BERLIN Dienstag 13. August 1929 10 Pf. Nr. 376 B1S7 46. Jahrgang. erscheint täglich aaSerGonnt-g«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Susgaben 8SPf. pro Woche. S.60M. pro Monat. «edaktio» und Expedition; Berlin SWes.Lindenstr.» § f ß» t i€>a»»i»to»rei«l # y# go Pf.. Reklame, eile •e wörslzCE/ywA Postscheckkonto JE• ww*** Berlin Nr. S7536. F, : Die einspaltige Nonpareille, eil« 5 M. Ermäßigungen nach Tarif» : Vorwärts-Verlag G. m.b.H� Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Kompromißsuche im Haag Auf Kosten der Kleinstaaten.— Dafür Nachlaß von Kriegsschulden. Wen« auch die schwere Krise auf der Haager Konfe» renz. die durch den französisch-englischen Gegensatz aus» gelöst worden war. immer noch andauert, so bahnt sich doch das erlösende Kompromiß in großen Linien an. Räch einer Meldung der amtlichen Havas-Agentur soll in de» Verhandlungen zwischen S n o w d e n und dem belgi- schen Ministerpräsidenten I a s p a r, wie zwischen L o u> ch e u r und de« Delegationsfiihrern der kleinen Mächte und endlich in der geheimnisvollen Sitzung der Finanzsachverständige« folgende Lösung ins Auge gefaßt worden sein: Die Anteile der kleinen Mächte an den un» geschützten deutsche» Reparationszahlungen, die ins- gesamt etwas über 100 Millionen Goldmark ausmache«. werde« zugunsten Englands herabgesetzt. Als Gegenleistung werden den kleinen Mächten ent- sprechende Nachlässe auf ihre Kriegsschulden bei de« großen Alliierten gewährt. Außerdem haben nach den Bestimmungen der Friedensverträge bakanntlich die Neinen Mächte für da» ehemals deutsche und öfter- reichrsche Staatsgut in � den abgetretenen Gebieten„entsprechende EntschädigungeU' an die R e p a r a t i o n s k o m m i s s i o n zu leisten. Dies« Bestimmung ist jedoch bisher nicht durchgeführt worden. Der Doung-Plan bestimmt nun, daß die großen Alliierten, die als Hauptreparakions-Gläubiger an diesen„Restiwtionen" stark interessiert sind, sich binnen Jahresfrist endgültig über ihre Ansprüche zu äußern haben./ Diese Bestimmung ist es, die zugunsten der Kompromißlösung im chaag ausgenützt werden soll. Vor Weihnachten in der Heimat! i London, 13. August. Die Blätter melden übereinstimmend aus dem Haag, daß die Spannung beträchtlich nachgelassen habe. Die Tatsache, daß Snawden den Antrag auf Vertagung des Finanzausschusses unter- stützt hat, loird als ein Zeichen dafür ausgelegt, daß die privaten Um die Arbeiislosenversicherung Stellungnahme der Sozialdemokratischen Fraktion Der Vorstand der sozialdemokratischen Relchslagsfraktion trat am Dienstag vormittag unter Hinzuziehung der Genossen Leipart. Müller- Lichtenberg und S p l i e d t vom Vor- stand de« AVGV. zu einer Besprechung über die p o l i t i s ch e Lage zusammen, wie sie durch die Differenzen über die Ge- staltuug der Arbeitslosenversicherung entstanden ist. Au dieser Sitzung nahmen auch die Minister S e v e r i a g und w l s s e l l teil, die soeben von ihrer Reise nach dem Haag zurückgekehrt waren. Zn der Sitzung trat völllgelleber- einstimmung mit der Haltung der beiden sozialdemokratischen Minister zutage. dssprechungen einen den britischen Wünschen entsprechenden Verlauf ehmcn. Der Hoogcr Korrespondent des„Daily Herold" meldet: enderson hat gestern mit' Nachdruck darauf bestanden, daß die bri- schen Besotzungstruppen das Weihnathtssest in ihrer e i m a t verbringen müßten. Die britische Forderung noch >fortiger und bedingungsloser Räumung ist unverändert. Der orrespondent meint, ein beträchtlicher Teil der französischen Ein- »ände gegen völlige Räumung innerhalb einer bestimmten und »rzen Frist könnte dadurch beseitigt werden, daß die deutsche Re- erxmg die Entschädigung ihrer Bürger in einer Anzahl von Fällen »n Ersgtzsordorungcn übernähme oder ftch mit einer Pauschal- u m m e als Entschädigung zusriedcn gäbe. Anoerensalls würde nvermeidlich eine Anzahl Beamter der Besatzungsarmee auf unbe- immte Zeit im Rheinland bleiben müssen. Es bestehe aber Grund i der AnnahiOe, daß die Deutschen sich dazu verstehen würden, auf ne Anzahl Forderungen zu verzichten. Der diplomatische Korrespondent des.,2>aily Telegraph' erfährt »n maßgebender Seite, daß die britischen Besotzungstruppen spä« -steos Ende des Jahres aus dzpt Rheinland zurückgezogen B werde«, und zwar ohne Rücksicht aus das Ergebnis der �— StOOfiX&ä» Gtraßenbahnzusammenstoß. Drei Fahrgäste schwer— drei leicht verletzt. Heute früh ereignete sich wenige Minuten nach S Uhr im Südwesten der Stadt an der Ecke Prinzen- und Wassertor st raße ein folgenschwerer Straßenbahn- Zusammenstoß. Drei Fahrgäste erlitten schwere, drei weitere leichtere Verletzungen. Ein in der Prinzenstraße in Richtung Gitschiner Straß« fahren- der Straßenbahnwagen der Lini« 1 bog infolge falscher Weichen st ellnng plötzlich in die Wassertorstraße ein. Zu allem Unglück überfuhr in diesem Augenblick ein Straßenbahnwagen mit Anhänger der Linie sl die Straßenkreuzung. Trotz scharfen Brem- sens war«in Unglück nicht mehr zu verhüten. Der Triebwagen der Linie 1 prallte mit aller Wucht auf den Anhänger der Linie sl auf. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt und der Anhängewagen aus den Schiene» gehoben. Sämtliche Fenster- scheiden wurden zertrümmert, lieber die erschreckten Fahrgäste, die sämtlich von ihren Sitzplätzen geschleudert wurden, ging ein Hagel von Glas- und Holzsplittern nieder. Aus dem Innern der Wagen ertönten laute Schmcrzensrufe. Mehrere F«chr- gaste waren schwer zu Schaden gekommen. Passanten und Polizeibeamte eilten sofort hilfsbereit hinzu und bargen drei Schwerverletzte. Durch die Feuerwehr wurden die Verunglückten, ein Schüler Fritz König aus der Rostizstr. 13, eine Frau Barbara Link au» der Ansbacher Straße 8 und eine Frau Giesela S t e r z i s k i aus der Prühßstraße 26 in Mariendors ins Urban-Krankenhaus ge- bracht. Drei leichter verletzte Fahrgäste, Frau Anna K o p e l k y aus der Prinzessinnenstraße 26, Friedrich M ü ck e l aus der Königsberger Straße 34 und Ernst Krebs aus der Bergstrahe, die Schnitt- wunde» davongetragen hatten, konnten nach Anlegung von Rot- verbänden in ihre Wohnungen gebracht werden. Adam Riese würde staunen! 3419» Teilnehmer wurden bei dem Parademarsch auf dem poriser Platz gezählt.——(„Der Montag.") — 25 000 Reichsbannerleuie demonstrierten am H. August im Lustgarten.--(„Rote Fahne".) „Halt, nicht weiterzählen! Durch die Sowjeilnpe betrachtet hatte Berlin einschließlich Kinder am Sonntag überhaupt nur 20401 Einwohner!" Di« Aufräumungsorbeiten an der mit Glasscherben übersäten Unfallstelle und die Eingleisung des aus den Schienen geworfenen Straßenbahnwagens dauerten längere Zeit. Der V e r-> kehr war nahezu«ine halbe Stunde lang gestört. Schwere Geschoßexplosion. Drei Tote, neun Verletzte in Italien. Au» Mateliza wird gemeldet: Am Monlagnachmiltag fand es« siebzehnjähriger Müllerbursche in einem Walde ein Geschoß, das wahrscheinlich bei den vor zwei Zähren stallgesundenen Artillerie.. Übungen zurückgelassen worden war. Der vursche wollte die Schrauben von dem Geschoß entfernen. Seine Mullcr warnte ihn davor. Einige neugierige Knaben näherten sich dem Müller, der bereits zwei Schrauben entfernt hatte. Als er die drille Schraube entfernen wollte, explodierte das Geschoß plötzlich: er selbst, ein neun- und ein elfjähriger Knabe waren sofort kol, während nenn Personen schwere oder weniger schwere Der- letzungn ersitten. Die Müller des Müllers wurde in lebens� gefährlichem Zustande ins Krankenhaas gebrachk. Der englische Abwehrkampf. Heute Entscheidung der Unternehmer. London. 13. August.' In Manchester wird heute der Hm'.ptnusschv.ß der Vereinigung der britischen Spinnereibesitzer zusammentreten und einen Bericht über die gegenwärtige Lage des Konflikts in der Baum- Wollindustrie entgegennehmen. Bei dieser Gelegenheit wird auch der Vorsitzende der Arbeitgebervereinigung über die Edinburgher Be- sprechung mit Premierminister Macdonald Bericht erstatten. Die Versammlung wird zu entscheiden haben, ob die Unter» nehmer dem vorgeschlagenen Schiedsgerichtsoerfohren zustimmen oder nicht. Am Montag haben sechs Spinnereien die Arbeit zu den alteL Lohnbedingungen wieder aufgenommen. .4 Frecher postraub in Chemnitz. Der Täter gefaßt. Chemnitz, 13. August. 1 Ein frecherDieb stahl wurde Montag nachmittag an einem Geldannahmeschaller ausgeführt. Dort war zu einer Zeit, als kein Publikum anwesend war, ein Postbeamter dabei, die auf dem Schalterbrett liegenden Geld- scheine zu bündeln. In diesem Augenblick trat ein Mann an den Schalter und verlangte einen Eilbrief gewogen zu haben Er warf hierbei den Brief derart auf den Tisch, daß dieser im Innern de» Schalterraumes zu Boden fallen mußte und dem Postbeamten nicht» weiter übrig blieb, als den Brief auszuheben. Den Moment des Bückens benutzte der Mann, in den Schalter hineinzugreifen. Es gelang ihm, ein Bündel 20-Mark-Scheine, zusammen 2240 Mark, zu fassen und damit die Flucht zu ergreifen. Zwei Post- schasfner, die den Borfall gesehen hatten, setzten dem Fliehenden nach, und S t r a ß« n p a s s a n t e n, die die Loge sofort be- griffen hatten, beteiligten sich an der Verfolgung. Es gelang, den Täter in der Frjtz-Reuter-Straße zu fassen, nachdem er zuvor einen seiner Verfolger mit dem Dolch bedroh: hatte. Bei der Kriminalpolizei wurde er als ein 19 Jahre alter Arbeitsloser von hier festgestellt. Er scheint noch einen Helfer zu haben, denn beim Transport oersuchte ein anderer Mann, der sich sälschlicherweise als Kriminalbeamter ausgab, den Transport zu übernehmen, um den Täter freizubekommen. Dieser Mann war sodann in der Menschenmenge verschwunden. poincarä wurde von den Aerzten in Aussicht gestellt, im Laufe-'' der Woche die Klinik oerlassen zu können. Die zweite Operation soll erst»ach drei bis«er Woche» stattfinden._. 1 « Die Lage in Ofiafien. Nankings DerfchleppungSpolitik.—„Weißgardisten" aus Paris unterwegs nach Sharbin. Moskau. 13. August. .Oie Sowjetblätter haben jetzt den Eindruck, als ob die Nanking» Regierung im Konflikt um die ostchlnesijche Bahn«ine B e r. fchleppungstaktik befolgt und diefen Weg als den für sie günstigsten ansieht. Dabei stützen sich die Sowjetblätter auf ähnliche Mutmaßungen in der japanischen Presse. Dagegen sollen die Machthaber in Mukden«inen möglichst baldigen Beginn von Der- Handlungen mit Moskau anstreben, wodurch stch zwischen Nanking und Mukden allmählich«in starker politischer Gegensatz bilde. Die Zustände auf der ostchinesischen Bahn schildert die Sowjet- presse nach wie vor in den düstersten Farben: die Ersetzung der«nt- lassenen Sowjeteisenbohner durch ungeschulte Chinesen und„zweifelhafte Elemente" aus den russischen Emigranten» kreisen führe zu einer völligen Desorganisation. Wie die „Iswestija" aus Ehabarowsk(Ostsibirien) erfahren, erwartet man in Eharbin das Eintreffen von etwa 1lK> ehemaligen Offizieren der russischen Zarenarmee, die aus Paris nach Ehina abgereist sein sollen, um sich sür etwaig« Kämpfe gegen die Sowjet» union zur Verfügung zu stellen. Die in Wladiwostok in Garnison liegenden Truppenteile der Roten Armee haben in diesen Tagen Manöver veranstaltet, die der„Prawda" zufolge die Kampffähigkeit der Truppen aufs best« bewiesen. Sowjettruppenfüstung geht weiter. kiowno, 13. August. Di« Nachricht über die Bildung einer fernöstlichen Sonder- armee hat, wie aus Moskau gemeldet wird, in dortigen diplo- matifchen Kreisen eine gewisie Beunruhigung hervorgerufen, da sie in unmittelbare Verbindung mit dem russisch-chinesischen Streit gebracht wird. In der ganzen Sowjetunion werden weiter» hin Anmeldungen von Freiwilligen für den Kampf gegen China entgegengenommen. An halbamtlicher Stelle wird erklärt, daß di« Bildung der besonderen Armee nur eine Schutz- maßnahm« sei, zu der sich die Sowjetregierung»ach reiflicher Ueberlegung entschlossen habe. Die Sowjetregierung werde von sich aus keinen Angriff auf China unternehmen,, solange russisches Gebiet nicht von chinesischer Seite b« d r o h t— werde. Allerdings beständen Anzeichen dafür, daß die chinesische Regierung nicht immer Herr der Lage sei und daß verantwortungslose Elemente die russische Grenze bedrohten. Oementi der Enthüllungen. Moskau, 13. August. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion ist bevollmächtigt, die Erklärung des Washingtoner Gesandten der Nanking-Reglerung Wu kategorisch zu dementieren, nach der bei der Haus- juchung der chinesischen Polizei im sowjetrussischen Konsulat zu Charbin angeblich Dokumente gesunden wurden, die auf den Sturz des gegenwärtigen in China herrschenden Regimes gerichtete Wühlarbeit der Sowjetkonsulate und-organisationen beweisen sollen. Völlig unwahr ist ferner die Unterstellung de« chinesischen Gesandten C. C. Wu über angebliche Richtlinien der Komintern hinsichtlich der Ostchinabahn. Ebenso unsinnig ist di« Behauptung des am IS. Juli an di« Mächt« gerichteten ossiziellen Kommuniques Nankings, wonach die sowjetrussische Verwaltung der Ostchinabahn, um diese zu zerstören, geheime Truppentelle formiert habe. Amtliche Kreise weisen darauf hin, daß die Sowjetoerwaltung die Ostchinabahn trotz der Gewalttaten der chinesischen Behörden auf eine bemerkenswerte Höhe hob und während der Ausübung ihrer Funktionen den unbegrenzten Kredit und dos Vertrauen aus- ländischer Banken und Firmen erwarb. Die amerikanische Industrie- und Handelsdelegation ist nach drei- wöchiger Reife durch die Sowjetunion wieder in Moskau ein» getroffen. !lm den direkten Bahnverkehr. Moskau. 13. August. Da infolge des russisch-chinesischen Konfliktes der Verkehr auf der Ostchinabahn unterbrochen ist, hat die japanisch« Eisenbahn- Verwaltung mit dem Sowjetkommissariot sür Verkehrswesen Ber- Handlungen angeknüpft, um einen direkten Eisenbahnverkehr zwischen Europa und Asien über die ussurischen und transbaikalischen Eisenbahnen zu schvffen. Kinanzminister Sung bleibt. Schanghai. 