BERLIN Zreitag 2. August 1929 lOPf. Nr. 355 B 176 46. Jahrgang. Erscbrtot tSgltch«»terGsontag«. Fuglkich Abendausgade de«.Vorwärts. Bejugsrni« beide Autgaben 8SPf. pro Woche.».«»M. vro Monat. Redaktion und Ervedilion; Berlin SW 68. LindenKr. S n> e i g e n e r e l«: Die einspaltige NonpareillqeN« 80 Pf.. Reklame, eil« S M. Ermäßigungen nach Tarif. vkscheckkonto- Dvrwärtt-Derlag S.m. b.H« Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 297 Cm Mittionenschwmdel. Oer kommunistische Kn'egöpressebericht an Woroschilow. Daß die Kommunisten mit ihrer gestrigen Kundgebung im Lust- garten hereingefallen sind, weiß jeder, der diese kümmerliche Demonstration gesehen hat. am allerbesten wissen es diejenigen, die sie veranstaltet und die an ihr teilgenommen haben. Ein solcher Miß- erfolg bedeutet natürlich noch nicht viel, seine Ursachen tonnen oer» schiedener Art sein, so die Demonstriermüdigteit der allzu oft in Anspruch genommenen Anhänger, die Miststimmung über dos der Polizei gegebene Versprechen des Wohloerhaltens, die Unpopulorität der Chinagreuel-Propaganda und dergleichen mehr. Man kann auch Verständnis dafür haben, daß die kommunistische Presse den Wunsch hat, den Mißerfolg zu beschönigen, obwohl es wahrscheinlich klüger wäre, ihn einzugestehen und nach den Ursachen zu forschen. Aber aus einer ganz offenkundigen Pleite einen Riesenerfolg zu machen— das kriegt nur die„Rote Fahne" fertig. Sie fabelt von einem„Marsch der Millionen", von denen sie IM 000 auf Berlin, den Rest auf das übrige Deutschland verrechnet. Es ist überflüssig, darüber zu streiten, ob die„Fahne" die wirkliche Zahl der Demonstranten mit 20, 10 oder nur mit 5 multipliziert hat. Dos Wahrscheinlich« ist, daß die Ziffer zwischen 10 und 20 liegL Da nämlich die„Fahne" die Zahl der sozialdemokratischen Demonstranten im Friedrichshain mit etwa 40 000 angibt, im Friedrichshain aber mindestens dreimal soviel Menschen warenalsimLu st garten, wird man die wirk- liche Zahl der Teilnehmer an der Lustgarten-Demonstration auf 13 000 berechnen dürfen. Für das übrige Reich gibt das kommu, nistische Blatt viel bescheidenere Zahlen an: so für Magdeburg 5000, für Essen 12 000, für Mannheim 2500 usw. Die Summierung oll dieser Angaben führt noch immer nicht zu einer Zahl, die das groß- sprecherische Wort vom„Marsch der Millionen" rechtfertigt« ober wie mag es erst in der Wirklichkeit gewesen sein? Zu welchem Zweck dieser ganze Schwindel aufgeführt wird, erhellt jedoch aus einem Telegramm an die russiche Regierung und an den Befehlshaber der russischen Arme« W o- r o s ch i l o w, das folgenden Wortlaut hat: Die in der Zahl von IM 000 an einer grandiosen Kriegs- demonstration versammelte Arbeiterschaft von Groß-Berlin sendet der Sowjetunion und der Roten Armee der proletarischen Diktatur am Internationalen Roten Tag ihren flammenden Kampfesgruß. Das revolutionär« Berliner Proletariat wiederholt am heutigen Tag« das heilige Gelöbnis, immer für die Sowjetunion zu kämpfen und dem einzigen Arbeiterstaat der Welt mit allen, auch den äußersten Mitteln gegen den drohenden imperia- listischen Krieg, gegen das Weltkapiwl und sein« sozialsaschistischen Agenten zu verteidigen. Durch einen schwindelhosten Bericht soll die chauvinistische Stimmung, die in die Massen des russischen Volkes und der russischen Armee hineingetragen worden ist, noch weiter erhißt werden. Das nennt man dann: für den Frieden arbeiten! Und dann hat man noch den Mut, die Kundgebung der Sozialdemokratie im Friedrichshain als„Äriegsdemonstration" zu bezeichnen und die Zehntausende von Arbeitern, die an ihr teilgenommen haben, als „Streitbrechergarden" zu beschimpfen. Dergleichen ist nicht mehr politischer Kampf. Es ist da. Treiben eines Gesindels, dem keine Lüge zu frech, keine Verleumdung zu gemein, kein Schimpfwort zu dreckig ist, um sich damit das Wohl- wollen feiner Mostauer Brotgeber zu erwerben. Erlebnis im Kriedrichshain. Gm« ofle Parteigenossin teilt uns mit: Wir Frauen vom Be- 3»rt Kreuzberg hatten uns um den Genossen Litt« ver- sammelt, der Krieg und Kriegsgefahr in zündenden Worten schil- dert«. Dicht neben Genossen Litte stand ein junger Mensch mit kommunistischen Abzeichen, der sich aber vollkommen ruhig und anständig verhielt. Niemand von uns hatte deshalb gegen seine Anwesenheit das geringste einzuwenden, da wir uns ja freuen, wenn möglichst viel kommunistische Arbeiter das hören, was unsere Parteigenossen dem Proletariat mitzuteilen haben. Der junge Mensch war von den Ausführungen Karl Litkes sichtlich ergriffen. Als Litke dann die gemeinen Bilderfälschungen der Kom- munisten schilderte, bekam der junge Mann einen puterroten Kopf und riß sich seine Abzeichen ab. Als Karl Litte das Hoch aus die Sozialdemokratie ausbrachte, stimmte er ein. Wir möchten hoffen, daß recht pielf kommunistische Urbeiter zur Einsicht kommen. Massenkundgebung gegen jeden dirieg Ä H SHe»oaialdemokralischen tl lassen demonsMerten gestern im Sriedrichshain gegen jeden Krieg. Unser Stild gibt einen Jlnsschnitt aus der gewaltigen Kundgebung. Im Kernen Osten alles ruhig. Die Unterhändler holen sich neue Instruktionen. London, 2. August. Die chinesisch-russischen Verhandlungen werden nunmehr in Berichten au» Tokio und C Harbin bestätigt. Die Verhandlungen sind zwar vorläufig wieder unterbrochen worden, jedoch hosst die Nanking- Regierung. daß sie sehr bald durch weitergehende Be- s p r e ch u n g e n mit den amtlichen russischen Unterhändlern abgelöst werden können. Der chinesisch« sowie der russische Unterhändler sind nach Ranking bzw. Moskau abgereist, um ihren Regierungen Bericht zu erstatten. Zn Charbin und an der Grenze ist alles ruhig. ver chinesische Eisenbahnminister Sunfo erklärte, China be- absichlige, die weiteren Verhandlungen mit der Sowjetregierung aus der Grundlage zu führen, daß die Verwaltungsrechte über die chinesische Ostbahn ganz China übertragen werden sollten. während da» Eigentum gemeinsam wäre. Im Gegensatz hierzu wird aus Rew Jork gemeldet, daß der dortige chinesische Gesandte der amerikanischen Regierung erklärte, Ronking beabsichtige nicht den Status quo wiederherzustellen und die entlassenen russischen Beamten wieder einzustellen. Der Gesandle wies nachdrücklich daraus hin. daß die Entlassung wegen propagandistischer Tätigkeit erfolgt sei, die für den Bestand der chinesischen Regierung gefährlich sei. Nur Einberufungen- keine Mobilmachung. Kowno, 1. Auglist. Wie aus Moskau gemeidet wird, findet die Nachricht über die Mobilmachung in Sibirien insofern ihr« Bestätigung, als das Kriegskommissoriat von seinem Recht Gebrauch mochte, auf lang- sristigen Urlaub befindlich« Wehrpflichtig« einzuziehen, ohne indessen Mobilmachungsbesehle zu erlassen. An halbamtlicher Stelle heißt es, daß die Entwicklung des russisch-chinesischen Konfliktes und insbesondere die Zunahm« der weißgardistischen Banden zwar die Grenze bedrohen könne Die Einziehung der, beurlaubten Wehr- Pflichtigen bedeutet jedoch keine Mobilmachung zu irgend- einem bestimmten militärischen Zweck außer den üblichen Herbst- Manövern. Mord aus Nache. Schwere Blutiat im Ostseebad Henkenhagen. Solberg, 2. August.(Eigenbericht.)' Am 31. Zoli wurde im Ostseebod henkeuhagen der ZZjährige ungarische Kapellmeister S iegling mit schweren Körperverlehungen tot im Bett ausgefunden. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei ergaben, daß als Täter der in Berlin geborene Oberkellner 5ti«brich Bauer in Frage kommt. Bauer war auf Grund einer Anzeig« des erschlagenen Kapell- meisters entlassen worden, weil er einem Gast«ine Brief- tasche mit Geld gestohlen hotte. Aus Rache hat ihm der Oberkellner nach-einer Tanzveranstaltung aufgelauert und ihm die tödlichen Verletzungen beigebracht. Oberkellner Bauer wurde in der Nacht zum Freitag»er- haftet und in das Kösliner Gefängnis eingeliefert. Bei ihm wurde ein blutiges Taschentuch und ein beflecktes Messer ge« funden. Der Verhastete leugnet jede Beteiligung an der Tat, ihm konnte aber nachgewiesen werden, daß er in der fraglichen Nacht das Tanzlokal, in dem sich Siegling als Kapellmeister befand, zur selben Zeit verlassen hatte, als Siegling den Heimweg antrat. Belastend ist ferner die Tatsache, daß Siegling in einem Brief an«in junges Mädchen in Berlin-Steglitz schrieb, daß Bauer ihn schon in her Nacht zum 27. Juli mit einem offenen Messer bedroht habe. Ferner hat Siegling, als man ihn bewußtlos auffand, in einem klaren Augenblick gesagt, daß man ihn auf der Dorfstraße überfallen hätte.> Die gerichtliche Untersuchung ergab, daß der Tod durch«inen Schädelbruch, der eine innere Verblutung vcranlaßte, ein- getreten sei. 4 Tage 17% Stunden. Die„Bremen- in Bremerhaven eingelaufen. Der Lloydschnelldampser„Bremen" beendete heute vormittag 7.Z0 Uhr in Bremerhaven seine erste Reise nach Rew Bork und zurück. Die„Bremen" hat für die Rückfahrt vier Tage«« d 1? Stunden gebraucht. Da» ist für dies« Richtung ein Rekord. Oer Ausschluß der Babies. Die neueste kommunistische Erfindung. Kann man aus einer Partei rausgeschmissen werden, wenn man ihr gar nicht angehört? Die KPD., die aus Männern Frauen machen und eine verunglückte Demonstration zu einem Marsch der ISOOlXI oerwandeln kann, bringt auch dieses Kunststück fertig. Nach- dem sie wieder 20 Mitglieder in Berliw-Brandenburg wegen„rechter Abweichungen" hinausgeworfen hat, ist offenbar das Material etwas knapp geworden. Man hilft sich jetzt, indem man Leute ausschließt, die gar nicht Mitglieder sind. Darüber berichtet die rechtskommunistische Zeitschrift:„Gegen den Strom": chänschen Pfeiffer, dem Kartothekowitsch von Berlin Brandenburg, gebührt die Krone als Gralshüter der„bolfche- vistifchen" Reinheit der Partei. Mit dem Durchbolschewisieren der Partei wird er trotz größter Bemühungen nicht fertig. Da der Bestand an Mitgliedern schon zu stark gelichtet ist, belegt er jetzt außerhalb der Partei Stehend« mit seinem Dannstrahl. Der Jugendgenosse U n g« r- Spandau wurde vor das zentrale Schieds- gericht geladen. Trotz seines Hinweises, daß er noch gar nicht Mitglied der Partei sei, wurde ihm der bekannte Revers vorgelegt, dem der Ausschluß aus der Partei auf dem Fuße folgte. Nicht genug damit, hat man jetzt alle Instanzen beauftragt, dem Unger das Mitglieds» buch abzunehmen, obwohl«r noch nie eines be- sessen hat. Bon da bis zum Ausschluß der noch llngeborcnen ist nur noch «tn kleiner Schritt. Großfeuer in Pankow. Mehrere Wohnungen mußten geräumt werden. Mit der Petämpsung eines großen Dachstuhlbran des war die Feuerwehr in der vergangenen Nacht in der Kaiser- Friedrich- Straße 6 7 in Pankow stundenlang beschäftigt. Die Wohnungen der oberen Stockwerke erlitten starken Feuer- sowie Wasser schaden und mußten von den Mietern geräumt werden. Das Feuer wurde kurz nach Mitternacht von Straßenpassanten bemerkt. Aus den Bodenluken des Eckhauses schlugen Plötz lich meterlange Flammen hervor. Auf den Alarm rückten zunächst zwei Züge der Feuerwehr an. Der Brand- hatte sich jedoch inzwischen auf den gesamten Dachstuhl ausgedehnt und es mußten zwei weitere Züge mit Schlauch- und Rettungswagen nach- alarmiert werden. Stärket Qualm erschwerte die Löschaktion: nur schwer konnten die Mannschaften gegen den Brandherd vor- dringen. Bei den Löscharbeiten erkrankte ein Brand- m e i st e r unter der Einwirkung von Rauchgasen: bewußt- los wunde er ins Pankower Krankenhaus gebracht. Sechs Schlauchleitungen wurden in Tätigkeit gefetzt, g« w a l- tige Wassermengen wurden in das Flammenmeer goschleu- dert. Trotzdem konnte nicht verhindert werden, daß der D a ch st u h l ein Raub der Flammen wurde. An mehreren Stellen wütete das Feuer mit solcher Gewalt, daß die Decken durchbrannten. Außerdem drangen in die Wohnungen starke Wasiermassen ein, so daß die Mieter ihre Räume verlassen mußten: sie fanden bei Bewohnern der unteren Stockwerke Unterkunft für den Rest der Nacht. Auch in den Wohnungen der dritten Etage ist der Wasserschaden noch erheblich. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis heute früh um 8 Uhr: eine Brandwache blieb zurück. Die Entstehungs- Ursache des Feuers konnte noch nicht geklärt werden. Llnterfuchung in Waldenburg. Llrfache der Schlagwetterentzündung nicht ermittelt. Das Oberbergamt teilt mit: Der Unfallausschuß Nieder- schlesien der Grubensicherheits-Kommission für den Oberbergamts- bezirk Breslau ist in Anwesenheit der Bertreter der zuständigen Staats- anwaltschaft aus den Schwesterschächten der G l Ü ckhi lf- F r i«- denshoffnungs-Grub« zusammengetreten. Er ist nach Be- fahrung der durch die Schlagwetterexplosion in Mitleidenschaft ge- zogenen Abteilung zu folgender vorläufiger Ansicht ge- kommen: 1. Die Explosion ist eine Schlagwetterexplosion. Ihre Fortpflai�ung über die engere Abteilung hinaus ist durch die Anwendung des als Sicherheitsmaßnahme bekannten Gesteinftaub- Vtreuverfahrens verhütet worden. Zerstörungen des Ausbaues, Zu- bruchgehen der Baue, Herauswerfen von Förderwagen und ähn- liche Erscheinungen, wie sie bei derartigen Explosionen vorzu- kommen pflegen, waren nicht vorhanden. Nur eine Wettertür ist samt dem Türraum vermutlich durch Explosionsrückfchlag zur Seite geflogen. Oertlich sind mehr oder nünier starte Ansengungen am hölzernen Ausbau zu.bemerken. Auch sind-einige Kohlenftaubver- kokungen an den Stempeln wahrzunehmen. Sie haben einen schau- migen, sintrigen Charakter, vermutlich durch Gesteinsstaub, der bei- gemengt gewesen sein muß. Schlagwetterbildungen sind seit längerer Zeit in der Unfallabteilung beobachtet worden. Die Wetterführung ist infolgedessen vor sechs Wochen sehr erheblich verstärkt worden. Anzunehmen ist, daß eine größere Wenge Grubengas unvermutet infolge vielfach gestörten Gebirges und des eingeleiteten Abbaues eingetreten ist. 2. Die Ursache der Schlagwetterentzündung ist bisher nicht festgestellt: Schießarbeit scheidet wohl aus. 3. Inwieweit die größere Ansammlung der Schlag- weiter mit dem Betrieb der Wetterführungseinrich- t u n g e n zusammenhängt, wird noch geptüst. Eine weitere Klärung sämtlicher Fragen wird sich nach Abschluß der amtlichen Unter- suchung ergeben. Das Adelsbegehren. Industriekapitäne mit den Junkern im Bunde. Das Adelsbegehren, als das sich Hugenbergs Volksbegehren der Oeffentlichkeit vorgestellt hat, erhält neuen Zuzug— aus den Scharf machcrkreisen des Westens. Der„Stahlhelm" veröffentlicht in seiner neuesten Ausgabe die Namen von insgesamt 31 Personen, die dem Ausschuß für das Adelsbegehren weiterhin bei- getreten sind. Darunter befinden sich nicht weniger als zehn General- und Bergdirektoren aus dem Ruhrgebiet, fer- ner einige Kommerzienräte und einige— Generalobcrärzte a. D.I Man sieht, daß das„Volk" durch diesen famosen Reichsausschuß weiterhin würdig vertreten wird. Aber bisher sind die Herrschaften nur einem„Ausschuß beigetreten". Von dem Wortlaut des Be- zehren» und von seiner Eiiebringung weiß man noch nichts. Di« heiterst« Seit« des Unternehmens bleibt noch vorbehalten. Schlachtschiffe kleiner. Oos Ziel der Geeabrüstungskonferenz: Kostenersparnis. Washington, 2. August. Die Londoner Meldungen, wonach die künftige Marinekonserenz auch hinsichtlich der Schlachtschiffe über eine Aenderung der bisherigen Regelung beraten werde, wurden in hiesigen amtlichen Kreisen als im allgemeinen zutreffend bezeichnet. Man wies darauf hin, daß beispielsweise Japan schon seit einiger Zeit in inoffiziellen Besprechungen für eine Verlängerung der zwanzig. jährigen Frist, nach deren Ablauf Linienschiffe jetzt als veraltet und nicht mehr zur ersten Kampslinie gehörend betrachtet werden, eingetreten sei. Auch das amerikanische Volt, so wurde hinzugefügt. würde es nicht ungern sehen, wenn die hohen Kosten, die sich jetzt auf 35 Millionen Dollar pro Neubau belaufen, verringert würden, und man erwäge daher erstens eine Verlängerung der Lebensdauer der Linienschiffe, so daß n i ch t— wie im Washingtoner Abkommen vorgesehen wurde— im Jahre 1931 mit den Ersatz- bauten begonnen werden müsse: zweitens eine Einigung über einen geringeren Tonnengehalt künftiger Linienschiffe. Ob sich dieser Plan Innerhalb des nächsten Jahres wird durchsühren lassen, hängt davon ab, inwieweit Frankreich und Italien, die als Signatare des Washingtoner Abkommens gefragt werden müsien, dieser Neuregelung zustimmen. In dem Weißen Hause nahestehenden Kreisen ist man in dieser Beziehung optimistisch, da sich die von Gibson vorgeschlagene Methode der Benutzung einer Einheit». formet für die Errechnung de» Kampswerles oller Schiffe bereit» sehr der französischen Forderung nach Festsetzung einer Pauschaltonnage nähert und man einen Mittelweg zu finden hofft, der eine gewisse Zahl amerikanische Zerstörer gegen einige britische Kreuzer und eine gewisse Zahl britische Schisse gegen französische Unterseeboote aufrechnet. Aeue Zuchihausschlachi in Amerika. New Bork, 2. August.(Eigenbericht.) Aus dem mit 2500 Sträflingen belegten Gefängnis in Leavenworth werden blutige Zusammenstöße gemeldet. Vorerst sollen 7 Sträflinge im Kampf getötet worden sein. Nähere Nachrichten fehlen jedoch, da die Verbin- dnngen mit dem Gefängnis zurzeit abgeschnitten sind. Leavemvorth ist das Bundesgejängnis des USA.-Staatcs Kansas. Der Aufstand brach aus, als die Gefangenen in den Eß- räum geführt werden sollten. Das Gefängnis wurde sofort von starken Polizeikrästen besetzt. Es gelang der Polizei im Verein mit der Gefängniswache, den Ausstand niederzuschlagen Dabei traten auch Maschinengewehre in Tätigkeit. Der Ausbruch- versuch kam völlig unerwartet. Die Gefangenen sielen Plötz- lich über die Wärter her und fesselten sie. Daraus unternahmen sie den Versuch, eine der Gefängnismauern mit Dynamit zu sprengen. Eine amtliche Mitteilung des Gesängnisdirektors an das Washingtoner Justizministerium besagt, daß bisher nur ein Ge- fangener als tot und drei Schwerverletzte gemeldet wurden, doch scheint die Meldung überholt zu sein. Die Behörden behandeln die Vorgänge äußerst geheimnisvoll, da die Revolte aus die schlechte Ernährung zurückgesührt wird. Es meuterten über 3700 Gefangene, die sich mit Stuhlbeinen und Messern bewaffnet hatten. Sie richteten großen Schaden an. In der M'he der Azoren. „Zeppelin" am Gonniag in Amerika erwariei. Nach einer heute morgen in Friedrichshafen einge- laufenen Meldung hat das Luftschiff„Graf Zeppelin" gegen 3 Uhr früh Gibraltar und damit den At- lantischen Ozean erreicht. An Bord ist alles Wohl und die Fahrt verläuft weiterhin glatt. Immerhin läßt die Tatsache, daß das Luftschiff von Friedrichshafen bis zur Straße von Gibraltar fast 24 Stunden gebraucht hat, erkennen, wie stark der egenwind auf dem erste« Teil dieser Amerikafahrt gewesen ist und wie sehr er die Geschwindigkeit des Luft- schiffes herabgesetzt hat. Die Meldung von dem blinden Passagier bestätigt sich. Erst nach stundenlangem Suchen gelang es der Besatzung, den unter- nchmungslustigen Passagier, in einem Gasschacht sitzend, zu entdecken. Er ist ein junger Deutsche? und wird der Bestrafung wegen Transportgefährdung zugeführt werden. Der junge Mann soll nach der Ankunft in Lakehurst mit dem nächsten Dampfer sofort zurückbefördert werden. Washington, 2. August. Nach dem Dafürhalten des Sachverständigen des Marineomts für Luftfahrt wird der Zeppelin voraussichtlich am Sonntag in Lakehurst eintreffen. Da die Tagesstunden für ein« Lau- dung als wenig günstig angesehen werden, erwartet man, daß das Schiff, falls es schon Sonntag früh den amerikanischen Kontinent erreicht, über den Städten der Osttüste bis gegen Abend kreuzen wird. Nur das Herannahen einer Schlechtwetterzone könnte den „Graf Zeppelin" veranlassen, schon zur Mittagszeit zu landen. Eine Landung in der Sonnabendnacht wird hier erwartet, da die Winde auf den Bermudas und den Azoren um diese Jahreszeit für einen Westflug ungünstig sind. Indessen rechnen die Marinefachleute mit der Möglichkeit, daß Eckener den ungünstigen Winden durch Kurs- nehmen über Madeira ausweicht, so daß er später, ausgenommen die letzten 800 Kilometer, Rückenwind haben würde. Man erwartet nun eine Steigerung der Geschwindig- l e i t, da der„Gras Zeppelin" offenbar die ungünstige Wetterzone oerlassen und Aussicht hat, bereits westlich der Bermudas zu sein, ehe die sich im Nordatlantik entwickelnden Störungen nach Süden ziehen und ihn erreichen können. Die Fälschung als Methode. Nach den Greuelbildern kommen Ministeräußerungen. Die enffchiedene Stellungnahme des Bundesausschusses des ADGB. gegen die Pläne, die den Abbau der Arbeitslosen« Versicherung erstreben, läßt die Kommunisten nicht ruhig schlafen. Selbstverständlich beschimpft die„Rote Fahne" den ADGB. wegen seiner Haltung in üblicher Weise. Wenns anders wäre, würde man sich wundern, daß sie im Fälschen sich immer noch selbst übertreffen will, nach folgenden Beweisen: In ihrem Schimpf- artikel gegen den Bundesausschuß zitiert sie auch den Reichs- arbeitsminister Wissell. Sie stützt sich dabei auf einen Bericht, der am 9. I u n i in einem Berliner Vorortblatt„Berliner Westen" unter der sensationellen Ueberschrift„Gespräch mit Reichsarbeits- minffter Wissell" veröffentlicht worden ist. Diese Veröffentlichung war durch die im Verlag« Greiner u. Co. erscheinende Korrespondenz„Sonderdienft" verbreitet worden. Di« Korrespondenz brachte jedoch bald nach der Veröffentlichung des an- geblichen Interviews die amtliche Erklärung, daß „dieses Gespräch von ihrem Berichlerstalter vom ersten bis zum letzten Buchstaben erfunden ist und daß der Reichsarbeit». minffter sich weder zu einem Vertreter der Korrespondenz Sonderdienst noch sonst zu einem Pressevertreter ,u der Frage der Arbeitslosenversicherung in irgendeiner Weise geäußert" habe. Eine gleichlautende amtliche Erklärung erfolgte in der Reichs- Pressekonferenz vom 1 1. I u n i d. I. Der„Berliner Westen" erklärte in seiner Nummer 167 vom 20. Juni, daß«r das„Opfer des Betruges eines Reporters" geworden sei. Trodem benutzt die«Rote Fahne" sechs Wochen später diesen„Betrug eines Reporters" zu neuen Angriffen gegen den ozialdemokratischen Arbeitsministerl Sie beweist dadurch wieder einmal, daß ihr F ä ls che r b e tr i e b sich nicht nur auf Bilder beschränkt. Wer ist das Mädchen? Schon wieder ein räffelhaster Todesfall. In der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr stellte sich ia�än- getrunkenem Zustand beim Kommissar vom Dienst aus dem Polizeipräsidium ein 41 Jahre alter Alfred Pohlitz, der als Junggeselle in der G u st a v- M ü l l e r- S t r a ß e 20a zu Schöneberg eine aus zwei Zimmern und Küche bestehende Wohnung inne hat. Die Geschichte, die er erzählte, gab Veranlassung, die Beamten der Mordkommission zu entsenden. In dem Schlafzimmer des Mannes fand man im Bett die unbekleidete Leiche eines jungen Mädchens. Es hatte, aus Nase und Mund stark geblutet, am Körper zeigten sich schon Merkmale der V e r- w e s u n g. Verletzungen, die von Schlägen oder Stichen herrühren würden, waren nicht vorhanden, es ist aber möglich, daß der Tod durch Erwürgen eingetreten ist. Pohlitz, der vorläufig fest- genommen wurde, mochte Kriminalkommissar Dr. Berndorff folgende Angaben: Er arbeitet als Händler, mitunter auch als Kellner oder Jleischergehilfe. Bis vor kurzem war eines seiner Zimmer abvermietet, jetzt haust er allein. Am Mittwoch. dem 31. Juli, hatte er nicht gearbeitet, sondern ein« Bummel- fahrt gemacht. Gegen 11 Uhr abends lernte er auf dem Kaiser- Wilhelm-Platz in Schöneberg ein junges Mädchen von etwa 22 bis 23 Jahren kennen. Er besuchte mit ihr eine Konditorei und nahm sie später in seine Wohnung mit. Sie klagte, daß sie sich trank fühle. Als Pohlitz am nächsten Morgen gegen 9 Uhr aus- stand, schien das Mädchen noch fest zu schlafen. Er ließ sie liegen,' zog sich an und ging aus, um einzukaufen. Als er eine Stunde später heimkehrte, nahm er wahr, daß das Mädchen t o t war. J>, seiner Angst ließ er alles stehen und liegen und eilte aus der Wohnung. Am Donnerstagabend riet ihm«in Freund, dem er seine Lag« erzählte, doch lieber die Polizei zu benachrichtigen. Der Zustand der Leiche läßt den Verdacht aufkommen, daß sich nicht alles so abgespielt hat, wie der Mann erzählt. Das Mädchen, das noch völlig unbekannt ist, war etwa LS bis 30 Jahr« alt, 1,58 Meter groß und schlank, hatte langes blondes Haar und im Oberkiefer eine Brücke mit drei Zähnen, davon zwei Schneide- Zähne._ Ein Greis sticht einen Jüngling nieder. Eine Messerstecherei, deren Gründe noch völlig ungeklärt sind, spielte sich in der vergangenen Nacht vor dem Hause Brunnen st raße 116 ab. Kurz nach. 1214 Uhr versetzte dort der 70 Jahre alte Rentenempfänger Richard Molz aus der Rheinsberger Straße dem 23 Jahr« alten Arbeiter Walter Beyer aus der Putbuser Straße einen t I e f e n M e s s e r st i ch in den Unterleib. Beyer brach sofort bewußtlos zusammen. Passanten, die den Vorfall beobachtet hatten, verprügelten Molz derartig, daß er ebenfalls besinnungslos zu Boden sank. Als Beamte des Sl. Reviers hinzukamen, mußten beide Männer zur R e t t u n g s- wache getragen werden. Der Arzt ordnete die Ueberführung beider nach dem Virchow-Krankenhaus an, wo sie noch vernehmungsunfähig darniederliegen. Die Zeugen behaupten, daß der Alte ohne Grund auf Beyer eingestochen habe. Nie wieder Krieg! Unter der Parole«Nie wieder Krieg" hat die Partei- buchhandlung I. H. W. D i e tz Nachfolger, Berlin SW 68, Linden- straße 2,«in eindrucksvolles Sonderfenster zum 15. Jahrestag der europäischen Katastrophe dekoriert. Zahlreiche Antikriegs- literatur ist Illustration für das, was verbrecherisch« Kriegshetzer das„Stahlbad" zu nennen pflegten. Als nächst« Sonderfenster sind ein Hamsun-Fenster zum 70. Geburtstag des großen Dichters und ein Versassungsfenfter am 11. August vorgesehen. Die Einäscherung des Genossen Falkenfeld findet am Sonn- abend, dem 3. August, 15 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Das Aniikriegsmuseum. Von Hans Bauer. Sucht man die Parochialstraße noch dem baufälligsten und schmälsten Bauwerk ab, so gerät man unweigerlich an ein zwei» stöckiges Häuschen, das die stolze Jnschrist„Anti-Kriegs- museum" trägt. In einem mit antimilitaristischer Literatur ange- füllten Schaufenster hängt ein Zettel, der verkündet, daß der Eintritt jür Menschen 20 Pfennig betrage, für Soldaten und Polizeibeamte aber frei sei. Pazifistisch gut gemeint-- und die Verschrobenheit, allen Soldaten durch die Bank und gar den Polizisten die Menschen- ehre abzusprechen muß man schon in Kauf nehmen, denn Schöpfer und Besitzer dieses Museums ist Ernst Friedrich, Herausgeber der „Schwarzen Fahne", jawohl, denn die„Rote Fahne" steht ihm viel zu weit rechks, und Anarchist seiner politischen Zugehörigkeit nach, womit allerdings nicht viel gesagt ist, denn je mikroskopischer eine Gruppe ist, um so reicher ist sie mit Richtungen bedacht, die sich aufs grimmigste untereinander befehden. Aber was nun Friedrichs Museum anbelangt, so ist es, bei aller Primitivität des äußeren Rahmens und bei aller Systemlosigkeit, mit der es angelegt ist, doch nicht unoerdienstlich. Eine Anzahl Motive und wohl gerade die, auf welche Ernst Friedrich den Nach- druck legt, wirken heute, nach der Sintflut der Kriegsliteratur, nach Dutzenden pazifistischer Filkne, nicht mehr so stark wie früher. Es ist wahr, daß aus dem für ein Seitengewehr verwendeten Material eine Unmenge produktives Arbeitsgerät hergestellt werden kann, es ist wahr, daß Granatsplitter und Flammenwerfer das menschliche Antlitz und den menschlichen Körper auf das entsetzlichste zu entstellen vermögen, es ist wahr, daß das Spiel mit Zinnsoldaten die ersten Keime des Kriegsgeistes in die kindliche Seele legt: viel stärker aber wirkt, mindestens auf jemanden, der nicht erst dieses Museums be- darf, um zur Kriegsfeindlichkeit bekehrt zu werden, daß aus jener ver- worrenen Zeit herübergerettete rein Dokumentarische. Da ist ein Exemplar jenes verbrecherischen, den Tatsachen vorauseilenden und, wer vermag es zu sagen, die Tatsachen vielleicht erst erzeugenden Extrablattes zu sehen, dos der„Berliner L o t a l- A n z e i g e r" am 1. August herausbrachte. Sein Wortlaut:„Allgemeine Mobil- machung in Deutschland. Die zwölfstündige Frist, die Deutschland der russischen Regierung zur Abgabe einer loyalen Erklärung gestellt hat, ist ergebnislos verstrichen. Soeben ist der Befehl des Kaisers ergangen, der die sofortige Mobilmachung der gesamten deutschen Streitkräfte anordnet." Dann die phrasiöse Kundmachung Wilhelms vom 6. August 191<:„... Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Roß. Und wir werden diesen Kampf be- stehen gegen eine Welt von Feinden... Vorwärts mit Gast, der mit uns sein wird wie er mit unseren Vätern war." Dann die diversen Extrablätter, die immer nur Siege, Siege meldeten: Lüttich gefallen! Antwerpen gefallen! Kowno gefallen! Aber neben den Siegen her schritt der Hunger und seine Folge waren„Bekannt» machungen". Bekanntmachungen über Pferdefleisch-, Käse-, Speisefett-, Kartoffel-, Eieroerteilung...„Auf Abschnitt 36 der Eierkarte kann vom 27. März bis 6. April ein Ei abgegeben und entnommen werden. Der Magistrat der königlichen Haupt- und Residenzstadt. Mermuth." Auf einem Plakat wird aufgefordert, Obstkerne zur Oelgr- winnung zu sammeln, ein anderes rät an, nicht die Knochen weg- zuwerfen. Gegenstück: eine Speisekarte des Hauptquartiers Ost vom 27. August 1916, auf der Kraftbrühe mit Einlage, Eierspeisen mit Champignonragout, Rehrücken, warme Käseschnitte und vier Wein- sorten angekündigt werden. Ein Kapitel für sich waren die Ersatz- stoffe. Das Museum bringt einige Originalbelege bei: Bindfaden, der aus gewickeltem Papier bestand,„Kristall-Süßstofs", If� Gramm üomgalemski, Sowjetbotschafter in Paris, hat mtt dem englischen Außen- minister Henderson über die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Moskau und London verhandelt. pro Packung, der den Zucker entbehrlich machen sollte. Auch der Kriegskitsch wird heraufbeschworen: diese hundsblöden„Treubund"» Postkarten, ein Kricgs-Struwwelpeter-Buch, Taschentücher mit den Bildern aller bekannten Heerführer oder mit dem einer General- stabskarte des Kriegsgebietes: eine Folterkammer des guten Ge- schmackes, das Kainsmal allen Geistes. Es ist höchst lückenhaft und manchmal auch ein bißchen konfus, was in diesem ehemaligen Gcmüsekeller an Kriegsanbenken zusammengetrogen ist: aber dieses Museum hatte den Vorteil für sich, daß es nur wahrheitsgemäß zu rekonstruieren brauchte, um auch»n Fragment noch ein erschütterndes Denkmal vom Zusammenbruch einer Menschenwürde zu errichten. Offiziere unter fich. Erinnerungen an die„große" Zeii. Ein srüherer Ofsizier schreibt uns dies« wahren Geschichten: „Ich war während d�s Krieges Einmal irgendwo bei irgendeinem Stabe Adjutant. Ein neuer Kommandeur, Major Graf Sowieso, am, und nach der bisher geübten Gewohnhett trug ich vor:»Das st die Urlaubssache des Leutnants P., hier handelt es sich um die Bestrafung des Landwehrmanns Meier, hier ist die Anfrage des Regiments usw." Das ging zehn Minuten gut, dann sah mich mein ;räslicher Major an und bedeutete mir:„Herr Leutnant, ich wünsche ncht zu wissen, was ich zu unterschreiben habe, sondern wo ich >u unterschreiben habe." � Es gab im Kriege manche Front, an der für Zeiten furchtbar menig zu tun war. Die Mannschaften wurden ein wenig gebimst, ;ie Herren Offiziere aßen, tranken und spielten. Bei einer Truppe vor ein Herr, der außer dem„Schwarzen Peter" nur„Mauscheln", .Bakkarat" und ähnliche üble Glücksspiele gelernt hatte. Aber er pielte sehr hoch, da er— neben dem hohen Geholt— vom Vater nit reichlichem Zuschuß gespickt wurde. In der Truppe standen wei Reserveoffiziere: Einer, ein simpler Schullehrer, der andere ün kleiner Steuerbeamter. Sie übten das„königliche Spielt Schach. !>er�xr vom Mauscheliisch sah ein« Weile zu und sagte:„Ich önnte mir vorstellen, daß selbst Schach interessant ist.— voraus- '«letzt, daß es hoch genug gespielt wind." Er zielte dabei aüf die Summen, die er beim Glücksspiel zu verschleudern oder einzu- ?cimsen pflegte. In einer norddeutschen Handelsstadt war während des Krieges nn Oberst �Gärnisonältester, der Zeit seines Lebens beim Regiment Aardcdukorps gestanden hatte. Eines Tages fragte er seinen Adjutanten:„Sagen Sie mal, ich komme da morgens immer am Hafen vorbei, und da sehe ich so komische Leute, die laufen da mm und grüßen nicht und haben sone grün« Uniform an, die ich in meinem Leben noch nicht gesehen habe." Der Adjutant antwortet: „Das sind Zollbeamte, Herr Oberst." Der Oberst:„Ja, was machen denn die Leute da?" Der Adjutant:„Das sind keine Soldaten, sondern Beamte, die zu prüfen haben, welche Waren im Hafen ein- und ausgeführt werden. Sie haben über die richtige Verzol- lung zu wachen." Der Oberst:„Waren, Waren? Na, wo die Kerle nicht grüßen, habe ich mir gleich gedacht, daß das irgendeine Heringsbändigerg�jchichte ist!" « Major Fr/iher v. 1. gehörte einem sehr feudalen Regiment an. Eines Tages geschah ihm fürchterliches Ünglück. Er berichtöte im Kasino:„Also, meine Herren, eine Verbürgerlichung, eine Prole- tarisierung— geradezu grauenvoll. Stellen Sie sich vor, meine Nichte hat sich mit einem Blechpuster verlobt." Blechpuster namrtc nian in der Armee die Hornisten, die auf ihrem Tutrohr„Das Ganze halt!" oder„Die berittenen Herren zur Kritik!" bliesen. Der Verlobte der jungen Baronin war... Intendant der Oper in einer thüringischen Residenzstadt. * Ein Offizier vom Regiment Gardedukorps erzählt:„Wir waren doch Brigaderegiment von den Gardekürassteren. Im Herbst trafen wir uns immer nach dem Manöver zu so einem gemeinschaftlichen Fest mit den Offizieren. Aber wenn man mit den Leuten diese« Ossizierkorp» zusammenkam, begab man sich doch auf ein recht tiefes geefllschaftliches Niveau." Die Gardekllvassiere galten nach den Gardedukorps als— zweit-—„feinstes" Regiment der allen Anne«! Wiener Erstaufführungen der(Saifon. Das Deutsche Volkstheater in Wien wird zu Anfang der Saison das neueste Stück von Georg Kaiser zur Aufführung bringen. Das Stück trug ursprünglich den itel„Happy End" und wurde dann endgüllig>n„D e r H e l l s e h e r" umgenannt. Unter dem Titel„Happy End" kommt am gleichen Theater ein neues Stück der Autoren-Compagnie Brecht-Weil zur Aufführung. Desgleichen bringt das Deutsche Volkstheater„I u d Süß" von Ashley Du k e s nach dem gleichnamigen Roman von Lion Feucht- wanger,„Die vierte Wan d", Komödie von M i l n e, deutsche Uebersetzung von Walker-Schmidt, das Kriegsstück„Die ander« Seite" von R. C. S h e r i f f, dessen englischer Titel„I o u r- neys End" lautet, ein weiteres Kriegsstück„La Marne" von Paul R a y n a l,„Seltsames Zwischenspiel" von O'N eill,„Es geht, aber es ist auch danach" von Wilhelm Speyer,„Jung Tristan", Schauspiel in 3 Akten von John van Druten,„Der Junggeselle als Vater" von Cd- ward Childs- Earpenter,„Unterwegs nach Paris" von Philip Barry, Deutsch von Mimi Zoff, und„D i e Schwestern und der Fremde", Schauspiel in 3 Akten von Bruno Frank. Das Raimund-Theater wird nach Be- cndigung de« Pallenberg-Gastspiels eventuell eines der Stücke des Deutschen Volkstheaters in sein Repertoire übernehmen. Desgleichen wird hier wieder die Exl-Bühne ein mehrmonatiges Gastspiel obsol- vieren. Volksbühne und Film. Währeled des 10. deutschen Volksbühnentages In Danzig traten die am Film besonder« interessierten Dolksbühnengemeinden zu einer Sonderkonferenz zusammen, auf der sie ihre Erfahrungen und Beobachtungen während ihrer Tätigkeit am Film austauschten. Mehr als Zl> Volksbühnen beschäftigen sich heute organisa- torisch mit dem Film. Auf eiyer besonderen Tagung, �e in den nächsten Wochen in Berlin zusammentreten wird, sollen die Danziger Beratungen fortgesetzt und Richtlinien für die praktische Arbeit der örtlichen Volksbühnhnorganisationen aufgestellt werden. Die Verbandszentrale ist gewillt, diese Bestrebungen nach Kräften zu fördern. Ein ,Tempel der MusiM in Frankreich. Der amerikanische Kunstmäzen und Musikliebhaber Arthur M o u l t o n hat seine Absicht kundgetan, in Frankreich in der Näh« von Paris mit großen Mitteln einen„Tempel der Musik" zu gründen. Wenn für die geistigen Wissenschaften Museen und Bibliotheken eingerichtet werden, so soll hier für die großen musika- tischen Gestalter eine Zuflucht geschaffen werden, in der sie ungestört ihren Intentionen nachgehen und begabte Schüler um sich sammeln können. Cs werden gleichzeitig künstlerische Gebäude errichtet, in denen die komponierten Werke mit großzügigsten Mitteln zur Auf- führung gelangen. „Drei machen ihr Glück." Marmorhaus. Voraus bemerkt, durch gute Regie und Darstellung hält der Film Niveau. Der Regisseur Carl Wilhelm sucht selbst in her- gebrachten Situationen, irgendeinen originellen Humor zu entdecken. Es entsteht eine Art von Volksstück mit dem Untertitel„Teure Heimo t". Ein junger Mechaniker will nach Amerika auswandern, aber das boshafte Schicksal führt ihn im Schnellzug nach Hamburg mit einer jungen Dome zusammen, die er sich am Schluß selbstver- ständlich als hold errötende Braut um den Hals packt. Zwei Freunde, in derselben Fabrik beschäftigt, folgen diesem Beispiel. Dazu eine kleine, saftige Intrige, mit A l b e r s als dickunterstrichenen Schust. Gut sind die Typen charakterisiert durch Brausewetter. Fritz Schulz und West ermeier, doch da» Ganze wirkt zu sehr auf die gute Stube des Klsinbürgers stilisiert. Es ist kaum anzu- nehmen, daß ein Mechaniker in wirklich guter Stellung niemals Gelegenheit haben sollte, seine Vaterstadt Berlin kennenzulernen. Brausewetter sitzt in der Untergrundbahn mit den kugelrunden Augen eines erstaunt fragenden Kindes. Ferner scheint die Manuskripwcrfasserin Ada van R o o n vergessen zu haben, daß es gut frequentierte Arbeitersportbewegungen seit Iahren gibt, und daß deshalb Herr Brausewetter Havel mit dazu gehörigen Paddelbooten nicht wie ein siebentes Weltwunder anzustaunen braucht. Ganz nebenbei fei noch bemerkt, daß heute wohl kein vernünftiger Ar- beiter feinen Chef al». absoluten Gott ansehen wird. Eine Atmosphäre aus dem vorigen Jahrhundert wird liebevoll für die Gegenwart beansprucht. Und dann sollten Filme«icht da abbrechen, wo sie gerade anfangen interessant zu werden. Ausschluß- reicher als die Fahrten um Berlin oder in Berlin hätte eine Szene gewesen sein können, in der di« Ehe der Freunde und gleichzeitig damit die Auseinandersetzungen der drei lieblichen Ehegattinnen, au» ganz verschiedenen Sphären stammend, gezeigt werden. Man macht sich eben im Film das Leben zu leicht. Und wenn man manch- mal aus stiller Verzweiflung heraus behauptet, Filme seien nur Konsektionsartikel, und eine Kritik sei deshalb überflüssig, man trittsiert auch nicht kunstseidene Strümpfe, so müßte man danach auch die ganzen Herren und Damen, die unter dem Pseudonym von Künstlern für den Film arbeiten, nicht anders einschätzen als gute Verkäufer etwa in der Unterhosenbranche. Begeht man jedoch diese Sünde wider den Heiligen Geist des Films nicht, dann muß man entschieden verlangen, daß die Filmproduktion auch endlich einmal so etwas entdeckt, wie ein künstlerisches Gewissen. F. S. „Freudiges Ereignis." (Komödie.) Zu diesem„F r e u di g e n E re i g n i s", Import aus Amerika, kann man nur mit einem nassen Auge gratulieren. Bei der Gebyrt des Lustspiels hat die„Gartenlaube" Pate gestanden. Man merkt es nur nicht gleich, well di« süßliche Romantik durch vorsichtig an- gebracht« Zitat« aus Dan de Veldes„Vollkommener Ehe" ver- schUiert ist. lieber dem Ganzen schwebt sozusagen ein lüsterner Schimmer, der jedoch nie zu offener Lasterhästigkeit aufstrahlt. Di« Verfasser Fkoyd Dell und Thomas Mitchell machen uns mit dem Familienleben von Mr. Mrs. Overbeck nebst zwei Söhnen und einer in der wissenschaftlich-erotischen Literatur be' wanderten Tochter bekannt. Norman Overbeck, der«Ine Sohn, will morgen«in etwas zimperliches Geschöpf heiraten, das er durch ein Inserat kennen und lieben gelernt hat, und erfährt— wie das so geht'—, daß ihm eine verflossen« Freunhjn soeben«inen Sohn geboren hat. Das Vaterherz erwacht, er besucht schleunigst Mutter und Kind, und da die Mutter weder von ihm, noch vom Kind etwas wissen will, raubt er kurz entschlossen seinen Sohn aus der Klinik. Dramatischer Auftritt zwischen Norman und Braut einer- seit« und zwischen Norman und Freundin anderseits. Die wahre und echt« Moral siegt auf der ganzen Linie: die Braut kriegt einen Fußtritt und die Freundin reicht Norman di« Hand zum Bund fürs Leben. Bei Tageslicht besehen ist dos ein Lustspiel von bedauerlich min- derer Qualität. Wenn ihn' gestern eine freundliche Aufnahme be- schieden war, so liegt das an der äußeren Zurichtung durch die Ne- gisseurin Leontine Sagau