmünze in Form eines günfmarkstückes ge- prägt. Sie trägt das Bild des Reichspräsidenten und auf der Rückseite ein Treuebekenntnis zur Berfossung.— Für Sportverein«. die am Lerfassungstage Wettkämpfe ausfechten, hat der Reichspräsident eine besondere Medaille als Preis gestiftet. wenn ein anderer al» I a r d i e u darin regiert. Um dieses Problem zu lösen, sind eine Reihe von Kombinationen vorgesehen: l. Tardieu erhält einen radikalen Unter st aatssekretär neben sich 2. die radikalen parteisührer herriot und Daladier treten als Minister ohne Portefeuille in das Kabinett ein, dast im übrigen unverändert bleibt. Vriand hat am Sonntag abend unzweideutig erklärt, dast er auf jeden Fall entschlossen sei, die Krise zu lösen und sei e» durch Schaffung eines llebergangsministeriums. aus- schließlich zu dem Zwecke, die haager Konferenz mitzumachen. Die Politik der Sozialisten. pari«, 29. Juli.(Eigenbericht.) Bei einer Sedentfeiir für den am 31. Juli 1914 ermordeten Jean Iaures sprach Abg. Paul Boncour auch über die Politik der Sozialisten. Er setzte sich für die Beteiligung der Sozialistischen Partei an der Regierung ein. Die Soziallsten hätten an keinem der Berhandlungstifche fehlen dürfen, wo das neue Europa bereit» in großen Zügen geformt worden wäre. Jetzt ständen wieder bedeutsam» Verhandlungen vor der Tür, die Sozia» listen werden daran teilnehmen. Konferenzbeginn Mitte August? Amsterdam, 89. Juli.(Eigenbericht.) Der Vorsitzende des niederländischen Hotelbesitzerverbandes er- klärte Pressevertretern gegenüber, von zuständiger Seit« dahingehend informiert worden zu sein, daß die diplomatische Konferenz im Haag wohl kaum vor dem IS. August zusammentreten könne. Kriegsschiffe nicht mehr repariert. Hoover stellt fie lieber außer Dienst. washingion, 29. Zuli.(Eigenbericht.) Der omrritanifche Staatspräsident ist enlschlossen, trotz aller Kritik seine Abrüstungspolitik fortzusehen. Man erwarte« hier, daß die zu diesem Zweck erforderliche Abrüstungskonferenz noch in diesem Jahre siallftndel. Inzwischen sollen nach einem Vorschlag von Hoover auch die reparaturbedürftigen Schlacht- schisse der amerikanischen Marine nicht mehr ausgebessert, son- dern außer Dienst. gestellt werden. Reichsmarine verschrottet qlte Schiffe. Wilhelmshaven. 29. Juli. Die aus der Schiffsliste der Reichsmarine gestrichenen Schiff«, ber Kreuzer„T h e t i sowie die Torpedoboote V 1 und V 6 sind von der hiesigen Marinewerft zum Verkauf gestellt worden. Der Kreuzer„Thetis" ist durch den neuen Kreuzer„Königsberg� und aie beiden Torpedoboote sind«bensall» durch neue Boot« ersetzt worden. Beim Kreuzer„Thetis� handelt e» sich um ein ungefähr 30 Jahr« altes Schiff, das 2560 Tonnen Wasserverdrängung hat. Es lag auf dem Schiffsfriedhof. nachdem es Ende 1924 endgültig außer Dienst gestellt worden war. Zwischendurch wurde es nur einige Mal« als Wohnschlsf benutzt. DI« Torpedoboot« sind 1911 und 1912 gebaut worden. Di» Schiffe wtrten nun bald vom Schiffsfriedhof oerschwinden, um auf ein« Abwrackwerft zu wan- dern. Nach den Verkaufsbedingungen müssen ste verschrottet werde«. Was ist mit Bombe? Man will ihn noch gestern in Hennigsdorf gesehen haben. Die Suche nach dem seit nunmehr neun Tage« ver- schwundenen Berliner Landgerichtsdirektor Dr. V o mb e ist durch Feststellungen, die am gestrigen Sonntag von dem ver- liner Kriminalkommissar Büsdorf und den zuständigen Landjägern getroffen werden konnten, in neue Bohnen gelenkt worden. Danach hat Dr. Bomb« sich am Sonnabend, dem 20. Juli, von Neu-Globfow aus nach dem etwa ein bis zwei Stunden entfernten Adamswalde begeben und hat dort, weil die Gasthöfe über- füllt waren, bei einer Familie Koch übernachtet, nach- dem er noch in der Umgebung spazierengegangen war. Am anderen Morgen, also am Sonnabend, dem 21. Juli, ist«r dann von Adams- walde in der Richtung nach der Zechliner Glashütt« weiter- gewandert, oon wo er, nach seiner Mitteilung an die Quartiergeber, nach Rheinsberg fahren wollt«, um von dort nach Berlin zurück- zukehren. Irgendein Irrtum daran, daß es sich tatsächlich um den vermißten Landgerichtsdtrektor gehandelt hat, ist ausgeschlossen, zu- mal er bei seiner Unterhaltung mit der Familie Koch auch ausdrücklich erwähnt hat, daß sein Gepäck noch in einem Hotel in Reu- Globsow stehe und daß er es direkt nach Rheinsberg nachkommen lassen wolle. Auf Grund dieser Feststellungen wurde am gestrigen Sonntag von Landjägern. Förstern und einem Trupp von Pfadfindern, die sich freiwillig zur Verfügung gestellt hatten, unter Leitung von Kriminalkominissar Busdorf der Wald zwischen Adamswalde und Zechliner Hütte planmäßig abgesucht, jedoch ohne Erfolg. Inzwischen schienen sich bereits neue Spuren zu ergeben. Der Führer eines Motorbootes, das zwischen Zechliner Hütte und Rheinsberg verkehrt, glaubte nach dem ihm vorgelegten Bild und der Beschreibung Bombes sich bestimmt zu erinnern, daß er diesen Herrn am Sonntagmittag von Zechliner Hütte nach Rheinsberg gefahren Hab«, ein« Annahme, die jedenfalls nach den vorher in Adamswalde getroffenen Feststellungen durchaus zutrefsen kann. Kriminalkommissar Busdorf begab sich daraufhin nach Rheinsberg, konnte aber bisher in diesem Ort über den weitsren Verbleib des Landgerichtsdirektors nichts ermitteln. Während der Nachforschungen in Rheinsberg erhielt Büsdorf am gestrigen Sonntagabend die Nachricht, daß Bomb« noch gestern, also am 28. Juli, in dem kleinen Ort Wustrau in der Nähe von Ruppin in einer Gastwirtschaft gesehen worden sein soll. Der Kriminalkommissar begab sich darauf- hin sofort nach Wustrau, wo ihm der dortige Oberlondjäger folgende Mitteilung mochte: Ein Kaufmann aus Spandau habe am gestrigen Sonntagmittag in der Gegend von Hennigsdorf einen älteren Herrn auf sein« Bitten mit nach Wustarau in seinem Auto genommen, von wo der Fremd« mit dem Dampfer nach Neuruppin fahren wollt«. In Wustrau angekommen kehrte der Besitzer des Autos in der Gastwirtschaft von. heßmann ein, während sich der Fremde von ihm verabschiedet«. Das ganze Verhalten des älteren Herrn machte auf den Kaufmann den Eindruck, als ob mit dem Geistes- zustand des Fremden nicht alles In Ordnung war, aber erst nach seinem Weggang kam ihm der Gedanke, daß es sich vielleicht um den vermißten Landgerichtsdirektor Bombe handeln könnte. Er schildert« sein« Wahrnehmungen dem Gastwirt Heß- mann, der sofort den Oberlandjäger Seifert benachrichtigte. Der Beamte tonnte dann bgld feststellen, daß der Unbekonnte in einem Gasthof von Wustrau, in der Wirtschaft von Laos, zwischen 1 und 2 Uhr mittags«ingekehrt war und sich Mittagessen bestellt hatte. Dem Besitzer des Lokales war ebenfalls das verstörte Wesen seines Gastes aufgefallen, aber da In der Wirtschast viel zu tun war, konnte er sich nicht näher um ihn kümmern. Nach dem Essen ver- langt« der Herr noch den Füllfederhalter des Wirtes, um zwei Ansichtskarten zu schreiben, und als er den Holter zurückgab, ver- suchte der Gastwirt«in Gespräch anzuknüpfen, erhielt aber aus seine Fragen keine Antwort. Der Fremd« li«ß sich dann noch d«n Weg zu dem Park des Schlosses der Grafen von Schwerin zeigen, erkundigte sich auch noch, wie man nach Ruppin gelangen könne und oerschwand dann aus Wustrau. ohne daß man bisher über seinen weiteren Verbleib etwas ermitteln konnte. Der Fremd« wurde als ein Mann etwa Mitte der Fünfziger geschildert, was aus Landgerichtsdirektor Bombe zutreffen wird. Er soll einen grünlichen Hut und einen Sportanzug mit Knickerbocker» getragen haben, während noch Auskunft der Wirtschafterin Bombe« dieser nicht Pumphosen, sondern Breeches getragen haben fall. Interessant ist ferner folgend« Feststellung: Di« Gattin des Spandau« Kaufmanns, der der Wirtschafterin telephonifch sein« Beobachtungen mitgeteilt hatte, will an der Krempe des Hutes, den der Unbekannte trug,«in« kleine Be» schädigung f« st gestellt haben. Tatsächlich war der weich« Hut, den Bombe aus seiner Reise bei sich hatte, leicht beschädigt. denn bei einem Ausflug von Karlsbad mit einem Postauto war die Scheibe der zuschlagenden Tür in Trümmer gegangen und«in Splitter hat« in der Krempe des Hutes, den der dicht an der Auto- tür sitzende Landgerichtsdirektor auf hatte, einen kleinen Riß ver- urfacht. Dies« Feststellung ist so auffallend, daß also tatsächlich mit der Möglichkeit gerechnet werden muß, daß Dr. Bombe noch am gestrigen Sonntag in Wustrau am Ruppiner See gewesen ist. Der Ort liegt etwa ZO Kilometer von Rheinsberg entfernt. Infolge- dessen besteht augenblicklich die Möglichkeit, daß der Vermißte in einem Anfall von Gelstesgestörtheit planlos� umherirrt. Allerdings kann man sich schwer vorstellen, wie er ohne jedes Gepäck und nur mit 80 M. In dir Tasche die acht Tage seit seinem iBerfchwiirden aus Adomewald« verbracht hat. Andererseits wird natürlich auch immer noch damit gerechnet, daß es sich bei der nach Wustrau führenden Spur um eine Verwechslung handeln kann. Von„Vnrnn in den Tod gehehi" Roch ist das Dunkel, das über dem Verschwinden des Land- gerichtsdlrettors Bombe gebreitet liegt, vollständig ungeklärt. Nur dl« Rechtspresse weiß bereits am Sonntag alle». Sie weiß, daß der Landgerichtsdirektor Bombe von den Republikanern in den Tod gehetzt wurde, vor allem von dem Ministerpräsidenten Otto Braun. So schreibt im„L o k a l a n z e i g e r' ein Freund de« Vermißten: „Für mich, dem der Verstorben« oft sein herz ausgeschüttet Hot. liegen fast absolut« Bewelje dafür vor. daß die ilr. fache in der schweren Chrenkräntung durch den Mi» nisterpräsidente» Braun zu suchen ist. Bomb« feines Ehrgefühl war durch die schwer«, von Braun in Homburg aus- gesprochen« Beleidigung, daß er im Femetnordprozesf das Recht gebeugt habe, in!o hohem Maße oerletzt, daß er dieses nur ver- wunden hätte, weim Braun... in loyaler Weis« sein« Beschuldi- (Hing zurückgenommen hätte. Dies ist, trotz mehrfacher Auf- sorderuna von verschiedenen Seiten, nicht geschehen____ Da dem Landqerichtsdirektor Bomb«, der schon lange auf der Liste der Präsidenten stand, auch nicht einmal durch eine Be- förderung in gewissem Grad« ein« Genugtuung zuteil wurde, hat er geglaubt, so nicht weiterleben zu können." Ganz ähnlich schreibt die„Deutsche Zeitung; „Er(Bombe) war ein äußerst befähigter Jurist, sein« Er- nennung zum Präsidenten war vorgesehen, unterblieb infolge der gegen ihn eingeleiteten Hetze. Dos hat ihn see- lisch zerrüttet und ihm wohl den Entschluß eingegeben, seinem Leben ein Ende zu machen." Die Red« Brauns, durch die sich Bomb« so schwer verletzt ge- fühlt haben soll, stainmt an» dem Jahre 192(5. Genosse Braun hat damals ösfentlich kritisiert, daß Herr Bomb«— gegen den ausdrücklichen Wunsch der Regierung— in dem Feme- mordprozeß Pannier die Oefsentlichkeit während de? gesamten Ver- Handlung ausschloß. Daß Herr Bombe wirklich sich einen Tadel des Ministerpräsidenten so zu herzen genommen hoben sollt«, daß er drei Jahr« später deswegen Selbstmord beging, würde an sich schon im schroffen Widerspruch zu der Art stehen, m der die Kreise des Herrn Bombe sonst aus den Tadel eines republikanischen Mi- nisters zu reagieren pflegen. Worum Brauns Tadel aber erst nach drei Jahren so erschütternd auf Herrn Boinbe wirkt«, bliebe vollends unerklärlich. Doch— stehe da— in der Montag- frühausgabe des gleichen„Lokakanzeigers", im„Montag", lesen wir: „Eine weitere Spur, die mit den gleichen neuen Ermtttelun- gen zusammenhängt, läßt es als nicht ganz crusgeschlosssn erscheinen. daß der Vermißte sich in Berlin befindet. Beiden Möglichkeiten wird mit dem größten Nachdruck nach- gegangen. Di« ersten Zeugenaussagen lassen die anfängliche An- nahm«, daß Landgerichtedirektor Bombe Selbstmord verübt hat, als unwahrscheinlich gelten. Entweder ist Vombe verunglückt, oder er ist einem verbrechen zum Opfer gefallen." Da» gleiche Hugenberg-Blatt, das am Sonntag mit positiver Sicherheit den preußischen Ministerpräsidenten für den Tod des Herrn Bombe verantwortlich macht, bezweifelt am Montag den Tod bzw nimmt Verbrechen oder Unglücksfall als Ursache an. Und diese Gesellschaft, die selber so leichtfertig und schamlos hetzt und verleumdet, wagt es noch, andere der Hetze mit Todeserfolg anzu- klagen!_ Sozialdemokratischer Wahlsieg Sei den Gemeindewahlen in Lauchhammer. Lauchhammer(kr. Liebenwerder), 29. Juli.