r BERLIN Sonnabend 17. August 1929 10 Pf. Nr. 3S4 B191 46. Jahrgang. erscheint tSzltch»ulerGonntaz«. Zugleich Abendausgab« de«.VorwSrt«'. Beiug«prei« beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche, s.soM. pro Monat. «edaktion und Txpedition; Berlin SW 68. Lindenür.» SficUaaltfaSe xl&„tyoiWtxsJb l Nl eigen» reit: Die einspaltige Nonpareilletekl» »o Pf., Reklameieile v M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkont»: Dorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.»7626. Fernsprecher: Dönhoff SS2 bi« 297 Gewerkschaft und Weltwirtschast Leipart über die neuen Wirischasisformen. vorlmund. 17. August. fCigcnbrricht.) Zm Rahmen seiner hier abgehaltenen ReI6)skonfeccnz hat der A erbaut» der vergbauindustriearbeiler Deutschlands anläßlich seines 4c>iährigen Bestehens heute eine öffentliche«Bemerk. f«Haftskundgebung im Silbersaal der Dortmunder West- salenhalle veranstaltet. Der Vorsitzende des ADGD., Theodor Deipart, sprach heute vormittag über die Aufgaben der Gewerkschaften in der Internationalen Wirtschaft. Genosse Leipart führte hierzu aus: Die Ausgaben der Ge- roerkschaften preisen von den ursprünglichen Gebieten der Sozial- Politik und Sozialversicherung über auf das große Gebiet der Wirt- fchaftspolitik. Der Gedanke der Wirtschaftsdemokratie— der i m Bergbau am weitestgehenden verwirklicht ist— war die Frucht des Eindringens der(Acwcrkschaftcn in die Wirtschast. Er mußte an Kraft gewinnen, je mehr sich die Wirtschast veränderte, je mehr der Hochkapitalismus in eine gebunden« Wirtschaft übergeht, je größer die Macht der Kartelle, SyniHkate, Trusts wird. 4 4 Riesenbetriebe, jeder mit einem Betriebskapital von über 30 Millionen Mark, vereinigen in sich ein Fünftel des gesamten industriellen Betriebskapitals. In der Industrie der G r u n d st o s s c sind 89 Proz. des Aktienkapitals konzernmäßig gebunden, in der verarbeitenden Industrie bereits 37 Proz. Die Zusainmcnjchlußbcwegung greift über die Staatsgrenzen hinaus, wird international. Di« von den deutschen Gewerkschaften aller Richtungen ge- fordert« Kartell- und Monopolkonirolle muß daher auch international werden. Sie wud eine gemeinsame Forderung der Gewerkschaften aller Länder. Nationale und internationale Kontrolle sind daher in die neuen w i r t- schaftspolitischen Richtlinien des Internationalen Ge- werkschastsbiindez(Amsterdam) aufgenommen worden. Eines bc- dingt das andere, wie überhaupt die internationale Tätigkeit mit- bestimmt wird von der gewerkschaftlichen Tätigkeit im eigenen Lande. Deshalb zerfallen die Richtlinien des JGB. notwendiger- weise in zwei Teile: die internationalen Anweisungen an den JGB. und die nationalen E in p f e h l u n g e n an die Landeszentralcn. Die Gewerkschaften fordern die Zusainmen- sassung der— bisher ungenügenden— wirtfchastspalitischen Tätigkeit des Völkerbundes in einem besonderen Internationalen wirtschaftsaml, das einerseits eng mit dem bereits bestehenden internationalen Arbeitsamt zusammenarbeiten soll, andererseits von tzationalcn Wirtschastsrätcn unterstützt sein muß, die in allen Ländern ähnlich dem deutschen Reichswirtschastsrat zu bilden sind. Dies wird eine Hauptaufgabe der einzelnen Landeszentralen sein müssen. Aus den vielen Punkten der internationalen Richtlinien griff Leipart schließlich noch«ins heraus: Die Förderung der ösjcntlichcn Wirtschast, die ein Gegengewicht gegen die Monopolisierung der Wirtschast durch das private Kapital dar- stellt. Di« wachsende Macht der öffentlichen Hand gegenüber der Wirtschaft ist der Ausdruck der wirtschaftlichen Entwicklung, der Ausdruck dafür, daß die private Wirtschaft ihre geschichtlichen Aufgaben erfüllt hat. und neue W> r t s ch a f t s a n s ch a u- u n g c n sowie neue W i r t s ch a s t s f o r m e n iin Begriff sind, sie zu ersetzen. Die ungeheuerlich gesteigerten Ansprüche, die das gesellschaftliche Leben an die wirtschaftliche Tätigkeit stellt, können nicht mehr von einen, einzelnen Unternehmer befriedigt werden." Auf der Frankfurter Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie(19S7) hat G-heiinrat Bücher auf die Wand- lungen des Untern- in ertyps hingewiesen. Was für ein Unterschied besteht nach zwischen dem beamteten Generaldirektor einer Privotgescllschoit und dem beamteten Generaldirektor eines Wirts chaftsbetriebs der öffentlichen Hand? Die vielgerühmtc Privatinitiative des alten Unternehmertuins ist v e r- s ch w u n d e n, seitdem der einzelne Unternehmer seine Wirtschaft- liche Freiheit an die sich immer mehr ausbreitenden Kartelle, Syndikote, Trusts usw. verliert. Auf der anderen Seite nehmen die Verwaltungen öffentlicher Wirtschastsbetriebe gern die zweck- mäßigen Formen der privaten Wirtschaft an. mit dem Unterschiede allerdings, daß die Privatwirtschaft der Allgemeinheit nicht vcrant- wortlich ist, der wirtschostsbelrieb in öfsentlicher Hand dagegen— trotz des privatwirtschaftlichen Gewandes— der 91 II■ geineinh�it dennoch verantwortlich bleibt. Mit einem warinherzigcn Gruß an die Veteranen des Berg- arbeitet, crbandes hatte Leipart seinen Vortrag eingeleitet: mit einem„Glück auf" für das weitere gewerkschaftliche Ringen ums Sndtziek schloß er ihn. „Sturnwogel" über'.ßevlin. Ilnfcre Milder find rom.Slurmrogel' au* während der Terfatfungsfeler aufgenommen worden. Sie aeigen oben die fjegend um den Xunapark mit dem neuen.Xahnhof.fhiafleHung', unlen den Flughafen Tempelhof mit der Wellhlti flchlbaren Slallongbeaelehnung Merlin. Iin Anschluß an die mit großen, Beifall ausgenommenen Aus- führungen von Leipart sprach der Volkswirt des Bcrgbauindustrie- arbeitcrverbandes, Dr. B e r g c r(Bochum), über die bevorstehende Genfer Kohle nkonfcrcnz, die der Völkerbund zum 30. September einberufen hat. » Bochum. 17. August.(Eigenbericht.) Der Vorsitzende der Bergarbeiter-Internationale hat dem Bergbau-Zndustriearbciterverband zu dessen 4l>jährigem Jubiläum seinen Glückwunsch übermittelt.„Das Prinzip der Bergarbeiter-Internationale erklärt Smith muß fein: Friede und Abschassung aller Kriege zwischen den Rationen. Alle Streitigkeiten sollen durch Schiedsgerichte beigelegt werden. Wir müssen uns immer daran erinnern, daß im vergangenen Kriege 9 750 000 Menschen getötet, ZI Millionen verwundet und 3 Mil- lionen vermißt worden sind. Der Krieg tötet immer den Anschuldigen."_____ Oer Kindesmord in Westend. Vergebliche Suche nach dem Täter./ Noch TOOV Mark Belohnung. Gestern sind bis in die späten Rachlstunden hinein die Vernehmungen der Zeugen fortgesetzt worden. E» hat sich dabei herausgestellt, daß das verschwinden der Hilde Z c p c r- n i ck schon am Montagabend um 7 Ahr ausgefallen war. Junge Leute aus der Nachbarschaft setzten sich auf ihre Räder und fuhren die ganze Geggend suchend ob, während die älteren den Park durchstreiften. Gegen 11 Uhr besonn man sich daraus, daß das Kind in dem Neubau vielleicht verunglückt sein könne. Zusammen mit dem einen Wächter, der seinen Abendkollegen bereits abgelöst hatte, forschte man. mit Lampen ausgerüstet, überall nach, fand aber nichts. Das ist auch erklärlich, denn, wie schon gesagt, ist der Keller, in dem die kleine Leiche Tage später entdeckt wurde, ganz abgelegen und für den Ortsunkundigen schwer zu finden. Durch neuerliche Bekundungen von Zeugen aus der An- wohncrschaft und der Arbeilerbclegschast erscheint der zunächst ver- dächtigtc Wächter Schulz erheblich entlastet. Die Vernehmungen werden aber noch ständig sortgesetzt. Die beiden Arbeiter Bahnemann und Riech, deren Aufmerksamkeit es zu danken ist, daß die Leiche an d«m verborgenen Orte entdeckt wurde, erhalten die zuerst ausgesetzte Belohnung von 300 M. ausgezahlt. Für die Ermittlung des Mörders ist jetzt eine weitere Belohnung von 1000 Mark ausgelobt. Alle Mitteilungen, mögen sie noch so belanglos erscheinen, können für die Aufklärung des schrecklichen Verbrechens von größter Be- deutung sein. Sic werden an die Kommission im Zimmer 64 des Polizeipräsidiums erbeten. * Auf einem Spaziergang durch den Grunewald wurde gestern abend in der Nähe der Försterei eine 27 Jahre alte Hausangestellte von einem jungen Burschen plötzlich ange- fallen. Er schleppt« das Mädchen in eine S ch o n u n g, riß sie zu Boden und versuchte, sie zu vergewaltigen. Als die lieber- fallene sich verzweifelt zur Wehr setzt«, ließ er von ihr ab, riß ltzre Handtasche an sich und flüchtete. Unterwegs entnahm er der Tasche das Geld und warf sie geleert wieder von sich. Er ist leider in der Dunkelheit entkommen. Oas Grubenunglück inOftoberschlesien. Oie NettungSarbeiten sind sehr schwierig. S a l l o w i h, 17. August. Zu dem schweren Grubenunglück, das sich am Freilag vor- mitlog aus dem Hildebrandt-Schachl auf Anlonienhütte ereignet Hot, wird noch folgendes bekannt: Das Unglück ereignete sich aus dem Gerhardt-Flöh der öOO-Aietcr-Sole. Visher werden 1b Tote und b verwundete gezählt. Bis 20 Uhr sind sieben Tote geborgen worden. Die Rellungsarbeilen sind noch in vollem Gange, gestalten sich jedoch sehr schwierig, da die Rettungsmannschaften wegen des von der Explosion ausgewühlten Steingerölls nur lang- s a m vordringen können.> von den Belegschaften ist niemand eingefahren. Rachkur des Reichskanzlers. Wie die Telegraphen-llnion er« fährt, wird Reichskanzler Müller am kommenden Mittwoch die Heidelberger Klinik verlassen. E'ne zweite Operation hat sich nicht als notwendig erwiesen. Zur Nachkur wird sich der Kanzler in ein Schwarzwaldsanatorium begeben. Er ist fast völlig wieder- hergestellt und verfolgt die politischen Vorgänge wieder mit größtem Interesse. U „Gänzlich ungenügend." Snowdens Kritik an den Jinanzvorfchlägen. V. Sek. Haag. 17. August.(Eigenbericht.) Di« englische Antwort, die heute auf die gestrigen Vorschlage den vier anderen Mäubigcrmächten übergeben wurde, ist ein Doku- ment von etwa 8 Seiten, in dem Snowden, wie er es gestern in Aussicht gestellt hatte, auf jeden einzelnen Punkt der Vorschläge ein- geht, um die darin enthaltenen Zugeständnisse als im ganzen ungenügend zurückzuweisen. Indessen soll in einem Falle die Antwcrrt Snowdens zugeben, daß die übrigen Alliierten wenigstens einen Teil der von England ge- forderten 48 Millionen aufzubringen sich bemüht hätten. Obwohl die englische Antwortnote im ganzen eine Ablehnung bedeutet, läßt sie dennoch ausdrücklich die Tür für weitere VerHand- l u n g e n offen. Sie legt den vier anderen Gläubigermächten nahe, sich weiter zu bemühen, Vorschläge aus.zuarbeiten, die eine Ver- ständigungsgrundlage bilden könnten. Das Interessanteste an der Antwort Snowdens soll die zum erstenmal deutlich enthaltene Mit- teilung der Notwendigkeit eines besonderen italienischen Opfers sein. Snowden— so verlautet wenigstens in Konferenzkreisen— weist darauf hin, daß gerade in Italien am meisten von der Ab- öuderung des Verteilungsschlüssels von Spa Nutzen gezogen hätte, und daß die bisherigen Vorschläge von Spa an England keinerlei besondere Zlnstrengungen von feiten Italiens aufwiesen. Um die Mittagsstunde sind die Finan.zcxpcrten der vier Mächte zusammengetreten, um die Note Snowdens zu prüfen und eine Er- widcrung daraus resp. neue Vorschläge auszuarbeiten. Nach wie vax hält man es hier für unwahrscheinlich, daß man hier noch zu einer definitiven Rege lung kommen wird, man glaubt vielmehr, daß man sich bestenfalls im Haag auf all- gemeine Grundlagen einigen könnte, während die Schluß- regclung für September- oder Oktober-Verhandlungen in Gens zu- nickgestellt werden würde Vorher würde man aber den Deutschen ein Dokument übergeben, in dem ihr grundsätzlicher Anspruch aus die Rhemlandräumlmg anerkannt würde. S n o m d e n empfing heute nachmittag den halbstündigen Besuch von Strejemann. während Hilserding den Besuch von Loucheur orhieltz Arbeitslose und KPO. „peitscht die Reformisten l" Die Sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften stehen zurzeit in einem schweren Abwehrkampf gegen starke Strömungen, die aus einen allgemeinen Abbau der Arbeits- losenversicherung hinwirken. Wir haben unsere Leser über die einzelnen Phasen dieses Kampfes unierrichtet und dabei nie mit unserer eigenen Meinung hinterm Berge geHallen, daß die Sozdlldemokralischc Partei aus die Zusammenarbeit mit den bürger- liche» Parteien lieber verzichten soll, als daß sie sich in dieser Frage zu Konzessionen grundsätzlicher Art herbeiließe. Da die ganze Aktion noch nicht abgeschlossen ist, läßt sich natürlich ein abschließendes Urteil über die Arbeit der sozioldcmo- kratischen Unterhändler und der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion nicht fällen. Nichts liegt uns ferner als die Absicht, Vor- schußlorbeeren auszuteilen und noch ungetane Taten im voraus für richtig zu erklären. Es versteht sich von selbst, daß die„Rote Fahn«* von solchen Rücksichten auf den gesunden Menschenverstand völlig frei ist. Sic weiß nicht nur, was die sozialdemokratischen Unterhändler in ver- traulichsten Besprechungen erklärt haben, sie kennt auch schon die noch ungetanen Taten der Sozialdemokratie und mißbilligt sie im voraus. Dieses Verfahren hat den großen Vorteil, daß man sich um den wirklichen Inhalt der Arbeitslosenversicherung und überhaupt um Wahrheit und Tatsachen nicht im geringsten zu kümmern braucht. Die„Rote Fahne" kann also ihren Lesern erzählen, daß„die SPD. den Arbeitslosen die Hälfte ihrer Unter- stützung streicht" und ähnlichen Unsinn mehr. Nach Schilderung aller weiteren Schandtaten, die die Sozialdemokraten noch begehen iverdcn, kommt sie zu dem Schluß, daß die Reformisten aus allen Arbeiterorganisationen hinauszupeitschen sind. Angesichts solcher Leistungen muß man immer wieder sein Erstaunen darüber ausdrücken, daß dergleichen geschrieben, gelesen, ja von manchen sogar geglaubt wird. Die Kommunisten zeigen durch ein solches Treiben, daß ihnen die Sorge um die Arbeitslosen nichts, die Hetze gegen die Sozialdemokratie alles ist. Diese Hetze treiben sie dann so plump, daß sie sich selber um jede Wirkung bringen und den Anspruch verlieren, ernstgcnommen zu werden. Di« Sozialdemokratie hat von dieser Sorte von Kritikern nichts zu fürchten. Desto mehr ist sie verpflichtet, die Stimme des eigenen Gewissens zu hören und ohne kleinliche Bedenken taktischer Natur ihre Entscheidung so zu treffen, wie es dem Interesse der Arbeiterklasse entspricht. Hitlers Versailles. Hilgenbergs Drohung mit dem Subventionsentzug. Wie aus dein in der sozialdemokratischen Presse oerössentlichten Abschiedsschreiben des Kapitänleutnants Mücke an Hitler von neuem hervorging, wird die nationalsozialistische Bewegung von In- dustriellen finanziert, die sich mit ihr ein« Schutztruppe gegen die Sozialdemokratie schassen wollen. Seine Anhänger kann Hitler aber nur mit einer den Kommunisten nachgeahmten„revolutionären" De- magogi« bei der Stange halten. So gerät er fortgesetzt mit seiner pseudosozialistischcn Politik in Konflikle mit seinen Brotgebern, die in einem allzu ausgeprägten Radikalismus der Hitlsrschen Bonden ein« Gefahr für sich selbst sehen. Diese Auseinandersetzungen Hitlers haben bisher, wie auch der Brief Mückcs wieder zeigte, gewöhnlich mit einem Rückzug des üblen Deniagogen geendet, der�sich dem Gebot seiner Arbeit- und Brotgeber fügen muß. Diese Kämpfe hinter den Kulissen der nationalsozialistischen Be- «egung haben sich jetzt, wie die„Vossijchc Zeitung" mitteilt, zugespitzt. Der„alte Kirdorfs" hat Hilter aufgefordert, die sozio- listischen und antikapitalistischen Bestrebungen in seiner Partei zurück- zustellen, da sie sonst für eine Eingliederung in die„nationale Front" I es Ad«lsbegehrens nicht geeignet sei. Hu g e n b e r g selbst hat ihm sogar mit der Entziehung der Subventionen gedroht, wenn er die. wirtschostsfein bliche" Propaganda nicht einstellt. Hitler hat dem- oea>»iber sich mit der Ausrede helfen wollen, daß es gerade„im Interesse der Wirtschast" liege, wenn er durch Radikalismus felne Leute an der Stange halte. Die Jndustricherren sind ihm aber auf 3m Fluge auf die Mongolei. Zeppelin Hai die Hälfie der Strecke zurückgelegt. Moskau, 17. August.