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Juli, lyigenbcricht.1 Die Konferenz zur Bestätigung des B o u n g- Planes und endgültigen Liquidierung des Krieges wird — wie jetzt endgültig feststeht— am 6. August im Haag beginnen. Um sich nicht den Vorwurf aufzubürden, die französische Re- grerung habe den Terinin der Konferenz durch ihre Schuld hin- ausgeschoben, hat Briand die Kabinettskrise im Expreß- t e m p o liquidiert, ohne sich viel darum zu kümmern, ob seine Lösung eine glückliche genannt werden kann. Er ist nunmehr bc- müht, auch die für Mittwoch einberufene außerordentliche Tagung des Parlaments kurz und schmerzlos zu über- winden, indem er die Tagesordnung lediglich auf die Entgegen- nähme der Regierungserklärung des Kabinetts beschränkt. Am nächsten Dienstag wird sich dann im Haag die große Konferenz versammeln, zu der die Signatarmächtc des Genfer Protokolls in einer gemeinsamen Demarche auch die Bereinigten Staaten eingeladen haben. Was das Programm der Konferenz betrifft, so ist zunächst mit Besriodigung festzustellen, daß die ursprünglich von den französi- schen Nationalisten im Sinne ihrer Verschleppungstaktik vor- geschlagen« Dreiteilung der Konferenz von allen Mächten cnd- gültig fallen gelassen worden ist. Es scheint bei allen Mächten das einmütige Bestreben zu herrschen, die Konferenz wenn irgend Auftakt. Rechtsblock im Berliner Kommunalwahlkampf? Die Rechtspresse beginnt mit der Vorbereitung des Ber- liner Kommunalwahlkampfes. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung", das Organ der Handels- und Schiffahrtsinter- essenten, ruft zur Sammlung. Nachdem für die Wahlen zum Brandenburgischen Provinziallandtag ein Rechtsblock von der Volkspartei bis zu den Nationalsozialisten zustande- gebracht worden ist, hoffen die Jnteressenvertreter des Groß- kapitals auf eine gleiche Blockbildung in Berlin. Staats- bürgerliche Einheitsfront— staatsbürgerliche Mehrheit heißt die Parole. Hinter dem Schlagwort von der staatsbürgerlichen Ein- heitsfront steht die Absicht, die allgemeinen Interessen der Berliner Bevölkerung den Privatinteressen der Grund- und Hausbesitzer und einiger privater Gewerbe aufzuopfern. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" gibt einen Vorgeschmack, wie die„staatsbürgerliche Einheitsfront" den W a h l k a m p f führen soll. Sie beschuldigt die Linksmehrheit, daß sie die „planlose Finanzwirtschaft der Stadt mit ihrer bedrohlich hohen kurzfristigen Verschuldung" herbeigeführt habe. Die „bedrohlich hohe kurzfristige Verschuldung" ist leider eine Tat- fache, der alle deutschen Städte ins.Auge sehen, gleichviel ob die Stadtverwaltung von einer Linksmehrheit oder von einer Rechtsmehrheit geführt wird. Der Staüd der Berliner Verschuldung ist sogar relativ günstig, gemessen an anderen deutschen Großstädten. Die Ursachen für die„bedrohlich hohe Vorwäris-Verlag G.m.b.H. möglich noch vor der Septembertagung des Völkerbundes zu Ende zu bringen. Sollte sich das als unmöglich herausstellen, so werden aller Wahrscheinlichkeit nach technische Komitees und Ausschüsse auch während der Dauer der Völkerbundstagung ihre Zlrbeiten sortseßen, während die Diplomaten erst nach Genf wieder nach dem Haag zurückkehren würden. Die Regierungskonferenz selbst wird wahrscheinlich die politi- schen und fmanziellen Fragen in zeitlich parallel lausenden, aber räumlich getrennten Verhandlungen erledigen, wobei der erste Fragenkomplex von den Außenministern und der zweite von den Finanzmini st ern der beteiligten Mächte behandelt werden dürfte. Den sogenannten kleinen Gläubigermächten, wie Polen und die Tschechoslowakei, die indirekt ebenfalls an den Ver- Handlungen interessiert sind, wird voraussichtlich nur bei der prinzipiellen Entscheidung über die Annahme des Poung-Planes Sitz und Stimme zugesprochen werden. Bierhundert Journalisten erwartet. Amsterdam, 30. Juli.(Eigenbericht.) Die Reparationstonferenz wird in dem Plenar- sitzungssaal der zweiten Kammer tagen. Die Ausschußsitzungen finden in den übrigen Räumen des Kammergebäudes statt. Die er- warteten 460 Journalisten sollen auf den Pressetribünen und Zu- hörcrtribünen sowie in den Diplomatenlogen der Kommer unter- gebracht werden. kurzfristige Verschuldung" sind auf ganz anderem Gebiete zu suchen— nicht zuletzt bei der Beratungsstelle für Aus- landsanleihen, über die gerade die„Deutsche Allgemeine Zeitung" sehr genau Bescheid weiß. Die Folgen der kurzsichtigen Politik der Beratungsstelle, die systematisch im Interesse des Privatkapitals gegen die Städte gearbeitet hat, sollen nun der Linksmehrheit zuge- schoben werden! Ein Musterstück der Verdrehung! Indessen liegt es durchaus in der Linie: Hemmung der Städte bei der Erfüllung und dem Ausbau ihrer kommunalpolitischen Aufgaben, Zurückdrängung der öffentlichen Wirtschaft zu- gunsten des Privatkapitals ist das Ziel jener Kreise, deren Sprachrohr die„Deutsche Allgemeine Zeitung" ist. Die kommenden Wahlen werden eine Auseinandersetzung mit diesem Geiste des Privatkapitalismus bringen, der die Interesientenpolitiker nicht erfreuen wird. 26 Tote in Waldenburg. Die Zahl der Toten bei dem Grubenunglück in Waldenburg hat sich auf 2« erhöht, da zwei Schwerverletzte im Laufe des Nachmittags g e st o r» b e n find. Weiter ist zu befürchten, daß noch drei Schwerverletzte die Nacht nicht überleben werden. (Aussiihrlichen Bericht siehe 1. Beiblatt.) Postscheckkonto: Berlin 87 KZS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Lngeftellten «nd Beamten Wallsir. KS. DiSkonto-Eelellschaft, Depositenkasie Lindenftr. k Verfehlte Strategie. Die 10. Plenarsitzung der Etti. Von Peter Garwy. Der„Generalstab der Weltrevolution" hat in diesen Tagen seine Plenarsitzung im Kreml abgehalten. Der Zeit- punkt der Tagung war nicht zufällig gewählt. Die 10. Plenar- sitzung der Exekutive der Kommunistischen Internationale war ursprünglich als ein Auftakt zum„Roten Tag" gedacht, der dem„Kampfe gegen die imperialistischen Kriege" geweiht sein soll. In Wirklichkeit aber war das Ziel ein ganz anderes: die pazifistisch-antiimperialistische Stimmung des westeuropäi- schen Proletariats sollte zur Unterstützung des Sowjetreiches im Falle eines Krieges mit China um die Ostchinabahn aus- genutzt werden. Es ist ein Witz der Weltgeschichte, daß der bolschewistische Kriegstaumel mit dem ISjährigen Trauer- jubiläum des imperialistischen Weltkrieges zusammenfiel. Die Plenarsitzung der Ekki war in gewissem Sinne eine Iubiläumssitzung. War denn nicht derTagdesKriegs- ausbruches auch der Geburtstag des Welt- bolschewismus? Und in der Tat, es besteht zwischen dem Bolschewismus und dem Krieg nicht nur eine Art von „Wahlverwandtschaft", sondern auch ein inniger ursächlicher Znsammenhang. Gleich dem Faschismus ist auch der Welt- bolschewismus zum großen Teil eine Kriegserscheinung. P o r dem Weltkriege war der Bolschewismus eine rein russische Er- scheinung. Trotz seiner„orthodox-marxistischen" Einkleidung war er von Anfang an stark mit bakunistifchen und blanquisti- schen Tendenzen belastet, die dem agrarischen Charakter und der politischen Unreife Rußlands entsprachen. Der Weltkrieg hat aber auch im Westen zur Degradierung der Voltswirt- schaft, zur Deklassierung des Proletariats, zu'ungeheurer Kon- Zentrierung der Staatsmacht geführt. Damit würden auch im Westen die Voraussetzungen für die Verbreitung der im Grunde genommen vor marxistischen Ideologie des Leninis- mus geschaffen. Der russische Bolschewismus wurde zum Weltbolschewismus. In den Kriegsjahren und unter dem direkten Einfluß des Krieges mit seiner Ueberschätzung der Rolle der rohen Gewalt, der Staatsmacht, der initiativen Minderheit, der militärischen Diktatur, ist der strategische Plan Lenins gereift: die Verwandlung des Weltkrieges in einen Bürgerkrieg, die Machtergreifung durch den Putsch und die sofortige Errich- tung des Sozialismus ohne Rückficht auf ökonomische Vor- aussetzungen— mit den Mitteln der terroristischen Minder- heitsdiktatur. Der strategische Plan Lenins ist kläglich durchgefallen. Alle Putschversuche in Westeuropa mißlangen entweder gänz- lich oder haben nur dem Faschismus die Tür geöffnet. Die allmähliche Befriedung und die ökonomische Stabilisierung Europas haben dem weltrevolutionären Putschismus den Boden entrissen. Es kam die Stunde der geschichtlichen Enttäuschung, die eine unaufhörliche Krise und einen tiefgreifenden Zersetzungs- prozeß des Weltbolfchewismus veranlagte. Auch der Versuch, das Fehlen der„unmittelbaren revolutionären Situation" im Westen durch eine Entfesselung und Ausnutzung der national- freiheitlichen Bewegungen der kolonialen Pölker zu ersetzen, mißlang. Die unterdrückten Völker des Ostens haben zwar zuerst die bolschewistische ideologische und finanziell-militärische Hilfe ausgenutzt, aber danach gingen sie überall— in der Türkei, in Persien, in China— ihren eigenen Weg, nämlich den Weg der national-bürgerlichen Revolution, und fanden ihren Anschluß an die kapitalistische Umwelt. Der gesamte strategische Plan des Bolschewismus versagte auf diese Weise sowohl im Westen, wie im Osten. Die Komintern kann hier und da nur vorübergehende taktische Erfolge buchen, aber die bolschewistische S t r a t e g i e ist auf immer fehlgeschlagen. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Entschließungen der 10. Plenarsitzung des Ekki von größtem Interesse. Sie be- stätigen die grundsätzliche Desorientierung der Komintern. Sie beweisen, daß die Komintern nichts weiter mehr ist als eine gefügige Agentur der Moskauer Regierung und der herrschenden russischen Partei im Westen wie im Osten. Der gefahrdrohende Konflikt wegen der ostchinesischen Eisenbahn war eine Probe aufs Exempel. Die Komintern bat» diese geschichtliche Prüfung nicht bestanden. Sie stellte sich blindlings hinter die Sowjetregierung, obwohl es sich dabei um ein rein imperialistisches Interesse Rußlands handelte. Die Arbeiten des erweiterten Ekki standen auch diesmal im Zeichen des schärfsten Linkskurses. Nicht weil die ökonomischen und politischen Verhältnisse im Westen einen Linkskurs erheischen, sondern weil es die Fraktionsinteresien Stalins fordern. Der Richtungskampf innerhalb der russischen kommunistischen Partei wird automatisch auf die Komintern übertragen. So hat die Ist. Plenarsitzung gehorsam den bis- herigen Leiter der Komintern und den Verfasser des allkom- munistischen Programms. B u ch a r i n, abgebaut, nur weil er Stalin nicht mehr paßt. So wird das Ekki zweifelsohne morgen den reuevollen Radek wieder aufnehmen, wenn es nur den Plänen des russischen D u c e entsprechen wird. Dies alles geschieht nicht nur aus Dienstfertigkeit und infolge der materi- Dienstag Konferenzbeginn. Außenminister und Kinanzminister verhandeln getrenni. Woldemaras' Terrorurteil. Sozialisten lebenslänglich im Zuchthaus. - Sowno, 36. Juli. Die Litauische Telegraphen-Agentur verössenllichl folgendes Kommunique: Das Kriegsfeldgericht in Schauten verhandelt« die Angelegenheil von vincas Galinis und anderer Angeklagten. Sämtliche Angeklagte waren auf Grund der ergänzenden und abgeänderten Bestimmungen des Strafgesetzes und des Sondergefehes zum Schutz des Staates angeklagt. Aus der Gerichtsoerhandlung ging klar hervor, daß Galinis und die anderen Angeklagten dem„verband zum Schuh der Republik" angehört haben, der einen Umsturz mit bewaffneter Hand und eine ganze Anzahl Terrorakte vorbereitet und von polen Gewehre und Explosivstoffe erhalten hat. Ferner hat dieser verband durch Kuriere mit der pletfchkaitis-Organisation in wilna. namentlich mit pa- plauskas und anderen, eine chiffrierte Korrespondenz in Angelegenheiten seiner Organisation geführt. Das Gericht hat nach den Vernehmungen der Zeugen und nach der Prüfung von materiellen Beweisen sämtlich« Angeklagten für schuldig erklärt und einen Teil von ihnen zum Tode und die übrigen zu geringeren Strafen verurteilt. Sämtliche zum Tode verurteilten haben an den Staatspräsidenten Gnadengesuche gerichtet, denen entsprochen wurde. Die Todesstrafen wurden in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt. Die Zahl der gefällten Todesurteile wird in dem Kommunique nicht angegeben. Wie das„Wemeler Dampfbool" aus zuverlässiger Quelle erfährt, wurden insgesamt 15 Todesurteile gefällt. Räch einem Bericht der Litauischen Telegraphen-Agentur wurde das Todesurteil gegen den Grenzpolizisten petrauskas bestätigt, der zum Tod« verurteilte ist, wie gemeldet, bereits erschossen worden. Kriegsminister wandert aus. kowno, 36. Juli. Der ehemalige Kriegsminister D a u k a n t a s beabsichtigt nach Brasilien zu gehen. Daukantas mußt« seinerzeit infolge des Streites mit dem Mimsterpräsidenten Woldemaras demissionieren, wurde dann aber von dem Staatspräsidenten in den Staatsrat berufen, wo er bis vor kurzem tätig war. Die Abrüstung zur See. Politiker solle« es schaffen.— Militärs ausgeschaltet. London. SO. Juli.(Eigenbericht.) Offiziös verlautet, daß Macdonald und D a w e s, der ameritonifthe Botschafter in London, mit dem bisherigen Fort- schritt der englisch-amerikonischen Flottenbesprechungen vollauf zufrieden sind. Sobald ihr allgemein gehaltener Plan der Ab- rüstung zur See fertiggestellt ist, sollen die Seemächte, die die Konvention von Washington im Jahre 1921 unterzeichnet haben, in London zu einer vorbereitenden Seeabrüstungs- konferenz zusammentreten, die nicht offiziellen Charakter tragen wird. Die Seemächte werden nicht durch maritime Sachver- ständige und Admiräle, sondern durch Politiker und Di- p l o ni a t e n vertreten sein. Falls sich auf dieser Vorkonferenz eine grundsätzliche Uebcreinftimimmg ergibt, soll die in Artikel 21 der Washingtoner Konvention vorgesehene eigentliche Seeabrüstungs- konferenz einberufen werden. In amtlichen Kreisen hofft man. daß durch ein solches Bor- gehen«in« Wiederholung unfruchtbarer Besprechungen wie der vor- bereitenden Seeabrüstungskonferenz in Genf vom Jahre 1927 vermieden werden kann. Amenta-Oppofiiion gegen Abrüstung. Washington, S0. Juli. Die Oeffentlichteit nimmt lebhaftes Interesse an den amerita- nisch- englischen Borbesprechungen über die Begrenzung der Flotten- rüshingen. Während die führenden Blätter diese Besprechungen mit zustimmenden Aeußerungen begleiten, fehlt es auch nicht an Stim- men, die sich schon jetzt jeder Herabminderung des ameriko- Nischen Flottenbauprogramms, das bekanntlich die Erbauung von 15 Kreuzern vorsieht, energisch widersetzen. Der Wort- führ« dies« Stimmen ist Senator Frederik Hole, der Borsitzen dg des M ari n e k o m it« e s des Senats. Hol« erklärte nachdrücklich, daß jedes Abkommen mit Großbritannien mindestens auf der absoluten Flotte ngleichheit zwischen den beiden Ländern auf- gebaut fein müsse, und daß es nicht genüge, eine Verständigung über einen Schlüssel herbeizuführen, der der Bemessung der beider- seitigen Flottenstärke zugrunde gelegt werden könne. Auch wenn die Vereinigten Staaten die in ihrem Programm vorgesehenen 15 Kreuzer gebaut haben würden, müsse England immer noch eine ganze Anzahl Schisse aus seiner Flotte herausziehen, wenn«ine wirkliche Flottengleichheit zwischen den beiden Ländern zustande kommen solle. Nach den Ziffern des amerikanischen Marinedeparte- ments wird der Kreuzerbestand der Vereinigten Staaten mit 75 000 Tonnen, der Großbritanniens mit 380 700 Tonnen angegeben. Auf jeden Fall erwartet man lebhast« Debatten in der kommen- den Kongreßtagung im Dezember, zumal auch erhebliche Meinungs- Verschiedenheiten hinsichtlich der dem Präsidenten Hoover durch das Flottengesetz gegebenen B o l l m a ch t« n, die Flottenbauten im Falle eines Uebereinkommens mit England einzuschränken, bestehen. Frankreichs neue Riesenzerstörer. Paris. 