(Eigenbericht.) Auf Grund de» Gesehe» über die Auslösung der Gulsbezirk« tft durch Zusammenlegung de» großen Zudufirlegul»- bezirke» Lauchhammer mit der bisherigen Gemeinde Lauch- Hammer eine neue etwa 5000 Einwohner zählende Land- gemeinde Lauchhammer gebildet worden. Räch einem von der Graßindustrie mit aller Schärfe und unter Anwendung aller nur denkbaren Mittel geführten Wahlkampf fanden gestern die Ge- meindewohlen stall, die folgendes Ergebnis hatten: Sozial- demokralen 1071<995 bei der Reichslagswahl 192$); Kommunisten 300(419); wirischafttiche Vereinigung 829(935). Während die Sozialdemotrale« also einen Stimmengewinn von rund 7 proz. verzeichnen konnten, büßten die Kommunisten mehr als ein viertel ihrer Stimmen, die vürgerlichen über hundert ein. Von den Mandaten zur Gemeindevertretung entfallen auf die Sozialdemokraten 7, die Kommunisten 2 und die Bürgerlichen 0., Btindfahrt mit dem Ostexpreß. Warschau-Serlin im Wagengeflänge. Als am Sonntag früh der von Warschau kommende Ost- expreß auf dem Schlesischen Bahnhof«inlief und die Fahrgäste durch die Sperre gingen, fiel dem Kontrolleur ein junger Mann auf, der in seinem Aeußeren fast einem Neger glich Sein Gesicht war über und über mit Schmutz bedeck! und schwarzgestreift, sein Anzug lieh kaum noch die ursprüngliche Farbe erkennetz. Da der junge Mensch sich außerdem ohne Fahrkarte durch die Sperr« schleichen wollte, so wurde er angehalten und zunächst einmal dem Noten Kreuz zur gründlichen Säuberung zu- geführt. Später stellt« es sich heraus, daß der Angehaltene ei« 18 Lahre alter Franz Wronker aus Grodjiska bei Warschau ist, der Sohn«ine» ehrsamen Arbeiters, der von Haufe ausgerückt war. Cr halte keinen Pfennig Selb, um nach VerNn zu fahr««. wußte fich aber zu helfe«. Am Eonnabendabend, als der Zug gegen 10 Uhr den Warschauer Bahnhof verließ, sprang Franz ihm nach, verkroch sich im Gestänge der Waggons und machte die lange Fahrt auf dem unbequemen und gefährlichen Platz mit. Diel bewegen durfte er sich nicht, wenn er nicht herabgeschleudert werden wollte. So kam es, daß er allen Staub, den der Zug aufwirbelte, ins Gesicht und auf die Kleider bekam. Der jung« Mann, der kein Wort Deutsch versteht, ist der all- gemeinen Sicherheitspolizei übergeben worden, die für seinen Rück- traniport noch Warschau sorgen wird. Oampferkatastrophe bei Athen. Bisher sieben Tote gemelvet. Auf dem Aegäischeu Weer stießen in der Rähe von Athen ein griechischer Personen- und ein grlechlschex Fracht- dampser so zusammen, daß der Personendampser i n d« r Witte durchschnitten wurde und innerhalb weniger Wion- ten versank. Die Schissbrüchigen konnten zum große» Teil rettet«erden. Bisher werden 7 Tot« gemeldet. 7 u vermutet jedoch, daß sich dies« Ziffer noch wesentlich erhöhen; 325 Stunden in der Lust. St. C o n I», 29. Zuli. Di« Dauerrekordslieger waren am Sonntag abend um 9 li�r (Rew-Porker Zeit) 375 Stunden ununterbrochen l» der Luft. Kommunisten im Kungerffrei?. pari», 29. Juli.(Eigen?erlckt> Am Tonntug wurden onederum 4 Kommunisten verhafte», du aus einem Auto Flugblätter verteilten. Außerdem nahm die Polizei zahlreiche Haussuchungen vor. Die bisher verhosteten 150 Kommunisten sind am Sonntag in den Hungerstreik getreten. Der Sozial: st, sche Gewerkschaftsbund protestiert in einem Ausruf aus das entschiedenste gegen die Unterdrückungxpolitik der Pariser Polizei. Schiffsunglück auf dem Rhein. Dampfer gesunken- Fahrgaste konnten das Schiff ungefährdet verlassen. Der Köln-Düsseldorfer vnmpfer„H n d i n e" ist am Sonniog msrgen auf der Blnget Reede gesunken. Das Schiff war kurz var Mitternacht von einer Sonderfahrst die die Krcuznacher Kasino- gesellschaft nach Braubach gebracht hatte, zurückgekehrt. 3n der Nähe des Binger Lochs fuhr das Schiff plötzlich auf Grund und wurde l e ck. Mtt den größten Anstrengungen gelang es noch, hinter Bingen zu fahren. Die Fahrgäste, etwa 200 Mann, kannten das Schiff rechtzeitig verkästen. Der Führer des Dampfers gibt an, von dem Schein- werfer eines Kraftwagens in seiner Sicht behindert worden zu sein. Die Schlffsgerät« und die Habseligkeiten der Schiffsbesatzung konnten an Land gebracht werden, während die gesamten Weinoorräte nun- mehr auf dem Rheinboden schlummern. Durch Sirenenrufc und Brandglocke wurde die Binger Feuerwehr alarmiert, die mit zwei Pumpen versuchte, das Schiff zu retten. Aber all« Müh« und Arbeit waren vergebens. In den frühen Morgenstunden ist der Dampfer mit lautem krach und Getöse gebrachen und gesunken. Das Schiff zählte zu den Bauwerken älterer Art und fuhr feit etwa Z7 Iahren auf dem Rhein. Studenten bleiben zu Hause. Die Verfassungsfeier der Llniverfität Greifswald. Greisswald, 28. Juli. Entsprechend dem Beschluß der deutschen Hochschulrektaren ver- anstallete die Universität Greifswald aus Anlaß des zehnten Jahrestages der Weimarer Berfassung eine ver- saflungsfeier, an der neben dem Lehrkörper der Universität die ver- treter der staatlichen und kommunalen Behörden teilnahmen. Di« RedakiioilSschllng der„Roten Zahne" „Heiliger Stalin, Bilder haben wir gefälscht, so gut wir tonnten. Aber gib uns auch durch Deine Gnade, daß es die richtige Linie war!* Studentenschaft hingegen hatte in Anlehnung an die Kundgebung des Deutschen Studententages eine Beteiligung abgelehnt. Di« Studenten gaben eine ähnliche lächerlich« Erklärung ab, wie sie bereits aus Hannaver bekannt ist. Sie beteiligten sich nicht an der Feier. Die Feier selbst nahm einen ruhigen Verlauf. Die Festrede hielt Prof. Dr. Dr. Holstein im Rahmen einer Vorlesung über die Entstehungsgeschichte der Reichsversastung. Zweite Probefahrt des„Graf Zeppelin" Glücklicher Aufstieg und glückliches Ende. Friedrichshase«, 2S. Zulst Da, fufffchiff„Graf Zeppelin" ist mit ZS Fahrgästen an Bord gestern 7 Uhr Z4 bei herlichem Wetter zu seiner zweite», größeren Probefahrt aufgestiegen, ver Ausstieg wickelte sich. nachdem da, Schiff um 7 Uhr 30 durch da» Westtar aufgefahren war. wieder ausgezeichnet ab. Wenige Meter van der Halle entfernt, begann da» Ouflschlss sich rasch zu heben. 3n rascher Fahrt entschwann„Gras Zeppelin" in nördlicher Richtung. Der Heck- motor, dessen Gondel gestern bei der wegen de» böigen Wetter» etwa» schwierigen Landung leicht beschädigi worden war. arbeitete schlerlas. Das Luftschisf befand sich um IS Uhr 30 wieder in der Halle. Auch während dieser Probefahrt haben die revidierten Motoren des Luftschiffs nach Mitteilung der Schiffsleitung wichrcnd der ganzen Flugdauer ohne Unterschied gleichmäßig bettet, und ohne Störungen ihren Dienst getan. Das innen des Luftschiffs, das sich der Bevölkerung der beseiten -te mit Genehmigung der Besiztzungsbehörden zum eisten Mol« o en konnte ist dort überall mit Jubel und Begeisterung oufgenonimen worden. Dr. E ck e n e r erklärt« nach Beendigung der Fahrt, daß er mit Freuden noch mehr Orte der besetzten Zone überflogen hoben würde, doch habe dazu die verfügbar« Zeit nicht ausgereicht. Es mußten während der Fahrt noch zeilraubende versuch« mit der Maschinexanlage gemacht werden. Wie Dr Eckener erklärt«, haben dies« Experiment« voll befriedigt. �v»r Leginn der A in e r i k a f« hr t. die varausstchtlich in der R. chc zum Donneriiag ihren Ar sang nimmt,—«in bestimmter Zeitpunkt ist i«ch nicht endgültig festgesetzt— wird, wie verlautet, wohl keine Werkstättensahrt mehr notwendig sein. Der Krieg hat schuld. Von Max Mackens. Das Wort Krieg geistert durch die Presse Unheimlich, be- drückend, aufreizend, ein Fanal, deutend auf Grauen, Schrecken und Mord, ein Fanal, weisend in die vergangenhett des heißen Juli- monds l914. Hunderttausend« von Arbeitern stehen in diesen Tagen aus der Straße, auf den Plätzen der großen Städte und sagen: Rein, wir wollen nicht! * Juli 1914. Wir sind im Militärlager von Münster. Ein ak- iives Regiment junger, frischer, zwanzigjähriger Menschen. Die Zeitungen deuten auf schweres politisches Gewitter Um den 25. herum werden wir in die Garnison nach Bremen zurückgerufen. Wir kommen auf dem Dahnhos an, wir ziehen durch die Stadt in die Kaserne. Uns umtost ip dieser nüchternen norddeutschen Hasen- stadt eine Begeisterung, ein Jubel, wie wir ihn nie erlebt haben. Und dies« ganze Menge scheint zu rufen: Krieg Krieg, Krieg! Kein Wort der Lüg« in einer Stund« ernster Selbstbesinnung: Auch wir waren begeistert, waren trunken mochten wir Fahnen- funker oder mochten wir Musketiere sein. Wieviel« von meinen Kameraden des Infanterieregiments 75 an Musketieren gefallen sind, weih ich nicht. Di« Aufzählung würde Seiten erfordern. von uns sieben Fahnenjunkern, all«, wie ich damals, 18 Jahr« alt. leben heute noch zwei. Beide mit Kugeln in den Knochen. Damals tranken wir im Offizierkasino auf den kcmmenden Krieg. Alle sieben.... * Vormarsch. Augusthitze. Die kriegstüchtigst« Arme« der Welt marschiert durch Belgien. Si« ist nervös. Franktireurkrieg, hejm- liche Schüsse im Dunkel der Nacht, die wildesten Gerüchte durch- schwirren die Luft. Zivilisten, deren Schuld oder Unschuld nach- zuprüsen ausreichend« Gelegenheit fehlt, werden an die Wand gestellt und niedergeknallt. Menschen, Arbeiter im Rock des Sol- daten, weiden zu der furchtbarsten Aufgab« kommandiert, die es geben kann, Arbester im Arbeitskittel, wehrloze, gefesselt« Men- schen, niederzuschießen. Die Männer, die es taten, die General« konrmandos, die den Befehl gaben, sie find nicht schuldig. Schuld ist der ein« große Mörder: Krieg. » Gefangenschast. Die erst« Marneschlacht ist durchgekämpft. Das deutsche Heer geht aus die Aisne zurück. Di« Derwundeten bleiben liegen. Nach drei Tagen packt man sie in Liehwagen, sie fahren durch das nationalistisch verhetzt« Frankreich. Stein« fliegen, Krankenschwestern speien Derwundeten ins Gesicht, die Menge brüllt,„a bas lex boch«! ä bas fes bochea!" Fiebernde wimmern, in die Wunden schleicht der Pilz des Wundstarr- trampfes, daß die Menschen schreien wie Wahnsinnig« und elend verrecken. Wer durchkommt, erlebt al» einer, der nicht» verbrochen hat, all« Qualen der Haft, alles Elend de» Hinter-dem�Sitter-Geins, wie es kein Verbrecher schwerer durchmachen kann. Gefangenenwärter, die unangenehmer, grausamer sind, als der ärgste Aufseher eines Zuchthauses, well sie nämlich, aufgestachelt durch den Der- gifter Krieg, hasten, bewachen ihn. Schuld haben sie nicht. Schuld hat nicht das Volk, das schreit und..Nieder!" brüllt. Schuld haben nicht die armen gefangenen Soldaten, Schuld Hot der Mörder Krieg! * Karpathen. Es ist eine Käste, die den Körper zermartert und die Lippen zerreißt. Ohren, Nasen, Hände. Füße erfrieren. Der Soldat marschiert. Er weih nicht, wo er ist. Er kennt das Land nicht, in dem er kämpft. Er findet sich erst wieder, wenn er nach- her im Lazarett liegt mit erstorbenen Gliedern, mit einem Leiden, das ihn für den Rest seines Lebens zum Krüppel macht. Wofür hat er gekämpft? Für das Vaterland, gewiß, für Kaiser und Reich, gewiß, für seine Heimat, gewiß, für Frau und Kind, gewiß. Aber die anderen da drüben, die russischen Muschiks und im Westen die französischen Poilus, die englischen Tommys, sie kämpften auch für irgend so etwas wie König oder Vaterland, für Haus und Hof. für die Heimat. Auch sie jammern vielleicht fetzt zerfchosten od«'' zermürbt in irgend einem Lazarett. Mörder Krieg wütet. » Mazedonien. Glühende Hitze dörrt. Die Menschen liegen hinter Maschinengewehren, auf den Bergen, knallen sich gegenseitig ab. und jeder Schuh, der trifft, der einen anderen, einen Unbekannten tötet, wird mit einer Prämie belohnt. Die Malariamücken stechen. Woche für Woche werden Hunderte abtransportiert, die nie wieder ganze, frische, lebend« Menschen werden. Man weiß gar nicht, wer da drüben liegt. Ein Durcheinander von.Feinden" ist auf der anderen Seite. Engländer, Franzosen, Serben, Griechen, Russen. Man schießt eben. Mörder Krieg schießt! » Westen. Materialkrieg. Nebel giftigen Gases schleichen heran. Tanks donnern, Flammenwerfer spucken, Flieger lasten ihr« Bomben fallen. Trommelfeuer tobt. Unter der Erde arbeiten die Minen um ganze Unterstände, ganze Kompagnien, Haufen von mehr als hundert atmenden Menschen, in den Tod zu schleudern. Neben stinkenden Leichen schlingt der Soldat einen dürstigen Fraß. Die Läuse beißen ihn. Di« Kleidung ist dreckig und zerfetzt. Das Gesicht ist verwildert. Er kämpft, auf Befehl. Mörder Krieg hat beflchlen! * Heimat, verhärmt« Frauen stehen in langen Reihen, um ei» Viertelpfund Margarine, etwas Brot, etwas Fleisch zu er- langen. Kinder mit eingefallenen Backen und kranken Auge» lungern ihnen zur Seite. Ach, man braucht nichts zu sagen. Noch heut«, wenn man in die Krankenlisten unserer Grohstädl« sieht, findet man bei den Jahrgängen des Krieges und den folgenden das furchtbar« Tbc, Tuberkulose, das hervorgerufen wurde durch jene Zeit der Not und Entbehrung an allem, was ein Kind braucht. Warum hungern? Dorm Kriege hat Vater gearbeitet, vorm Kriege war doch wenigstens Brot, war doch zu«sten da. Wer läßt Hunger», wer läßt Kinder krank werden? Mörder Krieg! » Das Wort Krieg geistert durch die Presse. Merzt es au»! vernichtet das Scheusal. Du und ich, wir Arbeiter müsten es vernichten. Weller für Berlin: Wechselnde, meist stärkere Bewölkung mit einzelnen Regenfällen, warm« Nacht, wenig geänderte Tages- ijmperaturen. westlich« Winde.