BERLIN Mittwoch 31. Z«li 1929 10 Pf. Hr. 334 B1I6 46. Jahrgang. Kommunistische Greuelpropaganda zu Kriegszwecken. Neue Bitdfälschuna enthüllt. e r s ch« t a t täglich a»terS»aatag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben S5Pf. pro Woche. S,60M. pro Monat. Nedaktion und Expedition; DerlinSW68.?indenstr.S SfuUaatyaße x/ei* nzeigenpreiCDie einspaltige Nonpareillezeil, »o Pf., Sleklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkonto: DorwärtS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»7üZS. Zernsprecher: Dönhoff 2S2 bit 2g? Zlls wir kürzlich an dieser Stelle«in« der schamlosesten Bild- fälschungen sestnagelten. die die„Rote Fahne' zum Zwecke ihrer Kriegspropaganda gegen China begangen halte. veranstaltet« da» Kommunistenblatt eine aufgeregt« Rückzugs- tanonad«. In ihrer unmittelbar auf unser« Anprangerung folgenden Ausgab«— Nr. 132 vom 24 Juli— entdeckte st« bekanntlich, daß der �Vorwärts' durch den englischen Geheimdienst der Labour» Regierung bezahlt werde. In der Mitte der ersten Seite dieser Ausgabe aber brachte sie ein überaus»» erschwommenes Bild mit der frechen Unterschrist: „Will der.�vorwärts" auch die Echtheit dieses Bildes bestreite»? Hinrichtung einer chinesische« S»««u» »isti» durch Tschiangkeischeis Söldner." „viehisch ermordete und geschändete Kommunistin." Ja den Exemplaren der„Roten Fahne', die damals in unsere Redaktion gelangten, war da» Bild trotz seiner Größe so u n d e u t- li ch, daß man es entweder für einen schwarzen Kleck» oder aber als jpinen Ausschnitt aus einer kommunistischen Demonstration hätte be» zeichnen können. Der„Kommunistische Bilderdienst', der sich nach den Ausreden der„Roten Fahne' von einem bürgerlichen Agenten einer Photoagentur hatte hereinlegen lasten, hat dieses Bild aber auch in die kommunistische P r av i n z p r« s s e ge- geben. So finden wir es u. a. in der„Sozialistischen Republik', de« kommunistischen Organ in Köln, mit der charakteristischen Unterschrift: Wir sind heut« in der Lage, nachdem wir an anderen später deschafften Exemplaren der„Roten Fahne" vom 24. Juli die Identität beider Bilder feststellen konnten, auch diese neueste Leistung auf dem Gebiete der Greuelpropaganda als eine weitere, � «»cht minder schamlose Bildsälschunx zu entlarven, wie die erste. Ein Freund unseres Blattes stellt uns sieben vergilbte Photographien zur Verfügung, die aus dem Jahre 1904 stammen und von einem damaligen deutschen Soldaten au; dem Wach-Detachement bei der deutschen Gesandtschaft in Peking mit herübergebracht worden sind. E» handelte sich um nichts anderes als um die unter dem chinesischen Kaiserreich übliche chinrichtungsart, die im Chinesischen als„Ling-Tschi' bezeichnet wird und darin bestand, daß besonders schwere Verbrecher(Vatermörder oder der- gleichen) auf offenem Markte in Stück« gehauen oder ge- schnitten werden. Die uns vorliegende oergilbte Bilder« serieausPrivatbefitz trägt in englischer Sprach« die Unter- schrift:„Hewing in pieces", zu deutsch:„Das In-Stücke-chacken'. Aus der Serie geben wir drei Bilder wieder, von denen das mittlere ganz unverkennbar das gleiche ist, das von dem Anbinden des 3Hn»irtditendgw. Auch die vom Kommunistischen Bilder- dienst sonst verbreiteten, teilweise auch in der „Roten Fahne' erscheinenden Greuelbilder scheinen demnach denselben Ursprung zu haben, wie das erste von uns entlarvte Greuelbild. nämlich aus irgendwelchen alten Archiven bürgerlicher Photoagenturen. Sie sind nur mit neuen Unterschriften versehen und dadurch in Beziehung zur Gegenwart gebracht. So finden wir in der„Sozialistischen Republik' auch weibliche Figuren, deren Köpfe durch einen Halsblock zusammengehalten sind, wie dos im Mittelalter auch in Deutschland geschah. Diese weiblichen Figuren werden gleichfalls als„zum Tod« verurteilte und öfientlich zur Schau gestellte Kommunistinnen" bezeichnet, während das gleiche Bild bereits in dem China» Wälzer Joseph Kürschners enthalten war! Wir stellen dies System der Greuelpropaganda mit Hilfe von gefälschten Bildern oder Bildertexten öffentlich fest. Mögen die deutschen Arbeiter, die von den Söld» lingen Sowjetrußlands in so schamloser Weis« belogen und betrogen werden, daraus die notwendig« Lehre ziehen. Nicht Kriegspropa- ganda, nicht Greuelpropaganda darf sie veranlassen, sich für einen imperialistischen Krieg Sowjetrußlands auch nur gefühlsmäßig her- zugeben. Der Gedanke des Ausbruchs des Weltkrieges ruft auch die Erinnerung wach an das System der Falschmeldungen und der Greuelgeschichten, die vor fünfzehn Jahren die Leidenschaften zur Siedehitze brachten� Davon läßt sich heut« kein aufgeNärter deutscher Arbeiter mehr«infangen. Vielmehr wird jeder dafür sorgen, daß die Antikriegsdemonstration der Sozialdemokraten am Donnerstag zu einer gewaltigen Kund- gebung des Friedenswillens im deutschen Volke wird! Die angebliche.JKommunisHn", ein männlicher ITlörder .�kommunistischen Bilderdienst' als greuelvolle Hinrichtung einer Kommuni st in bezeichnet wird. Bei genauem Zusehen kann jeder noch die altchinesischen Mützen bei dem ange- sammelten Publikum feststellen, während„Tschiangkeischeks Söldner' bekanntlich moderne Militärunformen tragen. Auf der Photographie und auch in der Wiedergabe der„Roten Fahne" ist übrigens deutlich zu erkennen, daß es sich bei dem Hingerichteten um einen Mann, also nicht um eine„ftonununistin' handelt. Das alles hindert aber nicht den Kommunistifchen Bilderdienst und die „Rote Fahne' diese alten Hinrichtungsbilder als Aufnahmen von Greueltaten wiederzugeben, die neuerding» von demselben Tschiangkeischek angeordnet und vollzogen werden, der noch vor kurzem der gefeiert« Held der Komunisten in China war! Es ist kein Bergnügen. den schmutzigen Wegen zu folgen, aus denen die Kriegsgreuelpropaganda in höherem Auftrage Sowjetrnß» laud» getrieben wird. Aber da die kommu- nistifche Sowjetpresse bestrebt ist, den deutschen Arbeitern vorzuspiegeln, es bestände irgendeine Gefehr für Sowjetrußland auf dem Umwege über China, so muß diese neueste Fäl- sung niedrigergehängt werden, um die Greuelpropaganda rechtzeitig als da» auf- zuzeigen, was sie ist: eine verlogen« Hetze zu durchsichtigen Kriegszwecken und zur Aufstäche- lung der Volkslei denfchoft. Oer Kriegsblinde. Antikriegspropaganda oder Hehe gegen die Ziepublit? Auf die Leiden, die der Krieg verursacht, hinzuweisen, ist not» wendig und oerdienstlich. Aber bei den Kommunisten geht auch das nicht ohne verlogene Hetz« gegen die Republik ab. Die komnm» nistische„Welt am Abend' bringt in ihrer Dienstagausgabe ein Bild„Zur Wiederkehr des 1. August' mit der Unterschrift: „Kriegsblinder bettelt um ein Almosen'. Man sieht mitten auf dem Bürgersteig einer Berliner Straße einen Mann, der die bekannte Blindenbinde um den linken Arm trägt. auf einer Kiste hocken und die Hand bettelnd nach Almosen aus» strecken. Nun gehören die Kriegsblinden ganz gewiß zu den b e- jammerns wertesten Opfern des Krieges. Aber in dem Bild der„Welt am Abend" werden nicht die wirklichen Leiden der Kriegsblinden geschildert, sondern es wird fälschlich behauptet, daß der heutige Staat— die Republik— die Kriegsblinden s o schlecht stellt, daß sie als S t r a ß e n b e t t l e r an die öffentliche Mildtätigkeit appellieren müssen. Trifft dies zu? Untersuchen wir die Frage: was zahlt die Republik einem in Berlin lebenden kriegsblinden? Wenn er kinderlos oerheiratet ist, bekommt er 116,25 M. 'Grundrente, dazu 100 M. Pflegezulage, sowie«ine Zusatzrente, die für nichtarbeitende Kriegsblinde 42,80, für solche, die in Arbeit stehen, 21,40 M. beträgt. Im ungünstigsten Fall also, das heißt, wenn er nichts durch eigene Arbeit verdienen kann, erhält ein kinderlos verheirateter Kriegsblinder 259 AI. Rlonalsrente. Kann er selbst noch etwas verdienen, so hat er 21,40 M. weniger, das heißt 2Z7,60 2U. im Monat. Für einen Verheirateten mit zwei Kindern ergibt sich als Rente Zlg.70 M. bzw. 289,10 M. Außer dem erhält jeder Kriegsblinde monatlich als Verpflegungskosten für seinen Hund 20 M. Diese 20 M. sind zwar nickst auf das Einkommen des Blinden anzurechnen, aber er hat von seinem Ein kommen nicht die Kosten des Hundes zu bestreiten, wie vielfach ge glaubt wird. Dieses sind die Leistungen des Staates. In manchen Fällen kommen noch Sonderleistungen der Gemeinde hinzu. So hat z. B. die Stadt Berlin an eine Anzahl Kriegsblinde S i e d l u n g s- Häuser zu ganz bedeutend ermäßigten Preisen gegeben, wodurch die betreffenden Kriegsblinden eine denkbar ge- funde wie billig« Wohnung haben. Nun kann man gewiß sagen: All das und auch das Doppelte und das Dreifach« gleicht das verlorene Augenlicht nicht aus. Vollständig richtig! Wir können diese Ansicht nur unter st reichen. Aber ebenso gewiß wird man auch nicht behaupten wollen, daß kriegsblinde mit Renten von 250 bis 300 Mark notwendig hätten, sich aus die Straße zu sehen und zu betteln. Sie tun es auch nicht, sondern nach den Erklärungen, die von den Kriegsbeschädigtenorganisationen schon oft gegeben worden sind. handelt es sich bei den bettelnden angeblichen„Kriegsblinden" um Personen, die sich sälschlich als Kriegsbeschädigte ausgeben, zum größten Teil um berufsmäßige Bettler, deren„Blindheit� nur vorgetäuscht ist. Der„bettelnde Kriegsblinde" de» kommu» nistischen Boulevardblattes ist also ein photographierler Schwindel. eine Bildfälschung, die nicht der Propaganda gegen den Krieg, sondern lediglich der Hetze gegen die Republik dient! Nach 17 Tagen gelandet. Die Gt.-LouiS-Jlieger find 420 Standen in der Lust gewesen Das vauerrekordflugzeug„S l. Louis R o b i n e" mit den Aliegern Ared Zackson und Aorrest O'Brine ist am Dienstag abend um 7.38 Uhr amerikanischer Zeit ans dem Zlugplah Lambert bei St. Louis gelandet, nachdem n genau 420 Stunden und 21 Minuten in der Luft gewesen ist. Der neu errungene Rekord übertrifft den kürzlich in Los Angeles erzielten um 7 Tage 4 Stunden und 36 Minuten. Auf dem Flug- platz hatte sich eine riesige Menschenmenge eingesunden, die den Fliegern bei der Landung begeistert zujubelte. Während der Lan- dung herrschte strömender Regen. Die Flieger befanden sich in aus- gezeichneter Gemütsverfassung. Sie wurden sofort in eine Flug- zeughalle getragen und dort von Aerzten untersucht. Diese stellten fest, daß ihr gesundheitlicherZustand, abgesehen von etwas Unterernährung, ausgezeichnet sei. Die Flieger erklärten, daß sie den Flug gern noch fortgesetzt hätten, der Motor habe ober nicht mehr gut gearbeitet. Besonders die Brennstoffzufuhr ließ zu wünschen übrig. Die Landung erfolgte übrigens erst, nachdem die Flieger von unten wiederholt dazu aufgefordert worden waren Oberst Lindbergh war bei der Landung zugegen. Seit ihrem Aufstieg am 13. Juli um 7.17 Uhr amerikanischer Zeit haben die Flieger im ganzen 41 250 Kilometer zurück- g.e k e g t und 13 376 Liter Brenn st off verbraucht. Wäh- rend des Fluges wurden 47 Auffüllungen vorgenommen. Für den Rekordflug erhielten die Flieger von der Motorenbaugesellschaft, der das Flugzeug gehört. 100 000 Mark. Neue Hitzewelle in Amerika. Bereits 10 Tote in New ifort. Rem g ort. 31. Juli. Einer neuen Hitzewelle, die die vereinigten Staaken heimsucht, sind in Rem Zork 10 Personen zum Opfer gefallen. 3a vielen Teilen des Landes sind die Ernten unter der Sonaenglut völlig verdorrt. Das ganze Gebiet mit der alleinigen Ausnahm« der pazifischen Küste leidet wieder«nter. dieser außerordentlich drücken- den Hitzewelle. 