BERLIN Sometttag 1. August 1929 10 Pf. Nr. 356 B127 46. Jahrgang. e ifA ei Bt t8| 1 1 4 a b I er 6• n n t s s«./ y%.§ X..«£(»0iei8e«»rel<:Die eiospaltige Nonpareille,«!« Zugleich Abendausgabe des.Dorwärtt'. Bezuzspreis V. � f V X."-1- 80 Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. beide Ausgaben S�Pf. pro Woche,»,60M. pro Monat.. U& jfi0\ mm Postscheckkonto: DorwärtS-Verl-g G. m. b.H.. Redaktion und Expedition; Berlin SW6S.!indenstr.b J" � �L�XiU jj f wir 7w Berlin Nr.»7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 2g? Tag des Friedenswillens! Kundgebung am Kn'edn'chsbain gegen Völkerhaß und Kriegshetze! Bombenaitentat in Lüneburg. Gegen einen demokratischen Rechtsanwalt und die Landkrankenkasse. Henke vor fünfzehn Jahren brach der welkkrieg aus. wie ein Orkan kam er über die Völker Europas, alles mit- reißend und verheerend. Zkur polltische Hasardeure können die Wiederkehr solcher Ereignisse wünschen. Die schaffende Welt der Arbeit will in Frieden an einer besseren Zukunft bauen. Sie will nicht andere Völker hassen, sondern mit ihnen im weltstreit um die Werke de« Friedens stehen. Sie lehnt die Sriegstreiberei ab. die heute bei Vational- fozialifiea und Kommunisten gleicherweise im Schwünge ist. Sie läßt sich weder von den Wannen Hugenbergs noch von deueu Stalins wieder iu Kriegspsychose versehen. Zu der demokratischen Republik können Arbeiter. Angestellte uud Beamte, die in der Bevölkerung die ungeheure Mehrheit bilden, ihren Friedenswillen durchsehen, wenn sie einig in ihrem Wollen sind. Heute abend demonstrieren Sozialdemokraten und Friedensfreunde gegen Völkerhaft und Kriegshetze im Friedrichshain! Niemand darf fehlen! Es gilt ei» Massenbe- kenntnis für Demokratie und Friedenswillen, gegen Kriegstreiberei und Diktatnrgelüste! Auf in den Friedrichshain! Militärflugzeuge über Paris. Aurgerkriegspsychose in Frankreich. Varl», l. August. lElgenberlcht.) Do» von der volizei zur Abwehr der für heule geplanleu kam. munistifcheu Aklion angeforderle Vlililär hat heule beim Morgen- grauen feine Slellungen bezogen. Die Volizei hak darüber hinaus noch mehrere Flugzeuge zu veobachtungszwecken und einige T a u k s erbeleu. Am Miklwoch abend wurden iu Poris 60 Kommunisten ver. Hostel und auf Anordnung der Polizei 48 Ausländer abgeschoben. Die gesamte Auflag« des kommunistischen Parteiblattes, der «Humanite�, in der die letzten Anweisungen des kommunistischen � Generatstabes" für den Aufmarsch am 1. August gegeben wurden, ist opn der Polizei beschlagnahmt worden. Dieser Schritt war in größter Heimlichkeit vorbereitet worden, um den Plan mit Erfolg durchzuführen. Nach den Weisungen der kommunistischen Zentrale sollen die Arbeiter um 11 Uhr die Arbeit einstellen, sich innerhalb der verschiedenen Betriebe versammeln, dann auf die Straße eilen und trotz des Verbotes Kundgebungen veranstalten und den Anordnungen der Polizei Widerstand leisten. In einem Hotel in der Nu« Nationale will die Polizei zahlreiche Sprengkörper ent- deckt haben, die in einer Sprengstoffabrik entwendet worden waren. Leon Blums Stimmenihaliung. Marin stimmte gegen Äriand. Paris, 1. August. Bei der Abstimmung über die von der Negierung angenommen« Vertrauenstagesordnung Sibillc in der Kaminer hoben folgende 13« Abgeordnet« gegen die Regierung gestimmt: 11 Kommunisten, 99 Sozialisten, 7 Radikal«, ein Mitglied der unabhängigen Linken. 10 Sozialrepublikaner, ein Mitglied der demokratisch-sozia- listischen Fraktion, 4 Mitglieder der demotratijch-republikanischen Bereinigung(darunter die Führer dieser Partei Marin und L o u i s D u b o i s), 3 bei keiner Partei eingeschriebene Abgeordnet«. Der Stimmabgabe enthalten haben sich 102 Radikale, drei Sozialrepublikaner, ein Sozialist(Leon Blum), Z Mitglieder der radikalen Linken, 4 Linksrodikole, 4 Mitglieder der unabhängigen Linken, 5 Mitglieder der demokratisch-republikanischen Bereinigung, 7 bei keiner Fraktion eingetrogene Abgeordnete und der Kamme» Präsident. Fünfzehn Abgeordnete waren beurlaubt. Die übrigen haben f ü r die Regierung gestimmt. Poincare ist heute vormittag 9 Uhr von drei Aerzten operiert worden. Di« Operation ist gut verlausen. Lüneburg, 1. August. Heute»acht um 1% Uhr erfolgte in dem Hause des Rechtsauwalts uud Notars Dr. Strauß, Lünerweg 8. eine furchtbare Detonation. Im Keller war eine Dhuamitbombe explodiert. Die Explosion wirkte ftch zum Glück mehr nach außen hiy aus. Beschädigt wurde die Außeuwand des Hauses, auch sämtliche Fenster- scheibe« wurde» zertrümmert. In der Nachbarschaft ginge« durch die Explosion ebenfalls die Fensterscheiben i» Trümmer. Di« Familie de» Rechtsanwalt« Dr. Slrauh ist zurzeit verreist. Es ist noch nicht festgestellt, ob politische Beweggründe zu dem Attentat geführt haben. Die Landeskriminalpolizci von Harburg ist am Talort mit der Aufklärung de» Attentats be- schästigt. Rechtsanwalt Dr, Strauß, der politisch zur Demokrat!- sch e n Partei gehört, ist ein Schwager des Ministerialrates Dr. H i r f ch s e l d, der in der Pressestelle des preußischen Innen- Ministeriums tätig ist. 4 000 Mark Belohnung. Der Regierungspräsident von Lüneburg hat für die Aufklärung des Verbrechens und die Ergreifung der Täter 1000 Mark Belohnung ausgelobt. Ein zweiter Anschlag! Lüneburg, 1. August.(Eigenbericht.) Auch im Gebäude der Landeskranken- k a s s e wurde heute morgen in einer alten Mar- garinekiste eine Höllenmaschine entdeckt. Sie bestand an» einem Spreng st offvorrat und einer Uhr, die für den Augenblick der Entzündung eingestellt war. Der Zeiger der Uhr hakte sich fest; dadurch wurde der Anschlag verhütet. Der Rechtsanwalt Strauß, auf dessen Villa der erste An- schlag gemacht wurde, ist Riitglied des Vereins Deutscher Staats- bürger jüdischen Glaubens und Vorsitzender der Lüncburger Orts- gruppe. Ver Bevölkerung hat sich über die geplanten verbrechen eine große Erregung bemächtigt. Man vermutet, daß es sich um hakenkrcuzler handelt, und man ist in Sorge, daß die Holsteiner Bombenepidemie auf Hannover übergreift. Die Landeskriminalpolizei hat sofort mehrere Beamte noch Lüneburg entsandt, die Rachforschungen werden mit größtem Eifer betrieben. Oberpräsident Genosse R o s k e hat angeordnet. daß alle Mittel zur Aufklärung der Verbrechen angewandt werden. s'',•"""' �. Die Lage im Texiilkonfliki. Macdonald seht einen LlntersuchnngsauSschuß ein. London, 1. August. � Zur Untersuchung der Lage in der englischen Vaumwoll- lndustri« hat Macdonald gestern einen aus fünf Mitgliedern bestehenden. Ausschuß ernannt. Vorsitzender des Ausschusses ist der Präsident des Handelsamtes, Graham. Als weitere Mitglieder gehören ihm der erste Lord der Admiralität, Vertreter der Unter- nehmer und ein Vertreter der Gewertschast der BaUmwoll» arbeiter an. Aufgabe des Ausschusses ist es, die gegenwärtig« Lag« und die Aussichten in der Baumwollindustrie zu untersuchen und Vorschläge für Maßnahmen zu machen, die wünschenswert und durchführbar für«ine Verbesserung der Lage dieser Industrie aus dem Weltmarkt seien. 