Morgenausgabe Nr. 363 A 183 46. Jahrgang «öch-nw« 85{St. monatlich 3,60 Bi. im Daraus jatlbor. Postdrzuz«52 M. rtnlchlietzlich SOPsg.Poftzeitungs. und 72 Pfg, SollbefltUatbüljrfn. Ausland» abanr.tmnit 6.— M. pro Mona«, V«„Somtots* frlchslnl wachsnltg. lich jrosimol, Sanntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend", Illustriert« Beilagen.Volt und Zeit" und.Kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wiffen"..Frauen- sUmme"..Technik",.Blick in di, Lüchertpell" und.Jugend-Bannärts" |P1#> Verttner Vo«sb»a« Dienstag 6. August 1929 Groß-Äerlin �0 pf. Auswärts 15 pt. rtf c t n 1 p a i ti g« NonporoNezeil« 80 Pfennig. Reklamen, le 5.— Reichsmark.„Meine Anzeigen� da» iettge- druckte Wort 25 Pfennig tzuläfftg zrcet fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig.. Stellengesuch» da» erfl« Wort IS Pfennig, jedes wettere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. Anzeigenannahme im�aupl- «ejchäft Lindenflraße 3. wochentäglich von öl/, bis 17 Uhr« Äentraloegan de« SozialdemoSvatttchen Vartei DeutfOlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 2 Fernfprecheit Dönboff 292—297 Zeltgramm-Sbt.: Sozkaldemokrat Belli» Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 B36.— Bankkonto: Bant der Arbeiter. Angestellten und Beamten Wallstr. SS. Dlikonto-Gesellschaft, Depositenkaste Lindenftr» Die Diktatur zittert. Maffenverhasiungen in Güdslawien. Belgrad. S. August.(Eigenbericht.) Die über Wien ins Ausland gelangten Nachrichten von schmoren Zwischenfällen in Sarajevo bestätigen sich. Nach diesen Mol- düngen sollten Kommuni st en oersucht haben, das Bahnhofs- gsbäude zu zerstören.(J£s ist der Trick der südslawischen Militär- diktatur, jede Opposition der Oefsentlichkeit als„Kölsche- w i st i f ch" vorzuführen und abzutun, Nach unseren Informationen handelte es sich in Sarajevo weniger um einen Anschlag gegen den Bahnhof als gegen militärische Depots in der Nähe des Bahnhofes. Angesteckt und in die Luft geflogen sind einige dort untergebrachte Militärvorräte, wie Maschinen und Munition. Wenn man die Tat als Ausfluß der unter der Asche glimmenden U n- zufrieden heit mit dem Regime betrachtet, so kommt dies zweifellos der Wahrheit näher als der mit der Etikette.Lommu- nistenaufruhr"' versehene amtliche Beschwichtigungsversuch. Die Berichte der Zagreber Zeitungen über den„Kampf gegen die Kommunisten' beweisen, daß die Borgänge in Sarajevo nicht leichter Art gewesen sein können. In der Hauptstadt Kroatiens waren am Tage nachdem Zwischenfall von Sarajevo alle Polizei- kräfte mobilisiert und in der Stadt verteill. Aufklärungs- und Rad- fahrcrabteilungen durchstreiften Tag und Nacht Zagreb. In dem offiziellen Polizeibsricht heißt es. daß zahlreiches, teils vergrabenes Agitationsnmterial der.Kommunisten' aufgestöbert und 10 2 Per- s o n e n, natürlich alles„Kommunisten', in das Polizeigefängnis eingeliefert wurden. Das Gefängnis ist znrzelt derart übersülli. daß verhaftete Diebe und andere wegen kleiner Bergehen eingesperrte Personen entlasten werden muhten, um Platz für die politischen Häftlinge zn schaffen. In dem Polizeibericht heißt es zum Schluß:„Gleichzeitig mit der Aktion der Zagreber Polizei wurden auch in allen anderen größeren Städten des Staates, so in Sarajevo, Skoplje, Beogrod und Kumanowo zahlreiche Haussuchungen und Verhaftungen vor- genommen!' Es scheint, als wüchsen unter der Diktatur des Militärkabinetts die„Kommunisten' wie Pilze aus der Erde. In Wahrheit sind diese.Kommunistenoerhaftungen' nur ein Ausdruck der Stimmung der Bevölkerung und der Nervosität pnd Unsicherheit der Diktatoren. Wieviel von den Diktaturspitzeln haltlos verdächtigte Personen ein- gesperrt worden sind und w i e es den Verhafteten in den Gefäng- nisten ergeht, darüber gibt es keine Kontrolle. Zuruf an die Konferenz. Mahnung der Kriegsopfer. Warschau, 5. August. hier beganu im Rathaus der 5. Internationale Kongreß der Kriegsbeschädigten. Im Hamen der Regierung wurde der Kon- greh vom Arbeitsminister Oberst Prystor begrüßt. Für die deutsche Delegation hielt Reichsiagsabg. R o h m a n n(Soj.) eine Begrüßungsansprache. Der Kongreh nahm eine Enischlichung an, in der es heihi. daß die Vertreter von drei Millionen Kriegs- beschädigten aus zehn Ländern den Delegierlen der Regierungen, die an der Konserenz Im Haag leilnehmen, die heißesten Wünsche für das Gelingen ihrer Arbeiten übermitteln. Die ehemaligen Kriegsteilnehmer rechne» damii, daß die Mitglieder der haager Kon- serenz während ihrer Veralungen die unerträglichen Leiden der Kriegsbefchädigien und der Familien der Gefallenen vor Augen haben werden, und daß sie mit der ganzen Kraft ihres Willens bestrebt sein werden, jene Leiden zu mildern, ihre Wiederholung zu verhüten und durch die Ueberwindung aller Schwierigkeiten der Welt zehn llahre nach Beendigung des Weltkrieges den dauernden Frieden zu sichern. Die Vorsitzenden der Konferenz. Paris, 5. August.(Eigenbericht.) Es verlautet, daß den Vorsitz im Finanzkomitee der Haager Konferenz der japanische Delegationschef, den Vorsitz im politischen Komitee(Rheinlandproblem!) der italienische Dele- gierte führen dürfte. Den Gesamtvorsitz wird der Belgier Jasper ausüben: seinen Verzicht zugunsten des französischen Ministerpräsi- dentcn hat Briand nicht angenommen. Die Dauer der Konferenz wird von den meisten französischen Blättern— selbst den rechtsstehenden— verhältnismäßig kurz ver- anschlagt: bis zum Beginn der Septenrbertagung des Völkerbundes soll bereits eine prinzipielle Einigung erzielt sein und die Räumung des Rheinlandes noch in diesem Jahre durchgeführt werden. Nur Sauerwein prophezeit im„Matin', daß die Konserenz sich bis in da» nächste Jahr ausdehnen werde— falls di- deutsche Dele- gation an ihren„übertriebenen Forderungen" festhalte. Welches diese„übertriebenen Forderungen' sind, sagt der Pessimist nicht. Die deutsche Delegation traf am Montagvormittag kurz nach 11 Uhr im Haag ein und wurde von dem niederländischen Außen- minister empfangen. Di« konstituierende Sitzung wird Dienstagvormittag 11 Uhr beginnen und vermutlich eine halbe Stunde dauern. Vorbesprechung. Haag, 5. August. Heut« abend um H8 Uhr kamen die Hauptdelegierten der sechs als Einberufer der Haager Konferenz gellenden Mächte, nämlich Deutschlands, Frankreichs, Englands, Belgiens, Italiens und Japans. bei dem französischen Ministerpräsidenten Briand im Hotel des Indes zu einer ersten formellen Borbesprechung zusammen. Briand war mll dem Hauptteil der französischen Delegation erst um SV* Uhr abends im Haag angekommen, so daß die meisten der zur Be- sprechung erschienenen Delegierten sich bei dieser Gelegenheit zum erstenmal seit längerer Zeit wiedersahen. Bon den Deutschen waren Reichsaußenminister Dr. Stresemann und Reichssinanzminister Dr. Hilferding erschienen. Wie verlautet, stand di« Frage der Wahl des Konferenzvorsitzenden und di« eventuelle Er- nennung eines Generalsekretärs für die Konferenz sowie auch die Aufstellung eines vorläufigen Arbeitsprogramms im Mittelpunkt dieser Besprechung. Folgendes Kommunique wurde ausgegeben: Die Delegierten der Mächte, die die Konferenz ein- berufen haben, haben sich heute abend in den Räumen der franzö- fischen Delegation versammelt, um die Bedingungen zu prüfen, unter denen sich die Arbeiten der Konferenz abspielen werden. Sie haben beschlossen, daß morgen vormittag um 11 Ahr die Konserenz mit einer öfsenl- lichen Sitzung eröffnet werden soll. Herr Briand ist von seinen Kollegen gebeten worden, die Eröffnungsrede des Herrn Beelaerts van Blotland zu beantworten. Die ersten sachlichen Beratungen werden morgen nach- mittag um 4 Uhr mit einer geschlossenen Sitzung beginnen. Rasche Arbeit gewünscht. Paris, ö. August. In einer Havasmeldung aus dem Haag wird angedeutet, daß man die Hauptarbeit der Konferenz gegen den 1 2. b i s 2 S. A u g u st beendet haben möchte, und daß die Delegierten der auf der Konfe- renz vertretenen Staaten beschlossen hätten, bereits heute abend mit- «inander Fühlung zu nehmen. Nheinlanddiskussion später„gestattet". Schreckschüsse der nationalistischen Rechten Frankreichs. Paris, S. August.(Eigenbericht.) Bor Eröffnung der Haager Konferenz gibt die französische Rechtspresse noch einige Schreckschüsse av. Man liest am Sonntag ubereinstimmend in den meisten rechtsstehenden Blättern, daß das Programm der französischen Delegation bei der Haager Konferenz sei: erstens die Annahme des in allen Punkten un- veränderten Poung-Planes, und zweitens, nachdem die Frage der Sicherheitsgarantien und der Kontrollkommission geklärt sein werde, die„Inaussichtnahme einer Diskussion über di« Rheinland- räumung'. Es ist auffallend, mll wie übereinstimmendem Wort- laut die einzelnen Zeitungen diese Formel als einen allgemein bc- kannten Gemeinplatz darzustellen bemüh: sind, zumal der fron- zöstsche Ministerpräsident und Chef der französischen Delegation keinerlei Erklärung abgegeben hat, die als Stoff für den obigen als offiziös dargestellten Standpunkt dienen könnte. Was dieses seltsame Manöver zu bedeuten hat, geht aus einem Artikel des sozialistischen Abgeordneten Frochard im„Paris Soir' hervor. Der Abgeordnete glaubt, mitteilen zu können, daß im Schöße des neuen Kabinetts große Meinungsverschiedenheiten über die Rheinlandfrage herrschten. Man verlange von Briand, er solle die Okkupokion nur dann aufgeben, wenn er dafür als Gegenpfand von Deutschland die K o m m e r z iv l i j i e r u n g eines Teiles der Noungschen Annuitäten erhalte. Schwerarbeit im Haag. Schwierigkeiten der Konferenz.— Notwendigkeit der lteberwindung. Die Haager Konferenz, die heute beginnt, soll die endgültige Regelung der Reparationen brin- gen und zugleich mit ihr eine Vereinbarung über die als- baldige Räumung des besetzten Gebietes. Dazu gehört, genau gesehen, auch die Räumung des Saar- g e b i e t s, das zurzeit noch vom Völkerbund vermaltet und von Frankreich exploitiert wird. Indes find die Rollen, die der Verfailler Vertrag dem Rheinland und dem Saargebiet zuteilt und die Bedingungen ihrer Befreiung verschieden, so daß über beide getrennt, und zwar erst über den Rhein, dann über die Saar verhandelt werden muß. Die zweite Frage endgültig zu regeln, ist die Haager Konferenz vielleicht auch nicht ganz kompetent. Als Mindestergebnis muß erwartet werden, daß die Räumung der zweiten und der dritten Zone baldigst erfolgt und daß die Befreiung der Saar zu einem viel früheren Zeit- Punkt als dem des Vertrags— dem Januar 1935— in Angriff genommen wird. Voraussetzung für die Erzielung dieses Ergebnisses ist die Annahme des Doung-Planes durch die Gläubigerstaaten auf der einen Seite, an Deutschland auf der anderen. In Deutschland hat man allerdings mit guten Gründen die These verfochten, daß auch ohne Doung-Plan ein juristisches, zum mindesten aber, seit Locarno, ein moralisches Recht auf die Räumung gegeben ist. So aber, wie sich die Dinge politisch entwickelt haben, ist zu befürchten, daß die längst notwendige Räumung auch weiter verschleppt werden würde, wenn der Doung-Plan nicht zur Annahme käme. In diesem Sinne ist Annahme des Voung- Planes Voraussetzung für die Räumung. Indes war und ist. die französische Rechte, auf die Briand notgedrungen seine Regierung stützt, bestrebt, den Weg zur Räumung durch neue Hindernisse zu verrammeln, Hindernisse wirtschaftlicher wie politischer Natur. Zu den ersten gehört die Forderung, daß die deutsche Schuld teil- weise„kommerzialisiert" werden müsse, bevor ge- räumt werde, zu den zweiten das Verlangen nach der be- rühmten„Feststellungs- und Versöhnungskommission", die auch nach Abmarsch der Truppen im Rheinland verbleiben soll. Briand hat in den Erklärungen, die er als neu- ernannter Ministerpräsident abgab, nicht erkennen lassen, ob und inwieweit er bei den Verhandlungen jenen Forderungen Rechnung tragen will. Es kann aber jetzt schon gesagt wer- den, daß ein Versuch, den Fortschritt der Räumung von der Gunst des Kapitalmarkts abhängig zu machen oder Deutsch- land über 1935 hinaus eine ini Friedensvertrag gar nicht vorgesehene Kontrollkommission aufzuhalsen, zu einer k r i- tischen Zuspitzung der Konferenz und zu einer schweren Belastung der deutsch-französischen Beziehungen führen müßte. Brionds Wille, diese Beziehungen freundlich zu gestalten, ist nicht zu bezweifeln, von seinem Mut, das Notwendige dazu zu tun, hängt unendlich viel ab. Das Ergebnis der Haager Konferenz wird jedoch nicht nur durch den Druck gefährdet, den die französische Rechte auf ihren Ministerpräsidenten ausübt, sondern auch durch die Uneinigkeit der Gläubngerstaaten unter- einander. Man erinnert sich noch, daß die Verteilung der deutschen Zahlungen unter sie für die Pariser Sachverstän- digenkonferenz unsägliche Schwierigkeiten bot. Ein Versuch, allen Wünschen gerecht zu werden, führte zur Errechnung einer Summe, di« Deutschland aufzuerlegen kein ernster Mensch auch nur erwägen konnte. Die Herabdrückung dieser — vom Gläubigerstandpunkt aus gesehen—„idealen" Summe auf ein einigermaßen reales Maß konnte nur er- folgen, indem auf verschiedenen Seiten Abstriche vorge- nommen wurden. So entstand die jetzt so heftig umstrittene Anlage zum Poung-Plan, die die von Deutschland zu zahlen- den Annuitäten im Jahresdurchschnitt der Jahre 1929 bis 1965 in folgender Weise verteilt: Frankreich......... 1 046,5 Will. M. Britisches Reich �09,0,, Italien...»»»»»»» 213,7„„ Belgien.»»»,«»«»» 115,5„» Rumänien e.» 20,1.» Serbien 84,0„. Griechenland Portugal., Japan.., Polen.., USA.... »»»»»»» ,»«»»» • i 7,0 13,2 13,2 0,5 66,1 1988,8 Mill. M. Insgesamt Jahresdurchschnitt. Gegen diesen Verteilungsplan haben nicht nur die kleine- ren Gläubiger, sondern auch das Britische Reich unter seiner gegenwärtigen Arbeiterregierung Beschwerde erhoben. Die englische Regierung sieht sich auch dadurch benachteiligt, daß sie an dem besonders gesicherten Anteil der deutsäzen Zahlungen, der unmittelbar und ungeschützt aus den Ein- Parade des politischen Verbrechens Oer Hakenkreuziag von Nürnberg/ Hitler als letzte Hoffnung der Hohenzollern. Der Nürnberger Parteitag der Nationalsozialisten hat keine programmatisch wichtigen Beschlüsse gefaßt— den politischen Kurs dieser Partei bestimmen nicht die Mitglieder, sondern der Parteichef, der wiederum von seinen Hinter- männern abhängig ist. Dagegen haben die Vorgänge wäh- rend dieses Parteitages das Bild bestätigt, das man von dieser Partei Hot. Die Exzesse der Hakenkreuzler, die Ueber- fälle auf Andersdenkende, das organisierte Rowdytum haben aus diesem Parteitag eine Parade des politischen Verbrechens gemacht. Es gibt unter den Anhängern dieser Partei sicher sehr viele Urteilsunfähige, die ernstlich noch auf„den Tag* warten. auf den nächsten Putsch gegen die Republik, sehr zum Unter- schied von den Führern, die selbst nicht mehr daran glauben, die aber die Illusion ihrer Anhänger ebenso nähren wie die Radau st immung und den Terror gegen Anders- denkende, weil beides die Grundbedingungen für die Fort- existenz ihres Ladens sind. Das organisierte Rowdytum hat sich der sogenannten Landvolkbewegung in Holstein bemächtigt, seine Hetze hat die Atmosphäre geschaffen, aus der die Bombenattentate in Holstein und in Lüneburg erwachsen sind. Es bildet einen Teil der sogenannten„nationalen Einheitsfront* des Herrn Hugenberg, und weil es der lärmendste Teil ist, wirkt es an- ziehend auf alle, die aus Haß gegen die Republik das politische Verbrechen bejahen. Neben Hitler selbst haben in Rurberg als Führer paradiert der Fememörder Heines und der Rathenau-Mörder Hans Gerd Techow. Kein Wunder, daß sich die Anhänger dieser Partei in Nürnberg wie eine Bande von Terroristen gegen die Bevölkerung und gegen Andersdenkende aufgeführt haben. Die„nationale Einheitsfront* und der Fall des Re- Sublikschutzgesetzes scheinen auch bei den Hohenzollern neue llusionen erweckt zu haben. Der Reklameprinz August Wilhelm nahm in Nürnberg Parade ab neben Hitler, Seldte und Düsterberg, und Hermine von Doorn besorgte die weitere Repräsentation. Das politische Rowdytum der Haken- kreuzler als letzten Strohhalm der Hohenzollern! Die Republik hat von diesen Gespenstern einer ver- aangenen Zeit so wenig zu fürchten wie von Hitler und den Seinen. Sie sind kein ernsthaftes politisches Problem. Ihre Verbrechen jedoch, der organisierte Terror gegen Anders- denkende, das politische Rowdytum sind ein ernsthaftes polizeiliches Problem, das mit Entschlossenheit und ohne Zögern angefaßt werden muß. Die Bilanz des Hakenkreuztages. Nürnberg, S. August.