3n Baltimore und Oklahoma wurden al» Höchsttemperatur 40 Grad Celslu» im Schatten gemessen. Der der Landwirtschaft bisher erwachsene Schaden wird allein für die Umgebung von Rem Port auf 3 Millionen Dollar geschäht. Der Wassermangel ist namentlich in New Jersey bedrohlich. Sie bedauern schmerzlich. Oeutschnattonale Aufregung wegen kirchlicher Verfassungsfeiern. Der Erlaß des evangelischen Oberkirechnrates an die Konsistorien zwecks Veranstaltung von kirchlichen Feiern am Berfasiungstag hat im deutschnationalen Lager äußerst stark ver» bittert. Die„Deutsche Zeitung" schreibt zu dem Erlaß u. a.: „Der evangelisch« Oberkirchenrat hat geglaubt, sich über die bisher in der Form äußerster Zurückhaltung geäußerten Bedenken über sein geplantes Vorgehen hinwegsetzen zu können. Wir bedauern das schmerzlich. Nicht aus politischen Gründen, sondern weil wir befürchten, daß in b e st« n deutschchristlichen Herzen das Ver. trauen zu den Verwaltern de» Erbe» Luthers durch der- artige Maßnahme« tief erschüttert werde« kann." Die Zahl der von der französischen Militärbehörde für August und September angekündigten Schießübungen in der Pfalz, die den Rachskommissar für die besetzten Gebiete veranlaßt hatte, bei der Rhemlandskommisiion Vorstellungen ,u erheben, ist mit Rücksicht auf die Erntezeit herabgesetzt. Sommerreisen nach Europa. Wie Delegationen zum Anti-Imperialistischen Kongreß fabriziert werden. Jerusalem, Ende Juli.(Eigenbericht.) Die arabischen Länder des Mittleren Ostens haben zu dem in Frankfurt abgehaltenen Kongreß der Liga gegen den Imperialismus eine auffallend große Delegation entsandt. Sie steht nicht im geringsten Verhältnis zu der praktischen Bedeutung, die man der Tätigkeit der Liga im Orient beimißt. Trotzdem hatte sich eine Anzahl bekannter Persönlichkeiten der national-arabischen Bewegung zur Teilnahme entschlossen und auch eine Reihe von Organisationen, die meistens auf dem Papier stehen, hatten Vertreter delegiert. Der eigentliche Grund zu diesem plötzlich erwachten Kampfwillen der arabischen Nationalisten gegen den Imperiä- iismus im Gefolge der Liga hat zwar sehr praktische, aber keineswegs politische Hintergründe. Die Delegierten erhallen nämlich Reise- und Aufenthaltskosten aus geheimnisvollen Fonds bezahlt, deren russische Herkunft unschwer zu erraten ist. Die in Geldangelegenheiten sehr praktischen Araber benutzen daher die will- kommene Gelegenheit zu einer billigen Sommerreise nach Europa, die sie in Fragen ihrer künftigen Politik zu nichts ver- pflichtet. Ob sich die russische Hoffnung erfüllen wird, auf diese Weise neue Freunde und Vorkämpfer für bolschewistische Ideen im Orient zu gewinnen, bleibt sehr zu bezweifeln. Die bis- herigen Ergebnisie der bolschewistischen Methode sind trotz des Aufwandes großer Mittel nicht sehr vielversprechend ge- wesen, da die zu den Führern im Befreiungskämpfe des arabischen pro- letariat» ausersehenen persönlichkeiten Angehörige der arabischen herrenklasie sind und gar nicht daran denken, ernschaft etwas zur Befreiung des arabischen Proletariats und zum Kampf gegen England zu unter- nehmen. Die als Delegierte tn Frage kommenden Persönlichkeiten sind durchweg gerissene Berufspolitiker, die bisher noch Geld von allen Seiten schmunzelnd eingesteckt haben und genau so wie ihre Borfahren den Kampf der im Orient rivalisierenden Großmächte in der Vorkriegszeit, die Anstrengungen Rußlands für ihre persönlichen Zwecke ausnützen. Die Weltbank in London. Britischer Veichsbantpräsident verhandelt in Amerika. London, 31. Juli. Heber die Besprechungen zwischen dem Gouverneur der Bank von E n g l am d, Montagu Norman, mit verschiedenen führen- den amerikanischen Bonkiers wird aus Washington gemeldet, daß die Errichtung der neuen internationalen Dank in den VerHand- lungen eine wesentlich« Rolle spielte. Namentlich die Rolle, die die Dank im Zusammenhang mit den internationalen G o l d b e w e- zun gen zu spielen haben wird, wurde eingehend besprochen. Weiter wird berichtet, Montagu Norman habe sehr nachdrücklich die britische Auffassung vertreten, daß die internationale Bank in L o n» d o n und nicht in der Hauptstadt eines kleineren Landes ihren Sitz haben soll. Er soll in diesem Verlangen auf amerikanischer Seit« wesentliche Unterstützung gefunden haben. Das amerikanische Schatz- amt wie der Kongreß lehnen vorläufig irgendeine direkte Verbindung mit der Bank ab. Gowjetbank in Charbin geschloffen. (Smt Moskauer amtliche Meldung. Moskau, 31. Juli.(Amtlich.) Di« chinesischen Behörden in Charbin haben die Kontrolle der Tätigkeit der Dank des Fernen Ostens angeordnet und zu Kon- trolleuren einige Polizeibeamte ernannt, denen sie die Vollmacht erteilten, gegebenenfalls Angestellte und Klienten der Bank zu oerhaften. Gleichzeitig haben die chinesischen Behörden von der Direktion der Bank die Uebergabe der Kasten- und Depositenkammer- schlllssel an die Kontrolleure oerlangt. Da die chinesischen Beamte» bei ihren Anordnungen Drohungen anwenden, muß die Bank des Fernen Ostens ihre Tätigkeit einstellen. 27 Todesopfer in Waldenburg. Sammlung für die Hinterbliebenen eingeleitet. Aus Waldenburg kommt die ersöhiitternde Nachricht. daß die Schlagwetterkatastrophe weitere Todesopfer ge- fordert hat. Im ganzen sind vier der Verletzten gestorben, so daß sich die Zahl der Toten ans 2 7 erhöht. Auch mehrere der anderen Verletzten schweben noch in Lebensgefahr. Außer den Beileidstelegrammen des Reichspräsidenten, der Reichsregierung und der Minister traf auch ein Telegramm des S o- zialdemokratischen Parteivorstandes ein, das folgenden Wortlaut hatte:„Tief erschüttert von dem Waldenburger Grubenunglück sprechen wir den be- dauernswerten Hinterbliebenen unser herzlichstes Bei- leid ans und wünschen de» Verletzten recht baldige Genesung." Alle Behörden der Provinz Schlesien haben die Unfallstelle besucht. Unter dem Vorsitz des R e» gierungspräsidenten Ja nicke hat sich ein Komitee gebildet, das zu einer Sammlung für die Opfer des Bergbaues auffordert. Die Stadt selbst ist in tiefer Trauer. Die amtlichen Gebäude sind halbmast geflaggt. Alle Vergnügungen sind abgesagt worden. Waldenburg, 31. Juli.(Eigenbericht.) Ueber die Ursache der furchtbaren Katastrophe in Niedsrherms- darf werden schon jetzt mit dem Anschein absoluter Sicherheit Mel- düngen verbreitet, die in den Kreisen der erfahrenen Bergleute all- gemeines Kopfschütteln erregen. Die Grubendirektion läßt als ihre Meinung verbreiten, daß die Schlagwetterexplosion dadurch entstanden sei, daß eine Benzinsicherheitslampe explo» d i e r t wäre und die. wie es in einer Meldung des.Berliner Tage- blatts" heißt, in großer Menge vorhandenen brennbaren Gruben» gase entzündet habe. Run ist allgemein bekannt, daß die Bergleute auch im Waldenburger Revier durchweg mit elektrischea Gruben- sicherheitslampen ausgerüstet sind, die nicht weißglühend werden und auch nicht explodieren können. Soweit überhaupt noch Benzin- sicherheitslampen gebraucht werden, befinden sie sich in der Obhut der sogenannten Ortsältesten, die als Oberyeuer sehr erfahrene Bergleute zu sein pflegen, und bei denen«in« unvorsichtig« Be» Handlung der ihnen zu Kontrollzwecke« anvertrauten Lampen nicht M vermuten ist.. Wenn behauptet wird, daß in ziemlicher Nähe brennbare Grubengas» vorhanden waren, so wird hier die Frage aufgeworfen, wer da» festgestellt habe und weiter, wer trotz der Feststellung veranlaßt hat, daß an diesen gefährlichen Stellen weiter gearbeitet wurde. Da inzwischen die amtlich« Unter- suchung auch durch einen Berliner Ministerialrat geführt wird, so erwartet die Dergarbeiterschast, daß auch diese Frage«ingehend ge- prüft und ohne Rücksicht auf Personen geklätt wird. Von einem Augenzeugen werden noch folgend« EinzU- heilen gemeldet: Kurz vor 7 Uhr betrat der Wettersteiger den Schacht und merkte an seiner Lampe, daß etwas nicht in Ordnung aar. Er forderte die Arbeiter sofort auf, die Stell« zu verlasien. Di« nächste Wetterführung lag durcki«in« Türe getrennt. Di« Arbeiter waren gerade dabei, ihr Handwerkszeug zusammenzupacken, a 1 e das Unglück geschah. Der Hauer, der mit einer Bohrmoschine die Bohrung für die elektrische Sprengung vorbereitete) hatte»fteu- bar die Ausforderung nicht gehört und muß beim Bohre« a« totes Gestein gekommen sein, desien Härte eine Funkenbildung ver- ursacht«. E, bildete' sich eine 40 Meter lange Stichflimme, dt« die Ilmflehenden sofort verbrannte. Die Wucht der Explosion hatte alle Stempel sortgerisien, die die Gesteinsdeck« des Stollen» tragen, vis zu einer Entfernung von 60 Metern flog das Gestein umher, und auch die Menschen wurden zum Teil ebenso weit geschleudert. Di« leeren Kohlenwagen wurden vollständig zusammengedrückt, während die vollen Wagen meterweit fortgeschleudert wurden. Al» die erste Rettungsabteilung die Unglücksstelle betrat, bot sich ihr ein Bild furchtbarer Verwüstung. Eingekeilt in Gesteinsmasien lagen die Opfer, bi» zur Unkenntlichkeit durch den Kohlenstaub entstellt. Eine der Leichen war durch die Explosion mtt solcher Wucht aus ein« Säge geschleudert worden, daß dcr Kops in zwei Teile g-spolten wurde. Die Bergungsarbeiten erstreckten sich bis in d!« vierte Morgenstunde. Ueber die Ursach« der Katastrophe weiß der „Bote aus dem Riesengebirge" zu melden: In der Grube befand sich seit Iahren«in brennendes Flöz, das durch Mauern ab- geschloffen worden war. Wie es heißt, ist ein« Mauer plötzlich gebrochen, und durch die herausdrängenden Stichflammen wurden die im Schacht befindlichen Gas« entzündet, die mit furchtbarer Gewal: explodierten. Besonders tragisch ist das folgend« Einzelschicksal«ine» der verunglückten. Mit der Mittagsschicht, die zum Unglücks- ort einfuhr, begab sich auch ein älterer Bergmann unter Tage, der nach dieser Schicht in de» Ruhestand treten wollte. Er fand bei seiner letzten Fahrt in die Grub« den Bergmannstod. Die bedauernswerten Opfer sind furchtbar verstümmelt. Viele Leichen waren so unkenntlich, daß Ihre Feststellung kaum mög» lich war. Die im Knappschaftslazarett untergebrachten Schwer. oerletzten konnten bisher nicht über das Unglück befragt werden. Die Staatsanwaltschaft hat die Leiche» inzwischen zur Bestattung freigegeben Sie werden gemeinschaftlich zur letzten Ruhe bestattet werden. Die Hinterbliebenen befinden sich durch den Schicksalsschlag fast ausnahmslos tn schwer bedrängter Lage. E» wird all. gemein erwartet, daß ihre schwer« Not durch ein« besonder« Hilf». a k t i v n gemildert wird. Auto rast in marschierende Reichswehr. Zwei Unteroffiziere und ein Gefreiter schwer»erleht. Leipzig, 31. Juli. Beim Ausrücken einer Reichswehrkompagnie de» Reichswehr- reglment» 11 in« Manövergelände ereignete sich heule früh um 4 Uhr auf der Staatsstraße zwischen Gautzsch und Ioebigter ein schwere» krastwagenunglück. ver 23jShrige Sohn de» Rittergutsbesitzer» Kirsche au» Iraotschen bei Pegau. der von Leipzig kommend nach Hause fuhr, wollte dt« fahrend« Kolonne von hinten überholen und fuhr dabei in dies« hinein. Zwei Unteroffiziere und ein Gefetter wurden schwer verletzt und muhten ins Garnisonlazarett nach Leipzig übergeführt werden. Auch vier Pferde wurden schwer verletzt. Die Kolonne befand sich aus der Fahrt nach Kierizsch, wo sie«ach dem Manövergelände in Bayern verladen werden sollte. �Verrat militärischer Geheimnisse." Vier Monate GesänaNis. Vraunschweig. 