Morgenausgabe Nr. 362 � A«ä 46-3�rä<,"ä Wöchentlich 85$t% monatlich 8,60 UL tan voraus zahlbar. Postbezug 4LZ M. einschließlich 60 Pfg.Postzetwngs- und 82 Pfg. Postbestellgebühren. Luslands- abonnement 6.— W. pro Monat. Der„SonDftrtt' erscheint wochentög. llch zweimal. Sonntag, und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend* Illustrierte Beilagen.Volk und Zeit* und.Kinderfreund". Ferner .Unterhaltuno und Wissen*..Frauen. stimme*..Technik*..Blick in die Bücherwelt* und.Iugend-Borwärts* lißw � Nerlwer SolSSblatt Oienetaz 20 August 1929 Groß-Äerlin Ii) Vf. Auswärts 15 pf. Die c t n|* a m g« Nonpareillezekl, 10 Pfennig. Reklame'eile S— Reich». mark.„Kleine Anzeigen' da? enge. drurft» Wort 25 Pfennig(zulosstg zwei fettgedruckte Worte)«edee wettere Wor» U Pfennig. Stellengesuch» da? erlt» Wort lö Pfennig. iedee weiter» Won IV Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Wone Arbeitsmuiki Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze U 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupl- a«lchöi» Lindenstraße 3. wochentäglich von bht die 17 Uhr. SentLawLgan der Sszialdemokvatttchen Oartei Deuttchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbofs 292—297. Telegranim-Adr: Sozialdemokrat Berlin. Vonvaris-Verlag G. m. b.H. Postscheckkonto: Berlin 37536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wollstr 65. Diskonto-Gesellichost, Teposttcnkaste Lindenstr. 5. Arbeiterselbstschutz in Osterreich Dem Heimwehrterror muß begegnet werden! Wie«. IS. August.(Eigenbericht.) Die Vertrauenstnäunerversammluug der Sozialdemo- kratischen Qrgauisatio« und der Industriebetriebe Wiens hat nach dem Referat von Julius Deutsch über die Heim» Wehrbluttat von Tt. Lorenzen folgende Entschließung gefaßt: „Tie Vertrauensmannerversammlung der Wiener Arbeiterschaft stellt fest, daß die Führer der steirischen Heimwehr, die in verbrecherischer Weise eine friedliche sozialdemokratische Festversamlung gewaltsam zn spren- gen versuchten, neuerdings eine furchtbar« Blut» schuld auf sich geladen haben. Sie Protestiert gegen die schwächliche Haltung der verantwortlichen Behörden, die nicht gewagt haben, dem Unterfangen der Heimwehr, die sich über die Gesehe offen und«»gescheut hinwegsetzt» rechtzeitig entgegenzutreten. Sie beklagt die gefallenen cpfer und spricht den verwundeten steirischen Arbeitern ihre Sympathie aus. Seit Jahr und Tag haben die Vertreter der orgatzi» ficrtcn Arbeiterklasse darauf hingewiesen, daß die u n» verantwortliche und gewissenlose Putsch» hetze der Heimwchr unser Land immer mehr an den Rand deS Bürgerkrieges bringt. Bor einem solche« Unglück, das nicht«nr allein die Arbeiterschaft, sondern über alle Klassen des Staates beispielloses Elend bringen müßte, ist bisher vergeblich gewarnt worden. Nun ist es soweit gekommen, daß die organisiert« Arbeiterschaft genötigt ist. von ihrem Selbstschuh Gebrauch zu machen, soll es nicht einer Handvoll Abenteurer gelingen, das Land dem Untergang zuzutreiben. Die organisierte Arbeiterklasse Deutsch-QesterreichS ist in tiefstem Herzen friedlich gesinnt. Sie wünscht keine andere Auseinandersetzung als mit den Waffen des Geistes. Sollte aber der Heimwehrfaschismus es wagen, seinen törichten Putschdrohungen die Tat folgen zu lassen, dann wird die deutsch-österrcichische Arbeiterklasie keinen Augenblick zögern, sich in der Verteidigung der Mittel zu bedienen, die s i e für n o t w e n d i g hält. Nicht in Einzclaktionen Unverantwortlicher. sondern in Massenaktionen des gesamten Pro- lctariats und in der Stärkung des Republikani- schen Schuhbundes erblicken die Vertrauens- männcr das geeignete Mittel des Abwehr- kampfes. Die Arbeiterschaft wird aufgerufen, die Abwehr mit allen Kräften vorzubereiten und sich in dieser Abwehr durch nichts einschüchtern zu lassen." « Der meuchlerische Ueberfall der obersteirischen Heimwehr auf eine sozialdemokratische Gründungsfeier in St, Lorenzen und die zahlreichen Vorgänger dieser Schandtat in den Wochen und Monaten vorher beweisen die Absicht, jedes öffentliche Auftreten der sozialdemokratischen Be- wegung außerhalb der wenigen großen Städte unmöglich zu machen. Gelingt der Heimwehr das, dann ist der nächste Schritt, auch in den Städten dieselbe Gewaltmethode anzuwenden. Die Heimwehr wird äußerlich von zwei rede- lustigen und reklamebedürftigen Provinzadvokaten geleitet, dem Dr. Steidle in Innsbruck und dem Dr Pfriemer in Graz; ihre militärischen Organisatoren und Führer sind durchweg ehemalige Offiziere der vergangenen kaiserlichen Armee— und der Oberste ist-der Herr Major P a b st. Vundeskan.zler St r e e r u w i tz hat sich erlaubt, die Heimwehr als eine i l le g a l e Organisation zu bezeichnen— Dr. Steidle sagt ihm dafür öffentlich nach, er wisse mit Fremdwörtern nicht umzugehen, die Heimwehr sei böchstens irregulär, so- lange der Staat sie nicht als reguläre Truppe anerkenne, und dazu würde er wohl bald gezwungen sein. Ganz offen droht die Heimwehr für den Herbst, wenn die Feldarbeit vor- über ist, mit der großen Aktion, die den Staat zwingen soll, die republikanisch-'demokratische Verfassung im Faschisten- sinn umzugestalten. Der Verwastungsapparat der Republik ist unter der vieljährigen Regierung Dr. S e i p e l s so gestaltet worden, daß die meisten verantwortlichen Beamten zwar scharf auf die Arbeiterschaft aufpassen, aber beide Augen kräftig gegen- über der Heimwehr zudrücken. Die Wehrmacht der Re- publik, nach dem Ergebnis der Vertrauensmännerwahlen immer noch in der Mehrhest sozialdemokratisch, steht unter dem Befehl des fanatisch reaktionären Ministers Vaugoin und seiner Offiziere, aus deren Reihen„verdächtige Ele- mente" radikal entfernt werden. Die Bundespolizei der Hauptstadt kommandiert Polizeipräsident Schober, über dessen Haltung bei einem Ausammenstoß zwischen dem Fa- schismus und der Arbeiterschaft kaum ein Zweifel bestehen dürste. Die brennende Gefahr eines Faschistenputsches ist dieser Tage auch von dem Wiener Korrespondenten des großen liberalen englischen Blattes„Manchester Guardian" in alar- mietenden Tönen geschildert worden. Er weist mahnend aus französische Sympathien für Bestrebungen hin. deren Erfolg auch dazu führen würde, daß die Vereinigung Deutsch- Österreichs mit Deutschland unterbliebe. Der Engländer meint. das Aufhören der Rheinlandbesetzung würde den Abschluß erleichtern, also märe Frankreich damit einverstanden, ihn von innen heraus verhindert zu sehen. Stimmungsmache gegen den Anschluß war auch der Zweck der Polemik des Wiener Seipel-Blocks gegen unseren Begrüßungsartikel für die Schutzbundabordnung zur Berliner Verfassungsfeier! Run ist die Entscheidung über eine Aufhebung des Anschluß- Verbotes ja dem Völkerbundrat überlassen, sie kann und wird nicht eines schönen Tages als vollendete Tatsache vor dem überraschten Völkerbund stehen. Nichtsdestoweniger ist die Sympathie aller antidemokratischen Elemente mit den Heimwehren, vor allem natürlich haben sie den Beifall und nötigenfalls wohl auch die Unterstützung Italiens und Un- garns. Wirtlich demokratische Staaten dagegen hätten bei den Fortschritten, die Faschismus und Diktatur in den letzten Iahren gemacht haben, gewiß das größte Inter- esse, diesen Gewalten nicht noch mehr Macht zu gönnen! Wieder wie 1848 ist Dentschösterreich und vor allem Wien die vorder st e Bastion der eurpäischen Demo- k r a t i e. In Bayern und Ungarn war die weiße Diktatur die Folge einer 1919 vorausgegangenen roten Diktatur: der SSS Die Arbeitslosen-Vorlage. Heute wird sie veröffentlicht. Da« Reichskabinelk hat am Montag dem vom Reichs- arbellsminister 2D i s s e l l vorgelegten Entwurf einer Novelle zum Gesetz über die Arbeitslosen- Versicherung zugestimmt. Der Entwurf wird sofort dem Reichsrat und dem sozialpolitischen Ausschuß des Reichs- tags übermittelt, der die Beratungen darüber am Mittwoch aufnimmt. Der„E o z. Pressedienst" schreibt: lieber den Inhalt der Vorlage werden von amtlicher Seite bis» her keine Mitteilungen gemacht. Man darf jedoch erwarten, daß das sobald als möglich geschieht, damit die Oefsentlichkeit zuver- lässige Kenntnis von den Einzelheiten und der Tragweit« des Ge- setzentwurfs enhält und die begreifliche Unruhe der großen Arbeit- Nehmerschichten sobald als möglich beseitigt wird. Wenn man einstweilen auch aus Vermutiingen angewiesen ist, so finden sie doch in dem Wortlaut der amtlichen Mitteilung gewisse Anhaltspunkte. In der amtlichen Meldung heißt es, das Kabinett Hab« dem Entwurf des Reichsarbcitsministers zuge- stimmt. Die Meldung bezieht sich außerdem aus den Inhalt der Parteiführerverejnbarung vom Freitag voriger Woche. Danach dürft« feststehen, daß der jetzige Entwurf des Rcichstabinetts im allgemeinen dem Entwurf des Reichsarbeitsministers entspricht. Dieser Entwurf aber enthält nicht jene Forderung der Eachver» stöndigenkommission nach allgemeiner Kürzung der Unterstützungs- jätze, die auf den stärksten Widerstand der Gewerkschaften oller Richtungen und der Sozialdemokratischen Partei gestoßen war. Ein allgemeiner Abbau der llnlerstühunasleistungen bzw. die Kürzung der lintersiühungssähe nach der Dauer der Anwarb schast dürfte deshalb«ich in dem Entwurf des Reichskabinelts fehlen. Andererseits ist anzunehmen, daß der Widerstand gegen jede Bei- tragserhöhung keine Mehrheit im Kabinett gefunden hat, sondern eine Beitragserhöhung von% Prozent vorgeschlagen wird im Gegensatz zu dem Reichsarbeitsminister, der «in« Erhöhung von Prozent vorgeschlagen hatte. Andere Aende» rungen dürften sich auf die Neuregelung der Unter- stützung bei berussüblicher Arbeitslosigkeit und auf die Herabsetzung der Beitrag« zur Krankenversicherung beziehen. Bei der Lückenhaftigkeit der Angaben über den Inhalt des Eni» wurfs wird man gut tun, mit einfr endgültigen Stellungnahme vor- erst zu warten. Es wäre auch verfehlt, wollte di« Arbeiterklasie annehmen, daß das große Ringen um di« Erhaltung der Arbeits- losenoersicherung bereits mit einem Teilerfolge beendet sei. Das ist durchaus nicht der Fall. Durch di« Beratung des Entwurfs der Reichsregierung im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags ist lediglich erreicht, daß dort die Auseinandersetzungen aus einer sachlichen Basis und unter der Kontroll« der Oeffent« lichkeit fortgesetzt werden können. * Der„Soz. Presiedienst" meldet weiter: Die vier wichtigsten Punkte w diesem Entwurf sind: 1. Veränderung der Wartezeit. Z. Anrechnung von Renten. Z. Regelung der Kronkenkasienbeikräg« für die Arbeitslosen. 4. Saisonarbeiierregeiung. Während zu den Fragen 1 bis 3 bestimmte Dorschläge ge- macht wurden, ist die Festlegung in der vierten Frage dem Reichs- rat bzw. dem Reichstag überlassen. Di« bisherige Lücke in dem Entwurf, d. h. das Loch in der Deckungsfrag«, ist durch di« vom Kabinett nunmehr gutgeheißenen Borschläge des Reichsarbeits- Ministeriums wesentlich verengt. Di« finanzielle Auswirkung dieser Vorschläge läßt sich im Augenblick zahlenmäßig nicht vorausjagen. Die Beiträgserhöhung von Vj Prozent ist auf l'A Jahre befristet. Man wünschte die Frist so kurz wie möglich zu halten, glaubte aber, den 1. November wegen der um dies« Zeit besonders schwie- rigen Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht als Schlußtermin nehmen zu dürfen. Das neu« Gesetz soll am 1. November d. I. in Kraft treten. Die Vorlage, die heute in ihrem Wortlaut veröffentlicht werden soll, ist also in dem entscheidenden Punkt dem Vor- schlag der Sachverständigenkommission nicht gefolgt. Die Kommission wollte an den Arbeitslosen der Lohnklassen Vit bis XI den Betrag von 89 Millionen Mark jährlich sparen: zu diesem Zweck sollten die Unterstützungen für Arbeitslose mit einer Anwartschaftszeit von weniger als 52 Wochen gekürzt werden. Beispielsweise hätte ein lediger Arbeits- loser, der jetzt in der Lohnklasse XI eine Unterstützung von 22,95 M. wöchentlich bezieht, nur noch 13,25 M. zu erhalten. Ein Verheirateter mit zwei Kindern, der jetzt 31,59 M. er- hält, hätte sich mit 18,95 M. zufriedengeben sollen. In den Lohnklassen VIII bis XI wären die neuen Unterstützungs- sätze sogar noch hinter denen der K r i s e n f ü r s o r g c weit zurückgeblieben. Damit jedoch, daß diese unmöglichen Vorschläge in der Regierungsvorlage nicht entlzalten sind, ist die Gefahr, daß sie in der einen oder der anderen Form wieder auftauchen könnten, keineswegs beseitigt. Ueberhaupt wäre es«in durchaus unbegründeter Optimismus, wenn man annehmen wollte, daß mit der Einbringung einer Regierungsvorlage die Konfliktstoffe schon beseitigt warew Der Wille, die Schwie- rigkeiten der deutschen Stellung im Haag auf keinen