Morgenausgabe Sonnabend 46.3�8... Wf z. August 1S2Y W-Mf■ A|A �AWv J Groß-Verlin 10 Pf. «-ch.nuich»SP,. m°n.uich Z.S0M. B B—rBf IMf gy � ImoorausjoDlbat,?o(tbejug4J2!K. MB I Wt IHf HH // H H LI H B ,M< AllsWakts pf. einschließlich 60 �3fg. �oftjfitung». unb MW ES B B B B B B B B B' 72$fg.$o(tbtfttagebfibrtn.au:lanb» ILJgm, B B B" B B B B B ES3 r~— // obonnemtnl fi.— im. pro TOonat. iMWWI f? WR DW �M WU �M MD � wKm I // Sit»»>>>» all, g« Nonpareillezell« I BS B Hl SB HH HH BS IH EH BS Bl IM l DO Pfennig. Reklame, eile S— Reich». *-r�B I Bj B B iffll J9H V JML\ WU BH M» B B �MlBeWV�e mark,„»leine Antigen- da. ielig� v5�ei�I�onn?�»?n?Mo'nMa» I W MW W i Mrn«LN einmal, die Abendausgaben für Berlin>/( Won�l�PfenMa"ledes" w'elte� Wor'i und im Handel mit dem Titel.Der/' X' Bi?!.«»»!.«.'fu i?» ir. k Vevttnev Vvttsblatt � �M-kM Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redoktion und Berlog: Berlin SW 68. Lindenstrabe 3 Fernsprecher: Dönhvfs 2S2—2dl lelegramm-Adr.: Soztaldeniotra« Berlin Lüneburg. 2. August. Die Erhebungen über die Lüneburger Bombenanschläge werden aufs eifrigste fortgesetzt. An der heute früh stattgefundenen Z u- fommenkunft der beteiligten Behörden unter dem Borsitz des Generalstaatsanwalts aus Celle, an der auch der Polizei- Präsident von Harburg sowie Bertreter der Staatsanwaltschaften von Lüneburg und Altona teilnahmen, wurde der Meinung Aus« druck gegeben, daß das Lüncburger Attentat in direktem, wenn auch nur losem Zusammenhange mit den holsteinischen Attentaten stehe, und daß es sich bei den Tätern um eine klein« terroristische Gruppe handle, die planmäßig diese Attentate unternimmt. Daß Zusammenhänge mit den holsteinischen Anschlägen be- stehen, scheint sich aus der Tatsache zu ergeben, daß die zur Höllen. Maschine verwandt« Margarinekiste die Fabrikationsmerk» male einer Margarincsobrik in Eidelstedt bei Altona aufweist. Kriminalkommissar Teichmann vom Polizei- Präsidium Berlin ist mit der Kiste nach EiJelstedt gefahren, um weitere Erhebungen anzustellen. Er wird sodann den Inhalt der Höllenmaschine mit nach Berlin nehmen, und dort werden von einer Zentralstelle aus weitere Untersuchungen geführt werden. Vom chemischen Untersuchungsamt in Harburg ist inzwischen festgestcUt worden, daß der Inhalt der ijöllenmaschinc aus dem äußerst gefährlichen Sprengstoff Trinitrotoluol besteht. Zur Ermittlung der Täter sind verschiedene Spuren aufgenommen worden. Inzwischen ist auch die Hümmer de» Automobil» festgestellt worden, das man in der Nacht kurz vor der Epplofion vor dem Hause des Dr. Strauß hat halten sehen. Di« Spur führt in die nähere Umgebung Lüneburgs, doch erscheint eine Verbindung mit Vorwarts-Verlag G.m.b.H. Schleswig-Holstein nicht ausgefchlosien. Nach den bisherigen Fest- stellungen scheidet der Verdacht, daß es sich um einen persönlichen Racheakt gegen Dr. Strauß oder die Leitung der Landeskrankenkasse handeln könne, aus der Betrachtung völlig aus. Zurückgewiesene Hetze. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: „Die kriminalpolizeilichen Untersuchungen über die Urheberschaft des in diesen Tagen in Lüneburg verübten Sprengstoffanschlages haben bislang noch kein positives Resultat ergeben. In- folgedessen wird es keine verantwortliche Staatsstelle geben, die vor- eilig und unbegründet irgendeinen Kreis der Bevölkerung der Teil- nähme oder Urheberschaft an diesem Anschlag verdächtigen würde. Es wird und muß einzig Sache der Untersuchung bleiben, den Fall restlos aufzuklären." Die„Deutsche Zeitung" jedoch fühlt sich bemüßigt, in einem Artikel:„Bombenanschläge auf Bestellung?" eine Beschuldigung auszusprechen, die so unerhört schamlos ist, daß sie in ihrer ganzen Verächtlichkeit nicht scharf genug beleuchtet und zurück- gewiesen werden kann. Sie spricht davon, daß der Verdacht auf- tauchen müsse, es handle sich bei diesem wie bei den vorangegangenen schleswig-holsteinischen Sprengstofsanschlägen um„eine in allen Polizeistaaten so beliebte Lockspitzelarbeit, um eine„Pro- v o k a t i o n". Es wird in diesem Zusammenhang von„Tscheka- Methoden" und dem„halbbolschewistischen Preußen" gesprochen. Derartige verbrecherische Polizeimethoden mögen vielleicht in einem Staate üblich sein, der so aussieht, wie der preußische Staat, den die„Deutsche Zeitung" ihren Lesern im Zerrbild Ihrer durch und durch unwahren und tendenziösen Darstellungen zu zeigen pflegt. Der Freistaat Preußen, der so liberal ist, daß Blätter vom Schlage der„Deutschen Zeitung" ungehindert ihre, putschistischen Gelüsten dienende, Hetzarbeit betreiben können, beschmutzt sich mit diesen terroristischen Polizeimethoden nicht! Postscheckkonto: Berlin 37 538.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Nngeftellten und Beamten Wallstr. KS. DiSkonto-Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstr i Grenzen der Geerüfiung. Anglo-amerikanifche Gleichheit und Abrüstung. Vor sechs Monaten endete in den Vereinigten Staaten der Kampf um die Seerüstung mit einem Kompromiß: der Regierung wurden vom Kongreß die Mittel für den Bau von fünfzehn Kreuzern bewilligt, der Präsident wurde aber zu- gleich ermächtigt, den Baubeginn für den Fall eines inter- nationalen Seeabrüstungsabkommens aufzuschieben und zu unterlassen. So hatte nach dem Zusammenbruch der Genfer Abrüstungsverhandlungen mit England im Sommer 1928 ein innerpolitischer Kampf geendet zwischen Nationalisten, Front- kämpfern, Militaristen und Rüstungskapitalisten auf der einen, Pazifisten, Frauenorganisationen, Kirchen und den- jenigen auf der anderen Seite, die ihre politische Haltung von der wirtschaftlichen Erwägung leiten lassen, daß sie weniger Steuern zu zahlen haben, wenn die Rüstungsausgaben ver- mindert werden. Dieser Kampf zwischen Auf- ruft lern und Abrüstlern hat jetzt von neuem begon- nen. Er wurde von außen in Gang gesetzt durch dje frische Initiation der englischen Arbeiterregierung, deren Führer Macdonald in dem Verhältnis Englands zu Amerika den Angelpunkt englischer Außenpolitik sieht. Die Verhandlungen, die er persönlich mit dem Präsidenten Hoover durch den ame- rikanischen Botschafter in London, Dawes, nach dem der Dawes-Plan seinen Namen trägt, und dem Vertreter Amerikas in Genf, Gibj'on, führte, haben nicht nur mit der Ankürwi- gung künftiger Friedenstaten geendet, sondern haben be- reits den ersten internationalen Seeab- rllstungsschritt seit 1922 zur Folge gehabt! Die englischen Werftarbeiter haben zwei Kreuzerneubauten verlassen, der Baukontrakt über ein neues Riesen-U-Boot wurde zurück- gezogen und an allen anderen Ersatz- und Neubauten der eng- lischen Marine wird in kürzeren Schichten und Mit kleineren Belegschaften gearbeitet. Aehnlich werden die amerikanischen Werften die für dies Jahr vorgesehenen drei Kreuzer nicht auf Stapel legen. Damit ist das Wettrüsten zur See zwischen England und Amerika vorläufig einqe- stellt, die Atempause für die Verhandlungen zwischen den Re- gierungen über den Abschluß eines umfassenden Seerüstungs- Einschränkungs-Abkommens gewonnen. Während in England praktisch alle Parteien die Amerika- Politik des Arbeiterministerpräsidenten unterstützen, ist in Amerika der Kampf um die Ausführung des Kreuzerpro- grammes bereits neu entbrannt. Die Marinefreunde bestreiten zum Teil dem Präsidenten das Recht, schon vor Abschluß eines Abkommens den Kreuzerbau einzustellen, andere, wie SenatorBorah, erklären, England müsse eine großeZahl seiner Kreuzer abwracken. Der Druck der Arbeitslosigkeit und der Kriegslasten liegt' auf Enaland so schwer, daß alle Parteien die Einschränkung der Marineausgaben bereitwillig mit- machen: das finanziell ungleich kräftigere Amerika aber geht auf die Kreuzerabrüstung nur dann ein, wenn es dabei die Gleichheit mit Englnnd durchsetzt. Oekpnomisch sich als die erste Weltmacht fühlend, wollen die Amerikaner hinter keiner anderen Nation mehr an politischer Seegewalt zurückstehen. Sie haben diesen Anspruch auf Parität mit England bereits 1922 in bezug auf die großen Schlachtschiffe durchgesetzt: sie führen die jetzigen Verhandlungen mit dem Ziel, die Gleichheit mit England auch in bezug auf die Kreuzer und U-Boote zu erweitern. Nachdem England die Vernichtung der deutschen, seine Existenz wegen ihrer Nähe bedrohenden Flotte im Weltkrieg geglückt war, hat es gegen- über dem verwandten und jenseits des Ozeans liegenden Amerika den Anspruch aufgegeben, seebeherrschendes Albion zu sein. Die Schwierigkeit der anglo-amerikanischen VerHand- lungen liegt nun aber darin, daß England zurzeit 54 fertige Kreuzer mit etwa ZOOM» Tonnen Wasserverdrängung im Dienst hat, während Amerika nur 18 Kreuzer mit etwa 150 990 Tonnen Gesamttonnage besitzt. Angesichts dieses großen Unterschiedes ist die frühere eng- tische Regierung an der Aufgabe gescheitert, Amerika die Gleichheit zu gewähren: eine konservative Regierung und Parlamentsmehrheit konnte, eben weil sie an der über- lieferten Seegewalt des Landes festhielt, sich zu einem ent- scheidenden Abrüstungsschritt nicht entschließen. Auch die po- litische Kraft der Arbeiterminderheitsregierung reicht zu einem derartigen Bruch mit der Vergangenheit nicht aus, und dies um so weniger, als in der Tat das britische Weltreich ungleich zerstreuter auf der Erde verteilt liegt als die Be- fitzungen der Vereinigten Staaten. So führt die Sachlage zwangsläufig dazu, daß nur im Laufe von Iahren die Abrüstung Englands auf den Kreuzerstand Amerikas durch- geführt werden kann: was die Kreuzer(unter 19 009 Ton- nen) angeht, so läuft die Einigung zwischen der amerikanischen und der englischen Regierung in der Richtung, daß England keine Ersatzbauten mehr auf Stapel legt für die Kreuzer, die die festzusetzende Allersgrenze von 20 oder 25 Iahren er- reichen. In bezug auf die Kreuzer ist daher ein Abrüstungs- erfolg nur in dem Sinne zu erzielen, daß England sich dazu versteht, keine Ersatzbauten für eine vieljährige Zeit- spanne vorzunehmen, und Amerika bereit ist, keine Neu- bauten auszuführen. Anders als im Lauf mehrerer Jahre Die Mafien für Labour. Vernichtende kommunistische Nachwahlniederlage. London. 2. August. Bei der Ersatzwahl zum Unterhaus in South Lceds. die infolge der Ernennung des bisherigen Ab- geordneten zum Richter«w Appellationsgerichtshof not- wendig geworden war, erhielt das Mitglied der Arbeiter- Partei Milner 11804 Stimmen, der U o m m u- nist Brain 512 Stimmen. Der frühere Vertreter von South Leeds im Unterhaus war ebenfalls Mitglied der Arbeiterpartei. Ein Vertrauensvotum für die Labourregierung. London. 2. August.(Eigenbericht.) Die vernichtend« Niederlage der Kommunisten in Leeds, wo sich zum ersten Male ein sozialistischer und ein kam- munistischer Kandidat in der Nachwahl gegenüberstanden, hat— wie der„Daily Herald" feststellt— den abschließenden Beweis dafür geliefert, daß die Kommunisten in steigendem Maße in Gegen- satz zu der Gesamteinstellung des britischen Arbeiters geraten sind. Die britischen Proletarier glauben an die Verwirklichung des So- zialismus auf demokratischem und verfassungsmäßigem Wege. Der erfolgreiche Kandidat der Arbeiterpartei Milner, der 11804 Stimmen gegenüber 512 für den Kommunisten abgegebenen Stimmen erzielte, erklärte nach Verkündung des Wahlresultats, der Ausgang der Nachwahl beweise, daß die Wählerschaft mit der Wirksamkeit der Arbeiterregier uqg voll und ganz zufrieden sei. Er stelle überdies eine nachdrückliche Aburteilung der kommunistischen Politik durch die Arbeiterschaft dar. Chinesische Kriedensvorschtäge. Scharfe Sowjeum bei allen bisherigen Abniftungserörterungen habe darin be- standen, daß alle Nationen den Kriegsfall zur Grundlage ihrer Erörterungen gemacht hätten und sich nicht bereit gezeigt hätten. ihre Stellung für den Kriegsfall schwächen zu lassen. Zum Tode Karl Henckells. Aeileidskundgrbung des ADGS. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes hat an die Witwe des Dichters Karl Henckell das folgende Bei- leidstelegramm gesandt: „Das Hinscheiden Ihres Lebensgefährten, des Dichters für Befreiung der Notgebückten, ist für den Allgemeinen Deutschen Gewertschaftsbuick». dessen Mitgliedsverbände und bc< sonders deren Jugendbewegung sich an des geliebten Toten Lieder erbaut und begeistert haben, ein tiefschmerzlicher Verlust. Wir sprechen Ihnen, hochgeehrte Frau Henckell, in Ihrer Trauer unsere herzlichste Teilnahm« aus und entbieten dem toten Freunde hier- durch unsere dankbaren letzten Grüße." Vorbereitung»er Haager Konferenz (Sitzung des Reichskabinetts.- Volle Einmütigkeit. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichskabinett trat gestern unter dem Borsitz des Reichsministers Dr. Strefemann zu einer Sitzung zusammen. Eingangs gedachte der Vorsitzende in herzlicher Weise des erkrankten Reichskanzlers und sprach im Namen sämtlicher anwesenden Reichsminister die zu« oersichtliche Hoffnung aus. daß der Reichskanzler sich von seiner schweren Erkrankung völlig erholen möchte und in nicht zu ferner Zeit die Leitung der Reichsgeschäftc wieder persönlich in die Hand nehmen könne. Bis dahin werden wie üblich die Dienstgeschäfte für den Reichskanzler durch den dienstältesten Reichs» minister, Reichsminister des Auswärtigen, Dr. S t r e s e- mann, geführt werden. Für die Dauer der Abwesenheit des Reichsministers Dr. Strefemann von Berlin als Führer der deuffchen Delegation im Haag und in Genf wird die Leitung der Geschäfte der Reichsregierung in Berlin in den Händen des nächstdienstältesten Reichsministers, des Reichs- wehrministers G r o e n e r, liegen. Auf der Tagesordnung der gestrigen Kabinettssitzung stand die Regierungskonferenz im Haag, deren gesamter Aufgabenkreis eingehend erörtert wurde, wobei die völlige Einmütigkeit des Kabinetts über olle im Haag zu behandelnden Fragen zum Ausdruck kam. Die deutsche Delegation. Auf der bevorstehenben Konferenz im Hoog werben der Reichs- mmister des Auswärtigen, Dr. Strefemann, der Reichswirt- lchaftsmimster Dr. C u r t i u s, der Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. W i r t h, und der Reichsminister der Finanzen, Dr. H i l s e r d i n g, die deutsche Regierung als bevollmächtigte Dele- gierte oertreten. Der Delegation gehören außerdem an der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Dr. von Schubert, der Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. P ü n d e r, die deutschen Mitglieder des Pariser Sachverständigenausschusses, Reichsbankpräsident Dr. Schacht, Dr. Melchior und Geheimrat K a st l, soweit es seine berufliche Inanspruchnahme zuläßt: ferner von der Reichskanzlei Ministerialrat Bogels, vom Auswärtigen Amt die Ministerial- direktoren Gaus und Ritter, die vortragenden Legationsräte von Friedberg und Redlhommer, vom Reichsfinanz- Ministerium die Ministerialdirektoren Dorn, Ruppel und Ministerialrat Borger, vom Reichswirtschaftsministerium Ministe- raldircktor S ch ä f f e r und die Ministerialräte C l a u ß e n und Rande, vom Reichsministeriuni fiir die besetzten Gebiete Ministe- rialbirektor Miller und Ministeriolrot Mayer) vom Reichs- oerkehrsministerium Ministerialdirektor Vogel. Die Presse- abteilung der Reichsregierung wird durch Ministerialdirektor Dr. Z e ch l i n vertreten sein. Die Delegation wird Berlin voraussichtlich am Sonntagabend verlassen. Belgien für unveränderte Annahme. Die belgisch« Regierung hat— wie uns aus Brüssel gemeldet wird— ihre Delegierten zur Haagcr Konferenz für die unver» änderte Annahme des Poung-Planes verpflichtet. Amerika inoffiziell vertreten. washinglon. 2. August. Das Staatsdepartement teilt mit, daß die Regierung zur Teil- nähme an der Haager Konferenz eingeladen worden sei und den ersten Sekretär der Pariser Botschaft. Edwin Wilson, alz inoffiziellen Beobachter dorthin antsenden werde. Beginn voraussichtlich Dienstag vormittag. Die l« ch a i s ch e n Vorbereitungen im Haag schreiten inzwischen weiter fort. E» ist ein G e n e r a l s e k r e t a r i a t für die Konferenz eingerichtet worden. Die Konserenz dürste voraussichtlich am Dienstag oormillag um ll Uhr beginnen. Den vorfih der Konserenz wird voraussichtlich der belgische Premierminister Zaspar. als der älteste der anwesenden Minister, führen. Doch wird ein formeller Beschluß hierüber erst nach Eintressen der Delegation der verschiedenen Länder gefaßt werden. Die Wünsche der kleinen Gläubiger. Griechenland-?tumanien— Polen- Südslowen. Paris, 2. August.