BERLIN Freitag 16. August 1929 10 Pf. Nr. 382 Blöo 46. Jahrgang. ErfchelirttSglich«nferSanntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugsprei« beide Autgaben 85 Pf. pro Woche. 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition-, Berlin SWss.LindcnSr.» „Ibwasfa l a, e t g e n» r e i«: Die einspaltige Voiipareilleieil, «o Pf., Reklameieile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheekkonto: Vorwärtt-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Dönbo? 292 bi« 29? Industrie und Sozialismus. Schwerindustrielle Anerkennung des Aufstiegs der Arbeiterbewegung Ein letzter Einigungsvorschlag. Die Erfolge sozialistischer Aufbauarbeit werden oft von denen am wenigsten erkannt, die selbst an ihnen mitgeschossen haben. Sie zeigen stch ja nicht in lärmenden Demonstrationen und kunstvollen Resolutionen. Sie äußern sich in Ziffern und Zisfernreihen. Der für diese Dinge geschärfte Blick kapitalistischer Geschäftsführer steht die sozialistische Kleinarbeit klarer als viele unserer eigenen Genossen. Deshalb ist die Ausstellung von besonderem Interesse, die die wirtschastszeitung„Ruhr und Rhein", das Organ der Schwerindustrie, des Langnom- verein», der Industrie- und Handelskammer von Bochum, Dortmund usw. am heutigen Tage veröffentlicht. Wir geben sie in ihren wesentlichen Teilen ohne Kommentar wieder. Die wirtschaftliche Bedeutung des Sozialismus in Deutschland Iritt in verschiedener Weise in Erscheinung. Die Parteiorganisation. Was zunächst die sozialdemokratische Parteiorganisation als solche angeht, so kann man das Parteivcrmögen zurzeit auf rund 40 Millionen Mark bei 13— 15 Millionen Mark jährlichen Beiträgen schätzen. Im letzten Jahre sind 126 000 neue Mitglieder ausgenommen worden, wobei wesentlich ist. daß allmählich der Arbeiteranteil in der Mitgliedschaft zugunsten des Antells der Beamten und Angestellten sich vermindert; den sozialistischen Einfluß nach außen üben nach dem Organisationsbericht des Magdeburger Parteitages in 1Z14 Städten 7662 sozialdemokratische Stadlverordnete und in 8152 Gemeinden ZI Z4S sozialdemokratische Vertreter aus neben 889 Vürgermeiflera. 897 Gemeindevorstehern, 521 Stadt- rälen usw., die eingeschriebene Mitglieder der SPD. sind und deren Jahl allein seit 1926 sich um rund 23 Proz. vermehrt hat. Feststellungen darüber, wie viel« Reichs» und Staatsbeamte«ingeschriebene Mitglieder der SPD. find bznt. ihre Beomteneigenschaft der sozialistischen Mitglied» schoft oerdank«», sind nicht möglich. Die Gewerkschafisorganisaiion. Di« mit der sozialdemokratischen Partei' in engster Perbindung stehenden Freien Gewerkschaften berichten für dos verflossene Jahr von einem M i t g l i e de r z u wa ch s von 461 253(= 10,2 Proz.) bzw. von einer Gesamtmitgliederzahl von 4866 926 Personen. Bier Verbände haben im Jahre 1928 Mitgliederrückgang«rlitten; die übrigen Derbände jedoch konnten erhebliche Mitgliederzunahmen zwischen 1,9 Proz. und 18,1 Proz. verzeichnen. Die stärkste Organisation des ADGB. ist nach wie vor der freigewerkschaftliä)« Mesallarbeiteroerbond mit 944 310 Mitgliedern; dann kommt der Fabrikorbciterocrband mit rund 477 000, der Bauarbeiterverband mit 458 000 und der Vcrkchrs- bund mit 390 000 Mitgliedern. Di« Gejamtbeitragseinnohmen der Derbände d«s ADGB. sind im verflossenen Jahr nicht unwesentlich gestiegen:«inschließlich der Zinsen sür Bankguthaben usw. st«llt«n sie sich 1927 auf 182,26 Millionen. 1928 dagegen auf 221,696 Mil- lionen Mark.; auf den Kopf des Mitgliedes haben sich die Beitrags» einnahmen von 40,87 M. im Jahre 1927 out 44,02 M. im ver» flösse neu Jahr erhöht. Insgesamt dürften di« sreien Gewerkschaften rund 8—9000 angestellt« G c w e r k s ch a i> s b e a m t e. Sekretäre usw. beschäftigen, außer den mehreren 1000 ehrenamtlichen Per- traucnsleuten, Kassierern usw. Die sozialistischen Konsumvereine. Der Zentralp«rband Deutscher Konsumgenossenschaften hatte im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz van 1�16 Millionen Mark lgegenüber 881 Millionen Mark im Borjahr), van dem über 300 Millionen Mark aus Erzeugung in e-genen konsumgenossen- schaftlichen Betrieben entfielen; an Reinertrag sind 53 Millionen Mar? ausgewiesen worden bei einem Eigcnkapital von 97 Millionen Mqrk. Res«kv«n van 48 Millionen Mark, Immobilien von 171,2 Millionen Mark(1924 erst 81 Millionen Marks, Warenbestand von IIS Millionen Dtark, Spareinlagen von 262 Millionen Mark usw. Beschäftigt wurden insgesamt 60000 Personen. Die dem Zentral- verband als Zentraleinkaursunternehmen dienende Großeinkaufs» genosienschaft Deutscher Konsumverein« hatte im letzten Geschäfts- jähr einen Umsatz von 444 Millionen Mark(gegenüber einem Umsatz von 373 Millionen Mark im Borjohr). D?r Umsatz der Produktions. bttriebe hat sich in einem Jahr fast verdopelt. Der Sroßeintaufs» genosienschaft sind ungefähr 35 eigene Betriebe, darunter die größte Fleischwaren- jtlbrik Europas. Die deutschen Gläubiger einmütig gegen England. V. 5cft. Haag. 1«. August.(Eigenbericht.) Die Lage ist unverändert kritisch. In französischen Kreisen wird ein Pessimismus gezeigt, der in diesem Stadium sicher nicht mehr taktischen Gründen entspringt, sondern der tatsächlichen Lage entspricht. Die Vertreter der vier mit England ringenden Gläubig«rmächte versammelten sich um 11 Uhr am Sitz der französischen Delegation und berieten fast eine Stunde Wie verloutet, galt diese Sitzung lediglich der endgültigen Formulierung des Kompromißvor» f ch l a g e s, der heute Snowden offiziell überreicht werden soll. Aber man versichert zugleich, daß dieser Vorschlag sich inhaltlich mit jenem Vorschlag völlig decke, den Francqui bereits am Donners. tag mittag in offiziöser Form unterbreitete, und den der britische Schatzkanzler als völlig ungenügend zurückgewiesen hatte. Wenn dem so ist, dann ist auch kein Zweifel daran, daß die offizielle Antwort Snowdens ebenso kategorisch ablehnend sein wird, wie am Tage zuvor. Es scheint, daß sich der tatsächliche Kampf der vier Gläubiger- mächt« immer mehr auf den Versuch zuspitzt, die Schuld am Scheitern der Konferenz den Engländern zuzuschieben� Zur Beurteilung dieser Frage wäre allerdings die genaue Kenntnis des Inhalts ihres Angebotes unerläßlich. Aber bisher wahren die Franzosen und ihre engeren Bundesgenossen darüber strengstes Stillschweigen. Aus Andeutungen ihrer Minister entnimmt man Zahlen, di« allerdings noch sehr verschieden sind: Einige sogen, daß dieses Angebot die englischen Wünsche zu 40 Proz. befriedigt, also etwa 20 Millionen Mark betragen habe. Andere behaupten sogar, das Angebot sei bis zu 60 Proz. den Engländern entgegen- gekommen und beliefe sich genau auf 27 Millionen Mark(gegenükxr 48 Millionen, die di». Engländer fordern)» In der Frag« der Zu- teilung eines größeren Prozentsatzes des ungeschützten Teiles der deutschen Zahlungen an England macht jedoch da, alliierte Angebot keinerlei Zugeständnisie an die britischen Forderungen. Es bleibt jedenfalls dabei, daß das Angebot von den Engländern abgelehnt wird und daher ist man auch in britisch«» Kreisen ebenso pessimistisch wie in französischen. Auch in den Kreisen der deutschen Schießereien mit Chinesen. »Hurra! EnplichmalViedereinenchtiggehendeDerlnstttste!' Delegation, die allerdings nur indirekt von dies«» internen Gläubigerverhandlungen fährt, ist man heute wenig hoff. nungsvoll. Brian d ist um Mi2 Ahr bei Stresemann erschienen und blieb 114 Stunden bei ihm. Dieser Besuch war ursprünglich nicht vorgesehen, so daß man annehmen kann, daß er dem Zwecke galt, die Haltung Deutschlands und Frankreich» im Falle eines ergebnislosen Auseinandergehens der Konserenz zu besprechen. Die Aussprache bezog sich natürlich auch aus die Rheinland. r ä u m u a g, und dabei soll Briand einen etwas früheren Ter- min für die Koblenzer Zone genannt haben, als ursprünglich vor- gesehen.(Mitte November?) Heber die Termine sür die dritte Zone gab er noch keinen endgültigen Ausschluß, weil die mililäri- schen Sachverständigen Frankreichs angeblich diese Frage noch am heutigen Tage studieren wollten. Am Nachmiitag findet eine neue Aussprache zwischen Stresemann und Henderson statt. KpO.» Niederlage. Gesunkung bei der VertehrS-AG. i. ( i Bei der ersten gemeinsamen Betriebsratswohl der neu gegründete» Berliner Verk«hrsgesellschaft A.°G. hatten die Kom« munisten«inen Ueberraschungserfolg erzielt, indem sie di« Unorganisierten gegen die Gewerkschaften aufftachelten und dadurch giaublen, einen sicheren Stoßtrupp für ihre revolutionären Absichten zu erzielen. Wie sehr si« sich dabei verr«chn«ten, hat sich bereits am 1. Mai. unmittelbar nach den Wahlen, gezeigt, als die Kommunisten d!« Angestellten d«r Verkehrsbeirftb« aufforderten, die Arbeit ruhen zu lassen und trotz der Ratschläge der Gewerkschaften den Verkehr stillzulegen. Kein Mensch kümmerte stch damals um ihr« Parolen... Die erste Enttäuschung der kommunistischen Drahtzieher hat j«tzt eine weitere und noch viel deutlichere nach sich gezogen. Am Mittwoch fanden die Wahlen zu den Betriebs. kronkenkassen in den Berliner Verkehrsbetrieben statt. Dabei ergab sich eine katastrophale kommunistische Nieder- läge. Die Zahl der kommunistischen Stimmen siel auf weni- ger als ein Drittel ihrer Frühjahrszissern zurück. Erhielten st« damals 16 747 Stimmen, so brachten sie jetzt nur noch 3155 aus. Die sreien Gewerkschaften dagegen, die damals 5934 Stim- men erzielten, brachten jetzt 9317 auf. Es ergibt sich also folgendes Bild: Freie Gewerkschaften.,». Gewinn 3383, KPD.— Unorganisierte... Verlust 9465. In den einzelnen Betrieben gestalteten sich die Wahlen folgendermaßen: Sirahenbahn: Gewerkschaften 6472(gegen 3954); KPD. 1263 (gegen 5711). U-Bahn: Gewerkschaften 1474(gegen 801); KPD. 1520(gegen 3765). Omnibus-Belrieb: Gewerkschaften 1371(gegen 1)79): KPD. 372(gegen 1271). Die Wahlbeteiligung betrug bei den Betriebsräte- wählen 86 Proz. und bei der Krankenkassenwahl ist sie aus 62 Proz. zurückgegangen. Van den Insgesamt abgegebenen 1b 592 Stimmen haben die freien Gewerkschaften fast drei Fünftel er- halten Die Gelbnationalen behielten von ihren 1811 Stimmen 982, während es den Christlichen gelang, die nur bei der Straßenbahn vertreten find, ihre Stimmenzahl von 373 auf 613 zu steigern. Ein„Fachrerdand" bekam 1341 Stimmen gegen 1493 bei der Betriebsrätewahl. Gewählt sind 32 Vertreter der freien Gewerkschaften, drei. Deuischnotional«, ein Christlicher, drei Fachverbändler und neun kommunistisch. Unorganisierte g«gen 31 bei der Betriebsratswohl. Eine so schwer« Niederloge nach nur wenigen Monaten d«r Siegesfreude zeigt deutlicher als alles andere, daß die KPD. bei der Berliner Arbeiterschaft und besonders bei dem Personal der D«rkehrs-A.-G. keine Seide mehr spinnen kann. Und das ist erst der Anfang der stch anbahnenden Gc- funduBg! i � j Schwerindustrie/Sozialismus (Fortsetzung von der 1. Seite.) angeschlossen. 3m 1. Quartal d. 3. hat die Mitgliederzahl von 602 berichtenden Vereinen mit mehr als 400 Mitgliedern bei einer Mit- gliedervermehrung von rund SZ000 Personen insgesamt einen B« stand von 2 870 000 Mitgliedern erreicht, die einen Umsatz von 288 Millionen Mark erzielten: ebenso ist gestiegen der Umsatz der Groheinkoufsgenossenschaft von 100 Millionen Mark im I. Quartal 1928 auf 114 Millionen Mark jetzt: in derselben Zeit wuchsen die Spareinlagen um 27,89 Millionen Mark auf 223,82 Millionen Mark. 3nteressant ist, daß trotz dieses großen Umsatzes auf die Konsum- genossenschaften infolge der vielfachen steuerlichen Bevorzugungen nur ein Gesamffteuerertrag von rund 30 Millionen Mark entfällt. Die„Arbeiterbank". Di«„Bant der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G-"(die sogenannte„Arbeiterbant"), hatte End« 1928 an Einlagen rund 123 Millionen Mark(Anfang 1923 nicht einmal 10 Millionen Mark): sie unterhält eine ganze Anzahl von Filialen und Zahlstellen: ihr Umsatz betrug 1928 fast 2000 Millionen Mark: an Dividende sind in den letzten 3ahren durchschnittlich 10 Proz. gezahlt worden: die Führung der Geschäfte geschieht nach rein„kapitalistischen" Grund- sätzen. Die„Arbeiterbant" pflegt vor allem Geschäftsverbindung mit Krankenkassen, staatlichen und kommunalen Stellen usw. Unter ihrer unmittelbaren Kontrolle bzw. in ihrem Eigentum stehen die„Gehag" Baugesellschaft, der Verband sozialer Baubetriebs, die„Lindcar-Fahrradwerke"(mit einer Tagesleistung von 600 Fahrrädern), die Bureaubedarfs- und Papierhandelsgesell- schaft, die Versicherungsgesellschaft Volksfürsorge, mehrer« Berlags- anftalten usw. Nie Äersicherungsgesellschast. Aus der 16. Ordentlichen Generalversammlung der„Volks- f ü r s o r g e", Gewerkschaftlich> Genossenschaftliche Versicherungs- aktiengesellschaft, einem von den sozialistischen Konsumvereinen und Gewerkschaften ins Leben gerufenen Unternehmen, wurde mitgeteilt, daß die Zahl der hereingekommenen Versicherungsanträge im 3ahre 1928 330 000 betrug. Der Versicherungsbestand ist um 41,7 Proz. auf 1 471 000 Policen, die Gefamtverstcherungssumme um 45,9 Proz. auf 381 Millionen angewachsen. Die Einnahmen an Prämien ljaben sich um 55,4 Proz. auf 26,7 Millionen Mark erhöht. Das Vermögen der Gesellschaft betrug Ende 1928 H7 Millionen Mark und ist gegen- ' über dem Vorjahre um 62 Proz. angewachsen. Das Vermögen bc- trägt jetzt bereits 66 Millionen Mark. Sozialistischer Wohnungsbau. Ucber die Entwicklung der Vauhüttenbewegung, deren Spitzen- Organisationen der Verband sozialer Baubetriebe mit einem Stamm- kapital von 4 Millionen Mark ist, gibt Aufschluß, daß im 3ahre 1928 die Beschäftigungszahl im Durchschnitt rund 18 760 betrug und daß die Umsätze sich auf rund 121 Millionen Mark beliefen(1924 erst 13600 bzw. 41 Millionen Mark). Ner sozialistische Pressekonzern. Auf die Presse hat der Sozialismus durch die Veröffentlichungen der 196 sozialdemokratischen Zeitungen, deren Gesamtauflage hoch indieMillionen geht, stärksten Einfluß: allein im letzten 3ahre sind fünf neue Parteizeitungen ins Leben gerufen worden: alle Zeitungen werden bis auf acht in eigenen Druckereien her- gestellt. Diese Zeiwngen bilden nicht nur eine politische Beein- flussungsmäglichkeit, sondern sie sind auch durch die„Konzentrations- A.-G." wirtschaftlich fest zusammengeschlossen. 