Fall durch eine innervolitische Krise zu vermehren, hat bei der Gestaltung der Regierungsvorlage und ihrer Aufnahme im Kabinett eine wesentliche Rolle gespielt. Die sachlichen Kämpfe sind aus dem Kabinett heraus in den Sozialpolitischen Aus- schuß des Reichstags verlegt. Die sozialdemokratische Reichstogsfrattion ist nach keiner Seite hin ge- bunden, sie ist in ihren Entschließungen vollkommen frei. Ihre Vertreter im Sozialpolitischen Ausschuß werden im engsten Einvernehmen mit den Sachverständigen der G e w e' r k s ch a f t e y zu der Regierungsvorloge Stellung nehmen. Sie werden dabei auf nichts und niemand Rücksicht zu nehmen haben als auf das I n t e r e s s e d e r A r b e i t e r- klasse. iialienrsche Faschismus Ha! KesonKeren ZZorteK barau« ge- ;ogen, daß italienische Arbeitermassen unter kommunistischer Führung die Fabriken besetzt und versucht hatten, die Leitung der Produktion zu übernehmen. In Deutschösterreich dagegen hat es eine Periode roter Diktatur überhaupt nicht ge« geben. Das Parlament war auch im Zusammenbruch nicht einen Tag ausgeschaltet, alle Gesetze sind durch legalen Parlamentsbeschluß zustande gekommen. Wenn irgendwo, wie in der Gemeinde Wien, nach dem Zusammenbruch des Weltkrieges die unmöglich gewordene Zusammensetzung der leitenden Körperschaft durd) freiwilliges Abkommen der Parteien geändert worden ist, so haben nachher vollkommen legale Wahlen diese Abmachungen b e st ä t i g t oder ihren Inhalt im Sinne der Demokratie noch bedeutend erweitert Gewiß hat die Republik bemerkenswerte sozialpolitische Fort- schritt« in ihren Gesetzen begründet, aber darüber hinaus ist die Stellung des Unternehmers niemals und schon gar nicht willkürlich durch die Arbeiter eingeschränkt worden. Die sozialdemokratische Partei, die stärkste Partei im National- rat und von den bürgerlich-bäuerlichcn Parteien nur in ihrem Zusammenschluß zu überflügeln, hat allerdings den Anspruch erhoben, daß Lebensinteressen der werk- kätigen Masse, soweit sie durch Verordnungen aus der Kaiser- zeit' oder durch Gesetze der Republik anerkannt sind, nicht gegen den Willen der stärksten Partei verletzt, derartige Be- stimmungen nicht durch brutales Niederstimmen der stärksten Partei geändert werden. Die Sozialdemokratie- hat den eminent lebenswichtigen Mieterschutz jahrelang gegen jeden Abbau verteidigt, sie hat dabei gegenüber der Ein- sichtslosigkeit eines Teils der regierenden Partei auch das Mittel der Obstruktion angewendet, aber das Volk hat die Politik der Sozialdemokratie durch immer größers Stimmen- zahlen bei jeder Wahl gebilligt. Vor einigen Monaten hat die Sozialdemokratie sogar eine Aenderung des Mieter- gesetzes zugelassen, nachdem ihren stärksten Bedenken einiger- maßen Rechnung getragen war. Wo die Sozialdemokratie regiert, vpr allem in Wien, steht der bürgerlichen Minderheit die Mitarbeit offen: in betontem Gegensatz zu dem früheren bürgerlichen Regime gehören Vertreter der Minder- heit auch dem Stadtfenat an. einer von ihnen ist sogar Vize- bllrgermeister von Wien. Weder in der Hauptstadt, in der sie die Zweidrittelmehrheit besitzen, noch in der Provinz haben die Sozialdemokraten das Versammlungsrecht der anderen beeinträchtigt oder zu unterdrücken versucht. Den Terror findet man nur auf der Gegenseite. Gerade im obersteirischen Industriegebiet, wo jetzt der gräßliche Ueber- fall schießender Heimwehrler auf ruhige und friedliche Ar- beiter verbrochen worden ist, herrscht in den Werken der Alpinen Montangesellschaft der schänd- lichste Zwang über die Arbeiter und Angestellten, in die 5)eimlvehr einzutreten. Man muß die V o r g« s ch i ch t e des Ueberfalls von St. Lorenzen kennen, um zu sehen, welche Ansprüche der Faschismus bereits zu erheben wagt. Als Redner für die zehnjährige Gründungsfeier der sozialdemokratischen Organi- sation St. Lorenzen war der Landtagsabgeordnete Leopold W a l l i s ch aus Bruck an der Mur vorgesehen. Darauf verkündete die Heimwehr sofort und drohte auch der staat- lachen Behörde, sie werde Wallisch nicht reden lassen. Leopold Wallisch hatte nämlich am 15. und 16. Juli 1927, als da» Blutbad von Wien die Arbeiter von Bruck in die gefähr- lichste Erregung versetzte, gegenüber der Bezirkshauptmann» schaft die Verantwortung für die Aufrcchterhaltung der Ruhe und Ordnung übernommen, wenn man i h m die Obsorge dafür überlasse. So verschwanden für einen ganzen Tag die Vertreter der Staatsgewalt von den Straßen, Arbeiter- ordner bezogen die Posten— und es passierte nicht das ge- ringstc! Seitdem aber ist Wallisch bei den Faschisten aufs höchste verhaßt. Sie haben sogar gegen ihn die Erhebung einer Anklage wegen Hochverrats durchgesetzt. Gegen die Steidlo und Pfriemer aber, gegen die Heimwehrgeneräle und ihren famosen Major Pabst, gegen den Fürsten Starhemberg mit seinem privaten Iägerbataillon und seinen Kriegsrüstungen, gegen die ganze faschistische Drohung und Rüstung rührt sich kein Staatsanwalt, kein Be- urkshaüptmann, keine Landes- und keine Bundesregierung. Bei dieser unbegreiflichen Passivität muß man allerdings der Zukunft unseres Druderlandes mit e r n st« r Sorge entgegensehen- Tiroler Regierung.- Heimwehrfiliale! Wien» 19. August. Die Blätter melde» aus Lienz(Tirol): Bei der stark besuchten Tagung der Osttiroler Heimwehren erklärte Landeshauptmann Dr. T t u m p f: Die Heimwehr ist heute ein Machtfaktor geworden. Ich grüße sie im Name» Tirols. Für uns in Tirol war ei auch nie ein Problem, daß die ges eh mäßige Macht im Verein mit der freiwilligen Heimwehr- Or g a n i s a» t io« borgehen müßte. Der Bundesführer Steidl führte ans: Unser Ziel ist nicht die Bildung einer neuen Parlamentspartei, sondern die Reinigung der politischen Atmosphäre bon der marxistischen Parteiwirtschaft. Gegen sie predigen wir den Ureuzzug. Die Parteiberatung. Wien. 19. August.(Eigenbericht.) Im Arbeiterheim Favoriten traten heute abend die Vertrauens- männer der sozialdemokratischen Organisation Wien und der De- iriebe zusammen, um über die blutigen Ereignisse von St. Lorenzen und über die Heimwehrauzschreitungen der letzten Zeit zu beraten. Di« Versammlung selbst war übersüllt, auf der Gaierie drängten sich die Menschen. In großen Massen standen Arbeiter vor dem Haus, um das Ergebnis abzuwarten. Di« Versammlung ehrte zunächst da» Andenken der Genossen, die von Banditen er- mordet worden sind, durch Ausstehen- und eine Minute tiefsten Schweige ns. obgleich alle Anwesenden in stärkster Erregung waren. Als Nescreiu sprach der Obmann des Republikanischen Schutzbundes, Ratlonalrai Dr. Julius Deutsch: Ein nüchterner Beobachter kann gar nicht verstehen, daß man in diesem Land« von einer Krise de» Parlamentarismus rede und daß man behauptet, in Deutschösterreich herrschten absonderliche Zu- -läude. Es gibt keinen tieferen Grund dafür, daß wir in eine linmer gefährlichere Situation hineinkommen, aus der cincn Ausweg zu finden äußerst schwer wird. Die Wirklichkeit ist so. daß bei der Heimwehr gar keine Volksbewegung Oer Frankfurter Skandal.. und die Versicherungsaufsichi. Dl« verstcherungsgesellschaflen betreuen das Geld der versicherten. Zum nicht gerlagen Teil fließt diese» Geld den versicherungsunternehmuagen aus den Kreisen der Arbeit- nehmer zu. Da» Reichsaussichisamt für privat- Versicherung hat die Pflicht, für dl« tveuhänderische Ver- wallung dieser Gelder zn sorgen. Der Zusammenbruch der Frankfurter Allgemeinen Verflcherungs-Aktiengesellschasl zeigt. daß in der Aussicht wie auch im Aufsicht sgeseh Mängel vorhanden sind, hierzu wird uns aus Angestelltenkreisen ge- schrieben: Bekanntlich hat die„Frankfurter' Geschäft« gemocht, die mit dem eigentlichen Versicherungsgeschäft überhaupt nichts mehr zu tun hatten. In diese Geschäfte hat dos Reichsaussichtsanit aber gar keinen direkten Einblick nehmen können, weil seine Auf- gaben gegenwärtig viel zu eng umgtenzt sind. So ist die wichtige Rückoersicherung, die«« dem Großkapital sehr leicht ermöglicht, mit dem Gelde der Versicherten Spekulationen aller Art zu machen, der Aufsicht von vornherein entzogen. Nicht anders steht es mit der Transportversicherung. Zu diesen beiden größten Lücken des Gesetzes gesellt sich die rückständige Art seiner Handhabung. Das Amt besitzt, als«in« Art Selbstoerwalwngsorgan, den sogenannten„B e i r a t*. Dieser Beirat soll die Fühlung des Amtes mit der Praxis herstellen und dem Amt die Wünsch« der Oeffentlichkeit zutragen. In Wirklich- keil aber ist der Beirat in seiner entscheidenden Mehrheit mit den Vertretern des Großkapitals besetzt. Er ist Ruhehafen für wohlverdiente und wohlverdienende Direktoren der großen Aktiengesellschaften. Neben ihnen sitzen Vertreter der Wissenschaft, die schon durch ihr« politische Zugehörigkeit, wie der Abgeordnete Moldenhauer von der Deutschen Volkspartei, ihre Bindung an die Interessen des Kapitals ganz offen kundgeben. In seiner jetzigen Form kann der Beirat seine Aufgaben über- Haupt nicht erfüllen, denn unter den Fachleuten waren die hals- brecherischen Geschäfte beim Franksurtsr Konzern und das offen- kundige Spekulieren der Direktoren der Gesellschaften schon längst kein Geheimnis mehr. Trotzdem erhob sich keine Stimme zugunsten der bedrohten Versicherungsnehmer. Die natürliche Kontrollinstanz des Großkapitals und der Aktiv- när« über die Versicherungsakticngesellschaften ist der Auf ficht s- rat. Daß der Aufsichtsrat im vorliegenden Falle, wie ja beinahe stets bei solchen Gelegenheiten, versagt hat und der Aufsicht-rats- Vorsitzende in den ganzen Schwindel mit oerwickelt ist, ist eine Sache für sich. Hier kann nur die Beform des Aktienrechts überhaupt Abhllfe schaffen. Aber der Beirot de» Reichsau fstchtsamte» sollt« gerade die Gegeninstanz zum Aufsichtsrat sein. In ihm sollten die Vertreter der Verstcherungsnehmer die Mehrheit befitzen. S» entspricht es den Ideen der Wirtschaftsdemokratie. Und noch eine andere Gruppe verdient im Beirot maßgebenden Einfluß: Das sind die Versicherungsangestellten. Soll es von neuem möglich fein, daß durch die Profitgier einer kleinen Kapitalistencligue-Hunderte von Angestellten in ihrem Brot bedroht werden? Die Angestellten haben oft die Möglichkeit, tief in die Geschöst« ihrer Konzerne hineinzublicken. Sie müssen ober, um nicht sich und ihre Familie um ihre Existenz zu bringen, den Mund halten. Wenn sie dagegen durch den Beirat ihre Mei- nung stärker als bisher zum Ausdruck bringen können, so wird in die Gesetzgebung ein gesundes und nakürNches Sonlrollelement «ingefügt, das ein unmittelbares Interesse am Bestand« der Ver» sicheningsgesellschaften besitzt. Die„Zeitschrift für Versicherungsangestellte', die der Zentral- verband der Angestellten für sein« im Versicherung-gewerb« tätigen Mitglieder herausgibt, hat schon vor einem Jahr in richtiger Vor- aussicht der drohenden Gefahren weiter ein g e s« tz l i ch c s Verbot oller bankmäßigen Geschäfte der Versicherungs- gefellschaften mit dem Gelde der Versicherte» gefordert. Im Auf- sichtsgesetz muß veranlert werden, daß das onlagefähige K o p i t a l nach Möglichkeit den Versicherten wieder zugeführt wird. Für alle großen Grundstücks- und Hypothekengeschäfte mit den Geldern, die aus den Taschen der Versicherten zusammenfließen. muß«ine besondere Genehmigungspslicht«ingesührt werden, gleichviel welche Tochtergesellschaft des Konzerns diese Ge- schäste gemacht hat. Daß gleichzeitig auch mit der Umstellung des Versicherungsbeirats auch eine Reform seiner Recht« und Pflichten durchgesetzt werden muß, verlangt das Interesse der großen Masse. Die Reform des Reichsaussichtsgesetzes ist um so dringender. al» die privatkapitalistischen versicherungsgesellschasten einen wichtigen Faktor in der deutschen Volkswirtschaft darstellen: betragen doch ihre Prämieneinnahmen des Zahres 1923 rund 2 Milliarden Reichsmark und bcläuft sich doch ihr Kapital auf rund 700 Millionen Reichsmark! Der Frankfurter Fall zwingt zu durchgreifenden Maßnahmen, um die öffentliche Kontrolle über diese gewaltigen Summen im Interesse der Versicherten und der im Verstcherungsgewerbe De- schäftigten besser als bisher zu sichern. vorliegt, sondern nur Redensarten. Wir haben es bei der Heim- wehr mit dem BestrebendesKapitalszu hin, sich ein Mittel zu schaffen, um mit den Gewerkschaften und der ganzen Arbeiter- bewegung auszuräumen: ein kleiner Teil der Heimwchr besteht aus unklaren Unzufriedenen, wie wir sie aus den Versamm- lungen der Hakenkreuzler und der Kommunisten kennen, ober in .Wirklichkeit ist es die depossedierte Bourgeoisie, die einst «ine so große Rolle gespiell hat und im neuen Staat, in der demo- kratischen Republik, diese Roll« nicht mehr spielen kann. Aus diesen Gründen sucht die Heinnvehr den Anschein zu erwecken, als ob sin größerer Teil des Volkes sich gecjen d!