(Eigenbericht.) Der griechische Ministerpräsident Denizelos, der sich zurzeit auf einer Rundreise durch Europa befindet, sprach am Donnerstag im Auswärtigen Amt vor, um die griechischen Reporationswünsche nochmals eindringlich anzumelden. Briand ließ keinen Zweifel darüber, daß der Poung-Plan für die srairzösijch« Regierung u n- abändert ich sei und von ihr als Ganzes angenommen werde. Heute wird der rumänische Außenminister in Paris erwartet. der beabsichtigt, ebenfalls die Reparationsforderungen seines Landes zu vertreten. Der polnische Außenminister Zalski, der während seines Urlaubs wiederholt in Paris im Auswärtigen Amt im Zusammenhang mit den Reparationssorderungen oargesprochen hatte. ist am Donnerstag nach Warschau abgereist. Man erwartet hier, daß auch die jugoslawische Regierung nochmals ihre Wünsche hinsichtlich des Noun�HZlancs zum Ausdruck bringen läßt Hitler als Parteigänger Mussolinis. Bündnis mit Italien gegen Frankreich als Parole. Herr Hitler hat ein Manifest an den nationalsozialistischen Parteitag in Nürnberg erlassen. I n n«»politisch erklärt das Manifest, daß die bürgerlichen Partelen für die Notion Sinn und Zweck verloren hätten, sie hätten sich a u s d e n B o d e n de» Marxismus gestellt. Nicht die bisherigen nationalen Par- teien, sondern einzig und allein die Hitlerpartei sei Trägerin de» nationalen Gedankens. Woraus man die Schlußfolgerung ziehen muß, daß auch Hugenberg und der Stahlhelm, die Kom- pagnons Hitlers beim Balksbegehrensgeschäft, keinen Anspruch darauf erheben dürfen, als national zu gellen. Das außenpolitische Programm Hitlers kommt in folgenden Sätzen zum Ausdruck: „Außenpolitisch sei die nächste und augenblicklich notwendigste Aufgabe die Organisation eines ollgemeinen Volts- Widerstandes gegen das neu« Pariser Diktat. Kein Mittel sei unversucht zu lassen, der verhängnisvollen Versklavungspolitit endlich einen allgemeinen nationalen Protest entgegenzusetzen. Die Nationalsozialisten empfänden es als eine Notwendigkeit, gegen- über der verfehlten französischen Orientierung Stresemanns eine Verständigung Deutschlands mit dem natürlichen Gegner Frankreichs zu ver- treten. Die Nationalsozialiften sähen es deshalb als eine ihrer Aufgaben an, der Verhetzung der öffentlichen Meinung in Deutsch- land gegen Italien ebenso wie der in Italien gegen Deutsch- land mi Interesse einer Verständigung der beiden Staaten und Völker entgegenzutreten." Italien der„natürliche Gegner" Frankreichs— das ist die Erbfeindtheorie in neuer Auslage. Es gab eine Zeit, wo man im Hitlerlager nicht in Italien, sondern in Sowjetrußland den„notür- lichen Bundesgenossen" erblickte. Man hat sich inzwischen vom Nationalbolschewismus zum Nationalfaschismus gewandelt.- Man dient als Propagandist Mussolinischer Politik, so wie die Kommunisten als Agenten der sowjetrussischen Politik ar- besten, und nennt sich dann stolz die einzige nationale Partei. Alles trotz Südtirol! Das feige Volk und der tapfere Goebbels. Auf dem Parteitag der Hokenkreuzler sprach Herr Goebbels, jener Herr, der im Reichstag verkündete, daß er die Linke aufhängen lassen wollte. Also sprach er: „Die Negierung habe nicht das Recht, sich wegen ihrer pazifistischen Politik auf das feige Volk zu berufen, denn sie habe erst das Volk feige gemocht. Aufgabe der nationalsozia- listischcn Propaganda sei es, das systematisch zur Feigheit erzogene Volk wieder zum Mut zu erziehen." Als die Berliner Polizei in den Geschäftsräumen der National- özialistien in Berlin haussuchte, verschwand Herr Goebbels auf der Toilette und verließ sie erst nach stundenlangem Ausenthalt. Der wird dem»feigen Voll" schon zeigen, was Mut ist! Wenn Cr lächelt... Holde Fafchistenschwärmerei. Wenn Er lächelt, lächelt ganz Italien. Wenn Sein Antlitz sich nur einmal trübt, ist ganz Italien an diesem Tage traurig.„ ' Italien will, daß Er zufrieden sei, denn, wenn Er zufrieden. ist alles gut.(Als„Er" die Nachricht oon dein Weihnachtsübersall auf Amendola erhielt, war„Er" sehr zufrieden und sagte telepha» nisch, er hätte mit besandevem� Appetit gefrühstückt.) Italien lebt von Ihm, mit Ihm, hat Vertrauen in Ihn. Ich erinnere mich, daß eine» Tage» ein Kind in seinem Schul- aussatz schrieb:„Wenn ich an der Villa Torlonia vorbeigehe,� gehe ich auf den Fußspitzen, um den Du«, der arbeitet, nicht zu stören." Das ist Italien, ganz Italien! Vor ollen Dingen geht„ganz Italien" schnell, wenn es an der Villa Torlonia vorbeigeht. Sonst würden ihm die zahllosen Poll- zifte'n' Beine machen....._ Die Hüter des Deutschtums. »Schützt Pommern vor eindringendem poleatmn.' Die„P o m m e r s ch« Tagespost" Nr. 171 veröffentlicht einen Bericht, den der Landesverband Pommern der Deutfchnotio- nalen Volkspartei an die deutschnationole Landtagsfraktton gesandt hat. In dem Bericht wird die durch Verordnung der Preußischen Regierung geschaffene Möglichkeit kritisiert, polnisch« Privat- schulen zu errichten. Wörtlich heißt es unter anderem: „Wenn deutsche und polnische Kinder, wenn deutsch« und polnische Lehrer unter demselben Dach untergebracht werden, müssen sich UnzutrSglichkciten ergeben, wie sie schon bei der Er- össnung in die Erscheinung getreten sind... Preußen dagegen schafft in den deutschen Kulturgebieten polnische Schulen, die von den Polen als Agitationsstaaten für ein polnisches Reich, das sich bis zur Oder ausdehnen soll, diene»." „Der Vorstand des Landesverbandes Pommern der Deutsch- nationalen Voltspartei bittet daher die Landtagsfvaktion der Deutschnationalen Volkspartei, die erforderlichen Schritte zu tun, Pommern vor weiterem Eindringen des Polen» t u m s zu schützen." Charakteristisch ist auch die Ueberschrift, die die Schriftleitung der„Pon, morschen Tagespost" dem Bericht gibt. Sie lautet: „Schützt Pommern vor eindringendem Polentu m." Die Deutschnationale Volkspartei hat kein« Gelegenheit unbenutzt gelassen, um für die Erhöhung bzw. völlige Aufhebung des Kontin- gents polnischer Wanderarbeiter einzutreten. Sie hat immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß eine stärkere Her- einholung polnischer Wanderarbeiter eine abfo- l u te Notwendigkeit für die deutsche Landwittschaft ist. Einige ihrer Patteigänger gehen sogar weiter. Sie schrecken nicht davor zurück, mißliebige deutsche Arbeiter zu entlassen und dafür ausländische Wanderarbeiter anzufordern und einzustellen. Müssen sich dann, wenn deutsche und polnische Land- arbeiter unter demselben Dach untergebracht werden, nicht auch Unzuträglichkeiten ergeben? Ist dann, wenn die Schaffung polnischer Schulen dem Polentum in Deutschland den Weg ebnet, das bei einer Beschäftigung von über 100 OOO ausländischen Wanderarbeitern nicht ebenfalls der Fall? Reugliederung und Arbeiierfchast. Keine Entlassungen von Arbeitern und Angestellten. Der Preußische Landtag hat bei der Beratung des Einführungs- gesetzes zum Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch- westfälischen Industriegebietes aus den Antrag seines Ausschusses für Gemeindeangelegenheiten am 10. Juli 1920 folgende Entschließung angenommen: Der Landtag erwartet, daß Entlassungen von Ar- beitern und Tarifangestellten aus Anlaß der Eingemeindung nicht erfolgen. Sofern in Einzelfällen Entlassungen nicht zu umgehen sind, sollen zur Vermeidung von Härten möglichst nur solche Arbeitnehmer in Frage kommen, die aus Grund der Ruhe- lohnordnung Anspruch auf Altersversorgung haben." Der Minister des Innern hat dies« Entschließung in einem Rund- erlaß vom 20. Juli fc. I. den Gemeinden und Gemeindeverbänden zur Kenntnis gebrocht So schlittert man hinein. (Rußland zieht seine Reservisten ein.) „Väterchen Stalin gab ein Manifest! Den Toten die Freiheit! Den Lebenden Arrest!" (Roch einem russischen Reservistenlied.) \ Die Pleite der Kommunisten. Geschäft geht über Weltrevolution. Volksparteiliche Kampfansage. ZleichstagSauflösung im Herbst? Der Herr der„Weserzeitung" und volksparteiliche Reichs- tagsabgeordnete H i n tz m a n n hat jüngst in Hamburg eine Rede gehalten, in der er der Sozialdemokratie für den Herbst den offenen Kampf ankündigte. Herr Hintzmann bezeichnete die bisherige Bilanz der Großen Koalition als negativ. Die Bildung einer attionsfähigen Regierung sei nicht gelungen. Wenn trotz des starken mirtschafts- und finanzpolitischen Gegensatzes zwischen den beiden Flügelparteien eine ernst, hafte Regierungskrise bisher vermieden worden sei. so sei es lediglich unter dem Drucke der außenpolitischen Lage ge- schehen. Nach Abschluß der bevorstehenden Haager Konferenz müsse aber eine Entscheidung über den Kurs der innerdeutschen Politik fallen. Entweder folge eine Verständigung über die Auffassung der Volkspartei und der Sozialdemokratie in der künftigen Wirtfchafts-, Finanz- und Steuerpolitik, oder eine R e i ch s t a g s a u f l ö f u ng sei un- rermeidbar. Die Volkspartei werde dann den Wahlkampf unter der Parole„Für eine sparsame Wirtschaft!" führen und mit dem Ziel, eine auf ihr Sparprogramm verpflichtete stabile Regierung zu erreichen. Es ist längst kein Geheimnis mehr, daß gewisse Kreise der Voltspartei auf eine derartige Auseinandersetzung hin- arbeiten, und die Sozialdemokratie ist auf sie längst ideell und materiell vorbereitet. Ein Wahlkampf, wie Herr Hintzmann ihn ankündigt, würde schärfer als irgendeiner, der vorher in Deutschland ausgefochten worden ist, im Zeichen des off e- neu Klassenkampfes stehen, denn in Wahrheit würde es sich dabei nicht darum handeln, ob, sondern w o gespart werden soll: oben oder unten! Man würde sich bei dieser Gelegenheit gewiß auch daran erinnern, daß der gegen- wärtige Zentrumsminister Stegerwald einmal die Volkspartei als„die reaktionärste Partei, die es g i b t," bezeichnet hat. Auf einen ihr günstigen Ausfall eines solchen Wahlkampfes könnte die Volkspartei nur dann rech- nen, wenn das deutsche Volt eine Nation von Generaldirek- toren und Kommerzienräten wäre. Gleichsam einen Kommentar zu dem Hintzmann-Pro- gramm liefert die„DAZ." in einem Aufsatz, der„eine neue Arbeitsgemeinschaft" propagiert zu dem offen ausgesproche- nen Zwecke, dieLöhneunddieSozialleistungen abzubauen. In diesem Aufsatz wird unterstellt, daß die An- nähme des Uoung-Plans durch Partei und Gewerkschaften „logischer Weise" gleichbedeutend sei mit der Bereitschaft, eine Verschlechterung der Lebenshaltung der breiten Massen hinzunehmen. Es wird„ein innerpolltifches Reparations- abkommen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern" vor- geschlagen, und an das Tor dieses Abkommens werden für die Arbeiter gleich die Wort« geschrieben:„Laßt alle Hoff- nung fahren!" Denn, so doziert der ungenannte Verfasser: „Es ist ein sehr gefährlicher Wahn, zu glauben, daß durch Lohntämpse etwa eine Erleichterung für den einzelnen Arbeit- nehmer herbeigeführt werdrn könnt«. Das Herauspumpen von Milliarden kann bei einem an sich schon ausgepreßten Volk nur auf Kosten der Lebenshaltung aller Volks» genossen ermöglicht werden." Das sieht so aus, als ob Deutschland bisher keine Repa- rationeN gezahlt hätte! In Wirklichkeit aber haben die sehr bedeutenden Reparationsleistungen,,.hie � Deutschland bisher vollbrachte, die besitzenden Schichten nicht gebindert, ein Leben in Saus und Braus zu führen, während sich die Arbeiter- klaffe nur dank chrer politischen und gewerkschaft- lichen Macht st ellung ein Leben an der Grenze des Existenzminimums sichern konnte. Jetzt soll der Angriff gegen diese Position der Arbeiterklasse und gegen das bisherige Maß ihrer Lebenshaltung gehen, und der Poung-Plan soll dafür als Borwand dienen. Das Ganze läuft auf einen Ver- such hinaus, aus der Niederlage Deutschlands im Weltkrieg ein Geschäft für die Kapitalisten auf Kasten des wirklichen deutschen Volkes, nämlich seiner arbeitenden Massen, zu inachen. Und das nennt sich dann womöglich noch:„N a t i o- nale Politik!"_ Beamte auf Llrlaub! Sie nehmen Llrlaub von Schwarzrotgold. Man schreibt uns: Wenn man Gelegenheit hat, das Badelebcn am Strande des Ostseebades Zinnowitz zu beobachten, �inuß man den Eindruck bekommen, daß sich dort während der Sommermonate die„Schwarz. weißroten" oller Parteischattierungcn ein Stelldichein gegeben haben. Im allgemeinen ist ja Zinnowitz als Hakenkreuzlernest hin. reichend bekannt. Die Tatsache, daß nicht eine einzige schwarzrotgoldene Fahne am Strande bzw. an den Strandkörben sichtbor ist, will nicht weiter verwundern. Bei einem Blick in die amtliche Badeliste kann man allerdings feststellen, daß ein ansehnlicher Teil der Bodegäste Beamte der deutschen Republik sind. Di« Kurliste gibt- genaue Auskunst über die Aemter die von den dort zur Erholung wellenden Beamten in der Republik bekleidet werden. Vorwiegend stNdet man Studienröie und Lehrer im trauten Verein mit Re- oierungsräten, Ministerialanllmännern. Amtsröten und höheren Polizei- und' Just izb«unten. Also Beamte, die der Republik ein ansehnliches Einkommen zu verdanken haben. Wenn man im allgemeinen auch nicht von den Beamten außerhalb ihrer Dienstzeit eine Propaganda für die Republik vor. aussetzt, müßte man von ihnen mindestens erwarten, daß sie sich während ihrer dienstfreien Zeit nicht mit schworzweißroten Fahnen schmücken! Es ist wirklich an der Zeit, daß endlich einmal die maßgebenden Stellen ernstlich sich mit diesen Dingen befassen. Ein Dohlläker. Der am Freitag in Hove in England verstorbene Zigarettenfabrikant und Philanthrop Bernhard Baron hat. die testomentarifchen Bersüauiig«» nicht eingeschlolsen, während der. letzten 10 Jahre etwa 4Ü Millionen Mark für wohl- tätige Zweck« g e st i s i e t. Baron stand der Arbeiterpartei nahe. Er war russischer Abkunft und begann sein Leben als Tabak- arbeit«? in Amerika. DI« britische Wirtschaflskommission unter Führung von Lord d'Abernon. die den Austrog hat, die industriellen, kommerziellen und imanziellen Beziehungen zwischen Großbritannien einerseits und Argentinien und Brasilien andererserts zu untersuchen, verläßt margen Soulhampton und trifft am 20. August in Buenos Aires ein: von wo sie sich am 11. September nach Rio de Janeiro begibt. Nach einem Besuch von Montevideo wird die Kommission Mitte Oktober nach England zurückkehren, Hamburg. 2. August.(Eigenbericht.) Die Meldungen der kommunistischen Presse über die kom- munistische De in on st ratio n im Hamburger Städte- gebiet übersteigen die kühnsten Erwartungen. Selten ist eine kommunistische Aktion in Hamburg so kläglich verlaufen, wie diese Antikriegsdemonstration. Um so lustiger wirken die Feststellungen der„Roten Fahne", daß die„erfolgreiche Kampfdemonstration des heldenmütigen Hamburger Proletariats von besonderer politischer Wichtigkeit" gewesen sei und die Hamburger Arbeiter sich die Straße erobert hätten. In Hamburg amüsiert man sich köstlich über diese „erfolgreiche Kampfdemonstration", an der sich nach der„Roten Fahne" 15000 Arbeiter beteiligt hoben sollen. Obwohl auch 15 000 Teilnehmer für die großhamburgstchen Verhältnisse nicht welterschütternd gewesen wären, sei doch— um der Wahrheit zu ihrem Recht zu verHelsen— festgestellt, daß sich an dem kom> munistischen Dcmonstrotionszug nach nicht ZvvoPersonen beteiligt hoben. Der Vorbeimarsch dieser„Massen" dauerte g e r o d e 11 Minuten. Von besonderem Reiz ist folgender Vorgang: Im Altonaer Hafen wurde am 1. August der Dampfer„S i x t y- F o u r" von der„Dcrutra" R u s s i s ch e Lager- u n d H a n d e l S- g e s e l l s ch a f t) durch die kommunistische Stauers, „Einheit" beladen. Um die von der KPD. angesetzt« Welt- reoolution kümmerten sich die kommunistischen Arbeiter nicht. Die erste Schicht arbeitete von 7 Uhr morgens bis 14.30 Uhr: dann besannen sie sich darauf, daß ja die Arbeit ruhen sollte, und da auch die Stauerei-Genossenschaft obendrein die achte Arbeits- stunde bezahlte, verließen sie die Arbeit. Aber der Dampfer mußte fertig beladen werden, und dazu hatte die„Derutra" bei der Stauerci„Einheit" bereits am 31. Juli Schouerleute für die zweite Schicht bestellt. Um 15.30 Uhr begannen diese Schouerleute treu und brav mit der Arbeit und hielten aus bis gegen Mitternacht. Was kümmerten sie sich darum, daß an. Morgen des 1. August von den Kommunisten noch Flugblätter verteilt würben mit der Auj- forderung:„Heraus aus den Betrieben!" Sie arbeiteten vielleicht etwas revolutionärer als sonst, aber sie arbeiteten. Auch bei der Stauereigenossenschast„Einheit" geht das Geschäft über die W e lt r ev o lu ti o n!'• Es klappt nichts mehr. Der genialen Leitung der KPD. geht alles schief. Sie hat über den Berlouf der Lustgartendemonstrotion ein Telegramm an den Oberbefehlshaber der Roten Armee gesandt. Die Absicht war, die russischen Austraggeber über die Pleite zu täuschen. Sie haben jedoch mit Lügen kein Glück, und so kam es, daß der Wortlaut des Telegramms im Mü�zenbergschen Abendblatt in anderer Fassung erschien als in der„Roten Fahne". Am Morgen hieß es in der„Roten Fahne": „Die in der Zahl von 15 0000 an einer grandiosen Antikriegsdemonstration versammelte Arbeiterschaft von Groß- Berlin..." Am Abend aber las man bei Münzenberg: „Die zu vielen Zehntausenden in einer grandiosen Antikriegsdemonstration im Lustgarten versammelt« Arbeiterschaft von Groß-Berlin..." Dom Morgen bis zum Abend waren aus 150 000„viele Zehntausend«" geworden. Die russischen Austroggeber werden sich fragen: wieviel werden unser« Agenten übermorgen noch nach- gelassen haben, und vielleicht ahnen sie, daß die Zehntausend stimmt — einmal zehntausend! Zusammenstöße in Bafel. Pasel, 2. August.(Eigenbericht.) In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag kam es hier zu schweren Zusammen st äßen zwischen Kommunisten undMilitär. In Basel waren die von den Kommunisten geplanten Anti- kriegskundgebunge» verboten. In der Rocht zum Freitag verfam- mclten sich dennoch am Bläsitor etwa hundert Personen. Als die Mannschaften einer R e t r u t e n s ch u l e die Ansammlung auflösen wollten, stießen sie aus hartnäckigen Widerstand. Ein Rekrut wurde von der Menge niedergerissen und so mißhandelt, daß er schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Zwei Demonstranten erhielten erhebliche Bajonettstiche. 50 Personen wurden zwangsgestellt. U. a. wurde auch der deutsche kommunistische Redakteur Iltis aus M a n n h c i n,, der int Namen der Deut- schen Kommunistischen Partei sprechen sollte, festgenommen. Verlehte in Krankfuri a. M. Schwere Ausschreitungen bei der Kommunisten- demonstration..)