3m 3ahre 1927 hatten diese Zeitungen eine Bilanzsumme von 47,57 Millionen Stamm- kapital: allein die Grundstücke standen mit 17,5 Millionen Mark, die Maschinen mit 7,6 Millionen Mark zu Buch. 3ede dieser Zeitungen ist verpflichtet, einen bestimmten Prozentsatz ihrer Ueberschüsie an die Partei abzuliefern. Zu den Parteizeitungen /ommen noch die gewerkschaftlichen Wochenblätter, Fachzeitschristen usw Die Presse der freien Gewerkschaften hatte mit rund 60—70 Fach- blättern im 3ahre 1927 eine Gesamtjahresauflage- von über 200 Millionen Exemplaren: in der freigewerkschastlichen Zeitschrist„Die Bergbauindustrie" wird festgestellt, daß diese Presse„unbestritten die größte Pressemacht Deutschlands darstelle". Diese an sich schon außerordentlich starke Stellung wird noch verstärkt durch Mindcrheitsbeteiligungcn mannigfaltiger Art, vor ollem ober auch durch politische Einflüsse, die sich in nachdrücklichster Weise für den Sozialismus einsetzen. Die„Organisation der bürgerlichen Idee"— um einmal diesen Ausdruck zu gebrauchen— hat dieser„Oorganisierung des So- zlalismus" im Gefamteffekt nichts Gleichwertiges entgegen- zusehen. Die neueste Methode zur Durchsetzung dieser sozialistischen 3dee erblickt man in der Wirtschaftsdemokratie, von der Hans Bogel auf dem Magdeburger Parteitag feststellte, daß„Demokrati- sievung der Wirtschaft schrittweise Beseitigung der Herrschaft sei, die sich auf den Kapitalismus aufbaue". Auf„bürgerlicher" Seite darf man sich hinsichtlich der den Sozialisten vorschwebenden Ziele durch sogenannte wirtschastspositive Erklärungen maß- gebender Sozialisten nicht beeinflussen lassen: das Ziel der Sozialisten geht gang offenkundig dahin, im Gegensatz zu Rußland die Wirt- schaft in Deutschland nicht zum Erliegen zu bringen, damit nach Durchführung der Wirtschaftsdemokratie, also nach Erreichung des Zieles, die Wirtschaft nicht zu' stärk erschöpft und damit ihre Arbeit im Sinne des Sozialismus unmöglich gemacht ist. Die Erhaltung der Wirtschaft soll— und darüber darf man sich keinem Zweifel hingeben— nicht zugunsten de»„Kapitalismus" vor sich gehen, sondern zugunsten des Sozialismus." Hymne auf den Reformismus. In den Iazziönen der„?Men Fahne". 3n einer„Postlerkorrespondenz" der„Roten Fahne" vom 15. September über den„ausgemusterten Sittenbullen auf'Post- amt 77" wird laut Klage geführt über die hygienischen Verhältnisse, die beinahe selbst einer Beschreibung in der„Roten Fahne" spotten. Es wird dazu bemerkt, daß der Vau von Schwimmhallen und anderen schönen Dingen geplant sei, demgegen-über aber kritisch bemerkt: „Es wäre für die Verantwortlichen nötig, zu Narer De- sinnung zu kommen, statt Illusionen praktische und nötige Arbeit zu pflegen. Ein sauberer Dokus ist im Moment wich. t i g e r als Phantome und Versprechungen, die es auch bleiben werden." Diese Bemerkung des kommunistischen Blattes findet nach Form und Inhalt unseren vollen Beifall. Sie enchält ein Lob des Re- f o r m i s m u s und der reformistischen Kleinarbeit auf Umwand- lung der bestehenden Verhältnisse, wie es kerniger nicht ausgedrückt werden kann. Zusammenbruch im Kunsthandel. Nicht für den Eingeweihten kommt die Nachricht überraschend. daß wieder zwei Berliner Kunstauktionshäuser zu Konkurs gegange« sind. Wir habe« bereits vor Jahresfrist auf die Machenschaften hingewiesen. die im Berliner Auktionswesen bestehen, wo ostmal» Käufer und Verkäufer die Düpierten sind. Ein solches Geschäftsgebaren konnte kein gutes End« nehmen. Bei dem Auktionshaus Leo Grünpeter trat dies zuletzt ganz offen zutage. Der Inhaber hat auf Vorstellungen des Berliner Polizeipräsidiums fein Gewerbe niedergelegt. Was die vereidigten Versteigerer seinerzeit bei dem Kunstdezernat der Polizei forderten, aber meist ungehört, trotz ihrer jahrelangen Bemühungen, das hat nun endlich die Behörde gezwungenermaßen tun müssen, weil der Skandal zu groß wurde. Irgend jemand, der im Westen eine Woh- nung aufgab, wurde als Strohmann benutzt, um eine Prioar- auktion vorzutäuschen. In Wirklichkeit war das meiste Händlerware, in Kommission erhalten, für die Käufer gesucht wurden. Zeigte es sich, daß Interesse für ein Stück vorhanden war. so wurde sein Preis künstlich durch Kommissionäre hinaufgetrieben oder die Käufer wurden von diesen mit falschen Limits hineingelegt, indem man ihnen versprach, den Gegsnstand unter seinem Taxwert zu besorgen. In Wirklichkeit bezahlte man einen Preis, bei dem der Auktionator noch ein gutes Geschäft machte und der Kommissionär eine hohe Provision bezog. Alle diese Tricks waren dem Kenner der Verhältnisse genau bekannt. Rur die aufstchtsführcnde Polizei hat scheinbar davon nichts gewußt und nichts gesehen. Mit solchen Praktiken konnte man Auktionen mit Erfolg oer- anstallen, so lange noch Käufer und Gelder vorhanden waren. Beide stnd aber durch die Wirtschaftslage immer knapper geworden, nur die paar Großverdiener leisten sich den Luxus, ganz kostbare Kunst. werte zu kaufen', zu denen man nicht der Auktionen bedarf. Die so- genannt« Mlttelware siel ganz aus. Unzählige kleine Existenzen im Kunsthandel, die auf der einen Stelle billig ramschten, um die Sachen gleich wieder in ein« neue Auktion hinein zu ver- schieben— obwohl dies polizeilicherseits ebenfalls verboten ist—, sind schwer enttäuscht worden, sie sind mit den Sachen hängenge- blieben. Privatleute, die ihren Besitz zur Auktion brachten, be- haupteten am Ende, daß sie für den Verkauf ihrer Sachen noch hätten daraufzahlen müssen. Zuletzt sind auch mit die Berliner Wohnungsverhältnisse am Niedergang der Auktionen schuld, denn in die kleinen beengten Räumlichkeiten lassen sich die alten antiken Sachen schlecht placieren. Den Auktionshäusern ist also im Wettbewerb mit der allen Händlerschaft der Atem ausgegangen. Gewohnt, aus dem Vollen zu schöpfen, ja, am Käufer und Verkäufer zu gleicher Zeit zu ver- dienen, lies sich der Apparat leer, als die wixklichen Käufer sehlten. Man gab Vorschüsse auf gute Auktionsobjekte, die dann nicht wieder hereinkamen. Viel« Kunden vergaßen auch das Zahlen. Kre- dite Mußten beansprucht werden. Zuletzt ähnelle so ein Geschäfts- betrieb den Lombardgeschäften mit 100 Proz. Zinsen, die ja ebenfalls mit einer großen Pleite eingingen. Alle diese Erscheinungen des Zerfalls sind eigentlich Zeichen der Gesundung unseres Voltskörpers. der künstlich aufgezüchtet« Crwerbsmöglichkellen wieder abstößt. Vielleicht, wenn der ganze ungesunde Auktionsrummel vollständig abgewirtschaftet hat und niemand sich feiner mehr bedient, kommt auch der stille, bescheidene Sammler wieder zu seinem Recht, und mit ihm der kleine Händler, der als Vertrauensmann ihn ehrlich bedient. Daß auch dos große Auktionshaus Iac. Hecht leck ge- worden ist, beweist ebenfalls, daß hier die Steuerleute ihrer Fahrt nicht sicher waren. Bei näherer Betrachtung sind es leider in der Mehrzahl kleine Besitzer, die mit Beträgen bis zu 300 Mark ge- schädigt werden. Es ist ganz absurd, zu denken, daß die Gläubiger- Vereinigung das Unternehmen sanieren konnte. So viel Geld gibt es gar nicht, um heute ein falliertes Auktionshaus wieder slott zu be- kommen. Wer möchte dort sein« Sachen weller verauktionieren lassen? Vielleicht stellen sich die Gläubiger dann selbst aus gegen ein Höchstgebot. Krise gefällig? Die„Volkspartei" stellt Ultimatum? Herr Scholz, der Vorsitzende der Volkspartei, steht in dem Rufe, der K r i f e n m a ch e r der deutschen Politik zu sein. Diesen seinen Ruhm aufrechtzuerhalten, sind geschäf- tigte Freunde eifrig bemüht. So liest man also in der „DAZ.": Wie wir hören, hat die Deutsche Volkspartei keinen Zweifel ge- lassen, daß sie auf der beschleunigten Einbringung der Gesetzesvorlage (zur Arbeitslosenversicherung) besteht. Sie habe sogar eine Art Ultimatum bis Mitte nächster Woche gestellt und würde, wenn bis dahin der Entwurf noch nicht vorliegt, diie Reichstogsfraktion einberufen, um zu der dann geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Dies um so mehr, als nach Mitteilungen des Staatssekretärs P o- p i tz auch die Kassenlage des Reiches keine weitere Verzögerung mehr zuläßt. Wenn man mit Ultimaten arbeitet und wenn man ver- sucht, die Sozialdemokratie zur Preisgabe ihrer sachlich wohlbegründeten Haltung zu zwingen, so wird die Krise sehr schnell dasein. Man kann der Sozialdemokratie nicht zumuten, daß sie sich aus Rücksicht auf die Haager Kon- ferenz gegen ihre Ueberzeugung entscheidet. Wer ernstlich eine Krise vermeiden will, der muß es vermeiden, Forde- rungen an die Sozialdemokratie zu stellen, die für sie un- annehmbar sind. Den Hintermännern der„DAZ." kommt es darauf an, e�ne Art Panikstimmung zu erzeugen und tnit ihrer Hilfe eine möglichst weitgehende Verschlechterung der Arbeitslosen- Versicherung durchzusetzen. Um dieses hohen Zieles willen schrecken sie auch nicht davor zurück, über die„Sassenlage" des Reiches Andeutungen zu machen, die keineswegs zu- treffend sind. Wenn man die Hoffnung hat, die Sozialdemokratie auf solche Weife von ihrem Weg abbringen zu können, so täuscht man sich!_ Interfraktionelle Verhandlungen. Im Reichstag begannen am Freitag vormittag in Anwesenheit des Reichsarbeitsministers W i s s e l l. des Reichsernährungsministers Dietrich und des Reichsvertehrsministers Dr. S t e g e r- w a l d die in Aussicht genommenen interfraktionellen Verhandlungen der Regierungsparteien zur Frage der Arbeitslofenverficherungs- reform. Zu Beginn der Besprechung waren anwesend: Bon den Sozialdemokraten die Abgeordneten Wels, Dr. Hertz, Ditt- mann, Aufhäufer, Graßmann und Frau Schroeder» Schleswig-Holftein: vom Zentrum die Abgeordneten Esser, Dr. Bell, Dr. Brüning, Dr. Drees, Riefener, Gerig und Frau Teusch: von.der �Deutschen Voltspartei die Abgeordneten Dr. Scholz, Dr. Pfeffer und Hintzmann: von den Demokraten die Abgeordneten Dr. Fifcher-Köln, Lemmer und Tantzen, sowie von der Bayerischen Voltspartei Abge- ordnete? Leicht. Schweres Ltnwetter in Baden. Sehr großer Sachschaden. F r e I b u r g i. V., 16. August. Gestern abend gegen 7 Uhr ging in der Nähe von Freiburg in Baden in der Gegend Zähringen— Gundelfingen ein furchtbares Unwetter mit Hagelschlag nieder. Der Sturm knickte aus der Landstraße nach Gundelfingen fast 70 Prozent aller Ehausseebäume um. Ein großer Teil der Telegraphen st angen der Strecke Freiburg— Offenburg wurde ebenfalls umgeworfen. Der verkehr war während einer Zeit von drei bis vier Stunden nahezu vollkommen gesperrt. Der gegen 7 Uhr von Freiburg abfahrende Hamburger Schaell- zug geriet mitten in das Unwetter hinein und die Wagen wurden von den umstürzenden Telegraphenstongen teilweise beschädigt. Ein von Denzlingen nach dem Freiburger Güterbahnhof fahren- der Güterzug wurde durch die umgestürzten Masten aufgehallen und verwickelte sich in den Drähten. Feuerwehr. Polizet und Einwohner waren mehrere Stunden mit den Aufräumungsarbeltea beschäftigt, von Freiburg glng ein h I l s s z u g ab. Gegen 9.30 Uhr konnte die Bahnstrecke wieder frelgemachk werden, so daß der Verkehr um diese Zeit wieder aufgenommen werden konnte. Personen kamen nicht zu Schaden. Die Aussperrung in England beendet. Arbeitsaufnahme am Montag. London. 1K. August.(Eigenbericht.) Die Aussperrung in der Baumwollindustrie ist be- endet. Die Betriebe werden am Montag wieder geöffnet. Die Einigung, die bei den Verhandlungen— sie dauerten eine« ganzen Tag— zwischen den Arbeiter- und Unternehmervertretern zustande kam. enthält folgende Hauptpunkte: Tie Lohnforderung der Unternehmer soll einem Schiedsgericht unterbreitet werden. Unter- nehmer unb Arbeitnehmer verpflichten sich. denEpruch des Schiedsgerichts anzunehmen. Das Schiedsgericht soll aus je zwei Vertretern der Arbeiter und Unternehmer und einem unabhängigen Vor- sitzenden bestehen. Kommt eS nicht zu einer Einigung im Schiedsgericht, dann entscheidet die Stimme des Vor- sitzenden. Während der Tauer der fchiedSgerichtlichc:. Untersuchung und Verhandlung bleiben die alten Loh»- sähe in klrast._ Zeppelin über dem Llral. Knapp ein Drittel der Iapan-?ioute zurückgelegt. Wie aus Moskau gemeldet wird, berichtete die A u n k> station Nadeshdinsk telephonisch nach Perm, daß das Luftschiff..Graf Zeppelin" zwischen Ii 10 und 10 Uhr vormittags in einer Entfernung von etwa 80 bis 100 Kilometer nördlich von Nadeshdinsk gesichtet worden sei. Das Luftschiff fuhr mit Kur» auf B e r e s o w an dem Ob mit einer Stundengeschwindigkeit von etwa 120 Kilometer. Das Wetter bek Nadeshdinsk war günstig. „Graf Zeppelin" soll bereits mit Jrkutsk die erste radiotelegraphische Fühlung genommen habe«. Die Wetterstation in Turuchansk berichtet dem Lustschifs über die Wetterverhältnisse in Sibirien. Di« Mostauer Fuikkstatwn hat eine Meldung vom Zeppelin aufgefangen, noch der das Luftschiff um 8.13 Uhr(MEZ.) etwa 200 Kilometer nördlich von Perm gesichtet worden ist. Das Lu't» schiff fliegt mit einer durchschnittlichen Stundengeschwindigkeit von 130 Kilometer in ostnordöstlicher Richtung auf den Ob zu. Räch den letzten Meldungen der Mostauer Luftfahrtzentrale nähert sich das Luftschrsf„Graf Zeppelin" dem Ural ungefähr in der Mitte des Gebirgszuges. In Moskau gaben die Redakttonen um etwa zwei Uhr nachis durch Anschlag an ihren Fenstern bekannt, daß„Graf Zeppelin" Moskau infolge ungünstiger Wetterverhältnisse nicht über» fliegen könne. Die Enttäuschung bei der Bevölkerung war groß, da die Menschenmengen aus den Straßen warteten, um das Luft- schiff zu sehen. Erst gegen 3 Uhr zerstreute sich die Menge. « Daily Telegraph meldet aus T o k i o: Die Anwesenheit eines hohen japanischen Marineoffiziers an Bord des Luft- schiffes„Graf Zeppelin", der dem Luftschiff als Führer im japanischen Gebiet dienen wird, hat Anlaß zu dem Gerücht gegeben, daß die japanische Regierung den Antauf des Luftschiffes »ach Beendigung des Weltfluges plane Di« Zeitung Hotichi Schimbun schreibt, tatsächlich würde es der Regierung 12 Millionen Goldmark kosten, einen Zeppelin zu bauen, während ste ihn sür 6 Millionen Goldmart kaufen könnte. Der Ausstieg des Luftschisfes zur Fahrt nach Tokio hat großes Interesse in der japanischen Qeffentlichkeit erregt. Seine Fortschritte werden von den Blättern an hervorragender Stelle gemeldet. Offizielle und sonstige Begrüßungsfeierlichteiten stnd sorgfälttg vor- bereitet worden. Absturz vom Matterhorn. Gestern hatten zwei Fräulein Schieß aus Freiburg l. B„ Töchter des Zustizrals Schieß, in Pegleilung eine» Oberländer verg. führers und des Alpinisten Dr. Beauclair. ebenfall, aus Frei- bürg i. B„ da« Matter Horn bestiegen. Beim Abstieg stürzten unterhalb der Solvay-Hükle Dr. Beauclair und eine der beiden jungen Domen, die am gleichen Seile gingen, etwa 200 Meter ab und blieben tot liegen. Eine 12 Mann starke Retlungstolonne ist heute abend