« Sozialdemokratie auflehnen würde und als ob man glaube, wenn Steidls und Pfriemer den Ve- fehl geben, auf Wien zu marschieren, und wenn die Heim- wehr marschiert, sie von Wien mit Begeisterung empfangen würde! (Stürmische Zurufe.) Damit will man planmäßig den Eindruck erwecken, als ob keine Kraft vorhanden wäre, die sich dem entgegen- stellen würde, und als ob es nur eines kleinen Anstoße« bedürste, um das große und stolze Gebäude der sozialdemokratischen Arbeiter- bewegung Deutschösterreichs in Trümmer zu stürzen! Die Vorfälle von St. Lorenzen sind ein Schulbeispiel dafür, wohin der heimwehrfaschismu» führt und daß Blutvergießen eine notwendige Folge ist. Natürlich sagen bürgerliche Blätter, daß wie überall so auch in St. Lorenzen die Sozialdemokraten angefangen hätten. Aber wir fragen: Was hatte die Heinnvehr denn überhaupt in unserer Der- sammlung zu suchen? Wenn die Versammlung auf dem Kirchplatz sogar von der Bezirkshauptmannschaft verboten wurde, obwohl unser eigener Versammlung», und Festplatz von der bewaffneten Heiin- wehr besetzt war— was ging das die Heimwehr an? Dieselben Heimwehrführer, die seit Monaten die wüstesten Drcchreden gegen die Arbeiter und gegen die Republik führen und die in unerhörtester Weise den Bürgerkrieg predigen, tragen d!« volle Verantwortung für alle dies« Bluttoten. Aber mitver- antwortlich ist die Lässigkeit der Behörden und die Parteilichkeit des Bezirkshauptinann«, der den Befehlen der Heimwehrführer gefolgt ist, indem er die Versammlung verbot. Bei der Gchuldfrag« darf man auch die Drahtzieher nicht vergessen, vor allem den 2fcind der Industriellen und den Prälaten S« i p e l(Stürmisch«. Zurufe). Ohne diese Schuldigen wäre e« zu den blutigen Ereig. nissen nicht gekommen. Als der Referent ein« Resolution vorlegte, ertönten stürmische Rufe nach Waffen, worauf Julius Deutsch antwortete: Genossen. wir könne» hier nicht die Taktik für Einzelfälle besprechen. Wir müssen den Massen sagen: Arbeiter von Deutsch-Oesterreich verlaßt euch auf niemanden als auf euch selbst! Die Kraft der Arbeiterschaft ruht in ihr selbst. Ihr Krastgefühl zu steigern, den Mut des Proletariat» zu entstammen, das ist das Ge- bost der Stunde!(Stürmischer Beifall.) Nach erregter Besprechung wurde eine Entschließimg einstimmig angenommen, die weiter oben steht. Auch in W i e n e r, N e u st a d t, da« dem SÄauplotz der jung- sten Heimwehraktion näherliegt, nahm die Parteikonferenz eine Eni- schließung in demselben Sinn« an. Die„Arbeiter-Zeitung' hat am Montag in einem Extrablatt be« richtet, daß die Arbeiter sich kräftig zur Wehr setzten, als die ZOll Schutzbündler von mehr als 1000 Heimwehrbanditen überfallen wurden. Die steirische Arbeiterschast habe gezeigt, daß sie einen heimtückisch vorbereiteten Handstreich der Faschisten zu parieren versteh«. In ihrem Nachmittagsblatt sagt die.»Af- bctter-Zeitung':„Die Arbeiter sind nicht blind. Di« Sozial» dcmokratie wird sich nicht schlagen lassen. Di« Ar» beiter werden sich zu den blutigen Zusammenstößen, nach denen der Berbrecherstnn der Heimehr geht, nicht provozieren lassen. Aber di« Sozialdemokratie wird olles vorkehren, wo» nötig ist, um den Faschistenputsch im Keime zu ersticken. Dos hat schon der Sonntag gezeigt. An der entschlossenen Kaltblütigkeit der Arbesterpartei, die allein die siegreich« Abwehr verbürgt, werden di« foschsstisch«» Pläne zuschanden werden.' Heimwehrlüge über Schuhbundwaffen. D>« Tclegraphen-Umon oerbreitet einen Bericht der Heimwehr» zentrale in Wien, wonach in der ehemaligen Rüsttingsfobrik Wollersdorf Kanonen, Minenwerfer, Maschinengewehre, Büchsen und Munition beschlagnahmt worden wären, die dem Republikanischen Schutzbund gehörten. Auf unsere Anfrage erhatten wir von unseren, Wiener Korrespondenten folgenden Bericht darüber: Eine private Firma hott« seinerzeit aus den Beständen der ehemaligen Armeewerke in Wällersdorf Altmaterial ge- kauft und in Wollersdorf liegen lassen. Die Staatspolizei und die Wehrmacht wußten von diesen Wasfenbeständen. Darunter sind 150 Minenwerfer ohne Verschlüsse, in, besten Fall sind vier davon noch brauchbar. Die Firma hat dieses Altmaterial heute abgehott und weggeschafft. Weder der Republikanische Schutzbund noch die Sozialdemokratisch« Partei haben mit diesen Waffenrestcn auch nur das gering st e zu tun. Die amtliche Darstellung. Wien. 19. August. Di« amtliche Darstellung schildert die Vorgeschichte der Anmel» dung der beiden Versammlungen und jährt fort: Im Lauf« der Verhandlungen tcille der Heimat schütz mit, daß er seine Werbe- Versammlung für den 18. August von St. Lorcnzcn nach T h ö r l oerlege. Daraushin wurde die sozialdemokratische Versammwngz- anmcldung behördlich zur Kenntnis genommen, wobei von sozial- demokratischer Seite versichert wurde, daß die Teilnehmer unbewaffnet erscheinen werden. Zur Sicherung dieser Versammlung wurden entsprechende Maßnahmen gettoffen. Der Brucker Schutzbund zog am 18. August nachmittags, etwa 200 Mann stark, teilweise mit Spaten bewaffnet, zun, Bahnhof, Di« Behörde erklärte, daß der Sonderzug nicht abgelassen werde, bevor nicht di« Spyten abgeliefert seien. Es wurden 54 Spaten abgegeben. Um dies« Zeit wurde in Bruck ein Flugzettel verteilt, worin der Heimatschutz bekanntgab, daß er an der sozioldemdkratischen Ver- sammlung teilnehmen werde, und zwar wegen der Schreib. weise(!) de» Grazer sozialdemokratistl�n Blattes. Daraufhin for- derte da» Gendarmeriekommondo die Heimotschutzsührer auf, Spaten und Beilpicken abzuliefern. Der Hetmatschutz erklärt« hieraus, an der sozialdemokratischen Versammlung teitzunchinen und eventuell Eintrittsgeld bezahlen zu wollen, was die Gegenseite aber ablehnte. Da der Festplah vo« etwa 1200 heimatfchühler« besetzt war, zogen die Sozialdemokraten auf den fünf Minuten entfernten Kirchplatz, wo dann die Versammlung obgehatten wurde. Di« Bezirkshauptmannschaft gab daraufhin die Weisung, die nicht gesetzmäßig angemeldete Versammlung auf dem Kirchplatz auszulösen(!). Der Verfammlungsleitzv-, der fazialdeinokra- tisch« Abg.©Ollis ch, verkündete die Auflösung mit der Bemerkung, auch der Heimatschutz habe den Plag zu räumen, und er ziehe dann ebenfalls ob. Da Wallisch weitersprach, entstand ein heftige» Gedränge und es gab erregte Auseinandersetzungen. E» folgten Steimvürfe und Schüsse. Bei diesen Zusammenstößen wurde ei» SchuHbündlar getötek: ins Krankenhaus wurden 57 ver- letzte, darunter 20 Schwerverlelzle. transportiert: zwei Schutz- bündler wurden lebensgefährlich verletzt, ein« Reihe Verletzter nicht ärztlich behandelt. Nach zehnminutiger Dauer der Zusammenstöße zogen di« Echutzbündlxr»ach Bruck oh Eine Llniiefe. ,Nanu---?' ,Ia, das ist der Seheimrat Hugenberg, der sucht nach einem Grund, mit dem er das Adelsbegehren aufheben kann!� Briands vier Schützengräben. Im Stellungskrieg um die Räumung. und dt« Heimatschützl« oerOefam dm Ort wl Sonderzug: che» darmerie übmwachte den geregelten Abzug. * Selbst der amtliche Bericht läßt die Schuld der Heimwchr un- zweifelhaft erkennen. Sie hat die Festversammlung der Arbeiter auf dem Festplotz verhindert, sie ist ihnen in die zweite Der, s-nmnlpng nachgezogen, sie hat dort die Arbeiter über» fallen! Während der amtliche Bericht selbst mitteilt, daß die Schutz- bündler von Bruck a.M. ihre Spaten abgegeben haben, ver» schweigt er, was die cheimwchr auf-die gleiche Aufforderung getan hat: er würde es sagen, wenn die Faschisten so loyal ge- wesen wären wie die Arbeiterl proletarischer Gelbstschuh. Gegen kommunistische Knüppelgarden. Der llnkskommunistische„Bolkswille� richtet folgenden Aufruf „an die Genossen des Lenin-Bundes und des proletarischen Selbstschutzes': Gewisse Kreise der KPD. hoben ein Interesse daran, die Auseinandersetzungen über die Niederlagen, welche die Arbeiter. Nasse in letzter Zeit erfahren hat, zu verhindern. Sie wollen nicht, daß Klarheit geschaffen wird über die nächsten revolutionären Arbeiten. Sie wollen deshalb, wie sse offen gedroht haben, in der Versammlung des Lenin-Bundes ihre Terrormethoden zur Anwendung bringen. Uns sind Mitteilungen darüber gemacht worden, daß die KPD. gewiss« Knüppelgarden mobilisiert, um die Per- sammlungen zu sprengen. Wir verpflichten all« Genossen, rechtzeitig zur Stell« zu sei», um alle Störungsversuche abwehren zu können. Man erfährt bei dieser Gelegenheit, daß die Linkskommunisten einen„proletarischen Selbstschutz' gegen die Stalmtreuen auf. gezogen haben, die ihrerseits über die Rotfrontleut« verfügen. Zu- sammenftöße zwischen beiden kommunistischen Wehrverbänden zu verhindern, ist Ausgabe der Polizei. Tariferhöhungswünsche der Reichsbahn Keine Entscheidung der Regierung vor Mitte September. Zu dem Antrag der Reichsbahn auf eine neue Erhöhung der Tarife hat der Relchsverkehrsminister seinerzeit erklärt, daß er zu diesem Antrag nicht vor dem IS. September Stellung nehmen könne. Die Entscheidung der Reichsregierung hat sich verständlicherweise hinausgezögert, da sie erst genau prüfen muß, wie groß die Erleichterungen der Reichsbahn durch die Annahme des Doung- Planes werden.% Die Pressenachrichten, die bereit» von Verhandlungen zwischen der Reichsbahngesellschaft und der Regierung über die Festsetzung der Tarsserhöhung berichten, greifen den Tatsachen voraus. Aller- dings trifft es zu, daß bei der Reichsbahn bereits t a r i f> technische Besprechungen stattgefunden haben, welche Tarife im Fall« des Einverständnisses der Reichsregierung heraufgefetzt würden. Uns scheint, daß die Reichsbahn mit der jetzt schon erfolgten kchnsschen Durcharbeitung der Tariferhöhung einen allzu großen Diensteifer an den Tag legt. Es wird der Haupt- -Verwaltung nicht unbekannt fein, daß die Widerstände in der Regierung wie in der Oeffentlichkelt gegen«ine nochmalige Tarif. crhöhung gleich groß find. Im übrigen hat der ständig« Der- kehrsaufschwung in diesem Jahre seit dem End« der Kälte- welle di« pessimistiichen Erwartungen der Reichsbahn vollauf widerlegt, und die wachsenden Derkehrseinnohn«» in den letzten Monaten lassen die neuen Tarifwünsch« der Reichsbahn als durchaus unberechtigt erscheinen. Mirbach gestolpert. llever das„Hindernis" der Republik. Der Dorstand des„Vereins für Hindernisrennen' hat sich«nd- Ich genötigt gesehen, seinen Geschästsführer Siegfried Frei- Herrn v o n M i r b a ch, der bei ihm«in jährliches GeHall von 30 000 Mark bezog, fristlos zu entlassen. Mit diesem Be- ichluß folgte er einer Forderung de» preußischen Landwirt- i ch a f t s m i n i st e r s, den der..Freiherr' auf das u n f l ä t i g st e beschimpft hatte. Unsere Leser erinnern sich des Tatbestandes, den wir Anfang August in diesen Spalten mitteillen. Der„Verein für Hindernis- rennen', Berlin, Schadowftrahe 8, gibt für fein« Veranstaltungen Programme heraus, in denen auch Anzeigen entHollen sind. Als der feit 13 Jahren für diefe�Programm« die Anzeigenwerbung ausübende Herr dem Siegfried Freiherr von Mirbach eines Tages den Anzeigenauftrag des Trabremwerein» in Ruhleben ablieferte, in dem dos am Verfassungstage zu laufende Rennen„Preis der Republik' bekannt gemocht werden sollte, lehnte Mirbach diese Anzeige ab, erklärte sich jedoch bereit, das Inserat aufzunehmen, wenn die Worte„Preis der Republik' gestrichen würden. Als der Anzeigenüberbringer ihn darauf aufmerksam machte, daß der preußische La n d w t»t s ch a f t s m in i st e r gerade zu diesem Rennen einen Ehrenpreis gestiftet habe, fing Mirbach an zu toben und brüllte:„Ich ich.... auf den Minister.' Der Vorgang spiell« sich bei offenen Türen und in Gegenwart mehrerer Zeugen ob. Der auf Grund des Vorfalls angerufene Präsident de» Vereins, Graf von Weftphalen. hielt es nicht für notwendig, den Herrn Sekretär wegen seiner Flegelei zur Verantwortung zu ziehen. Nunmehr hat der Landwirtschaftsminister mit den Konsequen. z c n gedroht, und endlich hat sich der Vorstand de« Vereins für Hindernisrennen zu der einzig möglichen Maßnahme entschlossen, nämlich den junkerlichen Schimpfbold aus feiner einträglichen Stellung fristlos zu entfernen. Aber dieser Entschluß gegen den Be- ichimpser der Republik und chrer Minister ist nicht ganz frei- willig gesaßt worden. Denn der ganz«„Verein für Hindernis- rennen' kann nur existieren durch die hohen Zuschüsse, die er aus den Taschen der Steuerzahler auf dem Wege über dos Land- wirtschastsministerium erhält. So(ehr ihm nun die Gesinnung des Mirbach gefallen mag. n o ch m e h r Interesse hat er an den Geldern der Republik. Da verzichtet er lieber auf seinen schimpfenden Dereinssekretär als auf die Mittel der Steuerzahler. Wobei die Frage offen bleibt, wie hoch di« Abfindung gewesen ist. die der Mirbach zum Trost für den unfreiwilligen Abgang«- halten hat. Wie wir hören, beabsichtigt Hugenberg den schimpffrohen Stipen- diäten der Republik jetzt als den langgesuchten Geschäfts- sührer seines Ausschusses für das Adelsbegehren gegen di« Republik anzustellen. Hugenberg weiß die Verdienste ..nationaler' Männer zu würdigen! V. Seft. Haag, 19. August.