und an dem famosen Norman des Otto Wall�u rg, der diesmal eine neue Nuance seiner Komik los- ließ. Alle drei Akt« läuft er mit trübseliger Leichenbittermiene herum und bewirkt damit, daß olle Augenblick« Lachstürme das Parkett durchbrausen. Im dritten Akt hat Leontine Sagau«in Kinderzimmer aufgebaut, das einem gut assortierten Spielzeug- geschäst alle Ehre machen würde. Eisenbahn, Schaukelpserd, Trommel, Trompete, Teddybär, olles ist— für den Säugling— da. Da» Publikum quietscht vor Vergnügen. Aber die lustige Stimmung wächst au» den Requisiten, nicht aus dem Stück. Der Ulk hat nichts lebendiges. Außer Wallburg geben nur Gertrud Könitz, Hans Z e s ch- B a l l o t, Willy P r a g e r und Hertha W i n d s ch i l d gut« Typen ab, die übrigen treten nicht hervor oder wollen, wie Erna Reigbert und— leider— auch Hedwig Mangel Komik um jeden Preis er- zwingen. Der Beifall klang sehr gedämpft. Ernst Degner. Rundfunk garantiert für die Bayreuther Festspiele. E, sind bereits Abmachungen getroffen worden, auf Grund deren es möglich fein wird, die Bayreuth er Festspiele 19 39 durch den Rundfunk zu verbreiten. Dieser wird dafür eine finanzielle Garantie für die Festspiele übernehmen. Der bis. herige Braunschweiger Intendant Dr. Neubeck, der dt« Leitung de« Leipziger Rundfunks übernommen hat, wird für die Durchführung besorgt fein. Eröffnung des Esperantomuseums in Wien. In Anwesenheit mehrerer hundert Esperantisten aus allen Ländern, darunter über hundert aus Deutschland, die nach dem am 31. Juli in Wien abgehaltenen Weltkongreß esperantistischer Aerzte sich gemeinsam zum internationalen Csperantokongreß nach Budapest begeben, fand heute durch Bundesvräsident Miklas die feierliche Eröffnung des der Winer Nattonalbibliothek angegliedei- ten ersten internationalen Esperanto museums statt. Das Museum enthält Dokumente über die Entwicklung der Welthilfssprachen, von denen e« 600 gab, zahlreiche Esperanto. Lehrmittel, Fachliteratur und Zeitungen. „Redakteur" als geschützter Titel. Um dem weitverbreiteten Unfug zu steuern, daß Leute den Titel „Redakteur" ohne Berechtigung oder gar in betrügerischer Ab- ficht führen, beabsichtigt das neue tschechoslowakische Preß- gesetz diesem Titel denselben Schutz ongedeihen zu lasien wie akademi- schen Titeln. t Gescheiierie Aussperrung. Ln den Vauschlossereien. Der Beschluß des Schutzverbandes Berliner Schlossereien und oer Schlosser-Zwangsinnung, die Belegschaften der noch nicht be- streikten Betriebe der Berliner Bauschlossereien und Geldschrank- sabriken auszusperren, wird nur sehr schlecht durchgeführt. Wie von der Zentralstreikleitung in der Versammlung der Ausgesperrten heute Vormittag im„Rosenthaler Hof" mitgeteilt wurde, sind bis jetzt M Betriebe mit 196 Arbsitcri» stillgelegt. Ueber IM Klein- und Mittelbetriebe, darunter solche, die große Aufträge in Arbeit haben, kümmern sich nicht um den Beschluß ihrer Organisation und halten ihre Betriebe nach wie vor offen. Einig« Firmen haben nicht nur die Aussperrungsparolc nicht befolgt, sondern darüber hinaus die Forderungen, um die der Kampf ent- brannt ist, restlos anerkannt. Die Zentralstreikleitung hat bisher den kläglichen Aus- sperrungsmaßnahnien der Unternehmer ruhig zugesehen: sie wird weiter noch bis zum Dienstag die Entwicklung der„Aussperrung" abwarten und an diesem Tage in einer gemeinsamen Sitzung mit den Betriebsstreikleitungen im Verbandshaus der Metallarbeiter darüber beraten, ob der Kampf durch Maßnahmen der Streik- leitung oerschärft werden soll. Die Versammlung der Ausgesperrten war von einem vorzüglichen Kampfgeist beseelt. All« an dem nun- mehr eine Woche währenden Kampf Beteiligten— es sind rund 2900 Bau- und Geldschrankschlosser— sehen seinem Ausgang auf Grund ihres straffen Organisationsverhältnisses zuversichtlich ent- gegen. Amerikanisch. Polizei und Unternehmer gegen Gewerkschafter. New Jork.?. August.(Eigenbericht.) Die Polizei verhaftete am Donnerstag im Zusammenhang mit den letzten Bränden 20 Führer der hiesigen Bauarbeitergewerk- schaflen. die von den Unternehmern verdächtigt wurden,, Drohungen gegen die Bauausführung ausgestoßen zu haben, da bei den Neu- bauten ausschließlich unorganisierte Arbeiter beschäftigt würden. Die Arbeiterführer wurden jedoch nach eingehender Vernehmung wieder entlassen. Sie mußten das Versprechen abgeben, sich zur Verfügung der Behörden zu halten. » In New Dork ist zwischen den Baugewerkschaften und den Unternehmern die Fünftagewoche vereinbart, wobdi der Maurerlohn auf 15 Dollar pro Tag festgesetzt wurde. Es handelt sich bei dem Konflikt offenbar um Außenseiter, die auch der Unter- nehmerorganisation nicht angeschlossen sind und die Abmachung nicht einhalten. paneuropa als Knedenölmttgei*. Coudenhove-Kalerghi fordert unter Hinweis auf die furchtbaren Ereignisse, die vor 15 Iahren ihren Anfang nahmen, alle Europäer auf, am 1. August innezuhalten und des 1. August 1914 zu gedenken. Nur die Schaffung Paneuropas könne die Wiederkehr dieses Tages und der folgenden Jahre verhindern. Bor zehn Jahren habe das End« des Krieges nicht den wahren Frieden, nicht die Ver- söhnung der Völker gebracht. Wieder sei Europa kn feindlich« Lager gespalten, nur mit mehr Haß, größerem Mißtrauen und tieferer Erbitterung als 1914. In dieses Chaos habe Briand das Wort geschleudert, das zur Sicherung des Friedens und zur Wieder- geburt unseres Erdteiles führen könne: Das Wort von den Ver» einigten Staaten von Europa. Dieses Wort sei der Bs» ginn einer Tat. Mit Rücksicht auf die schon in wenigen Monaten zusammentretende erste paneuropäische Staatenkonferenz der euro- päischen Regierungen müßten bereits heute alle Borberei- t u n g e n für die Einigung Europas getroffen werden. An woldemaras hat die Arbeiterinternational« folgendes Telegramm gerichtet:„Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiterinternationale erhebt schärfsten Protest gegen das standgerichtliche Verfahren gegen unsere sozialdemokratischen Freund« und fordert, daß kein Todesurteil vollzogen wird." weller für Berlin: Wechselnde Bewölkung, nur noch unbe. deutende Schauer, noch etwas kühler, nordwestliche Winde.— Für Deutschland: Ueberall unbeständiges und kühles Wetter mit Regen» schauern. ..Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der fUuderfreuud" liegen der heutigen Postauflage bei. L-rantwortl.'llr die Ztedaklion: W-llqang Tchwar,. Berlin: Anzeigen: Td. Stocke, Berlin Berlog: Bormoris«erlag G. m b S.. Berlin. Druck: Vorwärts L�cki. druckerei und«erlagsanlialt Paul Singer& Co. Berlin SW es. Lindcnltrake z. Kierz» 1 Beilage. »'/, Uhr Barb.»286 Oris. 3 Fratclllnl aaw. Sonnabend u. Sonntag Je 2 Vorstellungen 5 u. S1� Uhr.— 5 Uhr ermäßigte Pr. Tägl. S u. 815 Sonnt 2, So 8 15 | Alex. E. 4.8066 INTERNAT. VARIETE i unr- 2enir. 2818» Gandinn erlaoti Bestes internationales Variete Sonnabend u. Sonntag Je 2 VorateUungan o"- und ö Uhr. a"0 kleine Preise. Reichshallen-Theater Allabcndlidi 0 Uhr. Stettiner$snger von der Reise zurück. Das wundervolle Progr.I Tarlei« Dönhoff- Brottt: (Saal und Garten) Tau: AdoU-Bmkni-OrdieiMr. D.i. 8Us Deotsöies Iheater Norden 12 310 Ende gegen 11 Die Fledermaus Musik v.Joh. Strauß Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Netropol-Ih. Tägl. 8Vi Uhr Sonntags 4 u. S'U Blaubart Operette von Offenbach Kammersänger Valter lirchhofl Lustspielbaus Täglich 8>i- Uhr Du wirst mich heiraten! Rundfunkhörer halbe Preise. SarDowsky- Komödienhaus Norden 6304 Täglich»>/, Uhr Hodizeitireiie öbel-Nolte< Schlafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, Einzel-MSbel, Küchen, Sofas, Ruhebetten aacti gegen 24 Monatsraten Schönhauser Allee 141 a (Hoctuiatm Danzlder strafte) Verlangen SieVertreterbesuch. Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58. Käst-Allee 7-0. Tel. Hb. 2246 Gasisplal Kaziai Beet, Greltl LUloo DI« liistise Witwe Operette von Franz Lehär Dazu der drohe Vaiiel«teU, Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Variet« 8 UBl. Uporello 8.30. ledoa Donneniag groBer Volkstag. jed. Mittw. Klndedesl o. Terlosnng Rose- TbeAler. Grobe Frenkf arter Sir. 133, Auf der GarieabOhae vv Täglich SJO Uhr. Konzert und Varietö 8.15 Uhr: Gräfin Mariza. Vom 5. bis 8. August 4 Uhr Rheinisches Winzerfest. Innentheater täglich 8.15 Uhr ..OL/IF" Die Komödie J I Bismck.24I4/7S16 8U., Ende geg. 10 U Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Deutsch von Hans Rothe Regie; Leonllne Sagan ßlnmenspenden jeder Art tefert preisme ti Panl Crollets vorm. Robert Meyer MaiMennensirafe 3 Ecke Raunynstrage Amt Morigpl 103 08 Planetarium — am Zoo«orna frli». iHdiimthalv Slnlt B.S Barbarossa 5578 16'.. Uhr Slernblktw dn Sommerr IS'.U Von Pol zu Pol am Sternenhimmol 20", Uhr Der dluttull der Sonn» Tägl. auBer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene .50 Pf. Kinder 25 Pf zur Niete W50,Aiisbacherstr.l CASINO"THEATER Lothringer Stmäe 37._ Wieder-Erottnung Freitag, den 16. August 8'/, Uhr mit dem neuen Schlager Zum kleinen Gewerksdialishaus Stettiner Strafe 52[R. loa Verkehrslokal der Pertel, Reichsbanner und Arbeitersportler u. einem erstkl. bunten Programm Wem gehört mein Mann! Thtai.8nRoiii).Tor Kottb. Str. 6 Tägl. e Uhr Elite- Sänger [ Die August- Sensation Strtppke's in der Sommerfriedie TiteaLd. Veltens Täglich 8"« Uhr Sonntag 4 u. S'U Frenz Lebars WeUeriolel Friederike Carola Willy Thunls, Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Sisdiia« ä'."" sr i»uin»twssai sdiver« Fälle Deselttgl worden. Unaniasttiare Bsllenolge. BeitflUgnog nnfl Referenzen. frznioh•mpionim. invnildeniinBe iob. B— 11. 1—4. Soontag 10—12. lacoh», Berliner lilk-TrlO Nsukölln. W Uhostr.74.7it. PROGRAMM fOr die Zeit vom 2. bis 5. August KI.NO-TAFEL für die Zeit vom 2. bis S. August ©o (a Potsdamer Strafe 35 Der sensationelle GroSfilm: Submarine Rhcimtralje 14(An-der Kais-Eiche) Do« grASfe Opfer mit Ivan Pcirovld» Pflicht and Liebe mit Ramoa Novarro Odeon, Potsdamer Str. 75 Gro�tiadi/a�end Harry Liedike mit Marrr LI« l>er WAdbicr des CUM»(S Akte) Turms traijc 12 Das verschwundene Tcstanaenl mit Carlo Aldini Im Lande Amanullahs Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Die Liebe der BrQder Rott mit Olga Tscfaccfaowa Die von der Scholle sind mit AJbcri Stein rück » Sehönabam S Alhambra Beg:sab�{jhV5U' Schöneberg, Hauptstr. 30 .Das Weib des Gardisten (Leidensweg) Mikosch rüdet ein m. G. Alexander Ihnenschao 1 itania(uto slhenaber«) Hauptstraße 4V Beginn ab 6J0 Uhi Herzog Hansl mit Xenia Oetnl Pol und Patacbon in Pcllkanien Nordwesten Welt-Kino Alt-Moabit« Beel and Steak (Aufruhr im Junggesellenheim) Der Kampf am die Goldiclder Schlütcr-Theatcr Schlüte rstr. 17 W. 7 u. 8.15 U, S. ab 4 U. Des gr. Erfolges wegen verlängert Dr. Moboae der Spieler (Beide Teile in einer Vorstellung) ■«t.aiit,■ Titania-Palast Steglitz, SchIoBstr.5, Ecke Outsmuthsstr. Uraufführung: Die Ar die Nooh ■ kiehterfelde-Wast■ Hl-Li Stg.5,7, Hindenburgdamm 58a Wochentags 6J0, 9 Uhr ,911 Stg.3U.J.-V. Der wette Harem Das gewisse Etwas mit Clara Bow BObnenscfaau G Südwaatan M Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1— 4 Beginn 6 U. Wenn der welche Flieder wieder blüht Hoppla wir fliegen Jugendliche haben Zutritt g Maria naorf Mz» T i Mariendorfer llO-t-l Uchisptele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr fug. V. Aufruhr Im Junggesellenhetm Der fliegende Cowboy mit Hoot Gibton BQhncnsäiaa SOden Th. am Moritzplatz Beginn; W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 4-30 Uhr Der Graf von Monte Christo IL T. Sohn des Scbeldis mit R. Valentino Filmeck Be'inn:W-|Ä Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Die Kosaken mit John Gilbert Gute DOhncnftchaa Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker BrOcke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7, 9 Uhr Hinter Harrmtmanern Wenn die Alpenrosen glChen 3 Variet«nummern ■ Nauaann> Primus-Palast Hermannplatz Menseben untereinander mit AI fr. Abel, Egrdc Nissen und K. Haak Gates Betprogramm Auf der Bühne; Doddy Fb., Grofeskfänrer, Rertn und Timpel, Kraft und Komik Elysium GhÄ-h) Hasseiwerderstraße 17 Die Perle des Regiments mit R. Scbünzel Meineid(§, der Menschen lötet). VarietAsdiaa Weidonsce Schloßpark Film. ßühne Berliner Allee 205—210 Rotenmonlag Pol n, Patadioo am Nordsecstrand Ostan Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Thealer gesdilossen Wiedereröffnung am 9. August! Luna-Filmpalast Qr. Frankfurter Str. 121 Erstaufführ.; Sparen im Schnee Bühne: M. Zelenka, AUr. Leniner Revuespiel: Frühling« sauber Internationale BChnenscban Concordia-Palast AndreasstraBe 64 ja. Ja, die Fraaa'a sind meine schwache Seite. Hingabe Auf der Bühne: Gian Bottisle Marcbetlo, Ital.Tenor Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, LückstraBe 70 Dos verschwundene Testament mit Carlo Aldini Die keusche Kokotte mit Otto Gebühr Dühnenschaa Kino Busch �Ä8-'5' Alt-Friedrichsfelde 3 Die Ztrknsprlnzessln mit H. Lledlke 9 153(D. Leidensweg einer Mutter) Nordosten „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Die Reglmentslochter mit D. Balfour Hoppla. Vater«tebf« Ja Bichl Btthncnschaa Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Holelgebetamissc m. Mogda Seeja Der Reiter der Rache Bühnenschaa Collosseum Schönhauser Allee 123 Hingabe(Weib am Kreuz) Bühne: Kabarett sa Vierem Alhambra MOUerstraße, Ecke SeesfraBe Der Graf von Monte CbrMn, t. T. Beiprogramm— Gr. Bühnenschaa Fortuna-T ageskino Müllerstraße 12c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ob 10 Uhr spielt nur SpUscnfflme der Welt- prodnktion Metro-Palast Chausseestraße 30 Pamir(aus 7000 m Höhe) Wunder des Films m. Begleitvortrag Noack's Lichtspiele BrunnenstraBe 16 Der Tenfel Sparen Im Wtg. 6 U., Stg. 5 U. Stg. 3 U. Jugendv. irler m. Eddi Polo JRialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Gr. Lustspielprogramm Abenteuer mit Charlie Chaplin Das gute Beiprogramm Bühne: Groteskkomiker „Alhambra" Badstraße 58 Um MIHemacht M» 1« Beiprogramm Erstklassige Bühaeiwhl Ballschmicdcr-Lichfip. Badstraße 16 Nachtlokal mit Evelyn Roll Vater, ich klage dlifc«d Gm che] Humboldt-Theater Bad Straße 16 Rache für Eddi« Ott Küssen verboten Beiprogramm Grofle Kristall-Palast Prinzenallee I— 6 Der Gral von Beiprogramm Revue der bunten Gr» che Bühneasrhaa n.5V Pankow Vineta-Kino Vinetaplatz 3, Ecke Wolliner Straße Im Taumel voa Paris, L. Dago ver Hochzeitsreise mit M- Blanks Beiprogramm � BatnickomlörNoät"� Bürgergart cn-Lidxtsp. Hauptstraße 51 5 O. S.