Morgenausgabe Dienstag �K�-.hrg.n- � � v/ ZV. Juli 1.929 MmJL �®SdS,i150i,fpf' Im oorau» zahlbar. Postbezug«LZM. I Y j�B; ruU�tfdrf? 15 P[. .WIchlI.8Nch«Psg-Poftzettu-g». un» �Wn �W»■■■ UN■ H H H H W // W 7! Psg. D-stbeftellgebühreii. Lusl-md»->W ,�W ME f"— �/ •b—«8.-®. oro�n-t. �HlrnHl■■■■■■ B■ B�B MX ..... 1 1 B B H l B bnutt« bo« C«.BonDärts erscheint«ochentig- I BB settgedruckl» Wortes sebes weitere Wo Iich zweimal, Sonnlag» und M�iog, �N i)W Z' W 12 Ps-nnig Si.U.ng.Iuch. du« ers »mmol, die Lbendouegodni sur Berlin~/'>/ Bort 15 Pfennig, i-des weiiere Wo 1U Pfennig. Worte übe, 15 Buchflodo »"o ,1» Beilogen»Volt zählen für zwei Worte, Arbeilsmail und Aef imd �iinderfreunb-. Ferner~. �__-'' Zeile so Pfennig. Fomllienonzeigen Zeh W�-SQW �ovttnov I�HÖSblOft-®15HrÄ Jentealorgan der SoziaidemokvattfGen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstratze 3 g«rnsprech«r: Dönhoff 292—297. Telegiamm-Zldr.l Eoztaltemokral Verl!» K o w n o. 29. Juli. tEigenbericht.) ein litauisches Staudgericht in Schaulen hat 2 9 Sozialisten abgeurteilt. Vierzehn wurden z u u» T o d c verurteilt; die übrigen zu laugjährigen Zuchthausstrafen. Das Urteil ist nach viertägiger Verhandlung gefällt worden. Die amtliche Bekanntgabe des Urteils wird vielleicht zurückgehalten, um gleichzeitig die teilweise Begnadigung der Verurteilten durch den Staats- Präsidenten melden zu können. Dem Prozeß liegt folgender Tatbestand zugrunde: Im Frühjahr 1929 wurde in den Räumen des Kowuoer Parteigebäudes der Sozialdemokratische» Partei sowie in den Räumen ihres Organs eine polizeiliche Durch- fuchung vorgenommen, die nach amtlichen Darstellungen verboten« Literatur, besonders solche von dem in Pole« lebenden Emigrantenführer Pletschkaitis zutage ge- fördert hat. Diese Flugblätter usw. find nach damaliger Er- klärung der litauischen Sozialdemokraten ihnen unmittelbar vor der Haussuchung von einem Uu- bekannten, gewiß einem Lockspitzel der Polizei. zugestellt worden: ES wurde eine große Anzahl Personen verhastet. Haupt- sächlich Sozialdemokraten, darunter auch der Partei- sichrer Galin is.' Während ei« Teil der Verhästeten wieder auf freien gesetzt wurde, verblieb der Rest in Haft und wurde nunmehr abgeurteilt. Ihnen wurde zur Last gelegt, mit Pletschkaitis und seinen Anhängern in Vorwärts-Nerlag G.m.b.H. Verbindung gestanden zu haben, worauf nach dem vor kurzem erlassenen Soudergesetz die Todesstrafe steht. Nach den Durchsuchungen war die Partei verboten worden. Eine Demonstration gegen Woldemaras. fiorono, 29. Juli. Der ehemalige litauische Stiatspräsident Grinius, der einer der Führer der demokratifch-liberalen Richtung in Litauen ist, hat von der Regierung Woldemaras(durch deren Emporkommen er seinerzeit gestürzt wurde) eine lebenslänglich« Penston von IM) Lit monatlich erhalten. Diese Pension hat er nun bis auf weiteres den politischen Gefangenen zur Verfügung ge- stellt. Dieses Vorgehen richtet sich gegen Woldemaras und die Geste der Regierung, die dem volkstümlichen Mann diese Zuwendung gemacht hat, ist somit wirkungslos geblieben. Die polnifch-litauifche Grenze für Verwandte von Woldemaras geöffnet. lvarschau, 29. Juli.(Ost-Expreß.) Zwei minderjährigen Verwandten des litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras ist das Einreisevisum nach Polen erteilt worden. Um dieses Visum war über die litauische Gesandtschaft in Riga gebeten worden. Der der Regierung nahe- stehende„Glos Prawdy" benutzt diese Gelegenheit, um den„Herr- scher» Litauens". nochmals die vielen Schwierigkeiten darzulegen, die durch die Schließung der polnisch-litauischen Grenze für die Bevölkerung beider Länder entstanden seien: der litauische Minister habe sich in diesem Fall persönlich ein Bild dieser Schwierigkeiten machen können. Vostscheckkonto: Berlin 87 636.— Lankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 66. Diilonto-Eelellschaft. Depositenkasse Lindenstr,! Ausnahmezustand in England. Oer Auftakt der Arbeiterregierung. (Von unserem Londoner Karre spondentc n.) , E. W. London, 29. Juli. Das Unterhaus ist für drei Monate auf Urlaub gegangen: die erste parlamentarische Feuerprobe der neuen Regierung ist bestanden. Damit ist ein äußerer Einschnitt ge- geben, der einen ersten kritischen Rund- und Rückblick ge- stattet. Eine Reihe von Fragen drängen sich, Antwort heischend, auf: nach den praktischen Arbeitsmöglichkeiten der sozialistischen Minderheitenregierung im neuen Parlament, nach ihren tatsächlichen Leistungen in den wenigen Wochen ihres Bestehens, nach den Perspektiven, die sich aus dem ersten Abschnitt ihrer parlamentarischen Tätigkeit für die Zu- kunft ergeben. Sie können im jetzigen Zeitpunkt nur teil- weise und provisorisch beantwortet werden. Die ersten vier partamentarischen Wochen können nicht als normaler Zustand betrachtet werden. Die Regierung ist neu, mit der Atmosphäre des neuen Parlaments, noch nicht vertraut und vielfach noch ungenügend eingearbeitet: die Opposition durch ihre Niederlage moralisch geschwächt und aus taktischen Gründen abwartend: die Presse und öffent- liche Meinung, noch übermäßig an den Personalien der neuen Regierung und der neuen Abgeordneten interessiert, jegliche sachliche Arbeit im Parlament eher hemmend als fördernd: die Mehrheitsverhältnisse im Parlament sind verschleiert und ist niemand gewillt, Entscheidungen bis zu einer Krise zu er- zwingen. So herrscht, parlamentarisch gesprochen,«ine Art A u s n a h m e z u st a n d, der über die tatsächlichen Arbeits- Möglichkeiten über das Maß der Handlungsfreiheit der Re- gierung im Parlament keine festen Schlüsse ermöglicht. Für den ausländischen Beobachter mußte e i n Moment überraschend sein. Während sich eine Arbeiterregierung unter ähnlichen parlamentarischen Mehrheitsverhältnissen auf dem Kontinent in ebster Linie an die Liberalen um Unterstützung wenden würde, ging die Taktik Macdonalds sichtlich darauf hinaus, wo es irgend ging seine Abstimmungsmehrheiten auf die Hilfe der konservativen O Position zu gründen. Daß diese konservative Hilfe auch tatsächlich bei zwei oder drei Gelegenheiten gewährt wurde, lag darin, daß sich die Konservativen mit den Sozialisten in dem Wunsche begegnen, Lloyd Georges parlamentarische Schlüsselstellung so unwirksam' als möglich zu gestalten. Dieser Zustand kann jedoch nur vorübergehend sein. Je weiter die Arbeiterregie- rung von Maßregeln mehr oder minder überparteilicher Natur zu umstrittenen Maßnahmen vorschreiten wird, desto- mehr wird sich das Gewicht der liberalen Minderheit im Parlament fühlbar machen. Die Liberalen werden hierbei allerdings in ihrem Handeln nicht so frei sein, wie Lloyd George es wahr haben möchte. Das Land wünscht eine fort- schrittliche Regierung und eine fortschrittliche Politik Ein vorzeitiger Sturz der Arbeiterregierung infolge par- lamentarischer Prestigesucht der Liberalen würde von der Nation nicht gebilligt werden und müßte mit einer geradezu vernichtenden Niederlage der Liberalen enden. Die Arbeiterregierung kann daher sachlich mehr wagen als eine Minderheitsregierung auf dem Kontinent unter gleichen parlamentarischen Voraussetzungen zu riskieren ver- möchte. Blickt man unter diesem Gesichtswinkel auf die bisherigen Arbeiten der jungen Arbeiterregierung, so wird man den neuen Männern die Anerkennung für das. in den kurzen acht Wochen ihrer Existenz tatsächlich bereits Geleistete nicht versagen können. Selbst wenn man von allen Zukunfts- Plänen, wie der beabsichtigten Erhöhung des schulpflichtigen Alters und den Ankündigungen der Thronrede für die nächsten zwölf Monate absieht, so bleiben doch eine ganze Reihe von Maßregeln, die angesichts der Kürze der Zeit als erstaunlich bezeichnet werden müssen und in schroffstem und erfreulichstem Gegensatz zur konservativen Politik des Nichts- tuns stehen. Die Regierung hat unter der energischen Füh- rung von I. H. Thomas trotz aller technischen Schwierig- leiten mit ihrem Programm der Bekämpfung derAr- beitslosigkeit bereits begonnen und drei Gesetzent- würfe eingebracht, deren Rückwirkungen auf den Arbeits- markt nicht lange auf sich warten lassen dürften. Die„Eni- wicklungs-Bill" zielt darauf ab, für„Arbeiten von Nutzen für die Oeffentlichkeit und zur Produktionsförderung" SR) Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Der zweite Gesetzentwurf, die„K o l o n i a l- E n t m i ck- l u n g s- B i l l" dient zur Schaffung eines Fonds, durch den die landwirtschaftliche und industrielle Entwicklung in den. Kolonien, Protektorat«n und Mandaten gefördert werden soll. Wiewohl die jährliche Summe, die das Parlament zu diesem Zwecke zur Verfügung stellen soll, lediglich 20 Millionen Mark beträgt, so wird von sachverständiger Seite doch gehofft, daß dieserFonds mitHilfe derKolonien selbst eine jährliche Kapital- ausgab« von rund 800 Millionen Mark zum landwirtschaft- lichen und industriellen Ausbau ermöglichen wird. Ein besonderes Merkmal dieses Gesetzentwurfes besteht darin, daß der verantwortliche Minister das Recht besitzt, die Gewährung der staatlichen Hilfe unter dieser Vorlage von der E i n h a l- Die Internationale zur Lage. Für Goforträumung.- Die Veriragsrevision von Trianon. Zürich. 29. Juli.(Eigenbericht.) Die Executive der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale Hai ihre Tagung am Montag beendet. Die Exekutive diskutierte zunächst eingehend die Probleme des europäischen Friedens. An der Debatte nahmen teil: Soukup-Tschechoslowakei, Niedzietowski- Polen. Abramowicz und Suchomlin-Rußland, Wiik-Finnland, Fe- denko. Ukraine, Gwarjaladse-Georgien, B r o ck w a y- England. Mo- digliani-Italien, B a u e r- Oesterreich. V an d e r v e l d e- Belgien und der Sekretär der Internationale Friedrich Adler. Es wurde die Einsetzung einer Kommission beschlossen, die die Pro- bleme der Unterordnung der Rasionalen Freiheilsbestrebungen im Osten Europas unter die- Notwendigkeit des Friedens und der Demo- krakle der Weit ln der nächsten Exekutive zu behandeln haben wirb. Die Exekutive beschloß ferner einen Protest gegen die Verfolgungen in L i t a u« n. Von der am Sonntag eingesetzten Kommisston über die K r> e g s. g e f a h r im fernen Osten erstattete Bauer- Oesterreich Bericht. Nach längerer Debatte wurde eine eingehende Resolution einstimmig angenommen. Die Resoluston zur allgemeinen politischen Lage lautet: „Vor dem Zusammentritt der Haager Konferenz will die Exe- kutive feststellen, daß die deutschen, englischen, belgischen, sranzost- schen und italienischen Sozialisten bereits 1922 in Frankfurt in der Resolution, die von den Kongressen der gesamten Intcr- national« in Hamburg 192Z und Brüssel 1928 bestätigt wurde, die Lösungen formuliert haben, nach denen sich nun unter dem Druck der Ereignisse und der öffentlichen Meinung die Re- gierungen orientieren müssen, in bezng auf: 1. die endgültige Regelung des Problems der Reparationen in Verbindung mit dem der Schulden, 2. dem Rückzug der ausländischen Truppen aus dem Rheinland. 3. die Abrüstung zu See. zu Land und in der Luft. Die Annahm« des Doung-Planes würde notwendigerweise die Räumung des Rheinlandes ohne weiteren Aufschub und ohne Bedingungen, die Deutschland einer einseitigen und dauernden konkrolle unterstellen würden, die mit dem Rechte einer freien Nation unerträglich wäre, und übrigens weder in den Vertrögen von Versailles noch von Locarno vorgesehen ist, zur Folge haben. Die Exekutive erinnert daran, daß die Sozialisten der daran interessierten Länder auf den ver- gangenen Kongressen der Internationale darüber einmütig waren, daß es, um die Liquidierung des Krieges zu vollenden, notwendig ist, durch gütliche Verständigung das Ausnahmeregime, das im Saorgebiet besteht zu beenden, ein Ausnahmeregime, dessen Beseitigung in der kürzesten Frist erforderlich ist. Die Inter- nationale begrüßt die von der Arbeiterregierung Großbritanniens ausgehende Initiative hinsichtlich der Abrüstung zur See und der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit. Sie unterstützt mit allen ihren Kräften die Entwicklung dieser Aktionen, sowohl in bezug a»f die allgemeinen Herabsetzung der Rüstungen zur See, zu Land und in der Luft, als auch hinsichtlich der Ausdehnung der Schieds- gerichtsbarkeit als Lösung internationaler Konflikte. Die englische Arbeiterregierung kann in chrem Kampf gegen den Krieg und für den Frieden in Europa und in der Welt ans die gesamten organi» sterten Kräfte der Internationale zählen." Die Resolution wurde einstimmig angenommen, ebenso die folgende Resolution in der Frage der Revision des Friedensvertrages von Trianon: „Die Exekutive erklärt: Die sozialistische Arbeiterinternationale unterstützt den Kampf der ungarischen Arbeiterklasse gegen das gegenrevolutionäre Regime, das eine Gefahr sür den Frieden Europas und für republikanische Ordnung der Nachbar- staaten ist. Sie wird nicht aushören, ihren ganzen Einfluß gegen dos gegenwärtige ungarische Regime einzusetzen. Das ungarische Volk hat denselben Anspruch auf die Unterstützung der Internationale im Kamps um sein Selbstbestimmungsrecht wie jedes andere Volt, aber dieser Anspruch kann nicht benutzt werden, um die Unterstützung der Internationale für ein antidemokratisches Regie- rungssystem zu erlangen. Nur ein demokratisches und friedliches Ungarn wird die volle Unterstützung der Internationale für die freie Entwicklung des ungarischen Volkes erlangen können." Die Sitzung wurde vom Vorsitzenden Wibaut-Hollanld um 6V) Uhr abends geschlossen. Im Anschluß an die Sitzung findet eine große Kundgebung gegen Krieg und Imperialismus statt, in der Otto Bauer- Oesterreich Longuet-Frantreich, Erispien-Deutsch-� lond, Brockway-England, Hilquith-Amerika. Adelheid Popp-Ocster- reich(Internationales Frauenkomitee), Wibaut-Hollond, Andersen- Dänemark und Robert Srimm-Schweiz sprechen. Litauische Blutjustiz. -14 Sozialdemokraten zum Tode verurteili. KriegsliqMerung mit Rechtskabinelt. Tardieu, der Ltnenibehrliche. p a r i s, ZS. ZuN.(Eigenbericht.) Der neu« Aiiuisierpräsidenl Btianö hat dem präfldenten der Republik am Montag nachmittag die neue Mini st erliste überreicht. Danach bleiben sämtliche Minister des Kabinetts Poincare im Amt. Am Freitag wird sich also vor der Kammer das alle Ministerium mit verändertem Firmenschild präsentieren. Das Vertrauen des Parlaments dürfte ihm von vornherein sicher sein. In der ersten Etappe der dreitägigen Krise ging der Kamps zunächst um den Posten de» Innenministers Ta r d i e u. hinter Tardieu halte sich die gesamte Rechte verschanzt unter dem vor- wand, dasi Tardieu durch seinen Kommunislenseldzug sich für die Sicherheit der Republik unentbehrlich gemacht habe. Eine zweite Kombination: Daß die Radikalen zwei bi» drei Ministerien ohne Portefeuille und einige Staatssekretoriatc beziehen wollten, war eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt, da sich die Partei nicht dazu hergeben konnte, sich als süusles Rad für ein Kabinett, das so ultrareaklionäre Elemente enthält wie den aus der Ruhrkampagne berüchtigten Maginot, mißbrauchen zu lassen und mit ihm innerpositische Verantwortlichkeiten zn teilen, vriand hatte also die Wahl, entweder mit der Rechten oder mit der Linken zu regieren. Er hat sich für die Rechte entschieden. Sammer und Senat treten am Donnerstag zur Entgegennahme der Regierung?. erklärung zusammen. Anscheinend hat vriand wert daraus gelegt, daß ein rechts. gerichtete» Kabinett in Frankreich die entscheidenden Schritte für die endgültige Liquidation des Krieges durchführt und sich so für alle Zukunft bindet. Es sragl sich nur. ob diese Bindung sich nicht faktisch auch gegen ihn selbst kehren wird, und ob er die reaktionären Geister, die er heraufbeschworen, auch bannen kann. Die Rationalisten werden sicherlich nichts unversucht lassen, Briand. den Ministerpräsideulen des Rechlskabinetts, gegen Briand, den Friedenspoliliker, auszuspielen und ihu in der Aus- Übung feiner traditionellen Friedenspolitik zu hindern. Henderson und Gnowden auf der Konferenz. London. ZS. Juli.(Eigenbericht.) Don der englischen Regierung nehmen Außenminister Henderson und Schatzkanzler Snomden an der haager Konferenz:eil. Wann die Konferenz endgültig beginnt, ist hier noch nicht bekannt. Ebensowenig steht fest, ob und wann Macdonald sich an den Hanger Berawngen beteiligen wird. An der Eröffnungssitzung nimmt er nicht teil. Bor einem neuen Marokkokrieg. Die Militärs provozieren.— General kaligestelli.— Treibereien gehen weiter. Rabat, Ende Juli.(Eigenbericht.) Das Spiel mit dem Kolonialkrieg in Marokko wird trotz des Zwischenfalls von Ait-Aakub fortgesetzt. Der französische Mißerfolg bildet den Ausgangspunkt einer Propagandakampagn« der französischen Militärs, die an Stelle der sogenaimten langsamen Befriedung des noch nicht unterworfenen Teils von Marokko einen entscheidenden Schlag vorbereiten soll. Di« Sachverständigen des Kolonialkrieges bemühen sich eifrig um den Nachweis, daß die bisherig« Politik der„geduldigen und friedlichen Durchdringung� Frankreich nicht weniger Opfer an Menschen und Geld kostet als ein eimnasiger energisch gesührler großer Aeldzug. Als Argument für ihre Beweisführung machen die Militärs gellend. daß Frankreichs Rüstungen in Marokko vollkommen für einen solchen Zweck ausreichen und selbst der Feldzug im Nif kein« Ver- stärkungen aus dem Mutterlande erfordert hat. Im Laufe der Dis- kussion, die anläßlich dieser Forderungen entstanden ist, werdeil bisher von offiziöser Seite verschwiegene Details über ein« Reihe beträchtlicher Schlappen und größerer Verluste bekannt, die französische Truppen in den fortdauernden Kämpsen gegen die Dissi- deuten de» Mittleren- und hohen Atlasgebirges erlitten haben und die sich auf überülZ Offizier« urtd 800 Mann belaufen. In den Frühjahrsmonaten der Jahr« 1927 und 1928 ist in dem um- strittenen Gebiet eine sogenannte mobile französische Kolonne fast bis auf den letzten Mann aufgerieben worden. Der mißglückt« Vorstoß von Alt-Dokub hat den sofortigen Beginn dieser seit langem ge- planten Offensive verhindert, die den Rest der bisher der französischen Herrschaft noch nicht unterworfenen Gegenden, wie es in der Fach- sprach« der Kolonialmililärs heißt, sichern sollte. Angesichts der Erregung der französischen Ocffentlichkeit über diesen Mißerfolg hat Briand nicht gewagt, dem Drängen der Militärs nachzugeben und den eifrigsten Befürworter der Offenfwpläne, den ehemaligen Fremdenlegionär und Kommandeur der in dem Operationsgebiet befindlichen Truppen, General Freydenberg durch die Berufung nach Frankreich vorläufig kaltgestellt. Die französisch« Re- gierung ist nämlich nicht gewillt, sich mit dem Odium eines Kolonial- krieges zu beladen, sie läßt jedoch den Provokationen des Militärs gegen die unabhängigen Stämme in Marokko freien Lauf. Die Spannung im Lande vergrößert sich daher, weil nichts zur friedlichen Verständigung mit den Dissidenten getan wird. Es besteht uiucr diesen Umständen kein Zweifel darüber, daß eines der künftigen Kabinette Frankreichs dazu genötigt sein wird, die politisch« Der- antwörtung für diesen systematisch vorbereiteten Krieg zu über- nehmen, der an Umfang nicht weniger bedeutend sein wird, als der Kampf gegen Adb el Krim und der trotz der zuversichtlichen Prophe- zeiungen der Militärs keineswegs eine hundertprozentig« Chance, für die französischen Waffen Hot. kling an st ä n d i g e r Arbeitsbedingungen abhängig zu machen, sowie Kinder- und