(Telegr.-Agentur d. Sowjetunion.) DaS Luftschiff„Graf Zeppelin" befand sich um 9 II h r f r ü h Moskauer Zeit fS Uhr mitteleuropäischer Zeit) auf S» Grad östlicher Länge und 99 Grad nördlicher Breite in etwa 1999 Meter Höhe. Sowjetflieger, die dem Luft- schiff entgegengeflogen waren, berichten, daß das Luft- schiff mit verminderter Kraft zu fahren scheine. Kowno, 17. August. Wie aus Moskau gemeldet wird, gibt die Zentrale der Ossoovia- chim am Sonnabend früh eine Bekanntmachung heraus über den letzten Standort des Luftschiffes„Graf Zeppe- lin". Danach jlog dos Lustschiff um 9 Uhr früh Moskauer Zeit auf SS Grad östlicher Länge und S0 Grad nördlicher Breile mit Kurs aus Olek- mlnsk an der Lena. Das Lustschisf hat in der Nacht etwa auf der Höhe des Zusammenflusses des Ob mit der Jrtysch den Kurs nach Ostsüdost verändert, um die Winde auszunutzen. Die Schiffsleitung scheint mit Betriebsstosf zu sparen. Flieger der Abteilung der Ossooviochim berichten, daß dos Luftschiff über den Ob mit vier Motoren geflogen sti. Friedrichshosen. 17. August. Die Funkstation der Friedrichshasener Werft hat den funktelegraphijchen Verkehr des„Gras Zeppelin" seit der Abfahrt des Lujtschiffes, mit Ausnahme der Zeiten, in denen an Bord die Wctterm'eldungcn entgegengenommen wurden, bis zur Stunde ununterbrochen verfolgen können. Auch in der heutigen Nacht konnte der verkehr, wahrscheinlich mit einer sowjetrussischen Station, ausgezeichnet mitgehört werden. Das Schifs hat um diese Zeit der betreffenden Station ein Telegramm nach dem anderen übermittelt, was auf eine tadellose Verständigung mit dieser Empfongsstelle hindeutet. Infolge der gegenwärtig in Süddeutsch land austretenden Luststärungen sind allerdings die einzelnen Funk- zeichen der Funstkotion nicht ganz genau zu verstehen. Auch der deutsche Votschaster in Moskau hat dem„Gras Zeppelin" während der Fahrt über dem europäischen Rußland ein längeres Be- grüßungstelegramm übermittelt. Japan in Erwartung. Die gesamte japanische Bevölkerung erwartet mit Spannuag das Lustschisf„Graf Zeppelin", besonders, da mehrere Japaner die Bie/wig» Route des. Graf Zeppe/m' •na* iJO* Reise mitmachen. Die Wetterlage über Zapan ist aber für Montag früh durchaus unsicher, da nach den letzten Sturmtagen ein neuer Taifun von den Philippinen aus im Anzüge ist. Man«rwart.'t das Lustschisf am Montag früh, und die Behörden tresfen bereits jetzt mit dem Kriegs- und Marineministerium zusammen alle erforderlichen Vorbereitungen. Der Flugplatz bei Tokio ist sorgfältig instandgesctzt worden. Festlichkeiten sind zunächst für zwei Tage von den Behörden, der Stadt, der Presse und der deutschen Botschaft vorgesehen. diesen Leim nicht nachgegangen, sondern haben ihn gezwungen, den Abbau seiner pseudosozialistischen Propaganda zuzusagen. Die Annahme des schwerindustriellen Diktats soll in den nächsten Tagen erfolgen._ Aufgelöste Gutsbezirke. Rasche Arbeit. Am 1. Januar 1928 bestanden nach der„Statistischen Korrespon- denz" in Preußen 11894 Gutsbezirke, davon wurden bis 1. Januar 1929 11 816 ausgelöst, so daß am 2. Januar 1929 nur noch 678 Güls- bezirke bestanden. Die Verteilung auf die �Provinzen ist infolge der verschiedenartigen verwaltungsrechtlichen Struktur der Landesteil« verschieden. Wöhrend in Ostpreußen 2093, in Pommern 2249, in Niederschlcsien 2448, in Brandenburg 1712, in Sachsen 1946 Güls- bezirk« aufgelöst wurden, waren es in Oberschlesien 694, in Schles- wig-Holstein 323 und in den westlichen Provinzen nach weniger: in Hannover 286, in Hesien-Nassau 266. in der Rheinprovinz und in Westfalen zusammen nur 22. Neugebildet wurden 876 Landgemcin- den, davon 393 in Pommern, 276 in Ostpreußen, 129 in Branden- bürg, 99 in Schleswig-Holstein, 41 in Sachsen. Rippenbruch vor 13 Jahren. Eine 30 jährige Frau zu Gefängnis verurteilt. Die SOjährige Kolonialwarenhändlerin Frau v. wurde von dem Schössengerichi Berlin- Schöneberg wegen wissenllich falscher Anschuldigung zu sechs Wochen Gefängnis verurieili. Der Verhandlung lag folgender Tatbestand zugrunde. Vor einigen Tagen fiel die Angeklagte durch die Schuld eines Kunden die Kellertreppe herunter. In dem Zivilprozeß gegen diesen Mann begründete sie ihr« hohen Schodensersaganspruch« damit, daß sie sich bei dem Sturz zwei Rippen gebrochen hätte. Der Beklagte bestritt diese Folgen des Unfalls und behauptete, daß sich Frau B. die Rippen vor 13 Jahren, als sie schon einmal die Kellertreppe herunterfiel, gebrochen hätte. Eine Frau H. bezeugte dies eidlich in dem Zivilprozeß. Die Folge davon war, daß Frau B., die immer wieder behauptete, erst bei dem letzten Unfall so groß zu Schaden gekommen zu sein, gegen die Zeugin 5z. eine Meineids- anzeige erstattete. Bei der näheren Untersuchung stellte sich diese Anzeig« als völlig haltlos heraus, und gegen die 89jährigc Frau B. wurde nun das Verfahren wegen wissentlich falscher An. s ch u l d i g u n g eröffnet. In der Verhandlung vor dem Schöffen- gericht wurden nun eine Reihe von Zeugen, Hausbewohner und Kunden, über die verschiedenen Unfälle der Angeklagten vernommen. Die meisten Zeugen befanden sich in demselben Alter wie die An- geklagt« und hatten keine rechte Erinnerung mehr an den Unfall vor 13 Jahren. Das Gericht kam jedoch zu der Ueberzeugung, daß die Anzeige der Angeklagten vollkommen haltlos gewesen war und verurteilte sie zu sechs Wochen Gefängnis, da es gerichtsnotorisch sei, in welch großem Umfang« leichtsinnig Mein- cidsanzeigen gegen mißliebige Zeugen erstattet werden. Ihres hohen Alters wegen wurde der Angeklagten eine Bewährungsfrist gegen eine Buße von 199 Mark zugebilligt. Schiffszusammenstoß in den LtSA. Ein Motorboot und ein Touristendampfer gesunken. Alexandria-Bay(Siaat Rcw Jork), 17. August. Das Motorboot des in S y r a c u s e ansässigen Millionärs Charles Live.„Giggle". stieß auf dem St. Loren zstrom mit dem Touristendampfer„Ihousand Isländer" zu- sammen und sank sosorl. Der Besitzer, seine Frau und der Kapitän de» Motorboote» ertranken, ver Tourislendampser war durch den Zusammenstoß gleichfalls schwer beschädigt worden und sank zehn Minuten später. Unter den 40 Passagieren brach eine Panik aus. da die meisten sich fürchteten, den sinkenden Dampfer zu oerlassen. Sie konnten jedoch anscheinend alle gerettet werfcm. Die deutschen Vorkriegskabel im Ailantit sind seit Versailles de- schlagnahmt. Die Londoner„Times" melden aus Washington, daß USA dem Kabel Brest— Amerika wenig Bedeutung beilegen, meil es entwertet sei, aber Anspruch auf das Kabel zwischen den Inseln Jap und G u a m im«killen Ozean erheben" würden. 3n der Rotwehr erschoffen? Weil er entlassen war. In der vergangenen Rächt ist es in der G r u n e w a l d- straße 7 in Spandau zu einer schweren Schlägerei gekommen. Dabei wurde der ZZjährige Arbeiter Alfons S l a t l durch einen Schuß getötet. Der Inhaber einer Garage, Graunke, beschästigt eine Reihe von Schlossern, Monteuren usw. Bi? zum Herbst 1928 war dort auch Klott angestellt, der in der Moltkestraße 4 zu Spandau wohnte. Er wurde entlassen, weil er sich wiederholt tätlich an Ar- beitskollegen und dem Ehef vergriffen hotte. Seit dieser Zeit versuchte er immer wieder aus das Grundstück zu ge langen, wie die anderen glaubten, um Rache zu üben und Ilnbe-" anzurichten. Gestern abend war der Inhaber Graunke. der von einer Reise.zurückgekommen war, mit seiner Frau und dem 24 Jahre alten Schlosser Willy Metzclthin im Bureau. D e mal versuchte Klatt auf dos Grundstück zu gelangen, das eine Mol über das Dach und dann über den Hof. Wieder wurde er weg- gejagt. Als er das dritte Mal zurückkam, stürzte er sich aus Graunkeund riß ihn zu Boden. Dann griff er den hin- zueilenden Metzelthin schwer an. Ehe noch Graunke sich erheben und dem Schlosser zu Hilfe kommen konnte, hatte der sehr kräftige Klatt ihn überwältigt. Jetzt zog Metzelthin eine Pistole, die er seit einiger Zeit zum Schutz bei sich führte, und gab auf den An- greiser einen Schuß ab, der ihn in den Kops traf Das alarmierte Uebcrfollkommando brachte Klatt nach de'N Spandauer Krankenhaus; er o e r st a r b aber schon auf dem Trane- park, Die Spandaucr Kriminalpolizei hat eine Unter- s u ch u n g eingeleitet, um sestzustellcn, ob sich Metzelthin talsächlich in Notwehr befunden hat. Die Leiche des Erschossenen wurde. beschlagnahmt. Die Angelegenheit ist noch sehr dunkel und ungeklärt, man wird die weiteren Ermittelungen abwarten müssen und dann erst entscheiden könne, ob tatsächlich Notwehr vorlag. Neue Explosionskatastrophe in Rumänien. 13 schwerverletzte Arbeiter geborgen. Bukarest, 16. August. Bei den Arbeiten zum Lös«chen des großen P e. troleumbrandes in Moreni entstand am Freitag in einem Schacht eine schwere Explosion. Bis jetzt wurden 13 schwerverletzte Arbeiter geborgen. Nach Ansicht der Fachleute ist es infolge der Explosion nicht mehr möglich, den Riesenbrand zu löschen. Man rechnet damit, daß der Brand noch einige Monate fortdauern wird. Bauklempner und Bauschlosser. Im heutigen Morgcnblatt des„Vorwärts" sind die beiden Branchen der Bauklempner und der B a u s ch l o s s e r des Deutschen Metallarbeiteroerbandcs versehentlich als eine Branche behandelt worden. Da die B a u k l e m p n« r keine kommunistische Streikleitung hatten, kann nicht von einer„Niederlage oer tommunistischen Streikleitung" gesprochen werden. Die Bau- und Geldschrankschlosser hielten an ihrem Beschlüsse fest, vor dem Schlichter nicht zu verhandeln, worauf die Unternehmer sich zu Parteinerhandlungen bereit erklärten, die am Montag- vormittag vor sich gehen. „Die Vereinigung Carl Schurz" hat Charles Nagel, ,Hem un- ermitdlichen Vorkämpfer deutschen Geistes in den Vereinigten Staaten von Amerika",.zur Vollendung seines 89. Lehensjohres ihre ousrichtigsten Glückwünsche ausgesprochen. • Wetter für Berlin: Etwas kühler, größtenteils wolkig, keine erheblichen Niederschläge, südwestwinde.— Für Vculschlond: In West-, Mittel- und Süddeutschland wolkiges und kühle; Wetter, vereinzelt noch Niederschläge, in Ostdeutschland noch heiter und warm. Pogrome in Litauen. Gesandschast dementiert.— Woldemaras veripricht Abhilfe. Am 9. Augrist oersandte die hiesige litauische Gesandschast an die Presse eine Mitteilung, daß die Meldung, wonach sich in Kowno Judenpogrome ereignet haben, nicht den Tatsachen ent- spreche. Demgegenüber steht fest, daß z.B. Slobodko, ein kleines Stadtchen in der Nähe von Kowno, in der Nacht zum Z. August einen Ilebersall eines bewaffneten Trupps erlebte. Hier, mo die orthodoxen Juden streng nach ihren Niten leben, empfan- den''S die litauischen Hakenkreuzler als besonderen Mut, aus wehr- lose Juden einzuschlagen. Bon den fünfzig leidtragenden Juden wurde ein Teil erheblich verletzt. In der Nacht zum August wiederholten die litauischen Faschisten, genannt Parti- sanen, ihren Terror. Sie sorderten alle Vorübergehenden aus, sich zu legitimieren: die Juden wurden wiederum furchtbar miß- handelt. Nach übereinstimmenden Meldungen hat die Polizei sich vollkommen passiv oerhalten. Die Zahl der Mißhandelten betrug in dieser Nacht 6ö Der größte Teil mußte Krankenhäuser aus- suchen. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich in der Kownoer Vorstadt Schanz, wo vierzig jüdische Bürger den Partisanen zum Opfer fielen. Ja. man scheute sich in Slobodka nicht, die-Wohnungen der Juden zu stürmen und auch die Daheimgebliebenen zu mißhandeln. In Kowno spielte sich folgendes ob: Eine jüdische Frau wurde von einem Automobil Übersahren und schwer verletzt. Passanten nahmen den schuldigen Ehausseur fest und übergaben ihn der Polizei. Diese jedoch lehnte seine Verhaftung ab! Das Dementi kann schließlich auch deshalb nicht stimmen, weil diese Nachrichten von den Pogromen u. a. auch von der„Rigaischen Rundschau" und anderen Blättern bestätigt worden sind. Aber noch ein besonderer Oer Hugenbergsche Volksbegehr- Arbeitsausschuß. Ausgesprochen schwache Kinder müssen lange geschoben werden. Grund bestätigt die Richtigkeit der Angaben. Ministerpräsident Aoldemara» hat einer jüdischen Abordnung eine strenge Unter- suchung zugesagt, ja er Hot auch dieser jüdischen Abordnung mitgeteilt, daß er Anordnungen treffen werde, die Veranstalter der antijüdischen Exzesse in Slobodka und Schanz der verdienten Strafe zuzuführen. Damit wird die Authentizität der Angaben bestätigt. Ein Psychopath als Kronzeuge. Im Preßburger Slowakenprozeß. preßburg, tvratislaoa). 