(Schiff in Not) m. Liane Hold Affentheater mit Charlie Chaplin BttlmciiHiiÄR Palast-Theater Breite Straße 21 a Abenteuer mit Charlie ChapHa Das gmche lastige Bctpcugr, Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Aufruhr ha_ (Beel und Steak) Bühne: Ness und Neos, Hans Neumann, Violiii-VIrtMn Film-Palast Blankenburger Straße 4 Die eiserne Maske mit Douglas Folrbaalm lOld mit Norma Talmach#! (Beilage Freitag, 2. August 1929 SprUtofiD SttAJnul&rße Ato lcnkuHxr& Soziologische Dialoge? 4km Vorschlag zum 4krlcbmsuntcrricht Die Schule ist Umgewandelt worden. Sie wird aus einem reinen Drillinstitul zu einer Stätte der Kulturerziehung der Jugend. gestützt aus deren Ausbildung in formalem Wissen, im Erkennen und in der Fähigkeit selbständiger geistiger Eigensortentwicklung aus der Grundlage des Gewußten und Erkannten. Dos typische Er- Zeugnis des bloßen Ciirdrillsystems von toicm Wissen(das erst im Unioersitätsstudium oder in sonstigen fachlichen Spezialemwicklungen in der Praxis in Erkennen und selbständiges praklisches Verarbeiten umgewandelt worden ist) stellte der frühere Abiturient, der Human- oder Reallehranstalten im Durchschnitt dar: vollgepsropst inst Buchstaben wie ein Buch, unselbständig, unvergleichbar mit' einem Altersgenossen aus den Arbeiterkreijen an Lebenscrsahrung, Lebensbewußtsein und Lebensernst, ein Kind, das sich erst im studentischen Verbindungslcben ein« zumeist anzweifel- bare männliche Reif« zu erringen suchte. Heure hat der Satz, der früher in fast jeder Schulauia an der Wand zu lesen war:„Nicht für die Schul«, sondern sürs Leben lernen wir" den Sinn erhalten, daß die Jugend nicht fürs Leben: sondern das Leben, oder vielleicht krasser ausgedrückt: zu leben lernt. Ein zweites Charakteristikum ist die Tatsache, daß der Schwerpunkt der Menschenerziehung sich stark nach unten, zur Volksschule, verschoben hat.' Denn durch sie fließt heut« die gesamt« Jugend, der gesamte Nach- wuchs des Volkes, ohne Rücksicht aus di« Stellung der Eltern, noch auf die zukünftige Berufsstellung der herangewachsenen Kind«r. Hier und nur hier hat die Gesellschgft als Ganzes.die einzige sich ihr bietknde Möglichkeit, den entscheidenden elementaren Erziehungs- einfluß auf die Jugend auszuüben— eh« diese zu einem Teil ins Arbeitsleben, zum anderen T«il in di« spezielle Berussvorbildung eintritt. Insbesondere hat sie heute ihre Aufmerksamkeit dem erst- genannten Test der Jugend zu widmen, der den bisher kulturell in feder Weis« unterdrückten Volkskreisen entstammt, denn, wi« es sich erfahrungsgemäß herausgestellt hat und auch rein überl«gungs- gemäß verständlich ist, bringt das Kind aus den bisher kullur- begünstigten Kreisen ein nicht zu unterschätzendes geistiges Erbgut mit, zumindest ein gewisses geistiges Plus, das dem Kinde aus Arbeiterhäusern innerhalb formalek Grenzen fehlen muh. Das Vaterunser, die Buchstaben des Alphabets und Geschichtszahlen, auch diejenigen der Sozialgoschichte, können einem gelehrigen Papageien eingedrillt werden: das Ziel der Menschenerziehung: die j Erkenntnis der Ursachen, Zusammenhänge und Zwecke dieser> Wissensstoffe und di« Fähigkeit, sie selbständig, den im individuellen 'Leben gebietenden Umständen entsprechend, zu aktivem Geistesgut zu verarbeiten, dem Kinde einzulehren. ist nur durch einen sorg- samen geistigen Trainingsprozeß am Schüler erreichbar. Durch «inen Troiningsprozeß. der bei-den-Kindenv begüteter. somit körperlich und geistig freierer Ettern~berrirz in der Kinderftube chegonmm hat, bei den Kindern körperlich und geistig außerordentlich ge- bundener Eltern ober meistens erst in der Schule einsetzen kann. Man darf hierbei weder den Kindern noch den Eltern einen Vorwurf daraus machen: schuld daran ist das System, das den Volks- schulen im Grund« nur die Aufgab« zuwies, den Staatsinteressen gefügige Bauern, Arbeitssklaven und Soldatenmasien zu erziehen. Unsere Zeit hat dieser Gesinnung ein Ende bereitet und geht daran, der Jugend ein« gemeinsam«, einschichtige Aufbaubasis zu schaffen. Di« oben bezeichneten Unterschiede in dem elementaren geistigen Training der Kinder— nicht zu verwechseln mit deren individuellen Veranlagungen— di« durch die heute leider imnier noch nicht be- festigte Fesselung des Kindes an die Beeinflussungen durch die soziale Struktur seines Elternhauses während der Schulzeit noch verschärft werden müssen, geben der Bolksschul« di« nicht unbeträchtliche Auf- gäbe, neben der Einflößung des primitiven, grundlegenden Wissens- stoffes in den Kindern einen Trieb wie Erlebenwollen, verstehenwollen. Schassenwollen — also überhaupt erst den Willen zu den Dingen zu er- wecken, die ihnen bisher mangels notwendiger Anregungen un- bekannt bleiben mußten, und zugleich die stofflichen Möglichkeiten zur Betätigung und-Realisierung dieses Willens aufzuzeigen. Man tut dies heute bereits in Spiel-, Bostel- und kunstanregenden Stunden mancher Art. Nicht zu vergeben sind in dieser Beziehung die schriftlichen freien Erzählungen in Schllleraufsätzen an Stelle der früheren bloßen Repititionen eingepaukter aber un- verstandener Weisheitsphrasen, die mit dem Leben und der Natur des Kindes in keinerlei Zusammenhang standen und somit in diese gar nicht organisch befruchtend eingreifen konnten. In höheren Schulen traf man früher— ob es heute in diesem Maß« noch der Fall ist, weiß ich nicht zu beurteilen— auch auf permanente Schülerchöre und Schülerorchester, die innerhalb des Rahmens der Schule, sofern sie nicht von feiten der Lehrer mit Kasernenhofdrill betrieben wurden, die Mitglieder zu intensivem Erlebnis- und Schaffensernst im Sinne starker geistiger Konzentration anzuregen verstanden. Es sind dies alles pädagogische Mittel, die auch heut« nicht unterschätzt werden und werden dürfen, um so weniger als Sport, Gruppenspiele, gemeinsames freigeistiges Schaffen und Er- ieben in idealer Weis« den Kollektivgedanken fördern. Aber unser« Zest stellt an die geistige Ausbildung der Jugend neue Forderungen: in bezug auf di« Erweckung einer Lebens- und Dellanschauung aus der Vasis des Sozial finnes. zumindest hinsichtlich der Erschließung der natürlichen, vernünftigen Erahnung der menschlichen Gemeinschaftsstruktur und ihrer 2ln- leitung zur Umformung dieser mehr gefühlsmäßigen Erahnung in tätige Gesinnung. Das hat mit reiner Parteipoletik in ihrer resultierenden Erscheinungsform nichts zu tun, hängt ober naturgemäß mit ihr insofern indirekt zusammen, als die Jugend zu den g«sinnungs- gemäßen Stützen der sie ausmachenden zukünftigen Volksgemein- schaff erzogen werden soll und somit die Gesinnung zur späteren Ausnahme der entsprechenden aktiv politischen Solidarinteressen in sich tragen muß. Es ist die neue Schul« somit kein Machtsoktor der sie propagierenden Partei, etwa um ihr einen Mitgliedernachwuchs heranzuziehen: sondern die Partei dient dem Ideal der Schule, indem sie für seine Berwirklichung aktiv politisch kämpft, auch auf das natürliche Risiko hin, daß die Jugend im kommenden Staat organisch zu anderen politischen Aktivitätsrichtlinien im Sinne des von der Partei heute angebahnten Zielweges hinauswächst. Die Schule Klient nicht den Eltern, sondern die Eltern sollen durch die Einrichtung der entsprechenden Schule der Zukunft der Gesamtheit ihrer Kinder dienen. Reine Neutralität im mundgeläusigen Sinne ist des- halb im Unterricht nicht zu wahren, weil jede Gesinnung, und richte sie sich gegen die Unneütralität des bisherigen Unterrichts- systems, eben unneutral von Natur aus ist: es kommt aber auf die Gesinnung an, mit der die Kinder erzogen werden: ob sie eine Erhöhung des bürgerlich-kapitaliftischen Zustandes der absterbenden Eltern über die Jugend hinaus in ideologischer Naturentfremdung bezweckt, oder ob sie auf Grund der soziologischen und auch von den bedeutendsten Philosophen der bürgerlichen Zest erkannten Er- fahrungsgtfctze die Erziehung der Schüler auf zukünftige Entwicklungsstufen der Bollksgemeinschaff hinlenken will. In dieser gesimiungspolitischen Erziehungsaufgabe stehen aber dein Lehrer in dem anderen Teil der Schüler, die aus bürgerlichen Häusern stammen, oft nicht unerhebliche Schwierigkeiten gegenüber, da diese von der Mentalität ihrer Eltern, entweder un- verantwortlicherweise bewußt oder ober auch unbewußt durch die Beeinslusiungen des Zusammenlebens, sehr oft in geradezu krasser Weise mit unverstandenen Klassenvorurteilen beiastet worden sind, die ganz und gar der Kollektiogesinnung widersprechen und zum Zwecke der sreimenschlichen Entwicklung des Kindes zum Sozial- gliede gelockert werden müssen. Auf der einen Seite bestand ein Nichtverstehen des Wissensstoffes mangels genügender geistiger Trainingsanregung vor der Schul- zeit, auf der anderen Seite ein Nichtverstehen der sozial- politischen Grundbegriffe infolge vorzeitiger Verstockung des Geistes außerhalb der Schulzeit. Es dürfte deshalb die Frage nicht ganz unangebracht sein, ob die Schule nicht ein neues Er- ziehungsmittel erhalten könnte, das über die reine Kollektiowirkung des Sports usw. hinaus dem Schüler auch zu einem erlebnisvollen Verständnis der soziologischen Problematik im Rahmen der Schulstunden oerhilft. Der Schwerpunkt der Gesinnungsbildung dürft« sicherlich im Deutsch- Unterricht liegen, wenn wir in diesen Begriff auch Geschichte, Morallehre usw. ejnbeschließcn. Der Stoff dieses Unterrichtsfaches ist bestimmend. Leidet er aber heute nicht unter einem gewissen Mangel an aktiv gesinnungsbildenden Elementen? Insbesondere gegenüber einem derart uneinheitlichen Schülermaterial wird es die Aufgabe des Lehrers sein, wie im Airschauungsunterricht den Stoff so auszuwählen und zu präparieren, daß er vom Kind elementar erlebt werden kann. Dieser wird also auf eine dem Kinde interessante Weise subjektiviert werden müssen, damit dieses ihn wie sein Eigenerleben in sich aufnimmt. So absonderlich die Idee in dem ersten Augenblick erscheinen mag, so dürste sie aber zweifellos der Erwägung wert sein: inwic- weit nämlich die das Erlebnis doch am stärtsten beeindruckende dramatische G e st a l t u n g s s o rm von geistigen Stoffen auch für den Schulunterricht zu verwenden sei. An und für sich werden dramatische Werke unserer Dichter bereits in reichem Maße in den Schulen gelesen: es handelt sich ober erstens dal>ei nur um ihre Lektüre, außerdem sind sie von bereits sekundärem transzendentem Erlebnisstoff stark überlastet, und letzten Endes ist ihre gesinnungs- gemäße Tendenz oft fraglich,.zumindest arbeiten sie mst Begriffen und Anschauungen, die bei Kindern leicht Verwirrungen anrichten können(nehmen ja auch sogar Erwachsen« Buchstaben für Worte Gottes). Es würde sich vielmehr darum handeln, in kurzen, knappen Szenen, in Dialogform, soziologische, dem elenientaren Leben entnommene Formeln den Schülern in Lektüre, zum Vorlesen mit verteilten Rollen, eventuell zu gelegentlichen primitiven Schauspielen zum Erlebnis darzubieten. Erfahrungsgemäß neigen die Kinder von Natur aus zum Jllusionsfpiel, ferner ist die direkte Redeform im Dialog ein be- sonders wirkungsvolles Instruktionsmittel, auch prägt sich die direkte Rode dem Kinde, wie«s die Erfahrung, mit den Märchen lehrt, intensiver ein als bloße Berichte, tni das Kind gern seine eigene Subjektivität auf di« anderen Erscheinungen überträgt und sie so eigentlich an sich und durch sich selbst erst verstehen lernt, und übrigens zeigt auch die— aus Gründen ihrer Ideologie mit Borsicht zu betrachtende— Jugendbewegung einen starken Hang zum primitiven Thcaterspiel. In welcher Form diese soziologischen Dialoge im Unter- richt nun verwandt werden, darüber ist»och wenig auszusagen— weil es sie eben noch nicht gibt. Vielleicht durfte es entsprechend sein, daß der Lehrer die Roll« der Opposition— falls die Einführung einer solchen in Spezialfällen unumgänglich sein sollt«— oder desjenigen einnimmt, der in dem Dialog beraten wird, um so den Schüler bei etwaigen schwierigeren Stellen durch improvisiert eingeworfene Fragen zum selbständigen Weiterdenken zu veranlassen, so daß dann bei fortgeschrittenen Schülern sich über di« Repitition eines auswendig gelernten Stoffes hinaus eine freie ernste Weltanschauungsstunde auf der Basis von Rede und Widerrede entwickeln kann. Der Schüler erarbeitet so den Lernstoff selbst.. Lotar Holland Weshalb ich studiere Der Weg eines. Ärbeiterstnöenten Wir bringen im folgenden di« Ausfilbrnngen eines Arbeiters, in denen er auseinandersetzt, weswegen er sich»um Nultureramen und»um Hochschulstudium meldete. Gerade in einem Parteiorgan darf wohl ausgesprochen werden, welche Motive mich als jungen Sozialisten veranlaßten, den Weg zur Universität zu suchen und dann bei Einrichtung der Immaturen- Prüfung diese günstige Gelegenheit zu erfassen. In die sozialistische Bewegung hineingeboren und-gewachsen, hatte ich in der„Neuen Zeit", Kautskys Schriften und anderen Stellen eine wenigstens oberflächliche K«nntnis der gangbaren For- mulierungen wissenschaftliche Begründung des sozialistischen Glau- bens frühzeitig erworben. 