Zwangsarbeit über- Haupt auszuschalten. Der dritte Gesetzentwurf ermöglicht es der Regierung, die vom ersten Ministerium Macdonald im Jahre 1829 geschaffene staatliche Subsidierung des Hausbaus, die unter der Regierung Baldwin abgebaut worden war, bis zur Schaffung eines Gesetzes zur Beseitigung der Elends- quartiere m alter Höhe fortzusetzen. Auf außenpolitischem Gebiete war der Amtsantritt der Arbeiterregierung von einer sofortigen Aufnahme englisch-amerikanischer Besprechungen begleitet, die als erster Schritt in die Richtung auf eine all- gemeine Abrüstung zur See gedacht sind. Die Entlassung des bösen Genius der britischen Aegyptenpolitil Lord Lloyd durch den Außenminister Henderson bedeutet nicht nur in sich selbst einen tapferen Schritt, der geeignet ist,«in gut Teil zur Lösung eines der schwersten Probleme beizutragen, denen sich jede britische Regierung gegenübersieht: sie ist überdies ein Beweis dafür, daß die neue Regierung entschlossen ist, die Oberhoheit der Politik über Bureaukratie und Diktaturgelüste ehrgeiziger Beamter wieder herzustellen. Die angekündigte Einschränkung des Marineaufbauprogramms krönt symbolisch diese erste Etappe neuerwachter britischer Entschlossenheit. Die Regierung ist bisher bei dieser ihrer Politik von ernst zu nehmenden Angriffen verschont geblieben. Der eine große Versuch, ihr aus der Entlassung des britischen Oberkommissars in Aegypten einen Strick zu drehen, ist zusammengebrochen. Mit dem Wiederzusammentritt des Parlaments Ende Oktober wird die Arbeiterregierung parlamentarisch ins Stadium der ersten großen Entscheidungs- k L m p f e um ihre Existenz treten. Sie wird dem Parlament eine Reihe von Vorlagen zu unterbreiten haben, die nicht mehr als überparteilich empfunden werden und die Opposition selbst wird weniger gewillt stin, Entscheidungen aufzuschieben und zu vertagen. Erst dann wird sich zeigen, wie weit es einer sozialistischen Minderheltenregierung im Zeitalter des Gleichgewichts der Klassenkämpfe überhaupt möglich ist, im Rahmen der demokratisch-parlamentarifchen Maschine ihre Macht auszuüben. Ein großes Experiment spielt sich hier vor unseren Augen ab, das weit über Großbritannien hinaus von der Arbeiterklasse der Welt mit innerster Teilnahme ver- folgt werden wird.._ Volksentscheid über das Heer. Sozialdemokratische Abrüflungsvorstöße in Dänemark. Kopenhagen, 29. Juli. Dein dänischen Kriegsminister der vorherigen konservativen Regierung, Brorsen, war es kurz vor der Abdankung des Ministeriums Madsen-Mygdal gelungen, eine Summ« von 700 000 Kronen aus den Staatsetat zu bekommen, der für Modernisierungen und Umbauten der Kasernen in den Garnisonen und der Unteroffiziersschule in Helsingörs verwandt werden sollte. Der neue sozialdemokratische Wehrminister R a s m u s s c n erklärt jetzt, daß diese Arbeiten nicht ausgesührt werden sollen, oder nur auf das Allernötigste eingeschränkt werden, da er zunächst abwarten will, welches Schicksal der Abrüstungsvorschlag seiner Regierung erhalten wird. Pressevertretern gegenüber erklärte der Minister, er teile die mehrfach geäußerte Auffasiung, daß das dänische Militär in einem Jahre abgeschafft sein werde. Die Minister meinte, daß, wenn die jetzigen Verhältnisse fortdauern, Der Minister meinte, daß. wenn die jetzigen Verhältnisie fortdauern, jedenfalls die dänische Flotte im Jahre 1935 faktisch abgerüstet sein wird. Er könne daher nur schwer verstehen, daß der Landsthing sich dem Abrüstungsvorschlag der Regierung widersetzt. Auf die Frage. ob das Gesetz den Wählern in Form einer Lolksabstimmung vorgelegt werden solle, erwiderte der Minister, daß der letzte Para- graph in der Vorlog« eine Bestimmung enthält, nach der der Bor- ichlag erst in Kraft treten soll, wenn er durch ein« Volks- a b st i n> m u n g anerkannt fei. Wenn Denstre und Konservative die Borlage im Landsthing zu Fall bringen, so sei man genötigt, die Regelung von 1922 bestehen zu lassen und die dänische Flotte gradweise abzuschaffen. Aber nach drei Iahren sei neue Landsthingswahl, und es fei kein Zweifel darüber, wie diese ausfallen werde. Der Regierungsvorschlag wird sehr bald nach der Eröfsmmg der Herbstsitzung des Reichstages vorgelegt werden. Moskau-Propaganda gegen China. Grevel» und Oesertiovsmeldungen. Moskau, 28. Juli(Amtlich). Ungeachtet der strengen VertuKe reichen die Arbeiter und An- aestellteu der Ostchinabahn massenweise Entlasfungsg« suche ein. Bis zum 23. Juli wurden 1000 Gesuche eingereicht. Das Ent- loffungsgesuch von 400 Lehrern wurde abgewiesen unter An- drohung von Repressalien, falls die Lehrer dem Unterricht fern- bleiben. Es wurden Fälle von geheimnisvollen Verschwinden einiger Lehrer gemeldet. Die Verhaftungen und Mißhandlungen von Sowjet- bürgern dauern an. Bewaffnet« russisch« Weißgardisten verfügen über Verhaftungsvollmachten. Der Handel mit Charbin und der Mandschurei ist stillgelegt. Die Mobilisation der Chinesen wird unter Anwendung von Zwang durchgeführt. Chinesische Straßenpassanten wurden eingefangen und in die Grenztruppenteile eingerecht. Unter den chinesischen Soldaten herrscht eine Massendesertion. In der Regend von Progranitschaja desertierten mit Waffen 450 Soldaten, in der Gegend der Bahnstation Mandschuria 250. Zwecks Ver- hütung einer Desertion bewaffneter chinesischer Soldaten müsien letztere unbewaffnet Wache stehen. � Auf der Bahnstation '.Randschuria ließ der diplomatische Kommisiar zur Beruhigung der Bevölkerung einen Aufruf verbreiten, wonach die Lag« zu keinen Befürchtungen Anlaß gibt, da der Konflikt der Ostchiiicsischen Eisen- bahn auf friedlichem Wege beigelegt wird. Margarete Nehm gestorben. Die Hauptoorsitzendc des Gcwertvereins der Heimarbeiterinnen und langjährige deutschnationale Reichstagsabgcordncte Margarete Behm ist am Sonntagabend an einem Herzleiden gestorben. Frau Behm, die sympathischste Gestalt der christlich-sozialen Bewegung, erfreut« sich bei allen Parteien dxr größtn Achtung. Volkspartei und Nürgerblock. Oer Aug nach rechts. Die Deutsche Volkspartei sitzt in der Reichsregierung. Ihr Führer, Reichsaußenminister Stresemann, wird von der Rechten aufs schärfste angegriffen. Nichtsdestoweniger sucht die Deutsche Volkspartei in den Ländern die Bundesgenossen- schaft der Rechten. Ihre Stellung in Preußen ist bekannt. In Sachsen verdankt Herr B ü n g e r seine Existenz als Ministerpräsident den Nationalsozialisten. In M e ck l e n- bürg hat di« Volkspartei«ine auf die Nationalsozialisten gestützte Rechtsregierung ermöglicht. Nun erfährt man, daß sich für die Wahlen zum Brandenburgischen Pro- vinziallandtag ein Rechtsblock gebildet hat, der von der Volkspartei bis zu den Nationalsozia- l i st e n reicht. In allen Fällen ist die Volkspartei ihrem Zuge nach rechts gefolgt— bis zur Bundesgenossenfchaft mit i-nen National- sozialisten, die täglich Herrn Stresemann als einen Schädling des Vaterlandes, einen Verderber Deutschlands und Bundes- genossen des Auslands, aller Juden und Freimaurer be- zeichnen._ Verfaffungsiag im Rheinland. Sin Aufruf der Veamten. Die führenden beamteten Perfönlichkeiten des Rheinlandes hoben an d»e Bevölkerung anläßlich de« Berfasfungstages folgenden Aufruf gerichtet: „Der 11. August 1929 ist ein bedeutsamer Meilenstein am deutschen Schicksalswege. Zehn Jahre werden an diesem Tage ver. gangen sein, seit unser Boll sich in der Verfassung von Weimar selbst Richtung und Ziel seines Wiederausstiegs setzte. An Entbehrungen und Schmerzen hat es den Werdejahren der deutschen Republik nicht gefehlt. Roch liegen dunkle Wolken am Horizont. Und doch wäre e» undankbar, wenn wir des Erlittenen gedenken und nur das Bedrückende ins Auge fassen wollten. Gerade wir im Rheinland haben es gespürt und erlebt, wie die Reichs» Verfassung Kräfte auggelöst und gestärkt hat. durch die di« Einheit des deutschen Volkes über schwerste außenpolitische Rot hirrwegge rettet und lebendig ausgestaltet worden ist. Vieles i st in wiederaufbauender Arbeit und zur Medererlangung deutscher Freiheit geschehen. Viel bleibt noch zu schassen. Aber auch m der Weltmcinung herrscht Ueberemstimnnmg darüber, daß Deutsch- land aus dem besten Wege zur Heilung der Kriegswunden und zur Wiedererlangung seiner Stellung im Rat« der Böller sich befindet. Dankbarkeit im Rückblick, Zuverficht im Ausblick dürfen und sollen darum in glücklicher Harmonie zusammen klingen. So begrüßen wir freudig die Vorbereitungen in den Stadt- und Landkreisen, di« den 11. August zu einem wahren Volks-Festtage ausgestalten wollen. Alle Dolksbrüder und -fchwestern ohne Unterschied des Bekenntnisses, des Berufs und der Partei rufen wir auf. das Trennende beiseite zu setzen, die ge- planten Veranstaltungen zahlreich zu besuchen und den zehnten Geburtstag des deutschen Doltsstaates an allen Orten in einmütiger vaterländischer Gesinnung zu begehen." Der Aufruf trägt folgende Unterschriften: Dr. h.e. Aden au er, Präsident de» Preußische» Staatsrate«. Dr. von Brandt. Präsident des Landesfinonzamtes. Elf gen. Regierungspräsident Groß, Präsident des Strafvollzugsmntes. Don Guärard, Präsident der Reichsbahndirektion. H« p k e, Deneralstoots- anwalt. Kraiger, Präsident der Oberpostdirektion. Missong. Präsident des Landesarbeitsamtes Rheinland. R e i ch a r tz, Präsident de» Obcrlondesgerichtes. Schulze-Schvchardt, Reichsbankdirektor. Klitchi aus der KpO. Zwei kommunistische Funktionäre zur SPD. übergetreten. Der in Hagen I. W. tätig« ehemalig« toenmuntstffch« Partei' sekretär Erich Meyer ist der Sozialdemokratischen Poriei bei' getreten. Den gleichen Schritt hat der früher« kommunistische Hagener Stadtverordnet« Walter getan. Meyer begründet seinen Schritt in einem längeren Schreiben an die Organisation der SPD. in Hagen, dem wir folgendes ent- nehmen:„Mein Eintritt in die SPD. erfolgt, weil iäz noch lOjähriger Mitgliedschaft in der KPD. und als jahrelanger Redakteur und Sekretär derselben erkannt habe, daß die KPD. nie ihre Aufgaben im Interesse der Arbeiterklasse wird erfüllen können? Es gibt dort keine politische Selbständigkeit und«in Eigenleben, alles wird sklavisch durch die jeweils herrschende russische Fraktion auf die„Sektionen" Übertragen. Jeder russische Fraktionstampf erschüttert das ganze Gebäude der Komintern und ruiniert die Parteien, trotz der Theori« van„der ungleichmäßigen Entwicklung des Kapitalismus" werden für die ganze Internationale die gleichen„Abweichungen" seftgestellt und die Parteien in„Diskussionen" gestürzt. Es gibt überhaupt keine innerparteiliche Dcmötraiie ohne di« aber ein« prole» tarische Partei nicht leben kann." Abwehr einer Verleumdung. Der früher« Angestelli« der„Roten Hilfe" Felix Schmidt sendet uns eine Berichtigung, die sich gegen die Begründung seines Ausschlusses aus der KPD. durch die Zentral« der KPD. richtet. Auch diese Berichtigung läßt ertennen, wie kommunistisch« Funktionäre behandelt werden! Sie lautet: „Es ist unwahr, daß der Unterzeichnete vor einem bürger' lichen Gericht versucht habe, sich in erpresserischer Weise «inen großen materiellen Vorteil auf Kosten der Roten Hilfe Deutschlands zu verschaffen. Wahr ist vielmehr, daß der Unterzeichnete unter ausdrück- lichem Verzicht auf feine weitergehenden und ihm gesetzlich zu- stehenden Recht« nur die Auszahlung des in der Organisation üb- lichen Kündigungsgehaltes und als Entschädigung für die auf Grund seiner Auslandstätigkett fehlende Sozial- Versicherung einen weiteren Monvtsgehall einschl. Familien- Zulagen gefordert und sich vor dem Arbeitsgericht ouf dieser Basis verglichen hat, nachdem vorher all« seine Vergleichsversuch« in persönlichen, zwei Monat« währenden Verhandlungen mit dem 1. Vorsitzenden der Roten Hilfe Deutschlands. Wilhelm Pieck, g«. scheitert axiren." Di« Berliner Sowjetdatschasl dementiert alle Pressemeldungen über Verhandlungen, die angeblich in Berlin zwischen der Sowiet- regierung und der chinesischen Regierung geführt werden sollen.. Scnalspräsident Dr. Slruh gestorben. Der Senatspräsidcnt am Reichssinanzhof, Dr. Georg Strutz, ist gestorben. Präsident Dr. Etrutz gehörte dem Rcichsfinanzhos seit dessen Begründung an. j Kein Bekenntnis zum Staat! Wohin steuert die Deutsche Studentenschost? Du Vertreter von etwa St> Studenten, der Hälfte aller deutschen Studenten, haben ihre Tagung in Hannoverb«- endet, eine Tagung, die Klarheit über Ziel und Weg der Deutschen Studentenschast bringen sollt«. Wir entsinnen uns desbisherigenWegesderDeutschenStudenteN' l ch a f t: Kriegsstudenten erkämpften die Gemetnschost aller Studenten auf überparteilicher Grundlage mit dem Ziele der Selbst- Verwaltung und Selbsterziehung, der wirtschosklichen Selbsthilfe, der Mitarbeit an den Aufgaben der Hochschule im Volke. Wir wissen. wie die daraufhin(1320) gewährte staatliche Anerkennung mit der Zwangszugehörigkeit aller reichs- und auslandsdeutschen Studenten infolge eines Landtagsbeschlusses 1927 in Preußen wieder entzogen wurde, weil die Mehrheit der Studierenden nicht ver- zichton wollte auf die Koalition mit den rein arisch zusammen- gesetzten Gruppen in Oesterreich und Böhmen. Immer deutlicher wurde daraufhin der Verfall der Deutschen Studentenschast: zwar bildeten sich an den preußischen Hochschulen die„freien" Studentenschaften, sie umfaßten aber eigent- lich nur die Korporationen und die rechtssteheniden Nichtkorporierten, während die vielen Uninteressierten fernstanden. Die staatsbejahenden und freiheitlichen Gruppen(sozialistische, demokratsche, republikanische und Zentrums-Gruppen) organisierten sich 1328 im„Deutschen Studentenverband": hier stehen die wahren Erben und Fortsetzer der revolutionären Studenten- bewegungen von 1817 und 184 8. Infolge'der jahrelangen Streitigkeiten innerhalb der Deutschen Studentenschaft und mit den Behörden entglitten der Deutschen Studentenschaft allmählich ihre ursprünglichen Aufgabengebiete: die .Wirtschaftshilfe" und die„A e m t e r für Leibes- Übungen" sind heute fast völlig getrennt vor ihr und auch in den„F a ch s ch a f t« n" mehren sich die Bestrebungen zur un- politi en Erledigung der Arbeiten. Immer mehr drangen aber mit kräftiger Unterstützung der Rechtspresse in den Studenten» schaften die radikalen Elemente durch, die eine Rechts- orientierung und ein« politische Tätigkeit außerhalb der Hochschule forderten. Das zeigte sich besonders beim L e s s i n g- Konflikt in Hannover und es erhebt sich hier die Frage, ob nicht viele spätere Schwierigkeiten weggefallen wären, wenn der Kultus- minister bei diesen Vorfällen schärfer durchgegriffen hätte. Alle diese Erscheinungen brachten einige wenig« Führer der Deutschen Studentenschaft zur Einsicht: so sprach z. B. auf dem 11. Studcntentag in Danzig(1928) der damalige erste Vorsitzende Schmadcl für eine neue Anerkennung durch die Behörden, wurde aber von der Mehrheit unter Führung des zweiten Vorsitzenden K e r st e n heftig angegriffen. Es kam in Danzig nur zu einer Ver- tagung des Streites, und man erhoffte nun von der Konferenz in Hannover, auf der fast alle— zirka 70— freien und noch aner- kannten Studentcnschasten vertreten waren, ein« Klärung, b«> sonders dar Stellung zum Staate, zum großdcutschcn Aufbau, zur Politik an der Hochschule. Diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. Allerdings vertrat wieder Schmadcl nachdrücklichst seinen von Danzig her bekannten Stand- punkt. Allerdings bemühte sich die Lerhandlungsleitung, eine Politik der Mäßigung durchzuführen. Aber es kam nur eine resi- gniercnde, unklareEntschließung zur Annahme, die das Fehlschlagen der Verhandlungen über eine Neuanerkennung und über ihre Voraussetzung, eine Aenderung der Zusammensetzung der österreichischen Studentenschaften, feststellt, und die vielleicht in den Händen eines gemäßigten Vorstandes die Tür zu neuen VerHand» langen mit dem preußischen Kullusministerium offenläßt. Einige süddeutsche Studentenschaften ließen keinen Zweifel darüber, daß sie die staatliche Anerkennung emer Zugehörigkeit zur Deutschen Studentenschast vorziehen würden. Am letzten Tage enthüllt« die Deutsche Studenten» schaft ihr wahres Geficht. Trotz der Mahnung der Ge- mäßigten, sich nicht außerhalb der Hochschulaufgaben oder gar des Staates zu stellen und den soeben erst angenommenen Grundsatz der politischen und religiösen Neutralität zu wahren, wurden ein« Anzahl rechtsradikaler Anträge eingebracht, die man selbst mit allen Verdrehungskünsten nicht mehr als unpolitisch ansprechen kann: gegen den Poung-Plan(angenommen), für Einführung eines numerus clausus gegen jüdische und sremdstämmige Studenten und Dozenten(wegen farmaler Fehler mit knapper Mehrheit abgelehnt), für Freilassung der Feme- mörder(abgelehnt),' gegen Unter st ützung not» leidender ausländischer Studierender(knapp ab- gelehnt) und— für di« Wehrhaftmachung Deutsch- l o n t s(diesem Ziele sollen auch die geplanten Ferienlager der Deutschen Stundentenschast dienen: es wird nötig sein, daß wir ihnen einige Aufmerksamkeit schenken!). Diesem ganzen Treiben setzt« zuletzt die bekannte Entschließung gegen die Teilnahme an den verfassungssciern die Krone aus. Sie wirkte wie eine Revanche für die Kundgebungsvcrbote am 28. Juni und für die angebliche Absicht. die Reichsgründungsfeier zu verbieten. Man könnte noch lächelnd hinweggehen über die billige Retourkuffche gegen das Ministerium <..mon wolle kein« Abfchwächung der Regierungstundgebung..."), nicht ober über die Erklärung, daß«in Teil der anwesenden Ver- tvetcr nicht einverstanden sei mit dem Satz:„Diese Entschließung richtet sich nicht gegen die Verfassung von Weimar oder den heutigen Staat." Da» bedeulek eine glalle Abjage von Tausenden unserer zukünftigen Staalssunklionäre an de« heutigen Staat, der ihnen seht da, Studium und später die Existenz gewährt. Was zeigt uns nun dieser Studententag. verglichen mit den vorigen in Bonn und Danzig? Zwar«ine Slärtung der nerhandlungsbereiten Richtung, aber auch«in« Radikalisierung ihrer Gegner(von der DRVP. zur NSDAP.):«in Anwachsen derer. d'«, entgegen den Zielen der Studentenschast von l9l9 und be- günstigt durch das Freiwerden von staatlicher Aufsicht, für eine erhöhte rechtspalitische Aktivität der Studentenschast außerhalb der Hochschulen eintritt. Diese Richtung prositiert davon, daß die Zwangsorganisotion zu Gesinnungsgemeinschasten geworden sind, denen die freiheitlichen Gruppen ablehnend, di« meisten Nicht- korporierten uninteressiert und viele katholische Korporationen ab- wartend gegenüberstehen. Die Stellung der gesamten Deutschen Studentenschast wird außerdem noch unsicherer durch die wachsenve Gleichgültigkeit in den großen Verbänden. Das darf uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie immer noch in ihr die ausschlag- gebende Rolle spielen(Beweis: in Hannover waren kaum Nicht» korporierte als Vertreter anwesend). Di« Stellung der repubklkanlschen Studenten Preußens zu den Vorgängen in der Deutschen Studentenschaft ist geteilt: die Einen würden die Wiederausrichtung einer allgemeinen Zwangsorganesaton begrüßen, um di« Bäume der Rechtsradikalen durch die Kontrolle des Staates oder der Minderheiten nicht in den Himmel wachsen zu lassen; außerdem würde der Aufbau der' öfter- reichischen und böhmischen Studentenschaften nach dem st a a< s- bürgerlichen Prii�ip«ine erhebliche Machtverschiebung zu unseren Gunsten bedeuten. Di« anderen dagegen befürchten ein Märtyrer vom Landbund. Landbündler Hampkens(Holstein) feiert nach Verbüßung einer vierzehntägigen