Morgenausgabe Ar. 365 A 184 46.Iahrgang ffi4d)»nffliJ)«PI. mouittllch SM VL un oorou» joljlbot. Pollbezug«LZ PL etnlchließlich 60 Llg-Poftzettung»- uni 12 Big. Poslb«llellgedül>r«n Lusland» «bonn-m«nl S.— M. pro SRonat Cet.Bonoarn* erltfinm woch«nt6g- »ch Jiotimal, Sonntogs und Monlug, einmal, dl« Adendausgaden für Berlin und im fjandei mii dem Tilel.Der Abend' glluftrien» Beilagen.Volk und Zelt' und.Kinderfreund'. Ferner .Unrerhallung und Willen'..Frauenstimme".Technik'.Blick in die BüchenneU' und.Jugend-Borwärts' Berliner VoltSvlatt Mittwoch 7. August 1929 Groß-Berlin 10 Pf- Auswärts 15 pt. vte 1 1 n f p o 1 1 1 g t NonpareMeze», §0 Pfennig. Reklame;eile S— Reich». mare.„Kletne Anzeigea� da» iettge. deuttt» Wort 25 Pfennig(zulässig zwet fettgedruckte Worte), jedes wettere Won 12 Pfennig. Stellengeluch, da» erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort Ii) Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Ardeitsmortt Zeile 66 Pfennig. Familienanzeigen Zeil» 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» «elchäft Lindenslraße 3. wochentäglich von SV, bis 17 Uhr. Äentvawega« der SoziatdemoSratischen zsavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Frrnspiechrr: Dönbost 292—297 Teligraimn-Adr.l Sozialdrmotra» Berlw Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin Z75SK.— Bankkonto: Bant der Arbeiter, Sugiftrllten und Beamten Wallstr. KS. Dtstonto-Geiellschasl. Depositenkaste Lindenstr d Scharfe Rede Snowdens im Haag. Große Erregung der Franzosen.— Sie sehen die Konferenz gefährdet. V. Zeil. Haag, 6. August.(Eigenbericht.) In der am Nachmittag nicht öffentlich fortgesetzten Plenarsitzung wurde zunächst der belgische Ministerpräsident I a s p a r zum Tagesvorsttzenden gewählt. Sodann wurde das gemeinsame Sekretariat der Konferenz bestimmt, und der Engländer Sir Maurice hankey, der bereits dos gleiche Amt. bei der Londoner Rcparationskonferenz vor fünf Jahren ausgeübt Hot, zum Generalsekretär gewählt. Dann wurde grundsätzlich die Einsetzung zweier Kommissionen, einer finanziellen und einer politischen, beschlossen, welche allerdings ihre Tätigkeit erst nach Abschluß der Generaldebatte beginnen sollen. All dos war berests am Montag vereinbart worden. Darauf wurde die Generaldebatte zum Doung.Plan durch eine einstündige Rede des englischen Schatzkanzlers Philipp S n o w d e n eröffnet, welche, obwohl inhaltlich nicht unerwartet. der ganzen Konferenz von vornherein einen etwas sensationellen und sogar kritischen Charakter verlieh. Snowden entwickelte nämlich auss neue den Standpunkt der englischen Arbeiterregierung zum ?1oung-Plon, ähnlich wie bereits im Unterhaus, das heißt er griff verschiedene Bestimmungen des Doung-Planes heftig an, besonders die Abänderung des Berteilungsschlüsfels von Spa zum Schaden Englands und zugunsten Frankreichs, Italiens und der sonstigen Gläubiger, ebenso die Bestimmungen über die Sach- l e'i st ü n g e n, über die internationale Reparationsbant usw. Das alles war zwar allgemein erwartet worden, nur überraschte die Rede durch ihre unerwarkeke Schärfe. Snowden bezeichnete den Doung-Plan als ein„unhaltbares und ziemlich widerspruchvolles Dokument". Er rückte mit verblüffender Unzweideutigkeit von den englischen Sachverständigen in Paris ab, wobei er betonte, daß sie weder Regierungsvertreter gewesen seien, noch den Instruktionen des britischen Kabinetts unterworfen. Er berief sich auch auf feinen Vorgänger Churchill, der vor dem Zu- fammcntritt der Pariser Konserenz gesagt hatte, daß die englische Regierung nicht verpflichtet sein würde, das Ergebnis der Pariser Beratungen sich zu eigen zu machen. Mit der höhe der deutschen Annuitäten erklärte sich Snowden einverstanden, zumal er mehrmals betonte, daß er überzeugt sei, daß diese Jahresleistungen die deutsche Leistungsfähigkeit nicht Ü b e r st i e g e n. Er sehe die Schwierigkeiten nicht in der Durch- brechung der Summe durch Deutschland, sondern eher in der Transferierung dieser Summe. England begrüße ferner die Abschaffung der Reparation»- tontrolle über Deutschland. Snowden erklärte weiter, daß die finanziellen Sicherheiten des Doung-Planes eine Abkehr vom Versailler Vertrag voraussetzen, da die Sicherheiten aus den Steuereinnahmen Deutsch- lands beruhen. Snowden sagte, manche Sachvcrständigc hätten die Meinung geäußert, daß die deutschen Eisenbahneinnahmen, die die gleichen seien wie die ungeschützten Annuitäten unter dem Young. plan, nämlich in höhe von K60 Millionen Mark, eine Sicherheit und eine Garantie für diese ungeschützten Annuitäten bieten. Er fuhr fort: Das ist nicht die britische Aufsassung. Es gibt nach dem Voung-Plan nur wenige Sicherheiten im Falle eine» deutschen Ber- zuges, von dem ich hoffe, daß er niemals eintreten wird, und ich begrüße die Tatsache, daß Sanktionen aus dem Ioung plan verschwunden sind. Snowden besprach dann die internationale Reparalions- b a n k und erklärte, daß nach dem Vorschlag der Sachverständigen diese Bank Funktionen ausüben würde, die weil über die eines Eiearing-Hauses hinausgingen. Daher müßte das Statut und müßten die Aufgaben dieser Bank noch sehr sorgfältig ge. prüft werden. Sodann ging Snowden aus die speziellen britischen Einwände gegen den Doung-Plan über und erklärle, daß er mit der Gesamtsumme der Reparationen, die der Young-Plon voraussetze, »inverstanden sei, daß aber die britische Regierung Einspruch er- hebe gegen die Teilung der Gesamtsumme in zwei Kategorien von geschützten und-ungeschützten Zahlungen. Während die hinausschiebbaren Iahreszahlungen'allen Nationen zugute kämen, gäbe es auch ungeschützte Teile, die kommerzialisierbar und mobilisierbar wären und daher größer« Garantien als die geschützten Zahlungen bieten. Großbritannien erhebt Einspruch gegen diese Teilung, hei der Frankreich fünf Sechstel der ungeschützten Iohreszah. lungen erhalle und Italien nahezu 2 Millionen Pfund Sterling mehr als nach dem bisherigen Dawes-Plan. Snowden bat, man möge ihm seine Offenheil, verzechen, aber « müsse feierlich erklären, daß diese Teilung der Reparation| höchstem Grade unhaltbar" sei. Die Sachverständigen hätten keinerlei Versuch gemacht, diese Teilung zu begründen und zu recht- fertigen. Die britische Regierung legt die allergrößte Bedeutung den vorgeschlagenen Aendcrungen in der Berteilung der Jahreszahlungen unter die Gläubiger, so wie sie im Voung-Plan unter Abände- rung derbisherigen Vereinbarungen vorgesehen seien, bei. Leider hätten diese Aenderungen gewisien Ländern Nachteile gebracht und an- deren Ländern Vorteile. Großbritannien wird einer der Haupt- leidtragenden dieser vorgeschlagenen Aenderungen im Ber- teilungsschlüstel sein, ebenso einige der kleineren Staaten. Das ist sehr bedauerlich: denn gerade diese tleineren Länder ,di« jetzt ersucht werden, von ihren Prozentsätzen etwas zu opfern, waren auf der Poriser Konferenz nicht vertreten. Es ist das erstemal, daß diese Anregung, den Berteilungs- schlüssel von Spa 1926 zu ändern, überhaupt gemacht wurde. Der Dawes-Plan hat diese Frage überhaupt nicht ausgeworfen, und die Pariser Sachverständigen waren niemals ermächtigt worden, in dieses VerteilungsschlüsselabkSmmen einzugreifen. Snowden erklärt«, die Folge würde sein, daß gewisien Staaten, die von den ungeschützten Teilen der Iahreszahlungen nichts er- hielten, ihr Prozentsatz stark beschnitten würde. Unter dem vorgeschlagenen Zoong-Plan würde England 4K Millionen Mark jährlich weniger erhallen. dagegen würde Frankreich, außer der Tatsach«, daß es vier Fünftel des ungeschützten Teiles der Annuitäten bekäme, 10 700 000 Mark mehr erhallen, Italien 36 800 000 Mark, Belgien 12 200 000 Mark, Japan, Jugoslawien, Griechenland, Rumänien und die Ber- einigten Staaten würden sämtlich ihre kleinen Summen dabei ver- lieren. England hat, fuhr Snowden fort, den Bereinigten Staaten 81 Millionen Pfund bezahlt, das sind mit den kapitalisierten Inter- esien jetzt 200 Millionen, bevor es irgendwelche Zahlungen von seinen Schuldnern erhalten habe. Es ist ausgerechnet worden, daß, wenn der Schlüssel des Doung-Planes beschlossen wird, Groß- britannien gerade seine baren Schulden an die Bereinigten Staaten gedeckt sehen wird. Aber wir müssen bemerken, daß der Voung-Plan in keiner Weise für die Rückstände von 200 Millionen Pfund Sterling etwas vorgesehen hat, die Eiegland gemäß der Balfour-Rot« geschuldet werden. England legt die größte Bedeutung den Sachleistungen bei und werde auf diese Frag« noch später zurückkommen. Unsere Handelsbeziehungen zu Deutschland sind sehr freund- schastlich und ich hoffe, daß sie es noch lange bleiben werden. Aber wir sind nun einmal. Konkurrenten auf dem Weltmarkt. Daher ist für uns die Frage der Sachleistungen von größter Be- deutung. Ich bitte abermals um Entschuldigung für meine offene Sprache in bezug auf die Berteilung der Annuitäten. Das Unter- haus wird niemals weiteren britischen Opfern in dieser Frage zustimmen. Es gibt unter den Parteien Englands keine Meinungs- differenzen in dieser Frage. Alle englischen parleien haben unserer ErNSrung zugestimmt. daß wir bereit sind, alle internationalen Schulden und Repa- rationen restlos zn streichen. Di« Balfour-Not« hatte dies versprochen. Dies war auch enthatten in einer Erklärung der Arbeiterpartei, lange bevor wir die Re» gierungsmacht übernahmen. Hber solang« Reparationen bezahll und erhalten werden, so lange Schulden zu bezahlen sind, wird England, und zwar jede englisch« Regierung darauf bestehen müssen, daß Eng- land in diesem Punkte fair behandelt wird. Snowden wünscht der Haager Konferenz vollen Erfolg, aber er sagte, es würde kein dauerndes Abkommen geschlosien werden können, wenn es Miß- stimmung hinterlasse. Wir können unsere nationalen Interessen nicht weiter opfern, als das bereits geschehen ist. Snowdens Rede wurde auf besonderen Wunsch Stresemanns angesichts ihrer Bedeutung nicht nur ins Französisch«, sondern auch ins Deutsche übersetzt. Es ist kein Zweifel daran, daß die Rede Snowdens die Fran- zosen schwer verstimmt hat, ebenso die Italiener und Belgier. Zu- gunsten des neuen Vertellungsschlüstels besteht eine französisch- italienilch-belgische Einheitsfront, während die übrigen kleineren Gläubiger durch den Vorstoß Snowdens stark ermuntert sein dürsten. In offiziellen sranzästschen Kreisen begnügt man sich einstweilen mit dem Hinweis daraus, daß der«nglsich« Standpunkt bereits bekannt war. Indesier. dürfte der französische widerstand gegen die englische Ossensiv« sehr energisch einsetzen, und zwar erwartet man schon in der morgigen Sitzung eine Antwort durch B r i a n d oder durch den Finanzminister Chiron: er beherrscht zwar die Finanzmaterie weit bester und soll ein sehr geschickter Fi- nanzdebatter sein, aber angesichts der größeren moralischen Azitorüät Briand» in der Well dürfte dieser die Aufgabe über« I nehme«. Die Franzosen weisen darauf hin, daß, wenn erst am Ber- teilungsschlüstel etwas geändert würde, der ganz« Aufbau des Doung-Planes ins Rutschen geriete. Dann würde die ganze Po- riser Arbeit von neuem beginnen und die Haager Konferenz würde viele Wochen dauern, wobei die härtesten und aufregendsten Kämpfe und sogar ein negativer Ausgang zu befürchten feien. Es bestände auch die Gefahr, daß im Lauf« einer Neuaufrollung der gesamten Materie unter Umständen auch die Höhe der deutschen Jahres- Zahlungen wieder in Frage gestellt würde. Auf deutscher Seite betrachtet man die Lage wesentlich ruhiger. Man weist darauf hin, daß letzten Endes die Summ«, um die sich England durch den neuen Verteilungsschlüssel geschädigt fühlt, nur 48 ZNilllonen Mark jährlich betrage, was bei einer Gesamthöhe des englischen Iahresetats von 18 Milliarden Mark doch nicht lehr erheblich ins Gewicht falle. Na- türlich verhält sich Deutschland in diesem Streit der Gläubiger einst- weilen sehr zurückhaltend und neutral. Aber man ist an der weiteren Entwicklung nicht uninteressiert. Zum mindesten ist eine lange Dauer der Generaldebatte zu erwarten, wodurch die Einsetzung der Konnnissionen und damit die Erörterung des Räumungspra- gramms eine unliebsame Verzögerung erfahren könnte. Oer Eindruck von Stresemanns Rede. pari», 6. August. Zu der Rede, die Reichsminister des Aeußeren Dr. Stresemann heute vormittag in der Eröffnungssitzung der Haager Konserenz ge- halten hat. schreibt der Sonderberichterstatter der„Information" Fernand de Brinon, Stresemann hat der Konferenz eiq ver- führerisches, umfangreiches Programm vorgezeich- net. Bekanntlich pflegen die Deutschen Weitblick zu zeigen. Einer ihrer Lieblingsgedanken ist der Zollverein. Briand wird es gewiß nicht an gutem Willen fehlen lasten, um dieses Werk in An- griff zu nehmen, aber es ist für den Erfolg der Haager Konferenz vielleicht vorteilhafter, die großen Pläne erst nach er- folgter Verständigung über den anderen Verhandlungs- gegenständ zu prüfen. Großer Abendempfang. Haag, 0. August. Heute abend, 9>Z Uhr, fand in dem historischen Rittersaal ein Empfang für die Delegierten und geladene» Pressevertreter statt. den die niederländische Regierung veranstaltete. Der Empfang nahm«inen glänzenden Verlauf. Außenminister Belaerts van B l o k l a n d und fein« Gattin empfingen in dein festlich ausgestatteten und durch seine historische Bedeutung bekannten Rittersaal die sämtlichen an der Konferenz teilnehmenden delegierten Mitglieder der holländischen Regierung, Kammern und Behörden und ein« Anzahl geladener Pressevertreter aus allen Ländern. Der Saal, der während der früheren Friedenskoirferenz wlederholt be- nutzt wurde, ist ein klassisches Gebäude aus dein Mittelalter, von dem Teile auf das Jahr 1217 zurückgehen. Balkanische Grenzkonflikte Oenkschrist der bulgarische»» Sozialisten andieInternationale Von Hermann Wendel Da die steten Reibungen an der Grenze-�wifchen Süd- s l a w i e n und Bulgarien immer bedenklichere Rauch- molken aufsteigen ließen, entschloß sich die sozialistische Fraktion der Sofioter Sobranje zu einer Untersuchung an Ort und Stelle. Vom 3. bis 6. Juli bereisten vier ihrer Mitglieder, darunter die Parteiführer P a st u ch o f f und Tscheschmedschjew, natürlich nur auf bulgarischer Seite, den Grenzstreifen von Trn im Norden bis Petritsch im Süden. Niederschlag ihrer Beobachtungen und Erfahrungen ist eine Denkschrift, die die bulgarische Sozialdemokratie am 18. Juli dem Intern ationalen Soziali st ischen Bureau in Zürich überreicht hat. Ausgehend von der Tatsache, daß der Frieden von Neuilly aus„strategischen Gründen" 2446 Quadratkilometer Land mit rein b u l g a- rischer Bevölkerung Südslawien zugeteilt hat, tut das Schriftstück dar, wie rücksichtslos und Verhängnis- voll die neue Grenze gezogen sei. Zum Teil schneidet sie Dörfer mitten durch, so daß die Kirche hüben, die Schule drüben liegt, zum andern Teil reißt sie in vielen Fällen Acker- land, das ein und demselben Bauern gehört, in zwei Fetzen, daß der Besitzer bei der Feldbestellung von einem Staat in den andern hinüberzuwechseln hat! Mußte solche Regelung in ruhigen Zeiten Unzuträglichkeiten heraufbeschwören, so ist die wirtschaftliche Lage der Grenzbevölkerung durch die von Belgrad oerfügte Grenzsperre und das schonungs- lose Vorgehen der Grenzwachen des SHS.-Staates geradezu verzweifelt geworden. Das Memorandum hebt hervor, daß » den leßten Monaten über hundert bulgarische Grenzbewohner, friedliche Leute, die nur ihrer Arbeit nachgehen wollten, niederg es chossen worden seien, und hält nicht mit dem Argwohn zurück, daß das Diktaturregime Schiwkowitsch einen Konflikt mit dem Nachbarstaat suche, um von den inneren Schwierigkeiten abzulenken. Da die Frage nicht von lokaler Bedeutung sei, sondern die ernste Aufmerksamkeit des auf Frieden bedachten und demokratisch gesinnten Europa heische, mündet die Denkschrift in der For- derung einmal einer unparteiischen internationalen Untersuchung der unhaltbaren Grenzzustände, dann einer internationalen sozialistischen Aktion, damit den besiegten Völkern ihr Recht werde. « In der Geschichte der sozialistischen Bewegung begibt es sich selten, daß die Sozialdemokratie eines Landes der Regie- rung eines anderen Landes die volle Schuld für«inen zwischenstaatlichen Konflikt zuschiebt, ohne die eigene Re- gierung auch nur mit einem Wörtchen des Tadels zu be- denken. Aber da die bulgarischen Sozialisten sich ihker Ver antwortung vor der Internationale bewußt sind, wird man ihren Appell an die europäische Oeffentlichteit um so ernster nehmen müssen, als sich seit Absendung des Schriftstücks die Spannung zwischen Sofia und Belgrad aber- mals o e r s ch ä r f t hat. In der Hauptsache wohl, um feine Stellung im Innern durch Unterstützung der beiden national- liberalen Fraktionen zu kräftigen, hat der bulgarische Mi- nisterpräsident L j a p t s ch e w im Parlament die Amnestie- rung einer Reihe vom Staatsgerichtshof in ihrer Abwesen heit verurteilter„Kriegsverbrecher" durchgesetzt: 97 Abge ordnete stimmten allerdings gegen den Gesetzentwurf. Daß sich unter den Amnestierten an erster Stelle der frühere Ministerpräsident Radoslawow befindet, der 1915 im Sold der Mittelmächte Bulgarien in den Krieg gegen Serbien hineinriß, mehr noch, daß unter den Begnadigten auch der einstige Generalissimus S ch e k o f f nicht fehlt, auf dessen Befehl unter der Zivilbevölkerung des besetzten Serbien wahre Blutbäder angerichtet wurden, hat in Belgrad Entrüstung erregt. Aber mehr als um Gefühlswallungen handelt es sich dabei um ein Politikum. Das große Schreckgespenst für olle Nachfolgestaaten heißt Restauration. Die Furcht vor der Restauration der Habsburger in Ungarn schmiedete die Kleine Entente zu- sammen, und die Sorge, daß dem zurückkehrenden Diener der noch verbannte Herr, dem ErMinisterpräsidenten Radoslawow der Exkönig Ferdinand auf dem Fuße folgen könne, also die Furcht vor einer Restauration des„koburgifchen Regimes" in Sofia, stand der Protestnote Pate, die der südslawische Ge- sandte der bulgarischen Regierung übergab. Aber erscheint das trotz ablehnender Antwort Sofias und neuer Erbitterung Belgrads am Ende nur als Zwischen- spiel, so legt die Denkschrift der bulgarischen Sozialisten den Finger in die Wunde: es ist die unglückliche Grenzziehung zwischen beiden Nachbarstaaten, es ist im weiteren Sinne die mazedonische Frag«. Denn so. daß die serbischen Grenzposten zum Vergnügen bulgarische Grenzbewohner ab- schössen, wie man cm der italienischen Riviera Tauben aus der Lust knallt, ist es nun doch nicht. Vielmehr gleichen die bulgarischen Grenzbezirke Hummelnestern, aus denen immer wieder die„Mazedonifierenden" ausfliegen, um durch Sticke die Gewalthaber in dem zum SHS.-Staat ge- schlagenen Mazedonien bis zur Tollwut zu reizen: als Dvojka oder Trojka, das ist: zu zweit oder zu dritt schleichen sie sich über die Grenze," um Eisenbahnbrücken zu sprengen, Bomben in Hotels zu werfen oder Träger des verhaßten Regimes, vom Gendarmen bis zum General,„umzulegen". Wer noch nicht wüßte, daß dies mazedonische Komitatschis find, was unsere„Völkischen" sein möchten, erführe es auf ihren inneren Streitigkeiten, in denen die verschiedenen Richtungen gegen- einander kein Blatt vor den Mund nehmen. Unlängst erst schrieb das Organ der P r o t o ge r i ste n, der Führer des anderen Flügels der Inneren Mazedonischen Revolutionären Organisation, der bei der Regierung sehr einflußreiche T) a n t s ch a M i h a j l o w, sei mit Blut besudelt, denn er arbeite mit Mordtaten gegen jeden, von dem ihm Gefahr für seine klägliche Führerschaft drohe: um die Spuren seiner Taten zu verwischen, lasse er auch die Verüber der von ihm befohlenen Verbrechen oerschwinden.. Das Blatt der bulga- rischen Faschisten wiederum,„Heimatschutz", deutete anklagend auf die„Mazedonifierenden", die im Kreise Petritsch einen Staat im Staate gegründet hätten und„mit Feuer, Schwert und Parabellumpistole" die Bevölkerung dieses un- glücklichen Flecks bulgarischer Erde in zitternder Furcht hielten: das Leben eines Menschen sei dort wohlfeiler als das eines Huhns. Trägt also die Belgrader Verwaltung an den verfahrenen Zuständen in Mazedonien ihr gerüttelt Maß Schuld, so lastet nicht mindere Schuld auf den berufsmäßigen Bandenkämpfern, von denen das sozialistische Organ in Mar- bürg an der Drau dieser Tage bemerkte, sie besäßen das historische Mandat,„den Balkan in Unruhe zu hasten, damit sie glimmende Lunte zum Pulverfaß nicht auslöscht". Ueber dieLösungderGrenzfrage besteht neuer Zwiesvalt zwischen beiden Nachbarn. In Belgrad fordert man Beseitigung des Grundeigentums, das auf beiden Seiten der Grenze liegt, und diesseits wie jenseits die Errichtung einer ly-Kilom'eter-Zone. in der sich außer den Staats- arganen nur die ortsansässige Bevölkerung aufhalten dürfe, Sofia dagegen schlägt die Schaffung eines Gürtels mit freiem Arenzverkehr vor. Darüber ist ein Notenwechsel im Gange, mündliche Verhandlungen stehen in Aussicht, aber im Hinter- grund lauert Mißtrauen hier und Mißtrauen dort. Nicht zuletzt entspringt dieses Mißtrauen dem Umstand, daß in Belgrad die Diktatur' offen, in Sofia verkappt am Ruder ist. Nur die wahre Demokratie aber, die in beiden Ländern schwach Ist und niedergedrückt wird, vermag den Weg zu rechter Lösung der Frage zu finden. Da der bulgarische Außenminister B u r o w vor wenigen Wochen in Madrid mit Recht betont«. Serben, Kroaten, Slowenen und Bulgaren seien ein und dasselbe Volk, lVgt Nr Fehler nicht darin, daß eine falsche, sondern daß überhaupt«ine Grenze gezogen wurde, und die logisck,« Loßn*-- die die mazedonische Frage aus der Welt schafft, b-ißt: Ver�nigung der Bulgaren mit den übrigen Siidslawen- liämmen unter einem Staatsdach. Kommt sie in absehbarer Zest nickt zustande, bleibt der auch für den Frieden Europas izfährliche Grenzkonflikt in Permanenz— als ein Feuer, an niemand anderes als der italienische Imperia- Iis mus seine Kastanien röstet. Arbeitgeber gegen Arbeitslose. Auch mii dem Gachverständigen-Vorschlag noch unzufrieden.