1918— am Ende meiner Lehrzeit— in der spannungsvollen Erwartung sozialistischer Aufbauarbeit, er- regte das in unserer Parteizeitung(„Chemnitzer Bolksstimm«") veröffentlichte— in den Worten der Wisienschast geschriebene— Sozialisierungsprogramm für Sachsen von Neu- rath-Kranold-Schumann die stärkste Aufmerksamkeit. Meine Erfahrungen in und außerhalb des Betriebes erweckten mir in diesem Programm den Eindruck ganz ungeheuerlicher Naivität. Mein Wissenschaftsglaube war dadurch und durch andere ähnliche Beobachtungen vollständig erschüttert: ohne die geringste Verdächtigung gegen die Menschen, die die Lehre ver- traten, wurde ich mir Hat, daß ich keinen Teil der sozialistischen Theorie mehr ungeprüft annehmen tonnte. Die Möglichkeit zur eigenen Prüfung tonnte ich mir aber nicht durch eine Schulung innerhalb der Partei holen. Die Menschen, die damals aus solcher Schulung kamen(Tinz). hatten noch meiner durch starke Skepsis regierten Ueberzeugung dort nur ihren Glauben gefunden. Deshalb und weil ich neben weltanschaulicher Klärung auch di« Voraussetzung in die Einsicht praktischer Problem« zu erarbeiten wünschte, wollte ich zur„bürgerlichen" Universität, von der ich genau wußte, daß sie meiner sozialistischen Seele weniger „schaden" konnten als die Worte der Genossen, die nach dem Krieg« ohn« Selbstkritik waren. Ein Versuch in Münster(1922) scheiterte zunächst wegen Existenzschwierigkeit. Im Jahre 1924 bestand ich dann die Immaturenprüfung in Dresden. Es war eine der ersten sächsischen Prüfungen, und das Der- fahren mag sich seitdem geändert haben. Sie bestand in einer schriftlichen Klausurarbeit über ein Thema aus dem Gebiet, das vom Prüfling zum Studium ausgewählt war(in meinem Fall aus der Volkswirtschaftslehre): dann in mündlichen Prüfungen über das gleiche Gebiet und über Allgemeinbildung. Nach meinem Eindruck waren di« Prüfer mit Erfolg bestrebt, sich darüber zu informieren, in welcher Weise wir fähig war«n, den Stoff unserer Erfahrung ,zu ordnen und zur Grundlage einer Urteilsbildung zu machen, reine Wissensprüfung trat— außer im selbstgewählten Hauptfach— in den Hintergrund. Denk- und Urteilssicherheit ist neben einem bestimmt«» Quantum selbsterworben«» Wissens die wichtigste prüfbar« An- sorderung für eine Einrichtung wie die Immaturenprüfung. Sie ist vornehmlich die prüsbarc Eigenschaft, di« einen Anspruch auf Förderung gibt. Unter Urteilssicherheit ist natürlich di« Sicherheit gemeint, ein Urteil zu bilden, nicht, eins zu haben. Denn auch bei dem Menschen, der weltanschaulich durchaus stark bestimmt ist, erfordert die Weiterarbeit den lebendigen, nicht den fertigen Menschen. Nelxn den Eigenschaften, die mehr oder weniger der Prüfung unterliegen gehört zum Universitätsbesuch«in ganz Teil Energie zur Ueberwindung äußerer und innerer Widerstände. Nach meiner Erfahrung— ich studiere seit 1925— sind es für den, der aus Arbeiterumwelt und mit in der Volksschule erworben«r Bildung d«n Weg über die Hochschul« geht, zwei Umstände, die vornehmlich zu stet«r Selbstüberwindung zwingen: die Unsicherheit gegenüber allen Umgangs- wie Bildungsvoraussetzungen, die man zunächst spürt, und dann die Tatsache, daß man jahrelang sich aus eine Tätigkeit vorbereiten mutz, nachdem einem fertige Arbeit lange Zeit aus der Hand gegangen ist. Erhöht werden die Schwierig- keiten, wenn das Studium mit starken Zweif«ln nach allen Seiten beginnt. Mir ging es so. aber denen, die mit Sicherheit das zum Zweifler gewordene„Schäfchen" durch den Einfluß der bürget- lichen Wissenschaft unrettbar verloren sahen, s«i gesagt, daß mich die intensive Auseinandersetzung mit den nationalökonomischen Theorien zur„erworbenen" Ueberzeugung gebracht haben, daß wir die entscheidenden Einsichten nicht bei ihr, die das Unwesentliche zum Problem erhebt, sondern bei Marx zu holen haben, was frellich nicht hindert, gegen hausbackene Nutzanwendungen seiner Lehren skeptisch zu bleiben. Zum Schluß sei mit Nachdruck betont, daß die Immaturen- Prüfung selbst nur ein primitives Aushilfsmittel ist. Neben anderen Ursachen schon deshalb, weil zur„Auswahl" sich nur die melden, die sich zu solchen Sonderweg«» b«rufen fühlen. Zu dem Gefühl dieser Berufung führen aber die allerverschiedensten Motive und die Zufälligkeiten einer Prüfung, deren Eigenart auch den Prüfenden besondere Nüsse zu knacken gibt, sind dann gewiß auch nicht die Sicherung dafür, daß unt«r diesem Bevölkerungssplitter ein« solche Sonderung stattfindet, di« gerade denen und nur denen den Erfolg verschafft, die in besonderem Maße durch Universitäts- studium eine Entfaltung ihrer Kräfte erfahren. Grundsätzlich ist di« Einrichtung der Immaturenprüfung aber als eine unvoll- kommen« Brechung des Besitzprioilegs bedeutsam. Ihre Mängel müssen Anlaß zum W«iterbau, nicht zum Umkehren geben Kontrolle der Schulbücher! Tut internationale Mittelschulkongreß In Haag sprach sich einstinimig für eine internationale Kontrolle der Gc> schichtslehrbücher im Sinne des Friedens und für di« Belehrung der Jugend über Aufbau und Arbeit des Völkerbundes im Geschichte- Unterricht aus. Es wurde ferner beschlossen, einen Weltbund der geistigen Arbeiter für die etwa zwei Millionen Intellektuellen Europas ins Leb«n zu rufen. Um die Aufnahme Deutschlands tn die Mitt«lschul-Jnternationale zu ermöglichen, wurde beschlossen, ent- sprechend den deutschen Forderungen auch Deutsch als Kongreß» spräche zuzulass«n und den Vorstand auf fünf Personen zu er- weitern, um den deuffchen Mittelschulen einen Sitz im Vorstand zu ermöglichen., Studenten lernen fliegen. Das Kanadisch« Kriegsministerium hat angeordnet, daß während der Unioersitätsf«rien die sämtlichen in Ottawa immatrikulierten Student«»«in Anrecht auf einen unentgeltlichen Flieger-Ausbildungs- kursus hab«n sollen. Die in Ottawa und dessen näherer Umgebung beheimateten Stud«nten werden bis auf die durch körperlich« Ge- brechen Behinderten vollzählig an diesen Kursen teilnehmen. ROMAN VON WVRENCE H. Copyright by Merlin-Verlag 0.m,b.H., Baden-Baden (14. Fortsetzung.) Als die drei Freund« im ersten Gmuen des Wintermorgen« heimwärts strebten, hüpfte Tommy wie«in Schuljunge umher, be» warf die Gefährten mit Schneebällen, war außer Rand und Band. David Gordon tonnte trotz aller Sorgen nicht umhin, zu lachen. Mir scheint, Tommy, dein Engel muß weiblichen Geschlecht« sein," neckte der Freund. „Ja, David, das stimmt." Jack runzelte die Stirn: „Ich verstehe Sie nicht, Tommy. Wie tonn einen in diesen furchtbaren Tagen das bloße Zusammentreffen mit einer Frau der» art aufheitern, ich..." Ein wohlgezielter Schneeball verschloß ihm den Mund „Blöder Puritaner!" Dann aber wurde Tommy ernst. „Engel. Jack, verkünden häufig das Rahen des Heils. Auch mein Engel hat mir für uns alle eine Freudenbotschaft gebracht. Wir werden demnächst zwei starte Verbündete bekommen, den Engel und den Menschen, auf den Ich am meisten vertraue, der immer und bei allem noch einen Ausweg gefunden hat." David Gordon lachte. „Wenn sich nun auch die himmlischen Heerscharen auf unsere Seite schlagen..." ..Lach' nicht, David, vielleicht werden sie uns wirtlich helfen, den Weg aus der Nacht ins Licht zu finden." Tommy ahnte gar nicht, daß er in seiner übermütigen Laune prophetische Worte sprach, die vor allem David Gordon galten. Denn der geheimnisvolle Engel sollte ihm in der Nacht des Grauens und des Todes beistehen, sollte der Wahrheit zu ihrem Recht ver- helfen. Am nächsten Abend schien der Defekt an der elektrischen Leitung endlich behoben zu sein. Helles Licht strahlte durch das Arbeiter- viertel und ermutigte oerzagte Herzen. Die kleine Minnny Hay aber glaubte unerschütterlich, daß„Onkel Tommys Engel" das Licht wiedergebracht habe. Streikbrecher, Engel und die Schwach« eines großen Mannes. In der unteren Stadt standen die Leute beisammen und flüster- ten aufgeregt. Wer hatte als erster die Nachricht gebrocht? Niei mand wußte es. Ein Wort schien durch die Lust geflogen, in die Ohren und das Gehirn der Menschen eingedrungen zu sein, ein böses, drohendes, verhängnisvolles Wort: Streikbrecher „Morgen kommen sie," sprach grimmig Jana» Komor,«in alter Ungar, den vierzig Jahre Amerika mit den Methoden der Unternehmer bekanntgemacht hatten. „Und sie wenden nicht allein kommen." Was willst du damit sagen." fragte Mario Benito, ein junger Italiener. .Früher oder später wird auf irgendeine Art ein Zwischenfall heroorgerufen werden— und dann kommt die Miliz, um Ruhe mit» Ordnung zu sichern." .Da» kann doch vermieden werden." rief eine Frauenstimme. „Wir lassen uns eben nicht provozieren." Der alte Ungar lachte spöttisch. „Du vielleicht nicht, Mamie. Aber wenn dein Mann sieht, wie so-in Kerl dir einen Fußtritt gibt, glaubst du nicht, daß er auf ihn losgehen wird?" „Ich werde ihm sagen, er soll mich vor seinen Augen erschlagen lassen und keinen Finger rühren!" rief Mamie Bolton, und wer in da» glühende, entschlossen« junge Gesicht blickte, schenkt« ihren Worten Glauben. Freilich wurden auch andere Stimmen laut, angstvolle, klagend«, die für die Wiederaufnahme der Arbeit eintraten, die Niederlage des Streiks prophezeiten. Aber die wurden überstimmt. Wie durch ein Wunder wurde in dieser Zeit der Hoffnungslosigkeit aus einer schwankenden unsicheren Masse«ine klassenbewußte Kämpferschar, die Solidarität übte, alle Leiden ertrug, sich, wie ein« unerschütterliche Mauer, gegen die Unternehmerwilltür erhob David Kordon strahlte vor Glück, als er abends, nachdem die Streikposten bestimmt worden waren, allein mit Tommy, Jack und Ben Hall zusammenblieb. „Jetzt, da die Streiker aus sich selbst heraus die Kraft finden, ist alle« gut!" rief er und Ben Hall nickte. „Wenn si« uns morgen verhaften, treten andere an unsere Stelle. Der Sieg ist gesichert." „Gott segne die Streikbrecher!" meinte Tommy etwas frivol. Dann lachte er. „Wenn ich bedenke, was für eine furchtbar« Szene ich vor zwei Stunden unserem lieben Calvin gemacht habe! Dabei hat er uns wirklich«inen Dienst erwiesen." Jack allein war traurjg und verstimmt. Auch er hatte mit dem Bruder einen heftigen Auftritt gehabt. „Calvin ist zu allem sähig," sagte er düster.„In den nächstett zehn Tagen kann soviel geschehen..." „Flaumacher!" spottete Tommy.„Kann Calvin Füller die Flut aufhalten oder einem Erdbeben gebieten? Wir werden siegen!" '„Ja," sagte Ben Hall,„wenn nicht heute, dann morgen, über- morgen. Tommy hat recht. Ebensogut könnten Menschen versuchen, die Flut aufzuhalten, als den endgültigen Sieg des Proletariats zu verhindern. Aber unser Jack ist eben ein typischer Intellektueller, er verliert die Geduld, wenn die Weltrevolution nicht sofost kommt." „Ich bin ein hilfloser Krüppel," entgegnete Jack düster,„kann nicht kämpfen wie ihr. Kann nur mit meinem verfluchten Geld helfen." David Gordon legte ihm freundschaftlich die Hand auf die Schulter. „Unsinn, mein Alter, auch dein Kopf ist ganz nützlich. Das von dir verfaßte Flugblatt hat zündend gewirkt." Jack wollte eben etwas erwidern, da wurde an der Tür ge- pochi. Als David Cordon öffnete, stand im Türrahmen rot und erhitzt John Ealmer. „Hallo!" rief Tommy.„Du solltest doch heute den guten Ehe- gatten und Vater spielen, John. Was willst du denn hier?" Der Spitzel warf ein«n scheuen Blick auf David Gordon und Ben Hall. Dann trat er in die Stube. „Ich möchte euch etwa» sagen," begann er,„aber ich fürchte. ihr weidet mir nicht glauben, weil... weil ich..." Er stockte, ver- legen und beschämt. „Ich bürge für die Wahrheit seiner Wort«," rief Tommy impulsiv. John Talmer warf ihm einen dankbaren Blick zu. .Dielleicht hat euch Tommy Anderson erzählt, daß ich früher ein anständiger Mensch war," sagte er, noch immer stockend.„Bei Gott, ich habe nie bei armen Leuten eingebrochen— e» hätte sich auch nicht gelohnt— ," fügte er nüchtern hinzu.„Aber meine Frau, die e» mit der Religion hat, trieb nitch zu diesem verfluchten Spitzelberuf. Ich weiß, daß ihr mich verachtet, aber... e» gibt dennoch Dinge, die nicht einmal ich mitmach«... jetzt... mitten im Winter... die Kinder... nein, da tue ich nicht mit." „Was Ist denn los?" fragte David Gordon ungeduldig. „Daß morgen Arbeiter au« Columbus und Eincinnati kommen, wißt ihr wohl?"' „Ja." „Aber vielleicht wißt ihr nicht, daß olle Arbeiter der Fabriken A und B, die in Calvins Mietskasernen wohnen, morgen auf die Straße geworfen werden, um für die Streikbrecher Platz zu machen." „Berflucht!" Der Spitzel nickte.„Ja, verflucht! Die Frauen, die Kinder! Seht ihr, gegen euch habe ich gearbeitet, schließlich seid ihr Männer, könnt euch wehren. Aber wenn Calvin Füller gegen hilf- lose Kinder kämpft, da tu« nicht einmal ich mit." „John," rief Tommy und packte den einstigen Freund bei der Schulter.„Du bist ja doch ein braver Kerl. Sag, kannst du etwa» Geld auftreiben?" „Ein paar hundert Dollars, sa." „Treib es auf, morgen, sofort. Etwa» kann Ich noch au» meinem Engel herausholen. Wir müssen die Leute doch irgendwie unterbringen." „Sie werden in Zelten wohnen müssen," sagte Ben Hall. „Ja," rief Jack.