17. August. Seit Wochen wird hier gegen den gewesenen slowakischen Ab- geordneten Dr. T u k a verhandelt, der beschuldigt ist, daß er die Slowakei durch Verschwörung und Putsch wieder an Ungarn habe anschließen wollen. Nun wurden Protokolle und psychiatrische Gut- achten von Krankenhäusern verlesen, in denen der Kronzeuge Hanzalik zur Beobachtung war. Die Gutachten stimmen darin überein, daß Hanzalik ein degenerierter Mensch ist. Seine Groß- vater war geisteskrank, sein Bater ein starker Alkoholiker und seine Mutter litt an Rülkenniartschwindsucht. Hanzalik v»Ird als g e i st e s- schwacher Neurastheniker b, zeichnet. In einem Gutachten der Tyrnauer psychiatrischen Klinik heißt es, d>iß er an fixen Ideen leide und davon überzeugt sei, die p a n s l a w i st i s ch e Idee ver- wirklichen zu müssen. Theater der Woche. Vom-t». bis 26. August. Theater mit festem Spielplan. »«««»« Stasi et: Die Fledermaus.—®ie«nmöWe: ffreudi««»«teiant». — Theater in tat göniqatätat Straße: Rivalen. NaoiSbieaha»»: MtUteilc.- Tta-ter de« Westen»: Friederike.- fuMfltlitut: Du wirft mich beiralev.— Lelllna-Itaaiet: Josef.— Mettnval Ttaaiet: Dlaudark.~ «leine» Ttaniee: Naß oder trocken? aalina-rdeater: Wem aebütt mein Mann?_ Nole Ttaater: Der kleine«uvvler. charlenbitkine:»>» seilst um flinke..«chlaßvatk.Ttaater«tealiß:«i» 1««nrist.Pvriß.»st 20, Die-er. «"•'i- Pl»,a.»inteiftarten. Skala. Inlernationale» � »entataDe*. Staat«: Stettiner San,«.— Ssteater am«attstniler Tat: etile- Sänger. Thealer mit wechselndem Spielplan. Stästtisch«»tat. ckstaelattenbura: l?. Wildfchust. unst Sl. Fidelis. »V TannstSufer. 22. und 20. Troubadour. 23. und 2S. Sostsme. 24. Die fchworte Orchidee.. Blaudort.— Rose. Ssteater lSartenstttstne):«ontart und duntev Ttil.— Pl-ta- Intornattonale» Barieto— Winteraarte- Stall«- IS. SS. 23. Ant«. natwnaie» Slattcte.— 3l«i*»6elIe»-Sta«4*t: ZK. Sl>|ti"*e«i>»a»> Film und Theater. Zauber der Ferne. .Schicksalswürfel."— Capitol. Wie inszeniert man in Deutschland oder in Amerika ein indisches Sujet? Heldentenör« und Heldenboritoniften schreiten mit edel ge- falteten Gewändern noch edler durch märchenprächtige Räume. Jede Geste bedeutet schon eine Arie. Jeder kleine Statist benimmt sich wie Radames im dritten Akt der„Aida". Indien wird zu einer Staffage, zu einer seelenlosen Kulisse. Wenn aber die Inder selbst ihre Helden- sagen verfilmen, dann fehlt das Pathos, dann benehmen sich Plötz lich Maharadschas und ähnlich« Würdenträger wie gewöhnliche Sterbliche. Am Schluß des Films„S ch i ck s a l s w ll r s e l" steht eine Szene, in der dos glücklich vereinigte Königspaar über eine Sandwüste in den Morgen schreitet. Menschen und Hügel bilden eine scharf umrissene Silhouette. Und der König zeigt seiner Frau das Land. Doch der Arm wird nicht heroisch herausgeschleudert, so etwa wie in dem Duett:„Ich habe dich wieder, mein« Aida", sondern die Geste wirkt vollkommen natürlich und ungezwungen, es ist wie ein zartes und schüchternes Besitzergreisen. Allerdings scheint es mit dem Heldenzeitalter Indiens genau so bestellt gewesen zu sein wie mit den glorreichen Heroenzeiten der Antike und des Abendlandes. Könige versuchen sich auf sanfte Weise mit Gift und Dolch aus der Welt zu räumen, unliebsamen Höflingen gibt man Cobros zur Nacht als Bettgenossen, und in der Leidenschaft verwürfelt sogar ein König sein Reich, seine Frau und sich selbst. Daß dos Dolk bei der Nachricht, ihr geliebtester Herrscher sei im Würfelspiel betrogen worden, sich erhebt und eine heroische Be- jreiung inszeniert, wirkt heute kindlich. Am besten wäre es gewesen, man hätte beide Könige zum Teufel gejagt. Aber so weit war man damals noch nicht. Sieht man den Film, so denkt man aiesalt« Sagen. Er wirkt soft wie ein illustriertes Märchenbuch. Zaiiker der Ferne, dem sich selbst ein kühler Mensch kaum entziehen kann. Romantik wird hier mit Wirklichkeit durchsetzt, denn die Menschen sind die Geschöpfe dieser Gegend, die den Hauch von Wahrheit hat. Was den meisten Filtnen fehlt: Atmosphäre. Hier wird sie vermittelt. Ueber den staubigen Straßen, über dem verästelten Dschungel, in dem Königstiger und Elefanten ihr Dasein spazieren sühren, ruht die un- erträgliche Hitze der Tropen, die beim Menschen den Verstand aus- schaltet, und nur die Leidenschaften erglühen läßt. Echtheit ist das Kennzeichen dieses Films. Und echt sind auch die Schauspieler: Himansu Rai, Charu Roy und S e e t a D e v i leben ihre Rollen und spielen niemals für die Großaufnahme. Verglichen mit europäischen und amerikanischen Filmstars sind ihre Bewegungen fast schüchtern, fast zu wenig gelöst. Aber diese knappe andeutende Art sagt mehr als die prächtigst« und ausgeschlisfenste Geste. L. 8. Bergwerksfilm. primvs'palast. Einen Film au» dem Bergmannsleben zu schaffen ist schwer. nicht nur in technischer Hinsicht. Bei der Schilderung eines solchen Arbeiterlebens müssen die Gegensätze zusammenprallen und die oer- schiedenen Weltanschauungen miteinander in Konflikt geraten. Der Bürger und gute Kinobesucher aber will, soweit es sich nicht um Rufsenfilmc handelt, in seiner Ruhe ungestört bleiben. Ludwig F ritsch und Dr. Ri'chord Freese schrieben das Manuskript sehr vorsichtig, sehr geschickt und auf jeden Fall Verantwortung»- bewußt. Und da der Inhalt bei d!esem Film solche ausschlaggebende Rolle spielt, sei er ausführlicher behandelt. Für alle im Film nm- kommenden Menschen bedeutet Schücking, ein Finanzmann, das Schicksal. Eggebrecht, der Direktor, hält zu seinen Leuten, aber was soll er machen, Schücking„finanziert Geschäste, jedoch keine Wohl- sahrtsunternehmen". Aus eine Lohnforderung antwortet er mit Schließung der Gruben. Er bringt die Aktienmehrheit an sich und verlangt den Abbau an einer Stelle, die schon unerhört viele Opfer gefordert hat. Den widerstrebenden Direktor macht er willfährig, indem er ihm mit Entlassung droht. Während Schücking ein Fest leiert, rast unter der Erde der Tod. Man ruft ihn ans Telephon, doch er antwortet kaltblütig, daß er für Betriebsunfälle nicht zu- ständig ist, man möge sich gefälligst an die Direktion wenden. Der Direktor aber ist im brennenden Schacht mit eingeschlossen. Schückings Profitgier fordert Opfer über Opfer. Da geht ein Obersteiger, ein wuchtige, Stück Kohle in der Hand, zu dem Besitzer der Aktien- Mehrheit. Doch der Arbeitsmonn erschlägt den Industrieritter nicht. denn an der Kohle klebt Tod. Blut und Mühe der Kameraden, sie ist zu schade dazu, auf dem Schäoel eines Lumpen zerschlagen zu werden. Neben dieser Handlung laufen als Spielhandlung zwei Liebesgeschichten, die nicht stören, da sie die Gefühle echter Menschen zum Ausdruck bringen. Bei diesem Film— und das ist da- erstemal in einem deutschen Spielsilm— hat Reimar Kunze Aufnahmen unter Tag ge- macht. Ihm sei Dank sür seine Mühe, durch die er Eindrücke von dem gigantischen täglichen Kamps vermittelt, der da tief unter der Erde geführt wird. Die Tag- und Jnnenousnahmen inacht« Georg Bruckbauer. Cr arbeitete gut, so daß der Film rein handwerklich auf der Höhe steht. Werner Fütterer ist der junge Mann, an dem das Publikum das Schicksal eines Bergarbeiters miterlebt. E l g« Brink ist dos klar denkende Mädel von heut«, Carl de Bogt ist gut als Direktor und Helga Thomas gefällt in der ihr vorgeschriebenen Rolle seiner Frau. W o l f g a n g Reff sührte die Regie. Er voll- brachte, wenn man an oll den Filmkitsch denkt, der uns ungestrast vorgesetzt wird, eine Tot. � e. b. Gieckbrieflich verfolgi. ll.-T. Kursürstendamm. Die Geschichte, nach der dieser Film gedreht wurde, schrieb ein amerikanischer Zuchthäusler, der eine zehnjährige Straf« zu ver- büßen Hot. Dos ist Sensation genug, um mit dem Film ein glänzendes Geschäft zu machen. Doch über die gewollte Sensation hinaus Hai der Film Berechtigung, weil er von berufener Seit« dem Verbrecheileben den Reiz der Romantik nimmt. Er veranschaulicht, wie ein junges Paar, das an einem schweren Bankraub beteiligt war. von Stadt zu Stadt Hetzen muß. Die beiden werden steckbrieflich verfolgt, nirgends sind sie sicher. Di« Frau ober Hot die größte Sehnsucht noch einem ordentlichen Leben. Sie will ihren Mann vor neuen Vergehen und auch nor seinem üblen Umgang be- wahren. Doch ihre Aufopferung ist umsonst, er gerät wieder in seinen Kreis, aus dem heraus er verraten wird. Um ihn nicht ganz untergehen zu lassen, schießt sie ihn während der Flucht ins Bein. so fallen beide in die Hände der Polizei, und wenn sie ihre Straf« oerbüßt hoben, dann, ja, dann können sie endlich ein neues Leben anfangen.. Der Regisieur William A. W e l l m a n ist ein sehr eigen- artiges und eigenwilliges Filmtolent, das nicht bei jedermann Der- ständnis findet. Er arbeitet oft nur mit Andeutungen, da er bei den Zuschauern eine schnelle Aufsassungsgabe voraussetzt. Clara Bow ist virtuos als liebende, gehetzte Nvonne, und Richard Arten ist der in sich zwiespältige Mensch, der zum Guten neigt und unbesonnen oft das Böse tut. Manchem wird der ganze Film befremdlich anmuten, ober alle, welche den stummen Film aus der Kitsch-Schablonenarbeit gelöst wissen möchten, werden zu ihm stehen.— g. „Geschlossene Gesellschaft." Uraufführung im Thalia-Theater. Eine belanglose Ehebruchskomödi«, die Mari st in Cremer sich verpflichtet fühlte, um ein kleines Ideechen herumzuschreiben. Sein Hahnrei jagt die beiden Betrüger nicht einfach aus dem Haufe, schießt auch nicht mit Revolvern um sich, sondern sperrt das Pärchen in ein enges Zimmer ein, reicht ihnen Essen und Trinken idurch«inen Türspalt und läßt sie im übrigen ohne die Grund- bedingungen inenschlichen Komforts, bis sie aus Ekel voreinander beinahe in Schlägerei geraten. Aber Cremer ist nicht der Mann, die Sache humorvoll durchzuführen, er erkennt gar nicht die Komik, die aus der Situation heroorwachsen könnt«. Was man von der eigent- lichen Gefangenschaft zu sehen bekommt, sind die letzten hysterischen Freiheitsschreie des Weibchens. Natürlich folgt süßestes bappz-.end: Mann und Frau, letztere trotz allem rein wie ein Engel, sinken sich jubelnd in die Arme. Das Ganz«, von Ansang an bedenklich tief stehend, rutscht zum Schluß aus seichtestes Operettenniveau. Wenn die Angelegenheit trotzdem einigermaßen erträglich war, so ist es der ausgezeichneten Darstellung zu danken. LeoPeukert als Ehemann ist in seinem unerschütterlichen Phlegma hinreißend komisch, und seine Gattin, Hella Kürty, bleibt in aller Aus- regung und Ungepflegthcit zum Anbeißen. Henry Stuarts Liebhaber ist fade. Der Beisoll galt m erster Linie Peukert und der Kürty. W. J. Tonfilm in der Oper. In dem neuen Werk des Komponisten SB i I he I m Groß, der Flugzeugoper„Katastrophe 1935", findet auch der Tonfilm ZZer- wendung. Groß, der kürzlich zwei Einakter nach Texten von Bela Balasz vertont«, wird hier di« Linie der technischen Oper, die Krenek mit.Vonny spielt aus" begann, weitersühren Di« älejaogsgeweluschost Rosebery d'Argul» übt bis aus weiteres, wegen Renovierung der Schulaula, jeden DienSlag in dem Jugendheim, Belle. Alltance-Platz 1. Stimmbegabte, insbesondere Männer werden jederzeit ausgenommen. Sonnabend, 17. Ausast. Berlin. 16.00 Obmcjs.-Paf Dr. Breger: Die Hygiene des Oebörs, 16.30 J. Tews:„Geistespflege des arbeitenden Menschen". 17.00 Hotel Kaiserhof: Tcemusik. Anschließend Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.00 Rechtsanwalt Dr. Fritz Weinberg:..MietsaUerlcr'. 18.30 Joseph Delmont:„Nilpferdfang in Afrika", 19.00 I. A. Qabridli: Toccata A-Moll. 2. M. Weckmann: Toccata C Moli. 3. P. D. Paradies: Toccata A-Dur. 4. M. Balakirew: Toccata. 5. Fr. Delius: Toccata A-MoJI. 6. N. Lopatnikoff: Toccata, 7. M. Vogel: Toccata,(Irina Westermann, Flügel.) 19.55 Heiterer Abend(Bildfunk). 20.00 Heiteres Wochcneiide, Nach den Abendmeld ungeii bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Daios Bdla). Wihrend der Pause Bildfunk. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Flsc Hildebrandt: Die gemeinsame Erziehung der Geschlechtc. 16.30 Dr. Karl Vogt: Aufbau und Aufgaben der Reichszollvcrwaltung. 17.00 Nachmittagskonzert von Hamburg. 18.00„Hygiene auch im Fabrikbetriebe"(ein Gesprich zwischen Zigarettenarbeiterinnen und Betriebsrat). 18.30 Französisch für Anfänger. 18.55 Weincrt: Die Menschen der Eiszeit und wir. 19.20 Frank Warschauer: Utopien der Gegenwart. 20.00 Einsame Nacht. Sinfonische Dichtung für großes Orchester mit Tenor- Solo von Hubert Patiky.(Dirigent: Der Komponist. Solist: Karl Jöken. Berliner Funkorchester.) Sonntas. 18. August. Berlin. 6 30 Frühkonzert. 8.00 Für den Landwirt. 3.55 Stnndendockenspiel der Potsd. Garnisonkirche. 9.00 MorgenMer. Qiockenseläut des Berl. Doms. 10.00 Wettervorhenaje. 11.00 Studio. Kurze Einführung durch Intendant Dr. Fledch. 2. Ein Cello sinst in Daventry. Worte ron Roh. Seite. Musik von Werner Etk. Für Tenor- Solo. I. und 2. Männerchor mit jroBem Orchester.(Tenor-Solo: Arlur Kistenmacher. Berliner Funk-Chor. Berliner Funk-Orchester. Dirigent! Bruno Seidlcr-Winkler.) 11.30 Dr. Klopfer und Dr. Kflnkel: Uneiniskelt der Eltern über Erziehung»» fragen. 12.00 Vom Küslriner Platz: Platzkonzert. 13.00 Unterhaltungsmusik auf der Wurlitzer Orgel. M.OO Heiteres(gelesen von Hermann Boettcher). 14.30 Blindenkonzcrt. 15.30 Märchen.(Gelesen von Herta Felden.) 15.55 Länder-Wasserballtpiel Deutschland— Ungarn(Bildfunk). Anschließend Unterhaltungsmusik. 17.00 Von Budapest: Under-Wasserballspiel Deutschland— Ungarn(am Mikrophon: Allred Braun und Erich Schnitze), Anschließend: Aus dem Lunapark; Konzert. 19.00 Schellplattenkonzert. 20.00 Volkstümliche Musik. 