— Gegen jede Beitragserhöhung. Die Borschläge der Sachverständigen zur Reform der Arbeitslosenversicherung sind von den Gewerkschaften scharf abgelehnt worden. Den Arbestgebern geht aber der geplante Abbau der Leistungen noch immer nicht west genug: Sie er- lassen eine Erklärung, in der es heißt: Der Dorschlag der Sachverständigen ist ein mil wechselnder Mehrheit zustande gekommener Kompromiß, der bei seiner Durchführung an Ersparnissen nur etwa 160 Millionen bringen würde und zum Ausgleich der laufenden Mindestbelastung der Reichsanstall nicht ausreicht. Die Sachverständigen haben eine b«. fristet« Beitragserhöhung von einem halben Prozent sowie die Inanspruchnahme weiterer Äredste für notwendig gehallem Die Arbeitgeberselle hat sowohl vor den Beratungen des Aus- schusses wie auch im Ausschuß selbst wiederHoll erklärt, daß ohne Verletzung berechtigter sozialer Interessen«in« Beitrags- «rhöhung zu vermeiden ist,, weim die auch von amtlicher Stelle anerkannten wesentlichen Fehlerquellen des Gesetzes sofort beseitigt würden. Dos Ergebnis der Arbeit der Sachverständigen trägt dieser Forderung nicht Rechnung. Wichtig« Vorschläge der Arbeitgeberseite, wie z. B- über die Heimarbeiterfrage, den Fortfall der Unterstützung bei eigenem Vermögen, sind im Ausschuß abgelehnt oder wie der Vorschlag über Verweige- rung der Arbeit wegen Nichtzumutbarkeit in einer Weis« oerändert worden, daß die hierin liegenden Ersparnismöglich- teilen nicht ausgenützt sind. Insbesondere ist der im Grundsatz begrüßenswerte Beschluß,«in angemessenes Verhältnis zwischen Unterstützung u'nd Beitrag herzustellen, seines ursprünglichen Sinnes zum größten Teil wieder entkleidet und in seiner finanziellen Auswirkung erheblich abgeschwächt worden, so daß mit seiner Durchführung nur 80 Millionen Mark erspart werden würden. Daher bringt dieser Beschlutz auch nicht die ursprünglich erhoffte Lösung des Saisonarbeiterproblems, die im übrigen auch durch einige weitere Sondervorschläge nicht erreicht worden ist. Der Mißstand, daß ein« bestimmte Arbeitergruppe regelmäßig und alljährlich auf Kosten der übrigen Bellragszohler das Vielfach« der von ihr eingezohllen Beiträge an Unterstützungen aus der Versicherung entnehmen kann, besteht nach wie vor. Di« Arbellgeberseite ist auch jetzt noch überzeugt, daß durch ein« sachgemäße, die sozialen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten berücksichtigend« Reform die Einnahmen und Ausgaben der Reichsanstalt ins Gleichgewicht gebracht werden können. Sie lehnt daher vor allem jede Erhöhung des Beitrages ab. um so mehr, als dies im schärfsten Widerspruch zu der wiederholt auch vom Reichsfinanz- minister anerkannten dringenden sstotwendigkell einer planmäßigen Entlastung der Wirtschaft steht. Die Absichten, die die Arbeitgeber verfolgen, werden durch diese Art der Kritik vollkommen klar. Ihnen geht es darum, eine industrielle Reservearmee zu schaffen, die einen ständigen Druck auf den Arbeitsmarkt ausübt und die im Fall von Lohnkämpfen die nötigen Streikbrecher- kontingente stellt. Zur Verwirklichung dieser Absicht müssen natürlich die Unterstützungen so tief wie möglich herab- gedrückt werden. Darum lehnen die Unternehmer auch die vorgeschlagene Beitragserhöhung ab, die sie nur mit dem geringen Betrag von Proz. belasten würde. Durch die Erklärung der Arbeitgeber wi«d aber zugleich die taktische Lage noch mehr verwirrt. Die Vorschläge der Sachverständigen werden sowohl von den Arbeitern wie von den Unternehmern abgelehnt. Im Reichstag ist die größte Regierungspartei, die Sozialdemokratie, auf keinen Fall für sie zu haben. Eine Mehrheit, die sich auf eine bestimmte Reform einigt, ist noch nicht entfernt zu erblicken— sie wird um so schwerer zu bilden sein, als sie sich nicht auf diese Aufgabe allein beschränken dürfte, sondern auch die Regierung übernehmen müßte. Angesichts dieser verworrenen Lage wird es sich als un- möglich erweisen, während der Dauer der Haager Konferenz Entscheidungen herbeizuführen. Für die Lösung des Problems selbst ist damit nichts gewonnen: sie wird spätestens nach Erledigung der schwebenden außenpolitischen Fragen im Mittelpunkt des innerpolitischen Kampfes stehen und vermut- lich zu weitgehenden politischen Konsequ en- zenführen. Das organisierte Rowdytum. Reue kommunistische ileberfälle auf das Reichsbanner. Zu dev gestrigen Abendstunden ist es wieder zu regelrecht organisierten Acbersällen kommunlstlscher Rowdys anf Reichsbanner. kameraden tm Südosten der Stadt gekommen. Die Reichsbanaerkameraden de» Bezirks Kreuzberg hatten, wie an anderer Stelle de, Blattes noch berichtet wird, in berechtigter Empörung über das kommunistische Stroßenräubertum, gestern abend demonstriert, clnksradlkale Strolche, dle den Reichsbanner- zügea nachliefen, versuchten immerfort zu provozieren, und dabei ist es trotz der polizeiliche« Legleitmannschafteu wieder zu Zwischenfällen gekommen. Zu der Lübbe ner Straße wurde ein Reichsbanner mann erheb- lich verletzt, zehn kommunistische Rowdy» wurden verhaftet. Ebenso wurden am Heturlchsplatz zwei Anhänger der KVV„ die auf Reichs- bonnerlevte eingeschlagen hatten, zwaugsgeslelll. Zu der Wrangelstraße murdc ein Reichsbaunerz ug von konunu- nlstischen Strolchen angegriffen; sie holten sich hierbei aber eine ganz nnermartete Absuhr. und der ejngreifenden Polizei gelang es. noch einen der hauplrädelsführcrzu verhaften. Leider sind auch wieder mehrere Reichsbanne rkameraden erheblich verletzt worden. Kolgen des Gtahlhelmiages. Verurteilung kommunistischer Ruhestörer. Rlünchen. 6. August. In der Verhandlung gegen acht jung« Burschen. Mitglieder der Kommunistischen Partei, die in der Pariser Straße während des Stahlhelmtoges in München«ine Gruppe von. Stahlhelmleuten überfallen und Zwei erheblich verletzt hatten, wurde heule mittag das Urteil verkündet. Zwei Angekldgte wurden frei- gesprochen. Zwei Angeklagte, die wohl an der Schlägerei be- tciligt waren, denen aber eine aktive Beteiligung nicht nachgewiesen werden konnte, wurden wegen Laichsriedensbruches zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Lei den übrigen vier, bei denen die Gemeinschaftlichkeit des Angriffes erwiesen ist, wurden drei zu je sechs Monaten, ein Jugendlicher zu drei Monaten Gefängnis oerurteilt. « Wird man ein gleich energisches Vorgehen gegen die nationalsozialistischen Landfriedensbrecher von Nürnberg erleben? � Echo von Nürnberg. Die Spuren von 1423 schrecken. München, 6. August.(Eigenbericht.) Di« Nürnberger BluttatenberNationalsozialisten werden auch von der bürgerlichen Presse, mit Au-nahme der Hugen. berg-Blätter, einmütig verurteilt. Die Blätter verlangen r ü ck» ficht» loses Durchgreifen von Polizei und Justiz. Der„Bayerische Kurter" schreibt:„Auch nur der äußer« Anschein einer staatlichen Unterstützung der einen Partei muß not- wendig dazu führen, daß sich d!« Entwicklung des Jahres 1ÜLZ auf» neu« wiederholt. Die vollständige Aufklärung des Totbestandes'st um so notwendiger, als nicht nur die nationalsozialistische Press«, san- dern auch, ganz wie im Jahre 1y?z, die„nationale" Presse alles tut, um In reiner Stimmungsmache die Schuld nur einer Seite auf» zubürden"._ Oelitaieffe bei Hugenberg? Pastorenglaube beim Reichsboten. Der fromme„Reichsbote" hat an Herrn Hugen berg nichts auszusetzen, wohl aber an feiner„Nachtausgabe". Er vermißt die„wünschenswerte Delikatesse im feuillelonistischen Teil", weil die„Nachtausgabe" die Eheaffärcn eines Grasen Salm vor dem Publikum ausbreitet. In seinem frommen Kinder- und Pastoren- glauben hofft der„Rcichsbote", daß Herr Hilgenberg feine Zeitung zur Ordnung rufen werde. Du lieber Gott, Geschäft ist Geschäft, und verdienen wird bei Hugenberg groß geschrieben. Der Herr dieser Zeiwng hat stülge- schwiegen, als ihm der Schmutz und der Schund der„Nachtausgabe" um die Ohren geschlagen wurde, zur selben Zeit, wo die Deutsch- nationalen im Reichstag als Retter der Sittlichkeit und der Delikatesse «üftraten. Er wird auch diesnml schweigen. Damals schwiegen im deutschnationalen Blätterwalde mit ihm alle Flöten. Warum heute die Aufregung über eine Sache, die gegen- über sonstigen Leistungen der„Nachtausgabe" fchr zahm ist? Weil das deutsche Spießer- und Pastvrengemüt nicht hören will, daß auch ein Graf fchmutz'g« Ehewösch« hat! Bibeltreis mii Kriegsspiel. Die Pastoren als Kompagnieführer. Di« Institutionen der evangelischen Kirch« stich W letzter Zeit äußerst aktiv. Die KirchenaustrittsMern. die von Jahr zu Jahr größer werden, haben bei den Vertretern der evangelischen Kirche eine seltene Nervosität erzeugt. Man versucht deshalb die, davonlaufenden Scharen mit allen Mitteln zu halten und inobek sonder« di« Jugend für sich zu gewinnen. In verschiedenen Teilen Deutschlands hat man zu diesem Zweck.Libeltreis« der Schüler höherer Lehranstalten" gegründet. Ein derartiger Bibelkreis in Pommern hatte vom 14. Juli bis 3. August. eine sogenannte Freizeit in Neuendorf auf Wollin; das heißt, die Teilnehmer, 78 an der Zahl, wurden auf Kosten der Kirch« 14 Tage lang beköstigt und beherbergt. Aber nicht nur das: Sie wurden auch im Kriegsspiel gedrillt. Das Tagesprogramm des Bibelkreises war nach übereinstimmen- den Meldungen wie folgt eingeteilt: ,.Um 6 Uhr früh Wecken. Ausstehen, Anziehen und Waschen usw. Dann Morgen rvache, wobei der einzeln« sich mit seiner Bibel an ein stilles Plätzchen im Walde zurückzieht. Um 7.30 Uhr gemeinsame Morgensuppe, dann eine ernste Swnde: Bibelbesprechstundc oder Missionsstunde. Dann ein etwa drei Stunden währendes Kxiegsspiel im Wald«—. alle drei Leiter, Pastor Scheel- Gr.-Möllen, Pastor Lüdtke- Triglaff und Iugendpforrer Schauer-Stettin, waren im Felde, zum Teil als Kompagnieführer— wobei die Entscheidung mit den bekannten BK.-Speeren ausgesochten wird. Einmal fand eine Nachtübung statt.---" Der liebe Gott und Ausbildung zum Kriegfiihren— wie reimt sich das zusammen? Es komnü hinzu, daß sich die Kirch« diesen Widerspruch auch noch auf Kosten der Steuerzahler leistet. Da wundern sich die zuständigen kirchlichen Instanzen noch, wenn die Kirchenoustrittsbewegung von Tag zu Tag an Umfang zunimmt? Ludenknecht Mackensen. Auf der Bundestagung des Deutschen Ofsiziersbundes sprach der Borsstzcnde, General v. H u I t I e r:„Eine große Anzahl der jüdischen Mitglieder des DOB. habe auch im Feld gestanden und sei dort verwundet worden." Da rief Generalfeldmarschall v. Mackensen:„Bravo!" Di« Hakenkreuz-Press« fällt selbstverständlich deswegen über Mackensen her. Also mit dem ist«s nun aus, der ist nun auch ein Juden knecht! tlnd Freimaurer Hugenberg. Wenn die Nationalsozialisten in Mackensen einen IudenkneM sehen, muß Ludendorff sie notwendig übertrumpfen. Ec zeigt mit dem Finger auf Hugenberg. Der hat ihn nicht eingeladen, an der nationalen Einheitsfront teilzunehmen, also ist der Beweis geliefert, daß Hugenberg als„Meister vom Stuhl" das Werk» i zeug„überstaatlicher Mächte" Ist. Ludendorff schreibt über Hugen- berg: „Es hat die Aufmerksamkeit erregt. daßderMeistervom Stuhl zur Herbeisuhrung der nationalen Opposition drei, b u n de r t Delegierte versammelt hatte. Wir denken an di« dreihundert des Juden Walter Rathenou. Nack südisch-frei» maurerischem jesuitischen Aberglauben müsstn es immer dreihundert sein!" Die nationale Einheitssronl des Herrn Hugenberg als südisch- sreimmirisch-jesuitische Angelegenheit— da kommen die National' jozialisten mit ilzreni Mactenfen nicht mehr mit. Streikschlachi in Siebenbürgen. Scharfes Feuer des Militärs. Bukarest. 6. August. lEtgeubericht.) Zu dem Bergwcrksgeblel Lupeuy io Siebeubürgeu kam es zu eluem schweren Zusammenstoß zwischen Streikenden und dein Militär. Die Zahl der Toten betrögt nach einer amtlichen Mit- teilung fünfzehn: verletzt sind weit über hundert per. seinen. Der Zusammenstoß stelzt im unmittelbaren Zusammenhang mit einem Streik von etwa 3000 Grubenarbeitern, die am Montag wegen Meinungsverschiedenheiten zwischen einer Grubendirektian und der kommunistischen Gewerkschaft in Szene gesetzt worden ist. Der Streik wurde von einer Delegiertenoersammlung beschlossen und iosort durchgeführt. Die sozialdemokratisch organisierten Grubenarbeiter lehnten ein« Beteiligung ab. Zunächst streikten nur zwei Gruben. Die Streikenden zogen daraus vor ander« Bergwerke und veranlagten die Arbeiter, sich anzuschließen. Von hier au? zog man vor das Elektrizitätswerk, umzingelte die Gebäude und fordert« die sofortig« Arbeitxeinstellung. Der diensttuende Direktor lehnte diese Forderung ab. Cr wurde daraufhin mißhandelt und mußte in schwerverletztem Zustand ins Krankenhaus geschafft«verden. Auch mehrere Gendarmen, die sich den Streikenden entgegen- stellten, wurden kampfunfähig geschlagen. Die Arbeiter zwangen dann die in dem Elektrizitätswerk beschäftigten Personen, sich dem Streik anzuschließen, so daß das Elektrizitätswerk seit mehr als 24 Stunden ruht und die Stadt völlig im Dunkeln liest. Alle öffentlichen Lokale und Geschäfte sind mit Eintritt der Dunkelheit geschlossen. Die Regierung hatte zur Verstärkung der Polizei nochmals mehrere Kompagnien Militär in das ttnnihegobiet entsandt und die Streikenden aufgefordert, bis mittags 12 Uhr das Elektrizitätswerk zu räumen. Da dieser Forderung nicht entsprochen, dos vorgehend« Militär aber angeblich mit einem Steinhagel empfangen wurde, gab es S a l v e n. Einzelheiten über den Verlauf der militärischen Aktion lagen am Dienstag nachmittag in Bukarest noch nicht vor. poiemtinsche Dörfer über den 1. August Was Sowjetblätter zu erzählen wissen. Du liest und staunst: Also so sah es in Berlin am 1. August aus:„Viel mehr als 130 000 kommunistische Arbeiter demon- strierten. Selbst die bürgerlichen Kreise mußten gestehen: eine der- artig grandios« Demonstration hat Berlin schon lange nicht gesehen�. Also lasten sich die.Kommunistische Jugendpro tvda", die„Prawda", der„Trud", die„Rote Zeitung', die..Istwestija' und alle anderen russischen Natter aus Berlin melden. Der Lustgarten war gedrängt roll. Ununterbrochen trafen neue Kolonnen von Demonstranten ein. Und selbst als die Reden zu Ende waren, dauert« der Menschenstrom an. Tosender Beifall belohnt« die Redner, als sie mit Emphase ausriesen: Das Berliner Proletariat konnte am 1. August nur des- halb so demonstrieren, weil es am 1. Mai die Straße erkämpft hat. Der Berichterstatter der. Prawda' telegraphiert seinem Blatte: ..Die Polizisten der ganzen Welt sind über den Verlaus des 1. August auss tiefst« enttäuscht. Dort, wo den Demonstranten Hindernisse in den Weg gestellt wurden, haben sie sie in stürmischer Attacke nieder- gerannt. Und wo die Gewalthaber gezwungen waren, wie z. B. in Berlin, einige Zugeständnisse zu machen da marschierten die Arbeiterkolonnen wuchtig auf. Selbst der Berliner Polizeistratege Zörgiebel zog e» vor, anstatt an der Demonstration der Sozialdemo- kratischen Partei teilzunehmen, die kommunistisch« Demonstration zu beobachten, und wußte tiefbedrückt den Blättern melden, daß diese ruhig verlaufen sei.' Grandios auch die kommunistischen Demonstrationen in der Provinz! Fast überall, insbesondere aber in Leipzig, in Hall«. in Chemnitz, in Königsberg haben«ine Anzahl Fabriken ein« Stunde früher d>e Arbeit eingestellt. JnMünchen, in.fjam- bürg, in Nürnberg gab es trotz Polizeiverbot wuchtig« De- monstrationen. Wie kläglich war aber der Verlauf der sozialfaschfftffchen Demonstration im Pergleich zu der kommunistischen. Dreimal weniger Teilnehmer im Friedrichshoin! Und wer waren die De- monstranten? Angestellte und andere Leutchen mitlleren Alters, die sich eine» warmen Platzes unter der Sonne erfreuen. Unter den Tönen des Reichsbannerorchesters bewegt« man sich ganz ohne Enthusiasmus. Zum Schluß überfielen Reichsbannerleute hinter- hältig Rot-Front-Leute. Bekannllich war da» Umgekehrte der Fall! Di« Leute, die die» berichtet haben, glauben es nicht. Die rusti- schen Redakteure, die es gedruckt haben, glauben es auch nicht— aber die rustischen Kommunisten, die es lesen, die müssen es glauben I Es gibt in Rußland keine Zeitung, die die Wahrheit sagen darf, und so wird aus einer ausgemachten Pleite der Kommunisten ein Triumph— in der Einbildung. Die Seerüstungsdiskussion. japanische Erklärung. Toklo über London, e. August.(Reuter.) Me in gut unterrichteten Kreisen verlautet, hat sich die Re- gierung dahin entschieden, daß ein Stärkeverhältnis von 10: 10: 7 in Hilfskreuzern für Japan unbedingt erforderlich ist, und daß Japan daher noch mehrer« 1 0 00 0- T o n n e n« K r e u z« r bauen muß, wenn nicht sowohl Großbitannlen wie auch die Bereinigten Staaten sich bereii finden sollten, ihren gegenwärtigen Bestand an Kreuzern zu vermindern. Japan ist zwar für «ine Beibehaltung des gegenwärtigen Stärkeverhältnisses in Groß. kampfschiffen, wird jedoch auch bereit sein, einer Erhöhung der Altersgrenze und einer Verminderung des höchst zulässigen Tonnengehalts für Schlachtschiff« zuzustimmen. Weltrekordflieger totgestürzt. Bordeaux. 6. Augost. Der Inhaber des VelkaeschwindigkcUsrÄords sür Londslugzeuge. Crofnnnl vonnel. ist bei einem Uebungsslug kurz nach dem Slarl tödlich oerunglückt. Boanet sollte im Austrag des Luslfahrl- minlsterlums bei dem Wettbewerb um den Schneiderpokal eines der fronzSsischen Wasserflugzeuge führen. Nachcichtenschuh. Wie verlautet, fft im Reichsministerium des Innern der Reserentenentwuri eines Gesetze» im wesentlichen sertig- gestellt, der den Schutz von Nachrichten zum Gegenstand, hat. Dieser Gesetzentwurf wird voraussichtlich im kommenden Winter Reichsrat und Reichstag bcschästigeir Der neue Entwurf geht zurück auf die Entschließung über den Schutz von Nachrichten, die bei den Verhandlungen der internationalen Presseorgan»- sationen in Gens gesaßt worden sind. Zu Schweden verhaslel wurden die Reichsdeutschen Albert Schneider und Johann B u ch m a n n wegen bolschewistischer Pro- pagonda. Ihre Ausweisung steht bevor. � Die KPD. bereitet den ii. August vor. »MW �TpSi, Leute, denen der 11. August wie ein Stein im Magen liegt--- gönnen natürlich auch andern nichts zu essen. Oer anglo-ägyptische Frieden. Veröffentlichung der britischen Vorschläge. Loudou. S. August.(Eigeifliericht.) Die britische Regierung hat ihre Vorschläge zur Beilegung der britisch-ögyptischen Schwierigkeiten vorgelegt. In einer Begleitnote zu den Dokumenten betont Außenminister chenderjon, daß dies« Borschläge„die äußerste Grenze dessen darstellen', was die britische Regierung„in ihrem Wunsche zu tun vermag, eine dauernde und ehrenhafte Beilegung der schwebenden Problem« zwischen Groß. britannien und Aegypten herbeizuführen', chenderson betont gleich- zeitig, daß der ägyptische parlamenlarismus wiederhergestellt werden und die Borschläge dem Parlament zur Entscheidung vorgelegt werden müssen. Fall« das Urteil des ägyptischen Parlaments bejahend aus. so würden. die Vorschläge dein.britischen Parlament vorgelegt werden, welcher den Vorschlägen Gesetzeskrast verleihen soll'. Die britischen Dorschläge besagen unter onderem: 1. Großbritannien erklärt sich bereit, die Besetzung Aegqp- tens durch britische Truppen zu beenden. Ausgenommen hiervon ist die Suez-Kanal- Zone. Im Hinblick auf diese Zone, die ein„wesentliches Verbindungsglied zwischen den ner- schieden-ui Testen des britischen Reiches darstellt', erklärt sich Aegyp- ten bereit, britische Truppen in einem von der britischen Regierung zu bestimmenden Ausmaß Aufenthalt zu gestatten.