BEELIN Sonnabend Z. August 1929 10 pk. ?lr.3«0 B 179 46. Jahrgang. eeschetuttSgltch aaterGonatag«. �_% ß a* t£€>»t«is«o»relt: Di« einspaltige N»n»areill«inl, Augltich Abead-u,g-bt de«.DorrrSrts'. D-iugs?rci«\.JrJ,. fj/. M/.. 80 Pf.. Reklame, eil« 6 M. Ermäßigunzea nach T-nf. beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. S.K0M. pro«Kenat 1 1 XrtSI M&O. JiOX e#■»D'yll/flEyfnHA VoKscheckkoat», D-rwSrtt-Derlag S. m. b.H� «edaktioa und exoedition; Berlin SWSS.kindeastr.s J" �" ff v // Tw Berlin Nr.»7LZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 dt« 29? Terror der Hakenkremler. Nürnberger Parteitag beginnt mit Lleberfällen./ Das erste Todesopfer Mit 10 Kilometer über dem Ozean Dürnberg. 3. August. lE'genbericht.) Die h a k e n k r e u z l e r. die ihren parleiiag in Nürnberg ab- halten, sind sehr enttäuscht über den Empfang. Fast nirgends, mit Ausnahme von einigen Geschöskleuten. ist geflaggt worden. 3n ihrer wnlüberdiesekatastrophein Nürnberg sind bereits einige Zusammenstöße mit dem Publikum erfolgt. Am Freitag nachmittag stürmten die hakenkreuzler einen Straßenbahnwagen. vergriffen sich tällich an dem Strahenbahnführer. der nicht gehalten hatte, und schlugen hierbei die Fensterscheiben des Wagens ein. Am Abend kam es im Innern der Stadt zu einem schreck- lichen Mordfall. Als drei Radfahrer, die eine Trommel der Reichsbanners bei sich trugen, durch die könlgstrahe fuhren, wurden si« von einem Trupp Hakenkreuzler angehallen und schwer mißhandelt. Im selben Augenblick kam ein Auto, mit haken- kreuzlern beseht, von dem ein H a k e n k r eu z l e r abstieg und mehrere Schüsse in das Mcnsdienknäuel abgab. Hier. bei wurde eine zufällig in Nürnberg anwesend« Kausmannssrau aus Heffen in den Kopf getroffen und war sofort tot. Zwei der Radfahrer, die Mitglieder des Reichsbanners find, wurden schwer verletzt. heute, Sonnabend früh ll Ahr. drang ein Trupp Haken. Ireuzfer in die Wirtschaft des Metallarbeiter ver. band es ein. mißhandelte den Wirt, zerschlug die Fensterscheiben und demolierte die Wirtschaft. Alp gegen 10 Uhr 1000 Kinder von der Kindersreunde- beweguug zum Bahnhof marschierten, um nach Andernach zu fahren, traf auf dem Bahnhof zu gleicher Zeit ein Zug haken. t r e u z l e r, die aus Hof in Bayern kamen, ein. Als diefe haken. krcuzler den Kinderzug auf dem Eleife stehen sahen, bespuckten sie die Kinder und den Zug. * Die Bevölkerung von Nürnberg ist empört über dieses Rowdytum, das sich seit gestern in Nürnberg Kreil macht. Selbst die Polizeibeamten find entrüstet über dieses Treiben und loben im Gegensatz dazu das vorzügliche Herhalten der Ar- beiterturner in Nürnberg vor vierzehn Tagen. Seil heute mittag 1? Uhr ist die Polizei in Alarmbereitschaft und fährt mit Autos durch die Stadt. Bandenüberfätte auf Vorwärtsfilialen. Organifleries Rowdytum. Die Roheitsvergehen sunger Kommunisten oder von Leuten, die sich wohl einbilden oder vorgeben. Kommunisten zu sein, mehren sich von Tag zu Tag. Gestern abend sind von solchen Rohlingen vier ruhig ihres Weges gshevde Reichsbannerleutc niedergeschlagen worden. Weilerhin wurden in zwei.vorwärt»".Filialen die Fenster. scheiden eingeschlagen und ein Steinbombardcment auf die Läden eröffnet. Die Polizei ist eifrig bemüht, der Täter habhaft zu werden. Auf die.Vorwärts-.Filiale in der Ackerstr. 1/4 wurde, wie man vermutet, von Kommunisten gestern abend ein regelrechter lieberfall verübt. Mit Steinen bewaffnet tauchten die Burschen plötzlich vor der Filiale auf und eröffnete:: aus die Fensterscheiben und Firmenschilder ein Bombardement Das Zerstörungswerk war schnell beendet und unerkannt konnten die Vandalen entkommen. Im Laden wurden zahlreiche Pflaster- pnd Mosaik st eine gesunden. Es ist wohrfchein- lich, daß sich an deni Ueberfall eine ganze Bande beteiligt hat. Von der Ackerstraße.zogen die Rowdys noch der B a st i a n- stroße auf dem Gefundbrunnen, wo gleichfalls die Scheiben der„B o r w ä r> s"- F i l i a l e durch Steinwürfe zertrümmert wurden. Zluch hier konnten die Landalen ungehindert entkommen. Nach den Feststellungen der Polizei scheint es sich regelrecht wn organisierte Bandenübcrsälle zu handeln mit dem Ziel, die„Vorwärts-Filialen zu schädigen. In. zwischoa P auf den zuständigen Polizeirevieren Strafantrag gegen .Unbekannt" gestellt worden. Es ist zu hosten, daß es der Po- l,zei gelingt, die Strolche, die sich an toten Gegenständen vergreifen, dingsest zu machen. Bei einer Bcrglour ist der Berliner winisterlaldlrek- kor kühne tödlich abgestürzt. Er konnie sich jedoch am Gestrüpp festhatten. In dieser fürchterlichen Lage verbrachte er die ganze Nacht, bi» ihn gegen Morgen die Srasle verließen, worauf er 200 Meter tief abstürzte. Eine Relluvgskolonne konnte ihn nur noch als Leiche bergen. //Zeppelin" morgen in New �ork. Nach einem Funkspruch des-.Graf Zeppelin" an die Marincstation Arlington befand sich das Luftschiff um 1,03 Uhr mitteleuropäischer Zeit vv Meilen südlich der Azoreninsel Pico. Bei leichte« Winden fährt das Luftschiff mit einer Stundengeschwindigkeit von 70 Kilometer. Mit dem Eintreffen des„Zeppelin" wird l« Lakehürst für morgen, Sonntag früh, gerechnet. Die Wetter- läge über dem Atlantischen L�ean ist augenblirklich günstig. Die Borbrrcitunge« für die Weitsehrt des„Gras Zeppelin" sind Nahezu abgeschlosien. Bekanntlich soll hie Fahrc in vier Abschnitten durchgeführt werden: Friedrichshosen— Tot so, Tokio- Los An g e l es, LosAngsles— Lakehürst, Lakeh u rst— F r i e d r i ch s h a f e n. Da in Friedrichshofen und Lakehürst b:- reits genügend erprobte Einrichtungen vorhanden waren, brauchten nur sür Los Angeles und Tokio Vorkehrungen zur Sicherstellung der Betriebsmittelvorräte, Reparaturmöglichkeitcn und htlfspersonal ge- trossen werden. Im einzelnen wurden folgende Vorbereitungen gl- troffen: für Japan hat das japanische Marinedepartement die Marinelultsahrtstation bei Tokio angeboten, hier befindet sich eine Lustschifshallc, die etwas größer ist als die Friedrichshafener Halls und ursprünglich in Jüterbog bei Berlin gestanden hat. nach Kriegsende aber nach Japan ausgeliefert werde» mußte. Auch die übrigen technischen Einrichtungen sind hier größtenteils schon vor- Händen-, sogar ein Ankermast befindet sich auf dem Landungsplatz, der zurzeit für eine etwaige Verankerung des„Graf Zeppelin" her- gcridstet und verstärkt wird. Im ganzen stehen außerdem llliX) Neumünster. „Ausgerechnet während der Erntezeit SL0 Landleute zu einer albernen Prozession zusammenzutrommeln? Zochem, wie verträgt sich da« mit unsere Not!" Mann zur Verfügung, da die Luftfahrtstation Sitz der japanischen Marineluftschiffabteilung und der Flugzeugabteilung ist. Oel- und Actriebsgas werden von amerikanischen Firmen an eine japanische Aktiengesellschaft geliefert, die die geschäftliche Vertretung des Luft- fchiffbaues für Japan übernommen hat. Die Hamburg-Amerika- Linie wird die Passagier-, Post-, Fracht- und Verpflegungsangelegen- Helten übernehmen. Weiter stehen genügende Mengen Traggas und Betriebsgss und flüssige Betriebsstoffe bereit. Auch ein neuer Reservcmotor ist von Friedrichshafen nach Tokio geliefert, ebenso mehrere Kisten mit Maschinenrcservetcilen und Werkzeugen. Be- tovntlich ist auch Ingeuicur Beucrle nach Tokio abgereist, der die technifchcn Vorbereitungen leitet. In Los Angeles hat eben- falls das Marikiedepartenient der Vereinigten Staaten eine Luft- Ichisiertruppe aiis Lakehurst zur Hilfeleistung angeboten. Die Stadt Los Angele» stellt den städtischen Flugplatz zur Verfügung und hat auch die Aufstellung elncs Ankermastes und die Errichtung der not- wendigen Gasfüll-Leitungcn übernommen. Der Ankermast ist vom gleichen Typ wie der in Lakehurst befindliche. Äsiociated Chathom Massachusetts konnte heute nacht über eine Stunde lang sich niit dem„Gros Zeppelin" verstän« digen. Er gab«ine große-Anzahl von privaten und Pressenach- richten. Die augenblicklich« Position des Luftschiffes wurde nicht angegeben. Nach der letzten Standortmeldung von Bord des„Graf Zeppelin" haben sich die Willerungsverhällniffe für den Weiterslug über den Atlantik gebesseri. Dr. Eckener beabsichtige, einen Surs ein- zuschlagen, der etwa 200 Meilen nördlich an den Bermuda-Znseln vvrbeisühri. Wahrscheinlich werde das Lustsdstfs am Sonntag über Aew Jork eintreffen. Lakehürst soll erst nach der Uebcrfliegung weiterer amerikanischer Städte, darunter auch Washington, ange- steuert werden. Weiter« Nachrichten vom Luftschisf liegen bei den Amtsstellen nicht vor. Wahrscheinlich-ist die Schiffsleitung mit der Einholung von Wettermeldungen überstark in Anspruch genommen. Kommunistische Girolche. Zn den gestrigen späten Abendstunden wurden aus dem Wedding wieder vier Reichsbannerkameraden von kommunistischen Strolchen überfallen und schwer verletzt. Drei Reichsbannerkameraden befanden sich nach Beendigung der machtvollen Straßcnkundgebung des Reichsbanners am Wedding auf dem Heimweg«. In der W e d d i n g st r a ß e, dem berüchtigten Dorado der Kommunisten, stürzten sich aus einem Hinterhalt 12 bi» 15 Kommunisten aus die drei ahnungslos Vorübergehenden und drangen mit Messern, Schlagringen usw. auf sie ein. Ohne Zweifel wäre der Ueberfall für die Reichs- bannerkameraden sehr übel ausgelaufen, wenn nicht zufällig ein Polizeiauta vorllbergefahren wäre. Die Beamten griffen sofort ein und d!« kommunistischen Helden flüchteten und konnten im Dunkel der Straße entkommen. Einer der Haupttäter, der sich in«in Restaurant geflüchtet hatte, konnte verhaftet werden; er wurde der Abteilung Iz im Polizeipräsidium zugeführt. Zwei Reichsbannerkamerad«» hatten tiefe M e s s e r st i ch e in den hinter taps, sowie Schlagringoerletzungcn davon- getragen. Sie mußten zur Rettungsstelle in der Lindower Straße gebracht werden, von wo sie»ad) Anlegung von Notverbänden durch Polizeibeamt« in ihre Wohnungen geleitet wurden. Ferner wurde auf dem Rückweg in der Schönstcdtstraß« am Brünnenplatz der Iugendkamerod Alfred Rapp von drei Kommunisten überfüllen, mit Schlagringen bearbeitet und mit Steinen beworfen. Als ihn Kameraden zu Hilfe eilten, suchte das Gesindel schleunigst das Weite und verschwand spurlos. Preisabbau der englischen Spinnereibescher. Nlavchester.3. Augvst. Der verband der Spmaereibesiher beschloß am Freilag. einen Ausschuß zu ernennen, der sofortige Maßnahmen zur herabsehung der zuletzt festgesetzten Preise ergreifen soll. Die Entschließung schlägt vor. daß man die Bleichereien, die Färbereien und die Der- packungsgeschäste bittet, ihre Preise zu ändern, um zu gestatten, die Preise der Laumwollwaren bis zum Niveau der Wellkonkurrenz herabzusetzen. Giftmord in Charlottenburg. Ein Althändler starb unter verdächtigen Umständen. Gerüchte von einem Giftmord knüpften sich an den Tod eines 73 Jahre alten Altsiher» Hermann Koppen, der am 1l. Juni d. I. in der Charit« verstarb. Zunächst glaubte mab an Tod infolge Altersschwäche, doch wollten die Gerüchte in der Nachbarschaft nicht verstummen. So erfuhr auch die Kriminalpolizei davon und ging jetzt der Sache auf den Grund. Koppen besaß früher ein Grundstück bei Zossen, das er vor einigen Jahren verkaufte. Als Restforderung wurden ihm auf ge- richtlichem Wege noch 8000 Mark zugesprochen. Anfang dieses Jahres lernte er eine Frau in der Weber st raße kennen und zog mit ihr zusammen nach C h a rl o tt e n b u r g, wo ein Zigarrengeschäft von dem Gelde des Alten erworben wurde. Im Mai machte die Frau aber die Bekanntschaft eines jüngeren Mannes, zu dem sie sich mehr hingezogen fühlte und den sie zu sich nach (5 harlottenburg nahm, wo er sich helfend im Geschäft be- tätigte. Diese Wandlung der Dinge war dem alten Koppen nicht angenck>m, er drang darauf, daß das Geschäft wieder verkaust werde, damit er sein Geld zurückerhalte. Seinen Bekannten gegenüber klagte er. daß er von dem Paar sehr schlecht behandelt würde und daß er das Gefühl habe, man trachte ihm nach dem Leben. Anfang Juni erkrankte der alte Mann und starb, wie gesagt, noch einigen Tagen in der Charit«. Jetzt verkauften der andere Mann und die Frau das Geschäft und heirateten 5 Tage nach dem Ableben des Köppen. Cin neues Zigarrengeschäft im Osten Berlins wurde eröffnet. Kriminalkommissar Johannes Müller und seine Beamten, die den Spuren des Paares gefolgt waren und es zur Rechenschaft ziehen wollten, stellten fest, daß beide zu einem Besuch nach Mecklenburg gefahren waren. Als bald daraus der Mann allein nach Berlin zurückkehrte, wurde er sestgenom- m e n und oerhört. Er bestreitet jede Schuld und behauptet, daß Köppen seiner Frau dos Geld vermacht habe. Sie habe ihm, bald nachdem er sie kenriengelernt hatte, erzählt, daß sie den Alten nur aus Barmherzigkeit bei sich aufgenommen habe. Zum Dank dafür habe er ihr sein Vermögen zur Verfügung gestellt. Es liegt eine Quittung vor, die über„einige hundert Mark" lautet, nicht aber über die ganze Summe von 8000 Mark. Die Unterschrift des alten Koppen ist so k r a k e l i ch, daß sie als gefälscht angesehen wird. Die Frau war nach dem Besuch in Mecklenburg nach O st preußen weitergefahren und kehrte erst jetzt nach Berlin zurück. Auch sie wurde von der Kriminalpolizei festgenommen und befragt. wie ihr Ehemann bestreitet sie. köppen durch Gift beseitigt zu haben. Die Bekannten des Verstorbenen behaupten, er sei vor der Be- kanntschast mit der Frau trotz seiner hohen Jahre noch recht rüstig gewesen, dann aber zusehends gebrechlicher geworden. Inwieweit die schweren Beschuldigungen gegen das Ehepaar zu- troffen, wird noch von der Kriminalpolizei untersucht. Mann und Frau wurden nach der Vernehmung, da sie feste Wohnung haben und Fluchtverdacht nicht vorliegt, vorläufig wie- der entlassen. Arbeitslosigkeit— Hunger— Selbstmord Erschütternde Familientragödie in Berlin 31. Durchdringender Gasgeruch machte in der vergangenen Nacht die Bewohner des Hauses Ackerstraße 8 auf die Wohnung des 30 Jahre alten Dachdeckers Emil Lehe aufmerksam. Sie benach. richtigten gegen t2 Uhr die Polizei und die Feuerwehr, die sich Zu- tritt zu der Wohnung verschafften. Man fand Lehe und seine drei Jahre ältere Ehefrau Marie in der Küche t o t aus. Alle Rettungsversuche blieben vergeblich. Das Ehepaar war erst vor vier Wochen in die Wohnung eingezogen, der Mann war aber schon längere Zeit arbeitslos und die Rot herrschte im hause. Lehe und seine Frau hatten sich ihre Sonntagskleider angezogen und aus dem Küchentisch seine und ihre Zeugnisse und Familien- papiere ausgelegt. Dann hatten sie den Gashahn geöffnet und den Tod erwartet. Die Leichen wurden von der Kriminalpolizei be- schlagnahmt und dem Schauhause zugeführt. In der vergangenen Nacht oerübte der 38iährige Vuchdruckevei- besitzer Alwin Hesse aus der Th oma s i u sst ra ß e 10 in Moabit Selbstmord durch Gas. Als heute früh Angestellte die Ar- beitsräume der Druckerei, die sich in der Linienstraß« 65 befinden, betreten wollten, fanden si« noch alles verschlossen vor. Die Tür wurde schließlich gewaltsam geöffnet und in seinem völlig mit Gas erfüllten Bureauraum fand man G. leblos auf. Die Wieder- belebungsverfuche der Feuerwehr waren ohne Erfolg. Finanziell« Sorgen sollen den Mann zu dem Verzweiflungsfchritt getrieben haben. Zm Hochspannungsraum getötet. In derhochspannungs-Apparatefabrit der Fünna N« u m a n n in der Spandauer Straße 10 in Charlotten- bürg ereignete sich heute früh ein schwerer Betriebsunfall, bei dem ein junger Arbeiter den Tod fand. Kurz noch 6 Uhr betrat der ISjährige Arbeiter Georg B a s chi n aus der Kaiser-Friedrich-Straße 39 in Charlottenburg«inen h o ch- jpannungsprüsraum. Plötzlich ertönten laute hitferufe. Baschin war mit der Stromleitung in Berührung gekommen und hatte schwere Verbrennungen am ganzen Körp«r erlitten; bewußtlos wurde er ins Westend-Krankenhaus gebracht. Dort ist er bald nach der Einlieferung feinen Verletzungen« r l e g e