13. August. Finanzminister Sung erklärte, er ziehe sein Rücktrittsgesuch zurück in Anbetracht der Zusicherung der Regierung, daß eine mög- lichste EinschränkungderMilitärausg oben, eine Kon- trolle der Ausgaben für die Herabsetzung der Truppenzahl. Ein» sührung eines Budgetsystems mit der Teilnahme des Finanzministers an der Kontrolle sämtlicher Ausgaben gegenüber seiner bis- herigen Verantwortung ausschließlich für die Geldbeschaffung, sowie die Mitbestimmung des Finanzministers bei sämtlichen inländischen und ausländischen Anleiheplänen erfolgen werde. Sung kehrt mit verstärkter Autorität nach Nanking zurück, obwohl nicht zu erwarten ist, daß damit die tieferliegenden Mängel der chinesischen Finanzgebarung, die nur sehr allmählich beseitigt werden könne, ab- gestellt sind._ Mord in der Eisenbahn. Vier Verdächtige in Frankfurt a. d. O. verhastet. F r a« k f« r t a. d. C., 13. August. Auf dem Bahnhof Jakobsdorf in der Mark wurde gestern abend der Chauffeur Johannes Rademacher aus Clarih bei Glogau in einem Abteil eines Per» sonenzuges von mehreren Mitreisenden überfallen und durch Messerstiche so schwer verletzt, daß er im Laufe der Nacht in einem hiesigen Krankenhaus, in das er gebracht worden war, starb. Der Slreifdienst der Reich, bahndireklioa hak zwischen Guben und Sagan den Arbeiler Herberk Slirn und den An.gestelllen Günther hahn, beide aus Breslau, festgenommen, da sie Im verdacht stehen, an der Tat b e t e l l i g t zu sein. Zwei andere der Mittäterschaft verdächtige sind in Breslau verhaftel n-mdln. Der tschechische kommunistische Abgeordnete des Mährisch» Oftrm-er Wahlkreises, Petr, hat sein Mandat sowie seine Partei- 'i> ltioi'cn nietergelegt und dies mit dem Vorgehen der Partei- ii ing, die er für den Mißcrjolg des Roten Tages verantwortlich -cht, begründet. Nationalismus als Lachgas. Die Ablenkung der Massen von ihren materietten Interessen. Der Professor sür Geschichte an der Columbia-Universität in Amerika, Carlton I. Hayes, hat eine interessante Studie über den Rationalismus geschrieben, die der Neuc-Geist-Der- lag in Leipzig in einer ausgezeichnet übersetzten deutschen Ausgabe herausgebracht hat. Nationalismus, von C. I. Hayes, IX und 254 Selten, geh. 8,50 M., geb. 10 M.) Der Verfasser schildert und untersucht den Nationalismus von ollen Selten her: nach seiner ge» schichtlichen Entstehung und nach allen seinen Erscheinungsformen. Da wir in Deutschland mit dem Erstarken der nationalsozialistischen Bewegung und aus anderen Gründen wieder von einer Belebung des Nationalismus sprechen müssen, so gewinnt die außerordentlich lesenswerte Studie des gebildeten und belesenen Gelehrten auch sür uns aktuelle Bedeutung. Das Werk ist, das sei vorweg bemerkt, keine Darstellung sozialistischer Betrachtungsweise, obwohl es ihr auch nicht gerade fremd ist: z. B. wenn der Verfasser sagt:„Der Nationalismus als Weltphänomen konnte gleichsam nur mit Hilfe der Maschine kommen und tatsächlich ist er durch das Eingreifen der industriellen Revolution in die Erscheinung getreten." Wenn der amerikanische Historiker also auch keine systematische Unter» suchung im sozialistischen Sinn« darüber anstellt, in welcher Periode der ökonomischen Gesellschaftsentwicklung der Nalionaiismus empor- wuchs und auf welche ökonomische Klassenkräfte er sich stützt, so kommt er doch auch auf seine Betrachtungsweise zu dem Ergebnis: „Sowohl in Nationalstaaten, die den Nationalismus entwickelten, als auch in den nationalistischen Bewegungen, die in der Folge National- stallten schufen, betätigen sich Angehörig« der oberen Mittelschichten. Die berufsmäßigen Ttalionalisten stammten fast unterschiedslos au» den Kreisen der Bourgeoisie. Diese sehr treffende Feststellung führt den gut beobachtenden Ler- fasser zu der weiteren Bemerkung darüber, welche innerpolitische Rolle der Nationalismus im ökonomischen Interesse seiner Versechter zu spielen hat:»Manche Vertreter der Bourgeoisie, zumal Politiker, machten bei diesem Nationalismus eine sehr interessante Entdeckung. Sie erkannten, daß die Massen unter dem Zauber des Nationalismus ihre Führer weniger kritisieren und eher geneigt waren, in wirlschasllichen Dingen den Stalusquo anzunehmen. Auf die Menge wirkte der Nationalismus unter Umständen wie eine Art Lachgas. Wenn man einen Arbeiter dazu bringen tonnte, es recht tief einzu- atmen, so fühlt« er sich dadurch erheitert und vergaß jedenfalls eine Zeitlang, daß er in der Fabrik, auf dem Felde oder im Berg- werk für viel Arbeit schlecht bezahlt wurde: im Traum natio- naler Größe übersah er. wie schmutzig in Wirklichkeit seine eigene Wohnung aussah." Aus diesen Sätzen des Bersassers geht auch schon hervor, daß seine Definition des politischen Begriffes Nationalismus von der unseren nicht abweicht: der amerikanische Historiker unterscheidet sehr sorgfältig zwischen dem Patriotismus im Sinne der Anhänglichkeit an die Heimat und dem eigentlichen Nationalismus, dem immer eine aggressive hallung gegen andere Länder, Völker und Rassen innewohnt. Prof. Hayes sagt darüber den famos formulierten Satz:„Die pa- triotischen Bürger eines Nationalstaates(die Nationalisten sind! G. S.) sind überzeugt, daß sie von allen irdischen Nationalitäten die hoch st e Zivilisation und die bedeutendste Aufgabe haben, und sind deshalb entschlossen, sich von anderen Staaten und Völkern nur mit der gebührenden Ehrerbietung behandeln zu lassen. Sie bestehen darauf, daß andere sie so ansehen, wie sie sich selbst." Diese Rolle des Nationalismus, die wir zur Genüge aus dem überheblichen Wort kennen„Am deutschen Wesen soll di« Welt genesen", führt dann zur nationalen P rest i g e p o l i t i k der Staaten, die, wenn sie nicht gar selbst einen Internationalen Konflikt hervorruft, immer ein ausgezeichnetes Mittel gewesen ist, materielle Kriegsinteresien zu .verschleiern und dieLZölker aufzuputschen. Der Verfasser zeichnet das ganz eindeutig:„Wenn der Bürger eines Nationalstaates in einem „unzivilisterten" oder„rückständigen" Auslande beleidigt oder ge- schädigt wird, so wird es sofort für seinen Staat nicht nur eine Sache nationalen Interesses und nationalen Rechtes, Wiedergutmachung zu suchen, sondern eine Sache des nationalen Prestiges, der nationalen Ehre, diese Wiedergutmachung zu erlangen... Wenn die Salissaklion nicht geleistet wird, müssen die Schwerter gezogen werden, Schüsse obgeseuert werden, es muh Blut fliehen." Dabei wird dann nicht mehr untersucht, wie der Verfasser richtig bemerkt, in welchem grotesken Mißverhältnis der Anlaß zu dem angerichteten Schaden steht. Der amerikanische Gelehrt« sieht ober auch klar genug, daß der Nationalismus imperialistisch ist, und daß er deshalb nicht daran denkt, vor dem Nationalcharakter eines anderen Land« halt zu machen, wenn es das ökonomische Interesse eines solchen Staates erfordert, andere Nationalismen zu verletzen:„Wenn ein bestimmter Distrikt— ein Bergpaß, ein Kohlen» gebiet oder ein Seehafen— durchaus als lebenswichtig für die militärische Sicherheit oder das wirtschaftliche Gedeihen eines be- freundeten oder verbündeten Nationalstaates angesehen wurde, so hat man ihn dem Feinde genommen, selbst in dem Falle, da die Bevölkerung ganz oder zum größten Teile der Nationalität des Staates angehörte, dem er genommen wurde." Auf welch gründ- liche Weise der Nationalismus in die breitesten Massen der Bevölke- rung getragen wird, zeigt die Darstellung des amerikanischen Histo» riters, der in diesem Teile seiner Studie von den Derhältnissen seines Landes ausgeht, aber trotzdem auch die Methoden anderer Länder dabei genau mit trifft:„Gerade aus der Schule, und vor allem aus dem nationalistischen Geschichtsunterricht bringt die heranwachsende Generation die Schlagwörter und Schibboleths des Nationalismus mit, wie z. B.„Nationale Ehre,„Nationale Rechte".„Nationale Jnter- essen",„Genius der Nation",„Mission der Nation". Den ganzen Lehrplan der Staatsschulen— Geschichte Bürgerkunde, Erdkunde, Lesen und Schreiben— durchzieht das t a g t ä g l i che Beobach- t e n eines nationalistischen Ritus: man singt Rationalhym- n e n. man übt Zeremonien in Verbindung mit der Nationalflagge, mit Nationalheldcn und Nationalfeiertagen, man feiert eine„Pa- triotismuswoche" oder eine„Bereitschaftswoche", man läßt von Zeit zu Zeit Patrioten bei gelegentlichen Besuchen über nationale Sitten, über nationale Einrichtungen und Nationalhelden Lobreden halten. Welche berufsmäßigen Nationalisten sich bei dieser stän- digen Beeinflussung der Bevölkerung hervortun, schildert Hayes nicht minder deutlich. Hoffentlich hat dieser weitsichtige amerikanische Gelehrte auch zu den Empfängern des unwürdigen Hugenberg- Briefes gehört, und hossenllich hat er diesem Nationalisten vom reinst«» Wasser sein ausgezeichnetes Buch als Antwort geschickt! Es Ist sehr zu wünschen, daß dieses Buch in alle städtischen und staat»" lichen Büchereien, in alle Volkslesehallen und Bibliotheken kommt! Der Nationalismus ist«ine Seuche, gegen deren Ausbreitung wir uns nicht energisch genug zur Wehr setzen können! Gerhard Seger. Ethik und Reklame. Professor Wilhelm Ostwald auf dem Neklamekongreß. Nachdem der internationale Kongreß der Reklamcsachleutc am Vormittag seine Arbeit begonnen hatte, setzt« sich dl« Tagung im Berliner Wintergarten fort. Unter großen Beifallsbezeugungen nahm Prof. Wilhelm Ostwold aus Leipzig das Wort zu seinem Referat:„Ethik und Reklame". Den Begriff Elhit definiert der greis« Gelehrte mit: Ethisch ist das Sozial-Gute. Sich selbst gegenüber kann der MensÄ weder ethisch noch unethisch handeln: sobald er aber auf einen ande- ren einwirkt, kommt dieser Begriff alsbald zur Geltung. Im Weit- streit, die Menge der Güter zu verteilen, bedarf die Menschheit der Organisation. Das große Problem ist daher, den Ausgleich der Interessen so gerecht wie möglich zu vollziehen. Die Aufgabe ist lösbar, wie es das Beispiel der Wissenschaft lehrt. Wissenschaft ist heute ein Schatz, der jedem zugänglich ist, dessen Geist dazu fähig ist. Jeder Forscher beeilt sich heute, seinen persönlichen Erwerb an Wissen der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Ehre und Stellung ist ihm der beste Lohn. Auch die anderen Betätigungen der Menschen sollten diesen Weg gehen. Vor wenigen Jahrzehnten war es selbstverständlich, daß in der Technik jede Fabrik ihre Geheimnisse hütete: heute schließen sich derartige Unternehmungen zusammen, um ihre Erfahrungen auszutauschen und an Stelle des bisherigen Kon- kurrenzkampses die Organisation treten zu lassen. Der Redner ging dann auf das Wesen der Werbung nach ihrer heutigen Deutung ein. Werbung war Kampf. Der Stärkere zwang dem Schwächeren seinen Willen gewaltsam auf. Es ist dies die unzweckmäßigste Form von Willensübertragung. Denn sie erfordert eine beständige Ueber- wachung seitens des Ueberwinders und bewirkt, daß der Ueber- wunden« so wenig leistet wie er kann. Beide Teile müssen den gleichen guten Willen haben. In unserer Zeit, wo jeder erwachsene Volksangehörig« in den wichtigsten Angelegenheiten wenn auch nicht mitzureden, so doch mitzubestimmen hat, hat der Begnss der Wer- bung eine viel weiter« Bedeutung gewonnen, er umfaßt neben dem wirtschaftlichen Leben der Dölker auch ncch das politische und da- neben auch noch das künstfcrische. Der gegenwärtige Zustand ist vergleichbar dem der praktischen Medizin vor vier Jahrhunderten. die Gelehrten und Professoren schrieben wohl über Medizin, die praktische Kronkenbehandlung ober überließen sie den Subalternen, dazu dünkten sie sich zu vornehm. Aus den zahlreichen Referaten ist noch hervorzuheben das Thema„Der Kaufmann in Amerika", geHallen vom Propagandachef der Firma John Wanamater in New Dort: I. H. Appel. Er wies auf die Bedeutung der Reklame, insbesondere der Zeitungs- reklame hin, die sich in den zwei Sätzen kennzeichnet:„Ohne Reklame würde alles mehr kosten" und„Reklame bezahlt Ihre Zeitung". Der kleinere, unabhängige Kaufmann in Amerika, der sich nicht zu» sammengeschlossen hat und nicht inseriert, befindet sich in einer schwierigen Lage, obwohl ihm immer noch 60 Prozent vom Detail- geschäft der Ration zufällt. Die Zusammenschlllss« auf dem Gebiete der Warenhäuser schaffen hier täglich neue Lagen. In der Kritik der Ansichten der verschiedenen kompetenten zur Reklame gab dieser Redner die Meinung des Publikums treffend uneder: Das Publi- kum sagt:„Gib uns die beste und billigste Warenoerteilung, die ,?u erreichen ist, aber hänge keine Ketten um den Hals des einzelnen, zerstöre nicht Tatkraft und Energie in ihm, oder du wirst die Grund- läge menschlichen Fortschritts zerstören." Der Redner schloß mit dem sehr bezeichnenden Satz: Wenn di« Geschäftsinteressen der Welt friedlich beieinander leben, dann ist auch der politische Frieden der Böller sichergestellt. * Aus Anlaß des Internationalen Reklamekongresses fand gesterr abend im Marmorsaal des Zoologischen Gartens eir Bankett statt, an der» neben den Teilnehmern des Kongresses di« Botschafter von Amerika, Frankreich. Italien, Spanien, sowie di, Mehrzahl der übrigen Mitglieder des Diplomatischen Korps, ferner Reichs- und Staatsminister, Mitglieder des Reichsrats, sowie V«'.'' treter beider Parlamente, der Reichs-, Staats- und städtischen Bs Hörden, der Wirtschast, Finanz, Industrie und des Handels, der Kunst, der Wissenschaft und der Presse teilnahmen. Dr. Dietrich wies, wie schon bei einer früheren Veranstal tung, darauf hin, daß auch dse deutsche Landwirtschaft ein große, Interesse an der Reklame habe, um sür den besseren Absatz ihrer guten Produkte sorgen zu können. Der Minister schloß mit der Worten: Wenn Sie hinaussagen in die Welt, daß- wir ein sried fertiges, oerstöndigungswilliges Volk sind, daß wir auf die Zu sammenarbeit mit der ganzen Welt angewiesen sind, und daß wir diese Zusammenarbeit wollen und wünschen, dann wird das Ergeb nis dieses bedeutungsvollen Reklamekongresses vielleicht auch sü' uns in Deutschland eine gute und wahrheitsgemäße Reklame sein Nach dem amerikanischen Botschafter Schurmann betonte de- Bürgermeister von Dijon G t r a r d. daß in der ganzen Welt der Wunsch nach Frieden vorhanden sei. Leider müsse man aber feststellen daß der Friede immer noch das Gesicht einer Sphinx habe. Ih» durchzusetzen sei deshalb erste Forderung an die Gegenwart Gerad, eine solche Versammlung wie der Reklamekongreß Tel ganz beson ders geeignet, die Zusammenarbeit unter den Nationen zu fördern Aehnlich dem internationalen Schiffahrts- und Berkehrsrecht müss, auch ein internationales Reckt der Werbung angestrebt werden, fü, dos er sich im französischen Parlam-nt einsetzen wolle. Der italie nische Botschafter Graf-Aldrovandi-Mareseotti über mittelle in deutscher Sprache dem Kongreß die Grüße Italiens. Klingende Titel und Würden. Von Ricardo. Ein schönes rundes, klangvolles Titslchen ist immer noch der Traum mancher schlaflosen Nacht im Leben der Unentwegten. Be- sonders die komplizierten Titel, unter denen sich der gewöhnliche Sterbliche nichts vorstellen kann, stärken dem Träger das Rückgrat, machen den Stehkragen steif und die Gesichtszüge erhaben. Der Titelinhaber bekommt den Nimbus des Geheimnisvollen, Rätfelhaslen. Tkan grüßt ihn tiefer, und er dankt nachlässiger. Ein neuer Titel wirkt auf besser« Menschen wie«in frisches chemd auf den Lause- wenzel. Es gibt verzwickte, vertrackt« Titel, die uralt und festeingesessen im Borstellungeleben der Allgemeinheit ankern, ober bei jedem Menschen eine andere Borstellung auslösen. Was ist— beispiels- weise— ein Geheimrat? Und was ist im Gegensatz dazu ein wirk- licher Geheimrat? Tut der erste nur geheimnisvoll, und ist der andere es wirklich? Sind beide geheime Schleicher? So eine Art Detektive. Keine Spurl Sie sind meist ältere, harmlose deutsche Biertrinker, die zu ihrem pompösen Titel gekommen sind wie Tante Lenchen zum Sofatissen! Was ist ein Sanitätsrat? Ein Mann, der sanitär« Preisrätsel macht? häufig ja, aber allgemeinverbindlich ist er ein Arzt der älteren Schule, der ebenso doktort, sei es im Wold und sei es auf der Wiese, wie seine Kollegen mit dem be- scheidenen„Dt. med." Er hat seinen Kops wie andere Menschen, nur meist am Kin einen Vollbart. Was meint der Dersicherungsagent Emil Krawuschke, wenn er auf seine Besuchskarten drucken läßt: Leutnant im ehemaligen S. Grenadierregiment zu Fuß? Nichts! Daß ein Versicherungs- agent sich kein Auto leisten kann, sondern zu Fuß geht, weiß man: daß er mal Leutnant war— du lieber chimmel! Andere Menschen sind mit Erfolg geimpft, jahrelang verheiratet und chaushaltungs- vorstand ohne mit der Wimper zu zucken, aber sie lassen nicht drucken: Anton Kraus«. Ehemann und Haushaltungsvorstond. Nein. das tut man nicht. Warum also Leutnant? Oder gar Oberleutnant, Hauptmann? Gewiß, einst lukrative Titel, bar klingende Titel. Aber jetzt? Da lobe ich mir denn schon lieber die Räte, den Rechnungsrat(der— glaube ich— rät, was er rechnet), oder den Konfistonalrat, darunter kann ich mir gar nichts vorstellen, außer einem ernsten Mann im Kehrock. Auch Präsidialrat ist ganz schön: sicher eine Art Vereins- vorstand, Präses beim Kommentsaufen oder so... Doch genug der Beispiele. Was zu erzählen war, ist die Tatsache, daß neue Titel taksächlich auch verheerend auf den Geiste»- zustand der Ausgezeichneten wirken können. Sie bewirken manchmal eine Art Manie, die sich peinlich auf die Umwelt überträgt und zu organischen Störungen führen kann. Da ist dieser Tage ein Lehrer in Pension geschickt worden und bekommt als letztes Pflaster den Titel Studienrat.