Morgenausgabe Nr. 367 A 185 46.Iahrgang SSch-nM« SB Ct. msnaUlch S.BOW. tn Borau« jablbai, Coftbtjugese Gefahr ist jedoch schon abgewehrt, da die politisch« Kommission ihre Arbeiten gleichzeitig mit der Finanzkommission, d. h. bereits am Don- verstagnachmittag beginnen wird. In dieser positischen Kommission werden sich vor allem jene Kämpfe abspielen, an denen Deutschland direkt teilnehmen wird, während die Finanzkommission vorläufig vor allem der Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen Gläubigern sein dürfte. In der politischen Kommission wird man besonders um die Ausführung des Genfer Septemberbcschlusies bezüglich der so- genannten Feststellung», und VersShnungskommission für da» Rheinland ringen. Der deutsche Standpunkt ist bekannt:«ine Kommission kommt für uns nur bis 1N3S in Frage. Die französischen Absichten sind noch nicht ganz klar. Zweifellos hält Briand innerlich herzlich wenig von dem Nutzen einer solchen Kommission. Aber das ist gerade der Punkt, wer den sogenannten moralischen Erfolg nach Hause zu bringen hofft. Dagegen dürfte das Saarproblem zwar nicht als Bestandteil der Haager-Konferenz, wohl aber im Haag selbst Gegenstand direkter Verhandlungen zwischen den Franzosen und den Deutschen sein. Zu der Rade E h 6 r o n s am Miitwochvormittag sei noch noch- getragen, daß der französische Finanzministcr, der natürlich bei dem beliebten Thema der„neuen schweren Opfer�, die der Poung-Plan für das eigene Land bringt, nicht hinter den anderen zurückbleiben wollte gegenüber Snowden, der mit dem Argument operierte, daß eigentlich Frankreich nach dem Dawes-Plan aus dem Wohl- fahrtsindex(dem sogenannten Besserungsschein) so große Summen' in den künftigen Iahren zu erwarten gehabt hätte, daß das Verschwinden dieses Besieriingsscheincs aus dem Doting- Plan allein schon für Frankreich«in großes Opfer bedeutet. In einer Pressebesprechung vor den englischen Journalisten, in der er die Argumente seiner Dienstagrcd« im wesentlichen und in keineswegs abgeschwächter Form wiederholt«, antwortete Snowden auf dieses Argument, daß er dies nicht als ein Opfer anerkennen könne: denn es sei kein Opfer auf etwas zu ver- zichten, von dem man genau wisse, daß man es niemals erhalten hätte. Die Generaldebatte geschlossen. V. 8cb. Haag, 7.'August.(Eigenbericht.) Nachdem in der Pormittagssitzung der Konferenz noch D« n i z c l o s- Griechenland und M a r i n k o w t i s ch- Jugoslawien von den Opfern ihrer Länder gesprochen hatten, ist die Generaldebatte am Nochmittag zu Ende geführt worden, so daß die vielfach geäußerten Befürchtungen, die Einsetzung der Kommissionen und damit die Erörterung der politischen Fragen werde eine wesent- liche Verzögerung erleiden, sich nicht verwirklicht haben. Es sprach nur noch H y m o n s- Belgien, um ähnlich wie der Fronjose und der Italiener zu erklären, daß der Poung-Plan ein unteilbares Ganzes bilde und daß kein Stück aus ihm herausgenoinmen werden dürfe. Sonst müßte man eine neue Sachverständigenkoiiferenz einberufen. Hymans Erklärung war kurz und in energischem Tone vorgetragen. Ada tsch i- Japan konnte nicht unterlassen, nachdem alle übri- gen Gläubigervcrtreter von den„schweren Opfern' gesprochen hatten, die sie bisher gebracht hätte», ebenfalls diese Wendung zu gebrauchen, die besonders im Falle Japan in der Welt allgemeines Kopfschütteln erregen dürste: er erkennt aber den Yaung-Plan als Grundlage für«tn« endgültige Regelung an. Nach einigen belanglosen Worten des amerikanische» Be- obachters Wilson wurde die Diskussion geschlossen und der Vor- sitzende Jasper machte einige Prozeduroorschläge, die allerdings in einer vorangegangenen kurzen Besprechung der sogenannten ein- ladenden Mächte vereinbart worden waren. Es wurden demnach zwei Kommissionen eingesetzt: eine Finanz- kommission und eine politische Kommission. Jode der 12 Länder ein- sendet zwei Delegierte in die Finanzkommission, die aus 24 Delegierten plus dem Lorsitzenden bestehen wird. Di« politische Kommission dagegen wird nur aus je zwei Mitgliedern der sechs einla den den Mächte bestehen und einem Vorsitzenden, zusammen 13 Personen, so daß z. B. polen bei der Beratung des Komplexes der Rheinlandräumung nicht mitzureden haben wird. Die Vorsitzenden werden nicht als Delegiert« ihres Landes gerechnet. Zum Vorsitzenden der Finanzkommission wurde der belgische Finanzminister H o u t a r t gewählt, zum Vorsitzenden der politischen Kommission der englische Außenminister Hender- s o n. Die Kommissionen werden das Recht haben, Unterkomitees zu bilden und Sachverständig« zu vernehmen. Die Kom- Missionen lverden ihr« Beschlüsse der Plenarkonferenz übermitteln, aber das dürfte wohl nur eine Formalität sein, da Beschlüsse, die in einer Kommission einmal gesaßt sind, sicher nicht mehr in der Plenar- konserenz aufs neue beraten oder gar umgestoßen werden. Alle diese Dereinbaningen der„großen Sechs" wurden glatt angenommen: nur In einem Punkt gab es einen kleinen Zwischenfall. Die„große Sechs" hatte beantragt, daß die Finanzkommission solche Probleme, die nur die einladenden Mächte berührten, lediglich von diesen in besonderen Sitzungen behandelt werden sollten, ohne Teilnahm« der Delegierten der übrigen kleinen Mächte. Hier hakte nun T i t u l e s c u- Rumänien, unterstützt von Marinkowitsch- Jugoslawien, ein und fragte, ob es denn eine oder zwei verschiedene Finanzkonimissionen geben würde. Der Vorsitzende I a s p a r war um die Beantwortung dieser Frag« etwas verlegen: denn es war nicht ganz leicht, solche finanziellen Punkte du benennen, die nur die einladendeii Mächte berühren. Dennoch erklärte Iaspar, es gäbe selbstverständlich nur eine Finanzkommission, aber man werde eine „Teilung der Interessen" ins Auge fassen müssen für den Fall, daß gewisse Fragen nur eine bestimmte Gruppe von Konfereuzteilneh- mern berühren sollten. Die deutsche Abordnung wird als ihr« Vertreter in die Finanzkoinmission den Reichsfinanzminister H i l f e r d i n g und den Reichswirtschaftsministcr C u r t i u s entsenden und als ihre Vertreter in die politische Kommission den Reichsaußenminister Stresemann und den Reichsminister für die besetzten Gebiete W i rth. Snowden hat England hinter sich. London, 7. August.(Eigenbericht.) Die Rede des Schatztanzlers Snowden auf der Haager Kon- fcrenz ist in London auf allen Seiten mit großem Beifall auf- genommen worden. Der„Daily Herald" läßt keinen Zweifel darüber, daß Snowden mit seinen Ausführungen mich die Auffassung der Arbeiter- parte! verdolmetscht hat. Di« Verhandlungen mögen sich, so stellt das Organ der Arbeiterpartei fest, zeitweilig schmierig gestalten, es werde schon möglich werden, praktisch« Resultate zu erzielen, wenn olle Delegierten dem Beispiel Snowdens folgen und ebenso offen zur Sack?« sprechen. Man dürfe darauf vertrauen, daß die Staats- männer der anderen Staaten in der britischen Feststellmig, daß die äußerste Grenze für England erreicht sei, keinen Tadel gegen sich sehen. Der„Daily Herald" spricht schließlich die Hoffnung aus, daß es nicht schwer fallen werde, die von den britischen Delegierten geforderte Abänderung des Aoung-Planes und damit ein Ab- kommen zustande zu bringen, das eine Lösung der Reparqtionsfrage und die Liquidierung der Rheinlandbesetzung mög- lich machen werde. Einigung England— Aegypten. Die Arbeiterregierunq für die Wiederherstellung des Parlaments. Von vr. �rtesedog Abeghian. Alles spricht dafür, daß das ägyptische Problem vor seiner Lösung steht. Die Bildung der Arbeiterregierung in Eng- land war das günstigste Moment dafür. Die vor kurzem er- folgte Suspendierung des Oberkommissars Lord Lloyd stellte schon den Auftakt in dieser Richtung dar. Sie hatte ein doppeltes Ziel. Erstens wollte damit das Kabinett Mac- donald mit der ägyptischen Politik des bisherigen englischen Prokonsuls in Kairo radikal Schluß machen, zum zweiten aber den Posten des Oberkommissars selbst abschaffen. Die englisch-ägyptischen Beziehungen sollten eben auf einer neuen Grundlage aufgebaut werden, so daß für kommandierende englische Beamte an den Nilufern kein Platz mehr war. Die Arbeit q.rregierung hat jetzt ihren Willen zu einer neuen ägyptischen Politik in einem Vertragsentwurf niedergelegt, der das Resultat der Verhandlungen darstellt, die in den letzten Wochen zwischen dem englischen Außen- minister H e n d e r s o n und dem ägyptischen Ministerpräsi- deuten Mahmut Pascha in London geführt wurden. Die englischen Vorschläge lauten: 1. Beendigung britischer Okkupationsmacht in Aegypten: die in Kairo, Alexandrien und überhaupt in ganz Aegypten befindlichen ägyptischen Truppenabteilungen müssen also das Land räumen. Einzige Ausnahme bildet die Zone des S u c z k a n a l s, wo die britischen Besatzungskräfte konzentriert werden sollen. 2. Wiederherstellung der britisch-ägyptischen Gemeinsamkeits- Herrschaft über den Sudan, die Ende 1924 den Aegyptern in- folge der Ermordung des britischen Oberbefehlshabers der Aufreizung zum Verbrechen. Die Terroristen von Nürnberg Hetzen zu neuen Gewaliiaien. Mit Ausnahme der deutschnationalen Press« hat die deutsche Presse entrüstet gegen das verbrecherische Treiben der Hakenkreuzler in Nürnberg Stellung genommen. Der �Völkische Beobachter" des Herrn Hitler öffnet nun feine Kloake und gießt kübelweise Schmutz über die deutsche Presse. Mr zitieren lediglich seine Kraftworte: .�Journaille, Verführergesinde!, Hirn voll Bosheit, Mörder der deutschen Seele, Verräter am deutschen Volk, Schwindel- und Lügen- berichte, marxistisch« Verbrecher und Mörder, Vtörderzentrale, dreckige Druckerschwärze minderwertiger Menschen. Lügenberichte g«. wisienloser gewohnheitsmäßiger Geschäftssournalisten." Wobei schließlich noch dem„Bayrischen Kurier", dem Organ der Bayerischen Volkspartei, versichert wird, daß sein Weg„ein Weg in die Hölle" sei. Am stärksten und direkt kriminell ist die Hetze gegen die sozialdemokratische„Fränkische Tagespost" in Nürnberg. Gegen sie schreibt das Hitler-Blatt an der einen Stelle: .,3n vorderster Linie selbstverständlich die Presie der Roten, die „Nürnberger Fränkische Tagespost', deren schamlose Berichte und Verleumdungen einen einzigen hundsgemeinen Skandal darstellen." Und an einer folgenden Stelle: „Wahrhaftig, wären wir nach Nürnberg gekommen, um zu provozieren und verhetzte Gegner niederzuschlagen, Nürnberg hätte etwas anderes erlebt. Die marxistischen Verbrecher. höhlen, die marxistischen V e r la g s g« b ilude»Jrefl nicht mehr. Die 100 000 Nationalsozialisten hätten das ganz« marxistische Führergesindel zermalmen können." Der fanatische Haß gegen die„Fränkische Tagespost" er» klärt sich daraus, daß diese Leitung den vermchtenden Brief des Herrn v. Mücke über die Hitler-Partei abgedruckt hat. Der Brief selbst wird natürlich vom„Völkischen Beobachter" ebensowenig erwähnt wie der Name Mücke. Die unverhohlene Aufforderung'zu Gewasttaten gegen „marxistische Verbrecherhöhlen und marxistische Verlags» gebäude" sollte genügen, umdiebayerischeRegierung an ihre Verantwortlichkeit zu mahnen! Wir wisieu natürlich, daß nach dem Fall des Republikschutzgesetzes die Hakenkreuzler das Maul aufreißen, um auf ihre politisch un- reifen Anhänger Eindruck zu machen, wir wissen aber auch. wie diese verbrecherische Hetze auf unreife Elemente wirkt, die nur um des Radaus willen bei den Hakenkreuzlern sind! Wir sind überzeugt, daß der Weg der großmäuligen Hetzer — wenn sie je daran denken sollten, ein wenig zu putschen— wieder nach dem Odeonsplatz führen würde, und daß sie am Ende wieder allesamt auf dem Bauch« liegen würden— aber muß man die Dinge so west treiben lassen? Diese„Partei" ist ein polizeiliches Problem, und es ist nötig, die Verantwortlichen in Bayern an ihre Berantwort- lichkeit zu mahnen. ägyptischen Armee(des„Sirdars") und des Generakgouver- neurs von Sudan Lee Stack in Kairo genommen wurde. 3. Verzicht auf das bisher von England beanspruchte Recht des Schutzes der Ausländer und der nationalen Minderheiten. Desgleichen Verzicht auf die englischen Kon- sulargStijchtshöfe und Anerkennung von gemischten Gerichts- Höfen.$. Abschluß eines englisch-ägyptischen Defensiv» und Offens-iobündnisses. Es heißt ferner, daß di» englische Regierung sich bereit erklärt hat, für die Aufnahme Aegyptens in den Völkerbund einzutreten, sowie den letzteren oder auch das Haager Schiedsgericht als Aus- legungsinstanz für alle sich aus dem Vertrage ergebenden Streitfragen anzuerkennen. In einer Begleitnot» Hendersans wird dazu über den Vertragsentwurf gesagt, daß die eng- tischen Konzessionen„die äußerste Grenze" sind, und daß der Vertragsentwurf dem ägyptischen Parlament zur Prüfung und Entscheidung vorgelegt werden muß. Erst wenn es ihn angenommen hat, wird er auch dem englischen Parlament unterbreitet werden. Ministerpräsident Mahmut Pascha, in dessen Vegleihmg sich auch der ägyptische Außenminister Hafis Afifi befand, hat bereits Lyndon verlassen und sich wieder nach Aegypten begeben, um dort die notwendigen Vorberestungen zu treffen, um den englischen Vorschlägen, mit denen sie augenblicklich einverstanden sind, zur Annahme zu verhelfen. König Fuod hat seine Europareise unterbrochen und den Weg über Paris nach Kairo genommen. Der erste Schritt der ägyptischen Re- qierung wird sein müssen, dem Winke Hendersans Folge�zu leisten und das jetzt vor einem Jahre(Juli 1928) aufgelöste Parlament wieder in seine Rechte einzu» letzen. Dies heißt also, daß die Arbeiterregierung mittel- bar dem Diktaturregime in Aegypten ein Ende macht. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich die ägyptische Volksvertretung verhalten wird. Ihre Mehrheit besteht aus Wafdisten, an deren Spitze nach dem Tode Zaghluls Rahas Pascha steht. Sie haben jetzt einen Aufruf an das Volk erlassen, worin sie die sofortige Abschaffung der Diktatur und�di« Wiederherstellung der Demokratie verlangen. Noch früher hatten sie ein Schreiben an die englische Regierung gerichtet, worin sie sagten, das ägyptische Volk werde jedes Vertrags- werk ablehnen, das nicht seine Zustimmung finden wird. Diesem gerechten Wunsche der Wafdisten ist die� Zlrbeiter- rcgierung entgegengekommen. Der„Daily Herald" hat aber ebenso recht, wenn er zugleich an die politische Einsicht der Wafdisten appelliert, die wahrhaft versöhnlichen Konzessionen des Kabinetts Macdonald anzuerkennen. Der englisch-ägyptifche Vertragsentwurf stellt einen sehr großen Schritt auf dem Wege der ägyptischen Unab- hängigkeit dar. Die weitere Anwesenheit britischer Truppen- vbtcilungen am Suezkanal darf keinesfalls als eine verkappte Besatzung Aegyptens aufgefaßt werden. Er läuft zwar durch ägyptisches Staatsgebiet, ist aber für den Bestand und Schutz des Britischen Reiches so unentbehrlich, daß auf ihn leine englische Regierung verzichten kann. Der Suczkanal ist im gleichen Maße Glück und Unglück der Aegypter. Ob er für Aegypten mehr das eine oder mehr das andere dar- stellt, es ist unmöglich, die bestehenden geographischen und weltpolitischen Verhältnisse radikal zu ändern. Desgleichen muß auch die vorgeschlagene Lösung der Sud an frage ols zufriedenstellend bezeichnet werden- Der Sudan soll wieder ein britisch-ägyptifches Kondominium sein. Diese Regelung entspricht den Interessen Englands und Aegyptens, die beide wirtschaftlicher' Natur sind. England hat durch das vor wenigen Monaten mit Aegypten getroffene Nil- abkommen die genügende Bewässerung Aegyptens und iainit auch das weitere Gedeihen seiner Baumwollkultur aaranticrt. Erst muß der Bedarf Aegyptens an Nilwasser ge- deckt werden, erst dann der des Sudans. Die in Aegypten und nn Sudan bestehenden alten, die neuangelegtcn und auch geplanten riesigen Staudämme werden im übrigen die Auf- gäbe erfüllen können, beiden Nilländern ihr Lebenswasser zu sichern. Viel leichter war allerdings für die englische Regierung, auf ihre Kapitulationsrechte in Aegypten zu ver- richten. Sie stellen heute tatsächlich einen Anachronismus dar. Nachdem Persien sie 1928 abgeschafft hat, war Aegypten — neben China— das einzige Land geblieben, wo die Ka- pitulationen noch weiter bestehen. Sie bedeuten nicht nur gerichtliches, sondern auch wirtschaftliches Sonder- recht für die Ausländer. Es genügt nur zu sagen, daß diese in Aegypten so gut wie keine Steuern zahlen, obgleich sie den größten Teil des Außenhandels in ihrer Hand haben. Ein derart ungerechter Zustand konnte unmöglich weiter bestehen. Es ist zu hoffen, daß die anderen Mächte dem englischen Bei- st'iel folgen und auf ihre ähnlichen Rechte in Aegypten ver- -'chten werhcn. Das von der Arbeiterregierung vorgeschlagene Bündnis ist schließlick) die logische Folgerung aus dem Vertragsgrundsatz der politischen Gleichberechtigung. Von dem gleichen Gesichtspunkt aus wird der Eintritt Aegyptens in den Völkerbund begünstigt.„Aegypten kann keinen besseren Verbündeten haben als England, wenn nur die Voraus- ictzungen dafür geschaffen sind", hat neulich ein führendes ägyptisches Blatt ausgeführt. Das Kabinett Macdonalds hat die Wünsche der Aegypter zu einem beträchtlichen Maße erfüllt. Eine ähn- liche Gelegenheit haben die ägyptischen Politiker schon ein- mal gehabt— und versäumt. Als Macdonald zum ersten Male am Ruder war, schlug er dem verstorbenen Zaghlul Pascha, der ihn im September 1921 in London aufgesucht hatte, ein ähnliches Bündnis vor, auch machte er schon damals im großen und ganzen dieselben Konzessionen, die setzt von stenderson gemacht werden. Aber Zaghlul schlug sie ab, und N'e Lage Aegyptens gestaltete sich um so schlimmer, als die 51onservativen sie in die Hand bekamen. Das auf der ersten Reise Fuads und des damaligen Ministerpräsi- denten Sarwat Pascha nach London 1927 unterzeichnete eng- lisch-ägyptische Abkommen war für Aegypten viel ungünstiger und wurde von seinem Parlament abgelehnt�, Es folgte seine Auflösung und die Einführung der Diktatur. Heute haben sich die Verhältnisse an den Nilufern allerdings einigermaßen gsändert. Auch sind weder die Wafdisten in dem Maße radikal gesinnt wie vor Jahren, noch ist ihr Anhang im Volke ietzt so ausschlaggebend wie vor wenigen Iahrexi. Ihr An- ishen hat dadurch verloren, daß Zaghlul nicht mehr am Leben ist. Nahas Pascha und andere Führer der Wafd spielen bei weitem nicht die gleiche Rolle. Das ägyptische Parlament, da? bald wieder zusammenkommen wird, w'rd möglicher- weise Mahmut Pascha trotz der Vertragsabschlusses sein Miß- trauen aussprechen und eine neue Regierung bilden. Es ist ober nicht unwahrscheinlich, daß sie dennoch den Vertrags- entwurf der Macdonald-Regierung annehmen wird. Somit wird das Parlament aufgelöst werden. Die Neuwahlen wer- I Viktor£. Berger gestorben. Sin Vorkämpfer des Sozialismus in Nordamerika. New Jork, 7. August. Der Vorkämpfer des amerikanischen Sozialismus, Viktor L. B e r g e r, ist heut« gestorben. Er war am 28. Februar 1860 in Niederrehbach(Siebenbürgen, damals Ungarn) geboren. Er besuchte die Universitäten von Budapest und Wien und siedelte mit seiner Familie 1878 nach Amerika über. 1392— 1897 leitete er in Milwaukee den„Vorwärts", später die„Wahrheit" und den„Socialdemocratic Harald": von 1901 ab war er Herausgeber des„Milwaukee Leader". 1911 wurde er in den Kongreß ge- wählt, dem er bis 1913 und dann wieder von 1918 ab angehörte. Wegen„Mangel an Loyalität" wurde er am 10. November 1919 mit 309 gegen eine Stimme aus dem Kongreß ausgeschlossen. Diese Maßnahme erfolgte wegen seiner kriegsfeindlichen Haltung, die ihm auch eine 20lährigc Gefängnisstrafe einbrachte, doch wurde dos Urteil später aufgehoben, nachdem er gegen ISO 000 Dollars enthaftet worden war. Milwaukee wählte ihn mit vergrößerter Mehrheit wieder, doch— ließ ihn der Kongreß nicht zu! Erst noch abermaliger Wiederwahl, und zwar mit noch ver- größertcr Stimmenzahl, konnte der einzige Sozialist im Kongreß der USA. am 3. März 1923 wieder seinen Platz ein- nehmen. Dort beantragte er am 17. Mai 1924 die Einberufung einer.Weltkonferenz nach Washington zur Revision des Versailler Friedens. Natürlich wurde dies abgelehnt, ebenso wie andere An. träge Vergers mit ähnlicher Tendenz. Auch 1923—1927 gehört« er dem Kongreß an, unterlag jedoch 1928. Anläßlich des Internationalen Soziallstenkongresses in Hann bürg 1923 besuchte Victor Berger mit seiner Frau auch die„Vor- wärts"-Redaktion und seine Heimat, die inzwischen zu Rmnänien geschlagen war. Nach V. E. D e b s verllert nun die schwer kämpfende Sozia- listische Partei Nordamerikas auch diesen allbewährten Vorkämpfer, dessen die ganze Internationale in Ehren und Trauer gedenkt. Scheu vor Schwarzrotgold. vie bayrische Neglervng flaggt am 11. August weißblau. München, 7. August. In einer Bekanntmachung der sämtlichen Staatsministericn wird angeordnet, daß am Verfassungstag die Staqtsgebäud« und die Ge- bände der Hochschulen sowie der staatlich verwalteten Anstallcn und Stiftungen in den Landesfarben zu beflaggen find. Den staatlichen Beamten, Angestellten und Arbeitern ist zur Teilnahn,e an Verfassungsfeiern aus Ersuchen Dienstbefreiung zu gewähren, so- weit es die dienstlichen Verhältnisse zulassen. Bekenntnis zur Republik. Sine bayerische Absage an die Nationalisten. Di« offizielle Pressestelle das Bayerischen Bauern- und Mittel- standsbundes versendet anläßlich der zehnjährigen Wieder- kehr des Tages von Weimar einen Festartikel, der ein freudiges Bekenntnis zur republikanischen Verfassung darstellt. Er schreibt u. a.: „Die Republik steht fest. Vorbei sind die müßigen Dis- kussimten über das Thema: Republik oder Monarchie? An die Wiederkehr der Monarchie glaubt heute im Ernst den dann unter der Parole der Annahme oder der Ablehnung des Vertrages vor sich gehen. Aegypten voller Erwartung. ' Kairo. 7. August(Eigenbericht.) Das Kennzeichen der durch Lord Lloyds Abberufung und den für Mitte August erwarteten Rücktrittdes Ministerpräsi- denten Mohammed Mahmud entstandenen Situation ist ein allgemeines Bacuum in der Tätigkeit aller Zweig« der Verwaltung und der Regierung, veranlaßt durch die Erwartung der kommenden Ereignisse und ausgefüllt durch Kombinationen über die neuen Per- sönlichkeiten und die Weiterentwicklung der Verhältnisse. Mohammed Mahmud ist bereits in der ägyptischen Oefsentlichkeit ein toter Mann, da er durch die Unterhausdebatte zwischen Hcnderson und Churchill als Agent der faschistischen englischen D i e h a rds auss schwerste kompromittiert ist. Es gibt selbst unter seinen Parteigängern kaum einen, der daran zweifelt, daß sein« Partei verloren ist, ob- gleich ihn die britische Rcgierung weiter mit vollendeter Wahrung der kein vernünftiger Mensch mehr in Deutschland. Aber da steht noch ein Aktivposten. Das ist der groß« Riß, der mitten durch unser Volt geht und es in«in großes Gewirr von inneren Gegnern zerteilt. Vaterländisch nennt sich die eine große Gruppe, die sich nun neuerdings um Hugenberg schart und die mit dem edlen Begriff des Vaterlandes den schamlosesten Mißbrauch treibt, die alles, aber auch alles, was sich das Volt geschaffen hat, in die schändliche Niederung der politischen Gosse zerrt. Wenn ein- mal die Geschichte der Kinderjahre der Deutschen Republik geschrieben wird, dann wird man feststellen müssen, daß diese„Nationalisten" keinen, aber auch nicht den geringsten Anteil haben an dem gigonti- schen Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes. Bolfchcwisten und Nationalisten sind sich völlig eins in dem Ziel, dem Vaterlande zu schaden, es zu ruinieren, um ihre Interessen zu verfolgen. Mag das Volk dabei zugrunde gehen, sie geniert es nicht." Das Straßburger Schisma. Abtrünnige Elsaß-Kommunisten. Straßburz, 7. August.(Eigenbericht.) Der Streit der Straßburger Boffchewisten mit der Pariser Zentrole nimmt seinen Fortgang. Der noch nicht ausgeschlossene Bürgermeister H u e b e r und der ausgeschlossene Mg. M o u r s r führen in ihrer„Neuen Welt" den Kampf mit dem festen Willen. sich den Machtsprüchen der Zentrole nicht zu fügen, sondern ihre..-. Politik konsequent fortzusetzen. Die„Neue.Welt", soll demnächst. täglich erscheinen. Der Ausschluß Mvurershatden von Paris erhofften Erfolg nicht gehabt. Die Zentral« hatte erwartet, daß dieser Schreckschuß gegen den Straßburger Abgeordneten, dessen Stellung in der Partei sie weniger fest glaubte als diejenige Huebcrs, des alten aus der Arbeiterschast hervorgegangenen Führers, die übrigen zur Umkehr bringen würde. Sie hat sich geirrt. Maurer, der Hueber geistig weit überragt, sieht fest. An der Person Huebers, besten Popularität in der Partei man in Paris kennt, wagt man einstweilen, solange man nicht alle Hoffnung auf eine Umkehr ausgegeben hat, nicht zu rütteln, obwohl Hueber in aller Oefsentlichkeit unzweideutig sich zu den Ausgeschlossenen bekannt hat. Der Streit, der zunächst rein lokalen Untergrund hatte, greift jetzt auss Gebiet der gesamten Politik der Komintern über. Die Straßburger bekennen sich offen zu der in Deutschland von B r a n d l e r und Klara Zetkin geführten Parteiopposition, die auch in Frankreich' täglich an Boden gewinnt und aus der Moskauer I.-August-Parol«, die zu dem Fiasko geführt hat, neu« Kraft schöpft. In Straßburg selbst hat die Opposition gewonnenes Spiel, wöh' rend einstweilen außerhalb der Stadt der Einfluß der Zentrale zu dominieren scheint. Zu einer förmlichen Spaltung dürfte es n i ch t kommen. Die lokal begründete Wweichung der Straßburger von der Moskauer Linie wird sich im Gewände der allgemeinen Partei- Opposition innerhalb der Partei auswirken, in Anlehnung an die Parteiopposition im Auslände. persischer Aufstand erstickt. Teheran. 7. August.(Eigenbericht.) Die Ausstandsbewegung ist völlig zusammengebrochen. Der Rest des Stammes der Kaschgoren, der sich nach seiner Nieder- läge in der Provinz Schiras in die Berge zurückgezogen hatte, wurde von Flugzeugen verfolgt und durch Bombenwürfe fast aufgerieben. Di« übrig gebliebenen Rebellen wurden zur be- dingungslosen Kapitulation aufgefordert. Auch die Führer des Stammes haben daraufhin die Waffen niedergelegt und um milde Beurteilung gebeten, da sie durch fremde Einflüsse zur Erhebung veranlaßt worden seien, äußeren Formen behandelt. Der Held des Tages und wahrscheinlich auch der kommend« Ministerpräsident fft William Makram Eb eid, der als der populärste Mann der Nationalisten gilt. Der erst 32jährig« koptische Professor erhält von angesehenen Poll- tikcrn aus allen Lagern Glückwünsche zu seiner geschickren und erfolg- reichen Führung des Kampfes gegen Lord Lloyd. Für den Posten des englischen Oberkommissars, der aller Wahr- scheinlichkeit nach in den eines Botschafters umgewandelt werden wird, nennt man als Kandidaten u. a. den englischen Labour-Wgeoidneten Colone! Wedgwood und den englischen Gesandten in Athen Percy L o r a i n. Doch gilt Herbert Samuel, der frühere Oberkom- missar und Politiker, als der aussichtsreichste Anwärter, da er über sehr gute Beziehungen zu den Wafdisten verfügt. Di« ägyptischen Blätter stimmen darin überein, daß es sich um den besten Vertragsentwurf handelt, der Aegypten jemals von Großbritannien angeboten worden fei. Als einziger schwacher Punkt wird die Regelung der Sudanfrage bezeichnet, jedoch wird auch hierin ein Fortschritt gegenüber früheren versuchten Rege- lungen gesunden. Reform oder Abbau. Was die Arbeitgeberverbäade wollen. Ein französische-! Sprichwort sagt:„Wenn man seinen Hund erschießen will, sagt man. er habe die Tollwut." Di« Lügenhetze der Vereinigung der deutschen ArbeitgeberverbänÄe gegen die Sozialoersicherung im allgemeinen und im besonderen gegen die Arbeitslosenversicherung erinnert lebhost an dieses Sprichwort. In- zwischen hat man die Maske von den angeblichen Mißbrauchen und Mißständen, die es zu beseitigen gelte, fallengelassen. Auch die außerordentliche Sorge um die R« i ch s f i n o n z s n ist in den Hintergrund getreten. Es wird jetzt offen zugegeben, daß es sich nicht um die Beseitigung von Mißbräuchen und Mißständen, nicht um die Sanierung der Reichsanstalt und der Reichsfinanzen. sondern um den Abbau der Arbeitslosenversicherung dreht. Di«„Deutsche Allgemein« Zeitung" gefällt sich außerordentlich darin, die gemeinsame Front des Vertreters der Hirsch-Dunckerfchen itzewerkschasten und den Demokraten mit den Unternehmern im Sachoerständigenousschuß hervorzuheben Sie bemüht sich weiter, die Augenblicksinteresssn der einzelnen Arbeiter- und Angestellten- kategorien gegeneinander auszuspielen. Vom Standpunkt der Unternehmer ist die Genugtuung der„DAZ." durchaus verständlich und berechtigt. Immerhin scheint man selbst bei den Demokraten Bedenken über die Folgen chrer Haltung zu haben. So heißt es selbst im„Berliner Tageblatt" in einem ausführlichen Artikel zum Schluß: „Aus den Kreisen der Deutschen Volkspartei, die richtiger als deutschnastonal firmieren sollten, ist überflüssigerweise bereits das Wort von einer möglichen Reichstagsauflösung g«. fallen. In Wirklichkeit sollte die große innenpolitische Bedeutung des Gesetzes über Arbeitslosenversicherung eben- sowenig verkannt werden wie die Finanzlage des Reiches. Wenn es zum Beispiel beweisbar wäre, daß die geplant« Kürzung der Vollrente im Jahre wesentlich mehr als die angenommenen lßö Millionen erbringen würde, dann wäre das ohne Frage«ine Totsochs, die man nicht einfach übersehen könnte... Die Vor- lag« der Regierung wird also in der Gesamtrichtung wie in vielen Einzelheiten dem Wege zu folgen haben, den die Sachverständigen einschlugen: den Weg des Ausgleichs. Aber mit dem Ziel«iner Reform, die diesen Namen verdient." Daß die Dorschläge des Sochverständigenausschusses nicht den Namen einer Reform verdienen, darüber dürfte es heut« keinen Streit mehr geben. Der„Deutsche", das Organ der Christlichen Gewerkschaften, weist auf den Beschluß des Christlichen deutschen Gewerkfchafts- bundes hin, der ausspricht, daß die Christlichen Gewerkschaften den mit wechselnden Mehrheiten gefaßten Beschlüsien des Sachver- üandigenausschusies nicht in allen Teilen folgen können. Er schreibt dann weiter: „Es wird immer offensichtücher, daß für die Arbeitgeber nicht mehr nur, wie sie erst so stark betonten, die Beseitigung von wirklichen Mißständen in Frage kommt. Ueber dieses Ziel wäre eine Einigung schneller möglich. Die Arbeitgeber wollen mehr. Sie wollen grundsätzlich der Arbeitslosenversicherung so- viel als möglich Abbruch tun. D'« Gründe dafür sind offen- sichtlich und nicht so sehr von der moralischen, wie sie so gern be- tonen, sondern von der rein materiellen Seite bestimmt. Im übrigen versuchen die Arbeitgeber im Augenblick von der drohen- d-n Beitragserhöhung, die sie mit einem Viertel Prozent belaste« würde, freizukommeul"—.