zur Bergung der Leichen von Zermotl aus abgegangen. Das Geständnis der Schwäche. Zn der„Resolution über das X Plenum". Man muh schon ein besonderes Lexikon der Sprache und der Tatsachen anlegen, wenn man die Vorgänge im kommunistischen Lager auch nur»inigermahen genau verfolgen will. Die jeweils Ge- waltigen in der Welt der Maulrcvolutionäre haben sich eine Art Geheimsprache zugelegt, die gelehrt tlingen soll, aber nur dazu be- stimmt ist, den eigenen, im Lesen ungeübten Anhänger in die Irre zu führen. Wir haben im Morgenblatt aus der„Jmpretor" Proben der Abkanzlung gegeben, die beim„Ekki" in Moskau der deutschen Kommunistischen Partei zuteil wurde. Heute findet man nun in dem offiziellen Kommunistenblättchen Berlins eine fast vier Zei- tungsspalten umfassende„Resolution über das X. Plenum der Ekki". die„vom Plenum des Zentralkomitees der KPD. am 14. August lSZS beschlossen" worden sein soll. In diesem spaltenlangen Ge. schwafel über dies und das und noch etwas fällt jedoch«ins immer wieder auf: das„bolschewistische" Eingeständnis, dah die Kommunistische Partei in allen wesentlichen Punkten infolge innerer Zersetzung und organisatorischer Schwäche versagt hat und versagen mußt«! Wir zitieren nur einig« dieser Selbstbekenntnisse: Die bolschewistische Kritik. Das X. Plenum des EKKI. übte ein« scharfe bolschewistisch« S e l st k r i t i k an den Mängeln und Fehlern aller Sektionen der KI. Die KP. Deutschlands wurde besonders wegen der völlig ungc- nügenden organisatorischen Verankerung ihres gestiegenen Massen. cinflusses, wegen ihrer Schwächen bei der Durchführung des politischen Massenstreiks nach den Maikämpfen. wegen der mangelhasten Organisierung ihrer Stützpunkte in den vetrlcben kritisiert. Am l. August. ... Gleichzeitig zeigten sich jedoch bei der Durchsührung des Roten Tages eine große Reihe lehr ernsthafter Mängel und Schwächen, von denen das ZA. besonders... die mullose und Oer Film als Werbemittel. Vorträge während des Weltreklamekongreffes. Ein Brückenpfeiler. SilhoueUe von der großen 9längebrücke heiChihago passive Stimmung einzelner Parteimitglieder vor dem 1. August. legalistisches Zurückweichen vor der bürgerlichen Staatsgewalt an einzelnen Orten sowie die mangelhafte Vorbereitung und Durchsührung der besrisleten politischen Vroteststrelks in den Betrieben vermerkt. Der tt. August. Der Reichsdanneraufmarsch... stellt ein« Niederlage des Sozial» f chch, smus dar. Mängel der Partei zu dieser Kampagne waren vor allem«ine ungenügende Ausklärung der gesamten Arbeiterschaft über Wesen und Inhalt des Sozialfaschismus fowis die organisatorisch« Schwäche des Gegenausmarsches am lt. August selbst. Die Partei, die so nach eigenem Eingeständnis überall versagt und„organisatorische Schwächen" aufweist, will trotzdem die Welt revolutionieren, weil die Moskauer Auftraggeber das so verlangen. Zu dem Zweck ist es für richtige Volschewisten nötig, zunächst ein- mal wieder neu«„Säuberung" vorzunehmen, das heißt ihre eigenen Anhänger hinauszuwerfenl Deshalb heißt es in der ZK.-Resolution: Eine Reihe von Parteien hat bereits größere Erfolge in der Säuberung von den faulen opportunistischen Elemen- ten, die im proletarischen Klassenkampf eine Streikbrecher- roll« spielten, erreicht. Gleichzeitig konstatierte das Plenum,„daß das Versöhnlertum, das als feiger Opportunismus aufgetreten ist und das offene Liquidatorentum in Schutz nimmt, in der letzte» Zeit in allen ousichloggebcnden Fragen der kommu- nitz schen Bewegung bei den Posilionen der Rechten ge- landet ist und innerhalb der Komintern die Rolle der Rechten übernommen hat" Nach dem Ausschluß der rechten Liqui- da t o r« n ist das Versöhnlertum, insbesondere die führen- d-n veriöhnlerischen Grvpven(Bucharin, Tomski in der KPSU., C w e r t- M e y e r in der KPD., low!« Humbert-Droz) zum zenlralen Anziehungspunkt aller defaitistischen S'immungen, zum Träger alle r'opportuni st ischen Anschauungen geworden. Das Plenum stellte den Vertretern des'niernotionalen Versöhnlertums eine Reihe elementarer Bedin. gungen für ihr Verbleiben in der Kommunistischen Partei. Die Nichterfüllung einer dieser Bedingungen stellt jeden, Iis verletzt, außerhalb der Reihen der Kommunistischen Internationale. Das X. Plenum hat gleickzeitig mit der scharfen Verurteilung dieser und ähnlicher versöhnlerischer Vorstöße die Ausschlüsse der rechten Liquidatoren, der Renegaten des Kommunismus sLooestone Jilek, Hais. B r a n d le r, Thalheimer u. Co.) be- stätigt. Eine Partei, die so tut als ob sie die Welt erabern könnt«, zeigt sich hier im vollen Lichte. Sie ist zu schwach, um ihr« eigenen Anweisungen durchzuführen, aber sie schließt zunächst ihre eigenen Leute aus! Im Rahmen des Weltreklomekongresses hielt die Fachgruppe Werbe silm eine internationale Zusammenkunft in der„Kamera", Unter den Linden, ab. Eine Per- anstaltung. die nicht besonders durchorganisiert, ja teilweise sogar etwas dürftig erschien. Nicht die Schuld ihrer Leiterl Denn man ließ die Einladung zur Teilnahme am Weltkongreß erst in der letzten Stunde an sie ergehen. In seiner Eröffnungsrede forderte Dr. Walter Plügge die Gleichberechtigung des Werbefilms mit Inserat und Plakat. Eine Forderung, deren Aufstellung im ersten Moment befremdet. Denn es leuchtet ohne weiteres ein, daß der Film seine Güte natürlich vorausgesetzt— eine starke Wirkungsintensität haben muh. Erstens, weil er die Ware lebendig vorführen und ihre An- wendungsmöglichkeiten und Vorteile in den verschiedensten Phasen zeigen kann. Trotzdem, Julius Pinschewer mußt« in seinem Reserot beklagen, daß nur ein Prozent aller für die Retlame aufgewandten Mittel für den Film ausgegeben wird, und daß diese» Prozent lediglich Markenfirmen, Aemter, Städte aufbringen. Und hier liegt der Grund von Dr. Plügges Forderung und die wahrschein. liche Unmöglichkeit, sie restlos zu erfüllet. Denn wer außer Groß- firmen, die über einen ständigen wohlgefüllten Retlamesonds ver- fügen, kann sich einen teueren Film, zu dessen Herstellungskosten noch die Pacht der Theater kommt, leisten? Keinerl Die kleineren Betriebe sind in ihren Mitteln so beschränkt, daß sie sich lediglich auf die Zeitungsreklame beschränken müssen. Auf dos Inserat kann aber niemand verzichten, denn selbst wenn»in Film inner» halb einer kurzen Zeit vor Millionen von Menschen läuft,«r kommt ihnen eben nur einmal zu Gesicht. Eine Zeitung aber wird vom Publikum taglich durchblättert, die Anzeige fällt somit täglich oder doch in regelmäßigen Zeitabständen aus, je nach den Inserierung»- abständen. Die Wiege des Reklamefilms stand nicht in dem mittel- gesegneten, nach Sensation jagenden Pionierland der Retlame, in der Hochburg des Films, in Amerika, sondern in Deutschland. Und Deutschland ist auch führend geblieben in ihrem Ausbau. Der interessanteste Teil de» Kongreßprogramms: Die Darlegung der Entwicklung und des jetzigen Standes der Filmreklame an Hand von praktischen Beispielen. Zuerst ein Film aus dem Ansang. Eine Reklame, die wir heut auspfeifen würden in ihrer Rakvität und Anspruchslosigkeit. Der Artikel wird einfach im Laden gezeigt. Dann ein Sprung: Ein Film aus der Zeit des Expressionismus. Das Bild an sich ist expressionistisch, die Uebergänge ebenfalls. Alles ist verwirrend und unklar. Alles muh, um verstanden zu wenden, erst gründlich durchdacht sein. Also eine Reklame, wie sie nicht sein soll. Dann Erzeugnisse, die auf dem jetzigen inter- nationalen Werbefilmwettbewerb prämiert wurden. Erst eine Gruppe von Zeichentrick- und Puppenspielsilmen. Die meisten von ihnen so lustig und unterhaltend, daß man seine helle Freude an ihnen hat. Einig« sind noch zu plakatmähig und in der Anpreisung zu aufdringlich. Da? mag verletzen, ja die Gefahr liegt nahe, daß sich der Besucher unwillig sagt, er wolle für sein Eintritte» geld Unterhaltung und keine Reklame, die er an Anschlagsäulen, in Bahnen usw. umsonst hat. Damit wöre natürlich all«» verloren, denn die Hauptausgabe ist hier, gute Laune zu erzeugen. Da» Ideal der Spielsilmreklame bestehet eben darin, daß die Notwendigkeit eines Gegenstandes aus einer interessanten und vor allem kurzen Handlung hervorwächst oder als überraschender äeus ex machina einen originellen Schluß herbeiführt. Jeder Versuch, den Artikel einzuhämmern, wirkt verstimmend, der Besitzwunsch muß fast unmerklich erzeugt werden. Der Höhepunkt: 5tulturwerbefilme. Es ist einerseits bedauer- lich, daß der reine Kulturfilm sich nicht halten konnte, finanzielle Unterstützung in der Wirtschaft suchen muhte und fand, dasür aber gezwungen war. Zugeständnisse in Form einer Werbung für sein« Geldgeber zu machen. Vom Standpunkt des Retlamemenschen betrachtet, ist dies aber sehr erfreulich, denn man gewann hier«in Werbemittel von höchster Qualität. Die vorgeführten Filme dieser Art waren so hervorragend, daß man sie unbedenklich in das eigentliche Programm einreihen kann. Ja,„die sprechenden Hände" von Gertrud David oermochten sogar ziemlich stark« seelisck)« Erschütterungen auszulösen. Eine derartige Reklame ist dann natür- lich kaum noch zu überbieten. Rur vor einer Gefahr sei glwarnt. Nämlich der, daß die Auf- traggeber schließlich in einen Wettbewerb ihrer Werbemittel statt ihrer Ware treten. Die best« Reklame bleibt letzten Endes die Qualität des Erzeugnisses, nicht die feiner Anpreisung. IValter Jacobi. In den Kämmerlichtspielcn wurde ein Querschnitt der Ufa- Wcrbefilm-Produktion gezeigt. Der Ungenannte, der diesen yuer- schnitt machte, hat das allerfeinste Gefühl für eine fabelhaste Filmmontage. Wie er alle toten Punkte auszumerzen weiß, wie er auf jedem Gebiet das Interessante packt, wie er landschaft- liche Stimmungen zu steigern versteht und geruhsam in malerischen Bildern schwelgt, das wird wirklich zur allergrößten Werbung. Er läßt gleich gut die Repräsentation wie die Jndeenpropaganda zur Geltung kommen. D-r Zuschauer sieht, wie man beispielsweise bei der Stahlproduktion gar nicht für das einzelne Fertigfabrikat wirbt, sondern durch die Größe und Schönheit des Werks und die Form der Organisation cinsach— überwältigt. Bei der Werbung der Verkehrsunternehmcn bemerkt man die schöne Landschaft als zweckentsprechende und allerwirksomste Kulisse. Für soziale Ge- danken(Erhaltung der Laubenkolonien) macht man in einfachen Alltagsbildern die durchaus notwendige Reklame. Etliche dieser Filme muten an wie nette kleine Feuilletons, während ander« die große Reportage aus dem Werktag unserer Arbeitsbrüder sind. Alles in allem merkt« man. daß man von einer guten Idee sich immer Nutzen versprechen darf. Nach dem stummen Film folgt« als Tonfilm eine Ansprache prominenter Werbesachleute über Wesen und Bedeutung des Ton- films. Die Höchste Anerkennung gilt der Erfindung als solcher. aber die näselnd wiedergegebene Sprache aller Redner ist ganz bestimmt kein« Werbung. Als dann noch ein Tonsilmbegeisterter von der einschmeichelnden menschlichen Stimm« redet«, war dem allgemeinen Gelächier freie Bahn geschaffen. Und der Tortur der Werbetonjilnie entging man nur gesund,.weil man so herzhaft lachte. Der Tonfilm steckt noch im Ansangsstadium, das wissen wir, aber die Herren vom Ton denken peinlicherweise nicht daran,, daß der Film an sich schon weiter ist als sie es sind. e. b. Dank an Berlin! Ditset Qt dicht übirsanite uns ein Rikhtbanntrkamerad aus Frankfurt am Main. Es soll nleM als Kunstwerk, sondern als Dank eines Begeisterten gtwtrlit werden, Eh' wir von daanea ziehen Nach unsrer Heimat hin, Da laßt uns nicht vergessen; „Den Dank an dich, Beriini" Berlin, du schöne, stolze Hauptstadt der Republ'k, W ir denken hier vom Rheine So gern an dich zurück.. Es hat schon oft bewiesen, Was Einigkeit vermag. Was wir bei euch erlebten, Das war ein großer Tag! Das war ein Branden, Wogen Der Massen ungezählt, Der Arbeltsbataliione, im Daseinskampf gestählt. Und was aus Schritt» n, Tritten K'ang wie ein Schwur heraus, Pflanzt sich millionenweise Weit in das Land hinaus: So lang's In deutschen Qauen 'nen Arbeltsma n noch gibt, So lang' bleibt fest bestehen „Die deutsche Republik f" />«» sieiimoebot. Autobus Ar. 2. Terra-Lichtspiele, Mozartsaal. Was hätte man von einem durch die Berliner Straßen fahren- den Autobus und seinein Schaffner olles erzählen können! Dieses Thema ist ia ein« wahr« Fundgrub« für Fllmmenschen! Und was haben sie aus ihm gemacht? Sie benutzen es zu einem der kitschigsten Filme unsere'' ganzen Produktion. Die Frau eines Autobusschaffners zieht, nur für einen Abend, ein kostbare« Kleid an, das ihr Mann gefunden hat. Durch dieses Kleid kommt sie in die ärgsten Verlegenheiten, aus denen sie erst das gute Filmende erlöst. Dr. Alfred S ch i r o k a u e r hat seine Ideen nicht irgendwie ausgestaltet, sondern weiti» nichts getan, als von Szene zu Szene ängstlich und krampfhaft das Manuskript kom- pliziert. Die Logik oerflüchtet sich vollends, an ihre Stelle tritt unfreiwillige Komik. Der Autobus hat einmal Panne, der Film aber kommt über- Haupt nicht aus der Panne heraus. Der Regisseur Max M a ck hat ein derartig schleppendes Tempo, dah man au« dem Publikum heraus oft nachschieben möchte. Ueberdies versündigt er sich am Milieu. Sind doch sein« Autobusschaffner ganz bestimmt zu„vornehme" Leuie. Wir gönnen ihnen, von Herzen ein Speisezimmer mit Leder» stühlen, Oelgemälden und Damenschreibtisch, ein« herrliche Diele, eine Luxusschlaszimmereinrichtung und eine Luxusküche, aber wir befürchten nur, sie werden alle dies« Herrlichkeiten in Wirklichkeit nicht haben. Und darum ist es sehr gut möglich, daß mancher Schaffner, der aus eigener Erfahrung den schweren Dienst am Pu» blikum kennt, den ganzen F�w für eine Herabwürdigung seiner Arbeit ansehen wird. Mit Ausnahme des Kameramannes BrunoMond! versagten alle am Film Tätigen. Fritz Kampers kann mehr, als ein bißchen� auf einem Autobus hin und her laufen Lee P o r r y spielt die Schaffnersfrau als derart sentimentales, armes Hafcherl, daß einem zum Schluß schlimm wird, und Georg Alexander verläßt sich ein wenig auf seine Routine. Alle jedoch bleiben sie uninteressante Menschen.