BERLIN Somierstag S. August 1929 10 pk. Nr. 36» SltSZ 46. Jahrgang. erscheiattS0 000 angenommen, mährend die durchschnittliche Jahreszifser der letzten sechs Jahre 790 000 betrug. Auf Grund dics«r absichtlich übersteigerten Zahl der Unterstützungsempfänger hat man dann zu„sparen" versucht. Man hat erklärt, daß. da also das jährliche Defizit 280 Millionen betrage, ein ebenso großer Betrag eingespart werden müsse. Man hat ein- gespart, indem man die L e i st u n g« n abbaute. Bon dem zwangsläusigen Abbau der Leistungen während der Inflation abgesehen, gibt es in der Geschichte der Sozialversicherung in Deutschland oder in einem beliebigen gnderen Lande der Welt kein Beispiel für einen Abbau der Leistungen aus der Sozialversicherung. Wilhelm II. hat einmal das bekannte Wort geprägt, das so viel böses Blut erzeugt hat. von der vollen Kompottschüssel. Er hat damit gemeint, daß schon genug geschehen sei für die Arbeiter. Zlber selbst dem mit den schlimmsten Scharfmachern befreundeten ehemaligen Kaiser ist es nicht eingefallen, aus der„Kompottschüssel" wieder etwas herauszunehmen. Nichts anderes aber verlangt die Bereinigung der Deutschen Arbeit- geberverbände von den bürgerlichen Parteien bei der angeblichen Reform der Arbeitslosenversicherung. Man will den Arbeitern und Angestellten nicht nur wohlerworben« Rechte nehmen. Kein An- gestellter und kein Arbeiter ist heute infolge der Rationalisierung sicher, ob er nicht morgen als Arbeitsloser auf der Straße liegt. Die deutschen Unternehmer haben sich amerikanisiert. Nicht nur weil sie das fließende Band un andere ähnliche Dinge von den amerikanischen Unternehmern übernommen haben. Sie haben von den amerikanischen Unternehmern auch das ruckweise hereinnehmen und Abstoßen von Arbeitskräften übernommen, l- nach dem augenblicklichen Stand der Austräge. Der konjunkturell- Ausgleich innerbalb der Betriebe ist verschwunden Nicht über- nommen haben die deutschen Unternehmer von ihren amerikanischen Kollegen das System der h o h e n L ö h n e. das dem Arbeiter und Angestellten auch während einer Periode der Arbeitslosigkeit über o,e schlimmsten Zelten Kinweghilst und durch die Erhaltung der Kaufkraft gleichzeitig den Wiederaufstieg der Konjunktur erleichtert. Ohne ein« leistungsfähige und ausgebaute Arbeitslosenversicherung und Arbeitslosenvermittlung würden in Deutschland ganz unmöglichen Zuständen zutreiben. Die deutschen Unternehmer sind so wenig ge- neigt, das System der hohen Löhne zu übernehmen, daß sie es bei der angeblichen Reform der Arbeitslosenversicherung in erster Linie darauf abgesehen haben, diesen Zweig der Sozialversicherung um- zugestalten zu einen: Kampfmittel gegen die Gewerkschaften und zur herabdrückung der Löhne und Gehälter. Die Vorschläge der Sachverständigenkommissum, die unter dem Jlehl Stock- merke und kein Senfler. größte Sierkühlhaus der Welt, am SSertlner Oflhafeu, wurde in Stetrieb genommen. 8.» kann Jecha ITHlUonen 8ier aufnehmen. „Hasardeure oder Idioten." Der linkskommumstisch«„Volkswille" des früheren Reichstags- abgordneten Urbohns schreibt auf Grund eigener Informationen über die kommunistischen Pläne zum 11. August das folgende: „In der Sitzung des Antikriegskomitees am vorigen Freitag hat Wilhelm Pieck die nächsten„strategischen" Ziele der KPD. auf- gezeigt. Die nächste Aktion, welche die KPD. ihrem Komitee setzt, ist die Bekämpfung des Reichsbanneraufmarsches am 11. A u g u st. Wir wollen annehmen, daß Wilhelm Pieck, der Referent, das Maul reichlich voll genommen hat, als er er- klärte, daß das Reichsbanner ebenso empfangen werden müsse wie der Stahlhelm. Aber für die ullralinke Einstellung der jetzigen „Führung" der KPD. ist dieser Ausspruch bezeichnend. hofsen/lich macht es Pieck dann nicht ebenso wie der große Leow, der gewesene Vorsitzende des RFB., der zunächst mit der Polizei felne Abmachungen über den Aufmarsch am 1. August lrifsl, und dann In sicherer Position Im Lustgarten die Arbeiter gegen die Polizei, dfe„Blulhunde, Ar- beilerfchlöchler" usw. ausputscht. Sollte die KPD. etwa den Aufmarsch des Reichsbanners so„ver- hindern" wollen, wie es Pieck gesagt hat, dann muß die KPD. auf den energischen Widerstand aller klasienbewußten Arbeiter stoßen. Auf diese Weise würde nur den Reformisten weiteres Master auf die Mühlen geleitet werden. Die SPD.-Arbeiter sind heute noch überzeugte Kämpfer für die Druck der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbänd« zustande gekommen sind, lassen die unteren sechs Lohngruppen in der Arbeits- loscnversicherung ungeschoren. Aber die Unterstützungssätze in den Lohnklassen über 36 M. wöchentlich sollen abgebaut werden. Dabei ist zu bemerken, daß jetzt schon diese oberen Lohn- klassen sin der Arbeitslosenversicherung benachteiligt sind, weil der prozentuale Unterstützungssatz in den oberen tohnklasten ein erheblich niedriger ist als in den unteren. Während in den untersten Lohnklassen die Unterstützung 75 Praz. des Lohnes beträgt, sinkt sie in den vier obersten Lohnklossen auf S5 Proz. Es ist also gar nicht wahr, wenn behauptet wird, daß die unteren Lohnklassen zugunsten der oberen Lohnklassen benachteiligt seien. Nein! Bei der Arbeitslosenversicherung geht es nicht nur um die moralisch und politisch unmögliche Zurückschraubung der Sozialversicherung überhaupt. E» geht gleichzeitig gegen die Löhne und Gehälter der Angestellten und Arbeiter. Die Sozialdemokratische Partei hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie eine derartige„Sozialpolitik" nicht mitmachen kann. Verfassung und die Republik. Sie sind von der Richtigkeit des reformistischen Weges überzeugt. Sie in dieser Situation mit prügeln zum Klassenkamps zurückführen zu wollen, das können nur Idioten oder Hasardeure vorschlagen." Ungeachtet dieser Warnungen von linkskommunistischer Seite setzt die tollgewordene Bezirksleitung und die gleichfalls sich wie tobsüchtig gebärdende„Rote Fahne" ihr Treiben fort. Die Be- zirksleitung erläßt einen Aufruf, in dem das Reichsbanner als „Schutzgarde der Kapitalistenklasse" bezeichnet und ihm sowie der Sozialdemokratischen Partei die Absicht angedichtet wird, ein Blut- bad unter den Arbeitern anzurichten. Frauen und Kinder seien in Gefahr,„von diesen Banden niedergeschlagen zu werden". Die Verfasser dieses Aufrufs haben die Prügeleien, die in den letzten Tagen in Berlin stattfanden, selber mit Vorbedacht arrangiert. In einem Teil der Fälle kamen die Uebersallenen angesichts der ihnen entgegentretenen Uebermacht gor nicht dazu, sich zu wehren. In anderen Fällen haben sie es mit Erfolg getan. Daraus inacht nun die kommunistisch« Bezirksleitung einen Ueberfall des Reichs- bonners auf die„Arbeiterschaft". Sie tut es mit der Absicht, am 11. August noch größere Prügeleien herbeizuführen. Diese Absicht wird natürlich von der Redaktion der„Roten Fahne" mit dem größten Eifer unterstützt. Allerdings kann man sich gelegentlich nicht des Eindrucks erwehren, als ob dieser Eifer nicht echt wäre und als ob die Redakteure sich heimlich über ihre Auftrag- geber lustig machten. Solcher Verdacht steigt einem auf, wenn man Sätze liest wie z. B. diese: Das Reichsbanner ist der bewaffnete Sozialfaschisiru!?. Das Reichsbanner ist die Stahlrute der Unternehmer, mit der das Proletariat gezüchtigt wird. hinter solchen Sätzen sieht man förmlich das feixende Gesicht eines Kerls, der kein Wort von dem glaubt, was er schreibt. Aber Befehl ist Befehl. Es ist befohlen zu Hetzen, also wird gehetzt. Nur mit Entsetzen kann man sich fragen: auf welcher Geistesstuse müssen die armen Teufel stehen, die solches lesen und glauben? Gibt es der- gleichen überhaupt? Gleichviel! Es ist in Deutschland nicht so wie in Ruhland, wo nur eine Pa r t e i demonstrieren darf. Was würde wohl i n Moskau geschehen, wenn jemand daran dächte, ein offizielles Fest der Sowjetrepublik zu stören? Die Republikaner geben jeder Partei das Recht, ungestört zu demonstrieren, auch— wie das Beispiel vom 1. August gezeigt hat— den Kommunisten. Dafür aber nehmen sie auch für sich selber das Recht in An- fpruch, ungestört demonstrieren zu dürfen. Dieses Recht werden sie am 11. August mühelos durchsetzen. Toren, die glauben, man könne sie daran hindern, werden sich die Folgen selber zuzuschreiben haben. Stresemann besucht Vriand. Hilferding bei Snowden. Haag, 8. August. die Sitzungen der beiden Kommissionen heute erst am Nach- ..uttag beginnen, wurde der Vormittag zu privaten Besprechun- gen der verschiedenen Delegierten benutzt Reichsminister Dr. Stresemonn sucht« den französischen Ministerpräsidenten B r i a n d um 10.30 Uhr im Hotel des Indes auf wo etwa ein« halbe Stunde später auch Benizelos eintraf. Die Besprechungen dauerten etwa eine Stunde. Inzwischen hatte Reichsminister Dr. Hilferding den belgischen Delegierten und früheren Finanzminister Franqui empfangen, mit dem er etwa eine halbstündige Unter- Haltung führte: anschließend begab sich der Minister zum englischen Finanzminister Snowden. Ferner fanden verschiedene Be- sprechungen der Fachminister der Delegationen unter sich statt. Konirollkommission ohne Kontrolle. Französische Verhandlungsfühler./ Saarfrage angeschnitten Paris, 8 August.