■ Franksurk a. M.. 2 August. Am Donnerstag abend sand auf dem Römerberg eine Versammlung der SPD. statt. Räch lO Uhr bildete die Versammlung einen Zug. Als sich der Zug in Bewegung sehte und dl« Spielleute zu musiziere» begonnen, wurde ihnen dies von der Polizei verboten. Nur mit Mühe gelang es, den Zug in der Neuen Krem« auf- zulösen. Es bildeten sich nun kleinere Trupps, die bald an dieser, bald an jener Stelle zum Borschein kamen und die Polizei mit Steinen bewarf. Auf dem Platz vor der abgerissenen Markthalle kam es erneut zu heftigem und ernstem Widerstand. Die Lage war hier äußerst kritisch. Die Poli-eibeomten wurden nicht nur mit Steinen de- w o r f c n, aus den hinter der abgerissenen Markthalle stehenden Häusern sielen auch Schüsse, so daß die Polizeibeamten ge- zwungen waren, auch ihrerseits von der Schußwaffe Gebrauch zu wachem hierbei gab es zahlreiche verletzte, deren genaue Zahl man nicht feststellen konnte. Einem größeren Aufgebot von Schutzpolizisten mit Karabinern gelang es schließlich, den Platz zu säubern. Etwa 30 Personen wurden im Berlaufe der Unruhen festgenommen. Erst um 2 Uhr nachts trat endlich Ruhe«in. Tfaive Gowjetsauberung. Keine Spvr von reger Massenbeteiligung. Moskau, l. August. Nachdem es in den letzten Tagen in Sachen des ostasiatischen Konflikts etwas stiller geworden ist, beginnt die Sowjelpress«, sich wieder mehr mit der„G e n c r a l s ä u b e r u n g" des Sowjet- apparats und der Kommunistischen Partei zn beschästigen. Dabei äußert sich die Presse keineswegs zusrieden mit dem bisherigen Berlairf der Kampagne. Es wird immer wieder hervorgehoben. daß zwischen dem entworfenen Plan der Säuberung und der prat- tischen Durchführung ein starker Widerspruch besteht. Einerseits ist die vorgeschriebene„rege Beteiligung der breitesten Massen" an der kritischen Durchleuchtung des Sowjstopparates durch- aus nicht überall zu bemerken und Zwar vielfach deswegen, weil gar n,cht s getan worden ist, um' die Massen heranzuziehen. In manchen Fällen haben aber puch entsprechend« Anregungen nichts genützt. So erschien z. B. zur Revision der ersten Abteilung der Moskauer Polizei nicht ein einziger Arbeiter mit den erwarteten„Beobachtungen", obgleich diese Revision in einen Arbciterklub verlegt war. Andererseits Wersen die Blätter auch den Revisionskommissionen allerlei Unterlassungen vor. Einig« führen ihre Arbeiten so sehr„in Gehe i m ro tssii l", daß d>e der'Revision unterzogenen Sowjetbeamten kaum die Möglichkeit haben, sich gegen etwaige Anklagen zu verteidigen. In anderen Kommissionen wiederum herrscht eine„SommerstimmMtg", über die die Blätter sich nicht genug entrüsten können: da werde teil- weise gar nichts getan, teilweise mit einem„sästecht imitierten. A m e r i k a n i s m u s" so schnell revidiert, daß dabei gar nichts ermittelt werden kann. Ein Sowjetblatt brachte dieser Tag« eine witzige Karikatur: an einer Front von Sowjetbeamten rast ein Auto mit Revidenten vorüber, von denen einer schreit:„Alles sir die Sowjetregicrung? Famo«! 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August. 19 Ahr, in Oen Sophien- Sälen, Sophieustcohe II 18 uersamm'ung der Mitglieder der erweiterten ortsverweltung Tagesordnung: wer sind die Spoiler im veufscheu MetuUurdeiker-AerdouV? Der außerordentlich wichtigen Tages- Ordnung wegen ist es dringende Pflicht, daß alle Milgileber bestimmt erscheinen. Mitgliedsbuch und FunktionSrlarte legitimieren. Die Orts Verwaltung. A a* M* Größte \Vohnzeltfabr. Sport I Beruf Deutsdie Lederwarenfabr. Zentrale Alt-Moabit 130 KottbueeerOammTS Greif«waltfer Str. 2 Andreaea'refle 40 Schbg.. Herbertxtr. 4 InvalidenstraQe 7 CharL, Biemarcketr. TO Chauaaaaatr.90-92 Spand, Bahnhof*tr.4 Neueröffnet unacr Volkzkanfbana Roaen ibaler Sir.38 Eigene Konditorei gratis f. unsere Kunden SaMmM Beginn 1. /E«if|«isi Herren-Anzüge von 39.00 Mk. an Herren-Mintel„ 30.00„„ Regenmäntel„ 12.50„„ Windladten„ 9.50„„— am Ko"«»"szerTor N. Scliulmeisler Nr. 359» 46. Jahrgang Sonnabend, 3. August �929 Neuer Hochbahnhof Kottbuffer Tor Wir schaffen Verkehrsmittel für die Arbeitervieriel ilm 4. iüjzust tritt da nenes großes vertehrowerk in den Dienst der arbeitenden Bevölternng Der- lins. An diesem Tage wird die vierte Tettstreck« der llnter- grnndbahnlinie Gesandbrnnnen— Nentölln mit dem neuen Bahnhof Leloestrahe sowie der serliggestellle neu« Hochbahnhof Sotlbusser Tor dem Verkehr übergeben. Gestern fand eine Besichtigung der neuen Anlage und der Bahnhöfe imrch Vertreter der Preste und der Stadt- verordnelenversammlung statt. Im Berliner Verkehr wird nach endgültiger Fertigstellung die Echnellbahnlini« Gesundbrunnen— Beutölln«in« außerordentlich hohe Bedeutung hoben. Dies« Lahn führt durch Teil« der Reichshauptstadt, die fast ausschNehlich von Arbeitern und Angestellten bewohnt werden. Die Fertigstellung der Linie liegt im Rohmen einer Kommunalpolitik, die in besonderem Maße der arbeitenden Bevölkerung Berlin» dienen will. Die Streck« wird an den Bahnhöfen Hermannplatz. Kottbusser Tor und Alexanderplatz Verbindungen mit dem schon be- stehenden Schnellbohnnetz haben und dem Reisenden an den Dahn- Höfen Gesundbrunnen, Alexanderplatz. Jannowitzbrücke und Her- mannstraß«(Südring) die Möglichkeit de» Umsteigen» in die Züge der Stadt und Ringbahn bieten. Di« Gesamtlänge der Bahn zwischen den vorläufigen Endbahnhöfen Gesundbrunnen und Her- mannstraße(Südring) beträgt rund 11 Kilometer, der durchschnitt- liche Abstand von den einzelnen Bahnhöfen 7Z7 Meter. Später wird man daran gehen, die Linie durch die Bad-. Schweden, und Residenzfiraße bi» zum Bahnhof Rdnickendors- Rosenkhal fortzusetzen. Mit der Eröffnung der neuen Teilstrecke werden rund 5 Kilometer der ganzen-Gesundbrunnen— Neukölln-Bahn in Betrieb sein. Die jetzt fertiggestellte Strecke ist 700 Meter lang und schließt sich südlich an den schon in Betrieb befindlichen Bahnhof Boddinstraß« au. Der neugeschassen« Bahnhof Leine- stra ß« ist ein normaler Durchgangsb ahnhos. Die Ausstattung de» Bahnhofs ist äußerst schlicht und sachlich gehalten. Di« Wandslächen sind mst hellgrünen und dunkelgrauen Fliesen oerttoidet und machen den Bahnhof freundlich und licht. Die Reklameflächen sind sämtlich mit äußerst geschmackvollen Plakaten der Berliner Verkehrs-Gesell- schast(BVG.) ausgefüllt. Am 4. August wird der neu« llmsteigebahohof am Sollbuster Tor sein« Pforten für die Berliner öffnen. Er liegt bekarmtkich an einem Lertehrspuntt. auf dem sich nicht weniger als f e ch s überaus lebhafte Derkehrssttaßen begegnen. Nach der Fertigstellung des Bahnhofes zeigt sich die uiwergleich- liche Stärke seiner architektonischen und technischen Schönheit. Der neue Bahnhos hat einen Mittelbahnsteig von 110 Meter Läng« und 11 Meter Brette. Er hat außen einen hellgrauen, freundlichen An- strich erhallen. Das Innere ist ähnlich wie bei dem neuen Bahnhof Leinestraß« hellgrün geHollen. An beiden Enden hat der Bahnhof Zugänge von der Straße. In der Mitte des Bahnsteige» ist eine doppell« Fahrtreppe angeordnet, die m einen unmittelbar unter dem Straßenniveau liegenden Vorraum einmündet, von dem aus Treppen zum Untergrundbahnhof führen. Der Höhenunter- schied vom Vorraum bis zum Hochbahnsteig beträgt rund lOch Meter. Die gesamte Anlag« muß al» mustergültig bezeichnet werden. Bei der Besichtigung wie» Stadtrat Genosse Reuter daraus hin, daß dieser Erossrorng einer neuen Schnellbahnstrecke schon in kurzer Zett weitere folgen würden. Noch im Laufe dieses Jahres hofft man. Tempelhofandas Netz anschließen zu könne», ebenso den Bahnhof Ruhleben in der Richtung auf Spandan und die Verlöngerung der Dahlemer Bahn nach Zehlcndorf hinein. Üm Frühjahr des nächsten Zahres wird dann der Neuköllner Zweig der Ttordfüdbahn bl» zur Grenzallee durchgeführt sdn, e» wird die Eröffnung der gesamten Strecke Neukölln— Gesund- brnnnen über den Alexanderplatz hinaus erfolgen können und auch an der pankower Verlängerung wird der erste Bahnhof im Frühjahr dem Betrieb übergeben werden können. Im Sommer soll dann die Linie Alexanderplatz— Lichtenberg-Friedrichsfelde folgen und gegen End« de» Jahres wird im Norden Berlins die Berlängerung vom Untergrund- bahnhof Seeftraße aus fertiggestellt sein. Der Hochbahnhof, so sagte Stadtrat Reuter, könne nicht den Nuhm für sich in Anspruch nehmen, der größte seiner Art zu(ein, da sei New park Berlin noch über- legen. Dielleicht aber könne man sagen, daß Berlin den s ch ö n st e n Hochbahnhof der Welt habe. Der Bahnhof zeug« von unserem un- bedingten Willen, uns zu behaupten und zu leben. Jeder aus- ländische Kenner versichere, daß die Entwicklung, die die Reichshaupt- stobt genommen hat, in der ganzen Well den größten Eindruck hinterlasi«. Die Derkehrspolltik Berlins sei darauf gerichtet, der arbeitenden Bevölkerung zu dienen und zu helfen. Berlin wolle ein« Stadl der Arbeit und de» Fortschritts bleiben und den Eharakter einer Weltstadt mit dem Eharakter einer Stadt der Arbeit und der Schönheit verbinden. Während der Besichtigung wehten an den Eingängen zur Unter- grundbahn und von den Fahnenmosten des Hochbahnhofee die Flaggen der Republik und der Stadt Berlin. Sie bezeugten, daß auch diese» Wert von der großen republikanischen Kam- mu n« Berlin geschaffen wurde, die ihre kommunalpolitischen Erfolge in erster Linie sozialdemokratischer Initiative und sozialdemokratischer Arbeit verdankt. BandenüberfaN im Kriminalgericht. Kampf zwischen Justizwachtmeistern und Verbrechern. Das alle Krümnalgericht war Frettagnachnrtttvg der Schauplatz stürmischer Auftritte, wie man sie dort bisher kaum erlebt hatte. Bor dem Erwetterten Schöffengericht Berlin-Mitte stand nach der Mittagspause ein« Verhandlung an gegen die Güterräuber- band« Schulz und Genossen. Schon vorher hatte sich an den Eingangstüren und auf der Trepp« zum Zuhörerraum«in« aus den zwerfelhafieften Elementen bestehend« Menge eingefunden. Ms der diensttuend« Justizwachtmeister die Türen zum Zuhörerraum össnete, wurde er zur Sette gestoßen und ein« nahezu hunderttöpfige Menschenmasse, unter der sich im überwiegenden Teile der recht verwegen aussehende Anhang der Angeklagten befand, stürmte den Saal. Ein zweiter Justizwachtmeister wurde ebenfalls zurück- gedrängt und bcisette gestoßen. Die Massen machten sogar Anstatt, Sbtt die Schrank« de» Zuhörerraum» zu setzen und in den Sitzung». fwl einzudringen. Aus die Marmsignal« hin stürzten von allen Sellen sämtliche Iustizmachtmeistcr de» alten Kriminalgerichts- gebäudes herbei. Es entspann sich ein erbitterter Kampf mit der Menge. Schließlich gelang es den Beamten, denen nochzwei anwesende R e i ch» w eh rs olda t« n z u H i l fe kamen, vnter Benutzung ihrer Gummiknüppel die tobend« Meng« au» dem Gerichtssaal und von der Trepp« zu drängen. Nachdem Beruhigung eingetreten war, konnte das Gericht in die Verhandlung eintreten, die dann einen ganz ruhigen Verlaus nahm. Zeppelin in voller Fahrt. Bereits südwestlich der Azoren.- Kampf mit Gegenwinden. Friedrichshafen, 2. August. Den ganzen Bormittag über erhielt der Luftschiffbau nicht die geringste Mitteilung vom Luftschiff, nachdem es Gibraltar Passiert hatte. Dieser Umstand gab bereits Anlaß zu allerlei unkontrollierbaren Gerüchten. Man wollte wissen, daß das Luftschiff sich bereits wieder auf der Rückfahrt befinde, da es den Gegenwinden nicht gc> wachse« fei. Glücklicherweise haben sich diese Gerüchte nicht bewahrheitet. Um die vierte Nachmittags- stunde traf folgender Funkspruch vom Lnstschift ein: „8.26 Uhr MEZ. 30v Seemeilen westlich Gibraltar. IVO Kilometer Geschwiudig- keit. Wetter gut." Außerdem wurde gleichzeitig eine Privatmeldung von Bord bekannt, wonach der„Graf Zeppelin" Freitag früh um si.SV Uhr die Position 36 Nord 10 West hatte. Bei klarem Wetter habe er direkte« KnrS auf die Azoren genommen. In dieser MUteilung heißt es auch ferner, daß sich der blinde Passagier in gutem Gewahrsam befinde. Gegen 8 Uhr abends lag das Luftschiff, das weiterhin mit starken Gegenwinde« zu kämpfen hat» bereits südwestlich der Azoren. In Amerika wird indeffen alles zum Empfang vorbereitet. Ans dem Flugplatz Lakehurst wurde ein Tonverstärker aufgestellt, der die Passagiere während der Landungsmauöver unterhalten und den Offizieren des„Graf Zeppelin" die Landungsorientierung über- mittel« soll. Die ersten Neugierigen sind bereits in Lakehurst eingetroffen. Insgesamt werden 3 0 0 0 0 B e- fucher erwartet. Es werde« umfasiende polizeiliche Borbereitungen getroffen. Wie das Flugwetter weiter sein wird. Da» Seeflugreferat der deutschen Seewarte gibt über das Wetter auf dem Ozean folgende Uebersicht: Nachdem das Sturmtief über der Nordsee unter Auffüllung langsam ostwärts nach Südschweden gezogen ist, Hot sich auf seiner Rückseite westlich Irlands«in Hochdruckkeil aufgebaut, der in Verbindung mit dem Azorenhoch getreten ist. Dadurch hat dieses eine Kräftigung erfahren. Es reicht« heute früh von der spanischen Küste über den Azoren bi» ungefähr 50 Grad westlich. In seinem Bereiche herrscht schwachwindige», heitere» Flugwetter. Nördlich vom Azorenhoch schiebt sich zwischen Neusundland und Südgrönland ein Tiefdruckgebiet langsam ostwärts, ein Ausläufer davon reicht längs der amerikanischen Ostküste bis fast nach Florida, er schwenkt langsam ostwärts um das Neufundlandtief herum. Auf der Südseite dieses Ausläufers herrscht ein« breite mäßige Südwest- strömung, die im Bereich des erwähnten Tiefs zwischen 40 und 25 Grad westlich zu der Südströmuny umbiegt, in dieser Strümuiig wird verbreitet nebliges und regnerisches Wejter beob- achtet, dem Neufundlandtief folgt wiederum«in Hochdruckgebiet, das heute früh über den amerrkanischen Seen lag. Dieses Hoch rückt zunächst südostwärts vor. Es wird morgen über der Küste liegen, dann weiter ostwärts wandern. Dadurch werden später an der amerikanischen Küste schwache Ostwinde auftreten. Zur Kundgebung im Friedrichshain. Nicht Heilmann, wie es durch einen Hörfehler bei der telephonischen Uebermittlung des Berichts über die Friedenskundgebung im Friedrichshain hleß, sondern Max Heydemann hat zu den Massen gesprochen. ' von A.M.FPeY- 16J Copyright 19» by Ousta* Kiepenheuer Verlag A.-CL, Berlin Zu ihm hinunter in den Keller begibt sich Funk. Malz trägt mit fliegender Feder Namen von Patienten und Krank- heitsbefunde in ein äußerst dreckiges Buch ein. Er hat es seit Tagen unterlassen: er holt jetzt das Versäumte aus der Phantasie nach. Bei der Aufzeichnung der Temperaturen zögert er nicht einen Augenblick: die Zahlen zwischen sieben- unddreißig und vierzig mit weiteren Staffelungen lassen genug Abwechselung zu.. �. „Krankenträger Funk," meldet sich Funk, immer noch garnisonmäßig diszipliniert.. „Was wollen S' denn?" ftagt Mal* gestört sind un- willig, aber ohne«inen Augenblick sein flottes Geschreibsel zu unterbrechen. Funk berichtet, daß er vom Verbandplatz komme und «inen Brief von Assistenzarzt Model für Oberarzt Lipp bei sich trage. „Was steht denn drinn?" fragt neugierig Malz, der immer ein schlechtes Gewissen hat und vermutet, über ihn selbst und seine Nachlässigkeiten könne von irgendeiner Seite her Klage geführt werden. Funk behauptet, er wisse es nicht— obwohl er es l« halbwegs weiß. „Haben S' ihn denn nicht ausgemacht unterwegs? staunt der Sergeant.„So mit dem Bleistift die Klappe enttang. Die klebt ja immer schlecht." Er scheint das Manöver für selbst- verständlich zu halten. Funk verneint und steht Fieberthermometer in einer bräunlichen Flüssigkeit stehen— Flüssigkeit in einem Trink- glas, die Borwasser und„desinfizierend sein soll. Im Keller ist eine verbrauchte, verschwitzte, von Ausdünstungen und Ausatmungen verpestete, feuchtwarme Luft, die aus etwa fünfzehn belegten Betten aufsteigt. Malz ahnt wohl, der abgemagerte, übernächtig« Kranken- träger vor ihm mtt der grauen Gesichtsfarbe könne selbst Gegenstand des geheimnisvollen Briefes sein. Er sagt:„Sie treffen'» nicht gut. Der Lipp ist elend schlechter Laune. Immer. wenn er so spät zur Visite kommt, statt um neun Uhr mar- gens um zwölf Uhr mittags, ist er ganz narrisch. Weiß der Henker, wo er sich wieder herumtreibt." „Herr Oberarzt Lipp treibt sich herum?" „Ja, in den Gärten schleicht er umeinander und schaut nach dem Gemüse, in Glaskästen zieht er Salat, oder er fffcht und fängt nix, oder er legt Schlingen für die Haien." Der Sergeant will weiteres ausführen, da kommt der Beredete selbst. Funk sieht die Kellertreppe herunterstapfen ein paar leichtgekrümmte eilige Beine in ledernen Reit- gamaschen und furchtbar lotigen Stiefeln, dann taucht eine hager« sehnige Gestalt tiefer, zuletzt wetterleuchtet gelblich ein galliges Cholerikergesicht mit schwarzem Bärtchen in den düsteren Raum. „Rapport, Malz!" verlangt«ine hohe, harte, befehls- gewohnte Stimme.„Schauen S', daß wir fertig werden!" Er sagt es, als sei man schon durch Stunden an der Arbeit. Und sie werden schnell fertig. Funk ist in«in« Ecke ge- treten:«r wird vorerst nicht beachtet. Der Sergeant legt seinem Arzt eine Reihe von bekritzetten Zettelchen vor, die er unterschreibt, ohne sie zu lesen. Sie betreffen einige An- ordnungen für weitere Behandlung einiger Kranker. „Roch was?" fragt Lipp, während er«in paarmal die gleiche schwunghafte Handbewegung vollführt, um seinen Namen zu formen. „Der Sonn Michael, Maschinengewehrtompagnie, hätt' vierzig Komma zwei." „Lazarett," entscheidet Lipp und unterschreibt ein Pa» P'ertäfelchen.„Bauch oder Brust?" «Brust, Herr Oberarzt." „Gut. Pneumonie mit Fragezeichen. Roch was?" Er ist schon auf der Treppe.» „Ein Krankenträger vom Verbandplatz wär' da, mit einer Meldung.", „Herrgottsatrament! Gell, seid? so gut, und hatts mi net lang auf.— Wo ist er?" funk tritt vor und händigt den Brief aus. ipp schaut ihn an.„Wie heißen Sie? Warum kenne ich Sie nicht?" „Friedrich Funk, von der achten Kompagnie" „Ein Neuer, Herr Oberarzt," mischt Malz sich ein.