Gefängnisstrafe feine Hafientlassung. Gegen ein Entree von 1 Mark kann jeder den Märtyrer bewundern. Sowjetrussische Schupo. Fast noch schlimmer als die zaristische Polizei. Die Sowjetschupo gehört mit zu den wundesten Punkten des sowjetrussischen Lebens. Es ist nicht so lang« her, daß die Ab- geordneten der Leningrader Fabriken von ihren Wählern den Aus- trag erhielten, dafür zu sorgen, daß die Schupo, in Sowjetrußlanid Miliz genannt,«in wenig aufgefrrscht werde. Tatsächlich wurden auch im Laufe von Monaten, vom 1. Januar bis 15. Mai, etwa 342 Polizeibeainte entlassen. Trotz ollödem, klagt die Lenin- grader„Rote Zeitung", hat sich nicht vieles gebessert. Die Gerichtschronik befaßt sich iimner wieder mit den Schupobeamten: Willkür. Suff. Diebstahl und noch schwerer« Verbrechen sind unter ihnen heimisch. Es gibt da nicht wenige, sogt das Blatt, die die G e w o h nH e i t e n der vorrevolutionären Zeit auf den Scnojetboden übertragen haben— und führt auch Beispiele dafür an. Da stehen eine» Tages in der„Straße der Streiks" zwei brave „Milizionäre", T s ch« bj) k i n und S a ch a r o w. Aus unbekannten Gründen verlosten sie ihren Posten und begeben sich in die nächst- liegende Kneipe. Hier gesellt sich zu chnen ein Bürger. Als alle drei genug Alkohol zu sich genommen hoben, unternehmen sie einen gemenrsamen Spaziergang. Die Freundschaft hat ober ein ganz unerwartetes Ende. Die beiden Polizeibeamten spürten plötzlich das Verlangen, den Bürger zu durchsuchen, entnahmen seinen Taschen 72 Rubel, teillen die Beute untereinander und liefern diesen als Ausgeplünderten unter einem schicklichen Borwande an einen anderen Posten ab. Aehnlich machte es ein anderer„Milizionär". Äuch dieser er- leichterte die Taschen eines Betrunkenen um 70 Rubel und nahm sie m, sich. Der Polizeibeamte P a w l o w mißhandelt« ohne jeden Grund einen Verhafteten: der Polizerbeamte Schmykow prügelt« wegen angeblicher Langsamkeit«inen Portier durch und führt« ihn unter Bedrohung mit den» Revolver ins Polizeirevier. Weiter folgt ein« Aufzählung von Pol>zeibeamten. die wegen Rowdytums, Suff und anderer vergehen aus dem Dienst entlasten wurden. Ganz wie im zaristischen Rußland besteht zwischen den Kaus- leuien und den Polizeibeamten ein ungeschriebenes Vcrtrogsver- hällnis. Die letzteren erhalten ihre ständigen Monatsgelder. In Leningrad konnten z. B. die Obsthändler innerhalb eines bestimmten Reviers so lange handeln wie sie wollten. Die„Milizionäre" hatten dafür ein gutes Leben. Bor kurzem verhandelt« das Bezirksgericht 14 Tage lang gegen 47 Polizeibeamte. Sie befanden sich jahrelang im Sold« der Händler. Der Sold wund« wöchentlich abgeliefert. Es bestand eine regelrecht« Organisation von Polizeibeamten, deren Haupt der Milizionär Kyrilow war. Di« Privatgeschäftsleute, die Straßenhändler und Friseuvläden, die Kneipen und Teehäuser, sie all« waren an diesen Abgaben beteiligt. Di« Polizeibeamten hupften in de» Restaurants umsonst essen und trinken und sich unentgeltlich die Haare schneiden lasten. Unter solchen Umständen ist es weiter nicht verwunderlich, daß die Leningrader Polizeibeamten sich nicht gerade einer besonderen Achtung bei der Bevölkerung erfreuen. Di«„Rote Zeitung" vom 10. Juli schlägt Alarm:„Die Ereignisse der letzten Tage," sagt sie. .zeigen, daß hie Rowdys und die Klassenfeiich« der Sowjetregierung es auf die„Milizionäre" abgesehen haben." So wurden z. B. einem Polizeibeamten zwei Messerstiche in den Kops versetzt. Als der Führer einer Patrouille diesem zu Hilje«Ute. wurde auch er miß- handelt. In einem anderen Falle versuchten die Rowdys einige Gefangene zu befreien. Zu einem Handgemenge kam es, als ein Polizeibeamter einen Eishändlcr zur Räumung feines Eiondorte» veranlasien wollte. Wie tn diesem Falle, so kam es auch einig« Tage darauf an einem Leningrader Bahnhof zu Steinwürfen gegen die Polizei. Im ganzen wurden etwa 100 Per- fönen verhaftet. Und da handelte es sich nicht um ,Lör- giebel-Polizei", sondern um solche des Leningrader Vollzugsrats! Bezeichnend ist übrigens der Vorfall, der sich vor kurzem auf einer Station in der Nähe Moskaus abgespielt hat. Zwischen einem „Milizionär" und einem Arbeiter kam es zu einem Zwischenfall. Der„Milizionär" machte von seiner Schußwaffe Gebrauch und tötet« den Zkobeiter. Dos Volk lynchte den„Milizionär". Das Gericht verurteilte«ine größere Anzahl von Teilnehmern an der Lynchjustiz zu schweren Gefängnisstrasen. Also geschehen in Sowjet- rußlandl völliges Niederstimmen der Minderheiten und sind deshalb für die Beibehaltung des jetzigen Zustondes, bei dem der freiheitliche Deutsche Studentenverein gleichberechtigt neben der Deutschen Studentenschaft steht. Mit einer autonomen Stellung der Hochschule, wie sie die Rechte oft fordert, können sich sozialistische Studenten natürlich nicht«inverstanden erklären; viel weniger noch mit einer daraus abgeleiteten Sarckiergerichtsbarkeit. Nach unserer Meinung ist die Hochschul««in Organismus im Volks- ganzen, der vom Staate unterhalten wird, und es ist durchaus notwendig, daß ihr« Angehörigen sich zu diesem Staat« positiv einstellen. Es schien in Hannover so. als habe der Hauptgrund zum Abbruch der Verhandlungen über die Wiederanerkenming darin gelegen, daß die Deutsche Studentenschaft sich nicht zu dieser Selbst- Verständlichkeit durchringen kann. Die Folg« des Abbruchs wird bei fortschreitender Radikalisierung wahrscheinlich sein, daß auch in den süddeutschen Ländern die staatlich« Anerkennung verloren geht. Dann hätte die Deutsche Studentenschaft noch Verlust der Selbst- Verwaltung der Wirtschaftshilf« und der Leibesübungen nur noch parteipolitisch« Aufgaben oder höchstens«inen dekorativen Daseins- zweck. Wenn auch niemand wehr den Anspruch der Studenten, die zu- künftigen Führer des Volkes zu sein, ernst nimmt, so ist es doch gerode für di« Arbeiterschaft von größter Bodeutung,«i« die Geistcsversoflung der zukünftigen Juristen. Verwaltungsbeamtcn, Studienräte und Ingenieure ist, und wie sie zum Staate stehen! Dipl.-Ingenieur Schult«. Sozialistische Studentengruppe Hannover. Arbeilslofigkeil Schissbrüchiger. Der Reichsaußcnminister, der Reichsverkehrsminister und der Reichsorbeitsminister haben dem Reichstag einen Gesetzentwurs betrefsend das internationale lieber« cinkommen über die Gewährung einer Enffchädigung für Arbeitslosigkeit infolg« von Schiffbruch vorgelegt. Schlacht zwischen Militär und Polizei. Tote und Verwundete in Bulgarien. Sofia, 29. Juli.(Eigenbericht.) In der Ssestadt Warna kam es am Sonntagabend noch dem üblichen Volkstanz zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Soldaten, in deren Verlaus zwei Soldaten getötet und acht schwer verwundet wurden. Ein Polizeibeomter hotte einen Soldaten aufgefordert, den Tanz- platz zu verlassen. Als der Soldat das ablehnte und sich seiner Ver- hastung widersetzte, holte der Beamte vom nächsten Revier 20 Mann zu Hilfe. Inzwischen hatten sich mehrere Soldaten zusammengetan. um ihren Kameroden zu schützen. Die Polizei wußte sich schließlich keinen anderen Rot, als in die Menge hineinzuseuern. Das war. das Signal für das Publikum, ebenfalls einzugreisen, so daß eine wahre Schlacht entstand. 40 Minuten schlugen und schosien die beiden Parteien gegenseitig auf sich«in. bis dos alarmierte Militär sie auseinanderbrachte. Die schießwütigen Polizei. b c a m t e n wui-den verhaftet. Tschechenprozeß gegen Slowaken. Prag, 29. Juli.(Eigenbericht.) In Preßburg begann am Montag der Prozeß gegen den slowakischen Abgeordneten und ehemaligen Universität»- Professor Dr. Bela Tu k o und zwei seiner Vertrauensmänner. Tuka wird des militärischen Verrats und des Verbrechens der Vorbereitung vonAnschlägcnausdicRepublit beschuldigt. Es wird ihm vorgeworfen, militärische Daten, die sich auf die Der- tkidigung der Republik und besonders der Slowakei beziehen, einer fremden Macht übermittelt und hauptsächlich mit Offizieren zweier Militörspionogekanzlcien in Wien in Verbindung gestanden zu haben.■ Zehn Lahre LGB. Fruchtbare Arbeit des Wiederaufbaus. Vor zehn Jahren tagt« vom 28. Juli bis 2. August in A m st e r- dam der erst« International« Gewerkschaftskongreß der Nachkriegs- zeit, mit dem der Internationale Gewertschaftsbund at» Verkörperung des Solidaritätsgedankens der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft nach den Stürmen des Weltkrieges neu erstand. Zehn Jahr« brauchen an sich noch keinen Entwicklungsabschnitt zu bedeuten. Di« zehn Jahre internationaler Gewerkschaftsbewegung nach dem Krieg scheinen jedoch einen solchen Abschnitt darzustellen: denn die Erörterungen in den Gewerkschaften über die Pläne zur Schaffung eines Weltbundes sind Symptome eines neuen An- fanges: sie zeigen, daß nach der Konsolidierung der freien Gewerk- schaftsbewegung in Europa für neu« Aufgaben neu« Formen inter- nationaler Zusammenarbeit der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft bereits gesucht werden. Di« Schwierigkeiten, vor denen am Ende des großen Krieges die Gewerkschaften standen, sind übermunden. Damals schienen all« Bande, an deren Knüpfung jahrzehntelang gearbeitet worden war. zerrissen. Legten in Berlin, I o u h a u x in Paris und O u d«- geest in Amsterdam— oll« versuchten mühselig und unermüdlich aus der Isolierung herauszukommen und einen Ausgleich der Difte- renzen herbeizuführen. D'e Bestrebungen zur Wiederanknüpfung der Fäden der gewerkschaftlichen Internationale reichen noch in die Kriegsjahre hinein. In L e e d s fand 1916«in« Internationale Ke. werkfchaftskonferenz statt, an der sich natürlich die Verbände der Mittelmächte nicht beteiligen konnten; im Juni 1917 tagt« in S t o ck- Holm die große Sozial istenkonserenz: zu chr kamen wohl die Deut- schen, aber nicht die Belgier, Franzosen, Engländer und Amerikaner. Erst nachdem der Blutstrom des Krieges verebbt war und auf der Berner Sozialiftenkonferenz auch eine internationale Fühlungnahm« der Gewerkschaften stattgefunden hatte, gelang der neu« Inter» nationale Gewerkschaftskongreß in Amsterdam. Was in Amsterdam geschaffen wurde, war«ine Wiedererrichtung der organi- sierten internationalen Gewerkschaftsbewegung, kein Neubau. Der IGB. bestand ja bereits vor dem Krieg und 1926 konnte er schon ans ein Bierteljahrhunidert zurückblicken. Di« zehn Jahre, die seit 1919 verflossen sind, sind Jahr« frucht« barster Arbeit für den Wiederaufbau und für die Arbeiterklasse. Dem IGB. ist es zu danken, daß die beiden gewerkschaftlichen Gruppen in der Tschechoslowakei, die stch lang« Zeit hindurch scharf bekämpft hatten, sich wieder aussöhnten.' Der IGB. warf sein gar�es Ansehen in die Wagschale, als es galt, die Fortsetzung des Krieges gegen Deutschland aus wirtschaftlichem Gebiet« zu ver- hindern, und er hätte die erste Washingtoner Arbeitskonferenz im September 1919 scheitern lassen, wenn Deutschland dort nicht zu- gelassen worden wäre. Mitarbeit beim Internationalen Arbeits- amt, Boykott gegen Ungarn, Verweigerung von Munitionstrans- porten, Hilfsaktion für die Wiener Arbeüerbevölkerung. Hilfsaktion für das hungernd« Rußland. Abwehr der Zerstörungsarbeit der Moskauer Gewerkschaftsinternationol«, Usberwindung der Inflation, Kräftigung und Hilfe für die vom Faschismus bedrängten Gewert- schaftszentralen, Propagierung des Gewerkschaftsgedankens in der. überseeifchen Gebieten, unermüdliche Tätigtest auf dem Gebiete der internationalen Sozialpolitik—«in geradezu gigantisches Stück Ar- beit zum Nutzen der Arbeiterklasse. Wenn wir heute aus den ersten Internationalen Gewerkschafts- kongreß nach dem Kriege zurückblicken, dann erwecken die Difse- renzen, die damals zwischen amerikanischer und eu r o- p ä i s ch« r Auffassung, zwischen L e g i e n und G o m p e r s, bei der Wiedererrichtung der gewerkschaftlichen International« in Er- scheinung traten, unser besonderes Interesse. Gompers hat nie scharf zwischen sozialistischer und kommünsstischer Internationale unter- schieden. Noch 1920 schrieb er an A p p l e t o n, als dieser den Vor- sitz im IGB. niederlegt«, der Amsterdamer Gewerkschaftsb-und fei eine Körperschaft, deren Ideen und Bestrebungen in logischer Folge zum Bolschewismus führen müßten. Der Ausgang der Der- Handlungen in Amsterdam hat damals Gompers und feine Freunde verstimmt. Di« Frag« der Zusammenarbeit zwischen den europäischen und amerikanischen Gewerkschaften ist heute wieder aktuell. Die Arbest Amsterdams im Verlauf der letzten zehn Jahre hat deutlich gezeigt, daß Gompers in seiner Beurteilung der Amsterdamer Gewerk- schaftsbewegung völlig danebengegriffen hat. Moskau ist heute der Todfeind Amsterdams. Auf der anderen Seite drängt die Ent- wicklung die amerikanischen Arbeiter immer stärker an die Seit« des IGB. Europäisch« und ameritairische Arbester müssen einander helfen, voneinander lernen, wenn sie gegenüber dem gemeinsamen Widersacher, dem internationalen Kapitalismus, bestehen wollen. Der Kampf in England. Die Unternehmer nicht einig. Manchester, 29. Juli sEigenberichl). Ein großer Teil der 1800 Spinnereien und Webereien in taacashire mit rund 500 000 Arbeitern liegt still: etwa 10 Pro,. der Spinnereien und 25 Proz. der Webereien haben sich jedoch der Aussperrung nicht angeschlossen. Die Arbeit wird in diesen Betrieben aus der Grundlage der allen Lohnsätze sorigefetzl. Die meisten dieser Firmen gehören den Unlernehmxrverbäaden nicht an. Jedoch haben sich auch einige organisierte Firmen de« Mehrheitsbeschluß der Unternehmerverbände widerseht und sich bereit erklärt. die Arbeil zu den allen Lohnsätzen sorlzoführen. Darnnler befindet sich v. a. auch die bedeutende Firma Toolal, vroadhursl. L l u. E->.. die zwei Fabriten mit einer Belegschaft von rund 3000 Arbeiter» in Bolton und Manchester besitzt. Die Firma vertritt offiziell den Standpunkt, daß ihrer Meinung nach»wissen- schaftliche Betriebsfnhrnug und nicht Lohndrnck" das gegebene Mittel fei, um der ausländischen Konkurrenz z» be- gegnen. Da» Arbeitsministerinm. da» sich unter der Führung de» Ar- bettsminister» Frau Bondfield in der vrrgangenen Woche iviederholi bemüht hat, die Aussperrung zu verhindern, erklärt offiziell, daß da» Ministerium im gegenwärtige« Augen- blick nicht in den Kampf einzugreifen vermöge. Das Urteil eines bürgerlichen Blattes. Die Aussperrung von 500000 englischen Baum- wollarbeitern, die schon so oft wie eine schwere Gewitter- wölk« die englische Wirtschaft bedrohte, ist jetzt Tatsache ge- worden. Zur Aussperrung kam es, weil die Arbeiter sich weigerten, in«in« Kürzung der Löhne von 12,82 Proz. einzuwilligen. Von Interesse sind die Ausführungen des liberalen»Man- che st er Guardian" zu dem Konflikt. Das Blatt schreibt, die Löhn« der Spinner mochten nur einen geringen Tkil der Gcsamtkosten aus. Die vorgeschlagenen Lohnkürzungen seien absolut kein Mittel zur Senkung der Verkaufs- preise, wodurch etwa Lancashire einen beträchtlichen Teil der verlorenen Märkte wiederzugewinnen hoffe. Der Dorschlag der Lohnkürzung leide an Kurzsichtigkeit, die für die Baumwollindustrie charakteristisch sei. So der»Manchester Guardian". Man steht, die englischen Textstindustriellen finden selbst in der bürgerlichen Press« nichts weniger als Zustimmung. „Wegen Arbeitsmangel entlassen." Wer betrügt die Beichelanstalt? Das Rundschreiben de» Präsidenten der Reichsanstatt, in dem darauf hingewiesen wird, daß oft Arbestszeugniss« ausgestellt werden mit dem Vermerk„Wegen Arbeitsmangels entlassen", die ober mit der tatsächlichen Ursach« der EnÄossung nicht übereinstimmen, hat natürlich im„Berliner Tageblatt" einen Leitartikel ausgelöst. Es wird da anscheinend gegen die Unternehmer zu Felde gezogen, die aus Gefälligkest gegenüber ihren Arbeitern solch« unwahre Be- scheinigungen ausstellen und damst sich nicht nur des Betrugs schuldig machen, sondern auch die Reichsanstast direkt schädigen. Aber, wird dann zur Entschuldigung der Unternehmer angeführt, diese unwahren Bescheinigungen werden ausgestellt unterdcmDruckder Be- triebsräte und der Gewerkschaften. Also die Betriebsräte, die Gewerkschaften und die Arbeiter im allgemeinen sind schuld, wenn die Unternehmer fassche Arbeits- bescheinigungen ausstellen! Wie verhalten sich die Dinge in der Praxis? Wird ein Arbester enttassen, ohne daß Arbeitsmangel vorliegt, dann ist die Entlassung zurückzuführen entweder auf die mangelnde Eignung de» Arbeiters, oder aber weil der Arbeiter sich irgendwie„mißliebig" gemacht hat. In letzterem Falle hat der Unternehmer ein gewisses Interesse daran, die wahre Ursache der Entlassung zu verbergen. Nicht aber der Arbester oder die Gewerkschaft. Liegt Arbestsmangel nicht vor und eignet sich der Arbester, so hat der Unternehmer em Interesse daran, den Arbeiter zu behalten. Er wird es also ablehnen, dem Arbester, den er braucht und brauchen kann, ein Zeugnis auszustellen, wonach der Arbester wegen Arbeitsmangel entlassen sei. Daß«in Unternehmer In einem solchen Fall dem Arbeiter ein Gefälligkestszeugnis ausstellt, damit dieser in den„Genuß" der Arbestslosenunterstützung kommt, ist so gut wie ausgeschlossen. Nur wo der Unternehmer selbst ein Interesse daran hat, die Wahrheit zu verbergen, well er vor dem Arbestsgericht oder von der Gewerkschaft belangt werden könnt«, nur in solchen Fällen wird der Uisternehmer den wahren Grund der Entlassung verbergen. Bauschlosserstreik verschärst sich. Di« Llnternehme? wollen morgen aossperren. Di« General oersarnmbmg de» Schutz Verbandes Berliner Schlossereien sowie die Delegiertenverfammlung der Schlosser- Znxrngsimnmg haben am 25. Juli die Aussperrung sämtlicher Berttner Bau- und Gelds chrankschlosser beschlossen. Den Vor- ständen wurde Dollmacht gegeben, den Tag» der Aussperrung von sich aus festzusetzen. Die Vorstände beider Unternehmergruppen haben nunmehr verfügt, am heutigen Montag zum Schichtschluß die Aussperrung vorzunehmen. Nicht ausgesperrt werden sollen: Bouanschlöger(die übrigens gar nicht dem Tarif der Bau- und Geldschrantschlosser unterstehen und sonnt auch nicht cm dem Kon- flikt beteiligt sind), Lehrling«, Werkmesster und die technischen und kaufmännischen Angestellten. Sollte die Aussperrung resttos durchgefühlt werden, so würde sich der Kreis der an dem Kamps Beteiligten von rund 1700 Ar« beitern � und Angestellten auf etwa 3500 Personen erweitern. Di« streikenden Arbeiter>»ehmen morgen, Dienstag, vormittag 10 Uhr, in einer V e r s am m l u n g in den„Sophiensälen" zu der rnuen Situation Stellung. AbrechnungmiidenWortrevoluiionaren Generalversammlung der Fabrikarbeiter. In der Generalversammlung der Berliner Fabrikarbeiter am Sonntag im Gewerkschoftshaus widmete zunächst der Bevollmächtigt« Genoss« R ü ck e r dem DerbaNdsoorsitzenden Genossen Brey, der am t. August 65 Jahre alt wird und seit der Gründung des Verbandes, also seit 39 Jahren an seiner Spitze steht, einige anerkennende Wort«. Die Generalversammlung stimmte einmütig dem Vorschlag Rückers zu, dem Genossen Brey an seinem Geburtstage im Austrage der Ortsverwaltung und der Generalversammlung ein Glückwunsch- schreiben zu übersenden. Genosse Rücker ging dann auf die im zweiten Quartal geführten Lohnbewegungen«in, wobei er besonders die Bewegung in der chemischen Industrie einer kritischen Betrachtung unterzog. Gerade in der lyemifchen Industrie, mo die„Opposition" immer dos groß« Wort fichrt, wollte die Organisation einmal den Schreihälsen Gelegenheit geben, zu zeigen, wie es mit ihrem Kraftmeiertum in Wirklichkeit bestellt