(Eigenbericht.) Die anläßlich des Parteitages der Nationalsozialisten in Rürn- berg zu verzeichnenden Zusammenstöße erweisen sich nach den amtlichen Feststellungen doch als wesentlich umfangreich c.r und schwerwiegender als anfänglich angenommen wurde, insgesamt waren in 7S Fällen Hilfeleistungen erforderlich. Davon mußten allein in ZS Fällen Verbände angelegt werden. Ein Teil der Verletzten wurde ins Krankenhaus geschafft. Vier Personen liegen schwer danieder. Sie haben Schuß- und Stichwunden erhalten. Gchwarzweißroter Hausbefih. München, 5. August.(Eigenbericht.) Der Z e ntral ve rb a nd deutscher Haus- und Grundbesitzer hielt in München seinen öd. Verbandstag im Zeichen der Farben Schwarz. Weiß. Rot ab. Vertreten war u. a. auch die national-fgschistische Hausbesitzerorganisa- t i o n Italien. Im Verlauf der Tagung wurde gefordert Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft, Ermäßigung der Steuern und fyste- matrfcher Abbau der Mietzinssteuer. Ein« neuerrichtet« Stiftr g in Höhe von 30 000 M. soll der wissenschastlichen Forschung aus dem Gebiet de» Kampfes für das Privateigentum dienen. Reichstags- abgeordneter B r e d t erklärte in seiner Festrede, daß der große Kampf um das Privateigentum erst beginne, und daß der Hausbesitz berufen sei, die deutsche bürgerliche Gesellschasts- ordnung zu holten„gegen die Mächte von Osten und Westen*. Ueber das große Wohnungselend in Deutschland wurde nicht gesprochen. nahmen der Reichsbahn fließt, nicht beteiligt fein soll. Durch diesen Protest wird der Doung-Plan selbst angegriffen. Zwar haben die Sachverständigen erklärt, daß dieser Plan als ein Ganzes zu betrachten und nur als Ganzes angenommen oder abgelehnt werden könne, doch sind die Regierungen an diese Erklärung nicht gebunden. Soll der Quotenschlüssel abgeändert werden, so kann ebensogut auch eine andere Aenderung des Plans vorgeschlagen werden — und dann droht sich alles ins Uferlose zu verlieren. Dies würde jedoch den Absichten des britischen Auswar- tigen Amtes keineswegs entsprechen. Die Arbeiter- regierung will die Räumung des besetzten Gebiets, und zwar die Räumung in allerkürzester Frist. Diese ihre Absicht würde durchkreuzt werden, und überdies ginge es gegen jede Logik und gegen jede Gerechtigkeit, wenn das Rheinland auf seine Besreiung noch länger warten müßte, weil die ehemaligen Alliierten sich über die Anteile, die sie von den deutschen Zahlungen in Anspruch nehmen, nicht einigen könnten. Bon der Klugheit und dem Gerechtig- keitsgefühl der Konferenz muß erwartet werden, daß ein solches Schauspiel, das den Glauben an den Wert internatio- naler Zusammenarbeit aufs schwerste erschüttern müßte, ver- mieden wird. Von dem Augenblick an, in dem sich Deutsch- land prinzipiell bereit erklärt, die Lasten des Doung-Planes auf sich zu nehmen, besteht für den Fortbestand der Besatzung keine Rechtfertigung und keine Entschuldi- gung mehr. Welche Schwierigkeiten entstehen würden, wenn etwa der Versuch gemacht werden sollte, den Doung-Plan auch noch in anderen Punkten abzuändern, braucht nicht ausgemalt zu werden, weil bisher ein solcher Versuch nicht gemacht und auch nicht angekündigt worden ist. Indes wird es zu den Ausgaben der Haager Konferenz gehören, auch verschiedene Ausführungsbestimmungen zu vereinbaren, insbesondere über die zu schaffende internationale Reparations- dank, deren Sitz noch zu bestimmen ist. Nimmt man noch die Frage der Sachlieferungen hinzu, in der die französischen und die englischen Interessen einander gegenüberstehen, so sind damit die hauptsächlichen Schwierigkeiten, die sich einer raschen und erfolgreichen Arbeit der Konferenz entgegenstellen— soweit sie bisher sichtbar ge- worden sind— dargestellt oder wenigstens angedeutet. Aller- dings kommt es auch auf internationalen Konferenzen manch- mal anders als man denkt. Manches, was heute schwer er- scheint, kann sich als leichter erweisen, wenn man erst an das Problem herantritt, es können aber auch neue Klippen auf- tauchen, wo sie keiner vermutet hat. Es gibt jedoch Forderungen der Vernunft, die sich durch ihr eigenes Schwergewicht schließlich gegen alle Widerstände durchsetzen müssen. Eine von ihnen lautet, daß Deutschland weitere Zahlungen nach dem Dawes-Plan ernstlich nicht mehr zugemutet werden können, nachdem die Pariser Sachverständigen ihre wesentliche Herabsetzung als notwendig anerkannt haben. Di« zweite besagt, daß die Be- setzung des Rheinlands angesichts der politischen Gesamt- baltung Deutschlands und seiner Bereitwilligkeit, unter llebernahme schwerer Lasten das Reparationsproblem end- gültig zu regeln, jede juristische, politische und moralische Grundlage verliert. So würde selbst ein Scheitern der Haager Konferenz an der notwendigen Entwicklung der Dinge nichts ändern und für Deutschland kein Grund zum Verzagen sein. Aber für Europa als Ganzes, für die Idee der internationalen Zusammenarbeit, für die Sicherung des Weltfriedens hängt von der Haager Konferenz so viel ab, daß sie nicht scheitern darf! Hilfswerk und Hetze. Das ist der Dank! 'Die Reichsregierung.hat trotz der finanziellen Notlag« der Landwirtschaft und insbesondere den Ostgebieten große Summen -,ur Verfügung gestellt. Wenn man wissen will, wie den deutschen Steuerzahlern und der deutschen Reichsregierung dies« Hilfeleistung gedankt wird, dann muß man die„ftösliner Zeitung* lesen. Dies Blatt schämt sich nicht zu schreiben:„Die heutige deutsche Ostmarkenpolitik kann keine Rettung bringen, weil ihre Träger diese Rettimg m Wirklichkeit gar nicht wollen. Denn Rettung des Ostens ist gleichbedeutend mit Stärküng und Förderung der Land- Wirtschaft. Die Vertreter des heutigen Systems«der sind Zer- störer des Besitzes, sind Feinde des deutschen Bauerntums, weil sie seiner aus der Verbundenheit mit der deutschen Erde ent- springenden Kraft nicht standhalten können. Darum ist ihre Ost- markenpolitit nur politische Mache, aber keine echte Tat.* Die rechtsradikalen Bombenattentate. Sine falsche Spur? Flensburg, 5. August. Der Schreiber der Drohbriese an die Zeitschrift„Der Schleswig«*, in denen sich«In Schlageter-Bund der Urheberschaft an den schieswig-holstemischen Bombenattentateu bezichtigt«, ist ermittelt und perhaftet worden. Es handelt sich um einen 23jährigen Kranken, pflegerausAugsburg.der seit Mai d. I. in Flensburg lebt. Ob man durch die Festnahme des Mannes, bei dem es sich zweifellos um«inen politischen Phantasten handelt, auf die Spur des Attentats gekommen ist, steht dahin. Oeutsch-lettifche Freundlichkeiten. Pressevertreter beim Außenminister. Riga. 5. August. Die hier zu Besuch weilende Delegation des Reichsverbandes der deutschen Presse begab sich heute mittag nach Besichtigung der Stadt nach dem Rigaer Strand zum Außenminister Balodis. Er betont«, daß die lettisch« Regierung von jeher die kulturelle und wirtschaftlich« Annäherung an Deutschland erstrebt habe. In dieser Hinsicht sei der Besuch von Vertretern deutscher Zeitungen aller Richtungen besonders bedeutungsvoll. Im Namen der deutschen Gäste sprachen der Vorsitzende des Bezirksverbandes Berlin im Reichsverband der deutschen Presse, Redakteur K l ü h s(.Bor- wärts*) und der deutsche Gesandt« Dr Stieve. Selbstmord rinez Reich-wehrangehörigen. Ein Reichswehr- ungehöriger der 2. Fahrabteilung in Rendsburg hat sich erschossen. Der Beweggrund der Tat soll nach einem vorgefundenen Abschiede- briet Berzweiflung über dauernde Drangsalierung durch«inen vorgesetzten Unterossizicr sein. Ein« militärische Untersuchung der Angelegenheit ist eingeleitet worden. Es wird durchbolschewisieri! Die Versöhnler an der Beihe. Di«„Rote Fahne* unterstützt durch ihren Sonntagsleiter die Angaben, die wir gestern über die„organisierte Stän« kerei* der KPD. zum lt. August machten. Sie glorifiziert die Demonstrationspleiie vom l. August und sprdert zum Bersassungs» tag zu neuen Taten auf. Indes geht aus ihren Ausführungen her- vor, daß die besinnungslose Feste-druss-Taktik, in der sich die KPD gegenüber der Sozialdemokratie übt, im eigenen Loger mit steigenden Widerständen zu rechnen hat. Trotz der zahllosen Hinauswürfe ist die„Durchbolschewisierung" noch immer nicht gelungen. Das kam- munistische Parteiorgan stellt das fest, indem es schreibtr. Indem wir dos große positive Resultat des Roten Tages feststellen, müssen wir zugleich nüchtern die Mängel aussprechen. die der 1. August aufgedeckt hat. Es gab in«mseren Reihen sehr viele Zweifler. Nelugläublge Pessimisten, wullose Funktionäre. die kein Vertrauen in den Erfolg des l. August hatten. Die Be- denken dieser„müden Kaders* sind durch die Wirklichkeit. schlagend widerlegt, sind durch die Kampfesenergie der Massen schmählich zerstreut worden. Wir dürfen in Zukunft solche D e- pressions st immungen telnesfalls in unserer Mitte dulden, denn sie hemmen die Schlagkraft der Partei und des Proletariats. Daß sich mit diesen kleingläubigen Pesiimisten und mutlosen Funktionären keine Revolution machen läßt, versteht sich von selbst. Es wird also einen neuen Mossenflug geben, und diesmal werden es die sogenannten„Versöhnler* sein, die daran glauben müssen. Mit der Zeit gewinnt man den Eindruck, daß alle diese Ge- silmungscxerziticn wie die vom 1. August und die kommende vom 11. August nur zu dem Zwecke unternommen werden, um miß- liebigen Zlngehöngen der eigenen Partei ein Bein zu stellen. Wer nicht jeden aufgelegten Unsinn mit geheuchelter Begeisterung mitmacht, wird verdächtig und damit flugreif. Man kann nach dieser Methode zwar ein am Amt« klebendes Gesinrningslumpentum erziehen, eine selbstbewußte Kämpferschar aber niemals. In der letzten Sitzung der kommunistischen Bezirksleitung für Berlin wurde das Fiasko des 1. August allgemein zu- gegeben. Nach außen hin muß aber so getan werden, als sei es ein Riesenerfolg gewesen. Wer den Schwindel nicht mitmacht, der fliegt. Das fft Erziehung zum Gesinnungslumpcntum. ThälmannS Giern erbleicht. Stalin, der Allgewaltige in Moskau,, hat neuerdings insofern eine Korrektur des Berliner KPD.- Parteitages vorgenommen, als der auf diesem Köpfungskongreß kaltgestellte Heinz Neumann, der Organisator des Kantoner Puisches und einer der Hauptstratcgen des Berliner Maiputsches, wieder in Amt und Würden eingesetzt worden ist. Dieser Rehabili» tierung ging ein« Vernehmung Thälmanns, Remmcles und Nemnanns durch Stalin in Moskau voraus. Die Stärkung de» Remmele-Reumann-Flüget« im Zentral. komitee der KPD., der offen auf die Beseitigung T h ä l- man ns hinarbeitet und zu diesem Zweck bereits Fraktionen auf- gezogen hat, dürfte die Cliquenkämpfe der Stalinisten wesentlich verstärken. Iltis brummt. Basel, ö. August. Wie der Laseler„Dorwärts* berichtet, wurde der kommu- nistische Redakteur Iltis, Mannheim, der entgegen dem Verbot über die Grenz« kam, um an der I.-Äugust-Dewonstration teilzunehmen, vom Polizeigericht Basel zu einer Woche Haft ver- urteilt. Den Faschisten enikommeu. Geglückte Flocht von der Strafinsel. Pari», 5. August.(Eigenbe-ichk.) von der ilaiienischen Slrasiusol L l p a r i. wohin die politischen Gegner de» Faschismus deportiert werden, find der ehemalige Abgeordnete Lussu. der Professor Rosfeli und Fraceseo Ritti. der Resse des ehemaligen Ministerpräsidenten, nach Frankreich geflüchtet. Nussisch-chinesische Einigung. Konferenz beschlossen. Eharbin. S. August.(Agentur Jrtbopadsique.) Der chinesisch« und der russische Vertreter haben sich in drei Unterredungen über folgende Punkte geeinigt: 1. Zurücknahm« der Truppen auf eine gewisse Entfernung von der Grenz«. 2. Eröffnung der offiziellen Konferenz vinerhalb der nächste» vier Wochen. 3. Wiederaufnahme des transsibirischen Per- k e h r s noch vor der Eröffnung der Konferenz. Girafverfolgung in Wefipolen. Immer neue Prozesse gegen Deutsche. Bromberg. ii. August.' Wie die.Deutsch« Rundschau* erfährt, wurd« der ehemalige Leiter de» aufgelösten.Dieutschtumsbunbes zur Wahrung der Minderheitenrechte*, Studienrat Friedrich Heidelck in Brom« berg, gegen SOO Zloty Kaution aus der Polizeiaufsicht ent- lassen. Das Untersuchungsverfahren in Sachen de» vor sechs Iahren aufgelösten Deuffchtumsbundes ist nicht nur gegen die zwölf erst jetzt der Spionage sowie hochverräterischer Unter- nehmungen bezichtigten Personen eröffnet worden, sondern schon am 5. Februar d. I. gegen 38 weitere Deutsche in Posen und Pommerellen, die bereits gerichtlich vernommen sind: unter ihnen ist auch der greise Superintendent Morgenroth. Ein Teil der Angeschuldigten ist aus Polen verzogen. Gefängnisrevolte in polen. Wie aus Lublin gemeldet wird, ist in dem dortigen, w«in Gefängnis für politische und Kriminalverbrechcr umgewandelten Schloß, ein« Meuterei ausgebrochen, die erst nach zwei Stunden mit Hilfe der Polizei und der Feuerwehr unterdrückt werden konnte. Die Unruhen begannen damit, daß die politischen Ge» fangenen in den Gcmeinschastszellen die Internationale anstimmten. Der Direktor ordnet« die Ueberführung einiger Gefangenen in Eüizelzellen an. Die Sträflinge verweigerten jedoch den Gehorsam, verbarrikadierten sich und begannen ihre Zellen zu zerstören. Der dadurch entstanden« Lärm oeranlaßte auch die Kriminalgefangenen zu einer Revolte, die im Zerschlagen der Fensterscheiben und in der Zerstörung des Mobiiiars ihren Aus- druck fand. Als die Gefängnisbeamten die Ruhe wiederherstellen wollten, wurden sie mit Holzstiicken, Glasscherben und aus den Oefen gerissenen Ziegessteinen angegriffen. Nachdem«in Wärter verwundet worden war, sah sich die Gefängnisleitung veranlaßt, Polizei und Feuerwehr zu olarmieren. Die Feuecivehr ging mit Wasser- schlauchen gegen die Meuterer vor und setzte die Zellen von Fenstern und Türen her unter Wasser. Während des Kampfes mit der Polizei wurde einer der Anführer der Gefangenen erschossen. Abstieg der„Humaniie". Verminderter llmfang. Paris, S. August.