(Eigenbericht.) „Noch vor Ende dieser Woche wird Herr Briand den Räumung»- termin nennen!' so wurde am vergangenen Mittwoch den deut- schen Pressevertretern mit aller Bestimmthett versichert. Am Frei- tag abend erklärten dieselben maßgebenden Stellen der deutschen Delegation, daß man sich bis Montag würde gedulden müssen. Skeptiker wurden mit sittlicher Entrüstung zur Ordnung gerufen. Auf die 48 Stunden komm« es doch nicht an usw. Die S k e p- tik er haben Recht behalten. Sie sind am Montag nach der einstündigen Unterredung zwischen Briand und Sttesemann. der ein« auffallend kurze Beratung der vier Außenminister bei Henderson folgte, wieder auf Mittwoch vertröstet worden, diesmal allerdings--- vorsichtshalber—„freiblechend'. So wird da» wenig erbauliche Spiel fortgesetzt. Der deutsche Berichterstatter, dem jeder positive Anhaltspunkt fehlt, da Dr. Strese. mann sich Briand gegenüber oerpflichtet hat, nichts zu sogen und dieses Versprechen streng«ingehalten hat, ist auf eigen« Kam- binationen sowie Informationen von anderer Seite ange- wiesen. Da sich jedoch d!« Kombinationen mit den Infarma- ttonen einigermaßen decken, ergibt sich etwa folgendes Bild: Briand hat am Montag tatsächlich Termine genannt, und zwar einen An- fangs- und«inen Endtermin der Räumung. Dies« Daten waren jedoch so ungünstig, daß Stresenunm sie ablehnen mußte. Das verabredet« Stillschweigen ist vor allem ein Beweis der Un> «inigkett. Run gibt es Optimisten, di« dieses dem Slußenminsster von Briand auferlegte Schweigen so deuten, daß die genannten Termine vielleicht gar nicht so ungünstig seien und Briand ein« vorzeitig« Bekanntgabe befürchtet mit Rücksicht auf die Angriffe, denen er in Frankreich deshalb ausgesetzt sein würde. Indessen erscheint es uns unmöglich, auf solche Ausreden irgendwelche zuversichtliche Schluß- folgerungen zu gründen. Man sieht im Gegenteil immer deutlicher, wie sich ein neues großangelegtes Verschleppungs- manöoer am diplomatischen Horizont abzeichnet. Die Kampf- stellnng Brionds besteht aus einer Hauptstellung und aus einer ganzen Reihe von Reserve-Schützengräben. Erst« und grundlegende Voraussetzung: die Räu- mung ist überhaupt abhängig von dem Gelingen der Haager Konferenz auf finanziellem Gebiet, d. h. von der Einigung zwischen Frankreich und Italien auf der einen und England auf der anderen Seite. Zweite Voraussetzung: Einigung über eine Feststellungs- und Vergleichskvmmission für das Rheinland ohne zeitlich« Beschränkung. Dritt« Boraussetzung: Ratifizierung des Boung- Planes in der Form, daß die ungeschützten Annuitäten vorerst durch Anleihen„mobilisiert' werden. Auf dies« Art kann es sich Herr Briand sehr leicht machen. Er wird um jede dieser einzelnen Voraussetzungen erbittert kämpfen und jedes Nachgeben in den einzelnen Punkten als ein ungeheures Zugeständnis hinstellen, das er eigentlich gegenüber der französischen Oefsentlichkett und der reaktionären Regierungsmehrheit gar.nicht oerantworten könne usw. Schon wird auf französischer Seite ver- sichert, daß der Oberkommandierende der Rheinland-Armee General Guillaumat erklärt habe, er benötige nicht weniger als 18 Monate(!), um die Räumung ordnungsgemäß durchzuführen. Es gäbe allein an Artilleriemumtion etwa Ii? Millionen Granaten auf deutschem Boden, deren Mcktransport«norm viel Zeit in Anspruch nehmen würde: und was es an ähnlichen„tech- nischen' Vorwänden mehr gibt. Wenn Herr Briand glaubt, daß er mit dieser Taktik irgend jemand in Deutschland täuschen wird, dann irrt er sich. Dieses ewig« Ausweichen vor den kleinsten Schwierigkeiten, die man absichtlich übertreibt, ist so unwürdig, daß wir fürchten, daß Briand auf dieser Haager Konferenz den letzten Rest von Vertrauen im deutschen Volk« verlieren wird, den er noch besaß. Er mag da» al» setziger Ministerpräsident des nattonalen Block» leicht»er- schmerzen, aber für den Gedanken der deutsch- französischen Ver- ständigung, der dadurch einen unvermeidlichen Rückschlag erleide» wird, ist das höchst bedauerlich. Erst Wohnungsbau in Krankreich! Paris. 19. Augsost. In dem heutigen Havasbericht heißt es: Die anwesenden nitlitärischen Sachverständigen prüften all« Fragen, die die Zurücknahme der französischen Truppen, wenn sie mtt der notwendigen Ordnung und Würde erfolgen soll, not» wendig machten. Zur Beleuchtung der Kompliziertheit de» Pro» blems genüge es. darauf hinzuweisen, daß zum Beispiel die Unter« bringung der gegenwärtig im Rheinland stehenden Forma- tionen den Bau von Wohnungen für 8—li? 000 Familien notwendig machen werde. Unter diesen Umständen sei es verständ- lich, daß die Räumung ein« sehr eingehende methodische Borb«- r e i t u n g und Fristen erfordere, über die da» Gutachten der be- teiligten Dienststellen unbedingt eingeholt werden müsse. Belgrad fürchiei die Wahrheii. 3. AltmaierS Erlebnisse in Jugoslawien. Vor mehreren Wochen hat der„Sozialdemokratisch« Pressedienst" den Genossen Jakob A l t m a i e r als Korre- spondenten nach Belgrad entsandt. Dieser sah sich jedoch als- bald genötigt, folgendes zu berichten: „Belgrad, den 16. August. Bereits bei meiner Ankunft in Belgrad wurde mir von der presseableilung der Regierung eröffnet, daß ich mich jeder Kritik an den Maßnahmen und an der Politik der Regierung zu enthalten und mich auf die amtlichen Meldungen zu beschränken habe. Dieses verbot konnte mich nicht hindern, meiner Pflicht als Kor» respondent nachzukommen und wahrheitsgemäß zu berichten. Darauf stellte die Presseabteilung a» einen anderen deutschen Be- richterstalter das Ansinnen, mich im Sinne der Regierung zu be- einflussen, womit sie jedoch eine Abfuhr erlitt. Runmehr wurde meine Ausweisung in dem vom Ministerpräsidenten. General Schivkovllsch. verwalteten Junen Ministerium beraten. Mein« so- sorkige Ausweisung konnte durch die gemäßigten Teilnehmer der betreffenden Sitzung nur durch den Vorschlag verhindert werden. meine weitere Tätigkeit abzuwarten. Diesen Beschluß Keß mau mir inoffiziell, mit vielen Warnungen gespickt, mitteilen. Gleichzeitig ließ man mir ein.Kompromiß' anbieten, da» ich. ohne e, anzuhören, zurückwies. Ja den letzten Tagen war es mir an- möglich, mit Berlin zu lelephonieren, wodurch jede geordnete Rachrichtenübermittlung unmöglich wurde.' Genosse Altmaier hat, ohne die formelle Ausweisung ab- zuwarten, Belgrad verlassen. Nachdem vor kurzem ein Der- treter des«Verl. Tagebl." ausgewiesen worden war, ist der Fall Altmaier der zweite, der beweist, daß das Jugoslawien von heute eine wahrheitsgemäße Berichterstattung über seine inneren Zustände nicht erträgt. Verfolgung der Minderheitsvölker! veigrod. 19. August.(Eigenbericht.) Der in den deutschsprachigen Minderheitengebieten bestehend« Deutsche Kulturbund muß sich auf Anordnung der Re- gierung neu konstituieren, und künstig Serbo- kroatisch als Ämtssprache führen. Dies« Maßnahme bedeutet prakttsch dos Ende des Deutschen Kulturbundes. Die Generolsregierung hat angeordnet, daß bis zum 25. August keine Bisen nach Ungarn erteilt werden, auch hat sie den Bahnverkehr über di«. ungarische Grenze gesperrt. Sie will damit oerhindern, daß die in Jugoslawien lebenden Madiaren zu dem vom 13. bis 25. August in Budapest tagenden Kongreß der Auslandsmadjaren Delegattouen entsenden. System Bata gebrandmarkt. Tagung der Schuh- und Lederiuiernationale. Die International« der Schuh- und Leder- industriearbeiter(Sitz Nürnberg) hat dieser Tage in Stock- Holm ihren 5. Kongreh abgehalten. Sic gehört zu den mittel. großen internationalen Berufsverbindungen. Der Geist, der sie beherrscht, ist mustergültig, ihre Entwicklung gesund und kräftig. Ihre Gründung geht auf das Jahr lSll? zurück. Zurzeit gehören ihr lb Lander an; sie umfaßt 314 1S2 Mitglieder. Seit ihrem letzten Kongreß(London 1927) stieg die Zahl der angeschlossenen Verbände von 27 auf 31. Sie umfaßt die Berufe der Schuh- und Lederindustrie, der Sattlerei, der Porteseuille- und Lederwaren. Vertreten waren in Stockholm 19 Verbände durch 4S Delegiert« aus England, Frankreich, Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Tfchecho- slowakei, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Der Sekretär der Internationale Simon- Nürnberg, ging bei seiner mündlichen Ergänzung des gedruckt vorgelegten G e- s ch ü s t s b e r i ch t s vor ollem aus die Probleme ein, die sich für die Schuh- und üsderindustriearbeiter aus der Rationali- f i e r u n g ergeben haben. Er nahm ferner Stellung gegen die in einzelnen Staaten noch bestehenden chondelshem münzen auf dem Gebiete der häute- und Lederwirtschaft. Das Bata- System wurde von ihm im Zusammenhang mit der Aufhebung de» bekannten Buches des Schriftstellers Philipp„Der unbekannte Diktator" scharf beleuchtet. Die Aufhebung des Verbotes, betonte Simon, bedeutet ein« Verurteilung des Systems des tschechifcheu Schuhkönigs Lala und ein« glänzend« Rechfertigung des Kampfes der Arbeiter gegen die Bata-Methoden. Das Gerichtsurteil muß in der Arbeiterschaft wi« ein« Fanfare wirken und dazu anspornen, gegen die Aus- b«utungsm«thoden, wie si« im Data-System liegen, aufs energischste vorzugehen. In der Aussprach« über den Geschäftsbericht wurde von verschiedenen Seiten auch der schweizerische Schuhgroß- betrieb Bclly unter die Lupe genommen, bei dem ähnliche Methoden wie bei Bata m Uebung sind. Die Gedankengänge und Anregungen der Ausprache fanden ihren Niederschlag in verschiedenen einstimmig angenommenen Ent- schließungen. In der Entschließung gegen das Sozial- d u m p i n g betont der Kongreß, daß die von Bata in der Tfchecho- slowakei angewandten Arbeitsmethoden zur Nicderringung der in- und ausländischen Konkurrenz eure Quelle handelspolitischer und wirtschastlicher Schwierigkeiten darstellen und zugleich eine beispiel- lose Bedrohung der Errungenschaften der organisierten Arbeiterschift. Der Kongreß trägt den angeschlossenen Landesorganisationen auf, zur Information der Oefsentlichkeit mit allen Gliedern der Arbeiter- bcwegung, besonders mit der Arbeiterpresse, Beziehungen anzu- knüpfen und einen intensiven Kampf gegen das bei Bata herrschende System zu führen. Dieser Kampf müsse so lange geführt werden, bis der Arbeiterschaft in Zlin, dem Sitz vatas, vollkommene Orgo nlsationsfreihell erkämpft worden sei. Der Kongreß gibt den einzelnen Landes- orgänisätionen auf, se nach der jeweiligen Situation in den ein- zelnen Ländern die wirtschaftlichen Mittel ausfindig zu machen, mit denen der Kampf gegen dos soziale Dumping auf? genommen werden kann. Mit Befriedigung stellt er fest, daß die öifentlich« Kritik bereit« imstande war, Länder mit chochschutzzöllen zn veranlasien, einer Ermäßigung der Schuhzölle näher- zutreten. Im übrigen vermag der Kongreß für keinen Staat irgend- einen entscheidenden Grund zu erkennen, der ein Fortbestehen der staatlichen chandelsbehinderungcn auf dem Gebiet der häute- und Lederwirtschaft rechtfertigen kömit«. Mit einer besonderen Entschließung wendet sich der Kongreß schars gegen die Unterdrückung der Arbeiter und ihrer Gewerkschafts. orgone in verschiedenen saschistischen und halbfaschistischen Ländern wi« Italien, Rumänien, Bulgarien, Polen, Litauen usw. Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm die Stellung- nähme des Kongresses zur Agitation der Russen in den skandinavischen Ländern NN. Die Russen glaubten, in Skandinavien zu einem sogenannten „skondinavisch-russischen Freundschaftskomitee" zu kommen, wenn zunächst auch nur mit den skandinavischen Sattlern und den finnischen Lederarbeitern. In der Urabstimmung unter den fkandi- naoischen Sattlern wurde jedoch das Freundschaftskomitee mit 1219 gegen 46S Stimmen abgelehnt. Die Vertreter aus Finnland und der Delegierte der dänischen Sattlerorganisation versuchten auf dem Kongreß, die russtsche Untenninierungsarbeit als möglichst harmlos hinzustellen. Die Finnen wünschten sogar einen Emigimgskvngrcß, zu dem die Russen eingeladen werden sollicn. Simon betonte demgegenüber, daß die russische Leitung eine Einigung durch Verständigung niemals gewollt habe und niemals wolle. Di« Einheit sei vorhanden gewesen, bevor die Russen zur Gründung ihrer Internationale geschritten seien. Seitdem hätten sie sich nur als Störenfriede gezeigt. Die russische Parolenpolitik würde den Untergang der Gewerkschaftsbewegung bedeuten. Wohin die kommunistische Gewerkschaftsarbeit führe, zerge das Beispiel der tschechischen Textilindustrie, wo heute Zwei kommunistische Gewerkschaften sich gegenseitig bekämpfen. Die Forderung der Finnen wurde gegen fünf Stimmen a b- gelehnt. Abgelehnt wurde ferner ein Antrag aus Oesterreich, den Internationalen Koangreß in Zwischenräumen von drei Iahren ein- zuberufen. Abgesehen von einer Ersatzwahl wurde dos Intcr- nationale Zentralkomitee in feiner bisherigen Besetzung wieder- gewählt. Einstimmig erfolgte auch die Wiederwahl Simons zum internationalen Sekretär. Lupeni! Eine frühkapitalistische Hochburg. K2 Tot« u n d 7 4 Verwundete sind bei dem Gemetzel der Bergarbeiter von L u p e n i gefallen. Nach der Berechnung eines Bukarester Blattes, die im„Berliner Tageblatt" wiedergegeben wird, hat die Bergwerksgesellschaft von Lupem, die im Jahre 1924 mit einem Kapital von 409 Millionen Lei gegründet worden ist, ihr Ka- pital 1927 aus 500 Millionen erhöhen können. Mit diesem Kapital konnte die Gesellschaft in vier Iahren 462 Millionen Lei Gewinne auszahlen! In dem gleichen Zeitraum hatte die Gesellschaft an allgemeinen Unkosten 72 Millionen Lei. Darunter befinden sich auch di« Löhne der Arbeiter. Aber nicht nur die Löhne der Arbeiter. Seit acht Monaten versuchten die Arbeiter vergeblich durch Verhandlungen eine Erhöhung ihrer elenden Hungerlohne zu er- reichen. Die staatlichen Schlichtungsbehörden standen voll und ganz auf der Seite der Bergwerksgesellschaft, die derartig? märchenhafte Gewinne aus den Arbeitern herausgeschunden hat, sich aber wei- gerte, die Löhne zu erhöhen. Die staatlichen Behörden standen so sehr aus der Seite dieser Bergwerksgesellschaft, daß der Bezirks- p r ä f e k t eine„unabhängige" Gewerkschaft auszog. An die Spitze dieser gelben Organisation wurde ein berüchtigter Polizei- spitze! gestellt, der sich schon wiederholt als Igent provoceteur betätigt hat. Dieser Polizeispitzel war es, der, zweifellos im Einverständnis mit der Bergwerksgesellschast und dem Bezirkspräsekten, die B e- letzung de» Elek.trtzitätswerk, anordnete, die den Borwand zu jener scheußlichen Schießerei abgab. Und nun setzte ein tragikomischer Prcsseschwindel ein. Die Kol-■ schewistjsche Korrespondenz„I m p r e k o r r" berichtete großmäulig von dem heldenhaften Kampf der Arbeiter unter kom- munistischer Führung. Dies« kommunistische Führung war eben jener gemeine Polizeispitzel, der das Militär auf die Arbeiter hetzte. Da jene gelbe Organisation als„unabhängig« Gewerkschaft" erklärt wurde und im Gegensatz stand zur Gewerkschaft der Berg- orbeiter, war dies für die Bolschewisten der vollgültigste Beweis, daß jener infame �ent provocateur ein Kommunist ist. Und so be- richtete auch die„Rote Fahne" von dem„heldenmütigen Kampse" der kommunistischen Arbeiter, während es in Wirklichkeit sich um ein wo h l v or b e r« i t« t e s P o l i z e i a t t« n t a t auf die Ar- oeiter handelt«. Der Bezirkspräfett ist abgesetzt worden. Man Hot aber nichts gehört von seiner Strafverfolgung, und auch nichts davon, daß der Polizeispitzel, der die Besetzung des Elektrizitäts- werks angeordnet hatte, den Gerichten übergeben worden ist. Schiedsspruch in derLederwarenbranche Geringe Lohnerhöhung. Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Lederwarenindustrie stehen schon seit dem Frühjahr in einer Bewegung um die Er- höhung ihrer Löhn«. Beide Torifparteien hatten das am 16. März vorigen Jahres abgeschlossene Lohnabkommen zum 29. März gekündigt. Vom Verband der Sattler, Tapezierer und Porte- feuiller war ein« durchgreifende Erhöhung der Löhne, von den Unternehmern jedoch ein Lohnabbau um 10 Pf. pro Stunde ge- fordert worden.* Nach mehrmaligen ergebnislosen Verhandlungen machten di» Unternehmer schließlich das Angebot, den tariflichen Mindestlohn der Facharbeiter von 1,07 auf 1,10 M., also um 3 Pf., die über- tariflichen Löhne um 2 Pf. und die Akkorde um 2 Proz. zu erhöhen. Das neue Lohnabkommen sollte ab 27. September bis Ende März 1930 gelten. Da die Branchenoersammlung der Lederwarenarbeiter das Angebot aber ablehnte, riefen die Unternehmer den Schlichtungsausschuß an. Dieser sällte in der vorigen Woche «inen

2alck>ung. Verlin grüßt Tokio. Oberbürgermeister Böß hart durch den Korrespondenten der japanischen Zöitung„Tokio A s a h i", K i t a n o, der an der Welt- reise des„Graf Zeppelin" teilgenommen hat, der Tokioer Bürgerschaft folgenden Gruß übermittelt: „Die deutsche Reichshauptstodt übermittelt der Hauptstadt des großen japanischen Kaiserreichs durch das Luftschiff„Graf Zeppelin" die herzlichsten Grüße. Sie begleitet die erste Weltreise mittels Luftschiff mit dem heißen Wustsche für eine glückliche Fahrt. Die moderne Technik rückt die Länder und Städte der Welt einander näher. Sie fördert dadurch den Fortschritt der Menschheit und treibt Wirtschast und Kultur vorwärts. Möge das Luftschiff eine neue Brücke schlagen zwischen Berlin, der zentralen Metropole Europas, und Tokio, der großen Metropole Ostastensl Das neue Weltoerkehrsmittel wird die freundschaftlichen Bcziehun- gen zwischen dem deutschen und dem japanischen Volke festigen und vertiefen." Betrug an den Aermfien. Gefängnisstrafe für zwei Lumpen. Das Schöffengericht Berlin-Schöneberg ver» urteilte nach mehrtägiger Verhandlung den Syndikus Jacob N e u m a r k wegen fortgesetzten Betruges zu 1 Jahr und« Monaten Gefängnis. Es handelte sich um 3 7 Fälle, in denen der Angeklagte kleine Päch- t e r um Kautionen brachte. Durch Inserate machte er bekannt, daß er Garderoben, Kioske, Zigaretten und Schokoladenstände zu verpachten hätte, und ver- langte von den Interessenten erhebliche Sicherheiten. Später stellte sich dann meist heraus, daß das angebotene Objekt nicht existierte oder schon besetzt war. Strafschärfend rechnete dem Angeklagten das Gericht an, daß er durch seine Schwindeleien meist ältere Frauen um ihre letzten Existenzmillel gebracht Halle. Neumark war schon nach dem ersten Verhandlungstage im Gerichts- (aal verhaftet worden, da wegen der zu erwartenden Höhe der Strafe Fluchtverdacht vorlag. Ein Prozeß gleicher Art wird am 2. September vor dem Schöffenbericht Verlin-Mitt« verhandelt. -» Im Monat November vorigen Jahres taucht« in verschiedenen Städten Deutschlands ein Mann auf, der sich auf Kosten alter Frauen, die nur von ihrer Rente leben, zu bereichern verstand. Zuerst trat der gemeingefährliche Betrüger in Nürnberg auf, wo er sich als Abgesandter des Renienamts ausgab und bei ver- schiedenen Greisinnen vorsprach. Denen erzählte er» daß«r ihnen die Erhöhung ihrer Rente mitteilen müsse. Er sei aber ver- pflichtet, Fragebogen auszufüllen, die eine Stempelgebühr kosten. Die alten Frauen, erfreut, daß ihre Renten erhöht werden sollten, ließen sich bestimmen, dem Schwindler Beträge von zwei bis zwanzig Mark zu geben. Auf diese Weise s6)ädigle der Bursche in mehreren süddeuischen Städten zahlreiche alte Frauen, denen er immer aus die gleiche Art Geldbeträge abzulocken verstand. Er trai dann auch in Berlin auf, wo er endlich verhaftet werden konnte. Der Schwindler hatte sich jetzt vor dem erweiterten Schössen- gericht Lichtenberg zu verantworten. Ihm wurde vollendeter Betrug in 51 Fällen und versuchter Betrug in 10 Fällen zur Last gelegt. Der Angeklagt« ist Tschechoslowake und bereits mit dem Strasgesetz in Konflikt gekommen. Er wurde zu insgesamt 1 Jahr und 4 Monaten Gefängnis oerurteilt. Regierungsdirettor Hoppe gestorben. wie erst jetzt bekannt wird, ist am Freitag voriger Woche Ne- gierungsdirektor Hoppe in H a h n e n k t e e. wo er sich zur Erholung aufhielt, plötzlich einem Herzschlag erlegen, hopp« war lange Zeit Chef der Berliner Sriminalpolizei und hat sich um iüc Organisaiion der Mordkommission große Verdienste erworben. Am 1. April 1SZS ist er wegen Erreichung der Aller,- grenze aus dem polizeidienst ausgeschieden. *» Bevor Hoppe Chef der Kriminalpolizei wurde, versah er jahrelang das Amt eines Theaterzensors beim Berliner Polizeipräsidium. In dieser Stellung hatte er sich bereits einen Namen gemacht, indem er die Bühnenkünstler und-kllnstterinnen durch die Einsllhrung von Dienstbüchern gewissermaßen unter das„Gesinde"— diese Bezeichnung gab es damals, vor 1918, noch — zu rubrizieren versuchte und dadurch die Anregung zu den all- jährlich von der Bühnengenossenschaft veranstalteten lustigen G e- sin de ballen der Berliner Schauspieler gab. Hoppe besaß übrigens soviel Humor, daß er selber an diesen Bällen regelmäßig teilnahm. von. AM.FPby. Copyright 1929 by Gustav Kiepenheucr Verlag A.-G., Berlin In grotesken Tanzsprüngen gelangt er bis zu ihm und greift— ein Dutzendmal flattert die Hand daneben— in die Brusttasche. Aus der Tasche zieht er ein Stück Pappdeckel, er hält ihn sogleich in die Richtung des Arztes. Der Pappdeckel ist weiß überklebt, er ist zerschabt und mit viel schmutzigen Finger- abdrücken versehen, er wird zweifelsohne lange schon herum- getragen und gebraucht. Auf ihm steht in unbeholfener Schrtft zu lesen:„In einer Stunde geht's wieder." �.... Lipps Gesichtsausdruck wechselt: vom Gereizten schwingt er ins Nachdenkliche.„Also, legt ihn da drinnen auf ein« Matratze," sagt er still.„Gebt ihm vorerst mx. Aber wenn er besser beisammen ist,"— er gerift in die Tasche—»da ist ein Kognak,"— und in die andere—»und da ein Stuck Kuchen.". �»v. Er steht auf und nickt dem jungen Soldaten zu. „Brav, mein Lieber: es wird schon wieder. Funk staunt. Lipp hat in den Mienen einen echten Ausdruck von liebenswürdiger Hochachtung. Sein Mephisto- köpf hat plötzlich etwas Bestrickendes. Das verweht schnell. Immerhin bleibt ein Nachhall. „Funk," sagt er draußen.„Donnerwetter, so_ em KerlI Wenn wir mehr solche hätten, ich glaube, wir gewännen noch den Krieg."' � „Wird es ihm gedankt?" fragt Funk bitter.„Wie wird es ihm gedankt!" „Und übrigens— daß wir den Krieg verlieren, ist gar nicht gesagt," verbessert sich Lipp sorgenvoll. „Jedenfalls darf man es nicht sagen." schließt Funk. „Herr Stabsarzt haben recht." 20. S'e sind auf dem Marschr Sie marschieren in Richtung Lille. Einer bringt heraus, daß man somit doch der Somme den Rücken kehre— und sogleich glauben sie, der mageren Stimm« Gehör geben zu dürfen: am Ende bleib« ihnen jener Kelch erspart. Vielleicht ist der Befehl an die Division ge- ändert worden, vielleicht hat Ludendorff in letzter Minute eingesehen, daß sie einfach endlich— vielleicht-- Ja, sie sind bereit, wie immer an das Wunder von morgen zu glauben, denn sonst ginge es ja überhaupt nicht weiter., Hierbei geschieht es, daß Stöger, Funk und Holzer zum erstenmal nach einem Jahr einander wiedersehen. Holzer ist mager und gelblich geworden und recht gealtert, sein Bart ist stark verblaßt, aber die Augen in ihren grauen Höhlen glitzern unhemmbar verschmitzt. Er hat Grund zu seiner sie- brigen Fröhlichkeit. Er verläßt die große Bühne des Welt- theaters.„Ab durch die Mitte!" sagt er immer wieder mit ausgehöhlter Stimme- Er tappt nur mit, um sich alsbald in einen Zug setzen und in die Heimat fahren zu können.„In Permanenz nach Hausei" grölt er albern. Er ist jetzt vierzig: er hat ein rheumatisches Leiden und ein Darmleiden: er hört immer schlechter, wenn etwas anbefohlen wird: er hat Plattfüße bekommen— ihm fehlt alles, was du dir nur wünschen kannst. Er ist dem Arzt mit eiserner Energie so lange in den Ohren gelegen, bis der nachgegeben hat. Er ist nicht mehr felddienftfähig. „Das wäre ja ganz schön," sagt der ängstliche Stöger, „wenn sie dich daheim nicht wieder kavau schreiben würden." „Das passiert nicht. Freunderl." versichert Holzer mit leiser, hoher, schlauer Stimme,„dafür sorg' ich. Bei uns von der Straßenbahn brauchen sie so wie so Wagenführer. Da ist ein Mangel, und er wird alleweil größer. Den Schaffner- dienst können Weiber zur Not versehen, Geld einkassieren und Zettel hergeben, das haben sie ja schon immer verstanden, aber einen Wagen führen— da müssen sie schon ihre Fingerl davon lassen." „Wenn Not an Mann geht," beharrt Stöger, voll von düsterer Zukunft,„tun sie dich doch wieder hinaus." .Mich net, mich net," betont Holzer flüsternd in der Fistel und umwittert von solch geheimnisvoller Gerissenheit, daß man überzeugt ist. Stöger versucht es noch einmal:„Wer mit Plattfüß' kannst du doch keinen Führerdienst machen. Mußt ja stunden- und stundenlang auf der Plattform stehen." „Daheim dressier' ich sie schon wieder um, die Haxen." Er locht.