3)ie Opfer von Waldenburg Zeppelin auf Amerikafahrt. Heute früh 3,30 Uhr gestartet. Friedrichshafen, 1. August. Das Lustschiff„Graf Zeppelin" ist heute früh 3 Uhr 2S Minuten mit 18 Passagieren an Bord unter Führung Dr. Eckeners zur Fahrt nach Amerika aufge» stiegen. Der Aufstieg ging glatt vonstatte«. Das Lust- schiff nahm sofort Kurs in Richtung Konstanz— Basel. Lörrach, 1. August Das Zeppelinluftschiff passierte am heutigen Donnerstag früh um 5,45 Uhr Säckingen und flog dann weiter den Rhein entlang bis nach Basel, wo es 6 Minuten vor 6 Uhr erschien Da das Wetter ziemlich trübe war, flog das Luftschisf sehr niedrig. so daß es doch gut zu sehen war. Zwei Flugzeuge waren vom Baseler Flugplatz ausgestiegen, um dem Zeppelin ein Stück ent gegenzufliegen und ihn über die franzSsische Grenze zu geleiten, die um 6 Uhr 5 Minuten passiert wukde. Um 8.40 Uhr traf bei der F u n t st a t i o n des Luftschisf- b a u e s eine Standortmeldung des Luftschiffes ein, wonach es sich um 8 Uhr über Baume-les-Damcs am Doubs(30 Kilometer nordöstlich Besanion) befand. Auch diesmal soll ein blinder Passagier Eingang in das Luftschiff gesunden haben. Er soll von einem der Laufftege nach oben in das Schiff eingedrungen sein. Ein Werftarbeiter will ihn beobachtet haben. Er erstattete der Schiffsleitung sofort Meldung. Das Lufffchiff wurde abgesucht, da man ihn jedoch nicht gleich entdecken tonnte, entschloß man sich zur Abfahrt. Das Luftschiff hat um 11,10 Uhr Lyon mit Kurs nach Süden überflogen. Es hat durch Funkspruch um sosorttg« Mitteilung der Wittenrngsberichte über der Gegend von Bordeaux gebeten. 30 Todesopfer in Waldenburg. Fahrlässigkeit der Bergleute kommt nicht in Frage. Waldenburg, 1. August. Zm Laufe der Nacht sind von den im Knappschasts- lazarett eingelieferten Schwerverletzten noch zwei Schlepper gestorben, so daß sich die Zahl der Totem auf dreißig erhöht. Die Untersuchungstommission konnte bisher über die Ursache der Grubenkatastrophe noch zu keinem Ergebnis ge- langen. Regierungspräsident Jänicke ist mft Ministerialrat Rother voin Handelsministerium eiirgesahren, nachdem schon Oberbergrot Weber und Oberbergrat Dreßler aus Breslau in der Grube weilten. Für heut« ist nochmals ein« genaue Untersuchung an Ort und Stelle vorgesehen. Es ist, soweit sich bisher übersehen läßt, anzunehmen, daß das genau« Unterjuchungsergebnis noch einige Tag« auf sich warten lassen wird, da die Fachleute hier vor«ine schwierige Ausgabe gestellt sind. Es sollen auch wissenschaftliche Untersuchungen vorgenommen werden. Fest steht bisher nur, daß ein schuldhaste» oder fahrlässiges Verhalten der Arbeiterschaft nicht in Frage kommt. Es kann sich nur um die verquickung unglücklicher Zufälle handeln, in die bisher noch kein Licht gebracht werden konnte. Gefahr unter Tag« besteht nicht mehr. Der Betrieb der Grube geht in vollem Umfange weiter, und an allen Orten, mit Ausnahm« des Unglücksortes, wird gearbeitet. Am Freitag vormittag um 10 Uhr findet im Hotel„Glückhilf' in Niederherms- darf die Trauerseier für die veranglückien statt. Di« Opfer werden alsdann einzeln in ihren Gemeinden, nicht in einem Massengrab, beigesetzt werden. Zu der Trauerfeier werden Vertreter des Arbeitsmimsteriums, des Innenministeriums, der Oberberghauptmann im Handelsminssterium, der Berghauptmann zu Breslau und der Oberpräsident erwartet. Die Kosten für die Ueberftihrung und die Beerdigung der Opfer werden selbswerständ- lich von der Grubenverwallung getragen. Die Altsprüche der Hinterbliebenen an die Knappschaft belausen sich auf 27S M. für Unoerheiratete bis 491 M. für Verheiratete. Di« Rentenansprüche betragen je nach Einsahrtszeit und FamilienverhAtnisse der«inzel- nen 23 M. bis 160 M. im Monat. Die vom Handelsministerium und vom Reichsarbeitsministerium zur Verfügung gestellten Mittel werden so verkeilt werden, daß die Hinterbliebenen von Unver- heirateten, die ihre Eltern versorgten, sofort 100 M., die Hinter- bliebenen von Verheirateten ISO M. und für jedes Kind je 20 M. sofort ausbezahlt erhalten. AOGB. zum Walöenburger Grubenunglück. In unsecni Bericht von den Verhandlungen des Bundesaus- jchusses in der Morgenausgabe unterblieb aus technischen Gründen der Teil, der sich aus die Ausführungen Leiparts zur Grubentata- stroph« in Waldenburg bezog. Leipart sprach im Namen des Bundesvorstandes und des Bundesausschusses den Hinterbliebenen und dem Borstand des Deutschen Bergarbe!t«rverbond«s dos herz- lichste Beileid aus und versprach, daß die Gewerkschaften mit oller Kraft für eine weitere Verbesserung des Gruben- j ch u tz e s«intreten werden. Schweres Grubenunglück in Frankreich Acht Tote geborgen. Paris, 1. August. Wie„Echo de Paris" ans Lens gemeldet wird, ereignete sich gestern abend in einem Schacht des Berg- Werks von Efarpelle bei Courcelles-les-Lens ein Grubenunglück. Um 20 Uhr 10 brachem in einem Schacht schlagende Wetter loö. An den gefährdeten Stellen befanden sich 100 Bergarbeiter. Bis 23 Uhr find acht Tote geborgen worden. Zwei Berliner in Bayern tödlich abgestürzt. Garmisch. 1. August. Am Mittwoch früh 8 Uhr ist ein Wanderbursche aus Berlin am Eingang zur Goellentalllamm tödlich abgestürzt. Er war mit' drei Kameraden auf einer Tour begriffen und wollt« di« Klamm besuchen. Um den Eintrittspreis zu sparen, wollten sie den sogenannten Oberen Weg benutzen. Der Itzjährige Student Dall«ntin Hermann aus Berlin stieg von der Eingangshütte au» direkt zum Oberen Weg hinauf, dabei stürzte er ab. siel in die Klamm und war sofort tot. Durch di« sich beim Absturz loslösenden Stein« wurde einem seiner Begleiter d e r Arm abgeschlagen. Die Leiche des Hermann wurde ge- borgen. Ertappte kommunistische Fälscher. Die �Rote Fahne" muß auch den neuen Schwindel gestehen.— Klägliche Aus- reden.— Fälschungen find doch nicht so schlimm. Der gestern von uns aufgedeckte neue Schwindel mit Greuel- bildern muß von der„Roten Fahne' glatt zugestanden werden. Sie kann sich nicht einmal darauf hinausreden, daß sie diesmal von einer bürgerlichen Photoagentur„hineingelegt' worden sei. Natür- lich geht es bei einem kommunistischen Geständnis nicht ohne neue Lügen ab. Di«„Rote Fahne' schreibt: „2)er gestrige Abend-„Vorwärts' setzt den demagogischen Versuch der SPD. fort... indem er die Behauptung aufftellt, ein Bild der„Roten Fahne', das eine Hinrichtung durch„Zer- stückelung' darstellt, zeige nicht die Hinrichtung einer chinesischen Kommunistin, sondern eines Mannes. Das betreffende Bild wurde von uns einem Buch des Verlages für Literatur und Politik entnommen. Selbst wenn der betreffend« Verlag in diesem Fall einem Irrtum zum vpser gefallen sein sollte, wird die Grausamkeit der auf der Photographie festgehaltenen Hinrichtung?- Methode dadurch keineswegs geringer, daß es sich möglicherweise um keine Frau und Kommunistin, sondern um einen Mann handelt.' Wieder an der Hauptsache vorbeigelogenl Daß die auf der Photographie gemarterte Person einen Mann und nicht«ine Frau darstellte, hatten wir nur als sinnfällig«» Beweis für die Fälschung angeführt. Das Wesentliche aber, worauf es ankommt, dürfen die Leser der„Roten Fahne' nicht erfahren: daß auch diese Photographie schou vor mehr al» 25 Jahren, nämlich im Jahre 1S0Z, im Handel war. daß sie einer Aufnahmeserie entstammt, die eine chinesische Hin- richiungsmethode gegen Schwerverbrecher, das.Ling-Tschi' in ihren auseinanderfolgenden Phasen darstellt. Osfenbar war dies« Bild- seri« damals zum Verkauf an Sadisten und ähnliche„Lieb- Haber" bestimmt, ganz bestimmt aber gab es sie schon zu einer Zett, wo Kommunisten überhaupt noch nicht, am allerwenigsten ln China, existierten! Die Entnahme einer solchen Photographie aus irgendeiner Broschüre genügt der„Roten Fahne'(ihr Gestammet einmal als wahr unterstellt), um ein solches Bild als ein„authentisches Dokument' zu bezeichnen und mit frecher Stirn darunter zu schreiben: „Will der„vorwärts' auch die Echtheit dieses Bildes bestreite«? Hinrichtung einer chinesischen Kommunistin durch IWong. kaitschek» Söldner.' Aber auch mit der Broschüre hat dos auch noch einen Haken. Wir haben uns nämlich die Mühe gemacht, auch diese Broschüre aussindig zu machen, in der das Bild bereits steht. Es ist aber ein« ganz ander« Broschüre. Sie ist erschienen in dem kam- monistischen Verlag Earl Hoym Nachfolger, versehen mit einem Vorwort von Klara Zetkin und betitelt„Des Bolkes Blut'. Auf der Reproduktion dieser Broschüre erkennt man übrigens das männliche Geschlecht der auch hier angeblich hin- gerichteten„Kommunfftm' mit voller Deutlichkeit. Gedruckt fit di« Broschüre bei der„P e u v a g', sie ist also ganz intern«, kam- munistisches Machwerk und beweist nur, daß die KPD. in der Der- breitung ihrer Fälschungen sehr großzügig ist. Dies ist nun der zweiteFall, in dem sich die Verwendung gefälschter Greuetbilder durch di«„Rote Fahne' klar nachweisen läßt.