„Cr- satz aus der Heimat." Lipp hat den Brief erbrochen und überflogen.„Bon der achten Kompagnie— und fett Wochen beim Regiment? Was fällt Ihnen«in. sich erst heute bei mir zu melden? Wissen Sie nicht, daß ich Ihr Bataillonsarzt bin? Ich habe Lust, Sie besttafen zu lassen." „Es hat mir niemand gesagt, daß ich mich bei Herrn Oberarzt melden muß." „Sch�chsch," macht heimlich der Sergeant im Hintergrund und läßt verdeckte Winkzeichen zu Funk hingehen. Aber Lipp wettert schon los:„Das haben Sie nicht ge- wüßt, so? Sind Sie militärisch nicht vorgebildet, haben Sie Ihr« Ausbildung auf dem Mond genossen? Freilich, heute können Sie dahergelaufen kommen, weil Sie sich vom Dienst drücken wollen. Einen Monat im Feld, und haben schon end- gültig genug, wie? Wir stehen ein Jahr in der Scheiße und machen weiter. Nix da. Mein Lieber, Sie werden auch weiter- machen, ich garantier' Ihnen." „Ich habe mich gar nicht krank gemeldet. Herr Assistenz- arzt hält mich für ungeeignet zum schweren Trägerdienst." Der Sergeant winkt verzweifelter. „Herr Dr. Model soll mich— in Ruhe lassen. Er ist zu nachgiebig euch Burschen gegenüber. Junge Aerzte fallen auf jede jammervolle Fratze herein, auf jedes Komödiantengetu der Drückeberger. Puls!" Funk reicht den Arm hin. „Rock auf!— Rein, nicht ausziehen. Unnötig." Lipp legt das Ohr an die behemdete Brust.„Böllig gesund. Leichte nervöse Erscheinungen. Glauben Sie, daß wir jeden Nerven- fatzke in Watte packen können? Felddienst ist für Sie aus- gezeichnet. Ab. Macht seinen Kram auf dem Verbandplatz wie bisher.— Malz, morgen um acht." „Jawohl, Herr Oberarzt-- und um«in Uhr kommt er dann glücklich," murrt der Sergeant hinter dem Enteilen- den drein.—„Sehen S>e, jetzt haben Sie's," meint er nicht ohne Mitgefühl. „Ich Hab' gar nichts, ich habe nur einen Wunsch—" sagt Funk langsam. Er denkt an seinen Revolver, den er auf dem Verbandplatz zurückgelassen hat.— Ich habe nur den Wunsch. den Kerl über den Hausen zu schießen. Sieh da, ich bin ins Feld gegangen mit dem festen Entschluß, niemals zu töten. Nun finde ich hier doch einen Feind, der mir das Blut in die Augen treibt! Eigentlich macht er sich nur aus den Weg, um die Waffe zu holen und wieder umzukehren. Aber draußen angelangt mit ruhiger schlagenden Adern, muß er sich erst rapportieren- derweise und dankenderweise bei dem jungen Arzt melden, der ihm wohlwill. Er hat das Gefühl, jener ist mit ihm zufam- men beschimpft und mißhandelt worden. (Fortsetzung folgt.) aKlllS'-'1 �JnTexpzngr tmdt Mit der 25 zur Havel. Es gab nne Zeit, wo die Straße„Unter ben Linden" und der Dicrgarten Gegcnstäirde der Sehnsucht des Berliners waren. Heute mögen Berliner in unserer Mitte weilen, Äie wohl gelegentlich die Gegend zwischen Schloß und Chnrlottenburg kreuzen, denen aber der Wunsch fehlt, sich dieses alte, aber in immer neuen Wandlungen auftretende Stuck�Serlin näher anzusehen. Die 75, eine der wenigen Straßenbahnlinien, die innerhalb der City ihren Endpunkt � haben, fährt, auf der Heerstraße zur Havel laufend, durch das neue baumrcjchc Berlin: sie wird vom Kupfergraben bis zum Branden- burger Tor glücklich ergänzt durch eine Anzahl von Autobussen, die von Osten(19, Lichtenberg, und 2, Landsberger Allee) und Norden(9, Pankow, Berliner Straße) kommend, die Prunkstraße Berlins durchlaufen. Kreuzungen, somit Zugänge zur 75, gibt es außerdem so viel, daß man, ganz abgesehen von der Untergrund- bahn(Station Stadtbahn) an verschiedenen Stellen die Wagen der Straßenbahn besteigen kann, ehe sie in den Tiergarten einbiegen. Beinahe eine Viertelstunde gebraucht die Bahn, um bis zum„Knie" zu gelangen: die weniger schöne Bismarckstraße erfordert 6 Minuten, dann folgt aber während 20 Minuten eine Fahrt über Kaiserdonun urzd Heerstrahe nach dem S t ö ß e n s c e und Pichelsdorf, die wohl zu dem Schönsten gehört, was die nähere Umgebung Berlins aufweisen kann. Man merkt an diesem mit verständnisvollem Ein- gehen auf den Charakter der Landschaft errichteten Viertel, daß die Arbeit für die Geschmacksveredeiung Berlins nicht vergeblich gewesen ist. Reiche Mittel standen zur Verfügung: die Berliner Sparsamkeit, die in Arbeitervierteln so schöne Resultate gezeitigt hat, war hier nicht oonnöten. Die Havel mit ihren von Schiffen aller Art belebten Fluten tut das ihrige, um der Fahrt einen harmonischen Ausklang zu geben. Ob die Sonne Wald und Wasser mit goldigem Schein überstrahlt, ob die Winde die Segel schwellen — diese echt märkische Landschaft zeigt zu allen Zeiten, in jeder Beleuchtung, ihre unvergänglichen Reize. Man kann weiter durch Spandau nach Hakenfelde fahren, den Oberlauf der Havel aufsuchen— schöner ist es aber, nach Schildhorn zu pilgern und durch das Herz des Grunewalds zur Station Grunewald oder noch südlicher zu wandern. Man ist fern von dem Lärm der Weltstadt und doch in ihrer Nähe. Korten zu 30 Pf. Führer des BVG. Die letzte Fahrt der Bergopfer. Helden der Arbeit, pflichttreu bis zum letzten Augenblick. Waldenburg. 2. August. An der Beerdigung der Opfer der Bergwerkskatastrophe nahm die ganze Stadt teil. Von allen öffentlichen Gebäuden wehten die Floggen auf Halbmast. Die Angehörigen der Verunglückten kamen kurz vor 19 Uhr zum Trauersaal, der ganz in Schwarz ausgeschlagen war und nur von einigen Kerzen und von den Grubenlampen der Spalier bildenden Knappen erleuchtet war. Nach einen: Gesangs- Vortrag hielt zunächst der evangelische Geistliche sein« Trauerrede, an deren Anfang er das Bibelwort zu stellen für gut befand: Es kommt alles von Gott, Glück und Unglück. Leben und Tod. Der katholische Geistliche hingegen hob hervor, daß er nur Trost spenden wolle. Der Vertreter einer freireligi- ösen Gemeinde hob hervor, daß diese Bergleute nicht un- vorbereitet in den Tod gegangen seien, denn jeder Bergmann sei täglich dessen bewußt, daß er bereit sein niuß, sein Leben einzusetzen. Für den R e i chs p r ä s i de n l e n, die Reichsregicrung und da« Preußische Staatsminisierium sprach Oberberghauptmann Flcm- ming, der deren Anteilnahme übermittelte. Reichs- und Staats- regierung hätten je bereits durch die Zurverfügungstellung be- sondcrer Mittel bewiesen, daß sie an dem schweren Geschick der Waldenburger Devölterung stärksten Anteil nehmen. Die loten seien al» Helden der Arbeit pflichttreu bi» zum letzten Augenblick geweseu. Bedauerlich sei e». daß es trotz aller Fortschritte in der Technik noch nicht gelungen sei. die Giftgase unschädlich zu machen. Das Andenken der Verstorbenen könne man am besten dadurch ehren, daß alle am Bergbau beteiligten Kreise, sowohl der einfache Bergmann als auch der Akademiker, die amtlichen Stellen wie die Betriebsräte und Grubenbesitzer daran arbeiteten, die Unfall- Verhütung so weit wie möglich auszubauen. Dies möge das Gelöbnis an den Särgen der Toten sein. Von den Schwerverletzten hoffte der Redner, daß sie bald genesen mögen. Der Rettungsmannschaft, die unter Aufopferung ihres eigenen Lebens so schnell in Aktion getreten war, sprach er die AnerkennungunddenDankder Reichs- undStaats- regierung aus. Der von den Kommunisten propagierte Generalstreik am Tage der Beerdigung ist nicht durchgekommen. Die Gewerk- schaften nahmen am Donnerstagabend zu dieser Forderung Stellung und lehnten sie mit übergroßer Mehrheit a b. Auf der Unglücksgrub« wird auch heute voll gearbeitet, und nur ein kleiner Teil der Belegschaft nimmt als Abordnung an der Beerdigung teil. Nach Beendigung der Trauerfeier wurden die Särge unter Glockengeläut in ihre Kirchengemeinden übergeführt. Die Zahl der Kranzspenden ist so groß, daß sogar Straßenbahnwagen mit Anhängern zur Beförderung herangezogen werden mußten. An der Trauerseier nahm als weiterer Vertreter der Reichs- ckn d'S t äats re g ie rü nA Fürst Hatzfeld und als Leiter des Grubensicherungsdienstes Ministerialrat Rother teil. Mmisterialrat Hellbach legt« für das Arbeitsministerium an den Särgen einen Kranz nieder. Nach der Trauerfeier wurden die katho- tischen Verstorbenen im Kraftwagen in ihre Kirchengemeinden über- geführt, wo die Bestattung am Nachmittag vor sich gehen soll, die evangelischen wurden dagegen sofort im Anschluß an die allgemeine Trauerfeier bestattet. Gin Aachspiel zur Immertreu-Schlachi. Ein Kriminalsekretär widersteht der Staatsgewalt. Scharfe Gegensätze zwischen Kriminalbeamten und Schupo traten in einer Verhandlung gegen den kriminalsekretär Paul Seidel zutage, der sich vor dem Schöffengericht Mitte wegen Widerstandes gegen die Staatsgewall zu verantworten holte. Diese Anklage stand gewissermaßen im Schalten der großen Zmmerlren- Schlachten, die sich am Ausgang des vorigen Zahres in der Gegend des Schtefischen Bahnhofs abgespielt hatten. Der Ort der Handlung war die' Herberge der Ham- burger Zickimerleüt« in der Breslauer Straße 1, Ecke Lang« Straße, die bekanntiich damals von den Jmmertreuleuten gestürmt worden war. Am 2. Januar waren die Kriminalsekretäre Paul Seidel und Gardaschewski auf einer Bierreise abend« in das Lokal gekommen. Sie gerieten alsbald in ein« Schlägerei. Ein« Schupo- Patrouille kam in das Lokal und brachte die beiden Kriminalbeamten zur Wache. Das Verfahren gegen G. wurde«ingestellt, dagegen Kriminalsekretär Seidel unter Anklage gestellt. Er bestritt seine Schuld und führte aus: Kaum hatten sie das Lokal betreten, als ein Mann, wie sich nachher herausstellte, ein Viehhändler Aron, ihn an- gefahren hätte:„Was kiekst du mich so an, du Lümmel, willst wohl eins in die Fresse haben?" In demselben Augenblick habe et auch schon einen Schlag ins Gesicht bekommen. Er habe wiederschlagen wollen, aber sein Freund G. sei dazwischengesprungen und habe sie auseinanderbringen wollen. In demselben Augenblick stürmten drei bis vier Schupobeamte ins Lokal, packt den un- schuldigen G. und schleiften ihn hinaus. Er habe nach- folgen wolle», um sich zu legitimieren und das Mißverständnis auf- zuklären. In der Tür habe er erst einen Schlag aufden Arm und dann einen Hieb mit einem Gummiknüppel über die Rase bekommen, so daß er bewußtlos hinfiel. Es sei ihm das Blut aus Mund und Rase geflossen, seine ganze Kleidung sei nachher voll Blut gewesen. Nach dem ärztlichen Attest war das Nasenbein gebrochen. Wie er zur Polizeiwache gekommen sei, wisse er nicht. In dem Zustand aber habe er gar keinen Wider- stand leisten können. Amtsgerichtsrat Keßner: Entspricht es denn der Polizeipraxis, jemand, der zu Hilfe kommt, wehrlos zu machen? Angekl.: Jawohl, wenn jemand zu Hilfe kommt, bekommt er erst eins ausgewischt. Das nennt man „a u f m u n t e r n". Als ich zur Besinnung kam, befand ich mich apf der Polizeiwache, ynd ich mußte aus der„armen Sünderbank" Platz nehmen. Der Zeuge Gardaschewski bestätigte die Angaben des Angeklagten. Er sei schon auf der Wache gewesen, als man den stluten- den Seidel anbrachte. Aus seine Frage, was mit ihm geschehen sei, habe Seidel auf den Polizeiwachtmeister Moldenhauer gezeigt und gesagt:„Dieser Beamte hat mich geschlagen". Der Beamte drehte sich um und ging weg. Merkwürdigerweise sei der Hauptschuldig« Zlron schon vorher auf der Wache gewesen und habe ihm zugeflüstert: „Wir halten zusammen." R.-A. Dr. Frey stellte fest, daß der wichtige Zeuge Aron nicht anwesend sei, da man ihn angeblich nicht habe ermitteln können, und daß auch Moldenhaucr, gegen den der Angeklagte selbst Strafanzeige erstattet Hobe, nicht geladen, sondern kommissarisch in Schncidemühl vernommen worden sei. Das Gericht beschloß, die Verhandlung zu vertagen und zu dem neuen Termin sämtliche in Frage kommenden Zeugen herbeizuschaffen. Ltebler Scherz eines Trunkenen. (Sr gibt sich für den vermißten Bombe aus. In einer kleinen Gastwirtschaft in der Schulstraße in Berlin R. stellte sich gestern ein Mann, der offensichtlich schon beträchtlich unter Alkohol stand, dem Gastwirt als der überall gesuchte Land- gerichtsdirektar Dr. Bombe vor. Die Polizei stellte allerding» in sehr kurzer Zeit fest, daß es sich bei ihm. um einen Gastwirt aus der Müllerstraße jn Berlin handelte, der sich in der Trunkenheit für den Verschwundenen ausgegeben hatte. Di« Polizei stellte seine Personalien fest und der Betreffende Hot wegen' diese» üblen Scherzes eine Strafanzeige wegen groben Unfugs zu gewärtigen. Kriminalkommissar Büsdorf hat inzwischen auch in Meck- lenburg sein Standquartier in einer Revierförsterei, und zwar in der Nähe von Wesenberg aufgeschlagen, aber noch keine Spur von Landgerichtsdirektor Dr. Bombe ermitteln können. Kommissar Busdorf kennt die Wescnberger Gegend selbst sehr genau, er hat sich in Mecklenburg bereits mit dem zuständigen Ministerium in Verbindung gesetzt, um die bestehenden Kompetenzschwierigkeiten infolge der Staatengrenze von vornherein zu beseitigen. Die mccklenburgi- schen Behörden haben Dr. Büsdorf bei seiner Arbeit nattirlich die größtmögliche Unterstützung zugesagt. Die Schulfeiern am Berfassungsiage. In einer Kleinen Slnfrage derDeutschnationalenLand- tagsfraktion wurde der bekannte Ministerialerlaß zur Sprache gebracht, wonach am 11: Augnst gemeinsame Feiern sämtlicher Schüler aller Grade stattfinden sollen. Die Anordnung, daß säint- liche Schüler und Lehrer einer Anstalt gezwungen werden sollen, sich in einem geschlossenen Zuge zu der Feier zu begeben, dürfte. wie in der Anfrage ausgeführt wurde, die Grenzen der Zuständig- lest der Schule und der Schulaufsichtsbehörden überschreiten und in die elterliche Gewalt sowie die persönliche Freiheit des ein- zelnen einen unzulässigen Eingriff darstellen. Dos Staats- Ministerium wurde gefragt, ab es bereit fei, durch«ine sofort zu erlassende Auslegung des erwähnten Erlasses klarzustellen, daß die Teilnahme an einem solchen Zuge und der folgenden Feier nur freiwillig sein könne. Wie der Amtliche Preußische Presse- dienst mitteilt, beantwortete der Unterrichtsminister die Frage kurz mit„n e i n". Die Antwort ist richtig. die„Aansen-Baracken". Die Klage des Völkerbundes gegen russische Emigranten. Das Amtsgericht Schöneberg Halle sich kürzlich mit einem interessanten Prozeß zu beschästigen, den der Völkerbund gegen eine Anzahl russischer Emigranten, setzt Staatenloser, angestrengt hol. Bei dem Prozeß handelt es sich um die Räumung der sog« nannten„Nansen-Baracken" in der G e n e r a l- P a p«-c Straße in Schöncberg, die von der Bölkerbundsvcrtretung, der„Hohen Kommission für Flüchtlinge" verwaltet werden, und in denen einer Reihe von den Bolschewisten vertriebener Russen, die sich zum Teil in den kümmerlichsten Lebensverhältnissen be- finde», N o t u n t e r k u» s t zugewiesen worden ist. Diese Baracken stehen auf Grund und Bode», der dem preußischen Fiskus gehörte, jetzt ober seit geraumer Zeit gn die Teinpelhoser Heimstätten-Gesellschaft zu Bauzwecken verkauft worden ist. Die Tempelhofer Heimstätten-Gesellschast hat bereits sämtliches Baumaterial zur Stelle geschafft, kann aber mit den Bauten nicht beginnen, weil sich die russischen Emigranten weigern, die ihnen vom Völkerbund zuge- wiesenen Notwohnungen in den Baracken zu verlassen. Da die Heimstätten-Gesellschast bei Verzögerung des Baubeginns gegen den Fiskus im Wege der Klage Regreßattsprüche geltend machen kann, ist der Völkerbund in einer Zwangslage, da der Fis- kus von ihm die Freimachung des Geländes fordert. Die Klage des Völkerbundes, der von Oberbürgermeister a. D., Rechtsanwalt Miglaff, oertreten wird, richtet sich gegen die ehemaligen russischen Staatsangehörigen Generalmajor a. D. Fuß, Rittmeister a. D. Dleßkow, Landeshauptmann a. D. v. Dilmar und Frau Dr. E. o. Lichatfchew, die als die Führer der sich gegen die Räumung weigernden Emigranten aiMsehen sind. In der Verhandlung be- tonte der Vertreter der Emigranten, Dr. o. Massalsky, daß die Räumung für die Emigranten eine überaus große Härte bedeuten würde, da sie finanziell nicht in der Lage seien, auch nur die Miete für ein Zimmer aufzubringen. Das Amtsgericht Schöneberg hat für heute Entscheidung des Prozesses angesetzt. Wie wir hören, richtet sich die Räumungsklage vornehmlich gegen die unoerheirateten Emigranten, denen die Völkerbundskommission die Miete für«inen Monat und die Ver- mittlungsgebühr für die Beschaffung eines eigenen Zimmers zur Verfügung stellen will. Bezüglich der Unterbringung der verhei- rateten Emigranten, gegen die bisher keine Räumungsklage onge- strengt worden ist, schweben bereits Verhandlungen zwischen dem deutschen Vertreter des Hohen Kommissariats, Generalkonsul Schlesinger, einerseits und der Stadt Berlin und der Preußischen und Reichsregierung anderseits, um eine Verlegung der noch verwendbaren Baracken nach Adlershof zu ermöglichen, was allerdings 49 999 bis 59 999 Mark Kosten verursachen würde, deren Aus- bringung vor der Hand noch auf Schwierigkeiten stößt. Das Urteil erging dahin, daß die vier Beklagten die Not- Wohnungen verlasien müssen. Ihnen wurde vom Gericht eine Räu- nnmgsfrist bis zum 15. August d. I. zugebilligt. Ende des-10. �hönflug- Wettbewerbs. Kronfeld mehrfacher Sieger. Fliegeclager wasierkuppe(Rhön). 