(Ratet mal, was für Studien er treibt?) Der Titel hat sich dem Mann glatt aufs Gehirn geschlagen. Er'leidet an einer Schreibmani«. Setzt sich täglich hin und schreibt Briefe, Brief«, Briefe und nochmals Briefe. Als alter Deutscher ist er nämlich selbstoerständilch in sehr vielen Vereinen. Gesangverein, Kegelverein Kriegeroerein, Ver- schönerungsverein, Vereine zu irgendwelchen Hebungen, Skatklub, Sportklub, Freundschaftsklub: Vereinigungen der verschiedensten Kategorien, Verbänden, vaterländischen Organisationen und so weiter. Wen diesen Vereinen teilt der auf neu gebacken« alle Herr durch Handschreiben mit, daß er mit dem und dem Datum zum Studienrat ernannt sei. Er bitte, daß man in Zukunft bei Schreiben an ihn ja nicht vergesie, sonst...(im Hintergrund steht drohend der Vereinsaustrift)! Doch damit nicht genug! Soweit könnte die medizinische Diagnose noch auf harmlose Geisteserkrankung lauten. Bedenklicher stimmt folgender Pasius der studienrätlichen Handschreiben: .. und ersuche ich, in Zukunft auch auf den Briefumschlägen die mir gebührende Anrede Studienrat nicht außer acht lassen zu wollen. Hochachtungsvoll..." Tja, da kann man bloß sagen: Armer Mann, nach so viel Jahren treuer Pflichterfüllung mußt du so schwer erkranken! Gibt es denn keine ungetrübte Lebensfreude? Einer wird sicherlich mal auf dem Briefumschlag die dem alten Herrn nunmehr gebührende Anrede vergessen— vielleicht ich!— und dann ist die Kata« strophe da... Ein Nachtstück. Von Ossip Kalenter. Er tritt mit ihr aus der Bar. der einzigen in der nicht allzu großen, nicht allzu lebendigen Stadt. Aus dem Dunkel rollt langsam eine Droschke heran, kein Autotaxi, sondern eine gute alle Pferde- droschke. Er ruft. Man steigt ein. Man lehnt sich weit in den Polstern zurück. Laternenschimmer fällt von Zeit zu Zeit zum Fenster herein. Er ergreist ihre Hand. Er küßt diese klein«, wann- blütige Hand. Sie sagt: „Oh..." Er nähert sich ihrem Gesicht und verschiebt den Hut ein wenig. Er ist ihr ganz nah. Er küßt ihren Mund. Plötzlich ruft sie: „O Gott, das Pferd!" Das Pferd hat sich in Trab, dann in einen wilden, holperigen Galopp gesetzt und geht mit der Droschke durch. Die Dame zittert, und ihr Herz, das eben noch in Liebe schlug, schlägt in wilder, ver- zweifelter Angst. Er aber, der Herrliche, ist auch dieser Sitüation gewachsen. Er sagt: „Rur Ruh«... Ruhe... Und festhallen... Gut festhallen." Es gibt einen gewolligen Stoß- Geklirr. Gepoller. Der Wagen steht. Der Herr öffnet vorsichtig den Schlag. Das Pferd ist, wie alle durchgehenden Pferde, in eine Schaufensterscheibe gelaufen, liegt mll schnaufenden Nüstern, am ganzen Leibe stark zitternd, da. Die Deichseln der Droschke sind abgebrochen. Zerschlagenes Geschirr, Glas und Porzellan, liegt auf der Straße. „In ein Porzellangeschäft ist es gelaufen!" sagt der Herr. Die Dame: „Das arme Tier!" Der Kutscher bemüht sich keuchend, das Pferd aufzurichten. Di« Liebenden oerlassen das Gefährt. Der Herr zahlt. Er fühlt sich zu einem größeren Trinkgelde verpflichtet. „Ist dos nicht eigentlich eine schlechte Borbedeutung?" fragt sie. Er aber:: „Scherben bringen Glück." Sie entfernen sich rasch. Aus den nächtlichen Straßen sind Passanten zusammengelaufen und nehmen Anteil. Man richtet das Pferd auf, schafft die Droschke beiseite. Schutzleute kommen, Tatbestand aufzunehmen, den(auf so brüske Weife geöffneten) Laden zu bewachen. Feuerwehr wird alarmiert. Das Pferd stcht leffe schwankend und aus Maul und Hinterleib blutend. Man hört das Blut rauschen wie einen fernen traurigen Wassersall. Meinungen werden ausgetauscht: Ob das Pferd wohl verblute. Wie lange ein Pferd brauche, um zu verbluten. Wieviel Liter Blut«in Pferd habe. Ob man das Pferd werde erschießen müssen. Bekanntschaften werden gemacht. Zwischen Herren und Mädchen. Zwischen lauten, gut aufgelegten Männern. Betrunkene beschäftigen sich damit, die Schutzleute anzuulken. Die Feuerwehr kommt. Das Pferd wird unter lauten Zurufen auf einen Abdeckerwagen geschoben. Der Kutscher ringt die Hände. Die Feuerwehr fährt davon, den Ab- deckerwagen angehängt. Die Zuschauer zerstreuen sich und ver- schwinden. Der klein« Platz ist leer wie zuvor. Irgendwo steht eine Droschke mit abgebrochenen Deichseln. Irgendwo sitzt still der Kutscher und betrinkt sich. Irgendwo ruhen die Liebenden. Er schläft schon(und sieht, wie die meisten Schlafenden, nicht mehr geistreich aus). Sie denkt noch immer: „Das'arme Tier..." Lautlos über den Bildern schließt sich die Rächt. Das Drama„Josef". Lessing-Theater. Der gestrige Abend im Lessing. Theater geställete sich zu einer Ovation für die Autorin EleonoraKalkowska, für den Tbäger der Hauptrolle Ernst Karchow, für das Ensemble der „Gruppe junger Schauspieler", die sich für da, Stück eingesetzt hat und gegen das widerwärtige Ueberbleibsel einer barbarischen mittel- allerlichen Kullur gegen die Todesstrafe. Als das Iakubowski-Drama vor«inigen Monaten in der Volks- bühne seine Uraufführung erlebte, war die Stimmung oller Be- telligten wesentlich geringer. Denn der Prozeh um die Unschuld des armen Jakubowski stand vor der Tür. Zu der erregten Spannung kam das sensationelle Austreten der Autorin, die zu allseitigem Erstaunen feierlich Verwahrung gegen die Form der Aufführung «inlegte. Man hatte ihr den Schluß des Dramas gestrichen. Es kam zu einem offenen Theater skandal. Diese Vorgänge trübten damals den Blick für die Beurteilung der Dichtung. Di« zelllich« Distanz schafft ein ruhigeres und klareres Urtell. Unbestritten bleibt das Verdienst der Kalkowska, gegen die Todesstrafe«ine neue Waffe geliefert zu haben. Der Versuch einer.Dichterischen Re- portag«" erscheint aber heute mißglückt. Die unverbunden an- einander gereihten Bilder stellen einsoch in primitiv-dramatisierter Farm Zeitungs- und Aktcnberichte zusammen, langatmig, einseitig, kindlich-iendenziös— Jakubowski, der reine Unschuldsengel, die übrigen ausgemachte Schurken. Was die Autorin über das Tat» fachenmaterial hinaus hinzugedichtet hat. ist unlogisch und wenig überzeugend. Der heilige Funk« fehlt, der die hohle Zusammen. stellung beseelt. In sonderbarem Licht erscheint das persönliche Verhalten der Kalkowska. Auch in der Aufführung des Lessingtheaters sind die letzten Bilder des Dramas gestrichen. Mehr aufgeführt sind lediglich einig« wenige Zellen, die aber den Gesamteindruck nicht verbessern. Sie stellen eine Geschmacklosigkeit von geradezu peinlicher Wirkung dar. Roch eine sonderbare Tatsach« ist zu verzeichnen: Die gestrige Aufführung(Regie Hans Deppe) glich auf ein Haar der Ur, aufführung in der Volksbühne, die Alfred Trostler besorgt hatte. Das stimmt um so bedenklicher, als außer Ernst Karchow nicht«in« einzige Rolle gleich besetzt war. Die Personen reden all« ein einwandfreies Papierdeutsch. Wen» das Publikum dennoch den Vorgängen in innerer Anteilnahme folgt, so liegt das vor ollem an der wunderbaren Gestaltung de» Josef durch Ernst Karchow, der der Figur echtes menschliches Leben und rührend« Kindlichkeit verleiht. Don den übrigen Darstellern. die sämtlich ihr Bestes geben, fällt Franz Stein auf, der einen Sadisten mll beängstigenden Zügen malt. Das Publikum war trotz der ermüdenden Läng, des Abend« er» griffen. Der rauschende Beifall gall wohl mehr der Idee als ihrer Durchführung. Ernst Degner. Haan» Evhler komponiert zu Karlheinz Martin'» Inszenierung van .Danton» Tod" tu der voUtbllhn«, Theater am Biilowplatz, die Bohnen. mufil. Wilhelm, der Theaterheld. Bemerkungen zu Max Grubes„Erinnerungen". Man kann nicht sagen, daß das Charakterbild Wilhelms II. iod) in der Geschichte schwankt. Immerhin ist es vielleicht nicht inlnteressant.„och einzelne kleine Züge kennenzulernen, die den hemaligen Beherrscher von fünfzig Millionen deusscher Manner md Frauen im vollen Glänze seiner Größe strahlen lassen. Es sind Schlaglichter auf d-n Charakter Wilhelms II., die sich u, einer für den Politiker etwas abgelegenen Stelle jinden: in inem Buche Max Grubes. der lang« Jahre hindurch Ober- egisseur am damaligen Königlichen Schauspielhaus in Beilin und in Schützling Wilhelms II. war. Das Buch Max Grubes— es »andelt sich um den zweiten Teil seiner Lebenserinnerungen, sehr ebendig geschrieben und sehr amüsant zu lese»— spiegelt ein« varrne Verehrung für den Kaiser. Das kann bei einem Mann wie Nax Grub« auch nicht wunder nehmen. Zumal, wenn man be- >enkt, daß sein Buch noch vor dem großen Kladderadatsch, in den etzten Kriegsjahren, erschien. Daß Wilhelm II..seinem" Theater ein lebhaftes Interesse ent- segenbracht«, ist bei einem Mann von feiner Art nicht verwunder- ich� Das Interesse ging, wie man durch Grube erfährt, so weit, «ß er sich bei den Proben unmlltelbar in die Regiesührung ein- nischte und etwa Anweisungen gab. wie sich ein sürstlicher Herr lus der Bühne»u bewegen habe. Ja, Mlhelm LI. spielte auch selbst ern Theater. Natürlich nicht auf der Bühne seines Schauspielhauses ind vor irgendeiner Oefsentlichkeit: das hätte der Herrscherwürd« ioch gar zu sehr Abbruch getan. Außerdem hätte sich Wilhelm II. mtürlich nie einem Eiffemble einfügen können. Aber er hatte eine indlich« Freude daran, auf Hofsesten in einer Uniform vergangener feiten zu erscheinen, um dann als Höchstlommandierender die Sarade über ein« Kompagnie braver Grenadiere abzunehmen, die denfalls in die Uniform einer früheren Epoche gesteckl w�ren. >?>er er arrangierte für den alten Menzel, dem der Hof aus be- kimmten Gründen«ine Genugtuung schuldig war. ein Fest in -anssouci, bei dem alle Teilnehmer in sriderizianischen Trachten rscheinen mußten; dos Flölenkonzcrt nach dem Bilde Adolf Menzels vurde dargestellt, und er selbst, Wilhelm der Große, bewillkomm- lete den berühmten Maler mit dem Vortrag eines Gedichtes. Dieses Sedicht hatte Grube fabrizieren müssen—, was ihm Kopfzerbrechen l-nug bereitete, da er sich um die Lernlust Wilhelms, wenn auch mnötigerweise. Sorgen machte. Da, Gedicht, das Wilhelm damals «ortrug, wurde dann den Teilnehmern an der Festlichkeit in einem ostbaren Sonderdruck zugestellt. Bezeichnend aber war, daß mit einer Silbe Max Grube als Verfasser angegeben vurde, so daß der Eindruck erweckt werden mußte, es sei der poeti- chen Ader des Kaisers entströmt. Auch dramaturgisch- Fähigkeiten besaß Wilhelm II. Beinahe önnle man ihn hier als Vorläufer Piscators betrachten. Denn luch ihm kam es weniger auf die Wahrung der dichterischen Vorlage md viel mehr auf die richtige Herausstellung einer Gesinnung" an: >ur daß ihm natürlich ein« andere Gesinnung vorschwebte als dem Zersechter eines„proletarischen Zeittheaters".... Als Max Grube >as erstemal die Ehre hatte, sich m,t Seiner Majestät unterhalten u dürfen, kam das Gespräch auch auf Kleist und seinen„Prinz von )omburg".„Das ist ein Lieblingsstück oyn mir", sagte der Kaiser. das müssen Sie uns bald bringen.".Wenn nur die fatale Feig- >«itsszene nicht wäre", äußert« der anwesende Senera'adjntant. Der laiser pflichtete bei und fügte hinzu:.A b e r d! e s e r Auftritt ann doch einfach gestrichen werden." Solch geniale leußerung fuhr Max Grube schwer in die Glieder: denn ihm als inem klugen und feinfühlenden Menschen war es natürlich klar. aß bei einer Entfernung dieser sür das Stück geradezu entscheiden- «n Szene eine unmögliche Berbalhornung zustande kommen nußte. Er faßte also Mut und erklärte mll einigen„Halten zu gnaden", daß eine solche Dramaturgie„das Stück zerstören und hm seinen Angelpunkt ausbrechen" würde. Der Kaiser fragte höchst rstaunt und kurz:„Wieso?" Grube erläuterte seine Auffassung, ne der Kaiser— angeblich„mtt sichtlicher Aufmerksamkeit"— an- )5tU. Aber«r«widert« nicht, darauf, fondern wandte sich kurz an einen Herrn des Gefolges und sprach von etwas ganz anderem. Wie Grub« dann am anderen Tage vom Grafen Dohna erfuhr, war die abschließende Aeußerung Wilhelms über Grub« nach dieser Szene:„Das ist ja ein verflucht gescheuter Herr!" Wilhelm bestand nicht darauf, daß der„Prinz von Homberg" ohne den Auftritt gespielt würde, in der ein Hohenzollernprinz bei dem Gedanken an den Tod feige zusammenschrickt, ober er per» zichtete auch darauf, sich„sein Lieblingsstück" m i t dieser Szene vor- spielen zu lassen. Das bezeichnendste für Wilhelm II. ist aber wohl ein« Unter» schrift, die er auf eine seiner Photographien setzt«. Dies« Photo» graphie erhielt nicht Max Grube selbst zum Geschenk: er sah ste nur bei dem alten Karl Werder, der einst dem jungen Wilhelm und seinen Brüdern Literaturunterricht erteilt hatte. Der heran» gewachsene Prinz Wilhelm hatte dem ehemaligen Mentoik sein DiQ verehrt, und dieses Bild trug mit großen Buchstaben die Aufschrift: „Oderint, dum metuant!"—„Mgn mag mich hassen, wenn man mich nur fürchtet"—, dieses römische Cäsarenwort, kennzeichnend sür die Ueberheblichkeit und Vcrbohrthell neronischer Charaktere, schien dem jungen Wilhelm ein geeigneter Wahlspruch. Er mag auch die Haltung des späteren Kaisers noch stark beeinflußt haben, obgleich Wilhelm II. kaum den Mut der Konsequenz besaß. Er war eben doch stets mchr Theaterheld als Held der Wirklichkeit— ein Mann der Pos«, nicht der Tot. N. „Der /Fliegende Teufel von Texas." llfa-pavillon, Noilendorfplah. Ruth Eid er kam fliegend als erste Frau über den Ozean, als das Publikum so ozeanflugmllde war, wie die Flieger es nach vollbrachter Rekordleistung stnd. Man feiert« darum Ruth Clder kaum, doch brachte der Ozeanflug ihr immerhin ein« Filmrolle«in. Ja, sie darf sogar als Hoot Sibsons Partnerin paradieren. Und da Hoot Gibfon nun einmal erklärter und beliebter Sensationsdarsteller ist. wird auch diesmal wieder das Publikum durch alle Schauer der Kintoppromantit und Herzklopfafsären wildester Kintopp-Eowboy-Taten gejagt. Damit der gute Gibson die Bösewichter faßt, gibt er sich selbst als Trottel allerschlimmster Sorte aus. Aber was dieser Trottel vollbringt, das ist fast unglaublich und nur möglich bei der fabelhaften Kapitaltraft der amerikanischen Filmindustrie. Um das liebe Publikum recht kurzweilig zu unter- halten, spielen Flugzeuge und galoppierende Pferde,«In Motorrad und Fallschirmabsprünge, Automobiljagden und Revolver ihre Rollen. Bei dem atemberaubenden Tempo und den sich überschlagenden Einfällen bleibt Arthur Rosson«in liebenswürdiger, sehr humorvoller Regisseur. Wie oft bedient sich doch das Publikum eines wohlwollenden Lächelns, um zu verschnaufen. Der Regisseur stellt Hoot Gibson gut heraus und Ruth Elder, die nicht nur einen sehr gelenkigen Körper, sondern auch ein nettes Gesschtchen hat, des- gleichen. Aber er oersteht sich auf Flugzeuge und läßt«in Flugzeug durch Bewegung einzelner Teile sogar als Mimik« fungieren. Harry Neumann, der Photograph, verschönt seine klaren Aus- nahmen durch malerische Bilder. Alles in allem ist der Film ein urechter Amerikaner, Inhalt nichts, Mache alles. e. b. Freier CHniritt in die italienischen Museen. Die italienische Regierung hat den Beschluß gefaßt, alle Em- tnttsgeld« für staatliche Galerien und Museen abzuschaffen. Diese Entscheidung wird um so mehr begrüßt werden, als die Klage üb« die außerordentlich, hohen Emtrittsgeld«. die die Besucher in der letzten Zelt zahlen mußten, allgemein waren. Schon vor einiger Zeit hatte der Unterrichtsminister Belluzzo angekündigt, daß Musfo- linl eine Herabsetzung beabsichtige, ober die Entscheidung des Duce ist jetzt dafür gefallen, ste ganz aufzuheben. Nach der Berechnung einer römischen Zeitung wird dieser Entschluß die italienische Re- gierung zwischen acht und zehn Millionen Lir« tm Jahre tosten. Fernverkehr im englischen Autobus. Durch verschiedene Einrichtungen ist heute auch manchem werk- tätigen Arbeiter und Angestellten Gelegenheit geboten, kürzere und billigere Auslandsreisen zu unternehmen. Der Reichsausschuß für sozialistisch« Bildungsarbe it. die Reisebüros des Touristenvereins für Naturfreunde, die Freunde inter» nationaler Kleinarbeit, sie olle helfen mit. den Werk. tätigen fremde Völker zu zeigen und sie auch verstehen zu lernen. Bei diesen Auslandsreisen offenbart sich dann sehr deutlich das, was man von seinem eigenen Standpunkt aus als Vor- und Nach- teile eines fremden Landes ansieht. Da nun in Deutschland die Frage des volkstümlichen billigen und bequemen Reisens, des Wo chenendes, des Schnellverkehrs in den. Groß- st ä d t e n, besonders in Berlin, aktuell sind, so dürften die folgen- den in England angestellten Beobachtungen besonders beachtenswert fein..'' In England spielt sich jetzt etwas ab, was auch für Deutschland von Interesse ist. Die englischen Eisenbahnen sind Privatbetrieb«. Trotzdem ist aber die Bevölkerung auf dieses Beförderungsmittel angewiesen. Jede Eisenbahngesellschast hat ihren besonderen Aktionsradius, so daß eigentliche Konkurrenz- kämpfe vermieden werden. Auf dies« Weise erklären sich die hohen Fahrpreise. Seit einiger Zeit haben nun aber die englischen Eisen- bahnen scharfe'Konkurrenz durch regelmäßige Autobus- d i« n st e erhalten. Es sind das nicht Autobusie im ortsüblichen Sinne, sondern wirklich bequem«, man könnte sagen luxuriöse Slutobusse mit einer Stundendurchschnittsgeschwindig- keit von 35 Kilometern, Allwetterverdeck, so daß eine guie Aussicht noch ollen Seiten gewährleistet wird, und gut gepolsterten klubsesselähnlichen Sitzen. Man sollte nun meinen, daß diese Omnibusse, die im Höchstfälle 30 Personen befördern, teurer sein müßten als die Eisenbahn. Das ist nicht der Fall! Kernautobus Cdinburg-London. Es oerkehren aus der Strecke E d i n b u r g— L o n d o n Auto- busse verschiedener Gesellschaften. Diese Strecke ist ungefähr gleich lang wie die von München nach Berlin. Für die Fahrt, die etwa ll Stunden dauert und bei der für Frühstück, Mittag und Kaffee in verschiedenen Ortschaften Pausen eingelegt werden, zahlt man 3 0 M., hin und zurück 50 M., während bei uns die einfache Fahrt 3. Klasse 24,50 M. zuzüglich 5 M. Schnellzugzuschlag kostet. Die englische Eisenbahngesellschaft nimm! allerdings 49,50 M., dafür sind aber auch die Sitze der 3. Klasse stoffgepolstert. Der Auto- verkehr ist für die Eisenbahngesellschasten deutlich spürbar, da die Autobusgesellschaft neben den Expreßlinien noch Routen befährt, die zwar nicht die kürzesten sind, aber dafür durch die schönsten Orte und Landschaften führen. Di« Fahrt wird allerdings dann zweitägig auf zweimal neun Stunden verteilt, ausschließlich der Pausen. An den interessantesten Stellen fährt der Omnibus nur im Fußgängertempo, während der Schaffner auf Eigenarten der Gegend hinweist. Und all das ist in dem Fahrpreis eingerechnet! Gepäck ist bis zu 60 Pfund frei, auch bei der Expreßlinie. Der Fahrpreis ist hier sogar noch geringer, für die gleiche Strecke, aber mit dem Umweg über Liverpool(an der Westküste) verlangt man 37,50 M. Eine 1. und 2. Klasse gibt e? dabei nicht, es werden nur soviel Karten oerkaust, als Sitze vorhanden. Sind mehr Passagiere värhänden, so wird- eben' ein zweite? und dritter Omnibus auf. dieser Linie eingelegt. Die Einrichtung dieser Autobusse ist vor- bildlich. Alle haben Klosett mit Wasserspülung, Wofchwasser, Seife. und Handtuch. Die Wagen find' fo breit, daß aus seder Seite be». quem zwei Personen sitzen können. Der Mittelgang bleibt unter ollen Umständen frei. Uebcrhaupt ist auf den englischen und be- sonders auch auf den Londoner Verkehrsmitteln die Grundtendenz unverkennbar, daß ein jeder Fahrgast auch sitzen soll. Di« Schaff- ner sind unausgesetzt bemüht, den Gästen Sitzplätze anzuweisen. Auf Autobussen und in Straßenbahnwagen darf überhaupt niemand auf dem Perron stehen, auch wenn im Wageninnern keine freien Plätze sind. Die Fahrzeiten der Autobusse werden ziemlich genau «ingehalten. Die englischen Straßen sind ausgezeich» net, so daß eine Fahrt mit dem Autobus wirklich zum Genuß wird, vor allem deshalb, weil man alles Sehenswerte auf der Fahrt wirklich zu sehen bekommt und an den historisch oder literarisch berühmt gewordenen Orten Zeit genug zur Besichtigung der sehens- werten Stätten hat. Englische Straßen ohne Hupenlärm. Di« Disziplin der englischen Fahrer ist wert, bewundert zu werden, stundenlang kann man fahren, ohne auch nur ein einziges Hupen zu hören. An allen Ehausseekreuzungen steht ein Polizist. Ein stummes Winken mit der Hand, vielmehr nur mit den Fingern; der Fahrer weiß, daß der Weg frei ist. In den Städten das gleiche. Automatische Verkehrssignal« regeln den Verkehr. Ein Polizist ist hier nirgends zu sehen und doch richtet sich jeder nach den farbigen ßichtzeichen. Kein Geschrei, kein nervöses Hasten, kein Schimpfen und Fluchen. Jeder weiß eben, daß es diszipliniert am schnellsten geht. AutoHilfsdienst«, Oel- und Brennstosfpumpen. alles ist großzügig und planmäßig verteilt angelegt. Ueberall Schilder mit Wegweisern zum nächsten Telephon, kurz, alles ist vorbildlich organisiert. Di« Eisen- bahnen sind durch diesen ausgezeichnet funktionierenden Autobus- dienst in«ine schwierige Lag« geraten und sie machen alle An» strengungen, um die Gunst des Publikums nicht zu verlieren. Pro- spekte mit Ausflugsorten, billige Ausflugsrücksahrkarten— zuweilen sind sie billiger als die einfach«. Beschreibungen der Ausflugsziel«, farbige Plakat« der Ausflugsort«, besonders billige Sonderzüge noch entfernteren Orten. Gratiskursbücher mit genauen Einzel- Helten über Sonderzüge, Fahrpreitaufftellungen zu den wichtigsten Orten, durch all das wird versucht, das Publikum zu veranlassen, die Bahn zu benutzen. Es ist möglich, daß in Deutschland«ine ähnliche Erscheinung eintritt. In England wurde sie ganz plötzlich geschaffen. Es entstand eine Autobuslinie nach der andern. Wünschenswert wäre diese Entwicklung in Deutschland für Reisend« und Touristen aus dem Grunde, damit endlich einmal die Deutsche Reichsbahn auch auf ihre Passagiere mehr Rücksicht nimmt, die sie heute dank ihrer Monopolstellung anscheinend noch mcht nötig hat. Er- scheinungen wie der unmögliche Wriezener.Bahnhos, die mit 3.-Klasse-Schildern überklebten 4.-Klasse-Waggons, Wagen mit einem Koksofen in der Mitte, all das sind Dinge, die dos deutsch« Publikum sehr schnell zu den Autobussen abwandern ließe. Ganz abgesehen von jenen unzulänglichen Sonntagsrückfghrtarten, die auf den.zu befahrenden Strecken«in« so schlechte Verbindung haben zu den Zielen, so daß eine Fahrt dorthin wirtlich ein« Strapaze wird. Di« Entwickelung der Dinge in England hat ge- zeigt, daß solchen Konkurrenzkämpfen wesentliche Verbesserungen entspringen, und daß später unter dem Zwang« der Not Verbesie- nmgen durchgeführt werden, die heute mit irgendwelchen faden- scheinigen Begründungen abgelehnt werden. Der durch die deut- schen Oberpostdirektionen gefördert«, immer stärker werdend« Ueberland-Postautobusoerkehr scheint diese Entwicklung fördern zu helfen. Di« Reichsbahn ober hat es in der Tat schon mit der Angst bekommen, denn sie richtet nun ihrerseits überoll, wo sie kann, Ueberlandautobusse ein. Wenn es der Reichs- post möglich wäre, ich?« Xarise— der Kilometer 10 Pf. besonders. auf längere Strecken, zu ermäßigen, dann würde sich die Benutzung der Postaptos inuner. mehr-einbürgern. Die Erfolge in England sind aus reden Fall beachtenswert, wenn man an die Möglichkeit denkt, von Berlin nach München in gepolsterten Autobussen in 11 Stunden für 30 Mark zu kommen und unterwegs seine Mahl» zeiten nicht in schwankenden Wagen, sondern in einer behaglichen Wirtshausstube einnehmen zu können..Heute ist man gezwungen, dos Mittagessen zu dem Preis zu essen, den die Mitropa vorschreibt. In England kann man an den Halteorten essen, wo und zu welchem Preis es einem beliebt!— rn. Die Zünstler gegen die Lehrlinge. Zur Regelung des Lehrlingswesen, hoben die vorstände de» Reichsverbandes de» deutschen Handwerks und des Deutschen Handwerk». und Gewerbekammertages auf einer gemeinschaftlichen Kon- srenz in Breslau am S. August 1929 eine Entschließung gefaßt, worin zum Ausdruck kommt, daß bei der großen Bedeutung der Ausbildung de» gewerblichen Nachwuchses für die gesamte deutsche Wirtschaft die Einbeziehung de» Lehrlingswesen» in die tarif vertragliche Regelung und die damit verbundenen Mrtfchaftskämpse unerträglich sei. Mit steigender Besorgnis verfolgten daher die vor- stände de» Reichsverbondes de» deutschen Handwerk» und des Deutschen Handwerk», und Gewerbekammertage» die Bestrebungen, die»erufsstä ndlsche»egelvn, de, tehrklnssmesen, durch eiue tarisvertragliche zu ersetzen. Die Vorstände de» Reichsverbande» de» deutschen Handwerk» und de» Deutschen Handwerk», und Gewerbekammertages er. warteten, daß Reichstag und Reichsreglerung dieser Entwicklung be. sondere Aufmerksamkeiten widmen und für eine alsbaldige gesetzliche Klärung der Rechtslage sorgen, mit der die berussfiändische Regelung einwandfrei festgelegt wird. * Auch wir sind der Meinung, daß„eine alsbaldig« gesetzliche Klärung der Rechtslage", die seit einem Iährzehnt schwebende Neuordnung des Lehrlingswesens endlich herbeigesührt werden muß. Es geht um die Frage, wie lange noch di« Lehrlinge als billig« Ausbeutungsobjekt« mißbraucht und der Willkür der Handwerks» meister ausgeliefert sein sollen. Reinigen, Genosse Thälmann, reinigen? Die„Rote Fahne" hat sich dieser Tage furchtbar über die Ab» weichungrn der Frau ihres Genossen, des Sowjetkommissars L i t» w i n o w, aufgeregt, die in einem Blatt der deutschen Groß« bourgeoisi« einen wirklich etwas merkwürdigen Artikel über ihre „Eindrücke" von Berlin veröffentlicht hat, in dem sie die Eleganz des deutschen Bürgertums aufs nachdrücklichste bewunderte. Di« „Rote Fahne" rief Herrn Litwinow zu:„Reinigen, Genosse Lit» winow, reinigen!" Aber der Bazillus der Verbürgerlichung hat noch weiter« Kreis« der„einzigen revolutionären Partei" angesteckt. In der Näh« des Schlesischen Bahnhofs befindet sich eine Gast» Wirtschaft, offenbar ein kommunistisches Parteilokal, mit dem schönen Namen:„ZurSichelundHammer". Unter dieser einladenden Ueberschrifl. die jeden Kommunisten erfreuen muß, liest man aber mit erstauntem Blick:„Großes bürgerliches Speiselokal". Reinigen, Genosse Thälmann, reinigen! vlenstagi. lZ. Aujcust. Berlin. 16.00 Ministerialrat Dr. Karstedt: Aul Südafrikas Qold-«nd Diamantenfeldern« 16.30 Rundschau für Blumen, und Gartenfreunde(Garten dir. Lud*. Lesser). 17.00 Unterbaltunzsniusik. AnschlieBend Mitteilunien des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.30 Stunde mit Büchern; Berlin von heute.(Am Mikrophon: Dr. M. Arendt 18.55 President Karl Lacmle(Bildfunk). 19.00 Präsident Kar! Latmle;„Film-Amerika blickt aef Film-Europs". 19.30„Das Interview der Woche."(Namen werden durch Rundhmk bekannt- jegeben.) 20.00 Neger. I. William Grant Still: Darker Ameriea(Berliner Funk-Orchester, Dir.: Bruno Seidler-Wihkler).— 2. Neger Ii teratur—• Negermusik ank Schallplatte». 21.00..Zeitberichte"(gleichgeitig mit der Frankfurter Uraufführung): Saenen aus der Schulden- und Reparationsdebatte der Irintislschen Kammer(aus dem amtlichen französischen Sitzungsbericht), übersetzt und bearbeitet von Actualis.]. Poincard leitet die Redeschlacht ein, 2. Poincar« hn Kampf mit Louis Marin und Vincent Auriol. 3. Rededuell zwischen Briand und Franklin-Bouillon, d. Briand stellt die Vertrauensfrage. 5. Die Absthn» mung der Kammer und der Protest oes Vertreters der ehemaligen Kriegsa teilnehmet. Anschließend: Presse-Uraschan des Drahtlosen Dienstes.(Am Mikrophon; Dr. Josef Räuscher.)>,. Nach den Abcndmeldungen: Bildfunk. Königs Wusterhausen. 16.00 Lehrer Kreischmann. Holbeck: Bertbold Ottosohe Unterricht» gnmd sä tig und ihre Bedeutung für die Site»! liehe Volksschule, 16J0 Die Rokokooper. 17. 00 Nachmittagskonzert von Leipzig. 18.00 Mahrholz: Neubildung der Lebensreform. 18.30 Französisch für Fortgeschrittene. 18.55 H. R. Berndorff: Verbrechen, Oeffentlichkeit und Presse, 19.20 Dr. O. Kunze: Vom Leben der Strandpflanzen und Meeresalgen. 20.00 Sendespiele:„Lysistrata", parodistische Operette tob Paul Lincke, Wetter für Berlin und Umgegend: Messt Heiter und etwa» wär« mer. Schwache Lustbewegung.— Jüt Deutschland: Ueberall vvra wiegend Heiter, in Mitteldeutschland wärmer, nur im nordwestlichen Küstengebiet zeitweise wolkig. Berontmnrll. filz hie Rehoktiun:«olfgeng Schwer», verlin: S Meuten: Th. Sie de, Berlin. Serie«: Vorwärts Serie« ffl. m. h. St., Berlin. Druck: Vorwert, Bück. bruckerei unh Serlegsonftelt Peul(Singet& Ca.. Berlin SW 88. Linhenstreße 3. dietm 1 Beilege. Theater, Lichtspiele usw. Winter ★ uarren* PItAZa Tlgl. 9 u. eis S0llLl.