BERLIN Slenstag 30. 3nlt 1929 10 Pf. Xr. 352 B175 4S. Jahrgang. erscheint tißlich- vlerGeanteg«. Augleich Abendausgabe de«.vorwirt«'. Bezugspreis beide Susgabm SS Pf. pro Woche,»,eoM. pro Monat. «edaktioa und Expedition; Berlin SW 68, Liodenstr.» nlbwarfa* »»»«lgenpreitt Die einspaltige Nonpareille, eile «0 Pf.. KeNamejeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postschecktont»! Vorwärts-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr.»7SSS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Schlagwetterkatastrophe. 24 Todesopfer, 11 Verletzte in Waldenburg. Am Montag abenS gegen 19 Uhr ereignete sich auf der Friedenshoffnungsgrube in Niederhermsdorf eine schwere Schlagwetter- cxplofion, von der 3S Bergleute betroffen wurden. 23 Mann konnten nur als Leichen ge- borgen werden, während 12 Mann lebend zutage gebracht und sofort ins Knappschafts. lazarett überführt wurden. Einer davon ist seinen Verletzungen erlegen, sechs sind schwer und fünf leicht verletzt. Die Ursache der Explosion sieht noch nicht fest. Waldenburg, 30. Juli.(Eigenbericht.) Ganz Waldenburg steht unter dem Eindruck der furchtbaarcn Katastrophe, die die Friedenshoffnungshütte heimgesucht hat. Die Dergnngsarbeiten wurden sofort nach Bekanntwerden des Unglücks durch Grubenrettungsleute aufgenommen: sie waren gegen 3 Uhr morgen» beendet. Vald nach dem Bekanntwerden des Unglücks trafen der Bergrevierbeamte Erster Bergrat Berger und Bergrot Rudolf und während der Nacht Berghauptmann Fischer und Ober- bergrat Weber aus der Grube ein. um die Unglücksstelle zu befahren. Die betroffenen Betriebspunkte find befahrbar, doch ist der Betrieb dort vorläufig eingestellt. Lieber die Ltrfache lassen sich zunächst nur Vermutungen aussprechen. Früher wurde die Kohle durch Schießen gewonnen. Dies wurde jedoch vor einiger Zeit verboten, da beim Schießen besonders leicht Schlag- wetterexplofionen vorkommen. Es ist also nur möglich, daß durch das hauen des Gesteins ein Funken abgesprungen ist oder daß aus einer schadhosten Grubenlampe eine Flamme herausgeschlagen ist. Don den 23 Toten sind 14 verheiratet und 9 ledig. Bei den Verheirateten handelt es sich meist um solche mit ein oder zwei Kindern. Nur einer ist dar- unter mit drei Kindern. Die Toten sind aus verschiedenen Alters- klassen: von 18 bis in die vierziger Jahre. Auf dem Llnglücksfchacht. Waldenburg, 30. Iuli.(Eigenbericht.) vom Förderturm weht im Morgenwind die schwarze Fahne der Trauer. Die knappen starben, und die Räder rollen nicht mehr. Lähmende Stille liegt über dem Ort. Rur hler und da stehen kleineGrnppen ausder Straße, und wenn man an ihnen vorbeigeht, fleht man in übernächligte Gesichter, sieht man in angst- erfüllte Augen. Ost gellt ein Weinen aus. kurz noch lg Ahr durch- eilte die Kunde von dem furchtbaren Unglück den Ort. Bald rasten SanitSlsauto» heran. Feuerwehren rasselten, die Grubenrettungswehr erschien. Am 20.30 Ahr wurde der erste tote knappe geborgen, und dann bewegte sich ein unaufhörlich langer Zug vom Werk zu den Rettungswagen. Gegen 4 Uhr morgens wurde der letzte Tote in» Saappschaftslazarett gebracht, vor dem Schacht aber sammelte sich alle», was in Herzensnot um Vater und Bruder, um Sohn und Männer bangte. Kinderweincn und Stöhnen gequälter Frauen ward zur grausen Rachtsinfonie. Zm Raum des Pförtners spielen sich noch immer bittere Tragödien ab. Da fragen Vater und Mutter nach dem Sohn, und der sisörlaer muß sie nach dem knappschastslazarelt verweisen, derweil in seinen Listen der Rame längst mit dem schwarzen kreuz gezeichnet ist. Das Telephon gellt, weinen zittert im Raum, und der Beamte gibt unermüdlich Auskunft. Grauen und Oual liegt über dem Knappenort. Es ist. als hielte das arme gequälte Leben für Trauerstunden den Atem an. Soviel Rot hat das leidgewohnte waldenburger vergland lange nicht gesehen. Das Schlagwetterunglück ereignete sich auf den Schwestern- schächleu im Bereich der achten Sohle. Die 12 Mann, die lebend zutage gebracht und in da» Snappschostslazarett befördert wurden, sind mit einer einzigen Ausnahme sämtlich schwer verlebt. Die Bergungsarbeiten waren um 3 Uhr nachts beendet. Die Schwesteruschächle gehören zum Betriebe derRiedcrschlesi- schen Bergbau- Aktleugesellschast. Do»„Reue Tage- blatt" in Waldenburg erinnert aus Anlaß des schweren Unglücks au frühere Katastrophen, von denen die Schweslcrschächte früher heim- gesucht worden sind. AmZl. Dezemberl8gS kamen durch eine Schlagwetterexplosion in diesen Schächten 31 Bergleute zu Tode, am 10. Dezember ISSl. ebenfalls durch eine Schlag. wetterexplosion, 14 Bergleute. Das letzte größere Unglück er- eignete sich in der Grube am 2 S. M a i 1 S 2 0. wo infolge Brand- gasverMuuz füaf Lerglevt« de» Tod fanden. Faschistengruß der Kommunisten. Wie Mussolini von russischen Fliegern begrüßi wurde.— Oer„große Mann." wir haben kürzlich festgestelll, wie die faschistischen Flieger in Odessa von den kommunistischen Behörden brüderlich auf- genommen wurden: aus dem Boulevard Feldmann, einst dem Schonplatz der Riedermehelung von streikenden Massen durch die Kosaken des Zaren, waren die»zärtlichen Erfolge" der Faschistenofsiziere bei den Kommunisten zu sehen. Jehl komm» der amtlich« Bericht davon, wie die Besatzung de»„Sowjet- slügels", eines sowzetrussischen Flugzeuge», in Rom ausge- nommen wurde: der italienische Staatssekretär für da» Lust- fahrwesen Balbo berichtet im„Eorriere della Sera" vom 27. Juli: Die Piloten und Posiagiere des russischen Flugzeuges sind von den italienischen Fliegerkreisen mit großer Sympathie aus- genommen worden. Vor allem können die italienischen Flieger nicht den Empfang vergessen, der dem italienischen, Fluggeschwader auf seinem Rundflug im östlichen Mittelmeer und Schwarzen Meer in Odesia bereitet wurde. Die russischen Flieger haben sich über ihren Aufenthalt in unserem Lande befriedigt gezeigt. Die russische Flieger- Mission war so höflich, dem Duce ein Danktelegramm zu senden, und hat daraus darum gebeten, vom Regierungschef emp- fangen zu werden, der diesem Wunsch entgegenkam und die russischen Flieger gestern abend nach der Rückkehr von ihrem Ausflug in Neapel in der Villa Torlonia empfing. Der Besuch beim Duce hat den Charakter herzlicher Vertraulichkeit gehabt. Der Duce hat sich für die Phasen des Moskau-Rom-Fluges interessiert, für den Apparat, für die Motoren und für die Organisation der Sowjetaoiatik und verabschiedete sich dann mit dem römischen Gruß, den nicht nur ich, Oberst PellegrinI, Hauptmann wameli und Leutnant Di Robilant, die wir die russischen Gäste begleiteten, sondern auch ein Teil der Russen selbst in gleicher weise beantworteten. Gestern abend, während des Banketts beim Sowjetbotschafter Kurski, haben mir die Mitglieder der Besatzung des„Sowjetflügel" den außerordentlichen Eindruck geäußert, den der Besuch beim Duce auf sie gemacht hat. Unter anderem erklärte mir einer der Russen, daß er Gelegenheit gehabt habe, Lenin, Kemal. P i l s u d s k i und viele andere Staatsmänner des letzten Jahrzehnts kennenzulernen, aber noch nie einen solchen Eindruck von Kraft und Sympathie empfunden habe, wie sie von der Persönlichkeit de» Duce aus- strömen. Derselbe erklärte mir auch, er begreife jetzt sehr gut. wie man für poincarss Rücktritt. »Und mir sollte es nicht vergönnt sein, die Versöhnung mit Oeutschland zu Ende zu führend einen solchen Mann in den Tod gehen kann. Selbstverständlich— so schloß Abg. Balbo— haben solche Erklärungen neue herzliche Gefühle geweckt, die nicht so leicht erlöschen werden. Während in den italienischen Kerkern sozialdemokratische und kommunistische Opfer der Faschistenjustiz verkommen, tauschen die Machthaber des kommunistischen und des faschisti- schen Staates Freundschaftsgrüße miteinander aus.„Herz- liche Vertraulichkeit",„Mussolini so groß oder größer als Lenin", das sind die Ausdrücke, in denen die Seelenver- wandtschaftderDiktaturensich manifestiert. Kom- munisten, die wie Faschisten grüßen: ein Symbol für die politische Verlumpung Moskaus und seiner Anhänger. Freitod Max Kaltenselds. Oer bekannte sozialdemokratische Anwalt in Frankfurt a. O. F r a n k f u r t a. d. O.» 30. Juli.(Eigenbericht.) Heute früh wurden der auch weitereu Kreisen be» kannte sozialdemokratisch« Rechtsanwalt Max Falkeufeld und seine G a t t i« iu der Küche ihrer Wohnung leblos aufgefunde». Sie hatten gemeinsam den Freitod durch Leuchtgas gesucht« Der Feuer- wehr gelang es, mittels Sauerstoffapparaten Fra« Falkeufeld vorläufig wieder zum Leben zurückzurufen, bei de« Manne aber waren die Versuche erfolglos. Auch Frau Falkeufeld liegt schwer vergiftet im Kraukeuhause und die Aerzte habe« keine Hoffnung, ihr Leben zu er- halten. Genoffe Falkeaseld, der im SS. Lebensjahre stand, ist schon seit langer Zeit aa Arteriosklerose schwer leidend gewesen. Zn dieser Krankheit, die ihn schließlich vollkommen arbeitsunfähig machte, ist da» Motiv zu dem verhängnisvollen Schritt zu suchen. Genosse Falkenfeld war bereits feit 1913 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und stand im Kampfe für die Sache der Arbeiterbewegung stets in vorderster Front. Die Schikanen, mit denen ihn dos alte System verfolgte, haben ihn»icht davon abhatten können, auf seinem Platz zu bleibenund unermüdlich für das wohl der notleidenden Massen zu arbeiten. Falkeufeld war. ebenso wie seine Gatttn. von 1919 bis 1924 sozialdemokratischer Stadtverordneter in Frankfurt a. d.- Oder. Sein Rame als Verteidiger ist well bekannt aus dem Ahrensdorser Reichsbaonerprozeß und aus vielen anderen politischen Prozessen. Besonder» verdient gemach« ha« er sich um die Ausklärung der Vorgänge beim Sapp-Pulsch und beim Küstriner Putsch, über die er auch im„vorwärts" wiederholt Aufsähe verössentlbhte. Schon vor wenigen Zahren verlor er einen Sohn, der ebenfalls durch Freitod au» dem Leben schied. Besonders Me Frankfurter Parteibewegung hat durch den Tod ihres verdienten Genosien einen unersetzlichen Verlust erlitten. Die Leiche wird morgen noch Berlin übergeführt und dort ein- geäschert werden. Aller Voraussicht nach wird die Asche auch in Verlln beigesetzt.__ 35 Millionen hungern. Menschenfresserei ans Rot in China. London, 30. Zuli. Die Leiter der chinesischen internationalen Hungersnothiljs- kommisfion berichten nach Pekinger Meldungen, daß durch die gc- lrossenen Mahnahmen seit dem Frühjahr das hungcrsnol- geblet beträchtlich verringert werden konnte, daß ober noch immer ZS Millionen Menschen unter der Hungersnot leiden. Zn Zentralkansu im nordwestlichen China hat es feit vier Zahren nicht geregnet. Das weizenanbaugebiet gleicht einer wüste. Zn einer Stadl ist die Bevölkerungszahl von bO 000 Köpfen aus 3000 herabgesunken. Räch Mitteilung der Kommission hat in diesem Gebiet der Kannibalismus sehr erhebliches Ausmaß erreicht. Ein Friedensrichter sucht« diejenigen zu bestrafen, die sich in dieser Hinsicht vergangen hatten, aber ohne Erfolg. Der Typhus hat unter den Mitgliedern der hilfskvmmission zahlreiche Opfer gefordert, von zwanzig infizierten Personen sind nur est mit dem Leben davon- gekommen, Das unterirdische Gaslager. Heute nachmittag amtliche Llntersuchung. Die Gasampullenfunde auf dem Gelände zwischen der a r- und Berliner Slrahe in Wilmersdorf, in der iahe des Krematoriums, über die wir Im Morgenblall aus- fuhrlich berichteten, find zurzeit Gegenstand eingehender poli- zeillcher Ermittlungen. Es tonnte bisher einwandfrei festgestellt werden, daß es sich um Rückstände aus der Kriegsgasindustrie handelt. Etwa von 1916 bis kurz vor Ende des Krieges wurden hier von einer chemischen Privatfirma im Auftrage der Heeresver- waltung Tränengafe erzeugt und auf Ampullen— etwa zehn Zentimeter lange Fläfchchen— abgefüllt. Nach Einstellung der Fabrikation bei Schluß des Krieges wurde der größte Teil der Tränengasvorräte abtransportiert und wahrscheinlich unschädlich gemacht. Einige Rückstände, die aus noch unbekannten Gründen in den Fabrikanlagen zurückgeblieben sind, wurden dann kurzerhand eingegraben. Wie wir schon mitteilten, ist das ausströmende Gas für die Augen gefährlich' es ruft starken Tränenreiz und Seh- ftörungen hervor, gehört aber keineswegs zu der Gattung jener Giftgase, die einen qualvollen Erstickungstod herbeiführen. Im Laufe des heutigen Nachmittags wird eine Unterfuchuiigz- kommifsion, die sich aus Vertretern des Gewerbcauffichts- amtes, der politischen Polizei und der Feuerwehr zuisammcnfetzt, auf dem Gelände, das zum größten Teil mit Lauben bebaut ist, Nachgrabungen vornehmen. Da man das ganze Grund- stück, das einen Umfang von öl) X 299 Metern hat, unmöglich bis zu einer Tiefe von zwei Metern ganz umgraben kann, wenden an verschiedenen Stellen Stichproben vorgenommen, um einwandfrei festzustellen, ob tatsächlich die Vermutung zutrifft, daß sich Im Erd- reich noch ein großes Lager von vielen tausend Gasampullen befindet. Von Beamten des zuständigen Reviers ist die Fundstelle nach wie vor in weitem Umkreise abgesperrt worden. Die zustündigen Stellen erklären erneut, daß die gefundenen Tränengasampullen keinerlei Gefahr für die Bevölkerung darstellen und daß keine Gesundheitsschädigungen zu befürchten sind, da es sich keineswegs um gefährliche Gift-, sondern nur um sogenannte Reizgase handelt, die, wie schon gestern be- tont, hinter der Front während des Krieges zur Prüfung der Gas- mosten Verwendung fanden. London— Moskau im Gespräch. Henderson empfängt den pariser Sowjetbotfchaster. London, 30. Juli. Die erste Unterredung zwischen dem Außenmimstcr .y e n d e r s o n und dem russischen Vertreter D o w g a l e w s k i über die Wiederaufnahme der normalen diplomatischen Be- Ziehungen zwischen den beiden Ländern hat gestern nachmittag im englischen Außenministerium stattgefunden. Die Besprechung, die in freundschaftlichen Formen verlief, dauerte etwa IM Stunden. Den Gegenstand der gestrigen Unterredung bildete die gegenwärtige Lage der Beziehungen der beiden Länder zuein- ander und das Verfahren, das bei den Verhandlungen zur Wieder- ausnahm« der Beziehungen eingeschlagen werden soll. Wie es heißt, soll durch die vorbereitenden Besprechungen zwischen Henderson und Dowgalewskr die Frage der russischen Propaganda in England endgültig geregelt werden und man glaubt, daß die Sowjetregierung Entgegenkommen an den Tag legen wird. Das Problem der russi- schen Schulden an England soll aber späteren Verhandlungen wegen seiner großen Bedeutung vorbehalten bleiben. Diese letzteren Verhandlungen werden voraussichtlich erst nach Beendigung der Septembertagung des Völkerbundes, also im Oktober, statt- finden und wahrscheinlich von eigens zu diesem Zweck von den beiden Regierungen ernannten Sonderdelegationen geführt werden. China versucht Verhandlungen. Immer neue Fühler ausgestreckt. London, 30. Juli. „Daily Telegraph" berichtet aus Peking: Der chinesisch« Ge- sandte in Finnland ist beauftragt worden,«ine Methode zu finden, um eine Vereinbarung mit Rußland über die Ostchinestsche Bahn zu erzielen. Er ist mit einem Stab von Sachverständigen in Peking eingetrosfen, wo er mit dem Verkehrsmin.ster beriet und endgültige Anweisungen bezüglich der Politik Nankings erhielt. Der Gesandte sährt sofort nach Mulden ab, wo er eine Zusammen- kunst mit General Tschang Hsiau Liang haben wird. Man erwartet, daß erfolgreiche Bemühungen unternommen werden, um«ine Kon- feren,; zwischen dem Gesandten und einem russischen Delegierten in Eharbin oder Moskau zuwege zu bringen. Die Suche nach Vombe. Llnterstühung durch Reichswehr-Radfahrerpatrouille.n. Heute früh um 7 Uhr hat Kriminalkommissar Büsdorf in Gemeins chast mit den Landjägern aus der Umgegend die Suche nach dem vermißten Landgerichtsdirektor Dr. Bomb« erneut auf- genommen. Das Suchkommando hat eine wesentliche Verstärkung dadurch erfahren, daß heute etwa bO Reichswehrsoldaten zur Der- fügung gestellt worden sind, die unter Fuhrung eines Oberleutnants auf Rädern sich an den Sucharbeiten beteiligt haben. Auch die Landjäger und Forstbeamten aus der nahen und weiteren Umgebung sind in erhöhtem Maße mit herangezogen worden, so daß heute etwa über hundert Kräfte zur Verfügung stehen, die in einer ge- schlossenen Kette nochmals planmäßig das umfangreiche Waldrevier zwischen Zechliner Hütte und Kolonie Adamswalde, die sogenannte»Flache Heide", durchstreifen. Bis zur Mittagsstunde lagen allerdings wiederum noch keinerlei positive Mel- düngen vor, dqß die Sucharbeit irgendwie von Erfolg gekrönt gewesen wäre. Auch aus den Reihen der Bevölkerung sind bisher keine neuen Mitteilungen eingegangen, die etwa neu« Spuren gewiesen hätten. Die heutige Suchaktion dürfte bis zum Nachmittag andauern. 