ist. Als alle Verhandlungsmoglichkeiten erschöpft ivaren, führte die Ortsoerwaltung eine Streikabstimmung in den Betrieben durch, deren Ergebnis die Ortsverwaltung im Interesse des Gelingens der Lohnbewegung nicht veröffentlichte. Von mehr als 12 000 Arbeitern und Arbeiterinnen in den chemischen Betrieben wurden nur 3327(!) Stimme» abgegeben, davon 2866 für den Streik. Das Derhällnis der Unorganisierten zu den Organisierten stellte sich als erschreckend hoch heraus. Angesichts dieser Fest- stellungen konnte die Organisation das auf Veranlassung des Haupt- tarifamtes eingeleitete neue Schiedsverfahren nicht ausschlagen, das mst der Verkündung eines beide Parteien bindenden Schieds» spruchs endete, der für die Dauer von IM Jahren eine Lohnerhöhung von 4 Ps. vorsah. Die Organisation ging diesen Weg nur ungern. Vor der Derkündung des Schiedsspruches war es auch im kommunistischen Blätterwald merklich still, weil man dort nicht recht wußte, ob die„revolutionäre" Opposition nicht doch etwa noch die „klassenbewußten Unorganisierten" ins Treffen führen mußte. Genosse Rücker warnte die Delegierten insbesondere vor dem neugegründeten„revolutionären" Betriebsräteausschuß, der nichts anderes ist als ein kommunistisches Kainpsinstrument gegen die Gewerkschaften. Trotz der beispiellosen Hetze der KPD. gegen die Organisation ist der Mitglied erbe st and fast stabll geblieben. Die Ortsverwaltung zähste am Schluß des zweiten Quartals 9302 Mitglieder gegen 9378 Mitglieder zu Beginn des Quartals. Der Lokalkassenbestand erhöhte sich im Lause des Berichtsquartals um 3362 M. auf 67 338 M. In der Diskussion langweilten zwei kommunistische Redner die Versammlung mit ihrer.Kritik" an der Tätigkeit der Ortsverwaltung. Der Dawes- und Poung-Plan, Konkordat, Arbeitsgemeinschafts- Politik, Chino-Konflikt, Regierungskoälition usw. wurden durch- einandergequirlt. Dem zweiten kommunistischen Redner entschlüpfte einmal ein wahres Wort, als er sagte, daß die„Rote Fahne" oft Berichte und Artikel veröffentliche, die nicht ganz stimmen. Dem Geossen Rücker war es leicht, in seinem Schlußwort alle Anwürfe, soweit sie überhaupt in klarer Form gegen die Ortsverwaltung er- hoben worden waren, zurückzuweisen. Die Regie klappte bei der Opposition so schlecht, daß sie erst kurz vor Schluß der Versammlung irgendeinen der üblichen„revolutionären" Anträge einbringen wollte, der natürlich nicht mehr zugelassen werden konnte» 60 Jahre Hanöschuhmacher-Organisaiion. Erprobte Gewertschaster. Die Handschuhmacher, die seit dem 1. Juli 1909 als Sektion dem Lederarbeiter-Verband angehören, blicken in diesem Monat auf ihren sechzigjährigen gewerkschaft- lichen Zusammenschluß zurück. Sie waren neben den Tabakarbeitern und Buchdruckern die ersten deutschen Arbester, die sich gewerkschaftlich zusammenschlössen, und zwar sofort auf zentraler Grundlog«. Der Gedanke der Organisationsgründung ging von Augsburg aus, wo den Handschuhmachern ein Aufruf der Handschühsabrikanten in die Hände gefallen war, worin die Unternehmer die Gehilsen verleumdeten und zur©riinirntig einer Fabrikantenorganisation aufforderten. Am 4. Juli 1869 wurde in Arnstadt ein« Delegierten- Versammlung abgehallen, die von 17 Delegierten aus den wichtigsten Fabrikationsorten Deutschlands beschickt war, und die am Nachmittag des gleichen Tages den„Lerem der französischen Haichfchuhmacher Deutschlands" gründete. Der Ausdruck„französische Handschuhmacher Deuschlands" war damals allgemein üblich, well die Fabrikation von Handschuhen durch französische Emigranten nach Deutschland eingeführt worden war. Nach 1874 nannte man sich mehr und mehr Verband anstatt Verein, und von 1377 an bildete die Bezeichnung Verband die Regel. Der Anschluß an die Generalkommission, dem heutigen ADGB., wurde auf der Generalversammlung in Arnstadt 1891 vollzogen. Nach 4vjähriger Selbftändigkett verschmolz sich dann der Handschuh- macherverband 1909, wie bereits eingangs ausgeführt, init de», Lederarbeiterverband, wo sich die Handschuhmacher rasch eingelebt hahen. Sie. sind heute ein« der. am besten organisierten Arbeit«� gruppen sowohl innerhalb des Iederarbester-Derbandes als auch im Rahinen der gesamten Arbeiterschaft. Etwa'93 Proz. aller Hand- fchuhmacher und 72 Proz. der Arbesterinnen sind heute sreigewerk- schaftlich organisiert. Mitglieder desOeutfchenMetallarbeiter-Verbandes? Aus verschiedenen Betrieben wird uns gemeldet, daß die wegen verbandsschädigenden Verhaltens ausgeschlossenen Mitglieder der Bronchenkommission der Dreher unsere Mitglieder aus- fordern, die Mitgliedsbücher an sie abzugeben. Dieses geschieht unter Verschweigung der Taffache, daß die Mitglieder da- durch um ihre Rechte, also um ihre Mitgliedschaft im Verbände kommen. Wir ersuchen, uns umgehend persönlich oder schriftlich Mitteilung zu machen, wo einem Mitglied unter Angabe falscher Taffachen die Bücher abgenommen worden sind. Ortsverwaltting des Deuffchen Metollarbcsterverbandes. Die Differenzen im fchlesifchen Textittonflitt. Die Verhandlungen zur Beilegung der Differenzen. die sich bei der Arbeitsaufnahme in der fchlesifchen Textilindustrie ergeben haben, machen, wie wir hören, Fortschritte. In Landes- h u t sind die Differenzen so gut wie beigelegt. Zurzest wird in den Textilpunkten Neustadt, Langenbieiau und Grünbcrg verhandelt. Die Unternehmer haben zugesagt, daß st« alles tun würden, um zu einer Einigung zu gelangen. Man muh abwarten, cb sie überall ihr Versprechen einlösen. t Freie GewerkschastS'Zuqend Sroß-Verlin Heut«, Dienetag. 19',i Mir. tagen die Truppen: Spandau: Jugend- heim(Stadt.), Lindenufer l. Vortrag:.Berussgefahren und Unfall- schütz*— Franlfurtrr Allee: Gruppen heim Etildt. Jugendheim Litauer Straße I». Bagad-indengefchichten.— Reu. Lichtenberg: Jugendheim Gunter. ftraßc fz. Literarischer Abend.— Der satirische Hein».— Landobrrger Platz: Jugendheim DieNelmepetstr. Z. Auosprocheabend. Unser Mitteitimgshlatt.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. ÄZ. Bortrag:.Wie lese ich eine Wandcr- karte?*— Zreptoro: Gruppenhcim Schul« Wildenbruchstr. 53—51(Horttzimmer). Wovon man spricht. Die Reparationsschuld Deutschfants.— Kumboldt: Jugendheim Graun. Ecke Lortzingstraße. Gruppenabend.— Rarieadoet: Jugendheim Moeiendorf, Dorfstr. 7(Alte Schule). Litetdrifcher Adcnd. Adolf Glaßbrenner.— Achtnag, Sprechchor! Der Sprechchor trifft sich»ur Sprca,- chorprok« um l9 Mr im Zugcndhcim dt, Deutschen Berkchrsbundcs.' Engel- ufer 21— 25, Ausgan« B, part.— SSdlrei»: zirlusprob« um 1Sfu_ Mr im Zimmer 7» der Iugendtzentralc.— Sport und Spiel ad IS Uhr: Eharlntten- bueg: Sportplatz Sophie-Charlotte-Straß«! Süden. Südwesten: Sportplatz«atz- bachstraße. Luaendaruppe desZeniralverbondes der Anaesiellten Leute. Dienstag, ist folgende Biranftaltung: Zlordweft: Zugendhcim Lehrter Str. l«— lg. Uebungsabend im Lesen von Wanderkarten.— Spiele» auf dem Svortplatz Humdoldthain ab 18 Mr und im Stadtwald llöpenick ad 20 Uhr lTresfpunkt Bhs. Köpenick). Verantwortlich iiir Politik: Dr. Cnrt Geqer: Wirtschaft: S. Klingelhöter: Gewerkschastsbewegung: Z. Steiner: sseuiveton:». S. Döfcher; Lokales und Sgnstiaes Zritz»orstidt: Anieiaen: Zd. Glocke: samtlich in Berlin. Berlaa: Borwörls-Verlag S. m. b. H.. Berlin Druck: Borwiirts-Buchdrnckerel und Berlaosanstalt Paul Singer u. Co., Berlin EW.«8. Lindenstraße 3. Hierzu«ine Beilag«.„Unterhaltnaa und Willen*»nd„Zugead-Borwärtö*. Ist Ihre Lunge nicht in Ordnung? ..««3- KP. schreibt: Seit 1917 litt«ch infol,« einer Gasvergiftung fttl, an L�erlSstigem Recht'chwech, verdunden stärkeren Zstick ufchiv erzen. VersMledrne A.rzte, die ich»u Rate zog, konnten mir von meinem Ltid.n nittit Helsen, bi» ehr Ktteg«. und Lttdenskollege mir Ihren.Wunderbalsom'»-»mptto»»«, empsi hl. Ich kouste mir Ihren Balsam und nach der ersten Kur sehe ich«ich vrrpflichtet, Ihnen hiermit für dies n Nympbo'an.Balscm. drr wirkst» etn HrU der Menschheit bedeutet, meinen besten und aufrichtigsten Dar k auszusprechrn. Dir Riick nschmerzen, der lästig« R-chlschw h sind vollständia veffchwunden und mrtn Befinden gleicht d.m einer g suoden und fnstfien Jugend. Der mich deho, delnde A>zt war über den Grsolg sehr erireut und wird, wie auch ich, stets und ll-«rall Ihren Wunderkalfom.Nqmphofan" empfehlen. Preis der Flasche Nymphosan M». S.SV, Pcniboaton« Vit.-.60 E.bältilch In ollen Apotheken. Bestimmt Beue-�ulance-Apolhete zum weißen Hirsch— Wittes Apotheke(Potsdamer Straß)— Apotheke zum gold. Hirsch(Lindensttaße)— Apotheke zum König Solomon(Charlottenstraße)— Prinzeß-Bittoria-Apotheke(Berlin N Zl. Boltastraße 26)— Radlauers Kronen-Apotheke(Btrlin W, Friedrichstraß« 160). Rr. 3S4» 46. Jahrgang Dienstag, 50. Juli 1929 Tränengaslaser Bei Ausschachtungsarbeiien enide Am Alonkag uachmittag wurde bei Ausschachtungs- arbeiten auf dem Grundstück Varstrah« 4S in Wilmer»- darf ein noch ans der Sriegszeit stammende» Lager von Träneagasflaschea. die man dort wahrscheinlich bei Ende des krioges und Einstellung der Aabrikaliou vergraben hat. enl- deckt. Mehrere Arbeiter der Städtischen Gaswerke, die mit den Rohrverlegungsarbeiten beschäftigt waren, wurden durch die ausströmenden Gase au» den zertrümmerten Alaschen in Mitleidenschaft gezogen. Es stellten sich heftige Augensch merzen und Sehstörungen ein. Von zuständiger Seit« wird uns hierzu folgendes mitgeteilt: Auf dem Grundstück, da, zwischen der Bar» und Berliner Strohe in Wilmersdorf liegt und da, einen Umfang von Lrtl) mal 50 Mejer hat, befinden sich mehrer« einstöckige Schuppen und ein massives, zweistöckiges Gebäude. Während des Krieges wurden hier Tränengase fabriziert. Außerdem waren in dem massiven Gebäude mehrere Räume, in denen gleichzeitig Gasmasten auf ihre Dichtigkeit geprüft wurden. In der Kriegszeit wurden in der Gaofabrit viele hunderttausend dieser Ampullen und Behälter mit Tränengas gefüllt. Am Montag nachmittag, kurz nach>42 Uhr, waren Arbeiter der Städtischen Gaswerke damit beschäftigt, starke Gasrohre, die nach der Wilhelmsaue führen, zu verlegen. Plöhllch stießen beim Graben mehrere Arbeiter fast zu gleicher Zeit aus Glasbehälter, dle zerbrachen vnd denen ein eigentüm- licher Geruch entströmte. Die Augen begannen zu trän«n, und es stellte sich starte» Unwohlsein ein. Fluchtartig verließen die Arbeiter den Schacht. Nachdem sich die erst« Gaswolke verzogen hatte, grub man weiter in Wilmersdorf. ki.— Kein Grund zu Besorgnissen. und stieß abermals auf mit Tränengas gefüllte Glosampullen. Daraufhin wurde das zuständig« Polizeirevier verständigt und gleich- zeitig die Wilmersdorfer Feuerwehr alarmiert, die unter Leitung de» Baurotes Spahn mit den notwendigen Schutzmitteln, Gas- mosten usw. anrückte. Di« mit Gasmasken ausgerüsteten Feuer- wehrmannschaften gruben längs de» ausgehobenen Schachtes noch und förderten einig« hundert gefüllte Gasampullen und mehrere größere Ballons zutage. Di« Ampullen, die«in zwar gefährliches, aber nicht tödlich wirkende» Gas enthalten, wurden sosort unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßnahmen ver- nichtet. Nach den bisherig«» Ermittlungen scheinen sich aus dem Grundstück noch einig« Zehnlausend Ampullen und auch zahlreiche größere Mengen Tränengas fassende Behälter im Erdreich in etwa zwei Meter liefe zu befinden. Di« Feuerwehr rückte nach getaner Arbeit wi«d«r ab. Di« Bau- stelle konnte wieder freigegeben w«rd«n, da zurzeit k«in« Gefahr mehr besteht. Es muß nun festgestellt werden, ob in diesem Krieg,- betrieb tatsächlich nur Tränengas erzeugt und verarbeitet worden ist. Es wird nämlich behauptet, daß auch Blau gas. das sogenannt«„Vlaukreuz�, fabriziert wurde. Es besteht daher die Möglichkeit, daß auf demselben Grundstück auch zahlreiche Flaschen, die das gefährliche Gift enthalten, vergraben sind. Es ist ganz selbstverständlich, daß die zuständigen Behörden den Dingen genau auf den Grund g«h«n und alle notwendigen Maß- nahmen ergreifen, um L«b«n und Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Ein Grund zu irgendeiner Beunruhigung liegt keineswegs vor. Drei Arbeiter schwer verletzt. Explosion in einer chemischen Fabrik. Mainz. Zg. Zoll. ii» der Zweigniederlassung des verein» sür chemische Industrie A.-G. in M ombach ereignete sich heute vormittag im ersten Stock de» dreistöckigen Fabrikgebäude» aus bisher unausgetlärler Ursache eine heftig« Explosion. Drei Arbeiter, die durch Stich- flammen und herumfliegend« Eisenteile schwer verletzt wurden, mußten in, Krauteuhan» gebracht werden. Die übrigen Arbeiter konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Feuerwehr«« mußten sich darauf beschränken, die angreifenden Gebäud« vor dem Uebergreifen des Feuers zu schützen, da ein Lordring«n an den Brandherd infolge fortgesetzter Explosionen unmöglich war. D«r Schaden ist bedeutend, er soll aber durch Der sich«- rung gedeckt soin. Kür Kortbildmtg der Arbeiterschaft! DeNin unterstüht Fachschule für Wirtschast und Vervoltung. Der Mogistrat Hot beschlossen, der Staatlichen Fach- schule für Wirtschaft und Verwaltung, die sich jetzt in dem früheren Schloß Zkuhwald an der Spandauer Ehaussee in Charlottenburg befindet, aus Vorbehaltsmitteln des Magistrats «in« einmalig« Zuwendung in Höhe von 5710 Mk. zu bewilligen. Diese' Fachschule, die unter Aufsicht des preußischen Handelsminist«. riums steht, dient der Fortbildung von Arbeitern und Angestellten aus dem Gebiet« der Rechts- und Wirt- schuf tswisfonschasten. Sie wird zurzeit von ungefähr ll> Copyright 1929 by Ousuv Kiepenheuer Verlag A.-O., Berlin Er schwätzt weiter. Funk denkt über die Katze an seinen Rattenbiß. Der Handballen schmerzt, wie ihm scheint, mehr als er schmerzen dürfte für diese kleine nadelscharf- Ver- letzuna. Aber was soll er beginnen? Ist es nicht wider- wärtig, am ersten Tag des Dienstes gleich mit Kranksein aufzuwarten--- und lächerlich, gestehen zu müssen: mich hat ein« Ratte gezwickt! Er betrachtet verstohlen die Hand: sie ist angeschwollen, sie spannt, sie ist hochrot. Er muß daran denken, der Nager könne an stinkigen Kuchenabfallen oder an Aas sich gelabt und gleich darauf ihn gebissen haben. Es schüttelt ihn. �,..... Rennoth bemerkt es.„Du bist noch net ganz heimisch hier. Aber der. Mensch gewöhnt sich an alles. Er ist be- lade- mit vielen kleinen Paketen, die um ihn her baumeln. den vraunen Pappschachteln, die fettig durchschlagen, m denen Schmalznudeln. Butter. Geräuchertes. Eier aus der Heimat herbeigereist find.". Sie vassieren verdeckte Geschützstellungen. Feldartillerie hat ihre Kanonen unter vereinzelte Bäume postiert, halb em- gegraben. Wo kein Daum war, hat sie selber einen wachsen lassen. Leer« Munitionskörbe liegen umher. Die Rohre gleißen im Blätterschatten schläfrig und verschwiegen. Em paar Artilleristen sagen mit gelangweilter Miene Gruß Gott — halblaut, als gälte es, jemanden nicht zu wecken. Schläft der Krieg— oder hat er hier überhaupt noch nicht recht be- gönnen? Aber hundert Schritte weiter stoßen sie auf eine gallert- artige Mass« hart am Weg— auf eine ansehnliche Pfütze, die dunkelrot-ölig ins Piolette schillert: da schillert, wo der heitere Himmel blau sich spiegelt. Ein Fliegenschwarm summt drohend auf, als wahre er sich gegen Zudringlichkeit. „Was ist das—?' fragt Funk stockend. Oel—? denkt er— e, ist. als Hab« Meister Krieg. Viechkerl Krieg feine halbe Lunge hingespuckt. Vielleicht ist er doch am Verrecken, denkt Funk. 60 Schülern aus ollen Teilen Deutschlands besucht, die von den Ge- werkschosten der verschiedensten Richtungen ausgewählt worden sind. Vier dieser Schüler erhatten zum Besuch der Schute ein Stipendium durch die Stadt Berlin. Seit dein Oktober 1928 befindet sich die Fachschule für Wirtschast und Verwaltung, die ursprünglich in Schmargendorf untergebracht war, in dem früheren Schloß Ruhwald in Charlottenburg. Der jetzt vom Magistrat bewilligte Detrag stellt eine Zuwendung sür die Umbautosten des Schlosses dar. Äm übrigen trägt der preußische Staat die gesamten Personalkosten für die Fachschule, während die Stadt Berlin sich regelmäßig an den sächlichen Kosten, besonders an der Bezahlung der Mete, beteiligt. Schweres Erdbeben in Ekuador. Abgründe öffnen sich.— Viecher 60 Tote. He« Jork. Zg. Jull. Ekuador wurde in der Aach! zum Sonnabend von einem schwere« Erdbeben heimgesucht. In vloyurgo find 60 per. souea gelölei worden, vi« Stadl selbst ist völlig z e r. stört. In allen Orlen herrscht große Panik. Nach einer weiteren Meldung der Associated Preß au» Quito lEkuodor) folgten auf den Hauptstoß, durch den gestern die Ort- schaft M o y u rg o-he>nigesucht wurde, noch weitere leichter« Stöße, die den Schrecken der Einwohner, die sich hatten retten können, nur noch erhöhten. Auch in den Ortschaften Tambello, Machachi und Latncunga wurde durch das Erdbeben beträchtlicher Schaden angerichtet. Die Erdstöße dauerten bis zum Abend fort. Im Zentrum des Bebens öffneten sich abgrundtiefe Spalten. dle zum Teil Meter breit waren. „Was wird's sein? Eine Blutlache," sagt Ren'oth.