(Eigenbericht.) Die„Humanite*, das offiziell« Organ der Kommunistischen Partei Frankreichs, teilt mit, daß sie ab Montag nurnochimoer» minderten Umfang von vier Seiten erscheinen wird. Zlls Ursache gibt das Blatt die fortgesetzten Verfolgungen der kam- munistische» Presse an. Seit ihrer Gründung durch Jean Jaures habe man die Zeitung niemals verboten: zum ersten Male sei das durch die gegenwärtig« Regierung am 1. August d. I. ge- schehen. Auch die G e l d st r a f e n, zu denen das Blatt fast täglich oerurteilt wird, hätten nur den einzigen Zweck, das Blatt zugrunde zu richten. Nicht zuletzt richte sich die Attacke der Bourgeoisie gegen die Arbeitey, und Bcmernbank, mit der die.Humanitä* eng ver- blinden sei. Würde jedoch die Auslage des Blattes steigen und eine zukunstssrohe Bewegung hinter ihm stehen, so brauchte«S sich doch nicht einzuschränken! Ein Konkordat mit dem Heiligen Stuhl bereitet da» süd. slawisch« Kultusministerium vor. Mückes Auszug aus der NGOAP. An diesen Mückenstichen werden die Hitlerleuie noch lange zu kratzen haben! Pogrompolizei in Litauen. Ordnungshüter als Strolche. �929 'cn Die Gtrafvollzugsreform. Die neue Verordnung M preußischen IustizministerS. .Llm Anfang Mar ine Tot...* Könnten Work« allein schon Taten bedeuten, enthielten Ministeriolverortmungen ohne weiteres in sich die Möglichkeit ihrer Verwirklichung, so würe die letzte Per- ordnung des preußischen Äustizministers über den Strafvollzug in Stufen eine entscheidende Tat. lieber keine Reform wurde vielleicht in den letzten Jahren so viel diskutiert wie über die Stvafvollzugsreform. Zwischen Absicht und.Ausführung klaffte aber ein Abgrund. Es türmten sich Hinder- nisfe auf Hindernisse, bedingt durch die äußere Gestaltung der vor- handenen Gefängnisie und durch den in ihnen herrschenden Geist. Hemmend wirkte auch die Feindseligkeit maßgebender Kreis«, die in der Humanisierung des Strafvollzugs gefährliche Gefühlsduselei argwöhnten. Die aus all diesen Gründen vielleicht erklärliche Halb- heit m der Durchführung des erzieherischen Stusen-Strafvollzuges drohte aber durch die mechanische Art seiner Verwirklichung da? ganze Srrstem verhängnisvoll zu kompromittieren. Die neueste Verordnung des Justizministeriums über den Straf- Vollzug in Stufen, geistiges Produkt des pädagogisch eingestellten Oberiustizrots Dr. Gentzsch und des nicht komprorrnsselnden Ober- msdizinalrats Dr. Bürger, scheut mcht die Verantwortung für eine konsequente Durchführung des modernen Strafvollzugs auf sich zu nehmen. Sie will den Gefangenen selbst für die Arbeit gewinnen, die der Strafvollzug an ihm zu leisten Hof—«n kühner, fast unerfüllbarer Gedanke: ihm„in stufenweife steigendem Maße Verantwortung übertragen", ihm„Rechte als Folgen solcher Verantwortung" einräumen und ihn schließlich„an der Gestaltung seines Geschickes in der Strafanstalt und nach der Entlastung aus ihr mitschossend" teilnehmen zu lasten. Dies dos Programm. Selbst wenn es nur das wäre, so be- deutete es als Zielsetzung schon viel. Di« Verordnung stellt einen Versuch dar, diesem Programm pulsierendes Leben einzuhauchen. Grundprinzip soll sein: Zusammenfassung der Gefangenen vom erzieherischen Gesichtspunkt« aus in verschiedenen Anstalten'— das dürfte neben gewissen Vorteilen auch manche Nachteile haben— Schaffung eines festgefügten Geistes innerhalb der Anstalten. Dreierlei Anstalten bilden gewissermaßen den Grundstock der Neu- ordnung: die E i n ga n g s a n st a l t e n, die Anstalten für Geförderte und die A u s a n g s a n st a l t e n. Die Eingansanstalten— besondere für Gefängnisoer- urteilte und Zuchchousverurteille und innerhalb dieser Sonder- anstalten noch unterschieden, je nachdem es sich um erheblich und nicht erheblich Vorbestrafte handelt— dienen gleichzeitig gewisser- maßen als Aufnahmestationen, in denen die systematische Erforschung der Persönlichkeit vor sich geht. Die Eingangsanstalt hat ihre Aus- gäbe erfüllt, sobald„der Gefangene das Gesellschaftswidrige des srrafbaren Verhaltens einsieht und den Willen hat, dieser Erkenntnis gemäß zu leben"— keine ganz klar« Begriftsbestimmung. Frühe- stens nach Ablauf von sechs Monaten und mindestens, wenn ein Viertel der Strafe verbüßt ist, findet durch Beschluß der Anstalts- konfcrenz— also«in Ansatz zur Anstaltsdemokratie— die Versetzung in die An st alt für Geförderte statt. Hat der Ge- fangene dargetan, daß er imstande ist.„seinen Willen im Sinne so- zialer Ordnung zu beherrschen, daß er gewillt ist. in dieser Richtung auch weiter an sich zu arbeiten und bei der Entlastung die Gewähr gesellschaftlichen Wohlverhaltens bieten wird", so koinmt er frühe- stens sechs Monate nach seinem Eintritt in die Anstalt— Ab� meichungen von den Mlndcstfristen sind zulästig— in die A u s» gangsanstalt. Letztere ist chrer ganzen Ausgestaltung nach U Oberleitung zur Freiheit. Dies die Anstalten. Welch« sind aber die Mittel, deren sie sich bedienen wollen und die sie den Vollstreckern ihres Willens in die Hand geben? Die kurze Formel würde lauten: schrittweise Haft- Erleichterungen, die aus dem Bereiche der Willkür der Beamten genommen werden und den Anfang eines Gefangenen- rechts bilden: etappenweise Resozlolisierung der Gefangenen durch Einordnung in Gemeinschaftsgebilde innerhalb des Gcfängnistss und durch Erweckung des Verantwortungsgefühls gegenüber den Mit- gliedern dieser Gemeinschaft. Die großen Schwierigkeiten. die sich hierbei entgegenstellen, sind: die lln- Möglichkeit, innerhalb der An st alt Lebens- bedingungen zu schassen, die denjenigen in der Freiheit nahekommen, und d i e schier unerfüllbaren Anfor- derungen, die die Verwirklichung dieser Ab- sichten an das An st altspersonal stellt. In der An- Näherung des Anstaltsleben» an dasjenige in Freiheit bedeutet die Verordnung besti mjn t nicht das letzte Wort: die Formen des Gemeinschaftslebens könnten selbst innerhalb des Gefängnistes mannigfaltigerer Natur sein. We soll sich aber das Leben in den Anstalten im einzelnen ob- spielen? Nach sechsnionatigein Aufenthalt in der Eingangs» anstalt genießt der Gefangen« verschiedene Hafterleichterungen. Neben den Frei- und Turnübungen, neben der Gcfängniszeitung. »eben den belehrenden Vorträgen und Schreib- und Zeichenerlaubnis zum Zwecke der Fortbildung darf er sich nun auch eine Tageszeitung hallen, in der Zelle bis Uhr Licht brennen, in beschränkter Weise Wandschmuck in seiner Zelle haben, an den jeden Zwesten Monat stattfindenden Veranstaltungen, desgleichen auch am Gesangs- chor und Anstaltsorchester teilnehmen usw. In den Gefördertenan st alten soll oberstes Gebot sein, dem Gefangenen„Vertrauen in seinen guten Willen und in seiner guten Gesinnung entgegenzubringen und ihn dies Vertrauen fühlen zu lasten". An Stelle ständiger Ueberwachung selbstgewollt« Diszi- plin, beschränkte Selbstverwaltung, verkörpert durch Obmänner, ge- meinsome Mahlzeiten und Aufenthalt in Gemeinschastsräumen, an denen die Beamten zwangslosen Verkehr mst den Gefangenen üben sollen usw. Neben verschiedenen anderen Vergünstigungen auch das Recht, die Anstoltsbücherei nach freier- Wahl zu benutzen. Musik- Instrumente in den Hafträumen zu spielen, die Zellen noch Wunsch zu schmücken. Auf alle diese Hasterleichtcrungen hat der Gefangene unbedingt Anrecht. Es kann chm aber außerdem auch gestattet werden, sich seinen Arbeitsgenosten zu wählen, seine Mstgefangenen zu besuchen u. dergl. w- Und ol« höchster Ausdruck des Vertrauens Bewilligung eines Urlaubs, der sieben Tage im Jahr betragen kann— gleichzellig ein zaghafter Ansatz zur Lösung de? sexuellen Problems innerhalb des Ge. songniste». Schließlich die A u s g a n g s a n st a l t. Bestand in der Be- Handlung von Gesänqnisverurteilten und Zuchthausverurteilten schon in den Eingangs, und Gefördertenanstallen kein Unterschied, so treffen sich beide Kategorien von Gefangenen in den Ausgangs- anstallen. Hier soll der Gedanke der Selbsterziehung in einer durch gegenseitige B e r a n t w o r tun g getragenen Ge- meinschoft weiter vertieft werden. Die unmittelbare Ueberwachung der Gefangenen durch die Aussichtsbeamten hat mög- lichsi wegzufallen: die Hasträum« bleiben tagsüber unverschlossen, die Umwährungsmauer ist nicht mehr erforderlich, der Urlaub kann 14 Tage im Ähre betragen, an Sonn» und Feiertagen dürfe» Spaziergänge in Begleitung ein«, Be- Kowno, 4. August.(ITA) Der am 1. August abends in Slobodka, der Vorstadt der Regierungsresidenz Kowno, begonnene Pogrom gegen die jüdische Bevölkevung erreichte seinen Höhepunkt in der Nacht zum Z. August. Am 1. August, 11 Uhr abends, postiert« sich«ine große Gruppe Bewaffneter, sogenannter Partisan«(Faschisten) im Zentrum des Ortes und forderte alle Vorübergehenden auf, sich zu legitimieren. Stellte es sich heraus, daß der Passant ein Jude war, wurde er fürchterlich mißhandelt, oft einer längeren Folter unter- warfen. Einige Leute versuchten, die Polizei zum Einschreiten zu bewegen, die Polizisten aber beantworlelen solche Aufforderunge» mit Schimpsworken und Schläge« und sahen dem Wüten der Faschlstenbande untätig zu. bä Juden wurden in dieser Nacht mißhandelt, ein« größer« Zahl von ihnen mußte schwerverletzt ins Krankenhaus überführt werden, darunter mehrere Zöglinge der weltberühmten Slo- amten in bürgerlicher Kleidung unternommen werden, die Obmänner, die die Verantwortung für ihre Gruppen tragen, sind bei der Aufstellung der Hausordnung Mit beratender Stimm« beteiligt, ebenso bei der Verhängung von Hausstrofen durch die Anstaltskonferenz. Nach sechsmonatigem Auf» enthalt in der Ausgangsanstalt ist die Beschöfti. gung bei einem freien Arbeitgeber außerhalb d e r A n st a l t g e st a t t e t. Di« arbeitsfreie Zeit oerbringt der Gefangen« in der Anstalt. Auch an den Lebenslänglichen ist gedacht. Nach Ab- sauf von 5 Jahren, unter ilmständen schon früher, kann er in die Anstalt für Gesörderte versetzt werden. Ist er zu einer zeillichen .Freiheitsstrafe begnadigt, so steht ihm die Ausgangsonstalt ossen. Die bedingte Entlastung findet aus der Anstalt statt, die der Ge- fangene nach Lage der Dinge höchstens erreichen kann. Di« Verordnung sagt grundsätzlich: kein Gefangener darf al» aufgegeben erachtet werden. Di« in den Sonderanstal- ten für Schwererziehbare, d. h. für solche, die mindestens dreimal mit Gefängnis oder Zuchthaus von mindestens je ein- jähriger Dauer bestraft sind, können unter gewissen Bedingungen in den Strafvollzug in Stufen überführt werden: desgleichen auch die Gefangenen, die in Sondcranstalten für Abnorme zu- sammengefoßt find. Sonderanstalten sind auch für Minderjährige mit Strafen bis ein Monat und für Volljährige, die nicht mehr als neun Monate zu verbüßen haben, vorgesehen. Hoffentlich gelingt es hier tatsächlich, die vielfach vorbestraften Kurzfristigen von den nicht vorbe st rasten Minder. jährigen getrennt zu halten. Sonderanstalten sind auch die Jugendgefängnisse für junge Menschen bis zu 25 Iahren. Hier soll dem Leiter in der Ausgestaltung des inneren Lebens volle Freiheit gelassen werden. Dies die Haiiptlinien. Man vermißt die besondere Hervor- Hebung der Tätigkeit von G e s a n g e n f ü r s o r g e r n und der öffentlichen Kontrolle. Gerade in der Uebergangszeit zu dem neuen Strafvollzug wäre letztere besonders am Platze. Manchmal scheint es auch, als gäbe es der N« g l e m e N t i e r u n g zu viel: an verschiedenen Einzelheiten könnte die Kritik angesetzt werden. Man merkt yber, wie die Verordnung immer ipieder versucht, die von ihr festgesetzten allgemeinen Grenzen durch Vorbehalte selbst zu durchbrechen, um auf diese Weis« der Individualisierung der Gefangenen in weitestem Maß« Rechnung zu tragen, wie der Unterschied zwischen Zuchthaus und Gefängnis vollkommen auf, gehoben wird. Etwas„Vergeltung" bleibt immerhin bestehen, mit der Straf« als„Uebelszufügung" wird nicht endgültig gebrochen. Es muß immer wiäder gesagt werden: der gute Wiste allein schafft es nicht. Hauptsache sind die materiellen Vorbedingungen: Beamte, die den neuen Anforde ri/ngen gewachsen wären, Geldmittel zur Besoldung dieser Beamten und zur Anstellung sozialpädaqogisch durchgebildeter Gesänguisjürsorger, wirklich produktive Arbeit usw. Trotz alledem: die Strasvollzugsrcsorm ist aus dem Marsch«. Sie kann nicht mehr aufgehalten werden. Leo Rosenthal. Oeuifcher Pilot über Orly abgestürzt. Als Leiche geborgen. Paris, S. August. per deutsche Flieger Erich Ossermann. der an dem zurzeit auf dem Flugplatz von Orly stattfindenden internationalen Curopaflvg für Sporfilug zeuge teilnimmt, ist heule nachmittag, bodkaer Jeschiwah(Talmud-Hochschule). Der Koumoer Presse war verboten, etwas über die Geschehnisse zu melden. Gleichzeitig wurden in der Kownoer Vorstadt Schanz 40 jüdische Bürger von Faschisten und Polizisten schwer mißhandelt. Die Ortspolizei hieb auf jeden vorbeigehenden Juden ein. Die Polizisten erklärten, die Juden müssen gezüchiigi werden, weil sie eine kommunistische Demonstration vorbereiiei hätten. Die Mißhandelten aber waren meist aiigesehene jüdstche Bürger, zum Teil Greise, die nie irgendeine Beziehung zum Kommunis- mus gehabt haben. Am 2. August abends stürmten in Slobodka bewaffnete Fa- schiften die Wohnungen von Juden und schlugen aus die Anwesenden ein. Auch nach diesen Ausschreitungen, an denen sich Polizisten beteiligten, zählte man mehrere Schwerverletzte. Einige bekannte jüdische Persönlichkeiten Kownos oersuchten, bei hohen Regierungsstellen zu intervenieren und um Maßnahmen zur Herstellung der Ordnung zu bitten: sie wurden aber nicht«mp- fangen. am zweiten Tage des Wettbewerbs, über dem Flugplatz Orly aus einer Höhe von 400 ZNelern abgestürzt. Oifermonn konnte nur «och als Leiche geborgen werden. Das französische euHsahrtminlflerinm hak solori eine Untersuchung über die llrsoch-: des Unglück» eingeleitet. Eckermanns Behandlung. Stresewonn gegen die nationalistischen Verleumdungen der Gesandtschost in Guatemala. Das Antwortschreiben des Ncichsministers Dr. Stresemonn auf den Brief des Rcichstagxabgcordveten Dr. Q u a a tz, der sich über die angeblich schlechte Behandlung des in Guatemala ver- hafteten Fememörders E ck e r m a n n beklagte und Auskunft forderte, hat folgenden Wortlaut: Berlin, den 3. August 1920. Sehr geehrter Herr Geheimrat! Ich bestätige den Empfang Ihres Schreibens vom 27. vorigen Monats. Die darin enthaltenen Anschuldigung«» gegen Beamte der deytschen Gesandlschaft in Guatemala wegen ihres Ver- Haltens in der Angelegenheit E ck c r m a n n waren mir bereits aus der vom hiesigen„Täglichen Dienst nationaler Zeitungen" ver- breitete» Korrespondenz bekannt. Obwohl die in der Korrespondenz gegebene Darstellung ganz offensichtlich tendenziös ist, Hab« ich sofort den deutschen Gesandten in Guatemala zu einer eingehenden Untersuchung und Berichterstattung aufgcsordcrt. Aus«iner kurzen telegraphischen Rückäußcrung des Gesandten Seht schon heute hervor, daß die gegen die Beamten der Gesandt- chaft in Guatemala erhobenen Beschuldigungen in jeder Beziehung unberechtigt sind. So stehi nach dieser telegraphischen Rückäußerung schon setzt fest, daß die besonders schweren Beschuldigungen, wonach es die Gesandtschaft oeipesen sei, welche auf dem Transport und an Bord des Schiffes die Fesselung des Leutnants Eckermann veranlaßt, die Aushandi- gung des Gepäck» untersagt und sein« dringend erforderliche zahn- ärztliche Behandlung oerhindert habe, völlig unzutreffend s i n d. In bezug auf die Verpflegung hatte die Gesandtschaft, solang« Leutnant Eckermann sich in Guatemala befand, keinen Anlaß zur Einmischung. Es ist insdsjonder« nicht richtig, daß hie Gesandtschaft für ihn ahr« Rücksicht auf seinen leidenden Zustand' Esten von Straßenhändlern besorgt hätte. Als der Legationssekretär o. Lenz erfuhr, daß der Gefangene im Hofen Puerto Barrios unzulänglich verpflegt würde, hat er aus«igen«» Mittel» dos er- forderliche Geld zur Verbesserung der Kost zur Verfügung gestellt. Sobald der schriftliche Bericht der Gesandtschaft in Guatemala eingeht, werd« ich Jljnen eine genaue Mitteilung yber den wirklichen Sachverhalt geben. Schon heute mächt« ich mein Bedauern darüber ausdrücken, daß deuischnationaie Zeitungen vordiente deutsche Beamte durch Verössentlichung tendenziöser und in keiner Weise bewiesener Beschuldigung vor dem Auslände herabgesetzt haben, ohn« vorher auch nur den Versuch zu machen, eine amtliche Ausklärunz herbeizuführen. In vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener gez. Stresemonn.. Mit dieser Antwort Stresemanns sind die Legenden um Ecker- wann zerstört, mit denen die nationalistische Presse in den letzlei» Wachen hausierte und— verleumdete. Es verging fast kein Tag, an dem der„Fall Eckermann" nicht ziim Anlaß genommen wurde, um die Republik und alles, was damit zusammenhängt, herobzu- setzen. w l-w. l-Z «i; :.?U mit RtlnlrftrAi. Tiänffft 40..... Stück � a_ M � M �» stoff mit Stickerei, Längs 40..... 