„Die machen mir nur da heraußen zu schaffen" Stöger läßt ab von ihm und berichtet, wie's mit ihm selber steht. Er seufzt gewohnheitsmäßig.„Oh mei Mensch!" sagt er mit der verwundeten Sanftheit seines Kinderblickes. Die Äugen sind noch größer geworden. Wer die Wangen blühen wie«Hedem. Er ist vor einem Vierteljahr auf Urlaub gewesen, um das inzwischen geborene zehnte Kind zu be- schauen. Nun schreibt die Gattin— da, im letzten Bnef!— sie fühle sich abermals Mutter. Ob es ihn daraufhin nicht grause, nächstes Jahr in die Heimat zu fahren? Er lächelt stolz und traurig.„Ihr werdet sehen, das Dutzend muß noch voll werden," prophezeit er gottergeben. Fruchtbarkeit ist gut und unabwendbar. In Haubourdin, einer Art Vorstadt von Lille, werden sie getrennt. Hier wird der Regimentsstab einquartiert, also auch Lipp, also auch Funk. Sie werden nicht gleich verladen. Sollen sie noch einen halbwegs ruhigen Atemzug tun, eh' sie zur Hölle fahren? Die Bataillone finden Unterschlupf in den ringsum dicht gedrängten Orffchaften. Stöger entschwindet aus den Augen Funks und vierzehn Tage später verschwindet er vollständig. Eine Granate zerreißt ihn so, daß nichts mehr übrig bleibt, was man mit einem Menschennamen belegen könnte. Es ist ihm nicht vergönnt, das zwölfte Kind zu zeugen. Holzer aber hält sich in München- Er klebt sich fest mit dem Leim seines Willens, vorn auf dem Führerstand, und durchrasselt mit immer schäbiger werdenden Motorwagen eine immer kränker schnaufende Stadt. Funk hat Quartier in der Villa, die Pummer zur Ver- fügung gestellt ist. Er hat ein sauberes, helles Zimmer, ein reguläres Bett zum erstenmal seit einem Jahr, einen großen festgefügten Schreibtisch, aber zu schreiben gibt es gottlob einmal nichts. Die Vergangenheit ist abgeschlossen, und die Zukunft muß erst neues Unheil schaffen, das registriert, ru- briziert und nach zehn Seiten hin gemeldet werden kann. Funk lungert umher. Der Abend ist weich. Em schöner Herbst— wie damals, als er herausfuhr. Den Stabsarzt hat der zappelnde Kommandeur dauernd mit Beschlag belegt, die bevorstehenden Aufgaben setzen ihm zu, er will von Lipp bald ein Schlafmittel und bald ein Kräftigungsmittel und in der Haupffache Ablenkung, Lipp kaut an zerbissenen Flüchen und ist beschäftigt, und Funk hat Ruhe vor ihm. Die Straße mit der vornehmen Villa beherbergt gleich nebenan ein paar alte verschrumpfte Häuschen, die zurück- gekrochen sind hinter Vorgärten mit Gemüse. Aber es geht laut und jung in ihnen zu: durch ihre Fenster, durch die beiden offenen Haustüren sieht Funk, wie drinnen gewaschen und gebügelt wird. Hellen, schnellen, melodischen Gesang, der. fast unablässig den beiden Häuschen entströmt, hat Funk schon während des ganzen Nachmittags in seinem Zimmer ver- nommeu. (Fortsetzung folgt.) 1 Oer Gasverbrauch in Europa. Nach Wien hat Verlin das billigste Gas. Man könnte wirklich Angst um di« Kohlenvorräte der Erde be- koinmen, wenn man bedenkt, wieviel Kohl« jeden Tag von den Men- schen oerbraucht wird. Fast 8 Millionen Tonnen Kohle hat Berlin allem voriges Jahr verbraucht, rund 3 Millionen Tonnen Kohle hat Wien oerbraucht. Rechnet man das um, so sind jährlich 800 000 Waggons mit je 10 Tonnen Kohl« nach Berlin und 300 000 Waggons Kohl« nach Wi«n gefahren. Stünden alle diese Waggons hinter- einander auf einem Gleis, so wäre dieser gigantische Lastzug Kohle 8000 Kilometer lang. Dies« Riesenmenge Kohle ist in den beiden Städten in einem Jahr verbrannt worden, und ihre Abfuhrgas« sind durch die Kamine der Stadt geschlüpft. Wenn man die Statistiken beachtet, findet man, daß der Kohlenoerbrauch an Hausbrand immer mehr in den großen Städten zurückgeht, der Verbrauch für die Gas- und Elektrizi- tätserzeugung aber zunimmt. Di« Städtischen Werke in Berlin brauchen allein rund ein Viertel, das Wiener städtische Gaswerk sogar 40 Proz. aller Kohlenmengen der ganzen Stadt für sich. Es ist eine unvorstellbar« Zahl, daß Berlin jährlich 050 Millionen Kubikmeter Gas oerbraucht, oder Wien jährlich 313 Millionen Kubikmeter Gas. Wollte man aber einen Gasometer bauen, der diese Iahresmengc Gas fassen sollte, so müßte in Berlin ein 850 Meter hoher Würfel, in Wien ein solcher Würfel von 700 Meter Höhe gebaut werden. Wollte man aber eine gigan- tische, 100 Meter breite und 50 Meter hohe Halle für diese Gasmenge bauen, so müßte diese Hall« für Berlin 120 Kilometer, für Wien 62 Kilometer lang gebaut werden. Von allen europäischen Städten hat nun Wien den stärksten Gasverbrauch, nämlich 168 Kubikmeter Gas pro Jahr und Kopf der Bevölkerung. Es hält damit den Rekord vor Hamburg mit 155 Kubikmeter je Kopf, vor Berlin mit150, vor Budapest mit 90, vor München mit 64 und vor Prag mit gar nur 30 Kubikmeter pro Jahr und Kopf der Einwohner. Daß I>z Wien soviel Gas verbraucht wird, hat auch seinen Grund: Wien hat nämlich auch das billigst« Gas in Europal In Wien kostet das Kubik» meter Gas 11 Pf., in Prag aber 21, in München 20, in Frankfurt 18, in Bafel und Hamburg 17 und in B e r l i n 1 0 P f.! Berlin hat also nach Wien den billigsten Gaspreis. Beide Städte, die unter sozialdemokratischer Initiative stehende Reichs- Hauptstadt und das sozialistisch regierte Wien, können es für sich in Anspruch nehmen, auch auf diesem wichtigen kommunalpolitischen Ge- biet führend zu sein. Oer Kindesmord noch ungeNäri. Schwierige Ermittelungen der Polizei. Der- schreckliche Mord au der elfjährigen Hilde Zepernick konnte trotz aller Bemühungen der Polizei, die seit Tagen an dem Fall fieberhaft arbeilet, noch immer nicht weiter geklärt werden. Der Wächter Sch. sitzt weiter. hin im Gewahrsam. Wie wir gestern bereits mitteilten, sah di« Polizei keinen an deren Ausweg, um auf die Spur des Kindesmörders zu kommen, als sämtliche auf dem Bau Beschäftigten zu vernehmen und von allen«in« Beibringung ihres A l i b i s für die fraglich« Zeit zu ver- langen. Die Untersuchung ist bei der großen Zahl der Belegschaft selbstverständlich noch nicht beendet, zumal all« Angaben ge» nau geprüft werden müssen. Von der Anwohnerschaft sind erneut Verdächtigungen gegen bestimmte Personen aus- gesprochen worden, die sich bisher aber als völlig haltlos er- wiesen haben. Unter anderen wurde ein Mann beschuldigt, der im Gesicht Kratzwunden hatte; sehr bald ergab sich, daß er mit dem Morde nicht das G e r i n g st« zu tun hat. Ein anderer der Mordtat verdächtigter Arbeiter konnte sofort mehrere Zeugen bringen, die übereinstimmend bekundeten, daß er am Mordtage seit 17 Uhr in seiner Laube gelegen und„seinen Rausch ausge- schlafen habe". Anderen Nachprüfungen stellten sich meist weit größere Schwierigkeiten in den Weg, da nicht immer gleich Zeugen gur Beibringung eines lückenlosen Alibis aufzutreiben sind. Es kommt außerdem vor, daß«in Arbeiter inzwischen seine Stelle gewechselt hat und nun erst aussindig gemacht werden muß. >0 konnte ein Steinträger, für den die kleine Hilde häufig Zigaretten geholt hat. noch nicht ermittelt werden. Jedenfalls hat die gestrige Untersuchung noch keine Anhallspunkt« für ein« be- stimmt« Täterschaft erbracht. Zurzeit ist die Polizei bemüht, den Steinträger herbeizuholen, um sein Alibi, ebenso wie das der anderen, nachzuprüfen. * Gestern nachmittag wurde im Schau Hause die Leiche des ermordeten Kindes obduziert. Der Tod ist, wie schon der erste Befund ergab, durch Erdrosseln eingetreten, außerdem muß das Mädchen«inen wuchtigen Schlag über den Kopf bekommen haben. Gewiiiersturm am Gonniag. tleberschwemmungen im Südosten. Zwei Personen ertrunken Am letzten Sonntag ging in den frühen Nachmittagsstunden über die südöstlichen Vororte Berlins ein heftiges Gewitter nieder, das von einem woltenbruchartigen Regen begleitet war. In Johannisthal, Niederschöneweide, Schmück- w i tz und Stralau wurden weite Strecken über- schwemmt, so daß die Feuerwehr annähernd dreißigmal zu Hilfe gerufen werden mußte. Leider sind bei dem starken Badebetrieb, der gestern überall herrschte, wieder mehrere Ausflügler ertrunken. Beim Baden in der H a v e l ging der 43jährige Kaufmann Hermann W a n d e r aus der Gleditschstraße 15 in Schöneberg vor den Augen zahlreicher Mitbadender plötzlich unter. Obgleich sofort Rettungsoersuche angestellt wurden, konnte der Verunglückte bisher noch nicht geborgen werden. Im Tegeler See ertrank der ISjährig« Maler Erich K a t h aus der E h a u s s« e st r. 10. Die Leiche wurde geborgen und nach der Leichenhalle in Tegel gebracht. Wie die Geschäftsstelle des Arbeiter-Samariterbun- des mitteilt, wurde während des Sonntags bei 61 Unfällen Hilfe geleistet. Die Insassen von sechs Segelbooten. die während des Gewittersturmes gekentert waren, konnten durch das rechtzeitige Eingreifen der Boote des Arbeitersamariterbundcs gerettet werden. * Bei dem beständigen Sommerwetter waren in sämtlichen städtischen Freibädern in der letzten Woche wieder R«- kordbesuche zu verzeichnen. An der Spitze rangiert wie immer Wannsee mit 28 500 Besuchern am Sonntag und 103 500 Badegästen während der letzten Woche. Seit der Eröffnung haben hier über Million Berliner Er- h o l u r�g gesucht. Das Freibad Müggelsee war das Ziel von 8000 Badenden am Sonntag und 28 000 Besuchern in der ver- gangenen. Woche. Es wird ganz erheblich übertroffen von Vlötzenfee, wo am Sonntag rund 8 50 0. in der ganzen Woche aber über 5 0 000 badeten. Recht erhebliche Be- f u ch s z i f f« r n weisen auch die Freibäder Lichtenberg, Grünau, Adlershof, Oberschöneweide usw. aus. Die Gesamtzahl der Besucher in der letzten Woche belies sich auf annähernd 2 5 0 0 0 0. Damit dürften allein die S t S d t i» schen Freibäder seit Saisonbeginn in diesem Sommer von über l% Millionen Berlinern aufgesucht worden sein. Eiye nachträgliche versossungsseier. Di« republikanisch« Vereinigung der preußischen P oli z e i v erwaltun g veranstaltet« am Sonntag nachmittag im Etablissement Zenner in Treptow ihr diesjähriges Sommers est, das verbunden war mit einer Verfafsungs feier. Das reichhaltige Programm bot «in Konzert der Orchester-Vereinigun der Berliner Kriminalpolizei, ein« Tombola. Kinderspiele,«inen Fackel- umzug, Damen- und Herrenspenden sowie Tanz in den Sälen und im Freien. Die Veranstaltung, an der über 2000 Personen teil- nahmen, hat einen ausgezeichneten Verlaus genommen. Neues Verbrechen Vielufs. vie Suche nach dem Massenmörder. Am Alonkag morgen um AVi Uhr wurde der Arbeiter Wilhelm A n d r ä, der auf seinem Rade von Bertelsdors nach Gassen bei Guben fahren wollte, im Walde vou einem unbekannten Wanne angefallen. Der Wegelagerer warf ihm einen Knüppel in das Rad. so daß Andrä stürzte. Auf den Gefallenen gab er dann mehrere Schüsse ab und plünderte den Besinnungslosen aus. Passanten fanden den Arbeiter, der noch schwache Leben». zeichen von sich gab, und Neßeu ihn nach dem Srankenhau» in Sommerfeld bringen, wo er in bedenklichem Zustand daniederliegt. Der Landjäger von Gaffen nahm sofort di« Ermittlungen auf, konnte den Verbrecher aber nicht finden. Da der Verdacht aus- getaucht ist, daß«s sich um ein neues Derbrechen des Raubmörders V i e l u f handeln könne, ist von Berlin«in Kriminalbeamter an den Tatort entsandt worden, um die Nachforschungen gemeinsam mit den Ortsbehörden zu betreiben. Ob der angeschossene Arbeiter mit dem Leben davonkommen wird, ist noch zweifelhast. Berlin hat 20 000 Kilometer Kabel. Im laufenden Geschäftsjahr hat die Gesamtlänge des Hoch- und Niederspannungskabelnetzes der Berliner Städtische Elektrizitätswerke A.