„Die Anwesen- heit dieser Truppen so heißt es wörtlich— soll jedoch keineswegs den Sinn einer Okkupation tragen und in keiner »nie immer gearteten Weise die Souveränitätsrecht« Aegyptens an- tasten.' 2. Großbritannien und Aegypten schließen ein Desensiv- und Offensivbündnis. Im Falle der Verwicklung eines der beiden Alliierten in einen Streit mit einer dritten Macht verpflichten sich Beide, gemeinsam die friedlich« Bestegung im Sinne der Bestimmungen des Böller- bundes und sonstiger internationaler Verpflichtungen.zu betreiben. Sollte trotzdem eine der beiden Parteien in einen Krieg ver- wickelt werden, so ist der Dertragspartner verpflichtet, dem anderen als Alliierter zu Hilf« zu kommen. Besonders verpflichtet sich Aegypten, im Falle des Krieges oder drohender Kriegsgefahr den britischen Truppen alle zur Verfügung stehenden Erleicht«- r u n g e n zu gewähren, einschließlich der Verwendung der Häfen, der Flugplätze und der Transportmittel. Der König von Aegypten verpflichtet sich, im Falle der Heranziehung mstitärischer Sachver- ständiger lediglich britische Staatsbürger einzustellen. 3. Das bisher von Großbritannien in Aegypten ausgeübte Recht des Schutzes von Leben und Eigentum von Ausländern und des Schutzes der Minderheiten geht bei Bertragsabschluß aus die ägyptische Regierung über. 4. Die von Großbritannien und Aegypten ausgeübte gemein- same Souveränität über den Sudan soll im Sinne der Kon- oentionen von 1899 weiterhin von einem britischen Generalgouverneur im Hamen der beiden Länder ausgeübt werden. Der sozialistische„Daily Herald' benutzt die Gelegenheit, um an die Führer der ägyptischen Nationalpartei einen leiden- schaftlichen Appell zur Mitarbeit zu richten. Er betont, daß nunmehr eine ganz besonders schwere Verantwortung auf den Führern der Wafd liege. Es würde von ihnen kein Verzicht auf Ideale und Prinzipien gefordert. Sie würden statt dessen gebeten, an dem Abschluß eines Vertrages mitzuarbeiten, der ihren Idealen Ausdruck verleihe und bis an die Grenzen des Möglichen ihre natlo- nalen Haftungen erfülle. Der„Daily Herald' weist weiter aus das begreiflicherweise in Aegypten herrschende Mißtrauen gegenüber Mahmud Pascha hin. der die Verhandlungen mit Henderson zum Abschluß gebracht hat. und fordert die Wafd-Führer auf,. den gc- planten Vertrag nicht an ihrer Gegnerschaft gegen Mahmud Pascha scheitern zu losten. Aegypten werde dann binnen kurzer Zeit wieder eine freie Notion sein— frei in einem doppelten Sinn«, frei von Auslandskontrolle und im Besitz der innerpolitischrn verfassungsmäßigen Frecheit. Der„Daily Herald' schließt mit den Worten, daß eine Gegner- schost gegen die Vorschläge nicht zur britischen Nachgiebigkeit, sondern zu einer Versteifung der britischen Haltung führen müsse. Weg mit dem Absolutismus! Kairo über London, 5. August.(Eigenbericht.) Die Wafd(Aegyptische Nationalpartei) hat einen Appell an das Land gerichtet, m dem sie die sich bietend« Gelegenheit begrüß». den geplanten anglo-ägyptischen Bertrag zu studieren. Der Appell spricht von Schwierigkeiten und betont, daß die britischen Interessen und die volle Unabhängigkeit Aegyptens nicht in Frage gestellt werden. Das Manifest warnt Regierung und Nation vor einer Erörterung der Dorschläge, ehe dos Parlament wieder zu- sammengetreten ist, und betont mit großem Nachdruck, daß die enffcheidenden und abschließenden Verhandlungen über den Vertrag lediglich von einer verfassungsmäßigen Regierung geführt werden dürften. Dies fei nur durch Beseitigung des gegenwärtigen Regimes möglich. Dieses, so heißt es in dem Monifest wörtlich, „ist nicht zur Führung der Verhandlungen qualifiziert, da e» die Verfassung zerrissen, sich als ein Werkzeug Imperialistischer Poliklt erwiesen und die Freiheiten des Volkes unterdrückt hat.' König F u a d bricht seine Europareis« ab und kehrt heim. Will er anständig handeln, so muß er abtreten in dem Augenblick, mo England nur mit dem ägyptischen Parlament zu tun haben will, das er durch Staatsstreich beseiligt hatl Ein Wirischastsskandal. Kommunale Finanznot wirft A000 Arbeiter ans die Straße. In welch gefährlicher Weise die seil Jahren durch hie öffentlich« Herabwürdigung der Gemeindepolitik und durch die künstliche Steige- ryng der kommunalen Finangnot dieArbeitslosigkeithoch« gehalten wird, dos zeigen wir heute in einem besonderen Artikel im Wirtschoststeil unseres Blattes. W'« ein Alarmruf wirkt folgen- der Fall, der aus Wittenberge berichtet wird. In Wittenberge befindet sich die Singer, Rähmafchinen- A.- G., ein bedeutendes Werk der deutschen Industrie, das«ine Belegschaft von 3000 Wann beschäftigt. Die Firma hat jetzt«inen Stillegungsantrog für das gesamte Werk bei der Regierung in Potsdam eingereicht und die Stillegung soll zum 13. August erfolgen. Die Gründe des Stillegung so ntrages enthüllen einen unerhörten Wirtschaftsskandal, der sich nur aus der künstlich gesteigerten Finanznot der Städte erklären läßt. ver Betrieb des großen Werkes in Wittenberge ist nämlich von der ausreicheirden Wasserentnahin« aus dem sogenannten Singer- Hafen abhängig, der an dem Wert liegt. Genügend Wäsier kann nicht»nehr entnommen werden: deshalb wird die Stillegung jetzt notwendig. Seit Iahren verhandelt nun die Werkloitung der Singer- Nähmajchinen-A.-G. bereits mit dem Landratsamt in Perleberg wegen der Regulierung der Stepnitz, die alljährlich zur völligen Ver- sandung des Singer Hasens führt. Di« Stroinbauoerwal- tung hat sich nun geweigert, den.Hasen auszubaggern, weil sie fiirchjiet, daß die Ufermouern einstürzen könnten. Der Magistrat von Wittenberge seinerseits hat aber die Ausbesserung der Ufermauer abgelehnt, weil er das Geld nicht dazu hat. Weil der Stadt Wittenberge dl« gewiß nicht groß« Summ« zur Aus- besterung der Hafenmauern fehlt, sollen jetzt 3000 Arbeiter aus die Straß« flieg«». Ein tolleres Beispiel sür die ruinös« Wirkung der finanziellen Drostelungspolitik gegenüber den Gemeinden und für die daraus sich ergebenden Gefahren für die industrielle Beschäftigung läßt sich kaum erfinden. Aber so wie hier sind die Dinge— da» kann man ohu« Uebertreibung sagen— in fast allen Städten und Gemeinden Deutsch- lands. Es ist allerhöchst«Zeit, daß die Quellen und Ursachen, aus denen wie hier die Arbeitslosigkeit ohne jeden vernünftigen Grund und als Folge purer politischer Schikane erhöht wird, ver- stopft und beseitigt werden. Desahungstruppeu räumen eine Znsel. Die schon fest längerer Zeit nicht mehr von der Besatzung in Anspruch genoinmene Nordspitze der Insel O d e r w e r t h ist nunmehr amtlich von der De- satzimg freigegeben worden. Die Stadt Koblenz hat sich das Gelände im Hinblick auf die geplante Schaffung eines großzügigen Strand- und Sonnenbades durch Anmietung gesichert. Studentische hetze gegen die versassungsseier. An der Frank- furter Universität sind in den letzten Togen wiederholt Flug- b l ä t t« r verteilt worden, in denen die Studenten aufgefordert werden, den Berfassungsfeiern unter allen Umständen fernzubleiben. Urheber dieser Aufforderung sind die Nationoljoziolisten. Einbruch bei der vlluderheitenorganisotlon. In der Deutschen Loltsbundzentrale Kattowitz ist am Sonntag ein schwerer Einbruch verübt worden, bei dem etwa 3000 Zloty gestohlen wurden. Samt- liche Türen und Geldschränke sind mit Nachschlüsseln geöffnet war- den. Der Wächter, der am Sonntagabend bei der Nachtwache dt« Türen offen fand, Hot merkwürdigerweise erst am Montag Mol- dung davon erstattet. wegen Hichlzahluvg von Geldstrafen, zu de,,«,» das Kommu- nistenblatt in L i m o g e s(Südfrankreich) verurteilt wurde, ist sein Geschäftsführer, ein 70 Jahre alter Rothausdiener, verhaftet worden. Die Unternehmer als Beispiel. Solidarität in Kinanzfragen. Die„Deutsche Allgemein« Zeitung" setzt ihre Indiskretionen über die Verhandlungen der Sachverständigenkommission in der Frage der Arbeitslosenversicherung fort. Sie gibt die Zahlen über Abstimmungen, aus denen hervorgeht, daß gegen die Vertreter der freien Gewerkschaften und der Sozialdemokraten nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Regierungsvertreter ge- stimmt haben. Besonders hervorgetan bei dem Kampf gegen die Arbeitslosen hat sich der Vertreter des Preußischen Staats- Ministeriums. Die„DAZ." sogt das zwar nicht ausdrücklich, aber wir legen Wert darauf, dies hier zu betonen. Die„DAZ." tut sich etwas Besonderes darauf zugute, weil gegen die Beitragserhöhung von einhalb Prozent auch die beiden d e m o- t r a t i s ch e n Vertreter, der demokratische Abgeordnet« Dr. D e r n- bürg und sein Parteigneosse vom Gewerkschaftsbund der Ange- stellten Dr. S ch e p p gestimmt haben. Wir verstehen durchaus die Freude im Unternehmerlager, be- sonders über die Haltung des Vertreters des GdA. Es ist ein sehr einfacher Trick der Unternehmer, die verschiedenen Kategorien der Arbeiterschaft gegeneinander auszuspielen. Die Unter- nehmer haben ein Recht, sich zu freuen, wenn chnen dieser Trick, wie im vorliegenden Falle, gelingt. Es zeugt aber nicht gerade von Intelligenz und Weitblick, von der notwendigen Solidarität ganz zu schweigen, wenn die Vertreter der einen oder anderen Gruppe, weil ihre Arbeitsmarktlage im Augenblick weniger ungünstig ist als bei anderen Arbeiterkategorien, sich eifrig bemühen, die Geschäfte der Sozialreaktion zr besorgen. Heute ist die Arbeitsmarktlage der sogenannten Saifottberufe eine besonders ungünstige. Es war aber n i ch t i m m e r so. Es gab Zeiten, wo die Arbeitsmarktlage der Ange st eilten eine ver- zweifelte war, während die Bauunternehmer über Mangel an Fach- arbeitern Klage führten. In jenen Zeiten haben Angestellte bei öffentlichen Notstandsarbeiten Unterkunft gesunden. Es gibt ja auch heute noch langfristige Arbeitslose bei den Angestellten, um die sich der Vertreter' des GdA. offenbar nicht sonderllch den Kopf zerbricht. Wer die Entwicklung unserer Wirtschaft verfolgt, weiß, daß es vielleicht gar nicht so lange dauern kann, bis sich die Situation wieder umkehrt, und zwar zuungunsten der Angestellten. Es gibt auch große Gruppen von Facharbeitern, die mit einem vielleicht noch größeren Recht als die Angestellten behaupten könnten, daß ihre Beiträge höher sind als ihr Risiko. Nichtsdestoweniger haben alle freien Gewerkschaften sich einmütig bereit erklärt, die Lasten einer weiteren Beitragserhöhung auf sich zu nehmen, soweit sie zur Sanierung der Reichsanstalt notwendig ist. Man sollte sich in Finanzfragen die Solidarität der Unter- n e h m e r zum Beispiet nehmen. Auch die Vertreter des Industrie- kapitals stimmen für Z o l l e r h ö h u n g e n, die von den Agrariern verlangt werden, obwohl diese Zollerhöhungen den Interessen der Industriellen zuwiderlaufen. Die Agrarier machen es ebenso, wenn die Industriellen Zollerhöhungen fordern. Und wenn es sich um den Abbauvon Besitz st euern und um M a s s e n b l a st u n g handelt, sind sie sich alle einig. Der Kampf um den Abbau der Arbeitslosenversicherung ist ja im Grunde nichts anderes als die Vorbereitung des Kampfes um den Abbau der Besitz st euern. Reformiert den Llrlaub! Sine sinnvolle Anwendung ist notwendig. Das zurzeit bestehende Durcheinander an Urlaubsarten und Urlaubsregelung ist nicht mehr zeitgemäß und auf die Dauer unerträglich. Die heutigen Urlaubsbestimmungen sind für viel« schreiendes Unrecht. Es gibt Arbeitnehmer, deren Urlaub sich nach der Anzahl der Berufsjahre richtet. Bei anderen hängt die Größe des Urlaubs von den Dien st jähren im Betriebe ab. Viele müssen beim Wechsel der Arbeitsstelle sich den Urlaub wieder von neuem erdienen, ohne Rücksicht darauf, wieviel Berufs- jähr« sie bereits hinler sich haben. Der Zwang zum Berufswechsel, der durch die Schwierigkeiten aus dem Arbeitsmarkt hervorgehoben wird, deutet für tausende tüchtige und fleißige Menschen groß« Urlaubsschädigung. Die Urlaubsregelung ist vielfach abhängig von der Stärke der Organisationen. Schwach« Verbände haben oft recht ungenügende Urlaubsbestimmungen, obwohl gerade ihre Mitglieder einen kräftigen Urlaub nötig hätten. Der Schwerarbeiter muß in vielen Fällen mit einem mätzigen Urlaub vorlieb nehmen, während Berufsarten mit verhältnismäßig leichter Arbeit in der Urlaubsfrag« sehr gut wegkommen. Mit all diesen Sinnlosigkeiten und Ungerechtigkesten sollte end- sich einmal aufgeräumt werden! Wir brauchen eine gesetzliche Regelung des Urlaubs: Gelegenheit dazu wäre bei der Be- »atung des Arbeitsschutzgesctzes. Wir brauchen eine Urlaubsregelung nach oolksgesundheitlichcn Gesichtspunkten. Die Urlaubs- regelung der Jugendlichen muß sich anschließen an die Schule mit ihren langen Ferien. Aus diesen Gründen und aus den Grün- den des allgemeinen Iugendschutzes heraus ist den Jugendlichen«in möglichst langer Urlaub zu sichern. Die jugendliche Arbeitskraft braucht einen längeren Urlaub als der Mensch der Vollreife, und ebenso hat die a l t e r n d e Arbeitskraft ein Anrecht darauf, schon aus Gesundheitsrücksichten in der Urlaubsfrage bessergestellt zu werden. Für den Arbeitnehmer zwischen oll und öll Iahren kann ein längerer Urlaub, vor allem wenn er mit Heilbeihilfen der Invaliden- und Krankenversicherung verbunden wird, ein Segen sein und so manchen Krankenurlaub sowie Kosten frühzeitiger Invalidität ersparen. Die Urlaubskurve muß also von ihrem Höhepunkt bei den Jugendlichen allmählich abgleiten bis zu den Jahrgängen der Voll- reise. Etwa von den Zwanzigjährigen wird der Urlaub erst richtig erarbeitet. Es wird von vorn angefangen. Von da ab muß der Urlaub allmählich wieder steigen bis zu den Jahrgängen, für die die Ferien schon deshalb länger sein müssen, weil die müden Knochen ein« systematische Kräftigung bitter nötig haben. Die Sozialversicherung. Was sie für die Bolkskultur leistet. Das Reichsversicherungsamt hat in einer Sonderausgabe des Rcichsarbeitsblattes eine interessante Zusammenstellung der Ar- beit der Invalidenversicherung in der Gesund- heitsfürsorge während des Jahres 1928 veröffentlicht. Schon ein flüchtiger Blick in die Zusammenstellung zeigt, was für ge- waltige Leistungen im Interesse der Aolksgesundheit die Invalidenversicherung aufzuweisen hat. Im Jahre 1928 beliefen sich die Gesamtausgaben der Versiche- rungsträger an freiwilligen Leistungen für die im Berichts- fahre abgeschlossenen 371 844 Heilbehandlungsfälle auf 92 113 154 Mark. Hiervon entfallen auf die eigentliche Heil- behandlung 72 IllS 7ll3 Mark. Einen Teil dieser Heilbehandlungs- kosten haben Krankenkassen, Bcrufsgenossenschaften, Gemeinden, die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte und andere Dritte er- stattet. Di« Höye dieser Ersatzleistungen beläuft sich für das Bc- richtsjahr auf 21 833 119 Mark. An Hausgeld einschließlich der Mehrleistungen(gemäß Z 14ll0 RVO.) sind 8 966 887 Mark ver- ausgabt, so daß von den Versicherungsanstalten an Heichehand- lungskosten zu trogen bleiben 59 272 584 Mark. Die allgemeinen Maßnahmen auf Grund des ß 1274 RVO. zur Verhütung des Ein- tritts vorzeitiger Invalidität oder zur Hebung der ge- fundheitlichen Verhältnisie der versicherungspflichtigen Bevölkerung erforderten Ausgaben in Höhe von 18 129175 Mark. Außerdem sind noch 1310 248 Mark sonstige Auswendungen entstanden, die zwar mit dem Heilverfahren im Zusammenhang stehen, sich aber nicht auf die einzelnen Behandlungsfälle perteilen lassen. Zum Bau von Arbeiterfamilienwohnunge» haben die Träger der Invalidenversicherung im Jahr« 1928 192,2 M i l- lionen Mark aufgewendet, 1925 33,2 Millionen Mark, 1926 23,2 Millionen Mark, 1927 51,7 Millionen Mark. Im ganzen sind also seit der Befestigung der Währung bis Ende 1928 219,3 Millionen Mark für Arbeiterfamilienwohnungen aufgewendet worden. Der Bau der Wohnungen erfolgte entweder durch Bauoereine, durch Gemeinden, Gemeindeverbände oder Sparkassen. Unmittelbar au Arbeitnehmer(Versicherte), wurden 1829 Darlehen in Höhe von 12,6 Millionen Mark, im ganzen seit 1925 31,7 Millionen Mark gegeben. An Mietszuschüssen für Offen-Tuber- k u l ö s« sind 1928 von 14 Versicherungsträgern 259 912 M. auf- gewendet worden. Zum Bau von Ledigenheimen wurden fest 1925 im ganzen 2,7 Millionen Mark verwendet. Die Neuauf- Wendungen im Jahr« 1928 zu diesem Zweck betragen 1,3 Millionen Mark. Für den Bau von Kranken» und Genesungsheimen, Volksheil- stätten, Invaliden- und Erholungsheimen, Siechenhäusern und für Kranken, und Involidenpflege, zur Förderung der öffenllichen Ge- sundheitspfleg«, insbesondere zum Bau von Volksbädern, Schlacht- Häusern, Wasserleitungen, Kanalisationen, Friedhöfen, für Erziehung und Unterricht, Hebung der Volksbildimg, zur Befriedigung des landwirtschaftlichen Krcditbedllrfnisses und für sonstige Wohlfahrts- zwecke wurden seit dem 1. Januar 1925 insgesamt 84 Millionen Mark aufgewendet. Im Jahre 1925 belief sich die Höhe der Auf- . Wendungen auf 6,8 Millionen Mark, 1926 auf 7,7, 1927 auf 22,6 und im Jahr« 1928 auf 46,9 Millionen Mark. Ein enormes Stück Volkskulturl Aber— was man heute bei der Arbeitslosenversicherung versucht, wird man, gelingt der Plan, morgen bei der Invaliden-- und der Krankenversicherung durch- führen. Konflikt im Auchdruckgewerbe. Die Unternehmer wollen die Löhne drücken. Im„Korrespondent" vom 7. August nimmt der Borsitzende des Vereins der Berliner Buchdrucker, Genosse Robert Braun, Stel- lung zu den Ausführungen des stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins Berliner Buchdruckereibesitzer, die dieser nach der Zeit- schrift für Deutschlands Buchdrucker und oerwandte Gewerb« vom 39. Juli gemacht hat. Dort heißt es: „Herr H erper wies im Anschluß hieran auf die Ar- beitsmarktlaae hin, die sich immer mehr zuungunsten der Gehilfenschaft entwickle(1548 Arbeitslose gegen 499 im Vorjahre mn die gleiche Zeit), ohne daß diese gewillt sei, von ihrer Lohnpolitik abzulassen. Es sei einfach unver- ständlich, daß bei einer derartigen Arbeitslosigkeit der Tarif- lohn noch immer nicht Einstellungslohn geworden sei und die überwiegende Mehrzahl der Arbeiter 19 bis 59 Proz. über Tarif entlohnt werde. Cr ermahnte die Anwesenden, jeden Gehilfen zu entlassen, der entbehrlich fei." Braun wendet sich sehr energisch gegen die Absichten, die Herr Herper da zum besten gibt. Braun kündigt an. daß die Berliner Buchdrucker keineswegs gewillt sind, mit verschränkten Armen dieser Scharfmacherpolitik zuzusehen. Obwobl in Berlin gegenwärtig bei den Buchdruckern eine erhebliche Arbeitslosigkeit herrscht, werden von den Buchdruckereibesitzern zu dem von Herrn Herper nunmehr offen ausgesprochenen Zweck immer wieder Gehilfen aus der Provinz herangezogen. Im Jahre 1928 sind 762 Verbandsmii- glisder nach Berlin zugereist und in Stellung getreten und in den ersten sieben Monaten dieses Jahres haben 189 Buchdrucker hier Stellung genommen,„zum Teil unter ganz erbärmlichen Lohn- bedingungen". Dabei waren am 1. August 1691 arbeitslose Buchdrucker im Arbeitsnachweis eingetragen, von denen Hunderte bc- reits ausgesteuert sind. Genosse Robert Braun sagt zu den Ausführungen des Herrn Herper u. a.:„Ich betrachte das als«ine offene Kampfan- sage und bin für meinen Tell bereit, im Interesse meiner Kol- legen den hingeworfenen Fehdehandschuh aufzunehmen. Welche Maßnahmen gegen solche Unternehmerwillkür der Berliner Gau- vorstand ergreift, ist diesem zu überlassen und wird sich in Kürze zeigen— das ist seine eigene örtliche Angelegenheit." Die Ber- liner Buchdrucker, üb�r deren ausgezeichnet« Organisation die Buch- druckereibefltzer nicht in Unkenntnis sein können, sind entschlossen, Herrn Herper und seinen Gesinnungsgenossen kräftig aufzuspielen, wenn diese ein Tänzchen wagen wollten. Glänzender Abschluß der Buchbinder. Mitgliedergewinn und Vermögenszuwachs 1928. Der Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutsch- lands veröffentlicht soeben den Bericht für das Jahre 1928. Aus dem 176 Seiten umfassenden Jahresbericht ist zu ersehen, daß der Verband im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz ungünstiger Be- i schäftig ungslage im Gewerbe gute Fortschritte ge- 1 macht hat. Die M-tgliederzahl ist von 53 187 aus 57 166, also um rund 4999 gestiegen. Die größte Zunahme ist erfreulicher- weise bei den weiblichen Mitgliedern zu verzeichnen. Das Buch- lindergewerbe zählt zu den Gewerben, in denen die Frauenarbeit vorherrschend ist. So erklärt es sich auch, daß sich der Mitglieder- bestand des Verbandes aus 18 365 männlichen und 38 891 weiblichen Mitgliedern zusammensetzt. Der Verband zählt außer- dem noch 1613 Lehrlinge als Mitglieder. Im Geschäftsjahr war ein großer Tell der Mitglieder von A r- beitslofigkeit und Kurzarbeit betroffen. Während am Ansang des Jahres 6,8 Proz. der Mitglieder arbeitslos waren, stieg die Arbeitslosigkeit am Ende des Jahres ans 8 Prpz. Außerdem war in den einzelnen Branchen Kurzarbeit zu verzeichnen, die im Dezember bei 789 männlichen und 2165 weiblichen Mitgliedern sogar 25 Stunden und mehr pro Woche ausmachte. Wenn dies auch die krassesten Fälle sind, so hatte dennoch ein ziemlich großer Teil der Verbandsmitglieder nicht die Möglichkeit, einer vollen Beschäftigung nachzugehen. Durch diese ungünstigen wirtschaftlichen Erscheinungen wurde die Tätigkeit des Verbandes sehr erschwert, so daß der Mit- gliederzuwochs um so bedeutungsvoller ist. Insgesamt wurden 139 Lohnbewegungen geführt, die sich auf 19 632 Betriebe mit 169 458 Berufsangehörigen erstreckten Es wurden dadurch durchschnittliche Lohnzulagen von 3,35 Mk. für männliche und 1,99 Mk. für weibliche Mitglieder erreicht. Nach der Statistik bestanden am Jahresschluß 76 Tarife, davon allein 46 örtliche. Der weitaus größte Teil der Mitglieder jedoch arbeitete zu reichstariflichen Bedingungen. Der Geltungsbereich der Reichstorife hat sich in den letzten Iahren er- freulicherweise immer mehr vergrößert. Auch in finanzieller Hinsicht hat der Verband gut ab- geschnitten. Am Jahresschluß betrug das Verbondsoermögen 2 863 391,98 Mk. Der Anteil des einzelnen Mitgliedes beläuft sich auf 59,99 Mk. gegenüber 23,65 Mk. im Vorjahre. Es ist weiter hervorzuheben, daß der Verband auf dem Gebiet der Jugenderziehung, des Bildungswesens usw. erfolgreich tätig gewesen ist. Der Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschlands kann auf das im abgelaufenen Ge- schästsjahr unter so viel Widerwärtigkeiten Erreichte mit Stolz zurückblicken. Man schießt auf Streikende in Rumänien. Wie zu Zeiten Brattanos. Bukarest. 