Morgeuausgads Hr. 373 A löd 4«.Iahrg einer der denkwürdigsten Tage in der Gefchicht« der Deutschen Repu, hoch hinauf mit einer festlich gestimmten Zuhörerschaft gt- füllt hatten, unter der man ungewöhnlich viel« Parlamentarier au» den drei Weimarer Parteien wahrnahm. Eine geschmackvolle Au«- siattung der Bühne, die in wirkungsvoller Weife einen U ebergang von der rotbraunen Täfelung des Zuschauerraumes zu einem tu den- jclben Farben gehaltenen zeltförmigen Festraum auf der Bühne vermittelte, stellte sofort da» Gefühl der Verbundenheil zwischen de« viele» haaderte» ira Zuschauerraum und deu Vlänaeru auf der Sihne»od o» Vortrag vpult her. Breite schwarzrotgoldene Bänder liefen rings mu da» Bühneuzelt. Im Hintergrund wir es von einem riesigen Reichsadler ge- schmückt, vor dem dann später sich das Bundesbanner de» Reichs- danners emporrichtete. Um die Balustrade der Ränge liefe» grün« Kirlanden und unter diesen wiederum breite schwarzrotgoGen» Bänder. Diese an sich einsache Dekoration erzeugte mit der pracht. vollen wannen Tönung des Raumes eine gehobene Festftlmmung. Das Programm wurde eröfnet durch Beethovens E g m o» t- Ouvertüre, gespielt von dem Philharmonische» Or- ch e st e r unter der hingebenden und aufreihendeu Leitung Dil- h e l m K n ö ch e l s. Es konnte keine schönere und erhabenere Ein- leitung zu dem Fest geben als das wunderbare Werk de» größten deutschen Tongcnius. Dann trat, von lebhaftem Beifall empsangen. Alfred Beierle an die Rampe, um mit seiner gewaltigen, den Riefen- räum umspannenden Stimme Karl Brögers Lorspruch„Zehn Jahre B o l k s st a a t" zu sprechen. Zehn Zahre sind gekomen, sind gegangen. Seitdem das Haus der Deutschen neu geweiht, so begann das wunderbare aus der Zeit geschöpfte Dichtwerk unsere» Dichters Br.öger und schloß mit den Worten: Die Republik ist nicht in Glanz geboren. Doch uns gchörk sie, bleibt uns unverloreu. Das Publikum verstand sofort den Sinn dieser monumentalen Worte, die ein Versprechen und eine Gewißheit für die Zukunft sind, und dMitt« mit dem Sprecher auch dem Dichter durch rauschenden Beifall. Ann folgten die Reden, und wiewohl sieben Redner sprachen, waren diese sieben Ansprachen deswegen so wirkungsvoll, weil sich ein jeder Redner Selbstbefchränkung auferlegt hatte und in einem iurzeu Zeitraum wichtig« Gedanken zusammengedrängt hatte. E» sprachen in dieser Reihenfolge Stelling, der Gauvorsitzende de» Gaues Berlin de» Reichsbanners, Oberbürgermeister B ö ß. Berlin, Iu-liu�Deuts ch, Wien, Reichsmlnister S ev e ring, Preußischer Minister hirtsiefer in Vertretung de» Reichsministcrs Wirth, Oskar Meyer und Theodor Leipart, der Borfltzende de« Ä DGB. Ungemein bezeichnend für die freudige, begeisterte Ettm- wyng der ganzen Zuhörerschaft war es. daß jeder Redner bei seinem Anscheinen am Pult aus da» lebhafteste applaudiert wurde, und daß sich auch der Dank der Zuhörer am Schluß der Reden in smrken Beifallskundgebungen aussprach. Räch den Ansprachen ver- einigten sich der sMännerchor Ficht e-Gevrgina und der B er> liner Söngerchor, Mitglied des Deutschen Arbeiter-Sänger- tundes mit dem Philharmonischen Orchester zum Bor- trag des von Richard Dehme! verfaßten und von Oskar Fried ver- lonten Erateklede». Der Dirigent Wilhelm Knöchel verstand es, die im Mühlentakt gehämmerten Rhythmen und Worte zu fast überwältigender Wirkung zu steigern, so daß das Publikum, vollkommen in dem Bann des Herr- liehen Kunstwerkes, zu stürmischem Beifall hingerisien wurde. Ge- tragen von diesen Wellen hingebender Begeisterung betrat dann Bundespräsident Otto h ö r s t n g, der Begründer und Leiter de» Reichsbanner», da« Podium, wiederum von Beifall überschüttet. Die Worte, die hörsing sprach, verrieten dem, der ihn noch nicht tonnt«, ganz und gar den Menschen und den Mann hörsing. Sie waren ganz s chl i ch t, ohne rhetorischen Schwung? es war, als wenn ein nichtiger Maurer unermüdlich, aber in voller Zielklarhett und auch im vollen Bewußtsein des eigenen Werte, und de» eigenen Können« Stein auf Stein mauert, bi» das Werk dasteht und den Meister lobt, der dann bescheiden zurücktritt. Zum Schluß seiner Ansprach« folgte» die Zuhörer seiner Aufsorderung, erhoben sich und sangen, unter. stützt von dem Orchester lind den prachtvollen Stimmen der belden Monnerchöre, stehend M« dritte Strophe de, Deukfchtoudttede». Diese drei Worte, die ein jeder kennt und ein jeder viel« Mol« ge- sprachen und gesungen Hot: Einigkeit--Recht— Freiheit senkten sich mit ihrer suggestiven Kraft erneut in die herzen der vielen hundert Männer und Frauen, die sie mtt innerer Erregung und tiefster Anteilnahm« sangen. Sa stellte dieser Abend in seinem durch die Kunst der Rede und die Kunst des Gesanges geschlossenen und«inhettliche» Aufbau einen einzigartigen Auftakt für den heutigen Tag dar. E» war, wie wen» rar einem Riesenportal gewaltige Vorhänge beiseite geschoben werden und das Volk im Glanz der emporsteigenden Sonn« in die Zukunft hineinschreitet. Ministerpräsident a. O. Stetling dantte den Freunden vom österreichischen Repitblikanischen Schutz- bund und ihrem bewährten Führer Dr. Julius Deutsch, der«« sich lvotz oller Schwierigkeiten nicht nehmen ließ, on diesem Ehrentage der Deutschen Republik teilzunehmen. Als Träger und Verfechter des großdsutschen Einheitsstaatsgedankens erklären wir auch heute erneut unseren Im ernsten Ringen mtt den heimwehren stehenden ötterreichischen Brüdern: Wir wollen sein e>n einig Volk von Brüdern, in keiner Rot uns'trennen und Gefahr. Wir stehen heute (im Vorabend jenes Tages, an dem vor zehn Jahren in Weimar die Berfassung der Deutschen.Republik geschasfen worden ist. Nach einem furchtbaren Meer von Blut und Le,den zerbrach der alle Militär- und Obrigkeltsstaot. Auf seinen Trümmern muhte neu gezimmert iverden der Volksstaat, tue junge Deutsche Republik. Von harten, ichweren Kämpfen wurde sie insbesondere in den Straßen Berlins »mtobt. Dem starken Einfluß de, späieren ersten RetchsprSlidznlcn Friedrich Eberl, dessen wir auch heule in stiller Trauer und Vchmul gedenken, ist es zu verdanken, daß der Kongreß der Arbeiter- ond blit. Die Weimarer Derfasiung lebt nicht nur, sie ist im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens au innerer Krast ge wattig erstarkt. Die Republik ist gesichert, da» Aundament unser«»»tm» Stoatnwese»» steht Mt Jetzt handelt e» sich dar«», da» Gebäude, da» ans diesem gemdame« errichtet worden ist, so auszugestalten, daß auch der ärmst« Sohn Deutschland» sich darin wohl fühlt. Und ha ringen heute noch zwet Gewalten mtteinander. Der immer schwächer werdenden Front der- jenigen. die diose Repudtik zu einer ihren Geldsackinteressen dteeen- den ausgestalten wollen, ficht die starke Front der Mchrzaht der törpertich und geistig Schaffenden gegenüber, deren Ziel es Ist, dieser Republik entsprechend der Weimarer Versasiung wahrhast sozialen freiheitlichen Inhalt z» gebe«. Do« Reichsbanner hat in diesem Kampfe um die soziale Republik in Gemeinschaft mtt den rrpublika- Nischen Parteien seinen Mann gestanden und wich e» auch ent- sprechend seiner Ihm selbst gestellten Mission in der Folgezeit tun. Mit der Tatsache, daß die Rezerdlik gefestigt ist, können sich leider einzeln« Glieder unseres Volkes nicht abfinden, deshalb meiden sie. wie die hakenvreuzlertf che» Studenten, die verfasiungsfeier oder ste schmähen sie und die Republik, wie die Kommunisten. Trotz aller Feinde der Republik, mögen sie mtt Verleumdungen, mtt Mordwaffen oder Domben. Attentaten und Verhetzung der Reichswehr arbeiten, trotz de» Versagen» eine» großen Teile» der deutschen Justiz fleht die Derfasiung von Weimar und mit ihr die Republik fest and aaer- schütterlich da. Sie wird auch nicht in ihren kleinsten Fugen zittern durch das angekündigte Volksbegehren des sogenannten Reichs- ausschusies für da» deutsch« Volksbegehren, dieses Sammelsuriums von Reaktionären aller Schattierungen und aller deutschen Gaue. Wir Republikaner brennen auf den Moment, wo uns Gelegenheit gegeben wird, den Herren von recht»«ine verdiente Niederlage bereiten zu können Mit frohem Mut, mit stolzer Kraft und unermüd- licher Energie wollen wir unter unseren dewährten schwarzrot- goldenen Fahnen kämpfen für unser Ziel, für die freie deutsch« soziale Republik. Oberbürgermeister vöß betonte in seiner Ansprache: Das neue Berlin bekennt sich gern and freudig zur Repubtik. Es fetzt sich für die großen Gedanken der Weimarer Reichsoerfasiung ein: für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Berlin will heute eine Stadt fein der Arbeit. Es will der Welt zeigen, daß da» deutsch« Volk den festen Willen Hätz im friedlichen Wettbewerb der Arbeit das deutsch« Vatertand wieder auszubauen. Da»»eu« Berlin ist sich bewußt, daß die Republik nicht Klasseaprivllegiea ond Klassengegensätze derVorkrtegizeitfnrtschleppe» darf, es ist bestrebt, in allem seinen Tun dem sozialen Gedanken Raum zu geben und die Trennungsstriche zwischen den einzelnen Volksschichten, wsdesondere zwischen Bürgertum und Proletartatz auszumerzen. Bewußt dient es dem Volke als Ganzem. Die Berliner Veranstaltungen des Reichsbanners werden auf» neue de» weifen, daß wir Reichsbannerkameraden mft Kopf and Herz, im Leben und tm Tod arbeiten und kämpfen für dt« deutsche Demo- traft« und die Deutsch« Zlepubkik, für da» deutsche Volk und da» deutsche Datertandl Stürmisch begrüßt betrat bau» Xaticmolrof Or. IalwS Vraffch-Wie» das Rednerpultz Er sprach al» Repräsentant de»»sterretchifchen Schutzbunde». A!»im Jahre ISIS dt» deutsche Versasiung de- raten wurde, sa führt« er au», erschien der damalige Gesandte der deutschösterreichifchen Republik, Prosesior Ludo hartmann, im Ver- faffungsousschuß. In einer damal» viel beachteten Red« gab er der Hoffnung de» deutschösterreichischen Volke, Ausdruck, daß dem fov> «ata« Weschuch da» Auf»»««»getz»pkU»»H<»Nu« deub» scheu Stämme, den der verfasiungsentrours vorsah, da» da» materielle Recht folgen werde, nämlich die praktisch« Durchführung des Anschlusses Oesterreichs cm Deutschland. Diese Hoffnung hat sich bi» jetzt nicht erfüllt. Di« Macht der Siegerstaaten und die für da» Deutsche Reich ungünstige politisch« Konstellation waren stärker als der heiße Wunsch unseres Volkes. Aber so wird und so kann«» nicht bleiben! Die Welt hat sich welter vorwärts entwickeltz aus dem Weg« der Verständigung der Völker müssen wir sortschveite». Auch der Anschluß würde der vesrtedemg diene». Er ist wahrlich kein feindseliger Ltt gegen irgendein.and««» Volk und er soll auch nicht gegen andere Völler erzwungen werden. Rein, wir sind fest davon überzeugt, daß der Anschluß tm Weg« der Verständigung möglich istz Die bereits eingetretene und sich un- wcigerlich weiter vollziehende Berändenmg der polttischen Lag« läßt für dys deutsche Volk nunmehr auch Aktionen aus eigenen Kräften zu. Lange bevor es möglich sein wird, den Anschluß formal zu voll- ziehen, läßt er sich in mancher Beziehung materiell durchführen, ohne daß auswärtig« Mächt« hindernd eingreifen könnten. Deutschland und Oesterreich können durch Angleichung auf den Gebieten des Rechte» and der Verwaltung, vor alle« aber durch eine konsequente gemeinsam« haadelspolttit«tue» Zustand schaffen, der praflisly dem Anschluß nah« kommt. Zu dieser praktischen Anschlußardev rufen wtr«n zehnten Jahrestag der Weimarer Verfassung auf. Die demot rätst chea Kräfte Deutschlands, die schon in den Sturmtagen der Revotutton von lBi8 für die große deutsche Republik gekämpft haben— sie find unsere Hoffnung! Die deutsch« Demokratie, vereint mtt den Demotratten aller Länder Europa», wird unsere Sache zum Sieg« führen! Reichsinttemninifter Geveriag. In einem Blatte der Rechtspresse Hab« ich heut« abend gelesen, daß die Veranstvtter der diesjährigen Verfassungsfeier wenig Psychologie bewiesen haben. Ich tun kein Fanatiker. Wenn mir jemand gute Lehren erteilt, frage ich nicht nach dem Ursprung, und ich habe«ingehend darüber nachgedacht, od dieser Vorwurf be- rechtigt istz Und so muß ich denn meinen potitijchen Gegner fragen, ob wir psychologisch richtig gehandelt hätten, wenn wir in diesem Jahr leisegetreten Hütten. Im vorigen Jahr war in Frank- furt von mehreren Rednern und Freunden gesogt worden, das Reichsbanner habe die Verpflichtung, mit gutem Beispiel voranzu- gehen und«ine Art Abrüstung zu betreiben insofern, als man nicht mehr das größte Gewicht auf Aufmärsche und Uebungen legen solle, sondern die Hirn« und herzen der Republikaner so zu beein- flussen, daß ihr« Besitzer zu guten Staatsbürger» werden. Es ist nicht bei diesen Borschlägen und Reden geblieben. Der Bundesvorstand hat ihnen die Praxi» folgen lassen. Di« Kurs«, die in allen Bezirken Deutschlands mit dieser Tendenz abgehalten war- den sind, zeigten den guten Willen des Reichsbanners, sich nicht allzu oft auf der Strohe zu zeigen, sondern an jedem einzelne» Karoevaden Erziehungsarbeit zu leisten, hat mm diese» gut« Betspiel Nachahmung gefunden? Das Gegenteil ist eingetreten: vi« Herren von der anderen Fakullät haben sich wieberhott verschworen, sa oft ihre Märsche aus der Straß« zu betreibe«, M» sie eines Tagt» f» stark frw Genick umzudrehen. Wir habe« an» aar de» starke»«orte» de» stvhese» ha» Vtohl» Helm nicht gefürchtet, aber ste wäre» dach ein« Art v t i» w»» g»- barameter, und st« haben an, tetne veruatassung gegeben, zu beschließen: am zehnten Jahrestag der Republik bleiben«tr zu Haufe und zeigen kein« schwarzrotgoldenen Fahnen. Rein, wir sind allzu lange stehe» gebliebe» slellhaster Belfalh. jetzt wollen wir nicht mehr mtt großen Worte», sonder, durch die Tat- fache, daß da» Reichsbanner sich tu Berlin»erfanun�t Hotz gm Ausdruck bringen: Wenn irgendeiner aerrneffea sei» follt«, de» Wolde» de» Nmeden- burgischen Stahlhelmsührer? die Tat folgen zu lassen, j» wird er aus uns und unseren Gegenwillen stoßen. Ich kann als« nicht stnden. daß es richtig sitz was unsere Gegner sagen, daß wtr za wenig psychologisches Verständnis bewiesen haben. Di« Staatsmänner de» Reichsverfassung und Lugend. Schüler-Redeweitbewerb zum Verfaffungsiag. Im zwesten Deutschen Echülerrebewettbewerd über da» Thema „52 eiche Aufgaben stellt die Reich»»« rsassung der Deutsch»» Jagend?�, der am Sonnabend in der Hochschule für Politik stattfand, erhielt der Instertmvger Oberprimaner Echaumana den ersten Preis, eine Amerif areife. Vier Geldpreise erhielten ein Essener,«in Charlottenburger, ein Beuchen er und«in Berliner Schüler, die au» dem gestern stattgesundene» Au»- scheidunsswettbewerb für die einzelnen Bezirk« hervorgegangen waren. Selbst der erste Preisträger, dessen Rede formal und inhakvich wirtlich al» best« zn bezeichnen war, ließ, wie all« Wettbewerber. dt« spezifisch jugendlich« Beurteilung der Verfassung oermissen, die neben den Forderungen der Reichsversassung an die Jugend auch umgekehrt die Erwartungen hätte aussprechen müssen, die die Jugend den Vollstreckern dex Verfassung entgegenbringtz Da» allzu Erwachsen« sämtticher Reden erwähnte auch der Leiter der Hochschule für Politik, Dr. Han» Simon», in feiner Krtftk am Schlüsse der Veranstaltung. Sehr erfteullch war die Wendung in der Red« de» ersten Preisträgers, der an den bekannten Vorspruch, die„Präambel", der deutschen Verfassung anknüpfte, die deherrschende Tendenz, die gegen Krieg und Völkerhaß, für Völkerversöhnung und Welt- frieden, auf Grund staatsbürgerlicher republikanischer Gesinnung gerichtet war. Die Jugend müsse an der Berwirkllchüng des Staats- ideal» des großen Philosoph«» Kants mitarbeiten, an dem Aufbau einer„Gemeinschaft sittlicher Persönlichkeiten". Allzu optimistisch war die Bedouptung, daß der deutschen Jugend die wissenschailliche Erkenntnis bereits von aller Tendenz ungetrübt durch die Schul« oermittett werde. Ebenso gelang es bis heut« noch nichtz gegen den Widerstand des Besitzes die frei« Entfaltung der Fähigketten aller Schüler nach den Besttmmungen der Verfassung durchzusetzen. Der zweite Redner, Hirsch selb- Chart»ttenburg, rief zum Kampf gegen allen Standesdünkel, gegen den Untertanengeist de» alten Regimes auf. Für den Geist der Demakrott», zu der Deutsch- land lang« reif sei, zeigten zwei Redner geringe» Verständnis, die nur pie neu« Sportbewegung unter dem Gesichtspunkt de» Ersatz«» für den akten MMtarisnm» sahen und de» großdeuifch-rezmbktani, sehe» Ettchettsg«danke» mtt der Propaganda der Kolontalpoltttt i» eine» Topf«arfenl Der Kampf gegen die„JtriegsschnthlÜge", tar ffbr M» „national en" Kreis« die einzig entscheidend» Frage»ach den Krieg, Ursachen verdrängt, durfte natürtich nicht fehlen.— Gin« Aussprach« de» amerikanischen General« kausal», der die geplant« Lmerlkareif« de» erste» Preisträger» als Mittel zur Erzeugung der völkerverbindenden Gesinnung»- gemeinschaft, besonder» de? jungen Generation feiert«, wurde mtt großem Beifall aufgenommen. Das guie Werk von Weimar. Tfthkchisch'sozialistifthe Anerkennung. Prag. 10. August. Das Hauptorgan der tschechischen Sozialdemokraten„Pravo Lidu"(Volkbrecht) befaßt sich in einem Leitartikel mit dem Zehn- jahrsubiläum der Weimarer Verfassung und schreibt: Deutschland Hab« in diesen zehn Jahren einen bedeutenden Schritt vor- wärt» gemacht. Der' republikanische und demokratisch« Gedanke habe sich eingelebt, und er erstarke, so daß heut« auch dl«, die gegen Weimar gekämpft haben, die Dergeblichkeit ihre» Kampfe» einsehen. Die Weimarer Derfasiung sei die Demarkationsllal« zwischen dem asten Deutschland Bismarck» und dem neuen Devifchland. das trotz seiner wirtschaftlichen und militärischen Niedertag« von neuem im Erstarken begriffen, aber nicht mehrderSchrecken Europa» sei. sondern ein vollgültiger Faktor in der Harmonie der europäischen Politik. Es habe dies bereits einig« Mal« b e- wiesen und zeige diesen guten Willen auch setzt. Daß dieser grundlegende Umschwung in den Anschauungen des deutschen Volkes nicht nur betont, sondern auch verwirklicht wurde, sei einer her größten Vorzüge und Verdienst« der Weimarer Verfassung. Äuslanv« rMen, daß die DNlenskuadAetmngen der denkschen Nari» nalisten nicht den Willen des großen deutschen Lölkes darstellen. Si« sollen wissen, daß da, große machtvoll« Reichsbanner den Iricdenswillen und den frieden verkörpert. Wir bekommen Ratschlöge ans allen(fchen, aber denen, die fie ans erteilen, können wir raten, daß sie sich nicht die Köpse zerbrechen sollen. Das Reichsbanner und seine Hilfsorgane müssen so lange auf dem Posten bleiben, bis die Parteien so weit sind, daß si« nicht nur den Willen zur Macht, sondern auch die politische Macht s« st t n Händen haben. Die Reichsmacht muß so ausgebaut werden, daß sie nicht nur aus Paragraphen besteht, sondern sich aus einen starken Willen des ganzen Volkes stützt. Zeigen wir uns also auf d« Straße, damit dos Volk die Ueherzeugung gewinnt, daß die, die bereit find, den Volksstaat mit chxem Leben zu schützen, auch immer da sind. ?n Vertretung des im Haag befindlichen Reichsministers Dr. Wirth sprach der preußische Dohlfahrtsminister hirksiefer. Die rst« Verfaffungsfeier 1S20. so sagt« er. omrde in seh? de. scheidener Weise oon Dr. Wirth veranstaltet, von Jahr zu Fahr wurden die Feiern schöner und größer, bis wir diese prachtvolle, von der Begeisterung de« Massen getragene Feier haben Wir verdanken sie dem Reichsbanner und wir dürfen uns mit ihm freuen, welch« Fortschritte die deutsche Republik im Herzen des Volkes gemacht hat. Staatssekretär a. L. Dr. Weyer stellte mtt Eemigtuung die innere Festigung der Republik fest. Wir dürsen aber nicht die- senigen unterschätzen, die unser Werk zu stören suchen. Wir sehen di« Diktaturfreunde von rechts und links, Faschisten und Latsche- wisten, sich skrupellos bemühen, an» den Röten unserer Zeit hegerisch für sich Kapital zu schlagen. Und wir sehen weiter eine Menge schwankender Gestallen, di« zwar erklären, daß sie sich„auf den Boden der Tatsachen" stellen, aber geflissentlich dem klaren Bc- kenntnis zur Republik und ihren Symbolen, vor allem zu ihren Farben Schwarz-Rot-Go!d aus dem Weg« gehen. Wir danken dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, daß es di« Arbeit der republi- ionischen Parteien wirksam unterstützt, und wir wünschen, daß es erfolgreich fein Wirken fortsetzen möge, bis es dereinst zur Selbst- Verständlichkeit geworden ist, daß der deutsche Bürger in der Republik feine politisch« Heimat ehrt. Deiparl. Vorfihender des ADGV. Die Reichsverfassung von Weimar hat vor zehn Jahren der Arbeiterschaft die Tür zum Eintritt in den Staat, zum Eintritt in da» öffentliche Leben de» Staates geöffnet. Bis dahin bildete die bürgerliche Gesellschaft den Staat, sie beherrschte den Staat und regiert« über die Masse der werktätigen Bevölkerung. Die bürger- lich« Gesellschaft war aber nicht da» Volk. Die gewaltigen Massen der Arbeiterschaft in Stadt und Land, deren Zahl ständig gewachsen war, standen isoliert außerhalb der Gesellschaft. Sie durften für di« Gesellschaft arbeiten und für da» Volksvermögen Wert« schaffen, durften Steuer» zahleo und den Mllitärdienst leisten. Aber si« hatten bi, 1918 in Preußen Vicht einmal das gleiche Wahlrecht. Erst die Verfassung von Weimar hat diese Ungerechtigkeit, hat diese Benachteiligung der Arbeiter aufgehoben. Jetzt ist nicht mehr die bürgerlich« Gesellschaft der Staat, sondern nun geht di« Gtaatkgewalt vom gapzen Volk äu». Run ist auch die Artxiterschaft in d«n Staat«ingatreten, ist auch si« im Staat«„zu Haus«". Di« Arbeiter wissen den W«rt diese» Zuhaus« zu schätzen. Sie sind«ifrig am Wert, es auch für sich wohnlich zu gestatten, und si« werden sich nicht wieder herausdrängen lassen. Der Volks» staat. den wir jetzt haben, soll allen Gliedern bc« Volk«» da» Best« gebm«. von ihm erwarten auch di« Ardeiter für sich da, Best«, in der Gegenwart sowohl wi« in der Zukunft. Di« Millidnen- Heere der Arbeiterschaft, vereinigt und geschult in den großen Kemerkschaft»v«rbänden, sind das stark« Fundament für die sicher« Existenz des Volksstaates. Sie sind auch das schützend« Vollwerk, an dem jeder Angriff auf die Verfassung scheitern wird Wochenende im Haag. Oer franko-britische Gegensah. � England räumt das Nhemland. Deamienbeförderungen. In den preußischen Verwaltungen. Anläßlich des Verfassungstages haben di« preußischen Verwaltungen eine größere Zahl von Deamtenbefdrderungen vollzogen. In der Justizverwaltung sind über zwanzig Richter befördert und versetzt worden, die Unter» richtsverwaltung hat vierzehn Privatdozenten zu a. o. Professoren ernannt, zehn Oberregierungsräte werden zu Landräten und Polizeipräsidenten im Bereich des Mi- nisteriums des Innern befördert: u. a. wurde der Regie- rungsotzepräsident von Harnack in Köln mit der Verwaltung der Stelle des Regierungspräsidenten in Merseburg be- auftragt. � � Mit der vornahm« dieser Beförderungen nnd Ver- setzungen ist zum ersten Mal« in größerem Umfange die Ab- ficht durchgeführt worden, das p-rionliche Schicksal der Be- amten im Freistaat mit dem Verfassungstage der Republik zu verknüpfen. Die Bauern und die Republik. Ein klares Bekenninis. Dl«.Deutsch« Bauernzeitung", da» Organ der.Deutschen Bauernschaft", vsröffentticht in ihrer letzten Rümmer zum Geburt?- tag der Derfassung folgende» klare Bekenntnis zur Republik: Der zehnjährig« verfossungstog soll olle Bauern ohne Au». nähme aufriilleln. Den fortschrittlichen Bauer soll er n o ch f e st« r >n seinem Streben und in seinem Idealismus machen. Der Weg zur deutschen AepubVk. in der jsder für das Gcsamtwohl mitverantwortlich ist. die Bedeutung des Volk». stoot«, und der Demokratie für«in freies, selbständiges und starke« Bauerntum muß allen Derufsgenossen gezeigt und ein- geprägt werden, wenn di« deutsche Landwirtschaft sich von Hemmschuhen befreien soll, dl« ihr im staatlichen Leben wie Im Wirtschaft- lichen Existenzkampf zum Verhängnis zu werden drohen. Darum sind die Versasiung von Weimar und die demokratische Staoissorm wesentlicher Bestand, eil naserer Züverstchl für ein« gesicherte Zu- kunsl deuischen Bauerntum«, deshalb freuen wir nn». durchdrungen von dem Gefühl wahrer Bolksaemeinschafl, de» sefilichen Tage» Im Schmucke der Farbe« Schrvarzrolgold. der versossungsfeter uujere» zukunstsfroheo. sich wieder emporrlagendeu, gslleblen deutsche» Bater laude». V. Seh. Haag, 10. August.(Eigenbericht.) Di« erste Konferenzwvche ist unter den trübsten Anzeichen zu Ende gegangen. Vielleicht wird das Wochenende so beruhigend auf die Gemüter wirken, daß um Montag doch noch eine Entspannung eintrllt. Aber die Lage ist am Sonnabend womöglich noch k r i- t l s ch e r als am Tag« zuvor. Selbst In englischen Kreisen ist man jetzt über die— gelinde ausgedrückt � sehr undiplomatisch« Sprache Philipp Snowdens am Sonnabendvormittog etwas er- staunt. Man weist allerdings daraufhin, daß Snmvden durch die Erklärungen Briands am Freitag von der französischen Press« geradezu provoziert worden sei. Auch die Tatsach«, daß Chäron durch seine neu« Red« eine Vereinbarung, wonach man in der Sonnabendsttzung lediglich um die Sochlieferungen debattieren sollte, gebrochen hat, Hab« Snomden schwer perstimmt. Indessen bestreiten die Franzosen, daß eine solch« feste Vereinbarung bestanden Hab«, während sie von den Engländer« entschieden de» houptet wird. Snowden soll versichert haben, daß er für bevollmächtigt« französische Unterhändler, die ihm dtskutierdar« vor- schlage im Sinne seiner Resolution unterbreiten würden, jederzeit Zu sprechen wäre. Bisher ist ket« Franzose zu ihm gekommen, vielmehr scheinen di« Franzosen daraus zu warten, daß England den ersten Schritt tut. Aus belgischer Seite möchte man fm vermMek« uad c sogar angeregt, daß die Deutschen sich als Mittler tu» Zeug legen sollte». Aber« wäre wohl besser, wenn die Deutschen sich»ach wie ver in diesen Gläudigerstveit nicht einmischen. Das einzige, was die Deutschen tun kännen, Ist. etn« Einigung in der Frage der Sachleistungen zu erleichtern. Etwaige Anregungen nach dieser Richtung werden gegenwärtig in der deutschen Delegation zwischen den Rclchsministern Curtiu» und Hilferding und ihren Ressort-Mitarbeitern erwogen. Zu der Rede des britischen Handelsministers Graham beabsichtigt Dr. Eurtius am Montag Stellung zu nehmen, falls dann dieser Punkt weiter beraten wird. Das ist aber noch keineswegs sicher, denn Snowden hat ja zuletzt gebieterisch gefordert, daß endlich seine Resolution bis- kutlert wird, und die Franzosen und Itoklener werden daher am Montag nicht umhin können, Farbe zu bekennen. Bleibt e, bei dem am Donnerstag von Ehäron, pireM und Zaspar ausgesprochenen»Rein", dann fliegt die Konferenz zweifellos aus. Di« politischen Fragen stehen stimmungsmäßig und«ch tatsächlich und verhältnismäßig günstiger, als die finanziellen. In- dessen ist man auch am Sonnabend nicht positiv vorwärtsgekommen. weil Briand offenkundig bestrebt ist, die Arbeiten der politischen Kommission zu verzögern, solang« über da» Schicksal der fi- nanziellen Diskussion, also der gesamten Konferenz keine Klarheit herrscht. Es ist bezeichnend, daß das mn Freitag eingesetzt« Zuristenkomitee bisher überhaupt nicht zujammengetrrte» 1 ist, well da» französische Mitglied Fromageot orreist ist nrib die Franzosen überhaupt noch keine Borschläg« bezüglich der famosen Feststellungs» und Vergleichskommission unterbreitet haben. Da» ist bei ihnen offenbar Taktik: st- fürchten nämlich, daß man sich zu schnell über den Komplex der Rheinkindräumung einigen könnte, und daß nachträglich die Konferenz wegen der anderen finanziellen Differenzen zwischen den Gläubigern scheitern könnte. In seiner Erklärung an di« ftanzöflsch« Presse hat Briand ausgeführt, daß di« Bedeutung der politische» Feagen auf der Haager Konferenz diese finanzielle« Frage» wett überragt. Das Ist auch die oon Henderfon zum Ausdruck gebrachte Auffassung. Aber dann ist der Widerspruch, den Briand gleich im ersten Satz seiner Erklärung wiederholt, daß die Lösung der politischen Pro- bleme von der Lösung der finanziellen Problem» abhäng«. Do» ist die bekannte.Lunetim-Thes«. deren Berechtigung Deutsch« land prinzipiell stet» bestritten hat. Praktisch hat man sich allerdings auf dies« Verbindung einlassen müssen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Aber natürlich muh diese Politik ein« Grenze haben. Es ist ein unerträglicher Gedanke, daß.«eil sich Franzose» und Engläude? über den Joung. Plan nicht einigen können, da» Rheinland weiter beseht bleiben soll, obwohl Deutschland nicht da» geringste dafür kann, und dt« finanzielle Einigung nicht au Deutschland scheitern wird. Das hat auch Briand in seiner Erklärung gegen Snowden� aner- formt, als er scharf betonte, daß von den sechs Mächten fünf also auch Deutschland— sich über die Annahm« des Doung- Plane» grundsätzlich geeinigt hätten. Di« will Frankreich nnter diesen Umständen die wettere Rhcinlandbesetzung überhaupt noch reckstfertigen? Das wäre eine Illoyalität sondergleichen! DI« Franzosen bemühen sich eifrig, die Deutschen für di« Stel- lungnahme gegen Snowden zu gewinnen und sie mtt Argumenten zu beeinflussen, wie daß die Engländer durch ihre Haltung die Rhemlandräumung gefährden. Man mag über die Haltung Snowdens denken wie man will, aber man muh jedenfalls ent- schieden ablehnen, si» ln seiner Beurteilung de« englischen Auf- treten» durch diese unhaltbare und geradezu erpresserisch« Argumen- tation beeinflussen zu lassen. Jedenfalls ist über die Absichten der Engländer hlnfichMch der Rheinlandräumung kein Zweifel mehr vorhanden: heuderson hat der deutsche» DelegaNon milgeieilt, daß dl« englische Arbeiterreglerung bereit, Vorkehrungen getroffen hat. damit noch vor Beginn der Bölkerbuadsversammlung Ansang September die Räumung durch die englische« Truppe« bereit, in vollem Gange sein wird, gleichviel, mte die hooger Konferenz ausgeht. Macdonald kommt nicht nach dem Haag. London. 10. August. Premierminister Maedonald flog heut« morgen von Qossiewouth, wo er seinen Urlaub verbringt, nach Edinburgh, wo er nachmittag, eine Besprechung mtt Sir Horac« W i l l o n, dem Sekretär im Arbeits ni ini st«rium, über den KonfKkt in der Baum- Wollindustrie hat. Es wird nachdrücklich festgestellt, daß der Premierminister n i« m a l» di» Absicht hatte, nach London oder dem Haag zu stiegen, um w die Verhandlung«» der Reparattonskonferenz einzugreifen. Oer Streit Snowden-(5h6ron Seigelegt. V. Lad. Haag, 10. August.(Eigenbericht. Der durch die Rede Snowden» hervorgerufen« Zwischenfall Ist ans folgend« köstliche Art beigelegt ivoceac Der belgische Finanzminister Hutard als Präsident der Finanz» fommijsion wurde von den Franzosen gebeten, zu vermitteln, und begab sich zu Snowden, um ihn zu einer Zurücknahme seiner, Chäron beleidigenden Aeußerungen zu veranlassen. Es handelt sich um di« Ausdrücke„richculov!" und„grotesgue"(lächerlich und grotesk). Der Erfolg der Bemühungen Hutards ist nach f ü n f st ü n di g e« Verhandlungen, Rücksrsgen und Um redigierungen in folgendem Kommunique der französischen Delegation nieder» gelegt, das kein verspäteter Aprilscherz ist, sondern wörtlich lautet: „Das Gerücht Hot sich verbreitet, daß Herr Snowde« in de? Finanzkommission in seiner Antwort an Herrn Ch-try« verletzende Ausdrücke gebraucht hätte. Der Präsident der Finanz. kommission Hutqrd hat sich an Herrn Snowden gewandt, welcher sofort erklärte, daß ihm nichts ferner lag, als irgend etwa» Verletzendes gegen Herrn Chäron zu sagen. Die Worte, weiche er gebraucht hat, yls et von der Auslegung der Balfour-Rote sprach, sind in der englischen Sprache in keiner Weise oerletzend,(t) Herr Snowden wußte nicht, daß diese Worte in der sanzöstschen Sprache eine verletzende Bedeutung hätten,(>!) Wenn er gs, glaubt hätte, haß seine Worte«ine verletzend« Interpretation er- fahren könnten, so hätte er sie nicht gebraucht. Sobald seine Aufmerksamkeit aus dieses Mißverständnis gelenkt war, hat Herr Snowden sofort die betreffenden Worte au» dem Sitzungsprotokoll gestrichen." Es ist beabsichtigt, am Sonntag vormittag ein« Sitzung der sechs einladenden Mächte zu veranstalten, um den Stand der Haager Konferenz einer Prüfung zu unterziehen. Endgültiges tonnt« je- doch über dies« Sitzung bi» In die späten Abendstunden noch nicht beschlossen werden. Was Snowden Eb-Sron zugerufen hat. V. Sdr. Haag. 10. August.(Eigenbericht.) Die Rede Snowdens am heutigen Pormittag hatte, wie selbst Franzosen zugeben, zunächst einen sehr starken Eindruck auch auf die Gegner der englischen Ausfassung gemacht. Dann aber fuhr Snowden fort:„Ich muß di« Auslegung der Dalsour-Not«, die wir soeben von Herrn Cheron gehört haben, als lächerlich bezeichnen. Dos ist das m i n d e st e, was ich von dieser Auslegung sagen muß. Ich erkenne die Richtigkeit weder eines einzigen dieser Argumente an noch die Richtigkeit einer einzigen von ihm vorgebrachten Ziffer. Ich bin jederzeit in der Lage, alle Konstruktionen von Chöron zu widerlegen, die auf diesen Zifsern beruhen. Ich wäre durch- aus bereit, über fachliche Argumente zu diskutieren, aber unter diesen Umständen! ohnteesichgarnicht. Im übrigen können wir diese Diskussion nicht ewig fortsetzen. Ich habe kein« Lust, bis zu meinem Lebensend« im Haag zu bleiben, und ich verlange, daß am Montag über die von mir Donnerstog«ingebracht« Resolution endlich diskutiert wird." Churchill sekundiert Snowden. Quebec, 10. August. ver ehemalige Schatzkanzler Churchill verteidigt« hier «nergisch in einem Interview die Haltung Snowdens im Haag und «r klärte, e r Hab« während seiner Amtszeit stets den Standpunkt ver- treten, daß di« britische Regierung durch irgendwelche Entschließung de» Pariser Sachverständigenausschusses nicht gebunden sei. Di« Regierung hob« ihr« Handlungsfreiheit vorbehalten. Di« im Dawes-Plan vorgesehene Verteilung der Reparationszahlungen sei befriedigend gewesen, während di« des Poung-Planes den Verhält, Nissen nicht entspreche. Oie Saarftage. Haag. 10. August.(MTB) Entsprecheich dem deutschen Programm für die Haager Kon- ferenz wird auch die Saarfroge hier behandelt werden. Dabei' fällt Deutschland nach der besonderen Sachlage die Ausgab« z», Vorschläge zu unterbreiten. Solche Vorschläge sind bisher npch nicht gemacht, jedoch bereits ausgearbeitet worden, und ihr« Abgab« steht, wie verlautet, umntttelbar bevor, pariser presse stellt sich optimistisch. Pari». 10. August.(Eigenbericht) Am Abend äußerte sich die Pariser Press« über die Haager Kon- ferenz wieder oerhälMismäßig optimistisch. Man ist dazu offen- sichllich bestrebt, au» der.�Haager Krise" eine„S n o w d e n- K r i s«" zu machen. Am schärssten drückt diesen Gedanken die radikal«„Er« Rouvelle" au», wenn sie sogt, e» handle sich eigentlich gar nicht darum, ob der englische Standpunkt berechtigt sei oder nicht, sondern um die Geste der gepanzerten Faust auf den Tisch, mit der Herr Snowden Friedenspolitik machen mochten Snowden, der Sozialist sei, dem aber die Fähigkeit, europäisch zu reden abgehe, droh« jetzt mtt seiner Abreise. Das sei aber nur ein« leer« Geste und keine Lösung. Die Rechtspresse geht viel weiter. So bezeichnet dt«„Ltbertö" dos vorgehen Snowdens als„unglaubliche Impertinenz", und der .ckintransigeant" spricht von einer Gefährdung nicht nur der Haager Konferenz, sondern des Bestandes des Rvtente cordialc zwischen England und Frankreich. Um überhaupt die diesmal ntchtgehevchelteCntrüstungderFranzosen.di« auch tn de? Linkspresse ihren voll-n Widerhall findet, zu verstehen, muß man das offizielle Haager Protokoll durch die Sonderberichte der französischen Presse ergänzen, au« denen hervorgeht, daß der englisch« Schatzkanzler am Sonnabend tn der Finanzkommission«inen Bossu» in der Red« de» französischen Finanzministers mtt nicht milde«» Worten als„unzulänglich" und„lächerlich" apostrophiert hat. Di« tatsächlich« Lag« wird bedeutend ruhiger beurteilt. Diefcr vor allem ven Briand mit belouter Unentwegkhetk zur Schau getragene vplimtsm'is beruht auf zwei Informationen. Einmal hofft man, daß der englisch« Ministerpräsident.- offenbar in der Absicht, In den Haagcr Konflikt einzugreifen, seinen Urlaub plötzlich abgebrochen hat und nach London zurückgekehrt ist.(Falsch! Red. d.„B.") Auch glaubt man, daß gewisse Vermittlungsschritt«, die inzwischen im Haag unternommen worden sind, zum Erfolg führen In einer Kom- p r o m i h s o r m et soll angeregt werden, daß England die noch freien 30 Millionen Goldmark au» dem ungeschützten Teil der Voung-Annuität erhall und die sogenannte Recovery-Abgab«, deren Abschaffung der Poung-Plai, vorsieht, für England aufrechterhalten bleiben soll. Zu Deutschlands Rolle im Haag bestättgt der.Llemps" in llebereinstimmung mit fast der gesamten Presse von rechts und link», daß Deutschland m der Konferenzkrise-inen neutralen Standpunkt einnehme und mtt so s'rupelloser Korrektheit vpr- geh«, daß man nicht umhin könne, die» mit Befriedigung fest» zustelle». « Erinnerung an Viktor Berger. Vor zwanzig Zahre«. Uns« aN-r Srtnvb Max SchStle schre« m.«»t-ft .rjöaliche« Erinnerungen an den verstorbenen ameri. tmuschen Sozialistenführer vikior Berget. Im Jahre 1909 erlebten wir in Berlin wiederholt große Arbeiter Versammlungen politischer und gewerkschaftlicher Art, in denen bekannte Redner aus dem Auslande sprachen. Da war denn auch bald Amerika vertreten durch Samuel. DSlchrr; Lotales und Soosliacs Frik itoellüdt: Anzeiaen: Tl». Stocke: sämtl-ch in Verlin. Verlag: Vorwärts-Verlail®. m. d. Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckeret uni> Lerlaasanstalt Banl Singer u. Co.. Berlin EW 68. Lindcnltrag« 8. Lier,n 1# Beilagen NN».Unterhaltung»nd Wilsen�._ ifffeif eigenes Fabrikat Li 81 Bit 8 8 ''ISK «5 *1 o�ir Bn Posten r Kleiderstoff« un» ■dg«»d» OusIMM», bh O»— Reinseidener Teil« 80 o» brat o» Bedr. Waschsamt ■OÖ- MmIv G. fffe JO ffW Jumperblusen für BarSnxcha�pMrOoCaXlr. Hemdhose» Nachthemd DamenstrOmpfe Wotchkunstseide tmm oder Seidenflor, bMendon got Restposten Knaben- Was ch» Sportanzug« Einzelne Stuben-, KOchen« u. FrottierhandtOcher >£~..0£ Kaffeedecken •ar ladoafbfaa Rarba», H•« SERIE I: tmm Bastseide r»,aa Satcka. m» ee�ktier Sordlra. BS a-> Mantel-Ottemane rata# W• 1 1 a, odnaera WiatarquoliH». aa. IOC am Spertkleld WoocMaaesatda edar Waadalpa. et« farblgae kaaelx Voile-Bluse ■it balgerlockar Slickarei HOfthalter r- 4 Mohär Daman-Handtaschsn ladar odar Stock, Bedaraa tarbaa Horran- LOsfsrsokke A Xneelfutler Oberhemd farb.zapk«, ual—* Kragaa od. Sdiülerkrogaa Damen- und Herren lalekt laklarkofl, walfi«ad faumkontig, Sarta I, VjDtz. Post«« Teppiche Maachlnonamyrna Kleid bedrvdcten Japoe Frauenkleid badru-war Vollvoile, lange Ärmel, bis Gr. 50 H O III d 9l OS Or einseH.Cr#pe de Chine, mit Spitze, mod. Forben Herren- Windjacken In gut laiprägnlerlon Qualitäten Bademfintel u.-Capes ». der au» Magdeburg kommt, um an der großen Berliner Berfaffnugofeier teilzunehmen, und die andere« Mitglieder der obersten Retchsdannerleiwng, Relchstagspräsident Benoff« L 8 b« ist da, nnd mit ihm kommen die Führer de» Berliner Bauvorstand««, Reichstagsabgeordneter Genosse Stelling, Reichstagsabgeordneter Kamerad L« m m« r. Kamerad N 0 w a ck und die anderen alle. Der Aug läuft ein, die Fahnengruppe marschiert aus, ein« kurz« Begrüßung folgt, vier frifch« SSungen vom Repubikanifchen Pfadfinderbund überreichen dem Kameraden Hörfing einen Strauß roter Reiten mit einer Schleife in den Farben der Repnblit. Bor dem Platz auf dem Bahnhof find mehrere SEb* tettunyn de» Berliner Reichsbanner» sufmorfchiert. deren Front Hörstng abschreitet. Der Reichsbannermarsch ertönt: 1 Jetzt haben wir fi« doch befreit, Befreit au» ihren Särgen. , I!!, I,., VI, O.» MttJh ijont Oer neue oer vwupoveamieu, o» nw auw oieomm wieder außerordentlich zuvorkommend und rückst cht»voll zeigten, sudeln dt» Mafien dem Reichsbanner zu und«inten mit schworzrot. goldenen Fähnchen. Der Aug setzt sich in Bewegung,«n der Spitz« nwrschUren,«In Symdok de» Voltsstaate», der Prästdent de» deutsche« Volkshause», Paul Löde. der Führer de« Reich«- danner». Hörfing, ein früherer hoher Beamter, und der Führer der Berliner Reichsbannerkameraden, Stelling,«in früherer Ministe rprä-sident Führer und Volk find«ins geworden... Die Eisenbahner im Zirkus Busch. Genosse Deutsch vom Schutzbnnd speicht. Die Kameraden de» vesterreichlschen Schutz- buode» und die deutschen Elsenbahuer Wasen sich gestern nachmlllag um 4 Uhr im Zirkus Busch, um ein« Zusammenarbeit beider vrgiwisationen vorzubereiten. Trotzdem die vesterr eicher zum großen Test erst im Lause de» gestrigen vormittag»«intrafen, waren st« schon wieder um 14 Uhr marschbereit. In geschloffenem Auge marschierten sie von der Fontanepromenade und von Kliem» zum Zirkus Busch. Ueberall wurde der Aug der Eisenbahner lebhaft begrüßt. Die blauen und grauen Uniformen zeigen den Berlinern schon von weitem, daß Oesterreicher anrücken. Di« Kapellen des Schutz- bundes waren recht fleißig:«in Morsch nach dem anderen wurde gespielt. Vor dem Zirkus Busch warteten bereits Tau sende auf den Zug der Eisenbahner. Sofort nach Eintreffen des Auge» war auch der Zirkus überfüllt. Die Musikkapellen des Reichsbanner» und die Schutzbundkapelle spielten abwechselnd. Ms der Führer de» Schutzbundes. Nationalrat Dr. Deutsch, den Zirkus betrat, be- grüßte ihn ein kräftiges„Freundschaft'. Die deutschöster- reichischen Eisenbahner lieben ihren Führer, und überall, wo sie ihn sehen, ist er Gegenstand begeisterter Ovationen. Im Auftrage des Bundesvorsitzenden Otto Hörstng begrüßt« Kamerad K r 0 h n die Kundgebung. Er ruft den Oesterreichern ein herzliches„Will- kommen' zu und entbietet den Führern des Schutzbunde», Dr. Deutsch und Vogt, sowie den Führern der deutschen Da» geichmüdüe.Torrrärls" Maus. Eifenbahnerverbänd« ein kräftige,„Frei Heil'. In Oesterreich ist ein starker Schutzbund timerhalb der Eisenbahner gegründet worden. Auch die deutschen Eisenbahner haben sich in ihren Organisationen mustergültige Verbände geschaffen. Aber nicht nur bei der Eisenbahn, auch bei der R e i ch s p 0 st und Reichswehr müssen wir derartig« Organisationen haben, uin auch bei diesen Behördenapparaten durchdringen zu können. Als zweiter Redner sprach der Führer der Oesterreicher, Rationalrat Or. Deutsch, der stürmisch gefeiert wurde. Er führte aus: Ms wir die Staats- grenzen passierten und die ersten Republikaner uns zujubelten, da wußten wir, daß es keine Grenzen zwischen Deutsch- land und Oesterreich gibt, wir wußten: Wr kehre« zurück in die Heimat. Wir kommen zum deutschen Volke und zur deutschen Arbeiterschaft, deren Teil wir sind. Gemeinsam mit der Arbeitorschast, der treuesten Stütze der Republik, wollen wir Aufbauarbeit für die Menschheit leisten. Wir wollen gemein- sam weiter arbeiten für das große Ziel: Einheiissiaat mit Deutsch. österreichl Stürmisches„Frei Heil', das immer wieder beantwortet wird durch den Ruf der Oesterreicher„Freundschaft', war Dank für die herzlichen Worte. Dann sprachen nach weiteren Musik- Vorträgen die Führer der deutschen Eisenbahneroer- bände, zuerst der Vorsitzende des Einheitsverbandes der Eisen- bahner Deutschlands, Genosse Franz Scheffel. Er betonte, daß sich die deutschen Eisenbahner die Organisation der Oesterreicher zum Vorbild nehmen. Auch wir hallen es für ein unerläßliches Gebot republikanischer Pflichterfül- lang, nn» hwter den republikanischen Staat und seine Verfassung zu stellen und sie mit allen Kräften zu festigen und zu fördern. T'c Mitglieder der deutschen Eisenbahneroerbände sind heute schon in ihrer überwiegenden Mehrzahl Anhänger der Demokratie. Dcr Führer d«r österreichischen Eisenbahner, Genosse Johann Vogt, sprach seine Freude darüber aus, daß auch in Deutschland die Eisenbahner fest zusammengeschloffen sind; die Eisenbahner haben innerhall» der republikanischen Schutzarbeit besondere Aufgaben. Darum müssen sie auch fest zusammengeschloffen sein und mit aller Macht die reaktionären Verbände, die einen Bürgerkrieg provoziere» wollen, in Schach hallen. Der zweit« Vorsitzende des Allgemeinen Eisenbahnerverbandes, Genosse Otto hoffmaun. er- klärte, daß es kein Zufall fei, daß sich gerade in den Eisenbahner- betrieben keine gelben Gewerkschaften entwickeln könnten. Der Vorsitzend« de» Lokomotivführerverbandes, Genosse Otto Scharf- schwerdk, sprach als letzter Redner und appellierte an alle Volks- genossen, im Kampf für Recht und Freiheit nicht zu erlahmen. Verfassungsiag im Gefängnis. »Der Leochturm' zum 44. Augost. Die im Zuchthaus wohlan erscheinende Gefangenen- zeitung„Der Leuchtturm' widmet ihre Rümmer vom IL August dem versassangstag. Aus der ersten Sekte de» Blatte», da» BSder von Friedrich Eberl und Hindenburg schmücken, spricht Irrstizminister Dr. Schmidt zu den Gefangenen. Er sagt ihnen, daß der Strafvollzug nicht dazu da sei. Menschen zu erschlagen; er kenn« nur Menschen, die ihr Lebensschi cksal in Irrtum und Rot verstrickt«, das sie schuldig werden ließ gegen die Gesetz« der Gesellischast. ihnen wolle der Strafvollzug helfen, nicht in Willkür, sondern in Ge- rechtigkeit. Prof. Dr. Radbruch schreibt über Einigkeit und Recht und Freiheit; über Heimatgefühl, Gemeinsinn, Tatbewußtsein, Sozialsinn, Völkeroersöhnung und Schonung der Gesinnung Andere- denkender und schließt mli den Worten:„Wenn wir in stillen Stunden Einkehr in uns selbst halten oder in hohen Stunden inner- lichst mit der Gemeinschaft verschmelzen, in allen ergriffenen Stunden de» Einzel- und Volksleben» werden wir uns zuversichtlich bewußt, daß unter allem Wellengang der Oberfläch« unbeweglich und unzerstörbar der Fels unseres gemeinsamen Volks- tums ruht, und wir fassen dieses Bewußtsein in die Worte des Liedes zusammen, das der unvergeßliche erste Reichspräsident wieder zum Liede aller Deutschen in der deutschen Republik gemacht hat: Einigkeit und Recht und Freiheit!' Einem Artikel Severing«:„Die Republik steht fest', folgt ein weiterer über Friedrich Ebert. L ö b e erzählt von den Gefängnissen, die er als verantwortlicher Redakteur der Kaiserzeit übet sich hat ergehen lassen. Prof. Dr. Eugen R 0 s« n st»ck- H ü ss y s, Breslau, vorjichrige Rede vom 11. August im Dreslauer Ge- fängnis über die Gefangenschast des Voltes, in der er die Welt als Gefängnis schildert und den Weg aus diesem Gefängnis zeigt, fügt sich eine Darstellung der Nationalfeiertage in den verschiedenen Ländern an. In diesem Geiste ist dos ganze 12 Seiten starke Blatt gehalten, belebt von Gedichten Brögers, Freiligraths und Jürgen Brandts. Die Gefangenen werden vom Verfassungstage das Bewußtsein mit in ihr« Zell« nehmen, daß d!« Republik gewillt ist,«mch i h r Los, so gut es eben geht, zu erleichtern. Gchwarzroigold auf dem Waffer. Man schreibt uns: In Spitzmühl« bei Strausberg, einem zwar' idyllisch gelegenen, aber von der rupubsikamschen Kultur noch reichlich unberührten Oertchen, wohnt in einem an, See gelegenen Häuschen ein alter Herr, der am grünen Gestade 16 Ruderboote gegen angemessene Bezahlung zu Lustfahrten ans dem See bereit hält. Der Mann hält es noch mit seinem Kaiser. erklärt die Republik für eine neumodisch« Erfindung, schimpft auf den neuen Staat, die Juden, die Beamten, die Steuern und was es sonst noch für Niederträchtigkeiten gibt. Sonst ist der gut« Mann aber nicht so: er läßt sich recht gern«inen ordentlichen Schnaps gefallen, selbst wenn Republikaner ihn bezahlen, und das kommt sehr oft vor. Es dürfen dann sogar zwei oder drei oder vier„Zwei- stöckige' sein. Einige republikanische Gäste Spitzmühl«? gönnten dem Wen wohl seinen Gratisschnaps, aber die Schimpfereien, nein, die wollten sie ihm doch einmal abgewöhnen. Anlaß bot ihnen da ein lauer Sommerabend in dieser Woche. Der alte Seebär hatte wieder einmal seinen Durst von den andern löschen lassen, er fand schließlich Cfm Enorm billlgl Ein Post. Ueberlaken und Kissenbezüse la Reinleinen u. Halbleinen, m. hand- flezog. 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Heute, da mir ihr zehnjähriges Bestehen feiern, liegt die Frag« nahe, was hat die Republik bisher geleistet?— Und da dürfen wir mit Stolz antworten: Die Rc- publik hat Großes vollbracht: Sie hat den Bolschewismus über- wunden und den Angriff Frankreichs auf die Reichsernheit ab- gewehrt: sie hat unsere Wahrung wiederhergestellt, hat Deutschland in den Völkerbund geführt und ihm damit sein« Stellung unter den grohen Völkern der Welt wieder erobert. Und dos alles in der kurzen Spanne eines Dezenniums! Gewitz, manches hätte anders und besser sein können. Ader— selbst diejenigen, die diesen Staat hasten, müssen anerkennen, daß die Republik es gewesen ist, die Deutschland nach seinem kata- strophalen Fall wieder in den Sattel gehoben hat. In den heißen Kämpfen, die der jung« Staat gegen seine Feinde von rechts und links zu bestehen hatte, ist er von Jahr zu Jahr mehr und mehr g e fe stig t u nd e r sta r k t. Er steht heute stürm- erprobt und wetterfest da, und er wird auch allen weiteren Stürmen trotzen. Hinter ihm steht mit starkem Schutz und Schirm das Reichsbanner. Wenn jetzt die G e g n« r der Republik, die stch gn«wem Ringe zusammengeschlossen haben, zu einem Generalangriff rüsten, so werden sie aus Grault beißen. Denn die staatsbejahende Moste des deutschen Volkes lehnt die dunkeln Machenschaften dieser Republik- haster und Revanchehelden ab, die nur dos Chaos herbeiführen wollen, um auf diese Weise zur Macht zu kommen. Wir wollen nichts vom Chaos wissen, denn davon haben wir von früher gerade genug, sondern wir wollen den Frieden im Innern und nach außen, um mit rüstigen Händen arbeiten und wiederaufbauen zu köimen, und jener Verheißung der Der- fastung immer näherzukommen, die jedem Deutschen, auch dem ärmsten und kleinsten, ein wohnliches Heim im Vaterland zusichert. Komme, was kommen mag— wir, Kameraden werden das Reichspanier immerdar stolz und mit starker Hand hochhalten. Stimmt ein mit mir in den Ruf: Die deutsche Republik, das deutsche Vaterland leben hoch, hoch, hoch!" * 5m Laus- des gestrigen Abends wurden«, verschiedenen Stellen der Stadt etwa ZObiskOLinks-undRechtsradi- t a l«, die sich den Anordnungen der Polizei nicht fügten, zwangs- gestellt. Die Festgenommenen wurden der Abteilung la im Polizeipräsidium zugeführt. Bis um 24 Uhr ist es, soviel bisher bc- kannt geworden, zu ernsteren Zwischenfällen nirgends gekommen._ Auiounglück in CharloiienSurg. Zwei Menschen tot, fünf schwer verletzt. Gestern abend«reigneke sich«ras de« ftalscrdamm unmittelbar am Sophie-Charlolke- platz in Ehar- l ollen barg ein entsetzliches Autounglück, dos zwei Todesopfer forderte; außerdem erlillea fünf wrilore Zufassen schwer« Verletzungen. Feuerwehr und Reklvngsamt sorgten für den Abtransport der Tolm und Verletzten. Zu dem folgenschweren Unglück werden noch folgende Einzel- heiteiz bekannt. Ein mit mehreren Personen besetztes Privatauto, das den Kaiserdamm in Richtung R e I ch S f a n z l e r p l cJj hinunterfuhr, näherte sich in ziemlich schneller Fahrt dem«ophse- Charlotte-Platz. Plötzlich bog der Führer des Autos— der genaue Grund seines Handelns fonitie noch nicht einwandfrei ermittelt werden— scharf nach links und stieß mit einer aus entgegengesetzter Richtung kommenden Autodroschk« zusammen. Die Folgen waren furchtbar: Velde Fahrzeuge überschlugen sich, der obere Teil des privatautos wurde buchstäblich abgerissen. Die Jnsasten wurden auf das Straßenpflaster geschleudert, einige von ihnen unter den Trümmern begraben. Auf die Nachricht van dem Unglück war die Wilmersdorser Feuerwehr und dos Städtische Rettlingsamt mit zahlreichen Rettungswagen h-rbei- geeilt. Zwei Personen, eine Frau und ein Mann, deren Persoualien noch nicht genau feststehen, komrten nur noch als Leichen ge- borgen werden. Die übrigen Verunglückten, Karl Kiopel und Max Schröder, deren Wohnungen noch unbekannt sind, eine Frau Martha Q u a n d t aus der Frankenallee S, ein Max Tran, m Oer große Zapfenstreich. Die Massen auf dem Platz der Republik. Der Platz der Republik vor dem»e>ch-<«,»seb»-d« war ein einziges Meer vcP Menschen, die der Musik de» Oester- reichischen Schuhbundes lcrnschken. der unermüdlich seine Meisen spielte. Der Abevd brach herein, immer neu« Menschcmnasten. Männer, Frauen, die khre Kinder hoch in den Armen hielten, und sung« Volk umläumten den Platz und standen bi» zur Krolloper und ties hinein in den Ziergarten. Nach dem Takt der Musik schwenkten die Kinder ihre schwarzrotgoldenen Fähnchen, Lichter flammten aus. der Reichstag ward von Scheinwerfern beschienen, Fackeln leuchteten: immer mehr stieg die Erwartung der Menge, die auf tm Einmarsch der 3000 Spielleute harrte..Dem deutschen Volke" leuchtete strahlend die Inschrift des Reichstags. Ja. da, deutsche Volk feiert« hier das Fest seiner Verfassung und ließ sich seitze Festfreude nicht rauben, trotz der ewig Abseitigen, der Schreier von den beiden äußersten Seiten, die es nicht leiden mögen, daß sich das Polt zu setner verfasiung bekermt. Zu setner Verfassung, die ihm erst die Möglichkeit zum Aufstwg und zur Entfaltung geben kann. Es waren nicht müßige Zuschauer, et war zum größten Teil Volk von Berlin, das hier durch sein Dasein ein gewaltiges Bc- kenntni» zur Republik ablegte. Der platz der R«publik bekam so gester» setne stolz« Weihe. Erst jetzt hat das Volk von ihm Dcsih ergriffen. Di« Vavnmette fiel sür den verjassungsiag, und so erst wurde der frühere Sövig»- ploh wirklich zum Platz der Republik. Vielleicht war es«n Symbol, daß dt« SUgesgSttin der Siegessäule im Glänze der Scheinwerfer auf der dunklen Säule stand, kein Sieg mehr der mllitärischen Macht, sondern der Macht des Bolkcs, das einig in seinen Stämmen, sich Mm sozialen Ausstieg bekennt. Die schwarzrotgoldenen Fahnen der Republik wehten im Sommerwind. Zeitungsausrufer, Fahnenverkäufer und Bonbon- und Cisverkäufer brachten neben der Musik der Schutzbündler Ab- wechslung in die harrende Menge und verstanden mit ihrem Berliner Mutterwitz die harrende Menge zn beschäftigen und so den Abend aus ihre Weise mit zum Volksfest zu machen. Die Republik hat es gelernt. Feste zu feiern und damit tiefer im Herzen des Voltes Wurzel gefaßt. Nicht mehr mir die kalten offiziösen Feste, sondern Feste, getragen von dem lebendigen Willen des Voltes. Hier, in der Fröhlichkeit der Mast«, in ihrer Anteil- nähme am gemeinsamen Erleben, entfaltet sich über die eng« Partei- Zugehörigkeit hinaus der Wille zum Volksganzen, soweit es die Republik zu schützen und schirmen gilt. Auf einmal ein« Bewegung durch die Menge und wird wellenförmig weitergeleitet. Doch die Menge hält mustergültig Disziplin und die fteundlicheu Schutzpoll- zisten hatten wenig zu tun, den Festplatz freizuhalten. Die Spielleute de« Reichsbanners komme««, und werden jubelnd begrüßt. Musik rauscht über den Reichstag bis weit über das Brandenburger Tor hinweg. Immer neue Abteilungen von Spielleuten marschieren vorbei, auch der Sozlallstemnarsch wird neben anderen Märschen gespielt und weist ins Zukünftige, wo da» sozialistische Bolk durch die Macht der Demokratie die deutsche Republik sich ganz erobert. Die schwarzrotgoldenen Fahnen der Mustkkorps leuchten den Zügen voran: immer neue Spielabteilungen kommen und füllen den weiten Platz. Springbrunnen werfen ihre Wasserstrahlen in die Höhe, um das Denkmal Bismarcks, des Schöpfers eines Deutschlands von Blut und Eisen. Ein neues Deutschland stieg auf aus einem Meer von Blut. Bon demselben Dlsmarck-Denkma! sprachen am 9. November 1919 die Redner der Revolution. Das alle Reich zer- brach an sich selbst, und ein neues Reich, vom Volkswillen getragen, erstand, keine kommandierte Masse, keine hurraselige Bevölkerung, sondern eine Masse, tne sich über blinden Autorllätsglauben erhoben hat, die weiß, daß sie selber ihr Schicksal meistern muß. Die 3000 Spiellcute haben sich endlich auf dem gedrängt vollen Platz zusammengefunden. Ein Signal, und schon brandet die Musik der Spielleute aus dem ganzen Reich gewaltig über die Köpfe der Menge hinwog und wird zum Zapfenstreich des Verfasiungstages. Zapfenstreich und Auftakt zum Sonntag, der das republikanische Berlin der Arbeit in noch gewaltigeren Masten auf den Straßen und Plätzen der Riesenstadt sehen will und wird. Der Zapfenstrelch verhallt«. Dann sprach Kamerad General von Deimling ub«r den deutschen Einheitsstaat. Cr führte au«:.Kameraden! Ich begrüß« euch auf dein Platze der Republik, wo am 9. November 1918 Philipp Schetdemann dt« Deutsche Republik ausgerufen hat. Damals fielen die 22 deutschen Fürsten von ihren Thronen, wie im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen, wenn ein leiser Windstoß ste bewegt. Da war dos große Hemmnis der Neichselnheit, die fürstliche Gewalt, au» dem Wege geräumt. Der jahrhundcrt- alte Traum vom einigen Deutschen Reiche schien sich ver- wirklichen zu wollen. Da aber, nacktem der erste Schreck verwunden war, besann stch die hohe Bureaukratle der Länder schnell wieder auf sich selbst, und es gelang ihr, noch bevor die National- Versammlung in Weimar ihr Werk beenden konnte, sich wichtige Zu- geständnisse zu erkämpfen. Sa war Venffchlcmd wohl dir Dynastien las, ab« dl« Steta- staaterei hat es behalten. Wir haben heute noch 17 deutsch« Einzelländer. Aber in einer Zeit, da alles rationalisiert wird, muß das deutsche Volk oerlangen, daß auch die Rationalisierung der verwal- t» n g durchgeführt wird. Das ist In wirksamer Weise aber nur möglich durch eine territorialeReugltedrrungdes Reiche? im Sinne der Vereinheitlichung. Es gilt, stark« Widerstände zu überwinden: nicht so sehr bei den kleinen und mittleren Ländern als bei den großen Ländern im Norden und Im Süden. Nord und Süd möchten von ihren Eigenheiten soviel als möglich konservieren. Das ist menschlich � verständlich, ober so kommt man nicht weiter» sondern mir wenn beide, der Norden und der Süden, bereit sind, Opfer zu bringen Im Interest« der Wgemeinheit— nur dann wird das große Ziel erreicht werden: ein einiges Deutsches Reich Ich möchte hier an die trefflichen Wort« erinnern, die vor zehn Jahren der erste Sicichcpräsidcnt E b e rt in der Nationalversamm- wng zu diesem Thema gesagt hat: „Meine Domen und Herrenl Sie vertreten alle Gaue Deutsch- lands. Das ober müssen wir uns erhalten, wensi wir unser Vater- land am Grundlagen auftauen wollen, die unzerstörbar sein sollen: die innige Liebe zur Heimat, zum Volksstamm, dem der «inzelne entsprossen ist. Und dazu soll kommen die heilige Arbeit am Ganz«n, das Sich- in-Dien st-Stellen in die Jnter- essen des Reiches. Da löst stch der Widerspruch zwischen Gesamt- slaat und Einzelstaat. Da, in der engern Heimat liegt die Quelle unserer Kraft, in der großen Heimat das Ziel und der Kern unserer Arbeit." 221 Copz-p(ftt 1929 by Güstar Klepentieoer Verlag A-d, Berfln 16. Flieger sind über Fournes. Zum erstenmal ist es ein richtiger Haufen. Warnende Signale schallen, aber ist es nicht begreiflich, daß die Leute schnell noch ein wenig da- stehen und gaffen, ehe sie Zuflucht unter der Erde suchen? Es ist immer dasselbe, immer diese närrische Zuversicht, diese unausrottbare, die das ganze Dasein des Krieges erst möglich macht: es wird doch nicht ausgerechnet mich treffen!- Einmal bietet er etwas Neues, der Krieg: den Anblick eines Luftgefchmaders. Da muß man dabei fein.„Bomben? Möglich, aber nicht sicher."—„Na, was denn sonst, sie wer- den doch nicht vierzehn Mann hoch aufklären wollen." In ihren Holzbaracken die Pioniere, die dort nicht im geringsten geschützt wären, sind über Wiesengrund auf dem Wege zum Unterstand, der ihnen zugeteilt ist. Sie haben ihn erreicht, sie drängen sich am Eingang, dreißig, vierzig Mann— da sirren die ersten Abwürfe. Einer fährt mitten in den dick gedrängten Menschenhaufen. Ins Bellen der Geschütze, die Schrapnells hinaufwerfen, ohne zu schaden, mengt sich vielstimmiges Geheul, brüllendes Geschrei der Getroffenen. Hinüber ins Revier kommen Verschonte gestürzt und melden das Unheil. Mit Tragen und Verbandzeug rückt aus, was an Sani- tätsperjonal da ist. Während auf Fournes die Bomben prasseln, rennen sie dahin: die einzigen, die im Augenblick ganz schutzlos sind. Sie kommen heil hindurch zwischen dem Eisenhagel und beginnen die Arbeit, Unteroffiziere und Träger, indes es schon ruhiger wird und das tödliche Ge- witter sich verzieht. Afam ist am umsichtigsten. Mit versteinter, hochroter Miene tut er keinen Griff, gibt keine Anordnung, die fehl ginge. Fähnlein kämpft mit Nervosität, er ist bleich, aber er bewahrt doch Haltung angesichts des heillosen Geschch- nisses. Für Augenblicke steht er und horcht, ob die Flieger etwa zurückkommen— bis er Asams verächtlichen Blick auf sich fühlt. Nur Malz hat kapituliert, statt einen Träger zur Ortskommandantur zu schicken, läuft er selbst, um ins La- zarett nach Automobilen zu telephonisren. Funk sieht zum erstenmal große Verwundungen in Masse. Einem Pionier ist die Bauchdecke weggenommen. Die Därme csuellen hervor, blaugrau, trage sich rührend, als wollten sie über die zerfetzte Uniform davonkriechen. Der Mann liegt auf dem Rücken, er blutet erschreckenderweis« kaum. Er sagt nur unablässig mit hoher, entsetzlich kläglicher Stimme:„Hu, mich friert— hu, mich friert!" Er hat den jäh einsetzenden Frost der Schwerverletzten. Er selbst icheint nicht zu merken, daß auch seine eine Hand am Knöchel glatt abgeschlagen ist, sie hängt nur noch an einem Hautstück und baumelt leise mit oerkrallten Fingern, denn er hält den Arm im Ellbogen auf- gestützt. Auch hier keine Blutung bei in sich gerollten Adern. Anderen sind die Arme zerschmettert, die Brüste aufge- rissen, die Hälse zerfleischt. Sie oerbinden Zerfetztes und lagern Blutendes und geben Spritzen und haben auch ein knappes Wort der Teil- nähme— aber seltsamerweise ist kein Arzt unter ihnen. Wo sind Aerzte? Sie werden gesucht, und es dauert lange, bis einer kommt—: nämlich der Regimentsarzt einer anderen Trupps aus der benachbarten Unterkunft. Eigentlich ist er überflüssig, denn die Sanitätsmann- schast hat inzwischen getan, was sich tun läßt. Er setzt ledig- sich einen Tintenstift in Bewegung und unterschreibt Ver- wundetentäfelchen. »Was ist das dort? Was fehlt den— eins, zwei, drei, vier— den elf Leuten, die dort in einer Reihe siegen?" fragt er zwinkernd und kurzsichtig. „Tote, Herr Stabsarzt." „Oh, sapperlot!" entfährt es dem dicken, derben, streng bebrillten Herrn. Er ist sehr fürs Durchhalten. Im Augen- blick lieht er auf eine läppische Weise schuldbewußt aus. Funk mustert die Leichen, voll neugierigen Grimms. Schau es dir an, das Antlitz des angeblichen Heldentums, das Schandantlitz des Krieges! Ihm fällt auf, wie aus dem Gesicht des einen, reglos Liegenden die halboffenen Augen plötzlich hinabsinken: ein verblüffender unerklärlicher Vorgang. Da entdeckt er, daß der Hinterkopf in gerädert exakter Weise fortrasiert ist. So haben die Augen keinen Druck mebr nach vorn, keinen Halt — und es ist, als entfernten sie sich nach innen, weg von dem abscheulichen Anblick dieser Welt..- Die Leichen, mit Ordnungssinn in zwei Reihen übcrein- andergeschichtet, als stünden sie noch im Glied und seien nur nach hinten ins Gras gekippt, haben ausnahmslos schwere Hinterhaupt- und Nackenverletzungen. Bon vorne sehen sie ganz manierlich aus. Einer hält die Zigarre zwischen den klammen Fingern: sie schwelt noch. Sie alle waren in fliehender Geste und abgewandt vom strrenden Tod, der aus der Lust— eine Botschaft des Him- mels— auf sie niederfuhr. Noch einer ist geflohen, aber erst, als alles vorbei war: ein junger Pionierleutnant. Er hat die Verheerungen ge- sehen, die der Engländer mit einem„glücklichen" Wurf angerichtet hat— jetzt läuft er. Läuft, kaum mehr bei rechten Sinnen, in sein Quartier. in einen Winkel des Zimmers, setzt sich nieder und zittert. So findet ihn ein älterer Kamerad, der ihm nachgegangen ist. der das Quartier mit ihm teilt.„Boß, was fehlt Ihnen?" „Mir? Nichts, ich bin unverwundet," sagt der Junge mit rutschender Stimme und tastet sich ab, als brauche er neuen Beweis. Der andere Leutnant legt ihm die Hand auf die Schulter und redet ihm zu.„Boß. was ist denn los? Warum sind Sie eigentlich ausgerissen?" Der junge hat die knabenhafte Stirn in beiden Händen. »Ich— kann das nicht sehen." „Was können Sie nicht sehen?" „Diese— Zersetzungen," keucht er, als wäre einer hinter ihm her.„Ich habe das nicht— nicht entfernt so erwartet — ich—' Der ältere versucht ihn mit Humor zu kurieren.„Wie? Sie werden auf einmal zum kleinen Mädchen? Sie gelten doch allgemein und mit Recht als ein sehr schneidiger Kerl." Der junge Offizier springt auf, er läuft wankend umher wie im Käfig.„Gerade darum, gerade darum, ich will ja die Schneid' nicht verlieren, nein!" „Na, und?" „Ich bin in Gefahr— wahrhaftigen Sotts in Gefahr. nicht mehr mitmachen zn können, wenn ich solch schauerliche Schweinerei sehen muß." Er wirft sich aufs Bett und weint durch das Taschentuch in langgezogenen, wimmernden, wütend-verstopften Tönen. Cr ist bisher der„Held" gewesen, der aus Mangel an Bor- stellungskraft über alle Gefahren hinwegvoltigiert ist. Ihm sind die Augen geöffnet, fein unbedenkliches Abenteurertum wird von nun ab oersagen.—(Fortsetzung folgt.) aus bcr Prenzlauer SBm 95 mt«tu Georg Schulz m der Annkeufelder Strohe 5 wurden bewußtlos Ins Wcstend-Krankenhaus gebracht. Das Befinden des schwerverletzten Schulz gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Ein weiterer Berlctztcr. der amerikanische Staatsongehörig« Lorenz.h o o v c r, der sich zurzeit in Berlin auf- hält und im Hotel Ezplanad« wohnt, konte nach Anlegung von Not- oerbänden aus dem Krankenhaus wird er entlassen werden. Die Feuerwehr nahm die Aufräumungsarbeiten an der Unfall- stelle vor und schleppte die Autowracks ab. Nach der sofort eingeleiteten polizeilichen Untersuchung, die sich vorerst im wesentlichen auf die Bekundungen von Augenzeugen stützt, soll sich«in Mann in offenbar selstmörderischer Absicht vor das Prioatauto geworfen haben. Der Führer konnte nicht mehr bremsen und bog, um den Lebensmüden nicht zu überfahren, mit einer scharfen Wendung nach links über. Unglücklicherweis« passierte in diesem Augenblick die Autodroschk« die Unfallstelle die init dem Prioatauto dann mit ungeheurer Wucht zusammenstieß. Platzmusik vor dem Reichstag. Die Ankündigung de» großen Zapfenstrelches auf dem Platz der Republik hatte bereits gegen 7 Uhr die weiten Flächen des Platzes mit Teilnehmern gefüllt. Zehntausend, zwanzigtausend, dreißigtauscnd, fünfzigtausend— wer will die Masie der Feiernden zählen? Unabsehbar steht Mann an Mann. Frauen, Kinder, Jugendliche, was zur Republik hält, ist da. Langeweile, Ungeduld? Wo sollen sie wohl herkommen, wenn so musikfreudige Menschen wie die österreichischen Schutzbündler konzertleren? Diese Republi- ianer, die Tag und Rocht auf der Eisenbahn lagen, die mit Musik in Berlin einmarschierten, die noch nicht zur Ruhe kamen, sie unter- halten die wartende Masse mit ihrer Musik. Zwei Stunden lang erklingen Märsche, Ouvertüren, Lieder, Operettenschlager, echte Wiener, echte Bolksmusik. Brausender Beifall nach jedem Stück, der sich schließlich nach der.schönen blauen Donau' zur Begeistc- rung steigert! Da klettert einer dem anderen auf die Schulter: ..Republikaner! Ein Frei Hetll unseren Freunden aus O e st e r r e i ch!" Und tausendstimmig grüßen Berliner, Deutsch« ihre Brüder au» dem gemeinsamen Vaterland, durch das noch immer Grenzpfähle gehen. Langsam senkt sich Dunkelheit über den Platz, die Starkstrahler werfen ihre weißen Lichtkegel auf da» Reichstags- gebäude, prächtig leuchten die Banner— noch ein fester Marsch der Kapelle klingt über die Versammlung hin, dann marschieren die 3000 Spielleute zum. Zapfenstreich auf. Reichswehrkonzerie am Verfassungstag. Am Sonntag, dem 11. August 1929, finden folgend« Platz- konzert« der Reichswehr statt: An der Südramp« des Reichstages, ausgeführt vom Mustkkorps der Kommandantur Berlin in der Aett von 12 bis 13 Uhr; am Kreuzberg, ausgeführt vom Trompeterkorps der Fahmbtcilung 9. in der Zeit von 12 bis 13 Uhr; in Schöneberg, Stadtpaik, ausgeführt vom Mustkkorps des 2 /3. R. 9, in der Zelt von 12 bis 13 Uhr; am Gendarmenmarkt, ausgeführt vom Musikkorj>s des A./I. N. 9, m der Zeit von 12 bis 13 Uhr. Selbstmord eines Liebespaares. Au» dem Großen Stienitzse« bei Hennigsdorf wurden gestern nachmittag die Leichen des 38jähr!gen Straßenbahn- nberkontrolleurs Richard M. aus Köpenick und der 26jährigen Buch- halterin Martha H. aus der Pannierstraße zu Neukölln geborgen. Das Liebespaar hatte sich mit Stricken zufamtnengebunden und dann ins Master gestürzt. Dos Paar wurde von seinen Angehörigen seit dem vergange- nen Sonntag oermibt. M. war mit dem Mädchen zusammen in einem Bureau beschäftigt, und aus der Bekanntschaft entwickelte sich bald«in engeres Verhältnis. Da einer ehelichen Verbin- dung große Schwierigte iten entgegenstanden, beschlossen sie, gemeinsam in den Tod zu gehen. Sprechchor säe proletarische?ei erstanden£fute>/,y. Nhr; Treffpunkt vor dem Haupteingang zum Zirkus Busch l Pünlllich I Gewinnauszug ö. Klaste 33. Preutzilch-Eübdcatscht Klastcn-Lotteri». Ohne Gewähr Nachdruck»erböte» Ans sede gezegene Nummer sind zwei gleich hohe Gcwwn« gesallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer tu den beiden Abteilungen 1 und II S. Zlehungsteg 10. August ISA Ln der Vormlltagszkehung wurden Gewinne über 150 M. gezvge» S»«vwii» r» 10000«l. 123868 4«tBiniK» 5000 all. 120516 227633 18 ScMuu 3000 an. 1884 72920 139876 184961 167813 296830 64172 148199 256779 277281 310687 346348 40»«x-inn« ,» 1000 M. 960 3219 7883 18406 27491 42046 42607 «1869 100784 130478 161630 233237 314317 330144 346455 348866 vln 63018 0M7| mjT TMOa ?ä»fsi, f«',.? a 244242''45973 237780 277045 261604 294537 308530 306993 309343 809830 311361 320151 330244 334258 340923 381081 383928 398149 3 M22»«rinnt« 300 71t. 469 1989 8735 9837 10094 16265 16837 92157 23971 25577 23887 31519 32116 33341 38440 36826 38943 60906 54349 64440 67669 60142 60100 66112 69667 71889 72066 75962 �712 38348 69653 102476 111768 113104 116841 120418 1 26289 I 36888 1 422'" 3 1 481 20 1 49824 154680 173101 177175 177922 170012 78506 80160 82838 184931 189126 189583 100814 194246 194633 95434 98862 216284 217342 220233 229877 230109 230591 231234 233544 235271 237008 230307 241407 243429 257259 262366 262911 265037 267024 268940 271450 272427 276770 278161 282897 287958 289211 289372 290589 291434 292610 290458 302365 306292 306544 309063 310237 319101 326033 329674 332076 333481 334364 S37076 337227 339033 340896 342064 342839 351856 357182 381878 362338 377100 377678 380590 382788 383017 383037 387196 88789« 891661 394727 397816 398799 Ob der Nachmtttogsziehung wurden Gewinne über iso M. gejoge» 2»tfctnn. 25000«J. 229802 4«ttoinn» vi 10000 all. 249257 3©ctoimt« n> 3000 all. 38745 8»«Bilm«>■ 2000 all. 35897 43006 109389 248562_________ SO Sttoinnt!a 1000 an. 48312 79094 116558 187752 172284 178638 188791 191805 235928 257879 290449 297297 326216 375159 988480 40®ttetnn. w 6(Wm 7282 17385 41260 109419 129273 162793 165188 191401 192289 194093 200953 202506 234126 264599274088 374868 285872 320179 320177 350514 218»ttotnnt«u 300 9K. 6429 7093 8574 11133 18790 21261 21738 27217 33204 35877 41478 47244 47810 49570 63614 54453 66727 58603 62589 62596 62958 63968 64873 67421 69911 74227 75709 77844 82141 107729 11 1069 120301 125478 126840 127437 129780 130629 131356 141606 146064 145196 145289 148047 16'«39!||401 153602 154397 155334 164902 169097 178456 181011 181576 186796 188990 196992 970 13 206321 219623 222675 223558 226701 235988 236834 238049 240701 243185 253503 293629 269303 258407 261470 261913 265478 274709 280305 284717 289202 294400 298538 306275 316335 318971 321865 323062 324384 328407 328696 320970 3315" 338948 341422 342614 347149 347444 349853 351304 386719 397 i|9248 362205 363374 366570 367044 369916 374633 38330S 00'v Im D.'winnrad« verblieben: L Brämien zu je KOOOO, 2 Gewinne zu je bWJUOO, 2 zu je SCOüOü, 2 zu je 200000, 2 zu je 100000, 4 zu je 75000, ö zu je 50000, 12 zu je 25000, 78»» je 10000, 152 zu je 6000, 408 zu je 3000, 714 zu je 2000, 18Ö0 zu]« 1000, 4200 zu je 500, 10662 zu je 300 M. Sonderausgaben des.TomBris* 3)er.Domärls' läßt«tu J7n!aft der Tcrfaflungs feier mnei Sonderausgabett für den Strtfßcnperkatif erfcheinen. SDIe erfte Sonderausgabe erfcheinl Sonn lag, den 11. Augufl, mbends.Sfc wird eiste Sierichte enl hallen und reich in SlupferlSef druck llluflrlert fein. S)ie sneile Sonderausgabe erscheinl STtonlag, den 12. Augufl, morgens, mit ausführlichen Sie- ri�l€nßbct�en�Perlau�et�Seiin%������ Wochenendlaguog In Alienhos am Verbelllnsee. Der Bund Entschiedener Schulreformer veranstaltet vom 31. August, 16 Uhr, bis 1. September, 13 Uhr, in der Jugend- Herberge Altenhof eine kleine Tagung, auf der Grundsatz- liches erörtert werden soll und zu der jedermann herzlichst ein- geladen ist. Es sprechen Dr. Eugen Diesel, der Verfasser des bekannten Buches»Der Weg durch das Wirrjal' über:.Das Weitbild unserer Zeit' und Prof. P. O e st r e i ch über: „Die kulturellen und kulturpolitischen Konse- q uenzen'. Für die Aebertragung der Verfassung, vorfeier oer- dient der Rundfunk besonderen Dank. An diesem Abend war er zeitgemäßes Wunderwerk der Technik, aus unserer Gegenwart gc- boren, mit unserer Gegenwart verwurzelt. Der Austakt zu dem Bolkefest am Sonntag, die Abendfeier vor dem Reichstag, wurde den Hörern wunderbar anschaulich. Die jubelnde Bolksmeng« in dem von festlichen Lichtern zerristenen Dunkel, das Anmarschieren der einzelnen Züge, die Musikdarbietungen, die gelegentlich von dem Dirigenten der Kapelle der österreichischen Brüder selber angesagt wurden— alles das verschmolz zu einer buntbewegten Szene, die wohl kein Hörer ohne Freude und Erschütterung miterlebt hat. Rur «ins blieb zu bedauern: Warum wurde sie so rasch abgebrochen? Man hätte ihr so gern viel länger beigewohnt! T e s. VorirSge, Vereine und Versammlungen. Freier LsNsÄor Seget. Sanciesfreutiqt Stnogen sowie Jus endlich»! teilt mit am Aufbau eine, oroßen Männerchore«! Werdet Mitglieb im.Freien Pnll.choi� Tegel. MdDASB. llebungsstunden leben Freitag von 20—22 Übt in der Cchutaula Trestawstrage. I-onnkeltav En�llth Dehatlng Club. Mittwoch, 20 Uhr, Zihnaritchaus tüülowstr. 104, Guttmannsaal: Professor Wendlandl;„Blrds of a Feather flock ogether". Driterberichl der iffcnINchei' welterbievllstelle Berlin vvd Umgegeub. (Nachdruck verboten.) Teils wollig, teils heiter, ohne wesentliche Tempc- raturändcrung. Keine erheblichen Niederschläge, ichwach« Luslhewegung. I— Jüc Leulichland: Im Südosten noch etwas Regen, tm Westen keine wefenltiche SIenderimg. Im übrigen Reiche Welierbcsseruttg mit etwas Temperaturerhöhung. UmfaSftaiqernn« Ist bee beste Dradmeffer wr die Wertschijstuna. die sich ein Unternehmen bei der«erbraucherfchaft zu erwerben vermag. Umfap. stcigerung ist da« Kenntlichen, unter dem sich die Entwicklung der stousum» Genoifenfchaft Berlin und Umgegend in den lcpten Jahren volliw«. Bon 27 Millionen Marl im(Seschöftaiahr 1024— 1925 erhöht« stch der Iahresumfatt aus 08 Millionen Mark im lyeschäslsiahr 1928—1929, weit mehr als eine Der» doppelung dcs Umlahes ist also in der kurien geiispanne ,u verzeichnen. Allein im lebten iSeschlliisiahr betrug die Umfahsunahme gegenüber dem Borjahr IS Millionen Mark. Diese Forischriite sind besonders beachtlich deshalb, weil die wirischastliche Krise im lchten Winterlialbiahr die Kaufkraft der Ver. brauchcrschaft erheblich schwächte. Die Konsum-Genossenschaft Berlin unier. hält surieit isi2 Lebensmittelabgabestcllcn, 80 ssleichabgabestcllen, b Warenhäuser und 1 MSbellogcr. Die Warenobgabe erfolgt nur an Genossenschaftsmitglieder. Der Eintritt in die Genossenschaft, der iedcrmann sreisteht, kann in säintlichrn Abgabestessen der KGD. vollzogen werden.. Die Rancherwelt wird mit Frerwe im» Genugtuuna begrststen, daß den Enver-Bey-Packangen noch wie vor Gutschewe Ar nützliche Gegenstände beiliegen. Sine nie«lederkehrenbe Gelegenheit ist der dieoi ährige Soison-Ausverkaus im Deutsdien Teppichhaus Emil Lcfdvre, feit 47 Jahren nur vranienstr. 