Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 A tll 6 Postscheckamt»:»eta«37BS6.- Bankkonto: Bank drr Arbeitei, Angestellten Fernsprecher: Dönhoff 232— 297. Telegramm-Zldr.: Sozialdemokrat Berlin.»sl» V« JJ»»nd Beamten, Wallstr. 66. Diitonto-Tesellschast, Deposltenrass« Lindenstr. 3. Räumungsdebatte im Haag. Briand will sie möglichst verzögern. V. 8cli. Haag, 12. August.(Eigenbericht.) Die Taktik Briands in der Räumungsfrage ist unverkennbar dilatorisch. Er hat geradezu Angst, daß man sich in der politischen Kommission zu früh einigen könnte, während die Finanzkommission nicht vorwärtszukommen oder gar auszufliegen droht. Diese Absicht trat bei Briand so deutlich zutage, daß Stresemann sich in der Ausschuhsitzung oeranloßt sah, nochmals der Auffassung Briands entgegenzutreten. Er widerlegte die technischen Ausflüchte des französischen Außenministers und meinte, wenn nion immerfort auf der Gegenseite die These des sunctim(unlösbarer Zusammen- hang) vertrete, es auch für Deutschland insofern ein sunctiw gebe, als Deutschland die Lasten des Joung-Plans nur in Verbindung mit der Rheiulandräumung annehmen könne. Es wäre höchst bedauerlich, wenn man die Räumung zum Gegenstand einer finanziellen Transaktion machen würde: denn sie fei noch deutscher Auffassung«in« Frage der völkerrechtlichen Ethik. Briand hatte in seiner Argumentation die sonderbarsten tech° Nischen Einwendungen erhoben, so z. B., daß es doch besonders schwer und langwierig sei, im Winter zu räumen! Er erinnerte dabei an die schweren Angriff«, denen der Kriegsminister Painleoc im letzten Winter wegen der vielen Todesfälle in der Be- satzungsarmee ausgesetzt gewesen sei. Darauf erwidert« Dr. Stresc- mann mit der naheliegenden Antwort, dah das beste Mittel, solche bedauerlichen Todesfälle und die vorgebrachten Räumungsschwierig- leiten in der kalten Jahreszeit zu vermeiden, darin liege, daß man eben die Truppen vor den Wintermonoten wieder in ihre-Heimat befördere. Und er hatte dabei natürlich die Lacher auf seiner Seite. Borsitzender chenderson brach die Diskussion mit den Worten ob, dah sie zwar sehr interessant sei, ober zu einem positiven Er- gebnis nicht führe. Deshalb schlug er vor. am Dienstag vormittag eine private Besprechung der an der Räumung interessierten Mächte, also Frankreich, England, Belgien und Deutschland, im britischen Quartier abzuhalten. Die Art der Argumente oder Borwänd«, mit denen Driaird Zeit zu gewinnen versucht, ist seiner nicht sehr würdig. An die technischen Räumungsschwierigkeiten, die die Besatzung». . generäle Briand suggerieren. g'-ubt er natürlich selber nicht. Im Kriege hätte man eine solche Zi ppenzahl mitsamt dem ganzen Material restlos in höchstens zw i Wochen in völliger Ordnung zurückgezogen. Jetzt tut man so, c. s ob Monate dazu nötig wären. Die choltung Briands paßt jedenfalls sehr schlecht zu der Borkämpserrolle für die Ber. «inigten Staaten von Europa, zu der er sich neuerdings mit so tönenden Reden bekennt. » In den finanziellen Streitigkeiten ist heute keine Aende-- r u n g eingetreten. Die Tatsache, daß die Finanzkommission erst am Mittwoch wieder zusammentritt, beweist zweifellos, daß zwischen den Gläubigern über irgendwelche Kompromißvorschläge verhandelt wird. Diese Vertagung ist übrigens nicht nur mit Zustimmung der Eng- länder, sondern sogar auf chren Wunsch beschlosien worden. Der Dienstag soll für Kompromißoersuche offen gehalten werden. Das Solidaritätstelegramm Macdonalds an Snowden Hot aus die Franzosen starten Eindruck gemacht. Sie erwarteten eine Ein- Wirkung des Premierministers auf seinen Schatzkanzler und die Pariser Presse war schon voll mit Kombinationen, wonach Snowden durch sein« Haltung im Haag eine persönliche Politik treibe, die be- sonders gegen Macdonald gerichtet sei. mit dem er upi die Führung in der Arbeiterpartei erbittert ringe. Die Antwort Macdonalds auf diesen plumpen versuch, ihn gegen Snowden aufzuputschen, hat aus seine Urheber wie ein taller Wasserstrahl gewirkt. Sie sind jeden- falls um eine Illusion ärmer geworden. Die Franzosen reden zwar noch immer von der Wahrscheinlich- keit des Abbruchs der Konferenz, ober verschiedene Anzeichen sprechen dafür, daß man sich zum Nachgeben auf finanziellem Gebiete anschickt. Briand scheint Konzessionen, die er auf finanziellem Gebiet Eng. land machen muß. der französischen Oefsentlichkeit schmackhafter machen möchte mit hllfe von Zugeständnissen, die er aus dem Ge- biete derRheinlandräumung Deutschland abzuringeu be- strebt ist. Darauf ist vielleicht seine wenig erfreuliche Haltung in der heutigen Sitzung der polltischen Kommission zurückzuführen. * Reuter meldet aus dem Haag: Henderson hatte heute vormittag eine Besprechung mit Briand über die Frage der Rheinlandkontroll-Kommission. Es verlautet, daß beide Staatsminister bei ihrer Meinung verblieben, und zwar Henderson bei der seinen, daß eine solche Kommisiion unter der Kontrolle des Völkerbundes stehen soll, und Briand, daß es sich um eine besondere Organisation handeln müsse, die unabhängig vom Völkerbund bleib«. Die Sitzung der politischen Kommission. Haag, 12. August. Eigenbericht.) Urber die kurze Sitzung der politischen Kommission am Montagnachnüttag wurde aus ausdrücklichen Wunsch des Vorsitzenden Henderson der Press« nur sehr wenig mitgeteilt. Der eng- tische Außenminister begründete diesen allen Delegationen übermit- tclten und von allen ziemlich strikt ausgeführten Wunsch dätnit,' daß er es als seine Aufgabe bettachte, zwischen den divergierenden fran- zösischen und deutschen Auffassungen zu vermitteln. Der Erfolg dieser Aktion könnte aber gefährdet werden, wenn die Presse über die Reden ausführlich unterrichtet würde. Daraus kann man ersehen, daß die von Briand und Stresemann vorgetragenen Ansichten ziemlich weit auseinandergehen. Es handelte sich diesmal nicht um die Einsetzung einer Feststellungs- kommission, sondern um die eigentliche technische Durchführung der Räumung, besonders um die Termine. Ueber die Feststcllungskommission wird das Iuristenkomitee am Dienstagnachmittag zum ersten Male beraten. Am Montag erörterte man nur die Frage, wie das technische Sachverständigenkomitee seine Arbeiten erledigen soll. Henderson erklärte zu Beginn,„es gelte einerseits das Datum festzusetzen, an dem die Räumung beginnen solle und beendet sein müßte, und andererseits die Liquidatton der Folgen der Besatzung zu untersuchen", also wohl hauptsächlich die finanzi ellen Ansprüche der deutschen Gemeinden u. dgl. zu klären. Es müsse u. a. auch die Frage entschieden werden, ob man dieses technische Komitee etwa in zwei Unterkomitees teilen, eines für das rein militärische Räumungsproblem und das andere für die finanziellen Einzelheiten. Anschließend entspann sich eine lebhaft« Debatte zwischen Sttesemann und Briand, über die aller- dings nur wenige Einzelheiten verlauten. Sicher ist, daß Briands Ausführungen darauf gerichtet waren. Festlegung aus Daten vorläufig auszuweichen. Er wies auf die ungeklärte Lage in der Finanzkommission hin und meinte, daß man nicht durch voreilige Beschlüsse in der politischen Kommission die Gesamtergebnisse der Haager Konferenz präjudizieren dürfe. Ministerkonferenz im Haag. llm das Schicksal der Arbeiislosenversicherung. Haag, 12. August.(Eigenbericht.) Reichsinnenminister Severing und der Reichsarbeitsminister Wisseil. die am Montag vormittag im Haag eintrasen, hatten im Lause des Nachmittags mit den übrigen hier anwesenden Kabinetts- Mitgliedern Besprechungen über die Frage der Ar- beitslosenversicherung. Die Beratung war schon aus einem reln technischen Grunde notwendig geworden Als das Er- gednis der Beratung des von der Reichsregierung eingesetzten Lach- verständigenausschusses vorlag, war das Kabinett nicht mehr bei- sammen. Di« Verhandlungen im Berliner Rumpfkabinett ergaben die Notwendigkett einer Fühlungnahme mit den vier inzwischen nach dem Haag abgereist«« Mitgliedern, von denen besonders der Reichs» finanzminister und der Reichswirtschostsminister ressortmäßig un- mittelbar an dem Problem interessiert sind. Als Ergebnis der Rücksprache muß festgestellt werden, daß ein« restlose Einigung auch im Lause dieser Haager Besprechung nicht erzielt werden konnte. Man kam indessen ddhin llberein, dem Vorsitzenden des sozialpolitischen Ausschusses, dem Reichstags- abgeordneten Esser, als einmütigen Wunsch der sechs im Hoog anwesenden Kabinettsmitglieder die Bitte zu übermitteln, die Sitzung des sozialpolitischen Ausschusses möglichst um eine Woche zu vertagen, damit in der Zwischenzeit sowohl das Kabinett in Berlin wie auch die Parteiführer«ventt. unter Heranziehung von Sachverständigen die Vorlag« über die Arbeitslosenversicherung nochmals beraten können. Die beiden Minister wurden auf ihrer Reise vom Sekretär der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Dr. Paul Hertz be- gleitet. All« drei kehren heute nach Berl'm zurück. Der Kampf der SOOVOO. Zum englischen Raumwollkonflikt. E. W. London, 12. August. Die Aussperrung in der britischen Baumwollindustrie, die vor bald zwei Wochen die Spindeln und Webstühle Lan- cashires zum Stillstand gebracht hat, ist— allgemein gesprochen— eine Folge der verringerten briti- schen Exportfähigkeit, insbesondere im Nahen und Fernen Osten. Die Verkäufe britischer Baumwollwaren in den indischen Bazaren waren während des letzten Vierteljahres geringer als je. In Kalkutta wurden zum großen Erstaunen der britischen Exportfirmen qualitativ überraschend hoch- wertige japanisch« Produkte unter den Preisen Lanca- shires verkauft, und der Verkauf nach China hat seit der Auf- Hebung des Boykotts japanischer Waren schwer gelitten. Aegypten und der gesamte Nahe Osten haben keine nennens- werten Aufträge nach Lancafhire vergeben— die Exportfähigkeit britischer Baumwollwaren ist mit einem Worte auf allen jenen Märkten stark gedrosselt, mit denen diese zu 80 Proz. auf die Ausfuhr angewiesene Industrie zu rechnen hat. Daß dabei die Verkäufe auf dem inneren Markt durch- aus befriedigend geblieben sind, fei zur Vervollkommnung des Bildes noch hinzugefügt. Das Ausmaß des Rückganges des Exportes ist aus ver- schiedenen statistischen Gründen nicht ganz leicht zahlenmäßig auszudrücken. Die folgenden Ziffern wollen nicht mehr als ein allgemeines Bild über den Umfang der Exportverminde- rung vermitteln: Lancafhire exportierte zur Zeit seines stolze- ften Höhepunktes im Jahre 1913 rund 700 Millionen Pard Baumwollstückwaren(1 Pard= 0,91 Meter). In den Iahren 1922 bis 1927 sind die jährlichen Durchschnittsexporte auf etwas über 400 Millionen Dards gesunken. Nach den Exportziffern der ersten Hälfte des laufenden Jahres zu schließen, wird die Ausfuhr des Jahres 1929 vermutlich einen noch weit untet dieser Ziffer liegenden Tiefpunkt erreichen. Die japanische, chinesische, indische, schweizerische, französische und amerikanische Konkurrenz hat von Jahr zu Jahr größere Löcher in das einst die Welt beherrschende Monopol Lanca- shires gerissen. Die Gründe für diesen Rückgang der britischen Export- fähigkeit sind mannigfaltig und vielfach so verwirrt, daß sich Ursachen und Wirkungen, beinahe unauflöslich, ineinander oerstricken. Die allgemeinen Ursachen sind zum Teil von der- selben Art wie diejenigen, die die britische Kohlenindustrie im letzten Jahrzehnt in ihre gegenwärtige Lage gebracht haben: tiefsitzende Eigenbrötelei des Unternehmertums, die allen Zu- sammenschlllssen einen beinahe unüberwindlichen Widerstand entgegensetzt: mangelnde Zusammenarbeit zwischen den Unternehmungen der verschiedenen Etappen der Erzeugung, übermäßig hohe Kosten der Fertigwarenproduktion, veraltete Absatzmethoden. Zu diesen allgemeinen Gründen, die die briti- sche Baumwollindustrie mit einer ganzen Reihe von anderen britischen Industrien teilt, kommen besondere Momente, die die britische Textilindustrie in ihrer Konkurrenzfühgkeit auf dem Weltmarkt besonders hemmen. Am schwerwiegend- ften ist wohl die Ueberkapitalisierung der Industrie und die schwere Verschuldung jener zahllosen während des Krieges und der kurzen Hochkonjunktur der Nachkriegszeit wieder in Betrieb gesetzten Unternehmungen, die— in den meisten Fällen technisch und organisatorisch nicht konkurrenzfähig— infolge ihrer erdrückenden Schuldenlast zu einem Haupt- faktor für die Verschärfung der Gesamtsituation der britischen Baumwollindustrie geworden sind. Einer der besten bürger- lichen Kenner der Lage der Industrie hat ihre Krankheiten in der folgenden knappen Formel zusammengefaßt: „Finanziell ist die Industrie in einem unbeschreiblichen Zu- stand. Die Maschinen sind großenteils veraltet. Die Produk- tion erfolgt in unökonomisch kleinen Einheiten. Der Absatz ist unorganisiert und die existierenden Vorkehrungen sind primi- tiv und unzeitgemäß." Es ist unker diesen Umständen nicht verwunderlich, daß die Baumwolckndustrie Lancashires in den letzten Iahren solange von Krise zu Krise taumelte, bis der Zustand der schleichenden Krise zum Normalzustand zu werden drohte. Die Unternehmer haben nunmehr den Gordischen Knoten durchhauen und mit ihrer Forderung nach einer 12�prozentig«n Lohnherabsetzung an ihrer durch Kurz- arbeit ohnedies schon schwer getroffene Arbeiterschaft einen Verzweiflungsakt zur Sanierung des unhaltbar gewordenen Zuftandes getan. Die Arbeiterschaft hat diese Forderung be- greiflicherweise abgelehnt. Sie hat in ihrem Widerstand gegen die Unternehmerforderung nicht nur die Sympathien ihrer Kollegen, sondern einesGroßteilsderöffent- lichenMeinung hinter sich. Denn so sehr die Unhaltbar- keit des gegenwärtigen Zuftandes von allen Seiten anerkannt wird, so große Zweifel herrschen bis tief ins Unternehmer- lager hinein über die Tauglichkeit des von den Unternehmern versuchten Mittels zur Sanierung der Industrie. Man ist sich darüber klar, daß eine Lohnkürzung in dem von den Unternehmern geforderten Ausmaße nicht im geringsten helfen wird, die wirklichen Ursachen der Dauerkrise zu besei- tigen. Die mangelnde Organisation der Industrie würde nach allgemeiner Auffassung, was den inneren Markt betrifft, zu einer werteren Preissenkung führen, oljnt die finanzielle Lage der Industrie im geringsten zu verbessern. Auf dem Export» markte würden die Preissenkungen, nach der Auffassung aus» gezeichneter Sachkenner, keinerlei Aenderung der gegenwärtigen Verhältnisse bringen, da die eventuellen Preisabstriche der Fabrikanten von den Zwischengliedern des Handels zu sl9 Proz. aufgesaugt werden würden. Es ist daher nicht ver» wunderlich, wenn selbst der bürgerliche„Economist, das führende Wirtschaftsblatt der Welt, ohne Vorbehalte feststellt, daß vermutlich„alle etwa von den Arbeitern gebrachten Opfer wie Sand zerrinnen" würden. Indessen liegt Lancashire still, und 500 000 Arbei- t e r sind erwerbslos. Dabei wird die Lage naturgemäß von Tag zu Tag bedrohlicher, da, abgesehen von dem un- mittelbaren Produktionsausfall mit dem dauernden Verlust von Märkten gerechnet werden muß, wenn der Kampf noch länger andauert. Man ist auf allen Seiten der Auffassung, daß eine Beendigung des selbstmörderischen Kampfes, der der Arbeiterschaft von den Unternehmern aufgezwungen worden ist, mit größter Beschleunigung herbeigeführt werden muß, wenn größeres Unheil vermieden werden soll. Vorerst hat es noch den Anschein, als ob Unternehmer und Arbeit nehmer ihre tieffitzende Abneigung gegen einen von außen kommenden Eingriff überwinden und ihre Zustimmung zu einer schiedsgerichtlichen Beilegung des Konfliktes geben werden. Aber wie inuner der gegenwärtige Kampf auch ausgehen mag— die wirkliche Krankheit, an der Lancashire leidet, wird mit einer bloßen Wiederaufnahme der Arbeit nicht im gering' sten beseitigt sein. Die schleichende Krise wird ihren Fortlaus nehmen und solange den Wirtschaftskörper Großbritanniens vergiften, als eine unfähige Unternehmerschaft in ihrer Befangenheit in Traditionen nicht selbst die Ent schlußkrast zu großzügiger Organisation ihrer Industrie findet oder bis der Staat eingreift und die Industrie in der einen oder anderen Form einer Kontrolle und Reorganisation an Haupt und Gliedern unterzieht. Glückwünsche zum Verfaffungsiag. Aus Anlaß des Verfassungstage» sind dem Reichspräsidenten telegraphssche Slückwünsche von dem König von Aegypten, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, dem Präsidenten von Bolwien, dem Präsidenten der Republik Kuba sowie vom Schah von Persien zugegangen. Der Präsident der Republik Oesterreich hat durch den bisherigen österreichischen Geschäftsträger seine besonderen Glückwünsche übermitteln lassen. Ferner hat sich eine große Anzahl der hier beglaubigten Votschafter und Gesandten im Besuchsbuch des Reichspräsidenten eingetragen. Verfassungsfeier in St. Louis. Die Berfassuugsfeier der hiesigen deutschen Kolonie wurde eingeleitet mit einem Gottesdienst in deutscher Sprache. Di» Kirche war festlich geschmückt. Vom Altar grüßten die schwarzrotgoldene Fahne und da, Sternenbanner. Am Nachmittag vereinigten sich trotz der brennenden Hitze mehrere hundert jung« Reichsdeutsche, Einwanderer und deutschstämmig« Amerikaner zu einem Deutschen Tage. Konsul Ahrens hielt die Festrede. Musi. ialische und sportliche Darbietungen umrahmten das Programm. Die Bersammlung beschloß, an den Reichspräsidenten eine Huldi- gungsdepesch? abzusenden. Der kürzlich in El Paso verunglückte deutsche Weitstreckenflieger Baron von König sandte, da er am recht- zeitigen Eintreffen verhindert war, ein herzliches Begrüßungs» ielegramm. Hiilerpleiie in Koburg. Hakenkreazmehrheit, aber ein Loch im Säckel. München, Ii. August.