(Wieviel Bilder noch gefälscht sind, deren Originale ver- schollen sind, kann man nur ahnen.) In solchen Fällen— wo sich nichts mehr leugnen läßt— öffnen die tobsüchtigen Moskau- trabanten der„Roten Fahne' ihre Schimpfwortkloake und werfen blindlings mit Gemeinheiten um sich. Di«„Rote Fahne' hat die Liebenswürdigkeit, uns seit Wochen„Stinktiere' zu nennen. Wir � sind nicht für Schimpfwort« aus der Tierwelt, aber das Gebaren der„Roten Fahne" läßt sich sehr wohl mit dem des Tintenfisches vergleichen, der durch Trübung de» klaren Wassers mit einer schmutzigen Flüssigkeil sich seinen Verfolgern zu entziehen sucht. Wir liefern ein Beispiel: Der„Vorwärts' enthüllt zwei Fälschungen der„Roten Fahne', die„Rote Fahne' muß beide Fälschungen zu- gestehen und zieht daraus den Schluß,... daß der„Vorwärts' lügt! Man lese: „Wir haben bereits vor Tagen durch die Bekundung des Vertreters der Atlantik-Photo-Gesellschaft einwandfrei nach- gewiesen, daß die„Rote Fahne' mit dem vom„Vorwärts' ftinerzeit angezweifelten Bild durch dies« Bilderagentur beliefert worden ist. Der„Vorwärts' wußte das. Trotzdem log er wider besseres Missen, die„Rote Fahne' habe das Bild «inem alten Buch entnommen. Ja, noch nachdem wir diese Verleumdung festgenagelt hatten, verbreitet« der„Vorwärts" den widerlegten Schwindel abermals als Extrablatt!' Tatsache: Wir haben— unwiderlegt— festgestellt, daß das Photo mit den angeblich von Tschiangkaitschek oerübten Greueltaten genau übereinstimmend in einem bereits vor 28 Iahren gedruckten Buche erschienen fit. Dies war der schlüssige Beweis der Fälschung, an dem auch die„Rote Fahne' nicht vorbei- kommt. Ferner ist das gleiche Bild bereits vor zwei Jahren von der kommunistischen..Arbeiter-Jlluslrierkeu', damals ober als an- gebliche Greueltat von Weißgardisten gegen Anhänger Tschiangkaitscheks, gebracht worden! Mit der Atlantic- Photogesellschaft als Ausrede ist es also nichts! Schließlich fragt die„Rote Fahne' harmlos, was es denn wohl schade, wenn man falsche Bilder bringe? Ob es denn woht schlimm gewesen wäre, wenn der„Borwärts' vor 30 Iahren statt eines echten ein gefälschtes Bild über di« Taten des afrikanischen Hänge- Peters gebracht haben würde? Diese Frage kennzeichnet den Sinn ihrer Urheber für journalistisch« Sauberkeit und pollttschen Anstand. Doch man verstehe uns nicht falsch: Es handell sich hier nicht etwa um eine bloße Anstandsfrage. Es handelt sich darum, daß di« Aufpeitschung der Blutinstinkte, daß die Entfachung der Kriegs- Psychose durch gefälschte Greuelbilder, bisher als das schlimmst« Verbrechen der Imperialisten gebrandmarkt, sich zu einer von den Kommunisten nicht nur angewandten. sondern auch ausdrücklich gebilligten Methode entwickelt hat. Dies festzunageln, war der Sim, unserer Beröffentlichungen. Wie notwendig diese Festnagelung war, zeigt die Haltung der„Roten Fahne', die dies« Hetzmethoden zugesteht und... noch öffentlich verteidigt! Zuwelendiebin aus Liebe? Oer Prozeß Helga von Monroys vor dem Schöffengericht. vor dem Schöffengericht Lichterfelde begann heule morgen der Prozeß gegen Helga von Monroy. Da- mit da» hör- und schaulustige Publikum aus seiae Kosten kommt, fand die Gerichtsverhandlung im Schwurgerichtssaal des neuen Sriminalgerichts statt. Die Borgeschichte dieses sensationellen Kriminalfalles ist ja noch in Erinnerimg. Bei der Gräfin Hermersberg, einer früheren Zirkus- reiterin bei SRenz, lebte ihr« Schwester, gleich ihr einstmals Zirkus- reiterin und später Gräfin Monroy sowie deren Tochter, Helga von Monroy. Am 22. Dezember vorigen Jahres verschwanden Juwelen der Gräfin Hermersberg im Werte von 90 000 Mark. Der Derdacht siel auf die Hausangestellten, auch auf einen der Fa- ntille befreundeten Tänzer. Di« Juwelen, darunter em« Perlen- kette im Preise von 30 000 Mark, blieben ober verschwunden. Alle Bemühungen der Polizei blieben zunächst ergebnislos: dann stellte sich Helga von Monroy höchstselbst als die Diebin heraus. Sie kannte den Aufbewahrungsort der Juwelen, die Kassette, kannte die Sicherungen, brauchte Geld und eignete sich die Schmuckstücke an. Romantisch wurde aber erst di« Angeleg«icheit, als am Tag« nach der Verhaftung ihr Freund, der 4.3jährige Fritz von Wedel, sich das Leben nahm. Helga von Monroy hat erklärt, Wedel habe nichts von dem Diebstahl gewußt. Fest stand aber, daß er verschiedene der Schmuck- stücke für sie verkaust hatte. Fest stand auch, daß sie sich als reiche Dame aufgespielt hatte. D!« Polizei stellte fest, daß die Juwelen aus dem Diebstahl in der Villa der Gräfin Hermersberg herrührten. Si« fand auch im Zimmer der Komtesse Quittungen von verschiedenen Juwelieren: es«rfolgt«n Verhaftung und G e st ä n d n i s. Am 30. Mai fand die Verhandlung vor dem Schnellrichter statt. Die Komtesse mimte sedoch Nervenzusammenbruch Der Ver- teidiger stellt« Antrag auf Bertagung, die Tante. Gräfin von Her- mersberg, erklärte sich bereit, ihre Nichte wieder bei sich aufzu- nehmen und so konnte heute morgen im ondenttichen Gertchtsvcr- ahren die Verhandlung beginnen. Vertagung. Die Verhandlung nahm einen unerwarteten Berlau-f. Das elegante Publikum, das den Gerichtssaal fast gestürmt hatte, die zahlreichen Richter und Pressevertreter kamen nicht auf ihre Kosten. Der Borsitzende gab unmittelbar nach Eröffnung der Sitzung bekannt, daß bei dem Gericht gestern eme neue Anklage gegen die Komtesse Monroy eingegangen sei, die zum Teil mit der jetzigen Anklage in Zu. ammenhang stehe. Er bittet um Aeußerung, ob die neu« Ange- legenheit mtt der jetzigen zusammen verhandell werden könne. Der Staatsanwalt äußerte sich dahingehend, daß er bereit sei, sofort mündliche Anklage zu erheben. Die neue Anklage spreche gewissermaßen zugunsten der Angeklagten, und eine gemeinsame Verhandlung mit der jetzigen Anklage wäre deshalb für die An- geklagte von Borteil. Der Verteidiger pfiichtctc zwar dem Staatsanwalt insofern bei, als die beiden Anklagen gemeinsam verhandelt werden sollen. Er widersprach jedoch einer sofortigen Derhandlung, da er und seine Mandantin Gelegenheit hoben müßten, von den Akten, die sich auf die neue Anklage beziehen, Kenntnis zu nehmen. Er beantragte deshalb Bertagung der Verhandlung. Nach längerer Beratung rer- kündete der Vorsitzende folgenden Beschluß: Die Derhandlung wird heute vertagt, da di« neue Anklage � in engem Zusammenhange mtt der heutigen Anklage stehe. Aus den eben dem Gericht zugegangenen Akten könnten Rückschlüsse aus die Motive der heut« zur Anklage stehenden Tot gezogen werden. Bis jetzt sei man über die Motive in völliger Unklarheü gewesen, erst jetzt würden sie verständlich. Die neue Derhandlung soll unter Mahnung der gesetzlich vorgesehenen Fristen anberaumt werden. Damtt war die Derhandlung zu Ende. Heber di« neue Anklage erfährt man: Der Rittmeister a. D. von Wedel, der Freund der Helga Monroy, hatte beim Bankhaus Heinrich Emden ein« Schuld in Höhe von 25 000 M. Dos Bankhaus weigerte sich, die Schuld zu stunden und drängte auf sofortige Zahlung. Helga Monroy. die ihren Freund in so großen Röten sah. griff nun zu einem verzweifelten Mittel, um ihm zu helfen. Sie legte dem Bankhaus elnen