— Für Deutschland; Auch im Osten des Reiches Ueberaana zu meist wolkigem Wetter mit ein- zeknen Regensällen. Die Konjunktur will es! An Gottes Segen... ist alles gelegen, sagte der S at s o n- E i» b re ch e r. und betet« um schönes Wetter fürs nächste Wochenende, damit kein Mensch zu Hause bleib«. Auch die Herren von der Spekulations- branche. die Börsentiger und Sonjunk-Touristen, sind, ob man'» glauben will oder nicht, fromme Leute, die eine eigen« drahtlose Verbindung mit dem Himmerl unterhalten und direkt in da» Ohr Gottes ihr« inbrünstigen— meist meteorologischen— Wünsche hineinsprechen. Besonders um die Erntezeit herum, so zwischen Mai und September, herrscht auf dieser himmlischen Leitung ein reges Gebetsleben. Da werden Petitionen folgenden Genres nach oben gegeben: „Lieber Gott, laß regnen und hageln aus Weizen von USA., auf daß Ernte miserabel! Dank im voraus!" „Lieber Sott, notier« für Kanada biblisch« Dürre. wie si« dir au» Altem Testament geläufig. Da Sonn« dir zur Verfügung, Schwierigkeiten gering. Dein Lob und Preis werden mit unseren Preisen steigen!"' „Lieber Gott, beschleunige Vermehrung»on Rüssel- käfer in USA. und Aegypten togi. fabelhaft gelungene �Heuschreckenplage" au, Bibel), und laß ihn B a u m« o l l- pflanze fresten. Immer Hochachtungsvoll!" „Lieber Gott, erbitten umgehend fest« Offerte auf schlecht« Iavazucker-Crnte! Darf keinesfalls so mit Wachstum dort weitergehen, da Gewinn sonst nicht lohnend! Bauen betreff» Zucker nach wie vor auf dich!" „Lieber Sott, verstehen nicht, warum Kaffee in vra- f i 1 1 e n von dir begünstigt! Bestellen ab Lager 50 streng« Fröste, Lieferung nach Brasilien sofort nach Erhalt diese» erbetenl" Mit ängstlicher Spannung verfolgen sie dann die Wetter- berichte au» aller Welt, um zu sehen, ob ihr lieber Gott Anstalten trifft, sich seiner Derpslichtungen ihnen gegenüber loyal zu entledigen. Gäbe es»in Zentralwetteramt, das die Temperaturen und Regenfäll« auf der ganzen Erde zu regeln hätte, so wären die Börsenspekulanten die ersten und wahr- scheinlich tüchtigsten, die hier ein grandioses Lestechungssystem»r- gamsieren würden. Millionen schuften und rackern auf Millionen von Feldern, da- mit Millionen zu«sten bekommen und sich kleiden können,«in Häuflei» Raubritter lauert im Hinterhalt aus Vernichtung all dieser Arbeit nur von einem Gedanken beseelt(falls man diese zarte Vokabel auf sie anwenden darf): D i e Kurse, die Kursei Ihr Weizen blüht nur, wenn der der anderen auf den Halmen verdorrt. Und«enn der liebe Gott aus ihr Flehen nicht reagiert, versuchen si«'» wenigstens ein bißche» mit gefälschten vlarmnachrichte». mit:„Wie man hört, ist in Nordamerika eine Mißernte zu erwarte«.." u»d„Allem Anschein nach dürfte i» diesem Jahr« mit einer beträchtlich r e d u» zierten Kaffeeproduktien zu r«H»en sei». Für eine klein« Kursschwankung recht'» tmmrhl» und»iellelckt: soiriert'« endlich auch den Himmel zu einem meteorologischen Seitensprung. Sie säen mcht und ernten nicht, da» überlasten sie getrost den anderen mit dem Borbehatt, daß da» Ernten möglichst mies aus. fallen möge, und der himmlische Vater ernährt sie im großen und ganzen ausgezeichnet. Denn, wie gesagt, e» sind wirklich fromme Leute, die noch auf Wunder— neben Weizen, Zucker und Baum- «olle— spekuliere». K. R. Die Fünfundzwanzigjährigen. Von Gerda Wehl. Di« Z5jährig«n? Jawohl. Sie wollen natürlich bis zu« 50. Geburtstag warten. Den feiern kann jeder. Denken Si« bloß mal an das letzte Frühjahr: wie Pilz« schössen die—zigjährigen aus der Erde, eine wahre Hauste fetzt« ein. Friedensengel begingen ihr« 70 Jahre mit Festesten, der bis dahin jungen Schauspielerin schrieb man das Feuilleton für VOjährige, dem Schulmann sammelte man für jedes seiner 50 Jahre 20 M., damit«r verschiedene Schul- resormen ausführen kann, der Dichter sammelte ou, gleichem Anlaß sich selbst, uitd den 40jährigen Philosophen pries fein Jünger als Prophet im vaterlande. 50 Jahr« zu leben ist kein« Kunst. 25 Jahre auszuhallen ist ein«. 25 Jahr«: Dos sind sechs Jahre, in denen unter Stoßen, Zerren, Kneten der Elter» Naturgeschichte vom Einzeller zum Mensche», vom Menschen zum Menschen der Zeit absolviert wird. Da» sind 8 bis 12 Jahr« Zuchtliaus, 8 bis 12 Jahr« schwerster Spezialorbeit als Ungelernte und ohne Lohn, dauernde Bedrückung durch Aufseher, die mtt den auf Leben und Tod verschriebenen hilf- losen Objekten Schindluder treiben können, deren gute Laune Aitt« atmen, deren schleckst« Kummer, heruntergefressene Win bedeutet, deren Krankheit menschlichstes Mitleid tötet, Jubel rohester Art her- vorruft. 8 bi» 12 Jahr« Arbeit daran, ob dieses oder jenes Gedicht des Herrn Profesior von Schiller durch den Dust fauler Aepfel ichö» geraten sei: ob„Kaiser Rotbart lobesam zum heiligen Land gezogen kam": ob in diesem und jenem nie eintretenden Falle der Franzose (wie ihn der Herr Lehrer sich vorstellt) sagen würde:„ich wäre geworden" oder..ich würde geworden sein". Und neben diesem Achtstundentag blödester und gefährdendster Schwerarbeit waren jahrelang noch immer etliche Stunden, in denen«in paar Pfennig« „verdient" wurden. Und daneben erobert« man sich selber, lernte Augen und Ohren ausreißen und den Mund halten, sah die Zwei- geschlechtigkett der Welt, erlebte Wunder im Traum und in den wenigen Pausen, die der müde Tag ließ. Und dann sind 25 Jahre der böse Fußtritt irgendeine»(Examens, mtt dem man au» einem Zuchthaus in die merkwürdig freie unfreie Welt hinausbefördert wurde. Um aufzuatmen, an Ketten zu zerre», umsichzuschlagen, bis sehr bald Brot fehll und en neuer Acht- und Zehnstundentag beginnt. Der Zeit läßt aber zum Denken, zu» Träumen, zur Liebe... 25 Jahre sind Tierquälerei, sind Sklavenarbeit, sind ungerechter Lohn und ungerecht« Strafe und sind ernstes Spiel mit dem Tod«. 25 Jahr« sind aber auch Erwachen, sind Kraft und Verheißung. 25 Jahre sind mehr als 40 und 50 und 60 und 70— friert mir die i5jährtgen. Gin neues Solbad? Bei Erdölbohr tt»gen in der Segend von Hannover ist«a» i» etwa 1200 Meter Tief« auf Salzwaster gestoßen, ha, vermutlich radioaktiv fft, was mtt Sicherhett allerding, erst ei»- gehend« Untersuchungen ergeben müssen. Wenn die Untersuchungen die Bennuwnge« rechtfertigen so könnt« da» mit Rücksicht auf in« waldreiche Segend Veranlassung geben, nahe bei Hannover ein Sol. bad zu errichten. Postkarlen als Graurmaphan-Ptatten. Eine englische Ansicht». karten-Mrma bereitet eine Serie von Postkarten vor. die aus feinstem Celluloid-Material gefertigt«... Schallplatten sind, vi« Karten werden etwa zu dem dreifachen Preis der bisher üblich?'- i» de» Verkehr gsfmnchk. Märchen einer Krankenpflegerin. „Lteberfallen, entführt und vergewaltigt." Me man durch eine hysterisch veranlagie Person .inschuldig unter schweren Verdacht geraten kann, zeigte eine Verhandlung vor dem Großen Schöffen- gericht Charlotlenburg unter Vorsitz von Landgerichtsdireklor Buddeberg. Dort war wegen wissentlich falscher Anschuldigung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung die 27iährige Krankenpflegerin Th. angeklagt. Die bisher unbescholtene Angeklagt« war verlobt. Eines Tages erschien sie in ganz auf- gelöstem Zustande bei ihrem Bräutigam und erzählte ihm einen ganzen Roman, den sie erlebt hätte. Auf einsamer Straß« hätte plötzlich ein Auto gehalten, ein junger Mann sei herausgesprungen, habe sie in den Wagen hineingeschleppt und sei mit ihr davon- gefahren. Sie sei dann von dem unbekannten Manne ge- würgt worden, er habe ihr ein Taschemuch vor den Mund ge- halten, so daß sie nicht schreien konnte, und er habe sie verge- waltigt. Dann sei sie aus dem Aulo hinausgeworfen worden, und der Mann sei davongefahren Der Bräutigam hatte Zweifel an dieser Erzählung und sagte, daß er-die Geschichte erst glauben könne, wenn sie bei der Polizei An zeig« erstatte. Er ging mit ihr dann auch zum Revier, und sie schilderte dort nochmals genau, was ihr passiert sei. Auch der Beamte schüllelle den Kops, aber die Angeklagke versicherte immer wieder unter Tränen, daß ihre Darstellung der Wahrheit entspräche. Daraufhin wurde«in Verfahren wider Unbekannt«in- geleitet. Am nächsten Tage ließ die Angeklagte aus der Straße einen 18jährigen R e k la.m« z e i ch n e r St. von einem Schupo- beamten festnehmen und zur Wache bringen Sie bel�auptete, daß dies der Attentäter wäre. Auf den jungen Mann paßte un- gefähr die Beschreibung, die sie von dem Täter am Tage vorher gegeben hatte. Der Festgenommene war wie aus allen Wolken ge- fallen und versicherte, daß er von der ganzen Geschichte nichts wisse und die Angeklagte nicht kenne. Weinend und schreiend hielt sie ihm aber immer wieder sein„Verbrechen" vor. Der vcr- nehmende Beamte hatte gleich den Eindruck, daß die Geschichte wenig glaubhaft sei. Er entließ daher den jungen Mann nach einer halben Stunde. Drei Tag« später erschien die Angeklagte von neuem auf dem Revier und erklärte, daß sie die ganze Sache erfunden habe. Infolgedessen war sie nun angeklagt. Wie sie dazu gekommen sei, den Roman zu erfinden, vermochte sie nicht zu erklären. Sie habe gerade„ihre Tage" gehabt und sei ganz verwirrt im Kopf gewesen. Einen Grund, ihrem Bräutigam etwas vorzutäuschen, hatte sie auch nicht gehabt. Das Gericht vermochte das Rätsel nicht zu lösen, nahm aber an. daß die Angeklagte infolge einer hysterischen Veranlagung in einer Art Geistesverwirrung gehandelt habe. Deshalb wurde sie zu der M i n de st st ra f« von einem Monat Gefängnis oerurteilt und erhielt auch Bewährungsfrist. Die Gemeindearbeiter im 2 Quartal Llnaufhaltsamer Fortschritt. In der Generalversammlung der Berliner Gemeinde- und Staatsarbeiter am Freitag im Gewerkschastshaus ging Genosse R o ch o w s k i kurz auf die im zweiten Quartal geführten Lohn- und Tarifbewegungen ein, wobei er besonders die Vcr- schleppungsmanöoer der Gasbetriebs-Gesellschaft. der S t a d t g ü t c r- G. m. b. H. und der Reichs- und Staats- betriebe einer scharfen Kritik unterzog. Er wandte sich gegen den Magistratsbeschluß, wonach den städtischen Arbeitern und An- gestellten künftig das während der Urlaubszeit fällige Gehalt bzw. der.Lohn nicht mehr im voraus bezahlt werden soll. Soweit die Angestellten in Frage kommen, sei das ein glatter Tarifbruch. Bei den Arbeitern sei die einseitige Aushebung einer Bestimmung, die auf Veranlassung der Organisation im Jahre 192S erlassen wurde, eine unverständliche Mißachtung des Mitbestimmungsrechtes der Ge- werkschafen. Die Ortsverwaltung werde mit allem Nachdruck ver- langen, daß dieser die städischen Angestellten und Arbeiter schwer schädigende Beschluß wieder aufgehoben wird. Die Mitgliederbewegung ist sowohl in der Gesamt- organisation als auch in der Berliner Ortsverwaltung im Berichts- quartal sehr g ünstig gewesen, was zum Teil auf wirtschaftliche Umstände zurückzuführen ist, zum andere» aber auch mit der künstt» gen Gestaltung der Organisation zusammenhängt. Die Gesamt. organisation musterte am Schluß des Monats Juni 269 287 Mit- glieder und die Ortsr ei waltung 41 277 Mitglieder. Die Zunahme beträgt in der Gesamtorganisation 6537 Mitglieder und bei der Berliner Ortsverwaltung 1196 Mitglieder. Die finanzielle Entwicklung der Ortsoerwaltung war im zweiten Quartal, wie der Kassierer, Genosse Zietemann, be- richtete, gleichfalls außerordentlich gut. Der Lokalkassenbestand er- höhte sich im Berichtsquartal um 22 833 M. auf 422 500 M. Die Generalversammlung bekundete ihre Anerkennung mit der Tätigkeit der Ortsverwaltung im verflosienen Quartal damit, daß sie auf jede Debatte über den Geschäfts- und Kassenbericht verzichtete. Hamburger Hafenarbeiter gegen KPO. Hamburg. 26. Juli. Eine- stark besuchte Dersammlung der Hamburger Hafenarbeiter, welche der Sozialdemokratischen Partei angehören, nahm gegen die Parole der KPD., am 1. August als Antikriegsdemonstration die Arbeit im Hasen ruhen zu lassen, e i n st i m m i g eine Entschließung an, in der es u. a. heißt:»Die Anwesenden sind sich darin einig, daß die Kommunistisch« Partei mitsamt ihren Moskauer Befehlshabern nicht berufen ist, gegen den Krieg zu demonstrieren, am allerwenigsten in der gegenwärtigen Zeit. Die SPD.-Hafenarbeiter erheben schärfsten Protest gegen die Terrormaßnahmen der KPD. und chrer Mitläufer gegenüber dem Teil der Hasenarbeitcrschaft, der den verbrecherischen Parolen nicht Folge leisten will." Die Znlernalionole Transporlarbeiler- Föderation hat den Internationalen Beirat für das Kraftfahrwessn nach London vom 31. Juli bis 2. August einberufen. Als Tagesordnungspunkt« sind vorgesehen: Bericht über die Sitzung der Derkehrskonmüssion de? Völkerbundes. Ausstellung eines Programms zu den Vor- schriften über internationalen Kraftverkehr. Diese Beiratssitzung wird für die Berufskrastfahrer äußerst wichtige Beschlüsse zu fassen haben, die nicht nur im Interesse der Berufskraftfahrer, sondern auch der Sicherheit des Straßenverkehrs im Allgemeinen von aus- schlaggebender Bedeutung sind. Der Wichtigkeit der Konferenz entsprechend hat der Deutsche Verkehrsbund 4 Vertreter nach Lon- don entsandt. Lerantwortl.'llr die Redaktion: Sollgang Schwae». Berlin: Änzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärt» Verlag S. m b£>., Berlin. Druck: Lorwärt» Buch- druckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berliw 5 38 SS, Linden strahe 3. bierza 1 Beilage. KABARETT•TANZ-PALAST• KAFFEE• BAPi �nednehstr. 06 OOrri Bahnhof \ Tägl. 5 u. 815 Sonm. 2, 5d 8" Alex. 8066 INTERNAT. VARIETE Sommer-Garten-Theater Berliner Prater NSS.Kast.-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 eastsglcl Gastet Beer. Cretel Lilien Zarewftesct* Operette von Franz Lehär 8 Dexa der grahe VarteitteU.• Anfang Konzen 4.30. Burleske u 2 Variete» um. UperellC 8.30. JJ ledcn Donnerstag groilei Volksiag. i Jed. Mittw. Klndsrles! u. Verlosung js, aeuisto iflEaiei D.I. Norden 12310 SU., Ende gegen 11 Bio Mnnaas Musik v, Job. Strauß Regie; Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. VV. Korngold. Ausstattg L Kainer ZOOLOG. GARTEN Täglich ab 4 Uhr cacfam. Gr. Konzert Jeden Donners- Cerllner lag abend: siaiGnic-Ordiesisr Dir. Clemens Schmal stich. flPRIÜM Tlerkunsl- nnd geöffn. 9-7 u Kakieeniu'ssiBllnno Die Komödie J1 Bismck. 2414/7516 8' i. Ende geg. IO'cU. Letzt« 3 iuIUliruanen Reporter I 3 Akte v. Ben Hecht und Mac Arthur Regie: HeitU GllDerl. Donnerstag 1. Aug. Zum, 1. Male: Freudiges E Ereignts (Lustspiel von Floyd IDell u. Th. Mitchell Reichshalien-Tnealer flente letite Sonnta"s-Vorstellung der DresflnerVikloria-sanner Anfang 8 Uhr Mi:rw,31. Juli: Abschiedsvorstellung. Donneistag, 1. Aug.: Wiederauftreten der Stettiner Stn.er önhoft- bireti (Saal und Garten) YailgK!: Tai«: ACoii-Beilier-0rdi«l8i. Saroowsky-SOlinei! Komödienhaus Norden 6304 Täglich 8*/* Uhr floAzeitsreiii! VoiKsbülme kaealet jmSiiiDWMü Vk Uhr Berlin, wie es weint u. lacht l'ilLSl.