„Die liegt schon länger da. Jetzt trocknet sie ein." „Bon wem? Wer ist denn hier—?" „Weiß nicht. Vielleicht von den Artilleristen einer. Eher noch ein Gaul. Denn so viel Blut kann ein Mensch allein gar net verlieren. Einen Gaul wird's erwischt haben." Sie trösten sich beide damit— wenn es«in Trost ist. Funk verspürt wachsend, es sei keiner. Und wenn ein Ge- schoß in den Boden fährt und nichts ermordet als die Wurzeln von Grashalmen: es ist kein Trost. Denn die Dummheit bleibt. Die Gemeinheiten, die Vergewaltigungen, die sturen Brutalitäten, die ohne einen Schimmer selbst von dem sind, was man„ritterlichen Zweikampf" nennt— sie bleiben. Funk erkennt es unverlierbar. So rücken sie ihrem Ziele näher. Es taucht auf in Ge- stalt des ehemaligen Dorfes Fromelles, in Gestalt eines wüsten Steingebrodels, eines erstarrten Kataraktes von Trümmern. Daß sie einst zu Häusern zusammengefügt waren, ist ganz unglaubhaft. Heute sind sie nichts als ein Erguß der großen Bestie, die die Welt umkrallt hat. 9. Der Verbandplatz Fromelles ist in Kellerräumen eines Bauerngehöftes untergebracht, dessen Gebäude kareeartig einen Hof umschließen. Das Gehöft ist erstaunlich gut er- halten, gemessen an der völligen Vernichtung des Dorfes. Kommt es daher, daß es— schon wie eine Ferme— abseits liegt und sein eigenes Dasein führt— oder daß es, als Sa- nitätsstation seit langem eingerichtet und durch die Genfer Fahne kenntlich gemacht, von den Kanonen geschont wird? Man hat sich in der Schußrichtung verstärkt und verdickt mit Sandsäcken, Balken und Erdreich. Man hat zu den ver- fügbaren unterirdischen Behausungen neue gebohrt und ge- graben im Schutz des Karrees: eine Flucht von kleinen, schmutzigen, dumpfen, feuchten Löchern für Krankenträger, Unteroffiziere und Arzt. Eie paar Räume sind auch ober- irdisch, die festesten und geschütztesten, die zu haben sind, als ..Warteräume" für die Verwundeten, denn man kann mit ihnen nicht in die winkligen Löcher hinab, abgesehen davon, daß drei Tragbahren dort unten allen Platz ausgefüllt hätten. Oben liegen auch:«in Schlafraum für Mannschaften, gleichzeitig Verbandraum, eine Küche,«ine Latrine, eine Totenkammer. Die Totenkammer ist am unsichersten; wer tat ist. kann am ehesten ruhig noch einmal erschossen werden. Wer abtransportiert werden muß, wird, wenn er lebt, von hier durch die Sanitätskompagnie in Pferdewagen, alten Schlagwetterexplosion in Belgien. Drei Vergleute tot. Brüssel, SS. Juli. Durch eine schwere Schlagwetterexplosiou im Kohlenbergwerk Mambourg in Damprem», bei Char- leroi wurden drei Bergleute getötet. Das Bassel um Bombe. Man orakelt und vermutet ergebnislos weiter. Um das Verschwinden des Landgerichtidirektor» Mox Vombe ha« jetzt, nachdem alle Nachforschungen bisher ergebnislos verlaufen sind, das große Räiselralen begonnen. In verschiedenen Ortschaften in der Uingedung Reu-Globsowe wollen Einwohner und Ausflugler den Vermißten noch vor wenigen Tagen gesehen, ja sogar mit ihm gesprochen haben. Es scheint, daß die ganze Gegend von einer— man kann ruhig jagen— Bombe- Psychose befalle» ist. Erst am Sonntag tauchten wieder Gerüchte auf, daß Bombe da und dort gesehen sein sollt«. Die Polizei ist diesen Gerüchten, wie es selbstverständlich ihre Pflicht ist. nachgegangen. Es haben sich aber nicht die geringsten Anhalts- punkte dafür ergeben, daß der Gesehene nun auch tatsächlich Bomb« gewesen ist. Es wäre aus diesem Grunde ratsam, wenn das „Orakeln", das von einer gewissen Presse seit Tagen in einer ganz unverständlichen Breite sortgesetzt wird, endlich einmal«in End« findet. Gewiß, die Polizei ist aus Mithilfe des Publikums ange- wiesen. Solange aber, wie im Falle Bomb«, nicht tatsächlich positive Feststellungen gemacht werden können, solange über da» verschwiu- den des Londgerichtsdireklor» nichts Genaue, gesagt werden kann, sollte man mit bloßen Vermutungen zurückhaltender sein. Bald tippt einer auf Selbstmord, bald sagt der andere, Bombe irre geistesgestört in der Gegend umher, noch andere glauben wieder, daß der Vermißte einen, Unglücksfall oder Ver- brechen zum Opfer gefallen ist. Ob Landgerichtsdirektor Bombe noch am Leben ist, erscheint allerdings jetzt, nachdem er seit 10 Tagen spurlos verschwunden ist. mehr als fraglich. Die Nachforschungen des Berliner Kri- minalkommissars Büsdorf konnten den mysteriösen Fall bisher ebensowenig erhellen wie die bisherigen Ermittlungen der zuständigen örtlichen Polizeiorgone. Die Rückfahrt der»Bremen�. Die„Bremen" funkte nach New A o r k, sie fahre durchschnitt- lich 27,5 Knoten seit ihrer Abreise. Bis gestern mittag wurden 629 Seemeilen zurückgelegt. Ein blinder Pasiagier ist diesmal nicht an Bord, dagegen zwei unfreiwillige Passagiere. die den Dampfer in dem Riesengedräng« nicht mehr rechtzeitig ver- lassen konnten. -i- Wie verlautet, wird das Bordflugzeug der„Bremen", das ein« Reisegeschwindigkeit von 190 Kilometer und«inen Aktion,- radws von 1000 Kilometer hat, auch bei der Ankunft der„Dramen" in Europa dem Ozeanriesen mit der Post vorausfliegen. Das Flug- zeug wird kurz vor Cherbourg abgelösten werden und dann di«P nach dem deutschen Flughafen Blexen bei Bremen fliegen. Auf diese Weise wird die gesamte Post etwa 11 Stunden früher hier eintreffen. Nach Flugstuudeu abgestürzt. Das Flugzeug„Minnesota", das sich auf einem Daucrslug bei M i n n e a p o l i»(USA.) befand, stürzte nach 134 Flugstunden während der Vorbereitungen zu einer weiteren Lrennstoffergänzung plötzlich aus einer Höhe von 61 Mete? ab und fiel auf die Autorennbahn. Ein Pilot wurde getötet, der andere schwer oerletzt Stellwagen ähnlich, davongefahren: wer nicht mehr lebt, den holt der Leichenkutscher nächtens ins Gräberfeld nach Fournes. Bis zum vordersten Graben sind neunhundert Meter zurückzulegen— erst über freies Feld, dann möglichst bald in Gräben, weil der Engländer alles abschießt, was sich heran- bewegt. Zeitweise, Tage hindurch ist das flache Gelände un- ablässig überstrichen von Gewehrgeschossen wie von pfeil- schnellen Hummeln. Die Träger schleppen tags und besonders nachts durch den zähen Lehm ihre Lasten. Und«s reißt eigentlich nie ab, es tröpfelt weiter, es tröpfelt weg—; ein Soldat nach dem anderen und mehr an solchen, die in die Erde als die später in das Bett eines Lazaretts gelegt werden. Fast immer knallt es da vorn, wenn auch kein„Angriff" ist: die klatschenden Peitschenhiebe fallen von einer Stunde in die andere, man hört sie schon nicht mehr— und immer wieder zieht einer dabei das schwarze Los. Der Telephonist pflegt herbeizurennen vom Regiments- unterstand, der weiter hinten liegt und trotzdem nur selten vom Kommandeur bezogen wird. Der Oberst bleibt in Fournes. dort ist es geradezu herrschaftlich, dort gibt es ja noch Villen, die kaum einen Schuß bekommen haben, und Kasinoräume mit Teppichen, gedeckten Tischen und Polster- möbeln, von den feinen Betten ganz zu schweigen. Dort hocken auch die maschinenschreibenden eingebildeten Kam- pagniefeldwebel und tun ihren aufgeblasenen Kanzleidienst— kaum anders als ehemals in der Kaserne zu Hause. Die Sanität aber weilt hier vorne, mehr als eine Weg- stunde ist es bis zu den Kanzleipalösten— und andere sind noch weiter vorn: sie, die ständig im Arm des Todes liegen Doch da braucht der Kommandeur nicht mitzuhalten, er Hai ja seine Meldegänger und TelepHanisten.� Ein solcher kommt also zu den Sanitätern gerannt und bringt Nachrichten. Sie wissen immer schon genug, wenn er nur auftaucht, stolpernd über die finsteren Stufen hinunter- taucht ins Kellerloch:„Abschnitt IA. ziioei Tote. Abschnitt IIO ein Schwerverletzter. Drei Tragbahren müssen hinaus." Drei Tragen, das heißt zwölf Mann; an jeder Trage vier. Ist es hell, so muß man auf noch mehr 5)ummeln ge- faßt sein, als wenn es finster ist. Ist es finster und regnet es, so wankt man in das pure Nichts. Gut, daß viele Bauern unter der Mannschaft sind, Leute vom Lande: sie wittern die Richtung. Man tappt vorwärts, fällt ratlos in Gräben, in Granatlöcher, steht auf. tappt weiter, zäh überzogen vom nassen Lehm, eiskalt und klebrig durchweicht. (Fortsetzung folgt.' „Bedienung" in den Bädern! Eine soziale Netrachiung über die 10 Prozent. Nach altem Brauch kommen in den Seebädern zu der Miete, die man für seine„Sommerwohnung" zu bezahlen hat, nochlOProz. Bedienung, wenn man sich nicht alles selbst macht oder durch das mitgebrachte eigene Hausmädchen machen läßt. Wie gewiß so viele war ich bisher der Meiming, daß diese 10 Proz. Bedienung ähnlich wie beim Kellner nun auch tatsächlich grundsätzlich ganz der „Bedienung" zufallen, bin aber dieses Jahr eines Besseren belehrt worden. Und das kam so. Als ich mich dem Seebade abreisen wallte, auch schon prompt meine Miete nebst 10 Proz. Bedienungsaufschlag bezahlt hatte, meinte ineine Hauswirtin wie so nebenbei etwas schüchtern:„Meine Herr- schaften geben gewöhnlich noch bei der Abreise dem Bedienungs- mädchcn ein kleines Trinkgeld!" Das machte mich stutzig. Ich beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen. Als inzwischen die Wirtin verschwunden war, fragte ich ein wenig das Mädchcn aus. Und da mußte ich zu meinem Erstaunen hören, daß so ein Mädchm rein gar nichts mit dem Bedienungsgeld zu tun hat. Unser Mädchen bekam 50 M. monatlichen Festlohn und freie Unterkunft in einer kleinen Dachkammer, die auf keinen Fall an Badegäste zu vermieten ging, sowie freie Verpflegung. Wir rechneten nun schnell die Miete zusammen, die wir 10 Familien, die das Mädchen zu be- dienen hatte, und siehe da, wir kamen zu dem Resultat, daß die Wirtin von diesen 10 Mietern im Monat Juli ollein rund 2500 M. an Miete einnimmt, für Bedienung dazu noch 2S0 M. extra. Dabei rührte die Wirttn nicht einen Finger zur Bedie- Kreibenkertreffen Berlin- Brandenburg. Kulturarbeit in den ländlichen Bezirken. Seit Frankfurt den kommunistischen Einfluß der drei Monate dem Verbände angehörenden Führern der„Opposition" die Tür gewiesen, belebt sich die Aufbauarbeit, die ausnahmslos heute unsere Parteigenossen im Verband für Frcidenkertum und Feuerbestattung leisten. Die internationale Arbeiterschaft blickt mit großem Jnter- esse auf die Weiterentwicklung im Fveidenkeroerband: hier, wo die Kommunisten sicher wähnten, einen 600 000 Mitglieder starken Verband init einem Verbandsoermögen von 2% Millionen Mark(Ende 1928) Moskauer Zwecken dienstbar zu machen, haben unsere Parteigenossen in einmütiger Abwehrfront neben ihren sonstigen vielen Ehrenfunktionen die deutsche Freidenker- bewegung gerettet, den Gemeinschastsgedanken tiefer gesenkt und neue Massen dem„Schmorverein"— wie unsere linken Freunde den Verband jetzt nennen— zugeführt. Es war ein glücklicher Gedanke der Bezirks- und Verbands- inftanzen, den Berliner Genossen Gelegenheit zu geben, in einem Treffen mit dem Brandenburger Bezsrt die Zweckbestimmung des Verbandes für Freidenkertum und F e u e r b e st a t t u n g in die ländlichen Bevölkerungskreise hinein- zutragen. In K i r ch m ö s e r bei Brandenburg waren die Mit- glieder beisammen, um Zeugnis abzulegen von dem Menschheit-- wert des kulturpolitischen Ringens der Freidenker. Im Auftrage des Zentraloorstandes begrüßte Genosse Willi P e te r s- Berlin die im„Seegarten" versammelten Mitglieder und Freund«: fein Dank./ richtete sich an die zahlreich erschienenen Angehörigen, be- sonders, an die F r a.u e ii unserer Genossen, ohne deren Mitarbeit die Verdandsarbeit nicht wirkungsvoll entfaltet werden kann. In dem Bestreben, die Aufgaben und Ziele des Verbandes in die Köpfe der Unwissenden hineinzutragen, ist die Frau ein nicht zu ent- behrender Faktor. Wenn es das Verdienst der Sozialdemokratischen Partei ist, der politischen Befreiung den Weg geebnet zu haben, so haben wir Freidenker die Aufgabe, die geistige und kulturell« Befreiung aller werteschaffenden Menschen in die Hand zu nehmen. Umrissen wurden diese Ziele durch L e n z« n- Verlin. der in ein- gehender Weise dm Kampf der Freidenker aufzeigte. Schneider- Luckenwaloe überbringt Grüße seines Agitationsbezirks. Sekretär O l l e n b u r g« Brandenburg dankt für die Mühe des Erscheinms und oerspricht, weiterhin den Beweis zu erbringm, daß auch auf dem Lande und in den Klein st ädten ein erfolgreiches Ar- besten freidenkerischer Tätigkeit gesichert ist. Rezitationen der Genossin Lasch aus„Chorus der Menschheit" beendeten den offiziellen Teil.„Unser das Leben und unser das Land", war der Kampfspruch der Rednerin, der durch das Mikrophon bis auf die Mitte des Plauer Sees vernehmbar, starken Widerhall bei allen Teilnehmem fand. Französische Lustfahrer in Berlin. Das aus elf bedeutenden Vertretern der französischen Luftfahrt bestehende Propagandakomitce, das zur Zeit die europäischen Luft- pcrkchrsverhältnifs« studiert und in der vorigen Woche bei den Segel- fliegen: in der Rhön weilte, ist in Berlin eingetroffen. Montag vor- mittag wurden durch das Komitee die Werkstätten der Deutschen Lufthansa in Staaken und anschließend die Deutsch« Verkehrsflieger- schule besichtigt. Nach einer Besprechung im Reichsverkehrsniiniste- rium besuchen die Vertreter der sranzösifchm Luftfahrt heute den Berliner Zentralflughafen Tempelhof. Anschließend begeben sie sich mit den planmäßigen Verkehrsflugzeugen der Deut- sehen Lufthansa nach Hamburg. Die Ttadtbah» holt auf. Im Monat Juni wurden auf den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen 39 339 928 Personm befördert. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres, der ein« Veforderungsziffer von 33 900 88S Personen aufwies, ist ein« Steigerung von 16 Proz. eingetreten, die— abgesehen von dem günstigen Sonn- tagswctter— im wesentlichen der Elektrisierung und der damit verbundenen Verkehrsbeschleunigung zu danken ist. Im Streit niedergestochen. Gestern abend spielte sich vor dem Hause Sophie-Char- l o t t e- S t r a ß e 108 in Charlottenburg ein blutiger Streit ab. Der 36jährige wohnungslose Leo Müller war in einem Restaurant mit dem 33jähriger Schuhmacher Paul D ö h r i n g aus der Nehringstraße in Streit geraten, der auf der Straße seine Fortsetzung fand. Es kam zu Tätlichkeiten, und plötzlich zog Müller ein Messer hervor und st ach auf Döhring ein. Von vier Stichen in den Kopf getroffen, brach D. zu- s a m m e n. Er mußte in das Westendkrankenhaus gebracht werden. Der Messerheld tonnte von der Polizei festgenommen werden. „königlich Gächingen." Die unter dieser Spitzmark« erschienene Notiz, die auf Zuschriften aus Leserkreisen hinweist, nach denen sich an der Wieland-Drogerie am Kurfürstendamm«in 5 Meter langes Schild mit der Aufschrift ö u i g l i ch F a ch i n g e n" befiudet, hat nung, sondern überließ dies voll und ganz dem für die Saison gemieteten Hausmädchen. Dies erhielt dafür 50 M. Monatslohn und verursacht« allerhöchstcns seiner Wirttn monollich 50 M. bare Unkosten für Verpflegung und Unterkunft. So hatte die Wirttn für Juli allein aus dem Ivprozentigen Bedienungsaufschlag«inen Nutzen von 150 M. Aber diejenige, die alles machte und den ganzen Tag kein« Ruhe hatte, verdiente nur 100 M. im Monat. Wie ich mich er- kundigte, hatte der Juni etwa 1700 M. Monatsmiete gebracht, also der Wirtin einen Bedienungsüberschuß von„nur" 70 M. Für de» August war olles schon wieder„mit Bedienung" vermietet. So kann die Wirtin wieder mit gutem Gewissen 150 M. Bedienungs- Überschuß einheimsen. Sie wird gewiß lächeln, wenn sie End« August zusammenrechnet, daß siedurchdenKniffmitlvProz. Bedienung ohne Fingerrühren 370 M. extra ver- dient hat. Das Mädchen aber, das alle Bedienungsarbeit ge- macht hat, hat m den drei Monaten nur 300 M., allerdings aber ehrlich, verdient. Muß es da nicht unzufrieden werden, wenn es sieht, wie die Wirtin sich noch auf feine Kosten bereichert? Wie man weiß, gehen die Mädchen nur zu gern in die Badeort« zur Bedienung, um„die Welt auf billige Weise kennenzulernen". O, sie lernen sie auf teure Weise kennen und werden nur aus- genutzt. Das Angebot ist so groß, daß sehr viele Mädchen— ein Tarif besteht nicht— froh sind, wenn sie nur ein paar Mark ver- dienen. Sic wollen ja billig die Fremde kennenlernen— auch wenn dieser Drang in die Fern« weidlich zu ihrem Nachteil ausgenutzt wird. Wer löst diese soziale Frage des Badelebens? begreiflicherweise die Verärgerung des Besitzers hervorgerufen. Er sendet ein vier Seiten langes Schreiben, in dem er versichert, daß die gerügten Mißstände— von denen sich übrigens unser Berichterstatter persönlich überzeugt«— keine politische Propaganda darstellen sollten. Der Inhaber bezeichnet sich selbst als Demokrat: um so weniger verstehen wir aber seine demokratische und auch geschäftliche Einst«llung, die ihn hätte veranlassen müssen, schon längst die Schilder zu entfernen, um den gerügten Anstoß bei den Passanten zu vermeiden. Weil Herr S. Wert auf diese Richtigstellung legt, daß es sich bei Fachingen um«in 25 Jahre altes Firmenschild handelt und sich die schwarzweißroten Fähnchen auf den Glas- schildern angeblich nicht entfernen ließen, wollen wir auch dies zur Kenntnis unserer Leser bringen. Die Schlacht im Zuchthaus. Nach der Meuterei der Strafgefangenen von Auborn. Rochester(New Jork). 2g. Zusi. Me jehk bekannt wird, haben sich 176KStrSflinge«m der Meuterei im Zuchthaus von Auburn beteiligt. Es sind über 30 Sträflinge verwundet worden. 40 mit lebenslänglichem Zuchthaus Bestrafte verteidigten mit drei Maschinengewehren die Werkstätten. Früh morgens wurde die Ordnung wiederhergestellt, doch waren die Maschinen- gewehre unauffindbar. Die Feuerwehr wurde bei ihrer Arbeit stark behindert, weil von mit den Sträflingen sympathiesierenden Elementen die Schläuche zerschnitten wurden. Mährend der ersten Stunden der Meuterei bemächtigte sich der Einwohner von Auburn eine Panik, viele Familien machten sich zur Flucht im Auto bereit. Der Staatskommissar für Gefängniswesen erklärt, er habe schon lange einen Auebruch befürchtet, da die Gefängnisse, in- folge der mit der Zunahme der Verbrechen verhängten höheren Gefängnisstrafen, die Sträflinge zur Verzweiflung treiben, zumal die Unterkünfte ungenügend feien. Hastbefehl gegen Tscherwonzenfälfcher. Wie erinnerlich, war durch Beschluß der Strafkammer des Land- gerichts I der Haftbefehl gegen den seit länger als einem Jahr« in der Affäre der Fälschung von Tscherwonzen(Sowjet- rubel) in Untersuchungshaft befindliche GeorgierSadathiera- schwill aufgehoben worden. Der Angeklagte, der sich als einziger von den in der Fälschung safsäre verwickelten Persönlichkeiten noch in Haft befunden hatte, war nach seiner Entlassung aus dem Unter- suchungsgefängnis mit Rücksicht auf das schwebende Ausliefcrungs- verfahren in Polizeigewahrsam genommen worden. Gegen den Beschluß der Strafkammer hatte die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt. Das Kammergericht hat nunmehr den Beschluß des Land- gerichts aufgehoben und den Haftbefehl, den das Amtsgericht Berlin-Mitte seiner Zell erlassen hatte, bestätigt, jedoch mit der Maßgabe, daß Sadathierafchwili von der ferneren Haft gegen Hinter- legung einer Kaution von 5000 Mk. oerschont bleiben fall. Fischfterben in der Berliner Spree. Passanten, die kürzlich di« Spree am Reichstagsufer passierten, sahen unzählige tote Fische aus der Oberfläche des Wassers schwimmen. Bei der großen Zahl industrieller Anlagen, die ihre Abwässer in die Spree leiten, ist es natürlich schwer festzustellen, worin die Ursach« des großen Fischsterbens zu suchen ist. Das Fischesterben ist eine Erscheinung, di« sich nach schweren Regenfällen zum öfteren wiederholt. Der Mangel an Sauer- st off treibt dann die Fische an die Oberfläche: auch das Auftreten großer Wassennassen aus den Notauslässen des Kanalnetzes nach Regenfällen bringt viel Unrat in das Wasser, der die Kiemen der Fische verletzt. Die Fische werden vom Wasserbauamt abgesammelt und vernichtet. Ein bestätigtes Todesurteil. Der Ferienstrafsenat des Reichsgerichts verwarf die Revision des polnischen Staatsangehörigen K l y m e k. der am 2. Mai 1929 vom Schwurgericht Landsberg(Warthe) wegen des im Juni 1922 begangenen Raubmordes an dem Bankboten Essig zum Tode ver- urteill worden war. An einer Begnadigung des Verurteilten durch die preußische Staatsregierung ist nicht zu zweifeln. „Die Tragödie einer Mutter". Am Sonntag berichteten wir über die Verzweiflungstat der 26jährigen Frau eines Postbeamten O. Sie betäubte ihr Töchterchen durch Gas und beging dann Selbstmord. Ein Verwandter bittet uns, mitzuteilen, daß nicht das zweijährig«, sondern das siebenjährige Töchterchen mit der Mutter in der Küche weilte, in der sich das traurige Ereignis abspielte. Auch trieben nicht Nohrungssorgen, sondern der Kummer über den Verlust einer geringen Geldsumme, durch den ihr Mann dienstliche Unannehmlichkeiten hätte haben können, di« Frau zu ihrer Ver- zweiflungstat. Flugzeugzusammenstoß in England. Alle drei Insassen tot. Loudo». 29. 