30. Juli. Im Lause des September werden zwei Torpedobootzerstörer auf Stapel gelegt werden. Länge 1Z2 Meter, 2700 Tonnen Verdrängung, Mindestgeschwindigkeit 38 Knoten, fünf 138-Millimeter- Kanonen, einer 75-Millimeter- und vier 37-Millimeter-Kanonen. Diese beiden neuen Zerstörer, die die französische Presie als kleine Kreuzer bezeichnet, werden über 200 Mann Besatzung haben. Außer- dem werden die Zerstörer mit zwei dreifachen TorpedoausstoßroHren zu 550 Millimeter ausgestattet sein. allen Abhängigkeit des Ckki von den Moskauer Brotgebern, sondern auch als Resultat der gänzlichen Desorientie- r u n g der Komintern. Die Komintern hat die Richtung verloren. Der gesamte strategische Plan Lenins war auf den Weltkrieg und seine Auswirkungen aufgebaut. Um Lenins strategischen Plan zu retten und dadurch ihre geschichtliche Existenzberechtigung zu beweisen, blieb der Komintern nur übrig, auf die„kam- mende Periode neu erKriege" zu hoffen, die allein die verpaßte„Weltrevolution" im bolschewistischen Sinne aufs neue zu entfesseln vermochte. Diese Kriegsorientierung wurde auf dem 6. Weltkongreß der Komintern im August 1928 dem kommunistischen Programm zugrunde gelegt. Sie kommt aber noch greller in den neuesten Entschließungen der 10. Plenar- sitzung des Ekki zum Ausdruck. Die Linie der Rechtsoppo- fitionellen und der Versöhnler wurde von der Plenarsitzung mit dem Verbleiben in der Komintern für unvereinbar er- klärt. Warum? Weil die Rechten es wagen, daran zu zweifeln, daß die Kriegsgefahr immer mehr zunimmt und daß mit ihr die„revolutionäre Welle" unaufhaltsam anschwillt. Die Rechtsopposition ist auf der 10. Plenarsitzung erledigt, weil sie„die Fäulnis und die Zerrüttung der kapitalistischen Stabilisierung verneint" und damit theoretisch der„neuen Taktik" der Komintern den Boden entzieht. Die Komintern hat die Richtung verloren. Dadurch ver- liert sie— trotz einzelner Wahlerfolge— auch die Massen in Westeuropa. Nicht umsonst wird in den Entschließungen des erweiterten Ekki als die wichtigste Aufgabe die„Er- kämpfung der Arbeitermassen" proklamiert. Die nachdrückliche Betonung dieser für eine Arbeiterpartei selbstverständlichen Aufgaben ist nur der Ausdruck der wachsenden Angst der kom- munistischen Parteien vor ihrer Isolierung von den Ar- beitermassen und vor ihrer unvermeidlichen sektiererischen Ent- artung. Daher die verzweifelte Kriegsansage gegen die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften. D a h e r die Hoffnung auf die Unorganisierten. Daher die Taktik der „Einheitsfront won unten" mittels der Eroberung der Ve- triebsräte, der Schaffung der provisorischen„Kampfkomitees", der„revolutionären Bevollmächtigten" in den Betrieben usw. Daher die sinnlose und im Grunde genommen streitbreche- rische Losung der„selbständigen Streikführung durch die Kommunistische Partei". Diese„neue Taktik", die in den fpaltenlangen Ent» jchließungen der 10. Plenarsitzung in Einzelheiten niedergelegt ist, ist im Grunde genommen die altbekannte S p a l t u n g s- t a k t i k, die ihre vollständige Aussichtslosigkeit bereits be- ivicfen hat. Trotzdem ist sie nicht ohne Gefahren für den Be- freiungskampf der Arbeiterklasse. Auf dem Gebiete der Wirtschaftstämpfe droht die forcierte Spaltungs- mktik die Gewerkschaften zu schwächen und damit die Stel- lung des Unternehmertums gerade in der für die Arbeiter- ichaft kritischen Periode der Rationalisierung zu stärken. Auf dem Gebiete der Außenpolitik bedeutet die„neue Taktik", die auf die Diskreditierung und Sprengung der Sozialdemokratie wie der freien Gewerkschaften gerichtet ist, eine schwere Belastung des Kampfes des internationalen Sozialismus um den Weltfrieden. Die Isolierung und Ueberwindung der kriegsrevolutio- »ären und putschistischen Ideologie und Taktik des Bolsche- wismus wird auf diese Weise zur Voraussetzung der unent- behrlichen Sammlung der proletarischen Kräfte und des er- folgreichen Kampfes für den Völkerfrieden und für den Sozia- lismus. Die Komintern inszeniert am 1. August, wie es aus den Beschlüssen des erweiterten Ekki hervorgeht, nicht so sehr nne antiimperialistische Demonstration, als eine Heer- lchau und Angriffsaktion gegen die Sozial- demokratie und die freien Gewerkschaften, d. h. gegen die Massenorganisationen der internationalen Ar- beiterklasie. Der 1. August muß daher eine neue Enttäuschung für die Spalter und Schädlinge der weltbefreienden Arbeiter- bewepung werden. Je schneller der geschichtlich unvermeid- liche Prozeß des Absterbens der Komintern vor sich gehen wird, desto schneller wird die Wiederoereinigung des klaffen- bewußten Proletariats und sein unaufhaltsamer Vormarsch zum Sozialismus sich entwickeln. Hehe gegen ein Denkmal« Und eine Blamage des bayerischen Kultusminifieriums. Der„Fränkische Kuri«", der während des Bundesfestes der Arbeitersportler in Nürnberg wahre Tobsuchtsanfälle erlitten hiit, »eröffeMlicht die folgende nationalistisch« Hetznotiz aus Amveiler: „Eine Provokation. Wie man uns mitteilt, trägt man sich hier mit dem Plan, zu Ehren Friedrich Eberts«inen Gedenkstein mit Plakette zu errichte� und zwar in den Gärten der Lateinschul«. Was sagt' das bayerische Kultus- Ministerium dazu, daß ausgerechnet in den Gärtender Lateinschule ein Denkmal für einen sozialistischen Partei- führer errichtet werden soll." Die Hetze an sich wundert uns nicht. Uns interessiert der Satz, „ausgerechnet in den Gärten der Lateinschule". Lateinschüler, Gymnasiasten, dos sind SohnebessererEltern, die»iwas hinter sich haben. Der erst« Präsident der deutschen Re- publik aber— ist aus der Arbeiterschaft hervovgegaiigen. Ausgerechnet Söhnen b esfer« r Eltern will man das Denk- mal eines Arbeiterreichspräfidenten vor die Nase setzen! Das ist der sozial« Hintergrund der Hetz«. Nun aber komint die Groteske. Das bayerische Kultus- Ministerium war gefragt und hat geantwortet. Es hat nicht etwa darauf hingewiesen, daß Friedrich Gbert der erst« Präsident der deutschen Republik war, es hat die Hetzer nicht in ihre Schranken verwiesen, sondern es hat sich lediglich daraus beschränkt, festzustellen, daß dos Kultusministernim der Gemeinde nicht bei der Verwendung des Gebäudes einreden könne.... (Schwarzweißroigoldgelbblau. Wie die Siadi München die Verfassung feiert. München, 30. Juli.(Eigenbericht.) Die Stadt München wird zum Berassungstag wiederum mit vier verschiedenen Flaggen die besondere bayerische Eigenart gegenüber der ganzen Welt demonstrieren. Die städtischen Gebäude werden in schwarzgelb, weißblau, schwarzweißrot und in schvarzrotgold beflaggt werden. Eiu sozialdemokratischer Antrag, nur in den verfaffungsmäßigen Nelchssarben zu flaggen, wurde im städtischen Haushalt-ausschuß abgelehnt. Zur Aufnahme der britisch russischen Verhandlungen ist der Pariser Somsetbotschafter Dongalewsky in London eingetroffen und ossiziell empsangen worden. Die Reichswehr sott putschen. Landvoltpropaganda gegen die Republik. Kaum ist das Republikschutzgesetz gefallen, so wagt sich allerhand Geschmeiß hervor, um die Republik mit Kübeln Schmutzes zu bewerfen. An der Spitze dieser Gesellschaft steht die völkische Zeitung„Das Landvolk" in Itzehoe. In einer nicht mehr überbietbaren Weise, bei der man die schmutzige Phantasie des Blattes anstaunen muß, wird dort in einem Artikel:„Volksheer oder Garde der Demokratie" ein Bild des Berliner Lebens gegeben, das gleichgestellt wird mit dem Gesicht des Staates von Weimar. Und es wird so- dann die Reichswehr ganz unverhüllt auf- geputscht, um diesen ganzen„S a t a n s s p u k" zum Teufel zu jagen. Mit großer Geschicklichkeit werden die alten Frontoffiziere in der Reichswehr gegen die heutige Führung aufgewiegelt, und wird ihnen erklärt, daß der Schwur auf die Verfassung, den die Reichswehr habe leisten müssen, beim besten Willen nichts anderes fei als„ein unter gewissen Förmlichkei t.c n m i t e i n e r p o 1 i t i- schen Firma abgeschlossener Geschäftsver- trag, der außerdem schon mehrfach nicht fnne- gehalten wurde". Der Artikelschrciber redet zur Reichswehr„wie Männer zu Männern" und erklärt ganz offen, daß man auf die Stunde Hinarbeitc, wo alle formalen Bindungen— siehe Verfassung und Treueschwur— wesenlos werden vor der tieferen Bindung, die hen Menschen an seinem Volk(übrigens ein wunderbares Deutsch) verpflichten. Der ganze Artikel stellt sich neben den überaus schmutzigen und perversen Be- schimpfungen der Republik in seinem ersten Teil als ein glatter Versuch dar, die Reichswehr zum Treu- bruch zu oerleiten. Der Artikel ist gleichzeitig auch in einer anderen völkischen Zeitung, dem„Niedersächsischcn Beobachter" in Hannover erschienen. Derartige Ergüsse beschimpfen nicht die Republik— sie enthüllen nur die innere Gemeinheit derer, die sie fabrizieren! Etwas anderes ist es mit der Aufforderung an die Reichs» wehr, gegen die Republik zu putschen. Mehrfach sind Kom- munisten, die„Zersetzungspropaganda" in der Reichswehr betrieben haben, wegen Hochverrats verurteilt worden. Ein Messen mit zweierlei Maß wäre nicht erträglich! Mandaie, Mandaie! Oie Sorgen der Hakenkreuzler. Herr Mücke, der Kriegsheld aus Sachsen meldet sich. In einer Erklärung teilt« mit, daß sein Austritt aus der Hakenkreuzpartei mit seinen berühmten Briefen nichts zu tun habe. Er schreibt: „Ich habe meine Streichung aus den Listen der National- sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei schon am 25. April und am 2. Mai gefordert, weil ich die für den Sächsischen Landtag aus- gestellte Kandidatenliste nicht wählen konnte. Ich habe den Vorsitzenden der Nationalsozialistischen Fraktion im Landtag. Herrn Manfred v. Killinger, heute aufgefordert, seinen Austritt aus d« Nationalfoziolistischen Deutschen Arbeiterpartei zu erklären." Herr Mücke hat es sich überlegt. Warum soll nicht zur Abwechse- lung einmal der Killinger selbst gekillt werden von d« Mücke! Aber wie ist uns: Das alles sieht doch verdächtig nach persönlichem Krakeel um die sächsischen Mandate ous!� Die Mandate,— das also ist des Pudels Kern bei der grundsätzlich anti- parlamentarischen Partei des Herrn Hitler und bei seinen An- hängern. die den Parlamentarismus und selbstverständlich auch die Londtagsdiäten gründlich verachten. Holz wird abgeschoben. Oa6 kommunistische Vaterland soll ihn behalten. Der große Revolutionär Max H ö l z, der sich vor wenigen Tagen bereit erklärte, in Berlin vor Vertretern des oppositionellen Lemn-Lundes eine Rebe zu halten und kurz vor Deginn der Sitzung von Thälmann zurückgepfiffen wurde, hat«ine neue Demütigung einstecken müssen. Er ist von der Kommunistischen Parteizentrole verpflichtet worden, in Zukunft keinerlei eigen- mächtige politische Handlimgen mehr vorzunehmen und ausschließ- lich im Einverständnis mit der Thälmonn-Kliqu« zu handeln. Die Unterwerfung unt« die KPD.-Buveaukratie hat Holz' Anhang« und Bewunderer im Lager der Linkskommunisten derartig vor den Kopf gestoßen, daß sie ihm«in Schreiben sandten, in dem Holz als ein Verräter der revolutionären Bewegung und als Postenjäger vor Thälmann und Stalin hingestellt wird. Die Abrechnung mit ihm soll.am historischen Morgen des Bürger- krieges" erfolgen. Hölz will nun Trost bei Stalin suchen. Nach dem ersten August will er die immer wieder aus Vorsichtsgründen hinausgeschobene Reis« nach Rußland antreten. Thälmanns aufrichtige Wünsche be- gleiten ihn— daß er sobald nicht wiederkehre. Kommunisten über Kommunisten. Man wirst sich politische, materielle nnd moralische Korruption vor. Der linkskommunistische»Voltswille" schreibt den Zentrale, Kommunisten folgende Charakterisierung ins Stammbuch: »Den Herren Dahlem-Thälmann ist es etwas völlig Unverständliches, daß es- noch Menschen gibt, die sich ni cht kauf fn', nicht jrvTfft f ch ror rti'mp te r'fh lassen, daß es noch Arbeiter gibt, die um ihrer politischen Ueberzeugung willen' Opfer bringen, um diese ihre Ueberzeugung durch eine Zeitung der Oeffentlichkeit /und zu tun. So etwas ist den Dahlem-Thälmann allerdings etwas Wesensfremdes. Zu ihr« politischen Korruption gehört die moralische und materiell«. S'.e, die ihre»politische Ueberzeugung" nach den Wünschen des mit dem großen Geldsack ausgerüsteten Stakin wechseln, wie andere ein dreckiges Hemd, können sich nichts«rnderes vorstellen, als daß olle anderen politisch tätigen Menschen in gleich« Weise korrumpiert sind. Die Anwürfe dies« Burschen können uns nicht berühren." Eine Beschwerde über Dr. Kawerau. Eine„offizielle Lehrmelnung" gibt es nicht. Ein Mitglied der Frottion der Wirtschaftspartei im Preuhsschert Laichtag führt« in einer Kleinen Anfvag« Beschwerve darüber, daß der Gymnasialdirektor Dr. Kawerau bei einem Voriragsabenb der Liga für Menschenrechte Aeußerungen getan habe, wie:„Die deutsche Jugend habe ein Recht daraus, daß aus den Geschichtsbüchern die Lüge von Deutschlands Unschuld am Krieg« verschwinde",„bei d« Teilung Oberschlesiens und dem Raub Essaß-Lathringen sei Frankreich völlig im Recht gewesen" und ähnliches mchr. Das Staatsministerium wurde gefragt, was es zu tun gedenke, um zu verhindern, daß solch« vom nationalen Standpunkt nicht zu billigenden Behauptungen seitens eines beamteten Iugenderziehers bei der ihm anvertrauten Jugend als offiziell« Lehrmeinung ver- breitet werden, ob es Dr. Kawerau zur B«antwortung ziehen «erde, ,md ob« Rotgeber des Ktittusntm ister ühns fei. Wie der Amtlich« Preußisch« Pressedienst d« Antwort de» Unierrichtsminist«s enttnmmt, ist die Aufiaffung Dr. Kaweraus über das Problem der Kriegsschuld und die damit zusammenhängenden Fragen nicht erst durch seinen Vortrag bekanntgeworden, sondern aus seinen zahlreichen Veröffentlichungen allgemeinbekannt. Soweit festzustellen, Hot« im Bortrag keine anderen Ausführungen gemaäst, als er vorher schon literarisch vertreten hat. Dr. Kawerau hat das Recht, fein« wissenschaftliche Auffassung über ein geschichtliches Problem auszusprechen Sein dienstliches und außerdienstliches Berchalten hat zu keiner Beanstandung Anlaß gegeben. Eine „offizielle Lehrmeinung" gibt es nicht. Der Minister gedenkt deshalb nicht. Dr. Kaw«vu. der Mitglied d« Prüfstelle für Ährbüch« ist.' zur Verantwortung zu ziehen Deutsch« Aawalkstag ln Hamburg. Vom 10. bis 14 September 1929 findet in Hamburg der Deutsche Anwaltstag statt. Di« sozial- demokratischen Juristen werden in großer Zahl an diesem Anwaltstag teilnehmen Am Mittwoch, dem 11. September, treffen sich die porteigenöffischen Juristen aus diesem Anlaß im Anschluß an den offiziellen Begrüßungsabend in einem besonderen Saal des Uhlenhorster Fährhauses. Anmeldungen an die Vereinigung Sozial- demokratischer Juristen, Berlin SW 11, Hofenplatz 5, erbeten Kirche und V«saffungstog. Der evangelische Obertirchen- ra t hat an die Konsistorien einen Erlaß gerichtet, in dem daraus hin- gewiesen wird, daß in den am 11. August oeranstolteten Gottes- dienst«» die Reichsoerfassung gebührend gewürdigt wird und die Christen zum verantworwngsbewußten Dienst an Volk und Staat ausgefordert werden. Der Erlaß ist auf Vorstellungen des Reichsinnenministers bei den zuständigen Instanzen der evangelischen Kirch« zurückzuführen. Hugenbergs Adelsbegehren. Soviel Blasebälge- und doch keine Glut zu erzielen! Tardieu macht in Panik. Bourgeoisie und Kommunisten in Schrecken gejagt. pari», 36. Juli.(Eigenbericht.) Jnnenminster Tardieu, an dessen Person Briands Bestre- Hungen, die Linke in sein Kabinett aufzunehmen, gescheitert sind, hat in dem Bestreben, seine Unentbehrlichleit als Verteidiger der bürgerlichen Weltordnung dem kommunistischen Bouernschreck gegenüber darzulegen, die Pariser Bevölkerung in eine wahre Panik oersetzt. In dem bürgerlichen Blätterwold ist im Zusammenhang mit dem 1. August nur noch von Truppenbewegungen, strategisch bezeichneten Punkten, Patrouillen, Massenaufgeboten und Massen- Verhaftungen die Rede. Der Innenminister und der Polizeipräsident halten immer neue Kriegsberatungen ab, verfassen Der- teidigungspläne für Paris und machen in Zeitungsaufrufen die Bürger daraus aufmerksam, daß derjenige, der sich am t. August auch nur zu mucksen traut, verhastet werden wird. Zu einem regel» rechten Krieg fehlt nur eines: der Gegner; denn die französische» Kommunisten haben ob des Kriegsgetöses anscheinend den Mut oer« loren und sind so st i l l, daß der Innenminister kaum Gelegenheit haben wird, sich vor seinen rechtsstehenden Gönnern als Feldherr zu produzieren. Die Kolgen hysterischen Geschreis. Das weltrevolutionäre Geschrei der Komintern Hot dazu geführt, daß in vielen Ländern die Polizei gegen die Kundgebungen der Kommunisten am l. August umfassende Lorbereitungen trifft. In Paris sind umfangreich« Verhaftungen und tzaussuchungen vor« genomnien worden, ebenso in Warschau, Sofia, Prag, Riga und Athen. Die Fememorde. Sine zusammenfassende Darstellung. Von Felix Fechenbacb. Die„Rationale Rothilfe" bemüht sich mit lärmender Agitation die Fememörder als weiße Unschuldsenzel und„nationale Retter" darzustellen. Da erscheint gerade zur rechten Zeit von dem bekannten Der- iosser von„Bier Jahre politischer Mord", Dr. E. I. G u m b e l, unter Mitarbeit von Bertbold Jakob und Ernst F a l ck ein ousgezeich- netes Buch über die politischen Morde in Deutschland: ..Verräter verfallen der Feme"(Malik-Verlag). Das Buch will vor allem die Fememorde darstellen. Aber der Feme- mord, der nach Gumbel nur eine besondere Form des Klassen- kampfes der Herrschenden ist, laßt sich nicht streng vom allgemeinen politischen Mord trennen. Deshalb mußten der Vollständigkeck wegen auch eine Reihe anderer politischer Morde in die Schilderung aufgenommen werden. Von 1919 bis zur Ermordung Rathenaus stellt Gumbel 334 politische Morde von Rechts fest, wovon nur einer — der Rathenau-Mord— gesühnt ist, während von den bis dahin von Links begangenen 22 politischen Mordtaten 17 gesühnt wurden. Auf Vollständigkeit können diese Zahlen keinen Anspruch erheben, weil sich ja nicht alle politischen Morde einwandfrei feststellen ließen. Die zent-rale Ursache der politischen Morde von rechts sieht Gumbel im Schutzbedürfnis des Großkapitals, dessen Herrschaft während kurzer Zeit aussetzte und aus längere Zeit er- schüttelt schien.