2. August. I In dem nunmehr abgeschlossenen zehnten Rhön- Segel. slugwettbewerb wurde in Anwesenheit von Vertretern des Reichsverkehrsministerium», der bayerischen und der württembek- zischen Regierung die Preisverteilung vorgenommen. Außer Geldpreisen wurden viele Ehrenpreise vergeben, darunter der Hindenburg- Preis, der an Kronfeld siel. Es erhielten ferner: Den Fernsegelflug. preis Kronfeld für seinen Flug nach Bayreuth, 159 Kilo- meter Lustlinie, den Fernzielflugpreis und den Streckern forschungspreis Wolf Hirt für feine Flüge nach Schwcinsberg und zurück und nach Meiningen. Im Uebungswettbewerb erhielten die ersten Preise: N e i n i g e r- Darmstadt, H u r t i g- Kassel, Meyer- Aachen, B e d a l- Berlin und Bachem- Stuttgart. Dem Frankfurter G r o e n h o f f, der auch sonst noch manche Anerkenimng für seine mutigen Flüge fand, stiftet« die Stadt Frankfurt einen Sonderpreis. Die Angst vor dem Rl. August. In der„Deutschen Zeitung" klagt einer darüber, daß Sanssouci versolle, und daß gegen diesen Verfall angeblich nicht genüg getan werde. Daß in Berlin Tonsende von Wohnhäufen: versallen, in denen Zehntansende von lebendigen Menschen wohne», die mit ihren Familien gleichfalls dem tärperlichen und seelischen Verfall entgegen gehen, das scheint dem Deutschen höchst wurst zu sein. Aber selbst mit der Klage um Sanssouci ist es diesem Bürschlein nicht ernst, denn was er mit ihr bezweckt, enthüllt er ganz am Schluß. Da sagt er nämlich: Mittel, um dieses Kulturgut vor dem Verfall zu schützen, müssen da sein in einer Zeit, in der man für B e r- fafsungsfeiern, die dem Herfen des Volkes fern st e h e n, gewaltige Summen zum Fenster rauswirft." Wenn die Feiern am 11. August dem Herzen des Volkes fern stehen, wird ihnen das Volt auch fern bleiben. Der Schreibling wird aber am 11. August sein blaues Wunder erleben. Auch Sing-Sing will meuter«. Im Hinblick auf die in letzter Zeit in beunruhigendem Maße zu- nehmenden Meutereien in amerikanischen Gefängnissen sind auf die Nachricht hin, daß in dem berühmten Gefängnis Sing-Sing ebenfalls eine Meuterei von den Gefangenen vorbereitet würde, von dem Mrektor des Gefängnisses umfassende Vorsichtsmaß- nahmen getroffen worden. Wellerberich» der öffenllichen wetterbiensisiele Berlin und Umgegend. (Nachdruck verbalen.) �.eils heiter, ieilS wolkig, ofine wesentliche N-eder- ichläge, ttibl.— Ffle Deutschland: Im östlichen Küstengebiet noch einzelne Schauer, im übrigen Reich allmähliche Beruhigung des Wetter«, aber all- gemein tühl. »er Ausbau de» altbelaaate», seit AI Zehren bestehende» Wöbalhause» S.®or«, Weixmeistcrstr. 9,«i einem modernen Mbbelkaufbaus qtoftai Etil», ist icsit durch Siiuunabnic und Ausbau mehrerer Laden und(beschiistseitumo im al'ichen Hause vollendet worden. Gchou die Gestalruirg der neuen Laden- front �«ugt von dem aediegsnen Geschmack der isirma. In den groben, mini Teil neugewonnenen Räumen bot eine Ausstellung»cuzcitlicher Wohntultur P!ot» gesiinden. die sowobl den einlachen, oraklischen Äiinschen. wie auch dem venvdbnlesten Geschmack entspricht. Die Iiema E. Tor» ladet zu einer Be. stchtigung ein und gewiibrt ihren Abnehineen aus Anlaß der Geschbttserweite. rung einen Londerrabatl von 10 Bros. yüAtcvvcn die wundervolle goldklare Haarwaschfieife für jedes Haar, auch als Shampoon jfü*- Sonnabend 3. August 1929 Unterhaltung unö AAlssen Beilage des Vorwärts Friedrich Xichtneker: Hell Iii 21 dil t/lffc Ich hcihe Ionny urch zähle etliche Jahre. Ich weih nicht wie- niel. Ich fühle nur manchmal, daß ich schon sehr alt sein muh. Meine Wiege stand in den Urwäldern Afrikas. Kulturapostel holten mich vom Baume und entführten mich hierher. Mein Widerstand wurde schließlich gebrochen. In dieser Zeit lernte ich das Wort„Zivilisation" kennen. Ich hörte es dann öfter und prägt« es mir ein. Mit der Zeit wurde es mir klar,.doh ich einem höheren Zwecke dienen soll, als meine übrigen Kameraden und Stammesgenossen, die sich auch weiterhin von Kokosnüssen ernähren mußten und ihr Daseinsrecht auf Bäumen bekundeten. Das Wort„Affe" galt mir als Schmähung. Dennoch mußte ich es oft und oft hören. Nicht immer war ich damit gemeint. Meist sprach man dann von hohen Persönlichkeiten. Ich fühlte heimlich Stolz, daß gerade meine Tierrasse so herrschend auf der Welt oertreten ist. Und die Geringschätzung, mit der die Menschen dieses Wort aussprachen, ließ nur ihre Unterlegcnhcit allzusehr durchblicken. Mein Werdegang begann mich zu interessieren. Das Leben enttäuschte meine Hoffnungen. Ich trete täglich im Zirkus„Royal" auf. Ich bin Künstler ge- worden. Und habe Kollege». Freunde? Ich wurde sehr skeptisch. Mit den Jahren sogar mißtrauisch. Das zog mir viele Antipathien zu. Besonders muß ich da» im Cafe, das gegenüber dem Ctablisse- mcnt liegt, fühlen. Nebenan der Ringkämpfer, der Löwenbändiger, der seine fleischigen, unappetitlichen Hände stets auf dem Schenkel der reizenden Seiltänzerin Tisi ruhen läßt. Ich liebe Tifi. Und ich könnt« mit Wonne dem brutalen Kerl an die Gurgel springen. Und der Meisterschütze und der Bauchredner und der Opernsänger, wie hasse ich sie. Am liebsten habe ich noch den verkrüppelten Jack. Er ist der Clown und Schlafnachbar. Wenn mich ober Tifis Augen treffen, dann fühle ich, wie sich mein armes Afsenhrrz zusammenkrampst und heimliche Röte meine Blässen überzieht. Wends, wenn es in den Käfigen rumort und ein zarter Geruch von Blut an meine Nase haucht, dann regt sich in mir unendlich traurige Sehnsucht. Sehnsucht nach der Heimat. Aber der Direktor läßt kein Dascinsbewußtsein in mir aus» kommen und führt mich in die Garderobe. Meine Glieder stampft und preßt man in schwarze Kleider. Um meine Kehle würgt mich ein weißer Kragen, und das Husten fällt mir schwerer als sonst. Meine Füße steckt man in Schuhe, die mir viel zu eng sind und Schmerz verursachen. Und auf meinen Kopf stülpt man ein un- förmig, glänzendes Ding, das den seltsamen Namen„Zylindcr" führt. Anfangs kämpft« ich gegen diese Vergewaltigung meiner Natur. Schrie,.iohte, biß, wollte durchgehen. Aber die brutale Krcrft der Menschen ist stärker als der rechtende Instinkt einer bescheidenen Affrnsccle. Hunger und Hiebe zwangen mich zu Gehorsam und duldender Ergebenheit. Die Glocke schrillt. Ich erbebe und zittere merklich. Der Direktor nimmt mich an der Hand und schleift mich hinaus. Mit Tritten. Die Musik kreischt erbärmlich. Di« Menge heult wie nacht- wandernde Hyänen. Dröhnender Applaus. Ich muß mich ver- beugen. Ein-, zweimal. Immer wieder verbeugen. Schwindel inacht mich taumeln. Ein Riß des Direktors stellt meine vor- übergehende Schwäche wieder her und ich versuche, freundlich zu grinsen, wie der Mann, der täglich glühende Kohlen frißt. Dann beginnt die Produktion. Meine Nummer. Ich sitz« meinein Herrn gegenüber. An einem Tische, an einem lächerlich hohen Tisch! Ein Lakai serviert uns. Ich muß esien. Greuliches Zeug. Ich fühle erbärmlich« Magenkrämpfe, und Messer und Gabel drohen immer wieder meinen Händen(?) zu entgleite». Ein Blick meines Gegenübers wacht ob meiner angeborenen Ungeschicklichkeit. Angst duckt mich. Ich muh essen. Und bin doch zum Fressen geboren. Applaus. Ich grüße. Lüfte den Hut.' Gelächter, das ins Herz schneidet. Beleidigend, demütigend. Was man am Menschen für gewöhnlich nimmt, artet bei mir zu einer begeisterten Sensation aus. Ich weiß, ich bin ein Tier. Warum will man dann aus mir einen Menschen machen? Warum muß ich Zigarren rauchen, daß ich kein- Luft bekomme? Mein Atem gerät ins Stocken. Ich ringe nach Luft. Und darf mich mit keiner Miene verraten. Seine Augen find bei mir. Diese furchtbaren Augen eines Menschen. Die Menge jubelt. Ich muß grüßen. Immer wieder diesen verdammten Hut lüften. Mir ist zum Speien übel und muß auf einem Rad« meine Kunststücke zeigen. Ich wanke, wanke, wanke. Hilf Himmel! Wenn ich stürze, schlägt er mich tot. Hungre ich drei Tage. Ich bin ja schon so alt. Und müde, müdel Aber die Kraft setner Augen hält mich ausrecht. Manchmal bewundere ich sie. Und meine Schwäche verkriecht sich vor des Starken Wille». Ich glaube, daß ich ihn liebe. Ohne ihn nicht mehr leben könnt«, ohne diese Qual, die längst schon Alltäglichkeit wurde. Ietzt mein Step. Die Turbinen rasen. Beifall! Beifall! Aus! Mein Direktor liebkost mich vor dem Publikum. Das gehört nach zu unserer Nummer. Die Leute sind gerührt. Ich aber weiß, daß er mich mit einem Tritt in den Käsig befördern wird, weil ich einmal ausglitt. Aber das ist hinter den Gittern. Und dahin sehen die Menschen nicht. *** Ich lieg« erschöpft auf meiner Matte. Uni blicke durch die Gitter. Mit halbossenen Augen. Immer schwerer geht mein Atem. Und in meiner Lunge ist ein verteuseltes Stechen. Mir ist elend, ich kann nicht mehr„arbeiten". Mein Direktor gebärdet sich wie wahnsinnig. In mir ist stille Freude. Ich glaube, er liebt mich und fürchtet, daß ich sterbe. O, wie liebe ich ihn jetzt! Ihn. der mich so furcht- bar quälte. Alle Jahre der Duldung habe ich wit cinemmale ver- gessen. Wie gerne würde ich wieder sür �ihn arbeiten. Aber jetzt ganz anders. Di« Liebe wird mich alle Schmerzen leicht ertragen lassen. E, ist Abend. Und die Musik dringt gan.z gedämpst zu mir. Ich sehne mich nach der unbarmherzigen Arena!!! Will es ihm sagen, der vor mir steht. Mit diesen wunder- vollen Augen! Meine Glieder wollen sich noch ihm recken. Mein ganzes brüchiges Sein zittert ihm entgegen. O, wenn er mich nur berührte. Er sieht mich an. Wild. Schreit: An dir verliere ich täglich 20M Dollar. Du blödes Asfcngesicht! Geht. Ich versink« in ein Meer von Unverftändlichkciten und namen- loser Oede. Ich fühle, es endet. Jetzt kann ich den Tod kaum mehr erwarten. Schließe die Augen und sehe: Bäume, dicke Bäume mit unzähligen weiten Aesten. Bogel, buntsarbige Vögel. Ohne Zahl. Leoparden, die im Dickicht schleichen. Höre: Die Schrei«, die mich immer in Aufregung versetzten. Gebrüll. Lust. Blühender, berauschender Duft. Und warm« Sonn«. Ich blicke auf. Tisi! Und der Löwenbändiger greift sie. Mit Gewalt. Versuche, einen Laut von mir zu geben— Urwald-- sterben-- *+,— Am Morgen war Ionny tot. lind Baby übernahm seine Nummer. Man wird den Unterschied kaum merken. Wie fchtver ijfl ein JUom? Durch die großen Fortschritte des Physikers Kapitza auf dem Gebiete der Zertrümmerung des Atomkerns ist die Wisseirschast vom Atom wieder in den Vordergrund des Interesses gerückt. Der Laie macht sich im allgemeinen von den Größen und Energien, die bei der Betrachtimg der Atome vorliegen, keine rechte Vorstellung, so daß er auch die Schwierigkeiten der Lösung des Problems der Atom- Zertrümmerung wohl kaum in chvcr vollen Größe würdigen kann. Bekannt ist, daß das Atom das kleinste Teilchen der Materie ist mW, wie man früher glaubte, untenbar, wie sein Name besagt. Die neueren Forschungen haben bekamitiich ergeben, daß die bis- 'herige Ausfassimg unsachgemäß war, denn das Atom ist nicht un- teilbar, sonder» es besteht aus einem Atomkern und einem oder mehreren Elektronen, die den Kern umkreisen wie die Planeten die Sonne. Das kioiirst« Teilchen der Materie ist dos Elektron. Man kann es als da». Atom der elektrischen Energie bezeichnen. Dieses Elektron ist bereits'gem?ss«n ünv'gewogen w'ördeni Prosessor'Wien, der be- rühmte deutsche Physiker, der einer der hervorragendsten Atom- erforscher war, hat die Größe eines Elektrons auf dreimillionstel Millimeter berechnet. Es ist ungefähr der ZOOO. Teil eines Wasier- stofsatmns. Da ein Wasierstofsatom ungefähr gleich einem Quadril- lionstel Gramm ist, so kann man daraus ermessen, wie gering die Ausdehnung eines Elektrons fein muß. Für die Zertrümmerung der Atome spiest aber der positiv ge- laden? Atomkern eine viel größere Rolle, als die negativen Elek- tronen, die ihn umgeben, denn in dem Atomkern befinden sich die ungeheuren Energien, die ihm seine Festigkeit verleihen. Die Be- strebungen der Atomzcrtrümmcrcr richten sich also in erster Reihe auf diesen Atomkern, der ohne Frage ein sehr interessanter Gegen- stand ist. Von seiner Kleinheit kann man sich mir schwer eine Bor- stellung mache». Er verhält sich z» dem gesamten Atom ungefähr wie eine Erbse zu dem Inhalt de» Kölner Doms. Noch sinnsällig-r wird ein Vergleich mit unserer Erde. Wenn man sich vorstellt, daß ein Wosserstofsatoin. die Größe unseres Erdballes besitzt, so hat der Kern des Atoms einen Durchmesser von nur 18 Zentimeter. Die Erde hat bekanntlich einen Durchmesser von rund 12 750 Kilometer. Der Atomkern verhält sich also zu dem ganzen Wasserstosfatom wie ungefähr wie l: 70 000. Da wir die Größe eines Wasserstosfatoms berechnen können, so läßt sich auch daraus die Größe des Atomkerns feststellen. Derartige Zahlen sind natürlich weder mit normalen Maßstäben, noch mit gewöhnlichen Wagen zu errechnen, sondern es bedarf zu ihrer Feststellung der Elektrizität und matheinatischer Berechnungen, die aber trotzdem das für die Wissenschaft notwendige Ergebnis lieferten. Ans diesen Angaben erkennt man mit großer Klarheit, welch ungeheure Schwierigkeiten sich den Angriffen aus den Atomkern entgegenstemmeii. Es sind dazu Mittel notwendig, die weitab von den gebräuchlichen Maßnahmen unserer technischen Wissenschaft liegen und den außergewöhnlichen Verhältnissen, die im Atom herrschen, angepaßt sind. Sollt« die Zertrümmerung der Atome jemals unserer Wirtschaft dienstbar gemacht werden können, dann werden wir sie an den ungeheuren Energien erkennen, die auf diese Weise zu gewinnen sind. Aber niemals wird ein Mensch imstande sein, ein Atom zu sehen, auch dann nicht, wenn unsere optische Industrie Gläser von ungewöhnlicher Leiftungssähigkcit sollte schaffen können. Die Natur imscres Auges widersetzt sich der Möglichkeit, Atome zu sehen. Vergrößerungsgläser können auch nur bis zu der Grenze, die durch die Wellenlänge des Lichtes gegeben ist, Helsen. lieber diese Grenze hinaus kann nichts die Gegenstände dem Aug« sichtbar erscheinen lassen. Da die Atome dies« Größe nicht erreichen, so werden sie stets unsichtbar bleiben. Ernährungsbehandlung bei£upm In der Licht- und Lupusheilstättc in Gießen sind von den Privatdozenten S. Bommer und L. Bernhardt sehr eingehende Versuche, Lupuskranke durch die von dem Bielefelder Arzt Dr. G e r s o n entwickelte und von Prof. Saucrbruch nach- geprüfte Behandlung' durch eine besondere Kost zu heilen, durch- geführt worden, lieber die bemerkenswerten Ergebnisse erstatten sie nunmehr im neuesten Hest der„Deutschen Medizinischen Wochen» schrist" genauen Bericht. Sie haben die von Dr. Gerson angegebene Tuberkuloscdiät in der unter Leitung Pr»f. Saucrbruchs teil- weise abgewandelten Form möglichst exakt durchgeführt, um ein zuverlässiges Urteil über Wert oder Unwert der neiien Behandlung zu gewinnen. Sie begannen mit der Diätbehandlung am 25. Januar 1028 bei 10 Lupuskronken, bei denen von diesem Augenblick an auf jede andere Therapie verzichtet wurde. Die Zahl der Diät- � Patienten wurde dann von Monat zu Monat vermehrt, so daß heute mehr als 150 Lupuskranke in Behandlung sind, und seit Anfang 'Dezember 1928 wurde angesichts der guten Erfolge die Ernährungs- behandlung allgemein in der Heilstätte eingeführt. Schon nach einigen Tagen machte sich häusig ein Rückgang der Schwellung und eine Acnderung der Farbe in der Umgebung der Lupusknötchcn bemerkbar. Nachdem die Schwellung und die blaurote Verfärbung geschwunden sind, bleibt zunächst ein seiner hellroter Saum, der im Laufe der nächsten Wochen verschwindet. Die einzelnen Lupnsin-. -filtrate, hie nun in volskommen abgeblaßter Haut liegen und zunächst' deutlicher werden, zerfließen dann gleichsam, sie breiten sich scheinbar aus, ihr Rand wird unscharf, bis sie nach und nach von der Ur..