1-8. Räh« Moritzplatz. Darum nutze jeder die wenigen Tage bis zum 21, August nach aus, um feine» Bedarf in Daedinen, Decken, Teppichen, Läuserstafien usw. zu denkbor billigsten Preisen zu decken. Aus Wunsch wirb stahtangserleichte» rung ohne ieglichen Prcisanfschiog gewährt. De» Erb- und Feuerbestattangs-Verrin»Grotz-Beelin�, BerNn W. l>5. Sieg- iitzer Str, 00. bieici seinen Mitgliedern gegen niedrigste monatliche Beiträge eine würdige und pietätvolle Bestattung, E» handelt sich hier um keine sche» mo tische Klasscnbestattung, sondern um eine Erd- oder Fencibestottuna nach den Wünschen und Verhältnissen der Linterbiiebenen. Bei höheren Bcr. sscherungen, die bis zu 1000 M. ohne ärztliche Untersuchung abgeschlossen werden können, ist glcichzciiig eine Bargeldversscherun» einbegriffen, weil der nicht zur Bestattung verwendeie Betrag der Bersscherungssumme an die Sinter. bliebenen bar ausgezahlt wird. Der Verein ist vom Bestattungsqewerde Grog- Berlin, gegründet und steht unter SlaatsauMcht, so daß er volle Garantie für alle Ansprüche bietet. Beginn der Leipziger Kerhstmeff» m IS. Angxst l**. Alle» Räber« über die Vorverkaufsstcllen stie Messabzeichen und Messadressbücher, sowie über sonstig- Auskunftsstcücn in Messrongelegenheiten ersehen Sie aus dem heutigen Inserat des Leipziger Messeamts. sogt öer Bär? ~ tK».,. SS/// A iMss. ■m -TT; yt""--. a sm%'• t �- ■? �-Ar //L WM & urra schallt es begeistert von den Tribünen, wenn eine Mannschaft als Erste die Ziellinie passiert Tausende folgen der Regatta mit jener Sachkenntnis, die sich auch bei d er Wahl ihrer Zigarette offenbart tdep vortrefflichen JteseMMiiMMmo Berlins meistgerauchter 4� Cigarette Theater-Abonnement Deutsches Theatsr/ Kammersplele/ Theater In der KBnlg- grätaer Str./ Komödienhaus/ Tribüne/ Berliner Theater Deutsches Künstler-Theater/ Renaissance-Theater Beste P;ä» 0.85 Kampatteller»«» 0.75 Platten.... 1.75« 6.75 Salatleren 2.25« 4.80 Sauclere........ 5.85 Kaffeekannen 2.1 0 b 4.90 Mllchtöpfe 1.10 bis 2.35 Zuckerdosen 1.55 1.85 Butterdose im!* 0« 2-55 Tassen... 0.80 mm 1.10 Bleikristall Römer tsrbi*....... 4.*s Bowle 39.oo frOchtegravor Kudienteller» cm 16.50 Schalen. ie?voli.Pirszr ca230M290 SinaerfÄivP",«J musr.re frz.T.mifki.Sä-.0nn«ii3fen�m cj 275» 290 Verkaufs'.'<->q 500-".TO iTTiXVrf 570.-»ii>329- cam'MS M' �>»00-520 sh?'r 600.-• 365.- uZ- xan_'.- 685.-- 39a- «350*520• 765-412.- «400*520- 875.- 465. �rQual i fä fckppjche «■140*220 nqul utrf 97-j>lz: ca 200.320 i'°tt d.5 2lg..-|39- ca 250,370'" 300.- 210.- ot 300,420'•* 438• 278.- WSWU „160.250, 105Q-- aqo.. "■200,300 64- -.....,__ �'Jifloriiiljohr-zthnl-« erprobte Marke VelveiHp PiChC l'X�Ds'ioräiiönssfoTfc Noppen nps.trovi« qestreift»e nc indonttiren 100u.13o br. Mtr.l,*" Noppenrips einfdrbiq.indan�) NC ihren statt bis H.S0 jeat MtrjCS*3 Jacquardstüffeu.tJoppcnrips /.ßO indanthren statt- pls 9.50 j. t!h'tr. Sizten mengen Bdkkvoplaq« IPosteneinforb-Vetour«OC ungesäi.'mtca72,120 0.° 1 Posten XqVfelvel betonnteslts u.behebt.MarianfoDrlxat ca 65,133 bisn.Mindtsr ftCS Verkaufspreis äÖ-Tettf" 1 Posten Pa. Toi jrnay-Valojr u.o.erst« Marken, Pcrs.u.rno- dern qe-nushm-KrcoTOxIbO u»4rrb:----— SSÄWj. MWMMK vier''- nnn nwlerr.» II«ruu.wtiorein-u.vjruuMi«.! etwas verkürztes Maß mooerr.eu St'imustcr.teiVet. --- i-—«ä« seqonitiandarbeittenw.qcAvot SEfiie: 1 StQt(14.'Sieb.-J?5-Itelfvor.j Mokßit allererste Morkenrabrikate* Em Pesten FUSCklSSCn ausWollpIGjcli i reaul. Preis&IS7.50 ;ÄS04 kU- 54- 9 m• 72- 17.?- »■ es- 24-7 >\ Bettumrandungen VerRauf nur Berlin C. SpqnQiouer.Str.3Z Wochenprogramm de Sonntat II. Aognst: 6J0: Pröhkonrert 8Ä: StesdeatlockeospM 4er Petsdamer Oarnteon- kirchc. 9i Morgeofeier. 10: Wette rvorhcrutre fflr den Sooot&x. II: Schallplattenkonzert. 11*30: Elternstnndc. U: Uebertfaruaz ReichsUz; Festakt der Re chsregieronc. 13: Mittazskonzert. 14: Hölderlin. 14.30: Schallplattenkonzert, IS-30; Märchen. IS SO: Uebcrtxaran* ans dem Dentscheu Stadion: Festspiel, veranstaltet voa der RcJchsreriemnc. der preußischen Staalsrczie- raac»od der Stadt Berta. Anschließend UnterhaJtaazwnoslk. Rezitation ca. IS. IS: Bekanotcab« der Crfeboisae den dcotschca Melsterschafts-Rndcms. I8JS: Bildfunk. 18-50: Uebertraznc Fnnkhalle an Kaiser dann: Eröffnanc des Weit- reklamekoorre&sea 20: Urt>crtraznnf Staatsoper Unter den Linden: Abendfeier. veranstaltet von der RdcharcderanK, der preußisch» Staatsrefderanc und der Stadt Bertln. Danach Tanzmusik. Dentschiandseeiert 30- Dehertrmtnac SUataoper am Platt der RcpnbUk: Abendfeder, veranstaltet rem der Rdchsreclenmz, der preußischen Staatsresiemnc nod der Stadt Bertta. Montag. IZ Xuzmt: 9M: Bild tank. f. Iß; Ucbertracnnc FvekhalW am Ksiiai dsnnni CrtJftwwtz- sftzanc des Wettreklamekooirresaes. 12-30: Wette nneld vi m fOr den Land- vrirt 14: Schallplattenkonzert. 18-30: Aafbaa aod Aatcab« der Rekhsbank. 16: Portojral als Reiseland. 163): Paal Liocket„Ly&lstrata". 17: Unterhai- ttmesmasik. 18-50: Enzlisch für AnfSnzer. 19: Konzert. 19�5: Bildfunk. 19.30: Lion Fenchtwanzer liest eigene Prosa. 30:..Kunst and daran vorbei.'4 21 Alte Tanzmusik. Anschließend Tanzmusik. Dentschla ndseadert 30: Uebertracnaf Hnmerer: Arten and Lieder. 3U0i Wltty-Bvachoff- dlaada. 22*20: Festbankett des WcltrckJamc-Koozresses(Uebcrtragung Zoologischer Qartea). Dienstag, 13. Angosi: 10.48: Bildlank. 1? 30: Die VlerteUtinde für d» Landnrlrt. 14: Schallplattenkonzert. 18.30; Das blane Band des Ozeans. 16: Aaf Südafrikas Qold- and Diamanten fei dem. 16-50; Randschaa für Dl amen- aad Qartenfrcnnde. 17: Unterhaltnnzsmasik. 18.30: Stande mit Büchern. 18.88: BÜdfank. 19: Film-Amerika blickt an! Fi Im-Europa. 19-30: Das Intcnricar der Woche. 20: Konzert. 21: M Zeitberich tc4 4 von Actaales. Deotscklaedseoder: 30t 8endiepltdni �Lydstrata", perodistiache Operette van Lbcte. Mittwoch, 14. Aagost: 10.48: Bildfunk. 12-50: WettermeJdrmzce fBr da Landxrtrt. 14: Schallplattenkonzert. 18.30: Die Fraa von heute. 16: Vom Stein der Weisen. 16.30: Technische Wochenplauderei. 17: Unterhaltaagsstunde für die Kleinen. 17.30: Teemusik. 18-30: Die Moscheen von Samarkand. 19: Unsere Minister, woher sie komm» und wohin sie geh». 19-30; Russisches Klein kansttheater. 20: Wovon man spricht. 20-28: BHdfunk. 20.30: Sendespiela;„Lysistrata44, pars- dfstlsche Operette von Lincke. Danach Tanzmasik. Deutschlaadseoder: 3gJ0t Bavtt VertratsMi«. 21: KsaairmaiMr. Dooserstsx. IS. Anxut: M�(< BiMfnk. LiJ»: Dt* VI«iW>il-fc Mr«n Imlilit. Mt Setefl- plattentRHUcrt. UJ#: Dt, S�actw 4a l**,irk*>l. M: B«Mtttoac nt- stollaKter L*tmMr*clidiwiit«a. 16-21: BMlaak. 14-3»: Dh Kutaiunad«n* äJiaücJM Projdrte. 17: Ordmterkouert. UJO: Wlmchafukris«— Sozlal- krtsc. 1,: Rldidte«od falsch* Beklmphmx der Stechmdche». MJ,: Untcr- bältnntsmnslk. 20; Sendespiele: 1. Weltliche Kantete(Bach); 2. Der Tnsch, Drama tob Mesner; 3. Oefstliche Kantate(Bach). Danach Tanzmssik. Dctachlaadsender; 30t Btatsorehasterkonzert, 21: Konzert. s Berliner Rundfunks. Dcstsckiandseoder: 30: Uebcrtrageng Stftdtlsche Oper Ckarlottesbnrz: ader Sc Legeodc vom wie der erweckt» Schläfer, Oper von Wolf-Ferrari. Sonnabend, 17. Aagmt: 10.48: Bildfunk. 12J0: Wettermeldung» Ar da Landwirt. M: Schall- piattenkonzert. 18-30: Valamo. das Reich der Mönche. 16: Die Hygiene des Qehörs. 16-30: Odstesplege des arbeitender Mensch». 17: Teemusik. 18: Mietsalierlei. IS-JO: Nllpfcrdfang in Afrika. 19: Toccata. 19.56: Bildfunk. 20: Heiteres Wochenende. Darach Tanzmusik. Deutschlaadsenden 30: Qosame Nacht. Sinfonische Dlchtang. 'Königs Wusterhausen. Sonntajt, II. August: Ab 6J0: Uebcrtragung aus Berlin. tftJO: Vom S6an 6er Pread« Ih aaaefer Zeit. 19: Glaube and Wirklichkeit. Ab 20: Dcatschlandsender: Ueberuagunz Staatsoper am Platz der Republik; Abeodfeier, veranstaltet von der Reichs* regierung, der preußischen Staatsrcgierunc and der Stadt Berlin. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Montag, 12. August; 16: Französisch(kalturkundlich-Nterarische Stunde). 16-50; Die Rokoko- Oper. 17: Uebcrtragung aus Berlin. 18: Kulturgeschichte des Reisens. 18.50: Englisch für Anfänger. 18.85: Relchskuratorhim für Technik in der Landwirtschaft. 19.20: Das Automobil und seine Behandlung. 19.58: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20; Deutschlandsender: Uebcrtragung Hannover. Arien und Lieder. 21.30: Willy-Baschoff-Stunde. Anschließend Uebcrtragung ans Berlin. Dienstag, 13. August: 16; Berthold Ottoschc Unterrichtsgrundsätze. 16.30: Die Rokokooper. 17: Uebcrtragung ans Leipzig. 18: Wandel im Geistesleben der Gegenwart. 18.30: Französisch für Fortgeschritt»e. 18.55; Verbrech». Oeffcntlichkeit und Presse. 19,20: Vom Leben der Strandpflanzen und Meeresaigen. 19.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20; Deotschiandsender: Sendespiele: „Lysistrata", parodlstische Operette von Lincke. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Mittwoch, 14. Aagust: 16: Nöte und Hilfsmittel des FortWVdungssehuIuiiiu iltbtt avck Oem Lande. 16.30: Zoppoter Waldoper. 17: Uebcrtragung aus Hamborg. 18: Die internationale Lage der Baum Wollindustrie. 18.30: Spanisch für Anfänger. 13.55; Die Bakteriologie des täglich» Lebens. 19.20: Utopie als geistige Aufgabe. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Uebcrtragung ans Berlin. 20.30; Deotschiandsender:„Nebeneinander", eine bunte Vortragsfolgc. 21; Kammermusik. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Donnerstag, 15. Aagust: 16: ErziehungsberatMC. 14-30: Bücherstande. 17t üebertraguag mm» Berfin. 18; Versinkendes und erwachendes Deutschtum. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.86: Praktische Meliorttlonsförderung. 19.20; Richtiges und falsches Diktier». 19.85: Wetterbericht Ar die Landwirtschaft. 20: Deutsch- laodseedcr: ßlasorchcstcrkonzcrt. 21: Konzert. Anschließead Uebcrtragung aas Berlin. Freitag. 16. Anxcst: 16: üiteniibooale VertMnai«*«er LabjwacM. HJtt D6* n-ir-! n der Cilzcit. 17: Uebertrersr.t ns Loipzif, IS: Aaerfk* nd du Awiwetfl. 18.30; Enplisch für Portgeschrfttene. I S.58: An» Selbstcrrenenivse* groter Dichter. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19 85: Wetterbericht fftr die Landwirtschaft. 20: Deutschlandsemler: Ucbcrtragong Städtische Oper Charlottenborg:„SIv" oder die Legende vom wiedererweekteo Schläfer, Opeg ▼sa Wolf-Ferrari. AascblieBend Uebertregnng au Beeil*, DÖUcning, damit die Zahl der Arbeitsuchend«! in Deutschland flh» lich immer noch zunimmt und dann teilweis» ooa den Industrie» ausgenommen wird oder den Arbeitsmarv betastet. Die hier a» einem Beispiel dargestellte interessante Tatsach« ist wichtig, mn sal» schen wirtschasts» und sozialpolitischen Folge- rungen der Unternehmer aus den Ziffern der Arbeitslosig- keil entgegenzutreten. Der Großhandelsindex ist zum 7. August von 138,4 auf 138,1 Proz.(1913— 100) etwas gesunken. BemertensweN ist, daß zum erstenmal seit einigen Wochen der Index der Agrarstoffe von 133,7 auf 132,6 nicht unerheblich zurückging, wobei die stärkste Senkung auf pflanzliche Nahrungsmittel— besonder» Brotgetreide und Mehl— sowie auf Futtermittel«nffällt, Kolonialwaren, in- dustrielle Rohstoffe und chalbwaren sowie Fertigsabrikate sind im wesentlichen unverändert. Der Index der Produltions- mittel hat sich auch in der vergangenen Woche weiter von 133,1 auf 139,3 Proz. erhöht, was immerhin einen gewissen Rückschluß auf fortdauernde gute Beschäftigung erlaubt. Der Konsumgüterindex ist nicht weiter zurückgegangen. Erhebliche B elegschaf ls fkei gerung im Lokomokivkonzern henschel u. Sohn. Die Betriebe von Henschel u. Sohn in Kassel, die noch Anfang dieses Jahres zu erheblichem Belegschaftsabbau gezwungen waren, weisen seit Monaten eine bedeutende Besse- rung des Beschäftigungsgrades auf. Dies trifft sowohl für die Stahlwerke des Kön,zerns, die Henrichshlltte in Hat- tingen a. Ruhr, wie auch für den Lokomoiiv- und den A u t o m o b i l b a u zu. Di« Belegschaft in den Stahlwerken stellt sich zurzeit auf mehr als 5000 Mann, während die Arbeiterschaft in den Kasseler Maschinenbetrieben in dem letzten halben Jahr um fast 70 Proz. von 3000 auf 5000 Mann vermehrt werden konnte. Der zurzeit vorhandene Auftragsbestand— für Lokomottven aus- schließlich ausländische Aufträge— sichert sämtlichen Betrieben ein« norniale Beschäftigung b i s z u m A p r i l 1 9 3 0. Die Rationali- sierung wurde in sämtlichen Abteilungen des Kon,z«rns fortgesetzt. Steigerung der koksproduktivn beim Stahltrust. Die anhaltend günstige Kokskonjunktur hat dazu geführt, daß die Dereinigte Stahlwerke A.- G. in Düsseldorf im Lauf« der letzten Monat« in ihren Kokereien eine Anzahl stillgelegter Batterien wieder in Betrieb genommen hat, da die Anforderungen der fremden Wnehmer sowie der eigenen Konzernbetriebe zurzeit ganz be- deutend gestiegen sind. Zurzeit sind bei dem Stahltrust 27 Kokereien mit 65 Ofengruppen und insgesamt 3725 Koksöfen in Betrieb. Seit seiner Gründung vor drei Jahren hat der Stahltrust fast 900 Koksöfen mit einer jährlichen Leistungsfähigkeit von fünf Millionen Tonneu neu errichtet. Die franzSsische Aulomobllproduktloa hat sich seit 1 S 1 3 sehr kräftig entwickelt. Die Erzeugung stieg von 18 000 auf 191800 Wagen im Jahr« 1928. In diesem Jahre entfielen auf geschlossene Wagen 55 Proz., auf offene Wagen 23 Proz� auf Lieferwagen 12 Proz. und auf schwere Lastwagen 10 Proz. In der Welt- Produktion steht Frankreich neben den Bereinigten Staaten und England heute an dritter Stell«. 30 Proz. der fron- zösischen Erzeugung im Werte von rund 1,8 Milliarden Fronken werden ausgeführt, während die Einfuhr nur etwa 10 Proz. dieses Betrages ausmacht. Die Zechenvertrustunq ta England. In Wale», dem Kohlenzentrum von Großbritannien, ist jetzt die Verschmelzung einer An- zahl wichtiger Zechen durchgeführt worden. Insgesamt werden von dieser Verschmelzungsaktton acht Werk« erfaßt, die mit ein« Gesamtproduktion von fast neun Millionen Tonnen mehr als zwanzig Prozent der Kohlenprodukrion in Wales beherrschen. Der neu« Zechentrust beabsichtigt, unmittelbar nach dem Zustandekommen der Fusion ein« umfassende Rationali- sierung in den Bergbaubetrieben durchzuführen. PrelUXi 16. Aasast: Blttffank. 12.3»: Wetten— Muae*renzl3uef\ ' < 6er. T Sei©J Bez.s Bei Lichtenberg ®\Charlottenbg\ Tier-\ Mitte rftezA I V(rf\\ garten. M) /PnednchSc > �___----- r I öei�eLKr%NZt)i / ßez Wilmersdorf �chöne-N----- (D r— r.�berg(g)/ f— 7�) Rpi � Bez. "A / ßez / ßez Bezirk Zehlendorf Steglitz. lTehm0f/ �(fä y tfis 1 /Meukölln�Treprow /rr\ S CTi \ Bezirk Cöpenick WM»"-''-•«.•«r.yy v" c-■•*i2�"-iL6*y"sPKS9a OBine Anzahlunsl. kleinste Raten vom UNTERNCimCN DER VREICM GCWERKSCH ACTEN UNDCAR-rAHRRADftERK AKTIENaESEEESCHAEY/ BERE1N-EICHYEMRAOE Abg»h« m«Ue mindertene 2 Jahn organisierten Freigewcrkschaiter, SPD.-Mitglieder und Beichsbannerkametaden, gegen Nachweis dar MHgEetehafL FABRIKNIEDERLAGEN AN FOLGENDEN PLÄTZEN DES REICHES: Berlin SW, Oranienstraße 127 Berlin NO, Gr. Frankfurter Str. 83 Bochum, Rottstraße 27 Braunschweig, Schöppenstedter Straße 3|4 Bremen, Nordstraße 45147 Breslau, Feldstraße 24 Dortmund, Hansastraße 3 Dresden, Ritzenbergstraße 6 Duisburg, Großer Kalkhof 6 Düsseldorf, Wallstraße 27 Elberfeld, Berliner Straße 78 Erfurt, Johannesstraße 55 Essen, Stoppenberger Straße 10 Frankfurt a. Main, Gr. Friedberger Str. 19 Görlitz, Pontestraße 1 Hagen, Weststraße 6 Hamburg, Nagels weg 16118 Hannover, Celler Straße 156 Köln-Deutz, Eitorfer Straße 1 Königsberg i. Pr., Vorder- Roßgarten 31 Leipzig, Zeitzer Straße 32 Magdeburg, Schöneecksfiraßc 6 Mainz, Große Bleiche 53 München Pestalozzistraße 40142 Nürnberg, Breite Gasse 81 Plauen, Königstraße 15 Stuttgart, Calwer Straße 33 Vegesack, Lindenstraße 12114 BAHNHOC APPARATE\|\ nur la Fabrikate Wbihenrate S Ä 5 VMksiedhrak'ÄsM ALEXANIDEßSTR.51-5a5EY,8�P* Eckt Prcml aucr Am AIcxiad'irpL wrtrcttrMsiiA Icl: Etrolina. El 3412, unucrbindkctf Radio, Sprechapparabe, 9 Mark Opcträder, Kinderwagen V wöchentl. Ist der Enverb einer Parzelle in bei Königswusterhausen— Neue Mühle am herrlichen Krüpelsee. Direkt am Bahnhof, daher leicht und bequem zu erreichen. Ständiger Vorortverkehr ab Görlitzer Bahnhof und Niederschöneweide nach Zernsdorf: 7.30, 8.12, 10.07, 12.12, 14.42, 16.42, 17.12, 18.12, 20.42. Also keine teuren Autobuslahrten erforderlich! 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Ts war der Zorns der Madtatoreo an den Kaiser Claudius, als dieser zur Feier der glücklichen Vollendung des Abzugs- kanal» au, dem Fucinersee ein großes Seegefecht aufführen ließ, ein Wort von niederdrückender Last für unser Empfinden, da e» ein glückliches Ereignis durch Menschenopfer krönte. Aber die Grundslimmung dieses Grußes er- klingt immer wieder von neuem, all die Jahrhunderte hin- durch, die Jürsleumacht über Menschenleben gebieteu sahen. Wo immer Gedenktage austauchten. Feste der Erinnerung an vergangene Ereignisse gefeiert wurden, stets war es ein blut- gedüngter Loden, auf dem das chosiamm für den gefürste- ten Gewaltmenschen angestimmt wurde. Bis in unsere Zeit ragten diese Blut« und Cisenkolosse hinein: War der Sedantag, den das offizielle Deutschland feierte, nicht ein Tag der Trauer für Tausende und aber Tausende von Menschen diesseits und jenseits der Landes- grenzen? Ebenso wurde die Schlacht von Leipzig noch Jahre hin- «urch in Erimierungsfesten gefeiert, bis die Einsicht, daß damals da» Volk jenen Kampf gegen Napoleon nicht als„Besreiungs�lrieg, sondern als.Freiheit s'krieg auffaßt«, in den reaktionären Kabinetten vor etwa 100 Iahren blasse Furcht erzeug!«. Der Ge- danke, daß die lebende Generation sich mehr des Bruches aller Versprechungen in den Stunden der Not als des Kämpfens und Mordens zum Ruhme der Potentaten erinnere, führte zum Einschlafen jener Fest«. Wie U h l o n d. es in Tönen, die echte Leidenschaft durchzittert, seiner Generation schon 1816 zurief:.Zer- malmt habt ihr die fremden chordcn,/ doch innen hat sich nichts gebellt,/ und Freie seid ihr nicht geworden,/ wenn ihr das Recht nicht festgestellt.'— Erzählen wir also vom Werden des Rechts:» Die Magna Charta. von 1215 bis 1267 wurde in E n g l a n d um die Magna Charta gestritten: die Verankerung der Dolksrechte gegen die königliche Gewall. Wohl keinem Menschen der Welt sind noch die Namen derer geläufig, die ihr Leben einsetzten für und gegen die alten Rechte. aber weit über England hinaus, in all« Teile der zivilisierten Welt Hot die Magna Charta gewirkt, als der Inbegriff einer Freiheit, die den eiiy zelnen in gleicher Weife wie der Gesamtheit zugute kam. Wie verblaßt gegen diese Tat die Persönlichkett «ine» Karl II., der 1660, am 29. Juni,.wie ein Helliger begrüßt und bewundert', in London«in- zog, um England von neuem— nach Eromwells Republik— unter die Königstron« zu beugen! Zwar wurde er nicht wie der erst« Karl enthauptet, sondern starb 1685 im Bett, aber heute interessiert er nur noch durch sein« Mätressenwirtschaft den Kulturhiftoriker, nachdem er„den Glauben der Nation an dos göttlich« Recht des Königtums moralisch vernichtet' hatte. Der«inst so ge- feiert« Herrscher starb als Pensionär Ludwig XIV., darin ein Lorbild für so manche deutsche Potentaten. Die Menschenrechte. 9« der Magna Charta und der damit weiterhin oerbmrdenen Habeaskorpusakte, die Schutz gegen willkürlich« Verhaftung bot, weht der erste Hauch bürgerlicher Freiheit. Zu vollen Akkorden schwollen aber die Töne von der Unveräußerlichkeit der Menschenrecht« in den Jahren der stanzü- sischen Revolution an. Schlag auf Schlag folgten die Erklärungen, nachdem im Juni 1789 die drei in» Parlament berufenen Stände ihre Vereinigung beschlossen hatten—, gegen den Willen des schwachen, unfähigen Königs, der Adel, Geistliche und Bürger nach wie vor als Sondergruppen behandelt zu sehen wünschte. Der 4. August 1789 brachte die Aufhebung der Leibeigen- s ch a f t, der 27. August die Erklärung der Menschen- rechte, auf der die neue Verfassung aufgebaut werden sollte: »Der Zvenfch wirb frei und gleich ea Rechten geboren«ab 4 bleib« e».* Aber zwischen diesen beiden Daten liegt der 14. Infi, die Erstürmung der Bastille, jener Zwingburg der feudalen Will- kürherrschaft. Und dieser reooluttonären Tat weihte man ein Jahr später«in Gedenken durch das Föderationsfest am 14. Juli 1790, das Vertreter des gesamten Landes und aller Stände vereinigte. Im April 1792 wurde dann ein erste« F r e i h e t t s f e st gefeiert auf jenem Platz, den damals noch das Denkmal Ludwig XV. schmückte, eine Reiterstatue, von der die Spötter sagten, daß die Tugend.zu Fuß ginge, da» Laster aber auf hohem Rosse säße'. Die Statu« wurde bald nachher entfernt. Die Revolution von 1848 hatte in Paris zunächst nur kurz« dramatische Momente, da Louis Philippe sich schnell zur Ab- dankung enffchloß. Die Pariser Bevölkerung ließ»s sich nehmen, durch Demonstrationen dem Verlangen nach Abdankung Nachdruck zu verleihen. Das heutige Frankreich hat den 14. Juli zum Nationalfesttag erwählt und dem politischen Festtag den Charakter eines Volksfestes gegeben. Oeuffchlands Kreiheitsfest! Schon einmal hat Berlin ein politische» Freiheitsfest g�ehen, das die Bürgerschaft aus freien Stücken veranstattete. Es war nach den Märztagen des Jahres 1848. Varnhagen von Ense schreibt darüber:.In der Nacht vom 19. zum 20. März war Berlin beleuchtet und hallte von Freudenrufen und Freudenschüssen ob des errungenen Voltssieges. Den Ueberwundenen war dies natürlich ein Greuel. In der Nähe des Schlosses war der Jubel am lautesten, zur Verzweiflung der Schloßbewohner. Der König schickte in den Hof zur Hauptwache der Bürgerwehr und ließ bitten, man möchte doch das Schießen einstellen, t»« Königin lstte. so schreckUch davon, ihre Nerven seien ganz zerrüttet.. Die Burgerwehr-erklärt«, sie könne dabei nichts tun, das Volk würde auf solche Zumutung ant- warten, die Königin habe das mörderische Schießen der Truppen Wie mir heule die Freiheit feiern. recht gut vertragen und nicht einstellen lassen, nun möge sie auch das harmlose Freudenschiehen des Volkes ruhig hinnehmen.' Dannt die Kehrseite dieser Auffassung nicht fehle, sei noch de» Arttkels gedacht, den der Minister Graf von Arnim in jenen Tagen der„Allgemeinen Preußischen Zeitung' zum Abdruck übergab. In dem Geiste dieses Adligen nimmt die Volks- freude folgende Gestall an:„Am Abend, wo die Stadt erleuchtet war. wogte die Menge umher, unter Jubel und Dank für den ge- liebten Landesvater, der es vorzog, durch Milde und Huld de« Stadt die Ruhe zu sichern, anstatt mit der bewaffneten Macht.' Aber da» Fest, da» die Märzrevolution verherrlichte, da» die Magna Charta des preußischen Volkes begründen sollte, blieb ohne Nochfolge. Die in jenem Sturmjahre geborene Generation ließ, den Sklaven de» römischen Kaisers ähnlich, wohl ihr Leben für die Potentat«», deren Zahl sich durch Machtfpruch siegreicher Standes- genossen zwar verringerte, aber noch groß genug war, um das geringschätzige Urteil der übrigen Großstaaten über deutsche Politik zu rechtfertigen, ober sie.stellte das Recht nicht fest'. Kriegsopfer ohne Zahl waren notwendig, am den weg frei zv machen für jene Revolution, die endlich dem Volke den Anspruch sicherte, daß alle Gewalt von ihm allein ausgeht. Die Professoren, die einst nach 1848 dem Verlangen des Volkes nach Einigung und Freiheit keinen Erfolg sichern konntxn, waren durch Männer des Volke» ersetzt, die am eigenen Leibe und in der Arbeit für ihre Werkgenossen erfahren hatten, wo der „Schuh drückt'. Kein Jahr war verflossen, als es hieß: die Der- fassung der deutschen Republik ist fertig. Der 11. August 1919 brachte diese Krönung eines ohne Blutvergießen errungenen Sieges de» Volkesi Narren- und Verbrecherhände haben sie j» Putsch- versuchen und mit Winkelcndookatenknissen zu zerreißen und zu be-sv versuchen und mit Winteladvokätenknifsen vergeblich zu zer." zu besudeln versucht. Da» heutige Geschlecht grüßt j«ne Vorgänger, die» nationaler als der nur Geldinteressen kennende Pfahlbürger des 19. Jahrhunderts, das Schiller« jch« Wort:„Ich kann nicht Fürstendiener sein!' in die Wirklichkeit umsetzten. Ihr Männer der Metternichschen Periode, die ihr unier Schwarzrot- gold strittet und leiden mußtet, ihr Märtyrer üts großdeutschen Gedankens, zu euch fliegt ein dank- bar«r Gruß an diesem Tage, der beweist, daß unser deutsch«» Volk jene politische Reife besitzt, die nach 11848 nicht vorhanden war. Tausendmal ist e» den Milchbärten der reaktionären, aber sich so patriotisch gebärdenden Verbände gesagt worden, daß, wenn auch nicht ihre Väter, so doch ihre Groß- oäter in Schwarzrotgold das Banner sahen, da» alle Deutschen umfaßte, die Brüder an der Donau so gut wie die am Rhein, an der Weichsel und am Neckar. Stumpfe Wut läß: sie Augen und Ohren verschließen vor der Wucht historischer Tatsachen, nur die Nacht, nicht das Recht anerkennend, müssen sie sich beugen vor dem Spruch de» Volke», da» aus eigener Kraft sein Haus bestellt. reißen und Vnisntg in(Paris gegen den m9Mlrgerkönigm 18Q8. Amerika feiert am 4. Juli sein Unabhängig- teitssest, Frankreich am 14. Juli die Geburt der neuen politischen Zeit, Deutschland am Ufahfault üi'edßf- thfPt UßUßSHrJ ICatn Zufallserfolg, klar tritt ihre Oberlegenheil zutaget Die Caid-Zigorette bringt von Haus alle Voraussetzungen mit, zu dauerndem Erfolg. Sie hat's eben�in sieh! 5 PF. 5 PF. eZiQAiietteu- JdtfOuAq&älidui/S und h&L mildt*. da%u itrüAmk 11. August da» N«st btr AustnianenschweGm«,«Ctr Be> strebungen zur Einheit und Frethest. Im Sonnner, wenn die Ratur ihre prunkenden Reize dem Aug« darbietet, ist die Zeit, um solche Feste zu feiern. Noch aber gilt es, das Gewonnene zu schützen, noch die Feinde abzuwehren, die. unfähig zur Vorstellung unserer Freiheit, da» eigene Ich über Lebensnot» wendtgkeitcn und Weltansehen eine» Volke» stellen. Zu dieser Abwehr bereit, erneuert da» repubNkantsch« Deutsch- land an diesem Tage den Schwur auf die Verfassung. .lind setzet ihr nicht da» Leben ein. Nie wird euch das Leben gewonnen sein." Zwar in anderem Sinne als den Soldaten aus.Walleitsteins Lager' müssen diese Schluhzeilen der Dichtung unser Leitmotiv sein: Das Leben für die Verfassung— das Leben für da» Recht— für Volk und Freiheit! Dies Work erleuchte den weiteren Weg. den das deutsche Volk zu geheu hat. Sozialistische Arbeiterjugend Gr.'Verliv »RlcntangtR Mtft JtutirB«or« M | Berlin 63)«8, tmtienffrat« S betatt Ubiffttt Heute, Sonntag. IL August: Wir trefTtn im» tarn Aufmarsch rm 10H N>e at Strans. voltsfest in Trrvtom um Ii Uhr am Str»u»b«rgrr via». i» Wir treffe» im» Eonntaa um 7 Uhr Zieuterwa». Wir marschiert»»um Lustgarten. vK-LIich Ude P»«anott StnKB»(«a«agan«). vlorgeu. Montag. 12. August. 19% Uhr: galt»!»» kr Heim Sonne niurg er Str. S». Vortrag:.Vi« versastnng vtutschlands".— Roll» lag II: Schul« Sonnend urfter Str. 20. Zimmer 3. Bor. trag:.Di« Ltifassuna 0e» sozialistisch«!! Staate»-.— H»«a»»»la»: H«im Scherendergstr. 7. Vomraft: jBub und SKäbel*.— Schinbanie« vorstatt: Heim Sonneadurger Str. 20. Vortrag:.Die Verfassung der sozialistischen Gesell- fdwff.— Fraulsurtee viertel- Heim Litauer Str. 18. Mitgliederversamm- lung. vanlow III«.-F.: Heim Svrschstr. 14 Vortrag: �Kameradschaft, Freundschaft. Lied«-.— Lichtenberg-Nord: Heim Sunterstr.«. Zstngeren- grurpe. Bei Gallenstein« und Leberleiden Maa«n- und Darmerkrankungen, chronischer hartnäckiger Stuhlverstopfung und ihren üblen Folgen, Gelbsuckt. Kämorrhoiden. Wucherungen und Geschwülsten hat sich. N h m p h o« i d' seit Jahren glänzend bewährt. 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Angnst nachmittags 3 Uhr roaar Fr«u«er iupbmih(ea oee au Rnichshallen-Thnatnr [?] Uhr. Stettiner sengar Oa* grobe Programm I �Billettbestg. Zentr. 112 63. Sonntag, 25. Aur.; Ente Kadunlitstn-Tonlellana. zu halben Preisen VarlM« Oönho- BrotH: Tibi: CrUwsiar Moll B bockt. Rennen zu Strausberg Hoalag.deni2.Aiiga$t nachmittag, i Uhr Verlosungs-Rennevi. Ontidt» Theater D.I. Norden 12310 1 8Us Ende gegen Ii, Die nedermaos Musik v.joh. StrauS. I Regie: Max Reinhardt Musik. Einrichtung| E. W. Komgold. i Ausstattg. L Katner Die KomDtlie ]1 Bismck. 241 4/7514 j KU-, Ende geg. 10 U i Freudiges 1 Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie; Leontlae Ssgan Tbeaia.Vesteas Tiglich«0, Uhr Sonntag 4 u- 81/, Frans Lchan 9," eil erfolg' FrleöcrUic Ca rgta Willy Thunls, Telephon Steinplat 0931 u. 5121 iäiBflwÄHBbMi KomSdlonhaus Norden 6304 Tiglich 8 Vi Uhr Hediieitirelse mit Etarn iiBzaBier Metropol-Tli. Tägl. SV. Uhr Sonntags 4 u. SV, Blanharl Operette von Offenbech Kammers L«o Slnak '(Staatsoper Wien) Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich Vit Uhr Max Adalbert In NaBtitrTroiken' TkaaLaoKotui.Tar Kottb. Str. 6 Tägl. i Uhr Elite- Sänger Die Angnst- Sensal ion Strtppke'a In der Sommerfrische Geverkschislest in Treptow Sonntag, den 25. August In den Lokalen Zcnner, Spreegarten, Ahfei, Schloß Treptow, Paradics- gartec. Grobe« nnd Alle» Eierhaas Dorblefangent Konzerf, Gesang, Gr. Tombolen, Riesen-Feuerwerke Eintrittspreis: Enrothsene SO Pf. Jugendliche und Kinder 23 Pf. FOr Enrerbslose nebst Forntlienon- «ngehArige Ist der Eintritt frei I Alle Kinder erhalten eine Siockloferne gratis!— Darma«czf nach Treptow sam Gcwcrktctvaftzfestl Allgemeiner Deutscher Gewcrkschaftsbund Orts«asscha| Berlin Allgemeiner Deutscher Bemntcnbnnd Bexirksaassdial Berlin Planeiariani —«m Zoo— Vtrlsi:mi«in:» Hnb B.S Barbarossa 5578 161/« Uhr StamälUer das So nun. r« I»/,U Von Poi xa Pa< «m staratsklmmel 20V, Uhr Dar aiuthali Tägl. auJer Montags u. Miltw. Erwacli«. 1 Mk, Kinder SO Pt Mlttw.; Erwachsene 50 Pt. Kinder 25 PI ARBEITERSPORT U» Kfirp-Hcudur ARBEITERSPORT M Gawndhathpflaga ARBEITERSPORT ist Ablehnung oller Sportfexerel ARBEITERSPORT ist Dienst am Sotlalismu« Bnen Mossenaufmandi der Berliner Arbeitersporfler bringt der REICHS-ARBEITER-SPORTTAG om Sonntag, dem 18. August 1929, Im Volkspark Rehberge 14 Uhr: Festzug ab Leopoldplatz) 15Uhr: Beginn des Volksfestes in den Rehbergen. Festansprache: Genosse Carl Severlng Turnen, LekhfathletiV. Radfahren. Heben. Ringen, JroJifsu. Handball, Fußball, Tennis, VeUulonz, Freiübung ea, Oymnostik. OfitrltUpreU 0.3Ü RM. ARBEITERKINDER turnen, laufen, springen, fahre�tchwimmen, rudern, paddeln, segeln, spielen, wandern nur in ARBEITER-SPORTVEREINEN KARTELL FÜR ARBEITERSPORT U. KORPERPFLEGE BERLIN N 65, HOCHSTRDTER STRASSE 10 Revolution der Jagend »Je Jf{! ftrfiaer Urauijühnmg lägt 5,7,0*0. SPritmu 9alasl, Potsdamer Sbr. 10 Lnstspletbaus Täglich 8-1, Uhr Du wirst mich heiraten! Rundfunkhörer halbe Preise. pv??' /.r.'fl»' T.v.i.vriTrjVi UslwW W �n-1 .- �-Tg»' �„fAO.T ,r»V� ->�4 '-F-�4 •.m;v$ -Vovzellan-, t«1»s, M« nw— FaUars Spelseteller»..........«�32� Speiseteller«�........»�25� AbenMeller....... 16- Xoucieren.................«..»50« Obertassen 4Uk- 18«. Tassen 4Uk',w,Ä 28,32« Vorzellan mit Ooldraiid Kaffeekannen«�»� 95« Teekannen v. 95« Zuckerdosen......>..»45« Müchtöpfe...... �«.25� Tassen..................«**25« Takelsevviee atofua* 8 PwaOBMi, Bit Ooldiuid '50 TTMUlC,(tr 18P.naii.,m)t bnnt Blumen '00 T7U1L, tnp, Hattgoldrd.nu Voilgoldhcnk. 00 Tafel servile •90 nur1 LVafebsavttttttven Steingut, il!.nulCoiSr, Gjrlrt. I MI etM«jb,G»rnlt«r 475690 T�la50 590 Festonform, mit Ooldrand Speiseteiler 50 Abendbrotteiler 32 Bratenplatten«>«»«. 75«. Beilageschalen««..»75« Sauderen..... �»95« Kaffeetannen��' 95« Milchtöpfe 95« Kompottschalen»q« vit Gdldraad.................. Stück vwPt f-Takelsevie- Ponallaa,«aHafFaata, antt aatdraa« Speiseteller 95« flbendbrotteller.....— 50« Kompotteller________.�35« Bratenplatten..v.«...«.�uoBl*f Salatieren...........«.e»l2#340 Saucleren altToncnUhmkal.««a. 375 Kaffeeservice 5telÜ� für 2 Pcrsooen TT ♦teUlfc Kr. Person« 1 50 Glas RonipotteüerÄ-..�»50« Salatieren sä�-�os« Käseglocken«.» 95« velnrömer«>»»..........«..» 1 6« Kompotteller p�dmmu» 8, 10« Kompottscbülchen ä."ä1 6« Rompottschalen ä�äSO« Zitronenpressen sdO «'«Mek 25« Kompotteller.*»1" Kuchenteller........«.�ß90 Wcinrömer �..»3" Salatieren �"««sr» 875 975 NlcitoslaU lütolllc, für 12 Pononea 9'12' A�e50 Körbe.................. Ukörflaschen 490 590 Weinflaschen w««..» 975 Rahrasätzesu.«...................«»9' 'SolZ'.Bürstenwaren, FussbOnke.......>«*50,95« NesserkBstenK50,95«lu Waschbretter..�«*» 95«145 Tabletts........... ä.*95«175 KiosettbQrstenhalterQcK9u mit Bflnt................. Bttt** t-.9l.IT —.rrr — Emailleware»-� S!!5c**«50.75,95- Schmortapfe«* 50, 95«lts *8u"78,95« Bazanoannen QeM hohe Komb, ca. 84 ev....... 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Das Präsidium de» Moskauer Gewertschaftsrates hat beschlosien, ein« Säuberung der Arbeitslosen an der Moskauer Ardettsbörse und an den Arbeitsbörsen des Moskauer Gouveriie- ments vorzunehmen. Di« nach dieser Säuberung verbliebenen Arbeitslosen sollen nach klassenmäßigen und produktionstech- nischen Gesichtspunkten eingeteill werden, mit dem Zweck, den rein proletarischen Elementen den Dorrang bei der Anweisung von Arbeit zu sichern."(Dieser Absatz ist in den.Vswestija" in Fettdruck ge- druckt.) Man kann danach die Preisfrage stellen, ob di« Bereinigung der Deutschen Arbettgeberverbänd« bei ihren Vorschlägen zur„Reform" der Arbeitslose nversicherung dem Beispiel Moskau» folgt, oder ob die Bolschewfften von der deutschen Sozialreaktton gelernt' haben. Jedenfalls stimmen di« Methoden, manchmal sogar die Argumente überein, mtt denen die deutschen Unternehmerverdände und die rusii- schen Gewerkschaften gegen die Arbeitslosen Hetzen. Immerhin besteht «in Unterschied: die Bereinigung der Arbeitgeberverbände verlangt de» Abbau der Unterstützung der höheren Lohnklosten und die Ber- längerung der Wartezeit: die Moskauer Gewerkschaftszentrale« n t- zieht den„nichtproletarischen Elementen", di« nicht das Parteibuch besitzen, ganz einfach jede Unterstützung und die Zulassung zur Arbeitsvermittlung. Die Verbindung der IVO 000. Außerordentliche Tagung des Berkehrsbundes Der venische Verkehrsbund hat zum 8. Oktober einen außer- ordenllichen Bundestag nach dem großen Saale der»Neuen welk" in Berlin einberufen. Der verbandsnorsihende. Reichstagsabgeord- neter Oswald Schumann wird über den Zusammenschluß »er drei verbände berichten. 3» Anschluß an den Bundestag beginnt am S. Oktober ewlv gemeinsame Tagung der verbände der Gemeinde- and Staat». arbetter, der Gärtner und Gärtnereiarbeiler und de» Deutschen ver- kehrsbnnd«. hier wird Karl P 0 l e n s k e das gleiche Thema behandeln, worauf der Zusammenschluß erfolgt und die Wahl der verbandskörperschaflen vorgenommen wird. Die KPO. wachi auf. Sie erinnert sich der Arbeitslosen. Veit M»nate» wirb dl« veffentlichkett in Anspruch ge- nommen von dem Kampf um di« Arbeitslosenvers i che- r»»g. Di« Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, unter» stützt von der bürgerlichen Preste und so gut wie allen bürgerlichen Partei«, führt einen hartnäckigen Kampf um den Abbau der Arbett»- losenoersicherung. Sie stößt dabei auf den entschlossenen Widerstand der freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei. In dm nächsten Togen wird die Relchsregiernng dazu Stellung nehmen, und am kommend« Donnerstag wird der Sozial- politische Ausschuß de» Reichstags zusammentreten, um sein« Beschlüste zu fasten. Jetzt wacht auch die Kommunistffche Partei auf! Ihr anonymer „Reichsausschuh der Erwerbslosen" erläßt in der„Roten Fahne" ein« Aufruf an die Erwerbslosen. EndeAugust oder Anfang September, also voraussichtlich, nachdem die Entscheidung längst gefall« sein wird, soll« in den groß« Industriebezirken kommunistffche Delegiertenkonferenzen einberufen werden. „um weiter« Maßnahmen zu beschließ«". Natürlich sollen di« unvermeidlich«„Eru»erbslos«ausschüsse" gewählt und„Protest- Versammlungen" einberufen werden. Auch die Kampffront soll, wie üblich, verbrettert werden. Die ganz« Aktton ist so klüglich, daß e» sich nicht lohnt, darüber ein Wort zu verlieren. Sie zeigt jedenfalls, daß die Kommunfften nur dann«in ernst«» Interesse an den Arbeitslosen haben, wenn sie dies« zu politisch« Aktion« mißbrauch« können. Die Interessen der Erwerbslosen wahrzunehmen, daran denkt man in der KPD. über- Haupt nicht. Zw Stuttgarter Hotel, und Gastwirtsgewerbe steht ein ernster Sonslikt bevor. Der Zentraloerband der Hotel-, Restaurant, und Cafeangestellten und der Genfer Verband hatten das vor einem Jahr atzgeschlostene Lohis- und Mantelabkommen für Groß-Stuttgart auf d« 30. September gekündigt und neue Vereinbarung« oerlangt. Der Stuttgarter Wirtsoerein beschloß jedoch jede Erhöhung der bisherigen Löhne und jede Aenderung der Arbeitsbedingungen abzulehnen, selbst auf di« Gefahr hin, daß die Betrieb« geschlosi« werden müssen. a I I I I HidzI-l-l-t-M Betrieb» twlti,» ber SPS. beim Bezirksamt»eißeniee. Dienstaa, tv. August, 10 Vi Uhr. im Restaurant Dallas. Wcificnsee, Lehberftr. 122. Sttfcmmlun« aller beim Bezirksamt beschäftigten Beamten. An- erstellt«» und Arbeiter. Taarevrbnung: t. Kommunale Politik der Partei unb die komme nhen Watien. Referent: Reichstagoabgeordneter veaolfe Karl Litt«. 