«.Westens Täglich 8'/« Uhr Sonntag 4 u. 8b, Franz Lebars Wclterfolgl Friederike Use Muth Willy Thunis, Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 lostspielhaos Täglich 8>„ Uhr Du wirst mich heiraten! Rundfunkhörer halbe Preise. Metropol-Tli. Tägl. 8V, Uhr Sonntags 4 u. SV, Biaskarl Operette von Offenbach Kammersänger Waller lirchbork raesi.amKoiio.ior Koeffz2ez2 in SVeiffcelln Weserstr. 187-188, Ecke Weichselsfr., am Dienstag, d. 50. Juli: eine Fleischabgabestelle in Staaken Gartenstadt, Am Markt 15, am Donnerstag, dem I.August: eine Fleischabgabestelle in€ichleiibevg~Fi?iedli?ichsteIde Miquelstr. 52, Ecke Solzsir., am Donnerstag, dem 1. August. eine Lebensmittelabgabestelle Die Abgabe der Waren erfolgt in der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend nur an Mitgl eder Die Milglicdschab kann von jedermann erworben werden. Aufnahmegebühr 50 Pfennig Mitglieder-Aufnahmen werden in sämtlichen 280 Abgabestellen der Konsum-Genossenschaft vollzogen. StSIafsinttttci 45ä fieccntjtmntct 260 älitriditcfildjcn 75. öoUbettttellcn 48. Metalluettstellen 16 NödeNäufer merke itredit und bar Mödeldozar, grohe Anotoadl, kleine Vreilel Veilptele: Husikinslruinente Liakpianaa, Oberau« preismcrt. Vian». fabrik Link. LrunneustraHe 85.' spoisrttminer Spiegellchrank, stleioerldiranie Thatseloiigiie» 845 tt8 48. 28 ckuileaeuiatraHrn 13 :o:tst:ge Möbel entlpredicnde Vretle leiütabiung auflchlagfret. Wolbenraten Monatsraten stletne Stutablungen sto�a-Rabatte bis zehn Vtotent Nredite bis twei Jahre. Möstige Zinsen. Reu- iöll.i. Keemannplat! 7: steant,-Zchlost. strastc 107: Belle-Alliante-Llraste 93. llntergrund-Bahnbof* «laviere. 175�- 290.—. 875,—, 425�-, gedrauchte. neue, aroste iluswahl. gab- lungserleichteruna, Garantiesihein. Sott- busser?amm»4. L TeUzahlung, kulante Bedingungen Fabrikpreise, nur OualitLtsräder. Zahr radbau..Wiina" Äckerstraste dreistia Scbranck,te zahtröder. qröstte Äu». wähl. 15.-. 20.-. 25.-. 30.—. 85,-. Machnow. Deinmeifterstraste 14.' Kaufgesuche zahagebifle. Vlatinabfälle. Söt,inn. Blei. Oueckstlber. Silberschmelze Gotd. schmelierei ckhristionat.«öpenicker- straste 39 lbaltestelle ildalbertstrastel' Vermietungen Wohnungen 2lh». 8», 3uj,Rimmrr.5f ubeumob. nunqrn in Strschgarlen.«ummelsbura «arlsdorlt und Reinickendorf Riickrabl. barer Baususchust 500 R. pro zi5m?r. «ez-ehdar sosorl Wohnraum. Belle. Alltance-Straste 79. Bergmann«34. tflelloge Montag, 29. Juli 1929 SprAbimö j4oi\/&h&Cbt4l Lernt von Dänemark! 4krgebmste einer agrarpolitikchen Stuöicnrcilc/ Von Mar Simon. M.». t. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit veranstaltete unter Fuhrung von Dr. K a r u ß. Berlin, vom 19. bis 30. Juli 1329 die zweite agrorpolitische Studienreise nach Dänemark, an der sich eine größere Anzahl von ins- besondere für Landwirtschast und Siedlung interessierter Mit- glieder der Sozialdemokratischen Partei beteiligte. Die Fahrt führte vom Stettiner Freihasen mit dem dänischen Dampser „Dronning Maud" nach Kopenhagen. Sie sieht dann die Besichtigung von Landgütern. Molkereien, Versuchsgütern, Siedlungen. Schlächtereien. Exporteinrichtungen. Hcidekulti- vierungsanlagen. Volkshochschulen, Dorsmuseen u. a. vor. Landtagsabgeordneter Simon sendet uns folgende fort- laufende Schilderung der Studiensahrt: An Bord der„Dronning Mau d". Juli 1929. Schon gestern nachmittag gab es für die meisten Teilnehmer der Studienreis« eine Hafenrundfahrt in Stettin in einem Re- gierungsboot. Ja, wer nur so zwischen Hauptbahnhos und Abfahrt- stelle der Rügendampfcr pendelt, ahnt nicht die Weite und Aus- dehnung der Hafenanlagen. Gewiß, die„Dulkanwerst" ist verschwunden, dafür reckt und dehnt sich Stettin aber als Umschlag- Hafen, und der riesige vielstöckige Speicher am Freihasen ist einzig in seiner Art(er kostet 7,25 Millionen und faßt 12l><10 Tonnen bei 80 000 Quadratmeter Fläche). Die tropische Hitze in der Stadt drängt uns bald zu unserem Schiff, der„Dronning Maud", einem„anständigen Kasten", wie ein dicker Hamburger bemerkte, der seinen wachsenden Respekt vor dem mit seiner Heimatstadt ton- kurrierenden Stettin durch immer kräftigeres Ausspucken in die Oder beki�rdete. Rechts die flachen versumpften, links die steilen Waldufer, rauscht unsere„Maud" durch das weite Stettiner Haff und in langsamer Fahrt durch die Kaisersahrt in die hohe See. Reue Passagiere stoßen von Swinemünde, Osternothafen und Misdroy on Bord, der Lotse verschwindet in sein blitzschnell davoneilendes Boot, dann fesseln die langen Lichterreihen der Bäder von U s e- dom. Heringsdorf scheint eigens für uns ein kostspieliges Feuerwerk abzubrennen, schöner, unendlich eindrucksvoller aber«st das Flimmern und Gleißen, das der große Vollinond in der leicht- bewegten Ostsee hervorzaubert. In stillem, stummem Staunen über die Weite und Urgewalt des Meeres steht mancher von uns an Bord und sieht und träumt noch in die lichtüberfluteten Wellen, als Greifswalder Oie und die fernen Lichter von Saßnitz und Arkona längst entschwunden sind. Seekrank wird kcins, das reichhaltig« dänische Essen schützt davor. Und dann: Lange Gespräche über„Landnot und Sied- jjJü\t g", bis uns etwas Schlaf in den drückend heißen Kojen um- Mpgt. Die Hitze treibt viele von uns schon frühzeitig wieder auf Bord,«in herrlicher Sonnenaufgang, die frische Brise und die präch- tige Fahrt bis zur„RIviera des Nordens" Kopenhagen sind uns Lohn für das Opfer.— Da gleißi die lange Insel Seeland als Rahmen des bewegten Hafenbildes, große Seemöwen schießen um Schiff und Wellen, die Needereiflagg«— blau mit Kreuz— geht hoch, die Matrosen winden die Lukmasten hoch. Von der schwe- dischen Küste ist Malmö noch zu erkennen. Ortskundige erklären die Kopenhagen vorgelagerten Befestigungen, insbesondere„T r« K r o n o r", wir sehen den umgebauten Küstendampfer„Aegir" der jetzt in ständiger Fahrt zwischen Danzig und Kopenhagen läuft, eine als Schulschiff umgeboute Schonerbark, ein Viermastvollschiff,«ine alte Kreuzerkorvette, die jetzt als Klubschiff umgebaut ist, große Dampfer im Bau, hören aus dem Kriezshafen die Sirenen von Torpedobooten, werfen«inen Blick auf die„lange Linie"(die schönste Userstraße der Welt) und sind mit der„Königin Maud" im geschäftigen Treiben des Hafens gelandet. Eine Rundfahrt am Tage führt uns dann zu den klassischen Sehenswürdigkeiten Kopen- Hägens. Die Arbeitennolterei«-Sttighedett'. Nach einem Besuch der umfangreichen Bauten der„A r b e i t e r- baugenossenschaften"— nur der«ine der vielen von ihr bebauten Blocks kostet 3 Millionen Mark und bietet schlicht-gsräu- migc Wohnungen für 1200 Personen, die Innenanlage des Hofes ist parkartig, umschlossen von kleinen Gärten und Spielplätzen— studierten wir Landgut und Betrieb der Arbeitermolkerei „E n i g h e d c n"(Einigkeit). Ihr Landgut„L a u t r u p g'a r d" dient der Milcher-eugung. insbesondere wird es eingestellt aus die Produktion von Kindermilch. Die Rindviehherde umfaßt zurzeit 115 Milchtül)- roter dänischer Landrasse. 43 Fersen. 27 Kälber. 4 Stiere. Die Produktion beträgt erst durchschnittlich 10 Liter pro Tag,«z hängt damit zusammen, daß die neue Herd« noch nicht aus- gelesen ist und die dänische Lnndrassc etwa IIb Zentner im Lebend- gewicht geringer ist als die deutschen Rosien. Die Milch wird noch bester Kontrolle in der Molkerei noch zwei- mal vom Milchkontrollvercin kontrolliert. Die Fütterung der Kühe ist auf individuelle Kraftfüttening abgestellt. Interessant ist die typisch dänische Stallung und die Ausitellung des� Rindviehs. Das Gut umfaßt 180 Hektar. Im Körner- und Hackfruchtbau zeigt es bei mittlerer Bodenklasse noch nicht die Höchstleistungen deutscher Musterbetriebe, der Maschinen- und Wagenpark ist meiner Ansicht noch veraltet. Der Weizen steht hier erst in Blüte, also 20 Tage später wie in Mitteldeutschland. Die Melkerinnen haben zweimal je 18 Kühe zu melken, sie erhalten bei freier Wohnung 2,40 Kronen pro Tag, die Land- orbeiter bei freier Wohnung 5,05 Kronen pro Tag(die Krone ist hier gleich 1,12 Mark». Die Fürsorge für die Landarbeiter ist vorbildlich auf diesem Genossenschaftsgute. Im Stall wie im Wohnraum ist ein Dusch- und Bade- räum. Neben diesem ein geräumiger, anheimelnd eingerichteter Tagesrauni für die Frei- und Abendstunden, in denen ein echtes Gemeinschaftsleben herrscht, das die Menschen zusammenbringt. Hier liegen zwei konservative, zwei liberale Zeitungen und einige Exem- plare des„Sozialdemokraten" aus. Bücherschrank, Radio u. o vcr- vollständigen die Einrichtung. Die Slrbeitermolkerei selbst zeigt die moderne Maschinerie wie z. B. die Großmeierei Bolle in Berlin. 50 000 Liter Milch werden täglich von ganz Seeland von Großbetrieben, kleineren Genosien- schuften und de« eigene» Gut eingeliefert und verarbeitet, und zw« auf der Basis des Butterpreises, der Fcttprozente und der Sauber- teit. Der Weg von Pasteurisierung und Abkühlung im Oberstock über die großen Behälter von etwa 8000 L&er im Mittelstock und die Füllung der Flaschen im Erdgeschoß ist ein verwickelter mechani- sierter Arbeitsprozeß, in den alle Errungenschaften der Technik ein- gespannt sind. Flaschen- und Kannenspülmaschinen, die weite Räume füllen, das chemische Labvratorium, die modernen Pserde- ställe u. a. beweisen, daß in der Arbeitermolkerei alle Errungenschaften der modernen Technik oerwandt werden. Die Molkerei be- schäftigt 640 Leute und hat einen Jahresumsatz von 16 Millionen Kilogramm. Der Verkaufspreis ist 36 Oere(an Händler 30 Oere), die kapitalistischen Molkereien verkaufen das Liter mit 37 Oere, also 1 Oere teurer. Die Arbeitermolkerei gibt den Landwirten V* Oere mehr pro Liter als die bürgerlichen Molkereien, zahlt den Arbeilskrästen in der Molkerei 3 Kronen wöchentlich mehr und den Landarbeitern des eigenen Gutes 20 Proz. über Tarif. Be- triebsüberschillse werden zur weiteren Ausdehnung der Genossen- schoftsmolkerel verwandt. Am Sonnabendabend waren wlr einige SQinden im„T i v o l i", dem weltberühmten historischen Volks- und Vergnügungspark. Er ist gediegener, romaniischcr als etwa der Lunapark, doch volkstüm- licher als der Prater. Das Sonderbarste: Hundert Abarten ziemlich harniloser Wettspiele, on denen der sonst so praktische, einfach ge- kleidete Däne einige Kronen verpulvert und in Erregung gerät. Der Sonntag brachte uns erst in den Reichstag, nachmittag ins Rathaus— beides gediegene monumentale Bauwerke mit reicher Jnnenkultur— und am Spätnachmittag ins Zeltlager der deutschen, dänischen und schwedischen Kinder in den herrlichen Buchenwäldern am Strande. Im Reichstag gab uns ein dänischer Parlainentskollege einen Ueberblick über die dänische Arbeiterbewegung und das dänische Genossenschaftswesen.(Hierüber ein besonderer Bericht.) Im Zelt- l a g e r erlebten wir die sozialistische Jugend der drei Länder in gegenseitiger Kameradschaft und werdendem Gem-n- schastsgeist. Trope« in Dahlem Wen« die Viktoria Negia blüht Alljährlich wiederholt sich das große Schauspiel im Botanischen Garten: immer wieder lockt die tropische Vegetation des Viktoria- Regia-Hauses tausende von Besuchern hinaus, um in einigen Minuten des Beschauens in ihrem Herzen einen dauernden Eindruck zu hinter- lassen. Welch andere, tropische, feuchtheiße Luft, welche Fülle grellster und zartester Farben, welch betäubender Duft und Bizarr« der Formen stürmen hier auf das Publikum ein! In geschickter und geschmackvoller Form sind hier die schönsten Tropenblüher aus allen Erdteilen zusammengestellt, hauptsächlich Sumpf- und Wasserpflanzen, deren Wachstum und Ge- dcihen eine regelmäßige Temperatur von 30 bis 35 Grad Celsius er- heischt Wie stets, bildet das große Mittelbassin die Hauptattraktion Tikhtria iAeght Maus am 20. Juni der winzigen Tropenwelt, die doch jedem Berliner so leicht zugäng- lich ist. Hier fallen einem als erstes die riesenhaften runden Blätter mit dem hochgebogenen Rand aus, deren Durchmesser von 2 Metern und darüber häufig Anlaß zu den unglaublichsten Märchen geben. In Wirklichkeit befinden sich dort zwei Arten dieser exotischen Nymphen, nämlich die„V i k t o r i a- R« g i a" und die „V i k t o r i a- C r u z i a n a", erster« erkenntlich am größeren Blatt, an der rötlichen Farbe des Randes und an dessen geringerer Höh«. Beide Arten sind unterseits mit kurzen harten Stacheln besetzt, ein natürlicher Schutz gegen Tievfraß im Heimatlande Brasilien. Eben- falls unten ziehen sich netzartig verlaufende Rippen vom Mittelpunkt nach dem Rande und bewirken durch diese sinnvoll konstruktive Ver- steisung eine ungeheure Tragfähigkeit. So ist es denn auch nicht zu verwundern, daß derartig ausgewachsen« Blätter bei verteilter Last tatsächlich ein Gewicht von übereinemZentnertragen können. Die bis 5 Zentimeter hohen Rippen sind ganz mit Lust- kanälen durchzogen, welche sich auch weiter im Blattstiel bis zum Herz der Pflanze fortsetzen. Im Juni, also etwa zwei Monate nach dem Einpflanzen an dem Standort, erscheint die erst« Knospe: sodann folgt bis zum Spätherbst— im Abstand von 3— 4 Tagen— je ein neues Blatt mit Blüte, so daß wir bei jeder Pflanze im Laufe des Sommers 30— 40 Stück zählen können. Damit keine Ueberfüllung von Blättern entsteht, werden die älteren Blätter regelmäßig entfernt: nur die jüngsten 6 bis 8 bleiben auf dem Wasser. Da nun aber die Viktoria- Regia einen ausgesprochenen Nachtblüher darstellt, ist es natür- lich den wenigsten Leuten vergönnt, sie in der höchsten Entfaltung ihrer Llütenpracht zu bewundern. Schon am Nachmittag kann mit Bestimmtheit vorausgesagt werden, ob die Knospe sich während der Nacht öffnen wird. Sic zeigt dann schon weiße Streifen und durch- zieht mit ihrem betäubenden Duft das ganze Haus. Morgens ist ge- wohnlich schon alles vorbei, und wir sehen wieder dieselbe geschlossene Knospe mit ihren hellen Streifen, unschuldig, als ob gar nichts ge- schehen wäre!