- gebung aufgesogen werden und spurlos verschwinden. Die Art der Abheilung ist immer die gleiche, nur die Zeit, in der sie sich vollzieht, ist verschieden. Die Zeitdauer der Behandlung kann durch.Hinzufügung der bewährten bisherigen Behandlungs- arten abgekürzt werden: allgemeine Belichtungen, vor allem allgc- ineine Sonnenbäder üben einen günstigen Einfluß nus. Der Schluß, zu dem beide Aerzte komme», ist der, daß hier eine Allgemein- behandlung des Lupus gewonnen ist, durch die es gelingt, auch aus- gedehnte schwere und hartnäckige Fälle zur vollkommenen Ab- Heilung zu bringen. Diese Abheilung kommt mit denkbar gutem kosmetischen Resultat zustande, und sie wird durch weiter nichts als durch eine Acnderung der Ernährung, der Lebensweise erreicht. „Das ist eine erstaunliche und nicht zu umgehende Tatsache. mag sie uns zunächst auch wissenschaftlich nicht genügend begründet erscheinen... Dm einzelnen Faktoren der Lebensweise und ihrer Rolle bei der Verhütung und Heilung von Kronkhciten nachzugehen, dürfte eine der wichtigsten Gegenwartsaufgaben medizinischer Forschung sein." Waffe Steuer ftröm: ShtC gufä „Der Verlag zahlt den vollen Preis zurück, wenn Sie mit dem Buch nicht zufrieden sind." Ich stand vor dem Schaufenster einer Buchhandlung und las diese Mitteilung aus der Leibbinde eine» neum Buche». Und versank in still« Betrachtungen. „Wie hübsch und selbstlos. Was für eine ausgezeichnete Idee zur Regelung der Unzufriedenheit auf der Welt. Alles ordnet sich. Der Kund« hat immer recht." Ich kaufe das Buch. Ich lese es. Letztere» ist dos Schlimmere. Ich muß mich hindurcharbeiten, um mich von meiner Unzufriedenheit zu überzeugen. Als die letzt« Seite erledigt ist, klappe ich das Buch zu, packe es in einen Bogen und trage«s zum Verleger. Der Verleger hat sehr wenig Zeit. Wir sind erst im Juni, aber der Verlag ist so groß, daß man dort das ganze Jahr in Weihnachts- eile ist. Ich werde trotzdem vorgelassen, wahrscheinlich durch irgendein Versehen, und zu dem Gewaltigen sage ich: „Ich komme wegen, jenes Buches—" „Was für ein Buch?" „Mariannes Herz"—, ich bin mit dem Buch nicht zufrieden." „Sie sind mit dem Buch nicht zufrieden?!" „Nein, und ich möchte die 4.75 wieder zurückhaben, die ich dafür bezahlt habe. Bitte sehr, hier ist das Buch" Natürlich bekommen Sie Ihr Geld zurück. Aber gestatten Hie mir«ine Frage. Was billigen Sie in dem Buch nicht. Ist e, die Tendenz?" „Die Tendenz? Ist eine drin? Das ist mir nicht aufgefallen. Ich fand es ohnehin langweilig. Es hat mir keinen«paß gemacht. weder in bezug auf die Forin, noch auf den Inhalt, und ich möchte mein Geld wiederhaben." „selbstoerftöndlich. Ich habe diese paar Fragen nur des Ver, sasser» wegen gestellt. Ein Verfasser muß natürlich so schreiben, daß die Leser zufrieden sind. Wir wollen ihn gleich kommen lassen und ihm ihr« Monita unterbreiten, damit er sich bis zum nächsten Mal ändert, wenn das jemals der Fall ist." Ich habe mein Geld an der Kasse wieder zurückbekommen. Und ich werde in Zukunft meine Bücher inimer von diesem Verlag kaufen. Die gesunden Ideen dieses Verlages sollten in anderen Eeschästen auch eingeführt werden. Ich habe im Lause der Zeit viele Theater- stücke gesehen, die mir Grund genug gegeben haben, mir das Ein- tristsgeld zurückzuwünschen, obgleich ich Freibilletts gehabt habe. Ich habe zu Mittag in Restaurant» gegessen, in denen ich das Bc- dürfnis gehabt habe, dem Wirt zu sagen: „Mein Herr, ich bin mit dem Essen, das Sic mir haben servieren lassen, nicht zufrieden. Vor allem ist mein Magen nicht zufrieden. Ich will das Geld wieder zurückhaben und außerdem zehn Mark Schadenersatz und das Recht, Ihnen die Nota des besseren Rcstau- rants zu senden, in dem ich mein Souper einzunehmen gedenke." Nicht nur im Geschäftsleben sollte der Verkehr in oben an- gegebener Richtung umgelegt werden. Ein Mensch sollte das Recht haben, seinem Schwiegervater, eventuell seiner Schwiegermutter,— wenn er es wagt—, seine Aufwartung zu machen: „Verehrteste! Ich bin jetzt zwei Jahre mit Ihrer Tochter ver- heiratet. Ich bin mit ihr nicht zufrieden und bitte darum, sie möglichst schnell wieder zurückgeben zu dürfen. Sie paßt mir nicht. Und außerdem bitte ich um Rückerstattung der Auslagen, die ich für die Dam« während der genannten Zeit gehabt habe. Auf eine Ent- schädigung für verloren« Seelenruhe Verzicht« ich, wenn Sie sie nur möglichst schnell wieder zurücknehmen." Dann wird es gut. Da ist nur noch«ine kleine Frag«, die geregelt werden muh. Wo sollen wir hingehen, wenn wir mit uns selber unzufrieden sind? Wo kann man sich selbst wieder zurückgeben? Gegen Schmerzensgeld. Diese Adresse gibt es nicht. Wenn wir uns selbst nicht haben wollen, dann verzichten auch andere gern auf uns. Wir müssen leider sehen, mit uns fertig zu werden, ja lang« es eben geht. tDcutsch von A. Avcnltru» und E. Tnitel.) i parieinachn'chien�� fürGroß-Verlin Ctattabaagen fix dies« Subtil find B t z 1 1■ SS W, Lindensttaße 8, Izt»«« bo» SctizItftbtUtint - Hos, i Treppt» recht», zu richte». Sekretäre gewählt! SezirKvorstmtd und Sreisleiker wählten tu der Sitzung vom 20. Zull au» der Zahl der Bewerber um die ausgeschriebenen Sekrelärposten die Genossen Emil Barth, Georg Bochmann und Sarl Vressel. Allen adrigen Bewerber» spreche« wir unseren besten Lank au». * L firei» Sitte. Montao, S.«ufluft, UM Übe, erweiterte firebworfiand«. fidim« bei?obrolilaw. Swinemünder Str. 11. 18.«rri» Treptow. Montaa. 5. August. 20 Ubr. in ZtieberschSneweibe. BerNucr Straße 88, Kreisvorstandafttiung mit den Abteilungsleitern. 17. Nrei» Lichtenberg, ffiir die am Berfaffungrtage bier«intreffenbe» Seich»- bannerrameraden Privatguartiere gewünscht. Sosortig» Melbuna an Thurm, Kreuhigerfir. 28. b- Abt. Sonntag 8 Uhr Stettiner Vorottbohnhok»ur ffobrt nach Birtenwerber. Nachzügler«m Lokal»?!ur Briese�, Birkenwerber. 8. Abt. aum Berfafiungstag find ssahnen bei Richert, Steinmefifir. 88», im hoben. Ebenso kSnnen auch Quartiere angemeldet werben. 11. Abt. Die n»ch in vSnden der Be,irl»fllhr«r befindlichen Qvartierlifien find sofort beim Denossen Lampel. Beusselfir.», abrugeben. 88. Abt. Achtung, Tcziikssilhrerl Im Auaufi BeitragRnarke»«rr bei» che- nassen Mohrmonn, Weißenburger Str. 78. vorn 8 Tr.. Moni»«, und Stitt. «och, von 5 bi« 8 Uhr abend». 181. Abt. SieberschSnbansen. Die Funktion!! rkonferenz füllt heut« au». NSHere Mitteilung über nilchfie Sihung erscheint im.BorwZrt». Zungsozialistische Vereinigung Groh-Verlia. Die«itteUungeblütter ffie Anaz» find van den«ruvven heute»wischen 18 und 18 Uhr von der Alkoholfreien Gasssiätt«. Marheinekeplab 8—4.«hguholcn. Serbebe, Irl Süden: Nach Miiglichkeit beteiligen fi» all«»«nasse« an der morgen. Sonntag, stattfindenden Agiiationofahrt mit dem Auto. Abfahrt 8 Uhr vom Vonwärtogebüude.— Gleichzeitig wird auf ben Znsormationoabend vom Donnerstag, 8. August, aufmerksam«»macht. Tbema:.«lasfische» oder Gefinnung»theater�. Ort wird noch bekanntgegeben. »rupp« aharlottenbnrg: Morgen. Sonntag, TM Uhr. treffen wir UN» am Untergrunödahnhaf Wllhesmvlag ,ur Teilnahm« an der Lanbaaitation»fahrt Trebbin— Luckenwalde. »ruppe Tempelhos.Marienbors- Morgen. Sonntag, Autofahrt. Treffpunkt Ty, Uhr Kaiserin-Augufia-Straße oder 8 Uhr Borwürtsgebilude, Arbeiksgemelnschafl der Sinderfreuude Groh-verlin. «"ü*.«hewl-ilbfah-er treffen Sonntaa.«. August. 1»U Uhr. Schlefischen Baynksof ein. Alle Roten Falken unö Helfev treffen sich Empfzina am Sonntag 19$ Ufte Küstriner PlaK- Die Eltern treffen sich SNlsiriner Platz 20 Uhr. Wir bitten, daß sich alle(Ntern ,uim Empfang 5Mstriner Platz ein. nnoen und vermeiden, auf dem Bahnsteig zui sein. Achtung, Zentrale! Heute. Sonnabend, 1S� Uhr, Ankunft der Nest- und Roten ftalten au» Buch am SteMncr Dorortbahnhof. Geburtstage. Zubiläen usw. <5. Abt. Unserem treuen Aampfgenossen und Parteiveteran S i ch a r d Büttner«j seinem 60. Geburtstage die berUichstcn Glückwünsche. Der Borstanb. �lSozlaMscheArbetterjllgendGr..Verliv für dies« Ztadett nur an da« Zoaendsekreloriat S«8. öndenchaß«» heute. Sonnabend: Schi-bauser»orfiabt: Funktionärversammluna 20 Uhr SchbnNieher Str. 7. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht.— Fallpta» II: Fahrt na» Bernau. Treis. Punkt 18Vi Uhr Gaudv- Ecke Cantianstrafie.- SenIAI» II: Fahrt nach Tiefen. se«. Unkosten ilio M Treffpunkt l7>z Uhr Seuterpla».— SenkAl» M: Treffpunkt ,ur Fahrt 20'� Uhr Bhf. SeukWn. Unkoven IM.— Se»«»» Vl und VII; Nachtfahrt Dubrow. Treffpunkt 17 Ubr Giirliher Bahnhof. Abt. VI: Treffpünkt I814 Ubr Zeitungskiosk. Herbberaplab— Tambsnickorp» Been»- loner Berg: Der Uebungsabend füllt au». Morgen Fanfarenblüser 8 Uhr Borwärtsgebäude. Morgen. Sonnlag: Arbeitsaemeinschaft der Sote» Falke,: Fahrt nach dem ftbribse« mit ben Ninderfreunben. Treffpunkt 81� Uhr Bhf. Schünhaufer Alle«.— Schill basier Vorstadt: Fahrt. Treffpunkt 8 Uhr Bhf. Gesundbrunnen. 40 Ps. Fahrgeld. Ifith Uhr Leimobend mit Mufik, Schiinflieficr Str. 7.— Falkplafi TT; Nack». züglerl Treffpunkt 6 Uhr Bhf. Gesundbrunnen.— Steglib: Spaziergang. Tre.fs, Punkt 18 Uhr.— Brifi I und II: Fahrt. Treffpunkt 8 Uhr Buschkrug.— Neu» köll» l: Treffpunkt zur Fahrt 8 Uhr Neuterplab.— Nenküll» VU: Fahrt nach Dolgenbrodt. Treffpunkt 17 Uhr Gürliber Dohnhaf.-»ichtenbew-MItt«: Fahrt. Treffpunkt 6% Uhr Bhf. Stralau-Summessbur».— Fehlend« rf: Treff. Punkt zur Fahrt 7 Uhr an der Nordfchule. » Werbebezirk Reinickendorf: Achtung, Genossen und Genosfinnen! Wir treffen un» T% Uhr in Tegel, Kauvtslraße. Normaluhr. Um 8 Uhr erfolgt der Ab. marsch noch Schulzendorf. bort zum lebtenmal Probe für da» Waldfeft am Nachmittag. E» müssen alle erscheine». Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Geschüstsüelle:«erlin L. 14. Sebasttanftr.»7/38, bot 2 Tr. Sonnabend, Z. August. Sermsdors: 20 Uhr»ameradschaktsversamm- lun« bei Okrent, Bahnhof. Eck» Berliner Straße. Wafiersport- abteilnng, Fug Havel: 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Schulz. Tiefwerber. Dorsstr. 5.- Sonntag. 4. August. Neinickendors-Vst sllomeradschaft): Beteili. gung am Waldsest der SPD. in Schulzendorf. Antreten 14 Uhr am Bahnhof Tegel. Wittenau: 14 Uhr Bahnhof Tegel zum Walbfest in Tegel. Wassersport. abteilnng, Fug Havel: S Uhr Fahrt nach Linbwerber, linke Bucht.— Montag, 8. Angust. Mitte. Iungbanner: 20 Uhr Versammlung Tieckfir. 18. Licht. bildervortrag:„Bon Rhein und Mosel". Verfassungsfeier.— Prenzlauer Berg: Achtung. Iungbanner! 20 Uhr wichtig« Iugendnoiluersammlun« in der weit. lichcn Schule. Sonnenburger Straße. Bericht des Tum. Menzel von der Iugcndlciierfibnng. streu, bcra, Jugend I: 20 Uhr Jugendheim Porckür. 11, Fimmer ä, außerordentliche Mitgliederversammlung.„Die Bunte-versassuna». f-Ier und wir." Erschcincn Pflicht. Jugend III: 20 Uhr Bcrsammlung im Jugendheim Wrangelstr. l?8. Treptow fOrtsverein): Gencralappell zur Der. fassungsfrier. Anireien lg� Uhr Alormvlab. Bant»»: 20 Uhr Bolloersamm. Inng im Türkischen Felt. Breite Straße. Seiuickendors.vft sstameradsckwN»: 20 Uhr Mitgliederversammlung hei stiehnem, Nefidenzfir. 2: Vorfiandsmit- glieder 1 Stunde früher.__ . Reichebund der strieqsbeschädigteu. striegstoiloebmer«o stllegeldtuie» blieben»,, Oit»aruvv« Oberspre». Bersammluna am Dienstag, 8. Aogust, 20 Uhr, im„Einfiedler", Johannisthal. Sternbomm. „Das Woche n«n!>c" wurde in diesem Bortraq Dr. E. R. Uder. städts in eine etwas größere Entfernung von Berlin verlegt. Der Vortragende führte die Hörer an den Scharmügelsee, noch Meißen, Wittenberg, Zerbst und in den Wörlitzer Park. Schön« Natur, ver- bunden mit historischen Städtebildern, wurde den Wochenendlern verheißen. Leider sind die Fahrpreis« in diese Gegenden recht t** trachtlich. Sie bewegen sich etwa zwischen 5 und 10 M. für die Sonntogsrücksahrkart«. Das ist gewiß nicht viel, wenn man be- denkt, daß man für wenig mehr als 10 M. über Sonntag sogar bis nach Dresden fahren kann. Doch in der nawrhungrigen Schor der Berliner wird es wohl nur eine sehr kleine Anzahl geben, die sich den Luxus lolcher Wochenendreifen leisten kann.— Diplomingenieur Hans Mendels ahn gab Ratschläge zum Abhörest des Doppel Programms, dos vom 4. Auugst ab von Berlin und K ö n l g s nzu st e r h 0 u s e n nerbreitet werden soll. Das Beachtenswerteste an seinen Darlegungen war die Mahnung, für eine l>ra»chliore Antenne zu sorgen. Eine sachgemäß onge- brachte Zimmerantenne wird vollauf genügen, um in Berlin auch Königswusterhausen lautstark empfangen zu können.— Douizettis anmutiger„Li e b e s t r a n t" bewährte sich am Abend wieder als ausgezeichnet« Unterholwngsoper. Tes- Zm Lande der Vhön. Die Rhön, zwischen Thüringer Wald und Spessart gelegen, abseits von den großen Verkehrswegen, galt lange Zeit, trotz ihrer eigenartig herben Schönheit, als reizlos. Noch heute liegen große Strecken dort im tiefen Dornröschenschlaf, nur Vogelmenschen ziehen über ihnen ihre weiten Kreise. Die 900 Meter hohe Wasserkuppe, an deren südlichen Hang die Fulda entspringt, sowie eine ganze Reih« aufftrebender Ortschaften am Fuße des Berges, sind erst durch die Segelflllge weit über die deutschen Grenzen hinaus bekanntgeworden: Ellis Fvankl weih von dieser schönen Gegend allerhand Interessantes zu erzählen: Im August, wenn konstante westliche Winde günstige Auftriebs- Möglichkeiten schaffen, herrscht auf der Wasserkuppe ein reges Treiben. Aus allen Ländern kommen Sportfreunde und Flugtechniker, um zu sehen, was das Jahr an Arbeit auf dem Gebiet des Flugwesens gebracht hat. Ausgangspunkt zur Wasserkuppe ist der am Fuße des Höhenzuges gelegene Luftkurort Gersfeld, mit Fulda ver- bunden durch ein« Nebenbahn. Don Gersfeld aus unterhält die Reichspost ein« Kraftwagenlini« nach Wüstensachsen und Fladungen, die an der Wasserkuppe vorübersührt. Auf dem breiten Rücken der Wasserkuppe, wo noch vor nicht allzu langer Zeit einige Zelte von der Anwesenheit menschlicher Wesen zeugten, erstreckt sich jetzt ein« Stadt im Kleinen— das Fliegerlager mit seinen umfangreichen Bau. lichkeiten, der Wetterwart« und den Gebäuden der Rhön-Rositten- Gesellschaft. Im August beginnt das Leben hier oben in der Werk- statt der Dogelmenschen. Wenn um die Mittagszeit die Sonne gesiegt hat und die graue Nebelwand plötzlich wie ein Vorhang hin- weggerissen wird, dann ist die Zeit gekommen. Schillernde Flug- apparate schaukeln leise im Wind. Im Mittelpunkt des Interesses steht augenblicklich das Raketenflugzeug. Noch ehe die angekündigten Versuche mit bemannten Flugzeugen gemeldet wurden, arbeitete man hier oben im stillen an der Vervollkommnung dieser neuen Idee. Di« kommenden Wettbewerbe im August dürften auch eine Fülle von Neuigkeiten auf dem Gebiete der Segelfliegerei bringen, die neue Weg« zeigen zur vollkommenen Eroberung der Luft durch den menschlichen Geist. Außer der Wasserkuppe, von wo sich die Rhön dem Besucher am ausdrucksvollsten offenbart, gibt es noch viel Neuland, das dem Touristen ein« ungeahnte Fülle von Sehenswertem bietet. Eine Kammwanderung zwischen Kreuzberg mit dem alten Kloster und Engelsburg erfreut durch herrliche Aussichten. Besonders schöne Punkte sind der Eirhauck und der teilweis« be- waldete, teils felsig« Phonolithkegel der Milseburg. An ihrem nord- westlichen Hang liegt der Malerwinkel Kleinsossen und in kurzer Eni- fernung thront das Schloß Bieberstein. Die Rhön verdankt ihre Entstehung den vulkanischen Um- wälzungen der Tertiärzeit. Mit den tiefgehenden Bruchspalten, aus welchen die vulkanischen Massen hervorkamen, hängt ursächlich auch das Werden und Heraufkommen der Thermalquellen und salzreichen Sprudel zusammen, welch« am Rhönsockel und vor allem im Saale- tale bei Bocklet, Kissingen und Neustadt, sowie im Sinntal in Bad Brückenau zutage kommen. Wahrscheinlich verdanken auch die beiden Burgen, Auersbach bei Hilders und die Burg bei Geisa, dieser Zeit ihre Entstehung._ Land der 150 Alpeniäler. Dos Land der 150 Alpentäler nimmt ein« beträchtliche Fläche der o st s ch w e i z e r i s ch e n G e b i/ t e ein. Doch nicht die Breite seiner Ackerfelder, noch die Stämmigkeit seiner Forste macht den Landeswert aus. Es ist vielmehr die Lieblichkeit der Natur, die in diesen hohen Tälern mit verschwenderischem Zauber spielt, der die hohe Bedeutung des Landes Graubünden zu verdanken ist. In keinem anderen Gebiete der Schweiz herrscht diese spielerische Verästelung der Talsysteme, nirgendwo strahlt die Sonne heilkräftiger aus ewig blauem Himmel, und man sucht vergeblich nach Motiven für male. rische Landschaftsvedutten, die in Graubündens Märchenwelt nicht ebenfalls in Fülle gesunden werden könnten. Darum gelten die freundlichen Graubündener Dorfschasten in aller Welt als begehrte Ferienplätze. Ob einer in Davos oder in St. Moritz, in Pontresina, Klosters oder Arosa sömmert, immer wird er neben den landschaftlichen Reizen die Vorteile eines milden Höhen- klimas mitgenießen dürfen. Selbstverständlich bieten die genannten Großkvrorte mit ihrem mondänen Einschlag vergnügliches Leben, und wer seine Kurzeit niehr auf Gewinn der durch den Lebenskampf in Unordnung gebrachten Gemütlichkeitsgleichgewichte richtet, tut gut, von dieser Lebensfreude recht viel einzusaugen. Genügend stillere Plätzchen gibt es auch unter der Dündner Sonne. Da sind die berühmten Glaubersalzbäder im Unterengadin mit Schulz, Tarasp und Bulpera als Brennpunkt, die lieblichen Sommerfrischen von Sils Maria und Silvaplana, das Bündner Ober. land mit Disentis und Flims, dessen Badeleben so viele Freuden er- weckt, da gibt es die alten Paßknotenpunkt« wie Thusis oder Tiefen- kastel, die freundlich ins Grüne gebetteten Dörfer von Churwalden, Andeer pder Bergün, und zahlreiche andere Sommerfrischen. Eine famose Einrichtung sind die hohen Alpenpäss«, auf denen die Eid genössische Post regelmäßig« Kursfahrzeug« verkehren läßt, und die Rhätische Bahn, deren Liniennetz die Talschoften erschließt und es jedem Wanderfreudigen ermöglicht, mit einem Mindestaufwand von Zeit eine Vielheit von Erlebnissen zu erringen. Graubünden wird durch die Leichtigkeit, mit der sich in diesen Alpengebiet der Verkehr abwickelt, zum eigentlichen Ferienland der Schweiz. Der Sommer nährt diese« Alpenleben bi» in den Herbst hinein, und wer jetzt während der hochsommerlichen Hitze im Unter- land schmachten muß, der soll sich freuen, weil auch im September und Oktober droben in Graubünden noch hundert Feriensreuden seiner harren,_ Reifen nach Dornholm und an die Kurische Tlebrung. Eine empfehlenswerte Reife des Reichsausschusses für fozia- listifche Bildungsarbeit führt vom Z. bis 14 August nach der Kur t» schen Nehrung. Das Programm lautet: 1. Tag: Fahrt von Berlin nach Königsberg: 2. T«u Besichtigung von Königsberg (Hafenanlage, Dom, Schloß); 3. Tag: Fahrt noch Warnicken, Wan- derung längs der Sanilandsteilküste nach Neukuhren: 4 Tag: Fahr» nach Cranz, Wanderung nach Sarkau(Zdurische Nehrung), 11 Kilo- meter: S. Tag: Rast im Fischerdorf Sarkau: tz. Tag: Dünen- und Haffwanderung nach Rossttten(24 Kilometer): 7. bi» 10. Tag: Rossitten(Standquartier), Besichtigung der Vogelwarte in Rossttten, Dünenwanderung nach Pillkoppen bis zur litauischen Grenze, See- oder Haff-Fahrt mit Fischerhooten; 11. Tag: mit dem Dampfer über das Kurisch« Haff nach Kömg-bevg: 12. Tag: Rückfahrt nach Berlin. Ein« weitere Reise führt nach Rügen und Bornholm. Sie beginnt am 16. August in Berlin mit folgendem Programm: 1. Tag: Fahrt nach Saßnitz-Rügen: 2. Tag: Aufenthalt dort, Baden und Ausflüge; 3. Tag: morgens Dampferfahrt von Saßnitz nach Bornholm, in Bornholm ist ein Aufenthalt von«iner Woche vor- gesehen, der Gelegenheit bietet, die Hauptsehenswürdigk-tten dieser schönen Ostseeinsel kennenzulernen; 10. Tag: Dampferfahrt noch Saßnitz, Weiterfahrt nach Berlin. Anmeldungen zu diesen beiden sehr schönen und preiswerten Reffen werden noch angenommen, wenn fie umgehend beim Reichsausschuß für sozialistische Billmngsarbeit, Berlin SD. 68, Lindenstr. 