400 Stunden in der Lust. Die Dauerslieger von St. Louis, Dale Z a ck s o u und Forest Abrine, sind heute bereits 400 Stunden in der Lust. Es bandelt sich um den 17. Tag. Verurteilung zweier Deutscher in Straßburg. Das Strasqericht hat wegen Spionage zwei Deutsche, die oersucht haben sollen, sich da« Modell einer neuen Schnellfeuerwasje zu beschajsen, zu je zwei Jahren Gefängnis, S00 Franken Geldstrafe und fünf Jahren Aufenthaltsverbot verurteilt. Im Bunde mit seinen Gegnern. Vn'ands Ferien- und Verhandlungskabineti. Paris, 30. Juli.(Eigenbericht.) Mittwoch nachmittag wird sich Briand mit seinem Kabinett dem Parlament vorstellen. Sein« Regierungserklärung wird nur sehr kurz sein. Sie wird unter Erwähnung des A n t i- tommunisten-Feldzuges des Jnneuministers Tardieu und der Derstcherung, daß die Regierung di« öffentlich« Ordnung unter allen Umständen schützen wolle, keine weiteren innenpolitischen Probleme anschneiden. Briand wird gleichzeitig«inen Waffen- stillstand der parlamentarischen Parteien für die Innenpolitik vorschlagen. Er soll sogar bereit sein zu der Versicherung, daß er im Herbst sein Kabinett aus eigener Initiative umändern wolle, sobald die Innenpolitik wieder in ihre Rechte trete. Das Schwer- gewicht der Regierungserklärung wird also auf außenpolitischem Gebiet liegen, zumal Briand am Montag abend schon in einer Presseerklärung sein Kabinett selbst als ein Ferien- und VerHand- lungstabinett bezeichnet hat. Obwohl sich alle parlamentarischen Kritiker über den Charakter des neuen Kabinetts einig sind, gibt es keinen einzigen, der der von Briand vorgenommenen bequemen Lösung der Krise vorbehaltlos zustimmte. Für die Rechtsparteien bedeutet es eine schwere Ein- büß« an Kredit und Vertrauen, daß di« neu« Mannschaft nicht mehr von der Person des..großen Patrioten" geführt wird. Für die Link« ist es nicht minder ein Grund der Zurückhaltung, daß Briand feine Außenpolitik mit einer seinem Kabinett im Grunde genommenen feindseligen Mehrheil durchführen will. So erklärt heute Leon Blum im„Popuiaire". daß di« Sozialistische Partei da» innenpolitische Moratioriumsangebot nicht annehmen könne, sondern gegenüber seiner reaktionären Ministermonnschaft in der Opposition bleiben müsse. Die Radikalen scheinen, wie Daladier in der„Republique" erklärt, dem Kabinett als höchstes Zugestand- nis eine wohlwollende Neutralität entgegenbringen zu wollen, allerdings ist es fraglich, ob die Radital« Partei ihre Abstimmungs- difziplin halten wird. Briand fährt am Montag Die französische Delegation für die Haager Konferenz wird nach den vorläufigen Dispositionen Paris am Montag, dem 5. August, verlassen und am S. August im Haag eintvessen. poincare wird operiert. Di« genau« ärztliche Untersuchung Poincares wird h:ute vorgenommen. Angesichts der robusten Konstitution des Kranken glaubt man, schon am nächsten Donnerstag zu dem ersten chirurgi- schen Eingriff schreiten zu können. Die Entfernung der erkrankten Vorsteherdrüse wird erst drei Monate später erfolgen. Klottenkonferenz in London. Im Herbst gepiant.- Macdonald im Oktober in USA. Washington, 30. 3uli. Nach Mitteilungen von Persönlichkeiten, die in engster Fühlung mit dem Präsidenten f)oover stehen, ist jetzt das Ziel des Präsidenten eine Floltenabrüstungskonserenz in London vor Ende des Zahres. hoover hofft zuversichtlich, daß die fehl im Gange befindlichen Verhandlungen zu einer erfolgreichen Floltenabrüstungskonserenz v o r der im Washingtoner Vertrag vorgesehenen Konferenz im Jahre 1SZ1 führen werden. Es wird angenommen, daß Präsident Hoover dem englischen Premierminister Mocdonald, wenn dieser im Oktober nach Amerika kommt, mitteilen wird, daß nach seiner Ansicht eine Flottcnkonfereuz größere Aussichten auf Erfolg habe, wenn sie in London abge- halten werde. Die amerikanische Regierung sei jedoch nicht gegen den Gedanken, selbst Gastgeberin der Konferenz zu fein, und würde gern diese Aufgabe übernehmen, wenn die anderen Regierungen der Anficht feien, daß eine Konferenz in den Vereinigten Staaten zu besseren Ergebnissen führen würde. Der Kriegsfekretär Good, der das Wochenende zusammen mit Präsident Hoover verbracht hotte, teitte bei seiner Rückkehr mit, daß der gesamte Generalstob des Heeres sich der Prüfung der militärischen Ausgaben im Hinblick ailf ihre Einschränkung eifrig widme., werde. London, 30. Juli. Der Delegierte der vereinigten Siaaten bei den Genfer Verhandlungen Gibeon und der Botschasler Reo es konferierlen gestern mit Macdonald und dem Marineminister, dem Genossen- schafter Alexander, und stellten einen vertragseniwurs für die Abrüstung aller Arien von Kriegsschissen aus. Es wird angenommen. daß die Einschränkung für Schlachlschisfe, Zerstörer und Unlerfeeboole weit stärker ins Gewicht fallen wird als für Kreuzer. Die drei ersten Arten würden als zerstörende Einheilen angesehen. während die Kreuzer In erster Linie al» Miltel der Seepolizei angesehen würden. Bülows Kniefall vor Wilhelm. Die Versöhnungsszene allen Bundessürsten mitgeteilt. I eigentlich handele und daher durch Rückfragen und den Wunsch nach genaueren Erklärungen dem Ansehen des Fürsten Bülow noch weiteren Abbruch tun. Um dieses zu vermeiden, müsse man einen anderen Wortlaut wählen, als er in dem an die Fürsten und Prinzen gerichteten Rundschreiben gewählt worden sei. Mit Rücksicht auf die Stellung und das Ansehen de� Kaisers dürsten dann aber die politischen Verwicklungen nicht erwähnt werden, in die der Träger der Krone durch den Rücktritt des Kanzlers gelangen könne. Am besten sei es übrigens, wenn der Kaiser auf der Mitteilung an die Oberpräsidenten b e st e h e n sollte, das Schreiben von Bülow s e l b st versenden zu lassen, da der Vorwurf eines persönlichen Her- vortretens des Kaisers, das den Anstoß zu dem Rooembersturm ge- geben habe, sonst zweifellos erneut erhoben werde. Es wurde dann noch tagelang hin- und herdebatticrt, um eine Form für einen Brief an die Oberpräsidenten zu finden, der den Wünschen Wilhelms II, genügen könne, ohne den sofortigen Rücktritt des Kanzlers nach sich zu ziehen. Immer neue Entwürfe wurden gemacht und wieder ver- nichtet und nur darin war man sich einijj, daß eine Mitteilung an die Presse unterbleiben müsse, Uns wird geschrieben: Unter dem Titel:„Kaiser und Kanzler im Sturmjahr 1908" ist vor einigen Tagen ein Buch erschienen, welches sich mit dem Daily- Telegraph-Jnterview beschäftigt, das im November 1998 zu den h«f- tigsten innerpvlitifchen Auseinandersetzungen führte, die Wilhelm II. bis gegen Kriegsende erlebt hat und den Sturz des Reichskanzlers Bülow vor nunmehr rund zwanzig Jahren, im Juli 1999 nach sich zog. An der Hand bisher unbekannter Schriftstücke aus der Reichskanzlei kann ein« Episode aus den letzten Monaten der amt- lichen Tätigkeit Bülows mitgeteilt werden, die sich im März 1999 zwischen Kaiser und Kanzler abspielte und als Ergänzung zu oben genantem Buche dienen kann. Seit jenen Novembertagen fühlte Bülow den Boden unter feinen Füßen wanken und diefe Unsicher- hell wurde im Lauf« des Winters fo stark, daß er im März 1999 nach einer Aussprach« mit Wilhelm II. verlangte, um entweder das frühere oertraut« Verhältnis zwischen ihnen wiederherzu- stellen oder«in« Lösung der unhaltbar gewordenen Beziehungen durch seinen Rücktritt vom Amte herbeizuführen. Aus den Schriftstücken, die im Anschluß an dies« Aussprache zwischen Kaiser und Kanzler gewechselt wurden, geht hervor, daß Wilhelm II. von den Erklärungen, die ihm Bülow gab, so außer- ordentlich befriedigt war, daß er ihren Inhalt den Prinzen des königlichen Haufes und den Bundesfürsten mitzuteilen befahl, was denn auch in einem Rundschreiben vom 12. März 1909 geschah. Nach einer kurzen Mitteilung, daß am Tage zuvor auf Wunsch Bülows«ine Unterredung zwischen Kaiser und Kanzler stattgefunden habe, heißt e« wörtlich:„Im Verlauf des Gesprächs bat Fürst Bülow um fein« Entlassung, da er sich des Allerhöchsten Vertrauens nicht mehr erfreue. Zugleich aber gab er feine von dem Gefühl reinfter Liebe und Treue zu S. M. diktierten Stellungnahme in der Jnterview-Angelegenheit vor dem Reichstage der Kritik preis und bal S. M. für alles, wodurch er ihn bei diesem Anlaß persönlich gekränkk ober was dieser als preisgab« der Interessen der Krone empfunden habe, um Verzeihung. S. M., fährt der Brief dann fort, Hab« dies« Erklärung unter An- «rkennung der Loyalität des Fürsten in seinem ganzen Vorgehen gnädigst angenommen, und das Entlassungsgefuch mit der Begründung abgelehnt, daß der Konzler ihn durch den Rücktritt von seinem Amte vor die schwersten politischen Verwicklungen stellen werde. Der Fürst müsse daher die von ihm eingeleitete und ver- treten« Reichsfinanzreform durchführen, was der Kanzler auch zusagte." Mit diesem Rundschreiben an di« Prinzen und Fürsten allein war aber Wilhelm II. nicht zufrieden. Nackchem Bülow sich durch sein« Bitte um Vergebung laudabiliter unterworfen hatte, sollte dies« Unterwerfung auch möglichst verbreitet werden. Darum sollt« ein weiteres Rundschreiben an die Oberpräfi- denten ergehen, um auch diese von der Unterredung zwischen Kaiser und Kanzler in Kenntnis zu fetzen: auch eine offiziell« Mit- teilung an die Presse wurde erwogen. Gegen»in solches Vorgehen mochten sich ober schließlich bei den Regierungsstellen, die bei dieser heiklen Frage ins Vertrauen gezogen worden waren, ernste Bedenken geltend, die sich im wesentlichen in vier Punkt« zusammenfassen lassen. Zunächst wurde darauf hingewiesen, daß ein solches Rund- schreiben nur dazu dienen werde, die Diszipliu, die unter den Folgen der Rovembervorgäng« ohne- hin schon gelikk« habe, noch weiter zu lockern. Da es bekannt sei, daß die Beziehungen zwischen Kaiser und Kanzler nicht wehr die früheren guten seien, so müsse es jetzt vor allem darauf ankommen, die Autorität des Kanzlers zu stärken und wiederherzu- stellen. Weiterhin würden die Oberpräsidenten, die den genaueren Zusammenhang zwischen diesem Rundschreiben und den tatsächlichen Verhältnissen nicht kannten, gar nicht recht wissen, um was es sich da Bülow sonst keinen Tag mehr in seinem Amt« geblieben wäre. Schließlich kam man zu dem Ergebnis, dem Kaiser vorzustellen, sich mit dem C a n o s s a g a ng des Kanzlers begnügen und von einer Mitteilung an die dem Kanzler nachgeordneten Stellen absehen zu wollen, wie es denn auch geschah. „Jörgiebel ausgeschloffen." Groß ausgemacht veröffentlicht die„Rote Fahne" di« Meldung, daß der Polizeipräsident Genosse Z ö r g i e b e l von der Sektion der Böttcher des Verbandes der Lebensmittel- und Getränkearbeiter mit Zweidrittelmehrheit ausgeschlossen worden sei. Dazu ist zu bemerken, daß in einer Versammlung von mehr ai, 790 Mitgliedern der Sektion insgesamt 73 anwesend waren. Für den Antrag stimmten 45, dagegen 28. Also etwa 6 Proz. der Sektionsmitglieder stimmten dafür. Das ist die Zweidrittelmehrheit. Der Antrag trägt keine Unterschrift und keinen Hinweis, auf Grund welcher Satzungsbestimmung Genosse Zörgiebel aus- geschlossen werden soll. An sich kann der Antrag also von der Orts- Verwaltung, die zunächst darüber zu beschließen hätte, ob er an den Hauptvolstand weitergegeben werden soll, gar nicht behandelt werden. Es ist im übrigen bezeichnend für den M u t der„revolutionären Klassenkämpser", daß sie es nicht wagen, mit ihrer Unterschrist für diesen Aickrag einzustehen. Die Antragsteller selbst wissen ganz genau, daß es sich dabei nur um einen kommunistischen Bluff handelt. Meuterei der Zurückgewiesenen. New Jork, 30. Zuli. 176 Aurgewiefene, die zum Abschub auf Ellis Island untergebracht werden follten, meuterten auf der Fähre zwischeu Jersey- Stadl uud Ellis Island. Die Deutsche vora p e l e r s schlug ein Fensler des Fährbooles ein und verfuchl«. dem Sinwauderungsiufpektor de« Vienstrevolver zu entreißen: sie«er. letzte mehrere Beamte, die sie festhalte» wollleu. Sin« Syrierin versuchte Selbstmord mit einer Schere zu verüben. Ein Jlalieaer war schon vorher in Jersey- Stadt aus dem Fenster de» Ausenlhallsraumes gesprungen und geflüchtet. Zahlreiche Beamte nahmen jedoch die Verfolgung aus und konnten ihn einholen und überwältigen, viele andere meuterten. Die Meuterer sind in Einzelhaft gekommen. Unter den Abgeschobenen befanden sich 40 Schwerverbrecher. Ein neuer KallZakubowski? Sin polnischer Arbeiter zum Tobe verurteilt. Leipzig, 30. Juli.