31. Juli. Das Graß« Schöffengericht oerhandelte unter Ausschluß der Oeffenllichkeit gegen den Zsjährigen Kaufmann Kurt Witteksp au» Braunschweig wegen verrat» Militärischer Gehennaiße. Mit»». ksp war trstz Warnung durch die Pslizei in Beziehung« zu»»». ländischen Agenten getreten. Bei dem Versuch. We holländische Grenze zu überschreiten, wurde er angeholten und in Hast g», nommen. Er legte ein Geständnis ab, das er aber in der gericht- liehen Verhandlung widerrief. Bei einer Haussuchung wurden be- lastende Briefe gefunden. Wittekop wurde unter Zubilligung mil» dernder Umstände zu vier Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. » Wie Laurös starb. Die Schüsse im„Cafe du croissant". Bundesausschuß AOGB. tagt Stellungnahme zur Arbeitslosenversicherung. Gcsteri« trat der Bundesausschutz des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes zu einer Tagung zu- sammen. Als Hauptpunkt der Verhandlungen ist die Etellungnahme zu der sogenannten Reform der Ar- beitslosenversicherung zu betrachten. Tie Ber- Handlunge« dürften heute noch zu Crnde gehen. Ueber das GrgebniS der Beratungen werden wir morgen früh einen eingehenden Bericht veröffentlichen. Welche Wendung... Sie Werner..Opposition* demonstriert nach Feierabend. Daß di« kommunistischtn Arbeiler in den Betrieben oftmals viel vernünfitger sind als die Parolenschmiede der KPD., Hot man schon vielfach erlebt. Ein neues Beispiel dafür liefert jetzt die „Opposition" der Firma Werner- Marienselde, wo heute srüh die kommunistische Aellenzeitung„Stock-Proleten" oerbreitet wurde, in der die Belegschaft des Wertes aufgefordert wird, sich am 1. August nach Arbeitsschluß an dem Antikriegsrummcl der KPD. zu beteiligen. Die Berfasier dieser Betriebszeitung erkennen die Stimmung in de» Berliner Betrieben besser als die Strategen in der Kleinen Llexanderstraße. Sie wollen zu der„M!« aber nidpsdestowenigev- aus tiefster Seele verachten! Der Sonntag in den Schulen abgeschasst Mtt»»ch m AlXtau schalst ei. stosfcu, M. Juli. Die Moskau er Schulverwaltung plant für da» kommend« Schul- lahr die Abschaffung de» Sonnlag» als Feiertag für die Schulen der Stadt und des Bezirks Moskau. Anstatt besten soll der Mittwoch als Feiertag eingeführt werden. Diese Maßnahme gehört zu der Sege« dt« Mrche und ihr« Festtag« geführten Kampagne.. Ici le 31 juillet 1914 Jean Jaures tut assassins „Hier wurde Jean Jaures nm 31. Juli 1314 er- mordet", so künden verblaßte Goldbuchstaben einer schlichten roten Marmortafel an dem Eckhcruse der Rue Montmartre 146 in Paris. Herr Wiedmand, der Wirt des„Eslö du croissant", steht in Hemdsärmeln vor der Tür. Er ist dem großen Stahlbad, das ihm sein gelehrter Gast schon lange vorher vorausgesagt hatte, mit knapper Rot entgangen. Ein Bein und einen Arm hat er vor L e r d u n gelassen. Jetzt ist es, als wäre nie etwas Außergewöhnliches geschehen. Man trinkt seinen Aperitif und hastet weiter, um sein kärgliches Brot zu verdienen. Heut« kann ich nickst an der Stätte vorübergehen, an der unser großer Führer Jean Iaurös vor fünfzehn Iahren der Kugel eines Meuchelmörders zum Opfer gefallen ist. Die ewigen Gegner der menschlichen Gleichberechtigung hatten sich einen Verbrecher ge- düngen, um das sozialistisch« Gewissen der Welt zu ersticken. Wie oft mag Herr Wiedmand schon diese Tragödie, die sich i» seinem Hause abspielte, erzählt haben? Nicht oft genug, um alle zu Hassern des organisierten Mastenmordes zu machen. Ich lausche mit verbissenen Zähnen: „Jaures war mein Stammgast. Am Abend des 31. Juli ging er vom Auswärtigen Amt, in dem er noch einmal sein« Kräfte sür den Frieden eingesetzt hatte, zur Redoktion der„H u- m a n i t t", um später gemeinsam mit einigen Genossen bei mir Abendbrot zu este». An einem Tlsch links vom Eingang nimmt Jaures Platz. Landrieu zur Rechten, Renaudel zur Linken. Georges Weil, Jean Longuet(ein Enkel von Karl Marx) und einig« andere sind auch dabei. Iourös sitzt mit dem Rücken nach dein offenen Fenster hin. Rur durch die Gardine ist er vom Trottoir getrennt. Plötzlich beugt sich ein schmächtiger blonder Mensch von hinten über Jaures, setzt ihm einen Revolver auf den Nacken und druckt ab. Zwei Schusse folgen blitzschnell aufeinander. Jaures fällt vornüber. Einen Augenblick größter Verwirrung. Aber schon stürzen einige Genossen auf di« Straße und packen den Mörder. Nur mit Mühe wird er vor der Lynchjustiz bewahrt und der Polizei über- geben. Zwei Aerzte sind inzwischen zur Stelle. Der leblos« Iaure» wird aus einen Marmortisch gelegt. Compere-Morel hält ihm di« Hand. Renaudel wäscht ihm eine winzige Wunde am Hals aus. Unheimliche Stille. „Meine Herren," sagt der Arzt.„Jaures ist tot!" Unbeschreiblicksts Entsetzen auf allen Gesichtern. Die Atmosphäre Ist elektrisch geladen. Man fühlt das Bevorstehen des Krieges. Das letzte Hindernis ist gefallen. Die Nachricht von dem Verbrechen verbreitet sich wie ein Lauf- fcuer. Die Rue Montmartre und Rue Croissant sind voll von Menschen. „Ist er wirklich tot? Welches Unglückl Das ist der Krieg!" Die Meng« heult vor Schmerz. Aus dem Fenster der„Humanitck" ruft irgend jemand: „Freunde' Beruhigt euch! Jaures ist nicht tot! Es leb« Jaures!" Ein Ambulanzwogen hält. Jaures' Leiche wird auf einer Tragbahre aus dem Hause gebracht. Der Wagen setzt sich in Be- wegung. Di« Menge mach: ehrfurchtsvoll Platz. Frauen weinen. Männer stehen stumm, den Hut in der Hand. Selbst die Polizisten nehmen die Käppis ab. In P a s sy erweisen die ältesten Freunde drm toten Führer die letzte Ehre— und dann... und dann... und dann begann dos große Morden. Herr Wiedmand weift auf feine verstümmelten Glieder: „Freund, beruhige dich! Jaures ist nicht tot! Es lebe Iaure s!" ' Norbert Bachracb. Das„eiserne" Gesicht. ?tur nicht„lächeln". Das Alleinsem inmitten größerer Menschenansammlungen regt — jedenfalls wenn man nichts wichtigeres zu tun hat— unwillkürlich zu laienhaften, psychologischen Studien an. Man liest sozu- sagen, so gut man dies eben versteht, in den Gesichtern seiner Mit- bürger und zielst daraus diesen oder jenen Schluß. Und da die Verschiedenheit der menschlichen Visagen wahrhaft nichts zu wünschen übrig läßt, so ist die» Studium nicht das uninteressanteste. Aus- nahmen bestätigen jedoch die Regel und das sind die Insassen der ösfentlichen, gemeinsamen Lerkehrsoehikel. Hast du, aufmerksamer und mit dem nötigen Humdr begabter Beobachter, schon einmal die Reihe deiner Vis-a-vis entlang geguckt? Dann wirft du mit heimlichem Schmunzeln festgestellt haben, daß oll diesen Menschen innerhalb der Verschiedenheit ihrer Gesichter ein gemeinsamer Zug anhaftet, und zwar»in selten dämlicher! Es hat nämlich den Anschein, als seien sie samt und sonders durch eine Gesichtemuskelstarre plötzlich versteint worden. Daß nun ein völlig unbewegliches Gesicht gerade einen besonders geistreichen Ausdruck widerspiegelt, kann man bei Gott nicht behaupten. Woher kommt nun dieler„uniformierte" Blick, und vor allem, was hat er zu be- deuten? Es ist dies so ein Gemisch von fürnehmer Blasiertheit, bornierter Indolenz und geistiger„Unbemitteltheit". Das liebevolle Verharren in diesem kotaleptischen Zustand geht oftmals sogar so weit, daß jener freche Störenfried, der durch irgendeine äußerlich wahrnehmbare Lebensäußerung, wie Niesen, Husten, kräftiges Zoitungsblättern oder laut« Konversation, das Idyll zu enlweihen wagt, mit mordenden Blicken zur Ruhe verwiesen wird! Im Wiener Wurstelprater existiert«ine harmlos-lustige Attrak- tion, der sogenannte„Watschenmann". Die» ist eine Figur, die einen dicken, pausbackigen Kerl darstelli, dem man gegen ein Entgelt von einem Groschen eine Watschen, Dockpfeis«, verabfolgen darf: auf diese temperamentvolle Handreichung hin ertönt aus seinem Innern ein tiefer Brummbaß, während sich das Gesicht zu leichtem Grinsen verzieht. Die» vergnügen läßt bestimmt an Harmlosigkeit nicht» zu wünschen übrig und ich konnte immer nicht so recht ver- stehen, worin hier die Belustigung liegt: zumal, wenn es sich um Erwachsen« handelte, die sich mit wahrer Berserkerwut und dem dazu gehörigen physischen Kraftaufwand auf dies« Derlustierung stürzten. Nun aber habe ich den tiefen Sinn solchen Tun» voll und ganz erfaßt! Und ich wünschte mir nichts sehnlichster, als nur ein- mal, ein allereinzigftes Mal, einem dieser vielen„Watschenmänner" männlichen und«eiblichen Geschlecht», die tagtäglich meinen Weg kreuzen, auf diese Weise Leben einhauchen und ihnen irgendwelche Lebensäußerung entlocken zu können.... Clax. Das Preisausschreiben für Arbeiiermufit. In dem vom Sozialistischen K»ltur-Bund ausge- fchriebenen Preisausschreiben wurde mit einem halben ersten Preise .von 1500 M. die Sinfonie»Hammerwert" von Hermann Wunsch, Berlin, ausgezeichnet. Weiterhin wurden di« Werte: „13. November" von Berthoid G o l d s ch m i d t, Darmstadt, „Rom 13 2 8" von Karl Hermann P i l l n« y Köln a. Rh., zur Aufführung empfohlen. Dem Preisrichterkollegium gehörten an: Dr. Alfred Einstein, Prof. Dr. Georg Schünemonn, Prof. Paul Hindemith, Hermann Scherchen und Prof. Wolter Gmeindl. Der überbrückte Firth of Förth. Soeben tst dem englischen Berkehrsmimsteriu««i» ausführ- licher Plan unterbreitet worven, der di« Errichtung einer neuen Eisenbahnbrücke über den Firth of Förth in Schottland »»rsieht. Man schätzt die Kosten diese» Baue» auf über 6 Millionen Pfund, also mehr als 120 Millionen Mark,«»bei nur ein« Million zum Erwerb des notwendigen Tsrrain» aufgewandt werden soll. Di« außerordentlich hohe Bedeutung der Brücke für den Verkehr rechtfertigt die gewaltige Summe, die für die BerwirMchung dieses hochwichtigen Projekts ausgeworsen worden ist. Sladund» Sreidetrel» al» Oper Der junge llooenilche Komponist Slavto Öftere hat eine Oper vollendet, der KlaSund».KreldekreiS" al» Textbuch zugrunde liegt. Flucht in die Fremdenlegion. Kapitol. Das einsame Fort in der afrikanischen Wüste, Ritt und Marsch durch den Sand, der Kampf zwischen Europäern und Eingeborenen. das ist immer noch F i l m- M o d e. Diesmal ist Marokko der Schauplatz und die spanische Fremdenlegion der Vorwurf der Hand- lung. Eine Liebesgeschichte bildet Austakt Und Schluß. Ein junger Franzose ist aus der Heimat geflohen, um den Mordverdacht vo» der Geliebten auf sich abzuwälzen, und verschwindet nun in der Fremdenlegion! Di« Methoden der Anwerbung, die Kamerad- schaftlichkeit und die Brutalitäten unter den Legionären, der Dienst und schließlich der mörderische Kamps mit der Hitze, dem Durst und den Arabern werden bildlich gestaltet. Echte Bilder au» dem Legionsleben find darunter. Die Erschießung eines Mörders(aus Leidenschaft). Meuterei und Rückkehr zur Pflicht unter dem Eindruck des von den Franzosen angestimmten Legionärliedes, und der Sieg über die Araber sind die dramatischen Höhepunkte. Di« Geliebte de, Legionärs, die ihm nach Afrika und in die Wüst« gefolgt ist. wird mit ihm in die Heimat zurückkehren, da sich ihre Unschuld her- ausgestellt hat und das Offizierkorps seine Freilastung als Dank für sein Verholten befürwortet wird. � Unter Zischen und Beifall endete der Film. Die Verherrlichung von Disziplin und Tapferkeit als Devise der Fremdenlegion, der ganze militärische Klimbim, ging den Zuschauern auf die Nerven. Die an den Haaren herbeigezogene Wiedervereinigung der Lieben- den im Fort verstimmte. Regie- und bildmäßig bietet der Film unter der Leitung von Louis Ralph mancherM Besonders die Photographie versucht neue Wirkungen hurch mannigfache Belcuch- tungsesfekte. Die Legionärtypen sind gut charakterisiert(Ralph und Gran ach), Hans Stüw« ist der sehr sympathische Held. r. Fahrende Bibliotheken in Italien. Mit behördlicher Unter- stützung hat sich jetzt in Italien«in Unternehmen gegründet, das sich zum Zwecke gesetzt hat, mit einer größeren Anzahl von Autos das Land zu bereisen, in denen Vllcker aus den größeren Bibliotheken Italiens mitgeführt.und an oie Provinzbevölkerung verliehen werden. Die Leihfrist dauert bis zur jeweiligen Wiederkehr des Bibliotheksautos. ÄprMpnS ist die Späiausgabe des..vorwärts". Das vlalt ist bei den Strasienhändlern, an den Zeitungskiosken und in den Bahn- Hofsbuchhandlungen Zum Preise von 10 Pf. zu haben. Ztusiarordentlich vorteilhaft ist ein Abonnement de» „vorwärts", dessen Lesern der„Abend" ohne besondere Der- gütung in» hau» geliefert wird.