— g. „Kopf hoch, Baby!" Gloriapalast. Wenn ein amerikanisches Mädchen sich plötzlich darauf besinnt, puritanisch zu werden, dann findet sich sofort der reiche Kaufmann, der ihr den Ehering aus den Finger streift. Der ameritanische Film macht eben unentwegt Reklame für die beste aller Welten, die sich selbstverständlich in den Vereinigten Staaten etabliert hat. � Dos rührende Fasinlienidyll mit gutgedecktem Kafseetisch und einen,, schönen, gepflegten Baby wird durch einige Szenen Unterwelt und Zuhältertum pikant gemacht. Man kennt dies« Vorgänge ge- nügend und weih schon von vornherein, daß der ehemalige Freund aus dem Verbrecherviertel großangelegte Erpressungen begehen wird. Aber nun geschieht etwas Neues. Ein sehr lieber Kriminalkommissar bekommt es fertig, daß dieser jung« Mann mit den erpresserischen Absichten von einem wohlmeinenden Freunde um die Ecke gebracht wird. Was tut man nicht alles zur Hebung der Moral. Der Regisseur Irving Tummings beschreitet die tul» twierten Bahnen des amerikanischen Gesellschaftssilmes, macht dazu recht ckMiehmbar etwas in Nutten- und LudensUmmung und setzt die Schauspieler so heraus, daß sie gut wirken müssen. Leider ver- sagt der auf dem Programm fettgedruck« Star Mary A st o r, die sich hauptsächlich auf ein süßes Posttartenlächeln beschränkt. Ganz hervorragend dagegen Robert Elleot als Kommissar und Ben Bord, der in Gesicht ünd Haltung etwas an Ernst Deutsch er- innert, als Verbrecher. 1�. S. Hilde Zepernick ermordet? E n Körperteil im Keller eines Neubaues aufgefunört,. Die seit dem Montag dieser Woche vermißte u jährige Schülerin Hildegard Zepernick ist, wie jetzt festzustehen scheint» ermordet worden. Im Keller eines Neubaues in der Westendalle« in der Nähe der elterlichen Wohnung stießen Arbeiter beim Graben auf den Torso eines Kin- dcrtörpers. Alle Anzeichen deuten darauf hin. daß es sich um die vermißte Hildegard Zepernick handelt.— Näher« Angaben standen bei Redaktio usschluß«och a«S. Anklage aus dem Bergbau. Wie sind die Maffenunglücke zu verhüten? Sobald ein Bergbaurevier von einem Massenunglück heimgesucht rvird, dann wird das öffentliche Gewiisen vorübergehend auch aus den Beruf gelenkt, der unter den schwersten Lebensbedingungen sein Dasein fristet. Das honette Bürgertum horcht dann wieder einmal auf, wenn die„Wetter geschlagen" haben und eine Masse Menschen tot aus dem Schacht herausgeschafft werden. Für einige Tage fühlt man Gewissensbisse, ob Unternehmertum und Allgemeinheit an diesen Menschen nicht doch etwa stark sündigt. Nur wenige dieser guten Bürger können sich ungefähr vorstellen, welch quälendes Dasein ein Bergmann sühren muß. Man wünschte sich die Macht, den einen oder anderen, der sich abfällige Kritiken erlaubt, besonders dann, wenn die Bergarbeiter mit einer Forderung kommen, zu zwingen, einen Monat lang bei dem kärglichen Lohn im Bergbau zu arbeiten. Diejenigen, denen in solchen Tagen das Gewissen schlägt, glauben es damit beruhigen zu können, wenn sie sich an einer öffentlichen Notstandsaktion, an einer Sammlung be- tesligen. Hat man fein Scherslein dazu beigetragen, dann ist alles wieder in Ordnung. Anders denken die Bergarbeiter selber darüber. Für sie geht es nicht darum, ob die Angehörigen der Toten Zl) M. mehr oder weniger erhalten, ihnen kommt es njcht darauf an, ob die Beerdigung der Massvopser mit etwas mehr oder weniger Pomp gefeiert wird, sondern ihnen kommt es darauf an, daß der lebende Bergmann einen besseren Schuh genießt. Damit berühren wir ein Kapitel, bei dessen Erwähnung schon sich das Antlitz der Vergwerksgewaltigen in grimmige Falten legt. Es ist die Frage: Lohn und Leistung. Diese beiden Fragen sind heut« für den Arbeiterschutz bzw. für die Sicherheit der Berg- leute'von ausschlaggebender Bedeutimg, Der Lohn des Berg- arbeiters liegt heute im allgemeinen unter dem Stand der Löhne der übrigen gelernten Industriearbeiter, Aber auch der Unter- schied im Lohn zwischen den einzelnen Bergbaurevieren ist so groß,' daß sich das Reich und Preußen mit der Frage beschäftigen müßten, ob der Zustand noch weiter tragbar ist. Es betrug der Barvcrdienst der H a u« r im Mqi 1S29: im Ruhrbezirk... 10.19 M. in Riedcrscl>lesien.. 7,25 ITC. Der Barverdicnst der Gesamtbelegschast betrug: im Ruhrbezirk.... S,9l M. in Riederschlesien... 6,51 Ht. Das sind Zustände, die zum Himmel schreien! Der nieder- s ch l e s i s ch e Bergmann kaust heute seine Lebensmittel, Kleidung, Schuhe usw. genau so teuer wie sein Kamerad an der Ruhr. Di« Folge des niedrigen Verdienstes ist eine verschlechterte ver- elendste Lebenshaltung, gesteigert durch das nieder- fckzlesische Wohnungselend. Die meisten Bergarbeiter, können nur ein einziges Zimmer mieten. Da der Bergmann in drei Schichten arbeitet, regelmäßig also eine Woche zur Nachtschicht geht, muß er in dem einen Zimmer, wo die ganze oder auch mehrer« Familen hausen, am Tage schlafen. Die Folge ist, daß er unausgeruht zur Arbeit gehen muß und den Ge- fahren des Bergbaues die Aufmerksamkeit nicht schenkt, die ein frischer, ausgeruhter Arbeiter an den Tag legt. Dazu kommt, daß der angegebene Verdienst nur unter den ungeheuersteu Kraft- anstrcngungen erreicht werden kann. Und der materielle Zwang dazu.ist so stark/ daß der Bergmann schon daran gewöhnt ist, die Dorsichtsmaßregeln außer acht zu lassen, nur um ein paar Pfennige über den Durchschnitt zu verdienen, Das zweite traurige Kapitel ist d i e Leistung, Jeder Steiger erhält für sein« Abteilung da» Lcislungssoll vorgeschtieben, ebenso jede Betriebsfllhrerabtellung �nd die ganze Schachianlags, Rücksichtslos werden die Beamten von oben herab an- getrieben, damit dos Soll nicht nur erreicht, sondern noch über- schritten wird. In der Sklavenzeit bedient« man sich dazu der Peitsche. Heute macht man es anders. Die Beamten bekommen bis herab zum Aufseher ihre Leistungsprämie. Sie werden auf- gepeitscht, die Arbeiter anzutreiben. Wollen sie leben, müssen sie oft gegen ihren Willen in der brutalsten Weise auf die Arbeiterschaft drücken, damit die Leistung erreicht wird. Die Folge davon ist, daß von allen Teilen die Sicherheits- maßnahmen erst an zweiter Stelle kommen bzw. außer acht gelassen weiden. Auch hier spielt der Kampf zwischen den einzelnen Revieren eine gewichtig« Rolle. Der Förderanteil je Mann und Schicht betrug im April d. I. im Ruhrbezirk.,,». 1269 Kilogramm in Oberschlesi«»..... 1388„ in Niederschlesien.... 867„ Dieser Unterschied liegt nicht an den Arbeitern, sondern an den geologischen Verhältnissen der einzelnen Reviere. Der kapitalistisch« Konkurrenzkampf untereinander national und international zwingt einfach zur Brutalität.- Und nun kommen wir zur Kernfrage, wie man solche Ka- tastrophen, wie sie jetzt das Waldenburger Bergland heim- gesucht haben, verhindern kann. Diese Frage ist an den Schreiber dieser Zeilen von einem bürgerlichen Abgeordneten ge- richtet worden. Solche Massenunglücke können nur verhindert werden, wenn im Bergbau jede Akkordarbeit gesetzlich verboten wird. damit der Bergmann wieder mit Ruhe arbeiten und die Sicherheits- Vorschriften beachten kann. Dann wird auch die Bergbehörde, die j«tzt als Puffer zwischen den Konkurrenten steht, wieder zur Geltung kommen. Es ist eine beschämende Tatsache, daß heute die Aufsichtsbehörde wohl weiß, daß diese Mißstände an der zunehmen- den Unsicherheit im Bergbau schuld sind, daß sie aber nichts dagegen tun kann. Die nächste Folge des Verbots der Akkordarbest würde allerdings«in Sinken d«r Förderzisfern sein. Es muß deshalb d i e l«tzteKons«quenz gezogen werden, der B e r g b a u darf nicht privatkapitalistisch betrieben werden. Die Bodenschätze müssen dem Privatkapital entzogen und dem Volksganzen zu treuen Händen übergeben werden. Nur wenn der Bergbau des gesamten deutschen Vaterlandes in einer Hand vereinigt, unter einer Leitung, unter der Kontroll« der Parlamente seine Arbeit oerrichten kann, .wird«s möglich sein, Katastrophen in solchem Ausmaße zu verhindern. Aber nicht nur die M a s s e n u n g l ü ck e räu- men am verheerendsten unter den Belegschaften der Bergreviere auf, die Einzeluizsälle. über die sich der Durchschnittsbürger gar kein Gewissen macht, schasse» viel Mehr Elend als die Massen-� Unglücke. Verzeichnete doch das kleine niederfchlesische R e« vier bereits in den ersten sieben Monaten des lln« glücksjahres 1929 34 Tote. Diese Zahl hat sich jetzt durch das Massenunglück auf 66 Tot« erhöht, und noch sind fünf Monate bis zum Jahresschluß. Das ist eine grauenvolle Zahl bei einer Belegschaftsstärke von 27 000 Menschen, von denen ein übergroßer Teil noch über Tage arbeitet. Deshalb klagen wir auch immer wieder nicht nur die Grubenunternehmer, sondern auch die Allgemein- h e i t an, daß sie schuld ist an den Massengräbern und den einzelnen Toten der Bergbaureviere. Der zerschmettert« und oerbrannte Berg- mann bedarf der Hilf« der Allgemeinheit nicht, er ist tot und fühlt die Leiden nicht mehr. Unsere Sorge muß— wie gesogt— dem lebenden Bergmann gelten. Wer dem Bergmann also wirklich Hilfe bringen will. der darf sein Gewissen nicht beruhigen, indem er einige Mark für die Hinterbliebenen stiftet, sondern nur der hilft dem Bergmann wirk- lich, der mit uns dafür eintritt, daß endlich der Bergbau der Ge- jchäftemacherei und der Spekulation des Privatkapital? entrissen wird. Nur dann wird e» möglich sein, dje Massenunglücke wie die Einzelunfölle einzudämmen, sie auf ein Mindestmaß herab, zudrücken.__"• rL• Ein Strafgefangener aus Gollnow schreibt. „Lieber Vorwärts! In kurzen Zügen will ich dir schildern, wie wir hinter den Mauern den Verfassungstag begingen. So- lange ich in Haft bin, ist dieser Tag in einer Strafanstalt wohl zum ersten Male feierlich begangen worden. Um 10 Uhr beginnt.die Feier, die von dem Izerrn Direktor mit kurzen, aber tresfenden Worten eingeleitet wird. Der Herr führt uns im Geiste zurück in jene, an politischen Kämpfen so reiche und schwere Zeit, und zeigte auch uns, di« wir gestrauchelt sind, den Weg aufwärts Es folgte dann ein Prolog, meisterhaft vorgetragen von einem aus unseren Reihen. Ein anderer Gefangener trug den„Ruf an den deutschen Mann" vor. Dann ließ sich unser Sängerchor hören, der mit den beiden Liedern„O du mein Deutschland" und„Irl) Hab' mich ergeben" mit dazu beitrug, das Fest weihevoll zu gestalten. Der Herr Anstaltspfarrer hielt die Festrede, in welcher er dem Wunsch« Ausdruck verlieh, das deutsche Vaterland recht bald einig zu sehen. Zum Schluß wurde dann von uns allen stehend das-Deutschlandlied gesungen. Aus den meisten Gesichtern meiner Mitgefangenen las ich den Willen zur Republik. Möge sie gedeihen und fort- bestehen. Republik, ich stehe zu dir!" Wir haben an dem Brief textlich nicht ein Wort geändert. Hoffentlich findet der Schreiber den„Weg aufwärts", von dem der Direktor der Anstalt sprach, wenn die Zeit, die er jetzt durchlebt, vorüber ist. Die Sozialdemokratie wird immer, soweit es in ihren Kräften steht, entlassenen Strafgefangenen in dem Be- streben helfen, wieder ein schaffmdes Glied in der menschlichen Ge- sellschaft zu werden. Wetter für Berlin und Umgegend: Vorwiegend heiter und noch etwas wärmer, mäßige südöstliche Winde.— Für Deutschland: Ueberoll warm, in der südwestlichen Hälfte strichweise Gewitter, sonst weiterhin beständig. „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, und «Der kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Berantwortl. sür die Redaktion:«olsgang Schwär,. Berlin: Anzeigen: Th. Stocke, ~......®. m. b. 6., Berlin. Druck: Lorroiirls Buch. Berlin. Verlag: Vorwärts Bccli druckerri and Berlogsantdolt ul Singer ch-To.. Berlin SW 68, Lindiniliraßt S. Hierzu 1 Beilage.,. Uhr Dazu ein erstkl. bunter Teil Für unsere Leser: he in für I— ♦ Personen Rose- Thealer, Grote Frankfurter Str. 132, .Täglich 8.1 Z Uhr: ZwOlf tfausensfl Schauspiel in 3 Akten von BroiU Fruk. Regie: Paul Rose. Gartenbahne 440 Uhr Konzert und buntarTall 8.13 Uhr „Bis irüh um fOnfeM Werde Abo est d. Rose-Theaters Metropol-Th. Tägl. UV, Uhr Sonntags 4 u. S1. Blaubart Operette von Ottenbach Kammersänger Waller llrchhoif. Lustspielhaus Täglich 8"» Uhr Du wirst mich heiratonl Rundfunkhörer halbe Preise. itcichshalten-Theater Allabendlidi[gj Uhr. stettiner SSnger Sonntag, 2. Au- ust; tfSte kaffimmaos-VorslBlIuna zu halben Preisen mit vollem Programm! _ Önhott-Broin: — �""(Saal und Garten) Variete— Tan*— Konzert Vorverkauf auch im Pavillon der Reln- 'hardtbühnen, Kurlürstendamra, Ecke Uhiandstrasse WM MM Norden 12 310 Ende gegen II Die Fiedernans Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer D. 1. 8Us Die Komödie J1 Bismck. 2414/7316 8>« U., Shde geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie: Leontlne Sagan Lessing-Theater Norden 10846 Gruppe(onger Scbanspleler Täglich 8i/. Uhr Josel lakBBovskt- Drama von Eleonora Kalkowska Ideal, d. Westens Täglich 8'/. Uhr Sonntag 4 u. 8'/i Franz Lehart Welterfolgl Friederike Lotte Carola Willy Thums, Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Baroowsky-BBhiieii Thntar in dor ktniggritzor StraBo Wiedereröffnet Täglich 8V« Uhr Rivalen Komödienhaua Täglich 8V» Uhr Hodizeitsreise mit fieoro DuBBdtr Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8V. Uhr Max Adalbert in NafiobfTrodteB? Tkul.amKotu.Tor W Kottb. Str. 6 Tägl.«Uhr & Elite- Iii Sänger Die August- Sensation Sfrippke'o in der Semmerfrioche Planetarium mmm am ZOO— Vtrlin. ludimthiln 5tnl: B.S Barbarossa 3378 16'/. Uhr Stsmbitder das Sommers I8V,U. Von Pal zu Pul tm Sttmeohimmel 20V. Uhr Dar OlutOsM «*** V�W PALAST to femmekr FRIEDRICH STR. 96 AH Tägl.außer Montags u- Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder SO Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 PI «OS zur Miete WSO.Anshicherstr.l 5, Kirmes in Weu-Bötzow Velten-S'ettiner Vorortbahnhol andau-Wfst.Neu-Bötzow, Velten Neu-Bötzow, " Ib,' MWM Kreis Gsrhaveiland, Bahn: Klein bahn:' Spandau-We.st, Nauen Neu-Böuow Be'nzolbahn: Spandau, Hennigsdorf Autoverkehr; Spandau Schonwalde/Neu Bötzow am Sonnabend, dem 17., Sonntag, demis.n. Montag, dem 19. Aug. auf dem großen Gemeindesportplatz Die firoDe Verlosung. Hauptgewinne: 1 fettes Schwgin, 1 Singer-Nähmaschine, (geliefert von der Fil Hennigsdorf, Fahrrader, elektr. Plätt- eisen, wertvolle Winschaftsgegenstände und viele andere nützliche Georauchsartikel. Lose ä SO Pf. schon letzt im Vorverkauf u. auf dem Festplatz VolksbctlusiaslunxSeni aller Art in der gropen Südens adt, Wurstbuden, Erfiischungshalien. Sonnabend abends: Großer Fackelzug. sönntag 1 Uhr; Großer historischer Erntetestfug Bei eintretender Dunkelheit: Großes Brillant- Feuerwerk Onkel Pelle ist anwesend mit seinerar Riesen-Kasperle- Theater./ Z la verdeckte Tanzpariser, t 2 Musik-Kapellen. Drei große Restaurationszelte Fahrräder und Pferde können uh crgestellt werden. ckosi-Auio-Pendelverkchr: Hennigsdorf(Haitest, der Benzol- bahn>— Festplatz und Ve.ten— r'estplatz. Beginn: Sonnabend. 