n. Arbeiterregierung verhindert Entlassungen Verhandlungen mit den Werstarbeitern. London, 3. August. Der Zivillord der Admiralität hall empfing Donnerstagnachmittag eine Abordnung der Gewerkschaften der Dockarbeiter. Es handelt sich um«ine Aussprache über die Entlassung von Arbeitern auf Grund der Kürzung des englischen Marinebauprogramms. hall führte aus, daß man größere Entlassungen dadurch zu oer- meiden hoff«, daß Ueberflunden- und Akkordarbeit nicht mehr in dem . bisherigen Umfange aufrechterhallen werde Im übrigen würde zur- zeit noch über die Schaffung von anderen Arbeitsmöglichkeiten be- raten. Die Arbeitervertreter erklärten sich mit einer Kürzung der Ueber stunden bis zu einem gewissen Ausmaß und einer Aenderung j* den Bedingungen für die Akkordarbeit einverstanden. Expräsident Calles ist in Cherbourg eingelrofsen. Er Hot sich sofort nach Poris begeben. Ueber feine Pläne befragt, antwortete General Calles, er werde vorerst in Frankreich Erholung suchen. Veichstagsreden im Rundfunk. In der demnächst erscheinenden Nummer des ,.A r- beiter-Funt* nimmt der Reichstogsabgeordnete Wil» Helm Dittmann das Wort zu folgenden Ausführungen: Kurz vor der letzten Reichstagsauflösung wurde im Aellestenrat des Reichstags die Frage der Uebertragung von Reichs- tagsreden durch den Rundfunk erörtert. Damals sprachen sich der Präsident L ö b e und die sozialdemokratischen Ab- geordneten C r i s p i« n und Dittmann in lebhafter Weif« da- für aus. auch die kommunistischen Vertreter äußerten sich zustim- mend. Die Vertreter aller bürgerlichen Parteien waren ausnahmslos gegen die Uebertragung. Di« Frage ruhte dann über ein Jahr, bis sie Ende Juni dieses Jahres in der Presse erneut erörtert wurde. Den Anlaß dazu bot die Red« des Außenministers Dr. Stresemann über die damals schwebende Reparationsfrage. Die Rundfunkgesellschast hatte im Sitzungssaal des Reichstags die technischen Vorbereitungen«-zur Uebertragung der Rede Dr. Stresemanns getroffen. Die Uebertragung mußte aber unterbleiben, weil Abgeordnete mehrerer Parteien unter Berufung auf die früher« Stellung des Aeltestenrats dagegen Einspruch erhoben und w«U man meinte, die Parität lasse nicht zu, nur die Rede des Außenministers allein zu übertragen und die Reden der Partei- Vertreter nicht. Die Frage der Uebertragung von Reichstagsreden durch den Rundfunk wird zweifellos nicht zur Ruhe kommen, bis das Verlangen danach erfüllt ist. wenn ich dafür eintrete, bin ich mir durchaus bewußt, daß eine regelmäßige Uebertragung und die Uebertragung vielstündiger Sitzungen nicht in Betracht kommen kann. Es wird sich nur um Uebertragung besonders wichtiger Der- Handlungen drehen können, deren Dauer ein gewisses Maß nicht überschreitet. Der Hörer, der die Vorgänge im Sitzungssaal des Reichstags nicht gleichzeitig steht, kann nicht stundenlang ein« Rede nach der anderen anhören, ohne daß sein Interesse erlahmt, wei die einseitige Nerven- anspannung allein durch das Gehör die Aufnahmefähigkeit des Ge- Hirns bald erschöpft. Selbst wenn der Hörer von der Reichstags- tribüne aus den Verhandlungen folgt, fällt es ihm schwer, stunden- lang zuzuhören, wenn es sich nicht gerade um sehr spannende Aus- einanderfetzungen handelt. Run ist es aber meist nicht möglich, im voraus zu wissen, ob eine Auseinandersetzung interessant wird, so daß der Hörer auf seine Rechnung kommt. Oft entspinnt sich bei einem unscheinbaren Anlaß eine sogenannte große oder interessante Debatte, und wenn ein„großer Tag" erwartet wird, passiert viel- fach nichts, was zu übertragt verlohnt. Diese Bedenken gegen eine wahllose Uebertragung von Reichstagsreden werden gegen die Uebertragung überhaupt ins Feld geführt. Außerdem wird aus die Möglichkeit willkürlicher und böswilliger Störungen durch Extremisten von rechts und links hingewiesen, durch die bei den Rund- funkhörern der falsche Eindruck erweckt würde, daß dos.Krach- machen" zum Normalzustand der Parlamcntsverhandlungen gehöre. Wenn man mll solchen Argumenten sich gegen die Uebertragung von Reichstagsreden durch Rundfunk wendet, verkennt man doch die Rolle, die der Rundfunk in steigendem Maße als Organ.der Oeffentlichkeit spielt. Als die Pressefreiheit und der Porlamentaris- mus eingeführt werden sollten, haben auch ganz wohlmeinende Leute, nicht nur Reaktionäre gemeint, wohin soll« es führen, wenn im Parlament Regierung und Minister öffentlich„angepöbelt" und diese„Pöbeleien" durch die Zeitungen im ganzen Lande verbreitet würden. In der Praxis aber zeigte sich, daß gerade diejenigen Redner im Parlament, von denen man fortgesetzt«„rednerische Aus- schreitungen" befürchtete, das größte Interesse daran hallen, die Hörer im Parlament und die Leser in der Presse für sich zu ge- Winnen und alles zu vermeiden, was ihnen Sympathien verscherzen konnte. Solüe sich nicht auch bei der Uebertragung von Reichstags- reden durch Rundfunk dasselbe herausstellen? Wenn bei der Uebertragung von Winisterreden oder Reden von Regierungsparteien beispielsweise Kommunisten und Rational- sozialisien wüste Spektakelszenen ausführen sollten, so würden sie sich bei der Rundfuakhörerschasl nur selber schaden und ihre Werbekraft im Volke empfindlich beeinträchtigen. Außerdem Hölle das Parlament, abgesehen von den präsidialen Ordnungsmaßnahmen— die für solche Fälle eventuell besonder? verschärft werden könnten— gegen die Spektakelwacher die Mög- lichkeit, ihre Richtung von der Uebertragung bei der betreffenden Dcballe auszuschließen. Die Fraktionsdisziplin würde dann schon dafür sorgen, daß höchstens von Eingängern noch Störungen kom- men könnten. Aber auch diese würden sich im Interesse ihrer Wiederwahl und der Agitation reiflich zu überlegen haben, ob sie das Odium der Parlamentskrakeler vor dem ganzen Lande auf sich nehmen wollten, wiederum gänzlich abgesehen von den präsidialen Ordnungsmaßnahmen. Wenn die Uebertragung durch Rundfunk die ohnehin vorhon- dene Tendenz stärkt, im Plenum des Reichstags kurz zu reden und die Einzelauseinandersetzungen in die Kommissionen zu verlegen, so würde ich das nur begrüßen. Ich würde empfehlen, sich im Aellestenrat des Reichstags darüber zu verständigen, daß in der Regel bei der Uebertragung einer Reichstagsverhandlung die Parteien sich aus programmatische Erklärungen von kurzer Dauer— 5, 10 oder 15 Minuten— beschränken und daß auch mit der Re- gierung eine Verständigung über die Dauer der von chren Ver- tretern zu haltenden Reden herbeigeführt wird. Ausnahmen mit längeren Redezeiten braucht man nicht auszuschließen. Eine solche Regelung würde die Parteien zwingen, chren Standpunkt konzen- triert der Rundfunkhörerschaft vorzutragen; Polemik brauchte dabei durchaus nicht ausgeschlossen zu sein, könnte im Gegenteil die her- ausarbeitung der Anschauungsgegensätze nur fördern. So könnte die Rundfunkübertragung auch zu einem wichtigen Mittel der Aufklärung über die Haltung der politischen'Parteien werden, daß die Einseitig- keit der parteipolitischen Berichterstattung durch die Presse korri- giert. Jedenfalls muß die Sache baldmöglichst praktisch in Angriff genommen werden, denn kommen wird sie doch. Die Berliner Verfassungsfeiern. Der 10. Jahrestag der Republik wird in der Reichs- Hauptstadl Berlin würdig gefeiert. Außer der Reichs- regieruag, der preußischen Slaatsregierung und der Stadl Berlin habe» die republikanischen Parteien und verbände alle Vorbereitungen getroffen, um diesen Tag durch eindrucksvolle Feiern auszuzeichnen. Dos Reichsbanner hat seinen großen Ausmarsch nach Berlin gelegt. Am Tage der Annohme der Reichsversassung werden 15 0 0 0 0 Reichsbannerkameradeu zu Ehren der Reichsversassung einen Alossenausmarsch im Lustgarten ver- anstalten. Die republikanischen Sportorgani- sationen haben gleichfalls für diesen Tag Massenveranstaltungen angesetzt. herkömmlich beginnen die Berfassungsfeiern mit der Feter der Reichsregierung, die um 12 Uhr mittags im Reichstag abgehallen wird. Zu dieser Feier hat Relchsminister des Innern Severing die Festansprache übernommen. Da Reichs- kanzler Hermann Müller zur Verfassungsfeier noch nicht in Berlin sein kann, wird wahrscheinlich der Reichsaußenminister Dr. S t r e s e- mann oder der Rcichsminister Dr. G rö n e r das hoch auf die Republik ausbringen. Reichspräsident von hindenburg wird nach der Feier die Ehrenkompagnie vor dem Reichstag abschreiten. Um 4 Uhr nachmittags beginnt das Festspiel im Deut- schen Stadion unter der Leitung des Reichskunstwarts Dr. Redslob. 3000 Schulkinder werden Freiübngen zeigen. Di« Kinder tragen Kleider, die in den Farben Schwarz, Rot und Gold gehalten sind, und werden zum Schluß ein« riesige schwarzrotgoldene Fahne stellen. An dieser Veranstaltung werden der Deutsche Arbeit er sängerbund, die Kapelle der Schutzpolizei und des Reichsbanners mitwirken. Reichsregierung, Staatsregierung und Stadt Berlin veranstalten am Abend in den drei Opernhäusern Abendfeiern. In der Staats- oper am Platz der Republik werden Reichstagsabgeordneter Dr. David, der 1. Präsident der Nationalversammlung, in der Staats- oper Unter den Linden der preußisch« Staatsminister Dr. h ö p k e r- A s ch o f f, und in der Städtischen Oper Oberbürgermeister B ö ß die Festrede halten. In der Städtischen Oper wird Fidelio von Beethoven, in der Staatsoper am Platz der Republik die 9. Sinfonie von Beethoven gespielt. Oer Massenaufmarsch des Reichsbanners. Di« Beranstallunen des Reichsbanners beginnen am Sonnabend, dem 10. August, mit dem Empfang des Bundesvorstan- d e s um 15 Uhr auf dem Potsdamer Fornbahnhof. Um 16 Uhr treffen sich' die deutschen und österreichischen Eisenbahner im Zirkus Busch. Um 19 Uhr beginnt die große Abend- feier des Reichsbanners, bei der der Gauvorsitzend« Stelling, Oberbürgermeister B ö ß, Notionalrat Deutsch- Wien, die Minister Seoering und Dr. Wirth, Reichsminister a. D. Koch-Weser und der Borsitzende des ADGB. L e i p a r t sprechen werden. Im Anschluß an die Feier werden 2000 Reichsbannermusiker aus dem Platz der Republik einen Zapfenstreich spielen, bei dem General a. D. von Deimling die Ansprach« hält. Am Sonmag- vormittag findet im Zirkus Busch eine republikanische Jugendkundgebung statt, bei der Reichstagspräsident Paul L ö b e, Ernst Lämmer, Dr. Schreiner, Erich Ollenhauer und Walter Maschke sprechen werden. Um 11,30 Uhr beginnt der Massen- aufmarsch im Lu st garten, und zwar werden die 150 000 Reichsbannerkameraden in etwa 20 Staffeln in Achterreihen mar- schieren. Die Kameraden treten in den Bezirken, wo sie einquartiert" sind, an und marschieren zum Lustgarten. Dann durch die Straße Unter den Linden an der vor der Universität aufgebauten Tribüne mll dem Bundesvorstand und den Ehrengüsten vorbei nach den großen Gartenlokalen, in denen die Doiksfeste abgehallen werden. Für die Oesterreicher werden noch eine Reihe besonderer Ber- anstaltungen durchgeführt, so ein Massenkonzert auf dem Platz der Republik und ein Begrüßunggabend für die Kameraden aus Wicncr Neustadt am 9. August abends in Kliems Festsälen, wo auch ein- Kapelle aus Wiener Neustadt konzertiert. Auch am Sonntag nach- mittag wird die Kapelle im Spreegarten konzertieren Die Verfassungsfeier der Schutzpolizei findet om 12. August, vormittags 10 Uhr, im Lustgarten statt. Die Festrede übernimmt der preußische Minister des Innern G r z e s i n s k i. Während der Verfassungsfeier der Reichsregierung wird über dem Reichstagsgebäude eine mit schwarzrotgoldenen Wimpeln geschmückte Flugzeugstossel der Vertehrsfliegerschule erscheinen. Der deutsche Wassersportoerband veranstallet om Sonntag- nachmittag 5 Uhr in Treptow eine Auffahrt von etwa 400 Ruder-, Segel» und Motorbooten. Der„Sturmvogel", der Flugver- band der Werktätigen, führt ein großes Flugfest auf dem Tempel- hofer Flughosen durch. Die Beranstaltung ist so aufgezogen, daß weniger Wert darauf gelegt wird. Schauflüge zu zeigen, sondern durch verbilligte Rundslüg« jedem Gelegenheit zu geben, selbst einmal zu fliegen. In Ruhleben wird das größte Trabrennen Deutschlands um den„Preis der Republik" durchgeführt. Republikaner flaggt? Von allen Türmen und Baltonen der Stadt, von allen öffent- lichen Gebäuden, von allen Verkehrsbetrieben, Kauf- und Waren- Häusern werden die schwarzrotgoldenen Farben wehen. Das Reichs- bann« hat in allen Stadtteilen Fahnenverkaufsstellen eingerichtet. wo überall fleißig verkauft wird. Berlin wird an diesem Tage sein schönstes Festkleid zeigen. Berlin wird in eine Wolke von Schwarz. Rot und Gold gehüllt sein. So sind alle Borbereitungen dazu angetan, den Teilnehmern aus dem Reich, den Kameraden und Volksgenossen aus Sachsen und Thüringen, aus Bayern, Württemberg und Baden, aus Rheinland und Westfalen und aus den Ost- und Nordmarken Eindrücke von der Reichshauptstadt zu vermitteln, die ihnen unvergeßlich sein werden. Gewerkfchafisbund und Arbeitslose. Oie Eachverstänvigenbeschlüsse nicht annehmbar. Der Vorstand des Deutschen Gewerischafts- bundes hat dieser Tage ebenfalls zu den B-fchlüss-n de? Goch- verständigenausfchusses über die Reform der Arbeitslofsnoersicherung Stellung genoinmen. Cr ist, wie„Der Deutsche" mitteilt, zu dem einmütigen Ergebnis gelangt, daß diese Beschlüsse in der vor- liegenden Form nicht annehmbar sind. Er hält nach wie vor die Beseitigung ein« Reih« von Mißbrauchen für dringend not» wendig und billigt den Grundsatz, daß Beiträge imd Leistunzen in der Versicherung in«in angemessenes Verhältnis gebracht werden. lehnt aber nachdrücklich jede einsetlige Behandlung der berufsüblichen Arbeitslosigkeit ob. Angcsichrs der Beunruhigung der Bevölkerung durch hie Ausrollung der Rcformfrage fordert der Lorstand des DGB. ein« umgehende Beratung des'Gesamtproblems im Reichstag. Karl Henckslls Bestattung. Mannheim. 5. August.(Eigenbericht.) In Konstanz wurden gestern die sterblichen Ueberreste Karl Henckells in aller Still« den Flammen übergeben. Fast niemand in der Stadt wußte etwas davon. Bei der Trauerscier im Krema- torium waren außer den nächsten Familienangehörigen nur noch einige Freunde anwesend' die Gattin, der Bruder Gustav H enckell und Frau, seine Schwester Berta Henckell, sein Schwager Dr. Hirz«! und zwei Neffen, von den Freunden Hedwig F o r st- r e u t e r, Fritz D r o o p, Norbert Jacques, Andersen N e x ö und Frau, Dr. K. F Schmidt, Johannes Timm und Dr. Tom a- r e k i n. Das waren alle. Kein Vertreter von Behörden und Körperschaften, kein Pfarrer, keine Presse' Der Dichter wollte es so. Er haßte dekorative Aeußerlichkeiten und Zeremonien. Schlicht und ohne Förmlichkeiten, so wie er lebte, wollte er auch bestattet sein. Einem Wunsche des Berstorbenen nachkommend, sprach Fritz D r o o p zu der kleinen Trauergemeinde. Seine Worte galten dem Menschen, dem Dichter und Apostel der Freiheit und Liebe: „Welches seiner Bücher wir auch aufschlagen: immer und überall erkennen wir in Karl Henckell den Goldsucher, der dem Aristokra- 3L ÜUenckeU der brannte deutsche Dichter, starb in Lindau im Mter von KS Jahren. tischen Im Menschen nachspürt. In dem unerbittlich sicheren und sensiblen Willen zum inneren Adel wurzelte Henckells leidenschast« liche Ablehnung einer entarteten Bourgeoisie, als der Hüterin aller verbrieften Trägheitsgesetze. Befreiung des Menschen aus geistiger und materieller Enge war das Ziel, dem Henckell diente, llnbeug- samer Will« zu einem vorwärts und aufwärts gerichteten Leben adelt sein Wert.• Rur dem Tüchtigen ist es vergönnt, bewußt am Ansang einer neuen Zeit zu stehen. Nur Stärke wagt den Wurf ins Ungewisse und stürmt die Tore einer neuen Well. Wenn ihre Losung Freiheit heißt, so heißt sie innere Gebundenheit. In diesem Sinne hat Karl Henckell die Freiheit aufgefaßt: in diesem Sinne war sein« Losung Lieb«. Darum wird Lieb« seine stille Urne umgeben, darum bleiben wir alle ihm für immer verbunden." Dr. K. F. Schmidt sprach dann im Namen der Münchener Freunde, die ihren Senior vor zwei Iahren mit Schmerz nach der Schweiz ziehen lassen mußten, aber doch nicht die Hoffnung aus. gegeben hatten, ihn in München wiederzusehen.