2. Verschieben». Um restloses Erscheinen wirb ersucht. Ber vorstand. «chtnaat Kinbeesest Prenzlauer«er». Di« besser treffen sich um UV4 Uhr in den Baracken Danziaer Etr. 82, unb melden sich bei Erich Tchletj. i Luqendqruppe des Zentraiverbanves der Angestellten. Morsen. Montag, finden folgend« Veronsta ltungen statt: Tegel-Rri. nickend» rs: Wir besuchen die Veranstaltung de» Iugcndbezirks Wcddin». — Sebbing: Achtungl Wir treffen uns vor den Tribünen des Sportplatie» Jiebbetg«" trnb suchen ein ganz in der Nähe gelegene» Jugendheim aus. Vor- trag:„Deutsche Sagen".— Schön hanser Vorstadt: Jugendheim in der Schul« Kastanienall«« 81. Vortrag:.Da» Brufsschulwescn. Referent: Derlow.— Lichtenberg: Jugendheim Dunterstr.<4. Leseabend.— Urban: Achtung! Reue» Jugendheim, glughafenstr. 88. stimme« 1. Borirag:..Vom Werden der deutschen Republik". Reserent: Dr. Mar Schütte.— Tempelhos: Jugendheim Dermania- stratz« 4—8.»ruppenbesprechuna.— Eharlottenburg: Jugendheim Rostnenftr. 4. Bnrtoaa: JUartt* Andersen»et», sei» Leben unb leine Wcrkx", Referent: LewinM.— Spiel»nb Spart: Spartploh Tiergarten ab 18 Uhr. wstjvr««ry«»«»5. Guischeine liegen bell ib Ziga reffe «teftstomsm füx diese MuirU p-d hjwrß stet« e» da»«-»«rltsekret-rw, •«(Iis CC M, einbeafteafle 3, � H»f, z Treppe» eicht»,»u richte». %. tMb UciMntea.«Abmc.«wi-witoNet«! ScdtfamoaM« tM M b«Jta«« e�!!>a»R-Äal» deute, S»mU»a> t»«arUchzk fPISdeosäej. 1« Uhr. Ve»«eitere»»«den die Senosse»«edete». sich»hl reich an Demonldation vormitta«, tu deteiliaen. JL strei, Weddina. Dieuetag, 1». Ausuft. 1» Uhr. Slstmi« «it de» Abteilungsleiter» bei Wende, Ailiaiestr. 1«. 7. tteei, Sherrlotten iwra. r fest im Doltebab Zun« ginn IS Uhr. Eintritt k>>»»ert. fvertNch« Lars Lamvianreigen. Ab» ? �»e���rt��e�en��aedenedafibn�?�!»? chenamn Kenriette Wenzel, Nichard-Boetirer�-tr. t». Alisgab« der il«rter. j«r Bannerweibe ont der MsnatVchriit-linier Wen*. M. Abt. Marie» borf. 20 Uhr ffunktionirftliANg bei Niendorf, Thaniieestr. 10. Neukölln. SO. Abt. ISid Uhr bei Echabeiko, Weichselstr. S, ffunktionäruersainin. Inn«.— SO. Abt. 20 Uhr wichtige ffunktiaiuirfttuna bei Lohann, Wippte- in*k reie» und T-rner und Schwimmer', Heut«!. Sonatchg. lt. August: N. Übt.«» chenaillirne»»nd Sen»Se» dete Ut«»» —~»**—-j Dienobn, beachten. �. xr beleiliaen sich refkl»«»» d« U>»- safiun«af»ier de» N-ichsdanner» in der E»l«ßbrauerei»m M«d». Abt. Friede»«», vi« Friedenauer Genossen treffe» stch»ur r«IInah»e an »er Demonstration um WM Uhr am Bahnhof Wilw erat»« rf�fri eben«,. Morgen. Moutag. 12. August: __„ 8* fSei'Kwnö-sthe»» M«etr, -------—- e**m. i «M. 1«H Uhr FmttWnBrMaat bei«lr»»»«. Abt. ISib Uhr ffunkttonitrliwÄ.«ieleffte. n. Abt. 20 Uhr ffunetioniirsttznn« bei Laurihen, 1 ?. l Ul.' 8.'.. «». Abt. 1Sg> Uhr bei Qbi. ,0. Abt. ISid Uhr bei«in»! 17. Abt. ffunttionLrkonferen, fflBt aus. 1«. Abt. 20 Uhr FunkttonäZonieren, bei< «. Abt. SO Uhr bei Pore,«olontestr. 1». tsttznna bei Laurihen, vuttbusser Str. lt. Flo? Stralsund«- Str. U. FnnVtonil-stdund. !l. llsedomstr. 22. Fnnktionikrlonsere»,. teUOaa Str. 1 1o»arfc■>««■«. der Geschäftsstelle. «t»l« AT UlJC deCl VUCT�»\U iP l( IT f!.£. kij,| 3t.«it. WM Übe Funttiondroersammlung l» 6tra|t 2t. «. Abt. WM Uhr|>»«tti««as»ei s>»»»li»M bei XL«bt. I»A Uhr FUnktionArlonfeeeei«»el »t.«bt. l»-� Uhr FÜnttionArstdu», tai NN... V.«bt. WM Uhr Funkt iondrßdu»« bat«eed. Sonnenburser Str. l. SS. Abt. 20 Ubr FunktionSrstdun« in der Inriftische» Eprechstunde. ». Statt beste» stonkklonstrststnnst 14.«bt. Mittwoch. 14.«ugust.. WM Uhr. bei«e um»»»,«Nieiw» «. Abt. Str. 4B. stier die Staitperordnetenwohlen. AaMellnn« der Kandidate». Vi« B». werden««bete», hierzu«Inpu laden.-Unser West' ist im Lokal Eowenius abzuholen. 17. Abt. Mittwoch, 14. Angnst. kWh Uhe. I. DmM_.. S. nnb!>. Bezirk bei Ierafch. Ehertost». 10. 4� 1. und st »ei bei Raschke, Matiernstr. 14'lBortrag be, Genvsse» Fritz Poll:... »st Abt. Lichtenberg. Berkehrslokal fstr die st Gruppe ist setzt M Emil chenkel. vberstr. 11, Sek« Finows! rahe. Dort findet auch der Aahlaben» stakt. AraueuveraustattuugEU. Ist tzkbt.«st,«»elstNM» beteilige» stch mm........... dem JL»»Lust. wm 14 Üb», am chqffietoch«» trn Sonetrefiaueant Sa»t>a»st»4lst Ulter 1«. Abt.��rrepw»». Sonnabend. N. IZ4. Abt ileinb______________ Stral«, Frau« nadend. �Bibelftunde'. Referent: Atoll Zuagsozialistifche Vereinigung. Ebark»ttr»b»xa. Morgen. 30 Ubr, im Jugendheim Rostnenstr. 4, Fritz Froenkel spricht stber»Zunasotialisten und lklastenkampf'. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreuud«. ttori« Reuliln. Achwatzl Wir beteiligen«w am IN»4i:f>« de» anite, im Bolkopark. Alle Gruppen auher Falke» treffe« stch»W 14 Uhr au den Umkleideräunien der Tennisplätze im Bolksnark. SwrPP« Falk« geht»um Reukällner Reichebanner im Spreegarten lTreptvw). stee!» Tiergarten: Gruppe August- Bebel. Rote Falke». VUnadag, Ist«ugust, Nid— lOi» Ubr, in, Heim ZSa!benferstra|e, Falken-olloerfaMMl»»« mit ......— �- i«»t»-'' Weiheufee-Hoheaschstuhause». Gruppe.Gemeinschaft',«b M.«u viedei unsere Zusammenkünfte statt. Vienotag Spiel»«cho»fttv Uhr in der SchülbaoaE« Vlngekstildlee Stra» >nd Jungfalken von 17—1» Uhr im Zuaeadhl „Erlednisse aus dem JeMoger'. Donnerst .«im nnerstass. ______ den Wocstond. Wahl der V». den Rrichskurfn». Stellungnahme»ur Velsen Bremer Spielvla Ist Frei, W«. gust find«» Wiedel der Neftfallen von 17—1» lSiedlungi. Mittwoch. Rot« u Freienwalder Str. 4, Vortrag:..... Rote Falken pon 17—1» Uhr im Jugendheim Freienwalder Str. st vortraa: »Wie gestalten wir unseren Elternabend au«7 Wir bitten alle Eltern die Falken pünktlich zu uirferen Veranstalwngen»a schicken. Eltern besucht unsere Nachmittag«. Groh.Berli». Mittwoch.«.«uaust. sammlung. Togesordnuna: Ergknzun legierten fste die Neichskonferen, UN......________. Reichskonferenz. Bericht vom Zeltlager. Wegen der Delegiert»»»erweisen wir auf st 1 der Berliner Satzungen. Alle Helfer nehmen als GS sie teil.— Freitoa. 14 August, Borstandosttzung. Sprech, stimd« ton» wog» der Renovier» n, noch nicht stattfinden. Vressenachricht beachten. »rel, Weddlug. Donnerstag. 11. Aimust. streiohelferoerfammlunO 4« Ledigen. beim Schönstedtstr. l. Beginn 20 Uhr. Geupo» t«»P»ld»'' 11.«uaust, finden wieder unser« Turnabend, (Strafe statt. Berlin. Mi ti�«tolltost, M.«ngu».» Uhr. Helfe toben» tz» Heim Seht«. »Icker Str. 2»-Sst Gebartsfage. JubNSea vsw. Ist«Ist>»s»MM liebe. Fr»»»»» med«kte» OeeltowioW,»«ktot» Ook»- R��on�d�to MJk ew � g,. i■ I■■. kl««Bl« yOpoWIm* M44 fwiHwZn«w, 1• 19�� ml« f« hoffe»»uferen alte» treuen Wilhelm»och«echt lang« in sei»«, Funktto»»l« Abteilungelalssrrer z» haben. Utrecht«- � Sterbetafel der&T9t'Zkrtkm p«r<«i» Pf H»ifafU>B Ist.«Ist Schi»«»erst«am plbtzNch xoed»menmartet»»«schfed am Freitoa- abend gm Herzschlag unser Barteig« noss« de» etadtrat Mar Herzbeen. Ehre seine» Andenken. Dl« Einäscherung wird»och bekanntgegeben. CstMMItmM 0-90, trnnflU Ott). O'SOIKIcMn, gefüHt..V 4-10. 370, 2*45 WstIB, pdtnpft od pMChllsten 3 80, l'UO UntafboH, g« füllt.. 9-80, 870, B*S5 Daunen.......... S'SO| Otarbett, gefüllt.. 11-40, 9-3� v SS H»~ PtTttst dir» 41 groklo ■etttostonrctalxoBf toi 8 Steppdecke SS» Dnnnenfletke,"S�r tchaeewelBes Olnsedaaten. 36 H»«h— Hr«faio»»taa»(ratio. KOtOOSSST vtunm 88, HvSSslM»!«' Str.B, Timstr. 71 der gewaltige Portscfinff dem Gel Gebiete häuslicher Reiniguflg, Ä» Für® gfttVfn Ififcm'Hau�fiält keinen Gegenstand c!en es nicht mit neuem, herrlichem Glanrver-. schönt Wie wird Ihre Wohnung leuchten, wenn©den Reinigungs- dienst versieht! Vor allem beim täglichen Gesdiirrabwasdicn und Spülen merken Sie die außer- i EßiöfTd O auf lo Dm ordentliche Arbeitserleichterung. - i Eimer heiße» 3XW. Die fettigen Sachen, oaucieren, Milchtöpfe, Butterdosen, Ol- ffaschöTr!!adit®li�aMaJwdb® und geruchlos. 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Auguft ßoforgen SIs IhrMeßabzeichen fchon Jetzt zum ormäßlgt.Vorverkawfspr�s beb der Berliner GefchäftifteJl« des Leipziger Mewamts(Dr. Weftphofl, W 57, Ku f0jt>*.Ub�23 hpt.r�Untergrundbahnh.wKurfQntenftra6e*'Südausgang(Olival 783 u. LOtzowi 799)} dam ehrenamtlichen Vertreter des Leipziger Messamts, Direktor ö. Bach(Verband Dewtfcher Waren- und Katifhäufeij, W 35, Schöneberger Ufer 35 W(Lutzow 336Ö)| demNorddeuHchoo Uoryd, W«,U»iter de« Lh»deel{HoteiAcnon)(Ze�nee 12230) eiNfNW�O, Invalidenftraße 93(Norden 12241); dem Verkehrsbüro der Induftrie- und Handelskammer, C2, Ktofteritr. 41(Beroflna 5Ö91); dem Verein Berliner Handelsvertreter E. V, NW 7, Georgenftraße 47(Zentrum 587), der Reichs bahnzentraie für den deatfehen Reffeverkehr, W 9. Aaskurrftsftefle Potsdamer Bahnhof(Kurfürlt 3375); der»Nord- und Süd-Einkoufsgenoffenfchaft" t G. nu b, H, SW 68, RkterBraße 73— 74 (Dönhoff 10— 17); dem Verband der Beftandteilfabrikanten für MvfiWnfhvmeote tV» W 50, Neue Ansbodter Straße 7(Barboroffa 952Ö);' der JL O. V.", Eiektro-Großhandler- m. Exporteur-V e» einlgueg DeelCdalaads l. V» 8W 48, Friedridiftraße 234(Bergmann 6597). Für Eintag s befe«e*r Tegankerteel Dos Amtl. Leipziger MeBadreßbach 1(1 ab 15. Aug. im Vorverkauf etMHfldi bei t der Berliner Gefchöftsftefla des Leipziger Mesiuml«, Adrefie(lebe oben; dem NorddeuHchen Lloyd, Unter den Und an 1; dem Verkehrsbüro der Induftrin- und Handeiskammer, Ad reife flehe oben; in den Buchhandlungen der Fembahnhöfe Berlin u.bni Georg Stilice, NW 7, Dorofheenflr�S; bei der Reichsbahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr sowie»Nord- end SOd-Bnbaufs- genofTenfchaft" L G. m. b. K, Adresse flehe oben. In Verbindung mit der Veranltaitung von Gemelnfchaftsfahrton werden auch Meßabzeichen verkauft von aon Reisebüros: Hermann Heiz, iolpriger Straße; Hermann Uetz, Kaufhaus des Weftens, WÜSenbergpiatz; A. Weitheim, Leipziger Platz. LEIPZIOER MESSAMT/ LEIPZIG FARBENFABRIKEN BERBER& WIRTH, LEIPZIG LIEFERN FARBEN für sämtliche DRUCKARTEN Im besonderen hochkonzentrierte OFFSET FARBEN von größter Lichtechtheit, Reinheit und Druckfähigkeit Zweigfabrik in Berlin-Neukölln, GlasowstraBe 18-20 Barmen, Amsterdam, Budapest, Leningrad, Prag, Rio da Janeiro Lieferantin dieser Zeitung Verband 1 Freidenkertnm u. Fenerbesiattnng E.V. »•,.'« v n,( t•,■< Sita Berlin n Oegrllndet 190S| Mitglied der Internationale Proletarischer Freidenker.— Mitglied der Reichsarbeitsgemeinschaft freigeistiger Verbände. Kartelliert mit dem Arbeiter-Feuerbestattungsverein„Die Flamme", Wien. Hauptgeschäftsstelle: Berlin SW29, Gneisenaustr. 41 Der Zweck des Verbandes ist die Verbreitung dar ftraigclatty« WelfanschannngfAthelsinns), sowie die Einwirkung auf die Gesetzgebung in allen kulturpolitischen Fragen. Der Verband kämpft für Trennung von Kirche imd Staat, der Schale rea der Kirche; fflr eine freiheitliehe Aaexestaftang des gesamten Schulwesens; fflr die restlose Bcsctögtmg des Rril glonsam terrfchtes ans der Schule; fflr die freie Entfaltung von Kunst und Wissenschaft; gegen Jedes Konkordat; gegen jede direkte oder Indirekte Unterstfltzung der Kirchen durch den Staat. Kirchcnausiritt ist Bedingung! Ebenso tritt der Verband für die Verbreitung der Pener« bestattung ein und bekämpft besonders die öffentlich- rechtlichen Hindemisse, die diesen Bestrebungen entgegenstehen Verstorbene Mitglieder werden nach dreimonatiger Mitgliedschaft— bei tödlichen UnglflcksfAllen ohne Wartezeit— auf Verbandskosten eingeäschert« Monatlicher Beitrag: Gruppe A: vom vollendeten 1. bis 18. Lebensjahre... 0,20 RM. I:,. 18.. 50..... 0,60. BaUr woboi dl« Drittel fa Anrechnimd gebracfal wird. Onzppe A sa eine Gruppe C: vom vollendeten 50 bis 60. Lebensjahre... I,— RM. Bettraa»fr elhcll»adh 12 Jahren. Gruppe B: vom vollendeten 60. Lebensjahre ab Volleinzahlung(zurzeit 150 RM., die innerhalb von 2 Jahren in Raten gezahlt werden können. Eintrittsgeld fflr alle Gruppen 0,60 RM.— Keine Zonen« raschläge. Obertritt aus anderen Bestattangs« oder frei» geistigen Organisationen bis zum vollendeten 50. Lebens» Jahre jederzeit möglich. Mitgliederbestand August 1929: 610000 Das Kultursekretariat des Verbandes gibt in allen freigeistigen Angelegenheiten schriftlich und mündlich Rat und Auskunft Der Verlas des Verbandes verfügt über ein großes Lager guter freigeistiger Literatur; er besorgt auch alle in anderen Verlagen erschienenen Bücher and Broschüren zu günstigen Preisen. Im Reiche 20 feste Geschäftsstellen! Är. 373* 46. Jahrgang 5. Beilage des Vorwärts Sonntag, 4-1. August 1929 Sport. Veunea zu Sarlshorst am Soauabeud, dem 10. August. L K t n n tn. 1. Zmmut(St. d. Holtet), 1 Per«, 8. Pnmbmeifier. Toto: ÜO: 10. 8 Hefen. 56 1. Don n(Schar«,. I Rt( Rtf, 8. Trmnpskönt,. Ferner liefen: Houblon, My Lord II. -10. Toto: 2. Rennen. 10. Platz: 31. 43 8. Rennen 1. Kaltschale(Simvy, 2. Toto: 95: 10. Platz: 17, 15. 14: 10. Ferner Uesen: Telemach, Oruk, Minister. 4. R e n n e n. 1. Midg-rd(H. Zechmann), 2. Parademarsch, 8. Smadeu«, Toto 159:10. Platz: 41. 33: 10. �"------ Künstlerin. 8. MithridateS, edmeffer, Kastor Ferner liefen: Svengalt, Schlag bäum. 5. Rennen. 1. lreme»e Menlhe(Schüller), 2. Marchesa, 3. Masesta, Toto: 73:10. Platz: 28. 31. 220: 10. Ferner Uesen: Modewelt, Rilornell. Oper, Kaballa, Schlehblüte, Siegberte. Hosgräfin. S. R e n n e n. 1. Periander(Wurst), 2. Sternkunde, 8. Jawasch. Toto: 43:10. Platz: 84, 35, 49:10. Ferner iescn; Pataera, Neuland, Balaton. 5kudlich, Achtung, Grand Mousieux, Faliciiseder. 7. R e n n e n. 1. Cardinal II(v. Borike), 2. Ltmanova, 8. San«. Toto: 20:10. Platz: 14, 15, 16:10. Ferner Uesen: Notbart, Die KSnigtn, Manitou, Lall. Prüfen Sie einmal unsere Preise und unsere Qualitäten u. überzeugen Sie sich von unserer Billigkeit und Leistungsfähigkeit Sie werden wie Hunderttausende ebenfalls unser treuer Kunde werden BRUNNENSTRASSE 1 u. 2 FRANKFURTER ALLEE 350 KOTTBUS ER DAMM 103 WILMERSDORFERSTR. 165 WM MDMeltn-BttM fichtungl Bauanschiager Olcnsfea. btu IS.«toaefl. ebceas r Ahr. Im OerbaaSshan«, Cinicafle.«3 SS Branchen-Versammlung der Bauanschiager Tagesordnung. L verband»- and Branchenangelegen» betten. 2®i»tumoB. 8. Verschiede nea E« tft dringende Wicht«Bce Magen. die Versammlung tu besuchen. Die Billett,»aa»er Dampserpautte müssen restl», abgerechnet»erbe». »«»eil»«taati Mstaüarbener In EnzsihaniM Clensfae. den 13.«agnsk, ob»,. 7 Ahr. Im vibll-Ihrtsaal kae Oeibankshmics. Ciaienfttabc 83, SS 1. Portal Versammlung cner in den Ptiricden des Einzelbandeis besobintgteii Matal, amei'sr, als scbiss- ter. le.cuchlar. Eiewromentsure. fahr- iitubimonieure, r.eonanmap.»ois-Repara- lursemcsser, Kisrapner, Fcsnsttsp' andare Dal den Firmen Heid, Bei Israel. Tie», iborinaim, Kacuiaos Westens, cerson, Karsuat u. a. Taqeoordnung: 1. VerwaUungdbericht. 2. Bericht übet die Ergebnisse unserer Lohnlordrrungen beim Kaufhaus Werlheim.H. 3. Distnlsion. 4. Verschiedene» Das Erscheinen aller Metallarbeiter ist linbedingl erforderlich. zur Beachtung! Allmonatlich. Dien«» lag,»ach de» Vertrauensmänner-Konferenzen, finden im Pertandshau» Linien sirane 3n,35, die Versammlungen der vletallarbailer Im lkwzelhondel statt Sollen endlich in den Beirieden geregette und ordnungsmäßige Verhältnisse ein» treten, dann muh fich seder Metallarbeiter in diesen Versammlungen einsinden. vsrtrauensrnSnnvr Die Flugblätter lür den 8. Bezirk können am vlaustag, dem 13. August, nach» mittags von 4 dio S Ahr, bei Prasser. Altchaeltlrchstr. ZSa. abgeholt werden. niftmoch.»es 14,«agnfl. ■arm. 10 Ahr, In den(Bmaania- VrachtsSten. slhausseestr. 110 Versamttelniiä aller streikenden Bau- u. Geldschrankschlosser Tagesordnung: t Bericht über de» Stand unserer Lohnbewegung. 2. Stellungnahme dazu. S. verschiedene». Ohne Mitgliedsbuch lrws» s»tr» vcuuccuw».»SN 13.«ngnslt, abend» 7 Ahr. in de«»cMhlc».»«lm». Sophienstroh« 17 18 sMlMWWMMMliiii! der Bohrleger und«eher Tagesordnung: 1- Verbands» und Branchenangelegen, betten. Z. Verschiedeue». Spielplan unserer ttnlturndteilnng. Zu der Woche»am 12 bt» 18. August: 1. Der lebende Leichnam. iNach dem Roman von Tolstci) 2. Technischer Film. 3.- Humoreske. Zu der Woche»»» 18.»1»». August: 1. verirrte Jugend. 2. stristalle de» Lebeu«. 3. Humoreske. Zu der Woche oom 26. August dt» 1. Sept. 1. Sturm Uder Asten. 2. Was uns die Kaffeebohne erzählt. S. Humoreske. Zu, Woche oom 2. dt» S. September- I. Ein.'-a'. am Rordpoll i Fehn Jahre Vostsflaal 8. Huinsreske. 4. Tei)Nischer Fi>m Ar., agrn a.>.ieu Ilederlassuna und Besuch d« Abteilung find ielerha uui.- schr,, i lich an die stulrurudteil!:..>ur-a-! Liutenstr.«Z/bki, Zimmer a,j u.-, i Die Orltverwalhing. m«bel ohne Ans&Mnng In gediegener Aasfü/irung, zu niedrigsten� Preisen SclU« Spd««5 590. «70. �50. SiM Limmer �Ilanalsr»�' Fslinniei' gtlonalfr*� ttlod er ne 91 ü eh en ISO— 390 91911, Wonalsralcn 10—20 91911 Xteferung frei M a u i l Steiser JColhringer Str. 67 mJieU-Bhf. Schsnh.Tor frankfurter Allee 336 Edce TiMer Str. K ✓ Musiker bestellt man nurbeim Musikernachweisder freien Gewerkschaften Berlin S 14, Kommandantenstraße 63-64 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3277, 3278 'SxLawJa Der Craum, der mich»eil meiner Kindheit rerfoigi, tat mm verwirklidii. Mein Freund, der Orunds täcks/aehmem geh wdr dem rUh- Hgen Tip, er kennt den Markt und weiß die Spree rom Weiten zu scheiden. Unter seiner sicheren Führung erwarb ich tu günstigsten Bedingungen die ii o S>'!.-.oskanft Restanr. 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Cafe-Angestellten BOrot KIIBsmt Straße 86-88 Aufgong A II Telephon: Norden 1813, 804 Troffpunkt unsorer Reichsbonner-Kameradon: Gaststatte Rasenthaler Tor, Elsässer Straße 86-88 MILLIONEN 242 Lebensmittelabgabestellen, 36 Fleischabgabestelien, 5 Warenhäuser, 4 Manufakturwarenabgabestellen, 1 Möbellager/ Konsumgenossenschaft' liehe Eigenbetriebe: 3 Bäckereien, Konditorei, Wurstfabrik, Minerelwasserfabrik, Kaffeerösterei, Werkstätten für Herrenbekleidung usw. usw. Eigene Sparkasse mit 36 Millionen Mark Spareinlagen. �Dissen JZz,. Unterhaltung unö mieten,: 3)er SlSnigsliger Im Nahmen«ine» großen Zirkusgalaprogramms sollte eines Abends eine Dressurstund« mit fast noch ungezähmten Tieren gezeigt werden, damit die Leute einmal sehen könnten, welch mühsamer Weg von den ersten Uebungen bis zur Dollendung der Kunststücke führte. Nachdem die Pferde au» der Manege getrabt waren, hielt der Direktor«ine Red«, worin«r dartat, wie heutzutage— da» verehrliche Publikum werde gleich Gelegenheit haben, es selbst zu sehen— wie heutzutage Lieb« und Geduld da arbeiteten, wo früher die Peitsche geherrscht hätte, und wie die Tier« dos mit Liebe und Der- trauen ihrem Herrn und Meister lohnten. Dann bat er um äußerste Ruhe und verkündete, daß nunmehr Ganges, der bengalische Riesentiger— fünf Monate in Gefangenschaft, drei Wochen in Dressur— von Herrn Paul Rexroth vorgeführt werde. Paul Rexroth,«in sympathischer Mann von etwa fünfunddreißig Jahren, in gelbem Tommyhemd und fransenbesetzter Towboyhose, trat in die durch hohe Gitterwölbungen zum Raubtierkäfig um- gewandelte Manege und verbeugt« sich— ein wenig unliebenswürdig— nach allen Seiten. Gr trug etliche Kugeln und Trommeln, die zu anderen Darbietungen gebraucht wurden, beiseite und stellt« dafür einen großen Hocker nahe ans Gitter und einen anderen, etwas höheren, etwa zwei Meter davon in die Arena. Dann füllte er bedächtig eine große, an seinem Gürtel befestigte Ledertasch« mst rohen Fleischstllcken au, einem großen Eimer und wartete nunmehr, eil« kurze Peitsche in der einen und eine lange Stange mit Eisen- spitzen in der anderen Hand, auf das Erscheinen des Tiger». Aber Gange» war nicht zu bewegen, in den von einer fremden, gefahrdrohenden Luft erfüllten Raum zu kommen. Schattenhaft tauchte er für Augenblicke am anderen Ende de» Gittergange», der vom Käfig in die Manege führte, auf, wich«der immer wieder, trotz heftiger Zuruf« und Stöße, zurück, sobald der neuarttge, beängstigende Geruch und die summenden Geräusche des vollbesetzten Zuschauerräume« an seine Sinne schlugen. Paul Rexroch, der von Anfang gegen diese verfrüht« Zurschau- stellung der unvorbereiteten Tiere gewesen war, lächelte ein wentg, ging aber schließlich doch selber, und seinem oertrauten Anblick und seiner Ettmme folg» da» Tier. Zuerst fügte«« nur widerstrebend, al» müsse«• die Festigkeit de» Voden» prüfen,«inen Schritt vor den anderen, dann sprang e» plötzlich mst einem weiten Satz mitten in den ftrei». Weich und geschmeidig fing«» den Stoß de» Auf- prall» m den eigenen Gelenken federnd auf, stand sekundenlang still und schaut« wild und scheu um sich, sprang dann mit einem knurrenden Laut aus den für ihn aufgestellten Hocker und drückte sich» Schutz suchend, an die Eisenstäbe, daß sein goldbraunes Fell zerzaust in hellen Streifen auseinonderquoll. Der Dresieur ging langsam aus ihn zu, aber eine merkwürdige Unruhe de« Tiere« lieh ihn auf halbem Wege stehen bleiben. „Ruhig— nur ruhig— mein Jung--* sagte er in gleich» mäßig steigendem Ton und ging mst fast unsichtbaren, vorwärt»- schiebenden Bewegungen auf chn zu. Wl« eine schwere, dunkle Masse fühlten der Mann und da» Tier um sich den 8l»m und den Geruch von vielen Menschen, für beide gleich erregend und beunruhigend. Langsam griff die Hand de» Dompteur» nach einem Fleischstück, da» er, vorn auf die Stange gespießt, dem Tiere vor- sichtig hinhielt. Diese, riß«» mit einer hastig schnellenden De- wegung weg und schlang e» hinunter. „So ist'» schön— ruhig— ganz ruhig— braver Bange».—* Borsichtig zog Paul Rexroch nun den zweiten Hocker näher heran, aber der Tiger schlug sofort danach, al, eine seiner De- wegungen, unabsichtlich hastig, au» dem fließenden Rhythmus der übrigen stach. Da» Tier sollte lediglich dazu gebracht werden, von einem Hocker auf den anderen zu kommen. Aber Ganges war voll immer wachen Mißtrauen». Kaum hatte er, von einem Stück Fleisch verlockt, eine seiner Tatzen aus den fremden Schemel gebracht, fuhr er auch schon wieder erschrocken mit einem lau.?. Knurren zurück, al» hätte er sie »erbrannt. Zehn dt» Zwanzig Minuten dauerte da». Ohne Erfolg für den Dresieur. Zweimal schon hatte er— sorgsam rückwärts gehend— seine Tasche zum Füllen hinausgereicht. Die Spannung der Zuschauer erschlaffte wie ein zerdehnte» Gummiband. Man hatte sich da, aufregender- gedacht. Direkt feige schien dieser Riesentiger zu sein. Allmählich wurde es laut ringsum. Hier und dort, erst ver- einzelt, dann immer öfter, sprang Lachen auf über das ängstliche Zurücksahren de» Tiger» und die eintönige Geduld des Mannes. Keiner sah die Qual des Tieres, das im Vertrauen auf den ihm fremd scheinenden Mann etwas, was all seinen Instinkten und naturgewordenen Erfahrungen zuwider war, tun wollt«, aber immer wieder von den überftarken Hemmungen seiner Natur zurückgerifsen und gewarnt wurde, sich duckt« unter den vielen lästigen Blicken und fremden Geräuschen, und in seiner Gespannt- heit berauschend schön war. Sie hätten das alle sehen können— aber sie langweilten sich und lachten, weil es nicht wohldressiert und abgestumpft von einem Stuhl auf den anderen sprang. Paul Rexroth fühlte ein« dumpfe Wut über die Unaufmerksam. tett, die er al» Schande empfand, die man ihm und dem Tier antat. Mit einer Verbeugung trat er zurück, um die Schaustellung zu beenden, und öffnete da« Fallgltter zum Ausgang. Aber der Tiger rührte sich nicht. Don Geschwätz und Applaus umsummt, sah er hoch aufgerichtet und hielt seine grünschimmernden Augen auf den Mann vor ihm geheftet. Diesem schien plötzlich eine seltsam« Gefährlichkeit au» dem Glitzern dieser Augen zu kommen. Er griff nach der Peitsche und machte«ine Bewegung nach dem Ausgang hin. um den Tiger zum Hinausgehen zu veranlassen. Ganges sprang herab und schlug mit dem Schweif, daß Sand und Sägespäne sich aufwirbenlnd an sein« Flanken hingen. Er stieß ein dumpfe« Gebrüll aus. das klagend klang, als würden lang« Vokale in seinem Rachen zu Fetzen und Brei zerkaut. Alles schwieg plötzlich. In dieser Stille ging der Königstiger lautlos und weichen Schrittes dem Ausgang zu. Da prustet« in der ersten Reihe einer los, dem die Gewalt der Tierstimme erst Furcht eingeflößt hatte, und dem jetzt dieser Abgang gleich feiger Flucht erscheinen wollte— unvereinbar mit der majestätischen Ankündigung neuen Geschehens. Und im �selben Augenblick warf der Tiger seinen Körper zurück, riß sich im Sprung z» Bvden und lag nun, die gewaltigen Sehnen der Hintcrläuse bebend gespannt, bereit, jeden Gegner niederzureißen. Don irgendwo spürte er«inen Hauch des Feindseligen— wer kann sagen, welche Empfindungen und Eindrücke das plötzlich« uns unberechenbar und tückisch scheinende Handeln eines Tieres bestimmen und auslösen— und so kroch er lautws auf seinen Meister zu. Dieser wich«in Stück zurück, ohne den Blick der gelben, flimmernden Augen loszulasien. Sein« Lippen bewegten sich, aber er fühlte wie sie trocken waren, und erst nach zwei vergeblichen An- sätzen hatte seine Stimme den gewohnten Klang. „Ruhig— ruhig— mein Jung.—* Vor dem Ton seiner eigenen Stimme wich die Erregung, die sekundenlang all sein« Nerven in zitternd« Schwingung versetzt hatte, und er wurde ganz ruhig. Sein Blick beherrschte das Tier und zwang es in Unterwürfigkeit. E» war atemlos still ringsum. Diel« Sekunden dauerte dies« stille Kampf. Paul Rexroch fühlte, wie das Tier ermattete, sich beruhigte, vertraut« wurde. „Nur noch eine Minute muß ich aushalten— dann weiß er wieder, daß wir ja Freunde sind," dachte er ganz klar.„Nur noch ein« Minute— ruhig— ganz ruhig." Da zerriß plötzlich«in jäher Laut die Sttlle, di« Mann und Tier wie mit zarten, kühlen Fäden umsponnen und ihnen di« Möglichkeit des Wiedererkennen» und der Wiedergemeinschaft gegeben hatte. „Paütz— Paul— zurück!" schrie eine gellend« Frauenstimme in höchster Angst, und Rexroth, der sich plötzlich angerufen hörte, wandte sich—«inen Momem verwirrt— um. Deutlich wie ein Gemälde sah er den Zuschauerraum voll erregt« Menschen und ganz vorne«inen kleinen, blasien Jungen, d« fein schmale» Gesicht dicht him« ihm an da« Gitter drückte. Doch bevor er diesen Eindruck voll in» Bewußtsein ausnehmen konnte, fühlte n auch schon den furchtbaren Pvankenschlag de« Tig«s an fein« Schulter, der chn zu Boden warf. D« feuchtheiße Atem des Tieres stach ihm ins Gesicht. „Ganges— zurück— ruhig— mein Jung," stöhnte«r auf und zwang sich dann, ganz still zu liegen. Wirre Todesangst durch- zuckte ihn augendlicklang. Doch gleich glättete die Spannung auf weitere» Geschehen und der Will« zur Abwehr sein Inneres wied«. ,Lu Ende— und ich hatte ihn schon beruhigt— zu Ende," mußte er denken. Da stteß die dumpfe Schnauze de» Tiger» an seine Schulter. Sanft, in katzenhoft spielerisch« Zärtlichkeit, versöhnlich, al» sei alles nur Scherz gewesen. Wut und Erregtheit des Tieres waren wieder in eine merkwürdige Aengsttichkett übergegangen. „Braver Gange»— so ist'» schön," sagte der Mann leise, und das Tier schmiegt« seinen großen, plumpen Kops an ihn. Da traf ein Stoß durch da« Gitter krachend seine Flanke, und in dem Lärm von Schreien und Platzpatrone» floh Gange» ans- jauchend und verwirrt aus der Manege. Gleich darauf kamen Leute und trugen den Perwundeten hinaus. Der war noch so voll Staunen üb« den merkwürdigen lto»- schwung in der Laune des Ti«e», daß er trotz sein« Schmerzen immerzu sagte:„Habt ihr Gange» gesehen, wie komisch der war?-n Wa» für ein merkwürdige» Ii«...* Später fragte«, wer ihn angerufen hätte? Ab« niemand wußte es, und er konnte es sich nicht«klären. Das Bild de» Kindes, da, so nahe im» Gitter gelaufen war, ging unter und versank für Imm« in den Fieberträumen dep nächsten Tag«. Ab« der klein» Junge mochte wohl auch Paul geheißen hahen, Bestimmte» jedenfall» hat Paul Rexroth nte«fahren. S.Q.Waren: ülcill violet war totmüd«. Zum hundertsten Male hatte sie die schwierig« Tanzsigur geprobt. Frank war noch immer nicht zu- frieden. „Noch einmall" diktterte er. „Ich kann nicht mehr, Frank!" „Man kann doch nicht mitten im Training aufhören! So wirst du es nie zu etwas bringen!" „Nie zu etwas bringen?! Ich kann mindesten« soviel wie du! Oder nicht?" „Reinl Weißt du denn, was du ohne mich wärst?... Eine vorletzte Tanznummerl" „Du! Ich hatte schon Erfolg, bevor wir uns kannten. Oder Host du mich vielleickst nur au» Mitleid zu deiner Pattn«in gemacht?" „Nein, weil ich dich lieb habe... Unb wenn im nicht so fonl wärst.. ,Lch bin nicht faull Seit zwei Stunden haben wir schon den neuen Tanz geübtl" „Kannst du ihn schon?" „Du bist ein unansstehlicher Grobian! Aber weil du wenigstens zugibst, daß du mich lieb hast, will ich dir zu Liebe noch einmal versuchen. Aber in den stillen dunklen Rächten, wo Frank nicht hart war und sich nicht schämen muhte, sanft und zärtlich zu fem, schlang Dioiet manchmal ihre weißen Arme um seinen Hals und fragte ganz leise: „Warum quälst du mich fo?I" „Ich kann nicht anders... ich Hab dich zu lieb!" antwortete er und preßt« sie an sich. In solchen Augenblicken gehörten sie sich ganz und vergaßen den Streit, die gespannte Rivalität, den ewigen Kampf: Mann gegen Weib. Die Leiden waren auf dem besten Wege berühmt zu werden. Sie brachten originelle, exotische Tänze, bie beinah« an varietäkunft. stücke grenzten und verdienten schon jetzt mehr Geld, al» sie je etträumt hatten— damals al» sie noch ein kleines Revuegirl war und er ein unbekannter Ztrkusartist. Es war eine schwere Zeit. Einmal lag Frank wochenlang im Fieber und violet pflegte ihn. Was machte es ihr, daß ihre kleinen Ersparnisse damit zum Teufel gingen. Aber dann wurde er gesund und wurde ihr Partner. Und jetzt ging e» auswärts. Ihr« neueste Tanzschöpsung, das wußten sie, würde ihnen den großen ersehnten Erfolg bringen. Aber ste mußten noch hart arbeiten, denn die Konturrenz war groß und der Beifall erweckte Haß und Eifersucht. Für Frank schwärmten die Frauen der Stadt, violet» Schönheit hatte die Männer entzückt. In der Garderobe häuften sich Blumen, Geschenke und Liebesbriefe, die stets lachend vorgelesen wurden. Aber ein Funke eifersüchtiger Angst war doch da. Sie fürchtete, ihn einmal zu vnlleren, an irgendeine von den reichen vornehmen Damen draußen. Ihn ließen die Bewerbungen der Dandy» um Biolet kalt. Er wußte, um eines Fremden willen würde sie ihn nie verlaffen. Aber er fühlte die geheimen Nachstellungen der skrupel- losen Kollegen, die wollten ihm nicht nur die Frau, die wollten ihm di« erfolgreiche Partnerin rauben. Sascha, d« russisch« Tänzer, war schlank und geschmeidig, wie «in Raubtier. Er hatte bisher mit Sonsa getanzt, ad« seit sie ihm mit einem englischen Lord durchgebrannt war, arbeitete« allein. Sein« einschmeichelnde dunkle Sttmm« hörte Diolet gerne, seine weichen, sonderbar streichelnden Worte lockten sie. Besonders nach einem Streit mit Frank, wenn seine harten, oft ungerechten Worte ste wie Pcitschenschläg« trafen, suchte ste den seit- samen Rüsten auf. „Weshalb lasten Sie stch so quälen, Täubchcn?" sagte er und legte seinen weiten russischen Aermel um Biolets nackten, rosigen Arm. Sie zog ihren Arm schnell zurück, sah ihm aber kokett in die Augen:„Warum?... Weiß ich's?!" „Sie brauchten ihn ja gar nicht! Sic können viel mehr!" „Das stt nicht wahr! Frank ist ein größerer Künstler als Sie. ich und die anderen hier!" „So. Ein großer Künstler ist nicht so brutal mit seiner schönen Partnerin. Glauben Sie, wir hören es nicht, wenn er mit Ihne» schreit. Das darf man nicht. Der wirkliche Künstler ist zart und gut zu der Frau und stützt sie, wenn ste schwach ist. Oh, wie gut war ich zu Sonja!" Er seufzte gefühlvoll.„Glauben Sie mir, er miß- braucht Sie. Sie würden weit über ihn hinausfliegen und seine tpf der Jlivalen Eitelkeit kann da» nicht zulassen. Deshalb wird er Sie imm« quälen und untubrücken." Violet wurde nachdenklich. Irgend etwa» war in Sascha» Worten, dos echt und richtig klang. Frank mar wirtlich eitel. Immer sollte sie sich ihm unterordnen. Wenn er manchmal ein wenig zärt, licher wäre, so täte ste es ja gerne, sie hatte ihn so lieb, liebte ihn trotz seiner Härte und seinem Jähzorn. Do faßte sie eine feste Hand und zog ste mtt sich. „Du hast dich schon wieder mit diesem russischen Windhund abgv- geben. Weißt du denn nicht, was das für ein Kerl ist. Grundlos ist Sonja nicht von ihm fortgelaufen!" „Ho grob wie du wird er nicht gewesen sein!" Front wandte sich beleidigt ab. ,Kr hat ste an reich« Männer verkuppelt und hat ihr dann das Geld abgenommen!" „Das ist Tratsch! Wer weiß, ob man von dir bester spricht! Du hast auch von mir Geld angenommen!" Sie wußte, daß sie den Schlag empfange« würde, fühlte es, bevor er sie traf. Dann ab« richtete sie sich auf, bleich wie der Tod« „Schlagen wird mich Sascha nicht!" Und ging... Die große Sensation der Saison war Sascha, und Violet» Debüt. Grelle Plakate und leuchtende Lichtreklame schrien es tausendfältig in» Publikum. Auto um Auto rollte zum Odeon- Theater, mondän« Frauen und elegante Herren füllten das Parkett« Und die beiden tanzten. Tanzten in reichen russischen National- kostümen wild« russisch« Tänze. Rasender Beifall umbrauste sie« Violet war es, als hätte sie Flügel. Sie hatte stch an Frank gerächt, für jedes Leid, das er ihr zugefügt. So süß war die Rache, so über- wältigend füß, daß es beinahe schmerzte. Aber Tag für Tag schmerzte es mehr, bis es nur noch Schmerz war. Jetzt war alles ander» ol» früher. Sascha betrank sich täglich, spielte die Nächte hindurch und schlief bt» zum Austreten. Dann gaben ihm einige Spritzen Morphium Kraft und Energie für kurz« Zeit zurück, aber violet ahnte, daß es zum Zusammenbruch kommen mußte. Wie fürchtete ste sich in den Nächten, Tür an Tür mit dem vertierten Russen. Und sehnte sich nach Frank, aber der war und blieb oerschollen. Und dann kam die Not. Bis jetzt hotte Sascha stet» die Rech» nungen bezahlt. Ihre Gage kam nie in ihr« Hände. Aber nun ver- trank und verspielte er alles. Sie wechselten Engagement mit Engagement und sanken unaufhaltsam. Sascha umschlich sie, wie ein Raubtter sein« Beute. Und siö wußte, daß er etwas Furchtbares beabsichtigte. Wieder kamen elegante Herren in da» Vorstadtvarietä, in dem sie jetzt auftraten. Sascha zwang st«, sich an ihren Tisch zu setzen und ihnen zuzutrinken. Aber sie blieb tatt und abweisend und di« Herren verabschiedeten sich ernüchtert. Dann tobte Sascha und einmal wollte « sie auch schlagen. Da kam ihr«in rettender Gedanke:„Hüte dich vor Frank!" Und er schlich davon, wie ein geprügelter Hund. Doch ewee Tage» war er wieder gut und Leb zu ihr. Wie früher lockt« seine dunkle schmeichelnde Stimme. An diesem Tage tanzte er so gut wie früher. Dann gab er ihr auch Geld, um alle Schulden zu zahlen und bracht« chr Blumen. Sie begann wieder zu hoffen. Diese Nacht ging er nicht spielen, wie sonst, wenn er Geld hatte. Dann klopft« es leise on ihrer Türe und sein« schmeichelnde Stimme bat: „Mein weißes Täubchen, laß mich doch zu dir, ich will dich nur um Verzeihung bitten für alles...1" Da wurde sie weich und öffnete ein wenig di« Türe. Eine Faust riß ste auf, eine schwarze Gestalt sprang ins Zimmer, schmetterte die Türe ins Schloß, warf stch auf sie und schleppte sie zum Bett. Und draußen hörte sie Saschas höhnisches Lachen. „Frank," schrie sie.„Frank! Hilf mir!" Di« Türe ging in Trümmer, ste sah Sascha beiseite fliegen, sah den Fremden, der sie umklammert hielt und erkannte ihn sofort. Es war der dicke Herr aus der rechten Seitenloge, den sie öfters mit ihrem Partner tuscheln sah. Und dann sah sie Frank... und verlor die Besinnung. Sic erwachte in ihrem lieben alten Zimmer, und Frank kniet« neben ihr. Sie hörte seine klare harte Stimme zärtlich an ihrem Ohr:„Verzeih mir, ich konnte nicht anders... ich Hab dich viel zu lieb!..." lAutorifierte tlebrrMwn« von Sretc Schmabl-Dolrl iFülllfll«los IcloiBffrele Eioil- Benzin erhältlich an den Etag- Säulen und fast allen größeren Garagen. Berliner hier KOnnt Ihr siedeln i Berlin W8 Behrenstr. 141» Vorletzte Weihe fflison- Fcrbaaf L Cm II efövre «. in. b. H. Berlins. Seit 1S82 nar Branlcnslr 158 �ahhinsserlejchterunfj ohne Aufschlafl!! Verkäufe �Tavcien. SaiDal. flolonieflcaftt# ««achttüawtrt! Dtuifche» Jeppicblwu« dmil Ücft-ru feit 1882 nur Otanien fttafte 158. keinerlei Be»iel>un!er»Tepviche. Ausverkauf Wediehler 2x3 19 Mar! Ausverlauf Webfehler 2X 3 24 Mark Ausverkauf Webfehler 2\~x3'A 38 Mark Ausverkauf Webfehler 3X4 59 Mark Ausverkauf la> Qualität 2X3 38.— Slusverlauf 1». Qualität 2VjX3V4 55.— Ausverkauf la. Qualität 3X4 85,— Zkbrner. 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Denen, die mit dabei waren, werden jene Tage unvergeßlich bleiben. Sie sind in die Geschichtstafeln des deutschen Volkes als Gedenk- tage erster Ordnung eingegraben. Im letzten Drittel des Juni 1S19 hatte die Nationalver- sammlung den schweren Kampf um die Hinnahme des Ver- sailler Diktats zum Abschluß gebracht. Die Gefahr des Ein- morsches der Ententeheere und der Fortführung des Krieges auf deutschem Boden war abgewendet, der völkerrechtliche Friedenszustand war wiederhergestellt. Erst danach konnte die Nationaloersammlung an die Vollendung ihrer anderen geschichtlichen Hauptaufgäbe denken. Erst jetzt war die V o l l- enduna des neuen Verfassungswerkes er- m ö g l i ch t. Der Verfassungsausschuß hatte ungeachtet aller Sorgen, Erschütterungen und Gefahren jener Monate seine Arbeit an dem großen Werk unentwegt fortgesetzt und sie im Laufe des Juni beendet. Eine gewaltige Leistung! Die Berichte über Verhandlungen füllen zwei je über(500 Seiten starke Bände. Am 2. Juli konnte das Plenum der Nationalversammlung in die zweite Lesung der Vorlage eintreten. Der Vorsitzende des Ausschusses, der demokratische Ab- geordnete Conrad Haußmann, leitete sie mit einem orientierenden Ueberblick über Einteilung und Inhalt des ganzen Werkes ein. Besonders bemerkenswert war eine Feststellung, daß alle Parteien ohne Ausnahme im Aus- schuß ernste sachliche Mitarbeit geleistet hätten.