6. August. In dem Kohlenbergwerk von Lupeny(Siebenbürgen) kam es heute mittag zu einer schweren Stroßenschlacht zwischen streikenden Bergarbeitern und Gendarmerie. Di« Streikenden besetzten die Elektrizitäts- und Wasserwerke, so daß das Bergwerk ohne Strom und Wasser war. Ein« große Gendarmeneabteilung forderte die Streikenden auf, sich zurückzuziehen. Als die verschiedenen Aus- (orderungen der Gendarmerie ergebnislos blieben, gab diese mehrere Salven ab. 16 Bergarbeiter wurden g e tötet und über 199 oerletzt. Die Streikenden konnten erst am Nachmittag zerstreut werden. Iohreshauploerfammlung der Deutschen Gesellschaft für Ge- werbehygiene in Heidelberg vom 16. bis 18. September 1929. Die Hauptverhandlungsthemen der Tagung sind: „F a b r i k b a u" und„F a b r i k f p e i f u n g". Eine größere An- zahl weiterer Referate geben einen Ueberblick über wichtige Fragen des gesundheitlichen Arbeiterschutzes. An die Jahres- Hauptversammlung schließen sich die AerzUiche Iahrestagung der Deutschen Gefellschaft für Gewerbehygiene mit dem Hauptthema: „Die Behandlung der gewerblichen Berufskrankheiten", und ein allgemeiner gewerbehygienischer Vortragskursus an. Nähere Auskunft erteilt die Geschäftsstelle der Deutschen Ge- sellschast für Gewerbehygiene, Frankfurt am Main, Platz der Republik 49. Eisenbahner, nehmt an der Kundgebung am Sonnabend, dem 19. 2lugust, teil! Der Abmarsch zur Kundgebung, die um 16 Uhr im Zirkus Busch beginnt, erfolgt um 15 Uhr von der Fontane- promenade(Hasenheide). Marschstraßen sind: Blücherftraße, Bärwaldstraße, Prinzenstrahe, Ritterstraße, Alexandrinenstraße, Dresdener Straße. Roßstraße, Breite Straße, Schloßplatz und Lust- garten zum Zirkus Busch. Sattler, Tapezierer»nd Portefeuilee. Am T-nnersta». 8. Auaust, 1!) Ukn, im«rofien Saal des Gewerkscha itsliause» Deneralversammlung. Wiiytige Tagesordnung, deshalb Erscheinen Pflicht. K�reie Gewerkfchafis-Iuqend Verlin. Leute, Mittrooch. lS's Uhr, tagen die Gruppen: Zentrum: Jugendheim Zchdenicker Str. St— W. Seimbefprcchung. Nontrolle des Vcrbandsbuchcs. — Slordring: Jugendheim, Schule Sonncnburgcr Str. 20. Vir gehen nach Treptow zum.Volkstanz.— Weifjensce: Sruppenheim Wcihcnfce. Park- strafte.00. Seimbetprechung. Bringt Scimausweis und Bcrbandsbuch mit.— Neukölln: Jugendheim Bcrgktr. 29(ßof). Leimbesprechung. Zutritt nur mit Nerbandsbuch und Leimausweis.— Süden, Südwelten: Städt, Iugendlic m Porlkstr. 11(Taftr'kgebäi'de). Lichtbildervortrag:.Unsere Danipkersghrt>920". — Wir spielen ah 18 Uhr: zranksurtcr Allee und Laadsberger Pl»«,: Sport- platt ssriedrichshain.— Lichenberg und Neu-Lichtcuberg: Diese I im Treptower Park.— Spandau: Sportplast Seeburgcr Strafte.— Wcdding und Zeppelin- plaft: Gräfte Wiese im Schillcrpark.— Humboldt und Gelnudbrnuneu: Sport- platt im Lumboldthain. 0IuaenParuvve desZestirawersiandes der AnaesseNien. Heute, Mitäpoch, finden folgende Peranstaltunqen statt: Gesurd» druanenl Jugendheim Schünstedtstr. 1(Ledigenheims. Anti-Kriegsaliend. — Stralau: Jugendheim Lchnle(pgßlerftr. 61. Gruppen besprechung und bunter Slbenö.— Rordosteu: Jugendheim Tauiger Str. 62(Baracke 3). Hc'fM. besprechung, anschließend Gesang und Bo'kstanfz.— Rntüifln: Jugendheim Böhmische Str. 1—4...Krieg!" Ein Abend der Uederlegung.— Südost: Jugend- beim Wrangelftr. 128. Gruppenbesprechung, anschließend Aussprache:..Unsere Reichsverfassung".— Spandau: Jugendheim L'ndenufer 1. Heimabend.— Pots- dam-Rowawe«: Jugendherberge Nowawes. Priesterftraße. �as Programm w'.rd am Abend selbst bekanntgegeben.— Gplel uuh Sport: Sportplatz Friedrichs- bain ab 18 Ilbr. Verantwortlich Mr Politi?: Dr. Curt Geper: Wirtschaft: G. AliagelhiZfer: Gcwerks6?aftsbewegung: I. Eteiuer; Feuilleton: ft. S. D oscher: Lokales und Sonstiges Z?ritz Karstadt: Antzeiaen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärts-Berlag G. m b. H, Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW 68. Lindenstraße S. Hier-m! Beilage und.Unterhaltuaa«ab Wisseu". OlVEBBiyaoip« Gutscheine liegen bei! •A Zig a reffe 7lr. 365* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch,?. August 4 929 Wie Bombe endete. Durch(Selbstmord.— Die Beweggründe find noch unbekannt. Gester« mittag ist. wie wir bereits mitgeteilt habe«. bie Leiche des seit dem 21. Juli verschwundenen Land- gerichtsdirektors Max Bombe ant Siidufer des Bikow-Sees. etwa 2 Kilometer von Z e ch l i n e r Hütte entfernt, hart am Rande des Sees in einer um- zäunte« Kiefernschonung durch einen Zufall gefunden worden. Die Feststellungen der Berliner Kriminal- beamten haben unzweifelhaft ergeben, daß Landgerichts- direktor Bombe, wie schon von Anfang a« in seinem Be- kannten- und Freundeskreis befürchtet wurde, selbst Haud an sich gelegt hat. In der rechten Hand der Leiche, die schon sehr starke Der- wesungserscheinuwgen aufwies, fand sich noch die Waffe, «ine Parabellumpistole, aus der sich Bombe den tödlichen Schuß beigebracht hatte. Die F u n d st« l l« liegt auf einem etwa 6 Ms 8 Morgen großen, mit jungen Kiefern bestandenen Gelände, das durch Zäune eingegattert ist. In den letzten Tagen hatte sich ein Bauer gemeldet, der behauptet«, gesehen zu haben, wie sich ein gut gekleideter Mann vor geraumer Zeit an dem Zaun der Kiefernschonung zu schaffen gemacht habe. Der Bauer hatte sich zunächst durchaus nichts dabei gedacht, war aber später durch die laufenden Nachrichten in der Press« über den verschwundenen Land- gerichtsdirektor auf den naheliegenden Gedanken gekommen, daß der betreffende Mann vielleicht doch mit dem Vermißten iden- tisch gewesen sein könnte. Obwohl diese neue Spur zunächst recht unsicher erschien, beschlossen die Berliner Kriminalbeamten, eine Durchsuchung der fraglichen Schonung vorzunehmen, die gestern nachmittag stattfinden sollte. Während also die Berliner Krimwal- beamten sich bereits auf der richtigen Spur befanden, hatte schon am vergangenen Montag der Fischermeister Hagen, der gestern die Leiche entdeckt«, sich gleichfalls unbewußt fast unmittelbar an dieser Stelle aufgehalten. Er hatte am Seeuser Rohe ausgelegt, und dahei war ihm ein starker Verwesungsgeruch aufgefallen, der vom Ufer her kam. Der Mann glaubt« zunächst, daß dort ein Tier verendet sei, und legt« dem Geruch keinen besonderen Wert bei. Später«rzählte d«r Fischermeister Angehörigen und Freunden von dem starken Der- wefungsgeruch, der ihm am Ufer des Bikow-Sees aufgefallen vxir. Man riet Hagen, noch eimnol an die Stelle des Sees zu fahren und am Ufer näher' U m s chau zu halten. Hagen setzte diesen Rat auch in die Tat um und fand gestern nur wenige Meter vom Ufer des Sees entfernt in.der Schonung die schon stark in Verwesung übergegangene Leiche eine» Mannes, den er an der Kleidung als den verschwundenen Landgerichtsdirekwr Bombe unbedingt zu erkennen glaubte. In der Hand des Toten befand sich nach der Revolver. Die Leiche war infolge des langen Liegens in der Sonne fast unkenntlich, so daß man aus diesem Grunde noch nicht feststellen konnte, an welcher Stelle des Körpers sich Dr. Bombe den tödlichen Schuß beigebracht hat. Der Fischermeister benachrichtigte sofort die Gendarmeric und die Berliner Kriminalbeamten, die sich in Neu-Globsow aufhielten, von seinen' Fund. Kriminalkommissar Büsdorf konnte dann ohne weiteres aus den Papieren, die bei der Leiche gesunden wurden, die Identität mit dem vermißten Landgerichtsdirektor Bomb« feststellen. Bei dem Toten wurden noch mehrere Briefe gefunden, die von der Kriminalpolizei sichergestellt wurden. Es steht mit aller Sicherheit fest, daß Bomb« freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Nach Abschluß der Ermittelungen sind die Berliner Kriminalbeamten noch gestern abend nach Berlin zurückgekehrt, um hier Bericht zu erstatten. Wie noch spät abends mitgeteilt wird, hat am Fundort der Leiche des Landgerichtsdirektors Dr. Bomb« bereits gestern gegen 16 Uhr noch in einem Lokaltermin die amtliche Leichen- beschau stattgefunden, an der die Berliner Kriminalbeamten B u s d o r f und Renker, Vertreter der Staatsanwaltschaft aus Neuruppin und des Amtsgerichts Rheinsberg, sämtliche Landjäger der dortigen Umgegend und der Rheinsberger Arzt Dr. Hennig als medizinischer Sachverständiger teilnahmen. Die Untersuchung der Leiche durch den Arzt ergab, daß Landgerichtsdirektor Dr. Bombe seinem Leben durch einen Schuß in die Schläfe ein Ende gemacht hat. Die Kugel war direkt durch das Schläfenbein in das Gehirn gedrungen und hatte den sofortigen Tod zur Folge. Don den Dertretern der Staatsanwaltschaft wurde die Leiche hierauf zur Bestattung freigegeben und zunächst nach Rheinsberg geschafft, wo sie in der Leichenhalle untergebracht wird, bis aus Berlin die weiteren Dispositionen für die Ueber- führung getroffen sind._ Das Opfer einer„weisen Frau"? OaS tote Mädchen noch immer unbekannt. 2« der Rächt zum Freikag voriger Woche stellte sich aus dem Polizeipräsidium, wie wir bereits mitteilten, der 4ljährige Händler Pohlitz aus der Gustav-Zllüller- Straße iu Schöueberg und gab an. daß i» seiner Wohnung ein ihm nicht näher bekanntes Mädcheu gestorben sei. Seine Erklärungen, die er machte, erschienen von vornherein höchst unglaubwürdig. Der Kriminalpolizei ist es inzwischen gelungen, die Verlobte des Pohlitz, die in der Müllerstr. 178 wohnt, und die der Polizei nicht ganz unbekannt ist, eine Frau Auguste Kraft, zu ermitteln. Die Frau wurde fe st genommen, und nach hartnäckigem Leugnen gab sie schließlich zu, daß das junge Mädchen sie aufgesucht, und daß sie es auch„behandelt" habe; einen Eingriff bestreitet sie jedoch. Zur Pflege habe sie das Mädchen in die Wohnung ihres Derlobten gebracht, wo es noch in derselben Nacht plätzlich g e st o r b e n ist. Für die„Beratung" und Pflege will Frau K. keine n Entgelt genonlmen haben. Pohlitz und seine Braut wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt, der so- fort Haftbefehl gegen beide erließ. Visher ist es noch nicht gelungen, die Persönlichkeit der Toten festzustellen. Sie war etwa 1,66 Meter groß und hatte langes, blondes Haar.. Aus einer ziemlich neuen, modefarbenen Handtasche aus imitiertem Leder scheinen die Papiere ent- sernt worden zu sein. Di« Untersuchung der Leiche hat ergeben, daß sich dos Mädchen im fortgeschrittenen Stadium der Schwanger- schaft befunden hat. Die Polizei hat für die Identifizierung der Toten eine Belohnung von 266 M. ausgelobt. Königsberg ist Berlin voraus. Kürzlich haben die Königsberg«? Werke und Straßenbahn an sämtlichen Motor- und An Hängewagen des modernen Typs Fahrtrichtungsanzeiger anbringen lassen. Diese im Stadt- verkehr so notwendigen Apparate sind unmittelbar auf dem Nummernschild der Linie angebrocht. An jedem Wagen der Straßenbahn befinden sich also vier Fahrtrichtungsweiser. In Berlin scheinen die schon seit einigen Jahren aufgenommenen ZZersuchc noch immer zu keinem Ergebnis gekommen zu sein. Es wäre zu wünschen, daß auch für die Berliner Straßenbahnen diese so über- aus wichtige Frage bald g e l ö ft wird., Der mörderische Kahrdamm. Zwei Kinder überfahren. Zu der L u s ch a l l e e in weißensce wurden gesteru zwei Snobcn von einem Lastauto überfahren. Ein Kind wurde sofort getötet, das andere schwer verletzt. Die beiden Jungen, der neunjährige Hans C h u r t e s aus der Vujchollee 41 und der gleichalterige Heinz Schubert, der im Nach- barhausc wohnt, liefen beim Spielen direkt in ein vorüberfahren- des L a st a u t o hinein. Usber Hans Churtes gingen die Räder des schweren Fahrzeug? so unglücklich hinweg, daß der Tod sofort eintrat. Sein Spielkamerad wurde schwer verletzt und mußte ins Zkrankenhaus gebracht werden. Auf besonders tragisch« Weise ist im Freibad Plötzense« der elfjährig« Schüler Heinz S ch r i e w a r aus der Müller- straße 6S ums Leben gekommen. Der Junge spielte im Wasser mit einem Ball, der plötzlich in das S ch w i m m e r a b t e i l flog. Beim Versuch, das Spielzeug wiederzubekommen, verlor der Schüler denBodenunterdsnFüßenundertrank. Seine Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden. * Eine mutig« Rettungstat vollbrachte gestern nachmittag die Ehefrau Luise Müller aus der K o l o n i e st r. 26. Leim Baden im Teufelsse« im Grunewald versank plötzlich der neun- zehnjährig« Klempner Kurt Fischer aus der Schloßstr. 33 in Char- lottenburg vor den Augen seiner Angehörigen. Frau Müller, die unter den Mitbadenden weilte und den Vorfall beobachtet hatte, schwamm sofort hinaus, und es gslanz ihr, den inzwischen bewußtlos gewordenen jungen Mann zu retten. Die hinzu- gerufene Feuerwehr schafft« ihn nach dem Westendkrankenhaus. Gegen kommunistisches �owdyium. Eine proiestkundgebung gegen die Messerhelden. kommunistische Rowdys haben Reichsbannerkameraden scige überfallen! Mit Messern und Knütteln find sie ans Menschen eingedrungen, die von friedlicher Demonstration nach Hause gingen! Mir wollen das nicht mehr. und wir dulden es nicht mehr! Der Kreis Süden des Reichsbanners Schwarz-Roi- Gold trat gestern abend um%8 Uhr auf dem L a u s i tz e r Platz zu einer Protestkundgebung gegen die kommunistischc> Messerhelden an. Liegt ja doch der von den Kommunisten niedergestochene Kamerad Kluge immer noch schwer verletzt im Kranken- Haus danieder. In stattlicher Zahl traten die Ortsvercins Neukölln-Treptow, Kreuzbcrg und Tempelhof an und marschierten vom Lausitzerplatz über die Reichenberger Straße zum Grimmpark, wo der Landtagsabgeordnete Harnisch zu den Tau- senden sprach. Die K o m m u n i st e n hatten sich in kleineren Trupps am Lausitzer Platz eingefunden und oersuchten nach übler Gewöhn heit die Kundgebung zu st ö r e n. Die Reichsbannerkaineradcn haben aber recht deutlich gezeigt, daß sie sich gegen Kommunisten- Überfälle zu wehren wissen! Sie griffen sich einige der randa- lierenden Schreier und übergaben sie der Polizei. Die Stimmung -der Reichsbanncrkameraden und auch der Parteigenossen, die zu Tausenden den Zug begleiteten, waräußcr st erregt. Auch die B> völkerung, die in den Straßen den Zug erwartet«, äußerte sich sehr 'mißbilligend über die k o m m u n i st i s ch e n Messerhelden. Den Kommunisten ist nur zu raten, ihre Parolen, Reichsbanner- klindgcbungcn und ihre Aufmärsche zu stören, doch noch zu ändern. Di« Reichsbannerkameraden sind nicht mehr gewillt, sich kommu- nistisch« Störungen gefallen zu lassen. Der Ortsvercin Tiergarten des Reichsbanners veranstaltet heute, um �>8 Uhr ein Platzkonzert auf dem Dcnncwitzplatz, wo der Kamerad Karl Ebcrt sprechen wird. > 18) Copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A-G., Berlin � Und bald wird es auch für Funk Zelt, zum Arztunter- stand hinüberzugehen. Der Ilziteroffizier ermahnt den Wider- strebenden. Lipp ist in voller Tätigkeit, als Funk die Erdstufen hin- untertastet. Es brennen fünf Kerzen. Lipp liegt auf dem Boden an der holzverschalten Wand und oerstopft Asllöcher. „Funk, san S da? Guat. Sie können glei mitarbeiten. Wissen S', was es in dem Sauloch da herunten gibt? Maus'! Schauen S', mei Bett Hab i schon in die Mitten g'stellt und die vier Eisenfüß' in die vier Feldkessel. Die Kessel kann ma glei als Pottfchamber benützen. Hauptsach' ist, daß Flüssig- keit drin ist, nachher können die Viecher net am Bettfuß in die Höh' und zu mir herein." Er meckert fröhlich:„Was, Funk, die Maus' nämlich, die wir gern im Bett hätten, die sind weit furt." Funk steht in dienstlicher Haltung und schweigt. Aber es pruscht der Bursche los. „Haft' die Goschen. Lümmel!" schreit Lipp.„Zwanz'g Jahr ist der Lackel und lacht schon höchst ausgepicht Ver- schwinde. Rou6! Sorg' fürs Nachtessen! Der Funk speist bei mir, also blamier' mich nicht." Reisling. der Bursche, geht lautlos. Der Stabsarzt hockt sich an den Tisch. Er hat den Ka- nonenofen zur glühenden Röhre erhitzen lassen. Die Luft scbwell fsurig. Er zieht die dicken Lederhandschuhe und den Waffenrock aus. Der Geierhafs tauckt aus einer Leoparden- fellweste. Er hat etwas vom Tierbändiger und Tier zu- gleich. Funks grübelnden Blick fängt er ein...Was, ein feines Stück, die Weste? Von meinen Reisen als Schiffsarzt Anno dazumal. Treten Sie näher, rührt euch. Funk! Weshalb so steif?" Er sagt es scherzend— und geht jäh in Befehlston über:„Darf ich bitten, ich habe es d/zch schon gesagt, sich der Löcher in der Wand anzunehmen. Dort ist Stopfmaterial, zerstoßenes Glas. Man muß, Funk, hier draußen immer tätig sein. Bummeln kann sich nur die Garnison leisten." Funk macht sich an die Arbeit. Er weiß nicht recht, wie er die Glassplitter anpacken soll, ohne sich zu schneiden. Er umwickelt Fingerspitzen mit dem Taschentuch und kommt, so behindert, nur langsam vom Fleck. Merkt der Stabsarzt den lahmen Gang der Sache nicht, die ohne Handschuhe kaum zu leisten ist? Er lehnt sich zurück in einen zerfransten Bauernpolstersessel mit Ohrenklappen. Er ist in Plauderlaune. „Wir sind allein, Funk. Auch mein Hannes ist fort. Ich Hab' mit Ihnen zu sprechen. Vor allem, daß wir uns ver- stehen: Sie nehmen die Geschichte neillich in Fournes nicht krumm, was? Ich Hab' Ihnen den Kopf zurechtsetzen müssen — schon wegen der anderen Mannschaft. Vergünstigungen ohne weiteres, das gibt's nicht. Hab' auch mit Oberarzt Model gesprochen— ja, natürlich, das weiß ich selber, daß Sie kein Bär sind Dazu brauche ich die Finessen des Herrn Oberarztes nicht. Wie ist Ihr Dienst jetzt, geht er?" „Er geht, Herr Stabsarzt." „No, also. Auf Rosen ist keiner von uns gebettet. Aber ich weiß was Besseres für Sie als das blöde Gelauf' hier draußen. Ich will Sie mir holen. Deshalb bin ich hier. Andere Lockungen hat der Verbandplatz nicht für mich." Er stößt ein krächzendes Gelächter aus. Funk erstarrt innerlich. Was wird geschehen? denkt er. .Ich will Sie mir holen', sagt dieser Mensch. Mir ist, als holt' mich der Satan. Er hört hinter sich des Stabsarztes Stimme, während er kniet:„Sie, wissen, das Regiment ist derzeit ohne leitenden Arzt, ich habe vertretungsweise die Stelle. Stabsarzt Röhl hat sich-- er ist tot. Ja, wahrhaftig, ein merkwürdiges Ende. Ich rede zu Ihnen davon unter der Voraussetzung, daß Sie als gebildeter Mensch, als Akademiker, ehrenwörtlich zu schweigen verstehen." Lipp macht eine Pause. Funk schweigt und bastelt Der Vorgesetzte fährt fort:„Röhl hat nämlich selber Schluß gemacht. Hier draußen hat sich keine Kugel für ihn gefunden. Er hat sie sich daheim eigenhändig apvlizieren müssen. Ein krankhafter,«in überdrehter Mensch. Wir haben uns schlecht verstanden. Sinnlos penibel mit Pünktlichtest und Aktenkram. Zu Hause aber scheitert er an Unpünktlichkeit, an der sexuellen Ungenanigkeit der Gattin." Er meckert in sich hinein.