— Der bekannte Führer der Sozialdemokratischen Partei, Landtags- abgeordneter Johannes Timm, schilderte auf Grund persönlicher Erinnerungen, wie Henckell im Jahre 1888 als erster die Freiheits- fackel durch die Reihen der Arbeiterschaft trug.— Alsdann wurde der Sarg den Flammen übergeben. Telegramme gingen ein: vom Berliner Hauptoorstand der Sozialdemokratischen Partei, von der Sozialistischen Arbeiterjugend, vom Münchener„Krokodil", zu dessen Begründer Karl Henckell neben Wedekind gehörte, und zwar abgesandt von Max Halb«. �Oer Mann, der nicht liebt." Kammerspiele. Alexander Dumas' Spektakeldrama ,K e a n", einst ein beliebtes Gastspielstück berühmter Schauspieler, erfährt noch eine spät« Wiederbelebung durch den Film. Es ist mit mancherlei Umgestaltung einfach ins Moderne übersetzt. Den Regisseur Guido Brignone mag es germzt haben, einen kalten Don Juan in seinem Vorhällnis zu den Frauen zu zeigen. Die erste große Enttäuschung der Liebe hat in dem jungen Schauspieler Merone für immer die Fähigkeit zu echter Lieb« getötet. Er sah, daß«r nur der Spielball einer großen Dame war. Nach seinem Aufftieg zum Ruhm sind ihm nun die Frauen gleichfalls nur Gegenstände seiner Launen In den Salons wie in den Kaschemmen sucht er umsonst die Leidenschaft, die ihn erfüllen könnte, angeekelt betäubt er sich durch Alhoholexzesse. Er Ist der Held sensationeller Abenteuer. An der Frau, die ihm sein erstes Liebesglück zerstörte, nimmt er eine ausgesucht« Rache. Noch einmal keimt in ihm wahr« Liebe, aber aufs neue enttäuscht, verfällt er unter der Einwirkung des Alkohols auf der Bühne einem Wahnsinnsanfall: das ist die große Szene des Films. Aber die Lieb« des treuen Mädchens, das sich für ihn opfern wollte, bricht jetzt durch alle Schranken: sie rettet ihn und gibt ihm den Glauben wieder. Interessiert uns diese romantisch aufgeputzte Geschichte noch, und ist der Film imstande den großen dämonischen Schauspieler ohne das Wort glaubhaft zu verkörpern? Beides ist zu verneinen. Gustav D i e st l ist nicht der Matkowsky des Films, wenn er auch packende Momente hat. In der Gallerie der ihn umgebenden Frauen sind Agnes Esterhazy(die Frau, an der er sich rächt) und Daist) d'Ora, seine Erlöserin zu nennen. A. B o n d i r c f f schnf mit Feingefühl einqM ergebenen Diener, der ein Kamerad ist. r. Gtimmproben auf Grammophonplatten. Um Tonfilmkandidaten unnötige Reisen, Produzenten über- flüssige Besprechungen zu ersparen, läßt«in« Filmagentur Schauspieler. die im Tonfilm beschäftigt werden wollen, in ein Grammo- phon sprechen und oersendet dann die besprochenen Platten an die Produktionsfirmen. Arbeiter und Freilichtbühne. Ein Mittel der Propaganda. In heutiger Zeit, wo es eigentlich nichts gibt, was ohne p o l i- tische Aeußerung lebensfähig wäre, hat ebenfalls das Theater Farbe bekennen müssen. Man ahnt gar nicht, wie polittsche Puppen- spieler aus jedem Provinztheater eine.Kasperlebühne" machen wollen und welche Gelder für den genannten Zweck freigemacht werden. Diese polrtische Einstellung wird auch für die Zu k u n f t d e s F r e i- lichttheaters entscheidend sein. Es kommt nur darauf an, daß die proletarischen Massen aus dieser Entwicklung lernen und verhüten, daß etwa die Wanderbühne und das Freilichttheater (der politische Film rollt ja längst mit Benzin und Gestank von Dorf zu Dorf) nur als Propaganda mittel für die Ratio- n a l i st e n ausgenutzt wird. Ueberdenken wir uns einmal die Situation für eine proletarische Werbebühne: Es gibt keine ländliche Ortschaft, keine kleiner« oder größere Provinzstadt, die nickst eine hübsche landschaftliche Stelle, einen Fest platz besitzt, der auch den Platz für ein« Naturbühne abgeben könnte. Beim Dorf ist es vielleicht«in aller grünbewachsener Steinbruch, in der Stadt ein alles Stadllor oder eine Burgruine, die eine natürliche Kulisie, die notwendige Stimmungsstaffage abgeben könnten. In der Großstadt gar häufen sich diese natürlichen drama- tischen Effekte, hier wachsen Fabrikhöfe, Halden oder große Bahn- anlagen wie gegeben zum Hintergrund für soziale Stoffe: es sehll uns nur der Mut, sie zu benutzen. Was gäbe es für«inen fröhlichen Auftakt, welche Weihe des festlichen Tages, wenn bei einer Der- an staltung der Arbeiter oder des Reichsbanners, bei Derfassungstagen und sonstigen Gelegenheiten das Fest mit einer Theateraufführung im Freien gekrönt werden würde. Wenn jung und all zum Festplatz hinauszieht, von vorn- herein gleichsam Mitspieler. Aus der Arbeiterschaft ist spontan der Sprechchor entstanden, der seine akustisch« Wirkung eigentlich nicht in geschlossenen Räumen, sondern wellhin hallend vor freigelogertem Volk findet, und neuer- dings der Bewegungschor oder Tanz, rhythmische Gymnastik oder wie wir ihn nennen wollen. Seine symbolhafte, getragene Rhythmik. die sich mit der edlen Gelle und enthüllten Schönheit des menschlichen Körpers verbindet, ist wie kein anderer Ausdruck befeuernder Tendenz dazu angetan, Arbeitersest« zu verschönen. Schon heute gibt es keine Jugendweihe, die diese wiedergeborene uralte Kunst nicht als schönsten Programmpunkt in ihren Dienst stellt. Dann hat die Arbeiterschaft das Glück gehabt daß ihr Dichter erwuchsen— man braucht da nur an Bruno S ch ö n l o n k s Arbeitcroratorien, an Max B a r t h e l s Weihespiete zu erinnern. Menschen, die die Sprach« der toten Dinge zu deuten verstehen, das Stampfen der Maschinen, das Pochen der Hämmer, das Sausen der Webstühle» kurzum, die das nackte zuckende Herz der Arbeit bloßgelegt haben. Waren diese sozialen Imponderabilien denn früher vorhanden? Man kannte sie nicht, es war nicht vornehm, darüber zu sprechen. Und der Zufall wirst uns das alles in den Schoß. Wir brauchen es nur auf- zunehmen. Und so denke ich mir, daß wir fernerhin dahinschreiten in geschmückten Ardeiterzügen zu unseren Festen mll Musik und wehenden roten Fahnen, voran die Turner, Turnerinnen und Sportler, das Reichsbanner, dann die Kinder und wir. Und wir sind schon Mit- spteler auf diesem Weg zum Festplatz. In Wien hat kürzlich Laban bei dem Fest der Handwerker den Zug durch die Stadt mll seinen Tänzern begleiten lassen, und die Sache soll großen Beifall gefunden haben. Hat nicht lede geistige Höhenloge— was doch auch ein Arbeiterfest sein will— etwas Tänzerisches, der Erde Entschwebendes, wie auch die Springprozessio- nen der Katholiken? So wandern wir zum Festpiatz. In guten farbigen Bildern wird dort das Gefühl gedeutet, das dumpf und unausgesprochen in der Brust jedes Festteilnehmers ruht. Man darf selbstverständlich auf das Gute zurückgreisen, wenn es nahe liegt, auf Schillers„Räuber", auf Shakespeare, Goethe oder Strindberg, nur kein« Einengung dieser sreiesten aller Möglichkeiten. Das wäre die Wiedergeburt des Freilichttheaters: die farbige Perspektive der sozialistischen Ideenwelt zu vergrößern und die Propaganda vorwärts zu treiben. kVieckndi Natteroth. „Adieu Mascotte." Universum. Michael Linsky hat bei Abfassung dieses Lustspiels keine neue Nee gehabt. Deshalb sollte man aus dem Programm den Hinweis auf eine nicht vorhanden« Nee entfernen. Bekannt aus dem eiser- nen Repertoire der Filmllleratur ist folgendes: Ein Ehepaar lebt nicht gerade in beglückenden Berhällnissen der Liebe. Er nimmt ein kleines Mädchen— dessen Keuschhell er selbstverständlich nicht verletzt—, um seine Frau eifersüchtig zu machen. Mll machoma- tischer Genauigkeit ist dann vorauszusagen, daß sich der Eheherr in diese Ersatzgeliebte wirklich verliebt und daß die Ehegattin ebenfalls einen achtbaren Seelentröster findet. Nun ist es gleichgültig, ob der Produktionsleiter je nach Erfindungsgabe oder Intelligenz ein Berliner, Pariser oder mexikanisches Milieu sucht. Hier entscheidet man sich für Paris, und der Eheherr wird als reicher und berühm- ter Maler kostümiert, trotzdem er während des ganzen Films nicht einen einzigen Pinsel- oder Federstrich führt. Soll der deutsche Film nicht in Konsektion ausarten, so wäre es endlich Zell daß man die meisten Manuskriptoerfasser und in erster Linie die Herren Produktionsleiter in einen ewig währenden und wohlverdieillen Sommevurlaub schickt. Der deutsche Film verfügt über Regisseure und Darsteller, die dem Hergebrachtesten noch immer eine Note von Originalität ver- leihen können. Wie müssen sich eigentlich diese Künstler unter einer vollkommen unkünstlerischen Oberleitung fühlen? Wilhelm Thiele schafft aus den: verbrauchten Pariser Atelierkitsch Bilder, die immerhin durch ihren malerischen Reiz gefallen, aber er dehnt manchmal die Handlung. Ein Wunder, daß Lilian Haroey sich noch immer eine origi- nelle Ursprllnglichkeit bewahrt und diese angenehme Eigenschaft bisher in kein Schema gepreßt hat. Harry Halm entdeckt seine Eignung zu einem Grotestschauspieler. Dtes scheint das Gebiet zu sein, wo er wirklich Erfreuliches leisten wird. Igo S y m ist ein sympathischer und hübscher junger Mann, der aber aus Angst, sein Frackhemd zu verknüllen, noch nicht richtig zu spielen wagt. Er könnte allmählich aus sich herausgehen. Im Beiprogramm tanzt Hol Sherman, ein wundervoller Grote-ttönzer, und Schmrdt-Gentner liefert den Beweis, daß eine Originalbegleitung besser ist, als die schönste Tonfilmwieder- gäbe.?. S. Znternaiionale Kunstausstellung Köln. Gestern wurde hier im Staatenhous die vom Internatio- nalen Institut für geistige Zusammenarbeit heim Völkerbund in Verbindung mll den Museen in Athen, Berlin. Brüssel, Florenz, London und Paris veranstaltete Ausstellung von Nachbildungen von Bildhauerarbeiten eröffnet. Als Vertreter des Völkerbundes und des Internationalen Museumsamtes waren er- schienen: der Präsident des Internationalen Museumsamtes und Vizepräsident der Kommission für geistige Zusammenarbeit beim Völkerbund, Minister Desträe, der Direktor des Internationalen Museumsamtes, Dupierreux, der Vertreter des Instituts für geistig« Zusammenarbeit in Paris, Oprescu. als Vertreter des Bölkerbundssekretariats Prof. Graul, als Vertreter der Unter- kommifsion für Literatur und Kunst beim Dölkerbund der Sekretär des Internationalen Museums, F o u n d o u k i d> s, und als Der- treter des Muse« National de France Angouloent. Kölns Oberbürgermeister, Dr. Adenauer, entbot den Anwesenden einen kurzen Willkommensgruß. Minister Destrte dankte der Stadt Köln für die gewährte Gastfreundschaft und führte u. a. aus, indem die Kommission für geistige Zusammenarbeit es den Gelehrten und Künstlern ermöglicht, gegenseitig Wert und Leistung besser kennen- zulernen, will sie sich nicht auf die Annäherung der gerstigen Elite beschränken. Sie hält es gleichermaßen für ihre Pflicht zur Hebung des allgemeinen Kulturnioeaue der Völker beizutragen. So ist diese Ausstellung ein« internationale Kundgebung für die Annäherunr der Völker, der Völker Europas, das st tz einigen muß, wenn es feboi will". Die Ausstellung enthält 3S8 ausgezeichnete Nachbildungen de, meisten Skulpturen der Welt und Geschichte. Das Kind. Von Axel Arheus. Sie kommen in langen Reihen. Zu Hunderten kommen sie; Männer, Frauen. Protest wider den Krieg! Protest wider den Mord! Krüppel sind unter ihnen... ohne Bein... ohne Arm... Blinde, geführt von ihren Hunden. Neben mir steht eine klein« Frau, müde, vergrämt, verarbeitet. An der Hand hält sie einen kleinen Jungen: fünf Jahre mag er zählen. Er hat sich ganz nach vorn gedrängt, um alles sehen zu können. Er reißt die großen Kinderaugen weit aus. Man fühlt, er weiß nicht, worum es sich handelt. Er ist ein wenig oerwirrt von den vielen Menschen, von allem was hier vorgeht. Da fragt er die Mutter: .Lulei, warum gehen so viele Menschen?" „Sie wollen keinen Krieg mehr!" Ein leises Erstaunen huscht über sein Gesicht. „Lulci, was ist... Krieg?" ,Vm Krieg gibt es schrecklich viel Verwundete und viele müssen sterben." Einen Augenblick bleibt er stumm, er zittert vielleicht ein wenig: aber dann weint dieser kleine Menschenwurm aus, im Innersten von etwas kaum Erfaßtem erschüttert, brüllt, sein« Hündchen in zittern- der Angst um die Mutter schlingend heraus: „Sterben.. nein! nicht sterben!..." Die Menschen herum sind plötzlich totenstill geworden: fest drückt die Mutter den Jungen an sich, und als sie gehen will, machen die Leute lautlos Platz. Mir scheint, als ob sie ihre Augen senkten: vor einem besseren Wesen. Laßt eure Kinder Politik machen! Joseph petzoldt gestorben. Nach langem schwerem Leiden verschied im 6 7. Lebens- jähr Professor Joseph P e tz o l d t, Vertreter der Philosophie an der Berliner Technischen Hochschule Er mar der einflußreichst« Verfechter des modernen Positivismus, wie ihn Ave- narius und Mach verkündet haben. Seine Lebensarbeit war dem Zweck gewidmet, eine metaphysikfreie Philosophie zu schaffen, anzukämpfen gegen die mystische Welle der Zeit: in seinem Hauptwerk, der„Einführung in die Philosophie der reinen Erfahrung" steht der Denker wie auch sonst, auf dem Boden reiner Ersahrungsphilosophie. Oie ersten Briefmarken bes Vatikans. Doii der vatikanischen Stadt sind die ersten Briefmarken aus- gegeben worden, die ab 1. August zur Verwendung kommen. Es sind drei Serien in verschiedenen Farben, insgesamt 1? Werte. Die eine Seit« zeigt die päpstliche Tiara und darunter den Petrus» fchlüssel, die anderen beiden das Bild Pius XI. mit entsprechenden Umschriften und die Jahreszahl 1929. Dieser ersten provisorischen Serie, die nur in beschränkter Zahl ausgegeben wird, werden künst- (erisch ausgeführte Serien folgen. Fernsehen ans der Fonk-ucslellunq Auf der Kronen Deutschen Funk- niissl.'lluny 1029 wird vom Neich?postzentralamt auch da« Fernsehen unter Benutzung von vier verschiedenen FernsehimPfangSshstemen öffenUich vor- geführt werden. Typographla. Alle Sänger treffen sich am Sonntag, dem i. August. 9 Uhr vormittags, am„Volkspark" Neukölln. Fahrver- bindung U-Bahn bis Boddinstraßc bzw. Hermannplatz und all« Straßenbahnen durch die Hermannstraße bis Flughafenstraße. Treff- punkt am Neuköllner Ende der Flughafenstraße vor dem Eingang zum Flughafen._ Theater der Woche. Vom 4. bis-12. August. Theater mit festem Spielplau. cutsch«« Itztol«*: Di« fnibtttaaus.— Di« flumibl«: Ur-udi««» Sr»igni». Aomabicahaiia: Sochzeitsreif«.— Theater de» West«»,: Friederik«.— T'ödt. ) er, Sharlvtteniurg: II. Geschlossen« Lorftelluna. Fidel,«, lt. Seschlossen« orstellung. gauderftöt«.— Lustsvi-ld-v«: Du wirst mich b«irat«n.— Zentr»!- Thealer: Fräulein, Pardon.— Mclropol-Theater: Blaubart.— Ziale-Tbeatir: zwissktansend. sGar'enbllbn«.) Bi» früh um fünf«.— Schlohpark-THrater Steglitz: Finden Li«, daß Gonstanc« sich richtig verhält? Ad I. Nnritz-Pnritz.— Pl,,,. Wintergarten, Slala: Internationale« Beriet«.— Rrichrhallea: Stettin-" Sänger.— Theater am Sottbnsscr Zar: Glite-Linger. Nachmittagsvorstellungen. rheat«« de» Westen«: II. Ariederikc.— Metrapal-Theater: u. Blar hart.—»ase-rhealer lGartcndühn«): 5. bi« 8. Winzerfest. 9. hi» IS.;■ und bunter Teil.— Plaza: Internationale« Variete.