31.30 Die Peitsche, von Hermann Kesser(gelesen ve» Otto Bern r( ein) Anschließend Zelt, Wetter. Tagesnachrichten. Sport. .KSnigswusterhauien. 7.00 Ueberlragung von Hamborg. 15.30 Dr. Albert Ehrenateln: Chines. Volkslyrik(Rezitation: Henny Hcrz-W'ou. mann). 19.00 Dr. Kurt Zimmermann: Berühmte Liebespure w der Oper. 20.00 Von Hamburg: Die meledifise Oper. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Während der Pause Bildfunk. Im Inserat der Firma Carl Laeske G. m. b.»erlin O. Z<. »elersburger»laß S. im Abend vom 15. d. M. ist der Setzerei bei der Preisangabe«in bedouerlicher technischer Fehler unterlausen. Da» berichtigte Inserat steht im häufigen„Abend", woraus wir besonders hinweisen. Gin alter Zopf. In den gewerblichen Kleinbetrieben hat sich bis heute der alie Brauch erhallen, daß die Lehrlinge bei Beginn der Essenspausen Lebensmittel und Getränte für die Gesellen oder Ge- Hilfen herbeiholen. Der Kleinbetrieb kann kein« Kantine unterhalten und auch keine jugendlichen Arbeiter mit als Einholer beschäftigen. Man wird dagegen den Einwand erheben, daß es bei dem großen Ansturm auf die Verkehrsmittel und der Ueberfiillung der Bohnen am Morgen unbequem sei, eine Aktentasche mit dem Früh- stück mitzuführen. Weiter, daß die mitgebrachten Lebensmittel bis zur Pause l«icht trocken werden, bei großer �itze dem Berderben ausgesetzt seien, und dergleichen. Daß es überdies dem Lehrling nicht schade, wenn er einmal aus dem Trott heraus auf die Straße komme, und mancher Lehrling sogar sroh darüber sei, durch das Einholen Gelegenheit dazu zu haben. Doch all die Gründe, die für die Einholcrei ins Feld geführt werden, fallen in sich zusammen durch die Praxis in den Betrieben, in denen kein« Lehrlinge gehalten werden. Hier nmß es ohne Einholen gehen, und es geht auch. Wir fordern mit Recht, daß die Gesetzgebung die veralteten Grundlagen des Lehrlingswescns gründlich reformieren soll, das wäre aber mit dieser Forderung wie mit unseren Grundsätzen dur'chaus unvereinbar, wenn wir än atitri Bräuchen wie der Einholerei festhalten wollten, und weil es„immer so gewesen" und ja auch„nicht so schlimm sei". Bon heute auf morgen wird dieser alte Zopf nicht fallen. Aber auch er m u ß f a l l e n! Die Gewohnheit hält ihn noch fest, bis die Schere kommt, um die Sache kurz zu machen. Bcrantwortl.'ill die Rrdattion: w-lsgang Schwar,, Vcrlin! Anzeigen: Th.»l-ck-, Berlin. Verlag: Vorwarls Verlag s. m. b. H.. Berlin. Druck: Vannarls Buid- druckcrei und Vcrlagsanstalt Paul Einger je Co.. Berlin TW öS. Lindcnftrage 3. Licrzu 1 Beilage. Zlteaier, Lidilspiele usw. Staats-Oper Unter d. Linden fietdilossen! Staats-Oper Am PI.d.Republ. Sonnabd., 17. 8. Stadl Oper Bistnarckstr. 7'/i Uhr Turnus III Die lustigen Weiber von Windsor Staatl. Sdiausph. am Gendannenmarkt üesdilosienl INTERNAT, Tägl. 8 u. SIS Sonnl.2.5ti 8B | Alex. E. 4. 8066 VARIETEi WinU>r ★ uarren* | 8 unr* zcntr. 2819» Raadiso tilioDl I | Internal. Variete. Immer aea, immer gut{ Sonnabend u. Sonntag Ja 2 Voretellungan■ 3«- und 8 Uhr. 3« kleine Preise.| Theat. d. Westens Täglich 8>/, Uhr Sonntag< u. 8Vi Franz Lehen Welterfolgl Friederike Lotte Carola Willy Thunis, Telephon Stein platz 0931 u. 5121 Lostspielhtos Täglich S'/i Uhr Du wirst mich heiraten I Rundfunkhörer halbe Preise. Netropol-Tb. Tägl. 8V« Uhr Sonntags 4 u. 8V« Blaubarl Operette von Offenbach Kammersänger Valter Ilrehhoff. Staatl. Sehiller-Theater.Ctisrltl]. Geschlossen. 8Vs Uhr Barb. 8256 « I0rlg.-ain6rlKanlsche Ravellers usw. Sennabend u. Sonntag Je 2 Voratellungen • u. t'h Uhr.— B Uhr ermäßigte Pr. Rose- Theoler, Gro�e Frankfurier Str. 132. Täglfch 8.15 Uhr; Zwtflf Sausend Schauspiel in 3 Akten von BrnDO Frank. Regie: Paul Rose. Gartenbfihne 4.30 Uhr Konzert und bunter Teil 8.15 Uhr »Bis früh um lOnfe" Werde Abo ent d. Rose-Theater. Vorverkauf auch Im Pavillon der Rein hardtbOhnen, Kurförstendamm, Ecke Uhlandstrasse Oeotsdiei Dieater D.I. Norden 12 310 SU- Ende gegen 11 Zum 75. Male: Die Fledermans Musikv.Joh.Strauß. Regie; Max Reinhardt. Musik. Einrichtung BAUN DHE BERLIN ■ b und Leitung gold. Ausslattg. UKalne Die Komödie I Bismck.2414/7516 IVsU., Ende geg. 10 Freudiges Ereignis LustsSe' von Dell uniSMitchell RegiRLeontine Sagan Theater in dar Klniggrätzar StraD. Wlcdereröftaei Täglich 8Vs Uhr mval en Komädienheu. Täglich 8V, Uhr Hodizeittreise mit Georo Alsxoodfir Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich SV. Uhr BERLIN SW 48/ WILHELMSTRASSE 106 Adalbert TELEFON: ZENTRUM 3205-3207/3284 NaBoderTrOdlCn? FQIEDQICHSTQASSE96'AM BAHNHOF CASINO-THEATER Lothringer Strebe 37. TSglid, SV, Uhr Oer neue Erottnungs-Schieger Wem geliöil mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Lesen Gutschein für t— 4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang OVO M. Reichshallen-Theater Allebendlldi[T] Uhr. Stettiner Singer Sonntag, 25. August: Erste NadimiiiaosVorsieiiona zu halben Preisen mit vollem Programm> Dönhoff-Brettl: Ächtung! Hausfrauen! Gepök. Schinken Hinterbeine Pfund m. 0.28 auBerflem schweinesohwlnze n. Rlpnchen täglich trlsoh(368 Berliner Wurst- n. FleUchwerenfabrik Variete (Saal und Garten) Tanz— Konzert Carl Laeske G.ra.b. H. Berlin O 94, Peterihnr jer Platz 8 • metan- D a f• a n stanN - Holz- D C 1 1 C n mairstzen I Kinderbetten, Polster, SdiUfrimmer. Chaise- •« ionpues an Private, Ratenzahlp. Kj!sb' Mm longuch all i tivoic, rxaicii�antx->>< a EisenmööeltabrlH Suhl talog 267 frei (Thür.) Berlin S, Oraniemlraße wtl/65 Sterlin O, frankfurter Allee 60 Berlin 11, Reinickendorfer Strafte 21 CharloUenburg, Rosinenslraße ii \ (Beilage Sonnabend, 17. August 1929 torjUn'fld SttAJaiilgtA At ibvösA Die Schlange und der Fisch Aus dem Tierleben am See Genezareth Di« Welt ist klein. An der Abendtafcl des Paier Täpper kn Tabgha haben sich neue Gäste eingefunden.„Ein deutscher Gc- lehrter, der eben von Mesopotamien angekommen ist", teilt mir der Hausherr mit.„Die Dame ist sein« Gattin, die eben von Deutsch- land kommt und ihm nach Syrien cntgcgengcreist ist!" Man freut sich hier immer, menn man einem Landsmann bc- gegnet: die Reisenden, die durchkomme«, sind in der Regel Ame- rikaner und sonst Engländer. Eine Stunde später befinde ich mich unter den duftenden Zitronenbäumen der Gartcnterrasse in lebhaftem Gespräch mit dem Neuankömmling. Wie gewöhnlich, steht das Woher und Wohin im Vordergründe der Unterhaltung. „Sie gehen noch Ostofrika? Sie haben den Krieg drüben mit- gemacht?" sragt der Landsmann.„3ch habe zwei Brüder, die eben- falls dort im Felde standen. Gestatten Sic: Dr. P r e u st e r, Mitglied der Ausgrabungskommission aus Uruk-Varka im Irak!" Ueberrascht blicke ich auf.„Armin und Wolsgang Preustcr waren Reiter der neunten ostasrikanischcn Schützenkompagnic: ich selbst ge- hörte der achten an. Da wir nur zwei berittene Kompagnien drüben hatten, können Sie sich vorstellen, dast die beiden zu meinem engeren Kameradenkreisc gehörten. Mit Armin bin ich noch vor kurzem in Brandenburg zusammen gewesen!" „Und ich kenne Ihr« Bücher!" sagte der Doktor ebenso erstaunt, nachdem er meinen Namen gehört,„ich habe Sie bei meinen Brüdern gesehen. Nein, ist das eine Ueberraschung! Gestatten Sie, dast ich Sie mit meiner Frau bekannt mache!" Bald haben wir Ostasrika, das der Doktor aus eigener An- schauung kennt, mit dem für mich völlig neuem Thema„M e s o p o- t a m! e n" vertauscht und ich höre gespannt, was er von den Aus- grabungcn der Amerikaner in Ur berichtet und den Fundaussichien der Deutschen in Uruk oder Varko. Aus feinen reichen Erfahrungen hat der Doktor allerlei Mit- teilungon gemacht, die mich aufs stärkste fesseln, zumal ich selbst noch vor meiner Weiterreise noch dem Nil einen Abstecher nach Bagdad und den Ruinen von Babylon machen will. Auch seine Plaudereien aus dem Tierreich finden bei mir ein williges Ohr: namentlich hat er Beobachtungen über die geradezu unglaubliche Lebenskrast und Zähigkeit der Kasten qngestcllt, die er an einein besonderen Beispiel erläuterte. � Naturaemäst greift die Unterhaltung sehr bald auf das Land zurück, in dem wir unsere augenblickliche» Studien anstellen, und wir kommen auch aus die Fauna zu sprechen. Wenige Augenblicke später haben der Doktor und seine Frau Gelegenheit, ihre Kenntnisse darüber aus eigener Anschauung zu erweitern. Unter den slammcndcn Hibiskusbüschcn und � den dunklen Zypressen taucht in seiner malerischen Gewandung einer der Söhne des Landes aus, ein arabischer Fischer. Nachlässig hat er ein Nest Wer die Schullern geworfen: in den Maschen zappelt �in mächtiger Ticrkörpcr. Die Beute, die der Mann aus dein See Genezareth heule herauszog, ist keine der üblichen Chroinisfische oder bcschnurrbartclen Welse, die schon Iosephus mit so viel Anteilnahme beschrieben hat. Sofort greisen alle anwesenden Amerikaner noch der Kamera. Eine mächtige schwarz« Schlange zappelt in dem Nest, fast einen Meter laiig. „Und dieses Reptil hast du wirklich und wahrhastig aus dem Wasser gezogen?" sragl einer der Anwesenden „Aus dem Wasser habe ich sie geholt!" bestätigt der Araber und ruft Allah ziir Bekräftigung seiner Behauptung an. Es ist nicht nötig, dast er alle neunundneunzig Namen des Gottes der Wüste zur Erhärtung seiner Beteuerung anführt. Willig bestätigt ihm ein Sachverständiger, daß alle Schlangen, ohne Aus- nähme, gern ins Wasser gehen, zumal in der Hitze. „Dieser Gedanke ist nicht gerade ersreulich!" meint einer der Gäste.„Ganz so harmlos wie bisher werde ich in Zukunft nicht mehr im See schwimmen: unser Badeplotz unten am Feigcnquell sieht mir ganz danach aus, als ob er mehr solche Viecher beherbergte!" Die Frag«, die sich sofort erhebt, ist die, ob die Schlange giftig ist. Der Fischer behauptet es. Nachdem er seinen Back- schisch erhalten hat, oerschwindet er mit seiner Beute. „Was war das für eine Schlange?" forscht der Pater abends, als er von dem Ereignis des Tages hört: er ist, wie gewöhnlich, draußen auf dem Felde bei seinen Beduinen gewesen oder hat die Sprengungen beaussichtigt, die ihm das Baumaterial für den neuen Pfad am Seeufer entlang liefern. , Man klärt ihn auf. „Eine schwarze? Na, dann mögen sich die Herrschaften nur be- ruhigen, die schwarzen sind nicht giftig!" Ich kenn« den braven Pater und lächle verstohlen Er macht es immer so. Welche Farbe man ihm auch nennen mag, ein« Schlange gerade dieser Farbe ist niemals giftig! �Vergeblich warte ich daraus, daß er sich einmal auf die Farbe eines Reptils festlegt, dos giftig ist. Dabei hat er längst zugestehen müssen, daß er wenigstens zwei Schlangenarten kennt, die giftig sind, nämlich die Kreuzotter und die L e v a n t e v i p c r. „Im übrigen sind im Wasser sämtlich« Schlangen ungefährlich, auch die Giftschlangen!" tröstete er mit dem Brustton der Ueber- zeugung,„sie können da nicht beißen, es fehlt ihnen der richtig« Stützpunkt, von dem sie vorschnellen, um die Gistzähne einschlagen zu können!" Es klingt ganz llberzeugend, aber mehr als ein schwaches Gemüt wird von bangen Zweifeln bedrückt. Mancher wird sich in Zukunft das Baden verkneisen. „In den achtzehn Iahren, die ich jetzt hier bin, ist niemals etwas vorgekommen, die Herrschasten dürse» ruhig weiterbadcn!" sagt der Pater, der osscnbar in den Herzen wie in einem offenen Buch liest. „Meiner Erjahrung nach sind die Schlangen hier am See durchweg harmlose Tierchen. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich es er- leben muß. daß die Araber sie unterschiedslos totschlagen. Die dummeii Kerle fürchten sich vor den harmlosesten Kreaturen, es ist eine Sünde und Schande!" Neue Gäste sind angekommen, unter ihnen Mr. Hornstein und Mr. Philipps aus Jerusalem. Die Schlangenpanik hat sich gelegt. Unbekümmert wandert wieder olles auf dem neuangelegten Ilferpsad zum Feigenqucll hin, der schattigen Badestelle unter den rauschenden Eukalypten. Wo der Quell das Idyll der Einbuchtung an der Felswand verläßt»i»d dein See Genezareth zueilt, hat der Pater eine primitive Brücke gebaut. Sie besteht aus einem Stück Feldbahn, das als eine bequeme Leiter den Uebergang vermittelt. Beide Teil« des Wäldchens sind auf dies« Weise vcrbunden. Die von oben herab- reichenden Eukalyptuszweige bieten denen, die in Kletterkünsten dieser Art keine liebung besitzen, ein« hilfreich« Stütze. Mr. Philipps ist in der Blüte seiner Iahrci Mit clastisthen Schritten will er eben über die Eisenleiter hinüberiänzeln, als lein Fuß stockt. Seinem scharfen Blick ist die leichte Bewegung im Wasser nicht entgangen. Diesseits des Baches ist der mit Kieselsteinen besät« Grund völlig klar, gerade gegenüber ist die tiefere Stelle, dort türmt sich eine Schicht dunkler Blöcke aufeinander. Von dort her sind Schlingpflanzen unter Wasser gewuchert, die teilweise unter dem Spiegel des Baches, oder auch an der Oberfläche selbst wie lange grüne Fäden und Stricke mit der Strömung treiben. Mitten unter den Wasserpflanzen treibt ein kürzeres, aber dickeres Stück wie ein dunkles Tau hin uii�her. Es ist der Oberkörper einer Schlange, die hier an der von der Sonn« nicht»nmittel- bar beschienenen, von überhängenden Pflanzen verdeckten Bachseite gegen den fast schwarzen Hintergrund der Blöcke gar nicht absticht und kaum zu bemerken ist. Augenscheinlich lauert das Reptil aus Beute. Der Platz ist geschickt gewählt, einen besseren gibt es hier gar nicht. Sämtlich« Fische, die aus dem See in die Bucht schwimmen oder von dort zurückkehren, müssen diese Stelle passieren. Sie ist kaum anderthalb Meter breit, und kein Opfer, das die Schlange sich ouserfehen hat. vermag ihr hier zu entrinnen. Herr Hornstein zieht, wie gewöhnlich, mit der Flinte aus, um Wachteln und Tauben zu schießen. Der junge Philipps sucht sich einen schattigen Winkel zum Fischen aus, Frau Hornstein wandert zum Badeplatz der Nymphen, tummelt sich im See umher und erfreut sich dann der Morgenstille im Wäldchen. Um die Stunde, da die Tafel ruft, kehren sie gemeinschaftlich heim. Der Weg sllhrt an dem Brückchen vorüber, an dem Philipps die Schlange beobachtete. Das Bild hat sich verändert. Schon