„Die psychischen Voraussetzungen für die Anwendung dieser politischen Waffe lieferten Krieg und In, flation: die Garantie dafür, daß die Methode ge- f a h r l o s angewandt werden konnte, bot die deutsche I u st i z." In systematischer Darstellung, bei der man Gumbel allerdings nicht kritiklos folgen kann, wird die Entwicklung aufgezeigt, die aus den politischen und sozialen Erschüterungen des Jahres 1919 von den Freikorps über die Wehrverbände zu den Geheim- b ü n d e n führt. Die Wehrverbänd« bilden als aktiv« Klassen- kämpfer des Kapitals eine politische Macht. Die„nationale" Presse besorgt die Verdunkelung der Klassenstruktur der politischen Morde. Und da die psychologischen Wirkungen bestimmter Machiverhältnisse (Monarchie) nicht mit deren Sturz aufhören, sondern noch lange nachwirken, sind sozialreattionäre Kräfte in Verwal» tu n g und Justiz wirtsam, denen Verdunkelung politischer Ver- brechen wichtiger sind als Ausklärung. Bei Durchführung der politischen Morde tritt immer wieder die gleich«„Technik" in Erscheinung: illegale Standgerichte, willkürliche Ueberschreitung von Dienstvorschristen, Erschießen„auf der Flucht" und illegale oder„fassch aufgefaßte" Befehle(Schwarze Reichswehr). So muhte die Denkschrift des Reichsjustizministeriums vom Novem- ber 1923 zugestehen, daß die bayerischen Standgerichte von 1919, die auf Grund leichtfertiger Denunziationen 186 Menschen zum Tod«„verurteilten", in den bestehenden Gesetzen keine Grundlage hatten, also ungesetzlich waren. Das deswegen gegen General Haß eingeleitete Verfahren wurde eingestellt. Diese Denk- schrist zeigt Meisterstücke der Verschleppung, Verdunkelung, des bösen Willens, von Unterlassungen, Begünstigungen und Fehlurteilen zugunsten der Mörder auf. Die Darstellung der großen politischen Attentate und der Mordorganisation Eonsul lassen Bilder aus Deutschlands schwärzester Zeit lebendig werden. Namen wie Eisner. Auer, Liebknecht. Luxemburg. Erzber« ger. Scheidemann, Harden und R a t h e n a u bezeichnen den Weg. Eine geschichtliche Darstellung des Gegensatzes Bayerns zum Reich, gffifelnd in den H e i m s ch e n Plänen zu einer Douaumonarchie leitet über zur Fem« der bayerischen E i nw ohnerwehr. Der erste bekannt gewordene Fememord an Marie Sandmeyer, die geheime Wafsenlager den Behörden bekanntgeben wollte, andere bayerische Fememorde und die Waffen- schiebungen der bayerischen Einwohnerwehr werden geschildert. Am 9. Juni 1921 wird der erste Enthüller der Feme, Genosse Karl G a r« i s, in München ermordet. Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Mörder wird eingestellt. Kein Wunder, bei den engen Beziehungen zwischen Einwohnerwehr und Münchener Polizei. Ein umfangreiches Kapitel ist die Geschichte des Freikorps Roßbach und den 32 oberschlesischen Morden gewidmet. Di« List« dieser Morde muß naturgemäß unvollständig sein, weil nur«in Teil der Mordtaten nachweisbar ist. Auf 120 Seiten sind die„Schwarze Reichswehr", ihre zahlreichen Fememorde und die Beziehungen der schwarzen zur legalen Reichswehr geschildert. Der Versuch, im Rahmen eines Zei- tungsartikels auf Einzelheiten eingehen zu wollen, scheitert an der ungeheuren Fülle des gewissenhaft zusammengetragenen Materials. Heut« gehören diese dunklen Vorkommnisse glücklicherweise der Ver- gangenheit an. Aber es gab«ine Zeit, in der jeder, der von der Cxisten der„Schwarzen Reichswehr" sprach oder schrieb, sich mit Sicherheit«inen Landesverratsprozcß zuzog. Di- Doppel« züngigkeit gewisser Reichswehrstcllen täuschte lange Zeit die Oeffent- lichkeit, und die Justiz hinderte durch Begrenzung des Umfangs der Beweisaufnahme, durch Einschüchterung der Belastungszeugen und nicht zuletzt durch Auseinanderreißung zusammengehöriger Pro- zesse die restlose Aufdeckung des Charakters der„Schwarzen Reichs- wehr" und der politischen Hintergründe ihrer Fememord«. Auch bei den Kommunisten sind politisch« Mord« vorgekommen. Es war in der Zeit, da die KPD. ein illegales Dasein führt«. Dem drohenden Rechtsputsch wollten die Kommu- nisten, nach Gumbel, die Revolution von links entgegensetzen. Der individuelle Terror blüht« auf dem Papier. Es kommt zu Rundschreiben, Verabredungen. Vorbereitungen, aber es bleibt Papier. Gumbel meint, die leitenden Köpfe der KPD. hätten die Methode vielleicht nicht wohrhaben wollen, sie hüllen sie wohl inner- lich sogar verneint. Aber sie haben— und darin bestehe ihre Schuld_ mit solchen Methoden gespielt. Denn sie scheuten den Vorwurf, sie seien nicht radikal genug. Aus innerer Feigheit ließen sie die Pläne gehen; einzeln« Gruppen haben sich bewaffnet, wohl sicher mit Wissen der Partei. Gumbel stellt ausdrücklich fest:„Es ist wahr, daß Attentatspläne existierten. Es ist wahr, daß eine Terrorgruppe existierte, allerdings auch nur eine, und ihr« Besetzung war höchst verdächtig. Aber die Taten «igen die Bsdeutungslosigkeit. Denn aus all den hochflieqenden Plänen ist nichts herausgekommen als der Mord an einem Friseur und einem Kutscher." Die Erfassung des reellen Kerns der kommunistischen Terrorgruppe scheint Gumbel sehr schwierig, weil nicht feststell- bar sei, wo der Revolutionär endet und wo der Pro- vokateu: beginnt. Kommt ein Plan auf, dann muß die Partei die Erwischten desavouieren. „Sie kann nicht offiziell zugeben, daß diese(Terror-) Methoden in ihren Rechen existieren, unter ihrem Schatten groß wurden, daß sie die Leute mit falschen Pässen zu jeder Reise, mit Geld, mit Versprechungen versehen hat. Die eben noch ehrlichen Kämpfer werden desavouiert: Du bist ein Spitzel, so steht in der Zeitung. So wird er ein Spitzel. Da die Partei sich von ihm lossagt, sagt er sich von der Partei los und spricht. Nicht immer die Wahrheit. Nie: n u r die Wahrheit. So wird der Angeklagt« zum Ankläger. Cr liefert das Material zur Begründung der schauerlichen Anträge des Staatsanwalts." Was die Kommunisten bisher stets eisern geleugnet hatten, wird hier von einem Manne bestätigt, dem man gewiß keinen Kommu- nistenhaß nachsagen kann: Di« kommunistische Zentrale hat zahl- reiche ihrer eigenen Genossen in abenteuerlich« Terror- Unternehmungen hineingehetzt und sie dann, wenn sie gesaßt, also polllisch unbequem wurden, einfach abgeschüttelt, als Spitzel und Provokateure bezeichnet. Der Mohr hat feine Schul- digkeit getan, der Mohr kam, gehen. Das paßt zu den ganzen korrupten Methoden der KPD. Di« Darstellung des großen Tscheko-Prozesses und anderer kommunistischer Terrorprozesse be- stätigen, was hier von Gumbel gesagt ist. Sie zeigen aber auch, wie die Justiz zweierlei Recht übt: Das scharfe Schwert gegen die konmurnsstischen, das stumpfe gegen die nationalistischen Terroristen. Das Gumbclsch« Buch ist ein« außerordentlich verdieiistvolle Arbeit. Gestützt auf politisch« Prozesse, Denkschriften und parla- inentorische Untenuchungsausschüsse. gibt es eine gewissenhafte, systematische Darstellung der politischen Mord« in Deutschland und Einblick in das Milieu aus dem sie erwuchsen. Nicht überall kann man Gumbel folgen in seinen politischen Darlegungen und Schluß- folgerungen, so insbesondere, wenn er Deillschlond einreiht in die Front der„imperialistischen Großmächte". An Stell« der„Schwär- zen Reichswehr" und der Fememorde sieht Gumbel als deren „würdig« Trvditionskompognie" die Landesverratspara- g r a p h e n. die mit legalsten Mitteln heut« die alten Aweckc ver- mirklichen. Die Fem« als Methode des Klassenkampfes ist ihm kein einmaliges historisches Ereignis, sondern typisch für jeden Zeitpunkt, in den, die heute herrschend« Klasse bedroht ist. Sie würden wieder- kehren, sobald es notwendig sei, womit Gumbel den Zeitpunkt meint, m dem die Demokratie den Kopitalismus, bedroht. Dazu ist nur zu sagen: Di« deutsche Arbeiterklosse kämpst m i t den gesetzlichen Mitteln der Demokratie um die Durchsetzung Ihrer Ziele. Einen gewaltsamen Angriff auf die Demokratie wird die Arbeiterschaft mit gleichen Mitteln abzuwehren wissen. Münchener Polizeiangst. Ein französischer Sozialist verhostet. München. 30. Juli.(Eigenbericht.) Am Sonnlag wurde der französtfche Sozialist Barel an» Lyon, der auf der Durchreise noch Budapest bei einer Münchener Familie übernachtete, mit Frau und Sohn in aller Frühe aus dem Bett heraus verhaftet und ohne Angabe von Gründen zur Polizeiwache gebracht. Der Vorsitzende der Münchener Arbeiter-Efperontisten, der sofort alle Hebel in Bewegung setzt«, um die Haftentlassvng von Barel zu erwirken, erfuhr erst auf Umwegen, worum die Der- Haftung erfolgt war. Barel und feine Familie sind Esperantisten und beabsichtigen, den Internationalen Esperantskongreh in Budapest zu besuchen. Als Abzeichen tragen sie den fünszackigcn grünen Esperantostern. Die Münchener Polizei erblickt« in dem Esperantoabzeichen in ihrer übertriebenen Kommunistenongst den Sowjetstern und kombiniert«, daß Barel ein bolschewistischer Ge- Heimagent sei Alle Bemühungen, dos Mißverständnis aufzuklären. wurden brüsk abgelehnt. Erst als noch drei Stunden ei» be» amteter Dolmaffcher herbeigeholt wurde, tonnt« Barel die Arrest. zelle wieder verlassen. Eine Entschuldigung hielt die Polizei nicht sür notwendig'. So wird in München der Fremdenverkehr gefördert. Arbeiter spenden Gold und Silber. patriotische Legenden in der Sowjetunion.— Notfront« kämpfer als Kanonenfutter. Riga, 30. Juli.(Eigenbericht.) I Der Kriegstaumel in Sowjetrußland dauert an. In den kleinsten Dörfern werden Protcstversammlungen gegen die „chinesischen Banditen" abgehalten. In den Entschließungen geloben die Bauern und Arbeiter,„mit dem Gewehr im Arm im nötigen Fall« die Grenze des sozialistischen Vaterlandes zu ver- teidigen". Auch die Frauen werden in diese Kriegspsychose hinein- gezogen. So haben z. B. die Arbeiterinnen der Ischorwerke(Kolpino bei Leningrad) eine Protestoersammlung veranstallet. in der u. a. verkündet wurde, daß„die Frauen zwar keinen Krieg wollen, aber nach dem ersten Ruf der Regierung zur Verteidigung des Sowjet- landes bereit find". Außerdem werden überall Sammlungen für die Errichtung von Tanks, Flugzeugen usw. veranstaltet. Die Arbeiter und Beamten des Snifchki haben 2 Proz. ihres Lahnes für die Errichtung van Flugzeugen abgegeben und beschlossen: „Alle Gold- und Kilbersachcn für die Landesverteidigung zu spenden". Charakteristisch für die von der Regierung entfachte Kriegspsychose ist die Betonung der Roll- der GPU.(Tscheka). In der„Prawda" vom 27. Juli heißt«s darüber z. B.» daß die Werk» tätigen van Leningrad stch on die GPU. und dl« Rote Armee mit der Aufforderung wandten,„den Schutz der Sowjetgrenzen zu verstärken". Diese Aufforderung kann anläßlich der jüngsten Massen- Hinrichtung von angeblichen Weißgardisten in Chabarowsk on d« mandschurischen Grenze mtr«inen Sinn haben: Ei« fft als Auf» munterung zum Terror mifzufassen. Die Rotmatrosen de« Panzerkreuzers„Die Oktoberrevolution" und de» Minenträger» „Rr....." hoben die Maßnahmen der GPU. gegen die Weiß- gardisten inzwischen gebilligt. Die Arbeiter der größten Werk« „Roller Putilowetz" und anderer Leningroder Fabriken forderten die GPU. auf,„ihre Wachsamkeit zu verstärken". E» fehlt schließlich auch nicht an Versuchen, Atjslandslegionen der Freiwillige« zu schassen. In der„Prawda" erhebt z. B.«in« Gruppe vo» Deutschen, Franzosen. Belgiern, Chinesen. Esten, Türken, Polen, Bulgaren u. o. der Leningrader Elektrowerk« in einem Ausruf an die Sowjetrcgierung schärfsten Protest gegen die Provokation der „chinesischen Banditen" und fordert die Regierung auf, ihre Kräfte und Mittel für«in« gebührende Bestrafung der Räuber des Kapito- lismus auszunutzen. Eine andere Gruppe verlangt von der Regie- rung die Genehmigung zur Bildung einer bewaffneten Feld» a b t e i l u n g aus ausländischen Arbeitern. Die Anwesenhell von T h ä l m a n n und anderen Vertretern des aufgelösten Roten Frontkämpferbundes steht nach den hier vorliegenden Mel- düngen ebenfall» mll der eventuellen Bildung ausländischer Freiwilligensormationen in Verbindung. Moskau braucht Kanonenfutter l Während unseres Saison- Ausverkaufs geben wir aufdlle regulären Waren eine Extra-Ermäßigung von O 1Ü� SAISON AUSVERKAUF (i-14. August) Ganz bedeufend herabgeletzfe Preife! Gardinen, Stores, Bettdecken, Oivandecken, Vorleger, Steppdecken, Daunendecken. ■Bern hardB Schwarrz BERLIN SWWALLSTJH3 Filialen; BlnrFpiedenau, Rheinsttä TempelhoF, BerlinersFr; 155 Reginn der neuen Spielzeit Morgen 1. 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Anna Bowdmd als Töchter LnUe Ewald Seine drei Söhne dem Weltkrieg geopfert, mußte er sein hahe, Alter largenooll und freudla, beschließen! Beisetzung: Donnerstag, l. August, 4 Uhr nachm.. auf dem ffriedhof der Freireligiösen Gemeinde, PappelaUee. Am Donnerslag, dem 25. Juli lS2S, verschieden durch Unglllckssall mein lieber Mann Karl Ifyxalsld im 46. Lebensjahren, mein lieber Sohn Fritz Bygalskl im IT. Lebensjahre. In tiefet Trauer Anna Bygakld und lochtet Und. Pankow, Fiorastr. 7. Die Beisetzung findet am Donner»- lag. dem I. August, nachm. 4 Uhr, Schönholzer Heide statt. Msi ■Terwairangsstelle Berlin Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bohrer Hennsitn Nietschke geb. 16. Februar 1873, am 23. Juli an Herzschwäche gefiotbra ist. Am 28. Juli starb infalae Herzschlag unser Kollege, der Fräser Kurt Nittner geb. 15. Januar 1100. Die Ginäscherungen haben bereits stattgefunden. Ehre ihrem Andenke»! Die Ocfsaccnalfnng. Planetarium — am Zoo—— VcHiiq. Jndinthilir Shab B.S Barbarossa 5578. 16V« Uhr Sternbildef Ott Sommers 8>/« Uhr Der aiotball der Senne 20V, U. Yen Pel tu Pol em Sternenhimmel Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mt, Kinder 50 PI. Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 Pf. �Omnibus 3S� ' ab Grünau, Bohnsdorf bis Kirchplatz über 90 Parzellen an der Schöneseiber Ghaufsee. Bert b. Restparzellen qm l M an. Per» tänfer Sonntag« anwesend. C. A. Wlnklcr Zehlandorf-Hitta Teilower Str. 8. . Aehlenbars 2228. v- Berliner(Ilk-TriO Neukölln. V Lahattr. 74/761 BANK und SPARKASSE ALLER ARBEITNEHMER ÜT DIE BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN UND BEAMTEN, A.-G. BERLIN S 14, WALLSTRASSE 65 SPARKASSENSTUNDEN VON 8 BIS 3, 4 BIS 6 UHR, SONNABENDS 8 BIS 1 UHR ZAHLSTELLEN IN ALLEN STADTTEILEN AUSKUNFT BEI DEN ORTSAUSSCHÜSSEN DES ADBtB. SPARKASSE Arbeiter, Angestellte u. 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Die Ursache noch unbekannt.— Das Notrevier in Aufregung. Im Waldenburger Notrevier, einem der elenden in Deutschland, herrscht tiefste Traner. Wie oft in solchen Fällen konnten trotz aller Mühen über die Ursachen der schweren Grnbenkatastrophe vom Ober- bergamt in Breslau und von der Staatsanwaltschaft noch nichts festgestellt werden. Die Direktion der Gruben nimmt an. daß eine der Benzinsicher- heitslampen explodiert ist und daß dadurch die Explofion verursacht wurde. Eine Verheerung an dem etwa 130 Meter im Durchmesser grasten Arbeitsplatz ist nicht eingeteten. Die in der Nähe der Explosionsstelle aufgefundenen Leichen weisen schwere Brandwunden auf. Nach den bis- hcrigen Untersuchungen kann die Erplosion durch einen Schust nicht verursacht worden sein. Für die U eberlebenden— mit Ausnahme von zweien— besteht nach Auskunft des Krankenhauses noch Lebensgefahr. Sowohl in Waldenburg selbst als auch in der Umgebung haben die öffentlichen Gebäude sowie verschiedene Privathäuser halbmast geflaggt. Bei der Direktion der Gruben laufen noch andauernd Anfragen von Angehörigen über den Verbleib von Hauern oder Schleppern ein. die zum gröstten Teil zu den Toten zählen. Das Grubensicherheitsamt im Preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe teilt, dem Amt- lichen Preußischen Pressedienst zufolge, mit: Auf dem Steinkohlendergv»u Glückhils-Friedens- Hoffnung bei Waldenburg in Schlesien hat sich gestern abend ein« schwere Schlagwetterexplosion ereignet. 23 Bergleute sind getötet worden, 12 wurden schwer verletzt, von denen bisher 1 gestorben ist. Die Verunglückten sind sämtlich geborgen. In der von der Explosion betroffenen Abteilung ist der Betrieb vorläufig ein- gestellt. Die Ursache der Explosion ist noch unbekannt. Die Fort- Pflanzung der Explosion ist durch das Gesteinsstaubverfahren aus- gehalten worden. Die amtliche Untersuchung durch die Behörde ist im Gange. Der Berghauptmann und der Sachbearbeiter des Ober- bergamtes Breslau befinden sich auf der Grube. Der Unfallaus- fchuß der Grubensicherheitskommission Breslau wird zusammen- berufen. Ein Vertreter des Ministeriums(Grubensicherheitsamt) wird an den Verhandlungen teilnehmen. Der Handels minister hat der Werksverwaltung und der Betriebsvertretung sein aufrichtiges Beileid zu dem schweren Unglück ausgesprochen. Teilnahme der Reichsregierung. Reichsminister Dr. G r o e n e r Hot durch das Oberbergamt in Breslau den Verunglückten und ihren Angehörigen, die von dem schweren Grubenunglück im Waldenburger Revier betroffen worden sind, die wärmst« Teilnahm« der Reichsregierung aussprechen lassen. Anläßlich der furchtbaren Grubenkatastrophe bei Waldenburg hat das Reichsarbeitsministerium der Betriebsvertretung und-Verwaltung der Zeche Glückhiff-Friedenshoffnung telegraphisch seine Anteilnahm« versichert. Eine Fahrt in das Waldenburger Kohlenrevier belehrt jeden, daß dort unten der traurigste Winkel Deutschlands ist. Proletarierkasernen, von Staub und Asche grau oerdunkelt, Straßen, die fest Iahren nicht reguliert wurden, zeigt Waldenburg, und Rot und Elend sind die täglichen Tisch- gäste bei den Bergarbeitertumpels. Tag für Tag im harten Lebens- kämpf zu stehen und doch nicht ausreichend Lohn zu haben für sein« Familie, das hat die Bergarbeiter dort unten zermürbtl Zum größten Teil Haufen sie in Einzimmer-Wohnungen, die über und über belegt sind, Kinder müssen in Bettkästen schürfen, auch ein abgearbeiteter Körper findet nicht verdiente Nachtruhe, weil sein Platz zum Schlafen allzu beengt ist! In den grauen Morgenstunden zieht der Bergarbeiter aus seinem düsteren Wohnloch hin zu den Gruben, die ihn für eine Schicht von Licht und Luft ab- sperren. Neben den Männern ziehen auch die Frauen, ja, auch die gerade schulentlassenen Kinder in die Gruben. Alles muß mit- verdienen, alles muß helfen, die Famllie zu ernähren. Erst in den letzten Wochen haben dort unten Proletarier die Arbeit niedergelegt, weil ihnen die Bergherren eine geringe Lohnzulage o e r. weigerten. Der Bergmann im niederfchlesischen Revier verdient trotz seiner harten Untertagearbeit im Durchschnitt monatlich 120 M. für sich und seine Familie. Das ist nur etwa 10 bis 12 Proz. mehr Lohn als vor dem Kriege. Also heute bei der Lebensmittelverteuerung verdient er praktisch viel weniger als vor dem Kriege. 