—»iaterqart«». Sin!.' 4.. Ifc. 11. Internationale» Dariet«. Ostfriede durch Schiedsgericht. Entschließung der Lnternaiionale zum Ostkonflitt. Die Ggcfuiioe der Sozialistischen Znlcrnationale hak auf ihrer lehten Züricher Tagung folgende Entschließung zum russisch-chinesischen Konflikt gefaßt: �.e Exekutive der TAI. fordert die Arbeiter der Well auf, ihre Aufmerksamkeit den Gefahren zuzuwenden, die aus dem Konflikt zwischen der Sowjetunion und China hervorgehen. Es ist ein unerträglicher Gedanke, daß 15 Jahre nach dem Ausbruch des Weltkrieges, in einer Zeit, in der inuner noch Millionen Kriegerwitwen und Kriegerwaifen die Opfer des Krieges beklagen, in der noch Millionen Kriegsbeschädigte ein Leben der Schmerzen und Entbehrungen führen, in der die Völker die furcht- baren wirtschaftlichen Folgen des Krieges immer noch in der großen Arbeitslosigkeit spüren, in der Mandschurei und neuerlich von beiden Sellen Truppen an die Grenze vorgeschoben werden, deren Zusammenstoß abermals die Welt in Flammen zu setzen droht. Es ist ein unerträglicher Gedanke, daß ein Zusammenfloß zwischen der russischen und der chinesischen Revolution zu einer wirlschastlichen Katastrophe und tonit zum Siege der Konterrevolution führen könnte. Angesichts dieser Gefahren betrachtet es die Exekutive als Pflicht der sozialistischen und Arbeiterparteien aller Länder, ihren Einfluß avf die Regierungen und auf die öffentlich« Meinung der Welt auszunützen, um einen Krieg unmöglich zu machen und im Falle einer akuten Kriegsgefahr die Produktion und den T t a n s- port von Munitionen in beide Länder zu verhindern. Die Internationale, die von Anfang an der chinesischen Revo- lution das Recht des chinesischen Volkes auf seine volle nationale Souveränität, auf die Beseitigung aller Privilegien ausländischer Mächte auf chinesischem Boden verteidigt hat, erkennt an, daß es das Recht Chinas ist, die Beseitigung der russischen Kon- trolle über die ostchinesische Bahn, soweit sie auf chinesischem Boden liegt, zu fordern. Die Sowjetregierung, die so oft die Beseitigung aller Privilegien der fremden Mächte auf chinesischem Boden ge- fordert hat, hat kein Recht, dieses Prinzip zu bestreiten, wenn es sich um ein Privileg der Sowjetunion handelt. Aber die Internationale ist andererseits der Meinung, daß die Aufhebung der russischen Kontrolle über die ostchinestsche Lohn nicht gewaltsam, aus einem dem Frieden gefährlichen Wege erfolgen kann, sondern nur durch einen friedlichen vcrkrag. der den ungestörten Verkehr zwischen Sibirien und Wladiwostok garantiert und der der Sowjetregierung die Bürgschaft bietet, daß dies« Bahn nicht zum Stützpunkt der gegen die Sicherheit der Sowjet- Union gerichteten Tätigkeit russischer Weißgardisten mißbraucht wer- den kann. Von diesen Grundsätzen ausgehend fordert die Exekutive die Einstellung der militärischen Vorbereitungen auf beiden Seiten, die Wiederausnahm« der diplomatischen Be- Ziehungen zwischen China und der Sowjetunion, die Neuregelung der Verwaltung der ostchinesischen Bahn durch einen Vertrag. Die Exe- kutive fordert, daß beide Mächte, falls sie sich über einen solchen Ver- rrag nicht zu einigen vermögen, die Entscheidung eines S ch i e d s- gerichts anrufen und anerkennen. Die Exekutive stellt weiter fest, daß die Machthaber der Mandschurei den Konflikt mll der Sowjetunion benutzt haben, um die Gewerkschaften aufzulösen uud die Arbeiter des Streikrecht» zu berauben. öhne zu verkennen, daß die Sowjetregierung selbst den Dorwand zu dieser Verfolgung der Arbeiterschaft gegeben hat, indem sie Ar- bciterorganisatioiien aus chinesischem Boden als Werkzeug russischer Polllik mißbrauchte, protestiert die Internationale dennoch gegen diese Verfolgung der Arbeiterorganisationen in der Mandschurei und erklärt, daß die chinesische Regierung die werktätige Sympathie der Arbeiterklasse für ihren Kampf um die uneingeschränkte nationale Souveränität Ehinas gefährdet, wenn sie diesen Kampf durch Ver- folgung von Arbeiterorganisationen und Vernichtung elementarer Rechte der Arbeiterschaft schändet. WirischastSarbeit mit dem Völkerbünde. Auf Antrag Wilbaut(Holland), der von Diamond(Polen) unter» stützt wurde, beschloß die Exekutive einmütig folgend« Resolution: „Die Exekutive der SAI. betrachtet es im Interesse der Arbeller» klasse, daß die der SAI. angeschlossenen Parteien eine systematische Beschäftigung mit der wirtschaftlichen Arbeit der führenden Völkerbundsorgane(an erster Stelle des wirtschaftlichen Komitees und des konsultativen wirtschaftlichen Komitees) organisieren. Die Exekutive hält es für erwünscht, daß die Zusammenfassung und Leitung dieser wirtschaftlichen Arbeit von ihrem Bureau vor- genommen wird und beauftragt das Bureau, wenn möglich im Ein- vernehmen mit dem JGB., einen diesbezüglichen Plan auszuarbeiten und der nächsten Cxekulivsitzung vorzulegen." Bandervelde Exekutivvorsitzender. An Stelle von Arthur Henderson, der beim Eintritt in die Re- gierung von seinen Funktionen in der SAI. zurücktrat, wurde de C. T. C r a m p(Großbritannien) in das Bureau der SAI. ge- wählt. Zum Vorsitzenden der Exekutive der SAI. wurde auf Antrag der holländischen und britischen Delegation Vanderveld« '(Belgien) gewählt. Aus diesem Anlaß wurde an den früheren Vor- sitzenden Henderson folgendes Telegramm gesendet:„Die Exekutiv- sitzung der Sozialistischen Arbeiterinternationole dankt Ihnen im Augenblick der Neuwahl ihres Präsidenten für die Hingab« an die Arbeiterbewegung, mit der Sie unserer Organisation durch so viele Jahr« präsidierten. Unter Ihrem Vorsitz wurde die Sozialistische Arbeiterinternationole neu aufgerichtet, wurde sie stark und kompsfähig. Die besten Wünsch« für Ihr weiteres Wirten im Dienste der Arbeiterbewegung." "Republikanische Freiheit." Den Pächtern von Baulichkeiten im Bereich der Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten ist vor einigen Tagen vom Direktor dieser Verwaltung ein Schreiben zugegangen, wonach die mit ihnen abgeschlossenen Verträge dahin ergänzt werden sollen, daß die Pächter bei besonderen Anlässen, besonders am Ver- jassungstage, zu flaggen haben. In dem Schreiben wurde darauf aufmerksam gemacht, daß im Falle der Ablehnung dieser Verpflichtung eine Verlängerung oder Erneuerung des Pacht- Vertrages nicht in Betracht komme. Ein Teil der rechtsstehenden Press? hat sich über diesen sehr einfachen und klaren Tatbestand auf- geregt und unter der Ueberschrift„Republikanische Frei- h e i t" dazu bemerkt, es solle durch„Drohung mit Wohnungsentziehung" demnach der deutsche Bürger zur freudigen Bejahung der Weimarer Verfassung und ihrer Farben liebevoll erzogen werden. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst feststellt, handelt es sich hier fast ausschließlich um Pächter von Gastwirtschaften mit langjährigen Verträgen, die jederzeit gekündigt werden könnten. Von einer„Drohung mit Wohnungsentziehung" kann also gar kein« Rede sein, um so weniger als infolge der langjährigen Verträge eine solche Gefahr auch gar nicht akut werden könnte. Im übrigen ober ist es selbstverständliche Pflicht der preußischen Staats- regierung, dafür Sorge zu tragen, daß bei besonderen Anlässen die staatseigcnen Gebäude, die doch hier nur verpachtet sind, in der vorgeschriebenen Weise flaggen. Nur noch'ISO Pferdedroschken in Berlin. Während in einigen Städten des Reiches, wie z. B. Hamburg, die Pferdedroschken ganz abgeschaift wurden, werden in Berlin zryar keine neuen Konzessionen erteilt, man läßt jedoch die bisher zugelassenen Pferdedroschken weiter in Betrieb, um die alten Droschkcnbesitzer vorm Elend zu bewahren. Trotzdem nimmt von Jahr zu Jahr die Zahl der Pserdedroschken ständig ab. Am Schluß des Krieges fuhren noch über 1000: bis 1927 ging die Zahl auf 690 herunter, am 1. Juli vorigen Jahres waren es nur noch 259. Augenblicklich find noch 189 Pferdedroschken im Betrieb. Di«.neisten dieser Droschken werden von ihren Besitzern selbst gefahren, größere Pferdedroschkenunternehinungegr gibt es� fast gar nicht mehr. Reichsverfaffung./ Die Christlich- Sozialen./ Historischer Materialismus. Anläßlich des lOjährigsn Bestehens der Weimarer Verfassung bringt das Auguscheft der„Gesellschaft" drei Aufsätze historischen, soziologischen und politischen Charakters. Gustav R a d b r u ch schreibt über Parteienstaot und Volksgemeinschaft und ent- hüllt die noch im alten Beamtenstaat genährte Ideologie der deut- schen Staatsrechtschule, welche die Parteien als Träger des stoat- lichen Daseins nicht anerkennen will. Ernst Fraentel macht auf die im Rahmen und yeben der Verfassung sich bildenden Ele- mente einer kollektiven Demokratie oufmerksam, die neben der politischen Demokratie als erste sich abhebende Formen einer sozialen Demokratie allmählich auftauchen. Han» Rosen» b e r g veröffentlicht in seinem Aufsatz über„Gervinus und die deutsche Demokratie" einen bisher unveröffentlichten sehr wichtigen Brief, der den Umschwung Gervinus' zum Republikaner keim- zeichnet. Der Aufsatz ist namentlich für die Geistesgeschichte der deutschen bürgerlichen Demokratie außerordentlich inter- Jtochbahnhof Jioltbiisscr Vor trird am Sonntag eröffnet. essant. Ferner enthält das Heft einen Aufsatz von Karl Renner über„Die C h r i st l i ch- S o z i a l e n in Oesterreich und das Zen- trum im Reiche",«ine knappe und glänzende soziologische Analyse der verschiedenartigen Entwicklung dieser beiden katholischen Par- teien. B r a i ß l f o r d berichtet über den Aufgabenkreis und die Probleme der zweiten Arbeiterregierung in England. Der Aufsatz von Schifrin über ,L a u t s k y und der historische Materialismus" unternimmt ein« grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem großen Werk unseres verehrten Altmeisters, das bis zu den entscheidenden Fragestellungen einer Selbstbesinnung der marxistischen Soziologie vorstößt. Mit diesem Aussatz beginnt die „Gesellschaft" die Veröffentlichung einer Reche von Arbeiten, welche im Laufe des Winters erscheinen werden, die einmal eine grund- sätzliche Klärung und Selbstbesinnung der marxistischen Soziologie in der heutigen Loge anstreben und daneben die positive Anwen- dung dieser Methode an konkreten Beispielen zeigen sollen. Das Heft schließt mit ei»er Reche von sehr lehrreichen und beachtens» werten Besprechungen, die über den Anlaß der Werke hinaus posi»� tiv« Kritik üben. Zu erwähnen sind die Arbeiten von Fritzi S ch ö n b e ck über da» Buch von Güncher„F ll r st« n a bss i n. dung" und Marcuses Besprechung der Borländerschen Marx» Biographie. Sehr interessant sind auch die Besprechungen der englischen Werke von L a s t i durch Michael Freund. Für all« an der Verwaltungsarbeit Interessierten sei noch besonders hingewiesen auf die Besprechung der kleinen, aber sehr inhaltsreichen Sammel- fchrift über„Sozialdemokratisch« Verwaltungsarbeit in Schlesien". welche Genosse Hamburger herausgegeben hat unh die von Hans Maier besprochen wird. Detter für Berlin: Wieder wolkiger, aber nur vorübergehend etwas Regen. Temperaturen lvenia verändert. Westlich« Winde. Für Deulfchland: In der südlichen Hälft« des Reiches noch vielfach heiter und mähig warm, im übrigen Deutschland wolkiges Wetter, besonders im westlichen Küstengebiet etwas Regen. V-rantwortl.'iir die Redaktion: Bollgong«ichwar», Berlin:»nzeiaen: Zt. slocke, Berlin. Verlag: Vorwort, Beriag®. m. b.£>., Berlin. Druck: Borwärt, Buch» druckcrei und Berlagsanstalt Paul Singer& S.o., Berlin SB es. Lindenstraße X Pirna 1 Beilage. TUenlec, Lidilspiele usw. »>/, Uhr Barb. 9356 Orig. 8 Fratelllnl usw. Sonnabend u. Sonntag Ja 3 Voratallungon | 5 u. 6"e Uhr.— 8 Uhr ermäßigte Rr. Tägl. B U.«19 sonnt. 2. Sa 8" lax. E, 4. 8066 | INTERNAT. VARIETE CASINO-THEATER Mrthrintfer Strafte 37 (Uieder-Erottnung Freitag, den 16. August 8'/« Uhr mit dem neuen Schlager Wem fleliör! mein Mann! u. einem erstki. bunten Programm Rose- | Theater, Grofte Frankfurter Str. 131. Auf der Gartenbfihne Täglich 5.30 L'hr Konzert und Varietft 8.15 Ulm Gräfin Mariza. Vom 5. bis 8. August« Uhr Rheinisches winzcrfost. Innentheater täglich 8.15 Uhr ZwOIHauseneB | Schauspiel in 3 Akten von Bmno Frank. Winrer * Garren* 8 Ohr» Zenit. 2819» Bandinn erlnnw Bestes internationales Varietä Ssnnabud u. Sonntag Jn 3 Vnratnllungan y- und 8 Uhr. 3K kleine Preise. Rei« Allnbendlidi Uhr. Stettiner SSnger von der Reite zurück. Das wundervolle Progr.i Variete Dönhoff- Brettl: (Saal und Garten) Inns; Adall-Bcdrar-Orfliesinr. Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, Kasc-Allee 7-9. Tel, Hb. 2246 Gssismel Bostel Beet. Cretel Uli an Die lustise Witwe Operette von Franz Lehär Dazu der grobe Varieteteil. Anlang Konzert 4.30. Burleske u Variet« 6 Ulli. OpereltB 8.30. jeden Donnerstag proBer Volksug: jed. Mittw. Klnderlett o. Veriosnng teee— ee—»eeeeeee— i Lnstspielhios Täglich 8' j Uhr Ou wirst mich heiratchn! Rundfunkhörer halbe Preise. Sarnowsk) Komfidionhaus Norden 6304 Täglich 8-5 Uhr flodiieitsreise Heute Sonnabend Das gross« FUNK-FEST mit Uaterstüteung der FUNKSTUNDE Gross«« Festprogramm S Festansprache ALFRED BRAUN Funk-Fenerwerk Funk. Kabarett Alfred Braun• Tombola Hsnptgewbini 1 AUTO und 5000 Sehlager. Planetarium am Zoo—— Verlin: Jodiimtluler link B. 5 Barbarossa 5578. l6Vi Uhr Sternnildei daa Sommari ISVjU. Von Pol zu Pol »in Sternoflhimm.l 20V, Uhr Der Blattall dor Sonn» Tägl. auSer Montags Mittw. Erwachs. 1 Mk., Kinder 50 Pt Mittw.: Erwachsene 50 PI. Kinder 25 Pf zur Miete WSO.Ansbacherstr.l I«der Art iefert preisweri l*aal Gollets vorm. Robert Mejer Mai lanaenairaBe 3 Ecke Naunynstrotze Amt Moeixpt. 10803 vi« ftofflüQie J1 Bismck.2414y7516 SU, Ende geg. 10 U. Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Deutsch von Hans Rothe Regie: Leominc Sogen düb Jb&Uihmk 7üm-J6affcc u.'Haimdt JTEINMEIEIt FRIEDRICHSTRASSE 96 AM BAHNHOF' Metropol-Tö. Tägl. SV, Uhr Sonntags 4 u. SV- Blaubart Operette von O( fe n b a c h Kammersänger Valter llrehhofr DoutJdi« Mi D.I. Norden 12 3Ui 8Us Ende gegen 11 Sie Fleüerniaos Musik v.joh. Strauß Regie. Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. UKainei TDMI.amKotUi.ior Kottb. Str.e jg) Tägl. 8 Uhr U mite- Jl Sänger Die August- Sensation Strlppkc'a tat der SommcrfHache Tbeat. d. Westens Täglich 8V, Uhr Sonntag 4 u. 81/* Franz Lchan Weltcriol�f Friederike Carola Willy Thunis, Telephon Steinplatz 0«I u. 5121 L> Jucrgens am Alexanderplatz Kontor-, Schreib-, Zeichenbedarf. Kontobücher. Karteien Jetzt Neue Kfinlgsfr. erste Eck« llakt (Beilage Sonnabend, 3. August 1929 öprflbraD SfialauLtfaße Die Republik am Rhein Ausschnitte aus dem Lager der Roten Falken in Namedy Die Heller sind leer! „Am Sonntag kommen die Belgier!" Das Parlament be- schließt:„Auf dem Platz der Republik wird eine große Empfangs- feier stotifmden. Jedes Dorf entsendet eine Zeltgemeinfchaft noch dem Bohnhos Slndernach zum Empfang." Morgens 7 Uhr marschieren die Gruppen aus. Der Lagerpräsident Kurt Löwen- stein führt den Zug. Ein Wald von roten Fahnen zieht dem Zug» vorauf. Singend ziehen die Roten Falken in Andernach ein. Die Andernacher Bürger reißen die Fenster auf, die Kirchgänger bleiben stehen:„Was wollen die nur so früh in unserer Stadt?" Die Falken wissen schon, was sie wollen. Bis zum Bahnhof geht der Zug. Hier stellen sich die ganzen Republikaner zum Empfang ihrer belgischen Genossen auf. Der Zug läuft ein und es gibt eine große Enttäuschung, die Erwarteten sind nicht m i t g e- kommen. Ein Telephonruf verständigt das Lager. Hier klangen gerade die Signale zum Antreten. Auch im Lager gab es Eni- ih�fchupg,. die aber sehr, bald verschwindet. Ein neuer Fernruf meldet:„Die Belgier tommen■mit ik-c m n ä chF e ir Z u g." Die Gruppen am Bahnhof lassen'sich die Lest nicht lang werden. Eins Lied nach dem anderen erklingt. Die Andcrnacher kommen so zu einem unerwarteten Morgenständchen. Schnell ist die Zeit ver- flogen. Ein Zug donnert in die Halle. Die Belgier sind da! Herzlich ist die Begrüßung. Vergessen ist, daß noch vor zehn Jahren bitterer Haß zwischen den Völkern log, vergessen ist. daß noch einige Jahre früher vielleicht die Väter dieser belgischen Kinder und die Väter unserer Roten Falken sich im Schützengraben gegen- über lagen.„Freundschaft", der Gruß der Roten Falken au die belgischen Genossen ist das ernste Symbol einer werdenden neuen Zeit. Die Roten Falken nehmen die belgischen Jungs und Mädels, etwa 40 insgesamt, in ihre Mitte. Im gemeinsamen Zuge geht es jetzt zurück ins Lager. Herrlich ist der Empfang im Lager. Vom Haupteingang des Lagers bis auf den Platz der Republik sind auf beiden Seiten des langen Weges die Falten aufmarschiert. Dos ganze ist eine leuchtend blaue und rote Straße. Durch sie hindurch marschieren die belgischen Genossen, immer wieder durch freudiges „Freundschaft" begrüßt. In einem großen Karree marschieren alle aus dem Platz der Republik auf. Die belgischen Genossen stehen unter der leuchtenden roten Lagerfohne. Die Begrüßungsfeier ist ernst und würdig.