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Lebensjahra Die» zeigen liesbetrllbt an «»»»Ig«»gel geb. Srasche »«tarich Engel»ad Ire» Klaaa Engel. Eharlcttenburg. den 8. August 1923 Hcrstweg 7. Die Einäscherung findet am Donnerclag. dem 8. August, Nachmittage 5 Uhr. im Rrcmotocium Berltn, Dertchlstraße 37-88, statt. Verwaltungsstelle vertin v«a»»»n2«ig«n. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Kollege, der Rohrleger »ermann Aloe geb. 2. März 1873, am 2. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Diene- lag, dem 8. August, 15 Uhr, not der Leichenhalle des Neuen gwäll-Apcfte!- Kirchhcste, Echöncderg, Tempelherr Weg, aus statt. Rege Beteiligung mirb erwartet Am 27. Juli starb infolge Unfälle unser Kollege, der Schlosser liurl Lebmann Die Beerdigung hat bereite stattgefunden. Ehre ihrem Andenienl vi» Otl»«ccn>altnng. Danksagung. Allen greunbeu. Bekannten, Ber» wandten, den Bereinen, wie Motorrad. sportnerein Sctidarität. bem Reidie- banner unb der SPD Pankow, die bei der Beerdigung meines lieben Mannes Marl und Sohnes krlta BlgalsU leitgenonimen haben, sage ich hierdurch meinen herzlichsten Dank. kr»a Ann» BigalsU Pankow, Floraftr 7. Su dcanidnfCcaft« 164 /65/ Au Aruanraftrahr 155 66 . Qualität 8X4 83,— Körner. Berlin, Potsdamerstroße 23 d Sausnummer beachten. stckleitfuithlslürlte. tVzorh? usw Leihhaus Moritzplag 38a. Leekaui von Kavalier-Garderobe, teils auf Seide. Jackett-, Frack-, Smokinganzstqe, Sabar- dlnemäntel, Bauchanzllge, wr lede Figur paffend. Eztra-Angebote illr neue Dar» d-robi. Pelziocken äv.—. Pelzmäntel 33,—, Sportpelze 83,—. Gehpelze 133. Keine Lombardwarel »«tragen, Herrengaroerade. Speziatt- tät Vauchfiguren, spottbillig. Naß. Gor- Mannstraße 25/23, früher Mulackstrab«.- kcko», Ol Patentmatrahen.P itmlssima'. Metall. betten,«uflegematraßen, Dhalsetongue». 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Ein entlassener Strasgesangener, den da, Leben stiefmütterlich behandelt hat und der mehr al» einmal da» Unglück halte, mit den Gesetzen in Konflikt zu kommen und so die ganze Schwere der Freiheilsentziehung auszukosten, schreibt uns die nach- folgenden Zeilen. Kein Zufall, daß fein hauptangriff der Gefängnis- arbeit gilt, diesem Schmerzamklnde de» Strafvollzugs Auch die Zeichnungen entstammen der Feder de» frühere» Strafgefangenen. Der Ursprung der Gefängnisarbeit ist»ach meinem Erachten ans di« klassische Tretmühl« zurückzuführen.»Tritt au»!'— Dabei sauste di« Peitsche, und wehe dem, dessen Muskelkraft erschöpft ist. Die hölzernen Tritte des Rade» zerrissen ihm erbarmungslos die Schienbeine, wähnend di« treibend« Peitsch« den Rücken blutig schlug.... Der Strästwg der Vergangenheit war nur vorstellbar an der Galeere oder gebrandmorkt an den Karren geschmiedet, angespien und der Roheit der Menge preisgegeben. Er blieb dem Schinder Untertan, bis er in seinen Ketten und den stinkenden feuchten Kerker- höhlen verreckte. Der gute satte Bürger der Stadt aber zeigt« seinen Sprößlingen di« modernden Fetzen am Galgenhügel und sprach von sich:„5ch bin«in anderer,«in Besserer!' Heute, im zwanzigsten Jahrhundert, erweckte der Sträfling AUgemeininteresse, und deshalb wurden Behörden geschaffen, die den humanen Strafvollzug erdachten. Der Sträfling wurde individualisiert! Zu Deutsch heißt das: Ein Stufensystem wurde geschaffen, und innerhalb dieses Systems tanzt die Psych« des Eventual'Besserungsfähigen. Damit er nicht aus der Reihe tanzt, besteht außerdem noch die Hausordnung des Gefängnisse» als Memento der Arrestzelle. Der ehemalig« preußisch« Justizminister Dr. am Zehnhoff schuf unter Aktenzeichen VIII llllö am 2. Januar 1925 die Quintessenz der Humanität im Strafvollzüge.§ 16 Absatz 2 sagt: —— dos Ziel sei: Erziehung zu einem geordneten, gesetzmäßigen Leben nach der Entlassung. Der Dollzug soll di« Gefangenen vom ersten Tage an vor neue Aufgaben und Ziele stellen; er erfordert von allen Beamten, nicht nur dem Vorsteher,«in« neu« und wesentlich veränderte Auffassung ihrer Stellung zu den Ge- fangeneu. Wirksam« Erziehungsarbeit kann nur geleistet werden, wenn ein einheitlicher pädagogischer Geist all« Beamten von dem Leiter bis zu dem letzten Beamten oder Angestellten be- herrscht. ,Lie Strofanstaltsbeamten sollen nie vergessen, daß ihr Dienst sich nicht in der Beachtung der Vorschriften erschöpft, sondern daß st« ihrer höchste» Aufgab«, gefallen« Menschen wieder empor- zurichten, nur dann gerecht werden können, wenn sie ihr« Tätigkeit mit dem Geiste warmer, aus dem Herzen kommender Menschen- und Nächstenliebe erfüllen.' So kam e», daß der indwidualisiert« Sträfling in seiner einsame» Zell« sitzt und Tüte» klebt. Tausend«, Hunderttausende von Tüten. Ein« Tüte u>ie die andere, und es riecht nach Kleister! Er knotete auch Bast. Er nimmt einen Faden, einen anderen dazu und bindet einen Knoten, einen Schifferknoten. Dann«in neuer Faden und wieder ein Knoten. Faden, Knoten— Faden, Knoten! Millionen Knoten! Monate, Jahr« knotet er Schifferknoten. Ist seine Strafe um, so kann man mit seiner ge- leisteten Arbeit-- einige Male den Aequator umspannen. Was Millionen„Schiff erknqten" 17) Copyright 1929 by Qnstar Kiepenheuer Verlag A-O, Berlin Nach weiterem Jrrgang— sie laufen an dem Punkt vor- bei, den sie suchen— stehen sie vor dem Sanitätsunterstand, der sie verlangt hat, der vor drei Stunden nach ihnen tele- phoniert hat. Der eine Verwundete ist tot. Er ist mittlerweile an der ».leichten Kopfverletzung", die offenbar nicht so harmlos war, wie man geglaubt hat, draufgegangen. Aber dem anderen geht es gut. Er hat bloß Löcher durch Ober- und Unterarm. von der gleichen Kugel, er kann marschieren. Nur daß man ihm Gewehr und Tornister tragen muß. Er hat den Arm in der weißen Binde, dem dreieckigen Tuch, das unbegreiflich keusch und sauber aussieht in dieser Umwelt. Blut ist an zwei Stellen von innen her durchgeschlagen, aber das macht sich geradezu appetitlich. Wenn die Mutter in früheren Jahren, als noch die Erde stand, die Sonne gütig schien und Früchte reiften— wenn sie in diesen endlos fernen, auf ewig ver- lorenen Iahren Johannisbeersaft durch eine Serviette tropfen ließ, dann sah es ganz ähnlich aus; schön sah es aus, eßlust- erzeugend, das Wasser lief einem im Munde zusammen. Das Wasser läuft einem im Munde zusammen, aber man bekommt nur einen Becher kalten Kaffees, der den inneren Frost stärker wachrüttelt. Ein wenig übergraut sich der Himmel. Daß nach einer solchen Nacht ein Tag überhaupt erwartet werden darf— ist es nicht ein ganz zager Trost? Es gibt einen weiteren: die „Tätigkeit" des Gegners hat nachgelassen, die Engländer sind müde geworden. Weshalb haben sie eigentlich so viel geschossen? Ins Blaue? Ins Stockfinstere hinein, immer drauflos, kindisch '--rauflos. Sind sie ungeduldig, haben sie Angst, glauben sie. der Deutsche könnte herüberkommen in solcher Nacht und plötzlich da sein, wie aus dem Boden gewachsen? Oder rechnen sie mit Zufallstreffern, mit ganz langsamen Schädigungen ins Gegners? Auf zehntausend Schutz ein zerschmetterter / Arm,«in durchbohrtes Hirn? Möglich: sie scheinen mit Munition und Material nicht im geringsten sparen zu müssen. — Die Deutschen sparen bereits. Es wird still, es ist, als hört« man förmlich, wie sie sich drüben schlafen legen. Hat nicht auch der bitterkalte Regen nachgelass«»? Oder ist man nur bereit, weitere Vergünstigungen des Himmels zu entdecken?— Es wird losgezogen. Der Rückweg, eindeuti- ger, birgt kaum die Gefahr, sich zu verlaufen. Der Verwundete lächelt, sobald sein schmerzüberzucktes Gesicht für einen Augenblick es erlaubt. Er sagt nichts, er ist selig. Hier draußen lächeln nur noch Verwundete, sie sind die Beneideten, sie sagen kein Wort, aber sie sehen das Laza- rett vor sich: ein weißes Bett, ein trockenes Bett, ein heiles Dach über dem Kopf, eine saubere Tasse, eine Schüssel, aus der es dampft. Sie stolpern zu dritt in eine sich lichtende Finsternis hinaus. 13. Drei Dinge von Wichtigkeit haben sich ereignet. Der Regimentsarzt Nohl ist in Urlaub gegangen und kehrt nicht zurück. Er liegt als toter Mann in der Heimat. Der Oberarzt Lipp ist zum Stabsarzt befördert und bald darauf zum stellvertretenden Regimentsarzt ernannt worden. Und drittens taucht Lipp eines Tages auf dem Verband- platz auf, zum fluchenden Entsetzen aller Krankenträger. Er will nicht bloß inspizieren, er will den ärztlichen Dienst für «ine Woche übernehmen. Die Pflichten des Regimentsarztes, die plötzliche, engere Verbindung mit dem Kommandeur scheinen ihm so zuzusetzen, daß er-aus Fournes flieht. Er beordert für die dortigen Ge- fchäfte einen Bataillonsarzt. Mit seiner galligen Miene, den Raubvogelaugen, dem schwarzen Spitzbärtchen. das vom bleichen Gesicht wegsticht, durchschnuppert er die Mannschaftslöcher. Der diensthabende Unteroffizier windet sich innerlich, weil überall Dreck und Unordnung sich häufen— man ist auf den Besuch nicht gefaßt gewesen, wann geht schon ein Sani- tätsoffizier durch die Räume seiner Leute?— Aber Lipp beanstandet nichts. Was er erspäht, ist eine offene Schachtel mit Zigaretten. Er greift hinein, er nimmt eine Handvoll, er steckt eine in den schmalen Mund.„Wem gehören die?" Einer springt vor:„Mir, Herr Oberarzt," und er reicht ihm Feuer. hat«r davon? Der Gerechtigkeit Genüge getan? Mit Knoten knippen? Mit Schifferknoten?— Pensum! Pensum! Er muh das Pensum schaffen— er m u ß! Das Hirn liegt wie glühendes Blei im Schädel. Pensum! Die Augen brennen. Pensum! Tausend Holzpferdchen müssen einen Busch schwarzgesärbter Schroeineborsten als Schwanz in das vorhanden« Loch des Hinter- t«Us gestopft kriegen. Tausend Holzpf«rdhinterteil« müssen pro Tag einen Schwanz erhalten. Tausend-- nicht 999 — Tausend sind Pensum! Fehlt ein Schwanz, ist das Pensum un- vollständig, und er kann laut Hausordnung bestraft werden!— Nur nicht an Morgen denken! Morgen wieder 1999 Schwänze. Uebermorgen 1999 Schwänze, Wochen, Monate, Jahre. Ich werde verrückt... Ihr, die ihr über den humanen Strafvollzug brütet, denkt an mich und an die Schwänze, an das Pensum und an das Morgen, an das Uebermorgen..., an m e i n Strafende! * Wir haben den Ausführungen des früheren Strafgefangenen natürlich Raum gegeben, ohne ihnen, namentlich in ihrem ersten Teil«, in allem zustimmen zu können. Wir wissen zu genau, daß der Strafvollzug eine außerordentlich ernste soziale Frage ist. Aber der Schreiber urteilt doch subjektiv und deshalb oft u n- gerecht. Schon heute ist man— hierüber liegen uns Zeugnisse von Strafgefangenen vor— in Strafanstalten, die nach den Vor- schriften des Justizministeriums verwaltet werden, bemüht, die Insassen des Hauses nach Beruf und Fähigketten zu beschäftigen und sie nicht mit dem geisttötenden Einerlei stumpf- sinnigen Tütenklebens zu foltern. Daß eine solche Ge- fangenenarbeit wirklich ein« Folter ist, kann nicht bestritten werden. Gewiß hapert noch manches durch die Rückständigkeit einzelner Bc- amten und die Unvollkommenheit des bureaukratifchen Apparates. Luch der Schreiber unseres sicher beachtlichen und anregenden Aus- sotzes wird, wenn ihn die nur zu verständliche Verbitterung jedes früheren Gefangenen verlassen hat, mit uns der Ansicht sein, daß di« Republik mit der Durchführung des modernen Strasvollzuges a«f d«m richtigen Wege ist, um Menschen, die durch ein Verhängnis, das man Zufall oder Schuld nennen mag. asozial wurden, in die Gesellschaft zurückzuführen. „Woaßt es no net, daß i Stabsarzt g'wordn bin," fragt er langsam, fast verbindlich, mit einem höhnisch gezogenen Ton durch die Hakennase. „Befehl, Herr Stabsarzt!" „Also, dann bitte— ," sagt Lipp in parodierter Liebens- Würdigkeit.„Ihre Zigaretten kriegen Sie morgen ersetzt Mein Bursch ist noch nicht da, der die Menage mitbringt." Er geht weiter und bricht in breitmeckerndes Gelächter aus. Er hat mit scharfen Augen Funk entdeckt, der sich mög- lichst verbirgt hinter Schlafgestellen. Er hat ihn sofort wieder- erkannt.„No, wie geht's? Macht sich's? Hab ich Ihnen nicht gleich gesagt, daß sich's machen wird? Wenn der Dienst Sic nicht abhält, kommen Sie in einer Stunde zu mir.— Unteroffizier Vogel, der Funk macht keinen Trägerdienst: er wird verwendet als Begleiter und Meldegänger." „Längst, Herr Stabsarzt," sagt Vogel obenhin. Wenn wir auf dich hätten warten wollen— heißt das. Lipp verfinstert sich, er hat Scharfes auf der Zunge— aber dann zieht er vor, nichts gehört zu haben.„Also, auf nachher," nickt er kameradschaftlich und geht. Die Mannschaft atmet auf.„Deine Zigaretten siehst net wieder," heißt es.„Hat der Lipp schon je etwas zurückge- geben? Aber das Schnorren versteht er. Die letzte Spreizen zieht er dir aus der Tasche." „Wenn man's gut trifft," verteidigt ihn«in anderer, „teilt er schon auch. Wir haben einmal mitsammen einen guten Kuchen gefressen, den hat er von daheim geschickt be- kommen. Und erzählt hat er mir dabei von seiner alten Mutter«ine Stund' lang. Er ist gar nicht so übel." „Er ist ein Viechkerl. Du kennst dich nicht aus bei ihm." „Er spinnt. Er ist nicht richtig." „Schaut er net aus wie der Gottseibeiuns? Er hat den Teufel in seinem mageren Leib." Der, von dem sie raunen, schickt seinen Burschen herüber — nun ist er also doch da?— und läßt um vier Feldkessel ersuchen. Es entspinnt sich ein Kampf, wer seinen Kessel her- geben muß. „Wozu braucht er denn gleich vier?" „Weiß nicht, sagt der Bursch.