BERLIN Sonnabend 10. August 1929 10 Pf. Nr. 372 B1Ö5 46. Jahrgang. erscheint tiglich aasterSonntag«. Auglrich Abendausgabe de«.Vorwirts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, S.KvM. pro Monat. Redaktion und Tppedition; DerlinSW63.LindenKr.S a»ei«en»reigen Reparationsabgabe aus dem Recooong-Akt, die im Poung-Plan in etwas veränderter Form beibehalten wird. C heran antwortete, dck� Frankreich bereit fei, gewisse Garantien und Präzisionen hinsichtlich der Sachleistungen zu erteilen. die den englischen Wünschen entgegenkommen würden. Die fran- zösische Delegation würde in einer späteren Sitzung daraus zurück- kommen und gewisse Vorschläge unterbreiten.(Man vermutet, daß der französisch« Hondelsminister Loucheur mit dieser Aufgab« in einer der nächsten Sitzungen betraut sein wird.) Indessen fuhr Cheron in seiner Rede fort, um, wie bereits ob«n erwähnt, auf die letzten Ausführungen von Snowden zu antworten und verschiedene Behauptungen von Snowden zu widerlegen. Insbesondere bestritt er, daß der Verteilungsschlüssel von Spaa irgendwi« auf der Pariser Sa chv« r st än d i- gentonf«renz geändert worden sei. Än Wirklichkeit sei das nur ein« scheinbare Aenlxrung gewesen, die durchaus im Rahmen der bestehenden Verträge zulässig gewesen sei. Sr sagt« schließlich, er hoffe, daß England„nicht wegen ein paar Millionen Reichsmark" die ganze Haager Konferenz gefährden oder gar ßum Scheitern bringen werde. Darauf erfolgt« die eingangs erwähnte scharfe Ant- wort Snowdens, die zweifellos den Eindruck hinterlassen hat, daß die Log« sich gegenüber den letzten Tagen eher noch ver st eist als gelockert hat. wird durch Lautsprecher über den ganzen Platz der Republik ver- breitet. Der Anmarsch der Spielfeute und der erste Teil des Zapfen- streiche» gibt dem Istundfun? Veranlassung zu einer Reportage über das Leben und Treiben auf dem Platz der Republik. Sprecher am Mikrophon wird Alfred Braun sein. Mit diesen Veranstaltungen beginnen die Volksseiern, die die republikanische Bevölkerung am 10. Jahrestag der Republik selbst veranstaltet. Die Oesterreicher kommen! Vor dem Bahnhof grüßen große Transparente. Ueberall sieht man größere Gruppen, sie warten auf den Sonderzug aus Wien. 7 UHr 10. Der erste Zug d er- O est er re i ch er läuft ein. Steiermärker und St. Pöltener sind angekommen. Freundschafts- und Frei-Heili-Rufe begrüßen die Kameraden, di« noch am Freitag gearbeitet haben und von der Arbeit in den Zug gestiegen sind. Sie werden schnell zum Standquartier nach Neukölln gebracht und in kurzer Frist schon den freundlichen Ouartiergebern zugeleitet. 25 Minuten später sind schon wieder Kameraden aus Oesterreich da. Auch sie find schnell versorgt; denn um 9 Uhr 22 wird ein größerer Trupp aus Innsbruck erwartet. Mit einiger Verspätung läuft der Zug ein. Die wehenden Fahnen verraten, daß auch mit diesam Zuge Oesterreicher angekommen sind. Die Innsbrucker Kameraden werden von den Reichsbannerkameraden und Repubsikanern begrüßt und auch sie schnell zum Standquartier gebracht. Die Bahnhofshalle ist beängstigend voll von Reichsbannerkameraden und Republikanern, die die Wiener erwarten. Das schwarze Brett, wo der Sonder- zug angeschrieben steht, wibd ängstlich verfolgt und beobachtet. Wird doch bereits gemunkelt, der Zug habe große Verspätung. Als am schwarzen Brett angeschrieben wird, der Sonderzug habe 80 Mi- nuten Verspätung, bleibt trotzdem alles zusammen. Auch diese Stpnde Wartezeit kann die Laune der Berliner, die ihre Gäste be- grüßen wollen, nicht verderben. Die Meldungen überstürzen sich dann. Der Sonderzug hat aufgeholt, hat nur noch 1 Stunde, dann nur noch 10 Minuten und ist schon kurz nach 11 Uhr vor Berlin. Die Bahnhofsbeamten haben es nicht leicht, die Bahnsteige freizu- halten. Die Begeisterung kennt keine Grenzen. Und als der Zug in die Halle fährt, ist der Lärm der Lokomotiven untergegangen in den Freunds chojtsrusen der Berliner. Die Oesterreicher sind begeistert über den Empsang,. den ihnen da» republikanische Berlin bereitet hat. Die technischen Leiter haben Mühe, ihre Kommandos zu geben und den Zug zur Möckernstraße zu geleiten. Das Rufen und Winken will kein Ende nehmen. Nur der Bärenstimme des Neuköllner Pagets gelingt es dann, die Kameraden au» Oesterreich in Marsch zu bringen. Der Gauvorsitzende Kamerad Stelling, die Führer des Schutzbundes, Kameraden Voigt, Pastell! und Fockenberger sind zum Empfang erschienen, aber auch sie können nur den Führern des Sonderzuges die Hand schütteln. Zu Ansprachen ist weder Ruhe noch Zeit. Der größte Teil dieses Sonderzuges wurde dann dem Standquartier Im ,.Vorwärt»"-Haus zugeleitet, wo mit Hilfe der rührigen Funktionäre die Ouartierverteilung recht schnell erfolgt., Die Linzer Kamerad«» marschieren weiter nach Neukölln und werden dort untergebracht. Die Kameraden des' österreichischen Schutzbundes haben keine Zeit zur Ruhe. Sie»Üssen schon wieder um 2 Uhr antreten, denn um 4- Uhr wollen sie all« zur Kundgebung der Oesterreicher im Zirkus Busch sein.•"•< Trotz der langen Bahnfahrt sind die Kameraden frisch und munter. Ihre Kapellen spielen fleißig. Alle Strapazen werden sie gern ertragen, nachdem sie gesehen haben, daß Berlin ihnen einen so stürmischen Empfang bereitet hat. I-- Liebe Gäste im ,,Vorwäris"-Haus. Sie Wiener Schuhbundleute konzertieren. heute mittag, als in der Redaktion und im ganzen„Vorwärts". hau» an der Fertigstellung des„Abend" gearbeitet wurde, gab es plötzlich ein« freudige Unterbrechung: Es erklangen vom Hofe her österreichische Rlarschliederi Sofort waren sämtliche Fenster de, Hause» dicht belagert, und mit Tücherschwenken und freudigen Anrufen wurden die lieben wiener Schuhbündler. die dem„Vorwärts" ihren Besuch machten, begrüßt. Für einig« Augenblicke war olle Arbeit vergessen, aber kein Chefredakteur, kein Betriebsleiter war deshalb böse! Auch sie alle drängten sich an die Fenster, um unseren österreichischen Genofiea ei«„Freundschaft", einen Willkommensgruß zuzurufen. Uebrigen» bewiesen unsere Freuade, daß der Ruf der Oesterreicher, ein besonder» mufikbegabter deutscher Stamm zu sein, berechtigt ist. Vielen Dank und weiter viel Freude an eurem Besuch in Berlint Die(Schande der KpO. Kommunisten beschießen„Vorwärts"« Auto. Im Osten Berlins ist in der vergangenen Nacht«in Z e i t u n g z- a u t o des„Vorwärts" aus dem Hinterhalt beschossen war- den. Nachdem der Fahrer die Ausgabestelle am Petersburger Platz beliefert hatte, fuhr er mit dem Auto die Zorndorscr Straße entlang, um über die Eldenaer Straße die nächste Ausgabestelle zu erreichen. Plötzlich fielen aus den Gebüschen des Forkenbcckplatzes drei Schüsse, von denen zwei das Auto trafen. Der Chauffeur fand eine Kugel auf der Ladefläche des Wagens, während eine weitere Kugel durch ein« Radspeiche ging. Das dritte Geschoß hat offenbar das Ziel verfehlt. Sofort angestellte Ermittlungen, die der Chauffeur auf eigene Faust vornahm, hatten kein Ergebnis. Auch die später alarmierte Polizei konnte keine Spur von den Tätern mehr finden. Es handelt sich bei diesem Ueberfall ganz bestimmt ebenso um ein« längst vorbereitete Aktion verhetzter Kommunisten, wie bei dem Ueberfall, der in der vergangenen Nacht auf das Lokal des Genossen Siebentopf in der Muskauer Str. 35 verübt wurde. Reichsbanner- leute und Parteigenossen waren in dem Lokal anwesend, als gegen 11 Uhr eine Horde Kommunisten das Lokal zu stürmen versuchte. Mit Steinwllrfen zertrümmerten sie die große Schaufensterscheibe, wobei der Wirt leicht und ein Reichsbannermann namens Otto ziem- lich schwer am Kopf verletzt wurden. Schon Tage vorher hatten in der Gegend bekannte Kommunisten gedroht, dem Lokal und den ver- haßten Desuchem«inen Besuch abzustatten. Da» alannierte Ueberfallkommando konnte auch hier keinen der Täter sestnehmen. Die Volksbühne beschmiert? In der Lychener Straße hatten die Parteigenossen und Repubt!» kaner zum Gruß ihrer auswärtigen Gäste Transparente gezogen, die in den ersten Morgenstunden vom kommunistischen Straßenmob zerstört wurden. Daß die Kommunisten nicht einmal vor dem Eigentum der Berliner Arbeiterschaft Halt machen, beweist folgender Fall: In den Nachtstunden rückte eine kommunistische Kolonne mit Teereimern bewaffnet auf dem Bülowplatz an und b e sudelte die Volksbühne in der ganzen Front mit Teer. Wir hängen diese niederträchtige Handlung hiermit niedriger.— In der M a i n> z e r Straße in Lichtenberg wurde ein 23jähriger Reichsbanner- kamerad, der sich auf dem Nachhauseweg befand, von mehreren Kommunisten überfallen und zu Boden geschlagen. Die kom- munistischen Strolche stachen dann ndch auf den Wehrlosen ein. Hinzugerusene PoliMbeamte brachten den Ueberfallenen, der am Kopf mehrere tiefe Messerstiche davongetragen hatte, zu einem Arzt. Die Messerhelden sind leider unerkannt entkommen. In der Hochstraße kam es gestern abend um 11 Uhr zu einer Schlägerei zwischen mehreren Personen, in deren verlauf der Bohnüberwachungsbeamt« Kaub« au» der Warschauer Straße von dem Schlosser Korduan au« der Wiesenstraßl durch Messerstiche verletzt wurde. Kaub« wurde zur Rettungsstelle gebracht, Korduan wurde festgenommen. Der 25 Jahre alt« Reichsbanner Karl Z. aus Görlitz, der stch zu Besuch in Berlin aufhält, wurde kurz nach Mitternacht von unbekannt gebliebenen Tätern zu Boden geschlagen und erheblich oerletzt, so daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Später konnte er in fein Quartier entlassen werden. „Zeppelin" bereits gelandet. Friedrichshasen, 10. August. „Graf Zeppelin" ist«u» 13.08 Uhr glatt gelandet. Wer will Blutvergießen? Und wer lügt? Die„Rote Fahne* schreibt:„Die Kommunisten wollen kein Blutvergießen.* Trotzdem ist gestern leider Blut geflossen, trotzdem wird vielfach befürchtet, daß es auch heute und morgen zu traurigen Zwischenfällen kommen kann. Wie geht das zu?„Die Kommunisten wollen kein Blutver- gießen,* sagt die„Rote Fahne*— aber die anderen wollen es! „Eine Bande von sozialfaschistischen Verbrechern, die Clique der Wels und Künstler und ihre beamteten Drahtzieher, die wir aus begreiflichen Gründen heut« nicht beim Namen nennen wollen,* schreibt die„Rote Fahne* vor- stchtig,„bereiten ein« ungeheuerliche Provokation vor.'„Die Bank- direktionen'und Trustmagnaten wollen die Kommunistische Partei niederschlagen... darum koppeln sie die Reichsbannerleute los... Die Republik broucht'L eichen.* Bisher hat man allgemein angenommen, daß die Republik, das Reichsbanner, die Sozialdemokratie, Wels, Künstler und die Beamten, die die vorsichtige Redaktion der„Fahne*„aus begreif» lichen Gründen" zu nennen nicht den Mut hat— daß sie oll« keinen andsren Wunsch haben können als den nach einem im- posanten, ruhigen, unblutigen Verlauf der Versassungs- f e i e r. Die„Rote Fahne* belehrt ihr« Gläubigen eines anderen. Das Reichsbanner dürstet nach Proletarierblut und die Republik braucht Leichen. Die„Rote Fahne* und die Bezirksleitung der KPD. könnten freilich, wenn sie wollten, die verbrecherischen Absichten der W e l», Künstler und der vorsichtshalber nicht genannten Beamten ver- hindern. Sie brauchten nur die Parole auszugeben:„Kommunisten, kümmert euch nicht um die Verfassungsfeier. Laßt Anders- denkende ungestört demonstrieren— ein andermal demonstrieren wieder wir!* Sonderbar, daß die„Rote Fahne* und die kommunistisch« Be- zirksleitung nicht aus diesen Gedanken gekommen sind! Oder spekulieren sie nicht doch auf das kurze Gedächtnis der Menschen? Wie ist denn das alles gekommen? Reichsbanner und Sozialdemokratische Partei rüsteten zu den jtundgebungen des 10. und 1l. August. Sie dachten nicht anders, als daß sie genau so ungestört würden demonstrieren können, wie es die Kam- mu nisten am 1. August getan haben. Da aber erschien ein Rundschreiben der kommunistischen Bezirksleitung, das zur planmäßigen Störung unserer Veranstaltungen aufforderte. Da wßrden in der„Roten Fahne* hie sozialdemokratischen Arbeiter als „Streikbrechergarden* beschimpft und aufgefordert, gegen diese„Streitbrechergarden* genau an denselben Plötzen und zur selben Stunde zu demonstrieren, wie jene selbst. Da erfolgten die heimtückischen Uebersälle aus einsam in der Nacht nach Hause gehende Reichsbannerleute. Jetzt, wo die blutige Saat aufzugehen beginnt und wo schließ- li chauch einige Kommunisten die Folgen der Verbrechen ihrer Parteiführung zu spüren bekommen, jetzt legt man beteuernd die Hand auss Herz und erklärt:„Wir Kommunisten wollen kein Blut- vergießen.