-G. 20 000 Kilometer überschritten. Wie gewaltig diese Länge ist, geht am besten daraus hervor, daß die Kabel einzeln aneinandergereiht von Berlin über New Pork und San Franziska bis nach Tokio reichen würden und somit mehr als den halben Erdumfang ausmachen. Hierbei ist noch zu bemerken, daß fast die Hälfte aller dieser Kabel erst in den letzten fünf Jahren verlegt wurde. Die Hoch- spannungskabel dienen zur Uebertragung der elektrotechni- schen Energie mit einer Spannung bis zu 30 000 Volt von den Kraft- werken zu den einzelnen Abspannwerken, Stützpunkten und Netz- stationen, während die Nicderfpannungskabel die. Abnehmer mit 110 bis 220 Volt versorgen. Der Transport der elektrischen Energi« mit hoher Spannung bis möglichst nahe an die einzelnen Ver- braucher ist aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich, da die nicht zu vermeidenden Uebertragungsverluste im umgekehrten Verhältnis zur Höhe der Spannung stehen. Ein armer sechsbeiniger Hammel. In L ll t t i ch entkamen aus dem Zirkus Buffalo Bill zwei Riesenschlangen. Eine Schlqnge wurde in einem Pferdestall wi«dergefuii5«n. wo sie ein Pferd erwürgt hatte. Die and«re Schlange entdeckte man in einer Schaubude, wo sie«inen Hammel mit sechs Beinen im Werte von 6000 Franken oerzehrt und ein Pferd im Werte von 25 000 Franken erwürgt hatte. Am Sonntag gab es— sicher zur Freuds der meisten Hörer— viel Unterhaltungsmusik. Hübsch war die volkstümliche Abendver- anftaltung. die Berlin sandte. Am Monlag abend las im Berliner Sender Gertrud E y s o l d t „Junge Lyrik", lieber„Heimarbeiter und H e i in a r b e i t e- rinnen in der Berliner Bekleidungsindustrie" sprach Willi Lehmann, Vorsitzender d«s Deutschen Bekleidungsarbeiter-Verbandes. Er berichtete, daß es in Berlin 120 000 Heim- orbeiter gibt, von denen drei Viertel weiblichen Geschlechts sind. Dieses Riesenheer der Arbeiter erhält noch heute zum Teil Hunger- löhne. In der Weißnähcrei kommen Stund«iüöhne vor, die zwischen 16 und 25 Pf. schwanken. Die Nachkriegszeit hat durch das Heim- arbeiterlohngesetz einige Verbesserungen in der Lage der Heim- arbciter geschaffen, aber erst wenn sich alle Arbeiter auf diesem Gebiet gewerkschaftlich organisieren, wird sich die Arbeiterschaft dieses Gesetz wirklich zunutze machen können. Heute liegen leider die Fälle bisweilen noch so, daß neben denen, die sich durch Heim- arbeit chr tägliches Brot verdienen, vielfach noch Frauen und Töchter der unteren Beamten und des Kleinhandwerks befinden, die diesen Nebenoerhienst nicht so dringend notwendig haben und die ohnehin ungünstigen Arbeitslöhne noch unterbieten. Der Vor- tragende forderte die Hörer auf, im eigenen Interesse mitzuhelfen, das Los der Heimarbeiter zu bessern. Das wör« möglich, wenn der Käufer von Konsektionsartikeln fordert, daß ein Zettel an jedem Gegenstand angibt, unter welchen Bedingungen dos Stück an- gefertigt wurde. Die elende Lage der Heimarbeiter bedeutet nämlich für das kaufende Publikum eine schwere Gefahr. In Räumen, in denen sich Schwerkranke. Tuberkulöse aufhallen, werden Wäsche und Kleidung hergestellt, die später für den Träger dieser Dinge ein ein Ansteckungsherd sein können. Te». Eine Witwe, fieben Waisen. Zwei Hauer tödlich verunglückt. Altenseelbach, IS. August. Hier verunglückten ans der Grube„G roste Burg" zwei Haner durch zu früh losgegangene Sprengschüsse tödlich. Einer der Getöteten hinterläßt eine Frau und sieben Kinder. Die Grube liegt in dem durch die schwierigen Arbeitsverhältnisse im Erzbergbau bekannten Notstandsgebiet zwischen Wetzlar und Siegen._ Gchiffsunglück in der Ostsee. 400 Kinder in Lebensgefahr. Stettin. 19. August. sEigenbericht.) ver vcrgnügungsdampfer„Deutschland" der Swinemün- der Dampfschifsahrlsgesellschasl stieß aus der Fahrt von Swinemünde nach Stettin mit einem Stettiner Frachtdampfer zusammen. Die„Deutschland" erhielt ein Leck von mehreren Metern im Durchmesser. Aus ihr befanden sich 4 00 Schulkinder, die von einem Ausflug zurückkehrten, und 125 erwachs e'ae Passagiere. Der Kapitän halte die Geislesgegenwart, sein Schiff rasch und mik voller Krask aus Grund zu sehen und so ein großes Unglück j u verhüten. Sofort noch dem Zusammenstoß Halle sich der Speisesaal mit Wasser gefüllt. Der Frachtdampfer, der nur geringen Schaden davon trug, konnte seine Fahrt sorlsehen. Alle pastagiere und die Besatzung des Schisses wurden geborgen. Schulungswoche für Gewerbesehrer. Der Reichsausschuß für sozial! st ische Bildungs- arbeit veranstaltet gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft sozial- demokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands eine Sozial- wissenschaftliche Schulungswoche für Gewerbe- l e h r e r, und zwar in der Zeit vom 1. bis 7. Oktckber 1929 im „Haus des Bolkcs" in Probstzella, Thür.(Nähe von Saalfeld). Das Programm des Kurses lautet: 1. Beruf und Erziehung (Entwicklung und Gegenwartsprobleme), Referentin Prof. Dr. Anna Siemsen: 2. Die Wirtschaftslage der Gegenwart, Referent Prof. Dr. Hermberg: 3. Gegenwarts und Zutunftssragen der Berufsschule, Referentin Dr. Adelheid T o r h o r st. Die Leitung des Kursus ist Dr. August Siemsen- Jena übertragen worden. Die Teilnehmer werden im„Haus des Voltes", das hierzu geeignete Räumlichkeiten hat, verpflegt und untergebracht. Dafür ist «in Togessatz von 5,50 Mark einschließlich Trinkgeld vereinbart. Außerdem ist eine Teilnehmergebühr von 5 Mark für den Kursus zu zahlen. Die Anmeldungen zum Kursus find bis spätestens 15. September an den Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu senden. Stenogrsphiekurse für Arbeiter. .Die Erlernung der Kurzschrift ist für jeden Lernenden von großem Wert. Sie zwingt zum systematische:! und konsequenten Denken, sie erzieht zu folgerichtiger BiKungs- und Gedankenarbeit. Hier helfend einzugreifen und ällen im KrÄse Gleichgesinnter die Kenntnis der Stenographie in Zlnfänger- und Fortjchrittskursen zu vermitteln, hat sich die„Freie Arbeiter-Stenogrophcn-Vereiniguiig Groß-Berlin" schon seit 20 Jahren zur Aufgabe gestellt. Innerhalb unseres Verbandes finden auch Nationalstenographen, Stenotachy- grophen, Stolze-Schrcyaner und Reichskurzschriftlcr die Möglichkeit, ihre alten Kenntnisse wieder aufzufrischen. Unsere nächsten Anfängerkurs« in der Reichskurzschrift beginnen in: . Neukölln: Am Dienstag, dem 3. 9. 29, im Realgymnasium, Kaiser-Friedrich-Stroße 209/210: Osten: Am Montag, dem 2. 9. 29, in der Gemeindeschule, Frank- surter Alle« 37: Nordosten: Am Donnerstag, dem 5. 9. 29, in der Gemeinde- schule, Senefelderstraße 6: Norden: Am Donnerstag, dem 5. 9. 29, in der Gcmeindefchule, Schulstraßc 99: Südwesten: Am Freitag, dem 6. 9. 29, in der Gemeinde- schule, Gneisenaustraße 7: Südosten: Sieh« Arbeit«rpress« unt«r V«r«insnachrichtcn. Alle Kurs« beginnen abends um �8 Uhr. Die Anmeldungen er- folgen am ersten, spätestens am zweiten Kursusabend. Schriftliche Anfragen beantwortet: Walter Riedel, Berlin- Spandau, Wustermarker Straße 10 I. Verderbliche Spritztour eines Elefanten. Der neunjährige Elefant„T a n t o r" des Tiergartens Scebach (Schweiz) ist in diesen Tagen von seinen Ketten losgekommen und entwichen. Durch Abreißen von Aesten beschädigte er viele Bäum«. Der Elefant lief dann auf die Bahnlinie O e r l i t e n— K l e t e n, wo er in der Gegend des Elektrizitätsunterwerks See- b a ch vom ersten Zuge angefahren, 50 Meter weit gestoßen, und dann den Bahndamm hinuntergeworfen wurde, wo er tot liegen blieb. Goldene Hochzeit. Der 75 jätjrige Maurer Carl Kussatz, Berlin SO. ZS, Lübbener Str. 15, seit etwa 35 Jahren Mitglied deSBauaewerkbundes. einst schon Abonnent deS.Berliner BolkSblalis*, später treuer Leser des .Vorwärts�, seiert am Dienstag, dem LO. August 1929, mit seiner tirau Elise goldene Hochzeit. Wir gratulieren den beiden allen Freunden und wünlchen ihnen alle? Gulel Diamantene Hochzeit. Sin oller Leser deS„BorwärtS". der Zimmermann, Genosse Heinrich I ü t t n e r, und seine Ebefrau, geborene Grog mann, Berlin EW. 29, Heimstr. 19, feiern am 22 August das seltene Zcst der diamanten en Hochzeit. Wir gratulieren unsern allen Freunden herzlich und wünschen ihnen einen noch recht langen und frohen Lebensabend. Wellerberichi der öffentlichen Wellerdicnslstclle verlin und Umgegend lNachdr. verb.) TeUS wollig, teils heiter, bei etwas ansteigenden Zcmpc- ralurcn, keine nennenswerten Niederschläge— Für Deulichlond: Im Süden Aujbören der Neliensälle, im Nordwellen zeitweise elwaS unbe- ständig, im übligen Reich teils heiler, teils wolkig, bei etwas ansteigenden Temperaturen. kür Reise, Wandemigen ................ n■ ni und Wochenende vergessen Sie nicht die herrlich erfrischend schmeckende Pfeffer- niinz- Zahnpaste Cblorodont. Tube 90 Pf. und 1 MI., und die dazugehö.ige Chlorodonl-Zahndi rste mit gezahntem Borstenschnsti oon bester Oualilät, für Erwachsen« 1.25 Ml., für Kinder 70 Pf., zur Beseitigung faul g.-r, übel- riechender Speisereste in den Zahnzwischenräumen und zum Weihputzen der Zähne. Erhältlich in allen Chlorodont-Berlaufsstellen in der belanmea blau» wetz-grünen Lriginai-Packung. Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin TW SZ. Lindenstrabe ü. G parteinachn'chienW� fürGroß-Berlin DI« Srei-bildung-odlentc RAST, abzurechne». stet, an da» Bezlrk»sekretariai 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richten. werden gebeten, schnellste»» die fl-rien vom Heule. Dienstag. 20. August: M. Abt. Die Bezirksführer holen sofort die Einladungszettel zum 2Z. August vom Genossen flcmnch ab. 6. Abt. 20 Uhr Sitzung der Abtcilungslcitung bei Dobrohlaw, Swine- Münder Str. 11. Morgen, Mttwoch, 2l- August: 32, Abt. SO'-i Uhr bei Kromphardt, Panl-Singer-Strahe 4g, ssunktionZrsttzung. — Eruppc Singe: llahlabend am Donnerstag, 22. August, 20 Uhr, bei Valentin, Krautstr. 360. 33. Abt. 19H Uhr bei Otto, Riaaer Str. 85, Isunltionärützung. 4». Abt. Schwcrborig«. 20 Uhr im Jugendheim, Lindenstr. 4, Mitgllederver- iammlung. Vortragt„Die SPD. und die kommenden Stadtverordneten- mahlen." Ref. Stadtverordnete, Hermann Lempert. All- vcnostinnen und venolsen, sowie Stzmpathifierende und Vorwärtsleser sind herzlichst ein- geiacar. 82. Abt. Steglitz. 20 Uhr bei Schellhase, Ahornstr. 15a, Tiitgliedervcrsamm» luna. Vortrag:„Das Berliner Verkehrswesen." Nei. Otto Klose. gg. Abt. Britz'Buckow. IgVt Uhr Zahlabcnde: 1. Bezirk: Thomas, Thaullee- stratze 0. 2. Bezirk: Becker, Chausseestr. 97. 4. Bezirk: Bensch, Rudowcr Strafe 35, Ecke Hannemannstraße. 3.. 5. und 0. Bezirk: Früher Gut. schmidt, BUrgerstr. 88. Vortrag:„Der Boung-Plan und die Arbeiterklasse". Ref. Kurt Shetzmann. 107. Abt. Blt.Glicnicke- Falkenberg. 20 Uhr bei klobian, Alt-Elienick«, Mit. glicderversammlung. Parteiangelegenheiten und Verschiedenes. Erscheinen aller Kenosien ist Pflicht. 130. Abt. Reinickendorf-Ost. 20 Uhr im Schiitzcnhaus, Restdenzstr. 1, Abteilungs. Versammlung. 1. Stellungnahme zu den Stadt- und Bezirkoverordnetcn. mahlen.� 2. Aufstellung der Kandidaten und Abteilungsangelegenheitcn. Die BezirksMhrcr haben zu dieser Versammlung einzuladen. 137. Abt. Rcinickendorf-West. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Volkshaus, Echarnwebcrftr. 114. Tagesordnung: Ausstellung der Kandidaten zu den Stadt, und Bezirksvervrdnetenivahlen. Wohl der Delegierten zur Kreis» nritglioderversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. * Rclchidruckerei! Di« Lügenpropaganda der idommnuistilch«« Partei im Betrieb« macht c, notioeildlq. diesem die Arbeiterschaft schwer schädigenden Treiben entgegen, vtroten. Wir lade» deehalb die Parteigenossen nnd -genosstnncn z» eine« Bersammlnng am Mittwoch, dem 21. Angnst, 10 llbr, im Restaurant Franke, Rene Grünstr. 15, ein. Das Erscheinen aller Parteimit. glieder»nscrc» Betriebe» ist drinaend erforderlich, um wirksame Gegenmaß. nahmen gegen den Verleumduaqsscldzug der KPD. zn brschließen. Partcidnch legitimiert. Z. A.: Hlldebronbt. Frauenveranstalkungea. 3. Keel» Wedding. Mittwoch, 21. Auanst. 20 Uhr, bei Lauritzen, Putbvlser Straße 11. michtiae Funktionärinneusitzung. 5. Keci» Frierichshain. Mittwoch, 21. August, 20 Uhr, im Lokal Eadincr Straße 10, Funktionärinneusitzung(Agitation und Arbeiterwohlfahrt). Wege» wichtiger Tagesordnung ist das Erscheinen oller Funktionärinnen Pflicht.. 0. Krei» Kreuzberg. Donnerstag. 22. August, 20 Uhr, wichtige Funktio. närinncnsttzung bei Wolf, Gräfestraße. 9. Krei» Wilmer»dors. Donnerstag, 22. August, Ausflug mit gcmütNchem Brisammensein nach dem Grunewald, Konditorei Backe, Kronprinzcnallee, Ecke Königin-Luise-Etraße. ffahrnerdindung: Autobus 7, Untergrunddahn bis Dahlem.Dorf und dann weiter mit der Linie 43 oder mit den Linien 101 und 51 bis Rofeneck. Treffpunkt 14V£ Uhr Hohen, ollerndamm. Ecke Kronprinzenallee. Anläßlich dieses Ausfluges werden die Funltkonärinncn zu einer wichtigen Besprechung in, gleichen Lokal gebeten. 0. Abt. Donnerstag. 22. August, 19� Uhr, hei Sübner, Wilsnacker Str. 34, Bortraq:..Sozialistische Kulturpolitik in der Gemeinde". Refereniin Zrma Fechenbach. 10. und 20. Abt. Heute, Dienstag, 20. August. 101� Uhr, bei Tillner. Kolouie- Ecke iZechliner Straße, Bortrag:.Die sozialen Aufgaben der Kommune". Refcrentin Paula Kurgaß. 138. Abt. Hcrm,dorf. Der Frauenabend fällt in diesem Monat aus. Jungsozialisten. Lichtenberg. straße 44, Vortrag:„Kolonialfragen" Trupp« Heute, Dienstag, 20 Uhr, Im �oüOttdheim Gunter. lonialkragen". Referent: H. Kaidies. Achtnagl Wegen wichtiger organisatorischer Besprechungen muß ledes Sruvpenmitglied erscheinen. Genossen und Mitglieder der SAF. sind freundlichst eingeladen. Gruppe Tempelhof-Mariendors. Heute, Dienstag, 20 Uhr. im Jugendheim Temvelhsf, Germaniastr. 