(Eigenbericht.) In der Stadt Kobuvg beginnen dieFrüchtedernational- sozialistische» Kommunalpolitik mehr und mehr zu reifen. Als einzige Stadt in Bayern hat Koburg seinen Haushalts- Voranschlag für 1929 heute noch nicht unter Dach und Fach. Nach vielen Sitzungen hinter verschlossenen Türen zeigt sich jetzt das Er- eelinis der nationalsozialistischen Regierung, Weisheit w Form eines Defizits von 82S000 M. im städtischen Etat. Di« Hatenkreuzler mußten wohl oder übel ihre großzügig gegebenen Wahlversprechungen einlösen und so kam es, daß sie in erster Linie gewaltige KürzungenandenEteuern und Abgaben der Unternehmer und der Hausbesitzer vornahmen. Di« Folge werden Zwangs- läusigeEtreichungeubeideuAusgabenfürWohl. fahrt«»»od Fürsorgeeinrlchtungen feto. Bon einer Abgletchang de» Etat» kann aber auch dann noch keine Rede fein. Die nationassoziolistischen Sieger der letzten Wahlschlachten sind also sehr uasch am Ende ihr?» Lateins angelangt. Sieg oder Niederlage? Vegiirnende kommunistische Oiskussionen. Vi«»Rote Fahne" hat gestern ihre» Lesern verkündet, daß die KPD. am Derfossungstage einen zerschmetternden Sieg über die Hörsing-Danditen nnd Sozialfas chssten errungen hat. Dies« originelle Beurteilung der Vorgänge vom 11. August kann sich jedoch der links- kommunistische.DoKswille" nicht zu eigen machen. Er schreibt«, a.: Die KPD. hatte ihren Anhängern gesagt: Tod den Sozial- faschisten. Die KPD.-Ärbeiter sollten also gestern«ms die Reichs- bamierarbciter losprügeln. Der ganze politisch« Wider- sinn dieser Losung mußte den kommunistischen Arbeitern klar werden, als sie sahen, daß sie auf die gleichen Ardeiter losschlagen sollten, die im Betrieb mit ihnen gemeinsam, oft so gut wie sie. ihre Klasseninteressen wahrnehmen. Die meisten Anhänger der KPD. waren darum zu Hause geblieben. Aus dem B ü l o w p la tz wurde den KPD.-Arbeitern der vn- sinn der Losung besonders sinnfällig demonstriert Sie sollten die „Sozialfaschisten" schlagen. Aber im Karl-Liebknechl-Haus saßen die.Führer". welch« die Losung fabyjziert haben, die Thälmonn und Konsorten, schauten aus den Fenstern auf die Reichsbannerzüge und— ließen sich drohende Zuruf« des Reichsbanners mache». Ihre Arbeiter standen r o t l o s am Rande des Platzes. Ihr« kleineren Führer strichen um den Platz herum— darunter der P« rft e, Pol.-Le>ter des I. Bezirks, der so gern in Opposition»- hetz« macht, ihre Losung durchzuführen, wagten sie nicht. So wurde nicht das Reichsbanner, sondern die KPD. zersetzt und die Reformisten können diesmal«inen v o kl e n E r f o l g buchen. An einer anderen Stelle fragt der„Volksmille" höhnisch, wo denn die KPD. am 11. August gewesen sei und er antwortet:„Sic war überhaupt nicht dal" Hat nun die KPD. am 11. August einen großen Sieg erfochten oder war sie überhaupt nicht da? Heimwehrjournalismus. Das Seipelblaii gegen den �Vorwärts". Men. 12. August.(Eigenbericht.) Di« JReichspost", das Organ der Ehristlichsozialen Partei und Sprachrohr des Seipel-Flügels, benutzt den Artikel, mit dem der Berliner„Vorwärts" die österreichischen Schutzbündler begrüßt hat, zu einer regelrecht« Hetze gegen die deutsche Sozialdemokratie und gegen dm Anschluß. Sie polemisiert am Montag zum zweiten Mal« in der schörfften Weis« gegen den Satz des„Vorwärts", daß die Regierungm des Auslandes, van denen Deutschöstcrreich finanziell nnd auch sonst abhängig ist, die innere Abrüstung fördern könnten, wenn sie nur wollten. Die„Reichspost" stellt dte falsche und un, sinnige Behauptung auf, daß der Artikel aus Oesterreich geschrieben sei, um das Ausland zur Einmischung in die innerpolitischen Verhältnisse aufzufordern. Dann sagt das Blatt:„Entscheidend bleibt der Faktor, daß die stärkste Regierungspartei des Deutschen Reichs, eine Partei, die sonst das Wort„Brudervolk" so gern in dm Mund nimmt, zur Feier des deutschm Berfassungstages lhr offizielles Organ aufgebvtm hat, um die Siegermächte auf die Notwendigkeit aufmerk» sam zu machen, gegen das Brudervolk«inzuschreiten. Die Partei des deutschen Reichskanzlers und des deutschen Innm» Ministers möge nicht überrascht sein, wenn dieser Freundschaftsdienst von Oesterreich, und vielleicht auch von den anderm Partei im Reich ganz noch Gebühr quittiert werden wird." Man wird in diesen infamen Angriffen auf den„Vorwärts" un- schwer die Fortsetzung der Hetz« gegen den Anschluß erkennen, die das Organ des Herrn Eeipel schon vor zehn Jahren zur Zeit der Friedensverhandlungen damals leider mit Erfolg betrieben hat. Der Angriff richtet sich natürlich mir zuerst und scheinbar gegm den„Vorwärts", in Wirklichkeit liegt hier wieder der Versuch vor, eine Mine gegm den Anschluß zu legen. * Die Heimwehr, die der Demokratie den Garaus machen, mit den brutalsten Mitteln die Arbeiterschaft nieder- knüppeln will und jetzt schon an Ueberfällen das ihr nur Mögliche leistet, hätte ihre Verbreitung und mörderische Bewaffnung nicht erlangt ohne die Duldung und Förderung durch die Regierung des Herrn S« i p e l. Wie sich diese Kriegsrüstung gegen die eigenen Volksgenossen mit dem Christentum verträgt, mag der Herr Prälat und Professor der Moraltheologie allenfalls zum Gegenstand einer gelehrten Untersuchung machen, die dann seine„Reichspost" in Fort- setzungen unterm Strich veröffentlichen kann. Das Treiben der Heimwehr gefährdet aber auch den äußerenFrieden in der schwersten Weise, denn einen gewalffamen Umsturz in Deutsch österre ich können und werden mehrere Nachbar- stallten nicht ruhig mitänsehen. Andere wieder würden ihn begrüßen und seinen Erfolg zu sichern wünschen— der Konflikt wäre da, und da der Putsch nur nach blutiger Niederwerfung der Arbeiterschaft gelingen könnte, würde das neue Regime der Gefangene dieser„Sieger" sein, die nun in dem internationalen Konflikt Partei ergreffen würden, schon um sich der Hilfe des Faschismus zu ver- sichern. Ein« solche Entwicklung zu verhindern liegt daher im dringenden Interesse der Erhaltung des Friedens, und darum wäre es Aufgabe der Regierungen, die Ausstellung dieser gesetzwidrigen Terrorarmee nicht zu dulden. Das Aus- sprechen eines solchen Wunsches würde dazu genügen.' Im übrigen aber bleibt es dabei, daß— solange die Heimwehr droht— der Republikanische Schutzbund und mit ihm die ganze sozialistische Arbeiter- und Angestelltenschaft bereit- stehen, die Demokratie selbst zu schützen: gegen ihre offenen Feinde, wie gegen ihre falschen Freunde, die bis zum Zu- fammenbruch ihre schärfsten Gegner gewesen sind und wahr- lich nur äußerlich den Mantel nach dem Winde gedreht haben. Was aber den höhnischen Hinweis der„Rcichspost" aus die angeblich unaufrichtige Bezeichnung vom„Brudervolk" an- geht, so werden ja die S ch u tz b ü n d l e r, die eben hier waren, ihr berichten können, wie sie in Deutschland empfangen worden sind. Und so werden alle Deutschösterreicher hier empfangen. die reinen Herzens sind und nicht die tückische Absicht des Brudermordes hegen! Siarhembergs privaiarmee. Dien, 12. August.(Eigenbericht.) In Linz wurden von der Polizei wiederum fünf Kisten be- schlagnahmt, die an den Heimwehrsührer Starhemberg adresstert waren. In vier Kisten befanden sich militärische Ausrüstungsgegenstände für das Iägerbataillon, das Starhemberg zu seinem Privatvergnügen unterhält. Heimwehrterror bei Wien. Wien, 12. August(Eigenbericht). In dein mederösterreichischen Textilindustrieort Pottendorf wollte die Heimwehr am Sonntag ihre Blamage, die sie vor einigen Wochen erlebt hat, durch ein« große Veranstaltung ausgleichen, zu der der steirische Heimwehrführer Dr. P f r i e m« r als Redner an- gekündigt war. Die Heimwehr rechnete darauf, daß die Arbeiter nicht in Pottendorf, sondern in einem Nachbarort sein würden, wo das Ivjährige Bestehen der Lokalorganisation gefeiert wurde. Die Rechnung war aber falsch. Die sozialdemokratische Bezirks- orgonisaiion kündigt« eine G e g e n k u ndg e b u ng in Pottendorf cm, die auch von den Behörden genehmigt wurde. Die Folge war, daß die Heimwehr vorzog, ihre Provokationen zu unter- lassen. Vor den Arbeitermassen sprach Bundesrat Körner und Landeshauptmann-Stellvertreter Helm er. An der W e st b a h n st r e ck e, die von Wiener Ausflüglern und Sommerfrischlern überaus stark besucht wird, kam es zu schweren Zusammenstößen. Die Heimwehrler veranstalteten wieder einmal eine Wimpelweihe, was für sie die Gelegenheit bieiet. da» Verbot militärischer Aufmärsche zu mißachten. Im Anschluß daran besetzten sie cn Pukcrsdorf ein Gasthaus, in dem Arbeiter zu verkehren pflegen. Der sozialdemokratische Vfzsbürgenneister Spalt, der dem Radau ein Ende bereiten wollte, wurde derart über den Kopf geschlagen, daß er bewußtlos zusammenbrach. Kurze Zell darauf stürmten die Hahnenschwänzler das Ar- beiterheim in Weidlingau-Hadcrsdorf. Hier«nlsponn sich ein erbittertes Handgemenge, in dessen Verlauf auch mehrere«chiine von Heimweh rlern abgegeben wurden, die zum Glück aber niemand verletzten. Ungefähr 199 Gendarmen kamen im Ueberfallauto von Wien und schritten mit anerkennenswerter Energie gegen die Ruhestörer ein. Diese Provokationen haben bei den Hundert- taufenden von Ausflüglern auf der Westbahnstrecke großes Aus. sehen und groß« Erregung hervorgerufen. �oungplan und Sachleistungen. Konferenzrede des Neichswirifchastsministers. Haag, 12. August.(Eigenbericht.) In der Montag-Dormittagsitzung der Finanzkommissson stand ausschließlich das Problem der Sachlieferungen zur Debatte. Das Wort nahm der Reichswirtschaftsminister Dr. Curiius. Er sprach die bestimmte Erwartung aus, daß Deutschland hinsichtlich der Sach- licferungen kein« Zumutungen gestellt würden, die über da» Maß dessen hinausgingen, was Deutschland durch die Annahme des Poung- Planes auf sich nehme. Curtius erklärte dann, daß er den Aus- führungen seines englischen Kollegen über die englische Wirtschasts- log« volles Vertrauen schenke. Er möchte die Wirtschaftslage Deutsch- lands schildern und erwarte, daß auch die Gegenseite das gleiche Der- trauen in seine Darlegungen setze. Deutschlands Wirtschaftslage kennzeichne sich schon dadurch, daß der Anteil veulschlcmd» an der Weltwirtschaft relakio noch mehr zurückgegangen ist als der AnleN Englands. Der Export Deutschlands stehe m» 20 Proz. unter seinem Vorkriegsweri. Das Defizit der deutschen Handelsbilanz sei ein gefährliches Problem. Die gleich«, Industrien wie in England leiden auch in Deutschland schwer und dazu käme in Deutschland noch die Not der Landwirtschaft. Das Arbeitslosen- Problem sei ein gleich schweres Hebel in beiden Ländern. Bis vor kurzem habe Deutschland fast drei Millionen Arbeitslose gc- zählt. Dan stehe einer gemeinsamen TM Europa, gegenüber, hervor- gerufen durch den Krieg. durch die Inflationswirren und nicht zuletzt durch die Repa- rationsfrag«. Die Sachlieferungen seien ein für Deutschland unentbehr- liches Element des gesamten Systems der Reparationen. Der Doung-Plon stelle bereits ein schweres Opfer für Deutschland dar, denn noch dem Dawes-Plan hätte Deutschland für 1189 Mil- lionen Mark jährlich Sachlieferungen zu liefern gehabt, während nach dem ersten Poung-Iahr die Summe der Sach- lieserungen aus 519 Millionen Mark. d. h. auf weniger als die Hälft« sinke. Dieser plötzlich« Rückgang der Sachleistungen habe bereits die größte Beunruhigung in die deutsche Industrie gebracht. Um so notwendiger sei es, an dem festzuhalten, was der Poung-Plan für die Sachliefcrungen bestimmt. Indessen sei Deulsthland durchaus bereit, den englischen Wünschen und Sorgen soweit als möglich ent- gegenzukommen: besonders was die von Graham angeschnitten« Frag« der Wiederausfuhr der deutschen Sachleistungen durch ein- zelnc Gläubigern, ächte betreffe, erkläre er mit aller Deutlichkeit, daß auch Deutschland keinerlei Interesse an einem solchen Reexport Hobe. Was die sonstigen Fragen, die von dem englischen Handel?- minister angeschnitten worden seien, angehe, wie z. B. die Gefahr für England von Sonderabmachungen über Sachleistungen u. dergl., so sei auch die deutsche Delegation durchaus der Ansicht, daß es wünschenswert wäre, diese Probleme zu prüfen und deshalb schlage sie einen Unterausschuß zur Erörterung dieser Detoilfragcn vor, zu dem man am besten Sachverständige der Pariser Konserenz hinzuziehen sollte. Curiius ging dann nach auf die Sohlenfrage ein und schlug vor, die Frage der Festsetzung eines Preises für die deutsche Reparationskohle auf dem Weltmarkt ebenfalls durch eine Kommission prüfen zu lassen. Pirelli-Italicn ließ ssch besonders über das Problem der Kohlenlieferungen aus. Englands normaler Vorkriegs- anteil an der Kohlenbelieferung Italiens sei der gleiche geblieben trotz des Ausbaues der italienischen Wasserkräfte. Italiens Kohlen- verbrauch sei um ein Drittel gestiegen und dieses Drittel werde vor ollem durch die deutsche Reparationskohle bestritten. Ganz Großbritannien hinter Snowden. London. 12. August.(Eigenbericht.) Das Telegramm Ramsay Mocdonalds an' Snowden ist in England auf ollen Seiten mit großer Befriedigung ausgenommen worden. Sein Text, so stellen die konservativen„Eoening News" fest, drückt„mit bewundernswerter Klarheit das aus, was die britische N o t i o n im Augenblick fühlt". Die Rechtspresse fährt fort, Snowden demonstratio zu feiern. Die um die„Morning Post" geschart« kleine srankophtte Gruppe ist merklich kleinlaut geworden. Wie weit man in London mit dieser bedingungslosen Unterstützung Snowdens geht, zeigen folgende Worts des konservativen„Eoening Standard":„Herr Snowden ist vermutlich der populärste Flnanzrninister. den Großbritannien seit den, Krieg oder vielleicht noch seit viel längerem besessen hat. Falls er im Haag durchdringt, und vielleicht sogar wenn er nicht durchdringt, wird er bei seiner Rückkehr nach England mit einer Wärme begrüßt werden, die nicht hinter dem historischen Empfang zurückbleiben wird, den D i s r a c l i erlebte, als er eine:, ehrenvollen Frieden von Berlin mitbrachtc." Der„Daily Herald", das Organ der Arbeiterpartei, betont, daß die öffentliche Meinung in Großbritannien in der Reparotions- frage am Ende ihrer Geduld sei. Großbritannien habe nicht die Absicht, kleinlich oder unoernünstig zu sein. Es habe in der Ler- gangenheit feine Bereitwilligkeit gezeigt, groß-ügig vorzog che», aber die Zeit fei gekommen, wo Gerechtigkeit gegenüber der eigenen Ration einem töcherlichen Entgegenkommen gegenüber anderen Böllern vorangestellt werden müsse. In politischen Kreisen Londons sei man bereit, lieber einen Zu, fammenbruch zu tragen al» in entscheidenden Punkten nachzugeben. Waffenhandel nach der Sowjetunion. Unzureichende, koch aufschlußreiche Zahlen. Der oftchinesische Aonjlikt Hot die Frage aufgeworfen, ob die Sowjetunion von anderen Staaten Waffen und Munition für einen Krieg erhält. Kein« Frage läßt sich auf den offiziellen An- gaben der Regierungen, wie sie vom Völkerbund veröffentlicht werden, bis zu einem gewissen Grade beantworten. So unzu> länglich diese Zahlen sind, so beweisen sie doch, daß man trotz ernstester politischer Spannungen den von allen Selten bitter befehdeten Bolschetvlsten Kriegsmaterial geliefert hat. Die Sowjetunion gibt zunächst als Einfuhr(Import) Feuer- waffen und deren Zubehörteile an: 1922:«000 Pud...... Wert 1900 000 2*. 1923: 7 000....... 