- Wir können diesen Anschauungen nur beipflichten. Di« freien >?swekkfchoften und die Sozialdemokratische Partei haben sich niemals xeweig«rt, nachweisbare Mißstände bei der Arbeitslosenversicherung zu beseitigen und die notwendigen Opfer zu bringen, um die Reichsanstolt zu sanieren, ohne deren Leistungen emziischränken. E? ist ein politisch und moralisch ganz unmögliches Beginnen, der Arbeiterschast eine Errungenschaft zu nehmen, um die sie jähr- .-ehntelang einmütig gekämpft Hot. Darüber sollte selbst die Vcr- kinigung der deutschen Arbeitgebcrvcrbände sich keiner Täuschung hingeben. prakiische Verfassungskunde. Sln« Schulschrist des Braunschweigischen Voltsbildungs« Ministeriums. Das brounschweigische Ministerium für Volksbildung läh! zur Er- innerung an die zehnte Wiederkehr des Bersaflungstages der braunschweigifchen Schuljugend ein« Verfqssungsfchrift überreichen. Die Schrift trägt den Titel„Der Reichstag" und gibt in leben- diger Form eine Einsührung in die wesentlichsten Derfasiungs- l Stimmungen und vor ollem in den Gang der Reichzgesctzgebung. Sie vermittelt ein kurzes anschauliches Bild vom politischen Leben, von den Parteien, ihrem Wesen, ihrer Ziele und ihren Kämpfen. Dies staatsbürgerlich« Lesebuch sollte Verteilung über die Grenzen Vraunschweigs hinaus finden.__ Reichsfürforge für Kleinreniner. Der Reichstag hat im 5)aushatt des Reichsarbeitsminffteriums für lMS für die Beteiligung des Reichs an der Kleinrentnerfürsorge einen Betrog von 35 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Die Mittel sind zum Ausgleich der Mehrkosten bestimmt, die den Ländern und Fürsorgeverbänden durch die vom Reich angeordneten Ver- besserungen der Kleinrentnerfürsorge entstehen. Für den gleichen Zweck waren im Haushaltsjahr 1929 25 Millionen Mark vorgesehen. Die Erhöhung um 10 Millionen Mark soll zugleich zur Durchführung der vom Reichstag gewünschten weüeren Verbesserung der Klein- rentnerfürsorge dienen. Die Mittel werden schlüsielmößig auf die Länder verteilt, die über die zweckmäßige Verteilung der Mittel ihrerseits Bestimmung treffen. Als erste Rate sind in diesen Tagen 10 Millionen Mark den Ländern überwiesen worden. Die Weiterleitung an die Fürsorgeoerbände wird mit möglichster Beschleunigung erfolgen.— Für allgemeine Einrichtungen der Klein- rentnerfürsorge und für Einzelbeihilfen an Kleinrentner dürfen die Mittel bestimmungsgemäß nicht verwendet werden. Pastoren spielen Krieg. Stahlhelmklage abgewiesen. Der Führer des bayerischen Stahl- Helm, Oberst a. D. v. Lenz, hatte gegen den verantwortlichen Redak- teur der„M ü n ch e n« x P o st*� Martin Gruber, Klage weg?« Beleidigunq gestellt. Oberst a. D. v. Lenz suhlte sich durch einen in der..Münchener Post" erschienenen Artikel„Schändung des Kriegerdenkmals durch den Stahlhelm" beleidigt. Durch Beschluß des Amtsgerichts München ist die Klage des Oberst v. Lenz unter Ueberbürduiu; der Kosten auf den Kläger zurückgewiesen worden. Di« V-liz ei in Sönigshülle(Ostoberschlesien) besiehlt dem „Oberschl. Courier", alle Straßennomen nur In der polnischen Fassung zu bringen, obwohl das Oberste Gericht in Warschau seiner- zeit der gleichen Verfügung wider die„Deutsche Rundschau" in Brom- berg jede gesetzliche Grundlog« abgesproch«, hat. ... gemeinsame Morgensuppe, dann eine ernste Stunde: Bibel- beivrechsiunbe oder Missionsstunde. Dann ein etwa drei Stunde« währende» Kriegsspiel im Walde olle drei£«iter. Pastor Sch«el< Kilometer, durch- setzen wollen. Die streikführenden Verbände, die am Dienstag abgehaltenen Konferenzen der Vertrauensmänner und der erweiterten Streik- leitung beschlossen demgegenüber Ablehnung der Unter- nehmervorschläge und verschärfte Fortführung des Streiks bis zur Durchsetzung der Arbciterforderungen. In der Diskussion erhob sich nicht eine Stimme gegen den Streik: alle forderten verschärfte Ueberwachung der Bauten zur Verhinderung von Streitbruch und Vermehrung der Stveikzentralen. Besonders sollen jetzt die selbst arbeitenden Klein- m e i st e r überwacht werden, an die die Großunternehmer jetzt ihre dringenden Arbeiten abzustoßen suchen, obgleich sie erklärte», daß ihnen has Feuer nicht auf den Nägeln brennt. Die Bau- a r d e i t e r werden ersucht, ihre Kollegen vom Klempnergewerbe solidarisch in der Ueberwachung der Bauten zu unterstützen, da auch dje Unternehmer sich mit einem Rundschreiben an die Bauunter- nehmer um Unterstützung und Rücksichtnahme gewandt haben. Der gleiche Appell ergeht an die Rohrleger, Mit großer Begeisterung stimmte die Versammlung der ver- schärften Fortsetzung des Streiks einstimmig zu. Einigung in der Schuhfabrik H. Diamant. Streik und Aussperrung beendet. Don der Ortsverwaltung Berlin des Zentralverbandes der Schuhmacher wird uns berichtet: Di« in der Wäscherei und Verputzerei der Schuhfabrik H. Dia- mant, Schuhfabrik, Lichtenberg, Möllendorfstr. 9, beschäftigten Wäscherinnen und Verputzerinnen verweigerten am 5. August die Weiterarbeit, weil die Firma vor etwa vier Wochen die Akkordlöhne eigenmächtig und entgegen den tarifoertraglichen Bestimmungen ge- kürzt hatte. Darauf wurden die Arbeiterinnen ausgesperrt. Durch Verhandlungen zwischen den Organisationen ist am 6. August eine vorläufige Verständigung dahin erzielt worden, daß die Firma den bisherigen Garantielohn zunächst um 5 Pf. pro Stunde erhöhte, um dann nach Wiederaufnahme der Arbeit ein« endgültige Rege, lung nach den tariflichen Bestimmungen herbeizuführen. Di« Arbeiterinnen der Firma Diamant haben diesmal gezeigt, daß si« sich nicht weiter widerstandslos die Löhne kürzen lassen. Durch ihr entschlossenes Vorgehen mußte sich die Firma auf den Rechts- boden des Tarifvertrages zurückziehen. Zehn Lahre Taubstummen-Sektion. Im Deutschen Holzarbeiterverband. Im August 1919, als die Nachwirkungen des Krieges und die fortschreitende Inflation den Arbeiter erheblich belasteten, fanden es die gehörlosen Mitglieder der Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Holzarbeiteroerbandes ratsam,«ine Sektion der Taubstummen zu schaffen, um sich als von der Natur Benach- teiligtc besser behaupten zu können. Dieser festere Zusammenschluß in der Organisation und die nun einsetzende intensivere Agitation unter den gehörlosen Berufskollegen hat in der Folgezeit erfreuliche Resultate gezeitigt. Durch regelmäßige Saisonzusammentünfte. in denen Berichte gegeben, ausklärende Vorträge gehalten und die Sonderinteressen der Gruppe beraten wurden, stärkte man nicht nur den Organisationsgedanken, sondern verbreitete Wisien und Aufklärung in dem Kreis der Beruiskollegen. der an sonstigen allgemeinen Veranstaltungen der Organisation nicht teilnehmen kann. Der harmonische Zusammenhalt und die rege Anteilnahme zeigten sich in anerkennender Weise bei der Veranstallung, die zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Sektion am Sonnabend in Heinrichs Vereinshaus, Große Frankfurter Str. 31, stattfand. In eindrucksvoller Weise führten die Filme„Der Kamps um die Ar- beitszeit* und„Kollege Breiter wird vernünftig* den Anwesenden die Errungenschaften des Verbandes und die Notwendigkeit der Organisationszugehörigkeit vor Augen. Ein von den Gehörlosen selbst einstudiertes und vorgeführtes Theaterstück„Im Wachsfigurenkabinett" fand lebhaften Beifall, kurze, mit Jnteresie auf- genommene Ansprachen des Bevollmächtigten F r e i g a n g und des Obmannes der Sektion Hoppe vervollständigten den programmatischen Test. „Oie Ordnung herrscht in Warschau." Bisher'IS Tote eingestanden. Bukarest. 7. August.(Eigenbericht.) In L u p e n i. wo fest Montag rund 4000 kommunistische Bergarbeiter im Streik stehen, ist seit Mittwoch die Ruhe wieder hei gestellt. Das Elektrizitätswerk ist seit Mittwoch wieder in De- trieb. Die Zahl der bei den Zusammenstößen zu verzeichnenden Opfer ist inzwischen auf 19 gestiegen. i i i AchtAllq. SPD.. Metallarbeiter! Montaq. 12. Auqllsi. 1» Uhr. i» - ben Sophienlaica, Saphirnftr. 17 18, Vollvcrlamwiu-fl aller Aenaffianen ty W»ad Aeaossea. Zagesorbauai,! Stelluaaaalime ,ar Seaeralaersai-m» IU a lau». Ss ist Pflicht aller Parteigeaafsea, an dieler Seriammlana teil- f., pj,„nehmen. Der Kraltion»»orsta„d. M t�rete Gewerkschafts-Luaend Verlin. Heute. Donnerstag, l9?/& Ilkir, tagen die Gruppen: Tüdkrei«: fugend' I)eim Tempelhos, Germaniastr. 4—6. Anti-Kriegsabend.— Lichtenberg und Stev-Lichteuberg: Jugendheim Sauffftraste. an de? LnfingstPahe. Vortrag:„Eino Stunde Staatsbürgertunde�.—„Das ein junger Staatsbitroer missen muß"— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule. Gotenburger Straße. Hcimbrsprechuog, Lci'eabend. Verbandsbuchtontrollc.-r Schöneweide: Jugend' heim Oberschöneweioe. Läufcner Str. 1('oberes hinteres Z im gier). UnterhaltungS' abend.— Köpenick: Gruppenheim. Jugendheim. Grünaner Str. 6. Vortrag: Gr- merkschaften und Verfassung".— Moabit: Stctdt. Jugendheim Lehrter Str. 18/19. Reihenvortrag:„Führer der Arbeiterbewegung. Karl Liebknecht und Rosa Lurcmburg".— Südosten: Gruvpenheim Reichenberger Str. 66(Feuerwebr. Haus). Wir gehen zum Anti-Kriegsabend nach� Tcmpelhof.— Tempelhof: Gruppenheim, Lyzeum Germaniastr. 4— 6. Anti-ttriegsabend.— Weddiug: Städt. Jugendheim Orthstr. 10. Kurzreferate:„Unser Berus".— Heute Spiel und Sport ab 18 Uhr: Rordring: Platz 2 I). Sportplatz CantionssraHe.— Kreis Obertpre«: Wiese 8 im Treptower Park.— Rcutölln-Hermaanplatz: Kleine Wiese im Polkspark Hasenheide. @)oaendaruppe veelZenkraWerbandeel der Anoeflellten. Heutk. Donnersioa. finden solaende Deronstaltungen statt: vftea: tzuaendhcim Lilauer Cr. 18. Ausspracheabend:„Der llriea der Zu- kunft*.— Treptow: Iuacndhclm Wildcnbruchftr. öS(tzuaana von der Grarh, strake in Treptow). Portraa'„Die Leiftnnacn unscres Perdnnde»". Referent: Otto Lamm.— Schönebera: Iuaendhetm Dauptsir. id. Lomediiude s�Mirma"'- »immer). Portraa:..Der Teriilarbcitcrstreik". Referent: Maper.— Spiel und Sport. Sportplad Dlbersstraße am Bahnhof Zunafernhridc ab 20 Uhr und Cportplah Humboldihain ab 18 Uhr. Prraniwortlich Für Politik: Dr. Carl Geyer: Airtschast: S. Miagelhöscr: Scwcrkschaftsbcwcaung: I. Steiner: tzeuillclon: it. S. Döfcher: Lokale» und Eonftiacs isrif, ikarftlldt: Anreiaen: Zh. Sl«Iei fämiiich in Berlin. Berlaa: Borwäris-Berlog E. m. b. Berlin Druck: Vorwijrts-Buchdruckrrei und Periaasanftait Paul Singer u. Co.. Berlin SA. 68. Lindenftrabe Z. Lirnu 1 Bcila«...Untcrdaltuno uud Wissen" und..Frauenstimme" DIE SALAMANDER-FABRIK ist die größte und leistungsfähigste Schuhfabrik Deutschlands für Damen- u. Herrenschuhe DIE SALAMANDER GESCHAFTE sind von allen deutschen Schuhgeschäften die einzigen reinen Fabrikverkaufssteilen die nur die Ware der eigenen Fabrik und keine fremden Schuhe führen. Die Marke SAL Nr. 36?» 46. Jahrgang*3� Oo»merstag, S August ...........................-______.....___________ Iii--- Mstei zum Verfassungstag! Verfaffungsfeier im Rundfunk. Im Rcchmen der Verfaffungsfeier am Sonntag, dem It. Zlugvst. wird die Funkstunde in Berlin zunächst den Festakt der Reichsregierung aus dem Reichstag vormittags um 12 Uhr übertragen. Das Berliner Sinfonieorchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Dr. Ernst Ä u n w a l d leitet die Feier mit dem Concerto grosso von Händel nn. Es folgt dann eine Rede des Reichsministers des Innern S e v e r i n g. Nach der Ouvertüre„Namensfeier" von Beethoven mird der Reichskanzler oder dessen Stellvertreter«ine Ansprache lo.'ien, und der Feftakt,klingt aus mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes. Weiterhin sind für die Ilebertragung drei Ber- anftalttingen der Reichsregierung, der Preußischen Staatsregierung und der Stadt Berlin vorgesehen. Am Sonntag, dem 11. August, nachmittags 4 Uhr, überträgt die Funkstund« das Festspiel aus dem Deutschen Stadion. ?im Rohmen dies«, Festspieles wirken mit: Ein Gesangschor von 750 0 Schulkindern unter Leitung von Musikdirektor Max Wiedemann: ferner Bewegungschöre, die von llOOO Schulkindern gebildet werden: weiterhin ein Männersprechchor, den der Deutsche Arbeiter-Sängerbund stellt, und schließlich sind ein Fünskainpf und rhythmisch« Vorführinigen vorgesehen unter Leitung des Dipl. Turn- und Sportlehrers Erich König: außerdem wirken die Dereinigten Kapellen der Schutzpolizei unter Leitung von Polizeiabermeister Hohn und Fanfaren- bläser der Staatsopcr mit. Der Entwarf zu dem Festspiel stammt von Josef von Fielitz, der auch die Spielleitung bat, während die Gesamtteitung in Händen des Reichskunstworts Dr. Redslob liegt. Im Rahmen des Festspiels wird Reichs- verkehrsmmister von Guärard eine Ansprache halten. Ferner wird die Funkstund« am Sonntag, dem 1l. August, abends 8 Uhr, die beiden Abendfeiern aus der Skaatsoper Unter den Linden und aus der Staatsoper am Platz der Republik übertragen, die von der Reichsregierunz, der Preu- ßifchen Staatsregierung und der Stadt Berlin im Rohmen der Berfasiungsfeier veranstaltet wird. Man höct zunächst die Suite Nr. Z, D-Dur, für zwei Violinen, Viola, Continuo, zwei Oboen» drei Trompeten und Pauken von Ioh. Seb. Bach. Es folgt alsdann«ine Ansprache des Staatsnunisters Dr. H ö p k e r- A i ch ö f f. Die Feier klingt aus mit der Ouvertüre„Leonore" Nr. Z von Beethoven. Di« musikalisch« Leitung liegt in den Händen von Dr. Wilhelm Jurtwängler. Steuerfreiheit am BerfassungStag. Um den Gedanken des Berfasiungstages in wettest« Kreise.zu »ragen, hat der Magistrat in seiner Sitzung am Mittwoch eine Aeirderuog der Reichsratsverordnung vom 2. Juli 1929 bezüglich der Bergnügungssteusrfreiheit von Bcrfassungs- feiern beschlossen. Während nach den Reichsratsrichtlinien die laufenden Beranstaltungen grundsätzlich von der Vergünstigung aus- genommen waren, will der Magistrat auch diesen die Befreiung ge- währen, wenn sie ausdrücklich die Berfasiungsfeier in ihrem Pro- gramm genügend berücksichtigen und auf diese Feier in ihren Bc- I9s copxrigm 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A.-O, Berlln 14. Am frühen Lormittag— die Leute schlafen noch, sie schlafen in ruhigen Zeiten fast unausgesetzt, wenn sie nicht ge- rade essen— schleicht Lipp in den Mannschaftsställen umher. Er ist rücksichtsvoll, er bewegt sich leise. Will er die Kranken- träger nicht wecken? Er langweilt sich. Mit einer Gerte in der Hand schnüffelt er umher. In den Kojen liegen die Uebermüdeten und schnar- chen mit offenem Mund. Wo der Mund nicht offen ist, tut's auch die Nase. Lipp fährt mit dem Steckchen in die Oeffnun- gen und kitzelt darin herum:«r verursacht Geniese, Gehuste und Gewürg. Seine Erfolge, scharf von ihm beobachtet, freuen ihn. Keiner wird ganz wach, sie wenden sich murmelnd, murrend, mit den schweren Händen abwehrend, aus dem Be- reich der Belästigungen. Aber einer ist da, der stellt sich nur schlafend und schlaftrunken. Er gesteht es später den Käme- raden. Er benutzt den erheuchelten Zustand, um den Borge- setzten zu beschimpfen. �. „Geh'." sagt er mit verstellter Zunge.