— Ganz heimlich aber hat sie sich gleich bei Eintritt der Dunkelheit schnell, fast ruckweise, strahlend geöffnet, locker und dustig ihre seidene Pracht entfaltet. In ihrem schneeigen Weiß und starken Dust lockt sie die tropischen Nachtfalter in ihren verführerischen Kelch: gelb und schwer vom Staub flattern diese zur nächsten, unbc- wüßt ihr Daseinswerk der Befruchtung verrichtend. Dann schließen dl« stacheligen Hüllblätter all«? wieder in sich ein, um bis zum nächsten Nachmittag geduldig in dieser Form auszuharren. Darauf öffnet sich die Knospe b«i Sonne noch einmal, erscheint aber jetzt in völlig veränderter Farbe, ist rosa bis rot und ziemlich zerzaust: so sieht sie gewöhnlich da» Publikum. Nun sinkt sich der verblühte Rest langsam unter den Wasserspiegel, die Samen wachsen, der Fruchtstand wird schwer, sinkt endlich ganz und gräbt sich flach im Schlamm ein. Hier reisen in den Kapseln kirschkerngroße, hartschalige Körner heran, werden ihres hohen Stärke- gehaktes wegen in der Heimat gesammelt: sie sind der bekannte „Wassermais". So bedecken sie zur Freude des Forschers und zum Nutzen des Eingeborenen auf den stillen Armen des Amazonas oft meilenweite Strecken. Auch andere tropische Nympheen erfreuen unser Auge. Wir haben deren Tag- und Nachtblüher, dunkel- und hellrote, rosafarbene, weiße, blaue in ollen Abstufungen. Sämtlichen hat die Natur einen unbeschreiblichen Duft verliehen,„dlzimpbaea micrantba", die kleinblumige, blaßblaue Seerose aus Senegambien, ist deshalb besonders hervorzuheben, weil sich auf der Oberseite der Blätter neue kleine Pflänzchen bilden. Dies ist ein seltenes Schauspiel der Natur und im hiesigen Tropenhaus recht schön zu beobachten. Dieses Troperchaus beherbergt aber außerdem auch einen großartigen Lotossumpf. Die alten.Liebesblumen" der Asiaten werden mit ihrer Blütenpracht wohl auch nicht mehr lang« auf sich warten lassen. Aber nicht nur. Wasser- und Sumpfpflanzen wirken auf den Be- schauer ein, sondern auch die Kübel- und Ästingpflanzen sind be- achtenswert. Hier finden sich in erster Linie Windengewächse, gelbe. rosa und blaue Ipomoeen von einer derart saftigen und intensiven, bei unseren«ircheimischen Blütenpflanzen niemals anzutressenden Farbe. Hier baumeln die tiefgeschnittenen roten zierlichen Blüten des „Hibiscus schizopetalus"; ihre Stempel und Staubgefäße hängen on langen, haardünnen Fäden, welche beim leisesten Luftzug lustig hin und her schwanken. Dort entfaltet die chinesische Rose ihre großen roten Blütenkelche, die gelbe trichterblumige„Mamancka" schickt ihre frischen Zweige durch das ganze Haus. Eisiusarten mit lang herunterhängenden Luftwurzeln klettern ant Draht di« Wege entlang: blattkrankende Gloriosen streben zum Licht, und die mit rosa Köpfchen blühenden Mimosen senken bei der leisesten Be- rührung schamvoll ihre Blättchen. Hier fallen von der �.calxphe rote Fuchsschwänze herab: dort streckt die orangefarbene Ourcuma ihre Schäfte in die Luft. Auf dem Wasser treiben sich rosa- und blaublühende Schwimm- blasen herum, Lurxal« ferox, die„Bösartige", verdrängt kleinere Wasserbewohner, Pfeilkräuter und Farne treiben lebhaft neue Blätter: alles regt sich und blüht nach Leibeskräften in der feucht- schwangeren Luft. Bemerkenswert sind außerdem noch die Exemplare des Zucker- rohres und der Papyrusstauden.„Experus papynu", die jahrtausendealte Pflanze aus dem Reiche der Pharaonen, wird hier immer noch als lebendige Sehenswürdigkeit gezeigt. Erläuternde Tafeln geben über Einzelheiten genaueren Aufschluß. Den Rand des Beckens zieren buntblätterige Caladien Zur Keimung ist ein etwa 20 Pfund schwerer Samen der Doppelkokosnuß ausgehängt, schwarz und befasert, ein fast nicht wiederzugebender Anblick.— Diese einzigartige Frucht kommt nur auf den Seychellen vor: dort fällt sie von den am Strande wachsenden Bäumen ins Meer, wird schwimmend wieder irgendwo angetrieben, wo dqnn die Keimung erfolgt. Ihr botanischer Name ist„Lockoioea Levcbellanitn". So haben wir hier in kurzer Andeutung ein Bild von der Mannigfaltigkeit im kleinen Tropenhause. Duft und Farben, Länder, Erdteile, Völker ziehen an uns vorüber und erwecken in ihrer Harmonie die Sehnsucht, die gesamte pflanzliche Pracht einmal selbst im Heimatlande zu schauen. Hermann Bedeer Röntgenuntersuchung von Gräbern. Schwedisch« Gelehrt« verwenden jetzt die Röntgenstrahlen dazu, um mit ihrer Hilf« den Geheimnissen der Grabhügel auf die Spur zu kommen, in denen einst die Könige und Helden der Wikinger- Zeit beigesetzt wurden. Wenn man vermutet, daß sich in solchen Aufschichtungen wertvolle Funde erhalten haben, so werden die ein- zelnen Erdstücke mit Röntgenstrahlen durchleuchtet, und aus den Photographien gewinnt man dann Anhaltspunkte dafür, ob sich«ine systematische Grabung löhnt. Um das Alter vorgeschichtlicher Funde festzustellen, wcrdsn die Pflanzensamen, die sich in den Boden- schichten finden, genau untersucht, und man erhält aus dies« Weise wichtige Fingerzeige. Auf diese Weise ist es gelungen, dem Histo- rischen Staatsmuseum in Stockholm, das eins der reichsten in Europa ist. viele wichtige Funde zuzuführen, die ohne dies« wo- dernsten Methoden nicht aufgespürt worden wären und ihr Alter' zu bestimmen. Copyright by Merlin-Verlag Baden-Baden (10. Fortsetzung.) „Nein, die beiden Gordons, voter und Tochter, sind über jeden verdacht erhaben. 2ll>» auch die beiden anderen, Fred Duggan und Alf Luster haben bisher so oerhalten, daß gegen sie kein verdacht aufkommen konnte." Tommy Anderson überlegte. „Die Gordon? keime ich persönlich. Don Charles Asheigh haben mir die Genossen viel erzahlt. Und die beiden anderen... Sagen Sie mir, welcher von ihnen ist der„Röteste"?" Jack dacht« nach. „Ich weiß«» nicht. Sie sind beide richtige Draufgänger, echte linke I. W. Ws." „vor ollem, müssen wir herauskriegen, welcher der Spitzel ist. Ehe dos geschehen ist, können wir unmöglich arbeiten. Außerdem muß selbstverständlich das Komitee wissen, wer und was ich bin, damit ich an den Sitzungen teilnehmen kann. Und solange wir nicht aller Mitglieder sicher sind, geht das nicht." „Aber wenn Sie an den Sitzungen teilnehmen... mein Bruder..." „Herr Tolvin Füller wird sich äußerst über die Geschicklichkeit freuen, mit der ich mich so rasch ins rote Merhsiligste eingeschlichen Hab«. Es ist möglich, daß ich einen oder den anderen vom Komitee «erde opfern müsien, um ein Resultat meiner Arbeit zu zeigen. Aber die paar Wochen Gefängnis werden niemandem schaden. Wer ist, abgesehen von Ihnen, der Sie von den Aufregungen der letzten Wochen mager geworden sind wie ein« Latte, im Komitee am er- holungsbedürfti�ten?" „Dessy Gordon, sie arbeitet sich in den Streikküchen halbtot." „Gut, ich werde dafür sorgen, daß sie sich einige Wochen aus- ruhen kann. Außerdem wird es gar nicht schwer fallen, die öffent- liche Meinung gegen die Derhastung einer Frau in Bewegung zu setzen. Uebrigen», Sie sprachen gerade von Streikküchen, wie steht es mit dem Geld?" Jack gab kein« Antwort. Tommy Anderson wurde ungeduldig- „Herrgott, Füller, seien Si« doch kein solcher Idiot. Wie können wir vorwärtskommen, wenn Sie mir noch immer mißtrauen?" „verzeihen Sie, aber die Sache ist so unendlich wichtig, bedeutet für so viele Menschen ein« Lebensfrage.." „Weih ich!" Tommy dachte angestrengt nach. Plötzlich hellt« sein Gesicht sich auf. „Wenn ich mich Ihnen völlig ausliefere, so werden Sie mir wohl glauben müsien." Abermals fuhr er in seine Tasche, holte einen großen Papier- bogen hervor. „Dos habe ich mir als letzten Beweis aufgehoben. Es ist frei- lich ein etwas merkwürdiges Dokument für die Verläßlichkeit eines Menschen." Er entfaltete den Bogen, legte ihn auf Jacks Bett. Es war ein Steckbrief, erlassen gegen Tommy Anderson, neunzehn Jahr« alt, braunes Haar, dunkle Augen, etwa 1,7Y Meter groß, der wegen Mord, begangen an Harvey Word, New Dork, gesucht vurde. „Sehen Sie mich genau an, vergleichen Sie mein Gesicht mit dem Bild. Zum Glück ist es gut gelungen." Jack gehorcht«, betrachtet« lang« und eingehend di« Züge de» nächtlichen Gastes, verglich si« mit dem Bild auf dem Steckbrief. Zweifelios, es war dasselbe Gesicht, nur um einige Jahre gealtert. „Sie wissen, daß Mord nicht verjährt," sprach Tommy Anderson ernst.„Wenn Sie mich wirklich für einen Spitzel halten, können Si« sofort di« Polizei antelephonieren. mich wegen versuchten Einbruchs in Ihr Zimmer festnehmen lassen. Alles«eitere kommt dann von selbst." Er griff«in letztes Mal in die Tasche und zog zu Jack» Der- blüffuug ein Paar Handschellen und«in Paar Fußschelleu henus, legt« sie sich um die Hände, hielt dies- Jack hin. „Wenn Si« da drücken, schnappt di« Feder zu." Er zog die Füße hoch: „Und da, für di« Füße." Jacks Zweifel verschwanden, er lachte. „Sie können nur Tommy Anderson sein. Die Blacks hatten Sie mir ganz richtig geschildert. Nehmen Sie die verdammten Dinger wieder ob, Tommy." Tommy seufzte erleichtert auf. „Gott sei Dank, daß Sie endlich Vernunft annehmen, Jack. Aber jetzt rasch," er blickt« aus die Uhr.„Es ist fünf, um sechs muß ich hi«r an der Haustür Sturm läuten und Ihrem Herrn Bruder eine aufregende Nachricht mitteilen." „Was?" „Es ist besser, Si« wissen es nicht. Sie sind zu ehrlich, können schlecht Theater spielen. Uebrigens noch eine Kleinlgkeit: Glauben Sie wirklich,«in Laie hätte Ihnen den Zettel so geschickt in di« Tasche praktizieren können? Dazu gehört eine geübt« Hand." Jack nickte, noch immer lachend. „Also wie steht es mtt dem Geld?" „Ich habe gestern b«i der Bank die nötigen Gelder für Streik- Unterstützungen behoben. Leider müssen wir etwas sparen. Ich habe für dieses Jahr m«in Konto bereits überzogen. Die Bank schießt mir nichts vor: der Direktor ist ein Freund von Ealvin. Bor dem 20. Dezember erhalte ich keinen Cent mehr." „Geldverleiher? Jedermann weiß, daß Sie am Tag Ihrer Volljährigkeit Ihr mütterliches Erb« ausgezahlt bekommen." „In Fullersville leiht mir niemand Kell», auch in Eolumbu» und Eincinnoti habe ich vergeblich versucht." „Wer verwahrt da» Geld?" ..Ashleigh." Gut, jetzt müssen wir noch ein» Zusammenkunft«st David Gordon vereinbaren." „Ich gehe morgen zu ihm: am Abend. In Ihrer Eigenschaft als Sympathisierender können Si« ja getrost mitkommen. Aber mein Schatten.. „Ihr Schatten?" „Ja. der Spitzel, den mir Calvin auf die Fersen geheftet hat. Uebrigens ein ganz braver Kerl, vielleicht wäre er morgen g«> neigt, schläfrig zu sein..." „Wir treffen einander morgen hier. Ihr Bruder war so gnädig, I mich zum Gabelfrühstück einzuladen. Da können wir ganz offen eine Vereinbarung für den Abend treffen. Löschen Sie dos Licht aus. So, gute Nackt, Jack." Lautlos, gelenk wie eine Katze, huschte Tommy zum Fenster. Jack hielt den Atem an. Einmal raschelt« ein dürres Blatt: dann war wieder alles still. * Um sechs Uhr gellt« durch das Fuller-Haus der schrill« Ton der Hausglocke. Erschrocken« Diener kamen gelaufen, lohen staunend vor dem Tor ein über und über mit Kot bespritztes Motorrad und daneben, blaß, erschöpft, übernächtig, Herrn Louis Carbuckle. „Ich muß sofort Herrn Calvin Füller sprechen Sofort!" keuchte er. Aber der Diener brauchte ihn nicht mehr.zu melden. Auch Calvin Füller war durch das wilde Läuten aus dem Schlaf gescheucht worden und blickte vom oberen Stockwerk über die Brüstung in di« Halle. Mit einem Satz stand Herr Carbuckle neben ihm. a „Wir dürfen keine Zeit verlieren", flüsterte er atemlos. Calvin zog ihn in fein Schlafzimmer. „Was gibt's?" „Gestern... das Telegramm... der Gesichtsausdruck Ihres Bruders fiel mir auf: das Telegramm war an ihn gerichtet. Ich bin der Sache die ganze Nacht über nachgegangen, habe von der nächsten Stadt aus telegraphiert, telephoniert, arbeite unentwegt seit zehn Uhr. Das abgegangene Auto ist ein Organisator. Er kommt heute um halb acht aus Columbus an. Wird sich Ihnen als Pinkerton-Agent vorstellen, die Frechheit haben, meinen ehrlichen Namen zu benutzen. Und wissen Sie, wer der Kerl in Wirklichkeit ist? Ein Berbrecher, ein Schurke, jener Tommy Anderson, der wegen Mord gesucht wird. Er muß sofort ani Bahnhof verhaftet werden. Doch darf di« Sache nicht in die Presse gelangen. Der Kerl muß in Einzelhaft gehalten werden, bis ich aus New Fork all« Daten beschafft Hobe." .Herrgott!" rief Calvin Füller.