„Ein Mensch mit ungesundem Fett, ein präsumtiver Fünfziger hei- ratet eine Zwanzigjährige. Was wollen Sie? Liebesblind- heit? Man kann sagen: Kriegsblindheit." Er lacht wieder. von innen gestoßen.„Bor einem halben Jahr sitzt er in, Eärtchen von Madame Gallier, in Fournes, an einem weißen Tisch— und tut was? Natürlich essen. Der Mensch Hai immer zuviel gefuttert und sein Blut dick werden lassen. Da kommt eine englische Riesengranate, setzt hart neben ihm ein vier Meter breites Loch in den Boden, schmeißt ihn selbst vom Rand der Grube mitsamt dem Tischchen und der gebratenen Ente über Gartenmauer und Holzschuppen auf die Straße. Der Ente hat's nichts getan, die war eh' schon tat, aber ihm. sehen Sie, hat's auch nicht geschadet. Geschadet hat ihm erst die zwanzigjährige Phyrnc. Die war unbekömmlich." Er kichert lautlos. Funk erhebt sich vom Boden und meldet, sämtliche Löcher seien verstopft. Der Stabsarzt beachtet das nicht. Er sagt in verändertem Ton:„Ja, und noch was. Also, Schluß mit diesem Röhl. Was anderes: Der Unteroffizier Bart, der Medizinersäugling. kommt in die Heimat zur Fortsetzung seiner Studien. Diese Kerle werden jetzt in beschleunigter Karriere Feldunterärzte. Das mag ein feines Material abgeben. Bisher hat Bart die Schriftwechsel mit den Bataillonen und dem Regiment und die Meldungen on die Division erledigt. Die Feldwebel, der Asam und der Fähnlein und gar der Malz— die können kaum ihre Namen richtig hinschmieren, die sind unmögliä?. die kann ich nicht brauchen für den ganzen Zimt. Da werden Sie, Funk, diese Tätigkeit jetzt übernehmen." „Zu Befehl, Herr Stabsarzt." sagt Funk starr. „Da kommt der Jean mit Atzung. Funk, setzen Sie sich her, es reicht für zwei Krieger." Funk gehorcht. Nach dem Abendessen wird der Stabs- arzt �rst recht gesprächig. Die Nacht bleibt ruhig, keine Per- mundeten kommen, es gibt nichts zu tun. Lipp scheint Müdig- keit nicht zu kennen, er langweilt Funk mit Reden über Literatur, über Theodor Körner und Jeremias Gotthelf bis zum Umsinken. Funk hält sich krampfhaft den Schlaf vom Leibe. Gegen Morgen wird er entlassen. (Fortsetzung folgt.) X r( vs: Amerika unter der Lupe. England und seine Polizei. Dkr Berliner City-Ansschuß hatte Polizeipräsident Zorgiebeh Stotitbaurat Dr. W a g n e r und Stadtrat R c u t e r zu Vorträgen vor seinen Mitgliedern geladen, dem von den Ein- geladenen am Dienstagabend vor einer gut besuchten Mitglieder- Versammlung des City-2lusschusses entsprochen wurde. Die Der- sammlung wurde von dem Präsidenten F l i n s ch«rösfnet und geleitet. Als erster sprach Polizeipräsident Zörgiebel über die Ein- drück«, die er auf seiner Londoner Reise empfangen hatte. Er gab zunächst einen geschichtlichen Uebsrblick über Werden und Entwicklung der vielgerühmten Londoner Polizei, deren An- länge bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zurückreichen. Heute ver- fügt sie über 20CKX) Maiip, einschließlich 900 Kriminalbeamten. Ferner sind 50 Palizeibcamtinnen vorhanden. Ihre einzige Aufgabe, und darin unterscheidet sie sich wesentlich von der deutschen bzw. Berliner Polizei, besteht in der Bekämpfung und Verhütung strafbarer Handlungen und der Aufrechtcrhaltung nonRuhe undOrdnung. Im Gegensatz dazu ist die deutsche Polizei mit allen möglichen anderen Aufgaben belastet, die nicht zu ihren eigentlichen Aufgabenkreis gehört, wie Ausstellung von An- gestellten- und Jnoalidenkarten, Erbschastssteuerermittlungen, Bs- fcheinigungen für Erwerbslosen- und Fürsorgesachcn, Jmpfangelegen- heiten, Rattcnvertilgung usw. Bon diesen Dingen weiß die Lon- dcner Polizei nichts. Sie ist aber auch in anderer Beziehung im Dorteil! Zm Publikum genießt sie uneingeschränktes vertrauen, und wo eine Polizeiaktion nötig ist, wird sie vom Publikum unterstützt. Sodann ging Polizeipräsident Zörgiebel zur Erörterung der Londoner Berkehrsfragen über. Für die Verkehrsrege- lung stehen in London 9000 Beamte zur Verfügung, in Berlin 385. Die Verkehrsmittel verteilen sich auf je hundert wie folgt: 43 Personenautos, 13 Autobusse, 4 Straßenbahnen, Lastkrastfahrzeug«, 18 Fahrräder, 3 leichte und 3 schwere Pferdefuhrwerke und 11- Handwagen. Das Verantwortlichkeits- gcfühl wird bei den Fahrern der Kraftfahrzeuge in London viel mehr als bei uns geweckt und gepflegt und unsere Auloklubs könnten sehr viel tun für die Erziehung der Fahrer zur Rücksichtnahme auf das Publikum. Gering ist der Hupenlärm. Die Einschränkung der Polizeistunde und die Erschwerung in der Abgabe an Alkoholiter hat zur Folge gehabt, daß sich die Nachtklubs nn- ocheuer entwickelt haben: man zählt 2000 derartige Klubs. Das Wochenende beginnt am Sonnabend um 1 Uhr und endet am Montagoormittag. Der Präsident konnte drollige Episoden an- führen, aus denen hervorgeht, wie die Angestellten auf ihr Wochenende achten. Er hofft, daß sich die maßgebenden Berliner Geschäfts- kreise einem S-Uhr-Sonnabendschluß nicht widersetzen werden. Zum Schluß sagte er: Wenn die Londoner auch stolz auf ihre Polizei sein können, so haben auch wir Ursache, mit unserer Polizei zu- frieden zu sein. Es könnte aber manches bester fein, wenn auch das Publikum sich mehr auf die Polizei einstellt und sie unterstützt. Sodann nahm Stadtrat Reuter das Wort, um über die Ein- drücke auf seiner amerikanischen Reise zu plaudern. Amerika, so führte«r aus, ist ganz anders als England. Zunächst wird man von dem wahrhaft gigantischen Gesamteindruck überrannt. Man sieht dann aber bald eine Traditions-, Hemmung?- und Rückfichtslosigtcit, die alle unsere Begriff« übersteigt. Unser deutsches Land ist ein gepflegter Garten, während man sich da drüben zuweilen in ein« kullurlose Wildnis versetzt glaubt. In den Verkehrsmitteln kennt man In keiner amerikanischen Stadt eine derartige Verein- heitlichung, wie wir sie in iBerln haben. Man kennt dort drüben überhaupt kein« Verkehrsmittel, die sich in öffentlicher Hand be< finden und man behauptet schlankweg, die amerikanischen politischen Swdtoerwaltungen seien nicht geeignet, sslche Geschäfte zu betreiben. Die Entwicklung der amerikanischen Stadt wird bestimmt von der Ueberzeugung, daß der Einzeln« sein Eigentum ausnützen kann und darf, wie er es für zweckmäßig hält. Das ist einerseits der Grund, weshalb man den in der City unerschwinglich teuren Boden durch den Bau von Hochhäusern auszunützen trachtet. Andererseits wird diese Entwicklung dadurch begünstigt, daß dort, wo sich bereits Verkehrsmittel befinden, immer neue Verkehrsmittel eingerichtet werden. Die kommunalen Finanzen sind schwer zu überschauen. Die amerikanischen Städte werden aber durch die Verkehrsentwick- lung in einer Weise belastet ,die schwer vorstellbar ist. Die neuen Projekte(Hochstraßen, Stroßcntunnels usw.) kosten" Milliarden. New Park allein wird in den nächsten Jahren Ausgaben für den Verkehr machen müssen, die halb so groß sind wie die deutschen Reparationszahlungen. In Berlin müssen wir aus diesen Fest- stcllungen und Beobachtungen lernen. Das Typische in Amerika ist die Planlosigkeit im Aufbau der Städte, eine Auf- sastung, die zu unserer eigenen im schrofsstcn Widerspruch steht. Unser ganzes Verkehrsnetz muß mit größter Sorgfalt auf Dezentralisation angelegt werden. Das schließt eine Ciiy- Bildung keineswegs aus. Der Bau von dicht zusammenliegenden Hochhäusern ist zu vermeiden. Auffällig ist, daß in Amerika, dem Land der Autos, die Straßenbahnen noch immer eine be- vorzugtc Stellung einnehmen. Auch bei uns befördern sie 50 bis 00 Proz. aller Fahrgäste. Ihr weiterer Ausbau ist unbedingt notwendig. Im übrigen zwingt uns die Entwicklung des Verkehrs und unserer Städte in Deutschland, uns mehr als bisher auf den kommenden Autoverkehr vorzubereiten und einzurichten. Es wird gewiß nicht so stark werden wie in Amerika, aber verhältnismäßig wird er wohl auch in Deutschland in den nächsten Jahren gewaltig steigen. Notwendig wird es sein, daß in Zukunft die Behördenverwaltung in Deutschland den mo- dernen Verkehrsersordernissen mehr Verständnis entgegenbringt, daß sich aber auch die private Initiative mehr als bisher um diese Fragen kümmert. Als letzter sprach Stadtbaurat Dr. W a g n e r, der sich im Hinblick auf die ausführlichen Darlegungen des Stadtrat Reuter auf einige knappe Ergänzungen beschränkte. Stadtbaurat Wagner nahm besonders die Gesamterscheinung der amerikanischen Städte scharf unter die Lupe. Die Städte sehen vielfach, so meint« er, im Verhältnis zu unseren Städten ungemein ärmlich aus. Alan erlebt die unglaublichsten Dings, so u. a. daß neben einem Krankenhaus eine Müllabsuhrstelle liegt. Slraßenbahnschienen befinden sich in einem Zustande, die in Deutschland die Empörung der Bevölkerung und den Zorn der Polizei hervorrnfen würde. Planvoller Städtebau ist drüben unbekannt. Die Baupolizei ist keine staatlich«, sondern«ine kommunale Einrichtung. Ihre Formulare sind viel erschöpfender als bei uns. Jeder Umbau, auch der kleinst«, bedarf polizeilicher Genehmigung. Die Baupolizei ist zu gleicher Zeit auch Gewerbe-, Hygiene-, Theater- und Straßen- baupolizei. Daher kommen die Projette bei ihr schneller durch, und zwar in etwa 14 Tagen. Aber auch die Bauunternehmer und Bauherren unterstützen die Baupolizei durch sehr sorgfällige Aus. arbeitung der Projekte, wie man sie in Berlin kaum zu sehen be- kommt. Die Zeichnungen sind aufs akkurateste durchgearbeitet. Scheiuprojektc werden dort kaum eingereicht. Architekten und Bau- Unternehmer setzen sich schweren Strafen aus, wenn die Projekte nicht sorgfältig durchgearbeitet sind. Das amerikanische Flug- w e s c n läßt sich mit dem deutschen nicht vergleichen. Es befördert in der Hauptsache Post. Einen Flughafen wie den Berliner gibt es in ganz Amerika nicht. Zur Beurteilung des Autowefens möge die Tatsache dienen, daß in New Pork im Jahre 1910 auf 265 Köpfe ein Auto kam und heute bereits auf sechs Köpfe. Don 100 Autos sind 24 im Besitz von Arbeitern und 20 im Besitz von Angestellten. Junge Kaufttute kaufen sich für 10 bis 201 Dollar alte Vehikel, die in Deutschland lächerlich wirken würden, in denen sie aber drüben trotzdem ins Wochenende fahren. Wir haben, so sagte Stadtbaurat Wagner zum Schluß, in Amerika sehr viel Negatives gesehen und gelernt, und wir müssen uns hüten, in Verhältnisse zu geraten, aus denen sich auch in Deutschland eine derartig zügel- und direktions- lose Entwicklung ergeben würde. Amerika muß uns in vieler Be- Ziehung zur ernsten Warnung dienen. Alle drei Vorträge wurden mit der größten Aufmert- f a m k e i t entgegengenommen und man dankte allen Rednern durch starken Beifall. Präsident Flinfch gab dem Dank der Anwesenden in beredter und liebenswürdiger Weife Ausdruck. Ein raffiniertes Betrugsmanöver. Arbeitsloser im Auto zum Stempeln. Ein umfangreiches Betrugsversahren gegen den Kaufmann Ehrl st tau Holh. der sich in Untersuchungshaft befindet, beschäftigt gegenwärtig den Moabiler Untersuchungsrichter. Haitz Hot in einer ungeheuerlichen Weise die Erwerbs- losenfürforge ge brandschatzt, und zwar in einem Um- fange, daß er fast anderchalb Jahre hindurch in Saus und Braus leben konnte. Er war zeitweise bei zwölf und mehr Bezirtsarbeits- ämtern gleichzeitig als erwerbslos gemeldet. Das konnte er natürlich nur mit Hilfe raffiniertester Fälschungen. Er arbeitete m i t falschen Papieren und war überall unter einem anderen Namen angegeben. Obwohl er unverheiratet ist, war er als ver- heirateter Mann mit mehreren Kindern stets gemeldet und bezog den Höchstsatz von 32 M. wöchentlich. Auf diese Weis« hatte er ein recht ansehnliches Einkommen, und feine Haupttätigkeit bestand darin, die Gelder einzukassieren. Bei den weit aus- einander liegenden Bezirkpcrmtern, bei denen er überall unter anderem Namen gemeldet war, hatte er Mühe, stets rechtzeitig zum Stempeln und Kassieren zu kommen und mußte sogar das Auto in Anspruch nehmen. Schließlich war H. so sorglos geworden, daß er bei den gefälschten Erwerbslosenpapieren selb- ständig Aenderungen vornahm, wenn einzelne Daten nicht genau übereinstimmten. Das wurde schließlich bemerkt, und man hielt ihn au. Bei einer Haussuchung fand man noch 25 vorbereitete Anmeldungen für die Erwerbslosigkeit, die all« auf die verschiedenartigsten Persönlichkeiten lauteten. Der Untersuchung?- richter ist augenblicklich eingehend damit beschäftigt, festzustellen, ob Haitz die Fälschungen selbst vorgenommen hat, oder ob er seine Papiere aus einer Fälschungszentrale bezogen hat. Ein derartig raffiniertes Betrugsinanöoer muß natürlich strenge gerichtliche Sühne finden, weil ähnlich« Fälle bereils des öfteren als Stimmungsmache gegen die notwendige soziale Einrichtung der Arbeitslosenversicherung mißbraucht worden sind. Besucht das schaffende Berlin! Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungs- arbeit hat einen Sonderprospekt herausgegeben, der die Qrgani- sationen einladet. Reisen nach Berlin zu unternehmen. Für den Ausentholt in Berlin ist vom Reichsausschuß ein Programm ausge- arbeitet worden, das den Teilnehmern in drei Tagen die wichtig st«n Eindrucke über das schaffende Berlin vermitteln soll. In großen Autobussahrten werden die Hauptsehenswürdig. keiten Berlin» gezeigt. Daneben sind vorgesehen Informationen und Besichtigungen der Einrichtungen der modernen Arbeiterbewe- cmng, deren Zentralen sich in Berlin befinden. Ferner soll das kommunale Berlin mit seinen großzügigen und vorbildlichen Betrieben und Anlagen gezeigt werden. Der Reichsausschuß stellt sachkundige Führer zur Verfügung und bereitet den gesamten Aufenthalt in Berlin einschließlich der Unterkunft und Verpflegung vor. Aufgabe der Orts, und Bezirksorganisationen ist es, Gruppen von 20 bis 30 Genossen zusammenzubringen, für die dann der Reichsausschuß das Programm des Berliner Aufenthalts durch- führt. Der Prospekt, der das Programm und die näheren Be- dingungen des Ausenthalts in Berlin enthält, sst unentgeltlich durch den Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit. Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu beziehen. Das Programm kann je noch den besonderen Interessen und Wünschen der Organisationen(Ge- werkschasten, Parteivereine, Kulturorganisationen) beliebig ergänzt und umgestellt werden.___ Buddelei zur unrechten Zeit! Havel-Shaussee Pichelsberg«-Schildhorn gesperrt. Der Fohrdamm der Havclchaussee von Pichelsberg« nach Schildhorn soll erweitert und ausgebessert werden. Warum aber gerade zur Zeit des allergrößten Verkehres? Zu diesem Zwecke wird nämlich die Straße von nächsten Montag ab für den gesamten Verkehr gesperrt und die Sperrung?- maßnahm« sott einen Monat hindurch aufrechterhalten werden. Bis dahin ist ja auch glücklich der sommerliche Verkehr erledigt. Di« bedrohten Wirte haben sich an die zuständigen Instanzen gewendet, um wenigstens für die Sperrungszeit eine andere Zufahrtsstraße zu erhalten und zwar die Havelchausse« vom Kaiser-Wilhelm-Turm aus, oder die Chaussee vom Kleinen Stern im Grunewald, die vom Osten und Süden auf Schildhorn zu führt. Mündlich wurde den Antrag- stellern dies auch zugesichert. Wird dieses Versprechen aber auch eingehalten werden und ist es wirtlich nicht möglich,«inen anderen Termin für diese Arbeiten zu finden? Orei Badegäste erirunken. Bei hohem Wellengong weggerissen. s ö l u ,, 6. August. wie aus B a l k r u m(Nordsee) gemeldet mird. fanden am Dienslagmorgen beim Bade« In der Nordsee drei Personen den lod. Die See Halle ziemlich hohen Wellengang, so daß sie hin- weggerissen wurden. Es handelt sich um Professor Bayer aus Elberfeld und Elsenbahnobertnspektor Haupt und$rau aus Köln. Röntgcntol. Die Auslieferung des„Vorwärts" für diejenigen unserer Leser, die die Zeitung gleich vom Bahnhof mitnehmen, erfolgt seit Dienstag, 6. August, morgens durch die ZI- garrenhandlung Vages om Bahnhof Röntgental. Wir bitten olle in Betracht koinmendeii Leser, sich in Zukunft dorthin zu wenden. Heimkehr aus K �ankreich! Die Ankunft der deutschen Schüler aus Paris. Der Pariser v-Zug brachte gestern nachmittag 18.10 Uhr die deutschen Schulkinder, die durch die Organisation für deutsch-französischen Schüleraus lausch ihre Ferienzeit iv Frankreich verlebten, wieder zurüs In die Heimat. Der Bahnhof Friedrich st raße, der schon so manchen festlichen Empfang gesehen hat, hallte gestern wider von Freuden- rufen der Heimkehrer, die unermüdlich von dem glänzenden Empfang in Frankreich berichteten. 2hm Montagabend waren die deutschon Schulkinder bei dem fragzäsischen Minister- Präsidenten Briond zu Gast. Bon diesem Empjang aus ging? zum Bahnhof und in den Zufg nach Berlin. Gleichzeitig brachten die Deutschen 100 junge Franzosen mic, die ihr« Ferien in Berlin verleben werden. Außer den Eltern und Freunden der Jungen waren am Bahnhof Stadtyätin Genossin Weyl und Oberstudiendirektor G e n o s s e D r. K.a w e r a u. die das Werk des Schüleraustaujches seit Jahren fördern. Die Schüler hoben vier Wochen in Frankreich gelebt. Sie haben dort Menschen gefunden, di« wie Ihre eigenen Eltern begeisterte Milarbeiker au der Erhaltung des Friedens sind, Menschen voll herzensgute. Di« deutschen Schüler werden nie mehr an das Märchen, Frank- reich fei unser Erbfeind, glauben. Sie.werden zu begeisterten Mit- kämpfern anderdeutsch-französlfchenBerständigung werden. Die jungen F r a n z o s« n. die mit den deusschen Schul- lindern noch Berlin gekommen sind, wurden von ihren Pflegeeltern erwartet und sofort in ihr neues Heim geleitet. Auch sie werden das deutsche Volk verstehen lernen und werden den Gedanken mit zurück- nehmen, daß auch in Deutschland eifrig und energisch an der Ver- ständigung der beiden Länder gearbeitet wird. Oeutsch-dänischer Kindertausch. Unvergessen ist das große Hilfswerk unserer dänischen Ge-- nassen unter der Leitung des.Iiudcrvaters" Abg I. P. Niel- s e n, das Zehntausend« deutscher Kinder in den Notjahren nach dem Krieg und in der Inflation so Gutes erwiesen hat. Auch in diesem Jahr haben rund 1000 reichsdeutsche Kinder ihre Ferien in Däne- mark verbracht und gegen 200 dänische Kinder in Deutschland. In der waldreichen Umgebung Kopenhagens berherbergte eine deut- sche Kinderrepublik 500 Jungens und Mädels von der Wasserkante. Am gestrigen Dienstag haben Genosse Nielsen und seine Frau rund 50 Kinder nach Berkin zurückgebracht, und heute treffen weitere 250 hier ein, olles Berliner, oder solch«, die über Berlin fahren. Begeistert erzählen sie von dem schönen dänischen Nachbarland! Wandel der Zeit. Poris, 6. August.' 200 französische und deutsche Schulkinder, denen es durch die Bemühungen des deutsch-französifchen Schüleraustausch. komitees, vornehmlich auch der Heidokderger Genossin L er o i. oergönnt ist. ihre Ferien im Nachbarland« zu verbringen, Soren gestern nachmittag Gäste des fronzösischen Außen- Ministers im Quai d'Orsay. Sie wurden im Ramm des im Haag wellenden Zlußenminsstcrs von einem hohen Beamten be- grüßt,, der. einer Ansprache auf die Bedeutung der freundschast- lichen Beziehungen zwischen dm Schuljugeiid.'fiir: die Einigung der'beiden Länder hinwies.''Der Leiter'der deutschen Ab- teilung de» Schüleraustausches, Krüger, unterstrich die Not- wendigkeit, daß Frankreich und Deutschland sich näher kennen- lernen müßten, um zu einer Verständigung zu gelangen. Darauf nahmen die Kinder einen Imbiß im Garten ein und sahen sich die Räum« des Ministeriums an. Gegen 11 Uhr abends traten sie vom Nordbahnhof aus die Reife nach Deutsch- land an. Oas 32. Todesopfer in Waldenburg. Waldenburg, 6. August. T Bon den im Knappschaftslazarell untergebrachten Schwer- verletzten oerstarben am Dienstag der Ikfährige Schlepper Richard Wille aus W e i ß st e i n und der Schlepper Rudolf Schön. Damit hat sich die Zahl der Toten bei der Schlagrvetterkatastrophe in Niederhermsdorf auf 32 erhöht. Zum Verfassungstag. Während der Reichstogsfeier am 11. August, zum zehn- jährigen Berjassuugstage wird der Berliner Sängerbund unter Leitung des Musikdirektors Max Wiedemann mittags zwischen 12 und 1 Uhr auf der Freitreppe vor dem Reichstagsgebäude einige Chöre zum Vortrag bringen. Konzert der Oefterreicher zum Verfaffungstag. Während der großen Derfassungsfeier des Reichs- banners in der Staatsoper am Platz der Republik, die am Sonnabend, den 10. Zlugust, stattfindet, werden die mit dem Republikanischen Schutzbund aus Oesterreich zur Feier des Ver- fafsimgstoges«intreffenden vier Kapellen auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude konzertieren. Das Konzert beginnt um 7 Uhr und dauert bis 8.30 Uhr. Das Programm umfaßt öfter- reichische Märsche und Walzermusik. Im Anschluß daran findet der Auffnarsch der 3000 Musiker des Reichsbanners zu dem um 0 Uhr an derselben Stelle beginnenden großen Zapfenstreich statt. Für die Teilnehmer aus W i e n er- N e u st a d t, die bereits am Freitag früh in Berlin rintrcfsen, oeranstaltct der Ortsverein Neukölln-Britz am Freitag abend in Kliems Festsälen einen Be- grüßungsabend, bei dem die Wiener-Neustädtcr Kapelle spielen wird. Dachftuhlbrand in der Tanziger«trafjc. Die Feuerwehr wurde gestern nachmittag nach der Dan- ziger Straße 40 im Norden Berlins alarmiert, wo im Doch- stuhl aus noch unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen war. Der Brand wurde mit vier Schlauchleitungen bekämpft. Die Auf- räumungsarbeiten waren erst in den späten Slbendstunden beendet. Zur Cesundhaltungl F&chingcr forsimilNeUe. Berlin SR II SctiSneöergerStr. 