(Eigenbericht.) Vor dem Ferien senat des Reichsgerichts brachte eine Verhandlung einen Tatbestand an die Oefsentlichleit, der in vielerlei Beziehung an den Fall Jakubowski gemahnt und eine derartige Aehnlichkeit mit dem Verfahren gegen diesen ehe- inaligcn polnischen Kriegsgefangenen aufweist, daß man entsetzt darüber sein muß, wie wenig die deutsche Rechtsprechung gelernt hat. In der Gegend von Landsberg(Warthe) war 1922 ein Bank- böte überfallen, ermordet und beraubt worden. Die Nachforschungen nach dem Täter blieben ergebnislos. Erst im März 192S wandte sich ein Arbeiter an die Kriminalpolizei und teilte ihr mit, ein Be- kannter namens K l e m m st e i n habe ihm gestanden, daß er ge- meinsam mit einem Arbeitskollegen einen Bankboten überfallen und beraubt habe. Klemmstein wurde oerhaftet, wiederholte sein Ge- ständnis, gab aber an, daß er selbst nur„Schmiere gestanden" habe. Die Tat selbst habe ein gewisser K l y in e k ausgeführt. Dieser war inzwischen ausgewandert, wurde aber im Früh>ahr 1929 wieder nach Deutschland abgeschoben und verhaftet. Vor dem zuständigen Schwurgericht in Landsberg an der Warthe konnte der Hauptbelastungszeuge des Klymek, sein JlrisUde Striand mum 12. IHale fransSsiscfter mUtitlerpräaMenl. Mitangeklagter Klemmstein, nicht vernommen werben, da er in» zwischen geisteskrank geworden und ins Irrenhaus eingeliefert war. Es wurden nur seine Aussagen aus der Voruntersuchung ver- lesen und im wesentlichen auf Grund dieser Bekundungen Klymek zum Tode verurteilt. Schon dieser Tatbestand muß gewisse Bedenken erregen. Aus der vor dem Reichsgericht vorgetragenen Reoisionsschrift ergaben sich aber weitere, viel schwerwiegendere Mängel des Ver- fahrens. So wurde zum Beispiel dem Angeklagten die Anklage- schrift zuerst nur in deutscher Sprache zugestellt, obwohl er kein Wort Deutsch oersteht und nur die polnische Sprache beherrscht! Ferner: dem Angeklagten.war in der Hauptverhandlung ein Be- omter der Staatsanwaltslyaft als Dolmetscher zugeteilt, der nach der Ansicht der Reoisionsbegründung seiner Aufgabe nicht ge- wachsen war. Cr informierte Klymek über wesentliche Teile der Beweisaufnahme überhaupt nicht. So erfuhr dieser nichts von der Aussage seiner Frau, obwohl von ihr viel für den Verlauf des Prozesses abhing. Auch daß nochmals in die Beweisaufnahme ein- getreten wurde, erfuhr er von dem Dolmetscher nicht. Selbst von der Verlesung der schriftlichen Aussage des Klemmstein aus der Voruntersuchung erhielt er keine Ucbersetzung, obwohl sie in der Hauptsache die Grundlage seiner Verurteilung war! So kam es beim, daß ähnlich wie im Fall Jakubowski. die Vcr Handlung durchgefüht wurde, ohne daß sie dem Angeklagten, der um seinen Kopf kämpfte, ausreichend verdolmetscht wurde! Ihm war es also kaum möglich, einzugreifen, Fragen zu stellen, Zln- schuldigungen zu widerlegen, kurz: seine Rechte der Verteidigung wurden durch die mangelnde Durchführung der Dolmetschertätigkeit auf dos schwerste außer Geltung gesetzt! Damit aber nicht genug! Die Revisionsschrift sührte noch weiter an, cc bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, daß Klemmstein, der Hauptbelastnngszeuge, schon zu einer Zeit geistes- g e st ö r t gewesen war, als er die Aussagen in der Vor- Untersuchung gemacht hat. Sachverständige haben diese Möglichkeit bis zu einem gewissen Grade bestätigt. Wir fassen zu- sammen: Klymek wurde auf Grund der Aussage eines Menschen zum Tode verurteilt, der aus der einen Seite alles Interesse hatte, sich selbst reinzuwaschen und Klymek zu belasten, der auf der anderen Seite vielleicht nicht mehr als voll zurechnungsfähig gelten konnte! In der Verhandlung selbst diente der Dolmetscher zweifelsohne nur im geringsten Maße zur Vermittlung zwischen Angeklagtem und Gericht, so daß Klymek nach Angaben der Remstonsschrift in der Verhandlung von der Aussage nichts erfuhr, die zu seiner Ver- urtoilung fühtte! Der Vertreter der Staatsanwaltschaft vor dem Reichegericht be- merkte zu dem Vorbringen der Revisionsschrift lakonisch, aus dem Protokoll der Schwurgerichtsverhandlung ergebe sich, daß der Dol- metscher bis zum Schluß an der Verhandlung teilgenommen hatte. T as Gegenteil wurde aber in der Revision gar nicht behauptet, sondern nur festgestellt, daß die Tätigkeit des Dolmetschers u n- genügend gewesen sei. Der Ferienlenat des Reichsgerichts verwarf die Revision, so daß die Todesstrafe gegen Klymek rechtegültig geworden ist. Wenn es auch bei der forlschrittlichen Begnadigungspraxis der preußischen Staatsregierung wohl selbstverständlich ist, daß das Todesurteil nicht vollstreckt wird, so ist es noch immer eine Un- geheuerlichkeit, daß ein Mensch auf Grund der Aussage eines Irren— ähnlich wie im Iakubowski-Prozeß— zum Tobe oerurteilt wurde und jetzt im günstigsten Fall lebenslänglich ins Gefängnis wandert. Früher sechs, fetzt sieben Gemeinderaksmandate in Lengede. In Lengede(Kreis Peine) wurde das auf Betreiben der Nationatsozia- Iistm ausgelöste Gemeindeparlament neu gewählt. Von den 957 abgegebenen Stimmen entfielen 535 und damit von den 12 Mandaten allem sieben, statt bisher sechs, auf die SPD. Die bürgerliche Ein- heitsliste erhielt 285 Stimmen(4 Mandate), die Nationalsozialisten brachten es auf 137(1 Mandat). Das Antli Oer Roman Volk und Volksempfinden sind keine feststehenden Größen, sondern etwas Schwankendes und höchst Wandelbares. Spengler war es, der zum erstenmal den umfassenden Nachweis führte, daß- man in den einzelnen Kulturepochen, genau so wie im Leben des Einzelmenschen die von der Natur gesetzten Lebensabschnitte unter- scheiden kann. Wenn er darauf seinen„Untergang des Abendlandes" ausbaute, so mag die These an sich umstritten sein, niemand aber, der die geistige Entwicklung der letzten Jahr- zehnte verfolgt hat, und der rückschauend die Geistesgeschichte des letzten Jahrhunderts in Betracht zieht, wird sich dem Eindruck ent- ziehen können, daß sich— nur scheinbar für Europa allein, tat- sächlich macht nämlich der angelsächsisch-amerikanischen Kontinent die Entwicklung mit und wird immer mehr der Schrittmacher— eine Wandlung vollzogen hat, so grundlegend, daß sie der älteren Generation bedrückend erscheinen muß: jene Gefühlswerte, die einmal der tiefste Ausdruck einer Kultur waren, haben nicht nur aufgehört im Mittelpunkt des Lolksempsindens zu stehen, sie sterben alimählich ab. Dichtung und Kunst sind Zeitspiegel und sie spiegeln diese Wandlung mit großer Deutlichkeit. Die bildend« Kunst stagniert nach einem vergeblichen Versuch, in die Primitive längst entschwundener Kindergläubigkeit zurückzuflüchten. Die Lyrik, also jene Gattung, die aus dem Gefühl wächst, und deshalb der Zeit des Jugendüberschwangs am nächsten kommt, ist tot. Das Drama, das nach der Lyrik am ehesten izoch die große Offen- barerin der Gefühlsbewegung ist, befindet sich in einer tiefen Krise. Wo es an dieser Krise unerschüttert dasteht wie bei Shaw, oder wo es die Krise zu überwinden scheint wie bei Bruckners „Verbrechern", sind es für die Gefühlswerte zum geringsten Teil, die seinen Wert ausmachen, wenigstens wenn man ihren gefühls- mäßigen Gehalt mit dem Maßstab der vergangenen Epoche mißt. Hier klingt schon an, was die epische Prosa vollkommen beherrscht, eine Skepsis, die eine vollkommen« Umwertung aller Werte vornimmt, «in ironischer Pessimismus, der sich zu keinem Glauben mehr auf- schwingen kann und von der man nicht weiß, ob er den lieber- gang zum reisen Mannstum bedeutet, der sich mit den Tatsachen abfindet, oder ob er das Zeichen jenes gerstigen Zusammenbruchs ist, der so oft an der Pforte des Greisenalters lauert. Die epische Prosa, dies« unjugendlichst« Gattung der Dichtung: hier merkt man nichts von Krise und Perfall, im Gegen- teil, sie steht in einem Aufschwung, der sie zum sichtbarsten Ausdruck unserer Zeit macht. Und das ist natürlich, wenn man die Vermännlichung unserer Epoche in Betracht zieht. Der Roman ist mit Naturnotwendigkeit die Aus- drucksform dieser Zeit. Im Roman hat man am ehesten und am ausschließlichsten mit der Sentimentalität der vergangenen Epoche gebrochen, er ist mit jener Ironie, Skepsis und mit jenem Pessimismus vollgesogen, den das Drama noch unsicher zu ertasten versucht und den sterile Reste der Lyrik vortäuschen möchten, ohne dessen fähig zu sein. Und— zum erstenmal in der Geschichte— Hans Kranck 60 Jahre. Auf eii»e Reihe von Dramen, Romanen und Erzählungen kann Hans Franck zurücksehen. Sonette und Gedichte hat er geschrieben. Wir leben aber nicht mehr in jener glücklichen Epoche, m der der Dichter universalistisch die Welt, alle Gattungen der Dichtung, und wenn möglich, noch etwas mehr umspannte. Nüchternheit ist die Voraussetzung unseres Lebens geworden, Arbeitsteilung und Ratio- nalisierung haben auch vor dem Schreibtisch des Schriftstellers nicht haltgemacht. Hans Franck ist einer der wenigen, die sich nicht spezialisiert haben. Er tritt damit Franz Wersel an die Seite, ohne ihn an dichterischer Kraft und gedanklicher Tiefe zu erreichen. Wersel blieb der Stadt und ihrem Rhythmus verhaftet, Franck ist dieser Haft entflohen; er lebt in Mecklenburg auf dem Lande. Man sagt ihm nach, daß er eine eigene Ackernahrung dort sein eigen nenne. Das ist sein Glück und sein Unglück. Das.Zurück zur Natur", nach dem die Arbeitstier« in der Stadt und in den großen Revieren der Industrie lechzen, er hat es gesunden. Aber der harte Atem unserer Zeit, jener Atem, der das Gefühl verdorren läßt, er findet kaum hin in die bukolische Einsamkeit unseres Dichters. Sein Glück und sein Unglück.... Vielleicht auch sein Unglück, daß er Dichter blieb in einer Zeit, die keine Dichter mehr haben will. Sein Ideal blieb immer irgendwie die Klassik, das Ideal unserer Zeit ist der Achtzylinder. Nun gibt es ja auch heute noch Dichter, die der Natur und der Naturverbundenheii ihr Bestes verdanken. Ramuz, Knut Hamsun, Jack London gehören zu ihnen. Aber die lassen sich ganz von ihr verzehren und darüber hinaus ist der Pulsschlag unserer Tage in ihnen geblieben. Beides fehlt Hans Franck. Und so gehört er zu jenen, die von leiser Tragik umwittert sind, da sie, den Blick in die Wolken gewandt, die Realitäten des Alltags zu wenig beachteten. Allerdings haben seine klassizistischen Tragödien „Godiva" oder„Geschlagen" starke Achtungserfolge erzielt.— r. Oie Wolga soll verdoppelt werden. Es sind in erster Reihe die Wolgadeutschen, die schon sckt langem diesen Gedanken hegen, der Wolga neue weite Wege i» die breiten Wolgasteppen zu eröffnen. Nun kommt ein Mann namens An- drejew, ein bekannter Ingenieur aus Moskau, und schlägt allen Ernstes einen Plan vor, den der Laie für phantastisch halten könnte, wenn sich die Behörden nicht bereits ernstlich mit diesbezüglichen Kalkulationen befassen würden. Das Wesentliche in diesem Plan ist, dem Hauptstrom der Wolga drei neue, weite, riesige Ströme auf tausende Kilometer in verschiedenen Richtungen ins Herz der Steppe zu entführen und cms solche Weise Millionen Hektar toten Landes zu beleben. D«r eine Arm soll vom Nordteil der Wolga über den Ural hinweg bis zum Meerbusen Komsomolski führen. Der zweite soll die riesigen Niederungsflächen um Sanara bewässern, der dritte soll sich bis zu der Liman«(Moor) Prifchib ergießen. Der Verlust der jetzigen Wolga an Wasser wird 20 Proz. betragen. Die Baukosten sind auf 3 Millionen Rubel, die Bauzeit auf K Jahre derechnet. 40 Millionen Hektar Steppe werden aus diese Weise bewässert und brauchbak. Das Projekt wird auf der Sitzung des Wolga-Don-Komttees in den letzten Iulttagen ausführlich besprochen. Dl« Zaftrvmenlensammlong der Staatlichen akademischen Hochschule für Musik in Charlottenburg ist während des Monat» August an Sonntagen gefchlosstu. h der Zeit. ihr Spiegel. der nordamerikonische Kontinent ist es, der die Führung an sich zu reißen beginnt. Waren es einmal die Thomas und Heinrich Mann, die Flaubert und France, die die gefelljchastliche Struktur Europas kritisch durchleuchteten, so sind es heute die Sinclair Lewis. Upton Sinclair und Jack London, denen es gegeben ist, jene Typen zu formulieren, von denen jedermann jagen muß: das ist ein Durchschnitt durch unser Heute. Gewiß, auch ein Thomas Mann, ein Jakob Wassermann(Auszählungen in diesem Rahmen können nur als Beispiel gedacht fei'n) behaupten ihre Geltung, sie haben ihr Bestes erst m den letzten Jahren ge- geben und ihre Bedeutung in der ganzen zivilisierten Welt kann nicht mehr umstritten werden: neu« bemerkenswerte Talente treten hinzu, die r o m a n i s-ch e Romanliteratur stagniert keineswegs, ebenso wie die skandinavische, Rußland liesert schön« Beispiele für einen neuen Ansang und England vor allem steht in einer Glanzperiode der Romandichtung— aber nirgendwo ist das Wesen unserer Epoche mit solcher Klarheit, man möchte sagen, mit einer so erschütternd eindeutigen Klarheit, die doch wieder tiefftes Derstehen ist, erfaßt, als in der nordamerikanijchen Literatur. Während in der europäischen Literatur immer noch ein Hauch der vergangenen indioidualistisch-gefühlsmäßigen Epoche mitschwingt, und mag er sich auch hinter der Maske der ironischen Skepsis ver- bergen oder in Form der übertriebenen Karikatur selbst totschlagen, während in der europäischen Literatur, und mag sie sich noch so sehr um Allgemeingültiges bemühen, mag sie sich ganz mit Gemein- schaftsgetst durchtränkt haben, alles ein bemerkenswerter Einzelfall bleibt, ist es bei den nordamerikanischen Spitzenromanen so, daß sie fast schon wie erschöpfende historische Dokumente der Zeit wirken, in der wir leben. Freilich, wenn wir uns für einen Augenblick-auf den Stand- punkt des deutschen Ideologen stellen, der bisher unsere Kullur überwachte und der keineswegs zu verachlen ist, und die Frage nach dem tieferen ethischen Wert dieser Literatur, nach ihren Problemen und ihrem ideellen GeHall stellen, so stoßen wir auf ein erschreckendes Nichts. Ein Meisterwerk von bleiben- dem Wert, wie Sinclair Lewis„B a b b i t t" führt nicht weiter, es hinterläßt nichts als ein namenloses Grauen vor der Leer« einer hochgradigen Zivilisation, inmitten der die Kultur zugrunde gegangen ist,«r hinterläßt jene Stimmung, die letzten Endes auch den Sieg von Ferdinand Bruckners„Verbrechern" ausmacht: es geht immer weiter und es ist immer wieder dasselbe. Der absolut« Pessimismus ist es, der hinter der Objektivität, hinter der jugendhaften Frische und dem Humor von Sinclair Lewis lauert. Aber ist das nicht auch vom Standpunkt unserer deutschen Ideologen eine Tat, die Tat, die den Dichter ausmacht: aufzudecken das Antlitz einer Zeit und zu sagen was ist. Das tut der Roman unserer Zeit. Er ist— und man ist versucht zu sagen, er allein— ihr unbarmherziger Spiegel. Und insofern löst er eine starke Erschütterung aus, wenn auch diese Erschütterung auf einer ganz anderen Gefühlsebene beruht, als die Gefühlsemotionen, denen uns die Dichtung der dahin gegangenen Kulturperiode preisgab. Ki. D. Hollywooder„Bartologie". Ob das Barttragen der Männer aus östhetsschem Gesichtspunkte zu befürworten oder abzulehnen ist, kann jede männliche Krone der Schöpfung mit seiner eigenen Mentalität abmachen. In Hollywood aber werden lediglich aus Geschäftsgründen Bärte getragen. Ein ausgewachsener Bart ernährt nämlich im Filmdarado unter Umständen eine mehrköpfige Familie, insbesondere dann» wenn sein glücklicher Inhaber überdies über einig« schauspielerisch« Qualitäten verfügt. Die Branche weist nach einer kürzlich erschienenen Statistik runde 400 Bärte verschiedenster Art auf. die von den Regisseuren sallweise„beschäftigt" werden. Es gibt Großherzogsbärte, Künstler- bärte, Prafessorcnbärte und sogenannte Ghettobärte, die für biblische Massenaufnahmen geradezu unentbehrlich sind. Geklebt« Bärte würden naturgemäß die Stileinheit stören: gerade aus diesem Grunde werden die naturbehaorteir Gesichter geschätzt und auch recht anständig bezahlt. Die haartragenden Statisten erhalten je nach der Größe ihres Gesichtsschmuckcs 7 bis 50 Dollar Tagesgage. Aller- dings wurden in letzter Zeit die Preise stark gedrückt: es meldeten sich nämlich dilettanttsche„Bartlinge" und betrieben ihr Bartgeschäft nebenberuflich. Um diesem unlauteren Wettbewerb vorzubeugen, gründeten die Berufsschauspieler, deren Existenz lediglich auf ihrem Bart aufgebaut ist, in aller Form einen Bartschutzverein. Die Mit- glieder müssen«ine fünfjährige„bartschauspielerifche" Vergangenheit nachweisen. Die Dilettanten sollen im Notsalle zwangsgemaßregelt bzw. zwangsentbartet werden. Zugendpreis Deutscher Erzähler-1928. Um den Iugendpreis Deutscher Erzähler, der dem Verbände Deutscher Erzähler von der Deutschen B u ch- G e m e i n s ch a s t G. m. b. H., Berlin, alljährlich In Höhe von 10 000 M. gestiftet und der im Einvernehmen mit dem p r e u- ßischen Kultusministerium erteilt wird, haben sich für das Ausschreiben des Jahres 1928 114 Autoren unter dem 40, Lebensjahr beworben. Das Preisgericht, bestehend aus Hanns Martin Elster, Georg Engel, Oskar L o e r k e, Julius Peter- s e n, Jakob Schaffner, Hermann S t e h r, Wilhelm W a e tz o l d t, hat den Roman„Das Kind und die Wund- male" von Lily Hohenstein in D a r m st a d t mit dem Preise des Jahres 1923 ausgezeichnet. Das preisgekrönte Werk wird von der Deutschen Buch-Gemeinschast in einer Erstauflage von 10 000 Exemplaren veröffentlicht und ist auch NichtMitgliedern durch den Sortimentsbuchhandel zugänglich.