1600 000, Ein« SpezialÜbersicht der Staaten, aus denen dies« Einfuhr gekommen ist, liegt nicht vor, ebenso verstummen nach 1923 die Angaben. chingegen finden sich in den Ausfuhr zahlen anderer Länder einige Angaben. Aus Deutschland sind noch Rußland ausgeführt an Handfeuerwaffen: 1923 1924 1926 1926 1027 63 000 M. 98 000 M. 35S000 M. 546 000 M. 930 000 M. Gefüllte Patronen: 1925 1926 1927 33 000 M. 123 000 M. 236 000 TO. Aus England sind nach Rußland ausgeführt an Gewehren und Ma schinengewehren: 1924 1925 2 186 000 M. 60 900 M Torpedos und Minen 1923 für 420 000 M. Ein« Reihe kleiner Posten der Waffenausfuhr nach Rußland, die doch einzeln in die Hunderttausende Mark gehen, findet sich bei Oesterreich, Bulgarien, Estland, Per- einigte Staaten von Slmerita, den Niederlanden. Was in der bei jedem Lande wiederkehrenden Rubrik„Ausfuhr nach anderen Ländern" verborgen ist, läßt sich ohne Unter- suchung der Spezialstatistiken nicht entscheiden. Es ich auch uner- heblich, da ja'all« diese Zahlen nur Mindestzahlen darstellen. Sic beweisen aber, und darauf konnnt es an, daß alle diese Staaken offiziell Waffen nach Rußland handeln lassen. denn ohne ausdrückliche Zulaffung der Staatsgewalt ist ein solcher Handel nicht möglich. Nach dieser Statistik ist der Waffenhandel Deutschlands nach China größer als der nach Rußland. Aber das beweist gor nichts über den wirklichen Stand der Sache. Die Rüstungs- indnstri« hat ihren Charakter feit den Tagen des Burenkriegcs nicht geändert, wo alle Welt begeistert war für die Buren, aber die Rüstungefabrikanten, die Deutschen nicht zuletzt, beiden Teilen Waffen lieferten, soviel nur hcranzuschaffen war. Otto l>t>menn-I?u«dü1owjeer der stete Wechsel der Beamten der russischen Verwaltung der ostchinesischen Bahn: eine andere Mög- lichkeit, ihre Lenie aus legale Weise in China unterzubringen, besaß die Komintern eben nicht. Au? den Dokumenten, die in die Hände der chinesischen Behörden gelangten, ergab sich, daß die Komintern weitere Filialen zur Auf- rcchterhaltung der Beziehungen zu den chinesischen Agenten in Chabarowsk und Wladiwostok besaß. Daß dies« Agenten der Soivjetrezierung auch den Nachrichtendienst besorgten, war selbstverständlich und erhellte gleichfalls aus, den beschlagnahmten Dokumenten. Man erfuhr auch die Namen der kommunistischen Agenten In China;«ine große Anzahl hochgestellter Persönlichkeiten befand sich im Diensie der Sowjetreqierung. Eine Saar-Dcnkschrisl soll, nach einer'Pariser Meldung, ölte- s e m a n n dem französischci� Ministerpräsidenten überreicht haben. Das Memorandum behandle auch die Fragen der Zoltpolitik. Arbeitsmarkt Weniger Llnterstühte, abei Di« Zahl der Hauptunter st ütz»ng»«mpfL»ger te icr Arbeitslosenversicherung zeigt, wie amtlich mitgeteilt wirb, auch in der zweiten Iuli-HSlst« einen, wenn auch geringen Rück» gang. Sie sank von 720 000 auf 710000, also um rund IM Proz. Der Rückgang bei den Frauen war stärker als bei den Männern: denn von der Gesamtabnahm« der Unterstützten m« 10000 entfielen 7000 auf die weiblichen Unterstützten. In der Krisen unter st ützung ging in der zweiten Juli- hälft« die Zahl der Unterstützungsempfänger von runb 1S1 000 auf 153 000, also um runb 38000 zurück. * Der Rückgang der Unterstützten ist noch kein Zeichen für «ine Belebung ber Wirtschast— der Arbeitsmarkt zeigt im all- gemeinen nach wie vor Stagnation— sondern in der Hauptsache ein« Folge der Aussteuerung. In der Ztrisenfürsorg« ging im Laufe d«s ganzen Monats Juli die Unterstütztenzahl um rund 53000 zurück. Die Aussteuerung in der Krisenunterstützung ist bei den Männern stärker als bei den Frauen. Männer sind rund 54000 aus-ge steuert worden, Frauen dagegen nur 3000 Der Rückgang der Zahl der Krisenunterstützten ist zum großen Teil eine Folge der neuen schärferen Unterstützungsbestim- m u n g e n, die Anfangs Juli erlassen worden sind. Der Abbau der Krisenfürsorge wirkt sich in den Teilen des Reich», wo in bestimten Industriezweigen schon seit Iahren eine scharf« Krise besteht, besonders schmerzlich aus. Wir haben erst vor einigen Tagen auf einen Alarmruf der Gewerkschaften aus dem P i r m a- fenfer Schuhindustriegebiet hingewiesen, wo durch den Abbau der Krisenunterstützung 1500 Personen ohne Unterstützung sind. Wie wir erfahren, hat das Landesarbeitsamt München einen Spezialbeauftragten nach Pirmasens geschickt, der an Ort und Stelle die Verhältnisse genau untersuchen soll. Dem Präsidenten des Landesarbeitsamts wird nichts anderes übrig bleiben, als für unverändert. nicht weniger Arbeitslose. da» Pirwasenser(Elendsgebiet die generelle Zulassung zur Krisen- Unterstützung beim Reichsarbeitsministerium zu beantragen. Daneben müssen natürlich noch andere Hilfsmaßnahmen getroffen werden. Bei den maßgebenden Stellen denkt man daran, im Wege einer Sonderaktion für die unverheirateten und jugendlichen Arbeitskräfte der Pirmasenser Schuhindustrie außerhalb der Pfalz andere Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen, da sie zu Hause in der Schuhfabrikation kaum mehr Verwendung finden dürften. Auch in den übrigen Teil den Pfalz ist in einer ganzen Reihe von Gewerben, vor allem im Baugewerbe, der Beschäfti- gungsgrod recht schwach. Ein« Vermittlung der brachliegenden Ar- beitskräft« in den rheinischen Baumarkt ist nicht gut möglich, da in Rheinland und Westfalen der Fabrikbau zurzeit nahezu stilliegt. Das Land Bayern muß naturlich auch an seine Fürsorge- pflicht erinnert werden. Die Gemeinden der Pfälzer Notstands- gebiete sind finanziell schwach, aber wenn Fürsorgevcrbände leistungsschwach sind, dann besteht noch immer die Ausgleichs- Möglichkeit. Arbeitsvermittlung, Verbesserung der Kreisunter- stützung und Hilf« auf dem Wege der Fürsorge, jedes Mittel, das sich bietet, muß nutzbar gemacht werden, um die Not in der Pfalz zu lindern. In Ostpreußen sind die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt, besonders im Baugewerbe,«benfalls äußerst trübe. Viele Bau- arbeiter werden keine 25 Wochen Beschäftigung zusammenbringen, ja ein ansehnkicher Teil der ostpreußischen Bauarbeiter ist bis jetzt noch nicht in Arbeit gekommen! Der Rückgang der Zahl der Krisenunterstützten in einer Zeit der Stagnation auf dem Arbeitsmarkt schafft, wenn die verantwortlichen Stellen sich durch die Hetz« gegen die Arbeitslosenversicherung ab» schrecken lassen, durchgreifend zu helfen, an verschiedenen Punk» ten des Reiches eine Reihe von Gefahrenherden. Mr halten es für unsere Pflicht, rechtzeitig zu warnen. Die Christlichen gegen Abbau. Mi den freien Gewerkschasten in einer Front. Köln» 12. August. Der am 12. August in Köln versammelte Vorstand des Gesamtverbandes der Christliche» Gewerkschaften be- faßte sich«. a. in eingehender Weise mit der Reform der Arbeitslosenversicherung. Bei aller Bereitwilligkeit. M i ß st ä n d e in der Versicherung beseitigen zu helfen, ging die überein st immende Auffassung aller Vor- standsmitglieder dahin, daß die Vorschläge des für die Arbeitslosenversicherungsreform eingesetzten Sachver- ständigenausschusses zu weit gingen und die Zustim» mung der Christlichen Gewerkschaften nicht finden köuu- ten. Cine ganze Anzahl Mängel lasse sich auf dem Ber- waltungswege wegräumen. Doch dürfe Ausgangs- Punkt der Reform nicht die anormale Arbeits» Marktlage des letzten Winters sein. Bei kata- strophalen Ereignissen jeglicher Art werde es zudem immer Pflicht der Allgemeinheit und des Reiches sein. helfend einzugreifen. Das gelte auch bezüglich der Arbeitslosigkeit. Unter Berücksichtigung dieser Gedanken erscheine den Christlichen Gewerkschaften eine vorübergehende tragbare Beitrags» erhöhung angebrachter als eine die Lebensexistenz der unfreiwillig arbeitslos gewordenen Menschen unge- bührlich weiter einschränkende Herab- fetzung der Unter st ützungssätze. Guiachten und politische Entscheidung. Kein Verstecken hinter die Sachverständigen! Gex-müber der in einem Teil der Presse vertretenen Auffassung, die Atbeitslosenfrage bis zum Abschluß der Haager Konferenz zu vertagen, wird von den Verteidigern der Beschlüsse des Sach- verständigenausfchusses betont, daß die Reform von dem Ergebnis der Reparationskonferenz sachlich unabhängig sei und für sich behandelt werden müsse. Bei der großen Bedeutung der Repara- tionskonferenz für die Gestallung der Reichsfinanzen braucht nicht erst besonders bewiesen zu werden, daß selbstverständlich die Regelung des Finanzproblems der Arbeitslosenunterstützung nach Ab- schluß der Reparationsverhandlungen sich l«ichter bewerkstelligen ließe alz vorher, womit natürlich nicht gesagt ist, daß die Sanierung auf die lange Bank geschoben werden soll. Mit wahrhaft rührender, um nicht zu sagen bewunderungs- würdiger„Harmlosigkeit"' wird in der bürgerlichen Presse immer wieder den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie zugeredet, sich doch mit dem Ergebnis der Sachverständigenkommission ab zu- finde«: deiin schließlich seien es doch gerade sie gewesen, die im Mai erklärt hätten, daß nur durch einen Sachoerständigenausschuß die Sanierung der Arbeitslosenversicherung vorbereitet werden könne. Der Ausschuß habe nun sein Werk getan, und man solle jcgt über das Ergebnis feiner Arbeit nicht neuen Streit be- ginnen. Gewerkschaften und Partei haben gewiß einen Sachverständigen- ausschuß gewünscht. Sie haben aber niemals damit diesen Aus- schuß zum Richter über Leben und Tod der Arbeits- losen Versicherung gemocht. Sie haben von dem Ausschuß eine Beleuchtung der Mi'ßbrauchlage erwartet und«in« Klärung vor allem der mit dem Sofortprogramm ver- bundenen Fragen gefordert. Gewerkschaften und Partei waren nicht einfältig genug, um einer Bierwochenberatüng die Ausgab« einer Radikalrcform der gesamten Arbeitslosenversicherung zuzuweisen. Eine solche Reform hat jedoch der Ausschuß beschlossen. In England hat, wie Dr. E r o n e r in der„Deuffchen Techinter- Zeitung" hervorhebt, die Kommission zur Prüfung des Arbeitslosen» versichcrnngsgesetz.'s 15 Monate gearbeitet. Das Thema der Mißbrauche sei sehr schnell beiseite geschoben word«n, als Beweise für die Angriffe gegen die„demoralisierende Ar- beitslosenversichcrung" gebracht werden sollten. Sehr schnell sei die Kommission zur Sanierungsfrage übergegsngen. Hier sei sie vor die unlösbare Ausgabe gestellt worden,„sachverständig" zu entscheiden, ob die Sanierung durch Einsparung auf'der Ausgabenseite oder durch Vermehrung der Ein- nabmanseite, ob durch Zlbbau der Unterstützung und des Personentreises oder durch Erhöhung der Beiträge erfolgen solle. Auf diese eminent politische Frage gebe es nur eine politische Antwort. Ob die Kosten der über alles Erwarten großen Arbeitslosigkeit der letzten zwölf Monate, vor allem des sibirischen Winters, von der Arbeiterklasse allein zu tragen oder ob die Unternehmer zur Lastentragung mit heranzuziehen seien, dies« Entscheidung werde von den sozialen und politischen Machtverhältnissen und nicht von Sachverständigen gefällt. Regierung und Reichstag haben die Verantwortung. Sie können sich der Verantwortung nicht entziehen, indem sie sich hinter die Sachverständigen verstecken. Sachverständig« haben«in t e ch- nisches Gutachten abzugeben, aber nicht eine politische Entscheidung zu fällen. Hebung der Arbeiismoral. Wie die Reichsaastalt entlastet wird. Von der Gauleitung Brandenburg des Fabrikarbeiterverbandes wird uns geschriebene Hart umkämpft sst die Gewährung von Arbeitslosenunterstützung an die S a ij o n a r b e i t e r. Den Unternehmern ist vor allen Dingen darum zu tun. die„Arbeitsmoral" zu heben. So sagen sie wenigstens. Dafür ein charakteristisches Beispiel. In V i e tz(Neumark) hat der Ziegeleibesitzer L. Hartmann drei moderne Ziegelbetriebe. Die Produktion dieser drei Betriebe beläuft sich auf jährlich zirka 20 Millionen Steine. Dieser Ziegelei- besitzer, der wohl zu den reichsten Einwohnern von Vietz gehört, bringt das Kunststück fertig, obwohl der Preis für Ziegelsteine kein schlechter ist, kein« Einkommensteuer zu zahlen. Die Gemeindewahlen stehen vor der Tür. Herr Hartmann zählt zu den Notabeln von Vietz. Der gewöhnliche Mann, in Sonderheit auch der Arbeiter, hat nicht allzu großes Verständnis für„sieuer- technische Geschicklichkeiten". So kam Herr Hartmann auf den kühnen Gedanken, der Gemeinde Vietz 2000 M. an Stelle seiner aulsgefallenen Einkommensteuer zu zahlen. Die Gemeindevertretung war aber der Auffassung, und zwar e i n st i m m i g, daß man von einem ehrbaren Zeitgenossen, dem es so schlecht geht, daß er mit seinem Einkommen unter der steuerpflichtigen Grenze bleibt, auch keine Geschenke annehmen dürfe. Irgendeine Aufforderung an irgendein Finanzamt wollen wir hier nicht richten, sondern die oben wiedergegebenen Tatjachen registrieren. Arbeiter, die Arbeitslosenunterstützung nicht erhalten, fallen in der Regel der Wohlfahrtspflege zur Last. In Vietz besteht eine ständige große Arbeitslosigkeit, hauptsächlich auch unter den Ziegeleiarbeitern. Die Vietze? Ziegeleibesitzer beschäftigen in ihren Betrieben 56,36 Proz. Vietze? Arbeiter und 43,64 Proz. auswärtige Arbeiter. Von den Unternehmern in Vietz werden Leute aus den umliegenden Dörfern beschäftigt, diebiszu60Morgen Land. 4 Kühe, 6 bis 8 Schweine, 2 Pferde usw. ihr Eigentum nennen. Ein Teil der Vietzer Arbeiter muß stempeln gehen und erreicht durch die Praktiken der Vietzer Ziegeleibesitzer nicht die zur Arbeitslosenunterstützung notwendigen 26 Wochen. Sie fallen dem- nach der Wohlfahrtspflege anheim. Die Unternehmer jammern über die hohen Lasten, die ihnen durch die Erwerbslosenfürsorge auferlegt werden. Sie beschästigen statt Industriearbeitern lieber Personen aus der Landwirtschaft. und zwar nicht Arbeiter, sondern Besitzer. Ihr« Politik bringt es mit sich, daß die öffentliche Wohlfahrtspflege stark in Anspruch genommen werden muß. Einer der reichsten Industriellen von Vietz, dessen Betriebe am modernsten und gewinnbringendsten eingerichtet sind, zahlt aber keinerlei Einkommensteuer. Da ist man versucht, von Moral zu reden. Herr Ziegeleibesitzer L. Hartmann in Vietz ist ein grausam gescheiter Mann! Lleberstundenarbeii in Rußland. IZOOlXH) Lleberstunden in 62 Betrieben in einem Halbjahr Der„Tnid"(Rr. 175) berichtet: „Trotz aller Beschränkungen der Ueber stundenarbeit durch das Gesetz werden diese Arbeiten nicht nur nicht beseitigt, sondern nehmen den Charakter einer st an d igen Erschei- n u n g an. Durch eine Revision des Arbeitskommissariats in 62 B e- trieben wurde festgestellt, daß im ersten Halbjahr 1328 1 300 000 Ueber stunden geleistet wurden, von denen 1 066 000 Stunden von den Arbeitsinspektaren genehmigt worden waren. «ind die Ueberstundenarbeiten totsächlich immer notwendig gewesen? In der Regel nicht. Die Arbeittzr- und Baueminspektion unterstützt fast immer die Gesuche um Zulassung von lleberstunden- arbeit, die Arbeitsinspevoren beschränken ihre Kontrolle aus eine mechanische Herabsetzung der Ueberswndenanmeldungen der Wirt» schaftsorgan«. Da die Wirtschaftsorgane dies«„Methode" der Ar- beitsinspektoren kennen, so setzen sie in ihre Anmeldungen ein« höhere Anzahl von lleberstunden ein, als sie brauchen und darmt ist die Sache erledigt lleberstunden werden nicht nur von qualifizierten Arbeitern. sondern auch von Aufwartefrauen, Schwerarbeitern („Ärasny Putilowiz", Fabrik„Marty"), Nachtwächtern, Töpfern(Fabrik„Vulkan" in Leningrad) geleistet. Besonders zahl- reich sind die lleberstunden in der Papiermdustri« und im Druckerei- gewerbe: auf einen Arbeiter entfallen in der Papierrndustne monatlich durchschnittlich 14,3 lleberstunden, im Druckereigewerbe 11,4 lleberstunden. ' Oer Massenmord von Lupeni. 62 Tote und 24 Verwundete. Bukarest. 12. August.(Sigenberichk.) Die Zahl der O p s e r des Milikärs in L u p e n i beträgt, wie der Korrespondent des„Soz. Pressedienstes" an Ort und Stelle nachprüfen konnte, insgesamt 6 2 Tote und 74 verwundete. Unter den verwundeten befinden sich einige Schwerverletzte. Die rumänische Regierung gab bisher 23 Tote zu, eine an sich schon surchtbare Zahl. 62 Tote und 74 verwundete sind wohl der Rekord aller blutigen versuche, einen Streik mit militärischer Gewalt niederzuschlagen. 62 Tote klagen an! Was geschieht mit den Schul- digen?_ Wanderarbeiter als Streitbrecher mißbraucht. Für die Absichten, die die ländlichen Unternehmer mit der Veschästigung ausländischer Wanderarbeiter versolgen, spricht ein Vorgang, der sich in diesen Tagen in Mitteldeutschland abgespielt hat. In der Abtellung Landwirtschaft der West- fälisch-Anhaltischen Spreng st off- A.-G.. Betrieb Reinsdorf, streikt die Briegschost wegen Lohndifferenzen. Die Betriebsleitung bekämpft den Streik, indem sie sich von den um- liegenden Gütern Arbeitskräfte und zwar nicht nur deutsche Ar- beiter, sondern auch polnische Wanderarbeiter als Streikbrecher zur Verfügung stellen läßt. Besonders tot- kräftige Hilfe leistet hierbei der Gutsbesitzer G ö r g auf Gut R ö t s ch in M e l z w i g. Dieser teuffche Mann, Swhlhelmer und Krieger- vereinler, der wegen seiner Rücksichtslosigkeit gegen seine Arbeiter hinreichend bekannt ist, fährt sein gesamte» Personal, eirtslhfießlich der polnischen Wanderarbeiter, tagtäglich nach Reinsdorf zu Streik- brechevarbeit. Die Sache wird noch interessanter, wenn man bedenkt, daß jetzt Hochbetrieb in der Landwirtschaft ist. Denn«in Betrieb zur Zeit der Ernte drei Diertel seiner Arbeiter e n t- beh re n kann, bedarf es unseres Erachtens keines weiteren Be-. weises mehr dafür, daß die Beschäftigung ausländischer Wanderarbeiter nicht notwendig ist. Wir hallen es für selbstverständlich, daß die Stellen, die für die Zuteilung ausländischer Wanderarbeiter zuständig find, au diesen Borgängen nicht achtlos vorbeigehen. Den ländlichen Unternehmern muß noch deutlicher als bisher klargemacht werden, daß die Be- schäftigung ausländischer Landarbeiter in dem jetzigen Umfang« un- möglich weiter verantwortet werden kann. Zortschriiie in Holland. Crfiarlen der freien Gewerkschasten. Di« freie niederländische Gewerkschaftsbewegung ist, wie aus den vom Niederländischen Gewerkschaftsbund soeben veröffentlichten Tätigkeitsbericht für die Zeit von 1326 bis 1328 hervorgeht, im Jahre 1328 stärker gewachsen als je zuvor. An dem Aufstieg haben auch die der niederländischen Landeszentrole angeschlossenen Verbände der Kopfarbeiter erheblichen Anteil. Dos Vermögen des Niederländischen Gewerkschaftsbundes stieg in den drei Berichtsjahren von 8 auf 11,3, der Streikfonds von 0,8 auf 1,5 Millionen Gulden. Die Mitgliederzahl des GowertschaftÄnmdes stieg im ersten Halbjahr 1323 aus 230 000. Sie erreichte damit fast wieder den Höchststand von 1313/20 mit 245 000 Mitgliedern. Die Stagnation ist endgültig überwunden. In den freien niederländi- schen Gewerkschaften zeigt sich heute überall gesteigerte Aktivität. Einen schwierigen Kamps führt der Landarbeiter- o e r b a n d in der Provinz Groningen, wo er seit mehr als drei Monaten um eine Stundenlohnerhöhung von 27 auf 30 Cents kämpft. Tariftündigung bei den englischen Bahnen. London. 