„Das gibt," so sagte er,„der Arbeit des Ausschusses den Charakter, daß sie nicht das Werk einer Partei, nicht das Wert einer Partei- Mehrheit ist, sondern daß sie in der Tat die Kollektivarbeit der in diesem Hause und in unserem Volk vertretenen Richtungen ist. Es wird sich das als fruchtbar erweisen." In den vierzehn Sitzungen, in denen die Nationalver- sammlung die zweite Lesung erledigte, gab es eine Reihe sehr heftiger Auseinandersetzungen über die Grundgedanken sowie über einzelne wichtige Bestimmungen der Verfassung. Eine der hitzigsten Debatten wurde um die neuen Reichssarben geführt. Die beiden Rechtsparteien verlangten die Beide- Haltung der Farben, die Bismarck einstmals eigenmächtig, gegen heftigen Widerspruch in Nord und Süd und entgegen der alten Tradition, zu Farben des neu errichteten Reiches bestimmt hatte. Von der Linksopposition wurde dagegen die rote Fahne, die am 9. November 1918 an Stelle der herunter- geholten schwarzweißroten Hoheitszeichen des preußisch- deutschen Obrigkeitsstaates gehißt worden war und die seit- dem bei besonderen Gelegenheiten auf allen öffentlichen Ge- bäuden flatterte, als Reichsfahne vorgeschlagen. Die Rechts- opposition wie die äußerste Linke hatten entsprechende An- träge eingebracht. Eine Einigung auf einen dieser beiden Vorschläge war natürlich ganz ausgeschlossen. Aussicht auf eine überparteiliche Verständigung bot nur das alte großdeutsche Symbol, die schwarzrotgoldene Fahne, die in den Kämpfen um die innere deutsche Freiheit im 19. Jahrhundert vorangeleuchtet hatte. Sie war von dem Vertreter Deutschösterreichs. Ludo Hartmann, im Staatenausschuß zuerst in Vorschlag gebracht und dort ange- nommen worden. Nach dem Sturz der Hohenzollern in Berlin und der Habsburger in Wien schien der Weg zum großdeutschen Einhettsideal von neuem geöffnet zu sein. So war denn auch aus diesem Grunde das Zurückgreisen aus das schwarzrotgoldene Banner das gegebene. Leider aber gelang es nicht, dieses zur ausschließlichen Reichsslagge zu Wasser und zu Lande zu machen. Der Grund lag darin, baß auch im Lager der Regierungsparteien keine Einigkeit herrschte. Insonderheit kamen aus dem demo- kratischen Lager Widerstände, die nur mit der Konzession einer schwarzweißroten Handelsflagge„mit den Reichsfarben in der oberen inneren Ecke" überwunden werden konnten. Der Flaggenfriede wurde ober durch dieses Zugeständnis doch nicht hergestellt. Er wird erst hergestellt werd-n durch das sieghafte"Vordringen der schwarzrotgoldenen Gesinnung in immer weitere Kreise des deutschen Volkes. Seitdem der Reichsbanner-Verband auf den Plan getreten ist, ist diele Entwicklung in so raschem Fortschritt, daß der Endsieg nicht mehr zweifelhaft erscheint. Am 29!. Juli trat dann die Nationalversammlung in die dritte Lesung der Verfassung ein. Zu Beginn gab Hugo Preuß noch einmal einen interessanten Rückblick auf die Entstehung des ganzen Werkes. Sehr anschaulich schilderte er die Stimmung„zwischen Hoffnung und Furcht", die seit der November-Umwälzung in den Kreisen des Bürgertums ge- herrscht hatte. Die Hoffnung, daß man aus dem Chaos der Revolution so bald wieder zu einer festen Rechtsordnung kommen werde, war dort sehr gering gewesen.„Sie erinnern sich wohl"— so sagte er—„wie illusionär manchem damals diese Hoffnung erschien. Ich selbst habe es aus der Mitte der mir damals nahestehenden Kreise oft und oft gehört: Glaubst du denn wirklich, daß das Wahlgesetz zur Nationalversammlung zustande kommen wird? Und nachdem es zustande gekommen war:„Glaubst du denn wirklich, daß es bei den Verhältnissen in Deutschland möglich sein wird, daß die Wahlen zur Nationalversammlung ordnungsmäßig vollzogen werden?" Und nachdem die Wahl vollzogen war:„Glaubst du denn, daß die Nationalversammlung wird tagen, ihr Werk der Ver- fassung wird vollenden können?"— Preuß unterstrich dann stark das Verdienst, das sich die Sozialdemokratie um das deutsche Volk erworben hat durch die Mäßigung und Selbst- beherrschung, mit der sie die ihm im November Widerstands- los zugefallene Macht gebrauchte,„jene Mäßigung und Selbst- beherrschung, mit der sie sofort den Weg zur Herstellung des Rechtsstaates— des demokratischen Rechtsstaates— gesucht hatte." Längere Auseinandersetzungen gab es bei der dritten Lesung noch einmal über die Frage der Neugliederung des R.eiches, wie sie im Artikel 18 vorgesehen wird; ferner über den Artikel 165 mit seinem wirtschaftlichen Räte- fystem. Am schwierigsten war die Einigung innerhalb der Regierungsparteien selbst über das Verhältnis von Schule und Kirche. Der im Artikel 146 festgelegte Kompromiß kam nur nach langwierigen Sonderverhand- lungen zwischen der Sozialdemokratie und dem Zentrum, zu Friedrich Eberl denen dann auch die Vertreter der Demokraten zugezogen wurden, zustande. Natürlich war keine der beteiligten Par- teien davon voll befriedigt. Aber man mußte eine Eini- gungsformel finden, wollte man nicht die damals einzig mög- liche Regierung auseinandersprengen und zu allem anderen Unheil unser Volk auch noch durch einen neuen.Kultur- kämpf" auseinanderreißen. Die Schlußabstimmung über das Verfassungswerk fand am Abend des 31. Juli statt. Sie ergab feine Annahme mit 262 gegen 75 Stimmen. Die Nein-Stimmen setzten sich aus den Deutschnationalen, den Volksparteilern und den Unab- hängigen zusammen. Die Volksparteiler waren damals noch durchweg monarchistisch eingestellt. Den Unabhängigen aber ging die Verfassung in grund- legenden, politischen und sozialen Bestimmungen nicht weit genug. Gewiß, wenn wir eine sozialdemokratische Mehrheit in der Nationalversammlung gehabt hätten, wäre manches noch besser ausgefallen. Aber die hatte uns die Wählerschaft nicht gegeben. Nach der Annahme ergriff Reichskanzler Bauer das Wort. Er unterstrich stark die Zusammengehörigkeit des deutschen Volkes trotz der tiefen parteipolitischen Zerrissenheit der Gegenwart und sagte dann: „Heute haben Sie in voller Freiheit einen neuen unlös- baren Vertrag geschlossen, mit sich selbst, in freier Abwägung der Rechte und Pflichten. Aus den Händen legen Sie nun das politische Gesetzbuch der Republik! Es ist mein und Ihr aller inbrünstiger Wunsch, daß es die Grundlage neuen Aufstiegs für den einzelnen und für die Gesamtheit sein möge." Nach Bauer gab ich, als damaliger Reichsinnenminister. dem Verfassungswerk ein Geleitwort mit auf den Weg, in dem ich feine Bedeutung für die innere Befriedung» unseres Volkes hervorhob. Im Hinblick auf all das Schwere, das Krieg und Nieder» läge dem deutschen Volke auferlegt haben, erinnerte ich an das Wort Friedrich Nietzsches:„Was uns nicht bricht, macht uns stärker!" Die Not des Kriegs und die Schwere der nach- folgenden Zeit haben den Lebenswillen des deutschen Volkes nicht gebrochen. So möge dieser Wille denn stärker werden durch diese Not, stärker als zuvor im Wirken für den Aufstieg unseres eigenen Volkes, in der Arbeit für die höchsten nationalen und menschheitlichen Güter der Kulturl" Dann sprach Präsident Fehrenbach noch ein Wort des Dankes an Hugo Preuß und Konrad Haußmann sowie an die Ausschußmitglieder für die geleistete große und frucht- bare Arbeit. Auch die Nationalversammlung verdiene An- erlennung für den tatkräftigen Willen, mit dem sie das ge» waltige Werk in kürzester Frist zum Abschluß gebracht habe. Durch die Verfassung seien„die Grundlagen für die freieste Betätigung aller im Volke schlummernden Kräfte im politi- schen und wirtschaftlichen Leben gelegt."„Möge das deutsche Volk ohne kriegerisches Verlangen sich wieder auszeichnen durch die Werke des Friedens! Möge es die ihm verliehene Freiheit ausnutzen in weiser Selbstzucht, immer nur bedacht auf das Wohl des Ganzen!" Während dieses Schlußaktes wurde zum erstenmal d i e schwarzrotgoldene Flagge am Fahnenmast des Nationaltheaters gehißt. Zum erstenmal wieder, seitdem die Reaktion nach 1848 sie heruntergeholt hatte, flatterte sie über dem Reichsparlament als anerkanntes Symbol der deutschen Einheit. Als wir hinaustraten und zu ihrer Flammenschön- heit aufschauten, schlug unser Herz höher vor Freude und Stolz auf die junge deutsche Republik. Gesetzeskraft erhielt die neue Reichsverfassung erst mit dem Tage ihrer Veröffentlichung im Reichsgesetzblatt am 11. Au- gust 1919. Unterzeichnet ist sie an erster Stelle von dem ersten Präsidenten der deutschen Republik, unserem unver- geßlichen Friedrich Ebert. Am 21. August leistete dieser den im Artikel 42 vorgeschriebenen Eid auf die Verfassung der Nationalversammlung. Nach der Feierlichkeit im Parlament trat der Reichspräsident mit den Ministern und vielen Ab- geordneten auf den Balkon des Hauses, vor dem eine Ehren- kompagnie der Reichswehr Aufstellung genommen hatte und eine dichtgedrängte Menge den Präsidenten der Republik mit jubelnden Zurufen begrüßte. Nach einer kurzen kernigen Ansprache Eberts brauste ein mächtiges von Musik begleitetes Hoch auf die deutsche Republik gen Himmel. Das war gewissermaßen das erste festliche Jn-die-Oeffent- lichkeit-Treten der Republik. Es war zugleich der letzte Akt der Nationaloersammlung in Weimar. Froh des vollbrachten Werkes zogen wir am anderen Tage nach Berlin. ?n Weimar am Werk. Von Wolkxanx Heine. Als der Rat der Volksbeauftrogten in feinem Aufruf vom 12. November 1918 den Zusammentritt einer konstituierenden Ver- sammlung ankündigte, legt« er den Grundstein des neuen Reichs- baus. Der Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte, der sechs Wochen später nach dem Bekenntnis der Volksbeauftragten Ebert, H ä a s e und Landsberg und der Mehrheit des Zentralrats zu dem Gedanken der Nationalversammlung die Anberaumung der Wahl beschloß, schützte das deutsche Volk vor der Zerrüttung im Bürgerkrieg und vor jahrzehntelanger Tyrannei wechselnder Gewalt- Herrschaften, die das Reich auseinandergerissen haben würden. Die rechtzeitig« Wahl der Nationalversammlung hat die Einheit des Reichs erhalten. DerDank gebührt den revolutionären Organen, den Bolksbeauft.ragten, dem Zentral» rat und dem Rätekongreß. Das muß heute gesagt werden, wo tendenziös« Feindschaft gegen die Demokratie und witzelnde Ueberklugheit schon längst wieder am Werke sind, den Tatbestand zu verdunkeln. Es ist furchtbar billig, am Schreibtisch und im Kaffeehaus Witze über die Nationalversammlung zu drechseln. Keiner wird behaupten, daß sie sich an Leistungen blendender Beredsamkeit mit der Pauls- kirchc vergleichen könnte. Die Zeit, wo Politik die Kunst schöner Gedanken und pathetisdxr Worte war, lag in Deutschland weit zurück. Nicht einmal mit dem Reichstag von 1867 bis 1880 konnte die deutsche Konstituante von 1919 wetteifern, wenigstens was plan- mäßige durchgefeilte Gefetzgebungstechnik betraf. Di« Verworren- heit aller politischen und wirtschaftlichen Zustände, in die uns die Niederloge nach außen und das vierjährige Walten der ahnungs- losen Militärdiktatur im Innern gestürzt hatten, erforderte auf allerlei Gebieten«in Zugreifen, das unmöglid) immer ganz durch- dacht und widerspruchslos aussallen konnte. In allen Parteien war die Generatian ausgestorben, die bis ins hohe Alter überragende politische Erfahrung mit Jugendsrische verbunden hätte. Es de- deutete besonders für die Sozialdemokratie unendlich viel, daß sie Kräfte wie Bebel, Singer und Vollmar entbehren mußt«. Die Nationalversammlung war aus dem von den Volksbeauf- tragten proklamierten Proportionalwahlrecht hervor- gegangen. Die Meinungen über die politische Wirkung einer solchen mochematischen Gerechtigkeit sind und waren schon damals sehr ge- teilt. Ich persönlich habe nie verhehlt, daß ich ein Gegner dieses Systems für die Wahl von gesetzgebenden Körperschaften bin, weil es die Bildung aktiver Parteigruppierungen lähmt. Ich habe das im Gegensatz zum Parteiprogramm schon 20 Jahre vor der Revolution im Kreise von Parteigenossen vertreten. Aber ich be- kenne: da man die alten Wahlkreise, die die Stimme des Volkes planmäßig verfälschten und unterdrückten, nicht beibehalten konnte, eine Neueinteilung von kleineren Wahlkreisen aber mindestens«in halbes Jahr Arbeit erfordert hätte, blieb eben gar nichts übrig, als die Verhältniswahl in großen Bezirken, die mit einem Federstrich eingeführt werden konnte. Der Proporz bedeutete unter den damaligen Verhältnissen für die Sozialdemokratie ein sehr großes Opfer. Bei jedem anderen Wahlsystem hätte sie die Aussicht gehabt, in weiten Gebieten fast jeden Kreis zu erobern. Indem sie auf solche Siege verzichtete und nicht mehr verlangt«, als was der Gesamtzahl ihrer Wähler«nt- sprach, zeigte sie, daß es ihr mehr aus eine dauernd« Befestigung der Verhältnisse ankam als auf Erfolge, die voraussichtlich nur vor- übergehende Bedeutung hätten haben können. Im Zeichen solcher Befestigung, di« nur in einer Verjüngung und Erneuerung bestehen konnte, stand die Nationalversamrnkung von SSeimar: es war viel Hoffnung und Glaube in ihr, dah es gelingen würde, Deutschland wioder aufzurichten. Das gab uns Freudigkeit und Spannkraft. Man muß aber immer wieder in Erinnerung rufen, wie hart diese Arbeit war, welche Gefahren dem werdenden Volks- staat drohten. Das schlimmst« war der drohende Zerfall des Reichs. Daß die Gewalt der Sieger wichtig« Teile deutschen ffultur- und Arbeitsgebietes abriß, unsere Rohstoffe wegncchm, Deutsche von dem Boden vertrieb, den si« urbar gemacht, aus den Bergwerken, Hütten und Fabriken verjagt«, die ihr Fleiß und Wissen geschaffen hatten, war traurig, mußte aber als Folge des verlorenen Krieges erduldet werden. Biel schmerzlicher waren die Versuche, von innen heraus zu zerreißen, was durch die geistig« und wirtschaftliche Arbeit von Jahrhunderten verbunden war und die Kraft der Ration sicherte. Nicht die Revolution vom 9. N»vemb«r trug die Schuld an dieser Lockerung des Gefüges unseres als so unerschüttlich f«st gerühmten Reiches. Ich persönlich wurd« schon Ende Juli>1918, also vor der entscheidenden Ni«d«rlaze, die mit dem 8. August begann, von einem österreichischen Freunde besorgt gefragt, ob Deutschland zusammen- halten würde. Er hatte auf einer Etsenb ahnfahrt im Westen mit angehört,.wie Mitglied«? der B«völkeruagsklasse, di« damals als sehr staatserhaltend galt, ganz offen den Abfall der Rhein- lande von Preußen besprachen, d«r doch praktisch di« Borbereiwng einer Annexion durch Frankreich bedeutet haben würde. Am 4. Dezember 1918 fanden in Köln die Bersammlung«n statt, in denen von kapitalistischer Seite für die Separation von deu„Bolksver- sührern in Berlin" Stimmung gemacht werden sollte. Man soll diese Vorschläge zwar nicht zum Gegenstand nach- tröglicher Retriminationen machen und mag st« mit der psychischen Verwirrung entschuldigen, die sich aus den Leiden durch Krieg und feindliche Besatzung entwickeln konnte. Aber man darf auch nicht vergessen, wie groß di« Gefahr war, und daß«» der unvergeß. liche Verdienst der Nationaloersammlung ist, solchen Bestrebungen gegenübor fest geblieben zu sein und die Einheit ge- wahrt zu haben. Insbesondere dürfen die deutschen Arbeiter sich rühmen, allerorten den Zerreißungstendenzen Widerstand geleistet zu haben, am Rhein und in Ob e rschle s i e n, bei den Ab- stimmungen in Masuren und Nordschleswig. Und gern erinner« ich mich des persönlichen Erlebnisses in einer ostpreußischen Stadl, wo namentlich auch kommunistffche Arbeiter für da» Deutsch- tum mit Wärme eintraten. Der Minister Preuß ließ schon nach den Vorbesprechungen sein ursprüngliches Projekt fallen, Prenßenin eine Anzahl Klein- ftaaten zu zerlegen. Auch bei dieser Gelegenheit hat die sozial- demokratische Urbesterschaft den richtigen Instinkt bewiesen, wenn auch damals nur wenige ahnen mochten, in welchem Maß« dieser große,, fest begründete Staat im Reiche zchn Jahre long und bis heute das wahre Rückgrat der republikanischen Verfassung, nicht nur für Preußen, sondern auch für olle anderen Länder bleiben sollte. In den Kleinstaaten, in denen zeitweilig viel radikaler« Mehrheiten herrschten, haben diese dauernd oder wechselnd reaktionären Re- gierungen den Platz räumen müssen. Hugo Preuß sagte mir, daß er hoffte, diesen vereinfachte» ver- fafstmgssntmurf bis Ostern 1918 durchbringen zn können. Das wäre ikhr gut gewesen, schon wegen der bevorstehenden Friedensoer. Handlungen, aber es erwies sich als unmöglich. Zum T«il wurde %e Arbeit durch wirklich tiefgehende Gegensätze aufgehalten, in denen ein« Vereinbarung gefunden werden mußt«. Das galt nameMlich pon der Schul«. Die Besprechungen, bei denen ich und Hoff- mann» Kaiserslautern mst Erzberger und Heinrich Schul z gelegentlich scharf zusammengerieten, erforderten Zeit. Auch wer durch die Lösung keineswegs restlos befriedigt ist, wird an- erkennen müssen, daß solche Probleme nicht durch Mehrheitsbeschlüsse gelöst werden können, bei denen, ein Teil den anderen unterwirft. Ander« Verzögeriungen möge« dem deutschen Bedürfnis nach Vollständigkeit«ntsprossen sein oder, dem nach theoretischer Exaktheit. die freilich b«i den ganzen BerhAtnisien, unter denen gearbeitet werden mußte, nur teilweise erreicht werden konnte. Manche Arbeit hat sich später als völlig nutzlos erwiesen, wie die wochenlangen, sehr zugespitzt verlaufenden Verhandlungen.über die einzelnen Absätze des Artikels 18. Der einzige Versuch zur Anwendung dieser Be- stimmungen. die Abstimmung in Hannooer über das Ausscheiden aus Preußen hat bemiesen, daß wirkliche Lebensinteressen immer stärker sind als theoretische Klügeleien. Als ich in der Sitzung vom 81. Juli 1919 di« Annahm« der Versassung namens Preußen erklärte, äußerte ich, man könnt« von einer solchen Berfajsung nicht mehr verlangen, als daß sie einige Jahre ihre Schuldigkeit täte. Nun. sie hat zehn Jahr« überdauert und das ihrige zur Konsolidierung des Reiches geleistet. Ein ganzer Sagenkranz ist um diese Verhandlungen von Weimar gewoben worden, und nicht immer wohlmeinende Märchen. Schnüffler haben di« Fremdenbücher der Gasthäuser durchforscht. welch« Leute msteinander gekneipt und was sie dabei eing«schri«ben hätten. Soviel steht jedenfalls fest: e» ist in Weimar mit Aufbietung aller Kräfte gearbeitet worden. Ich erinnere mich� daß ich im Sommer 1919 während der Versassungsberatungen einmal 15 Nächte hintereinander in der Eisenbahn zwischen Weimar und Berlin zu- gebracht habe, hin- und herfahret, um an dem einen Tage dort, dem anderen hier die polstischen Arbeiten erledigen zu können. Und ebenso wenig haben sich andere geschont. Die Wahl des Ortes legte es nahe, den Geist Goethes anzurufen, der keineswegs so ganz unpolitisch war, wie manche denken. Man kann aus Goethe ziemlich viel herauslesen, z. B. di« Ablehnung der Demokratie, aber auch der fürstlichen Mißwirtschaft. Der Grundzug seines Wesens war, wie er selbst zu Eckermann gesagt hat. eine enge Verbundenheit mit dem wirNichen Leben des Volkes, dem er viel näher stand als der Freiheitsdichter Schiller. Das maßgebendste aber war das streng« Pflichtgefühl, das er von jedem verlangte: „Willst du viele befreien, so wag es, vielen zu dienen." In keinem war dieser Geist lebendiger als in unserem nie ver- gessenen Friedrich Ebert. Es war ein Genuß, zu sehen, mst welcher ruhigen Ueberlegenheit er in kleineren oder größeren Kreisen die Verhandlung leitete, ein noch größeres Glück, mit ihm vertraut zu sprechen, sein sicheres politisches Gefühl zu bewundern. Auch Ebert hat das Gocthewort an sich erfahren müssen, wie g e f ä h r» l i ch es fei, vielen zu dienen. Fiel er auch nicht durch die Kugel von Fanatikern, wie Erzberger und Rathenau, so hat doch eine Ver- schwörung von Verleumdern ihm Leib und Seele uniergraben. Desto treuer und dankbarer müssen wir heut am zehnten Ver- fassungstag« seiner gedenken, des deutschen Arbeiters, des Führers au» dem Chaos, de» ersten Präsidenten der deutschen Republik._ Stirb und werde! Von Ulrich Kauscher. Erst der verfmh, Erinnerungen aus der Weimarer Zeit aufzuzeichnen, bewies, was alles in diesen zehn Jahren über den niedergegangen ist, der auf wechselnden Posten politisch tätig war. Die ununterbrochene, vielgestaltige Arbeft hat sich Schicht für Schicht über die Erlebnisse der Weimarer Tage gelegt. Was lebendig geblieben ist, das sind, w großen Zügen, einzelne Persönlichkeiten und ein überragender Vorgang: das Ringen einer neuen Staatsform um ihre Fleifchwerdung. Selbswerständlich steht die Ratwnaloersammlung vom ersten Augenblick an im Schatten des zu schließenden Friedens; zuerst heißt der Alpdruck Waffenstillstand; dann beginnt der lautlose, hinter Stacheldraht geführte Kampf in Versailles. Aber in den ersten Monaten ging neben den Untergangs» erscheinungen des alten und dem Verfassungsbau des neuen Reiches die Auseinandersetzung zwischen den Menschen der Gegenwart, Abrechnung. Anklage. Verteidigung. Ich höre noch die grundlegende Red« des Grafen Rantzau, De- mokratie, Gerechtigkeit, Völkerbund, mit dem Schlußsatz, er werde beweisen, daß auch«in Graf Demokrat sein könne; der„eomte malgriS Ini, wi« ihn der damals Deutsch- nationale v. Graes« taufte. Höre noch das Rededuell Voegler-Erzberger, sehe noch di« Empörung des Prälaten K a a s über die Angriffe des Industrieführers und erleb« noch einmal Erzbergers außergewöhnlichen oratorischen Erfolg, trotz feinem weichen, hier ungewohnten Dialekt, trotz der Gegnerschaft gegen den„Mann von Compiögne". Dazischen die abgehackten Reden Noskes, bei denen man das Gefühl hatte, der Redner halte sie eigentlich wider- willig und rasch, um gleich wieder zu einer pausenlosen, der Oeffentlichkeit entzogenen Arbeit zurückzukehren.(Vom Kapp- Putsch rückwärts ist es leicht, abzuurteilen. Dazwischen di« «rste Kabinettsbildung; Parteiführerbesprechung: Payer, den feinen Kopf tief in den Schultern, mit einer Hartnäckig- keft ohne gleichen, in ewiger Wiederholung, aufreizend, aber — erfolgreich dagegen protestierend, daß Erzberger auch nur das Kolonialamt übernehme. Dazwischen«ine Sprühwell« aus dem Arbettermeer Berlin: nächtelang Sitzung mit Voll- zugsrat und„revolutionären Obleuten" über di« Gnindlagen des späteren Bettiebsrätegesetzes; Aufruhr, der sich in der Formulierung austobte: auch der Umsturz hat seine Geheim« räte. Dazwischen ein Schuß in der Nacht: erstes Attentat auf Erzberger, der über mir im Weimarer Schloß wohnte, von zügellosen Desperados di« steil« Treppe hinauf- gehetzt und mit knapper Not gerettet wurde. Aber der deutsche Himmel, der sich immer noch über ein Hungerland spannt, wird stündlich dunkler. Die Ver- sailler Delegation kommt zurück. Ein ver- zweifelt«? Parlament, eine Tag und Nacht aufgepeitscbte Re- gierung sucht nach einem Ausweg aus der Zange von Waffen» stillstand, Zwangsvertrag und erneutem Einmarsch. Die Not gebiert seltsame Versuche der Rettung(die alle versagen): aber auch«ine, seither nie wieder verwirklichte Erkenntnis: daß Ja und Nein zwei gleichwertig« Ausdrücke des gleichen Verantwortungsgefühls fein können, daß nicht dos eine Nattonalgefühl und das andere Daterlandsoerrat seien, son- dern beides die Frucht wochenlangen Kampfes: ich kann nicht anders! Jede Weimarer Rückschau führt auf einen Mfttelpuntt, auf die Gestatt Friedrich Ebert». In ihm vollzog sich in diesen Monaten am sichtbarsten der Kampf um da» Schluß- kopitel des Kriegs und um Entwicklung und Synthese der neuen Staatsform und ihrer Einrichtungen. Er war der erste, der praktisch zur Handhabung des Parlamentarismus bestellt war. Es wäre lehrreich, festzustellen, wieviel Tra- dition er in seiner viel zu kurzen Wirksamkeit geschaffen hat. In den Kampfjahren, wo er noch kein zu Tode geschwächter und gehetzter Mann war, ist sein hervorstechendster Zug der der Initiative! Zielsicherheit, getragen von dem sehr starken Selbstbewußtsein: daß er die parlamentarische Ma- schine zu meistern habe, nicht sie ihn. Er hat das Erstgeburts- recht seines Amtes keinem Parteiführer abgetreten! Eines allerdings half ihm bei dieser ersten Ingang- setzung des parlamentarischen Systems, und hier liegt einer der stärksten Eindrücke Weimars: der Parlamentarismus der Nationaloersammlung konnte seinen schönsten Antrieb ziehen aus dem ehrfürchtigen Dankgsfühl der vielen, die eine Er- füllung lebenslang hochgehaltener Ideale in ihren Händen sehen und alle Verantwortung eines verwirklichten Wunsch- traumes fühlten. Das war noch kein Können der neuen Form, aber ein Höchstmaß von gutem, unegoistischem Willen. Woher hätte dies Können auch kommen sollen? Auch das ist eine Lehre von Weimar, die jeder mitnahm, der sehen wollte: daß es ein« der nachwirkendsten Sünden des kaifer- liehen Regiments war, die zahllosen, entwicklungs- fähigen Erscheinungen im deutschen Menschenreservoir plan- mäßig ungenützt gelassen zu haben, ohne je in die Fülle der Begabungen hineinzugreifen, um den Bestand an führenden Menschen zu ergänzen. Die Kaiserzeit hat das Regieren zum Kastenvorrecht und einen Weg— nicht nur in der Vermal- tung, sondern auch in der Politik—, nämlich den der Beamtenlaufbahn, zum alleinseligmachenden werden lassen. Das heißt auf den Parlamentarismus angewandt: daß das alte Regime dem Parlamentarier den logischen Aufstieg vom kritisierenden zum verantwortlich Handelnden sperrte, daß es damit die Kritik von der Verantwortung entband, daß es den eben Eifernden von der Pflicht zum Vessermachen, den Regierenden vom Zwang zur positiven Handlung be- freite. Militärisch war der Kaiserzeit der Gedanke durchaus vertraut: das ganze Volk in der soldatischen Ausbildung zu erfassen! Politisch hatten wir das Berufs-, das„Söldner"- Heer, das ein Volk im Volke bildete. In England— ein Hugenberg-Blatt hat neulich ncidvoll die prompt« Bildung der Labour-Regierung berichtet— war und ist bei Erringung der Majorität die Regierungsübernahme keine schimärische Möglichkeit, sondern Pflicht, einfache, gemeine Pflicht, der sich niemand entziehen kann, der einmal den Mut gehabt hat, zum Parlament zu kandidieren. Bei uns verpflichtete der Eintritt in di« Politik zu gar nicht», niemand wurde beim Wort genommen, keine Ovpositton zur Verantwortung ge- zogen, niemand hatte für di« Folgen seiner Opposition ein- zustehen. War es nicht selbstverständlich und mmmgängstch, daß all dies in Weimar als Folge in Erscheinung trat und heut noch nicht überwunden ist? Fehler der Erziehung überwindet jeder Mensch und jede Schicht am schwersten. Die inneren und äußeren Schädigungen dieser zwangsweisen Fernhaltung von der Erziehung zur Macht tragen ausnahmslos all« Männer, die in der Republik für die Nation ge- fprochen und gehandelt haben. Nicht einer, der nicht erst den Leerlauf überwinden mußte, der sich in der Kaiserzeit Parla- mentarismus nannte, und der nicht dadurch wertvolle Zeft und Kraft verloren hätte. Manche sind, wie Friedrich Ebert. in diesem Kampf mit ihrer Vergangenheit zerbrochen. Wer dies typische Schicksal aus der Vorkriegszeit erschüttert an einem Beispiel erleben will, das noch vorzüglich günstig für die wilhelminische Epoche gelagert ist, der lese Eschenburgs Buch über Ernst Dasiermann, diese Tragödie de» lebenslangen Einsatzes einer Persönlichkeit und einer Gesinnung an«in Scheinspiel, diese Tragikomödie eines kaisertreuen Mannes, der seinen Herrn niemals gesprochen hat. Parlamentarismus der wilhelminische» Zeft: Fassade! Die schwerste Aufgabe von Weimar: das Hans dazu zn bauen. Das ist, architektonisch gesehen, sicher der falsche Weg. aber er ist den Männern der Nationalversammlung historisch auf- gezwungen worden. Auf dem Boden de» loeUand Heiligen Römischen Reichs Deutscher Ration hat man verfassungsrechtlich immer unter Verwendung de» alten Gemäuers ge- baut, auch bei der Bismarckfchen Reichsgründung. In Weimar war die Aufgabe am schwersten, weil der Zusammen» bruch mit seinen verzweifelten Folgen dem Aufbav am nächsten stand, Tod und Geburt sich w eine Stunde zusammen- drängten. Das Leben eines Volks duldet eben kein« Unter- brechung, nicht auf eine Stunde, nicht auf eine Minute er- griffenen Schweigens. Es ist der feierlich« Ruf beim Tod der französischen Könige, der auch tn Weimar da schwärzesten Augenblick der deuffchen Geschichte ertönt« und zur Tatsache wurde: Das alte Reich ist tot, es leb« die Deutsche Republik! In demselben Weimar, in dem dl« ewig« Formulierung dieses ewigen Gesetzes entstand: Stirb und werdef ver im Jahre 1886 gegründete verband der KupfersMM Deutschlands 1* dt» etaügsle tasWndSge OrganUaHon ftr»Be Im Kopferafamiede' Gewerbe beschäftigten Gehilfen, lehr* Hnje nnd Hüfsarbeller. Er gewährt seinen Mitgliedern UnlersttUzung bei Arbeitslosigkeit am Ort und auf der Reise, Krankheit, Inralidiläl, Streiks und Aussper-' rangen, beim Wohnungswechsel nnd In Sterbefällen. Bs W Pffithi eines Jeden Kollegen, sich im Verband der Kupferschmiede Deutschlands so organisieren. Verband der Kupferschmiede Deutschlands Berlin N 59, Greffenhagener Sfra£e Nr. 59 HUREST SOCHENSCH� RUTSCHE Deutscher Baugewerksbund Sitz: Hamburg 26, Wallstraße 1 Im RaHmen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaf tehundes ist 3er Deutsche Baugewerkschaftsbnnd die Gewerkschaft sämtlicher im Hoch- und Tiefbau tätigen Maurer, darunter auch der in Regiebaubetrieben industrieller Unternehmungen und öffentlicher Körperschaften beschäftigten Maurer(Werksmaurer), ebenso der Feuerungs- und Schornsteinmaurer, der Bau-Werkmeister(Poliere, Schachtmeister, Schießmeister), der Betonarbeiter im Hoch- und Tiefbau, Zementfacharbeiter, Einschaler, Zementarbeiter, der Putzer, Gipser, Stukkateure und Rabitzer, der Glaser, der Töpfer(Ofenformer, Ofensetzer, Scheibentöpfer, Steinzeugarbeiter), der Fliesenleger, der Isolierer, der Steinholzleger, der Kunststein-, Zementwaren- und Terrazzoarbeiter, der Asphaltierer, Pfahlrammer, der Leitergerüstbauer, der Brunnenbauer. Außer den eigentlichen Bauhilfsarbeitern(Stein- und Kalkträger, Kalkschläger, Wasserträger, Rohrer, Staaker, Gerüstbauer, Aufzugsarbeiter und sonstige Bau- tiilfsarbeiter) kommen dazu die Helfer und Hilfsarbeiter der vorstehend genannten baunebengewerblichen Fachgruppen: in der Töpferfachgruppe auch weibliche Hilfsarbeiter. Außerdem gehören dem Deutschen Baueewerksbund an; die Abbrucharbeiter, die Tiefbauarbeiter(Erdarbeiter und Hilfsarbeiter im Straßenbau. Einschaler und Absteifer bei Erdarbeiten, Minen re. Rohrleger, Kanalarbeiter, Drainage- orbejter) sowie in der Jugendabteilung die Lehrlinge der Facharbeitergruppen und die jugendlichen Hilfsarbeiter. iDie baugewerblichen Arbeiter in vorstehend genannten Berufen haben■ im Deutschen Baugewerksbund, als der für sie allein zuständigen Gewerkschaft, ihre Stütze in dem Streben nach bessern Lohn- und Arbeitsbedingungen.| Jeder baugewerbliche Arbeiter sei deshalb Mitglied im Deutschen Baugewerksbund! Sein Organisationsgebiet erstreckt sich auf das ganze Reich. 619 Baugewerkschaften in 18 Bezirksverbdnden, nach Landesteilen zusammengefaßt, ermöglichen den baugewerblichen Arbeitern auch in den kleinsten und entlegensten Orten die Mitgliedschaft im Deutschen Baugewerksbund. In ihrem Wohnort oder vereinigt mit den Kollegen in benachbarten Orten führen sie in Zahlstellen und Berufsfachgruppen ihr gewerkschaftliches Leben als Abteilung der für ihr Gebiet zuständigen Baugewerkschaft. 454856 baugewerbliche Arbeiter gehören dem Deutschen Baugewerksbund nach den Feststellungen vom h April ds. Jahres als Mitglieder an. Um 43 Prozent ist die Mitgliederzahl in dem fünfjährigen: Zeitraum von 1924 bis 1928 gewachsen. Die Mitgliederzahl betrug am Schlüsse der Jahre 1924 1925 1926 1927 1928 519 37b 342 253 399 159 402 252 458 048 Dfe Opferwill igkeit seiner Mitglieder brachte dem Deutschen Baugewerksbund in den Jahren von 1924 bis 1925 als Gesamteinnahmen 95,5 Millionen Mark Davon entfielen auf die Bundeshanptkasse. s s« s s* 68,8 Millionen Mark, auf die Baugewerkschaftskassen... 27,1„„ Die im Deutschen Baugewerksbund vereinigten Bauarbeiter vermehrten ihr Bundesvermögen in den 5 Jahren um das Fünffache: Do» Bundasvermögen betrug in Millionen Mork im MBgdedidordiKjmttt 1924 4.4 12,30 Mk. 1925 6,6 19,01„ 1926 12,2 35,84« 1927 19.1 50,95„ 1928 26.9 61,75.. Ja dem Streben nach immer besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen sieht die organisierte Banarbeiterschaft im Deutschen Baugewerksbund ihre Hnnptainfgabe. Hierbei finden Opferfreudigkeit, Kampfentschlossenheit und gesunder Organi- satlonssinn ihren stärksten Ausdruck in den Leistungen und Erfolgen. Streiks und Lohnbewegungen erforderten in den Jahren 1924 bis 1928 Aufwendungen im Gesamtbetrage von 11 715 254 Mk. An den Lohnbewegungen und ihren Erfolgen hatte in Jedem Jahre die Gesamtheit der Bnndesmitglieder Auleil. Alle Berufs- gruppen arbeiten unter tarifvertraglich geregelten Arbeitsverhältnissen. Maurer. Betonarbeiter, Bauhilfsarbeiter und Tiefbauarbeiter haben kürzlich ihren Reichstarifvertrag vorteilhaft erneuert. Steigender Lohn erhöht die Kaufkraft, fördert das Allgemeinwohl und bezeugt eine gute Organisationsarbeit im Deutschen Baugewerksbund I 632 105 baugewerbliche Arbeiter erreichten im Jahre 1928 durch die vom Deutschen Baugewerksbund durchgeführten Lohnbewegungen emo Erhöhung ihrer Wochenlöhne um 2 257 674 Mk., oder für jeden Beteiligten durchschnittlich um 3,57 Mk. Die Stundenlöhne betrugen durchschnittlich Er.<ä.l925 End«I928 St.igarung von I924-I928 97,4 Pf. UlLPk. 124 Proz. 81,5„ 93„ III„ 71:6 w 81,2> 93. 125,5„ 142. 128. 97,9„ 116,6. 122„■" 118,6„ 138,7 m 146, Anfang 1924 für üa- tc r,. i... 56 Pf. „ Bauhilfsarbeiter 44„ „ Tiefbauarbeiter 42„ w Stukkateure... 62,4» » Glaser...... 52,5„ Ofensetzer.... 56,4 Alle änderen Berufe erreichten Im Deutschen Baugewerksbund ähnliche Lohnerhöhungen. Aber auch für den Achtstundentag steht die organisierte Bauarbeiterschaft auf der Wacht. Das Unternehmertum möchte der Bauarbeiterschaft in den Monaten März bis Oktober den zehnstündigen Arbeitstag aufzwingen. Die in den Wintermonaten wegen der Tageslicht- und Witterungsverhältnisse ausgefallene Arbeitszeit müsse wieder eingeholt werden; damit bemäntelt das Unternehmertum seine auf Profitgier beruhende Absicht, der Bauarbeiterschaft den Achtstundentag zu rauben. Dabei war im Durchschnitt der letzten Jahre nahezu ein Fünftel der baugewerblichen Arbeiterschaft ständig arbeitslos, in den Wintermonaten sogar bis zu 75 Prozent. Im Baugewerbe fehlt jeder wirtschaftliche Anlaß zur Längerarbeit. Dagegen spricht auch die Eigenart der Bauarbeit, die den Arbeitsplatz ständig wechselt und den Bauarbeitern dadurch vielfach lange Arbeitswege aufzwingt. Deshalb hält die Banarbeiterschaft unerschütterlich fest am Achtstundentag! Einer für alle und alle für einen! Dieser Leitsatz gewerkschaftlichen Handelns steht bei der organisierten Bauarbeiterschaft hoch im Ansehen. Die durch den Deutschen Baugewerksbund in den Jahren 1924 bis 1928 für seine Mitglieder in Notzeiten für Unterstützungen aufgewendeten Beträge zeigen das deutlich. Insgesamt gab der Deutsche Baugewerksbund aus 1924-1928. im Mitgliedsdurchschnitt für Arbeitslosenunterstützung,-.. 16767 171 Mk. 43,73 Mk. .. Krankenunterstützung 5843787„ 15,42„ „ Invalidenunterstütznng 1 074 884„ 2,76 „ Sterbefallunterstützung 1 910706„ 5,03„ .. Notstandsunterstfitznng.»».»» 566271.. 1,53„ Belehrung und Aufklärung sind die Schlüssel zum Erfolge gewerkschaftlicher Werbearbeit! Auch auf diesem Gebiete wird im Deutschen Bange werksbimd hervorragend gearbeitet durch die Bundeszeitungen sowie durch Schriften. Flugblätter und namentlich durch die Tausend© von Kollegen, die sich in den Baugewerkschaften als Mitarbeiter in den Dienst der Werbe- und Aufklärungsarbeit stellen. Alljährlich nehmen eine Anzahl Mitglieder auf Kosten des Bundes an Unterrichtskursen der Hoch- und Wirtschaftsschulen teil; auch eigene Schulungskurse hat der Deutsch« Baugewerksbund eingerichtet. Ein durch den Baugewerksbund in Fangschleuse am Werlsee in der Mark errichtetes Jugend- und Schulungsheim wird dazu beitragen, die gewerkschaftliche Bildungs- und Schulungsarbeit weiter zu vertiefen und zu verstärken-•• In den Jahren 1924 bis 1928 hat der Deutsche Baugewerksbund aufgewendet im Mitgliedsdurchschnitt für seine Bnndeszeifschriften 3011453 Mk. 8,— Mk. für Agitation(ohne Gehälter nnd Entschädigungen... 2 887 514„ 7,75« Bauarbeiterschutz. Seit Beginn ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit vereinigen die baugewerblichen Gewerkschaften ihr Bestreben. Lehen nnd Gesundheit der Arbeiter auf den Bauten nach bester Möglichkeit zn schützen. Die Organisation weckt und suirkt in der Banarbeiterschaft die Verantwortlichkeit, vorhandene Schntzeinrichtuqgen anzuwenden nnd zu verbessern und somit Selbsthilfe zu üben, Die baugewerblichen Gewerkschaften wirken anf Gesetzgebung und Verwaltung ein, die Schutzvorschriften auszubauen und zu verbessern. Vor allem fordert che baugewerbliche Arbeitersohaft eine wirksamere Bauteukontrolle nntcr Mitwirkung von Personen ihres Vertipnens. Das Baudelegiertenwesen. Im Baudelegiertenwesen ist das gesetzliche Recht der Betriebsvertretung für die Bauarbeiterschaft tarifvertrarfich geregelt, wie die Eigenart der baugewerblichen Beschäftigungsverhältnisse' dies erfordert. Wenn die Arbeiter einen Bau beginnen, werden Baudelegierte gewählt oder von der örtlichen Baugewerkschafts- Verwaltung bestimmt. Bundesmitglieder, klart eure nicht unterrichteten ArbeitfPkameraden auf! Was die organisierte Bauarb piterschaft durch den Deutschen Baugewerksbund an Leistungen vollbracht und an tlrfolgen aufzuweisen hat, das steht in der Gewerkschaftsbewegung mit an erster Stplle. Aber noch mehr kann geleistet werden und noch viel mehr ist zu erreichen, wenn sich die vielen der gewerkschaftlichen Organi- sationsarbeit bisher noch fernstehenden Bauarbeiter in die Reihen ihrer gewerkschaftlich organisierten Kollegen leingliedern und als treue Bundesmitglieder mithelfen an der gemeinsam zu lösemden Aufgabe, ihre Lebenslage so viel wie nur irgend möglich zu heben. Die Henpeiführung einer von privatkapitalistischer Ausbeutung befreiten, vom Sozialisnufs erfüllten W irf Schaftsordnung ist das Endziel der Gewerkschaftsarbeit im Deutscjhen Baugewerksbund! Bauarbeiter in Stadt und Land, vernehmt den Ruf: Schließt Euch immer fester zusammen im Deutschen Baugewerksbund! Werbt unter den Abseitssiehenden! VERBAND DER BUCHBINDER UND PAPIERVERARBEITER DEUTSCHLANDS ORTSVERWALTUNG BERLIN BOros: Engelufer 24-25(Qe werkschaftshaus) II, Zlmmar 37-41 ES WERDEN FOLGENDE BEITRÄGE ERHOBEN: Lehrlinge........... 15 Pfennige, Klasse t............ 35 Pfennige, Jngendlidie bis 16 Jahre. Klasse 2............ 75 Pfennige, Hilfsarbeiterinnen üb. 16 Jahre. Klasse 3............ 95 Pfennige. Geübte nnd Facharbeiterinnen, Klasse 3..,«, 105 Pfennige, mit Invalldenbeitrag. Klasse 4 150 Pfennige, Akkordarbeiterinnen. Hilfsarb. nnd Gehilfen im 1. und 2. Jahre, Klasse 5........... 185 Pfennige, Gehilfen nnd Facharbeiter. LEISTUNGEN DES VERBANDES Der Verband vertritt die Interessen nnd schliefit Tarifverträge ab für alle männlichen nnd weiblichen Arbeitnehmer folgender Berufs grnppen: BUCHBINDERBRANCHE: Grofibuthblndereien, Bachbindereien and Bachdrackereien, Geschäftsbnchfabriken, Büroartikelfabriken, Bachbindereiabteilungen in Betrieben jedweder Art, Bachbin derinnungs betriebe. KARTONBRANCHE: Karton- und Kartonagenfabriken, Etuisfabriken, KartonagenabtAlungen in Zigarettenfabriken, Wellpappfabriken. Kartonagenabteilungen in gemischten Braieben. LUXUSPAPIERBRANCHE: Chromo- and Photobetriebe, Steindruckereien, Luxuspapierfabriken. Briefumschlag- and Papieransstattangs- fabriken, Kolorieranstalten, Tüten-«and Beutelfabriken, Papierverarbeitnngs- betriebe jeder Art GALANTERIEBRANCHE: öapier- und Ledergalanteriebetricbe, Album- fabriken, Holzrahmenfabriken. ES WIRD GEWAHRT (Je nach Beitragshöhe und-leistusgg) STREIK- UNO MASSREGBLUNGS-UNTERSTOTZUNG bis zu 54 Mark wöchentlich(ohne Kindenzulagen). ARBEITSLOSENUNTERSTO�TZUNG bis zu 14 Mark pro Woche auf den Zeitraum bis zu 24 Wochen. KRANKEN UNTERSTÜTZUNG für den Zeitraum bis zu 10 Wochen in Höhe bis zu 9,10 Mark wöchentlich. UMZUGSUNTERSTÜTZUNO. in Höhe bis zu 130 Mark. HINTERBLIEBENENUNTERSTÜTZUNG bis zu 15 Wochen in Höhe bis zu 16 Mark wöchentlich. INVALIDENUNTERSTÜTZUttG im Fall dzr Erwerbsunfähigkeit bis zu 75 Mark pro Monat für die ganze Dauer der Invalidität AUSSERDEM GEWÄHRT DER VERBAND: Unentgaltllchen Rechtsschutz, ProzeBvertretungen In aten gewerblichen Streitigkeiten Der Verband veranstaltet für seine Mitglieder besondere Lehrkurse über Arbeitsrecht Sozialgesetzgebimg. über fachliche und gewerbt Themen, er stellt seinen Mitgliedern unentgeltich seine reichhaltige Bibliothek zur Verfügun» ❖ V. D. B. V.D.B. Verband Deutscher ierufsfeuerwehrmänner Berlin NW 7, Georgenstraße Nr. 46a» Telephon: Merkur#197 die einzige freigewerkschaftliche Organisation u. erfolgreichste Interessenvertretung für das Personal der städtischen und industriellen Berufsfeuerwehren Der V. D. B. gewährt Rechtsschutz und Unterstützungen bei Erwerbslosigkeit, Streik, Aussperrung und Maftregelung, Invalidität, Notfällen beim Ableben des Mitgliedes oder dessen Ehefrau, an Witwen und Waisen Der V.D.B, verfügt Ober eine reichhaltige Verbandszeitschrift„Die Berufsfeuerwehr" mit technischer Beilage ♦ Verband der Fabrikarbeiter DeutSChlandS(Keramlscher Bund) Zahlstelle Groß-Beriin S0 16, Engelufer 24-25 Telephon F 7, Jennewitz 6281 mußt auch Mitglied bei uns werden, wenn Du in den nachstehenden Industrien als gewerblicher Arbeiter oder Arbalterin beschäfti t bist: I. Chsmische Industrie einschl. Gummi-Industrie, Kalifabriken u. II. Papiererzeugungs- und-verarbeitungs-lndustrie,[Salinen, III. Industrien der Steine und Erden(Keramischer Bund) a) Feinkeramik, b) Glasindustrie, e) Ziagelindustrie, d) Grobkeramische Industrie, e) Baustoffindustrie, IV. Nahrungs- und Genußmittel-industrie, V. Spielwaren-Industrie, Blumen-, Blätter-, Palmen- u. Putzfedern- Industrie, Bettfedern-Industrie Nr. 323» 46. Jahrgang I. Beilage des Vorwärts Sonntag, 44. August 4929 Schutz der Republik! Twang und Freiheit. Von Lovoriug. Es war eine nicht gerade glückliche Fügung, daß der Reichstag vor einigen Wochen die Verlängerung des R e- pubsitschutzgej�etzes abgelehnt hat und daß da- durch der Tag der Republik in diesem Jahre in eine Zeit fällt, in der die republikfeindlichen Gruppen Schmähungen gegen die Republik glauben ungestört begehen zu dürfen. Nicht, als ob mit dem Fallen des Republikschutzgesetzes die Grundfesten der Republik erschüttert worden wären. Die Feststellung in den Festbetrachtungen, daß die Republik nach ihrem zehn- jährigen Bestehen fester dasteht, denn je, hat durch den ab- lehnenden Reichstagsbeschluß keine Beeinträchtigung erfahren. Mißlich bleibt in der Situation aber der Umstand, daß durch den Fall des Gesetzes zum Schutz der Republik a b» solute Schimpffreiheit für diejenigen geschaffen ist, die ihrem Groll gegen die Republik und die republikanischen Einrichtungen durch wüste Schmähungen der Reichsfarben Luft machen. Und darüber hinaus gibt der Fall des Gesetzes den Gegnern der Republik eine willkommene Gelegenheit, über die Brüchigkeit der Weimarer Verfassung zu höhnen, die zwar die größten politischen Freiheiten festgelegt habe, diese Freiheiten in der Praxis aber durch kleinliche Polizeigesetze einschnüre und aufhebe. Diese Behauptungen wären nicht un- berechtigt, wenn di» bis jetzt geltenden Bestimmungen für den Schutz der Republik kleinlichem Polizeigeist entsprungen und in der Praxis kleinlich gehandhabt worden wären. Davon kann jedoch"keine Rede sein. Gewiß haben im Laufe der Jahre einige Gerichte durch ihre Entscheidungen die Motive des Republikschutzgesetzes in das gerade Gegenteil verkehrt, und auch den Verwalwngs- behörden mag hier und dort ein M i ß g r i f f im Verbot einer Zeitung oder in der Auflösung einer Vereinigung unterlaufen sein. Im allgemeinen kann man jedoch sagen, daß die Praxis der Verwaltungsbehörden und Gerichte zu den Beschuldigungen über kleinlichen Polizeigeist keinen Anlaß gegeben hat. Noch unzutreffender ist die Behauptung, daß das' Gesetz selbst dem subalternsten Polizeigeist entsprungen sei. Solange die Republik besteht, waren nicht nur Leben und Sicher- heit ihrer bekannte st en Träger ständig be- droht, sondern die Republik selbst hatte oft hart um ihre Existenz zu kämpfen. Es ist kein Ruhmesblatt für die republik- feindlichen Parteien von rechts und links, daß die Anstürme auf die Republik erfolgten in Augenblicken, in denen außen- politischer Druck und darum innerpolitische Verwirrungen die Kraft unseres Landes immer aufs neue zu schwächen drohten. Der K a p p- P n t s ch fiel in die Zeit der endgültigen Verabschiedung des Friedensvertrags und in die Vorbereitung der Konferenz von Spa, die uns nicht nur neue Wirtschaft- liche Lasten auferlegte, sondern auch die Einschränkung der Souveränität des Reichs deutlich hervortreten ließ. Der mitteldeutsche A u f st a n d der Kommunisten war be- wüßt angezettelt für die Zeit, in der nach Ansicht der Zentral- leitung der Kommunistischen Partei das Reich durch die Ab- ftimmungen in Oberschlesien und durch die Vorbereitungen zur Londoner Konferenz neuen außenpolitischen Belastungs- proben ausgesetzt war. Die in den Novcmbertagen 1918 ver- schüchterten politischen Gruppen wagten sich jetzt wieder her- vor in der Hoffnung, daß es durch einen engen Zusammen- schluß und mit Hilfe der im Lande zerstreut liegenden Waffen- bestände doch einmal gelingen könnte, den neuen Staat mit einem kühnen Husarenritt zu überrennen. Daß sich das Reich gegen diese Pläne zur Wehr setzte, war nichts als ein Gebot der Selbsterhaltung. Die Art der Abwehr in den ersten Jahren des Bestehens der Republik konnte indessen nicht immer den Beifall der Republikaner finden. In den Jahren 1919— 1921 waren entweder das ganze Reich oder feine wichtigsten Gebietsteile i m Ausnahmezustand, zunächst nach den Bestimmungen des alten Belagerungszustandsgesetzes, später auf Grund der Ermächtigung des Reichspräsidenten nach Artikel 48 der Reichsverfassüng. Unter den Bestimmungen des Ausnahme- zustandes fühlten sich alle Bevölkerungsteile und alle politi- sehen Parteien besonders dann bedrückt, wenn militärischen Bevollmächtigten, die mit der Bevölkerung keine besonders enge Fühlung unterhielten, die Durchführung des Ausnahme- zustandes übertragen war. In derartigen Fällen erfuhren nicht nur d i e politischen Gruppen, deretwegen der Aus� nahmezustand verhängt war, die nach dem Artikel 48 vorgesehenen Einscyränkungen der staatsbürgerlichen Rechte, sondern es gerieten auch die republikfreundlichsten Parteien mit ihrer Presse und mit ihren Versammlungen in arge Be- drängnis. Daß bei einer derartigen Praxis die Republik nicht gerade neue Freunde warb, braucht kaum betont zu werden. Aber auch aus einem anderen Grunde begegnete die häufige Verhängung des Ausnahmezustandes de� lebhaftesten Bedenken. Seine häufige Verhängung führte zu einem Dauer- zustand der'politischen Einschränkungen und damit entweder zu einer tatsächlichen Verkürzung der verfassungsmäßigen Freiheiten für alle Bevölkerungsteile, oder aber zu einer Schlamperei, die weder der Zweckbestimmung des Artikel 48, noch der Staatsautorität gerecht wurde. Diese Bedenken wur- den auch nicht gemildert durch das Bestreben des Reichs» Präsidenten Ebert, den Ausnahmezustand sofort wieder aufzuheben, sobald die gröbsten Störungen der Lffent- lichen Ruhe und Sicherhest vorüber waren. Auch zur Ver- h ä n g u n g des Ausnahmezustandes konnte sich Ebert nur schwer entschließen. Aber die erwähnten Angriffe der LZer- fassungsgeaner schufen in allen Fällen eineZwangslage, der sich weder die Reichsregierung, noch der Reichspräsident entziehen konnte. Dazu kam die immer unverhüllter einsetzende Hetze gegen die Repräsentanten der Republik. Auf der Liste derer, die„umgelegt" werden sollten, standen nicht nur die Namen Erz berger und R a t h e n a u. Und das Gift der Hetz- presse, das in den Jahren 1920, 1921 und 1922 produziert wurde, hätte wahrlich genügt, um weiteren Mördercliquen das Gefühl beizubringen, mit der Ermordung eines republikanischen Staatsmannes eine patriotische Tat zu tun. Das alles führte nach der Ermordung Rathenaus zunächst iu Verordnungen und später zum GesetzzumSchwtzder Republik. Es heißt wirklich auf das bekannte schlechte politische Gedächtnis der Deutschen spekulieren, wenn man angesichts der Geschehnisse in den ersten Iahren der Republik die Schaffung des Republikschutzgesetzes als einen Ausfluß polizeilichen Machtstrebens bezeichnet. Und vieles von dem, was in den dunklen Büchern der Fememorde des Jahres 1923 geschrieben steht, ist eine weitere Rechtfertigung des Gesetzes zum Schutze der Republik. Nun ist gewiß richtig, daß sich die innenpolitischen Verhältnisie in den letzten Jahren konsolidiert haben und daß die Republik stark genug ist, sich der An- griffe ihrer Gegner zu erwehren. Aber niemand weiß, unter welchen außenpolitischen Druck unsere Wirtschaft und damit unser ganzes Volks- und Erwerbsleben noch gestellt werden wird. Dagegen weiß jeder, daß d i e politischen Cliquen und Gruppen noch nicht ausgestorben sind, zu deren Lieblingsbeschäftigung es gehört, mit ihren schmutzigen Fingern in den Wunden des eigenen Volkes zu wühlen und dem Volk die Republikaner als die Urheber der schmerzenden Wunden zu denunzieren. Und jeder weiß auch, daß, je mehr die in Weimar festgelegten Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold im Volke Eingang gewinnen, um so unflätiger sich der Haß der Verfassungsgegner dagegen entlädt.' Die Republik wird sich der Angriffe gegen ihren Bestand und gegen die Würde ihrer Hoheitszeichen erwehren können, wenn die Republikaner ihr die notwendigen Mittel nicht vorenthalten. Angst, Un- sicherheit und Nervosität der Leiter eines Staatswesens können der Autorität dieses Staatswesens und ihm selbst großen Schaden zufügen. Noch gefährlicher ist aber Sorg- losigkeit und Unachtsamkeit den Dingen gegenüber, die be- wüßt und ausgesprochen gegen den Staat und seine Insti- tutionen gerichtet sind. Den Geblendeten und Irrenden die ge- duldigste Aufklärung und brüderliche Milde, den Unduldsamen und Unversöhnlichen gegenüber aber die gleiche Unduldsamkeit und Unversöhnlichkeit. DenneinStaat.derseinenSchutzaufgibt, gibt sich schließlich selb st auf. Rüstet;u den lrommmmlwahlcn! Republik und Gemeinde. Vov Richard Lohrnann. Wenn am Geburtstage der Reichsverfassung die deutschen Städte in ihrer überwiegenden Mehrzahl in der ersten Reihe der Feiernden stehen, so zeigt dies, daß sie bester als Haster und Nörgler hüben und drüben dos eine erkannt haben: Reichsgewoll und Selbstverwaltung sind im modernen Slaat nicht unversöhnliche Gegensätze, sondern verschiedene Funktionen eines ein- H e i t l i ch e n Organismus. Und Organismus ist Leben, und alle seine Funktionen sind Leben. Nichts ist leichter, als den ober- flächlichen Beweis dafür anzutreten, daß die Weimarer Berfastung und die auf ihr fußende zehnjährige Entwicklung der jungen Republik den Städten vieles genommen chaben, was einst als Palladium kommunaler Selbstverwolwng galt. Selbstverwaltung„innerhalb der Schranken der Gesetze"(Artikel 127) ist nach dem Willen der Reichsverfassüng und ihrer Schöpfer etwas anderes als jene „Selbstverwaltung", die den zugkräftigeren Decknamen für Lokalpalriolismns und Sirchturmspolitit suchte. Wir danken es der Weimarer Verfassung, daß sie mit diesem Typ der Selbstverwaltung, der gegen Eingemeindung und kommunale Neugliederung Bittgottesdienste unter der Devise„Herr, mach uns frei!" veranstaltet, prinzipiell, wenn auch leider noch nicht faktisch ausgeräumt hat. Wir wissen— und zehn Jahre kom- munaler Entwicklung unter der republitanischen Verfassung haben es bestätigt—, daß auch im scheinbar engen Rahmen der Finanz- Hoheit des Reiches und seiner Grundsatzgesctzgebung mif sozialem und kulturellem Gebiet sich die Selbstverwolwng der Städte und Landgemeinden in aller wünschenswerten Freiheit entfalten kann— vorausgesetzt, daß die Länder und ihre Organe als verfassungsmäßig„verankerte" Zwischen instanz sich aus die Rolle des Vermittlers zwischen Gesetzgebung und Selbstverwaltung beschränken und sich nicht verpflichtet fühlen, die geschichtlich gegebe- nen Reibungsflächen durch aussichtsbehördliche Maßnahmen kunstlich zu vergrößern. Es mag zugegeben werden, daß die Weimarer Berfastung die von ihr gewollte und eben scharf herausgestellte Abgrenzung der Kompetenzen des Reiches und der Kommunen nicht immer mit der vielleicht wünschenswerten Klarheit umreißt. Nur wer den Zwang historischer Bindungen überhaupt leugnet, wird ihren Schöpfern daraus einen Vorwurf machen. Aber es darf doch darauf hin- gewiesen werden, daß beispielsweise die Finanzhoheit des Reiches nur im Artikel 11 mit sehr dehnbaren Worten umschrieben ist, daß Armenwesen, Gesundheitswesen und Jugendfürsorge generell der Relchsgesetzgebung überwiesen sind(Artikel 7), die Wohlfahrtspflege dagegen in Artikel 9 nur bedingt. Jugendschutz, Schule und Bolls-. bildung werden in den Artikeln 122, 143 und 148 ausdrücklich als gemeinsam« Angelegenheiten des Staates und der Gemeinden genannt, während ein entsprechender Hinweis für andere Gebiete, deren Betreuung in erster Linie den Gemeinden obliegt, fehlt. All diese kleinen Unstimmigkeiten haben sich in der Praxis von selbst geglättet— um so leichter, als die Weimarer Berfastung auch in den Gemeinden Iflachk und Entscheidung ohne jede Einschränkung in die Hände des Volkes gelegt hat. Nicht mehr und nicht weniger bedeutet der kurze und unschein- bare Satz im Artikel 17 der Verfassung:„Die Grundsätze für die Wahlen zur Volksvertretung gelten auch sllr die Gemeindewahlen." Er revolutionierte die Gemeindevertretungen und Stadtverordnetenversammlungen, er fegte K l a s s e n w a h l s y st e in und Hausbesitzerprivileg ans den entscheidenden Körperschaften der Kommunen hinaus, er schuf Gemeindekörperschasten, in denen sich der Wille des Volkes manifestierte. Der Gedanke der Selbstverwaltung bekommt durch diesen Artikel der neuen Reichs- Verfassung erst einen Sinn. Erst jetzt haben die breiten Massen der Bevölkerung wirklich das Recht erhalten, sich„selbst zu verwalten". Die früheren Gemeindekörperschasten waren ein Zerrbild des Volkswillens, erst die Uebertragung der allgemeinen, gleichen, unmittelbaren und geheimen Wahl nach den Grundsätzen' der Verhältniswahl auch auf die Gemeinden verleiht ihnen mit einem Schlage wirklich«„Selbstverwaltung". Und so beginnt in der Tot mit der Reichsverfassung von Weimar ein neues Kapiiel in der Geschichke der Gemeinden. Ueberall dort, wo die Massen der Bevölkerung den Gedanken der neuen Zeit begreifen, ändert sich das Gesicht der kommunalen Körperschaften von Grund auf. Sozialdemokratische Mehrheiten in den Gemeindevertretungen sind keine Seltenheit mehr, Magistrate und Gcmeinderäre erhalten Mitglieder, die Fühlung haben mit den Bedürfnissen und dem Willen der werktätigen Bevölkerung, das Privileg der Beamtenkarriere wird durch- brachen: der Fundamentalsatz der neuen Verfassung, daß alle Staatsbürger ohne Unterschied entsprechend ihrer Befähigung und ihren Leistungen zu den öffentlichen Aemtern zugelassen sind (Artikel 128), hat nirgends so wie in den Verwaltungskörperschasten der Gemeinden revolutionierend gewirkt. Und es hat sich in Hunderten von Beispielen gezeigt, daß die Schule des Lebens, die Schule der Erfahrung im Kampfe um das Lebensrecht der arbeiten- den Massen sehr wohl- die traditionelle Hochschulbildung zu ersetzen vennochte. Mit der personellen Neugestaltung der Genieindekörper- fchaften geht die sachliche Neuorientierung kommunaler Arbeit Schritt für Schritt einher. Die Macht der einstigen Clique ist ge- brachen. Sozialdemokratische Mehrheiten in Stadt- und Landgemeinden können ungehindert ihre soziale und kulturelle Arbeil ausschließlich nach den Lebensnetwendigkeiten der schaffenden Bevölkerung orientieren. Auch dort, wo die Sozialdemokratie die Mehrheit nach nicht erreichen konnte, ist sie ein ausschlaggebender Faktor geworden, dessen Ausschaltung man nicht mehr wagt: st« kann Schlimmeres verhüten. Unzulängliches bessern. ..So hat die Berfassung von Weimar— nehmt alles nur in allem!— den Gemeinden die Freiheit der Entwicklung zu sozialen Selb st Verwaltungskörpern gegeben, indem sie ihr Geschick grundsätzlich und praktisch mit dem Geschick des Reiches, der Republik, verband. Di« Berfassung von Weimar ist nach unserem Willen und nach dem Willen ihrer Schöpfer ein Anfang, kein Ende. Auch die deutschen Gemeinden stehen erst an? Anfang ihrer neuen EntwieNung, ihrer neuen Geschichte. Aber das Volk, der Wille des Bolkes hat diese Entwicklung und diese Geschichte fest in der Hand, und es wird die Aufgabe, die ihm damit gestellt ist, zu lösen wissen. Das dankt es dem Versafsungs- werk von Weimar. Der»Vorwärts« wird gedruckt mit Original-Felix- Bottcher-WaSzen! . v'V«v* ZDerDerband dw Qemeinde- und ShmisnrheHer Siim ffierlin SO 36 ist die gewerksöbaftlidie Elmteitsorgani sation des gesamten Personals der öffentlichen Betriebe und Verwaltungen. Der Verband bezweckt die Wahrung der wirtschaftlichen und sozialen Interessen seiner Mitglieder durch seine Reichssektionen:, Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerksarbeiter— Kämmereiarbeiter GESUNDHEITSWESEN Reichs- und Staatsarbeiter— Reichsbund der Beamten und Angestellten Der Verband ist angeschlossen: dem Allgemeinen Deutschen G e w e r k s c h a f t s b v n d, Berlin dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund, Berlin der Internationalen Förderation des Personals öffentlicher Dienste und Betriebe, Amsterdam Mitgliederbestand am 1. Juli 1929 in 930 Orten mit 56 Ortsbureaus 8 500 000 mark Vermögensbestand am 1. Juli 1929(Hauptkasse und Filialkassen) Eigene Verwaltungsgebäude in Berlin, Erfurt, Karlsruhe, Köln, Magdeburg, Stuttgart Eigener Stellennachweis Eigene Zeitungen: «Die Gewerkschaft",„Die Sanitätswarte",„Die Beamtengewerkschaft",„Wirtschaft und Technik" mit einer Gesamtauflage von 340000 Stück Eigener Buchverlag mit fortlaufender Schriftenreihe„Zur Aufklärung und Weiterbildung der Mitgliedschaft" Der Verband zahlte 1928 an bezugsberechtigte Mitglieder folgende Summen als Unterstützung: Streikunterstützung..... rund im 000 III. Arbeitslosenunterstützung. rund 202000 HL Gemaßregeltenunterstützung rund 48000 HL Krankenunterstützung... rund 8S0000 HL Recbtsscbntz......... rund 38000 HL Sterbeunterstützung.... rond 200000 HL Für die Weiterbildung seiner Mitglieder verausgabte der Verband im Jahre 1928: Herstellung der Fachpresse rund 835000 HL Literatur, Büchern. Schriften rund 108000 Hl. Unterrichtskurse und Bildungsmittel rund 208000 HL Am Schluß des Jahres 1928 waren abgeschlossen 592 Tarifverträge, wodurch 580025 Beschäftigte erfaßt wurden. Der Verband gewährt sachkundige Vertretung in allen Klagen vor den Arbeitsgerichten sowie den amtlichen und tariflichen Schiedsstellen. Vertretung in allen Unfall- und Rentenklagen, Rechtsschutz in Prozessen vor den ordentlichen Gerichten. r r 3>er Verband ersirebi die volle iöemokralisierung der ItirlschaH und die Sosialisierung alter Unternehmungen zur Förderung des Qemeimvohlg. Ar beiler, Angesleüle, ffiemnle, werdet ItlUglied! Verbandsvorstand, Schlesische Straße 42 r DER BUND DER TECHNISCHEN ANGESTELLTEN UND BEAMTEN vereinigt Techniker� Ingenieure, Chemiker, Architekten, die im freigewerksdiaftlichen ZusammensciJuß die erste Voraussetzung für eine Wahrnehmung und Förderung ihrer Berufsinteressen sehen. Die mit der Mitgliedschaft verbundene Beitragszahlung rentiert sich für den einzelnen in den Arbeitserfolgen des Bundes. Der Bund strebt die berechtigte Anerkennung technischer Arbeitsleistung und den dem Arbeitnehmer zukommenden Anteil am Arbeitsertrag an. Jeder schaffende Techniker kann nur durch gewerkschaftliche Selbsthilfe— überzeugt von dem unüberbrückbaren Gegensatj zwischen Kapital und Arbeit— den Ausnutzungsversuchen eines rücksichtslosen Unternehmertums begegnen. Jeder noch außenstehende Kollege stehe sich deshalb durch seine Mitgliedschaft unter den Schutz des Bundes. Techniker, Ingenieure, Chemiker, Architekten tretet ein in den Bund der technischen Angestellten und Beamten! Auskunft und Material sind kostenlos erhältlich durch die Ortsverwaltung Berlin des Bundes, NW 40, Werftstraße 7 11 ~r4i-vr~ , l Vevteigenoffen und Tteichsbennevsamevaden! Ihr habt dafür zu forgrn, daß auch eure Frauen, Töchter bzw. Söhne, welche in der Bekleidungsindustrie.beschäftigt.sind sewevksOattKÄ»«sauWeet Kud In vielen Familien muß die Frau sogenannte Gelegenheitsarbeit in der Damenkonfektion, Blusen und Kleider,.Herren- und Damenwäsche, Schürzen und Jupon, Sterbewäsche, Herren-, Knaben- und Burschenkonfektion, GuMmi- und Arbeiterkonfektion, Uniformlieferung, Trikotagen, Wäscheverleih, Wäschereien, Wäschehersteller, Damenmaß, Herrenmaß, Pelz und Mützen sowie in Staats- und Kommunalbetrieben leisten, um den Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Dieselben arbeiten dann zu jedem Preis, der ihnen vom Unternehmer geboten wird. Sie find somit bittige Ausbeutungsobjefte für den Unternehmer. Darum ist es dringende Pflicht aller Parteigenossen und Reichsbannerkameraden, daß ihre Frauen, Töchter bzw. Söhne veranlaßt werden, dem Deutsche« Nevlesdnussarbeitee-Deebaud als ZNttsKed beimteste« Derselbe gewährt seinen Mitgliedern tarifvertraglichen Schuh. Zn Fällen von Arbeitslosigkeit oder Krankheit Unterstützung. Rechtsschutz bei allen sich aus dem Arbeitsverhältnis sich ergebenden Streitigkeiten mit dem Unternehmer. tlioUziebi noch Hsuts die felbsiveeiltändtiche ÄlnAaHme im Neutsche« Betleidungsarbeiter-Verbattd Filiale Berlin, Sebastianstraße 37-38— Bureauzeit 8 bis 1 Uhr täglich und Freitags 5 bis ö V- Uhr nachmittags- Die Filialleitung t. A. Willy Lehmann DER VERBAND DER NAHRUNGSMITTEL. UND GETRÄNKEARBEITER IST eine freie GewerksAaft/ Kat 17 000 Mitglieder allein in Berlin und ist die gegehene Interessenvertretung aller Braucrei- arbciter, Böttdier, MüKIenarbciter,, Spritarbeiter/W ein-, Likör-, Mineralwasser- und Essisarbeiter, Becker, Konditoren, Bade-, Süß-, Teigwaren-, N&Krmittelarbeiter, Flcisdiergesellcn in Handwerks-, Fabrikbetneben und SdiladitKöfen, Darmarbeiter, HAutearbciter, VieKtreiber, VerkAuferinnen in BÄckereien, Konditoreien, Fleisdiereten sowie für sonstige wetblidie Arbeitnehmer in genannten Betrieben und Berufen, Fahrpersonal und anders BesdtAfttgte DER Sih der Ortsgruppe Berlin befindet sich im abgebildeten eigenen VerwaltungsgebAude Berlin N 54, Neue Schönhauser Str. 4- S, Tel Norden 4400-4401, ein Zweigburcau ist auf dem StAdt. Sdiweinesdilachthof O 34, Thaerstr. 31, Tel Kömgstadt 247o SCHUTZWALL gegen Arbeitgeberwillkür, antisoziale Gesetjgebung und andere wirtschaftliche Nöte ist der Verband. Er unterstützt seine Mitglieder bei Arbeitslosigkeit,Krankheit, Aussperrungen, Streiks, Maßregelungen, in Not- und TodesfAlIen, auf der Reise, gewAhrt Alters- und Invalidenrente, Rechtsschuh in allen Streitigkeiten aus dem ArbeitsverhAltms und dem Fahrpersonal bei Karambolagen und Vergehen gegen die Verkehrsordnung FÜR dich und deine Familie, zum Schutze deiner Arbeitskraft ist der Verband geschaffen, deshalb ALLE in LeWnsmittcltetricten kcscliäfti�tcn Arbeiter, Arteiterinnen und duzendheten erfüllt eure moralischen und solidarischen Pflichten euch selbst, der Familie und der gesamten Arbeiterschaft gegenüber WERDET MITGLIED! t ES MUSS JEDEM KLAR SEIN DER DEUTSCHE TEXTILARBEITER- ______ VERBAND ist die Stütze der Textilarbeitersdiaft ■...'■'/■ V DER DEUTSCHE TEXTILARBEITER« VERBAND zählt über 300000 Mitglieder DER DEUTSCHE TEXTILARBEITERVERBAND zahlte 1928 an Streik», Gemaßregeltcn», Erwerbslosen», Umzugs», Sterbe» und Notfallunterstützung 1720000,- Mark DER DEUTSCHE TEXTILARBEITER- VERBAND kämpft um das Recht der Frau DER DEUTSCHE TEXTILARBEITERVERBAND setzt sieb für erhöhten Schwangeren» und Jugendschutz ein I Wissen zu verbreiten, Hebung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Textilarbciterschaft, Erringung eines zeitgemäßen Arbeitsrechtes sind die Ziele des DEUTSCHEN TEXTILARBEITER- VERBANDES Werbe deshalb für den DEUTSCHEN TEXTILARBEITER- VERBAND seine Stärke ist dein Erfolg Bedenke: Im Reich befinden sich 281 Ortsvcr waltungen, die deine Mitarbeit benötigen Alle. TEXTILARBEITERINNEN UND TEXTILARBEITER gehören in den DEUTSCHEN TEXTILARBEITER- VERBAND V Nr. 575* 46. Jahrgang 8. Beilage des Vorwärts Sonntag, 44. August 4S2S 9 Reichsverfaffung und Wirffchastsdemokratie. Politisch« Demokratie gewährleistet ihrer Idee nach vollkommene Gleichberechtigung aller Bürger. Jeher Volksgenosse hat genau gleiche politisch« Rechte. Herr Krupp von Bohlen ist genau so mit einer Stimme an der Bildung der Organ« der Staatsgewalt beteiligt, wie der am schlechtesten Bezahlt« seiner Arbeiter, und Fürst und Altgras zu Solm-Reifserscheidt-Krautheim und Dyck g«> nau so wie ein Landarbeiter au» seinem Gut oder der kleinste Pächter. Diese grundsätzliche, durch die demokratische Verfassung gewährleistet« politisch« Gleichberechtigung bedeutet aber keines» falls, doh alle Bürger auch tatsächlich den gleichen Anteil an der politischen Macht haben und daß sie in gleichem Matz« frei ssnd. Es handelt sich gar nicht um die sogenannt«..natürliche"' lln- gleichheit wegen der Verschiedenheit der persönlichen Eigenschasten, insbesondere wegen der Unterschiede der Begabungen. Fast in jedem Betrieb« kann man mehrere Arbeiter finden, die mindesten» nicht weniger begabt sind als ihre Unternehmer. Die tatsächliche Ungleich- heit und auch die in der Demokratie vorhanden« Unfreiheit lehr vieler politisch freier und gleichberechtigter Bürger entsteht infolge der wirtschaftlichen Struktur der kapitalistischen Gesellschaft und kann nur durch ein« grundlegende Aenderung dieser Struktur überwunden werden. Dies ist der große Gedanke des Sozialismus, den man als den wirtschaftsdemotratischen G«- danken des Sozialismus bezeichnen darf, da es sich dabei um die Ergänzung und Vollendung der Demokratie durch den demo- krotischen Aufbau de» wirtschaftlichen System» handelt. Gewiß noch kein Gozialismuö. In Deutschland besteht seit zehn Iahren«ine demokratisch« Reichsverfasiung. Nach dem Gesagten vorsteht es sich von selbst, daß man diese Verfassung verschieden beurteilen wird, je nachdem man sie ausschließlich unter dem Gesichtswinkel der politischen Demokratie betrachtet oder aber auch nach ihrer wirtschaftsdemo» kratischen Bedeutung prüft. Für dies« letzte Betrachtung kommen vor allem IS Artikel(Art. 1S1 bis IKS) des fünften Abschnittes des zweiten Hauptteiles der Verfassung in Frage, d. h. des Abschnittes, der dem Wirtschaftsleben gewidmet ist. Professor Anschütz sagt in seinem Kommentar zur Reichsverfasfung von diesem Ab» schnitt, daß„kein Teil der Verfassung... so ausgeprägt sozia» l i st i s ch« Züge wie dieser" zeig«.„Wenn irgendwo, sagt er weiter,„so mußte es sich hier zeigen, wie weit der Einfluß der sozialistischen Gedanken im neuen Deutschland reicht Und e» läßt sich nicht leugnen, daß dieser Einfluß sehr weit reicht. Vieles von dem. was in diesem Abschnitt steht, ist rein sozialistisch gedacht." Gewiß ist auch dieser Abschnitt nicht ein Teil einer sozialisti» schen Verfassung, und„vieles von dem. was in diesem Abschnitt steht", steht vorläufig nur auf dem Papier. Der Abschnitt ist keinesfalls Ausdruck einer einheitlichen und konsequenten sozia» listrschen Auffassung. Einheitlichkeit und Konsequenz fehlen ihm überhaupt am stärksten. Fast in jedem Satz sind d'« Spuren eine» Kompromisses sichtbar. Fast keine Formulierung ist völlig ein» deutig. Die„sozialistischen Züge" und die Zugeständnisse an die überlieferte bürgerlich-kapitalisttsche Wirtschaftsausfassung stehen nebeneinander ohne organische Verbindung, die ja auch unmöglich wäre. Dieses Kompromiß ist in der Zeit entstanden, als die Ueber» zeugung. daß die kapitalistische Wirtschaft nicht in ihrer früheren reinen Form bestehen kann, sehr weit verbreitet war. und als sich auch viele bürgerliche Polittker und Wirtschaftler zum Grundsatz der Sozialisierung bekannten. In dem am 16. November 1318(1318!) erschienenen Ausruf zur Gründung der Demokratischen Partei hieß es:„Die Zett erfordert eine neue soziale und wirtschaftlich« Polttik. Sie er» fordert, für monopolistisch entwickelte Wirtschaftsgebiete die Idee der Sozialisierung aufzunehmen..." Weiter wurde gesagt, daß„die internationale Durchführung eines sozialisti» schen Mindestprogrammes" notwendig sei. Es ist nicht uninter- essant, hier einig« Unterschriften anzuführen: Bernhard Dernburg, Bergrat Georg Gothein und D r. Hjalmar Schacht. Bank» d i r e k t o r. Vieles ist seitdem ganz anders geworden! Eine Kritik des 5. Abschnittes, die dessen Kompromißcharakter. Widersprüche und den rein deklarativen Ekarakter mancher Be- stimmungen(„Eigentum verpflichtet") aufzeigt, ist lehr leicht und in gewissem Sinne völlig berechtigt. Eine solch« Kritik läßt aber noch kein abschließendes Urteil über die Bedeutung dieses Teiles der Reichsverfassung zu. Man muß vielmehr sogar die Frag« auf- werfen, ob nicht in diesen„Mängeln" der große Vorzug der Der- sassung besteht? Logisch einwandsrei aufgebaut, hätte der Abschnitt über das Wirtschaftsleben entweder zu einer konsequenten sozio. listischen Verfassung werden können, und dann wäre er der Ent- Wicklung angesichts der Machtverhältnisse vorausgeeilt. Oder aber Von Georg Decker. man hätte«in geschlossene» System von Normen schaffen müssen. E» ist schon ein« Tatsache von nicht geringer Bedeutung, daß die Reichsoerfassung in sich kein« Hindernisse für die sozialistisch« Gesetz» gebung enthält. Auf Grund der Verfassung kann das Reich durch ein einfaches Gesetz„für die Vergesellschaftung ge» eignet« privat« wirtschaftliche Unternehmungen in Gemeineigentum überführen. Es kann sich selbst, die Länder oder die Gemeinden, an der Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen und Verbände beteiligen oder sich daran in anderer Weis« einen bestimmenden Einfluß sichern"(Art. 1S6). Die Weimarer Verfassung hat den Weg der Sozialisierung vorgezeichnet: sind die Sozialisierungsversuche gescheitert, so lag das weniger an den Mängeln der Verfassung, sondern es geschah wegen der vor- handenen machtpolitischen Verhältnisse und in ge- wissem Sinne trotz der Verfassung. Ein« sozialistisch« Mehrheit im Reichstag wird immer von den entsprechenden Bestimmungen der Verfassung Gebrauch machen können. Es ist schon ein g«waltiger Fortschritt, daß die Weimarer Verfassung, in einer Uedergangszeit entstanden,«ine Verfassung für die Bedürfnisse der Neber« gangszeit ist, aber lein Instrument für die Erhaltung der tapitaUstifchen Ordnung. Der Wert diese» Teil« der Bersassung liegt aber nicht nur im Negativen, nicht bloß darin, daß er tein« speziellen Bestimmungen zum Schutz de» Kapitalismus und keine Hemmungen für die Durch» führung der Sozialifierung enthält. Er enthält auch einig« Be» stimmungen von großem positiven Wert, nämlich einige Ansätze der wirtschaftsdemokratischen Entwicklung, die auch eine un> mittelbar« und kein« geringe praktische Bedeutung haben. So ist für die soziale Versicherung der Grundsatz der„maßgebender Mitwirkung der Versicherten"(Ar, tikel 161) jetzt verfassungsmäßig festgelegt. Wenn im Art. 163 dos Recht auf Arbeft proklamiert wird(„jedem Deutschen soll die Mög» lichteit gegeben werden, durch wirtschaftlich« Arbeit seinen Unter» hall zu erwerben"), so ist da» leider nicht mehr als ein« von vielen schönen Deklarationen: es ist ab«? nicht unwichtig, daß im gleichen Artikel die Arbeiislosenfürforge zur Pflicht des Staate» gemacht wird:«foweft ihm(d. h. jedem Deutschen) angemessene Arbeitsgelegenheft nicht nachgewiesen werden kann, wird für seinen notwendigen Unterhall gesorgt". In diesem Falle haben wir ein Beispiel dafür, wie die deklarativ« Anerkennung eines sozialistischen Grundsatzes zwar keinesfalls fein« Derwirtlichung bedeutet, aber dennoch sehr wichtig« jozialpolftische Folgen haben kann. Bon besonderer Bedeutung für die wirtschaftsdemokratische Ent» Wicklung sind zwei Grundfätz«, die in der Verfassung festgelegt sind, und zwar der eine, der Grundsatz der Parität im Art. 165, als eine obligatorische Norm, und der ander«, der Grundsatz der Wirtschaft- lichen Selbstverwallung im Art. 156, nur als Anerkennung eines bestimmten Rechtes, nicht aber als Festlegung der Pflicht des Staates. Der Grundsatz der Parität, der auch das Mitbestimmungs- recht der Arbeitnehmer begründet, ist in folgendem Satz formuliert: „Die Arbeiter und Angestellten sind dazu berufen, gleichberech» t i g t in Gemeinschaft mft den Unternehmern an der Regelung der Lohn, und Arbeitsbedingungen sowie an der gesamten wirt- schaftlichen Entwicklung der produktiven Kräfte mitzuwirken". Von diesem Grundsatz werden Im gleichen Artikel erstens die Arbeiterräte und zweiten» die Wirtschaftsräteorganisationen ab- geleitet. Au» den Gründen, auf die wir hier nicht eingehen können, sind von der ersten von Kiefen Organisationen nur ihre unterste (Betriebsräte) und von der zweiten ihre oberste(Reichs- wirtfchaftsrat) Stufe verwirklicht worden.*) Der Grundsatz der Parität ist kein sozialistisches Prinzip, da er das Bestehen der kapita» listijchen Wirtschaftsordnung mit ihrer Klassenschichtung zur Vor- aussetzung hat. Die in der kapitalistischen Wirtschaft gegenüber» stehenden sozialen Gruppen werden nach diesem Grundsatz als gleich- berechtigt auf den Gebieten der Sozial- und Wirtschaftspolitik an- erkannt. Di« sozialistisch« Wirtschaft wird dagegen nicht das Pro- blem der Mitbestimmung der Ausgebeuteten, sondern das Problem *) Sehr treffende Bemerkungen über den Ausbau der Organi- sationen der Arbeiterrät« findet man im gedankenreichen Aufsatz von E. Frenkel„Kollektive Demokratie" im Auguschest der„Gesellschaft". Das Werk müssen wir selbst vollbringen! l*"*■-A-r y""*4 .-fl 7*j./ yS, /««. c'«--» der Zusammenarbeit der gleichberechtigten Träger verschiedener Funktionen in der Gemeinwirtschaft zu lösen haben. Jedoch ist der Grundsatz der Parlkäl eine wichtige Etappe der wirtschaftsdemokratischen Entwicklung als eine wesentliche Ein- fchränkung der Despotie der Unternehmer— durch die Betriebsräte im Betriebe, durch die paritätisch zusammengesetzten Organe aus den breiteren Gebieten der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Man darf diese Etappe mit der konstitutionellen Monarchie, als einer Uebergangsform vom Absolutismus zur polittschen Demokratie, ver- gleichen. Seine praktische Bedeutung gewinnt dieser Artikel der Verfassung namentlich durch die in ihm ausgesprochene Anerkennung der Organisationen. („Die beiderseitigen Organisationen und ihre Vereinbarungen werden anerkannt.") Auf Grund des Art. 165 habe» die Gewerkschaften da» Recht, bei der Entscheidung aller sozial, und wirtschastspolitischen Fragen, an allen offiziellen Stellen, wo die Vertreter der Unter- nehmer herangezogen werden, in gleicher Stärke vertreten zu sein. Die Wirtschast wird im Staat nicht mehr durch die Unternehmer allein repräsentiert, sondern durch die Unternehmer und Arbeit- nehmer. Wenn z. B. von den Vertretern der Industrie und des Handels die Rede ist, so müssen e, die Vertreter de? Unternehmer und der Arbeitnehmer sein. An dieses in der Verfassung festgelegte Recht de? Gewerkschaften muß immer ermnert werden. Der Grundsatz der wirtschafklichen Selbstverwaltung perbindet den Grundsatz der Parität und Mftvestimmung mit dem demokratischen Aufbau einzelner Zweige der Wirtfchaft. Im Art. 156 heißt es:„Das Reich kann... zum Zwecke der Gemein- Wirtschaft durch Gesetz wirtschajtttch« Unternehmungen und ver- bände auf der Grundlage der Selbstverwaltung zusammenschließen mit dem Ziel, die Mitwirkung aller schaffenden Volksteile zu sichern, Arbeitnehmer und Arbeitgeber an der Ber- Wallung zu beteiligen und Erzeugung, Herstellung, Verteilung, Verwendung, Preisgestaltung sowie Ein» und Ausfuhr der Wirt- schaftsgüter nach gemeinwirtschaftlichen Grundsätzen zu regeln." Wenn durch Betriebsräte, obwohl noch kein« Bet-riebsdemokratie, aber wenigstens eine Art der„konstitutionellen Fabrik" geschaffen wird, so kann auf dem im Art. 156 gezeichneten Wege eine„kon- stitutionell« Industrie"(oder überhaupt ein„konstitutionelles Ge- werbe") geschaffen werden. Gleichzeittg würde aber der Aufbau der Wirtschast dadurch demokratisiert werden, daß sich die Organe der wirtschaftlichen Selbstverwaltung durch die organisatorische Unter- ordnung unter den demokratischen Staat zu Organen der Gemeinwirtschost gestalten sollen. Gegen die Anwendung des Begriffes„Selbst- Verwaltung" in diesein Zusammenhange werden nun Bedenken gellend gemacht: es wird nämlich der Befürchtung Ausdruck ge- geben, daß die Unabhängigkeit der Gewerkschaften eingeschränkt werden kann, wenn solche Organe als Selbswerwaltungsorgane be- trachtet werden. Als Grund für die Möglichkeit dieser Einschränkung wird angegeben, daß die Selbstverwaltungsorgane notwendigerweise der Staatsaufsicht unterliegen müssen, die sich auch auf die Organi- sationen als Träger der wirtschaftlichen Selbstverwaltung erstrecken würde. Dieser Einwand beruht aber auf einem Jrrrum. Die Selbst- Verwaltung setzt zwar die Staatsaufsicht über die Organe, ober keinesfalls über die Organisationen, denen Vertreter dies« Organe bilden, voraus. Die kommunale Verwaltung unterliegt der Staats- kontrolle, dicht ober die Parteien, deren Fraktionen in Stadt- Parlamenten die kommunalen Verwaltungen wählen, auch nicht diese Fraktionen. Die Sclbswerwalwng besteht vielmehr eben darin, daß die Verwaltungsorgans durch die unabhängigen Körperschaften ge- wählt werden. Es ist selbstverständlich, daß die Organe der wirt- schaftlichen Selbstverwaltung unter der Staatsaufsicht stehen müssen: daraus darf ebensowenig die Notwendigkeit der Staatskontrolle der Verbände abgeleitet werden, wie aus der Staatsaussicht über die kommunalen Verwaltungen Staatskontrolle der politischen Parteien. Wir besitzen zurzeit zwei wirtschaftliche Selbstverrvaltungskörper, nämlich Reichskohlenrat und Reichskalirot, so daß der in der Der- sassung festgelegte Grundsatz der wirtschaftlichen Selbstverwaltung nicht auf dem Papier stehengeblieben ist. Die Tätigkeit der beiden genannten Körperschaften wird öfters einer berechtigten Kritik unterzogen. Man darf aber behaupten, daß der Grundsatz selbst sich trotzdem als gesund und fruchtbar erwiesen hat. Es genügt, hier als«in Beispiel anzuführen, daß in der zweiten Hälfte 1926 und in der ersten 1927 die Erhöhung der Kohlenpreise durch das Bestehen des Reichskohlenrates verhindert wurde, von sehr großer Bedeutung für die günstige allgemeine Konjuntwr- etitwicklung war. Die Idee der wirtschaftlichen Selbstverwaltung hat ohne Zweifel eine dauernde Bedeutung, da sie bei dem Aufbau der Gemeinwirtschost ein« große Rolle spielen wird. Di« wirtschaftliche Selbstverwaltung wird im Aufbau der demokratischen, d. h. in ihrer Vollendung der sozialistischen Wirtschaft ebenso notwendig fein, wie die kommunal« Selbstverwaltung im Aufbau de» demokratischen Staates notwendig ist. Durch die kommunale Selbstverwaltung läßt sich die wirtschaftliche Selbstwerwaltung nicht ersetzen. E» liegt aus der Hand, daß die wirtschaftliche Verwaltung z. B. der Leuna-Werk« nicht zur Kompetenz der Merseburger Kommunalverwaitung ge- hören kann, sondern zur Kompetenz des Selbstoerwoltungskörpers der chemischen Industrie gehören muß. Auch die beste Verfassung wirkt nicht von selbst, jede gibt ober Ansätze für das Handeln der Im Staate vorhandenen Kräfte. Wir sehen, daß die Weimarer Verfassung einig« sehr wert. voll« Ansätze für zukunftsreiche Entwicklung im Sinne der Demo- kratisterung der Wirtfchaft enthält. Die Reichsverfasfung erschöpfend auszunutzen, zu ergänzen und zu vollenden, ist die Aufgabe der Soziold«mokroti« und der Gewerkschasten. S, ist kein Zufall, bah fetzt auf der bürgerlicheo Seite soviel werk auf die„Auslegung" der Verfassung gelegt wird: man versucht auf diese Weise, die ver- sassung faktisch grundlegend umzugestalten und aus der Verfassung der llebergangszelt eine Verfassung der bürgerlich-kapitalisiischen Ordnung zu machen. Es gilt für uns jetzt als eine dringende Aus- gäbe, dlese versuche abzuwehren und darüber hiuav» zu einer politischen Vfsensive üb«rzugeh«a mit dem Ziel, obengeschilderte, in ihrer Tendenz wirtschastvdemokrnttjch« vestimmungen der Versassvng zu venvlrNicheo und weiter auszubauen. i Deutscher Holzarbeiterverband Sitz des Hauptvorstandes: Berlin S0 16, Am Kollnischen Park 2 Vorsitzender: Fritz Tarnow M l* i! .vk Organisationsgebiet des Verbandes ist die gesamte Holzindustrie. Aufgenommen wurden u. a. Möbel-, Bau-, Modell- und Schiffstischler, Stuhlbauer, Polierer, Piano-, Flügel- und Orgelbauer, Geigen-, Mandolinen-, Mund- und Ziehharmonikamacher, Holzblasinstrumenten- und Zithermacher, Holzbildhauer, Drechsler, Stock-, Schirm-, Kamm- und Ktiopf- macher, Stellmacher und Wagenbauer, Parkettleger, Korbmacher, Korkarbeiter, Holzpantinenmacher, Kistenmacher, Vergolder, Maschinenarbeiter, Sägewerksarbeiter und allesonstigen Holzarbeiter und-arbeiterinhen Mitgliederzahl am Jahresschluß 1928: 313544, gegenwärtig rund 320000 in 1180 Verwaltungsstellen in allen Teilen der Deutschen Republik Zweck und Ziel des Verbandes ist die Verbesserung der Arbeits- und Lohnverhältnisse. 1928 führte er 616 Bewegungen, an denen 340800 Arbeiter beteiligt waren. Erreicht wurde eine durchschn. Verkürzung der Arbeitszeit von 2,6 Std. und eine Lohnerhöhung von 3,54 M. die Woche \P ' l'- K > i: >. MMMMM vis Unterstützung wird gezahlt bei Streik, Aussperrung, Maßregelung, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität, Umzug, auf der Reise und in Sterbefällen. Femer gewährt der Verband seinen Mitgliedem Rechtsschutz. 1928 wurden an Unterstützungen gezahlt 6 941 683 Mark ■iliLRil''' i.» löi'i Jedes Mitglied erhält die„Holzarbeiter-Zeitung" kostenlos geliefert Lehrtinge und Jugendliche erhalten außerdem die„Holzarbeiter-Jugend" Verwaltungsstelle Berlin _>*V;' v-'.'.k- y" y\'■ ,y' --V v-'."- h ist die wirtschaftliche Interessenvertretung aller Berliner Holzarbeiter und Holzarbeiterinnen. Am Jahresschluß 1928 zählte sie 28325 Mitglieder. Durch erfolgreiche Lohn- und Vertragsbewegungen wurde die Lebenslage der Mitglieder wesentlich verbessert Die Verwaltungsstelle veranstaltet Kurse und Vorträge und sie besitzt eine Bibliothek mit 7115 Bänden. 1928 betrug die Einnahme der Verwaltungsstelle 1727192 M., die Ausgabe für Streiks und Unterstützungen 1548439 M. Beitrittsanmeldungen nehmen entgegen: Die Vertrauensmänner in allen Betrieben, die Zahlstellen in allen Stadtteilen Groß-Berlins und das Bureau der Ortsverwaltung, Berlin SO 16, Rungestraße 30. Geöffnet: Montag bis Donnerstag von 9 bis 13 Uhr und 16 bis 13 Uhr, Freitag und Sonnabend von 9 bis 13 Uhr. Fernsprecher: F 7(Jannowitz) 3578 Deutscher Metall arbeiter Verbanö Verwaltungsstelle Verlin Havptbureav: R 54, Linienstr. 85-85/ Telephon: D i Norden 853—856, 6592—6595. Geöffnet: Montags bis D onnerstags 9— 1 K Uhr, Freitags 9— 19 Uhr, Sonnabends 9— 13 Uhr Zweigbureau: Oberschöneweide, Laufener Straße 5. Telephon: F 2 Oberspre« 0337. Geöffnet«t« im Hauptbureau. Zweigbureau: Spandau, Lindenufer 25. Telephon: C 7 Spandau 3242. Geöffnet'wie im Hauptbureau. Zweigbureau: Hennigsdorf Bötzowstraße IN. Telephon: Hennigsdorf 49. Geöffnet von 9— 11 Uhr, IS'/,— 19 Uhr: fatoßtiiotpooMofloit aller tu öee Metalliaöustrie befchüstigte« Perfoaeu Der Verband gewährt feinen Mitgliedern: 1. Streikunterstützung während der Dauer eineö Arbeitskampfes. 2. Maßregelungöunterstützung bis zu einer Dauer von 13 Wochen. 3. Erwerbölosenunterstützung auf die Dauer von 20 Wochen. 4. Krankenunterstützung auf die Dauer von 20 Wochen. 5. Reisegeld bis zu einer Höchstdauer von 40 Tagen. 6. Sterbegeld an die Hinterbliebenen verstorbener Mitglieder. 7. Sterbegeld an die Mitglieder beim Ableben der Ehefrau. 8. Umzugsunterstützung bei Veränderung des Wohnortes, bedingt durch Wechsel der Arbeitsstelle. 9. Jnvalidenunterstützung bei einttetender Invalidität. 10. Notlagenunterstützung bei außerordentlichen Notlagen. 11. Rechtsschutz bei Stteitigkeitm aus dem Arbeitsverhältnis. Die.Metallarbeiter-Zeitung" wird allen Mitgliedem unentgeltlich zugestellt; die »Jugend-Zeitung" den jugendlichen Mitgliedern. Den Funktionären des Verbandes wird außerdem zum Studium, zur Information und xur Fortbildung ausreichendes Material zur Verfügung gestellt. Femer wird jährlich eine Anzahl Funktionäre nach der Wirtschaftsschule Dürren. berg(Eigentum de< Verbandes) geschickt, um sich in einem eingehenden Kursus ihr Rüstzeug für ihre Tätigkeit in den Betrieben und an anderen Stellen zu schaffen. Auch andere Kurse, die vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund errichtet, werden «it einer größerm Anzahl von Funktionären beschickt, um sich die Kenntnisse zu erwerben, die für einm durchgebildeten Gewerkschaftsfunktionär notwendig sind. Das Eintrittsgeld beträgt: Für männliche Personen über 18 Jahre alt— 1,— RM., für weibliche Personen über 18 Jahre alt --50 Pf., für jugendliche Personen beiderlei Geschlechts unter 18 Jahren sowie für Lehrlinge— 50 Pf. An Beiträgen werden erhoben: In der l. Klasse.......... 1,50 RM. In der lV. Klasse.......... 0,35 RM. In der ll. Klasse.......... 1,15 RM. In der V. Klasse.......... 0,10 RM. In der M. Klasse.......... 0,80 RM. Für weibliche Mitglieder, die keinen Anspruch auf Jnvalidenunterstützung erheben, ist eine Klasse« geschaffen und beträgt der Beitrag: In der ll«. Klasse......... 0,90 RM. In der III«. Klasse......... OHO RM. Pflicht eines jeden Metallarbeiters ist es, fich der fnstanöigen freien Industrie- organifatwn» dem Deutschen Metallarbeiter-Verband» anfnfchließe« ZENTRALVERBAND DER MASCHINISTEN UND HEIZER SOWIE BERUFSQENOSSEN DEUTSCHLANDS Sitz Berlin SO 36y Skalitzer Straße Nr. 47-48 CIGENi VERBAND8HAUSERIN BERLIN, CHEMNITZ, ERFURT UND DUISBURG Unser Zentralverband, der im Jahre 1892 gegründet worden ist, stellt die organbsatorische Zusammenfassung aller in der Krafterzeugung und Kraftverteilung tätigen Arbeiter, Angestellten und Beamten dar Die kulturellen u. sozialen Belange unserer 55000 Mitgliedai' werden durch 430 T arifverträge gesichert Die Ausgaben unserer Organisation betrugen im Jahre 1928 fOr Kampfmaßnahmen. 850 000 RM. Soziale Unterstützungen. 380 000 RM. Invalidenunterstützung................... 93 000 RM. Notfallsunterstützung 43 000 RM. Die Interessenvertretung wird v. 48 hauptamtlich angestellten Funktionären durchgeführt darf unsere Organisation ala die wirtschaftlich wichtigste angesehen werden DWffWM Gerade weil der Deutsche Musiker-Verband als freigewerkschaftlicbe BerufsorganisatioD der Musiker, sich zur Weimarer Reichsverfassung bekennt, vertritt er deo Standpunkt, daß es Pflidit namentlich aller republikanisch gesinnten Volksgenossen ist, sich jederzeit für die Erhaltung und Pflege wehrer Musikkunst als köstliches Volkskulturgut, emmsctjen. Für das Volk Ist das Beste garada gut genug. Deshalb erwartet der Deutsche Musiker-Verband vop allen, insbesondere aber vpQ den auf dem Boden der Reichsverfassung stehenden Volksgenossen, daß sie den auf die Erhaltung unserer musikalischen Kulturstätten— der Theater und Orchester— und eines lebensfähigen Berufsmuslkertums gerichteten Bestrebungen des Deutschen Musiker- Verbandes jedwede Unterstützung und Förderung zuteil werden lassen- Ohne Berufsmusiker keine.-- Musikkultur!..... Weder mechanische Musik noch Dilettantismus sind imstande, die Kunst des Musikers, die erhebende Wirkung der direkt vom Künstler gebotenen Musik zu ersetzen. Die Existenz des Berufsmusikers ist trotzdem aber gegenwärtig mehr denn je ernstlich bedroht! Bündwütlger Sparsamkeitsfanatismus goführdst den Weiterbestand unserer in der ganzen Welt als erstklassig« Kunstkörper anerkannten Kulturorchester. Die mit Riesenschritten sieb ausbreitende Mechanisierung dar Mualk— durch Grammophon, Rundfunk, Tonfilm usw.— bringt immer weitere Kreise der Berufsmusiker um Arbeit und Verdienst, während gleichzeitig durch veraltete, unzulängliche Auabildungastlitten— Lehx- üngskapellen(Stadtpfeifereien). unkontrollierte Musikschulen und ein ungeregeltes Privatmusik- unterrichtswesen— fortgesetzt zahllose unzulängliche neue Arbeitskräfte auf den Musikmarkt geworfen, Dilettantismus und Pfuschertum gezüchtet werden. Der schwerste Schaden Jedoch erwuchst der Musikkunst und den Berufsmusikern durch den schrankenlosen nebenberuflichen De wer bebetrleb el nes ungeheuren Heeres von MllltSr- und Beamtonmusl- kern, Dilettanten und sonstigen musikalischen Schwarzarbeltern, wozu noch eine Immer größer werdende Anzahl zum größten Teile minderwertiger Auslands- kapallen kommt. Unter völliger Mißachtung der doch eigentlich selbstverständlichen Pflicht der Rücksichtnahme auf andere Volksgenossen sowie auf die sozialen Forderungen der Arbeitnehmer nach Verkürzung der Arbeitszeit und Gewährung genügender Freizeit zur körperlichen Erholung und Ertüchtigung, finden sich leider zu pfuschen. Der Deutsche Musiker-Verband erachtet es als eine seiner wichtigsten Aufgaben, die Aufmerksamkeit der weitesten Oeffentlichkcit auf diese kulturschädigenden Zustände zu lenken, Der Deutsche Musiker-Verband fordert wirksame gesetjliche und behördliche Maßnahmen zum Schutze der Berufsmu- siker vor dem schrankenlosen Wettbewerb der gekennzeichneten musikalischen Schwarzarbeiter. Der Deutsche Musiker-Verband erwartet tatkräftige Mitwirkung aller auf dem Boden der Heidbsverfassung stehenden Organisationen und Volksgenossen in der Bekämpfung der musikalischen Schwarzarbeit. Der Deutsche Musiker-Verband bekämpft das Unwesen der musikalischen Schwarzarbeit aber auch deshalb, weil Schwarzarbeit stets demoralisierend und Sewerkschaftsschädigend wirkt, indem sie ie Herbeiführung geregelter Arbeitsverhältnisse, die Schaffung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen ungemein erschwejt. Im Hinblick auf die geschilderten Zustände kann nicht dringend genug vor leichtfertiger Ergreifung des Musikerberufes gewarnt werden. Nur stärkste Begabung, beste Berufsausbildung und allerhöchste Leistungsfähigkeit können die Hoffnung berechtigt erscheinen lassen. im Musikerberuf eine Existenz zu finden. Deutscher Musiker-Verband Berlin SW 11, Bernburger Straße 19 Fernsprecher: Nollendorf 647-648 25000 Mitglieder/ 265 Ortsverwaltungen Musiker-Nachweise in allen namhaften Orten Nr. 373» 46. Jahrgang öotinfog/ II. JWuguff 1929 Die Oewerkschaste« unö die Nepublik. Am öcn soziale« Staat. Von?rit2 Isrno v. Wer Geschichte begreifen will, darf nicht wir dem Zeit- maß des täglichen Lebens messen, sondern er muß das der Geschichte zur Hand nehmen. Nach einem Jahrzehnt demo- kratisch-parlamentarischer Republik sind gewiß noch viele unserer sozialen und politischen Wünsche unerfüll: geblieben und der wirklich soziale Staat rtiit sozialistischer Wirtschaft l'egt immer noch in der Ferne. Aber nichts wäre für den weiteren Fortschritt gefährlicher, als das Erreichte unter- hätzen und nicht sehen zu wollen, welche tiefgreifenden Wand- ingen im Gefüge des Staates und der Gesellschaft bereits i-getreten sind. Der Unmut, daß es zu langsam vorwärts eht, muß verfliegen, wenn wir den zurückgelegten Weg und r.e Zeitspanne, die dafür gebraucht wurde, mit den Augen der Geschichte betrachten. Das gilt für die g e w e r k s ch a f t- liche Arbeiterbewegung vielleicht in einem noch höherem Maße als für die politische. Fast erscheim es hc�'te unglaublich, daß erst 60 Jahr verflossen sind, seit der alte Obrigkeilsslaat den Arbeitern überhaupt erlaubte, sich zu organisieren. Dabei waren die ersten Jahrzehnte noch ganz ausgefüllt mit ver- zweifelten Kämpfen um die nackte Existenz und das tatsäch- Theodor JCeiparl tortHzenAer de» ASDgSt, liche Recht zur Ausübung der KoaNtion. Nicht nur das Unternehmertum warf sich dem mit unmenschlicher Brutalität entgegen, auch der Staat hielt seinen ganzen Verwastungs-, Polizei- und Justizapparat gegen die Arbeiterbewegung ständig in Atem. Und als trotzdem unter unsäglichen Mühen und Opfern ein halbes Hunderttausend Arbeiter in den Ge- werkschaften beieinander waren, schlug die Staatsgewalt mit der Knute des Soziali st engesetzes kurzerhand die Organisationen und das Koalitionsrecht wieder entzwei. Wohl erwies sich dieser Schlag für die Gewerkschaften ebensowenig tödlich wie für die Partei. Allen Verfolgungen, Auflösungen und Bestrafungen zum Trotz hatten die Gewerk- schaften am Ende des Ausnahmegesetzes 300 000 Mitglieder. Die Bewegung war mit dem Polizeiknüvpel nicht mehr tot- zuschlagen.' Auch in der Folgezeit bemühte sich die Staats- gewalt ebenso eifrig wie vergeblich, die Ausdehnung der Ge- werkschaftsbewegung zu verhindern. Aber das alles war doch nur möglich, indem die Gewerkschaften einen erheblichen Teil ihrer Kräfte für die Sicherung der eigenen Existenz auf- wenden mußten und für ihre eigentlichen Aufgaben stark be- hindert waren. Die Erinnerung an diese Zeit der Bedrückung und Der- folgung durch den Staat dürfte heute nicht überflüssig sein. Gewiß, auch wenn etwa die freiheitlich-demokratische Staats- form noch einmal von der reaktionär-obrigkeitlichen abge- löst werden könnte, würden die Gewerkschaften nicht mehr beseitigt werden können. Aber das Maß von Freiheit, daß sie für ihre Tätigkeit im Staate finden, ist von so entscheiden- der Bedeutung für die Erfolge ihres Kämpfens. daß kein ver- antwortlicher Gewerkschaftler sich danach sehnen wird, noch einmal die alten Zeiten zu durchleben. � � � Es liegt an ihren svestellen Aufgaben, daß das Interesse der Gewerkschaften noch stärker als das der Partei auf die demokratische Staatsform gerichtet ist. Die Ge- werkschaften können ihre Mitgliedermassen nicht mit Zukunfts- Hoffnungen befriedigen, und es ist deswegen kein Zufall, daß die Kommunisten trotz ihrer rein negierenden Ein- stellung zur Staatspolitik zwar ihre politische Partei auf- rechterhalten können, daß ober alle ihre Versuche der gewerk- schaftlichen Organisation jämmerlich gescheitert sind. Auch die kommunistischen Arbeiter verlangen von ihrer Gewerk- schaft mehr als bloße Kritik an der kapitalistischen Ordnung. Sie wollen katsachNche Gegenwartserfolge sehen und selbst der radikalste kommunistische Arbeiter weiß die erweiterten Möglichkeiten, die den Gewerkschaften dafür in der Republik geboten sind, gegebenenfalls durchaus zu schätzen. Für die Gewerkschaften ist es bei ihren Kämpfen mit den Unternehmern wahrhaftig nicht einerlei, auf welcher Seite die Staatsgewalt steht. Wie immer man diese Nolle des Staates im ersten Jahrzehnt der Republik be- urteilen mag, so können doch nur ganz skrupellose Dema- gogen oder Narren zu leugnen wagen, daß sich in dieser Beziehung der heutige Staat zu seinem Vorteil ganz erheb- lich von dem verflossenen unterscheidet. Das parlamenta- rstche Regierungssystem auf der Grundlage des allgemeinen Wahlrechtes und in einem Lande mit politischer Volksmehr- heit gestattet keiner Regieruna?wacht eine so grundsätzlich arbeiterfeindliche Politik, wie sie sich der Obrigkeitsstaat er- lauben konnte. Die Garantien, die durch das verfassungs- mäßige Recht der Volksmehrheit gegeben sind, sind so wirk- sam, daß auch eine Bürgerblockregierung nichts riskieren konnte, der Arbeiterschaft gegenüber einfach der Stimme ihres Herzens und der kapitalistischen Interessen zu folgen. Die Gewerkschaften befinden sich deshalb heute bei den direkten Auseinandersetzungen mit dem Unternehmertum dank der Staatsumwälzung in einer wesentlich günstigeren Position als früher. Die gesetzliche Regelung des Tarifvertrags- rechtes, die Neuregelung des Arbeitsrechtes und der Arbeitsgerichtsbarkeit sowie das Schlichtungswesen— das trotz aller berechtigten Kritik im einzelnen von den Gewerkschaften als wertvolles Hilfsmittel im Arbeitskampfe anerkannt und aus denselben Gründen von den Unternehmern wütend bekämpft wird— sind erst in der Republik geschaffene Stützen, um die Kampf- erfolge auch zu sichern. Wer unmittelbar von der Staatsumwälzung die Geburt der sozialistischen Gesellschaft erwartet hat, mag ent- täuscht worden sein, daß auf dem Gebiet der sozialen Gesetz- gebung und Einrichtungen viele Wünsche noch nicht erfüllt sind. Wer aber die geschichtlich notwendige Entwicklungszeit mit in Rechnung setzt und unvoreingenommen die sozialvoli- tischen Leistungen der Republik prüft, wird zugeben müsien, daß immerhin ganz Außerordentliches geschaffen worden ist. Dabei darf natürlich auch nicht übersehen werden, daß die Zerrüttung der Wirtschaft und die schwere finanzielle Be- drängnis in der Nachkriegszeit die sachlichen Voraus- s e tz u n g e n für eine Erweiterung der sozialen Politik und Fürsorge sehr stark beschränkten. Um so höher muß es ge- wertet werden, daß die verarmte Republik in ihrer Sozial- Politik immer noch turmhoch über dem reicheren Obrigkeits- staat steht und eine Reihe wichtiger Gewertschaftsforderungen erfüllt hat, die früher unter besseren Verhältnisien stets mit der Begründung abgelehnt wurden, daß sie. wirtschaftlich und finanziell wicht, tragbar seien.,, Die Arbetta-z'e+t-gesetzgech.unfl auf der Grundlage des Achtstundentages, das B i e b s r ä t e g« fe tz, die neue Arbeitsgerichtsgesetzgebung, die Or- ganisation des A r b e it s m a r k te s und der Arbeits- ämter, die Versorgung der Kriegsopfer und ganz besonders die Arbeitslosenversicherung kennzeichnen die wichtigsten Ergebnisse aus der sozialpoliti- fchen Werkstatt der Republik, neben dem Wiederaufbau und der Verbesierung der aus der Vorkriegszeit übernommenen Sozialversicherung, der Verbesserung des g e s e tz- lichen Arbeiterschutzes und manchem anderen. Unsere Forderungen gehen auf allen diesen Gebieten weiter, als die Gesetzgebung auch im neuen Staate bisher zu gehen bereitgewesen ist. Das darf uns nicht hindern, anzuerkennen, daß die Republik auf dem Wege zum sozialen Staate doch schon ein sehr weites Stück über die Linie des alten Staates hinaus vorgeschritten ist. Der alte Staat schaltete die Gewerk- schaften von der Einflußnahme auf die Siaalspolllik und-Verwaltung systematisch aus, während er mit dem Unternehmertum und dessen Organisationen die engste Fühlung unterhielt, die manchmal hart bis an die Grenze eines Hörigkeitsverhält- nisses ging. Die Republik erkennt im Artikel 16S der WeimarerVerfafsungdie Organisationen der Arbeit- nehmer und ihre Gleichberechtigung ausdrücklich an, nicht nur bei„der Regelung der Lohn- und Arbeits- bedingungen", sondern ebenso bei„der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung der produk- tiven Kräfte mitzuwirken". Diese große Verheißung geht allerdings weit über das hinaus, was bisher erfüllt worden ist. Nur erst ein befcheide- ner Anfang ist da: die gesetzliche Betriebs» er- tretung, der vorläufige Reichswirtschafts- rat, die Beteiligung der Gewerkschaften an einer Reihe öffentlich-rechtlicher Einrichtungen und ihre Mitwirkung in wirtschafts- und sozial- politischen Ausschüssen zur Beratung der Staats» organe. Das sind alles nur erst Ansätze, deren praktische Be- deutung vorläufig ebensowenig überschätzt werden darf, wie ihre grundsätzliche Bedeutung unterschätzt werden sollte. Denn es sind Ansähe zur Demokratisierung der Wirtschaft, die ihre Fortsetzung finden müsien. wenn die demokratische Republik am Leben bleiben soll. Auf die Dauer sind eine demokratische Staatsverfassung und eine autokratische Wirt- schaftsverfassung miteinander nicht vereinbar, woraus sich denn auch die starken Spannungen erklären, denen wir fort- gesetzt im politischen Leben ausgesetzt sind. Wer nicht will, daß die politische Demokratie wieder rück- wärts revidiert werden soll, muß mit Hand anlegen, um auch die Wirtschaftsvcrfassung in der Richtung zur Demokratie vorwärts zu treiben. Es gibt im bürgerlichen Lager viele aufrichtige Freunde der politischen Demokratie, die diesen Zu- sammenhang noch nicht begriffen haben. Aber ebenso auch umgekehrt: Wer die Umgestaltung der Wirtschaft von der Diktatur des kapitalistischen Systems zur Demokratie des Sozialismus will, muß die demokratistbe Staatsverfassung gegen jeden Angriff verteidigen. Hier sind es wiederum Teile der Arbeiterschaft, die diese Konsequenz nicht deutlich genug oder überhaupt nicht begreifen können. Nur dadurch ist es möglich, daß die Kommunistische Partei ihre Anhänger Seite an Seite mit der monarchistischen Reaktion zu Sturm» angriffen gegen den republikanischen Staat führen kann. Die kapitalistische Wirtschaft kommt, wenn auch unge- wollt, durch ihre eigene Entwicklung, der sie nicht entrinnen kann, der Unterstellung unter die Gesellschaftskontrolle ent- gegen. Die individuelle Unternehmerwirtschaft hat sich bereits weitgehend umgewandelt zu kollektivistischen Wirt- schaftsformen. Parallel damit ist zwangsläufig die Verbundenheit von Staat und Wirtschaft immer inniger und so stark geworden, daß beide Teile ohne- dem nicht mehr lebensfähig wären. Je weiter die Organi- sation der Wirtschaft fortschreitet, um so größer werden die Möglichkeiten der Staatspolitik und der Gesellschaftsorgans. Einfluß auf die Wirtschaftsführung und auf die Wirtschaft selbst zu nehmen. Die Periode der vom Staate unabhängigen Wirtschaft ist endgültig vorbei und kann nicht mehr wiederkehren. Der Einfluß des Staates auf die Wirtschaft wird in der Zu- kunft immer mehr wachsen, gleichviel welches Staatsregims am Ruder ist. Die Frage ist nur, wie dieser Einfluß aus- geübt wird und wem er zugute kommt. Die Leute um Hugenberg sind sich der Bedeutung dieser Frage durch- aus bewußt, wenn sie fieberhaft daran arbeiten, den Funda- mentalsatz der republikanischen Verfassung„die Staatsgewalt geht vom Volke aus" zu befeitigen. Es wäre nachgerade an der Zeit, daß alle Teile des Proletariats ebenso klar erkennen würden, um was es geht. Nie zuvor war der gewerkschaftliche Kampf um die Hebung der Lebenslage der breiten Masse für das gesamte Gesellschaftsleben von so entscheidender Bedeutung als in der gegenwärtigen Zeit der fieberhaften Rationalisierung und Er- Weiterung der produktiven Kräfte. Deswegen ist das Problem der Massenkaufkraft zum Zentralproblem der Gesamtwirtschaft und damit die Unterstützung des gewerkschaftlichen Kampfes zu einer dringenden Pflicht der Gesellschaft und des Staates geworden. Wir müsien allerdings von der Republik erwarten, daß sie sich im zweiten Jahrzehnt ihres Daseins dieser Pflicht noch besser bewußt wird. Die Republik wird sich dieser Aufgabe bewußt werden müssen, wenn die proletarische Volksmehrheit die.Macht begreift, die ihr durch die Weimarer Verfassung in die Hand gegeben ist- Es ist aber ein Verhängnis für die deutsche Arbeiterschaft, daß ihr vom alten Regime die Auf» fasiung, daß Staat und Arbeiterklasse unversöhnliche Gegen» fätze seien, fo nachhaltig eingebleut worden ist, daß heute noch viele den Weg auch zum neuen Staate nicht finden können. Das gestattet der Reaktion und den kapitalistisch interessierten Minderheitsschichten noch immer, eine politische Rolle zu spielen, die ihr nach der demokratischen Verfassung nicht mehr zukommt, die sich aber unheilvoll auch bei der Gestaltung der sozialen Verhältnisse auswirkt. Schon die bloße Tatsache, daß Sias berliner Generkschafishuus die söziale Oberschicht den heutigen Staat mit derselben Leidenschaft bekämpft wie die klasienbewußte Arbeiterschaft den alten Staat, sollte die Augen darüber öffnen, daß nun die Verteidigung der Republik zu einer wichtigen Aufgabe des proletafischen Klasienkampfes geworden ist. Das sollte nicht zuletzt die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft begreifen. Der Kampf zwischen Obrigkeits» staat und Republik ist nur die andere Seite desselben Kampfes, den sie tagtäglich mit dem Unternehmertum aus» zufechten hat, des großen Kampfe» zwischen Kapital und Arbeit. Gewiß ist die Republik noch kein Volksstaat, wie wir ihn uns wünschen. Aber in ihr liegt be» reits dasFundamenteineskünftigensozialen Staates: das volle Selbstbestimmungsrecht eines Volkes gleichberechtigter Staatsbürger. Es hieße, den Glauben an die Richtigkest unserer sozialen Idee aufgeben, wenn wir daran zweifeln wollten, daß auf diesem Auadameuk der soziale Staat erstehen muß! Die Gewerkschaften am Werk. SuWeg im Volksstaat. Von J. Stelner- JulllerL Die deutschen Gewerkschaften haben in der Republik nach innen und außen an Stärke und Einfluß ganz außerordentlich zugenommen� Nicht mir an Mitgliederzahlen. Aber ai'ch diese find bezeichnend für die Entwicklung der freien Gewerk- schasten unter der Republik. 191? hatten die freien Gewerkschaften 2 37? 713 Mitglieder. Ihre Gesamteinnahmen beliefcn sich aus rund 82 Millionen, ihre Ausgaben auf 75 Millionen. Ende 1927 betrug die Mitgliederzahl allein im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaft»' b u n d 4 150 160, die Einnahmen betrugen 182, die Ausgaben 129 Millionen. Vis Mitte 1929 dürfte die Mitgliederzahl im ADGB. schätzungsweise aus 4 800 000 bis 5 Millionen gsticgen fein, während die Jahresciirnahmen ein« Viertelmilliard« erreichen wer- den. Dazu kommen noch der Allgemein« frei« An. gestelltcnbund und der Allgemeine Deutsche Le. a« t e n b u n d. Die Gesamtmitgliederzahl der freien Gewerk- schasten beträgt also heule mehr als 5'A Millionen und dürste sich der sechsten Million stark nähern. Die Mitglieder- zahl hat sich also unter der Republik mehr als oerdoppelt, die Einnahmen haben sich verdreifacht. Diese Zahlen zeigen bereits, daß für die Gewerkschaften in der Republik ein ungleich günstigerer Boden ist als es in der Izohenzollern-Monarchie der Fall war. Mit der Stärke der Gewerkschaften stieg auch ihr Ei n f l u ß. Da» geht besonders deutlich aus dem Umfang der T a r i f v e r- tr ä g e im Deutschen Reich hervor. Während 1913 insgesamt für lA Millionen Beschäftigte, also für noch nicht 10 Proz. Tarisver. tröge bestanden, waren am 1. Januar 1927 für rund 11 Millionen, da» heißt für nahezu zwei Drittel der Beschäftigten Tarifverträge sii Kraft. Das bedeutet mit anderen Worte», daß die Unternehmer heute nicht mehr willkürlich die Löhne fest- oder herabsetzen und auch nicht die Arbeitszeit und die sonstigen Arbeitsbedingungen je nach den Schwankungen der Koiiiunttur allein bestimmen können. Heute sind die Gewerkschaften die Vertragspartner, mit denen die Unternehmer Vertröge abschließen müssen über die Löhne, die Arbeitszeit, den Urlaub und die sonstigen Arbeits- bedingungen, Verträge, die unabdingbar sind, das heißt, daß Ich abonniere den.Vorwärts- die Unternehmer sie nicht, auch nicht mit Zustimmung des einzelnen Arbeiters oder Angestellten, abändern können. Di« Gewerkschaften haben sich in der Republik aber nicht daraus beschränken müssen, nur auf die Lohn- und Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder einzuwirken. Ihre Bewegungsfreiheit ist eine viel größere geworden. Die Gewerkschaften können heute die Jugend- lichen organisieren, sie vorbereiten für den Kampf um den Auf- stieg der Arbeiterklasse. Diese Möglichkeiten haben die Gewerk- schasten reichlich ausgenützt. Wenn auch innerhalb der Gewerk- schasten heute wie vor dem Kriege— und heute vielleicht in höherem Sinn« als vor dem Kriege— die politische Neutralität Geltung hat. so ist doch gleichzeitig damii infolge der größeren Be- wegiingsfreiheit die Anteilnahme der Gewerkschaften an den poli- tischen Borgängen gewachsen und das Bewußtsein stärker geworden, daß der Kamps der Gewerkschaften enden wird und muh mit dem Name Wohnung -Straße Nr.. vorn- chof— Ouergeb.— Seitenfl.— Tr. link»— recht» bei- Ausfüllen und einsenden an den Verlag des„Vorwärts" Berlin SB. 68. Lindenstrohe 3. ä)as Jtiius des Sieg des Sozialismus, mit der Beseitigung der kapitalistische» Pro- duktion. Bon diesem Geiste getragen, haben die freien Gewerk- schasten ihr« Jugendargonlsottonea und Bildungseinrichtungen ausbauen können. Im kämmenden Frühjahr wird in Bernau die große B u n de s s ch u l e des ADGB. eröffnet werden. Daneben bestehen die W i r t s ch a f t s> ch u l e n in Düstcldorf und Berlin und die A r b« i t e r a k a d e in i s in Frankfurt a. M. Berlin selbst hat außerdem noch eine Gewerkschaftsschule, die von den Ortsausschüssen des ADGB.. des AfA-Dundes und des ADB. ge- tragen wird. Darüber hinaus haben eine Reih« von gewerkschaft- lichen Großorganisatienen eigene Schulen errichtet, teil? zur Fort- bildung der Funktionär« und Betriebsräte, teils zur Schulung der Jugendlichen. Bor kurzen� erst ist da?„Heim a in Werls««" des Deutschen Viugewerksbundcs eröffnet worden. Wir erinnern o» die Schule de» Deutschen Metallarbeiterverbondes in Düren- b« r g und an die Schule des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter in Buckow in der Märkischen Schweiz. Di« Ge- werkichaiten sind sich bewußt geworden, daß die neuen Ausgaben, die ihnen ibr wachsender Einfluß stellt, auch Kenntnisse erfordern die ihren Mitgliedern nicht in der Schul« mitgegeben werden. Diese Kenmniste müssen erst erworben werden. Diesen Weg der Schulung zu erleichtern, den Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, sich syst«- mattsch die Kenntnist« zu«rw« den, die notwendig sind zur Bcherr- schung des öffentlichen Lebens, dazu geben die Gewerkschoften heute Millionen aus. Allein im Jahr« 1927 haben die Verbände des ADGB. für BildungsMecke 9 Millionen aufgebracht, die nicht nur den?«V>000 Iiigendstchen zugute kommen, sondern auch den Funk- tionären und Betriebsräten, wie der großen Masse der M'tglieder überhaupt. Die Gewerkschaften haben sich ober nicht damit begnügt, rem theoretisch ihre Mitglieder zu schulen und sie mit dem Geist des Sozialismus zu erfüllen. Die Gewerkschoften sind dazu über- gegangen, praktische Soziallsicrungspolitik zu treiben. Sie konnten dos natürlich mir innerhalb der kspita- listischen Wirtschaftsordnung in beschränktem Rahmen tun. In erster Linie ist hier die Bauhüttenbewegung zu nennen. Die ini Verband sozialer Baubetriebe vereinlgten Bauhütten be- schäftigten im Jahr« 1928 bis zu 26 896 Personen und hatten einen Umsatz von 121 Milltvnen. Das Eigcnkapital betrug rund 7 Mil- lionen. Hand in Hand damit ist die„D e w o g", die Deutsche Wohnungsfürsorge-Aktiengesellschaft für Beamte, Angestellte und Zlrbeiter, mit ihren Tochtergesellsäzasten, die 1924 von den frei- gewerkschaftlichen Spitzenverbänden ins Leben gerufen wurde, die hauptsächliche Austraggeberin der Bauhütten. Bis End« 1928 hatte die Dewog rund 15 000 Kleinwohnungen erbaut, davon allein im letzten Iabre 7700. Rund 12 000 Wohnungen befanden sich Ende 1923 im Besitz und in der Derwaltung der Tochtergesellschaften der Dewog. Der Dewog angeschlossen ist die D e w o g- R e v i s i o n s» B e r e i n i g u t> g. Die in ihr zusammengeschlossenen Genossei- schatten haben bis 1928 29 300 Wohnungen herstellen können. In diesem Jahr dürft« der Umfang der Bautätigkeit noch größer sain als im Vorjahr«. Nicht unerwähnt dürfen die Lindcar-Werkc bleiben, die gleichfalls den Gewerkschaften gehören. Sie sind im Jahr« 1928 erworben worden, haben im Jahre 1927 bereits rund 20 000, im Jahre 1928 rund 44 000 Fahrräder hergestellt. Die Höchstzahl der Beschäftigten betrug In diesem Jahre rund 300. Die Lindcar-Werke, die über ein Aklknkipital von 2 Millionen verfügen, haben 28 eigene Niederlagen, außerdem«ine Anzahl Auelieferungslager. Schließlich- ist in dieiem Zusammenhang die A r b e i l e r b a n k zu nennen. die im Jahre 1924 mit einem Kapital von 730 000 Mark gegründet wurde, heut««in Aktienkapital von 12 Millionen besitzt, dazu 1 100 000 Mark Reserven. Die Einlagen stiegen in diesem Zeitraum von rund 9!-� Millionen aus 117 Millionen, der Umsatz von 175 auf'2036 Millionen, die Einnahmen von 229 auf 2821 Millionen, der Reingewinn von 139 000 auf 1 060 000 Mark. Unter dem alten Regime wäre es ganz undenkbar gewesen, daß die Gewerkschaften theoretisch wie praktisch sich und ihre Mitglieder vorbereiten zur Uebernahme, zur Führung der gesamten Wirtschast ln sozialistischem Geiste. Auch das ha' ihnen die Republik erst ermöglicht. Noch sind wir nicht am Ziel. Mit den Llufgaben wachsen die Hindernisse. Unier der Pollzeiherrjchast der Vorkriegszeit waren die?kusgabcn der Gewerkschaften einfacher, aber hofsmingsloser. Die geistige und organisatorische Fieiheit, die die Gewerkschaften der Republik verdanken, birgt in sich die Gewißheit des endgültigen Sieges. Beitrittserklärung. Hiermit erklär« t<6 meinen Eintritt m die Sozialdemokratische Partei ivez'rk Berlin. Abteilung___) An Beiträgen entrichte ich: Eintrittkgeld 50 Pfennig. __ Dochenbeiträg« niännL 20, iveibl. 10 Vf.. Sa._ Sü, '__ den__ 1928 Bor- und Zuname:____ geb. am- zu-- Staatsangehörigkeit:. Wohnung:_ -tand:. B« ver AuMahm»»st sehr erwllnjcht. daß außer dem Eintrittsgeld mindesten,) die PeitrSge fstr emen Monat Wochen! gezahlt werden»> (Dieser Zettel ist ausgefüllt einzusenden an Alex Pages». verlin SB 68, Linden strafze 3. hos 17.) DER ZENTRAIVERBAND DER ANGESTELLTEN die freie Gewerkschaft der Handlungsgehilfen und Büroangestellten ktimpfli(Air 45-Stunden-Woche, freies Wochenende Ausbau des modernen Arbeitsrechts Ausbau der Sozialversicherung Sonntagsruhe, 6-Uhr-ladenschluß Der ZdA gewährt seinen Mitgliedern; Rechtsschutz, Stellenvermittlung Stellenlosenunterstützung bis zu 52 Wochen Streik- und Gemaßregeltenunterstützung Sterbegeld, Altershilfe, Aussteuerbeihilfe Ortsgeschäftsstelle Berlin SW61, Belie-Alliance-Straße 7-10 \ W i* • � .