— Der Wettbewerb um den Preis des Jahres 1929 wird in den nächsten Tagen vom Verband Deut- scher Erzähler durch die Presse angekündigt. Komische Oper als Tonfilmtheater. Die vor einigen Tagen zur Versteigerung gelangte Komische Oper soll in ein T o n f i l m t h e a t e r umgewandelt werden. Die neue Besitzerin, die Berliner Terrain- und Bau- ges ellschaft, wird zwar das Theater weiter verpachten, wofür als aussichtsreichster Kandidat die Gebr. R o t t e r bisher gemeldet worden sind, doch soll in dem Pachtvertrag als Voraussetzung die Bedingung enthalten sein, daß der Pächter da? Theater mit To' silmapparatur ausrüsten muß. Aus den Anfängen der Lustfahrt. Die ersten Vattonaufstiege in Berlin. Die Gründung de» republikanischen Flugverbaodes „Sturmvogel" und der für diese Tage vorgesehene neue Start des„Graf Zeppelin" nach Amerika geben unserem Aufsatz besonderen Gegenwartswert. Am 13. April des Jahres 1803 war ganz Berlin in Aufregung. Bereits in den frühen Vormittagsstunden setzte eine Völkerwande- rung nach dem Oranienburger Tor ein. Eine unübersehbare Reih« von Kremsern und Kutschen hielt vor dem Garten der Tierarznei- schule, wo der bekannte französische Luftschisfer G a r n e r i n mit einem Gasballon auffteigen wollte. Obgleich schon zwanzig Jahr« seit der Erfindung der Montgolfieren und Charlieren verflossen waren, hatten die Berliner erst ein einziges Mal die Gelegenheit gehabt, Zeugen eines Vallonaufslieges zu sein. Und als nun erst die Meldung durchsickerte, daß außer dem Franzosen auch noch Madame Garnerin und der Berliner Gelehrt« Hembstedt in der Gondel Platz nehmen würden, überbot dieses Ereignis die Bedeutung jedes nationalen Feiertages.„Berlin stand Kopp." Hembstedt trat allerdings im letzten Augenblick von der Luftreise zurück, weil Garnerin mehr Verständnis für die klingende Münze des Kaufmanns Gärtner zeigte als für die wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden eines mittellosen Gelehrten. Aber für die Lokalpatrioten war ja die Hauptsache, daß ein Berliner mitflog. Ob er nun Hembstedt oder Gärtner hieß, war nebensächlich. Oer große Tag. Gegen 4 Uhr nachmittags, als der Ballon bereits zur Hälfte gefüllt war, erschienen die Mitglieder des königlichen Hauses, die Musikkapellen schmetterten los, und der vielen Menschen» die keinen Zutritt zum Garten mehr hatten, bemächtigte sich eine ungeheure Spannung. Um halb sechs waren alle Füllunasarbeiten erledigt. Unter Völlerschüssen und den begeisterten Rufen oer Zuschauer stieg der Ballon mit seineu drei Anfassen in die höhe. Als sich Garnerin über dem Garten von Monbijou befand, ließ er seinen Hund an einem Fallschirm herunter. Das Tier fiel auf das Dach der Post in der Königftraße und wurde von allen pflichtschuldigst be- wundert. Der Ballon, der eine Höhe von 2000 Metern erreichte, landete eine Stunde später im Forst von Mittenwalde. Garnerin, seine Gattin und der Kaufmann Gärtner wurden natür- lich am nächsten Tag« gebührend gefeiert. Kurze Zeit darauf kün- digten der Mechanikus Öghner und der Weltweisheit Doktor, Pro- fessor der Chemie David Ludwig Bourgouet Ballonaufstieg« an. Aber aus diesen„hochsliegenden" Plänen wurde nichts. Oer erste deutsche Ballonfahrer. Erst zwei Jahre später, am 16. September 1806 gelang einem Deutschen eine Ballonfahrtl Dem Professor am Friedrich-Wilhelms- Gymnasium W. I u n g i u s. Dieser Professor war eigentlich der erste, der einen Aufstieg aus wissenschaftlichen Gründen unternahm. Leider war die Ausbeute dieser Studienreise nur sehr gering. Jungius schrieb über seine Eindrücke folgendes: .Lange behielt ich Berlin im Gesichte, welches mir in dem weiten Gesichtskreise, den mein Auge überblicken konnte, in einer äußerst verächtlichen Gestalt, wie ein Häuschen Steine am Wege, erschien. Den Totalanblick der Erde von der größten Höhe, wo mir dieselbe noch sichtbar blieb, weiß ich mit nichts Passenderem zu ver- flleichen, als mit dem Anblick des Vollmondes durch ein gutes Tele- kop, den Glanz abgerechnet. Alles hatte sich geebnet unb war zu einer Zeichnung geworden. Der Himmel über mir hatte eine reine dunkel-schwarzblaue Farbe.— Aber ich hotte mich sehr getäuscht in der Hoffnung, die höheren Regionen der Atmosphäre ruhiger zu finden. Vielmehr ward«s, je höher ich kam, desto stürmischer, und unaufhörlich peitschten Windstöße meinen Ball, wehten den flatternden Schlauch mir ins Gesicht und schleuderten die Gondel von einer Seite zur anderen. Und da hing ich, und war's mir mit Grausen bewußt, Von der menschlichen Hülfe so weit. Plötzlich machte sich eine empfindliche Kälte bemerkbar, und der Ballon bekam einen Riß, zwei Fuß in der Länge, dicht am Schlauch«. Das 80theilige Thermometer zeigte minus S Grad, und in der Tot zitterte ich, der ich vor etwa 20 Minuten an der Oberfläche?er Erde noch geschwitzt hatte, jetzt am ganzen Körper vor Frost. Bald darauf muß ich eingeschlafen seyn. Doch bin ich mir des Zeit- Punktes: wann? durchaus nicht bewußt, so wenig, als ich überhaupt mich erinnere, schläfrig geworden zu seyn. Etwa nach einer halben Stunde, da mein Ball, wie ich bald darauf bemerkt«, schon im Sinken war, erwachte ich, wahrscheinlich, weil Temperatur und Druck der Luft wieder im Zunehmen waren, und ward zu meinem großen Schrecken inne, daß ich in einer höchst gefährlichen Lage ein- geschlafen gewesen war. Deutlich fühlte ich durch ein geringes Er- beben der Gondel, das Ausschlagen des Ankers auf die Erde, den ich an einem 60 Fuß langen Tau schon vor dem Einschlafen frei herabgehängt hatte. Nach einigen Minuten etwa schlug die Gondel mit den Instrumenten knarrend und klirrend in der Nähe von Münchebcrg auf die Erde— ein schreckhaftes Getöse für den, der es zum ersten Mal in der Gondel selbst hört— und ich ward nun, da mein Anker des heftigen Windes wegen, welcher mich forttrieb, nicht Gelegenheit zum Eingreifen hatte, etwa noch 5 Minuten lang auf der Erde, und einmal sogar über einen Theil eines Sees, wo ich, um die Gondel zu erleichtern, 8 Pfund Ballast auswarf, geschleift. doch am Ende noch mit 33 Pfund Ballast in der Gondel von einem herbeieilenden Jäger und einem Landmann festgehalten." Das war das Ende dieser anderthalbstündigen Ballonfahrt. Jungius fuhr mit der Extrapost nach Berlin zurück, und wenn auch die Wissenschaft leer ausgegangen war, wie er sagte, so hatte«r doch die Genugtuung, sein dem Publikum gegebenes Versprechen gehalten zu haben. Eine zweite erfolgreiche Fahrt. Seine zweite Luftreise veranstaltete Jungius im nächsten Jahre. Als Passagier nahm er«inen seiner Schüler, den fünfzehn- jährigen K ö l tz, mit. In der Gondel wurden verschiedene Boro- meter, Haarhygrometer und Elektroskope untergebracht. Auch eine Gans, drei Tauben und kleinere Vögel. Der Ballon lag sehr ruhig in der Luft, und Professor Jungius diktierte seinem Schüler alle Beobachtungen. Kurze Zeit nach dem Aufstieg wurde die Gans an die frische Luft gesetzt. Sie wurde in der Nähe des Tiergartens von einem Schiffer aufgefunden und in Jungius Wohnung abgeliefert. Als sich die Lustfchiffer in 5000 Meter Höhe befanden, ließen sie die Taub« fliegen. Wider Erwarten äußerte sie durchaus keine Neigung, zum Ballon zurückzukehren, sondern verschwand in den Wolken. Nun aber wurde dem jungen Költz oermutlich durch das ausströmende Gas übil. Er erholte sich aber bald wieder. Bei der Landung, die zwischen heiaersdorf und Großbeeren erfolgte, schlug die Gondel hart aus. und der junge költz sowie alle Instrumente fielen hinaus. Der Ballon schnellt« nun wieder in die Höhe unb trug den Professor abermals über die Wolken. Schließlich aber konnte auch Jungius wieder die geliebte Erde betreten. Der Ballon sank in der Nähe des Dorfes Neuendorf zu Boden, und der Pro- fessor wäre beinahe in einen Morast geraten, wenn er nicht im letzten Augenblick den restlichen Ballast über Bord geworfen hätte. „So endigte meine zweit« Luftreise, auf der ich abermals inne fieworden bin, wie mißlich es mit den dabei anzustellenden Ver- uchen ist, weil«in kleiner unvorhergesehener Umstand leicht olles verderben kann. Schade, daß diejenigen, die so oft diese Reisen unternahmen und gewiß nicht selten unter den günstigsten Um- ständen, sie nicht, wenn auch nur nebenbei, zur Förderung der Wissenschast benutzen wollen oder können." In den nächsten Jahren unternahmen noch Robertson, R e i ch a r d t und der Wachstuchfabrikant Claudius verschieden« Aufstiege in Berlin. Heute sind die damals noch phantastisch an- mutenden Schlußfolgerungen, die einige Wissenschaftler und Schrift- steller an die ersten Berliner Ballonfahrten knüpften, längst W'rk- lichkeit geworden. Wir fliegen. Und ein ziemlich beträchtlicher Pro- zentsatz der Berliner Bevölkerung hat seine Vaterstadt auch schon aus der Vogelperspektive bewundert. Hardy Worm. Härten der Krisenfürsorge. Sie müssen rückgängig gemacht werden! Aus verschiedenen Teilen des Reiches kommen seit einiger Zeit Klagen über Verschlechterungen in der Kr isenunter- st ü tz u n g. In einem LandeSarbeitsamtsbezirt wurden weiter« E i n- schränkungen des zur Krisenunterstützung zugelassenen Per- sonenkreises vorgenommen. So ist z. B. für den Landesarbeitsamts- bezirk Mitteldeutschland eine Anordnung getroffen worden, wonach in allen Berufsgruppen von den Arbeitslosen im Alter von 21 Jahren bis zum vollendeten 30. Lebensjahr jene, die keinen An- spruch auf Familienzuschläge haben, aus dem zugelassenen Personenkreis bis auf weiteres ausgenommen sein sollen. Diese Anordnung schafft unerträgliche Ungerechtigkeiten. Ein Beispiel aus dem praktischen Leben: Ein jungverheiratetes Ehepaar. Der Mann ist erwerbslos, die Frau arbeitet in der Textilfabrik. Das Einkommen der Frau beträgt in Kurzarbeit 12 M. pro Woche. Der Ehemann bezieht auf Grund seines früheren Lohnes eine Krisen- Unterstützung nach Klasse 7 in Höhe von 14,63 M. Da er keinen Familienzuschlag erhalten kann, weil seine Frau noch in Arbeit steht, wird die Krisenunterstützung eingestellt. Da also die Frau arbeitet, stellt er sich bedeutend schlechter, als wenn sie die Arbeit e i n st e l l e n und er für sie den Zuschlag beziehen würde. Auch der bedingungslose Ausschluß aus der Krisenfllrsorg« für alle unter 21 Jahre alten Arbeitnehmer hat, wie an einer ganzen Reihe von Zuschristen an den Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbund geklagt wird, zu großen Härten geführt. Wenn auch in manchen Fällen die Eltern auf Grund ihrer Arbeitsleistung in der Lage sind, ihre erwachsenen Kinder zu versorgen, so liegen doch die Verhältnisse dort sehr schwierig, wo neben dem arbeitslosen Kind noch mehrere jüngere sunter 14 Jahre asten) Kinder vorhanden sind. Besonders fchlimmt liegen die Dinge bei den jüngeren Er. werbslofen, die keine Eltern mehr haben und bei fremden Leuten in Kost und Logis sind. Diese Arbeitslosen kommen messt für die Arbeit in der Landwirtschaft nicht in Frage, da der Landwirt begreiflicherweise nur Arbeitskräfte sucht, die auch von der Land- Wirtschaft etwas verstehen und produktiv arbeiten können. Den Arbeitslosen unter 21 Jahren fehlt vielfach jede Ausbildung für Arbeiten in der Landwirtschaft. Meist werden sie von den Land- wirten nach kurzer Zeit als ungeeignet wieder entlassen. Ein westerer unhastbarer Zustand liegt darin, daß oft in zwei aneinanderstoßenden Landesarbeitsamtsbezirken die Zulassung be- ftimmter Berufe zur Krisenunterstützung oerschieden geregell ist. So ist z. B. die Textilindustrie in Sachsen zugelassen, in Thüringen nicht. Di« thüringischen Textilarbeiter, die in Sachsen arbeiten müssen, erhalten also kein« Krisenunterstützung. Die Erweiterung des Personenkreises, der von der Krisenunter, stützung ausgeschlossen sst, kann nur mit größter Behutsamkeit und Vorsicht vorgenommen werden, sonst entstehen Sinnlosigkeiten und Härten, die verbitternd wirken. Die maßgebenden Stellen sollten da- her dafür sorgen, daß die Neuregelung der Krisenunterstützung in sozialem Geist durchgeführt und nicht durch Eigenmächtigkeiten gewisser Landesarbeitsämter zu einer Geißel für die Arbeitslosen wird. Schiedsspruch gegen Staaisverirag. Weshalb ausländische Laadarbeiter beschäftigt werden. Ost ist darauf hingewiesen worden, daß die Beschäftigung aus» ländischer Wanderarbeiter nicht zuletzt den Zweck hat. auf die Lohnoerihältnisse der deutschen Landarbeiter zu drücken. Der Deutsche Landarbsiter-Verband bringt in Nr. 13 seines Ver- bandsorgans„Der Landarbester" Angaben, die die Richtigkest dieses Standpunktes beweisen. Die Gauleitung des Verbandes für die Provinz Branden- bürg hatte mit dem Märkischen Verband ländlicher Arbeitgeber einen Schnittertarif vereinbart. Strittig blieb jedoch die Lohn- frage. Schließlich kam es zu einem Schiedsspruch des Schlichwngsausfchusses Potsdam. Er wurde vom Arbeitgeberverband angenommen, vom Deutschen Landarbester- Verband abgelehnt. Der Schlichter hat den Schiedsspruch für verbindlich erklärt. Bemerkenswert an dem Schiedsspruch sst, daß er erheblich niedrigere Löhne für ausländisch« Wander- arbeiter festsetzt, als sie für die Vergleichsgruppe der deutschen Arbeiter festgelegt sind. Der Schiedsspruch sieht einen Bar- stundenlohn von 23 Pf. vor. Dazu werden als Deputat pro Woche gewährt: 25 Pfund Kartoffeln 7 Pfund Brot, 1 Pfuno Roggenmehl, 2 Pfund Graupen, H Pfund Schmalz,% Pfund Salz, 3H Liter Dollmilch, Wohnung und Feuerung. Diese Deputat- mengen bewertet der Verband unter Zugrundelegung eines Be- wertungsschlüssels, den die Arbeitgeber bei den Verhandlungen über den Schnittertarif nicht beanstandet haben, mit 6,55 Mk. Bei einer 60stündigen Arbeitszeit in der Woche kommt dabei ein Natural- stundenlohn von nicht ganz 11 Pf. heraus. Barstundenlohn 23 Pf.. Naturallohn 11 Pf. gleich Gesamtstundenlohn für eine vollwertige männliche Arbeitskrast von 34 Pf. Diesen Löhnen stellt der Verband die Gesamtswndenlöhne gegen- über, die nach den zurzeit bestehenden Landarbeitertarifen für voll- wertige männliche Freiarbeiter in Frage kommen. Dabei ergibt sich beispielsweise folgendes: Kreis Angermünde: Freiarbeiter- lohn 41,44 Pf., Schnitterlohn 33 Pf., Differenz 8,44 Pf. Prenz» lau: Freiarbeiterlohn 48 Pf., Schnitterlohn 33 Pf., Differenz 15 Pf. T« m p l i n: Freiarbeiterlohn 42,39 Pf., Schnitterlohn 33 Pf., Differenz 9,39 Pf. Der Arbeitgcberverband hat die Allgemeinverb indlichkeit des Schiedsspruchs beantragt. Diesem Antrag kann das Reichsorbests- Ministerium schon deswegen nicht entsprechen, weil der Schiedsspruch ein Verstoß gegen den mit Polen albgeschlossenen Staats- vertrag ist, der im Artikel 7 ausdrücklich sagt, daß hinsichtlich des Arbeitsschutzes, der gewerkschaftlichen Betätigung, der öffentlichen Fürsorge und. was hier besonders interessiert, der Regelung der Arbeitsbedingungen die polnisch en Arbeiter den gleichen Schutz wie die deutschen Arbeiter genießen. Es war das Reichsarbeitsminssterium, das den erwähnten deutsch-polnischen Staatsverttag unterzeichnet hat. Weller für Berlin: Bewölkt und ziemlich kühl. Noch einzelne leichte Regenfälle, westlich« Winde. Für Deutschland: UeJberall ver. änderliches, meist stark wolkiges und ziemlich kühles Wetter, besonders im Norden des Reiches vielfach leichte Regenfäll«. Vtranwortl. für dl« Redaktion! Wollgang Schwarz,«erlin: Anzeigen: Z».»locke. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag®. m. d. H.. Berlin. Druck: Lorwiirls Buch. druckerei und Lerlagoanstalt Paul Singer& S.o.. Berlin SW 63, Linden strafe 3. Kierzu 1 Beilage. » Uhr Barb. 8250 I Borrah Minevitach's Elf amerikanische Vagabunden usw. ! Tägl. S u.«15 SoanLS.Sa 8U Alex. 8066 INTERNAT. VARIETE Sommer-Garten-Theater| Beriiner Prater N 58, Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 1 Bastspiel Bastei Beer. Bretel Lilien| Heu»« UBB-e-matcre VI« lustige Witwe Opereae von Franz Lehär 1 Dazu der grob« VarirletriL Anfang Konzert 4.39. Burlesken. Variet« 6 Bln. Dperetle 9.30. legen Uennerstag grober VolKstag. Jed. Mittw. Klnderlesl a. Vetlasnng_ isssessosescsseosasss MWKE- | Theater, Gro�e Fraakforter Str. 132, Auf der Gartenbfihne Täglich 5.30 Uhr 9 große VaiMnummera und Gräfin Hariza. im Innentheaier rSfjlich 8.15 Uhr: „OEAK?" Tragödie eines Sportlers Winter * Garren* 8 UBr• zentr. 2819• Baadien erianm Wanderknabe Concbe und weitere Varieti-Neaheiten Voiksbttbne rhsitir aaBlloviilati S'U Uhr Berlin, wie es weint u. lacrn Baniowskj- Bahnen Komödlenhaua Norden 6304 Täglich 8'/> Uhr Mzeitireise Rei/. Uhr Sonntags 4 u. 8'''[ Blaubarl Operette von Offenbach Kammersänger Walter lirelhofl Laslspielhaas Täglich 8'h Uhr Du wirst mich hchiratenl Rundfunkhörer halbe Preise. Theai.amKotta.Tor tKottb. Str.6 Bis 31. Juli Tägl.■ Uhr Gastspiel der 8 Original Loipzlgar Frhx- Wabar- Süngar mit ihtim ffr Berlin«iiiin neuen Programm Die Komödie J I Bismck. 2414/7516 8'/i, Ende geg. IOViU Utile 2 UfflUrugen Reporter 3 Akte v. Ben Hecht und Mac Arthur Regie; Hglni KUpcfl. Donnerstag, I.Aug. Zum 1. Male: Freudiges Ereignis Lustspiel von Floyd Dell u. Th. Mitchell Planetarimn am Zoo——« Vnrllmi. Jadiimtkalir llrati B.5 Barbarossa 5578. 16V< Uhr StemSildet da« Sommers SV« Uhr Der Bkrttatl der Sonne 20V, U. Van Pol ze Pol an Stemenhimmet Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.; Erwachsene 50 Pf, Kinder 25 Pf. MW im Mittwoch, den 31. Jnli abeaiu 0 rar Vw ' KONZERT-KA t-ht t• HAU• TANZ-PALAST* KABARETT 'vfisfamelsr inednehsir,% Xm Bahnhof föeilagc Dienstag, 30. Juli 1929 SivAbntö SfuiJcuiifCiße-doi VotvOxisb Sozialhygiene und Arbeiterklasse Von M. Kantorowicz, Berlin. Genosse K n a a ck- Hamburg hat auf dem Magdeburger Partei- tag hervorgehoben, daß d!« nmngelhafte Ausbiildung der Aerzte in der sozialen Hygiene dringend eine Abänderung erfordert. Mit Recht verlangt er von der Partei die Schaffung entsprechender Richtlinien. Diese Forderung ist um so angebrachter, als von den Arbeitgcberkreijen feit einiger Jeit scharfer Krieg gegen die jetzt in der Soziatversicherung herrschende Tendenz geführt wird, svzial-hygienischcn Maßnahmen besondere Beachtung zu schenken. Die Arbeitgeber mobilisieren ihre besten Kräfte, um in der ihnen zur Verfügung stehenden Presse nachzuweisen, daß die dadurch ent- stehenden sozialen Lasten für die„Wirtschaft" unerträglich sind. Sie vergessen bei ihrer Berechnung„nur", daß das von der Sozial- Versicherung geübte schadenverhütende Prinzip die Ber- meidung großer Verluste der Boltskvaft und damit des Volksver- j mögens in der Zukunft zur Folge haben muh. So müssen wir die Forderung- Knaacks,„die Partei sollte Richtlinien für die politische Behandlung der sozialen Gesundheitsfragen schaffen", mit aller Kraft unterstützen. Daß die soziale Hygiene eine politische Angelegenheit ist, hat schon der Berliner Sozialhygieniker Alfred Grotjahn seit einem Bierteljahrhundert vorausgesehen, was er im Laufe dieses Zeitraums immer wieder hervorgehobeii hat. Nach seiner Erklärung besteht„das eigentliche Wesen der sozialen Hygiene... darin, alle Dinge des öffentlichen Lebens und der sozialen Umwelt im Hin- blick auf ihren Einfluß auf die körperlichen Zustände zu betrachten und auf Grund dieser der sozialen Hygiene eigentümlichen Be- trachtungsweis« Maßnahmen zu finden, die keineswegs immer einen rein ärztlichen Charakter zu haben brauchen, sondern sehr häufig in das Gebiet der Sozialpolitik oder Politik über- Haupt hinllbergreisen". Dies begründet er mit folgendem historischen Ucberblick, der zugleich die Stellung der sozialen Hygiene in der sozialistischen Be- wegung kennzeichnet:„Der Feudalismus, metaphysisch orientiert und in seiner kirchlichen Gebundenheit auf das Jenseits eingestellt, vernachlässigt« die Gesundheitspflege. Nur unter furcht- baren Menschenopfern vermochte er sich durchzusetzen. Krieg«, Seuchen und Hungersnöte zeugten in stetem Wechsel eine ungeheure Sterblichkeit, der zu begegnen weder ein Wille noch ein Weg vor- handen war. Der Kapitalismus macht zwar durch die ihm eigentümliche, imposante Entfaltung der Produktivkräfte die Länder des europäischen Kulturkreifes reich und läßt die Sterblichkest erheblich sinken, erzeugt aber durch die Zusammenfassung großer Bevölkerungsmengen auf beschränktem Räume und durch ungesund« Arbeitsbedingungen neue gesundheitliche Gefahren, die sich besonders in der Berbreitung chronischer Erkrankungen und in feiner Ber- kümmerung des Nachwuchses des industriellen und städtischen Proletariats äußern. Erst der Sozialismus— diese Bezeichnung im weitesten Sinn« verstanden— dürfte die während der kapitalistischen Epoche errungen« Gesundheitstechnik zum Gemein- «Mt aller werden lassen und die Verallgemeinerung der hygienischen Kultur auf die Gesamtheit der Volksgenosien felbswerständlich machen. Die Sozialisierung, in deren Anfängen wir uns befinden, wird in allen Phasen von den Maßnahmen der sozialen Hygiene begleitet sein müssen." Es klingt wie ein Symbol, daß die erste Veröffenttichung der wissenschastlichen Formulierung des bis dahin verschwommenen Begriffes der sozialen Hygiene am 1. Mai ISÜl erfolgte. Alfred Grotjahn wies damals darauf hin. daß das Ziel der sozialen Hygiene die Verallgemeinerung der hygienischen Maßnahmen ist, die bis dahin das Gemeingut nur der kapitalistischen Klasse war, auf die Gesamtheit und somit eine fortschreitend« Verbesserung des jeweiligen hygienischen Zuswndes. So gehören die sozial-hygienischen Forderungen zu den- jenigen, mit welchen wir an unserem Feiertage demonstrieren. Denn auch der. Achtstundentag und der sonstige Arbeiterschutz gehören in das Gebiet der sozialen Hygiene. Aber auch die Friedenskundgebung wird vom Stundpunkt der Verhütung des Massenmordes und sonstigen mit Krieg verbundenen Massenelends von jedem aufrichtigen Sozialhygieniker unterstützt. Es ist dabei interessant, festzustellen, daß der größte Teil der Rassenhygieniker, mögen ihr« politischen Ansichten sonst reaktionär sein, den Krieg vom rassen- hygienischen Standpunkt aus verwersen. Uns wird dieser Standpunkt erst klar, wenn wir uns vor Augen holten, daß die Aufgabe der sozialen Hygiene sich auch auf die zukünftigen Genera- Lienen erstreckt, d. h., daß zu den wichtigsten Wirkungsgebieten der sozialen Hygiene die Fortpflanzungshygien« gehört. Aber schon in der heutigen Generation hat die sozial« Hygiene wichtige Aufgaben, die sie mit größerem oder geringerem Erfolge zum Teil schon gelöst hat. Wir können dies an Hand eines Beispieles klar machen. Tuberkulose gehört zu den ver- breitetsten Krankheiten. Sie hat aber die Tendenz, sich zu ver- ringern. Warum? Bersoigen wir den Gang der Tubertulosesterb- lichkeit und ihre Ursachen im Laufe der Jahrzehnte, so können wir feststellen, daß im lg. Jahrhundert die Tuberkulose, um mit Karl Marr zu sprechen,„eine Lebensbedingung des Kapitals" war. Sie wurde als eine Gewerbetrankheit bezeichnet, denn sie forderte besonders viel Opfer in den Industrieländern. Wir müssen uns die Lag« der Arbeiterklasse im Zeitalter des Frühkapitalismus mit den besonders argen Wohnungsoerhältnissen. mit der langen Arbeitszeit und rücksichtslosen Ausbeutung von Prolewrierfrauen und-kindcrn vergegenwärtigen. Nun dürfen wir aber nicht den Fehler machen, unter„Gewerbekrankheit" nur die mit der direkten Arbeit im Betriebe erworbene.Krankheit zu verstehen, sondern auch alle die Scbädigungen, die dem Arbeiter aus seiner gesamten Lebens- läge e-rvachsen. Unter diesem Gesichtspunkt müssen wir auch die Tuberkulose und ihre Ausbreitung betrachten, denn sie steht in enger Beziehung zur Frage der Wohnung, der Ernährung usw., die die körperlickze Widerstandskraft des Menschen, die grundlegend für die Verbreitung der Krankheit und ihre Bekämpfung ist, wesentlich bedingen. Die Arbeiterklasse bot der Tuberkulose daher einen günstigen Beden, so lange sie noch nicht organisiert war. Noch vor einem Lierteljahrhundert hat der große Proletarier- maler Hans Baluschek ein Bild unter dem Namen„Die Schwind- süchtige" gezeichnet, das er in dem Zyklus„Die Opfer" eingereiht Hot. Die Opfer des Jndustrialismus, denn auf dem Bilde sieht man einen durch Mauern von der Sonne abgesperrten Hof, Fabrik- gebäudc und rauchende Schornsteine im Hintergrund. Auf diesem Hof nun sitzt eine schwindsüchtige Prolelarierin und wärmt sich an den spärlichen Sonnenstrahlen, die die Mauern durchlassen. Die Paralellität zwischen der sozialen Lage und der Tuber- wlosestsrbücheeit hat man zunächst in England erkannt, und Wie bekämpft man den Krebs? Erste Anzeichen— Die verschiedenen Arten— Rechtzeitige Behandlung notwendig Die öffentlichen Körperschaften beschäftigen sich intensiv mit der Bekämpfung der großen Volksseuchen. Es gibt ein deutsches Reichs- gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und ein preußi- sches Tuberkulosegesetz. Die Stadt Berlin hat ein weitverzweigtes Netz von Tuberkulose- und Geschlechtskranken-Fürsorgestcllen. Bon der Krebsbekämpfung hört man eigentlich weniger-, trotzdem steht der Krebs in der Reihe der Todesursachen im Deutschen Reich an dritter Stelle nach Altersschwäche und Krankheiten der Kreislaufovgane, und vor der Tuberkulose. Es starben an Krebs im Jahre 1327 68 945 Menschen gegen 66 255 im Jahre 1326. An Tuberkulose starben 1327 53 637 Menschen, im Jahre 1926 61 463. Man sieht also, daß die Zahl der Todesfälle an Krebs nicht nur höher ist als die an Tuberkulose, sondern daß die Zahl im Jahre 1927 gestiegen ist gegenüber dem Vorjahre, während die Zahl der Tuberkulose-Todesfäll« zurückgegangen ist. Wenn es trotzdem nicht im eigentlichen Sinne eine systematische Krebsbekämpfung gibt, so ist das darin begründet, daß dl« Natur dieser Krankheit noch nicht völlig erforscht ist und man heute noch nicht sagen kann, auf welche Art man die Ent- stehung eines Krebses vermeiden kann. Mit einiger Sicherheit ist wohl zu sagen, daß der Krebs kein« Jnfektionskrank- heit ist, also nicht durch lebende Erreger hervorgerufen und von Mensch zu Mensch übertragen wird. Ein Krebskranker ist daher für feine Umgebung ungefährlich, im Gegensatz zu dem Tuber- kulosekranken, der seine Krankheitserreger ausstreut und«ine ständige Gefahrenquelle für die Menschen bedeutet, die mit ihm die Wohnung oder gar den Schlafraum teilen müssen. Hier sind also schon verschiedene Gründe, warum die Krebsbekämpfung andeXs sein muß als die Tuberkulosebekämpfung und warum man über- Haupt kaum von einer systematischen Krebsbekämpfung sprechen kann. Einmol kennen wir nicht die Ursache der Entstehung und wissen daher auch nicht, wo wir mit der Verhütung bei dem Individuum einzusetzen haben, zweitens kommt ein« Uebertrag- barkeit nicht in Frage, womit alle Probleme, die den Schutz der Umwelt betreffen und die sowohl bei der Tuberkulose als auch bei der Geschlechtskrankheitenbekämpfung eine so große Rolle spielen, beim Krebs fortfallen. Die hohe Sterblichkeitsziffer beweist aber trotzdem, daß dem Krebsproblem die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden muß. Man kann nicht sagen, daß die Häufigkeit des Krebses an sich steigt. Der Krebs ist die typische Krankheit des reiferen Alters. bei Kindern und Jugendlichen kommt er relativ selten vor. Nun hat sich aber durch den Geburtenrückgang der letzten 15 Jahre die Alterszusammensetzung des deutschen Volkes stark verändert. Die älteren Jahrgänge sind unverhältnismäßig stark besetzt, so daß da- relativ häufige Erscheinen des Krebses als Todesursache nicht ver- wunderlich ist. Auch in der Diagnose des Krebses ist man heute sehr viel sicherer als in früheren Zeiten, und es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß früher eine große Anzahl von Todesfällen unter allgemeinen Diagnosen liefen, die heute als Krebs richtig statistisch erfaßt werden. Muß man sich nun mit dem Vorhandensein des Krebses als eine der häufigsten Todesursachen abfinden und steht man dieser Krankheit vollständig machtlos gegenüber? Zu einem solchen Pessimismus ist durchaus keine Veranlassung vorhanden. Im Gegen- teil ist es eine dringende Notwendigkeit, daß sich die Aufklärung recht intensiv mit dieser Frage befaßt. Wenn wir auch noch nicht sagen können, wie der Krebs entsteht und wie man seine Ent- stehung verhindern kann, so kann man doch sagen, auf welche Symptome zu achten ist, um ihn möglichst frühzeitig zu erkennen und zur Behandlung zu bringen. Nur ein frühzeitig erkannter und behandelter krebs bietet Aus- ficht auf Heilung. Gleichgültigkeit gegen Kankhcitserscheinungen, Sorglosigkeit gegen- über dem eigenen Körper ist eine Krankheitserscheinung des deut- schen Volkes, die ganz allgemein ungeheuren Schaden anrichtet, die aber tödlich wirkt, wenn es sich um Krebs handelt. Der Krebs tritt auf als eine Geschwulst. Diese Geschwulst kann an allen Organen des Körpers in Erscheinung treten. Bei den Frauen ist eine der häufigsten Formen der Br u st- drüsenkrebs. An diesem Organ sowie an jeder Stelle, von der aus er äußerlich bemerkbar ist, kann die Feststellung, daß sich eine Geschwulst bildet, eigentlich von jedem Laien getroffen werden. Schwieriger ist es selbstverständlich, eine Geschwulstbildung zu er- kennen, die an einem inneren Organ lokalisiert ist. Nun ist nicht etwa jeder kleine Knoten, den man in der Haut oder in der Brust- drüse einmal wahrnimmt, Krebs. Es gibt auch eine große Anzahl von gutartigen Geschwülsten, die völlig harmlos sind. Zweck dieser Ausführungen soll nicht etwa sein, dos Publikum zu veranlassen, selbst eine Diagnose zu stellen, man soll auf jede Geschwulstbildung achten und sofort einen Arzt zu Rate ziehen, um fest- stellen zu lassen, ob es sich um Krebs oder um etwas Gutartiges handelt. Sehr verdächtig auf krebs ist jede Geschwulst, die ein schnelles Wachstum zeigt. Mit dem schnellen Wachstum geht ein ausgesprochener Kräste- verfall einher, so daß die Menschen meist ein schweres Kranthsits- gefühl haben, auffallend elend aussehen, aber doch noch, da sie häufig im Beginn keine ausgesprochenen Schmerzen haben, ihre ganze Energie zusammennehmen und nicht auf den Gedanken kommen, daß etwa die kleine Geschwulst, die sie in der Brustdrüse bemerken, die Ursache einer wirklich schweren Erkrankung ist. Sitzt der Krebs an inneren Organen, dann hat er dieselbe Tendenz, schnell und stark zu wachsen und je nach der Lokalisation macht er ganz bestimmte Beschwerden. So kann z. B. ein Krebs in der Speiseröhre die Nahrungsaufnahme unmöglich machen, während bei Magenkrebs die Nahrung wohl geschluckt werden kann, aber unter Umständen wieder erbrochen wird, der Unter- leibstrebs führt zu schweren unregelmäßigen Blutungen usw. Blutungen können bei jeder Form des Krebses entstehen, wenn durch die wachsende Geschwulst ein Blutgefäß beschädigt wird. Blutiges Erbrechen, Blutabgang mit dem Stuhl und unregelmäßige Untcrleibsbluwngen im Verein mit anderen Beschwerden und etwa einer fühlbaren Geschwulst sind daher verdächtig auf Krebs, wenn solche Blutungen selbstverständlich auch aus vielen anderen Anläsien herrühren können. Unterleibsblutungen sind b e- sonders verdächtig bei Frauen, in höherem Alter, j e n- feits der Wechseljahre, wenn die monatlichen Blutungen bereits aufgehört haben. Wird der Krebs nicht rechtzeitig behandelt, dann entstehen sogenannte Metastasen, das sind Tochtergeschwülste, die an einem anderen Organ, häufig weit entfernt von der Mutter- geschwulst, auftreten können. Sind solche Metastasen in lebens- wichttgen oder inoperablen Organen entstanden oder ist die Aus- gangsgeschwulst so groß geworden, daß sie nicht mehr zu entfernen ist, dann ist der Krebs unheilbar geworden, und die Menschen gehen, häufig unter großen Oualen, zugrunde. kommt der krebs rechtzeitig zur Behandlung, dann wird er operativ entfernt und durch Nachbehandlung mit Röntgen- oder Radiumstrahlen kann man in den meisten Fällen ein RUederausslackern der Krankheit vermeiden. Erforderlich ist, daß der Krebs vollständig operiert wird, und diese vollständige Operation ist nur möglich, wenn die Krankheit noch nicht so weit fortgeschritten ist, daß zu große Teile des Organes zerstört sind. Wenn wir auch in erster Linie den Krebs erforschen müssen. bevor eine systemalische Bekämpfung möglich ist, so ist es doch heute schon möglich, durch Aufklärung darauf hinzuwirken, daß die Krankheit, die im Beginn heilbar ist, geheilt wird, und sowohl die Zahl der Todesfälle als auch die Zahl der Fälle, die durch diese Krankheit ein langes und qualvolles Siechtum erleiden, herab- zusetzen. Die C h a r i t e besitzt im Krebsforschungs- Institut eine Abteilung, wo fachärztliche Untersuchung und Behandlung erfolgt. Auch die Stadt beschäftigt sich neuerdings mit der Organisation der Krebssürsorge. Die ver- sicherte Bevölkerung hat ja an sich die Möglichkeit, bei jedem Krankheitsverdacht einen Arzt zu Rate zu ziehen und sich der not- wendigen Behandlung rechtzeitig zu unterwerfen. Den wichtigsten Teil der Krebsbekämpfung muß die Bevölkerung selbst übernehmen, indem sie von diesen Möglichkeiten Gebrauch macht. Dr. Käthe Frankenthal. seitdem man angefangen hat, großzügig« Sozialpolitik zu treiben, vor allem eine gesunde Arbeiterwohnungspolitik, hat eine Verringerung der Tubertulosesterblichtcit sich anbahnen und Fortschritt« machen können. Die Abichafsung der Lebens- m i t t e l z ö l l e Hot dazu das ihrige beigetragen. Denn die dadurch gesteigerten Reallöhn« haben die Widerstandskraft der Arbeiter ge- hoben und der verheerenden Krankheit dadurch unmittelbar ent- gegengewirkt. England zeigt jetzt trotz des ungünstigen Klimas die niedrigste Tuberkulosesterblichkeit. So hat die englische Wohnungs- und Ernähningspolitik, die nicht zuletzt dank der Bestrebungen der Trade Unions erkämpft wurde, ihren starken Anteil cm der Der- ringermrg und damit bedeutenden Einfluß auf den Gang der Tuber- kulosesterblichkeit gehobt. Dieselbe Tendenz eines allmählichen Sinkens der Tuberkulose- stcrblichkeit herrscht auch in den anderen Ländern Ja, der Vergleich der Statistiken der Industrie- und der Agrarländer zeigt die günstige Lage der ersteren, denn die Jndustrialisiermrg hat während der letzten Jahrzehnte nicht nur Fabrikrauch und-staub sowie andere Mißstände hervorgebracht, sondern auch positive Wirkungen gezeitigt. nämlich den gewerkschaftlichen Zuf am m e n s ch l u ß der Arbeitermassen. Durch diesen bewußten Aufstieg der Ar- beiterbevölkerung wurde«in stärkerer Ausgleich für die mit der Industrialisierung verbundenen hygienischen Mißstände sowie z. T. ihre Beseitigung ermöglicht. Aus diese Weis« wird es klar, warum die Tuberkulosesterblichkeit in Agrarländern, trotz der besseren Lust- beschafsenheit und trotz der überwiegenden Beschäftigung ihrer Be- wohner im Freien, größer ist als in Industrieländern, deren Be- völkenmg sich in besserer Lage befindet. Dieselbe Erklärung gilt auch für die Tatsache, daß akute Infektionskrankheiten, wie Typhus u. a., in den Industrieländern so gut wie verschwunden sind, während sie in Agrarländern wuner noch große Opfer fordern. Der uns zur Verfügung stehende Raum erlaubt uns nicht, auf die ausführliche Analyse der Ursachen der verminderten Säuglings st erblichkeit zu verweisen. Es steht jedoch fest, daß die sich ausbreitende Gesundheitsfürsorge hier ihren starken Anteil hat. Die Ausgestaltung der Gesundheitsfürsorge steht aber mit der Demokratisierung der Kommunalverwaltung in enzcer Ver- bindung. Auch hier also ist der Einfluß der Arbeiterklasse spürbar. Am 27. Februar d. I. hat auch die Reichsregierung„Richtlinien über Gesundheitsfürsorge in der versicherten Bevölkerung" heraus- gegeben. Diese Richtlinien sind noch verbesserungsbedürftig, wobei es auch hier auf die Machtverhältnisse ankommt. So ist die sozial« Hygiene jetzt eine der wichtigsten Angelegenheiten der Arbeiterklasse. Di« Gewerkschaften haben dies« wichtige Tatsache erkannt und eine Resolution gefaßt, in der die Verbreitung des sozial- hygienischen Unterrichts gefordert wird. Leider sind wir noch nicht so weit.____ Der grüne Star, eine Augenerkrankung, die früher unweigerlich zur Erblindung führte, wurde seit geraumer Zeit operativ nnt einigem Erfolg be- handelt. Jedoch hatte die Operationsmethode den Nachteil, daß der Erfolg meist zeitlich begrenzt war. Der Berliner Augenarzt Dr. Karl Hamburger hat mit Unterstützung der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft ein« neue, voraussichtlich dauerhaftere Be- Handlungsweise eingeführt. Er ruft durch Reizung mit dem Höllen- steinsttst künstlich eine Entzündung hervor, deren Stärk« je nach Bedarf regulierbar ist und die wieder aufgehoben werden kann. Zur Herabsetzung der Blutfülle benutzt er einen Nebennierenextrakt, der injiziert oder direkt ins Aug« eingeträufelt werden kann. Die beiden Ursachen des grünen Stars(Verhärtung des Auges, übermäß- Dlutfülle der Augenhäute) werden auf diese Werse behoben. ROMAN vor &JCE H. DEVBERRyS Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden (11. Fortsetzung.) „Das möchte ich dich fragen. Komm mir nach, m das Cafö dort drüben. Ich mutz mit dir reden." Tommy gehorchte,«r folgt« dem Spitzel in dos um dies« Stunde leere Cafö und setzte sich an dessen Tisch. „Dich hätte ich nie und nimmer zu sehen erwartet, Tommy Anderson", sagte Calmer. „Still, ich heiße Louis Carvmtle." „Wie?" Dem Spitzel sprangen vor Staunen die Augen fast aus den lichten. „Wie? Du bist also der verdammte Kerl von der Agentur Pinkerton?" „Woher weißt du das?" Nun war an Tommy die Reihe zu staunen. John Calmer wurde etwas verlegen. „3ch habe es erfahren", entgegnete er ausweichend. Dann starrte -r den jungen Mann an, grinste plötzlich über das ganze Gesicht und slüsterte: „Und Calvin Füller ist tatsächlich auf dich hereingefallen?" „Ja. Aber John, nicht wahr, du wirst..." „Wofür hältst du mich denn? Glaubst du, daß ich«inen alten Freund verrate?" fragte der Spitzel empört. „Früher warst du ein anständiger Kerl, John: und wir waren ja wirtlich gute Freund«. Wie geht's Jenny?" „Gut." „Und was treibst du hier? Immer noch beim alten Beruf?" John Call,, er wurde abermals verlegen, ja, er errötete sogar. „Nein, leider nicht. Jenny hat es mit der Religion bekommen und wollte keinen Einbrecher mehr zum Mann. Sie sagte:„Eni- weder du führst einen tugendhasten Lebenswandel, oder ich lasse mich scheiden und geh« mit den Kindern fort!" Was sollte ich machen? Ich konnte doch die Kinder nicht verlieren." „Und was bist du jetzt?" fragt« Tommy neugierig. John Calmer kratzt« sich hinter dem Ohr. „Ja... siehst du, Tommy... ich war doch an keine regelmäßige Arbeit gewöhnt... man findet auch so schwer etwas... und die Kinder müssen doch leben: es sind noch drei hinzugekommen, einmal Zwillinge... und da, nicht wahr..." Er stockte, blickte Tommy kläglich an. Der verlor die Geduld. „Sprich doch, Mensch, ich kann nicht bis zum Abend hier sitzen und warten. Wo arbeitest du?" „Bei der Agentur Cardigan", stammelte der einstige Einbrecher schuldbewußt. „Pfui Teufel!" Tommy warf dem Freund aus seinen früheren Taschendiebtagen einen ehrlich empörten Blick zu. „Du, John? Ich kann es kaum glauben. Du hilfst Calvin Füller die armen Teufel unterdrücken? Schämst du dich denn gar nicht?" „Doch," gestand John Calmer,„ich schäm« mich. Aber was soll man machen? Jenny ließ mir keine Ruhe." „Sie findet also, daß das Spitzeln ein anständiger, tugendhafter Beruf ist", fauchte Tommy. „In der Bibel steht, daß man nicht stehlen darf, das Spitzeln aber wird gar nicht erwähnt, und Jenny hält sich streng an die Bibel. Außerdem", fügte John Calmer entschuldigetid hinzu,„bespitzle ich augenblicklich wirklich keinen armen Teufel, sondern einen Millionär." Tommy starrte den einstigen Freund einen Augenblick verständ- nißlos an. dann begriff er und begann zu lachen. „Ach so, du bist also Jacks Schatten! Das ist famos!" Er blickte dem anderen ins Gesicht. .Lohn, sag' die Wahrheit, um der alten Tage willen, kann ich mich auf dich verlassen?" „Ja, Tommy." „Wenn mich aber dein« gotteasürchtige Frau sieht? Kannst du sie bewegen, den Mund zu halten?" „Jenny kränkelt seit einem Jahr, geht fast nicht aus dem Haus." „Das freut mich", meinte Tommy roh. aber der Gatte der gottessiirchtigen Frau verzieh ihm diese Herzlosigkeit. John Calmer neigte sich vor, sprach leise, sehr ernst: „Sei auf der Hut, Tommy. Cardigan ist wütend auf dich. Er hat seinen Leuten eine Belohnung versprochen, wenn sie über dich etwas Nachteiliges herauskriegen können. Es ist nicht ausgeschlossen, daß einer von ihnen seinerzeit deinen Steckbrief gesehest hat, dich wiedererkennt." „Unsinn! Ich lebe nun seit einem Jahr wieder in Amerika, und niemand hat mich erkannt." „Sei trotzdem vorsichtig." „Ja." Tommy streckte dem Spitzel die Hand hin: „Danke. Hör mich an, John, alter Kerl, solange der Streik währt, bleib du du nur ruhig bei der Agentur Cardigan. aber nachher... es geht nicht an, daß«in so anständiger Mensch wie du einen so gemeinen Beruf ausübt." „Das sag' ich mir ja selbst oft. Tommy. Aber was soll man tun? Du verstehst das nicht, bist nicht verheiratet. Heirate um Gottes willen nie eine Frau, die in Religion macht, das ist die Hölle auf Eiden." John Calmer seufzte tief, nickte Tommy noch einmal zu und verließ das Cafö. Am Abend begleitete Calmer Tommy und Jack zum Heim der Gordons, meinte dann: „Wozu soll ich im dunklen Hausflur stehen. Ich gehe heim. Wenn Sie an meinem Fenster vorüberkomwen, Herr Füller, so pfeifen Sie, damit ich Sie heimbringen kann. Wer Herr Carbuckle soll sich im Schatten halten." Jack, den Tommy über hie Person seines Schottens aufgeklärt hatte, versprach es. Sie fanden David Gordon äußerst verstimmt vor. Di« Stim, mung unter den Streikern wurde immer gedrückter, und seitdem in den Streikkllchen die Rotionen verkürzt worden waren, gaben die Frauen den Männern keine Ruhe mehr, verlangten, daß sie an die Arbeit zurückgehen. „Unsere Leute", erklärte David,„leiden furchtbar unter dem Gefühl der Ohnmacht. Run liege« die Betnebe bereits seit fast zwei Monaten still, und Calvin Füller rührt keine Hand. Er fährt mit vergnügtem Lächeln im Auto durch die Stadt, scheint sich überhaupt für das Ganze nicht zu interessieren. Es wäre weit besser, wenn Streikbrecher kämen, selbst auf die Gefahr hin, daß die eine oder andere Fa'rit d' A'be' wieder aufnimmt. Wenigstens würden unsere Leute wütend werden. Aber so..." „Haben wir denn keine Genossen hier?" erkundigte sich Tommy. „Unter den Streitern zehn, im Komitee außer Bessy, dem Bater und mir nur Charles Ashleigh. Ich sag dir, Tommy, es ist kaum zu glauben, wie wenig klassenbewußt die Arbeiter von Fullersoille sind. Jede„offene Werkstatt"-Stadt ist gräßlich, aber ich glaube. Füllers- ville ist die ärgste von allen. Die Leute erschrecken ja, wenn man nur das Wort„Workers Party" ausspricht. Ashleigh und ich rennen herum wie verrückt, gehen von Haus zu Haus, aber hinterher kommt der katholisch« Pfarrer gelaufen— Calvin Füller weiß sehr gut, weshalb es in Fullersoille drei katholische Kirchen gibt— und macht den Weibern die Hölle heiß." „Ja", fügte Bessy Gordon mit ihrer sanften müden Stimme hinzu.„Und auch die Quäker erschweren uns die Arbeit. Viele von ihnen, wie zum Beispiel die alte Crock, meinen es wirklich gut, helfen auch finanziell, wo sie können, aber sie predig«» immer Versöhnung, Feindeslicbe,«s ist..." Sie konnte den Satz nicht beenden, die Tür wurde ausgerissen und Charles Ashleigh stürzte herein, bloß, mit verstörten Zügen. „David! Jack!" rief er.