12. August. Bon den drei Eisenbahnergerverkschaften ist den Eisenbahngesell- schaften da» vor 12 Monaten abgeschlossene Abkommen gekündigt worden, das eine Herabsetzung der Löhn« um 2X Proz. vorsah. Innerhalb der Kündigungssrist von drei Monaten werden beide Teile Gelegenheit haben,«in Einvernehmen herbeizuführen. �reieGewerkfchafts«Iugend Verlin. Heute. Dienstag. lS>- Uhr. tagen die Gruvpen: Spandan: Gruppen. heim Etäht. Jugendheim Lindenufer I. Vortrag:„Die Kulturarbeit der Volksbühne".— frankfurter Allee: Gruppcnheim Etiidt. Jugend- heim Litauer Str. IS. Werbeadend mit Lichtbildern.— Ren-Lichtenberg: Jugendheim Sunierltr. 43. Bunter Abend.— Landsberger Plag: Jugendheim Dieftelmenerstr. 5. Vortrag:„Gewerkschaften und Reichsnerfassung". Lichten. berg: Jugendheim Dofsestr. 22. Vortrag:„Wandern und Naturschutz".— Mariendors: Jugendheim Martendorf. Dorfstr. 7. Lichtbildervortrag:„Das Note Wien".— Treptow: Gruppenhcim Schul« Wildcnbruchllr. A— 34(Hort- timmer). Reihenvortrag:»Das Sotialoersichcrunaswcfen". ,)„Das Kranken. kasscnwefen".— Humboldt: Zugendheim Graun- Ecke Lortzingfirahc. Vortrag: „10 Jahre Deutsche Reichsnerfassung".- Sndlrri«: Achtung. Madclsl Kreis. mödchenabcnd Im Zimmer 7s der Iuqendtentrale, Gngelufer 24—23.— Wir spielen ab l« Uhr: Sharlottenburg: Sportplatz Krumme Straße: Südwesten: vpartplatz Kotzbachstraße.. föh �uaenSoruppe des Zentralverbondes der Angestellten. fE« Heute, Dienstag, finden folgende Beranstaltnnqrn statt: Rordwesi: . Jugendheim Lehrter Str. 18—10. Vortrag:„Geschlecht in fesseln" fnach dem gleichnamigen fiimV Referent Lewinski.— Spiel und Sport: Sportplatz Humboldthain ab 18 Uhr; Stadtwald Kbpnick ab 20>h Uhr.(Ttefi. Punkt 30 Uhr am Bahnhof). Verantwortlich sstr Politik! Dr. Surt Geyer! Wirtschaft:«. Klingelhöser: Geo-erkschastsbewegung: J. Stetner; fenilleton: Dr. John«chikows«: Lokales und Sonstiges fritz Korstädt- Anscmen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts.Verlag D. m b. H. Berlin Druck: Vorwärts.Buchdruckerct und Verlagsonstalt Vaul Singer u. Be schmerzen. Verstauchungen und r Fiuiff...?!-u.«Aur... ALri-nlungen.®eg«t Infekten» 6 flimi.»Hb i»,u stich«. Mund- u. Surgelwasser. I» IRmi4«,S00 Spirit, wo HB»«.— Apochelen u. Drogerie» ertMltch. Nr. 37S» 46. Jahrgang �1. Dienstag, �S. Auaust 192Y VotnUAtigtist zumlI.November Die nächste Aufgabe: die Kommunalwahlen Millionen und aber Millionen haben am lt. August mit uns die republikanische Verfassung von Weimar gefeiert. die aus Untertanen gleichberechtigte Staatsbürger gemocht hat. Diese Verfassung erseht auch in den Kommunen, wie überall, die Klassen- und Geldsackprivilegien, die im Kaiserreich bestanden, durch da» allgemeine, gleiche, geheime ver- Hältaiswahlrecht. Alle über 20 Zahre alten Männer und Frauen, die seit mindestens sechs Monaten im Gemeindebezirt ihren Wshnsih haben, sind wahlberechtigt. Eine politisch« Forderung, für die wir Sozialdemokraten jahrzehntelang gekämpft haben, ist damit verwirklicht.— Seit zehn Zahren gilt nun dieses System der Demokratie wie für alle Gemeinden der Deutschen Republik auch für Berlin. Die Sozialdemokratische Partei hat in Berlin infolge der Spaltung der Arbeiterbewegung bisher noch nicht für sich allein die Mehrheit erringen können, sie hat dennoch an der kommunalen Arbeit hervorragend mitgewirkt und Leistungen vollbracht, die bei ollen Besuchern Berlin, lebhafteste Anerkenauag finden. So wird die Vereinheitlichung de» Verkehrswesens und sein Ausbau allgemein als eine kommunalpolitische Großtat anerkannt, die in erster Linie den großen Massen der Arbeiter und Angestellten zugute kommt. Aber mit dem bisher Geleisteten kann es nicht genug fein. Für das Leben jedes einzelnen ist es von größler Bedeutung, ob die Gemeinde im Interesse der Besitzenden oder ob sie im Interesse der arbeitenden Massen verwaltet wird. Je größer der Einfluß der Sozialdemokratie in der Gemeinde wird, gesto stärker werden die Interessen des arbeitenden Volke» in der Kommunalpolitik zur Gel- tung kommen, desto mehr wird für den Aufbau einer sozialisti- schen Wirtschaft geleistet werden können. Darum gilt e», die Wahlen am 17. November vorzubereiten, wir wollen die verfasiung nicht blof> feiern, wir wollen das, was sie uns gibt, nutzen und ausgestalten zum Wohl des arbeitenden Volke». An uns ist es, die Form der Demokratie mit dem Geiste de» Sozialismus zu erfüllen i Darum gilt es. jetzt schon rastlose Aufklärungsarbeit zu tun. zu wirken und zu werben für den Gieg der Sozialdemokratie! Mord und Selbstmord? Gin Liebespaar im Grunewald erschossen aufgefunden. Gestern abend entdeckten Ausflügler am Pechsee im Grunewald, unweit der Försterei Saubucht, die Leichen eine» jungenMädchens und eine» Mannes. Nebe» den Toten log eine Pistole. Man benachrichtigte sofort das zuständige Polizeirevier 154, das sofort mehrere Beamte an den Fundort entsandte. Wie die Ermittlungen ergaben, ist das Paar offenbar im gegenseitigen Einverständnis aus dem Leben geschieden. Beide Leichen wiesen Brust- s ch ü s s e auf. die nach Ansicht de» hinzugezogenen Arztes den so- fortigen Tod herbeigeführt haben. In der Handtasche des Mädchens wurden Papier« vorge- funden, die auf den Namen Gertrud Papillus. Wilmersdorf, Brandenburgische Straß« 1, lauten. Wer der junge Mann ist, konnte noch nicht ermittelt werden. Seine Wäsche trägt die Anfangsbuchstaben E. N.— Di« Kriminalpolizei ist mit den weiteren Ermittelungen noch beschäftigt. Em falscher Steuerbeamter. In letzter Zeit ist im Bezirk des Finanzamts Gesund. bruunen bei Gewerbetreibenden ein angeblicher Obersteuer- sekretär Mühl berger erschienen. Er gibt an, Austrag zu haben, die Geschäftsbücher Nachzuprüfen, läßt sich die Steuerbescheide vor- legen und zieht die Rückstände ein. Für die verbleibenden Reste gewährt er Stundung. Es handelt sich offenbor um einen Schwind- ler. Es wird darauf hingewiesen daß nur die Vollziehungs- b tarnten ermächtigt sind, Steuern beizutreiben und Pfändungen vorzunehmen. Sie sind oerpflichtet, dem Schuldner unaufgefordert den mit Amtsstempel versehenen Vollstreckung saustrag und ihren grünen Ausweis mit Lichtbild und Unterschrist vorzuzeigen. Der Vollstreckungsauftrwg, ohne den eine Beitreibuicg überhaupt nicht durchgeführt werden darf, muß die Art der Steuern und deren 5)ähe genau erkennen lassen. Es kann nicht dringend genug ge- raten werden, sich Austrag und Ausweis vor Zahlungsleistung ge- nau durchzulesen. Ueber die empfangenen Beträge müssen die Be- omten Quittung auf vorgedrucktem, mit dem Stempel des Finanzamts versehenen Muster erteilen. Quittungen, die diesen Erfordernissen nicht entsprechen, werden vom Finanzamt nicht anerkannt. Ander« Beamte sind nicht ermächtigt, Zahlungen von Reichssteuern entgegenzunehmen oder zu verlangen. Ein Richter gegen H 2-18! Das Opfer einer Knrpfuscherin. wegen sahrlässigerTötuug hatte sich gestern eine Frau Helene Kruse vor dem Schöffengericht Verlln-Milte zu verantworten. Am 13. Januar hatte man auf der Treppe vor der Wohnungstür der Angeklagten ein s u n g e s Mädchen tot aufgefunden. In ihrem Portemonnaie fand man einen Zettel mit der Adresse der Ange- klagten. Es ergab sich, daß der Tod infolge eines verbotenen Eingriffs eingetreten war, und zwar war die Todesursache«in« Luftembolie, die durch eine Einspritzung mit einer nicht tust- entleerten Spritze entstanden war. Die Angeklagt« bestritt nach- drücklichft, das Mädchen behandelt zu haben. Sie wäre zu chr ge- kämmen, um sich die Karten legen zu lassen. Im Anschluß an die Wahrsagerei hätte sie auch«in« Untersuchung vorgenommen. Bei der Beweisaufnahme stellte sich ober heraus, daß die Angeklagt« einen Eingriff versucht hotte, und, qls sie sah wie schwer ihr« Pa> tientin erkrankt war, diese einfach auf die Trepp« setzte, dort liegen ließ und fortging. Für dieses empörende Verhalten be- antragte der Staatsanwalt wegen fahrlässiger Tötung und versuchter Abtreibung eine Gefängnis st ras« von zwei Jahren, da die Angeklagte schon einschlägig vorbestraft war. Das Gericht erkannte auf«in Jahr und drei Monate Gefängnis und betonte in der Urteilsbegründung, daß ein scharfes Vorgehen gegen solche Frauen, die«in Krebsschaden an der Gesundheit des Volkes seien, notwendig wäre. Andererseits wäre aber auch d»r betreffend« Paragraph des Strafgesetzbuches mit an solchen Vorgängen schuld, da er rattose Mädchen in die Hände solcher Frauen treibe. Französisch-deutfthe Friedensarbeis. Deutsche Schüler beim Bürgermeister von Oijon. Die deutsch-frcinzösische Ferienschule, die auf Veranlassung dei Stadt Berlin in A o a l l o n, P o n n e eingerichtet wurde, besuchte am 2. August die Stadt D i j o n, wo ihr ein festlicher Empfang in den Räumen des Rathauses auf Veranlassung des Rektors Terracher der Universität Dijon bereitet wurde. Nachdem Rektor Terracher das boj-er-scoli are franco-allemanii dem Bürgermeister Herrn Gaston Gärard vorgestellt hatte, ergriii dieser das Wort. Er sprach von der notwendigen Annäherung zwischen den beiden Kulturnationen Deutschland und Frankreich und betonte unseren achtzehn Primanern gegenüber, daß gerade am pädagogischem Gebiete Frankreich auch viel von deutscher Arbeit. und deutscher Kultur lernen könnte. Dann sprach er zu den Schülern über die Vorteile ihres sechswöchentlichen Aufenr- Halts in Frankreich Herr Trümpener vom Köllnischen Gymnasium Berlin dankte dem Bürgermeister für seine freundlichen Worte, betonte mich seinerseits, die Notwendigkeit der von den breiten Massen ge wünschten Verständigung der Völker. Am Tage darauf erfolgt? ein« Einladung durch Herrn und Frau Terracher, Die Schüler wurden in dem in der Akademie gelegenen Palais empfangen und aufs beste bewirtet. Eine erfreuliche Zusammenkunft. In Bedal«, in der Grafschaft Port(England), findet zurzeit die dritte internationale Ferienzusammenkünft deutscher, französischer und englischer Schul- k i n d e r statt. Die Zahl der teilnehmenden Kinder mußte für jedes der Länder auf 50 beschränkt werden. Graf Zeppelin will Donnerstag nach Tokio starten. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" wird, wie jetzt endgültig feststeht, am Donnerstag, dem 15. August, früh morgens, zur Fahrt noch Tokio aufsteigen. Die Stunde der Abfahrt ist noch nicht bekannt. Die Ueberholungsarbeiten an der Hülle und den Motoren des Luftschiffes sind bis zu dem genannten Tage abge schlössen.__ Moderne Gleisbauverlegnng bei der BVG. Die der Stadt Berlin gehörende Berkehrs-Aktien- gesellschaft ist ständig bemüht, ihren Betrieb rationell ouszu- gestalten. So verwendet sie jetzt neuerdings zur Erleichterung der Gleisbauarbeiten ffrantriebwagen. Solch ein Wagen besteht aus zwei doppelachstgen Drehgestellen, die eine Plattform tragen, auf der«in Drehkran montiert ist. Die Fahrmotoren für den Wagen sind zwischen den Drehgestellen untergebracht. In der Milte der Plattform ist eine Stahlsäule eingebaut, die den drehbaren Teil des Kranes aufnimmt. Diese stützt sich durch ein Stützkugellager und zwei Führungslager auf die Stahlsäule, Der Ausleger des Kranes besitzt einen ausziehbaren Arm, an dessen Spitze der Kranhaken gn. gebracht ist. Beim Ausziehen des Armes bewegt sich auf dem Gegen- arm des Auslösers ein aus Gußeisen hergestelltes Gegengewicht in entgegengesetzter Richtung. Die Höchstbelastung des Kranes beträgt bei vollständig ausgezogenen Kranauslegern ltztzy Kilogramm, der Wagen selbst hat eine Länge von 1l Meter, sein Gewicht beträgt rund 29 500 Kilogramm, Der Wogen wird im wesentlichen zum Verlegen und Einbau von Gleisanlagen und zum Einbringen von Schienen von den Transportloren auf den fertiggestellten GleisiiM-'- grund verwendet werden. Selbstmordversuch Falouts. Der wegen Spionage vor kurzem zu 19 Iahren Kerker verurteilt« früher« Kapitän der tichechosloma- tischen Armee, Falout, hat im Kerker einen Selbstmordversuch unter- nommen. Er hat ein langes Toschenmesser verschluckt. 23s copxrlgtit ISR by Gustav Kiepenheuer Verlag A-0„ Berlin Inzwischen sind auf jenem Wiesengrund in der sanften Mulde die Sanitätsautomobile eingetroffen. Die Opfer wer- den verladen, einig« find schon in Agonie, viele klagen schrill und unaufhörlich, die Wirkung der Morphiumspritzen läßt schon nach. Den mit dem völlig geöffneten Bauch braucht man nicht mehr mitzunehmen, er ist inzwischen gestorben. So ist das Dutzend voll, und der fremde Regimentsarzt teilt diese Zahl als erstes dem endlich in Hechtsprüngen quer- seldein herbeisetzenden Lipp mit. Lipp ist grünlich im Gesicht vor Wut.. seine gepreßten Lippen schlucken mit Mühe Verwünschungen hinunter. Nichts, qar nichts mehr gibt es für ihn zu tun. Der Fremde hat den letzten Zettel für die Verladenen dort im Sanitätsauto gerade ausgefüllt. Die beiden Kollegen begrüßen einander, als hätte jeder eine Flasche Essig im Leib. Lipp muß sich bedanken für die stellvertretende Leistung. Die Zunge gehorcht kaum, und der andere nimmt, offensichtig befriedigt von der Niederlage des Kollegen und ihn Hohn- voll beruhigend, sein Wortgedrechsel und fauchendes Gemecker gelassen entgegen. Auch der Kommandeur, Herr von Pummer, ist zur Stelle und hat gleich heraus, wie die Dinge liegen.„Herr Stabsarzt, man sieht Sie in letzter Zeit merkwürdig wenig." äußert er anzüglich, und das gibt Lipp fast den Rest. Er kann nur albern husten, zischen und hacken zusammenschlagen. „Werde mich bemühen. Herr Oberstleutnant!" nie�t er.„Melde gehorsamst, in Zukunft wird aber zweifellos—' Der Oberstleutnant nickt und grüßt knapp, schüttelt dem fremden Stabsarzt herzlich die Hand, labt sehr laut und im Namen des Regimentes sein Einspringen, bittet ihn zu einer Tasse Kaffee und entfernt sich mit ihm. Wenn ihr nur verrecken wolltet—! denkt Lipp. Meldet der Alte die Geschichte am Ende gar dem Divisionsarzt? Was hätt' ich sagen sollen? Daß ich auch für ihn. diesen Schlem- nur, abwesend war? Denn Lipp, wieder einmal unauffindbar, hat fast außer- halb des Dorfes, und von den Bomben ganz ungeschoren, in einem seiner Keller gesteckt, in denen er Champignons züchtet. Was, den köstlichsten Pilz frisch mitten im Winter— ihn gab er zu kosten auch der Tafel Pummers? Und dies war nun sein Lohn! Vier solcher Keller unterhiell er: mit abgedichteten Luken. Mit mühevoll hinuntergeschafftem Erdreich und mit Pferde- mist. Mit elektrischer Lichtanlage und mit Heizanlage. Mit Erzeugung der richtigen Feuchtigkeit und der richtigen Wärme. Dauernd waren ein paar Krankenträger in diesen künstlich ganz verfinsterten Räumen tätig. Sie durften die Lesen auch nachts nicht ausgehen lassen. Er, Lipp, kon- trollierte die Temperaturen seiner Plantagen viel inter- essierter und genauer als die seiner Kranken, Weihnachten stand vor der Tür. da hoffte er. die erste prächtig« reichliche Ernte halten zu können. Ein Heiligabend mit frsschen, in Butter gedünsteten Champignons! Aber für den Augenblick hat er doch andere Sorgen. Als das letzte Sanitätsauto fort ist, geht er mit dem Feldwebel Asam voll Verlangen, furchtbar Gericht zu halten, in«inen stillen Winkel des Reviers.„Ein bodenloser Saustall! Ihr seid«ine Hundsbande, eine miserable,«ine unzuverlässige! Man braucht nur die Rase wegzudrehen, da tut jeder, was er mag. Warum ist niemand— nicht«iner!— da von unseren Aerzten? Wo ist Herr Oberarzt Schwan?" „Im Graben vorn." „Im— richtig. Ich frag' nur, weil ich sehen will, ob ihr überhaupt noch was wißt vom ganzen Betrieb oder ob ihr schon vollständig idiotisch geworden seid. Wo sind Feld- Unterarzt Knapp und Dr. Schreiber?" „Mit dem Bataillon in Ruhe, hint' in Bavrin." „Und wo Dr. Fels?" ..Auf dem Verbandplatz." „Ah, schau mal an. daß ihr doch noch«in bisierl was vom Dienst in euren Dreckschädeln drin habt.