vrief vor. der besagte, daß der Familienälleste des Haufe» Hohenlohe-Oehrtngen ihr eine Erbschaft In Aussicht stelle. Anglicht» diese» Briefes wurde der Kredit des Rittmeisters a. D. von Wedel verlängert. In Wirklichkeit war das Schreiben aber gefälscht. Das Bank» Haus hat schließlich«inen Schaden in Höhe von 6000 M. erlitten. Wedel hatte eine Lebensoersicherung in Höh« von 19 000 M. Aller. dings war auch diese verpfändet: das Bankhaus hat di« Police eingelöst und einen Teil der Schuld gedeckt. Weshalb das alles erst jetzt bekanntgeworden ist und weshalb die Anklage nicht schon früher erhoben werden konnte, ist nicht ganz verständlich. Ie�en- falls begreift man jetzt, was den Rittmeister Fritz von Wedel zu seinem Freitod veranlaßt hat. Er-büßte sich sagen, daß die Ur- kundensälschung seiner Freundin an den Tag kommen würde, sobald man ihn als Zeugen vernommen hätte, und daß er in öuf-erit schlechtem Lichte erscheinen würde, wenn man erführe, daß er di« treibende Kraft bei dieser Urkundenfälschung und bei dem Iuwelendiebstahl der Helga Monroy gewesen war. Wieder einmal ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben der so- genannten„höheren Gesellschaft'! Oer Theaierskandal in Oppeln. 20 Personen wegen Landsriedensbrucho anaeNagi. Oppeln, 1. Augus Die Staatsanwaltschaft Hot gegen 20 Personen aus Ops Anklage wegen Landfriedensbruch erhoben wegen der Vorfälle Bahnhof in Oppeln anläßlich der polnischen Theateraufsühru Die Hauptverhandlung soll Ende August stattfinden. In der! klageschrift werden 95 Zeugen ausgeführt. Schlagende Weiler Mattes Bettet lockt zum Schlafe. Lockt den Bergmann in den Tod. Schlagend Bettet Teuselswettet Lauerl in dem Grubengas. Jäfftt der Gtubenkod die Haue. Schlagt die Funken aus Gestein, Lähk dos Höllenwellet schlagen. Brennt die Kumpel» und erstickt sie Gtühel ein den Kohlenstaub. * itufschrei rast durch dunkle Stollen. Schlagend Better Muh im letzten Stollen sein, Muh im dritten Quergang sein. Bellet! Rettet» Ach verloren! Bieviel Kumpel wrackten hier? vierzig Kumpel oder mehr? Einer stöhnt noch, 's ist der Steiger. Lahl mich Kumpel! Grüßt die obeu! Schluckte sicher mir den Tod. Suchet iu dem letzten Gange! » Bilder Aufschrei springt nach oben. Heulet aus den dumpfen Schlaf. LSht die Rettungswagen sausen. B eiber heulen. Kinder schreien. Kumpel fluchen. Alles springt zum Zechentor. Ballt sich vor dem Zechenlor. Saust der Korb in grauen Morgen Bringt heraus er halbes Leben, Bringt herauf er letztes Röcheln. Bringt herauf er tote Kumpel. Zmmer wieder tote Kumpel, Schrillt ein Aufschrei, Stöht durch Bollen. Flattert hilflos und verlaffen. „Gott, was nahmst du meine Zungen!?" Bruno Schontanl. Vor fünfzig Jahren. Zu August Geibs Todestag. L« 1. August 1879, also heute vor St) Jahren, traf die viel- verfolgte deutsche Sozialdemokratie ein harter Schlag: An diesem Tage starb August Geib, einer der großen gührerpersönlichkeiten dieser Partei vor dem So.zialistengesetz. August Geib, RHeinpfälzer von Geburt, verwuchs mit der Hamburger Arbeiterbewegung derart fest, daß er nach seiner ganzen geistigen Verfassung eigentlich zur Sozialdemokratie Norddeutschlands gezählt wurde. In jungen Jahren eröffnete er eine Leihbibliothek in Hamburg, und dort trat er bald in enge Fühlung mit der Hamburger Mitgliedschaft des All- gemeinen Deutschen Arbeitervereins, mit den Lasfalleanern. Als diese von den bürgerlichen Parteien bei den Wahlen als eine Rotte halbvertierter Barbaren behandelt wurde, empörte sich sein Gerech- tigkeitsgefühl so stark, daß er sofort das Banner Ferdinand Lassalies ergriff und sich mit Gut und Blut für die sozialdemokratische Ar- beiterschaft einsetzte. Er nahm dann einen leitenden Posten in dem Allgemeinen Deut- schen Arbeiterverein ein, aber er verließ ihn nach schweren inneren Kämpfen, nachdem sich der hochbegabte, aber in seinen Mitteln nicht sehr wählerische Politiker I. B. v. Schweitzer zum Diktator dieses Vereins aufgeschwungen hatte. Geib näherte sich der Partei Bebel- Liebknecht und wurde 1869 der Mitbegründer der So- zialdemokratischen Partei Deutschlands. Er wurde im September 1870 der begeisterte Berkünder einer Botfsver» sähnungspolitik und unterstützte die Demonstration des Braunschweiger Ausschusses für einen annexionslosen Frieden und gegen die Einoerleibung Elsaß-Lothringens in Preußen-Deutschland. In Ketten brachten ihn die Häscher des Generals Bogel zu Falken- stein nach der oßpreußischen Festung Lätzen. In der„Sozial- demokratischen Partei Deutschlands" verwaltete Geib das wichtige Amt des Parteikassterers. Er organisierte mit Umsicht die Reichs- tagswahlen von 1874 und 1877 und trug wesentlich zum ersten großen Triumph der jungen geeinten sozialdemokratischen Partei bei. Schon Ende 1874 hatte er entscheidende Schritte zur Einigung der sozial- demokratischen Parteien unternommen. Sein versöhnlicher Geist bahnte dieser Einigung vor allem den Weg. Nichts Sektiererisches, nichts Rechthaberisches haftete dem ganzen Denken und Fühlen Au- gust Geib» an, und daher war er zur Beilegung aller Parteikonflikte wie geschahen. Gerb wurde der eigentliche Begründer der sozial- demokratischen Hamburger Lokalpresse. Nach den Schüssen Hödels und Robilings brach eine wüste Hetze gegen die Sozialdemokratie los. Die durch furchtbare Aufregungen erschütterte Gesundheit August Geibs war diesem Ansturm von Ge- meinheit und Gehässigkeit nicht gewachsen, und er stach als erstes großes Opfer des fluchwürdigen Ausnahmegesetzes am 1. Au- gust 1879 in Homburg. Eine Riesendemonstration der Hamburger So- zlaldemokratie wälzte f'ch am Begräbnistage Geibs durch die Straßen Hamburgs. Wil> Bios widmete dem toten Freunde die schönen Verse Georg Herweghe: „Ein unvollendet Lied sinkt er ins Grab. Der Verse schönsten nimmt er mit hinab!" Am Begräbnistage Geibs gaben sich dessen Freunde das Wort, im Geiste des großen Kämpfers fortzuwirken. Es war ein er- hebender Moment, als dieser Treueschwur zur Partei erfolgte. Es war uns dabei feierlich zumute, als Härten wir die Schwingen des Zeitgeistes rauschen._ Erfolglose Suche. Geheimnis vm Aombe weiter ungeklärt. vl« Rachforschungen d» PoNze! n«ch de« verschwundenen LandgerlchlsdlreNor Max Bombe in der Umgebung seines letzie« Aufeukholtsorte, Reu-Globssw sind«eilerhin erfolglos geblieben. Auch die gestrige Suchaktion, unter Leilung de» Berliner Kriminalkommissars vosdors. zu'der wieder Reichswehrsoldaten eingesetzt worden waren, hat ebenfalls keine« Erfolg gezeitigt. Schon früher hatten Freunde und Bekannte des Verschwundenen feine Briefschaften in seiner Wohnung in der Martin-Luther- Straße einer genauen Durchsicht mtterzogen. i» der Hosfmmg. au, Masse und Technik. Gm Rückblick auf die Deutsche Kammermusik Baden-Baden Die in diesen Tagen in Baden-Baden veranstaltete „Deutsche Kammermusik" oersucht, die„jeweilige Situation unseres Musiklebens so scharf wie möglich zu fixieren und von ihr aus neue Wege zu zeigen". Sie weicht damit bewußt dem üblichen Musikfestbetrieb aus, indem sie sich von vornherein ouf den Boden des Experiments begibt. Entscheidend dafür war die Erkenntnis, daß die im vorigen Jahrhundert begründete, auch jetzt noch als Norm angesehene bürgerliche Musikpslege den heutigen Bedürfnissen keineswegs mehr entspricht—, leere Konzertsäle, Defizit fast samt- licher deutscher Opernhäuser geben dieser Tatsache weithin sichtbaren Ausdruck. Zukunftweisend kann hierfür der Weg sein, der nicht an den beiden Grunderlebnissen dieser Zeit vorbeiführt: an der g e- w a l t i g e n sozialen Umschichtung und an dem un» geheuren Aufschwung der Technik. Von hier aus waren Richtung und Gestaltung des Programms für die diesjährigen