„Das Geld ist fort! Gestohlen!" „Wie?" „Was?" „Unmöglich!" „Wann hast du es bemerkt?" Alle sprachen durcheinander. Ashleigh wischte sich den Schweiß von der Slirn und fiel schwer aus«inen Sessel. „Vor einer halben Stunde. Wir müssen doch morgen Mehl kauf«»: ich wollte dos Geld herausholen... Und... Kein Cent ist mehr da." „Wo hattest du das Geld aufbewahrt, Genosse?" fragte Tommy. „In einer feuersicheren Kasse. Ich hatte sie einmal von einem Onkel geerbt. Sie war nicht erbrochen. Jemand, der das Wort konnte..." „Was war das Wort?" wollte Tommy wissen. „Debs, für diese Woche." „Und wer kannte das Wort?" sprach David Gordon hart. muß siegreich durchgeführt „Alle Mitglieder des Gehermkomitees. Das mußte fein, für den Fall, daß der eine oder andere von uns verhastet würde." David Gordon sagte heftig: „Das ist unser« Schuld. Wir hätten schon längst den Spitzel ausfindig machen müssen." „Es muß also unbedingt einer von den beiden I. W. Ws. sein," meint« Tommy. „Wie heißen sie, Jack?" „Fred Duggan und Alf Buster." „Für eine Woche sind wir noch versorgt!" rief Charles Ashleigh oerzweifell.„Aber dann..." „Weshalb bin ich nicht einen Monat früher zur Welt ge- kommen," seufzte Jack. „Bricht der Streik jetzt zusammen," sagte Bessy Gordon,„so sind die Lerite für Jahre hinaus entmutigt. „Er darf nicht zusammenbrechen' „Was immer geschieht, der Streik werden." „Die Gewerkschaft..." warf der alte Gordon ein. „Unsinn!" rief Tommy heftig.„Ihr habt ja gesehen, daß auf die kein Verlaß ist. Nachdem die zwei von ihr gesandten Organisatoren geschnappt worden sind, hat sie den Mut verloren, nennt den Streik, um sich zu rechtfertigen, einen wilden Streit, der sie nichts angeht. Hätte mich nicht die Partei auf eigen« Faust hergeschickt..." „Ja", meinte Ashleigh,„von der Gewerkschaft können wir nichts erwarten." Tommy, der ein« Weile nachdenklich geschwiegen hatte, ergrijf das Wort: „Das Geld Ist das wenigste, Geld n>erden wir schon irgendwie austreiben. Die Hauptsache ist! daß wir den Spitzel erwischen." „Eine schwere Sache. Keinem von den beiden, die wir ver- dächtigen, ist etwas nachzuweisen." „Sind die zwei verheiratet?" fragte Tommy unvermittelt. „Fred Duggan hat eine Frau, Als Buster ist Junggeselle." „Hat er nicht einmal ein« Freundin?" sorschte Tommy weiter. „Doch", erwiderte Bessy Gordon.„Eine kleine Verkäuferin, Angel Wing. Aber weshalb willst du das wissen, Genosse?" „Weil ich gut mit Frauen fertig zu werden verstehe", entgegnete Tommy mit einem gewissen Stolz.„Wo arbeitet das Mädchen?" „In Cranburys Drogeric." „Gut. Ich will sehen, was sich machen läßt." Sie saßen noch etwa eine Stunde beieinander, berieten sich, besprachen allerlei. Dann gingen Tommy und Jack. Si« pfiffen, wie sie es versprochen hatten, vor Calmers Heim, und der Spitzel kam gelaufen. .Lohn", sprach Tommy.„John, alter Freund, du mußt uns einen Dienst erweisen." John Calmer zuckte beunruhigt die Achseln. „Was willst du denn, Tommy?" „Niemand wird je erfahren, daß wir es von dir wissen, John", bettelt« Tommy und schob seinen Arm unter den des Spitzels. „Also los, was willst du?" „Wer ist der Spitzel im Geheimkomitee?" „Herrgott. Herr Füller hat mich in dieser Sache schon halbtot gequält", stöhnte John Calmer. ,Lch weiß doch selbst nicht, wer der Kerl ist. Das ist Cardigans Star-Spitzel, den behält er für sich. Herr Füller wollte mir nie glauben, daß ich den Namen nicht weiß." (Fortsetzung folgt.) IVAS DER TAG BRINGT. wmiiiiiiiiinininiiniiiiinninmiHiiiiiiiiiiiiinmiflniimiiniiiimininimiinuiiiuiiniiniiiraiiiitiimulniiimiiiiniiimiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiuiuiiiiiiiiiiiHitimtiiiiinNg Die Schule der Zukunft; Auf einem Pädagogen-Kongreß in den Vereimgten Staaten unterhielt man sich darüber, wie die Schule von 1S79 aussehen würde. Man sprach die Hoffnung aus, daß die Untetrichtsgebäude nicht mehr in den Städten, sondern auf dem Lande inmitten weit ausgedehnter Spielplätze liegen sollten: daß je nach den einzelnen Unterrichtsthemen Bibliotheksräum«, Musik-, Literatur- und Sport- gebäude eingerichtet würden. Der Unterrichtsplan, der bisher immer vom Standpunkt des Erwachsenen aufgestellt wurde, soll dann vom Kinde ausgestaltet werden. Um jede» Anzeichen von Unterordnung zu vermeiden, müssen auch die Pult« verschwinden, und der Verkehr zwischen Lehrern und Kindern soll schon in frühesten Jahren' den Charakter der Kollegialität tragen. Die 114 Brandopfer des Sowjetkinos, Die Presse berichtet« über den schrecklichen Kinobrand in dem Dorf« Kleln-Jgolkino, Gouvernement Nischninowgorod, der 114 Menschenopfer kostete. Die Sowjetblätter befassen sich immer wieder mit der Katastrophe. In Moskau fand vor kurzem eine öffentliche Diskussion über die Ursache» des Brandes statt. Ein gerichtliches Nachspiel ist zu erwarten. Di« Leningrader„Rote Zeitung" schildert ausführlich die Umstände, unter denen der Brand entstand, und offenbart dabei Ding«, die man kaum für glaubhaft Dienstag, 30. Juli. Berlin. 16.00 Marcnse: Der Sternhimmel int Monat August. 16,30 Ailred Wolfenstein: Heutige Volltsspiele in antiken Arenen. 17.00 Jaset WeiO: a) Zwei Rhapsodien op. 73: b) Qeharnisohter Waller aus on. 63; e) Hexentanz aus op. 71.(Der Komponist am fltlgel). 17.30 Unterhaltungsmusik. Anschließend: Mitteilungen des Arbeitsamts Berlin-Mitte. 18.40 Stande mit Büchern. Berlin von heute. Am Mikrophon; Dr. M. Arendt. 19.10 Alfred Man es:„Streifzüge durch das Versicherungswesen." 19.36 Dr. Artur Kürschner: Berlin an der Nordsee, 20.00 Aua dem Zoo: Konzert, 21.00 Konzert. Dirigent: Prot. Hugo Rüdel. I Heinrich Schallt: In Ewigkeit, Hymnns für fünlstimrnigen gemischten Chor. Orgel, Harle, Solovioline und Qeigcnehor. 2. Wilhelm Borger: Gesang der Qeiater über den Wassern, op. SS, für vierstimmigen gemischten Chor und Orchester. 3. Claude Debussy; Dia Auserkorene, für Frauenstimmen, Solochor und Orchester.(Die ErzShiarin, Altsolo; Maria Peschken; Die Auserkorene. Sapransolo: Emmy von Stetten.) d. Hugo Wolf: Morgenhymnus für gemischten Chor und Orchester.(Berliner Funkorehester, Berliner Funfc-. eior.) Nach den Abendmeldungen Bildfunk. KSnlgswosterhausen. 16.00 Ob.-Reg,-RJtid Albrecht; Die Qcwerbelehrerin. 16.30 Oh.-Stud.-Dlr. Prof. Dr. Werner und Mitwirkende; Die deutsche Ballade in Wort und Ten, 17.00 Nacitmktngskonzer; van Leipzig. I8.C0 Karl Oraef: Spracblaute. Artikqlatien. 18.30 Claude Qrander; Die Erkenntnis des Menschen in der franzSsischen Literatur. 18.55 Hans von Kleist: Der Ach' im neuen Staat. 19.20 ReinhoM Stahl! Deutsche Meister der Karikatur. Halten würde, wenn si« nicht leider all zu wahr wären. Die Vor- führung fand in der Werkstatt der Produktionsgenossenschaft der Metallarbeiter statt. Obgleich der Raum nur für 120 Personen berechnet war, hatten sich 250 zusammengedrängt. In der Werkstatt gab es verschiedene Oele, Lack und Spiritus: erst vor vier Tagen hatten sich aus einem geplatzten Behälter mehrere Kilo Petroleum über den Fußboden ergossen. Das Publikum rauchte trotzdem lustig drauf los. Es war Freitag und so gab es nicht wenig Besoffene. Der Lorsührungsapparat war vom Publikum nicht getrennt: der betrunkene Kinotechniker selbst spielte Harmonika und überließ die Vorführung irgendjemand aus dem Publikum. Als plötzlich der Brand entstand, war der Borsührer der erste, der zum Ausgang drängte und sich auch wirklich rettete. Der Zuschauer bemächtigte sich eine ungeheure Panik. Bor dem Ausgang bildete sich«in Menschen- knäuel, das den einzigen Ausweg versperrte. Die Fenster waren mit eisernen Gittern versehen. Ein Teil des Publikums stürzte in den Keller. Die Menschen verbrannten bei lebendigem Leibe. Als das Haus zusammenstürzte, fand man 114 verkohlte Leichen— 114 von 240 Zuschauern waren ums Leben gekommen, darunter 32 Kinder unter 14 Jahren. Die Moskauer„Arbeiterzeitung" ergänzt dieses Bild durch die Schilderung der unglaublichen Lynchjustiz, die die Bauern an den vermeintlichcn Schuldigen verübten. Sie warfen den Vorsitzenden der Produktionsgenossenschaft der Heimarbeiter einfach ins Feuer, so daß auch er lebendig verbrannte. Die„Rote Zeltung" schließt ihren Bericht mit der Feststellung: Schuld on der Katastrophe Ist der Suff, die Kulturlosigkeit, das mangelnde Ver- antwortllchkeitsgcfiihl, Nachlässigkeit, Verwahrlosung und Un- organisiertheit. Die Kunstakademie eines Negers, In der sonngedörrten Ebene von La Mancha, wo einst Don Quijote sein phantastisches Heldentum tummelte, liegt das Dörfchen Vollarrobledo, dessen ganzer Reichtum Sand und Stein ist. In dieses Dörfchen ist ein Neger von Kuba her verschlagen worden, ein Neger mit Maleraugen, der Gefallen fand an dieser graugelben Oede und seine Kunst an Stein und Sand versuchte. Er blieb nicht dabei, die Natur selbst zu porträtieren, er wollte sie auch durch andere porträtleren lassen. Er richtete in dem Dörfchen«ine Schule für Zeichnen und Malen ein, und bekam Zulauf. Die Bauern von Vollarrobledo entdeckten in der Kunst einen neuen Beruf für ihre zahlreichen Kinder, d!« der Heimatboden nur allzu kümmerlich er- nähr». Aus ollen Dörfern der Mancha kamen Kinder, d�e Künstler werden wollten, und die Behörden unterstützten den Kunsthunger des Volkes. Der Neger hat heute seine Schule, seine höchstpersönliche „Kunstakademie", in der nicht weniger als 250 Bauernkinder zeichnen und malen lernen. Daß einmal die Bauern der Mancha zum Pinsel greisen und daß ihnen«in Neger Unterricht in der Kunst erteilt, das hätte sich ihr alter Caballero auch in seinen kühnsten Phantasien nicht träumen lassen. Tonfilm und Prohibition. Ein amerikanischer Regisseur, der zurzeit einen großen Tonfilm dreht, im Laufe dessen man ein Restaurant sieht, in dem die Lebewelt verkehrt, hat bei der Regierung den Antrag gestellt, die Einfuhr von zwei Kisten Champagner zu genehmigen, da alle Versuche, den Klang ausspringender Champagnerpfropfen nachzubahmen. fehlgeschlagen seien. Nur wirtlicher Champagner erzeuge das eigentümliche Geräusch des„Pfropfenknalles". cffi&QtfeT�PO� Bahnrennen der„Solidarität". Gute Leistungen der Arbcitersportlcr. SOn Sonntag, dem 28. Juli d. I., veranstalteten die bundes? treuen Rennfalzrer des A r b e i t« r- R ad- und Kraft- fahrerbundes„Solidarität" ihre Trainings- und Prüfungs-Bahnrennen. Es sollte geprüft werden, was die Rennfahrer im Bahnfahr«» leisten können und welche Orts- gruppe die besten Bahnfahrer hat. Die Ergebnisse haben alle Er- Wartungen weit Übertrossen, denn in bezug auf Ausdauer als auch im Spurtvermögen haben die Bundestreuen sehr gutes geleistet, besonders Wilmersdorf und Lichterfelde verfügen üb«r auserlesene Fahrer, die zu den besten Hoffnungen berechrigen. Im Fliegerrennen waren drei Vorläufe erforderlich, außerdem ein Hofsnungslauf für die Zweiten und Dritten der Vorläufe. Für den Endlauf konnten sich Nitschke-Wilmersdorf. Zimmermann-Wil- Wersdorf, Erwin Uhlemann-Berlin placieren, dazu kam noch der Sieger des Hoffnungslaufs, Erwin Schwarz-Lichterfelde. Der letz- tere tonnte erst nach hartem Kampf in der Geraden den Sieg er- ringen. Interessant war auch ein S t ä d t e t a m p f zwischen Ber- lin, Charlottenburg, Wilmersdorf und Lichterfeldc Dieser Kampf wurde in 3 Läufen mit Punktwertung ausgetrogen. Hier zeigte sich der Wilmersdorfer Erich Schlumm feinen Konkurrenten weit überlegen, glückte es ihm doch, in allen 3 Läufen als erster durchs Ziel zu gehen und somit im Gesamtergebnis mit 15 Punkten vor Hans Reichenboch-Lichtcrfelde, Hans Eeits-Berlin und Schlichting- Eharlottenburg für die Ortsgruppe Wilmersdorf den Sieg nach Haufe zu fahren. Zum Punktefahren über 4 Kilometer mit 3 Wertungen stellten sich 7 Fahrer dem Starter. Hier gab es»inen scharfen Kampf um die Punkte, an dem sich besonders Reinholz, Peters und Hans Rüdetohl beteiligten. Di« beiden letzten Wer- tungen holte sich der Berliner Reinholz und damit auch den Sieg mit 13 Punkten vor Peters, Hans Rübekohl und Robert Uhlemann. Auch die Jugendklasse war sehr fleißig, denn in 3 Läufen, über 23 Runden und einem Vorgabesahren gingen Schufter, Hildebrandt und Wothe an den Start. Hier zeigt« der Charlottenburger Her- bert Wothe sein« große Ueberlegenheit, denn er konnte alle 3 Rennen auf sein Konto bringen, allerdings hart bedrängt von Schuster. Den Abschluß des Tages bildete ein Mannfchastsfahren (2 Fahrer eine Mannschaft) über 30 Kilometer(45 Runden) mit 3 Weisungen. Das Tempo war bereits In der ersten Hälft« des Rennens so scharf, daß schon in der 17. Rund« Heinz Rllbekohl»mb Peters überrundet wurden. In der 21. und 23. Runde wunden dann auch Zimmermann-Rückert, Hans Rllbekohl-Schlichting und Uhlemann-Reinholz überrundet. Di« führende Spitzengruppe bil- beten die Mannschaften Schlumm-Nitschke, Uhlenwnn-Seits, Reichen- bach-Schwarz. Diese setzten ihre Zermürbungstaktik fort mit dem Erfolg, daß einige Mannschaften eine zweit« Ueber- r u n d u n g einstecken muhten. Diese 3 Spitzenpaar« hotten sich somit auch alle Wertungen, doch brachte erst die letzte Wertung die Entscheidung. Kurz vor Schluß machten Schlumm und Nitschke einen kräftigen Vorstoß, der die Mannschaft etwa 150 Meter vor- wärt? brachte, damit war Ihnen die letzte Wertung sicher. Di« Mann- schaft Hans Rllbekohl-Schlichting konnte die an 4. Stelle liegenden Uhlemann-Reinholz überholen und sich somit den 4. Platz sichern. Das Rennen endete mit dem Sieg Nitfche-Schlumm(Wilmersdorf) vor Reichenbach-Schwarz(Lichterfeldc) und Uhlemann-Seits(Berlin). Srg«b»isse:?lieg«rr-nneii. 7. Vorlauf I. Nitschke: 2. Schwarz: 3. R. Utile. niatin. II. Vorlauf. I. Zimmermann: 2. lfloercke: 3. Heinz Rtibciobl. III. Vor- lauf. l. E. Uhlemann: 2. Neinholz: 3. Wothe. Hoffnungslauf. I. Schwarz: 2. R. Uhlemann: 3. Wothe. Endlauf. Sieger: E. Schwarz. Lichterfelde. Zeit 7:37,2; 2. E. Uhlemann, Berlin: 3. Nitfchle, Wilmersdorf.— Städte- ta«?!!!. Lauf. 1. Schlumm: 2. Zleichcnbach: 3. Scits: 4. Schlichting. N. Lauf. I. Schlumm: 2. Reichenbach: 3. Seits: t. Schlichting. III. Lanf. I. Schlumm: 2. Seits: 3. Reichenbach: t. Schlichting. Sefamtrefultot. Sieger: E. Schlumm, Wilmersdorf, Ih Punkte: 2. S. Rcichendach, 3 Punkte: 3. H. Seits, Verlin. 7 Punkte: i. Schlichting. Charlottenburg, 3 Punkte.— Punktefahren! 6 Runden?=<«ilometcr. Sieger: Reinhol,, Berlin, 10 Punkte: 2. Peters, Eharlottenburg, s Punkte: 3. Hans Zttibekohl, Charlottenburg, 7 Punkte: 4. R. Uhlemann, Berlin,« Punkte. Zeit 5:53,1. Jugendklasse. 1. Lauf, 2 Runden: 1. Wothe, Eharlottenburg: 2. Schuster, Berlin; 3. Hildebrandt, Berlin. 2. Laus. 2 Kilometer: 1. Wothe: 2. Schuster: 3. Hildebrandt. Vor. gabefahren: Z. Wothe. vom Mal: 2. Hildebrandt, 50 Meter: 3. Schuster. 20 Meter.— 30,Kilometer.Monnschaftsfahrcu. Sieger: Ritschke-Schlumm. Wil- Niersdorf, 24 Punkte: 2. Hans Zieichenbach-Echworz, Lichterfcld«, 18 Punkt«: 3. Erwin Uhlemann-Hans Seit«, Berlin, 18 Punkte: 4. Hans Rttbekohl- Schlichting, Eharlottenburg, 1 Rund« zurtick. 1 Punkt; 5. Uhlemann-Reinholz, Berlin, 2 Runden zurück, 4 Punkte. Zeit 47:55. Leidriattrietilc im Norden Berlins. Die Sportobteilung Nordring der FTGB. besteht nun fast zwei Jahr« und hat sich aus kleinen Anfängen zu einer stattlichen, fest geschlossenen Abteilung emporgearbeitet. Die erzielten Leistungen sind immer Gradmesser des Wachstums, und daran kann man bei) stetigen Aufstieg sowohl in der Leichtathletik als auch im Hockeyspiel feststellen. Ein Zeichen dafür, daß schaffens- freudige Funktionäre am Werke sind, etwas für die Allgemeinheit zu leisten. Als neuer Zweig wird jetzt auch das Handballspiel zu Betrieb hinzugenommen, und es ist zu erwarten, daß auch in dieser Sportart bald regstes Leben herrscht. Die Führer hoffen allerdings, daß sie weiter die Unterstützung der Bevölkerung des Nordens haben und daß alle fportsfreudigen Parteigenossen und Gewerkschaftler Mit- glieder der Abteilung werden. Platztraining jeden Mittwoch und Freitag ab 18 Uhr auf dem Sportplatz an der Schönhauser Allee. Aufnahmen und Auskünfte da- felbft oder bei Paul Malz, Berlin N. 54, Mulackftr. 