„Ich bring sie euch wieder." „Das kennt man. Was der mal in den Klauen hat—" Schließlich, unter des Burschen Drohungen, wenn er jetzt die Kessel nicht bringe, werde der Stabsarzt selber kommen und heillosen Krach schlagen, schiebt er mit vier erbeuteten ab. (Fortsetzung folgt.) Kort mit der Autoraserei! 12410 Unfälle in einem halben Lahre. Trotz aller Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen im Straßenverkehr haben sich im Laufe des ersten Halbjahres 1929 in der Reichshauptstadt bereits wieder 12 119 Verkehrsunfälle ereignet. Wenn wirksame Erfolge in der Unfallverhütung erzielt und kostbare Menschenleben sowie wertvolles Material vor sinnloser Zerstörung geschützt werden sollen, so ist es erforderlich, daß alle am Verkehr beteiligten Kreise— Fahrzeugführcr und Straßenpassanten— mehr denn je im Verkehrsgetriebe der Viermillionen- stodt die erforderlich« Sorgfalt aufwenden. Wenn die Selb st- disziplin der Fußgänger auch in vieler Hinsicht noch sehr zu wünschen übrig läßt, so muß andererseits doch auch von den Fahrzeugführern mehr Rücksichtnahme im Straßen- verkehr verlangt werden. RIcht weniger als 5000 llnfälle kommen im ersten Halbjahre 1929 aus das Schuldkonlo der Fahrer. Namentlich durch zu schnelles und rücksichtsloses Fahren wird noch immer außerordentlich viel Unheil angerichtet, so daß auch im Laufe der vergangenen 6 Monate auf diese Weise allein 4772 oder mehr als ein Drittel aller durch Fahrzeugsührer überhaupt heroorgeruscnen Verkehrsiinfäll« verursacht wurden. Nach wie vor führen die Unklarheiten über die Bestimmungen des Vorfahrtrechtes zu zahlreichen Verkehrsunfällen, die sich in der Zeit von Januar bis Ende Juni auf 969 bezisfertm Jeder Fahrzeugführcr muß beachten, daß nach den Vestiinmungen der Berliner Straßenordnung an Straßenkreuzungen oder Einmllndun gen von Straßen das auf dem Hauptverkehrswcge sich bewegende Fahrzeug die Vorfahrt gegenüber dem aus einem Seitenwege kommenden Fahrzeuge hat. Als Houptvcrkehrswegs kommen in erster Linie in Betracht: Verkehrsstraßcn 1. Ordnung und Straßen mit Straßcnbahngleisen. Besonders vorsichtig niüssen die Fahrer beim Ueberholen an Biegungen oderKrcuzungen sein! Ein« weitere ständig« Gefahrenquelle für Fußgänger und Fahr- gäste liegt in der Unsitte des zu schnellen Vorbei- fahren? aufhaltenden Straßenbahnen. Nach den Verkehrsbestimmungen dürfen an einer Haltestelle haltende Straßen- bohnzüge auf der Seite, an der die Fahrgäste ein- und aussteigen, nur in Schrittgeschwindigkeit und nur in einem solchen seitlichen Ab- stand« überholt werden, daß die Fahrgäste nicht gesöhrd«t werden. Kann dieser Abstand nicht eingehalten werden, so ist das Vor- beifahren verboten. Die Nichtbeachtung dieser Vorschrift führte zu 125 zum Teil recht schweren Verkehrsunfällen. Der Alkohol muh nalurgemöh von den Fahrzeugführern gemieden werden. Es ist besonders traurig, daß in 199 Fällen betrunken« Fahrzeugführcr ihre Mitmenschen und sich selbst in schwerste Gefahren brachten. Fabrikbrand in Köpenick. OeZbassin in Klammen.— Vier Arbeiter schwer verletzt. In der Chemischen Fabrik in der kaulsdorser Straße Z in Köpenick ereignete sich am Montag ei» schweres Brandunglück. Ein großer mit Oel gefüllter Behälter geriet plötzlich in Brand, vier Arbeiter wurden durch Stich. flammen ernstlich verletzt. Die verunglückten fanden im Söpenicker Kreiskrankenhaus Ausnahme. Der Brand wurde unter Anwendung von Schaumlöschern niedergekämpft. Die Namen der Verletzten sind: Wichelm K l ä h n e, 62 Jahre, Köpemck-Wendeuschloß, Körnerstr. 13, Ernst Gerbers, 39 Jahre, Charlottenburg, Gervinusstr. 13, Erwin K r a u t s ch o l d, 32 Jahre, Friebrichshagcn, und Paul Woskowiak, 31 Jahre, Köpenick- Wendcnschloß, Lessingstr. 51. Glücklicherweise stellten sich die Verbrennungen als nicht so schwer heraus, wie es zuerst den Anschein hatte. Alle vier Arbeiter konnten nach Anlegung von Notverbänden vom Krankenhaus in ihre Wohnungen entlassen werden.— Eine Untersuchung über die II r sa ch e des Unglücks ist eingeleitet worden. Kleingärien in Gommerprachi. Ein Fest in Blankenburg. Das ist ein Duften und Blühen, em prächtiges, buntfarbiges Bild, ein reicher Sommersegen, der auf all den Gärten und©Örtchen vor den Toren der Stadt liegt. Was Fleiß und liebevolle Mühe das Jahr über geleistet hab«n, das wird jetzt, zur Sommerszeit, zum reichen Lohn. Ganz vsrstsckt liegen alle die Häuschen, so hoch und dicht stehen Ginster und Sonnen- blumen, zortduftenb« Rosen und Nelken und alle die vielen hübschen Zierpflanzen und Sträucher. Aber auch di« Obstbäum« und Sträucher zeigen sich: Johannisbeere und Stachelbeere sind längst im Magen oder im winterlichen Einmacheglas verschwunden; dafür leuchtet die späte Schattenmorelle rubinrot zwischen all d«i» saftigen Grün ihrer Blätter, di« A e p f e l wachsen rapide und ihre Bäckchen färben sich, und die Pflaumen beweisen, daß sie in nicht allzu ferner Zeit die sommerliche Speisekarte bereichern werden. Des Sonntags kommen Freund« und Verwandte, man sitzt fröhlich beim Kaffee, bestaunt und bewundert all die Pracht. Und an einem Sonntag im Hochsommer wird dann, im Kleide aus- gelassenster Fröhlichkeit, ein Erntedankfest gefeiert. Alles wird festlich mit bunten Fähnlein und Lampions, mit Blumen und frischem Grün dekoriert, die Kolonistenjugend führt Reigentänze und turnerisch« Uebungen vor, Kaspert oder Onkel Pelle treiben ihr 'Allotria, im Wiesenparkett drehen sich die Tanzlustigen, Feuerwerk und Fackelzug beenden danu dem fröhlichen Tag. Auf den vier groß«» Spielplätzen gab es allerhand Lustiges zu scheu und zu hören, die Mädels in hellen Sommer- kl«idchen führten hübsche Reigentänze vor, die Jungens sprangen mit Geschick über Barren und Reck, die Kleinen belagerten die bunten Stände und hefteten sich an Kasperles Fersen. Die Großen freuten sich mit der Jugend und vor allem für die Jugend, die gleich den Pflanzen ringsherum auf gesundem Boden einer gesunden Reise entgegenstrebt. Gegen kommunistisches Rowdytum! Zum Protest gegen den feigen Ueberfall auf den Reichs- banncrkaeneraden Klug« veranstaltet der Kreisverein Süden des Reichsbanner» S ch w a rz- R o t- G o l d heute. Dienstag. 19K Uhr, auf dem Lausitzer Platz(Görlitzer Bahnhof)«ine Kund- g e b u n g gegen das kommunistische Rowdytum. Anschließend Umzug. Omnibttsausflugsverkehr nach Heiligensee. Die Berliner Derkehrs-Aktien-Gesellschast beabsichtigt, zur Er- gänzung des Straßenbahnoerkehrs nach Heiligensee eine Omnibus- linie Tegel— Heiligensee einzurichten, die jedoch nicht plamnäßig, sondern nur für den Ausflugsverkehr betrieben werden soll. Der Fahrpreis beträgt für Erwachsen« 39 Pf. Berliner Praler-Theoter. Auf der Somincrbühne in der K a st a n i c n a l I e e rollt, vor ausverkauftem Hause, ein bunt-lebcn- diges Theater- und Parieteprogramm ab. Ab 4 Uhr nachmittags spielt die Hauskapelle flotte Weisen, dann folgt ein lustiger Einakter von Fritz Grünbaum„Der König", in dem Greil Lilien und Gustl Beer die Lachmuskeln der Zuhörer kräftigst in Bewegung setzen. Das artistische Programm bringt eine dunkelhäutige Iüngerin Terpsichorens, Hefter H a rv e y, die Ncgertänze a la Josephine Baker und hermatliche Gesänge temperamentvoll zur Borfuhrung bringt; Karl Braun liefert gut gesehene Komponistenköpfe aus allen Zeitaltern. Dann steigt Lehärs..Lustig« Witwe", in der wiederum Greil L i l i e n als die Titclheldin, Gustl B c e r als der fröhlich-blödelndc Operettentrotlel Baron Mirko und Alexander H a b e r als der pontevedrinische Herzensbrecher Graf Djnilo für den Erfolg zeichnen. Zwischendurch gibt es Belustigungen aller Art; man tanzt im Freien, man trudelt um eine Mandel Eier oder einen Gummistorch, di« Jugend vergnügt sich auf eigen« Faust, und Mutter serviert einen prima„Selbstgebrühten". Ein frählich-heiteres Familienidnll, das in all ssiner Beschaulichkeit einem ruhenden Pol in der Exjcheinungen Flucht unseres gehetzten, übersteigerten Daseins- tcmpos gleicht. �_ Mordversuch aus Eifersucht. Zwei Menschen schwerverletzt im Krankenhaus. Eine Eifersuchtstragödie spielte sich am Sonntag nachmittag in der Rungcslr. 20 ob. Hier ist die 24 Jahre alte Stütz« Hertha Engel, die aus Reu- dämm staniint, bei einer Familie in Stellung. Ihr Bräutigam, der 25 Jahre alte Bäcker Otto Lemke, wohnt in Stargard. Lemke, der sehr eifersüchtig war, drang in dos Mädchen, in die Heimat zurückzukehren. Er kam auch selbst nach Berlin und hatte am Sonn- tag mit dem Mädchen eine A n s s p r a ch e, die ergebnislos verlief. Da zog er plötzlich auf dem Korridor der Wohnung ein« Pistole und gab auf Hertha E. einen Schuß ab, der sie schwer oerletzt zu Boden streckte. Dann rannte er die Treppe hinunter und jagte sich auf dem Hausflur zwei Kugeln in den Kopf: Das Mädchen wurde nach dem Urban-Krankenhaus, der Bäcker als Polizei- gefangener nach dem Staatskrankenhaus gebracht. Beide sind noch o«rnehmu«g»unsähig. Die Arbeiter-Esperantisten in Leipzig. Leipzig steht zurzeit im Zeichen der Weltkongresse der Arbeiteresperantisten. Aus 26 Ländern Europas, Asiens, Afrikas und Amerikas sind zahlreiche Delegiert« erschienen. Die Bc- ratungen werden 5 Tage dauern. Wir werden über die Tagung berichten. Seit Sonntag sendet die Funkstund« Berlin am Abend ein Doppelprogramm: von Berlin und von Königswusterhaujen. 'An diesem ersten Tag wurde den Hörern die Wahl zwischen beiden Programmen recht schwer gemacht. Sie hatten sich zu entscheiden für Rezitationen aus Knut Hamsums Werken oder für Caruso- Schallplatte». Da man aber Hamsums Werke schließlich auch selber lesen— die Caruso-Arien sich aber leider nicht selber vorsingen kann, so dürsten die meisten Hörer Carusos Gesang gewählt hallen. Ein Orchcfterkonzert für beide Sender folgte diesen Veranstaltungen. Professor Richard Hagel bewies seine Fähigkeit, wirkungsvolle volkstümliche Konzertprogramme zusammenzustellen, die er so oft in öffentlichen Konzerten erprobt hat, auch vor dem Mikrophon. Die von Berta K i u r i n a glänzend gesungenen Arien aus„Figaros Hochzeit",„Die lustigen Weiber von Windsor" und„Stradello" paßten gut in den Stil der Veranstaltung.— Es sei hier eine oft ausgesprochene Bitte wiederholt: man gehe möglichst sparsam mir Bla'sorchesterkonzerten um. Das Programm des Mittagskonzertes, gespielt vom Adolf- B e ck e r- Orchester, war zudem über Gebühr kitschig. Daß Hugh L 0 f t i n g, der Berfasser der Dr. Dolittle- Bücher, vor das Mikrophon kam und in deutscher Sprache so nett und unbeholfen von Tieren, Bölkerverständigung und Frieden plauderte, dürfte Kindern wie Erwachsenen eine große Freude ge- wesen sein— den Kindern aber vor allem, daß anschließend eine Auffiihrung aus„Dr. D 0 l i t t l e s Abenteuern" folgte.— Das Thema für die halbe Stunde„Berlin im Mikrophon" hatte man vernünftigerweise vom Barometer abhängig gemacht. Es entschied für ein« Uebertraguna aus dem Freibad Wannsee— denn es zeigte auf„schönes Wetter; bei schlechtem hätte man eine Sen- dung von einer der neueröffneten Untergrundbahnhöfe gehört. Das Doppelprogramm am Montagabend war recht glücklich den verschiedensten Geschmacksrichtungen angepaßt. Wer Unterhaltungsmusik hören wollte, konnte zuerst aus Berlin Mandolinen- konzert empfangen, nachher von Königswusterhausen die Unter- Haltungsmusik aus dem Hotel Kaiserhof. Von 29 bis 21 Uhr bracht? Königswusterhausen ein« Theodor-Storm-Stunde: von 29!-— 22 Uhr wurde ein Orchcstertonzert aus Prag im Internationalen Programm- austausch von Berlin aus verbreitet.— Sehr zu begrüßen ist es. daß das Schallplattenkonzert am Nachmittag mit in das Programm einbezogen wurde. Die Ankündigungen dafür— soweit man sie überblicken kann— sehen außerordentlich verlockend aus. Aber leider liegen diese Darbietungen zu sehr ungünstiger Stunde. Könnte man nicht wenigstens an einigen Tagen der Woche Hausfrauen- stunden, besondere Fochvorträge und ähnliches auf diese frühe Zeit verlegen, und die Schallplatten vielleicht von 16— 17 Uhr lausen lassen? Tes. Schtagweiterexplofion! Drei Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet tot. Dortmund, 3. August.' Das preußische Lberbergamt in Dortmund teilt mit: Gestern vormittag um k> Uhr ereignete sich ans der Zeche de Wendel bei Hamm in der 812-Mcter-«ohle aus bisher ungeklärter Ursache eine Schlagwetter» c x p l 0 s i 0 n, durch die zwei Arbeiter tödlich und einer schwer verletzt wurden. Tie Untersuchung ist durch die Bergbehörde sofort unter Tage aufgenommen worden. Die Schlagwellerexplosion aus der Zeche De Wendel hat ein drittes Todesopfer gefordert. Der bei dem Unglück am Sonntag vormittag schwer verletzte Bergmann Ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Äergwerksunglück auch in der Rheinprovinz. Würselen(Rheinprovinz), S. August. Auf Grube Gouley wurden heute ein Bergschüler und ein Bergmann von herabfallendem Gestein e i n g e. schlössen. Durch Zeichengebung wurde festgestellt, daß nur der Bergmann noch lebt. Man hoss». ihn lebend bergen zu können._ Elf Tote des Ostender Oampferunglücks. Ostend«, S. August. Nach den bisherigen Ermililungeu sind bei dem Dampferzusammenstoß Im hiesigen Hafen tl Personen getötet und 23 verletzt morden, 5 oder 6 werden noch vermißt. Maffenvergistung irischer Soldaten. TZV Mann nach Konservengenuß ertrankt. Belfast, 5. August. Mit ernsten Vergiftungserscheinungen wurden gestern 15 9 Mann der zurzeit zu Manövern in Irland befindlichen Truppen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Soldaten fielen während des Marsches plötzlich um. Es handelt sich um Ptomeln-Vergiftungen, die durch den Genuß von Konserven ver- ursacht sein sollen. Die Mehrzahl der Soldaten konnte noch kurzer Behandlung wieder entlassen werden. Ungefähr 59 andere, bei denen die Bergistungserscheinungen ernsterer Natur waren, befinden sich zurzeit noch im Krankenhaus. Verführung zum Diebstahl. Eine ernste Frage. vor der zweiten Ferien st rafkammcr des Laad. gerichls l war die 27 Jahre alte Kassiererin Lotte S... wegen Unterschlagung von Z0 099 M. angeklagt. Si« war vor zehn Jahren als Anfängerin bei einer Firma in Kä'kf er.' W i k h e km'» Sivoch« � ewgetttten.' Im Laufe der Zeit wurde sie Kassiererin. Im Slpril erhielt der Seniörchef der Firma von ihr folgenden Brief:„Hierdurch teile ich Ihnen mit. daß ich Ihnen im Laufe der Jahre 39 999 Tl. unterschlagen habe. Sie um Berzeihung zu bitten, wäre Unsinn. Ich steh« Ihnen und der Polizei in der Wohnung meiner Ellern zur Berfügung. Hochachtungsvoll! folgt Name." Es stellte sich heraus, daß die Kassiererin allabendlich in großer Toilette Logenplätze in Theatern besucht, in teuren G a st st ä t t e n gespeist und stunden- lange Autofahrten in der Umgebung Berlins unternommen hatte. Die Unterschlagungen hatt« sie durch falsche Buchungen verdeckt. Der Verteidiger hatte Beweis dafür angetreten, daß die Ver» fehlungen dieses Mädchens zum Teil auf eine sehr Mangel« hafte Kontrolle zurückzuführen seien. Der gerichtliche Bücher« sachverständige bestätigte dies. Das Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis unter Anrechnung von zwei Monaten Unter- suchungshaft. Die Angeklagte nahm di« Strafe sofort an. Auch in diesem Falle könnte man die Forderung erheben, daß in das neue Strafgesetz ein Paragraph eingefügt wird, der leicht- fertige Ver f ü h r u n g zum D i e b st a h l mit Straf- belegt. Eine junge Kassiererin, die nicht kontrolliert wird, scheint moralisch beinah« weniger verurteilenswert, als ein« pflicht. vergessene Geschäftsleitung, die mäßig bezahlte An- gestellt« durch ihr Verhalten in Versuchung führt. Ein falsches Mordgerücht. Gerüchte von einem Gattenmord liefen in der Borsigstraße, im Norden der Stadt, um. Vormittags um 10'A Uhr hatte sich die 34 Jahre alte Elzefrau Karola L. in einem Anfall von Versolgungs- mahn aus dem Fenster ihrer Wohnung gestürzt und dabei den Tod gesunden. In der Nachbarschaft munkelte man nun davon, daß der Ehemann indirekt die Schuld an dem Vorfall trage. Seine Ber- nehmung hat aber einwandfrei ergeben, daß er vollkommen schuldlos ist und daß alle Gerüchte nur auf Redereien be- ruhen.