„Kinder der Arbeit", das Lied der Arbeiterkinder, die selbst ihren Staat erbauten, leitet die Feier ein. Ein Roter Falte, es ist der Präsident des Lagerparlaments,, spricht die kurzen Begrüßungsworle.. Sic Ningen dahin'aus:„Wir Arbeiterkinder aus allen Ländern wollen mit daran arbeiten, Daß sich das völkerzerstörende Unglück von 13l4 niemals wiederhast." Theo Lill, der Obmann des Lagers, bekräftigt diese Worte. indem er«inen belgischen und einen deutschen Genossen an die Hand nimmt und mit ihnen in die Mitte des blauen Vierecks tritt. Die„Internationale", von belgischen und deutschen Kindern gemeinsam gesungen, beschließt die kurze Feier. Die belgischen Kinder, sie kommen zum größten Teil aus Brüssel und Antwerpen, hoben sich sehr schnell im Loger ein- ge'ebt. Sie sprechen französisch und flämisch. Flämisch klingt sehr an uns�r plattdeutsch an und tatsächlich ist dadurch eine Ver- ständigung möglich. Das Zeltlagcrlebcn ist für die belgischen Kinder etwas vollkommen Neues. Sie sinden sich aber bereits sehr gut da herein und die Roten Falken helfen ihpen gut dabei. GSG-Tag in der Kinderrepublit. An jedem Sonnabendnachmittag und Sonntag ist das Lager zur Besichtigung freigegeben. Es wird dabei nicht gefragt, ob Freund oder Feind kommt. Hinein kommt jeder. Besuchstage sind für die Kinderrepublik«ine große Belastung. Die Ordnung wird zer- stört, die Disziplin lockert sich. Wenn die Kinderrepublik trotzdem das Opfer auf sich nimmt, und ihre Tore für Freund und Feind offen hält, so ist das«in Beweis, daß sie nicht die öffentliche Kritik zu fürchten hat. Zu einem eigenartigen Erlebnis wurde für alle Besucher der letzte Besuchstag im Lager. An diesem Tage feierte die Kinderrepublik ein großes G e n o i> e n f ch a f t s f e st. Kindcrrepublik und Genossenschaft, sie sind auf das engste mit- einander verbunden. Es ist immer eine Selbstverständlichkeit ge- wesen, daß die Konsumgenossenschaft die Lebensmittel- Versorgung der Lager übernimmt. Diese Verbundenheit ist. nicht nur eine Zweckmäßigkeit-frage, nein, sie ist auch ein Beweis sür die innere Zusammengehörigkeit dieser beiden Zweige der Arbestsrbewegung. Darum feierte die Krnderrepublik ein Ge- nossenschastsfest. An dem Genossenjchaftsfest nahmen der Vorstand der Kansumgenosienschaft„Hoffnung" Köln, die Vorstände verschiedener an- derer Genossenschaften aus dem Rhein- land und Vorstandsmitglieder der „GEG." teil. Selbstverständlich war auch die K ö l n e r A r b e i t« r s ch a f t und die Bevölkerung aus der Um- gegend zahlreich gekommen. Das Fest der Kinderrcpublik war ein Fest der Kirider. Von Kindern waren zum größten Teil die Ideen, und Kinder selbst waren auch die Aus- führenden. Das gab dem Fest seine besondere Not«. Es war«in Volks- fest im schönsten und wahrsten Sinne des Wortes. Das Fest nahm seinen Anfang am Nachmittag mit dem großen gemeinsamen Kaffee- trinken auf dem Sportplatz. In die Mitte des Platzes war ein großes „GEG." geschrieben. Diese Schrift war lebend. Rote Falken hatten sich in Form der Buchstaben hingesetzt. Eingerahmt wurde dieses Zeichen durch ein mächtiges Rund anderer Falken. Im lustigen improvisierten Sprechchor gaben die lebenden Buchstaben, einer nach dem anderen, kund, was die Genossenschaft will und kann. Andere Gruppen zählten in lebender Schrift einen Artikel nach dem anderen auf, die durch die„GEG." hergestellt werden. Solche Reklame hat die Welt noch nicht gesehen. Halbnackte Jungen haben auf dem Rücken in roter Farbe einen Buchstaben. Auf ein Kommando reiht sich Junge an Junge, Buchstabe an Buch- stabe, liest die große Gemeinde staunend und fröhlich einen Artikel nach dem anderen, der in der Fabrik der„GEG." hergestellt wird. Danach gibt es ein großes Zähneputzen, natürlich mit „GEG-"-Zahnpaste. Recht schwarze Zähne wurden im Nu blendend weiß. Groß war der Jubel, als hundert Kinder am Boden lagen, die Beine in der Luft und im Chorus gurgelten. Im Boxkampf Da«-Lager am Rhein -wischen dem Fein- und Schwarzbrot siegte natürlich das gute kräftige Volltornfchwarzbrot der„Hoffnung". Beide Boxer bekamen als Belohnung einen großen Packen Schwarzbrotjchnitten. Nach der allgemeinen Veranstaltung kündigte der Sprechchor die Fe st umzüge der Dörfer an.„Ihr werdet staunen," verkündete der Sprechchor. Ein Ddrf hat eine richtige Karawane zusammengestellt. Voran zieht der Aroberscheich als Karawanen- führcr. Waschechte Neger, Chinesen und was weiß ich noch, folgten. Ein Kamel trug auf seinem höckrigen Rücken eine schwere Last Ge- würze. Beduincnfrauen jonglieren mit Kokosnüssen. Der Karawane auf dem Fuß folgt«in Trupp frecher Schusterjungen. Ueberall, im Gesicht, auf den Beinen, aus dem Rücken, auf der Brust kann man mit schwarzer Schuhcreme geschrieben lesen:„GEG." Dazu putzen die Jungens im Chorus die Schuh, und wer von den Zuschauern nicht aufpaßt, hat— schwupp— eine schwarze Nasenspitze. An alle» Ecke» des Lagers ist etwas los. Im„S ch l a m m a n- d e r s b a d"(Schlamm-Anders-Bad, nach seinem Erfinder dem Lagcrarzt Dr. Anders) werden die waghalsig- sten Kopfsprünge gemacht: nachher reinigen sich die lehmigen Gestalten unten am Strand des Rheins, natür- lich mit„GEG."-Seife. In langen Reihen find sie im Wasser aufmar- schiert. Einer wäscht immer den Buckel des Vordermanns. Das geht dann immer im Rhythmus nach der Melodie:„GEG." Sehr gut und wirkungsvoll waren die von Kindern und Helfern gezeichneten Plakate. So gut war die Wirkung des „Genoifercschaftsfestes", daß die Leitung der„Hoffnung" und der „GEG." auf die geplanten Reden verzichtet haben. Ein Fest ohne Reden kann auch schön sein, das hat das Genoffenschaftsfest in der .Kinderrepublik bewiesen. Seinen Abschluß fand das Fest am Abend iq einem Lolkstauzfest aller jungen Republikaner auf dem Sportplatz. Schwer war«s, am Ende dieses schönen Tages die Republikaner in die Betten,»der richtiger, auf die Strohsäcke zu bekommen. Märchenhaft schön muß an diesem Abend der Anblick unserer Insel vom Rhein und den vorbeifahrenden Zügen gewesen sein, waren doch rund um die Insel Lampions gespannt. Fahrt ins schwarze Land. Die Kinderrepublik Rhein ist ein Grenzlager und hat als solche eine hohe politische Aufgabe, die Aufgabe, im positiven Sinne für Völkerversöhnung zu werben. Der Gedanke, das Lager zu einem internationalen zu gestalten, hat nicht ganz durchgeführt werden können. Das hat feine Ursache darin, daß die Kinderfreunde- bewegung in Frankreich, England, Holland und Belgien noch in den Anfängen steckt. Diese Länder haben darum bis auf Belgien noch keine Delegationen ins Lager geschickt. Trotzdem tritt der Ge- danke der Internationale durchaus nicht zurück. Aber eine andere, vielleicht im Augenblick ebenso wichtige Frage tritt mehr in den Vordergrund. Man könnte diese Aufgabe die innerpolitische Auf» gäbe nennen. Arbeiterkinder aus vielen Teilen Deutschlands haben sich am Rhein einen Staat, ihren Staat, die Kinderrepublik gebaut. Sie haben das getan in einem Lande, dessen Bevölkerung zum großen Teile ihnen nicht wohlgesinnt scheint. Warum nicht? Diese Frage werfen die Raten Falken auf. Sie wissen nicht, was sie der Bevölkerung getan haben. Die Bevölkerung ist verhetzt. Schreibt doch das katholische Kirchenblatt in Köln„geistige Krüppel",„Kinder ohne Göll". Hier setzt die Aufgabe der Kinder» republik ein. Sic will zeigen, wie die Wirklichkeit ist. Darum der Beschluß des Lagcrparlaments: am kommenden Sonntag machen die zehn Dörfer der Kinderrepublik in zehn umliegende Dörfer Agitationsfahrten. Am Montagnachmittag wanderte die Kinderrepublik aus, nur die notwendigen Wachen blieben zurück. Strahlenförmig noch allen Himmelsrichtungen, nach Leutesdorf und noch Kell, nach Namedy und nach Brohl, noch Rheinbrohl und nach vielen Orten mehr marschierten die Dorfgemeinschaften und trugen die roten Fahnen und die Lieder der Roten Falken in die stillen Orte. Kreuz und quer ging es durch die kleinen Dörfer. Ilcbc-'all läuft bald ein großer Schwann Kinder dem Zuge vorauf. Wir laden sie ein, mitzukommen und mitzuspielen. Auch Erwochsens schließen sich dein Zuge an. Auf einem freien Platz wird halt ge- niacht. Ein paar fröhliche Lieder und dann gibt es Spiel und Tanz für alle. Die kleinen Jungs haben mehr Mut als die Mädel. Sie springen alle gleich lustig mit. Die Mädel entschließen sich lang- sainetv.aber dann kommen sie doch, eins nach dem andern und tanzen fröhlich mit. Eine kurze Ansprache und die Einladung a n d ir B c v o kk c rt> n g, uns am kommenden Sonntag iw d�r K i n d e r r e p u bl! k z U besuchen) dazu ein kurzer Sprech- chor, der sagt, was die Roten Falken sind und wollen, beschließt, die Agitationsfahrt. Mit fröhlichen Liedern geht es heim. Der Erfolg war überall gut. Von einem Ort ist vielleicht be» sonders zu berichten. Leutesdorf ist ein kleines Bergdorf, gerade gegenüber unserer Kinderrepublik. Kleine Winzer und Steinbrucharbeiter wohnen dort. Annut und Elend ist in Leutesdorf immer zu Haus. Aber auch die katholische Kirche ist dort sehr mächtig, sie hat in dem kleinen Ort eine große Kirche, ein Kloster und sogar eine eigene Druckerei. In dieser Druckerei werden die Schmähschriften gegen die Kinderfreunde hergestellt. Nach Leutesdorf sind zwei Dorfgemeinschaften herüber gefahren. 4M Rote Falken sind singend durch die engen Gassen des Ortes ge» zogen. Sie sind auch vorbeigezogen an der Druckerei der katholi» scheu Kirche. Ein erschreckter Pfarrer sah aus dem Fenster. Er be- kain viele hundert lachende fröhliche Kindergesichter zu sehen. An diesen Kindern möge er sich ein Beispiel nehmen. Kein häßliches Wort, kein Ton der Unduldsamkeit ist gegen ihn gefallen. Wir haben.in Leutesdorf aber auch sehr viele Freunde ge» fnnden. Alte Leute in winkligen Gassen legten sich weit aus dem Fenster' und klatschten uns zu. Auf der Spielwiese am Rhein fanden sich bald viele Erwachsene ein, die meisten noch in der Arbestskleidung. Sehr viel Zustimmung und Beifall haben wir ge- fanden, als wir erzählten, warum wir kamen. Die Kinder habei» uns bis an die Rheinsähre begleitet und wollten durchaus wissen, wann wir wiederkämen. Auf dem Heimmarsch, am anderen Ufer des Rheins, haben wir noch die Grüße der Lcutesdorfer erwidert. Was riesen sie uns zu über den Rhein? Unseren Gruß: Freund, s ch a f t. E. O. Itir schreiben nach Mause! ROMAN VON \WRENC£ H. Copyright by Meriin-Verlag O.m-b.H., Baden-Baden (15. Fortsetzung.) Vor dem Rathaus bildeten die Vertriebenen einen Zug und marschierten in geschlossenen Reihen unter dem Gesang der „Roten Fahne" zur Stadt hinaus, nach Jack Füllers Grundstücken. auf denen bereits, wie ungeheure, aus dem Schnee ausblühende weiße Blumen, Zelte emporragten. Der Zug kam auch an Calvin Füllers Haus vorüber, und der Herr von Fullersville hörte die im Takt marschierenden Schritte, den Gesang. Ein leichter Schauder lief ihm über den Rücken: dos war kein geschlagenes, in wilder Flucht aufgelöstes Heer, das waren frische, unbesiegte Strestkräft«. Calvin Füller stand in seinem luxuriös ausgestatteten Speisezimmer, als der Zug vorbeimarschierte. Zum erstenmal in seinem Leben fühlte er sich ollein, ein Einzelner gegen eine Macht, die nach Millionen zähl:. Aber die Schwäche währte nur einen Augenblick. Das gewohnte überlegene Lächeln kehrte auf sein Gesicht zurück: noch besaß cr die Betriebe, die Maschinen, das Bargeld und dadurch auch die Behörden, die Regierung, das ganze Land. Noch war er der Herr von Fullersville und würde es auch bleiben. Die„gute Gesellschaft" von Fullersville hatte den Ehrgeiz, es Doston. dem intellektuellen Heiligtum der Dereinigten Staaten. gleichzutun und ein„Kulturzentrum" zu gründen. Aber worin be- stand eigentlich diese Kultur? Die reichen Leute der wtadt kauften Gemälde berühmter moderner Maler, von denen sie nichts oer-> standen und die sie insgeheim für abscheulich hielten: sie schwärmten für Hergesheimer und Mencken, hatten deren Bücher in ihren Salons, redeten viel von reiner Kunst und bekamen Tobsuchts- anfülle, wenn Upton Sinclairs Name erwähnt wurde. Sie intsr- essierten sich auch sür Siegmund Freud, und es war bei den „Damen", die vor lauter Wohlleben aus Langeweste beinahe starben, ein beliebter Sport, sich„psychoanalysieren" zu lassen. Als daher in der Stadt bekannt wurde, daß eine junge Malerin, die nebenbei bei Freud studiert hatte und außerdem einer guten«ng- tischen Familie entstammte, von der Schönheit des Kleinen Miami- flusses noch Fullersville gelockt worden war, öffneten sich ihr die Tore der exklusivsten Palais von Fullersville. Die Frauen freilich fanden schon nach Verlauf einer Woche, daß Fräulein Diana Lang- trcy eine affektierte Gans fei, doch ist nicht ausgeschlossen, daß dieses Urteil durch die ungewöhnliche Schönheit des jungen Mädchens hervorgerufen wurde. Die Männer hingegen, jung und alt, unterlagen dem Zauber der veilchenblauen Augen, der bieg- famsn Gestalt und der weichen melodischen Stiinine. Es kann aller- dings auch nicht geleugnet werden, daß Fräulein Diana Langtrey eine große Kokette war: dos heißt, bis zu dem Tag, da sie im Salon des Bürgermeisters Herrn Calvin Füller kennenlernte. Von da an hatte sie nur mehr für ihn jene süßen, hingebungsvollen Blicke, die den erfolgreichen Geschäftsleuten von Fullersville so wohl getan hatten. '„Ich muß Sie malen," erklärte sie impulsiv dem Herrn von Fullersville.„Habe noch nie ein derartig charakteristisches Gesicht gesehen." Calvin Füller war«in Mann: es fiel also leicht, ihn bei seiner Eitelkeit zu packen. Nach diesem Ausspruch fand er, Fräulein Diana Langtrey sei das klügste Mädchen, das er je gekannt habe, und diese Ansicht wurde während der Sitzungen in Dianas Atelier noch bestärkt. Caivin Füller hatte bisher allzuviel Glück bei Frauen gehabt: sie waren ihm mit der Zeit langweilig geworden. Diese junge Engländerin jedoch, deren Augen ihm unverhohlen ihre Bc- wunderung ausdrückten, die thm aber nicht einmal gestattete, ihre Hand zu küssen, reizte ihn, wie ihn noch nie eine Frau gereizt hatte. Nach vierzehn Tagen war er sinnlos, blind in sie verliebt, wie irgendein Schuljunge in seine erst« Flamme. Diese Frau mußte er haben, selbst um den Preis einer Heirat. Diana Langtrey gegenüber tat er, was er sonst nie getan hatte: er sprach über seine eigenen Angelegenhesten, über den Streik, über die geheime Angst, es würde nicht gelingen, den Streik vor dem verhängnisvollen 20. Dezember abzuwürgen. „Wäre der Streit von der Gewerkschaft organisiert," meinte er,„so brauchte ich mir keine Sorgen zu machen. Unsere Gewert- schaftsführer... ," er lächelte.„Aber so. Das ist ein Streik, der von der Masse selbst getragen wird, ich habe noch nie etwas Aehn- liches erlebt." „Ich hasse die Arbeiter." meinte Diana Langtrey mit ihrem süßen Lächeln.