ä8•» Al*x.e.4.8064 INTERNAT. VARIETE Deotdiei Ttiealer D.I. Norden 12310 SU. Ende gegen II Die Fiedermans Musik v.Joh. Strauß. Regle: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E.W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Vorverkauf auch im Pavillon der Rein- hardtbOhnen, Kurfürstendamm. Ecke Uhlandstrasse 8 IUI• Zentr. Zill)• fiaadign trlaiki Bestes internationales Variete Die Komödie J 1 Bismck. 24147516 S'/kU., Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regle: Leöntine Sagau Metropol-Th. Tlgl. 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Breit) Uli»» DI« liestis« Witwe Operette von Franz Lehär Dazu der grobe VarleldtelL Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Variete t Dkl. Bktnne 3.30. Irtan Diusntia oroficr Talks lag. » jed. Mittw. RMcitni n. Ttnams( iMMMMMMMMM» Reichshallan»Theater 0 vhr. Stettiner sanger Da* grobe Programm 1 �Billenbestg. Zentr. 112 62- Sonntag. 22. Au».: Eni* NamnUitags-TorsielienB. zu halben Preisen. OönDoff-Etrwttt: Tariert: Ten: onktster toell Daher. »Str Matratzen,» « Metall- und Holzhetten, Schlafzimme. v an Private. Ratenzahlung. htilM 267 frd ä ElsenmQDeifa&rik Suhl(Tliflpj m.i. Kapitän» Kautabak schmeckt mir doch am besten! (Beilage Dienstag, 13. August 1929 SprAbimd SinJniiifn£t Jtt{bvalA Rheumatismus, seine Verbreitung und seine Bekämpfung Von M. Kantorowicz Was ber Rheumatismus eigentlich ist, weiß die medizinisch« Wissenschaft so gut rt»« gar nicht. Volkstümlich versteht man darunter die verschiedensten, durch ihre Schmerzsorm bestimmten Leiden der Bewegungsorgane. Im volkstümlichen Sprachgebrauch ist Rheuma ein Reißen in den Muskeln, Nerven, Knochen, Gelenken usf. Das Schicksal der llnersorschheit teilt das Rheuma mit vielen anderen Krankheiten, mit dem Unterschied aber, daß die Rheumaforschung von unserer medizinischen Wissenschaft vernachlässigt worden ist. Infolgedessen wird die Krankheit erst bei ihren vorgeschrittenen Stadien erkannt, während die erfolgreiche Behandlung des Rheumatismus von der Frühbehandlung abhängt. Dieses Manko hat jetzt die soziale chygiene erkannt und erstrebt seine Beseitigung. Nachdem die Sozialversicherungsträger die un- geheuren finanziellen Lasten, die ihnen die Rheumakrankheiten ver- Ursachen, endlich zu spüren begannen, haben sie auch erkannt, wie wenig die medizinische Wissenschaft zu ihrer Bekämpfung bisher getan hat. Ein charakteristisches Beispiel bietet uns das Ergebnis einer im Jahre l924 von, englischen Gesundheits- Ministerium veranstalteten statistischen Erhebung. Der verdienst, volle Rheumaforscher, der Berliner Privatdozent Dr. Arnold Zimmer berichtet uns darüber salzendes: „Auf 1000 Versicherte beiderlei Geschlechts kommen 21 fi Rheumatiker(30,5 Proz. Männer oder 22,5 Proz. Frauen). Von der G e s a in t a r b e i t s u n f ä h i g k« i t d�s Landes wird bei Männern der sechste, bei Frauen der siebente Teil durch Rheuma verursacht. Ueber die Hälft« dieser Erkrankungen betrifft den chronischen Gelenkrheumatisnms. Durch den Rheumatismus ver. liert England jährlich 14000 Arbeitswochen und hat 1 500 000 Psund an Krankengeldern aufzubringen. Bei dieser Berechnung sind nicht die Folgen des akuten Gelenkrheumatismus, die vielen Hcrzklappensehler, enthalten, die ebenfalls einen großen Teil der Arbeitsunfähigkeit ausmachen." „Dieses statistische Ergebnis," erzählt uns Arnold Zimmer weiter,„wurde die Veranlassung für eine große international« De- wegung der Rheumaforschung und Rheumabekämpfung." Nach einigen Vorstufen wurde im vergangenen Jahr« die„Int er» nationale Liga gegen den Rheumatismus" begründet, an die sich auch Deutschland angeschlossen hat Hier ist im Jahre 1927 die „Deutsche Gcsellschaftfür Rheumabekämpfung" mit dem Sitz in Berlin und unter Leitung von Dietrich und Hirsch ent- standen. Der Ergebnisse der von dieser Gesellschaft bzw. von Arnold Zimmer u. a. unternommenen Untersuchungen über die Verbreitung und Heilung des Rheumatismus spotten jeder Beschreibung. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß bei 24 Allgemeinen Ort-kranken- lassen mehr als der zehnte Teil aller Krankheitsfälle bei bei den Krankenkassen durch rheumatische Krankheiten hebvorgerNfeN sind. Auf eineir Falli Tuberkulose kommen ZAZ Fälle Rheuma. In Berlin liegen die Verhällnjsl« noch verschärft. Nach der Statistik der Allgemeinen Ortskrankentasie Berlin von 1923 bis' 1925 kommen auf einen �ast Tuberkulös« 5,2 Fistle Rheuma(darunter 0,8 Fäll« von Muskel- und Gelenkrheumatismus und Gicht, 1,4 Fälle anderer Erkrankungen des Bcwegungeapparates). Auf einen Krank- heitstag wegen Tuberkulose kommen 3,4 Krankheitstage wegen rheumatischer Krankheiten. Nach derselben Statistik vom Jahr« 1927 kommen auf 100 000 männliche Mitglieder 7öl8 Erkrankungen der Knochen- und Bewegungsorgane, darunter allein 5110 an Muskel- rhcumatismus. lim die Bedeutung dieser Zahl zu verstehen, müssen wir uns vergegenwärtigen, daß diese Krankheit an zweiter Stelle aller Krankheitsgruppen steht und solche ver- breiteten Krankheiten, wie Erkrankungen der Atmungsorgane, der Haut, der Geschlechtskrankheiten usf., ja, die Tuberkulose, die 2074 auf 100 000 Mitglieder beträgt, übertrifft. Nach derselben Statistik beträgt die Zahl der an akutem Gelenkrheumatismus Kranken 722 und an chronischem Gelenkrheumatismus 96 auf 100 000 Mitglieder. Darus folgt also, daß wir es hier mit einer ausgesprochenen Bolkskrankhcitzu tun haben. Bis jetzt galt dies« Be, Zeichnung vorwiegend der Tuberkulose: auf diese Krankheit wurde das Haupt- augenmcrk der Oeffentlichkeit gelenkt. Wie stiefmütterlich bis jetzt die Rheumatiker behandelt wurden, geht aus den folgenden Zahlen hervor. Wir haben schon dos Verhältnis der Zahl der Rheumatiker (5110 und 722 und 96— 5928) zu der der Tuberkulosen(2074) auf 100 000 Mitglieder der Allgemeinen Berliner Ortskrankenkassen kennengelernt. Die Statistik de» Kranrenhausbehanplung zeigt aber«in anderes Verhältnis� aus 100 Tuberkulose entfallen in den Kronkenhäusern nur 61 Rheumatiker. Das heißt: ein Tuberku- löser hat 3,4mol so viel Aussicht auf Krankenhausbehandlung wie ein Rheumatiker. Bemerkenswert ist auch die Statistik der Landes- Versicherungsanstalten: von 100 Jnvaliditätsfällen werden 11,07 durch Rheuma und 12,61 durch Tuberkulose verursacht: dagegen werden von 100 Heilversohren 11,81 wegen Rheuma und 47,02 wegen Tuberkulose dewilligt. Aber auch die Dauer und die Kosten für die Rheumaverfahren werden erheblich geringer bemessen al» für die Tuberkulösen. Merkwürdig ist noch, daß der Muskelrheumatismus und die Nervenerkrankungen im Heilverfahren bevorzugt werden, während innerhalb der rheuma- tischen Erkrankungen der Gelenkrheumatismus besonders zur In- Validität führt. Um dieses Manko zu beseitigen, müssen wir die Vermehrung der Krankenhausbetten und vor allem den 2lusbau der sozialen Für- sorge für Rheumatiker fordern. Die Fürsorgestellcn ermöglichen u. ä. die Früherfassuntz der Krankheit. Für diesen Zweck brauchen wir möglichst viele Beraturgs stellen, ferner speziell« Rheuma- st o t i o n e n. Zu einer umfassenden Bekämpfung der Rheumaleiden gehört ober auch ihre U r s a ch e n be s« i t i g u n g. soweit solch« schon bekannt sind. Wenn auch zur Erforschung ihrer Entstehung noch unendlich viel getan werden nniß, so bieten doch schon bisherig« Beobachtungen und Ersahrungen manche wichtige Ansatzpunkt«. Als wichrig« Entstehungmirsachen sind schon heut« die. Infektion, di« Erkältung, das Klima, die Arbeits- und Wohnverhältnisse bekannt. Zu der mitangsführten Ursache der Erkältung ist besonders darauf hinzuweisen, daß nicht so sehr die einmalige Erkältung als vielmehr eins dauernde Einwirkung von Feuchtigkeit und.naßkalt«? Witterung zur Entstehung des Leidens führen oder es begünstigen kann. Daraus folgt, daß dem Rheumatismus besonders ausgesetzt sind Bewohner feuchter Behausungen, vor allem also Kellerbewohner. womit aber leider die Zahl der Inhaber ungünstiger Wohnungen Wie wirkt ein Alkoholverbot? Ein Ueberhlick über die amerikanische Prohibition Der berilbmt« Statistik» der Tlole.Universttllt(USA.1, de» Er. fadrung und Studium au» einem Gegner ,um Anhänger de» Alkohol- verbot» in den Dercinigten Staaten gemacht haben, gibt in diesem Auf- sag«in» Zusammenfassung der Gedankengänge, die er in feinen lebten großen Büchern auf Grund»ine» in SV Iahren erarbeiteten reichen statistischen Stoffe» cntmickelt hat. Wir finden, daß die Reallöhne unter voller Berücksichtigung der verminderten Kouskraft des Dollars in der Zeit von Juli 1914 bis Januar 1925 um volle 36 Proz. gestiegen sind. Diese plötzlich« Besserung vollzog sich größtenteils unmittelbar nach dem Inkrafttreten des Prohibitionsgesetzes. Von 1892 bis 1919 war der wirkliche Lohn fast unverändert. Die Schwankungen nach oben oder unten waren nie größer als 4 Proz., nur einmal, 1897, fast 7 Proz. Aehnlich blieben seit 1920 auf einem höheren Stand die wirklichen Löhne fast unverändert. Dieser neue Stand ist 28 P r o z. h ö h e r als der alte. In anderen Worten: Mit dem Eintritt der Prohibition stieg«» die Löhne mit einem Schlag von dem alten Stand, den sie fast ohne Aenderung über«in Vierteljahrhundert eingenommen hatten, auf ein«n neuen, nahezu ein Drittel höheren, den s« jetzt noch einnehmen. Auch die Gewinne sind gestiegen wie das Gesamteinkommen des Landes. Weiter zeigen die Statistiken der verschiedenen Arten per- sönliche Ersparnisse, so die Anlagen bei den Bau- und Mieigenossenschasten und die Versicherungssummen der Lebens- Versicherungsgesellschaften,«in« wesentlich größere Erhöhung in der Zeit von 1920 bis 1927 als in der von 1915 bis 1920. Die Steige- rung tritt besonders hervor, wenn diese Anlagen, entsprechend der Kaufkraft, in Dollars von 1913 ausgedrückt werden. Diese Tat- fachen stimmen vollkommen zu der Voraussog«, daß die Prohibition Löhne und Gewinne steigern werde. Das ist ein Grund, weshalb viele Industrielle Anhänger der Prohibition sind. Wenn ihre Durchführung uns sogar 1 Milliarde Dollar im Jahr kostete, würde sich dos, schon als rein wirtschaftliche Anlag«, wohl bezahlt machen. Dies« Folgerungen gewinnen an Kraft durch Ausführungen, die Herbert H o o v e r in einer Rede vor der Handelskammer der Vereinigten Staaten gehalten hat. Er sagte da:„Eingehende Studien über viel« S«it«ri der Produktion im Durchschnitt von je 10 Jahren vor und nach dem Krieg haben bei einem Anwachsen der Bevölkerung von rund 15 Proz.«ine Steigerung um 25 bi» 30 Proz. ergeben, d. h.«ine durchschnittlich« Erhöhung der Pro- duktivkraft um 10 bis 15 Proz. Er sagt« dazu:„Außer vermin- derter Vergeudung hatten wir den Vorteil wesentlicher Fortschritt« der Wissenschaft, Verbesserung der Arbeitsmethoden und Prohi- bition. Er erklärt« weiter:„Es ist meiner Ueberzeugung nach kein Zweifel, daß die Prohibition Amerikas Produktivität st e i g e r t. Ich finde, daß das Wachstum der Enthaltsamkeft im ganzen Lande zum.guten Teil die Ursache de» riesigen Wachstums der Produktivität' ist; das' die voM Wirtichaitsminifteriiim-gesain- melten Zahlen als Folge der Trockenlegung erweisen." Professor Thomas Nixon oft v e f von dir Harvärd-Uni- versität urteilt in einem seiner neuen Tücher' folgendermaßen über die Segnungen der Prohibition:„Es wäre ebenso falsch, oll« dies« erstaunlichen Zeichen des Wohlergehens in mssercr Arbeiterklasse ohne Nennung der Prohibition zu erklären, als wenn man sie allein darauf zurückführen wollte. Ich kann sie nur unter Mitrechnung der Prohibition als mitwirkenden Umstand- erklären." Als die Trockenlegung kam, erzählte man uns, die Vernichtung der Kneipen bedeute die Zerstörung von vielen Geschäften, denn die Kneipen hülsen„Geld in Umlauf zu bringen". Dos ist, was wir in der Vorlesung„wirtschaftlichen Unsinn" nennen. Heut«, denke ich, findet fast jeder solches Gerede sinnlos. Keiner hat den Mut, solche Behauptungen gegenüber unserem wirtschaftlichen Aufschwung seit der Trockenlegung zu wiederholen. In der Stadt New Pork hat ein« eingehend« Untersuchung staftgefpnden über die Wirkung der Trockenlegung auf die Wirts- Hausgrund stück«. Man fand, daß in Manhattan allein von 2834 überwachten Wirtschaften 2173 eingegangen sind. Die anderen verkauften alkoholfreie Getränke, aber der äußere Eindruck blieb unverändert. Die 2173, die eingingen, wurden durch 3800 Geschäfte ersetzt. Di« Räum« mancher früheren Wirtschaft sind jetzt von drei, vier, ja fünf Geschäften ein- genommen. Mehrere tausend Dollar sind im Durchschnitt aufge- wendet worden, um die früher« Kneip« für«in erlaubtes Geschäft geeignet zu machen. Es Hot sich auch gezeigt, daß jeder der neuen Läden durchschnittlich mehr als doppelt soviel Leute beschäftigt als die alte Wirtschaft. Der einfache Sachverhalt ist der: Die Trockenlegung hat ein parasitisches Gewerbe durch nützliche Gewerbe ersetzt. Brauereien und Kneipen haben wirtschaftlich wertvolleren Betrieben Platz gemacht. Selbst im Hasenviertel— früher eines der am dichtesten mit Kneipen besäten— sind die alten Kneipen ersetzt durch neue Wirtschaften, Kleider- und Schuhläden, Geschäfte für Süßigkeiten, Juwelen, Banken usw. Der Bodenwert in dieser Gegend ist nicht gefallen, wie man vorausgesagt hatte, sondern gestiegen. Sogar Milwaukee, die berühmt« Bierftadt, hat geschäftlich durch die Prohibition gewonnen. Das ist das Urteil der berufensten Sachkenner. Wie Prohibition den Wohlstand steigert, verringert sie die Armut. 1899 wurden die Erhebungen eines Untersuchungsaus- schusses veröffentlicht, der drei Jahr« gearbeitet hatte. Sein Urteil ging dahin, daß von den geprüften Fällen von Armut, die von Wohltätigkeitsgesellschaften behandelt wurden, etwa 25 Proz. unmittelbar oder mittelbar dem Alkoholgenuß zuzu» schreiben waren: von denen, die ins Armenhaus führten, etwa 37 Proz. Bei der Untersuchung der Kriminalität fand man Alkohol in 31 Proz. der Fälle als Hauptursache, als mitwirkende Ursache in weiteren 19 Proz. Die Erfahrungen mit der Prohibition bestätigen diese Urteil«. So zeigt der Bericht der Hasenoiertelmission einen mächtigen Rückgang der Fälle böswilliger V e r l a s s u n g und eine Abnahm« anderer Ursachen der Armut. Es gibt heute weniger Insassen der Armenhäuser, als in. 20 Jahren dort waren. Die Zahl der Arnien im- Verhältnis zur- Bevölkerung war nach dem letztere Bericht die niedrigste in der Geschichte der Dereinigten Staaten. Irving Fischer. noch längst nicht erschöpft ist: ferner folgend« Berufsangehö- r i g e: allen voran Bergarbeiter, Wäscherinnen. Kutscher, Maurer, Bmitischler. Straßenarbeiter, Straßenhändler, Dienstmädchen, Kellner sowie solche Berufsausübenden, die in ihrer Arbeit unter starken TemperaturwechHn zu leiden ljoben, wie Heizer, Bäcker usw. Eine weiter« nicht zu unterschätzend« Eetstehungsursach« ist auch eine ein- seitige Inanspruchnahme, also Ueberanstrengung einzelner Gelenk« (Näherinnen). Viele Autoren sind der Meinung, daß an Rheumatismus solche Personen erkranken, die besonders hierzu veranlagt sind. Oft wird diese Veranlagung vererbt. Dieser Faktor spielt auch be! tuberkulösen Erkrankungen«in« Roll«, Di« jahrzehntelange Be- obachtung dieser Krankheit Hot jedoch gezeigt, daß die sozialen und wirtschaftlichen V e r h ä l t nftf s e bei der Berbreftnng und den, Verlauf der Tuberkulose höchst bedeutsam sind, was in gleichem Maße auf den Rheumatismus anzuwenden sst. Wir müssen daher vor ollem gewerb«- und wohnungshygiemschc Maßnahmen treffen, um di« sozialen und wirtschaftlichen Ursachen des Rheuma- tismus nicht einmal aufkommen bzw. nicht völlig wirksam werden zu lassen. Daraus ersehen wir also, daß der Rheumatismus ebenso wie die Tuberkulose eine sozialpolitische Angelegenheit ist. Bei der Ursachenbetämpsnng dürsen wir aber nie die Ausgestaltung der Heilverfahren vergessen, die paralell miteinander erstrebt werden müssen.