„Kruzitürken, laß mir mei Ruh', Drecksau. mistige!" Der Stabsarzt krümmt sich in lautlosem Gelächter: er oersteckt sich-, am Ende wird der Schläfer ganz wach? Aber der beruhigt sich wieder. Und Lipp beginnt bei diesem besonders ergiebigen Objekt von neuem. Da taumelt jener hoch, reibt sich die Äugen, schreit:„Aber jetzt kriegst eine Watschen. Diechkerl, daß d' an der Wand kleben bleibst!" Er stiert auf Lipp in gemachter Desorientiertheit. „Was sagst du?" beginnt der Arzt in einem untrenn- baren Gemffch von Spott und Vorgesetztenstrenge.„Zu deinem Stabsarzt sagst du Drecksau? Was fällt dir denn «in? Dich laß' ich ins Loch werfen!" Inneres Lachen kann er kaum mehr bändigen. Der Soldat springt hoch. Er steht stramm. Aber er ver- mag Hohn und Genugtuung nicht aus der Stimme wegzu- bannen:„Berzeihung. Herr Stabsarzt, ich habe Herrn Stabs- arzt nicht gleich erkannt. Ich Hab' gemeint, es ist der Richter." ..Schon gut." sagt Lipp eisig, plötzlich ganz Distanz und düster grübelnd in einem aufkeimenden Haß gegen den Mann. kanntmachungen und Plakaten besonders hinweisen. Für Ber- anstattungen, die aus zwingenden Gründen schon am Sonnabend, dem 19. August, stattfinden müssen, können die Steuerämter a u f besonderen Antrag ausnahmsweise Befreiung von der Vergnügungssteuer aussprechen. Quariiermeldungen, Plaketten, Kähnen Zur Verfassungsfeier des Reichsbanners. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bittet uns um Veröffentlichung folgender Mitteilungen:„Ein Zeichen für das wachsende Interesse an der bevorstehenden Verfassungsseicr, das in allen Kreisen der Bevölkerung zu beachten ist, sind die sich über- raschend häufenden Nachfragen nach den Stellen, bei denen Quartiere angemeldet werden können, Fahnen, Fest- Plaketten oder Karten zu den einzelnen Veranstaltungen erhältlich sind. Quariiermeldungen werden, soweit sie nicht bei den Funktionären des Reichsbanners erfolgen, zweckmäßigerweise schriftlich an die Geschäftsstelle des Reichsbanners, Berlin S. 14, Sebastianstr. 37/38, gemacht. Von hier aus erjolgt ihre Weiter- lettung an die zuständige örtliche Stelle, die sich mit dem Quartier- gcber in Berbindung fetzt. F e st p l a k e t t: n, die ihre Träger zur Teilnahme an den Balksfesten des Sonntags, wie sie u. a. im Lunapnrk, in sämtliche» Lokalen Treptows, im Karlshof. im Schloß Weiße nfec usw. stattfinden, ohne weitere Nachzahlung berechtigen, sind zum Preise von I Mark bei den Expeditionen des„Vor- wärts" und oh allen Theaterkassen von Tietz erhältlich. Bei diesen Stellen sind in beschränkter Anzahl zum Vertauf gelangende Karten für die große Verfassungsfeier in der Kroll-Oper am Sonnabend, dem 10. August, und Karten für die Tribüne Unter den Linden, an der sich der Vorbeimarsch am Sonntag vollzieht, zum Preise von 3 Mark erhältlich. Fahnen sind außer in den be- kannten Geschäften und in den Warenhäusern bei der Berliner Fahnenfabrik, Wollstr. 84, und den von ihr eingerichteten über 70 behelfsmäßigen Verkaufsstellen in ollen Stadtteilen, die durch Pla- kate gekennzeichnet sind, zu haben." Ein Ehrenmal auf dem pariser Plafc. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold wird aus Anlaß seiner Vundesversassungsfeier auf dein Pariser Platz ein Ehrenmal für die Toten des Volkes errichten. Der Entwurf zu dem Ehrenmal stammt von dem bekonnten Bildhauer T. C. Pilartz. Aus einem Unterbau, mit zwei vorgelagerten Stufen von 4 Metern Höbe und 14 Metern Seitenlänge, entwickeln sich 3 Pylonen in einer Gesamthöhe von 17 Metern. Die Pylonen haben die Farben Schwarz-Rot-Gold. Das Monument stellt den ersten Versuch dar» die Farben der Republik archttektonisch zu über- setzen. Das Ehrenmal findet auf dem Pariser Platz an der Stelle Ausstellung, die beim Marsch des Reichsbanners am Sonntag über die Linden den Wendepunkt bildet. ii OOO Schüler feiern im Bezirk Kriedrichshain. Der Wille, den Versasiungstag seiner Bedeutung entsprechend würdig zu begehen, macht sich von Jahr zu Jahr stärker gellend. Für 11000 Schüler der oberen Klassen sämtlicher Schulen des Bezirks veranstaltet das Bezirksamt Friedrichshain Er spürt, daß hier er der schlimmer zum Narren Gehaltene ist. Aus einem mittlerweile wachgewordenen Kreise von Sanitätsleuten entfernt er sich eilig, schweigend und ohne Gruß. Er ruft nur noch zurück:„Funk!" und Funk, noch tod- müde von der langen Nachtsitzung, muß hinter ihm her. Im Arztunterstand sagt er:„Das ist ein ekelhafter Heim- tücker, dieser Pöffel da! Meinen S'» er war damisch, oder war er unverschämt, der Hannes?" Funk beeilt sich zu versichern, der Mann sei gewiß schlaf- befangen gewesen. „Ich kenn' ihn lang'," sagt Lipp sinnend„Er ist ein verbitterter Mensch. Er ist seit Anfang dabei. Er hat Pech gehabt. Im Herbst vierzehn wird er schwerverwundet— durch einen Unfall: im Ruhequartier läßt beim Putzen der Nebenmann sein unentladenes Gewehr losgehen. Der Schuß schlägt dem Pöffel durch die Brust. Aber er wird völlig wiederhergestellt und kommt wieder ins Feld und macht wieder Dienst. War' die Kugel eine englische oder eine fran- zösische gewesen, so hätt' er längst das Eiserne Kreuz. Das wurmt ihn." Zum erstenmal in den Gesprächen mit Lipp horcht Funk auf.„Und weshalb hat er es nicht bekommen?" „Das begreifen Sie nicht?" fragt Lipp unwillig.„Hier handelt sich's doch nur um ein Unglück. Ebensogut hätte er von einer Leiter fallen oder einen Schuhnagel mit dem Essen verschlucken können. Dafür wird man nicht dekoriert. Wo sollte sonst haltgemacht werden? Weshalb dann nicht auch Blinddarmoperierte oder Furunkelmatadore auszeichnen?" „Die gehörten freilich alle ausgezeichnet," sagt Funk halblaut. „Aber Sie sind gut!" grölt der Stabsarzt.„Wo bleibt dann der Begriff des Helden?" „Ja.— wo bleibt der?" erwiderte Funk. Lipp ist baff.„Erlauben Sie, ich selber habe um den Sanitätsorden eingegeben." Funk hat schon gemerkt, man kann manches riskieren. „Ich habe die Leistungen des Herrn Stabsarzt selbstoerständ- lich nicht in Frage ziehen wollen," entschuldigt er sich kühl. „W'eso ist auf einmal von mir die Rede! Ich muß schon sagen...!" schreit Lipp. Funk beschwichtigt:„Wir sind über den Begriff des Helden auf Persönliches gekommen. Uebrigens nicht durch mich, Herr Stabsarzt. Der heutige Held— erleidet er nicht sozusagen immer nur Unfälle? Wenn ich in die Stellung gehe und heil zurückkomme— habe ich Glück gehabt, so wie der Pöffel damals Pech gehabt hat." Der Stabsarzt spricht überlegen durch die Hakennase: „Sie sind ein Iesnit, Funk. Ein Sophist, scheint mir. Es in drei großen Theatersäle» acht Feiern und'ein» weitere Fei. für die Beamten. Angestellten und Arbeiter des Bezirksamtes. Die Nachmittagsfeier, die am Sonnabend, dem 10. August, um 15/4 Uhr aus dem Sportplatz i m F r i e d r i ch e- Hain beginnt, soll zu einem großen Dalksfest gestallet werden Unter Leitung des Turnlehrers Graupmann wenden Übertausend Kinder an Freiübungen teilnehmen. Volkstänze der Schulen und der Tanzkreise, Darbietungen der Freien T u r n e r s ch a f t und des Arbeitersängerbundes sowie die Mitmirrung einer 36 Mann starken Kapelle unter Leitung des Kapellmeisters Puppe werden das Fest äußerst abwechslungsreich gestallten. Auch'sind Kinderbelustigungeii aller Art, Sackhüpfen. Wettlaufen. Wurst- fchnoppen u. dal. mehr vorgesehen. Den Abschluß bildet«in Fackel- zug durch den Hain, zu dem jedes Kind eine Lichtsackel gratis erhall. Die Eltern, Jugendlichen und Kinder werden aufgefordert, zum Volksfest ain 10. August im Friednichsham zu erscheinen. Kundgebung der republikanischen Eisenbahner. Unter den 1500 Oesterreichern, die aus Anlaß des Berfossungs- tagcs zum Teil von Donnerstag an in Bertin weilen, befindet sich eine große Zahl österreichischer Eisenbahner. Die deutschen Eisen- bahnerorganisationen aller Richtungen wölken es sich daher nicht neh- inen lassen, mit ihren österreichischen Kollegen eine gemeinsame Kundgebung zum B e rfa s su n g»ta g e zu veranstalten. Die Kundgebung der republikanifchen Eisenbahner Deutschlands und Oesterreichs findet am Sonnabend, dem 10. August, nachm. 4 Uhr. im Zirkus Busch statt. Die Grüße des Reichsbanners wird der Bundesvorsttzend« Otto Hörsing der Versammkung überbringen. Für die Oesterreicher spricht das Mitglied der Erekutwe der Eisenbahner Oesterreichs. Karl Voigt. Die deutschen Eisenbahner. Organ! sationen sind vertreten durch Reichstagsabgeordneten Scheffel, den Vorsitzenden des Einheitsverbondes der Essenbahner Deutschlands, durch Abgeordneten Oswald Riedel, General- sekretör des Allgemeinen Eisenbahner-Verbandes und die Gcwerk- schoflen deutscher Lokamotivsührer durch ihr Borftandsnntgtied Scharfschwerdt. Die österretchsschen Kapellen tragen für eine musikalische Ausstattung Sorge. Die Eisenbahner treten um 3 Uhr auf der F o n ta n e- P r o m« n a de an und marschieren von dart aus geschlossen nach dem Zirkus Busch. LOS schwarzrotgoldene Zahnen im Stadion. Die Fahnengruppen der Abteilungen Westen und Süden, die am Aufmarsch des Reichsbanners am Sonniogvor-- mittag im Lustgarten und Unter den Linden teilnehmen, mar- schieren bis.zum Schlestschen Tor bzw. Witten bergpkatz und werden r-oa dort aus mittels Lastauto« nach dem Stadion ge> bracht, um an der dortigen großen Neranstaltttng der Reichsregie- rung teilzunehmen. Insgefaint nehmen 800 Fahnen des Reichsbanners an der Stadton-Veranstitttimg teil. Dachstuhlbrand in der Kuglerstraße. Im Dachstuhl Vorderhauses Kuglerstrahe 8 brach gestern um 17.30 Uhr Feuer aus, mit dessen Bekämpfung ein großes Aufgebot von Feuerwehrzügen stundanjang beschäftig! war. Trotz umsassender Löschmaßnahmen wurde der D a ch st u h l ein Raub der Flammen. Die Ausräumungsarbeiten währten bis in die Nacht hinein. Der Schaden sst erheblich. Die Eni- stehungsursachc konnte nott, nicht ermittelt werden. Ein weiterer gefährlicher Dochstühlbrand kam bleibt doch immer der Wille zur Leistung— bei denen, die belohnt werden sollen." „Nehmen wir's an, Herr Stabsarzt. Aber der Wille zur Leistung war beim Pöffel— und bei dem hier draußen — der Wille, Soldat zu sein, die Bereitschaft, Soldatisches auf sich zu nehmen. Diese Bereitschaft dann in Einzelheiten zu zerlegen, von denen die eine als heldisch, die andere als profan angesprochen wird, geht nicht an." „Haben Sie Philosophie studiert. Funk?" „Nein, ein paar Semester Jus." „Gottlob. Sie müßten sich sonst von ihrem Professor das Lehrgeld wieder herausgeben lassen. Sie treiben Silben- stecherei. Nichts können wir im Augenblick weniger iie- brauchen als theoretisches Gestrüpp. Ich, sehen Sie— ich arbeite praktisch, und zwar gegen ganz reales Gestrüpp. Haben S' schon was von meinen Gärten in Fournes gehört?" Funk bejaht aufatmend. Ihm ist es recht, daß abge- schwenkt wird ins Alltägliche. Lipp kommt hervor aus dem großen' Polstersessel,«r durchwandert seinen Unterstand, er geht federnd um sein Bett herum, das mitten im Wege steht mitsamt den vier Feldkesseln. Er belebt sich, sein Faungesicht beginnt stolz zu grinsen, er reitet sein Steckenpfer in allen Gangarten:„Die Gärten werden Sie ja selber bald kennenlernen. Das heißt, in dieser Jahreszeit ist nicht viel los, ich zieh' nur einiges in Glashäusern, die geheizt werden— jawohl, das Hab' ich zu- wege gebracht! Aber im vergangenen Sommer und vor einem Monat noch hätten Sie sehen sollen, was alles unter meiner Hand gewachsen ist.— Ich weiß schon: von gewisser Seite her heißt es, ich kümmere mich nicht genügend um den Hannes, wenn er krank ist. Alles Unsinn, zum Beispiel diese Furunkelbehandlung. Man kann mir nicht zumuten, daß ich die Tage damit verbringe, Abszesse wie meine Erdbeeren zum Reifen zu verlocken, sie dann liebevoll zu öffnen und den Eiterbaz zärtlich in Wattebäuschchen zu drücken. Wie mich's ankotzt, das ehrgeizige Getue der Herren Kollegen: der eine brennt sie aus, seine verehrten Furunkel— no, der ist ja jetzt erledigt—, der andere umwickelt seine angebeteten, der dritte hat mal was gehört von Höhensonne und läßt die ramponirten Haxen in die frische Luft betten. Alles Mist— wenn sie Spinnweben darüber breiten, ist für den Berlauf schließlich auch etwas getan.— Wer aber tut wirklich was für den Gesundheitszustand der Truppe? Schauen Sie. ich, Funk! Die ganzen Stoffwechselkrankheiten, mit denen wir zu kämpfen haben, rühren daher, daß der Soldat sich egal Büchsenfleisch in den Wanst schlagen muß und kein frisches Gemüse zu kauen kriegt. Wer baut Gemüse an, unermüdlich. Tag und Nacht? Ich."(Forif. folgt.) kurz vor 21 Uhr im Eckhaus Grenzburgstratze S w Eteg. l i tz zum Ausbruch. Die Flammen fanden an dem trockenen Dach. gebälk und dem Inhalt der Bodenverschlägc überaus reiche Nahrung, und beim Eintreffen der Wehren brannte der größte Teil des Dachstuhles bereits lichterloh. Ueber mechanische Lettern und über die Treppenhäuser wurde mit fünf Schlauchleitun. gen gegen den Brand vorgegangen. Bei Redaktionsschluß dauern die Aufräumungsarbeiten noch an. Auch in diesem Falle konnte die Entstehungsursache noch nicht geklärt werden. Schuldlos zum Tode verurieilt? Oer Fall Baginski und die Brüder Kung. Wie vor einiger Zeil berichtet, wurde der wegen Ranb- mordes verhaftete Händler V a g i n s k i stark verdächtigt. >.iuch an anderen Kapitalverbrechen in Ostpreußen lt.et eiligt. gewesen zu sein. Die Untersuchung, inwieweit dieser 71 er dacht zu Recht besteht, ist sofort aus- genommen worden und hat bereits einige bemerkenswerte Resullsate gezeitigt. Das ungeklärte Ableben des Holzhändlers Paul Kuchen» b c ck e r aus Hohenstein, der im Dezember 1921 tot aufgefunden wurde, hat auch schon die Gerichte beschäftigt. Zwei Brüder, der Kaufmann Otto K u n g und der Landwirt Paul Ä u n g, hatten sich durch größer� Geldausgaben verdächtig gemacht und wurden damals vor Gericht gestellt. Beide wurde n zum Tode oerurteilt, später aber begnadigt. Fünf Zahre spälxr wurde ein Wiederaufnahmeverfahren be- antragt, doch gelang es nicht, die Unschuld der Brüder einwand- frei sestzustelleu. so daß die Erössnung des verfahrcu» abgelehnt wurde. Es wird neuerdings oermutet, daß Baginski der Täter ist. Eebenso erscheint Baginski nicht unbeteiligt cm dem De» schwinden des Schlächters und Viehhändlers Johann Schliwa aus A l l e n st e i n, der eines Tages verschwand und der bi» l)«ute weder lebend noch als Leiche gefunden wurde. Immer noch nicht verstummt sind auch die Gerücht«, die stch an den Tod seiner Schwiegereltern, des Ehepaare« E l m e r s, knüpfen, die im Jahre 1917 unerwartet schnell und kurz nacheinander starben. Der Arzt, der den Schwiegervater seinerzeit behandelte, soll jetzt gehört werden, um über etwaige Beobachtungen an dem Kranken seine Aussage zu machen. Trotz der verstrichenen Jahre wird wahrscheinlich die Exhumierung der Leichen beantragt werden, um sie auf Spuren starker Gifte wie Sublimat, Arsen oder Zyankali zu untersuchen. Der Tod des jungen Ernst Maleska, des Sohnes des Pantoffel« fabrikanten, scheint nicht auf das Konto des Baginski zu kommen. Hier liegt, soweit man weiß, ein Unglücksfall vor. Schund und Schmutz in der Passage. Es gibt wenig Straßen in Berlin, die einen so starken vor- novemberlichen Geruch ausatmen wie die Passage Unter den Linden, in der sogar noch richtige„Hofmaler" ihre fragwürdigen Kunstprodukte feilbieten. Fast scheint es, als übte das gläserne Doch, als übte die ganze tunnelartige Anlage dieser Straße eine besonders kräftige konser- nierende Wirkung auf gewisse Dinge aus— vornehmlich auf den Kitsch, hen man dort vom„h o ch t ü n st l« r i s ch e n O e l b sl d" über den Haussegen bis zu den abscheulichsten„Nippes" noch in.bester friedensmäßiqer Ausführung vorfindet. Der neue Wind hat in die Passage noch nicht h in e ingofu n- den: die Atmosphäre dort riecht reichlich verbraucht und abge- standen, und darum gedeihen in ihr auch Dinge, die 1913 wohl noch angingen, 1929 aber ziemlich zotig und geschmacklos wirken. Am Friedrich st raßeneingang stehen diese Dinge: vier Appa- rate, die gegen den Einwurf eines Zehnpfennigstücks in kinoartiger Technik ein« Folge zweideutiger Bilder liefern.„Im Bade- (z immer",„Beim M a l e r",„Am Toilettentisch"— das find so die Titel dieses Groschenkintopps. Und die reiße- rischen Titel halten, was sie versprechen: Guckt man in die Apparate, schnurrt eine Serie obszön aufgemachter Frauenbilder ab— nur dazu bestimmt, die Halbwüchsigen anzulocken und ihre schlummernde Pl)antasie zu erregen. Und Halbwüchsige sind es denn auch zumeist, die sich, verführt durch die schlüpfrigen Titel, die schwer- verdienten Groschen aus der Tasche ziehen lassen. Da der Kintopp von früh bis spät von jedermann selbst in Betrieb gesetzt werden kann, ist die Besucherzahl keine geringe. Die Oberfilmprüsstelle hat schon so manchen guten Film verboten, reicht ihre Zensorenmacht an diesen schlechten Straßenkintopp nicht heran? Die Prüf- stelle für Schmutz und Schund hat manches wirklich künst- lcrische Produkt, das nur im Verborgenen und in der Stille hätte wirken können, verboten— findet sie den Kitsch, der sich auf der Straße breitmacht, nicht auf?_ Falscher Wohnungsamtsbeamter. Im BezirtFriedrichshain treiben gegenwärtig Schwindler ihr Unwesen, die sich als B e a u f t r a g t e d e s W o h n u n g s- amts ausgeben, den Leuten baldige Wohnungszuweisung ver- sprechen und dafür„Gebühren" einkassieren. Der eine der Schwind- lcr ist etwa 23 bis 24 Jahre all, schlank, mittelgroß, hat zurück- gekämmtes blondes Haar, trug eine Hemdbluse ohne Weste und ohne Rock. Er hatte Papiere bei sich. Ein zweiter Schwindler ist etwa 2S bis 28 Jahre alt, hat bräunlichen Teint und spricht ausländischen Dialekt. Bor den Schwindlern wird gewarnt. Ins- besondere wird darauf hingewiesen, daß für die Amtshand- lungen des Wohnungsamtes keine Gebühren er- hoben werden. Außerdem besitzen die im Außendienst tätigen Beamten mit Lichtbild versehene Ausweise. Eine neue Schule für Johannisthal. Wie bereits mitgeteilt, hat der Magistrat in seiner Sitzung vom 24. Juli dem �Neubau einer Doppelvolksschule in Johannisthal zugestimmt. Die Schule soll auf dem städtischen Gelände zwischen dem Ellernweg und der Straße„Am alten Fenn" errichtet werden. Während noch im Jahre 1924 die Einwohnerzahl von Johannisthal 7084 Personen betrug, war sie bereits im Jahre 1926 auf 9004 Einwohner gestiegen. 1927 ist dann der Bau von 2000 Wohnungen in Angriff genommen worden, von denen 500 bereits bezugsfähig fertiggestellt sind. Hier- durch ist mit einem weiteren Anschwellen der Einwohnerzahl zu rechnen. Das alt« Voltsschulgebäuda der früheren Landgemeinde Johannisthal(jetzt Bezirk Treptow) genügt aber den ständig steigen- den Anforderungen längst nicht mehr. Obwohl schon wichtige, für einen neuzeitlichen Schulbetrieb unentbehrliche Räum«, wie Zeichen- saal, Physikziinmer, Werkräum« usw. in Klassenzimmer umgewandelt worden sind, um wenigstens die dringendste Raumnot einigermaßen zu beheben, können zurzeit noch nicht einmal� zwei Drittel der schulpflichtigen Kinder dieses Orts- teils in der vorhandenen Schule untergebracht werden. Bei Anwachsen der Schülerzahl soll die Schttle. deren erster Bauabschnitt 25 Klassenzimmer vorsieht, auf 32 Klaffen erweitert werden, worauf bei der Projektierung der Anlage bereits Rücksicht genommen worden ist. Eine neue Stromquelle. Berlins steigender Elektriziiätsverbrauch. Die empordrängende Weltstadt Berlin verschlingt täglich wachsende, ungeheure Mengen elektrischer Energien. Die Leistungssähigkeit der schon vorhandenen Bewag-Krastwerke wird, unter Einrechnung einer notwendigen Reserve, schon Im kommenden Winter erschöpst sein, voransschanend geht deshalb die Bewag jetzt daran, nach Klingenberg ein neues gewaltiges Spihenwerk zu bauen, das im herb st 1931 vollendet sein wird. Die Bewag steht im Begriff, ein neues Großkraftwerk. das West werk, in der Nähe des Spandauer Bock zu errichten. Dieses neue Werk wurde dringend erforderlich, nachdem fest- gestellt worden ist. daß stch die Zahl der Elektrizilätsabnehmer in den fünf Zahren von 1924 bis 1928 weit mehr als verdoppelt hat, und daß auch vornehmlich die vorteilhafte Preisstellung des hoch- gespannten Stromes für Großabnehmer die Berliner Industrie- unternehmen verontaßte, ihren Energiebedarf fast ausschließlich aus den Bewag-Netzen zu beziehen. Nachdem die Elektrizität im Laufe der Zeit Allgemeingut der Bevölkerung geworden ist, könnte man leicht zu der Annahme kommen, daß in der Anschlußbewegung nunmehr ein« Sättigung eintreten würde. Daß dies aber keineswegs der Fall ist, zeigt die Tatsache, daß heute erst rund 55 Proz. aller Berliner Wohnungen mit Elektrizität versorgt werden. Zurzeit werden in Berlin täglich zirka 50 Hausanschlüsse hergestellt und zirka 400 Zähler in- stalliert. Man muß auch zu einer günstigen Prognose für die weitere Entwicklung der Bewag gelangen, wenn man feststellt, wie hoch der Verbrauch an Elektrizität je Kopf der Bevölkerung in au- anderen Großstädten ist. So winden in Ehikago rund 1088 Kilowattstunden pro Kopf im Jahre 1927 verbraucht, während in Berlin in der gleichen Jett auf den Kops der Bevölkerung nur 251 Kilowattstunden entfielen. Die Bewag rechnet im Jahre 1933 mit einem Strombedars von rund 234 Milliarden Kilowattstunden. Innerhalb welcher Zeit und in welchen Grade wir in Berlin amerikanische Konsumziffern und eine vollkommene Durchdringung des Versorgungsgebiets mit Elektrizität erreichen werden, ist eine Frage, die in erster Linie von dem wirtschaftlichen Auf- stieg Deutschlands abhängt. Auf jeden Fall beweisen die Ziffern, daß in den nächsten Iahren wieder mit einer erheblichen Derbrauchs steige- rung gerechnet werden muß, während andererseits die Leistungs» fähigkeit der zurzeit vorhandenen Bewag-Krastwerke, unter Berück. sichtigung einer notwendigen Reserve, schon im kommenden Winter erschöpft ist. Das W e st k r a f t w e r k, das als Spitzenmerk fahren soll, wird im ersten Ausbau im Herbst 1930 und im zweiten Ausbau im Herbst 1931 fertiggestellt sein, so daß hierdurch die Berliner Stromversorgung für die nächsten Jahre sichergestellt ist. Beinah Alraune... Sowieso: Das Leben in einer Laubenkolonie ist sa überhaupt nicht langwellig. Mal sorgen die Raupen, mal Geslügeldiebe und mal Eheirrungen im Hühnerhof für Abwechselung. Aber eine freudige Ueberraschung gibt es jedesmal, wenn es irgendeinem der Kolonisten gelingt, eine durch Form oder Größe abnorme Gestalt zu ziehen. Noch viel größer ist Freude und Ueberraschung, wenn der glückliche Gärtner«igenl- sich gar nichts dazu getan hat, so ein beachtenswertes Resultat zu erreichen. Hatte da ein Gartenfreund in seinem Garten bei Cöpe- n i ck ein merkwürdiges Un- kraut zwischen seinen Mohr- rüben stehen, das stch von Tag zu Tag breiter machte. Endlich konnte seine sorg- same Hausfrau den Ein- dringling nicht mehr an- sehen und am letzten Sonntag wollte sie chm ans Leben. Das aber wehrte stch zähe seiner Haut, und als es ihr endlich gelang, ihn her- auszuholen, dt zeigte es sich, daß hier mitten unter den harmlosen und höchst nahrhaften Mohr- rüben ein geradezu diabolisches Gewächs Wurzel geschlagen hatte. Ein Rettich, der über ein Pfund schwer und reich- lich 40 Zentimeter long war. Aber das Merkwürdigste: Besagter Rettich hat, wie aus der Abblldung zu ersehen, genau die Form eines menschlichen Körpers— von der Brust abwärts, er erinnert geradezu an das„Galgemnännlein", an die zauberkräftige Mandragoromurzel des Mittelalters. Rur der Kopf fehlt; ober das soll ja auch bei der Alraune nicht gerade der wichtigste und edelste Teil sein... Der glückliche Vater ist jedenfalls sehr stolz auf dieses Kind seines Gartens, und die merkwürdige Form wird diesen Retttch wohl noch lange vor einem prosaischen Tode auf dem Frühstücks- brett bewahren. Dielleicht vevhllft sie ihm sogar zu einer feierlichen Beisetzung im Manneladenetmer— so daß er noch beim nächsten Erntefest der Kolonie„Ludwigshöhc" als Trophäe gezeigt werden kann! Lungsozialiflen werben. Landagitationsfahrt nach Teltow-Jüterbog-Luckenwalde. In Erneuerung der alten Tradition der Berliner Sozialdemo- kratie, cm den Sonntagen zu Agitation in die Landbezirke hinaus- zuziehen, um die politisch schwer-bewcglichen Massen des ländlichen Proletariats für die Partei zu gewinnen, veranstalteten die Jung- sozialisteit Groß-Berlins eine Landagitattonsfahrt in die Kreise Teltow und Iüterbog-Luckenwold«. Vom„Borwärts"-5)aus in der Lindenstraßc fuhr unter dem Ge- sang von Kampfliedern ein A u t o m o b i l- L a st z u g mit den jungen Sozialisten ab, die sich in großer Zahl zu der Werbearbeit eingefunden hatten. In den südwestlichen Vororten Berlins, den Domänen der nationalistischen Organisationen, erregten das Fan- farengeschmetter, mit dem die Bürger aus ihr«? Morgenruh« auf- gestört wurden, der Schall der Arbeiterlieder, der Anblick der vielen slatternden roten Fahnen„unliebsames" Aufsehen. Das änderte sich bereits in den ersten Dörfern vor Berlin des alten Wahlkreises Teltow-Beeskow-Storkow, der schon vor dem Krieg«, nicht zuletzt durch das Wirten von Rosa Luxemburg, die m diesem Kreise wohnte, einer der aktivsten und stärksten Parteibezirke gewesen war. In Drewitz, wo eine starke Ortsgruppe der Partei bestellt, wurl« den Berlinern ein begeisterter Empfang zuteil. Ein schnell formier» ter Demonstrationszug rief die meisten Dorfbewohner vor die Türen. Flugblätter mit den Forderungen der Sozialdemokratie zu den bevorstehenden Koinmunalwahlen wurden oerteilt. Bis nach Luckenwalde, der märkischen Industriestadt, wurden oicie Dörfer durchfahren, deren Bewohner aus ihrer ländlichen Ruhe aufgestört und an ihre gemeinsamen Interessen mit der städtischen Ar- bsiterschast erinnert wurde». In Kloster Zinna, einem von Friedrich II. gegründeten Weberstädtchen, wo heute noch die Hand- Weberei unter elenden Berhältnissen ausgeübt wird, fand eine kurze, wirkungsvoll« Kundgebung auf dem Markiplotz statt, wo die Gc- noffen Seigewaffer von de» Iungsozialisten und der Parteisekretär des Unterbezirks Iüterbog-Luckenwalde, Engellirccht, kurze Au- sprachen hielten, in denen auf die besondere Bedeutung der im Ro- veinber stattfindenden Gemeindewahlen hingewiesen wurde. In diesem Arbeiterort amtiert heut« noch ein Amtsoorsteher, der er» klärt, für ein« Versaffungsfeier habe er keine Zeit übrig, und Ar- beitslose dürften eigentlich kein Wahlrecht haben! Solchen Vertretern der brutalsten Reaktion muß da» Handwerk gelegt werden! Ihren Abschluß fand die Fahrt mit der Mitwirkung an einem gut besuchten Werbefest der Partei in dem Jndustriestädtchen Trebbin. Zeppelin-�tari um Miiiernachi. Günstige Wetteraussichten für den sRückflnq. RewZork.7. August. Die Gasfüllung des„Gras Zeppelin" wurde um 3 Uhr morgen» beendet. Gestern waren wieder 150 000 Menschen in Lato. hurst. Auch heute herrschte ein Riesenandrang, vorn Ha- pagbureau wird eine Passagierliste bekanntgegeben, die u. a. folgende Namen enthält: William B.£eeds. ameriku uischcr Multimillionär, John Larney, Sir Hubert Wilkiu», der bekannte Polarforscher. Lady Lrummond-t)ay, Karl h. v. wlegand, Eam- mander Rosendahl, Joachim Rickard. ehemaliger Handelsattache in Madrid, C. P. Burgeß. Marinesachversiändiger I. p. Richardson, Pr. Kiep von der hapag. Gras von Soden, R. Spieß. Verlreler de» Reichsverkehrsministeriums, Heinz v. Eschwege, ferner die Herren Nathan Wechler, William Weber. Moris Shmnofsky, der acht. zehnte Paffagier bleibt aus seinen Wunsch ungenannt. Die Millagsberichle des Wellerbureaus in Washiug- k o n beurteilen die Wetterlage für den Rückslug allgemein günstig, obwohl die Umgebung von Lakehurst wahrscheinlich mik Nordwest- nordwiuden bewölkt sein wird. Ein ausgedehntes hochdruckgebiei zieht sich von den Bermudas bis zu den Azoren. Aus dem Allantik herrschen frische Westwinde, an der Küste von Nen-England frische, starke Südwestwinde und teilweise Bewölkung. Eine mäßige Störung liegt über den hudsonflrails. Dr. E ck c n e r erklärte, als et um die Mittagszeit aus New Park in takehurst eintraf, der A b- f l u g werde um Mitternacht siattsiadcn. Die Passagiere, zwei Tonnen Fracht, eine Tonne Post werden um 10 Uhr abend» au Bord sein. HetmVeh nach Sem Scheunenvieriel! Das Scheunenviertel ist nicht mehr! Die letzten Trümmer, ge» brechlichc Häuschen mit aussätzig bröckelnden Fassaden und aus- getretenen Treppen, alte Holzkabachen, in denen mit Kartoffel- puffern,. Lumpen, gebratenen Würstchen, angefaultem Obst, mit vermottetem und verrostetem Trödel, mit Tauben und Hehlerkram ge- handelt wurde, sind fortgeräumt, nur ein paar ehrwürdige Ruinen aus jenen heroischen, von krimineller Romantik um- witterten Zeiten sind noch übrig geblieben Aber auch die Tag« dieser stummen, von Armut und Rot arg mitgenommenen Zeugen, die zwischen dem frischen Gemäuer der neuen Bauten dort am Bülowplatz jetzt ganz besonders ärmlich und verludert wirken, sind gezählt. Das neue Viertel dort, das so protzig jung und paroenühast geleckt aus dem Boden schießt, müßte ja in seiner jungfräulichen Frische und unberührten Sauberkeit erröten vor der grauen, ge- meinen Rot des häßlichen Gemäuers, das in Schande und Finsts nis aufwuchs. Run, die alten Häuser wissen ja nicht, daß sie hier heimatlos geworden sind und bald überhaupt nicht mehr sein werden. Aber die Menschen wissen das, die, die hier noch wohnen, und gfct&t die wundervolle goldklare Haarwaseüseife für jedes Haar, auch als ShampooQ jfut' SCf&f&tvnig— diejenigen, die früher hier zwischen dem aven Gerümpel fn feuchten Kellern, verwanzten Mansarden, zugigen Hohzoerschlägen und kalten Höfen so etwas wie ein Zuhaufe hatien, die wissen das! Sie find jetzt ,zwar anderswo irgendwie untergekrochen, diese Armen, vom Schicksal und den Gesetzen Verfolgten, und Hausen wieder, im Osten vielleicht oder an der Peripherie, in dem gleichen Elend und Kummer wie einstens im Scheunenviertel— und vielleicht haben manche iogar nach der ihnen aufgezwungenen Neuordnung der Dinge es besser angerrossen, wohnen gesünder und sauberer—, aber so schön ist es dort in- den fremden Stadtteilen doch nicht wie zu Hause am Bülowplatz, in der alten Heimat. Und wie es Katzen oft nach der längst ausgeräumten Wohnung ihrer Herrschast zieht, wie es im Kriege immer wieder die flüchtenden Bauern zu den zu Schutt zerschossenen heimatlichen Katen trieb, so mächtig fühlen sich viel« von denen, die ehemals im Scheunenviertel beheimatet waren, hingezogen zu den alten Stätten,— es ist, als könnten sie diese Gegend, die ihnen ja doch Unterschlupf und Versteck gegen die harte Unbill da draußen war, nie vergessen, es ist, als hielte sie dies Viertel, von dem in den Polizeiberichten fast täglich zu lesen war, und das der ängstliche Bürger sorgsam mied, in Bann. Da sitzen sie nun am hellichten Tag« auf den Banken am Bülowplatz oder räkeln sich aus den Stufen der Volksbühne, deren stell auf- strebend« Säulen ihren zerschlissenen Anzügen, ihrer Kümmerms und Verlassenheit einen Hintergrund von wahrhast monumentaler Größe gibt. Da hocken oder liegen sie in der prallen Sonne und lassen sich rösten und meditieren betrüblich über die Tage die nicht mehr sind, die schönen Tage, die ja nicht allein Unheil und Sorgen, sondern oft auch Freudiges brachten. Aber die Meditationen angesichts dieser Häuser hier, die kein Ausgepowerter mehr kein Pennbruder und„schwerer Junge" wird bewohnen können, machen trübsinnig, und da ist es schon besser. mit einem zerlumpten, gleichfalls von hier vertriebenen Kollegen in eine nahe Budike zu gehen und bei einigen Bechern und„Soksen" den ganzen Kram zu vergessen, der ja nun doch unrettbar vor die Hunde gegang�r und für alle Zeit und Ewigkest vom Erdboden verschwunden. ist., Beginn des Europafluges. 46 Maschinen nehmen teil, darunter 46 deutsche. Paris. 7. August.| Am heutigen Mittwochvormittag erfolgte auf dem Flug. Hafen von O r l y der Start zum Europaflug. Es hatte in den frühen Morgenstunden stark geregnet, doch klart« sich der Himmel später wieder aus. Eine große Menschenmenge hatte stch ein- gefunden, um dem Start beizuwohnen. Unter zahlreichen bekannten Persönlichkeiten sah man auch den deutschen Botschafter von H o e s ch. 47 Flugzeuge sollten starten. Leider wurde isdoch im letzten Augenblick ein Junkers-Flugzeug, die Maschine von Risticz, vom Unglück ereilt. Auf der Fahrt zum Start brachen die Röder. Von den übrigbleibenden 46 Maschinen sind 1 8 d« u t s ch e. Der erste Start«rsolgte kurz vor 16.30 Uhr. Es waren drei deutsche Maschinen, darunter die der akademischen Fliegergruppe Basel, 7. August. Um die Mittagszeit trafen die ersten Flieger auf dem Flugplatz in Basel ein, wo eine außerordentlich groß« Zuschauermenge sie erwartete. Um 11.50 Uhr landete als erster der Irland« Carberry auf seiner Raab-Katzenstein-Maschin«. Ihm folgten um 12.09 Uhr Nehring(Deutschland). Bis 17 Uhr kamen 35 Flugzeuge an. von denen 25 bereits nach Lyon westerflogen. Von den 35 Flugzeugen waren 16 deutsche, von denen 14 weiterflogen, und 10 italienisch«, von denen 9 die Weiterreise antraten. Der Flug sührt von Paris über Basel— Gens— Lyon— Marseille— St. Raphael— Turin— Mailand— Venedig— Agram— Belgrad— Turnu Severin nach B u k a r« st und von dort wieder über Turnu Severin nach Budapest— Wien— Brünn— Prag— Breslau — Warschau nach Berlin, von wo aus der Rückflug nach Paris über Hamburg— Amsterdam— Brüssel erfolgt. Diese 25 Teil- strecken betragen zusammen 6042 Kilometer. Smpfang in Berlin. Ein besonders feierlicher Empfang erwartet die Tellnehmer a» dem Rundflug in Verlin. Der Start nach Berlin kann frühestens am 11. A u g u st, mittags 12 Uhr, auf dem Flughafen Warschau erfolgen. Von diesem Zeitpunkt ab ist Berlin gerüstet, den Fliegern einen herzlichen Empfang zu bereitsn. Im Auftrage des Magistrats der Stadt Berlin wird sämtlichen aktiven Teilnehmern am Internationalen Rundfluge nach ihrer Landung ein Ehren- trunk in einem silbernen Becher überreicht werden. Zum Andenken an die deutsch« Reichshauptstadt und an den Aufenthalt anläßlich des Internationalen Rundfluges in Berlin wird der Becher alsdann den Flugzeugbesatzungen übereignet. Faltboote auf Fahrradkarte. Seit dem 1. August d. I. können auf den deutschen Eisenbahnen auch Faltboote' und Wintersportgerate auf Ent- fernungen bis zu 150 Kilometern nach dem vereinfachten Verfahren für Fahrräder auf Fahrradkarte abgefertigt und in ken Packwagen der Personenzüge untergebracht werden. Die Ee- bühren betragen: auf Entscrnuugen bis 25 Kilometer OBO M,, aus Entfcrmingen von 26 bis 100 Kilometer 0,50 M., auf Entfernungen von 101 bis 150 Kilometer OVO M. Da die Mitnahme der Faltboote in die Personenwagen einen großen Umfang angenommen hatte und sich hierdurch für die'Mitreisenden manche Unbequemlichkeil ergaben, ist, nachdem jetzt die erleichterte Unterbringung in den Packwagen zugelassen worden ist. zugleich von der Reichsbahn an- geordnet worden, daß Faltboote auf Bootswagen nicht in die Personenwagen mitgenommen werden dürfen, auch nicht in die Wagen für Reisende mit Troglasten. Das gleich« gilt für die Bootswagen allein, wenn die Räder nicht von der Achse ent- sernt sind._ Felsabsturz an der Erpeler Ley. Remagen. 7. August. In der Nähe von Erpel löste sich ein gewaltiger Felsblock der Erpeler Ley und stürzt« unter lautem Getöse in die Tiefe. Die Gegend wird zur Sommerzeit stark besucht,- und es ist geradezu ein Wunder, daß keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Man ist m't der Aufräumung des Gerölls auf dem am Fuße des Berges entlangführenden Wege beschästigt. Da die Gefahr weiterer Felsob stürze besteht, ist man dabei, die Feldwand einer ge- nouen Prüfung zu unterziehen und etwaige lockere Gesteinsmasien zu entfernen._ Vom Starkstrom getötet. Auf der Grube„Vereinigt« Ville" sollte mit einer eisernen Winde ein Drahtseil am Kohlenstoß hochgezogen werden, Hierbei fiel das Drahtfell auf die gerade unter Strom gefetzte Drehstromleitung von 500 Volt Spannung, so daß das Draht- feil und die eiserne Winde unter Strom kamen. Von den mit dem Hochwinden beschäftigten Zlrbeitern wurde ein Mann getötet, einer schwer und zwei leicht verletzt. vi« ArbeilsgemelnschaN sür Aorsl'chnh und Ikalurkunde S.v. veranslatie, Zonnavend, den 16.» ugust, imittejlaurant Hotei Bellen ue in Bertin. Friedrichsbagen einen Vorbagsabcnd. Herr Kunstmole, Richard Puls iriicht abends 7 Uin über das Thema.Die K u n it dem Volte-, Znalrich findet eine Besichtigung eigener Werke deS Künft- l ers statt, Di- Teünehwer irrsten stch bereits ab nachmittag» 4 Uhr im Nestauianl Hotel Lcllrrue zu einem geselligen Bcisammensem. Gage will- tommen. Sport. Dr MaxGerfan- Bielefeld, der Entdecker der neuen Diät- behandlung und Tuberkuloseerkrankungen, sprach vor dem Berliner Mikrophon. Man hatte dem Redner für sein wichtiges Zchema erfreulicherweise das Doppelte der sonst üblichen Redezeit eingeräumt. So konnte er eingehend schildern, wie er aus den Weg der Diät- behandlung geführt wurde und was ihr eigentlicher Sinn ist: es gilt den Korper„umzustimmen", d. h. d'.e ihm innewohnenden Hgil- träft« zu mobilisieren. Die Medizin kommt heute wieder sehr davon ab, Krankheit eines einzelnen Körperteiles unabhängig vom Körper und seiner Konstitution zu behandeln. Man nimmt nicht mehr an, daß irgendeine Stelle des Körpers zufällig erkrank«, sondern be- trachtet in solchem Falle den ganzen Körper als krank oder wenigstens als unfähig, das Krankheitsgift abzugeben. Die neue Heilbehandlung ernährt den Kranken in der Hauptsache durch Robkost und ent- zieht ihm rücksichts.los Kochsolz. Nach den bisher damit gemachten Erfahrungen scheint sie bei den verschiedensten Krank- heitserscheinungen säst Wunder gewirkt zu haben.— Offenbachs Oper„Die Bandit« n", charmante, witzige Musik, wurde am Abend von Berlin gesendet. Königswusterhausen übernahm von Hamburg die Hörs.zene„Der Sieger" von Paul Leuchsenring, eine etwas Strindbergifche Angelegenheit, aber mit versöhnlichem, wenn auch tödlichem Ausgang. Sie roch ein bißchen nach Staub von vorgestern. Tes. Rennen zu Sarlshorst am Mittwoch, dem 7. August. t. R e n n- n. t. Zlohrpost«Häuser), 2, Hella X. 3, Kanzler Toto: 33:10, Play: 15. 72. 16:10. sterncr liefen- Pelydor, Servatius IL Erdgeist, Vici, P-rsiaiier, MartoniuS, llagina. Sigmar, Wunbilda. 2. Nennen, 1, Merkur IIt. Ucbung In allen Ecschwindigkciteu ieden Freitag von 20— 22 Uhr im Französischen Gnmnasium, Reichstagsufer 6, am ReichstagsgebLude, und iedeu Dienstag von 20—22 Uhr im Schulhause Ut- rechter Str. 30—31, am Wcdding. Anfängcrlurfc sowie Aufnahme neuer Mit. glieder»u jeder Zelt. Auskunst erteilt Fritz Plauschinn, Dcrlin-Zehlendork, Scharfestr. 18, I. MeHM, &te$uvdk Qesdfymacß amegiim$mlhP �$(av� mute � Knopfs(fMIwCässk Slefap imeSeems yßg&m sc�m ß?M$ei{teguk%gaveite{0 Lirteil gegen Bata. T)as Buch„Der unbekannie Diktator Thomas Bata" ist fteigegebett. Seit Jahren kämpft die deutsche Schuhindustrie einen sehr harten Kampf gegen die billige tschechische Schuheinfuhr. Der Pro- duzent der tschechischen Schuhe ist in der Hauptsache der Schuh- konzern von Thomas Bata in Zlin. In ganz wenigen Jahren hat dieser Konzern seine Tagesproduktion auf 75 000 Paar Schuhe erhöht, und wenn infolge der erzwungenen Rationalisierung in der deutschen Schuhindustrie auch die deutsche Konkurrenzfähigkeit ge- stiegen, die tschechische Schuheinfuhr zurückgegangen ist, so gehen die Wogen der Erregung über die billige teschechische Schuhkon- kurrenz auf dem deutschen Markt doch noch sehr hoch. Auch die deutsche Schuharbeiterschaft fühlt sich durch diese Konkurrenz hart betrosfen! die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit sind immer noch ungeheuerlich, und wenn die freigewerkschaftlichen deutschen Schuh-' arbeiter sehr tapfer auch die verlockenden Forderungen der Schuh- industriellen nach höheren Zöllen abgelehnt haben, so leiden doch auch sie ganz zweifellos unter der Schuhinoasion. die durch den tschechischen Konzern in Deutschland herbeigeführt wurde. Diese Sachlage macht es begreiflich, daß seilen um eine wirlschastsreporiage so schwere publizistische und Rechlskämpfe autgefochten worden sind, wie um das Buch von Rudolf Philipp: jDer unbekannte Diktator Thomas Bata'(Agis-V erlag, Wien- Berlin 1928), das ein außerordentlich großes und schwerwiegendes Materiol gegen die Produktions-, Lohn- und Absatzmethoden im Baw-Konzern zusammengetragen Hot und aus dem auch wir größere Auszüge wiedergegeben haben. Das Buch von Rudolf Philipp mußte in Deutschland und auch in der übrigen Welt außer- ordentlich großes Aufsehen erregen, denn trotz des journalistischen Schmisses, mit dem diese Wirtschastsrepartage gemacht war, waren die Anklagen gegen das System Bata für deutsche Begriffe so schwerwiegend, daß kein gewerkschaftlich und sozialpolitisch Interessierter das Buch ohne Erschütterung aus der Hand legen konnte. Die starke Wirkung des Buches hat denn auch Thomas Bata »«ranlaßt, bei den deutschen Gerichten eine einstweilige Vorsügung gegen die Verbreitung des Buches nachzusuchen, und diese einstwellige Verfügung hat Thomas Bata zunächst auch erreicht. Autor und Verlag sind aber an die Berufungsinstanz gegongen und das preußische Kammergericht, das in letzter Instanz em- scheidende Gericht, hat jetzt die Verbreitung des Buches endgültig freigegeben. Unvermeidlich, daß ein streng die Tatsachen auf restlose Ueber- »instimmung mit der literarischen Darstellung prüfendes höchstes Gericht bei einer Wirtschastsrepartage wie der von Rudolf Philipp, die auf Unterstreichung des Sensationellen natürlicherweise aus war, eine Anzahl Ueberschriften und einige Textstellen beanstandete und verbot, die über das in den Tatsachen Gegebene bei der Darstellung Hinausschossen. Für jeden aber, der das Buch von Phllipp kennt und selbst vielleicht geneigt war. von der Darstellung einiges abzuziehen, weil es sich um eine Reportage Handelle, be- deutet das Urtell des preußischen Kammergerichts eine um so schwerere Verurteilung des Vataschen Systems. Die Urteilsbegründung liegt uns noch nicht vor. Sie umfaßt 77 Schreibmaschinenseiten und beweist damit den Ernst, mit dem die Prüfung der Tatbestände vorgenommen worden ist. Das Urteil mit der Freigabe des Buches sieht bei der Regelung der .Kostenfrage vor, daß Thomas Bata SO Pr-oz., Autor und Verleger dagegen nur je 5 Proz. der Kosten zu tragen haben. Die Begründung kommt in ihrem Schlußsatz zu folgender Feststellung:„Im Hinblick darauf, daß die Hauplangriffe des beanstandeten Buches in diesem Verfahren als hinreichend gesiüht angesehen werden müssen. erschien es geboten, die Kosten so zu oertellen, wie dies in der llrtellsform zum Ausdruck gekommen ist." In der Urteilsbegrün- dung wird wsllerhin zum Ausdruck gebracht, daß Rudolf Philipp die in feinem Buche aufgestellten Vehauptungen größtenteils beweisen konnte, während bei den Zeugen Vakas die Wahrscheinlich- keil eines Falscheides gegeben sei, was zn untersuchen nur nicht 5ache des Berufungsverfahrens beim preußischen Kammergericht gewesen sei. lleberdies stellt das llrlell fest, daß die von Philipp aufgestellte Behauptung, daß das Baia- System ans nach deutschen Begriffen unsittlichen Grundsätzen beruhe, genügend bekräftigt wurde. Es ist kaum dankbar, daß ein Gericht in deutlicherer Weife die Berechtigung und publizistische Notwendigkeit eines Buches stärker unterstreichen kann, als dies scheinbar in den hier vom preußischen Kammergericht ergangenen Urtell geschehen ist. Das preußische Kammergerichtsurtell bewerft, daß die Presse der deutschen Arbeiterschaft, die der Gewerkschaften und die der Sozial- demokratischen Partei im Recht war, als sie die Produktions-, Lohn- und Absatzmethoden des Bata-Äonzerns scharf kritisierte. Möge dabei in der Formulierung manchmal eine tatsächlich oder juristisch nicht haltbare Uebertreibung erfolgt sein, das Urtell des Kammergerichts beweist, daß im ganzen die Kritik berechtigt war. Frellich vermag auch das Urtell des Kammergerichts an den wirtschaftlichen Tatsachen nichts zu ändern. Die deutschen Schuhindustriellen würden sich irren mll der Annahme, daß damit ihr Wunsch auf höhere Schuhzölle ohne weiteres eine Unterstützung erfahren würde. Es kann kein Zweifel darüber sein, daß das Urteil des preußischen Kammergerichts am ch in der Tschechoslowakei bei den Regierungsbehörden Beachtung finden muh, und daß die tschechische Regierung an der moralischen Verurteilung Balas durch dos höchste preußische Gericht nicht vor- übergehen kann. Außerdem hat Bata selbst in Deutschland durch die Errichtung einer Schuhfabrik, deren Produktionsumfang natür- lich beachtet werden muß, neue Tatsachen geschaffen, die den Ver- such Batas erkennen lassen, auch unter deutschen Produktionsverhält- nissen seine Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit zu beweisen. Schließ- lich' ist nicht zu verkennen, daß die Batasche Konkurrenz die Leistungsfähigkeit der deutschen Schuhmdustrie gehoben, deren Rationalisierung vorwärtsgetrieben hat, und daß es nicht lauter Uebel sind, die aus der Bataschen Konkurrenz erwachsen. Selbst- verständlich muß aufmerksam verfolgt werden, ob die tschechische Regierung ihrerseits in Berücksichtigung des preußischen Kammer- gerichtsurteils jetzt in Zlin auch mehr noch dem Rechten sieht als es bisher geschehen ist. Wichtiger als nach höheren Schuhzöllen zu rufen, ist eine andere Frage: Wenn Bata in Deutschland produziert, hat er schon den Borteil der billigeren Kapitalversorgung für sich, denn teuere Kredite dürfte Bata auch heute noch nicht nötig haben, well er sehr viel verdient. Wir haben in Deutschland aber jetzt die M ä g- lichkoit, festzustellen, ob die Bataschen Produttionsmethoden wirklich so überlegen sind, wie behauptet wird. Das festzustellen, ist eine sehr verantwortliche Aufgabe der gewerblichen und sozial- politischen Aufsichtsbehörden und der Schuharbeiter-Gewerkschastsn. Lohnsysteme, die das preußische Kammergericht als unsittlich bezeich- net hat, darf es in Deutschland auch für Bata nicht geben. Eine Unterdrückung der Koalitionsfreiheit, auch jede» noch so leisen Druck in dieser Richtung, darf es in Deutschland auch für Bata nicht geben. Die Arbeitsbedingungen müssen auch für Bata normal sein nach Maßgabe der Tarifverträge. Die gesetzlich anerkannten Gewerk» schasten dürfen in ihren Rechten auch bei Bata nicht beeinträchtigt werden: die gesetzlichen und gewerbepolizeilichen Bestimmungen müssen in deutschen Bata-Betrieben geachtet werden. Darauf zu achten, wird zunächst die Hauptaufgabe sein. Verlinsr Konsum im Juli. Vorwärts auch im neuen Geschäfisjahr. Der erste Monat im 31. Geschäftsjahr der Konsumgenojsenschstt Berlin und Umgegend brachte im Vergleich zu den Vormonaten ein« starke Steigerung der Neuaufnahmen: 2800 Haus- hallungen schlössen sich der organisierten Verbraucherschaft an.__ ver Großhandelsindex im Zuti ist gegenüber Juni von 135,1 auf 137,8, also ziemlich«rhe blich gestiegen. Die Haupt- steigerung entfällt auf die A g r a r st o f s e. deren Index sich von 124,7 auf 132,4 steigerte und aus den von 123,5 aus 128,2 erhöhten Kolonialwarenindex. Interessanterweise ist auch der Index für Produktionsmittel von 138,4 auf 138,7 erhöht, während der Index für Konsumgüter von 171,9 aus 171,4 zurückging.(Ver gleiche dazu unsere Artikel„Arbeitslosigkell und Wirtschaftslage.") Schweiz erhöht den Lulterzoll. Der Schweizerisch« Bundesrat hat mit Wirkung vom 12. August die Erhöhung des Butterzolles um 20 auf 70 Franken für 100 Kilogramm und die Erhöhung des Schmalzzolles um 20 Franken beschlossen. Weil nach semer Auf- fassung«in Einfuhrmonopol für Butter der Verfassung widerspricht und außerdem vom Schweizer Volk nicht gebilligt würde, hol der Bundesrat die Einführung eines befristeten Butterein- fuhrmonopols abgelehnt, die von 62 Mitgliedern des Schweizer Parlaments beantragt worden war. wieder große Lauaewinne bei der Emil Heinicke-Zll-G.. Berlin. Die Emil Heinlck«-A.-G. in Berlin hat von der Groß-Bsrllner Bausaison der letzten Jahre sehr gut profitieren können. Das Unter- nehmen, da» unter anderem große Wohnungsblocks in Wilmersdorf gebaut hat, außerdem an Hochhaus- und größeren Hotelumbauten beteiligt war, konnte im vergangenen Jahre seine Dividend« von 6 auf 8 Proz. erhöhen. Nach dem jgtzt bekannt ge- wordenen Aufsichtsratsbeschluß wird für 1928 auch auf das erhöhte Kapital die gleich« Dividende von 8 Proz. gezahlt. Nähere Einzelhesten über den Abschluß sind noch nicht bekannt. Dio Fortsetzung unseres unvergleichlichen Saison Ausverkaufs bringt weitere Beispiele, welche die außerordentlichen Vorteile dieser Ausnahmetage illustrieren. Solche Waren zu solchen Preisen sind wohl kaum Jemals dasewesenl Ein ungeheurer Posten wundervoller Damenmäntel, an, Karrenstoffen auf hoch- elegantem Futter, auch in groBen Weiten Ein großer Poeten scbvamr. reinwollener Frauenmäntel ganz auf elegantem Futter fmtxt nur Jede Dame, die diese Mäntel sieht, wird es kaum für möglich halten, dafi sie so einem derartigen Preise erhältlich sind. errosse Weiten. Ein grober Rosien reinwollener blauer n. schwarzer Mäniel teilweise auf reinseidenem Crepe de Chine- od-anderem eleganten Futter in kleinen Größen... getJK* tuar 10 Ein sehr groSor Porten Velooflne- iflelder In vorjligl. Stoffen o. Machart, langSrmellg, l.SScrien tciMt sassr SO.-. 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Diese Bäder blühten in ver- schiedenen Monaten. Und zwar alle gerade jetzt nicht. Eine Januarschönheit konnte mich im Juli nicht berauschen. Nur ein Bad behauptete, es sei nicht wie diese. Es sei ungewöhnlich, extra- ordinäre, und man müsse es genießen. Ich dachte und dachte. Es war gedruckt, das sprach gegen die Wahrheit der Behauptung. Aber die Behauptung war kühn; wenn das Bild nur halb so kühn war wie die Behauptung, mußte sich die Reise lohnen. Der Ort hieß Iuan-les-Pins. Das ist ein wildromantischer, spanisch-brigantisch-italienischer Name. Juan wie Don Juan, und unter den Pinien— und das am Mittel- ländischen Meer, am halbtropischen Ozean. Ich sagte in Marseille zum Concierge, zum chotelportier:„Ich will nach Iuan-les-Pins." Da leuchteten seine Augen auf; er hatte nichts verstanden. Er wies mich an den Chef-Interpreter Das ist der Dolmetsch des Hotels, der alle Sprachen falsch spricht, dies aber fließend. Ich sagte:„Ich will nach Iuan-les-Pins." Er antwortet« auf englisch:„Ihre Sorgen möchte ich haben." Ich fragte auf italienisch zurück:„Wieso?" Er fiel in Ohnmacht, stammelte serbisch, was ich über die kalte Schulter anhörte und fragte in strömendem Deutsch, wie weit es. rund und kugelig gerechnet, nach Iuan-les- Pins wäre, dennoch und um zum Schluß zu kommen. Dies versetzte ihn in den kuriosesten Zustand Marseilles. Cr tat etwas, was ich ihm mein Lebtag nicht vergessen werde. Er glotzte mich an, entblößte seine prominenten Borderzähne, zeigte zwei tadellose Eckzähne und rechts und links je einen fehlenden ersten oberen Backzahn, zugleich wippte er mit der Zunge, umtanzte mich. Es war ein jüngerer, kleinerer Mann mit leicht angegrautem Haar, überaus lebendig, flink, fix, die Wiedergeburt einer Eidechse in Jdealkonkurrenz mit einem Wiesel und, in Anbetracht seines leisen Ganges, vom Geist einer Blindschleiche. Er hatte olles erwartet, das sagte er. Er wußte schon, wie ich ankam, eintraf, in den Hotelwagen stieg, ich würde nach Juan fahren. Es fährt alles nach Juan. Es sind noch zwei Engländer da, beiderlei Geschlechts, die fahren auch nach Juan. Jetzt in einer Stunde. Der Zug fährt bald, der Bahnhof muß ausgesucht werden und so weiter. Er sprang um mich, entriß mir den Koffer, meine Aktenmappe, meine Besinnung, meine Denkfähigkeit, stürzte, noch im Hotel- vestibül, aus einen männlichen und weiblichen Engländer, tat ihnen wie mir. Dann trieb er uns, jagte, transportierte uns in den Hotelwagen. Bor dem Bahnhof scheuchte er uns aus dem Wagen, stellte uns an die Mauer des Bahnhofs und hieß uns warten. Wir sahen unser Gepäck in den Bahnhof hinein verschwinden. Ab und zu flitzte der Chef-Interpreter durch eine Türe heraus, sah, ob wir noch an der Mauer warteten, wippte mit der Zunge, zeigte zwei prominente Eckzähne, je einen. Plötzlich— wir warteten apathisch— erschien er, redete uns gut ztr, auf portugiesisch, hlnvufionisch, und ? einem Seebad wir wurden auf einen Bahnsteig eskortiert, in ein Zugabteil gedrängt. Wir mußten an ihn, an Gepäckträger und eine Unzahl Menschen, die sich plötzlich anfanden, viel Geld bezahlen, wir wußten gar nicht warum, wofür Wir kamen erst im Zug zu uns und fanden uns im richtigen Abteil, im richtigen Wagen nach Iuan-les- Pins: er hatte es besorgt. Ein Stein fiel uns vom Herzen; die Fahrt geht so leicht vonstatten. Nach Iuan-les-Pins fuhr ich von Cannes mit einem bequemen Wagen. Und da es Mittag und heiß war, setzte ich mich in Juan in eine Art Cafe vor die Tür und wollte etwas trinken. Es kam aber niemand. Sie hatten mich vergessen oder gar nicht bemerkt. Es gingen allerlei solide Leute vorbei; ich begriff nicht, was das mit Juan zu tun hatte. Dann trat«in Kellner hervor Ich ver- langte Eis; er hatte keins, brachte Bier. Oh, Gott an diesem Ort Bier. Eine große Flasche, zur Hälfte leer; zur anderen mußte ich sie austrinken: er goß sie in mein Glas. Niemals hat die subtropische Sonn« solch Bier gesehen. Ich ging an den Strand. Der war da, sehr schmal. Es waren auch Pinien da. Aber welche Menschen umfingen mich, nach dem Bier. Eine Dame sagte:„Er glaubt, erst ist er grob, und nachher ist es abgetan." Auf deutsch. Eine andere:„Auf so etwas fall' ich schon lange nicht rein." Dann österrcichelte es. Erst wenig. Dana immer mehr. Bis es slawisch wurde und nun nicht zu holten war. Wo ist Spanien, Don Juan? Wo ist wenigstens Frankreich? Ich will hier übernachten. Dieleicht enthüllt die Nacht alles. Und man führte mich in ein Zimmer. Ein Gazenetz war um das Bett angebracht, das sah sehr reizvoll aus. Jungfräulich. Man flüstert« mir schelmisch und schamhaft zu, das fei hier am Ort nötig. Ich verstehe. Ich verstand. Wir werden also sehen. Ich legte mich erwartungsschwonger hin, zog die Gaze um mich, aber nicht zu fest. Ilnd es kam. In der Nacht. Heimlich. Leise. Auf Flügeln des Gesanges. Es berührte mich an der Hand. Es tupft« mich an der Stirn. Es gab mir Winke am Fuß. Am Knie. Schließlich fiel es«ntschlosien über mein Gesicht her, bedeckte meine Lippen. Mücken. Mücken. Lauter Mücken. Sogenannte Moustiques. Summendes Kleinvieh. Zugleich fuhr ich hoch. Es vollzogen sich Ding« auf der Straße. Es fuhren Wagen. Autos. Autos fuhren. Sie fuhren. Nein, sie fahren. Man kann von ihnen nur im Präsens sprechen. Sie fahren immerfort. Es ist die Straße Cannes— Nizza. Die Autos haben Hupen. Es ist unsagbar, was sie damit tun. Sie blasen, sie röcheln, krähen, schluchzen, näseln, schnüffeln, gurgeln, schreien. Und zwar im Präsens, immerfort. Es fährt auch eine Eisenbahn hier; eine ganz nette Kleinbahn, dann eine Großbahn. Eine Elektrische, ein Autobus. Ich bemerkt« Hühner. Sie künden den Tag an; ich habe von der Nacht nichts gemerkt. Berstört wankte ich morgens auf die Straße. Wie rette ich mein Leben. Wie komme ich auf dem raschesten Wege in eine größere Großstadt so um sechs Millionen, um Ruhe zu höben?' � �Iuan-les-Pins. 5/ 1 Alfred Arna: Der �roße Andrang ist vorüber. Die Kofserberge, die brüllenden Kinder mit den dazugehörigen Ellern füllen nichl mehr die Bahn- steige kleiner Seebäder oder Gcbirgsturorte.„Kinder immer hübsch bei Vätern bleiben, EmUie, Host du auch alles"— natürlich hat Emilie nicht alles—„Ruhe, nur immer Ruhe!" alle diese oder ähnlich« Manifestationen menschlicher Nervosität beim Anblick eines in die Halle donnernden Schnellzuges sind verstummt. Ruhe ist ein- gekehrt, allerdings nur scheinbar, denn hinter der Maske erhabener Würde verbirgt sich mühsam ein verkrampft pochendes Herz. Jetzt reisen nur noch seriöse Leute mit Titel oder Scheckbuch in der Brusttasche, Leute, die so etwas wie ein« Persönlichkeit im gesicherten Leben vorstellen. „Gott sei Dank, ein paar Tage Ruhe!"—„Was glauben Sie, gnädige Frau, was wir gelitten haben, täglich dieses Kinder- geschrei, es war nicht mehr aüszuhalten. Im nächsten Jahr legt mein Mann bestimmt den Urlaub später. Cr kann es machen, wie es ihm beliebt, bei seiner Stellung!" Erhaben wippt das Stumpfnäschen. Im nächsten Jahr wird der Urlaub zur selben Zell angetreten. Man weiß nämlich nie, wie sich andere Monate be- nehmen, und dann ist man es seinen tiefer rangierten Kollegen, etwa so einem kleinen Regierungsrat mit unnatürlich erweiterter Familie schuldig, daß man auch in der Urlaubsliste die erste Stelle einnimmt, auch wenn man den Mai oder den August in seinem Privatleben bevorzugt. Portiers werden durch Platzkartenbestcllungen an den Rand des Wahnsinns getrieben, mag«ine Sommerfrische noch so klein sein, immer steht da ein D-Wagen, der an dieser Haltestelle oder ein paar Stationen weiter an den Transitzug zur Metropole an- gehängt wird. Monatsfreundschaften scheinen um der Eckplätze willen definttiv in die Brüche zu gehen.„Natürlich muß sich dieser Meyer, dieser widerliche Unterhosenkonfektionär, mit seiner dicken Frau am Fenster lümmeln, während ich, bedeutender Mann der Verwaltung, gezwungen bin, an der Korridortür zu logieren. Früher herrschte eben Gerechtigkeit!" Vergessen die ewigen Freundschastsbeteuerungen, die geselligen Skatabcnde, die Reunions mit ihren Einladungen! Der Herbst naht. Noch immer ist die Konjunktur flau, aber es gilt, kunstseidene Schlüpfer i]a Bcmberg gegen pelzgefütterte«in- zutauschen. Weihnachten steht schon beinahe vor der Tür mit ge« bieterisch pochendem Zeigefinger. Was alles das Geschäft von einem anständigen Bürger verlangt! Na, die Wechsel können wenig- stens nach dem neuesten Rapport des treuen Prokuristen aus der Well geschafft werden. Schlimm war der Saijonausverkauf nicht! Und in der Kanzlei ist auch alles gut gegangen. Hoffentlich Hai aber dieser unanständig« Butgereit nicht gezeigt, daß ich eigentlich über- flüssig bin. Na, Fehler wird man ihm schon nachweisen können. Schließlich muß auch die Rangleiter der Stellungen«ingehalten werden! „Es war herrlich, kann ich Ihnen nur versichern. Schrecklich, daß man in den Sklavenketten eines Berufs leben muß. Immer müßte man auf den Bergen nach Edelweiß suchen!"—„Nein, da irren«ie sich, werter Herr Kollege, man sollte wie«in Fisch ständig im Meere umherschwimmen, in diesem göttlichen blauen Meer!" Blau ist übrigens auch die Farbe der Aktendeckel. „Chauffeur. Chauffeur!"— Zu Haufe findet man ein««in- gemottet« Wohnung vor. Peinlicher Fall! Doch trotzdem, wie rest- los glücklich ist manl Schön, man ist einem Tennisball nach- gelaufen, man hat sogar Berge erstiegen, oder das Meer durch mehr oder minder geglückt« Kopfsprünge beunruhigt. Eine schöne Frau, nielleicht aus Dollarien, beschenkte uns mit einem kurzen, kritischen Blick! Unersätzliche Wonnen! In der Gesellschaft erzähll man,„mit Lord Liontail speiste ich jeden Tag zusammen,-er erzählle mir große Dinge über Weltpolitik, ich darf darüber nicht sprechen!" Als unbekanntes, kleines Etgubkörnchen liegt man am Wege. Größere traten achtlos darauf. Wo blieb die Würde, die man in der Heimatstadt oder in dem Heimatbezirk mühsam errungen hat? Nur nicht denken an die Relativität der Werttingen.„Na, diesem oerückten, amerikanischen Milliardär, dem Hab ich s gehörig ge- geben!" Und, wer weiß etwas in Poscmuckel von ersterbenden Blicken! Ja, man ist es sich eben schuldig, in die Sommerfrische zu gehen. Was sollten sonst die Leute denken? Und man ist schon beim Anblick des Heimatbahnhofs überwältigt von einer Rührung, die man nicht bekämpfen kann, denn hier ist man wieder ein wich- tiger Bestandteil, sogar ein beinahe unersetzlicher, der menschlichen Gesellschaft.__ Sier umflriUene höchfle Slock Der Pariser Geineinderat hat sich soeben mit einer Einrichtung befassen müssen, die für die Organisation des Lebens der Mittel- klassen in der Stadt charakteristisch ist und die seit langem als eine Gefahr für die Gesundheit sowohl wie für die Moral einer ganzen Gruppe von Personen gilt. In fast allen Pariser Miethäusern sind die Räume für die Dienstboten nicht im selben Stock, sondern eng zusammengegrängt in dem Stockwerk unter dem Dach, kall im Winter und heiß im Sommer. Dadurch sparen die Hauswirt« zwar Raum für die Mietwohnungen der anderen Stockwerk« und erzielen höher« Mieten, aber die Zustände, die sich ergeben, sind höchst bedenklich. Es wurde nun wenigstens beschlossen, keine Räume meyr für die Unterbringung von Dienstboten zuzulassen, die keine Fenster oder nur Oberlicht haben—«in Fortschritt, der wenigstens die Gesundheit fördern wird. Ulan lälotvierl auch Aale Fragen der Tierwanderungen und der Tierverbreitung können in vielen Fällen nur dann gelöst werden, wenn man möglichst viele Tiere einfängt, sie mit einem Zeichen, einer„Marke" versieht und dann wieder in Freiheit setzt. Werden solche markierte Tiere später wieder«ingefangen, so kann man sich ein Bild von ihren Wände- rungen machen. Vögel werden bekanntlich mit Hilfe leichter, numerierter Aluminiumringe markiert, und bei Fischen sind viel- fach Metallmarken gebräuchlich, lieber eine neue Methode, Fische kenntlich zu machen, wird jetzt in der„Fi-hing Gazette" berichtet, nnd zwar handell«s sich hier um die Markierung von Aalen, die bekanntlich große Wanderungen aus den Süßwassern des Festlandes in den Atlantischen Ozean hinaus unternehmen. Di« Aale werden auf der Bauchhaut mit chinesischer Tusche tätowiert, nachdem zuvor der Schleim durch Reiben mit Talkpulver entfernt worden sst. Die Markierung wird mtt Tätowiernadeln vorgenommen, mit deren Hilfe Tusche in die kleinen Hautwunden gerieben wird; oder man zieht mit Tusch« getränkte Fäden durch die Haut und erhäll dadurch bestimmte Kennzeichnungen, die die Identtfizierung wiedergesangener Aale sicher ermöglicht. je.ULVarnn: 3)1 C SEUlS Emsig- hastendes Leben herrscht am Hafenplatz. Da rollen hochbeladene Fuhrwerke zwischen Kisten, Fässern und Ballen hin- durch, ein Lastauto rattert über das Steinpflaster, der Motor dröhnt, Arbetter eilen hin und her, schwere eiserne Krane greifen wie mit Spinnenfingern in die Luft und aus den vielen Kähnen, die im Wasser dicht beieinanderliegen, zerren Menschen Frachtgut über die Decksplanken und schaffen und arbeiten. Hier ist kein Platz für Müßiggänger, und als ich«inen Bootsmann in blauer Bluse an- halte und frage, ob man sich vielleicht mal eine Zille ansehen könnte, sieht er mich erstaunt und verwundert an.„Eine Zille?!" meint er schließlich.„Nun ja," entgegne ich und weise auf die im Hasen liegenden Kähne,„sind dos keine Zillen?"—„Nee," lacht «r jetzt,„aber dos sagen Sie mal den Leuten, die da drauf sind!" In einem kleinen Lokal, in dem fast nur Schiffer verkehren, sitzen wir dami zusammen, und er erzählt mir, daß es„richtig- gehende Zillen", wie sie früher auf der Spree fuhren und wie sie unsere Väter und Großväter noch gut kannten, bald überhaupt nicht mehr zu sehen geben wird. Die Dampfer und die Eisen- kähne, die geschleppt werden, haben die alte Zill« verdrängt. In früheren Iahren wurden Zillen fast ausschließlich in Böhmen aus Tonnenholz gebaut. Sehr leicht mußte solch ein Wasserfahrzeug sein, das zum Transport von Obst benutzt und nach Löschung der Ladung für 300 bis 1500 Mark verkauft wurde, um auf den märkischen Gewässern weiter zur Schiffahrt verwendet zu werden. Nach dem Kriege jedoch sind die Zillen, d-e durch den eigentümlichen, charakteristisch gewölbten Bug kenntlich sind, sehr, sehr sellen geworden und fast ganz ausgestorben. Die wenigen, die noch existieren, fahren meist Sand, Steine oder Schutt. Die anderen, die noch immer zur Saison aus Böhmen kommen, werden, weim sie alt sind, als Brennholz verkauft.?lls Schleppkähne können die Zillen oder, wie der Berliner sagt,„Aeppclkähnc" über- Haupt nicht gebraucht werden. Sie sind weder widerstandsfähig genug, noch können sie genügend ausgenutzt werden. Ihr Tonnen- geholt ist zu gering, und ein Holzkahn, der im Höchstfall« bis zu 200 Tonnen faßt, rentiert sich selbst auf Binnengewässern nicht Mehr. Als wir abends wieder am Hafen stehen, zeigt mir mein Boots- mann eine alte und, wie er versichert,„richtiggehende" Zille. Hinten ist der kleine enge Wohnraum und die Küche. Kaum wagt man, sich umzuwenden, und doch ist jedes Stückchen Platz raffiniert ausgenutzt. Hier unten ist das Reich der Frau des Bootseigners. Oben arbeiten die Männer, sämtlich Familienmitglieder; sie stemmen die Schultern gegen das obere mtt einem Griff versehene Ende der langen Staken, die fest in den Flußgrund«ingebohrt werden. Lang- sam schreiten sie auf dem schmalen Laufbrett an der Längssette des Kahnes dahin. Schritt für Schritt schieben sie ihr Boot mit unsäg- licher Mühe vorwärts. Am Ufer kann man bequem mitgehen. Sind die Männer auf dem hinteren Bootsteil angelangt, dann werden die Staaken herausgezogen, wieder nach vorn gebracht und die alt« Arbeit beginnt von neuem. Swnden um Stunden. Abends legt man irgendwo an und geht todmüde zur Ruhe. Nur manch- mal muh man Dampferhilfe in Anspruch nehmen, aber dos geschieht höchst selten, denn das Dampfergcld ist nicht billig und der Verdienst auf der Zille gering. Ich blick« über das weite Hafenbecken» das tot und stA daliegt. Dann schüttele ich den Kopf:„Das ist nicht jedermanns Sache!"— „Gewiß nicht," lacht der junge Bootsmann.„Auf den Eisenkähncn ist's leichter. Aber mein Vater hat auch solch einen Aeppelkahn gehabt, und ich habe gern darauf gearbeitet. Man war sein freier Herr, war Kapitän, und wenn auch bloß Kapitän von einer Zille!" Gefahren des Cocktails Mit größter Schärfe haben Dr. Guillain und Professor Sergent vor der.Academie de tnedicine in Paris»die Cocktailmod« als eine Gefahr ersten Ranges verurteilt. Guillain hat dabei fest- gestellt, daß der Alkoholismus mit nervösen Folgeerscheinungen in den Kreisen der minderbemittelten Bevölkerung immer seltener würde, während seine reiche Klientel in immer höherem Maß davon befallen werde. Die Aerzt« bcobachtetcis namentlich bei den jungen Leuten immer wieder Verdauungsstörungen, Herzaffektionen, schwere nervös« Anfälle, Lebererkrankungen, Magenkrämpfe, Schlaflosigkeit und Depressionen, im Fall fortgesetzter Vergiftung einen Zustand ständiger Ueberreizthett, impulsiver und cholerischer Reaktionen. Zahlreiche Automobilunfälle seien auf die Unregelmäßigkett der psychomotorischen Funktionen zurückzuführen. Weiterhin müssen die Arzte epileptische Anfälle und andere Leiden auf das Konto dieses aus den angelsächsischen Ländern übernommenen Mode- gctränks setzen. Dr. Finot hat'berechnet, daß ein Glas Cocktail, das 75 Kubikzentimeter Flüssigkeit enthält, bei jeder Mischung, gleich welcher Art, 36 Gramm Alkohol enthätt, das heißt, daß die modernen jungen Leute, die einen Tagesverbrauch von vier Gläsern haben, 150 Gramm Alkohol in sich aufnehmen. Die Wissensdiastler, die sich mit dem Problem des Alkoholismus befaßt haben, billigen einem Mann von normaler Konstitution höchstens 8 bis 14 Gramm Alkohol täglich zu. Andererseits sind die Alkoholika, die zur Ve- reitung eines Cocktails dienen, Gin und Whisky, aus Getreide gewonnen und übertreffen an Giftigkett den im Wein oder Apfel- wein enthaltenen Alkohol um ein Erhebliches. Wenn man dazu nimmt, daß sich die Jugend mehr und mehr daran gewöhnt, größte Anforderungen an ihren Körper zu stellen, sei es durch Ver- gnügpngen oder durch sportliche Betätigung, die doch die strengste Selbstzucht erfordern würde, so kann man nur mtt größter Sorge um die Gesundheit dieser Generation erfüllt sein. Dies« durch eine unfinnige Lebensführung geschwächten Körper der Stadtjugend bieten sich der Tuberkulose als freiwillig« Opfer dar. Wenn ein armer Teufel zum Alkohol greift, um die Nöte des Lebens zu vergessen, braucht man sich nicht zu wundern. Was aber soll man dazu sagen, daß sich die„höhere Klasse" aus Snobismus und geistiger Disziplinlosigkeit dem Alkohol in seiner schlimmsten Form ergibt? Die Akademie hat unter dem Eindruck der Vorträge«instimmig eine Warnung gegen diese für die Gesundheit überaus gejährlichen Getränke erlassen. Frankreich lieft weniger Eine Statistik, die 83 städttsche Bibliotheken in Frankreich erfaßt, ergibt«inen Rückgang von über 50 000 Büchern für 1928 gegenüber dem Vorjahre. Man nimmt an, daß Kino und Sport diesen Rückgang hervorgerujcn haben. In literarischen Kreisen wird indes auch darauf hingewiesen, daß die Bibliotheken die Neu- erscheinungen der moderneu Literatur zu stiesmütterlich behandeln. Groß-Berlin er parieinachrichten. !. Siui» Achwnz. aUctlijnjsIofReret! Sie Äoflieret der S., 9., U. und 12. ÄbteUung werden gebeten, die Eintrittskarten fitr da» Sport- hft in den Nebbergen, welches am 1». Äuanft itattfinbet. bei dem Srei». kasiierer. Genoffen Bauer. Stephanstr. 22. sofort adzubolen. 0. itrei» ttreurberg. Freitag. 9. Äugust. IZsi Uhr, erweiterte Zireisvorsiand»- sibung bei Artiger. Grimmste. 1. heule. Donnerstag, S. August: ». Lbt. Be�Irksstibrer!.Unser Weg* ift schnellstens akumholen. M.«W. rewpelb-t. Sie Barteigenoffen treffen sich ,um Werbeseft de, jtar. teil» fllr Arbeitersport und Körperpflege um 181» llbr aus dem Svortplad am isrankepark. n. ZH. Senlcllo. 20 Ubr Funltionärffdung bei Wolfs, Koiser.ssriedcich. Straffe 17Z. Morgen. Freitag 3. August: I. Abt. mi Übt wichtige ssunktionilrffffung im Gewerkschastsbau». Saal i. Es muff jeder Bezirk unbedingt nertreten sein. Z8. Abt. lorj Ubr ffunltionärslffung bei Bartusch, ssriedenstr. 88. Genossinnen und Genossen, welche noch keine Quartiere»um 10. und U. August au» gemeldet boben. werden dringend gebeten, Meldungen bis spätestens ffrei» tag. 20 llbr. im Lokal Bartusch, abgugeben. 78. Abt. Echöneberq. 20' b Ubr Isunktionärstffung im Lokal Engel, frilber Achtenhagen. Siedlung Linbenhof. Erscheinen aller ist notwendig. M.«St ssriebenon. 20 Ubr bei Stabe, Loirdiernstr. 80— Ä, Aunktiontirstbuttg und Ausgabe des Mitteilungsblattes. »enkAln. 83. Abt. 19H llbr bei Prigkow. Nicharditr. 83. ssunktionäroersamm. lvna.—»4. Abt. 19H Ubr wichtige lsunktionärffffung bei Schröder. Steinmeffstr. 82. Erscheinen unbedingt Pflicht.— 87. Abt. 191, llbr ffunk. tionärvrrsammlung bei Ziobr. 108. AM. Sipenick. 19H Ubr im Lokal von Stippekohl. Schönerlinder Str. Z, ssunktionärversammlung. Lichtenberg. 116. Abt 20 Ubr im Lokal Mohr. Neue Babnbofstr. 28. wichtige isunktionörbesprechung.— 118. Abt 191-, llbr Borftand«. und Kunltionär. stffung bei Ludewig. Prinienallee, Ecke Bosenfelder Straffe. 12«. Abt jsriedrichsielbe. 20 Ubr bei Schwort. Capriviallee U», Funktionär. stffung. Besondere Einladung erfolgt nicht. 128. NN» 130. AM. Pankow. 20 Ubr in Klemm, Bierballen. Berliner Straße, ssunktionärstbung. Achtung! Ser ssahnenverkaus für Pankow findet im Lokal des Genoffen Söder. Berliner Str. 88, statt. » 8. AM. Wir bitten alle Mitglied-r um Beteiligung am Volksfest de» Reichs- banner, Schwarg-Rot-Gold am 10. August um 18 Uhr im lila», am 11. August nachmittags In Carlsbos. Eintritt für Erwachsene 80 Pf.. Sinder frei. Weiter werden die Mitglieder aufgefordert, am Sonntag, dem 11. August. 9 Ubr, im Sleinen Tiergarten die Samburger Same. raden»u begrüßen und gemeinsam an der Demonstration im Lustgarten teildunebmen. Zungsozialistische Vereinigung. Gruppe Gide». Ter Gruppenabend fällt wegen de» Znsormationsabend» aus. Genosse Schul» spricht über klassisches oder GesinnungstheaterZ" im Jugendheim Yorckstr. 11. ArbÄlsgemeiaschaft der Siuderfreunde. Geschäst»ft«1le. Wegen Renovierung bleibt die Geschäktsstrlle am ssreitaz. dem 9. August, noch geschlossen. Weiteres, bitte„Vorwärts� beachten. Gruppe Treptow. Die Gruppe spielt jefft wieder Dienstags und Donners- tag» von 17—19 Uhr auf der Wiese. Tresspunlt»um gemeinsamen Abmarsch 1619 Uhr an der Wildenbruch- Ecke Eraeffstraße. Ortegruppe Friedrichebageu. Gruvpenversommlung ssreitag. 9. Auguit. 17 Uhr. Tagesordnung: Der II. August. Unlere Arbeit in den nächsten Wo. naten. Volksfest am 1. September, ssahrt nach Berkenbrilck. Aussprache. Papier und Bleiftiit mitbringen. Srei» Sreuzberg. Alle Keller sind»ur Besprechung de, Svortplaßseste? am Donnerstag, dem 8- August, 2019 Uhr, auf dem Urtanvlaff. Srei» Reulöl». Leute. Donnerstag, 17—18 Ubr. Sprechstunde in der Vo- rocke Gangboserstraße. Alle Gruppen müssen wegen einer wichtigen Besprechung erscheinen und müssen all! Abrechnungen erledigt werden, j Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Ofgamslj.'ionJ 22. Abt Unser Parteigenosse Kirsch ist'perstorben. Ehre seinem Andenke«. Einäscherung Freitag, 9. August. 12 Uhr, im Srema'orium Gerichtstraße. wrttrrbrrlchl der öffenllichra wellrrdieostssr'!- Berlin und Uwgezend. (Nachdruck verboten.) Etwa« Bewölkungszunabme, wenig Wäimeändeiling: trocken.— Zstr veustchland: In Lest- und Mitleldeuischlcmd kühler, im Lüden und Osten keine llenderung. TUcaUc. Cidilspiele usw. »'/, Uhr Barl».»25« Orlx. 3 FrateUlnl a»w. Tägl. 5 u.»15 Sanol. 2.3i 8» Alttx. C. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE CASINO"THEATER LothrlnOCT>tr«>«»7._ wieder-Erotfnung Freiing, den 16. August S1/» Uhr mit dem neuen Schlager Wem aeMrt nmlii Mann! u. einem erstkl. bunten Programm D.I. Norden 12310 8U» Ende gegen II Die Fledermaos Musik v.joh. StrauB. Regie: Max Reinhardt Musik. Einrichtung E. W. Korngold. UK Ausstattg einer Die Komödie J1 Bl$mck.2414/7516 8 U, Ende geg. 10 U. Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell um Mitchell Regle: leootine Segen 'Veepeuimea1 tot«.UillST Nur 4roS.B«rllii Al«*euderel*f». Theat. d. Westens Täglich 8'/. Uhr Sonntag« u. 8'U Frenz Lebers WcUerlolgl Friederike Carola Willy Thunis, Telephon Stelnplau «931 u. 5121 mat.iaiRoiik.T8r Kottb. Str. t JF Tägl. 8 Uhr üfiff Eilte- flj Sänger ■ Die Aatust- Scnsatioo Urippke't tat der Sommerfrische Rose- Thcnler, Orobe Frankfurter Str. 103. Vom 5 bU 8. August, tägl. 8.15 Uhr: KwOICScausaem«! Schauspiel in 3 Akten von Braoo Frank. OEArtenbOhne Rhalnlsches Wlnxerfes». Tan* Im Freien von 4 Uhr an BlG*«nf«uenwerk Erstklassige* Variete 815 Uhr: .Bis irdh um tonfe" mit der Musik von Paul Unke. Netropoi-TD. Tägl. 8Vi Uhr Sonntags 4 u. SV» Blaubarl Operette von Odenbach Kamoiersänger Wallir llrehhaff Ab Sonnabend VMaraaltreiao Kammer«, Ua Hank fStaatsoper Wien) Planeiariimi »«ran MimtUa»lab 6.5 Barbarossa 5578 I6V« Uhr Starsbilder da» Sommsra ir/,U. Von Pol r» P#l au Starnaakluual 20'/, Uhr Dar Olattwli Tägl.auBer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder 50 Pf. Minw.: Erwachsene 50 Pt Kinder 25 Pf Utar 0.T5 Liter 0.80 Liter O.SO Liter 0.85 Echte Südntcine(unversdmUen) Tnrrafronn, ettO. rot. 1«»/,••«••••« Tsrraaronn,«OB. extm. Mnlaa". dunkel. eOB, 18»/,».»»»».. Mnlaun, eOB, eztrn... 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