16 1 Tel. LQUOw 8260-61 Die Ernte in Berliner Laubengärten. Der Kleingärtner ist ivie der Landmann ein Wettertundiger ge- worden, der den Himmel nach Sonnenschein und Regen prüft. Hängt doch von Witterungsumschlägen oft Gedeihen oder Verderb all seines Fleißes ab. den er seinem Gärtchen zugebracht hat. In diesem Jahr waren es Sorgen genug, die der häufige Wechsel zwischen Wärme undKälte brachte. Meist ist es ja so. daß für den Ausfall der einen Frucht dafür eine ander« doppelt gut gedeiht. Da auf den sehr kühlen und feuchten Vorsommer plöglich die große Hitze fiel, wurde das Beerenobst von einer Art Notreise befallen, die die Früchte nicht ganz entwickelt« und zum Teil sogar verbrannte. Die Stachelbeeren waren häufig von dem Becherrost befallen, der die Früchte vernichtete. Di« voraus- gegangene große Winterkälte hat die Schädlingsbildung nicht aufge- halten, unter der die Berliner Gärten in den letzten Iahren stark leiden. Das Bekämpfen speziell der tierischen Schädlinge sollt« viel systematischer als bisher betrieben werden durch Anlegen von Leimringen, Bogelschutz durch Aushängen von Nistkästen usw. Das Steinobst ist durch Fröste in der Blütezeit sehr geschädigt morden: Frühblüher, wie Kirschen und Pfirsiche, sind meist ganz aus- gefallen: Schattenmorellen und Sauerkirschen tragen normal, zum Teil erwartet man auch eine gute Pflaumcnernte. Doch hat der furchtbare Wintersrost den weitaus größten Teil der Pfirsichsträucher und sogar auch junge Obstbäum« ganz vernichtet. Wo die Kälte in besonders freiliegende Gärten einschlug, zeigen auch die Beeren- sträucher Frostschäden. Die Erdbeerernte war an geschützten Stellen reichlich. Vom Winterfrost wurden auch Kletterrosen und Bromm- beerhecken betroffen, die bis auf die Wurzeln abfroren, ebenfalls die hochstämmigen Rosen, während die Buschrosen durch die Schneedecke geschützt waren und wieder aus dem Wurzelhals ausschlugen. Die ganze Gartenkultur ist durch das sehr kurze Frühjahr und den langen Winter um mindestens drei bis vier Wochen zurückgeblieben. Wenn die Natur auch vieles wieder aufgeholt hat, so ist doch die Entwick- lung gegen sonstige Jahre zurück, bei den Bohnen beträgt sie etwa eine Woche. Da wir eigentlich nur vier warme Nächte in diesem gemüfe, was den nassen Sommer gut überstand. Das Kernobst zeigt stellenweis reichen Behang, im Durchschnitt ist die Apfelernt« mäßig, die der Birnen normal. Im Blumengarten hat die große Hitze dem ganzen Flor sehr bald ein frühherb st lichesAus sehen oerliehen. Dahlien md die Herlistdimne« find schon in Entfaltung. Biel« wintechart« Stauden wurden ein Opfer der Kälte. Unverzagt aber hält der Kleingärtner alle Wettcrtücken durch und setzt sich dagegen zur Wehr, von Jahr zu Jahr aus seinen Erfahrungen dazu lernend. Gegen was er aber nicht geschützt ist, das ist das Massensterben der Gärten, das bei der neusinsetzenden Bebauung ganze Kolonien zum Ver- schwinden bringt. Der Familie aber, der der Garten genommen wurde, ist das Beste ihres Daseins genommen. Sie zählt dann mit zu dem Massenheer der Verlorenen, die sich mit dem Problem Groß- stadt nicht auseinanderzusetzen verstehen. Wintergarten. Vier Saphirs nennen sie sich mst fremden Klang und sind nach ihrem eigenen Geständnis Deutsche. Ein kleiner Murx, eine Zwergin, ist Berlinerin. Die drei anderen, Menschen von selten schönem Wuchs, verschmelzen an Trapez und Ringen zu einzig- ortigen Leistungen. Die Zwergin steht ihnen nicht nach. Der Medini-Leiternakt besticht durch fabelhafte Sicherheit des Hauptpartners und durch die neroenkitzelirde 5?auptnummer, die die Partnerin bis in die höchfte Höhe der Bühne trägt. Als Dritter im Bunde ausgezeichneter Artistik sind die Rollschuhläufer Brown und la Harte zu nennen, die sich in tollkühnen Wirbeln drehen. Ein seltener Spaß ist es, den großen M a d y mit seiner kleinen Kollegin, die ohne Namen bleibt, l)erumtollcn und ihre Scherze treiben zu sehen. Es ist, als ob zwei Kinder übermütig miteinander spielten. Die froh« Laune der beiden wirkt ansteckend. R e s o und Reto bilden«in— männliches— Paar von oft überwältigender Komik. Auch hier kommt ein drittes Paar hinzu: Harry und Marjorie Ristorie, zwei Exzentriks. von denen sich der weibliche Partner durch absonderliche bizarre Armoerrenkungen und drollige Mimik, der männliche durch unglaubliche Gelenkigkeit aus- zeichnen. Eine ganz aparte Nummer ist der kleine amerikanische Revue st ar E st her, eine Kreolin ganz unbestimmten Alters, die kindliche Naivität und Drolerie raffiniert und ungemein reizvoll zu gestalten weiß. Staunen, Neugier, Angst, Schelmerei, Koketterie, Schmollen usw., alle� diese Seelenregungen spiegeln sich im Gesicht und werden sofort von jedem verstanden. Ein herrlicher Ulk ist Kurt Lilien; Sketch: Hinter den Kulissen des Rundfunks. Der Autor spielt die Hauptrolle, einen Bühnen- Hilfsarbeiter, der die Geräuschmaschinen und Vorrichtungen in Bc° wegung setzen muß und durch seine Tölpelhaftigkeit alles verkorkst. Das aussinanderstrebende Ganze wurde von Hermann Feiner gut zusammengehalten. Und dann ein« Schar eleganter rothaariger Amerikanerinnen, die Hollywood Redheads, Jazz. kapelle(Rotköpfe) mit ihrer Dirigentin B a b e E g a n. Es ist erstaunlich: Außer auf seinem Instrument ist säst ein jedes Mit- glied noch Meisterin irgeirdeiner 5bunst. So kommt eine Biel- gestaltigkeit zusammen, die verwirren würde, wenn sie nicht durch den, �wenn auch oft grotesken Rhythmus zusammengehalten würde. In Summa: Ein Sommarprogramm, das keine ist, sondern«in Programm der Hochsaison. Kein« Nummer eine Niete, jede ein Gewinn.___ Volksfest in Mahlsdorf. Di« Lichtenberger Gartenheimgesellschaft, die schon über 350 Einfamilienhäuser in Mahlsdorf errichtet hat, rief am Sonntag, zu einem Volksfest. Am Frcttchenweg in Mahlsdorf sammelten sich über tausend Mitglieder und Gäste zu einem recht originellen Festzug. Voran die Radfahrer und Sportler, dann die Musik, so ging es durch Mahlsdorf zum Siedlungsgelände. Im Festzuge wurden Wagen mitgefichrt, auf denen nette Karikaturen auf„Neues Bauen und neues Wohnen" aufgebaut waren. All die kleinen und großen Siedlerwünsche konnte man von den Wageninschrrften ablesen. Auf dem Festplotz wurde der Zug schon stürmisch erwartet. Der„Sender"„Gierschncrshausen" begann auch fogleich sein Programm abzuspielen. Gesang und Musik, Darbie- tungen der Sportler folgten in bunter Reihe. Der Vorsitzende der Lichtenbergcr Gartenheime, Genosse G i e r s ch n e r, begrüßte die Gäste mit einer launigen Ansprache. Auf primitiv zusammen- gahauener Tanzfläche vergnügte sich die Jugend. Die Siedler luden in ihr« netten Gärten zu einem Kafseeschmaus ein. Abends wurden die Häuser illumimert. Sin vierter Toter in München. München. K. August. Nunmehr ist auch der vierte Arbeiter, die bei dem schweren Gerüsteinsturz aus dem Oberwiesenfeld verunglückten, im Krankenhaus gestorben. Die Personalien der Toten konnten noch nicht genau festgestellt werden. Drei der Verunglückten stammen aus dem Rheinland, der vierte aus München. TKootvr, Liditfpiele ufw. WM Ibiater D.I. 8U, Norden 12 310 Ende gegen II vis Fledermaus Musik v. Job. StrauB. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Die Komödie ,| I Bisaick.2414/7516 8 U., Ende geg. 10 LI. Freudiges Ereignis Lastspiel von Dell und Mitchell Leoatlne Regie Sagen SsnilmiF-Wm Komödienhaus Norden 6304 Täglich 8».k Uhr BodueitnelK TheaL d. Westens Täglich 8'.» Uhr Sonntag 4 u. SVi Frans Lchars Wcltcrfolgl FrlederlKc Carola Willy Thunis, Telephon Steinplatz 0031 u. 5121 Lnstspielhaas Täglich S'/t Uhr Du wirst mich helratenl Rundfunkhörer halbe Preise. Metropol-Th. Tägl. 8V«Uhr Sonntags 4 u. 8*/« Blaubari Operette von Ottenbach Kammersänger Waller Kirciihotl CDeat. am Koim. ror Kottb.Str.5 Tägl.• Uhr Elite- Sänger Die Aunust* Sensation Strippke's In der Sommerfrische Planetarlimi am Zoe mmm VaUn. ladticslkilB itnti B.5 BarBarossa557f 16'/. Uhr Sternblldar du Sommert IB'/.U Von Pai zu Pol am Starnenhlmmoi 200« Uhr Der Qlutball dar tonne Tägiaufier Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder 50 PL Mittw.; Erwachsene SO Fl, Kinder 2» Pt. »>/, Uhr Barb. 9266 [ Orig. 3 Fratelllnt natr. Tägl. S d, eis , SonBLS.Sl 8» _ j Al«x. E.4.806Ö INTERNAT. VARIETE C A S I N O-T H E A T E R Lothringer Strafe$7. Wleder-Eroitnung Freitag, den 16. August 8V« Uhr mit dem neuen Schlager Wem gedött mein Mann! u. einem erstkl. bunten Programm Rose- Theater, Grobe Franldnrter Sir. 1)2. Vom). bla 8. Aognat, tägl. 8.15 Uhr: ZvriSlfdcausctncI Schauspiel in 3 Akten von BriMFruk. Oarteabahne Rheinisches Winzerfest. Taaa im Freien von 4 Uhr aa Riesenfeuerwerk Eroiklaaolges Variete 8.15 Uhr. „Bis früh um fonfa* mit der Musik von Paul Linke. SSOSOSSSRWSSSS—< Ä Sommer-Qarten-Theater Berliner Prater N 58. Kast.-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 Casissie! Bastei Beel. Bretel Lilien Die lustige Witwe Operette von Franz Lehär Dazu der grobe Varietäieii, Anfang Konzert 4.S0. Burleske tu Variete Ii um. vgerelle 8.M. ltdtn Doneeniag grober VoIRstag. i Jed. Mittw. Kiodenesi n. Veriosung, ►eeeeeeeeeieeeee——< Relchshalien-Theater Allabendlich 0 Uhr. Stettiner Sänger von der Reise zurück. (Das wundervolle Progr.l Virltll Dönhoff- Bratti: (Saal und Garten) Tm: Afloll-Benter-Orfliester. Haute Mittwoch Orchester-Wettstreit um den Prot»*. Lunapark ms 4 gr. Blas-OrcMer MaiaankonzerL 103 Sualkar. Rennen zu Karlshorst Mittwoch, den 7. August I9i9, nachmittags 3 Uhr, Tepper-Laskl-Jagdrennen. rof, beige und Hallenturnschuha mit elastischer Gr. 31-35 1,75_ 36-4-2 1 o*1 Segeltuch-' in r-ot, Hou und l?cige Turnschuh« mit 27/30 Gr. 31-35 5,90 Bcglao 5. August Zum Schulanfiang auch Kinder- Schuhe zu nie dagewesenen Ausverkaufs-Preisen! Jedes Kind erhält dn Geschenk! Saison- Aus verkauf Mehr Ausländer, weniger Reichsdeutsche. DerlinS Fremdenverkehr im Iuli. Nach Mitteilung des Statistischen Amts weilten im Juli 141 242 Fremde in der Reichshauptstadt, von denen l 1 1 10 9 Reichsdeutsche waren und 3 0 13 3 oder 21 Proz. der Gesamt- zahl aus dem Auslande kamen. Im gleichen Monat des Vorjahres wurden dagegen 141 146 Fremde, III 863 Deutsche und 29 283 Aus- länder, gezählt. Bei ungefähr gleich gebliebener Gesamtzahl ist also ein Rückgang der Zahl der Deutschen um 764 und eine Zu- nähme der Zahl der Ausländer um 8SV zu verzeichnen. Damit weist Berlin also die gleich« Entwicklung auf, die in diesem Jahr« auch in anderen Fremdenorten, wie Baden-Baden und Frank- furt a. M., beobachtet wurde. Von den Ausländern kamen aus Amerika 8285(im Juli 1928— 7924), aus Dänemark 2369(2223), aus Großbritannien 2270 (1729), aus Oesterreich 2018(1963), aus Schweden 2017(1672), aus Polen 2002(2205), aus der Tschechoslowakei 1837(1644) und au» den Niederlanden 1073(1017). Fahnetl zum verfaffllugstag und Schriften ,mn 11. August find in der DorwärtSfiliale, Prinzenstr. 63, Ecke Annenstratze, täglich von 14—19 U6i erhältlich. Verewigung der Areuude oau ReNgioa und VSlkerftledea. des Veriasfungstage« findet in der TrinitatiSstrck «nlidlich . Jje Charlottenburg eine besondere religiöle Feier st unde statt.— Die Feier beginut um 10 Uhr am Sonntag, dem 11. August.— Genofie Psarrer Bleier hält die Festrede über da« Thema: Christentum und Republik. Kommt zahlreich in diese Feierstunde am 11. August. Näher« Au«künste über diese Der- ewigung erteilt der erste Vorsitzende Willy Schinherr, Berlw-Steglitz, Schönhauser Str. 14. Telephon: Steglitz 8173. Wetterbericht der öffeutlicheu Wetterdienststelle vertlu uud llmgegeud. (Nachdruck verboten.) Meist wolkig, später einzeln« Regeniälle. Tempera- turen im ganzen wenig verändert.— Zür veutschtaud: Im Westen gröfiten- teil» wollig mit Temperaturrückgang, strichweise Regensälle. Im Osten heiter und warm. Eiuseuduuaea für dies« Rubrik find « e r I«» S««, Lindenstratze 3, stet,»» du««ezirkesekreterii» r. Hos, S Treppe» recht», zu richte». 14. firei, Neukölln. Heute, Mittwoch. 19)4 Uhr. erweitert« strewvorfiand» fituins an bekannter Stell«. Heule, Mittwoch. 7. August: 4. Abt. Die Abteilungileitung bittet alle Parteimitglieder nochmal» zum u. August recht zahlreich die Reichsbannerkameraden in Quartier zu nehmen. Meldungen an Genossen G. Gerechter, Marfiliusstr. 12. IV, und bei Brandis, Stralauer Str. 10. Uebt Solidarität und Gastfreundschaft. II. Abt. lSlh Uhr wichtige Funktionärsshung bei Liebfch, Wtlhelmshaoener Ecke Birkenstraße. 140». Abt. Wittenau. 20 Uhr Borstandssstzung bei Rutsch, Oranienburger Straße 24. 141. Abt.»osintbal. 20 Uhr gemeinsamer Kahlabend bei Hoffmann, stron. orinzen- Eck« Ebelweißstraß«. Bortrag:.Berlehrsfrageg in Groß-Berlin". Referent: Genosse Siadtnerordneter Reinhold Eichberg. Morgen. Donnerstag, S. August: 1. Abt. Die Funkiionärssßung der Abteilung findet nicht statt. », Abt. 20 Uhr wichtige ffunktionärssßung bc! Dobrohlaw, Swinemünber Straße U. Die Karioihckkarten und Verzeichnisse der Borwärtsleser find mitzubringen. «. Ait. 20 Uhr ssunktionärversammlung bei Losak, Benmestr. 8. 36. Abt. Funktionärssßung bei Busch. Tilfiter Str. 27. 71. Abt. SchZ»«i-eg, Neulill». 81. �' Sanderftr.___..._______________ heute. Mittwoch, sondern morgen, Donnerstag. 20 Uhr. bei Guhkn. Leine- straße, statt.— 68.«dt. 20 Uhr sfunktionärsißung mit Wohisahrtsptlegern und.Pflegerinnen bei Roack, Iuliusftr. 2ö. Lichtenberg.>14. Abt. 1SV, Uhr Vorstands- und lfunktionärfißung de! Schwarzer, ' Gabriel-Mar-Str. 17.— tis. Abt. 10)4 Uhr Sißung de» Abteilungsvor. standcs mit den Gruppenleitern und Kassierern bei Hempel, Jung- Ecke Echarnweberstraße.— 1t». Abt. 20 Uhr Funktionärversammlung bei Barß. MöHendorfstraße. 121. Abt. Ka-l-horft. 20 Uhr lsunktionärversammlung im Deutschen Hau», Stolzenfelsstraß«. 132. Ait. Blautenbnra. 20 Uhr Funktionärstßuna bei Kl»«, Dorfstr. 2. Zraueuveraastallung. 74. Abt. Ze hl-»darf. Ein Frauenausflug findet in diesem Monat nicht statt, dafür beteiligen fich die Genossinnen an allen Parteiveranslaltungen. Zungsozialistische Vereinigung. »mm», Amcköll» Heute. Mittwoch, Jugendheim Treptower Str. SS— 06, Bortrag:.Die Organisation der kapitalistischen Wirtschaftsuntrrnehmung". Referent: Gerhard Ott. Arbeilsgemeiuschaft der Sinderfreunde. Krei»?riedrich»b»w. All« M-cklenburgfahrer und Feltteilnehmer treffen heut«, Mittwoch. 10%, Uhr, Schillingsb rücke(in Gesundheitsamt). �Untersuchung. La»d,»erger � mäßig statt.____________ Freitag für Rot« Falten von IS— 20 Uhr im zur Gruppe wieder regelmäßig Platz. Unsere Gruppenabende finden ab Z. August Montag, von 18—20 Uhr, für Zungfalken und Küken. '"r im Jugendheim Diestelmeverstraße ipielabend aus dem Sportplatz von :d Liederabend. Mittwoch, 7. August. ______ ag, 0. August. Erlebnisse aus der Kinder. republik. Alle Gruppenkinder müssen erscheinen. Wir erwarten, daß die Eltern die Kinder restlos zur Gruppe schicken. Die Beiträge können am Freitag, dem 0. August, im Jugendheim, in der Zeit von 18—22 Uhr. bezahlt werben.— Achtung, Eltern! 11. August. Verfassung»!««— 150 000 Reichs- bannerkameraden kommen nach Berlin. Gebt Luartur.— Flaggt Schwarz- Rad-Gold und Rot.— Die.Aktuelle liebe rtragung* aus dem Großkraftwerk Slwgenberg tonnt« kein geschlossenes Bild dieser gewaltigen moder- nen Echosfensstätte geben— höchstens vielleicht einem Blinden, der ganz anders geübt ist, sein Gehör zu gebrauchen, und der aus einem Lärmchaos die Vielheit der Geräusche, ihre Wucht und ihren Rhythmus herauszuhören vermag. Der Durchschnittshörer empfing «ine akustische Illustration,«ine Art Ergänzung zu den Bildern, die et wohl mindestens in Zeitungen und Zeitschriften von dem Werk gesehen hat. Alfred Braun ist natürlich technisch ein Laie. Das aber macht« seine Reportage gerade wertvoll. Denn er setzte infolgedessen keinerlei Fachwissen bei den Hörern voraus und stellte an die Betriebsangehörigen ungefähr die gleichen naiven Fragen, die der Hörer selber gestellt hätte.— Die.Dialoge der Geister", zur gleichen Zeit von Berlin gesendet, waren eine Art Hörpanoptikum: ein bißchen ausgestopfte Museumsware. Durch die Dialogform wird«in Vorgestern kein Heute, im Gegenteil: die Menschen werden durch chre unzeitgemäße Ausdrucksform unwirklicher, fremder. Nyr ein Dichter kann uns im Dialog Dergangen- heit glaubhast als Gegenwart erleben lassen.— Anschließend gab es ein Llasorchesterkonzert von Berlin, Kammermusik von Königs- Wusterhausen. Man konnte sich also von den schmetternden Klängen der Blechinstrument« zu sanfteren Tönen retten.— Recht angenehme Unterhaltung boten vor der eigentlichen Abendveranstaltung die Gesangsvorträge von Albert Tostini. T e s. SozialifiischeArbetterjugendGr.-Verlin Einsendungen für diese HuhriJ nur an da» ZugendselreteNat Derlin GW 68, Onden straße 3 Achtnng, Abtcilnngskassseeer! Leute, zwischen 17 und 10 Uhr. AbreHnnng der Beiträge und Ausgab- der„Jugend voran" und der.Arbeiterjugend". Achtung. Abteilungsleiter! Gebt den Berichtsbogcn vom 2. Quartal und Pas Monatsprogramm lür September ab. Abteilungsmilgliederversammlungea heule, 19M> Uhr: «r»un«»platz: Heim Adalfstr. 10.—«edding: Hei« Turiner Ecke See. straße.— Petersburger Viertel: Heim Tilstier Str. 4.— Neichenberger Viertel: Heim Britzer Str. 30.— Eharlottenburg-Rord: Seim Olbcrsstraße.— Spandau: Heim Lindcnufcr I.— Tcmpelhos: Lnzeum Germaniastr. 4—8(Eingang Kinder. Hort).— Fallenbirg: Heim auf dem Eutshof.— Friedeichshagen: Heim Friedrichftr. 87(Rathaus).— Fricdrich-feld«: Seim Alt-Friedrichsfelde 45.— «aulsdorf: Schule Adalfstr. 25.— Lichienberg.Ritte: Heim Echarnweberstr. W. — Ren-Lichtenberg: Heim Hauffstraßc(Sportplatz). .„Einführung in den .Rückblick auf Wien". e w, Hufeisen pünkt- Weste» 1(Ro� Falken): Hehn Bstlowstr. 88. Vortrag: Sozialismus".— Lankwitz: Schule Echulstraße. Vortro — Britz I nnv II: Wichtig« Zusammenkunft der lich 10)4 Uhr._ Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner �Schwarz-Rot-Gold". »«sGllttsstell«!.BerNn S 14. S«dasti-nstr. 87 M. Ho' 2 Tr. Mittwoch, 7. Anfftest. Tiergaete». Kameradschaften Westen I und II. 1» Uhr Antreten zum Platzkonzert auf dem Dennewitzplatz. Banner- kleidung. Kameradschaft Stephan.'20 Uhr bei Schlessnger, Lübecker erir. o. Quartierkommission 21 Uhr bei Rickert. St-inur-tzstr. 38a. Prcn�auer Berg- Kameradschaft Eenefeiderplatz. 20 Uhr bei Heiles Versammlung Be�assungs- frier. Zriedrichshain. Kameradschaft Frankfurt. 20 Uhr Äameradsckwftssstzung. Vroskauer Eck« Rigaer Straße. Einteilung des Dienstes zur Verfassungsferer. Köpenick(Ortsverein). IS'ch Uhr Sitzung des engeren Vorstandes, der Zug. führer und der Quartierleiter der Kameradschaften. Quartierverteilung im Bezirk Köpenick, bei Bewart. Köpenick. Rudowcr Str. 28.— Tonncrs�a. 8. August. Prenzlauer Berg. 20 Uhr bei Burg.-Prenzlauer Allee, erwclter.c Borstandssstzung. Kameradschaft Falke. 20 Uhr Zusammenkunft bei e>°ugc. Mllastr. 5. Tempelhas(Ortsverein). 20 Ubr Vollversammlung b«l Ma-Lr. Er. scheinen Pflicht.— Frritag. I.««au«,«riedrichshai». Kameradschaft Aureas. A> Uhr Versammlung in Scheuidt» Geselllchastshau,. ffruchtstr. 88. Diens.- eintriiung per Berfa ssungsfrier. Erscheinen für sämtlich« aktipe und. passsoe Kameraden Pfiicht. Tharlottenbnrg. 20 Ubr Platzkonzert de» Ortsvereins auf dem Karl-August.Platz. Den Schutz stellen die Kameradschaften Zoo und i-tutt. gart um IS?t Ubr. Wilmersdorf. Iungbannerl Im Jugendheim WUli-Ims. aue 128 letzte Besprechung zur Verfassungsfeier. Erscheinen Pflicht. Marine» abteilung. 18)4 Uhr Exerzieren und Turnen. Um 21 Uhr Besprechung»n Bootshaus Tegel.