____ Die Plaza, das Variete im Ostbahnhof, zeigt im ersten Teil des August-Programms wieder«ine Reih« erstklassiger Artisten. Als vorzüglicher Handstandsakrobat auf Klötzen gilt Julius Fürst. In ihren Gladiatorcnspielen Achilles und Newman. Zlls moderne Ja.z,zsängcr fanden die sechs Comedian Harmonists großen Beifall. Kaminska und Rilber mit Little Biola dem Tanzstern der großen Variete. Bühnen bringen neuartige Tanzschöpsungen. Robins„der wandelnde Musikladen", der Musikinstrumente, Dutzende von Bananen, Musikständer und einen Klapptisch in seinen Taschen verbirgt, erntet Lachsalven. Einzig dastehend ist die Stelzennummer Junctros und Eiste. Als musikalischer Tanzclawn findet Jachmann, daneben Hilde Rückerts mit ihrem Eisballett auf der Bühneneisbahn den Bcrfall des bis auf den letzten Platz gefüllten Hauses. Wetterbericht der öffenillchen WeUcrdicnstsle'le Berlin und Umgegend. lNachdruck verbalen.) Teils beitcr, teils wolkig, ohne ivelentliihe Niederschläge. Temperaturen etwas niedriger als bisher.— Für veutschland: Im Weiten wieder etwas Erwärmung mit neuen Regensällcn, im Osten etwas kühler und ziemlich heiter. Bei Gallenstein- und Leberleiden Magen- und Darmerkrankungen, chronischer hartnäckiger Etuhlverstopfting und ihren üblen Folgen, Gelbsucht Hämorrhoiden, Wucherungen und Geschwülsten hat sich ,. Nvmphocid" seit Jahren glänzend bewäört. 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HunderttauseÄde von kleinen Erwerbs- tätigen, Arbeiter, Kellner und Ingenieure, standen ebenso wie ka- vitalstarke Handelshäuser und Industrieunternehmungen plötzlich vor der Tatsache, daß für sie die von kapitalistischen Regierungen selbst festgelegte Unantostbarkcit des Privateigentums einfach nicht existierte. War schon diese Politik der am Kriege beteiligten Regierungen kein Ruhmesblatt, so bildet die Fortsetzung und Verschär- sung dieser Politik durch den Vcrsoiller Vertrag eines der unerfreulichsten Kapitel der Tlachkriegszeit. Im Artikel L97 des Bersailler Vertrages haben sich die Siegerstaaten das Recht vorbehalten, das gesamte deutsche Vermögen, dos stich in ihren Ländern befand, zurückzubehalten, und zur Zwangsversteigerung zu bringen. Sogar das erst nach dem Kriege von Deutschen erworbene Vennögen im ehemals feindlichen Auslande war unter bestimmten Umständen der Beschlagnahme aus, gesetzt. Es ist klar, daß derartige Maßnahmen der Sieger das denklmr schwerste Hindernis für die Wiederaufnahme normaler wirtschaftlicher Beziehungen und für die Förderung des Friedens- gedankens in der Welt bildeten. Aber auch davon abgesehen, stand diese Handlungsweise kapitalistischer Siegerstaaten in groteskem Gegensatz zu ihrer Entrüstung über die Beschlagnahme des ge- samten ausländischen Privateigentums in S o w stc t r u ß l a n d. Es litten stich daher schon in den ersten Iahren nach dem Kriege auch in den Ententeländern die Stimmen vermehrt, die die Unmoral dieser Zwangsenteignungen geißelten und auf die verhängnisvolle internationale Untergrabung des Rechtsgedankens hinwiesen. Be- reits im Jahre 1924 hatte in diesem Zusammenhang die Jnter- kiational Law Association(Gesellschaft für internationales Recht) auf ihrer Stockholmer Tagung das ganze Liquidotionssystem treffend als ein„Ueberbleibsel der Barbarei" gekennzeichnet. verlorene Werte.— Die Frage der Erlöse. Um welche gewaltigen Werte es sich bei diesen Enteignungen und Zwangsversteigerungen handelt, geht daraus hervor, daß das deutsche Reich allein aus dem Haager Liquidativnsprozeß 9,2 M i l- liarden verlorenes Eigentum angemeldet hatte. Nach neueren deutschen Schätzungen wird das gesamte von den Alliierten erfaßte deutsche Vennögen sogar auf rund 1l Milliarden geschätzt. Da über die Erlöse der Zwangsversteigerungen aus den einzelnen Ländern nur sehr langsam lückenhafte Berichte bis- her eingegangen sind, läßt sich noch nicht feststellen, wieviel für die beschlagnahmten Vermögenswerte bei den Zwangsversteigerungen tatsächlich erzielt wurde. Nur der anfangs 1928 veröffentlichte Bericht des en'gkischen Kommissärs gibt hierfür einige sichere Anhaltspunkte. Mach dem Bericht sind bis Ende März 1928 in England deutsche Vermögen in Höhe von 1,1 Atilliarden Gold- mark liquidiert wcrdcn, wofür dem Deutschen Reich etwa 999 Millionen Goldmart auf Reparationskonto gutgeschrieben wurden. In Frankreich betrugen die Erlöse bis zum gleichen Zeitpunkt etwa 2,4 Milliarden Franken, während der damalige Wert etwa 499 Millionen Goldmork entsprechen würde. Außerdem sind noch die bis Ende 1927 in Italien erzielten Erlöse von etwa 48, und in Slam von rund 8 Millionen Gvldmark bekannt. Fehlen auch bei diesen Angaben noch sehr wichtig« Liquidationsgebiete, besonders die englischen Kolonien, Belgien usw., so zeigt doch der Geamterlös von 1,5 Milliarden gegenüber den Schadcnanmeldungen des Deut- chen Reiches im Haag, in welchem Maße die beschlagnahmten Per- mögen bei den Znxmgsversteigerungen verschleudert bzw. wie stark sie in den damals valutaschwachen Ländern entwertet worden sind. Die Pariser Sachverständigen haben in dem Schlußbericht des Poung-Planes der„Liquidierung der Vergangenheit" einen Hauptabschnitt gewidmet. Zur Wieder- Herstellung des �allgemeinen Vertrauens, das für ein erfolgreiches Arbeiten des Poung-Plones unbedingte Voraussetzung ist, „empfiehlt der Sachverständigenausschuß den Regierungen vom Tage der Annahme dieses Berichts ab, von ihrem Recht, Güter, Rechte und Interessen der deutschen Rcichsangehörigen zu beschlag- nahmen, zurückzubehalten und zu liquidieren, soweit sie nicht bereits liquide oder liquidiert sind..., nicht mehr Gebrauch zu machen." Im Haag selbst und im Anschluß an die endgültige Annahme des Poung-Planes durch die beteiligten Regierungen werden also Deutsch- lands Vertreter mit den einzelnen Staaten Sonderoerhandlungen aufnehmen, um mit der restlosen Klärung dieser Frage auch unter dieses unerfreuliche Nachkriegskapitel endlich den Schlußstrich zu ziehen. Frühere Regelungen. Es muß anerkannt werden, daß eine ganze Reihe von den früheren Ententestaaten die Liquidationsfrage bereits vor Jahren durch Sonderverträgc mit Deutschland geregelt hat. So haben sämt- liche süd- und mittelamcrikanischen Staaten, die sich mit Deutschland im Kriegszustand befanden, von ihrem Liquidations- recht überhaupt keinen Gebrauch gemocht. Die S ü d a f r>- konische II n i o n, die seit der Unterzeichnung von Versailles eine zielbewußte Verständigungspolitik getrieben hat, gab bereits 1929 den früheren deutschen Besitzern fast 99 Proz. ihres Eigentums zurück. Auch China und Japan regelten diese Frage in den folgenden Jahren in sehr großzügiger Weise durch eine Entschädigung im Werte von 75 bis 89 Prozent. Im vergangenen Jahr hat das amerikanische Parlament das bekannte Freigabegesetz angc- nommen, wodurch rund 89 Proz. des in den Vereinigten Staaten beschlagnahmten Vermögens im Gesamtwert von 1,1 Milliarden Mark an die früheren Besitzer zurückfließt. Getragen wurde diese Aktion der amerikanischen Regierung von einer starken Strömung in der öffentlichen Meinung Nordamerikas, die sich schon seit Iahren gegen den wirtschaftlichen Unsinn dieser Liquidationen und„die An- wendunz bolschewistischer Gewaltmethodcn durch die Siegerstaaten" gewandt hatten. In Europa haben Griechenland, Italien und Iugo- s l a w i e n und im letzten Jahr auch R u m ä n i e n die Liquidationen gleichfalls eingestellt. Von besonderer Bedeutung für das gesamte Liquidationsproblem war aber für Deutschland der mit Frank- reich abgeschlossene Sondervertrag vom Dezember 1926. In diesem Vertrag hat Frankreich die Einstellung weiterer Zwangsversteige- rungen sowie die Freigabe derjenigen Liquidationserlöse zugesagt, die nach voller Befriedigung der französischen Gläubiger als Ucber- schuß bleiben. Zu welchen Auswüchsen und Korruplionserscheinungen dieses im Versa iller Vertrag sanktioniert« System von Massen- beschlagnahme und Zwangsversteigerung geführt Hot. zeigt der Bc- richt des parlamentarischen Untersuchungsaus- schusses in Frankreich, der nach dreijähriger mühevoller Ar- beit seine Ergebnisse vor einiger Zeit veröffentlicht hat. Es ist«in Verdienst des französischen Untersuchungsausschusses, daß er über die Korruptionsskondale bei der Verschleuderung deutschen Eigentums in Elsaß-Lothringen nicht den„Mantel der Liebe" gedeckt, sondern sie im Interesse der öffentlichen Moral angeprangert hat. Aus dem Bericht des französischen Untersuchungsausschusses sei nur ein Beispiel angeführt, das die dortige Versteigerungspraxis hinreichend kennzeichnet. So wurden die drei großen lothringischen Hüttenwerke von Hagendingen, Rombach und Kncutingen. deren Vorlriegswert nach amtlicher französischer Schätzung 1,4 Milliarden Gold- mark betrug, an die französische Schwerindustrie so gut wie verschenkt. Nicht mehr als zwei Prozent(!) des tatsächlichen Wertes betrug der Liquidationserlös für den französischen Staat. Der Untersuchungsausschuß trifft das Richtige, wenn er diese skandalösen Vorgänge als die„ergiebigste Plünderung, die man je erlebt hat", bezeichnet. Die letzte Etappe. Bis vor kurzem waren es noch drei Staaten, die an der Durch- sührung der Zwangsversteigerung festhielten, Belgien, Polen und England. Noch der' schnellen Einigung in der Frage der belgischen Markforderungen hat auch Belgien vor einigen Wochen aus weitere Liquidationen verzichtet. Polen hat nach zcitweisem Ab- stoppen der Liquidation deutschen Grundbesitzes die Zwongsver- steigerungen Ansang dieses Jahres mit verdoppeltem Eifer durch- geführt, obwohl diese Politik einer schnellen Verständigung in den Wirtschastsfragen sicher nicht förderlich ist. Polen setzt sich mit dieser Politik besonders deswegen ins Unrecht, weil es entgegen der aus- drllcklichen Bestimmung des Versailler Vertrages auch Deutsche enteignet, die polnische Staatsangehörige geworden sind. Die polnische Regierung erkennt offenbar nicht, eine wie schwere Be- lastung diese Politik der Nadelstiche für die dcuffch-polnischc Ver- ständigung sein muß. Unerfreulich bleibt auch die Haltung Englands in der Liquidationssrage. Nach den letzten A�ußerungen des Handelsministers Graham beabsichtigt die jetzige englische Regierung, die Liquidationen bis zur endgültigen Annahme des Poung-Planes fortzusetzen. Diese starre Haltung mag wohl dem Buchstaben entsprechen, sie entspricht aber nicht dem Geist des B o u n g- P l a n e s, der als gerechte Geste die sofortige Einstellung der Liquidationen erwartet. R. B. Besserung des Arbeitsmarktes. Die Sommerstockung überiounden? Die Arbeitsmarktlage im Bereiche des Landesarbeitsamtes Brandenburg wies in der Berichtswoche zum 29. Juli eine kleine Besserung auf. Die Zahl der Hauptunterstützungsempsänger ging als Folg« der in der Mäntel- und Kleiderknnfektion herrschenden Hochkonjunktur und der verstärkten Nachfrage der Landwirtschaft nach Erntearbcitern um 63 3 5 Personen zurück. Der Braunkohlenbergbau blieb wie bisher gut be- schäfttgt und für gelernte Bergarbeiter aufnahmefähig. Die In- dustrie der Stein« und Erden hatte bis auf die Glasindustrie, die eine kleine Abschwächung erfuhr, noch befriedigend zu tun. In der Metallinduitri« waren für einzelne Zweige vermehrte Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden, im allgemeinen jedoch blieb die Arbeitsmarktlage recht unterschiedlich und wenig befriedigend. Gleichfalls uneinheitlich und örtlich ver- schieden war der Beschäftigungsgrad im Spinnftoffgewcrbe, das in einigen Bezirken noch gut beschäftigt und teilweise auch noch auf- nahmefähig war, dagegen in anderen Bezirken mit neuen Betriebs- stillegungen rechnet. In durchweg ungünstigen Befchäfti- gungsverhältnisjen bewegten sich die Papier- und. Lederindustrie sowie das Holz- und Schmtzstoffgewerbe. Wenig aufnahmefähig war auch das Nahrungs- und Genußmittelgewerbe: die erwartete Konjunktur in der Schokoladenindustrie hat bisher noch nicht ein- gesetzt. Nach wie vor gut mit Arbeit versehen waren das Bau- g e w e r b e und dos Gastwirtsgcwerbe. In der Berichtswoche fiel die Zahl der Arbeitsuchen- den um 8271 auf 223 371, d. h. um 3,57 Proz., gegenüber einer Abnahme von 4919 gleich 1,71 Proz. in der Vorwoche. Di« Arbeitsuchenden verteilten sich auf Berlin mit 191 795, auf die Provinz Brandenburg mit 29 999 und auf die Grenzmark Pofen-Westpreußen mit 1676 Personen. Die Zahl der H a u p tu n t e r st ü tz u n g s- e in p f ä n g e r in der versicherungsmäßigen Atbeitslosenunter- stützung betrug 116 73E in der Kriseuuntcrstützung 22957, zusammen 138 793 Personen. Von den Hauptunterstützungs- cmpfängern in der Arbeitslosenversicherung enffielen ans Berlin 9 7 1 3 5. Dom 2 2. Zun! bis zum 29. 3 u 1 1 ist die Zahl der Arbeit- suchenden in Brandenburg jetzt von 2ZZ7ZZ aus 223 371, die Zahl der yauptunterstühungsempsänger von 117 bl2 aus 116 736 gesunken. Die Kommerslaute auf dem Arbeitsmarkt, die regelmäßig auftritt, dürfte demnach nach sechswöäiiaer Dauer vorüber fein, so daß auf den herbst zu mit dauernd zunehmender Beschäfti- g u n g zu rechnen wäre. Wieder gutes Kalijahr. Der Aufschwung seht sich fort, wenn auch etwas langsamer- Das Kolifyndikat teilt mit: Die Abladungen der zum Deuffchen Kalisyndikot gehörenden Kaliwerke im Juli 1 929 betrugen 891 995 Doppelzentner Rein- kali gegen 1 926 809 Doppelzentner Reinkali im gleichen Monat des Vorjahres. Die Abladungen in den ersten drei Monaten(Mai bis Juli), des lausenden-D ü n g e j a h r« s betragen 2 642 515 Doppelzentner Reinkali gegen 2 663 341 Doppelzentner Reinkali in den ersten dreT Monaten deS Dungejohreg 1928/1929. In den ersten ffKieii Monaten des laufenden Kalendersahres wurden von den Kaliwerken insgesamt 9 199 966 Doppelzentner Reinkali gegen 9 957169 Doppelzentner Reinkali in der gleichen Zeit des Vorjahres versandt. Nach diesen Zahlen wird man damit rechnen können, daß der bisherige Aufstieg der Kaliindifftrie in diesem Jahre, wenn auch verlangsamt, fortdauern wird. Nuhrkohlenbilanz immer besser. Rückgang der englischen Kohleneinfuhr und höhere Erlöse. Di« englische Kohlen einfuhr noch Deutschland ist im ersten Vierteljahr 1929 gegenüber der gleichen Zeit des Vor- jahres ganz erheblich zurückgegangen. Sie betrug nur 981 999 englische Tonnen gegenüber 1,16 Millionen im Vorjahr, was einem Rückgang um nicht weniger als 15 14 Proz. ent- spricht. Wöhrend in den Jahren 1925, 1927 und 1923 die durch- schuittliche Monatseinfuhr von 347 999 auf 353 999 und schsießlich auf 447 999 Tonnen gestiegen ist, liegt der Monatsdurchschnitt des ersten Quartals 1929 mit 327 999 ganz erheblich darunter. Zum Teil hängt diese außerordentliche Verbesserung der beut» schen Kohle ii bilanz mit den erhöhten englischen Exportpreisen zusammen. Jedenfalls ist sie ein Beweis für die in der letzten Zeit besonders deutlich verstärkte Konkurrenzfähigkeit des Ruhrbergbaues auf dem Weltmarkt, die einmal die im Ruhrgebiet herrschende Hochkonjunktur erklärt und mit steigenden Absatzmengen dem Ruhrbergbau auch steigende Erlöse gebracht hat, und zwar um so bessere Erlös«, je mehr innerhalb Deutschlands das unbestrittene Gebiet mit seinen höheren Inlandspreisen wachsen konnte. ht&fau&t iJieddf- IHh%! Kein Zufallserfolg, klar tritt ihre Oberlegenheit zutaget Die Caid-Zigarette bringt von Haus alle Voraussetzungen mit, zu dauerndem Erfolg. Sie hat's eben in sich! 5 pf. 5 Pf. da/�u üttuIiuAfU TiäJUjuJb*'6i£dßs! Llmkehrung der Verantwortung. Gegen Arbeitslosigkeit.