* Ist da» das Verhalten von Revolutionären? Nein, es ist das Verhalten von Leuten, die zu feige sind, um zu ihren Taten zu stehen! Die Arbeiter auf beiden Seiten.- mögen ihre Haut zu Markte tragen. Der Bursche in der„Rpten Fahne* aber wagt „aus begreiflichen Gründen nicht einmal die Namen der Beamten zu nennen.» gegen die er die idiotische Beschuldigung erhebt, sie wollten ein Blutbad anrichten! Die Kommunisten haben plumper operiert denn je. Ihre Schuld an allem, was geschehen ist und noch geschehen kann, liegt für jeden, der Augen hat, klar zutage. Kein Lügengestammel wird ihnen helfen!_ Rheinland und Weimarverfaffung. Zum Verfassungstag erläßt der Oberpräsident der Rheinprooinz Dr. h. c. Fuchs eine Kundgebung, in der es zum Schluß heißt, daß anläßlich der Feier des 10. Jahrestages der Verfassung für die rheinisch« Bevölkerung Anlaß zu besonderem Gedenken bestehe, da die Rheinland« wissen, daß die ihnen durch den Versailler Machtspruch ausgebürdete besondere Not Widerhall und Verständnis beim Reich und den Ländern gefunden hat und Regierung und Parlamente bemüht waren, der Not nach Kräften zu steuern. Bei der engen Verbundenheit zwischen Volk und Regierung im republikanischen Staat werden Reich und Staat auch fernerhin für die Notlag« des besetzten Gebietes volles Ver» ständnis haben und sich zu jeder möglichen Hilfe bereit finden. So sieht das Rheinland in der Weimarer Verfassung«inen Markstein seines Schicksals und blickt in gläubiger Zuversicht auf Regierung und Volksvertreter. Es weiß, daß das aus der Deutschen Republik neu erstanden« Vaterland Ihm Schützer und Helfer sein wird. Die Arbeiislosenversicherung. Kabineitssihung, kein Beschluß. Die in Berlin anwesenden Mitglieder der Reichsregierung ver- sammelten sich heute vormittag zu einer Kabinettsitzung, in der die Frage der Reform der Arbeitslosenversicherung auf der Tages- ordnung stand. S» wurden jedoch keine Beschlüsse gefaßt. Theater der Woche. Vom 11. bi» 19. August. Theater mit festem Spielplan. De»tlch«» Sleattr: Die Metermau».— Die»ornlkic ssrmbigk,«reiqnl». lh«a»er in Ml NiniasriiSci Stiehlt Ab 1«. Siivalcn.— Komödicnbau«! äodwetHteiff.— Zttfrttc Mi«estenii fltltMtUt.— e»stl»>ilh,>,ii Dm wirft mit heiraten. Lesfi>»s»Th«atir: Ab 12. Sollt.— Ateteopol Zheateri Blau- bart.— Salino-DMitcti Ab 1«. Wem»ebb« mein»!a»n.- Schloßpark. Dheatee Steqli»: fturiß-Ptirill.— Plata,«internarten, Gealai Internationale» Ballet«.— Steichihallia-Äeatiir Stettin«! Stinaer.-- s beater am ftottSnft«, r»,i«I,t»�»ans,r Theater mit wechselndem Spielplan. -» ftharl-Uenbnra! 11., IS. fltfiM, Borst.: lslbetio. 12.«elcht. Larft.: Dil.�auberkliiti. 1Z. Die Miifterlinaer von Nllrnber«. 1«. Boheme. Ib. Die lchware Orchidee, t«. Bin/» 17. Dil tustiaen W-ibtr oon Windsor. 18. Dir Wildschll».-«osr ,»!»,«: Bi* 16. SvBlfMtifenb. Ad i«. Dir(Iiini ftuMlet.«Sartenbiibni! Vi» sriib NM Hlntr. Nachmittagsvorstellungen. _ Dbeaier Mi Westen»: 11., 18. tzrieberik«.— RitiOpit Zsteater: 11., 18. Bwubart.— R»se.rheater, Sarteabiihne: Konzert und Bunter Teil.— Plaza, »,a«rqaTte«, Seala: 11., 17., 1«. Internationales Variete. Erstaufführungen der Ivockie. -°<»t« ,: Sofcf.- Ttalia-Thrater: mein sSannJ— S"«*»«- ckoflno-Ii««»»«: Wem MdHrt Von Paul Im Weltkrieg lebt« das Schlagwort vom kuror teutonicus auf, jener ungestümen Angriffslust der alten Germanen, und dieses Schlagwort war solange wirksam, bis man die Entdeckung machte. daß auch die anderen Stationen nicht au» Feiglingen bestanden. Noch immer rühmen sich gewisse Deutsche gern einer Roheit, die sie mit Mut verwechseln, noch immer ziehen sie die Kraft der Fäuste der schwierigeren Geistesbetätigung vor. Was in Nürnberg geschah. was sich in Schleswig begab, sind Aeußerungen einer Gemüts- Verfassung, die in der deutschen Geschichte wiederholt zum Dorschcin kam, die ebenso zum Bösen wie zum Guten gelenkt werden kann., Die Turnbewegung unter Jahn, die Blütezeit der Burschen- schaften, zeitigten ebenfalls Rvheiten, die den meisten Zeitgenossen unverständlich waren. Ungeschliffenheit des Benehmens. Unflätigkeit der Redeweife, Anpöbelung des Gegners waren ebenso an der Tagesordnung, wie heut« bei den Radikalen von rechts und links. Die Graujacken von damals waren ebenso berüchtigt wie die Wind- jacken der Hakenkreuzler, die„langhaarigen Rüpel- der Hasenheid«* standen in keinen besseren Ruf als die kurzgeschorenen Patentnationalen von heute. Aber die Triebkraft war«ine andere. Ver» stiegener Idealismus, Feindschaft gegen jegliche Unterdrückung, Haß gegen Fürsten und Fürstenknechte, gegen Pfasfen und Zen- soren, gegen Vorrecht« der Geburt und des Standes, be- dienten sich, jener, der deutschen Jugend eigenen Unbändigkelt. Aus jenen Jünglingen, die damals den iuror teutonicus zur Schau trugen, sind viele der besten Achtundvierziger hervorgegangen, viele .jener Freiheitskämpfer, denen Schwarzrotgold ein heiliges Symbol bedeutete. Was die Roheit von damals und die Roheit von heute unterscheidet, sind di« Beweggründe, ist der Geist desselben wider- wärtigen Mammonismu», der aus den einstmals idealistischen akad«- mischen Verbindung«», Agenturen zur gegenseitigen Besörderung gemacht hat. Dies« Jugend wird, vielfach ohne daß sie es weiß, als Vorspann eines zielbewußten Kapitalismus benutzt. S'e ist die Vorhut des �Revolution der Lugend." primuo-paiast. Solange es noch Schultyrannen gibt, die die Jugend martern, und Federfuchser, die nichts vom Leben verstehen, wird ein Film, der sich der Gequälten annimmt, imm«r willkommen sein. Und so gab es denn auch gestern nicht nur am End«, sondern auch mitten während de» Spiels lebhaften Beifall, und das war gut so, denn es sitzen noch viel zu viele Tyrannen im Lande und leider nicht bloß in der Schule. Freilich, geht man dem Film aus den Grund, so wird man an den lockeren Szenen, die un« in die Prima eines Gym- nasiums führen, allerlei auszusetzen haben. Man hat«inen ganz krassen Fall herausgegriffen, der neue Flachsinann heißt bezeich- nenderweis« Professor Bitterttee. Er ist ein Pedant schlimmster Sorte, der„nichts als seine Pslicht* kenns und di« jungen Leben dem Moloch seines Schulsystems opfert. Einer geht in den Tod. und als er einen zweiten beinahe ebenso weit gebracht hat, bricht die Revolte in der Klasse unter vir' gühruftgs des energischen Rudolf aus. Die ganze Klasse bricht in die Lehrerkonferenz ein und steht treu zu ihrem Führer. Der wohlwollende Direktor opfert den unmöglichen Professor, und jung und alt reichen sich die Hand. Nebenher gehen allerlei Szenen aus dem häuslichen Leben der Schüler. Auch die Liebe spielt ihre erste Rolle.* Gewiß, die Dinge sind komplizierter, und es kommt nicht bloß auf den einzelnen Mann an, der bis zu einem gewissen Grade auch ein Opfer des Systems ist: auch ist es sehr fraglich, ob im wirklichen Leben die Dinge einen solch versöhnlichen Ausgang genommen hätten. Aber trotz alledem: man freut sich dieser prächtigen jungen Menschen, die Konrad Wiene auf die Leinwand gebracht hat, und man freut sich doppelt, daß diesem Regisseur einmal'wieder ein Wurf geglückt ist. In Darstellung und Regie oerdient der Film die Not« I»(um im Schuljargon zu reden). Paul A» k o n a s gestaltet einen Bitter- klee mit allen Finessen der Charakterisierung: wie der Kerl heran- schleicht, von unten auf die Schüler mustert und, allem Menschlichen fremd, sich in seine Pslicht verbeißt, das ist meisterhaft gegeben. Unter der Jugend, di« wirtlich frisch und lebendig vor uns hintritt, zeichnet sich Rolf von G o t h als der junge Führer aus, aber auch alle anderen find recht am Platz und bestätigen die alte Erfahrung, daß der Film schon halbgewonnenes Spiel hat, wenn er neue Gesichter zeigt.___ r* „Drei Draufgänger". Ll. T. Kurfürstendamm. Syd Chaplin hat c» schwer in zweifacher Art. Cr ist der Bruder de» großen Charley: er errang mit„Eharley» Tante*«inen Welterfolg. An diesen aber dachte man viel zu oft bei der Her- stellung des neuen Films. Man verbraucht die ältesten Ladenhüter und benutzt die aller- neuesten Filmeinfälle, damit man von bösen Schwiegermüttern, verreisenden Frauen und abenteuernden Strohwitwern erzählen kann. Syd Chaplin ist natürlich der H«ld wider Willen. Er verläßt sich meisten» auf seine Kunst des Gll«deroerr«ntens und auf Ver- kleidungsscherze. In der Maske möchte er so starr sein wie Buster Keaton, aber wa» bei dem auf die Dauer unendlich ulkig wirkt, wird bei Syd schließlich langweilig. So gerät, er mehr als«inmatz auf den tot«n Punkt. Betty Balsvur, sein« Begenspielerln, Ist derartig hart photographiert worden, daß ihre persönlich« Anmut verloren geht. AI» Darstellerin verläßt sie sich viel zu viel auf ihr« Routine, und man bekommt nur einstudierte Gesten, jedoch kein wahre» Spiel zu sehen. I«ß Rod bin, und Wheeler Dryd«n» Regie ist bedenklich ungleich, steh«n doch viet zu zerdehnte Szenen ohne jed«n Uebergang neben solchen von wirbelndem Tempo. Auch hätte der deutsche Text dichter sein müssen. Er hängt sich wie brem- sende Gewicht« an den Ablauf des Film«. Trotz alledem kommen di« Zuschauer, die sich einmal ordentlich auslachei�wollen, auf ihre Kosten..«. d, 1091 kleine Planeten. Die Reihe der kleinen Planeten, die mit der in der ersten Nacht des 19. Jabrhundens entdeckten Ceres beginnt, hat nach einem Verichi der bei Hugo Bermühlcr erscheinenden Zeitschrift„Der Naturforscher* im letzten Berichtsjahr da« vom 1. Juli 1027 di» zum 30. Juni 1928 rechnet«. 140 Neumeldunaen gebracht, von denen 129 bestätigt wurden. Deutschland steht an der Spitze: 78 wurden von Reinmuth, 16 von Wols in Heldelberg«nt» deckt. In weitem Abstände folgt dann das russische Observatorium zu Sums» in Taurien mit 17. Tokio mit 9. Markau. Ucele bei Brüssel und Johannesburg in Südafrika mit je zwei, Beraedorf bei Ham- bürg mit 3 Entdeckungen. Endgültig bezeichnet sind nunmehr 1091 klein» Planeten. 9 ♦ Guimann.* geplanten Faschismus, der ihre Geistesverwirrung schon benutzt- Nicht di« Roheit ist dos Beklagenswert« an dieser Jugend, sondern ihr falscher Idealismus, der auf Gymnasien und Universitäten ge- züchtet wird. Man redet von Daterlond und meint das Kapital, man schwärmt von antiker Heldengröße und meint Unterdrückung der Arbeiter. Man soff auch vor hundert Jahren an deutschen Uni- versitäten, aber der an sich läppische Bierkomment ist heut«, wo kein irgendwie erhebender Gedanke damit verbunden ist, ein« Sache gespenstischer Mumienhgstigkeit. Wer heute auf seinen Reisen in eine klein« deutsche Universitätsstadt kommt, der erlebt Szenen von erschütternder Unzeitgemäßheit. Welch ein Anblick, wenn mitten irrt heutigen Verkehr Autos und Straßenbahnen Halt machen müssen. weil ein halbes Hundert faschingsmäßig gekleideter belassener Korps- studenten, in Leiterwagen zusammengepsercht, den berittenen Fuchs- major an der Seite, grohlcnd und brüllend aus Kneipensahrt aus- zieht. Welche Komik, wenn da« studierende junge Mädchen an der mittäglichen Kneiptasel im großen Restaurant der Ehre gewürdigt wird. d«n Saufexessen d«r unmännlichen Kommilitonen bewundernd beizuwohnen, während es in weiblicher Scheu am Limonadenglas nippt. Schon ist es ein Fortschritt, daß da» jung« Mädchen als ein nahezu gleichberechtigtes Wesen überhaupt zugelassen wird, daß di« Roheit somit einen wenn auch schwachen Dämpfer erhält. Erst w«nn di« Verachtung dieser Dinge ebenso die Sportsugend wie die Frauen ersaßt hat, werden diese Formen landsknechthafter Barbarei verschwunden sein. Ausgab« muß es sein, dem luror teutonicus ein würdiges Ziel zu geben, ihn wahrhast zu revolutionieren und statt zu einer Schutz- truppc der Ausbeuter die Jugen-d zu einer Phalanx der Aus- gebeuteten zu machen. Dazu ist unablässige Ausklärung notwendig. Alle» ist Lüge, was vom Kernpunkt ablenkt. Nicht um Schwarz- weißrot, nicht um die Abwehr d«r Kriegsschuld handelt es sich, einzig und all«!», ob die Jugend Sklavin des Großgrundbesitzes und des Industriekapitals sein will oder Dienerin des Volks und der Freiheit. Soanadevch 10. August. Berlin. 16 00 Ree-Rat Di. W. QoeU: Wir reisen mit Pricdrich dem OroBcn. 16 30 Walter Weber; Von der Eigenart der dautschcn Atislandsschilc. 17.C0 Untcfhaltungsmosik. Anschließend: Mitteilungen des Arbeltsamtes Berlin-Mitte. 18.30 Dr. Ernst Cohn-Wiener: Die Kathedralen Deutschlands und Prankreichs. 18.55 Wolga(Bildfunk). 19.00 In Rußlands Steppen(Schallplatten). 