— Aber wo, frage ich jetzt, steckt dieser Dr. Model, dieser—" „hat vom Herrn Stabsarzt für heute Urlaub nach Lille." „hat-«? Meinetwegen— obwohl— dann hätte doch für Vertretung— die Unterkunft kann doch nicht einfach ohne Arzt bleiben. Da hätte doch dieser Mensch, der eins, zwei, drei zu den Menschern nach Lille fährt, dafür sorgen müssen, daß«in Ersatz bestellt wird." Cr stampft umher, langbeinig, daß es dröhnt. Asam steht mit seltsam rotgeschwollenem Kopf. Will er platzen? Lipp bricht von neuen aus:„Warum war keiner da. Herr- gottmalefiz! Wer hätte heut in diesem verschlampten Betrieb Dienst machen müssen?" „Sie, Herr Stabsarzt!" sagt sehr laut, schreit in strammster Haltung, mit blutgefülltem Schädel der Feld- webel Asam. � Lipp erstarrt. Er wird unheimlich weiß im Gesicht. Dann tobt er los:„Was nehmen Sie sich heraus? Sind Sie übergeschnappt? Sie sind wohl besosien— Sie— Sie richten sich sofort feldmarschmäßig. Sie setzen Ihren Helm auf, Sie gehen augenblicklich mit mir zum Herrn Komman- deur, ihm werd' ich den unglaublichen Fall vortragen— ganz dienstlich— ich werde strenge Bestrafung beantragen," „Recht so, Herr Stabsarzt, da bin ich dabei. Rachha komm' ich endlich furt aus dieser hundswirtschaft, die niemals nicht klappt, aber net durch meine Schuld! Was i mi schon 'plagt Hab um eine Ordnung— das ist nimmer zum sagen!" Er hat eine kreischende, schluchzende, durch nichts mehr ge- hemmte Stimme— die des Untergebenen, der im tiefsten spürt, wie schmählich er mißhandelt wird. Sie toben beide im Saal umher, der Steinboden hallt unter ihren Stiefeln, der«ine aschfahl, der andere purpur- färben: so pendeln sie aneinander vorbei. „hier in fünf Minuten!" schreit Lipp und stürzt von dannen.— Er kehrt zurück in Feldbinde und Helm. Asam, ähnlich aufgeputzt, wartet schon geraume Zeit. Lipp kommt schleppend, wie schlafbefangen, zur Tür herein. Er scheint zäh in Gedanken verstrickt, er tastet mit den Raubvogelaugen die Wand ab, er sieht den Feldwebel gar nicht.—„Asam!" Nach einer Pause eine leidlich normale Stimme:„Herr Stabsarzt?" „Wir sind beide— mordsmäßig erregt gewesen. Ich will Jdnen die einwandfreie bisherige Führung zugute halten. Ich sehe von«iner Anzeige ab." Schärfer, schon wieder ge- reizt:„Ich möchte aber damit nicht mißverstanden werden, Sie bilden sich hoffentlich nicht ein, daß ich Sie fürchte oder daß Sie unersetzlich sind." Schweigen.— Auf einmal hat der Feldwebel eines bock- beinigen Kindes Mienen, die weich zu werden beginnen „Asam, geben Sie mir die Hand." Es geschieht. In den Gesichtern der Männer keimt ein Lächeln auf. ein armseliges, nichtsnutziges, ungutes. Aber sie wissen es nicht. lFortfetzung folgt.) Nachklang zum 11. August. Der Abschied von utiferen Gasten. Nur wenige Tage hatte» wir die Freude, unsere G«- nosse« aus Wie» bei uns ,u sehen. Die wenigen Stunden genügte« jedoch, um das Gefühl des Zusammen- gehSrens und der Verbundenheit zwischen den Berlinern und den Oesterreichern erneut zu bekräftigeu. Wir glauben, da» auch die Wiener das Gefühl mtt nach Hause nehmen» in Berlin äußerst willkommeue Gäste gewesen zu sein. Di« Berliner ließen es sich nicht nehmen, chre Gäste überall durch die Stadt zu führen. Besonders das deutsche Parlament und der Preußische Landtag nmrden auch von innen besichtigt. Biel« hatte« Gelegenheit, von dem Dachgarten«in« großen Berliner Warenhaus«, vom Turm de» Rachaus« oder vom Funkturm die Stadt der Arbeit von oben in Augenschein zu nehmen. Wo auch die Schutzbundl«ute sich in den Straßen zeigten, überall wurden sie herzlichst begrüßt. Nun sind sie wieder in chre Heimatorte zurück- gekehrt. Wir rufen chnen ein herzliches„Auf Wiedersehen" nach! Der größt« Teil unserer Wiener Freunde reist« am Montag abend wieder ab. Schon lange vor Abfahrt d« Zuges waren samt- kiche Bahnsteige des Anhalter Bahnhofes dicht gefüllt, um den österreichischen Genossen ein froh« Lebewohl zu sagen und ein herzlich«„Freundschaft" nachzurufen, Es war ein erhebender, feierlicher Augenblick, als der Zug sich langsam in Bewegung setzte. Noch ein letzt«„Freundschaft" und„Frei Heil", und unter Tüchcrschwenken und Singen verließ der Zug den Lahnsteig. Man sah« den deutschen Reichsbannerkameraden und chren An- gehörigen an, wie sehr ihnen die freundlichen und mun- tereu Wiener in den wenigen Tagen ihres Hierseins ans Herz gewachsen waren. Es wird nicht da» letztemal gewesen sein, daß Oestev- reicher und Berliner sich in herzlicher Freundschaft zusammenfinden. Auch ein großer Teil unserer Freund« aus dem Reiche hat Berlin gestern wieder verlassen. Ob sie von der Saar, vom Rhein, von der Trave, von der Donau oder von der Memel kamen, — wir sind überzeugt, daß sie das Gefühl mit noch Haufe nehmen, an einer erhebenden Kundgebung teilgenommen zu haben. Wir rufen ihnen nach: Kommt bald wicderl Im republikanischen Berlin seid ihr immer willkommen! �eichsbannerstandchen für(Schupobeamte. Man teilt uns mit:„Die frühere Maikäferkaseroe in der Chaussee st raße 9ö— 97, die heute eine Polizeiunter- kunft ist. zeigt« zum Berfasiungstag ein besonders scsttich« Gepräge. Nicht nur, daß von den Fahnenstangen das Schwarzrotgold der Republik und das Schweizweiß Preußens flatterte: Auch aus den Fenstern der Wohnräume der Beamten wehten schwarz- rotgoldene Fahnen. Aus eigenen Mitteln hatten die Le- amten das Geld aufgebracht, um ihre Treue zur Berfassung zu be- künden. Der besonders festliche Schmuck war unseren Freunden vom Reichsbanner aufgefallen. Sie dachten sich deshalb etwas besonder« aus: Zlbends nach den offiziellen Veranstaltungen marschierte die Reichsbannerkapelle des Ortsvereins Mitte an, macht« vor der Polizemnterkunst Halt und brachte den in der alten Maikäferkaserne untergebrachten Polizeibereitschasten ein famos« Ständchen. Ms Abschluß dieser kleinen Extraver- fassungsseier wurde unter begeisterter Zustimmung der Polizei- beamten ein dreifach« Frei Heil aus die republikanische Ge- sinnung der Schutzpolizei ausgebracht." Bravo! Beamtenschaft und Bevölkerung sollen im republikoni- scher Staat zusammengehen und zusammenstehen. Leser der».Roten Fahne�. Ms die Reichsbannerkameroden aus Hannooer am Montag nachmittag, von einer Dampferfahrt vom Müggelsee zurückkehrend. durch die Brücken st raße zogen, wurde aus einem Hause zwischen die Spielleute«in gefüllter Wasserkrug ge- morsen, der glücklicherweis« niemand oerletzte. Der Polizei gelang «, den Täter, der sich noch seiner Heldentat versteckt hatte, fest- zunehmen. Er ist Leser der.Moten Fahne"... Leser des»Lofol'Anzeigers'____ Der„Berliner Lokal-Anzeiger" am Sonntag: „Verzweifelt« Fest. Ward je in solchem Katzenjammer eine Verfassung zwangsjubelgefeiert?" Und was entdeckt man Montag abend im„Lokal-Anzeiger"? Da wird festgestellt, daß bei den überfüllten Volksfesten„von uniformierten Reichsbannerleuten ein« wertlose Blechmarke" für 1 M. verkauft worden wäre. Aus die volks- fteundllchen Veranstalter— gemeint sind nicht die Wirte— dürsten so etwa 200 000 Mark entfallen fem," fährt die Notiz dann fort. Wo liegt nach diesen beiden Berichten der„Katzenjammer"? Ganz abgesehen davon, daß die vom„Lokal-Anzeiger" genannte Zahl bei weitem nicht den wirklichen Umsatz der Reichsbannerpla- ketten trifft! Es war ein„verzweifeltes Fest"'— für die anderen. Störungen imVerlinerTelephonvertehr OaS Knotenamt F längere Zeit außer Betrieb. Durch eine technische Störung In dem sogenanoteu Suotemnnl F de» Berliner Fernsprechnetzes waren gestern nachmittag mehrere Auschlußämier längere Zeil völlig lahmgelegt. Bon der Störung, die etwa gegen 16 Uhr einsetzte, wurde die Berliner Geschäftswelt besonders empfindlich betroffen. Zu den Se�stanschlußämtern Bärwald, I a n n o w i tz, Neukölln sowie mehreren kleineren Anschlußämtern war eine Zeitlang überhaupt keine Verbindung zu bekommen. Den Fern- sprechteilnehmern, die eine Berbindung zu den vorgenannten Aemtern hergestellt haben wollten, wurde erklärt, daß die Leitungen infolge ein« technischen Defekts auf unbestimmte Zeit gestört seien. Später tonnte ein Teil der verlangten Verbindungen— allerdings mit einigen Derzögerungen— durch Umleitungen hergestellt werden. Wie uns von zuständiger Stelle hierzu mitgeteilt wird, war die Ursache der Telephonunterbrechung eine technische Störung im U m- schalteraum des Knotenamts F. Gegen 20 Uhr war die Störung zum größten Teil wieder behoben. Selbstmord zweier Lehrlinge. Am Sonntag früh inachte«in Streckenwärter auf dem Fern» gleis Berti n—-F ürstenwald« einen grausigen Fund. Zwischen den Schienen lag die Leiche«ine» jungen Mannes, dem beide Beine und ein Arm abgefahren waren. Die Polizei stellte an Hand vorgefundener Papiere fest, daß es sich um den 18jährigen Schneiderlehrling Willi L ö r l i n aus der Memeler Straße 23 handelte. Im Grunewald in der Nähe des Restaurants Onkel Toms Hütte erhängte sich der 16jährige Lehrling Karl Toftlöwe aus der C a p r i v i st r aß«'19.— In beiden Fällen konnten die G r ü n d e zu der Berzwefflungstat der jungen Menschen noch nicht ermittelt werden. Oer Europarundflug. Um 14.20 Uhr landete heut« der Italiener Mazzotti, Wettbe- werbsnummer Ick 6, in Berlin. Bon Dungern, Wettbewerbs- nummer A. der 12.30 Uhr aus Posen gestartet war, erreichte um 13.43 Uhr mit seiner BML.-Maschine den Berliner Zentral- sl u g h a fen.,' Kneer. v 4, auf Junkers Junior, und Morztk, A 4. auf BFW., sind gegen IS Uhr in Posen gelandet und wollen gleich mieöer starten. Der um 10.41 Uhr von Berlin nach Hamburg gestartet« Flieger Waldemar Rosder auf Junkers Junior, Wettbe- werbsnummer D S, wird aus Hamburg um 12.41 Uhr gelandet gemeldet. Ei« IS jähriger Schüler ertränke«. Auf tragische Weise ist gestern abend kurz noch 18 Uhr der ISj ährige Schüler Rolf Lothe aus der Osler st raße 19 in Friedenau ums Leben gekommen. Der Jung« badete zusammen mit mehreren gleichaltngen Karneraden in dem kleinen Teich dicht bei der Siedlung Lindenhof in Schöneberg. Dabei geriet er plötzlich an«ine tiefe Stelle und ging vor den Augen der Mitbadenden unter. Der alarmierten Schöneberger Feuerwehr gelang es, den Verunglückten schon nach kurzer Zeit zu bergen, doch blieben alle Bemühungen, den bewußtlosen Jungen wieder ins Leben zurückzuführen, ohne Erfolg. Der SS. Tote von Waldenburg. Gestern abend verschied im Knoppschaftslazarett auch der letzte der bei der Waldenburger Grubenkatastroph« schwer- verletzten Bergleute, der Hauer Johann Franz aus Neuenhain. Damit hat die furchtbare Schlagwctterkatastrophe auf den Schwesternschächten 33 Bergleuten das Leben gekostet. Die beiden Leichtverletztes sind dieser Tage aus dem Lazarett entlassen worden. -14 Opfer eines Autounglücks. Ein Kraftwagen vom Zöge überfahren. Dallas sTexas). IL. August. Ein Expreßzng der Texas und Pacifle-Eisenbah« überfuhr SO Kilometer östlich von hier an einem Bahn» Übergang ein La st automobil, in dem zwei Familie« von einem Ausflug zurückkehrten. Von den Insassen des Automobils wurden 14 ans der Stelle getötet» während ein Kind, das als einziges mit dem Leben da- vonkam, mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht wurde. Das Unglück ereignete sich nur etwa 120 Meter von dem heim einer der beiden Familien entfernt. Einer der Väter, der nicht au dem Ausflug teilgenommen hatte, sah von dem Hause aus mit an, wie seine Frau und seine sieben Sinder den Tod fanden. Meuterei an Bord! Finnischer Dampfer bei Rendsburg festgelegt. Siel, 12. August. An Bord d« auf der Reife von llrsiken nach Readham befind- lichen finnischen Dampfer»„Smud", der der Reederei hanseo-helsingfors gehört, brach auf der Fahrt durch den Kaiser- Wilhelm- Kanal eine Meuterei aus. Infolge Bersagens der Heizerwache konnte die für den Kanal bestimmte Fahrt nicht innegehallen werden. Durch die Vor- Haltungen d« Kapitän« des Schiffes aufgebracht, stürmte ein Teil der Wache aus die Kommandobrücke und griff den Kapitän und den Steuermann tällich an. Beide wehrten den Angriff ob Hierbei wurde der Kapitän durch M e s s e r st i ch e in die Brust und in den Rücken schwer verletzt. Auch der Steuermann erhielt Messer- stich« in die Arme. Auf Anordnung des Kanallotsen wurde der Dampfer bei Rendsburg festgelegt, und aus Rendsburg ein Arzt herbeigerufen._ Max Herzberg gestorben. Mitten aus rastloser Arbett im fast vollendeten 69. Lebens- jähre riß der Tod am Freitag, dem 9. August, unseren Genossen Max Herzberg von uns. Herzberg kam aus dem Bürgertum zu uns. In leitender kaufmännischer Stellung schloß er stch A n- fang des Krieges der Sozialdemokratischen Partei an. Seit 1916 war er kommunalpolitisch tätig. Er war Bürger, deputierter und Stadtverordneter in Schöneberg und nach Bildung der Einhettsgemeinde wurde er unbesoldeter Stadtrat in diesem Bezirk. Seine reiche Erfahrung und sein groß« Wisien stellte er un» eigennützig in den Dienst der Sache, besonders als Dezernent d« Wohlfahrtsamtes hat er sich in schwerster Zell als ein Freund der Armen betätigt. Hinter der oftmals rauhen Schale schlug Än warm« verständnisvolles Herz. Wirtschaftliche Sorgen»er- mochten ihn nicht niederzudrücken und durch zähe Energie baute er sich eme neue Existenz, um wiederum helfend für die Aermsteir der Armen einzutreten. Die Einäscherung findet am Dienstag, dem 13. August, um 11 Uhr im Krematorium Wilmersdorf statt. All« Schöneberger Parteigenossen werden gebeten, unserem verstorbenen Genossen die letzte. Ehre zu erweisen. Trauerfeier für Heinrich Zille. Die Trauerfeier für Heinrich Zille findet am Dienstag. dem 13. August, 12 Uhr mittags, in der großen Kapelle des Südwest. Friedhofes in Stahnsdorf statt. Sie wird eingelettet durch«in Vorspiel des Philharmonischen Orchesters(Streich- quartett) und linen Vortrag des Felix-Schmidt-Quottetts des Berliner Lehrer-Gesangoereins. Die Gedenkrede hält Oberbürgermeister B ö ß. Zum Abschluß der Trauerseier in der Kapell« wird dann das Philharmonisch« Orchester wiederum ein Streichquartett zu Gehör bringen. Als Vertreter der Akademie der Künste wird am Grab« Professor Kraus, im Namen des Freundeskreise« des Helm- gegangenen Dr. Adolf Heilborn sprechen. Georg Engel wird für den Reichsverband des Deutschen Schrifttums,«in Der- treter de» Kuratoriums für die Kinderheime der Roten Hilfe einen Kranz niederlegen. Di« Trauerseier wird mit einem Vortrag des Felix-Schmidt-Quortetts des Berliner Lehrer-Gesangvereins beendet. Bei der Beisetzung wird Reichskunstwatt Dr. Redqlob die Reichs- regierung vertreten. Am da» Saufhaus Galerie» tafayette. Für die Errichtung ein« Kaufhauses am Potsdamer Platz haben sich noch dem ersten Jahresbericht der Gesellsehafl der Galeries Lafayett« so groß« Schwierigkeiten ergeben, daß mit der Durchführung des Projektes n i ch t zu rechnen sein dürste. Auch für das neu« Terrain am Tauentzien bestehen erhebliche Schwierigkeiten. Es wird ein Verlust rem 0,485 Mill. Mark ausgewiesen. An die Eck« am Potsdamer Platz dürste voraussichtlich ein Geschäft»- und Bureauhaus kommen. Dsr seit altersher als haarstärkend und belebend anerkannte Natursaft der Birken bildet die Grundlage für das nach wissenschaftlicher Erkenntnis zusammengestellte Dr. Draile's Birken- Haarwasser» Weltbekannt als unerreichtes Mittel gegen Kopfschuppen und Haarausfall. Preis; RH i�und FIM. 4�° üter RH 6.80 Hüter RH I2»~ Mensch, wat is'n mit dir los? Berliner Redensarten und Echlagworte. »Selbst derjenige Wih. der uns aus dem Tabakskolle- �lum bekannt wurde, ist so plumper Natur, dah er mit dem heutigen Kernwitz der Berliner, der fast immer die Aehn- lichkeit der kontrastierenden Dinge auffindet und dem selten der tiefere Bezug fehlt, nicht zu vergleichen ist. Aber auch das leichtere berlinische Bonmot wird so besonders wirksam durch die Ruhe und Absichtslosigkelt, mit der es wie aus heiterem Himmel herausbliht. Größtenteils gegen alle Nuancen der Bedrückung, der Ungerechligkeit und der trotzenden Dummheit gerichtet, niemal» gegen den Leidenden, ist der Witz der Berliner auch oft nur sich selbst Zweck: eine lustige Unterhaltung mit der stillen Voraussetzung, daß auch die schärfste Spitze nicht verwunden darf.. Adolf Glaßbrenner. Der Berliner ist überall als Großschnauze verschrien. Seine Kritik, mag sie noch so sachlich sein, wird für Ueberhebung und Frechheit, seine etwas schnoddrigen Redewendungen werden für Gefühlsroheit gehalten. Man gibt gern zu, daß man oftmals in der Provinz auf sogenannte Berliner stößt, die sich taktlos, auf- dringlich benehmen und so Mißfallen erregen, aber diese Berliner sind keine Berliner, sondern Zugereiste, die sich in der Reichs- Hauptstadt noch gar nicht akklimatisiert haben. Der echte Berliner ist«in ganz prachtvoller Kerl. Er ist witzig, gutmütig, derb und stark kritisch veranlag!. Das wahre Spiegelbild des Berliners ist seine Sprache, sind seine Redensarten und Schlagworte, die sofort den Kern der Sache treffen und«ine gute Beobachtungsgabe ver- raten. Wenn er z. B. eine Wanze mit einer Tapetenflunder vergleicht oder den hochbahnbau mit einem Magistratsregen- schirm- so sind das Vergleiche, die gar nicht treffender sein können. Solche Schlagworte werden ein« ziemlich unbeschränkte Lebens- dauer haben, während viele, die Im vorigen Jahrhundert geprägt wurden, heut« fast gar nicht mehr bekannt sind, vielfach nicht mehr bekannt sind, weil die Einrichtungen, mit denen sie sich be- fasten, nicht mehr bestehen. Aber im großen und ganzen hat auch unsere Generation die Mehrzahl der alten Schlagworte übernommen, weil sie so überaus treffend sind. So mancher Tag weht uns mit- unter ein neues Wort zu, und dieses Wort verankert sich und bleibt bestehen. Knorke und knispe. Ein ganz treffendes Beispiel, mit welcher Schnelligkeit sich«in Schlagwort verbreitet, bietet der Ausdruck„k n o r k e" Dieses Wort wurde in meinem Beisein von einem Journalisten in einer über- mutigen Laune geprägt, nach acht Tagen in die Preste lanciert, und kaum waren vierzehn Tage vergangen, so tönt« einem überall das liebliche Wort„knorke" entgegen, worunter der Berliner«ine ge- lungene, gediegen« Sache versteht. Eine graziösere Abart von „knorke" ist der ganz neue Ausdruck„knispe".„Knispe" ist etwas raffiniert Gelungenes. Run sagen diese Ausdrücke an sich sehr wenig. Sie sind etwas nicht Borstellbares. Diel schöner und werwoller sind natürlich die Schlagworte, bei deren Ausspruch sich sofort ein Bild aufdrängt. Also: Angströhre für Zylinderhnt,' Melone, Dunslkiepe oder Lausekasernesürden halbrunden Hut oder Schnauzenhobel und Schnauzenorjel für Mundhar- monika. Fatzke und VaSco de Gama. Diele.unserer alten Redensarten sind nicht deutschen, sondern französischen und italienischen Ursprungs. Das Wort Fatzke z. B. bat folgende Geschichte: So um 1840 herum wurde in einem Ler- liner Theater das Stück„Dasco de Gama" gegeben. Dieser Basco war in dem Stück kein berühmter Seefahrer, sondern ein Trottel, der das Publikum überaus belustigte und das Tagesgespräch Berlins bildete. Aus dem Wort Dasco macht« der Berliner bald Fatzke. Auch der heute noch gebräuchliche Ausdruck„ete petete" rührt wahrscheinlich von etre-peut-etre her. Und da» schöne m e n a- schieren, das immer noch herumspukt, stammt von mmagcr. Aber diese Schlagworte fremsprachigen Ursprungs bildeten stet» nur einen ganz geringen Prozentsatz des Berliner Sprachschatzes. Oer Bilderreichtum des Berliner Dialekts ist geradezu verblüffend. Da steigt man also Sonntag» früh aus der Flohkiste, wischt sich die h i m m�lf a hrt s k n o l l e und putzt sich die Fresse. Nachdem man die Lorke getrunken hat, bietet man seinem Magen noch etwa» Warmes an, man steckt sich nämlich eene Iiftnudel,«nen glimmst«ngel oder eene Stinladores in die B o l t« sp e i s ea n sta lt und trudelt los zum Frühschoppen. Im Saftladen ist schon alle, ver- s e m m e l t. Da sitzt Max« aus Reinickendorf, den man Chaussee- floh oder Jummiquetscher nennt, weil er sich im Besitz« eines h ä m o s(Fahrrades) befindet. Auch Fritze sitzt wieder da, «r sieht aus wie Braunbier und Spucke und leecht Hundehaare uff, weil er am Sonnabend wieder voll war wi«»e katholische Kirch«. Im letzten Momang kommt der brägenklietrije Willi. Der hat schon verschiedene Ecken mitjenommen und ist stark anjejangen. Dann setzt man sich und verlötet einen. Fritze kluckt da wi« Riesel- priem, Willi hat natürlich Lippendiarrhoe und quatscht sich die Schnauz« fusselig. Plötzlich sibts in eener Eck« Stunk, da werden welche breeterwiethemde und pflaumen sich an... San kleena Dicka, der aussieht Wien Pfannkuchen mit B«« n e, und son volljefressena Bindfaden, son langet spillrijet Ding, dem man det Dataunsa durch die Backen blasen kann. „Mensch, such birn Platz aus, wo de liejen willst." „Dir knall ick jejen de Wand, det de kleben bleibst und de Mord- kommistion dir abkratzen muß." .Tw nich. Dir hau'ck uffn Kopp, det de Lause piepen." „Und ick leech dirt Ooge uffs Schemisett." Mischt sich nun ein dritter ein, so zieht er sich den Zorn der beiden Streitenden zu, die behaupten, et seht teenea wat an, wenn s« sich jemietlich untahalten. Zum Schluß gießen sich all« drei«inen hinter die Bind«. Das ist das Schöne am Berliner! Er meint es ja gar nicht so, wi« er es sagt! Solang« er schimpft, schlägt er nicht. Er will den anderen bloß jraulich machen. Er schimpft gern, er über- treibt, er spuckt einen ganzen Schwärm von Schimpfworten aus und macht den anderen so klein und häßlich, aber schließlich brabbelt rt bloß noch, und schon kribbelts ihm in der Hand, sie dem anderen zur Bersöhrnrng entgegenzustrecken, wer au, den saftigen Schimps- marken auf eine Gefühlsroheit des verstner, schließen wollte, ist ans dem Holzwege. Der Verstner ist sogar sehr gemütvoll and hilf». bereit. Diese Beobachtung kann man tagtäglich auf der Straße machen. Aber schließlich erheben ja nur diejenigen gegen den Ber- liner Borwürfe, die ihn nicht kennen. Schlagworte. Man kann im Rohmen dieses Aufsatzes Ding« nur streifen, die man gern ausführlich behandeln möchte. Es wäre noch sehr viel über den ironischen, schlagfertigen, kritischen, derben, gemütlichen und fleißigen Berliner zu sagen. Aber das meiste sagen wohl die Schlagwort«, von denen einige hier aufgezählt seien. Für Klavier hat der Berliner die schön« Bezeichnung Draht kam- mod« und Knautschorjel. Ein L i p p e n t r i ll e r ist ein Likör, während der Schnaps mit dem Ausdruck Rachenputzer belegt wird. Ein etwas schwerfälliger, verträumter Mensch ist ein Nieselpriem, eine Transuse, Drommtill« ober ei» Trauerkloß. Wiesenpieper— klein« Mädchen. Ferdeoojen in Ielee= Austern. Winimerschinken. Polkschinken_ Mandolm«. Schmalz-Amor= fetter Bräutigam. Bon einem Menschen, der viel redet, spricht der Berstner von «iner Qüasselstrrpp«, einem Sobberfritzen. Oder« kähn«, Quadratlatschen, Kindersärg« find große Stiefel. Eine nach oben zeigende Nase ist ei« Juchheijurke, in die« t r i n r« j n« t oder eine himmelsahrtsnees«. Man kann jemand«ff de Beene helfe», uff» Dach st eisen oder vorn Latz knallen. Ein V o o» i tz ist«in Mensch, dem sie» Jeh i rn j« klaut haben, de» sie als Kind zu heiß j e b a d e t haben. Manchmal hat der Aermste einen Webefehler. Etwas ungalant geht der Berliner mit älteren, etwas streitsüchtigen Frauen um. Sie sind Spinatwachtel», Zopplerche» und oll« Krähen. Beim Berliner klappt, wie im Pantinen- k« l l e r. Er piept nicht uffn Kalmus und kraucht ooch nicht uffn Leim. Er läßt sich teen Bonbon ans Hemde klebe», weil er Haare uff de Zähne hat und keener beim ihm uffn Topp kommt. Diese Schlagworte, die in den Kneipen, auf der Straße, in den Arbeitsräumen entstehen, sind ein unversiegbarer Quell. Selbst in den traurigen Kriegsjahren, in den Zeiten der Jnstation tauchten Worte auf, die die bestehenden DerhSltnisi« treffend charakterisierten und doch von einer unverwüstliche» Lebensbejahung zeugten. Wir echten Berliner jedenfalls werden uns auch in Zukunft nicht aus den Schlips treten lasten, denn: Wir sind wir!---- Nich wah! Na. allemall «rbeller- Avßball Heute, Die»«»». UV, Uhr. ltebd te»ol»part TCatienboti etu F r eu» d s ch»l t» spt e l, wische» rempelhos und Schineberg statt. Die Geliebte niedergeschossen. Oer Täter stellt sich selbst der Polizei. Am Sonntag mittag spielte sich im Hause Oranienburger Straße KS eine blutige Tragödie ab. die tu ihren Einzel- heilen bisher noch ungeklärt ist. Zm Hinterhaus wohnl der ISsährige wechaniker Herbert T e tz l a f f zur Untermiete. Gestern mittag gegen 12 Uhr. als seine wirlsleute abwesend waren, empfing T. den' Besuch seiner Ge- liebten, einer 20jährigen Erna B.. die in der Dorotheenstr. 2S als Hausangestellte beschäftigt war. Plötzlich krachte in der Wohnung ein Schuß. Verstört lief Tehlass wenige Ulinuien später zur Tür hinaus und stellte sich der Polizei. Dort gab er zunächst an. daß seine Geliebte sich aus Unvorsichtigkeil erschossen habe. Die Beamten eilten sofort in die Wohnung und fanden das junge wädchcn mit einem Kopfschuß kol aus dem Flur liegen. Die Kugel war von vorr. in die Slirn eingedrungen, die Verletzung muß den sofortigen Tod zur Folge gehabt haben. Die Richtung des Schußkanal» und verschiedene andere verdächtige Um- stände ließen bei den Beamten aber Zweifel au der Wahrheit der Angaben des jungen Mannes aufkommen. 3n ein Kreuzverhör genommen, gab Tehlafs schließlich zu. die Unwahrheit gesagt zu haben. Er behauptete jetzt, im S ch e r z aus seine Geliebte die Waffe angelegt zu hoben. Es sei plötzlich ein Schuß losgegangen und das Mädchen sei mit einem Ausschrei tot zu Boden gestürzt. Auch diesem Geständnis steht die Polizei sehr skeptisch gegenüber: es wird nämlich vermutet, daß die jungen Leute in Streit geraten sind und daß Tehlass seine Geliebte nieder- geschosten hat. Die weiteren Ermittlungen der Postzei gehen wetler. Biesdorf, die Obstkammer des Ostens. Viele Zentner Schattenmorelien für Berlin. Mit der Vorortbahn ostwärts, die Kaulsdorfer Strecke entlang, führt der Weg von Berlin in einer knappen halben Stunde nach dem Oertchen Biesdorf. Das Oertchen ist eigentlich im Laufe der letzten Jahre ein ganz ansehnlicher Ort geworden, denn rings um das Dorf haben sich Kolonisten angesiedelt, und heute be- Völkern etwa SOOll Einwohner die Gegend. An landschaftlicher Schönheit hat Biesdorf wohl nicht allzuviel aufzuweisen, und so nimmt es auch auf der Programmlist« der Aus- flügler keinen bedeutenden Platz ein. Wer aber jetzt, in diesen Tagen, die Straßen entlang geht und einen Blick in die O b st g ö r t e n tut. der wird erstaunt sein von dem überreichen Segen der S p ä t k i r s ch- bäume der Schattenmorell«. Unter der Last ihrer Frücht« drohen die nicht allzu kräftigen Bäume— die Schattenmorelle ist ein Buschobst— schier zusammenzubrechen. Don allen Seiten müssen sie gestützt werden, mit Plättbrett und Latten und was man sonst zur Hand hat. Bon morgens bis abends stehen Bater, Mutter, Kinder und wer sonst noch da ist und schneiden Kirschen. Man pflückt die Schattenmorelle nicht, well durch das Abreißen die zarten Zweige. die ohnedies durch die allzu große Belastung strapaziert werden. allzusehr leiden: man schneidet jede Frucht, Stück für Stück, mit der Schere ab. Die Schattenmorelle bedarf eines feuchten, lehmhaltigen Bodens, und dieser ist hier, besonders in der Kolonie Biesdorf-Nord, vorhanden: Biesdors-Siid, das im Spreebett liegt, hat sandigeren Boden und daher nicht eine ganz so gut« Ernte. Der reiche Obstertrag— im Frühsommer sind es Gartenerd» beeren, im Hochsommer Schattenmorellen— wird zum größten Teil an die Berliner Markthallen, dann auch an Klein- Händler und an Privaikunden abgeliefert. Morgens mit den ersten Zügen rollen dann die schönen, dunklen Früchte, die hauptsächlich zum Einmachen verwendet werden, nach der Großstadt und ihrem Riesenmagen. Die Haupttieferantin ist die Biesdorfer Plantage, die mit ihren 2000 Kirschbäumen den größten Erfolg am Orte hat; die kleineren und kleinsten Gartenbesitzer liefern ihre Ernte entweder an die B i e s d o r f e r Obstsammelstelle ab, die wiederum die Gartenbaustell» in der Berlin e'r Zentralmarkthalle be- liefert, oder sie bringen die Früchte selbst zu ihren Kunden. So kann sich Biesdorf, das der Hauptlieferant in Schattenmorellen für Berlin ist und Tausende von Zentnern dieser Frucht erntet, der westlichen, weit populäreren Obstkammer Werder würdig zur Sette stellen. Drittes Todesopfer des Autounglücks. Das schwer« Autounglück am Kaiserdamm, über das wir gestern berichteten, hat leider noch ein drittes Todesopfer gefordert. Im Westend-Krankenhaus ist am Sonntag früh der bei dem Zusammenstoß schwer verletzt« Max Tromm aus der P r e n z- lauerAllee 3S seinen Verletzungen erlegen. Das Befinden der übrigen Verunglückten ist leidlich. Bisher ist es n I ch t gelungen, die genauen Ursachen des Autounglücks mit seinen furchbaren Folgen zu klären, da die Verletzten noch ver. n eh m u n g»u n s ä h i g daniederliegen. Siaft zufAtfaäh Da hilft nichts: wir müssen aufstehen. Aber wir sind{a trainiert. Und die letzte Müdigkeit streift Caid ab. Die Caid Zigarette weckt alle Lebens« geister, sie macht frisch und werktagsfroh! 5 pf. 5 pf. - MiOAsaMdUaasette. SüUPs'müeL! Ctafenfinngen für triefe Rubrik find 0 e t Ii b SW 68, Lindenstraße 8, parteinachn'chien für Groß-Rerlin stet» an da» Bezirkasekretariai L. Hos, S Treppen recht», zu richten. 5. Stei» Friedrichshain. Bilduagsausschuß: Sitzung Donnerstag. Iii. August, pstnZtlich 20 Uhr, bei strugmann, Memeler Str. 67. Tagesordnung ist schriftlich bekanntgegeben worden. Bei Berhinderung unbedingt Ber. tretung senden. Die Karten zur Sportveranstaltung sind abzurechnen. Keine Karte darf zurückgegeben werden. U. Krei» Tewpelhos. Donnerstag, 15. August, IS Uhr, Sitzung de» Kreis- bilbunft-ousschuste» bei Niendorf. Marienborf. ckhausseestr. 19. 18. Krei, Weitzrnsee. Kreismitgliederversannulung an> Mittwoch, 14. August, 19% Uhr, am Pferde markt, Schönstratze. Referent Genosse Hanns Kamm über.Rußland— China". Heute. Dienstag. 13. August. 47. Abt. 20 Uhr ffunktionärsttzung bei Wilhelm Gesche. Wrangelstr. 2L Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung lAufüellung ber Kandidaten) Erscheinen aller notwendig. St. Abt. Britz-Buckow. An der heutigen Sitzung im Bersammlungraum am Hufeisen nehmen olle Bezirkzftthrer teil. Zeder Bezirk muß vertreten fein. Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen. ZNitlwoch, 14. August. 20 Ahr: 2. Abt. Ohngemach. Kommandantenstr. 8«. Referent Genosse Willy Schubert über.Die Unfall- und Znvolidenversorgung des Proletariats". 3.»bt. Saal I des Gewerkschaftsbauses. Referent Genosse Stadtverordneter Häd'cke über„Kommunalpolitik. 4.»bt.„Schlestfckie Heimat"(Stommel), Reue Friedrichstr. 1 fan der W-isenbrücke). Referent Genosse Kurt Kietzmann:.Da» Arbeitslosenoer- 5. Abt. N?sentt>äler Hof, Rosenthaler Str. 11—12. Genosse Karl Schutt über„Bolksfllrforge". 6. Abt. IVA Uhr im Lokal Dietrich, Brnnueuftr. 34. Referent Genosse Emil Barih:„Reparation und Arbeiterschaft". ». Abt. Achtung! � Der Zahlabend für den Bezirk Liltzowplatz- Magdeburger Platz wird verlegt in das Lokal von Matschte. Kurfügstenstr. Iii. Genosse AirsS)berg spricht über„Die politische Lage". Die übrigen Zahlabende in den bekannten Lokalen: Meyer, Llltzowstr. 7. Referent Genosse Bach. räch. Thema:„Die sozialistische Partei Frankreichs". Seiler, Steinmetz. straße 29. Rickert. Steinmetzftr. Z6->. Referentin Genosstn Meyer. Thema: „Der Joung.Plan. Lenschner, Elßholzstr. 5. Referent Genosse Wäger. Thema:„Sozialiftische Erziehung". 16. Abt. Achtung! Die Mittwochversammlung findet am Donnerstag im Tafo Gärtner statt. 11. Abt. IgUllfir bei Berger. Levetzowstr. 21. Referent Genosse Dr. Restriepke: „Welche Vorteile bietet die Volksbühne der Arbeiterschaft". 12. Abt. Nachtigall, Beusselstr. 32. Ernst Neumann über„Wirtschaftspolitik". 13. Abt. 19V> Uhr Turmstr. 25, Patzenhofer, Blauer Saal. Referent Genosse Willi Lipstreu:„Die Berliner Feuerwehr". 14. Abt. Kohlabend bei Gottschalk. Puttbusser Str. A: Stark, Puttbusser Straße 14: Schulz, Graunftr. 41. 15.«bt. Igltz Uhr Kahlabende bei«urkowski. Feldstr. t; Duhm. Brnetoplatz 7. 16, Abt. Kahlabende Sei Döhlung, Brunnenstr. 79: Leufchner, Ackerstr. 110; Fahrensteiner. Reue Höchste. 8. 17. Abt. 19'.; Uhr Kahlabende bei Loefftz, Tegeler Etr. 50: Schwiderowski, Triftstr. 48: Schreiber. Triftstr. 63. 16. Abt. Kahlabend in den Lokalen: Bezirke 805, 806: Grunert. Pankstr. 59. 809. 810: Schrevel, Grllnthaler Str. 13. 811: Brodzinski, Grünthaler Str. 6. 812: Schulz. Stettiner Str. 52. 813 und 819: Gottschalk, Grünthaler Str. 14. 814. 817, 818: Schuchardt. Christianiastr. 116. 815. 81«: Haß, Grünthaler Straße«3. 820: Stessen. Prinzen.Allee 57. 36. Abt. Kahlabende bei Bontke, Schulst!. 74: Pose, Kolomestr. 15; Tillner, Koloniestr. 42. 31. Abt. 19 Ich Uhr Kahlabende in den Seien nten Lokalen. Stellungnabme zu den Kommunalwahlen. 23. Abt. losch Uhr Kahlabende bei Lewandowsll, Seestr. 104; Grunewald, Kameruner Str. 19: Gutschows. Transvaolftr. 25: Tietze. Barfusstr. 9: Mollnau, Müllerstr.«2»: ÄSnig, Otavistr. 37. Tagesordnung: Stellung- nähme zu den Kommunalwahlen. 34. Abt. 1. Gruvpe bei Rösner, JmmanueUirchstr. 25. 1». Gruvpe bei Ahl. fchläger, Wins- Ecke Christburger Straße. 2. Gruppe bei Bogel, Zablonski- straße 9. Bortrag Uber die politische Lage. Reserent Genosse Richard Meier. 3. Gruppe bei Schulz. Carmen-Sylva-Str. 51 Ecke Hosemannstraße. Bortrag:„Kommunalpolitik". Referent Genosse Kühne. 26. Abt. Bei Beinlich, Weißenburger Str. 1. Portrag. 27. Abt. IDtch Uhr Kahlabende bei Teuge, Milastr. 5: Mehlberg, Gaudystr. 5: Reetz, Sonnenburger Str. 1: Hausotter, Korstirer Str. 1: Glanz. Kopen- baaener Str. 87. Ueberall:„Bericht vom Wiener Zugendtag". 38. Abt. Kahlabende in den Lokalen: Maas, Prenzlauer Allee 282: Bartelt, Wörther Str. 19: Zänecke, Sagenauer Str. 5; Rechenberg, Ehoriner Str. 49; Kundel. Kastairien-Allee 29/80: Meyer. Oderberg er Str. 39. 26. Abt. Mitgliederversammlung im Altersheim. Danziger Str. 68. 36l«bt. 18:,) llhe: Kur« Besprechung mit den Bezirktführern bei Pobft. anschliessend KahloSende. Bezirke so, 91 bei Pohst. Lychener Str. 103. 22 bis 94 bei Schröder. Pappelallee 84. 97 bei Schmidt. Pappelallee 80. 98, 99 bei Hoffmann, Lychener Str. 8. 114 bis 120 bei Mahnkvpf, Carmen- Lnlva-Str. 123. 121 bis 123: Wicherstr. 39. 124. 124» bei Riebergoll, Carmen-Sylva-Str. 22. 81. Abt. ssunktionärsttzung bei Goldschmidt. Swlpische Str. 36, 20 Uhr. 32. Abt. Schmidts Gesellschaftsbaus, Fruchtstr. 3«». Bortragr„Was leistet Berlin zur Selhsternährung der Bevölkerung". Referent Chr. Gutekunst. 33. Abt. 1914 Uhr Kahlabend bei Abrabam, Wertalla und Soffmann. Thema: Die Kommunalwahlen. Vorschläge fstr die Kandidatenliste. 35. Abt. Kablabende bei Otto, Rigaer Str. 85. Gruvpe Bomb« und Gruppe Schul, gemeinsam in der Schule, Samariterstr. 20. 36. Abt. Gruppe I bei Busch. Tilstter Str. 27. Gruppe II bei Franke, Korn- dorfer Ecke Löwestraße. Gruppe III, IV bei Wittschuß. Petersburger Str. 5. 38. Abt. 1914 Uhr Kahlabende in allen 19 Bezirken in den bekannten Lokalen. Erscheinen wegen der Kandidatenbenennung zu den Wahlen erforderlich. 39. Abt. Baugewerksbaus. Großbeerenstr. 9«. Bortrag des Genossen Mar Taube:„Der Niedergang der nationalistischen Bewegung in Deutschland und der Faschismus". 36». Abt. gahlmorgen.„Unser Weg" ist vom Genosse» Schwahn abzuholen. 41. Abt. 1. Gruppe: Lokal Göbel, Tempelhofer Ufer 6. 8 Gruppe: Lokal Erbinann. Belle-Allianee-Str. 73*. 3. Gruppe: Lokal Fechner. Fidlein, straße 4. 4. Gruppe: Lokal Schuster, Cbamissoplatz 4. 5. und«. Gruppe: Lokal Lutze. Bergmannstr. 93. 7. und 8. Gruppe: Lokal Schuld, Marien- dorfer Straße 5. 43.«bt. Bezirke 123. 124: Albrecht. Urbanstr. 29. 125: Ehristen, Fichtestr. 24. 126, 127; Drub», Gräfestr. 41. 128, 129: Frankenhauser, Zahnstr. 15. 130: Albrecht. Urbanstr. 29. 131: Wolter, Böckhstr. 43. 132: Krepp, Plan. Ufer 75/76. 133: Mendler Rachf., Dieffenbachstr. 54. 134: Wolf. Gräfe- straße 26. 135, 186: Vogt, Boppstr. 8. 187, 138:«lose. Böckbstr. 34. 44. Abt. Schulaula. M-riannenstr. 47. Bortrag:„Politik und Wirtschaft". Referent Ed. Kachert, M. d. L. Stellungnahme zur Bezirk»- und Stadt- verordnetenwahl. 45. Abt. GruppenaSende. Minnig, Lausttzer Straße. Referent Genosse Marske. Matschen«, Forster Str. 9. Wtnzier, Reichenberger Str. 104. Sommer, giener Str. 26. >t. Kahlabende in Lokalen Wallenthin. Görlitzee Str. 72. und Eichhol». Euvrystr. 23. 47. Abt. 97. Bezirk: Paul Lier, Raunynstr. 9. Dr. Schönherr Uber:„Poung- Plan". 98„ 100. Bezirk: Siebentopf. Muskauer Str. 35. Josef Ernst über: „Palltische Lage". 101. bis 105. Bezirk: Lebmann. Muskauer Ecke Keug- Hofstraße. Genosse Kramer über:„Außenpolitik". 82.. 88. Bezirk: TImpe, Raunynstr. 50 Ecke Adalbertstraße. 48. Abt. Gliestng, Wasserthorstr. 68. Bortrag:„Politische Lage". Referent Genosse Robert Breuer. Eharlotteuburg. 51. Abt. 1. Gruppe: Schellbach, Königin. Tlisabeth-Str. 6. 3. Gruppe: Lokal Sophie-Eharlotte-Str. 88. 3. Gruppe: Dörre, Danckel- mannstraße 18, mit Bortrag.— 52. Abt. Bei Kraffehl, Kaiserin-Augusta- Allee 81 Ecke Semmeringstraße. Vortrag:„Die städtischen Werke im Spiegel der Parteien". Referent Genosse Stadtverordneter Schäfer.— 53. Abt. Die Kahlabende finden in den bekannten Lokalen statt. Der Ableilungsvorswnd trifft sich bereits schon um 18 Uhr im Lokal Lux.— 54. Abt. 20 Uhr Funktwnärsttzung bei Casper, Guerickestr. 1. Abteilungs- und Gruppenführer 19,30 Uhr daselbst.— 55. Abt. Lokal Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. Bortrag:„Die Entwicklung des Beekehrswefens in Groß-Berlin". Referent Stadtverordneter Eichsterg.— 55. Abt. Kahl. abende fallen au«. Dafür Abteilungsoersammlung 20 Uhr bei Jas low lack, Soltzendorfstr. 20.— 57. Abt. Thunack. Wielandstr. 4. Bortrag:„Ueber Jugendfürsorge". Referent Bruno Theek. Spandau. 56. Abt. Turmzimmer des Ratskeller», Potsdamer Straße. Bor- trag:„Reparation und Arbeiterschaft". Referent Genosse Breunig.— 66. Ali. Lokal König, Pichelsdorfer Str. 38. Bortrag:„Steuern, und Finanzpolitik". Referent Dr. R. Lohmann. 67. Abt. Sruuewald. Bei Wurzbacher, Vortrag Genosse Stadtrat Oppel. 68. Abt. Halenfee. Sandmann, Westfälische Str. 42. Bortrag:„Kommunale Schulpolitik". Referent Dr. Kawerau, Stadtverordneter. Wilmersdorf. 76. Abt. Kroitz, Holsteinische Str. 60. Vortrag:„Kommunal. Politik". Referent Stadtverordneter S. Woywod.— 71. Abt. Lokal Lau, Hildegardstr. 14. Referent Genosse Amtsgerichtsrat Karo über:„Schöffen und Geschworene".— 72. Abt. Rosenau, Warziner Ecke Laudacher Straße. Genosse Regierungsrat Krebs über:„Die Krise in der Fürsorgeerziehung". 76. Abt. Dahlem. Die Augustversammlung fällt au». Fllr September wird schriftlich eingeladen. Schöneberg. 77.«bt. 1. Bezirk bei Milde, Rollendoefstr. 16. 2. Bezirk bei Jürgens, Barbarossastr. S». Vortrag de, Genossen Asch:„Mit dem Soz. Bildung,au«schuß auf Ferienreise". 3. Bezirk bei Keugner. Drunewaldstr. 36. 4. Bezirk bei Will, Martin-Luther-Str. 69.— 86. Abt. Selmholtz- Gymnasium, Rubens- Ecke Begasstraße. Bortrag. kür lto!»«, Manäsrllne«» und Wochenende vergessen Sie nicht die herrlich erfrischend schmeckende Pfeffer- minz-Zalinpast« Chlorodont. Tube 60 Pf. und 1 Mi., und die dazugehörige Chwrodont-Zahndürst» mit gezahntem Borstenfchnitl von beller Qualiiäl. für Erwachsene 1.25 Ml., für Kinder 70 Pf., zur Beseitigung fauliger, übelriechend« Speisereste w den �ahnzwischenräumen und zum Weißputzen der Zähne. Erha tilch in allen CHIorodont-Derlaussstellen in der belannten blau- weig-grüuen Original-Packung. «. Abt. Friedenau. Gesellschaft«, immer, Ratskeller Friedenau. Lauterplatz. Referent Reich Wer:„Kommunalpolitik". 82. Abt. Stealitz. 1. und 2. Bezirk: schellhofe, Ahornstr. 15». Vortrag:„Mit der SAI. im roten Wien". Referent Genosse Rehdorf. 8. und 4. Bezirk: Richter, Feldstr. 8. 5. und 6. Bezirk: Selix. Bismaeckstr. 65. 7. Bezirk: Lokal Südende, Lichterfelder Str. 1. 8. Bezirk: Kauderfran», Lauendurger Ecke Bergstraße. 9. Bezirk: Wernicke, Ecke Berlinickestr. l. Bortrag über: „Die weltliche Schule". Referent Genosse Hans Bauer. 83. Abt. Lichterselde-West. Lokal Schmidt, Roonstraße Ecke Hindendurgdamm. Bortrag:„Die politischen Parteien in Frankreich". Referent Genosse Bachrach. 84. Abt. Die Mitgliederversammlung im August fällt au». 8«. Abt. Marieudoef. Schulaula. Königltraße. Bortrag de» Genossen Dr. Kurt Löwenstein. M. d. R. 88. Abt. Lichtenrade. Schule, Roonstraße. Bortrag:„Die politische Lage unter Berückstchtigung des Haushaltsplans". Referent: Dr. Krotofchiner. Reuiöll». 89. Abt. Bez. 1— 4 bei Erommek, Sanderste. 10. Referent Günther Joachim:„Kehn Zahre Weimarer Verfassung". Bez. 5, 7—8 bei Tinsler, Reuterstr. 48,„Die Feinde der Arbeiterbewegung von recht» und links". Referent Genosse Herm. Krüger. Bez. 9, 10, 18, 19 bei Kuhlisch. Hobrech!. straße 62, Genosse Theo Gläß über„Hermann Claudius als Mensch und Dichter". 6., 11., 12. Bez. bei Brandt, Pflügerstr. 19. Genosse Rudolf Abraham über„Rechtliche Stellung de, unehelichen Kinde» und seine Reform."— 90. Ahi. Mitgliederversammlung in folgenden Lokalen: 13. Bez. bei Rüdiger, Lohmühlenstr. 36: 15. und 2«. Bez. bei Jahn, Fulda. straße 45: 16. und 25. Bez. hei Schönfifch, Weichfelstr. 15: 17. und 24. Bezirk bei Lehmann, Tellstr. 8: 22. Bez. bei Klemt, Berliner Str. 100: 23. und 36. Bez. bei Schabeiko, Weichfelstr. 5: 34. und 43. Bez. bei Kienitz, Flug- hafenstr. 7: 35. Bez. im Idealkastno, Weichfelstr. 8.- 91. Abt. 20., 21., 39. Bez. bei Köster, Karlsgartenstr. 4; 40. Bez. bei Lüddeke, Karlsgarten. straße 12: 50. Bez. im Restaurant Flughafen, Mahlower Str. 10: 38., 4l.< 49. Bez. bei Jakob Müller, Flughafenstr. 50; 37. und 42. Bez. bei Stah. mann, sslughafenstraße Ecke Reulerstraße: 43. Bez. bei Kalewski, Boddin- straße Ecke Isarstraße.— 92. Abt. Bez. 27 und 28. im Restaurant Echan- dauer Ecke Elbestroße. Referent Genosse Fechner über»Kommunalvoli. tisches". Bez. 31, 44, 45 und 55 im Lokal Wolff, Kaiser-Friedrich. Straße, über Kommunalpolitik". Referent Genosse Robinson. Bez. 46, 47 und 59 Bortrag des Genossen W. Lausen.— 93. Abt. Bez. 56, 58 und 81 bei Damm, Lertzbergstr. 22. Referent Georg Müller:„Christentum und Sozial- dcmokratie". Bez. 57 bei Schauer. Treptower Etr. 90. Referent Gen. Flatau: i„Gefahr einer katholischen Kulturreaktion". Bez. 83, 84, 85 bei König, Böhmische Str. 43/44. Referent Genosse Miethke:„Die weltliche Schule". Bez. 9« und 99 bei König, Cannerstraße Ecke Elsterstraße. Genosse Hilde- drandt über: Rußland und der Friede". Bez. 95 und 100 bei Wannstadt, Thüringer Str. 22. Genosse Rudolf Weck:„Das Arbeitssofenversscherungs- Problem". 98. Dez. Siedlung Bärwinkel, Bortrag.— 94. Abt. 51. Bez. Lokal Münnke, Echillerpromenade 39. 52. Bez. Lokal Schräder, Selchvwer Straße 6. Bez. 64. 65, 66, 67, 77, 78 Lokal Sell, Schillervromenade 11. Bez. 6«, 76 Lokal Schröder, Steinmetzftr. 52.— 95. Abt. Die Abteilung». Versammlung fällt aus. Dafür bei Grieger, Lefstngstr. 9, Sitzung des Dorstandes mit allen Funktionären und Kommifstonen. Jeder Bezirk muß vertreten fein. Materialausgabe.— 9«. Abt. Bez. 86 und 101 bei Brandt, Thüringer Ecke Wipperstraße. Referent Hans Waldmann:„Poung-Blan und Arbeiterklasse". Bez. 80, 87 und 88 bei Lüben, Tbomasstr. 5. Refe- reut Heinz Wagner über„Arbeiter-Eport-Bewegung". Bez. 102, 108 und 104 bei Zillmer, Rogatstr. 56. Referent M. Scharfstädt über„Das Berufs- ausbildungsgefetz". Bez. 93 und 94 bei Frenke!, Schierke- Ecke Bodestraße. — 97. Abi. Weisels Festsaal, Ionasstraße, Bortrag.— 66. Abt. Bez. 108, 109, 110 bei Teich. Knefebeckstr. 135. Bez. III. 112, 113 bei Becker, Delbrück. straße 55. Bez. 114, 115 bei Borowiack, Mariendorfer Weg 7. 6». Abt. Britz-Buckow. Die Kahlabende fallen in allen Bezirken mit Aus- nähme der Droß-Siedlun» aus. Dieselben finden acht Tage später statt, Britz-Seoß-Eicdlnng. 19fz Uhr Lokal Buschkrug. Rudower Str. 43. Referent Genosse Dr. Georg Becker über:„Der Poung.Plan und die Haager Konferenz". 100. Abt. Rudow. Kahlabend bei Krüger. Bendastr. 71. 101. Abt. Treptow. 1. Bez. Stephan. Grätzstr. 1. 2. Bez. Lokal KrMstr. 1: .Die englischen Wahlen und die Weltpolitik". Ref. Genosse Gillmeister. 3. und 4. Bez. Lokal Elseneck, Kiesholz. Ecke Elsenstraße:„Kampf um die Arbeiislosenverstcherung". Referent Gen. Fritz Rablow. 5. Bez. Lokal Tivoli fInh. Falkenhagen), Reue Krugallee:„Die Wirtschaftsbetrtebe ber Kommune". Referent Gen. Fr. Neumann. 103. Abt. Odertchöueweide. 1., 2. und 8. Bez. bei Knappe, Bestendstr. 17. 4. und 5. Bez. bei Winkler, Wilhelminenbvfstr. 82b. 6. und 7. Bez. bei Emmerich, Wilbelminenhofstr. 64. In allen gahlabenden: Bericht der Beztrksverordneten. 164. Abt. Niederschöneweide. Restaurant.Brückenklause", BrüMnstr. 15. Refe- rent Dr. Sturm über:„Die Zweite englische Arbeiterregierung". 165. Abt. Ablershof. Lokal Schmidtbauer. Bismarckstr. 74, Bortrag des Se- nassen Steuer über„Demokratie, Parlamentarismus und Klassenkampf". 166. Abt. Johannisthal. Bei Bota. Stubenrauchftraße. Genosse«otzur über: „Der Konflikt Zwischen Rußland und China". 168. Abt. Köpenick. Die Kahlabende fallen aus. 106. Abt. Friedrichsbagen. Stadttheater am Marktplatz. Vortrag de« Genosse» Direktor Fritz Brolat über„Berliner Berkehrsfragen". 2. Bericht vom Kreis- und Abteilunqsvorstand. 116.«bt. Grünau. Kahlabend bei Werner. Kövenicker Str. 125:„Da, Soziale an der Reichsverfassung". Referent Genosse Raibse. Lichtenberg. IIb. Abt. 1. Gruppe bei Stöber, Oder- Ecke Jüngste. 27; 2. Gruppe bei Kemkel, Oderstr. 18, Ecke Finowstraße: 8. Gruppe bei Radkc. Müggel- Ecke Scharnweberstraße: 4.«ruvve bei Seivke. Kronprinzen- straße 47. 118.»bt. Lokal Albrecht. Borhagener Str. 62. Referent Genosse Redakteur W. Schwarz über„Außenpolitik".— 117. Abt. 1014 Uhr Schule Lückstr.«3. Bortraa de» Genossen Kurt Großmann über „Kehn Jahre Republik".— 119. Abi. CSeilien-Lnzeum, Rathausftraße iGelangssaal). Vortrag de« Genossen Karl Klose, Stadtverordneter, über „Berkehrsfragen". 126. Abt. Friedrichsfelde. Wiehe» Gefellfchaftshau«, Wilhelmstr. 38. Portrag des Genossen Dr.-?ng. Maierezik über„Die stättischen Werke". 121. Abt. Karl»borst. Deutsche» Hau«, kleiner Saal, Swlzenfel»straß«(am Bahnhof). Bortrag über„Außenpolitik". Referent Genosse Sevdemann. 122. Abt. Biesdorf. Kablobend bei Porath, Marzahner Str. 81. Vortrag. 124. Abt. Mahl»d»rf. Kahlabende im Nordstern". Hönower Straße. Ortsteil bei Anders, Bohnhofstr. 87. 127. Abt. HohenfchZnhanfen. 1914 Uhr Storchnest. Hauptstraße. Genosse Falte». stein Uber..Kommunalpolitlsch« Probleme". 128.,'136. Abt. 1. Dezirl: Noack, Kaifer-Friedrich-Stroße.„Die Stadtver. ordnetenwahlen." 2. Bezirk:„Kum Hamburger", Marimilionstraße. Bor. trag. Bezirk 2» bei Karl«ober. Berliner Str. 86.„Streifzüge durch da« deutsche Parteiwesen", Genosse Niemann. 8. Bezirk bei Diener. Kisstngen. straße 4.„Die Lage nach dem..Pvung-Plan". Genosse Fliqg. 4. und 5. Bezirk: Klemm» Bierhallen, Berliner Str. 118.„Religion. Kinder- erziehung und Gozialismus." Referent Genosse San» Nickel. 6. Bezirk bei Neumann. Mendelstr. 17...Republik und Demokratie." Referentin Elvira Krüger. 7. und 8. Bezirk:„Sänqerbeim", Flora str. 98. Referent Genosse Kurt Lücke:„Der Erziehnngsgedanke Im EoziaNsmu«". 132. Abt. Blankenburg. Bei Klug, Dorfstr. 2. 183. Abt.«nchholz. Bei Rvssack, Hauptstraße, Kahlabend. Erscheinen aller notwendig. 134. Abt. Buch. Kahlabenb bei Gövfert. 136. Abt. Reinickenborf-Vst. Kahlabende in folgenden Lokalen: 1. Bezirk hei Kemnitz. Grat-Roedern-Allee: 2.-6. Bezirk und 10. bis 11. Bezirk bei Rochhaus, Ressdenzstr. 15«? 7. HI« 9. Bezirk bei Steinbach. Schillerprome. nade 48; 12. bis 14. Bezirk Hansa str. 8: 15. bl« 18. Bezirk bei Neumqnn, Bankonicr Allee. Ecke Rrvvinzstraße. Witwe Brückner. 137. Abt. Reiuickendorf.West. 2.. 3. und 5. Bezirk: Mattern. Gichbornstr. 94: 1., 4., 6., 7. Bezirk: Bolkshaus. Scharnweberstr. 114: 8. Bezirk bei Heese, Berliner Str. 73. Thema:.Kommunalwahlen". 138.«bt. Hermrdorf. Lokal Okrent..„Kur scharfen Ecke". Berliner Ecke Bahn. Hofstraße. Genossin Krina ssechenbach über„Kulturvolitik". 189. Abt. Tegel.„Alter Krug", Hauvtstr. 14. l.„4 Zahre Arbeiter der Be. zirksversammlung." Referent Bezirkeverordneter Genosse Kreutlein. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl. 8. Sonstige Rarteiangelegenheiten. 146. Abt. Bsrilgwalde. Der Kahlaiend fällt au». 140» Abt. Wittenau. Bei Schulz am Bahnhof. Genosse Stieglitz über„Die volitifche Lage". 143.«bt. Waldmanuslnst. Kahlabend bei schmifchke. Waidmannstr. 4. * 22. Abt. Donnerstag, 15. August, 20 Uhr, Mitgliederversammlung See. Ecke Amrumer Straße, Sochschulbrauerei, Gelber Saal. Genosse Stadtrat Hermes über„Kommunalvolitsk". 2. Porschläae zu den Stadt» und Be. zlrksverordnetenwahlen. Die Kahlabende am Mittwoch fallen au». Zlrbeikerwahlfahrt. 2. Krei» Tiergarten. Montag, 19. August, Bestchtigung der KInderheilstötte Buch. Treffpunkt 14 Uhr Stettiner Bahnhof. Bitte Weitergabe an alle Ab» teilungen. Jungsozialistische Vereinigung. Gruppe Tempelhos-Marirndorf. Heute. Dienatag, 20 Uhr, Lyzeum Tempel. Hof, Germaniastr. 4—8, Vortrag des Genossen Dr. Krieg über„Körperkultur". Der Sonntag wurde im wesentlichen mit Uebertragungen der Verfassungsfeiern ausgefüllt. Bravo! Sehr eindrucksvoll wirkt« der Festakt der Reichsregierung mit der Rede Severings. Auch die Feier aus dem Stadion, obgleich sie doch sicher mehr aus Schauen als auf dos Hören eingestellt war, war für die Funk- tellnehmer eine reine Freude. Die Phantasie ergänzte sich au» dem Hörbild ein freudig bewegtes Volksfest.— Das Schallplattenkonzert am Mittag„Wer gefällt Ihnen besser?" war ebenso interesiant wie genußreich. Je zwei weltberühmt« Künstler brachten dasselbe Werk zu Gehör. Montag abend:„Kunst und daran vorbei"'. Sehr amüsant für einigermaßen kritische Hörer— wahrscheinlich ein« Eni- täuschung für die übrigen. Gounods„Ave Mario" fand gewiß i weit zahlreicheren Beifall als das(Ü-vur°Präludium von Bach in � der Urform, das Adagio aus Beethovens„Sonate Pathitique" für, Klavier und Geig« mehr Freunde als die reine Klavierform. T e s. j Zlrbettsgemeinschafk der Sinderfreunde. Kelliage» Namedy. Die von den Gruppen mitgeschickten Gepäckstücke find in Berlin angekommen und am Donnerstag zwischen 18 und 20 Uhr aus der Lindenstr. 3, Schuppen Hof 5, abzuholen. Der Keltlagerausschuß. Bezirk Fried richshain. Dienstag, 13. August, 20 Uhr, Helfersitzung in der Diestelmeyerstraße. Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation 55. Abt. Charly ttenbnrg. Sonnabend, 3. August, verstarb unser Genosse Mar Engel im 59. Lebensiahrc. Ehre seinem Andenken I Die Einäscherung hat bereits stattgefunden. 77. Abt. Schöneberg. Während ihres Erholungsaufenthaltes im Harz ver- starb am 5. August unsere Genosstn Friede! Eocha, Berchtesgadener Straße 18—19. Ehre ihrem Andenken! 