40 Proz. aller be« wohnten Räume im Kreise Waldenburg sind Einraum-Woh- n u n g c n. Das heißt: die Famllie mit Kindern hat für Kochen, Schlafen und Wohnen einen Raum von höchstens 14 bis 16 Quadrat- meiern Wohnsläch«. In der Bergarbeitergemeinde Nieder- Dermsdorf haben von 1400 Schulkindern 580 kein eigenes Bett. Die preußische Staatsregierung hat im vorigen Jahre ein« Hilfsaktion in die Wege geleitet, der sich auch die Reichs- regierung anschloß. Reichsminister Earl S e v e r i n g hat im vorigen Jahre dos Gebiet besucht und die Pläne der Landkreise, den Wohnungsbau zu fördern, unterstützt. Das Waldenbuvger Bergrevier ist wirtschaftlich so ungünstig gestellt, well der Abbau der Kohlen im Waldenburger Revier teurer ist als in anderen Bezirken. Auch die geographisch« Lage ist ungünstiger. Die Flöze haben ein« Mächtigkeit von 30 Zentimetern— in seltenen Fällen von 2 Metern und sind nicht rein. Der Abbau ist darum außerordentlich schwierig, well wegen der Sicherheit der Gebrauch von stoßenden Arbeitsmaschinen verboten ist. Auch die Holztosten der Absteifung sind im Verhältnis zu anderen Revieren hoch. Di« ungünstigen Wasserverhältnisse verteuern außerdem noch die Produktion. Besonders erschwert ist aber der Absaß darum, well im ganzen Waldenburger Bergrevier größere Industrieniederlassungen nicht vorhanden sind und darum all« Kohle erst durch die Bahn in Jndustriebezirke geschafft werden muß. Auch diese Bahnspesen machen selbstverständlich den Abbau wenig rentabel. Die Bergherren, die trotzdem aus ihren Gruben Millionen schöpfen wollen, haben seil Jahrzehnten immer wieder die Arbeitslöhne gedrückt, um dadurch dennoch recht hohen Gewinn herausschlagen zu können. Sie sind daran schuld, daß dies« Ecke des Deutschen Reiches nur Elend und Rot zeigt. In all den Iahren ist Raubbau ge- trieben worden, für Sicherungsvorrichtungen wurden möglichst wenig Arbeitszeit und Material verwandt. Die Notlage der Be- vAkerung ist auch darum besonders groß, well in dem Waldenburger Bergrevier Ackerbau und Viehzucht stark vernoch- l ä f f i g t wurden und olle Lebensmittel von auswärts eingeführt werden müssen. Das Schlagwetter hat wieder einmal— wie bei dem letzten Streit— die Blicke der Oeffentlichteit auf das Hunger- gebiet um Waldenburg gelenkt. Hoffentlich wird den Berg- arbeitern in ihrem trmrrigen Geschick Hiff« gebracht! Wie ein Feuerregen- — so melden die Blätter— ist es über die Waldenburger Bergleule in den berüchtigten Schwesternschächten der Riebag, der Niederfchlesischen Bergwerks«A.-G. gekommen. Di« Stichflamme der Schlagwetterexplosion muß wie ein Untier mit geradezu unheimlicher Gewalt alles, was sie erfaßte, zerrissen und zerschmettert haben. Bier von den 24 Toten sind so verstümmelt, daß die Leichen zur Besicht!- gung den Angehörigen nicht freigegeben werden können. Di« Ge- sichter sind bei vielen der Toten vom Feuer völlig weggewischt und weggefressen, was vom Feuer nicht gepackt wurde und flüchten wollte, wurde von den Gistschwaden erwürgt, was von Giftgas nicht erwürgt wurde, dem wurden die Glieder vom zusammenbrechenden Gestein zerbrochen and zerdrückt. Don sämtlichen 35 Arbeitern, die in der Nähe der Unglücksstätte arbeiteten, kam nicht ein einziger noch aus eigener Kraft ins Freie. Ein« grausige Katastrophe,«ine der grausigsten seit vielen Iahren. Wie bei jeder Grubenkatastrophe, so wird auch jetzt wieder viel über die U r s a ch« des Unglücks gesprochen. Noch liegt keine ein- wandfreie amtliche Feststellung über die wahrscheinliche Ursache der Katastrophe vor. Man vermutet, daß«ine Grubensicherheitslampe explodierte. Wie will man das beweisen. Der Bergmann, der die Grubenlampen zu überwachen hatte, ist tot. Wer will seststellen, daß durch die Nichttontrolle einer Lampe da» gräßlich« Unglück geschah, wenn durch dl« Explosion alles, samt den Lampen zerstört worden ist. Eines Tages, wenn das Unglück vielleicht schon wieder vergessen ist, wird man vielleicht nach langen Untersuchungen und Feststellungen etwas Genaueres über die Gründe des Unheils er- fahren. Nach jeder Grubentatastrophe wurden Untersuchungen angestellt und oft wurde in den Parlamenten die Schuldfrage lang und breit erörtert. Geholfen hat das aber alles bis jetzt nicht viel. Alle Untersuchungen der Ursachen der Grubentatastrophen und alle Experiment« auf Versuchsstrecken werden, so notwendig und nützlich sie auch alle sind und sein mögen, den Bergmcmnstod nicht aus der Welt schaffen, wenn nicht ungeahnte technische Erfindungen kommen. Das Bergmannsleben hat seine Tragik und wird sie wohl behalten, solange es Gruben und Kumpels gibt. Aber eben deswegen sollte auch immer dann, wenn e» sich darum handelt, das Los des Bergmanns etwas zu erleichtern, wenn Lohn- und Arbeitsbedingungen verbessert werden sollen, an diese Tragik des Bergmannsberufes gedacht werden. Gewiß, fast jeder Arbeiter hat heute sein Totenhemd an, wenn er zur Arbeitsstelle geht, allein über keinem hängt so unmittelbar und unheimlich drohend der Schatten des Todes wie über dem Bergmann. Hinrichtung eines dreißigfachen Mörders. In der südserbischen Stadt P ro k u pl i« wurde gestern früh an dem Banditen Heyduc Kristowitsch das Todesurteil durch Erschießen vollstreckt. Vor seinem Tode erklärt« Kristowiffch. er habe nach seiner Schätzung im Laufe seines Lebens ungefähr 30Personenumgebracht. Er bereue seine Taten nicht. 12> Copyright 1W> by OutUv Kicpenheuer Verlag A-Q, Berlin Aber der Rückweg! Rur zwei können die Last auf der Trage durch die engen Gräben zerren, die zwei andern trollen leer hinterdrein und läsen ab nach«in paar hundert Metern. Der Fuß versinkt in Teig bis über den Spann unter dem Ge- wicht von anderthalb Zentnern, jeder Schritt will keuchend erkämpft fein. Das Kreuz geht fchier in Trümmer, die Achseln scheuern sich wund. Schweiß bricht so sehr gus. daß er die Augen überschwemmt, doch man hat ja schon vorher nichts gesehen. Das Herz stürmt und wirft das Blut brausend in die Schläfen— man hört keine Schüsse mehr und versteht nicht das geschrieen« Wort der Kameraden. Wie? Und nun auf einmal Tage, ohne daß der Tele- phonist gelaufen käme? Die da vorn scheinen«inen kleinen Separatfrieden gemacht zu haben. Man ist wie erlost und will kaum glauben, wie gut es einem geht. Man befürchtet nur immerfort, daß mit einemmal olle gewohnte Schrecklich- keit, die rätfelhasterweiie ausbleibt, nachgeholt werden wird. Man lungert vorsichtig umher. Man schießt mit dem Revolver, den der Sanitätsmann statt des Gewehres trägt, auf Ratten, die den Graben ums Gehöft bevölkern, aber man trifft keine. Sie find sehr zahlreich und gut genährt, denn man wirft allen Käse und allen Speck von sich, weil man ihn nicht mehr sehen kann: man bekommt ihn täglich zu essen. Und weil wir erst das Jahresende 1915 schreiben, deshalb tun wir in Nahrungsfragen überhaupt noch recht großartig. Die meisten liegen unten im Kellerloch auf den.Pritschen. die mit altem stockigen Stroh bedeckt sind. Kolonnen von Läusen marschieren lautlos herbei: der Schillhofer hat die meisten und die größten: wer die größte Laus fängt und vorzeigen kann, gewinnt eine Mark. Der Schillhofer gewinnt immer: aber niemand will neben ihm liegen, well er Läuse förmlich ausstrahlt. Da kommt der Spohr und sagt, daß er eine lebende Maus im Trinkbecher hat. Der Becher ist auf einer Kiste gelegen, mit einem Rest von gelöstem Zucker im Hintergrund, und da hat die Maus sich hineinbegeben. Der Spohr hat auf einmal bemerkt, daß sich etwas aus dem Becher ringelt wie ein Regenwurm, hat schnell begriffen, daß es ein Mäuse- schwänz sein kann, ist hingeschlichen und hat die Hand davor- gedeckt. Nun steht er da und lacht gekitzelt, wenn die Maus auswegsuchend mit dem Schnäuzchen an seine Finger stößt. Kameraden kommen heran, kaum aus echter Neugier, eher aus Langeweile. Mäuse gibt's hier so viele wie Sand am Meer, man beachtet sie gar nicht, man sorgt höchstens dafür, daß sie nicht ins Essen geraten und nicht in den Kaffee fallen. Aber diese Maus im Becher kann vielleicht«inen kleinen Zeitvertreib abgeben. „Im Hof droben steht eine große Pfütze. Da könnt' man sie hineinspringen lassen," schlägt einer vor. „Damit sie«in Bad nimmt." ergänzt jemand. Sie sind schon unterwegs, doch ohne rechten Antrieb. Aber immer ist es besser als gar nichts. Einer hinter dem anderen bücken sie sich durch den Schacht nach oben: grau, wüst, verwirrt und verblödet von dem grauenhaften Gesicht des Krieges, in das sie fortwährend starren, ohne es recht mehr zu sehen. Oben tritt!»er Spohr an die Pfütze, die schon fast ein Tümpel ist. streckt den Becher hoch von sich und nimmt die Hand weg. Heraus springt die Maus und im Bogen ins Wasser, daß es aufspritzt über ihrem kleinen Leib. Das sieht komisch aus. und die Leute lachen. Aber nun wird es ein wenig ernst, denn die Maus beginnt zu schwimmen, und sie schwimmt erstaunlich flink, sie fächelt so dahin und wird bald das Ufer erreicht haben: Bezwingerin der Fluten. Natürlich strebt sie weg von den Menschen, die gegen- überliegende Seite sucht sie zu gewinnen. Da» muß ver- hindert werden: zu früh wär es aus, das Spiel. Zwei Leute sind schon hinübergelaufen, als sie landen will, wird sie zurückgescheucht. Sie kehrt um und rudert abermals hinaus auf hohe See. dort schlägt sie einen Haken und nimmt eine ganz neue Richtung. Aber auch das nützt ihr nichts. Sie ist umstellt: wo immer sie aufs Trockene will, von dort wird sie vertrieben. Man sieht ihrer steigenden Hast an, daß sie erkennt: es geht ums Leben. Und auch die Soldaten begreifen, daß jene es begriffen hat. Vielleicht haben sie zuerst gar nicht daran ge- dacht, sie dem Tode zu überliefern,— jetzt wollen sie es. Da sie die Auflehnung des Geschöpfes sehen, wollen sie es. Sie lachen nicht mehr, sie sind gespannt, wortkarg und fast ernst. In kurzen Rufen machen sie«inander aufmerksam, was zu tun ist, um die Verzweifelnde nicht entwischen zu lassen— sie, die zudringlicher wird. Man kann sie nur noch dadurch im Wasser halten, daß man ihr Steine und Zweige entgegen- wirft— für sie sind es Felsbläcke und Baumstämme. Sie pritschelt mit tiefersinkendem Kopf in der Mitte der Lache ermattend in der Runde. Don ferne schaut der Sanitätsoffizier zu. Er hat seinen eigenen Unterstand: dort verharrt er im Rahmen des Loches, das hinabführt. Wird er nicht sagen: Laßt doch die Tier- schinderei. Rein, er sagt nichts. Er langweilt sich auch und hat nun ein wenig Ablenkung. Es liegt ihm vielleicht«in Be- fehl, ein Verbot auf der Zunge, aber er unterdrückt das. Er hat ein maskenhaft starres Lächeln im leeren Gesicht. Wie soll man das fassen? Hier wird von Menschen, die stündlich der Tod belauert, eine Kreatur spielerisch in den Tod gehetzt. Haben diese da noch nicht begriffen, was es heißt für jegliches Lebewesen: gewaltsam zu sterben? Sie schleifen die Toten und die Zerfetzten seit endlosen Monaten fast aus den Händen des Gegners in eine halbe Sicherheit— und sind noch nicht so weit, gelernt zu haben, daß wir nichts in- brünstiger wollen als leben! Wir alle— auch diese Maus da. Was hat das teuflifch-tolle, das harmlose, das fürchter- liche Schauspiel zu bedeuten? So fragt sich Funk— nicht weniger untätig als jener Offizier vor seinem Unterstand-- da kommt die englische Granate. Die englischen Granaten kamen früher immer um diese Abendstunde, sie erteilten den„Segen", die Soldaten wußten es und verkrochen sich schon vorher in die Löcher: aber jetzt war«ine stille Woche vergangen— und außerdem hat der Jux mit der Maus alles vergessen lassen. Die Granate kommt und fährt ins Gehöft. Es war fast immer verschont— es war noch nie so getroffen worden. Ein brüllender Donner, der voll bösartigen Irrsinns den ganzen Himmel herunterreißt auf die Erde, fegt die Männer um. Gemäuer kracht, spaltet sich, stäubt, prasselt und stürzt. Funk ist unverletzt, er ist auf den Knien und blickt um- her. Sucht sein Auge dort, oder fällt es zufällig hin: er sieht gerade noch die Maus mit wankenden Schrittchen dem Wasser entsteigen und sehr langsam, taumelnd, weil völlig erschöpft, einem Versteck zustreben. Ehe sie's noch erreicht, wird er anders beschäftigt. Es gibt Verwundete, sie ächzen, sie müssen binweggeschafft werden, man hat es eilig, denn weitere Schüsse sind zu erwarte- Aber es kommt keiner mehr. (Fortsetzung folgt' > Mord und Selbstmord. Die Wahlen am 12. November. Wesentliche Aenderungen der Kommunal-Wahlordnung. Der Amtliche Preuhische Pressedlevsi teilt einen Runderlah des Ministers des Innern vom 25. Inll diesed Jahres über die kommunalen Neuwahlen am 17. Novem- ber 1923 mit. wir entnehmen dem Erlaß: Der Kreis der Gemeinden und Gemeindeverbürtde, in denen Neuwahlen nicht stattsinden, ergibt sich ans dem Gesetz vom 18. April 1328. Danach finden Neuwahlen nicht statt 1. zur Gemeindevertretung der Gemeinde Helgoland, 2. zu den Vertretungskörperschaften der Geineinden und Gemeindeverbände, in denen nach dem 17. November 1928 Neuwahlen stattgefunden haben. Das gilt besonders für die Genreinden, deren Gemeinde- Vertretungen aus Anlaß der Auflösung der Gutsbezirke am 2. De- zember 1928 neu gewählt worden sind. Ueber die Stadt Berlin bemerkt der Rirnderlaß, daß in ihr am 17. November 1929 die Stadt- verordnetenvcrsammlung und die Bezirksversammlungen neu zu wählen sind. vle Wählerlisten für die am Sonntag, dem 17. November 1920 stattfindenden Wahlen find vom 27. Oktober bi, zum 9. November 1929 einschließlich öffentlich auszulegen. Der Pressedienst teilt folgend« wesentliche Aenderungen mit, die die Wahlordnungen gegenüber dem bisherigen Rechtszustand auf- weisen: Die Zahl der Beisitzer des Wahlvorstandes wird nicht mehr wie bisher durch Gemeindebeschluß bestnnmt. Es fft viel- mehr dem Wahlvorsteher überlasten, wieviel Beisitzer er berufen will. Ihre Mindestzahl muß jedoch drei betragen, ihre Höchstzahl darf sechs nicht über st eigen. Für die verbundenen Wahlen beträgt die Zahl der Beisitzer winde st ens drei und für jede außer der Wahl zur Gemeindevertretung vorzunehmende Wahl je zwei. Voraussetzung der Beisttzerschaft im Wahlvorstand ist ledig- lich di« Wahlberechtigung, nicht wie bisher die Wählbarkeit zur Gemeindevertretung. Die Wahl der Beisitzer durch die Gemeinde- Vertretung ist beseitigt. Die gleiche Bestimmung gilt sür den Wahl- ausschuß. Die Stimmzettel, der« Beschaffung bisher grundsätzlich den Parteien oder Vereinigungen überlassen war. sind nunmehr tu allen Fällen vom Gemeindevorsland amtlich herzustellen. Ein« Umlegung der Beschaffungskosten hierfür auf die Partei« oder Bereinigung« findet nicht statt. Es ist zugelassen, daß in Wftinnnungsbegirken, für welche di« Bürger-(Wähler-) List« nach dem Geschlecht der Wahlberechtigten getrennt aufgestellt ist, die Wahl« gleichzeitig an zwei verschiedenen Wahl- tischen in demselben Wahlraum oder in zwei verschieden« Räumen desselben Gebäudes oder in zwei verschiedenen Gebäuden stattfinden. Bon der Ermächtigung der genannten Bestimmung« ist nur dort Gebrauch zu machen, wo durch die Größe des Abstimmungsbezirk» und bei Berücksichtigung oller Berhältniste eine Gefährdung der G e- Heimhaltung der Wahl als ausgeschlossen gelt« kann. Eine derartige Gefährdung tonn nach der Rechtsprechung des Wahl- Prüfungsgerichts beim Reichstage auch dann ointretm, wenn di« Stirnnwnabgabe einer Gruppe von Wählern, sei es, daß es sich um eine ganz kleine Gruppe oder um sine Gruppe handelt, deren Stimmen ausschließlich oder fast ausschließlich auf eine Partei gefall« sind, nach außen erkennbar wird. Deshalb ist in Abstimmungsbezirken mit weniger als 899 Einwohnern von der Anwendung einer nach Geschlechtern getrennten Ab- stimmung zur Vermeidung einer etwaig« Ungültigkeit der Wahl regelmäßig abzusehen. Oer Loinzer Frauenmord. Vauer schwer belastet. Die Ermitllungcn der Berliner wordkommission zur Ausklärung des Lainzer Frauenmordes Hab« gegen den wiener üausmann Gustav Bauer neue erhebliche vcrdachtsmomenle zutage gefördert. Bei den erst» Vernehmungen hatte Bauer bestimmt erklärt, daß er im Juli 1928 nicht mit der ermordeten Frau Fellner zujaimnengekomtnen sei. Inzwischen konnte einwandfrei ermittelt iverden, daß Bauer am 17. Juli doch mit Frau Fellner zusamm« gewesen ist; Frau F. wußte, daß Bauer zu einer ander« ver- heirateten Frau«gere Beziehungen unterhielt. Schon m Briefen zu Anfang des Monats Juli deutete sie an, daß sie den Ehemann der Frau benachrichtig« würde, wenn Bauer sie nicht mit Geld unterstütze. Bauer hat zugegeben, daß er am 17. Juli geg« 11 Uhr vormittags Frau Fellner, die von Trieft kam, vom Süd- bahnhof abgeholt habe. Er brachte sie in seine Wohming. Sie ;)child«te ihm ihre Rotlage.'