aus einiger Entfernung wird«in Schwärm kleiner Fische sichtbar, die in Heller Unruhe durch den Bach schießen. Sie umschwirren den Platz, an dem das Reptil lauerte. Hier herrscht starke Bewegung im Wasser. Anfänglich ist es unmöglich, Einzelheiten zu unterscheiden. Einig« Sekunden später wird das Blid klar. Eine ungeheure Ueberraschung malt sich auf den Gesichtern der Belachter. Ein Fisch in der Größe einer Scholle, zweifellos von der Gattung E h r o m i s, die wir täglich als Vorspeise ausgetischt bekommen, ist in oll seinen Umrissen wahrzunehmen. Vor ihm ringelt sich ein langer Schlangenkörper durch das Wasser. Der Kopf der Schlange ist nicht sichtbar. Er steckt im Maul des Fisches, der seine Beute im richtigen Augenblick geschnappt hat und offenbar nicht daran denkt, sie wieder sahren zu lassen. i Frau Hornstein und Philipps sind außer sich vor Staunen. Was sie schauen, ist ihnen unsaßlich. Daß ein Fisch, dessen Umfang die Fläche einer Manneshand kaum zu übertresfen scheint, dos Reptil zu überraschen vermochte, würden sie niemals glauben, wenn sie es nicht mit eigenen Augen schauten. Offenbar ist der Sieg des Fisches bereits ein« Tatsache. Die Schlange ist völlig hilflos und vermag keinen Widerstand mehr zu leisten. Ihre Bewegungen werden schwächer und schwächer. Um den Endkamps auf alle Fälle beobachten zu können und zu verhindern, daß der Fisch mit seiner Beute in den See hinaus- schwimmt, greift Philipps zu einem Stock. Er schiebt ihn unter die beiden Gegner und versucht, sie aus dem Wasser zu heben und auf das User zu schleudern. Der Versuch schlägt fehl.. Der Fisch läßt seine Beute l« und schießt nach rechts in die Bucht. Sobald die Schlange ihren Kopf frei hat, verschwindet sie in der Richtung aus den See. Herr Dr. Preußcr und seine Gattin sitzen noch lange mit mir auf der hohen Gartenterrasse zusammen. Wie genießen den Aoend- Zauber des Sees Genezareth. Natürlich kommen wir auch auf allerlei Schlangenabenteuer zu sprechen. Ich plaudere von meinen eigenen Erfahrungen in Australi«r und Afrika: sie sind überreich an derartigen Erlebnissen. Ein Landsmann von uns aus Jerusalem, der einer der besten Kenner Palästinas ist, packt ebenfalls aus. „Wir hatten einig« Zeit Logierbesuch gehabt," erzählt er.„Als unser Freund abgereist war, trafen wir einige Veränderungen und räumten zu dem Zweck den Kleiderschrank von der Stelle. Wer be- schreibt unser« Ueberraschung, als wir unter ihm ein« Schlange ent- deckten. Es ist mir bis heute ein Geheimnis, wie sie dahin ge- kommen ist, wir werden es nie ergründen!" i. „Und die Schlange? Was geschah mit ihr?" „Wir sind sie auf die denkbar einfachste Weise losgeworden. Es gibt einen Weg, der schnurstracks in die Unterwelt führt. Dorthin brachten wir das Reptil, zogen am Klingelzug und spülten sie fort!" Ruckolk cke Haas. Anspruch auf Gratifikation Eine Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts Zu der Frage, wann ein klagbarer Anspruch aus Gratifikation besteht, die in allen den Fällen von Wichtigkeit ist, wo eine vertragsmäßige Regelung des Rechts auf Gratifikation unterblieben ist, hat kürzlich das R e i ch s a r be i t s g e r i ch t eine Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung gefällt. Das Urteil (RAE. 180/29 von, 15. Juni 1929) bejaht die Kl a g b a rk e i t d er Weihnachtsgratifikationen unter gewissen Voraus- setzungen auch ohne ausdrückliche Zusage. In tatsächlicher Hinsicht ist vorauszuschicken, daß die in der Klägerrolle auftretenden Angestellten bei einem Bantuiiternehmen tätig waren, das im Sommer 1928 in Liquidation treten mußte. Dort hatten sie jährlich— zum Teil seit dem Jahre 1918— eine Weihnachtsgratisikalion in Höhe eines halben Monatsgehaltes er- halten, mit Ausnahme einer weiblichen Angestellten, die erst nach Weihnachten 1927 eingestellt worden war. Das Landesarbeitsgericht hatte seftgestell!, daß das beklagte Unternehmen in früheren Jahren regelmäßig allen Angestellten zu Weihnachten ein halbes Monatsgehalt als Gratifikation hat zahlen lassen. Dies« Uebung bestehe in Bankkreisen in sehr weitein Umfange. Das vor dem Arbeits- und Landesarbeitsgericht unterlegene be- klagte Unternehmen bestritt mit seiner Revision eine rechtliche Ver- pflickliing. da die betreffenden Zahlungen st e t s freiwillig er- fvlgt seien, überdies nur einer der Kläger die Gratifikation längere Jahre hindurch erhalten habe. Die erwähnte Uebung würde vielleicht einen Rechtsanspruch haben begründen können, falls das Unter- nehmen weiter gut gegangen wäre, nicht aber jetzt, wo es zusammen- gebrochen sei. Schließlich fehle es vorliegendenfalls auch an dem der Gratlsikation begrifflich notwendigen Momente, daß sie als Ansporn für künftige Dienste bestimmt sei. Auf keinen Fnll stehe der zuletzt erst eingetretenen Angestellten ein Gratisikations- Anspruch zu._ Das Reichsarbeitsgericht untersucht zunächst, ob eine ohne bindende Zusage auf die Dauer gezahlte Gratifikation einen Rechts- anspruch zu erzeugen vermag, was vielfach bestritten wird, weil angeblich die Freiwilligkeit der Hingabe durch die mehrfache Ge- Währung nicht beseitigt werden könne. Mit bemerkenswerter Schärfe wendet sich das Urteil hiergegen: „Diese Auffassung kann das Reichsarbeitsgericht nicht billigen. Kann sich der Geschästsherr durch eine ausdrücklich« Zulage verpflichten und erlangt sie hierdurch einen vertragsmäßigen Charakter, wird sie zu einem Teile des Gehaltes, so ist nicht einzusehen, warum derselbe Erfolg nicht wie in allen anderen Vertragsverhältnissen auch durch ein« still- schweigende Erklärung sollte herbeigeführt werden können." Das Urteil räumt nun die Möglichkeit«in, daß einer Gratifi- kation, die sich anfangs als freiwillige Leistung darstellte, diese Natur auch auf die Dauer gewahrt werden kann, nämlich dadurch, daß bei der jedesmaligen Hingabe aus die Freiwilligkeit hin- gewiesen wird. Anders müsse es aber beurteilt werden, wenn die Gratifikation„ohne einen solchen Hinwels eine Reihe von Jahren hindurch regelmäßig ohne weiteres und vorbehaltlos ausgezahlt werd." Beim Vorliegen dieser Voraussetzungen, führt das Reichsarbeitsgericht aus, ändere die Gratifikationsgewährung ihren Charakter: „Unter solchen Umständen wird der Angestellte, mit Recht in dem VerHaft«» des Geschästsherrn die Erklärung seines Willens, eine Zulage dahin erblicken, daß ihm die Gratifikation ein für allemal gewährt werden solle, so lange sein Dienstverhält- nis dauert. Er wird sie als einen Teil seines vertrag-- mäßigen Gehaltes ansehen, mit ihr rechnen und seine Lebenshalwng danach einrichten. Daß er bei dem Verhalten des Geschästsherrn zu dieser Auffassung kommen konnte und durfte, bedarf keiner Darlegung, und der Geschästsherr, der diese Auf- fassung von dem Inhalte des Dienstvertrages selbst hervorgerufen und genährt hat, muß sie gegen sich gelten lassen. Er ist nicht mehr in der Lage, nach Belieben und ohne Grund die Gratifikation zu verweigern." Weiterhin führt das Reichsarbeitsgericht zwei Gesichtspunkte ins Treffen, um die Klagbarkeit der so beschaffenen Ansprüche zu be- gründen: Einmal die in einem Geschäfte bestehende Uebung, aUen Angestellten die Gratifikation zu gewähren, ferner aber die Ge- Währung an die neueingetretenen Angestellten schon im ersten Besch ästigungsjahre. Das Urteil stellt nun aus die bekannte Erfahrungstatsache ab, daß Angestellte, die in ein Geschäft einzutreten beabsichtigen, sich mit den Verhältnissen in diesem, ins- besondere mit den gezahlten Bezügen bekannt machen und damit. zu rechnen pflegen, daß ihnen mangels eines Vorbehalts bedn Vertragsschluß dieselben Vergütungen zukommen wie den übrigrn Angestellten. Es gelangt hierdurch zu dem Ergebnis: „Erhalten nun alle andern Gratifikationen und wird einem neu einzustellenden gegenüber bei der Einstellung kein Borbehalt nach dieser Richtung hin gemacht, so darf er mit Recht davon ausgehen, daß auch ihm stillschweigend die übliche Gratifikation zugesagt worden sei, daß ste«inen Test des ihm zu gewährenden Gehaltes bilden solle. Auch in diesem Falle ist der Geschästsherr, der mit einer solchen Auffassung rechnen mußte, aber einen Vorbehalt zu machen unterlassen hat, zur Zahlung rechtlich verpflichtet." Gleichwohl hebt das Reichsarbeitsgericht noch ausdrücklich hervor: Ob diese Voraussetzungen einer rechtlichen Bindung gegeben sind, ist nach der Lage des einzelnen Falles zu entscheiden." Dies wird im vorliegenden Falle aus Grund der geschilderten Umstände bejaht. Den letzten Einwand schließlich, das beklagte Unter- nehmen sei infolge des Zusammenbruchs notleidend und daher nicht zu? Zahlung der Gratisikationen verpflichtet, hat das Reichsarbeitsgericht gleichfalls nicht gelten lassen. „So verständlich der Standpunkt der Beklagten, im Interesse der geschädigten Sparer die vorhandenen Mittel zu erhalten, auch sein mag, einen Grund, den Klägern, die doch auch auf ihr Gehalt angewiesen sind, einen Anspruch zu versagen, der ihnen auf die stillschweigende Vereinbarung hin als Teil ihrer Entlohnung zu- steht, kann er nicht abgeben. Ganz abgesehen davon, daß es bei allen übrigen Kosten der Liquidation, auf den verhältnismäßig geringen Betrog nicht ankommen kann." Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß die Tragweite diese» Urteils gar nicht überschätzt werben kann. Zlechtsanwav Dr. N.Neumann, Leipzig. DESBERRY* Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden (27. Fortsetzung.) Mamie Bolton hielt seine.l)ond fest. Sie beugte sich über ihn, tüßte seine Stirn, die kalt und feucht war. „Leb wohl, Genosse," flüsterte sie mit tränenerstickter Stimme. Aber der einstige Spitzet hörte den Ehrennamen nicht mehr, nach dem er sich gesehnt hotte. Sein« Augen brachen, ein letztes Stöhnen entrang sich seiner Brust, dann lag er gan� still, umgeben von Rauch und den letzten schwach aufzüngelnden Flammen der großen Feuersbrunst. * Der Morgen graute. Fahles Licht fiel aus den von Asche hoch bedeckten Baden. Der Brand war gelöscht. Die Feuerwehr verließ die Brandstätte. Ein schauerlicher Fug folgte ihr. Blasse Menschen mit verjerrten Gesichtern, gezeichnet vom Entsetzen einer Rocht, die sie niemals vergessen würden. Diele Frauen weinten, in den Augen der Manner aber loderte eine wilde Glut, die ebenso unheimlich und drohend war wie die Flammen, die ihnen die Unterkunft geraubt hotten. Aus zwanzig Bahren lagen stöhnende Derwiuühete. Auf zwölf Bahren zwölf Tote. „Calvin Füllers Strecke!" sprach Ben Hall mit verhaltenem Grimm, auf die zwölf Bahren weisend. „Sie wird ihm teuer zu stehen kom�n'" schluchzte Mamie Bolton. „Ja," entgegnete O'Keefe hart. In ganz Fullersville herrschte eine unbeschreibliche Aufregung. Sogar die Behörden schienen völlig den Kopf verloren zu hoben, und die Polizei, die irgendeine Verzweiflungstat der Streiker be- fürchtete, wußte nicht recht, was zu tun. So kam es denn, daß vor den Toren der großen Betriebe, an den Ausfahrtsstellen der Straßenbahn, vor den Druckereien der bürgerlichen Zeitungen ungehindert die Abgesandten der Streiker auf die Arbeiter warten und ihnen die Bedeutung des nächtlichen Brandes erklären konnten. Der alte Birch aber, der wirklich ein schlauer Fuchs war, ver- fluchte beim Frühstück Calvin Füller und erklärte während des ganzen Tages jedem, der es hören wollte: Dieser verdammte Calvin Füller schadet uns mehr, als alle Roten zusammen. Jeder Mensch weiß genau, daß er das Zeltlager in Brand stecken ließ, weil ihm die Behörden nicht gestatten wollten, die Streiker zu vertreiben. Wer weiß, was für ein Ergebnis diese verdammte Dummheit haben wird?" Der folgende Tag'brachte die Antwort auf diese Frage. Das rote Fullersville. Es ereignet sich häufig i.m Frühling, daß ein Baum, der noch am Abend nur Knospen zeigt, am Morgen über und über mit Blüten bedeckt ist. Wie oft auch immer wir dies gesehen haben, stets staunen wir entzückt daniber, und es erscheint uns als ein köft- liches Wunder der Natur. Das gleich« Wunder ereignete sich auch in Fullersville. Ueber Nacht sprossen an ollen Ecken und Enden Blüten hervor, blutrote Blüten der Revolution. An allen Litfaßsäulen, Mauern und Reklamctafeln leuchteten rote Plakate mit den Worten: „Genossen, Arbeitskameradenl Fullersville hat in der gestrigen Nacht so viel Rauch gesehen, daß es für eine Zeitlang mit Rauch gesättigt ist. Laßt daher aus den Fabrikschloten keinen Rauch auf- steigen! Kein Rad darf sich drehen, kein Motor in Bewegung gesetzt werden! Laßt die Maschinen, deren Knechte ihr bisher wart, zu euren Bundesgenossen im Kampf gegen die Unternehmerwillkür werden! Die elektrische Kraft, die im elektrischen Stuhl einen de? unseren bedroht, darf nicht zum Nutzen der Unternehmer Maschinen und Straßenbahnen treiben! Ein ungeheuerliches Verbrechen wurde begangen: Hunderte von Menschen sind obdachlos geworben, zwanzig liegen schwer verletzt danieder, zwölf, darunter zwei Frauen und drei Kinder, sind tot! Zum Zeichen der Trauer soll heute die ganze Stadt in Dunkelheit gehüllt werden, keine elektrische Lampe darf brennen! Jeder Arbeiter, der heute den Finger rührt, ist ein Verräter an der Sache des Proletariats. Genossen, Arbeitskameraden! Ihr habt die Macht, Werte z» schaffen, Leben zu erhalten. Beweist an diesem schwarzen Tag der Trauer, daß ihr auch die Macht besitzt, da» Leben einer Stadt, eines Staates, einer ganzen Welt zu lähmen, daß ohne eueren Willen sbdes Leben unmöglich ist! Beweist, daß Proletarierblut ebenso kostbar ist wie Herrenblut, und daß die unseren nicht straflos ge- mordet werden dürfen. Wir fordern Sühne für die zwölf Opfer des Brandes. Heraus mit den politischen Gefangenen, heraus mit David Gordon! Auf zum Generalstreik! Die Ortsgruppe der Workerz.Lorty von Fullersville. Die Ortsgruppe der Sozialistischen Partei von Fullersville." Wer jemals eine tote Stadt gesehen hat, wird diesen Anblick nie vergessen. Die roten Blüten der Revolution trugen reichliche Früchte. Aus keinem einzigen Fabrikschlot stieg Rauch, keine Tram verkehrte, kein Auto fuhr durch die