— Schöncberg.Frieden-n. Kameradschaft Friebenc». Käme- radschafisv-rsammlung am Mitiwoch, dem 7. August, nicht Donncrsiag, den 8 Äugiist. um 20 Uhr, bei David, Bornstr. 5. Einteilung zur Bundesvcr. i-ssungsfei-r.— Reinlckendors.««». Mittwoch, 7. August. 20 Uhr. Vorstands. sstzung im Verkehrslokal.- Kameradschaft Amtsdczirt Schö-eiche. Achtung. Kameraden! Unsere Vollversammlung findet am Freitag, dem 0. August. um 20 Uhr. bei Biedemann statt. Tagesordnung: JBerfassungsf-lcr. Ber- fchst ebenes. In Anbetracht der Wichtigkeit derselben, ist es Pflicht eines jeden Kameraden, dort zu erscheinen. Reichsb-ud fit-»rieg-besch-digt«»ud SiuterdNeben«. Ost-- 5. Monat-- Versammlung am Mittwoch, dem 4. August. 20 Uhr, im Peremslokal, Echmidt- Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 88-. Reichsverbaud Deütscher«rirgsbeschädigter und Kriegerblnterbliebeuer. Stadtbezirk II(Tielgorcn). Mitallederperfammlung am Mittwoch, dem i. Au- gust, 20)4 Uhr. im Vcrcinslokal„Zum Landsknecht". Havelderger Eii\ 12. Referat:„Die Rcichskonfcrenz des Reichsverbandcs und der Abbau an Kriegs- opferrcchtcn". Arbeiter- Samariter- Bund«.#., Kolonne Berlin. Mitglied« rverfammlunq haben folg. Abt.: Mittwoch. 7. August. Reinickendorf: Matter. Eichb-rnstr.»4.— Donnerstag. 8. August. Pankow: Jugendheim Kifstngrnstraße.— Freitag. 0. August. Temvelhof: Kindisch, Rathausstraße.— Lichtenberg: Seitcke. Kron- vrinzenstr. 47.— Steglitz: Schmidt. Lichtcrfelde, Roonstr. 80.— M-niaa. 12. August. Neukölln: Schilling. Kirchhofstr. 41.— Echöneberg: Rostnthal. Ebcrsstr. 06.— Weißensc«: Starke, Chariollenhurge: Str. 3.— Köpenick: Süppckohl. Schönerlinder Sir. 5.— Dienstag. 13. August. Mitte: Schule Gipsstr. 23».— Friedrichshain: Busch, Tilsttcr Stt. 27. o-rm-n-Lnelish-Socleix. Cafi sagenburg, Berlin W., Bülowstraße 1. 9. p.m. Dramatic Rccital: Mr. Ernst Wilbelmy., Aber Julius. muß das sein? Der elektrisAe Tisckifäciwi verbraoA« nur für reL 1 Pfennig Strom pro Stunde. A-ul begueme Teilzahlung erhältlich In den Geschäften mit dem Zeichen: Bekanntmachung. In der Ausschußsttung am 7. Mai 1020 wurde folgender(17.) Nachttag ztt der Satzung der Allgemeinen Ortstrankenkaff« Berlin-Panlom beschlossen: fi 22 Absatz I erhält folgende Fassung: „Wird Krantenhauspstege einem Der- sichetten gewährt, ber bisher von sei» nem kedeittzverdlenft Angehörl oder überwiegend unterhalten wird daneben ein Hausgeld ige ganz i hat. io für die Wattezeit zurückgelegt, so wird ein Hausgeld lm Betrage des vollen Krankengeldes gezahlt." fi 30 a erhält folgenden Nachsatz: „Bei Bettchickung von Kindern zur Derhüluna von Krankheiten Iß>87 Abs. 4 RVO) durch die Landesver- stcherungsanstalten oder«inen Für- sorgeverband zahlt die Kasse einen täg- lichcn Zuschuß von einer Mark bis zu sechs Wochen." Borstehende Acnderung tritt am Tage nach der Berössentiichung in Kraft B«ritn-Paukow,den7. Mai 1029 See Vorstand bot Wlgctn einen Ortofeenefenfoffe Beclin-pankoco. O. Gütig, Vorsitzender. Genehmigt. Tharlottendnrg, den 15 Zuü 1020 0d«roerstch«rne:g»aml Berlin. (L. S.) fUnierichttitt Branche der Eisen- o. Revolverdreher, Rundschieiier. sowie Dreherinnen SoaBctotag, den 8. Tlugnst 1929, 19(T> Uhr. im Barferoefaal des vsrbnndshonse» AuBsroreentUchs (trtiamhiiüMffiE Tagesordnung: I. Di« Spaltung iu unserer Branche. 2. Branchen angelegenheiten. 8. verschiedene,. «sgen- una �k'083Ssie- si'vsnei' Freitag de» 9. August 1929.«och. mittag» 8 Ahe Voiluersammlung in Väter» gtiHälaa, wederstrabe 17. Tagesordnung: 1. Bericht von unserer Lohnverhandlung vor dem Gchiichtungsausschuß 2. Disluisson und evli. Adslimmung. Ohne Milgiledsbuch der zuständigen Organisation teinen Zutritt. Die OiisTerwattnng. Verkäufe Landhan» für Handwerker. Borort Sttausberg, 5 Morgen, 12 000 bei 3000 Anzahlung: fenicr Landhaus. Vorort, 20 Morgen. 2 Kühe, 2 Schweine, Ernie, 13 000 bei 4000 Anzahlung. 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Batteriefabrik Berlin SO 16, Neanderstralie 4. Mittwoch 7. August-1929 Unterhaltung und Missen Vellage des Vorwärts Andre 3)ahl: �Oll Cs waren zwei sonderbar« Gesellen» von unvorstellbarer Schmutzigkeit, seit acht Tagen unrasiert, rote Tücher um den Hais gewickelt, zerfetzte Stiesel und speckige Mützen.... Das Wort zer- lumpt schien eigens für sie geschassen. Ms der Bankier Horace de Bsrly die beiden in seinem Bureau bemerkte, war seine erste Regung, das Zimmer zuzusperren, den Portier zu beauftragen, niemanden aus dem Hause zu lasten und nach der Polizei zu schicken. Aber was konnte dabei herauskommen? Verhöre im Polizeikommissariat, Sensation in den Zeitungen und nach dem Skandal der Roman Oil Aktien, die von 7000 Franken aus 60 Centimes gefallen waren, ein neuerlicher Skandal! Nein, nichts davon! Ein kräftiger Mann genügte schon für diese Galgen- nögel. Ganz ruhig zog der Baron seinen Browning, den er immer mit sich führte, aus der Tasche, rief �Händ« hoch!- und trat ein. »Einbrechen wolltet ihr also, meine Lieblinge? Kein sch'echter Gedanke, ein ganz guter Trick... Sonntag vormittag ist niemand in der Bank, der Portier ist beim Rennen, seine Frau treibt stA irgendwo herum, das Bureau ist mcht einmal versperrt und die Kasta steht im vollen Tageslicht zu eurer Berfügungl Und wenn man ein Geräusch hört, kann man sich schon in einem der zwei Stockwerke verstecken, nicht wahr?... Wirst du wohl deine Hand oben lasten, du Schmutzfink! Bei Tag wolltet ihr also arbeiten. Das paßt euch. Man hat gute Beleuchtung bei der Arbeit. In der Nacht muß man sich be- eilen, da nimmt man nur die Neine Brieftasche und läßt den schweren Geldsack zurück. Und dann muß man sich übers Dach davonmachen. Unbequem, nicht wahr? Wirft du wohl still bleiben, du kleiner Spitzbube? Und wie dumm ihr nur beide dreinschaut! Seht euch nur in den Spiegel! Oder nein, lieber nicht. Mich wundert nur, daß man euch nicht auf dem Weg hierher arretiert hat. Wie prächtig ihr ausseht! Welche Eleganz! Ich kann mir schon vorstellen, wie ihr euch die Sache zurechtgelegt habt. Am letzten Sonntag habt ihr wohl die Gegend ausgeknobelt und dann habt ihr euch die folgende Woche jeden Tag in eurer Kneipe hingelümmelt und euch gefragt, lvas die Sache wohl einbringen könnt«. Was euch die Sache einbringen wird, kann ich euch sagen. Gar nichts. Nicht einmal einen Monat Zuchthaus! Oder glaubt ihr, daß ich wegen euch zwei Waschlappen den Untersuchungsrichter� belästigen werde? Wenn ihr wirkliche Einbrecher wäret, dann ja.' Aber was seid ihr in Wirklichkeit! Schäbige Anfänger! Ihr könnt vielleicht auf dem Lande in einem Gemischtwarenladen oder bei einer alleinstehenden Krämerin einbrechen. Ihr müßt in die Pro- vinz gehen, meine Besten! Für Paris seid Ihr nicht geeignet! Ja, ja, rollt nicht so mit euren Augen! Haltung muß man bewahren, wie es in Paris die Diebe tun. Seht m i ch an! Wißt ihr. warum ich jetzt in die Bank komme? An einem Sonntag vor- mittag, wo niemand zugegen ist? Well ich im Begriffe bin, alles, was in der Kaste ist, abzuholen. In vier Stunden bin ich mit 1 800 000 Franken über die Grenze. Das nennt man ganze Arbeit. Das ist elegant! Man braucht sein Jokett nicht abzulegen, man behält seine Handschuhe an den Fingern und unten wartet das Auto. Das steht dafür. Nur alle zehn Jahre ein solcher Streich und man ist über'm Wasser. Aber merkt euch: Lumpen und schäbige Mützen darf man nicht trogen. Ist es nicht nett von mir, daß ich euch eine Lektion erteil«?- Die beiden Männer hörten zu und ließen sich scheinbar keine Silbe entgehen. „Stehlen wolltet ihr, stehlen! Nun, ich will euch sagen, wo man dieses Handwerk, wenn es euch gefällt, auf mühelosere Art be- sorgen kann. A u f d e r B ö r s e! Da gibt es keine verschlostenen Gitter, keine komplizierten Schlösser. Ihr tretet ein, so wie ich es getan habe, ein Paket Roman Oil Aktien unterm Arm. ihr begrüßt eure Bekannten mit verbindlichem Lächeln und im Nu habt ihr eure Schäfchen ins Trockene gebracht. Ganz gefahrlos, sage ich euch. Beweis, daß ich in einer Stunde schon weit weg bin von hier. Vergreift euch daher niemals an einem Kasten- schrank! Da hat man euch gleich beim Schlafittchen! Wer küm- inert sich schon um euch? Bielleicht irgendein Straßenmädchen oder irgendein alter Heyler. Aber ich stehe bei so manchem Ab- geordneten in höchstem Ansehen(die Scheckabschnitte habe ich noch bei mir). Begreift ihr das? Beisteht ihr, daß die kleinen Diebe ein gefährfiches Gewerbe betreiben, bei dem man gleich erwischt wird. Die Finanz, die Börse, das ist eine andere Sache. Da verschwindet man eines Tages von der Bildfläche mit voller Brieftasche. Ihr werdet morgen in den Zeitungen lesen:„Bankier Horace de Berql unter Zurücktaffung von Schulden im Betrage von ö Millionen ge- flüchtet. Von den Opfern sind die meisten Kleinrentner in der Provinz.- Und euch wird man nicht einmal als Zeugen anführen! „Glaubst du!- sagte in diesem Augenblick einer der beiden Männer, indem er auf den Bankier zusprang, während der andere ihn mit einem wohlgezielten Änüttelhieb wehrlos machte.„Kommen Sie mit, Herr Fleindell, genannt Lauzier, bekannt auch als Dumas und Bcrgeron alias Horace de Beryl. Wir haben schon zu lang auf dich gewartet. Unser Borgesetzter hat uns gesagt, daß wir gerade zurecht kommen würden. Gibt deine Hände her, damit wir dir die Handschellen anlegen! Dem Untersuchungsrichter brauchst du gar keine Erklärungen abzugeben. Wir werden ihm schon alles erzählen. Auch dem Chauffeur brauchst du keine Wei- jungen zu erteilen. Er weih schon, daß er zur Polizeidirektion zu fahren hat" WeUet'obenmg durch Steklame Die„Bereinigung der Reklamevereine der Welt- hat vor dem Kriege in den Dereinigten Staaten einen Kongreß abgehalten, bei dem Reklomefachleute aus aller We't ihre Erfahrungen austauschten und die gewaltige Bedeutung hervor- hoben, die das Anzeigen- und Propagandawesen im Gcschästsleben gewonnen hat. Einer der Redner jührte das Beispiel von Atlantic City an, die durch verschiedene groß« Propagandafeldzüge aus einem winzigen Fischerdorf in 40 Iahren zu einer jährlich von 20 Mil- lionen Menschen besuchten Metropole am Meeresstrand geworden ist. Der Weltreklamekongreß, der Mitte August dieses Iqhres in Berlin staUfinden wird, wird nicht mehr zu bewesten brauchen, was die Reklame für eine Weltmacht geworden ist. Wir wissen es bereits, daß vom Bettler aufwärts, der sein leibliches Gebrechen oder sein« defekte Kleidung als wirksamstes Reklamemittel ausnützt, bis hinaus zu den Gekrönten, deren Reklame in der sie umgebenden Pracht und Herrlichkeit besteht, es wohl kaum Menschen gibt, die die Göttin„Reklame- nicht anbeten. Wirleben in der Zeit der Ausmachung, in der Zeit der Reklame, wo es kaum noch möglich ist. mit gewöhnlichen Arbeitsfähigkeiten auf den grünen Zweig zu kommen. Deshalb hat auch der Spruch:„Freie Bahn dem Tüchtigen- heutzutage doppelt soviel Geltung als in früheren Zeiten: er bedeutet den Sieg derjenigen, die in den großen Wettrennen für sich die beste Reklame zu machen verstehen. Als vor langen Jahren der Inhaber einer großen chemischen Fabrik in England Sir M F. Bird. der feine Waren mit Hilfe einer großzügigen Reklame vertrieb, starb und ein Vermögen von mehr als 1 Million Pfund Sterling hinterließ, erinnerten die eng- tischen Zeitungen daran, welche Riesenvermögen gerade die Ge- lchäjtsleute erworben haben, die ihrerseits wieder ungeheure Cum- men für Reklame ausgaben. Jeder weiß heutzutage, durch welche Mittel die Industriekömge der Welt den Gipfel des Ruhmes und Reichtums erklommen haben. Ford, der Automobilkönig, Wrighley, der einstige Trompetenblöfer in einem New-Porker Orchester und heutige Kaugummikönig, Gil- leite, der Rasierklingenfabrikant. Citroen, der französische Auto- mobilindustrielle, Lord William H. Leoer, der Fabrikant� der Sun- lichtseise, Poiret, der Pariser Modekönig, Antoine, der Erfinder der Bubikopffrisur und viele andere wurden nicht zuletzt durch eine großzügige und geschickte Reklamepropaganda zu Weltberühmt- holten. Hundert Jahre ist es heute her, daß das Wort Reklame in die Oeffentlichkeit drang. Der erste jedoch, der diesem Wort einen tieferen Sinn verlieh, war der große Reklamemacher des 19. Jahr- bunderts Mr. Bornum der legendäre Zirkusdirektor, dem die dankbare Nachwelt den Beinamen„Vater des Bluffs- gab. Er war der erste, der die Reklame in größtem Umfange und aus jede nur erdenkliche Art benutzte. Von sich reden zu machen, war sein Hauptzweck und er scheute sich nicht, die sonderbarsten Mittel anzuwenden um Aufsehen zu erregen Auf welche Weise er für sich Propaganda machte, wird aus folgendem ersichtlich: Einmal setzte er in London auf die schlaueste Art durch, den Zwerg Thumb der Königin vorzuführen, so daß es sozusagen ein Verstoß gegen Mode und guten Ton wurde, den Zwerg nicht gesehen zu haben. Ein andermal, in Philadelphia, legte er nach Etablierung seines Zirkusses die Maske eines in der dortigen Gegend als Frauen- mörder berüchtigten-Pfarrers an. Die Bevölkerung wollte ihn lynchen, eine Justiz, die nur im letzten Mcment verhindert werden konnte. Auf diese und ähnliche Weise wurde die Neugierde des Publikums aufgepeitscht und ungeheure Einnahmen erzielt. Nicht weniger als 30 Millionen Dollar hatte ec für Reklame ausgegeben und auf ebensoviel belies sich sein Vermögen als er starb. Selbstverständlich findet man noch heute nirgends anderswo ein empfänglicheres Publikum für derartige Reklame als in Amerika. Welch große Erfolge hier durch originelle Ideen erzielt werden können, erzählt Tom Murrey, der Besitzer eines großen Warenhauses in Chicago, in seiner Selbstbiographie. Arm wie eine Kirchenmaus kam er nach Chicago und brachte es innerhalb von 10 Iahren zum reichen Worenhausbesitzer. Er schrieb diesen Erfolg in erster Linie seiner geschickten Reklame zu. Tom verkaufte zuerst Aepfel auf den Straßen, wurde dann Berkäufer In einem Lebensmittelgeschäit und eröffnete schließlich nach wechse vollem Leben einen kleinen Kleider- und Wäscheladen. Nun zeigte sich sein Re- klamegenie. Er inserierte die Rückansicht seines Kopses in den Zeitungen und oerfaßte folgende Unterschrist:„Das ist Tom, wenn Sie mich sehen wollen, kommen sie in meinen Laden.- In sein Schaufenster legte er Zettel, auf die er mit Blaustift Regeln für seine Verkäufer schrieb:„Verkäufer, redet die Leute nicht tot, ich brauche lebende Kunden!"—„Verkäufer, behandelt meine Kunden so gut, wie ich Euch behandle dann werden sie zufrieden sein und Tom." An einem Derbytag, als ganz Chicago in den Eijenbahn- zügcn zur Rennbahn hinausfuhr, mietete er 2S Te'egraphenboten. Cr gab Telegramme an sich felbjt auf, mit der Adresse:„Telegramm für Tom Murrey, er fabriziert Hemden." Jeder der Jungen mußte durch einen der vollbesetzten Züge eilen und das Telegramm aus- rufen. Die Sache kostete den genialen Tom kaum 100 Dollar, und die Leute sprachen wochenlang von seinem Trick. Viele Reklametyps, die zu einem Wsltsrfolg führten, haben eine interessante Borgeschichte. Die bekannte Fabrikmarke einer Grammophongcsellschaft, ein vor dem Schalltrichter sitzender Hund, der mit gespanntem Gesichtsausdruck auf die aus dem Trichter her- ausschallende Stimme seines Herrn lauscht, stammt von dem eng- lischen Maler Francis Barraud. Das Bild war aber nicht zu Re- klamezwecken bestimmt, sondern als Gemälde gedacht und wurde vor etwa 30 Jahren von Barraud gemalt, um in der Ausstellung der Akademie gezeigt zu werden. Die Jury hatte indesien die Annahme des Bildes abgelehnt. Nach dem großen Erfolg, den das Gemälde als Reklamebild hatte, erzählte Barraud seine Entstehungsgeschichte: Sein verstorbener Bruder besaß einen kleinen Foxterrier, namens „Nipper", der sich beim Tode seines Herrn verzweifelt gebärdete, Speise und Trank verweigerte. Dem großen Hundefreund Barraud gelang es jedoch, das verzweifelte Tier zu beruhigen und an sich zu gewöhnen. Er hatte eine Sprechmaschine, und so oft er diese in Gang setzte, kam Nipper angerannt, setzte sich vor den Schall- trichter und, lauschte mit drolligem Ernst i den Tönen die heraus- kamen. Das gab Barraud den Gedanken für fein Bild des Hundes, der der Stimme seines Herrn lauscht. Nun brauchte er für das Bild einen eleganten Schalltrichter und ging in ein Grammophon- gcschäft, um sich einen solchen auszuleihen Auf die Frage, wozu er ihn brauche, erzählte er von dem Bilde, das er malen wolle. Der Chef des Hauses erkannte sofort, daß er hier eine Fabrik- marke von wirkungsvoller Eindrucksfähigkeit vor sich hatte, machte ihm«in Kaufangebot, und als dann das Bild von der Akademie zurückgewiesen wurde, verkaufte es Barraud der Grammphonfabrit für 100 Pfund Sterling, wozu ihm noch nach dem unerhörten ge- schäftlichen Erfolge eine Jahresrente von 2S0 Pfund ausgesetzt wurde In dem heutigen Konkurrenzkampf genügt es oft nicht mehr, auf eine solide Weise Reklame zu machen. So entstehen die kurin- festen Ideen, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesieln Amerika läßt sich auch in dieser Hinsicht nicht überbieten. Wer kennt nicht die Geschichte von dem Stiefelwichsefabrikanten in New Pork, der wochenlang Leute in alle Läden sandte, um nach seinem Erzeugnis zu fragen, bis die Händler infolge der andauernden Noch- frage den Entschluß faßten, die Stiefelwichse zu beziehen und als meistbegehrte zu verkaufen.— An Kuriosität läßt auch folgendes Inserat, das vor einigen Iahren im„Arizona Kiecker" erschien, nichts zu wünschen übrig:„Wozu noch länger leben in diesem Jammertal, wenn man schon für 40 Dollar auf das Pompöseste von der Firma 1. bestattet werden kann."— Ein Arzt in Kalifor- nien kündigte auf Anschlagsäulen und in Inseraten an, daß er sich verpflichtet, in allen Fällen, in denen die Kranken in seiner Be- Handlung mit dem Tode abgehen, die Hälfte der Beerdigungskosten beizusteuern. Wenn auch spärlich, so findet man doch auch in Europa Ge- schöftsleute, die dos amerikanische Muster nachzuahmen versuchen. Aus dem Friedhof zu Gadeshcad in England befindet sich ein Grab- stein mit folgender Inschrift:„Hier liegt Jeremias Jobbins, ein treuer, aufmerksamer Ehemann, ein zärtlicher Vater. Seine un- tröstliche Witwe, in der Hoffnung auf em besseres Wiedersehen, setzt das lange schon bestehende Schlacht- und Fuhvgefchäft an der- jelben Stelle fort, als wie vor ihrem schmerz'ichen Verluste. Leser, weile und notiere die Adresse."— Zum Schluß soll noch die originelle Reklame eines Geschäftsmannes in Gröbzig bei Jena er- wähnt werden, der zu gleicher Zeit Imker war: Neben einer ge- füllten Honigbllchse prangte in seinem Schaufenster ein Plakat mit der Inschrift:„Sprüche Salomouis 24. 13." Sollte nun der Leser mcht bibelfest genug gewesen sein, um diese Schriftstellc sofort aus dem Gedächtnis zu wissen, so fand er beim Nachschlagen den Vers: „Iß, mein Sohn, Honig, denn er ist gut, und Honigseim ist süß in deinem Halse." Dr. Nikolas Aranyosi. 