„Sind Sie aber«in tüchtiger Kerl!" Und er betrachtete voll aufrichtiger Anerkennung den blossen jungen Mann, der erschöpft in einen Lehnstuhl gesunken war. „Telephonieren Sie gleich die Polizei an", sprach Herr Carbuckle. „Ich werde mit ihr auf den Bahnhof gehen, ihr den Kerl zeigen." Calvin Füller gehorchte, und«ine Viertelstunde später verließ Herr Carbuckle das Haus. Als Jack am Frühstückstisch erschien, saß der Bruder mit zu- friedenem Gesicht vor seiner Tasse Tee und rief ihm sofort zu: „Das Telegramm war je doch jür dich!" „Welches Telegramm?" „Gestern abend. Beruhige dich,»leine Leute arbeiten gut. Herr Tommy Anderson befindet sich bereits in den Händen der Polizei." Jack erblaßte und sank auf«inen Sessel. Das war«in harter Schlag. Aber wie in aller Welt war es den Agenten gelungen, die Wahrheit zu erfahren? Wie war es möglich, daß der gewandte, schlau« Tommy Anderson sich verroten hatte? Jack brachte keinen Bissen herunter: der Bruder beobachtete ihn voller Schadenfreude. Jack war dermaßen niedergeschlagen, daß er sich den ganzen Dormittag nicht aus seinem Arbeitszimnier rührte. Als zum Lunch geläutet wurde, ging er langsam durchs Wohnzimmer, blieb dann wie erstarrt stehen. Frisch rasiert, elegant und heiter grinste ihn Tommy Anderson an, der eben eingetreten war und mit aristokrati- scher Gebärde dem Diener Hut und Mantel reicht«. * In einer Zelle des Polizeigesängnisses von Fullersville verfluchte Herr Louis Carbuckle, Detektiv der Agentur Pinterton aus New Jork, die Polizei, die Behörden und auch den liebenswürdigen ele- ganten jimgen Mann, mit dem er in der Bahn ja lange Whisky getrunken hatte, bis er wie ein Toter schlief. Beim Erwachen merkte er, daß olle seine Papiere fehlten. Er hatte in Eolumbu» aussteigen, sich mit der Agentur in Verbindung setzen niüsscn, auf dies« Art hatte er zwei Tage verloren. Inzwischen war ihm wohl ein Konkurrent zuvorgekommen, den Leuten von der Agentur Burns war ein der- artiger Streich wohl zuzutrauen. Aber das kam alles von der ver- dämmten Prohibition, man war so heilfroh, einmal Whisky zu be- kommen, daß man sich den gütigen Spender gar nicht näher ansah und wie ein Grünschnabel jedem Gauner auf den Leim ging. Und Herr Louis Carbickle aus New Bork verfluchte die Pro- hibition mit Worten, di« den verhärtetften irischen Polizisten zum Erröten gebracht hätten. Rr. lSZ. Tommy Anderson schien ein junger Mann zu sein, der niemals der Rul)« bedurfte. Nach dem Gabelfrühstück trieb er sich den ganzen Nachmittag in der Stadt umher, mochte allerlei Bekanntschaften, darunter die des allen Fräulein Crock, dessen Herz er im Nu er- oberte. Auch David Gordon begegnete er, dych sprachen di« beiden vorsichtshalber kein Wort miteinander, nur ein plötzliches erfreutes Lächeln auf Davids ernstem Gesicht bewies, daß er den Freund er- könnt habe. Als Tommy in einen Tabakladen'trat, um Zigaretten zu kaufen, drehte sich ein Mann, der vor dem Verkaufstisch lungerte, um. blieb wie ongewurzell stehen und starrte Tommy an. Und Tommy, dessen Frechhest und Kaltblütigkeit bei seinen Freunden sprichwörtlich war, erblaßte und zwang sich nur mit viel Müh««ine gleichgültige Miene auf. Er kaufte ein Paket Zigaretten, verließ den Laden und wartete vor der Tür auf den Mann, dessen Anblick ihn dermaßen erschreckt hatte. John Calmer kam heraus, blieb zögernd stehen, trat dann auf Tommy zu und bat um Feuer. Tommy reichte ihm die Streichhölzschochtel, fragte dabei halb- laut: „Herrgott, John, was treibst denn du hier?" (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAO BRINGT. Nene Gebirge am Südpol, Commander Richard Byrd macht in einem Bericht aus seinem Hauptlager im Südpolarkreis eingehende Mitteilungen über die Eni- deckungen, die seiner Expedition in diesem Jahre gelungen sind. Er hat mit dem Flugzeug gegen 40000 Quadratkilometer bisher unbekanntes Land gesichtet. Am 29. Januar«nt- deckte das Flugzeug der Expedition die Rockefeller-Gebirgs- kette. Die Kette besteht aus etwa 40 schneebedeckten, tiefliegenden Gipfeln und Graten, die unregelmäßig in einem Bogen angeo»lmet sind. Die höchsten Gipfel und Kämm« sind dicht mit Schnee bedeckt und auch di« Täler sind teilweise mit Schnee und Eis ausgefüllt. vom Flugzeug aus machten die Berge keinen sehr imposanten Ein- druck: der höchste liegt etwa 207S Fuß, der niedrigst« S00 Fuß über dem Meeresspiegel. Byrd berichtet weiter, daß in der Umgebung des Gebirges beträchtliche Schneeschmelze während der Sommer- monate vor sich geht und Wassermassen sich in einigen Vertiefungen sammeln, ober daß kein« Bewegung von Schnee und Eis und keine Gletscherbildung beobachtet wurde. Die Berge bestehen zum großen Teil aus Granttgeftein. Am 18. Februar wurde eine andere Gebirgskette ent- deckt, di« östlich von der Rockeseller-Kette liegt. Prof. Gould hatte von der Rockeseller-Kette am 8. März einen schönen Blick nach dem höchsten Gipfel dieses Gebirges, dessen majestätische Erscheinung der des Matterhorns ähnelt und der über 5000 Fuß hoch ist. Im Süd- westen davon ist ein anderer Gipfel, und in südöstlicher Richtung verläuft ein« mächtige Gebirgskette, di« den Namen Marie-Byrd- Land erhielt und für die Vereinigten Staaten in Anspruch ge- nommen wurde. Am 27. Januar sichteten zwei Flugzeuge, die westlich Alontag. 29. Juli. Berlin. 16.00 Lndwii Spitier: Berliner Bedefresden. 16.30 Dr. Panl QraBmaan, StocUiolm:„Ein Besuch bei Verner ro« Neide». »tarn". 17.00 BUiorcheater. 18.00 Fahrt In des Abend, Pom an von C. Ernst W. FreiBler. BruchstDcke. («lesen vom Autor. 19.00 Dr. Ernst Folr:„Zutaben, Rabatte und Aniverkiufe". 19.30 Musik(Lotte Appel, Sopria. Am Flllfel; Ben Qeysel). 19.46 Landgerichtsrat James Bäsch; Ich klare weren Beleidirunc, 38.16 Von fr«« klart: RuadfunkmuelkkempesItleiMi der Baden-Baden» Festunsehe. Keck den Abendmeldunte« We 0.60; Tsnneasfk. Wlkrend der Baase Bildfunk. Kfislrivuiterhsuics. 16.00 Prof Dt. E. Sprsnter; Zu Qeorr Kerschenstelners 76. Qeburtstsi 16.30 Dr. Heinrich Hofer und Mitwirkende; Die Rokoke Oper. 18.00 Dr. Lenrheinrlch Anthos; Deutsche Meisterkomödien. 18.30 Kurl Qreel; Die Tttixkelt des menschlleheo SWmmappsrats. 18.68 Forstmeister v. Bornstedt: Die Seele des Waldes. 19.20 Dr. 0. Everllnc Die freien Berufe(III). 20.16„Heiteres aus Oesterreich". Victor Schvsnnectoi, Rezitation. 21.00 Else Stande WJener QemOtüchkeit. flogen, die Umrisse eines Gebirges, das sich weit nach Süden er- streckte. Bei einem anderen Flug über die Scott Nunataks ent- deckte man ein bisher unbekanntes schneebedecktes Land. Auch die Küstenlinie an der Walfischbai und weiter an der Halsloodhai, etwa 130 Kilometer nach Osten, wurde mit dem Flugzeug genau festgestellt und kartographisch aufgenommen. Damptschitt'Enten, Ein seltsames Tier, das den Namen der„Dampfschiff-Entc" führt, kommt aus den einsamen Fjorden des bisher noch wenig erforschten südlichen Feuerlandes vor. Die Dampsschtsf-Enten unter- scheiden sich von den anderen Enten— wie überhaupt von den Schwimmvögeln— vor allem dadurch, daß sie ihre Schwimmbewe- gungen nicht nur mit den Beinen, sondern vielmehr auch mit den Flügeln ausführen, und zwar in der Weis«, daß sie mtt den Flü- geln rasch und sehr kräftig gegen dos Wasser schlagen, daß die Flügel wie die Räder eines Dampfschiffes arbeiten. Mit Hilft dieser Flügelbewegungen können sich, wie der Forscher De Agostini beobachtet hat, dies« Enten mtt großer Schnelligkett auf dem Wasser fortbewegen, dagegen sind sie, wodurch sie sich ebenfalls von den übrigen Emenvögeln umerscheiden, vollständig flugunfähig. Ihren Ramen„Dompfschiff-Ente"—„pato a vapor*— erhielten sie wegen der sonderbaren Flügelschläge, durch die die Tier« gleich Dampffchiffen auf dem Wasser weitergetrieben werden. Kuhfladen als Exportartikel, Di« Kuh, die in Indien als heilig gilt, wird dort nicht nur des- halb gehalten, weil sie Milch gibt, sondern der Kuhmist ist auch ein sehr wichtiger indischer Handelsartikel. Der Dünger wird eifrig gesammelt, mit den Händen geformt und der Sonnenbestrahlung zum Trocknen ausgesetzt. Di« Hersteller bringen ihn in die Stadt zum Berkaus und er wird dort.als Brennstojf oerwendet. Es ist festgestellt, daß im Jahre mehr als 150 Millionen des eigenartigen Brennstoffes, der auch Dünger-Kuchen genannt wird, hergestellt werden, wovon«in großer Teil exportiert wird. Fehlverbindung als Todesursache. Mit einem sehr interessanten Prozeß hat sich in den nächsten Tagen das Gericht in New Bork zu beschästigen. Di« Erben des durch Herzschlag verstorbenen Mr. Iohnftns machen die amerikanisch« Postbehörde für den Tod ihres Ernährers hastbar. Der Sach- verhalt, der dem Prozeß zugrunde liegt ist der, daß eines Abends Johnson, als er schlafend im Bett« lag, vom Telephon geweckt wurde, aber einen Fehlanrus erhielt. Kaum war er eingeschlafen, als ihn ein neuerlicher Anruf weckte. Schlaftrunken taumelle er über die Telephonschnur, fiel um und erlog einem Herzschlag. Die sechsjährige Schachpartie. Bor einigen Tagen ist eine Schachpartie beendet worden, die nicht weniger als sechs Jahre gedauert hat Die Gegner. S.?l. Robeck. son-New Bort und C, Kryston-Adelaide. teilten sich fünf Jahre lang ihre Züge einander brieflich mit. Als nach dieser Zeit noch kein Ende abzusehen war, wurde die Partie dadurch beschleunigt, daß man in telegraphische Verbindung trat. Der Gewinner wurde der Australier, so daß vereinbarungsgemäß der Amerikaner die Depeschenkosten in Höhe von 6300 Dollar zahlen mußte. Jugendwettfahrten der Freien Segler. Die Jugend des FSB. hatte am gestrigen Sonntag ihren großen Tag.?luf dem Langen und Seddinsee im Osten, sowie auf dem Tegeler S« im Westen fanden die jährlichen Jugend- l« g a t t e n statt. Bei einer strammen Brise von< Sekunden- metern aus WSW. hatten die iungen Segler Gelegenheit, zu zeigen, was sie bisher in Theorie und Praxis von der schönen Kunst des Segeln? gelernt hatten. Es war ein« Freude, zu sehen, mit welchem Feuereifer die Iungen bei der Sache waren und mit welcher Dra- vour hauptsächlich von den kleinen Booten, die am Wind durch die hohen Dellen eine ziemlich nasse Fahrt hatten, die Bahn abgelaufen wurde. Etwa 40 Boote in beiden Gruppen, die zum über- großen Teil von den älteren Sportgenossen zur Verfügung gestellt waren, belebten das Regattofeld. vom schlanken Züer bis zur flinken lü-Quadratmeter-Rennjolle trotzten Wind und Wellen. Leider waren viele der Neubauten nicht oertreten, da diese am selben Tage an den Wettfahrten des Seglerklubs chansa-Lübeck auf dem Notzeburger See teilnahmen. Pünktlich um 11 Uhr war der Start. Wenn auch nicht alles so richtig auf die Sekunde kloppte, konnte doch bei den Fünfzehnern ein schöner, geschlossener Start beobachtet werden. Ueberhaupt spielten sich In dieser Klasse die schönsten Kämpfe ab. 80 konnte mit der guten Zeit von 1:Z3'30 den Sieg für sich buchen. Die kleinen lO-Quadratmeter-Renn- und Wanderjollen lagen andauernd dicht bei- sammen, bis sich schließlich C 59, Edith, doch freisegeln konnte und mit 1:16:52 Erster seiner Klasse wurde. Der schnellste Wanderzehner, B74, Sinnetin, brauchte nur 3 Minuten länger« Zeit, was eine achtbare Leistung ist. Bei dem rauhen Wetter liefen diese idealen Wanderboote, die nach eigenen Nissen des FSB. und zum Teil auch im Selbstbau hergestellt sind, hervorragend. Bei den Renn zwanziger» konnte Z 86, Helios, den Preis für sich nach Hause fahren. Mit seiner ausgezeichneten Zeit von 1:48:54 war er schnellstes Boot der großen Dahn. Eine schön« Leistung, zumal er den erfolgreichen Dreißiger L 26, Leichtsinn, um etwa 2 Minuten aussegeln konnte. Letzterer wurde in seiner Klasse Sieger; leider mußte L24, Erna, ausscheiden, da sie sich bei einer Döe direkt mit ihrem Segel auf die Takelage von L 20 legte. Mit zerrissenem Zeug muhte die schnelle„Erna" das Nennen aufgeben.— Bei den Slus- gleichsjollen wurde II 300, Odin, schnellstes Boot der kleinen Bahn. Dos Boot, da» besonder» aufmerksam gesteuert wurde, segelt« die gute Zeit von 1:16:01(berechnete Zeit 1:09:37). Nach der Wettfahrt, die über etwa 9 Seemeilen ging, ver- sammelten sich die jugendlichen Segler im Saal des schmucken Boots- Hauses der Freien Bereinigung der Tourensegler Grünau. An langen Tafeln waren von den Damen des Vereins Kaffee und Zluchcn für die tapferen Kämpfer kredenzt worden. Nach getaner Arbeit mundet« Kurz nach dem Start. das Gebotene vortrefflich. In feiner Ansprache brachte Verbands- jugendleiter Sportgenosse Alfons Sachs zum Ausdruck, daß er im großen und ganzen mit den gezeigten Leistungen zufrieden fei, wenn auch gerade in bezug auf Pünktlichkeit noch ein wenig nach- geholfen werden müsse. Er forderte die Iungen auf, in ihren Freundeskreisen neue Anhänger für den Arbeitersegelsport zu werben, der auch dazu berufen ist, gesunde und tüchtige Menschen zu erziehen. An die älteren Sportgenossen appellierte er, im nächsten Jahr« noch mehr Bootsmaterial den Iungen zur Verfügung zu stellen. Mit einem dreifachen Gode Wind ahoi!, in das alle begeistert einstimmten, fand dieser erlebnisreiche Tag für die Freie Seglerjugend fein Ende. Nachfolgend die Zeiten der Sieger: zo.Quadrat««t»r,Rknniachten: 1.!-!<>, Leichtsinn, t:Z<):U! SO-Ouabralmetct- Ztlnniollen: 1. ZfK. Selios, 1:48:54: IS-Quabroimctet-SennjoUen: 1. M 80, Irr. wisch, 1:53:30: 10.Ouadrotm?tcr.Renniollcn: 1. C 58, Gbitfi, 1:16:52: rn-Quadrat, Meter. Wnnderjollen: 1. E 74, Annekin, 1:19:56.— Aueqlcick siollcn. 8. Klasse: 1. 