„Ihr wißt ja, daß die leeren Grundstücke vor der Stadt mir gehören. Dort können wir Zelte aufschlagen lassen." „Du hast doch um Gottes willen nicht den Schuft, dem Eardigan, deine Empörung gezeigt, John?" fragte Tommy besorgt. „Nein... ich... ich dachte an Jenny,, und was die sagen würde, wenn � ich meine Stelle verlöre," gestand der Spitzel etwas verlegep. „Das ist recht. Du mußt in der Agentur bleiben, solange der Streit währt. Dort bist du un» am nützlichsten." La," meinte David Gordon.„Rainer sollen die Leute auch erfahren, daß Sie«in anständiger Mensch sind, Ealmer." „Und wenn ich mein Geld habe, werde ich für Ihre Familie sorgen," warf Jack ein. Plötzlicher Zorn übermannt« John Calmer: „Geld, Geld, immer euer verfluchtes Geld! Es gibt euch die Macht, uns zu taufen, Schurken aus uns zu machen. Ihr kauft die Pfaffen, di« unseren Weibern vom Himmel vorschwatzen, kaust die Schulen, die unsere Kinder zu Sklaven erziehen, kauft die Zeitungen, die die Reichen verherrlichen und die Arbeiter ver- leumden, bis man ganz konfus wird und sich nicht mehr auskennt. Wenn wir am Verhungern sind, steht ihr da, klimpert in der Tasche mit eurem Geld und tauft uns, Leib und Seele, wie das Vieh. Wir sind nicht alle zu Helden geboren, viele von uns sind schwach, haben Angst, wollen unsere Kinder nicht hungern sehen. Und da kommt ihr, zeigt uns da« Geld, da« ihr selbst gestohlen habt, und wir lassen uns kaufen. Gut, Gordon, Sie werden nach dem Stre k den Arbeitern von Fullersoille sogen, daß ich, der Spitzel, der An- gestellte der Agentur Cardigan, trotz allem ein anständiger Kerl bin. Bielleicht werden die Leute es auch glauben. Aber was nützt mir da-, wenn ich vor mir selber ausspucken muß?" „Spuck vor Calvin Füller und seinesgleichen aus, John," be- gütigte Tommy den Aufgeregten.„Spuck vor dem System aus, das ihm und seinesgleichen die Macht gibt." „Du hast viel Bücher gelesen. Tommy, redest klug von Systeinen und ähnlichen Dingen, die ich nicht verstehe. Ich weiß nur, was eine Schweinerei ist, und wenn es zu arg wird, mach ich nicht mehr mit. Ich wollte Sie nicht tränken, Herr Füller, Sie haben Ihr Anerbieten gut gemeint, ober wie Si«.Geld' sagten, übermannte mich die Wut. Mit Ihren ganzen zwei Millionen können Sie an mir nicht« mehr gutmachen..." „Das kann kein Einzelner, Calmer," sprach Ben Halls gelassene Stiinme.„Aber Ihre Kinder werden sich nicht mehr verkaufen müssen, und auch Sic können dazu beitrogen. Ich bin in meinein Leben mit vielen Menschen zusammengekommen und erkenne einen ehrlichen Mann, wenn ich ihn sehe, sogar im Kleid des Spitzeis. Kopf hoch, Calmer, die Leute, die heute vor Ihnen ausspucken. werden Ihnen noch eines Tages.Genosse' sagen, und Sie werden diese Anrede verdienen. John Calmer beruhigt« sich: jeder der Männer fand für ihn ein gute» Wort, und als er ging, wußten sie, daß die Streiker i» der gefürchteten Agentur Cardigan einen Verbündeten hatteii, der ihnen äußerst nützlich sein tonnte. Am folgenden Morgen, als eben der Tag zu grauen begann, liefen dt« Züge mit den Streikbrechern ein. Die Polizei von Füllers- ville hatte den Bahnhof besetzt und bildete für die übernächtig und etwas erschrocken aussehenden Leute eine Eskorte. Sie wurden einstweilen in den Räumen der Fuller-Sttftung untergebracht, einem großen Gebäude, das eine wundervolle Bibliothek enthielt. Die Arbeit sollte erst anp nächsten Tag aufgenommen rverden. Für Calvin Füller bedeutete es eine unangenehme Ueberraschung, daß die aus ihren Wohnungen vertriebenen Arbeiterfamilien kein Wort des Einspruchs erhoben. Er hatte erwartet, eine tödlich erschrockene Herde werde den Kopf verlieren, sich zur Wehr setzen, oder aber. gebrochen und besiegt, auf alle seine Bedingungen eingehen. Nun aber verließen ruhige, fast gleichgültig erscheinende Menschen die, Häuser, höchstens«in paar alte Weiber und einige kleine Kinder weinten.(Fortsetzung folgt.) WAS DBR TAG BRINGT. Teilweises Alkoholverbot in Mexiko. Das neu« Gesetz über die Einführung einer teilweisen Prohi- bitton ist In ganz Mexiko in Kraft getreten. Infolgedessen mußten alle öffentlichen Gaststätten, die alkoholisch« Getränt« ausschenken, um S Uhr abends schließen, während sie früher bis Mitternacht offenbleiben durften. Die Branntweinbrennereien haben beschlossen, einen Propagandafeldzug gegen das neue Gesetz zu eröffnen. 24 Stunden Ober dem Abgrund. Tin furchtbares Abenteuer haben zwei Bergsteiger gehabt, die einen Gipfel im Rhon«tal erklimmen wollten. Die beiden, die aneinander geseilt waren, stiegen einen steilen Felsen hinan, als einer ausglitt und den anderen mit sich fortriß. Unter Aufbietung aller Kräfte wußte aber der zweite festen Fuß zu fassen und sich von dem Seil zu befreien, das er an dem Felsen festband, während der Gefährte an dem Seil über dem Abgrund schwebte. 24 Stunden mußte der Unglückliche in dieser furchtbaren Lage aushalten. Erst dann tonnte der ander« mit Hilf« zurückkehren, und er wurde nun völlig erschöpft und nicht unbedenklich oerletzt«mporgezogen. Wolfe im Naturschutzgebiet. Nach einem Bericht eines Aufsehers in dem Naturschutzgebiet am Sklaoensee im nördlichen Kanada, I.®. D'Aoust, richten hier Wölfe viel größeren Schaden unter den geschützten Düffeln an al» Indianer oder Krankheiten. Es gibt ein Rudel von etwa 10 bis 13 Wölfen in dem Schutzpark, das sich trotz der Tötung einzelner Tier« durch die Wächter in den letzten Jahren nicht verringert hat. Diese Wölfe machten nun im vergangenen Winter Jagd auf die BrelU». 2. August. Berlin. 16.00 Herbert Roten: Sechzig Jahre Pottkarte. 16.30 Direktor Julius QIQck: Esperanto: Goethes Faust. 17.00 Nordische Volkslieder.(Ina von Plaier, Sopran. Am FlOgel; Theo Mackeben.) AnschlieSend: Krallgarten: NacJunittagsmnsik. 18.00 Dr. Wagemann: Das Gold als WUrungsmetall. 18.45 Dipl.-Ing. Hans Mendelssohn:„Ratscbllge zum Abhören des Doppel. Programms". 19.00 Ministerialrat W. Paxmann: Die Entwicklung der deutschen Binnenschiffahrt. 19.30 Dr. Uders tödt:„Scharmiitzelsec. Zum Wöriitger Park und nach Dessau." 20.00„Der Llebeslrtnk." Von CT. Donizettl. Regit; Leopold Htlnisch. Dirigent: Selmar MeyrowlU. Königswusterhassen. 16.00 Isa Oberlinder: Kinderpsychologie aus Werken von Dichtern. 16.30 Dr. Schulte: Psychologische Arbeitsgemeinschaft. 17.00 Nachmiltagskonzert von Leipzig. 18.00 Das Oold als' Wihrungsmetall. 18.30 Englisch für Fortgeschrittene. 18.55 Dr. Karl Hagemann; Negertanze. 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Acrzte. 20.00 Uebertragnng von Köln. Büffel und haben«ine große Anzahl erlegt. Von nicht weniger als 11 Tieren wurden Ueberrest« gefunden. Da sie die Hörner der erwachsenen Büffel fürchten, so greifen die Bestien Einzelgänger an, oder wenn sie keinen solchen aufspürett können, suchen sie ein schwaches Tier von der Herde zu trennen, und zwar auf dieselbe Weise, auf die der Schäferhund«in gewünschtes Tier abschneidet. Ist ein Büffel isoliert, so springt Ihm der Führer des Rudels wie ein Blitz an die Kehle und wirft ihn nieder. Dann beginnt ein grau- figss Schauspiel. Die Wölfe zerreißen, durch ihre Blutgier wild erregt, das Opfer buchstäblich in Stücke und verschlingen das Fleisch de» noch lebenden Tieres. Auch viele Kojoten suchen ihre Beule unter den Büffelkälbern, und die Wächter können nicht alle diese Bestien vernichten, so daß die Büffelherden gelichtet werden. Vergessene Wachtposten. Die von der Londoner Garnison gestellte Wache in der Bank von England soll demnächst eingezogen werden. Sie war nicht die einzige Absonderlichkeit in diesem an solchen Absonderlichkeiten so reichem Land. Es ist beispielsweise noch gar nicht so lange her, daß das berühmte Londoner Drury Lane-Theater sich einer ähnlichen Ehrung erfreuen durfte. Als König Georg II. eines Abends das Theater besuchen wollte, kam thm das Gerücht zu Ohren, däß die Iakoblsten, die Parteigänger des des Thrones für verlustig er- klärten Jakob II., den Theaterbesuch zu einem Anschlag auf den König benutzen wollten. Er befahl deshalb, daß eine militärische Wache das Theater besetzen solle. Da dieser Befehl in der Folg: niemals widerrufen wurde, versah während der Dauer von 130 Jahren allabendlich ein Kommando den Wachtdienst im Theater. Erst infolge einer zufälligen Polemik über diese sinnlose Maßnahme wurde endlich im Jahre 18S4 das Kommando eingezogen. Der freiwillige iiinkemann. Ein Wjähriger verheirateter Mann in Zwickau. Vater zweier Kinder, der wegen einer Unmenge von Sitttichkeitsvergehen zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, hat sich freiwillig im Staatlichen Krankenhaus einer Operation unterzogen, die ihm die Lust zu ähnlichen Schandtaten ein für allemal genommen haben dürft«. Das Amtsgericht Zwickau hat ihm daraufhin anerkennen?- werterweife eine Bewährungsfrist von 3 Jahren bewilligt. Präzedenzfall? Herder korrigiert Schiller. Unter denjenigen, die Schiller für einen„wüsten Revolutionär" hielten, befand sich auch Herder, der besonders gegen Schillers „Machwerk"„Die Räuber" und das darin en!holt«ne„ruchlos kannibalische Lied"„Ein freies Leben führen wir", an dem die ge> samt« studierende Jugend zu Herders größtem Leidwesen großen Gefallen fand, vom Leder zog. Da sich aber die damalige akademische Jugend durch Herder nicht beeinflussen lassen wollt« und das ver- haßte Lied bei jeder Gelegenheit sang, brachte Herder„höheren Ortes" folgenden sittsamen Text in Vorschlag: „Der Musen Leben führen wir, Ein Leben voller Wonne, Bescheidenheit ist uns'r« Zier, Die Wahrheit uns'r« Sonne." ~ dfiorJiu�(dfwel Radfahr«Weltmeisterschaft in Zürich. Wurde in Budapest geschoben? Der Bund DeutscherRadfahrer hat Weltmeisterschasts- sorgen! Einmal ist es der Streit, der um Teilnahme oder Nicht- teilnähme Stesses an der Weltmeisterschaft entbrannt ist, und ein andermal die Nichtbeschickung der Straßenfahrer- meisterschast durch den BDR. Letzteres Interessiert uns mehr als die Angelegenheit Stesses, trotzdem sie einer gewissen Komik nicht entbehrt. Wie wir bereits mitteilten, will der Sportausschuß des BDR. Vertreter zur Straßenweltmeisterschaft nicht entsenden. .Maßgebend für diesen Beschluß war," so teilt« der BDR. mit,„das Fehlen jeglichen Maßstabes sür die Leistungsfähigkeit der Fahrer infolge Fortfall aller Berufsstraßenrennen in diesem Jahre."(Die Rennen fielen aus, weil Bund und Industrie über die Durchführung der Straßenrennen sich nicht einigen konnten. Red.) Recht über. zeugend vermochte dieser Beschluß nicht zu wirken, zumal es wohl noch deutsche Fahrer gibt, die geeignet sind, die deutschen Farben in Zürich zu vertreten. Vor einigen Tagen konnte dann auch«ine Sportkorrespondenz melden, daß die Süddeutschen Reinald, Geyer und Z i n d, die seit dem Frühjahr ständig in der Schweiz fahren, von sich aus auf eigene Rechnung gemeldet haben. Darauf gibt jetzt der BDR. bekannt,„daß eine direkte Meldung von Fahrern zur Weltmeister» jchaft nicht angängig ist". Ueber„Angängige" oder„nicht An- gängige" zu streiten, wäre müßig. Interessant aber ist das, was der BDR. in diesem Zusanrenhang weiter mitteilt und die Gründe sür die Nichtbeschickung der Berufsstraßensahrerweltmeisterschaft etwas klarer erscheinen läßt. Es heißt da: „Maßgebend für jj�sen Entschluß war nicht nur das Fehlen jeglichen Maßstabes für die Leistungsfähigkeit deutscher Straßen- scihrer nach dem Ausfall deutsck�r Berufsstraßenfahrerrennen im Jahre 1929, sondern auch die Erfahrungen aus der Weltmeisterschaft des Vorjahres in Budapest. Obwohl es noch nicht an der Zeit Ist, über diese Angelegenheit in der Oeffentlichkeit zu sprechen» sei daraus hingewiesen, daß nach Angab« eines an der vorjährigen Welt- Meisterschaft beteiligten Berufsfahrers industrielle Weisungen er- gangen seien, die den sportlichen Verlauf der Weltmeister» schast zugunsten industrieller Interessen in den Hintergrund gedrängt haben sollen." Was ja schon eher manches erklärt und vermuten läßt, daß dieser Wellmeisterschastswettbewerb kein reeller war, vielmehr Industrie und Akteure das sportliche Moment gemeinsam schlechthin beiseite„schoben". t*. Vierzehn Nationen in Zürich. Das Meldeergebnis für die in der Zeit vom Ist. bis 18 August in Zürich stattfindenden Weltmeisterschaften im Radsahren ist ganz ausgezeichnet ausgefallen. Zlus 14 verschiedenen Ländern wurden mre-esamt llst Fahrer gemeldet, wobei die Zahl der ungarischen Teil- nehmer»och nicht berücksichtigt ist. Am weitaus stärksten umstritten ist mit 34 Anmteureir>md 23 Professionals die Weltmeister- schast auf der Landstraße über 2stst Kilometer. Um die l?!den Flieaerweltmeisterschasten betverben sich 24 Ama- teure und 18 Verusssahrer, zur Meisterschast de r D a'u e r- fahrer liegen 13 Anmeldungen vor. Von den Titelverteidigern sind Lucien Michard(Berufsslieger), George Ransse(Berufsstraßen- fahrer) und Walter Sawall(Dauerfahrer) zur Stelle, die vorjährigen Amateurweltfahrer Willy Falck-Hansen und Grandi-Jtalien sind in« zwischen Berufsfahrer neivorden. Die ossiziell« M eldelist« zeigt 110 Teilnehmer._ Europa-Rundflug für Sportflugzeuge. Breslau» Berlin und Hamburg Ctappcnstationen. Das wichtigste aviatische Ereignis dieses Jahres ist zweifellos der Europomndflug der Leichtflugzeuge. Als Auftakt hierzu hat jetzt auf dem kranzäsischen Flugplatz Orly die technische Leistungsprüfung begonnen, die für alle 82 Teilnehmer, unter denen sich fast die Hälfte Deutsche befinden, o b l i- g a t o r i s ch ist. Es wird in dieser Prüfung eine Bewertung nach Punkten bezüglich Baufestigkett, Bequemlichkeit, Art und Anord- nung der Bordinstniment«, Anlaßvorrichtung, Doppelsteuerung, rasch« Montagemöglichteit, Bremsvorrichtungen usw. vorgenommen. Auch der Brennstoffoerbrauch unterliegt einer genauen Prüfung. Dazu werden möglichst alle Flug, zeuge gleichzeitig zu einem Flug über 300 Kilometer eingesetzt. Für die Bewertung in der Haupt- Prüfung, dem 6st00-Kilomet«r-Rundflug um Europa, sind Geschwindigkeit und Regelmäßigkeit ausschlaggebend. Bei der Totalbswertung entfallen auf die technische Prüfung 40 Punkte, auf den Brennstoffverbrauch 20 Punkt«, aus die Regelmäßigkeit 35 Punkte und auf die Geschwindigkeit 70 Punkte. Die Gesamt- distanz des Rundsluges beträgt 6288 Kilometer. Folgende Städte sind Etappen st ationen: Paris(Start), Basel, Gens, Lyon, Marseille, St. Raphael, Turin, Mailand, Venedig, Agram, Belgrad, Turnu-Seocrtn, Bukarest, Turnu-Severin, Budapest, Wien, Brünn. Prag, Breslau, Warschau, Posen, Berlin, Hamburg, Amsterdam, Brüssel, Paris. Der Start in Paris erfolgt am 7. August ob 9 Uhr morgens, wobei alle 30 Minuten je zehn Flug- zeuge auf die Reise geschickt werden, zuerst die raschen Maschinen, damit sich auf den Flugplätzen keine Stauungen ergeben. ttertha BSC. klagt an... Das Ende eines Fu�ballboxkampfes. Der Borstand von Hertha-BSC. hat sich nach«ingehenden Er- wägungen entschlossen, beim Deutschen Fußballbund Strafantrag gegen die beiden Fürther Spieler Kraus l und Leinberger zu stellen und Beschwerde gegen das Verhalten des Schiedsrichters Dr. Baumens einzulegen. Weil die Fllrthcr Mannschaft noch ausgiebiger von dem Recht Gebrauch macht«, den Gegner nicht nur zu besiegen, sondern auch zu verprügeln, deswegen beschwert sich Hertha BSE., die sonst auch nicht nur" sanfte Lammer auf den Rasen schicken. Das ist eben der bllrgechche.Sport�es kommt�wenjger ,auf körperliche Ertüchtigung als auf Rekorde und Sieg« an.' T eimissportler zum RAST Das nächste große sportliche Ereignis der Berliner Arbeiter- jportler— der Re i ch s a r b e i t« r s p o r t t a g in den Rehbergen am 13: August— wird auch die A rb e i t e rt e n n i» s p o r tle r auf dem Plan finden. Zum ersten Male wird diese jung« Gruppe des Arbeitersportes auch im Rahmen einer größeren sportlichen Ver» anstaltung ihr Teil zum Gelingen des Festes beitragen. Die schönen Tennisplätze in den Rehbergen werden an diesem Tage«inen leb- hasten Sportbctricb zeigen. Hofsentlich wird dadurch mit der Ein- stellung ausgeräumt, als sei der Tennis nur etwas sür die besitzenden Schichten Gewiß handelt c» sich hier um einen verhältnismäßig teuren Sport. Dafür sind eben die Behörden in Anspruch zu nehmen, i-mit auch Minderbemittelten eine praktische Tätigkeit auf diesem Srbiet ermöglicht wird. Tennis liegt dem Arbeitersport ab- stlut nicht so sern, wie mancher es annehmen dürfte. Hochkultivierte Sportarten sollten in allererster Linie Eingang in Arbeitersportkreise s.nden. Wie früher erst nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten der Arbeiterwassersport— Segeln, Rudern, Paddeln— sich In Arbciterkrcisen verbreitet«, wird auch der Arbeitertennissport einen harten Weg vor sich haben. Die Besucher des RAST, werden sich am 18. August selbst von dem Wirken der Tennissportler überzeugen können. Es finden Spiele im Frauen- und Männer-Einzel, im Frauen- und Männer-Doppel und im Gemischt-Doppel'statt.' Beteiligt sind dabei alle sechs Abtei- langen von„Tennis-Rot Berlin". Der Tcnniesport birgt hohe g« i st i g e We r t e In sich. Je mehr sich die Arbeiterklasse die geistigen Kulturgüter der Gesellschaft er- ober» kannte, desto mehr wird sie sich auch In den Besitz der Aus- drucksmittel solcher geistigen Arbeit setzen. Der Tennissvort setzt neben körperlicher Gewandtheit vor allem geistige Beweglichkeit: schnelle Kombinationsoabe und Konzentrationsfähigkeit voraus. Man komme du nicht mit der Ausrede, solche sei den Arbeitern infolge des ermüdenden Tageswerks nicht zuzumuten. Der tatsächliche A u f- schwung der Arbeitertennisbewegung in ganz Deutschland und die vorzüglichen Spiele beim Bundesfest in Nürnberg sprechen eine beut- lichc Sprache. Auch dem jungen Arbeitertennissport sei daher größte Aufmerksamkeit gewidmet. T'ennis-�V etlkäropfc. Anläßlich des Abendsportfestes des Sportvereins Moabit am 8. August auf dem Sportplatz Tiergarten, an dem, wie bekannt, ausländische Genossen teilnehmen, finden auch Tenniswettkämpse statt Da zur Durchführung der Spiele nur gute Spieler ausgestellt find, werde» sicher schöne Kämpfe gezeigt. Be,i,m der Spiek« 17.30 Uhr. Die Tennisspicle veranstaltet Tennis-Rot Groß-Berlin. der größte Arbeitertennisverein. Am 25. August weilt Tennis-Rot Groß-Hamburg bei Tennjs- Rot Groß-Berlin zu einem Dereinswettkamps zu Gaste. Das vor- jährige Vereinsspiel wurde von Berlin hoch gewonnen. Da Ham- bürg diesmal mit seine» besten Leuten antritt, werden spannende Kämpf« die Folge sein. Diese Veranstaltung sindet aus de», Sport- platz im Friedrichshain statt. Die Kämpfe beginnen vormittags 8 Uhr und werden in allen Konkurrenzen durchgeführt. Tennisinteressenten, die im nächsten Jahre spielen wollen, geben schon fetzt ihre Adresse an K. Kohler, 0. 34, Weidenweg 63. Im Winter treibt Tennis-Rot folgend« Sportarten: Hockey, Handball, Eislauf, Schneeschulauf. Ladminton, Tischtennis. JRBEJJEU TUSSBALL Werbcspiclc in Wcitjensce. Der„Freie Fußballverein W c i h e n f e e" vemnstaltet am kommenden Sonnabend und Sonntag im Stadion„Fauler See" mehrere Werliespiel«. Am Sonnabend stehen sich um 17.30 Uhr der Veranstalter und Lichtenberg I mit beiden Mannschaften gegen- über. Für Weißensee gilt es, die im Mai erlitten« Niederlage aus- zugleichen. Beide Mannschaften werden in stärkster Aufstellung an- treten. Aus den nebenan liegenden Feldern treffen sich die zweiten Mannschaften sowie die Jugend von Weißensee und Saxonia. Am Sonntag wickelt sich dann ein großes Progranim ab. Den Ansang machen die Jugendlichen der W«ihenseer, die gegen Eiche-Köpenick uiy 10 Uhr antreten. Nachmittags um 13.30 Uhr ist die erste Begegnung zwischen den ersten Mannschaften von Karow und Eiche-Köpenick, während die zweiten um 14 Uhr beginnen. Oberspree und Tempelhos stehen sich dann mit beiden Mannschaften um 15 Uhr gegenüber. Den Abschluß bildet dann das Spiel Weißen- see gegen Vorwärts-Groß-Räsck)en um 17 Uhr. Den Fußballinter-- essenten bietet sich hier also Gelegenheit, mehrere erstklassige Fußball- kämpfe zu sehen.— Im Gesellschaftsspiel stehen sich in Pankow auf dem Andreas-Hofer-Platz Germania und Spandau 25 um 17 Uhr mit zwei Mannschaften gegenüber. Da« Endspiel im Neuköllner Turnier zwischen Lichtenberg II und Neukölln endete 4: 1 sür Lichtenberg. MundJXKW Spiele am Sonntag. Zu Ihrem Sportfest, das die Frei« Turnerschaft Friedrichsthal veranstaltet, spielt am Sonnahendk die 2. Männer um 19 Uhr gegen Freien Sportverein Kaulsdorf. Am Sonntag spielt die 1. Männer um 17 Uhr gegen Arbeitersportverein Tegel. Beim Werbespielsest der Freien Fußballvereinigung Weißensee stehen sich im Stadion Weißensee am Faulen See um 11 Uhr FTGB.-Südosten 2. Männer- Mannschaft und FTGB.-Stralau 1. Männer gegenüber. FTGB.- Osten Jugend spielt um 14'Uhr gegen Strausberg Schwimmerjugend. Um IbVt Uhr spielen FTGB.-Slldost 1. Männermannschaft gegen Vorwärts-Hennigsdorf 1. Männer. Eintracht-Mahlsdorf 1. Männer spielt um 18 Uhr in Mahlsdorf, Hönower Chaussee, gegen FTGB.- Osten 1. Männer, während Osten 2. Männer um 9 Uhr gegen FTGB.-Adlershof in Adlershos, am Köpenicker Friedhof, spielt. Preim-�fokleiihauer nicht nach U.S.A. Der vom amerikanischen Tennisoerband ergangenen Einladung an die beiden deutschen Spitzenspieler Prenn und Moldenhauer zu den vom 26. August bis 14. September in Forest Hill stattfindenden amerikanischen Meisterschasten wird leider nicht Folge geleistet werden können Prenn ist beruflich unabkömmlich, und so wird auch Moldenhauer in: Land« bleiben. Wegen geschäftlicher Jnanspruch- nähme wird Prenn auch seinen Meistertitel in Hamburg nicht ver- teidigen. Wiener Stab I in Zittau. Gewann mit 4: 0. Die Wiener Fußballmannschast Stab I> die am Sonntag in Löbau bei starker Beteiligung spielte, wurde von der Bevölkerung auss herzlichste begrüßt. Bürgermeister Dr. K o l tz« n b u r g brachte in einer Ansprache zum Ausdruck, daß die Völker— im Ge- danken an die Vereinigten Staaten von Europa-- zusammengehören...» Als am Nachmittag das Spiel in der Weinau unter starker Be- teiligung der Bevölkerung begann— es waren 2000 Zuschauer zu verzeichnen—, da wußte man, daß eine Klassemannschaft als Gcg- ner dem Zittauer ASV. I entgegentrat und die Zittauer alles daran setzen muhten, sich zu behaupten. Das Spiel, das wiederum die ausgezeichnete Spieltechnik der Wiener zeigte, stand bei Halbzeit 1:0. Die Ueberlegenheit der Wiener sichert« ihnen aber den Sieg. Bei Beendigung des Spiels konnten die Wiener mit 4:0 den grünen Rasen oerlassen. Um die Schadi-Weltmeisterschaft In Wiesbaden, Holland und Berlin wird gespielt. Unter dem Protektorat des Weltschachbundes, dessen Sitz sich in Holland befindet, beginnt am 5. September in Wiesbaden der Kampf um die Schachweltmeisterschaft zwischen A l j e ch i n und Bogoljubvw Die insgesamt zu spielenden 30 Partie» werden nicht nur in Wiesbaden, sondern mich zuni Teil in Holland und Berlin gespielt. In dem süddeutschen Kurort finden zunächst acht Partien ihre Erledigung, die nächsten sechs werden dann an verschiedenen Orten Hollands ausgetragen. Von Holland aus begeben sich Aljechin und Vogoljubow nach Berlin, um hier im Kaffee König sechs, vielleicht aber auch neun Partien zu spielen. Die dann noch verblcibsnden Kämpfe um die Punkte werden wieder in Wiesbaden erledigt Aljechin als Verteidiger der Welt- ineisterschaft erhält eine Entschädigung von 6000 Dollar. W«rfäw4 Zu der am Sonnabeird, dem 3. und Sonntag, dein 4. August, stattfindenden Wochenendfahrt nach Dessau und dem Wörlitzer Park sind noch Teilnehmerkarten erhältlich. D>« Fahrt beginnt am Sonn- abend, dem 3. August, 4 Uhr nachmittags, ab Bahnhof Charlotten- bürg. Auf dieser Fahrt wird Dessau mit alle» senien Bauten ein Besuch abgestattet. Am Sonntag morgen mit der Bahn nach Wörlitz, zur Besichtigung des herrlichen Naturparks. Sonntag, den 4. August, findet außerdem eine Wochenendfahrt durch die Ruppiner Schweiz statt. Treffpunkt der Teilnehmer 6.15 Uhr Stettiner Fernbahnhof. Die Fahrt nimmt folgenden Verlauf: Mit der Bahn nach Neu-Ruppin. Anschließend Dampferfahrt über den Ruppiner See, durch den Rhin, vorbei an Alt-Ruppin und weiter über den Molchowsee, Teetzensee, Zermützelsec nach Forsthaus Tornow. Der Weg führt weiter am herrlichen Binenbach entlang nach der Boltenmühle und weiter zum Forsthaus Tornow Teil- nehmerkarten sind erhältlich in der Geschäftsstelle des Touristen- Vereins„Di« Naturfreunde", Berlin N. 24, Johannisstraße 14/15, täglich außer Sonnabends von 17 bis 20 Uhr, oder bei Schmidt, Berlin W. 50. Rankestraße 30: Walter, Berlin-Neukölln Siegfried- straße 55: Meckelberg(..Vorwärts"-Spedition) Berlin-Treptow, Graetzstraße 50: Sinn, Berlin N. 20, Stettiner Straße 30: Thomas. Berlin N. 65, Luxemburger Straß« 1. . Zu der am kommenden Sonnabend und Sonntag stattfindenden Wochenendfahrt nach Dessau und durch den Wörlitzer Park und für die am Sonntag stattfindende Wochenendfahrt durch die Ruppiner Schweiz sind noch etliche Karten in der Geschästsstelle des Touristen- verems„Die Naturfreunde". Berlin N 24. Johannisstr. 14/15. täglich außer Sonnabend von 17—20 Uhr zu haben. Gaste herzlich will- kommen. Arbeilerradsahrerverein Groß-Berlin. Sonntag. 4. August 1929, 13 Uhr, Familientour nach Mahlsdors-Süd bei Dräger. Start: Waldemarstx. Ecke Mariannenplatz. Gäste willkommen. ATE. Die nLchstc Monatsversammluna findet erst am fsreitaq, dem ' �,uJüS( vm 2« Uijt. bct tietmiflt, MUHlwstrabc Sic Brommnbriich. smti. BS®». Olrtlnfl. Achtuira. Sockeigpicler! Scute. IS!- Uhr.»eiptedmaa Sttctf« Keipjmfalitt bei Suao Weqcncr. ssrankfurtcr Allee «artell für Arbeiters»»-! und körverpsleae«erlin E.»., 2«. B,,irk Rcl- »ick-nd-rs. Die Vereine, die au der cm 31. null slcttaefundenen«otWIflkuitfl Nicht»Getreten waren, werden hiermit ersucht, die Plakate, sowie PiakeUe» und Eintrittskarten mim Rast, umeehend bei dem Genosse» Otto Saaek.«er- Iin-Teael, Echlieperstr. 73, tilalich ob 17% llhr, ausser Conntaas. abüuhoien. Brei« Hon«. Union®r»ss.««rltn, Abteilun« Erkner. Bootshans in Erkner. Bootswerft Lindemcnn. Am Eonnabend, dem 3. Anaust. und Eonntaa, dem 4. Auaust, Bahrt noch Breienbrink. BT®«., Breikörperkultursparte. Am E-iuitan, dem 4. Auaust. findet linser Eommerseft ans dem Gelilnde Kallinchen statt. Allaemeine Gnmncstik, Moraen» seier. Spiel und Sport stehen auf dem Taaesproaramm, zu dessen Ansaeiialiunn auch die Gäste, insbesondere die Iuaendoruppen aern beltraueu dürfen. P.u- tritt wie üblich nur mit alllticer Geländeiarte mit Ausnahme der tznaend- grnppen. Arbeiter-Rcdsahrer- und ikrastsahrerbund»Solidarität", Gau!i. 1. 2. und 21. Betirt. Sonntcfl. 18. Aupust, beteiiiaen sich alle Ableilunae» und OrUärnppen, welche dem Kartell für Arbeitersport und Körperpfleae an. erschlossen ssnd, restlos an dem Rest in den- Rehberqen. Scnimelstart 13!? llhr Leopoldplass mit Korsokleiduna: Sporthose, weisses Semd. Damen weisse Blase. Ort»«r«ppe Gross-Berlin, Bezirk t, Geschästsstelle Robert Roihdarth, EÄ. il. Schäneberaer Str. 17». Wir machen am Eonnta», dem 4. Auanst. folaeiide Bahrten, l. Abf.: 5 Ahr Ält-Scnisbetn. Start: DMowstr. 55. Eissuna jeden 1. und 3. Brei tan int Monat bei Richert, Steinmessstr. 55. Nächste Sissuna Breitaft, 2. Auanst.— 2. Abt.: 6 Ahr Echnisseliaad. Sirfchaarten, Wilhelms- hos. 13 Ahr Bamilieutonr nach Sirfchaarten. Start: Sohenstaufenplass, Nor- maluhr. Sissnnaen Oden 1.»nd 3. Mittwoch im Monat. Nächste Sissmia Mittwoch, 7. 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