__ Ernährung und Zahnbildung Erst in jüngster Zeit ist durch Forschung und tierexperimentelle Untersuchungen die Existenz von bisher unbekannten Stoffen an« genommen worden, die für die Erhaltung des Lebens durchaus not- wendig sind. Man nannte sie Vitamin«. Ohne daß die chemische Zusammensetzung der Vitamine bereits restlos aufgeklärt sst, ist die praktisch« Seit« der Bitaminlehr« bedeutend gefördert worden, und chr« wichtig« Rolle für den Aufbau des Körpers sowie auch für den Körperhaushalt und das Gebiß wird immer mehr erkannt. Es gibt mehrer« Arten dieser Substanzen, die in vielen Nahrungsmitteln, messt Pflanzen, in kleinen Mengen enthalten sind. Immer aber entstehen durch ihr Fehlen schwere Krankheiten, so insbesondere der Skorbut und die englisch« Krankheit. Diese Krank- heiten befallen sehr stark die Mundhöhle, zum Teil di« Kiefer- knochen und das Zahnfleisch, zum Teil die Zähne selbst. Ja, die neuesten Forschungen auf diesem Gebiete haben ergeben, daß d i e Zähne die ersten Strukturen sind, di« angegriffen werden. Die Störungen sind um so stärker, je stärker der Mensch im Wachstum begriffen ist. Di« Bekämpfung der Zahnfäulnis geschieht natürlich am besten durch Vorbeugung. Man braucht nur der Nahrungswghl mehr Aufmerksamkeit zu schenken, um sich vor der Zahnfäulnis und ihren Folgen zu schützen. Ilm so bedauerlicher sst e». daß die Speisen, di« sich in der Kusturweft steigender Beliebtheit«rs�cuen, sämtlich drohenden Mangel an Vitaminen zeigen. So wird das S ch w a r z- brot durch das Weizenbrot verdröngt, unpolierter R«i» ist völlig unbekannt, und der ausschließlich« Fleischgenuß überwiegt. Da aber die Vitamin« in fast ollen Früchten, besonders in zitronenartigen und Tomaten, in Gemüsen, besonders in Kohl und Solot vorhanden sind, so sollte es ein leichtes sein, seinen Körper eine genügende Menge davon zuzusühren. Ebenso sind die Apfelsinen, Himbeeren und Steckrüben reich an Vitaminen, und auch Milch, Eidotter. Butter und Obst haben keinen Mangel daran. Sehr reichlich enthält der Lebertran«ine besonder« Art der Vitamine, di« sich für di« Verkalkung der Zähne geradezu als unentbehrlich erwiesen hat. Nicht früh genug kann bei dem Kinde mit vitaminreicher Nahrung begonnen werden, denn hier gerade ist ja das Zahn- gewcbe im Begrifs, sich zu bilden. Von Gemüsen sind besonders Spinat Und Mohrrüben, letztere in Püreeform, sehr gut geeignet, auch«in geschabter Apfel oder Apfelsinensaft kann dem Kind ver- obreicht werden. Ein weiterer sehr wichtiger Gesichtspunkt in der Nohrungswahl vom zahnärztlichen Standpunkt ist die Auswohl Mineralsalz- reicher Nahrungsmittel, weil die Zähne weitgehend aus anorganischer Substanz aufgebaut sind. Die Mineralien, die auch zum Ausbau der Körperzellen dienen, müssen besonders dem wachsenden Kinde zugeführt werden, da es im Vergleich zum Er- wachsenen naturgemäß viel mehr neue Zellen bildet. Unter den Mineralien nehmen zwei eine besondere Stellung ein: das Eisen und der Kalk. Beide sind von außerordentlicher Bedeutung für das Gebiß des Menschen, da gerade di« Kalkormut des Zahn- gewebes bestimmend ist für die Ausbreitung der Zahnsäulnis, und andererseits die Bleichsucht, die wiederum Hervorgerufen ist durch «inen stark verminderten Eisengehalt des Körpers, besonders disponiert ist für dieselbe Zahnkrankheit. Wiederum sind es in der Hauptsach« die pflanzlichen Nahrungsmittel, wie die grünen Gemüse und verschiedenen Obstsorten, die Träger dieser beiden Mineral- stoffe sind. Kalk ist enthalten in Kohlrabi, Gurken, Spinat, Blumenkohl und Rüssen. Wichtig ist der Kolkreichtum unserer gewöhnlichen Käsesorten, z. B. Schweizer- und Parnresanenkäse. Di« übrigen Haupttattspender enthalten nur klein« Mengen Kalk, etwa ein bis zwei Gramm in einem Kilogramm. Dafür ist der Bedarf unseres Körpers auch nur ein kleiner. Ein Mensch und auch«in Kind in lebhaftem Wachstum braucht höchstens«in Gramm Kalk für den Tag. Der täglich« Eisenbedarf eine» Menschen ist noch geringer. und auch der Gehalt der einzelnen Nahrungsmittel an Elsen ist verhältnismäßig gering. Auch hier sind die pflanzlichen Nahrungs- mittel am reichsten an Eise», wie der Sauerampfer, der Kohlrabi. der Spinat und der Kopfsalat. Auch das Blut sst verhältnismäßig »«ich an Eisen. Unter dem Obst finden sich ebenfalls wichtige Eisen» spender. An der Spitze stehen di« Heidelbeeren, di« Feigen und die Mandarinen: dann folgen die Rosinen, die Erdbeeren und Kirschen. Wenn der Eisengehalt unserer Nahrungsmittel im ollgemeinen auch gering ist, oft nur ei» halbe« Gramm auf einem Kilogramm, so gewinnt er hoch sssr di« Ernährung dadurch an Bedeutung, daß dieses Eijgn, das die Natur uns bietet, für unseren Körper leicht aufnehnrbar ist. Dr. A. Rummelsburg. Copyright dy Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden (23. Fortsetzung.) „Und dann kam er"', wilder f)ah klang aus der heiseren Stimme. „Ich hörte schon von weitem den Motor surren..." „Jack Füller?" „Nein, Calvin Füller. Ich sagte doch schon, daß ich Calvin Füller getöte! habe... aber er lebt noch immer, lebt noch immer..."' „War es bestimmt Calvin Füller?" fragte O'Kees«. „Ich erkannte sein Auto, das silbergraue Auto. Er fährt im Auto, ich muß mit zerrissenen Stiefeln durch den Schnee nwten. Ja, ja, es war Calvin Füller, nicht Jack. Das Auto fuhr ganz langsam." „Und was taten Sie?" „Ich schoß auf ihn, schoß dreimal. Seltsam, jetzt fällt mir erst auf, daß dl« Schüsse gar keinen Lärm machten. Aber vielleicht höre ich schlecht. Der Schnee hat mein Gehör gefressen, er frißt mich aus bei lebendigem Leibe. Aber er schenkt mir schön« Träume. Ich will wieder Kokain haben, gebt mir Kokain." Seine letzten Worte gellten zum Schrei auf. „Gleich, Herr Phillips, nur noch ein paar Worte", beruhigt« ihn Brian O'Kcefe.„Was gesckzah. nachdem Sie geschossen hatten." „Das Auto fuhr weiter, aber nicht lange, denn der Motor hörte nach wenigen Augenblicken zu surr«» auf. Und da wußte ich, daß Calvin Füller tot ist und freute mich." „Er verwechselt die beiden", flüsterte Mike Rosenf«ld. „Ich oerstehe nur nicht," erwiderte Ben Hall ebenso leise,„wie er die Autos oerwechseln kann. Jack fuhr immer in ein«m schäbigen kleinen schwarzen Zweisitzer, und Calvin fährt wirNich in einem großen sUbergrauen Luxusauto." „Und die Schüsse, die keinen Lärm machten?" warf John Calmer ungläubig ein. „Ich freute mich", wiederHoll« Ralph Phillips mit ein«m Lachen. „Und dann schlug di« Kirch«nuhr wieder, dumpf und tief. Zwölf- mal, sie sang:„Ein Füller ist tot! Ein Füller ist tot!" Da kam auch schon der Teufel in einem kleinen schwarzen Wagen gefahren, ganz rasch, um Calvin Füllers Seele zu holen. Ich hatte Angst und lief fort. Der Teufel aber muß auch geschossen haben, denn ich hörte die Schüsse. Dann verirrte ich mich im Schneetreiben. War wohl auch nicht ganz klar im Kopf; der Schnee frißt mir das Gehirn fort." Plötzlich schien er zu bemerken, daß jemand neben ihm auf der Küchenbank saß. Er rückte erschrocken fort: „Wer sind Sie, was wollen Sie von mir? Sind Sie von der Polizei? Sie können mir nichts tun. Wegelagerer und Räuber darf man erschießen." „Ich bin Ihr Freund", entgegnet« Brian O'Ke«fe sanft.„Will Ihnen helfen." „Mein Freund? Wenn Sie mein Freund sind, so sagen Sie mir eines: wie ist es möglich, daß Calvin Füller, den ich erschossen habe, heute noch lebt, umhergeht wie ein lebendiger Mensch?" John Calmer, der stirnrunzelnd dages«ss«n hatte, wandt« sich nun an den„Schnee-Esser". „Haben Sie Ihren Revolver bei sich, Herr Phillips?" „Ja." Ralph Phillips holte aus der Hüfttasche den Revolver hervor und legte ihn auf den Küchentisch. „Ein sechsschüjsiger", sagte John Calnier, nachdem er den Rc- volver geprüft hatte. „Haben Sie ihn seither entladen? Denken Ti« gut nach, Herr Phillips." „Rein, ich habe ihn damals in die Tasche gesteckt und setther nicht mehr angerührt." „Wissen Sie das ganz bestimmt." „Ganz bestimmt." John Calmer nahm abermals den Revolver zur Hand, sah etwas nach und erklärte dann leise: „Der arme Teufel, setzt weiß ich, weshalb seine Schüsse keinen Lärm machten. Er hat dreimal abgedrückt, aber— der Revolver war nicht geladen." „Dann ist es tatsächlich möglich, daß er aus Calvin Füller ge- schössen hat!" rief Ben Hall zitternd vor Aufregung. „Ja." „Also war Calvin Füller um Mitternacht an der Mordstellei" „Bei Gott!" rt«f Brian O'Keef«,„wenn wir das bestimmt wüßten..." „Und Phillips hat die drei Schüsse g«hört, durch die Jack getötet wurde!" „Ja", sprach Mike Rosenfeld langsam.„Wir haben, glaube ich, unser Ziel erreicht und den Mörder gefunden. Aber er ist nicht wie wir annahmen, dieser arm« Narr, fondern ein ganz anderer." „Der bereits fein Alibi erbracht hat", warf John Calmer mürrisch«in. „Für«lf Uhrl" rief Brian O'Keefe,„aber nicht für Mitternacht. Und Fräulein Crock hält ihre Behaupttmg, daß sie die Schüsse um elf gehört hat, nicht mehr aufrecht..." John Calmer warf einen Blick auf Ralph Phillips. Der saß zusammengekauert da, den Kopf auf di« Brust gesunken und wim- mert« leise vor sich hin. „Schnee, gebt mir Schnee, ich will vergessen! Will schön« Träume haben! Gebt mir Schnee!" John Calmer zuckte die Achseln. „Welches Gericht würde den Aussagen eines solchen Zeugen Glauben schenken?" Brian O'Keefe nickt«. Phillips kann uns wenig nützen. Wir müssen anderswo den Hebel ansetzen. Jedenfalls haben wir eines erfahren: daß Diana und Mamie Bolton vielleicht doch recht haben. Auf dieser Spur müssen wir weiter arbeiten." Mite Rosenfeld nickte. Die Männer erhoben sich und strebten leise der Tür zu Ueber den Tisch gesunken wimmerte eines der unzähligen Opfer der Dynastio Füller: „Schnee, gebt mir Schnee. Ich will vergessen. Will träumen, daß Calvin Füller tot ist, daß alle Füllers tot sind, will träumen, daß es auf dieser Welt«in Recht gibt, daß wir nicht ausgeliefert sind, eine Beut« der reichen Räuber. Schnee, gebt mir Schnee!" Der Kampf um David Gordons Leben. David Gordons Verurteilung hatte ganz Fullersville in zwei Lager gespalten. Das ein« jubelte über das„gerechte" Urteil, das andere, überzeugt von Gordons Unschuld, sah in ihm einen Märtyrer der Klassenjustiz. Dos Verteidigungskomitee vergrößerte sich, als erste trat ihm Fräulein Crock bei. Sie hatte offiziell ihre Aussage zurückgezogen und konnte nun nicht begreifen, weshalb diese schwerwiegende Tat- fache völlig unberücksichtigt blieb. Niedsrgedrückt von dem Gefühl, einen Unschuldigen, wenngleich gegen ihren Willen, in Lebensgefahr oersetzt zu haben, ging die alte Quäkerin von Haus zu Haus und sammelte Unterschristen für einen Protest gegen das Urteil. Ralph Phillips, den Mike Rosenfeld zum Untersuchungsrichter schleppte, wurde als Zeuge abgelehnt. Der Fall Gordon war nun bereits zu etwas geworden, das die ganzen Bereinigten Staaten und die proletarische Presse aller anderen Länder in Aufregung oersetzte. Sogar einige„liberale" Senatoren nahmen sich der Sache an, wissend, daß Amerika keinen zweiten Fall Sacco-Vanzetti vertragen könne. Calvin Füller hatte damit gerechnet, daß David Gordons Verurteilung das Ende des Streiks bedeuten würde. Aber er irrt«. Irgend jemand mußt« auch di« Streikbrecher erfolgreich„bearbeitet" haben, denn am Tag nach der Urteilsverkündigung kamen in Fabrik A nur vierzig Prozent der Leute zur Arbeit: die übrigen hatten sich den Streitern angeschlossen. Die bürgerliche Press« tobte über das„rote" Fullersville, und diesmal log sie seltsamerweise nicht. Noch nie hotte es.unter den Arbeitern der Fuller-Betriebe eine derartige Solidarität, noch nie so viel Mut und Entschlossenheit gegeben. Es war, als ob die Menschen, in deren Heimen der Hunger bereits seit langem ein täg- licher Gast war, sich von Zorn und Empörung nährten, keiner anderen Speise bedurften. „Den Streik", sprach Ben Hall zu den Genosien,„werden wir siegreich zu Ende führen. Aber ich fürchte, um einen hohen Preis." Die Hinrichtung sollte im Februar stattfinden: es blieben dem Derteidigungskomitee nur noch drei kurze Wochen. „Was sind einundzwanzig Tage!" rief Mike Rosenseld ver- zweifelt.„Selbst wenn jeder vierundzwanzig Arbeitsstunden b«-- deutet. Und dabei zu wissen, wer der Mörder ist, ohne es beweisen zu können!" Brian O'Keefe, an den diese Worte gerichtet waren, nickte. „Die ganze„gute" Gesellschaft von Fullersville ist von Gordons Schuld überzeugt. Und der Protest der Proletarier sowie einiger Intellektueller läßt die Behörden kalt!" O'Keefe wußte, was er sagte. Tagsüber hatte er in seiner Rolle als illegaler Alkoholhändler ausschließlich mtt der„guten" Gesellschaft zu tun. Der elegante junge Engländer aus Konada war überall freundlich aufgenommen worden. Hätte er wirklich alle ihm gegebenen Bestellungen ausgeführt, er würde ein Vermögen verdient haben. „Ich sprach mit meinen beiden besten„Kunden", dem Staats- anmalt und dem Dorsitzenden des Gerichtshofes, über den Fall", er» klärte er Mike Rosenfeld.