„Sie sind kulturlos und schmutzig. Deshalb stehe ich auch, obwohl mich Politik eigentlich furchtbar langweilt, in Eng- land den faschistischen Kreisen nahe. Erzählen Sie mir, lieber Herr Füller, wie Sie mit diesen abscheulichen Leuten fertig zu werden gedenken." Ihre kleine aristokratisch schmale Hand legte sich auf die Lehne d-s Fauteuils, in dem Calvin Füller saß, und diesmal wehrte Diana Langtrey sich nicht, als Calvin nach ihrer Hand griff und sie leidenschaftlich küßte. Ja, das war die rechte Frau für ihn, schön, vornehm, aristokratisch, genau so«ingestellt wie er. Wie wohl tat es doch, mit einem Menschen zu sprechen, der einen instinktiv zu verstehen schien— nicht nur immer mit Untergebenen! Calvin Füller haßte die Streiker nun doppelt, weil sie ihm nicht gestatteten, seine ganze Zeit dem schönen Mädchen zu widmen. Sogar während er bei Diana Langtrey im Atelier saß, wurde er immer wieder telephonisch angerufen. Oft berichtete cr ihr, worum es sich hande'te, und sie lauschte mit dem reizenden Lächeln einer Frau, die sich sür das Thema nur deshalb interessiert, weil ein von ihr bewunderter Mann darüber spricht. Nur einige Male schien ihr Interesse für die Sache selbst zu erwachen. Das erstemal, als Calvin Füller, den Hörer zvrückhängend, erfreut sagte:„Endlich: der erste Zusammenstoß!", Diana Langtrey ließ den Pinsel sinken, ihre Wangen röteton sich, sie fragte hastig: „Zusammenstoß? Was ist geschehen?" „Heute früh wurde von den BehLrden ein Verbot gegen das Streikpostenstehen erlassen. Die Kerle toten es dennoch. Und so..." Er zuckte die Achseln. „Erzählen Sie doch weiter." „Niemand kann es den Arbeitswilligen verübeln," fuhr Calvin Füller fort,— in Gedanken sprach er bereits mit den Reportern der bürgerlichen Presse.„Die Streiker hatten eine Art und Weise des Streikpostenstehsns ausgedacht, die jedem auf die Nerven gehen muß. Sie standen acht Rechen hoch, immer je vier Mann, sprachen kein Wort, standen wie angewurzelt. Diese tote Ruhe wirkte wirk- lich unheimlich, ich muß es selbst zugeben. Heute nun scheint einigen der Arbeitswilligen die Geduld gerissen zu sein. Sie gingen nicht wie sonst an den Streikposten vorüber, sondern versuchten, sie bei- feste zu schieben. Die Streiker sind von ihren Führern gut diszipliniert, keiner leistete Widerstand. Nur bei Fabrik F verlor anscheinend ein ganz junger Bursche den Kopf und schlug einen Arbestswilligen ins Gesicht. Natürlich war das Ergebnis eine wüste Prügelei." Er lachte befriedigt.„Wir konnten die Polizei zu Hilfe rufen. Ich würde dem Italienerburschen am liebsten eine Lebens- rente aussetzen. Er ahnt nicht, welchen Dienst er mir erwiesen hat. Jetzt fehlt nur noch eines: daß die Leute in den Zelten sich etwas zuschulden kommen lassen. Juristisch kann ich meinen Bruder nicht daran hindern, auf seinem Grundstück jene Leute wohnen zu lassen, die ihm passen, und seit der Sacco- und Danzetti-Geschichte sind die Behörden etwas nervös geworden und wagen nicht mehr, die öffenttiche Meinung ganz außer acht zu lassen." An jenem Nachmittag war Diana Langtrey etwas schweigsam und zersterut, aber vielleicht noch liebenswürdiger als sonst gegen den Herrn von Fullersville. Drei Tage später gelang es Calvin Füller, das Interesse des schönen Mädchens für seine Angelegenheiten in noch größerem Maße zu wecken. Diana Langtrey hatte ihn in ihrer Villa zum Diner eingeladen. Es war das ersten«!, daß er allein mit ihr speiste, und die Stimmung der beiden war eine äußerst angeregte. Aber den großen Herren der West wird wenig Ruhe gegönnt. Als die beiden nach dem Diner in Diana Langtreys kleinem Salon saßen, brachte der Diener einen Brief für Herrn Füller und meldete. ein Mann warte draußen, wolle Herrn Füller unbedingt sprechen. Calvin Füller überflog hastig das Schreiben. „Cardigan. Es scheint sich um etwas äußerst wichtiges zu handeln. Darf er kommen, Fräulein Langtrey?" „Selbstverständlich." Diana Langtrey erhob sich. „Ich will Sie mit ihm allein lassen. Sie werden vielleicht nicht wollen, daß ich höre, was er..." „Nein, bitte, bleiben Sie. Ich habe doch recht, wenn ich glaube, daß meine Interessen auch die Ihren sind." „Ja, Calvin." Diana errötete, als ihr der Vorname des Gastes entschlüpfte, und Calvin Füller hatte sie noch nie so reizend gesehen, wie jetzt in ihrer Verwirrung. Am liebsten hätte er Cardigan zum Teufel ge- jagt, aber Diana selbst war es, die ihn an seine Pflichten erinnerte. „Wir wollen den Mann nicht warten lassen, Herr Füller. Sicherl'ch bringt er Ihnen eine wichtige Nachricht." Cardigan war auf den ersten Blick anzusehen, daß er etwas Großes geleistet habe. Von seinem roten Gesicht strahlte Stolz, aus seiner Stimtne klang wilde Freude. Er setzte sich auch nicht, wie sonst, an den äußersten Rand des Stuhls, sondern lehnte sich be- quem, mit übergeschlagenen Beinen, zurück. „Was gibt's, Cardigan?" fragte Calvin Füller etwas unge- duldig. „Etwas sehr Wichtiges, Herr Füller. Sie haben sich von einem Betrüger zum Narren halten lassen." Oh. wie wohl tat es Cardigan, der immer angeschrien, wie ein Hund behandell, stets, wenn etwas schief ging, mit Borwürfen über- schüttet wurde, seinem Arbeitgeber diese Worte zu sagen. „Was wollen Sie damit sagen?" «Ihr Vertrauensmann, Herr Füller, Ihre rechte Hand, der Detektiv der Agentur Pinkerton, ist ein Betrüger. Er organisiert den Streik. Er.. Calvin Füller lachte spöttisch. „Nächstens werden Äe mich mitten in der Nacht aufwecken, Cardigan, um mir die erschütternde Mitteilung zu machen, daß die Sonne im Osten aufgeht. Herr Louis Carbuckle handelt im Ein- Verständnis mit mir und ich wünsche..." Aber Cardigan war seiner Sache so sicher, daß er es sogar wagte, den Herrn von Fullersville zu unterbrechen: «Herr Louis Carbuckle!" rief er.„Dieser Kerl, der Sic zum Narren gehalten hat, heißt ebensowenig Louis Carbuckle wie ich." Diana Langtrey beugte sich vor, die schlanke� Finger ineinander verkrampft, blaß vor Aufregung: „Wie? Dieser reizende sHerr Carbuckle, dem ich bei Herrn Füller begegnet bin, ist ein Betrüger? Unmöglich! Sie müssen sich irren. Herr Cardigan. Für wen hallen Sie ihn denn?" „Ich irre mich nicht. Fräulein Langtrey. Der Kerl ist ein Mensch, der vor Jahren wegen Mord gesucht wurde, er heißt mit seinem wirklichen Namen Tommy Anderson!" Calvin Füller schnellte auf. „Sie sind wohl oerrückt, Cardigan. Tommy Anderson sitzt sicher hinter Schloß und Riegel."(Fortsetzung folgt.) Sonnabend, 3. August. Berlin. 16.30 Aus dem Breslauer Stadion: Deutsche Schwimra-Mcisterschafien. 17.00 ,, Heitere AJIta«stras:ödicn.4t(Jacques Bars, Rezitation.) 17.30 Uttterhaltungsrausik. Anschließend; Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 19.00 Dr. Cohn-Wiener: Die Tempel der Griechen. 19.30 Dr. Otto Grautoff: Deutschland im Lichte Frankreichs. 30.00 Funkbrettl. Mitw.: Maria Ney; Kitty Aschenbach; Paul Nicolaus u. a. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Während der Pause Bildfunk. Könlgswosterhausen. 16.00 Rektor Karl Hahn: Formen der Schulfeier. 16.30 Dr. Schiffer: Deutsch-österreichische Gemeinschaftsarbeit und das Beamtentum. 17.00 Nachmittagskonrert von Hamburg. 18.00„Wir säen und ernten"(ein Gespräch zwischen Landarbeitern). 18.30 Dr. Ziegler: Von Passau zum Schwarzen Meer, eine Donaufahrt. 18.55 Dr. Karl Hagemann: Indische Tänze. 19.30 Mahrholz: Politisierung oder der Kollektivmcnsch. Sonntag. 4. August. Berlin. 6.00 Funkgymnastik. 6.30 Frühkonzert 8.00 Für den Landwirt. 8.55 Stundenglockenspiel der Potsd. Qarnisonkirchc. Morgenfeier. Geläut des Berl. Doms. 10.00 Wettervorhersage. 11.00 Kamera, Unter den Linden: Unterhaltungsmusik auf der Wuiiitzer Orgel, 11.30 Eltcrnstundc. Einführendes Zwiegespräch zwischen Dr. Bruno Klopfer und Dr. Hans Flcsch. 13.00 Mittagskonzcrt. 13.30 Hugh Loiting plaudeit mit Hermann Kasack und E. L. Schiffer über seine Dolittle-Bücher. 14.00„Doktor Dolittles Abenteuer*4.(Regie: Alfred Braun.) 15.00 1- Marceilo; Sonate Q-Molk- 3. Martini: Sonate Nr. 3 A-Moll. 3. Pas- qualinl: Sonate A-Dur.(Otto Urack. Cello»' Theo Mackeben. Flügel.) 15.30 Märchen.(Erzählt von Hede Geber.) 16.30 Internationale Lcichtathletik-Wettkämpfe des Sport-Clubs Charloiten- burg(von dem SCC.-Sportplatz an der Avus). 17.00 Unterhaltungsmusik. 18.30 Berlin im Mikrophon. 19.00 Aus dem Zoo: Konzert. 19.55 Knut Hamsun(Bildfunk). 30.00 Knut Hamsun(zum 70. Geburtstag). 1. Zachäus(gelesen von Paol Günther).,�- 3. Der Eroberer(gelesen von Leontinc Sagan). 20.45 Orchesterkonzert. Anschließend: Zeit. Wetter, Tagesnachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Während der Pause Bildfunk. Königswusterhausen. 18.30 Prof, Dr. Fritz Wcegc: Ausgrabungen und Entdeckerfreuden einst und beute. 19.20 Jakob Schaffner: Knut Hamsun zum 70. Geburtstag. 20.00 Caruso singt(Schallplattenkonzert). RätsehEcke des„Abend". lUMiiiiiiniiuiiiiiiinimiiininumtiiiiiininiiiuniiniiniuiiinnninni uuuuniinimuinuiimii miiiininnmiiiiniiiiiiiiiiiiiiitiDiinitumiiiiiiiiiininuiimit Kreuzworträtsel. ■ 10 nr 13 <13 Wagerecht: 1 Schmerz: 4. Junger Mensch: 7 Mit der Zeit gehend: 9 Ger- manisches Schriftzeichen: Ist. Umstandswort; lU Deutscher Finanzminister: 12 elektrische Maßeinheit: 13. Stadt in Abessinien; 14 Wichtige weltpolitische Forderung: 15. Französ Artikel: 17 Nachkomme; 18 Flächenmaß: 19. Futter für Küken; 29. Nordischer Männername:2!. Bauwerk. Senkrecht: Nebenfluß der Donau: 2. Umstandswort, 3. Ländl.Belustigung: 4. Notlage der Wirtschaft: 5. Umstandswort; 6. Bodennahrung: 8. Römische Göttin: 10 Stadt in Rumänien: 14. Saftreiche Pflanze; IS Trauer: 19. Tierisches Produkt; 192. Abkürzung eines deutschen Nachrichtenbureaus. rj. " I 16 it7 118 119 19a 20 21 M Magisches Quadrat. Die Buchstaben sind so zu ordnen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen sünf gleiche Wörter ergeben Kapselräisel. Aus den Wörtern Aufwerwng, Vernichtung, Spottvogel. Erwägung, Ortskenntnis. Vergehen, Sportdebatte, Vorkost, Samtband, Azurblau, Unglücksfall, find je drei aufeinander folgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergefügt ein Zitat aus.Hermann und Dorothea" ergeben,(ch ist ein Buchstabe.) ab. Silbenrätsel. Aus den Silben a os ast bau bau be be ber berg berg bo bund bürg chi chi chen dahdedeeeeeee e el en er es«i ei fer gas gau ger gift glo haut i i in in is ju ko land li lt li me na ne netz on pet pheu ra raub reh ri ris salz sar sche se fee fel sel sen ßen staub stra ta ti u va wart sind 31 Wörter folgender Bedeutung zu bilden: 1. Altes Bergschloß in Thüringen; 2. Baum; 3. Bauernverein: 4. Italienische Hafenstadt: S. Deutscher Fluß: 6. Landwirtschaftliche Ausbeutung des Badens: 7. Stadt im Rhein- land; 8. Zerstörungsmittel: 9. Don Wasser umgebenes Land. 19. Gleichmäßig« Fläche: 11. Wildart: 12. Wasserrand: 13. Teil des Auges; 14. Stadt in Schlesien: 15. Ausschmückung: 1k. Hüft- weh: 17. Göttin der Zwietracht: 18. Gaststätte im Gebirge: 19. Enterich: 29. Unangenehmes Verkehrsprodukt: 21. Teil eines Baumes: 22. Salzart: 23. Blattpflanze: 24. Fluß in Bayern; 2S. Nebenfluß der Spree: 26. Gipfel im Thüringer Wald: 27. Figur aus Schillers Don Carlos: 28. Weiblicher Vorname: 29. Gipfel in den Alpen; 39. Teil des Gesichtes: 31. Europäisches Königreich. (ch und st ist«in Buchstabe.) Die Anfangs- und die Endbuch- stoben, von oben nach unten gelesen, nennen ein Zitat von Goethe. (Sprüche in Prosa.) zb (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Hübe' aus voriaer Nummer Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Alt: 5. Alm: 8. Reh: 9. A: 11. Poe: 12. Maehre 14. Ost: 15. Oeft 16. Nil: 17. Chor: 18. Po; 20. Tag: 22 ab: 23. Kap: 26. Elii 27. ego: 28. Eber: 29 Gral.— Senkrecht: 1. Arm; 2. Lea: 3. Theologie: 4. Karl: 5. Apotheker; 6 Los; 7. Met; 19. le; 13. he; 18. Po: 19. Ob; 29. Te«: 21. Alb: 24. Aga; 25 Pol. Silbenrätsel: 1. Delewar«: 2 Eisenach: 3. Zllalmö: 4 Samowar: 5. Oberpräsidenl: 6. Zelluloid: 7. Zrawadi; S. Artillerie; 9. Leberpilz: 19. Ilmenau: 11 Salmiak; 12. Mainau; 13. Undinev: 14. Stafettenlauf: 15. Galant.—„Dem Sozialismus gehört die Zukunft!" Diamanträtsel: 1. P: 2. Uri; 3. Prosa: 4. Staffel; S Kloster; 7. Klasse: 8. Pol: 9. R.— Professor. Die fehlende Mittelsilbe: Silbe l«. Cholera, Galerie, Toledo. Sellerie, Allegro, Helene, Rindleder, Vorleser. Eleganz, Landleben, Auslegung, Belege. Sonnabend 3. August 1929 Nr. 360 46. Jahrgang Gmbenexplosionen und ihre Bekämpfung Jedes Menschenleben, das bei Grubenexplosionen und an den Folgen schlagender Wetter zugrunde gerichtet wird, ist auf das tiesste zu beklagen. Materialschaden läßt sich immer wieder ersetzen, niemals aber ein oerlorengegangencs Menschenleben, noch dazu, wenn Angehörige zurückbleiben, die aus die Unterstützung der Arbeitenden angewiesen waren. Es kann daher zur Bekämpfung derartiger Explosionen nicht genug getan werden. Wenn alle Sicher- heitsmahnahmen in Anwendung gebracht werden, läßt sich auch die Gefahr des Bergbaues bedeutend herabsetzen. In England wie auch in Frankreich sind Bersuchsstrecken an» gelegt worden, in denen die Mittel zur Untersuchung der Kohlen« staubgesahr erprobt werden. Veranlassung zur Gründung derartiger Bersuchsstrecken in England gab die Kohlen st aubexplosion aus der Althossgrub« am 2 ü. Oktober 1866 und in Frankreich die Grubenkatastrophe von Cour- bieres am 10. März 130 6. Auch das furchtbare Un- glück auf der Zeche„M inister Stein" imJahre1325 in Dortmund ist hauptsächlich aus Kohlenstaubexplosionen zurückzusühren. Derartig erwähnte Versuche erstrecken sich auf die Klärung der Frage der Entzündlichteit des reinen Kohlenstaubes und von Kohlenstaub-Gesteinsstaub-Mischungen. Ferner werden Versuche über die Entzündlichteit von Gasgemischen bei Anwesenheit von Kohlenstaub oder Gesteinsstaub angestellt. Außerdem werden noch Versuche unternommen, bei denen die Art und Weise der Fort- Pflanzung einer größeren Kohlenstaubexplosion geprüft und zugleich deren Begleitumstände studiert werden. Es ist interessant, zu erfahren, wie weit die Ergebnisse derartiger Versuche vorgeschritten sind, daher ist nachfolgend eine Zusammenstellung verschiedener Versuchs- reihen wiedergegeben. Der Gesteinsstaub eignet sich besser dazu, ein« Kohlenstaub- cxplosion zu verhindern, als eine bereits eingeleitete Explosion auf» zuhalten, lim nun Kohlenstaubentzündungen zu verhüten, ist eine Beimischung von soviel Gesteinsstaub erforderlich, daß das auf- gewirbelte Staubgemisch mindestens S0 Proz. Asche enthält. Zur praktischen Durchführung ist daher an allen Orten, wo sich Kohlen- staub in der Grube ansammeln kann, Gesteinsstaub in Form allge- meiner Streuung hinzuzubringen. Englische und französische Maßnahmen. In der französischen Versuchsstation Vievin ist beobachtet worden, daß größere Gesteinsstaubanhäufungen sich an einer Stelle am besten bewährt haben? dieser Staub wird unter Querbrettern unter der First« der Strecken angehäuft. Entsteht eine Kohlenstaub- explosion, so wird der Gesteinsstaub durch den Explosionsstoß auf- r•wirbelt und fällt auf die nachfolgende Flamme, die dadurch erstickt wird. Bei Schießarbeit in der Grub« besteht die Vorschrift, daß in allen Fällem in denen es sich um Schüsse in reiner Kohle handelt, nur amtlich Zugelassene Sicherheitssprengstoff« verwendet werden. In England wird in der Nähe der Abbaupunkte Gesteinsstaub vorrätig gehalten. Lokale Berieselungsanlagen, wie sie in Deutschland vor- geschrieben wevden, kennt man hier nicht. Es findet höchstens eine Art Berieselung der Arbeitsstätte vor Abgab« des Schusses statt. In Frankreich dagegen sind die Maßnahmen für die Schießarbeit wesentlich eingehender. Auch hier sind nur Sicherheitssprengstoff« zugelassen, deren chöchstlademenge auf 500 Gramm festgesetzt ist. Außerdem muß in den Gruben eine lln- schädlichmachung durch Bewässerung»der Gesteinsstaub erfolgen. Für besonders gefährlich« Kohlengruben Hot Frankreich geprüfte Schießmeister, unter deren Aufsicht das Laden und Besetzen geschehen muß, derSchuß selbst wird auf elektrischem Wege durchden Schießmeister abgegeben. Systema- tische lokale Berieselungsanlagen kommen in Frankreich auch selten vor. Es wird hier mehr daraus geachtet, daß aller Kohlenstaub aus dem Schuhbereich entfernt und dafür auf eine Umgebung von IS Metern Gesteinsstaub gestreut wird. Um ausblasende Schüsse un- wirksam zu machen, wird vor dem Bohrloch und um dasselbe herum ebenfalls Gesteinsstaub angebracht. Hierdurch wird bezweckt, daß die ausblasend« Flamme sofort in unentzündbares Material schlägt. In der Beleuchtungsfrag« gehen die Vorschriften Deutschlands mit denen von FTßntreich und England zusammen. Es werden noch dem Davyfchen Prinzip Lampen