„Vorwärt»" und„Abend". von denen 12 Nummern wöchentlich erscheinen, kosten zu- sammen nur SS Pf. die Woche oder 3,80 Ist. den Monat. Ich abonniere den„Vorwärts"(und die Abend- ausgab? für Berlin„Der Abend".) mit den illustrierten Bei- logen„Volk und Zeit" und„Kindersreund". lowie den Bei- lagen„Unterhaltung und Wiste»",„Frauenstimme",„Technik". „Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Vorwärts" in Graß- Berlin täglich frei ins Haus. (Monatlich 3.60 Mk.. wöchentlich SS Pf.l Rame Ausfüllen und einsenden an den Verlag des„Vorwärts" Berlin Sw. 68, Liudenstraße 3. �eichsbahnkapiial und Uoung-Plan. Regiefeindliche Abmachungen? lieber das Reichsbahnkapitol im Doung-Plan macht die„JTF.", jus Organ der Internationalen Transportarbeiterföderation in ihrer letzten Nummer einige hochinteressante Aussührungen. Gegenüber der Empfehlung des Sachverständigen an die Organisationskomitees, durch geeignete Maßnahmen dafür zu sorgen, daß der private und unabhängige Charakter der Reichsbahngesellschaft einschließlich ihrer selbständigen Geschäftsführung in wirtschaftlichen und finanziellen sowie in Personalangelegenheiten während der Geltungsdauer des Planes, ohne Dazwischenkunft der Deutschen Regierung gewahrt wird, fragt das Organ der Transport- arbeiter, womit diese ausdrückliche Forderung vom Standpunkt der Gläubiger aus gerechtfertigt werde. Welche Interessen der Gläubiger geböten Erwähnung der Personalfragen? Da die Gläubiger auf materielle Bürgschaften verzichteten, was erwarteten sie von dieser Bestimmung? Was könnten sie dabei verlieren, wenn den Beamten und Arbeitern der Reichsbahn dieselben Pflichten auferlegt und die- selben Rechte eingeräumt werden wie den Arbeitern, Angestellten und Beamten ganz Deutschlands? Für einen nichtdeutschen Staat hätten die Bestimmungen des Poung-Planes über die Betriebssorm der Reichsbahn nur eine geringe politische Bedeutung. Gegenüber dem Verbot der„Dazwischenkunft" der deutschen Regierung fragt die„JTF.", ob man allen Ernstes die deutsche Regierung oerpflichten wolle, Leute auf sechs Jahre für den Berwaltungsrat des größten volkswirtschaftlichen und staatseigencn Unternehmens zu ernennen, und ihr gleichzeitig das Recht absprechen, ihren Bertretern Anweisungen zu geben? Oder bedeute das Verbot der Dazwischenkunft, daß die deutschen Gesetze auf die Gesellschaft keine Anwendung finden?� Wenn man den deutschen Eisenbahnern zu verstehen gebe, daß sie von den Gesetzen ihres Landes nichts mehr erwarten dürfen, dann mache man ihnen deutlich, daß für sie nur das Recht des Stärkeren gelte, dann könne bei der Reichsbahn eines Tages ein Gewerkschaftsführer sehr leicht die Sprache sprechen, die der verstorbene Führer der deutschen Berg- arbeiter Hue in Spa seinerzeit gesprochen habe, chue habe damals erklärt:„Die Herren können ja beschließen, was sie wollen. Schließlich ist es Sache der deutschen Bergarbeiter, die Kohlen herbei- zuschaffen." Die Gläubigerstaaten, betont die„JTF.", haben kein wirkliches Interesse an der Betriebsform und an den Arbeitgeberbefugnissen der Reichsbahngesellschaft. Man kann selbst weitergehen und behaupten, daß die Gläubigerstaaten an die vollständige Freigabe der Reichsbahn gedacht haben und daß es die deutschenSachverständigen waren, welche die Doung-Kommission auf den Weg brachten, der zur Beibehaltung der Reichsbahn als Reparationsobjekt führte. Es liegt aus der Hand, daß nur gewisse deutsche Kreise ein Interesse daran haben können, daß die Frage, ob und wie die Reichsbahn mit Repa- rationen zu belasten sei, nicht der Entscheidung der Vertretung des deutschen Volkes völlig überlassen bleibt. Die Frage, warum die Sachverständigen der Gläubigerstaaten das Angebot an- genommen haben, ist leicht zu beantworten. Sie haben keinen Grund, über das„seierliche Versprechen der deutschen Regierung" hinaus eine materielle Bürgschaft zu verschmähen. Weiter gibt es einige Persön- lichkeiten in der Doung-Kommission, die wegen ihrer regiefeindlichen Gesinnung bekannt sind und denen sich hier eine willkommene Ge- legenheit" bot, dem Staatsbahngedankcn eins auszuwischen. Das deutsche Volk, sagt das Transportarbeiterorgan wörtlich, hat hier mit Wölfen im eigenen Lager zu tun, die das Mißgeschick ihres Landes, die regiefeindliche Gesinnung amerikanischer und anderer Finonzmagnaten und die Weitläufigkeit der Verhandlungen über einen komplizierten Gegenstand dazu benützen wollen, um das deutsche Boll zu überrumpeln, die Privatindustrie zu entlasten und dem recht- mäßigen Eigentümer der Reichsbahn die Ausübung seines Eigentums- rechtes unmöglich zu machen. Moderne Arbeitsgesetzgebung in Mexiko. Mexiko, 30. Juli, Der mexikanische Kongreß hat in einer Sondertagung mit der Beratung der von dem Präsidenten Portes Gil eingebrachten Ge- setzesoorlage zur Regelung der Arbeitsverhältnisse begonnen. Di« Gesetzesvorlage ist durchweg auf zeitgemäßen Grundlagen aufgebaut und sieht eine umfassende Regelung aller Arbeitsverhältnisse vor. U. a. werden Arbeitsgerichte errichtet und die Einrichtung von Arbeitsinspektoren geschossen, die unter Regierung?- aufsicht stehen. Das Gesetz regelt ferner das Streik recht und führt ein S ch l i ch t u n g s o e r s a h r e n �ur Regelung der Arbeits- streitigksiten ein; die Schiedssprüche können verbindlich erklärt werden. Der Achtstundenarbeitstag und die.Sechstagewoche werden gesetzlich se st gelegt; serner wird jährlicher bezahlter Urlaub eingeführt Des weiteren wird durch das Gesetz die Zwangs- sicherung für Angestellte und Arbeiter bei einer Beitragsleistring von S Proz. des Lohns für die Arbeiter eingeführt: die Unternehmer haben 7 Proz der Löhn« für die Versicherung zu entrichten. 70 Proz. aller Arbeiter in den einzelnen Betrieben müssen Mexikaner sein. Zur Leitung von Betrieben werden nur solche Personen zu- gelassen.?>ie die spanische Sprache beherrschen. Schließlich schreibt das Gesetz für jeden mexikanischen Bürger die Pflicht zur Erlernung eines Berufes vor und regelt die Arbeitspflicht für den Fall, daß ein nationales Interesse hierfür oorlieg< Die oberschlesischen Metallarbeiterverbände haben den Mantel. tarif für die Eisenhütten zum 1. Oktober 1929 gekündigt. Anträge sind noch nicht eingereicht worden. weller für Berlin: Trübe bis wolkig und weiterhin ziemlich kühl. Regenfälle. Frische südwestliche bis westlich« Winde.— Für Deutschland: Fortbestand des unfreundlichen und feuchten West- wettere. � SeMFM-Jln&iger* föezirfc bilden-Wefien. [Spezialgeschäft orthopädischer und normaler FuBbekleldung Otto Me wesv SehulmiaetienDeister Lieferant derjrtbopädisclien Versorgungsstelle Berlin" Berlin§.14, Konunandanlenstr. 55 Fernsprecher« Dönhoff 9980.|G. 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Rloigsiadt 3290/01 Eier�rofjfhaiidel Import Export Groü-Deslllialion Paul Gruhl RitlerstraBe 126 tm Haute derVolkatürso r je, (Beilage Mittwoch, 31. Juli 1929 SivAbnid SfitUauigaße]bfi&as4l Schlöffer unö Schmtterkafernen. Wir setzen uns»uf die Eisenbahn und fahren nach Mecklenburg hinauf, nach einem gottvergessenen, nur durch den Postomnibus zu ereichendcn Nestchen von«ttva 300 Einwohnern. Der Wirtschaftshof. mit den Kühen und Pferden, die Mühle, die Brennerei sind einigermaßen respektable Gebäude, die Kirch« fehlt natürlich auch nicht, in der chauptsache aber besteht der Ort aus kleinen, zum Teil mit Stroh bedeckten, äußerst primitiven Häuschen, den Katen, wie man dos hier nennt. Aber dann sehen wir. von der Landstraße diskret entfernt, etwas Weißes durch die Bäume schimmern: Das Schloß. O ja, Schloß muß sein auf einem Fideikommiß,«in Schloß mit Türmen und Veranden, mit Park und Teich, Garagen und Stallungen. Das Nestchen, wte es steht und liegt, und vor allem fein« Umgebung in einer Ausdehnung von 7000 Morgen Land, ist Eigentum des Schloßherrn, eines Barons, der im zarten Aus dem Leben Mecklenburgs. Sache zur Sprache gebracht werden, die einfach eine deutsche K u l t u r I ch a n d-e ist. Ueberoll im Bereich dieser Mecklenburgi- schen Fidctkommiss« und Großgüter schlechthin, befindet sich zumeist in respektvoller Entfernung von den anderen Häusern, andeutend, daß es sich um eine Art Ghetto handelt, ein ausgedehnter Bau: Die Schnitterkaserne. Wenn man Wohnkasern« sagt, so ist dos eine p e s s i m> st i s ch e Uebertreibung, denn ganz so un» anheimelnd und lieblos wie«ine Kaserne ist das Haus nun denn doch nicht, das man im Auge hat, aber wenn man Schnitterkaserne sagt, so steckt darin durchaus ein« optimistische Uebertreibung, denn nirgendwo gibt es Kasernen, die so kalt, primitiv, srende- leer sind, wie diese elenden Wohnställe. Kommt der Sommer heran, so bedarf das Rittergut einer Auf- füllung feiner Arbeitskräfte, und wie stark auch der Agrarier auf Landbundversammlungen und deutschnationalen Tagungen seiner Herr Diener— Knecht. Alter von 24 Iahren steht... Das heißt,„Eigentum" ist zu viel gesagt, denn das Gut befindet sich in der Zwangsverwaltung. Schlechter Boden, vermute ich, RigorositSt�der Steuereintreibung.... und war schon geneigt, den Klagen über die Not der Landwirtschast «in williges Ohr zu leihen. Aber die Leute, mit denen ich sprach, belehrten mich eines Besseren.„Der Bater des Barons," sagten sie, frellich nicht in Hochdeutsch, sondern im schönsten Platt,„ist e i n wüster Verschwender gewesen, und was den lungen Baron anbelangt, so hat er sich niemals im geringsten um das Gut ge- kümmert, sondern alles verpachtet: Die Mühle, die Gast- Wirtschaft, die Brennerei, den Fischfang, die Jagd, das Ackerland.. aber der Hauptpächter, der vom Ackerland, ist«in völlig unfähiger Mensch, der wohl alle Wochen ein paarmal große Gesellschaften gibt und im Auto nach Hamburg zum Pferderennen fährt, von der Landwirtschaft aber einen Teufel versteht. Er hat das Gut heruntergewirtschaftet und zahlt die Pocht nicht. Es ist zum Heulen, wern man daran denkt, wie das Gut früher war und wie es heute ist. Jetzt soll es verkauft werden. Die Siedlungstommission in Rostock hat sich darum be- worden, aber es heißt, daß ihr die neue, siedlungsfeindliche Rechts- regierung in Schwerin kein Geld zur Verfügung stellt— and so wird es wohl m Privathand kommen." Die landwirtschaftlich� Arbeit auf dein Gut leisten in erster Linie die„Tagelöhner". Aber der Name ist durchaus irre- führend, denn es handelt sich keineswegs um Leute, die im Tage- lohn stehe.i, sondern um eine merkwürdige Mischung au, Bauer und Landarbeiter. und das Arbeitsverhältnis sieht folgendermaßen aus: Der„Tage- löhner" besitz: einen Vertrag mit dem Gutsherrn, wonach er für die ihm zur Verfügung gestellte Kate keine Miete bezahlt. zur Nutznießung einige Morgen Land und etwas Garten erhält und ferner 50 bis SO Mark bares Geld im Monat bezieht. Seine Gegenleistung besteht in 10- bis Ilstündigem Arbeitsdienst. den er für' den Gutsherrn zu verrichten hat. Bei oberflächlicher Betrachtung möchte dieses Abkommen für den„Tagelöhner" gar nicht so unvorteilhaft erscheinen: Frei« Wohnung, bare» Geld, ein Stück Acker... Aber es steht dennoch schief darum. Di?