19.30 Dr. Hans-Siegfried Weber:..Deutf.chc» Land und Volk an der Saar.'4 20.00 Populäres Orehesterkontert. 22.30—0.30 Tanzmusik.— Während der Pause: Bildfunk. K d h i g s w u s t e r h a u s e n 16.00 Schulrat 0. Wollt: Stimmen der Vorkämpfer unserer Reichsverfassung. 16.30 Stadtinspektor Qillmcistcr: Die Beamten im Leben der Ocmeirtdc. 17.00 Hamburg: Nachmittagskonzert. 18.00„Vom Umgang mit Arbeitern"(ein Qesprftch zwischen Werkmeistern). 18.30 Französisch für Anfänger. 19.00 Ucbcrträgung von den Salrburger Festspielen:„Don Juan", von W. A. Mozart. Sountag, II. August. B* r I i i.*- 6.30 Prlihkomert.. f 55 Stundcntlockeospicl der Petsd. Oarnjionkircfae. 9.00 Morcenlelcr.— Qlockcnielittt de» B»rl. Doms. 10.00 Wettervorhersase. 11.00 Orgel und Chor(Schallpliltenkontcrl). 11.30 Dr. Br. Klopler: Nach den Ferfm. 12.00 Ana dem Reichstag. Festakt der Rcichsreglerung. I Händel; Concerto grouo, D-Moll.— 2. Rede des Relehsmlnltte.rs des Innern Severing.— 3. Beethoven: Ouv...Namensfeitr", op. III.—< Ansprache des Reichskanzlers oder eines Stellvertreters— 5. Gemeinsamer Gesang des DcotichUndlledej(ßerl. Slnl.-Oreh. Dir.: Oeneralmusikdir. Dr. Ernst Kunweld). 13.00 Millegskoniert. 14.00 Hölderlin.(Gelesen von Dr. W.-Leyhaüsen.) 14.30 Schallplatlcnkontert. 15.30 Märchen. Erzählt von Johanna Meyer. 15.50 Aus dem Deutschen Stadion: Fcatsplel, veranstaltet von der Reichs- reglerung, der preußischen Slaatsreglcrung und der Stadt Berlin. Ug.: Relchakunstssart Dr. Redslob. EntwnrI und Spielltg.: Josef von Ficliti. Mltw.: Qesangschor: 7500 Schulkinder. Ug.: Muslkdjr. Max Wiedemann. Bewegungschfite; 3000 Schulkinder. Männer-Sprech-Chor; Deutscher Ar- belter-Sänger-Bnnd. Fünfkampf und rhythmische Vorfllhrwigen. Während des Festspiels; Ansprache des Reichsministers v. Oudrard. Anschließend: Unterhaltungskonzert. 18.15 Bekanntgabe der Ergebnisse des deutschen Melsterschn'ftsruderns. 18.28 Dr. Wilhelm Pttrlwlngler und Stsatsminliler Dr. Hopker-Ascholf(Bildfunk). 18.30 Aus der Funkhalte am Kuiserdamm; Eröffnung des Well-Reklsme-Kon- gresses. 20.00 Ans der Staatsoptr Unter den I-Utden; Abendfeier, veranstaltet von der Reichsregierung, dtr preußischen Slaatsreglerung und der Stadt Berlin. I.eltg.: Dr. Wilhelm Furtwängler. f. Joh. Seh. Bach; Suite Nr. 3, D-Dur.— 2, Ansprache des Staatsmlnlslers Dr. Höpker-Aschoff.— 3. Beethoven: Ouvertüre„Leonore" Nr. 3.(Berliner Philharmonisches Orchester.) Anschlicßenil: Zeit, Weiter, Tagesnschrlchttn, Sport. Anschließend bis 0.30 Tang-Musik.— Während dar Pause: Bildtunk. KOnltawosterhausen. 18.30 Curt Holzel: Vom Sinn der Freude in unserer Zeit. t 19.00 Pfarrer D. F. OogarlMi; Glaube und Wirklichkeit. 20.00 Ans der Slastsoper Am Platz der Republik: Abendfeier, versnstolt I von der Ktlchrtglerung. der preußischen Stasisregierung und der Stadt Berlin. Ug.: Hefmann Scherchen. Solisten: Lulle Leonard, Sopran; Ida Hr Ih Auz,N)rden, Alt: Kurt Huzdert, Tenor; Hernann Schey. tat I Be t- hovenl Onv. zu Goethes Trauerspiel, Fgmont".— J. Ansprache des RelclUmlnliUrs t.'O. David,— 2. Beethoven: IX. Sinlqni«.(Berliner Volkschor. Der gemischte Chor Groß Berlin. Verstärktes Bfrl. Slnlcnlc- OrchOler.)_, Der WettschuktongreH für neue Erziehung, der in Helsingsor�om 8. bi» 21. August abgehalten wird, wurde DvNneriiag im Hof d«i Schlosse, Kronborg(Dänemark) in Anwesenheit von etwa ZOOO bis 4000 Pädagogen eröstnet. Aus 41 Ländern sind ungefähr 2000 Drle- gierte entsandt. Der Ministerpräsident S t a u n l n g hielt in beut, scher Sprache fcle Begrüßungsrede. Er hob die Bcdentuno der großen Frage hervor dt« in tiestn Wochen aui KrFN'-ro r i vi werden soll, nämlich die geistig« Entwicklung durch Crzicl'iln' der Kinder, und wünscht« den Verhandlungen guten Erfolg Durch die Verhandlungen auf diesem Kongreß würden d>« Bande ziLifchen den einzelnen Ländern Im Geiste der Freundschast und de» Frieden» gefestigt werden. Plecafer!tistenler( skr hie fsftflfer(Xm BtiftW"« he« i-fe' bei- ilnht Berlin hat die teliindlian her slüdllicheu 2d)!)L'iB0iilcllliii.ie: Jnit der Wßcaloibdlmt einen Sintron abflc(d)lu((eit, hcrnjitfolgt ein fltojjef Teil d-r«Mtführungen unter«rwtn Plleator« Leitung im Tb-aler am Noken. dortpta, stattfindet. Reklamewunder am Kaiserdamm. Heuie Eröffnung der Reklame-Ausstellung. wie wir in dem gestrigen vorberichl schon hingewiesen haben, bietet diese farbige Schau in den Berliner Messehallen ein nie gebotenes Bild des Interessanten. Eigentlich ist die Ausstellung eine Kunstschau, denn nur die große künstlerische und schöpferische Idee ist sähig. dem Alltagsartikel jenes Fluidum zu verleihen, das dann die Mass« in einen Kaufrauschzustand verseht. Schon das äußere Bild der Ausstellung untersteht diesem Ge- setz. Im Ehrenhof hat man die Marktplatzanlage einer alten Stadt errichtet mit all den schönen Häusern in natür- licher Größe, wie wir sie aus Goslar, aus Rothenburg o. d. Tauber, Hildesheim u. a. kennen; der Römer aus Frankfurt a. M. bildet eine Ecke des Marktplatzes. Hier soll aufgezeigt werden, wie durch Zunftabzeichen und erste schüchterne Auslagen des Handwerkerfleißes sich die Idee einer Reklame an dos Publikum wagte. In den Durchgängen dieser Häuser ist in ein- zelnen Kojen eine Sammlung historisch wichtiger und hochinter- cssanter Reklamebelege vereinigt, zum Teil in wertvollen Originalen wie die Ankündigung eines Schühenseste» in Köln vom Jahre 1501, wo das Plakat noch im Wiegendruckversahren mühevoll hergestellt werden mußte. oder die verlockenden Auswanderungsplakate aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Ebensowenig fehlen die kleinen und größere» wirkungsvollen Plakatentwürfe der Münchener Timplizissimuszeichner und bekannter deutscher Künstler, bei denen kein berühmter Name fehlt. Sie alle haben ihre Kunst mehr wie einmal auch der ReName zur Verfügung gestellt. Manches dieser schönen Blätter wirkt so verblüffend frisch und originell, daß mcrn ein heutiges Plakat vor Augen zu hoben glaubt. Ganz be- stmders Kostbarkeiten bieten die Reklamen des Kabaretts, jene seltene französisch« Kunstgattung, die mit gewagter Pinselführung in der Zeit des Naturalismus schon alles das vorweg genommen hat, von dem heute die Kunstrichtung noch zehrt. In dieser Abteilung wird auch eine alte Kupferdruckcrei vorgeführt.„Die künst- lerische Form als werbende Kraft" nennt sich die reichhaltige Sammlung, von Wintler-Leers zusammengestellt, von der hier ge- sprachen wurde. Wir gelangen in die Kojen der vereinigten Reklameverbände, in den Ausstellungslesesaal und die Bücherei, in letzterer sind über CilO Bücher, das Reklamewesen behandelnd und über 200 Werke in frenider Sprache zusammengetragen worden. In dem anschließen- den Raum von Halle l haben Länder und Städte mit teil- weise eigenen künstlerischen Ständen ihre Eigenreklame präsentiert, all das, was man heute unter dem Begriff„Berkehrswerbung" zusammenfaßt. Dazu gesellt sich die Propaganda der großen Berkehrsunternehmen, der Reichsbahnzentrale, der Schiffohrtsgesellschoften u. a. Berlin mit seiner Parole „Jeder einmal in Berlin"' tritt mit einem riesenhaften Leucht- transparent hervor. Die international-fremdenverkehrswichtigen Länder haben die Wichtigkeit dieser Schau durch die Bertreiung -ihrer Werbemittel dokumentiert. Sehr begrüßt wird es vom Publikum werden, daß die Vsr- bindung von Halle I über die Brücke der Westfalenallce zur Halle II beseitigt wurde und man dafür eine bequeme Rolltreppe eingebaut hat, von der aus die Galerie der Halle II betreten wird. Hier oben sieht man in das farbige Lichtmeer des modernen Reklomewesens, das hier auf engem Raum noch faszinierender wirkt als in den Straßen. Eine Sonderschau der Künstler im„Bund deutscher Ge- n'öchte fast die zukünftige Generation bebau erh, die m solcher fünf« tigen Lichtstadt geboren wird, ohne daß ihr zu ihren beiden Augen nicht»och ein besonderes von der Natur geschenkt wird. Aber es ist ja der Kniff jeder guten Reklame, daß sie immer- fort Nervenreize hervorrufen will, bis wir ihr unterliegen. Der Besucher, der diese Ausstellung besucht, ist daher gefangen Da wir Objektivität in den heutigen Dingen unbedingt brauchen, so ist es notwendig, daß man sich auch mit dem modernen Tyrannen Reklame auseinandersetzen muß. Besonders die Jugend, die Schulen, werden hier ein lebendiges Anschauungsmaterial erhalten. Die Koje der sozialistischen parleipreste zeigt einen Rundbau nach einem Entwurf von Professor Frenze». Inmitten der Koje steht eine Kolossalsigur. die den werktätigen Arbeiter mit dem Schlegel darstellt. In Kniehöhe befindet sich eine verkleinerte Bourgeois- Siie Stalle II mit dem Sronlbild der ,Heu en Stadl' brauchsgraphiker" fesselt durch die reiche Auswahl prächtiger künst- lerischer Vorlagen, die den Künstler und seinen Bienenfleiß uns nahe bringen. Sehr bezeichnend ist die auf der gegenüberliegenden Galerieseit« vom Hamburger Baupflegeamt Hamburgs veranstaltete Ausstellung, die ein warnendes Menetekel der Ueberschraubung von Reklame aufzeigt, wie Reklame das Gesicht einer Stadt zu ver- schandeln vermag. Die Reklameabteilung des Des sau er Bau- Hauses zeigt interessante Studien modernster Werbekunst. Ein Repräsentationsstand des Reklameschutzoerbandes unterstreicht selbst- verständlich die Wichtigkeit, die dieses Institut im Wirtschoftsbetriebe besitzt. Durch das A t r a x- L i ch tk o r betreten wir die Neue Stadt, die nun in ihrer verwirrenden Fülle von Licht, Farbe und bizarren BLifffcht'eltsn den Selbstzweck'her' Reklame'heraushebt. Man ®cr Shrenhof der großen berliner.Steklamefchau 1029' mit der.Allen Stadl' figur, die zu der großen Figur das Verhältnis der Werktätigen zu den Arbeitgebern versinnbildlichen soll. In Zahlen ausgedrückt: 82 Proz. aller Konsumenten sind Werktätige. Die Felder der Koje zeigen die nerren zukünftigen Wirt- schaftsprovinzen und die Verteilung der sozial- demokratischen Presse aus dies« auf. Ueber sechzig der bedeutendsten Parteizeitungen, darunter der„Vor- w ä r t s", liegen hier zur Auslage. Im Beisein von Vertretern von Reichs- und Staatsbehörden, der kommunalen Behörden, der Handelskammer und anderer beamteter Stellen sowie der Vertreter des Zeitungsgewerbes und anderer einschlägiger Organisationen heute- diese-großartige Schau am Kaiserdamm feierlich er- öffuet..Zur Begrüßung der Gäste nahm Oberbürgermeister Böß has Mort und- gab dem Wünsche Ausdruck,-daß die Kameradschaft zwischen her Reklamewirtschaft und dem Ausstellungs- und Messeamt der Stadt Berlin auch über dies Unternehmen und das Jahr der Reklame hinaus fortbestehen möge. Reichsminister v. Gucrard nahm das Wort zu der Eräfsnungsrede, in der er betonte, daß es das erstemal sei, daß die neue wirtschaftliche Großmacht Reklame der Welt in einer derart großartigen Lehrschau ihre Bedeutung in der deutschen Reichshauptstadt darlege. Es sprachen noch Herr Wilhelm Decher für den Reichsverband der Deutschen Reklamemessc und Herr Ernst Growald, der Vorsitzende des Arbeitsausschusses. Als letzter Redner begrüßte Mr. Hodges von der International Advertisiment Association die Bersammlung und überbrachte die herzlichsten Glückwünsche seiner Kollegen, die in einer Zahl von 1500 Amerikanern in Berlin angekommen sind, um an dem internationale Reklamekongreß teilzunehmen. Er teilte mit, daß die Amerikaner b e g«i st« r t wären von dem Eindruck, den Berlin und sein Reklamewesen auf sie gemacht habe. An die Eröffnung schloß sich ein Rundgang an. Berantwortl.'Iii die Redaktion Berlin. Lerlag: Borwärt» Verla Wolfgaag Schwarz, Berlin: Sinzeigen: Th.»lo., Berlin. Druck: Borwäri» Buch- druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SS tS, Linden straße S, Hierzu 1 Beilage. Theater, Lichtspiele usw. »V, Uhr Barb. 9256 Orljs- 3 Fratelllnl aaw. Sonnabend ii. Sonntag In 2 Vontellungen 8 u.•"> Uhr.— S Uhr ermäßigte Pr. CASIHO-THEATER Lothringer Strafte 97. Wleder-Erottnung Freitag, den 16. August SV» Uhr mit dem neuen Schlager Warn gation mein Mann! u. einem er«tkl. bunten Programm Rose I Theater, Grobe Freaktnrter Str. 192. Täglich 8.15 Uhr ZwOlf dausend Schauspiel in 3 Akten von BrnnoFraak. Regie; Paul Rose. Garteabehne 4J0 Uhr Konzert und bunter Teil 8.15 Uhr „Bis frOh um(Onle **» Werde Abonnent d. Rose-Theaters Töeat. d. Westens Täglich 8'/. Uhr Sonntag 4 u. SVs Franz Lehars Weltcrfolg! Friederike Carola Willy Thums, Telephon Steinplatz 0931 u. 51 21 Midies IMer O.l. Norden 12 310 8Us Ende gegen II Die Fledermaus Musik v.Joh. Strauß. Regie; Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Die Komödie J 1 Bismck. 2414/7516 8 U. Ende geg. 10 U. Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie; Leonliue Sagau Pianelariq« — am Zoa Vera«, lach«, Hula Slnb B.5 BarbarossaS57g 16". Uhr ßtarnbiliat dt» Sommers 18';,U, Von Pol an Pol am Sternonhimmol 20". Uhr vor Olutball der Sonne Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.; Erwachsene SO PL, Kinder 2S Pf. düb h\ühmk Täm-füifju uTfaimeit STEIHMEBER FRIEDRICHSTRASSE 96 AM BAHNHOF* rkapitän-Kantabah 15 p< IKapiHpeDliaiiener.20pl I Die Marke derFeinschmecker I in den meisten Geschäften käuflich ■ Carl Röcker, Berlin NO. 1 Cafe Schöneberg Bierbmas— Ca/d— Conditorei— FestsSle JVoupfsfro/le 23-2% lab.: Wolfgang Orange Telephon: Stephan 8618 4 Verbaodskegtlbahnen 4 Verbaadskefelbahaeri J lg lieb tatkUas. Käastlarkoazert, TrettpaaU der Scböaebtrger Bürget Kleines Theat. Merkur 1624 Heute Wiedereröffnung und tägl.S1/« Uhr Max Adalbert in NafiodirTrodten? Sanicwsky- Bohnen KomOdianhaue Norden 6304 Täglich 8"» Uhr Hodizeitiniiie mit Bsora Altiaader Netropol-Tti. Tägl. 8V. Uhr Sonntags 4 u. 8". Blaubarl Operette von Offenbach Kammers Ln SISZSIl (Staatsoper Wien) Tbsai.BmKgiui.Tgr % Kottb. Str. 6 4* Tägl.■ Uhr Elite- w Sänger Die August- Sensation Strlppkc's In der Sommerfrische LDStspielbans Täglich 8"t Uhr Du wirst mich heiraten! Rundfunkhörer halbe Preise. Winter ★ Qarren* 8 Ubr* Ztatr. 2818» Baumen erloubi| Bestes internationales Variete Sennabeeid u. Sonntag]« 2 Vorotollungon 3» und 8 Uhr. ä" kleine Preise Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, KasL-AIIee 7-4 Tel. Hb. 2246 Baztzplgl fiastel Beet. Brettl Ullen DI« laistlse Witwe Operette von Franz Lehär Dazu der grobe Varictötell, Anfang Konzert 4.80. Burleske u Varietä 8 Uhi. Operelle 8.38. leden Donocniao grober Toiksiae. jed. Mittw. Kliderlesi n. Terlotang Reichshallen-Theater (T] Uhr. Stettiner Sänger Oao groge Programm I bBillettbe$tg. Zentr. 112 63. Sonntag. 25. Aur.; Erste Kadumnafls-Vorsieilonü. zu halben Preisen. UönHoff-Brett' »arleie; Tanz: Ormezter»80» Belker. Berliner IJiK-TrlO Naukölln. W Ltluutr.74 TtL ZurOck i Dentist Walter Rieß • taatiich aaprOM für Krankenkassen JkaartPbaaarDwr Mr. M: föeilogc Sonnabend, 10. August 1929 Jtoft&ptiD �'InuV rytßo sfoX w iOMtn !>ie mirftiifit Drrfassuna«ints Landes eriliicrt nur in den reell'N tatsächlichen Machtverhältnissen, die in einem Lande bestehen: geschriebene 3Zcr. fassunaen sind nur dann von Bert und Dauer, wenn sie der genaue Ausdruck der wirklichen in der Ecsellschaft bestehenden Machtverhältnisse lind, Lassalle. Welin der französische Nationalfeiertag, der 14. Juli, an ein Ereignis von Weltbedeutung, den Bastillensturm, anknüpft, an dem sich noch heute die Phantasie der Massen zu entzünden vermag, ist der Feiertag der Deutschen Republik, der 11. August, äußerlich weit nüchterner und schein- loser; er ist fast ein Tag mit einem Aktenzeichen, denn was ihn über die 364 anderen Tage des Jahres hinaushebt, ist die Nummer des Reichs- gcsetzblattes, die die Weimarer Verfassung in Krast setzte. Schien sie damals ein Notstandskind und prophezeiten ihr auch die Wohlwollenden kein langes Leben, so Hot sie seitdem manche Knüfse und Püffe ausgehalten und tritt ziemlich rührig und rüstig in das zweite Jahrzehnt ihres Daseins, Grund genug, daß wir sie zwar nicht mit ausge- blasenen Backen als„die sreieste Vcrsassung der Welt" den Völkern des Erdenrundes anpreisen, aber doch sachlich und leidenschaftslos feststellen, was wir an ihr haben. Genau betrachtet ist die Weimarer Verfassung ein Spätling: 1843 und nicht 1319 sollte ihr Geburtsjahr fein, denn sie bestätigt und erfüllt die nationalen und demokratischen Hoffnungen, die wie jede bürgerliche Klasse in der Zeit ihres Auf- stiegs das oormärzliche deutsch« Bürgertum hegte. Damit offenbart sie zugleich grausam, wie unendlich dürftig und z«rschlisien die konstftutionellen Bc- kleidungsstücke waren, mit denen has große und gescheite, tüchtige und tapfere Volk der Deutschen fast ein halbes Jahrhundert seine Blöße bedeckte. Bismarcks Reichsoerfassung von 1871 war der Versuch, einen Eierkuchen zu backen, ohne Eier zu zerschlagen, der Versuch, die nationale Ein- heit zu schassen, ohne ihren geschworenen Fein- den, den Dynastien, weh« zu tun. Darum kam das Werk durch«ine Vereinbarung, bei der das deutsche Volk lediglich Objekt war, als ein„ewiger Bund" der Fürsten zustande. Es litt an den weiteren Gebrechen, daß, es dem Preußen der Hohenzollern die unbedingte Vormacht in Deutsch- land gab und die Millionen Deutscher in Oester- reich anscheinend für immer aussperrt«. Die Weimarer Verfassung aber ist eine n a t i o- n a l e Tat, weil sie«ine T a t d e r N a t i o n ist. Nicht wie die von 1871 diktiert« sie ein genialer Staatsmann in Kürassierstiefeln binnen weniger Stunden seinen Schreibern in ,die Feder, aber das fterzblut des Volkes strömte hinein. Ja, auf den Grund, auf das Volk, greift sie zurück und erhöht weder einen Gliedstaat über die anderen noch zieht sie nach Süden einen Trennungsstrich, wo keiner hingehört. Auch sieht sie die Möglichkeit vor, jeder Zeit die Weste auszuknöpfen und anders zuzuknöpfen, indem«in« neue Gliederung des Reichs die Grenzen der überlieferten Länder weg- wischt. Wurde Deutschland 1871 zu einem Bund, so wurde es 1319 zu einem Staal und ist sichtbarlich auf dem Wege zum Einheit« st aat. Wenn Bismarck es für unwahrschein. lich erklärt«, daß nach einem Ver- schwinden sämtlicher Dynastien das Nationalgefühl„alle Deutschen in den Friktionen der europäischen Politik völkerrechtlich zusammenhalten würde", erwies sich diese Meinung als Irrtum durch und durch. Im November 1918 verschwanden mit einem Schlage alle die Fürsten groß und klein, und stärkeren„Friktionen der europäischen Politik" war auch ein Volk nie aus- gesetzt al» nach Kriegsend« Deutschland unter dem Druck der Entente. Wohl erhoben da separatistische Gelüste den Kopf, aber im Schutze der Weimarer Verfassung behauptete sich die nationale Einheit. Hätte die konstituierende Akte der Deutschen Republik, wie die Männer von Weimar sie entwarfen, nur dieses eine Verdienst, es ge- nügte, ihnen den Dank der Nachwelt zu sichern. Noch weniger als von den nationalen Hoff- nungen � reifte von den demokratischen Blüten- träumen der 1843er Generation in der Eisesluft Bcrfaflungstag Von Bruno Schönlank Das Kaiserreich verkam in Blut und Flammen, Zn hungerqual und höllischem verdammen. Das Volk ward Schmied in glühendem Erleben Und hat sich selber sein Gesetz gegeben. wie rief es laut mit kühnem Feuerblick: „Das Deutsche Reich ist eine Republik." Merk aus, du Mann am Pflug, in den Fabrikent Laß dir nicht mehr den hellen Mut ersticken! 3n Feuerschrift sei das Gesetz geschrieben Für alle, die den neuen Menschen lieben, Und leuchte der Verfassung weitem Haus: „Die Staatsgewalt geht von dem Volke aus." Doch Schrift ist tot und leer der Fahnen wehen, Seid ihx-nlcht selber junges Zeilzoschchm. Verfassung muß von eurem Wollen singen. Zhr selber erst müßt das Gesetz beschwingen. Verfassungstag sei Schwur und heiße Tat: „Sei stark, du Volk, und sei Gewalt im Staat!" -"j der bismärckischen Versassung, denn sie schuf einen ausgesprochenen Obrigkeitsstaat, einen nur notdürftig verjchleierten Absolutismus, eine Staätsform, die dem öftclbischen Gutshos abgelauscht war: hier die Herrschaft, die befahl, dort das Gesinde, das gehorchte., Zwar gab es einen auf dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht be- ruhenden Reichstag, aber der redete nur deshalb viel, weil er nichts zu sagen hatte. Der Reichs- kanzler war dem Parlament nicht verantwortlich, soldern nur abhängig vom Träger der Krone, der a l l e M a ch t entfloh. Der Wille von 65 Mil- lionen wog federleicht neben der Laune des«inen, und auf den Klitschen der pommerschen Junker, IN den Korpskneipen des Kösener S. C. und in den Kasinos der Gardelandwehrkavalleri« steckte mehr politische Macht als unter der Kuppel des Reichs- tages, denn das' deutsch« Volk regierte sich nicht selber wie die entwickelten Völker des Westens, sondern wurde von einer Handvoll überlebter Mittelglterlichkciten regiert. Verfassung? Daß Wilhelm II. sich rühmte, nie die Reichsver- sassung gelesen zu haben, kennzeichnet den Mann wie das Papier. Die Weimarer Verfassung dagegen legt die Fundamente des Volks st aates. Ein vom Volte gewählter Reichspräsident an der Spitze, eine Reichsregierung, die dem gleichfalls vom Volke gewählten Reichstag verantwortlich ist, die Bestimmung, daß die Volksvertretung in allen Gliedstaaten aus allgemeinen und gleichen Wahlen hervorgehen muß— das gibt die Gewähk für die Entfaltung der Demokratie, jener Technik, der Staatsverwaltung, die den erwachten und er- wachsenen Völkern des zwanzigsten Jahrhunderts gemäß ist. Aber aus dem Kolleg über Verfassungswesen, das vor bald siebzig Jahren Ferdinand L a s s a l l e vor den tauben Ohren der preußischen Forischrittler las, wissen wir, daß auch Faktoren außerhalb der geschriebenen Paragraphen ein wichtiges Stück Verfassbng sein können: er nannte den König, dem das Heer gehorcht, den Adel, der Einfluß auf den König hat, die großen Industriellen und die Börse. Die Geschichte der ersten zehn Jahre Deutscher Republik lehrt, daß es auch in ihrem Rahmen Kräfte gibt, die, in keinem Paragraphen erwähnt. Stücks der Verfassung sind: der Groß- g r u n d b e f i tz, der die Bauern gegen Schwarz- rotgold verhetzt, die Großindustrie, die die schwarzweißroten Kampsverbände aushält, die Reich s we h r, die den neuen Staat nur duldet,. sie alle sind, nur leider nicht im Sinne von Weimar, Stücke der Verfassung, und wie viele Geheimräte mögen in den Aemtern sitzen und den Artikel 1 der republikanischen Konstitution „Die Staatsgewalt geht vom Volk« aus" über- legen und mitleidig belächeln! Lebendig wird, Fleisch und Blut wird die Weimarer Versassung erst, wenn die drängende Leidenschaft der arbeitenden Massen sie erfüllt. Von der Verfassung gilt das gleiche Wort wie von der Republik überhaupt: Sie ist das, was wir daraus machen. Und wir können Brauchbares daraus machen, denn auch die Arbeiterklasse, stark, geschlossen, sich ihrer Kraft bewußt, ist e i n wesentliches Stück Verfassung. Bringt sie ihr Gewicht noch mehr zur Geltung, so wird vor allem der soziale Gehalt von Wei- mar, der fünfte Abschnitt, wo er Recht und Schutz den wirtschaftlich Schwachen verkündet, leib- hastigere Wirklichkeit, als er heute ist. Die Ver- fassung birgt schürze Verheißung wie Enteignung des Großgrundbesitzes und Ueberführung privater Wirtschaftsunternehmungen in Gemeineigentum, aber sie stehen eben nur auf dem geduldigen Papier. Bon der Macht, der Stoßkraft, der Ziel- sicherheit der Arbeiterklasse hängt es ab, ob sie auch im zweiten Jahrzehnt des Werkes ibon Weimar da stehen bleiben. Die Exaltados links der Sozial- demokrati« freilich behandeln die Ver- fassung des 11. August 1913 mit wenig Gehirn und viel Spucke. Sie schreien: Kapitalistische Versassung! Formale Demokratie! Bourgeois- republik! Schon gut, schon gut, aber kein Geringerer als Karl Marx nennt die Republik einmal die„U m- wölzungsform der bürger- lichen Gesellschaft". Allein dies« Eigenschaft der 1918 entstandenen und 1319 � bestätigten Staatsform ist ein Grund für die Arbeiterklasse, nicht -zu dulden, daß junkerliche Rüpel und „völkische" Lümmel an der Weimarer Charte ihr« schmutzigen Stiesel ab- wischen. Hermann Wentel. fei W ROMAN VON WRENCE H Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden (21. Fortsetzung.) Die Sechsjährigen, die nicht an Blutoergijtung oder Erschöpfung starben, sind nun glücklich neun Jahre ast geworden. In der Zeitung steht eine Annonce:.Fnaben und Mädchen zwischen neun und zwölf Iahren... Arbeit für zwei Monate auf einer Farm... Bohnen pflücken.. >„Auf der Farm arbeiten die Kinder von halb sieben morgens bis zum Abend! Die unschuldigen Kleinen!' Mite Rosenfelds Stimme war so voll Bitterkeit und Schmerz. daß einige der eleganten Damen auf der Galerie nach ihren spitzen besetzten Taschentüchern griffen. „Diese Proletarier sind doch keine Menschen!" flüsterte die Frau des Richters der Gattin des Staatsanwalts zu..Lassen sich von kleinen Kindern erhalten!" „Ja", nickt« ihre Freundin.„Ich würde doch lieber sterben. als meinen kleinen Ben arbeiten lassen." „Roch einige Jahre," fuhr Mite Rosenfeld fort,„und der Prole- tarierjunge kann Messengerboy werden, chatz, Hätz und noch einmal Hätz! Und das zu einer Zeit, da sich der junge Organismus«nt- wickeln sollte, in den Iahren der Pubektät, da er besonderer Scho- nung bedarf. So, meine Herren Geschworenen, ficht das Leben des Prole- tarierkindes aus. Ich erwähne nicht die Kinder, die in Betrieben arbeiten, oder die vielleicht noch erschöpfendere Heimarbeit verrichten. Ich glaub«, die wenigen Beispiele, die ich angeführt habe, müßten jedem denkenden Menschen genügen. Und nun frage ich Sie, meine Herren Geschworenen, sind die Menschen, die dies- Bedingungen ändern, die den Kindern der Armen ein menschenwürdiges Dasein erkämpfen wollen, wirtlich Verbrecher oder verblendete Wahnsinnige? Kann man einem Mann, dessxn ganzes Leben Rechtschaffenheit, Fleiß und Hingabe war, einen Mord zutrauen, nur weil er die Ungerechtigkeit des kapitalistischen Systems erkannt hat und es ändern will? Der Herr Staatsanwalt behauptet, der Mord an Jack Füller käme in seiner Ruchlosigkeit dem Mord an einem hilflosen, ver- trauensoollen Kinde gleich. Ich bestreite diese Behauptung nicht. Aber, meine Herren Geschworenen, sind die Ausländer, die größten- teils unsere Sprache nicht beherrschen, eingeschüchtert von der Hätz und Unerbittlichkeit des amerikanischen Geschästslebens, nicht auch wie Kinder? Werden sie nicht langsam gemordert durch das schauer- lich« Antreiben in den Betrieben, durch die zu niederen Reallöhn« und— in Staaten und Städten der offenen Werkstatt, durch die von nichts eingeschränkte Willkür der Unternehmer? Lesoi Sie die Statistik der Betriebsunfälle, dann werden Sie vielleicht begreife», daß ein Mensch wie mein Klient gegen diese Morde protestiert hat. Mike Rosenfeld betrachtete die Geschworenen und fühlte ver- zweifelt, daß sein« Worte auf sie nicht den geringsten Eindruck gemocht hatten. Starr, mit feindseligen oder gelangweilten Ge sichtern saßen die Männer da. Man sah ihnen an, daß nur eines sie interessierte:„wann werden wir heimgehen können?" David Gordon saß kerzengerade auf der Anklagebank, seine Augen leuchteten, seine Wangen glühten. Er schien gänzlich ver gössen zu haben, wo er sich befand, focht gemeinsam mit dem Ge nassen und Berteidiger gegen das ungeheuerliche Unrecht, das allen Werktätigen angetan wurde. Was die Presse sorgsam verschwieg, was immer wieder vertuscht wurde, durfte nun endlich vor einer großen Zuhörerschaft ausgesprochen werden- Mike Rosenfeld schnürte etwas die Kehle zusammen, als er den Ausdruck auf David Gordons Gesicht sah. Seine Stimme war nicht ganz fest, da er zum Schluß seines Plädoyers überging. „Meine Herren Geschworenen, durch die Aussagen der Zeugen wurde Ihnen das ganze Leben meines Klienten enthüllt. Ich will Sie nicht daran erinnern, was die Entlastungszeugen gejagt haben. sondern nur daran, wis die hauptsächlichst« Belastungszeugin, Fräulein Crock, über den Angeklagten sagte. Sie hat ihn von seiner Kindheit' an gekannt und hat ausdrücklich erklärt, daß sie ihn für «inen guten Menschen hält, dem kein Verbrechen zuzutrauen ist. Fräulein Crock ist eine überzeugte Quäkerin und kann daher nicht als voreingenommen betrachtet werden. Und nun noch eins: drei Männer hoben ausgesagt, daß der Schneefall um half zwölf ein setzte: als Fräulein Crock das Haus verließ, war der Boden mit Schnee bedeckt: es muß daher, mindesten« dreiviertel zwölf gewesen sein. Mein Klient kann aber von halb zwölf bis ein» ein Alibi erbringen. Es ist demnach unmöglich, daß er den Mord begangen hat. Ich bitte Sie, meine Herren Geschworenen, diese Tatsache in Betrocht zu ziehen, und ich verlange den greispruch für meinen Klienten" Während der letzten Worte hatte sich ein Gerichtsdiener Fräulein Crock genähert und ihr einen Zettel überreicht. Die alte Ouäkerin setzte ihre Brille auf, starrte mst verweinten Augen auf das Schreiben und sprang dann plötzlich von Ihrem Sitz. Ehe sie jemand daran hindern tonnte, war sie bereit» mit ihren kleinen trippelnden Schritten bis zur Richtertribüne gelaufen und rief nun otmelos: „Herr Vorsitzender, einen Augenblick. Dielleicht habe Ich un- wissentlich falsch ausgesagt, mich in der Zeit geirrt. Dielletcht schlug es, als ich erwacht«, nicht elf, sondern zwölf, und ich habe den ersten Schlag, der mich weckte, nickst gehört, nicht gezählt. Um Christi willen. Herr Vorsitzender, mein« Herren Geschworenen, prüfen Sie, verurteilen Sie keinen Unschuldigen, Ich flehe Sie an..." Im Gerichtesoal entstand Bewegung, auf der Galerie schnellten Leute von ihren Sitzen, Mike Rosenfeld war totenblaß geworden. Mamie Lolton packte ihren Mann am Arm: „Mein Gott. Martin, wenn wir das beweisen könnten!" Und»in schönes junges Mädchen mit veilchenblauen Augen biß die Zähne zusammen und murmelt« vor sich hin:«Zwölf Uhr. Er war«», war es ganz bestimmt!" Der Vorsitzende macht« im»rsten Augenblick ein tödlich«r» schrockene» Gesicht, faßte sich aber rasch und herrschte Fräulein Crock an: „Ihre Zeugenaussage ist bereits beendet. Sie hoben hier nichts mehr zu sagen. Wollen Sie sich etwa eines Meineids bezichtigen?" Die alte Ouäkerin starrte ihn verwirrt an. „Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen die Wahrheit gesagt", ftannnett« sie. „Was wollen Sie dann noch?" „Ich kann mich geirrt haben, ich..." ..Schweigen Sie." Der Dorsitzende erhob sich hastig und erteilt« den Geschworenen die übliche Belehrung. Frästjein Crock wankte zu ihrem Sitz zurück. An David Gordon vorbeikommend, blieb sie stehen und streckte beide Arme nach ihm aus: „David, verzeih mir, ich wollte dir nichts Böses tun..." Ihre Stimme brach. David Cordon lächelte ihr zu, sein hartes junges Gesicht wurde gütig und sanft. „Ich weiß es, liebes Fräulein Crock. Machen Sie sich um mich keinen Kummer." „Du bist unschuldig, David, ich weiß es. Gott wird dich retten." David Gordon zuckt« lächelnd die Achseln. „Ob er gegen das große Geschäft aufkommt... ob es nicht auch ihn getauft hat..." Die Geschworenen zogen sich zur Beratung zurück. Der Auge- klagte wurde abgeführt, der Gerichtssaal leerte sich. » Diana Langtrey ging in die gegenüber dem Gerichtsgebäude gelegene Teestube, bestellt« Tee und las, während sie wartete, einen Brief, den ihr ein Knabe zugesteckt hatte, als sie eben die Galerie oerlassen wollte. Der Brief trug keine Unterschrift, aber Diana wußte auch so, von wem die energischen Schristzüge und der kurze Telegrammstil stammten: „Bin da. Habe alte Crock unsicher gemacht. Muß Calmer sprechen. Verdächtige Ralph Phillips. Katholisch« Kirche St. Antonius hält sechs Uhr Abendandachten ab. Schöner stiller Ort. Mach kein« Dummheiten." Rur der letzte Satz verursacht« Diana Langtrey Kopfzerbrechen: „Illegale Alkoholvertäufer gesellschaftssähig." Was bedeutet« das? War es sine Chiffre? Das Mädchen preßte beide Hände gegen den müden Kopf und seufzt«: wenn Brian nur nicht immer von den anderen ebensoviel Verstand und Scharf- sinn oerlangen würde, wie er selbst besitzt. Ralph Phillips— er hatte also schon von Calmer» Aussage gehört— verdächtigte Phillips. Diana Langtrey schüttelte unwill- kürlich den Kopf: sie verdächtigte einen anderen. Freilich tonnte sie ihren Verdacht durch keinen einzigen Beweis erhärten, fühlte ihn Nur rein intuitiv— und Brian O'Keefe, der stets nüchtern und logisch dachte, wird diese IntUMon ntchä öTwrfetnftn;■»' Mike Rosenfeld stand mit den Bostons mst» den Halls vor dem Gerichtsgebäude. „Was wohl geschehen ist, um Fräulein Crock plötzlich unsicher zu machen?" fragte Mamie Bolton. Mike Rosenfeld zuckte die Achseln. „Keine Ahnung. Aber die Tatsache, daß sie ihre Aussag« nicht mehr aufrechterhält, dürste ausnahmsweise«ine Revision des Pro- zesses ermöglichen." „Gott sei Dank!" „Auch eine Revision dürfte nichts nützen. David kann froh sein, wenn er mit zwanzig Iahren Zuchthaus wegkommt", meinte Ben Holl düster. Die Leutb begannen in den Gerichtssaal zurückzuströmen. Alle sahen aufgeregt aus. Wie wird das Urteil lauten? Calvin Füller nahm als einer der ersten seinen Platz wieder ein. Er war blaß und das unruhige Zwinkern seiner Augen verriet groß« Nervosität. Rur als er Diana Langtreys Blick begegnete, die ihm von der Galerie herab zuwinkte, lächelt« er und feine Züge hellten sich auf. Der Angeklagte wurde in den Saal zurückgeführt. Er war ruhig und gelassen, weit ruhiger als alle übrigen, sowohl Freunde als auch Feinde. Die Tür zum Berawngszimmer der Geschworenen össnete sich, einzeln, langsam und feierlich traten die Männer heraus und schritten an ihre Plätze. Der Gerichtshof erhob sich, um die Urteilsverkündigung anzu» hören. Der Obmann der Geschworenen räusperte sich, dann tönte seine Stimme durch den Saal: „David Gordon ist von uns einstimmig des Mordes an Jack Füller schuldig befunden worden... zum Tod durch den elektrischen Stuhl verurteilt..." Totenstille herrschte im Saal. Der früh« Winterabend war bereits hereingebrochen. Das elektrische Licht schien mit einemmal trüber zu brennen. Der elektrische Stuhl in Columbus warf seinen ungeheuren Schatten über den ganzen Saal und erfüllte ihn mit Nacht und Grauen. Schnee. „Schnee, alles dreht sich hier um die Zeit, da der Schneesall eingesetzt hat", sprach Brian O'Keefe und zündete sich«ine Zigarette an. Das Fullersviller Verteidigungskomitee, bestehend aus Mike Rosenfeld, Mamie und Martin Bolton, Ben Hall und seiner Frau. Iänos Komor und Mario Benito, haste sich an einem sicheren Orte versammelt. Auch zwei„unossizielle" Mitglieder hatten sich ein- gesunden: Brian O'Keefe und John Calmer. „Die alte Crock hat ihre Aussage zurückgezogen", sagte Ianos Komor.„Und da eigentlich sie die einzige wichtige Belastungs- zeugin ist, müßte dem Antrag auf Revision stattgegeben werden." „Müßte, müßte!" höhnte Jane Hall.„Denkt doch an Sacco und Vanzetti." „Ich weiß nicht," warf der etwas schwerfällige Martin Bolton «in, der unter den Genossen, dafür berühmt war, daß er am Feier- abend etwa zwanzig Zeitungen las und stets über alles informiert war,„ich weiß nicht, ob das Gericht nicht dennoch einen zweiten derartigen Fall vermeiden möchte.— zumindest in den nächsten sechs Monaten. Wenn wir einwandfrei beweisen könnten, wer den Mord begangen hat �7."(Fortsetzung folgt.) Rätsel- Ecke des„Abend". Silbenrätsel. Aus den Silben a a a a an ant bahn be bes bra büf da da da del den don dres e e ein el en er eu fel ga g« g«l go gru grund gu ham her j i t» ki lau len li mi mi mu, na na n« ne net ni ni no nuch ral sa san ser s«r si sta stein te ter ti ti tri un vo wald wat weiß sind 24 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben und die dritten Buchstaben von oben nach unten gelesen ein Zitat von Spinoza ergeben.— Di« Wörter bedeuten: 1. Männlicher Vorname: 2. Dinosauriergattung: 3. Deutscher Physiker: 4. Ver- band»materlal: L. Staat in Afrika: 6. Weiblicher Vorname: 7. Sumpfhühner: 8. Blum«: 9. Musikinstrument: 10. Verkehrs- mittel; 11. Vorort von Berlin: 12. Weiblicher Vorname: 13. Japanisch« Hasenstadt: 14. Kunstrichtung: 15. Nebenfluß der Elbe: 16. Dienstgrad: 17. Stadt in Italien: 1». Deutsche Stadt: 19. Bibl. Person: 20. Staat in Südamerika: 21. Gartenhaus; 22. Haremswächter: 23. WWrind: 24. Kaffeehaus in Frankreich. — kr.— Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Orientalischer Name: 4. altes Gewicht: 6. Schlingpflanze: 7 Getränk: 9. Behörde: H. Schicksal: 13. Planet: 14. eiförmig: 15 lüssigkeit: 17 Widerhall: 19 on: 21. Teil einer Pflanz«: 22. Teil de» Drama»: 23. Le- bensbund— Senkrecht: 1. Vogel: S- Fluß: 2 männl Vorname: 4 weibl Vorname: 5. Handlung: 8. männl. Vor- nam«: 10. Küstenstadt von Florida: 11 männl. Vorname: 12 Sonnengott: 16 Tier: 17. biblische Person: 18. geographischer Begriff: 20. Wasseransammlung,(ch--- 1 Buchstabe.) 19. Marchen�eswltz Oiamanträtfel. Die Buchstaben find so zu ordnen, daß die wogerechten Reihen folgendes ergeben: 1. Konsonant: 2. Altes Maß: , 3. Deutscher Hasen: 4. Ruhe- zustand eines Volkes: 6. Meeres- tiere: 7. Mathematisch« Linie: 8. Siedlung: 9. Konsonant. Die mittelste wagerechte und die mittelste senkrechte Reihe nennen gleichlautend«inen lintsrheini- fchen Badeort. � er. Kopfwechsel. Im Rheinland ist B—«ine große Stadt, die reiche Industrie, viel« Arbeiter hat. Die F— dagegen brauchen andere Kraft: da wird in Ackerbau und Viehzucht geschafft. Zu Festlichkeiten sind hübsch« C— sehr begehrt. und C— man auch gerne als Oper hört. Ganz ohne Kopf! Mit den Leuten ist's schlecht bestellt. E» mangelt ihnen Haus und Hof und Gut und Geld. sb. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Silbenrätsel: 1. Aorschach: 2. Cssipow: 3. Ztata: 4. Cherusker: 5. Suarez: 6. Bober: 7. Annunzio: 8. 7lationalii.it: 9. Ileroberg: 10. Crato. 11. Rübezahl: 12. Siegfried.— Reichs- banner Schwarz-Rot�lold. Kreuzworträtsel. Wogerecht: 1. Macdonaid: 6. Helot: 8 Rat: 10. Zoo: 12. Art: 13. Spa: 14. USA: 15. Eta: 17. Ems: 19, Tprz 21. Moral; 22. Henderson.— Senkrecht: 1. Metz: 2 Der: 3. Olaf: 4. Not: S. Dort: 7. Roste: 9. Drama: 11. Opa: 12. As«: 15. Elch: 16. Lore: 18. Sohn: 19. Tod: 20. rar. Pöfselsprung: Ein ungestörtes Glück verlangen, heißt Mondenlicht mit Netzeic fangen, den Sonnenstrahl mit Ketten fesseln, und Rosen fordern von den Nesseln.(Otto von Leixmr.) Ergänzungsrätsel: 1. See: 2. All: 3. Amt; 4. Rot; 5. vilz: S. Ruß: 7. Obst: S. Land: g. Last: 10. Cid: 11. Mord.— SaarprpbUm.- Fullrätfal: J. llngermünd»: 2. Mangtlholz: 3. Orang- Uiang: 4. Eilongebot: 5. Wertangabe: 6. Platzangst; 7.«lutorange: 8. Chorgesang. Buchstabenrätsel: I. Sur: 2. As«: 3. Rot: 4. Co{; 5. Co»; 6.(Eoa; 7. Snu; 8. Ida: 9. Cta; 10 Jlot.— ftori Legten. Geographisch« s: 1. Dresden: 2. Aachen:- 3. Sagau: 4. Rottbor: s. Osfenbach: 6. Ihorn: 7. Essen: 8. Werder; 9. Im't-r. bürg; 10. fiberfdbt 11. Aaumdurg.— Da» rate Wien. V Nr. 372 46. Jahrgang Sonnabend 10. August 1929 Woher stammt die Sonnenwärme? Das ungelöste Problem der Quelle allen Lebens. Di« letzte Quelle oller irdischen Kraftentsaltung ist die von der Sonne uns zugestrahlte Wärme. Woher aber die Sonn« dies« schier unerschöpfliche Wärmemenge nimmt, das hat die wissenschaftlich« -Aerschung bis heut« noch nicht zu ergründen vermocht, und man muß sich vorläufig noch mit einer Reihe von Theorien begnügen, von denen keine allein das Rätsel zu lösen imstande ist. Wir groß die von der Sonne nach allen Seit«» in den Raum ausgestrahlte Wärm« ist, können wir leicht berechnen, wenn wir wissen, wie groß die Wärmemenge ist, die unsere weit von der Sonne entfernte kleine Erde dauernd empfängt. Genau« neuere Untersuchungen haben ergeben, daß bei senkrechtem Sormenstand aus jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche in jeder Minut« etwa 2 Grammkalorien ausgestrahlt werden, also eine Wärmemenge, die ausreicht, um die Temperatur eines Gramms Wasser um zwei Grad Celsius zu erhöhen. Oder, um ein anschaulicheres Bild zu geben: Die jährlich auf der Erde eintreffende„Wärmesendung" wäre, wenn nicht schon die Atmosphäre einen Teil davon aufzehrte, im- stände, trotz Tag- und Nachtwechsel, jährlich eine 33 Meter stark« Eisschicht auf der ganzen Erde zu schmelzen. Und diese ungeheure Energiemenge ist nur«in Bruchteil der ununterbrochen in den un» endlichen Raum ausgestrahlten Wärme. Ewige Erneuerung der Sonnenwärme. Sie wird schon seit Jahrmillionen in immer gleicher Stärke ausgesandt, wie die geologische Forschung lehrt. Aus dem Solz- gehalt der Ozeane kann man auf deren Alier schließen, das auf mindestens 100 Millionen Jahre geschätzt werden mutz. Die Erde ist aber noch viel älter: denn in so„kurzer" Zeit haben sich bestimmt Pflanzen- usid Tierwelt nicht entwickeln können. Die Zusammen- setzung der radioaktive Stoffe enthaltenden Mineralien erlaubt die sichersten Schlüsse auf das Alter der Mutter Erde: man kommt bei manchen von ihnen auf ein Alter von ein bis zwei Milliarden Jahren, und so lange und wahrscheinlich noch viel länger empfängt die Erde schon Wärme von der unerschöpflichen Spenderin Sonn«. Wenn diese Wärm« sich nicht ewig ergänzt, dann müßte die Sonne, deren Temperatur man auf etwa 5000 bis 6000 Grad be- rechnet hat, sich allmählich abkühlen. Und da man die ununter- brachen von der Sonne ausgestrahlte Wärmemenge ja kennt, kann man ausrechnen, um wieviel Grad die Sonn« sich jährlich abkühlen mühte. Man kommt, vorausgesetzt, daß die Sonne' du$' etwa den gleichen Stoffen besteht wie die Erde, auf vier bis sechs Grad jähr- lich. Nach ein paar Jahrtausenden wäre sicher die ganze cherrlich- keit zu Ende, und dem widerspricht doch sogar die kurze praktische Erfahrung der erst ein paar tausend Jahre alten menschlichen Kultur., Auch ein einfacher Berbrennungsvorgang, also«in chemischer Prozeß, kann der Sonnenstrahlung nicht zugrunde liegen. Denn selbst, wenn di« Sonne ausschließlich aus Kohlenstoff und Sauer- stoff, im günstigsten Berbrennungsoerhältnis miteinander vermischt, bestände, wäre die Sonnenenergie innerhalb zweier Jahrtausende erschöpft, das Licht der Sonne eriojchen. Eine andere Theorie nimmt an, daß der Sonne ewig neue Kraft zugeführt wird durch ungeheure Mengen mit höchster Gefchwindig- keit in die Sonne stürzender Meteore, deren Fallenergie sich in Wärme umsetzt. Aber auch diese Theorie hält Berechnung und Er- sahrung nicht stand. Denn zur Erzeugung der gesamten Sonnen- wärme wäre ein Meteorschwarm notwendig, der im Laufe eines Jahrhunderts die Masse'der Erde aufwiegt. Da nur ein kleiner Teil aller in die Nähe der Sonne gelangenden Meteore in sie hin- einstürzt, müßte der Raum so stark mit Meteoren durchsetzt sein, daß auch auf der Erde alles Leben von ihnen zerstört und durch die von ihnen erzeugte Hitze alles verbrannt werden würde. Ein Meteorfall auf die Erde gehört aber zu den seltensten Erscheinungen. Die Theorie von Helmholtz. Di« beste Lösung dieser schwierigen Frage schien bi, vor kurzem die bereits von Helmholtz in den fünfziger Jahren des von- gen Jahrhunderts in ihren Grundzügen aufgestellt«.Fontraktions- Theorie" zu liesern. Ihr Gedankengang und ihre mathematische Durchrechnung sind sehr schwierig. Im wesentlichen beruht sie auf der Boraussetzung, die ja der Erfahrung nicht widerspricht, daß der sich abkühlende Sonnengasball sich zusammenzieht, daß er auf diese Weise dichter wird und so neu« Därmemengen erzeugt. Di« Frag« ist run. ob die durch di« Ausstrahlung in den Raum sich ergebenden Wärmeoerlust« durch die Kontraktion des Sonnenbolls ausgeglichen werden können, bzw. wie groß desien jährliche Schrumpfung sein muh, wenn sie wirNich die Quell« der«wigen Krafterneuerung ist. Die Anwendung der Gasgesetze und des Ge- feges von der Erhaltung der Energie ergibt, daß der Durchmesser des Sonnenballs sich in diesem Fall jährlich um etwa 100 Meter ver- kleinern müßte. Mit astronomischen Hilfsmitteln kann man so geringe Größenveränderungen in der Entfernung der Sonn« nicht messen: beweisen kann man also die Richtigkeit der Kontraktions- theorie auf diese Weise nicht. Man kann aber nachweisen, daß dl« allmähliche Zusammenziehung der Sonn« nicht die oll«inig« Quelle der Sonnenwärme sein kann, indem man nämlich di« Gesamtwärm« berechnet, die di« Sonne bisher ausgestrahlt hat, yon der Zeit, als sie noch ein Nebelball von..unendlicher" Ausdehnung war bi, zum heutigen Tag, und indem man weiter ausrechnet, innerhalb welcher Zeit dieser Wärmevorrat verausgabt worden s«in müßt«, wenn di« Ausstrahlung der Sonne stets gleich geblieben wär«. Mo» kommt auf den Betrag von„nur" etwa 12 bis 24 Millionen Jahre, und dieser Betrag'ist.»ach dem einleitend Gesagten, eben auch viel zu klein. Das Rätsel des Lebens. Nachdem man vor etwa 30 Iahren di« ungeheuren Kräst« er- kannt hat, di« durch den radioaktiven Zerfall gewisser Element« frei werden, hat man natürlich auch versucht, die Radioaktivität als Ursache der Sonnenkraft einzusetzen, um so mehr, als man groß« Mengen 5)«lium, da» bei jeder radioaktiven Zersetzung frei wird. auf der Sonne nachgewiesen hat. Mast kann unschwer berechn««, wieviel Radium zum Beispiel die Sonne enthalten«aßt«, damit dessen Zersetzung die dauernd ausgestrahlte Sonnenenergie erneuern könnte. Auf jedes Kilogramm Sonnemnass« kämen noch nicht anderthalb Milligramm Radium, was nicht außerhalb aller Mög- lichtest liegt. Und doch kann das Radium nichr di« Ursache der ewigen Krafterzeugung unseres Zentralkörpers Sonne sein. Man kann nämlich bei jedem radioaktiven Element die sogenannt«„Halb- wertzest" berechnen, d. h. di« Zeit, nach der die vorhandene Meng« des Elementes, gleichgültig wie groß sie ist, auf die Hülste gesunken ist. Und diese Halbwertzeit beträgt beim Radium nur 1750 Jahre. Nach 1750 Jahr«» wäre als nur die Hälfte Radium vorhanden, nach 3500 Jahren der viert« Teil und sehr bald nur noch eine so klein« Meng«, daß von einer nennenswerten Energieausstrahlung nicht mehr die Rede sein könnt«. Alles Leben auf der Erde wäre nach ein paar tausend Iahren erstorben, und nicht viel später wäre auch die Sonne nur noch«in rotierender kalter Gasball. Die pn- deren bekannten radioaktiven Element« haben zwar eine für astro- nomische Zeitläuse ausreichende Halbwertzeit bzw. Lebensdauer, aber die aus ihnen bei der Zersetzung frei werdenden Wörmemengen reichten nicht annähernd zur Deckung der Sonnenwärme aus, selbst dann nicht, wenn di« ganze Sonne etwa aus Uran und Thorium bestünde. Entweder also gibt es auf der Sonne noch andere radioaktive Substanzen, deren Energieinhalt als auch Halbwertzeit ausreichend groß sind, oder auch die radioaktiven Elemente stellen nicht die letzten Quellen der Sonnenwärme dar. Neuerdings neigt man dazu, den Zerfall der Materie, also die Atomzertrümmerung, als letzte Ursache der Wärmeerzeugung anzusehen: die moderne Physik faßt di« Materie gewissermaßen als zusammengeballte Energie auf: bei jedem Zerfall der Materie werden ungeheure Mengen Energie frei, und man kommt bei der Durchbrechung auf Kraftmengen und Zesten, die auch für astronomische Verhältnisse ausreichend sind. Da man aber über das Wesen des Atomzerfalls bis heute noch im un- klaren ist, tappt auch diese Theorie noch durchaus im Dunkeln, und man muß vorläufig noch zugestehen, daß man keinen Begriff vom Ursprung der Sonnenwärme und damit von der Quell« olles irdi- schen Lebens hat. Dipl.-Ing. A. L i o n. Vom Mo dos„kleinen Mannes". Man weist immer wieder auf dos Problem des Kleinautos hin, das weit«, weniger begütert« Kreise erhossen, und das förmlich periodisch aus dem Markt erscheint, um bald wieder zu oerschwinden. In der Tot ist das Auto des„klein«» Mann«s" in vielerlei Aus- führungsform«n manchmal auch zu einem sehr günstigen Preise in den Handel gelangt, ohne sich bisher aber durchsetzen zu können. Woran kann das liegen und welches sind die Gründe, die bisher einen» Durchsetzen des Volksautos im Weg« standen? Zunächst einmal sind sie konstruktiver Art. Man hat nämlich, indemB« st reden, ein möglichst billiges Fahrzeug zu liefern, viel- fach wenig Bedacht darauf genommen, daß auch das Kleinauto einer beträchtlichen Bean- fpruchung gewachsen sein muß. Es ist hierbei zu berück- sichtigen, daß gerade der„kleine Mann", der Geschäftsreisende, der Gewerbetreibende, seinen Wagen mehr in Anspruch nehmen muh, als etwa di« Luxusdame ihr 100-LS�Fahrzeug.■ Das Kleinauto wird also nicht nur im Stadwertehr, sondern auch vielfach über Land auf schlechten Straßen und Wegen zur Verwendung gelangen, und muß dieser Beanspruchung konstruktiv gewachsen sein. Daß das nicht immer der Fall war, beweisen die vielen Wagen, die schon nach kurzer Zeit ihren Dienst versagten. Ein anderer, ebenso ausschlaggebender Grund, daß das Kleinauto vielfach nicht die erwartete Verbreitung gefunden hat, liegt bei dem Fahrzeugbefitzer selbst. Wenn z. B. der Wagen für zwei oder drei Personen normalen Gewichts be- stimmt ist, wenn danach seine Motorleistung und sein ganzer Aufbau bemessen sind, so dürfen sich nicht drei oder vier Personen mit beträchtlichem Uebergewicht hin- einsetzen und auf fchlechten Wegen mit der Geschwindigkeit, die da« Wägelchen nur Herzugeb«» vermag, befördern lassen. Das„billige Auto". Abgesehen von der wesentlich verkürzten Lebensdauer des Zdleinauto» durch ständige oder auch nur vorübergehende Ueber- lastung, macht sich das fernerhin während seiner Betriebszest durch erhöhte Unterhaltung»- uni» Reparaturkosten bemerkbar, die gerade für den„kleinen Mann" von großer Bedeutung sind und ihm bald die Weiterhaltung seines Wagens verbieten. Es müssen die beiden vorerwähnten Gründe bei der Lösung des Problems eines Klein- wagens achtsam geprüft und in Rechnung gestellt werden. Reben der Konstruktionsverbesserung, die eine erhöhte Widerstandsfähigkeit des Fahrzeuges zum Ziele haben soll, muß Hand in Hand ein« umfassendeAufklärnngderInterefsenten solcher Kleinwagen einsetzen. Westerhin sollt« man überhaupt erneut« Versuche, den Klein- »vagen nur auf Grund de» billigen Preises auf den Markt zu bringen, entschieden ablehnen. Der täglich« Gebrauchswagen des „kleinen Mannes", den er zur Aufrechterhaltung seiner Existenz dringend benötigt, muß jeder billigen Inanspruchnahme gerecht »»erden können. Der Begriff Kleinwagen hat erst in zweiter Lini« mit seinem kleinen, das h«ißt billigen Preis zu tun. Zunächst drückt dieser Begriff seine relativ billig« Unterhaltung, also günstige Betriebskosten ans. Viele Interessenten solcher Fahrzeug« lassen sich von dem Erwerb auch »venlgkb durch den lllnschoffungspreis, als vielmehr durch die ge- fürchteten hohen Betriebskosten abhalten. Daß sie mit dieser Be- fürchtung nicht so sehr unwcht haben, beweisen fchiagend die oftmals sehr geringen Betriebzeiten längst verschwundener Kleinfahrzeug« typ«n und d«ren hohe Reparaturrechnungen nährend ihrer kurzen Sebenszett. Wenn solch ein Wagen jährlich ein« 30- oder gar SOprog entig« Kapitalatsschreibung«rforderte, so ist es sehr verständlich, daß man sich von dem Erwerb eines Kleinautos fernhält. In neuerer Zeit hoben sich nun nach Kristallisierung des Klein- wagenmarkt«» auch b«i uns einig« sehr zweckentsprechende Klein- wagentypen durchsetzen können, die bei relativ günsttgem An- schaffungsprei, konstruktiv die Forderung noch tragbar«« Unter- haltungskosten und weitgehender Inanspruchnahme verwirtlichen. Ein sehr schnittiger neuer 3/15-Kleinwag«n für zwei Personen- er- fordert z. B. an Sesomtkosten im Vahr etwa rund 1850 M. Di« Gesamtkoften je Fahrtkilometer belaufen sich auf etwa 4,6 bi» 6,5 Pf. Sdiwicrigkcitcn und Probleme. Für eine zweit« Kleinwagentype von 4 PS sind jedoch ganz exakte Betriebskostenberechnungen aufgestellt worden, deren End- ergebnisse beweisen, daß di« Unterhaltung und der Besitz«ine» Kleinautos für sehr viele kleine Leute erschwinglich ist. Da auch bei der Anschaffung sehr«ntgegentommeirde Zahlungsbedingungen beemgmicht werden kS«»«. so wäre cm sich das Klemaato«cht wehr gar so problematisch,»venn nicht anderweitige Schwierig- leiten zu berücksichtigen wären. Eine solche Schwierigkeit ist z. B. das Garagen Problem. Es ist in vollein Maße in der Großstadt, in der inan bisher trotz vielfachen Beratungen und Ueber- legungen nicht zu einer befriedigenden Lösung gekommen ist. Die wenigen verfügbaren Autoboxen werden meist zu so exorbitant hohen Mieten vergeben, daß sie für den„kleinen Mann" nicht oder nur sehr selten in Frage kommen. Behelfslösungen wie z. B. die Ausstellung von eigenen Wellblech- oder Holzgaragen scheitern auch häusig daran, daß eben der Platz für die Ausstellung nicht zur Ver- sügung steht, daß seine Lage zu dem Wohnort des Besitzers un. günstig oder unbequem ist, oder daß für die Belegung des Platzes wieder ein In keinem Verhältnis zu dem Werte stehender Miet- preis gefordert wird. Eine andere Schwierigkeit liegt in den behördlichen Bestimmun- gen zur Erlangung eines Führerscheines begründet Es{ottnhiftto nichts gegen dessen Notwendigkeit gesagt rverden, schon angesichts� einer gewissen Undiszipliniertheit mancher Automobilisten, die ohne behördliche Ueberwachung sich noch niehr als bisher austoben würden. Dafür soll aber daraus verwiesen werden, daß die Prüfung zur Erlangnug eines Führerscheines selbst unzweckmäßig ist, weil sie sich allzusehr in Theorie verliert. Der Geschäftsreisend« z. B. hat lediglich«iy Interesse daran, wie und wodurch er seinen kleinen Wagen in Bewegung setztund anhält. Darüber wären von ihm die Kenntnisse, die zu einem geordneten Straßenverkehr ge> hören, zu verlangen. Vielleicht muß er noch kleine Schäden und Störungen, die bei seinem Fahrzeug austreten können, beseitigen lernen. Alles was in dem Fahrunterricht darüber hinausgeht, ist überflüssig und die langatmigen, theoretischen Prüfungen entsprechen keineswegs der Sache. Es ist hierbei zu berücksichtigen, daß die Prüfungen aus einer Zeit stammen, die der heutigen wesensfremd geworden ist. Früher hott« man eben noch die Muhe, sich langsam und schrittweis« in die Technik des Autos zu vertiefen. Heute ist der Besitz des Kleinautos gleichbedeutend mit möglichst schneller Ingebrauchnahme. Betriebskosten. Daß tatsächlich nicht nur der Erwerb, sondern auch die Unter- haltuirg eines Kleinvutos in Grenzen bleiben, uird daß auch der „kleine Mann" nicht zu seinem Vergnügen, sondern ausgesprochen zu seiner Existenzerhaltung und-mehrung den Kleinwagen an- schassen kann, soll die nachfolgende Betriebskostenberechnung einer 4 PS-Viersitzer-Limousin« feststellen, die nicht nur die ständigen Kosten pro Jahr ergibt, sondern auch die belveglichen Kosten für 30000 KUometer festlegt: 4 PL-Viersitzer-Limousin«. I. Preis des Wagens 3335 M. chne 5. Gummi. 2. Brennstoffverbrauch 7 Äter pro 100 Kilometer. 3. Oel: 64 Kilogramm pro 100 Kilometer. 4. 260 M. für einen Satz Gummi(vierfach). Betriebskostenberechnung. Fest« Kosten pro Jahr: Abschreibung(ohne Gummi) 20 Proz..., 614,— M. Verzinsung des Kapitals 7 Proz..-,., 210,—., Steuer.............. 159.---„ Garage etwa............ 360,—„ Versicherung(nur für das erste Jahr, später evtl. w«iiger).......... 400,—„ 1743,— to; Bewegliche Kosten für 30 000 Kilometer: 1 ASatz Reifen........... 390,— Brennstvfsveibrauch etwa 2160 Liter 4 33 Pf. 693,— Oel, Fetwerbrauch etwa........ 100,— Putzmittel, Reinigen vsw........ 150,— Reparaturen(ohne Gummi) 10 Proz.... 307,— M. Gesamtkosten für 30000 Kilometer etwa. IwV 3383,- "W M. Die Kosten für 1 Kilometer Fahrtstrecke belaufen sich nach obiger Berechnung auf rund 12 Ps. für vier Personen, für«ine Perjon also auf 3 Ps. Wenn man dt« Retsogefchwindigkeit und den Reisekornsort in einer Limousin««twa gleich 2. Klass« D-Zug stellt, so fährt man für den vierten Teil des Preise» im Auto. Dies« Ueberlegung führt, ganz abgesehen von den weiteren Annehmlich- leiten eines Autobesitzes(Unabhängigkeit vom Fahrplan, Auswahl der Reisegesellschaft, erhöhten Naturgermß. erhöhte Bequemlichkeit). aanchen, der es sich leiste» kann, z» dem Besitz eines Kleinwagens. Sport, Staat, Partei. Der grundsätzliche Unterschied zwischen dem Arbeitersport und den bürgerlichen Sportverbänden ist seit der Gründung des Ar- beitersportspitzenverbandes, der seit der Zeit nach dem Kriege den Namen Arbeiter-Turn- und Sportbund führt, klar herausgestellt. Diese Differenzierung in sportlicher Hinsicht hat selbstverständlich auch den sportpolitischen Unterschied klarer hervorgehoben. Wir meinen den Unterschied im Berhältnis der Sportverbände zum Staat und damit zu den politischen Parteien. Mutzten früher die Arbeitersportoereine Gegner des Staates fein, weil er ihnen wichtige staatsbürgerliche Rechte vorenthielt, so sind sie heute anerkannte Organisationen geworden, die allerdings hier und da noch. um Vollberechtigung zu känipsen, im Grunde ge- nommen sich aber, durchgesetzt haben. Abgesehen von einigen kommunistischen Schreihälsen, die gelegenlich in den Dereinen und Verbänden ihre Parolen anzubringen suchen, stehen die Mitglied- schaften positiv zum Staat, d. h. sie arbeiten in seinen Organen und Körperschaften mit und nehmen seine Unterstützungen. Das demokratische Prinzip hat sich durchgesetzt: was im Vereins- leben als selbstverständlich angesehen wird, ist auch im neuen Staat zu finden: das Mitglied— Vereins- oder Staatsmitglied— kann durch die Handhabung seines Wahlrechtes an der Zusammensetzung der Parlamente passiv, und durch die Mitarbeit in den demo- kratischen Einrichtungen positiv an der Gestaltung des Staates mit- wirken. Damit soll absolut nicht gesagt sein, daß unsere deutsche Republik ein sozialistisches Ideal ist. Aber mit der Erkenntnis sollte auch die Verpflichtung verbunden sein, an der sozialen Aus- g e st a l t u n g mitzuhelfen, in der demokratischen Republik Demo- kraten, sozial eingestellte und handelnde Demokraten, also Sozial- demokraten zur Herrschaft kommen zu lassen. Das ist auf dem Boden und mit den Mitteln der Demokratie sehr wohl möglich, wenn— ja wenn all« Volksgenasien, die ein Interesie an einer sozialen Republik haben, diese Mittel der Demokratie handhaben lernen, wenn sie sich der Notwendigkeit einer sozialen Gesetzgebung bewußt und wenn sie willens sind, die Partei zu unterstützen, die nach Vergangenheit und Zukunft, die nach geschriebenen Statuten und ungescbriebenen moralischen Gesetzen ihre Pflicht an den ar- bellenden Massen erfüllt. Die Arbeitersportler, in der Ausübung ihres körperfördernden Wollens sehr stark abhängig von einer vernünftigen sozialen Ge- setzgebung, haben also alle Ursache, die Sozialdemokratische Partei durch Mitgliedschaft, durch Mitarbeit in ihr und b«i Wahlen zu unterstützen. Dabei wird niemand in der Partei die Arbeitersportvereine und Verbände in eine organisatorische Ab- hängigkell von der Partei bringen wollen. Das ist erst aus dem letzten Parteitag gusdrültlich festgestellt worden. Wie die Gewerk- schafts- und Genossenschaftsbewegung ihr eigenes Berbandsleben, in astem selbständige Organisationen hat, so soll und wird auch der Arbeitersport sein Verbandsleben haben und behalten. Weil sich die Sozialdemokratische Partei in dieser ihrer Auf- fassung grundsätzlich von der Kommunistischen Partei unterscheidet und weil die Arbeitersportler in ihrer übergrotzen Mehrheit diese Auffassung als richtig anerkannt und gebilligt haben, deshalb wird die Arbeitersportbewegung ihren Weg gehen und des Geschreies von links und rechts nicht achten. Sie wird sich jetzt und in Zukunft als Teil der G e sa m t a r b e i t e r s cha'f t fühlen und danach han- dein. Sie wird sowohl sozial als auch demokratisch sein, ohne da- bei parteisozialdemokratisch zu werden. Die Abendrennen. Ehmcr fährt einen Weltrekord. Die Abendrennen auf der Rütt- Arena, deren Sensation der Weltrekord über 500 Meter war, den Lothar Eh m er mit Zl,8 Sek. aufftellte, standen in der Hauptsache im Zeichen der Dauerfahrer, die«inen„Länderkampf" Deutschland gegen Italien austrugen. Zwei von den drei 2S-Kilom«t«r.Läufen holt« sich Saldow, der Gesamtsieg fiel jedoch an Weltmeister Sawall, der einen Lauf gewann und zweimal ganz knapp hinter Saldow ein- gekommen war. Ergebnisse: Dauerrennen dreimal 25 Klyu: 1. Laus: 1. Saldow 23:19; 2. Sawall 20 Mir.; 3. Manera 290 Mir: 4. Toricelli 370 Mir. zurück. 2. Lauf: 1. Sawall 23:47,8; 2, Manera 100 Mtr.; 3. Toricelli 140 Mtr.; 4. Saldow 150 Mtr. zurück. 3. Laus: 1. Saldow 23:49.2; 2. Sawall 3 Mtr.; 3. Manera 40 Mtr.; 4. Toricelli 410 Mtr. zurück. Gesamt: 1. Sawall 74,977 Klm.; 2. Saldow 74,850 Klm; 3. Manera 74,470 Klin.; 4. Toricelli 74,080 Klm. Länderklassement: 4. Deutschland 149,877 Klm.; 2 Italien 148,650 Klm. Runden-Rekordfahren: 1. F. Schamberg 15,3 Sek.; 2. Marcel Jean 15.9 Sek. Zweikampf: a) Malsahren: 1. Tonani; 2. Ehmer% Lg. b) 500 Mtr. Zeitsahren: 1. Ehmer 31,8 Sek.(Weltrekord): 2. Tonani 32 Sek.; c) 5 Klm. hinter Motoren: 1. Ehmer 5:21; 2. Tonani 130 Mtr. zurück. Gesamt: 1 Ehmer 4 P., 2. Tonani 5 P. Adolf~Huscfake'Gedenken. Zum sechsten Male jährt sich der Tag, an dem Adolf Huschte, einer der grötzteri Sträßenradrennfährer aller Zeiten, den Weg aller Sterblichen gehen mutzte. Der' Ortsgruppe Bersin der Deutschen Radsahrer-Union blieb es vorbehalten� erstmalig durch ein Straßen- rennen das � Andenken an diesen Meister, der Landstraße wach- zurufen. Das Vereinsniannschaftsrennen, betitelt„Adolf- Hufchke-Gedenken", rollt am Sonntag, 11. August, für die Senioren der Ortsgruppe auf der bekannten 50-Kilometer-Rundstrecke in Spandau. Die Meldungen, sind recht zahlreich eingegangen, so daß mit mindestens 25 startenden Seniorenmannschaften gerechnet werden kann. Die Juniore».wollen natürlich, nicht zurückstehen und messen ihre Kräfte über 30 Kilometer.. In bezug aus Meldungen reichen sie wohl nicht an ihre älteren Kameraden heran, aber im Eiser be- stimmt. Start ist ab KX Uhr auf der Falkenhagener Chaussee in 2-Minuten-Abständen. Ziel ab 7.20 Uhr auf der Schömoolder Ehausiee. Ringkampf bei Rütt. Heute. Sonnabend, um 20X Uhr. wird aüs der R ü t.t- A r e n a zum ersten Male in Berlin ein Wettstreit im freien amerikanischen Ringkampf zum Austrag gebracht, an dem die prominentesten Vertreter dieser Kampsart aus aller Welt teilnehmen. Faore-Paris, Grüneifen-Schweiz, Ehlrnchii»Ruhland und Grün- berg-Lettland, zu denen noch der Amerikaner Cyklon-Reh kommt, treffen auf die Elite der deutschen Ringer, die diesen harten Ring- spart beherrschen. Pietro-Scholz-Berlin, Buchheim-Leipzig, der Jiu- Jitsu-Meifter Möbus und vor allem Fritz Kley-Berlin werden ihr ganzes Können aufbieten müssen, um gegen die ausländische Klasse zu bestehen. Im freien Stil gibt es schnelle und hart« Kämpfe, daher ist dieser härtest« aller Kampssports auch in Amerika so sehr beliebt. Der Amerikaner liebt es, wenn mit der Ausübung eines Sportes ein gewisses Risiko verbunden sit. Man kann wohl sogen, datz der catcb as catch can Ringkampf der härteste Kampfsport Amerikas ist. Auf der Rütt-Arena werden nun wirklich «rstklassige Vertreter dieses Stiles zusammentreffen. Der Wettstreit dauert nur wenige Tage, da allabendlich vier Kämpfe bis zur Entscheidung ausgetragen werden. 