verwendet, das find Sicherheitslampen. die in Schlagwetter. gruben in Frage kommen. Di« Konstruktion der Lampen ist so getroffen, daß sich die Flamm« in einer Drahjnetzhülle befindet, vielfach sind auch die Lampen elektrisch ausgerüstet. Neben dieser Sicherheitslampe ist auch die Wolfsche Sicherheitslampe mit Doppel- korb und Schutzmontel viel in Gebrauch. Mittel zur Kohlenstaubverhütung. Auch die Förderung der Kohle ist von großer Bedeutung auf die Entstehung von Kohlenstaub. Frankreich hat daher die Bor- schrist erlassen, daß nur dicht schließende Förderwagen benutzt werden dürfen, deren Inhalt zu berieseln ist. Es ist erklärlich, daß beim Transport die Kohle ständigen Erschütterungen ausgesetzt>st, dabei bildet sich naturgemäß auch Kohlenstaub. Das beste Mittel zur Kohlenstaubverhütung ist der Gesteinsstaub, der zunächst dem Einfluß der Atmosphäre über Tage ausgesetzt und dann vollständig zermahlen wird. Der Äaub muß so sein sein, daß er im Bergwerk (in der Grube) vom Luftzug mitgenommen wird. Die Verteilung dieses Stoubes erfolgt entweder nach dem Zonenverfahren oder durch Streuung. Elfteres Verfahren besteht darin, daß der Staub ge- häufelt wird, der dann bei einer Explosion aufwirbelt und die nach- folgende Flamm« erstickt. Derartige Gesteinsstaub-Schüttungen müssen öfter erfolgen, des öfteren auch wiederholt werden. Als Grundbedingung dabei ist zu beachten, daß der Kohlenstaub, der sich dem Gesteinsstaub beimischt nichr über S0 Proz. beträgt. Als Gesteinsstaub verwendet man in Frankreich die Flugasche der Kesselfeuerung, in England dagegen Schieferton. In Deutschland ist als wichtigstes Bekämpfungsmittel die Berieselung. Hierbei unterscheidet man Strecken- und Zonen» berieselung. Bei der Streckenberieselung werden sämtliche Strecken in periodischen Zwischenräumen berieselt, bei der Zonenberieselung dagegen wird an bestimmten Stellen der Grube zur Trennung der Wetterabteilungen ein ständiger Wasserschleier durch Düsen erzeugt. Bei dieser Berieselung wird der Kohlenstaub nur sehr oberflächlich befeuchtet, die Flamme kann daher an vielen Stellen noch Nahrung finden. Die Gesteinsstaubschüttung kann demgegenüber als viel besser und sicherer angesehen werden. Wenn der Gesteinsstaub keine freie Kieselsäure enthält, also aus tonigen Gesteinen besteht, so ist auch eine schädliche Wirkung aus die Atmungsorgane nicht seftzu- stellen. Es ist daher dringend erforderlich, daß in deutschen Berg- werken neben der Berieselung auch noch das Gesteinsstaubverfahren eingeführt wird. Es läßt sich am besten durchführen, wenn in den Einzieh- und Ausziehstrecken der einzelnen Wetterabteilungen sichere Zonen angelegt werden, die zugleich die übrigen Strecken mit Ve- rieselung oder allgemeiner Gesteinsstaubschüttung versehen können. Ingenieur H. D e w a l d. Kommt der Vorderrad* Antvieh? Man pflegt zu sagen:„Der Mensch ist ein Gewohnheitstier" und meint damit, daß uns selbst die widersinnigsten Dinge, wenn wir uns erst einmal an sie gewöhnt haben, als etwas absolut Selbstverständ- liches erscheinen. Auch die Technik macht in dieser Beziehung keine Ausnahme. Der beste Beweis dafür ist der beim Kraftwagen heutiger Bauart allgemein übliche Hinterradantrieb, der. obwohl er in konstruk- tioer wie in fahrtechnischer Hinsicht alles andere als vollkommen ist, dennoch nach wie vor als„einzig mögliche" Antriebsart gilt. Be- trachten wir den Hinterradantrieb zunächst von der fahrtechnischen Seite aus. Es ist eine seit langem bekannte Erfahrungstatsache, daß sich ein gezogenes Fahrzeug leichter und sicherer steuern läßt, besser auf der Straße und in Kurven liegt, überhaupt bessere Fahr- eigenschaften aufweist, als ein geschobenes. Kein Mensch würde auf den Gedanken kommen, etwa einen Wagen durch ein dahinter gespanntes Pferd schieben, statt ziehen zu lassen. Ebenso ist bei Eisen- bahnzügen die Lokomotive stets an der Spitze und nicht am Ends des Vordenzd*A ntrieb hei einem BVG�Omnihus. Zuges zu finden? die Mehrzahl der modernen Flugzeuge besitzt Zug- propeller. Demgegenüber wird der heutig« Kraftwagen während der Fahrt vom Motor nicht gezogen, sondern ge- schoben. Damit nicht genug, ordnet man treibende und getriebene Teile(Motor bzw. Hinterachse) auch noch an den beiden entgegen- gesetzten Enden des Fahrgestells an. Zur Verbindung dient eine mehrere Meter lange Welle, die sogenannte Kardanwelle, die nicht nur durch Reibung in Lagern und Gelenken unnütz Energie verzehrt, die somit für den Vortrieb des Wagens verloren geht, sondern auch durch ihr Gewicht die unabgefederten Massen vergrößert und dadurch die Fahreigenschasten weiter verschlechtert. Alles in allem darf man getrost behaupten, daß der angeblich so vollkommene m o- derne Kraftwagen, was die Durchbildung seines Antriebs betrifft, ein Unikum in bezug auf Kompliziertheit und Unzweckmäßigkeit darstellt. Die Nachteile des Hinterrad' Antriebs. Es muß zugegeben werden, daß sich die Automobilfabriken in früheren Iahren bezüglich des Antriebs in einer gewissen Zwangslage befunden haben. Zwar war man sich der Ueberlegenheit des Vorderradantriebs, wie zahlreiche damit angestellt« Versuche be. weisen, wohl bewußt, vermochte ihn aber trotz aller Müh« mit den damaligen Mitteln der Technik konstruktiv nicht so durchzubilden, daß die zur Lenkung des Wagens erforderliche freie Beweglichkeit der Vorderräder unbeeinträchtigt blieb. Also blieb nichts anderes übrig, als zu dem fahrtechnisch zwar ungünstigeren, konstruktiv jedoch weit einfacheren Hinterradantrieb zu greifen. In der Folgezeit hat man das Antriebsproblem vereinzelt da- durch zu lösen versucht, daß man den Hinterradantrieb zwar bei- behielt, aber den Motor von seinem„traditionellen" Platz im Vorder- teil des Wagens wegnahm und ihn statt dessen hinten im Heck ein- baute. Man sparte auf diese Weise die lange, schwer« und teuere Kardanwelle, und erreichte gleich- zeitig eine erheblich bessere Abfederung der Wageninsasscn, da die Fondsitze nicht mehr, wie bisher, über, sondern zwischen den Achsen lagen. Das bekannteste Beispiel für einen Wagen dieser Art dürfte das Rumplersche„Tropfen-Auto" sein, das bei seinem Er- scheinen vor einigen Jahren beträchtliches Aussehen erregte, inzwischen jedoch wieder von der Bildfläche verschwunden ist. Behauptet hat sich di« Bauart dagegen bei ausgesprochenen Kleinwagen, wie z. B. beim deutschen„Haüomag" und beim englischen„Watcrley". # Alles in allem scheint es, als ob die durch die Zurückoerlegung des Motors erreichten Vorteile durch die auf der anderen Seite damit verbundenenNachteilemehralsaufgewogenwer» den. So ist es z. B. gar nicht einfach, einem hinten liegenden Motor die nötige Menge Kühllust zuzuführen, wodurch bei heißer Witterung leicht Ueberhitzungsgefahr entsteht. Ein weiterer Nachteil dieser Bau- art besteht darin, daß die Insassen bei einem eventuellen Zusammen- stoß sofort di« voll« Wucht des Anpralles zu spüren bekommen, während sie bei einem lltormalwagen durch den vornliegenden Motor und Kühler wirksam geschützt sind. Amerikanische Versuche. Man ist deshalb in neuerer Zeit von der Zurückoerlegung des Motors wieder abgekommen und hat statt dessen dem Vorderrad- antrieb erneute Aufmerksamkeit zugewandt, zumal auch die Technik inzwischen sowett vorgeschritten ist, daß die eingangs erwähnten Konstruktionsschwierigkeiten heute nicht mehr als unüberwindlich angesehen werden können. Den Anfang machten, wie so oft, die Amerikaner, nnd zwar wandten sie den Vorderradantrieb bezeich- nenderweis« vornehmlich für Rennwagen an, bei denen die Erzielung bestmöglichster Fahreigenschasten besonders wichtig ist. Es zeigte sich in der Tat, daß diese Wagen den Konkurrenzfabrikaten mit Hinterrad- antrieb hinsichtlich der Fahreigenschafte» bei weitem überlegen waren und ihnen auch in bezug aus Betriebssicherheit usw. keineswegs nachstanden. Damit war der Bann gebrochen. Angeregt durch die amerikanischen Erfolge erschienen auch in den europäischen Ländern rasch hinter- einander eine Anzahl Vorderradantriebs- wagen auf dem Markt. Teilweise handelte es sich abermals um Rennwagen, doch waren auch einig« ausgesprochene Gc- brauchsfahrzeuge mittlerer Stärke und Preislage darunter. Manche von ihnen sind inzwischen wieder von der Bildsläche verschwunden, andere dagegen haben sich behauptet und werden heute bereits sericn- mäßig geliefert, wie z. B. in Frankreich, das in puncto Vorderradantrieb über- Haupt.zurzeit an der Spitz« aller Länder marschieren dürfte. Allerdings: von einem a l l g e i» e i- n e n Sieg des Vorderradantriebs kann augenblicklich noch keine Rede jein. Die Gründe dafür sind teils wirt- schaftlicher, teils psychologischer Art. Einerseits ist die mit der übermächtigen amerikanischen Konkurrenz schwer um ihre Existenz ringende«uro- päische AutomobUindustri« größtenteils einsach nicht in der Lage, sich auf kost- spielige und im Erfolg durchaus nicht sichere Experiment« mit Vorderrad- antriebswagen«inzulassen, und zum anderen fürchtet man den Widerstand des Käuferpublikums, das sich an den Hinterradantrieb im Laufe einer Jahrzehnte langen Entwicklung nun einmal gewöhn.' hat und jeder radikalen Neuerung erfahrungsgemäß mit einem tiefen Mißtrauen gegenübersteht. Kleinwagen mit Vorderrad' Antrieb. Es fragt sich jedoch, ob diese Hemmnisse stark genug sein werden, um das Vordringen des Borderradantriebes auf die Dauer aufhalten zu können. Das Gute bricht sich schließlich immer Bahn, und darüber, daß der Vorderradantrieb dem Hinterradantrieb in jeder Hinsicht weitaus überlegen ist, kann, wie gesagt, kein Zweifel be- stehen. Speziell für den Kleinwagenbau würde der Uebergang zum Vorderradantrieb aller Wahrscheinlichkeit nach oon außerordentlicher Bedeutung s«n. denn bekanntlich ist gerade bei Kleinwagen die Erzieluna einwandfreier Fahreigen- schaften«in s«hr schwt»ria«» und noch lange nicht restlos befriedigend gelöstes Problem. Vielleicht führt der Vorderradantrieb hier endlich zum gewünschten Erfolg. Ein weiteres aussichtsreiches Anwendungsgebiet eröffnet sich dem Vorderradantrieb im Omnibusbau. Abgesehen von der natürlich auch hier hochwillkommenen Verbesserung der Fahreigenschasten gibt der Vorderradantrieb dem Omnibuskonstruk- teur die Möglichkeit, infolge des Fortfalls der Kardanwelle den Fuß- boden der Karosserie bis dicht über die Straßenobersläch« herunterzuziehen. Dadurch wird nicht nur da» Ein- und Aussteigen der Fahr- gaste ungemein beschleunigt und erleichtert, sondern auch der Schwer- punkt des ganzen Fahrzeuges so ties gelegt, daß eine Kippgcfahr selbst bei hochgebout«n, zwei- bis dreistöckigen Grohstadtomnibussen als ausgeschlossen gelten kann. Von feiten der Allgemeinen Berliner Omnibusgesellschast(Aboag) ist im vergangenen Jahr versuchsweise ein Omnibus mit Vorderradantrieb in Verkehr genommen worden, der sich im Verlauf einer mehrmonatigen Betriebszeit so gut bewährt Hot, daß man ernsthast mit dem Gedanken umgeht, eine größere Zahl Wagen dieses Typs nachzubestellen. Zusammenfassend läßt sich konstatieren, daß der Vorderrad- antrieb überoll in der Welt langsam aber sicher Boden gewinnt. Es dürste zurzeit kaum«ine große Auwmobilfabrik geben, die sich nicht in der Still« eifrig mit der Konstruktion und Erprobung von Vo r d e r ra d a nt r i e b s w a g e n b e- schäftigt«. Vielleicht ist also die Zeit nicht mehr fern, wo der Vorderradantrieb zu einer ebensolchen Selbstverständlichkeit im Auwmobilbau geworden ist, wie es heute beispielsweise Ballonreise» und elektrischer Anlasser sind. Wck ft-'t Meisterschaften der Schwimmer. Die Entscheidungen des ersten Tages in Breslau. Äor etwa 1500 Zuschauer» begannen am Freitag die Deutschen Meisterschaften ini Breslauer Schwimm st adion, dessen Wasser die niedrige Temperatur von 17 Grad aufwies. Leider war auch die Kampfbahn nicht ganz einwandfrei, der Wasserftcind zu niedrig, wodurch sich die zum Teil mäßigen Zeiten erklären. Die Entscheidungen am Freitag setzten mit der 4xlOO-Meter-Lagenstaffel ein. Poseidon-Berlin hatte bis zun> legten Wechsel eine klare Führung, aber der Schlußmann Ahrendt von Hellas- Magdeburg war dem Berliner Lochter überlegen und sicherte Hellas den Sieg. Wegen Frühstarts des zweiten Mannes mutzte Poseidon sogar auf den letzten Platz distanziert werden. So tain Borussia-Silesia an die zweite Stelle. Auch in der �X'ZOO-Meter-Bruststaffel, die der SV. Göppingen überlegen gewann, mutzten Poieidon- Leipzig u. Hellas-Magdebnrg wegen Friihstarts bzw. falscher Wende distanziert werden. Die-lOO-Meter-Freistilineisterschait holte sich Her- bert H c i n r i ch- Leipzig nach aufregendem Kampfe gegen Balk- Göppingen, der in den letzten Meiern stark abfiel. Heinrich gewann den Kaiserpreis damit endgültig. In der Seitemeisterschaft verteidigte der Breslauer R. Dahle m seinen Titel nach Kampf erfolgreich gegen Dingeldey-Darmstadt, und auch in der Einzelnieister- sckaft war der Breslauer F o e st wiederum Sieger, obwohl sein einziger Gegner V i e H b a H n- Gummersbach im SO-Meter- S t r c ck e n t a u ch c n mit 32,9 Sekunden einen neuen Rekord herausgejchwonmien hatte. Auch die Bereinrmehrkanipfineisterschaft blieb im Besitz von S p a r t a- K ö l n. Bei den Damen siegten Ann! R e h b o r n- Bochum und Rem E r k c�n s- Oberhaus«» im 100-Meter-Rüctenschwiinmen bzw. tlOO-Mcter-Freistilschwimmen ohne sonderliche Anstrengung. Bcson- ders letztere braucht sich nicht auszugeben, da ihre einzige Gegnerin �choneniann-Dresden schon nach 200 Metern aufgab. Im Kunst- springen dominierte einmal mehr die Europameisterin S ö h n ch e n- Bremrn, und die 3x 100-Meter-LagenstaffeI gestaltet« Nire-Char- loltcnburg zu einem überlegenen Erfolge. EeaebKiffe de« ersten Taqe«. Keeeen,<11X1 Bieter t. beäas- Roededur» Z.'borufiin Silesw-Vreslau 3. öellas tl.Maadebllrg 5:10,9; t. Pol«id»n- Berlin iola"2. in l.M.S db't.l.• Ein�lmedetam»!: 1. �oeg. Breslau, BUrjw. 3, 78.36 Punkte; 2. Bielilal>n-tS ummersbach. Plat». 19. 73.16 Pimlte.— Beee ntmehelamps: 1. Spari.-tlMii, 4 Punkte: 2. Soti ffia Silelia. Atealcu, 6 Pnntle; 3. Paseidan. Berlin. 9 Punkie.— 199 Meter greift il: I. B. Heineick-Leip.lia, 0:26,3; 2. BaIk,Geppinqcn. 3:27: z. Äcitiel.Gäppinq.il, 3:32,8; 4. Schräder. k>ild«slieim. 0:34.2,- 106 Meter Seite: 1. ist.?ai»lenl- Breslan. l:ll.7: 2. Mnfteldcn Darmsladt. 1:12: 3. Barlsch-Berlin. 1:13,8.— 4'296 Meter Bmskft.lfel: 1. S. B. Äövpinqen, 12:27.1: 3. Ä. S. V. Breslau, 12:41 lPafeidon-Ueip�ia und Sellas-Maadedurn distanziert).— Dame». 196 Meter Bitten: I. A. Ztebdorn. Bachum. 1:29.3: 3. Strudel, Berlin. 1:32.1; 3. Wiedemann-llharlaitenbiira. 1:33,4; 4, Zliccina-Sijrl'ti. 1:37.8. � stuaft» fprinft«»! 1. Sohnchen-Beemen. 74.J6 Punkte: 4. Bara«.?l>ise!dorf. 66,92 Punkte: 3 paslawiki-Beelitt. 88.82 Pauk e.— 496 Meter greift'l: l. Reni Ifrkcns. Oderdaulen. 6:32.3 lSchLnemann.7>ee»den auiaeaebenl.— 3:>99 Meter?»ae». ftaffrl: 1. Rirrebarlotlnibiirii, 4:39: 2. Bmatenr S. B. vderliansen, 4:38,9. heistungssteigerunK im �ehnhampt. Itui-t Weih an 6riit«r Stelle«ler tZ Besten. Die schwerste aller lcichtathletisciien Meisterschasten, der Zehn- kämpf, war bisher ei» Gebiet, aus dem es in Deutschland nicht recht vorwärts gehen wollte. Die letzten Meisterschasten habe» aber gezeigt, daß auch unsere leider etwas dünn gesäten Mehrkämpfer schon heute gute Gegner sür die imernationalc Exlraklasse abgeben. In einem Wettbewerb der besten Zehnkämpfer aller Länder würde der hochtalenticrt« Berliider Kurt Weiß mit seiner Brcslauer Rckordleistimg an dritter Stelle hinler dem'Amerikaner Dohertiz und dem finnischen Olympiasieger Prjölö rangieren. Aber auch L a d e w i g- Berlin und H u b e r- Stuttgart, der Zweit« und Dritte aus der Deutschen Meisterschaft, können«s sehr wohl noch mit manchem Landesmeister anderer Staaten aufnehmen, wie aus der nachfolgenden Liste der zwölf Besten der Saison hervorgeht. 