«r. zunächst-ihre Forderung« r>icht befriedigen wallt«, Seß sie durchblicken, daß-- sie dem Ehemann der neu« Freundin Enthüllungen machen werde. r'Geg« A3 lihr verließ Frau Fellncr wieder die Wohnung, nachdem Bauer ihr 1599 Schiling ausgehändigt hatte. Bauer behauptet nun, daß er Frau Fellner nur bis zu einer Autodroschke gebracht Hobe. Frau Fellner ist dann, wie seiner, zeit berichtet, zwischen 16 und 17 Uhr im L a i n z e r Tiergarten ermordet worden. Für diese Zeit hat Bauer ein Alibi angetreten, das in den wichtig« Punkt« mißglückt ist. Zwei weitere Punkte sind außerdem für Bauer sehr belastend- So bestritt er, jemals eine Pistole besessen zu haben. Diese Behauptung mußte er widerrufen. Wie weiter bekannt, wurden auf der zum Teil angekohlten Leiche der Ermordeten Reste von Hartspirituswürfel gefunden. Bauer bestritt bei der erst« Vernehmung ganz energisch, jemals ein« derartigen Brennstoff besessen zu haben. Auch diese Aussage hat er jetzt zurücknehmen müssen- Aus meinem pilzbuch. 1. Der Eierschwamm-(boletus pidenileus) gedeiht an schattigen Waldorten, an denen vorher Landpartien gefrühstückt haben. Er steht meist gruppenweise, sein leuchtendes Weiß verrät dem Pilzfreund schon von weitem den Standort. Der Hut ist spröde und zerbrechlich, meist vielfach gesprungen, das etwa darunter noch vorhandene weiße Fleisch für Vorüberkommende genießbar.— Nicht zu verwechseln mit diesem ist der sehr giftige 2. Rollenblätterpilz(boletus tolettilcus). Die 33er« . wechslung mit dem Eierschwamm liegt leider deshalb besonders nahe, weil dieser heimtückische Giftpilz seinen Standort regelmäßig nur -in fünf bis zchn Schritt Entfernung von dem erst- genannten hat. Jedoch achte- man auf folgendes: Der Hut des Rollenblätterpilzes ist nur in der frühesten Iug«d weiß oder gelb- lich, im Alter, namentlich gegen die Spitze zu, stets hell oder dunkel- braun gefärbt. Auch weist er niemals Sprünge auf, wie der Eier- fchwontm, sondern nur starke Faltungen. Geruch und Geschmack übel, weshalb man ihn meist an solchen Stellen findet, wo er den Genuß einer schön« Aussicht oder eines lauschigen Plätzchens be- - cinträchtigt. ' 3. Der Herrenpilz(boletus kickelis) gedeiht da, wo Herren- Partien vorübergezogen sind.. Sein großer Hut hat di« Form einer runden Kopfbedeckung und zeichnet sich durch leuchtende rote oder grüne, am Rande mitunter sorgfältig gefältelte Oberfläche aus. Man findet ihn meist nur in Einzelexemplaren, die den Eindruck erwecken, als habe sie jemand verloren oder feien sie ihm in feuchtfröhlicher Stimmung vom Kopf gefallen. In seiner Nähe gedeiht meist 4. der kleine H e r r e n p f i f f e r l i n g, auch Stinkmorchel ge- nannt(boletus nicotinosis), eine Bowistart, die ihre Sporen während kurzer Zeit in einer rauchartigen Wolke von sich schleudert. Dieser Pilz kann von vorüberkommenden Jugendlichen weitergeraucht werden. Auf viele wirkt sein Duft unangenehm, deshalb Vorsicht, namentlich wenn man die Marke des Pilzes nicht genau kennt! Alle vorgenannten Pilzsort« tragen wesentlich zur Verschöne- rung und Belebung des Landschaftsbildes bei. /onatbsn. Giedlungsgelände in Rahnsdorf. Eine Vorlage des Magistrats. Der Magistrat läßt jetzt der Sladlverordnet«»«- sammlung eine Vorlage zugehen, in der er um Zustimmung zu dem Erwerb eines etwa 109 Hektar großes Geländes in dem als Ausflugsaebiei bekannt« Ortsteil N a h a s�o r�AW� A Für dieses Gelände war von der Neu-Rahnsdorfer Terroiw- Akt.-Ges. schon vor vier Jahr« ein Bebauungs- bzw. P a r z e l- lierungsplan aufgestellt worden, der auch bereits die generell« Zustimnmng der städtischen Körperschaften erhalten hatte. Zur Durchführung der geplanten Parzellierungen kam es jedoch nicht, weil die Hypothekengläubigerin, die Preußische Staatsbank, die das Gelände mit etwa 3 Millionen Mark beliehen hatte, die Entpföndungserklärung« für die Verkäufe nicht erteil« wollte. Durch den Stillstand des Berkaufsgefchäfts, und nachdem der 33« r- such, das Terrain an eine andere Terraingefellschaft abzugeben, ge- scheitert war, sah sich die Gläubigerin gezwungen, dieses Grundstück zur Zwangsversteigerung zu bring«. In dem Zwangsversteigerungstermin vom 24. April ist der gesamte Besitz der Stadt Berlin auf ein Gebot von 1496999 M. zugeschlagen ward«. Es handelt sich hierbei um Bauland der Bauklasse II. zum andern Teil aber um ein Gelände, das wegen seiner Lage vorteilhaft für Wochenend- kolonien ausgenutzt werden kann, während der Rest sich auf Frei- flächen und Straßenland verteilt. Der Quadratmeter stellt sich nach Abzug von Straßeitland und Freifläch« auf etwa 2 M. Mit Rücksicht auf die oiefeikige Verwendungsmöglichkeit des Geländes für privat- wirtschaftliche und kommunale Zwecke hatte sich der Magistrat zu seinem Erwerb entschlossen. Durch 33erhandlung« mit der Preußischen Staatsbank ist er- reicht worden, daß von dem Meistgebot nur 699999 M. im Verteilungstermin zu zahlen waren. 399 999 M. werben am 1. Zlpril 1939, weitere 399 999 M. am 1. April 1931 und der R-st am 1. April 1932 fällig. Die gestundet« Beträge sind mit Vi Proz über dem jeweiligen Reichsbanklombardsatz zu verzinsen. Die Zins« sind vierteljährlich nachträglich zu zahlen. Leichenfund am Teltowkanal aufgeklärt. Gerüchte von einem neuen Frauenmord knüpften sich an ein« Leichenfund an der Emil-Schulz-Brücke am Teltow- kanal. Die Tote, die dort gelandet wurde, wurde erkannt als eine 35 Jahre alte Haustochter Ella Marquardt. Wie die weiter« Ermitwungm ergeben haben, ift das Mädchen, das ihre Mutter in Stettin besuchen wollte, dort nicht gewesen. Infolge eines Zer- würfnisses mit der Familie, bei der sie wohnt«, hat sie offenbar in gedrückter Gemütsstimmung den Tod im Wasser gesucht Er ist der Frau mit dem Kind in den Tod gefolgt. Gestern in vorgerückter Abendstnnde stielt« sich t» Hause Königsweg 148 im Grunewald eine er. schütternde FamilieutragSdie ab. Sarz vor 29 Ahr kehrte die Mutter de» 27jShrig« Saus- mann, Arnold K o ch. die ihrem Sohn den hanshalk führt, von einem Ausgang zurück. Als die betagte Frau das Schlafzimmer betrat, eot- deckte sie zu ihrem Entsetz« ihr« Sohn in einer Blutlache leblos aus dem Fußboden. Zn seinem Betlch« lag das 1 �jährige Sindchen de, Sohnes mit einem S chnß du rch den S o ps. Vater und Sind war« bereits t o t. Koch hat vor ganz kurzer Zeit seil« jungeFrau.dieer über- «ws liebte, durch den Tod v« r i o r e n. Er konnte den Derlust nicht verschmerzen und verfiel in Schwermut. Gestern brachte er sein wahrscheinlich schon seit langem geplantes Borhabm zur Ausführung. Während der Abwesenheit seiner Mutter erschoß er sein Kind und jagte sich selbst eine K u g e l in die Schläfe. Wie aus hinterlasien« Brief« hervorgeht, hat Koch die Tat in einer Z3erzweiflung über den Tod seiner Frau begangen. Sie wittern Morgenluft. Der Polizei gelang es. am Montagabend einen StahlhÄnnnam» zu verhaften, der an einem Ueberfall auf«ine Reichsbannerabteilung beteiligt war. Das Reichsbanner, Ortsverein Prenzlauer Berg, ve» anstaltete am Montagabend einen Umzug. Als die Reichsbanner» kamcraden durch die G r e i f e n h a g e n e r Straß« marschierten. wurden sie von einem Trupp Stahlhelmer angepöbelt. Da da» Reichs» bcnner auf die Provokationen nicht einging, wandten sivsich gegen die begleitenden Straßenpasianten. Sie verletzten dabei ein junge» Mädchen. Zwei Samariter eilten hilfsbereit herbei»nd ver» banden die Verletzte. Als sie daraufhin zu ihrem Zuge gehen wollten, fielen die Stahlhelmer über die Reichsbannersamariter her. Rur durch das schnelle Eingreisen einiger Polizeibeamter gelabg es, die Horde zurückzudrängen. Plötzlich drehte sich einer der Demonstranten um und gab einen Schuß ab. Die Polizei verhaftete den schieß- wütigen Stahlhelmer. « Die Nationalsozialisten glauben, noch dem Fall de, Repiiblikschutzgesetzes sich besonders bemerkbar machen zu«missen.(5n Flugblattverteiler unserer Partei wurde auf dem Potsdamer Platz von einem Nationalsoziolisten mit deniWorten„Sämtlich« Minister sind Zuhälter und Spitzbuben" angepöbelt. Der Nationalsozialist wurde daraufhin der Polizei übergeben und seine Personalien fest- gestellt. Es handelt sich um ein« Werner Haberland aus der Linienstr. 18._ Falsche Hundertmarkscheine im Umlauf. In letzter Zeit ist wieder einmal falsches Geld verbreitet worde� und zwar handelt es sich diesmal um falsche Hundertmark. scheine, die besonders in der Mark auftauchen. Das Falschgeld läßt sich leicht von dem echten unterscheiden. Die falschen Hundert» markscheine tragen das Datum 11. 19. 24. Das Papier, in dem die Pflanzenfasern vollständig sehlen, fühlt sich fettiger an. Di« Sa»er- zesthniWd M�«wachsa?ttKN M Bremen. 3� ,3utf. Die„Bremen" funkte dem Bureau des Norddeutschen Lloyd, sie habe bi» heute mittag in 23 Stunden 651 Seemeilen bei einer durchschnittlichen Fahrt von 28 sH Knoten zurück» gelegt. Wegen ihrer guten Fahrtzeit läuft die„Bremen" Ply» m 0 u t h an, wo sie wahrscheinlich am Mittwoch 21 Uhr eintrifft. In Cherbourg wird sie voraussichtlich am Donnerstag um 3 Uhr, in Southampton am Donneistagmittag und in Bremerhaven am Freitag um 8 Uhr morgens eintreffen. Auto gegen Teerwagen. Um 21% Uhr ereignete sich In der Bellc-Allianc«. Straße nahe am Steuerhäuschen ein ziem- lich schwerer Z u s a m m e n st 0 ß, der zum Glück glimpflich ablief. Ein P r i v a t a u t 0 fuhr mit voller Wucht von hinten aus«inen an der Bordschwelle stehenden Tcerwagen, dessen Fahrer gerode die Pferd« tränkte. Durch den Zusammenprall wurde das Auto mit eiizgedrücktem Borderteil aus die Seite geschleudert. Der Ehäuifeur und die Insassen des Autos muhten aus ihrer gesährlichen Lage durch Passanten besreit werden Wie durch ein Wunder sind sie mit leichten Berletzun gen- davon- gelommen. Gewerkschaftlicher Rundsunkvorlrag. Am Donnerstag, dem 1. August, abends 7 Uhr, spricht der Bezirkssetretär des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes, Genosse Karl Bollmerhous. Berlin, im Berliner Rundfunk über„Die wertschasfen.de Arbeitslosenversicherung"(Rofttandsarbeiteii). Da all« mit der Arbeitslosenversicherung ziisammenhöngende Fragen sür die gewerkschaftlichen Arbeiten außerordentlich wichtig sind, empfehlen wir den Arbciterhörern, auf diesen Bortrag zu achten. istes möglich, in hcuHgerZeih den Bedarf zu decken! Machen Sie ausgiebigen Gebrauch von diesen CÄIQÖIJ«ÄS9�Mi"DlfAi außergewöhnlichen Angebohen in ünsepem�j/�uJwfni Hier einige Beispiele unserer unerhört billigen Preise! 19 Beginn 1. August 1200 p. 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E, handelt sich hierbei um das ehemalige Stahlfche zwischen Dircksenstraße(Stadtbahnhof Mexanderplatz) und Königsgraben (Warenhaus Tietz) gelegene Grundstück Alexander st raß« 71 und den von Dircksenstraße, Alexanderstraß«, Alexanderplatz und Grunerstraße begrenzten Gebäudekomplex, der auch das Asch-inger- Haus und dos frühere Gebäude von Loeser u. Wolfs«inschließt. Aus diesen beiden Grundstücksblöcken, die insgesamt eine Fläche von 5S00 qm umfassen, sollen achtstöckige Gebäude errichtet werden: ein zwölsslöckiger Turm auf dem Stahlfchen Grundstück hebt diese Bebauung besonders hervor. Die Gebäude enthalten Bureaus und Läden im modernsten Stil. Di« Ausführung erfolgt aus feuer- festem Material, wobei für die Auhenarchitektur wertvoller Werkstein verwendet werden soll. Die Ausarbeitung der Pläne liegt in den Händen von Professor Peter Behrens, der im Ein- vernehmen mit Stadtbaurat Dr. Wagner nach den für die Um- gestaltung des Alexanderplatzes ausgelegten Plänen arbeitet. Zu den oberen Stockwerken des Turmes führen elektrisch« Auf- züg-, während den Verkehr mit den einzelnen Stockwerken Paternoster-Aufzüge vermitteln. Von beiden Gebäuden ist ein direkter Eingang nach dem Untergrundbahnhof Alexandcrplatz vorgesehen. Der Abriß de« Aschingerhaufes erfolgt zunächst nur so weit, als es für das Bauvorhaben notwendig ist; infolgedessen kann der Wirtschasts- und Konditoreibetrieb der Aschinger Akt.-Gef. bis zur Fertigstellung des neuen Gebäudes auf- recht erholten bleiben. Für die Durchführung des gesamten Projektes ist kürzlich die Bursauhaus a m A l e xa n d e r p la tz G. m. b. H. mit einem Kapital von einer Million Mark gegründet worden. Mit dieser Gesellschaft haben die Berliner Verkehre-Aktiengesellschaft und die Berolina-Grundstücksgesellschaft einen SO Jahre laufenden Erb- bauoertrag geschlossen. Die für die Durchführung des Projekt» erforderlichen Mittel sind gesichert, und zwar durch Abschluß eines Baukredils mll der Lmobeck Corporation Chicago-ttew Jork. Die langfristige Finanzierung des Unternehmens ist durch Abschluß eines Vertrages mit den Firmen Lawrence Stern and Company, Chicago, und A. G. Becker u. Co., Chicago-New Port, welchen beiden Firmen auch die Lawbeck Corp. gehört, durchgeführt. Mit der Durchführung der Arbeiten soll sofort begonnen werden, und es ist vorgesehen, daß das auf dem ehemaligen Stahl- scheu Grundstück zu errichtende Gebäude in etwa 18 Monaten und das auf dem gegenüberliegenden anderen Gebäudeblock i n etwa zwei Jahren beziehbar sein wird. Die Verwaltung der Gebäude und die Vermietungen liegen in den Händen der Allgemeinen Bau- und Grundstücks G. m. b. H., Schützenstr. S, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bau- und Bodenbank. Verschiedene bedeutende Firmen haben sich bereits um die Zuweisung von Läden und Bureauräumen an diesem wich- tigen Verkehrszentrum der Stadt beworben. Auiobus mit Wattfahrern verunglückt. Zwei Tote, sechzehn(Schwerverletzte. Letpnik(Deukschböhmeu), 30. Zuli.(Eigenbericht.) Das Lastauto eines prerauer Aulounleruehmens fuhr mit 40 Wallfahrern über pawlowitz noch dem Wallfahrtsorte A l l w a s s e r. In der Höhe bei L a u s k a versagte auf der ab- schüssigen Straße die Bremse. Das Aulo stürzte in deu Straße«. graben und riß zwei Bäume und eine Telegraphenstange mit sich. Ein Passagier und ein prerauer Waldheger worden getötet. sechzehn Personen schwerverletzt. Die übrigen Insassen kamen mit leichten Verletzungen davon. Ein dreizehnjähriger Junge vermißt. Seit Sonnabend vergangener Woche wind der 13jährioe Schüler Kurt Schöning aus der Dirfchauer Straße 7 vsrmißt. Der Jung«, Sohn eines Bildhauers, der die 2. Klasse einer Lichtenberger Gemeindeschule besuchte, war schon früher einmal wegen eines Nervenleidens in ärztlicher Behandlung: er galt aber sonst als ziemlich aufgeweckt. In der letzten Woche entfernt« er sich plötzlich aus der elterlichen Wohnung und kehrte erst nach zwei Tagen zu- rück. Für sein Ausbleiben erhielt er eine gelinde Strafe. Das nahm er sich aber so zu Herzen, daß er am darauffolgenden Tage zu feinen Großeltern nach Friedrichsfelde hinausftchr. Am Sonnabend sollte er dort eine kleine Besorguyg machen und erhielt 10 Mark mit auf den Weg. Von diesem Ausgang rft der Jung« nicht mehr zurückgekehrt. Von einem Postamt in Fried- Die Ankunft des„2l l b e r t B a l l i n", mit dem Sven Hedin von Amerika nach Deutschland kam, wurde vom Hamburger Sender am Nachmittag übertragen. Es ist erfreulich, daß der Rundfunk sich immer mehr bemüht, den Forderungen des Tages gerecht zu werden und Ereignisse von Allgemeininteresse sofort dem großen Publikum zugänglich zu machen. Leider ist das Gebiet der Rundfunkreportage trotz dieses guten Willens noch wenig entwickelt. Wer je die Ankunft eines Ueberfeedampfers erlebte, das Durcheinander der wartenden Menge, die erregte Atmosphäre, die zwischen Schiff und Land hin- zittert, die Stimmung von Abenteuer und Ferne, die ein Ozeanriese ausstrahlt— der mußte sich bei diesem Bericht enttäuscht fragen: Wo war das alles geblieben? In trockenen Sätzen, die nicht den Schatten einer Vorstellung heraufbeschwören tonnten, und in einigen wohlklingenden Begrüßungsphrasen wurde den Funkhörern die An- kunst des Schiffes und seines berühmten Fabrgastes mitgeteilt. Das hätte man auch ohne allen Aufwand von irgendeinem Senderaum aus tun können.— Ein Chorkonzert bot am Abend einen be- sonderen musikalischen Genuß. Nach solcher Veranstaltung ist man dem Berliner Funkchor und dem Orchester immer wieder von neuem für ihre Leistungen dankbar, dankbar aber auch denen, die es ver- stehen, ihnen vollwertige künstlerische Aufgaben zu stellen. Professor Hugo R ü d e l leitete diesen Abend. Maria P e s ch k e n und Emmy von Stetten sangen die Soli. T«s. richsselde schrieb der Junge ap seine Eltern eine Kart« und teiO« ihnen mit, daß er den Freitod suchen werde. Schon vor etwa 14 Tagen hat Kurt Sch. einen Selb st Mordversuch unternommen. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". SeftSttiftell»: Berlin S. U. Sebaftianstr. 37/88, Hof i Tr. «anoorswnd. Mittwoch. 3L Juli, 20 Uhr, Antreten der Ehren- kompagnie in Bundeskleidung Schulhof KSpenicker Str. 123.— Shrenkamerodich-st min StreU Osten: Antreten am ffreiwo, 2. August. 20 Uhr. Rathau» Treptow, in Bundestleidung.— Antreten der Ort«« reine ,ur Teilnahme an der A ntilrieqslun dgebung am Donaeestag. 