„freie Wohnung" ist ein primitives Loch, das bare Geld entsprich: einem Stundenlohn von noch nicht 30 Pfennigen und der Acker.der Acker ist das eigentlich Teuflische an der Geschichte. Er bedeutet in Wahrheit keinen Besitz, denn dafür ist sein Ausmaß viel zu upbeträchllich, aber er suggerier: dem„Tage- löhner" das Gefühl des Besitzes, er spiegelt ihm eine Interessengemeinschaft mit dem Gutsbesitzer, dem Herrn Baron im Schlosse vor. er schiebt psychologisch einen Keil zwischen ihn und den freien, völlig besitzlose�, Landarbeiter, er ist eine Iota Morgana des Wohlstandes. Ein praktisches Beispiel: Die „Tagelöhner" haben eine Petition an die Regiermig in Schwerin gerichtet, und sich in ihr dagegen ausgesprochen, daß die Siedlung?- kommission. die bei einer Veräußerung des Gutes ein Vorkaufsrecht hat. Unterstützung seitens der Regierung erfährt. Ihr Gedanken- gang ist klar? Sie befürchten bei einer Besiedlung des Landes die Wegnahm« ihres Ackers. Die Armen wenden sich also gegen die noch Aermeren. vnd das hat mit dem Lockköder eines winzigen Stückchen Landes die kluge Diplomatie des Großagrariertums getan. Sie Schnitterkaferne. Hinter den„Tagelöhnern" rangieren in der sozialen Klassen- ockaung die Jttiea Arbeiter", und da muß einmal eine Antipathie gegen andere Völker Ausdruck verleiht: Den polni- schen Landarbeiter, oder vielmehr seine Billigkeit und De- scheidenheil weiß er zu schätzen, und allezeit steht ihm die Schnitterkaserne weit geöffnet. Ich habe mir ihr Inneres angesehen, und es war ein' phantastisches Bild: Ein T-förmiger, einstöckiger Bau, aufgeteilt in etwa 15 Abteil«, denn Zimmer kann man das nicht nennen. Das Inventar eines solchen Abteils: ein oder zwei auf Drahtgestellen aufliegende Strohsäcke, ein wackeliger Tisch, eine Bank. Kein Bild an den weißgetünchten Wänden, nirgendwo sonst noch ein Möbelstück, nurschmutziges Gerümpel hier und dort: Konservenbüchsen und Lumpen. Und in den Abteilen: Polen, Polinnen, polnisch« Kinder. In der Tlzeorie Hausen die El)«- paar-, die unverheirateten Männer, die unverheirateten Frauen getrennt, wobei es imnier noch toll genug bliebe, daß die Kinder mit den Eltern in einem Bett zusammen schlafen. In der Praxis. besonders bei voller Belegung der-Kaserne, in die bis z u 8 0 P e r. s o n e n gepfercht werden, herrscht sexueller Kommunismus, der aber beileibe nicht als Auswirkung einer erotischen Theorie bewertet werden darf, sondern ein stumpfes, dumpfes, wahlloses. geschlechtliches Durcheinanderleben ist. Und das kann ja auch kaum anders sein. Der polnische Landarbeiter verdient, 2 5 Pfennig die Stunde, die Landarbeiterin 2 0 Pfennig, wozu lediglich das Deputat kommt: Kartoffeln. Brot, Schmalz, Petroleum: mit Ausnahme der Kartoffeln und des Petroleums alles unzureichend. Irgend etwas leisten können sich diese Polen nicht Der neue Anzug wird ihnen zum Existenzproblem, jedes Glas Bier, jede Zigorr« bedeutet einen unerhörten, nicht zu rechtfertigenden Luxus für sie. So sitzen sie. nach elfstündiger Arbeitszeit in ihren Kasernen herum und denken ans Esten und an den Geschechtsgenuß. Im Dorf unten weiß man Bescheid. Aber während, mindestens bei den Spitzen des Fideikommistes, durchaus die Neigung besteht, sich theoretisch für altdeutsche Sittenstrenge und gesundes Bauerntum zu begeistern, nimmt man die Zustände in der Schnitterkaserne aus die leichte Schulter„Polen," lächelt man„die wissen'« nicht anders." Di« Ausrede lchnellfertiger Scheinmoralisten, die jede 5 gerade sein lassen, wenn sie nur am Lohn sparen können Der kanöttreichcr. Die Schnitterkaserne wird nicht ausschließlich von Polen be- wohnt, auch Deutschen dient sie als Behausung, aber, freilich nicht immer den besten Deutschen, sondern Lumpen- und Land- streicherproletariat. das weder geographisch noch politisch eine Heimat hat. Dies« Leute tippeln von Ort zu Ort. arbeiten einmal einen Tag, fechten, vertrinken das erarbeitete und«rfochtene Geld, lasten sich beim Verwalter Vorschuß geben, machen Schulden beim Wirt, ziehen wieder weiter Man6)mal hegen Gutsverwaller und Wirt ihnen den Gendarmen hinterdrein. Dann macht ihnen dos auch nichts aus, und sie verbringen drei Tage im Spritzenhaus: zu versäumen haben sie wahrlich nichts. Ich lernte in der von mir besuchlen Schnitterkaserne einen solchen Deutschen kennen Eine Handvoll Zigaretten erschloß ihm rasch den Mund und ein Sturzwetter van Worten brach über mich nieder. „Ick haue ab hier," sagte er unter ständigem fröhlichen Lachen. „Det is keen Leben for mir Ick bin Berliner und tipple jetzt nach Berlin. Iowall In Berlin handele ick wieder mit Uhren und Brillanten, in der Weinmeisterstraße. wistenie. Wat denkensen, wot da forn Ieschäft zu machen is? Ick habe nämlich'n Liseranten. der mir die Klamotten in Kommission jibt. Nee. det is hier keen Leben for mir. Fünfundzwanzig Pfennje de Stunde... und for die Arbeet. Wat denkensen. wie die Polen schuften, da komm'n Se nich mit. ick ooch nich. Und det Freisen... Nee. det is hier keen Leben for mir." Dann erzählte«r mir noch mit großem Behagen und in sehr ungeschminkten Worten ewige« über die Liebesabenteuer, die er in der Schnitterkaserne erlebt habe. Für eine Tafel Schokolade sei jede der unverheirateten, seien aber auch viele der verheirateten Polinnen zu haben Manchmal gäbe es Eifersuchtsszenen, während der die Polen sehr wütend werden könnten, aber das leg« sich rasch wieder„Meine Papiere sind beim Verwalter," fuhr er fort,„aber er jibt ie nich 'raus, weil er Ield von mir kriegt. Na. ick komme ooch ohne Papiere hin. In meine Penn« in Berlin brauch ick ke«n« Papiere." „Das ist doch alles nichts, was Sie da machen." redet« ich ihm ins Gewissen.„Sie müssen ein anständiger Arbeiter werden, sich organisieren, in eine Schlafstelle ziehen."„Schlafstelle." sagte er. „mir nimmt doch ke«ne Wirtin. Ja, wenn eener jeschniegelt kommt und'n Koffer IN der Hand hat. Aber so..." Ich sah an ihm herunter: Schmutzige Fegen hingen aus seinem Leibe. Auf dem Tisch lag«in verschnürter Karton, der seine Hab? enthielt. Gewiß, vertrauenerweckend sah er nicht aus, aber welä« psrjön- ltche Schuld dieser Landstreicher auch an seinem Geschick tragen mochte und gewiß trug er persönlich Schuld: Ein solches Milieu, wie diese Schniltertajerve, muß die Haltlosen noch haltloser, dle verlorenen noch verlorener machen. In keinem Zuchthaus sieht es öder und menschenunwürdiger aus als in diesen erbärmlichen Baracken, die die Schloßherren denen zuweisen, die ihr Feld pflügen und ihre Ernte einbringen. Das Wirtshaus. Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens auf dem Fideikommiß ist das Wirtshaus. Es befindet sich nur ein einziges am Ort, und so gibt es keine Möglichkeit, daß die besseren Herren, josern sie Appetit auf ein Glas Bier verspüren, und nicht dieserwegen nach Hamburg oder Lübeck fahren wollen sich von den einsachea Schnittern räumlich absondern: aber Reserve muß selbst« verständlich dennoch sein, und so hat sich der Brauch herausgebildet, daß die Pächter, der Creme des Fideikommistes, ausschließlich in den Vormittags- und frühen Nach- Mittagsstunden die Schenke aufsuchen, während di« niedrigeren Schichten, die„Tagelöhner" und„freien Arbeiter" die späteren Tagesstunden bevorzugen. Eine Mittelstellung nehmen die sogenannten freien Bauern ein. das sind selb- ständige Ackerpächter ohne die Verpflichtung einer Arbeitsleistung. und gemäß dem ungeschrieben«» Komment des Kastengeistes sieht man sie auch sowohl zu Zeiten im Wirtshaus sitzen, die den Pächtern gehören, als auch zu jenen, in denen die Landarbeiter sich erquicken. Der Wirt ist ein gutmütiger breitschulteriger Mann. der es mit denen oben und mit denen unten hält. Alle vierzehn Tage veranstaltet er einmal hinten im„Saat", ein beschönigendes Wort für eine geräuinig« Stube, ein„Tanzvergnügen". „Warum nicht öfters" fragte ich.„Die Tagelöhner und Arbeiter haben doch kein Geld," sagte er,„wo sollen sie es denn her- nehmen?" Beim Tanz. Das politische Leben ist ziemlich tot, aber soweit die Politik in den Stammtischgesprächen eine Rolle spielt, läßt sich doch durchaus eine fortschrittliche und nach links weisende Note heraushören. Ein Wunder ist das wahrlich nicht. Denn nirgendwo treten die Ungerechtigkeiten und Sinnwidrig- keitcn unserer Gesellschaftsordnung plastischer als aus solch einem Jideikommih Zulage: Ein schönes Schloß und darin ein Bewohner, der ein oerschwenderi- sches Faulenzerleben führt, von der Landwirtschaft nichts versteht und sich um Acker. Wiesen. Land und Vieh nicht kümmert— ein öder Stall, genannt Schnitterkaserne, und darin ein Gewimmel von Menschen, die tagsüber elf Stunden für«in klägliches Geld fchwerstc Arbeit leisten, aus deren Hand der Acker seinen Segen und die Scheune ihre Frucht erhält: Das sind die iozialen Pole des Lebens auf dem großen Gntshcf. Hier muß vieles anders werden. Die es angeht, beginnen, es zu erkennen. Hau» Bauer ROMAN KWRENCE Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden n H. (12. Fortsetzung.) „Ich gfaub' es dir gern, John,«inen alten guten Freund wie mich wirst du nicht anlügen." „Wirklich nicht, Tommy." „Aber soviel ich weiß, wird in derartigen Agenturen viel mit Nummern gearbeitet. Weißt du nicht einmal die Nummer?" „Ich glaube, es ist Nr. 1S2, ober ganz bestimmt kann ich es dir nicht sogen." „152", wiederholte Tommy.„Danke, John. Und nun fahrt heim, ihr beiden, ich habe noch zu tun." Während Jack ein Auto bestieg, setzte sich John Calmer seufzend auf sein Motorrad. Es war wieder einmal«u» geworden. Morgen mußt« er mit Herrn Jack Füller ein ernstes Wort reden. Das ging so nicht weiter, er wollte sich unbedingt zwei Nächte nacheinander ausschlafen. Tommy, der Unermüdliche, dachte noch nicht an Schlaf. Zwar war die Mitteilung des Spitzels eine äußerst dürftige gewesen: eine Nummer, von der man nicht einmal weiß, ob sie bestimmt die richtige ist: dennoch muß er einen Versuch unternehmen und zwar noch heute nacht. Möglicherweise hat sich der Spitzel noch nicht mit Eardigan in Verbindung gesetzt, morgen aber wird es zu spät sein. Tommy begab sich auf den Bahnhof, wo die Telephonzelien die ganze Nacht über geöffnet waren. Er suchte im Telephonbuch Cardio gons Privatadresse und rief ihn an. Nach einer Weile tönt« durchs Telephon«ine ärgerliche Stimme: „Was ist denn jetzt wieder los? Kann man nicht einmal in der Nacht feine Nuh« haben? Wer spricht?" „Nr. 152", flüsterte Tommy heiser. „Hei Werl Wie? Was wollen Sie?" „Ihnen sogen, daß mir der Eoup gelungen ist, Herr Eardigan. Ich habe dos Geld." „Geld? Was für Geld? Sie sind besoffen, junger Mann. Gehen Sie heim und schlafen Sie Ihren Rausch aus. Ich weiß nichts von Geld." Damit wurde wütend abgeAingelt. Dieser Versuch war also mißlungen. Entweder die Nummer stimmte nicht, oder Eardigan war schlauer als er, Tommy, ange- nommen hatte, oder aber der Spitzel hatte gar nicht im Auftrag der Agentur das Geld gestohlen, sondern es für sich behalten. Tommy war fein Lebenlang bei allen seinen Abenteuern der maßen vom Glück begünstigt worden, daß er diesen Mißerfolg fast wie eine persönlich« Beleidigung auffaßte. Derdrossen und miß mutig strebte er heim und legte sich zu Bett. Nun wird er es eben mit Fräulein Angel Wing versuchen müsien. Und das dürfte Zeit und Geld kosten Am folgenden Tag erschien in Eranburys Drogerei ein eleganter junger Mann, der für ein kleines Bermögen Zahnpaste, Seife, Mundwasser und Brillantine taufte. Er kam mit der hübschen, puppengesichtigen Verkäuferin ins Gespräch, sagte ihr einig« Kom> plimente. sah sie voller Bewunderung an und entlockt« ihr den Namen des Gasthauses, wo sie in der Mittagspause aß. Kaum hatte sich Fräulein Angel(der Name bedeutet Engel, und sie sah mit dem blonden Lockenkopf und dem süßen dummen Gesicht tatsächlich wie ein etwas törichter Engel aus) an ihrem ge« wohnten Tisch niedergelassen, da eilte auch schon aus der anderen Eck« des Raumes der elegante junge Mann herbei, der am Bor. mittag in der Drogerie gewesen war. „Dorf ich mich an Ihren Tisch setzen?" „Bitte." Fräulein Angel Wing hott««inen gewissen Ehrgeiz, sie wollte nicht bis ans End« ihres Lebens Verkäuferin bleiben, träumte von einer reichen Heirat, einem schönen Haus, einem Auto, und dieser jung« Mann hier sah so aus, als könnte er ihr all das geben. Sie war daher äußerst liebenswürdig, ließ die blauen Augen arbeiten und gestattete dem jungen Mann schon nach der Suppe, ihr unter dem Tisch leidenschaftlich die Hand zu drücken. Al« er sie jedoch auffordert«, am Abend mit ihm ein Kino zu besuchen, zögert« sie: „Mein Freund ist furchtbar eifersüchtig." „Ihr Freund? Sie hoben«inen Freund?" Bestürzung und Kummer klangen aus der Stimm« des eleganten jungen Mannes. „Ja. aber Sie dürfen nichts Böses denken", sprach Fräulein Angel Wing schamhaft.„Er will mich heiraten." Der elegant« junge Mann seufzte. „Da» begreife ich. Bestimmt ist er reich, kann Ihnen weit niehr bieten als«in bescheidener Fabriksleiter mit seinen armsetigen IlKX) Dollars im Monat." Angel Wing horcht« auf. 1500 Dollars, dos war nicht zu ver- achten, wenn man selbst 100 Dollars im Monat verdiente. „Sie sind mir sehr sympathisch", haucht« sie.„Man sieht Jhnen auf den ersten Blick an, boß Sie ein Gentleman sind, dem jedes an- ständige junge Mädchen vertrauen darf." „Sie kommen also ins Kino?" „Ich weiß nicht.. schließlich... mein Freund ist ohnehin heute abend beschäftigt. Gut, ich komme." Sie sahen zusammen ein wunderbares, rührendes Drama, in dem die arme, aber edle Heldin einem Millionär das Leben rettet« und von ihm nach vielem Leid und Kummer als Gattin heimgeführt wurde. Im zweiten Akt ging es der wunderschönen Heldin so schlecht, daß Fräulein Angel Wing heftig zu weinen begann, und der junge Mann, um sie zu trösten, den Arm um sie schlingen mußte. Als dann olles ein glückliches Ende nahm und di« Heldin, innig an ihren jungen Gatten geschmiegt, auf der eigenen schneeweißen Jacht, die ihren Namen trug, die Hochzeitsreise nach Europa antrat, seufzte Fräulein Angel Wing tief auf, und der elegante jung« Mann flüstert«: „Lugenbllcklich reicht es noch nicht für eine Jacht, aber ich habe gute Beziehungen... mein Engel." Er brachte Fräulein Angel heim Als er bescheiden fragte, ob er noch einen Augenblick zu ihr kommen dürfe, prüft« sie Ihn noch einmal von oben bis unten und meinte dann: „Ja, Sie dürfen nichts Böses denken, ich bin ein anständiges Mädchen, aber der Film hat mich dermaßen aufgeregt, daß ich vor dem AlleinseiiO Angst habe." Der elegante junge Mann folgt« dem blonden Engel in fein' Zimmer. Der Film mußte tatsächlich äußerst erschütternd gewesen sein, denn der elegante junge Maim brauchte geschlagene drei Stunden, um Fräulein Angel Wmg zu beruhigen. Als er schläfrig und müde heimstrebte, lastete zwar auf feinem Gewissen die Tatsache, daß er einem„anständigen jungen Mädchen" ein Eheversprechen gegeben hatte, das zu halten er nicht gewillt war, dafür aber kannte er nun den Namen, den das Streikkomitee seit Wochen vergeblich herauszusinden suchte. Er lautete: Alf Buster. S chwa rze Tage. „Hören Sie, Alf, Sie müssen irgendeine Dummheit gemacht haben", sprach Eardigan ärgerlich zu seinem Star-Spitzel.„Gestern nacht hat mich irgendein Kerl mit Ihrer Nummer antelephoniert und von dem Geld gesprochen. Zum Glück merkte ich sofort, daß es nicht Ihre Stimme war. Wem gegenüber haben Sie geschwätzt?" Alf Buster erblaßte. „Keinem Menschen gegenüber, Herr Eardigan, bei Gott. Ich verstehe nicht..." „Jedenfalls weiß irgend jemand von der Sache. Möglicher- weis« sogar jemand von Ihren lieben.Genossen'. Es wäre ratsam, wenn Sie sich aus dem Staub machten. Spitzel sind bei den Leuten nicht besonders beliebt." „Mein Gott!" stammelte Alf Buster.„Sie glauben doch nicht... die werden mich ja erschlagen... Ich Hab' Ihnen immer gesagt, Herr Eardigan, die Sache ist viel zu gefährlich. Hätten Sie mir nicht befohlen, dos Geld zu stehlen, es wäre nie etwas aufgekommen..." „Schieben Sie jetzt nicht die Schuld auf mich", unterbrach ihn Eardigan zornig.„Sie haben irgendeine Dummheit gemacht, dadurch alle unsere Pläne vereitelt." Angst und Verzweiflung verliehen dem Spitzel Mut zur Auf- lehnung. „Natürlich, ich habe eine Dumniheit gemacht! Ich! Immer bin ich an allem schuld. Ich setz« mein Leben aufs Spiel, für«inen lumpigen Lohn. Gelingt mein Coup, so heimsen Sie die Ehren und Herr Calvin Füller steckt den Gewinn ein. Ich habe es sott, hören Sie, Eardigan, satt!" Alle Vorsicht vergessend, schrie Alf Buster, daß die Wände zitterten. „Halten Sie das Maul!" herrschte Eardigan ihn an. Er hotte eben eine äußerst unangenehme halbe Stunde mit Calvin Füller oerlebt und war nicht in der Stimmung, sich von einem Unter- gegebenen etwas gefallen zu lasten. „Sie sind entlasten", fügte er hart hinzu. „So? Entlassen? Und was soll ich jetzt tun? Betteln gehen?" „Anscheinend taugen Sie zu nichts anderem. Aber wenn meine Vermutung zutrifft und Ihre Freunde wissen, wer und was Sie sind, werden Sie wohl nicht lange Ihren Lebensunterhalt verdienen brauchen." Ein kalter Schauder rieselte über Alf Busters Rücken: er sah sich verfolgt, gestellt, an die Wand gedrückt... „Herr Eardigan... Sic müssen mir helfen. Ich kann keine Stund« länger in Fullersoille bleiben. Tun Sie es nicht, so haben Sie und Herr Calvin Füller mein Leben auf dem Gewissen." Eardigan grinste. Er selbst wollte ja den Spitzel so rasch wie möglich loswerden. Man wußte bei derartigen Leuten nie, was sie tun würden: die waren imstande, aus lauter Angst zu den Feinden überzugehen, olles zu verraten. „Gut. Sie verdienen es zwar nicht", sagt« er milder.„Aber Herr Calvin Füller läßt seine Leute nicht im Stich. Ich werde Sie mit dem Auto nach der nächsten Stadt bringen lassen. Bon da an fahren Sie mit der Bahn. Herr Füller gibt Jhnen aus reiner Groß- mut noch ertra hundert Dollar." Er entnahm seiner Brieftasche eine Banknote und reichte sie dem Spitzel. Der starrte auf das Geld nieder. Hundert Dollar— dafür hatte er sein Leben gefährdet, Tag und Nacht in Angst ge- lebt, dasür war er nun gezwungen, in den entlegensten Staat zu fliehen, Arbeit zu suchen, womöglich keine zu finden, zu darben. Eardigan schien seine Gedanken zu erraten. „Sie wissen, daß Sie, wäre der Plan geglückt, tausend Dckllar erhalten hätten. Aber Sie können nicht erwarten, daß Herr Füller für einen Mißerfolg zahlt. Erfolg ist alles." Mit dieser Lebensregel entließ Eardigan seinen einstigen Star- Spitzel, für den er kein« Verwendung mehr hatte. Diese Unterredung hatte um sieben Uhr morgens stattgefunden. Um acht Uhr erschien Tommy bei David Gordon, um ihm, strahlend vor Stolz, seine Entdeckung mitzuteilen. Uin dieje Zeit aber fuhr Alf Buster bereits im geschlossenen Auto mit einer Geschwindigkeit von achtzig Kilometern auf der Landstraße dahin, und als die M't- glieder des Gehoimkmnitees ihn in seiner Wohnung suchten, er- fuhren sie, daß er vor einer halben Stunde die Stadt verlassen habe. Charles Ashleigh stieß einen leisen Pfiss aus. „Verflucht, der Kerl muß trotz aller Vorsicht unseren Verdacht gemerkt haben." David Gordon mochte ein sorgenvolles»Gesicht. .Letzt, da sie im Komitee keinen Spitzel mehr haben, dürsten wir auffliegen. Wir müssen sofort Mahnahmen tresjen. Der Streik darf unter keinen Umständen zusammenbrechen." „Jack ist der einzige, der vor einer Verhaftung sicher ist: den Skandal wird Calvin Füller denn doch vermeiden wollen." David Eordon zuckte etwas ungeduldig die Achseln. (Fortsetzung folgt.) 16.00 16.30 17.00 17.» 19.00 19.10 20.00 20.» Nach Mittwoch, 31. JuiL Berlin. Gert Harteaau-Thiel: Erlebnisse in Sumatra. Inuenieur Boehmer; Technische Wochenplauderti. „MiBglöckta Weltreise."(Sprecher: Otto Gläser.) Hotel Kaiserhot: Teemnsik. Keilfron: Rechtsfragen des Tages. Dr. Hans Braetsch: Zorn Ausbau der Angestellteaversicbernng. Wovon man spricht(Redner und Thema werden durch Randfunk bekanntgegeben). „Steckbriefe." Eine Hörfolge nach Polizeiaktea und Gerichtssaal- berichten.(Unter Verwendung von Literatur von Siing:„Richter und Gerichtete": A. M. Frey:„Missetaten"; Ferdinand Bruckner:„Verbrecher".) Von Viktor, Heinz Fuchs und Georg LOpke. Regie: A.Braun. den Abcndmefdungen bis 0.»: Tanzmusik. Während der Pause Bildfunk. Königs Wusterhausen. 16.00 Legationsrat Dr. Böhme: Die gegenwärtige Lage des deutschen Schulwesens Im Auslände. 16.» Dr. Harald Braun: Bücherstunde. Atempause der Qegenwartsdichtung: Der Aphorismus. 17.00 Nachmittagskonzert von Hamburg. 18.00 Dr. Neumann: Bericht einer amerikanischen Stadienkommission über die deutsche Vieh- und Milchwirtschaft. 18.» Leo Hirsch: Der spanische Dichter Unamuno. 18.55 Karl Graef: Sprechen und Singen. 19.20 H. R. Betrtdorff; Verbrechen und Polizei. 20.» Lieder. Oermaine Martineiii, Paria. Am Flügel: Romuald Wikanki. 21.00 Kammermusik. I. J. S. Bach: Konzert für zwei Violinen D-moll. 2. Fr. Händel: Sonate E-Dur für zwei Violinen und Klavier. 3. a) Q. B. Viotti: Serenata für zwei Violinen: b) H. Zilcher: Melancholie; c) H. Zilcher: Danse Caprice. 4. W. A. Mozart: Concertante für zwei Violinen und Klavier.(Melanie und Haus MichaeHs, Violine, und Romuald Wikarskl, Flügel.) Rät sel= Ecke des„Abend". iiiiiiiiiuiuiiiiniiiiiiHiiiiiimiLMimtiiiiinmmmumiimuiiinmiuiniiiiBiiuiii nuiiKiiminiimmiMiiiiimiiiiiHUtiuuuiiniiHuniiuuuiiiiimiuiiiiii Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Singstimme: 5. Gebirgsaue: 8. Wild: 9. amerikanischer männlicher abgekommener Vorname: II. berühm- ter amerikanischer Schriftsteller: 12. alles Pferd: Kurs: 15. Naturprodukt: 16. afrikanischer Fluß: 17. Gesangsgemeinschaft: 18. ita- lienischer Fluß: 20. Zeiteinteilung: 22. Gegenteil von aus: 23. geo- graphische Bezeichnung: 2«. Prophet: 27. lateinisch ich: 28. männ- liches Wild: 29. sagenhafte Burg.— Senkrecht: 1. Körperteil; 2. weiblicher Vorname: 3. Studienfach: 1. männlicher Dornam«: 5. Meditamentverkäufer: 6. Lolleriepapier: 7. altdeutsches Getränk; 19. französischer Artikel; 13. Zuruf: 18 abgekürzter Elternname: 19. russischer Fluß: 29. Getränk; 21. Angstgefühl: 21. abgekürzter Mädchenname: 25. geographischer Begriff.* Silbenrätsel. Aus den Süden ak ar der ber d« dent di di«i fet ga i tl laut lauf l« le ls loid lu mai mal me mi mo Utö nach nau nau nen o pilz prä ra re rie sa sal s« si sta ten tll un wa wa«ar z«l sind 1ö Wöter ,u bilden. deren Ansang», und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen,«in Zitat von August Bebel ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Fluß in Nordamerika: 2. Stadt in Thüringen: 3 Stadt in Schweden: 4. Teemaschine: 5. Preußischer Berwaltungsbeamter; 6. Stoff aus Schießbaumwolle und Kampfer; 7. Fluß in Hinter- indien: 8. Truppengattung: 9. Eßbarer Pilz; 19. Stadt in Thüringen: 11. Mineral: 12. Insel im Bodensee; 13. Jungfräuliche Wassergeister: 14. Sportart; 15. Höflich.— Icr.— Diamanträtsel. Die Buchstaben sind so zu ordnen, daß die wogerechten Reihen folgendes ergeben: 1. Konsonant; 2. Kanton in der Schweiz: 3. Dichtungsart: 4. Kontoauszug: 6 Geistliches Stift; 7. Teil der Schule; 8. Geographischer Begriff: 9. Konsonant. Die mittelste wagerechte und die mittelste senkrechte Reihe nennen gleichlautend einen Tilel. er. Die fehlende Mittelsilbe. Aus den Silben al aus be den cho der do e ga ganz ge gro gung he land n« ra ri« rie rind sel ser to vor sind 12 dreisilbige Wörter zu bilden mit gleicher zu ergänzender Mittelstlbe. Wie heißt die Silbe und wie heißen die Wörter? ab. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Silbenrätsel: I. Dessau: 2. Innung: 3. Edison: 4. Technikum: 5. Antilopen; 6. Testament: 7. Indien; 8. Steiftn: 9. Turnus: 19. Atropin: 11. Leumund: 12. Lehre: 13. Egmond= „Die Tat ist alles, nichts der Ruhm." Kreuzworträtsel. Waqerecht: 1. Rasputm:«. Polo: 7. Kalmus: 9. Inn; 19. Bad: 11. Ire; 13. pro: 14. Elegie; 17. Anis; 18. Sandbank.— Senkrecht: 2. Span; 3. Pol: 4. Ulm; 5. taub; 7. Knarre: 8. Satire; 12. Elan: 13. Pisa: 15. End; 16. gib. Zahlenrätsel: Kinderrepublik, Indien, Nebel, Dill, Erpel, Rubin, Reppen, Elbe, Purpur, Unk«, Bern, Lupine, Jller, Kerker. Rösselsprung: Das Glück erspähn und nimmer es erreichen, Sich hundertmal als einzig süße Habe Den Tod ersehn und schaudern vor dem Grabe, Das Sein verwünschen, vor dem Nichts erbleichen, -- Das ist in tausend Sprachen Ein altes Lied, betitelt Menschenleben. Rob. Hamerling. Bcrsrätscl: Kiel. Segelfliegen auf der Rhön. Fast alle größeren Preise bereits ausgeflogen. Am achten Wettbewerbetage der diesjährigen Jubiläums- Veranstaltung machte die Wasserkuppe zum ersten Male ihrem Namen alle Ehre. Es regnete in Strömen und man sah stellenweise die Hand nicht vor den Augen. Der bisherige Verlaus mit seinen 123 Flügen im Uebungs- und 33 Flügen im Leistungswettbewerb — gegenüber einigen 60 Flügen in den beiden vorjährigen Kon- kurrenzen— überraschte selbst den ältesten„Rhöner". Im Gegen- satz zu früheren Veranstaltungen sind im Augenblick s a st alle größeren Preise bereits ausgeflogen. Natürlich kann sich das Bild innerhalb der einzelnen Pveisgruppen noch tag» lich bis zum Schluß ändern. Die Lage des Wettbewerbs ist etwa folgende: In erster Linie waren die Flieger des Uebungswettbewerbs bemüht, die Bedingungen der Dauer- und Höhenausschreibungen zu erfüllen. Der Darmstädter N e i n i n g e r(„Darmstadt") setzte sich mit etwa 13� Stunden an die Spitz« der um die Preise für die größte Ge- samtslugdauer kämpfenden Maschinen. In der Preisgruppe der größten Höhcnsumme rangieren Krebs auf„Kakadu' mit 2035 Meter. Als voraussichtliche Bewerber um die Hauplpreise des Leistung»w«ttbewerbs sind vornehmlich zu nennen Robert K r o n f e l d- Wien für den Fcrnsegelflugpreis, der eine Strecke von mindestens 60 Kilometer Länge verlangt. Wie jetzt endgüsttg feststeht, legte Kronfeld übrigens bei seinem Streckenflug, der den österreichischen Iungsegelsliegcr bis in dt« Gegend von Ieno-Gera führte, 113 Kilometer zurück. Die meisten Aussichten auf den Fern- z'clfüigpreis, der das Ucb«rfl'.egen eines vor dem Fluge der Sport- leitung anzugebenden Zieles mit Rückkehr nach der Wasserkuppe fordert und auf de» Streckenforschungspreis für über bisher noch nicht beslogenes Gebiet durchgeführte Flüge hat Wolf H i t t h auf „Lore" des Württembergischen Lustsahrtverbandes Stuttgart. Nachdem der belgische Verkehrs- und L-uftfahrtMinister Maurice L i p p e n s das Fliegerlager mit seinen Anlagen besucht und einen nachhaltigen Eindruck erhalten hatte, konnten als Gäst« begrüßt werden Vertreter des Aero-Klubs von Frankreich und andere nam- hafte Lustfahrtinteressenten, unter ihnen übrigens die älteste Pilotin Marvingt. Die Fronzos«» stifteten einen Segelflugprets von 10 000 Fr. Ferner ist noch zu melden das Eintreffen des Belgiers M a f f a u x, der Ende Juli 1925 beim französischen Segelflug. Wettbewerb in Vauville einen Dauerweltrekord von iO'A Stunden aufstellte. Alle diese Persönlichkeiten bekundeten immer wieder ihr großes Interesse für die deutsche Segelslugbewegung und sprachen sich lobend und anerkennend über das Gesehene aus. Am Dienstag, dem drittletzten Tage der Iubiläumsveranstaltung der Segelflieger in der Rhön, herrschte vom Mittag bis zur völligen Dunkelheit ununterbrochen lebhafter Flugbetrieb. Ins- gesamt wurden etwa210Flüg« ausgeführt. Zlls um 11,30 Uhr die Sirene dos Zeichen zum Start gab, war im Nu der Kuppenhang bevölkert, bei 10 bis 12 Stundenmeter westlicher Windstärke hob sich ein« Maschine nach der anderen in die Höhe. Während sich die Uebungsflieger vornehmlich um die Hauptpreise der Ausschreibung. nämlich größte Gesamtslugdauer und größte Höhe bewarben, winkte den anderen ein Tagespreis für die längste Flugdauer, Windestens jedoch dnei Stunden. In der Preisgruppe der Gesamtslugdauer scheint Neing er» Darmstadt auf„Darmstadt' die Führung zu be- haupten. Der Stuttgarter Bachen, der neuerdings die„Württem- bcrg' fliegt, dürfte sich an die Spitze der um die größte Höhensumm« kämpfenden Maschinen gesetzt haben. Für den Tagespreis, d. h. für die längste Flugdauer, kommen in erster Linie N e i n i n g e r und der Aachener M a y e r in Frage, die sich seit 11.15 Uhr ununter- brachen In der Luft befanden. Sie haben ohne Zweifel den D a u e r- retard überboten, den der Wiener Robert Kronfeld im Vor- jähre mit 7 Stunden und 54 Minuten aufgestellt hatte. Von den Leistungsfliegern wurde ein M i n d e st f l u g von 15 Kilo- meter Entfernung verlangt. Edgab D i t t m a r- Schwrkn- furt auf„Schloß Momberg' und Max Kegel- Kassel auf„Mstel" landeten in 25 Kilometer Entserimng westlich von Neustadt cu d. S., Hirth aus„Lore" mußte zunächst bei Gersfeld zur Pandung schreiten, sein zweiter Flug führte ihn bis in die Gegend von Mei° ningen. Aroehoff auf dem Doppelsitzer„Schleicher" unternahm einen Streckenflug mit Passagier ebenfalls in Richtung Meiningen, Robert K r o n f e l d landete östlich von Bayreuth am Rande des Fichtelgebirges in einer Entfernung von anscheinend 140 Kilometer. Pietro Scholz Berliner Meister. Vier Wochen Rmgcrweitsircit. Der�internattonale Ringerwettstreit im Wilmcrst>orfcr Viktoria- Garten um die Berliner Meisterschaft für 1S2S ging gestern abend, nach genau vierwöchiger Dauer, zu Ende. Der letzte Kampfabend war ebenfalls reich an sensationellen Entscheidungen und brachte dank der guten Paarungen den erwarteten großen Besuch. Der sportliche Wert dieser— leider etwas langen— Konkurrenz ist unantastbar. Das Bestreben des IRV., dem schönen Ringsport neues Leben zu geben, kann als gelungen bezetch- net werden. Groß ist auch die Schar der neu gewonnenen An- Hänger. Am vorletzten Kampfabend kam der Westsale Grunwald noch nach hartem Kampf zu einem Sieg über den schweren Szewaczek, den er durch einen schnellen Armzug am Boden in der 20 Minute überraschte. Pietro Scholz konnte den Rheinländer Hansen Esch aus der Verteidigung heraus mit einem gut gefaßten Armschlüssel auf die Schultern drücken. Der letzte Kamps Marunke gegen Pogrzeba endete in der 19. Minute mit dem Sieg« des Sachsen, da sich der Ober sch lesier den Arm verstauchte und ausgeben mußt«. Am Schluß tag des internationalen Ringerwettstreites rangen die beiden großen und gleichstarken Favoriten Neström und der Per- liner Scholz um den 1. Platz in der Berliner Meister- s ch a f t. Dieser groß« Kampf zählt mit zu den schönsten, die bis- her in Berlin geboten wurden. Der Kampf war in jeder Situation prächtig und außerordentlich interessant und war sehr lange völlig offen. Es wurde von beiden mit größter Erbitterung um die Siegeslorbceren gestritten. Nach 49 Minuten Kampsdauer siel dann die Entscheidung: mit einer krastvollen Parade, durch Abfangen eine» Hüstschwunges mit einem darauffolgenden Untergriff von hinten untertag der stärkste Gegner des Berliners. Ungeheurer Beifall belohnte den neuen Meister Pietro Scholz sowie den be- siegten Neström. Um den 3. Platz kämpften ebenfalls sehr erbittert Grunwald und der ganz ausgezeichnet« Berliner Schachschneider; durch einen plötzlichen Aufreißer brachte auch der Berliner seinen Gegner unter sich und konnte ihn somit aus den 4. Platz verweisen. In den weiteren Stichkämpsen besiegte der— einmal etwas anständiger ringende— Szewaczek den Rheinländer Hansen Esch, der dann im Kamps mit dem Sachsenmeiste- Marunke in der 22. Minute diesen jungen ausgezeichneten„Neuling" durch einen plötzlichen Schultcrdrchgriff auf die Matt« legt«. Kampfleiter G o ck s ch stellte dann den mit einem prächtigen Lorbeerkranz geschmückten Meister Scholz für 1929 vor. Zweiter Preisträger wurde durch die Niederlage im Kampf mit dem neuen Meister der Finne Neström vor Schochschneider-Berlin. G. M- IOO Kilometer der Rennfahrer. Mielhc— Mandclkow siegen! Die Rennfahrer hatten mit ihrer Veranstaltung, die sie gestern auf der Rütt-Arena zugunsten ihrer Unterstützungskasse zum Austrag briiz�cn ließen. Glück. Die Tribünen waren gut besetzt, dos Wetter hielt sich, und die Akteure gaben sich Mühe, flotte Rennen zu liefern. Im Mittelpunkt des Rennen» stand das 100- Kilometer. Mannschaftsfahren, das 13 Paare aufwies. Miethes Part- ner Kroll war nicht am Start erschienen: der Straßenfohrer Man- d e l k o w sprang als Ersatz ein und unterstützte Miethe in bester Weise. Gleich zu Beginn gab es einen Sturz, der Kedzierski kämpf- unfähig machte. Da Koch auch bald aufgab, konnten Echwemmler und Longardt ein« neue Mannschaft bilden. Schließlich verschwand auch noch Belnert von der Bahn, so daß das große Rennen nur noch von 11 Mannschaften bestritten wurde. Verlies das Mann- fchaftefahren zuerst etwas monoton, so wurde es mit einem Schlage lebendiger, als beim 5 0. Kilometer Miethe scharf antrat und mit Mandelkow dos Feld in großer Manier überrundete. Mochten die anderen sich noch so sehr bemühen, der Rundenverlust war nicht wieder gutzumachen. Es waren etwa drei Viertel des Rennens erledigt, als Miethe-Mandelkow noch einmal vorgingen, um nun den Sieg mit einer abermaligen Ueberrundung des Feldes sicher in der Tasche zu haben. Vorher gab es ein Haupt fahren, das im Endlauf Krüger, Ehmer, Kantorowicz und Dorn oereinigte. Den ersten Platz belegte überlegen der vom Fllegcrsport zurückgekehrte Ehmer vor Krüger, Kantorowicz und Dorn. Im 30> R u n d e n- Pu n k t e- fahren waren Wissel und Kedzierski die besten Leute. Sie überrundeten dasLeld und konnten auch, die meisten Punkt« einheimsen. Wissel hatte 20 und Kedzierski 11 Punkte. Die nächsten Plätzt« belegten eine Rund« zurück Longardt.Bruno Wolke und Funda mit je 6 Punkten. Resultate d«» I. Riethe.R«ndelI«w. l Punkt, 2:20:2»,�! ,>»«i Runden»nett»: 2, Ehmer-Dorn 52; S. fflebtUber Wolle 44: 4. NrUael.ftunda 41: 5. Lebmann. WiffSll 19; 6. Rederndt-Ni-kel 1«; 7. SonBjwtM.etbtwmmlet 15; 8. vKroschel-Tiet, II;!). Feder-Wener 7; 10. Rldrl�SchUt» 0 Punkte; fctei R»»d«» wrtitf; Nuhn-Kolk« 7 Punkte. Neuer Speerwurfrekord. Beim Fest des Sportvereins zu Lotzen traf das famose oft- preußische Speerwurs-Dreigestirn Molles, Schlokat, Maefer im Weit- kämpf zusammen, und da einer den anderen übertreffen wollt«, lag eine neue Höchstleistung sozusagen in der Lust. Schlokat, der seinen Meistertitel in Breslau nicht verteidigen konnte, wollte bewelsen, daß er seinem Nachfolger Molles nicht nachsteht und Maeser fand eine willkommene Gelegenheit, sein Können an zwei so großen Meistern zu erproben. Bereits im Vorkampf kam der deutsche Rekord zustande. Molles, der erst bei den Hochschulmeisterschastcn am 14. Juli in Münster den deutschen Rekord auf 64,82 Meter hin- aufgeschraubt hatte, erzielte hier ein« Weite von 6 4,915 Meter. Ein« Zlnerkennung der Rekordleistung ist mit Bestimmtheit zu er- warten, da all« ersorderllchcn Bedingungen durchaus ersiillt waren. Den Wettkamps selbst gewann dann Maeser mit 63,205 Meier. Boxkampftag im Sportpalast. Anfang April hat Richard Mueck, der 1. Vorsitzende des Trabrenn-Vereins Berlin-Ruhleben und Präsident der Boxsport- behörde Deutschlands, die Leitung des Berliner Sportpalastes über- nommen. Die geplanten Umbauten und die Neuorganisation des gesamten Betriebes sind in vollem Gange. Die Neugestaliung der traditionelle!, Stätte des Berliner Hallenspories, des Riesenhauses, das schon ein so abwechslungsreiches und ichwercs Sch;cksal hinlcr sich hat, nähert sich ihrer Dollendung. Ende August wird der Berliner Sportpalast der Oessentlichkeit übergeben werden. Schon am Eröffnungstag«, dem 23. August, wird das Berliner Sport- Publikum nichi nur bei dem Boxkampfabcnd durch ein erstklassiges Programm auf seine Kosten kommen, sondern wird auch seine Freude an den grundlegenden Veränderungen haben, die in der «ommerpause innerhalb des Hauses vorgenommen wurden. Die bisher unübersichtlichen Sitzgelegenheiten im Parterre sowie un ersten Rang sind durch eine vollständig neue Mahagoni-'Armlchu- bestuhlung erießt worden. Allein durch den amphitheatraiislyen Ausbau der Sitzanordnungen, die von jedem Platz die denkbar best« Sichtmöglichkeit bieten werden, wird sich das Haus aufs beste ein- führen. Schach in Strausberg. Am Sonntag, dem 4. August, 16 Uhr, wird in S t r a u s- bcrg ein Schachverein gegründet. Die Gründung erfolg! nach den Satzungen des„vculschrn Arbeiter-Schach-Bundcs". Die Abteilungen der Freien Arbeiter-Schach-Bereinigüng Groß-Berlin. Mitte, Wedding, Hunidoldthoin und� Lichtenberg werden Well- kämpfe austragen, ebenso wird ein Simultanspiel und ein Blitz- Turnier vorgeführt werden. Die Veranstaltung wird in den Räumen de» Lokal»„Giese", Marktplag 13, veranstaltet. VMiruUDtxW Spiele der Woche. Vorrvärts-Hennigsdors konnte von seine» Spielen nur das der 1. Männer gegen Steinfurth mit 2:0(2:0) gewinnen. FTGB. Stralau trat gegen die 2. Männer nur mit 8 Mann an, spielte aber trotzdem überlegen und gewann mit 3; 2(2: 2). FTGB.-Neu- kölln 1. Männer fertigte die t. Männer mit 5: 4(4: 2) ab. Bei den 2. Männern siegte Neukölln mit 3:0(1:0), während sich die beiden Frauenmcinnschasten torlos trennten. FTGB.-Osten 2. Männer- mannschast gewanti gegen Eintracht-Mahlsdorf 2. Männer mit 4: 3 (3: 2). FTGB.-Nordcn 3 Iuacndmannschaft gewann gegen Sportverein Tegel Jugend mit 2:1(1: 1), während sie sich von Eiche- Köpenick Jugend unentschieden 1; 1 trennten, trotzdem sie ins zur Paus« mit 1; 0 führten. Bei dem flotten Spiel war Köpenick überlegener, doch zum Siege reichte es nicht. 'ARBEim russmu Wcrbc-Fu(jbal!spiclc in Neukölln. Am 28. Juli veranstaltete der Freie F u ß b a l l v c r e i n Neukölln 1 28 vor dem Zwischenrundenlp.el einen g ll'I'Ke lungenen Wcrbeumzug von etwa 200 Sportlern durch die Straßen Neuköllns, wo der Zug freudig begrüßt wuvde und für die bnndeslrcue Arbeitersportbcwcgung einen guten Erfolg turstellt. Das Relchsdanner Schwarz-Rot-Gold, Neukölln, stellt« sich mit seinem Tambourkorps zur Verfügung. Gkich nach Beendigung des Werdeumznges wurde mit der Zwischenrunde de- gönnen. Aus beiden Spielfeldern war der Besuch sehr rege. Gruppe A, ZwischcnruiÄe: Hoppegaicken I gegen Nmixiwes 94 I; Resultat 4:2(2:1). Beide Mannschaften nahmen den Kamps mit großer Schnelligkeit aus. Hoppegarten stand das Glück zur Seit« lind kcnin in kurzen Abständen bis Halbzeit das Spiel 2: 0 gestalten. Nach Holbzeit dasselbe Blld. Nowawes versuchte 10 Minuten vor Schluß, das Spiel zu seinen Gunsten zu gestalten, es zerschellte aber an der guten Hintermannschaft von Hoppegnrten, so blieb du» Spiel bis Schluß. Anschließend stellten sich Lichtenberg. Abtlg. l l, 1. M., gegen Borussia l. Resultat 5:1(2: 1). Von dtesei» Spiel hatte man einen harten Kampf bis Ende des Spiels erwartet. Nach der Halbzeit klappte Borussia vollständig zusammen und verlor ihren Torwart durch Verletzung. Im dritteil Spiel. Rathenow l gegen Reinickendors, starrden sich beide Mannschaften gleichwertig gegen- über. Bei Remickenldors war der Sturm nicht durchschlagssähig..wo- gegen bei Rathenow an diesem Sonntag der gesamte Mannschasts- teil gut kloppte. Resuttat: 5:1(3: 1). Als letztes Spiel standen sich Vorwärts-Webding 1 und Reu- kölln l. beide heiße Favoriten, gegenüber. Resultat: 0:6(0:2). Aorwärts-Wedding begann gleich einen scharfen Angriff aus das Neuköllner Tor, der abgewehrt wurde, Neuköllns Läuferreihe nahm den Ball auf, übergab dem Sturm den Ball. Halbrechts sauste mit dem Ball aufs Vorwärts-Tor, der Torwart fing den Voll, wogen der Schärf« glitt ihm der Ball aus den Händen, und Neukölln führte mit(1: 0). Dorwärts, dadurch aufgemuntert, leitete scharfe Angriffe auf das Neuköllner Tor ein, die aber abgewehrt wurden von der Hintermarmschast. In der 28. Minute erhöhte Neukölln das Seginn i. August Bekannt gute Qualitäten- Preise noch nie so billig! 1Au8ust Sakko-Anzüge einscln6 Größen Stoffe . Jetzt 34.-. Sakko-Anzüge und Formen..... jetzt 86.— Chevloi- 18" 28°° 4500 Sakko- Aniügel™".?. CQOO früher bis 135.—... Jstzt«S— sT 6S°° Sport- Anzüge «. le-»4 km. Boss J.iit s«.- 'Sport-Anzüge und Farben .. Jetzt 54.-, Sakko-Anzüge (.sehe Machart.... 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Zehlendors enttäuschte an diesem Sonntag. Neukölln I b hatte sich in diesem Spiel gut vorbereitet, xs klappte aus ollen Posten. Grotzes Tverbe-Juhballlurnier-Entscheidungsspiel am Mttwoch, dem 31. Juli 1929, aus dem städtischen Sportplatz Kaiser-Jriedrich- Ecke Jnnstratzc, Spielbeginn um 6.30(18.30) Uhr. F.T. Gr. Berlin- Lichtenberg, Abtlg. 2, I. M., gegen Fr.F.B. Neukölln 1 28, I. M., treffen sich zum letzten Entscheidungsspiel des Turniers des Fr.F.B. Neukölln I 1928. Beide Mannschaften haben sich bis zur Endrunde durchgerungen und werden im harten Kampf um den Endsieg streiten. Es wird ein guter Sport gezeigt werden. Zu diesem Spiel bitten die Sportler uni zahlreichen Besuch. Jugend im Arbcitersegelsport. Wie uns der Segclverein Röhns- darf(Mitglied des Freien Seglerverbandes) mitteilt, nimmt er jetzt wieder vierzehn- bis fünfzehnjährige Jugendliche auf. Die Garantie für eine gute Ausbildung ist gegeben. Günstige Eintrittsbedingun- gen. mätzige Monotsbeiträge. Für Uebernachtüngsmöglichkeiten hat der Verein Sorg« getragen. Jugendliche, die Lust haben, sich dam Segelsport zu widmen, können sich beim Jugendleiter Bcnada, Rahnsdorf, An den Bänken 44, melden. Tennie-R-t»cnlönn. Am Donnerstaa. dem 1. Auaust. bcslefit Spielverb-t. Sämtliche Mitglieder treffen sich um 18-4 Uhr im llmkleidelolal Schule Dan. riger Str. 23 aur grikdensdemonstration. Der Aufmarsch erfolgt in Svort- leldung. Bei gilnstiger Witterung Schläger mitbringen.— Abt. Spandau. Montag, S. August, Monatsversammlung im Jugendheim, Spandau. Linden. User I. 20-4. Uhr. Donnerstag. 1. August. Treffen am Bahnhof West um 17 Uhr. gahrt nach dem llmileibelotal Danaiger Str. 23. Beteiligung an der ltriedensdemonstration des Kartells in vorgeschriebener Eportkleibuna, Bir beginnen mit einem Turnier unserer Abteilung im tzrauen. und Männer» «inaelspiel und beteiligen uns damit an den Turn» und Sportveranstaltungen des Bcairksamts am Sonntag, dem 11. August, dem Verfassungstagc. Obmann: Dr. S. Krieg, Spandau. Radelandftr. Z8. KTSB. Zur Anti.Kriegstundgcbung treten alle Beairke und Abteilungen geschlossen in Sportkleidung mit Beairksfahnen an. Umkleidelokal Schule Dan- Zier Str 23. Abmarsch vllnktlich lg Uhr. Wir erwarten restlose Beteiligung. Beairk Nordost. Mittwoch, 31. Juli, 20-4 Uhr, Mitgliederversammlung bei Dogel, Iablonskistr. S.— Ruderbea-rk. Der Ucbunqsbetrieb fällt am Donners. tag wegen der Anti-Kricgskundgcbung aus. Sämtliche Genossen treffen sich im Sportdreß um 18-4 Uhr in der Danaigcr Str. 23 sllmkleidcrauml. Sr» scheinen ist Pflicht. Der llebungsbetrieb findet lsreitaq statt. Freie Kanu-Union„Groß. Berlin", Abteilung Tegel. Die auf Donnerstag, den 1. August, angcsltite Sitiunq findet infolge Beteiligung an der Anti» Krieggdemonstration erst am Donnerstag, dem 8. August, bei Erunwald. N. KZ. Kameruner Str. Ig, statt. Freier Körperkultnrkrei, Kreutberg. Anläßlich der Anti-Kriegskundaebungen ruht der Spielbetricb auf der Spielwiese in Treptow am Donnerstag, dem 1 August. Die Anschrift des FK. Krcuabcrg ist bis auf weiteres F. Wagner, SO.. Reichenberger Str. HZ. Freie Faltbootfahrer Berlin. Die ftufammenlitnft im der Schule fällt au». dafür treffen wir uns am 1. August um 18-11 Uhr in der Schule Danaiger Straß« 23 fin Sportkleidung, Paddel und Wimpel mitbringen). Fahrt am Sonnabend, 3. August, nach Klein-Köris-Königswusterhausen. Abfahrt 1ZL8 Uhr vom Görlißer Bahnhof. Führer: Grllnberq. Kartell Weißensee-Kahenfchönhausen. Nächste Kartellversammluna Mittwoch, KI. Juli, bei Müller. Lindenallee 1. Außer den Delegierten haben auch die Bereinstcchniker au erscheinen, da sehr wichtige Tagesordnung. Anfang pünkt- lich 20-,4 Uhr. (Schlutz des redaktionellen Teils.) Der S-ifouausvcrkauf der Firma<5. Joseph, Berlin. Schöneberg. Sauvt- stroße 1. Ecke Grunewaldstraße, bietet in diesem Jahr außerordentlich« Bor- teile. Während dieser Jeit gelangen große Posten Straßen». Sport» und Ge. fkllschaftsanaüge, sowie Stoff-, Gummi» und Lodenmäntel nach neuester Machart verarbeitet amn Verkauf. Um diese Läger au räumen, hat die Firma die Preise ohne Bücksscht auf den früheren Wert bedeutend herabgescßt und ist dadurch die Möglichkeit gegeben, nur Qualitätswaren au noch nie so billigen Preisen au erstehen._ Vcrantwortl.'ür die Redaktion: Wolsqang Schwara. Berlin: Anzeigen: Th.«locke. Berlin Verlag: Vorwärts Verlag®. m b S.. Berlin. Druck: Vorwärt, Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer 6- Co.. Berlin SW K8. Lindenkraße Z Sierzu l Beilage. z> Ende gegen 11 Die Fledermaus Musik v.Joh. Strauß Regie: Max Reinhardt, Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Die Komödie J 1 Bismck. 2414/7516 S'A, Ende geg. 10'fcU. Zum letzten Male Reporter Donnerstag, 1. Aug. Zum 1. Male. Freudiges Ereignis Lustspiel von Floyd Dell u. Th. Mitchell Banowskj- Bohnen Komödienhaus ! 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