Vorführungen in Baden-Baden ohne wettercs gegeben. Das Bestreben, die Musik immer mehr aus ihrer„eigen- ständigen" Isoliertheit durch Einbeziehung weitester Hörerkreise zu lösen, führte nicht allein zu Komposittonen zweckbestinnnter Werke für Schul-, Vereins-, Liebhaberorchester(2. Abend:„Musik für Liebhaber"), sondern ging so weit, eine aktive, spontane Teilnahme der Zuhörermasse an der Aufführung eine? ganzen Werkes zu for- dein(letzter Abend:„Lehrstück"). Auf der anderen Seite wurde das Verhältnis von Musik zu Technik durch zwei Aufführungen von Originalmusiken für Rundfunk, sowie durch eine Reihe von Tonfilmen(1. Abend), schließlich durch einen Vortrag von Prof. Wagner über elektro-akustische Rundfunkprobleme mit praktischen Borführungen beleuchtet. Aus den gebotenen Vorführungen ging deutlich hervor, daß es nicht genügt, einen auf anderem Boden gewachsenen Stil an die oorliegenden Zwecke lediglich anzupassen— etwa im Sinne einer Bearbeitung. Vor allem aber: die einem kleinen musizierenden Gemeinschaftskreise entsprechende„Kleine Besetzung" als solche schafft noch lange nicht einen sowohl Ausführende wie Zuhörende in gleicher Weise befriedigenden„G e m e i n s ch a s t s st i l"(Bentzon: „Variationen über eine dänische Volksweise" für Schul- und Der- «nzorchester; Paul Groß:„Kantate auf Worte" von A. Silesius, für Alt-Solo. Chor. Instrumente). Hier wird eine Grundhaltung not- wendig sein, die in einem neuen Gemeinschaftsgefühl ihren schöpferischen Ausgangspunkt nimmt. Zugleich ist noch ein weiterer Grundirrtum festzuhalten: man glaube doch nur nicht, daß das Ideal des Musitliebhabers darin besteht, nun so„dilettantisch" wie möglich drauf los zu musizieren. Ganz im Gegenteil: jede Singgemeinschaft, jedes Schulorchester, genau so wie jedes Liebhabertheater sieht den Sinn künstlerischer Eigenbetätigung gerade in dem Sich-Erarbeiten gewisser technischer und musikalischer Schwierigkeiten. Eine derart nach jeder Richtung hin primitive Angelegenheit wie die„Kleine Musik für drei In- strumente" von Pachernegg würde jede noch so„dilettantische" Gemeinschaft mit(durchaus berechtigter) Entrüstung von sich weisen! So unsinnig es ist, mit einem ungeübten und technisch nicht voll- ständig durchgebildeten Liebhaberorchester eine Symphonie von M a h l e r aufsühren zu wollen, so dürfen keineswegs die von den heutigen Komponisten zu stellenden Anforderungen nun aus der entgegengesetzten Grenze völliger Anspruchslosigkeit liegen. Neben Walter L« i g h und F. W. Lothar traf Wagner-Rägeny mit seiner frischen„Meinen Gemeinschastsmustk für Bläser und Streicher" schon eher den rechten Ton. Erfreulicher die Ergebnisse auf dem Gebiete der Rundsunlmusik. Auch hier ausnahmslos vollkommene Beherrschung und Ausnutzung des technischen Apparates mittel- durchsichtigster Stimmführtmg und weitgehendster Berücksichtigung instrumentaler Klangfarben. „Rundfunkmusiken" von Fitelberg, Humpert, Herr- mann hatten durchweg Tempo und Humor, ohne allerdings der Gefahr einer Stereotypisierung Hindemithscher Manieren (kurz abgerissene Schlüsse, ungleichmäßige, scharf ausgeprägte Rhyth- men) ganz zu entgehen. Stärkste stilistische Gegensätze folgen un- mittelbar aufeinander: äußerste Konzentration des Ausdrucks in der„Kleinen Messe für drei Singstimmen" oon P e p p i n g— stimmungshaftes Zerfließen einer koloristischen Auslegung Toller- scher Worte in der„Kantat.? für den Rundfunk" von Paul Groß — kabarettartige Folge moderner Tanzsormen von G o e h r, zu dem die Musik an Witz und Geschick übertreffenden amerikanischen Liederbuch„Pep" von Feuchlwanger. Hanns E i- l e r s Chöre wurden mehrfach im letzten Winter mit überwältigendem Erfolg in Berlin zu Gehör gebracht. Sein „TempoderZeit", die„KantatedeskleinenÄannes" (Text von David Weber), war von erschütterndstem Eindruck. Hier wirkt sich«ine einheitliche, weltanschauliche Bindung über den Text hinaus unmittelbar in einer Musik strengster Formung aus. In weitgespanntem Bogen verläuft die ungemein plastische Melodik, ein Chorsatz von ganz eigenem Gepräge verzichtet auf jegliche ab- gebrauchte musikalische Phraseologie. Der„L i n d b e r g h- F l u g" wurde von Brecht in 16 kurzen Abschnitten als Rundfunkreportage eingerichtet, H i n d e- m i t h und©eilt teilten sich in die Vertonung. Gestaltet wird das heroische Schicksal eines berühmten Zeitgenossen. Eine spätere Fassung soll an Stelle des bloßen Nachempfindens ein Mitmachen und dadurch unmittelbares Vollziehen jener heroischen Grundhaltung dem Hörer ermöglichen. Die Musik ist voller herrlicher Einfälle. wie wir sie von den beiden Komponisten erwarten dürfen. Aller- dings ist auch hier— die Gefahr der modernen Oper überhaupt!— volle Uebereinstimmung zwischen textlicher und musikolijcher Situa- tion nicht durchweg gegeben. Die äußerste Beschränkung der klang- lichen Mittel— zu denen gelegentlich andeutungsweise Geräusche treten(Motor, Wasserrauschen, Schneesturm)— schafft jene Atmosphäre, die den Hörer überzeugend die Einsamkeit und Gesährnisse des Fluges miterleben läßt. Von dem Grundsatz ausgehend:„Besser als Vkusit hären, ist Musik machen", wird in dem„Lehrstück" von Brecht-Hindemith versucht, auf Grund einiger Theorien musitalischer, dramatischer und polstischer Art auf eine„kollektive Kunst Übung" hinzuzielen. Die textliche Gestaltung— ein» Untersuchung,„ob der Mensch dem Menschen hilft" angesichts des Todes— ist von eindringlicher Sinnsälligkett. Orchester und Blasmusik. Einzelstimmen, Chor, Film, Schauspielszenen, resrainartige Wiederholungen der Haupterkenntnisje durch alle Anwesenden(fast im Sinn« einer kul- tischen Handlnug), der lapidar vereinfachte Stil von Hindemith, ver- mochten Erschütterungen auszulösen, wie sie heute selten geworda» sind. Der Rahmen des„Konzertsaales" war gesprengt, die Kluft zwischen Hörern und Ausführenden aufgehoben. So unvollkommen der Versuch in künstlerischen Einzelheiten gewesen sein mag, hier wird Musik mit äußerster Konsequenz in einen Erlebniskreis einbezogen, der im Gegensatz zu der vorwiegend bürgerlichen Kunstübung des vorigen Iahrhuiib«�ts zum ersten Male wieder mit aller Entschiedenheit sich an die Gesamtheit der Volksgemeinschaft wendet. Dr. Otto Mayer. ihnen vielleicht irgendeinen Anhalt für die Gründe seines Ver- schwindcns zu finden. Es war jedoch ergebnislos gewesen. Um nichts zu versäumen, wurden gestern die Freunde Vombcs aber- mals von der Kriminalpolizei in die Wohnung des Vermißten gebeten. In einer Unterredung wurden noch einmal alle Gründe, die seinem Verschwinden zugrunde liegen könnten, erörtert. Die Briefschaften wurden nochmals gesichtet, jedoch mit demselben negativen Ergebnis wie beim erstenmal. Es wird jetzt in Erwägung gezogen, die Fischer, die ouf dem Zechlinsee und den angrenzenden Gewässern ihre Fanggebiete haben, bei der Suche hinzuzuziehen. Eine Belohnung dürste demnächst ausgesetzt werden. Bluttat in Wanne. Mit dem Messer auf polizeibeamte. Wanne- Eickel. 