1. August, wie folgt: Hof. Wethe»!»: isyt Uhr bei Galla» mit Spielmanns«ug ohne ffabncn. Pflicht. Veranstaltung. Reinickendorf(Ortsverein!: Alle aktiven und vo'üven Kamera. den mit Dpielleuten in Bannerkleidung 18 Uhr Brunnenplaji. Erscheinen Pflicht. Zieinickendorf.West: 17% Uhr Vereinslokal. Hermidorf(Kam.): 17% Uhr bei Olrint. Bahnhofstrahe. ohne stöhnen. Mitte: 18% Uhr Antreten Kölln. Park ohne stahnen mit Spielleuten. Bundeskleidung. Pflichwcranstaltung. Krenzber«: Sportler jeden Donnerstag von 18—20% Uhr Treptow, Spielwiese 0. Lichten- berg lOrtoverein): 19% Uhr Antreten Iugendbllhne, HolteistraKe.�in Bundes. kleidun«»ur Teilnahme darf: Absahrt vilnktlich radschaft) Antreten 18.....___... JH..... Teilnahme an der Antilriegskundoebunz.— Freitag, 2. August. Prenilouer Berg: 19% Uhr Antreten am Bezirksamt, jroecks Organssatton zum 11. August. mit stahnen und Mustk. Pflichtveranstaltung,»rnubeea. Zug I: Persainm- luna am 2. August fällt aus. Letzt- Zugversammlung vor der Perfassungs. .,.***..••.*»» a*....n aa t? t-__' �» ctiMmt.—.rw Cit c mr„ de» Ortsvereins auf dem Witten bergplatz. Den Schlitz stellen die Kamerad. fchaften Wlttenterg und Zoo um 18stL Uhr. Reinlckend-rs.vst sKamerad- schast)- Generalavpell für die Berfassunqsfeier 19% Ubr Bist. Desundbrunnen. Antreten 19 Uhr am Seebad. Wittenau /Kameradschaft): 18?i Uhr Antreten zum Generalappell am Nordbahnhof. Bunteskleidung. strei« Arbeit» r-Esperaato-Bereialguu« Bellt», Gruppe Osten. Jugendheim: Am Ostbahnhos 17. 20 Uhr: Portrag von Genosten Martens:.Meine stahrt von Penedia Uber«orfil nach Wien zum internationalen Treffen der Sozia. listischen AÄeiterlugend"._ Tveiierberichl der SffeaMchen welierdieu(Isteste Bersttt und Umgegend /Nachdruck verboten.) Anfangs zeitweise ausheiternd, später meist stark be- wölkt, wenig geänderte Temperaturen und weltliche Winde, vereinicltc leichte Regenschauer.— Für veasschlaud: Im Nordosten und Nordwesten regnerisch, in Mitteldeutschland vorübergehend ausheiternd und zunächst noch ohne wesentliche Niederschlag«: im Süden ziemlich heiter und am Tage etwa« wärmer. Verantwortlich kür Politik: Dr. Eurt«eqee! Wirtschaft:«.«llugelhSfer: Gewerkfchaftsbeweguna: Z. Dteluer; ffeuilleton: R. S. Döscher: Lokales und Sonstiges: stritz«arftödt: Anzeigen: Tb..»locke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärls-Verlag S. m. b. H.. Berlin.'Druck: Vorwärts-Buchdruckere, und Verlageanstalt Baul Singer u. Eo., Berlin EW. S8. Lindenstrahe 8 Hierzu 2 Beilage»»ud.Unterhalt»»«»»d Wiste»-. Heilwirkendl Faebinger Tersanistellt, Berlin STil ScbSneber|er Str. 16«. Tel. Lstti«« 8260-61 S. OranlenstraBe 164/65 N. BrunnenstraBe 166 SQ N. Beinlckenderffer Straße 21 O. Frankfurter Allee 60 Charlottenburg, RosinenstraBe 4 i Jlr. 353• 46 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 34. Juli 1929 Von der Krise zur Gesundung. Die Entwicklung im englischen Bergbau.- Wende durch Labour-Regierung. vir englisch« Arbeiterregierung hat dem englischen Zechenverbond ausgegeben, die Sartellbilduag in sämtlichen Bezirken durchzuführen. Der englische Bergarbeiter oerband hat in Blackpool die Abschaffung de» Achtstundengesetze» für den Bergbau verlaugt und die Vereinheitlichung der Arbeitsbedingungen im internationalen Mahstab. Beide» hat Aussicht auf Erfolg. Ge- nosfe Heinrich Lössler stellt im folgenden die Eutwick- wicklnng de» englischen Bergbau» in den letzten 10 Jahren dar. Ts ist reizvoll, zu untersuchen, wieder englisch« Berg. bau wirtschaftlich steht. Die Möglichkeit dazu bietet eine gute Selbsttoften. und Erlöskontrolle. Die englischen Bergwerks- besitze? find verpflichtet, in besonderen Fragebogen genauen Auf- schluh über Selbstkosten und Erlös« zu geben. Vereidigte Bücherrevisoren nehmen dann an Hand der Fragebogen Stichproben auf den Werken vor. Dadurch verfügt die englische Oefsentlichtest über «in« gute Selbstkosten» und Erlösstatistik ihres Bergbaues. Die Er- gebniffe werden distriktweise zusammengestellt und veröffentlicht. Nach den Berichten sollen rund 9K Proz. der Werk« von der Kontrolle erfaßt sein. Ob die Richtigkeit einem gleich hohen Prozentsatz entspricht, kann hier nicht untersucht werden. Wesentlich aber ist: Bergarbeiter, Parlament, Regierung und die englische Oeffentlichkeit sind davon überzeugt, daß die Kontrolle ein g«- naues Bild über die Lage im Bergbau gibt. Folgende Tabelle gibt Aufschluß über die beschäftigten Berg- arbeiter, Kohlenproduktion und Absatz in Millionen Long-Tonnen und Deputatkohle. gechenseldstver- brauch und FSrderung Absatz Deputatlohle sin Millionen Lonfl-Tonnen) 229,06 205,27 23,87 und über Zechenselbstverbrauch »eschiMat« Bergardeiter 1920 1923 1925 1927 1928 1185 108 1 104«94 1 104 512 910 826 880 585 262,44 235,08 241.14 229,51 240,34 214,35 221,81 211,49 24,08 20,74 19,35 18,03 Die Zahl der beschäftigten Bergarbeiter hat von 1920 bis 192S um 300 000 abgenommen. Der Hauptrückgang erfolgt« von 1925 zu 1927. Dazwischen, im Jahre 1926, lag der Streik, nach welchem 180 000 Mann nicht wieder zur Bergarbeit zugelassen wurden. Trotzdem ist die Kohlen- Produktion auf gleicher höh« geblieben. Darin spiegelt sich die auch im englischen Bergbau vorgenommene R a t i o n a l i- s i« r u n g wider. Die Möglichkeiten der Rationalisierung sind aber im englischen Bergbau noch läng st nicht erschöpft. Darüber muß man sich klar sein. Rachfolgende Ausstellung gibt nun über die Selbstkosten, Erlös, Gewinne bzw. Verlust per Tonne Absatz Aufschluß. Fahr Gesamsselbst kosten Erlö» G«winn(-j-) verluftf—) Die vom Staat ab 1. August 1925 gewährten Subventionen sind bei dieser Berechnung außer acht gelassen worden, weil sie mit den reinen Selbstkosten und Erlösen nichts zu tun haben. Sie betrugen, auf die Absatztonne berechnet, 1 Schilling 4,07 Pence im dritten Vierteljahr 1925, 3 Schilling 0,37 Pence im vierten Bierleljahr 1925 und 2 Schilling 9,62 Pence im ersten Vierteljahr 1926. Dadurch oerwandelten sich die aus der Gegenüberstellung der reinen Selbst- kosten und Derkaufserlöse sich ergebenden Verluste zu Ueber- schössen auf Kosten der Steuerzahler. Der Oohnanleil an dem verkauferlö» per Long-Tonne betrug 29 Schilling 8,02 Pence im ersten Viertel- jähr 1921 und im vierten Vierteljahr 1921 nur noch 15 Schilling 9,99 Pence. Dazwischen war ein zwölswöchiger Streik geführt worden, in dem die Bergarbeiter unterlagen. Der Lohnonteil ist dann von Jahr zu Jahr weiter gesunken. Einmal durch steten Druck auf die Löhn« und dann auch durch Ansteigen des Förder- anteil». Vor dem Beginn des letzten großen Streiks im ersten Bierteljahr 1926 betrug der Lohnanteil im Verkaufserlös 12 Schil- ling 3,88 Pence per Long-Tonne, und im vierten Vierteljahr 1928 betrug er 9 Schilling 2,21 Pen«. Es ist somit festzustellen, daß der Lohnanteil an dem Verkaufserlös einer Tonn« Kohle vom ersten Vierteljahr 1921 bi» zum vierten Vierteljahr 1928 um 20 Schilling 5,81 Pence gesunken ist. Steter Druck auf den Lohn und ansteigende Förderung haben dies bewirkt. Aeia� Verluste mehr. Wenn nun, auf da» voll« Jahr1928 bezogen, ein Verlust von 9,04 Pence— ungefähr 75 Pfennig— je Absatztonn« festgestellt werden kann, so ist doch nicht zu verkennen, daß sich die Lage gebessert hat. Di« Verluste, die im zweiten Dieneljahr 1928 noch 1 Schilling 5,02 Pence betrugen, waren im vierten Viertel- jähr bi» auf 2,87 Pen« per Absatztonne gesunken und sollen nach Blättermeldungen im Jahre 1929 fast ganz oerschwun- den sein. Nach der Selbstkostenstatistik sst e» gelungen, die cholz- und Betriebsstoffio sten wesentlich zu senken. Sie haben im ersten Vierteljahr 1921, auf die Absatztonne berechnet. 6 Schilling 9,35 Pen« betragen gegen 2 Schilling 5 Pence im ersten Pierlel- jähr 1923. Im vierten Vierteljahr 1928 betrugen sie nur noch 1 Schilling 6,79 Pence. Daß dieje Kosten so wesentlich gesenkt wer- den tonnten, ist nicht allein auf Preissenkung für Holz- und Betriebsstoffe zurückzuführen, sondern auch auf die sogenannte n« g a. tive Rationalisierung. Man hat den Abbau von Flözen und Gruben eingestellt, die viel Holz und andere Materialien er- forderten. Di« Rentabilität des Bergbaues in England könnte fernerhin noch weiter gehoben werden, wenn man sich entschließen würde, di« in der Erde lagernden Mineralien zum Staatseigen- t u m zu erklären. Heute gehören sie dem Oberflöchengrundbesitzer, der sich für den Abbau der Kohlenflöze bezahlen läßt. Im Durch- schnitt wird die Absatztonne mit rund 50 Pfennig belastet. Der Grundbesitzer erzielt einen mühelosen Gewinn, der nicht berechtigt ist: denn er ist ja an dem Kohlenvorkommen unschuldig. Ferner würden die Verluste im letzten Jahr etwas gemildert durch das Anziehen der Verkaufspreise(Erlöse). Nachdem dies« seit dem Ab- schluh de? großen Streiks von 1926 stetig gefallen waren, bewegten sie sich seit Herbst 1928 in mäßig ansteigender Linie. Das vernünftigste ist. sich international zu verstän- d i g e n, um die wilden Konkurrenzkämpfe, bei denen oft weit unter den Gestehungskosten abgesetzt wird, auszuschallen. Gerade dieser Verständigung würde durch di« von der Labour-Regierung empfohlene Kartellierung und die von den Bergarbeitern angestrebte Ungleichung der Arbeitsbedingungen sehr stark vorgearbeitet. Etappen zum Weltstickstoffmonopol Von der blauen Adria zum Friedensschluß mit Chile. Als Anfang Mai vorigen Jahres die Vertreter aller großen Stickstoffgruppen aus den verschiedensten Ländern auf einem Luxus- dampfer im Adriatifchen Meer, abgeschlossen von der neugierigen Oessentlichkeit, ihre zweite international« Konserenz abhiellen, wurde die Well glauben gemacht, daß es sich um rein Wissenschaft- liche und theoretische Dinge handle, und außer über die dämals gehaltenen ossiziellen Vorträge erfuhr man zunächst über die eigent- lichen Gründe dieser Konferenz nichts. Es war aber klar, daß damals zwischen den Hauptinteressenten auch über andere, ganz praktssche Fragen der Marktbeherrschung gesprochen wurde, wenn auch zunächst hierüber nichts verlautete. Schon auf der Adriakonferenz konnte als sicher angesehen werden, daß zwsschen den größten Stick- stosiproduzenten eine Art Arbeitsgemeinschaft be- a b s i ch t i g t war, wenn auch das Verhältnis der Kunststickstojs- Produzenten(drei Viertel der Weltproduktion) zu den Chilesalpeter- Produzenten(ein Viertel der Wellproduktion) ungeklärt blieb. Die Chilevertreter nahmen an der Adriakonferenz nicht teil. Und m den auf die Konserenz folgenden Monaten spitzte sich, insbesondere in Deusschland, der Konkurrenzkampf zwischen dem Chilesalpeter und dem künstlichen Stickstoff, organisiert im Stickstoffsynditat, mehr und mehr zu. Inzwischen ging bei den Chileproduzenten insofern eine wich- tige Wandlung vor sich, als die amerikanische G u g g e n- Heim-Gruppe, die nach neuen, rentableren Versahren arbeitet und hinter der eine große Kaufkraft steht, immer mehr an Einfluß gewann. Insbesondere brachte sie die große englisch-chilenische Lautaro-Gesellschast unter ihre Kontrolle(Lautaro Nitrate Co.). Durch diese vermehrte.Anwendung des Guggenheim-Verfahrens, durch das die Herstellungskosten um etwa 40 Proz. gesenkt werden, und ebenso auch durch entgegenkommend« Maßnahmen der chile- nischen Regierung(Herabsetzung der Erpörtab gaben), durch schärfere Zusammenfassung des Chilesalpeterverkaufs, durch den Eintritt auch des Guggenheim-Konzerns(Anglo Chilean Consolidated Nitrate Corporation) in den Verband der Chilesalpeter-Produzenten wurde die Stellung des Chilesalpeters auf dem Weltmarkt immer mehr gestärkt. Ursprünglich hatte man wohl in Europa, vor allem in Deussch- land, gehofft, daß im Laufe der Zeit der Chilesalpeter voll- ständig niederkonkurriert werden könnt«. Nachdem sich aber in den letzten drei Jahren die Chilesalpeter-Produktion wieder mehr als verdoppelt hat und die Kapitalstärke des Guggenheim- Konzerns hierbei immer mehr zum Ausdruck kam, wurde auch auf deutscher Seite der Wunsch nach einer Verständigung und der Vermeidung eines kostspieligen Konkurrenzkampfes lebendig. So kam es im Juni dieses Jahres zu einer Verständigung zwischen dem Stickstosssyndikat bezüglich seines hauptsächlichsten Mitglieds, der I. G. F a r b e n i n d u st r i«, mit dem chilenischen Finanz- minister und dem chilenischen Salpeter-Verband. Fast gleichzeitig machte Geheimrat Bosch, Vorstand des Verwaltungsrats der I. G. Farben in London bei Lord Melchett, dem Chef des englischen Chemiekonzerns(Imperial Chemical Inda- strics), einen Besuch, und auch zwischen der I. G. Farben und dieser englischen Gesellschaft wurde«in Stickstoff-Sonderabkommen geschlossen. Anfang. Juli wurde ferner bekannt, daß auch die von der I. G. Farben jetzt kontrolliert« Norsk Hydro(Norwegen) sich dem Vertrag zwischen Chile und I. G. Farben angeschlossen hat. Auf dies« Weise haben sich also bis jetzt schon vier groß« Gruppen zusammengefunden, die insgesamt mehr al» drei Viertel der Weltproduktion an natürlichem und künst- lichem Stickstoff beherrschen. Die großen ilußeasetter. Der Kampf ist damit noch nicht zu Ende. Ein wichtiger Außenseiter sst insbesondere der amerikanisch« Dupont« Konzern, noch wichtiger deswegen weil er vor kurzem die volle Kontroll« über die französische Gesellschaft L'Azot« erworben hat. Die Azote ist«ine Untergesellschoft des französischen Kon- zerns AirLiquide. Dieser Konzern ist Inhaber des bekannten Claude-Lerfahrens und ist an allen Stickstosfunternchmun- gen kapitalmäßig beteiligt, die nach diesem Verfahren arbeiten. Solche Unternehmungen arbeiten u. a. in Frankreich, Belgien. Deutschland(Kaliindustrie A..G. und Klöckner), Italien, Spanien, Polen, den Balkanländern, der Tschechoslowakei usw. Auch an der Air Liquide selbst hat Dupont sich beteiligt. Ein weiterer großer Außenseiter ist der amerikanische Konzern Allied Chemical and Dy« Corporation, der vor kurzem in Amerika«ine gewaltig« Neuanlage in Betrieb ge- nommen hat. Daneben gibt es in allen industriell einigermaßen entwickelten Ländern zahlreiche Stickstoffbctriebe. großenteUs ausgebaut auf Kohleoerwertung. An vielen dieser Unternehmungen sind direkt oder indirekt Regierungen beteiligt, und verschiedentlich hört man von Bersuchen, diese Industrien durch Absperrung des heimischen Marktes nach außen, durch Stickstoff-Einfuhrverbot« usw. zu stützen. Zumesst Handell es sich freilich um kleinere Produzenten, di« von den Groß. Produzenten, bei denen di« Herstellungskosten erheblich niedriger liegen, nicht sehr gefürchtet werden. Die Reklamepreissenkung— eine Sampfmaßnahme. Der Sinn aller Kartelle sst die Stabilisierung der Preise auf einem den größten Ertrag bringenden Niveau. Da jedoch vorläufig auf dem Stickstoffgebiet die Konkurrenz noch lebhaft fortbesteht. konnte man nicht daran denken, die Abmachungen zwischen den großen Produzenten mit einer Preissteigerung einzuleiten. Es fand im Gegenteil eine geringe Preisherabsetzung statt. Die Pro- duzenten weisen dabei darauf hin, daß di« Preise bereits unter dem Vorkriegsstand liegen. Das erschien manchen als ein großzügiges Opfer. In Wirklichkeit liegen aber die Dinge so, daß heut« die Herstellungskosten für Stickstoff ganz wesentlich unter denen der Vorkriegsjahr« liegen und daß, wenn ein« Verständigung mit Chile nicht zustand« gekommen wäre, ein viel stärkerer Preisrückgang zu erwarten gewesen wäre. Die Abmachungen beziehen sich auf Vermeidung gegenseitiger Preisunterbietung und auf gemeinsame Propaganda. Vielleicht hört man eines Tages auch von gemeinsamen Angriffen auf einzelne Märkte, d. h. von einem gemeinsamen Vorgehen gegen die störenden kleineren Produzenten. Auf dem O e l m a r k t sind ja ähnliche Fälle oftmals bekannt geworden: Preishochhaltung in denjenigen Gebieten, wo keine Konkurrenz bestand, und zeit- weise gewaltiger Preisnachlaß dort, wo noch Konkurrenten bezwun- gen werden mußten. Auch das Ruhrkohlensyndikat befolgt ja diese Politik: hohe Syndikatspreise für die konkurrenz- los bearbeiteten Gebiete, niedrige Kompfpreis« in den Kllstengegenden und im Ausland. Es sst durchaus wahrscheinlich, daß in ähnlicher Form auch die Großproduzenten des Stickstoffs, wahrscheinlich unter Zusammen- arbeit mit der amerikanischen Chemie, ihr« 75prozentige Weltherr- schaft zu einer hundertprozentigen, zum vollen Weltmonopol, aus- bauen wollen. Die Derbraucher— direkt die Landwirt«, indirekt die konsumierenden breiten Massen— haben dann nicht mehr viel zu hoffen.— h. Preßlust verzichtet auf Dividende. Gewianrückstellung bei der Premag-Berlin für neue Betriebe Die Premag, Preßlustwerkzeug- und Maschinen- bau-A.