5ciunelui(> ausgeschaltet! Jetzt Loughran— Sharkey am 26. September. Einem Drahtbericht aus New Dork zufolge wird am 26. Sep- tember im Dankse-Stadion zu New Jork Sharkey nicht gegen S ch m e l i n g, sondern gegen den bisherigen Halbschwergewichts- Weltmeister Tommy Loughran über 15 Runden kämpfen. Das bedeutet, datz Präsident Carey von der Garden-Gesellschaft vor der Borkommission klein beigegeben und Schmeling hat fallen lassen. Es war anzunehmen, daß die Fehde zwischen dem„Garden" und der Boxtommission nicht von langer Dauer sein würde, aber ganz unerwartet kommt, daß Carey so plötzlich von Schmeling abrückt. Denn gerade durch das energische Entreten der Gorden-Ges«llschaft für Schmeling haben sich die Dinge so zugespitzt, daß die Box- kommission Schmeling und seinem Jnteressenvertreter Jacobs die Lizenz entzog und auch dem„Garden" die Lizenzentziehung in Aussicht stellte, falls er d-n Kampf Schmeling-?-Shark«y veranstalten würde, bevor Schmeling seinen Verpflichtungen gegenüber Bülow und Fugazy nachgekommen. Es ist möglich, daß das Verhalten Careys nur ein geschickter Schachzug ist, um es mit der Box- kommission nicht zu verderben, hat doch die Garden-Gesellschaft den gegenwärtig auf einer Rundreise befindlichen Schmeling wissen lasten, daß der mit ihr getätigte zweijährig« Kontrakt nach wie vor besteht. Trotzdem ist durch Careys Vorgehen die Situation für Schmeling ein« ganz andere geworden. Ihm wird nun doch nichts anderes übrig bleiben, als seinen Interessenvertreter Jacobs, der ihn in diese Situation gebracht hat, fallen zu lasi«n und die durch Bülow eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Die ganze Schmelingaffäre entwickelt sich also immer mehr zu einem Boxkampf der verdiensthungrigen Manager. vie Europaflieger wenden. Wellcrthig durch Rumänien nach Ungarn. lieber Turin, Mailand, Venedig und Zagreb war die Spitzen- gruppe der Europarundflieger im Laufe des Donnerstag bis nach Belgrad gekommen und blieb dort bis Freitagmittag liegen, da- mit die weiter zurückliegenden Bewerber aufschließen konnten. In den frühen Morgenstunden des Freitag traf aus Venedig zunächst der Deutsche K n e e r mit seiner Junkersmaschin« in Zagreb ein und setzte nach kurzem Aufenthalt den Flug noch Belgrad fort. Ihm folgten bald darauf die fünf Italiener Lombard!, Castoldo, Masozzi, Gelmetti und Benazati. Der Iunkersslieger Roeder hatte beim Start in Zagreb Schwierigkeiten, kam schließlich aber doch bis zur jugoslawischen Hauptstadt. R e h r i n g war dort schon um 9.29 Uhr eingxtrossen, nachdem er in Zagreb einen Defekt am Benzintank behoben hatte. Zwölf Minuten nach Nchring tonnte sich auch der Deutsche Ha gen meyer auf Klemm in die Belgrader Kontroll- liste einschreiben. Ihm folgten um 10.04 Uhr der Tscheche Kieps, um 10.11 Uhr der Deutsche O f f e r m a n n auf BFW. und die Italiener Suster und Bottala, um 12.28 Uhr der Deutsche K n e e r und um 12.46 Uhr Lombardi. Kurz nach 12 Uhr mittags starteten in Belgrad vier Gruppen zum 450 Kilometer entsernten Wendepunkt Bukarest mit vorheriger Zwischenlandung in der rumänischen Grenzstation Turnu-Severin. Einer der aussichtsreichsten Deutschen, Friedrich A l t e m e y e r auf Raab-Katzenstein, mußte kurz vor Venedig eine Notlandung vornehmen, wobei seine Maschine stark beschädigt wurde. Er wird wahrscheinlich auf die weitere Teilnahme verzichten müssen.• MwicUocUilb Magdeburg gegen Brandenburg. Am Sonnabend spielen in Rosenthal, Hauptstraße, FTGB.- Rosenthal-Jugend gegen Arbeitersportverein Tegel um 18 Uhr und die Männer gegen Nowawes um 19 Uhr, FTGB.-Often 2. Männer spielt in Hohenschönhausen, Sommerstraße, um 18 Uhr gegen FTGB.-Südost 1 und die 1. Männermannschaft spielt um 19 Uhr gegen Frei« Turnerschaft Friedrichsthal 1. Am Sonntag finden des Verfassungstages wegen die Spiele nur in der Provinz statt. Turner- schast Brandenburg hat zu ihrem Sportfest Magdeburg-Fermers- leben als Gegn«r für die 1. Abttg. Vorher spielt die Jugend gegen Nowawes. FTGB.-Süden fährt nach Luckenwalde zur 1. Abtlg. Freie Turnerschaft Velten 2. Männer empfängt Nauen 1. Männer. Freie Turnerschaft Wilmersdorf 1. Männermannschaft besucht Freie Turnerschaft Trebbin 1., während Fri«drichsthal 2. Nowawes 2. als Gegner hat. Ein Sommcrfcst auf dem Wedding. Das Kartell für Arbeitersport und Körperpflege im Bezirk Wedding veranstaltet heute, Sonnabend, ein Sommersest im Garten der Hochschulbrauerei, Amruner Strohe Ecke See- straße. Aus dem reichhaltigen Programm erwähnen wir: Sport- liche Vorführungen, Gartenkonzert des Berliner Blasorchester unter Leitung des Kapellmeisters Habedank. Im Saal Tanz. Im gelben Saal Simultanspiele der Freien Arbeiterschachvereinigung Groß- Berlin. Eintritt 50 Pf Familien können Kaffee kochen ob 15 Uhr. Ab 17 Uhr Konzert. Beginn der sportlichen Darbietungen 19 Uhr. Partei- und Gewerkschostsgenossen werden um Unterstützung des Sominerfestes gebeten. Die mitwirkenden Dereine haben sich stet» bei Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. 18. oder IS. August? Berlins Arbeiterschaft geht zum RAST! Das große Vorhaben der Berliner bundestreuen ArbeitersportleS am 18. August in den Rehberg«n hat auch die„Opposition"(lies Kommunisten) nicht ruhen lassen. Si« fürchtet einen Massenauf- marsch zum rechtmäßigen Reichsarbeitersporttag durch den für die Zukunft jede Möglichkeit genommen wird, den Arbeiter-Turn- und -Sportbund und weiterhin die ganze Arb«itersportbewegung als Firmenschild für unlautere„revolutionäre" Zwecke zu benutzen. Da mußte schleunigst eine Gegenaktion geschaffen werden, zu der man „parteilose" Arbeiter und„revolutionäre" Unorganisiert« sammeln und gegen die„Reformisten" in der Arbeiter-Sportbewegung mobil machen kann. Da die eigenen schwachen Kräfte nicht ausreichen dürften, wurden aber zugleich für den zum 25. August ebenfalls in den Reh- bergen geplanten„Roten Arbeiter-Hport- und Kultur- tag" sämtliche kommunistischen Heerscharen ausgerufen. Gegen die „reformistischen Spalter" in der Arbeitersportbewegung sollen also aufmarschieren: Das sogenannte Arbeiter-Sport- und Kulturkartell, 1, Kreis(Opposition), International« Arbeiterhilfe, Rote Hilfe, Internationaler Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit, die Kommunistische Partei, Bezirk Berlin-Brandenburg-Lausitz, Kom- munistischer Jugendverband, Jung-Spartaku»-Bund, Arbeitsausschuß der oppositionellen Freidenker, Roter Frauen- und Mädchenbund, Prooinzialausschuß der Erwerbslosen, Radio-Bund. Da hätte man sie also alle wieder einmal schön beisammen, um die„revolutionäre" Macht abschätzen zu können. Einige neutrale „revolutionäre" Deckadressen fehlen zwar noch, aber immerhin: d i e ganze kommuni st ische Kumpanei marschiert or.r 25. August gegen die deutsche Arbeitersport- bewegung aus. Bei den Praktiken der Berussrevolutionäre aus der Kleinen Alexanderstraße kommt also bei der ganzen Gegen- aktion nichts weiter heraus als ein« der landläufigen ioirnnunistijchen Parteidemonstrationen. Es wird jedem klar werden, daß solche Demonstration acht Tage nach dem RAST, in keinem Fall« der„proletarischen Einheitsfront", sondern nur dem haßerfüllten Kamps gegen eine vor- wärtsschreitende sozial! st ische Arbeitersport- bewegung dienen soll. So können nur Reaktionär« handeln! Es ist deshalb klar, daß sich von solchen Bestrebungen kein ehrlicher Arbeitersportler mehr einsangen lassen kann. Di« Berliner Arbeiter- sportbewegung steht heute wieder in sich gefestigt da, an ihrer Stärk« werden alle Angriff« von links und rechts zerschellen. Die verfehlte Parole zum 25. August ist nur ein Versuch, dem unaufhaltsamen Auflösungsprozeß mit schwachen Kräften zu begegnen. Der Tag der Arbeitersportler ist der IS. Augustl Ihre Marsch- route geht Leopoldplatz— Volkspark Rehberge zum Reichs-Arbeiter- Sport-Tog!_ Wer gewinnt, kriegt Keile! Den Berliner Sportlern ist noch das wenig rühmliche Gastspiel der uruguayanis chen Meistermannschaft„Rampla-Iuniors" im Posffwdion in Erinnerung. Diese Auchsportler, die ihre Holzereien Sport nennen, scheinen nur nach allgeineiner Landes- sitte gehandelt zu haben, denn nach einer spanischen Zeitung haben sich vor einigen Tagen beim Gastspiel des ungarischen Fußball- Meisters m Montevideo tolle Szenen abgespielt. FTE. Budapest war-es gelungen, die Olympiastegennannschaft Uruguays knapp 2 zu besiegen. Arme Ungarn! Warum macht ihr das? Die„gerechte� Strafe dafür blieb denn auch nicht aus. Als nämlich Ungarn da» dritte Tor schoß, brach ein ohrenbetäubender Lärm los. Man scheute sich nicht, Dreckklumpen, faules Obst und sogar Bierflaschen nach der siegenden Mannschaft zu werfen. Beim Verlassen des Platzes bekam der ungarische Mittelstürmer einen derartigen Tritt in das Gesäß, daß er wahrscheinlich auf dem weiteren Verlauf der Wettspielreise Statist bleiben dürste. Drei weitere ungarische Spieler hinkten, von ihrem„ritterlichen" Gegner„liebevoll" angesaßt, vom Platz. Der Schiedsrichter nahm ebenfalls gegen die Ungarn Stellung. Scheinbar hat die kochende Volksseele noch nicht genug Opfer gesehen, denn man verlangt ein Revanchespiel, wobei sicher- lich mehr Revanche als Spiel zu sehen sein wird. Ein zweiter Sieg dürfte den Ungarn teuer zu stehen kommen. Und all diese Dinge sind der Fifa(dem internattonalen Fußbolloerband) noch nicht Beweise genug, solche„Spieler" aus dem Amateurverband autzuschließen. Ja, es sieht herrlich aus im bürgerlichen Sport! Per„Davis-Cup" ein gutes Geschäft! Einem Berliner Tennisoereins-Mitteilungsblatt entnehmen wir eine interessant« Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben der Davis-Pokal-Treffen, die Deutschland zu bestreiten hotte. Danach ist die Sache ein sabelhaftes Geschäft geworden. Das Treffen gegen Italien soll angeblich gerade mit Pari, also gleichen Ausgaben und Einnahmen, abgeschnitten haben. Di« beiden Berliner Ler- anstaltungen aber waren ein Bombengeschäft. Das Tennisstadion von„Rot-Weiß" war bekanntlich an allen Tagen völlig ausverkauft. Es waren, so schreibt dieses Blatt, beim Treffen gegen England etwa 45 000 M. Gewinn zu verzeichnen und gegen Amerika ungefähr 65 000 M. Weiterhin wird auf Grund dieses Zahlenmaterials von einer zunehmenden Popularität des Tennissports gesprochen. Da stimmt Verschiedenes nicht, denn nie- mals ivaren das Volkspreise, die man da draußen im Grunewald angesetzt hatte. Wenn der billigste Platz beispielsweise 2 M. und der teuerste 12 Mark kostet, dann hat man keine Berechtigung von „volkstümlichen Preisen" zu reden. Infolgedessen waren auch mehr feudal«„Sehleute" draußen, die nur da waren, weil man dabei gewesen sein muß, als Leute aus den breiten Volksschichten. Es muß einer schon allerlei Geld zuviel haben, wenn er drei Tage nacheinander immer zwei Mark für Sportveranstaltungen ausgeben kann. Diese Art von Tennispropaganda wird nie den Weißen Sport populär machen können Ein finnischer Hirfchseld? Wie„Jdrottsblad«t"-Stockholm meldet, gelang es dem bisher noch wenig bekannten Finniänder Annas W a h l st e d t bei einem Sportfest am Sonntag in Helsingfors die Kugel 15.66 Meter weit zu stoßen. Er hat damit den alten finnischen und skandinavischen Rekord des Finnen Iärvinen um beinahe einen halben Meter überboten. Mit diesem neuausgetouchten Talent ist dem deutschen Wetttekordmann Emil Hirschseld-Allenstein ein nicht ungefährlicher Konkurrent erwachsen. Der junge Finnländer scheint überhaupt auf ollen Gebieten begabt zu sein, denn es gelang ihm auch ein Hochsprung von 1,90 Meter. Das springt in Europa nur die Extraklasse, Menord-Frankreich und Köpke-Deutschland. Wetter für Berlin: Heute nur zeitweise Aufheiterung, keme wesentlichen Niederschläge. Wenig Temperaturänderung, schwache veränderliche Winde.— Für Deutschland: Größtenteils wolkiges und mähig warmes Wetter, Nachlassen der Niederschläge im Osteq und Süden, im Südwesten vielfach aufheiternd.