17. August, nachm. 8 Uhr. Festabzeichen 30 PL Kinder frei. Der Fesiaiusdtah. Zu noch nie WWM> dagewesenen Preisen bringen wir Stores, Gardinen Bettdecken Künstler-Gardinen in besten Qualitäten von...... 2.25 an Malbstores in allen Wehe- aiten von........ 1,73„ Bettdecken von........ 2,30„ Dekorationsstoffe von... 3,—„ Einzelverkauf von 9—7 Uhr Spezial-Canlinen-fferkstätteD S. Krüger Neukölln, Berg-Strafje67 2. Stock am Ringbahnhof Kein Laden! L-]uergens Aiexanderpiotz Neue Könlgslr, Achtung! Bausfranen! Gepök. 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(Beilage Freitag, 16. August 1929 ZkvMpnd StinJniitfnß*-e&l loTvfäsÜ Ein Bauer muß lesen! Hintergründe bäuerlichen Wohlstands in Dänemark Ort den Mittagsstunden besuchten wir die Landbau- sparkosse von Odense. Ihr gehören SM Landwirte als Ge- nassen an, 200 sind mit einem Kopital von je 200 Kronen beteiligt, das mit 6 Proz. verzinst wird, während 300 nur ein« Garantie sür se S00 Kronen übernommen haben. Sie wählen Aufsichtsrat, Leitung und Revisoren. Diese Kreditgemeinschaft für die Landwirt« der Insel Fünen hat jetzt«in Einlage kapital von 5S Millionen Kronen. Bon den 47000 Sparern sind der größte Teil kleine Landwirte, die ollein 43 Millionen Kronen gespart haben. Die Spareinlagen werden mit 4� Proz., die Kredite mit 5 bis 534 Proz. verzinst. Ein« besonder« Sporabteilung besteht für S i ed l u ng sz w e ck e, der fast nur Landarbeiter an- gehören. Das Einlagekapital der Landarbeiter ist 2ls Millionen Kronen. Staat und Sparkasse geben zu dieser Siedlungssparobteilunz Zuschüsse. Im letzten Jahr wurden u. o. 10 000 Kronen als Spar- Prämien an 2048 Sparer(Landarbeiter) zugeschrieben. Diese 2048 — Knechte wie Mägde— haben zusammen 420 000 Kronen eingezahlt. Im Augenblick des Siedeln? bekommen sie das Geld aus- ' gezahlt. Ein 4Sjöhriger Landarbeiter hat sich so de« Betrag von 43 000 Kronen gespart. (Mit Zinseszins und Prämien.) Eine besondere Schulsparkass« beginnt mit dem Sparbuch bei einem Sparbetrag von 5 Kronen. Der sogenannte Gründertyp fehlt hier in Dänemark, es basiert alles in diesen Genossenschaften auf gegenseitigem Bertrauen. Die Genossenschasten waren nach der Zeit der dänischen In- slation— die Krone war damals etwa 50 Goldpfenmg. heute ist sie 89 Goldpsennig— so stark, daß sie ohne jeden Federstrich alle Eialagen voll auswerten konnten. Interessant war in der Diskussion der Ausspruch de? aus der Bauernschaft stammenden'Direktors Appelt: Die Landwirtschaft Dänemarks hat diese Erfolge errungen. weil sie keinen Zollschuh hatte. Ein« der Quellen der Energie, des Bildungshungers, des ge- nossenschaftlichen Denkens des kleinen Landwirts lernten wir am Nachmittag in der l) u s m a n n s s ch u l e kennen, ein« Bolls- Hochschule, die von der Bereinigung der Husmänner Dänemarks be- gründet wurde und unterhalten wird. Die Epoche der Bauernbefreiung geht in Dänemark auf 1789 zurück, wo als eine der ersten größeren Mahnahmen ein« ge- setzliche Umlegung erfolgt« und das Fronrecht und die Bc- jtiminungen über das Untereigentunt beseitigt wurden zugunsten eines freie» Bcsigrschles. Bemerkenswert ist, daß zwei freiheitlich Mutende deutsche Adlige dieses Rejormwerk durchführten. Die zweite bemerkenswerte Tatjache zugunsten der Bauern in Dänemark war der Sieg des Freihandels in England 1846. England öffnete sich für den Weltmarkt in Agrarprodukten. Größere Be- deutung hatte dann für die kleinen Landwirte noch die V e r- s a s s u n g von I 8 4 8, die in ausgezeichneter Form das allgemein« gleich« Wahlreicht vom 30. Lebensjahr an zu beiden Häusern ein- führte. 1866 versuchte man, ein Oberhaus zu schaffen und führt« Verschlechterungen im Wahlrecht ein. Doch während in vielen Ländern die Bauern Gesolgmänner der Großgrundbesitzer waren, wurden in Dänemark Bauern zu Führern im Kamps um die Wiedergewinnung des Wahlrechts. Bauer und Arbeiter kämpften ge- meinsam gegen die herrschende Oberklassc und so kam es, daß die konservative Welle bis 1914 Dänemark nicht ersaht«. Die Ritter- gutsbesitzer forderten Zölle, die Bauern forderten Freihandel. Das von den Bauern entwickelte Genossenschaftswesen wurde zu einein Gcmeinschaftsorgan. zu einem Wesensmerkmal des dänischen Volkes. Bauern errangen schon lange vor dem Krieg« für ihre Ansstellungsprcdukte die goldenen Medaillen, während sich die Großgrundbesitzer mit bronzenen Medaillen begnügen mußten. Doch für Zehntauscnde von Hitsmännern, die oft nur«ine .Kuh cdcr ein Pferd besessen, blieb das Problem„Beden" noch un- gelöst. Sic brauchten so viel Beden, um bei intensiver Kultur be- stehen zu können. 53� Hektar sind da typisch bei dem besseren Boden Seelands und Füncns. Und die Führer der Bewegung erkannten, daß es nicht ans- zubauen galt aus völlig uneingeschränktem Privateigentum. Der Boden mußte gegenüber dem Staat aus ewig verrenket werden. Es galt also, das Eigentumsrecht am Boden vom Eigentumsrecht am Bodenwert zu unterscheiden. Dieser Ziel- setzung diente auch die Aufklärungsarbeit des Husmannsvolkshoch- schule, die schon 1908 von den 5000 Mitgliedern der ersten Husmanns- organisatio» hier bei Odense errichtet wurde. Heute umfaßt die Organisation etwa 90000 selbständige Husmänner, die heute auch auf ihre von ihnen vor Jahrzehnten geschaffene Volks- Hochschule mit Stolz hinweisen dürfen. � Diese Volkshochschule, der Kieinbauern hat einen Sommer- und einen Winterkursus von je 5 Monaten. Der Unterricht erfolgt cheo- retifch und praktisch in Landwirtschost, Hauswirtschaft, Sozialöko- nomie und Staatsbürgerkunde. Die Schüler werden in der Regel vom 18. Jahr an aufgenommen, das H ö ch st a l t e r beträgt in der Regel für Burschen 24 Jahr«, für Mädchen 22 Jahre. Die Schule wurde errichtet aus bei husmännern gesammeltem Geld. Jeder Schüler zahlt jetzt 80 Kronen im Monat. Unbemittelte Schüler erhalten einen monatlichen Zuschuß von 30 bis 40 Kronen. Der Stoatszuschuß ist jetzt 10 000 Kronen jährlich. In Dänemark bestehen 4 Husmannsoolkshochschulen. 20 Landwirtschaftsschulen und 50 Volk,- Hochschulen, die je etwa 60 Schüler 5 Monat« lang beherbergen. Bei einigen werden auch fremde Sprachen gepflegt In den Ferien er- folgen an den meisten dieser Schulen noch besondere Fortbildungs- kurse von 3 bis 11 Togen. Di« Leitung durch dsnRektorLange, die theoretische wie praktisch« Schulung durch tüchtige auch in der Landwirtschast erfahrene Lehrer ist vorbildlich, es sind Persönlich- keiten, die auch politisch entweder als Radikal« oder Sozial- d e m o k ra te n in Reih' und Glied der Husmannsbewegung stehen. In verschiedenen der durch die auseinanderliegenden Einzelhöfe weitgestreckten Gemeinden(durchschnittlich 1000 Einwohner) sahen wir einStückSchulreform: Besondere nagelneu« Schulen sür die unteren Bolksschuljahrgängc, und ein« gemeinsame groß« Zentral- Ml« für die obere» Klage». Wann werden wir in Preußen so weil sein, das Elend der ein- klassigen und halbtagsschulsystem« aus diese Art zu beseitigen? Am gleichen Nachmittag besichtigten wir noch einig« typische Bauern- und Husmannshöf«. Di« letzteren waren Neusiedlungen. Eine volkstümlich« Persönlichkeit Fünens ist der sogenannte Cheoeraulettebauer, nach seinem eleganten Kraftwagen so benannt, Paul Fredrik Jensen in Hordebeck. Er ist M i t g l i e d d e r Sozialdemokratischen Partei und sitzt 25 Jahre in seinem Hof«. Cr hat auf eine Besitzung von 28 Morgen, allerdings guten Boden, 52 Schweine, 1 Stier, 9 Milchkühe, 4 Fersen, eine Hühner- sarm usw., und bewirtschaftet das mit seiner Frau, zwei Töchtern (22 und 13 Jahre alt) und einem Knecht. Im letzten Jahr hat er 138 selbst gefuttert« Schweine an die Schlächterei geliefert. Seine beste Kuh liefert 4635 Kilogramm Milch im Jahr, hat 4,75 Proz. Fettgehalt und liefert 274 Kilogramm Butterfett. Im Stannrchuch ist als beste Kuh früherer Zeit mit 5040 Kilogramm Milch, 4,13 Proz. Fett und 233 Kilogramm Butterfett verzeichnet und ein« Kuh nnt 4246 Kilogramm Milch, 4,64 Proz. Fett und 222 Kilogramm Butter- fett verzeichnet. Der Durchschnitt der Leistungen seiner Kühe ist 4242 Kilogramm Milch, 4,24. Proz. Fettgehall und 232 Ktlogramm Butterfett. Er wies uns aus semer einfachen aber übersichtlichen Buchführung folgendes vor: 1928 Einnahmen: Mstch.«»-lAWtz.AW, Schwein«........,, Rindvieh,,........ Eier..»-».».»ZW Verschiedenes Persönlicher Verbrauch...., Deckgelder......... Verbrauch an eigenen Produkten. 4 851,85 Kronen zusammen 1928 Ausgaben: Rückkauf von Magermilch.... Reparaturen........ Samen, Dünger....... Versicherung........ Steuern.......... Telephon, Tierarzt...... Gekaufte Kuh........ Gekaufte Ferkel<...... Löhne (älteste Tochter 400)) (zweite Tochter 300) J (Knecht 1230) j Zinsen........■■■ . zusammen Nettoüberschuß im Jahre 1928:.. 17 042,68 Kronen 3 775,73 Kronen Der Ueberschuß geht entweder auf die Genossenschafts- fparkasfe oder dient der Erweiterung des Betriebes. Bauer Jensen hat das Anwesen 1904 mit 6 Morgen Land übernommen, die übrigen 22 Morgen 1908 und 1913 gekaust. Jensen übt solgende Fruchtfolge: 3 Jahre Gras, dann 1 Jahr X Rüben, M Hafer, 1 Jahr Weizen, 1 Jahr Rüben, 1 Jahr Gerste, 1 Jahr Rüben, 1 Jahr Weizen. Er oerwendet nur für Rüben künstlichen Dünger, sonst Stallmist. In einer Garage stehen das Auto und 7 Fahrräder der Familie und des nKechtes.(Bei einem Begräbnis in der Nähe des Kranken» «rholungsheims sahen wir etwa 15 Autos schlichter fünenscher Landwirt«, allerdings sehr alte Wagen dabei, das Fahrrad ist in jeder Familie in Stadt und Land mehrfach vertreten.) Man mag nun zugeben, daß dieser Landwirt halb Schweine- mäster ist, was er auf einer Stelle von 28 Morgen«rreicht, ist aber für viele Landwirt« mit Wirtschaften gleicher Größe hier erreichbar. In diesem Ort sind 45 n e u e Husmannsftellen je 22 Morgen aus einem Rest gut entstanden. Das Hauptgebäude ist als Entbindungsheim für uneheliche Mütter umgestaltet worden, in dem sie 6 Wochen vor und nach . der Geburt Zuflucht finden.' Wir besuchten noch mehrere Wirtschaften der neuen Husmänner: Bei dem einen mehr Schwein«, bei dem andern mehr Rindvieh, fast überall di« große Hühnerfarm, aber überall ein außerordentlich starker Liehbestand. Ueberall blitzsaubere Wirtschaften, gute Ge- müseonlagen, prächtige Blumen- und Schmuckgärten vor dem Hause, die Funkantenne auf dem Dach, Radio und Bibliothek im Hause und eine Häuslichkeit und einfache Gediegenheit in den drei Wohn- bzw. Schlafzimmern und in der Küche, die in Ostelbien Deutschlands im Durchschnitt nie erreicht wird. Gewiß sind die Verhältnisse der dänischen Inseln Fünen, See- land usw. mit deutschen Verhältnissen nicht ohne weiteres vergleich- bor. Der dänische Husmann oder Siedler bearbeitet hier rund 5 bis 6 Hektar gleichmäßig guten Bodens, der Siedler braucht 4000 bis 6000 M. der Kosten der Stell« nicht zu verzinsen, er erhätt jederzeit Kredite zu höchstens b'A Proz., er zahlt weniger Abgaben und Lasten, und er ist zu genossenschaftlichem Denken und intensiver 'Wirtschaftsweise geschult. Männer wie Frauen erweisen sich fast regel- mäßig auch in ollen kleinen Wirtschaften als frühere Besucher von Landwirtschafts- oder Volkshochschulen. Unter gleichen Vor» aussetzungen würde auch die deutsche Landwirt- s ch a f t gleiche oder gar bessere Ergebnisse zeitigen. Zu beachten ist auch, daß der dänische Export nach England sehr groß ist. Aber lernen könnt« die deutsche Bauernschaft und insbesondere di« In- Haber der landwirtschaftlichen Kleinbetriebe unendlich viel von den dänischen Husmännern und Bauern, die gemeinsam mit der dänischen Arbeiterschaft ohne Schutzzoll di« Land- Wirtschaft auf diese Höhe gebracht haben. Gehören doch hier di« Husmänner zur Hälfte der radikalen Bauernpartei, zur andern Hälfte der Sozialdemokratie an, und in jedem Husmanns- haus findet man neben dem genossenschaftlichen Fachblatt und der Fachliteratur die große politische sozialdeinokratische oder radikal« Tageszeitung. Als wir einmal über den Bücherfchatz eines Mein- 1 dauern erstaunt waren, erwiderte dieser ernst:„EinBauermuß s lesen." Max Simon, M. d. L. Ein Zar wird zum Tode verurteilt Die Nihilistenanschläge auf Alexander II. Wie tief auch die nihilistische Bewegung im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts in die innere Geschichte Rußlands ein- gegrisfen hat, so ist sie doch der heute lebenden Generation kaum mehr dem Namen nach bekannt. Und doch standen die Zaren Alexander II. und Alexander III. unter dem Druck dieser mächtigen, ungreisbaren Verbindung, die ihre Fäden bis in die unmittelbare Nähe des Tranes zog und deren Bedeutung erst abnahm, als unter Nikolaus II. die stets stärker werdend« Arbeiterbewegung einsetzte. Der bekannt« russisch« Schriftsteller Iwan Turgenjew nahm den Ruhm für sich in Anspruch, das Wort Nihilisten geschaffen und durch seinen im Jahr« 1862 erschienenen Roman„Väter und Söhne" in den europäischen Sprachschatz eingeführt zu haben, aber wenn auch Herzen behauptet, daß schon in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einige russische Revolutionäre, vor allem B a k u n i n, ebenso echte Nihilisten gewesen seien wie B a s o r« w, der Held des genannten Turgcnjewschen Romans, so ist dach erst unter Alexander II. die nihilistische Bewegung in die Geschichte Rußlands eingetreten. Das älteste ofsiziell« russische Dokument über den Nihilismus ist eine im Jahre 1875 vom damaligen Justizininister Grafen P a h l e n sür den Zaren, de» Thronfolger und die höchsten russischen Würdenträger bestimmte Schrift über die Ziel« einer geheinten, den Staat untergrabenden Gesellschaft. In dieser Denkschrift werden zwar die Absichten der Nihilisten ziemlich zutreffend geschildert, sie selbst werden aber nicht als„Nihilisten-, sondern als Revolutionäre und Anarchisten bezeichnet. Aus diesen Kreisen wurde am 25. Juli 1879 das Todesurteil gegen Kaiser Alexander II. gefällt, vm dein hier die Rede sein soll. Wer sich noch erinnern kann, den Kaiser in jener Zeit gesehen zu haben, wird den Eindruck, den dieses Bild in ihm hervorrief, nicht vergessen können. Wenn di« hohe, früh ergraut«, etwas nach vorne gebeugte Gestalt mit dem ewigen Husten und der sphlen Gesichtsfarbe langsam dahinschntt, gefolgt von den in lange rote Mäntel gekleideten Tscherkessen, so verriet nicht nur der unsichere Gang, sondern auch das ängstlich umherspähend« Auge di« Sorge des um sein Leben bangenden Kaisers. Wie sich später Alexander III. nur in Kopenhagen, der Heimat feiner Gemahlin vor Mordanschlägen sicher fühlte, so glaubte Alexander