„Die haben bloß eine Angst: daß die Hin- richtung verschoben werden könnte. Ich habe nur noch eine Hoffnung, Dianas Schlauheit. Sie weiß, daß sie alle Kräfte anspannen muß." Mike Rosenfeld zuckte die Achseln. „Was kann sie ausrichten?" „Calvin Füller mürbe machen. Er ist leidenschaftlich in sie oerli«bt." „Und wenn er noch so verliebt ist, glauben Sie, daß er schwach genug wäre, ihr sein Derbrechen zu gestehen? Dann kennen Sie die Füllers nicht." „Die Füllers kenne ich vielleicht nicht, aber Diana." Diana Langtrey war sich ihrer Aufgab« wohl bewußt: keine Rolle, die die junge Schauspielerin, in ganz Europa unter de?» Namen Diana Dessord bekannt, je gespielt, hatte derartige Ansprüche an ihr Talent und an ihren Geist gestellt. Es war nicht schwer, Calvin Füllers Verliebtheit zu steigern, aber diese Verliebtheil be- glückte ihn, und er durfte sich nicht glücklich fühlen. Es galt, ihn unsicher zu niachen, sein« stahlharten Nerven zu zerrütten. Diana versuchte es, indem sie immer wieder von dem„armen Jack" sprach. Eines Abends, nachdem sie allein mit Calvin Füller in seinem Hause diniert hatte, verlöschte sie, wie einer plötzlichen Laune gehorchend, alle Lampen im Salon und zog Calvin Füller auf das klein« Sofa neben dem Kamin. Die großen Eichenscheit« brannten hell genug, um Calvin Füllers Züge zu beleuchten. Draußen tobte der Wintersturm, warf klatschend feuchte Schnee- flocken gegen die Fenster. Diana Langtrey schaudert plötzlich zusammen. „Was ist dir?" fragte Calvin Füller besorgt. „Es ist so unheimlich. Weißt du, Calvin, daß ich in jener schreck- lichen Nacht die Ermordung des armen Jack geträumt habe?" Er starrte sie ungläubig an. „Mrtlich, Diana? Wie seltsam." Diana umklammerte mit zitternder Hand seinen Arm und flüsterte: „Du glaubst mir nicht. Aber es ist dennoch wahr. Die Mutter meines Vaters war ein« Schottin, sie hatte das„zweite Gesicht". Ich Hab«s von ihr ge«ri>t." „Das ist ein kindischer Aberglaube, Liebst«." „Nein. Erinnerst du dich, Calvin, als ich dich zum erstenmal sah, daß ich die Augen nicht von dir wenden konnte? Du hast m«in Benehmen damals bestimmt recht-merkwürdig gefunden. Aber du warst für mich kein Fremder. Als ich im Zug, der mich noch Füllers- vill« bracht«, nachts schlief, träumt« ich von dir, sah ganz genau dein Gesicht, hört« deine Stimme. Und etwas sagte mir:„dieser Mann ist dein Schicksal!" Als ich dich dann sah, erkannte ich dich sofort wieder." Calvin Füller lächelte; es kann keinen Mann unangenehm be- rühren, das Schicksal einer schönen Frau zu sein. Diana Langtr«y beugte sich vor und schürte das Feuer im Kamin, so daß di« Flammen hell aufloderten. „In jener schrecklichen Nacht aber träumte ich. daß ich im Schnee- stürm vor der Hütte von Fräulein Crock stehe." (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. iiininnuBniiniiunRinmuiMninnniiiiiuanmiiiniiuimiiniiwnnmiiiiiitiiiiiiimiiiiiuiiiiimuiuiiD Kunsthandel. Das Bild war 10000 Franken wert, und da der verrückt« Komislav 40 000 dafür zahlen wollt«, war es immerhin ein Geschäft. Aber die österreichischen Kunstschutzgesetze waren scharf, und da auch die Zöllner scharf waren, Komislav aber in der Schweiz wohnte, hatte man Dicki himibergeschickt, das Bild zu taufen und herüber- zuschmugg«lu. Mampe. Kohlmüller und Fräst saßen inzwischen in der Gaststube von Schmöldi, tranken den schlechten Wein und warteten. Nach Mtternacht ertönt« der bekannte Pfiff. Di« drei fuhren auf. Der Wirt ging an di« Tür. „Nun?" riefen sie. als Bicki, naß und schmutzbefpritzt, ms Zimmer trat. .Lch Hab's," sagte er. Darauf schwiegen sie«in« Weil«: dann tranken sie die Gläser aus.„Wir machen das Geschäft zusammen," schlug Mampe vor. „Ich Hab' genug davon," sagt« Vicki.„Gebt mir 15 000 und ihr habt das Bild." Mampe, Kohlmüller und Frost wollten jeder 15 000 geben. Aber nicht zusammen. Die Stimmen wurden lauter. „Pssst," sagte Vicki,„ich verlose das Bild. Drei Lose je 5000 Frank«»." Ueberlegen, rechnen, abwägen. De? Verlustsall war unan- g«n«hm, der Gewinn andererseits mehr als verlockend... „Einverstanden," sagten sie schließlich und zahlten 15000 Franken auf den Tisch. Dann zogen sie drei Streichhölzer aus Vicki's schmutziger� Faust, und Mampe gewann. „Komin," sagte Vicki zu ihm, und die beiden gingen hinauf in di« Dachstube. „Wo ist das Bild?" fragte Mampe. „Das Bild ist drüben in Oesterreich," grinste Vicki. Und als Mampe zurücktaumelte, zog er ihn an der Jacke.„Du hast mir 5000 gegeben für das Los. Hier hast du sie wieder. Und hier hast du noch 2500 drauf." Mampe besah sich dos Geld.„Das Bild ist vorgest«rn schon verkauft," flüsterte Bicki weiter.„Nichts mehr zu machen. Bist du zufrieden?" „Ich schon," sagte Mampe,„wenn dos Bild weg ist. Aber dl« anderen?" „Di« haben doch Nisten gezogen!" Mampe nickte und ging. Auch Bicki ging. Zu dem rerriickten Komislav. Und verkaufte ihm das Bild für 40000 Schweizer Franken. Die Lachpflanze. Eine der eigenartigsten Pflanzen, die es auf Erden gibt, ist ohne Zweifel eine in Arabien heimische Pflanze, di« ihren Namen.Lach- pflanze" der sonderbaren Eigenschaft verdankt, daß ihr« Samenkörner, getrocknet und zu einem Pulver verrieben und alsdann wie Schnupf- tabak geschnupft, zu dauerndem Lachen anregen. Außerdem beginnt der Betreffende zu tanzen und gerät in sehr gehobene Stimmung. Allerdings bleibt die Reaktion, die sich in einem Infchlaffallen äußert, nicht aus. Die Pflanze ist etwa mittelgroß, trägt hellgelb« Blüten, aus denen sich je zw«i bis drei Samenkörner entwickeln. Ein Nationalpark für England. Dem Beispiele Frankreichs folgend, wird auch England jetzt einen Nationalpark, der natürlich gleichzettig Naturschutzgebiet ist, erhalten. Der englische König hat seine ausgedehnten Besitzungen im„Forest os Dean" zur Verfügung gestellt. Weitere ausgedehnte Ländereien wurden durch Stiftungen erworben. Man hofft, den Park im Herbst nächsten Jahres der Oeffentlichkeit übergeben zu können. Stottern im alten Rom. Ein amerikanischer Professor führt den Nachweis, daß man schon im allen Rom zu Cäsars Zellen auf Stottern taufen konnte. Crastus, Casars Kolleg« im Triumvirat, einer der reichsten L«ut« des allen Rom, hat dieses System angewandt, um seinen weit oerbrelleten Hausbesitz zu liquidieren. Mikrobenjagd in den Wolken. Bemerkenswerte Versuche, die auf der Erfahrung beruhen, daß Krankheitserreger von Ort zu Ort in den dünnen Luftströmungen der oberen Atmosphäre befördert werden und so der Verbrellung von Epidemien dienen, sind jetzt in Cambridge abgeschlossen word«n. Unter Leitung führender Autorlläten der dortigen landwirtschaft- lichen Hochschule sind wiederHoll Jagdgeschwader von Flugzeugen aufgestiegen, um aus die Schädling« des Getreides und der Pflanzen in der Luft Jagd zu machen. Es wurden zu diesem Zweck drei Arten von Keimfallen verwandt: Glasscheiben, die mit Vaseline bestrichen waren, Proberöhrchen mit Nährgelatine und ebenso be- handelte Glasgesäße. Diese Fall«n'wurden versiegelt an Bord gebracht, dort entsiegelt und untersucht, wenn die gewünschte Höh« erreicht war, um dann wieder versiegelt und in den Laboratorien der Hochschule weiterentwickelt zu werden.„Der besondere Zweck der Versuche," erklärte Professor Dillon Weston von der Universität Cambridge«in«m Berichterstatter,„bestand darin, sestzustellen, wie Pflanzen- und Getreidekrankheiten durch Keim« der oberen Luft- schichten erregt und verbreitet wurden. Tierische und menschliche Krankheiten blieben dabei unberücksichtigt, dennoch besteht kein Zweifel, daß auch die in Betracht kommenden Bakterien auf dem gleichen Wege verbreitet werden. Es ist beispielsweise durchaus möglich, daß der Erreger der Maul, und Klauenseuche in den oberen Luftströmungen weite Entfernungen zurücklegen kann,, und auf dem gleichen Wege können auch menschliche Krankheiten von einem Be- zirk auf den anderen übertragen werden. Durch unser« wieder- holten Flüg« haben wir den Beweis erbringen können, daß in sehr hohen Höhen Bakterien existieren, ohne ihre Lebensfähigkeit einzu- büßen. Di« höchst« Höh«, in der wir«ine Prüfung des Fallen« Materials ausführten, betrug rund 4500 Meter. Ein Vergleich unserer jetzigen Flüge mit denen, die wir zum aleichen Zweck in den WiMermonaten äusführten, haben den einwandfreien Beweis g«- liefert, daß im Sommer die Luft in ungleich höherem Maß mit Bakterien gesättigt ist als im Winter. Unsere Beobachtungen geben «inen bemerkenswerten Fingerzeig, wie lokal« Epidemien von Pflanzen- und tierischen Krankheiten entstehen können. Sie zeigen daneben aber auch die große Widerstandsfähigkeit der Bakterien und Pilzsporen in den oberen Luftschichten. Wir haben weiterhin fest- stellen können, daß die Wolken dichter mit Sporen von Bakterien bevölkert waren als die unter ihnen befindliche Luftschicht. Auftakt zum RAST! Die Ju�endsdiwimmer in Plötzensee. Das war ein echter Schwimmtag für die Jugend. Strahlender! Sonnenschein lag auf dem Wasser, als di« Schwimme! fpartc der � Freien Schwimmer im 1. Kreis des 2Itbril«Mutn- und j Sportbundes mit ihrem diesmaligen Kreisjugendfchwimm. � f e st den Reichsarbeitersporttag als Erste eröffneten. Di« Deteili- gung war recht zahlreich, lagen doch weit über dreihundert Meldun« gen zu den Wettkämpfen vor. Die Durchführung des Programms war vorzüglich und wurde ohne Stockung geschafft. Es war inter- essant, festzustellen, daß die Provinzler diesmal fast ebenso stark, wenn nicht sogar besser gerüstet als die Berliner waren. Besonders die„Freien Schwimmer Folkens«* taten sich hierbei rühmlichst her, vor. Nicht weniger als viek erste Siege konnten sie erringen. Das Hauptinteresse lösten natürlich am Schluß der Veranstaltung die Wasserballspiel« aus. Hierbei tonn jeder die einzelnen Kampf. Handlungen verfolgen, seine Freunde durch Zurufe ausmuntern, und so entsteht bald der Kontakt zwischen Spieler und Zuschauer, den man in seiner Auswirkung als begeisterte Anteilnahme kennt. Nicht unerwähnt sei die fabelhaft« Leistung eines jungen Hella-Schwimmers beim Springen vom Ein-, Drei- und Zehnmeterbrett. Es gibt wenig erwachsene Schwimmer, die in solch tadellos«! Haltung und eleganter Körperbeherrschung di« schwierigsten Sprünge ausführen. Polte- H«llas dürft« sicher später einer der besten Turmspringer werden. Alles in allem können die Schwimmwarte des 1. Kreises auf ihr diesjähriges Jugendschwimmfest stolz sein, denn es bracht« gute Beteiligung, beachtliche Leistungen. An dem Fest beteiligt«» sich die Dereine Freie Schwimmer Chorlottenburg, Freie Schwimmer Falkcnsee, Freie Schwimmer Groß-Berlin(Gruppe Neukölln), Gruppe Lichtenberg, Freie Turnerschaft Groß-Berlin, Arbeiter- schwimmoerein Hellas-Berlin und Freie Schwimmer Berlin 12. Das Bezirksamt Wedding bekundete sein Interesse am Fest der Arbeiter- schwimmerjugend durch Entsendung seines Stadtjugendpflegers H e n s e l. Die Veranstaltung wurde eröffnet durch ein« kurz« An- spräche über„Sport, Partei und Staat", wobei auf die Bedeutung des Tages als zehnter Jahrestag der Deutschen Re- publik hingewiesen wurde. Männlich« z»a«nd, Freistilstnsett« 4x5» M«te«! 1. Kellns-Berlin T, 5:15,!; !.!Zre> Schwimmer Tharloitenbiirg 5:59.— Männlich«, Zu»«n»brnftlchwimm«n, 10» M«ter. kons», 14— 1» Jahr«: 1. Vrinael, H?llm gleichen Rennen der Berufs« sahrer den Schweizer Richli sowie Stesses auf di« Plätze verwies. Die Vorläute tür die Dauertahrer. wurden vorn Kongreß der„Union Cydiste Intern»iion«1e', der vor Beginn der Welimeisterschoiten in Zürich zusammentrat, in folgender Besetzung«ingeteilt- 1. Vorlaus: Walter Sa wall(Titel- Verteidiger), Grassm-Frantreich, Toricelli-Italien und Leddy-Holland: 2. Borlauf: Pa illcrd-F rank reich. Benoit-Belgien, Lauppi-Schweiz und Mauera-Jtalien: 3. Vorlauf: Paul Krever, Linart«Brlgien, Paul Suter-Schweiz und Schlebaum-Holland. Di« Vorläufe werden am Donnerstag zum Austrog gebracht. In die Eni- scheidüng am Sonntag, 18. August, kommen die drei Vorlauf- sieger, sowie die beiden schnellsten Zweiten. AdoIt-riii»chlce-CiecleQk:ei». Zur Erinnerung an den 1923 bei„Rund um Berlin" ver- unglückten Straßensahrer Adolf H u s ch k e veranstaltete die Orts- gruppe Berlin der DRU. auf der Spandauer Rundstrecke«in Mann- schaftsfahren, das infolge Wegearbeiten von 50 aus 47,5 Kilometer oeriürzt werden mußte. Das Rennen lag von Beginn an nur zwischen Fedia und Opel, von denen erster« wohl gewonnen hätten, wenn nicht 1000 Meter vor dem Ziel der Schweizer S ch l u« p zu Fall gekommen und von einem dichtauf folgenden Motorrodfochrer schwer verletzt worden wäre. Schluep mußte mit einer Gehirn- erschütterung ins Krankenhaus gebracht werden. In t: 13: 34 ging die auf drei Mann dezimierte Fediamannschaft über das Band. Sieger blieb Opel in 1: 13: 18 vor Alberto-Viamant mit 1: 14: 44,4, Eharlottenburger Radfahrervereinigung mit 1: 15: 19, SM. Norden mit 1: 10: 05 und Opel II mit 1; 10: 10. Das Jugend-Mannschaftsfahren über 31,2 Kilometer nahm folgenden Ausgang: 1. Opel 49:58: 2. Fedia 50: 30: 3, Diamant- Lichterfeld« 51: 20; 4. RD. Suco 51: 27. Ehmer'Krosdhcl wieder bei Rütt. Das 2- Stunden- Mannschaftsrennen, das am Freitag die Hauptnummer der Abendrennen auf der Rütt-Arena bildet, bringt neben dem Start der berühmten Franzosen Wambst-Lacguehoy und der besten belgischen Mamischost Charlier-�uray, der deutsch-italie- nischen Mannschaft Knappe- Tonani und des famosen Berliner Paares Kroll-Miethe«ine weitere Sensation, nämlich das Wieder, erscheinen des alten famosen Teams E h m e r- K r o s ch e l, die sich nach der Rückkehr Ehmers zur Fliegermaschin« wieder zusammen» getan haben. Auf das Abschneiden dieser erfolgreichen Verbindung ist man allgemein gespamtt. Ringkämpfe auf der Rennbahn. Favre besiegt Kley. Auf der Rütt-Arena begann am Sonnabend der nur aus einige Tag« vorgesehene Ringerwettstreit im freien ameri- konischen Ringkampf. Dieser vielseitige und abwechslungsreich« Kampfsport ist aus Amerika nach Deutschland exportiert worden und wird erstmalig in Berlin vom IRD. dem Sport- Publikum zur kritischen Bewertung gezeigt. Es wird lange dauern, bis sich diese Kampfart auch bei uns durchsetzen wird.,„Catch as catch tun" ist der härtest« und populärst« Kampfsport: der JlmeriJ kaner liebt es, wenn mit der Ausübung eines Sportes ein'g«> wisies Risiko verbunden ist. Die Kämpfe in der Hascnheide brachten an den ersten Togen sehr schnell« und äußerst harte Kämpfe. Unter größter Spannung begann der Kampf der beiden langjährigen Rivalen in allen großen Ringerturnieren: das Tressen des Weltmeisters Kley gegen den in dieser Kampsart ganz ausgezeichneten Spezialisten, Europa« meister Favre. Mit größter Erbitterung wurde diese» schöne Treffen in allen Variationen durchgeführt. Dem Franzosen, der alle Tricks und Rafsinesten der freien Ringkunst vollendet beherrscht, gelang es nicht in den drei Gängen, dem SClctj beizukommen. In dem folgenden 1D-Mjnuten»Punktkamps zog der Franzose nochmals alle Register und zwang Kley doch eine Niederlage auf. Der Bei- liner Meister Pieiro Scholz erzielte über den ausgezeichneten Grünberg(Lettland) erst im letzten Treffen ein positives Er- gebnis. In der Zufatzrunde holte sich Scholz dann nach sehr schönen erbitterten Tressen die zum Siege nötigen restlichen Punkte(0: 3). Der äußerst lebhaste B u ch h e i m(Leipzig) war über den Berliner Philipp schon in den beiden ersten Gängen erfolgreich und Ehi ruchin(Rußland) siegte noch über M o e b u s(Berlin). Heute ringen: Scholz-Kley, Fovrc-Moebus, Buchheim- Grllnberg und Philipp-Chiruchin. Beginn: 20.30 Uhr. G. M. 'ARBO JEU fUSSSALL Berliner Resultate vom 11. August. Am Berfastungstag« hatten verschiedene Vereine Freund- schaftsspiele ausgetragen. Lichtenberg I spielte gegen Rothe- now: Trotz dauernder Ueberlegenheit der Lichtenberger muhten sie eine 4: 3-Niederlage einstecken.— Lichtenberg II scheint jetzt sehr im Kommen zu sein. Schon das Neuköllner Turnier zeigte, daß die Lichtenberger jedem erstklassigen Verein gewachsen sind. Auch Karow mußte das erkennen. Mit 4: Z blieb Lichtenberg Sieger.— In Werder mußte auf Besehl der KPD. in dem über 50 Jahre bestehenden Arbeiterturnverein die Spaltung vollzogen werden. Wenn die Spalter allerdings glaubten, dadurch die Spielstärke der Mannschaft zu beeinträchtigen, so haben sie sich geirrt. Den Beweis lieferten die Werderschen im Spiel gegen Kladow, das sie mit 5: 3 für sich entscheiden konnten.— Einen vollen Ersolg bildete die Reise der Iugendmonnschast von Viktoria-Lübeck. Gegen Weißensee ge- wannen die Lübecker leicht mit 3: 0. Das Spiel gegen Saxonia endete unentschieden 2: 2, trotzdem die Gäste leicht überlegen waren. — Weitere Resultate: Spandau 25 gegen Butab kombiniert 7:0. Warnsdorf gegen Nowawes II 0:4. Kladow Jugend gegen Werder 1: 1. Lichtenberg I Jugend gegen Eiche-Köpenick 0:3. �.Saxonias" Sonniagsspiele. Zur Berfastungsfeier hatte der Arbeiter-Fuhballklub„S a x o- n i a 28" auswärtige Gäste eingeladen. Die Jugend spielte gegen die Lübecker„Vittoria"-Jug?»d. Auf beiden Seiten wurde ein gutes Spiel gezeigt. Saxonia führte nach 10 Minuten. Vor Halb- zeit gelang der Ausgleich. Doch gleich nach Wiederbeginn gehen die Berliner in Führung. Beide Mannschaften drängen auf Re- sultatverbesserung, und 3 Minuten vor Schluß holt Lübeck den Aus- gleich. Das Ergebnis 2: 2 zeugt davon, daß in Berlin die Spiel- stärke bald wieder erreicht ist. Einen guten Eindruck haben die Lü- becker von den Ausgeschlossenen erhallen, indem sie Augenzeugen wurden von der Zerstörungswut gegen die Transparente und Will- kommensgrüße zur Verfassungsfeier.— Anschließend spielten die ersten Mannschasten von Saxonia und K y r i tz. Saxonia, in guter Zusammenstellung, gewann 4: 1. Für den weiteren Ausbau nimmt der verein noch gern Männer und Jugendliche auf.„Saxonia 28" richtet daher an alle Arbeitersportler den Ruf, sich ihm mizuschließen und in die bundestreuen Vereine einzutreten. Der Verein tagt jeden Freitag, 20 Uhr, im Oderberger Vereinshaus, Oderberger Straße 29. * vorständekonse.cnz. Morgen, Mittwoch, 19 Uhr, findet bei Krüger, Puttlitzstrah« 10,«ine Vereinsvorständekonferenz der Grotz-Bertincr Fußballoerein« und Abteilungen statt. Jeder Verein entsendet zwei Vertreter. ÜAauUooJUL1■ Die Spiele am 11. August. FTGB.-Rosenthal 1. Männermannschaft und Nowawes standen sich in Rosenthal, Hauptstraß«, gegenüber. Rosenchal hatte Anwuri, mußte aber doch nach einigen Minuten Nowawes die Führung ge- statten, doch glich Rosenthal bald aus. Leider fiel das Spiel von beiden Seiten etwas körperlich aus, die Nowaweser Verteidigung war dadurch in ihrer Störungsorbeit behindert, was aber die Rosen- thaler Stürmer»icht auszunutzen verstanden. Jeder wollt« seine Tore auf eigene Faust schießen, während etwas mehr Kombination ein anderes Refullat gebracht hätte. Rosenthal siegte mit 5: 3(3: 2). -- FTGB.-Osten 1. Männermannschaft hatte Freie Turncrschaft Friedrichsthol 1. Männer als Gegner. Beide Mannschaften zeigten ein flottes, aber etwas hartes Spiel. Osten war während des ganzen Spieles überlegen, was auch das Resultat von 8: 1(4: 1) für Osten zeigt. Di« Stürmer Friedrichsthals hätten auch hier ein anderes Resullat herausholen können, wenn sie nicht so eigensinnig gewesen wären. Der Ostensturm hatte im Torschießen Pech, viel ging daneben. Vennsahrcr-Ableitung„Solidarität". Die bundestreuen Renn- fahrer haben ihre nächste Sitzung Donnerstag, 15. August, 20 Uhr. Stallschreiberstraße 29, bei Schultheß. Zur Ausschreibung gelangen in dieser Sitzung Bahn- und Straßenrennen. Rennfahrern und An- hängern des Radrennfports bietet sich Gelegenheit, der Abteilung bei- zutreten und an den Rennen sich zu beteiligen. Aeltere Fahrer, die als Ordner und Schiedsrichter sich betätigen wollen, sind gleichfalls. erwünscht. Gäste willkommen. Das nächste Straßenrennen findet Sonntag, 18. August, bei Ahrensfelde statt. T»»»iste»»e»»i».«die»»turs«u»»«-. zentrale«i,n. �ried-ich.hain: D,i»ötao. 18. August, 2» Uhr, Litauer etc. 18. Bartra«;„Vom Sinn Ort Semtlie.- W. gcitfcnua: ffiensfa», 18. August, 20 Uhr, Osfenbachcr V4 Uhr Wilden. bruchplag(Neul-Illn).— Obleute der Iugeudgruppen: Mittwoch. 1«. August. 30 Uhr, Iohanntsstr. 15. fZunktwnärsttiunq. K»'» 5""�.»»d Auberperw».Stralau". Gitiung Donnerstag. 15. August, Adlerohpf Bootshaus« Rl-herschonewetde. Eedgustraße, neben Freibad August, und tzreitag, 18. August, 18(i Uhr.. Bagenschiehrn. tzriebrichsselde(om Uppstallweg). ffrete«»»to-..I»Ig»ag.Schwriisternr-'».«. Mitgliederoersammlun, iHenatgji, 18. Huguft. Z0>z Uhr. Ideal-Klause, Neukölln. Narcschstr. 14. . 8®«».. I«a»t»Ip..l.r neuUn». Mittwoch, 14. August. 20 Uhr. Sitzung b«,«raufe, SchlLerpromenad«. Ecke Ockrrstrahe. Gaste willkommen.—«t- eport-n.-chuh.Si»»»«. Mittwoch. 14. August. 19(4 Uhr. Geschäfts. ~»nlr«»a«fi)B. Donnerstoa, 15. August, 19 Uhr. außerordentliche isunktisnarkanfereng bei Klemm. Berliner Ecke Hadlichstrohe.— Zum„Nast- n-effrn stich all« Turngenossen 11% Uhr Berliner Eck- Bor»l>olm«r Siran- und Christianiastrafie Ecke Brineenallee. Massenbeteiligung wird erwartrt T«»»ia.Not, Abteil»»« NeaktzO». Dienstag, 13. August. 21 Uhr. Eofö Nein- Hardt, Hasenheide b7, Sitzung. tzrei« Schwimmer Ebarlot«c»bura 94. Dienstag. 18. August, 20 Uhr Monatsoersammlung bei Krisch«. Kaise»!Zri«drich�tr. 18. ASS. Training der Mänue-. und Ingendabieilungdn Dienstags im Lichte! derger Stadiale. Degi»» 18 Uhr. fytcilag, 1«. August, Training alle:'' trilvngen«m Stubian Siechberge-Goethepark. Versicherungsmarken kleben! Oer Ltnternehmer hastei für Schäden. Bei dem Gutsbesitzer»ch- in Kämmersdorf, Kreis Eibing, war die Klägerin Frau D. seit 10 Iahren als Arbeiterin beschäftigt und neben ihr regelmäßig noch mehrere Leute. Für fämllich« Arbeitnehmer hotte der Beklagt« das Kleben der Vcrsiche- rungsmarken vorgenommen. Die Arbeitnehmer besorgten sich selbst die Bersicherungskarten und übergaben sie dann dem Beklagten zum Einkleben der Bersicherungsmarken. Regelmäßig wurde den Arbeit- nchmern gegen chergabe der neuen Karte die alte Karte wieder ausgehändigt. So war es auch bei der Klägerin. Im Februar 1928 wurde die Sllögerhi infolge Invalidität erwerbsunfähig. Sie stellte daraus bei der Landcsoersicherungsanstalt in Königsberg einen An- trog auf Zahlung von Invalidenrente. Sie wurde jedoch vom Obervcrsicherungsamt in Marienwerder mit ihrem Anspruch abgewiesen, da sie die vorgeschriebene Wartezeit von 299 Beitragswochen nicht erfüllt habe. Die Klägerin verlangt nunmehr Schadenersatz von dem Beklagten. Dieser Hobe sein« Berpflichtungen, für sie Inva. lidcnmarken zu kleben, schuldhaft verletzt. Der Beklagte sei von der Klägerin wegen des Klebens der Marken öfters be- fragt und erinnert worden. Er habe ihr jedesmal versichert, daß alles in Ordnung fei. Hätte der Beklagte seine Ber- pflichlung zur Verwendung der Bersicherungsmarken erfüllt, so wäre der Klägerin für die Zeit vom 2. Februar 1928 ab eine Rente vor» mindestens 21 M. monatlich zugesprochen worden. Die Klägerin verlangt von dem Beklagten vorläufig 219 M. Gleichzeitig verlangt sie auf Lebenszeit eine monatliche R e n t e v o n 2 1 M. � Der Beklagte hat geltend gemacht, daß die Schuld an dem Nichtkleben der Marken in der Hauptsache die Klägerin treffe, da es ihre Sache gewesen sei, sich um die ordnungsgemäße Verwendung der Bersicherungsmarken zu kümmern. Das Landes- arbcitsgericht in C l b i n g hat der Klägerin eine Entschädigung von 159 M. zugesprochen und hat ihr gleichzeitig eine monatlich« Rente von IS M. auf Lebenszeit zugesichert. Aus den E n t s ch e i- dungsgr ünden des Landesarbeitsgerichts ist folgendes zu entnehmen: Unstreitig habe der Beklagte bei allen seinen Arbeitnehmern die Berwendung der Bersicherungsinarken übernommen. Die Klä- gerin konnte sich daraus verlassen, daß der Beklagt« das Kleben der Marken ordnungsmäßig vornehme. Der Beklagte mußte für die Berwendung der erforderlichen Anzahl von Versicherungs- niarken rechtzeitig sorge». War es ihm nicht möglich, die Marten zu kleben, so wäre es seine Pflicht gewesen, der Klägerin die Ver- sicherungsmarken auszuhändigen und ihr selbst das Einkleben zu überlassen. Er hat jedoch durch sein Verhallen die Klägerin in den Glauben versetzt, daß die Verlvendung der Versicherungsmarken ordnungsgemäß erfolgte. Er Hat deshalb fahrlässig gegen die Obliegenheiten aus den, Arbeitsoertrage verstoßen und ist für den durch sein fchuldhastes Verhalten entstandenen Schaden nach§ 27ö und 8 242 BGB. ersatzpflichtig. Gegen dieses Urteil hatte der'Angeklagte Revision beim Reichsarbeitsgericht eingelegt, um in dieser wichtigen Frage«ine grundsägliche Entscheidung herbeizuführen. Das Reichsarbeitsgericht wies die Revision als unbegründet zurück. Der Beklagte habe fahrlässig ge- handelt, es sei ihm von der Klägerin das Kleben der Bersiche- rungsmarte« überlassen worden, jedoch sei er diesen Verpflichtungen nicht nachgekommen. Für die daraus entstandenen Schäden hafte der Beklagte. Iin übrigen habe sich das Reichsarbeitsgericht den Entscheidungsgründen der Vvrinstanz angeschlossen. Auch hat der Beklagt« die Kosten des Rechtsstreites zu tragen. £in SchlußUcht für die Berliner Straßenbahn, das auf den Außenstrecken ver- wendet werden soll. Amerikas sozialistischer Pionier Viktor Berger als Kämpfer und Kommunalpolitiker „Sozialist sei n" i st die s ch l« ch t e st e B i s i t« n k a r t e. die man sich im prosperierenden Kapitalamerika ausstellen kann Jeder hat die Vorstellung dabei von etwas Lichtscheuem, Untüchtigem, von dunklem, gefährlichen Wollen und Planen. Sozialismus wird dem Kommunismus zur Seite, ja fast gleich gestellt. Sogar Arbeiter, mitsamt ihren umfassenden Organisationen haben mit Sozialismus in unserem Sinne nichts zu tun, sie lehnen ausdrücklich verwandte Bestrebungen ab. Klassenbewußtsein als ideell« Voraus- setzung für r�ale Forderungen ist nicht vorhanden und soll— wie einem von allen Seiten versichert wird— auch gar nicht«norder- (ich sein. Rur wenige waren anderer'Ansicht, unter'ihnen Victor L. Berger. Bis 1919 gab es nicht einen sozialistischen Abgeord- neten im Kongreßhause zu Washington. Berger befand sich alsdann einsam, mehr gemieden als aufgenommen, im Kreise der Parlamen- tarier. Wenige Jahre später setzte der Weltkrieg ein. Was er Berger an Prüfungen, Leiden und Seelenqualen brachte, genügt, um ihn heute nach seinem Tode den brüderlichsten der N rüder zu nennen. Cr widersetzte sich dem Kriege und wurde wegen Hochverrat zu 20 Jahren Kerker verurteilt. Er wurde weiterhin fünfmal angeklagt, jedesmal wurde die Bürg» s ch a f t erhöht, so daß seine Freunde schließlich kaum noch die geforderten 145 999 Dollar aufbringen konnten. Er wanderte von Gefängnis zu Gefängnis, wieder in Freiheit und wieder in di� Zelle. Und immer wieder trat er fordernd und anklagend vor das Forum. Als Herausgeber der englischsprachigen sozialistischen Tageszeitung „Ihe Milwaukeer Leader" warb er durch dies Sprachrohr immer neue Anhänger. Man sammelte alles Material gegen ihn— nicht weniger als 8 2 Fälle bildeten endlich die Anklageschrift. In jahrelangen Prozessen, die bis zur höchsten Gerichtsinstonz liefen, kämpfte er für sein« Gesinnung und Freiheit. So widerfuhr ihm endlich die Genugtuung, daß 81 Anklagepunkt« zurückgenommen wurden. Volle K Jahre, von 1917 bis 192 3, hatte der Kampf gedauert. Das Parlament schloß ihn zweimal aus: da ober Milwaukee ihn immer wieder präsentierte, mußt« ihm 1923 der Sitz zurückgegeben werden. Doch dieser Platz ist nun leer. Es dürfte sich so leicht kein zweiter finden, der wie Berger alles mitbringt, und— trotz der Ungeheuerlichkeit seiner Anklagen und Ansprachen— offenen Ohren predigt. Wenn das Klingelsignal zu seinen Reden aufforderte— er hielt etwa 12 im Jahr— füllt« sich der Saal und lauschte. Der Beifall war kläglich, die Zwischen- ruf« forsch und seine Erwiderungen heiter-gewondt— aber man ließ sich von ihm alles sagen und hielt still. Deutschland hatte keinen besseren Anwalt, keinen unentwegteren Freund als Terger, der nicht müde wurde, den Amerikanern die Wahrheit zu sagen und ihr Gewissen zu schütteln. Das klingt heute, wo die Zeiten sich beruhigt, vielleicht als nichts Besonderes. Wer sich aber der Stimmung um 1923 erinnert, der weiß, welche Leistung Berger vollbracht Hot. Vor mir liegen Bergers Parlamentsreden aus den Jahren 1923 bis 1928. Jede einzelne ließ er in 39 999 Exemplaren drucken und seinen Anhängern zugehen. So machte er sozialistische Propaganda. Die gesammelten Reden Victor L. Bergers geben eine Uebcr- sicht über Amerikas Entwicklung, und Stellungnahme während und nach dem Kriege, sie siyd gleichzeitig ein Beweisstück deutscher, kämpfender Rechtschaffenheit, ein Dokument sozialen Werbemutes. Wie weit hat Amerika noch zum Sozialismus? Auf diese Frage antwortet Berger: „30 Jahre, dann ist es vollreif dafür." Ich Hab« die ganze Entwicklung des Landes beobachtet. Schon heute bietet es seinem Bürger nicht mehr dieselben Aufstiegs- und Reich- tumsmöglichteiien wie ehemals. Damit ändert sich die Grund- einstellung, damit erst wächst das Verständnis für das, was der Sozialismus will. Der kommenden Generation war t«t die Er» füllungsauf gäbe— ich war ihr Pionier!" Was er seiner zweiten Heimatstadt Milwaukee für Dienste ge- leistet, beweist ein Rundblick. Der Aufstieg Bergers fällt mit dem seines Genossen H o a n zulammen, der bereits das d r i t t e m a l Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Mein Her* ist eine Jaxsbond mit Lyn Mara Lockruf des Golde* mit tili*. Grobe Bühnenschaa Concordia-Palast Andreasstraße 64 Submarine(Amerik. Tonfilm) Beiprogramm Bühnenschaa Kosmos-Liditspiclc Lichtenberg, Lückstraße 70 Der König de* Bernina Oer Dieb von Bagdad mit Falrbanks Bühnenschaa Jugendliche haben Zutritt Kino Busch Be's£sW* Alt-Friedrichsfelde 3 ... und abend* In* Maxim Dr. Monnier und die Frauen mit Alb. Faulig „Elysium" nFrenzlauer Allee 58— Film und Bühne Champagner mit Betty Balfonr Um Frauen und Geld mit W. Eilla Bühnenschaa N«rro»r*b Bürgergartcn-Lichtsp. Hauptstraße 51 Erotik- Meineid •In Paragraph der Menschen tötet) „Alhambra" Badstraße 58 Die Vampyre Ton New Tork 10 fahre Volksstaat Bühnenschaa Ballschmiedcr- Lidüsp. Badstraße 16 Tragödie der Liebe mit E. iannlngs Rasenmontag— Gr. Bühnenschaa Humboldt-Theater Badstraße 16 Der Teufelsreporter mit Eddie Polo Schieber— Beiprogramm Grohe Bühnenschaa Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Da* Schloß der Liebe Die Kreuzersonate Grobe Bühnenschaa ■ P'nkOW � Palast-Theater Breite Straße 21 a Liebe im Kuhsfall mit Henny Porten Der tolle Ozeanflieger(GL Tryon) Tivoli* Pankow Berliner Straße 27 Tragödie der Liebe mit Emil Iannlngs Bßhne: u. a. Ilsters Lllian u. Vlky Film-Palast Blankenburger Straße 4 Die keusche Kokott« mit O. Gebühr Moderne Piraten mit Siegfried Arno Id.— /