86. Abt. Mariendorf. Unser Genosse Gustav Stephan. Königstraßc ist plötzlich verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung findet Mittwoch. 14. August, 1614 Uhr. im Krematorium Wilmersdorf statt. Kahlreiche Beteiii- gung erwartet die Abteilungsleitung. üi SozlalistischeArbetterjugendGr.-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an dos Zugendsefreioriat Verlln GDüS. Lwdenstraße 3 Heule. Dienstag. Uhr: Köllnischer Park: Heim Waisenstr. 18:„Kehn Jahre Verfassung."— Zentrum: Landsberger Str. 50:„Fließarbeit".— Westen II: Heim Bülowstr. 88;„Zuguid und Politik".— Brnnueuplatz: 244. weltliche Schule. Pank-, Ecke Wiesenstraßc: Tarifvertrags- und Schlichtungswesen".— Gesundbrunnen: Schule Goten- burger Straße:„Kapitalismus und Sozialismus".— Schillerpart: Schuir Schöningstraße:.Zugend und Krieg".— Wedding> zungslechnik, Technilerlurse. Meister. lurle. Pollerkurse.» Die wölcherei der Laussra». Mario Welke. Köpenick. Parrissussiroß« 2. 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August 1929 Unterhaltung und �Nissen Aeilage des Vorwärts xurtoserturgWiiion in der Qfautskirche Ein Freund, der das Irrenhaus zu R. leitet, verschaffte mir Zugang zum Archiv. Er selbst hatte in dieser alten Anstalt, die nach den Methoden der.guten alten Zeit" manches merkwürdige, mehr tragische als närrische Menschenschicksal hinter ihren Mauern verborgen hatte, seltsame Dokumente gesunden. Eines davon ver- dient auch heute noch, obgleich über 80 Jahr« alt, den Zeitgenossen bekanntgegeben zu werden. Es ist eine Krankengeschichte, der als menschliches Dokument die Tagebuchaufzeichnungen des.Verrückten" beigeheftet sind. Von ärztlicher Hand sind unter den ausgefüllten Rubriken über Geburts- ort, Alter usw. in einer nervösen und phantasielosen Schrift die ollgemeinen Beobachtungen über das Krankheitsbild des Patienten vermerkt. .2. G., ehemal» Grundbesitzer. 66 Jahre. Unverheiratet. 20 September 1870 eingeliefert. Harmloser Geisteskranker. Wegen Gefährdung der Staatssicherheit aus Gefängnisgewahrsam hierher abtransportiert. Hielt in den Straßen aufreizende Reden gegen den Krieg zwischen Deutschland und Frankreich. Abgesehen von dieser.Idee fix" durchaus normal. Bemerkenswertes philosophisches und historisches Wissen. Betrachtet jedoch alles politische Geschehen unter dem Gesichtspunkt des radikalen Republikanismus. In der Nacht vom 25. auf 26. Januar 1871 infolge starker Erregung an Herzschlag gestorben. Die Tage zuvor schon Anzeichen außergewöhn- licher Unruh«. Nach Ursache befragt, tat Patient mißbilligende Aeußerungen über die ruhmreiche Kaiserkrönung zu Versailles. Wiederholte stets:.Diese Monarchie ist des Vaterlandes Untergang." Geistige Verwirrung scheint in letzter Periode rapide Fortschritte gemacht zu haben." » In den Tagebüchern finden sich folgende Rottzen, die den Geist der Zeit im Spiegel eines besessenen Blicks zeigen; d. h. w einem vom Ideal der Demokratte erfüllten Gehirn: 81. März 1848. Bin gestern in Frankfurt«mgekomme». Es hielt mich nicht länger auf meinem Gut, muß mit an der Stätte sein, wo die deutsche Freiheit geboren wird..Der deutsch« Volks« srühling ist angebrochen, und Gott hat sein Wohlgefallen daran. also gibt er schon im März einen Maitag," sagen die Leute. Alle Herzen sind voll Jubel, die Gassen überfüllt. Sechstausend Frank. furter Bürger geben dem Zug der sechshundert Abgeordneten, die nach dem Römer ziehen, da» Gelelt. Sie werden im Kaifersoal empfangen und begeben sich dann zur Paulskirch«,«w» das erste deutsche volksparlament tagen wird. Schier 100 00V Menschen sind auf den Straßen, alle Häuser festlich bewimpell. 3. April. Heute schied Hecker und mit ihm dl« Seine repu- blikanisch« Partei au» dem Vorparlament, dem Fünfziger-Ausschuß. vi« Republikaner waren für sosartige Annahm« eines Programms, das eine Neugestaltung Deutschlands auf der Basis demokratischer Selbstregierung gewährleistet.(Bravo.) Di« Monarchisten aber. in der Ueberzahl. lehnten die Forderung ab. Beschlüsse, die an- genommen wurden, begünstigten die alt« Regierung. 11. April. Bin sehr niedergeschlagen. Das Vorparlament er- ledigte da» Wahlprogramm des Ausschusses. Es hat sich vom Bundestag unterjochen lassen. Er setzte seinen Willen durch, daß erst 70 000 Stimmen einen Abgeordneten ausmachen, statt SO 000, wie da» Vorparlament wollte. Dabei zögert es nicht, solches Ge- baren.Auedruck öffentlicher Wünsche" zu nennen, und ist doch nur schlimmer Druck des Bundestages. Was wird aus der Freiheit des deutschen Volke» werden? 18. Mai. Heute endlich, nachdem der 1. Mal vorgesehen war, ist das Parlament eröffnet worden. Gegen den Widerstand der Regierung, die sich passiv verhält. Unter Blumen und Laubgewin- den, dem Salut der Kanonen und dem Geläute von allen Kirchen Frankfurt» zogen die Erwählten barhäuptig in die Paulstirch«. Als der Bischof von Münster bei Eröffnung der Sitzung forderte, daß durch ein« kirchlich« Fel«r die Lersaminlung erst die richtige Weihe bekommen könnte, rief Raveaux:.Hilf dir selbst, so wird dir Gott helfen!" Wurde von den freiheitlich Gesinnten lebhaft akklamiert. 28. Mai. Schreib« dies in der Nacht. Habe Muße genug, da durch ein Versehen in die Kirche eingeschlossen bin. Hatte mich etwas verspätet und kein einziger Platz war mehr frei. Alles dicht besetzt. Weil über tausend Zuhörer anwesend. Die hohe, strahlend weiße Kirche bis auf den ollerletzten Platz gefüllt. Die Galerie. die sich rings um die weite Rundung zieht, droht« schier zu brechen, und auch unten, wo große Teile für die Zuhörer reserviert sind, war kein Sitz mehr zu ergattern. Dem Präsidententisch am nächsten, rechts und links, sitzen Zeitungsleute aus vielen Ländern Europas; dicht bei ihnen die Gesandten von England und Frankreich, Rußland und Amerika. Werden sie von der Geburt deutscher Freiheit an ihre Regierungen berichten können? Ging hinauf zur E m p o r e, setzte mich neben die mit schwarz- rotgoldenem Fahnentuch verhängte Orgel. Brauchte ja nichts zu scheu, wollte nur die Red«n hören. Aber bald wurde ich ermüdet vom monotonen Tonfall der Worte, die hier nie enden. Ermattet von der Hitze des Tages, schlief ich ein und versäumte den Schluß der Sitzung. Vertreibe mir zwischen Holdschlaf und männiglichen Gedanken über das. was ich in den letzten Wochen hier erlebte, die Zeit, und seltsam, es wird mir in dieser Nacht das Schicksal des beut- schen Volkes lebendig, das allewege gutgläubig den Der- sprechungen seiner Fürsten glaubte, die es noch immer betrogen. Wann waren die deutschen Fürsten je nicht einig, sobald es um ihren Vorteil ging? Verrieten sie nicht das Volk, als Napoleon siegreich durch Europa marschierte? Si« zogen die Bundes- g-nosscnschast des fremden Eroberers seiner Feindschaft vor. ließen sich Königs- und Herzogskronen von ihm aussetzen und lebten einen guten Tag. Dies waren die Fürsten des Rheinbundes. die nach unten das arme, getretene Volk ausbeutelten, nach oben aber seige und gehorsam waren. Verlangte der Korse Soldaten, so schickten die Fürstenknechte die Männer ihrer Länder, deutsche Väter und Söhne. Der Preis lohnte sich— die adeligen Vögte lebten In Glanz und Verschwendung. Und sandten dicsc Fürsten nicht auch deutsch« Soldaten gegen Preußen und Oesterreich, als diese Länder sich des Eroberers erwehren wollten? Deutsche kämpften gegen Deutschet Aber noch gewonnener Schlacht schämte sich keiner der Rheinbundherren, die Beute von Napoleon» Gnade einzuheimsen, und was scherte es sie, daß tote Deutsche die Schlachtfelder bedeckten? Mich fröstelt in der Einsamkeit der Kirche, wie ich an das Schicksal des Volkes denke. Draußen hält der Lärm noch immer an. Ich will etwas auf und ab gehen, um mich zu erwärmen... Werde die Aufzeichnungen, um die Zeit zu vertreiben, fortsetzen. Schmählichster Betrug aber war, wie die deutschen Fürsten dem Volke die Befreiung vom napoleonischen Joch dankten. Seit 2000 Jahren waren alle deutschen Stämme zum ersten Male einig, und das Volt zog siegend von Schlacht zu Schlacht. Und dacht« der Freiheit, die nun anbrechen würde. Aber was scherte die Fürsten das Wohlergehen ihrer Völker, die geblutet und gekämpft hatten? Ihr eigenes Glück galt ihnen wichtiger als das ihrer Untertanen. Nun saßen sie nach Napoleons Abdankung 16 Monate lang in Wien und schacherten uni die Verteilung de» Profits, den sie aus dem Geschäft gezogen hatten. Feilschten und feilschten, und nannten dies Tun„Wiener Kongreß". Nichts war zu hören von den Bürgschaften für die Bolksfreiheit, nur Festessen, Tanz und diplo- matifche Zirkel erfüllten die Monate, bis plötzlich Napoleon von seiner Insel floh und Schreck darüber den feilschenden Kongreß- Herren in die Knochen fuhr, daß sie kopflos aus der Wiener Wechselbude stürzten. Und abermals ließ das Volk sich verlocken und trug sein Leben zu Markte und wurde abermals betrogen. Nun, da Napoleon auf einsamer Insel, deren Luft dem Tode för- derlicher ist als dem Leben, in sicherer Haft dahinsiechte, waren die Fürsten ihrer Ruhe gewiß. Doch es kam nicht die Freiheit, wie noch ein Teil des Volkes vertrauensselig hoffte— es kam der „Heilige Bund". Taufende mutiger Männer wurden jetzt in die Kerker geworfen, tausende flüchteten außer Landes. Kein Reich wurde errichtet auf dem Fundament der Bolksfreiheit und Einheit: die Fürsten preßten Handwerker und Bauern aus, und alle Opfer waren vergebens gewesen. Vergingen nicht Jahrzehnte in dmnxfer Ruh« und waren die Völker nicht erfüllt von Mißtrauen gegen ihre Regierungen? Endlich im Februar 1848, erhob sich das französische Volk und stürzte, nach dreitägigem Kamps mit dem Militär, das Haus Ludwig Philipps. Solches war ein Fanal, und alle Völker riefen wie eine Stimme:.Laßt uns die Schrecken der Man- archie überwinden!" Riefen's in den Ländern Europas, in- brünstig ersehnt von 136 Millionen Menscben, die wie e i n Volk waren, in so verschiedenen Zungen sie auch redeten. Dies waren die Märztage dieses Jahres, der Monat des anbrechenden Völker- frühlings.--- Aber, was ist geworden bis heute, an diesem Tag, den Morgen des 29. Mai? Bin entsetzlich müde und durchfroren. Der Tag dämmert schon grau durch die Fenster. Immer noch fahren Karossen zum Römer hin und wieder fort. Bald müssen die Diener kommen und die Kirche öffnen. 30. Mai 1849. Alles ist zu Ende! Heute war die letzte Sitzung in der Paulstirche. Nur die Mutigen find geblieben, sie folgten nicht dem Wruf der Regierung. Sie wollen, ein winzig Häuf- lein von kaum einhundert Mann, nach Stuttgart gehen,„nicht um zu siegen", wie man heute erzählt,„denn dafür ist keine Chance vorhanden, sondern um mit Ehren unterzugehen".— Ein schöner Traum ist ousgeträumtl * Die Aufzeichnungen der folgenden Jahre betreffen allgemeine Fragen. Nur zwischen 1870 und 71 werden die Notizen wieder interessant. Wenige Tage vor seinem Tode verwechselt der Schrei- ber schon Wirklichkeit und Traum. Das letzte Blatt ohne Datum, lautot: Ich war heute nacht in der Paulskirche zu Frankfurt. Die Republikaner wurden wieder von den Monarchisten überstimmt und niedergeschrien. Da aber durchdrang auf einmal 5)cckers Wort all das Geschrei und erfüllte die weite Wölbung des Baues: Sie werde, die deutsche Republik! Ms« soortu: Onkel Jliluniik Habana auf Euba. Sed« Freund« t» der Heimat! Do» hättet Ihr Euch nun doch nicht gedacht: einen Brief aus Hobana, aus Euba! Wir wollten mit unserm toten Sportkutter Dompo", dem.Blitz", von Madeira nach Bermudas fahren, und jetzt sind wir ün heißesten Westindien. Wie mlr hierher kamen? Och, das kam daher: weil Onkel Allantik uns«inen dicken grünen Strich durch die Reiferechnung gemacht hatte— Onkel Atlantik, kennt Ihr ihn, diesen rotnasigen, grünhaarigen, gelbzähnigen Alten? Gutmütig kann er sein, wochenlang, monatelang, bis er auf einmal den Sturmkoller kriegt, dann aber, dann solltet Ihr Onkql Atlantik fluchen und spuken hören, bösartig wird er— er hat unserem „Lampo" den Mast abgebrochen, noch Euba hat uns Onkel Atlantik verschlagen— oder besser: der.Donner", der norwegische Fracht- dampfer.Torden" hat uns hierher gebracht-- doch wartet: wir wollen alles schön nacheinander erzählen. Wo wir sitzen, wo wir schreiben? Auf der Terrasse des.Hotels Lkbertad". Es ist windig, stark windig ist es, der Wind reißt an den rotweißen Sonnensegeln: uns zu Häupten— aber der Wind ist heiß, er kühlt nicht, er frißt die Schweißperlen nicht von unserer Sttrne — wir rauchen, die drei Männer rauchen fußlange schwarze Zigarren, unsere beiden Täubchen: unsere lieben Bordmädels. die rauchen Zigaretten— wir sind ganz in Tabaksdunst gehüllt— und dennoch stechen uns die blauen Fliegen, fast so groß wie Brummer sind die— ekelhafte» Mehzeugl Halt, drüben am Tisch sitzt einer— ein sonderbarer Gefell«, Gesicht wie altes Leder, Augen wie Feuer, Rase wie Adlerschnabel — und sein« Kleidung erst,'neu weißen Spitzenkragen,'ne bauschig« grünseiden« Bluse, enganliegend« rot« Hosen(kurze!), weiße Strümpfe, eckige Transchuhe: mit großen silbernen Schnallen drauf -- du, jetzt steht er»<* 950 Posten Frauen-Mäntei 1975 Flausch-Morgenröcke""«290 Flausch Morgenröcke 5S0 Damen- Wäsche Kunstseidene Schlüpfer 8UbE-NaCh8henideniirbltmttwel«a«nBe«*t»,Staek 2 Kunstseidene Hemdhosen 298 Spitzen-Unterkleider......... 295 Orig.-Wiener Taghemden s. 390 Pyjamas i— �.............................................. s,� 5" Tvßwtasen UnterzißtischlOpfer jo für Damen, Baumwolle, AaSsft 9 Stück jetzt 75,■ Damßn-Hßmdchßn Baumwolle, fein gewirkt, St jetxt•. 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Filmweit FILMZAUBEß" ff stattflndet? Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8Vs Uhr Mai Adalbert in NafioderTroihen? Theai. am Kails. Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr Bitte- > Sänger | Die Außust- Scnsation Stnppke's in der Sommerfrische Arbeiter, Angeslellte u. Beamte sollen sich nach den Beschlüssen desGewerkschaftskongresses, derGenossensohaftstage, des Allgemeinen freien Angestelltenbundes nnd des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes nur versichern bei dorn eigenen ünternehmen. der VoIHsiiirsorgc fiewerksdialilldi-fieiiossenscbaltl. Versldiermi�s- aKflenßesellsdiali Auskunft erteilen bezw. Material versenden kostenlos die Rechnnngsstelle Berlin, Kitterstraße 126, oder der Vor- itand der Volksfürsorge in Hamburg 5. An der Alster 68/59. Berthold Bodeutsch, Matlendorf. Rings tr. 36. 2 A III: Rechnungstel e 28; Rudolf Meißner, Cüpenick, Kurfarstenallee 13, ptr.; Rst. 66; Otto Schmidt, Lichtenberg, Hubertusstr. la, v, I: Rst 70; Theodor Schmattek, Reinickendorf- West Straße 20, Haus 12: Rst 80; Otto Meiling Bernau bei Berlin. Lohmuhlenstraße 5 Rst 84. Rst 390; Paul Henicke, Spandau, WciBen- burger Straße 32. ptr. Vorverkauf aach im Pavillon der Reinhard tbOhnen, KurfUrstendamm, Ecke Uhiandstrasse OeDtsdies Theater D.I. Norden 12310 3Un Ende gegen II Die Flederniaas Musik v.|oh. Strauß. Regie- Max Reinhardt Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Die Komödie J1 Bismck.2414/7516 WrU., Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Del! und Mitchell Regie; LeonUne Sagan Theai. fl. Weslens Täglich SV. Uhr Sonntag 4 u. SV« Franz Lchars Welterfolg I Friederike Carola Willy Thunls, Telephon Steinplaü 0931 u. 5121 Planeiariam mmmm am ZOO— Virlicj. ioadtinnlhalB Stnlt B.S Barbarossa 5578 I6V. Uhr Sternbilder de« Semners 18V.U. Von Pei n Pel am Sternenhimmel 20V. Uhr Oer aiatbeü der Sonne Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 PI Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 PI laaaeaaaaaa Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 fiastsolsl Bosiei Boot, Grelel Lilien Die lustige Witwe Operette von Franz Lehär Dazu der grohe VarielüteU. Anlang Konzen 4.30. Burleske u. Varietd B UBi. Operette 8.30. ledeo Bonnersiaa croBsr Volks laß. jed. Mittw Kinderlesl o. Vcrlosnno —•«•eeeeoaee— Dienstag, d. 13. August nachmitia�s 51 2 Uhr. DAdierHIWtn-Ieitiiiii Oonnerslag, ben 15. August, abbo. 5 Uhr. im(Seuxrtfdiafl.hatts, (fugclalec 24.25(Saal 4) Versammlung der metaiitormer u. Beruts- koiiegen Tagesordnung: L Stellungnahme zur»ünbignng de. Lahnadlommens. 2. Diskussion. 3. Perdands» und Brmtchenanzelegeu» heilen. 4. Verschiedenes M-tgliedsbuch legitimiert. Wegen der wichtigen Tagescrdnnng 1« es Pflicht aller steileginnen und stellegen, in dieser Versdwmlung zu erschemeu. RehlungZ SeUteNer und Lslvsniseurs Di« Ver.rauensmännerfonierenz am Donnerstag, de» 16. August, süll! aus. AehtDflgi ßchtungl Betriebsräte i Dl« Beir:edsiate-Ze>tlchn|l Nr. 18 Ifl erlchienen und lann gegen Vorzeigung der Lrgltimaliensfart« des BelrledsraiS'Od» manne» In unserem Bureau, Zimmer 5, läqllch dl, 4 Uhr, Freitag» d>s 7 Uhr. entgegengenommen werden. Die D.lsvee— altnug. MPAiüff Gesundheitspfeifie t Schont Herz und Lunge tlnbedenKlRouchenlAiznicheniDfahleal