3n(L 3n der Nähe vguSingsbury stießen Montaguachmittag zwei .klein. Math- Flugzeuge in der Lufl zusammeu uad stürzleu ab. Die drei Znsassen wurden gelötet. Eine der beiden Maschinen sing beim Absturz Feuer und kam als brenn ende Masse zur Erde._ Bei Battarat und Rommä. Die vergnügten Spielabende im Klub. Das Gr o ß« SchöffengerichtCharlottenburg unier Vorsitz von Landgerichtsdirektor Toelke beschäftigte sich am Montag mit den Bakkaratabend, di« im vorigen Jahre Km Klub „Bühne und Film" jede,: Donnerstag und Sonnabend ab- gehalten worden waren. Wegen gewohnheitsmäßiger Veranstaltung von Glücksspielen in einer geschlossenen Gesellschaft waren angeklagt: der ehemalige Klubletter Dr. H e: n z G o r d o n und di« Angestellten des Klubs Mölsheim als Spielleiter und Lief« gang als Croupier. Im Juni vorigen Jahres war Kriminalkommissar Greiner mit Beamten des Spieldezernats in die Klubräume eingedrungen und hatten eine zahlreiche Gesellschaft beimBattaratundRomms betroffen. Das Spielgerät in Gestalt des Bakkaratfchlittcns und Schalen für die Chips wurden beschlagnahmt und lagen jetzt auf dem Gerichtstisch. Der Angeklagte Dr. H«inz Gordon bestritt, sich der Veranstaltung gewohnheitsmäßiger Glücksspiele schuldig gemacht zu haben. Die Verantwortung trage der Vorstand. Dieser habe, nachdem die Polizeiaktton gegen das Ekarte-Soiree«ingesetzt hatte, grundsätzlich dieses Glücksspiel verboten gehabt. Als die Geschäfte des Klubs schlecht gingen, habe er dem Vorstand empfohlen, an zwei Tagen spielen zu lassen. Er habe vorher mtt Polizei- Vizepräsident Dr. Weiß gesprochen gehabt und dieser Hab« ihm mehrfach erklärt, daß ein gelegentliches Spiel im geschlossenen Kreise nicht zu beanstanden wäre. Er, der Au- geklagte, habe keine Dorteile von dem Spiel gehabt, denn er Hab« seine 1500 M. monatlich, die er schon vocher bezogen hatte, auch nach dem Aufhören des Spiels feit dem Eingreifen der Polizei weiterbezogen und fei erst am l. Januar d. I. freiwillig zurück- getreten. Als Zeugen waren verschiedene Mitglieder von„Bühne und Film", darunter der Schauspieler Paul Heidemann ge- laden. Auf ihre Vernehmung wurde aber verzichtet. Der Staats- anmalt beantragte gegen Dr. Gordon, den er als Manager be- zeichnete, 1000 M. Geldstrafe, gegen die beiden anderen Angeklagten 200 bzw. 50 M. Geldstrafe. Rechtsamvatt Dr. Sack führte aus, daß er«Ks jahrelanges Mit. glied von„Bühne und Film" nur bestätigen könne, daß Gordon immer streng besorgt war. die gesellschaftlichen Formen im Klub zu wahren. Verschiedentlich habe er. wie midere Mitglieder, ihm vorgehalten,„wir sind doch nicht in der Kirche!" Der Klub diene zur Erholung von Künstlern und sei kein Sammelpunkt für Spieler. Der zweite Verteidiger, Dr. Becker, betonte, daß es ein Spiel des Zufalles sei, daß die Polizei gegen„Bühne und Film" vorgegangen sei. während in gewissen anderen Klubs unter ihren Augen täglich mit sehr hohen Einsätzen weitergespielt werde. Nach längerer Beratung erklärte das Gericht den Angeklagten im Sinne der Anklage schuldig, gewohnheitsmäßig Glücksspiele veranstaltet zu haben. Es wurden verurteitt Dr. Gordon zu 500 M. Geldstraf«, Wolssheim zu 200 M. und Liesegang zu 50 M. Geldstrafe. Im Urteil erkannte das Gericht an. daß Gordon sich vorher bei der Polizei erkundigt hatte. Wenn die ihn: gewordene Auskunft auch rechllich nicht zu beanstanden fei, so hätte sie besser unterbleiben sollen. Es sei aber nicht nur gelegentlich gespielt worden, fondern regelmäßig. Wie wir hören, wird gegen das Urteil Berufung eingelegt werden. �aubüberfall auf ein Wettbureau. Zwei jung« Burschen, die vor einiger Zett mtt ausreichenden Geldmitteln nach Berlin gekommen waren, hatten ihren Besitz bei Rennwetten verloren und beschlossen nun, das Defizit durch einen Raubüberfall auf ein Wettbureau wieder auszu- gleichen. Sie hatten eine Gelegenheit in der Neanderstraße aus- gekundschaftet und wollten gestern abwarten, bis der Geschäftsmann seine Kunden abgefertigt habe und die Kassenabrechnung vornehm«. Von ihrem Plane hatten sie aber in einem Lokal erzählt, und so kam es auch der Kriminalpolizei zu Ohren. Beamte der Fahndungsstreife H beobachteten das Wettbursau. Zufällig war gestern dort aber ein schwaches Geschäft, so daß der Inhaber sich veranlaßt sah, seinen Laden nicht wie sonst bis 6 Uhr offen zu halten, sondern ihn schon eine halb« Stunde früher schloß. Trotzdem versuchten die Burschen, von der Hintertür aus einzudringen. Sie wurden festgenommen und wegen versuchten Raubes der Dienst- stelle A 5 des Polizeipräsidiums zugeführt. Es sind«in Joses N. und ein Karl St., beide aus der Provinz. Sie geben den geplanten Raub zu._ Todesopfer des Fußballsports. Wim. 29. Iutl. Der Fußballsport fordert« am Sonntag zweiTodesopfer. In Gänserndorf brach plötzlich der Flügelstürmer des Vereins Post- gewerkschaft-Wien ohne erkennbare Ursache zusammen. Er erholte sich anscheinend bald, siel aber bei Wiederbctreten des Sportplatzes erneut in Ohnmacht und starb auf dem Transport ms Krankenhaus.— Bei einem Wettspiel im Vorort Mödling zog sich ein Mitglied des Fußballklubs Sparta 18 bei einem Zusammen- stoß mit seinem Gegenspieler einen Nierenriß zu, an dessen Folgen er noch am selben Tage verschied. „Rund um die kühle Blonde." Ein Parteigenosse schreibt uns: Mit großem Interesse habe ich den Artikel unter dieser Spitzmarke in der Sonntagsausgabe gelesen. Hierzu mächte ich nur noch ein« kurze Mitteilung machen: In dein über 350 Jahre stehendet: Ge- bände des Grundstücks Alt-Stralau 22 befindet sich ebenfalls eine Weißbierstube, in der man unser alkoholarmes und erfrischendes Berliner Getränk genießen kann. Der Wirt ist Parteigenosse, uind das Lokal ist mit historischen Erinnerungszeichen geschmückt. welterbencht der«ffentllchea welterdlevstslete Zerfta und Ilwoeoend.- (Nachdruck verbeten.) AnjangS trübe mit Reqensällen. später vorwiegend wolkig, wenig Temperaturverändernng.— Für oeatschlaad: In Mittel». Süd- und Südostdcutichlaud viclsach regnetnsch. Im Rai do'ten ziemlich heiter und trocken. Im Westen wolkig bis heiter, vereinzelt Regenschauer. U:i£* bei Rheuma. im M« B& Ischias, yexen. M-lü SB IJ Sj schuß. Nerven- und Erkäl- tungsschmerzen. gn Avo» » ahnt- und moimarin-Ckl, 19,14„ JL, «ouhol. 600 etuxit, 400©0«. treten u. Drogerien echaltl. Wie China um Freiheit ringt. Die Ltmstetlung der itnpenlistifchen Großmächtepolitik. Der russtsch-chinesische Konflikt um die Ostchinobohn ist sicherlich ein Kapitel für sich. Er kann aber nicht aus dem Zusammenhang des großen Buches gerissen werden, dessen Titel lautet:„Chinas Erwachen und Emanzipation". Die Gesamtentwicklung in China steht heute im Zeiche» der Umstellung der imperialistischen Politik der Auslandsmächtc. Die alten primitiven militärpolitischen Methoden haben vollstondg versagt. Es geht einfach nicht weiter mit der Politik der einseitigen„Verträge", der Diktate und Kanonen. Auch das Spiel der Großmächte, den Bürgerkrieg in China zu vec- ewigen, ist fehlgeschlagen. Die Auslandsmächte stehen vor einem geeinigten China, das jeder Bevormundung müde ist und sich bemüht, mit ollen Kräften aus einem Objekt ein Subjekt der Weltpolitik zu werden. Kapitalismus schlägt den militärischen Imperialismus. Die gewaltige Wirtschastsrevolution, die durch das Eindringen des europäischen und amerikanischen Imperialismus in China veranlaßt wurde, hat die traditionell«„asiatische Produktions- weise" zersetzt und dadurch eine gewaltige soziale Umschich- t u n g hervorgerufen. Damit wurden auch die sozialökonomischen Poraussetzungen für den Emanzipationskamps des chinesischen Volkes gegen das imperialistische Joch geschaffen. Dieser Emanzi pations- kämpf zwang zu einer neuen Tagesordnung im Osten: zur Umstellung der imperialistischen Politik der Großmächte. England, das sich unter der konservativen Regierung den Haß des gesamten chinesischen Volkes zugezogen hatte, wußte in der allerletzten Zeit feine urimperialistische Gewaltpolitik aufzugeben und neue Wege der Verständigungspolitik einzuschlagen. Auch Japan, dos in den Wellkriegsfahren aus China einen Vasallenstaat zu machen suchte(21 Bedingungen!) und noch jetzt die stärksten Macht- Positionen auf dem chinesischen Festlande besitzt, wird Schritt für Schritt genötigt, seine Chinapolitik umzustellen. Der jüngste Rc- gierungswechsel in Japan steht gleichfalls zum gewissen Teil in direkter Verbindung mit dieser notwendig gewordenen Umstellung. Die Umstellung der Politik der Auslandsmächte in China ist in erster Linie aus die Kröfteverschiebungen infolge des Weltkrieges sowie auf den Aufschwung der nationalrevolutionären Bewegung m China zurückzuführen. Der Anfang nmrde auf der Washingtoner Konferenz 1321/22 gemacht. Durch den Neun-Mächtc-Vertrag verpflichteten sich die beteiligten Staaten„die Souveränität, die Unabhängigkeit sowie die territoriale und administrative Unversehrtheit Chinas zu respektieren". Uneinig- keit und Konkurrenz der Großmächte selbst, sowie die objektive UnHaltbarkeit ihrer bisherigen, geschichtlich überholten Ausbeutungz- Methoden waren die Ursache dieser Bindungen. Der Wettkampf zwischen den Bereinigten Staaten und Japan um die Hegemonie aus dem Pazifischen Ozean kam China besonders zugute. Aber die Washingtoner Versprechungen, die auch die akute Frage der Zoll- a u t o n o m i e umfaßten, blieben meistens auf dem Papier, denn hinter ihnen stand damals keine innerpolitische Kraft des chinesischen Volkes selbst. Erst der gewaltige Autschwung der nationalrevalu- tionärcn Bewegung nach den Maimetzeleien in Schanghai 1S2-Z, erst das Auftreten des chinesischen Proletariats und zum Teil der Bauern- jchaft auf der politischen Arena, haben die Gesamtsituation von Grund auf geändert. China heule noch zu Kompromissen gezwungen. Das Jahr 1928, als der Bürgerkrieg zu Ende gebracht wurde, bildete den Wendepunkt. Die durch die B o l s ch c w i st e n vorsätzlich beschleunigte und durch die chinesische Bourgeoisie geschickt aus- genutzte vorzeitige Spaltung der nationalrevolutionären Ein- heitsfront, mit der Ausschaltung der Arbeiterklasse verbunden, hat sicher die Stellung des neuen China auch nach außen beträchtlich geschwächt. Diesem Umstände ist zu einem gewissen Grade auch der Kompromißcharakter der außenpolitischen Errungenschaften der nationalreoolutionärcn Rumpfregierung zu- zuschreiben. Aber die Nachgiebigkeit der Nankingregierung den Auslands- mächten gegenüber ist in großem Maße auch dadurch erklärlich, daß gerade jetzt, nach der nationalen Konsolidierung Chinas, enorme Kapitalien für den wirtschaftlichen und kulturellen Ausbau not- wendig sind, die nur aus dem Ausland« und in erster Linie aus Amerika zuzuführen sind, da von Kapitalbildung in China selbst dank seiner ökonomischen Rückständigkeit und den verheerenden Folgen des Bürgerkrieges noch keine Red« fein kann. Daher über- wiegt der Kompromißcharakter der begonnenen Revision der„un- oleichen Verträge", des Zolltarifabkommens usw. Daher gleichfalls die Abkehr Chinas von Sowjetrußland und seine Neuorien- tierung nach den kapitalistischen Staaten. Die alten„u n g l e i ch e n V c r t r ä g e", die meistens aus den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammen, wurden in den letzten zwei bis drei Jahren einseitig von der Nankingregierung zum Teil vorzeitig gekündigt, zum Teil einfach für ungültig erklärt. Bekanntlich haben bereits Chile 1S15, Bolivien 1919, Persien 1920, Deutschland 1921 und Sowjetrußland 1924 auf die Konsulargerichtsbarkeit verzichtet. Um die nicht verzichtenden „Vertragsmöchtc" ebenfalls zu zwingen, hat der chinesische Außen- minister Dr. Woi»g überall da, wo die zehnjährige Revisionssrist der Verträge(mit Dänemark von 1863, mit Spanien von 1864, mit Belgien und Italien von 1861, mit Frankreich von 1886, 1887, 1896, mit Portugal von 1887, mit Japan von 1896 und 1903) abgelaufen war, die Verträge einfach für erloschen erklärt. Die Stellung der Nankingregierung bei dieser Revisionsofsensive war dadurch begünstigt, daß zwei Großmächte, nämlich Deutsch- land und die Vereinigten Staaten, neue Zollver- träge mit China(vom 26. Juli und vom 17. September 1928) abgeschlossen haften, durch welche die Zollautonomie Chinas grund- sätzlich anerkannt wurde. Diese beiden Verträge hatten«ine bahn- brechend« Wirkung. Am 12. November 1928 folgte der Ver» trag mit Norwegen, am 22. November mit Belgien, am 27. Novem- der mit Italien, am 19. Dezember mit Holland. Portugal und Eng- land, am 20. Dezember mit Frankreich und der Schweiz. Nur Japan zögerte, aber vergebens. �Dcr revidierte Zolltarif sieht Zölle von 7}4 bis 2754 Proz. in sieben Stufen vor und ist seit 1. Februar dieses Jahres in Kraft getreten. China ist sicherlich noch sehr weit von einer wirklichen Zollautonomie entfernt, aber dos heute Erreichte ist trotzdem ein großer Fortschritt und«ine finanzielle Erleichterung für China. Auch die heikle Frage der Konsulargerichtsbar- keit ist in den revidierten Verträgen nur kompromißweise gelöst und stark verklausuliert, d. h. von einer Reihe Vorbedingungen abhängig gemocht. Bon grundsätzlichem Charakter ist eine Bestim- mung in dem Annex 4 des belgischen Mustervertrags, wonach die Belgier das Recht erhielten, in allen Teilen Chinas„zu leben, Handel zu treiben und Grundeigentum zu erwerben". Der Vertrag mit England ist dagegen nur ein Zollvertrag. Von Bedeutung ist allerdings die Gleichstellung der britischen und der chinesischen Bürger in bezug aus die Höhe der Ein. und Ausfuhrzölle und die Einräumung des gegenseitigen Meist« begünstigungsrechts. Die Abschaffung der Konzessionen. Auch die akut« Frage der Wschaffung der am meisten ver» haßten Fremdenniederlassungen(Konzessionen) nähert sich allmählich ihrer Lösung. Nach etwa zweijährigen Verhandlun- gen ist in diesen Tagen eine Einigung über die Rückgabe der b e 1- g i s ch c n Konzession von Tientsin erzielt worden. Die Rückgabe dieser Konzession wurde den Chinesen seinerzeit von Vondervelde angeboten. Auch mit Frankreich sind Unter- redungen im Gange, wobei die Chinesen die Rückgab« der ton- zessioniertcn Jünan-Eisenbohn, die Rückziehung der Französischen Bank aus Jünan, die Rückgabe der Minenkonzession usw. fordert. Di« Räumung Schantungs durch Japan wurde im Abkommen vom 28. März dieses Jahres festgelegt. Auch die Unterhandlungen über die Revision des im Jahre 1927 gekündigten Handelsvertrages mit Japan werden fortgesetzt, obwohl Japan gegen die»insi�tige Kündigung des alten Vertrages durch China scharfen Protest er- hoben hat. Alles in ollem— eine allumsassende, wenn auch etappenweise Umstellung der Beziehungen zwischen den kapitalistischen Auslands- mächten und dem neuen China auf der Grundloge gegenfeiti- ger Kompromisse. Diese Umstellung bedeutet sicherlich kein Aufhören der imperialistischen Politik in China. Aber die letztere wird numnehr auf die sozusagen„normalen" Handels- politischen Gleise übergeführt und einen Verzicht auf die mili- tärisch-politischen Mittel und Eroberungspläne mit sich bringen. Die Kanonendiplomatie macht der Dollardiplomalie Platz. Der bewaffnete Wettbewerb der Auslandsmächte um dte„Ein- flußsphären" und Pachtgebiete wird durch den friedlichen Wettbewerb um die finanzielle„Befruchtung" Chinas und um den Anteil an seinem wirtschaftlichen Aufbau und Handel abgelöst. Auch dieser„ökonomische Imperialismus" birgt Konflikt- und Kriegs- gefahren in sich. Trotzdem bedeutet er im Vergleich zu dem Militär- politischen Jmperalismus einen Schritt vorwärts, der auch fried- lichere Perspektiven im fernen Osten eröffnet. Unter größeren Gesichtspunkten entscheidend ist, daß die nationale Konsolidierung Chinas unaufhaltsam marschiert. Das bür- gerlich konsolidierte China wird bald als gleichberechtigtes Glied in dos Gewebe der kapitalistischen Weltwirtschast verflochten werden. Damit werden dem Kapitalismus noch gewaltige Reserven zuge- führt. Aber auch dem Sozialismus werden damit neue gewaltig« Antriebskräfte erschlossen. P. G. Oer Texiilkampf in England. Generalangriff der Unternehmer auf den Lohnsiandard. Seit der Beendigung des großen Bergarbeiterstreiks Ende November 1926 ist England von größeren Arbeitskämpsen fast gänz- lich oerschont geblieben. Diese Tatsache, deren sich auch das ver- gangene Kabinett Baldwin rühmte, ist allerdings weniger auf günstige Lohn- und Arbeitszeitverhältnisse der britischen Arbeiter- schaft zurückzuführen, als vielmehr auf den Druck, der feit zehn Jahren auf den werktätigen Masten Englands schwer lastenden Arbeitslosigkeit. Trotz der äußerlichen Ruh« haben sich so in den letzten drei Jahren in verschiedenen großen Industrien Englands schwer« K o n f l i k t s st o f f e angehäuft. Am schärfsten hat sich die Lage in der englischen Daumwollindustrie zugespitzt, deren Unter- nchmer seit 1927 mit grüßler Aktivität Lohnherabsetzungen und Verlängerung der Arbeitszeit durchzudrülken versuchen, um auf dies« Art der Textilkrise in England beizukommen. Im Sommer 1928 scheiterte der Versuch einer allgemeinen Lohnkürzung für die Spinner und Weber daran, daß sich im Unternehmerlager selbst nicht die notwendige Mehrheit von 80 Prozent zusammenfand, da es im vorigen Jahre den Feinspinnereien, die ausschließlich ägyptisch« Baumwolle verarbeiten, noch verhältnismäßig gut ging. In ihrer letzten Sitzung haben aber die englischen Textiluntemehmer mit der überwältigenden Mehrheit von fast 95 Proz. aller abgegebenen Stimmen die Herabsetzung der zurzeit gellenden Löhne um 1254 Proz mi' Wirkung vom 3. August ab beschlossen. Da der gegenwärtige durchschnittliche Wochenlohn des männ- lichen Arbeiters 47 Schilling beträgt, so würde dies eine Kürzung um 6 Schilling in der Woche bedeuten. Bei den Arbeiterinnen würde die Kürzung fast vier Schilling in der Woche ausmachen. Da die Kaufkraft der englischen Textilarbeiter durch die jähre- lange Krise in der englischen Baumwollindustri« schon stark gelitten hat, so bedeutet dieses rigoros« Vorgehen der Fabrikanten trotz der großen Exportbedeutung der Textilindustrie eine weiter« schwere Schädigung der Massenkaufkraft, deren Wirkung für das gesamte englisch« Wirtschaftsleben fühlbar werden dürft«. Die Organisationen der englischen Spinnerei, und Webereiarbeiter haben die Forderung der Unternehmer abgelehnt, so daß sich seit Montag mehr als 500 000 Arbeiter und Arbeiterinnen in einem Kampf« befinden, dessen Folgen für das ganze britische Wirtschaftsleben noch nicht abzusehen sind. Die tieferen Gründe der langjährigen englischen Textilkrise und damit auch dieses Arbeits- kompfes gehen bis auf die großen Umwälzungen, die der Krieg und die Nachkriegsjohre in der Welt-Textilindustrie. hervorriefen. zurück. Die Industrialisierung überseeischer Länder, der Kaufkraft- ausfall großer Absatzmärkte hat in sämtlichen auf Export ang«- wiesenen Textilindustrien Europos und auch in der Vaumwoll- industrie der Dereinigten Staaten m«hr oder minder scharfe Ab- s a tz st ö r u n g e n hervorgerufen.