Straßen. Totenstille ringsum, erschreckende, unheimliche Stille. Die ganze Polizeimacht war aufgeboten worden, aber die Männer mit den Gummiknüppeln und den Revolvern, die berittene Polizei, die durch die öden Straßen sprengte, vernahmen nur den dumpfen Ton der gegen das Pflaster aufschlagenden Pferdehufe. Sie schienen ausgelandt zu sein, um gegen die Luft zu kämpfen. Kein Arbeiter zeigte sich auf der Straße. Deränstigte Geschäftsleute ließen vor ihren Läden die Rolladen herab. Die Bürger wagten nicht, ihre Häufer zu verlassen. Ein Grauen lag über der ganzen Stadt, das Grauen de» Schweigens. Die Still« war unerträglich, zerrte an den Nerven der Menschen, schien Unheil zu verheißen. Wann wird sie bersten, wann wird aus ihr, wie au» einer Ge- witterwolke, der Sturm losbrechen, der das satte Behagen der Be- sitzenden fortfegt? Wann»»eichen die Blitz« niederzucken, die den Untergang einer Welt erhellen? Wann werde.n die Regenfluten niederströmen, gleich einer zweiten Sündflut alles fortschwemmen? Noch nie wir den Bürgern von Fullersville«in Tag so«ndlss erschienen, die Minuten dehnten sich zu Stunden, die Stunden zu Tagen Nichts ereignet sich, und gerade das war das Entsetzliche. EinAufruhr ist ewas Verständliches, da greift man nach der Flinte und schießt auf die„Feinde", und alles ist in Ordnung. Aber diese verödeten Straßen, diese Totenstille, dieses zitternde Warten auf dos, was kommen wird! Als Calvin Füller herausfordernd in seinem Auto durch die Straßen suhr, waren es die Bürger und Kleinbürger, die hinter ihm her die Hand zur Faust ballten. „Die verdanken wir das Ganze! Deiner Habgier! Deiner Herrschsucht!" Der Bürger haßt den Menschen, der sein Behagen stört: am liebsten hätten die ehrbaren Geschäftsleute von Fullersville den Herrn der Fuller-Betriebe gelyncht. Endlich wurde es Abend. Aber er brachte mit sich neues Ent> setzen. Keine elektrische Lampe brannte. In Salons und guten Stuben saßen die Menschen zitternd im Dunkeln. Nun kommt die Nacht! Was wird sie bringen? Die Polizei war halb verrückt vor Nervosität. Den ganzen Tag kampfbereit gegen einen unsichtbaren, laullosen Feind die Straßen durchstreisen, ist keine angenehme Sache. In solchen Stunden lernen sogar Polizisten nachdenken. Und das ist gefährlich. Endlich, um acht Uhr abends, ereignete sich etwas. Die große Glocke der Dreifaltigkeitskirche begann zu läuten, wild, aufreizend. als riefe sie zum Angriff. Erschrockene Menschen eilten ans Fenster. Durch das gespenstische Dunkel der Stadt bewegte sich langsam ein Zug. Voran wurde die rote Fahne getragen. Männer mit Pechfackcln in den Händen schritten neben ihr einher. Und der Fahne folgten, von Männern getragen, vom roten Licht der Fackeln be- leuchtet, zwölf schwarze Särge. Hinter den Särgen aber schritten, schwarz in der schwarzen Nacht oerschwindend, Menschen, Menschen, Menschen, ein nicht enden- wollender Zug. Lautlos schritten sie dahin, nur dos Pochen ihrer Füße war vernehmbar, kein Wort wurde laut. Als wäre ein« schwarze Flut aufgebrochen, um die ganz Stadt zu überschwemmen. Den Leuten an den Fenstern rieselte es kalt über den Rücken. Es mar ihnen zumute, als fei das Jüngste Gericht hereingebrochen,' Tot« ständen aus den Gräbern auf, um gegen sie zu zeugen, als nahe der Weltuntergang. Longsam, stumm bewegte sich der schaurige Zug durch die Stadt, schritt bis zu Calvin Füllers Haus. Die Polizei war ratlos. Zwar waren Straßenumzüge oerboten, aber tonnten sie gegen einen Zug einschreiten, der Särge mit sich trug? Bor dem Fuller-Haus angelangt, stellten die Männer die Särge nieder. Die Fackelträger traten vor, so daß alles Licht auf die Särge und die im Wind flatternde rot« Fahne fiel. Noch ein Augen- btick Schweigen. Dann tönt« durch die Nacht der Trauermarsch der russischen Revolution: „Als Opfer seid ihr gefallen im Kampf.. Dumpf, wie Totenglocken, klangen die Stimmen, eine herz. zerreißende Klage. Sogar die Polizisten, die Calvin Füllers Haus bewachten, sühlten unklar das Leid, dos au» diesen Tönen sprach. Mehr als einer lieh den Gummiknüppel sinken, und als Pat O'Flonagan, der riesenhafte Jrländer, flüsterte: „Eigentlich war es ja doch eine Gemeinheit! Frauen und Kinder..." stimmten ihm fast olle zu. Dann aber erhob sich aus der Klage triumphierend«ine helle Frauenstimme: „Es kommt eine Zeit und das Boll erwacht, Es reckt sich zur Freiheit in siegender Macht..." Das war die Zukunft, der sichere Sieg. Opfer mochten fallen. Gefangene des Klassenkampfes im Kerker leiden, es konnte Nieder- lagen geben, die Reaktion konnte siegen— für kurze Zeit. Aber der Sieg war gewiß. Weder Tränengos noch Panzerwogen, noch all« Maschinengewehre der Welt vermochten ihn zu verhindern. Im Dunkeln weht die rote Fahne voran und weist den Weg zum Seg. Die helle Frauenstimme wurde dumpfer, da das Lied von neuem der Opfer gedachte, ober aus Tod und Elend klang denn- noch das neue Leben, und keins der Opfer war vergeblich gefallen. Ihre todbezwingende Zvaft hotte neue Kräfte gezeugt, aus einer kleinen Schar wurde ein ungeheures Heer, unbesieglich, iveil auf seiner Seite das Recht stand... Die Stimme verstummte. Schweigend hoben die Männer ober- mals die Särge auf die Schultern. Stumm, wie ein Gefpenster- heer, dos den Untergang der alten Ordnung verkündet, setzte sich der Zug von neuem in Bewegung » Um neun Uhr klingelt« dos Telephon in Calvin Füllers Ar- beitszimmer; herrisch, zornig. Er trat an den Apparat Durch den Hörer tönte die Stimme des alten Birch. Sie klang nichts weniger als freundlich: „Hören Sie, Füller, die Kausmonns- und Jndustriellenvereim- gung hat eine Nachtsitzung anberaumt Kommen Sie sofort." „Ich. „Keine Ausflüchte! Sie sind an allem schuld. Kommen«i« sofort!" Ä Das war ein Befehl, dem sich sogar der Herr von Fullersville nicht zu widersetzen wagte. Er ließ den Chauffeur verständigen und betrat eine halbe Stunde später den vornehm ausgestatteten Saal de» Bürgerklubs, wo die Kaufmanns- und Industriellenvereinigung ihr« Sitzungen abzuhalten pflegte. Gleich beim Eintreten merkte er. daß er unter lauter Feind« gerchen war. Der alle Birch führt« da» Wort, und der einstige Gochgräber aus Alaska nahm kein Blatt vor den Mund. „Sie haben uns durch Ihre verdammt« Dummheit in eine schöne Lage verfetzt!" brüllte er. noch ehe Calom Fülle? an dem großen Tisch Platz genommen hatte. „Ich oersteh« Sie nicht, Birch. Was soll« Sie damtt sagen?" Einige Kerzen und zwei mit Mühe aufgetriebene Petroleum- lampen erhellten den Raum. Aber sogar bei dem schwachen Licht konnte Calvin Füller sehen, wie zornig die Gesichter waren, die sich ihm zuwandten. „Freilich, Sie verftehen nicht!" höhnte der atte Birch„Sie Unschuldslamm! Welcher Teufel hat Sie geritten, dos Zevloger in Brand stecken zu lasten?" „Ich? Sie haben wohl den Verstand verloren, Birch? Sie misten doch wie unvorsichtig das Gesindel ist. und Zeltkeinwand fängt leicht Feuer." „Besonders, wenn es vorher mit Petroleum begasten wird!" tobte der atte Birch„Sie Idiot, misten Sie denn nicht, daß Petroleum riecht?:. (Fortsetzung folgt.) Rät sei-Ecke des„Abend", aniifiiiuiinuiinnimtminiiiuniiraiHininniinmninnni Kreuzworträtsel. uuimnumuni W a g e re ch t: 1. Menge: 5. altrömischer Grenz wall: 0. Himmelsrichtung: 10. Völkerart: 11. italienischer Dichter-, 1J. weiblicher Vorname: 14. Schwimmvogel: 17. Akkord: 19. Zeughaus: 20. Gefäß: 22. Lebewesen: 25. Getränk: 27. Futterpflanze: 29. Drahtleitung; 31. Ostseeinsel: 32. chemisch« Verbindung; 33. Aufstellung.— Senkrecht: 1. Fluß in Frankreich; 2. Doppelsalz: 3. Notruf: 4. Last- tier; 5. Geliebte des Zeus: 6. weiblicher Vorname; 7. Körperteil eines Haustieres; 3. Weizenart: 13. weiblicher Vorname: 15. Natur- erscheinung: 16. kleine» Arbeitsmaß: 17. Handlung: 18. jüdischer Priester; 20. Transportmittel: 21. Fluß in der Schweiz: 23. Reichspräsident; 24. Furche; 25. Destillationsprodukt der Kohle; 26. Wider- willen; 28. Windstoß; 30. türkischer Name. ick. Ick 0 v +•■■ ...+ +• MARS BerwandlungSaufgabe. Der Mond ist in sechs Zwischenstufen in den Mars zu verwandeln, und zwar ist in nebenstehender Figur jeweils der durch ein Kreuz gekennzeichnete Buchstab« durch einen anderen zu ersetzen. KI. Buchstabenrätsel. Aus den Buchstaben aaoeeeeeeecsgghiiillllll m n o r s t t t u sind 11 Wörter von je drei Buchstaben zu bilden. deren Anfangsbuchstaben aneinandergereiht einen deutschen Frei- heitsdichter nennen.— Die Wörter bedeuten: 1. Märchengestalt, 2. Farbe, 3. Prophet, 4. Nebenfluß de» Rhsins, 5. Schistsseite, 6. Fluß in Thüringen, 7. Antilopenart, 8. Vorschlag, 9. Nordische Göttergestalt, 19, Getränk, 11. Hag. kr. Schieberätsel. Die Namen der Erfinder Marggraf, Bunsen, Fulton, H-ilmann. Franklin, Sobrero, Miethe, Mareoni, Hughes schieb« man seitlich so, bis«ine lenkrecht« Reihe den Namen eines weiteren Erfinders ergibt.—kr. Magisches Quadrat. Di« Buchstaben sind so zu ordnen, daß die wagerechten und senkrechte« Reihen gleichlautend folgendes ergeben: 1. Kavallerist: 2. Gellebte des Zeus: 3. Hafen in Arabien: 4. Roman von Zola. Silbenrätsel. Aus den Silben ai al au b: ber berg che«hel cher da du e e e ei ei en ga gab gau gel Haas hä her i i« i» ja ki kob le l« len lent li lonz me na ne ne ne ml now osf pe ra rou re re ren ren rier ran rou fa so sche sen set so ta ter the thur ti tier sind 21 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen Mahnruf und eine Aufforde- rung an die Arbeiteifchast ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Bündnis schließen: 2. Stadt in der Mark; 3. Bewohner Nord- ofrika«: 4. Vogel; 5. männlicher Vorname; 8. Anlage zu guten Leistungen; 7. deutscher Geschichtsschreiber; 8. Fenstervorhang: 9. Stadt in Frankreich: 10. englische Hunderasse: 11. Nachforschung: 12. Schweizer Kanton: 13. Hirschgottung: 14. Tochter des Oedipus: 15. Stadt in Tschechoslowakei; 16. Baum: 17. Stadt in Japan; 18. Druckverfahren: 19. Stadt in Schlesien: 20. Glätten von Papier; 21. Stadt in Thüringen(j— i).—kr.— Schieberäisel. Die Namen Nemitz, Roßmonn, Feldmann, L-itk«, Severing, Bender, Landsberg, Warum, Kuhnt, Wurm schiebe man seitlich so, bis eine senkrechte Reihe den Namen eines bekannten verstorbenen sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten ergibt. kr. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. F ü l l r ä t f e l: Berfastungstag. Gleichungsrätset: Grillparzer. Rösselsprung: Was man für andr« tut, für andre schosst, Wie man das Heil der andern wirkend mehrt, Wie man den andern leiht die eigne Kraft, Dos ist des Lebens schönster Inhalt, ist sein Wert. (Rudolf Lothar.) Ein« Kleinigkeit: Rosa, Brosam. Silbenrätjel: 1. Matrose; 2. Adam: 3. Ilordkap: 4. Zsold«: 5. September; 6. Tarantella: 7. Jerusalem; 8. llndine: 9. Norweg-n; in. Gespenst: 11. Soden; 12. Oculi; 13. eanguedoc: 14. Allah; 15. Nougat: 16. Gorilla: 17. Esel: 18. Demokrat: >9. Agonie: 20. Silber: 21. Testament.—„Man ist jung, solange das Temperament nicht altert." Die fehlende erst« Silbe: Süb« per. Persien, Personen, Perleberg, Perlenschmuck, Pergament. Perfektum, Per. manenz, Pergamon. Persante, Perspektw. Perserkrieg. Perkalstass, Sonnabend 1 7. Aug««4 1929 Nr. 384 46. Jahrgang Automatische Hauswasser- V ersorgung. Unter besonderen Verhältnissen, die in erster Linie für lond- rvirtschostliche Betriebe, dann aber auch sür Dillen, Einzelhäuser. Gärtnereien, Kuranstalten usw. gegeben sind, ist infolge der un» günstigen Loge der Anschluh an ein kommunales Wasser- Versorgungsnetz nicht immer möglich. Steht elektrischer Strom zur Verfügung, so gibt jedoch eine eigene �ausrvasseroersorgungsanlage die Möglichkeit, auf billige, bequem« und vollkommen« Weise den Wasserbedarf zu decken. Man unterscheidet zweierlei Arien der automatischen Schal- tung einer derartigen Anlage, die chochbehälterschwimmer- s ch a l t u Ii g und die W i n d k e s s e l d r u ck s ch o l r u n g. Bei der Hochbehälterschwimmerscholtung wird da» Wasser von der Pumpe in einen chochbehältcr befördert, der einige Meter über der höchsten Zapfstelle liegen mutz. Das Wasser läuft dann durch das natürliche Gesälle den einzelnen Berbrauchostellen zu. Das Abstellen und Anstellen der Wasserpumpe wird durch einen Schwimmer» schalter betätigt, der bei sinkendem Wasserstand ein- und nach Abfüllung des Wasser» in dem Kessel selbständig ausschaltet. Die Zentrale Hauswasser- Anlage. W Anlage einer Wasserversorgung mit Hochbehälter kommt überall dort in Frage, wo eine große Walserreserve benötigt wird und aus finanziellen Gründen eine Windkesselanlags nicht beschafst werden kann. Die Windkesseldruckschaltung bietet den Vorteil des höheren Wasserdruckes, als dieser durch den Höhenunterschied zwischen Hoch- behälter und Zapfstelle gegeben ist. Da der Windkessel mit der Pumpe zusammen im Keller aufgestellt wird, in dem weder Kälte noch Hitze stark einwirken können, so bietet dieses System weiterhin den großen Vorzug, daß im Sommer jederzeit frisches, kühles Wasser und im Winter ein wenig temperiertes Wasser zur Der- fügung steht. Der Wasserdruck kann beliebig hoch genommen werden, wodurch man unabhängig ist vom Vorhandensein eines hochgelegenen Ausstellungsorte» und außerdem Zapfstellen in be« liebigen Entfernungen vorsehen kann. Wirilungweise einer sclbsttäHgcn Haus- wasserpumpe. D>e Pumpe drückt da» angesaugte Wasser in einen Kessel, in Helsen oberem Teile sich Lust befindet. Der Kessel ist durch ein Kreuzstück unmittelbar niit der Pump« verbunden. Durch das ein- gepreßte Wasser wird die im Kessel befindliche Luft zusammen- gedrückt und dien: nun als Druckmittel für dos Rohrnetz. Die automatische Ein- und Ausschaltung der Pumpe wird einem be- sonderen Druckscholter übertragen, der bei Erreichung«ine« be- liebig einstellbaren Höchstdruckes den Motor zum Stillstand, beim Sinken des Kesfeldruckes dagegen wieder zur Arbeitsleistung bringt. Wird durch Oefsnev der Zapfstelle und Entnahme von Wasser der Kesseldruck vermindert und bei weiterer Wasserentnahme so weit verringert, daß der Druckschalter den Motor schaltet, so beginnt die Pumpe wieder zu fördern. Im allgemeinen wird man für mittler« und größere Hauswasserversorgungsaulagen einen Wasserdruck von 40— SV Meter Wassersäule, sür kleinere Anlagen einen solchen von S0— 30 Meter Wassersäule für ausreichend erachten. Da die Betriebssicherheit und die automatische Arbeit der Wasseranlage wesentlich von der guten Funktion des Druckschalters abhängt, so ist aus dessen Ausbildung und Einrichtung sowohl in elektrischer als auch mechanischer Beziehung besondere Sorgfalt zu legen. Der Druckschilter kann unter Verwendung eines festen Vorschaltwiderstandes oder eines Selbswnlasser, als Hauptstrom- kontaktapparat zum direkten Einschalten de« Antriebsmotors oder bei größeren Antriebsmotoren bzw. Wasseranlagen als Hilfsstrom- kontaktapparat zum Einschalten de» Hilfsstromkreises eine» Selbst- anlaslers dienen. Der mit Momentauslösung versehene Schalter schaltet den Motor selbsttätig, abhängig vom Kesseldruck ein und au», und zwar mit ollen Polen. Der elektrische Teil de» Druck- schalters ist über dem hydraulischen angeordnet und spritz- und tropiwasserdichi gekapselt. Der Kesseldruck wirkt auf einen mit Lederdichtung versehenen Kolben, der in einem Zylinder gleitet. Di« Koibenbewegung überträgt sich durch einen Hebel und Schalt- stanzen aus den elektrischen Schalter Der Kolben wird von zwei an einen Querbalken angreisenden Federn belastet, die dem aus dem Kolben ruhenden Kesseldruck entgegen wirken und bestrebt sind, den Schalter einzuschalten. Der kleinste, normale Druckunterschied zwi- schen ein- und ausschalten betrögt etwa 0.8— t Atmosphären. Man kann auch den Druckscholter mit größeren Druckunterschieden wählen. Marimal beträgt dieser Druckunterschied etwa 2.3 Atmosphären. Der größte Betriebsdruck liegt bei etwa 8 Atmosphären, der kleinst« Einscholtdruck bei 0,8 Atmosphären. Bei Bestellung einer Hau». wasseronlage müssen die gewünschten Schaltdrücke angegeben werden, damit die Schalter auf den Druck«ingestellt werden können. Kreiselpumpen. Die meisten Pumpen zur Hauswasserversorgung sind selbst- ansaugend« Kreiselpumpen. Es sind das umlaufende Wasserpumpen von einfachster Bauart. In einem zylindrischen Pumpenkärper ist«in Schauselrod exzentrisch gelagert. Das Wasser steigt in den Pumpenkörper nur zum Teil ein, füllt ihn also nicht ganz aus. Läuft das Schaufelrad, so wird das Wasser innerhalb des Pumpenkörpers in kreisende Bewegung gebracht. Bei voller Drehzahl des Schaufelrades erreicht das Wasser ungesähr die gleiche Geschwindigkeit wie die Schaufelslügel, und es läuft dann infolge der Zentrifugalkroft in Form eines geschlossenen Ringes am Um- fang des Pumpenkörpers. Die durch die Schaufelslügel gebildeten Lusträume zwischen der Nabe des Schaufelrades und dem umlaufenden Wassering sind ungleich groß, weil die Nabe des Schauseirades exzentrisch liegt. Hierdurch verändern sich die Lusträume derart, daß sie in D r e h r i ch t u n g nach unten zu größer und nach oben kleiner werden. Die Luft in den Lusträumen wird also bei Drehung des Schaufelrades zunächst stark ausgedehnt und dann wieder verdichtet. Da nun der Pumpenkörper in die Säugöffnung mündet, so wird durch diesen Saugkanal zuerst Lust und dann Wasser in die lustverdiinnten Teile des Pumpen- körpers einströmen Bei Weiterdrehung des Schaufelrades wird die Luft bzw. das Wasser verdichtet und durch die Druckösfnung in die Druckleitung getrieben. Auf diese Weis« entsteht also das Wechselspiel zwischen dem angesaugten und dem druckgefärderten Wasser. Wenn die Druckseite abgesperrt wird(wo» ja sehr häusig der Fall ist bei geschlossenen Abzapfstellen), so wird keineswegs der Druck unzulässig ansteigen oder die Pumpe bzw. die Rohrleitung beschädigt werden. Im entgegengesetzten Falle nimmt die Belastung im Antriebsmotor bei Verminderung der Förderhöhe nicht zu. Die Pumpe kann also auch gegen die ossene Druckleitung anlaufen und ein besonderer Schieber aus der Druckseite fortfallen. Tiefsaugecinrichtungen. Fördermenge und Förderhöh« stehen in einem bestimmten Vcr. hältnis zueinander, und zwar nimmt die Fordei menge bei ob- nehmender Förderhöhe zu und umgekehrt. Beide Verhältnisse ändern sich ebenso, wie der Lcistungsbedars in einem bestimmten Der- hältnis zur Drehzahl. Wenn der Wasserspiegel zur Nutzung einer Hauswasseranlage sehr tief liegt, so daß ein Ansaugen des Wassers mit einer Pump« beliebiger Bauart nicht mehr möglich ist, fo verwendet man hierfür sogenannte Tiessaugeeinrichtungen. Ein« derartige Einrichtung be- steht au» einer oberhalb de» Brunnen» aufgestellten selbstansnugen- den Pump« und dem in das Brunnenrohr eingehängten Tiefsauger mit Fußventil. Die Pumpe ist mit dem Tiessauger durch zwei dicht nebeneinanderliegende Rohrleitungen verbunden. Die Wir- kungsweise de» Tiefsaugcrs beruht darauf, daß er als sogenannte Wasserstrnhlpumpe arbeitet und das angesaugte Wasser durch eine Leitung zur Pump« führt. Hier wird ein Teil de» Wasier» ab- Xreiselwasserpuwpe. gezweigt und durch die zweit« Rohrleitung dem Tiefsauger von neuem als Betriebswasser zugesührt. während der übrige Teil de» Wasser» dem Verbraucher als Nutzwasser zur Verfügung steht. Die Einrichtung kann für einen größeren Höhenunterschied vom ab- gesenkten Wasserspiegel bis Pumpenmitte von etiva 30 Meter bei einer Fördermeng« bis zu rund 20 Liter in der Minute geliefert werden. Anlagen mit Schaltertopfen. Zum Schluß der Darstellungen verschiedener Hauswassersysteme sei noch auf die Anlagen mit sogenannten Scholtertöpfen hin- gewiesen. Die Nachteil« der Wasserversorgungsanlagen mit Hoch- behältern waren eingangs schon festgestellt worden. Es kommt noch hinzu, daß bei den üblichen Hochbehältern die Möglichkeit besteht. daß das Wasser im Winter einfriert, im Sommer dagegen un- angenehm erwärmt wird. Man kann die Uebelstände bei An- Wendung eine» Schaltertopfes zum Teil vermeiden, der weiter nicht» ist, ol» kleiner Hochbehälter von nur ganz geringem Inhalt. Dieser Scholtertopf kann sehr viel einfacher srostsrei untergebracht werden, als ein großer Hochbehälter, und da sich der geringe Wasserinhalt ständig erneuert, so liefert eine solch« Anlage immer frische» Wasser. In dem Topf ist eine kleine, sicher wirkend- Schwimmerkontakt- Vorrichtung /inzebout. die in schon bekannter Weise da, automatische Schalten des Pumpenmotor» bewirkt. Bestellung einer Hauswasscrversorgungs- anlagc. Für die Bestellung oder Beschaffung einer selbsttätigen Hau». Wasserversorgung, ansage sind folgende drei Positionen anzugeben: ' l. Wasserbedarf. 2. Gesamtförderhöh« 3. Antrieb. Ist der Wasserbedarf nicht so ohne weiteres bekannt, so kann man als kleinsten Wasserbedarf solgende Mengen annehmen: 30 Liter pro Tag sür jede Person, 80„„„««in Stück Großvieh, 5— 8„„„„«in Stück Kleinvieh. 300„,„ ein Bad, 3„„ Quadratmeter Gartensläche(im Mai bis August und in regenarmen Zeiten wird man diese Menge je nach Bodenbeschassenheit und Art der Bebauung wesentlich, unter Um- ständen bis zu lö Liter, überschreiten.) Die gesamte Förderhöhe setzt sich zusammen aus der mono-. metrischen Saughöhe, der manometrischen Druckhöhe und(nur bei Anlagen mit Windkesseln) der Dnireserve. Die manometrische Soughöhe ist der senkrecht« Abstand vom tiefsten vorkommenden Wasserspiegel im Brunnen bis zu der Stell«, an der die Pump« 1— Druckkessel --- Druckleitung g--- Druckschalter b--- Pumpe de— Rohrleitungen a---- Tiefsauger m. Fußventil Schematische Darstellung einer Hauswasseranlage. aufgestellt werden soll, zuzüglich der Verluste in der Saugleitung. Die manometrisch« Druckhöhe ist der senkrechte Abstand vom Auf- stellungsort der Pumpe bis zur höchsten Zapfstelle bzw.(für Anlagen mit Hochbehältern) bis zur Einmündung in den Hochbehälter, zu- züglich der Verluste in der Druckleitung und am Ausfluß. Die Druckreserve wird bei Windkesseln etwa zwischen S und 20 Metern angenommen. Sie hängt ab von der Größe de» Windkessel» und von der Größe der Druckdifferenz zwischen Ein- und Ausschalten. Mit dem Wachsen der Druckdifferenz wächst die Pumpenstärke und der Stromverbrauch. E» ist deshalb wirtschastlicher, die Wasser- reserve durch Wahl eines größeren Windkessels zu erhöhen und nicht die Druckdifserenz, also die Druckreserve, zu hoch anzun«hm«n. Die Verluste in den Rohrleitungen stellt man je l0 Meter Leitung au» nachstehender Tabelle fest: Bemerkt sei noch, daß man für da» Fußventil 10 Meter, sür da» Rückschlagventil S Meter und für jeden Krimmer 2 Meter gerades Rohr zur Feststellung der Rohrleitungsverlust« annehmen kann. Für den Antrieb und die Auswahl des Elektromotors muh Art und Spannung des zur Verfügung stehenden Stromes bekannt- gegeben werden. Lin praktisches Beispiel. Ein Beispiel soll die Ausführung einer Bestellung und die dabei wahrzunehmenden Wert« noch näher erläutern:' Es ist ein« automatisch« Hauswasserversorgungsanlage für ein« Wirtschaft zu liefern. Der Wasserbedarf In der Stund« beläuft sich aus rund 3 Kubikmeter. Die Saughöh« vom Wasserspiegel im Brunnen bi» zum Aufstellungsort der Pump« ist mit rund 20 Meter ermittelt worden. Durch die örtlichen Berhältnisse bedingt, muß die Saugleitung mit drei Krümmungen um 90 Grad verlegt werden. Di« höchst« Zapfstelle liegt rund 13 Meter über der Pumpenanlage. E» müssen 15 Zapfstellen vorgesehen werden, und e« ist weiter damit zu rechnen, daß an mindestens drei Stellen zu- gleich Wasser au» dem Rohrnetz entnommen wird. Für den«lektrl- schon Antrieb ist Drehstrom von 220/380 Volt Netzspannung bzw. Betriebsspannung vorhanden. Nach dieser Darstellung ist dann dem Lieferwerk die Auswahl der passend«, Anlag» möglich. Darüber hinaus sind noch Slngaben zweckmäßig, die die Lage der einzelnen Zapfstellen kennzeichnen, den Zustand de» Bru-inen- wasser» näher umschreiben(fand- und eisenhaltig), die Größe des Raumes, in dem die Pumpenanlog« aufgestellt werden soll. Endlich seien noch die für gegebene Fördermengen notwendigen Stärken der Elektromotor« angegeben: Für«Ine Fördermenge von 30 Litern in der Minute und einer größten Förderhöhe von 28 Meter soll der Motor rund 1,3 PS-Ceistung aufbringen. Für eine Fördermeng- von 100 Litern in der Minute soll«ine Stärke von rund? PL Und bi- zu 130 Liter Fördermeng« in der Minute 2,5 PS betragen. (JflOfAv�dcJ/ZÜzl Radsport am Abend. Wambsi'Laquehay zeigen nidiis bei Rütf. Die gestrige Veranstaltung bei R ü t t wies zwar ein nahezu ausverkauftes Haus auf. doch kannten die Rennen nur bedingt be- friedigen. Das Hauptinteresse richtet« sich aus ein Z w e i st u n- denrennen, das, abgesehen von wenigen Außenseitern, von gleich starken Mannschaften besetzt war> Unter ihnen befanden sich auch Wambst-Laquehay, die gestern wiederum nichts zu zeigen vermochten. Einmal zwar setzte Laquehay zum Vorstoß an, doch im Moment der Ablösung hatte Wambst Defekt. Dann und wann versuchten auch Steger-Springborn davonzuziehen, zur Ueberrundung langte es jedoch nie. Versteht sich, daß die fast gleich starken Paare«inander scharf beobachteten, jeden Versuch, vom Felde zu kommen, unter- banden und so das Rennen etwas müde gestalteten. Bis in einem von Wambst in der 49. Minute angelegten Vorstoß der Belgier Duray seinen Moment gekommen sah. Wambst jagte mit Kroschel am Hinterrade los, Tonani hinterher. Auch Dorn konnte auf- schließen. Nach einer knappen Minute war alles wieder beisammen, worauf Meyer, der übrigens mit Bragard ausgezeichnete Augen- blicke hatte, mit Tonani davonzog. Hier war es Micthe, der alle wieder vereinte. Und danki trat Duray an. Di« Ablösung mit Charlier kloppte famos, so daß die Belgier in der 5S. Minute dem Felde«ine Runde abnehmen konnten. Ein zweiter Vorstoß Duray brachte nur der Mannschaft Steger-Springborn eine weitere Verlust- runde. Schließlich vermochten noch Schwemmler-Kedzierski in der 82. Minute ihre Verlustrunde mühelos wettzumachen und zur Spitze aufzuschließen. SiegerbliebendieBelgier.diedie meisten Punkte gesammelt hatten. Vorher gab es u. a. noch ein Matsch- Omni um zwischen Kroll-MictH« und Wambst-Laquehay. Sie be- stritten zunächst ein SW-Meter-Zeitfahren. Beide Fahrer starteten gleichzeitig und durften sich beliebig unterstützen. Der zweite Fahrer wurde am Ziel gewertct. Viel Interesse brachte jedoch dieser Weit- bewerb nicht. Kroll-Miethe fuhren die 500 Meter in 32'/io Sekunden, die Franzosen benötigten 34 Sekunden. Im 2. Lauf des Matsch- Omniums, ein 15-Runden-Punktefahren konnten die Deutschen eben- falls dominieren und damit endgültig den Sieg für sich herausfahren. Das M a l f a h r c n holte sich Knapp vor Fricke, Tonani und Ehmer, während im Ausscheidungsfahren Duray vor Dorn und Kroschel den ersten Platz belegte. ErflubnU der 2 Stunden: 1. Tbarkirr-Duraii 83,740 Kilometer. S1 Punkte: 2. Sfbatctsti.gdvtDcnimlet, 2 Punkte,«in« Runde»urllck: 8. Ehmer-Kroschel, 51 Punkte: 4. Mener-Vronord, 49 Punkte: 5. Tonani-Knappc. 38 Punkte: 0. Siffc-Sorn, 33 Punkte: 7. Kroll-Mietde, 4 Punkte: 8. lzriikc-Mandelkoin, 2 Punkte: 9. WambN-Locouebay, 0 Punkte, jtrci Runden Pirürt; 10. Skflcr- Svrinzborn, 10 Punkte._ wport am Sonntag. Beim Pferderennsport winkt in Karlshorst der„Große Karlshorstcr Hürden-Ausglcich" im Werte von 14 090 M., den Marcellus, Anton, Prellstein, Radio, Äili. Lord Val und Pergola Über 3500 Meter bestreiten sollen.— Im Radsport ist der Abschluß der Weltmeisterschaften in Zürich. Nach den Straßcnfahrcrn, die am Sonnabend um die Meisterwürde streiten, folgt am Sonntag der Endlauf der Steher-Weltmeisterfchaft über 109 Kilometer, an dem die beiden Deutschen Walter Sa wall und Paul Krewer, ferner die Belgier Linart und Benoit sowie der Franzose Poillard teilnehmen.— Die Ortsgruppe Berlin der„Deutschen Rad- fa h r e r- U n i o n" ist bei Rütt, un> der Ocffcntlichkeit auf den Latten der Arena erneut Proben ihres Können zu zeigen. Di« Rennleitung hat ein äußerst interessantes Programm aufgestellt, bei dem sowohl die Freunde der Flieger-, wie auch die Anhänger der Mannschaftsrennen zu ihrem Recht kommen. Anfang iö'A Uhr.