II. nur auf Schloß Heiligen- b e r g bei Darmstadt, wo seine Gemahlin geboren war, Ruhe finden zu können. Angst und Furcht verfolgten ihn aber auch hierhin, in der Stille der Nacht meint« er Schotten vor seinem Bett« zu sehen, dann sprang er stöhnend auf und begab sich in den Part des Schlosses, in dem er stundenlang einsam umherwandelt«, ohne daß sich ihm ein Diener nähern durfte. Es war die Zeit, in welcher der Nihilismus in Rußland an Boden gewann und von der Theorie zur Tot überzugehen beschloh. Zu Beginn des Juli 1879 fand zu Lipezk-Woroncsch der Nihi- listenkongreß statt, auf dem die Forderungen aufgestellt wurden, die dem Zaren zur Annahme unterbreitet werden sollten. An die Spitze der Bewegung trat« damals SR ich« lief f, Scheljabeff und vor allem Sofia Perowskaja, feuriger und entschlossener als di« Männer, die mit ihr zusammenwirkten. Ihr Organ war die„N a r o d n a j a W o l j a"(Der Volkswillc), und ihre For- derungen waren: allgemeines Wahlrecht, Glaubens-, Presse-, Rede-, Versamnrlungs- und Vereinsfreiheit, eine Volksvertretung, Ab- schaffung des Heeres(man stand noch unter dem Eindruck des im Jahr« vorher verlorenen russisch-türkischen Krieges!), volle Selbständigkeit der Gemeinden. Zuweisung von Landbesitz an die Bauern und Anteilnahme der Arbeiter an den Erträgnissen der Fabriken und Werkstätten. Dieses Programm wurde dem Zaren zugesandt, der di« Ge- nehmigung auch nur eines Teiles desselben rundweg verweigerte. Daraufhin fand am 25. Juli 1879 eine Sitzung des Exekutiv- k o m i t e e s der russischen Nihilisten statt, welches den Zaren zum Tode durch Dynamit verurteilte. Von diesem Urteil setzt« man Alexander II. in Kenntnis, und nun versteht man, daß er nachts keinen Schlaf mehr finden konnte, und daß ihn auch bei Tage die Angst nicht mehr verließ. Wenn er in den Parkanlagen seiner Schlösser neben der Sänfte der schwer lungenleidenden Kaiserin einherging, so ging an der anderen Seite der greise Leibarzt der Kaiserin, Boitin, von dem sich di« Mitglieder des kaiserlichen Hauses einander zuflüsterten, daß er das Haupt der n i h i l i st l- scheil Verschwörung am Hose sei. Es darf nun nicht verschwiegen werden, daß Alexander II., der als liberälisiereirder Herrscher seine Regicrungszeit begonnen hatte, im Laufe der Jahre immer mehr zum unbeschränkten Selbst- Herrscher wurde. Selbst echte Patrioten und Anhänger des Kaisers zweifelten an der Ehrlichkeit seiner Absichten, da die Regierung theoretisch zwar in die Bahnen eines modernen Rechtsstaates ein- letzte, praktisch aber das alte harte Rechtssystem mit feinen Hin- richtungen und Verbannungen beibehiett, und der Kampf gegen das freie Denken auch dann fortgefetzt wurde, als die berüchtigte und gefürchtet«„dritte Abteilung von Seiner Majestät eigener Kanzlei" im Jahre 1880 ausgehoben worden war. Das Todesurtell gegen den Zaren war ausgesprochen worden — jetzt schickten sich die Nihilisten an, es zu vollstrecken. Zwei An- schlüge verfehlten ihr Ziel, beim dritten Mal« wurde der Kaiser getötet. Das erste Attentat fand bereits am 19. November 1879 statt, als Alexander sich auf der Fahrt von Livadia in der Krim nach Petersburg befand. An drei Stellen: bei Odessa, bei Alexan- drowsk und Moskau war der Bahnkörper unterminiert, um den Zaren nicht zu verfehlen. Da der kaiserliche Zug Odessa umging. so wurde die Min« dort nicht ausgebaut, bei Alexandrowsk erplo- vierte die Mine nicht, so daß der Zar über den Abgrund hinweg- fuhr, ohne Schaden zu nehmen, und bei Moskau wurde von der Perowskaja ein dem kaiserlichen Zuge vorausfohrender Zug als der des Zaren bezeichnet, so daß sich die Mine unter diesem ent- Aüöbrte. fTnulf'---- rn fT'mtlmS vü*>iirsfiw*ig otj oer s* Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H, Baden-Baden (26. Fortsetzung.) „Glaub' nicht, baß ich den Helden spielen will, Mike. Ich sterbe ungern. Mein ganzes Ich lehnt sich gegen den Gedanken des Todes auf. Ich möchte noch lange leben, kämpfen, den Sieg des Pro- lctariats schauen. Und mein Körper schaudert bei dem Gedanken an den elektrischen Stuhl. Abend für Abend, wenn in der Zelle das trübe Licht brennt, sehe ich seinen Schatten an der Mauer, fühle die Riemen, die mich festhalten. Aber inmitten der körperlichen Angst tröstet mich das Gefühl: es ist ja einerlei, was mit mir geschieht. Ich bin ein einzelner, ein einziges Atom des großen Ganzen.. Mike Rosenfeld versucht« etwas zu sagen, aber die Worte blieben ihm in der Kehle stecken. Ein fast visionärer Ausdruck kam auf David Gordons Gesicht. „Ich bin nicht allein in der Zelle, Mike, wenn mein nächtlicher Kampf mit dem Grauen beginnt, bin nicht oerlassen. Gestalten kommen, Hände strecken sich mir helfend entgegen. Ich sehe die Ge- nassen, die in der ganzen Well Opfer des Klassenkampfes geworden sind. Sie kommen aus ihren Gräbern im blutbefleckten weißen Ungarn, aus den Folterkammern Rumäniens, Bulgariens, aus den Kerkern der Deutschen Republik. Schlichte, einfache Seelen, die nur eins kannten, die Befreiung des Proletariats. Und sie sprechen zu mir, sagen:.wir sind tot, aber das Proletariat lebt, und seine Sache ist unsterblich'. Die Gefangenen sagen:.wir leiden im Kerker, aber draußen in der Freiheit schmiedet das Wellproletariat die Waffe, die unsere Fesseln zerschlagen wird'. Und Tote und Lebendige sprechen:.auch du gehörst zu uns, David Gordon. Sei unser würdig'." Die letzten Worte waren zu einem Flüstern herabgesunken. David Gordons Augen schienen in die Ferne zu dringen. „Einer unserer Genossen hat in einem Gedicht die Gefühle eines politischen Gefangenen vor der Hinrichtung geschildert. Eine Stelle darin liebte ich immer besonders:.Er sieht die Komintern über die Erde schreiten...' Auch ich sehe sie, Mike, gewaltig und immer gewaltiger werdend. In Nacht, Grauen und Blut hat sie ihren Siegeslauf angetreten, dem Morgen entgegen. Nichts ver- mag sie aufzuhalten, bis sie ihr Ziel erreicht hat." Er schwieg, lachte dann, fast oerlegen über seinen unvermittelten Gefühlsousbruch. „Verzeih. Mike, ich phantasiere. Aber ich wollte dir nur klar- inachen, daß mein Tod für euch keinen zu harten Schlag bedeuten darf." Mike Rosenseld nickte stumm und verließ bald daraus den Freund. Nun lag David Gordon im Dunkeln auf der Pritsche und dachte nach. Noch neun Tage. In dieser kurzen Zeit können die Freunde nichts erreichen. In wenigen Tagen wird er wohl nach Columbus geschafft werden. Es muß eine merkwürdige Fahrt sein, deren Reiseziel der Tod ist. Und dann am letzten oder vorletzten Tag die Uederführung in das Totenhaus. Er kannte alle Einzelheiten genau, waren sie doch im Falle Sacco-Vanzelli von der Presse ausführlich berichtet worden. In der Nacht, gegen Morgen, werden Männer in seine Zelle kommen, ihn in den Raum führen, wo der elektrische Stuhl steht. Und dann, wenige Minuten später wird die gleiche Kraft, die ihn getötet hat, die Botschaft in olle Welt entsenden: „David Gordon wurde hingerichtet!" Er schrak auf. Durch das hohe Gitterfenster drang plötzlich« Helle herein. Was war das? Ein Scheinwerfer? Nein, die Helle hielt an, wurde stärker, hatte eine seltsam rötliche Färbung. Und nun drang auch durch die Ventilation ein merkwürdiger Geruch in die Zelle; es roch nach Petroleum und Brand. Die Nacht war klar, ein leichter Wind wehte aus der Richtung, in der sich das Zeltlager der Streiter befand. David Gordon lief ein kalter Schauder über den Rücken. Irgendwo war eine gewaltige Feuersbrunft ausgebrochen. Plötzlich trieb der Wind nicht nur den Brandgeruch in die Zelle, sondern etwas noch weit Schaurigeres: gellende Schreie. Laute verzweifelter Angst, ein fast tierisches Gebrüll. Was konnte geschehen sein? Hilflos, von entsetzlichem Schrecken gefoltert, schnellte der Gefangene auf, rannte ein paarmal in der Zelle planlos umher, versuchte dann vergeblich, bis zum Gitter- senster hoch oben in der Mauer zu klettern. Die furchtbaren Schreie hielten an: der Brandgeruch wurde stärker. Schließlich ertrug David Gordon die Spannung nicht länger. (Fortsetzung von der I.Seite.) Der zweite Anschlag fand am 5. Februar 1880 im Winterpalais in Petersburg statt, in dem jener Teil, in dem sich die kaiserlichen Gemächer befanden, unterminiert war. Dies« Mine sollte auffliegen, wenn Alexander II. mit einem sürstlichen Gaste, der damals bei ihm weilte, den Speisesaal betrat, und tatsächlich eplodierte die Mine auch zur festgesetzten Sekunde. Da der Fürst sich aber uni wenige Minuten verspätet hatte, so war der Zar erst am Eingang« des Saales angelangt, als er unter grellem Feuer- schein und mit furchtbaren! Getös« die prunkvolle Tafel in die Luft stiegen und und den Saal in sich zusammenstürzen sah. Erst das dritte Attentat gelang, am 13. März 1881, als an der Kasanschen Brücke, die über den Katharinenkanal in Peters- bürg führt, dem Zaren, der von einer Truppenbesichtigung zurück- kehrte,«ine Bombe vor die Füße geschleudert wurde, und ihn fast unmittelbar tötete. Er konnte zwar noch in das nicht weit ent- fern!« Winterpalais gebracht werden, starb aber dort bald nach seiner Ankunft. Unter denen, die als Mitschuldige an der Ermordung des Zaren wenige Wochen später gehenkt wurden, befanden sich auch Michailess, Schelbajeff und Sofia Perowskaja. Nach dem Tod« Alexanders II. ist die Nachricht verbreitet worden, er habe am Tage vor seiner Ermordung«inen Ver- fassungsentwurf unterzeichnet, mit der Bestimmung. denselben am nächsten Tage zu veröffentlichen. Diese Nachricht ist falsch. Als nämlich kurz vor seinem Tode der deutsch« Kaiser Wilhelm I. ihn fragt«, ob die Gerüchte, die in Berliner politischen Kreisen oerbreitet seien, er wolle den Rusien«ine Verfassung geben. aus Wahrheit beruhten und ihn zugleich vor dem Erlaß einer Ver- fassung warnte, versicherte Alexander II. ihm in einem eigenhändigen Briese, daß er niemals daran denken werde, eine Verfassung zu unterA-ichnen. Dr. �a r l H a u ck. Cr stürzte zur Tür hin, hämmerte mit den Fäusten auf sie los, schlug mit den Füßen gegen den erbarmungslosen Stahl, der ihn von der Außenwell trennte. Nach einigen Minuten kam ein Wärter gelaufen und betrot die Zelle. „Was wollen Sie denn? Weshalb machen Sie so einen Teufels- lärm? Sehnen Sie sich vielleicht nach Dunkelarrest?" herrschte er den Gefangenen an. Aber David Gardon merkte dennoch, daß sogar der Wärter blaß und oerstört war. „Was ist geschehen?" fragte er atemlos.„Wer schreit so furchtbar?" „Das Zelllager brennt!" Und wie vän plötzlichem Ekel erfaßt spuckte der Wärter aus und sagte heiser: „Ein Mord genügt ihm scheinbar nicht. Auch die Frauen und Kinder müssen daran glauben. Das Zelllager brennt!" * In der dunklen Nacht leuchtete und loderte ein Feuermeer. Mit Petroleum getränkt« Zell« brannten lichterloh. Niemand wußte, wie die Feuersbrunst entstanden war. Di« Streiker schliefen bereits in den dunklen Zelten, als plötzlich ein gellender Schrei die Luft zerriß: „Feuer! Feuer!" Halb bekleidet stürzten die Menschen aus den Zelten und sahen vor sich das Flammenmeer. Der Wind trieb die Flammen weiter, ein Zelt noch dem anderen loderte auf. Eine wilde'Panik entstand: in der Dunkelheit verloren hie Menschen den Kopf, rannten schreiend planlos hin und her..... Frauen wurden ohnmächtig, Verletzte stöhnten, Zelle fielen zusammen und begruben unter der flammenden Leinwand ver- zweifelt brüllende Menschen. Von der Stadt her kamen Leute im Auto, aus Rädern, zu Fuß. Die Signalhupe der Feuerwehr gellte schaurig durch die Nacht. Als John Calmer zusammen mit den Ballons, den Halls und Brian O'Keefe das Zeltlager erreichte, standen nur noch drei Zelte, aus denen dichter grauer Rauch wie Wasser strömte.> Die Zeltbewohner drängten sich um die Mitglieder des Ver- teidigungskomitees. „Kein Mensch weiß, wie die Feuersbrunst entstanden ist!" jammerte eine Frau, die ein halbnacktes Kind in den Armen hiell. „Kein Mensch!" höhnte ein Mann mst einer großen roten Brandwunde im Gesicht.„Einige dürften es wissen. Die Zelte sind mit Petroleum begoßen und dann in Brand gesteckt worden." John Calmer wies auf eins der noch stehenden Zelte. „Sind die Menschen aus diesen Zelten gerettet?" Ein Aufschrei war die Antwort. „Um Gottes willen, das Ashkeigh-Baby!" kreischte«ine Frau. „Ich hatte es, wie immer, für die Nacht zu mir genommen. Aber ich habe selbst vier kleine Kinder und in der Angst dachte ich nur an sie..." John Calmer lief vor. Brian O'Keefe wollte ihn zurückhalten. „Das Kind ist in dem Rauch längst erstickt, Calmer." „Das kann man nicht wissen. Lassen Sie mich los, O'Keefe. Ein Kind, wenn ich an die meinen denke... In meinen ärgsten Tagen habe ich die Kinder geschont..." Er riß sich los, erreichte laufend das Zell, verschwand in den Rauchschwaden. O'Keefe, Ben Hall und Martin Bolton folgten ihm bis zum Zelt. „Er kann das Kind in dem Rauch nicht finden!" rief Ben Hall. „Wir müsien verfuchen, die Pfosten zu hatten, damit das Zelt nicht über ihm einstürzt," sagte Martin Bolton. Das war keine leichte Aufgabe. Der Rauch blendete die drei Männer, drang ihnen durch die Nase in die Kehle, ließ sie sast er- sticken. Mamie Bolton kam herbeigerannt. „Wir müssen ihn rufen," erklärte sie.„Vielleicht findet er in dem Rauch den Ausgang nicht." Das war möglich, denn der Rauch hing wie ein undurchdring- licher Vorl>ang vor dem Auegang des Zeltes. Vier angstvolle Stimmen riefen: „Calmerl Calmer! Hierher! Hierher!" Eine erstickte Stimme tönte heraus. „Gleich, mein Gott, ich sehe überhaupt nichts! Kann das Kind nicht finden!" „Mamie, halte den vierten Pfosten!" befahl Martin Bolton. „Das Zelt schwankt furchtbar." Manne gehorchte. Ein« angsterfüllte Minute verging. „Calmer!" schrie O'Keefe so laut er konnte.„Kommen Sie sofort heraus. Das Kind ist längst tot." Keine Antwort. In diesem Augenblick schoß eine riesige Flamme aus dem Zelt, die mit Petroleum getränkten Bolzen fingen Feuer. Dos Zelt fiel zusammen. Mamie Ballon rannte schreiend nach der Stelle, wo die Feuer- wehr arbeitete. Nach etwa einer Viertelstunde gelang es, John Calmer aus dem brennenden Zelt zu befreien. Er war furchtbar zugerichtet, aber er lebte noch. In den Armen hielt er ein kleines totes Kind. Einer der Aerzte, die sich eingesunden hotten, warf einen Blick auf John Calmer und erklärte dann flüsternd: „Es hat keinen Sinn, ihn zu transportieren. Würde ihm nur unnötige Schmerzen verursachen. Er hat keine halbe Stunde mehr zu leben." Der Exeinbrecher und Exspitzel wurde auf eine Matratz« ge- bettet und zugedeckt. Er litt furchtbare Schmerzen und stöhnte kläglich. „Aber das Kind ist gerettet, nicht wahr?" fragte er angstvoll. „Ja," log Mamie Bolton tapser, während ihr die Tränen über die Wangen liefen.