— Nicht gegen Arbeitslose. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß es bei dem Problem der Arbeitslosen nicht darauf ankommt, die Zahl der Unter st ützten und die Höhe der Unterstützung, sondern die Arbeitslosigkeit abzubauen. Wenn man schon rein rechnerisch vorgeht, dann ist es immer noch billiger, Arbeit zu beschaffen, als die Reichsanstalt durch den Abbau der Unter- stützungen zu entlasten. Selbst im»Berliner Tageblatt', das eine führend« Rolle im Kampf gegen die Arbeitslosen spielt, weist jetzt die demokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Marie-Elifabeth L ü d e r s auf diese falsche Rechnung hin. Zum guten Teil ist ja die Hetze gegen die Arbeitslosen genährt worden von allerlei kraß gewählten oder ent- stellten Beispielen au» den Berufen der gutbezahlten Saisonarbeiter. Mr sagen ausdrüdWch der gutbezahlten, well bei weitem nicht alle Saisonarbeiter gut oder auch nur ausreichend bezahlt werden. Wenn man die Unternehm erpresse liest, so bekommt man den Eindruck, als hätten es die Saisonarbeiter daraus abgesehen, nur gerade ihre 26 Wochen im Jahr zu arbeiten, um den Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung zu bekommen und die übrigen 26 Wochen sich auf Kosten der Reichsanstatt zu mästen. Solange die Arbeiter nicht die Wirtschaft beherrschen, solange das Privatkapital allein bestimmt, wie produziert wird, hat niemand«in Recht, den Arbeitern Vorwürfe zu machen für die schweren Unterlassungssünden der Unternehmer. Ob Arbeiter eingestellt werden, ob insbesondere für die Saisonarbeiter im Winter und sogar im Hochsommer Beschäfti- gung vorhanden ist, darauf haben die Saisonarbetter heute immer noch gar keinen Einfluß. Frau Lüders schreibt m diesem Zu- sammenhange sehr richtig: .Denn es handelt sich bei dieser Frage(der Reform der Arbeitslosenversicherung) nicht um die Lösung versicherungstech- nischer Rechenexempel, sondern um die Erkenntnis der wejeni- lichsten Ursachen der Arbeitslosigkeit und ihrer Bekämpjung aus diesen Ursachen heraus, und nicht erst aus ihrem traurigen Resultat!' Frau Lüders weist dann darauf hin, daß der Samson- charakterdes Baugewerbes durchaus nicht eine unabänder- liehe, naturgegebene Notwendigkeit ist, sondern auf den rückständigen Schlendrian zurückgeführt werden muß, der heute noch in der Bau- Wirtschaft herrscht, wo die Rationalisierung noch«in unbekannter Begriff ist. Man kann hinzufügen, daß die Rationalisierung des Bau- gewerbe» auch eine Finanzfrage ist. Wenn es gelingt, die Finanzierung de» Wohnungsbaue» über da» ganze Jahr gleich- mäßig zu verteilen, so wird damtt auch eine Derbilligung de» Wohnungsbaues insofern eintreten, weil dann die Betriebe und Betriebseinrichtungen auch im Winter ausgenutzt würden, statt, wie es jetzt der Fall ist, ungenutzt Zinsen zu fresien. E« ist eine llmkehrung von Ursach« und Wirkung, die man bei der sogenannten Reform der Arbeitslosenversicherung vornimmt. Es ist auch eine Umkehrung der Verantwortung, wenn man die Arbeitslosen bestraft für die Sünden der Unternehmer. Die Bereinigung der Arbeitgeberverbände täte gut daran, einmal ganz gründlich zunächst vor ihrer eigenen Tür zu kehren. Wie es nach der„Neform" aussehen würde. Gin Notschrei ans Pirmasens. Ein Alarmruf an den Reichsarbeitsminister kommt aus dem Elendsgebiet Pirmasens, wo durch Abbau der Krisenfürsorge 1500 Personen ohne Unterstützung sind. Im Pirmasenser Gebiet grassiert seit Iahren dt« Arbeits- l o f i g k« i t. Ihr Druck wird dadurch verschärst, daß außer der Schuhindustrie in und um Pirmasens keine anderen Industriezweige vorhanden sind, die die Arbeitslosen ausnehmen könnten. Eine Delegiertenversommlung des Zentralverbandes der Schuh- macher, die dieser Tag« zur Lage der Arbeitslosen m Pirmasens Stellung nahm, hat«ine Entschließung angenommen, in der für da» Notgebiet eine Sonderregelung gefordert wird. Di« schwere Dauerkrise des Pirmasenser Industriegebiets sei«in« Kriegsfolge, und für die Ungünstigen Wirkungen Hab« daher die Gesamtheit der Bevölkerung und nicht nur der unmittelbar bettoffene Teil auf- zukommen. Da«in großer Teil der Ausgesteuerten schon f a st z w e i Jahre arbeitslos sei. könne man sich nicht wundern, wenn fast alle Reserven an Kleidern und wichtigen Haushaltungsutensilien vollständig ausgebraucht und abgenutzt sind. Die Ausgesteuerten seien infolge mangelhafter Ernährung auch körperlich sehr herab- gekommen. Selbst da, wo die kargen Sätze des Wohlfahrtsamtes noch gezahlt würden, sei nicht einmal den bescheidensten Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Die Landort« seien schon heut« nicht mehr in der La-ge, W o hlfa h r t s u nterst ütz n n g zu zahlen, und Abwände rung könne infolge völliger Mittellosigkeit der Ausgesteuerten nur in ganz beschränktem Umfange in Frage kommen. Werde nicht bald durchgreifend geholfen, dann stünden Auswirkungen schlimmsten Ausmaßes bevor. Verschärfung im Vaumwolltampf. Verhandlungsversuche. London, S. August.(Eigenbericht.) Der außerordentliche Berbandstag der Bereinigten Spinnerei- arbeitcr beschloh om Montag nach einer Debatte von kaum 20 Mi- uuten, den Vorstand nicht zu Verhandlungen über ei» Lohn- tompromiß zu autorisieren. Die Entscheidung ist insofern inter- esiant, als von dem Vorstand der Gewerkschaften ein entsprechender Vorschlag gemacht wurde und es das erstemal ist, daß eine Emp- fehlung dieses Vorstandes verworfen wurde. Da die Spinnereiarbeiter sich mit ihrem Beschluß der Haltung der Weber angeschlossen haben, ist die Front der Arbeiter, die in- folge der zweifelhaften Haltung der Spinner ursprünglich brüchig schien, nunmehr ebenso geschlossen, wie es diejenige der Unter- nehmer seit vergangenen Sonnabend geworden ist. Alle Hoffnungen aus eine baldige Wiederaufnahme der Berhandlugen siiü» jetzt al» gescheitert zu betrachten. Die inoffiziellen Versuche, Frieden zu stiften, gehen indessen weiter. Der Oberbürgermeister von B l a ck b u r d hat sich im Sinne des ihm von den übrigen Bürger- meistern der Städte Lancashires erteilten Auftrages mit den Unter- nehmern und Arbeitnehmern in Verbindung gesetzt. Sein Dermitt- lungsgesuch wirb jedoch aus beiden Setten als wenig aus- sichtsreich bezeichnet. Dagegen wirb das Eingreifen des be- kannten Lord Derby in Lancashire mit größerem Optimismus beurteilt. In Gewertschaftskreisen haben sich in den letzten Tagen die Stimmen derer vermehrt, die ein Einschreiten de»® e- neralrat» der Gewerkschaften fordern, cchn« daß dieser Anregung jedoch trirfjer Folge geleistet worden wäre. Deutsche Studenten als Streikbrecher! Amsterdam, 5. August.(Eigenbericht.) Der Laudarbeiter st reit im östlichen Groningen hat sich weiterverschärft. Im Stteikgebiet trafen 60 Studenten der Landwirt- schaftlichen Hochschul« in Göttingen ein. Sie sollen Streikbrecherarbeit verrichten. Die Stteikleiwng hat den Deutschen Landarbeiterverband gebeten, bei der dcuffchen Regierung dagegen Protest zu erheben. Billige Landarbeiter. Ferienerlebnisse eines Artamonen. Pom Deutschen Landarbeiterverband wird un» geschrieben: Zu den neueren Erscheinungen in der Landwirtschaft gehört auch die Artamanenbcwegung. Sie hat auf ihr Banner lebensreformerischc Bestrebungen(Vegetarismus, Enthaltsamkeit von Tabak und Alkohol) geschrieben. Es soll nach den Angaben der Gründer„ein junges, lebensstark«« und mit Liebe zum Acker ausgestattetes Geschlecht' herangezogen werden. So wurde von der Artamoncnbewegung auch die Abmachung gettoffen, daß Schüler, deren Eltern nicht die Mittel für«inen Landaufenthatt be- willigen können, bei„nationalen' Gutsbesitzern sich den Ferien- aufenthalt gegen mäßige Arbeit erarbeiten können. Wir hoben der Bewegung stets mit Vorsicht gegenüber ge- standen. Wir wurden das Gefühl nicht los, als wenn es sich um eine Gründung handelt, die die Position der ländlichen Unter- nehmer gegenüber den Landarbeitern verbessern und nationall st is che Propagandaarbeit verrichten soll. Unsere Meinung wird jetzt durch«inen Brief erhärtet, in dem ein Artamane seine Ferienerlebnisse auf dem Lande schildert und den der„V o l k s b o t e' in Zeitz in Rr. 168 der Oeffentlichkeit zugänglich macht. Der Brief lautet: „Durch Vennittlung eines Rativnalsoziolisten wurde ich von dem Bund„Artam' zur Ferienarbeit auf ein Rittergut L. verschickt. Dos Fahrgeld mußte ich selbst bezahlen. Als Lohn sollte ich weiter nichts als die Verpflegung bekommen. In den letzten 14 Tagen sollte ich dann auf einem anderen Gut« gegen geringe Bezahlung arbeiten. Als ich Mittags ankam, mußt« ich bei strömendem Regen 1%' Stunden nach dem Rittergut L. laufen... Ohne Mittagbrot arbeitete ich bis um 18 Uhr. Ein Stück Brot mußte mir Mittagessen und Vesper ersetzen. Ich erwartete nun nach der ungewohnten Arbett«m trästige» Abendessen. Diese Erwartung war falsch. Ich weiß nicht, ob Wasserreis nach schwerer Arbeit ein entsprechendes Abend- cssen ist. Wir„aßen' uns„satt'. Die Schlafgelegenheit bestand aus primitivsten Holzpritschen. Eine Decke wurde als Unter- und Zudecke benutzt. Das Frühstück bestand aus w ä s s e r, g« n H a f« r f l o ck e n. Um 11 Uhr das Mittagessen. Wieder wässerige Hafer- flocken. Dieser göttliche Fraß kennzeichnete die traurigen Ver- Hältnisse auf dem Gute. Die Vorgesetzten markierten zwar am selben Tisch das Mitesscn, damit der Volksgemeinschaftsglaube nicht ins Wanken käme... Aber wir konnten feststellen, daß sie sich hinterher an einem Extratisch desto kräftiger entschädigten. Dort war von der uns gepredigten Fleischenthaltsamkeit nichts zu merken!' Die ArtamanenbeweMing wird hier als eine Einrichtung enthüllt, die«ine große Gefahr für die Jugend ist. Durch die Bewegung sollen ländlichen Unternehmern lediglich billige Arbeitskräfte besorgt werden. Vor» dem Bemühen,„ein junges, lebensstarkes Geschlecht' heranzuziehen, ist auch nicht im geringsten etwas zu merken. Die Jugend möge durch den Brief gewarnt sein. Sie möge sich hüten, sich von der Artamanen- bewegung«infangen zu lassen._ Kommunistische Propagandamethoden. Verrohung der Jugend. Unter dieser Losung marschierte das Berliner Proletariat am 1. August d. I. zu einer wuchtigen Demonstration im Friedrichshain auf. Zur selben Zeit gab der Kommunistische Jugend- o« r b a n d, Bezirk 11, eine an die Lehrlinge und Jugendlichen der Deutschen Reichsbahn gerichtete Betriebszeitung heraus, in der durch eine bildliche Darstellung eines Bajonett- angriff«? zum Eintritt in den„Rot Front" und zum Kampf für«ine bessere Lebenslage aufgefordert wird. Diese Methode gewissenloser und verbrecherischer Drahtzieher der Kommunisttschen Partei hat nicht nur bei den Lehrlingen und Jugendlichen im Reichsbahnbetrieb, sondern auch bei den volljährigen Arbeitern Ekel und Abscheu erweckt. Die kommunistisch ver- seuchten Jugendlichen ssnd vielleicht für ein neues„Stahlbad' reif. Die überwiegend im Einheitsverband der Eisenbahner organisierten Lehrlinge und Jugendlichen lehnen ein derartiges Doppelspiel ab._ Transportarbeiterstreik in der Niederlausih.. In Kottbus und einigen anderen Orten der Niederlausitz sind heute die Transportarbeiter in den Streik getreten. Von der Be wegung sind in erster Linie die Transpott- und Speditionsfirmen, die Kohlenhändler usw. betroffen. Einigung im oberschlesifchen Erzbergbau. Im Lohnstteit auf den oberschlesifchen Erzgruben kam unter dem Vorsitz des Senderschlichters Prof. Dr. Brahn ein« Vereinbarung dahingehend zustande, daß der Tariflohn für den Ortsheuer auf hohem Pfeiler auf 6,08 M. erhöht wird. Die Löhn« der übrigen Arbeitergruppen erhöhen sich entsprechend. «chtunfl. 95®.. Sttaßenbaba». Aochbahn». Omaibilss»! D> tag, rs� Ubr. im Dew-rischoflshaus. Engelufer 24—25, Saal I vonnera» _■..■■..... W>___________■____ JtM'- u tumsfibung sämtlicher fficnoffelt und Genossinnen der BVG. Wir er» C? warten das Erscheinen aller Genassen und Genossinnen! auch. Jvr trt Vngegelltcn haben Me Dslicht ju erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiei t. i' Der Kraltionsnorstard.>>W ZZd»FreieGewerkschaf111*111811 Jedes Jahr fahre ich einmal auf ein paar Tage in meine Hei�nat. Und immer, wenn der Zug sich meiner Vaterstadt nähert, sitze ich am Fenster meines Abteils und warte gespannt, bis Baum und Strauch den Blick freigeben auf das Städtchen. Und immer sucht dann mpin Blick zuerst die Türme der Iohanuiskirche. Dicht nebeneinander stehen sie, die Wahrzeichen der Stadt. Der eine mit spitzem Zuckerhut, der andere massig und stumpf, statt der Spitze das Türmerhäufl tragend. Dort oben habe ich schon gestanden als kleiner Bub, habe staunend den Blick schweifen lassen über die Dächer, Bäume. Wiesen und rzelder bis hinüber ins Gebirge, m dunstige, unbestimmt« Fernen. Habe unten die Menschen kriechen sehen, ameisenklein, und habe den alten Türmer beneidet um seinen luftigen Wohnsitz. Die Jahre vergingen: ich kam zur Schul«, und mein Schulweg führte mich täglich am Johannisturm vorbei. Wie oft habe ich da sehnsüchtig an dem alten Turm emporgeschaut und wäre am liebsten hinaufgeklettert, und doppelt hart dünkte mich dann die Schulbank. Aber wenn mir in der Schule, zu Haus« mal etwas schief ging, da schlich ich mich heimlich die Gasse lang, flitzte übern Marktplatz zur Kirche hinüber und hinauf gings, immer zwei. Stufen auf«nmal, hinauf auf den Turm. Da habe ich dann ganz stille auf der schmalen Bank am Türmerhaus gesessen, den Blick in die blaue Ferne. Und langsam, langsam fiel alles Quälende von mir ab, wurde kleiner und kleiner, und das verzagte. Herz faßt« neuen Mut. Und dann habe ich einmal in einer Silvesternacht mutterseelen- allein auf einem Turm gestanden, mitten im weißen Winterwald. Unter mir die verschneiten Wipfel, tief im Tale der Strom und drüben die Stadt, die meine zweite Heimat geworden war. Und über mir haben die Sterne geleuchtet in wahrhaft überirdischer Pracht. Von ferne schlug aus einmal die Uhr die Mitternacht, und wie feierlicher Orgclklong brausten die Glocken der Stadt herüber zu mir. Silvestergcläut, Jahreswende. Am Waldessaum standen zwei Rehe und lauschten mit mir hinaus in die Sternennocht. Manches ist mir da oben in der Stille der Winternacht eingegangen, was mir bisher ein Rätsel schien. Habe unter manches da oben still einen Strich gesetzt und manche Hoffnung ist mir dort unter den Sternen neu erstanden. nUd als die Glocken dann schwiegen, da stieg ein anderer Mensch die Stufen des Turmes hinunter. Einer, b«r mit sich im reinen und voll froher Zuversicht ins neue Jahr ging. Ich finde, die Menschen steigen viel zu selten auf die Türme, die sie sich selbst gebaut haben. Sie vergessen, doß schon in Turmes- höhe die Lüfte reiner werhen. Vielleicht lächelt mancher darüber und sagt, ist sei ein Träumer. Aber das schadet nichts. Oben auf dem Turm vergesse ich auch dos. 3£Pgerr: Solf eig hitiier der ftheke Wenn die in Europa frisch angeworbenen Fremdenlegionäre Frankreich verlassen, ist ihre letzte Station der Hafen Marseille. Hier wird Abschied gefeiert von Europa, mit Saufen und Krach. Und manchmal auch mit Tränen. Drüben liegt Afrika, liegt Algier, das Sklavenleben des modernen Landslnechts mit ollen feinen Ge- fahren. Hier ist noch zivilisiertes Leben in Marseille. Darum vor dem Abschied noch rasch einen Tag in seliger Besoffenheit verbracht: wer weiß, was in einigen Wochen geschehen ist. Die Legionäre tragen noch ihr Zivilzeug. Der«ine seine zer- fetzten Lumpen. So kam er, vom wütenden Biß des Hungers gepeinigt, in die Werbestelle gelaufen. Der ander« trägt einen schicken Cutaway und seine Schuhe. Das ist der kleine Angestellte, dessen Bücher nicht stimmen werden, wenn man sie zu Haufe durch- sieht. Und wieder ein anderer sitzt im reinlichen Sportanzug da an der Theke und leert ein Glas Wein nach dem anderen. Das ist der honette Bürgersohn, dem das Elternhaus in seiner engen Spießigkeit nicht genügte. Er will das freie Landsknechtleben kennen lernen, will„tapfer" sein, wie sein verbohrter Idealismus es ihm eben eingibt. Und alle, die hier mit wildem Singsang Abschied nehmen von Europa, sie alle ahnen nicht, was ihnen bevor- steht. Drüben in Sidi-Bcl-Abbes, in Oran, in Meknes. In den Garnisonen der Legion, in ganz Algier und Marokko ist der Fremdenlegionär der am wenigsten geachtete Mensch der Welt. Der letzte Lichtblick für sie ist die blonde Misse in der kleinen Soldatenkneipe von Marseille. Misse läuft ab und zu, füllt die Gläser und hat für jeden ein nettes Wort. Sie har Worte in allen Sprachen, nur nicht in Französisch. Das ist auch nicht notwendig bei den Legionären. Zudringlich darf keiner werden bei ihr, und es versucht auch niemand. Ich traf Misse einmal, als die Kneipe ganz leer war. Wir haben zusammen an einem Tisch gesessen und erzählt. Da hat sie Vertrauen gefaßt und mir ihre Geschichte erzählt, die ich hier wahrheitsgetreu berichten will. Die blonde Misse ist Dänin, chre Eltern sind wohlhabende Landwirte daheim. Als das Mädchen neunzehn Jahr« alt war, brannte sie mit einem reichen Schweden durch. Die beiden machten eine Weltreise und bliebn in Marseille hängen. Hier gestand der Schwede die nicht ganz einwandfreie Herkunft seines Reichtums und ging, weil cr sich nicht anders zu helfen wußte, in die Fremden- legion, wo cr nach einigen Monaten fiel. Miss« war allein in der fremden Stadt Sie fand Arbeit als Scrviermädchen in dieser kleinen Kneipe und schlug sich tapfer durch. Das erzählte sie mir mit viel Freimut. „Aber warum gehen Sie denn nicht zurück nach Dänemark?" fragte ich. „Das werde ich bald tun," sagte sie,„aber vier Monate muß ich noch warten. Dann kommt mein Freund aus der Legion zurück. Seine Dienstzeit ist um, und wir werden zusammen in seine Heimat gehen und von vorn anfangen." „Ist Ihr Freund auch ein Däne?' „Nein, ein Deutscher!" „Erzählen Sie mir doch etwas von ihm, bitte!" „Da ist nicht viel zu erzählen. Sie wissen doch, hier kommen sie alle durch, die nach drüben gehen. Es sind ja meist Düste Kerle. Nicht schlecht, nein, durchaus nicht. Aber innerlich haltlos, ohne Lebensmut, ohne Kraft und Saft. Einer war nial dabei, der saß so still ani Tisch da in der Ecke, wo Sie jetzt sitzen Er hat sich um nichts gekümmert, trank seinen Wein, rauchte und döst« vor sich hin. Ich wollte ihn etwas aufmuntern und begann ein kleines Gespräch. Natürlich war er ein Deutscher. Er sagte mir auch, daß er wegen einer unglücklichen Liebe in die Legion eingetreten wäre. Ein Mädchen hat ihn wohl mit einem anderen betrogen, es war eine ganz sentimentale Geschichte. Aber, ich weiß nicht, wie es kam, wir wurden gute Freunde, und als er am anderen Tage weg mußte, tat er mir weh. Wir schrieben uns und habe» ausgemacht, doß wir nach Beendigung seiner Dienstzeit zusammen in seine Heimat gehen und ein neues Leben beginne»." „Meinen Sic wirklich, Fräulein Misse, daß Ihr Freund es wert ist?" warf ich skeptisch ein. Da stand das kleine Mädchen auf, ihr« Gestalt wurde fönnlich größer, als si« mir ohne jedes Pathos doch mit innerlicher Wärme in der Stimme sprach: „Sie werden mich nicht umstimmen können. Fünf Jahr« fast habe ich auf ihn gewartet und glaube an ihn. Ich bin froh, einen 1 Menschen gefunden zu haben, um den es sich lohnt. Ich liebe ihn." Das war die Red« des dänischen Serviermddchens Misse in de i verräucherten Soidalenkneipe in Marseille. Man sollte es n' > glauben, eine Solveig hinter der Theke. Groß-Berliner parieinachrichien. 2. Stielt Ticroartso. Achtun». Stcismitalieict! Internationale» Aden�spor!. feft des Sportnerein» Moabit an> Donnersta», de« S. Auaust, 19>4 Ubr. aus dem Eportplaii Tikraarten. Lettland— Berlin. Die Mitglieder werden gebeten, diese Veranstaltung>u besuchen und die lettlindischen Genoss«» jiu begrllßen. S. Krei» ltrexitber». Achtung! Die ,u beut« vargeseben» Sidun» der Ab- und Spartfest am IS. August in Abwesenbeit de» Genossen Michel mit dem Genossen Otto Sennin». Salense«. Barnstedter Str. S. ab. Abrech. nun» ersplgt sofort nach dem �«st. Heute. Dienstag, S. August. SO.«dt. SchbacbeTg. 20 Ufte I-unkti-nIrstdung bei sstrlich. Begas Ik. 1. Morgen, Mittwoch, 7. August. >barl»tt»»ti»v. dl. Abt. 20 Ubr �unktiondrststung bei Lebmann. SSnigs. weg 8.—»0. Abt. 20 Uhr Versammlung im Zianlehau«. Sibu»g«wuner. Referentin Genossin öchenkalowsti spricht stber:»Unsere kommunalpolitisch, 02. Abt. StegNK. 20 Ubr stvnktionlrststung bat Schellbas». Abornstr. 17. St. Abt. Laaks, 2. 20 Ubr bei Lebmann, staiser-Wilbelm-Strab«. ssunktionlr. für unseren per. por dem anntt statt. _______________________ Soffmann, liron. __________ Tbema:„Verkebrefragen in Grob-Verlin". Sobeaaeaendors. Mitoliederoersammlung im Lokal Isstng, Babnbossbotel. 1. Vortrag. 2. Partei-—'------' t«. Uhr otmetr ißstrahe. Thema:„V«rk«l>r»fragen dcroersammlun» im Lokal Zssti tei- und Demelndeangelegenheiten. 8. Verschiebenea. Erscheinen aller Mitglieder Ist Pflicht. Freunde und Anhiinger find prinsen» Ecke Edelweiß ars. Mitali«' ist eingeladen. • III.«bt. Bob-sdars. Mitgliedernersammlung in Gemeinschaft mit dem Reichs. danner am Donnerstag, s. August, 20 Uhr. bei Leimann, Baltersdorfer Straß« 100. Bekanntgab« wichtiger Mitteilungen»ur Berfassungsfeier. Frauenveranstaltung. 28. strei» Reiaickendorf(Agitatisa»ab Arbeiterwohlfabrtl. Leute, Dienstag. 8. August, 20 Uhr, Funktionär, nnensihung in Tegel, Schöneberger Str. 8. Jede Abteilung muß vertreten fein. Zungsozialistisch« Vereinigung. Grapp««empelbaf-Rariendarf. Seute, Dienstag, 20 Uhr, Im Jugendbeim, Li»« um Tempelhof, Germaniastraß« f Eingang GSßstraße). Vortrag:»Rußland Eblna". Reseient: Genosse Felix Gruppe Lichtenberg. Jugendheim »unterstr. 44. Diskufssonsabend über da« Referat S- Seigewassers:„Die Rolle der Äommunistischen Partei in dar beut- schen Arbeiterbewegung". Diskufssonsleiter: S. Seigewasscr. Saft« herzlich ein- geladen. Arbeitsgemeins6)ast der Sinderfreunde. Kre», Pankow. Beachtet die Motorbootfahrt der Kindersreunde nach dem Seddinsee am Mittwoch, dem 7. August. Abfahrt Spittolmarkr. Llood. Wall» straß«öningstraße. Mitgliederver- Seim Lüttickier Str. 4. Mitglieder. W.>»WW>W«c. Ecke Turiner Straße. Mitglieder. Versammlung.— Arbciteäemeinschaft der Roten Kalken: Schul« Sonnenburaer Straße 20. Anti-Kriegsabend.— Arnowalder Plaß: Keim Rastenburger Ecke Wehlauer Straße. Vortrag:„Krieg dem Kriege".— S-lmholßplaß: Seim Danziaer Str. 62 fVarocke 2). Vortrag:„Arbeiterwohlfahrt".— Nordost: Seim Danziger Str. 82 fBaracke 8>. Vortrag:„Nie wieder Krieg".— WSrther Ploßi Keim Kastanienalle« 82. Anti-Kriegsfeier.— Saienbeide: Seim Wasser. torstr. 9. Ritgliederuersammlun».— Süden: Seim Porckstr. El. Mitglieder- ««rsammluna.— SchZocberq l: Seim Sauptstr. 15. Bericht von der Ferien. fahrt.— Schön, berg III: Seim Lauvtstr. 15. Vortrag:„Die Parteien in Frankreich".— Schönebcrg IV fRote Falken): Seim Sauvtstr. 15 siüngere). Fahrtausrüstüng.— Eharlottenbnrg.Rord: Seim Olbersstraße. Funktionär» sißung Im Seim.— Stegliß: Seim Albrechstr. 47«. Mitgliederversammlung. — fsehlendors: Seim Nordschule. Potsdamer Str. 5—7. Svort und Sviel.— Brlß I and Iii Selm Ehaussecstr. 48. Gemeinsamer Seimabcnd.— Renkölln 1: Seim Vergstr. 29. Mitgliederversammlung.— Reuliilla U: Seim Bergstr. 29. Vortrag:„Christentum und Sozialismus.— Neukölln IN: Flugbafenstr. 68. G IGNinuten-Resevat«.— ReakZlla IV: Seim Treptower Str. 95—06. Vavtrag: „Wir und die Verfassung".— ReukZlla V: Seim Böhmische Str. 1—4, F. 2. Mitgliederversammlung.— Neukölln VI: Seim Treptower Str. 95— 96. Bor. trag:„Bub und Mädel".— Neuköllu VII: Schule Kaiser-Friedrich-Real- gnmnoiium. Mitgliederversaimnlung und Vortrag:„Was wir wollen".— Neulölla VIH: L-im Bergstr. 29, Zimmer 1. Migliederverfammlung und Licht- ' Seim Roonltraße tTurn- .... Seim Bahnhofstr. 15. Vor. ...____________ irschönbaasen: Schul« Blanken» burger Str. 71—70. Mitgliederversammlung.— Pankow N: Seim Görsch- straß« 14. Mitgliederversammwng. Vortrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-RoNtSold". «eschiittsstell»: Berlin£ 14. Sebastianstr. 37/38, So' 2 Tr. Dienetag. t. August. Kreta Süden(Ortevereine Kreuzberg. Temvel- Hof, Neukölln, Treptow). 1914 Uhr pünklich Antreten Laussßer Blaß lNöh« Görlißer Bahnhoi). Umzug nebst Brotesttundgebung gegen den Ueberfall auf unseren Kameraden Kluqe. Alle übrigen Ortsvereine werden um Beteiligung gebeten.— Mittwoch, 7. August. Krenziera. Zug 8. 20 Uhr wichtige Versammlung bei Adam, Lübbener Str. 80. Friedrichebaln. ftarnc. radschaft Warschau. 1914 Uhr Kameiadschaftsversammlung bei Sans Sahn, Simon-Dach-Str. 9. Tagesordnung:„Arbeits- und Diensteinteilung»ur Ber. fassungsfeier. Sämtlich« aktiv« und passiv« Kameraden baden zu erscheinen. — Donnerstag, 8. August. Kreuz berg. Jugend I. 29 Uhr Jugendheim Borck- straße 11 zur Diensteinteilung. sin Bundeskleidung). Wassersportabteilung Tegel. 2014 Uhr Zusammenstellung der Reibensolae des Schlepvzuges zur Aus. sabrt nach Trevtow. Tiergarten. Fahnenuerkauf bei Kamerod Rickert, Stein» meßstr. 86-, ist von allen Kameraden zu benußen, im Bekanntenkreis bekannt. zi mochen. Eharlottenburg.«ameradfäiaft Rathaus. Versammlung bei Gerlach. Spreestr. 12. Einteilung zur Berfassungsfeier. Erscheinen Bllicht. Neukölln- Briß. 4. Kameradschaft. 20 Uhr Tressen aller sür den Verfassungstag besonders eingeteilten Kameroden im Buschkrug, Rudow« Ecke Sväthstraße. Kr«uzb:rg. Zug 1. Mittwoch. 7. August, 20 Uhr, leßte Zugversammlung vor der Ber. fassungsfeier. Alle Kameraden müssen erscheinen.— Tempclhos sOrtsverein). Die für Dienstag. 6. August, ang-seßte Dolloersammlung findet wegen der Protestkundgebung nicht statt. Dafür Antreten 1814 Uhr Bahnhof Tempelhos mit Fahnen und Mussk. Nachzügler 1914 Uhr Laussßer Plaß.— Reukölln-Briß. Der Kamerad Friß Borchardt von ber ersten Kameradschaft ist vlößlich ver. starben. Einäscherung Dienstag. 6. August. 1714 Uhr, Krema'orium Wilmas- dorf. Berliner Str. IIS fRähe Fehrbelliner Plaß). Rege Beteiligung erwiinicht. — Prenzlauer Berg. Kamerodsckxrft Seneselderplaß. Mittwoch. 7. August. 20 Uhr. bei Seile», Bersammlun« iVersassungsfeier).— Friedrtchshain. Käme. radfchast Franksurt. Mittwoch, 7. August, 20 Uhr, Kameradschastsssßung. Pros. käucr Ecke Rigaer Straß«. Einteilung des Dienstes zur Berfassungsfeier.— Marineabteilung. Dienstag, 8. August, 20 Uhr, Appell, Tegel, llferstr. 1. Erscheinen Pflicht._ Arbeiter-Radio-Baad Deutschland. Gruppe Stralau. Donnersta», 8. August. 20 Uhr, Mitgliederversammlung. Kohenlohestr.». Thema:„Sttlln*. Ausverkauf Dittmar-Möbel wertvollste Formen zu herabgesetzten Preisen ........... MottanmarM 8 All» iisklllllc tider Veröttentüöiunsen Her Presse aus den einschlägigen Gebieten, ■wie Internationale Politik, Politik des Deutschen Reiches, der Länder und Gemeinden, Partei- poiitid, Rechtspflege, Kulturpolitik, IrauSube-wegung, Handel, Industrie, Handwerk und Gewerbe, Bodenpolitik, Finanzwesen, Verkehrswesen, ZoU- weeen, Sozialpolitik, Versicherungswesen usw. erteilt das ZeM-Ardiiv iiir Piiliiki.WirlseaIt MüaöißD. LMsM 17a Telephon 88480 « 8'/, Uhr Harb. 0206 lOflSf. H Fratellini««W. 9u. 8" SO«!)!. 2. 5 8 B" Alex. e.4. 0066 INTERNAT. VARIETE �»aaaaaaaosa�—— ai Sommer-Gaiten-Theatar Berliner Prater N 58, Kaat-Aliea 7-9. Tel. Hb. 22« Baitultl fiuitsl Eeir. Grete) Iiileo Di« ioisesa« Witwe Operette von Franz Lehär Dura der grast« VartetStetL Anfang Konzert 4.30. Burleske u Variet« B Bin. Qpcrellc 8.80. ItBen Donncnisc großer Volkttaa. jed. Mittw. Rinderlesi a. Verlosnog, »••(«••»«•ee# Kose- Theater. GrosteFranlrfnrierUr.tSZ. Vom« bU 8. Augcut, tigl. AIS Uhr: aEwtflUcaBusenafl Schauspiel in 3 Akten von BraooFnißk. OarteBbObne Rheinlschas Winzerlest Taax Im Freien tob 4 Uhr aa Riesanfauerwerk Erelklaaslge» Varie« 8.15 Uhr .Bis frOh um f0nfeM mit der Musik von Paul Linke. VAU*# GesundheiFspfeife &&*£ SdPiont Herz und Ijunae UnbedenkUlaudiBnUlntlicbemofsMea] Metropol-Th. TtgLBViUht Sonntags 4 u. 8V« Biauban Opereue von Orlenbach Kammersänger Vsller Klrcbboff Planeuuinni i am Zoo Virün. Jndumlliaie Straß B.5 Barbares$a357S IbViUhr StemWWet des Sameier« ISVjU. Van Per zu Per tei Steneehlmmel 20V, Uhr Der Glattall der ßeune Tiel. auler Montags u. dilttw. Crwachs. I Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Brwaehsgn« 50 PK Kinder 2i Pf DeolidiH Tüeater D.i. Norden 12310 8U.. Ende gegen II Die FledermaDS Musik r.Joh. StrauB. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W, Korngoid. Ausstattg. L. Kainer Die Komödie Jl BI»mck.2414A516 8 U.. Ende geg. 10 U. Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie; Leomlne Sagan Kamddlenhaus Nörden 6304 Täglich 8V» Uhr Hodueitirelie Tbeai. �Westens Täglich»U Uhr Sonniag 4 u. 8';. Frans Lchars Welterfolg I Friederike Carola Willy ThunlA Telephon Steinplatz u43l u. 5121 LuslsptBlbaas Täglich gv> Uhr Du wirst mich heiraten I Rundfunkhörer halbe Preiso TtgaLim XoiiD.Tot Kottb. Str. 6 Tigl.BUhr Elite- Sänger Die August- Sensation Strip pke'« ha 4er Winrer ★ Garren* B vor» luir. isis» BaadMfl sninki Bestes internationales Variete CASINO-THEATER Lothringer Strasta»7._ Ufleder-ErOttnung Freitag, den l&Attgost 8V«Ubr mit dem neuen Schlager Wem gebOrf mein Uannl u. einem erstkl. bunten Programm Reichshallen-Theeter AlUttadUrh 0 Uhr. j stettiner Singer g3 mn dar Beize zurück. HJ dJBDas wundervolle Progr.l Dönhoff- Brettl: 'Ol«l(Saal und Garten)