>( Wz W-itei-': m*?: r *'i.'• zKckvii«-,?: W?W. -WM?/ WK WVk? k« �Z». llkukckss Vei'kelii'8>zuiill UlsMewtMMMMM» MG ETE MMZsäSM '''?/ " w."*' ist die gewerkschaftliche Organisation für die Handelsarbeiter, Hafenarbeiter, Binnenschiffer, FlöBer, das Wasserbaupersonal, die Seeleute, Lotsen» Fischer, Straßen-, Klein-, Hafen- und Werksbahner, das Post-, Telegraphen- und Fernsprechpersonal, die Kraftwagenführer, das Luftfahrtpersonal, Hausangestellte sowie Transportarbeiter alier Art Der Denlsdie VerkeMunil ist eine Rampiorsanisalion! Im Jahre 1928 wurde durch 1867 Lohnbewegungen eine Lohnerhöhung Im Gesamtbetrage von 1589400 Mark pro Woche erzielt. >?S' Her Denlsdie Verkehrsbnnil unlerslülzt seine Mitglieder bei Arbeitslosigkeit und Krankheit, O bei Streik und Maßregelung, O bei Sterbefäilen und sonstigen Notfällen und gewährt ihnen Rechtsschutz. im Jahre 1928 wurden 5 497 576 Mark für Unterstützungen gezahlt. Die Bezirksverwaltung Groß-Berlin des D. V. B zählte am Jahresschluß 1928 70024 Mitglieder, die sich auf folgende Sektionen verteilen: Sektion f Kendel „ II Transportgewerbe � III Verkehr IV Luft- und Kraftfahrer Sektion V Metallindustrie-Transportarbeiter „' VI Allgemeine DeutsohePostgewerkschaft, Reichs- und Staatsbetriebe „ VII Haus- und Wachangestellte Es Ist Pflicht eines jeden Berufskollegen9 sich im Deutschen Verkehrsbund zu organisieren. Wer diese Pflicht nicht erfüllt, schädigt sich und seine Familie, begeht Verrat an den gemoinsamen Interessen der Arbeiterschafft Berufskollegen übt Solidarität! Werdet Mitglied im Deutschen Verkehrsbund! Bundesvorstand Berlin S0 16, Mlchaelklrchplatz 1 Bezirksverwaltung Groß-Berlin Berlin SO 16, Engelufer 24/25, II 4 <5 i-i i! i} i 3)er-Den Ische Werkmeister-Verband �Düsseldorf ist�dUe�inzige�frei�ewerksohaftlidipJ�erufcorganjsatio� Werkmeisteru. ähnlicher techn. Betriebsangestellten beiderlei GesdUeditsmJndustriejJHandebJBergbaUj�J�andwi� See- u. Flußsdiiffabrt ti. den Staats- u. Genicindcbetrieben Sr hat 42 Landesgeschäftsstellen und 1650 Orts vereine Sr genährt: StellenJosenunterstützung, Streikunterstützung, Gemafi- regeltenunterstützung, Rechtsschutz, Unterstützung bei Notlagen u. in Krankheitsfallen, Auslandshilfc, Invaliden-, Witwen- und Waisen Unterstützung usw- £r unter h IUI: Eine Slerbekaste mit Versidicnmgen für Mann, Frau und Kinder auf den Erlebens- und Todesfall Eine'Jirankenkatne, vollwertige Ersatzkasse Eine SJwmdrerstchenniff. die gegen eine billige Prämie eine kulante Entschädigung bei Feuerschäden gewährleistet Eine Sparkasse mit einem hohen Zinsfuß Die IDerkmelsler-SMIung mit sozialpolitischen, volkswirtschaftlichen und technischen Beilagen, sowie die Beiläge»Frau Meisterin" Eine SMblMhek, die den Mitgliedern technische und andere Werke unentgeltlich leiht Eine SBuchhandtung, die namentlich technische und sozialpolitische Werke biß igst besorgt Eine StellenrermiUtung, die den stellenlosen Mitgliedern offene Stellen vermittelt Im Bereich des Landesarbeitsamtes Brandenburg befindet sich die Bezirksgeschäftsstelle: SSerlin W 62, Murfürstemtr. ill, 1 Telephon: Ä 5 �Barbarossa 25«? Alle Eisenbahner Arbeiter, Angestellte, Beamte organisieren sich in dem freigewerkschaftlichen, in der Vertretung der Eisenbahner-Belange bestbewährten Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands Hauptbüro: Berlin W 50, Rankestr. 4 Ortsbüro: Berlin SO 36, Bethanienufer 10' VERBAND DER GEMEINDE- UND STAAT SÄRBEITER/ FILIALE BERLIN Der Verband ist angeschlossen dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaflsbund und dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund. Er ist Mitglied der Internationalen Föderation der Arbeitnehmer öffentlicher Dienste und Betriebe und des Internationalen Gewerkschafisbundes, Sitz Amsterdam Zuständige freie Gewerkschaft für die Arbeitnehmer der kommunalen und staatlichen Betriebe und Verwaltungen. In Deutschland: 896 Ortsgruppen, 18 Wirt s chafts bezirke, 270000 Mitglieder Wöchentlich erscheint die �Gewerkschaft" 14 täglich erscheinen „Sanitätswarte" und „Beamtengewerkschaft" Monatlich erscheint „Wirtschaft und Technik" * Unterteilung: 1, Sektion der Arbeitnehmer der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke; 2. Sektion der Kämmereiarbeiter; 3. S e k t i o n Gesundheitswesen; 4. Sektion der Reichs- und Staatsarbeiter. Außerdem gehören dem Verbände an: Deutscher Hebammenbund und Reichsbund der Beamten und Ange- stellten in den öffentlichen Betrieben Berlin N 24 Johannisstraß 1 4 I 5 und Verwaltungen Der Verband kämpst für die Verbesserung der wirtschaftlichen und kulturellen Lage seiner Mitglieder. Er erwirkt Sicherung guter Arbeitsbedingungen(Löhne, Arbeitszeit, überstundenvergütung, Urlaub, Krankenlohn usw.). Der Verband gewährt Schutz bei Entlassungen und Maßregelungen, Erwerbslosen- und Krankenunterstützung, Streikunterstützung, Unterstützung bei Todesfällen, Rechtsschutz und Notfallunterstützung. Der Verband wirkt für Verbesserung der Ruhelohn- und Hinterbliebenenversorgung und liefert unentgeltlich Zeitschriften. Er gewährt außerdem unentgeltliche Benutzung seiner Bibliothek sowie Teilnahme an Kursen und anderen Bildungsveranstaltungen Nr. 373» 46. Jahrgang Sonntag, August 4929 Kari HenckeUs Werk Dem sozialistischen Dichter zum Gedächtnis In den alten sozialdemokratischen Führern steckte vielfach ei» ge> wisses poetisches Talent. Geib, Fritzfche, Most, Frohm«, Hasenclever, Sludorf, Kegel dichteten manchen stürmische» Freche itssang, und da» Lied des alten Greulich von den �Lrbeitsmännern', von dem«PrÄe- tariat" dröhnt heute noch voll Rebellentrotz bei öffentlichen Aufzügen durch unsere Großstadtstraßen. Mit dem Ausnahmegesetz sproßte auch außerhalb der sozialdemokratischen Parteikreis« eine zu kunstsvoll« soziale lchrik auf. Sie knüpft« in Berlin vor allem an die Namen der Gebrüder Hart an. Dies« liefen Sturm gegen die süßliche Reimerei chrer Zeit, und Xarl StenckeU tfiK, sie gewannen in Karl Henckell einen Marschall Vorwärts, so angriffslustig und schlagkräftig, wie ste sich ihn nur wünschen konnten. In seinem„Poetischen Skizzenbuch' ließ Karl Henckell dem Steinklopfer sein soziale» Elend in die Welt hinausschreien.> t Im Lenzmonat 1884 nahm Karl Henckell von den Gebrüdern Hart in Berlin Abschied, mit denen er nach tapferem Cinhauen aus die Zuckerwasserlyrik der siebziger Lahr« so begeistert aus lang« Ge- meinschast im Leben und Streben und Kämpfen angestoßen hatte. Als junge? Einjähriger zog er dann sein Schwert, um in den JVt o- dernen Dichter-Charakteren' die pseudolyrische Reimerei seiner Zeit blutig hinzurichten, da wir ja in den letzten Dezennien ..weder eine moderne, noch eine deutsche, noch überhaupt eine Lyrik besessen' hätten,„die dieses heiligsten Namens der ursprünglichsten, elementarsten und reinsten aller Dichtungsarten nur entsernt würdig wäre". Die Milliärzeil in Hannover wirkte ausrüttelnd auf da» ganze Denken und Fühlen Karl henckells. So- mancher Fluch gegen den Leib und Seele verknechtenden Misitarisnms entriß sich damals seiner Brust, der sich später in das Feuer seiner revolutionären Vers« umsetzte. In München traf er verwandte Sturmgesellen in dem Kreise Michael Georg Conrad» an, die ebenfalls gegen die Tempel der Herrgötter der damaligen Dichtung erfolgreich anrannten. Aber im wesentlichen blieb Karl Henckell in München noch.Literatur'- Revolutionär. Di« tiefe Einsicht in die Welt der hart aufeinander- stoßenden Klassengegensätze, die enge Fühlungnahme mit der kämpfenden Partei des Sozialismus erwarb sich Karl Henckell erst in der republikanischen Schweiz. Hier erschien der„Sozial- demokrat", hier saßen die Spitzen der deutschen sozialdemokratffchen Emigranten, hier liefen durch die Hörsäle der Züricher Universität die kühnen Verfechter eines revolutionären Sozialismus. In der glühenden Waffenschmiede des Sozialismus wurde Karl Henckell nun heimisch, wie kein deutscher Dichter vor ihm. In der Schweiz schloß er Freundschaft mit den Gebrüdern Karl und Gerhart Hauptmann, und er erteilt« manchen klugen Rat dem jungen Gerhart, als dieser an seinem Drama„Vor Sonnen- aufgang" arbeitete. Sein« Muse erfreute sich der wachsenden An- erkennung der großen Dichter Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer. Enge Bande verknüpften ihn mit Frank Wedetind, Otto Erich Hartleben und John Henry M a ck a y. Von Ende 1886 an bis zum Jahre 1902 lebte Karl Henckell in Zürich. Ich wurde im Jahre 1887 mit ihm bekannt, und unter seinem Vorsitz begründeten wir am 1. Juni dieses Jahres den Ulrich-hutlen-Vund, für den Henckell einen feuerflammenden programmatischen Aufruf verfaßte, um zum Kampf für ein„freies modernes Menschentum' aufzufordern. Der Ulrich-Hutten-Bund wollte den Versuch machen, wenigstens eine Art Sammelpunkt zu schaffen für all« im öffentlichen Leben Tätigen oder auf«ine solch« Tätigkeit sich vorbereitenden Elemente,„die einer im weitesten dogmenlosesten Sinne freien Fort» entwicklung unserer Lebensbedingungen kühn und unerschrocken zu- steuern...' Der Versuch mißlang. Ein« einige Sturmphalanx der Intellek- Wellen gegen die organisierten Feind« der wirtschaftlichen, politisch- zozialen Fortenwicklung ließ sich bei der zunehmenden sozialen Zer- klüftung Deutschlands und der Schweiz nicht schaffen Weite Kreise von Intellektuellen witterten sofort einen sozialistischen Petroleum- geruch an diesem Ulrich-Hutten-Bunde. Karl Henckell stand in engster geistiger Fühlung mit der d e u t- schen Sozialdemokratie. Die Frankfurter Friedhofsmetzelei des Jahres 1885 hat er in seinem Gedicht„Friedhof' ergreifend geschildert. Kein Salvenfchuß, kein Trommelklang, Al» ste den Freund begruben. Kein Sonnenschein, kein Lerchensang— War doch ein Held sein Leben lang Im Kampf mit großen Buben. Der Herbstwind pftff, sein Heulen schwoll. Die Weiden seufzten schaurig: Di« Schaufel voll, die Erde scholl. Verschränkten Armes stand der Groll' Am Grabe stumm und traurig. Kein Pfarrer drosch Unsterblichkeit, Kein Pfaffe plärrt« Mesien: Ein hellig Leid, ein schweigend Leid. In ihrem dunklen Feierkleid Wehklagten die Zypresien. So blieb die Menge drängend stehn. Als sich das Grab geschlossen. Da dröhnt e»: Auseinandergehnl Und schon war Helm an Helm zu sehn— De» Himmels Zähren flosien. Nun flog ein Kranz mit rotem Band Wohl auf des Grabes Mitte: Und al» er auf den Hügel sank, Da zogen schon die Wächter blank Der Zucht und frommen Sitte. Von Leichenstein zu Leichenstein Die Klingen aus den Scheiden! Auf Schädelstätt und Totenbein Sie hieben in die Menschen ein— Da weinten alle Weiden. Da» steche Lärmen klirrt an» Ohr Der schlummernden Gerippe: Entsetzen schlug den bleichen Chor, Und schwerbeleidigt fuhr empor Der Toten stille Sippe. Der Regen goß, der Sturm schrie auf, Blut floß um Kreuz und Hügel, Und ruhig von des Kranzes Schlauf Ein Vogel stieg gen Himmel auf Mit purpurrotem Flügel. Boll kräftigen dramatischen Lebens ist die Ballade Karl Henckell»: Christnacht. In ihr sind die Vorgänge der Frankfurter Weih» nachts-Ausweifungen wundervoll poetisch ausgeformt: Di« Ketten klirren Hohn und Spott, Di« Ketten klirren im Nacken, Un» hllft kein Heilands Hilst kein Gott, J'■ Die Ketten Nirren Hohn und Spott, Di« Ketten klirren im Nacken. Zu feiernder Swnd, wo im Weltenrund Hallelujal die Engel trompeten, In de» Elends Schlund, wie«in räudiger Hund, Wie ein räudiger Hund getreten! Da steigt die Viston der Revolution in dem Kopfe des Aus- gaviefenen auf und er läßt feierlich den Sohn den Eid der Revo- lutton schwören. Als um die Jahreswende 1887 und 1888 die große Spitzelent- hüllung im Deutschen Reichstag erfolgte, da pfiff Karl Henckell sein jätirisches Lockspitzellied in die Wett. In Rech und Glied marschierte Karl Henckell mit den Masten der deutschen Sozialdemokratie. Er hatte eben den großen Schritt von dem.Literawr'-Reoolutionär zum Sozialrevolutionär getan. Er erklärte 189l> sehr freimütig, daß alle Literoturreform- und Revo- lution ein Trugspiel großer Selbsttäuschung oder«ine wistenschaftliche <3� Jtm�y»■— /Tl�-sz 48*�*---- .Urtef Cnrl Ztsupfmanm an Sfenrken au*«fern Fuhr« ins» Beschränktheit des Denkens sei, die da vermeint, unser deutsches Schrifttum,»abgelöst von den den gemeinen Schuttformen des Menschenlebens', umwälzen zu können. -An» reikek kein« Poetik mehr, uns ruft keine absolute Aesthetik gebieterisch und überwältigend einer kühneren Kunst— der umgestaltende Geist der Menschheitsarbeit ist der eiserne Gott, aus besten Haupt die blinkblanke Athene der natürlichen Dichtung hervorspringen wird... „Parteil Parteil' heult ihr flohen Tendenzler', wir wollen den reinen Aether künstlerischer Objektivität atmen. Du borstiger Wolle- kratze? des sozialdemokratischen Zukunftszuchthauses, Halle dein Maul. f Wi 1 �''W W5MW '.AfMON.. ÄMM-- tS Kranit IVedeUnd ...'.>./*'■ Wir sind viel zu fein für euch schwielengrobes Dolk! Tod seid ihr, Tod der echten Poesie."— Ihr plumpen Schlagwortseelen, schweigt! Sozialismus fft keine. Partei, weil ihr zu vernagelt seid, es noch nicht zu wissen: Sozialismus ist eine Weltanschauung der neu sich gebärenden Zukunft. Der Grund der Nationen erzittert— hört ihr es denn nicht?— Das Elend ächzt in seinen Ketten— hört ihr es denn nicht, ihr„elenden" Dichter?— und jauchzt mit Todesverachwng den rettenden Ideen der Gerechtigkeit und Freiheit zu.„Parteil O, ihr dünkelhaften Dick- häuter einer staatlich patentierten Oberlehrerreifel Ihr seid ja die verbohrteste aller Parteien von je. Nie war eine Kunst partelloser, als es diejenige des echten Sozialismus sein wird. Und die vollendete Menschengerechtigkeit gebiert erst die vollendet Stllgerechtigkeit. Aus der modernen Häßlichkeit keimt die Schönheit der Moderne. Solange die soziale Bewegung Vorstoß und Erschütterung unter barbarischem Rückdruck ist, wird die Poesie des Gewaltsamen, Torsowulstigen, Gellschmetternden nicht ermangeln: wenn der neue Wald aufgebaut ist so hoch da droben, wird wie wunderbares Rauschen der Dichtung West durch seine Zweige gehen." Die neue Kenntnis, die Karl Henckell durch sein« eng« Ver- bindung mit der theoretischen Literatur der deutschen Sozial- demokratie geschöpft hatte, lehrte ihn die grundlegende Bedeutung de» ökonomischen Moment» für die Gestaltung der geistigen Welt, Äls er feine schöne Sammlung sozial- und politisch steiheit- licher Gedichte in seinem„Buch der Freiheit" zusammenstellte, da bezeichnete er als leitende Idee seines Buches den„m o- dernen, ökonomifch-politischen Freiheitsbegriff' in seinen verschiedenen Anwendungen�„so wie ihn heute in erster Linie das organisierte Proletariat erfaßt und verkündet Hot, einmal als Erbe unerfüllter bürgerlicher Ideale und sodann als Erzeuger und Träger neuer B« w u ß t s e i n s f o rd e- rungen der Menschheit.' Karl Henckell war in die Schul« von Friedrich Engels gegangen, an den er sich auch wandte, als er sein„Buch der Freiheit" zusammenstellte. Den Sozialismus erfaßt Karl Henckell als eine neue Welt- «nfchauung, die allerdings in, starker Abhängigkeit von der ge- sellschaftlich-organifierten wirtschaftlichen Welt selbst steht. Von sozialistisch-kulwrellem Geiste gettagen, ist sein Feftspruch für die Arbeiterbildungsschul« m Berlin, und von ihm sind sein« Mai- sestgedichte, sind seine Gedanken an das ideale Prole- tartat beseell. Die sozialistische Weltanschauung öffnete unserem Karl Henckell den Sinn für das werdende Neue. Als die Jugend zur Sozial- demokratie stieß, da erkürte sie ihn zum Führer, der diese schwung- vollen Worte an sie richtete: Kommende Männer und Frau'n! Bildet in Glück euch und Leid, formt euch in Lust und Pein! Wandert zu Höhen, weithin Ströme des Lebens zu schau'n! Schreitet und streitet und wirkt, kühn eine Welt zu befrei'n! Ein Führer der Arbeiterjugend, Max Barthel. schrieb vor dem Ausbruch des Weltkrieges an Karl Henckell:„D i e I u g e n d i st m i t Ihnen—das dünkt mich das Schönste." Das Bekenntniswert feine» Lebens hat uns Karl Henckell in fünf prächtigen, schön illustrierten Bänden(Verlag I. H, W. Dietz) hinter- lasten. Ein« reiche Erbschaft fürwahr, die wir uns in geistiger Hoch- stimmung anzueignen haben— Karl Henckell aber ist von hinnen gegangen mit dem großen Mut, der aus seinen tapferen Zeilen spricht: Fahre wohl, du Welt, Liebe, Kamps und Ruhml Nur ein schlechter Held Mag es klagen. Sinkt die Knospe hin, Eine neue sprießt, Und die Folgerin Sei gegrüßt! k'aul Xempkimexer. Stoberl Sfreuer: Qehorf am dem Wer rf eher Jede Verfassung ist das Diktat bestehender und sich auswirkender Machtverhältnisse. Die Machtverhältnisse sind das Primäre, die Verfassung ist das in Paragraphen gegliederte Spiegelbild. Fallen die Machtverhältnisse, fällt die Verfassung. Sie stirbt nicht durch Willkür; sie stirbt urud wird geboren durch Wirklichkeit. Sa ist auch die durch Bismarck geschaffene Reichsverfassung nicht aus Uebermut beiseite geschoben worden: sie zerbrach, als das alte Reich, als Kaiser- tum und Heer, als Adel und Beamtenschaft in Trümmern lagen. 1919, hätte nicht zustande kommen könne, wenn sich nicht neue 1919, hätte nicht Zustandekommen können, wenn sich nicht neue Macht gebildet hätte. Der Artikel 1 kennzeichnet diese Macht:.Die Staatsgeroalt geht vom Volke aus/ Das Volk war der neue Macht- tröger. Der Kaiser, die König?, die Fürsten waren geflohen, so kannten sie in der Verfassung nicht mehr wirksam werden. Das Volk war in die Bresche gesprungen und hatte seine gesamte Kraft daran gesetzt, den Zusammenbruch aufzuhalten und das Kriegs» schicksal zu meistern. So muhte der Wille des Volkes auch in der Verfassung, die es sich gab, zum Ausdruck kommen. Gegen solchen ehernen Geschichtszusammenhang anrennen zu wollen, ist Torheit. Solange das Volk Kraft genug besitzt, den Staat nach außen zu verteidigen und im Innern in Ordnung zu halten, bleibt die Ver- fasiung, die nur eine Bestätigung des neuen Machtverhältnisies ist, bestehen. Da die Geschichte selten sich zurückreoidicrt, ist nicht anzu- nehmen, daß das deutsche Volk seine Souveränität wieder an eine ihm nicht innewohnende Macht abgeben wird. Nachdem das Volk einmal erfahren hat, daß es nicht mehr Objekt des Staates zu sein braucht, daß es vielmehr selbst Staat zu sein vermag, dürfte es sich schwerlich wieder in die primitive Rolle des Untertanen zurückdrücken lassen. Der Bestand der republikanischen Bersasiung, der Bolls» staat, ist gesichert. Aus unerhörtem Elend ist etwas Neues geboren worden: wie sollte das Boll, dem solches gelang, nicht den Drang fühlen, den Geburtstag seiner Macht feierlich zu begehen. In dem Feste der Verfassung will das Volk sich selber ehren. •> Die Verfassung des alten Reiches war auf die Dynastien ge> grüydet. Bismarck glaubte, daß die deutschen Völker für alle Zeil in Ehrfurcht zu ihrem augestammten Fürsten beharren würden. Cr schätzte das Nationalgefühl der Deutschen niedrig ein: er glaubte, das Reich in der Liebe des Untertanen zum angestammten Herrscher gesichert. Bismarck hat sich geirrt. Die Throne zerbrachen wie Glas! in wenigen Stunden hatten die deutschen Völker nicht nur aufgehört, ihre Fürsten zu lieben, sie hatten ihrer vergessen. Start und mächtig aber war das Nationalgefühl in ihnen erwacht, be» hauptete sich und rettete die Einheit des Reiches. Durch solchen schöpferischen Willen war das deutsche Volk neu erstanden, war es im vollen Sinne erst zu sich selbst gekommen. Erst durch solchen schöpferischen Akt wurde das deutsche Nationalbewußtsein eine poli- tische Tatsächlichkeit. Und auch die», diese Gründung des Reiche» auf den Fels eines vom Volk getrogenen Nationalgefühls, ehren und feiern wir, wenn die Wiederkehr des Verfassungstages all- jährlich das deutsche Volk an sein Mündigwerden erinnert. Das mag manchem sentimental erscheinen: das birgt aber, wenn es richtig geschieht, eine Quelle großer Kraft in sich. Solche Kraft soll für das ganze Volk von einer rechten Verf-issungsfeier ausgehen. » Wenn nun auch die Verfassung da» Werk einer anonymen Macht ist, so bedarf si« doch einer Persönlichkeit, die sie niederschreibt, die sie aus den Machtträgern heraushorcht. Der Geburtshelfer der neuen Verfassung war Hugo Preuß. Er hat sich nie als Erfinder ausgegeben: er wußte, daß ihm diktiert wurde. Er schrieb das Diktat des Volkswillens. So sprach er:„Eine Regierung von oben ohne Auftrag von unten läßt sich nicht in die leer« Luft hinein- konstruieren: jede neu« Ordnung kann nur von unten herauf errichtet werden im Auftrag des Gemeinwillens. Di« letzten Rudimente des Obrigkcitsstaates haben dem Volksstaate endgültig den Platz geräumt." Und an einer anderen Stell«:„Durch die Identität von Staat und Volk vollzieht sich erst die tatsächlich« Politisierung des Volkes: erst die Ueberwindung des Obrigkeits- systeins schafft Raum für den politisierten Staat." Von unten her kommt die Lebenskraft des neuen Staates. Das Volk hat erkannt, daß es für sich verantwortlich ist. daß Ihm von nirgend sonst als nur von sich selbst Hilfe kommen kann. Das Volk hat sein« Majestät erkannt. Am Tage der Verfassung sieht es sich in der Hoheit seiner Macht, seiner Pflicht und seiner Leistung. Im Lause des Jahres erfährt das Volk manche Kränkung und manche Beschämung, erlebt es oft genug seinen Mangel an politischer Erfahning: der Der- sassungstag soll ihn, immer wieder in die Erinnerung rufen: daß es mutig und gewiß die Bahn, die es beschritten hat, weitergehen muß. Der Verfassungstag spricht: Es gibt kein Zurück, es gibt nur ein Vorwärts. Wie der einzelne Mensch, so braucht auch ein Volk Stenniiis Siudersladl Derfasstmgslag Mr gehen in den Garken. Kamerad! Der Ahorn rauscht mik seinen grünen Blättern. Die Aaller tanzen und die Amseln schmettern. Der Sommer glüht, wenn auch der Abend naht. Und denkst du noch an manchen heißen Tag? Der Tod ging um in unser« Schützengräben, Aushalten! hieß es hinten bei den Stäben, Und die Granaten heulten Schlag um Schlag. Bier bange, lange Zahre währte so Der Widersinn in unbegrenztem Morden. Und war unfaßbar auch dos Leid geworden. Vir hielten aus. doch unser Kriegsherr... floh. Da stürzte jäh ein prunkender Valast, Und letzter Glaube schwand an Sönigvtreue. Doch, keuchend unter fürchterlicher Last. Schrie Mund um Mund: Kommt, Brüder, schafft auss neue! Ein Beltelvolk von gleicher Bot umschlungen. hat mühsam. Stein um Stein, das Haus erbaut, Buc auf die Arbeit haben wir geschaut, 3a. selbst das Chaos ward von uns bezwungen. Und dies war Weimars segensvollste Tat: Das Licht der Freiheit strahlte nach den Wettern. ...Der Ahorn rauscht mit seinen grünen Blättern. Es sproßt ein Zukunfksgarten, Kamerad! solche Tag« der Besinnung, der Einkehr und der seelischen Auf» richtung. Der Verfassungstag ist zugleich Denkmal und Leuchtturm. Ein weises Wort Spinozas sagt:„Daß er Gehorsam findet, das macht den Herrscher aus." Nicht der An- spruch, herrschen zu wollen, entscheidet. Entscheidend ist die Tatsache, daß gehorcht wird. Es war leicht, dein König zu gehorchen. Di« Autorität des Königs war eine niedrige Stufe der Ordnung: die Autorität des Volksstaates verlangt«ine höhere Form der politischen und sozialen Gesittung. Niemand darf sich darüber wundern, daß die Verfassung der Deutschen Republik auch heute noch auf Wider- stand stößt. Das beweist nichts gegen die Verfassung: das beweist nur, daß die politische Erziehung des Volkes noch der Vollendung bedarf. Der Volksstaat aber sollte in jedem Augenblick des Wortes Spinozas gedenken: er muß sich Gehorsam verschaffen, weil er sich Herrscher weiß, weil er der einzig vorstellbare Herrscher ist. In solchem Sinne soll der Verfassungstag dem Volksstaat und dem Volke im Rhythmus der Jahre neu« und junge Entschlußkraft spenden. « Am 16. April 186Z hielt Ferdinand Lassall« den berühmt ge- wordenen Vortrag„Ueber Derfafsungswesen". Darin sagte er:„Ein König, dem das Heer gehorcht und die Kanonen— das ist ein Stück Verfassung. Ein Adel, der Einfluß bei Hof und König hat— das ist ein Stück Verfassung. Herr Borsig und Egels, di« großen Industriellen überhaupt— die sind«in Stück Verfassung. Die Bankier» Mendelssohn, Schickler, die Börse überhaupt— das ist ein Stück Verfassung." Von dem, was Lassall« als reale Stücke der Ver- fassung nannte, sind zwei erhalten geblieben: die Herren Borpg und Mendelssohn. Si« sind in Wirklichkeit eins: das Kapital. Die Ver- fassung des Deutschen Reiches ist die Verfassung eines kapitalistischen Staates. Sie ist nicht di« Verfassung eines Staates, wie ihn der Sozialismus meint. Da sie aber den Volkekräften freie Entfaltung gewährt, sichert sie die Entwicklung von der politischen zur win- schaftlichen Freiheit, von der politischen zur wirtschaftlichen Selbst- Herrschaft des Volkes. Insofern ist der Verfassungstag auch ein Aus- blick in die Zukunft des Staates, nicht di« Verheißung eines Wunders, das irgendwann einmal den Sozialismus hervorzaubern wird, wohl aber die Geschichtsverheißung: daß erkämpft werden wird, was reif wurde und wofür Opfer zu bringen da» Volk den Willen hat. Zehn Jahr« Weimarer Verfassung. Aber der Weg. der dahrn führte, ging durch die Jahrhunderte. Vor vierhundert Jahren flammten über Deusschlond die Artikel der Bauern:„Zum dritten, ist es bisher Brauch gewesen, daß sie uns für Eigenleutc geholten haben, was zum Erbarmen ist, zumal Christus uns all mit seinem kostbaren Blutvergießen erlöset hat. Darum, gemäß der Schrift, wollen wir frei fein." Und nochinals 1500 Jahre zuvor stand auf dem Gipfel des Vesuvs Spartakus:„Er erklärte sich öffentlich für einen Feind Roms und forderte alle Sklaven und Bedrückten auf, sich ihm anzuschließen und in den Befreiungskampf einzutreten." Zehn Jahr« Weimarer Verfassung: ober tausendjähriger Kampf um die Freiheit des Volkes, das gibt Gewähr dafür, daß di- Demokratie dem Ziel« nahekommt, Gehorsam findet und herrschen wird. S£am Steimann: O du gute alte Zeit! Erinnerungen durchrieseln dos Gemäuer meiner zarten Seele, und Tränen der Wehmut entträufeln meinen fieberheißen geröteten Lidern, dofern ich deiner gedenke, o du gute alte Zeit! Ich sage nichts: Darde-Ulanen, Garde-Ulanen, Garde-Ulanen. Wer erinnerte sich ihrer nicht? Exzellenz von der Marwitz war ihr Kommandeur und Potsdam ihre Garnison.— Und sie hatten Stil. Wie denn überhaupt unser Militär Stil hatte: insbesondere jedoch die Garde-Ulanen.— Ich meine das Wort.Stil" in nichtübertrogenem Sinne. Stil auf sprachlichem Gebiet. Wenn man krank war und Gelegenheit zu einer saftigen Fieberkurve bot, mußte man sich auf der Schreibstube einfinden und um die Erlaubnis bitten, sich trank melden zu dürfen, und dann wurde man auf der Revierstube mit Chinin oder Rhizinus be» handelt.„Gefreiter Soundso bittet, sich krank melden zu dürfen." Oder wenn man seinem Hauptmann zum Geburtstag zu grahx- lieren die Keckheit besaß, mußte man dies mit der berauschenden Wendung tun:.Ich bitte Herrn Hauptmann. Herrn Hauptmann zu Herrn Hauptmanns Geburtstag gratulieren zu dürfen." Die Garde-Ulanen besaßen den Stil in besonders stilvoller Weise, und der Freiherr von Dembschen diente als Leutnant bei den Garde-Ulanen und liebte den Stil. Aus Jux. Und parodierte den Stil und machte sich dadurch mißliebig. Denn niemand wußte mit Bestimmtheit anzugeben, ob der Freiherr von Dembschen Jux oder Ernst machte. Und solcher Zwiespalt ruft peinliche Empfindung» hervor." Da wurde eines Tages eine neue Bandsäge ausgeknobelt und das Garde-Ulanen-Reginient sollte die neue Bandsäge probieren. Man überreichte dos Instrument dem Leutnant von Dembschen — mit dem Bemerken, daß er bis zum 13. eine detaillierte Meldung, die Säge betreffend, einzureichen habe. Dembschen wurde just um die nämlich« Zeil zur Schießschule abkommandiert und kümmerte sich den Teufel um Regiment und Bandsäge. Wochen verstrichen. Dembschen rührte sich nicht. Die Neugier Deutschlands, was denn nun eigentlich mit der neuen Bandsäge los fei, stieg auf den Siedepunkt. Dembschen wurde dienstlich zur Abfassung seines Gutachtens gezwungen. Sein Gutachten lautete:„Laut Exerzierreglement Anhang II Ziffer Vb ist der direkte Schriftverkehr zwischen Truppenteil und den zur Schießschule abkommandierten Offizieren verboten, wodurch sich alle weiteren Anfragen, di« Bandsäge betreffend, ergebenst er- übrigen, von Dembschen." Der Kommandant tobte. Noch heute spricht man von der Auf- regung, die in jenen Tagen das Kasino der Garde-Ulanen durch- zitterte. Dembschen wurde unter rabulistischen Reizmitteln von der Schießschule abgelöst und zwecks Begutachtung der Bandsäge dem Regiment zugeteilt. Achtundoierzig Stunden beschäfttgt« er sich mit der Bandsäge. Dann schrieb er die Meldung.— Und dann ging er in ewigen Urlaub. Er hatte den Stil oerletzt. Durch seine Meldung. Die lautete:.Die Säge ist nicht schlecht."> Wart möller: Ton liationalfeieria In der Monarchie feierte man an den zufälligen Geburtstagen der Herrscher Tage, an denen dem Volke vorgeschrieben wurde, in Hochachtung vor seiner Majestät aufzugehen. Heute gibt es würdigere Nationalfeiertag«: der 14. Juli in Frankreich, der 4. Juli in Amerika und der 11. August in Deutschland sind Crinnerungsdaten, mit denen die überwiegend« Mehrheit des Volkes sich verbunden fichlt. So ist es nicht zu verwundern, daß überall die jährlich« Wiederkehr dieser Tage mit großem Aufwand und jubelnder Freude gefeiert wird. Auch in der Schweiz, deren Gründungstag der 1. August ist, und selbst in dem englischen Dominion Kanada finden am Nationalfeiertage große Festlichkeiten statt. Wenn in Deusschland in den letzten Jahren die Feier des Verfassungstages noch nicht in solchem Maße zu einem allgemeinen Volksfest wurde, so mag das zum Teil vielleicht daran liegen, daß die neue Entwicklung des deutschen Volksstaates noch allzusehr Gegenstand des politischen Tageskampfes ist. Vor allem aber steckt wohl noch zu viel alter Geist in den Köpfen und Herzen der deutschen Staatsbürger. Wie stark ein Nationalfeiertag im Herzen eines Volkes ver- wurzelt fein kann, habe ich an charakteristischen Beispielen erlebt. Am eindruckreichsten war mir der 1. August des vorigen Jahres in der Schweiz. Zluf einem großen Platz in der Herrlichen Stadt Genf waren Tausend« von Menschen versammelt. Straßen und Häuser wurden festlich illuminiert, und in den klaren Well«n des Genfer Sees spiegelten sich die unzähligen Lichter dieser Pracht, während von den Bergen ringsum lodernde Flammen leuchteten. Der Schweizer Bundespräsident sprach kurz« Worte über die Einheit der freien Republik und den europäischen Frieden, und olle stimmten freudig in den Hochruf mif die Demokratie ein. Dazu spielte die Kapelle di« Schweizer Nationalhymne, und«in riesiges Feuerwerk mit den Symbolen von Wilhelm Zell erleuchtete di« Nacht. Eine ernste, aber doch freudig bewegte Feier. Ganz anders wird der 14. Juli in Frankreich begangen. Dort herrscht Uebermyt und fröhliche Ausgelassenheit. An diesem Tage ist wohl Paris tatsächlich die Stadt der überschwänglichcn Be- geisterung, und selbst in der Proviix; nimmt der Tanz vor der Bürgermeisterei kein End«. Uuch in Amerika ist die Unabhängig- keitsfeier ein willkommener Anlaß, öffentliche Umzüge, Karnevals- tänze und alle möglichen anderen Volksbelustigungen zu veran- stalten. Die Zeitungen geben dicke Sondernummern heraus, und der Präsident hält wohl auch eine Rede, aber sonst ist von der Manifestation eines politischen Willens an diesem Tage nur wenig zu spüren. In diesem Jahre hotte ich am 1. Juli Gelegenheit, den Jahres- tag der Gründung des englischen Dominions Kanada zu erleben, und zwar im äußersten Westen des Landes: in Brittsch-Columbien. Hier— in dem kleinen Städtchen eine» Gebirgstal«» der Rocky Mountains— bildeten Pferderennen und Schaubuden den Haupt- aryiehungspunkt. Die Indianer aus der Reservation hatten sich bunt geschmückt: sie trugen gelbe Hemden und rote Halstücher, dazu den breitrandigen Towboyhut und gespornte Reitstiefel. Von den Frauen waren leider nur noch wenige in den allen Trachten erschienen, während die Mehrzahl kurze Röcke und Bubikopf vorzog. Es mutet innerlich seltsam an, wenn solche Rochäut«, die wir uns auf feurige!, Rossen mit langen Federreihcrn vorstellen, aus einem hochmodernen Auto steigen und ihr« alten Reiterkunststücke nur noch zu Sport- und Belustigungszwecken zum besten geben. Trotzdem jedoch die Anpassung an die Zivilisation der Weißen zwangsläufig fast voll- kommen ist, merkt man immer noch eine leichte Trennung und Ab- sonderuirg. Auf den Tribünen sitzen die Jndianerweiber mit un- beweglicher Miene, stundenlang den Rennen zusehend, aber man sieht keinen Weißen in der Nähe. Abends beim Tanz ist kaum«in Indianerpaar zu sehen, obwohl di« Gemeinde das Tanzvergnügen öffentlich vevanstaltet hat. An einem solchen Abend steht di« ganze Hauptstraße tMaiustreet) voll eleganter Autos(Cars). Ileberall ist«in buntes Farbengewimmel. lebhafte Musik und fröhliches Treiben, denn so steff wie bei uns in Deutschland geht es hier nicht zu. Die Männer tanzen alle in Hemds- ärmeln, während das zarte Geschlecht nicht prächtig genug an- gezogen sein kann. Das ergibt sich aus der Zusammensetzung der Bevölkerung dieses männsr- und arbeitsreichen Landes. Der Man» steckt selbst an diesem Tag« in seinen schmutzigen Arbeitskleidern, die zu den eleganten Autos wie sie bei uns höchstens von Finanz- größen nick» Fitmdioen gesahren merden. und zu der nach der neuesten Pariser Made gekleideten Frau in starkem Kontrast stehen. In diesem eheinatigen„wilden Westen" versuchen alle, städttsch zu leben: in modernen Häusern mit Telephon, Radio und Tennisplatz. Tatsächlich gibt es hier auch klein« Dörfer. Di« Farmen liegen oerstreut im Land«, und die Ortschaften bestehen aus der Bahn- station und ein paar Warenhäusern und Bankgeschästen nebst Hotels und Cafes. Meist sind ja auch die Farmer Leute aus den über- füllten Städten der alten Well, die in äußerst schwerer Arbell mög- lichst viel Geld verdienen suchen, um womöglich später in die Stadt zurückzukehren. Eine Verbindung mit der Scholle und ein« Lebensgemeinschaft der Farmer tonn es deshalb gar nicht geben. Di« Landwirtschaft«ntwickell sich ja auch hler immer mehr zur indu- striellen Arbeitsweise hin. Jeder baut fast nur ein Spczialprodukt an und bearbeitet das Land mit den neuesten Maschinen, denn Ar- beiteiräft« sind teuer. Doch das gehört eigenttich nicht mehr zur Feier des vereinten Dominions, das für feine eigene Freiheit kämpft und dabei aus allen Nationen Europas zusammengemischt ist. Karl Möllen � aLl ! I' V I » i i /- VOLKS- FEUERBESTAITUIIGS-YERIIN VVa.G vormals Volks-Feuerbe&tattuings-Verein Groß-Berün % w ■ 1913 VERSICHERUNGS-VEREIN AUF GEGENSEITIGKEIT Unter Reiohsaufslcht Geschäftsgebiet; Deutsches Reich und Memelgebiet, Fernspr.: Norden 3885-3888 und 5044. Drahtanschrift:„Volksfeuer" Berlin. Postscheckkonto; Berlin NW 7 Nr. 43443. Die Mitgliedschaft im Volks-Feuerbestattungs-Verein schützt die Familie vor späterer Not und Sorge! Kirchenaustritt nicht erforderlich! ABTEILUNG I: Bestattungskosten-Versicherung, Nach dreimonatiger Mitgliedschaft Unfall sofort— Rechtsanspruch auf kostenlose Feuerbestattung. bei ABTEILUNG II: Hlnterbliebenenbelhiife- Versicherung(für Arztrechnungen, Krankenhauskosten, Trauerkleidung usw.)- Versicherungssummen: 100., 200. und 300.- RM. Ebenfalls nur mäBige Monatsbeiträge. Beitragsleistungen der Mitglieder EIntHttsafter Gruppe I (Qr.-Berlin) M. Gruppe II (Qbrig. Reich) M. 0,35 0,50 0,60 0,70 0,80 1- 1.20 1.40 1,40 1,40 Zahlungsdauer Jahre 20 20 20 20 20 20 20 15 12 10 Aufnahmegebühr •) Außerdem einen einmaligen Rückrechnungsbeitrag wie folgt: in Gruppe I in Gruppe II über 60— 65 Jahre 25,— M. 35.— M. „ 65—70 H 50— M. 65— M. .. 70—75., 80— M. 105,— M. Keine Änderung der Beitragsklasse nach Erreichung eines höheren Lebensalters! Sachleistungen des Vereins: Der Verein läßt die gesetzlich erforderlichen Atteste beschaffen, den Sarg liefern, die Leiche zum Krematorium UberfUhren und einäschern, sorgt flir eine wllrdige Feier in der Kapelle und Beisetzung der Aschenreste. Mitgliederzahl weit über'/s Million Bis Ende des Jahres 1928 wurden 39187 verstorbene Mitglieder auf Kosten des Vereins eingeäschert. Eigene Sargfabrikation. Eigene Leichentransport-Automobüe. In 30 Großstädten eigene Geschäftsstellen. Ueber 100 Ortsgruppen und zirka 1500 Zahlstellen im Reiche. DRUCKSACHEN KOST NEOS W T vt? 0 M VERBAND SOZIALER BAUBETRIEBE G. M. B.«. BERLIN S 14, INSEISTRASSE 6 zur Förderung gemeinwirtschaftlich tätiger Baubetriebe, zur Bekämpfung der Wohnungsnot, Hebung der Wohnungskultur und Vervollkommnung der Bauweisen Stammkapital: 4,8 Millionen Reichsmark/ Angeschlossen: 132 Betriebe mit 23068 Beschäftigten Umsatz 1928: rund 121 Millionen Reichsmark/ Stammkapital der Betriebe: 4778151 Reichsmark BilanunfiBIg ausgewiesen» Reserven und Ueberschilssei 2 310745 Reichsmark whhhmhw Organ des Verbandes: SOCIALE BAUWIRTSCH APT« HalbmonatszsftMhHft Im Teriag dar TeriagagsaaDaehafl des Allgemeinen Deutsch ea Bavarkachalbbundsc Barfln \y' ANSCHRIFT: BERLIN 8W 48 WILHELMSTRASSE 106 ANRUF: ZENTRUM 3208/07 u. 3284 paehBtte �nBCRUN M H BESONDERE ABTEILUNGEN FÜR DEN HOCHBAU /TIEFBAU BETON /EISENBETON EIGENE BETRIEBE FÜR ZIMMEREI- TREPPENBAU- BAUTISCHLEREI AUSFÜHRUNG VON NEUBAUTEN UND UMBAUTEN ALLER ART LAGERPLÄTZE FÜR DEN MAUEREIBETRIEB: TEMPELHOF ZIMMEREIBETRIEB: ADLERSHOF DEUTSCHE BAUHOTTE 0. M. B. H. 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