301,«elie. 1:16:54;; 9. Klasse: 1. II 300, Odin, 1:09:37. Bei den Ausgleich». jalle» ist die berechnete 3e>t angegeben. Radsportliches Allerlei 1 Am 10. August beginnen in Zürich die Weltmeisterschasten im Nadsport. Für Deutschland und Holland sind nunmehr die Teil- nehmer festgelegt. Der Sportausschuß des Bundes Deutslher Radfahrer schickt von den Dauerfahrern den vorjährigen Weltmeister und deutschen Meister 1929 Walter S o w a l l und Paul K r e w e r- Köln. Die Lerufsslieaer sind mit Mathias En gel-Köln, Deutscher Meister 1929, Paul O s z m e l l a- Köln und Peter Stesses-Köln oertreten. Die Berliner Fligel und Johow und der in der Schweiz wohnende Klug starten im Wettbewerb um die A m a t e u r- M e i st e r s ch o f t. Während die Amateur-Straßenfahrer Walter H of f m a n n- Berlin, Oskar T hi« r b a ch- Dresden und als Ersatz Kurt Hertwig ent- senden, wird in der Straßenmeisterschost der Berufs» fahr er Deutschland nicht vertreten sein. Maßgebend für diesen Entschluß war das Fehlen jeglichen Maßstabes für die Leistungs- fähigkeit der Fahrer,— hervorgerufen durch den Fortfall aller Berufs-Straßenrennen in vielem Jahre— Die Sportkommtsswn des Niederländischen Vadfahrer-Verbandes hat bei den Berufs- fliegern Moeskops und Iaap Meyer, bei den Berufs- straßenfahrern Franssen und P o l a k und bei den Dauerfahrern Leddy und S ch l e b a u in ausgewählt. Di« Amateur-Straßenfahrer starten mit I. Maas, v. Slurich, Brosens und E o b e r. In der?l m a t e u r° Fltegermeifterschaft vertritt Motzarac die holländischen Farben.— Altmeister Karl Satdom» Start am Sonntag in Bordeaux brachte den Berliner im Gesamtklossement einen zweiten Platz«in! Die Ergebnisse der drei Nennen: 20 Kilo- meter: 1. Pinaud 16:37: 2. Penoit 360 Meter: 3. venassoc 400 Meter; 4. Saldow 460 Meter: 5. Sausin 700 Meter jurürf. 3 0 Kilometer: 1. Sausin 26; 31; 2. Benoit 3 Meter- 3 Saldow 100 Meter: 4. Pinaud 150 Meter: 5. Benassac 950 Meter zurück. SO Kilometer: 1. Benoit 43: 20; 2. Saldow 1420 Meter; 3. Sausin 2100 Meter; 4. Benassac 2200 Meter; 5 Pinaud 5250 Meter zurück. Gesamtergebnis: 1. Benoit 5 Punkte; 2. Saldow 9 P.; 3. Sausin 9 P.; 4. Pinaud 10 P.. 5. Benassac 12 Punkt«. Lothar Ehmer will nun«ieder M a n n s ch« f t s fa hr« r «erden, nachdem er sich einige Mal« im Stehersport oersucht hatte. Er startet am Dienstagabend auf der N ü t t- A r e n a mit Dorn in einem lOO-Kilometer-Mannschaftsfahren, das die Deutsch« Rennfahrer-Verciniguna veranstaltet. Di««eiteren Paar« sind: Sroll-Miethe, Tietz-Kroschel. Gebr. Wolke, Lehmann-Wissel, Krüger- Funda, Seinert- Kontorowicz, Koch. Longardt, Behrend- Nickel, Feder-Weyer. vom Skeher zum Schrittmacher? Wie bekannt wird, will Kail Saldow min doch endgültig sein« wiederholt schon früher geäußert« Slbsicht wahr machen und mit Ablauf dieser Saison die Siurzkappe oblegen und die Lederjacke de« Schrittmacher» anziehe«. Auch der Charlottenburger Fritz L a u e r will Schrittmacher werden. Dawaele gewinnt die«Tour de France". Mit der 331 Kilometer langen 22. Emppe von Diepp« nach Paris wurde die Radrundfahrt durch Frankreich beendet. Zwölf Fahrer engagierten sich nach einer Fahrzeit von 12: 19: 19 zum Endkampf auf der Pariser Prinzenparkdahn, den der Luxemburger Nikolas Frantz zu feinen Gunsten ent- schied vor Eh. Peli ssier, Mcrviel, Bonduel und Faur«. Al» Gesamtsieger aus diesem längsten und schwersten Straßenrennen der Welt ging der Belgier Maurice Dewaele hervor, der für die 5267 Kilometer lange Strecke 186 Stunden 39 Minuten 14 Sekunden benötigt«. Mit einem Rückstand von mehr al» einer halben Stunde belegt« der junge, erst in dieser Saison in den Vordergrund getretene Belgier Demuyser« den zweiten Platz vor dem Italiener Poncera._ Oxford-Cambridge in USA. Der traditionell jedes Jahr stattfindend« Wettkampf zwischen den Mannschaften der englischen Universitäten Oxford und Cambridge und den amerikanisch«« Universitäten E» r n e l l. Princetown in Travors Island, New ffork, ausgetragen wird, wurde dieses Jahr wieder von den Amerikanern mst 9 Siegen von 12 Wettbewerben gewonnen. Bei der Veranstaltung wurden»ier neue Rekord« ausgestellt, und zwar im Hochsprung, den Hedges(USA.) mit 1,98 Meter gewann; im 2-Meilen-Laufen, das die amerikanische Universität in 9,33'/, Minuten als Sieger sah. Im Stabhochsprung wufde der studentische Rekord auf 3,92 Meter hinaufgeschraubt. Der bedeutsamste Erfolg ober wurde im t8 0-Pards-Laufen von dem Engländer T. Hampson in der recht guten Zeit von 1: 53 errungen. Ueberhaupt scheinen die englischen Studenten in den Laufstrecken die Ucberlegeneren ge- wesen zu sein, denn sie errangen außerdem noch Siege 440-Pard- Laufen und durch den Cambridger W i l k o n s o n die 100-Meter- Strecke. Davis-Cup bleibt in Frankreich. Amerika mit 3: 1 geschlagen. Der Komps um den Davis-Pokal ist beendet. Frankreich hat die wertvoll« Trophäe, die es im Jahre 1927 von Amerika noch Europa entführen konnte, zum zweiten Male mit Erfolg verteidigt. Mit 3:2 Punkten mußten sich Amerikas Vertreter geschlagen geben. In den Einzelspielen des letzten Tages« konnte zunächst Tilden durch einen 4:6-, 6:1-, 6: 4-, 7: 5-Sieg über Borotra den Gleichstand 2: 2 herzustellen, aber C o ch c t rettete die Situa- tlvn, indem er den jungen Lott mit 6:1, 3:6, 6:0, 6:3 abfertigte und damit den siegbringenden dritten Punkt erzielte. Bei etwas kühlem Wetter und schwächerem Besuch nahm der Kamps Tilden- Borotra seinen Slnfang. Dem Amerikaner merkte man nichts mehr von seiner Niederlage durch Eochet an. Er spielte wie in seinen besten Tagen. Borota dagegen machte einen ab- gekämpften Eindruck, dennoch gewann er nach wechselnder Führung den ersten Satz mit 6: 4. Den zweiten holte sich Tilden hauptsäch- lich durch seine Kanonenaufschlög« mit 6: 1 und den dritten Satz mit 6: 4, nachdem Borotra mit 4: 3 geführt hatte. Im vierten Satz war Tilden 4: 1 davongezogen. Der Fran.zole tonnte mst einer letzten Anstrengung 5; 5 ausgleichen, war dann ober mit feinen Kräften am Ende. Mit einem wunderbaren Palsierball sichert« sich Tilden das Match und den zweiten Punkt für Amerika. W e l t me i st e r Eochet nahm den Kampf mit Lott auf die leichte Schulter. Noch gewonnenem ersten Satz machte Eochet zahl. reich« Fehler und schlug viel ins„Aus", so daß dieser Satz mit 6: 3 an den Amerikaner ging. Im driften Sitz war Eochet wied«- in seiner Höchstform zu sehen. Er gab nicht ein einziges Spiel ab. Der vierte Satz war bis 3: 3 ziemlich offen, dann gab der Fron- zess« ein glänzendes Finish zum besten und mit Schmetterbällen und Großangriffen entschied er das Match und gleichzeitig auch den ganzen Kampf zugunsten Frankreichs. Hertha BSC. geschlagen. Ein Stierkampf oder ein Fußballspiel? Nürnberg, 29. Juli. Das Nürnberger Stadion, das erst vor acht Tagen den impo- Nierenden, friedlichen Aufmarsch der hunderttausend Arbeitersportler gesehrn hatte, gab am Sonntag den Platz für ein Meisterschaft»- spiel ab, das mehr mit einem Stierkampf als mit Sport zu tun hatte. Die Spielvereinigung Fürth besiegt« H«rtha-BSE. im Endspiel um die Meisterschaft des DFB. 3: 2, nachdem die Klee- blättier in der 15. Minute durch Auer II die Führung an sich ge- rrflen und auf zwei Tore Sobecks hin immer wieder einen Erfolg erzielt hatten.„Dos Spiel war eines Meisterfchaftskampf«» unwürdig und ein ungemein häßlicher Kampf" heißt es fett gedruckt in dem ersten ausführlichen Bericht eines bürgerlichen Nürnberger Sportblattes. Dos Ganz« glich tatsächlich mehr einer Schlacht al» einem Spiel. Domscheit und der Fürther Krauß I, daneben Leinberger und der Berliner Lehmann suchten sich gegen- seitig an Unfairnis zu überbieten; wären einzeln« Spieler nicht von ihren Kameroden zurückgehalten worden, so wäre es sogar schon in der ersten Halbzeit zu offenen Tätlich» leiten gekommen. Von den Derlinern wurde Schulz und von den Fürthern Hagen ernstlich verletzt, ver Kölner Schieds- richter Dr.»ouwens war gegenüber den versteckten Fouls, mst denen beide Hintermannfchasten arbeiteten, machtlos. � Ein Kapitel für sich waren hie Vorgänge auf den Zuschauer- wällen. Einer alten Gewohnheit folgend, hatte der DFB. mehr Karten ausgeben lassen, als Plätze mit Sichtmöglichkeit Vorhand--«: waren. Die Zuschauer kletterten infolgedessen auf den unmöglichsten Gerüsten in die Höhe, die schnell errichtet worden waren, um über- Haupt etwas sehen zu können; auseinander geschichtete Maß-lrüge, Bretter, Lotten und Stühle wurden als Unterlagen verwendet, an den Fahnenstangen seilten sich einzelne an und auf aufgerichteten Leitern wurden die Platze sprossenwerse verkauft. Selbstverständlich ging es dabei nicht ohne Unfälle ab; alle paar Minuten krachte eines von den zahllosen Gerüsten zusammen. Die Stadt N ü r n- b« r g hat durch Beschädigungen an jungen Bäumen, Zäunen und Anlagen einen Schaden erlitten, der in die Tausende gehen dürfte. Hoffentlich macht sie den DFB. verantworilich. Scvcriitg sprldrf zum Rast am l8.Aiigasf In den Rehbcrgen Lettland-Berlin. Am 8. August auf dem Sportplatz Tiergarten. Die lettischen Arbeitersportler, die die Fahrt zum Bundesfest in Nürnberg aus Motorrädern unter- nahmen, befinden sich noch in Deutschland, um an verschiedenen Sporlsesten teilzunehmen. Di« Berliner Arbeitersportler haben die lettischen Genossen am 8. August zu Gast und veranstalten daher «in internationales A b« n d j p o r t f e st. Di« Organisation liegt in den Händen des Sportoereins Moabit. Neben den leicht- athletischen Wettkämpfen gelangen auch Tennisspiele und Boxtämpsc mit Beteiligung der lettischen Genossen zur Aus- tragung. Die bundestreuen Arbeitersportler erwarten die Berliner Arbeiterschaft also am 8. August auf dem Sportplatz Tiergarten. Borverkausskarten zum Presse von 50 Pf. sind bei G. Richter, NW 21, Wiclefstraße 20, anzufordern. Berliner Ringcr�Meisterschaft. Bei der Fortsetzung der Kämpfe um den Berliner Meistertitel im Wilmersdorf«? Liktoriogarten rangen am gestrigen Sonntagabend im ersten Entscheidungskampf die beiden Berliner Messter Pietro Scholz und Schachschneider. Mit ungeheurer Spannung wurde der Kamps der beiden Virtuosen der Ringmatte ver- folgt; beide lieferten«inen äußerst harten und technisch so vollendeten Kampf, wie man ihn selten sieht. Scholz hatte in dem ebenso sympathischen Schachschneider nochmals einen sehr e b e n b ü r t i- gen Gegner; den er ober in der 60. Minute ganz ausgezeichnet forcierte und der mit einem blitzschnellen Ausreißer von der Seite dos bitter« einer— ehrenvollen— Schutterniederlaae hinnehmen mußte. Mit diesem Sieg« steht der noch unhesiegte Pietro Scholz letzt mit an der Spitze. Der körperlich sehr überlegene Tscheche Spevaczek«ars den sich ausgezeichnet verteidigenden Kölner Koch- Hanski in der 21. Minute. Mit feiner größeren Routine besiegle der Rheinländer Hansen-Ejch den bisher mit gutem Erfolg ringenden Westfalen Grunewald mit einer Kravatte in der 57. Minute. Am Sonnabend besiegt« der ehemalige Amateurmesslcr Schlich- fchneider den Grunewald erst nach 1 Stunde und 9 Minuten. Die beiden Favoriten des Ringerwettstreits Scholz und Neström trennte nach einer Kampfzeit von 1 Stunde 18 Minuten die eintretende Schlußstunde leider ergebnislos Der Finnländcr war dank seiner aggressiven Kampfart in der letzten Kanipshälste etwas im Vorteil. Heut«, am vorlegten Tag, ringen:� Grunewald-Spevaczek, Pietro Scholz-Hansen-Esch und der jung« Sachsenmeistcr Marunke gegen den Oberschiesier Pogrzek. Der erste sichtbare Enolg der Pressedesprechung, die zwischen den Vertretern der Berliner Presse und dein Presseausschuß des Internationalen Ringer-Verbandes stattfand und auf der Reorgani- sationsbestrebungen zur Hebung des Berufsringertums vorgeschlagen und besprochen wurden, ist das Erscheinen einer Werbeschrsst für die Interessen des Ringsports„Der R> n g k a m p s", die nionat- lich erscheint— zu einein jährlichen Bezugspreis von 3 M. ist sauber illustriert und äußerst vielseitig. Es soll in dieser Monats- schrist über sie berufsmäßigen und Alnateur-Veraiistaitungen in Wort und Bilk» berichtet werden, um so für die Popnlorisiernng des schönen Ringsportes neu zu werben Schriftleiter ist H ans Gocksch-Neukölln.__ 0. M. Kanuauffahrt am Vcrfassungslag. Berlin wird am Verfassungstag, dem 11. August, im Festesglanzc -prangen. Man wird den.zehnjährigen Geburtstag der Republik seiern und dieses Fest durch sportliche Veranstaltungen mit zu ver- schönern suchen. Dies« Aufgabe hat sich auch der Deutsche Kanu- Verband Märkischer Kreis gestellt. Der Sport im Kosak und Faltboot ist im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Volks- sport geworden. Der Kanu-Verband veranstaltet daher«ine Ver- fassungsstofette„Quer durch Berlin" im Kajak und Faltboot Einer und Zweier. Dieselbe beginnt an der Oberbcnimbrücke im Osten um 1414 Uhr. Es folgt anschließend die Stafette. Am Haiisauser Achenbachbrück» ist Ziel. Dort findet onjcdliehend das erste Kanu- polospiel statt und Kanukawpsspiele wie L-anzenstecheu, Tguziehen, Eimerkampf und Kentervorsührungen. Rennen zu Karlsborst. «eilchex-pliid»»«»»!»: X. Ou«lli(Mllschrnl:!. Durst: 3. Jtili. Toto: 20:10. Vl»»: 16,», 17:19. grrnrr Ii«I«n: Zirulanb; Achtung, Solkenfcier; Polacra: Untaitbet; Alstgeri«: Salctoit. 1. Bopi«(Sorslrtl; 2. Zlrurr Hilter; 3. Astarle. Tot«: 23:19. Pia»: 16, 27:19. sserner liefen: Aur�schllch, stgmont. Mostlck. ie»»i»-pLr»«,ren»ea: I. Sioläufer lMllschen): 2. Qttogedc: 3. Tettde. Toi«: 27:19. Pia»: 13. 16, 30:10. gerner liefen; Eintracht II; Ehisvnie: Per- laT«: Sternkunde: Kadio: Earlsininde: Offensive tSrate» Onllnce Iaa»ren»en: 1. Quo vod!» l Lauser); 2. Mgron; 3. Sana pareil. Tat»: 37:19. Matz: 14, 20, 13:10. sserner liefen: Taunus: Nordsee; Manneatreue laussedr.): Zenoe lgef.). U»s»»ffer.Zag»emie»: 1. Saiamonder((Oimpl); 2. Augustus: 3. Dolobin. Tat«: 42:10. PI«»: SC. 17:10. ffetner liefen: Minule: Vorusse. VaMveee-Zagdreu»-,,: 1. Liegderie lSauser): 2. Modewell:.3. Hnsdeak. T»4o: 47:10. PI«»: 15, 16:19. Lerner liefen: ssafner: Tullins lgef.). A»rl,S»»fi«e Auagleich: 1. Waisenknabe II iLubwia); 2. Contessa: 3. Öok». Toto: 112:10. Pia»: 12, 14, 12:10. Ferner liefen: öleetcolo; fttr aut feri; RäniflSfinb: eompotdie.