1. August. EI« vielfach vorbestraster früherer Bergmann Wilhelm Kali- n o w s k i drang in der Rocht zum Mittwoch in schwer betrunkenem Zustande ia die wohuung seines Schwager, ein. Rachdem er die Fensterscheiben eingeschlagen hatte, ging er in den Stall, holte sich ein Seil und bedrohte damit de« Schwager und dessen Fa- milie. Diese flüchtete und alarmierte die Polizei. Als kurz durous zwei Beamte erschiene«, sanden sie den Blindmüttgen nicht mehr vor. Die Beamten stöberten ihn schließlich in einem Wasserloch on einem benachbarten Sandbevg, wohin Kalinowski sich geflüchtet hatte, auf. Als er kein« Möglichkeit der Flucht sah, zog er unoer- sehen» sein Messer und stach blindkings auf die beiden Beamten ein. Beide sanken von schweren Bauchstichen getrosten zu Boden. Der eine von ihnen besaß noch die Geistesgegenwart, einen Schuß auf den Verbrecher abzugeben, der diesen in den Oberschenkel drang und die Hauptschlagoder traf. Nochmal« flüchtet« der Der- brecher. Er konnte jedoch von dem herbeieilenden Üeberfall- kommando in einem anderen Loch aufgesunden werden. Die beiden verletzten Beamten wurden ins Krankenhaus gebracht. An dem Aufkommen des einen Beamten wird gezweifelt, während man den anderen am Leben zu erhatten hofft. Kalinowski selbst ist auf dem Transport in dos Gefängnis- krankenhaus feinen Verletzungen erlegen. Zum Tode Karl Henckells. Der Parieioorstand hat on Frau Henckell folgendes Telegramm gesandt:„lieber den plötzlichen Tod Karl Henckells tief betrübt. sprechen wir Ihnen unser herzlichstes veileid aus. Die kämpfeiche Arbetterklasie wird ihren Freund und Freiheitsdichter nicht ver- -esien." Rmnsay Macdonald begibt sich heut« in einem Militär- slugzeug zu einem aus mehrere Wochen geplanten Urlaub nach seiner schottischen Heimat Losiemouth. Wetter sür Berlin: Wechselnd wolkig, noch einzelne Regen- schauer, böig« westliche Winde. Langsam sinkend« Temperaturen.— Für Deutschland: Allgemein unbeständig mit wiederholten Regenschauern und Abkühlung. „Eine Echmugglerbraut." llfa-palast am Zoo. Das Meer singt seine ewige Melodie, bald im ruhigen Gleichtakt, bald im stürmischen Branden um das Felseneiland M a l l o r c a im Mittelländischen Meer. In einer tiefeingeschnittenen Bucht mit malerischen Felsen liegt ein kleines Fischerdorf... Bis hierhin ist der Filmbesucher entzückt und dankt dem Regisseur Hans Beh- rendt. daß er ihm den Genuß so herrlicher Naturbilder verschafst Wenn er literarisch gebildet ist, denkt er an Kellermanns„Meer" und erwartet eine Ballade, in der das Meer den Ton ongibt. Aber leider wird es zunächst eine Operette und zum Schluß eine wüste amerikanische Keilerei und Schießerei. Zwei junge Fischer lieben das gleiche junge Mädchen. Der reichste Mann der Insel hat gleichfalls sein Auge aus sie geworfen. Er verführt die Fischer zur Schmuggelei, um sie dann der Polizei ins Netz zu liefern. Da der Plan mißlingt und das Mädchen auch mit auf der Bildfläche des fremden- Hafens erscheint, versucht er andere Wege. Auf einem Maskenball sollen die Liebenden getrennt und das Mädchen in seine Gewalt gebracht werden. Nach wüsten Hzenen, die mit Mord und Totschlag enden, überwältigt die Polizei die ganze Schmuggelbande— der reiche Mann war in Wirtlichkeit ihr Chef. Das Liebespaar kehrt, nachdem der minderbegünstigtc Bewerber für sie sein Leben geopfert hat, in die Heimat zurück. Neben den Laichschaftsbildern ist noch das Liebesspiel der jungen Menschen zu Ansang der bessere Teil des Films. Aber auch dabei stört es, daß in die echte Natur keine echten und zu ihr passenden.Menschen gestellt sind. Jenny Ingo, die Vielumworbene, ist viel zu sehr Filmstar, als daß sie als Produtt und Ausdruck dieser Landschaft gelten könnte. Ihr Hauptpartner Enrico B e n f e r ist eist sehr hübscher Bursche, der mit seinen blendenden Zähnen kokettiert, aber ist da» ein Fischer? Eher paßt schon Mac Laglen in dieses Milieu, in dem van R i c l den obligaten Bösewicht darstellt, der die unmöglichsten Intrigen anwendet, um in den Besitz des Mädchens zu kommen. Der Ball hat wenigstens Interessante Masken und die Keilerei fast amerikanisches Tempo. Schmidt-Gentner mit seiner Kapelle verdient«in be- (onderes Lob, er wurde lebhaft applaudiert. r. IteuoussteUungrn der Itoiionalgajetie. Im TreppenbauS de« ebemaligen K r o n p r i n z c n t> a l a i s ist sür einige Wochen ein Bronzeschild au»- gestellt, den Nudols B e l l i n g soeben sür da» neue Hau« de» Konsum- verein» de Bolharding im Haag sertiggestellt bat. Im Obergeschoß find in einem Saal Gemälde von Emil Nolde al» Leihgaben ausgestellt, darunter bat neuzeitliche Altarwerk au» den Jahren!SU-12. (©djluß de» redaktionellen Teils.) »er tmafte Tai!-».«»«-erkauf, den da- bekannte«areahau, s. Selodi «. Sa., Neukdlln. Berliner Str. 51—55, ab Dvnnrrsiaa, dem U vuaull. veranfialtet. bietet auch in diefem Jahr wieder gewaltig« V-rieile.»ei ei«» Rundgang durch da« Warenhaus ist man überrascht«an dem energischen Eni- schlug, der einen graben Strich durch die alten Preise»«! in 55 verschiedenen «Meituimen de» neuerdings bedeutend vergröberten Sauses werden Artisel de- täglichen Bedarfs und der B-Neidun« in den bekannt guten Qualitäten tu rückfichtslo» hcrabgeschten Preisen verkauft._ Peranlwvrtl. wr die�edaktion: Wslfgaxg«chwar», Berlin: Än, eigen: Th.»tock-. Berlin. Berlag: B-rwärt- Verlag Uhr Hodizeitsreise Planelamun —■ am Zoo■■ Ver.äni Joadiimsllialer ilraBr B.5 Barbarossa 5578. IM/« Uhr Sternbilder de» Sommer» l8>/.U. Von Pol zu Pol am Sternenhimmel SO1/, Uhr Der Glutball der Sonne Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 Pf. WM Tiieater D.I. Norden 12310 8U, Ende gegen 11 Die Fiedermans Musik v.Joh. Strauß Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Komgold. Ausstattg. L. Kainer Lustsplelbius Täglich 8'/, Uhr Du wirst mich heiraten! Rundfunkhörer halbe Preise. Sporl-Steslaurant Canlfanslrage ISxerl Rose- Thealer, Groljc Frankfurter Sir. 132. Auf der Gartcnbfthne Täglich 5�0 Uhr Konzert und Variete 8.15 Uhr Gräfin Mariza. Vom 5. bis 8. August 4 Uhr Rheinisches Winzerfest. Innentheater täglich 8.15 Uhr „OEAF" Melropol-Th. Tägl. 81/. Uhr Sonntags 4 u. 8Vi Blaubarl Operette von Offenbach Kammersänger Vilter Ktrebhoff Theat. o. Westens Täglich 8V« Uhr Sonntag 4 u. 80« Franz Lchar» Wellerfolgl Friederike Carola Willy Thonis, Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. Wleder-Erottnung Freitag, den 16. August 8V«Uhr mit dem neuen Schlager Wem gehör! mein Mann! u. einem erstkl. bunten Programm Reichshalien.Theatnr AUabcndlich Qt] Uhw. Stettiner Singer von der Reise zurQck. Das wundervolle Progr.I Variete Dönhoff-Brottl: (Saal und Garten) Tau: Uan-Betker-Onbesler. ••••••••• www»; Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, KasL-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 Gasliplal Bastei Beer. Bretel Lilien Die lustlae Witwe Operette von Franz Lehär Dazu der grote VarietäieU. Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Varietd 8 Ulli. Operette 8.38. ledeo Donnentag groBer Volkstag. jed. Mittw. Klnderlest a. Verlosnng Achtung! Hausfrauen I 0.28 GepOk.Sdilnken-Hintertieine sowie Sibwelnesdiwanze and Blgpdien...... nanu Mk. TS glich frisch Berliner Warst- n. Fiel» Aw.renf.brik Carl Laeske ki. m.H.H. Berlin O 34, Pclersbnrger Restaurant1� 196 AuguitLux Huttenstraße 26 Arbeiterverkehrslokal Vereinshaus Vineta" ff Vinetaplaiz 7 Verkehrslokal der SPD. und Gewerkschaften.:: Inhaber Max Dahm. ui verkauf &ür den Sterm kauft man gut und preiswert Htlte. Motzen, Oberhemden. Krawatten, sowie alle modernen Herrenartilcel im Spezialgeschäft d>aul Vlensel[aF.203 KCpenick, Sdilo�rtra�e 17. 