-G. in Berlin-Oberschöneweide gehört schon seit Jahren zu den rentabelsten Unternehmen in der mittleren Berliner Metallindustrie. So konnte di« Gesellschaft bereit« 1926 und 1927 je 8 Proz. Dividende zahlen, und auch für das letzte Geschäftsjahr 1928 war di« gleiche Dividende von der Verwaltung in Aussicht genommen worden. Der plötzliche Beschluß der Verwaltung, den Abschluß für 1928 dwidendenlo» zu lassen, kommt daher überraschend. Wie dem jetzt v«r> öffenllichten Geschäftsbericht und der Bilanz zu entnehmen ist, hängt der Dividendenausfall bei der Premag keineswegs mit Ertraglosigteit oder gar Verluftwirtschoft im letzten Geschäftsjahr zusammen, sondern nur mit einer besonders vorsichtigen Finanzpolitik der Gesellschaft. Infolge Umsatzrückgang durch den dreimonatigen Werftarbeiterstreit und durch di« Aussperrung an der Ruhr Hot die Premag zum Aus- gleich derartiger Umsatzverluste die Fabrikation von Preßluftmaschinen und Werkzeugen für den Hoch, und Tiefbau, Straßenbau sowie fahr- Zurückgesetzte Preise w•Hm AbtallungM candashtrtae Lalnan- und Gablldwabaral F. V. Grünfeld QrHBlaa Sondarhaus fUr Lalnan und WHacha Lalpzlgar SiraDe 20-22/ Kurf Uratandamm 227 Restposten, Gelegenheitskäufe Artikel, dla n»ab» rnaba wardan fcünnan. W —— beginnt morgen! Bote Kompressoranlagen für Gruben und Abbaubetrieb« neu auf genommen. Da die Verwaltung diesen neuen Betriebszweig nicht mit Bankkrediten, fondern aus eigenen Mitteln aufbauen wollt«, Hot sie nur zu diesem Zweck auf die Gewinn« de» letzten De» fchäftsjahres zurückgegriffen. Deshalb werden in der Gewinn- und Derlustrechnung für ISA die Abschreibungen auf die Anlagen mit rund 1S0 000 M. f a st verdoppelt, so daß der ausgewiesene Reingewinn nur einige tausend Mark betrögt. Wie die Verwaltung in ihrem Bericht selbst ausführt, stellen diese heraufgefchraubten Abschreidungen Rückstellungen und Gewinnsicherungen für den Fall künftiger Rückschläge dar. Andere Rückstellungen sind zu vermuten, so daß ein« achtprozentige Dividende sicher möglich gewesen wäre. Di« Belegschaft der Premag hat also keinen Anlah zu der Annahme, datz die Rentabilität des Unternehmens im letzten Jahre geringer geworden wäre. Es fei hier- bei noch daran erinnert, dah die Leistungen der Premag-Belegschast seit 1924 infolg« der Rationalisierung der Betriebe um da» Sechsfach« gestiegen sind, denn den gegenüber 1924 fast verdreifachten Umsatz der Gesellschaft leistet« im Jahr« 1927 eine von 400 auf 200 Mann ver- ringerte Belegschaft. Preistreiberei für Zitttt. Tttnt Einschränkung für Zink.— Rückgang der Kupfer« Erzeugung. An der Londoner Metollbävse ist trotz der an sich ruhige» Metallverarbeitungskonjunktur wieder einmal Hochbetrieb. Im Zu- sammenhang mit der Kartellbewegung in der Zinmoirtffchast— am 11. Just erfolgte in London der Zusammenschluß einer Gruppe der Zinnerzeuger— kauften die Spekulanten Material, um auf diese Weise die stark gesunkenen Preis« künstlich in die Höhe zu treiben. Di« Zinnpreise waren innerhalb der letzten Monat« vor- übergehend bis auf 195 Psurtb Sterling je Tonn« mit 1016 Kilo gesunken. Die Spekulationskäufe, an denen in erster Linie die Zinn- kartellleute beteiligt sind, haben die Preise wieder bis auf 215 Pfund Sterling hinaufgetrieben. Nachstehende Tabelle zeigt die Entwick- lung der Metallpreise während der letzten Wochen. 100 Kg kosteten am 21. Juni 1. Juli 10. Juli 26. Juli 1929 Elektrolytkupfer. 170,75 170,75 170,75 170,75 M. Blei..... 47,75 46,50 46,— 45,25. Zink..... 52,— 49,50 51,— 51,—. Zinn.... 409,— 411.— 416,— 438,—. Das Rätselraten um die Bedeutung des jetzt gegründeten Zinn- kartells hat begonnen. Englands Meldungen sagten, daß das Kartell 100000 Tonnen Iahreserzeugung kontrollier«. Das wäre ein Zu- fammenschluß für ungefähr die Hälfte der jetzigen Welterzeugung. Bast» wurde aber dies« Meldung auf nur 100 000 Tonnen Zinnerz" herunterkorrigiert, ungefähr 50 000 bis 60 000 Tonnen Metall oder rund 25 bis 30 Proz. der Weiterzeugung. Die Führung liegt in den Händen der Angls Oriental Mining Co., die selbst etwa 30 000 Ton- nen oder 15 Proz. von der Weltproduttion kontrolliert. Eine große Bodeutung ist dem Syndikat nicht beizulegen, da ein Teil der füh- renden Produzenten, besonders der holländischen und südamerikani- schen, nicht beigetreten ist und infolgedessen die Kartellpolitrk durch- kreuzen können. Selbst der äußerst einflußreiche Londoner Handel beurteill die Konzentration sehr skeptisch und weist mit Recht darauf hin. daß höhere Preise und Einschränkung der vom Kartell ton- trollierten Produktion nur dazu führe, daß die Außenseiter unter Ausnutzung de» höheren Profits chre Erzeugung gewaltig ausdehnen und das Kartell lahmlegen können. An den Z i n k in ä r k t« n hat sich die Geschäftslage in letzter Zeit so vevschlechtert, daß das europäische Kartell auf einer Sitzung in Ostende plötzlich beschlossen hat, die Produktion wieder um 10 Prozent statt bisher um 5 Proz. einzuschränken. Di« Bestände und die Erzeugung sind seit April ständig gestiegen, was das Kar- tell zu der erwähnten Maßnohme veranlaßt hat. In der Kupferwirtschaft hat sich zum ersten Male nach mehrmonotlicher ununterbrochener Steigerung der Erzeugung«in Produktionsrückgang eingestellt, der ungefähr 10 Proz. beträgt und Hauptsächtich auf die Restriktionen des großen Anaconda-Konzerns in den Dereinigten Staaten zurückzuführen ist. Die Mitglieder des internationalen Kartells wollen von ihren hohen Preisen nicht ab- gehen, und da sich die Marktlage grundlegend verschlechtert hat, muß man die Kartellschraub« wieder kräftig anziehen, um auf diese Art und Weise die hohen Gewinne sicherzustellen. welche Sarlosselzölle gelten? Heber die Termin« des Jnkraft- treten« der neuen Kartoffelzöll« besteht vielfach große Unsicherheit: von unterrichteter Seite werden die Zollverhöltniss« für Kartosseln wi« folgt gekennzeichnet: Dom 15. Februar bis 31. März gilt der autonome Frühkartoffelzoll von 4 M.> vom 15. F e b r u ar bis 15. April gilt für Herbstkartoffeln für die meistbegünstigten Staaten der Zoll von 1 M. pro Doppelzentner, vom 1. Sl p r i l bis 31. Juli gilt für die meistbegünstigten Staaten der im Bertrag mit Italien verankerte Frühkartoffelzoll von 1,50 M., für die anderen Staaten der Zoll von 4 M. Für Kartoffeln aus Polen gilt der 5-M.-Zoll, für den Monat August gilt der autonome Früh- kartoffelzoll von 4 M.. für Kartoffeln aus Polen von 5 M., für die Zeit vom 1. September bis 14. Februar gilt der Herbstkortoftelzoll von 2 M., Einzelhandel und Wochenende. Theorie und Praxis. Ueb« de» Sonnabend-Frühschluß in den Einzelhandelsgefchästen ist wieder einmal in der Oeftentlichkeit und in Unternehmerkreisen «in« ledhast« Diskussion entbrannt. Den Anlaß dazu bot der Aufruf de» Sersiuer PoNzeiprSfideulea an die Geschäftsinhaber, an de« Sonnabenden chre Geschäfte schon um 5 Uhr zu schließen, damit auch die Angestellten des Einzel- Handel» zu ihrem langersehnten Wochenende kommen. Während sich die Press« im allgemeinen eines kritischen Urteil» über den Aufruf enthält, laufen die Unternehmer gegen ihn Sturm und verfuchen der Oesfentlichkeit klarzumachen, daß die Einführung de» 5-Uhr-Ladenschlusses ohne schwer« Schädigungen des Einzel- Handel» einfach nicht möglich fei. Di« Argumente, die die Unternehmer in, Feld führen, sind ungefähr die gteichen, die sie vor der Einführung de» 7-Uhr-Laden- fchkusses und der Abschaffung der Sonntagsarbeit gebrauchten. So behaupten zum Beispiel die Einzelhändler, daß gerade in den späten Nachmittagsstunden des Sonnabends am meisten ge- kaust wird, und daß zum größten Teil ihr« Geschäfte am Sonn- abendnachmittag von den Arbeitern und Angestellten aufgesstcht werden, die an diesem Tage früher Schluß haben als sonst. Dieses Argument trifft in seinem ersten Teil zum Beispiel für die G e- schüft« in der Eity nicht zu, in denen die Verkäufer und Ber- käuferinnen gerade in den Sonnabendnachmittagsstunden auf da; kaufende Publikum warten. Wer nämlich mit größerer Sorgfalt bedient werden will, besorgt an einem andtren Tage als am Sonn- abend feine Einkäufe. In«inigen Stadtteilen, auch in den Avbeiterbezirten, sind die Geschäfte tatsächlich in den Nachmittagsswnden de» Sonnabends über- laufen. Das Bild würde sich aber bestimmt ändern, wenn an Stelle der überwiegend noch am Freitag und sogar am Sonnabend«r- folgenden Lohnzahlung der Donnerstag als Zahllag ollgemein«ingeführt werden würde. Den Hausfrauen, dl« aus Ge- wohnhett ihr« Einkäufe erst in den letzten Tagesstunden des Sonn- abends vornehmen, würde dies« Unsitte mit der Einführung des 5-Uhr-Lodenschlusses zwangsläufig abgewöhnt werden. Jedenfalls sind alle diese Argumente sehr fadenscheinig. Sie beleuchten so recht das Rückwärtsertum der Unternehmer des Einzel- Handels. Was ist es doch für ein Unsinn, in den Schaufenstern Pro- paganda für das Wochenend« zu machen und oll« möglichen Dinge zum Wochevendgebrauch anzupreisen, den eigenen Angestellten aber jede Möglichkeit zu nehmen, sich selbst des Wochenendes zu er- freuen. Die Unternehmer übersehen in ihrer Feindschaft gegen den 5-Uhr>Lad«nschluß auch nicht nur den kulturellen und Volkswirt- schastlichen Nutzen des Wochenendes ihrer Angestellten. sondern auch ihre eigenen Chancen. Werden die Geschäfte am Sonnabend um 5 Uhr geschlossen, so wird der Geschöstsinhober nicht«inen Kunden weniger haben als zuvor. Seine Geschäfts- Unkosten für Beleuchtung, Heizung usw. werden jedoch geringer. Zum anderen behaupten die Unternehmer des Einzel- Handels auch immer, daß der größte Teil der Arbeitszeit ihrer Angestellten eigentlich nur Arbeitsbereitfchast sei, da während der Gefchäftsstunden nicht fortlaufend Kundschaft bedient werden müsse. Ein« um zwei Stunden verkürzt« Derkaufszeit würde bei gleichbleibender Käuferzahl doch von dieser angeblichen Arbeitsbereitfchast einen großen Teil in tatsächlich« Arbeitszeit um- wandeln. Mögen sich die Unternehmer noch so sehr gegen den Sonnabend- Frühschluß sträuben und schließlich auch seine Einführung noch ein« zeitlang hintertreiben, so steht das«in« fest: Auf die Dauer können die Unternehmer nicht gegen den Strom schwimmen. So unaufhallsam, wie die Einführung des 7-Uhr-Ladenschlusses und die Abfchafung der Sonntogsarbeit war. ist auch die Ein- führung des 5-Uhr-Lad«nschlusses an den Sonnabenden. Auch die Zeit wird einmal kommen, wo außer an den Sonnabenden auch a n den anderen Werttag«n die Geschäft« nicht mehr bis 7 Uhr auf sind, so dah auch die Angestellten des Einzelhandels an den kulturellen Einrichtungen teilnehmen können. Heute ist es leider den meisten Angestellten des Einzelhandels unmöglich, des Abends auch nur ins Theater zu gehen, da sie die Geschäfte kaum vor halb 8 Uhr abends verlassen und die abgehetzten Menschen sich nach Geschästsschluß nach nichts onderem als nach Ruhe sehnen. Di« freigewerkschastlichen Angestelltenorganisationen werden mit der politischen Interessenvertretung der Arbeiter- und Angestelltenschaft auch dieses' Ziel gegen dos widerstrebende Unternehmertum erreichen. Verschärfung des englischen Textittampfes. Aach weitere Lohntarife gekündigt. Manchester, 30. Zutt. In der Lage lm Ausfperrungsgebiel van tancafhir« ist insofern eine Verschärfung eingetreten, als von einer weiteren Unternehmer- grnppe die bestehenden Lohntarife zum Montag gekün- digt worden sind, nnd eine Herabsetzung der Löhne um 12 Proz. gefordert wird. Eine Unterredung zwischen Sewerkfchaftsvertretera nnd diesen Unternehmer« ist für morgen anberaumt worden. Aach Erklärungen eine» maßgebenden Beamten im Arbeitsministerium habe« die durch die Aussperrung betroffenen Arbeiter kein Anrecht auf Arbeit»- losenunterstühung. Eine Unterstützung könne nur an solche Arbeiter bezahlt werden, die im Zusammenhang mit der Aussperrung von der Arbeitslosigkeit betroffen wurden, wie z. B. die Transportarbeiter. Manchester. 30. Zuli. tEigenbertchl.) Ein« von 150 Delegierten beschickt« außerordentliche Kon- ferenz der Webergewerkschaft billigte die bisherige Haltung ihrer Unterhändler. Danach kommen Erörterungen der Ge- werkfchaftsführer über die von de« Unternehmern geforderte Lohn- Herabsetzung nach wie vor nicht in Frag«. lingsfrage die Erklärung ab, daß die Organisation die Lehrlinge nicht zum Eintritt in den Streik auffordern könne, weil sie dann wegen der Lehroerträg« regreßpflichtig gemacht werden würde. Wenn die Lehrlinge in einem Flugblatt der„Opposition" zur Arbestseinstellung ausgefordert werden, so tragen die Herausgeber des Flugblattes auch die Folgen für den Schaden, der den Lehrlingen eventuell aus der Befolgung dieser Parole erwächst. Wenn in diesem Flugblatt weiter verlangt wird, daß die Lehrlinge weitergehendeForderun- Feste Kampffront der Bauschloffer. vi« Aussperrongsregie klappt nicht. In der zu gestern vormittag nach den Sophiensälen einberufenen Streikversammlung der Bau- und Geldschrantschlosser gab zunächst der zweite Branchenleiter einen kurzen Bericht über die Entwicklung des Streiks, wie sie auch im„Vorwärts" laufend geschildert wurde. Er verbreitete sich dann eingehend über die Frage, ob auch die Lehr- l i n g e in den Kampf einbezogen werden sollen und teilte der Ver- jammlung mit, daß die Branchenkommission als Streikleitung es ab- lehnen müsse, die Lehrlinge zum Anschluß an die Streikbewegung auf- zusordern. Ueber die Zweckmäßigkeit der Entschließung, die von der Branchenkommission in der Lehrlingsfrage der Versammlung zur An- nähme vorgeschlagen und nachher auch angenommen wurde, wollen wir hier nicht streiten, zumal es nicht unsere Art ist. während eines Streiks die Kompsmaßnahmcn zu kritisieren. Genosse Fuchs vom Metollarbeiterverband gab zu der Lehr- gen stellen sollen, als sie den Unternehmern von der Organisation unterbreitet worden sind, so kann die Organisation auch diese Aufsorde- rung nicht decken. Die Organisation hat den festen Willen, die Forde- rungen, um die der Streik entbrannt ist, durchzusetzen, muß es aber ablehnen, die einmal ausgestellten Forderungen während des Kampfes zu erweitern. Genosse Schramm vom Deutschen Werkmeisterverbond teilte mit, daß dem Werkmeisterverband bisher noch kein Fall bekannt geworden sei, wo ein Werkmeister Streikarbeit verrichtct Hobe. Er ersuchte die Versammellen, der Streikleitung sofort Mitteilung davon zu machen, wenn sich ein solcher Fall doch irgendwo ereignen sollte. In der D i s l u s s i o n nahm die Lehrlingsfrage einen brestcn Raum ein. Die Versammlung, die von einem g u t e n K o m p f g e i st beseelt war, wählte noch zum Schluß eine ordentliche zentrale Streik- leitung und eine Verhandlungstommission. Die Wahl eines Lehr- lings in die zentrale Streikleitung wurde abgelehnt: diese Frage soll in einer Vollversammlung der Lehrling« entschieden werden. Zu der geplanten A u s s p e r r u n g, die auf Beschluß der Unter- nehmer am Montag in ollen Bauschlossereien und Geldschrantfabriken einsetzen sollte,«rsahren wir, daß bis Dienstagabend erst 3 0 klei- nere Betriebe mit rund 200 Beschäftigten dem Aussperrungs- beschluß Folge geleistet haben. Di« Regie der Unternehmer scheint sehr schlecht zu kloppen. Ueber die Entwicklung der Aussperrung wird am Freitag vormittag 10 Uhr in einer Versammlung der Aus- gesperrten im Rosentholer Hof berichtet werden. «. Zum Streik der Ange st eilten in den Geldschrank- fabriken und Bauschlossereien wird uns vom Deutschen Werkmeister- verband folgendes mitgeteist: Die Verhältnisse in der genannten Branche liegen mehr als eigen- artig. Es kommen neben ausgesprochenen Großbetrieben nur noch Zwergbetriebe In Frage, die in der Regel nur einen Werk- m e i st e r beschästigen, dem nur wenig« Facharbeiter, vor allem ober eine Anzahl Lehrlinge, unterstellt sind. Im Verlauf des Streik» konnte festgestellt werden, daß die W e r k m e i st e r au» Klein- betrieben durchaus aus der Seite ihrer streikenden Kollegen stehen und dort, wo ihnen Streikarbest zugemutet wurde, die A r b« i. unscit Kr*» uraBfe Eretaiihifelirfii'Eif [Pas qro&e Lager echter Perser im Preise ermafMqT]---—_____ COJ. — aMcrerstarV. Marken ginn nersraq aWs- eppiche 98.- emrobi Unrein modern Muster. J?||S£eS 236-• J • 39&-' i 'Ä �117. 138- 12h- 109.- Eir» Riese noosren.. feÄüfeÄ kenfljbHkot«/ ACQ :am'' 219--* 139.- «>3».. Zoo-• 210.- 438-* 278.- D�enpbsrtn»- vpucksn MaVküSofiritoie te�Dekorahonssbffe »ÄWÄ 1.55 ssfeit bekannteste Markenfti- Noppenrips, einfartiq.mdon.<■> tc mistfer m. Frans I pinUMh-n 1'nren, stolt- bis 6.50 jeUt Mir-CT3 s.. II:: caSo bisheriger STo Verkaufs Ein Wesen. potltnprimo_______ aus reinem Haargar�moi ca---- i—' --- EiP BiesenpWt«nu, EMW Senelsta»014�-1*! . i.« 26.-'! 54- . Mytfer Bö wlrt 44- jetrt 2?» 69-- 42- — tone täVeh/eh ass"""' KünsHep. Garnlluren JiX&n ikatnULM uoreqeliriobiqi CO weis ritr 70°; is" 8*1 90' 21 50 12« Jpii, nistem.ilm 3�570-�329.- awn** 620-. 365.- U'' 665.. 390.-1 W'' 765- ♦ 412.- H'' 675-. 465.- M'' 1050.-. 400- 1Zg-. yi.50[*?*Wl 385 _____.. jetzt 9® 1 Pesten PaTournay-Welour. �and erste Marker 7-----12K9 o modern qemust.m. Fr. carO-ieo�reqUAMerttxs Ja-JeWWL tischd ecken Fabrikate,&t.l-a Derscrmus-er «�„qulMtrtJi-jetplS.� . 41-• I*50 - AS»- 21- ferkaufnur Spandauen S�p.SZ eingestellt Habels Sollten ähnliche Fälle in Kleinbetrieben vor- kommen, K h. daß man den Werkmeistern Streikarbeit zumutet, ersuchen wir, diese ganz entschieden abzulehnen und dem DWV. unter Larbarossa 2S42 davon Meldung machen. Im übrigen weisen wir darauf hin, daß die Zentralstreikleitugg der Zlngcstellien täglich von 1t> bis 14 Uhr unter Humboldt ZA10 zu erreichen ist. Das Streiklokol befindet sich in der Brunnenstr. 140. �Revolutionäre" Gtreikführung. Bei der Arma Jermasit-Metall G. m. b. H. Zu den unter dieser Ucberschrist im„Abend" vom 24. Juli erschienenen Artikel schickt uns der Betriebsrot und die Streikleitung des Betriebes eine Berichtigung, die zwar nicht den Anforderungen des Preßgesetzes entspricht, der wir ober in seinem wesenttichen Teil dennoch Raum geben. In der Berichtigung heißt es: „1. Der Artikel drückt aus, daß von der Belegschaft der Firma Fermasit die elementarsten gewerkschaftlichen Grundsätze nicht beachtet wurden. Richtig ist folgendes: Bereits in einer am 14. Juni 1329 stattgefundenen Versammlung wurden im Beisein «ine» Organisationsvertreters die Zustände im Betrieb behandelt. Die Möglichkeit des baldigen Ausbruchs einer Abwehrbewegung wurde von dem Orgonisationsvertreter Fr. Brandt bejaht. Durch Brandt wurde die Ortsverwaltung des DMV. A>er die Berhältnisf« orientiert. Außerdem forderten die Betrieb»- funkttonäre durch mehrfach« persönlich« Vorsprach« in der Orts- Verwaltung die Sanktion der Abwehrbewegung. Roch 8 28 Abs. S des DMB.