- In England mutzten sich diese Verschiebungen um so schärfer auswirken, als die englische Baum- Wollindustrie in erster Linie die Absatzmärkte der asiatischen Länder Japan, China und Indien beherrschte, die heut« aus politischen und wirtschaftlichen Gründen als Käufer wellgehend ausfallen. Seit 1913 ist die Ausfuhr nach Britifch-Indien um rund 50 Proz, nach Niederländisch-Indien gleichfalls um fast 60 Proz zurückgegangen, während der Absatz nach Japan und China im letzten Jahr auf ein Sechstel des Vorkriegsstandes zu- sammengefchrumpft ist. Zu dieser zwangsläufigen Entwicklung in- folge der Kriegsereigniste kam als weiterer schwerwiegender Faktor hinzu, daß die britischen Baumwollunternehmer dem ständigen Niedergang ihrer Industrie seil 1922 kalenlos zugesehen habe«. Die«normen Kapitalien, die in der Scheinkonjunktur von 1920 in der Baumwollindustrie von Loncashire neu ausgenommen wurden, sind nicht zur Rationalisierung der Betriebe oerwendet worden, io daß die seit Jahren nur zu fünfzig bis sechzig Prozent ausgenutzten Betriebe bei allen Absatzschwierigkeiten noch mit schweren Zins- Zahlungen infolg« der Ileberkapitalisierung belastet waren. Erst seit«inem Jahre etwa ist eine Zusammenschlußbewegung im Gange, welche die fast chaotisch zu nennenden Zustände in der Produktion und im Verkauf der Baumwollbetrieb« von Lancashire beseitigen soll. Mit dem Zusammenschluß von etwa 150 Betrieben IfaMtoldJ' dddU In jahrelanger, zielbewußter Arbeit hat sieh die Caid-Zigarette zu einer Vollkommen» heit entwickelt, die in derFunf-Pfennig-Preis- läge beispiellos ist. Erstaunlich, was Ihnen für diese geringe Ausgabe geboten wird I 5 pf. 5 PF. liiaisani, cZiqcu*4tfeu. Je/sfaM&eg&cMtCii' u*ui n4dL mUdi*- da/$u vCrii£uwU in bfcr fogenannfen Laocashir« Torporatio« versuchen I)w Unternehmer, der Produktion und der Verschukdung beizukommen. Diese Riesenfusion wird zwangsläufig von einer sehr scharfen Zusammenlegung de» Kapitals begleitet sein, bei der die Gläubigerbanken um außerordentlich« Zugeständnisse an der Verluftbeteiligung nicht herumkommen werden. Mit dem jetzt her» ausbeschworenen Arbeitskampf versuchen die Unternehmer aber zunächst. Vr Arbeikerschast die Hauptlasten an dem«Sefundungs- prozch >> Gestalt einer 12�proz«ntigen Lohnkürzung aufzubürden. Di« Gewerkschaften haben die Forderungen der Fabritanten mit dem sehr stichhaltigen Hinweis beantwortet, daß die beabsichtigt« Lohnkürzung die Äesamtproduktionskosten nur um 2 bis S Proz. verbilligen, die Konkurrenzfähigkeit der britischen War« also nicht rat. scheidend beeinflussen könnte. Dielmehr weisen die Gewerkschaften darauf hin, daß die überhöhten Produktionskosten in der britischen Baumwollindustrie in erster Linie durch die Preis- diktatur der scharf kartellierten chemischen Industrie, der Bleichereien, Färbereien und Druckereien, verursacht seien. Di« Baumwollunter- nehmer sollten sich daher in erster Linie bemühen, die vom englischm Chemietrust diktierten Monopolpreise zu brechen. Ferner hätten die Unternehmer seit Jahren an ihrer rationalisterungsfeindkchen Ein- stelkung festgehalten und auch die allerdringlichsten Umstellungen in den Betrieben unterlassen, so daß unter derartigen Umständen der Arbeilerschaft das einseitige Opfer einer scharfen Lohnsenkung nn» möglich Augemutet werden könne. Der deutschen Arbeiterschaft zeigt der Mesenkamps in Eng- land ein bekanntes Bild. Auch die englischen Unternehmer versuchen. wie«» im August vorigen Jahres die westdeutschen Textilunter- nehmer taten, das Kostenproblem von der Lohnseite h e r zu lösen. Es liegt auf der Hand, daß mit derartigen brutale» und kurzsichtigen Mitteln die englische Textiltrise nicht be- I e i t i g t werden kann. Im Gegenteil würden sich die Absatz- schwierigteiten durch einen längeren Arbeitstampf und die damit verbundenen Kaufkraftoerluste, die sich auf wöchentlich mindestens 20 Millionen Mark belaufen würden, noch bedeutend steigern. Bei der schroffen Haltung der Unternehmer ist allerdings kaum zu er- warten, daß die von der Arbeiterregierung eingeleitete Vermittlung»- aktion noch Erfolg haben kann. So ist es möglich, daß dieser Arbeiiskampf der 500000 mit ollen seinen schweren Folgen bis zur endgültigen Entscheidung ausgefochten werden wird. Arbeitsmarkt wieder leichte Besserung. Die Arbeitslosigkeit bleibt aber relativ groß. Die Entwicklung der Arbeitsmarktlage im Bereiche des Laiches- mbeitsamtes Brandenburg war in der Woche zum 20. Juli wieder etwas g ü n ft! g e r. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger wies eine Abnahme von 3SS1 Personen auf, die Haupt- sächlich aus die saisonmäßige Belebung der Mäntel- und Kleider- tonfettion zurückzuführen ist. Uneinheitlich wie bisher war wieder die Arbeitsmarttlage im Spinnstoffgewerbe. Papier» und Leder- Industrie sowie das holz» und Schnitzstoffgewerbe waren durchweg ungünstig beschäftigt. Die Metallindustrie wies in den männ- lichen Berufen gleichfalls eine weitere Verschlechterung des De- fchöftigungsgrades auf, dagegen machte die Vermittlungstätigteit für die weiblichen Berufe Fortschritte. Befriedigend beschäftigt war die Industrie der Steine und Erden. Stärkeren Bedarf an Arbeits» kräften meldete die Landwirtschaft zur Einbringung der Doggen- ernte.an. Unverändert günstig blieb die Arbeitsmarktlage un Baugewerbe, verschlechterte sich dagegen im Derkehrsgewerb« und Dervielfältigüngsgewerbe. Die Arbeitsmarktlage für Angestellt« erfuhr in ihrer bisherigen ungünstigen Gestaltung keine Aenderung. In der Berichtswoche fiel die Zahl der Arbeitsuchen- den um 4010 auf 231642, d- h. um 1,71 Proz., gegenüber einer Abnahme von SIS gleich 5,39 Proz. in der Vorwoche. Dl« Zahl der hauptvnterstützungsempfänger in der Versicherung». mäßigen Arbeitslosenunterstützung betrug 120 958, in der Krisen- Unterstützung 24 170, zusammen 145 128 Personen. Bon den Haupt- Unterstützungsempfängern in der Arbeitslosenversicherung entfielen auf Berlin 1 00912, auf die Provinz Brandenburg 19 044, auf die Grenzmark Posen-Westpreuhen 1002. Im ganzen zeigten die vier Wochen vom 2& Juni bis zum 20. Juli beträchtlich« Schwankungen, aber keine Besserung, wie meist im Iuni-Iuli. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist in Brandenburg zwar von 233 733 auf 231 642 gefallen. Di« hauptunterskützungs- empfang« find ab« von 117 612 auf 120 958, zusammen mit den Krifimuntcrstiitzfen von 143 987 auf 145 128 gestiegen. Massenpleite von Getreidebanken. Jim geringe Beteiligung der Staatsbank. Zu unserem Artikel„Masseppleite von Getreidebanken" teilt uns die Preußisch« Staatsbank(Seehandlung) mit, daß sie nur in ge- ringem Umfange von eventuellen Derlusten betroffen werden wird. Frühere Verbindungen mit den Getreidekreditbanken in Stettin und Mainz seien voll abgewickelt. Nur aus dem Zusammenbruch der Magdeburger Getrcidekreditbank A.-G. seien gewisse Verluste zu erwarten. Da aber die früher gewährten Kredit« von Iii bis 2 M'll. Mark auf 200 000 M. abgebaut sind, feien nur aus diesem Betrog noch Verluste möglich. 1 Milliarde Leipziger Messeaufträge. Das Leipziger Messeamt legt eine Erhebung und Berechnung des Leipziger Messeoerkehrs und Umsatzes vor. Der Gesamt- wert d e r A u s t r ä g e, die den deutschen Ausstellern zur Leipziger Frühjahrsmesse(1928) ertGt wurden, liegt mit der unteren Grenz« bei 430 Mill. Mark. Nach sorgfältiger Abwägung aller Bedenken wird man die ungefähr« höh« der Gcsamtaufträge auf 4 70 bis 500 Will. Mark bemessen können. Wenn die aus der Messe her- zuleitenden Nachbestellungen berücksichtigt werden, ergibt sich, wenn man nur die gleiche Summe der direkt erteilten Aufträge an- nimmt, ein Gefointumfatz von 950 bisZOOO Mill Mirk. Auch in Oesterreich Eisenkonjuntiur. Die vom deutschen Stahl- Irust beherrschte österreichische Alpine Montangesellschast meldet ebenfalls Rekordziffern der Eisenproduttion. Di« Eifenerz- förderung ist im Juni gegen Mai von 167 500 auf 178 000 Tonnen gestiegen.'Die Erzeugung von Roheisen brachte 75 Proz., von Rech- stahl 90 Proz.. von Walzwaren 103 Proz. der Dollbeschäs- tigung. Eine europäisch« Sludienkommission für die Arbeilsmechoden in Warenhäusern. Der Rationalisierung des Einzelverkaufs in Waren- Häusern wird«ine europäische Studiengesellschast dienen, die von der Tietz-A.-G.- K ö l n, Harrods-London, Innovation-Brüssel, Magasins du Nord-Kopenhagen, A. B. Nordisk Company- Stockholm und den Printemps-Warenhäulern-Paris ge» gründet worden ist. Das Arbeitsprogramm soll den Austausch von Mitteilungen über die Arbeitsmethoden und wichtig« organisatorisch« Fragen in erster Linie umfassen. Verkäufe Linoleum. Ezillat. Roloniclttafte 9 Seblehlcr-TepPiche. 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Der moderne Zirkus ist in der großen Geschichte menschlicher Arbeit eine Gipfelleistung. Während schon in jenen allen Tagen alle Tricks an sich wunder- voll waren, übertreffen die, die man heute sieht, bei weitem alles. was damals überhaupt nur denkbar war. Der Charakter der Zirkusvorstellung hat sich in den letzten Jahr- zehnten wesentlich verändert, und damit auch die Bedingungen, unter denen die Artisten arbeiten. Zu meiner Zeit mußte jeder Artist sich für sich allein abmühen: aus ihm wurde herausgeholt, was überhaupt nur herauszuholen war, wobei der„Unterricht" oft über alle Maßen brutal war... Bon Hygiene, organisiertem körperlichen Training oder irgend einem Unterschied zwischen Mensch und Tier war damals keine Rede. Dies oder das muhte gemacht werden, und Mensch oder Tier wurden gewaltsam zu der Arbeit gezwungen. Den Zirkus von heute betrachte ich als ein modernes Organ!- fationswunder. Was der Magnat eines Stahllrustes in der Beherrschung des Rohstoffes und der Metallurgie zu leisten hat, das leistet der modern« Zirkusbesitzer in der Organisation körperlicher Befähigung und Begabung lebender Wesen. Zu meiner Zeit hatte der hoffnungsvolle„Risley Boy"— der kleine Bursche, der den Obermann einer Akrobatentruppe zu spielen hat— noch hundert und eine Arbeit zu tun. Es blieb ihm kaum eine Gelegenhell, sich auf sein« eigene Spezialllät zu konzentrieren. denn er mußt« beim Dressieren von Pferden, Hunden und sogar Schweinen helfen, beim Zellaufbau und ähnlichen Arbeiten mittun und in einem Dutzend Nummern mitwirken, als Risley Boy, Seil- tänzer, Reller, kurz in jeder Roll«, für die gerade jemand nötig war. Zehn Aufführungen an einem Tage, auf irgend einem öffent- lichem Marktplatz waren keine Sellenheit: außerdem mußte man noch zuweilen, auf den Straßen auftreten, um die Aufmerksamkell des Publikums auf die heiser« Stimme und die asthmatisch« Trompete des Ausrufer» zu lenken. Ich bin unerschütterlich davon überzeugt— und meine Erinnerung an mein Leben im Zirkus bestätigt dies« Ueberzeugung— daß die Leute vom Zirkus in ihrer Anhänglichkeit die selbstlosesten' Menschen unter allen Schauspielern sind, die ich kenn«. Männer und Frauen vom Zirkus haben außerordentlich hart zu arbeiten, aber ich glaube fest daran, daß es unter ihnen eine höhere Moral menschlichen Zusammenlebens und gegenseitiger Hilbfsbereitschafi gibt ol» in irgendeiner allderbn Klaste der menfchkichen Gesellschaft. � Sie haben alle ein feineres und freundlicheres Derantwortungs- bcwußtsein gegenüber Tieren als irgendein anderer Mensch, und selbst in den übelst berüchtigten Buden, die ich in meiner Jugend kennen gelernt habe, war, wenn nichts anderes, so doch mindestens das Tier sakrosankt. Es ist nicht zu leugnen, daß das akrobatische Training außer- ordentlich harte und grausam« Arbeit erfordert, und viele unserer besten Artisten können von zerbrochenen Rippen, verrenkten Gliedern und Ouetschungen. von mehr oder weniger ernsten Verletzungen erzählen. Aber obwohl diese kleine Gemeinschaft stets bereit ist, Sensationen zu bieten, sind ihre zuweilen nicht sehr geistreichen, dafür aber oft äußerst gefährlichen Nummern nichts als eine Kon- Zession an die Tyrannei des Publikums. Ich mißbillige aufs schärfst« den immer noch wachsenden Hunger des Publikums nach Sensation«», die mll Gefahren für Leib und Leben verbunden sind.---- Es war nicht nur ein Zufall, der mich vor nun bald sechzig Iahren zum Zirkusdarsteller macht«. Ich bin in dem nichts weniger als vornehmen Viertel von Bristol geboren und aufgezogen worden. Da die Docks und Wersten mein einziger Spielplatz waren, war die Lockung eines Zirkus, der dort fein Lager aufschlug, zu groß, als daß ich ihr widerstehen konnte. Mein Unglück war, niemals die Liebe einer Mutter kennen- gelernt zu haben. Schon im Alter von sieben Jahren hall« ich zwei Stiefmütter gehabt, was meinen Wunsch, meine Heimat zu verlassen, noch verstärkt hatte., Die(Erziehung, die ich genossen hall«, war sehr nachlässig ge- wesen— es gab damals noch keinen Schulzwang—. aber ich hatte in der harten Schul« des Lebens genug gelernt, um mich„auf eigen« Füße" zu stellen und mich mll dem Zirkus davon zu machen. Bald gewöhnte ich mich an mein« neue Umgebung, die zwar roh, aber kaum schlimmer als die war. die ich bis dahin kennen. gelernt hatte. Wenn ich das harte Los eines Kindes jener Tage mll der Jugendfürsorge der heutigen Zell vergleich«, kann ich mir nur schwer vorstellen, wie einige von uns es überhaupt überstehen konnten. Viel Fremdes lernte ich im Zirkus kennen. Ich habe Hunde dressieren helfen, ich habe den gutmütigsten Pony zum feurigen Broncho umdressiert und in vielen Manegestücken mitgespielt, wie in„Maria Marten".„Das brennend« Schiff",„Die Piraten" und anderen alten Sensationsstücken. Eine ganz« Reihe ausregender Zwischenfälle ist während meines Zirkuslebens passiert— von Prügeleien bis zum Mord, von Trunkenheit bis zur erhabensten Aufopferung. Jeder einzelne von meinen damaligen Freunden pflegte in irgendeinem schmutzigen. wenn nicht verdorbenen Kreise zu leben, aber wenn es um die Truppe ging, habe ich auch nicht ein einziges Mal den geringsten Verstoß gegen das hohe Gesetz deriKamevadschast*«md-Fresnkqchait kennengelernt. ,.,y Ludolf WeunsBig: /l Äl SttflUS Während der Brutparasitismus(Brutschmarotzer legen die Eier in fremde Nester und lassen sie darin erbrüten und die Jungen aus- ziehen) der Kuckucke und einiger Stärlinge seit langem bekannt ist. liegen die ersten Berichte über das Austreten dieser Erscheinung von Angehörigen der sinkenartigen Familie der Webervögel erst zwei Jahrzehnte zurück. In der Heimat dieser Vögel, in Afrika, wurde von einigen Forschern die brutparasitäre Lebensweise der Domim- kanerwitw« entdeckt. Dieser Vogel von der Körpergröße eines Zeisigs lebt in Vielweiberei. Zu einem Männchen gehören mehrere Weib- chen, deren Zahl sehr verschieden sein kann. Das Männchen ist zur Brutzeit durch ein ansprechendes, farbiges Kleid und durch vier lange Schwanzfedern ausgezeichnet. Einem südafrikanischen Forscher ge- lang es vor wenigen Jahren, das Benchmen dieser Vögel genau zu beobachten. Er berichtet hierüber:„Die Helenafasänchen(das sind kleine Weberfinken und Wirtsvögel für die Dominikanerwitwen) bauen ihre Nester in ein bis zwei Fuß hohe Dornenbüsche, die dicht mll Gras durchwachsen sind. Das Nest ist stets in der Mitte des Dornenbusches in dem Grase aus die Erde gebaut, und die natürlich vorhandenen Gräser werden benutzt zur Wölbung des Nestdaches und dann weiter mll trockenen Fasern, und Gräsern ausgepolstert. Zu diesem Bau führt eine Röhre vom Rande des Busches, etwa 12 bis 14 Zoll lang. Diese Röhre ist aus den auf dem Platze, wo die Röhre angelegt ist, vorhandenen Gräsern geflochten und mit hinzugeschleppten Gräsern dickst und dauerhast gemacht. Wenn solches Nest gefunden war. habe ich stundenlang auf der Lauen gelegen, um zu sehen, ob wohl eine Dominikanerwitwe solches Nest aufsucht. Nachdem ich etwa 2l1 bis 23 Nester so beobachtet hatte, ist es mir nur einmal geglückt, eine Dominikanerwitwe in solche Röhre verschwinden zu sehen, und nach einer halben Stunde kam sie wieder zum Vorschein und flog ab. Das Nest habe ich so- fort untersucht und fand sieben weiße Eier darin, süns waren läng- lich rund und zwei waren dickruird. Dieses Nest hat ein Hütejunge 14 Tage beobachten müssen, und in der dritten Woche habe ich dann selber das Nest geholt. Es waren acht beinahe flügge Junge darin. darunter zwei Dickköpfe. Michin mußte das Helenafasänchen noch ein Ei beigelegt haben." Es wurden dann noch ein« größere An- zahl von Nestern des Wirtsoogels untersucht, und es war selten der Fall, daß kein Ei oder kein Jungvogel des Schmarotzers sich im Nest befand. Demselben Forscher gelang es kurze Zoll darauf, den Brutparasitismus eines ähnlichen Vogels, der Königswitwe, nach- zuweisen. Sie schmarotzt ebenfalls bei einem kleinen Webelinken, dem Granataftrild Gestützt aus dies« Beobachtungen und die anderer Forscher. konnten an Hand von konserviertem Material eine Anzahl inter- essanter biologischer Tatsachen gefunden werden. Wir wissen vom Kuckuck, daß seine Eier denen der Wirtsvögel fn Farbe und Zeichnung angepaßt sind, um ein Erbrüten des Eies und damit die Auszucht des Jungvogels zu gewährleisten. Die Konkurrenz bei der Fütte- rung braucht der junge Kuckuck nicht zu fürchten, da er seine Nest- geschwister zum Nest hinausbefördert und diese elend zugrunde gehen. Andere fremdländische Kuckucke, die alz Wirtsoögel raben- artige Vögel benutzen, zeigen diese Unart nioht. Sie werden zustimmen mit den Nestgeschwistern ausgezogen.- Dafür zeigen sie in ihrem Nestkleid in der Färbung wesmttiche Anklänge an das ihrer Wirtsvögel. Wir sehen also zwei Anpasiungserfcheinungen, einmal der Eisarbe, dos andere Mal des NestNeides. Aehnliche, allerdings kompliziertere Erscheinungen tonnten für die brutfchmarotzenden Webervögel nachgewiesen werden. Hier werden die jungen Wirts- vögel zusammen mit den Schmarotzern ausgezogen. Die jungen Wirtsvögel sind durch das Austreten besonderer, Licht reflektierender Organe an den Mundwinkeln und durch ein« besondere Rachen- Zeichnung ausgezeichnet. Die' Rachenzeichnungen sind regelmäßig gebildete und angeordnete Strich« und Punkte von dunkler Fär- bung auf dem farbigen Gaumen und der Zunge dieser Vögel, die beim Aussperren des Rachens zu sehen sind. Den meisten Vogel- arten, z. B. unserem Sperllng, fehlen sie. Bei jeder Art der Webe- sinken sind diese eigentümlichen Gebilde von anderer Form, Gestalt und Farbe. Nun zeigen eigenartigerweise die jungen Schmarotzer genau dieselben Gebilde wie die jungen Wirtsvögel, während ihr« nächsten Verwandten keineswegs derartige Gebilde tragen, sondern «inen Rachen hoben, der dem unseres Sperlings ähnlich steht. Die Anpassung an die Wirtsoögel geht noch weiter. Auch die Jugend- tleider haben dieselbe Färbung. Wir haben somit«ine der inter- essantesten Anpassungserscheinungen vor uns. Di« Anpassung der jungen Schmarotzer an die jungen Wirtsvögel ist von Bedeutung für die ersteren. da dadurch ihre Auszucht und Erhaltung gewährleistet ist. An Hand dieser Untersuchungen konnte weitere Fälle von brut- parasitärer Lebensweise von den oben erwähnten Schmarotzern nahestehenden Arten wahrscheinlich gemacht werden, deren Bestäti. gung durch Beobachtung in der Frecheit noch aussteht. Die»er- meintlichen Schmarotzer führen ebenfalls«in« ähnliche Lebensweise. Sie leben in Vielweiberei. Auch ihr« Jungen zeigen Anpassungs- erscheinungen an andere Webefinken, die wahrscheinlich ihr« Wirts- vögel sind. Allerlei vom Tabak. Im Jahre 1338 wurde der Tabak zuerst nach Portnaal oebracht, und von dort schickte im Jahre 1560 der französische Gesandte Nicot, auf den der Name„klicotiana", wie der Tabak auf lateinisch heißt, und die Bezeichnung Nikotin für den ihn enthaltenen Giftstoff zurückgeführt wird, Samen der neuen Wunderpflanze an die Königin Katharina von Medicis. Nach Deutschland soll der Tabak um das Jahr 1570 durch spanische Trup- pen gekommen sein: zehn Jahre später bracht« ihn Sir Walter Ra- leigh direkt aus Dirgimen. Nun setzte überall der Kampf um das neue Kraut ein, das ebensoviel Liebhaber wie Gegner fand. König Jakob I. von England schrieb eigenhändig eine Schrift dagegen, legte 1604 eine stark« Abgabe darauf und ordnete an, daß kein Pflanzer in Virginia mehr als 100 Pfund davon anbaue. Der Sultan ließ 1610, um das Rauchen lächerlich zu machen,«inen Mann mll einer durch die Nase gestoßenen Pfeife durch»onstantinopel führen. In Rußland würbe 1634 das Nafeabschneiden als Strafe für Tabflkr-iiick'er festgesetzt. In der Schweiz wurden sie mit dem Pranger bestraft, und bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts bestand in Bern ein besonderes Gericht:„La charnbre du tabac", zur Aburteilung der Raucher. Zur Zell des Dreißigjährigen Krieges bür- gerte sich das Rauchen dann immer mehr ein, und unter dem Großen Kurfürsten begann der inländifch« Anbau des Tabaks. berliner 7rühbelrieb Um 3 Uhr nachts öffnet er feine Pforten. Zutritt für jedermann. vorausgefetzt, daß Herr Jedermann eine gefüllt« Brieftasche besitzt. Eine Suppe kostet 1 Mk. und ein Kaffee 1,20 Mk., Garderobe ist ab- zugeben, Zigaretten