3, erfolgen._ Zwischen Waldbergen. Der Bierwaldstätterse« ist nicht mir einer der malerisch- sten Schweizerseen, sondern er gilt gleichzeitig als der wunderlichste Spiegel schweizerischer Landschaft. Denn in seinen zahlreichen Buchten bricht sich das Licht in immer verschiedenem Glänze, und wenn vor dem Kreuztrichter die Umrisse der Sfefcttfirnu Luzern» im Wasser zittern, so weiden in der Seemitt« die Abglanzlichter des Wolken- Himmels wie ziehende Schafe, oder das Wasser rinnt dunkel, wie schweres Blut, zum Ufer, weil sich die Tannenforst« darin spiegeln. Doch wohl in keiner Bucht dieses vielarmigen Bergsee» wird die Verschiedenheit de« Usergelände» so ausgeprägt, wie in jenem See- zlpfel am Fuße des Pilatus. Bacharach,«in altertümliches Städtchen cm der Strecke Köln— nkfurt gelegen, fft einer der schönsten Punkte )er Tourist, der zu Fuß, per Auto, Rad oder Dampfer die Schön- desRheiutale«. heiten des Rheins kennenlernen will, sollt« nicht versäumen, hier kürzeren oder längeren Aufenthalt zu nehmen. Der Ort selbst mit seiner mittelalterlichen Stadtmauer, dem alten Stadtteil, der Burg »tahleck, in der jetzt«ine Musterjugendherberge eingerichtet ist, dem neuzeitlichen, auf Betreiben unserer Genossen eingerichteten Strand- und Schwimmbad und die näher« und weitere Umgebung, d>c immer wieder zu neuen Entdeckungsfahrten lockt, werden jeden mit Freuden an die dort verlebten schönen Tage zurückdenken lassen. Gute und preiswerte Unterkunst kann mau beim Genosse» Bosquit, Auf der Mauer, finden. K lOl"» MOORBAD QanzlShrlge Kurzalt durch die enehiiusuiie dissar Zeitung. Ostseebad Heiligenhafen in Holstein Pension-4.00 bis 6.00 RM Führer durch Badeverwaltuno MDargm Mecklb. Schweiz Jeder 1000. Kurgast der Saison erhält eine goldene Armbanduhr von der Kurverwaltung. WIR LADEN SIE EIN NACH DEM HERZ DER SACHS. SCHWEIZ Auskunft durch die Kurverwaltung Fernruf?0 Rodium-Solbad heilt FRAUEN GICHT RHEUMA KINOER Kurverwattung. 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Es handelt sich hierbei um nichts weniger als um die Schaffung eines inter- nationalen Produzentenbund« s, der von jetzt ab unter sich kein« Produktionsgeheimniffe mehr kennt, der sich den Welt- markt zwecks Vermeidung gegenseitiger Konkurrenz in einzelne Interessengebiete aufteilt und offenbar auch bei bestimmten Pro- dukten nach einem einheitlichen Produktionsprogramm arbeiten will. Das ist der Beginn einer rationellen Produktions- und Absatzorgani- siernng im Wellmaststab. Daß die Führung bei dieser Organisation in amerikanischen Händen, das heißt bei der General Electric Company, liegt,«nt- spricht den durch den Weltkrieg geschaffenen neuen internationalen Kräfteverhältnissen. Schon vor dem Kriege gab es enge, vertrag- liche Bindungen zwischen der AEG. und der General Electric, ebenso zwischen dieser amerikanischen Gesellschaft und den größten elektrotechnischen Firmen Frankreichs, Englands und Japans. Damals war die Verbindung AEG.—-General Electric«in Bündnis zwischen gleichen Partnern, und die AEG. war damals in der Lage, den weitaus größten Teil des europäischen Kontinents als ein ihr zugesichertes Belieferungsgebiet zu betrachten, wo weder die General Electric noch die verbundenen Elektrofirmen Englands und Frankreichs mit ihr in Wettbewerb traten. All die verschiedenen Firmen, mit denen die General Electric in Ellropa, Asien und Südamerika Verträge unterhält oder an denen sie kapitalbeteiligt ist, stellen fast oder ganz ausschließlich Start st romer Zeugnisse her, das heißt Generatcren, Tur- binen, Motoren, Transformatoren, Starkstromleitungen usw. Zur Entwicklung des Absatzes dieser Erzeugnisse>st, insbesondere wenn ins Ausland geliefert werden soll, Kapital notwendig: man liefert die Maschinen und sonstige Kraftwerkseinrichtungen auf Kredit, man muß oft, um den Bedarf zu entwickeln, Elektrizitäts» gesellschaften, Straßenbahnunternehmungen, elektrochemische Industrien usw. erst ins Leben rufen. Es ist eine Folge des verlorenen Kriege», daß die deutschen Unternehmungen über das hierzu erforderlich« Kapital nicht mehr in ausreichendem Maße verfügen. Das kommt z. B. darin zum Ausdruck, daß die elektrotechnisch« Ausfuhr Deutschlands, obwohl sie mengen- und wertmäßig größer ist als vor dem Kriege, anteilmäßig einen Rückgang erfahren hat. Länder, die früher die Hälft« oder zwei Drittel chres Bedarfs an elektrotechni- sehen Erzeugnissen aus Deutschland gedeckt haben, beziehen heute ver- schiedentlich nur noch ein Drittel. Dieser verhältnismäßige Rückgang hält offenbar noch an. Was die LEG. will., Die AEG. will nun— das ist von ihrem Standpunkt aus der Sinn des neuen Abkommens— sich ein größeres Terrain sichern: sie will auf anderen Gebieten mit der General Electric größer« Arbeiten gemeinsam ausführen: sie will also ihren Anteil an der Weltmarktbelieferung erhalten, vielleicht sogar noch vergrößern, aber sie kann sich dies nur um den Preis erkaufen, daß sie auf«inen Teil ihrer Selbständigkeit zugunsten der kapitalmäßig viel stärkeren General Electric verzichtet. Vom Standpunkt der General Electric ist der neue Ver» trag mit der AEG., die Uebernahm« von nominell 30 Millionen Mark, das heißt IS Proz. des jetzt auf 2l)l> bis 2i0 Millionen Mark zu erhöhenden Stammkapitals, sowie die Entsendung von fünf Vertretern in den Aufsichtsrat der AEG. nur« i n Fall van vielen. Da sie auch mit anderen Großprodu- zenten der Starkstromtechnik in Europa aufs engste verbunden ist, ergibt sich hieraus ihr Interesse, die verschiedenen Vertragspartner auch untereinander zu rationeller Zusammenarbeit zu veranlassen. Das Kommunique der AEG.-Verwallung drückt dies mit den Worten aus:„Die in Aussicht genommene Weiterentwicklung der Zusammen» arbeit bezweckt auch eine Verstärkung der freundschaftlichen Be- Ziehungen zu den nationalen Starkstrom-Fabrikationsunternehmun- gen in den Hauptindustrieländern Europas, die mit der Inter- national General Electric Co. und der AEG. Im Dertragsocrhältnis stehen." Wenn jetzt die General Electric 30, Millionen Mark Stammaktien der AEG. erhält, sei es durch Schaffung neuer Aktien, sei es durch Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien, so ist dies keines- wegs die gesamte Kapitalbeteiligung: denn es ist bekannt und wurde auch bisher von der AEG. nicht bestritten, daß in den letzten Monaten für Rechnung der General Electric größere Aktienposten auf dem freien Markt aufgekauft worden sind. Die 70 Millionen Mark, die bei der Transaktion insgesamt der AEG. in bar zufließen, sollen zu Beteiligungen an anderen europäischen Fabrikationsunternehmungen benutzt werden. Owen Doung als Symbol der amerikanischen Elektro- offensive. Die Schaffung dieses elektrotechnischen Weltbundes unter Füh- rung der General Electric ist ein weltwirtschaftlich sehr bedeutendes Ereignis. Ein Weltmonopol ent steht daraus zunächst nicht. Außerhalb dieses Bundes stehen der große Siemens- Konzern, die über viele Länder verzweigten Unternehmungen des Brown-Booeri-Konzerns, der zweitgrößte amerikanische Elektro- konzern Westinghous« Electric and Manufacwring Co., die franzö- sische Schneider-Creusot-Gruppe, der tschechoslowakische Skoda- Konzern, größere japanische Firmen usw. Auch unter diesen „Außenseitern" bestehen teilweise vertragliche und kapitalmäßig« Bindungen, allerdings nicht von der umfassenden, weltumspannenden Vielseitigkeit und Einheitlichkeit wie bei der Weltfront General Electric— AEG. Aber es können neu« große Machtgruppierungen mit großen Kapital, und Konkurrenzkämpfen durch diese amerika- nisch-europäische Machtoereinigung kommen. Darüber hinaus aber ist der Vorgang ein Zeuge des Vormarsches des ameri- konischen Elektrokapitals in Europa, das zum ersten Mal«, gegen die stärkst« europäische Elektrobastion, die Rheingrenze überschreitet. Als Symbol dieses Vormarsches wird Owen N o u n g, der Präsident der General Electric und der mäßigste Mann auf der Pariser Reparotionskonferenz, demnächst mit vier anderen Amerikanern im Auffichtsrat der deutschen AEG. sitzen. Billigeres Geld in Deutschland. Geringe Beanspruchung der Reichsbank. Der Monatsschluß im Juli hat auf dem Geldmarkt nur sehr wenig Sorgen bereitet. Dtzs ist zwar nicht überraschend, denn die Gcldverslüssigung in Deutschland dauert schon wenigstens drei volle Wochen an. Aber es ist bemerkenswert, in welcher Weise die Gcldverslüssigung im Ausweis der Reichsbank zum 31. Juli zum Ausdruck kommt. Es war nämlich ganz ungewöhn- licherweise gegen den Monatsschluh kaum eine Verteuerung der Zinssätze auf dem Geldmarkt festzustellen, und das zeigt sich auch im Reichsbankausweis. Die W e ch s e l b e st ä n d« der Reichsbank sind zwar nicht un- beträchtlich gestiegen; sie haben sich um 490,4 auf 2621,2 Millionen Mark erhöht. Auch die Bestände an Reichsschatzwechseln sind um 64,9 auf 67,4 Millionen gestiegen. Die Reichsbankkundschoft, ins- besondere die privaten Banken, haben sich aber im wesentlichen mit der Inanspruchnahme des Reichsbankkredites durch den R e d i s- kont von Wechseln begnügen können, eines Kredits, der nur TA Proz. Zinsen tostet. Die Zinssätze auf dem Geldmarkt waren so günstig, bzw. das Geld war so reichlich vorhanden, daß der um 1 Proz. teurere Lombardkredit der Reichs- dank nur sehr gering beansprucht wurde. Während Ende Mai und Ende Juli das Doppelte und Dreifach« auf Lombardkonto verlangt wurde, ist Ende Juli der Bestand an Lombarddarlehen nur um 53,9 auf 109,1 Millionen Mark gestiegen. Man muß sogar an. nehmen, daß auch die Wechselkredit« der Reichsbank sich nicht in dem tatsächlich erfolgten Ausmaß erhöht hätten, wenn der Monat Juli nicht 31 Tage hätte, aber nur 30 Tage angerechnet werden und so ein Zinsgewinn von einem Tag unter Umständen mög- lich ist. Selten hat sich infolgedessen die theoretische Möglichkeit einer Diskontermähigung so klar erwiesen wie dieses Mal: doch haben wir früher schon gesagt, daß internationale Rücksichten, be- sonders die schwierige Lage in London, diese Diskontermäßigung vorerst wahrscheinlich verhindern werden. Die fremden Gelder auf Girokonto haben um 35,0 auf 515,9 Millionen abgenommen. Der Notenumlauf erhöhte sich um 634,4 auf 4725,5, der Umlauf an Rentenbankscheinen um 28,2 aus 434,1 Millionen. Die Deckung der Noten blieb wieder sehr günstig. Die Goldbestände vermehrten sich um 63,0 auf 2148,3 Millionen, wäh- repd die Bestände an Deckungsdevisen nur um 6.9 auf 333,9 Mil» lionen abnahmen. Durch Gold sind die umlaufenden Noten mit «14 Proz.(gegen 39,5 Proz. Ende Juni), durch Gold und Devisen mit 52,5 Proz.(gegen 47,0 Proz.) gedeckt. Die Notendeckung über» steigt also fast um«in Drittel die gesetzliche Not- wendigkeit. Die Macht der Kupferkönige. Zwei Kapitalsgruppen beherrschen 50 Prozent der Weltproduktion Die wahnwitzigen Preistreibereien für Rohkupfer, die Anfang dieses Jahres die Metallversorgung erschütterten, haben deutlich genug gezeigt, welche Ausbeutungsmethoden sich ein privatkapitalistisches Weltmonopol leisten tonn. Es ist bekannt, daß das Amerikanische Kupferkartell, das 80 Prozent der Weltproduktion umfaßt, von einigen wenigen Kapitals- gruppsu beherrscht wird, deren Kreis sich jetzt sogar noch verengert hat. So hat die Anaconda Kupferminen-Gesellschaft in letzter Zeit mehrere wichtig« Verschmelzungsaktionen durch- geführt, durch die sie einen jährlichen Produktionszuwachs von etwa 50 000 Tonnen erhält. In der„Wirschaftskurve der Frankfurter Zeitung, Heft 1, 1929, ist über die Weltkupferproduktion und die in ihr vorherrschenden Kapitalsgruppen eine gründlich« Untersuchung angestellt, di« auch zu bemerkenswerten Ergebnissen in der Selbst- kostenfrag« kommt. Danach ist di« stärkste Gruppe der von der Familie Guggenheim beherrschte Konzern der American Smelting and Refining Company, der eine Jahresproduktion von annähernd 450 000 Tonnen Kupfer im letzten Jahre hatte und damit etwa 25 Prozentcher Welt- Produktion erreichte. Nach der jetzt vollzogenen Berschmelzungsaktion verfügt die Anaconda Kupferminen-Gesellschaft über eine Jahresproduktion von mehr als 400 000 Tonnen, so daß fast eine Million Tonnen Rohkupfer von diesen beiden Konzernen produziert werden. Da die Weltproduktion im ersten Halbjahr 1929 auf 1.1 Millionen Tonnen beziffert wird, liegt also fast die Hälfte der gesamten Kupserproduktion der Welt in den Händen der Familien Guggenheim und Rockefeller, der — allerdings nicht mit Sicherheit— als Beherrscher des Anaconda- Konzerns angesehen wird. Die Untersuchung der„Wirtschaftskuroe" über die G e- stehungskosten zeigt, welche phantastischen Ausmaße der Profit der Kupferkonzerne Anfang dieses Jahres angenommen hatte. Der Kupferpreis, der 1927 im Durchschnitt 12,9 Cent je Pfund betragen und 1928 auf durchschnittlich 15,1 Cent gestiegen war, sprang vom Januar bis zum März 1927 auf über 21 Cent je Pfund. Demgegenüber konnte die größte Mine im Guggenheim- Konzern ihre Gestehungskosten von 8,4 Cent im Jahre 1925 auf 5,6 Cent Ende 1928 herabdrücken. Nicht viel höher sind dio Gestehungskosten im Anaconda-Konzern, dessen Minen mit 6,6 bis 7,2 Cent je Pfund arbeiten. In den ersten Monaten dieses Jahres erzielten diese Konzerne also 300 bis 400 Prozent Rein- gewinn. Auch bei dem gegenwärtigen Kartellpreis von 18,5 Cent be- tragen die Selbstkosten bei der Anaconda-Gruppe e i n s ch l i e ß- lich Zinsen und Steuern mit 8,25 Cent längst noch nicht die Hälfte des Erlöses, so daß der Konzern zurzeit mit einem Reingewinn von 130 Prozent arbeitet. Der Gesamt- gewinn des Konzerns allein aus seinen Kupferminen dürfte sich aus Grund der Produktionsziffern auf fast 500 Millionen Mark belausen So sieht die Zeche aus, welche die metall- oerarbeitenden Industrien der Welt den Kupserkönigen Amerikas zu zahlen haben. Die Anleiheschulden Berlins. 419,8 Millionen. Eine vom Magistrat der Stadt Berlin vorgelegte ausführliche Uebersicht zeigt den Stand der langfristigen Schulden der Stadt Berlin, worunter Anleihen und Schuldscheindarlehen von mehr als ein Jahr Laufzeit zu verstehen sind. Für den Stand vom I. April 1928 ergibt sich ein« Gesamtverschuldung einschließlich der Altverschuldung von 479,8(Altverschuldung 133,8) Mill. Mark Von diesem Betrage waren ausländische Werkonleihen 11 6,2, und ausländische Schuldverfchreibungsonleihen 128,4, dagegen i n- ländische Schuldverschreibungsanleihen 62,9 und inländische Schuldscheindarlehen einschließlich der Notstandsdarlehen von Reich und Preußen 38h Mill. Mark. Der wesentlichst« Teil der Neuverschuldung wurde für die Stromversorgung verwandt: einschließlich des geringen Be- träges der Altverschuldung erfordert« dieser Verwendungszweck 162,2 Mill. Mark. An zweiter Stelle stehen die Schnellbahn mit 102,6, es folgen Verwaltungsgebäude usw. mit 66,7 und in weitcrem Abstand di« S t a dt« n t w ä s s e r u it g mit 25,8, Wohnungs- und Siedl ungswesen mit 23,7, Wasser- Versorgung mit 19,7 Mill. Mark. Der Rest entfällt zu kleineren Beträgen auf die verschiedensten Zwecke, so auf Markt- und Messe- hallen, auf Vermögensverwaltung, auf Straßen, Wege, Brücken, auf Heilanstalten, Schulwesen, den Vieh- und Schlachthof. Wie groß ist die Giickstoffprodukiion? Vor dem Kriege betrug die gesamte Stickstoffproduktion der Erde rund 750 000 Tonnen, wovon 430 000 Tannen auf Chilesalpeter entfielen. 1925 war die Gesamtherstellung schon auf 1,2 Millionen Tonnen gestiegen, der Anteil des Chilesalpeters war aber auf 385 000 Tonnen zurückgegangen. 1928 belief sich die Weltproduktion auf schätzungsweise 1,7 Millionen Tonnen, davon rund 400 00t) Tonnen Chilesalpeter. Die Schätzungen, die von einigen Pro- duzentengruppen hierüber gemacht werden, stimmen übrigens nicht völlig miteinander überein, wie die folgende Tabelle zeigt: 1926/27 1927/28 Verbr. Erzcugg. Verbr. Erzeugg. In Millionen Tonnen Reinstickstoff Schätzung d. British Sulphate of Ammonia Federation. 1,313 1,237 1,602 1,657 Schätzg. d Aikman Ltd... 1,316 1,245 1,604 1,652 . I. G Farbnnind. 1,339(1,320) 1,645(1. 60) Di« British Sulphate of Ammonia Federation ist eine dem deutschen Stickstoffsyndtkat ähnliche Organisation. Die Aikman- Gesellschaft ist ein wichtiger Chilesalpeterkonzern, der hauptsächlich mit englischem Kapital arbeitet. Die I. G. Farbenindustrie stellt mehr als drei Viertel der deutschen Stickstoffproduktion her. Die Schätzungen dieser drei Gruppen stimmen aber darin über- «in, daß im Jahr 1926/27 der Verbrauch größer war als die Produktion, im Jahre 1927/28 die Produktion größer als der Verbrauch. 1927/28 Überwog also das Stickstoffangebot, während vorher die Nachfrage überwogen hatte. Die Aikman-Gesellschaft hat auch v«rsucht, für die nahe Zukunft Dorausschätzungen zu machen, und zwar bis 1930/31. Danach würde 1930/31 die Stickstoffproduktion der Welt 2 685 000 Tonnen betragen, der Verbrauch aber nur 2 650000. Da di« Zahl der Erzeuger ober noch immer im Steigen begriffen ist, so werden di« Schwierigkeiten de» Stickstoffmarktes in der Zukunft noch wachsen. Lnternationales KunstseidekarteN. Kunstseidefrieden zwischen Glanzstoff und Farbentrust? Die scharfen Gegensätze zwischen dem Glanz st offtonzer» und dem F a r b« n t r u st als Kunstseideproduzenten hatten Anfang diese» Jahre» zur Sprengung des deutschen Kunstseidekartclls (Viscose-Konvention) geführt. Für die Derbrauchsmassen hatte der Kampf dieser beiden Großmächte die immerhin erfreuliche Tatsache wesentlicher Preissenkungen zur Folge gehabt. Wie jetzt verlautet, sind zwischen den beiden Gegnern die Friedens- Verhandlungen so weit sortgeschritten, daß mit einer baldigen Ver- ständigung in allen strittigen Fragen zu rechnen ist. Damit wäre auch der Weg für ein europäisches Kunstseidekartell frei, dessen Monopolmacht die Verbrauchermassen aller Länder um so leichter bald zu spüren bekommen können, als die Glanzstofs ja vor einigen Wochen sich mit dem mächtigen holländischen Enka- Trust verschmolzen hat. Zusammenschluß in der Berliner Porzellanindustrie. Die Steatit-Magnesio A.-G. in Berlin-Pankow, eines der größten Berliner Porzellanunternehmen mit 1600 Mann Beleg- schaft, beabsichtigt ihr Kapital von 5 auf 7 Millionen heraufzusetzen. Die Kapitalerhöhung dient zur Durchführung der Verschmelzung der Porzellanfabrik Teltow A.-G., deren Hauptsabrikations- zweig die Herstellung von Hochspannungsisolatoren ist. Mit der Aufsaugung dieser Gesellschaft wird die Steatit-Magnesia daher ihre Isolatorenproduktion ganz erheblich erweitern können. Daß das Unternehmen seine Ausdehnungspolitik noch weiter fortsetzen will. geht aus einem Antrag der Verwaltung hervor, wonach die General- Versammlung eine weitere Kapitalerhöhung um 2 Mil- lionen Aktien auf 9 Millionen genehmigen soll, di« zunächst aber als Vorratsaktien zur Verfügung gehalten werden. Das Unter- nehmen, das in den letzten Iahren mit hohen Gewinnen arbeitete und 8 bis 10 Proz. Dividenden auszahlt«, ist auch zur--' schr gut beschäftigt. KommuniUch-sasWische Einheitsfront. Bewaffneie Kolonnen gegen Andersdenkende. Das Organ dar Brandlerischen„Gegen den Strom" ent- hält in seiner Nr. 31 vom 3. August wieder einige nette AbHand- lungen über die linientreuen" Gewerkschoftsstrategen. die auch für „resarmistische" Gewerkschafter ganz aufschlußreich sind. So ersieht man aus einem Bericht über eine Betriebsversammlung bei der Knorr- Bremse, daß nicht nur sowjetrussische Flieger in Ehrfurcht vor dem Oberfaschisten Mussolini ersterben und faschistisch grüßen lernen, sondern daß sich auch deutsche Sowjetmissionare um die Herstellung der Einheitsfront mit den 5afch>fksn bemühen.„Gegen den Strom" schreibt: „Die Parteileitung des 17. Bezirks, Berlin-Lichtenberg, macht jetzt in Einheitsfronttaktik. Deshalb wurde eine Versammlung der Arbeiter der Knorr-Bremse(Metallbetrieb mit 4000 Mann Belegschaft) zum Donnerstag, den 25. Juli 1929, arrangiert. Zu dieser Versammlung waren die dort sehr stark vertretenen Faschisten und auch die Faschistenführer Göbbels und der Abgeordnete Wiedemann eingeladen. Letztere waren aber nicht erschienen. Referent war der sächsische KPD.-Abgeordnete Renner und jetzige Leiter des Pressedienstes. Entsprechend der AnMndigung auf dem Einladungszettel:„Kameradschaftlicher Meinungs- au-tausch, kein Kampf der Fäuste zwischen Kollegen, sondern ein geistiges Ringen um Klarheit" war das Referat von Renner sehr freundschaftlich und entgegenkommend gehalten. Man konnte staunen, wie der als rücksichtsloser Preisboxer gegen die„Brand- leristen" berühmte Renner kameradschaftlich das Gemeinsame mit den Faschisten hervorhob. Di« anwesenden Stahlhelmer und Nazis diskutierten gleich während des Referats mit Renner durch Zwischenrufe und längere Bemerkungen, so daß nachher keine Diskussion mehr stattfinden brauchte. Anwesend waren im ganzen 41 Personen, darunter 5 Faschisten und 18 Kommunisten, die nicht in der Knorr-Bremse arbeiten. Die übrigen waren mit der KPD. Sympathisierende. Es mag da und dort nicht falsch sein, gegenüber Faschisten die Einheitsfronttaktik anzuwenden. Aber wenn die jetzige KPD.- Führung systematisch jede Einheitsfronttaktik gegenüber sozial- demokratischen Arbeitern ablehnt und wenn, wie der Org.-Leiter Sommer in Köln erklärte,„mit Brandleristen nur noch mit Stuhlbeinen diskutiert" wird, so läßt das nur den Schluß zu, daß die Thalmänner In den Faschisten d'e ihrer würdigen„Käme- raden" sehen." hierzu erübrigt sich jeder Komnientar. Ebenso interessant ist ein Artikel in der gleichen Nummer,„Kolonne Merker" über- schrieben, in dem über eine größere Konferenz kom- munistischer Gewerkschaftsfunktionäre am 21. Juli in Essen berichtet wind, in der der frühere Gelbe Paul Merker, der houptstrotege der KPD. in Gewerkschaftsfragen, und Saefkow sprachen. Damit man uns keiner Zitotfälfchung beschuldigt, lassen wir „Gegen den Strom" sprechen: Was Paul INerker im Hauptreferat von sich gab, entnahm er der alten Disposition seines Parteitagsreferates. Nebenher hatte Paul auch eine neue Idee. Auf dem Speisezettel der„Or- gane zur Herstellung der betrieblichen Einheitsfront" hat er ein neues hinzugefügt.—„Die revolukionären Betriebsvertrauensleute." so sagte Merker,„müssen durch bewaffnete Kolonnen beschützt werden, damit es ihnen nicht ebenso ergeht wie in Amerika".— Im übrigen sind Spaltungen und Ausschlüsse aus den Gewerkschaften heute nicht mehr von wesentlicher Bedeutung. Die Betriebskassen sind nicht als Streikunterstützungskassen ge- dacht. Die Gelder sollen der Vorbereitung des Kampf«? dienen... Nach Alerter sprach Saefkow. Der machte in„Selbstkritik". Nur einige Eingeständnisse sollen hier festgehalten werden.„Vor der Tarifbswegung im Ruhrbergbau am 1. Mai bestanden oer- hältnismäßig sehr viele vorbereitende Kampfausschüsse. Wir hatten im Ruhrgebiet insgesamt 36 solcher Ausschüsse."— Und jetzt?— Sie sind inzwischen alle sanft entschlafen. Obwohl sie unter allen Umständen weiter aufrechterhalten werden sollten, exsstiert heute kein Kampfau-schuß mehr im Bergbau. Darüber aber schwieg Saefkow. Er gab seiner Entrüstung Ausdruck, daß es bisher in keinem einzigen Betrieb gelungen sei, Antikriegs- komilees zustande zu bringen. Die Fraktionsarbeit in den Ver- bänden sei absolut mangelhaft. Im Arbeitsplan der BL. wird die vollkommene Passivität der Fraktionen besonders überzeugend nachgewiesen. Ausdrücklich wird festgestellt, daß man erst am Anfang des Spaltungskurses steht, denn bei dem Ausschluß eine- einzelnen „muß die reformistische Bureaukratie gezwungen werden, zu ent- scheiden: entweder Rücknahme des Ausschlusses, oder Vorgehen gegen die gesamte Belegschaft bzw. Mitgliedschaft der Gewerk- schaftskörperschast". Die neuen Kampfformen, di« bisher zur Ab- spaltung von neun Zahlstellen im BAV. führten,„bieten in den nächsten Monaten die Möglichkeit, im Ruhrgebiei alle reformistischen Schranken niederzureißen.'.." Das Organ Brandlers hat nicht unrecht, wenn es im Anschluß an noch andere Verrücktheiten die Auffassung vertritt, das solche Konferenzen und Arbeitspläne nur den Prozeß der endgültigen Isolierung der KPD. von den Massen beschleunigen. Einheitsfront mit Faschisten, Knüppelgarden gegen andersdenkende Arbeiter, das sind Methoden, von denen jeder anständige Arbeiter abrückt. Diese„Taktik" zeigt mit aller Deutlich- keit, daß von einer Führung in der KPD. überhaupt nicht mehr gesprochen werden kann. ?l Oer Herr im Hause. Oobrins lieinfall vor dem Arbeitsgericht. Es ist nicht Zimmer ganz einsach, zu entscheiden, ob man auf den Ehemann mehr Rücksicht nehmen soll als auf den Chef: wie man's macht, ist's falsch. In diesen Konflikt geriet auch kurz vor dem Sommerurlaub eine sanfte junge Frau, di« seit fünf Jahren als K-isteemamseh in der Konditorei von Moritz Dobrin beschäftigt war. Paß und Fahrkart« für eine Urlaubsreife nach Danzig waren besorgt. Der Reifetag ist festgesetzt, da erkranken zwei Kolleginnen, und der Chef verlangt Urloubsaufschub. Acht Tage lang wird verhandelt, ob nicht ein anderer Ausweg zu finden ist. Der Kollege von der Gewerkschaft versucht zu helfen, beweist dem Geschäftsführer, daß beim Facharbertsnachweis ge- lernte und zuverlässige Aushilfskräfte zu haben find, alles ver- «eben?. Rur wenn die erkrankte Kollegin zurückkommt, soll der Irlaub gewährt werden. Die Sanste verspricht ihren Dienst zu veriehen, doch zu hause sieht's anders aus. Der Mann be- steht auf Abreise. Sicherheitshalber bevollmächtigt sie den Arbeitskollegen vom Verband der Nahrungsmittel, und Getränke- orbeiter, ihre Interessen zu vertreten, falls etwa während ihrer Ab- Wesenheit eine Kündigung erfolgt. Bei der Rückkehr erfahrt sie, daß man di« fristlose Kündigung in ihre Berliner Wohnung geschickt hat und die Einspruchsfrist als verstrichen betrachtet. Bor dem Arbeitsgericht gibts einen harten Kampf. Die Bemühungen des Vorsitzenden. Wiedereinstellung im Vergleichs- wege zu erreichen, scheitern an der hartnäckigkott der Mrmenver- treter, die durchaus ein Exempel statuieren mächten. Man konstruiert„Arbeitsverweigerung" und operiert mit dem beliebten „da könnt» ja jeder kommen". Die Ablehnung gilt mehr der Ge- werksihaftMils der bewährten Angestellten, der man besonders übel- nimmt, daß die Verbandsvertreter sie unterstützten. Die Zeugen- aussagen ergeben einwandfrei, daß der Verbandsvertreter Betriebsrat und Geschäftsleitung rechtzeitig von seiner Vollmacht für die Klägerin benachrichtigt hat, daß trotzdem die Kündigung in die leere Wohnung geschickt wurde, so daß memond Einspruch erheben konnte. Man hotte nicht einmal den Betriebsrat von diesem Kündigungsschreiben unterrichtet.> Das Gericht erkannte die Frist als gewahrt und verurteilt« die Firma Dobrin zur W i ed e r e i n st e llu ng oder zur Zahlung einer Entschädigung von 476 M. Oer Schuhmachewerband-1928. Erfolgreiche Arbeit trotz schwerer Krise. Unter den freien Gewerkschaften, deren Aktivität und Fortschritt im Vorjahre durch wirtschaftliche Ungunst stark gehemmt wurde, steht der Zentralverband der Schuhmacher, wie aus dem soeben veröffentlichten Jahrbuch 1928 hervorgeht, mit an erster Stelle. Da» Jahr 1928 war für die deutsch« Schuhindustrie ein Krisenjahr erster Ordnung. Mit Ausnahme des Jahres 1926 haben die deutschen Schuharbeiter nach dem Kriege noch nie so unter Arbeitslosigkeit �nd Kurzarbeit zu leiden gehabt wie im vorigen Jahre. Von ganz geringen Schwankungen abgesehen. stieg die Zahl der arbeitslosen Verbandsmitglieder von Monat zu Monat. Während im Januar„erst" 9,4 Proz. der Mitglieder arbeitslos waren, legten am Schluß des Berichtsjahres 23,7 P r o'z. der Berbandsmitglieder unfreiwillig die Hände in den Schoß. Aehn- lich verläuft die Kurve der Kurzarbeiter. Im Januar 1923 zählt« die Organssation 19,7 Proz. der Mitglieder als Kurzarbeiter: im Juli wurde der Höchststand mit 57 Proz. erreicht, und zu Ende des Jahres waren es immerhin noch 35,9 Proz. Wenn zum Vergleich der Beschäftigungslage all« in der Schuhindustrie Beschäftigten, also die unorganisierten und organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen. herangezogen werden, ergibt sich für den Monat Juli 1928 sogar die Zahl von � 77.4 Proz. Kurzarbeiter in der deytschm Schuhiudustrie. Diese Zahlen lassen erkennen, welche große sozial« Not unter den deutschen Schuharbeitern herrscht und welchcs Elend in ihre Familien Einzug gehalten hat. Daß diese über alle Maßen schlechte Wirtschaftslage di e Lohn- und Tarifpolitit des Verbandes stark hemmte, ist leicht verständlich. Während 1927 insgesamt 52 Angriffsbewegungen, 82 Abwehrbewegungen und 11 Angriffsstrei-ks geführt wurden, waren es im Berichtsjahre 33 Angriffs- und 61 Abwehrbewegungen, sowie vier Abwehrstreiks. Die Zahl der an diesen Bewegungen Beteiligten war aber im Berichtsjahr fast die gleiche, wie im Jahr« zuvor.'Sie war 1928 mit insgesamt 123 635 Beteiligten um rund 3900 höher al« 1927. Di« größte Bewegung ohne Arbeitseinstellung war die zur Erneuerung des Reichstarifsoertrages für di« Schuh» industri«. Die Zahl der Tarifverträge stieg im Be- richtsjahr von 42 auf 45 und die Zahl der unter sie fallenden Arbeiter und Arbeiterinnen von 111366 auf 118 775. Wenn trotz der schweren Krss« der Mitgliederstand gegen- über dem Vorjahre nur um 674 auf 77 233 zurückgegangen ist, so Zeit im Verband bewesst das, daß die schon längere Zeit im Organisierten ...__ litÄiederbewegung bewirkte, bewesst der Umstand, daß sich bis zum Ende des ersten .Halbjahres 1928 der Mitgliederbestand schon auf 80 096 gehoben hatte. Bon den 77 233 Verband smügltedern sind 34 243— 44,3 Proz. weibliche. Gegenüber der Vorkriegszeit, wo der Zentralverband der Schuhmacher 44 363 Mitglieder zählte, hat die Organisation ganz erheblich an Stärke gewonnen. Ein Beweis dafür, daß die Aufwendungen der Organisation im Vorjahre auf das allernoiwendigste beschränkt wurden, ist die Tat- fache, dckß ihr Vermögen um rund 613000 ZJlark aus fast 3 Millionen Mark aagefilegeu ist, obwohl sich die Ausgaben beträchtlich erhöhten, zum Beispiel für Unterstützungszwecke von rund 375 000 Mark auf 718000 Mark, also fast um oas Doppelte. Das Verbandsvermögen betrug Ende 1928 pro Mitglied 38,36 M. gegen 30,16 M. zu Ende des Jahres 1927. Alles in allem kann gesagt werden, daß sich der Zentralverband der Schuhmacher im Jahre 1928 trotz der schweren Be- lostungsprobc erfolgreich behauptet und sich, wie schon öfter in früheren Iahren, als ein starker Stützpunkt der deutschen Schlcharbeiterschaft erwiesen hat. Zur„Reform" der. Arbeitslosenversicherung. Der AOGR. in Rheinlond-Westfalen gegen Abbau. Der Allgemeine Deutsch« Gewertschaftsbund Bezirk Rheinland- Wefffalen-Lippe hielt am Donnerstag in Essen«in« Gauleiter- k o n f« r e n z ab, die sich mit der geplanten Reform der Arbeitslosen- Versicherung befaßte. In einer Entschließung wurde zum Ausdruck gebracht, daß di« rund 700 000 im yiesigen B«zirk des Allgemeinen Deusschen Gewerkfchastsbundes zusammengefaßten Arbeiter mit aller Entschiedenheit gegen«in« etwa beabsichtigte Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung Einspruch erheben. * Der Bericht des Sachverständigenausschusses für die Arbeitslosenfrage wird erst Mitte des Monats zur Veröffent- lichung gelangen. Am kommenden Mittwoch wird er von einigen Bevollmächtigten des Ausschusses noch einmal auf feine Richtigkeit hin gevrisst werden, bevor er in Druck geht. Der Bericht wird«inen stattlichen Band darstellen: er umfaßt 60 Schreibmaschinen- seilen._ Oie puhmacherinnen muffen sich wehren 7tur die Organisation kann helfen Eine Putzmacherin schreibt uns: Der Arbeitgeberverband hat den Mailleltarif für die Engros- und Fobrikbetrieb« zum 31. August gekündigt. Die Errungenschaften des Verbandes sollen brutal gekürzt werden. Urlaub werden dann nur wenig Auserwählte erlangen. An zehn Sonntagen sollen je sechs Stunden gearbeitet werden. Kolleginnen! Folgen wir dem Beispiel der Unternehmer. Treten wir geschlossen in den Verband ein. um unsere Menschenrecht« zu erkämpfen. Es liegt schftehlich auch im Interesse der Unternehmer selbst, wenn die Putzmacherinnen organisiert sind: dann sind alle Unter- nehmer gezwungen, die gleichen Löhne zu zahlen und können tue hüte nicht zu Schleuderpreisen verkaufen. So wird es dem an- ständigen Fabrikanten leichter, fein Geschäft auf reeller Basis zu führen und auch den Putzmacherinnen ein menschenwürdiges Dasein durch höhere Löhn« zu ermöglichen. Putzmacherinnen! Besinnt euch auf euer Menschentum und Menfchenrecht! Kaufmännisches Personal. Hutmacher, Einrichterinnen, Strohhutnäherinnen und Stepperinnen erhalten den Tariflohn, well sie ihn erkämpfen, hohe Löhne erhöhen die Kauftraft. Wenn wir gut verdienen, können wir uns Manches kaufen, was uns jetzt nicht möglich ist. Dadurch verdienen die in anderen Industrien Be- schöftigten mehr und können sich einen zweiten oder besseren Hut taufen, was dann wieder der Putzbranche zugute kommt. Also, auf in den Verband. Vereint ist auch der Schwache mächtig. Reuabgrenzung von Schlichterbezirken. Der Reichsarbeiisminister hat aus wirtschaftlichen Gründen den bisher zum Schlichterbezirk Niedersachsen gehörigen südlichen Teil des Kreises Ilfeld(das frühere Amt hohnstein) dein Schlichterbezirk Mitteldeutschland zugeteilt. Der bisher zum Schlichterbezirt Schlesien gehörige Kreis Hoyerswerda sowie der westlich der Landstraße Priebus— Sarau liegend« Teil des Kreises S a g a n(mit Ausschluß der Stadt Priebus) ist dem Schlichterbezirt Brandenburg zugewiesen worden. Volksfchullehrer und Friedenspropaganda. Brüssel, 2. August.(Eigenbericht.) Der Kongreß des Internationalen Berufssekretariats der Volks- schullehrer, der am Donnerstag und Freitag tagte, nahm. eine Ent- schließung an. wonach in jedem Land eine Liste der Schul- und Kinderbücher angefertigt werden soll, die den Friedens- gedanken verbreiten. Die neu« Exekutive setzt sich wie folgt zusammen: V»r- sitzender Klein- Frankreich, Generalsekretär Po st Humus- Holland und Hilfssekretär B r a c o p s- Belgien. Der Generalrat beauftragte die Exekutive, zwecks Bildung einer Gemeinschaft mit den vier internationalen Berufssetretariaten der Beamten, Lehrer, des Post- und des Gemeindepersonals in Verbindung zu treten. Die Gemeinschaft werde die Autonomie der einzelnen Organisationen nicht berühren. In der Frage der Ein h e i t s s ch u l« n soll vor dem nächsten Kongreß kein Beschluß gefaßt werden. Der Generalrat des Berufssekretariats hat eine Entscheidung der deutschen Delegation angenommen, worin die nationalen Organi- sationen aufgefordert werden, ihre Aktionen zugunsten der Junglehrer fortzusetzen. Wetter beschloß der Generalrat. den Lehrern in Chile durch Vermittlung der argentinischen Organssation finanziell Hilfe zu leisten.' Freie Gewerkfchafts-Jugend Berlin t Achtrulg! 063 eben. BolksbüHnenkarten«im Umtausch in der An3"td«tttrale Dr. Surt Streit Wirtschaft:«. tUirgelhöser; rann«: I. Steintet ffemHeton: Ä. H. Döscher; Lokale» : Riii Jtarßobt: awtlaen; Tb. Slocktt sinntlich in Berlin. Verlag t Vorträrt�Verlag®. m. b. H., Berlin. Druck: Verwirt».Buch drucke res und Berlagoanftalt Baul Singer u. To., Berlin TW. SS. Sindenstrnße S. Vier,» 2 Beilage» und �Tnterhaltung und Willen'. Verantwortlich für Politik SewerkschastÄewegun und Lonttiaes Verkäufe Linoleum. Szillat, Solonievraße 9.* bckleuJuncisslucVe. 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