(Eigenbericht.) Die Pariser Morgenpresie gibt übereinstimmend der Auf- fassung Ausdruck, daß die Haager Konferenz mit der Einsetzung der Kommissionen aus der Sackgasse heraus fei Tier Opposition Snowdens gegen den Doung-Plan sei mit der Einsetzung dieser Kommissionen die Spitze abgebrochen. Snowden sei jetzt genötigt, seine negative Krttik durch aufbauende Vorschläge zu ergänzen, die die Zustimmung aller am Doung-Plan interessierten Mächte finden müßten. Angesichts der glänzenden Isolierung, in die sich Snowden hineinmanöveriert habe, sei ihm aber kein großer Erfolg zu prophezeien. Die Zustimmung Vriands zur fosortigen Bildung der politischen Kommission wird als ein großes Zugeständnis an Deutschland hingestellt. Allerdings, so bemerken die Blätter, sei die Verwirklichung der Be- schlüss« dieser Kommission von einer Einigung über den Poung- Plan abhängig. Das absolute Recht Deutschlands auf die Räumung des Rheinlandes— meint Sauerwein im„Malin"— sei also noch keineswegs anerkannt. Immerhin kündigt die Pariser Presse bereits Liv- Diklor ißergev, der amerlkanifdie Soaiallftenführer gestorben. jetzt nähere Vorschläge Briands zur Bildung einer Feftstellungs- und Schlichtungskommission im Rheinlande an. Dieser Ausschuß soll nach dem„Journal" keineswegs Kontrollbefugnisse haben. Die Kontrolle bleibe dem Völkerbund überlassen. Der Aue- schuß soll, nach dem„Petit Parisien", entsprechend den Bestimmungen des Locarno-Vertrages bei etwaigen Konftikten schlichtend eingreifen, bevor der Völkerbund alarmiert würde. Das„Echo de Poris" teilt mit, daß di« Kommission aus 5 Mitgliedern bestehen soll, und zwar drei aus neutralen Ländern. Im Fälle der Unmöglich- keit einer Einigung über die Persönlichkeiten sei deren Ernennung durch den Schweizer Bundespräsidenten vorgesehen. Falls ein Einigungsoorschlag der Schlichtungskommission innerhalb eines Monats nicht angenommen würde, solle der Völkerbund eingreisen. Die S a a r f r a g e hat nach der Pariser Press« im Haag bereits am Mittwoch«in« Rolle gespielt. Stresemann hat nach einer Meldung des„Journal" gefordert, daß sich die politische Kommission nicht nur mit der Rheinlandräumung, sondern auch mit der Rück- gliederung�des Saargebietes befasse. Briand soll jedoch erklärt haben, daß diese Frage ein rein deutsch- französisches Problem darstelle. Stresemann soll ihn deshalb heute über die Klärung dieser Frage nähere Vorschläge unterbreiten. Die Rowdys. Täglich neue kommunistische Ueberfälle. Gestern abend sind wieder im Südosten der Stadt Reichs- bannerleule und Zugendgenossen der SAZ. von tommu- n i st i f ch e n Strolchen überfallen und übel zugerichtet worden. Zwei Mitglieder des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, die in Zivil gingen und das ReichsbanNerabzeichen trugen, wurden kurz vor Mitternacht an der Ecke Falken st ein- und Steinmetz- straße plötzlich von einer Horde Kommunisten umstellt. Die Rowdys drangen mit Schlagringen, Messern und Stalhruten auf die beiden Wehrlosen ein, die bald der Uebermacht erlagen und schwere Kopfverletzungen erlitten. Ans einer Izaustürnische wurde von einem kominunistischen Strahenräuber ein Schuß auf die Ueberfallenen abgefeuert, der glücklicherweise sein Ziel verfehlte. In- zwischen war das Ucberfallkommando alarmiert worden, bei deren Eintreffen die kommunistischen Rowdys aber schon die Flucht ergriffen hatten. Sie entkamen unerkannt. Die verletzten Reichsbannerleute erhielten auf der Rettungsstelle ö die erste Hilfe. Am Lausitzer Platz waren es zwei Iugendgenossen, die von dem kommunistischen Mob ohne jeden Grund überfallen und verprügelt wurden. Nur durch das rechtzeitige Ein- schreiten der Polizei tonnten die Ueberfallenen vor schlimmeren Folgen bewahrt bleiben. Zum Nachfolger �Lord Lloyds als Oberkommissar für Aegypten und den Sudan ist Sir Percy Loraine, der englische Gesandie in Athen, ernannt worden. Im Fall der Ratifizierung des neuen Ver- rag« zwischen England und Aegypten soll Sir Percy Loraine cnglischcr Botschafter in Kairo werden. Zeppelin wieder unterwegs. Mit 22 passaAieren nach Europa gestartet. Der Start des„Graf Zeppelin" vollzog sich vollkom- men glatt. Um 23.3S Uhr(5.3S Uhr europ. Zeit) wurden die rückwärtigen Tore der Luftschiffhalle in Lakehurst geöffnet. Um Mitternacht bestiegen die 2 2 Fluggäste das Schiff, das eine halbe Stunde später unter dem Jubel der riesigen Menge, die sich eingefunden hatte, um dem Start beizuwohnen, aus der Halle herausgezogen wurde. Als die Hallenmannschaften, amerikanische MarinetruP- Pen, die Haltetaue losließen, spielte die Stadtkapelle von Jerseh-Stadt das Teutschlandlied. Ter Luftkreuzcr über- flog wenige Minuten später L a k e h u r st und verschwand dann in Richtung New York. Kurz bevor die Startvorbereitungen begannen, wurde aus dem Luftschiff wieder ein blinder Passagier herausgeholt. n g p l ä t t- ch e n mit einer Auflage von Zinn, die durch Abdruck an echten Fünfmarkstücken in der Prägung den Originalen glichen. Die An- fertigung der Fälschungen war von dem Reichswehrsoldaten aus raffinierte Weise eingeleitet worden. Die Fälschungen wurden von verschiedenen Handwerksmeistern �besorgt, die aber alle nur nacheinander eine einzige Arbeit zu verrichten hatten. Bei den ersten wurde eine Messingröhre vom Doppelradius der Fünfmark- stücke, bei dem zweiten eine Walze bestellt, und so ging es weiter, bis endlich nach einem besonderen Versilberungsverfahren da? Falschgeld völlig dem echten Stücke glich. Neben dem Reichswehrsoldaten ist ein M e ch a n l k e r als geistiger Führer der Falschmünzer zu betrachten. Als er von den ersten Verhaftungen hörte, floh er von Kassel in ein Oertchen nahe von Marburg an der Lahn. Dort wurde er festgenommen. Ein anderer Teilhaber, Sohn eines höheren Beamten aus Kassel, wurde in Leipzig festgenommen, wo er bereits zahlreiche Stück« des falschen Geldes umgesetzt hatte. Bei einem Malerehepaar fand man bei einem überraschenden nächtlichen Einfall in die Woh- nung Werkzeuge und mehrere hundert Messingscheiben Die Fälscher, di« chren Betrug wohl organisiert hatten, schrieben sich untereinander alle möglichen Briefe mit erdachten Austrägen, um die Behörden bei einem Eingreisen in die Irr« zu führen. Die Angelegenheit hat in Kassel großes Aufsehen erregt, um so mehr, da Handwerker, die bisher im besten Ruf« standen, zu den Verhafteten zählen. Weitere Fe st nahmen sollen bevor- stehen. Benzinexplosion in der Wohnung. Eine Hausangestellte schcher verleht. Durch unvorsichtiges hantieren mit Benzin wurde heute vormittag in einer Wohnung des hause» Irakehner Straße 14 eine folgenschwere Explosion verursacht. In der Küche war die zwanzigjährige Hausangestellte Anna W e r n e r mit dem Reinigen von Kleidungsstücken beschäftigt, wozu sie Benzin verwendete, das sie in ein« Schüssel gegossen Halle. Es entwickelten sich die äußerst gefährlichen Benzin- dämpfe, die plötzlich durch das Hcrdfeuer zur Entzündung gebracht wurden. Es erfolgte eine heftige Explosion, und durch den Luftdruck wurden die Fensterscheiben zertrüm- mert. Die Hausangestellte wurde von der Stichflamme, die den Raum durchschoß, erfaßt und am ganzen Körper schwer verletzt. Die zu Hilfe gerufene Feu« r w e hr' sorgte für die Ueber- führung der Schwerverletzten ins Krankenhaus am Friedrichshain. Bombes Abschiedsbrief. „Das inhaltlose Dasein ohne»erufssreude." Der Präsident des Landgerichts III Berlin teilt folgendes mit: Der von dem Landgerichtsdirektor Bombe an mich g e- richtete Brief lautet:» „Zechliner Hütte, den 21. Juli 1920. 9.45 Uhr vormittags. An den Herrn Präsidenten des Landgerichts III in Berlin! Das abgelaufen« Lebensjahr hat eine Aenderung meiner Lage nicht gebracht. Nach meiner Ueberzeugung ist sie überhaupt nicht mehr zu erwarten. Das inhaltlose Dasein ohne Be- ruf-freude noch länger zu fristen, besteht eine Notwendigkeit nicht. Ich scheid« deshalb aus dem Leben. Mit herzlichem Dank an alle, die mir Gute» erwiesen haben, insbesondere an die Organe der Justtzoerwaltung für die letzte Bezeugung des Ver- trauens.. Bombe, Landgerichtsdirektor." 4- Das Abschiedsschreiben Bombes deutet in feinem letzten Absatz darauf hin, daß seine von der Staatsregierung in Aussicht ge- nommene Beförderung zllm Landgerichtspräsidenten ihm bekannt ge- wesen ist. Daß Bombe trotzdem aus dem Leben geschieden ist, be- weist, daß ihn sein schmerzhaftes körperliches Leiden in den Tod getrieben hat. 22 Todesopfer in Lupeny zugegeben. Oer Streit dauert an. Budapest. 8. August. Nach Blättermeldungcn aus Bukarest gibt das INinisterium des Innern die Zahl der Toten bei den Zusammenstößen in Lupeny aus 22 an und die der Verwundelen aus 65, von denen 23 schwer verwundet sind Die Truppen hatten 1Z verletzte. In Lppeny selbst konnte die Arbeit nicht wieder aufgenommen werden, da ein großer Teil der Arbeiter sich aus Furcht vor Verfolgung durch die Be- Hörden in die Wälder geflüchtet hat. Die große Zahl der verwundeten und Toten wird dadurch erklärt, daß da» Blllltär, ohne eine Schrecksaloe abzugeben, direkt in die Wenge schoß. Ver Lohnkonflikt der Arbeiter im kohlendistrikl dauert schon sechs Monate an, wobei auch von feiten der Regierung zugegeben wird, daß die Lohnverhältnisse unbedingt gebessert werden müßten. Von einigen Seiten wird hervorgehoben, daß das Arbeitsministerium schon lange zwischen Unternehmern und Arbeitern hätte vermitteln sollen. Der Untersuchungskommission, die sich sofort an Ort und Stelle begeben hat, gehören Vertreter des Kriegsministe. r i u m s. des Arbeitsministeriums und des Ministeriums des Zonern an. wie verlautet, ist es nicht ausgeschlossen, daß sich auch der Ministerpräsident, der gestern abend nach Siebenbürgen abgefahren ist. ins Streikgebiet begibt. Wenn Zugendliche Waffen haben. Ein Zungstahlhelmmann tötet seinen Kameraden. Schneidemühl, 8. August.(Eigenbericht.) Der lbjährige Handlungsschüler Heinz Peßnlck wurde von einem seiner Zungstahlhelmkameraden in der Wohnung eines anderen Stahl- Helmmannes erschossen. Hinz, ein Züngling von kaum 17 Zahren. wollte pehnick seine Waffe zeigen und erklären. Statt der in der Waffe enthaltenen neun Personen entfernte er jedoch nur acht. Plötzlich löste sich der Schuh und traf Peßnick tödlich ins herz. Hinz versuchte sich zu erschießen, wurde davon jedoch abgehalten._ Ein Bahnarbeiter totgefahren. In der vergangenen Nacht ereignete sich kurz nach 1 Uhr auf dem Bahnhof Erkner ein tödlicher Unfall. Der Bahn- Unterhaltungsarbeiter Gottlieb Krüger aus Fürstenwalde hatte, um an seine Baustelle bei Erkner zu gelangen, einen Güterzug benutzt. Bei der Durchfahrt in Erkner, wo der Zug seine Geschwin- digkeit verlangsamte, sprang er ab. Der Arbeiter kam dabei so unglücklich zu Fall, daß er unter di« Räder der nachfolgenden Waggons geriet und auf der Stelle getötet wurde. Korso der Motorradfahrer. Der Reichsverband republikanischer Motorradfahrer veranstallct anläßlich der Derfassungsseier am Sonntag vormittag 9'/> Uhr vom Klpblokal Tiergartenhos am Bahnhof Tiergarten aus eine K o r s o f a h r t. Nach der Durch- fahrt der Straße Unter den Linden nach dem Platz der Rcpub'.it nimmt der Verband an der Feier de»„Sturmvogel" in Tempelhof im Flughafen teil, wv Rundflüge über Berlin zum Preise von 4 M. stattfinden. Als Absch.uß findet am Abend ein« Feier im Lunapark statt._ Polizei und Verfassungsseier. Die Berliner Polizei ver- anstaltet am Donnerstag, dem 8. August 1929. um 15 Uhr zur Feier des Verfassungstages leichtathletijche Wettkämpfe auf dem Sportplag Süd in der Golßener Straße. Gnadenakt zum Verfaffungstag Noch 400 Soldaten im Zuchthaus wegen Kriegsvergehen. Di« Republiken älterer Trobition sorgen nicht nur dafür, dah der rtaiioiiolc Feiertag des Landes als ein Freuden- und Volkstag für die Nation gefeiert wird, sond«rn lassen auch an diesem Tage viele von denen an der Feier teilnehmen, die sich gegen die Gesetze. vergangen haben. Insbesondere feiert die französische Republik den 14. Juli dadurch, daß sie an diesem Tage �zahlreiche Begnadigungen, insbesondere von politischen Verbrechern vornimmt. Die deutsch« Republik ist an sich mit Amnestien reich gesegnet worden. In diesen Amnestien ist aber immer eine Kategorie von Straf- gefangenen ausgenommen wurden: dos sind die sogenannten Kriegsverbrecher. Unter Kriegsverbrechern sind zu verstehen diejenigen straffällig gewordenen Soldaten, die neben dem militärischen Verbrechen, z. B. das Verbrechen der Fahnenflucht, auch kriminelle Ver- brechen begangen haben. Diese kriminellen Verbrechen stellen zum größten Teil Straftaten dar, die infolge der Fahnenflucht begangen worden sind. Der Jurist hat solche Verbrechen als söge- nannte Deckungsverbrechen bezeichnet. Wollte der Fahnen- flüchtige seine Fahnenflucht durchführen, so mußte er essen, so braucht« er Transportmittel, so brauchte er Zivilkleidung. Da er sich in seiner Lage diese Dinge nicht aus legalem Wege beschaffen tonnte, so beschritt er den illegalen. Die demoralisierende Wirkung des Krieges hat auch hier leider zu manchem Gewaltakt geführt. Vierbunderi ehemalige deutsche Soldaten sitzen noch in deutschen Zuchthäusern wegen solcher im Kriege begangener Straftaten. Es ist zu wünschen, daß am Verfassungstage diese Opfer des Welt- krieoes begnadigt werden._ Zniernationale Solidarität der Buchdrucker Empfang österreichischer Zungbuchdrucker in Berlin.. Für die zu Studienzwecken in Berlin weilenden deutschöster- reichischen Jungbuchdrucker veranstaltete der Gau Berlin des Verbandes der Deutschen Buchdrucker Mittwochabend im Gewert- schaftshaus eine imposante Festversammlung. Der große Saal des Gewerkschaftshauses war entsprechend dekoriert. Die österreichischen Revolverschnauze. Ein Stierfechterlos. Qyl'J ( �rbrecKer, Unglaublich, wie sich ein derartiger Führer abmühen muß. um Sindruck auf seine Anhänger zu machen! Jungbuchdrucker haben in Berlin das Buchdruckeroerbandshaus, Buchdruckereibetriebe, Industrieanlagen, Museen usw. besichtigt. Der Abend im Gewerkschaftshaus wurde ihnen ein Erlebnis. Nach der Begrüßung der Wiener Gäste durch einen Berliner Jungbuchdrucker hielt der Gauvorjigende B r a u n die Festansprache. Die Berliner Buchdrucker seien stolz darauf, daß Jungbuchdrucker aus dem modernen Wien, aus der Stadt der Arbeit in ihrer Mitte weilen. Die deutsche Arbeiterschaft kämpft dafür, daß die Grenz- pfähle fallen. Sie wünscht den Anschluß Oesterreichs an Deutschland. Der österreichischcn Arbeiterschaft entbieten die Buchdrucker brüderliche Grüße. Der Wiener Lehrlingsleiter dankte herzlich für die erwiesene Gastfreundschaft. Musikalische Darbietungen des Typographischen Orchesters und Gesangsvorträge des Buchdruckergesangoerein»„Typographia* gaben der Feier«inen künstlerischen Rahmen. Unsere Gäste zur Verfassungsfeier. Am Freitag morgen werden weitere Gäste zur Ver» fassungsfeier in Berlin eintreffen. Es sind das 15l) Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes aus Wiener- N e u st a d t, die unter Führung des Vizebürgermeisters P i ch l e r um 7.10 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof eintreffen. Die Oesterreicher werden dort von einer Abteilung des Neuköllner Reichsbanners, die sich um 6 Uhr bei Kliems trifft, in Empfang genommen und nach ihren Quartieren begleitet. Am Freitag abend veranstaltet der Ortsverein Neutölln-Britz des Reichsbanners in Kliems Festsälen in der Hasenheide einen Begrüßungsabend, bei dem die Wiener-Neustadt- Kapelle spielen wird. Ltm-1 Llhr 31 Grad. Die geftesge HSchsttcmperatur. die 29 Grad betrug, ist bereits heute mittag gegen i Uhr um 2 Grad überschritten worden. Schon morgen ist wahrscheinlich wieder mit kühlerem Wetter zu rechne». Wetter für Verlin und Umgegend: Stark bewölkt mit Neigung zu Regenfällen und Abkühlung.— Für Deutschland: Langsames Fortschreiten der Wetterverschlechterung mit Abkühlung nach Osten hin. OesUich der Oder noch heiter und warm. Inca, Anfang August 192». Sonntag. Seit Tagen waren in Jnca und in der ganzen Umgegend die Plakate für den heutigen Stierkampf angeheftet, das Hauptsreignis der zu Ehren von San Abden und San Senen, den Schutzheiligen der Stadt, veranstaltet«» Festwoche. In vielen Läden sieht man die Photographien der sechs„wilden Stiere", die heute nachmittag zwischen S und 7 Uhr nach allen Regeln der Kunst abge- mordet werden sollen. Drei Matador« stehen bereit, Jose Royo, Melchor Delmonte und Angel Carratala. Bon diesen tritt Royo heute zum erstenmal auf.„Er wird sein« Sache nicht sehr gut machen," schreiben die Zeitungen in langen Vorbesprechungen. Die Kinder, Frauen und Greise platzen vor Neugierde auf den heutigen Kampf. Aber schon gleich beim ersten Stiergefecht gab es einen Unglücks- fall! Der 2kjährige Carratala, der schon einmal im vorigen Jahr in Logrono von einem Stier lebensgefährlich in die Brust getroffen wurde, aber— ohne recht ausgehellt zu fein— nach zweimonatiger Krankensoalruhe wieder in die Arena zurückmußte, um leben zu können, rannt« mit seinem roten Tuch, d«r„Capa", so unvorsichtig gegen den Stier, daß dieser ihn milleidlos aufspieste und Carratala blutend und bewußtlos hinausgetragen werden mußte. Der tief- schwarze Stier,„Saltador" mit Namen, der doch nur in Notwehr gehandelt hatte, wurde dann von Delmonte niedergestreckt. Kaum war jedoch der vierte von den sechs totgeweihten Stieren in d«m Arenasand verblutet, da verbreitete sich plötzlich die Nachricht unter den 10 000 Menschen, daß Carratala infolge des furchtbaren Hörnerstoßes in Agonie liege und daß er bereits die Sterbesakra- ment« bekommen habe. Draußen wartet der fünfte Stier auf seinen, Tod. Plötzlich erhebt sich der Bürgermeister von Jnca, ordnet an, der fünfte Stier möge warten. Mit lauter Stimme fordert er die in der Arena stets ungeheuer lärmende Menge auf, zu Ehren von Carratala eine Minute Schweigen zu bewahren, was genau befolgt wird. Dann empfiehlt er den Abbruch des Kampfes, wobei er das gesamte Publikum auf seiner Seite hat. Das rettet zwei Stieren für heute das Leben. Wie geschlagene Hunde ziehen 10 000 Menschen traurig und langsam ab, einige gehen zum Krankensaal des Stier- Platzes, wo sich bereits drei Aerzte lebhaft um den unglücklichen Menschen kümmern. Daneben sitzt der Pfarrer-mit den anderen Stierkämpfern. Alle beten. Dann beichtet Carratala und empfängt die letzte Oelung auf Haupt und Füße. Das Horn von„Sallador" hat«ine tiefe Wunde in den Magen geschlagen und drei weitere Wunden in den Unterleib. Die Eingeweide des Menschen hängen heraus. Ein furchtbarer Anblick. Man befürchtet auch eine schwere Blutvergiftung. Sofort wird Carratala chloroformiert und operiert. „Es ist sehr wenig Hoffnung, ihn zu retten," sagen die Aerzte. Montag. Um 1 Uhr früh kann der Kämpfer nur noch durch künstliche Atmung mit Oxigenkugeln am Leben erhalt«« werden. Er bekommt eine Pantoponeinspritzung. Die im vorigen Jahr in der Brust erhaltene Wunde beginnt schwer zu eitern. Soeben kommt ein Antwortolegramm aus Valencia, wo der Vater, die Frau und das zehn Monate alte Kind von Carratala wohnen, denen di« Aerzte sofort von dem Unglücksfall Nachricht gegeben hatten: Der Vater und die Frau werden umgehend nach Jnca abreisen. Am Montag um 4Vi Uhr nachmittags sind endlich zwei Spezial- ärzte für Stierhornwunden eingetroffen. Sie schreiten sofort zu einer neuen Operation des Kranken. Fieber: 39 Grad. Indes leidet der Kranke unter ganz wahnsinnigen Schmerzen. Es ist einfach unaus- denkbar, wie grauenhaft die vielen Wunden brennen.„Ich bin schwer verwundet. Dieser Stier hat mich getötet," sind seine legten Worte zu den herumstehenden Stierkämpfern, Doktoren und Journalisten. Man sieht dem verzerrten Gesicht des Kranken an, wie fein Zustand von Minute zu Minute hoffnungsloser wird. Er bekommt jetzt Ein- spritzungen von Coffein zur Aufrfischung. Es ist vergeblich. Die Pulsschläge werden immer unregelmäßiger. Schon wird er von den Aerzten aufgegeben. Das Fest zu Ehren der beiden Schutzheiligen der Stadt nimmt bereits ungetrübt seinen Fortgang. Um 8 Uhr früh am Dienstag kommen Vater und Gattin aus Valencia an. Carratala erkennt seine Gattin zunächst nicht. Ein Stierkämpfer muß ihn an seine Gemahlin erinnern. Sie tauschen die letzten Küsse. Unter gewaltigem Schmerzgeheul und letzten Zuckungen der Hände und Füße, mit denen er von seiner ungeheuren Qual Kenntnis geben will, kommt er ins letzte Stadium. Der Pfarrer fordert ihn auf zu beten, und Carratala stammelt einige unzu- fammenhängend« Worte. Um lO.ß Uhr ist er tot. Swndenlang kniet die junge Gattin wie erstarrt, wie ebenfalls gestorben, leichen- blaß über dem Gemahl, bis der Bürgermeister von Jnca Gattin und Vater zu sich lädt. Am Nachmittag fahren Hunderte von Autos nach Jnca, die ersten Trauertelegramme von Stierfechtern, Stierkämpfer- klubs und Arenabesigern laufen ein und auch di« ersten großen Traucrkränze. Der Klub des Stierfechters Delmonte(der vorgestern glücklicher war) übernimmt die Beerdigungskosten. Die Leiche soll nach der Heimatstadt Valencia übergeführt werden. Am Tage daraus wird die Leiche nach Valencia transportiert. An allen Stationen ist viel Volk am Bahnhof, um den Trauerzug zu sehen. Auch der Direktor der Eisenbahn fährt zum Geleit mit, der Bürgermeister und der Bahnhofsvorsteher von Jnca und viele Stierkämpfer. Aus einer Station hat der Zug einen längeren Aufenthalt.-Der Bürgermeister des Ortes kommt an den Zug und mit ihm einige Geistliche mit hoch«rhobencm Kreuz. Jetzt soll die Leiche in Balencia vor der Beerdigung in einem dortigen Stierkämpferklub öffentlich ausgestellt werden, damit die Verehrer von Carratala den Toten ein letztesmal grüßen. Die Ge- schäftc von Jnca werden während der Beerdigungsstunden geschlossen sefn. Wovon di« Witwe künftig leben wird, weiß kein Mensch. Als ich gerade so über di« vielen toten Stiere und die vielen lebenden Stierkämpfer nachdenk«, und als ich überlege, wie recht die leider noch zu schwache sozialistische Partei Spaniens hat, Stierkämpfe als Barbarei und Volksverdummungsmittel zu verachten da frage ich einen sehr stiertampfkundigen Spanier, ob eigentlich Todesfälle von Stierkämpfern oft vorkommen. Er wollte oder konnte nicht so recht antworten. „Also kann man sagen, unter hundert Fällen endet mal einer so wie es bei Carratala der Fall war?" Cr sah mich etwas mitleidig lächelnd an und sagte mir nur das eine Wort: „Optimist!" I�urt Lenz. Die Harzreise. Dicht gedrängt ist di«„11". Di« Uhr zeigt Geschastsschluß. E� ist Anfang des Monats, ein großer Teil dieser Menschen hat wieder einmal bares Geld in den Händen, wenn auch nur für kurze Zeit. Für den Rest des Monats„genügt" der Vorschuß. Man bekommt vielleicht vier Tage Urlaub, mit Weekend verbunden macht sechs Tage. Geld? Ja>Zeit? Zluch. Aber wohin? Vor mir sitzt ein Arbeiter, einer der vielen, die in Arbeit geboren wurden, die mit 14 Jahren mithalfen, die Familie zu ernähren. Er muh sehr schwere körperliche Arbeit machen, denn seine Haltung verrät Müdigkeit. Die„U" ist voll von Plakaten, Reklame für Schuhe, Anzüge, Mäntel, für alles,— aber nur„für den feinen Herrn" oder„für die seine Dame". Der Ausdruck des Arbeiters verrät nicht seine Gedanken. An einem grünen Plakat in der Ecke bleiben seine Augen hängen. Sonderfahrt in den Harz. Ausflüge... 80 M. Seine Augen erhalten jenen unbestimmten träumerischen Aus- druck. Sieht er Tonnen, Täler, Bäche, Dörfer, den Harz, den Brocken, Schönheit?, ruht er �ich aus auf dieser Gedankenfahrt? Ist dies seine Erholung?— Ein Ruck, der Wagen hält. Vorbei der Traum, abgelöst durch rauhe Wirklichkeit. Lächelnd und traurig steht er auf.. Ich habe in sein« Augen gesehen, ich habe alles gelesen. ?. R. K. Oer Walzer hat Zukunft. Ein durch Abstammung und langjährige Erfahrung in zwei. Erdteilen dazu Berechtigter, der Wiener Musiker Symons Worm ist es, der sich zum Propheten der Wiederkehr des so lange verfemten Walzers macht und diese Meinung in einem Londoner Blatt vertritt. Ja, was in den letzten Jahren schon hie und da als unbestimmt« Zukunftshoffnung ausgetaucht ist, das kündet er jetzt auf das be- stimmteste als In zwei Jahren erfüllt an. Denn er, der zwölf Jahre vor dem Kriege in England, der vierzehn Jahre in Amerika gelebt hat, der von sich rühmen kann, daß es in den letzten 2S Jahren kaum einen Schlager des Tanzsaales gegeben hat, den er nicht ein- geführt und dirigiert hat, sieht den großen Umschwung, der sich in dem Geschmack des tanzlustigen Publikums langsam vorbereitet, kommen. Viele angesehene New-Porier Gastgeberinnen haben be- reits das Saxophon aus ihrem Salon oerbannt.„Bitte, spielen Sic uns einen Walzer!" Diese Bitte wurde immer häufiger an den Kapellmeister gerichtet. Schon ist die gute al'e Polka wieder auf- gelebt, und auch der Lancier wird nicht mehr als ein bloßer„Six- penny-Tanz" angesehen. Es gilt für die Musikkapellen, sich auf diese neue Geschmacksrichtung des Publikums einzustellen, die sicher schon in der nächsten Saison in noch stärkerem Maße zum Ausdruck kommen wird.'„Ich kann," so führt Worm aus,„diesem Wieder- aufleben alter Musik und alter Tänze nur mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Keine Wiederbelebung kann von langer Dauer sein, wenn sie nicht zugleich von neuen Ideen begleitet ist. Die modernen Tänzer begrüßen die alten Tänze nur als eine Abwechslung nach dem ewigen Einerlei des Foxtrotts und den Verrenkungen der Blues und Blackbottoms. Es wird ein Leichtes sein, die Polka in einen erstNassigen modernen Tanz umzuwandeln und den Lancier so zu modifizieren, daß er noch einmal der charakteristische Tanz unserer Ballsäle werden kann." vi« Moderne Galerie Meilhelm, Boßltr. 24, eröffnet am Sonnabend, dem 10. August 1929, eine Gommer-Auistellunq.Deutsche Landichast', die neben Werken von Erich Hecket, Schmidt-Rottluff, Chriftian RohljS Arbesten junger Künstler zeigt. „Kolonne X." Marmorhaus. Wenn Reinhold Schünzel unter eigener Regie den Führer einer Einbrecherkolonne, Robert, spiest und die Biederkeit, die ihm so gut steht, so weit treibt, daß er ein Mädchen aus gutbürgerlichem Hause freit und wieder ehrbar werden will, so kann man sich ungefähr vorstellen, wohin dieses Kriminaldrama steuert. Trotz des Schlusses, der keineswegs ein Hspp)--enck ist, sondern Robert mit gefesselten Händen von seiner jammernden Frau Abschied nehmen läßt, ist die ganze Sache doch nicht allzu ernst zu nehmen. Hinter dieser angeblichen Unterwelt steckt im Grunde doch ein deutsches Spießerlustspiel. Aber es hat allerhand Ergötzlichkciten, wie die beiden Welten, die der Verbrecher und der braven Bürger, inein- andergemischt sind. Es ist auch nicht ohne Reiz, wenn Robert aus- gerechnet einen Kriminalkommissar zum Freund hat, einen Kriegs- kameraden, der ihn eben in aller Harmlosigkeit immer über seine Pläne gegen Roberts Kolonne auf dem laufenden hält. Schließlich ist auch Irene, die zunächst nichtsahnende Gattin, di« dann durch Roberts Kumpane gezwungen wird, eine Sache mitzudrehen, nicht gerade aus dem Bereiche der Wirklichkeit. Aber Grete R e i n w a l d macht ihre Sache so gut, daß man auch solche Sprünge mit hinnimmt. Reinhold Schünzel ist ganz der brave, biedere, joviale Junge, der mit Schmunzeln seine Doppelrolle spielt, und als er sich schließlich gar nicht mehr auskennt, sich in sein Schicksal fügt, wieder in seine asten Sünden zurückgefallen zu sein. In der Zukunft wird ihm schon irgendein neues Glück mit seiner jungen Frau blühen, die ihm— Verbrecher hin, Verbrecher her— die Treue wahrt. Die Mitglieder der Kolonne, Oskar S i m a, Artur D u a r t e, Gerhard Ritter- band, sind mit Erfolg bemüht, charakteristische Kerle zu schaffen. Sehr nett ist auch Ernst Stahl-Nachbaur in der Lustfpielsigur des vertrauensseligen Kriminalkommissars. Berliner Straßenleben und der dem berühmten Einbruch am Wittenbergplatz nachgebildete Anschlag auf den Tresorkeller bilden den Hintergrund. r. Nie Bohemewirtin gestorben. Spät hat sich In Deutschland ein Bohemetum entwickelt. München wurde vor und* nach 1900 sein klassischer Boden und Käthi Kobus seine Wirtin. Ihre Weinstube, die nach dem„Simplicisstmus" be- nannt wurde, war Kabarett, Heimat und Pumpstube der Künstler, die in Deutschland nun auch endlich ihr Montmartre hatten. Die Reste der„11 Scharfrichter", Wedekind vor allem, geben dem Hause Namen und Rang. Manch fahrender Zigeuner fand hier Atzung und Trank für seine Darbietungen und der Stammgast Ludwig Scharff, der echteste der deutschen Boheme, sogar eine Gräfin. Der Krieg blies alles über den Hausen, Kathi mußte aus Wolfratshausen, allwo sie den allen und neuen Freunden«ine Gaststätte aus ihrem Er- sparten errichtet hatte, wieder arm geworden, aufs neue i» „Stellung". Sie versuchte den alten Namen aufs neu« zu beleben, neue Götter zogen im„Simplicissimus" ein(Ringelnatz war ihre groß« Nummer) und aufs neue wurde die junge Literatur, wie Spötter behaupteten, mit Kathis Tiroler Rotem oergiftet. Nun ist sie, die ehemalige Kellnerin und dann die Wirtin und Gönnerin der Münchener Boheme, in hohem Aller in Münch«" gestorben. Altrömische Zeitung ausgegraben. Ausgrabungen von Mauertafeln, die in O st t o., dem Hafen des alten Rom. angebracht gewesen sein dürften, geben Aufschluß über das Nachrichtenwesen zu Casars Zeit. Auf diesen Mauertafeln sind nämlich die verschiedensten Nachrichten nicht nur lokaler Art, sondern auch solche aus dem Ausland, über Schlachten usw„ eingegraben. RücksicOislos ßeiabgeseizi, bis zui Hälfte und weit darunter sind aucQ diese Preise von Gardinen, Stores, Bettdecken ufw. jetzt in unserem großen SAISON-AUSVERKAUF Verkauf im Lichthof I— Nur soweit Vorrat! 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In anderem Rahmen gelang hier Professor W a r b u r g der Nachweis(er studierte die Atinungsvorgäng« in den Pflanzpn- und in den übrigen Zellen auf rein chemijch-physikalischem Wege), daß der Stoffwechsel in der Krebszelle ein anderer ist als in der gesunden Zelle, ein Nachweis, c«r für das Problem der Krebs- crkrankung von großer Bedeutung werden kann, da e-.ns Heilung nunmehr wahrscheinlich wird, wenn es gelingt, den Stoffwechsel in der Krebszelle künstlich zu beeinflussen. Dem Institut sür Biologie sind Institute sür Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik zur Seite getreten. Außerdem wurde in Heidelberg ein eigenes Institut für medizinische Forschung geschaffen, in dem Chemiker, Physiker und Physiologen mit den Medizinern zusammen arbeiten. Mit den Problemen der künstlichen Bestrahlung und der Heilung von Schwerhörigen be- schäftigt man sich im Heidelberger Institut unter anderem. Be- sonders interessant sind di« Forschungen über die Anwendung natür- licher Sonnenbestrahlung zur Bekämpfung der Tuberkulose, da die natürlich« Bestrahlung nur an bestimmten Tages- zeit«», je nach dem Stand der Sanne, heilende Wirkung hat, während sie an anderen Tageszeiten schädlich wirken kann. Ein spezielles Institut der Gesellschaft, das Institut für Hirnforschung in Berlin, das jetzt nach Buch verlegt werden soll, um dort im Zusammenhang mit den Städtischen Kranken- onstalten zu einer engen Zusammenarbeit von theoretischer uno klinischer Forschung zu gelangen, widmet sich den Geisteskrankheiten. In diesem Institut ist man zu Resultaten gekommen, die nicht nur für die später« Heilung der Geisteskranken, sondern auch für di« künftige Behandlung der Verbrecher wegbahnend sein können. Es scheint, daß bei einer großen Anzahl von Verbrechern das Gehirn anormal entwickelt ist...., Wie weit das Verbrechen vielfach auf ererbter Veranlagung beruht, beweisen auch«die Arbeiten von Dr. Lange, der an der anderen Forschungsonstalt der Kaiser-Wilhelm-Gcscllschaft für Psychiatric in München tätig ist. Er hat an einigen ver- brecherischen Zwillingen, die im Leben sich ganz von- «inander getrennt hoben, nochgewiesen, daß sie Veranlagung zu dem gleichen Verbrechen besessen haben. Auch die Einwirkung der Syphilis auf die Entstehung verschiedener Geisteskrankheiten und die Frage der Vererbung der Geisteskrankheiten wird hier einem Spizial- studium unterworfen. » Der Rundgang ist beendet. Er mag in dieser Gedrängtheit etwas ermüdend wirken, da die in der Sache begründete Aufzählung von Namen und Problemen kotalogartig bleiben muß. Aber wie der Katalog zu einer Bildersammlung schon den Wert der Sammlung selbst verrät, so auch dieser knappe Ueberblick. Die Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft ist ein Institut, das mit dem praktischen Leben ebenso sehr in enger Fühlung steht wie mit der Wissenschaft. Es zeigt jene glück- liche Vereinigung, di« man iy unserem Hochschulbetricb nur zu oft oermißt. schuhen angefaßt sein: sie vertrögt schon einen„Puff", wenn sie die Liebe, die Güte oder auch nur das Interesse dahinter fühlt. Wie soll ein« Jugend heutzutage mit dem Leben fertig werden, wenn sie im Elternhaus« vor jedem Luftzug beschützt wurde? Was einem Kinde nottut, kann dem Erzieher immer nur der gegebene Fall sagen, niemals eine allgemeine Theorie. Darum ist die Er- Ziehung von heute mit der Lockerung der Grundsätze zwar beweg- licher und anpassungsfähiger, aber durchaus nicht leichter geworden. Leiöetts>weg eines, Kanölehrers! Man schreibt uns: Einen sörmlichen Bauernausstand gegen Schule und Lehrer hat es im Anfang dieses Jahres in Schönfeld, Kreis Brieg(Schief.), gegeben. Dort amtierte seit Iahren der Lehrer und Kantor K. Das Dorf gilt seit jeher als ein für schulische Dinge schwieriger Ort. Der Leidensweg des Lehrers K. begann damit, daß K. die niederen Küsterdienste, die bereits unter seinem Vorgänger abgetrennt worden waren, und nun ihm, dem neuen Lehrer, entgegen den be- hördlichen Bestimmungen, wieder zugemutet wurden, n e r- weigerte. Der Amisvorgönger K s und seine beiden Ehefrauen waren, jener kurz vor dem Amtsantritt K.s, an Tuberkulose verstorben. Die Amtswohnung bedurfte ein� gründlichen Desinfek- tion. K. beantragte sie beim Schuloorstand. Sie wurde nicht durch- geführt. Die Folge davon war schwere gesundheitlich« Schädigung der ganzen Familie des Lehrers. Frau.K. starb J027 an den Folgen einer tuberkulösen Infektion, zu der infolge des Aergers Gelbsucht getreten war. Auch die Kinder K.s sind nach dem Gutachten der Axrzte als lungenkrank anzusehen. Eine Versetzung an einen Ort mit mittlerer Gebirgslust hätte(Gutachten der be- handelnden Aerzte!) ollen geholfen. Dahingerichtete Anträge des Lehrers blieben erfolglos. Im Verfolg amtlicher Angelegenheiten verfeindete sich K., als Leiter der Schönfelder Schule, mit dem DorfgewaHigen, einem Rittergutsbesitzer von Müller, der sich als' Vorsitzender des Schulverbandes schwerer Unterlassungssünden schuldig gemacht hatte. Die Unstimmigkeiten griffen auch aus das Verhältnis K.s zur Kirchgemeinde über, deren Seelsorger, ein Pastor Buschbeck. mit Herrn von Müller durch seinen Bruder oerwandt ist. Di« schroffe Haltung, die man im Laufe der Zeit gegenüber dem Lehrer zur Schau trug, spitzte die Lage bis zur Unerträglichkeit zu. Man ging offensichtlich darauf aus, K. nicht nur an seinem Amtsort, sondern auch in seiner Stellung als Lehrer unmöglich zu machen. Wie weit der Gegensatz in der politischen Meinung zwischen Lehrer und Dorfgemeinde(K. ist Sozialdemokrat!) hier mitspielt, soll nicht untersucht werden. Die Schulbehörde, einseitig informiert und gewohnt, den Lehrerr weniger ernst zu nehmen als Ritterguts- besitzer und Pastoren, reagierte auf die Beschwerden und Eingaben K.s schließlich kaum mehr. Herr von Müller strengte, bevollmächtigt durch den Schulverband, dessen Vorsitzender er war. Klage gegen Herrn K. an wegen, angeblich, zu viel erhobener Stellen- zulog«, ohne daß im wesentlichen mehr vorlag als Unstimmigkeit in der Auffassung behördlicher Bestimmungen. Gleichzeitig ließ Pastor Buschbeck durch den Kirchenrat beim Konsistorium wegen nichtiger Vorkommnisse hie Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen K. beantragen.(Man mochte K- u. a. zum Vorwurf,«r— ein Kirchenmusik� von anerkannten Fähigkeit«»— habe in der Kirche durch zu schnelles Orgeln den würdigen Verlaus des Goties- dienstes gefährdet!) Der Prozeß des Schulverbondcs ging im Straf- und im Zivilveriahren zugunsten K. s aus. Das steigerte den Haß gegen K. bis zur Unerträglichkeit: denn der Schulvcrbond b«- kam die Prozeßkostcn zu tragen. Auch das Dijziplmarverfahren wurde schließlich eingestellt. Schikanen und Beschimpfungen, die selbst vor den amtlichen Schuloorstandssigungcn nicht haltmachten, ver- gifteten die Atmosphäre. Es kam zu Vorgängen und Gewalt- tätigkeiten, auf die einzugehen an dieser Stelle der Platz fehlt. Dem Kreisschulamt und der Regierung kann der Vorwurf nicht erspart werden, daß sie es nicht verstanden haben, im rechten Augenblick und in der rechten Art«inzugreifcn. Als K. auf seinen Wunsch hin oersetzt wird. geschieht das in einer Weise, die einer Strafversetzung gleichkommt und di« den bestehenden Bestimmungen in empörender Weise zu- widerläuft(Einbuße des Kantorenamtes, der Schulleitercigenfchast. minder gute Stell«)» Auch eine Ordnungsstrafe bleibt K. nicht er- spart, auch nicht die Drohung mit Eröffnung eines Disziplinar- Verfahrens mit dem Ziele der Dienstentlassung. Di« Akten über den Fall K. dürfen mit der Versetzung nicht geschlossen se'" los« Klärung und Remedur ist notwendig! ÄVRENCE H: DE/BERRYJ Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H.. Baden-Baden (19. Fortlejzung.) „Sie sind nicht hier, um eine pazifistische Rede zu halten!" herrschte der Borsitzende die Zeugin an, aber diesmal hatte er das Falsche gesagt. Die kleine alte Frau reckte sich zu ihrer vollen Höhe auf und erwiderte gelassen, voller Würde: „Hier wie überall habe ich die Lehre meines Herrn und Heilands zu verkünden, liebet einander." „Wenn Sie diese Lehre glauben, so müssen Sie den Mord ver- abscheuen." „Ich verabscheue jeden Mord, aber David Gardon hat Jack Füller nicht ermordet. David ist ein guter Mensch, der keines Ber- brechen? fähig ist. Ich kannte ihn schon als Knaben. Er war immer..." „Der Angeklagt« hat einen Verteidiger, Sie sind als Zeugin hier", unterbrach sie abermals der Vorsitzende.„Bleiben Sie bei der Sache. Am Abend war der Ermordete bei Ihnen, berichtete, daß er zu David Eordon gehe, nicht wahr?" „3a, sie hatten sich versöhnt. Jack Füller war ganz glücklich, daß zwischen ihm und dem Freund wieder alles in Ordnung sei." „Das ist Ihre private Auffassung. Die Ereignisse beweisen, daß der Angeklagte den Ermordeten zu sich lockte, um..." „Das ist nicht wahr. David Gordon ist kein hinterlistiger Mensch, er kann wohl im Zorn einen Menschen niederschlagen, aber einen Mord planen, das ist ausgeschlossen!" Mike Rosenfeld seufzte: Gott schütze uns vor unseren Freunden. Di« alte Frau meinte es so gut und verdarb in ihrein Ücbereiser alles. Der Vorsitzende lächelte befriedigt; Weiber sind angenehme Zeugen, man braucht sie nur verwirren, dann spielen sie einem auch schon in die Hände. „Sie geben also zu, daß Sie David Gordon zumindest eines Totschlags fähig halten?" „Das habe ich nicht gesagt", schrie Fräulein Crack außer sich. „David ist ein guter Meiisch..." Sie brach ab, begann zu weinen. Aber der Vorsitzende kannte kein Erbarmen. „Sie sympathisieren mit den Streikern, nicht wahr?" fragte er. „Haben Herrn Ealvin Füller mehr als einmal belästigt, inde-.r Sie zu ihm gingen und für die Streiker eintraten." „Ich sympathisiere mit den Armen, die mein Herr und Heiland geliebt hat, und warne die Reichen, die um des schnöden Mammons willen ihre Seele gefährden." Die Geschworenen konnten ein Lächeln nicht unterdrücken; die arme alte Närrin! „Sie haben die Familien der Streiker unterstützt?" „Ja, so gut ich konnte." „Was du an Ueberfluß besitzest, hast du den Armen geraubt." „Hier ist nicht der Ort für bolschewistische Lehren", brüllte der Vorsitzende. „Es ist der Ausspruch eine katholischen Heiligen", entgegnete Fräulein Track milde.„Und unser Herr und Heiland sagt: Wer zwei Mäntel hat, der gebe..." Aber der Vorsitzende hatte genug von den Lehren„unseres Herrn und Heilands". „Es ist gut. Benchten Sie noch von dem Augenblick an, da Sie erwachten und den Schuß hörten." Fräulein Crack gehorcht«. Dann kam der Verteidiger an die Reihe. Er sprach sanft, gab sich olle Mühe, die alte Quäkerin nicht zu verwirren, und sie blickte ihn nnt dankbaren Augen an. „Was hat Sie aufgeweckt, Fräulein Crack." „Ich weiß es nicht. Ich habe sonst einen festen Schlaf." „Sind Sie sicher, daß die Kirchenuhr elf schlug?" „Ja; ich zählte die Schläge. Wunderte mich, daß es so früh sei, hatte das Gefühl, viel länger geschlafen zu haben." Der Verteidiger hakte sofort ein. „War es ganz bestimmt elf Uhr? Von halb zwölf au hat mein Klient ein Alibi, es handelt sich also hier um etwas äußerst Wichtiges." „Ich zählte die Schläge," murmelte Fräulein Crack verzagt, es schlug wirklich elf" „Als Sie ins Frei« liefen, schneite es, nicht wahr?" „Ja. sogar sehr stark." „Es fing in der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember aber erst um halb zwölf zu schneien an. Das haben mir drei. Männer, die sich damals auf der Straße befanden, bestätigt. Wie können Sie das er- klären, Fräulein Crack?" „Ich weiß es nicht", entgegnete sie hilflos.„Muß die Wahrheit sagen. Als ich aufwachte, schlug die Uhr elf, und als ich wenig« Mi- imten später hinauslief, lag bereits viel Schnee auf der Erde. Ich weiß nicht..." „Ich habe nichts mehr zu fragen." Die Zeugin wurde entlasten. Nun wurde noch Calvin Füller verhört. „Ich spielte bis kurz nach elf im Klub Karten, die Herren Fair- weather, Jones und Harding haben ja bereits ausgesagt, daß ich mit ihnen um diese Zeit Bridge gespielt lzobe. Als ich den Klub um ein Viertel nach elf verließ, schneit« es bereits. Ich fuhr daher den weiteren Weg zurück, da dies« Straße besser ist. Sonst wäre ich an Fräulein Crocks Haus vorbeigekommen und hätte vielleicht noch den Mörder erwischt." Calvin Füllers Stimme versagte einen Augen- blick. Bon der Galerie herab starrten ihn zwei veilchenblaue Augen an, als wollten sie sich für immer jeden seiner Züge ins Gedächtnis prägen.„Als Fräulein Crack mich antelephomerte, muß es etwa dreiviertel zwölf gewesen sein, denn ich hatte mich bereits schlafen gelegt." Oben auf der Galerie nahm sich«in schönes junges Mädchen vor, genau auf die Zeit zu achten, die ein Auto vom Klub bis zum Hause der Füllers brauchte. „Ich hatte Jack gerade an diesem Tag vor seinen sogenannten „Freunden" gewarnt. Meinem Bruder waren endlich die Augen aufgegangen, und er hatte beschlossen, sowohl Testament als auch Schenkungsurkunde zu vernichten. In feiner kindlichen Aufrichtigkeit dürfte er das auch David Gordon mitgeteilt haben.. Jedenfalls wurden die Papiere nicht bei der Leiche gefunden, und es ist klar, daß der Mörder sie meinem armen Bruder geraubt und irgendwo in Sicherheit gebracht hat." „Einen Augenblick", warf der Verteidiger ein.„Jack Füller hat einigen seiner Freunde, die ebenfalls hier anwesend sind, mit- geteilt, daß er eine beglaubigte Kopie der beiden Dokumente bei dem Notar, Herrn Eversley, hinterlegt habe." „Davon weiß ich nichts", entgegnete Calvin Füller. Herr Eversley wurde gerufen und erklärt«, er habe niemals eine beglaubigte Kopie der Dokumente in Händen gehabt. Die nun folgenden Entlastungszeugen hätten sich eigentlich jedes Wort ersparen können. Die Geschworenen hatten sich bereits ihr Urteil gebildet. Selbstverständlich sagten diese Leute zu David Gordons Gunsten aus, die Bande hielt zusammen, das war eine alte Geschichte. Und diese gottlosen Roten, die weder an Gott noch an den Teufel glauben, schrecken auch vor einem Meineid nicht zurück. Ein Entlastungszeuge allerdings rief im Gerichtshof allgemeines Erstaunen hervor. Und John Calmer staunte fast selbst, als er sich in dieser Rolle fand. Er war jedenfalls der erste und einzige Zeuge, der den Berdacht in eine andere Richtung lenkte. „Ich glaube nicht, daß David Gordon den Mord begangen hat". erklärte er.„Irgend etwas stimmt bei der ganzen Sache nicht. Erstens der Schnee. Ich hatte mich in jener Nacht dermaßen mit meiner Frau gezankt, daß ich aus dem Bett sprang, nnch ankleidete und aus dem Haus lief. Bevor ich das Schlafzimmer verließ, sah ich auf die Uhr: es war punkt elf. Ich erinnere mich noch, daß ich nteiner Frau zurief: Um elf Uhr nachts, wenn all« Menschen schlafen wollen, treibt mich deine böse Zunge aus dem Haus! Als ich ins Frei« trat, schneite es nicht. Ich lief in meinem Zorn planlos weiter. gelangte gegen halb zwölf in die untere Stadt, traf dort David Gordvn, der eben heimkam. Als wir vor seiner Haustür standen, begann es zu schneien. Mich fror, und ich ging mit Gordon ins Haus, wärmte mich bis ein Uhr in der Küche. Ich weiß daher, daß er von halb zwölf bis eins daheim war. Aber schon vor Monaten, gleich zu Beginn des Streiks, wurde auf Herrn Jack Füller geschaffen. Und ich weiß auch, wer der Mann war." Nun kam sogar in die gelangweiltcn Gesichter der Geschworenen ein Ausdruck der Aufmerksamkeit. „Vergessen Sie nicht, daß Sie unter Eid aussagen", warnt« der Vorsitzende. „Ich weiß es. Der Mann, der damals auf Herrn Füller schoß, ohne ihn zu treffen, war Ralph Philipps, der Vetter der beiden Herren Füller." Der ganze Gerichtssaol schien den Atem anzuhalten. Alle Augen wandten sich Calvin Füller zu, der leicht erblaßte. „Wie kommen Sie zu dieser Annahme?" fragte der Dorsitzeich« schroff.„Welche Ursache könnte Herr Ralph Phillips haben, auf seinen eigenen Vetter zu schießen." John Calmer kratzt« sich den Kopf. „Das ist so eine Geschichte: es wird allgemein erzählt, daß der alt« Herr Daniel Füller seinerzeit Joe Phillips, den Vater Ralph Phillips, furchtbar betrogen hat. Und daß die Familie Phillips seitdem..." „Das gehört nicht hierher", unterbrach ihn der Vorsitzende, der mit Calvin Füller einen Blick gewechselt hatte.„Uebrigens ist Ihre Annahnte falsch, denn Ralph Phillips hat vor zwei Monaten Füllers- ville verlassen und ist nicht zurückgekehrt." „Ich habe ihn selbst vor drei Tagen auf der Straße gesehen!" rief John Calmer. Abermals schienen die Geschworenen aus ihrem dumpfen Dösen zu erwachen. Der Vorsitzende bemerkte es und runzelte die Stirn. Dann stieß er wie ein Raubtier aus John Calmer nieder: „Sie sind«in Angestellter der Agentur Cardigan?" „Ja." Dem armen John Calmer wurde unbehaglich zumute. „Unfreundlich gesinnte Leute pflegen Sie einen Spitzel zu nennen, nicht wahr?" John Caliners„Ja" war kaum vernehntbar. „Wieviel Lohn erhielten Sie von der Agentur Cardigan?" „Zweihundert Dollar im Monat und Prämien" „Haben Sie Ihren Beruf aus Haß gegen die Roten ergriffen?" „Nein." „Also nur um des Geldes willen. Sie waren bereit, für zwei- hundert Dollar und Prämien— Leute auszuspionieren, denen gegen- über Sie nicht einmal ehrliche Feindschaft empfanden?" Wäre der Vorsitzende ein„roter" Agitator gewesen, er hätte nicht im Ton ärgerer Verachtung zu dem unseligen John Calmer sprechen können. Der senkte stumm den Kopf, unfähig, auch nur ein Wort hervorzubringen. Auf der Galerie aber flüsterte die klein« Mann« Ballon ihrem Manne zu: „Ich Hab' es Mike ja gesagt. John Calmer ist unmöglich als Entlastungszeuge." Martin Ballon nickt. „Ja, Mite hat geglaubt, daß sie Angst haben würden, an das Wespennest, die Agentur Cardigan, zu rühren." Wie ein Blitz zuckte nun durch den Saal die laute Frage des Vorsitzenden:„Wieviel hat Ihnen die Verteidigung für Ihre falsche Aussage gezahlt!" John Calmer- Wangen färbten sich dunkqlrot vor Zorn: „Keinen Cent!" Der Vorsitzende lachte höhnisch. „Das sollen Ihnen die Geschworenen glauben? Einen Mann, der nicht nur ein Spitzel ist, sondern auch— ein Einbrecher war!" „Aber kein Mörder!" schrie John Calmer, alle Selbst- beherrschung verlierend„Kein Mörder, wie Sie, Herr Vorsitzender, und der Staatsanwalt, die«inen Unsäiuldigen auf den elektrischen Stuhl bringen wollen, weil der Herr von Fullersvill« es verlangt. Ja, ich war Einbrecher, war Spitzel, aber ich habe nie anderen be- fohlen, für mich die schmutzig« Arbeit zu leisten, ich habe nie, um Leute an die Arbeit zurückzutreiben, eine Bombe unter das Rathaus legen lassen, habe nie..." (Fortsetzung folgt.) »» •• FW DEN KLEINGÄRTNER. ■nniNiDiinmiiiiiiminiiiiiiuiiiimniiiiiiiiiiiiinimiiniiiiiiiiiiimiMmiiniiiiiiiiiuiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiimnuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiMiuiuiiiiiiiuiiiiiiiuiuimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiinHHi) Vom Graben. Eine der wichtigsten vorbereitenden Arbeiten des Gartenbesitzers ist das Grabm. Gerade der Kleinsiedler, der beweisen will und soll, daß ein noch so kleiner Landbesitz den Höchstertrag liefert, muß dieser Arbeit die größte Sorgfalt zuwenden. Er muh es sich zur Regel machen, daß kein abgeerntetes Beet unge- graben liegen bleibt. Kann man ein Beet noch durch eine neue Frucht ausnutzen, so wird die sofortige Bearbeitung des Bodens durch sachgemäßes Graben wohl gleich vorgenommen, da ein bloßes Hacken des Bodens etwa in den Reihen, die die neuen Pflanzen oder Körner aufnehmen sollen, meist mühsamer als dos Graben ist. Aber wie oft sieht man noch im Winter, wenn keine Schneedecke ihr schonendes Weiß verbreitet, die Reste der Herbst- ernte auf dem Acker liegen und zwischen den foulenden Blättern und Früchten das Unkraut fröhlich sich ausbreiten. Im Frühjahr wird dann Mist darüber gebracht und ein eiliges Graben beginnt: die Erwägung, daß der Mist für die nächste Ernte nur eine geringe Rolle spielen kann, fehlt meistens. Man muß sich nur einmal klar- machen, welche Vorteile die rechtzeitige Bodenbearbeitung gewährt. Ganz abgesehen von dem Eindruck der Sauberkeit, den eine ge- grabene Fläche darbietet, ist das neu geöffnete Land erstens viel besser geeignet, den Regen, der willkommen«, wenn auch geringe Mengen von Ammoniak und Kohlensäure birgt, oufzu- nehmen und die Feuchtigkeit in der Ackerkrume aufzubewahren, und zweitens gibt es durch die stattgehabte Durchlüftung des Bodens den Bodenbakterien Gelegenheit, den Ammoniak in Sal- petersäure überzuführen, dabei die Dungstoffe und etwaige Pflanzen- rest« oerarbeitend. Drittens werden bei einem sorgfältigen Graben auch noch viele Unkräuter herausgeholt und so die Möglichkeit be- seitigt, daß sie den durch Jauchen der Mistzufuhr erhöhten Gehalt Donnerstsx, 8. August. « Berlin. 16.00 Sportlehrer Meusel: Zciigcmäße Leibesübungen der Frau, 16.30 Erich Landsberg, Breslau: Reisen und Ruhen. 17.00 Ouvertüren nnd Ballettmusiken.— Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.30 R. P. Frank: Altersfürsorge. 19.00 Albert Falkenberg, M. d. R.i Politische Reise in Polen. 19.30 Meisterharmonimn(Fr. Wenneis). 19.33 Theodor Csokor(Bildfunk).'; 20.00 Umfführung:..Gesellschaft der Menschenrechte", von Th. Csokor. Regie: Alfred Braut». Nach den Abendmeldungen bis(UO Tanamusik,— WUtrend der Pause: Bildfunk. Känlgewusterhansen. 16.00 Ur. Würzburger«ad Erna Klopfer: Kind«od Märchen. 16.30 M. Bartheis: Johanna Abrosins zum 75. Geburtstage. 18.00 Min.-Rat Goslar: Wie liest man den Parlamentsbcricht einer Zeitung? 18.30 Müller: Dresden und die Sächsische Schweiz. 18.55 Dr. Lauerbach: Buchführung in der Landwirtschaft. 19.20 Dr. F. Boenheim: Was versteht man unter Drüsen mit Innerer Sekretion? an Nährstoff wieder herabmindern. Auch Steine, Scherben usw. werden beseitigt. Endlich ist das Liegen des Landes in rauher Scholle während der Winterzeit von größter Bedeutung. Das Durchfrieren des Landes zermürbt die Erdklumpen und schafft so eine lockere Erdkrume. Mit der oft angenommenen gänzlichen Vernichtung des Ungeziefers durch strenge Winterkälte ist freilich nicht zu rechnen: der letzte Winter hat gezeigt, daß das Ungeziefer immer tiefere Erdschichten beim Stärkerwerden des Frostes aufsucht. Ueber dos Graben selbst etwas zu sagen, dürfte vielen unnötig erscheinen. Und doch gibt es auch in dieser anscheinend so einfachen Frage zwei Meinungen. Allgemein wird freilich empfohlen, daß man möglich st tief. graben solle. Die einen halten nun das durch den vollen Spatenstich(mit Nachhllfe durch den Fuß) erreichte Graben für ausreichend: die anderen empfehlen die Anwendung der Kräfte der Arme allein und rühmen als den Vorzug dieses „freihändigen" Grabens die Erlangung einer größeren Tiefe des Stiches. Freilich muß man dann recht schmale Stiche machen, was aber den Vorteil Hot, daß die Erde beim Umwerfen sofort zerfällt. Für den Anfang dürfte dieses Arbeiten etwas anstrengender sein, aber natürlich ist Gewohnheit älles. Die Hauptsache ist, daß das Graben eine lockere Erde erzeugt—, Klumpen sollen sich nicht er- halten, denn sie bilden den besten Nährboden für die Untraut- wurzeln. Dann aber, wie schon eingangs bemerkt, ist das E n t- fernen jeglichen Unkrauts beim Graben die wichtigste Bedingung für Erzielung eines reinen Bodens. Wird ein stark verunkrauteter Boden etliche Jahre so behandelt, so kann das Land schließlich als sauber angesprochen werden und der gelegentlich zu- fliegende Unkrautsamen ist dann leicht zu beseitigen. Ein charak- teristisches Wort lautet:„Das hartnäckigste Unkraut ist immer das, das der Gärtner selbst züchtet. Daß mit dem Graben zweckmäßig eine Düngung verbunden wird, wurde schon bemerkt. Bei Stall- dung wird man dann freilich nicht zu tief graben, damit der Mist sich gut in der oberen Kulturschicht hält und durch Regen und Schnee möglichst rasch nutzbar gemacht wird. Ernte und Versand des Obstes. Die letzten Jahre haben den Kreisen der Landwirtschaft de- Gemüse- und Obstbaues, die Erkenntnis gebracht, daß das bKie Schreien:„Kauft nur deutsche Ware!" keinen Zweck hat, wenn' ho die deutsche Ware der ausländischen gleichwertig ist. So auch beim Obst. Auch der Kleinsiedier wird gern eine Einnahme aus über- flüssigem Obst verzeichnen, aber natürlich muß er den Anforme- rungen des Marktes gerecht werden. Wir geben hier einige Er- fahrungssätze. die man nicht ungestraft verletzen kann. 1. Ernte das Obst zur rechten Zeit. 2. Schone die Bäume bei der Ernte. (KnittA und Stein« sind nicht zum Herunterschlagen der Früchte da.) 3. Pflücke dos Obst sorgfältig(mit der Hand, die oberen Früchte von der Leiter— ohne Verletzung der Früchte). 4. Behandle das gepflückte Obst sorgsam(namentlich beim Aueschütten). 5. Ve lese das zum Verkauf bestimmte Obst(dabei gleichzeitig nach Größe sortieren), g. Billige», aber genügend sicheres Verpacken ist not- wendig(Tafelobstpreise gestatten das Einhüllen in Seidenpapier usw.). 7. Eine Angabe, wie das angeboten« Obst heißt, ist nur von Vorteil.(Der verständige Käufer kann dann leicht den Wert der Ware beurteilen, der unvetständig« Käufer muß dazu erzogen werden.) Endlich eine Grundregel allen Verkaufens: Täusche nie- wand— die Ware unten muß ebenso gut sein, wie die oben sichtbare. 8>Lübeck spielt auf dem Exerzierplatz in der Schöihauser Alle« gegen die Saxonen. Die Saxonia-Iugendmannschaft zählt zu den besten Berlins. Ein Sieg über die Lübecker dürfte daher wahrscheinlich sein. Leider muh das Spiel schon vormittags 10 Uhr stattsinden, da die Lübecker wieder zur Heimat müssen. Nachmittags, 17 Uhx, spielen aus dem gleichen Platz Saxonias Männer gegen die Kyritzer. Auch hier dürfte ein Sieg der Berliner wahrscheinlich sein. In Brandenburg a. d. H. findet ein bedeutsames Spiel statt. Brandenburg spielt gegen Veddel- Hamburg. Die Hamburger zählen zu den spielstärksten Vereinen ihres Kreises. Bei den Meisterschaftsspielen tonnte der Bundes- meister Lorbeer.Hamburg nur knapp gewinnen. Die Brandenburger sind augenblicklich nicht die spielstärkste Mannschaft des 1. Kreises. Vorher spielt die zweite Mannschaft der Brandenburger gegen Lichtenberg! 2. Die Engländer in Magdeburg. Deutschland gewinnt 1: 0. Nachdem die Arbeiterfuhballer aus England bei ihren ersten Spielen in Deutschland so gute Resultat« erzielt hatten, war zum dritten Treffen in Magdeburg die Spannung außerordentlich gestiegen. Erstmalig hatte Magdeburg eine so grohe Veranstaltung. Daß der Erfolg nicht ausgeblieben ist, dafür sorgte die gute Organisa- tion. 10 000 Zuschauer fanden sich aus dem Spielplatz ein. Der deutsche Torwart zeigt« sich von der besten Seite, doch stand die Ver- teidigung mit ihren Leistungen den letzten Spielen etwas nach. Fitfch zog nicht genug. Seine Ballverteilung muß sich unbedingt noch ändern. Hervorragend stand als rechter Läufer Bergmann. Der Spieler auf der linken Seite stand nicht viel nach. Vom Mittel- stürmer bis zum Rechtsaußen waren neue Spieler in der Mann- schaft, die wohl noch etwas lernen müssen, ehe sie als Repräsentanten des Bundes gellen können. Die rechte Seite wurde viel zu wenig beschäftigt. Kurth hatte oft eine gute Stellung, wo nur der Ball fehlte. Weikmann und Behne waren flink am Ball, sie erfaßten auch die Situation richtig. Der Mittelläufer der Gäste war ohne Zweifel wieder der beste Mann im Felde. Er ist ein Mittelläufer, der das Spiel seiner Mannschast bestimmt. Kopf- und Beinarbell ist muster- gültig. Dazu paßte der Halbrechte, der auch gute Einzelleistungen zeigte. Torwart und Verteidiger waren nicht leicht zu überwinden. Oft rettete der gute Schlag des linken Verteidigers. Spiell« auch der Jnnenlturm mit seinen Außenläufern gut, so müssen wir den Gästen doch sagen, daß sie das Torschießen noch etwas üben müssen. Wie die Engländer so hallen auch die Deutschen vor dem Tore viel Pech. Mancher sichere Ball wurde Beute der Torhüter, die ja ihre Ausgabe vorzüglich lösten. Mit 0: 0 ging es in die H a l b z e i t. Nach dem Wechsel änderte sich das Bild nicht mehr viel. Englands Anstoß ging ins Aus. Den Elfmeter, den unsere Mannschaft treten durste, schoß Dorn aus. Endlich sollte der große Moment kommen. Nach einem Strasstoß schoß Beets scharf ein. Longanhaltender Jubel bei den Zuschauern. Nach diesem Tor gewann das Spiel noch an Schnelligkeit. Hart kämpften die Engländer um das Ausglelchstor, hatten sie es auch oerdient, es blieb ihnen versagt. Vorbei war das Spiel. Deutschland hatte mit 1:0 das Spiel gewonnen. Volkssport in den Rehbergen. Zum„RAST" am 18. August. Der Reich,. Arbeiter- Sporkkag am 18. August in den Rehbergen wird die verschiedenen Sparten in ihrer ganzen Vielseitigkeit ausmarschieren lassen. Das Lebendige im Sport tritt vor allem in der Leidet- athletik zutage. Möge sie sich kraftvoll zeigen, wie im Speer-, Stein-, Kugel- und Hammerwerfen: möge es Geschicklichkeit beim Springen wie Geschwindigkeit und Ausdauer im Laus oller Arten sein, immer schwingt etwas wie Losgelöstsein von der Erdgebunden- heit des Alltags mit. Die Leichtathletik hat sich besonders nach dem Kriege stark entwickelt und das Turnen fast überholt. Das ist sehr verständlich, wenn man weiß, wie dringend heutzutage für jedckn werktätigen Menschen irgendein« sportliche Tätigkeit ist, die die einsellige Entwicklung des Körpers im Berufsleben aushebt. Hierbei wird die Leichtachletik als Ergänzungssport außerordentlich wichtig. Wem das selbständige Training auf diesem Gebiet nicht behagt, wird sportliche Gemeinschaftsarbeit im Monnschaftslauf und im Waldlauf finden. K o l l e k t i v s p o rt ist Sinn jeder Leichtathletik in Arbeiterkreisen. Der Leichtathletik würdig an die Seite zu stellen sind alle spielerischen Arten des sportlichen Lebens. Dabei treten Völker- ball und Schlagball in den Vordergrund. Besonders das letztere brachte wiederum Geschicklichkeit und Geschwindigkeit in glück- liche Verbindung. Wir dürfen uns freuen, dos auch den älteren Generationen heute solch« Spiele noch ein beliebtes Betätigungsfeld eröffnen. Daneben bringen Fußball, Handball und Faust- Heute Abendsporflesf! Lettische Arbeitersportler, die sich im AmchluH an das Bnndesfest in Nürnberg auf einer Reise durch Deutschland befinden, starten heute Donnerstag 18 Uhr, bei einem Abendsportfest auf dem Sportplatz Tiergarten(zwischen Zoo und Tiergarten) gegen die besten Arbeitersportler Berlins. Veranstalter des Festes ist der bundestreue Sportverein Moabit. Das geringe Eintrittsgeld ermöglicht jedem den Besuch. ArbeUeranlersifizfdleArbcUersporfler! ball kämpferischen Ausdruck im Ballspiel. Weitere Spielarten— ebenfalls auf Kraft und Geschicklichkeit aufgebaut— finden im Ra f f ba l l, in der schwiegeren Behandlung des Medizin- balls usw. Freunde in allen Kreisen der Arbeiter-Sportbewegung. Fußball- und Handbollspiele aller Art sind heute somit zu wichtigen Arbeitsgebieten unserer Arbellersportler geworden. Die Bewegtheit eines Festes, die Buntheit und Vielseitigkeit des Gebotenen-ent- scheidet über seinen Wert. Eine neue Dolksfestlichteit auszubilden ist dos Bestreben aller Arbeiterorganisationen, der Gewerkschaften, der Partei, der Jugend und der Kultur- und Sportorganisationen. Sie werden dabei immer aufs engste zusammenarbeiten müssen. Die Entwicklung der letzten Jahre hat auch bei Gewertschafts- und Parteioeranftaltungen bereits dazu geführt, bei der Ausgestaltung des Programms die Sportler mit heranzuziehen. Nunmehr rufen die Arbeitersportler selbst zu einem großen Volksfest auf. Am Sonntag, 18. August, sindet im neu- eröffneten Volkspark Rehberge der diesjährige Reichs- Arbeiler- Sporttag statt. Um Uhr beginnt der Festaufmarsch vom Leopoldplatz aus. 15 Uhr ist die Eröffnung auf der Kampfbahn im Volkspark mit der Festansprache des Reichsinnenininisters Se o e r i n g. Dos sich dann abwickelnde Programm sieht in bunter Reihenfolg« Freiübungen, Kinderturnen. Läuse, Springen, Reigen- fahren. Heben, Ringen, Boxen, Jiu-Jitsu, Fußballs Handballspiele. Tennis, Turnen. Volkstänze, gymnastische Uebungen. Bewegungs- chor ufw. vor. Auf allen Plätzen des Voltsparks soll buntes Leben herrschen. Der Sport entwickelt sich immer mehr zu einer Volksbetätigung, der man sich nicht entziehen kann. Um fo mehr muß das Streben der Arbellersportler, die Entwicklungsrichtung in gesund« Bahnen zu lenken, unterstützt werden. Di« Arbeitersportler Berlins hatten im letzten Jahre gegen die kommunistischen Zellenbildner schwere Kämpfe durchzufechten, die Organisationen sind jetzt wieder gefestigt und können von prächtiger Arbeit Zeugnis ablegen. Ein Massenaufmarsch unter stärkster Beteiligung der Berliner Arbeiterschaft wird am 18. August auch die letzten Zweifel beseitigen, daß Hand in Hand mll den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie die Arbeiter-Sportbewegung zu einem Machtfaktor der kulturellen En: Wicklung geworden ist. Die Rennen bei Rutt. Wieder hinter Motoren. Die morgen, Freitag, stattfindenden A b e n d r e n n e n der Rütt- Arena, die um 20 Uhr beginnen, stehen wieder im Zeichen der knatternden Motoren, die diesmal hoffentlich defettlos über die Läufe kommen werden. Weltmeister Walter S a w a l I, der zum letztenmal vor der Verteidigung seines Wettmeistertitels an den Start geht, bestreitet zusammen mit dem wieder in ganz großer Form befindlichen Saldow einen Länderkampf gegen die beiden besten Dauerfahrer Italiens, T o r r i c e l l i und M a- nera, die ihr Land ebenfalls bei der Weltmeisterschaft in Zürich in der kommenden Woche vertreten werden. Es steht also ein hoher sportlicher Genuß bevor. Alle Fahrer sind Spezialisten der Holz- bahn. Eine Ueberraschung ist besonders von Manera zu erwarten, ober auch der lange Torricelli ist durch seinen nie nachlassenden Kampfgeist berühmt. Das Rennen erscheint ziemlich offen, wenn sich auch das Zünglein der Wage mehr zugunsten von Sawall und Saldow neigt. Jedenfalls wird es in sämtliche» drei 25-Kilometcr- läufen ganz ausgezeichneten Sport geben. Auch die Freund« des Fliegersports dürften voll auf ihre Rechnung kommen, denn der zum erstenmal in Berlin startende Franzose Marcel Jean ist eine große Sprinterhoffnuirg Frank- reichs und wird dem schnellen Krcfelder Schömberg, den viele für den zweitbesten deutschen Sprinter nach dem Kölner Engel halten, in den beiden Läufen ein« große Schlacht liefern. Gewinnt jeder der beiden Matchgegner einen Lauf, dann wird noch ein Entscheidungelauf ausgefahren. Die beiden treffen sich außerdem noch in einem Rundenrekordfahren, an dem auch noch der" wieder zur Fliegermaschine zurückgekehrte Lothar Chmer teil- nehmen wird. Ehmer tritt auch noch zu einem Match in drei Läufen an, zu d«m er den ehrgeizigen T o n a n i herausgefordert hat. Tonani hat viele Anhänger, aber die meisten schwören auf den wieder stark verbesserten Ehmer, der an reiner Schnelligkeit jeden- falls dem populären Italiener überlegen fein sollte. In einem Fliegchmaich kommt es aber auch auf die Taktik an und auf diesem Gebiete ist Tonani ein Fuchs, der hier alle Register seines großen Könnens ziehen wird. Beim Zeitfahren über 500 Meter entscheidet ebenfalls nicht nur die Schnelligkeit, sondern bereits die Ausdauer. Die ausgezeichnete Besetzung sämtlicher Wettbewerbe des Abendrennens müßte der Rütt-Arena jedenfalls wieder einen Massenbesuch verschaffen. Sport zur Vcrfassungsteier. Der Seglern erein Stößensee, angeschlossen dem Freien Seglerverband, wird am Sonntag mll seinen fast 100 Booten von seinem Klubhafen am Stößensee aus(an der Heerstraßen- brücke, Schildhornstraße) eine Geschwaderfahrt in die Pots- damer Gewässer unternehmen. Festlich geschmückt werden die Boote die schwarzrotgoldenen Reichsfarben da hintragen, wo Schwarzweiß- rot noch immer dominiert. Der geschlossene Start erfolgt um 91S Uhr. Der Reichsoerband Republikanischer Motor- radfahrer, Berlin W. 85, Potsdamer Straß« 45, veranstaltet anläßlich der Verfassungsfeier am Sonntagvormittag, 9)4- Uhr, vom Klublokal Tiergartenhos, am Bahnhof Tiergarten, eine Korso- fahrt. Nach der Durchfahrt Her Straße Unter den Linden, Platz der Republik, nimmt der Verband an der Feier des„Sturmvogels" in Tempelhof, Flughafen, teil. Außer dem übrigen reichhaltigen Programm finden Rundflüge über Berlin zum Preise von 4 M. statt. Die Abendfeier findet am Abend im Lunapark statt. Republikanische Motorradfahrer, beteiligt euch an der Veranstaltung, jeder Gast ist willkommen! Die Klubleitung befindet sich ab Sonn- adendmittag 12 Uhr im Klublokal Tiergartenhof, Frei««ch»ll«»er«.«.,»rnppe Obeeifm. Die fttr Srritafl, f. Auwist, Gruvvenvrrlaimnlung füllt au» und find-t?rcit«->, - lä. August. 20 uln. ftaH. Bitfit Turnffschoft««ß.Btrli». Stinbcrlfitctl Die llebungsswnd« zu dc» Sinuspieltn findet umständedaldfr erst Montag, l?. August, 1« Uhr, Turnt, all- Bnuchrstr. 75, statt. Riott Rindet find iniftubringfn. BS®®., Bt»iri Lichtendera. Brauen Uder 25 Jahre: Ufbunqabfginn Brri- tag.». August, Schrcidcrhaucr Strafio, Ab Mititnoch, 14. August, wirder rrgfl- mäfiig Kalle Kolteiftrafir. Alle übrigen Abteilungen turnen ab Brriiag. s. August, wieder regrlinaßig in den bekannten Turnhallen, T-uriftta-erein.Die Statnrfttuntf, Zentrale wie». Abt, Tharlottcnburg: Breitag,», August. 20 Uhr, Spreestr. Z0: Geschüftliches. Pünktliches Erschein, n wegen wichtiger Entscheidungen und Neuwohl des Bbhrtenobmannes.— Abt. SUbaft: Breitag,». August. 20 Uhr, Brifier Ctr, 27: Vortrag.— Abt. Treptoui: Breitag, 9. August: Abenbspa,iergana nach Grünau.— Abt. Neukölln: Breitag, 9. August. 20 Uhr, Blughasenstr. 0«: Geschiistliches.— Abt. Wedding: Breitag, 9. August, 20 Uhr. Eeeftr. 84; Geschiistliches.— Phatogemcinschast: Montag, 12. August, 20 Uhr, Grob« Brantsurter Str. 1« sSaal):„Positive Reiusche*— Abt.«rifi: Montag, 1?. August, 20 Uhr. Ehauffecstr. 4«: Ge- schastliches.— Mallnustgeweinschnft: Montag. lS, August, S0 Uhr, Wassertar- ftrabe 9: Zeichenübun«.— Zugendg rnppe Osten: Montag. 12. August, 20 Uhr, Ccharnwebcrstr. 29:„Sexuelle Bragen". B»« Turners chast G-r-h-Verlin,«egiri Briedrichshaqen. Tonnerstag, 181? Uhr, Treffen aller Abteilungen am Tunnel. Breitag: Braurnabfcilung im Lluoum, Brtie Turnerschaft Grab-Berlt», Ae,irf Pankow, Mit dem Ende der Schul' serien beginnt wieder unser Kallenturnen. Es turnen: Neue Kalle Mittel- schule Gdrschstrabe: Männer: Breitag« 20—22 Uhr: Brauen und Iimqmödchen: Mvntagz 20—22 Uhr: Rnaben: Montags und Breitaqs 18—20 Uhr,«leine Salle Mittelschule«örschstraße: Mädchen: Dienstags und Breitag» 18:1—20 M,r. Daneben bleiben die Trainingstage Montag und Donnerstag auf dem Sport. Plast Risfingenstrast- bestehen. Gaste nnllkommen. Arbeitet.Gebüstenbnnd. Breitag, 9. August, 18>4 Uhr. Sanntag, 11, Angiist, 9 Uhr, Vogenschirfien, Briedrichsselde. am Uppstallweg. Verantwortl. für die Redaktion: Walsgang Schwarz. Berlin: Anzeigen: Tb.»locke. Berlin. Verlag: Vorwärts Berlag G. m, b, K.. Berlin. Druck: Vorwärts Vu». druckerti und Verlagsanfialt Paul Singer& Eo„ Berlin SW 88. Linde tisiraß» 3 Mehr Schutz den Meinen Sportbooten. Gegen die Raserei auf dem Wasser. § 323: Wer vorsätzlich die Strandung oder das Sinken eines Schiffes bewirkt und dadurch Gesohr für das Leben eine« anderen herbeiführt, wird mit Zuchthaus nicht unter füns Jahren und, wenn durch die Handlung der Tod eines Menschen verursacht worden ist, mit Zuchthaus nicht unter zehn Jahren oder mit lebenslänglichem Zuchthaus bestraft. 8 325: Ist eine der in den 88 321 bis 324 bezeichneten Handlungen aus Fohrlässigkeit begangen worden, so ist. wenn durch die Handlung ein Schoden verursacht worden ist, auf Gefängnis bis zu einem Jahre und. wenn der Tod eines Menschen verursacht worden ist, aus Gefängnis von einem Monat bis zu drei Jahren zu erkennen. Der Wassersport hat in den letzten Sahren einen ungeheuren Aufschwung genommen und erfreulicherweise ssnd gerade die kleineren Bootetypen. die sür die arbeitende Bevölkerung in Frage kommen, am allerzahlreichsten vertreten. Die Wasserläufe und die städtischen Forsten bieten ein herrliches Wochenend«, das jedem er- ickwinglich ist. Das Wasserwandern ist das schönst« Wandern, leider ist es in der letzten Zeit durch die zunehmend- Zaist der Auto- boote mit starken Motoren beeinträchtigt worden. Zwar gibt es noch zahlreich« Vorschriften über, die einzuhaltende Ge- sckwindigkeit auf bestimmten Gewässern, aber sie werden von niemand eingehallen. Die schnellsahrenden Motorboote machen so starke We-llen, daß sehr häusig das Wasser über Bord anderer Boote schlägt. Die tiefliegenden Paddelboote kommen oft in Kentergefahr. Zumindest dringt ziemlich viel Wasser über die Waschbordleist« in das Boot und verdirbt die Sachen. Aber all das sind ja Dinge, die die Autobootsbesitzer wenig lümmern. Wassersport ist Volkssport, oder soll es sein, es ist notwendig, daß die zuständigen Stellen sich einmal ernstlich mit diesen Dingen befassen. In letzter Zeit ist durch die sogenannten Rennrutscher, die amerikanischen flachen Boote mit starken Außenbordmotoren. eine noch stärkere Gefahrenquelle für die Wassersportler entstanden. Im rasenden Tempo sagen diese Boote über die Seen, jede? Daddel- boot, das ihnen zu nahe kommt, schlägt mindestens voll Wasser. wenn nicht, schlimmeres passiert. Und das nennt sich dann Sport, wo doch nur der stärkste Motor und der schnittigste Bootsrumpf ent- scheidend für die Sportlichkeit ist. Auch ohne diese Rennboote ist der Wassersport in den befahreneren Geässern gefährlich genug ge- worden: wir schlagen den verantwortlichen Stellen vor, einmal eines Sonntagabends von 8 bis 9 Uhr im Paddelboot den Nordteil des Langen Sees bei Grünau, etwa zwischen dem Sportdenkmoi und dem Reichs bamnerbootshous, zu befahren: bestimmt werden sie dann einsehen, daß die bisherige Regelung völlig unzulänglich ist. Die Boote, die der Personen- uSvö Frachtbeförderung dienen, brauchen nicht in ein« neue Regelung einbezogen zu werden, da deren Führer Verantwortungsgeist genug haben, um nicht andere Menschen in Lebensgefahr zu bringen. Den übrigen Booten leg« man auf den Haupt verkehrswosserftraßen eine Höchstgeschwindigkeit aus, die auf ein absolut ungefährliches Schnelligkeitsmaß herabzu- setzen ist. Die Leute haben ja auch wirklich Zeit genug, und aus angeblichem„Sportgeist" heraus sür andere lebensgefährliche Ge- schwindigkeiten anzuschlagen, ist ein Verbrechen, und die Allgemein- heit hat ein Recht auf Sicherhett. Uni für den immer Unentwegten reserviere man bestimmte größere Seen, auf denen der Paddel- und Rudersport nicht so stark betrieben wird, etwa den Westteil des Müggelsees oder den Nordteil des Scharmützelsees, aber auf den anderen Seen muß die Geschwindigkeit der Autoboote begrenzt wer- den. Vielleicht ist auch die Einführung eines Nummernzwanges für die Hochpferdestarken Motorboote recht heilsam, um folch« rücksichts- losen Fahrer leichter feststellen zu können. Solange keine den heutigen Verkehrsoerhältnissen auf dem Wasser entsprechende Verkehrsordnung geschaffen ist, solang« empfehlen wir jedem Wassersportler, aus Grund der eingangs er- wähnten Paragwphen jeden unheilstistenden Motorbootsfahrer zur Rechenschaft zu ziehen, ein Verfahren, das recht heilsam für jene Wasserraser sein dürfte. H. E. Nachschrift der Redaktion: Wir haben diesem Notschrei eines Arbeiterwasserwanderers gern Raum gegeben. Es gibt auf dem Wasser genau so rücksichtslos fahrende Leute wie auf der Chaussee, ihnen das Handwerk zu legen, ist ein Gebot der Selbsterhaltung sür die andern. Nur scheinen uns nicht alle vorgeschlagenen Mittel tauglich. Einen Nummcrnzwang einzuführen, lehnten die Wassersportorganisationen bereits früher ab: sie versprachen, aus ihre Mitglieder einzuwirken und sie zu einem sportgerechten Ver- hallen zu ermahnen. Bei vielen bürgerlich-feudalen Berbänden und Vereinen hat diese Erziehungsarbeit aber keine Wirkung gehabt, und auch der Selbstverwaltungskörper der„Wasser wacht" ist den Wasserfahrern vieles schuldig geblieben. Einzig ein« sehr scharfe Kontrolle durch die W a s s e r a u f s i ch t s- behördcn kann Wandel schaffen. Wer leichtsinnig und leichtfertig. ohne Notwendigkeit, nur um zu zeigen, daß er ein schnellaufendes Boot hat, seine Mitmenschen in Gefahr bringt, den lasse man die ganze Härte vorgenannter Gesetzesparagraphen spüren. n •A •>�' � dkfchäfite!-Jlnseiger (Qeziwfc Jlorden-Csien. «----- f | Johann W. Alfters Q. m. b. H. < in- und ausländische Früchse ü 1 y En gros— Import S'i ; Berlin C 25, Panoramash*. 2!! 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