nur von 25 Stück ä 8 Pfennig abwärts: Musik bettelt mit einem Teller— mit einem Worte: Nepp! Zwölf Kellner sind beschäftigt: jeder hat drei kleine, dicht besetzte Tischchen unter sich. Kellner, die nie im Leben Kellner waren, ihre Physiognomien verraten ganz ander« Berufe: sie spielen nur von 3 Uhr nachts bis 8 Uhr morgens Serviermädchen. Sie stecken in weißen Arbeitskitteln und sehen aus wie Schlächtergesellen in Sonntagsschuhen. Seit Jahr und Tag hackt die Kapelle ihre Schlager herunter: ein Bandonium, Violine und zwei Gitarren. Ist ein frei- gebiger Betrunkener anwesend, spielt ihm der Geiger ins Ohr, jede Note zu Bargeld münzend. Die Frauen sind müde, wachen erst longsam auf. Seit Duntelwerden auf der Straße, brennen ihnen die geschwollenen Füße. Es ist so schwer Geld zu oerdienen, klagen sie. Herren, mit kühnen Schmissen im Gesicht, trinken Bier und rauchen dicke Zigarren. Ab und zu fUegen Studentenausdrllcke, rüde Scherze und Schimpfreden über den Tisch: Zuhältergesindel, das sich mittels Rasierklingen Studentenschmisse als empfehlende Leglli- matton beigebracht hat, und mit den Quarten und Terzen im Gesicht vom harmlosen Publikum als etwas über die Schnur hauende Akademiker eingeschätzt werden. Rauch und Schmutz erfüllt das Lokal. Man weiß nicht, weshalb man sich eigentlich ein« Nacht um die Ohren schlägt. Von der Straße dringt der Lärm des jungen Morgen durch die Vorhänge. Reingewaschene junge Mädchen laufen ihren Arbellsstellen zu, man hört ihr Getrippel auf dem Bürgersteig. Und im Frühbetrieb lümmeln auf Tischen und Stühlen Laster und Gemeinheit. Gläserne Augen glotzen, rotverfärbte Lippen suchen zu lächeln. Die Musik spiell auf allgemeinen Wunsch einen neuen Schlager:„Es gibt eine Frau, die dich niemals vergißt— Mutter--", und irgendwo an einem Tisch kriegt ein geputztes Mädel das heulende Elend... Max Bernard' 3)as Qeheimnis des Atomkernes Das größte Problem, das gegenwärtig die Physik beschäftigt und dessen Lösung«ine ungeheuere Umwälzung unseres Wirtfchafts- lebens mit sich bringen würde, ist die Zertrümmerung des Atomkernes. Der Atomkern ist bisher noch eine verschlossene Well. Nur die äußeren Gebiete des Atoms, die Bahnen, auf denen die negativen Teile der Elekttizität, die Elektronen, sich bewegen, sind uns zugänglich. Während die äußeren Sphären des Atoms schon durch schwache elektrische Felder gestört werden können, herrschen innerhalb des Atoms ungeheure elektrische Kräfte, deren Zertrümmerung nur durch entsprechende äußer« Einwirkungen möglich wäre. Gelänge aber diese Zertrümmerung, dann hätte man die Möglichkeit, nicht nur«in Clement in das andere zu verwandeln und den allen Alchimistentraum von der Uimvandlung ovn Essen in Gold zu oerwirklichen, sonder» ci nMMw* Mich riesige elektrische Kräfte dadurch nutzbar gemacht werden. Hat man doch die Vermutung aufgestellt, daß durch die Zertrümmerung z»>«i«r Zweipfennigstllcke eine Energie erhalten werden könnte, durch die sämtlich« Fabriken der Well während einer ganzen Woche in Bewegung gehalten würden. Wie in der Wochenschrift„Die Umschau" mitgeteilt wird, ist man durch die neuesten Arbeiten eines jungen russischen Forschers P. L. K a p i tz a auf dem Wege zur Erreichung dieses ungeheuren Ziele». Kapitza, der in dem Laboratorium des berühmten eng- tischen Physikers Rutherford arbeitet und kürzlich zum Mit- glied der Britischen Akademie der Wissenschaften ernannt wurde, hat einen Elektromagneten mll einem Magnetfeld von ungeheurer Spannung erbaut. Nach den theoretischen Berechnungen ist zur Zertrümmerung des Atomkernes die Einwirkung eines magnetischen Feldes notwendig, dessen Spannung auf 100 000 Gauß, wie die Einheit der magnetischen Spannung heißt, geschätzt wird. Die stärksten Elektromagneten, die bisher vorhanden sind, haben eine Spannung von 30 000 bis 30 000 Gauß. Die Aufgabe bestand darin, durch die Drahtwicklung des Elektromagneten einen elektrischen Strom von vielen taufenden Ampere zu leiten, ohne das ganze Gerät zu zerstören. Kapitza rechnete aus, daß die Wicklung unoer- fehrt bleibt, wenn man den stärksten Strom auf die Dauer von V loo Sekunde leitet. Er konstruierte einen selbständig arbeitenden „Unterbrecher", der eleNrische Sttomstöße von Vu», Sekunde erlaubt. Dieser Strom erzeugt zwischen den Polen des Elekttomagnets«in Magnetfeld von 300 000 Gauß Spannung. Auf diese Weise hosst man, das Problem der Atomzertrümmerung zu lösen. ä)er Stenntierreichtum Alaskas Wle der Einwohnerschaft eines ganze» Lande», da« nur kärglich« Naturverhältnisse aufweist, höchst rvertvoll« Existenzmöglichkeiten verschafft werden können, dafür bietet Alaska einen Beweis, nämlich durch die Einführung der Renntterzucht. Bor etwa 30 Jahren gab es in Alaska nicht ein einziges Renntier. Dann wies 18S1 der Generalinspekteur des Schulwesen» in Alaska, Sheldon Jackson, mit Einfuhr der ersten 171 Renntiere den zu beschreitenden Weg. Bis 1902 waren 1280 Renntiere eingeführt worden— aus dem norwegischen Lappland, von wo gleichzeittg etliche Lappländerfamilien mit- kamen, um die Eingeborenen in Alaska, die Eskimos, im Aufziehen von Renntieren zu unterweise». Jen« 1280 Reimtiere bildeten den Stamm der kolossalen Tiermenge, die e» heutigen Tag«» in Alaska gibt und die am L Juli d. I. gerade eine Million Renn- t i e r« erreicht«. Mit der Renntterzucht erhielten besonders die Eskimos, die früher in mühevoller Jagd und von einer Gegend zur anderen wandernden Robben und sonstigen Tieren nachstellten, einen lohnenden Erwerb. Nächst Fischerei sst jetzt Renntterzucht der wichtigste Erwerbszweig in Alaska, indem beständig zunehmende Mengen Renntierflcssch nach den Bereinigten Staaten abgesetzt werden. Im vorigen Jahr betrug die Ausfuhr dorthin nicht weniger als 2 Millionen Psund von solchem Fleisch. Li« größten Renntier- züchter sind zwei Norwegischamerikaner, die Brüder Lomen, die 1914 mit 1000 Tieren begannen und jetzt 160 000 besitzen, aber die Herden wachsen schnell, indem man rechnet, daß sie sich in drei Jahren immer verdoppeln. Deren Züchterei bildet Großbetrieb, mit Kühlräumen und Derschisfung-stellen, von»w in jeder Saison zwei Dampfer mit Fleisch zur amerikanischen Westküste gehen. In Alaska gibt es mindestens 200000 Ouadratmeilen Land, die mit Renntiermoos be> deckt sind und wo Renntierherden von 10 Millionen Tieren oder dem Zehnfachen des jetzigen Bestandes Nahrung finden. S. Siafenbnaaea für blefe SubtU fi»b Sellin TW C8, Linbrnstraß« 3, parieinachrichten für Groß-Berlin stet» m> da» Be�rkesekretsrlal 2. Hof, 2 lreppe» recht», zn richten. z. strei, riersarten. Achtung,»reismitglieber! Di« Sennfflnnen und De» Nossen werben gebeten, sich zur Antitriegsbemonstration pünktlich 18i4 Udr ont ltöllnischen Park mit ihren Abteilunastahnen einzufinden. ...... Treffpunkt zur Antikricgsbemonstration am Donner»- ». strei» Wilmerrborf. �____________ tag, 1. August, 19 Uhr, am Ronigsfoc Ecke ssriebrichshain. pünktlich IS'4 Uhr. Banner und lsahne» sind mitzubringen. Abmarsch Heule. Dienstag. 30. Juli. S. Abt. Di« Genoffen, die noch«inen Reichsbannermann am Sonnabend, 19. August, in Quartier nehmen wollen, werden gebeten,{ich sofort m melden. (5. Abt. 19% Ubr ffunttionüroers-mmlung bei Schmidt. Wielefstr. 17. 91. Abt.«enkölln. 19% Uhr Funktionärstgung bei ktoster, starlogartenstr. I. Morgen. Mittwoch. 31. 3uIL 59. Abt. ffdarlottenburg. 21) Uhr ssunkiionSrnersanrmlung bei Liersch, 5tant- strast« 92. Die ssunktionZre werden dringend ersucht, zu erscheinen. Antikriegskundgebung am Dounerskag, 1. August. 3». Abt. Treffpunkt 19% Ubr«lstriner XMl. M. Abt. Treffpunkt 1S% Uhr tUtstriner PK«. 101. Abt. Baumschulenweg. Die Organisation i punkt am Schlestschen� Bahnhof um 9% Uhr. Die Bezirksführer laden ___________ Jeder muS Di« Organisation beteiligt sta erscheinen. geschlossen. Treff. dazu«in. ssur Verfassungsfeicr wollen die Genossinnen und Genossen die BezirksfUbier bei der Werbung der Quartiere besten, unterstüsten. IM. Abt. Adler»baf. Treffpunkt und Abfahrt pünktlich 17.54 Uhr Bahnhof Adlershof. II«. Abt. Lichtenberg. Treffpunkt am Wagnerplatz. Abmarsch 17% Uhr zur «rcissammelftell». IM. Abt. Ariedrichsseld«. Die Parteimitali eher unserer Abteilung sammeln sich 18% Uhr an der Iugendbühne Kolleistrasie. Rühe Bahnhof Stralau- Rummelsburg.— Quartier« für das Reichsbanner»um 11. August sind beim Genossen Schwarz. Gapriviallee 105, zu melden. 121.«W.«arlshorst. Treffpunkt pünktlich 18 Uhr Bahnhof starlshorst. Seite nach dem Deutschen Laus, ssahnen sind mitzubrincn. Nachzügler fahren direkt zum Trcffplatz de, 17. Kreises. Platz an der Iugendbühne, in Lichtenberg. 134. Abt. Buch. Abfahrt mit Banner um 17.37 Uhr ab Buch, kkrfcheinen aller Genossinnen und Genossen ist Pflicht. Frauenveranstalkungen. 34. Abt. Alle Genossinnen beteiligen sich am Donnersing, 1. August, an der Anticriegskundgebung im ssriedrichsh<»in. Treffpunkt 1S� Ubr am KUstriner Platz. 47. Aw. Der Frauenabend fällt in diesem Monat aus. Alle Genossinnen de. teiligen sich an der Antikriegskundgebung am 1. August. Jungsozialistische Vereinigung Groh-Verlin. Die Gruppenleiter weiden ersucht, die Genossen, die sich zur Teilnahm« an der Landagitationsfahrt.~-........_ Adresse an Genossen genommen werden. strasie 3. Arbeit«, nsschutzfitzung am Mittwoch, 19 Uhr, Marheinekeplatz 3—4. Lokal des Arbeiter-Abstinentenhundes. Gruppe Lichtenberg! Dienstag. 30. Juli. 20 Uhr, Jugendheim Gunter- strafte 44. Vortrag:.Perfassuiigsfragen". Referent Genosse ff ranz Lipinssi. Gruppe Bohnsdorf! Dienstag. 30. Juli, 19% Uhr, Jugendheim Wachtel- straft« 1. Antimilitaristischer Abend. Gäste willkommen. Donnerstag, 1. August, beteiligen sich die Iungsozialiftcn geschlossen an der Antikriegskundgebung. Sonntag, 4. August, Trcffahrt mit den Kinderkreunden. Dienstag, 9. August. 19% Uhr, Jugendheim Wachtelftr. 1. Fortsetzung des Referats des Genossen Waldmann:„Von Versailles bis Paris". Gäste willkommen. Dienstag. 13. August. 19% Uhr, Jugendheim Wachtelstr. 1. Organisatorisches: anschlieftcnd rjuuiKT IJjiM-'Mt-. R chksie 'en am Ausslug der Freien «onu-hend. tl«nauft, i«t»Maen wir ns» ichulgemeind« nach Lanff» Sind. Treffpunkt Wachtelstr. 1. Der später Arbeitsschluft Hot, .._jr not dem Iugendhei..---->.,. kommt direkt nach. Dienstag, 20. August, 19% Uhr, Jugendheim Wachtelstr. 1, Referat des Genossen G. Horlemann:»Di« Kritik des historischen Materialismus dlürch Hendrik de Mau". Gäste willkommen. Dienstag, 27. August, 19% Uhr, Jugendheim Wachtelstr. 1, Politischer Abend. Sonnabend, 31. August, und Sonntag, 1. September, Iungsozialistelltressen in ssürstenwalde. Au, d«r Musittlut. dl« den Höver umspielt, ragt das Abend- konzert, das den Titel„Populär« Orchestermusik" trägt, hervor. An Stelle des beurlaubten Seidler-Winkler dirigiert Alexander Michael Szenkar das Orchester. An erster Stelle steht Dwovaks symphanische Dichtung aus der neuen Welt. Man be- dauert, daß Szenkar nur als Gastdirigent im Berliner Rundfunk eine Rolle spielt. Szenkar betont ebenso das weich« Melos der Melodie wie den gestrafften tänzerischen Rhythmus. Das Orchester blicht in seltsamen Akmgmrben. Alles ist abgetönt und miteinander in Harmonie gebracht. Troßdem verfällt Szenkar nicht in ein süß- iiches Auskosten einer lieblichen Melodie. Er bewahrt sich immer ein« gewisse herbe Männlichkeit. Sonst ist vor allem das Schall- plottcnkonzert zu erwähnen, dos diesmal berühmte Geiger und Cellisten bringt. Immer mehr wachsen sich die S ch a l l p l a t t e n- k o n z e r t« zu einer durchaus ernst zu nehmenden künst- lerischen Angelegenheit aus, die fast die anderen Dar- bietungen in den Schatten stellt. Eingeschaltet wird ein Einakter „Das Streichquartet" von Szöke Szakall, der mehr Behagen als Witz zeigt. Ein« einzige Situation wird hier ins Unendlich« ausgesponnen, und der geistreiche Conferencier und Kabarettist Szakall bedient den Hörer mit dagewesenen Situationen und Bonmots. Immerhin ge- lingen ihm einige humoristische Situationen. Anzuerkennen bleibt, daß die Funkstunde den Sonntag völlig aus Musik stellt. Bon den Landsknechtsliedern ist noch zu berichten, daß Carl de Bogt besser am Platze gewesen wäre als Hermann Münk. F. S. * „Neue Rundf'untmusit'— Was heißt das? Gibt es ein« Notwendgikett, besonder« Musik für die Rundfunkveranftal- tungen zu schaffen? Awar: die Stärke des Orchesters wird noch immer durch die Ucbertragung verwischt. Di« Stellung der Mikro- phone kann uns ein großes oder kl«in«s Orchester vortäuschen. Aber im übrigen ist jede Musik Angelegenheit des Ohrs, Angelegenheit auch des Mittlers.Mikrophon"'. Und. um das Ergebnis vorweg- zunehmen, eine Beethoveusinsonie ist mehr, viel mehr für die Hörer, als diese verkrampft«„R u n d s u n k m u s i k", deren gewollte Modernität so gequält, so unecht war. Wer glaubt, mii diesem Bluss die Hörer ködern zu können, beweist nur die eigene Unterlegenheit, beweist nur, daß er selber unfähig ist, Musik zu erleben und über diese Unzulänglichkeit hinwegtäuschen möchte. Schlagworte von vor- gestern sind noch kein« Kunst.— Ein Bortrag von Amts- und Land- gerichtsrat James Bäsch.Klage wegen Beleidigung" behandelte die Frage, wann der Anlaß zu einer Beleidigungsklage gegeben ist. Wer die Fwt der Beleidigungsklagen kennt, mußt« wünschen, daß der Vortragende viel stärker, als er es leider tat. vor den überflüssigen, um einer belanglosen Aeußemng willen angebahnten Beleidigungsklagen warnte.'Tos. M SoztaliMeArbeiterjugendGr.-Verlin Sinfendungeri für diese Avbrfk mir an das Zvgendsekretarsat Serlin GD68. ttndensiraße 9 Treffpunkt der Gesamlorganisation am Donnerstag, dem 1. August, zur Nie-wicdcr-Kricg-Kundgebunig auf dem Sportplatz im Zriedrichshain. 18% Uhr. Danziger Straße an der Schönhauser Allee, Mittelpromenade.(Hochbahn Danziger Straße.) Abmarsch pünktlich IS Uhr. Heule. Diensiag. 19% Uhr: Kölnischer Pari: Heim Waisenstr. 18. Mittzliederversammlung.— Roie»- thalee BarfinM: Schule Elisabeihlirchstr. 19..Deutschland und ftolonialpoltlil. — Hanta: Heim Vochumer Str. 8b. gunktwnärsitzung.— Westen II: Heim Bülawstr. 88. Mitglicdcrversammluutz.— Sesnndbrunne» I:_ Schule Goter. biitflct Str. 2.»liniere internationale Arbeit."— Schillerpart: Schule Schänina- sirafte.»Rcparatianssragcn."— Weddina SR. F.: Heim Liltticher Sir. J. »Unsere Stellung zur Religion und Kirche."— Weddiug.R-rd: Heim«ee- Eü- Turiner Strafte.«Jugend und Politik."—«rb-itagemeiaschast der Raten Falten: Schule Sonnenburger Str. 20.„Der Rote Falke in der SAI.-SruppeN Arnswaldcr Platz: Heim Rastendurger Ecke Weblauer Strafte.»Sozialistisch« Finanzwirtschaft."- F-llplatz 1: Funktionärsttzung beim Genassen Schellenoerg. Gleimstr 59.— Hohenschänh-nsen: Seim Dingclstädter Straxe.»Wie brach der Krieg aus?"— R-edaft: Heim Danziger Str. 92.»Bürgerliche Webrnerböndc/ — Wärtber Platz: Schule«astanienallee 82.„Kameradschafts.'be."— Sllde»: Heim Borckstr. 11.»Innen, und Auftenpolitik."— Gchäueberg I: t?e>m Haupt- strafte 15.»Die auftenpolitische Lage."— Schöneberg lV R. F.:„Unsere Be- teiligunq an der«erfassungafeier."- Fedlendors: Spiel und Sport auf d-r Wiese. Alle müssen erscheinen.— SR-nkälln I: Heim Flugbarenstr. 68.»Taoe«. Politik."— Rcukölln V: Heim Böhmische Str. 1— i. Antikriegsabend.— Reu- löfln VI: Heim Trepiower Strafte. Mitgtieberpersammlung.— Reukölln VN: Heim Treptower Strafte. Gegnerabend.— Reukölln VNI: Heim Bergstr. 29, ?. 1.»Dewerkschaftsfragen."— Lichtenbeeg-Mitte: Heim Scharnweberstr. 29. »Der Lehrling und seine Rechte."— Reu-Licht-nbeeg: Heim Saultstruge. Sich- bilder:»Rügen, Ostseeküste".— S«rmed-rs: Heim Roonstrafte.„Wien— Reinickendors-Ost: Seim Lindauer Strafte.»Reichsbanner und SAI.— Rleder. schöneweib«: Schul« Berliner Str. 31. SSaden im Freibad Oberschäncw-ide. Treffpunkt 18 Uhr Lausener Strafte.............„ Werbe bezirk Ziergarten: Die W.-B.-Sttzung findet heut« nicht statt.. Reue Einladung folgt._ Voriräge, Vereine undVersammlungen. G Reichsbanner..Schwarz-Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Sebastianstr. S7t38. Ho' 2 Tr. Gouaorftanb. Mittwoch, 31. Juli, 20 Uhr, Antreten der Ehren. kameradschatt in Bundeskleidung Schulhos Kopenicker Str. 125.— Dienstag, 30. Juli. Prenzlauer Berg: 20 Uhr Sitzung aller Sanitäter bei Burg, Prenzlauer Allee. Mitte, 5. Kameradschaft: 20 Uhr Veriammlung Rose». thaler Has. Referat Kam. Stadtrat Hetzschold:„Fehn Jahre Weimar". Ein- geführte Gäste willkommen. K-meeadschaft Tegel: Mitgliederversammlung im „Alten Krug". Hauptslr. 14.— Donner-t-g, 1. August, treten die Ortsvereine zur Teilnahme an der Antikriegskundgebung der SPD. wie folgt an: Peeuz. laue« Beeg: 19 Uhr Sportplatz„Einsame Pappel",«reuzberg: 18 Uhr in Bundeskleidung mit Tamdourkorps ohne Fahnen Rummelsburger Platz, an der Brommnbrücke. Erscheinen Pflicht. Schöneberg-Feieben-n: 18.15 Uhr mit Musik Bahnhof Ebersstrafte. Nachzügler bis 19.15 Uhr Bahnhof Landsberger Allee. Nenkölln-Beitz mit Tambour, und Musikkorps. Zeit und Ort wo die SPD. des Ii. Kreises antritt.(Siehe Sonntags-Zeitungsnotiz.l Tempelhos: Abfahrt pünktlich 18 Uhr Bahnhos Tempelhof mit Spielmannszug. Nachzüaler 18% Uhr am Rummelshurger Platz. Pankow(Ortsverein): 18 Uhr in Bundeskleidung Sportplatz„Einsame Pappel", Schönhauser Allee. Pftichtveranstoliung. Wittenau(Kameradschaft): 18 Uhr Brunnenplatz in Bundeskleidung. Pfllch!- vcranstalwng._ Die Ehaelottenbveger Liedertafel, Mitgl. d. DASB.(Männer-, Frauen- und Gemischter Ehor), veranstaltet am Donnerstag, 1. August, 19% Uhr,«in Platz- konzert in Ehorlvttenburg, Am Lützow(Feuerwache). Germaln-Enelisti-brcleiy. Caf« Jagenburg. Berlin W-, BüIoAstr. 1, 9 p m. Midsummer Festivity; Social Evening. TOD UND TEUFEL + w > allen Wanzen Wanzenfluld„Martlal" lötet Jede Warne auf der Stelle und«erstört die Brufnesfer rektlos. Mich) fledeend, überall anwendbar. Rasche M. 0.83, 1.50, 2.40, 3-50, #/4 Literflasche M. 6.-, Zerstäuber M.-JO. In Drogerien erhlllflich. sonst durch Otto Reichel, Berlin SO. 49 Clsenbahnstr. 4. IBerrah Minavilsch's Eli amjrikünische Vagsbundan usw. | Tlgl. B u.«15 Sonnt. 2. So 8" _ Alex. 8066 1 INTERNAT. VARIETfe Sommer-Garten-Theater Berliner Prater S SS. Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 224« fiattsaie) eositi Beer. Greiti Hillen Heueae■'rennnlaeirae nie luetlge Witwe Operette von Franz Lchär O&cn der grofe Vaiiet«tell. Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Variet« 8 Ulli. Operolt« 8.30. [«8*0 Oonnentag oroDer Volllsiau. leck. Minw RiBdtrtRil n. Verlnsong Rose- Theater, Grote Fr anktnrier Str. IS2. Aal der Gartenbohne Täglich 5J0 Uhr OgroßeVarietänummern und Gräfin Mariza. in innemueaier ragllcfa 8.15 Uhn ..oEAr" Tragödie eine* Snorllers VAU&y Gesundheit-spfeife S«�onl Herz und Lunge tlnbedenklRouchen'.Kiztlichetnpfbhlan} Deotidies meatsr D.I. Norden 12310 8U> Ende gegen 11 Die FledennaGS Musik v.Joh. Strauß Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. h. Kainer Die Komödie J1 Bismck.2414/7316 8'/», Endege&10%U Laute i tllNOllwlliull Reporter 3 Akte v. Ben Hecht und Mac Arthur Regie; Eelni Hilpert Donnerstag. 1. Aug. Zum 1. Male: Freudiges Ereignis Lustspiel von Floyd Dell u. Th. Mitchel I Lustsplelhtus Täglich 8-5 Uhr Du wirst mich heiraten I Rundfunkhörer halbe Preise. TOeii.ainKaiu.rar Kottb. Str. 6 Bis 31. Juli Tägl.OUhr Gastspiel f der 9 Drlglml lelpxloar Frier» Woher• Söngar »II tkna 1r Serlli dllli neuen Programm Pianeuurimn m am Zoe—■ (irlin:..'udiiastkalu StraCi B. 5 Barbarossa 5578. 16'< Uhr Stsrnoild«: