Morgenausgabe Tir. 355 A 129 46.Iahrgang «»chenlllch 88 5(, monatlich 8,90 TO. fm oorau» jaljBat. Postbezug gültige Entwurf de« Arbeiislosenversicheningsgesetze» im Reichsraj »on vornherein«in« gewisse Grundlage findet, so daß die R�jch,. ratsverhandlungen.beschleunigt werden können. Der SefundheU»,»stand de» Reichskanzler» Müller wo» hin Fortschritte. Ein« Teilnahme de» Reichskanzlers an d« Konferenz kommt jedoch unter keinen Umständen in Fra 10. Kreis Wethens«. Treffpunkt: 1854 Uhr Beriwer Alle« Ecke Lehderstraße. Durch die Greifswalder Strah«, Elbinger Strahe, Werneuchener Straße, Friedrichshain. 19. Kreis Pankow. Treffpunkt: 1854 Uhr var dem Sportrestaurant Eantianstrah«, Sportplatz„Einsam« Pappel", durch di« Schön» hauser Allee, Danzigcr Straße, Elbinger Straße, Werneuchener Straße, Frisdrichshain. 20. krei» Reinickendorf. Treffpunkt: Brunnenplatz. Abmarsch 18 Uhr durch die Thurneyßerftraße, Buttmannstraße, Bad- straß«, Brunnenstroße, Ramlerstraß«, Putbusser Straße, Demminer Strotze, Wolliner Straße, Bernauer Straße, Eberswalder Straß«, Danziger Straße, Elbinger Straße, Sportplatz Friedrichshain. Trefftnmkt 6er sozialistischen Arbeiterfugenö: 19 Uhr Dai�iger Straße, An der Schönhauser Allee, Mittel- promenade. ?reffpimkt öer-Sportler: 19 Uhr Danziger Straße, An der Schönhauser Allee, Mittel- promenade. Umkleideraum: Schule Danziger Str. 23. Rückmarsch der Sporllcr: Mit Musik durch die Elbinger Straße, Danziger Straß«, zur Danziger Straße 23(Schule). Arbeiter- ÄSnger! Die Sänger, die an der Ansitriegskundgebung teilnehmen. treffen sich am Donnerstag, dem 1. August. 1954 Ahr, auf dem Sportplatz Friedrichshain(j erraffe vor der Erfrischungshalle). Eingang: vom haupleingang des Sporkplatzes, gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte. Es wird gesungen:„Ich warte dein" und „Arbriter-Valerlandslied". Zahlreiche Beteiligung wird erwarlet. pcogrammfolge: I Großer Slaserchor Seck Reichsbanners(500 Personen) Massengesang SeS Ärbelter-Äängerbunöes Ansprach« Massmgesang SeS Arbeltee-ÄängerbmiöeS Großer Vlaserchor öes Reichsbanners Rußland rüfiet! Einberufung von Reservisten der Roten Armee. Moskau. 31. Sun.' Wie die Telegraphenagentnr der Towjetutrixm aus Chabarowsk meldet, wurde die Einberufung aller im langfristige» Urlaub befindlichen, in den Gebiete« des Ferne» Ostens wohnenden Offiziere der Roten Armee zu Militärnbungen angeordnet. Auch alle Wehrpflichtigen der Dienst Masse 1902 bis 1903, die in den Kreisen Wladiwostok, Ehabarowsk, Amur, Stretenst und Tschita wohne«, sind zu Reserveiibnngen einberufen worden. China meldet Verhandlungen. Llnterhändler wegen der Mandschurei angeblich unterwegs. Loadoo.3l. Zuli.(Eigenbericht.) Aus Schanghai wird gemeldet, daß die Rankinger Regierung sich in einer Rote au Sowjetrußload bereiterklört Hai. die Vorschläge der Sowjelregierung zwecks friedlicher Beilegung des chinesisch-russi- scheu Skreilsalls anzunehmen. Die chinesischen Unterhändler befinden sich bereit» auf dem Wege von Sarwill nach Manschuli. wo die Zusammenkunft mit den Ver- lrekern der russischen Regierung stattfinden soll. Es scheint, daß die Chinesen bereit sind, den Ltatus quo aus der chioesischen Eisenbahn wiederherzustellen. Chinesische Meldungen sprechen allerdings davon, daß die Chinesen eulschlassen seien,„kompensalionen" von Rußland zu fordern. Jedoch ist bei der llozoverlässigkeit der aus China kommenden Meldungen heule noch nicht zu übersehen, inwie- weil diese Rachrichlea der wahrheil entsprechen. Oer Kulakenkrieg in Gowjetrußland. Moskao, 31. Juli. Aus einer Reihe von Pressemeldungen ist zu ersehen, daß der Kleinkrieg, den di« sowjetfeindlichen Bauernkreise(Kulaken) gegen den Sowjetstaat und sein« Vorkämpfer führen, mit ungc- schwächter Erbitterung weitergeht Briands Regierungserklärung. Die„Verteidigung der Rechte Krankreichs."— Friedensvertrag regelt Räumung. Paris» 31. Juli.(Eigenbericht.) Am Mittwoch nachmittag sprach die Kammer nach Entgegennahme einer Negierungserklä- ruug dem Kabinett Briand mit 324 gegen 136 Stimmen das Vertraue» aus. Die Rabikal» soziale Partei hatte mit 42 gegen 34 Stimmen beschlossen. sich bei der Abstimmung über die Vertrauensfrage der Stimme zu enthalten. Herriot hatte für Stimmenthal. tnng gekämpft; Daladier trat dafür ein, der Regierung das Vertrauen zu verweigern. Die kurze und nichtssagende Regiexungserklä- rung. die Briand vor der Kammer verlas, war die zweit« große Enttäuschung, die der Propagandist der Vereinigten Staaten von Europa seinen Anhängern im Laufe von drei Tagen bereitet hat. Sie lautet:„Wir sind sicher, Ihrem einmütigen Empfinden Ausdruck zu geben, wenn wir vor allem anderen dem Manne, dem die Krankheit an der Grenze seiner physischen Kräfte in der Durchführung eines in besonders schwerer Stunde übernommenen nationalen Werkes Einhalt geboten hat, unsere ehrfurchtsvolle Sympathie und unsere innigsten Wünsch« für baldige glückliche Heilung aussprechen. Für die Männer, die sich Ihnen vorstellen, ist es eine Ehre gewesen, an dem begonnenen Werke beteiligt zu sein. Um es zu vollende«, find sie beisammen geblieben. Sie verlangen van Ihnen das Mittel dazu. Durch die Finanz- sanierung im Aeußeren, durch das Budgctglcichgewicht, durch ine Stabilisierung und durch die Regelung der auswärtigen Schulden haben die beiden vorhergehenden Kabinette die Konferenz mög- lich gemacht, die sich in einigen Tagen versammeln wird und deren Ergebnisse vor der Oeffenilichkeit� des Landes die Vollendung des Werks besiegeln sollen, das für die Sicherhell Frankreichs in Europa, sowie für die ver- leidigung seiner höchsten materiellen uud moralischen Znlereffe» In der Oeffenkttchkett durchgeführt worden ist. Es scheint uns, daß gegenüber dieser Ansicht eine Einigung unier uns möglich sein sollte. Die Hoffnung ist erlaubt, daß auch diejenigen, die nrit der Freiheit des Entschlusses zu unserem großen Bedauern nicht geglaubt haben, unserem Anerbieten auf Beteiligunz an der Regierung entsprechen zu können, wenigstens durch ihre Abstimmung unsere internationalen Aufgaben erleichtern kann- ten. Die Stund« ist jedenfalls ernst genug, um das Opfer jeder anderen Erwägung für die Bedürfnisse unserer auswärtigen Politik zu rechtfertigen. Drei Monak« Burgfriede« unter de« gegenwärtigen Umständen zu oerlangeu, erscheint uns keine unmögliche Forderung. Die Haager Konferenz wird ein wesentliches Glied in der Keil« der Organisierung des Friedens sein. Die Verteidigung der Rechte und der Interessen Frankreichs auf dieser großen internationalen Aussprache bildet unsere Daseinsberechtigung. Sie ist unser Pro- gramm, wir könnten im gegenwärtigen Augenblick sagen, unser einziges Programm. Ilm es zu erfüllen, um im Namen des Landes mit der notwendigen Autorität zu sprechen, brauchen wir Il)r Bertrauen. Ihr ganzes, durch Ihre Abstimmung klar zum Aus- druck gebrachtes Vertrauen. Wir stehen den schwersten Rcr- antwortlichkeiten gegenüber, die seit dem Ende de? Krieges aus einer Regierung gelastet haben. Mit Ihrer Hilfe sind wir bereit, sie zu übernehmen. Wir verlassen uns darauf, daß Sie. allein von den Interessen Frankreichs geleitet, sich auch Ihrer Derantwortung bewußt sind." Liese Erklärung enthält kein Wort von europäischer D c- f r i e d u n g, von Abrüstung und endgültiger Liquidierung d»s Krieges.'Als eine Reaktion auf die befremdlich« ober nicht über- schcndc Schwenkung Briands ist übrigens auch die in politischen reisen sehr viel beachietc Tatsache zu werten, daß der Minister» Präsident, als er die Kammer betrat. von den Bänken der Rechten mit starkem Applaus, von denen der Linken aber mit eisigem Schwelgen begrüßt wurde. Als erster' Interpellant ergriff noch der Regierungserklärung der sozialistische Abgeordnete F r os s a rd das Wort. Er führte aus, daß dieses Ministerium Poincarc, auch wenn es mit Briand statt Poincarö an der Spitz« erschein«, sich keine Hoffnungen machen solle. daß die Opposition jetzt glücklich zur Regierungspartei werde. Das die Haager Konferenz betteffe, so sei die einzige Lösimg. die noch den Doktrinen des Friedens und der Demokratie sich für die end- gültige Liquidierung des Krieges biete, die Aufhebung der mil» törifchen Besetzung. Dann sprachen noch ein Konunumst,«n Redner des Zenirmns, der Radikalen und der Radikassazialen Part«. Im Verlauf der Aussprache in der Kammer«griff Briand nochmals das Wort, um sich vor allem mit der von den Rednern der Linken an der Zusammensetzung des Kabinett« geübten Kritik aus» einand erzusetzen. Briand erklärte, daß er im Hinblick auf die Rühe der Haager Konferenz gezwungen gewesen sei, sein Kabinett so schnell wie möglich zustandezubringe« und er es im gegenwärtigen Augenblick für doppelt gefährlich g« halten habe, mit neuen Männern zu experimentieren. Sein leitender Gedanke bei der Regierungsbildung sei gewesen, eine Ent- s p a n n u n g herbeizuführen und die vorhandenen Gegensätze zu überbrücken. Er bedauere, daß die Radikalsozialen ihre Mitarbeit verweigert hätten. Nach ihrer Ablehnung sei ihm, da er die Krise nicht verlängern wollt«, kein« andere Wahl geblieben al» das Kabinett, das ein Ilebergangsminisierium fei, und das nur eine gang bestimmt« Ausgabe zu erfüllen habe, in seiner setzigen Form zu konstituieren. Im Interesse der Lösung der aus der Tagesordnung der Kon- ferenz stehenden internationalen Fragen müsse auch die Kammer all« inuerpolittschcn Gesichtspunkte zurückstellen. Mit welchem Ziel er selbst dorthin gehe, sei dem Parlament bekannt. Auf Grund des Protokolls vom September vorigen Jahres fei eine Regelung angebahnt, die Frankreich endlich der unangenehmen Rolle des unerbttt- llchen Gläubigers enthebe. Solange diese Situation bestanden habe, sei ein« wirklich« An- Näherung zwischen Frankreich und Deutschland unmöglich gewesen. Es fei höckstc Zeit, daß dieser Zustand liquidiert werde, daß zwischen Gläubiger und Schuldner eine Zwischeninstanz eingeschoben werde. Aus diese Weise werde Frankreich die Sicherheit gegeben. sein Guthaben zu erhallen und das allein werde die für ganz Europa uolwendige Enstpannung herbeiführen. Für di«„Bereinigten Staaten von Europa" sei heut« di« Zeit wohl noch nicht reif. Wohl ober sei es an der Zeit, mit den Verstimmungen und Reibungen aufzuräumen, die bisher di« Her- stellung einer wirklichen Friedensatinosphäre verhindert hätten. Diesem Werk« gelten seit 4 Jahren alle seine Bestrebungen. hinsichllich der Rhrinlandräumung seien die Artikel des Friedensverlrogev von unbedingter Eindeutigkeit Er sei bereit. in dieser Frage seineu guten Willen zu beweise«. vorausgesetzt, daß er auch aus der Gegenseite vorhanden sei. Er habe die feste Ucbcrzeugung, daß die verantwortlichen Staat»« ■männer in Deutschland von den gleich?» Dispositionen beseell seien. Aus keinen Fall aber könne sich Frankreich auf bedingt« Der» pslichtungen einlassen. Es sei möglich, daß von der Gegenseite über« trieben« Forderungen gestellt würden, aber man werde schließlich doch zu einer Einigung kommen müssen. Wenn alle Regierungen mit gutem Willen und in voller Loyalität zur Konferenz kommen. dann werde diese sicherlich ein glückliches Resultat haben.(Starker Beifall rechts, in der Mitte und auf einigen Bänken der Linken.) Stresemann wieder im Amt. Reichsauhenminister Dr. Stresemann ist Mittwoch abend au» seinem Urlaub nach Berlin zurückgekehrt und hat die Amtsgeschästs wieder übernommen. | Karl Henckell) Zum Aniikriegsiag. Zeichnung von ftari Aoltz. Oer Versucher. Reichslügenverband. Sie melden sich wieder! - Iii« wirb geschrieben: Di« Veröffentlichung einiger Namen van Unterzeichnern de» Hugenbergschen Volksbegehrens im.Llbond'. Nr. 346 vom 26. Juli 1929. unter denen sich auch der Reichsverbandsgeneral v. Liebert. der Empfänger des berüchtigten Bülowschen Eilossterb riefe» von 1996, befindet, lenlt die Aufmerksamkeit auf die Tatfache, daß sich in letzter Zeit zahlreich« ehemalig« Führer des.Lteichsvertxurdes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie" wieder sehr lebhast in den Vordergrund drängen. Der Reichslügenverband ist bekanntlich in der ersten Zeit der -Reoolutionswirren Auffällig still und unter bisher noch nicht ge. klärten Umständen zu Krabe getragen worden. Sein Generalsekretär Dr. Dovenschen war schon vorher abgetreten! und die übrige» Häuptling« verschwanden kurz nach dem seltsamen Begräbnis, ohne daß selbst Lj« intimsten Gefrnnungsgenofsen zunäht zu sagen wußten, wohin die Reise gegangen war. Der letzte Hauptgeschäft»' führe? Dr. R u h n a u. ehemals Rittmeister der Tatenkopfhusaren. hing die Politik für immer an den Ragel, während Dr. Ludwig abseits vom Weltgetrieb« sich dem.politischen Sohlbau" durch nationalistische Bauernaustlärung widmet und Liebert ein höchst bescheidenes Dasein in München fristet, und zwar durch Flugblatt- fabrikation und Verbreitung nach den ollen Reichsverbands. Methoden. Diese und die übrigen letzten Getreuen, unter ihnen auch Graf Carl zu Dohna- Potsdam, wußten genau, warum sie sich freiwillig in die politische Verbannung begaben: zwischen einst und jetzt liegt nicht nur die Revolution, sondern vor ollem das seltsame„Reichsverbandssahr 1918/1919"! Offenbar nimmt man an, daß über die Vorgänge des letzten Reichsverbandssahrcs Gras gewachsen und es kein großes Wagms mehr ist, wieder aktiv am politischen Leben teilzunehmen. In der Rahe Hilgenbergs sind bereits mehrere ehemalige Reichs. Verbands sichrer aufgetaucht, vicht nur General von Liebert durch Unterzeichnung des Aufrufs zum Hugenbergfchm Adelsbegehren. Auch Sirdorf gehörte ja einst zu den HoirptgeldgAern derer um Liebert. Doch noch bemerkenswerter dürste sein, daß von den so- genannten.12 Männern" des Hugenbsrg-Konzerns, also der„Mrb schaftlichen Vereinigung", die Mehrzahl auch dem ehemaligen Reich»- verband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie als maßgebend« Geldgeber angehörten. Unter diesen 12 Hugenberg-Männer» be- findet sich der deutschnationale Senator a.D. S« t t«- Danzig. zugleich Raksseisengew alliger, unter dessen finanzieller Obhut in Danzig die früheren Reichsverbändler, an der Spitze der dsutschnational« Senator a. D. Senftleben. feines Zeichen» Generaldirektor der Voltisch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft. ein« äußerst rührige Tätigkell entfalten. Di« allen Reichsverbandsmethoden loben also durchaus noch, nur haben ihr« Träger die Arbeit anders eingeteilt und als Arbeits. gebiete die verschiedenen Hugevbergschen Unternehmungen gewählt. Auch Dr. Sovens che if versucht erneut, an die Oberfläch« zu kommen. Roch einigen, aber wenig einträglichen rhetorischen Gast. rollen bei den Deutschnotionalen versuchte er es, mit der Monarchie stifchen Adelszeitung finanziell wieder auf die Bein« zu kommen. Doch da dieser Versuch ebenso ergebnislos verlief wie die An- biederung an den.Ostbund" mit Hilf« feines alte» Gönners v. T i l l y, fo ist er nun endlich zu seiner alten Lieb«, den Hatatisten, zurückgekehrt, denen er seinerzeit als Geschäftsführer in Ostpreußen diente. Dr. Bovenschen hat neuerdings die Schriftleiwnq der hakatistischen„Ost mark" übernommen und nach.bewährter" Reichsverbandsmechode in der Juli-August-Ausgabe 1929 den Ber- such gemacht, sich bei seinen alten Gönnern von neuem in empfehlende Erinnerung zu bringen,, indem er einen ebenso klobigen wie geistlosen„Offenen Brief" an den preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun veröffenLicht, um die preußisch« Polenpolltik und damit die Sozialdemokratie anzugreifen. Es verlohnt sich nicht, auf dieses Geschreibsel näher einzugehen, doch ist es im Zusammenhang« mit den vorstehenden Feststellungen ein beachtenswertes Anzeichen für die Taffache, daß die ehemaligen Reichsverbändler«m»er- schiedenen Stellen aus sich wieder zu regen beginnen. 3n Lindau Im Bodens«, wo« Heilung von eivew schweren Leiden gesucht halte. Ist am Dienstag Sarl henckell im 66. Lebensjahre gestorben. Di« Leiche wird am Freitag in Konstanz eingeäschert werden. Der Dichter Karl Henckell tot! Wieviele kennen, außer der sozialistischen Jugend und den Alten, noch seinen Namen? Und doch war er ein lebendiges Stück Zeitgeschichte, war er ein geistiger Kämpfer in den Rechen des Proletariats, als es am stärksten vom Sozialistengesetz bedrängt wurde. Er gehörte zu den kämpferischen Dichtern, denen Unrecht feurig in der Seele brannte, die soziales Der- antwortlichkeitsgefühl in sich trugen. Die Welt"der Makartsträuße und Butzenfcheibenlyrit überließ er den bürgerlichen Dichtern, die aus ihrem Goldfisch- glas nicht herauskamen. Karl Henckell. Arno Holz. Richard D e h m e l. Leopold I a c o b y, M a ck a y, sie alle stellten sich in die Kampfrechen des Proletariats oder gingen ihnen reoeille- schlagend voran. Die Zeit der S0er Jahre brachte die Geburt der modernen sozialen Dichtung. Der Arbeiter, die Miets- lasernen, die Fabriken, wurden tn den Bannkreis der Dich- mng gezogen. Der 24jährige Henckell wurde zum Fahnenträger der jungen rebellischen Dichtung, die an die Tradition der 48er Jahre anknüpfte und zugleich den heroischen Kampf der deutschen Arbeiterklasse dichterisch zu fassen suchte. Er be» kannte sich als einer der ersten offen zur Sozialdemokratie und das bedeutete damals Verfemung. Seine Liedersammlung „Amselrufe" wurde verboten und natürlich um so fleißiger gelesen. Es steht ein Blatt beschrieben Im Buch der deuffchen Schmach, Das muß der Teusril lieben Vis an den jüngsten Tag. So schreibt er im Anfangsvers 1888 über das Sozialisten- gesetz. Wie höhnt er über die Lockspitzel in seinem Lock- spitzellied: Dreitausend Mark, heidi, pro Jahr, Von seiner Exzellenz— Wie schirmt der Himmel wunderbar Lockspitzels Exfftenzl Kein Gentlemen. kein Gentteme», Als war das ein Malheur. So bin ich denn und bleib ich denn Agent provocateur, Doch Henckell war nicht nur aggressiver Dichter. sondern der Dichter starken, gefühlsmäßigen Emlebens. Da- von zeugt seine starke Liebes- und Naturlyrik, noch mehr ober feine sozialen Gedichte. Sein Steinklopferlied, sein Weltmai und viel« andere Gedichte werden tebendig bleiben wie die sozialen Gedichte Richard Dehmels. Es ist bezeichnend für Henckell, daß er als einer der ersten die Welt der Technik dichterisch in der„Dampfwalze" und im „Viadukt" gestaltete. .Henckell hat manch« Gedichtworte geschrieben, aber er war auch einer der ersien, die«ine Anthologie freiheitlicher Lyrik„B u ch d« r F r e i h e i t" im Vorwärts-Verlag heraus- gab. die mehr als eine wüste Zensurlücke aufwies. Franz D i« d e r i ch, der vor ihm gestorbene Dichter und Schöpfer der Anthologie„Don unten auf" dankt es ihm in diesem seinem Sammelwerk freiheitlicher und sozialer Dichtung. Der Freihestsdicher Henckell war ein Hannoveraner,«r wurde 1864 geboren. Bis in die letzten Jahre hinein nahm er noch dichterisch regen Anteil am Zeitgeschehen. Eine letzte Freude war ihm die Herausgabe einer kleinen Sammlung seiner Gedichte im Arbeiterjugend-Verlag. denn hier wußte er, daß er wieder zur kämpfenden Jugend sprechen konnte, der sein Herz gehörte. Karl Henckell ist gestorben, aber die Arbeiterchast wird sein SBcjfm ihrem Herzen tragen, denn er war einer ihrer stvaesten un.d besten Dichter. Er durfte das Werden einer neuen Zeit! noch miterleben, von der er schon vor vier Jahr- zehnten sa�ng: f Es hat«in Hammer ausgeschlagen Im menschlichen Maschinensaal. der Amboß klang, und fortgetragen wird sein Getön von Tal zu Tal. Di« Berge zittern seinem Dröhnen, die Meere wälzen seine» Ruf: E» bebt ans Ohr der Erde Söhnen Und lebt im Schönen, das er schuf! Bruno ZcKovlaafc Gorgen der Landwirischast. Wer flaggt und wer flaggt nicht? Die deutsche Landwirtschast hat so Ihre Sorgen. Jetzt, vor der Crnt«. muß die Chrlstsichnationale Bauern, und Landvolkparte?. die sich so gern als dl« Vertreterin der Landwirffchost bezeichnet. die Frage erörtern, wer am 11. August flaggt und wer nicht flaggt. Der Dressedienst der genannten Partei bringt dazu eine schr au,- sührliche Darstellung, in der es u. a. heißt: „Di« Flaggenverordrrung hat solche Räume, die regelmäßig d�m Privatgebrauch dienen, in denen ober gleichzeitig Dienst- geschäst« verrichtet werden, von dem Flaggenzwang sreigesteut Da» wurde bei den Verhandlungen im Staatsrat noch ausdrücklich von den Vertretern der Arbeitsgemeinschaft festgestellt." So, nun wissen wir es! Daß nur nicht ein Fähnchen mehr geflaggt vürd. Die Republik, die sonst nicht laut genug angerufen werden kann, wenn sie der Landwirtschaft helfen soll, könnte zuviel geehrt werden. Die Vertreter der Landwirtschaft scheinen »icht zu merken, wie lächerlich sie sich machen. »Graf Zeppelin" gestartet. Unterwegs nach Amerika. Fviedrichöhafe». 1. Zl«K»st. ..Graf Zeppelin" ist heut- nacht ,u seiner Amerika. fahrt pon Friedrichshafen aufgestiegen. vee prässdevk de» Bayerischen CaxMaae*. Dr.»o-mgbauer. ist W> Rympheaburger Krankenhaus setnav schwere» Leid«? erlegen. Labour-Wahlfleg. Sir William Iawitt als Arbeiterkandidat wiedergewählt. London. 31. Juli.(Eigenbericht.) Die Nochwohl in P r e st o n. wo sich der als Liberaler gewählte. später zur Arbeiterpartei übergetretene Sir William Iowitt al» offizieller Kandidat der Arbeiterpartei zur Wiederwahl gestellt hatte, endet« mit einem vollen Sieg der Arbeiterpartei. Da» Dahlresultat fft um so bemerkenswerter, als Sir William Iowitt. der gegenwärtig den Posten«ine« General st aats- a n w a l t s in der Arbeiterregierung bekleidet, wegen seines lieber- tritt« zur Arbeiterpartei Gegenstand widerlichster persönlicher An- griffe von feiten der Konservativen gewordeu war. Trotz dieser Angriffe vermochte Iowitt seine, als Liberoler erzielt« Mehrheit von 2161 bei den letzten Wahlen auf 6449 zu erhöhen. Die Anzahl der abgegebenen Stimmen betrug: Zowitt f Sozialist)..,», 35 803 howitt(ftoitfetwrfio) i t• i t 2S iOt. Der unabhängige Kandidat Holden, der bei den letzten Dahlen immerhin über 2999 Stimmen erzieh hatte, erhielt diesmal ledig- lich 449 Stimmen und verliert damit seinen Wahleinsotz. Es stehen noch zwei weitere als Stimmungsmesser wichtig« Nachwahlen in den nächste» Tagen bevor. Waldenburg. Wer trägt die(Schuld?- Anfrage der Sozialdemokratischen Landtagsfraktion. Die Sozialdemokratisch« Fraktion Hot im Preußi, schen Landtag anläßlich der Waldenburger Katastrophe folgend«»GroßeAnfrag«"»ing«bracht: „Die grauenerregend« Schlogwetterkatastraphi auf der Friedens- hoffnungsgrube i» Riederhennsdorf ba SBottevterg m Schlesien vom 29. Juli, die annähernd 39 Todesopfer und 7 Schwerverletzt« erforderte, zwingt zur behördlichen Klarstellung einer Reihe von Fragen über die Ursach« der Katastrophe und über die Schuchfrage. Es ist auffallend, daß«in offensichtlich großer Schlagwetter- Herd ohne die notwendig« Beobachtung blieb und daß nicht rechtzeitig Mahnahmen in der Bewetterung getroffen wurden, um evtl. unter Zurückziehung des in der Streck« arbeitenden Teiles der Belegschoft die anstehenden Schlagwetter abzuleiten: Wenn aber an dem Unglücksort Schlagwetter plötzlich in so großen Mengen auf- traten,»nffteht die zu klärende Frag«, ab dieses öfter geschehe» ist und ob als natürliche Folge verstärkte Abwehrmaßnahmen angeorb- net und durchgeführt worden sind? Der Amtliche Pressedienst meldet, daß«in weitere» Oinsich- greisen der Explosion durch das Gesteinstauboersohren verhindert wurde. Es muß sich also, da die Explosion im Kohlenstaub kein« Nahrung fand, um eine Schlagwetterexplosion größ» ten Ausmatzes gehandelt haben, gegen die rechtzeitige und umfassend« Lorbeugungsmaßnohme» rnäg* lich und erforderlich gewesen wären, wenn Umfang oder Periodizität des Schlagwetterherde» bekannt und unter besonder» Beobachtung gestellt worden wäre. Räch Angabe des.Berliner Tageblatts" in Rr. 356 soll«steer der Verletzten dem Kriminallommissar gegenüber ausgesagt hob«. .man hätte etwa 2 Stunden vur dein Eintritt der Katastrophe in dem betreffenden Grubenabschnitt Sprengschüsse abgegeben." Die Richtigkeit dieser Angaben vorausgesetzt, frage» wir die Staotsregierung. ob es sich um Gesteinstaubsprengungen bei Lust schließungsarbeiten oder etwa um Schüsse in der Kohl« gehandelt hat. was geradezu frivol und strafbar wäre. Liegen über dies« An. gaben positive Untersuchungsergebniss« vor und welcher Art? Vir fragen die Staatsregierung ferner: Hot sich die Unfalluntersuchung eingehend�mit diesen primären Ursachen der Katastroph« beschäftigt und nicht etwa auf die sekundären Ursachen(Durchbrennen der Benzinlawpe, Funkenschlagen usw.) beschrankt? Wa» war dys objektive Ergebnis eingehender Untersuchung? Welche Folgerungen werden durch die Bergbehörden aus dem Unterfuchungsergebnis ge- zogen?" Maschinisten und Heizer im 2. Halbjahr. Schwierige Lohnkämpfe. In der Generalversammlung des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer im Gewerkschaftshaus gab den Kassen- bericht Kollege R u ck st u h l. Auch im 2. Quartal sind rund NX) Aufnahmen, ohne Uebertritte, gemacht worden. Markenumsatz und Kassenvechältnisse haben sich gut entwickelt. Auf Grund eines Beschlusses des Berbondsbeirates müssen von jetzt ab IM Proz. der Grundbeiträge an den Verbandsvorstand abgeliefert werden, so daß der Bezirk gezwungen ist, eine Erhöhung des Lokal- Zuschlages um 10 Pf. vorzunehmen. Ein dahingehender Antrag des Bezirksvorstandes an die Delegierten wurde von der Ver- fammlung gegen 6 Stimmen angenommen. Den Geschäftsbericht gab R e i n e f e l d. Er schilderte die Lohn- Verhandlungen im ersten Halbjahr 1929, die sich äußerst schwierig gestalteten, da die Unternehmer in ihrer übergroßen Mehrzahl jede freiwillige Lohnerhöhung ablehnten, so daß in den meisten Fällen die Schlichtungsinstanzen angerufen werden mußten. Aeußerst schwierig gestalteten sich die Lohnbewegungen mit dem Arbeitgeberverband der Elektrizität?-, Gas- und Wasserwerke der Provinz Brandenburg. Die Organisationen, Zentrolverband der Maschinisten und Heizer und Deutscher Metallarbeiterverband. waren in einer Konferenz von den Funktionären beauftragt worden, einen einheitlichen Bezirkstarif für Berlin-Branden-' bürg abzuschließen. Ein voller Erfolg tonnte nicht erzielt weiden, da die Lohnunterschiede in den einzelnen Betriebsdirektionen und de» einzelnen Betrieben der dem Arbeitgeberverband angeschlossenen Werke stark verschieden sind. In der Berliner Metallindustrie ist yd verzeichnen, daß nach der Fällung des letzten Schiedsspruchs einzelne Werke die Maschinisten und Heizer willkürlich zurückgruppiert haben. Für die Maschinisten und Heizer in den Reichs- und Staats- betrieben ist es endlich zu einer Lohnerhöhung gekommen, die bn Durchschnitt 6 Pf. pro Stund« für Berlin bringt. Im allge-' meinen sind alle Lohnbewegungen in den von der Organisation I abgeschlossenen Tarifen s�Z) beendet. Einzelne Mantelvertrage sind bereits wieder zum 30. September gekündigt Weiter wurde darauf hingewiesen, daß mit dem 1. Juli 1929 die Maschinisten und Heizer aus der Krisenfürsorge wieder heraus« genommen wurden. Dagegen ist vom Verbandsvorstand bei den maßgebenden Stellen Einspruch eingelegt worden. Die Heizerschule hielt in der Berichtszeit einen Kursus ab, an dem 35 Kollegen teilnahmen, die die Prüfung bestanden und ihr Prüfungszeugnis erhielten. In der Diskusston führten die Redner hauptsächlich darüber Klage, daß die Berufskollegen wieder aus der Krisenfürsorge heraus- genommen wurden. Ein Antrag, der den Verbandsvorstand be- auftragt, alles zu versuchen, daß diese Maßnahme rückgängig ge- inacht wird, fand einstimmige Annahme. August Brey 65 Lahre. Am 1. August vollendet Genosse August Brey, der Vor- itzend« der Fabrikarbeiter Deutschlands, fein 65. Lebensjahr. Seit der Gründung der Organifaiton in den Julitagen 1890, also seit nahezu 40 Jahren, steht er an ihrer Spitze. Unter seiner Führung vollzog sich der Auffchwung von jenem kleinen Häuflein, das sich auf dem„Kongreß aller nichtgewerblichen Arbeiter Deutschlands" zusammenfand, zu der zweitgrößten deutschen Gewerkschafts- organifation, deren Mitgliederzahl bald die halbe Million über- schreiten wird. August Brey gehört noch zu der alten Führer. g e n e r a t i o n, die den Kampf um den Aufstieg des Proletariats bereits unter dem Sozialistengesetz begann. In Gelnhausen a. M. geboren, erlernte er das Schuhmacherhandwerk in Frankfurt o. M., kam dann auf der Wanderschaft nach Hannover. Hier trat er schon 1885 in die Reihen der sozialistischen Arbeiterbewegung ein und stand auch bald in der vordersten Front. Bereits im Jahr« 1889, als 27jähriger, war er sozialdemokratischer Reichstagskandid.it für den 15. hannoverschen Wahlkreis Lüchow-Uelzen- Dannenberg. Bei den folgenden Reichstagswahlen, von 1893 bis 1905 war er Kandidat für den Wahlkreis Hameln-Springe. 1906 wurde er bei der Nachwahl im Wahltreis Hannooer- Linden für den verstorbenen Genossen Heinrich Meister in den Reichstag gewählt. Seitdem gehört er ununterbrochen dem Reichs- tag bzw. der verfassunggebenden Nationalversammlung an. Ein langes, arbeits- und kämpferreiches Leben im Dienste des Proletariats liegt hinter ihm. Er hat dem sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg der deutschen Arbeiterklasse als Agitator, als Pionier und Organisator den Weg gebahnt. Möge es ihm, der seine 65 Jahre mit großer körperlicher und geistiger Rüstigkeit trägt, noch lange vergönnt sein, an der Stelle zu stehen, an der er sein Leben lang gewirkt hat. Generalstreik in Buenos Aires. Madrid, 31. Juli. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, hat der Generalstreik in Rosario auch auf die Haupsstadt übergegnfsen Buenos Aires bietet das Bild einer toten Stadt. Die elektrischen Trambahnen verkehren Nli au cht, auch die städtischen Arbeiter haben mit der Straßenreinigung ifgehört. Polizeipatrouillen durchziehen die Stadt. Das Mili'.är | steht alarmbereit in den Kasernen. Bisher ist es nur zu einem � blutigen Zusammenstoß gekommen, bei dem ein Polizeibeamter durch einen Schuh getötet wurde. llnveränderte Lage im englischen Texiilkonflikt. London, 31. Jull.(Eigenbericht.) Die Baumwollfabrikanten haben in den letzten Tagen energisch versucht, auch diejenigen Firmen zu einer Beteiligung an der Aussperrung zu veranlassen, die bisher zu den alten Lohnsätzen weiterarbeiten ließen. Vereinzelt hatten die Unternehmer Erst% Im wesentlichen kann die Lage jedoch als unver- ändert bezeichnet werden. Die gewerkschaflliche Disziplin wird in allen Distrikten voll aufrechterhalten. (Gewerkschaftliches fiehe auch 3. Beilage.) Berantwortlich«lir Politik: Dr. ffnrt Gey»! Wirtschaft: 0. lUi»g«lhölerz Dcwerklchaftsbrwcgung: Z. Steiurr: ffeuiDeton: 5t L. Döschcr: Lolalez und Soniiiars Krit, 5tarstädt: An, einen: Tb.WWW Hemdhosen m* Stickerei end Hohlsaum fetzt Nachthemden m.siickerei. verschiedene große Anhängerschaft er- worden hat. Früher waren es eigentlich nur Rudermannschaften und herrschaftlich ausgestatteie Motor- und Segeljachten, die das Wasser bevölkerten. Die übrige Menschheit ober, die vor der Sonnen- glut am Strande und im Wasser Schutz und Erholung suchen wollte, zuckelte des Sonntags und in den Ferien mit einem Herings- t r a n s p o r t in die Nähe einer Badest elle und trabte dann, mit Proviant, � Badezeug und allen übrigen Freiluftrequisiten bepackt, schwitzend und verstaubt ans Ziel ihrer Wünsche. Wer sich'» leisten konnte, im übervollen Familicn-Großdampfer eine Wasser- fahrt zu machen, der gehörte schon zur bevorzugten� Menschentlasse. Seit mehreren Iahren aber hat sich die große Mgemeinheit mehr und mehr des Wassersportes bemächtigt. Man sah ein, wie schön und bequem der Transport von Mensch und Gepäck sich zu Wasser 7�' S)ax im Qrünen vollzieht und wie erholend der Ausflug ins Freie vom ersten Augen- bück an sich gestaltet. So ersteht man ein Boot unter der Hand unter günstigen Bedingungen, die ganz Geschickten bauen sich selbst eins, und dann geht es, so oft es die Zeit erlaubt, mit der geliebten Nuckelpinne auf froh« Fahrt. Wochenende und Ferien im Zeltlager am Ufer der heimischen Gewässer zu verbringen, gehört heute zu den begehrte» Ausflugsarten. Hinaus ins Havelmeer. Wohlausgerüstet mit allem, was man für ein mehrtägiges Lagerleben benötigt, tritt man also ietzt die Reis« an. Durch die Havelmündung, vorbei an Tladow, Gatow, Sokrow, über Seen und Kanäle, und nun schweift des Seemanns Auge noch einem möglichst idyllisch und trocken gelegenen Fleckchen Erde. Je weiter man fährt, desto spärlicher werden die Weggenossen, nur schwimmende Lastkarawanen und geduldige Angler kreuzen den Weg.— Nach mehrstündiger Fahrt ladet eine idyllisch gelegene Bucht zu froher R a st. Das Boot nimmt also scharfe Kurve land- einwärts, der Motor rattert Rücklauf, Einfahrt. Alle Mann an Land, und jetzt geht es los: Auspacken, Abkochen. Zelistöcke nnd Schleppmig rammt die SegeljoUe Heringe werden in die Erde gerammt, eins, zwei steht auch schon das Zelt hoch. Zwischendurch noch schnell«in Bad genommen, und dann auf zur ersten Freiluftmahlzeit. Hei, das schmeckt aber noch mal so gut, wie in dem engen Stadtgemäuer. Aller Anfang ist schwer. „Autsch", ist das aber ein dünnes Unterbettl Umdrehen— bitte Vorsicht, aufrichten, nichts zu machen, sonst stürzt das Haus einl Und weil man wegen der Mückenbrut alles feste verrammeln muß, so wird es im Zelt warm und wärmer, man zieht sich aus und deckt sich ab und legt ganz, ganz behutsam die Beine auf die Decke. So, jetzt wird es hoffentlich besser sein.„Verdammt, ist das Kopf- kissen aber niedrig!" Nun wird alles, was man zur Hand hat, unter den Kopf gestopft. Na, schön ist ja anders, aber es geht zur Not.„wenn bloß die vermaledeite Backofenlemperalnr nicht wäre!" Man lüftet den Zelteingang und japst nach frischer Lust. Die kommt zwar kaum hevein, denn draußen ist es ebenso warm, dafür aber eine Abordnung von Mücken. Schnell eine Stinkadvres in den Mund gesteckt und drauf los gequalmt! Nun sind gott- lob die Viecher ein wenig benommen, und die Luft ist um etliche Grade... wärmer! Mit einigem Fatalismus ergibt man sich in fein Schicksal und freut sich auf einen um so schöneren Morgen. Aber erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt! Denn siehe da, es erhob sich ein Sturm, der durch die Bäum« fuhr und an dem Zelt mächtig rüttelte, ein dumpfes Donnergrollen kam näher und näher, und trip, trip, trip, da sielen auch schon die ersten Regen tropfe u. Es tröpfelte, es nieselte und es goß! Im Zelt war es aber trocken und mollig warm, hie erst verschmähten Decken wurden ein wenig hochgezogen, und bei allem Krach-Bum schlief man endlich ein. Was war morgens? Weg war der schöne, blaue Himmel, und eine dicke, graue Wolkenschicht bedeckte das Firmament. Windig, kühl, nasses Gras, mies. Aber der Optimismus der Unent- wegten kommt nicht so schnell ins Wanken. Hinein in die Sonne! Zlusgerüstet mit neuem Mut und dito Proviant ging es jetzt weiter durch Brandenburg nach dem schönen Plauer See. Herrliche Ufer mit Kiefernwäldchen und saftigen Wiesen, dazwischen eingestreut kleine Ortschaften, eine idyllische landschaftliche Szenerie, wie geschaffen zum frohen Verweilen. Wieder fand sich«ine schöne Bucht, noch schöner als die vorige, und hier wurde endgültig und in aller Ruhe und Sonnenwärme Station gemacht. So lebte man, losgelöst von all dem Drum und Dran, das uns jahraus, jahrein, ein ganze, Leben lang, als Wermutströpflein in den Lebensbecher rinnt. Man liest keine Zeitung, und man kriegt keine Post. Mag Mussolini neue Gebote für Junggesellen und Damenmoden aus- arbeiten und Amanullah vor dem Dolkszorn nach einem anderen Stück Welt entfleuchen, mag Filmgott Menjou den flaschengrünen Rock zum Modefrack lancieren, der Tonfilm mit dem Stummen ringen, wir sind mit allem einverstanden. Und dann, o welchc Wonne: Weit weg vom Schutz der Gläubiger! Auch Tante Lieschens boshaft freundlicher Kartengrutz aus der Sommer- frische„Hier ist prächtiges Wetter, fühl« mich sehr wohl und habe bereits 5 Pfund zugenommen, hoffe dasselbe von Euch" kann uns vorläufig gestohlen bleiben. Unser Tag ist mil Nichtstun so vollends ausgefüllt, daß für all den Krimskrams, der sonst unser Dasein beschäftigt. wirklich keine Zeil bleibt. Da ist die Morgenwäsche mit anschließender Schwimmstunde, gründliches Kasseetrinken, und da die Naturbeigeisterung bei uns Großstädtern nicht vor 8 Uhr morgens beginnt, so wird es schon wieder so sacht« Zeit, sich mit dem mittäglichen Küchenzettel zu befassen. Parole: Heimfahrt. Aber nichts dauert ewig, der Urlaub ist vorüber, es heißt ein- packen und heimwärts schaukeln. Da nützt kein heim- liches Wehklagen und mit dem Schicksal grollen, weil doch die Sonne gar zu schön und das Fleckchen so idyllisch, unerbittlich geht die Zeit ihren Gang. Hier wird das Wort wieder wahr: Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von gute» Tagen! Aber jetzt fort in:t ollen S«ntim«nts und ran an die?lrbcit! Da gibt es allerhand zu packen und zu säubern, und auch das W i c s e n p'a r k e t t, dekoriert mit Eierscholen und leeren Konservenbüchsen, muß anstandshalber Jim Ufer der oberen Slarel � W»-:: von. A.M.FPeY' J8J Copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A.-O, Berlin 10. Der Schuß ist Auftakt zu neu«insetzender Tätigkeit des Gegners. Vorbei ist es mit schläfrigen Tagen— und in der Nacht gibt es«ist recht keinen ungestörten Schlaf mehr. Immer sind Krankenträger unterwegs: zu viert, um die völlig Hilflosen und die endgültig Unbeweglichen in Gewahr- sam zu bringen,— und zu zweit, um Leichtkranke oder Leicht- verwundete zurückzubugsieren. Der Neuling Funk tut seine ersten Gänge. Da stellt sich sofort heraus, wie sehr er fehl am Platz ist. Die Ahnungslosigkeit der Garnisonen daheim, der Rekruten- depots im Hinterland hinsichtlich des schweren Dienstes der Jnfanteriesanitätsleute rächt sich wieder einmal. Man nimmt fälschlich an, daß die Fingerfertigen: die Kleider- und die Haarschneider, die Schreiber und die Heilkundigen bereits eine Vorstufe zum Sanitätsdienst von Haus aus absolviert haben. Nachher im Felde zeigt sich, wie sehr man mit diesen körperlich in Friedenszeiten niemals angestrengten daneben- gegriffen hat. Denn worum geht es: um manuelle Geschick- lichkeit? Ach, keineswegs. Im Dreck des Grabens, im Schutz irgendeines Winkels ein oder mehrere Verbandpäckchen auf eine Wunde festzubinden, lernt jeder. Aber einen ausge- wachsenen Mann mitsamt Gepäck dann zu tragen, das ver- mag am besten der Holzarbeiter, der Müllerbursch, der Mehl- sacke zu schleppen gewohnt ist, der Möbelpacker. Ist der Un- sinn, Friseure für einen denkbar schweren Dienst leichthin vorzubereiten, aus den Erfahrungen des Feldes heraus nie in die Heimat gemeldet worden? Scheinbar nicht. Jeden- falls hat man sich nicht um die Mahnung gekümmert. Man hat ja so vieles besser gewußt als die, die draußen Mann gegen Mann gestanden find. Der Krankenträger— wie seltsamerweise der Sanitäts- mensch bei der Truppe heißt, obwohl er selten Kranke, öfter Tote und am häufigsten Verwundete aus der Stellung fort- schafft— er schleppt und zerrt auf der Trage(so heißt, was man gemeinhin Bahre nennt) unbrauchbar gewordenes Sol- datenmaterial von dannen: durch Lehm, zähen Kot, Wasser. lieber freies Gelände, das uneben ist, aufgerissen oder sumpfig. Es geht kilometerweit so, und immer können in den Gräben nur zwei gleichzeitig tragen nicht vier, wie es Vorschrift ist, und wie es schön sauber daheim im sauberen Kasernenhof maßvoll(je ein Trüppchen immer dreimal durch die Runde) geübt wird. Nämlich wegen der Schmalheit der Gräben tragen nur zwei Mann keuchend auf ihren Achseln an die zwei Zentner stolpernd, wankend, halb niederstürzend unter dem Gewicht, beim Jammergeschrei des unsanft be- handelten Passagiers wieder sich hochstemmend. Die beiden anderen tasten hinterher, bis man ablöst. Die Achseln der Träger werden gereizt, denn die Trag« ist unpraktisch: manchmal sind sie durchgescheuert, wund ver- eitert. Viele haben unterm Uniformrock dicke Verbände, um den Druck zu mildern, aber es hilft nicht viel. Und das(»de? Sie können den Dienst nicht durchhalten, sie wandern ab in die Kompagnien, sie legen die Genfer Binde beiseite, sie müssen zum Gewehr greifen. Am brauchbarsten sind bedächtige breite Männer vom Land oder Schwerarbeiter aus der Stadt. Die sind erst er- schöpft, wenn sie drei-, viermal in einer Nacht hinausmüssen und drei-, viermal ihre drei, vier, fünf Kilometer weit Zent- -nerlasten an den Arzt herangebracht haben. Funk hat sich zum Krankenträger ausbilden lassen, weil er heimlich geschworen hat, den Irrsinn, auf Menschen zu schießen, nicht mitmachen zu wollen. Gegen die Darlegungen, sein ganz unschuldiges Land sei von Mordgesellen meuchlings überfallen, es gälte den Verteidigungskampf oder Versklavung und Tod— gegen solch pathetisches Gerede instinktiv miß- träuisch zu einer Zeit, die ihm Beweise für oder widep sein Mißtrauen nicht heranbringen konnte, glaubt er nur in der Weise für die sämtlichen Verblendeten und Genasführten sich einsetzen zu können, daß er versucht, die Wunden und*>■ stümmelungen, die sie einander beibringen, mit heil« helfen. Ader Funk versagt, er ist unbrauchbar. Wenn er auf Transporten unter den Gewichten, d bewältigen soll, einfach zusammenknickt, von Schweißbä schon nach hundert Metern überströmt, mit galoppieren. Atem, ja— man kann sagen: buchstäblich pfeifend auf 1 letzten Loch, dann mangeln die Kameraden mit Recht:„. hältst uns auf. Mit dir ist es nix. Du erschwerst uns den Dienst. Wir kommen nicht vom Fleck. Wir brauchen die doppelte Zeit mit dir. Und du selber gehst drauf dabei." „Ich werd' es lernen. Der Körper wird es schon lernen." „Das lernt sich nicht so leicht. Du bist das Arbeiten nicht gewöhnt. Was warst du denn zu Haus— Haarkünstler, he?" „Schriftsteller." „Aha, Schriftsetzer und Federhalter," sagt einer mit- leidig scherzend.„Ja, da braucht man kein besonderes Schmalz." Sie geben ihm den Rat, sich krank zu melden. Sie geben ihn gewiß aus eigennützigen Gründen, denn sie wollen Funk los sein. Der sagt sich das selber— er kann sich dennoch nicht entschließen, vor den Arzt zu treten, obwohl auch der Ratten- biß nicht in Ordnung gekommen ist. Der Handballen schwärt und pocht, und jede Bewegung mit der halb unbrauchbaren Hand tut weh. die er nicht einmal zu verbinden wagt, um mit der Geschichte nicht auszufallen. � Denn er will nicht weg von der Stelle, an die er nun einmal geraten ist, an der er klebt in einer unheilvollen Passivität. Wohin? Als Kranker ins Revier oder vorüber- gehend in die Arme eines Lazaretts— und dann wieder hier- her, um gewissermaßen von neuem anzufangen? Dann lieber gleich da bleiben. Zudem gestehen:„Ich habe einen eiternden Rattenbiß,"— das ist sehr albern. Es macht ihn noch lächer- licher, als er doch schon ist. Sicherlich ist von den Mann- schaften nie jemand durch eine Ratte derart attackiert worden. Am Ende glauben sie es gar nicht. So etwas passiert nur Säuglingen im unbewachten Kinderwagen.— lieber all dem, und ehe er wirklich zusammenfiel, von Sturm und Stoß total, ausgelockert, kam der Tag der Ab- lösung. Sein Bataillon ging in Ruhe. Sie marschierten und marschierten stundenlang, er wankte mit. Man kam in Vc- reiche, die so schön waren, als landete man mitten im Para- dies. Freilich war es, nüchtern betrachtet, nichts weiter als ne große Fabrikanlage mit rußigroten Backsteinmauern id schwarzen Schotterwegen. Aus den Sälen hatte man ! Maschinen hinausgeschmissen und Pritschen mit Draht- z, frischem Stroh und derben Leintüchern hineingestellt. Man wurde gebadet und entlaust. Am Sonntag gab es as, das beinahe ein Schweinebraten geworden wäre. Die äfsäle waren geheizt, denn plötzlich im Oktober kam, gleich Spätherbstlich« hinein, der Wetterumschlag. (Fortsetzung folgt.) fu halbwegs gefegt werden. Alles fertig. Abfahrt! Auf dem He!m< weg wird noch einmal Station gemacht, aber nur für«ine einzige Nacht und morgens geht es dann wieder weiter gen Berlin. Ade schöne Ruhe, je mehr man sich der Großstadt nähert, desto belebter wird es auf dem Wasser. Von S a k r o w an gleichen die Ufer, besonders an Sonntage«, Massenquartieren. Da steht Boot an Boot, da sitzen die Menschen dicht bei dicht, und sogar im Wasser tritt man sich gegeirseitig beinahe auf die Hühneraugen. Da war es bei uns doch schöner. Ein Hochbetrieb zu Wasser und zu Lande, Segler und andere Vehikel in Massen kreuzen unseren Weg, jetzt ist auch schon das Bootshaus in Sicht. Mit einem Hallo reichen wir Braunhäutigen den heimischen Milchgesichtern die Hände, Fragen über Fragen, wie war es, bat der Motor seine Schuldigkeit getan, war das Wetter schön? Ja, alles war schön— bis auf dos allzu frühe Heimmüssen... Zwölf vor dem Zttchier. Die Mörder der Witwe Sommerfeld mitangeklagt. Mit den Raubzügen einer zwölsköpsigen, ausschließlich aus halbwüchsigen Burschen im Aller von 20 bis 23 Jahren bestehenden Berbrecherorganisalion, die ein Gegenstück zu dem aus der Bluttat im Otto-Park und dem Raub- Überfall in der Nürnberger Straße bekanntgewordenen Der- ein„Hand im Hand" bildet, gelangte vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Rütte zur Verhandlung. Den Vorsitz führte Amtsgerichtsrat Spitzer. Es waren um- fangreiche Sicherungsmaßnahmen getroffen worden, da es stch bei den Angeklagten zum großen Teil um, trotz ihrer Jugend, recht „schwere Jungen" handelte. Die drei Hauptangeklagten, der Schlosser Alois P i s s a r c k, der Bühnenarbeiter Otto N i e l e- bock und der Klempner Erwin Dettloff, sämtlich bereits e r- heblich vorbestraft, befinden sich in Voruntersuchung wegen des Raubmordes, den sie am 18. Mai in der Grünauer Straße verübt haben und dem die betagte Witwe Sommerfeld zum Opfer gefallen ist. Auch die anderen Angeklagten sind noch in eine Reihe weiterer Strafverfahren verwickelt. Diese Verbrecher- bände hatte sich zufammengetan, um Raubzüge in allen Gegenden Berlins auszuführen. In der gegenwärtigen Anklage wuvden der Bande neben einem Betrugsfall nicht weniger als 30 Einbrüche in Läden, Geschästslokalen, Keller- und Lagerräumen sowie Schau- fenster- und Schaukästenberaubungen, die zum Teil gelungen waren, bei denen in einigen Fällen aber die Täter, ehe sie ihren Raub in Sicherheit bringen konnten, verscheucht worden waren, zur Last ge- legt. So standen sie vor den Richtern: Angeklagte, gleichzeitig lebendige Anklage gegen die Umwelt. Die Väter: einer wegen Blutschande verurteilt, der ander« im Irrenhaus, ein Dritter durch Selbstmord aus dem Leben geschieden, ein vierter Rohling, der den Jungen derart schlug, daß dieser aus dem Haufe lief, ein Fünfter früh gestorb«». Dann war wieder die Mutter früh gestorben oder die Eltern lebten in Scheidung, oder war der Junge ein uneheliches 5kind. Der Krieg spielte hinein, das Waisenhaus mußte an die Stelle des Elternhauses treten, auch katholische Erziehungsheime, Jugendgericht und Jugendamt taten so gut sie konnten ihre Pflicht— die sozialen Verhältnisse, das Leben war aber stärkgr als alle Ver- suche, sie zu meistern, und so rutschten die jungen Leute— vielleicht trotz ihrer besten Absichten— in den Klosterkeller herab. Etwas gc-t-ernt hat eigentlich niemand von ihne n; in Lehre sind aber manche gewesen: auch auf dem Lande haben einige gearbeitet. Andere wieder haben gewalzt, haben wilden Wander- cliquen angehört, haben sich schlecht und recht durchs Leben ge- fclzlagcn, haben es genossen, so wie Berliner Jungens es auch sonst tun. Wer aber war der Verführer, wer der Verführt«? Sie be- haupten alle, verführt worden zu sein. Als Verführer nennen sie Piffarck, dieser bezeichnet sich als Verführter. Die eigentliche Ver- sührerin war wohl di« Atmosphäre des Klosterkellers. Der Staatsanwalt sprach auch von Dummenjungen- streichen, das werden sie zum Teil bestimmt gewesen sein. Man arbeitete auf primitivste Weise, mit Einschlagen und Eindrücken von Scheiben, mit Durchbrechen von Gittern, mit Einsteigen in Fenster, man brach Automaten auf und Schaukästen, stahl Schokolade, Zigaretten, Handschulze, Mützen, aber auch Kleider und Fahrräder— mit einem Wort, was gerade unter die Hände kam. Ein richtiges System gab's noch nicht, auch keine Spezialisierung: man vorläufig nur ab, man versuchte seine Kräfte, man bereitete sich gewissermaßen für künftige Taten vor— bis dann der-Raub mit Todeserjolg in der Kadiner Straße passierte. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu Gefängnis- strafen von 3 Monaten bis 2 Jahren. Zwei von ihnen wurden freigesprochen. Das Drama SSSMeter unter Tage Erzählung eines Waldenburger Geretteten.— Hilfe vom Staat und Reich. Wer entfernte widerrechtlich Plakate? Wir erhalten Mitteilung über einen Vorfall im Osten Berlins: In dem Lokal von Ihlenfeld in der Paul-Singer- Straße 5 4 erschienen Montagabend zwei Polizeibeamte, die offenbar vom zuständigen Revier 87 gekommen waren. Sie ver- langten vom Lokalbesitzer, Plakate aus seinem Schaufenster zu entfernen. Die Plakate riefen von der Sozialdemokrat!- s ch e n Partei aus zur Antikriegskundgebung am 1. August und vom Reichsbanner aus zur Teilnahme an der Var-. faffungsfeier auf. Trotz allen Widerspruches mußte der Wirt dem polizeilichen Ersuchen nachkommen und die Plakate ent- fe r n e n. Die Beamten begaben sich darauf in die benachbarte Waldenburg, 31. Juli. Ein bei der furchtbaren Schlagwelterkalastrophc l e i ch l e r verletzter Berghauer Rösner erzählte über den Augen- blick des Unglücks das Folgende: Wik meinen Kameraden wanke und Franz, von denen wanke bei der Explosion den Tod fand, arbeitete ich unterhalb der 5. Sohle etwa 535weterliesunter d e r E r d e. Die anderen 32 Kameraden arbeiteten noch tiefer, meist!tn hilssberg, als die schlagenden Wetter hereinbrachen. Es war eine Art Funkenregen ohne Knall, der plötzlich aus uns niedersiel und die ganze Oertlichkeit in Oualm hüllte. Ich rannte als einer der ersten davon und konnte noch den frischen Wetterstrom erreichen, wo ich jedoch zusammenbrach und das Bewußtsein verlor. Ich halte neben Verbrennungen noch eine Gasvergiftung erlitten. Als ich durch Sauerstoff wieder zum Bewußtsein gebracht worden war. befand ich mich im Grubenbetriebswerk.— Erschütternde Szene« spielten sich gestern den ganzen Tag über in der Leichen- Halle des Knappschastslazarelts ab, wo die 24 braven Bergleute liegen, die auf so tragische weise ums Leben gekommen sind, herz- zerreißend war es. wie Frauen und Kinder, Eltern und Bräute von ihren Lieben Abschied nahmen. Auf den Gesichtern der meisten Toten spiegelte sich noch der Schreck des letzten Augenblicks, andere hatten einen friedvollen Gesichlsausdruck. Und die Ursache? Der Amtliche Pressedien st meldet, daß ein weiteres Umsichgreifen der Explosion durch das Gesteinsstaubverfahren ver- hindert wurde. Es muß sich also, da di« Explosion in Kohlenstaub keine Nahrung fand, um eine Schlagwetterexplosion größten Ausmaßes gehandelt haben, gegen die recht- zeitige und umfassende Vorbeugungsmaßnahmen möglich und erforderlich gewesen wären, wenn Umfang qder Periodizität des Schlagwctterherdes bekannt- und unter bc- sondere Beobachtung gestellt worden wäre. Nach Angabe des„Ber- liner Tageblatts" in Nr. 3S6 soll einer der Verletzten dem Kriminal- kommissar gegenüber ausgesagt haben,„mau hätte etwa 2 Stunden vor dem Eintritt der Katastrophe in dem betressenden Grubenobschnitt Sprengschüsse abgegeben". Die Richtigkeit dieser Angabe vorausgesetzt, fragen wir die Staatsregierung, ob es sich um Gesteiusskaubspreugungen bei Aus. schließungsarbeilen oder etwa um Schüsse in der kohle gehandelt hat. was geradezu frivol und strafbar wäre. Liegen über diese Angabe positive Untersuchungsergebnisse vor und welcher Art2 Wir fragen die Staatsregierung scrner: Hat sich die Unfalluntcrsuchung eingehend mit diesen primären Ursachen der Katastrophe beschäftigt und nicht etwa auf die sekundären Ursachen(Durchbrennen der Benzinlampe, Funkenschlagen usw.) beschränkt? Was war dos objektive Ergebnis eingehender Untersuchung? Welche Folgerungen werden durch die Bergbehörden aus dem Unterfuchungsergebnis gezogen?" Die Preußische Staatsregierung hat als erste Hilfe zur Linderung der Not der Angehörigen der auf der Zeche Glückhilf- Friedenshoffnung verunglückten Bergleute Mark zur Verfügung gestellt. Der Reichspräsident hat für di« Opfer des Waldenburger Grubenunglücks als erste Hilfe einen Betrog von KÜOO Mark zur Verfügung gestellt.— Auch Ministerpräsident D r. Braun hat zugleich mit einem Beileidstele- gramm an den Betriebsvorsitzenden und die Zechenverwaltungen 1000 Mark für die Hinterbliebenen der Schlagwetlerkatastrophc über- wiesen. Gastwirtschaft von K o o m p h a rd t in der Paul-Singer-Straße 49, wo sie gleichfalls die Entfernung der Plakate erzwangen. Später stiegen den Lokalbesitzern Bedenken auf, und sie wandten sich an den„Vorwärts". Wir setzten uns sofort mit dem Polizei- Präsidium rn Verbindung und erhielten die Nachricht, daß bei der Leitung des Reviers 87 niemand den Befehl zur Entfernung der Plakate gegeben habe. Keiner der Beamten des Reviers habe mit der Sache etwas zu tun. Der Kommandeur der Schutz- polizei, Oberst Heimannsberg, hat alle Hebel in Bewegung gesetzt,' um die dunkle Angelegenheit zu klären. Nach der Darstellung der Gastwirte war einer der Uniformierten etwa 1,90 Meter groß und hatte ein volles, glattrasiertes Gesicht. Der andere schien jünger zu sein, war etwa 1,72 Meter groß, über der Oberlippe hatte er einen kleinen dunklen Schnurrbartanflug. Verfaffungsfeier der Schuhpolizei. Der Polizeipräsident teilt mit: Die diesjährige Versassungsfeicr der gesamten Verüner Polizei . findet in Anbetracht des zehnjährigen Bestehens des "fWettes D°'1T W r i mar in größerem Rohmen statt, als es in früheren Jahren der Fall war, und zchar wird die Feier am Man- tag, dem 12..August, um 10 Uhr vormittags, im Lustgarten abgehalten. Eine Stunde vor Beginn findet bereits Unterhaltungs- musik statt. Die eigentliche Feier wird eingeleitet mit der Egmont- Steckbriefe: Ausschnitte aus der täglichen Bcrbrecherjagd der Kulturstaaten. Das weitaus am stärksten Packende dieser Ber- anstaltung waren die Berichte des früh verstorbenen Sling. Cr tastete iah im Verbrecher den unglücklichen, verunglückten Menschen, der Verbrecher wurde durch die Schuld der Ges�lschast— und der Verbrecher bleiben mußte. Diebstahl im Wiederholungsfall, vielleicht begangen an belanglosen Objekten, heißt heute noch in den meisten Fällen ewige Verdammnis. Die Arbeitsstätten verschließen stch dem „Verbrecher". Die Kriminalreportage, mit der man diesen Abend verbränite, war mindestens in dem Fall„Mord im Laubengelände" zu kraß. Um der blutigen Sensation willen wurde der inner« Sinn verwischt, die Tragödie dessen, der schuldig wird. Die musikalischen Garnierungen waren überflüssig und störend. Mindestens als be- fremdend empfand man es, daß in Ergänzung dieser Veranstaltung «ine Viertelstunde Tanzmusik gesandt wurde'— In dem Zyklus „Wovon man spricht" behandelte Polizeivizepräsident Dr. Weiß das Thema„Vermißtensuche". Dieser Vortrag, der das Ver- schwinden des Landgerichtsdirektors Bomb« zum Ausgangspunkt nahrn, war besonders für die Beruhigung des reisenden Publikums wichtig. Dr. Weiß betonte, daß das Verschwinden eines Menschen durchaus nicht bedeuten muß, daß dieser irgendwo in der Einsamkeit ermordet wurde. Im Gegenteil ereignen sich solche Fälle sehr selten. Oft taucht nach längerer Zeit der Verschwundene gesund und munter wieder auf. Aus der Polhzeipraxis teilte der Vortragend« init, welche seltsamen Aufklärungen bisweilen solche Bermißtensuchen finden. NaGrlich läßt die Polizei in jedem Falle nichts unversucht, um dem Verlorenen auf die Spur zu kommen. Tes. Ouvertüre, nach deren Verklingen der preußische Minister des Innern, Staatsmini st er Grzesinski. die Festrede hält. Der Polizeipräsident hat für diesen Tag Sonntagsdienst an- gesetzt._ Vor der zweiien Amen'kasahri. Zeppelin-Siart Donnerstag oder Freitag früh. Da» Luftschiff„Gras Zeppelin" steht jetzt nach gründlicher lleberholung und noch Erledigung der Probefahrt unmittelbar vor seiner 2. Amcrikareife. Dr. E ck c n c r teilte gestern den Passagieren und den Pressevertretern mit, daß die Abfahrt des Luftschiffes für Donners- tag, früh 3 Uhr. angesetzt worden sei. und zwar habe man aus meteorologischen Gründen eine so frühe Zeit für den Auf- stieg gewählt. Vor der irischen See stehe nämlich ein ganz un- gewöhnliches Sturmtief und es herrsche an der englischen Küste und dem Kanal Windstärke 8. Dieses Sturmtief komme langsam heran und deshalb müsse man unter allen Umständen mit den« Luftschiff W>r dein.Herannahen dieses Unwetter» aus den Gebirgen heraus fein, die an dem von der französischen Regierung vorgeschriebenen Weg über Basel— Besangon lägen. Wenn man Besanxon etwa um S Uhr früh erreicht haben würde, dann würde man sich darüber entscheiden, welcher Weg wetterhin zu wählen sei, der westliche über die Biscaya, oder der südliche über Lyon, Marseille und Gibraltar. Mit größter Wahrscheinlichkeit werde man die südliche Route einschlagen. Allerdings bestehe immer noch die -Möglichkeit, daß das Sturmtief schon nachts bis in die Bodensec- gegenb gelang« und daß dann das Schiff am Morgen nicht aus der Halle gezogen werden könnte. Wenn dies der Fall sei, dann würden die Passagiere davon in Kenntnis gesetzt werden, daß der Aufstieg bis Freitag früh verschoben würde. Ueber die Fahrt' selbst erklärte Dr. Eckener noch, daß sie bei den augenblicklichen Witterung«' Verhältnissen zunächst etwas langsam vor sich gehen würde, daß man dann aber doch mit größerer Geschwindigkeit über Lyon und Marseille nach Gibraltar gelangen könne, von wo man mit Hilfe des Nord-Ost-Passats mit großer Geschwindigkeit bis zu den Azoren kommen würde. Im übrigen wird der„Graf Zeppelin" bei feiner jetzigen Amerikafahrt einen fliegenden zoologischen Garten darstellen. Zu den 600 Kanari.envögeln und den beiden Affen, dem Gorillaweibchen„Susi" und dem Schimpanfenmännchen „B o b b y" sind noch in letzter Stunde vier besonders kostbare Tauben gekommen. Ein Autobus brennt! Gestern abend geriet ein Autobus der Linie 28 an der Haltestelle Großer Stern im Tiergarten plötzlich in Brand. Mehrere Verkehrsbeamte der Schupo eitten sofort hinzu und ihrem überlegten Eingreifen war es in der Hauptsache zu ver» danken, daß alle Insassen des vollbesetzten Autobus u n v e r- fehrt das Freie gewinnen konnten. Der Wagen brannte völlig aus und die Feuerwehr war fast eine Stunde mit den Löscharbeiten beschäftigt. Der gesamte Fuhrwerk soerkehr mußte in beiden Richtungen umgeleitet werden. Die dm \Nichf im Saison-Ausverkauf: Ein Posten Monopoldaunen- Obefl>SttCnf aaran- tlert echtfarbig rotes Köper-«SJE InJett, mit Naht, 130x200. Ein Posten fertiger Bett-Inlette ÄÄ Kissen, darunter echt türkisch» rote u. indanthrenfarbige, da mit Naht oder kleinen Fehlern, 40®/o geeetetl Ueberlaken guter einbreitlger_ Wäschestoff, Klöppel- 43I awi Einsatz, 150X250..... Inlett-Reste 80 cm breit, Meter 9S kt. 55 PI. 130... 1.45 95 PI. 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Während der Luisen städtische Kanal noch seiner Au. schüttung als Parkanlage ausgebaut wird, ist das zugeschüttete Engelufer zwischen Schillingsbrückc und Köpenicker Straße dazu benutzt worden, die Straße selbst zu verbreitern. Augenblicklich sind hier die Arbeiten so weit fertiggestellt, daß die Straßenbahn- schienen auf die neugewonnene Mittelpromenade gelegt werden, so daß in Kürze dos neugestaltete Engelufer vollständig fertiggestellt sein wird. Durch dies« Umgestaltung wird für den großen Verkehr, der sich dort abspielt, eine wichtige Verbesserung geschaffen. Sport. Rennen zu Alarlendors am Mittwoch, dem 31. Juli. 1. R e n n e n. t. Heimich(0. Neueneeld), 2. Sdelgunde, 8. Jlex Toto: 21: 10. Platz: 11, 12. 11: 10. Ferner liefen: Meisterstück, Raphia, Hella Timoko, Marone, Modenu. 2. Rennen. 1. Hagel lJautz jtch. 2. Champion, 3. Delila. Toto: 48:10. Platz: 28, 13, 4G: 10. Ferner liefen: Boston, Marcobrunner, Su-Lo, Hedwig, Semiro, Fechlmeistcr. 3. Rennen. 1. Arosa(P. Klees), 2. Athener, 3. Theokrat, 4. Propeller. Toto: 98:10. Platz: 34, 24, 25, 148:10. Ferner liefen: Obersteiger. Zierde, Belle Marie, Rushaga Boy. Heliogabali, Agitator, Galeere, Nebelkappe, Kasimir, Opernfänger, Friesin, Joachim. (Schluß des Berichts in der nächsten Nummer.) «wseadmigen für diese Rubrik sind Berlin TB 68, Stndensiratze 3, parteinachn'chien für Groß-Berlin tet* an da« Bezirtifekretarial t. Hof, 2 Treppen recht», zurichte». Achtung! Abteilungsvorfiände! Die Adressen, die auf Grund des Befchluffes unseres letzten Bezirkstages sowie de» Parteitages in Magdeburg durch Zirkular vom 14. Juni d. I. von den Ab- teilungskafstcrern angefordert wurden, sind bis jetzt leider erst von 46 Abteilungen eingeschickt worden. Es ist dringend notwendig, daß die AbteSungsvorstände dafür sorgen, daß dem Beschluß schleunigst nachgekommen wird, und daß olle Safsicrer Nachricht geben, auch wenn ihnen keine diesbezüglichen Adressen bekannt sein sollten. I. ST.: Alex Pagets. Heute. Donnerstag, L August. Anii-Knegs-Oemonstration. Rbl. All« OenoRUnan und Ernosieu brtrMaen sich vollzsidNa. Tr-ffpvtilt W> Uhr ttBUnifchrr Park. 17. Abt. J741 Uhr Brunnrnplasi. 2«. Abt. 17% Uhr irrfftn sich alle PortrwriWieber Brunnrnolad. 23. Abt. isvh Uhr treffen sich alle Parteimiialieter direkt Eportresiaurant Caniianftrage. Banner und ffahnen find mittabrinaen. 34. Abt. ISU Uhr treffen sich olle Barteinritalicder am Nllftriner Bloh. ZI. Abt. übarlotteaburm 13 Uhr am NSnia»tor. Erscheinen aller isi Pflicht. 78. Abt. Schiinebera. Dir treffen tms nicht frankfurter Allee, sondern Baha- hos Laudaberqer Allee. 83. Abt. Lichkerfelbr. Wir fordern die Parteimitslieter auf. sich an der »undaebuna zahlreich ,u deteiliaen.— Wer von den Genossen aewjllt isi, Reichsbannerkameroden in Quartier zu nehmen, wird«cbeten. seine Adresse sofort dem Genossen Wilhelm Ein, Lichierscldc.««lieustr. 10, mitzuteilen. 83. Abt. Tempelhof. Treffpunkt ISVH Uhr Brounnnvlatz. fohrverbinduna mit der Hochbahn bis Schlessfche? Tor bzw. Strafaucr Brsicke„nd Msihlen. ftraste, ausserdem mit der Stadtbahn bis Schlessfchen Bahnhof. Morgen, Freitag. 2. August. 34. Abt. 20 Uhr Sissuna de» Abteilunasooistande» bei Lötschert, Rüdersdorfer Strasse 33. Wichtige Tagesordnunp. daher Erscheinen dringend notwcndiq 7«. Abt. Dahle«. Die August-Bersammlun» fällt au». Mr September wird schriftlich eingeladen. Frauenveranstaltungen. 3. ktrri« Wilm«r»d«rs. Der frauenabend sintet«licht statt. Die flauen deteiliqcn sich restlos an der heutigen Antikriegskundgebung. Treffpunkt 19 Uhr Königswr. 13. Krei» Pankow. Sonnabend. 3. Augusi, Besichtigung de» frauengefäng. nisses. Treffpunkt 14 Uhr Hochbahnhos. Nachzügler tressen sich 14% Uhr Nor dem Hau» in der Barnimsirossc. 48. Ad«. Alle Genossinnen beteiligen sich an der heutigen Anlikricg»kund gcdun« im friedrichshain._. 138. Abt Reinlckenborf.vst. Trefsvunkt zur Antikriegsdemonsiration heute, Donnersta,. 1. August, 18 Uhr, Brunnenplass. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten.. �. Arbeiterwohlfahrt. 1». Krei» Pankow. Am Eonnabend. 3. August. lZ Uhr. Besichtigung des frauengefängnisscs in der Barnimstrasse. Treffpunkt um 14 Uhr am Hochdahn. bof N-rdrin«. Schönhauser Allee. Nachzügler tressen sich um 3 Uhr not dem Houpteingang des Gefängnisses in der Bormmftr. 10. Nur fraucn haben Antritt. Die Genossinnen ans dem«reise werden gebeten, sich recht zahlreich an der Besichtigung zu beteiligen. Jungsozialislische Vereinigung. Gross. Berlin: Treffpunkt für die Antirri«a-d-nwnsi«ti-n heute. Donner». tag, im friedrichshain Hochbahnhof Danziger Strasse.� Wir fchliessen u der Sozialistischen Arbeiterjugend an. Abmarsch pünktlich 19 Uhr. Gruppe Süden: Der Gruppenabend fällt deute aus. Wir bet-iNgen uns an der Antikriegsdemonstration.— Sonntag Agitationsfahrt Trebbin Luckenwalde. Tiilnehmer treffen sich um 8 Uhr vor dem»Vorworts. Gruppe T-Mpelhol-Raeiendors: Wir beteiligen uns an der Antikriev». kundgebung der Partei. Geburlslage. Jubiläen usw. 12. Abt. Unserm lieben Genossen Mar Glawu nder, Wt-lefsir. 13. zu seinem Ajährigcn Parteijubiläum die besten Glückwünsche. MI Sozialistische ArbeilerillgendGr..SerIin Einsendungen säe di-I-?>°brtt nur an da» Zu»endsesrr««ttat ibS, ctndenstrate 3 Nic-wiedcr-Kricg-Kundgebung heute auf dem Sportplatz im Friedrichshain. Treffpunkt der Gesamt- Organisation 16'A Uhr. Danzizer Str.. an der Schönhauser Allee. Mittelpromenade Ausstellung,(stochbohn Danziger Str.) Abmarsch pünktlich Ist Uhr. Treffpunkte der Abteilungen: «öll-ischer Park! 18 Uhr Strenisberqer Plati. Wimpel nicht vergessen.— Norde»: 17% Uhr«nicht 19 Uhrt Linetoviass.— Rariendors: 18 Uhr Gbaltssee. Eck« Sisenacher Strasse«Nachzügler Danziger Strassct.— A-Hlendors- 1« Uhr Bhf. 8-HIendorf.Milt-«Nachzügler 19 Uhr Danziger Strasse,.— Dahle«,«.f.: 18 Uhr U.vhf. Thielvlass— Ri-dcrschöueweide: 18 Uhr Bh,. Niederschäne. weide.- Lichtenberg. Nardt 18Vj Uhr»Note Ecke". Wcrbebezirk Tiergartr«: Moabit 18 Uhr Kleiner Tiergarten. Westen 18 llar Bhl. Dülowstrasse. Derdeb-zirk Prenzlnuer Berg: 18>/i Uhr Eportploss Eantianstrasse. Eck- «siaudnstrasse. Von Hort aus marschieren wir mit der Partei zum Treffmentt unserer Gcsamtorganifation � Tambourkapesie: Treffpunkt 18iz Uhr ebendort. Not«.fa>keu.?ra4. Buntfarbige Freiloufrenner mit ras» ssgem Rahmenbau, bildschöne Damen. räder. Innenlötun« mit Freilaus und Rücktrittbremse. Stück 55 M. Pracht. katalog. 350 Seiten stark mit 6590 Ab» bildungen nach auswärts gratis und sranko. Machnow. Weinmeisterstrasse 14. Grösstes Fahrradhaus Deutschlands._ Freilausräder 30,—, Halbrenner. Damenräder. Kraus, Grosse Frau.» furterstrass« 52. Ksukgesucke Zahnglbisse. Platinabsälle. Lötzinn, Blei, Quecksilber. Eilbcrschmelz«. Gold. schmelzerei Ehristionat. Köpenicker. strasse 39«Saltcsiell, Adalbertstrasse).* kauft Klaviere Bergmann 5307. losort von privat Unterricht Tcchnifchc Privatschulc Dr. Werner, Regierungsbaumeister, Berlin, Reander» strasse 3. Maschinenbau. Elektrotechnik, Hochbau. Tirsbau. 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Die Wafferwirischast in Groß-Berlin.— Wer kennt fie? Was der Mensch sicher zu haben glaubt, das schätzt er nicht. Das gilt für den heutigen Großstadtmenschen besonders auch beim Wasser. So kommt es, daß jene gewaltigen Leistungen öffentlicher Unternehmungen, die der Wasserversorgung in den Weltstädten dienen, fast nichts gelten. So kommt es, daß diese Leistungen wie«ine Selbstverständlichkeit hingenommen werden, daß es fast als eine Niedertracht oder Bosheit empfunden wird, wenn einmal trübes Wasser etwa aus der Leitung kommt, der Druck im Sommer einmal nachläßt oder gar einmal die Wasier- Versorgung an bestimmten Stellen ganz versagt. Rehmen wir das Beispiel der Berliner Städiischen Wasserwerke. die mit Necht versucht haben, in der diesjährigen großen Aus- stellung„Gas und Wasser" das Interesse der Oeffentlichkeit stärker zu erwecken als es bisher möglich war. Wer weih, daß allein bei dieser größten europäischen Wasserwerksunternehmung jahrein jahraus. Tag für Tag, durch mehr als 1000 Tiefbrunnen das Wasser aus den Grund- strömen der Erde gesaugt, aus 126000 Quadratmetern Filter gereinigt wird, um dann in Rohren von rund 4 000 Kilometer Länge, eine Entfernung von London nach New Dork, in die Häuser und Fabriken zu jeder nur denkbaren Wasser- verbrauchsstelle mit hohem Druck geleitet zu werden? Wer weiß, daß ein Vermögen von mehr als 120 Millionen Mark in Wasserwerken, Maschinen, Rohrleitungen usw. allein bei den Städtischen Wasserwerken in Berlin angelegt ist und daß jeder der 3 430 000 von den Städtischen Wasserwerken versorgten B e r- liner in diesen 120 Millionen einen Vermögens- anteil von über 34 M. besitzt, den die Städtischen Wasser- werke zum Nutzen des Volkes von Berlin pfleglich verwolten? Fast 2000 Arbeiter und Angestellte sind um die riesenhaften Anlagen der zwölf städtischen Wasserwerke Berlins mit ihren 138 Dampfkesseln, Kolbenpumpen, Dampfturbinen, Diesel- und Elektromotoren und die 4000 Kilometer Leitung mit ihren 84000 Anschlüssen täglich geschart, um die Wasserversorgung in Ordnung zu halten und aus- zubauen. Wer weiß, daß die Wasserversorgung eine der s ch w« r st e n und verantwortlich st en Sorgen einer Wellstadt ist, und daß täglich, besonders im Sommer bei großen Hitzegraden, Tag und Rächt mit Argusaugen darüber gewacht wird, daß keine Wassernot eintritt und daß einer in der Zukunft möglichen Wasser- not durch rechtzeitig« Ausbauten sorgfällig vorgebaut wird? Das wissen sicherlich nur ganz wenige Dutzend von den 350 000 Dutzend Berlinern, die täglich sorglos ihr Bedürfnis nach Wasser befriedigt sehen, gleichviel, wozu sie es brauchen. Es war ein grostes volilisches werk, es war ia erster Linie sozialdemokratische Initiative, daß bald nach der Errichtung der Einheitsverwaltung von Groß- Berlin im Jahre 1922 eine einheitliche Wasserwerksoerwallung beim Magistrat und im Jahre 1924 die Berliner Städtische Wasser- Misserversorgung von Berlin im Jahre 1928. :*hngftrnheide werke A.-G. als der Stadt verantwortliche Pacht- und Betriebs- gesellschaft geschaffen wurde. Es ist ein bedeutsames Werk kommu- naler Wirtschaftspolitik, daß heute im Jahre 1929 von rund 88 000 Hektar Groß-Berliner Gebiets fast 70 000 Hektar, daß von einer Gesamtbevölkerung von 4 100 000 Menschen heute 3 430 000 Menschen aus einer planmäßig und einheitlich aufge- bauten, im Volkseigentum stehenden Wasser- Wirtschaft ihr Bedürfnis nach Wasser befriedigen können. Oeffealllche oder private Wirtschaft. Aber auch über ein anderes Gebiet macht sich der Weltstadt- bürger von heute recht wenig Sorgen. Er genießt zwar mit ebenso- viel Vergnügen als Gedankenlosigkeit den Segen einer guten öffentlichen Wasserwirtschaft in einer Weltstadt wie Berlm, aber daß nur der öffentlich« Charakter der Wasserwirt- schaft Planmäßigkeit, Einheitlichkeit, Sicherhell und Einwandfreiheit der Wasserversorgung in einer Millionenstadt gewährleisten können, daran denkt er wenig. Man muß es ihm erst sagen, daß in den Jahren 1923 bis 1927 es Wohngebiet« in Berlin gab, die gut ver- sorgt waren, und andere Wohngebiete, die schlecht versorgt waren. daß die Ursachen dieses Unterschiedes in der Verschiedenheit der Prinzipien liegt, nach denen städtische Wasserwerke, wie die Ber- liner Städtische Wasserwerke A.-G. und private Wasserwerke wie die Charlottenburger Wasser- und Jnduftriewerk« A.-G. arbeiten. Es ist das Problem einer guten Wasserwirt- schaft. daß in Zeiten der Höchstspannung des Wasserbedarfs, wenn große Hitze für Mensch, Tier und Pflanze die Wasserversorgung zu einer Lebensfrage macht, das aufs höchste gespannte Wasser- bedürsnis auch befriedigt werden kann. Es ist weiter«in wichtiges Problem einer guten Wasserwirtschaft, daß die Bereitstellung von Wasser immer so reichlich ist, daß jedes Kulturbedürsnis, daß jede Verfeinerung der Kulturbedürfnisse, soweit Wasser dazu erforderlich ist, auch befriedigt werden kann. Beide Problem« haben die Berliner Städtischen Wasserwerke in den Jahren 1924 bis 1929, seit sie in einer Gesellschaft vereinigt sind, in hervor- ragend guter Weife gelöst. An den heißesten Tagen der Jahre seil 1924 hat sich der Wasseröerbrauch in Berlin in folgender Weise entwickelt: höchste Tagesspitze 1924 129 Lit. p Kops d. versorgt. Bevölkerung 1923 189..... 1926 169,„„„ 1927 176..„. 1928 225..... 1929 239..... In den fünf Iahren seil 1924 hat sich die tägliche höchst- beanspruchung mit 239 gegen 129 Liter pro Kopf der Be- völkerung fast verdoppelt. Bei den P r i v a t w e r k e n ist die Bedarssbesriedigung nie- mals der einzige Gesichtspunkt in der Wasserwirtschaft. Wo die Rente für das investiert« Kapital bedroht wird, richtet sich die Bedarssbesriedigung nach dem Prosit oder der Preis wird erhöht. Die ausreichende Wasserversorgung ist deshalb aber auch heute noch «in tiefernstes Problein der Bezirke Grunewald, Wilmersdorf, Zehlendors, Lichterselde, Tempelhof und Neukölln, wo noch immer rund 700000 Menschen von den privaten Charlottenburger Wasser- werken versorgt werden, und, wie die Wasserverlegenheiten in den Jahren 1923 bis 1927 bewiesen haben, nicht in befriedigender Weis« versorgt werden. Es ist eine ernst e Aufgabe der Zukunft, auch hier für den Sieg des Prinzips der ausschließlichen Bedarfs- Wirtschaft zu sorgen und die Wasserversorgung der privatkapitalisti- sehen Ausbeutung zu entziehen. Es ist klar, daß«in« solche einem sprunghast wachsenden Wasser- bedürsnis noch zuvorkommend« Wasserwirtschaft auch viel Geld kostet. Als von 1927 auf 1928 plötzlich die Hächstbeanspruchung von 175 Liter auf 225 Liter stieg, wurden mll einem Schlage große Ausbauten bei der Wassergewinnung erforderlich. So sind denn auch nach dem letzten Jahresabschluß der Berliner Städtischen Wasser- Für Damen: Für Kinder: Hausschuhe_ srlm« Dlrnd'sfoK, ntt LL blOntcn Murtcrn, u. starker J Kardelaohle�OrHausuJUtie« PI. Schnürschuhe �— oa.«eis* Leinen, halbrunde Ii ronn,B. stark. Ledersohlea AbeS», aoL Vorrat, Gr. J5-37 iL Hausschuhe a 7- na. SteoDsatln. 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Leider macht sich der Großstadtbürger ja nie Ge- danken darüber, daß auch das Wasser etwas kostet, denn der Haus- wirt zahlt ja das Wasser, und der Bewohner der Mietshäuser zahlt es mit der Miete, so daß er die Kosten des Wassers immer zu den Miettosten rechnet. Aber obwohl Berlin zu den Städten gehört, die mit das beste keimfreie Wasser haben, obwohl in fünf Jahren der Berliner fast das Doppelte an Wasser verbrauchen durfte, ohne daß er merkte, wie das möglich war� obwohl seit 1913 eine Geld- entwertung um fast die Hälfte eingetreten ist, liegt heute der Berliner wasserpreis noch um 1.7 Pf., und wenn man die Geldentwertung einrechnet, sogar um g.2 Pf. unter dem der Vorkriegszeit! Und dieser Wasserpreis könnte noch niedriger sein, wenn die Ab- gaben der Berliner Städtischer» Wasserwerke A.-G. an die Berliner Stadtkasse nicht auch gestiegen wären. Im Jahre 1928 haben die Berliner Wasserwerke von 22,4 Millionen Mark Roheinnahmen 3,75 Millionen oder mehr als 13 Proz. an die Stadt abgegeben. Was ist die Lehre unserer Ueberlegungen? Es muß dem Berliner Bürger bewußt werden, welcher Wert in ein- hcitlichen großen öfsentlichen Unternehmungen liegt, die einheitlich und planmäßig, ausschließlich nach dem Prinzip der Bedarfsdeckung und nicht des Prosits, die.wichtigen Lebensbedürfnisse eines Welt- ftadtvolkes befriedigen. Allzu sehr schläft der Weltstadtbürger von heute den Schlaf des Gerechten in einer Zeit, in der der Ansturm des Privatkapitals immer stärker die öffentlickze» Werke gefährdet, in der die Befriedigung der wichtigsten Lebens- bedürfniss« der Massen wieder zum Gegenstand privatkapitalistischer Ausbeutung gemacht zu werden droht. Das muß dem Weltstadt- bürger in einer Zeit ins Bewußtsein gehämmert werden, in der durch politische Wahlen zum Stadtparlament und zu den Bezirksoersammlungen wieder darüber entschieden werden soll, ob die öffentliche Wirtschaft sich zu höherem Bolksnutzsn fortentwickeln oder einzelnen wieder ausgeliefert werden soll. Darum geht es auch am 17. November mehr als je. Die Million Werktätigen von Berlin und ihre Frauen müssen zusammeirstehen wie ein Mann, wenn nicht von neuem der Rückschritt die Regierungszügel der Weltstadt Berlin ergreifen soll. Krediiverbilligung? Wie wir hören, war der Monatsabschluß aus dem deutschen Geldmarkt außerordentlich leicht. Die Reichsbank dürfte nur in ge- ringem Maße, besonders für Lombarddarlehen, in Anspruch ge- nommen worden sein, da die Tagssgeldzinscn teilweise unter dem Lombardsatz von 8'A Proz. lagen. Einer Kreditverbilligung der Reichsbank dürste zunächst aber noch die schwierige Lage in London entgegenstehen. Arbeitslosigteii im Reich. Bei großen Verschiedenheiten 15 proz. höher als 192». In der letzten Woche zum 27. Juli hat die Beschäftigung nach dem Bericht der Reichsanstalt kaum zugenommen, die Allgemein- entwicklung bleibt weiter unterschiedlich. Bezirksweise waren die Antriebe zur Besserung stärker, so m der Landwirtschaft, im Be- kleidungsgewerbe, auch im Nahrungsmittelgewerbe. Daneben ober haben sich die rückläufigen Tendenzen verschärft. Gegenüber dem Vorjahr ist gleichfalls die Entwicklung sehr uneinheitlich, teils günstiger, teils ungünstiger. Die Mehrbelastung gegenüber dem Julischluß 1928 beträgt etwa 23 Proz., nämlich 729 909 gegen 373 900 Arbeitslose. Ebenso einheitlich war die gebietliche Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr. Westfalen und Bayern haben nach der Zahl der Hauptunterstützrmgsempfänger in der versicherungsmäßigen Arbeits- losenunterstützung den Borjahresstand unterschritten: in Pommern und Rheinland lag diese Zahl um etwa 19 Proz. höher; Sachsen, Schlesien, Ostpreußen stand im Vergleich zum Vorjahr am ungünstigsten: den übrigen Bezirken entsprachen die Verhältnisse ungefähr dem Reichsdurchschnitt. Gorgen in England. Erste Auswirkungen des englischen Baumwollkampfes. Schon jetzt, wenige Tage nach Ausbruch des großen Arbeits- kampfes in der Baumwollindustrie von Lancashire, machen sich bereits einige Folgen in den Nachbarindustrien bemerkbar. So veröffentlicht der britische K u nst s e id« n k o n z e r n Cour- taulds, das tapitalstärkste Kunstseidemmternehmen der Welt, eine Erklärung, daß in verschiedenen Abteilungen Produktions- «inschränkungen vorgenommen werden müssen, da in- folg« der Stillegung von 1899 Baumwollbetrieben schwere Absatz- stockungen eingetreten seien. Der Konzern, der in den letzten beiden Jahren Rekorddividenden von 23 Proz. zahlen konnte und darüber hinaus noch Gratisaktien an seine Aktionär« verschenkte, beschäftigt in seinen englischen Betrieben eine Belegschaft von etwa 39 909 Mann. Die englische Presse weist aus den Ernst der durch den Textil- konflikt geschaffenen Lage hin und spricht die Befürchtung aus, daß die britische� Baumwollindustrie bei längerer Streikdauer wichtig« Absatzmärkte an die französische und deutsche Kon- kurrenz verlieren würde. Vorsig verdoppelt seine Koksproduttion. Große Neubauten in den oberschlesischen Montanbetrieben. Wir hatten erst kürzlich über die glänzende Entwicklung der Borsig'schen Montanbetriebe, der Borsigwerke A.-G. in Oberschlesien, berichtet. Abgesehen davon, daß die Gewinn- a u s s ch ü t t u n g an das Berliner Stammuntcrnehmen mit einer Million Mark für 1923 gegen das Vorjahr glatt verdoppelt wurde, sind vor dem Bilanzabschluß weitere 1,3 Millionen aus den Betriebsgewinnen in die Reserven abgewandert. Diese Erträge cnt- sprechen einer Dividende von 12 Proz. Außerdem wurden für Abschreibungen noch 2.1 gegen tö Mill. Mark im Vorjahr vom Fabrikationsgewinn abgesetzt, so daß die Borsigwerke A.-G. weit- gehend für eine Selbstfinanzierung neuer Werksausbauten vorgesorgt hat. Wie wir hören, hat das Unternehmen jetzt mit dem Ausbau «?-«»v■a.'-J m «wer»eo«,«roh toteres begoimeu. Di« neue Anlage, die von der Firma Still in Recklinghausen gebaut wird, umfaßt 56 Oefen mit einer täglichen Leistungsfähigkeit von 799 Tonne». Damit wird di« Koksproduktion bei Borsig ruird verdoppelt. Die Reichsindexzifser für Lebenshalkungskosken(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung un dsonstiger Bedarsj beläuft sich noch den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des M o n a t s I u l i auf 154,4 gegenüber 133,4 im Vormonat. Sie ist sonach um 9,7 Proz. gestiegen. Diese Steigerung ist im wesentlichen aus eine Erhöhung der E r n ä h» rungsausgaben zurückzuführen, und zwar sind hier im Reichs- durchschnitt die Preise für Eier, Fleisch, Milch und Brot gestiegen, während die Gemüsepreise erheblich nachgelassen haben. Di« Aus- gaben für Kartofseln haben sich erhöht, da in die Berechnung teil- weise auch Kartoffeln neuer Ernte eingestellt werden mußten. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen(1913/14— 190>; für Ernährung 155,7, für Wohnung 126,1, für Heizuno und Beleuchtung 149,4, für Bekleidung 172,1, für den sonstigen Bedarf einschl. Verkehr 191,9. Tüllmode bringt Dividenden. Die Tüllfabrik F l ö h a A.- G. bei Chemnitz kann für das letzte Geschäftsjahr 1928/29 wie im Vorjahr wieder 6 Proz. Dividende auszahlen. Da di« gegen- wärtige Mode Tüllspitzen besonders für Wäsche benötigt, hat sich die Beschäftigung in dieser Industrie auch letzthin weiter gebessert. Auch in absehbarer Zeit wird kein Umschwung in dieser Mode- richtung zu erwarten sein, so daß die Verwaltung die Aussichten für die Tüllspitzenindustrie für günstig ansieht. Auch die Vaoläligkeil im Mai stärker als im Vorjahr. Die un April eingetretene kräftige Belebung im Wohnungs» bau hat sich auch im Mai fortgesetzt. Die Zahl der zum Bau genehmigten und der fertiggestellten Wohnungen hat weiterhin zu» genommen. Zwar war die Zahl der begonnenen Wohnungen im Berichtsmonat nicht ganz so hoch wie im April, doch war sie noch immer bedeutend größer als im Mai 1928. Insgesamt wurden in den berichtenden Groß- und Mittelstädren 3913 Gebäude mit 16 433 Wohnungen gegen 3117 mit r»nd 13 990 Wohnungen im Vormonat zum Bau genehmigt. Begonnen wurden in 92 be» richtenden Städten 3193 Gebäude gegen 3791 im April, also 16 Proz. weniger als im Vormonat. Dagegen wurde das Ergebnis des Mai 1928 bei den Wohngebäuden um 38 Proz. und bei den Wohnungen sogar um 50 Proz. Übertrossen. Sehr erfreulich, daß in den e r st e n fünf Monaten zusammen der Bau von 42 930 Wohnungen gegenüber 34 967 Wohnungen in der entsprechenden Zeit des Vor- jahres begonnen wurde. Die Ausfälle infolge des langen Winters konnten also bereits mehr als ausgeglichen werden. Die Krise in der Wollindustrie überwunden. Der stärkste deutsch« Textilkonzern. die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei A.-G. in Bremen, sieht die Ent- wicklung in der deutschen Wollindustrie durchaus optimistisch an. In den Stümmbctrieben wie auch in den über ganz Deutschland vcr-__ streuten Beteiligungsgesellschaften des Konzerns hat sich die Be. schästigung so gehoben, daß durchweg wieder in drei Schichten gearbeitet wird. Bis Ende November ist die Produktion des Konzerns ausverkauft. Die'Verwaltung sieht die Wollkrisis m Deutschland für überwunden an und erwartet für chr Unternehmen noch bessere Geschäftscrgebnisse als im letzten Jahr. Die Gesellschaft war in der Lage, trotz der Textilkrise im vergangenen Jahr 7 gegen 6 Millionen an Dividenden für die Aktionäre auszuschütten,«m Beweis, wie das Kapital auch in Krisenzeiten aus seine Rec�mng kommt, während die Arbeiterschaft die Nackenschläge erhält. Erwerbslosenarbeit bei der Bewag. Die Gesellschaft hat im Juni wöchentlich 1269 Erwerbslose bei Kabelverlegungen. Bau» arbeiten und bei sonstigen Arbeiten in ihren Kraftwerken beschäftigt, es wurden auf diese Weise 39 456 Tagewerke geleistet, wovon 60 Proz. als direkte Notstandsarbeiten in Anrechnung kommen. 'V-•"■ 1 101« Anfertigung von MaDtachen erfolgt zu errniDigten Preisen tBeaUui I Außcrordenlliih günstige KaulgclegcnhcH Ein Posten WiscUinseB 75 pt für Knaben angrestanbi...» ri- Wnscbboseiblaa K«per.. 75 Pf- Uen-VesduuBtaBZIlge v5 GrSBe 40/45...........«S VasA-AiutKe..««<..».. 290 Bio Posten Knaben-AnztMe 750 Matrosen- und Sportform....» Ein Posten lackett- Anzüge qso Größe 10 u. 11, mit Jansen Hosen W fimnnilinantel'»sr"1 490 Köperstoffen Größe 7 und 8.. Ein Pesten Knaben- Hosen 0� Herren-Vasdiiesten i't n 0c leicht angestaubt...... Lüster-Sakkos........ 5.90 tfosdisakkos 3.90 Wasdianzüge für Herren 9.50 KbaUnnzüge»r.-»/«.... 4.90 Strandbosen rar." 10.50 Sirandbosen.. 5.50 Herren- und lüngilngs- Zephir-Snortbeinden. Kn mit Schillerkragen...... 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Spliedt weist des weiteren noch darauf hin, daß in der Frage der eigentlichen M i ß st ä n d e und erkennbaren sozial- politischen Ileberspannungen geeignete Vorschläge auch die Zustimmung des ADGB. gefunden hätten. Unmöglich sei jedoch die Zustimmung zu den eigentlichen Abbauanträgen gewesen, und zwar um so mehr, alz nach den von den Sachverständigen de- ADGB. angestellten Bcreck>nungen auch eine Bei- tragserhöhung um nur M Proz. zusammen mit den auch von ihnen anerkannten Ersparnismäglichkeiten aller Wahrscheinlichkeit nach völlig ausreichend sei zur Sanierung der Versicherung. Er sei sich darüber klar, daß diese Mehrheitsvorschläge des Ausschusses im Reichstage eine schwierige politische Lage schaffen werden. Auf der anderen Seite aber müsse er betonen, daß diese Schwierigkeiten mit allen Konsequenzen in Kauf genommen werden müßten, wenn es gälte, einen ungerechtfertigten Abbau der Arbeitslosenversicherung zu verhindern. 3n der ausgiebigen Debatte sprach zunächst Bernhard (Bauarbeiter): Wir decken keine mißbräuchlich« Ausnutzung der Arbeitslosenversicherung. Aber auch die Arbeitgeber, die am meisten über Mißbrauch schreien, nutzen die Versicherung au». Mit aller Wucht sollte die sozialdemokratische Fraktion Im Reichstag die Frag« stellen:„Muß e» denn überhaupt soviel arbcits- � ose Bauarbeiter geben?" Sollte man sie nicht vielmehr beschästigen und damit gleichzeitig den Wohnungslosen die begehrte Unterkunft schassen? Ist die augenblickliche Arbeitslosigkeit im Bau- gewerbe— mitten im SonRner— etwa noch als j a h r e s z e i t» liche Erscheinung zu werten? Sind die Bauarbeiter, die noch jetzt kein«. Arbeit haben, nur als„saisonmäßig«" Arbeitslos« zu be- zeichnen? Die Grundlage der Versicherung ist beseitigt, wenn die Versicherung der Saisonarbeiter herausgebröchen wird. Wir könnten uns mit einer Regelung einverstanden erklären, nach der die Ver- sicherung nicht auf dem Akkordlohn, sondern auf dem Tariflohn basiert. Weiter können wir aber nicht gehen. Unsere Arbeiter bringen schon mit Mühe die verlangten 26 Wochen auf. Der Bau- arbeiter hat freilich einen höheren Stundenlohn: aber er hat nicht nur Lohnaussall im Winter, sondern auch im Sommer durch schlechtes Wetter, durch den ständigen Wechsel von Baustelle zu Baustelle usw. Die Anpassung der Unterstützung an die Lohnhöhe des Wohnortes statt an die des Arbeitsortes würde gerade die Bauarbeiter treffen. Brey(Fabrikarbeiter): Es ist Aufgabe des Staates, jedem, der arbeitsfähig ist, auch Arbeit zu verschaffen. Dieser Standpunkt wird selbstverständlich auch von der SPD.-Fraktion im Reichstag vertreten. Zollpolitik, goung-plan. Arbeitslosenversicherung sind die drei Kampfpositionen im Herbst. Die Sätze für die Arbeitslosen sind im allgemeinen nicht mehr zu beschränken. Die Gemeinden müssen schon jetzt nicht nur zur Krisen- Unterstützung, sondern auch teilweise zu den niedrigen Sätzen der Versicherung beitragen. Würden die Leistungen verringert, so könnte das nur auf Kosten der Gemeinden geschehen. Das wäre für uns unerträglich unh wir würden die politischen Folge- r u n g« n daraus ziehen müssen. Thomas(Dachdecker) unterstützt Bernhards Ausführungen. Simon(Schuhmacher): Wenn die Staffelung durchgeführt wird, dann fallen mehr als drei Viertel aller Schuhmacher in den Kreis derjenigen, die nicht die vollen Unterstützungssätze erhalten. Brandes(Metallarbeiter): Wenn wir in der Arbeitslosen- Versicherung einen Abbau vornehmen würden— wir könnten es nicht vor. unseren Mitgliedern oerantworten. Bei diesem Punkte müssen wir gegebenenfalls die äußersten Konsequenzen ziehen. Partei und Gewerkschaften gehören zusammen: aber die Partei sollte dafür sorgen, daß nicht innerhalb der Gcwerk- schaftcn eine Unzusriedenheit gegen sie auskommt. Die Resorm- vorschlüge sind für uns nach jeder Richtung hin untragbar. Sic müssen auch für den R« i ch s a r b e I t s m i n i st e r untragbar sein. Wir sind bereit, alle Folgerungen zu ziehen. Schräder(Textilarbeiter): Auch bei den Textilarbeitern ist die Rot riesengroß. Wir können keine Verschlechterung der Arbeits- loscnvcrsicherung in Kauf nehmen. Immerhin sollten wir bedenken, daß neben sozialpolitischen auch allgemeinpolitische Gesichtspunkte in Betracht kommen.. In der Nachmittagssitzung erhielt als erster Mcdner das Wort: Tornow(Holzarbester): Di« Beitragserhöhung von � Proz. ist zwar vom Reformausschuß angenommen, ober noch nicht vom Parlament. Wir treten für ein« Beitragserhöhung ein. Dann sind noch zwei einschneidende Vorschläge: Abbau der Satsonarbester- Versicherung und Staffelung der Unterstützungshöhe nach der An- wartfchaftszeit. Es ist«ine ganz großzügig« Offensive seitens der Unternehmer: Senkung de» Lohnniveaus auf dem weg« der Verringerung der Arbeitslosenunterstützung. Es sollen ja gerade die Arbeiter in den höheren Lohnklassen mürbe gemacht werden. Im Sachverständigen-Ausschuß ist sehr wenig über die Mißbräuche geredet worden. Hier können Ersparnisse herauskommen. Wir sind selbstverständlich für Aus- merzung aller derartiger Mißbräuche. Wir müssen letzten Endes verhindern, daß unbillige Härten«intreten. Schmidt(Landarbeiter): schließt sich d«n Ausführungen Schröders und Tornows an. Eine Resolution wäre nicht nötig ge- wssen. Unsere Mitglieder im Lande sollten es auch ohne eine solch« wissen, daß wir hier bis zum letzten kämpfen. Ptettl(Bekleidungsarbeiter): Der Berichterstattrr hat kaum von d«r Heimarbeit gesprochen. Die Heimarbeit in der Be- kleidungsindustrie nimmt keine Sonderstellung ein, die sie etwa von der übrigen Arbeiterjchast weitgehend unterscheidet. Auch er schließt sich den Darlegungen seiner drei Vorredner weitgehend an. Wolgast(Zimmerer): Wir sind stark daran interessiert, daß unsere Parteifreunde in der Regierung sitzen. Aber es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten dürfen. Otto(Bauarbeiter): Wir haben 40 000 Bauarbeiter mit einem Stundenlohn von 1,50 bis 2,— M. und mindestens 100 000 Arbeiter mit einem Stundenlohn von weniger als 1 M. Der niedrigste Lohn beträgt S8 Pfennig. Glaubt man, daß dies« Leute von ihrem Sommerlohn einen Teil für den Winter zurücklegen können? Und es gibt andere Saisonberufe, wie die Steinarbeiter, Gärtner, Baggereiarbeiter, die noch geringere Löhne erhalten. Durch die Notstandsarb«it«n wird der Kreis her Saisonarbeiter immer größer. Brandes(Metallarbeiter): K«in Arbeiter ist davor sicher, daß er nicht am nächsten Tage auf der Straße liegt. Deshalb fühlt sich die gesamte Arbeiterschaft in dieser Frage solidarisch. Wir haben heut« die gleiche Lag«, wie wir sie bei dem Abbau des Achtstundentages gehabt haben. In seinem Schlußwort bot Spliedt um die einstimmige Annahme der Resolution. Es ist nicht daran gedacht, die Heimarbeiter aus der Versicherung herauszunehmen. Ob später im einzelnen Unter- schied« herauskommen, das kann natürlich niemand voraussehen. Zusammenfassend stellt L« i p a r t die Uebcreinstimmung des Ausschusses fest in der entschiedenen Ablehnung der Vorschläge des Reform-Ausschusses. Wir dürfen es uns nicht gefallen lassen, daß nur die Arbeiterschaft die Opfer der Rationalisierung tragen soll. Di« Arbeitslosigkeit wird im Laufe der Zeit geringer werden. Wir können es nicht zugeben, daß der Reichsfinanzminister bei seiner Ablehnung verbleibt, der Reichsanstalt auf keinen Fall Sonderbeträge zur Verfügung zu stellen. Wie gering erscheint ein« solche Summe gegenüber den riesigen Lohnverlusten, die durch den Arbeitsausfall emstehen. Di« Gewerkschaft«« hoben eine Erhöhung der Beitrogslasten o n- geboten: die andere Seit« hat sie nicht angenommen. Was die Unternehmer beizutragen haben, wird letzten Endes doch auch von der Arbeiterschaft erarbeitet. Erst sprach man nur von Miß- bräuchen—; jetzt soll dieser EinwaiÄ plötzlich nicht mehr gelten? Jetzt soll«ine Verminderung der Leistungen notwendig sein? Die Gewerkschaften werden sich dagegen zur Wehr s«tzen. E i n st i m m i g wurde sodann die Entschließung angenommen, die wir an anderer Stelle oervffentlichen. Anschließend berichtet Schlimme im Austrag« der Kommission zur Durchführung der Verwaltungsresorm über die Vorschläge zur Schaffung einheitlicher Ucbertrittsbe st immun-' gen. In der Bundessatzung ist vorgeschrieben» daß bei Berufs- Wechsel die Mitglieder unter Anrechnung ihrer geleisteten Beiträge zu der Gewerkschaft des neuen Berufs übertreten sollen, wenn die Beschäftigung im neuen Beruf die Dauer von drei Monaten über- schreitet. Mit der Einführung der Invalidenunter st ützung in den Gewerkschaften haben sich Schwierigkeiten ergeben, weil van den bisher 35 Pcrbönden nur etwa 22 mit rund 3,5 Millionen Mitglieder diesen neuen Ilnterstützungszweig beschlossen oder durchgeführt haben und die Mitglieder beim Uebertrilt zu den Ver- bänden ohne Jnvalidenunterstützung Gefahr lausen, ihre erworbene Anwartschaft auf ein« fortlaufend« Invalidenunterstützung zu ver- lieren. Umgekehrt werden bei Uebcrtritten zu einem Verbände m i t Jnvalidenunterstützung die in der früheren Gewerkschaft geleisteten Beiträge auf dies«» Unterstlltzungszweig nach ganz verschiedenen Grundsätzen angerechnet. Die Leistungen und Gegenleistungen in diesem für die Mehrzahl der Gewerkschaften neuen Unierstützunzs- zweig sind außerdem auf Grund der verschiedenartigen Struktur und der grundverschiedenen Risiken nicht einheitlich und können! es auch nicht fein. Um Härten bei Ucbenritten zu vermeiden, muhte der Versuch einer einheitlich«« Regelung unternommen werden, ohne daß den Einzelvcrbändcn tragbare Lasten aufgebürdet wurden. Die vorgelegten Richtlinien der Kommission wurden zur Kenntnis genommen. Die Verbandsvorständc sollen ihre Stellung- nähme dem Bundesvorstand schriftlich mitteilen. Es bleibt dann dein Vorstand des ADGB. vorbehalten, die Kommission noch einmal später mit der Frage zu beschäftigen. Achtung, Buchdrucker! Die Differenzen bei der Firma Otto M e u s e l, Neukölln, Berliner Straß« 70/71, sind beigelegt. Vor Konditionsannahme bei der Firma Bruno Petzold 37 ach f., Neuenburger Straße 37, sind unter allen Umständen Erkundigungen auf dem Gaubureau, Zimmer IS, einzuziehen. _ Der Gauvorstand. Ausgehoben« Sperre! Wie uns der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafbangestellten mitteilt, ist die Sperre über das Cafe Seerose, Inh. Wilhelm Müller, Müllerstrahe Ecke See- strahe, ausgehoben. Die Differenzen sind bcseittgt, der Tarifvertrag wird anerkannt. ?d»Freie Gewerkschafts-Zugend Nerlip G Donn-rslag. 19V4 Uhr, tauen die Gruppen: Lichtenbera und Z!«». ichtenbrr«: Iuaendheim Swuffftrabc, an der Stmnafttofic. Seim- desprechunp. Verbandsbuchkontrollc.— Gesundbrunnen: Iuaeichiieim Rote TÄnile, Eotenburzer Straße. Sit wieder ftnen.— Schöncweidc: Suacnti. heim vberschdneweibe. Laufener Str. 2 sobereg hintcreo Zimmer), beimde. sprechuna. Berband»bu6itontrolle.—. Köpenick: Gruppe nheim Iuaendbeim Grünauer Str. d. Heimbcsprcchunil. Kontrolle der Vcrbandsbllcher.— Moabit: Stitdt. Iuaendhcim Lehrter Str. 18—12.> Leimbesprechuna und Gesellidxtfts. lp>elc. Zutritt nur mit Verbandsbuch und Heimausweis.— Südosten: Gruppen- heim Reichenberaer Str. KS sgeuerwehrhaus). Leimbesprechuna. Verbands- bnchtontrolle. Liederabend.— Tempelhas: Grupvenheim Lnzeum Germania- straße t— S. Heimbeiprechuna. Zutritt nur mit Berbonbsbuch und Hcimaus. weis.— Weddina: Stödt. Iuaendbeim Orthstr. 10. Heimbcfprechuna. Ver- bandsbucklontrolle.— Heute Spiel und Spart ab 18 Uhr: Rordrina: Piaü 2N Sportplaü Cantianstrahe: Ztrei» vberspree: Wiese 8 im Treptower Part: Rru- löllu-Kermaonplat: Kleine Wies« im Volk-vark Hasenheidc. 0Iugendgruppe deck Zentralverbandes der Angestellten Heute, Gonnerstaa. sind folacnde VcranIIaltunaen: vston: Iuaendbeim Litauer Str. 18. Gruppcnbesvrcchuna.— Zrepto«: Iuaendheim Bilden- bruchstr. 58 sZuaana non der Graetzstraße in Treptow). Keimbesprechuna, an. schließend.Bunter Abend".— Schöncbrra: Iuaendbeim Sauvtstr IZ. Hos. aebüude lThtlrinaen, immer). Gruppenbesprechunp.— Spiele» auf den Sport- pläßtn Humdoldthain. Olbrrsstraß«. am Bahnhof Iunafernheidc, ab 18 Uhr. Voriräge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner..Schwarz-Rol-Gold". Gefchlltistell»: Berlin S. 14. Sebasti-nstr. 87/38, Hof 2 S«. Gauoorstao». Ghrenkamerodschaft von ftrei» Olirn am ffreita«, 2. Auaust. 20 Uhr. Antreten Treptow. Rathaus, in Bundestleiduna. — Aoteeten der vrtoverrin« ,«r Teilnahm« an der Antitrieaaluadarbnaa am Donnerataa. 1. Auaust. wir(Ol«»: Tieraa rte«: 18H Uhr Köllnifchrn Varl bei der SB?. Tieraarten in Bannrrkleiduna. vebbin«: n% Uhr bei Soraaß. Ulerstr. IS. grirdrichahaia: 18 Uhr zum Ordnerdicnst auf den Kameradschasts. sammcipläßen. Rochzüaler 18l) Uhr auf dem Sportvlaß 3riedrich»haiii. Köpenick(Ortsucrein): 18 Vi Uhr Schlesischen Bahnhof.— wrißensre: 18Vi Uhr bei Galla» mit Epielmannszua ohne Fahnen. Bflichtoeranfialtuna.—»rinicken. tors /Ortsvcrein): Alle aktiven und vaistven Kameraden mit Svielleuten in Bannerkleiduna 18 Uhr Brunnenplad. Erscheinen Pflicht. Reinickrndors-Baft: l7>4 Uhr Berein-lokal.— Hrrnmborf /Sameradschaft): 17VH Uhr bei Ökrcnt, Bchnhofstraß«, ohne Fahnen. Autobus Zlr. 18.— Frcrtaa, 2. Auaust. Bebdiua iOrtsvereln): Generalappell de« Kreise» Borden. Antreten 12 Uhr Ufcrstr. 12. — Z empelhos s Kameradschaft): 30 Uhr bei Pommerenina Milalicderversamm- I»na. Weißenser: 12 Uhr Antreten mit Fahnen und Svielleuten Prenzlauer Promenade, Eck« Heincrsdorfer Stroße(Spitt«). Erscheinen Pflicht. ZUiuicke». bors(Vrtsverein): Antreten 12 Uhr Humboldtbain. Bhf. Gesundbrunnen, mit Spicllcuten und Fahnen. Reiuickeuboes-Vrst: Antreten 1884 Uhr Bereinslokal Jim Generalapvell. Her«»dort«Kameradschaft)! I2>� Uhr in Bannerkleiduua mit Fahnen Grenzallee. Gesundbrunnen. Abfahrt uon Hermsdorf 18.83 Uhr hi» Sesii'idbrunnen.— Sonnabend, 3. Auaust- Stzalil, lÖttsorrein): Sportler 20 Uhr bei Schulz, Virkbuschftr. 90. Reuenhaoeu-Hapvea.rtrn.Bietenstei»: An. treten 18 Uhr am Bahnwilrlirbaue, Zufahrtstraß« zur Sieblvna Birfcn-stei», zum Ausmarsch. Anschließend Mitaliederoersammluna im Viri-nsteiner Kru?. Anschließend Geselliaez Beisammensein. GZst» herzlich willkommen.— Gauuorstan».«chtun«. Sportler! Sonnabend, 3. Auaust. 13 Uhr. Trainlna der Staletteiimannschast auf dem Svoriplalt Westend, Svandauer Bern.— Paulo»>: Donnersloa, 1. Auaust. Antreten 18 Ubr Pankowcr Kirchhof, Bahn- Hofstraße, zur Beerdiguna dc» Kameraden Bvaalski. Zteichobuub der Krieaobeschäbiatea, Kriearleilaehmer und»ritarrhiuter- blirbenen, Gau Brrli», Bezirl 18(Südwest). Mtalieberversammluna Frei- loa. 2. Auaust. 20 Uhr, im Restaurant.Iüaerheim", Arndt.. Ecke Rostizstraße. Sonntaa, 4. Auaust. im stüdtischen„Alten Eierhüu»chen", Treptow, Sommer- fest der Abtciluna Kreuzbera. Einlaß 14 Uhr. Beainn 13 Uhr. linelitb coarersotional ciub sounckock>878. bleetinS» overy Frickpy 8 p, rn. C»f< Josty Potsdamer Platz. Lecturer: Rektor Riese on;„Secrits of Antiquity" Quests, Ladies& Ocntlemen, arc welcome. S«>lo»a»»»erlauf bei Baer Soh» A.-G., dhaustcestr. 2» 31. Ab 1. Auaust erhalten Sie eine selten aünstiae Geleaenbeit. sich Qualitltoklciduna»u außer- aewöhnlich niedriaen Preisen zu beschaffen. Unqewöhnlich qroß ist die Ans- wohl, die wir für Sic bereithalten, und zwar in einer Güte und delonder» zu Preisen, über die stanz Berlin spricht. Lasten Sie sich in Ihecm ciacncn Intcrcste einen nnoerbindlichen Besuch bei un» empfehlen. AusvEsimurs PREISEi UMifATS SAISONAUSVERKAUF BEGINN 1.AUQ. (fderft 9ueltheff Gartraudfensfroßo. ö~9 An der Petri/rirche Donnerstag I.August 1929 -Unterhaltung uns ÄVissen Beilage des Vorwärts &red giefke: „SlaMbad" Erin 1. ,Lelt>« nehrung". 1915, n Meter entfernt. Unser derzeitiger Kompagnie„führer", von uns mit Leutnant„Ausbläser" bezeichnet, der geistigen Qualität wegen, kontrolliert die Posten. Er fragt E., ob er wahrnehme, was bei den Russen vorgehe. E. verneint und sagt, seine Brill« sei zerbrochen, also könne er nicht so weit sehen bei seiner starken Kurzsichtigkeit. Leutnant„Ausbläser" fährt ihn heftig an, sagt etwas wie„blinde Henne" und läßt ihn ablösen. E. bekommt einen Zettel von ihm, auf dem folgendes stand: ,�üs. E. kann die Komp. ver- lassen, um sich eine Brille zu besorgen. H., Leuw. u. Komp.-Fiihrer." ■ Mit diesem Zettel wandert E. zum Kompagniereoier. Dort hat man keine Brillen und schickt ihn zum Divisionslazarett in B. Auch hier waren die Brillen vergriffen. Man schmeißt ihn raus und bedeutet ihm, sich eine Brille von Berlin zu holen, wenn er e'me brauche. Schließlich gibt man ihm ein« Fahrtbescheinigung bis Mitau. In Mitau sind auch keine Brillen, er muß warten. Als Leichtkranker kommandiert der dortige Feldwebel den E. zur Be- glcitung eines Gefangenentransports nach Magdeburg. Bon Magde- bürg fährt er pflichtschuldigst nach Brandenburg zum Ersatz- bataillon. In der Revierstube bewirbt er sich an vier aufeinander- folgenden Tagen um ein« Brill«. Jedes Vorsprechen endet mit einem Hinauswurf. Da bittet er beim Ersatzbataillon um Urlaub nach Berlin, den er erhält. Inzwischen wartet Leutnant„Ausbläser" auf seine„Winde Henne". Er meldet den Fall dem Bataillon, dieses dem Regmient usio. Wegen„Fahnenflucht" wird er in Berlin bei feinen Angehörigen verhaftet und kommt vor das Divisions- kriegsgericht. Er erzählt seine Erlebnisse und man schmunzelt, man kennt den Kommiß. Ergebnis: Glänzender Freispruch! Leutnant „Ausbläser" bekommt ome dicke Zigarre— vom Regimentskommandeur. E. fiel als tapferer Soldat 1917 auf Höhe Z(M. Das E. St. II hott« er schon längst. Ob die Pazifisten wohl Tapferkeit nur vor-» täuschen, um die„Feigheit" zu verbergen? xudisimslinnUäriiche Erziehung? j-'flij:. mgfnbfa Giahlhelmkneipe. Sonntagnacht.— Räch langer Wanderung durch Felder nüsi Wälder hallte mein Tritt wieder auf dem Asphalt der Großstadt. Autos, Trambahnen rasselten an mir vorüber, und ich tauchte unter in die bunte Wog« sonntäglich geputzter Menschen, die sich auf den Bürgersteigen dahin wälzte. Gleich mir blieben ietzt einige Passanten stehen, denn aus den geöffneten Fenstern einer Wirt- fchast drang lautes Stimmengewirr. Auf dem Klavier wurde ein Akkord angeschlagen und dann erklang aus jungen Kehlen das Lied: „O Deutschland hoch in Ehren". „Stahlhelmkneipe...," hörte ich einen älteren Herren sagen. Giäsertlirven... Lachen..., Lärmen beendete den Gesang. „Silentium...,* schnarrte eine Stimme. Und dann sprach ein Redner von der verdamuten Juden- republik, von dem schwarzrotgelbcn Fetzen, von nattonaler Wieder- geburt. Worte des Hasses, der Verleumdung flatterten ins Freie. lind deutlich brandete an meine Ohren:„Der deutschen Jugend fehlt die Militärdienstpflicht. Beim Kommiß lernte man Ehrlichkeit, Anstand. Zucht und Ordnung. Der Körper wurde ertüchtigt. Die Soldatenzeit erzog unsere Iungens zu Männern. Sie goß den Geist der Treue, der Kameradschaftlichkeit in die Herzen..." In diesem Fahrwasser bewegten sich die Ausführungen des Redners weiter, bis sie in einem vielstimmigen„Prosit!" unter- gingen. Ein häßliches Hetzlied gkölend drängten halbwüchsige»urschen aus dem Lokal. Da überkam mich der Gedanke: Diese Jugend hat es wirklich nötig. Anstand. Zucht und Ordnung zu lernen. �Schlappschwänze" auf Llebungsmärschen. Weiter schritt ich durch die Nacht und dachte über das eben Ge- hörte nach. War es richtig, dem Militärdienst eine starke erziehe- rische Wirkung zuzuschreiben? Bilder aus meiner Soldatenzeit tauchten aus dem Nebel der Erinnerungen auf. Der Körper wurde ertüchtigt?! Ich sah mich auf llebungsmärschen. Glühende Hitze. Die Zunge klebte am Gaumen, und die stechende Sonne dörrte fast das Gehirn aus. Marschleren... marschieren... Ohnmächtig brachen Käme- raden auf staubiger Landstraße zusammen. Hitzschlag• Der Hauptmann runzelte die Stirnc und schnauzte:„Schlappschwänze!" Wir mußten weiter. Der Weg schien endlos. Exerzieren auf dem Kasernenhof. Rauhe Kommandoworte brutaler Menschenschinder. Stundenlang übten wir bei Wind und Wetter Parademarsch und lernten— das Grüßen. Nachts auf Posten im einsamen Walde. Strömender Regen. Naß bis auf die Haut bewachte ich den Schießstand, damit er nicht bis zum Morgen gestohlen würde. Eine körperlich« Ertüchtigung, an die mich iwch heute mein Rheumatismus erinnert. Ein heißer Sommcrtag auf dem Kunersdorfcr„Schleifstein" bei Frankfurt an der Oder. Wir lagen im Grase und mußlen „Gelände besprechen". Der Leutnant hatte die Frage gestellt, welchen Stern der Soldat nachts zur Orientierung benutzt. „Wie heißt der Stern?� schrie er unvermittelt den Schützen Kramer an, der vor Müdigkeit eingenickt war. Statt Polarstern, antwortete dieser erschreckt:„Die Venus". „Der Kerl schläft hier und träumt von seinen Weibern!" brüllt« der Offizier iromsch.„Ich werde dich munter machen." Und er wurde munter gemacht. Am nächsten Samstag beim Straf- exerzieren. Ich sehe ihn noch, wie er mit bleibeschwcrten Munitions- kästen durch die Regenpsiitzen des Kafernenhofes kriechen mußte. �Hütlegen.... auf. Stellung... Sprung auf-.. Marsch. inarsch'.. Eine Stunde iang� Ec Um vom Kopf bis zum Fuß mit Dreck besudelt enrf die Stube und fiel erschöpft auf feinem Bett zusammen. Tränen standen in seinen Augen.— Oer, Heilige Geist" auf Stube 12. Ehrlichkeit... Du Tugend des Soldaten. Wer lacht da nicht? Konnte man die Stube verlassen, ohne den Spind zu verschließen? Waren nicht Diebstähle an der Tagesordnung?— Ein edler kameradschaftlicher Geist zeichnete den Soldaten aus. Insbesondere die„alten" Leute. Mit welch„pädagogischen Mittein" wurden von diesen.Lameraden" Rekniten erzogen, die das Unglück hatten, im Dienst„aufzufallen". Armer Rominski... Du klopftest einmal„schlechte Griffe" und wir mußten deinetwegen eine Wertelstund« länger exerzieren. In der Nacht, die diesem Tage folgte, erwachte die anerzogen« „militärische Bestie" in deinen Kameraden. Wie war es doch? Zwölf Schläge zitterten von der Kasernen- uhr. Finsternis in der Stube. Ich schlief unter dir und hörte dein« ruhigen Atemzüge. Da... Leises Getuschel... Plötzlich wurde dir die Deck« vom Leibe gerissen. Schemelbein« schwangen in der Luft und sausten unbarmherzig auf deinen nackten Körper... Der„Heilige Geist" war dir erschienen. So wurde diese„Erziehungs- Methode" allgemein benannt. Furchtbar klangen deine Schreie. Du wandest dich unter Schmerzen. Du hast dich nicht beschwert, obwohl du am nächsten Morgen reviertrank geschrieben wurdest. Du hast geschwiegen— weil du nicht noch einmal„Kameradschaftlichkeit" spüren wolltest. Und im Felde...? 1917 im Graben vor Noyon. Marmelade, der ewig« Brotaufstrich Zwei Bouernsöhne gehörten ,zur Bedienung meines Maschinengewehres. Allwöchentlich erhielten ste Butte? und Speck von zu Haufe. Das Wasser lief uns im Munde zusammen, wenn sie die„Fettigkeiten" aßen. Wir„schoben kahle Bolzen", wie Fritz Haberlond, der Berliner für da» trockene Kommißbrot zu sagen pflegte. Nicht eine Mesierfpitz« teilten sie mit uns. Ost wurde die Butter ranzig Dann schmierten die Bauernbmfchen ihre Stiesel damit oder benutzten sie als Leuchtmaterial im Unterstand. O, viel- gepriesene„Kameradschaftlichkeit". Kasernendrill ist keine Jugenderziehung. „Uns fehlt die Militärdienstpslicht...?!" Rein und tausend- mal nein. Wir brauchen keine Feldwebel als Iugenderzieher, die uns Anstand uird gute Sitten lernen sollen. Wir haben genug von den Soldaienschindern, denen es beim Exerzieren besonder« Freude mochte/ uns„die 5)ammclbeine langzuziehen", oder, wenn am Ouerbaum die Klimmzüg« nicht glückten, die Kameraden mit dem Stiesel, dem Seitengewehr oder den Fäusten bearbeiteten. Wir brauchen keine Kasernen, wo junge Menschen zu blindem Kadaver- gchorfom erzogen werden. Die proletarische Jugend ertüchtigt den Körper im Wandern, in den Arbeitersportvereinen, und erwirbt sich in den Bildungs- abendcn geistiges Rüstzeug. Sie weiß, daß sich hinter der Militär- dienstpslicht, hinter der„Wehrhajtigkeit" das Schreckgespenst eines neuen Krieges erhebt. Sie steht Schulter an Schulter mit ihren Führern und Erziehern in Partei und� Gewerkschaft, im Kampfe für die Menschlichkeit, für eine bessere Zukunft. Heilige Feuer lodern in ihren jungen Herzen. Begeisterung und Kampfeswille. Das ist unser Weg. Er jührt nicht über Kascrnenhöf«. Xelnrld, JCerich: 3)16 � l jlNs/k Menschen, meine kinöer/ ihr in Schlacht unö Kampf/ wie ihr würgt unö winöet öurch öen blutigen Kramp'. Aus mir seiö ihr/ wieöer zu mir her kommt ihr/ nimmt euch Gott Sie Seele/ bergt ihr euch in mir. Kür euch alle/ Menschen/ bin ich aufgeblüht. Ihr habt mich zu fassen immer euch bemüht. Jetzt reiht ihr euch in Schrecken um mein buntes klciö ich bin eure Liebe/ ich bin euer Neiö/ ich bin eure Mutter/ muh euch lassen geh»/ iah öas Ungeheure all auf mir gefchehn/ bis ihr selber euren stah ertränkt in Vlut/ Neiö in Schmerz unö Trauer/ erst öann seiö ihr gut. Wieviel tausenö Aahre stets öasfelbe Spiel/ nur Sie Völker wechseln/ ewig bleibt öas Ziel» Menschen/ meine Kinöer/ Menschen/ klein unö groh/ ich bin eure Mutter/ kommt in meinen Schah. Erlaubnis des Vcrlaars Euftrn T>i«derichs in Jena bcm ISedichl- band«..Her,, anfflllilic dein Blut!" von Heinrich Lcrfch entnommen.! Stadl iudü 25000 Einwohner In der letzten Zeit erscheinen in den New-Iorker Tageszeitungen immer wieder Riosemnferate mit dem Wortlaut: Stadt sucht 25 999 Einwohner! Die Stadt, um die es sich hier handelt, liegt nur un- gefähr 25 Kilometer von New Dort entfernt und heißt Radbur». Man wird sich Viesen Namen merken müssen, denn Radburn ist vielleicht bestimmt, ein«' neue Epoche im Städtebau einzuleiten. Radburn«st selbstverständlich eine moderne Stadt, aber ohne ihre Nachteile. Eine Stadt mit allen Errungenschaften modernster Technik, imter Auswertung der neuesten Erfahrungen erbaut, und darum eine Stadt voll Idyllischer Ruhe: eine Gartenstadl! denn 79 Proz. der gesamten Oberfläche nehmen die öftentlichen Parks und Garten- anlagen ein. Weitere 15 Proz. entfallen auf Hausgärten, und nur 15 Prag, des Areals sind bebaut.' Radburn ist eine typisch amerikauifche, d. h. in Blocks gebaute Stadt, von denen eine gewisse Anzahl einen Stadtteil ausmacht. Innerhalb eines solchen Stadtteiles gibt es keine Verkehrsstraßcu, sondern nur Gartenwege, welche die einzelnen Häuser und Häuser- block? miteinander verbinden. Die Verkehrsstraßen sür Autos usw. sind an den Rand des Stadtteils verlegt und bilden so gleichzeitig die Grenzen zwischen den einzelnen Stadtteilen. An diesen Rand- stvaßen liegen auch die Geschäfte. Maßgebend für diese Anlage war die Erwägung, daß es den Kindern möglich gemacht werden müsse, sich, innerhalb des Stadtteil», wo sie wohnen, ungefährdet zu be wegep. Daher hat. man aM A den, Mittelpunkt jedes einzelne» Stadtteiles die Schule gestellt. Ein Zweites wurde mit dem Bau von Radbllrn bezweckt. Bis- her war fast überall die Industrie zuerst da und zog dann mit ihren Arbeitern und Beamten eine Menge Siedler nach sich. Das hatte zur Folge, daß die Industrie den Lebensstandard der Ein- wohner bestimmte. In Radburn ist die Sache umgekehrt. Hier ist zuerst die Stadt da, und die Eimvohner sollen erst kommen, sie werden gesucht. Sie haben alle Bequemlichkeiten und so niedrige Mieten, daß. es auch Leuten mit geringem Einkommen möglich ist, sein eigenes, d.h. nur vou ihm und feiner Familie bewohntes Häuschen zu haben. Wie ist dies möglich? Einige bedeutende Finanzleute und Industrielle haben sich, angeregt von dem be- kannte» Rew-Porker Architekten und Millionär Alexander M. Bing, zusammengetan und die Pläne für den Bau von Radburn entworfen. Alexander M. Bing selbst ist von einem Stab von Lehrern, Architekten, Bankiers, Richtern und Philanthropen umgeben. Es werdeli an die künftigen Bewohner von Radburn Aktien der Stadt zum Nominalwert von 199 Dollars ausgegeben: die Dividende beträgt für all« Zukunft 6 Prag. Der Gewinn wird zum weiteren Ausbau der Stadt sowie zur Erhaltung der öffentlichen Anlagen usw. ver- wandt. In Radburn kann joder wohnen, auch«venu er in New Park beschäftigt ist: die Verbindung der beiden Städte wird durch eine mächtige Brücke über den Hudson River herstellt. SHinddarmenl&ihiduug durch Siakierien lieber die Ursache der Entzündung des Wurmfortsatzes am Blind- dorm bestehen die verschiedensten Theorien, die die Ursache der Er- krankung in anatomischen Unregeimäßigkeiien des Darmes, in Fremdkörpern und Eingeweidewürmern sehen. Neuerdings neigt man mehr der Ansicht zu, daß zumindest die stürmisch austretenden Erkrankungen auf eine Bakterieninsettion zurückzuführen sind. Drei Fragen sind hier zu klären: Welches sind die erregenden Bakterien? Ist«s eine primäre Infektion oder eine von einer anderen Körperl stelle dorthin verschleppt«? Auf welchem Wege geschieht die Ver- schleppung? Eine Stütze sür dies« Theorie ist das häufig beobachtete, oft epidemische Austreten der Ertrankung. Es wurde bereits fest- gestellt, daß die Art der Entzündungserrcger mit der Gegend wechselt und von ihr abhängig ist. Nun untersuchten nach einem Bericht in der„Deutschen Medizinischen Gesellschaft", R. Hilgermann und W. Pohl etwa 399 Fälle, die in auffallender Häufigkeit in den Jahren 1926/28 im Kreis Deutsch-Krone vorgekommen waren. Bei zwei Drittein der Fälle war der Wurmfortsatz an der Wand mehr oder weniger zerstört. Es wurden stets Erreger vorgefunden, die nicht zu den normalen Darmbakterien gehören, vorwiegend Pncumo- Strepto-, Staphylokokken, Diphtheriebazillen u. a. Diese verursachten die Erkrankung infolge ihrer starken Virulenz. Es ist dies wohl eine mctastatische Erkrankung, die von einer anderen Körperstelle dorthin übertragen wurde. Um einen möglichen Zusammenhang mit der Angina festzustellen, wtirdcn auch die Bakterien des Rachens unter- sucht.' Dabei wurde fast immer eine Ueberemstimmung mit denen des Blinddarms gefunden. Der primäre Herd ist hier eine Mandel- cntzündung. Darum hatte auch Diphtherieserum bei diesen stür- mischen Blinddarmentzündungen eine gute Wirkung. Es konnte aber nicht festgestellt werden, ob der Transport der Bakterien von den Mandeln zum Darm durch das Blut oder über die Verdauungswez« vor sich geht. Zur Erkrankung gehört"aber nicht nur Infektion, sondern auch eine besondere Veranlagung durch Störungen der Ver- dauung und anatomische Veränderungen im Wurmfortsatz. 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UKalner Die Komödie J 1 Bismck.2414/7516 8U, Ende geg. 10 U. Deutsdie UrouttatirD. Freudiges Ereignis Lustspiel von Floyd Dell u. Th. Mitchell Deutsch von Hans Rothe Regie: Leontin. Sagau Bflhnenbilder Erich E. Stern Tluai.8nRotn.Tor Kottb.Str. 6 Tägl. 8 Uhr Elite- Sänger Die Aaf ust- Sensation Strlppke's la der Sommerfrische Planetartnin —• am Zoo— VirltaQ. Jcarfiimithaler 5 Irak B.5BarbarossaS578. I6V< Uhr StarnbMder das Sommers 18' 4 U Vor Pal zu Pol am Sternanhimmel 20'/, Uhr Der Glutball der Soene Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder 50 PL Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 Pf Reichshallen-Theatcr AUaben dllcfa[7] Uhr. Stettiner Singer von der Reise zurück. !Dat wundervolle Progr.l TarlcM Dönhoff- Brettl: (Saal und Garten) Tüdz: Adall-BeAer-Onhnier. Metropol-Th. Tägl. SV« Uhr Sonntags 4 u. 8V« Blanbarf Operette von Offenbach Kammersänger Walter Kirehhoff Lustsplelhaus Täglich 8V« Uhr Du wirst mich heiraten I Rundfunkhörer halbe Preise. 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Zu» oa da» Folgen einer BUnddormoperatW» g» storven ist. Ehr« seinem Andenke»! Di« EWäscheruug findet am Freitag, dem Z. August, ISHb Uhr. im«rmn- tottum Bournschulenmeg statt. Rege Beteiligung erwartet vi« 0rf»»«rao»»»»». DiMNliMiM-MU!! VSFWGlÜINSGMNgllSÜSI'l Arn Freitag, dem 2. August: S>G»am ttet mutieren Oclsoectoaltaag. Betriebsräte Dl» Betriedsräle-geltschrift Nr. 18 ist erschienen und lonn gegen Vorzeigung der Lkgitimoiionsforte de« Ditrteb«rata-Od- mannes in unlerem Bureau, gimmer 5, täglich dia 4 Uhr, Freitag» dt» 7 t entgegengenommen werden. Die(" Uhr. „GEVOBä" GemelnaOtxlg« Vtlamuutna- Ocnosscnsdian e. fi.m.D.H, Teltow. Am d. Zluguft 1929, abend« 7 Uhr, findet hei Link«, Teltow. Potsdamer Str.«ine austerorbenIL aeactaloecfammlnua itatt, wozu hierdurch die Genossen eingeladen werden. Tagesordnung: Bewilligung von Hypotheken und Schuldscheindarlehen. Der»ussichtarat: Lopvnch. Pietsch. Der»arftaud: Willi Schuh, Bader, Bülow frauenarit »1« leitender Arat der Knappschaftsfrauenklinik in Hindenburg gesucht. Gehalt monatlich 1000 Mk. Pensionsberechtigung nach staatlichen Grundsätzen. Qlehrltz, den 27. Juli 1929. Der Bezlrksrontuid der Obcrachlc« lache» Knappadiafl ..Ikü sciile mir ein Auta kauien? Nee! Für 75 Pfennige J-eSesonr*) nefl im hin mein eigener„Ford!" *) Gemeint ist natürliih das berühmte, von vielen Aerzten mpfohlene Hühneraugen• Lebewohl und Lebewohl« öailenschelben, Blechdose(8 Pflaster) 75 Pfg., Lebewohl® Fußbad �egen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel(2 Bäder) 50 Pfg.. erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewohl la Blechdosen und weisen andere, angeblich.ebenso gute* Mittel zurück. Berliner Leben in Zahlen. Heiratsziffer normal— Lebensdauer steigt. Dü Quecksilbersäule im Heiratsthermometer reagiert haarscharf au' die wirtschaftlichen Verhältnisse. Man kann an der Skala der jährlichen Eheschließungen das Auf und Nieder der wirtschaftlichen .koniunktur ablesen. In normalen Zeiten kommen im Durchschnitt in Berlin auf ie 1t) 00 Einwohner jährlich zehn Eheschließungen. Die Abweichungen von dieser Norm sind aber in einzelnen Iahren grnz erheblich. So traten zunächst die sogenannten Gründerjahre lach dem siegreichen ktriege von 1870 durch eine besonders ho?)s Heiratsziffer hervor. Das Jahr 1875 schlägt den Re- lord, indem die Vergleichszahl auf 15,8 Ehen stieg. Darm setzte eine Abkühlung des Heiratsfiebers ein und von 1879 bis 1881 wurde nicht einmal die normale Ehedurchschnittsziffer erreicht. Ein typisches Beipiel für dje Konjunktureinwirkung gibt auch die Zeit des Weltkrieges, der In- und Deflation. 1914 stieg als isclge der Kriegstrauungen die Eheziffer auf 11,2, dann aber sank sie sehr stark bis zum Jahre 1919 und erreichte ihren Tiefftand im Jahre 1916 mit 7,8. 1919 bis 1922 waren dagegen wieder stür- mische Heiratsjahr«. Es war jene Zeit, wo mancher im Nullen- taumel sich als kleiner Krösus fühlte und wo manch« Ehe fundament- los geschlossen wurde. Bekanntlich sind 50 Prozent dieser Inflationsehen wieder geschieden worden. Seit 1923 ilt dann die Heiratsziffer zurückgegangen— 1924 betrug sie 7,8— um sich von 1927 an wieder dem normalen Durchschnitt zu nähern. Die Sorge um den Nachwuchs. Der Rückgang der Geburtenfälle in Berlin wird durch wirtschaftliche Ursachen bedingt, vor allem aber bestimmt ihn der Wandel der Anschauungen, der das Heute von den Menchen des vorigen Jahrhunderts trennt. 1861 betrug die Zahl der Lebend- geborenen in Berlin 35,9 auf je 1000 Einwohner, in den Jahren von 1874 bis 1879 stieg sie sogar über 40 und erreichte 1876 ihren Höchststand mit 45.4. Und heute? 1927 sind wir auf 10,3 gesunken und erreichen nicht mehr ein Viertel der Geburtenzahl von 1875. Die meisten der Ehen in den siebziger Iahren des ver- flossenen Jahrhunderts hatten zwei, drei und vier Kinder. Vergleicht man hiermit die Ehen um die Jahrhundertwende, so hotten damals die meisten Familien ein oder zwei Kinder. Familien mit drei und mehr ffinbcm waren Seltenheiten. In den Ehen der höheren und mittleren Beamten ist die durchschnittliche Kinder- zahl von 3 auf 1,3 zurückgegangen. Von den Ehen. die in den letzten Kriegsjahrsn, also vor 10 bis 12 Iahren. geschlossen wurden, sind genau vierzig und von den Ehen der letzten fünf Jahre sogar fünfzig Prozent kinderlos. Hier tiegt der Schlüssel für den steigenden Sterbeüberschuß Berlins. Rückgang der Sterblichkeit. Dabei ist die Sterblichkeit in Berlin im allgemeinen erheblich zurückgegangen, während in den Iahren noch i«m Kriege von 1870 jährlich im Durchschnitt 30 von je 1000 Berlinern starben, ist dieser Anteil heute fast auf den dritten Teil, nämlich 7, gesunken. Die allgemeinen hygienischen Mahnahmen, die öffentliche Gesundheitspflege und-die vorbildliche vorbeugende Bekämpfung der Votkskrankheiten, wie sie heut« durchgeführt werden, haben eine ganz gewaltige Hebung des Gesundheitszustandes der Berliner Be» völkerung gebracht. Das kann man auch bei der andauernd und stark sinkenden Säuglingssterblichkeit feststellen. Wäh> rend 1860 von 100 Lebendgeborenen im ersten Lebensjahre 27 starben, in schlimmen Jahren 30 und 33 und 1871 sogar 40, konnte unsere moderne Säuglingsfürsorge diese Dezimierung der Neugeborenen immer mehr indämmen. Ende des vorigen Jahrhunderts waren es noch 25, also ein Viertel aller Säuglinge, die im ersten Jahre starben, bereits 1910 nur noch 15 und heute haben wir es soweit gebracht, daß nur noch 8 sterben. Von 40 auf 81 In dieser Zahlen- spanne drückt sich der Erfolg einer mühevollen und systematischen ärztlichen und Forscherarbeit und nicht zuletzt die aufopfernde Tätig- keit von fachlich gebildeten Pflegerinnen in den öffentlichen städti- scheu Anstalten, Krippen und Horten aus. Auf diesen unbestrittenen Erfolg im Dienste am Volke können die Stadt Berlin und ihr« Medizinolbehörden mit Recht stolz sein. Wo bleiben öieLnstandsehungsgelder? Die Mieter hoben vom 1. bis 10. August 1929 wiederum die Verpflichtung, sich um die Verwendung desjenigen Teiles der Miete zu kümmern, dar für die Instandsetzungsarbeiten be- stimmt ist. Es sind dies zurzeit 17 Prozent monatlich. Bei dem immer weiter fortschreitenden Verfall der Häuser liegt es im öffentlichen Interesse, wenn die Mieter diese gewissenhaft ausführen. Dies geschieht, indem man schriftlich den Vermieter auffordert, Zeit und Ovt zu bestimmen, wo man die Abrech mmg und die Belege für dos Halbjahr vom 1. Icmuar bis 31. Juli 1929 einsehen kann. Diese» Recht ist im Klagewege erzwingbar. Die Verweigerung der Nachweisung der Abrechnung und Belege kann dazu führen, daß das Wohnungsamt der Mietervertretung dies« Gelder zur selbständigen Verwendung überweist. Das Recht ficht in erster Reihe der Mietervertretung selbst zu, sonst aber auch jedem eii�elnen Mieter. Di« Wahl einer Mieterver- tretung ist nicht nur deshalb dringend geboten. sondern auch, weil die öffentliche Sicherheit durch den Versall der Häuser stark gefährdet ist, insbesondere gilt das für die zahlreichen Häuser, die im Besitz von Ausländern sind. Die Mieter selbst hoben schuld daran, wenn infolge ihrer Nachlässigkeit in der 'Wahrnehmung ihrer Rechte in Berlin täglich schwere Unfälle durch Herabstürzen von Stuck und dergleichen geschehen. Außerdem dient die resllvse Verwendung der Jnstanzsetzungsgelder auch dazu, in der jetzigen Zeit Arbeit zu verschaffen. So kann jeder Meter zu seinem bescheidenen Teil sich selbst nützlich machen. Besteht noch keine Mietervertretmig, so braucht nur ein einzelner Mieter ein« Sitzung anzusitzen und von dieser sämtliche Mieter Im Hause benachrich- tigen. Die Mieteroertrewng gilt als ordnungsmäßig gewählt, wenn sie die Mehrzahl der Stimmen der Mieter auf sich vereinigt. Hier- bei sind die Untermieter stimmberechtigt� wenn der Hauptmieter nicht in der Wohnung wohnt, lieber die Wahl ist ein Protokoll aufzunehmen und von den Wählern zu unterzeichnen. Die Wahl ist dem Vermieter mitzuteilen. Am besten wird mit dieser Mitteilung gleich die obige Allsforderung verbunden, über die Verwendung der JnstandsetzungsgÄder Rechnung vorzulegen. Mieter! Nehmt euer Schicksal selbst in die Hand! Nutzt die Rechte, die ihr habt, im allgemeinen Interesse aus. Bei Schwierigkeiten wendet euch an euren Abteilungsmieter- obmann oder an eines der Mitglieder des unterzeichneten Aus- schusses.(Rüben, Haseigckrtz 5; Kursürst 8374; Paul Lange, Ucker- mmider Str. 13; Urban, Elsässer Str. 52; Most, Grellstr. 39; Noetzel, 5kaiser-Friedrich-Str. 104; Roszak, Wartenburgstr. 7; Gründet, Fichtesir. 34.) Wir stehen euch bei Schwierigkeiten jeder- zeit zur Seite. Der Lezirksmieterausschuß der SPD. I. A.: Rüben. Oer Gtraßenbahn-v-Zug kommt. Fortgefehte Derbesserungen im Berliner Verkehrswesen. Die allmähliche Indienststellung der neuen Straßenbahnwagen mit Fernsteuerung und M i t t el e i n g a n g. di« bekanntlich eine wesentlich höher« Personenzahl ausnehmen können und eine erhöhte Fahrgeschwindigkeit haben, dürste eine allmähliche Umorganisation des gesamten Liniennetzes der BVG. zur Folg« habe. Die neuen Wagentypen mit einer Reisegefchwindig- keit von 19 Kilometer gegenüber der bisherigen Geschwindig- keit von 15 Kilometer in der Stunde können nur voll zur Entfaltung gelangen, wenn sie auf ihrer Fahrt nicht mehr durch die alten, langsameren Wagen aufgehalten werden. Die Straßen- bahn plant daher, Wagen von der gleichen Kapazität vorerst nur auf einer Linie lausen zu lassen; darüber hinaus will sie die einzelnen Strecken durch Kombinierung verschiedener Linien entlasten und dafür eine Hichtere Wagen folge durchführen. Auf der Strecke Steglitz—-Alexanderplotz verkehren z. B. über zehn ver- schieden« Linien, die alle mehr oder weniger denselben Weg nehmen und sich erst an den Eniden gabeln. Dies« Linien ließen sich sehr wohl nach Meinung der Straßenbahn verringern. Eingehende Er- wägungen über den ganzen Fragenkomplex sind bereits im Gang«. Auch di« Frage der Ergänzung und weiteren Anpassung der Omnibu-i-, Straßenbahn- und U-Bahnlinicn untereinander wird geprüft. Schließlich soll auch der Dienst auf den vorhandenen Strecken ausgedehnt werden, so daß bis in die späten Nachtstunden wenigstens eins der drei Verkehrsmittel auf allen Strecken zur Verfügung steht. Di« BVG. hat einen ganz neuen Wogentyp in Vorbereitung, mit dem in Bälde Versuche angestellt werden. Es handelt sich um den sogenannten Straßenbahn-v-Zugwagen mit Laut- sprecher und drei durchgehenden Wagen und einer F a h r g e- schwindigkeit von 21 Kilometer in der Stund«. Brücken mit Kaiferkronen. Es spuken immer noch die alten Gespenster� Obwohl wir nun schon über 10 Jahre eine deutsche Republik be- sitzen und die Republik ihr« eigenen Hoheitszeichen und Farben hat, werden die Hoheitszeichen des kaiserlichen Deutschlands immer noch an Brücken und öffentlichen Gebäiiden geduldet. Täg- lich mehren sich di« Zuschriften an die Redaktion, daß di« Sache kein Ende nehmen will. Wenn man auch dem Magistrat Ber- lins zugestehen kann, daß er schon viel«— meist aus unseren Hrmveis hin— von den öffentlichen Wappentieren beseitigte, ja ist die Handhabung doch so lasch, daß man ihm etwas mehr Tempo und guten Willen bei seinem Tun wünschen möchte. Es darf nicht geschehen, daß di« besten deutschen Zlbsichten durch Sabotage einiger reaktionärer Berwaltungsstellen hintenan gehalten werden. Auf der Weidendammer Brücke hat man endlich die Kaiser- kröne vom Geländer entfetnt, und doch ist das groß« Wappentier darunter erhalten geblieben. Auf beiden Seiten der Brücke schlägt es noch immer seine Flügel in das Ornament der Brück« und auf der Brust hat es nochmals ein kleines, ebensolches Vieh abgebildet, sogar noch mit Reichsapfel und Szepter dazu als Brust- schild. Konnte man da, wenn schon di« Handwerker dabei waren, nicht gleich ganze Arbeit machen? Zwei Brücken weiter, die Monbijou-Brücke, trägt 10 Leuchtkandelaber aus Marmorsäulen, die oben gleichfalls mit der Monarchenkrone geschmückt sind. Es leuchten darum die Lampen bestimmt nicht besser, aber, ohne dem Eindruck Abbruch zu tun, könnten die Kronen leicht entfernt werden. Die Fried- richbrück« am Lustgarten fft ebenfalls mit Kaiserkronen ge- schmückt, was eigentlich durch die häufige Wiederkehr als Ornament- zier auf gefftig« Armut in der wilhelminischen Zeit hindeutet. Auch diese Kronen könnten ohne Schaden für das Ganz« entfernt werden. Auf dem Balkon des alten Ka m m e r g e r i ch t s in der t Keine für den Ausyerkauf angefertigte"Ware, sondern die anerkannt gute eweker-Rleidung gelangt zum Verkauf Leineweber e n anzieht( Kja iJUMLlAft HJLK RIAAÄ JC A«. K.T L>nS«nftrab« wurde die Krone mit de» Initialen vorige« Jahr erst noch recht hübsch vergoldet, ein Beweis dafür, daß dt« Justiz in Deutschland noch nicht im Namen der Republik Recht spricht. Wer sein Geld zur Reichsbaut in der Jägerstraße trägt, darf in der Vorhalle dem allen Kaiser Wilhelm I. die Hand drücken, der hier in Bronze gegossen Portierdienste oerrichtet. Interessant wäre es auch, zu erfahren, wer in dieser prunkhasten Hall« an den Wänden vor zwei Iahren die alten Hoheitszeichen der verslosienen deutschen Monarchien hat erneuern lassen. Glück der Oaheimgebliebenen. Ferienkinder auf den Außenspielplähen. wer nicht das Glück hatte, mit dem Slz während der Schulferien an die See oder in» Gebirge fahren zn können, der tummelte sich VA Wochen lang im Sreise seiner Kameraden tagsüber auf einem der großen AußensplelplShe der Stadt Verlin. Wuhlheide, Pferdebucht, Plänterwold, Buch, Wannsee und noch einige andere Plätze sind das Kinderland der Daheim- gebliebenen. Hunderte und aber Hunderts von Kindern finden sich tagtäglich um die achte Morgenstunde auf chrem Sammelplatz ein, von da geht es unter Aufsicht von Lehrern und Iugendpflegern unter fröhlichem Gesang nach dem Spielplatz. Erst« Arbeit: Kaffeetrinken. In überdimensionalen Kochkesseln von 500 Liter Fassungsraum brodell fröhlich das Wasser zur Bereitung des Frühstücks, und der Wald duftet neben den pflanzlichen Wohl- gerücher� höchst einladend nach Kaffee oder Kakao; manchmal gibt es auch M e h! s u p p«, die sich jedoch keiner allzu großen Beliebtheit erfreut, und deshalb im Interesse des beiderseitigen guten Einoernehmens nicht allzu oft auf dem morgendlichen Küchenzettel erscheint Nachdem die„O b e r v o m D l« n lt" das Frühstück ausgeteilt haben, wird gegessen, das Frühstücksgefchirr abgewaschen, und dann geht es zum Spiel bis zur Mittagszeit. Ein Viertel vor 12 Uhr bläst ein Stepk« tüchtig ins Horn, die Essenausträger treten nn, wieder geht es ans Verteilen. Essen, Abwaschen, und nach dem Essen ist eine onderthalbstündige Siesta. Schlafen oder Mäuschen- stilliegen ist absolut nicht Vorschrift, sondern nach freier Wahl spielt der eine, die ander« liest, der dritte geht spazieren, und der vierte pennt vielleicht. Dann folgt gemeinsames Spiel. Da gab es z. B. einen internationalen Länderballwettkampf zwischen Lichtenberg, Köpenick. Adlershof und Berlin, aus dem Berlin mit 5:6 als Sieger hervorging. Feierlicher Einzug der Siegennann- schaft mit Fahnen und Gesang, als Belohnung gibt es eine Extra- fchrippe zum Kaffee und bei der morgigen Abschiedsfeier noch einen Extrapreis. Räch dem Kaffee wird wieder gespielt, und um 5 Uhr beginnt sich der Wald zu lichten von der fröhlichen Kinderschar: die Ordner schleppen die gefüllen Papierkörbe herbei, Spielgeräte, Tische und Stühle werden an ihren Platz geschafft, und wenn dann alles soweit ist, geht's unter Gesang heimwärts. So vergeht ein Tag nach dem anderen in fröhlicher Gemeinschaft mit den Altersgenossen, in guter Luft und bei gutem und reichlichem Essen. Bei gutem Wetter wird im Freien gespielt, geturnt und gebadet, bei schlechten! Wetter muß die große Hall« herhalten. Nun ist die schöne Zeit auch wieder vorüber, jetzt wird schon fleißig deko- riert, Tänze werden einstudiert, Turnkünsie geübt: Die A b schied s- fei er steigt. Die Kinder haben sich durchweg glänzend erholt, haben runde, sonngebräunte Bäckchen bekommen, ein paar Pfündchen zugenommen und ihre zarten, kleinen Lungen mit Sauerstoff tüchtig vallgepumpt. Wie eine einzige große Familie lebte man hier wochenlang in der schönen Natur, Lehrer, Pfleger, Hort- nerinnen und Kinder. Mit all ihren tleinen Leiden und Freuden kamen sie zutraulich an, denn es gab wenig Tadel, viel Nachsicht und volles Verstehen. Für 30 Pf. täglich— ganz Bedürftige wurden auch davon befreit— schuf man Tausenden von erholungsbedürftigen Großstadtkindern ein Sommerparadies. Stätten der rechten Erholung für unsere Berliner Proletarier- kinder, Arbeit, die in der Hauptsache duch die Sozialdemo- tratie geleistet wurde! Was jeder Mieter im August wissen muß. Der Reichsbund Deutscher Mieter teilt folgendes mit: Die gesetzliche Miete beträgt für AuMlst 1929: 120� Prozent. In den Fällen, in denen der Mieter die Schönheits- reparaturen ausführt, beträgt die gesetzliche Miete 116% Prozent. Der Hauswirt ist berechtigt, den Zuschlag zur Grrnrdoermögens- steuer, der über 100 Prozent hinausgeht, auf die Mieter umzu- legen. Für Berlin kommen demnach zirka 4 Prozent zur oben genannten Miete hinzu. Weiter ist der Hauswirt berechtigt, das Wassergeld pro- zentual auf die Mieter umzulegen, jedoch nur den Teil für die B«> wässerungs-, nicht für die Entwässerungsgebühr. Hierbei ist aber Voraussetzung, daß die Friedcnsmiete um 3 Prozent gekürzt wird. Ein« Erhöhung der 3 Prozent und eine gleichzeitig« Umlage des Wassergeldes bzw. des Teiles, der die früheren Unkosten für den Wasserverbrauch übersteigt, ist nicht zulässig. Di« Erklärung des Hauswirts hat rechtzeitig vor dem nächsten Mietzahlungstermin zu erfolgev. Jeder Genosse, der gewillt ist, im Interesse der Allgemeinhell seine Person zur Derfügung zu stellen und dazu auch die nötige Zeit ausbringen kann, wird gebeten, für das Jahr 1930 das wichtige Amt eines Mieterbeisitzers bei den Amts- gerichten bzw. Mieteinigungsänllern zu übernehmen und sich um- gehend bei seiner Mieterorganisation zu melden. Wenn«in« solch« nicht vorhanden ist, wende er sich an die Spitzenorganisatton des Reichsbundes Deutscher Mieter e. W, Verband Berlin«. D., Berlin W. 35. Potsdamer Str. 56; Telephon: Rollendorf 205. Berliner Anschaffungsgesettschafi. 29 Mittionen Mark Ltmsah.— 250099 Mark Neingewinn. Bessere Beleuchtung für Berlin. Nachdem die Stadt Berlin vor kurzem 1 Million Mark bewilligt hat, um die Straßenbeleuchtung Berlins zu verbessern, wird augenblicklich in den vörschiedensten Gegenden Berlins daran Die Berliner Ans cha ff u n g s- G« f« lls ch a f t m.b.H. legt jetzt ihren 7. Geschäftsbericht vor. Die Bilanz per 31. März 1929 schließt mit 2 935 242,19 M. ob. Sie zählt unter den Verbindlichkeiten 1000 000 M. Stammkapital, 1385 378,97 M. Kreditoren. 49 863,22 Mark Unterstützungsfonds, 250 000 M. Reservefonds und 250 000 M. Gewinn auf. Auf der Vermögensseite werden der Kassenbestand mll 367 566,66 M., die Warenvorräte mll insgesamt 351 179,22 M., di« Debitoren mit 2 216 494,31 M., Inventar und Fuhrpark mit je 1 M. ausgewiesen. Die Gewinn, und Verlustrechnung per 31. März 1929 schließt mit 1 567 506,23 M. ab. Auf der Ausgabenseite werden für Steuern 200 000 M., sür allgemein« Unkosten 106 759,72 M., für Gehälter und Löhne 438 284,82 M., sür Miete 92 692,24 M. u. o. eingesetzt. Demgegenüber stehen auf der Einnahmeseit« 588 089,68 M. für Skonto, 969 520,96 M. Warengewinn und 9 895,59 M. als Betriebsgewinn in der Wäscheabteilung. Im Laufe des letzten Geschäftsjahres sst es der Anschaffungs- gesellschast nicht nur möglich gewesen, den aus den Geschäftsjichre» 1925 und 1926 noch bestehenden Verlust voll zu decke»»ad»ach Durchführung der notwendig erscheinenden Abschreibungen und Rückstellungen den Reserve- sonds neu aufzufüllen, sondern darüber hinan» noch eine« Reingewinn von rund 250 000 M. zu erzielen, der sahungsgemäß der Siadigemeinde Berlin für gemeinnützig« Zwecke zur Verfügung gesielll wird. Dieser Erfolg konnte erzielt werden, obwohl infolge sofortigen Gütschreibens der erheblichsten Rabattsätze au di« verbrauchenden Delsststellen eine starke Preissenkung in den durch die Aiischaffuugsgesellschoft bezogenen Waren und Gegenständen durch- geführt wurde. Die Abstoßung von Lagerbeständen verschiedener Art hatte im Gefolge, daß es der Gesellschaft möglich war, mehr Geld in di« Hand zu bekommen und damll die Möglichkett zu er- hallen, durchweg bei den Lieseranten gegen Gewährung eines«nt- sprechenden Kassaskontos kürzere Zahlungsfristen zu vereinbaren. Di« durch den Abzug von Kassaskonto gewonnenen Beträge belaufen sich für das ganze Geschäftsjahr auf 588 089,68 M. und haben es ermöglicht, di« bei direkten Lieferungen entstehenden Geschäfts- Unkosten ganz aus diesem Kassaskonto zu decken, so daß seit 1. November 1928 hier die Rabattsätze in voller Höhe den verbrauchenden Dienststellen gutgeschrieben werden konnten. hierdurch hak sich erwiesen, daß der beschritt ene weg der Lieserungsoerlräge wesentliche Vorteile gebracht hol und der Gedanke einer zeutralen Veschafsungsstelle in der jetzigen Form durchaus als gut bezeichnet werden kann. Durch die Lieserungsverträg« wird«in Kreis von solventen Firmen zur Lieferung bestimmter Waren zu gleichmäßigen Preisen, die cnt- weder auf Grund einer Grossistenverkaufsliste oder nach der ständigen Marktnotiz festgelegt sind, an alle städtischen Anstalten und Betriebe verpflichtet, während di« Anschasfungsgesellschaft durch Prüfung der eingehenden Rechnungen sich die Kontrolle über di« Innehaltung dieser Preis« wahrt. Die Prüfung über die Qualität der gelieferten Waren verbleibt in erster Linie der be- lieferten Dienststelle. Der Umsatz der Berliner Anschaffungs-Geselsschast ist von 21 Millionen im Lorjahr in diesem Jahr auf rund 29 Mil» lionen Mark, also um rund 38 Proz. gestiegen, wobei zu be» merken bleibt, daß nach der neuesten Senkung der Preise ob 1. No- vember ein Monatsdurchschnitt von nahezu 3 Millionen Mark erzielt wurde. Die Gesellschaft hofft, auch im nächsten Geschäftsjahre die Lagerbestände noch etwas zu verkleinern und den Umsatz noch weiter zu erhöhen. Es sst deshalb in Aussicht genommen, sowohl in der Textil- als auch in der Schreibwarenabteilung Waren, deren Bezug durch direkte Belieferung verbilligt werden kann, nicht mehr auf Lager zu nehmen. Am Schluß des Geschäftsjahres waren bei der Anschaffungs- gesellschast insgesamt 155 Arbeitnehmer, davon 61 Angestellte, 23 Transportarbeite? und 71 Werkstottarbeiter(Näherinnen) be- schäftigt. gearbestet, diese Drbesserungsaibeiten durchzuführen. Besonder« in den Houptoerkehrsstroßen werden dort, wo noch alte Gaslaternen sind, neue Gruppenbrenner aufgestellt, die nicht nur den Borteil einer stärkeren Beleuchtung sondern auch einer gleich- mäßigeren Lichtoerteilung über die ganze Straße haben. Außerdem wird dort, wo es nötig ist, auch der Abstand zwischen den einzelnen Kandelabern verkleinert. Diese Verbesserung bezieht sich aber nicht allein aus die I n n e n st a d t, sondern in weit- gehendem Maße werden auch die Vorort« berücksichtigt. So ist u. a. jetzt die Königsallee vollständig mit neuen Gaskandetabern ausgerüstet worden._ Weniger Mücken. Aber die Hitzewelle hat ihre Entwicklung gefördert. Das Austreten zahlreicher Mücken ist von den Witterungsver- hällnissen des Sommers wesentlich abhängig. Viel« Niederschläge und daraus einsetzende Hitze sind der Entwicklung und Vermehrung dieser Plagegeister des Menschen förderlich. Bisher sind in diesem Jahre Nachrichten über Mückenplagen ausgeblieben. Da aber die Hundstage noch bevorstehen, wollen wir nicht zu früh frohlocken. Die Witterung der Sommennonote war bisher der Entwicklung der Mücken günstig, namentlich di« versehiedenen Rege»- fälle und die letzte Hitzewelle. Ungünstig waren dagegen die tiefen Temperaturen des vergangenen Winters und die von der Stadt Berlin ausgeübte Mückenvertilgung, die nicht zu unter- schätzen ist. Die Stechmücken sind fast in der ganzen Well anzutrefsen. Nur gebirgige Gegenden, di'e von schnell fließenden Bächen bewässert werden und wasserlose Wüstengebiete kennen sie nicht. Stehendes Wasier ist sür die Entwicklung dieser unangenehmen Plagegeister unbedingt notwendig. Sumpslöcher und Pfützen. Teich« und Tümpel sind günstige Brusstätten. Hier hinein legen die weiblichen Mücken die Eier. Di« Entwicklung der Eier geht sehr schnell vor sich. Schon nach vierirndzivanzig Stunden, manchmal schon stüher, verlassen die Mückenlarven am unteren End« den Kokon und schlüpfen zur wei- teren Entwicklung in das nasse Element. Di« Entwicklung der Mücke vom Ei bis zum fertigen Insekt kann in acht Tagen zurückgelegt werben. Diese schnell« Entwicklung ist natürlich eine Gefahr für den Menschen. So können nach heftigen Regengüssen Wasserlachen länger« Zeit stehen bleiben, werden von weiblichen Mücken beflogen. die die Eier ablegen und so einen Mückenherd bilden, besonders, wenn die darauf einsetzende Witterung warm ist. Di« unan- genehmen Eigenschaften der Stechmücke hoben»ur di« weiblichen Insekten, während die Männchen harmlos sind und sich von Pstanzensästen nähren. Sie stechen niemals, da ihnen die Stechapparat« fehlen, mll denen die Weibchen ausgerüstet sind. Sobald es einer weiblichen Mücke gelungen ist, ihren Rüssel auf die Haut anzusetzen, stößt sie die lanzpttförmigen, mit langen Widerhaken versehenen Kiefer wie eine Säg« schnell auf und nieder, bis sie die Oberhaut durchbohrt und ein kleine» Blut- gefäß angestochen hat. In diese Wund« spritzt nun die Mücke etwas von ihrer Spsichelflüssigkeit, die«in Gerinnen de, Blutes oerhindern soll. Mit vollen Zügen schlürft st« das Blut«in, bis ihr Saug. mögen angefüllt ist. um dann geräuschlos davonzufliegen. Die große Gefahr bei der Stechmücke besteht nicht allein in den wenig ange- nehmen Folgen des Stechens/ wie schwache Entzündungen und Juck- reiz, sondern in der Möglichkeit Krankheiten zu übertragen, deren Erreger sie mll dem Blut einschlürsen können. Zu den Krankheitströgern zähll auch die Malaria- mück«, die ja das Wechselfieber oder di« Malaria überträgt. Ihr« Lebenswesse ähnelt der der Stechmücken. Sie sind von diesen durch di« langen viergliedrigcn Taster und ihre Ruhestellung zu imterscheiden. Diese Mücke kommt auch an zahlreichen Orten verdeutschen Tiefebene und in der Umgebung Berlins vor. Sie kann nur dann gefährlich werden, wenn sie sich mit dem Blute eines Malariakranken vollgesogen hat und durch Stich die im Blute befindlichen Erreger weiter übertrögt. Da in unseren Breiten dos Auftreten der Malaria ein« selten« Erscheinung ist, so ist ihr« Uebertragung durch die Malariamücke kaum möglich. Die Bekämpfung dieser Plagegeister im Haushalt während der Sommermonat« kann zum Beispiel durch den Staubsauger geschehen, indem man die an der Decke oder an den Wänden sitzen- den Mücken wegfängt. Das still sitzende Infekt wird dann von dem Lufsstrom mit aufgesogen. Durch Räucherkerzen kann man abends di« Zimmer ausräuchern, uni während der Nachtzeit Ruh« zu haben. Das Anbringen von Gazefenstern, di« genügend frische Luft durchlassen, sst ein weiteres Abwehrmillel gegen Mückenbesuch. Neue Volksschule in Wittenau. Infolge der großen Sch»lraumnot im Bezirk Reimcken- dorf hat sich der Neubau einer Volksschule, die in dem Ortsteil Wittenau errichtet wird, als dringend notwendig erwiesen und sst durch Gemeindebeschluß vom Februar/Mai 1927 g r u n d- sätzlich genehmigt worden. Dem Schulprosekt wmd« auch vom gemeinschaftlichen Ausschuß für Schulbauten am 28. Juni 1928 zugestimmt. Mit dem Bau wurde im Frühjahr 1928 begonnen, nachdem in den Hausholt für 1927 bereits 138000 M. und in den Haushalt für 1928 300 000 M.. insgesamt 438 000 M., eingesetzt und laut Magssivotsdeschluß vom 16. Mai 1928 auch steigegeben worden sind. Der Stadtverordnetenversanunlung geht nunmehr eine Vorlog« zur Beschlußfassung betrosss der Festsetzung der endgültigen Kosten für diesen Schulneubau zu, die sich auf 2 002000 M. belaufen. Das neu« Dolksschulgebäude umfaßt 24 Klassen. Im Erd- geschoß sind neben den Verwaltungsräumen Räume für W erk- Unterricht u»d Haushaltungsunterricht sowie ein Brausebad vorgesehen. Das 1. Obergeschoß enthält im wesent- lichen die Klassenräume, während im 2. Obergeschoß neben den Klassenzimmern di« Räum« für Naturwissenschaft, Zeichnen, Musik und Nadelarbeit eingerichtet werden. Eine Aula erhält die Schul« nicht, dagegen sind zwei Turn- hallen vorgesehen, von d«n«n die untere gleichzeitig als Ver- sonnnlungsmum dienen soll. Außerdem ist di« Einrichtung einer Volksbücherei geplant. Der Umb«m der HochbahnhSfe. Auf den Hochbahnhöfen Bülowstraße und Rollen. dorfplatz sind letzt die neuen Hallenaufbauten für di« Ueberdachunq der verlängerten Bahnsteig« s e r t i g g e st e l l t. Auch die notwendigen Trägerverstärkungen sind jetzt beendet. In den nächsten Tagen wird mft dem Einbau der Treppen für di« zweiten Zugang« zu den Bahnsteigen begonnen werden. Mit der Fertigstellung der gesamten Bahnhofsumbauten ist im H e r b st zu rechne»._ Wetter berlch« der SffeolNche» wellerdievftftelle Berti»»od Umgegend. �Nachdruck verboten.) Trilbe bis stark wolkig mit Regeniällen und geringer Temperaturänderung.— Für Veotfchland: 0!m Nordwesten allmäblicher Ucbergang zu oeländerlichem Weiler, im übrigen Norddeutlchlaiid trübe und regnerisch, im Süden Abkühlung mit Regensällen. (35i08S�k? SAISON-AUSVERKAUFI ab 1. August . a.Souc16170/r« OK sta'.t M. 54.30 M.«»•" Qu. Harold 200 303 Kn_ statt M. 80.60 M.»W." Qu. Herold 280/390 74_ statt M.120.- M. I«•" Deutreh 150/250 A O statt M. 93.* M.*»£ Perser 200/300 7» statt M. SS.- M.'* Qual.ldeaI29e35C statt M. 123.- Woll 170/2««7. statt M.iOe.-M.«»•* Plüsch 200/200«07. statt MISS.- M.•«'»" 353 aa_ Qn.Mcrkur 250/350«Ott M.WC's" tlBttM.2S5.-M.lwOs" 55,57,58 WILHELMSTRASSE 55,37,58 50 auf Läufentoffrette In Bouclö, Tournay, Velour, Cocos, Haar- Velour Coees- 63 cm A_ Läufer»d.m*■ Qual. BerclÜU QOcm 070 j.m Raarvelear- 88 em A Läufer lfd. m Qual. so cm« a Rom lfd.m l«s"