„Ja, Genosse, Sie haben es gerettet." John Calmer oersuchte zu lächeln. „Dann ist alle« gut... Kinder, nein, Kinder konnte ich nie leiden sehen... Sorgt gut für die Kinder in der neuen Well, die ihr aufbauen werdet... und denkt an die meinen..." Er stöhnte laut, sein Geist oerwirrte sich Unzusammenhängende Worte kamen aus seinem Mund. (Fortsetzung folgt.! WAS DER TAG BRINGT. miiammiinmmmuiimnimnifflmmniunmnmiuEmRnimnramuimiitni Wochenstube im Zoo. Interessante Einblicke in die Fortpflanzungs- und Aufzuchts- sitten der Tierwelt gibt E. G. Boulenger, der Direktor des Londoner Aquariums, in einem englischen Blatte. Die Zahl der Familien- gründungen, die ein Tier während seines Lebens vollziehen kann, ist, besonders bei den Säugetieren, abhängig von seiner Größe. Eine Maus ist z. B. schon im Alter von 6 Wochen befähigt, eine Nachkommenschaft in die Welt zu setzen, während der Elefant das heiratsfähige Aller erst mit 25 Jahren erreicht. Aber der Elefant behält seine Zeugungskraft bis in die sechziger Jahre hinein, während die kräftigste Maus nach wenigen Iahren erschöpft ist. Doch in dieser kurzen Zeit nimmt sie ihre Elternpflichten um so eifriger aus. So setzt eine ägyptisch« Mäuseart olle drei Wochen etwa ein Dutzend Nachkommen in die Welt und fährt mit dieser Tätigkeit während fünf Iahren unermüdlich fort. Hunde, Schafe, Ziegen. Zebras, wilde Esel und Antilopen hallen auch im Zoologi- schen Garten mit großer Regelmäßigkeit ihre Wochenstube ab. Auch die größten Vertreter der Pflanzenfresser. Giraffen und Flußpserde, erfüllen ihre Elternpflichten in der Gefangenschaft sehr gut. So kamen im Jahre 1836 vier Giraffenarten in den Londoner Zoo. von denen und deren Nachkommen 17 Abkömmlinge geboren und groß- gezogen wurden. Seit der Einführung des künstlichen Sonnen- lichtes im Zoo ist man zu noch günstigeren Zahl«» gelangt. Als eine sehr vorsorgliche Mutter beweist sich auch Frau Nilpferd. Als man ihr zur Ausstattung ihrer Wochenstube einige Bündel Stroh brachte, nahm sie sie ins Maul, trug sie an ihren Trinktrog, wo sie sie gut durchfeuchtete, um sie dann auf dem Boden auszubreiten. Da ihr Baby auf dem Lande geboren wurde, so beabsichtigte die Mutter zweifellos mit dem Nässen des Strohs dem Jungen ein den heimatlichen Lebensbedingungen oernKindtes erstes Heim zu schaffen: denn in der Freiheit geborene Tiere erblicken zuerst die Well in einem aus nassem Röhricht bestehend«» Nest am User eines Ge- wäsiers. Da» neugeborene Nilpferdbaby wird unter dem Wasser gesäugt. Wenn das Baby wieder auftauchen will, hebt die Mutter es mit ihrem Kopf empor. Die Geburtsziffer vieler Tierarten ist in der Gefangenschaft erhöht worden. So kann eine Berkshire-Sau 14 Junge in die Welt setzen, während bei den wilden Arten der Wurf nur drei oder vier beträgt. Viele Tiermütter zeigen sich in der Gefangenschaft mcht befähigt oder nicht gesonnen, ihre Jungen selbst zu nähren. Deshalb werden häufig die jungen Löwen, Giraffen oder Flußpferd« mit der Flasche großgezogen. Bisweilen werden auch„Ammen" engagiert: so werden die Wolf, und Schakal- babys fast stets der Obsorge einer bestimmten Art von Collies an» vertraut, bei der sie gut gedeihen. Geschäft und Nächstenliebe. Nach den letzten Erdbebenkatastrophen in Argentinien suchte ein Teil der obdachlosen Flüchtlinge Schutz in den Schlafwagen, der Pazifitbahn. Die Zweigverwaltung der Pazifikbahn in San Rafael in der argentinischen Provinz Mendoza hat daraufhin die unter- gebenen Dienststellen angewiesen, von allen, die in den Schlafwagen der Gesellschast Schutz gesucht hatten, je Nacht 5 Pesos Uebernach- tungsgebühr einzuziehen! «MISMUIMMNIIIUIINIiMlMlMlIMNIIIIIIIMIMIIIIIIIIIIIMIIMMIIMIIINMIIMIM» Ein Grab und ein Esel. Wir Deutschen hoben Gemüt, und das ist schön. Es zeichnet uns aus und kennzeichnet uns gleiGzeitig. Wenn wir aber, was ge- legentlich oortommen soll, im In- oder Auslande Laute begegnen, die das Gefühlsduselei oder so ähnlich nennen, sind wir gewöhnlich tief gekränkt. So erging es auch einem deutschen Touristen unlängst in Tirol. Auf seiner Wanderschaft kommt er an einem Zaun vorüber. der di« Inschrift trägt:„Zutritt verboten". Hinter dem Zaun ist ein frisch ausgeworfener Hügel zu sehen, und unser Tourist ver- mutet, daß hier ein einsamer Wanderer vom Tode überrascht und von den Arbeiten! eines in der Nähe befindlichen Neubaus bei- gesetzt wurde. Gerührt nimmt er sein Taschenmesier zur Hand, schabt die Inschrift:„Zutritt verboten!" aus und schreibt folgenden Vers auf das Brett: „Hier in dieser Grabeshöhle Ruht ein heimatloser Wandrer— (Oder war's vielleicht ein andrer?) Bruder bei' für feine Seele!" In traurige Gedanken versunken, setzt der Tourist seinen Weg fort, als«r aber nach einiger Zeit wieder an der Stelle vorüber kommt und sein Marterl betrachten will, muß er unter seinen Versen folgendes lesen: „Hier begraben dummes Luder, Liegt ein Esel— war's dein Bruder?" Weniger Rundfunkhörer. Während am>. April 1929 die Zahl der Rundfunkteilnehmer in Deutschland 2837 894 betrug, stellt« sie sich am 1. Juli auf nur 2 826 628 und ist somit um 11266 zurückgegang«». Dieser im Sommer bisher regelmäßig beobachtete Rückgang wurde in früheren Iahren durch den Teilnehmerzugang ausgeglichen, den die Er- fchließung neuer Rundfunkgebiete mit sich brachte. Nachdem aber der Ausbau des deutschen Rundfunksendenetze« vorläufig beendet ist tritt der Rückgang der Teilnehmerzahlen in den Sommermonaten in diesen! Jahre zum ersten Mal« in Erscheinung Freude, die tötet. Ein pensionierter Lehrer in Paris hatte eine Operette„La femroe muette" geschrieben und vergeblich bei einer ganzen Reihe von Bühnen eingereicht. Er war schon ganz verzweifelt, als schließ- lich doch das Theater in Toulon das Stück annahm. Man verheim- lichte ihm, um ihn nicht zu sehr aufzuregen, den Tag der Auf- führung. Als er aber dann plötzlich ein Telegramm erhielt, das ihm einen vollen Erfolg seiner Operette mitteilte, fiel er. vor Freude vom Schlag gerührt, tot um. Unbekannte Schubert-Manuskripte. In der französischen Gesellschast für Musikwissenschaft wurde mitgeteill, daß in der Bibliothek des Pariser Konservatoriums unter dem Nachlaß des verstorbenen Pariser Musitschriftstellers Malherbe auch einige bisher unveröffentlicht« Manujkript« Franz Schuberts aufgefunden wurden. / tJh&rfurwloJflLel CS» Der RAST ist nah! Sonntag, 18. August. wenige Tage trennen noch von dem großen Aufmarsch der Berliner Zlrbellersporller in den Rehbergen. Eifrig wurde in den vereinen gerüslel. Turner und Schwerathleten sind mo- bil. Die Beteiligung an den leichtathletischen Darbietungen ist über Erwarten groß. Tennissp ortler aus FTGB. und Tennis-Rot marschieren zu einer Anzahl Freundschaslssplelen aus den vier Tennisplätzen aus. Gymnastische Hebungen bringen die Sportlerinnen und Sportler der Arbeilersportschule des 1. Kreises und der Bewegungschor der FTGB.: daneben treten Ar. beitcrjugend, Ralurfreunde und proletarischer Volkslanztreio mit Volkstänzen und' Spielen in Erscheinung. Handball- spiele sind nicht weniger als neun angesagt. Die Radfahrer zeigen Schulreigen. Aarbenreigen und Kostümreigen der Arauen, sowie einen Kunstreigen der Männer, So wird schon das rein sportliche Programm ein buntbewegtes Bild b'eten, dessen Eindruck noch erhöht wird durch das Treiben der Jugend und der Kinder auf allen Plätzen der großen Voltspark- anlogen. Und um dieses Farbenreiche im Volksfest der Sportler zum Rast geht es insbesondere, denn erst dadurch wird dos bewegliche, nie zur Ruh« kommende und damit vorwortsstrebend« Element in unseren Arbeitersportlern klar gekennzeichnet. Einen Austokt geben dazu auch die W e r b e a u t o s, die am Sonnabend in den nörd- lichsn Stadtteilen der Riesengemeinde fahren werden. Der F e st- ausmorjch selbst, der um 14 Uhr vom Leopoldplatz abgeht, findet die stärkste Beteiligung aller bundestreuen Arbeitersportler. Füns Jahre Rost waren zumeist charakterisiert durch kommu- nistisch« Werbung für Rot-Front und„Rote Fahne". Fünf Jahre Fraktionswühlerei kommunistischer Fanatiker verwirrten die Köpfe und zerstörten dos Vertrauensverhältnis zwischen Funktionären und Mitgliedern. Di« neugcfestigte Arbeitersportbewegung ruft jetzt zum ersten Mole zu öffentlicher Demonstration. Da wird niemand beiseite stehen wollen; darum nochmals: Aus zum Rast! Die frihtmller beim RAST. Leipzig gegen Berlin. Mit Zustimmung des Kartellvorstandes wurde die sehr spiel- starke Sachsen-Mannschaft aus Leipzig verpflichtet, die gegen die Berliner Städtemanirschoft kämpfen wird. Die Berliner stehen hier vor einer sehr schweren Aufgabe, zählen doch die Sachsen zu den spielstärksten ihres Kreises. Bei den Spielen um die Meisterschaft des 3. Kreises gab es immer schwere Kämpfe; der Kreismeister Leipzig-Stötterig sowie der mehrfache Bundes- meister Dresdener Sportverein fürchteten gerade diese Mannschaft. Wenn die Leitung der Spielvereinigung des 1. Kreises sich die Sachsen verpflichtet hat, so aus dem Grunde, der Berliner Arbeiter- Fußballgemeind« guten Sport zu zeigen. Die Mannschaften stehen sich in folgender Ausstellung gegenüber: Leipzig: Drüne Hose, weißes Hemd. Rieoleizig W-lzig Walter Wittig Saupc Böttger II Hoffmann Kirsten Richter Böttger I Schmelz Kladeßki RUck'arth lScrmani«) tWeißmlce) Itrael (Sicht) Krenzin (Germania) Röß Wcidauer Müller (Butab)(Lichtenberg I)(Eisenlpalterei) »ennig Licht (Luckenwalde I)(Luckenwalde II) Schloßhauer (Luckenwalde II) Grübelt (Weißense-) Berlin: Weiße Hose, rote, Hemd. Quer durch Zchlcndorf. Das Kartell für Arbeitersport und Körperpslege in Zehlcndors veranstaltet im Rahmen des RAST, morgen. Sonnabend,«in« W e rb e o e ra n st a l tu n g, die den Höhepunkt im Straßen- lauf„Quer durch Zehlendorf" bildet. Der Start ist um lg Uhr in der Karl- Ecke Machnower Straße, dann geht der Weg durch die Hauptstraßen Zehlcndorfs zum Sportplatz in der Spandauer Straß«. Auf dem Sportplatz findet ein Fußballspiel sowie Vor- führungen der Sozialistischen Arbeiterjugend und der Kindcrfreunde und Gymnastikübungen der Frauenabteilung der Freien Turnerschaft und des Sportvereins Zehlendorf statt. Mit Fackelschwingen und einem Sprechchor der Sozialistischen Arbeiterjugend und der Kinder- freunde eildet diese Veranstaltung bei einbrechender Dunkelheit. Ein« trittsgeld wird nicht erhoben. Da die dem Kartell angeschlossenen Verein« bei Festen der Arbeiterschaft stets mitwirkten, werden die Parteimitglleder sowie die Arbeiterschaft aufgefordert, die Werbeveranstaltung zu unterstützen. Nieder Berufsboxkämpfc. Nach längerer Sommerpause brachte der„Ständige Boxring" gestern abend in seiner alten Kampfftätte in der Fidicinstroße die erste Veranstaltung zur Abwicklung. Der Besuch war ausgezeichnet, der Sport jedoch konnte nicht immer befriedigen. Da« Programm war gerade nicht sehr geschickt zusammengestellt. Ein nicht ganz reguläres Ende nahm der Kampf zwischen den Leichtgewichten Jacob D o m g ö r g e n- Köln und Ez i rson- Berlin. Bei einem heftigen Schlagwechsel in der 3. Rund« sielen beide Boxer au-dem Ring. Ezirson gelang es nicht, sich innerhalb von lsi Sekunden wieder zum Kampfe zu stellen, und so wurde Domgörgen Sieger durch technischen k. o. Ein« etwas enttäuschend« Vorstellung gab der aus England zurückgekehrt« Kre- felder Krüppel, der seinen Kampf gegen den Königsberger hcl- mut Schulz zu leicht nahm. Trotzdem Krüppel in den letzten Runden voll aus sich herausging, gelang es ihm nur. ein„Unem- schieden" zu erzielen. Kracht- Hamburg, der als Ersatz für den Kölner Ensel eingesprungen war, schlug den Berliner Bolz nach Punkten. Die Schwergewichte Simon und W i g o, beide Berlin, trennten sich unentschieden, und im Oualisikationskampf zwang Vogel-Berlin den Magdeburger Holstein schon in der ersten Runde zur Aufgab«. Ruhleben verlegt! Die am IS.. 23. und 26. August in Ruh- leben angesetzten Renntage werden nach Mariendorf verlegt und als Abendrennen gelaufen. Anfang'18 Uhr. Ringkämpfe im freien Stil. Kley besiegt Favre. Der Schlußtag des Ringerwettstreits im freien amerikanischen Stil aus der Rütt-Arcna brachte nochmals sehr interessante und flotte Kämpfe. Leider steht ein Teil des Publikums dem freien Stil und seinem Reglement noch recht verständnislos gegenüber. Der Erfolg dieser in Deutschland erstmaligen Veranstaltung wird sich erst bei «mer Wiederholung ausweisen. Die angewandte Punktwertung hat sich ausgezeichnet bewährt, der Weg für kürzere und interesiantere Kämpf« ist damit gezeigt. Ein Versuch, auch bei dem nächsten griechisch-römischen Ringerwettstreit den Punktwertungsgang gleich auf die(ergebnislosen) zwei ersten Gänge folgen zu lasten, wäre zur Wiederbelebung des Ringsports von großem Wert. Pietro Scholz unterlag nach hartem, äußerst wechselseitigem Kampf mit dem besten europäischen Mittelgewichtler im freien Stil, Favre- Paris, nur ganz knapp nach Punkten 3: 2. Weltmeister Kley startete gegen den fabelhaften Schweizer Grüneisen in bester Form; diese beiden hervorragenden Gegner ergänzten sich ganz ausgezeichnet. Kley siegte im ersten Gang nach 6 Minuten durch einen mit ganzer Kraft gesetzten Hammerlock, verlor aber den nächsten Gang in der 5. Minute durch den so gefürchteten Zehengriff. Die schlangenähnliche Gewandtheit, mit der der Berliner den Punkte- gang erfolgreich mit 8; 5 beendete, war einzig. Nach einer längeren Paus« rangen Kley und Favre nochmals; diesmal im griechisch- römischkn Ringkamps um eine Sonderprämie von 1lX> Mark. Der vielversprechende Gong endete schon nach 8 Minuten mit dem Sieg des Weltmeisters über seinen alten Rivalen Favre durch einen Plötz- liehen Hüstschwung aus dem Stand. Ci. M. Um die St eher- Weltmeisterschaft Sa wall und Krewcr im Endlaut! Zwei deutsche Fahrer werden am Sonntag in Zürich im Entscheidungslaus um die Weltmeisterschaft der Steher die schwarzrotgoldenen Farben vertreten: Walter S awall und Paul K r e w« r. Die weiteren Teilnehmer sind Paillard-Frankreich, Cimart und Benoit-Belgien. Erst gegen 14 Uhr konnte der erste Vorlauf gestartet werden. 