— Dem Sport-Club Charlottcnburg, der fein am Sonntag um 16 Uhr auf seinem Platze neben dem Funk- türm beginnendes Sportfest auf die sechs Amerikaner Tolan, Bowen, Lermond, Sturdy, Scxton und Rockaway aufbaut,'ist es trotz der kurzen zur Verfügung stehenden Vorbereitungszeit ge- lungen, ein ausgezeichnetes Programm zusanimenzustellen. Neben den Amerikanern wird das Ausland noch durch Italiens aus- gezeichneten Hürdenläufer Facelli und durch den neuen polnischen Langstreckenläufer Pctkiewicz vertreten sein.— Tennis: In der Reichshauptstadt interessieren neben dem Borussia-Turnier die Meisterschaften des Heeres und der Marine auf der„Blau-Weiß"- Anlage. �la�debur�s Sportaussiellung. Vom 25. September bis 13. Oktober. In Magdeburg findet in der Zeit vom 25. September bis 13. Oktober 1929 eine Ausstellung statt, die sich die aus- stellungsmäßige Darftell'ing des Sports und der Leibesübungen zum Ziel gesetzt hat. Im Mittelpunkt der ersten deutschen Sport- au-stellung wird eine neu zusammengestellte Wanderausstellung des Deutschen Hygiene-Museums, Dresden,„Der Mensch und der Sport" stel)en. die sich in vier Hauptabteilungen gliedert: Geschichte der Leibesübungen, anatomisch-physiologische Grundlagen der Leibesübungen, Uebungswert der verschiedenen Leibesübungen und Ilebungsstättenbau. Außerdem ist noch eine Halle mit künstlerischer Darstellung der Leibesübungen und eine Uebcrsicht über die Or- ganisation der Leibesübungen in Deutschland zu erwähnen. Eine weitere Sonderschau wird die Beteiligung des Museums für Leibesübungen, Berlin, darstellen, in der dem Besucher ein instruktiver Ausschnitt aus der unerschöpf- lichcn Fülle der Museumssammlungen geboten werden wird. An Hand von Dokumenten, Modellen und klassischen Sportgeräten wird der Besuchgr die Geschichte der Leibesübungen verfolgen können. Eine weitere Sonderschau bildet die in diesem Jahre in Nürnberg erstmalig gezeigte Kunstschau„Der Sport in der deutschen K u n st", eine Ausstellung, die eine selten erfreuliche Beachtung gefunden hat, umfaßt sie doch zum erstenmal eine bei- nahe lückenlose Darstellung des Sports in der modernen deutschen Kunst. Endlich sind an der Ausstellung in hervorragendem Maße noch der Reichsausschuß für Leibesübungen, das Arbeiter- Sportkartcll, das Stadtomt für Leibesübungen und das Ge- sundheitsamt der Stadt Magdeburg beteiligt. �MuYidUoaJit/ Die Spiele zunl RAST. Sehr stark sind am Sonntag zum Reichsarbeitersporttag die Arbeiter-Handballer beschäftigt. Die S t ä d te m a n n s ch a f t, die am Sonntag, 25. August, gegen die Hallenser Städtemannschast antreten muß, hat zwei Uebungsspiele gegen die Mannschaft des 2. Bezirks zu absolvieren. Das erste Spiel findet um 10 Uhr und das zweite um i5% Uhr statt. Die Berliner Städtemannschaft spielt in folgender Aufstellung: Drioestein (Wedding) Graumann Paschke (Wedding) Kehlau Zell. (Pellen) Hoffmann Neumann ISchönederg)(Wedding)(Wedding) Schmiedicke Hoode Butter E. Paschke Hoch (Schöneberg)(Weddinz)(Süden)(Wedding)(Südost) Ersatz: Seist(Süden), Wenzel(Neukölln) f. Sonnemann(Wedding). Weiter spielen noch: FTGB.-Süden 3. Männer gegen FTGB.- Südost 2. um 15%. Uhr; um 16.50 Uhr FTGB.-Adlershof 1. Männer gegen FTGB.-Baumschulenweg 1. und FTGB.-Süden(Frauen) gegen Velten; um 17.40 Uhr FTGB.-Stralau 1. Männer gegen Freie Turnerschast Erkner 1.; um 18% Uhr Kaulsdorf I. Männer gegen FTGB.-Südost 1., und um 19 Uhr FTGB.-Nordost 1. Männer gegen Freie Turnerschaft Wilmersdorf 1. Tür alle Teilnehmer zum„Rast"! Der Reichsarbeitersporttag am Sonntag beginnt mit dem Festzug von, Leopoldplatz, Nordsüdbahnstation, um 14 Uhr. Die Teilnehmer aller Verbünde erscheinen im Sportdreß. Umkleiden vor- her in den Umkleideräumen im Brückenhaus und Umkleidehaus I, für die Radfahrer im Umkleidehaus II. Für alle an den Vor- führungen Beteiligten ist das Sporthaus zu benutzen. Für die Leichtathletik sind Vorkämpfe nötig; sie beginnen H'A Uhr; Stortnummernausgab« 12 Uhr im Sporthaus. Alle Leichtathletik- Kampfrichter mllsien zur Einteilung schon um 12 Uhr im Sporthaus sein. Folgende Vorkämpfe sind nötig: Männer: Diskuswersen, Frauen: 109 Meter, Hochsprung und Speerwersen, Jugend: 109 Meter, Wcitspringen und Speerwerfen. Alle Stafetten werden am Nachmittag gelaufen. Alles nähere im Programm. Die Tech- nikcr aller Verbände und die Leiter der einzelnen Aus- führungen sind am Sonntag, 10 Uhr, in den Rehbergen im Sporthaus._ Boxerhonorare! 14 000 Mark für die Europamcistcrsdiaft. Für die an der Entscheidung um die Europameister- s ch a f t teilnehmenden Schwergewichtsboxer Pierre C h a r l es und Franz Diener sind jetzt die Börsen festgesetzt worden. Diener erhält 1 2 000 M. und 2009 M. Trainingsspesen, während der belgische Meister eine Gage von ck3 0 09 M. und die Reise- und Aufenthaltskosten für drei Personen bekommt. Für den Europa- meisterschaftstag ist soeben ein neues Engageinent vollzogen worden, indem auch Helmut H a r t k o p p gegen einen internationalen Gegner verpflichtet ist.' Der Kampfabend findet bekanntlich am 7. September im P o st st a d i u m statt. Mit dem„Baidur" nach Stettin. Die Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin führt in der Zeit vom Montag, dem 26. August, bis Sonnabend, dem 31. August, eine Ferienfahrt mit dem Motorkabinenschiss„Baldur" nach Stettin durch. Vielen unserer Genossen wird der„Baldur" mit ollen seinen Annehmlichkeiten von den Wochenendfahrten auf den märkischen Gewässern her bekannt sein. Der so riesige Vorteil dieses Schisses den anderen Dampfern gegenüber ist, daß man auf diesem Schiff in schönen sauberen und hellen Kabinen schlafen kann und morgens, wenn die Sonne aufgeht, schon weit draußen auf den märkischen Gewässern weit ab von der Stadt ist. Die Fahrt, die diesmal über den Lehnitzsee. den Großschisfahrtsweg über die Treppenschleusen zur alten Oder, von dort die Oder nach Stettin abwärts geht, wird sicher eine Ferienfahrt wevden, die jedem gefallen wird. An Kosten für dies« sechstägige Fahrt einschließlich voller Verpflegung entstehen für jede Person nur 20 M. An der Fahrt können sich außer den Eltern und Angehörigen auch unsere Parteigenossen und Sportler beteiligen. Anmeldungen für die Fahrt nimmt das Iugendsekretariat der Sozialistischen Arbeiterjugend, Berlin SW 68, Lindenstraß« 3, II Hof 2 Treppen links, bis zum 21. August an. 11. Deutscher Zugendherbergskag. Der Reichsvcrband für deutsch« Jugendherbergen gibt das Programm für den am 28. und 29. September in Dresden stattfindenden 11. Deutschen Jugend- Herbergstag bekannt. Freitag, 27. September, findet eine Sitzung des Gesamtvorstandes statt, Scimsstig, 28. September, tagt der Ver- waktungsausschuß, Sonntag, 29. September, vormittags SA Uhr, beginnt in der Aula des Pädagogischen Instituts, Dresden, Teplitzer Straße 16, die Hauptversammlung. Bin Jahresbericht} Die Deutsche Hochschule für Leibesübungen 1918. Ein früherer Student der privaten Hochschul« des Reichsaus-i schusies für Leibesübungen schreibt uns über den vorliegenden! Jahresbericht der Schule: Die Hochschule für Leibesübungen im Grunewald gab in diesen! Tagen einen sogenannten Jahresbericht heraus. Im ersten Teil, der„Allgemeines" betitelt ist, geht der Verfasser auch, obwohl er eingangs eine erneute Darstellung für übcrslüjsig erklärt, auf den im Winter ausgebrochen«» S t u de n t e n st r« i k ein. Die Art, in der es tut, können wir allerdings auch als recht überflüssig be- zeichnen, denn mit keiner noch so geschickten Polemik gegen die Studentenschaft kann aus der Welt geschafft werden, daß die wahren Schuldigen an dieser Revolte nicht etwa die Studenten„zum Teil" oder wie der allgemeine Teil meint,„allein schuldig"— sind, sondern die Kreis«, die diese Hochschule, die völlig privater Natur ist und keinerlei öffentliche Anerkennung hat, ins Leben riefen, die .unter unerfüllbaren Versprechungen junge Menschen zu einem Studium verleitet haben, das nur für«inen geringen Teil von ihnen Zukunftsaussichten hatte. Schuldig sind all« die, die aus einer freien Hochschule ein kadettcnanstaltsähnlichcs Gebilde gemacht haben, die«ine moderne Drillanstalt haben wollten, wo sie ihren alten Offiziersberuf weiter ausüben konnten. Es ist erfreulich, daß die revolutionären Kräfte einer jungen Generation energisch ihren Willen zur Wahrheit und Gerechtigkeit bekundet haben; daß sie diesen Kampf nicht siegreich beenden würden, haben wir seinerzeit allerdings vorausgesagt. Der Bericht nennt den Studentenstreik«ine„schwer« akute Erkrankung, die die Press« in einer Weise aufgebauscht habe, die ihm nicht zukam." Es war allerdings erfreulich, daß sich damals auch in der bürgerlichen Press« Leute fanden, die den Mut auf- brachten, unhaltbare Zustände im eigenen Haus zu geißeln. Der Beweis für die Notwendigkeit der Erhaltung der Hochschule sei erbracht, sagt der Bericht, ebenso für die staatlich« Anerkennung. Dieser Beweis ist noch lange nicht erbracht. Von der Notwendigkeit konnte sich auch der unter Führung des sozialdemokratischen Reichs- tagsabgeordneten Schreck stehende Reichstagsausschuß für Leibes- Übungen, der laut Jahresbericht am 12. Dezember 1928 die Hoch- schule besuchte, nicht überzeugen., denn inzwischen hat man nichts mehr von diesem Besuch oder seinen Auswirkungen gehört. Ein erfreuliches bleibt aus den Sitzungsberichten des Senats festzustellen: Den A m st e r d a m f r a ck, wie die Hochschüler den ihnen seinerzeit aufgezwungenen, englischem Vorbild nachgeahmten Einheitsanzug(blauer srackähnlicher lleberrock und hellgraue Hose) nennen, hat man als obligatorischen Anzug abgeschasst. Man hat erstaunlich« rweise einmal bemerkt, daß man sich blamierte. Leider hat man mit der Beendigung des Kleidungszwangs nicht auch gleichzeitig den erzieherischen Zwang durch eine freie Arbeits- gemeinschaft zwischen Lehrer und Schüler ersetzt. Kein Wort wird in dem Jahresbericht von der taktischen llnklugheit des Dr. Diem gesagt, der Jahr für Jahr gegenüber den nicht selten an ihn gerichteten Verbesserungsforderungen wie der schlimmste Unter- nchmer taub blieb. Man darf gespannt sein, wie sich die neue Hochschulverfassung im kommenden Semester auswirkt und ob Dr. Diem endlich sich selbst überwindet und seine Mittlerrolle zwischen Studentenschast und Senat ausgibt, denn er muß ja gemerkt haben, daß sich sein Ver- hältnis zu ihr nur verschlechtert hat. Eine humorvolle Zlngelegen- heit sei noch erwähnt: Der Jahresbericht stellt fest, daß sich die langen Bemühungen, in Amsterdam durch die Vorführung der Hochschule ein Abbild des deutschen Sports zu geben,» gelohnt haben. Die Vorführung hatte begeisterte Zustimmung ausgelöst. Bor mir liegt eine Amsterdamer Zeitung, die etwas spöttisch feststellt, daß sich die Vorführung vor leeren Bänken abgespielt habe. Wir haben sie inzwischen in Deutschland auch besehen können und stellen unsererseits fest: es ist verwunderlich, wie sich erwachsene Menschen zu einer solchen D r i l l a r b e i t hergeben konnten. Das Gesamtjahresorgebnis: ein Studenten- streik, der klägliche Zustände in der Paradeanstalt des bürger- lichen Sports ausdeckte und eine Schau des deutschen Sports auf der Amsterdamer Olympiade, die mit viel Aufwand nichts erreichte! Als Wichtigstes und in unserem Sinne Erfreulichstes: auch die breite Oeffentlichkeit hat erkannt, daß die Sporthochschule gar nicht so was Bedeutendes und Notwendiges ist, wie sie die Diems immer hinzustellen oersuchen. Diem ist kein Iugcnderzieher! Deutsche Polizeimeislerschasteu 1929. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, werden die Deutschen Polizeimcisterschasten in der Leichtathletik in diesem Jahre an, 31. August und 1. September in Erfurt ausgetragen. Die Deutschen Polizeimeisterschaften im Schwimmen finden in der Zeit vom 12. bis 14. September in Chemnitz statt.— Die Deutschen Polizeimeifterschaslen im Rad- fahren werden am 5. Oktober in Bremen ausgefahren. Die Trabrennbahn Ruhlebe» ist am 25 August Schauplatz großer Motorrennen, di« der Gau Berlin-Brandenburg des ADÄC. zusammen mit der Landesgruppe Nord des DMV. durch- führt. Zu den elf Rennen liegen schon jetzt annähernd 109 Meldungen vor, darunter die der Hamburger Bahnspezialisten Schulz, Breckwoldt und Niemeck. Freie Arbettcr.Zchach.Vereiniguna Sr»ß-Berlin. 8ur Rosl-Demonstration trefie» sich die Mitglieder Eonntag, 4«. August, 13 Uhr, vor dem Lo!al Hermes, der Abteilung Wcdding. Mtillcrstr. 25. Anzug möglichst Sporthemd und lurze Hose, bzw. Windjacke. Sxortocrcin Moabit. Für alle Vereinsmitglicder zum Rast Treffpunkt 12>,b Uhr Sportplatz Rehbergc lUmklcidchaus l, im Britckenbaus). Tie leicht- athletischen Vorkämpfe beginnen bereits um 12hi Uhr, gemeldete Wettkämpfer pünktlich zur Stelle. Zum Fcstzug ist Sammeln am Leopoldplatz in der Müllerstratze. Berliner Schwimm. Union 1913. Sonnabend. 17. August. 20 Uhr. im ver. einseigenen Sommerbad Oberspree, Vicrteliahrsversammlung. Anschrift des Vorsitzenden letzt: Waller Lustig. Reukölln, Weiseste. 21. Ruberperein Vorwärt». Vorstanbssitzung Dienstag. 20. August. Mitglieder» Versammlung Donnerstag. 22. August Krrie Schwimmer Charlottenburg 94 e. B. 5um Sommernachtssest der SPD. heute. Eonnabend, im Polksbod ßungfcrnheide, müssen alle Mitglieder anwesend sein. Wer an den schwimmerilchen Vorführungen teilnehmen will. ist um 17 Uhr im Volksbad. Zum Reich-arbeiterfporttag treffen sich alle Mir. gliedcr um. 13 Uhr am Bahnhof Wcskbnd. Keiner darf fehlen. SV. Moabit, Waffersportspartc. Die Mitglieder treffen sich zum„Rag» 1114 Uhr an der U-Bahn See. Ecke Müllerstratze. Meitzes Hemd, schwarz- Hose, Paddel. Erscheinen ist Pflicht.„, «TSV.. Bezirk Reinickendorf. West. Treffen für alle Mitglieder zum Raff 12 Uhr Sportplatz Echarnweberstratz«. orgen Berlins dundestreue /�rdeitersportler rnsrsekieren im Volicspsrlc in den Rehbergen auf! Berliner, Parteigenossen, Gewerkschaftsmitglieder, Reichsbannerkameraden unterstützt die Sportler durch euren Besuch. Um 14 Uhr Abmarsch vom Leopoldplatz, um 15 Uhr Beginn des Festes. Eintritt 30 Pf. Pestansprache: Reichsinnenminister Severins