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Mag seine Darstellung des diplomatischen Hin und Hers an der Schwelle des Weltkriegs hier und da im Stil schludrig sein, so ist sie doch, aus den Akten und Memoiren schöpfend, im Tatsächlichen gewissenhast. Auch verzichtet der Porträtist Ludwig mit Bedach� darauf, die politische und wirtschaftliche Vorgeschichte der Katastrophe mit breitem Pinselstrich zu entwerfen und beschränkt sich darauf, die kläglichen Staatsmänner von damals verhandelnd und handelnd aus der Nähe zu zeigen. Wir erkennen ihre Gesichter und erraten ihre Geberden so genau wie die der Teilnehmer des Berliner Kon grefses aus dem bekannten Bild Anton v. Werners. Das trägt, ein nützliches Beginnen, zur Zerstörung jener Legende vom Kriegsausbruch bei, die nur reißende Wölfe auf der anderen, und friedliche Lämmer auf der eigenen Seite kennt. Es ist schon so, wie Ludwig sagt: „Die Gesamtschuld lag in den Kabinetten, die Ge samtunschuld aus den Straßen Europas", und wenn er mit der Verantwortung in erster Reihe Wien und Petersburg, danach Berlin und Paris, ganz zuletzt London belastet, so entspricht auch das den bekanntgewordenen, leider noch nicht genug bekannten Vor« gängen. Aber sein Bild verträgt auch manche Korrektur, so, was die Rolle der hohen Militärs angeht, die noch unheilvoller war, als sie bei ihm erscheint. Bei Ludwig wie in der Weltgeschichte haftet der Fluch, der houptbrandstifter von 1314 gu sein, an einem geschniegelten und gebügelten, oberflächlichen und leichtsinnigen Hallodri, denn er war wirtlich jeder Zoll das, was der Oesterreicher einen„Feschak" nennt: Seine Hochgeboren Leo- pold Graf Berchtold von und zu Ungarschitz, Fratting und Pulitz, Minister des k. und k. Hauses und des Aeußern der Ver- einigten Königreiche und Länder: er hat mit lässiger, gepflegter Dandyhand den Fidibus des Weltbrandes gedreht und angesteckt Aber vor Berchtold war noch ein anderer, der leidenschaftlich, fanatisch, monoman den Krieg gegen Serbien wollte: der Generah stabschef Conrad von Hötzendorf, dessen Kopf seit langem wie ein Hummelnest von Kriegsplänen summte. Als er die Er- mordung des Erzherzog-Thronfolgers erfährt, steht es, ehe er auch nur die geringst« Einzelheit weiß, unverbrüchlich in ihm fest: Das muß der Krieg fein! Als Soldat sorsch drauflos, verachtet er auch die für die Galerie berechneten Flausen, daß es Sühne für einen frevlen Mord gelte: um„die höchst praktische Bedeutung des Prestiges einer Großmacht" handelt es sich für ihn, basta! Er zweifelt auch nicht daran, daß der Angriss auf Serbien wahrschein. lich" Rußland aus den Plan rufen und daß es hart auf hart gehen rpird: ja mehr, er erkennt: 1308/03 wäre der U ebersall auf den kleinen Nachbarn ein Spiel mit ausgelegten Karten gewesen, 1912/13 noch ein Spiel mit Chancen, „jetzt Ist e» ein Uabangue- Spiel"! Aber was läßt sich schon machen: wenn sich Ludendorff zum Schluß der Partie als Hasardeur vorkommt, der alles auf die letzte Karte setzt, so spielt sein österreichischer Kollege gleich zu Beginn ZJabangue! Als General Conrad am Tag nach den: Attentat von Sarajewo dem Grasen Berchtold bedeutet, jetzt gegen Serbien loszuschlagen, stimmt der Minister ersrig zu, meint aber dann zögernd, erst müsse das Ergebnis der Untersuchung vorliegen, und kommt noch mit weiteren Bedenken: Wird Deutschland mitmachen? Zwar hat B ü l o w in der Annexionskrise, im schreienden Gegensatz zu Bismarcks Ueberlieferung, dem Bollptatz gegen Serbien freie Hand gelassen und Rückendeckung für jeden Fall zugesagt: damals. im Jaimar 1909, haben die Generalstabschefs beider Staaten auch eine Militärkonvention abgeschlossen, die für Deutschland den Bündnisfall schon eintreten läßt, wenn ein Angriff Oesterreich- Ungarns auf Serbien Rußland zum Angriff aus die Donaumon- archie herausfordert, während der Dreibundvertrag ursprünglich die Schutzpslicht Deutschland nur für das unprovoziert angegriffene Habsburgcrreich vorsah. Aber der hohe Herr in Potsdam ist launisch und sprunghast, mal so. mal so. Verlaß ist da keiner. Item, man muß abwarten, was Graf Hoyas, Ueberbring«r eines franz- josefinischen Handschreibens an Wilhelm, von den Bundes- genossen zu hören bekommt. So hängt von Deutschland, das ist: den deutschen Machthabern, dem Hohenzollern zunächst, ab, ob die Pandorabüchse geöffnet wind. Ein Berliner Nein, und Wien läßt den Sarras in der Scheide, es gibt' keinen„lokalisierten", es gibt überhaupt keinen Krieg, und Europa wird aus der Sommerruhe nicht aufgescheucht. Am Z. Juli redet Conrad vor Franz Joses in Schönbrunn kriegerisch daher, woraus der Kaiser den General forschend ansieht:„Sind Sie Deutschlands sicher?" Conrad erschrickt, aber Franz Josef: „Gestern abend ist eine Note an Deutschland abgegangen, in der wir klare Antwort verlangen". Conrad:„Wenn di« Antwort lautet, daß Deutschland aus unserer Seite steht, führen wir dann den Krieg gegen Serbien?" Franz Joses: „Dann ja!" Zwei Tage später erfährt der k. und k. Generalstabschef, daß Wilhelm sich mit seiner„Nibelungentreue" nicht lumpen lasse. Froh. bewegt teilt Berchtold ihm mit:„Deutschland wird unbedingt auf unserer Seite stehen, auch wenn unser Vorgehen gegen Serbien den großen Krieg auslösen sollte. Ja mehr, Deutschland rät uns zum Losschlagen!" Mit dieser deutschen Blankovollmacht an den Ballplatz kommt der Stein ins Rollen: fast alles Folgende ist für die Frage der Verantwortung von geringerer De- deutung. Ganz wohl fühlen sich die Verantwortlichen in Berlin ja nicht. aber da Wilhelm II., Selbstherrscher aller Preußen, sich und sie und sein Land festgelegt hat, können auch die B e t h m a n n und Jagow nicht anders: schließlich, was taugt ein Bundesgenosse, der, immer auf die Zehen getreten, nicht einmal dem anderen das Schien- Hein zerfchmetiert. So darf der k. und k. Bodschaster in Berlin nach Wien mslden, alle maßgebenden deutschen Kreise ließen Oesterreich erwuntern, �nergi jchejt gegen Serbleu vorzugehen": die Mittel stellten sie ruhig der Donaumonarchie anHeim:„man möchte fast sagen: sie drängten die Monarchie". Aber gedrängt werden braucht Graf Berchtold wirtlich nicht. Schon am 7. Juli holt er sich im Ministerrat für gemeinsame An- gelegenheiten die fast einmütige Zustimmung zu einer„befristeten Demarche" mit unannehmbaren Bedingungen, um, wie T i s z a sich ausdrückt, den Krieg mit Serbien zu„provozieren". Nur mit Serbien? Der fesche Graf Berchtold näselt in dieser folgen- schwersten aller Sitzungen leichthin:„Ich bin mir klar darüber, daß der Krieg mit Rußland infolge des serbischen sehr wahrscheinlich ist", also der Weltkrieg. Vielleicht umwittert den stets Eleganten dabei die gleiche Götzendämmerungsstimmung, die in diesen Tagen aus den Worten des uralten Franz Josef zu Conrad spricht: „Wenn die Monarchie schon zugrunde gehen soll, so soll sie wenig- stens anständig zugrunde gehen!" Anständig, im Habsburger-Jargon heißt das: mit ihr sollen zehn Millionen Menschen ins Grab sinken! Als am 23. Juli das Ultimatum an Serbien explodiert, fährt Europa in die Höhe. In Petersburg sitzen skrupellose Kriegs- Kriegsoorbereitung Rußlands gegen Oesterreich-Ungarn! So erreicht Conrad seinen Zweck: am 31. Juli in der Frühe ist man in Berlin entschlossen, selbst wenn Wien die Dermitllungsvorschläge annimmt. Rußland durch Ultimatum zur Einstellung seiner Teilmobil- machung gegen die Donaumonarchie aufzusordern. Das mutz den Krieg herbeiführen, dessen Notwendigkeit und Unvermeidbarkeit Moltke dem Reichskanzler suggeriert: er liegt Bethmann in den Ohren, doch ja „die seilen günstige Lage zum Losschlagen" auszunützen. Darum hesscht er am 31. Juli von seinem Wiener Kollegen, Oesterreich-Ungarn möge sofort mobilisieren, dadurch sei der Bündnisfall für Deutschland gegeben:„Von England erneuert eingebrachten Schritt zur Erhaltung des Friedens ablehnen. Für Oesterreich-Ungarn zur Erhaltung Durchhallen des europäischen Kriegs letztes Mittel. Deutschland geht unbedingt mit". Berchtold hat die Mahnung des Reichskanzlers zur Annahme der Vermittlung mit äußerstem Unbehagen aufgenommen: er hat 'fttenschen selten'Dich an Der Internationale Gewerkschaftsbund hat zum Antikriegstag ein Büchlein herausgegeben: Nie wieder Krieg!