1. Doherty-Amerika 7784, b80 Punkt«: 2. P. Tnölä- Fimiland 7671,715 Punkte: 3. K. W- i ß- Deutschland 7627.110 Punkt«: 4. Kennedy-Amerika 7362,103 Punkt«: 5. Ladewig- Deutschland 7315,350 Punkte: 6. Finell-Finnland 7240,035 Punkt«: 7. Charles- Amerika 7240,035 Punkt«: 8- Engleman» Amerika 7158,368 Punkte: 9. H u b e r- Deutschland 7133,015 Punkte: 10. Strand-Schweden 7129,720 Punkte: ll- Lundgren-Schwedcn 7117,520 Punkt«, 12. Topelius-Finnlond 7094,084 Punkte. Titelkampf Diener— Charles in Berlin. Dem Berliner Boxkampfveranstalter Paul Damski ist es ge- lilngcii, von der Internationalen Boxunion inParis die Genehmigung zu erwirken, den für den 7. September nach dem Berliner Post- stadion abgeschlossenen Kamps zwischen Franz Diener und dem Belgier Pierre Charles als Europamei st er schalt im Schwergewicht durchzuführen. Pierre Charles, der sich im Frühjahr die Europameisterschaft in Dortmund durcb einen Punktsieg über Ludwig Haymann holte und seitdem die Meisterwürde gegen den Portugiesen Santa und den Italiener Panfilo erfolgreich verteidigte, wird gegen den Deutschen sein ganzes Können aufbieten müssen, denn Diener wird alles daran setzen, den begehrten Titel für Deutschland zu gewinnen.___ Handel mit Fußballern. Ein Fuhballer kostet 2500 Mark im Monat. Ein interessanter Fall von Spieleraustausch hat in der Tsckechaslawakei stattgefunden. Dort wurde ein Wiener Fußballer Hastl von dcni Prager Perein Sparta für«in« b«- stimmte L e i h s u in m e vom T e p l i tz e r Fußballklub für u-e Dauer des Spieljahres 1929 ausgeliehen. Wieder ein deut- liches Zeichen des Berfalls des bürgerlichen Sports. Diese Tatsache wird bewiesen durch ein Dokument, das beim tschechischen Lerband aufliegt. Zugleich mit dem Bertrageabschluh für de» Spieler wurde noch im Lerband ein Rückoersiche- r ii n g s ü b e r e i n k o in m c n H a j t l s mit den Teplitzern«inge- leicht, nach welchem der Spieler mit dem 1. Dezember wieder für diese vcrpslichtei erscheint, und zwar mit einem Monatsgehalt von 2500 und einem Izandgeld von 25000 Kronen. Was die Leihanstalt, der Te plitz er Fußballklub, an Ge- bühren angerechnet und erhalten hat, bleibt der Oeifentlichkeit vor- enthalten. Der Borfall zeigt, daß der bürgerliche Sport, besonders der Be- rufsspoit, lediglich Geschäslssächc ist und mit Körpererziehung im eigentlichen Sinne nichts zu tun hat. Um so mehr muß man sich wundern, daß der Deutsche Fußballbund, der nie laut genug von „der weißen Weste" und dem„reinen Amateur- gewisse ii" seiner Klubs reden kann,«ine Verbindung mit diesen Vereinen ansrechterhält. Man weih nicht, was ehrlicher ist, sich, wie die Tschechen, offen zu solchen Geldschiebereien zu bekennen, oder, wie die deutschen Fußballer«s machen, die„Kanonen" mit Sport- geschälten. Zigarrenlädcn und dergleichen zn verkappten Be- r u s s s p i c l e r n zu stempeln. Tennisspieler als Läufer. Welche Entfernung legt ein Tennisspieler zurück? Schon oft wurde der Versuch unternommen, die Entfernung auszurechnen, die ein Tennisspieler in einem Wettkamps durch sein stetes Hin- und Herlanseii zurücklegt. Die meisten Laien sind der Meinung, wenn sie ein Tennisspiei sehen, dos sei gar nicht so anstrengend, was ja auch dem Tennisspiel lange Zeit den Bei- n a in e n eines S a l o n s p! e l s einbrachte. Gewiß gibt es Spieler und Spielerinnen, die im Tennisspiel sich nicht allzu viel nnstrengen, es als ein Gesellschaftsspiel betrachten. Diese Art Spieler interessiert uns aber nicht. Für»ns ist der s p o r t l i ch e Tennis- spielcr interessanter, denn bei einem Spoitmatch, z. B. bei den Kämpfen um den Daois-Pokol, waren der Engländer A u st i n»nd der Deutsche P r e» n am Schluß des Wettkampfes derart erschöpft, daß sie kaum mit eigener Hilf« den Piatz verlassen konnten. Es hat hier also eine ganz erhebliche sportliche Anstren- aung vorgelegen. Man hat nun Berechnungen angestellt, um den Loufweg herauszufinden. Man stellte sest, daß in einem Fünf« f a tz k a m v f der Sieger die gewaltige Strecke von 26 englischen Meilen durcheilt« und den Ball rund 7 2 5 m a l schlug. Der deutsche Spieler P r c n n ist also in seinem Kampf mit Austin ungefähr 41 Kilometer gelaufen. Das entspricht fast die Distanz des Marathonläufers. Nun dauert ein Fllnfsatzkampf meistens etwa drei Stunden. Es gibt nur wenige Maralhonlöuser, welch« in der Lage sind, in 21- bis 3 Stunden d'e klassische Lausstrecke zurückzulegen. Wenn auch bei der obigen Berechnung in etwas großzügiger Weise ausgerundet wurde, ergibt sie aber dennoch«inen sehr be- lehrenden Aufschluß über die kolossal athletische Leistung, die ein hervorragender Tennisspieler vollbringen muß. Unter diesem Gesichts- punkt ist es auch begreiflich, daß der junge Engländer Au st in in Berlin beim Schlußfpiel der europäischen Zone des Daois-Pokals vor Ueberanstrengung zusammenbrach und einen Wadenkrampf erlstt. Was die absolute läuferisch« Leistung anlangt, ist natürlich der Tennisspieler besser daran als der Dauerläufer auf der Landstraße, weil im Tenni? immer kurze Pausen gemocht werden. Der Marathonläufer wieder hat den Borteil, sich nur auf seine athletische Leistung konzentrieren zu müssen, während der Tennisspieler auch mit Arm und Gehirn eine gewaltige Anstrengung vollbringen muß. Diese interessant« Feststellung zerstreut ein für allemal die Behauptung, daß das Tennisspiel eine weniger anstrengende Sport- ort sei. als alle übrigen. Zusammcnsdüu$ bei den Schwimmern. Die Totsache, daß in einem großen, an Mitgliederzahlen starken Berein die technisch- und sportliche Ausbildung der Mitglieder eine besonders gute und einwandfreie, dazu bedeutend billigere ist, hat d«N in Köpenick feit 1902 bestehenden Schwimmverein JütitOM'»MXckcht. i> Unter letztes Seneralversammlnng eine« Antrag anzunehmen, der die sofortige Verschmelzung mit den Freien Schwimmern Groß- Berlin e. A." als Gruppe Köpenick verlangt. Die Freien Schwimmer Groß. Berlin«. L. mit ihren 1800 aktioen Mitgliedern als der größte und stärkste Schwimm- verein des Arbeiter- Turn- und Sportbundes, bieten die Gewähr, daß, infolge der guten technischen Zentralleitung des Vereins, auch die Mitglieder technisch und sportlich gut ausgebildet weroen. Die sportlichen Leistungen des Vereins stehen mit an erster Stelle und führten oftmals zu Verbesserungen der bestehenden Bundesbest- zeiten. Auch auf dem Gebiet des Rettungsschwimmens läßt der Verein seine Mitglieder ausbilden. In den Freibädern Müggelsee, Grünau, Iungsernheid« unterhält der Berein ständige Rettungswachen. Jeder Nichtschwimmer wird von staatlich geprüften Schwimmlehrern aus- gebildet. Die neu« Gruppe Köpenick hält ihre Ilebungsstunden ab jeden Dienstag und Donnerstag van 19 bis 21 Ubr in der Städtischen Badeanstalt. Köpenick, Gartenstraße. Weitere Gruppen bestehen in fast allen Bezirken Berlins. jAustuitit erteilt bereitwilligst Adolf Preuh, Berlin O112, Rigaer Straße 50/51. Republikanischer Wintersportverband. Zur Gründung eines Deutschen Wintersportverbandes fanden sich am 30. Juli«ine Anzahl Interessenten aus Derschiedenen Gegenden des Deutschen Reiches zu eiyer Besprechung in Blanken- bürg am Harz ein. Hanpiausgabe soll die Verbreitung de» Winter- sporis— speziell des Skilaufs— in weilesten Aoltskreisen sein, wobei insbesondere den verfassungsniäßigen Reichssarben Schwarz- rotgold die ihnen gebührende Geltung verschasst werden soll. Di« offizielle Gründung des Verbandes ist in Kürz« zu erwarten.— Nähere Auskunft erteilt zunächst Dr. Dietzel, Weimar, Großmutter- leite 11. Rotes Kreuz und erste Hilfe. Wie wichtig der berühmten vaterländischen Orgcknisation, dem Roten Kreuz, die Hilfeleistung eines Verletzten ist, beweist«in Fall, der einer Abteilung der Freien Turnerschast Groß- Berlin vor kurzem passierte. Aus dem Gelände de, Touristen- verein?„Die Naturfreunde" am Uedersee varunglückle eine Genossin und kugelte sich den Arm aus. Cm Genosse fuhr mit dem Motorrad nach Steinfurth, um den Arzt zu holen. E» tonnte afxr nur die Freiwillige Sonitätskolonne alarmiert werden,, die sofort mit der Fahrbahr« herauskommen wollt«. Inzwischen nahm aber ein Fuhrwerk die Verletzte mit und nun ging es in longsamem Schritt ins Dorf. Nachdem der Wagen ungefähr eine Stunde g«> fahren war, kamen die Sanitäter in gemütlichem Schritt an. Um einem Verletzten zu helfen, hotten di« Herrschaften erst ihre o-oll- ständige Uizisorm anlegen müssen. Auch all« Orb« n und Ehrenzeichen mußten angelegt werden, damit auch ein jeder sieht, daß das Rote Kreuz ankommt. Ein Verletzter kann bei einer lebensgefährlichen Verlegung inzwischen verbkit«n.. Auf dem Ge- lande selbst half ein jeder, ob er nun Arbeitersairiariter oder nicht v«. so schnell es reu ging, auch ohne irgend«« Abzeiche» Sport am Sonntag. Auf der kleinen Bahn in Strausberg wird ein buntes, mit starken Feldern durchsetztes Programm zur Abwicklung gebracht. Besserer Sport ist allerdings in Hannover zu erwarten, wo der Be- ginn der traditionellen Augustwochc mit dem Großen Preis von Hannover einen verheißungsvollen Auftakt nehmen dürfte. Glänzend besetzt sind die Dauerrennen aus der Berliner Olympiabahn. Sawall, Möller, Maronnier, Lewanow, Schle- bäum und Saldow sind die Gegner in einer 30-Kilom«ter-Bor- Prüfung und im Siundenrcnnen um dos„Blaue Band". Am „Goldenen Rad" in Düsseldorf nehmen Krewer, Dede- richs, Hille, Leddy, Mancra und Bragard teil, die Amateursliegcr- rennen sehen die Landesmeister Fliegel-Deutschland, van Massenhove- Belgien, Mozairac-Holland und Szamota-Polen am Ablauf. Weitere Bahnrennen sind in Kopenhagen unter Beteiligung von Engel und Stesses, in Paris, Bafel und Genf vorgesehen. Bon den Radrennen auf der Landstraß« verdienen insbesondere die Lundessohrt Bremen— Hannover— Bremen �und die Herrenfahrermeisterschaft der DDRV. in Schwein- surt Erwähnung. Anläßlich des Radfporttagcs der„Per- e i n i g u n g" in Köln werden die Meisterschaften im Saalsport und Radballspiel zur Durchführung gebracht. Mowrbahnrennen sind in Münster und Nürnberg geplant. Eine Großveranstaltung jagt die andere. Nach Köln und Düsseldorf sind Duisburg und Krefeld mit ihren internationalen Festen an der Reihe. Zu gleicher Zeit spielen sich auch auf dem Platze des SC. Charlottenburq große Geschehnisse ab. D«m K l u b k a m p f SC C.- Stade Franxais-Göta- Stockholm, der am Sonnabend feine Erledigung findet, folgt am Sonntag dos große „I n t e r n a t i o n a l e" der Charlottenburger, an dem die Schweden Sten P«tterssoii, Liewendahl, Hammergren, Lindquist, die Finnen 'Jrjölä, Larva. Luokola. Kirn und Sipilä, und aus Deutschland Büch- ner. Starz. Huhn. Hofsmeister, Dr. Peltzer, Böcher. Körnig, Eldrocher. Dr.' Wichmann. Geerling, Jonath u. a. m. teilnehmen werden. Beim internaiionalen Fest in Ulm treten Oestcrreicher und Tschechen in die Erscheinung._ Der Fußballklub JFC. Nürnberg fpielt In izrankfurt a. M.. di« Spieloercinigung Fürth in Chemnitz und Zwickau. Schalke 04 in Neckarau und Frankfurt a. M. Im Südostdeutschland weilen Hamburger SB. und Dresdener SC., der Chemnitzer BC. folgt einer Einladung zu Fortuna-Leipzig. Seil Freitag steht Breslau im Zeichen der Deutschen S ch w i m m e i si e r s ch a s t e n. Am Schlußtage des 31 Verbands- jestes kommen die Meisterschasten im Freistilschwimmen über 100 und 1500 Meter, im Brustschwimmen über 200 Meter, im Turm- springen und drei Staffeln zur Entscheidung. In der Zwischenrunde zur W a s s e r b a l l m e i st e r s ch a f t stehen sich in Barmen die dortigen Sckiwimmsportfreunde und Magdeburg 96. in Berlin Weißensee 1896 und Spandau 04 gegenüber, die Spiele um die Waiserballmeislerschaft der Deutschen Turn-rschast werden in Leipzig, Dinslaken und Speyer fortgesetzt. Auf der Außenalster bei Hamburg gelangen die Kurz- st r e ck e n m e i st e r s ch a f t« n des Deutschen Kanuverbandes im Kajak und Kanadier zur Entscheidung. Am Sonntag be- ginnen die Deutschen Tennismeisterschaften in H a m- bürg, die sich bis-um 12. August erstrecken. Leider bleiben in bezug aus die Qualität der ausländischen Teilnehmer viele Wünsche c-ssen. Da Prcnn nick't antritt, ruhen die Hoffnungen oni einen deutschen Sieg in der Herrenmeisterschaft ans Moldcnhauer. Bei oen Damen sollte sich Frau v. Reznicek durchsetzen. Was Spiele kosten. Das Holländisch« Olympische Komitee legt jetzt eine genaue Ab- rechnung der Ausgäben und Einnahmen bei den Olympischen S p i° f- ii 1 9 2 8 in A ni st« r d a m vor. Aus der Aufstellimg ersieht mati, daß die G e f a m t t o st e n der Szuele sich auf 3 332 581 Gulden, also rund 5 665 000 M. betitfen. Da die direkten Einnahmen nur 1 287073 Gulden srun!» 2 200 000 M.) betrugen, so ergibi sich eine eigentlich« Unter- bilanz von 2 043 308 Gulden(rund 3 500 000 M). Zur Deckung der Mebrtosten standen dcni Komiice 851 897 Gulden aus dein Fonds des Olympischen Komitees, weiter« 730 000 Luiden aus öffentlichen Mitteln und ein Garanticionds von 1 000 000 Gulden zur Verfügung. Da die Zinsen der bereitgestellten Gelder 146 660 Gulden erbrachten, war nur eine Inansprubhnahmc von rund 30 Proz. des Garaniicionds nötig, dem 296 948 Gulden«nt- nammen wurden. Dieser Betrag stellt dos tatsächliche Defizit der Spiele dar, dafür ober besitzt Amsterdam das prachlooll« Stadion. Bogenschiehen als Volkssport! Der Schießsport mit dem Bogen kann direkt als„Lcichioth'ctik" angesprochen werden. Wenn man 100 Schuß mit einem 50-Psund» Logen abgegeben hat, so wurden 50 Zentner mit der Linken gestemmt und mit der Rechten gehoben und gleichzeitig all« anderen Muskeln des Oberkörpers in Tätigkeit gebracht. Die Beine kommen dabei keineswegs zu kurz, da das Zurückholen der Pfeile ihnen genug zu tun gibt. Das Bogenschießen ist auch nicht nur für junge Leute geeignet, sondern di« ältere Generation beiderlei Geschlechts kann es mit Lust und Vorteile sür ihre Gesundheit in einem Alter betreiben, wo Ballspiele und sonstioc Spiele im Freien, bei denen Schnelligkeit und Elastizität den'Ausschlag geben, längst nicht mehr getrieben werden. Eine Bogenabteilung, auch tür Frauen und Jugendliche. besteht im Arbeiter-Schützenbund. Allen Interessenten erteilt jcg- liche Äiiskunft in der Geschäft-stellc: Stefan BrMirski. Komma». dantcnstrah« 77, Merkur 7752- WefflUfUftr«Ur% Billige Ferienreise in die Schweiz. Die erste diesjährige, von der Reichsleitung des Touristenvereins „Die Naturfreunde" durchgeführte Gesellschaftsreise nach Wien und Steiermark. Zalzkammergut, Salzburg ist vorüber. Besriedigt über die gute Organisation und� hocherfreut über das reiche Erleben während der interessanten Touren kehrten die Teilnehmer zurück. Die nächste diesjährige Ferienreise der Naturfreunde, die am 17. August 1929 beginnt und am 31. August 1929 endet, führt in die herrliche Schweiz. Di« schönsten Gebiete werden besucht und lange Jahre werden die Teilnehmer von dem-Erlebten zehren. Um recht vielen Genossen die Teilnahme zu ermöglichen, hat sich die Reichsleitung des Touristenvereins„D'e Naturfreunde" entschlossen. die Meldesrist für diese Reis« bis zum 10. August 1929 zu verlängern. Es empfiehlt sich deshalb, sosort die Broschüre„Ferien- reisen mit den Naturfreunden" zu bez'ehc». aus welcher die ge- wünschte Tour gewählt werden kann. sAdress«; T.-B.„Die Natur- freunde", Reiseäbteilnng. Nürnberg, Sündersbühlstr. 5.) Alles Nähere ist aus dem Prospekt.zu ersehen. Der Preis hierfür beträgt 50 Pf. gegen Voreinsendung des Betrages. Buder- und Paddelkurfe beginnen in den Voltsbochschulkursen der Deutschen Hochschule sür Leibesübungen am Montag, dem 5. August, 7% Uhr und 854 Uhr abends, mit einer Vorbesprechung, Französisches Gymnasium, Reichstagcuser 6. Auskunft und Pro- gramm Neue Winterseldstr. 45, B 1, Kurfürst 1309. «•tttl für«rbeitersport und Äbnxrsflea«, Bezirk ScnlBBn Morlaa. 5. luguft, findet die«arlUldeleaierleniersaumUung mn 20 Ißt bei Zfrant, --- U statt. Wt BeremsoorWiS« müsse« ein« Bettret«-nfufr-r,