11, und Egon Schlag, Berlin N. 113, Schivelbeiner Straße 22. Motorradpreis von Deutschland. Tyrell-Smith auf Rudge-With worth Gesamlsiegcr. Bei trübem, aber trockenem Wetter wurde am Sonntag auf dem großen, 28,8 Kilometer langem Rundweg« des R Ü r b u r g r i n g« s zum dritten Male der Groß« Preis von Deutschland sllr Motorräder ausgetragen. Vertreter von acht Rationen hatten sich angemeldet. Wie schon in den vorangegangenen großen europäischen Prüfungen der Saison waren auch hier die Engländer wieder mit einem großen Ausgebot zur Stell«. Aber auch die deutsche Industrie hatte stark gerüstet. Das Ringen um die Tagesbestzeit wurde zugunsten eines Engländers entschieden. Tyrell-Smith mit seiner schnellen Halbliter- Ruge-Withworth schoß den Vogel ab, nachdem über den größten Teil des Weges der BMW.-Fahrer Soenlus-Köln auf seiner 75(3« Kompressormaschine mit weitem Vorsprung geführt hatte. Das Rennen der 5<30er-Maschinen war überhaupt eines der gran- diosesten, das man bisher gesehen hat, konnten doch die fünf Erstplazierten den bisherigen Rekord von 98,415 Stundenkilometer verbessern. Besonder» hoch anzuerkennen sind die Zeiten, die Tyrell-Smith mit 192 Kilometer. Simcock-Eng- land auf Sunbeam mit 199.8 Kilometer und Stegmann-Reuölsnitz auf BMW. mit 199 Kilometer herausfuhren. Der Kölner Pätzold auf Sunbeam war in der 1999«r-Klasse der Schnellste, bei den 359«- Maschinen siegte der Engländer Handley auf Motosacoche, in der 259er.Klasse S. A. Crabtree-Cngland auf Hecker-Iap, und in der 175er-Klasse Geih-Pforzheim auf DKW. Meisterschaft von Berlin. Heute Dienstag abend 8 Uhr findet auf der Rütt-Arena die Meisterschaft von Berlin im loo-kilometer-Mannschaftsrennen statt, an dem 13 ausgesuchte, im gestrigen„Abend" veröffentlichte Paare teilnehmen. Mit Ehmer und Kroschel kommen die vorfährigen Meister an den Siart und da jeder mit einem anderen Partner fährt, dürften hier schöne Rivalenkämpf« zu erwarten sein. Kroll-Miethe. die am Freitag auf der Rütt-Arena und Sonntag in Krefeld den Sieg an sich bringen konnten, werben aber wahrscheinlich, da sie die best- eingefahrene Manirfckfast sind, den Sieg auch hier an sich reißen. Ader uuch Krüger-Funda, Lchmann-Wifsel und vor allen Dingen die Ge- brüder Wolke, die im Stettiner 25-Stunden-R«nnen ein großes Rennen fuhren und das auch Rudolf Wolke als überlegenen Sieger sah könnten den Sieg erringen. Wenn auch Beinert-Kantorowicz. Koch-Longardt. Behrend-Nickel sowie die anderen vier Mannschaften keine Siegesaussichten l>aben. werden sie doch versuchen, durch Jagten oder Rundengewinn das Rennen so Interessant wie möglich zu ge- stalten. Ein Hauptfahren mit 24 Teilnehmern vervollständigt das Programm Die Eintrittspreise sind volkstümlich gehalten. -ArbeUersporfler Grofj-Berlins im A.T. u. Sp. B. Zur Antikriegsdemonstration am Mittwoch, dem 1. August. treffen sich alle Sportler mit ihren Vereinssahnen in der Schule Danziger Straße ZZ(Umkleidelokal). Abmarsch von dort um IS Uhr noch dem Sportplatz Ariedrichohain. Rückmarsch mit Musik zum Umkleidelokal. AllerflSrkste Beteiligung wird erwartet. Der kreisvorstand: Reichert. lARBEfm TUSSBALL Resultate vom Sonntag. . Nur spärlich war das Fußballpragramm am letzten Sonntag. Verschieden« Vereine haben ihre Resultate der bekannten Stelle nicht übermittelt. Lichtenberg I spielte mit zwei Mannschaften gegen Luckenwald« I. In beiden Spielen blieben die Luckenwalder über- legene Sieger. Das Spiel der ersten Mannschaften endete 4: 9 für Luckenwalde, während das Spiel der zweiten Mannschaften mit 9: 9 von Luckenwalde gewonnen wurde. Lichtenbergs Jugend spielte zum erstenmal gegen Weißensee. Wenn die Lichtenberger dieses Spi�l auch mit 3: 9 verloren, so bedeutet dies doch einen Fortschritt für den Berein. Karow spielte mit der ersten Mannschaft gegen Havelberg 3: 9. Spandau 25 gegey Köstritz 3: 5. Spandau 25 II gegen Germania II 1: 8. Spandau 25 Jugend gegen Etche-Köpenlck Jugend 9: 4. $porl~GIos$en. Di« bürgerliche Sportpresse hat zu der Rede von Severing aus dem Nürnberger Arbeiterfportsest zum großen Teil Stellung genommen. Besonders zu der Stelle, wo er von der Absicht des Innenministeriums sprach, im kommenden Herbst die Vertreter aller Sport- und Kulturorganisa- tioneu zusammenzurufen, um sie alle„unter einen Hut" zu bringen. Die„Frankfurter Zeitung" meint hierzu, daß es„sicherlich die Absicht Severings sei, zu verhindern, daß in den Arbeitersportvereinen Sport zu«inseitig sozialistisch betont wird". Weit gefehlt. So ist auf keinen Fall der Sinn der Scveringschen Andeutung mit dem„Unter-den-Hut-bringen" gemeint. Was kommen könnte, wäre höchstens eine lose Arbeitsgemeinschaft im Sinne der seinerzeitigen Zusammenarbeit der Arbeitersportler mit dem Reichs- ausfchuß für Leibesübungen. Ob«ine solche, vielleicht nur ver waltungstechnische Arbeitsgemeinschaft möglich sein wird, möchten wir bei den allzu verschiedenen Idealen des bürgerlichen und Ar- beiterfports bezweifeln. Im Tennis tobt jetzt ein interessanter kleiner Streit zwischen dem englischen und Deutschen Tennisbund. Es gehi darum, ob der Deutsche Tennismeister Prenn in Wahr heit berechtigt war, an internationalen Kämpfen teilzuiiehmei, Prenn ist polnischer Staatsangehöriger, und die Engländer ör Haupte», er habe sich bis jetzt noch nicht naturalisieren lassen. Sir wollen beim internationalen Komitee den Antrag einbringen, daß nur noch Spieler der Nation an den Kämpfen mitwirken können. Eine nette Illustration für die Idee von der völkerverbindender Mission des Sports. In unseren Glossen der Woche schrieben wir vor einiger Zei: von dem katastrophalen Rückgang des Publikums e r f o l g e s in der bürgerlichen Leichtathletik. Wir haben vo» einem bevorstehenden Reinfall bei den Deutschen Meisterschaften in Breslau gesprochen. Und wir haben rech! behalten. Die Menschen, die sich den Kampf um die höchsten deut schen Sporttitel ansahen, waren in dem großen Oval des Breslaucr Stadions kaum zu sehen. Eben das gleiche Bild bei den Frauen Meisterschaften in Frankfurt a. Main. Dabei sind aber Frankfuri und Breslau äußerst sportfreudige Städte. Die Rekordllbcrkultur rächt sich bitter. Ein Zufall wollte es, daß zu gleicher Zeit in Nürnberg das 2. Deutsche Arbeiter-Turn- und Sport- f e st stattfand. Nicht einige wenige Hunderte waren herbeigeeilt, um den Wettstreit der Besten zu sehen, nein, weit über hundert- tausend belebten in jenen Tagen die Straßen Nürnbergs. Es ist dies nur ein einfacher Vergleich, vielleicht aber doch ein Symbol?— Der eine Zeitlang begrabene Streit zwischen Turnern und Sportlern scheint eine Neuauslage zu erleben. Die beiden Sportler aus dem Lager der Deutschen Turnerschaft, W i ch m a n n, der bekannte Karlshorster Läufer, und der Berliner S ch l i e, wurde» disqualifiziert, weil sie an den Meisterschaften der DSV. in Breslau teilgenommen haben. In den Reihen der Aktiven in der Deutschen. Turnerschaft herrscht augenblicklich eine starke Neigung, endlich gegen die veraltete Politik der Bonzen(Dr. Berger und Genossen) energisch Front zu machen. Die Jugend will Taten sehen und nicht immer die abgedroschenen Phrasen von„der deutschen Aufgabe der Dein schen Turnerschaft".— Amateursußballbund nennt sich der Deutsche Fußballbund mit Stolz. Verfolgt er aber auch einmai gelegentlich die„Wanderungen" der einzelnen„guten Spieler". Bc kanntlich will der hervorragende internationale jetzt bei Dresden spielende Hosmann mit Beginn der neuen Spielzeit„b c r u s- lich" nach Nürnberg übersiedeln, wo er dem IFEN, beitreten will. Der IFEN, versteht fein Geschäft. Es paßt eben nicht jeder in jeden Beruf— aber manch einer spielt eben hervorragend Fußball Ist ja auch ein ganz �utes Geschäft. Fragen Sie Hosmann. gee« Kan«. Union Geoß-Berlin. Treffpuult zur Teilnahme an der Ami Kriegokundgebung um IS'/i Uhr nur der Schule Danziaer Str. 23. Wi. demonstrieren in unserer Sportlerkleidung mit weißer Milhe. Gcnosstnnen mit Bootostanixr, Genossen mit Paddel. Kartell säe Prbeiteriport und»ärperPsleac«erlin E. V. 20. Brzirk Rci nickendors. Eißunfl am Mittwoch, dem Zt. Juli,»m 20 Uhr. im Volkshaus Reinickendors. Schornweberstroße. Wichtige Tagesordnung. Di« Borsttzende» und Techniker der Vereine sind verpslichtet. an dieser Sihung teilzunehmen Rudernerei»»vorwärt»". Wegen der Anti-Kriegsdrmonstration ain 1. August lindet die Tahrtcnansehun« am ssreitag, dem 2. August, 20 Uhr. stakt. Vorftandsstllung Dienstag, 5. August. Mitgliederversammlung Doancru tag, 8. August. Freie Schwimnur tSroß-Berlln<. V. Zur Demonstration„Nie wicdci Krieg" treksen sich olle Bereinsangehörigc am Donnerstag, dcm 1. Aunnh um IstZt Uhr. Danziger Straße. MIttelpromenadc lgegcnitber der Schul:!. Bundeskleidung erwünscht. Alle Gruppen und Vrreinsfahne» sind ml- zubringen._ Rcnnsahrer. Abteilung Berlin und Umgegend, Arbeitcr-Radsohrer-Bund „Solidarität-'. Zur Anti-Kriegsdemonstratio» am Donnerstag, dem 1. August, müssen olle Mitglieder pünktlich antreten. Rad und Sportlieidung. Trr, punkt 8<18 Uhr) am Senefelder Plaß, Rahe Ech»n>>ouscr Tor. vor Braucr. Dsesserlxrg. Von dort gemeinsame Absahrt zum Sainmelpuult der gesamten Sportler. Danziger Straße(an der Schönhauser ANee), Promenade. Der Reichs-Arbeiter-Sport-Tag. Kommunisten gegen Arbeitersport. Nachdem die Beauftragten der KPD. in Berlin mit ihren Spaltung-be strebungen nur erreicht haben, daß sich die gesunden Elemente im Arbeitersport fest zusammenfügten und die Bewegung auf gefund« Grundlagen stellten, versuchen setzt dl« Drahtzieher'n der Provinz ihr unsauberes und verbrecherisches Handwerk. In »erder a d H wollten einig« dieser unentwegten Großmäuler den dortigen Ärbeiter.Turn- und Sportverein, welcher vor kürzet» seine 50-Iahr.Frier begehen konnte,„erobern". Di« überwältigend« Mehr- heit des Vsretns lehnt« einen Antrag: Austritt aus dem ATuSB. glatt ab. Als man schließlich einsah, daß oll« Demagogie nicht, nutzte, gründet« man in Werder einen eigenen Laden. Dcm alten Verein ckt durch den nunmehr erfolgten Abgang jener Tolmirevolutionäre kein Schaden entstand«». Endlich ist der Verein befreit von senen Leuten. die da glauben, im Auftrage ihrer polittschen Drahtzieher die«r- beitersportbewcgung zum Rekrutendepot der KPD. zu degradieren, Groß« Zufammenkünft« und Veranstaltungen sollen immer die Kraft einer Bewegung dokumentieren. Auf sportlichem Gebiet sind die Olympiaden und Sportfeste der Gradmesser. Das Bürgertum mit seinen weitverzweigten Organifattonen und seinen reichen Geldmitteln konnte solche Veranstaltungen immer schon mit einem mächtigen„nationalen" Aufwand und sportlichen Heldentum in Szene setzen. Die Begeisterung ist jedoch etwas abge- flaut. St. Moritz und Amsterdam sind trotz olympiadenhafter Mache keine Zentralpunkte wahren internationalen Friedens- g e i st e s. Diese Sportveranstaltungen zeigten nur inhaltlose Sport- sexerei, überhebliches Sporttanonentum und Hächstleiftungszüchtung. Die großen Veranstaltungen der Arbeiiersportler zeigen einen ganz anderen Charakter. Gewiß haben es auch hier in den letzten Jahren unsere„Freunde" von links verstanden, in das entgegen. gesetzte Extrem zu verfallen. Sie nutzten auch solche Zusammen- künfte für ihre parteipolitischen Zweckei>einsch Filmeck Beginn: w-s6;Ä Skalitzer Straße, am Qörlitzer Bahnhof Erotik Serenissimus n. d. letzte Jungfrau Gute B&hnenschan Ufama~Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7, 9 Uhr Der Dornenweg einer Fürstin Der Heldenfnnge yon Missouri Bübnenschaa H��NeoIt»«n��� Primus-Palast Hermannplatz Liebelei nach der Novelle von A. Schnitzler mit Evelyn Holl u. Vlvian Gibson Auf der Bühne: Stephan und Nicolai Strabenmosikanten Elysium(nÄu*) Hasselwerderstraße 17 Das Kind des anderen Pal n. Patadion am Nordseestrand Welüc Schloßpark FUm- Bahne Berliner Allee 205— 210 Am Tode vorbei Der Sittcnrlditcr-| 216 Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Theater gesdilossen Wiedereröffnung am 9. August! Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Des gr. Erfolges wegen verlängert Vater, ich klage dich aal mit M. Jacobiui Irrwege der Leidenschaft Internationale Dübnenschan Concordia-Palast Andreasstraße 64 Geschminkte fugend mit Toni r. Eyk Champagner mit Betty Baltonr Bübnenschaa Kosmos-Lichtspiclc Lichtenberg, Lückstraiße 70 Abenteuer mit Charlie Chaplin Wie Sdimeling Paollno besiegte Bübnenschaa Jugendliche haben Zutritt f Fried rlehsFeldo> Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Die 17 führigen mit Grete Mosheim Reiter der Nacht mit Big Boy Williams „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Drei lustige Tagel Das gewisse Etwas mit Clara Bow Wochenendehen mit Monty Banks Bühncns dtaa Norden Skala-Lidiispiele Schönhauser Allee 80 Seine größte Liebe Riboy der Rädher Bühnenscfaau Collosseum Film- und Bühnenscfaau Schönhauser Allee 123 Bin ich Ihr Typ? mit Clara Bow Im Rampcnlidii m. Esther Ralston Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Vcrdun (Das Heldentum zweier Völker) Revue; Mein altes Berlin Fortuna-T ageskino Müllerstraße 12 c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt- produktion MetrO'Palast Chausseestraße 30 Die Liebe der Brüder Rott mit Olga Tscfaecfaowa Das verschwundene Testament mit Carlo Aldini Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 6 U., Stg. 5 U. Stg. 3 U. Ju�endv. Aufruhr Im Junggesellenheim Der fliegende Cowboy m. H.Gibson „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Die schöne Spionin Der Staatsanwalt klagt an Bühne— Blltzdicfater Vineta�Kino Vinetaplatz 3, Ecke Wolliner Straße Kameraden(Ein Fliegeischicksal) Er»oll dein Herr«ein W Balnickendorf-Qgt g Bürgergarten-Liditsp Hauptstraße 51 Das Weib des Gardisten Rin-Tin-Tln von Spürhunden verfogt Bübnenschaa W qesundbrunwen W «Alhambra" Badstraße 58 Der Katzenstegp mit Llssi Ama« Jack Trcvor 3 lustige Variet6nnmmern Große Bühnenschau Ballsdunieder' Lichtsp. Badstraße 16 Die ungekrönte Königin Die keusche Kokotte Große Bühnenschau Humboldt'Theatcr Badstraße 16 Verlängert: Der weiche Harem Ferner: Bahn treil Grobe Bühnenadiaa Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Die Liebe der Brüder Rott mit Olga Ttchechowa Bühne: E. Fritz- SolUlcnkabarett m Pankow O Palast-Theater Breite Straße 21 a SoM und Haben(nach G jst. Freytag) mit M. ChrUiiani, H. Branaewettcr Jugendliche haben Zutritt Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Kild mit Norma Talmadge Der Sohn des Scheichs Bühnenscfaau � JjjüdgwchanhäüTS� Film-Palast Biankenburger Straße 4 Mascottdien mit Kätc v. Nagy Alpenglühen