BERLIN MMoch 2. August 1929 10 Pf. Nr. 366 B182 46. Jahrgang. Erschetut»t,kich«»sterSunnt«,». Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bejugsprei« beide Ausgaben 86 Pf. pro Woche. S.koM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWss.LindenSr.» iMtfutoudb i aittgenpreiC Die einspaltige NonpareklleteN« «o Pf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. vstscheckkont»! Vorwärts-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis 2S? Generald ebatte über �joungplan Die Gläubiger sprechen von den Opfern, die sie bringen. Betrugsversuch der Hakenkreuzler. .V. Lei,, hang."7. August.(Eigenbericht.) Im weitevrn Verlauf der Generaldebatte in nichtöffentlicher Sitzung sprach am Mittwoch vormittag zunächst T i t u l e s c u- Rumänien, der den Boung-Plan vom rumänischen Standpunkt scharf kritisierte, weil er seinem Lande neue Opfer auferlege durch Her. obsetzung seines Anteiles an den Reparationen. Die Pariser Sachverständigen hätten zwar dafür gesorgt, daß die Großmächte ihre internationalen Schuldenverpflichtungen durch Reparationsanteile decken könnten, aber sie hätetn vergessen, daß auch die kleinen Mächte solch« Schulden hätten. Dann ergriff der französische Ainanzminisler Eheron das Wort und erwiderte in ruhiger, liebenswürdiger Form, aber in der Sache doch ziemlich energisch auf die gestrige Rede von Snowden. Im Gegensatz zu den gestrigen scharfen Angriffen des brstischen Schatzkanzlers auf die Sachverständigen der Pariser Konferenz dankte er im Namen der französischen Regierung den Sachver. ständigen für die geleistete Arbeit und unterstrich ihr großes Der- antwSrüichkeitsgefühl. Frankreich nehme den Doung.Plan an, ob- wohl es im Vergleich zum Dawes-Plan neu« Opfer dadurch tragen müsse. Aber Frankreich erkenne den Kompromißcharakter des Vouüg-Planes und sei daher bereit, ihn zu akzeptieren. Chiron unterstrich mit besonderer Betonung, daß der goung-Pla« ei» unteilbares Ganzes sei und daher nur insgesamt angenommen oder abgelehnt werden könne. Chiron behauptete, daß nach dem Dawes-Plan Frankreich eine Iahreszahlung von 1ZA> Millionen gehabt hätte, während es nach dem Voung.Plan nur mehr noch 1065 Millionen bekommen würde. Als Dritter erklärte der Vertreter Portugals, Ulrich» daß seinem Lande ebenfalls durch den Poung-Plan„große neu« Opfer' zugemutet würden, die es nicht tragen könne. Daraus ergriff der italienische Finanzminister und Delegatwne- führer M o s c o n i das Wort und betont« ebenso wie Chiron, daß der Boung.Plan«in unteilbares Ganzes sei. Mosconi fragte ironisch, ob denn die Sachverständigen nochmals zusammen» treten und ihr« ganze Arbeit aufs neue beginnen sollten. Schließ- lich wandt« er sich gegen die Behauptung von Snowden, wonach die kleinen Mächte ungenügend berücksichtigt worden wären. Dann sprach Reichsaußenminister Stresemann und gab «ine kurze Erklärung ab, in der er zunächst betonte, daß Deutschland zu der bisherigen Auseinandersetzung, die mehr eine interne Angelegenheit der Gläubigermächte fei, nicht Stellung nehmen wolle. Er könne sich daraus beschränken, auf die frühere Erklärung der Reichsregierung hinzuweisen, wonach Deutschland bereit sei, auf der Grundlage des Joung-Plan» zu einer Lösung des Reparationsproblems zu gelangen. Da. wie der Vorsitzende Iaspar in der gestrigen Sitzung betont«, die Generaldebatte lediglich sich auf den Boung-Plan erstrecken solle und nicht auf die politischen Fragen, so könne er auch davon abfehsn, nochmals daraus hinzuweisen, welche politischen Fragen noch Auffassung der Reichsregierung im Zusammenhang mit der Regelung der Reparationsfrage stehen. Er behalte sich vor, darauf in der politischen Kommission zurückzukommen, die ihre Arbeit gleich. zeitig mit der Finanzkommission aufnehmen würde. Was die bisher in der Debatte hervorgetretenen Meinungsverschiedenheiten über einzeln« Tell« des Doung-Planes beträfe, möchte er trog ihrer Le- deutung hoffen, daß es in der Finanzkommifsion gelingen würde. eine Einigung darüber zu erzielen. Die deutsche Delegation werd« jedenfalls mit ollen Kräften dahin wirken, die Konferenz zu einem Abschluß zu-führen, der, wie der französiiche Finanzminister Chiron in seiner Rede soeben gesagt hätte, die Vergangenheit liqui- diere und die Grundlag« eines dauerhaften Verhältnisses Zwischen den beteiligten Mächten bilde. Die Frage der Kommerzialisierung. Paris, 6. August.(Eigenbericht.) Dos in einem Teil der deutschen Presse vom Haag aus ver- breitet« Gerücht, die französische Delegation verlange von Deutsch- land als Vorbedingung der Rheinlandräumung die sofortig« Kommerzialisierung eines Schuldenonteils von einer Milliarde Mark, scheint, wie in hiesigen gut informierten Kreisen verlautet, mit den Tatsachen nicht übereinzustimmen. Di« Ding« liegen«her so, daß Briond unter dem Druck der Nationalisten, die gegen Preisgabe der Besetzung sofort Greifbares haben wollen, Vorkehrungen getroffen hat, um sofort nach der Inkrast- setzung des D cm ng-Planes Obligationen in Höhe von 100 Mil» lionen Dollar auf dem französischen Geldmarkt unterzubringen. Es handelt sich also lediglich um«ine vorbereitend« Maßnahm«, die dazu bestimmt ist. die mit der Kommerzialisierung bezweckt« Umwandlung der politischen Reparationsschuld in»ine tffTWffZiefle ja beschleunigen. Wie sie gratis von Wien nach Nürnberg fahren wollten. Soeben stellt sich heraus, daß sich wiener Hakenkrenzler, die von Wien nach Nürnberg zum hitler-Parleilag fahren wollten, eines schweren Letrugsversuches schuldig gemacht haben. Die wiener Arbeiter» zeitung berichtet folgendes: Bei dem Parteitag der Hitler-Buben in Nürnberg, bei dem es so fein zuging, daß man 75 Verletzte zählt, wollten natürlich auch die österreichischen Hakenkreuzler gern dabei sein. Aber sie hatten mehr Lust als Geld und— dazu hatten sie einen regelrechten Gaunereinfall, die Bundesbahn um den Fahrpreis zu betrügen, wie aus folgendem Schreiben hervorgeht: Rudolf May, Wien 16, Wattgass« 41/13. Wien, dm 12. Juli 1929. Hertn Franz Koller, Woltendorf. Werter Kamerad! Aus Ihr Schretben vom 19. dieses Monats folgendes: 1/ Es ist begreiflich, daß Sie von der OBF..De'(Ober- führung Oesterreich. Red.) kein« Erlaubnis für«ine Gesetzesübertretung erhalten können. 2. Wenn Sie es machen wollen, dann nur auf eigene Rech- nung und Gefahr des betreffenden Kameraden. Anders läßt sich diese Sache nicht machen. 3. Am besten ist die Sache so zu schm e?ß e n: Diese Leute lösen«ine Bahnsteigkarte(sind ober in Uniform, damit di« Sache besser geht), um scheinbar von den abfahrenden Kameraden Abschied zu nehmen. Kurz vor Abgang des Zuges rasch in den Zug. Das Gepäck soll auf jeden Fall auf andere Kameraden auf- geteilt sein. Während der Kontrolle im Zuge durch den �chaifner sollen eben diese Leute(wann, müssen sie selbst wissen) plötzlich von einem Gruf(Gruppenführer) oder Trf(Truppen- führer), sogen wir, zum Wagen der Transportleitung abkomman- diert werden. Diese Leute nehmen zum Schein irgend- einen Wisch vom Trf oder Gruf in Empfang, grüßen und oerschwinden. Unterwegs leihen sie sich von bereits kontrollierten Kameraden ihre Karten aus. So ist die Sache bestimmt zu erledigen. 4. Auf keinen Fall sich mit Eisenbahnern(auch nicht mst st* genannten«völkischen!) in Verbindung setzen. 5. Diese Aktion dürfen nur" di« betreffenden SA-Männer (Sturmabteilungsmänner) und deren Trf und Gruf wissen, sonst niemand, da durch eine blödsinnige Rede— vor lauter Freude sind in solchen Augenblicken so manche zu allem sähig— olles verpatzt werden kann. Also auf Wiedersehen in Nürnberg' Heil Hitler! Ihr Rudolf May. Die„Arbeiter-Zeitung' bemerkt zu diesem Schreiben: „Der feine Plan, statt mit Fahrkarten durch Salutieren befördert zu werden, ist natürlich an der Wachsamkeit unserer Eisen« bahner gescheitert. Aber ein« gute Zucht haben die Herren Hitler- Buben, das muß man sagen: richtige Gratisblitzer der völlischen Erneuerung." Gegen das kommunistische Rowdyium! Za den letzten Tagen erhielten wir eine Fülle va« Zu- schristen aus den Betrieben und von Einzelpersonen, in denen Verwahrung eingelegt wird gegen da» Verhallen der Somma- nisten, die Retchsbannerkameraden und Sozialdemokraten feige überfallen. Der vor einigen Tagen hinterrücks niedergestochene Reichsbannermann Karl kluge war als Stellmacher bei der Firma Gebrüder wiemcke Vachs« Berlin-Pankow. tätig. In der Resolution, die von der Belegschaft einstimmig angenommen wurde, heißt es, daß die Belegschaft mit Entrüstung von dem lleberfall aus den Kollegen Kluge Kenntnis genommen hätte, der von Rowdys durch Messerstiche schwer verletzt wurde. Die De- legschast protestiert. aus das energischste gegen diese Kampfes- weise unter Arbeitsbrüdern. Man sieht, die Berliner Arbeiterschaft will sich nicht mehr von verhetzten kommunistischen Parteigängern terrorisieren lassen. Die englifchen ,/lrbeHerfü h rer auf der Jtaager dlohferetm: Schaizkansler Snotvden undBrau(links)— Itirlf diafisminiiler Graham(in derUlille) Slußenminffier Xenderfon mtd Brau(redtis). Adelsbegehren: Für den Krieg? „Schande kann nur durch 2Mut abgewaschen werden!" Die Presse der Nationalisten bringt täglich„finnige" und un- sinnige Aussprüche von Adligen und gewöhnlichen Sterblichen, die das Adelsbegehren gegen den Poung-Plan vorbereiten sollen. Die Mitglieder des„Reichsausschusses sür das deutsche Volksbegehren" überbieten sich gegenseitig in der An- wendung von Kraftworten. Der„Kgl. preufi. Hauptmann d. L. Jäger a. D." Dr. E. W o ch l e r stößt jetzt den b l u t r ü n st i- gen Ruf aus:„Schande kann nur durch Blut abgewaschen wer- den!" Dieser Ruf zeigt, daß die Anhänger des Adelsbegehrens neues Blutvergießen wollen. Er zeigt, daß die Kreise um Hugenberg von dem Völkermorden 1914— 1918 noch nicht genug haben. Welche Schande will Herr Wachler abwaschen? Meint er die Flucht Wilhelms II? Meint er die Schande der Kriegs- gewinnler und Kriegsschieber? Das deutsche Volk bedankt sich schönstens dafür, nochmals sein Blut zu vergießen für verantwortungslose Leute, die schön zu Hause blieben, als es ernst wurde. Die„Schande" des Zusammenbruchs von 1918 fällt ganz auf die Leute zurück, die hinter dem Adelsbegehrejr stehen und blutrünstige Rufe ausstoßen. Nicht Blut, sondern den Frieden will da» Volk! Gnowden: Held der Attdeuffchen. „So sprach ein englischer Arbeiterführer!" Philip Snodden hat gestern auf der Haager Konserenz die finanziellen Interessen Englands gegen die französischen Ansprüche vertreten. Von der Rede, die er zu diesem Zweck gehalten hat, ist die alldeutsche„Deutsche Zeitung" einfach hingerissen. Was ist dieser Arbeiterparteiler doch für ein nationaler Heros, und was ist dagegen Stresemann für ein schlapper Kerl! Das alldeutsche Blatt deklamiert: So sprach ein englischer Arbeiterführer, ein Mann, den die deutschen Erfüllungsmarxisten gern zu ihrem � Vetter und Gesinnungsgenossen abstempeln möchten. So sprach ein Engländer. Kann man umhin, mit dieser Rede dasjenige zg vergleichen, womit Herr Stresemann gestern für Deutsch- land Ehr««inzulegen gemeint hat. Als ob Deutschland nichts zu fordern hätte, schwärmte er wiederuni vom Frieden, durchflog er das'Reich seiner luftigen Phantasie, säuselte er von Paneuropa, wo er hätte schreien sollen von Rhein und von Saar und von Tributsklaoerei und der Verelendung seines Volkes... Wie sagt« der E n g lä n der dagegen?—„Keine englische Regierung werde .urlassen, daß England auf lebensnotwendige Interessen verzichtet." Und dieser Engländer ist ein Arbeiterführer. Stresemann bezeichnet sich als den Führer einer„nationalen" Partei. Ein erschütternder Anschauungsunterricht! Als Strese- mann im Haag geendet hatte, rührte sich keine Hand zum Beifall. Eisiges Schweigen war die Antwort— ein beschämeiider persönlicher Mißerfolg, ein peinlicher Augenblick für das deutsche Volk. Wie hätte ein Snowden gesprochen, hätte er an der Stelle Stresemanns gestanden. Genosse Snowden war während des Krieges Vorsitzender der Unabhängigen Arbeiterpartei. Als leidenschaftlicher Pazifist befürwortete er nicht nur die Ablehnung der Kriegs- kredite, sondern sympathisierte auch mit den Kriegsdienst. Verweigerern. Er gehört« also zu jenen Politikern, deren Erschießung— sofern sie Deutsche waren— di«„Deutsche Zeitung" angelegentlich empfahl. Herr Stresemann stand zur gleichen Zeit den Alldeutschen ziemlich nahe. Wenn also aus der Gegen- iiberftellung der„Deutschen Zeitung" eine Lehr« zu ziehen sein sollte, dann wäre es höchstens die, daß di« nationalen Interessen zweckmäßig den von ihr so genannten Landesverrätern zur Vertretung zu übergeben sind. Hundesperre in Berlin. Ein Fall von Tollwut.— Drei Personen verletzt. Der Polizeipräsident teilt mit: Ein Ende Zuli d.?. au» der Tjchechosloivakei in den polizeibezirk Charlottenburg eingeführter Hund, der frei umhergelaufen mar und drei Menschen g e- bissen hat. ist an Tollwut verendet. Die Seuche ist durch die amlslierärzlliche Zerlegung und die Untersuchung de» Gehirn» de» Tieres im Znstilul für Znsektionskronkheilen„Robert koch" fest- gestellt worden. Der Polizeipräsident hat daher mit Bekanntmachung vom 6. August 1929 für folgende polizeiamtebezirkc die Hunde. sperre angeordnet: Charlottenburg, Reinickendorf, Spandau, Wilmersdorf. Schöneberg, Tiergarten, Wedding. Mitte, kireuzberg. Sämtliche Hunde müssen in den vorgenannten Stadtteilen fest- gelegt und angekettet oder eingesperrt sein. Die angekettet gehaltenen Tiere sind außerdem so einzusperren, daß sie von Herren- los umherschweifenden Hunden nicht gebissen werden können. Der Festlegung ist das Führen der mit einem sicheren Maulkorb ver- sehenen Hunde an der Leine gleichzuachten. Hunde, die aus dem Sperrbczirk in sperrfreies Gebiet gebracht werden, sind gleich- falls mit sicherem Maulkorb zu. versehen und an die Leine zu nehmen. Hunde aus dem sperrfrei«n Gebiet sind beim Verbringen in gesperrte Stadtteil« gleichfalls an die Leine zu nehmen. Di« entgegen den Bestimmungen im Sperrgebiet frei herumlaufenden Hunde werden weggefangen und gegebenenfall» getötet. Eine Zuchthausvorlage von 4ST3 Zuchthausstrafe gegen Gottesleugner geplant. „Revolutionäre" Kampfmethoden. Budapest, 7. August. sEigenbericht.) Da» Elektrizitätswerk von tupeny in Siebenbürgen ist am Dienstagnachmiltag unter dem Druck de» Militär» von den streiken- den kommunistischen Bergarbeitern geräumt worden und steht nun- mehr unter dem Schutz mehrerer Kompagnien Soldaten. Die Ar- beit in den, wert ist jedoch noch nicht wieder aufgenommen worden. ». Die„revolutionären" Führer der 3000 Bergarbeiter, die am 5. August die Arbeit einstellten, mußten von vornherein wissen, daß die Besetzung der Elektrizität»- und Wasserwerke durch die Streitenden fl n n l o» war. Allein das kommunistische„Syndikat der unabhängigen Grubenarbeiter" hielt«s sür eine„revolutionäre" Heldentat, Lupsny im Dunkel und dl« Gruben ersaufen zu lassen.„Inprekorr" berichtete: '„Aus Erbitterung über den neuen Kollektivvertrag traten am ö. August die Arbeiter in den Kohlengruben Elena bei Lubeny in den Streik. Einige Stunden später schlössen sich ihnen die Bergleute der anderen Schächte an. so daß sich die Zahl der Streikenden auf über 4000 erhöhte. LI« Streitenden bemächtig. ten sich der elektrischen Zentral» und hielten sie die ganze. Nacht hindurch besetzt, so daß das ganze Gebiet ohne Beleuchtung blieb. Sie oerstanden es auch, durch Still» legung der Pumpen(!) und Förderschalen die Sstwikbrech«» Für die Geschichte der Sozialdemokratie dürfte di« bisher unbe- kannt gebliebene Tatsache von hohem Interesse sein, daß nicht erst 1899 unter dem zweiten Wilhelm, sondern schon 1873 unter dem ersten ein« Zuchthausoorlage gegen die Sozialdemokratie geplant war. Nähere Einzelheiten darüber finden sich in dem Protokoll einer Staatsministerialsitzung vom 2S. Mai 1873, wie sich überhaupt aus den viel zu wenig bekannten Protokollen der preußischen Staats- ministerialsitzungen weit mehr Aufschlüsse über die leitenden Kräfte gewinnen lassen, die den Kampf geg«n die geistige und politische Freiheit des Volkes führten, als aus den langatmigen, zwischen den einzelnen Ministerien gewechselten Aktenstücken, bei denen doch immer gewisse R u ck s i ch t e n auf di« unteren Kanzleibeamlen genommen werden mußten. Aus dem Protokoll der Sitzung vom 2S. Mai 1873, an der auch Bismarck teilnahm, obwohl er in jener Zeit den Vorsitz des preußischen Staatsministeriums an den Kriegsminister v. Roon abge- treten hatte, ergibt sich nun, daß die damals vorgeschlagene Zucht- Hausvorlage gegen di« Sozialdemokratie in ihren Strafandrohungen selbst die Zuchthausvorlage des Jahres 1899 weit hinter sich zurückließ. Beide sind sich aber darin gleich gewesen, daß sie auf das rein persönliche Verlangen eines von fremder Seite scharf gemachten Herrschers vorgelegt wurden. War es 1899 die Schwer. i n d u st r i e. vor allem Stumm und Konsorten, deren Wünschen der zweite Wilhelm sich fügen mußte, so war der Einbläser des Jahres 1873 der eigene Bruder des Kaisers. Prinz Karl, der trotz leiner augenoerdrehenden Frömmigkeit doch das denkbar geringste Maß von Ansehen und Achtung genoß. Von so frommer Seit« geforderte Zuchthausstrafen konnten nur im Zusammenhang mit der bedrohten Religion stehen. Tatsächlich forderte der ehrwürdige Prinz den Schuh de» Christentums gegen den„Mißbrauch" der presse- freiheil durch das sozlaldemokrakische Organ, den„Reuen Sozialdemokraken". Dieser„empörende, Thron und Altar unterwühlende Miß- brauch" war dem alten Wilhelm unter Beilage von Zeitungsblättern in fo grellen Farben vor Augen gestellt worden, daß dieser eine „angemessen«" Zuchthausstrafe für die sozialdemokratischen Presse- und R«ligionssrevler verlangte. Diese Forderung des Kaisers kam nun in der Minifterialsitzung vom 25. Mai 1873 zur Sprache. Ein- leitend bemerkte Bismarck, daß er sich nach zwei Richtungen hin in weitgehenden M'e inungsverschiedenheiten mit dem Kaiser befinde, hinsichtlich der Frankreich gegenüber einzuschlagenden Politik und— so fuhr er fort— „über die Vorloge eines Pressegesetzes. Was dieses Presse- gefetz betrifft, so ist es vorzugsweise S. K. H. der Prinz Karl, welcher S. M. stets gegen die Presse einzunehmen weiß, und jede Gelegenheit ausgreift, den Kaiser durch Vorlag« von Artikeln aus sozialdemokratischen Blättern zu erregen. Dadurch nur ist es erklärlich, daß S. M. jetzt verlangt, es solle u. a. ein Paragraph in das Gesetz aufgenommen werden, auf Grund dessen jeder Gottes- lästerer oder Gottesleugner mit mindestens(!!) drei Jahren Z u ch t h a u» bestraft werde." Zur Annahme der Zuchthausvorlage kam es in de- Minifterial- fitzung nicht. Bismarck sträubt« sich schon deshalb dagegen, weil Prinz Karl denn doch der Allerletzte war, dem er einen, wenn auch nur indirekten Einfluß auf die Gesetzgebung eingeräumt haben würde, dan aber auch sah er voraus, daß es bei Anwendung eines Gesetzes, das jeden Gottesleugner mit Zuchthau» bedrohte, bald mehr Gottesleugner als Zuchthauszellen geben werde. Uebrigens waren die Beziehungen zwischen Bisma ck und dem Kaiser damals derart gespannt, daß keiner mehr mit dem anderen zusammenarbeiten-wollte und jeder dem anderen ain liebsten „den Kram hingesclKiissen" hätte, so daß Bismarck am Ende seines Berichts über die auf kaiserlichen Wunsch eingebrachte Zuchthaus- vorläge erklärte:„Natürlich kann nicht die Rede davon lein, aui ein solches Verlangen einzugehen"— und das Preßgesetz vom 7. Mai 1874 hat denn auch den Zuchtheusparagrophen nicht enthalten. Florian Geyers schwarze Fahne! Oer Landbund und die auffiändischen Bauern. Die Plöner Landbund-Bauern demonstrierten kürzlich unter einer schwarzen Fahne, die an einer Sense befestigt war. In der lebhaften Diskussion, die sich über die Sense und den Charakter des Auflaufs als einer bewaffneten Demonstration entsponnen hat, erklärt soeben laut„Dtsch. Tagesztg." die Plöner Landbund- Kreisleitung, daß erstens die Sense eine durchaus harmlose, nämlich abgestumpfte Sense gewesen sei, und daß zweitens die schwarze Fahne in Anlehnung„an die schwarze Fahne de» mittelalterlichen Bauernführers Florian Geyer" gewählt worden seil Seliger Karl Marx, so nimmst du denn au» Elysiums Hallen wahr, daß bei der bekannten Wiederholung großer geschichtlicher Begeben- heiten nicht nur deren Tatsachen und Personen, sondern auch ihre Embleme das erstemal als Tragödie, das zweitemal als fauler Witz sich zu präsentieren pflegen! Florian Geyer von Geyersberg gehörte bisher nicht zu jenen Figuren deutscher Geschichte, deren sich die Herren von der Landbund-Leitung zur Sanktionierung ihre» poli- tischen und wirtschaftlichen Wollens und Handelns zu«rinnern ver- mochten. Sie sind erst vor fünf Minuten auf ihn verfallen, sie kennen ihn noch nicht so genau, und was sie, wenn sie sich über- Haupt mit dM, zeitgenössischen Theater ernsten Stils befaßt haben, in Gerhard Hauptmanns bekannter Tragödie über die näheren Um- stände aus dem Leben des Ritters mit der schwarzen Fahne erfahren haben, ist just nicht dazu angetan gewesen, sie für den Geyer be- sonders zu erwärmen, und so erklärt sich, daß die Herren auf dem historischen Boden der Figur sich vorab noch etwas unsicher bewegen. Bielleicht, daß ein kleiner Spaziergang auf eben diesem Boden ihnen Nutzen und Annehmlichkeit bereitet. Zugegeben: die rot« Fahne einherzutragen, wie sie nach zuoer- lässiger zeitgenössischer Versicherung der berühmte Baltringer Haufen, nächst Geyers Schar die militärisch beste und schlagkräftigst« Forma- tion der aufständischen Bauern von 1625, zeigte und gegen das junkerliche Gesindel des Schwäbischen Ritterbundes führte, kann man dem Deutschen Landbund von 1929 nicht gut zumuten! In seinen Reihen marschieren noch allzu viele Herren, deren Ahnen damals in Schwaben. Baden und Franken von den„rotzigen Bauern" unter der roten Fahne in die Pfanne gehauen worden sind. Auch die schwarzrotgoldene Fahne, die beim Stühlinger Ausstand von der sogenanten Evangelischen Bruderschaft gezeigt worden ist, wird für die Herren vom Landbund eine allzu nah« Berwandtschaft mit den Reichsfarben der Weimarer Verfassung vorweisen, als daß sie sie heute an ihre abgestumpften Sensen binden möchten. Wie aber mögen sie nur auf des Geyers schwarze Fahne verfallen sein? Die da, recht besehen, ihnen eigentlich noch unbehaglicher sein müßte als das Rot und Schwarzrotgold von 1525! Denn was wir vom Geyer außer Beglaubigung seiner absoluten Bundschuh-Treue und mili- tärlschen Tüchtigkeit zuverlässig wissen, ist d a ß e r die Bauern vor jedem auch nur losen Kompromiß mit dem Adel dringend gewarnt hat! Da» armselig«, gedrückt« und geschundene P r o l e t a r i a t der Hütten und Katen, das in seiner evangelischen Einung zum erstenmal den müden Rücken geradestrecken konnte und freie Lust atmen durste, war begresslicherweis« nur allzu leicht geneigt, den Versprechungen der in die Enge getriebenen Junker Glauben zu schenken. Biel« Hunderte von Rittern haben damals auf die„Gründlichen und rechten Haupl- artikel aller Bauernschaft" die Schwursinger gelegt. Man weiß, wie sie alle zu meineidigen Schurken wurden. Auch die eiserne Rechte jene» Götz von Berlichingen. vom jungen Goethe zu Unrecht glonsiziert, beschwor den Bauern Fall der Leibeigenschaft und Streichung der Hand- und Spanndienste— der Geyer warnte drin- gend, dem Adel auch nur ein Wort zu glauben, man hört« ihn nicht. Als der Bundschuh den Götz gar zu einem seiner Feldhauptleute mochte, als er den Bock in den Garten ließ, riß dem Geyer die Geduld und er trat grollend beiseite. Nicht, daß er auf und davon gegangen wäre und die bäuerische Sache im Stich gelassen hätte, ach nein, er blieb schon im Sattel und der Truchseß von Waldburg, der Menschen- schlächter, der beispielsweise dem Frundsberger Georg in der Seele zuwider war, hat seines Schwertes Schärfe zur Genüge zu spüren bekommen, aber Geyer begab sich nach des Götz Ernennung freiwillig eines großen Teils feines Einflusses auf die Führerschaft der Bauern. Di« späteren Ereignisse haben seinem unbesieglichen Mißtrauen und seiner Unversöhnlichkcii gegen den christlichen Adel leutscher Ration nur allzu gründlich gerechtjeriigl. Nicht die Landsknechte und Ritter des Waldburgers waren es im Grunde, die die Kadres der Bauern niederwarfen, es war der Lug und Trug der im Bundschuh stehenden Junker, der den Bund von innen zu zermürben und ihn sturmreis zu machen verstand. Sie haben alle, als der Bauer ins Joch zurückgetrieben war, überraschend schnell wieder ihre fetten Weiden zurückgewonnen, di« Herren Junker, und die Strahlen der fürstlichen und bischöflichen Gnadensonn« um- glänzten voll und ungebrochen die neugefüllten Humpen. Nur sür den Geyer war kein« Gnade gewesen.(Er hätte sie übrigens auch nicht genommen.) Der Geyer hatte mit einer Eindringlichkeit, deren hart« Stimm« wir noch heute zu hören meinen, vor der tiefen Unehrlichkeit seiner weiland guten Gesellen vom Adel gewarnt, er hatte vor dieser Unehrlichkeit gewarnt als vor der unausrottbaren Haupteigenschait eines Stande», er hatte also den Stier bei den Hörnern gepackt, die Kotze eine Katze geheißen, er hatte«in Kapitaloerbrechen begangen. Und so hat ihn der Adel gehetzt wie«in Stück Wild. Und so hat ihn der Adel erschlagen. Jetzt haben junkerliche Hände nach des Geyers schwarzer Fahne gegriffen, um unter ihrem Tuch dsutsch« Bauern ZV„führen". Immer, wenn der deutsche Lauer sich vom Junker„führen" ließ, hat er am End« den Buckel voll Prügel und Schlimmeres besehen. Als das S t e i n s ch« Ottober-EdiU vom Jahre 1807 den nord- deutschen Bauern aus dem Joch der Junker heraushalf, war es nicht des preußischen Adels kurmäriische Blüte, die unter ihrem Marwitz dem„Jakobiner", dem, freisten Ausländer" Bein über Bein stellte? Sah nicht der berüchtigte Perponchersche Klub zu Königsberg, ein auegesprochener Adeleklüngel, in der Bauernbefreiung das eigent- liche Unglück von Jena? Hat nicht der olle ehrliche Dorck ins gleiche Horn geblasen? Und— es hilft alles nichts, Dauer!— hat nicht auch der Blücher sein kräftig Wörtlein gegen deutscher Bauern- freiheit herausgefeldwebelt?„Unerhört erschien außer dem rcoo- lutionären Inhalt auch die jakobinische Sprache der Stein- schen Gesetze, die... in ausführlichen Erläuterungen.. sich wiederholt auf das Wohl des. Staates, auf die Fortschritt« des Zeit- geistes beriefen", schreibt nicht etwa ein s"fs' marxistischer Geschichts- darsteller, sondern Ker in Landbundkreisen sicher säuberst akkrcdicrtc Treitschke über die Iunkersrond gegen die Bauernbefreiung! Und lasen wir nicht auch, daß In der Priegnitz di« Junker ihre Bauern zu Aufständen gegen die Steinschen Reformen au'- stachelten, so daß Friedrich Wilhelm III. Dragoner gegen sie blank ziehen lassen mußte? Hat die Priegnitz auch damals die schwarz« Fahne Florian Geyers In der Hand der gerissenen Junker gesehen? Und so lachen denn heute die Hühner über die schwarze Fahne in der Hand der Landbundführung! Aber sie lachen auf dein« Kosten, Bauer! I-VieäncK Wendel. an der Arbeit zu hindern. Am 8. August wurde das bestreikt« Kohlengebiet von Militär besetzt." Die nichtsnutzigen bolschewistischen Drahtzieher mußten wissen, daß da» Interesse der Bergarbeiter die Ruinierung der Gruben von selbst verbot und mußten auch wissen, daß der- artige Methoden den Einsatz des Militärs herausfordern würden. Den ungleichen Kampf konnte auch der Steinhagel gegen da» Militär nicht ausgleichen. ................................... M 15 oder 16 Tote und eine groß« Iah' von D« rl e tz> en sind die Opfer dieser kommunistischen Aktion gegen einen neu.n Kollektivvertrag. Wir wenden uns stet« mil aller Schärfe gegen die Einmischung von Polizei und Militär in gewerkschaftliche Kämpfe, unter der Voraussetzung sreilich, daß sie noch gewerkschaftlichen Methoden und nicht nach bolschewistischen Putschmethoden ge- führt werden wie in diesem Falle. Fahrlässige Kapitäne. OaS vampferunglück von OstenSe. Brüssel. 7. August. Der Vergnügungsdampser, der am Sonnlog bei einem Zusammensloh mit dem Dampfer.L n o ck e" vor der haseneinsahrt von Oslende gesunken ist, wurde gestern in, Dock geschleppt. Entgegen den Erwartungen wurden im Schifszrumpf keine Leichen mehr gefunden, so dah die Zahl der einwandfrei fest- gestellten Opfer nach wie vor 11 beträgt, doch besteht die Möglichkeit, daß die Leichen weiterer Opfer in» offene Meer hinaus-! getrieben wurden. Der Kapitän des gesunkenen Dampfers hat vor der Untersuchungskonimission eingestanden, daß er K? Passagiere statt der vorgeschriebenen �öchstzahl von 50'"astagieren an Bord gehabt habe. Dem Kapitän des Dampfers „Knock e" wird der Vorwurf gemocht, daß er nicht rechtzeitig eingriff, um den Zusammenstoß zu verhindern. Der Staatskommissar hat eine strenge Bestrafung der beiden Kapitäne beantragt. Oer Selbstmord Bombes. Inhalt des Abschiedsbriefes noch unbekannt. Zum Selbstmord des Landgerichtsdirektors Bombe wird mit- gc'cilt: Der Zuhält des Briefes Bombes an feine vorgefehte Behörde ist noch nicht bekannt, da er dem Adressaten noch nicht zugestellt ist. Blau vermutet, daß es sich um einen Abschieds- b r i e s handelt, in dem auch die Gründe des Selbstmorde» dar- gelegt sind. Der verfchlostene Brief wird zusammen mit den Akten der Gerichtskommlssion beim Landgericht III Berlin zugeleitet werden.- Bei der Leiche fand man eine Bavschaft von 86 M. Diese Summe ist auch im Notizbuch des Toten als letzte Aufzeichnung seines Reisekafserrbeftarides notiert. Danach liegt unzweifelhaft Die uniformierte deutsche Stadt. Von Hans Goslar. l_ Alpinisiifches. „Hier ist ein ganz besonders gefährlicher Abstieg.* „So, wie steil geht's denn da herunter?" .Gar nicht? Aber da unten lagert seit gestern ein Fähnlein wilder Hakenkreuzindianer---* Selbstmord vor. denn die Annahme, daß ein Mörder den Selbst- mord de» Landgerichtsdirettor» Bombe vorgetäuscht haben könnt«, wird durch dies« Notizbuchaufzeichnung unwahr» s ch e i n l i ch. Nach Angab« der Wirtschafterin des Toten hatte Bombe eine Aktentasche aus der Reise bei sich. Diese Tasche ist nicht bei der Leiche gefunden worden. Vielleicht hat sich di« Wirtschafterin in diefcm Punkt« geirrt. Nachdem die Leiche Dr. Bombes bereits am gestrigen Dienstag abend von der Staatsanwaltschaft freigegeben worden ist. haben die Freunde Dr. Bombes in Berlin die Ueberführung der sterblichen Ueberreste des auf so tragische Weise au» dem Leben Gefchiedenen nach Berlin veranlaßt. Die Leiche wird im Lause des heutigen Tages in Berlin eintreffen und im K r- m a t 0 r i u m W i l m e r s. d orf aufgebahrt werden, wo am Freitag vormittag um 31» Uhr die Trauerfeier mit anschließender B-rbrennung stattfinden wird. Viel Lärm um einen Turmfalken Am Dienstag abend gegen 10 Uhr lief bei einer Berliner Feuer» wache di« grausige Nachricht«in. daß sich auf dem 85 Meter hohen Schornstein der Lindftröm-W-rle in der Schlefifchen Straße ein Unbekannter erhängt habe. Da der sofort ausgerückt« Feuerwehrzug im Kegel der Scheinwerfer nur ein Wesen in schwm. delnder Höhe sah. das stürmische Bewegungen machte, als ob es um Rettung flehe, wurde ein zweiter Feuerwehrzug und«in Krankenwagen geholt. Gleichzeitig wand man eine mechanische Leiter an dem Schornstein entlang. Inzwischen halte die Nachricht von dem furchtbaren Geschehnis Hunderte von Neugierigen angelockt, fo daß schließlich auch noch eine Schupobereitfchaft zu Absperrungezwecken herbeigeholt werden mußte. Was war? In dem Schornstein hatte sich ein Turmfalke verfangen. Die Belagerung des Schornsteins wurde daraufhin bald aufgegeben, der Turmfalke machte sich frei und entflog hohnlachend! � (Schluß de» redaktionellen Teile., i« Sck>«hl-k»l««hriidt. Mtlmltr.». Wa»«bis« ffirna in WeOm 6oiromju«tJ«riouf bei«»S-Secllnct«evölterun, bietet, ift flctpbMu unfllflublld). Dbne«RUrfftdi! ouf bif SPIfbprbffmaifunpaijrcifc tot bic ft'.cmo sani tnome Posten Damen., Jcrrcn- un® Sinbersibubc rueksnb:s!oz In ran. gesetzt. Man kann bort schon Leber-Damenhou-kchnIie mit L-b-rsolilc,°tl° Grotzen. für t« m. taufen,«benfall» auch moberne. feinsarbige Dam-N. sowie SerttnWii»« ja billgen Dreisen. Diese Preise linb bUIigi- al, IwJWtbeH »nt Ist dl««inlaussaelegenbelt bei dieser ssirma aber alle Maßen für jeder- »rann sitnstia. Wir weise»»»chwal» aus da« beutia, Inserat dt». Ich bin da vor kurzem durch eine Reihe deutscher Städte gerade im ältesten westdeutschen Kulturgebiet gekommen, bin durch die schnurgeraden hochmodernen Hauptstraßen gegangen mit ihren Warenhauspalästen und Hotelfronten. Vor allem aber streifte ich auch durch die alten und ältesten winkligen und krummen Gäßchen als Großstädter, der auf wenige Tage dem lärmdurchbrausten Steinmeer entronnen. ist, hungrig» auf ein wenig Vorzeit und charaktervolle städtische Eigenart. Aber im heutigen Deutschland, soweit es nicht noch ganz abseits von den großen Straßen des Bsr- kehrs liegt, gibt es kein Entrinnen mehr von den beiden Erschei- nungen, die mehr und mehr die Unterschiede im Straßenbild der Städte nivellieren und das Aeußer« der Städte in West und Ost uniformieren: vor den Markenartikeln und vor dem Siegeszug der Reklamechefsl Wir Großstädter— die wir das sehr oft wider Willen sind— sehnen uns nach dem Bilde anderer Erscheinungsformen des städti- fchen Lebens, als sie uns die traditionslose Wellstadt täglich vor Augen führt. Es kommt uns dabei nickst nur auf die Häuserformen an. In manchen allen Städten hat man ja sogar noch Derpflichtungs- gefühl genug, Neubauten in antikisierenden eigentümlichen Stadtstil zu errichten, um uns, wenn schon das Alle dahingeht und das Neu« mächtig nach Raum verlangt, wenigstens die besänftigende Illusion des Ersatzes zu lasten. Wir wollen doch auch, wenn wir durch die Gasten schlendern, einmal alte Tradition und den Geist alter Lebens- formen in schönen einfältigen und originellen Läden und Waren- ausstellungen sich widerspiegeln sehen. Dinge, an denen sich schon die Urgroßeltern in ihren Kindertagen gefreut haben, Gebäck«, Süßig- kellen, Schmuckstücke, Hausartikel, die organisch sozusagen zu der Gegend, ihrem Charakter und zu der Geschichte der Menschen der allen Stadt passen. Aber die neue Zeit und der amerikanische Geist des Geldverdienens duldet kein„Lokalkolorit" mehr. Nicht mehr im Laden- und nicht mehr im Strahenbild sonst. Die neu« Zeit hat den Reklamechef geschaffen, der in seinem Bureau vor einer Landkarte sitzt, die Karte mit einem feinen dicksten Netz von kleinen Quadraten überzieht und nicht eher ruht, bis er den„Artikel" seiner „Marke" bis in das räumlich«ntsernteste der Quadrate auf dem Wege einer geräuschvollen grellen Reklame von suggestiver Werbe- kraft hineingepumpt hat. An den Säulen aller Städte, durch di« ich kam, an den Eisen- bahndämmen und den Reklamegiebeln der Dorfhäuser leuchten die gleichen Siguren und Texte wie in der Berliner Friedrichstraße und in der Stadtbahn. Es gibt keinen Ort mehr in Deutschland, in den man sich flüchten könnte, um einmal nicht mehr das gleiche weißgekleidete Mädchen vor Augen zu haben, das seine apfelblüten- weiße Frische einem Waschpulver verdankt, oder den ins Riesen- haste vergrößerten Puppenkopf, der triumphierend auf seinen durch einen Hautcream erworbenen und behüteten samtweichen Teint hinweist! Und in den Läden liegen überall die mir bis zum Ueber- druß bekannten„Markenartikel", die mehr und mehr das Erzeugnis heimisch-städtischen Fleißes verdrängen und das Bild eines Ladens hart an der holländisch-belgischen Grenze i» Aachen heut« zum Ber- wechseln ähnlich machen dem Schaufenster in Gleiwitz oder'in Kott- bus. Wir sind radikal dahinter gekommen, was man in USA., dem Land der mastenweisen Typenfabrikation auf allen Gebieten, eine Reklame„cempziFn" nennt, die das ganze Land durchdringt, wie Wasser einen porösen Stoff und die ein absolut einheitliches Bild der Läden in Ost und West schafft. Eine imposante und or- ganisatorisch höchst achtbare Wirtschaftsleitung gewiß, aber doch— von der Seite der Kullur aus gesehen: zum Graulen! Man muß sich schon begnügen, irgendwo in einbr stillen Gasse noch bei einer lieben alten Frau im kleinen Lädchen ein Stückchen Zimtgebäck mit Mandeln oder irgend etwas zu erstehen, was in seiner Art noch aus der Kinderireudc von Urgroßchens Zeiten übrig geblieben ist und eben nur hier gekannt ist und gebacken wird, denn alles andere, ob Aachener Printen oder Nürnberger Leb- kuchen, ob Psorzheimer Schmuckwaren oder Kölnisches Waster, sind heut« im umgekehrten Siegerlaufe der Reklame, von der alten Kullurstadt aus in di« Weltstadt, zu„Markenartikeln" geworden und liegen in„garantiert echten Originalpackungen" auch bei dir zu Hause in jedem Ladenfenster. Und wenn du an den Straßen- kreuzungen und Passagen in T- und P-Stadt entsetzt vor riesigen schreienden Kinoplakaten zurückprallst, die dir schon vor 10 Monaten in Berlin das Gegenteil einer Augenweide geboten haben, und gar die Menge sich prustend und schwitzend noch schönstem Berliner Vorbild vor dem Hause drängt, allwo sich ein Hungerkünstler pro- duziert, dann verzichtest du resigniert auf dieses Strahenbild, von dessen heimlicher feiner Väterart du vordem in Berlin geträumt hattest. Du gehst mit dem Gefühl, wieder einmal durch die so überaus geschäftige moderne Zivilisation um etwas betrogen zu sein, in dein Hotel und beschäftigst dich bis zum Abgang deines Zuges lieber mit einem Buch« aus der Zeit, wo die Väter der Markenartikel erfreulicherweise noch tief in ihrem Storchteich schliefen. 7kur noch ein Lahr zu leben. Ganz Amerika hat sich mit dem Schicksal fünf junger amerikani» scher Mädchen beschäftigt, die in einer Fabrik mit Radium und Mesothorium zu arbeiten hatten und dabei schwer ertrankt waren. Die ärztlich« Voraussage hatte gelautet, daß sie nur noch ein Jahr zu leben hätten. Jedes Mädchen erhiell vor einem Jahr eil««in- malige Entschädigung von 10000 Dollar und eine dauernde jähr- liche Rente von 600 Dollar von der Radiumgesellschaft zugesprochen. Wie hat sich nun ihr Leben seitdem gestallet? Diese Frag« hat den amerikanischen Journalisten R. E. Martin beschäftigt, er hat die fünf Mädchen besucht und erkundet, wie sie das Jahr oerbrachten. Was er dabei feststellt«, teilt Dr. W. Schweisheimer in der Leip- ziger„Illustrierten Zeitung" mit. Alle fünf leben noch heute, ihr Befinden hat sich.kaum ver- schlimmert, und es besteht sogar die Hoffnung, sie weiter am Leben zu erhalten. Aber die Vorstellung, daß es in einem Jahr zu Ende gehen würde, beherrschte sie doch. Man kann indessen nach dem, was Martin ermittelte� nicht sagen, daß sie dieses voraussichtlich letzte Jahr ihres Lebens in Zagen. Ungewißheit und Verzweiflung zugebracht hätten. Der Beobachter fand sie in ruhiger und freund- licher Stimmung, gesaßt und ohne Klag«, so glücklich wie jeder andere Mensch, der nicht an Schmerzen leidet. Sie haben die Summen, die sie erhielten, benutzt, sich einen Lebenswunsch zu erfüllen. Das erste Mädchen hat sogar inzwischen geheiratet und ein kleines Kind bekommen: es benutzte den 10 000.Dollar-Sch«ck, um di« künftige Erziehung des Kindes sicherzustellen. Vom Rest des Geldes schaffte sie ein kleines Auto an und konnte so, da sie nur mit Mühe zu gehen vermag,.mll ihrem Manne Ausflüge in di« Umgebung machen. Auch das zweite Mädchen hat sich verheiratet und konnte mit dem Gelde«inen Lebenstraum verwirklichen, wieder die Anschaffung eines Autos, mit dem sie eine Fahrt zu den Niagarafällen und nach Kanada unternahm. Das dritte Mädchen, ebenfalls inzwischen verheiratet, ist ziemlich schwer erkrankt, vermocht« aber doch«in« größere Autoreise zu unternehmen, und als Musikfreundin schaffte sie sich einen guten Radioapparat und ein selbstspielendes Klavier an, die ihr viel Freud« machten, pflegte auch mit viel Liebe ihre Blumen. Das vierte Mädchen lebt in einem Sanatorium: es hat lllera- rische Interessen und liest alles, was es bekommen kann. Der erste Kauf war eine kleine Schreibmaschine zur Niederschrift eigener lite- rarischer Versuche. Auch dieses Mädchen besitzt ein Auto, mit dem es Reisen unternimmt. Das fünft« Mädchen wies es von Anfang an ob, an die schlimm« Wendung in ihrem Schicksal zu glauben, obwohl es sich schon einer Reihe von Operationen unterziehen mußte. Es ist nach wie vor kaufmännisch beruslich tätig, aber nicht ein Cent von dem Gelde wurde ausgegeben, sondern alles auf der Bank angelegt— um sicher für die Zukunft zu sein. Das Urteil der Aerzte ist heute nicht mehr so ungünstig wie vor einem Jahr; man glaubt, daß di« Patientinnen am Leben bleiben werden, wenn der schä- digend« Stoff Mesothorium war. Ein Rieseaeindecker. Wie aus Madrid berichtet wird, ist dort ein Rieseneindecker im Bau, der 50 Passagiere befördern soll. Er wird ü Motor« erhalten, die zusammen 4500 entwickeln, und sein Aktionsradius soll über 12000 Kilometer betragen. Die Motore werden so angeordnet, daß es möglich fein wird, Reparaturen während des Fliegen» vorzunehmen. Das Gewicht des Flugzeuge» wird 11 Tonnen ohne Ladung und 20 Tonnen bei voller Ladung betragen. Im Kriegsfälle wäre es imstande, 6 Tonnen Bomben zu befördern. vi« v»n»btihue bat wie in den vsriabren»in illukirierte» Wnbebeft berautgeneben. bn» in sSnubchen L-ib'iiell'n. u. o. bei den Tietzichen Thealcrlassen, sowie in der HaupIaelchäslSilelle, Linlenftr. 227. unenloeltlich eiiiSltlich ist.(«leich eilig hat die Äusnahme neuer Mtglieber für die Spielzeit 1929,80 begonnen. ?ran,csi!che Schüler im.Vealschcn Thcaler'. Am Sonntag bcinchten die im Landiibutheim in Birkenwerder sich aushaltenden sranzösischen Schüler mit»hren deutschen Kameraden und Lehrer«— einer Sinladung der Direktion des.Deutsche» Theater»" folgend— die Aufführung der »Fledermau»". „Oie Verführerin". Kapitol. Der alle Ruhm des Schwedenfilms, das innige Derwachsensein von Mensch und Landschaft zu zeigen und die künstlerischen Schön- hellen der Landschaft ins rechte Licht zu stellen, gilt auch von diesem Gustav°M 0 l a n de r- Film. Er spiest in einem einsamen Gruben- dorf hoch oben im Norden und verlegt dann di« Handlung noch nördlicher in ein« windumbrauste Schneelandschaft mit einer"Hütte, in der die beiden Gäste tagelang vom Unwetter zurückgehalten werden. Das Schönste aber sind die über den frisch gefallenen Schnee vorüberziehenden Renntierherden unter dem Geleit ihrer lappländischen Besitzer. In diese Wunder und Intimitäten der Landschaft ist eine wilde, aufgeputschte Handlung(Manuskript von Paul Merzbach) hin- einkomponiert. Zwei Freunde, von denen der«ine die Schwester des anderen liebt, Lars und Torsten, werden durch die„Per- führerin" Märta aus ihrem Glück vertrieben. Sie liebt den einen und nutzt den anderen aus, indem sie ihm das Geheimnis' eines Goldschatzes entlockt, der sich weit oben in einem verfallenen Berg- werk befinden soll.(Das Ganze ist eine Erfindung eines allen Lappen, der sich damit an seinen Quälern rächen will.) Aber di« beiden Freunde brechen jeder für sich mitten im Winter auf, um die Goldstelle zu finden, treffen sich in der einsamen Hütte und ent- decken, daß sie beide dasselbe Mädchen lieben. Es kommt zum Kampf, Lars wird verwundet und bleibt zurück, während Torsten in die Heimat zurückkehrt. Nach vielen Wochen trifft auch Lars wieder ein. von den Lappländern gerellet. Das Ende kann man sich denken. Die Verführerin wird um ihre Beute betrogen, die Freunde finden sich wieder nach einem höchst dramatischen Zwischen- fall: Torsten ist in einer Grub« verschüttet, und Lars rettet ihn unter eigener Lebensgefahr und kehrt dann zu der geliebten Schwester des Torsten zurück. Die Darsteller bemühen sich, schlichte Menschlichkeit zu bieten, Karl B r i s s 0 n und Edwin A d 0 l p h s 0 n sind als Lars und Torsten beide gleich sympathisch. Lissie Arno läßt alle Künste einer Verführerin spielen:«in besonderes Lob ver- dient W. Wohl ström als alter Lappländer. r. Witwenverbrennung in InOien. SBtc tief der Gehorsam gegen die alle religiöse Sitte in Indien noch ist, zeigt ein Vorgang, über den die Berliner Misstonsberichte folgendes mitteilen: In einem Ort am Ganges hatte sich Ende November eine Meng« versammelt, um einen Toten zu begraben: neben ihm auf der Bahre saß seine Frau, die als„Sali"(Witwe, die sich mit ihrem Mann verbrennen läßt) sterben wollle. Di« Polizei, die«inzutreten veifuchte, war der Menge gegenüber machtlos, di« für die Sati Partei ergriff. Sie bestieg den Scheiterhaufen, nahm das Haupt des.Verstorbenen in ihren Schoß und erwartet« von den Flammen ihren Tod. Nicht imstande, die Qualen zu ertragen, sprang sie in den Ganges, die Leiche wurde ihr nachgeworfen, und man rief ihr zu:„Ertränk« dich und kehre nicht zurück." Trotz der Protest« der Menge rettete die Polizei die Frau, aber sie legte sich unter«inen Baum und ließ sich von niemandem helfen. So lag sie zwei Tage, die Meng« brachte ihr Opfer dar. Am dritten Tage vertrieb be- waffnete Polizei die Menge und nahm die Witwe mit ins Gefängnis, wo sie am nächsten Tage.starb. Das englifch-indifche Gericht hat, wie Propst Th. Meyner berichtet, die Klage der Polizei ausgenommen und dem Gesetz gemäß die Beteiligten mit einer— Geldstrafe belegt. Der Weltkongreß der Esperantisten. Im Rahmen de» in Budapest stattfindenden Weltkongresses der Esperantisten wurde eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Grasen Stefan Szechenyi enthüllt, der sich 1742 als Mitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaften für di« Schasfung einer intentationalen Sprache eingesetzt hatte. Radio ouf dem Franz-Zosess-Cond. Das Franz-Iosefs-Land. im Bereich der Sowjetunion liegend, ist bis jetzt vollkommen unbefiedelt. Da es für verschiedene wirtschaftliche und wissenschaftliche Zwecke, besonders aber für Witterungsbeobachtungen von ungeheurer Wich- ligkeit ist, diesen Punkt unentwegt zu beobachten, wurde eine spezielle Funkexpedition nach dem Franz-Iosefs-Land entsaiidt. Die Expeditton wird dort eine große Radiostatton errichte». Oeutscher Krankenkaffeniag. Dom 18. bis 20. August findet der Verbandstag der größten Kaffenorganisation. des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen, in Nürnberg statt. Im Mittelpunkt des Interesses steht auch dieses Jahr die Umgestaltung der Reichsoersicherungs- Ordnung, über die der geschäftsführende Vorsitzende des Haupt. Verbandes deutscher Krankenkassen, Helmut Lehmann, berichten wird. Ferner stehen, abgesehen von geschäftlichen Mitteilungen, auf der Tagesordnung wichtig« Themen aus dem Gebiete der So- zialhygiene. So wird Prof. Dr. Kantorowicz, Direktor des Zahnärztlichen Unioersitäts-Institutes in Bonn über„Vorbeugende Zahnpflege", Dr. Teschendorf, Chefarzt des Strahleninstituts der Allgemeinen Ortskrankenkasse Köln, über„Röntgenhellver- fahren", Dr. B e n d i x, Chefarzt der Ambulatorien des Verbandes der Krankenkassen Berlins über„Sexualberatung und Krankenver» sicherung", Frau Dr. Vollnhals, Leiterin der Schwangerenfür- forgeftelle des Verbandes der Krankenkassen Berlins über „Schwangerenfürsorge", und Geschäftsführer Okraß über„Die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten im Rahmen der Richtlinien über Gesundheitsfürsorge" sprechen. VerwendungdesLohnsieuerüberschuffes Durchführung von Leistungen auf Grund der Novelle zur Lex Arüning. Nach der vom Reichstag am 27. Juni beschlossenen Novelle zur sogenannten Lex Brüning soll ein Teil des Aufkommens aus der Lohnsteuer bei der knappschaftlichen Pensionsverstcherung zur Erleichterung im Beitrag verwendet werden. Der Reichsrat hat zwar am 4. Juli beschlossen, Einspruch gegen das Gesetz zu erheben, sein Einspruch richtet sich aber nur gegen die Geltungsdauer des Ge- setzes. Der Reichsrat hat sich daher ausdrücklich damit einverstanden erklärt, daß die in dem beschlossenen Gesetz vorgesehenen Ausgaben vorläufig geleistet werden. Der Reichsarbeitsminister hat sofort nach dem Reichsrats- beschluß am 6. Juli abschließend mit den Beteiligten über die Ver- teilung der Lohnsteuerüberschüsse verhandelt. Am 11. Juli hat er über die Verwendung dieser Zuschüsse bei der Reichsknappschast be- stimmt. Sie werden in der Arbeiterabteilung der Reichsknappschaft zur Deckung des sogenannten Zusatzbeitrags und der Sonderlast verwendet. In der AngestMenabterlung ist auf den einmütigen Wunsch der wirtschaftlichen Bereinigungen der Bergbauangestellten statt dessen auch die gleichmäßige Senkung oller Beitrogsteile zugelassen. Die Beitragserleichterrng muß in beiden Abteilungen den Versicherten zu zwei Dritteln, den Arbeitgebern zu einem Drittel zugute kommen. Die Senkung der Beiträge tritt mit Wirkung vom 1. Mai d. I.«in. Der Lohnsteuerüberschuß für das erste Viertel des Haushaltsjahres 1323 ist der Reichsknappschaft bereits überwiesen. Die Reichsknappschaft hat die Beiträge nunmehr mit Wirkung vom 1. Mai auf 8,3 Proz. des Lohnes gesenkt. Bei der Auszahlung des Lohnes konnte die Beitrags- erleichterung leider naturgemäß noch nicht berücksichtigt werden. Das Reichsarbeitsministerium oersucht aber, durch besondere Ver- Handlungen mit den beteiligten Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Ruhrgebiet zu erreichen, daß die Rückwirkung der Herabsetzung der Beiträge den Versicherten durch Rückvergütung oder Verrechnung spätestens im ersten Drittel des Monats August zugute kommt. Tkorwegerschiffe unier Panama-Klagge. Kopenhagen, Anfang August. Die norwegische Reederei Wilhelmsen hat angesichts der auf der norwegischen Schiffahrt ruhenden hohen Steuern sich ent- schlössen, einen Teil ihrer Schiffe unter fremder Flagge fahren zu lassen. Dieser Beschluß hat in Norwegen Aufsehen erregt und bildet seit Bekanntwerden den Gegenstand eifrigster Erörterun- gen. In norwegischen Schiffahrtskreisen findet man das Vor- gehen der Reederei jedoch begreiflich, indem man darauf hinweist, daß es der norwegischen Schiffahrt nur auf diese Weise möglich sei, weiter eine Rolle zu spielen. Wie weiter bekannt wird, ist die von der Reederei gewählte Flagge die Panamas. Bestimmend für diese Wahl war, daß Panama eines der wenigen Länder ist, die ausländische, in diesem Falle norwegische Besatzung, die die Reederei beibehalten will, an Bord der Schiffe zulassen. Die Reederei Wilhelmsen will durch den Flaggenwechsel äugen- scheinlich der Welt vorführen, das für kapitalistische Unternehmer das Vaterland immer nur so lang« etwas gilt, als es ihm Vorteile verschafft. Wenn sie aber Steuern bezahlen sollen, dann flüchten sie ihr Besitztum ins Ausland. Darüber weiß man auch in Deutsch- land ein Lied zu singen. Reichshapnerkonzerk auf dem DJ inkerfeldtpkahk Di« Genossen und Reichsbonnerkameraden werden darauf hingewiesen, daß das heutige Platzkonzert des Reichsbanners nach dem Winterfeldtplatz verlegt worden ist. Das Konzert findet von 13.30 Uhr bis'20.30 Uhr statt. Wetter für Verlin: Langsam zunehmende Bewölkung, ohne wesentlich« Temperaturänderung.— Für Deutschland: Im Osten heiter, trocken und warm, im Westen Uebergang zu etwas kühlerem, veränderlichem Wetter. Strichweis« Gewitter. Mittwoch, 7. August. Berlin. 16.00 Dr. E. SieecUer: Ein nchtrigiähriges Jubilänm des TelerraphenverVehrs. 16.30 Max Mczger: Reise in Madagaskar, 17.00 Drittes Kinderfest. 18.00 Märchen von Eva Holberg(erzählt von der Verfasserin). 18.45' I. N. J. Hummel: Introduction und Rondo.— 2. Morart-Busoni: Tan- tasie für eine Orgel walze.— 3. Mozart-Busoni: Duettino concertant# (Lisa Schroeder-Spolianski und Alfred Schroedcr, auf zwei Flügeln), 19.15 Dr. Max Gersou, Bielefeld: Entstehung and Begründung der Dlitbehand« lung der Tuberkulose. 19.55 Jacques Offenbach(Bildfunk), Vortrag. 20.00 Dr. Edwin Ncruda: Jacques Offenbach und seine Operetten. 20.20 fkndefricle:..Eie BandBten'*, Buffo-Oper vG, Jtcqucs Offenbach. Regie: Cornclis B'onsgeest. Dir.: Max Roth. Nach den Abcndmcldungen bis 0.30 Tanzmusik. Während der Pause: Bild» funk. Kösigswusterhauseo. 16.00* Dr. phfl. Dorothea Bernhard: Fortbildungsscbulunterricht auf dem Lande, 16.30 Anthcs: Zuschauer und Theater. 17.00 Hamburg: Nadhmittagskonzert. 18.00 Dir. Cremer: Der Spargedanke In der modernen Wirtschaft 18.30 Stud.-Rat Müller: Dresden und die Sächsische Schweiz. 18.50'Dr. K. Hagemann: Malayische Tänze. 20.00 Hamburg: Sinfoniekcnzert. 21.00 Hamburg:„Der Sieger". Eine Hörszene von Paul Leuchsenring. Regie: Karl Pündter. 21.30 Unterhaltungsmusik. Scronttnortl. Mr die Ncdaktion: Wolfgang .____________________ Berlin: Anzeigen: TH. Slack«. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Sud* druckerei und Vcrlagsanftalt Dnul Singer Sc Co.. Berlin SW 68. Lindenftrafte 8. Hierzu 1 Beilage. zerkau rrjme Posten £.rk«chteVos hcrubqetrf�. Beqinn UAua. ige. grau. Lack, schwanett. "/s Snze/poart, teils alle großen MÜNZSmiS(ALEXANDFRPLATZ) Noch nie haben wir solch große Posten Damen', Herren* und Kinderschuhe so rüdcsidifslos herabgesetzt wie in diesem Jahre. Die Sachen sind auf langen Tischen zum Aussuchen ausgestellt und werden jeden Tag neu aufgefüllt. 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Bretel Ulien Die lustlse Witwe Operette von Franz Lehär Dazu der grobe V«rle!4teU. Anfang Konzert 4.30. Burleske u, Variet« H Iii», tue, eile 0.30. leden Donnerslau oroDer Volksiag. jed. Mittw. Kindenesi n. Tenosnnu »•«••••MtieMMeeeee 14"! 4 Heute Mittwoch Orchester-Wettstrelt um den Prnls». lunaperk 19» 4 gr. Blas-Orchester MastnnkonzerL 100 Mutlksr. Reichshallen-Thealer AUabendlich[ä] Uhr. Stettiner Sänger von der Reise zurQck. Das wundervolle Progr.f Varlel# Dönhoff- Brettl: �aal und Garten) Tanx; AdaU-BeAtr-OrdiBsier. Theatd. Westens Täglich SV. Uhr Sonntag 4 u. S'lt Franz Lchart Wellerfolgl Friederike Carola Willy Thunls, Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 TIIMI.SRlKoltll.Tor Kottb. Str. 6 Tägl.«Uhr Elite- Sänger Die August- Sensatlon Shippke's in der Sommerfrische Deotjclies Theater D.I. Norden 12310 SU. Ende gegen II Die Fledermans Musik v.Joh. Strauß. Regie; Max Reinhardt Musik. Einrichtung E. W. Komgold. Ausstattg. L. Kainer Die Komödie J 1 Bismck.2414/7516 8U., Ende geg. 10 U. 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Ich sitze zwischen zwei Sackleinwanöwänöcn, also in einer .Loge" des Areilichtlhcaters. das heute nachmittag vor dem Hause des reichen Lao Truong von den Schauspielern''selbst errichtet worden ist und aus ein paar Balken, einem Podium und einem Sackleinwanddach besteht. In diesem Theater soll Komödie gespielt werdetr das ist in Chma ein Volksfest. Die gan�e Stadt sitzt, reich und arm, in diesem Theater, um dieses Theater, auf Dächern und Zäunen, auf Türen und Balken, aus Bänken, auf dem Boden und die Hautevolee in„Logen". Ich sitze in der Loge des Lao Truong, der die Borstellung geben läßt— z u Ehren eines Götzen,. der hinten vom Tempelhof hcrüberguckt. Dieser Götze schwingt einen Krummsäbel und sieht sehr gereizt aus. Ich glaube, es ist nicht gut mit ihm Kirschen essen. Sein Mund ist in der Mitte zu- sammengeknissen und in den Winkeln wütend aufgerissen. Gott weiß, über was er sich ärgert. Aber er ist wie jeder chinesische Götze Herumzukriegen. Für Geld oder Opsergaben kann man ihn auf seine Seite bringen. Am meisten Vergnügen macht ihm eine Theatervorstellung. Denn es ist klar, daß«in Götze, der jahraus, jahrein in derselben Pose auf demselben Punkt steht, sich grauenhast langweilen mutz. Das Spiel beginnt. Im Hintergrunde der Bühne— der Gartenmauer des Herrn Lao, überragt von einer Eiche— verkünden Zimbeln, Gongs, ein- saitige Biolinen und Trommeln in einem Zusammenklang, ohne Harmonie noch Melodie, daß jetzt nach europäischen Begriffen der Vorhang aufgehen müßte. Es ist keiner da. Eine Garderobe auch nicht. Die Schauspieler stehen in ihren Kostümen rieben der Bühne und schminken sich. Keinerlei Dekorationen, die Bühne ist leer bis auf ein weißes Bündel, das auf dem Boden liegt. Ein Regisseur überschreit den Lärm von hinten und vorn, wo die Leute wie in einem Käffeehause plaudern, rauchen und essen, und verkündet, daß die Szene einen Friedhof darstellt. Wir stellen uns ein jeder prompt ein« der unzähligen mauqrlosen chinesischen Begräbnisstätten vor, mit äufgeworfene», weißgctünchten Grabhügeln, unter denen in großen, massiven Särgen, unvergessen und ewig verehrt, die Ahnen schlummern. Eine Chinesin tritt auf, eine Frau aus dem Volke, in tiefer Trauer, also ganz in Weiß. Langsam nähert sie sich dem Bündel, das inmitten der Bühne liegt: es ist der weißgetünchte Grabhügel ihres jüngst gestorbenen Mannes. Vor diesen tritt die Witwe hin, einen großen Blattfächer. in der Hand. Tränen stürzen ihr aus den Augen. Allmählich beruhigt sie sich jedoch und tut etwas auch für chinesische Begriff« so Seltsames, daß das Publikum� dieses Humor über alles liebende chinesische Publikum, trotz seiner traditio- nellen Ahnenoerehrung und der Heiligkeit des Ortes laut zu lachen beginnt. Die'Witwe fächelt das Grab ihres ver- st o ebenen G o t t e v. Bon allen Seiten und sehr bedächtig be- fächelt sie das Bündel.- Da erscheint in, Hintergrunde— vor den Musikanten, die ein ollgemeines Fortissimo eröffnen— eine stattliche, würdevolle Männergestalt in pelzverbrämten, reichverziertem Gewände. Das ist ein mit allen Ehrenzeichen der Gelehrsamkeit geschmückter taoistischer Doktor. Der Doktor ist wie Faust tief in die Geheimnisse der Natur eingedrungen, kann sich in jedwede Gestalt verwandeln, Dämonen und Feen gehorchen ihm, und er hat den Wind und das Meer in seiner Gewalt.?lls er die Witwe das Grabmal fächeln sieht, tritt er erstaunt an sie heran und fragt, was das zu bedeuten Hove.„Ach," sagt die Witwe,„mein Mann ist gestorben, und ich habe ihm versprochen, ich würde nicht eher heiraten, als nicht die Tünche auf seinem Grabhügel getrocknet sei. Aber ich bin arm und ohne Subsistenzmiltel, daher hel�e ich der Tünche nach, zu trocknen, damit ich mich bald mit einem Man» verheiraten kann, der für mich sorgt.. Im Hause des Doktors. Der zweite Akt folgte rasch auf den ersten. Die Phantasie läßt sich schneller umstellen als die modernste Bühne. Vor unserem geistigen Auge erscheint auf Geheiß des Regisseurs ein vornehmes Interieur im Hause des Doktors, äußerlich angedeutet durch zwei alte Stühle, auf denen seidene Decken lagen, und einen wackligen Ebenholztisch. Die Frau des Doktors sitzt auf deni«inen Stuhl. Sie ist in Gelb gekleidet, die Farbe des Hofes, die Farbe der Aristokraten. Sie war so schön, wie der Doktor weise war, sie zur Frau genommen zu haben. Cr tritt ein,«in bißchen zere- moniell nähert er sich seiner Gattin und erzählt, was er auf dem Friedhof gesehen hatte.„Welcher Edelmut." sagt er,„diese arme Witwe hält ihr Versprechen, das sie dem sterbenden Manne gemacht, so schwer es ihr fällt." „Edel nennst du das?" culgcgnele die groß« Schönheit und wirft verächtlich ihren Kopf zurück.„Ist es nicht unerhört, daß eine Witwe das Grabmal ihres Mannes fächelt, damit es schneller trockne? Ist das ein Anstand? Hat diese Person«in Schamgefühl? Kannst du dir vorstellen, daß i ch jo etwas täte, daß ich noch deinem Tobe, den Gott verhüten möge, noch einmal heiraten würde?" Der Doktor verfiel, nachdem die Gelbseidene wiegenden Ganges die Bühne verlassen und sich nebenan postiert hatte, wo die un- beschäftigten Schauspieler standen und rauchten, in langes, tiefes Grübeln. Und je mehr man über Frauen grübelt, desto weniger versteht man sie. Der Doktor beschließt— das hätte er als wezser Mann bleiben lassen sollen— seine Frau auf eine sehr harte Probe zu stellen. Er st i r b t. Geflisserttlich, ohne Selbstmord zu be- gehen, fällt er plötzlich um und ist mausetot. Emem gründlich studiert«» Mann wie dem Doktor ist das«ine Kleinigkeu. Die große Schönheit, die von unten olles mitongesehen hat, steigt aus das Podium und wirft sich, außer sich vor Schmerz und Kummer, auf seine Leiche. Die Tragik des Schicksals und die ergreifenden Szenen über- Haupt machen keinen seelischen Eindruck als solche auf das theater? liebend« chinesische Publikum. Es wird ruhig weitergeplaudert, geraucht und gegessen. Es gibt Ehinesen, die, wenn sie im Eifer des Gespräches gerade mit dem Rücken gegen die Bühne sitzen, sich wegen eines Todesfalles nicht erst umkehren. Und der legte Seufzer des Sterbenden wird oft von den Angeboten der Händler überschrien, di« mit Korben und Teebrettern sich zwischen die Reihen durchschieben. Di« Schauspieler sprechen daher übermäßig laut. Aber sie spielen da erschien der Sie schreien mitunter, wo bei uns geflüstert wird. gut. Ich wollte ein paar Worte darüber sagen, Regisseur und hieß uns«ine Vorhalle im Haus« des Doktors vor stellen. Es ist am nächsten Tag. Der schwerbetrosfenen Frau wird Besuch für ihren Gatten angekündigt. Ein junger Scholar von sehr einnehmenden Aeußern tritt auf.„Er wolle den Weisesten der Weisen kennen lernen," sagte er,„das sei sein sehnsüchtigster Wunsch." Groß war seine U«berraschung und Trauer, zu erfahren, daß der ideale Mann nicht mehr unter den Lebenden sei. Der Scholar drückte der schönen Witwe in ebenso gewählten wie innig«» Worten sein Beileid aus. Er wurde von demselben Schauspieler gespielt, der vorher den Doktor gegeben, nachdem er sich neben der Bühne umgezogen und geschminkt hotte. Die Worte des Scholars oerfehlten nicht den Eindruck aus die Witwe. Sie fühlte sich ge- tröstet. Der Scholar konnte jetzt auf praktische Lebensfragen übergehen. Er hatte kein Zimmer. Eine Dienerin wird gerufen; eine alt« Frau. Di« Witwe fragt sie, was da wohl zu tun sei. Man müsse den Scholar im Hause einquartieren, meint die Dienerin, und die Witwe läßt es mit einem Seufzer zu. Dann kommt eine Verwandlung auf offener Szene: Der Regisseur teilt mit, daß zwei Tag« verstrichen seien. Der Scholar und die Witwe sind jetzt näher bekannt. Sie tun sehr ver- traut miteinander. Auf einer Berliner Bühne würden si« sich um den Hals sollen. Sie sind ineinander vernarrt, berühren sich aber kaum mit den Fingerspitzen, sprechen nur warme und innige Wor!« und beschließen, zu heiraten. Ohne Verzug wollen sie Mann und Frau werden. Innerhalb zwei Minuten sitzen sie schon an der Hochzeitstafel. Man hat einen Tisch angerückt und Lampions angezündet, denn die Sonne beginnt sich zu neigen. Eine erlauchte Gesellschaft in bunten Seidengewändern setzt sich um Schüsseln, Schüsselchen und Teller herum, die die. Tische bedecken, und es werden mit wirklichen Eßstäbchen imaginäre Speisen zum Mund« geführt. Die Witwe strahlt, fröhliches Gelächter«rjchallt. Di« Gäste beginnen zu scherzen und das Publikum brüllt über ihre Narrenpossen. Inmiiten der Festesfreude geschieht ein Unglück. Der Bräutigam fällt tot zu Boden. Die Gelbseidene hat ent- schieden Pech. Sie ringt di« Hände. Man ruft den Stadtbader. Er springt aufs Podium und fühlt den Puls des Scholars. Der Scholar ist nicht tot, sagt der Wunderdoktor, sondern von einer schweren und seltenen Krankheit bfallen, die er schon einmal geheilt hat und augenblicklich kurieren kann. Was den Scholar wieder zum Leben erweckte, wäre das Fluidum eines Menschen« Herzens. Die Witwe steht zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Wo soll man das Herz hernehmen? Niemand gibt seines gerne her. Aber im Hintergrund steht ja noch(mit einem Tuch über- deckt) der Sarg. Was bleibt der Witwe übrig: um den zweiten Mann zu retten, muß sie das Herz des ersten herausschneiden. Si« hebt mit trogischer Miene den Sorgdeckel— was geschieht? Der eingesargte Doktor nie st, hebt den Kopf und gähnt.„Ich muß lange geschlafen haben," sogt er und streckt und reckt sich, es ist Zeit zum Aufstehen." Der Witwe, die jetzt auf e'nmal zwei Männer hat, treten vor Schreck die Augen aus dem Kopf, sie rennt zum ohn- mächtigen Scholar, aber der ist verschwunden, hat sich wieder in seine ursprüngliche Gestalt zurückverwandelt und steigt als taoistischer Doktor aus dem Sarge. Die schöne Frau vergeht vor Scham: sieh hat die Probe nicht bestanden. Und sie schneidet sich den Bauch auf und sällt tot zu Boden. Der Doktor— statt sich um seine Frau zu bemühen, deklamiert er uns«ine längere Abhandlung vor über die Zweckmäßigkeit der Ehe.(Sokrates sagt es in zwei Worten:„Ob man heiratet oder nicht, man bereut es auf alle Fälle." Das Ende vom Lied. Das Stück war zu Ende. Die Schauspieler fingen an, sich coram publica abzuschminken und ihr« kostbaren Kleider abzulegen. Herr Lao hielt mich noch in seine Log« zurück: er hatte die schöne Doktors rau bestellt, die mir so gefallen hatte.„In ein paar Minuten," sagte er lachend,„würde sie erscheinen, wy?» auch in Alltagskleidern." Wer aber nach zwei Minuten in die„Loge" kam, das war ein Rowdy ärgster Sorte. Ein junger Bursche, dem man nicht gern begegnet in einer finsteren Vorstadt- straße: ein jugendlicher Verbrechertyp, ein ganz abgefeimter Kerl, das sah man aus jeder seiner Bewegungen.„Wie gefällt Ihnen die schön« Frau in Zivil?" fragt« Lao Traong und hielt sich den Bauch vor Lachen. Besuch bei Bauern. Swöiknreise durch Dänemark./ von Max Simon» MdL. Ain Dienstag, dem 23. Juli, führte uns unser großer Omnibus l verkauft, die Kälber werden für die Wirtschaft großgezogen. Der - v-Ti«: j.... crvrj.i...... ck_______________________ v:. c____ tit._____ 1«rv_____ ifi. r.:i � nno v_________ TTi-ff-— S.'U.,.«! in südöstlicher Richtung von Kopenhagen aus durch die fruchtbaren Fluren Seelands. Schlag an Schlag der Ländereien zeigt die hohe landwirtschaftliche Kultur Dänemarks. Gerste, Luzerne, Weizen, Kohlrübe», Hafer, Kartoffeln usw. Sie präsentieren sich dem Auge des Sachverständigen, als gehörten alle diese Schläge von Körner- und Hackfrüchten zu Beispiels- und Musterwirtfchaften. Es sind aber wohlbestellte Bauern- und Husmannsfelder. Alles ist gegenüber dem Stande in Mitteldeutschland um 14 Tage zurück, aber die Behren wogen voll und schwer, nicht eine kahle Stelle, und Feldblumen und Unkräuter sind in dem Meer von üppigem Grün nicht zu entdecken. In den geschlossenen Dörfern blitzsaubere Häuser und Gehöfte, die Einzelhöfe inmitten der Eigenflur wie kleine Herrensitze, und überall davor die schmucken, blumenreichen Gärten, von niedrigen Hecken umrahmt. Den Vormittag füllte dann der Besuch einer typischen Land- Milchwirtschaft, der Genossenschoftsmolkerei Eiby, aus. Sie imponierte einmal durch ihre wunderbare Reinlichkeit, durch die spezialisierte Arbeit, die nwrdernen Maschinen und durch den Vor- steher Pingel, einen typischen Repräsentanten des dänischen Ge- nossenschaftswesens. Bei jedem Bauern und so auch bei diesem Gcnossenschaftsführer im Arbeitszimmer die Bibliothek mit landwirtschaftlicher und allgemeiner Literatur und die Bilder Grunotwigs und Björn Björnfop.s.(In keiner der dänischen Bauern- oder Husmannswirtschajten war ein Kitschbild oder ein Kriegs- oder Königsbild zu entdecken, überall gute Stiche der Baucrnführer, der Volkshochichulpädagogen oder bahnbrechenden Genosfeiifchaftler, zumeist auch gute Landschaften.) Blumen- und Gemüsegärten natürlich auch in Eiby wie vom Gärtner angelegt. In„Lille Kögegaacd" besichtigten wir dann«ine Schweine- z u ch t a n st a l t und das mit ihr verbu>»dene Gut, das der Pflanzenzucht dient. Besitzer ist ein landwirtschaftlicher Per- ein mit 800 Bauern als Mitglieder. Die gesamte Besitzung von 24 Hektar dient Pflanzen- und Schweinezuchtversuchen. Auch hier wird nur das dänische Landschwein gezüchtet. Die Ferkel können von Mitgliedern gekauft, aber auch sonst als Zuchtferkel abgesetzt werden. 14 Zuchtjäue, 1 Eber, 10 Kühe, Ö Pferde usw.(Hühnerfarm!) sind der Tierbestand. Der Betrieb hat ein Kapital von 80000 Kronen zu verzinsen. 3000 Kronen beträgt iü« Amortisation. Der Jahresumsatz ist 42 000 Kronen. Di« gesamten Aus- gaben betrugen im letzten Jahr 27 000 Kronen. Den 800 Mit- gliedern werden ihre Einlagen von jet200 Kronen mit 6 Proz. verzinst. 80 Kronen pro Hektar betragen die Steuern, insgesamt bei 24 Hektar also 1920 Kronen. Das Gut beschäftigt«inen Leiter der Pflanzenzucht, einen Leiter der Tierzucht, vier Knechte und drei Eleven zur Ausbildung, dp den Lohn der Knechte erhalten. Das Versuchsgut erhält nur Unterstützung durch ein privates Legat von 800 Kronen jährlich, hatte im letzten Berichtsjahr also einen Rein- Überschuß von 15 000 Kronen, der zur Erweiterung der Anlagen dient. In der Pflanzenzucht wurden im vorigen Jahr z. B. 14 deutsche Kartofselsorten probiert. Auch hier waren die leitenden Beamten vollkommen auf di« Bestrebungen der Arbeiter und Bauern Dänemarks eingestellt, ohne Zollschutz durch eigene Initiative und intensive Wirtschaft in der Landwirtschaft vorwärlszukommen. Unsere Fahrt führte uns dann zu der Siedlung Spenagergaard und dem im früheren Hauptgebäude des aufgeteilten Großgrund- besitzes eingerichteten Kinderheim der Stadt Kopenhagen. In der Siedlung„Spenagergaard" umfassen die einzelnen Kleinbauern- oder Husmannssiedlungen durchschnittlich Z bis 5,5 Hektar. Wir sahen indcreincnBesitzung2 Pferde, 6 Milchkühe, 2 Fersen, 1 Stier, 2 Zuchtsauen und 25 Iungschweine. 45 zu j« zw«i Zentnern gemästete Schweine hat der Siedler im vorige« Jahr» Mann ist seit 1923 in der neuen Stelle,«r fütlert zu einem Drittel mit Grünfutter, zwei Drittel mit Futtermitteln. Der Ausbau einer besonderen Scheune erfolgt noch. 90 Kilogramm Lebendgewicht werden ihm b.«! hen Schweinen.mit 115 Kronen bezahlt. Er be- stellt in der hier üblichen Fruchtfolge 6 Morgen mit Gras, 6 Morgen mit Rüben und 8 Morgen mit Getreide. Die zweite der besuchten Siedlungen umsaßt 17 Tannen — 34 Morgen, weil der Boden geringer ist. Dieser Siedler hat 8 Milchkühe, 1 gekörten Bullen. 2 Sauen(im vorigen Jahr 5 Sauen) und im vorigen Jahr 28 Schweine auf je zwei Zentner gemästet. Die bei den Sicdlerstellen und vielen Bauern vorhandene Hühnerfarm zählt 100 Legehühner und 150 Küken, die al» Lege- Hühner zugezogen werden. Blumen- und Gemüsegarten natürlich vorbildlich wie überall, in der Arbeitsstube des Besitzers gute Bilder und eine Bibliothek von etwa 100 Büchern, Staats- stubs und Schlafstube ebenso reinlich und gediegen ausgestattet. Am Mittwoch, dem 24. Juli, wurden vormittag- der Konsum von Kopenhagen und nachmittags das landwirtschaftliche Museum und die dami? verbundenen Versuchsanstalten besucht. Der Konsum steht unter großzügiger Leitung— die meiner persönliche», Anschauung nach ganz weltwirtschaftlich eingestellt ist—, die besuchten Filialen können sich im Durchschnitt mst deutschen Geschäften nicht messen. Spät abends brachte uns die Eisenbahn van Kopenhagen an di« Westküste von Seeland, nach Korsör, und von dort die Fähre in zweistündiger Mondscheinfahrt über den Großen Belt nach Nyborg auf der zweiten größeren Insel Fünen. Noch drei Viertelstunden Bahnfahrt— und wir landen nach Mitternacht in der zweitgrößten Stadt Dänemarks O d e n s e«(60 000 Einwohner). Am Donnerstag, dem 25. Juli, besuchten wir vormittags die Exportschlächterei(Genossenschaft), die Landessparkasse und den Hafen von Odensee, der durch einen Stichkanal mit dem Großen Belt verbunden ist. In der Grosz-Schweineschlächkerei ist eine Rinderschlächteoei als Nebenbetrieb. Schweine werden — am laufenden Band— in einer halben Stunde für den Export zerlegt. Die Arbeit beiin Zerlegen ist spezialisiert. Die„Bacon" gehen sauber eingenäht zweimal in der Woche zu vielen Tausenden nach England, die Spitzbeine nach Afrika, die Lebern nach Deutsch- land usw. Hygiene läßt viel zu wünschen übrig. Kontrolle erfolgt hier nicht so streng wie in Deutschland, und manchem Teilnehmer der Studienfahrt verging an dicsein Tage der Appetit aus Fleischspeisen. Als Nebenbetriebe wurden uns noch die Schmalzsiederei, eine Konserven- und eine Futtermittel- fabrik gezeigt. In der Futtermittelfabrik werden Knochenmehl, Blut- mehl, Weizenkleie und Mais in bestimmten Prozentverhältnissen zu einem Futtermittel gemischt, das mit 16 Kronen pro 100 Kilo- gramm verkauft wird. Ein weiterer Nebenbetrieb dient der W u r st e r z e u g u n g. Der Genossenschaft gehören 12 000 Bauern an, die alle ihre Schwein« hierher zu liefern haben. Den Eigenbedarf bestreiten sie zu Hause. Wöchentlich werden 4000 Schweine geschlachtet, der Jahresumsatz der Genossenschast betragt 30 Willionen Kronen. De- zahlt wird an den Genossen mit der wöchentlichen Notierung für Genossenschaften, und zwar das Schlachtgewicht nach bestimmter Skala Di« Verkaufspreise richten sich nach englischen Preisen. Die 4 8- S t u n d e n- W o ch e ist für die 100 Beschäftigten durchgeführt, di« Männer erhalten 60 Kronen, die Frauen 35 Kronen Wochenlohn. Der allgemein« Eindruck von diesem Unternehmen war. daß wir in Deutschland in dieser Betriebsart in technischer wie hygieni- scher Beziehung um mehr als zwei Jahrzehnte voran» find. ÄVREWCE H. DEVBERRV? Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden der alten Ouöterin gitterte. „Ein Mord? Jack ermordet! ,. warnt« ihn... diese Schur« Mein armer, vertrauensseliger Von seinem Kummer angesteckt, (18. Fortsetzung.) Sie lauscht« noch eine kleine Weile auf das in der Ferne er- sterbende Surren des Motors, dann legte sie sich schlafen. Di« Kirchturmuhr schlug eben dreiviertel zehn. * Dunkelheit und tiefe Stille hüllten das kleine.lyaus der alten OuSkerin in einen undurchdringlichen Schleier. Es hatte zu schneien begonnen, wie lange Fäden zogen sich die Schneeflocken eng gedrängt vom schwarzen Himmel nieder. Heber Fullersoill« leuchtete fahl eine rötliche Glut. Plötzlich schrak Fräulein Crack aus dem Schlaf-, irgendein Geräusch mutzte sie geweckt haben. Dom Kirchturm herüber tönten die Schläge der Uhr. Sie zählte sie: eins, zwei, drei... Elf Uhr. Erst elf Uhr, dachte sie, ich glaubte, es sei viel später. Ein Sturm hatte sich erhoben, in der Küche schlug«in Laden. Fräulein Track schlüpfte In einen Schlafrock und begab sich in die Küche, um den Laden zu befestigen. Draußen ertönte näherkommend das Surren eine« Autos. Es schien plötzlich— ganz in der Nähe, anzuhallen. Dann wurde die nächtliche Stille durch einen Schutz zerrissen, einen zweiten, einen dritten. Und abermals senkte sich tödliche, erschreckende Stille nieder. Fräulein Track stand, an allen Gliedern zitternd, in der Küche. Etwas Schreckliches ist geschehen. Schüsse. Ein Mensch ist ver- wundet, vielleicht getötet worden. Sie lauschte noch einen Augenblick, lief dann im Schlafrock und in Pantoffeln, eine kleine elektrische Taschenlampe in der Hand, in den Schnee hinaus. Sie brauchte nicht, lange zu suchen. Aus dem weißen Schnee ragte schwarz ein zweisitziges Auto auf.' Ueber das Steuerrad gesunken, lag tot, mit leeren Augen vor sich hin- starrend, Jack Füller. Aus drei Schußwunden in der Brust floß Blut. Fräulein Crack wurde nicht ohnmächtig. Sie schleppte sich taumelnd ins Haus und rief die Polizei an. Dann erst fiel ihr ein, daß auch Calvin Füller benachrichtigt werden müsse Ein Diener antwortete am Telephon. Herr Füller habe sich bereü» schlafen gelegt. Nach einer Weil« fragte Calvin Füllers verschlafene Stimme ärgerlich, was es denn gebe. „Ihr Bruder Jack, ein Unglück.. „Um Gottes willen! Was ist geschehen?" „Er ist tot." „Ein Autounfall? Ich sagte ihm ja Immer, er soll vorsichtig fahren." „Nein.. Die Stimme ..Aerger... Ein Mord...' „Wie?" schrie Calvin Füller. Großer Gott! Ich ahnte e« sa. ken... diese gemeinen Hunde! Jack..." Seine Stimme brach. schluchzte auch die alte Ouäkerin ins Telephon. „Armer Junge! Armer Junge!" „Haben Sie die Polizei benachrichtigt, Fräulein Crack?" Calvin Füllers Stimme klang wieder hart und entschlossen.„Dieser Mord mutz gerächt werden!" „Ja, eben ist da» Polizeiauto oorgefahren." „Gut, bitten Sie den Kommissar, aus mich zu warten, ich komme sofort." Nach etwa einer halben Stunde erschien Calvin Füller, blaß und verstört. Er hatte eine längere Unterredung mit dem Polizei- kommissar, bei der niemand anders zugegen war. Dann betraten der Kommissar und Calvin Füller die kleine Küche, in der das alt« Fräulein Crack weinend sah. „Der arme Jack!" rief sie.„Und um neun Uhr sah ich ihn bei mir. Cr war so froh, hatte sich mit seinem Freund oersähnt, suhr zu ihm." „Seinem Freund?" fragte Calvin Füller hastig und warf dein Polizeikommissar einen bedeutsamen Blick zu.„Wen meinen Sie?" „David Gordon." „David Gordon," sprach Calvin Füller schroff,„war nicht mehr sein Freund. Mein Bruder hatte ihn endlich durchschaut. Uebrigen»... Herr Lynck, wurde die Leiche durchsucht?" .La. In den Taschen wurde etwa» Kleingeld und einige Brief« gefunden." „Wie?" schrie Calvin Füller.„Keine Dokument«? Kein Testament, keine Schenkungsurkunde?" „Nein." Calvin Füller oerzog den Mund zu einem bitteren Lächeln: „Armer Jack, ich wutzte es ja immer, daß seine Großmut'hn ins Verderben stürzen würde. Der Mörder hat die Papier« ge- nommen: er wußte genau, daß Jack ihn heute endlich im wahren Licht gesehen hat, und nicht mehr beabsichtigte, ihm sein ganzes Vermögen auszuhändigen. Sie sehen, Herr Lynck, wie recht ich mit meinem Verdacht hatte." „Ja, Herr Füller." Die Leiche wurde fortgeschafft: von neuem senkte sich Stille über das kleine Haus. Aber die alle Ouäkerin konnte nicht mehr schlafen: sie ahnte, daß dieser grausige Mord noch furchtbare Folgen haben würde, fithlte unklar, daß sich um Unschuldige ein Netz zu- lammenzog. Um drei Uhr morgens wurde David Gordon unter dem Per- dacht, Jack Füller ermordet zu haben, verhaftet. Die Kirchturmuhr. Die Streiter von Fullersoill« hatte ein zweifacher Schlag ge« troffen: Jack Füllers Tod, der alle' ihre finanziellen Hoffnungen vereitelte, und David Gordons Verhaftung, die ihnen den eni» schlossenften und tatkräftigsten Führer raubte. Aber wenn Calvin Füller sich dem Glauben hingab, nun würden die eingeschüchterten Arbeiter in Scharen In die Betriebe zurückströmen, so irrte er sich.' Die allgemein« Erbitterung verwandelt« sich in Entschlossenheit. Nicht nur die beiden Halls und das Ehepaar Bolton bewiesen ihr» Fulänglichkeit, nein, auch völlig unbekannte, in der Masse ver- ichwundene Proletarier zeigten plötzlich Kraft und Mut. waren zu allem bereit. In der Presse setzte eine wilde Hetze gegen die Streiker ein, die „Verbrecher", deren Führer einen Mord begangen hatte. Immer lauter wurde aufgefordert, daß sie aus dem Zeltlager vor der Stadt vertrieben werden. Jack Füllers Begräbnis wurde als Propagandamittel gegen die Arbester ausgenützt. Dazu kam, daß Fabrik A wieder arbeitete und für die übrigen Betriebe Streikbrecher angeworben wurden. Noch nie halle ein Streik dermaßen wenig Aussichten gehabt. Die Sympathisierenden, beeinflußt von dem Gekeif der Zeitungen, schlugen sich auf die andere Seste. Die Not wurde immer größer. Täglich kam es zu Verhaftungen. Calvin Füller, in llefe Trauer gekleidet, empfing unzählige Reporter, und das Ergebnis war, daß alle Zeitungen der Ver- einigten Staaten gegen die Streiter Partei ergriffen. Und alle Wut, aller Haß, den die um ihren Besitz bangenden Unternehmer empfanden, konzentrierte sich auf einen einzelnen: David Gordon. In ihm, in seiner Person, sollte das ganze Proletariat getroffen werden. In diese Stimmung fiel die Gerichtsoerhandlung gegen Gordon Die Voruntersuchung wurde unglaublich rasch abgeschlossen. Der Prozeß begann am 2. Januar. Mike Rosenfeld, der Sohn des alten Menachem Rosenfeld, der in Cincinnati als Rechtsanwalt tätig war, hatte die Verteidigung übernommen. Die Geschworenen wurden ausgelost. Immer wieder und wieder erhob Mike Rosenfeld Einspruch: der eine Geschworene hatte öffentlich erklärt, wenn es nach ihm ginge, mühte David Gordon gelyncht werden. „Ist das wahr?" fragte der Vorsitzende den fetten rotgesichllzen Apotheker, dem dieser Ausspruch zur Last gelegt wurde. „Mein Gott, es ist ja nicht unmöglich, daß ich in der ersten Empörung über den Mord etwas Aehnliches gesagt habe: aber e» war nicht so ernst gemeint." „Fühlen Sie sich imstande, ein objektives Urteil zu fällen?" „Ja. iß Die Ablehnung des Bertetdigers blieb unberücksichtigt. Und so ging es weiter: die berüchtigten„Rotensresser" fühlten plötzlich in sich die Kraft,„völlig objektiv" zu urteilen. Der Verteidiger zuckte die Achseln, und der Angeklagte warf einen hoffnungslosen Blick auf dl« Männer, in deren Händen fem Schicksal lag. Da war keiner, der an seine Unschuld glaubte, keiner» der auch nur den leisesten Zweifel darüber empfand, daß er den Mord begangen habe. Er sah zur Galerie empor, wo seine Freunde saßen: auch sie erweckten den Eindruck der Hoffnungslosigkest Ein einziges Gesicht, ganz vorn an der Brüstung, lächelte, zwei veilchen- blaue Augen warfen ihm einen ermutigenden Blick zu. Der Ge- fangen« lächelte, er wußte ja, wer den Verteidiger aus Cincinnat» halle kommen lassen, und wer bisher für alle Kosten der Verteidt� gung aufgekommen war. Als erster Belastungszeuge trat Frank Sims, der erst« Direktor des Fullerhaushalts, vor. „Sie haben angegeben," sprach der Staatsanwalt,„daß am 2». Dezember, mittags bei Tisch, zwischen Herrn Calvin Füller und dem Ermordeten über einen Strest des letzteren mit dem Angeklagten die Rede war?" „Ja." „Erhielten Sie damals den Eindruck, daß es sich um etwas Ernstliches handle?" „Ja, Herr Jack Füller erklärte, daß er sich mit David Gordon heftig gestritten habe." „Halten Sie den Eindruck, der Ermordete fei durch das Ver- halten seines früheren Freundes dermaßen angeekelt gewesen, daß er völlig mst den Streitern brechen wollte?" „Ja. Um so mehr, als er sich zum erstenmal seit langer Zeit freundschafllich mst Herrn Calvin Füller unterhielt." „Es schien Ihnen also, als habe zwischen beiden Brüdern eine Versöhnung stattgefunden?" „Ja." „Und Ihrer Ansicht nach war eine solche nur möglich, wenn der Ermordete seinen wilden, radikalen Ideen entsagte?" „Ja." „Es ist gut, der Nächste." „Der Nächste" war Fräulein Crack. Die alte Ouäkerin stand an allen Gliedern zitternd, mit verweinten Augen, in der Zeugen- dank. Außer den Arbeitern war sie vielleicht der einzige Mensch in der ganzen Stadt, der an David Gordons Unschuld glaubte, und dabei muhte sie ihn, wenn sie die Wahrheit sprach, schwer belasten. „Sie wußten von dem Streit zwischen dem Ermordeten und dem Angeklagten?" fragte der Vorsitzende, nachdem er einige ein- leitende Fragen gestellt hatte. „Ja. aber ich hielt ihn für nichts Ernstes. Jack Füller war überempfindlich, leicht gekränkt, immer..." „Ihre persönliche Ansicht über den Ermordeten interessiert uns nicht," unterbrach sie der Vorsitzende schroff.„Sie haben versucht, die beiden miteinander zu oersöhnen. Was sagte Ihnen Dav'd Gorbon am Telephon?" Die alte Ouäkerin wurde blaß und warf dem Verteidiger einen hilfeflehenden Blick zu. In ihrer Seele kämpfte die Wahrheitsliebe mit der Angst um David Gordons Leben. „Ich... genau entsinne Ich mich nicht..." stammelte sie. „Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Sie hier unter Eid aussogen. Uebrigens wurde das Telephongesxräch überhört. David Gordon sagte: Jack ist ein verdammter Idiot. Stimmt das?" „Ja, aber die jungen Leute haben eben heutzutage eine gemeine Art zu reden, das kommt noch vom Krieg, der alle demoralisiert hat' und..."(Fortsetzung i RätseI=Ecke des„Abend". cuiiiiiiiiiiuiinimiNmmiiiiRtnitiniiniiiiiniinii Silbenrätsel. Aus den Silben a an be der borg bo che e es fried i ka ker ti na na ne nun o o pow ra rez ro ror rus rü si sieg schach su tät tha ti to zahl zi sind 12 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, Wörter folgender Bedeutung ergeben: 1. Stadt am Bodens«: 2. russische Klaviervirtuosin: 3. Heimat Odysseus: 4 german. Volk: S. Schöpfer des preuß. Landrechts: K. Nebenfluß der Ober; 7. italienischer Dichter und Politiker; 8. Volkstum; 9. Berg bei Wiesbaden: 1». Muse; 11 deutsche Sagengestalt: 12. deutscher Sagenheld,(ch 1 Buchstade.) ks. Kreuzworträtsel. ■r ■irrr— H■ PL_ 15 16 Wagerecht: 1. Bekannter euglischer Staatsmann: 6. Sklave; 8. Titel: 10. Tier- park; 12. Gattung; 13. be- kannter Konserenzort: 14. Ver. St v Amerika.(Abkürzung): IS. Name eines griechischen Buchstaben; 17. deutscher Badc- ort: 19 Eingangspforte: 21. sittliche Norm; 22. englischer Arbeiterministxr.— Senk- recht: 1. ehemalige deutsche Festung: 2 Artikel: 3. nor- bischer Männername: 4. ge- sellschastlicher Mangel: ö hin- weisendes Fürwort: 7 Feue- rungsgitter: S. Schauspiel: 11. Kosewort für Großvater: 12 nordischer Halbgott: IS. seltene» Wild: 16. Mädchenname: 18 Nachkomme; 19 Ende; 20 selten r) Rösselsprung. I 10 |l2l 20 n~ hm. Ergänzungsrätsel. Anstatt der Striche ist je ein Wort zu setzen, da» sowohl mit dem vor- angehenden als auch mit dem nach- folgenden«in neues Wort bildet Die Anfangsbuchstaben der Crgänzungswörter, von oben nach unten gelesen, nennen eine brennende politische Frage. ad Füllrätsel. An Stelle der Punkte sind die Buchstaben a a a bbbcdeeeeeeee egghhilllllmm nnoooooprrrrr ssttttttuuüwzz so anzuordnen, daß Wörter folgend,-r Bedeutung«nt- stehen: 1 Stadt in der Provinz Brandenburg: 2. Teil einer Wäscherolle: 3 Affenart: 4. Offert« für Schnellveriauf; 5. Preisbestimmung: 6. Nervöser Zustand: 7. Süd« frucht: 8. Dokalkonzert.»b. Buchstabenrätsel. Aus den Buchstaben aaaadeeegikklnn oooorrssttttuuv sind 10 Wörter von je drei Buchstaben zu bilden, deren Ansangsbuchstaben aneinander- gereiht einen bekannten verstorbenen Gewerkschaftsführer nennen. — Die Wörter bedeuten: 1. Erholung: 2. Nordische Gottheit; 3. Farbe: 4. Senkblei: 5. Lotteneanteil: 6. Bibl. Frauenname: 7. Antilopenart: 8. Weiblicher Vorname: 9. Griechischer Buchstabe: 10. Schlechte Lebenslage.—kr.— 1. 2. 3 4 5. 6. 7. 6. 9. 10 11. Elb- Wurm Bober Oder Main Weichsel Ruhr Havel Angerapp Wupper Saale Geographisches. An Stell« der Striche vor den Flüssen sind die Namen von S'ädten zu setzen, die an den betreffenden Flüssen liegen Die Aniangs- buchstaben, von oben nach unten gelesen, nennen einen Gewinn der österreichischen Sozialdemokratie. ab. lAuflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflöwng der Rätsel aus voriger Kummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Leid: 4. Kind: 7. modern: 9. Rune: 10. an: 11 Hilserding: 12. Ohm: 13. Jim: 14. Abrüstung: 16. ie; 17. Sohn: 18. Ar, 19. Eibrot: 20. Erik: 21. Turm.— Senkrecht: 1. Lech: 2. im; 3. Dorsmusik: 4. Kredilnot: 6. in; 6. Dung; 8. Niobe: 10. Anina: 14. Aloe: 13. Gram: 19. EI: 19s: Tu. Magische» Quadrat: t Jabel: 2. Arena: 3. Beige; 4. Enger; 3. Laerm. Kapselrätsel: Wer nicht vorwärts geht, der kommt zurück. Silbenrätsel: 1 Wartburg: 2. Eberesche: 3. tandbund: 4 Ehiavark; Z. Elb«: 6. Raubbau,- 7. Esiea; 8 Gistga»: 9. Znsel: 10. Eben«; 11. Reh: 12. Ufer: 13. Netzhaut; 14. Glogau; 13. Dekoration; 16. Zschios: 17. Ens: 18. Bergbaude: 19. Erpel: 20. Straßenstaub: 21. Eichenost: 22. Seesozz: 23. Epheu: 24 Isar: 23. Dahin«: 26. Znselberg: 27. Ebo»: 28. Zuli«: 29. Eiger: 30. Rase: 81. Zlalien.— Welche Regierung die beste sei? Die- jentg«, die uns lehrt» uns selbst zu regieren. cfttteiter-Sport' Morgen: Abendsportfest} Die Letten gegen Berliner Ar bettersporller. Morgen, Donnerstag, findet auf dem Sportplatz Tiergarten fzwifchen Bahnhof Tiergarten und Zoo) das internationale Abendsportfest unter Teilnahme lettischer Arbeitersportler statt. Die lettischen Genossen, die aus Motorrädern von Lettland »ach Nürnberg zum 2. Arbeiter-Bundessest kamen, befinden sich jetzt auf einer Rundreise durch Deutschland, jiier tragen sie in ver- fchiedenen Städten, wie Bremen, Hannover, Leipzig. Berlin, Königsberg, mit deutschen Arbeitersporttern Wettkämpfe aus. Die Delegation besteht aus Leichtathleten, Boxern und Tennisspielern, somit die Dielseitigkeit des Internationalen Arbeitersport« demon- striercnd. In Berlin wird das Ai>endsportfest vom„Sportverein Moabit" veranstaltet. Nach den bisher bekanntgewordenen Resultaten dominieren in fast allen Städten die Letten. Do nun zu dem internationalen Abendsportfest fast olle Groß. Berliner Dereine mit Ihren besten Kräften am Start erscheinen, verspricht die Beranstaltung äußerst interessant zu werden. Neben den leichtathletischen Wettkömpfen finden noch vier Boxkämpfe sowie Tenniswettspiele statt. Ein Besuch ist daher sehr lohnend, zumal der Eintrittspreis nur 50 Pf. beträgt. Beginn der Veranstaltung pünktlich um tß Uhr. An die teilnehmenden Leretn« ergeht die Aufforderung, pünktlich zu sein, und alle zur Verfügung stehenden Kampfrichter mitzubringen. Stafettenläufer, die zu den Einzelwcttkämpfen nicht g«> meldet haben, zahlen Eintrittsgeld. Der Sportverein Moabit hat dafür gesorgt, daß den lettischen Arbeitersporllern die besten Leichtathleten der Reichshauptstadt gegenübergestellt werden, so daß sehr interessante und spannend« Kämpfe zu erwarten sein werden. Im tOO-Meter-Laus starten vier der ausländischen Gäste, die gegen die Berliner Held, Wienicke und Traxel jedoch nicht auskommen werden. Dogegen wird ihnen der Sieg in den Wurstoniturrcnzen und beim Weitspringen nicht zu nehmen sein. Di«>Metcr-Stosette weist«ine gute Besetzung auf. ASC. wird hier sicherer Sieger sein. Lettland oder„Ostring" dürft« al» zweiter einlaufen. An der großen Staffel Ii) X 14-Runde beteiligen sich vierzehn Mannschaften. Bei den Sportlerinnen ist der Auegong der meisten Kämpf« völlig offen. Schulz-AST. und Liepin-Lettland werden in gleicher Reihenfolge die 100 Meter durchlaufen und ebenso den Sieg im Speerwerfen unier sich ent- scheiden. Im Weitsprung sollte Liepin-Lettland besonders gute Leistungen zeigen. Hier wird besonders die lleine Olympische Stafette interessieren. Auch bei den Jugendlichen wird es wechsslvolle Kämpfe geben. Hennig-Moabit dürfte Sieger im Weit- springen werden. Bei der Schwedenstaffel und der äXIOO-Meter- Stafette stellen ASC., Ostring oder Moabit den ersten. An den Tennisspielen ist„Teimis-Rot" beteiligt. Der Donnerstag muß für Berlin ein Wcrbetag werden für dl« internationale Verbundenheit der Arbeiterschaft, für den Arbeiter- spart und den Sozialismus. ltarl Hendcell zum Gedächtnis. „Ich Ston« die« Buch der Freiheit den Hand- und Kopf- arbeltern deutscher Zunge. Möge e» ihnen Hammer der Tat und Glocke der Gedanken, Rufer im Kamps der Tage und Genosse stiller Stunden sein." Karl Henckell,„Buch der Freiheit*. Eine würdig« Gedächtnisfeier für den verstorbenen Dichter des Proletariats, Karl Henckell. fand im Rohmen einer Morgenfeier der Freikörperkultursparte der Freien Turner- schast Groh-Berlin auf dem Gelände bei Callinchen am Motzensee statt. Sie hinterließ bei den zahlreich Beteiligten einen erhebenden Eindruck. Eingeleitet wurde die Feier durch Musik- und Gesangs- Vorträge. In eindrucksvoller Weise wies Spartenleiter Müller in seiner Ansprach« aus dt« Bedeutung der Persönlichkeit de« Der- storbenen hin, der durch sein, Kampf- und Freiheitslieder das ringend« Proletariat begeistert«. In der Sehnsucht noch jenem Schönheitsbau einer freieren und gerechteren Gesellschaftsordnung ließ er sein« Gemeinde hoffnungsvoll aufblicken. Dann folgten Rezitationen aus 5karl Henckells Dichtungen, die in feinsinniger Weif« zum Dortmg gebracht wurden und bei vielen der Anwesenden zweifellos das stille Gelöbnis auslosten, im Sinn« des Berstorbenen zu wirken. Die übrige Zeit des'Tages wurde ausgefüllt mit Körpergymnastit, Licht-, Luft- und Sonnenbädern, die vom Herr- lichsten Weit« begünstigt wurden. Ein Tag der Erholung und Ent. spannungl Sport zur Verfostunflifcicr. Zum Sportfest des Bezirksamts Fried.ichshain auf dem Sportplatz Friedrichshain wirken die bundestreuen Rennfahrer de« Arbeitermd- und Knaftsahrerbunde«„S o l i d a r t- tat* mit durch Ausfahren von Radrennen auf dem Homeirainer. Das Sportfest findet Sonnabend, 10. August. 13 Uhr. statt. Treffen vor dem Sportplatz, Eingang Dirchowstroß«. All« Fnnkiionäre, gemeldeten Fahrer und Mitglieder müssen pünktlich zur Stelle sein. Eintrittsgeld wird nicht erhaben. Wie im Vorjahre benutzt der Brandenburgisch« Box-Verband die Gelegenheit und tritt mit einem guten Programm am Der- fasiungstage vor die Oeffentlichkeit. Es sind für Sonntag. 