900 Zuschauer fanden sich ein, um Zeuge der Vörkämpfe zu sein. Die Geduld der Zuschauer wurde auf eine harte Prob« gestellt, waren doch dreimal IVO Kilometer zu fahren. Erst bei Eintritt der Dunkelheit waren die fünf Kandidaten am eigentlichen Rennen um die Weltmeisterschaft ermittelt. Ffokeukreur und Arbeitersport. Die blutigen Terrorakte der Nationalsoziali st«n wäh- rend ihres Nürnberger Parteitages haben zu einer stürmischen Sitzung im Nürnberger Stadtporlament geführt. Die sozial- demokratische Fraktion hat eine große Anfrage eingebracht, die den Mißbrauch der Gastfreundschaft durch die Nationalsozialisten niit Tatsachen belegt und die Sicherung gegen künftige Ueberfäll« fordert. Der Nationalsozialist holz beantwortete diese Anfrage mit Schimpfereien und verstieg sich' schließlich dazu, das Bundesfest des Arbeiter-Turn- und Sportbundes folgendermaßen zu ver- unglimpfen: „Die Arbeitersportler haben in den Schul- Häusern«in unglaubliches Benehmen an den Tag gelegt, sind nackt herumgelaufen und haben bis 3 Uhr morgens krakeelt. Unerhörte Akte ge schlechtlicher Art haben stattgefunden." Die provokatorische Rede des hakentreuzlers, in dek er noch sagte, dos Arbeitersportfest sei„ein einziger großer Saustall' gewesen, wurde von empörten Zurufen unterbrochen. Qberbürger� meister Dr. Luppe konnte mit vielseitiger Zustimmung erklären, daß ihm gerade die Hausmeister der Schulen überaus Günstiges über die Arbeitersportler erzählt hätten. Die freche Verleumdung reiht sich den übrigen„Großtaten" der Nationalsozialisten würdig an. Eübrertagung der Arbeitersport- Verbände. Vom 21. bis 23. September findet in der Arbeiterturn- und Sportschul« in Leipzig unter Beteiligung der Zentralkommissisn für Arbeitersport- und Körperpflege sowie deren Anschlußoerbände und des Ausschlusses der städtischen Sportdezernenten im Deutschen Städtetag eine Führertagung der Deutschen Ar- beitersportverbände statt, zu der auch Einladungen an die für Jugendpflege und Leibesübungen zuständigen Ministerien der Länder ergangen sind. II. a. wird das Vorstandsmitglied des Deutschen Aerztcbundes zur Förderung der Leibesübungen, Dr. Michaelis, Leipzig, leitender Arzt der Arbeiterturn- und Sporb schule, über die gesundheitliche Bedeutung der Leibesübungen sprechen, lieber das Thema„Frau und Sport" ist ein Vortrag von Dr. med. Hedwig Bergmann- Berlin in Aussicht genommen. Was die Rütt-Arena bietet. Ein Zwei st unden- Mannschaftsfahren kommt heute abend auf der Rütt-Arena unter Beteiligung folgender zehn Paare zum Austrag: Wambst-Lacquehay, Charlier-Duray, Tononi-Knappe, Ehiner-Kroschel, Kroll-Miethe, Meyer(Cheninitz)-Bragard, Groß- imlinghaus-Springborn, Tietz-Dorn, Fricke-Mnndelkow, Kedzierski- Schwemmlcr. Jede halbe Stunde finde» vier Wertungpspurts statt. Ein O m n i u m, bestehend aus Punkte- und Zeitfahren, vereint Wambst-Lacquehay und Kroll-Miethe, die übrigen Fahrer der„zwei Stunden" bestreiten ein Fliegerrennen und ein Ausscheidungs- fahren. Beginn 20 Uhr. 1. Werbesportfest beim FSV. Nach dem Muster eines hallensportfestes hat der Polizei- Sportverein für sein am Sonnabend. 31. August, auf dem Polizei-Stadion stattfindendes Werbesportfest«in recht interessantes Programm zusammengestellt. In bunter Schau wer- den Ausschnitte aus dem umfangreichen Jugend-Sportbetrieb des Vereins gezeigt. Gute Iugend-Wcttkämpfe in Leichtathletik, Hand- ball, Ringen, Jiu-Jitsu, Faustboll usw. oervollständigen das um- fangreich« Programm, das noch durch das Abbrennen eines großen Feuerwerkes, Tanz auf drei Freiflächen und sonstige Belustigungen einen recht nette« Verlauf zu nehmen verspricht. Etwas vom Fischen* Das waidgerechte Angeln auf Friedfische. Eigentlich ist es auch bei dieser Art Schuppenträger mit der Friedfertigkeit schlecht bestellt. Der große Blei z. B. nimmt als Leckerbissen sehr gern einmal kleine Samenfische. Die größere Rot- feder raubt gelegentlich sogar. Es ist sehr interessant, zu beobachten, wie sie nach Neinen Weißfischchen schnappt; Plötzen und Karpfen und auch die Quappe gehen gern an den Laich anderer Fische, um sich daran gütlich zu tun. Aber immerhin ist ihre kannibalische Eigen- schaft nicht so stark ausgeprägt wie bei den direkten Raubfischen. Dazu zählen im engeren Bereich unserer märkischen Gewässer Hecht, Zander, Rapfen, Aal, Barsch und Wels. Auch der Döbel und der Aland gehen gelegentlich an kleine Ködertiere, vornehmlich an Infekten. Der Kampf ums Dasein läßt eben in dem Augenblick, wo es um die Existenz des Lebens geht, sehr oft die Formen des Anstandes und der guten Sitten vermissen. Aber dies« Feststellung wird den Kaltblütern keine Aufregung bringen, sie werden sich in den Wechselfällen ihres feuchten Daseins immer von den Wünschen des Magens beeinflussen lassen. Der Fisch geht der Nahrung nach, sucht sie. Darum ka n n m a n nur Fische dort fangen, wo reichlicher Tisch gedeckt ist. Man muß als Angler und als Fischer wissen, welche Art Nahrung eine bestimmte Art Fische in einer bestimmten Jahreszeit bevorzugt und an welchen Stellen im Wasser solche Art Nahrung vorkommen könnte. Nur ein Beispiel. Im Monat Mai belebt an deutschen Forellenbächen die sogenannte Maifliege die bewachsenen Ufer dieser Bäche, sie ist den Aeschen und Forellen ein willkommener Leckerbissen. Der Forellenangler wird daher seine Kunst hauptsächlich mit der Maiflieg« versuchen. Im herbst nimmt die Forelle wieder gern den Regenwurm. Man wird also stets mehrere Arten Köder Startverbot am 18. August für olle veronstallungen außerhalb des Reichsarbeilerfporllages. Alle Arbeiter find im Volkspark Rehberge, keiner darf fehlen! bei sich führen müssen. Aehnlich so ist es mit dem Angeln der Fried- fische. Die Plötze nimmt im Frühjahr gern Wurm an, ebenfalls Sprock, der den Weißfischen überhaupt«in sehr beliebter Köder ist. (Sprock ist die Larve der Köcherfliege.) Einige Monate später aber nimmt die Plötze Sprock, Kartoffel und Teig. In der kühleren Zeit Teig und Kartoffel. Das Angeln mit Teig und Kartoffel ist eine Wissenschaft für sich, auch hier kann man sagen: Mancher lernt es nie. Natürlich nimmt die Plötze auch Insekten, besonders die Stuben- fliege ist ihr ein angenehmer Bissen. Gleich so machen es die Rot- feder und der Blei. Einer der beliebtesten aller mit der Angel schwer zu fangen- den Friedfische ist der Schlei. Der Schlei ist ein sagenumwobener Fisch, dem die Mythologie Heilkräfte andichtete, er bevorzugt stille, moorige Gewässer. Der Angler stellt ihm am besten in den heißen Mai- und Junitagen nach. Beim Angeln auf Friedfische empfiehlt es sich in allen Fällen Grundköderung vorzunehmen. Dies ge- schieht folgendermaßen: Einige Stunden vorher, am beste» am Abend vor dem Angeln, versenkt man auf dem Grunde des Wassers an der Stelle, die inan als aussichtsreich erkannt hat, einen Netz- beute! mit gekochten Kartoffeln, man kann auch gekochte Graupen, Erbsen oder aufgeweicht« Brötchen, Tauwurmstücken mit Lehm zu- sammeng-knetet, hineintun. Damit bezweckt man, daß an dieser Stelle sich Fische sammeln und festgehalten werden. Allerdings ist es nicht ganz ausgeschlossen, daß an dieser angeköderten Stelle sich ein anderer Angler, dem die Vorbereitungen unbekannt waren, festsetzt, und sich in aller Unschuld sportlicher Erfolge erfreut. In diesem Fall soll man dem Mann seinen Sport gönnen, schon des- halb, weil etwaig« Auseinandersetzungen leicht in Streitereien aus- arten, wobei es sich aber oft herausstellt, daß der ander« kräftiger und das Wasser naß ist. Man pflegt schon deshalb die Grund- köderung nicht am Abend vorher, sondern erst einige Stunden vor dem Angeln vorzunehmen und bleibt dann gleich an der ange- fütterten Stell«. Die beste Aufklärung über Fangmethoden erhalten Sportlustige in den Vercinssitzungen der Arbeiteranglervereinc. Ein« ander« Unumgänglichkeit ist das Mitsühren notwendiger Legitimationen wie Fischerei- und Anglerschein. Nicht deswegen, weil dann die Fisch« besser beißen, sondern weil iin anderen Fall sich Unliebsamteiten herausstellen könnten, die immer teurer sind, als die Erlaubnisscheine. H. Die erste Durchschwimmung des Genfer See» von Ouchy bis Genf ist der 21 jährigen holländischen Meisterschwimnierin Corry Leibbrand gelungen. Sie brauchte zu der etwa 60 Kilometer langen Strecke 3S>S Stunden und brachte damit eine neue Welt- rekordleistung für Langstreckenschwimmen im Süßwasser zustande. — Die 16jährige Engländerin Parnell durchschwamm am Don- nerstag von Penorth aus den Bristolkanal in 10 Stunden 17 Minuten 10 Sekunden. Bei den Vrobesahrten zu dem Rennen um die Tourist Trophy, dem großen Automobilrenn«», das nächsten Sonnabend zum Austrag kommt, gelang es dem bekannt«» deutschen Rennfahrer Merz, alle Rekorde des vorjährigen Rennens zu brechen. Merz durchsnhr die Streck« mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 Stnndenkilo- metern, während der Schnelligkeitsrekord im Vorjahr nur 105 Kilo- meter betrug. (freie Turnerschast Groh.Berlin. Das neue Sportbuch„Der A r b« i t- r s p o r t" von Fritz Wildung kann von den Interessenten in der Geschäftsstelle, Lichtenberger Str. 3(Königstadt 3656), ab- geholt werden. Nachbestellungen werden noch angenommen. «arteil silr«rbeiterspart an»«Irptrpfleae, 1», Vtrwaltunasbcirl. Iceff- Punkt füt die flotltllocttlne«um.Rast" Sonntag Uhr am Auto park in htn Rthhtrgtn in lZtst�ugkltiduna. Sämtliche«arten und Plakttttn werden am(Zrtitan, 18. Anaust. jmifchtn 20 und 21 Uhr im Lokal von«Itmm, Pankow. Brrltntr Ecke Hadlichstraßt, adgtrtchnet.«cincr darf zu der Veranstaitun» Mitu.. Die«arteiieituna. TtNN«».«»t»roh.««rli». e.». Sonnabcnd. 17(h Uhr, Tresspunkt der von den Abttilunatn zu stellenden Mitslieder zur Autopropaganda Sporthaus Rehberze, Sinaang Asrikanische Straße. Sportdreß, bei günstiaer Witterung Schlager.— Sonntag Treffpunkt 12 Uhr am gleich Ort zum„Rast" Ab. teilungen mtlsfen gefchl offen im Dreß antreten. Auf allen Pläßrn Spiel- Zum Retchsarbeitersporttag Sonntag. 1«. August, treffen fich alle Bereine de»«artell» Tempelhos um 12 Uhr am Untergrundbahnhof Istughafen«lei. dun« schwarz- Hose weißes Hemd. Umkleideraum Sporlplat, Rehherae' Alles nimmt am 5-stzug teil.— Sonnabend. 17. August, llli Uhr, treffen sich die Senofsen und die Senosstnnen. die an den Propaganda-Autofahrien teilnehme» wollen, im Bolkspark Rehberge. Umkleidestelle Hau» an der Tronsvaalftroße Plaketten und«arten, die bis Tonnabend um 17 Uhr nicht obaereckinet find gelten«I« verkauft. FT»». Alle Bezirke, einschließlich«inderabteilungen. nehme» am Reichs- arberterfporttag in Sportkleidung teil. 1« Uhr Leopoldvlaß. gähnen und Transparente mitbringen- Roede» III. Di-rteliahrsverf-mmlun« am 17. Äugst. 20 Uhr. bei R-ew-r Kur entschcidniden Abstimmung miillen alle Mitglieder anwesend fein.- Bezirk Re,i>ielJe-We»t B Hi-Li stg.5, 7,9 Hindcnburgdamm 68a Süden Wochentags 6.30, 9 Uhr U. Stg. 3 U.J.-V. Die Atugetfobencn (Heimkehr des Herz) Die Prinzeuin und ihr Narr Bühnenscfaau Südwesten Th. am Moritzplatz Beginn; W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 4.30 Uhr Erotik mit Olaf Fjord Die schönste Frau von Paris Südosten Filmeck Bcginn:W-|;Ä Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Aufruhr im Jnnggescllenheim Beiprogramm Gute Bfihnenschau Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. Tempo— T empo mit Luciano Albertlni Filmstadt Hollywood W Mariendory Mz» T i Mariendorfer ria~isl Lichtspiele Chausscestraße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Der Teufelsreportcr mit Eddie Polo Sparen im Sdinee BtthnaMdisa Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45. 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5. 7. 9 Uhr Die weichen Rosen von Ravensberg Menschen im Hach B&hnenschau > Houkölln j Primus-Palast Hermannplatz Beet und Sfeak: Aufruhr Im jnnggesellenheim mit Kurt Gerron, Siegfried Arno Aukder Bühne: Heinrich Priem er, Komiker: 1000 Worte Sächsisch MarinekrafAkt Elysium(nÄU) Hasselwerderstraße 17 Ein Traum vom Gold mit Tschcchowa Emden III fährt am die Welt VarietEscfaao Schiochpark FOm- Bühne Berliner Allee 205—210 AoMblub um Mitternadil mit Albani Teure Heimai Bühne: Graf« Rcra« Osten üermania-Palast Frankfurter Allee 314 Grochstadtjugend mit Harry Liedtkc, Maria Paadler Gutgi Beiprogramm Aosgewähltc BQhnenschao Beginn der ersten Vprstcllungen Wochentags 6 Uhr, Sonntags 3 Uhr Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Teure Heimat Bühne: H. Picha, P. Weslermeier, W. Bendow, Gr. Reinwald usw. in Zeppelin 1000 auf dem Mars gelandet Concordia-Palast Andreasstraße 64 Tempo— Tempo m. Lac. Albertini Beiprogramm Grochc Bühnenschaa Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, LflckstraBe 70. Der Graf tob Monte Cbrialo OroSe Revue: Kurz and bündig Jugendliche haben Zutritt FriadrichsFaid« Kino Busch Alt-Fricdrichsfelde 3 Das ngrrisdie GlOdc mit Fr. Kampers Die Komfidtantin mit Norm* Sbearrer Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Nacbtlokal mit ETeline Holt Bühne: BertUunie* Ballett O. a, Norden Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Darch's Brandenburger Tor Pat u.Patacfaon als Schwiegersöhne Bfihnenschau Collosseum Film- und Bfihnensdiau Schönhauser Allee 123 Drei machen 4hr Glftck (Teure Heimat) Beiprogramm, Gr. Varitäschau Alhambra MUllerstraBe, Ecke Seestraüe Antrobr im Jnnggescllenheim Bühne: Kerne der Artisten F ortuna-T ageskino Müllerstraße 12c Beg. 10 U. vorm. Das tfihrcndc Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt- Produktion Mctro-Palast Chausseestraße 30 Tempo-Tempo mit L. Albertini Teure Heimst(3 machen ihr Glück) Noadc's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 6 U., Stg. 5 U. Stg. 3 U. Jugendv. Bevolotion der Jagend S machen ihr Glück(Teure Heimat) wRialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Unehelidie Kinder m. Anny Ondra Elternlos Bfihnenschau Vineta-Kino Vinetaplatz 3, Ecke Wolliner Straße 5 Tage Karneval Bnroko, das Geheimnis de: Rapta Ii BoinlcKenclorf.Oi« M Bürgcrgarten-Lichtsp. Hauptstraße äl tpelnnke(Samson-Körner) Postraub i. d. TeoteisdilndiJ Mbnensdiaa Verstärkt, OrcfaesU »Alhambra" Badstraße 58 Fludii in die Fremdenlegion Beiprogramm— BObnenscbaa Ballschmicdcr- Lichtsp. Badstraße 16 Das leirieFori mit Hdnr. George Die II tadie Witwe Bühne: Chines.'Tr. Humboldt-Theater Badstraße 16 Ritt und Raff, die Fraaenhelde Der Teufel von Texas Groche Bfihnenschau Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Submarine Beiprogramm, Bfihnenschau Pankow Palast-Theater Breite Straße 21 a Naditlokal mit EveUne Holt Die Tersdtwondcne Frau mit Halm Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Simba, der König der Tiere Mit dem Aoto ins Morgenland Sonnab. ll�OUbr: Nachtvorstellung Hygiene der Ehe u. ärztl. Vottrag BQhnenscban Film-Palast Blankenburger Straße 4 Latin(Stadt der Liebe) Der lustige Witwer mit Harry Ucdtka