-Statuts hätte daraufhin binnen 24 Stunden die Orts- verlvaltung Berlin den Hauptvorstand in Kenntnis setzen müssen. Die Ortsverwaltung reagierte überhaupt nicht. Damit erledigt sich auch 2. die Behauptung, daß über die Beilegung der Difse- renzen mehrmal» verhandelt worden ist. Nach diesem Tatbestand ist klar ersichtlich, wer„die elementarsten gewerkschaftlichen Grundsätze" eingehalten und wer sie durchbrochen hat. Wenn sich aber bei der Derhandlung mit der Firma am 87. Juni der Vertreter der Ortsverwaltung Gutsche auf die Seitt des Unternehmers gegen die Belegschaft begibt und die» durch Wort und Tat bekräftigt, so wissen wir nicht, wo da die„elemeMorsten gewerkschoftlichen Grundsätze" bleiben." Diese„Berichtigung" kann die Tatsach« nicht aus der Welt schafien, daß die Belegschaft hauptsächlich nur deshalb weiterstreikt, um die Entlassung des Kalkulators durchzusetzen. Am 27. Juni ist durch«in« 2stündig« Verhandlung vom Unternehmer zugestanden worden, daß Differenzen über Akkord« nicht durch den Kalkulator entschieden werden können, sondern, wenn keine Einigung erzielt wird, die strittige Arbeit zum Durchschnittsakkordverdienst abzüglich 5 Proz. hergestellt und danach der Akkord berechnet wird. Außerdem hat der Inhaber der Firma erklärt, daß e» als ielbstverständlich zu betrachten ist, daß Uebergrisfe, die von dem Kalkulator begongen wurden, in Zukunft unterbleiben und daß er jede Garantie dafür übernimmt. � Nach diesen Verhandlungen hat der Beauftragt« der Organisation in einer Belegschaftsversammlung erklärt, daß diese Angelegenheit für die Organisation nicht mehr als Streitobjekt in Frage kommt und die Belegschaft gebeten, die Arbeit wieder aufzunehmen. Es ist jeden gewerkichaftlichßn Gepflogenheiten zuwider, nachdem man durch Verhandlungen dem Unternehmer ein Zugeständm» abgerungen hat, sich auf den Standpunkt zu stellen, daß et dies« voraussichtlich doch nicht hält. Da» würde bedeuten, daß ein« Belegschaft bi» in die Unendlichfeit streiken müßt«. Eine solch« Handlungsweise einer Belegschaft kann man nur als töricht bezeichnen. Arbeitslose in Gowjetrußland. Sie werden von den Gewerkschaften ausgeschloffen. Tagung der Jabrikarbetter-Internationale. ' Di« Fabrikarbeiterinternationale hat ihren Kongreß in -jhannooer abgeschlosien. Zur Berfchmelzungsfrag, hat {!« folgertben Antrag der Exekutive angenommen: .Di« Verschmelzung der Internationalen Sekretariate der sFabrikarbeiter, GlaSSbbeiter und keramischen»rdelter zu einem einzigen, olle drei Gruppen umfassenden Sekretariat ist notwendig. Der Kongreß erteilt daher der Exekutiv« den Auftrag, zu diesem Aweck Derhandlimgen mit den Vorständen der anderen beiden »Sekretariate einzuleiten und darüber auf dem nächstfolgenden �Kongreß Bericht zu erstatten.— Vandenbossche- Frankreich teilte mit, daß Verhandlungen im Gange seien, um die französischen Chemie- und Papierarbeiterorganisationen mit den verbänden der Aeram- und Glasarbeiter zu verschmelzen. Der Sitz der Internationalen Bereinigung wird künftig, ent- sprechend einem vom Kongreß angenommenen Antrag, aus jedem Kongreß neu bestimmt. Für die nächsten drei Jahre bleibt der Sitz d«» Sekretariat» in Amsterdam. Di« Kongresse sollen künftig oll« drei Jahre tagen. Zum Internationalen Sekretär wurde de I o n g e und zum Borsitzenden August Brey—- beide ein- stimmig— gewählt. In die Exekutiv« entsenden Deutschland. Belgien, Großbritannien, Oesterreich, Holland und Skandinavien je einen Dertreter, Dänemort und die Tschechoslowakei stellen je einen Etellvertreter. „Vorsicht mit dem höchsten Strafmaß!" betitelt da» Zentral- organ der russischen Gewerkschaften„Trud"(Nr. 161) einen Artikel. Es werden dann eine Reihe von Beispielen über das rigorose Vorgehen gegen Arbeitslose angeführt. Ein Mitglied de? Angcstelltenverbandes hatte ohne Erlaubnis seines Verbandes seinen Beruf gewechselt und die Rück- gäbe der Arbeitskleidung verzögert. Er wurde aus dem Verbände ausgeschlossen. Ein Student hatte nicht den„Kampftag gegen schädlich« Nagetiere" mitgemacht— also wird er aus dem Verband ausgeschlossen. Eine Näherin hott« Arbeit unabhängig von dem Nachweisbureau angenommen— also wird sie aus dem Der- band ausgeschlosfen. Eindringlich schildert der„Trud", wie man in den Anmelde- zimmern des Bezirksvorstandes der Gewerkschaften Tag für Tag Dutzende von Arbeitern antrifft, die gegen den unrechtmäßigen Ausschluß au» der Gewerkschaft Boschwerde führen.„Stundenlang sitzen sie hier. Mit tief bedrückten Gesichtern lungern sie gelang- weilt durch die Zimmer des Arbeitspalastes, wachen- und monatelang suchen sie hier ihr Recht. Wie sollten sie denn ander»? Der hart« Entschluß des Gewertschoftsvorstandes hat st« in dem schwierigsten Augenblick getroffen— als sie arbeit»10« waren. „Zum größten Teil sind es arbeitslos« Derbandsmitglieder, die ausgefchlosten werden. Fast in jeder Sitzung des Dezirls- vorstand«» gelangen Beschwerden über unrechtmäßigen Ausschluß au» der Gewerkschaft zur Verhandlung. Die endgültige Eni- sch«idung trifft In der Regel erst das Präsidium. Ein Bureaukrati«- mu» in unglaublichem Maßstab«." Ui»d wieder Beispiele. Ein Notar— auch die Notare sind in Sowjetrußland In einer Gewerkschaft zusammengeschlossen— Teilnehmer am Schwerzen-Meer-Aufstand im Jahr« 1995, seinerzeit auch zum Tode verurteilt und nur mit knapper Mühe den weißen Hentern entronnen, wird aus dem Derband auegeschlossen, weil er angeblich g«g«n die Kritik der Arbeitsgesetzgebung und gegen den Kollektivvertrag verstoßen hat. Der„Trud" sagt, die Motive zum Ausschluß waren rein fiktiver Natur und es kostete un> geheure Mühe, bis er sein« Verbandsmitgliedschast wieder hergestellt hatte. Ein Saisonarbeiter war bereits zwölfmal währeich der Saifonzeit beschäftigt. Im Jahre 1928 war er gezwungen, mit einer Verspätung von zwei Monaten die Arbeit anzutreten, weil er, Vater zahlreicher Kinder, sein baufälliges Häuschen ausbessern mußte. Also wurde er aus dem Verband ausgeschlossen. In den Statuten steht nämlich:„Es darf keine Saison versäumt Verden." Alle fein« Bitten blieben ergebnislos. Erst das Machtwort des Bezirksvorstandes setzt« ihn in seine Rechte«ein. Zwei Metallarbeiter hatten sich einer anderen Beschästigung zugewandt, weil die Fabrik wegen Rohstasfmangel die Arbeit ein- gestellt hatte. Als die Fabrik die Arbeiten wieder aufnahm, fanden beide wieder Beschäftigung. Sie baten um Wiederaufnahme in den Verband. Der Betriebsrat hatte aber ihre Papier« verloren, es vergingen Monate, sie waren immer noch nicht Verbandsmitglieder, und als die Fabrik erneut verkürzt arbeitete, wurden sie als Nicht- Mitglieder in erster Linie entlassen. Sieben Monate brauchten sie, um das Präsidium zu veranlassen, sie wieder in den Verband auszunehmen! Schlimm erging es auch einem gewissen B e b t s ch u k. Er war arbeitslos und man schluß auch ihn aus dem Verband aus. Dadurch ging er der Unter st ützung verlustig und er wurde beim Arbeitsnachweis in die zweite Kategorie eingereiht. In einer anderen Stadt fand er Arbeit, wurde wieder Verbandsinitglied und kehrte später in seine Vaterstadt zurück. Als der Vorstand des Verbandes erfuhr, daß er ohne seine Erlaubnis Verbands- Mitglied geworden war, schloß er ihn wieder aus. Der Artikelschreiber sagt zum Schluß:„So herrscht hier seelenloser Formalismus gegenüber Arbeitslosen und Anwendung des höchsten Strafmaßes, während man sich D e- fraudanten gegenüber mit einem Verweis begnügt."„Trud" muß es ia wissen. Sstn« sagt 6er Bär? «OM 1MON Erfolgreicher Streik. vi« Asphalteure in Ostpreußen. Königsberg, 39. Juli.(Eigenbericht.) Der Kampf der Asphalteure in Ostpreußen sst erfolgreich de- endet. Die Arbeit wird morgen wieder aufgenommen. Di« Löhn« der Asphalteure werden den Löhnen des Baugewerbe» angeglichen mit der Maßgabe, daß in ganz Ostpreußen die Löhn« von Königs- berg maßgebend sind. Das bedeutet ein« Lohnerhöhung von durch- schnittlich 29 Pf. die Stunde. #»«..«BetWSelirt•Mabceht«»rftedt. Dl, afotBlieb«orrfam«InB» f rort dmcr btt antilttparfun60,»unB«rst em DonnetstOB, 8. Auqutt, t« bm ScbSnbaufer fftftfSI»«, T»i>nhaus«r«Htt 12«, statt. s***■■•' Vor ÄonbitionaannaliBi, b«l btt Jitma H DUa 3R« u f« I. S)«iif5Dit. Sttlintt Stt 70—71. sin» unter ollen Hin. � st-nben erfunbiflunBtu auf ttm(Baubureau, Simmet 1«. tiiuuuitb»". G Iuaendgruppe v-KZ-ntralv-rbande«! der Angestellte« und StiidMi'. Hü W.■ Skala»: Iuvendbeim Schule Suglrrflr. 61. Vaetrao:"Staat! Air»- und De- »»«rischaften-,»«srrent Deriow.—«.edafte»(früdet Soeben); Bunter«benb. — Hralil«; Iuaenbheiin Böhmisch« Sit. 1—< Vortrog;»Internationaler .»ugendschu»-. Zieferent Erwin»imael— SSbost: IugvKeim Wranael- neafc« 12». Stegreifspiel«— Span bau: Jugendheim Cinbenuftc 1. Vortrag; jiSIr.BetIm In Wort unb Bild". Zl-feient Seorg Heilbrunn— Potoda». *»»a»e,l Iuaenbherberge Nowaweo, Driesterstralie. Sin,, und Spcelabrnb. r~ Ariele« aus bem Sporlplatz Friedrichshain ab 18 Uhr. Gewertschafts-Lugend Verlin •Ml Heule,»ittwoch. mH Uhr, lagen dl« Gruppen: jtndvam: Jugend. �Jr heim Rehbenitfet Str. 24—26. intilrieasaberb.— Uordel»«! Tugend» ._ ht'm Schule Sonnendurger Str. 2». Wir gehen ,um Antikriegsodenb ■L'1.,®tu"" Renlnun.— Seiftenfec; Grupp-nheim Weih-nfee, Barfstr, 8» «nttfrteoooberb.— Vaumlchulenwea: Jugendheim Baumschulenweg. Ernst. stroh« 1«. Bunter sthenb— flcaUla: Jugendheim Beigstr. 30 fHof). Licht. »ilberaoilrag: SM« Tierwelt in der Mark Brandenburg".— Ebbe», Teibwefte.; Jugendheim Horckstr. 11(Fabtifaebäube). Vortrag:.Da» müfltn wir Dpat «tbeiutecht wissen 7"_«(. spiele» ab 1» Uhr: Feanttaeire flSec üb Laad». Jeraet Platz: Sporiplatz Friedrich-Hain; Lichtenberg nb Sen-Lichtenbeta: S�mu§en am Tetiow-Kanaf fuhr/ die große Möchno wen Scnieuse Havel und Spree zusammen* Eine Verbindung, die sich als ebenso noE wendig hera usgesfelli bä/, wie die zwischen dem Rauchep und seiner gewohnien. JtoseääiJiuno Berlins meistgerauchter 4$ Ciga rotte UMeiStnsa• UKasdeniifltz• Fnikfatter Allee• UUinersdotfer Stnse ♦ Bene-Aiiiinice-Strasse• KottbuserDanun• Brannenstraue• ftnUreiisste Mittwoch 31.3tt(i 1929 Unterhaltung unö ÄNissen Seilage des Vorwärts Stans&ranck:£016*J£6llH An ehtem fahlen Februarmorgen des Jahres 1887 fuhr der Schlächtermeister Samuel Serrahn aus Crivitz in Mecklenburg wie tagtäglich mit feinem gelbgestrichenen Einkaufswagen über Land. In der Deichsel des propperen Gefährtes lief Hella. Das war eine siebenjährig« Goldfuchsstute, die der Crivitzer Schlächtermeister selber gezogen hatte. Kopf und Fesseln untadelig wie bei einem Vollblut. Wäre sie hinten nicht ein ganz klein wenig abgefallen, so wenig, daß nur ein gewiegter Kenner es gewahrte, — Hella hätte von allen landwirtschaftlichen Ausstellungen Nord- deutschlands den ersten Preis heimgebracht und sich nicht bei einer niit den zweiten begnügen müssen. Obendrein war sie nicht etwa eine sanfte Schönheit, sondern klug wie keines der vielen hundert Pferde, die durch den Stall Samuel Serrahns zum Verlauf ge- wechselt oder darin zu eigenem Gebrauch gestanden hatten. Zaum und Zügel für Hella genau betrachtet eine überflüssige Erfindung. Ciin Wort,«in Schnalzen mit der Zunge, ein Kopfnicken— Hella oerstand. Ja, oftmals genügte ein Gedanke, daß sie tat, was ihr Herr wollt«. So spannt« denn auch während der achtziger Jahre Samuel Serrahn allmorgendlich Hella selber vor seinen Wagen. Die anderen Pferde mochten Gesell« oder Lehrling aus dem Stall holen, in den Stall bringen und versorgen— Hella strängte Samuel Serrahn selber an und ab. Hella striegelte und wiemerte Samuel Serrahn selber. Hella maß Samuel Serrahn Hafer und Heu und Wasser selber zu. Er würde das auch dann getan haben, wenn Hella nicht jeden anderen, der sich im Stall chr auf mehr als Meter- läng« zu nahen wagt«, mit Keilen bedroht hätte, auch seine Tochter und feinen Sohn: obwohl die Stute zu ihm selber fromm war wie eine Schnucke. Denn Hella war nicht nur ein besseres Pferd als alle anderen Pferde. Hella war ein wissendes Wesen! Wie ungezählte Tag« vordem durchjagt« der Schlächtermeister Samuel Serrahn an dem fahlen Februarmorgen des Jahr« 1887 mit Hella den Bahlenhüfchener Forst, trabte an der Rebenwiese, dem Hirschtanz, der Triangel, der Twehl« vorüber, querte bei der Kreuzschleuse den Störkonal und ließ Hella auch im Friedrichs- moorer Forst nicht zum Schritt abstoppen. Denn er hatte noch eine weite Rundfahrt durch die Dörfer am Rande der Lewitz vor sich. Als Samuel Serrahn zum Wulfshorst kam, stand ein Hand- werksbursche in der linken Wagenspur. Der bat mit gezogenem Hut:„Bißchen mitfahren 1" Samuel Serrahn sagte in solchem Fall niemals nein. Es war langweilig Tag für Tag von früh bis spät allein auf dem Bock zu sitzen. Auch konme man im Gespräch mit den Leuten beiläufig Meies erkunden, was einem später zu Nutzen wurde. Besonders dann, wenn der Mitfahrende kein Mecklenburger war, sondern ihn der Weg weither ins Land führte. An diesem Morgen aber schüttelt« Samuel Serrahn feinen Kopf, wollte Hella zurufen:.Mechts raus!' das Radgleise verlassen und an dem Bettler vorübeifagen. Doch der trat zwischen die beiden Wagen- spuren, stellte sich unmittelbar vor die Deichfel hin. daß er von dem Schlächtermeister überfahren wäre, wenn Hella nicht, ehe ihr Herr an der Leine ruckte, auf eigenes Geheiß gestanden hätte.„Weiter! lieber mich weg!' rief der Handwerksbursche zum Bock hinaus. „Füße kaputt. Kann nicht mehr tippeln. Bißchen mitfahren!" Samuel Serrahn dachte:„Peitsch« quer durch die Fratze! Dann springt der krächzende Kerl schon besseii." Aber der Crivitzer Schlächtermeister folgt« nicht der Stimme seines Herzens, sondern dem Anruf seines Verstandes. Der höhnte:„Bist du ein altes Weib, das sich vor einem humpelnden Handwe�ksburschen fürchtet?" Er nickte also dem um» Mitfahren Bettelnden Gewähr zu. Der Handwerksbursche wollt« an Samuel Serrahn vorbeigehen, um hinten aufzusteigen..Nein!" rief der Schlächtermeister ihn an. „Hier!" Und er knöpfte den Knieschlag des Wogensitzes auf. Denn soviel« Wanderer Samuel Serrahn auch von der Landstraße zum Mitsahren durch die meilenweiten Wälder aufsammelte— alle mußten neben ihm sitzen. Daß einer hinter ihm aus dem Kälber- kästen hockte, duldete er um keinen Preis. War der Platz an seiner Seite schon besetzt, dann war Samuel Serrahn den Wegbettlern gegenüber ebenso hartherzig im Abweisen, wie anderen Falles gut- inütig im Iasagen. Der Hondwerksburfch« begann von neuem zu bitten:.Lm Stroh liegen. Schlafen. Müde. Sehr müde. Sauber dahinten. Sauberer als manches Herbergsbett." Das stimmte. Jeden Abend wurde das Innere des Wagens gewaschen, daß nicht ein Krümel des Tierschmutzes zurückblieb.' Jeden Morgen wurde ein frisches Bund Stroh auf seinem Boden ausgebreitet, als ob es Zweibeine statt Dierbeine zu fahren gelte. Der arm« Bursche hat Recht, dachte Samuel Serrahn. Also denn in Gottes Nomen binten! Er rief dem Handwerksburfchen zu:„Einen Augenblick O�uld!" und knöpfte den Knieschlag seines Sitzes wieder zu. In diesem Augenblick sah Hella nach ihrem Herrn um. Sie bat: Nicht! Samuel Serrahn verstand. Aber er schüttelte den Kopf und antwortete ihrem bittenden Blick mit seinen Blicken:„Keine Sorg«, Hella, ich paß schon auf!" Dann öffnete Samuel Serrahn dos Vorhängeschloß des Deckel- gatters über dem Kälberkaften. kloppt« den Hinterwagen.«bt. 1714 Uhr Abmarsch mit Musik»on«roll. Utrechter Str. 21. Abt. 1714 Uhr Treffpunkt Brunnenvlatz. Schonftedtstratze. 81.«bt. Die Genossen und Genossinnen treffen sich 1814 Uhr Barnimvlat, Eiolpische Ecke Echdnslietzer Etrasie. 39. und 39a«dt. l Zahlmorgen). Die Parteimitglieder beider Abteilungen nehmen an der Beranstaltung des«reifes teil. Treffpunkt 18 Uhr Rummelsburger Platz, an der Brommybrücke(Eingang zum Schlesilchen Güterbahnhof, Mühlenfiraße). tl.«bt. Treffpunkt 1814 Uhr am Rummelsburger Platz. Kahrverbindung bi« Echlesifches Tor. dann«öpenicker Stratz« bis Brvmmnltratze, Brommn- brücke, Miihlenstrafje bis Eammelvunkt. 41. Abt. Treffpunkt 17% Uhr Zossener Ecke Gneifenouftrasi«. Nachzügler Schlefischer Güterbahnhof(Ctra lauer Platz— Mühlenftrasie). Abmarsch von dort pünktlich 18'.. Uhr. Ein Riesennosten paa? Voile Kleidcrli- in berrlichcn Mustern SS f-Ttsit nsar Bn treuer Posten«dber Voile-Blusen feinat. Art, mit Handarbeit, Sflnmeben m. dergl, teilweise etwas angeetaabt *. Einheitspreis von Jcffzt nur 5: tei ctatvallsr eB AV Kostfime Iii- m dem aeeb nie dagewesene» JH vi Br M Preise ▼©•.- Ein ICfesennosten BaslemSiitfel ans Torzfigl.Kr&aselstoffen fürDamen a. Herren, teilweise etwas angestsabt letzt i l Etn Posten bocbeleaanter Gesellsiiiafts- Kleider darunter yleie kostbare Modelle in Brokat, Seide, Spitzen usw., die am Lager etwas gelitten haben letzt ni 25 Ein droSer Posten Seiner Strickkleider in rertcbled.«leg. Amführung letzt nur M Ein ssroßer Posten bildscbfiner wollener a. kunstseldener Sirickjacken fetzt nur 8? Ein groller Posten firmelloser reinwollener 0 bs I H© w e r in vielen Farben und Macharten fetzt nisr