(Verlag Internationaler Gewerkschaftsbund, Amsterdam.) Der Text ist in sechs Sprachen erschienen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Holländisch, Dänisch. Aber viel Worte, sind nicht nötig in diesem Lesebuch gegen den Krieg. Das Bildwerk dieses Buches spricht eine gewaltigere Sprach«, als es Worte oermöchten. Es sind Photographien aus dem Kriege. Jene Photographien, die das Offiziers- tum a. D. gern unterdrücken möchte, wie es gegen den Teil der Kriegsliterotur Sturm läuft, der die Wahrheit sagt. Die Ab- bildungen sind dem Buch von Ernst Friedrich„Krieg dem Kriege" entnommen. Kein Fühlender wird das Buch aus der Hand legen, ohne in den Ruf mit einzustimmen, der die Parole dieses Tages ist und immer unsere Parole bleiben wird: fVie wiedei? Kvicgl schürer, die ihre Stunde gekommen wähnen, nicht der Zar, der ein ängstlicher, nervenschwacher, wasfenscheuer Schwächling ist, nicht Sazonow, den das Riesenrisiko der„allgemeinen Konslagration" mehr schreckt als seinen leichtherzigen Wiener Kollegen, wohl aber Großfüftft Nikolaus, seit Jahr und Tag„Kopf und Faust der Kriegspartei gegen Deutschland", wohl aber Kriegsminister Suchomlinow und Generalstabschef Januschkiewitsch, wohl aber und nicht zuletzt der Botschafter in Paris, Jswolski, der das Revanchefeuer in den Spalten der Boulevardpresse mit Rubelschoincn wachhält und bald jubeln wird: „Das ist mein Krieg!" Aber die Oberhand über Zaren und Ministerpräsidenten gewinnen die Kriegstreiber erst mit dem Augenblick, da die Berchtold und Conrad, auf daß ihnen niemand mehr in den Arm falle, den Krieg an Serbien erklärt haben: der von und zu Ungarschitz, Fratting und Pulitz mußte eine Beschießung österreichischer Donau- dampfet durch serbisches Militär erfinden, um dem Kaiser die Unterschrift des verhängnisvollen Schriftstücks abzulocken. Ludwig führt an einer Stelle Paläologues Wort von dem „felbstwirkenden Mechanismus der entsesselten Mächte" an, den kein menschlicher Wille mehr aufzuhalten vermochte. Diesen Mechanismus ober setzt nicht erst die Mobilmachung der Groß- mächte gegeneinander in Lauf, sondern schon die Minute, da der erste k. und k. Truppenzug der serbischen Grenze entgegenrollt! Denn jetzt Hai Conrad von Hötzendorf nur mehr die eine stiere Sorge: daß der Krieg mit Rußland noch rechtzeitig genug ausbricht, um den Ausmarsch gegen Serbien in den Zweifronten- ausmarsch zu verwandeln, ohne daß das große Durcheinander ein- tritt. Der letzte Tag dafür ist der 1. August. Bis zum 1. August muh der Krieg mit Ruhland da sein! Trotz der Kriegserklärung des Bollpiatzes an Serbien sind nach der serbischen Antwort auf das Ultimatum im Lager wie des Drei- bundes so der Entente Kräfte am Werk, die Kriegshandlungen zu stoppen, um eine sriedliche Lösung trotz allem möglich zu machen. Wilhelm II., den angesichts des großen Kladderadatsch doch etwas wie Heulen und Zähneklappern überkommt, und Sir Edward G r e y, den vor der Erfüllung wie vor dem Widerruf seiner Ver- pslichtungen gegenüber Frankreich bangt, unterbreiten noch am 30. Jllli in Wien Bermittlungsvorschläge. Aber Conrad hat seit dem 27. Juli unablässig Berchtold getreten, zu bewirken, daß Deutschland schon eine gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete russische Teilmobilmachung als Kriegsgrund auffasse. Am 28. und 29. Juli bohrt der k. und k. Minister des Aeußern dieserhalb in Berlin, und im gleichen Sinne drückt der deutsche Gencralstabschef v. Moltke �12 Uhr am Crossinsee, sührt von dort durch den Großen Zug zum Zeuthener See, wo sich das Ziel beim Bootshaus des Berliner Ruderklubs„Phönix" befindet. Sporttest in Fricdridisthal Am 3. und 4. August feiert die Freie Turnerschaft Friedrichsthal ihr 2Sjähriges Bestehen, verbunden mit Bannerweihc. Um ein« wuchtige Demonstration für die Freie Arbeiter-Turn- und Sport- jache zu veranstalten, bitten die Arbeitcrsportler um Unterstützung durch die Berliner Vereine. Bahnfahrt bis Fichtengrund auf Sonn- tagsrückfahrkarte. Sommersonntag am Teltowkanal. Glühend strahlt die Sonne, kein Lüstchen bewegt den Wasserspiegel, Motor- und Ruderboote streichen vereinzelt den vorzüglich gepflegten Kanal ab. Hin und wieder sind an dem Mauerwerk der Uferanlagen Rohr und Schilf ausgeschossen. Aber immerhin, auch das wenige Grün hat seinen Reiz, belebt zweifellos die sonst zu öde— pardon— tultivierte Wasserstrecke. Diese Rohreckchen sind auch willkommene Angelstellen. Wenn im gesamten Wasserlaus kein Fisch anzutreffen ist, im Rohr und am Holz sucht er seine Nahrung. Hier sitzen auch die„Jünger Pein", denn so werden die Angler bezeichnet, ruhevoll nach der Angel sehend, zwei Angelruten, mit zwei dünnen aber haltbaren Seiden- schnüren und zwei Federkiele, liegen im Wasser aus. Hin und wieder tupft eine der beiden Federposen auf und unter, ein hoffnungsvolles Leuchten in den beutehungrigen Angler- äugen, ein Griff nach der bewußten Angel, ein Anhieb und— ah, wieder nichts. Der Angler bedenkt sich und den listigen Fisch mit allerhand Kosenomen— und angelt weiter. Nur die Ruhe kann es machen. Einige Plötzen und Barsche sind bereits in dem Fischsack, der im Wasser hängt. Es ist Mittag. Ein Uhr. Die Sonne strahlt noch intensiver. Inzwischen hat unser Angelbruder Besuch bekommen, Mutter bringt das Mittagessen. Schmunzelnd schiebt unser Sportsmann aus Neukölln die Rouladen hinter. Dann legt er sich hintenüber i>O Gras, ein wenig „Nickerchen" machend. Das Angeln besorgt jetzt Mutter mit ebenso viel Ruhe und Ausdauer wie Vater. Die Sonne verzieht sich hinter einer nassen Wolke, der Himmel sieht mit einmal bedenklich greulich aus. Einige Tränen fallen aus der nassen Wolke dem schlafenden Angler ins Auge. Jetzt ergreift Mutter die Flucht. Vater angelt unentwegt und seelenruhig weiter. Denn nun gerade beißen sie. Der Angler ist immer Optimist. Ihn bringt nichts aus der Ruhe. Schließlich hat er auch Recht. Dos schlechteste Wetter bekommt einem im Freien besser als zu Haus in der dumpfen Stube. Der Angler ist bei allem froh gestimmt. Kein Regen und kein Hagelschlag stört seinen Anglermut, lind ist's auch mal kein?lngeltag, bleibt er doch frohgemut. Arbeiter. EchS�e». Bund. Boq-nschirgc» Freitag. 2. IS'-j Ufer,»nd Seantaa. 5 9 Ulir, ÄcicbtidwcUic, UppftoUrocfl. nreie Suiwimmer C itfl r lotlc Ii burp 04 c, P. iZi'citafl, 2. Auautt, Schwimm. w-rle-SibuN!, um 20 Udr bei I«ie»i-ke. Kaiscrin.eiimulw.Ällec 7Z.' Ruberverein Eollegia e. V. Churlottcnduro. Die Mechälitiflc Sommer. Generalvcrsammlun-, findet am tZreitan, dem 2. Auaust, 20 Uhr, bei Thunack, Tharlottenburq, Wielandftr. 4, stair. Tuuristrnoereim.Di« Ratursreunde», Zentrule Wien. Ab». Cb-rlottcnbur,- �rcita«, 2.«uaust. IS'.f, Uhr. Svrcestr. 30. Lesen»nd Sinnen.— Abt. Siitwit; grciiafl, 2. August. 20 Uhr. Vriber Str. 27. Gemcindcpolitik.- Ab«. Treptuw: .'"ltoa. 2. August, 20 Uhr. Elsrnstr. 3. Vortrag:..Die deutsch- Versassun�. — Abt. Reukclln! IZreitag, 2. August. 20 Uhr, �lughafcustr. tW.- Faltboot -bteiluu«! ffreiloa. 2. August. 20 Uhr. Briher S«r. 27.- Abt. Acbding! Freitag, 2. August, 20 Uhr. Eceslr. 84.— Vtwtogemeinscbast: Montag, 5>, Au> S"lt. 20 Uhr, Grob« Frankfurter Str. 40 lSaal). Negativ. Nctuschc.— Abt. Vrlh: Montag, 5. August, 20 Uhr. v'hauksccstr. 43.— Mallunstgemeiuschastt Montag.». August, 20 Uhr, Walseriorstr. 9.— Ingeudaruppc Oftcn: Montag, !>. August, 20 Uhr, Scharnweherstr, 29. Warenhäuser Su Sra«i«atl«ahelö4 ö5/ U.: VruAneasteah« 1SS/K0 eharlottenbmro: Sofi«et>strah» 4/31.: Nemickea- darf« Stratz« 11/0.: ftxnkfutitt Klirr SS Hochwertige Waren— enorm herabgesetzt! Kaufhaus HAX GIESEN JSSS« �(fafchäffc-Jlnsei'giir �=> (Sieziwk Jtorden-Cfien. Wochenende- Auf!- Hinaus! vorher: Landsaemeindehaus Ber,,n-M|tte' Neue Schönhauser str. s Berlin-Spandau, Potsdamer Str. 38-39 Paol Borsch Berlin-Geverksehaftshaos . 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