3)le Sacket von lUorenl In M o r e n i in Rumänien, 100 Kilometer nordwestlich von Bukarest, brennt seit zwei Monaten eine Gasquelle. Das unter hohem Druck tief im Erdinnern befindliche Gas— Wasser- stoffgas und Grubengas— hat durch eine Bohrung auf Oel Aus- gong nach oben erhalten und stößt mit großer Gewalt nach außen. Durch einen Zufall entzündete sich die Gasmasse, vielleicht auch von selber, da-in mit großer Geschwindigkeit austretendes Gas Reibungselektrizität von hoher Spannung erzeugt. Dabei kann es zu Funkenbildungen kommen, da man heute noch nicht gelernt hat. durch vorsorgliche Erdung die Gefahr zu bannen. Jedenfalls brennt also diese Gasfackel mit einer über 100 Meter hohen Stichflamme, deren Widerschein bis nach Bukarest sichtbar ist. Dabei bildet sich eine sehr merkwürdige weiße Kruste rings um das Austrittsloch, die wie Kalksinter aussieht, aber nichts anderes ist als E i s. Die Ausdehnung eines Gases gegen einen Raum mit niedrigerem Druck ist nämlich stets mit Abkühlung verbunden, gerade so wie umgekehrt die Zusammenpressung einer Gasmasse Wärme erzeugt. Die Temperatur rings um das Bohrloch herum kann auf minus SO Grad geschätzt werden und diese starke Abkühlung setzt sich auch in den Teil des Bohrloches fort, der unter der Crd- oberfläche liegt. Bei den Versuchen, den Brand einzudämmen, grub man in drei Meter Tiefe einen Tunnel wagerecht gegen das Bohrloch, dem man sich auf der Erdoberfläche nicht nähern kann. Dabei zeigte sich, daß in der Nähe des Bohrloches auch in dieser Tiefe noch eine ungeheure Kälte herrscht. Auf der Erdoberfläche aber überwiegt in einigen Metern Eni- fernung die Hitze und es wird berichtet, daß niemand sich auf mehr als 300 Meter heranwagen kann, da sonst die Haut verbrannt wird. Ein riesiger Eisendeckel, den man aufsetzte, um die Flamme zu er- sticken, explodierte sofort. Zurzeit werden verschiedene Wege aus- probiert, eine gemeinsame Aktion von Tunnel(zum Ableiten der Gase und Oele) und Deckel(zum Ersticken der Flamme) ist im Gange. i 3) er Jlhne der fäluibuche Als Mutter zahlreicher Blutbuchen(manche behaupten sogar aller) gilt ein alter Baum im thüringischen Forste Oberspier bei Sondershausen. Er ist etwa 27 Meter hoch und der Stamm hat in 1,20 Meter Höhe einen Durchmesser von mehr als 1 Meter. Das Alter des Baumes wird auf 230 Jahre geschätzt. Die Forstverwal- tung Oberspier hat sich von jeher bemüht, die Mutterblutbuche, die zu kränkeln begonnen hatte, jo lange wie möglich am Leben zu er- halten. So ist in der Kulturnachweisung des Forstreviers Ober- spier vom Wirtschafsjahr 1906 ein Betrag von 130 M. für Düngen des Baumes verzeichnet. Nach Aussage von Waldarbeitern, die diese Düngung selbst mit ausgeführt haben, wurden damals acht zweispännige Fuhren Rindviehjtallmist kreisförmig um die Buche eingegraben. Da an Stamm und Aesten hier und da die Fruchtkörper eines holzzerstörenden Pilzes aufgetreten waren, was auf Weißfäule schließen ließ, so wunden auf den Rat des Gärtnereibcsitzers We-gelt- Erfurt 1923 Maßregeln ergriffen, um das Fortschreiten der Zer- störung aufzuhalten. Die Pilzkörper wurden entfernt und ab- gekratzt und der Baum wurde mit 8 Kilogramm Baumkarbolineum bestrichen: cbcirso wurden angegrissens, morsche Holzteile am Stamm ausgekratzt und ebenso mit Karbolineum ordentlich eingepinselt. Am Fuße des Baumriesen hat man eine kranke Stelle ausgemauert. Im Februar 1927 wurden 20 Zentner gebrannter Kalk um die Kronentraufe herum ausgestreut und unter vorsichtiger Lockerung des Erdreichs mit dem Waldboden vermischt. So hofft man, dem Baum zu besserer Belaubung und vermehrtem Zuwachs zu ver- helfen Andere Blutbuchen, die im Park von Sonderrhiufen durch Pfropfung von dem Mutterbaum erhalten waren, find ihm im Tode längst vorangegangen. wechselnde Rufnamen. In Japan werden die Rufnamen mehr- mals im Leben geändert. Das erstemal bei der Mündigsprechung im 13. Lebenssabre, sodann bei der Ebeschließ'mg und ferner br der Erreichung einer höheren gesellschaftlichen Stellung. Mnanznot schafft Arbeitslosigkeit. Wie lange noch Beratungsstelle? Selt etwa einem halben Jahre ist kein« deutsche Kommunal- anleihe zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt worden. Jetzt Hot die Stadt Köln durch ein größeres Bankenkonfortmm«ine dreijährige Schatzscheinemisston in Höhe von 40 Millionen Mark angeboten. Der Erlös dieser kurzfristigen Anlcche ist dazu bestimmt, die am 1. Oktober fällig werdenden LL Millionen Kölner Schatzanwersungen von 1326«inzulöfen. Während die Schuldverschreibungen des Jahres 1926«ine ö�prozentig« Verzinsung aufwiesen, ist man diesmal durch die Lage des Kapitalmarktes gezwungen. 8prozentige Obligationen anzubieten. Die Verschlechterung in den Zinsbedin- g u n g e n, die sich seit der kurzwährenden Entspannung des An- leihemarktes um die Jahreswende 1326/27 vollzogen hat, ist offen- sichtlich. Die neuen, in drei Jahren fälligen Schatzanweisungen werden dem Käufer zu 96 Proz. angeboten. Da die Stadt Köln an die Banken Begebungsspesen und Bonifikationen zu vergüten hat, wird die Stadt durch diese dreijährige Zwischenfinanzierung mit einem lOProz. überschreitenden Satz« belastet. Selbst bei diesen ungewöhnlich anziehenden Bedingungen haben sich die Banken, welche die Anleihe anbieten, nicht dazu verstehen können, den Gesamtbetrag fest zu übernehmen. Soweit wir unterrichtet sind, haben sie nur die Hälfte der Anleihesumme fest übernommen, wäh- rend die Auflegung der zweiten 20 Millionen ein Risiko der Stadt Köln darstellt. Gestern ist die Anleihe hoch überzeichnet worden; kein Wunder bei ihren großen Zinsvorteilen. Dieser Kölner versuch einer neuen Emission beleuchtet die Lage des deutschen Kapitalmarktes deutlich. Hat schon die Auflegung der Reichsanleihe und deren offen- sichtlicher Mißerfolg bewiesen, wie unergiebig der deutsche Kapital- markt gegenwärtig ist und welch« starken psychologischen Hemmungen öffentliche Anleihen zudem unterliegen, so zeigt diese Schatzwechsel- ausgäbe einer der bedeutendsten deutschen Städte, deren finanzielle Lage, trotz einer bekannten gegenwärtigen Anspannung, zweifellos besonders günstig ist, welch schwere Opfer die Kommunen für die Finanzierung ihres Jnvestitionsbedarfes zurzeit bringen müssen. Unter diesen Umständen Ist es verständlich, daß überall eine starke und nachhaltige Einschränkung bei der Fortführung bereits begonnener und der Inangriffnahme neuer Aufgaben festzu- stellen ist. Dies ist nicht nur daraus zurückzuführen, daß die Leih- sdtze, welche der Geldnehmer gegenwärtig zahlen muß, eine Höhe erreicht haben, die eine Drosselung der Ausgaben erzwingt, sondern auch auf die Tatsache, daß es selbst bei Zubilligung ungewöhnlich hoher Zinsen nicht möglich ist, das erforderliche Kapitel lang- fristig zu beschaffen. Der in den letzten Jahren beschritten« Weg, eine kurz- oder mittelfristige Finanzierung durchzuführen und die Konsolidierung dieser kurzfristigen Verbindlichkeiten aus eine Zeit günstigerer Kopitalmarktoerhältn.sse zu verschieben, kann unter den gegenwärtigen Umständen nicht mehr beschritten werden. In fast allen großen Städten l>aben die kurzfristigen Verbind- lichleiten eine Höh« erreicht, die die verantwortlichen Finanzoer- watter mit schwerster Sorge erfüllt. E» besteht also die Gefahr. daß in der nächsten Zeit mich auf den Gebiete» des driugeadfieu öffentliche» Bedarfes weitere Eiuschränkuagea erfolgen werden, die für die städtisch« Bevölkerung höchst unerfreu. lich« Konsequenzen haben würden. Davon abgesehen aber bedeutet die fortschreitend« Zurückhaltung der öffentlichen Hand in der Erteilung opn Aufträgen eine schwere Gefahr für den Arbeitsmarkt. Schon ch diesem Sommer hat sich deutlich gezeigt, daß die finanziellen Schwierigkeiten der öffent- lichen Körperschaften wesentlich dazu beigetrogen haben, die saison- ' mäßige Entlastung des Arbeitsmarktes erheblich zu vermindern. Das Baugewerbe, die Unternehmungen für Straßenbau, die Elektro- Industrie und andere wissen davon zu berichten. Um diese Wirkungen auf die betroffenen Wirtschaftszweig« nach Möglichkeit einzuschränken, gehen diese in zunehmendem Umfange dazu über, den Städten die Finanzierung der von ihnen durch- zuführenden Arbeiten anzubieten. D. h. es entwickeln sich im Ber- hältnis zu deutschen Städten Ziaanzierungsmethoden, wie sie früher in Ueberfee- oder In Balkanläudern üblich waren. Für die Städte selbst bedeuten sie naturgemäß eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Sie erschweren«in« wirklich durch- sichtige Kalkulation der Kosten und schaffen Abhängigkeitsverhällnisie, die überaus unerwünscht sind. Noch viel größer aber sind die sich daraus ergebenden Gefahren für Handwerker, sowieKlein- und M i t t e l i n d u st r i e. Diesen stehen die den Großunter. nehmungen möglichen Finanzierungsquellen nicht zur Verfügung. Sie sind nicht in der Lage, Angebot« zu machen und gleichzeitig eine mehrjährig« Finanzierung von sich aus oder mit Hilfe ihnen be- freundcter Banken anzubieten. Je mehr daher unter dem Drucke der Finanzlage die öffentliche Hand sich dazu bereit findet, Aufträge an diejenigen Firmen zu vergeben, die gleichzeitig die finanziell« Durchführung ermöglichen, in desto stärkerem Maße muß da» klein- und Mllkelunlernehmertum, besten wichtigste und zahlungsfähigste Kundschaft bisher zum Teil die Städte gewesen sind, aus dem weil- bewerb verdrängt werden. Daß diese Entwicklung den großen Massen der Handwerker und kleineren Wirtschaftsunternehmern nicht gleichgültig fein kann, ist offensichtlich. Sie ernten hier Früchte des Kampfes, der in den letzten Jahren gegen die Gemeinden und ihren Kredit geführt worden ist, und der nicht zuletzt gerade in ihren Kreisen besondere Unterstützung gefunden hat. Daß die finanziellen Berhältnisse bei den öffentlichen Körper- schoften diese Zuspitzung erfahren konnten, ist aber nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß man seit Jahren für sie das Ventil der ausländischen Kapitalmärkte praktisch so gut wie vollständig geschlossen und dadurch die Befriedigung ihres Kapitalbedarfs in der wirt- schaftlich zweckmäßigsten Weise verhindert hat. Die Erkenntnis, daß es sich dabei um eine falsche Politik gehandelt hat, deren Fehlergeb- niste klar zutage liegen, wächst in allen Kreisen. Leider aber scheint der Weg vom Erkennen einer verfehlten Politik bis zu ÜTrer Be- seitigung recht weit. An Stelle in der gegenwärtigen Situation nun mit größter Beschleunigung die bestehenden Bestimmungen über die Kapitalaufnahme im Auslande zu beseitigen und die Beratungs- stell« für Ausländsanleihen aufzuheben, hält man an dieser Ein- richtung auch heute noch unverändert fest. Man hat darüber hin- aus, soviel wir wissen, auch kein« Veranlassung genommen, die bis- herigsn Arbeitsmethoden der Beratungsstelle einer Revision zu unterziehen. Lei den gegenwärtigen ständigen Veränderungen der Lage de» Kapitalmarktes hängt es sehr oft von einer raschen Entscheidung ab, ob ein Kreditgeschäft mit dem Auslande zustande kommt oder nicht. Der Weg über die Beratungsstelle aber macht es praktisch so gut wie unmöglich, derartige Kreditgeschäfte überhaupt zu be- arbeiten. Die Folge ist, daß für den Kredit dep öffentlichen Körperschaften eine höchst unerfreulich« Sonderb«Handlung stattfindet und daß das trotzdem aus dem Ausland» hereknströmend« Leihkapital auf dem Umweg« über deutsche Banken für die Steuer- Zahler mit einem unnötigen und kostspieligen Banttribut belastet wird. Probleme der Warenverteilung. Ltnausgeschöpste Reserven für die Erhöhung des Massenwohlstandes. De? vom Reichstag eingesetzte Enqueteausschuß hat drei Jahre lang fast im stillen gearbeitet. Die Veröffentlichungen erfolgen jetzt Schlag auf Schlag. Den Enqueteberichten über die Reichsbank und die Koliindustrie Hot die neunte Arbeitsgruppe des dritten Unter- ausjchustes jetzt die Veröffentlichung von drei Materialbänden über den Handel folgen lasten. Die Bedeutung dieser Bände ist besonders groß, da man mit der Behauptung nicht übertreibt, daß in Deutsch- land durch die Untersuchungen des Enqueteäusschustes die betriebs- wirtschaftlichen Probleme und kaufmännischen Gesetzmäßigkeiten der Warenverteilung eigentlich erst entdeckt worden sind. Wesentlich an diesen Entdeckungen beteiligt ist der frühere Staatssekretär Professor Julius Hirsch. Im ersten Band werden die Ergebnisse der Fragebogen- «rhebungen mitgeteilt, die 1ZOOO EinzelhandÄebetriebe mü 140000 Beschäftigten und einem Umsatz von 2,7 Milliarden, sowie 3H00 Großhandelsunternshmungen mit 60 500 Beschäftigten und einem Umsatz von 7,2 Milliarden erfassen. Di« große Leistung dieses Bandes ist die Gewinnung von sogenannten Kenn- und S t a n d a r d z i f f e r n für den Anteil der Unkosten, Löhn«, Ge- Hölter, Mieten, Reklame am Gesamtumsatz, je noch der Größe der Betrieb» und Art der Unternehmungen, festgestellt auch sür die ein- zelnen Branchen d«s Einzel- und des Großhandels. Das hierbei für die Warenverteilung entdeckt« und fast allgemein gültige Gesetz, daß im Gegensatz zur Industrie in den Handelsbetrieben der Prozentanteil der Unkosten mit der Größe der Betriebe nicht sinkt, sondern steigt, wird in den umfassenden Erhebungen, zu dem» auch die deutschen Konsumvereine in größerem Umfang beigetragen haben, zahlenmäßig im einzeliun belegt. Bei den Warenhäusern z. B. steigt der Anteil der Unkosten am Umsatz von den kleinsten bis zu den größten Be- trieben nach den Ziffern des Jahres 1926 von 19,9 auf 27,2 Proz. gegenüber einer Steigerung von 16,6 auf 24,7 Proz. im Jahr« 1913. Der Anteil der Gehälter und Löhn« am Umsatz steigt von den kleinsten bis zu den grüßten Warenhausbetrieben nach den Ziffern von 1926 von 7.4 auf 12,2 Proz. Dabei ist bemerkenswert. daß die Großkonzerne unter den Warenhäusern wahrscheinlich infolge der erheblich sorgfältiger ausgebauten laufenden Statistiken wiederum im allgemeinen ein günstigeres Unkostenverhältnis haben als die mittelgroßen Konzerne. Die auf den Einkaufspreis geschlagenen Durchschnittsaufschläge hatten sich im Jahre 1926 bei sämtlichen Größenklassen der Warenhäuser mit 35 bis 45 Proz. gegenüber 1913 nicht wesentlich««rändert. Für den durchschnittlichen Reingewinn zeigt sich dagegen, daß er im Verhältnis zum Umsatz um so größer ist, je kleiner die Betriebe sind, wa« für 1926 ebenso gilt wie für 1313; gegenüber 1913 jedoch ergibt sich ein allgemeiner Rückgang des pnyentualen Anteils des Reingewinnes am Umsatz. Von besonderem Interesse ist die Verschiedenheit des Jahres- Umsatzes, der jeweils auf eine beschäftigte Person in den einzelnen Branchen des Einzelhandels entfällt. Den Höchstumsatz pro beschäftigte Person zeigt mit 3ö 600 M. der Butter- Handel, den niedrigsten mit 8800 M. die Putzbranche. Bei Kolonial- waren beträgt er 17 200 M., bei Lebensmittelfilialgeschästen 20 800 Mark, bei Textilwaren 19 000 M., bei Schuhwaren 14 200 M. Die Abzahlungsgeschäfte für Bekleidung und Möbel haben mit 30 800 M.(gegen 22 200 M. im Jahr« 1913) absolut und relativ einen sehr hohen Umsatz pro Person der Beschäftigten. Die Enquete bestätigt, daß die Massenfilialgeschäft« (auch Kettenläden usw.) ein hochreittables Geschäft sind. Bei ihnen fft die Umschlagsgeschwindigkeit der Löger und des Betriebskapitals am höchsten, die Rentabilität des Betriebskapitals— sie liegt zwischen 30 und 45 Proz.— am günstigsten. Sehr bemerkenswert, daß die Finanzierung der Massenfilialgeschäft« durchweg aus laufenden Ein- nahmen erfolgt und nicht aus Kroditen. Bon 64 W e r k s k o n s u m a n st a l t e n bei 54 Industrieunter- nehmungen, hauptsächlich aus der Montanindustrie, wird insgesamt ein Umsatz von 72 bis 75 Millionen M. festgestellt, also erheblich weniger al» man bisher angenommen hatte. Gegenüber dem Milliarbenumfatz der Konsumvereine spielen die Werkskonsum- anstalten also kein« entscheidende Rolle. Jmmsrhin ist bei einem Werkskonsum die Zahl der Filialen von 1913 bis 1926 von 95 auf IIS gestiegen. Das sind nur gai� wenige Beispiele aus dem riesenhaften Material der drei Bände, die es verdienen, von jedem Wirtschafts- Politiker, aber auch von den Beauftragten und Unternehmungen der Arbeiterschaft gründlich studiert zu weiden, denn die Rattonalisierung in der Industrie hat schon große Fortschritte ge- macht, bei der Warenverteilung abtr hat sie kauin begonnen. Die volkswirtschaftliche Verschwendung kann beim Handel noch gewattig abgebaut werden; hier liegt eine Reserve, die für die Erhöhung des Massenwohlstandes noch fast voll auszuschöpfen wäre. Oer deutsche Schuhaußenhandel. Gtarkerllückgang der Einfuhr, leichtes Ansieigen derAussuht Die Entwicklung des deutschen Schuhaußenhandels im ersten Halbjahr 1929 steht in starkem W i d e r s p ru ch z n d e n Zollwünschen der deutschen Schuhfabrikantm und ihrer Be- hauptung von einem ständigen Anwachsen der Einsuhrmengen. Im I u n i betrug die Einfuhr von Schuhen nach Deutsch- land 135 900 Paar im Werte von 1,59 Millionen Mark. Gegenüber dem M ai ist dies«in Rückgang um 44.4 Proz. und gegenüber dem Juni 1 9 28 sogar«in Rückgang um 70,4 Proz. Dagegen ist die Ausfuhr deutschen Schuhwerks, die mit 174250 Paar die Ein- fuhr um 18 357 Paar übertrifft und einen Wert von 1.75 Millionen Mark hat, gegenüber dein Juni 1328 um mehr als 39 P r a z. gestiegen. Sie liegt allerdings um rund 20 Proz. unter der Ausfuhr vom Mai dieses Jahres. Vssonders auffällig ist, daß ki: Einsuhr von leichtem Schuhwerk, das hauptsächlich aus d-r Tschechoslowakei kommt, im Juni um 7 5.1 Proz. gegenüber dem entsprechenden Monat 1928 und gegenüber dem Vormonat n m 51,8 Proz. gesunken ist. In den ersten sechs Monaten des laufenden Ia?)rez ist die Einfuhrmenge von 3,02 Millionen Paar im ersten Halbjahr 1928 auf 1,65 Millionen Paar zurückgegangen. Der Einfuhrwert sank entsprechend von 23,6 auf 15,5 Millionen Mark. Dagegen ist die Ausfuhrmeng« von 1,0 auf 1,17 Millionen Paar und der W e r t von 13,3 auf 13,61 Millionen Mark gestiegen. Der Ein- fuhrüberschuß ist also im ersten Halbjahr 1929 auf weniger als IL Millionen Mark gesunken. Diese an sich erfreuliche Entwicklung des deutschen Schuhaußenhandels zeigt also deutlich, daß die deutsche Schuhindustrie auch von sich aus in der Lag« ist, der Auslandskonkurrenz auf dem Inlands- markt zu begegnen, ohne daß man zu dem für die Per- braucher wie auch für künftige Handelsverträge gleich schädlichen Mittel der Zollerhöhung zu greisen braucht.___ Oeffenilichs Bausparkassen. Wie der Deutsche Sparkassen- und Girooerband mitteilt, sind in den einzelnen Provinzen und Landesteilen Deutschlands die Vorbereitungen zur Gründung einer größeren Zahl öffent- licher Bausparkassen in die Wege geleitet. Für die Rhein- prooinz soll in Düsseldorf, für Westfalen in Münster, für Hessen Nassau in Wiesbaden und Kassel, für Hessen in Darmstadt je eine öffentlich« Bausparkasse errichtet werden. Dia drei Bausparkassen in Hessen-Nassau und im Freistaat Hessen erhakten eine gemeinsame Geschäftsstelle in Frankfurt a. M. In Mitteldeutschland, Sachsen. Laden und Württemberg sind die Vorarbeiten für die Schaffung von öffentlichen Bausparkassen ebenfalls weit gediehen. In Aus ficht genommen fft eine Zusammenarbeit zwischen Bauspar- lassen, Wohnungsfürsorgegeseklschaften und Bau- genossenschaften. Von der ersten öffentlichen Bausparkasse in Deutschland, derjenigen der Stuttgarter Sparkasse, können schon beträchtlich« Erfolge gemeldet werden. Die Stuttgarter Bau sparkasse wurde am 1. April vorigen Jahres gegründet, hat aber bereits über 1000 Baufparvertrcrge mit einer Dertragsfumme von etwa 11 Millionen Mark abgeschlossen. An Baugeldern wurden bis jetzt 1 Million Mark zugeteilt. Ausdehnung des englischen Textilkampfes. In der Kampflage des englischen Aussperrungsgebiele» von Laacashir« ist bisher noch keine Veränderung eingetreten. Die Mit- teilungen englischer Blätter, wonach die Spinnereiarbeitergewerk- schaft, die von den 500 000 Ausgesperrten etwa 200 000 Arbeiter umfaßt, getrennte Unterhandlungen mit den Unternehmern aus- genommen hat. entspricht nicht den Tatsachen. Am Montag fft mit einer weiteren Verschärfung der Kampfloge zu rechnen, da der Unternehmerverband der Baumwollabfäll« vcr arbeitenden Spinnerei«, und Webereien zu diesem Termin gleich falls eine Lohnkürzung von 12'.» Proz. angekündigt Hot. Der von der Aussperrung in erster Linie betroffene C o u r t a u l d s- Kunst seidenkonzern hat bisher drei seiner Betriebe, die in erster Linie Mischgarne für die Webereien herstellten, stillgelegt. Bemerkenswert ist, daß der Verband der englischen Spinnern fabritanten an die chemische Industrie, in erster Linie a!so an den britischen Ehemietrust herangetreten ist und um«ine Preissenkung der Färberei- und Druckereiprodukte ersucht ha! Damit bestätigen die britischen Textilunternehmer die Richligkei: einer alten Behauptung der Gewerkschaften, die schon vor Jahr und Tag auf die verhängnisvollen Auswirkungen des Preiswuchers der chemischen Großindustrie Englands hingewiesen hat. In den letzten Tagen sind von der textiloerarbeitenden Industrie Englands die ersten großen Aufträge an das Ausland vergeben worden. 4— 7— Eine mittlere Ernte In diesem Zahr. Das Statistische Rcichsami hat nach dem Bestände von Anfang Juli seine erste diesjährige Erntevorschätzung veröffentlicht. Im Rcichsdurchschnckt wird bei Winterroggen ein Hektarertrag von 17,2 Doppelzentner(18 5 in' Vorjahr) erwartet, bei Winterweizen 13,6(22,3) Doppelzentner, br Wintergerste 19,4(23,2) Doppelzentner, bei Sommergerste 19,3(21,6 Doppelzentner, bei Hafer 19,2(19,9) Doppelzentner Die Hektar ertrage bleiben nach dieser ersten Schätzung im ReichsdurchschniU n ich t unerheblich gegenüber der Vorfahrsernte zurück, die freilich«in« ganz besonders reiche und gute Ernte war. ?ür Rais» Nosksttssss versessen 5ie nickt die herrlich erfrischend schmeckende Pfefferminz-Zahnpaste Chlorodont. Tube 60 Pf. und 1 Mk., und die dazugehörige Chiorodont-Zahnbürste mit gezahntem Dorstenschnitt von bester Qualität, für Erwachsene 1.25 Mk� fitt Kinder 70 Pf., zur Beseitigung fauliger, übelriechender Speisereste in den Zahnzwischenräumen und zum Weißputzen der Zähne. Erhältlich in allen Chlorodont-Verkaufsstellen in der bekannten blau-weiß-grünen Original-Padcung.