11. August, IS Uhr. auf dem Sportplatz Friedrichshain elf Kampf- paar« vorgesehen, die auf der ganzen Linie guten Sport bringen. Di« jüdischen Sportvereine BarKochbaundHakoah ver- anstalten am kommenden Scnntag anläßlich des Versassungstages im Poststadion ab 1S.30 Uhr internationale Wettkämpf« Bar Äochba hat sich die Leichtathleten der Hakogh-Wlen und des Sport- klubs Hagibor-Prag verpflichtet, die gemeinsam ein« Mannschaft gegen die Berliner ausstellen. Zu dem aus Anlaß der zehnjährigen Derfassungsfeier am II. August in der Sporthall«, Alexandrinenstraß« 107, von neuem beginnenden Kämpfen de- Verbandes Berliner Kegel- klubs um den Wanderpokal haben 10S Fünfer-Klubmonnschaften gemeldet. Noch mehr Siegesalleen! Es ist eine unkluge Angelegenheit, bekannt« Leute noch zu Kren Lebzeiten durch Denkmäler irgend welcher Art zu ehren. Besondere im Sport wirkt so etwas komisch, wo man dem Sports- mann immer wieder Bescheidenheit �anempfiehlt. Aber zu diesen muß es ja naturnolwendig kommen, wen�' beispielsweise der Sportklub Preußen Stettin seinen bekannten Dr. P« l tz e r dadurch ehren will, indem er einen Sportplatz„Dr.- Peltzer-Platz" benennt. Dabei ist dieser Herr bekanntermaßen an sich schon durch sein« Primadonnaallüren bei seinen eigenen Sports- kameraden verschrien. Das Tollste leistete sich dieser Tage aber der bekannt« H a m- b n r g e r Sportverein, der es für angebracht hielt, die neu- angelegten Sportplätze in Ochsenzoll nach 11 Fußballspielern zu benennen und zwar nach denen, die vor einem Jahr gegen Hertha» Berlin die Deutsche Meisterschaft im Fußball gewannen. Es gibt da«inen..Risse-Platz", einen„Halvorsen-Platz", einen„Zlegenspeck- Platz*, einen ,/iorn".Platz usw. Diese serienweise Ehrung von Leuten, die weiter nichts getan als mehrmals recht geschickt gegen den Ball getreten zu haben, ist, gelinde gesagt, eine Geschmacklosig- teit ohne Beispiel. Ma�r soll sich in den bürgerlichen Sportlreisen nicht wundern, wenn von amtlicher Seite die Sportbewegung nicht immer ernst eingeschätzt wird. Solche Detadenzanzeichen müssen jeden Außenstehenden bedenklich stimmen. Aber auch aus cr.zieheri- jchen Gründen sollte man«ine U»berschützung sportlicher Leistungen unterlassen. Prin.zendenkmäler auf Sportplätzen, Benennung der Plätze nach lebenden Sportlern und ähnliche Scherze: n»r so weiter, dann ist's bald am Ende! WÜÜ'\ Wochenende mit den Naturfreunden. Da» Reisebureau des Touristenvercins„Die Naturfreunde" ver- anstollet auch m der Nachierien.zeit eine Reihe Wochenend- fahrten, zu denen Gäste immer sehr willkommen sind. Als nächst« findet am 17. und 18. August eine Fahrt in den Ober- spreewald statt. Auf dieser Fahrt schließt sich von Raddusch ein» Kahnfahrt durch die Radduscher Kaupln zum Erlkönig an. Sonntagfrüh Spaziergang nach Burg, zum Kirchgang der Wendinnen und nach der Mittagspause beginnt die große Kahn- .fahrt durch den Hochwald über Forsthaus Eiche, Ko nnomühl«, Die Macht der Arbeiter-Sportbewegung in Berlin wird sich trotz aller Anfeindungen am IS. August im Volksport Rehberge beim Reichsarbeltersporltag erweisen. SchützenhauS, Wotschowska und Lehde nach Lübbenau. Dieselbe Fahrt wird am 7. bis 8. September wiederholt, jedoch nur bei gutem Wetter. Nach Klo st er Chorin und durch das Plagefenn wird am 25. August eine Wochenendfahrt veranstaltet. Nach kurzer Bahn« fahrt findet eine Besichtigung der Klostervuine statt und daran an- schließend eine Wanderung durch das Plagefenn(Naturschutzpark). Gehzeit etwa 5 Stunden. Am 7. und 8. September zur Heideblüte in den Fläming. Tresspunkt Sonnabend, 18 Uhr, Bahnhof Friedrichstraße. Bahnfahrt über Belzig nach Niemegk. Sonntag: Wanderung durch die Sehenswürdigkeiten der Neuendorfer ! Rammeln und Garreyer Kessel zur Burg Rabenstein(Besichtigung), Abstieg nach Raben und Wandekstng nach Belzig. Meldeschluß eine Woche vor Stattfinden der Fahrt.— Eine Städtefohrt nach Frankfurt a. d. O. findet Sonntag, 23. September, statt. Der Bahn- fahrt nach Frankfurt a. d. O. schließt sich eine Besichtigung mit Rundfahrt nach dem Stadion der Ostmark, den Siedlungsbauten der„Gewobo" und zum Rathaus an. Danach zu den Siedlungen der Eisenbahn und zur Besichtigung der neuen Volksschule. Nach- mittags Spaziergang nach Buschmühle. Am 5. und 6. Oktober führt ein« Städtesahrt nach Tongermünde. Trefspunkt Donnobend, 13 Uhr, Bahnhof Friedrichstraße. Bahnfahrt nach Tangermllnd«, Besichtigung der Stadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten. Auf der Rückfahrt wird der Stadt Stendal ein Besuch abgestattet. Ferner findet am 20. Oktober eine Städtefahrt nach Brandenburg an der Hovel statt. Anschließend an die Bahnfahrt führt«In Rund- gang durch die Stadt zum Pauli-Kloster und weiter zum Dom(Be- stchtigunq und Führung). Nachmittags mit dem„Wintermärchen* in die Umgebung Brandenburgs. Gäste sind zu sämtlichen Fahrten herzlich willkommen. Teilnehmerkarten zu den Wochenendfahrten sind in der Ge- schäftsstelle, N. 24, Johannis st raße 14/1.1, von Montags bis Freitags von 17 bis 20 Uhr oder bei Schmidt, W. 50, Ranke- straße ZOi Walter, Berlin-Neukölln, Siegfriedstroße 35; Meckelberg (,.DorwSrts*-Spedilion), Berlin-Trepiow, Graetzstraße 30; Sinit, N. 20, Stettiner Straße 30: Thomas, N. 33, Luxemburger Straße 1, zu haben. Alles Nähere ist aus dem Wochenendprospekt ersichtlich, der auf Wunsch zugesandt wird.(Rückporto.) Anfragen richte man an das Reisebureau de» Touristenvereins„Die Naturfreunde". Berlin N. 24, Iohannisstraße 14/13. Geöffnet Montag bis Freitag, 17 bl, 20 Uhr. Telephon Norden 4177. S�WWMW SWWWWM Retiungshaus der ArbeUersamariter am Tegeler See Um die Radweltmeisterschaffen. Sawall und Krewer am Start in Zürich. Die Liste der Teilnehmer an den R a d- W e l t in e i st e r- schaften in Zürich ist durch einige Nachnennungei' bereichcrl worden. Neben Kaufmann und Richli schickt die Schweiz in die Welt- Meisterschaft der Berufsflieger noch den in Paris ansässigen Schweizer Brunner. Als letzte Nation hat nun auch Ungarn gemeldet, und zwar die Amateurflicger Györffy und Szllls, sowie die Amateur- Straßensahrer Jstenes und Vida. Italien schickt nebe» Malatesta und Pellizzari noch einen dritten Bertreler zur Amateur-Flieger- Meisterschaft, nämlich Angela Cattano, und Polen entsendet außer Szamota«inen weiteren Amateurflieger in Prdzorsti. Die Ver- anstalter haben übrigens durch das Bureau der Union Cyclifte Internationale in. Paris allen Landesverbänden mitteilen lassen, daß es untersagt ist, das Rennen der Straßenfahrer im Auto zu begleiten, da in der Schweiz die polizeilichen Vorjchriften hin- sichtlich dieser Begleitautos«ingehalten werden müssen. Die große Zahl der Anmeldungen für die Steher- Welt- Meisterschaft bringt es mit sich, daß nun doch drei Vorläufe auSge- tragen werden müssen. Bei einer Beteiligung von zehn Fahrern hätten zwei Dorläufe genügt, da aber zwölf Fahrer offiziell ge- meldet sind und nur fünf Fahrer in einem Lauf zugelassen werden, mutz zu einer Dreiteilung geschritten werden. Von den beiden privat gemeldeten Franzosen Grassin und Breau wird wahrscheinlich crsterer zugelassen werden, so daß die Teilnehmerlist« folgende 13 Fahrer umfassen wird: Sawall, Krewer(Deutschland), Paillord, Grassin(Frankreich), Linart, Benoit(Belgien), Leddy, Schlebaum(Holland), Toricelli, Manera(Italien), Lguppi, P. Suter (Schweiz), I. P. Engel(Luxemburg). Bei drei Vorläufen würden di« Sieger und die zwei besten Zweiten nach der Zeitwertung in den Entscheidungslauf kommen. Das Weltmeisterschafts-Meeting beginnt am Sonnabend, 10. August, mit dem 30. Kongreß der HEI., bei dem die Einteilung der Vorläufe für die Flieger- und Steher- rennen festgesetzt wird. Das sportliche Programm wird dann wie folgt erledigt: Sonnabend, 10. August, 13 Uhr: Vor- und Hofsnungsläuse der Flieger(Amateure und Berufsfahrer)..Sonntag, 11. August,.13 Uhr: Zwischen- und Endläuse der Fliegermeisterschaften. Kunstreigen und Radball. Vorgabefahren für Amateure und Berufsfahrer. Zwei- sitzerfahren. Donnerstag, 13. August, 13 Uhr: Ausscheidungsläufe der Steher über 100 Kilometer. Sannabend, 17. August, 8 Uhr: Weltmeisterschaft der Straße(Amateure und Berussfahrer). Sonn- tag, 18. August, 14,30 Uhr: Steherrennen über 30 Kilometer für d« Unplacierten der Vorläufe. Weltmeisterschaft für Steher über 100 Kilometer. Spielabend der Schachspieler! Die Arbeiter-Schochfpieler laden Freunde des schönen Schach- spiele ein, die Aeranstallungen der bundestreuen„Freien Arbeiter-Schachvereinigung Groß-Berlin* zu be- suchen. Die Spielabende beginnen um 20 Uhr und finden in jeder Woche statt. Als Einleitung wird immer«in lehrreicher Vortrag gehalten, im Anschluß daran bekommt jeder Schachfreund, ent- sprechend seiner Stärke, Gelegenheit zum Spielen. Unterricht für Anfänger wird gern und kostenlos erteilt. All« Anfragen in Vereinsangelgenheiten sind an Georg Werwinski, Berlin S 39, Planufer 91, zu richten. Abteilung Schöneberg: Diens- tags bei Seidel, Schöneberg, Gustao-Müller-Platz 1: Abteilung Lichtenberg: Dienstags bei Schuler, Berlin. Wühlifchstr. 33: Abteilung Memel: Dienstags bei Lücke, Berlin,* Memeler Straße 10: Abteilung Grünau: Dienstags un Gemeinfchafts- hau» Gutshof Falkenberg: Abteilung Humboldthain: Dienstags bei Dohling, Berlin, Brunnenftraße 79: Abteilung Neukölln: Dienstags bei Balewsti, Neukölln, Voddinstraß« 57: Abteilung Friedrichshain: Montags und Mittwochs bei Albrecht, Berlin, Straßmannftraße 42: Abteilung Kreuz- berg: Donnerstag» bei Krepp, Berlin, Planufer 75/73: Ab- teälung Prenzlauer Berg: Donnerstag» bei Klug, Berlin, Danziger Straße 71: Abteilung Treptow: Mittwoch, 7. August 1323, bei Döhling, Treptow, Elsenstroße 100, ab 15. August jeden Donnerstag im gleichen Lokal: Abteilung Westend: Donnerstags bei Iamin, Charlottenburg, Sophie-Chnrlolte-Str. 88: Abteilung Wilmersdorf: Donnerstags bei 5?ainmerling, Wilmersdorf, Drandenburgische Straße 75: Abteilung Mitte: Freitags bei Kurzrock, Berlin, Zionskirchplatz: Abteilung Wedding: Freitags bei Hernes, Berlin, Müllerstraß« 23: Ab- teilung Weißensee, Freitags bei Gallas, Weißensee, Berliner Allee, Ecke Lehderstraße.— Abrechnung am 5. August 1929 von 20 bis 20% Uhr bei Ewald, Skalitzer Straße 123. ver nächste Boxkampslag in der Bockbrauerei. Nach einer vier- wöchigen Sommerpaus« setzt der Borring unter Leitung Josef Burdas am Donnerstag, 13. August, im Ring der Bockbrauerei in der Fidicinstraße seine Freiluftoeranstaltungen fort. Da der Garten der Bockbraucrei überdeckt ist, ist vollkommener Schutz gegen jedes Wetter geboten. Bürgerlicher(sußballsportl Zu schweren A u s j ch r e i t u n- gen kam es noch dem Fußballspiel in T e p l i tz zwischen dem Teplitzer FK. und Meteor VIII, das unentschieden(4: 4) verlief. Der Schiedsrichter Stepanowfky wurde nach Schluß des Spieles von den Zuschauern verprügelt und mußte von der Polfzei vor weiteren Mißhandlungen geschützt werde». ffrei« XeM-ttulea«r»b Berlin.>bt. Trarl! Rootehau» in Spar». dauer Str. 0. Kootsstant« noch frei. Sifcun« Donnrrolaq, 8.«»«»st, UN Uiir, Jjci Srunwald, N. 65, Ramttunet E!r. 19. Anschrift: Waller Echlokot. �IO. 63, vrtnzlauer Alle« 202.— Abt. Erlner: Bootohaus in Erkner. Boots- »erft Lindeinann. Eibuna Ifrcitan,»• SUinuft, 20 Ul>r. im Restaurant„Hur Eiche". Berlin-Neuliilln,«alter.�rtcdrich- Eck« Eaalrstraste. Antchrift: Georg Dowalo, Berlin SO. 36, liiekhol�str. 40. C&äfit willlommc». Milalieder werden noch aufMirommen. Kreie iZoltbootsahrer Berlin. Rllchstr iZiisammenkunft?o»»ersiaa, 8. August, 20 Uhr, Schuir Weinwristerftr. 1�— l?. Berichte oo» den Urlanbsfahrtcn. KTSB., B«8. ltarlotteaburo. Morgen. Bonnerotag, 18 Uhr, Inlernaliona» Ii* Sportfest Sporiplah Tiergarten. Alle Mitglieder gehcn hin. Erster Turn- adend drr Krauen und Miidchc» Kreitag, 9. Auaufl, Turnhalle Berliner Str.!j9. Erster Turnabend der Männer und Jugend Montag. 12. August, liamminer Stvane, E» find sehr wichtige Angelegenheiten ,u besprechen. ASE., Socke«. Anschrift: Walter Wieprecht, O. 112, Petienkoferstr, 16. Nächste Sitzung Mittwoch. 7. August. 20 Uhr. bei Wcgnrr, Trantwrter Aller 2*6. »-,-tellvereinr Wilmcrobors. Sonneroiag. LI Uhr. bei Nroist. Sasteiner Sitzung. Spielplageinteilung. Eintrittskarten und Plaketten abholrn. nl< Turncrsck-cktt»-»tz.Berli». Ben, P-ntow. Donnerstag. S. August. I», Borstantznsibung bei NIeinm. Berliner Eck- Sablichstrastc. S U ffSISB., Britz, b«ginnt Donnerstag, 8. August, Schuir am Teich. Britz. ChausseestraA«. imt kern Uebungsabrnd der Männer,«»schliebend lurie Be- sprechung für all». I. ssrauenabend nach den IZerien Montag, 12. August.— Bezirk Reulöllu: Wiederbeginn de, Sallcnturnens IZreitag. 9. August. 18 bis 20 Uhr ttnaden und Mädchen; 20 bis 23 Uhr Iunqmädchen und Männer Wen«>«S, IS. August. 20 bis 22 Uhr ITtoucn link Männer. Donnerstag, 15. August, 20 bis 82 Uhr, RruerSfsnung k« Altrrsokteilung für Männer über 33 Jahre, Turnhalle Lesstngstrahc, obere Salle. Käste herzlich willlommc». — Büdost-Zrepto»! ffreitag, 9. August, Beginn des Turnbetrtrbs ans d-n Sollen für alle Abteilungen. Eonnabend, 10. August, 16 Uhr. treffen stch alle MitgNeke» k«, Bezirk?. Sinket. Jugend unk Erwachfen«, mit Turnzeug-! '~"W"»«, nckken kern Shrthait, Treptow. Alle, Nähere str- � Sefchifts-Jtnseiger �=> &ezir& fiiden-'Wefien. Max Gräbner Berlin 034, Petersburger Strafe 26 Telephon; Königstadt 119 Obsf- u. 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