__ Tauristauoeraiu.«« NatursreuuSe", Ortoflruppe Berlin. Ssimnerataa. 1. AutiufL 18% lUt. Sammlung aller Miilieber Dan,iaer Straße Ecke Schön. Sauser All» lMtttelpwmenabe), tut«nti.striegakunbqrduna. Abmarsch 10 Uhr. ssahnen und Stnnnl mitbringen. Tauoisbruae.ei».SXe Ze.trale Situ. Abt. Kried.ichahai»: Jl'n'tea, 90. Juli. 29 Uhr. Mufik. und Liederabend. Litauer Str. 18.— >»t. stmwMa; Dienataa, 80. Juli. Abendsptuiergang.— Abt. Norde»: 2j''t»laa, 80. Juli, 30 Uhr, Sonnrnburger Str. 20. Bunter Abend.— Abt. Portrag.— Am Donnrrotag. dem 1. August, fallen alle Veranstaltungen der Abteilungen au». Beteiligung an der Anti-striegsdemonstration. Treffpunkt ber Sportler Banaiger Straße Ecke Prenalauer Allee. NT»«., Nreuorperknltuespapte. Letzte Uebungostunde der Singgemein. schalt»um Sammerfest am Bienslag, 30. Juli, im Heim Moabit, Waldenser- strahe 31. 15.«eolelolartel Treptow, ßu der am Montag, 29. Juli, 20 Uhr, bei Srahl. Niederschönrweide, Berlin» Str. 129, stattfindenden Kartelltech. »»«»«Suna muh sede Organisation Ihre Laupttechniker entsenden. Zm gleichen Lokal findet am Mittwoch, dem 81. Zuli, 20 Uhr, eine Sitzung der Berei novorsi» ende« und der Sartelldelegierten statt. Erscheinen aller un- bedingt erfarterlich.?n beiden Sitzungen Tageoordnung: Berfassungsfeier, Neichaarbeitersportiog, Sartelloeranstaltungen, Anti.striegsdemonstration Se»»i»-*»i«roh. Berlin. Dienotaa, 30. Juli, 20) i Uhr, gunktionärsitzung. Landabrrger Aller 156. Tennia-Not beteiligt sich geschlossen an ber Kundgebung unser» Partei am 1 August. Ab 11 Uhr ruht ber gesamte Spielbetrieb. Treffpunkt 18>4 Uhr IM UmNeidelokal, Schule Daniiger«Ir. 28. Fahnen und Wimpel mitbringen, bei gtlnstiger Witterung Schläger. Sportler I»«ejlrl ffeiebeichohaUI Treffpunkt zur Teilnahme an der «nti.Keiogokunbgebung 19 Uhr mit Fahnen und Transparenten»llstriner Platz,«leidung möglichst weihen Schillerkragen! Montag. 5. August. 19'/. Uhr. im Jugendheim Diestelmenerstr. 5,«ortellsitzuna. Don Dienstag, 30. Juli ab. täglich ems de« Sportplatz Laolerstrahe, Maierialausgabe für den Rast Sreie«»»»-u»i»».»r-h-Berlin-. Borstandssttzung am Wontaa. dem ST ZoN. um SO Ehe, bei Sachse, Lindoto» Str. 26. kBtchtchof Seddins Martin Andersen Nexös Heimat Mitten ans den Fluten der Ost- se« erhobt sich die I n s e l B o r n- h o l m, zu Dänemark gehörig, die Heimat des Arbeiterdichters Mar- tin Andersen Nexö, der vor kur- zem seinen t>0. Geburtstag feierte. Zwar ist er dort nicht geboren, «der den größten Teil seiner Kindheit und Jugend hat er auf Bornholm verlobt, so daß dieses Land so recht seine Heimat ge- worden ist. Die Bornhoimer hören es nicht gern, wenn man von der Insel Bornholm spricht: jür sie ist es das Land Bornholm. Bornholm liegt etwa 180 Kilo- meter vom dänischen und IVO bis 130 Kilometer vom deutschen Festland entjernt, also 6 bis 8 Stunden Seereise. Nach Rügen ist es etwas näher, und die schwedisch« Küste ist nur unze- fähr 40 Kilometer entfernt. Uns Deutschen ist es jetzt auch wieder möglich, eine Rerse nach Bornholm zu unternehmen, nur ein Reisepaß ist erforderlich. Die Unkosten stellen sich um etwa«in Zehntel höher als bei einer Wanderung durch Deutschland. Dabei ist jedoch zu beachten, daß die Verpflegung besser und reich- licher ist als in unserem Vaterland. Ein dänisches Sprichwort sagt: ..Drei Dänen essen soviel wie fünf Deutsch«!", so daß ein Deutscher sich unbekümmert satt essen kann, ohne fürchten zu müssen, unbescheiden zu sein. Rönne— Johns Kapel— Hammershuus. Flach steigt das Land im Süden aus der Ostsee auf, nach Nor- wegen zu wird es steiler, und im nördlichen Teil fällt es mitunter 100 Meter und mehr steil ab in das Meer. Der Lotse kommt an Bord, und bald haben wir Rönne, die Hauptstadt erreicht. Hier war es, wo Pelle, der Eroberer, seine Lehrzeit als Schuhmacher durchmachle. Saubere Straßen, kleine, gleichfalls sauber« Häuschen bilden die Stadt. Die Zierde ist das neuerbaute Heimat- museum, auf das die Bornhoimer stolz fein können. Es birgt die reichen Schätze der Borgeschichte, Geschichte und Kultur Born- Holms. Besonders reich ist die Vorgeschichte des Landes. Der Name Bornholm wird auf den germanischen Stamm der Burgunder zu- rückgesührt, die ihren Ursprung hier gehabt haben. Der Vergleich der Funde nnt denen aus ihren spätere» Wohnsitzen am Rhein be- weist die Richtigkeit dieser Annahme. Von Rönne gehl es nördlich nach Hasle, ebenfalls einem freundlichen kleinen Küstenstädtchen. Born Holm besitzt 7 Städte, von denen b an der Küste liegen. Die Gesamteinwohnerzahl beträgt rund 43 000. wovon etwa 10 000 in Rönne wohnen. Aus dieser Wanderung sehen wir bereits die Eigenart der Besiedlung. Die Bauern wohnen nicht in Dörfern vereint, sondern jedes Gehöft liegt nach altgermanischer Art inmitten seiner Aecker, etwa M Stunde von seinen Nachbarn entfernt. Auch die Kirchen und Schulen liegen einzeln, meist inmitten ihres Be- zirks, so daß die Besucher gleichweit dorthin haben. Zwischen Rönne und Hasle, einige Kilometer landeinwärts, liegt die N y k i r k e k n a s. Vereinzelt treten hier schon Granitklippen auf, die sich in die See erstrecken oder den Ackerboden durchbrechen. Je mehr wir nach Norden kommen, desto reicher tritt das Urgestein zutage. Eine der schönsten Felspartien auf dieser Seite des Landes ist Johns Kapel, wo John, der erste Missionar Bornholms, das Ehristentum verkuirdete. Ein Leiterweg von über hundert Stufen führt durch die Klippen zum Strand hinab. Hier befinden sich Höhlen und Klüfte im Granit. Erhebend ist das Schauspiel, wenn der Westwind die Wogen an der Felswand emporbranden läßt. Das brausende Donnern der Brandung und der hin und her ge- rollten Felsblöck« gibt ein« dröhnende Sinfonie der Naturgewalten. Hoch oben auf der steilen Klippenwand führt der Pfad weiter gen Nord über das Fischerdorf Bang zur gewaltigen Schloßruine Hammershuus. Das auf einem Felstegel liegende Schloß spiegelt die wechselvolle und auch an kriegerischen Ereignilsen reiche Geschichte Bornholms wider. Dänemark, Lübeck, Schweden waren Besitzer Bornholms, bis es seit etwa 300 Jahren ungestört dänisches Land wurde. Schöne Klippenpartien befinden sich ebenfalls bei Hammers- huus. Der Nordteil Bornholms.zeigt uns die Eigenarten einer nordischen Fels- und Schärenlandschaft. Flechten, Moose, Gräser und Heidekraut überkleiden die Felsklippen: Bäume gedeihen hier nicht. Weit hinaus in die See erstrecken sich die Schären, schöne, ruhige Badestellen schafsend. Auf dem Oerneb j erg sondern an einer unbedeutenden Operation. Die Frau erhielt das Erbe ihres Mannes und außerdem aber eine Klage wegen Körper- Verletzung, mit ihr auch die drei handfesten Männer. Das Gericht schien viel Sinn für Humor und wenig für Ehestörerinnen zu haben. Die Nebenklägerin hatte mit ihrem zerrissenen Kleid und ihrem „nackten Fall in die Natur" wenig Glück. Diö handfesten Männer erhielten je 5 Mark Geldstrafe. Nicht viel mehr die betrogen« Ehe- srau. Rache ist süß und billig. Gleichheit aller Staatsbürger! Die Auswahl der Schöffen und Geschworenen. Eine Berliner Zeitung hat an den I u st i z m i n i st e r die Frage gerichtet, ob das Justizministerium oder eine ihm unter« geordnete Stelle eine Anweisung zur Bevorzugung der Arbeiter bei der Auswahl der Schöffen und Geschworenen er- teilt«chabe. Ueber die Auswahl der Schöffen und Geschworenen ist die All- gemeine Verfügung des Justizministers vom 10. Februar 1928 (JMBl. S. 98) ergangen. Sie geht, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, davon aus, daß entsprechend dem Grund- gedanken, auf dem die Einrichtung der Schwurgerichte und der Schöffengerichte beruht, nach Möglichkeit alle Beoölkerungs» schichten gleichmäßig zum Amte als Schöffe und Geschwore- ner herangezogen werden müssen, und hebt hervor, daß es Aufgabe des Amtsrichters als Vorsitzenden des für die Wahl der Schöffen und Geschworenen berufenen Ausschusses ist, in den Ausschußsitzun- gen auf die Wichtigkeit einer gleichmäßigen Verteilung der Schöffen und Geschworen«! auf alle Beoölkerungsschichten, i n s b e s o n- dere auch auf die Arbeiterschaft, hinzuweisen. Andere Anweisungen sind nicht ergangen. Ltebermäßiges Hupen strafbar. Was soll der Chauffeur wn? Ein Droschkenchauffeur hatte auf die Beschwerde von Passanten ein polizeiliches Strafmandat über drei Mark erhalten. weil er in der Ticrgartenstraße übermäßig stark g«hupt hatte. Der Einzelrichter des Amtsgerichts Mitte hatte auf Einspruch den Ange- klagten aber freigesprochen. Dagegen hatte der Oberamis- anwalt das Rechtsmittel eingelegt, so daß die Sache vor das Kammergericht kam. Das Kammergericht hatte das Urteil des Amtsgericht aufgehoben, weil die Entscheidung von einem Rechts- irrtum ausgegangen sei. Es sei zwar erforderlich, an Straßen- kreuzungen Signal zu geben, um die Leute zu wärnen. Durch übermäßiges Signalgcben werde aber der Paj- sant belästigt und müsse dagegen geschützt werden. In der neuen Verhandlung führt« der Angeklagte an. daß er neuerdings wieder einen Konflikt mit einem Schupomann gehabt habe, diesmal. weil er nicht gehupt habe. Da habe er aber das Kammergerichtsurteil aus der Tasche gezogen und gefragt, wie er sich nun verhalten solle. Der Beamte habe darauf erwidert, daß er das auch nicht wisse. Es sei darauf auch gegen ihn nichts erfolgt. Der Einzelrichter kam jedoch auf Grund der Weisung des Kammergerichts nunmehr zu einer B e. st ä t i g u n g des Strafbefehls. Hatto: Wer da? Die Post erteilt gute Lehren. mancher Leute folgenden be- Das zeitraubende und umständliche Verhalten am Telephon veranlaßt die Postverwaltung zu herzigenswerten Lehren: Der Fernsprecher dient dem Verkehr: er erfordert daher von denen, die sich seiner bedienen, Eile und vor allem in Frag« und Antwort größte Kürze. Dieser Forderung entsprechen auch im Vermittlungsdienst di« Meldungen der Beamtinnen, die zwar kurz, aber klar und eindeutig gesaßt sind. Leider läßt«in Teil der Teil- nehmer oft diese Grundforderung eines schnellen und sicheren Be- triebe? außer acht. Ein häufig vorkommender, den Betrieb er- schwerender Fall sei hier besonders erwähnt: A. ruft B. an. Der Angerufene meldet sich falsch mit:„Hallo! Wer da?" A. fragt daher: „Ist dort Schilling, Berliner Straße?" oder Ist dort Norden 2348?" Darauf kommt die Frage wieder zurück:„Wer ist da?" So geht es noch ein« Weile hin und her, bis A. schließlich erfährt, daß er mit Norden 23 47, also falsch verbunden ist. Kostbare Arbeitszeit und ein unnösiger Aufwand an Nervcnkraft sind nutzlos vergeudet, nur weil der an- gerufene Teilnehmer sich nicht sofort richtig gemeldet hat. Warum beantwortete er den Anruf nicht mit:„Hier Schilling". over, wenn er seinen Namen nicht nennen wollte,„Hier Norden 23 47". Mit einem„Falsch verbunden" wäre die Sache schnell er- ledigt gewesen. Der Angerufene hat mit seinem unsachgemäßen „Hallo! Wer da?" nicht nur den Teilnehmer A. geschädigt, sondern in der Zeit des Hin- und Her ist vielleicht auch ihm ein Geschäft ent- gangen, weil sein Anschluß in dieser Zeit u. U. wiederholt besetzt gesunden wurde. Also nochmals, bitte nicht:„Hallo? Wer da?" sondern„Hier'Schilling" oder„Hier Norden 23 47". Abschied bei den Freunden internai. Kleinarbeit. Die schottischen G ä st e der Bereinigung sind von ihrem Besuche der Magdeburger Ortsgruppe zurückgekehrt, wo ihnen ein äußerst herzlicher Empfang zuteil wurde. Die SAJ. und ZdA.- Jugend hatte ihr ganzes Können in den Dienst der Sache gestellt Die Stadt Magdeburg ließ ebenfalls die ausländischen Gäste be- grüßen und überreicht« jedem ein schönes Album in englischer Sprach«. Der Parteivorstand entsandte seinen Vertreter, der den Sieg der Labour Party feiert«, der einen weiteren Schritt zum Völkerfrieden bedeut«. Alsdann überreichte er jedem der schottischen Gencsien das Buch:„Die rot« Stadt im roten Land". Di« Der» liner Genossen veranstalten nun für di« in ihre Heimat zurück- kehrenden Genossen einen Abschiedsabend am Dienstag, dem 3 0. Juli, pünktlich um 20 Uhr, im großen Saal des Ge- werkschaftshauses. Eintritt frei. Um den tanzfreudigen Schotten— ihre im Nationalkostüm aufgeführten Tänze haben Weltruf erreicht— auch ein paar deutsche Bolkstänze zu zeigen, Hot«s der Proleiorisch« Volkstanzkreiz Prenzlauer Berg über- nommen, sein Bestes zu geben. Der Sprech- und Bewegungschor der Freien Gewerkschaftsjugend wird ihnen das zeigen, was sie n ihrer schottischen Heimat nicht kennen, das schon oft mit Begeiste- rung aufgeführte Werk..Fabriken"(unterstützt von Lickitbildern) mit Versen von Toller, Schönlank, L-rsch, Grisar, Honheiser. Bröger. Dieselbe Jugend stellt auch die Musik. Oer schlesische Texiilkonfliki. Noch ein VerhandlungSversuch. Am Donnerstag tagte in Breslau eine Konfere»; der Funktionäre des Deutschen Textilarbeiteiverbandes aus dem schle- fischen Tarifbezirk. Die Konferenz beschäftigte sich mit den zurzeit noch schwebenden Zhfcrenzpunkten. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, die zunächst erst versucht werden soll, im Wege der Verhand' lun g die Streitpunkte a)us der Welt zu räumen. Festgestellt wurde. daß die„Schlesische ZcitissUg", die noch von 3000 auf der Straße befindlichen Leuten berichtete) entweder selbst schlecht informiert war oder aber mit aus der Lust gerissenen Zahlen argumentierte.