4— 6, Vortrag: �Zspchalogie"..Rrierrntiu:.Genofün. Paülsen. �«7- Arbeiksgemelnschafk der Kinderfreunde GroH-Derlin. Krei, Kreuz bei«. Gruppe Süden und Wassert-rstraß«. Heute. Dienstag, 19Vj Uhr, bei Frankenstein, Planufcr 20, Helfersstzung. Erscheinen aller Helfer ist Pflicht. Geburkslage. Jubiläen usw. 10. Att. Unserem Kamps, und Weggenossen Wilhelm Stocka mp. Buttmall». straße 13, zu seinem 00. Gcbunotage die herzlichsten Elllckwüuschc. Wir Holsen, ihn noch recht lange in unserer Mitte zu sehen. 24. Abt. Unserem Genossen Wilhelm Winzer, Ebristburger Sir. 0. zu seinem heutigen 00. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. 128. bi» 130. Abt. Pankow. Unserem Genossen Karl Schpppner, Flora- straße 34,>» seinem deutigen 70. Geburtstag« die herzlichsten Glückwünsche. Sewillnauozvg 5. Klaffe 5Z. Preubilch-Eliddeuljchi Maffen-Lstterle. Obue Gewähr Nachdruck verbotest Aas sede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinn, gesallea»»ad zwar se einer aus die Lose gleicher Rammer in den beiden Ableiluagen I und II 10. ZieHungstag 19. August 1929 8n der Vormlllagszlebung wurden Gewinne über ISO M. gezogen S Gewinn» ,, 1 0000 W. 340603 4»Sinn. In 6000 HL 258003 303606 10«ewinn» ,u 3000 M. 10486 41650 44744 286717 978784 18»«Vinn. ,n 2000«l. 103060 123749 143366 172207 204824 216166 232434 284741 322616 56»crnlnn. ja 1000 SIL 11618 26978 36334 66077 74681 67434 102016 108860 108881 I 15280 126360 136631 154898 163461 166682 165703 177359 204880 233331 248284 288736 304206 311669 817677 825140 344900 383602 399966 70«-Winne N, 600 M. 2986 18631 44687 71268 76441 60901 116786 129054 132215 138739 145755 147436 187897 209341 206410210067 213102 221241 222497 225720 262977 254427 280091 264701.286119 287178 297417 300407 321922 338229 343671 346732 348612 976810 891661 214».Winne p> 300 M. 2806 3160 13890 16224 18080 20670 29418 30612 33318 34821 36376«6062 45.609 48056 49731 61911 S046S 60927 62423 63669 66002 73836 76446 76696 60179 63078 66408 86411 86806 67679 38272 69491 9IS20 93399 09308 102187 03431 104188 106638 119337 120404 121848 124753 143437 1ZS2I7'ZdSIZ 160273 161487 164232 164233 165146 168466> 6 1 358 163387 163930 166530 168221 172569 176076 183483 194606 197060 200396 200399 202371 215247 218563 222957 223046 226763 233261 236701 244627 250062 254679 255049 259329 261354 266798 270664 270783 270687 279600 282128 204959 295954 302430 309470 311954 315985 332948 334654 337540 338581 341269 346816 340342 352183 352643 337878 868607 372846 374497 380562 385906 396796 397196 ön der Nachmlttagzziodung wurden Gewinne üder 1Sl> M. gezogen 4 Gewinne ,» 6000 M. 128428 359273 8 G«Lünne ,» 3000<81. 253866 297642 344030 377379 10«.tolnn« in 2000 Di. 82540 248236 278410 310819 316124 42«ewinn, ,» 1000 M. 82277 108374 109491 162842 166642 173777 193390 209280 219891 220578 243793 269876 264294 284024 293989 307016 314504 320386 336333 357733 383819 60«ewinn. in 600 M. 1753 8747 1800! 33884 39794 51076 83086 126)33 135132 136866 146121 146777 165024 155872 1 70393 1 76627 177364>84731 206466 206717 211658 221384 237476 241095245339 260996 263384 268078 288787 300690 320179 32 1478 329053 330814 337837 381394 367690 373091 387351 394721 224»«Winne zu 300 Dl. 4804 8353 9248 I>867 29604 35913 36332 39195 40224 42049 43335 44401 46296 4776! 50725 52649 61000 61412 82103 62699 65344 70143 71460 72905 73507 73936 76977 85872 89014 89279 90313 90480 90633 99,53 106427 ,08570 114611 116913 1 1 3236 tI345A121S16 122696 123752 120084 128152 129329 129896 130493 130316 132320 132627 138428 148230 160792 16,874 162746 152968 163197 160201 I8i735 101994 167052 173401 173871 179800 180823 191481 191835 193554 107611 203874 205095 206285 208348 220348 232451 235388 230789 237306 239240 240315 242476 243533 254133 202958 273350 290873 322625 322760 324506 325170 326360 327656 331162 331520 335129 338732 339274 340134 340784 342399 343238 346810 38938B 309669 367683 369649 384482 386687 887230 390996 397039 Im Gewinnrad« verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 600000, 2 zu s« 300000, 3 zu t« 200000� 3 zu je 100000. 4 zu je 75000, 4 zu je 50000, 4 zu je 25000, 72 zu je 10000, 64 zu je 6000, 276 zu je 3000, 522 zu je 2000, 1860 zu je 1000, 8180 zu je 500, 7560 zu je 800 M. AozialistischeArbetterjugendGr.-Verlin Einsendungen für diese Audrtt nur an das Iugendsekrefariat Äerlin GW SS, �indenstraSe Z heule, Dienstag. 20. Slugust. Uhr: Källnischrr Pari: Leim Waisenstr. 18. Bortrag:„Rinderrspublik und Ar- beiteriugend".— Brnnncnplatz: Heim 344. weltliche Schul« Pank. Ecke Wicserr. straße. Vortrag:„Die Spaltung im Arbcilcrsvort und in den Gewerkschaften". — Gesnndbrnn»-» I: Rote Schule. Gotenburer Straße. Literarischer Abend. — Fchi?«par!: Volksschule Schöningstraße. Vortrag:„Unsere wenosscnschastcn". — Weddtug R.-F.: Heim Lüttichcr Str. 4. Bortrag:„Was bringen die Wahl- erfolge in Frankreich, England und Deutschland dem Proletariat?"— Wedding. Nord: Heim See- Ecke Turiner Straße. Vortrag:„Sozialdemokratie und Kommunalpolitik".— Arnswaider Platz: Heim Rastrnburger Ecke Wehlauer Straße. Vortrag: Lugend und Verfassung".— Helmholtzylatz: Heim Danziger Straße 52(Daracke 2). Vortrag:„Kameradschaftsehe".— KasenHerde: Heim Wassertorstr. 9. Vortrag:.Was ist für mich die SAI.?"— SchSneberq III! Seim Hauptstr. 15. Technische Plaudereien.- Schänekerg IV: Heim Haupt- straße 15. Acltere(R.-F.). Vortrog:„Anti.Kriegsgcschichtcn".— StcgUtz: Heim Albrechtstr. 47». Vortrag:„SAI. Sport und Freikörperkultur".— Reu- lölln 1: Heim Sander. Eck- Sobrechtstraß«. Vortrag:.Sozialismus und Kirche". — Rentölln kl! Heim Vergstr. 29. Vortrag:„Krieg in der Literatur".— Ren, kölln III: Leim fflughafenstr. 68. Vortrog:„Kirche und Sozialismus".— Neukölln IT: Heim Schicrlestr. 43. Mustkabcnd.— Neukölln V: Heim Böhmische Äinestscher Konflikt.— Neukölln VTII: Vortrag:„Gewerkfchaftsfragen".— Scrmsdorf: Heim Rovnstraße. Zehn-Minuten-Referate mit Ansprache.— Tegel: Seim Bahnhofstr. 15. Vortrag:„Die Alkoholfragc".— Buckholz- Schule Ber- lincr Str. Ig. Tagespolitisch- Fragen.— Pankow U: Heim Görschstr. 14. Vortrag.— Dahle« sRote Falken,: Heim Nordschul-. Fehlendorf. Potsdamer Straß« 5—7(Zeiche csaal 1). Vortrag:„Unsere Gebote".— Sriioneberg II: Snuptslr. 15(Sudctenlandzimmer). Dichtcrabcnd: Karl Henckell.— Rcinicken- dors.vst: Heim Lindauer Str. 1. Vortrag:„Staat und Kirche". » Achtung, Dachsteinfahrer Gruppe Arnold. Wir kommen am Mittwoch, dem 21. August, um 30 Uhr, beim Genossen Th. Kliege, N. 65, Sellcrstr. 14, zusammen. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Roi-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E. 14. Sebastianstr. 87/38, Hof 2 Tr. Dirnitag, 20. August. Friedrich, ha in. Kameradschaft Stralau. 1914 Uhr Kameradschaftsversammlung mit Vortrag bei Wertalla. Hohcnlohestr. 5.— Mittwoch, 21. August. Friedrich»hai». Kameradschaft Warschau. 19!» Uhr Kameradschaftsvrrsammlung bei Hans Hahn. Simon-Dach- Straße 9.— Donnervtag, 22. August. Prenzlauer Berg. Kameradschaft Nordkap. 2a Uhr Versammlung bei Goldschmidt. Stolpisch« Str. 35.— Wassersport- abteilung Tegel: Dienstag, 20. August, 20(4 Uhr, Versammlung im Bootshaus. Mitgliedsbuch der RWA. und der Landkamcrodschast ist mitzubringen. BerNner Fither-Elnb, gegründet 1858, übtleden Dienstag um 20Z4 Uhr im Klubhaus vhmstr. 2. Spieler und Gäste willkommen. » Ttnrnwogek, Flu»verband ber verktätigen S. B., Bezirk Gruppe Johanni«. thal-Adlershof. Dienstag. 20. August. 20 Uhr, Bezirksgruppenversammluna im Restaurant Post. Ecke Parkstraße. Tagesordnung: Waliber Binder spricht über „Die Entwicklung des Sturmvogels". Gerljard Scdlmrorr spricht über„Die internationale Lustfahrtsausstellung in London". Arbeiter-Abstinenten-Bund, Gruvpi Kreuzberg. Mittwoch, 2l. August, 20 Uhr, in unserer eigene»„Alkoholfreien GaMLlte", bunter Abend. longiellorv Enelizp Oebaiing Club. Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärrtehau'? Bfllowstr. 104, Guttrnannsaal: Mr. II. T. Title. B. A. Ph. D.:„Sornething on English Jurisdiction". Oerinan-EngUsh-SocIety Cafä Jagenburg, Berlin W, BOIowstraße 1, 9 p. m. Andi Vox System of Teaching Languages, demonstrated by Qramophono Records. Mrs. E. Rauch. Sport. Rennen zu Rlarieudorf am Monlag. dem 19. August. I. Rennen. 1. Drrgamotte fJ. Mills), 2. Eita Cord. 3. Jokasie. Toto: 26:10. Platz: 16, 16. 10:10. Ferner liefen: Osterhrinz, Cppi, Dewey Pillat, Vitus agh., Lueile Morgan. Mareobrunner, Goldsasaii. 2. Rennen. 1. Jlex1-» aCicP ►Vrvt* l*1 CVS' CHt Sd'> ra.%. Ä M iihi W'/k 'm \ .6oN I e�' TUtSCHA SOie Well in in einer Son derö. bieilung Zeisiungen der deutschen Technik des letzten Jahrzehntes. Begeisterte Anerkennung werden auch diese Bilder auslösen und sicher hoch wi 7h kommen sein allen Freunden der guten «fose�ifcfirno Berlins meistgemuchier£3 Ciga reite Ein Riesenkrach über Nacht. Die Verluste des Frankfurter Verficherungskonzerns. Die auf den ersten Augenblick weniger belangreich erscheinenden finanziellen Schwierigkeiten der frankfurter Allgemeinen Der- » jicherung» A.-G. haben sich über Nacht zn einem verfichernngs- jkandal und zu einem wirtschaftlichen Ereignis ersten Grades entwickelt. An der frankfurter und der Berliner Börse hat alles, was mit dem Versicherungsmarkt zu tun hak. den Kopf verloren, und die 400-Nlark.Aktien der frankfurter Allgemeinen sind in ganz wenigen Tagen von SSO Hl. aus 80 Ht.. also auf ein Eistet gesunken, ein auf dem versichernugsmarkt ganz beifplel- loser Kurszusammenbruch. Es stimmt weiterhin nicht, daß die als Kreditgeber bei der frankfurter Allgemeinen beteiligten deutschen Großbanken und großen Privatbanken— fast alle sind beteillgt— ohne weiteres mit ihren forderuugen stillhalten wollen, und es ist im Augenblick zweifelhaft, ob die frankfurter Allgemeine, der zweit- größte Vcrsicherungskonzern Deutschlands, nicht lroh des Garantie- angeboles des Alliauz-Konzernes zum Konkurs getrieben wird. Die Verluste bei der frankfurter Allgemeinen sind heute noch nicht zu übersehen. Sie werden erst in Wochen sesl- stellbar sein, und ihre Höhe hängt ganz davon ab. ob die Banken zur Exekution ihrer forderuugen schreiten oder nicht. E» hat sich b erausgestellt, daß der frankfurter Konzern auch die Oeffenklichkeit insofern hinters Licht geführt hat, als Bürgschaften im Betrage von nicht weniger alslKOBlillionen warf, deren Bekanntsein alle well auf drohende Gefahren hätte aufmerksam machen können, in der Bilanz nicht ausgeführt worden sind. Die „vossische Zeitung" redet von mehr als lOO Millionen Krediten, die im fever stehen. Das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherungen hat vollständig versagt. Zwei Direktoren des Versicherungskonzernes selbst und auch der Aufsichtsralsoorflhende der frankfurter All- gemeinen sind Hauptaktionäre der Tochtergesellschaften(frank- surter Industrie-Kredit G. m. b. h. und Süddeutsche Bank M,-<3.), haben ihre Stellung als versichernngsdirektoren und Aufsichtsrals- vorsihende scheinbar mißbraucht und Versichernngsgelder sowie den Kredit des Versicherungskonzerns dazu verwendet, in den von ihnen beherrschten Tochtergesellschaften zum eigenen vorkeil Geschäfte zu machen. Die Süddeutsche Bank A.-G. hat ihre Schaller ge- schlössen. Zweifellos ist da» Ansehen des ganzen deutschen Der- sicherungsgeschästes in der Welt und der private Versicherung»- gedanke überhaupt durch die Vorgänge sehr schwer geschädigt, und auch im Reichsaufsichtsamt. bei dem der immer behauptete privat- kapitalistische Einfluß scheinbar jede aktive Koulrolle nnlerbaud. mutz nach diesem Skandal gründlich ausgeräumt werden, der im deutschen Versicherungsweseu unerhört ist und den schwersten Zu- sammenbruch seit der Stinneskrise im Zahre 1925 darstellt. Die deutsche Oeffentlichkeik muß sich ernsthaft fragen. wie es möglich war, daß Jahre hindurch die zweitgrößte deutsche Versicherungsgesellschaft ihre Expansion auf versicherungsfremde Gebiete fortsetzen konnte, di« nur möglich war unter Mißbrauch von Versicherungsgeldern imd unter Mißbrauch des Ansehen» und de» Kredit», di« jede große Versicherungsgesellschaft auf dem Geld- und Kapitalmarkt nur deshalb hat, weil sie eben eine Versicherungsgesellschaft ist. Wer sich versichert, sei es für das Leben oder gegen Sachschäden, ist der lieberzeugung, daß seine Einzahlungen absolut risikolos er- folgen. Versicherungen werden als eine Sparkasse betrachtet, und dieser Charakter als Sparkasse stellt die Versicherungsgesell- schaften auch unter besondere staatliche Kontrolle. Diese doppelte Sicherheit ist für Kapitalbesitzer der Grund, weshalb man die Aktien von Versicherungsgesellschaften als besonders sicher ansieht, weshalb Kapitalien in solchen Aktien angelegt werden, und weshalb die Börse die Aktien von Versicherungsgesellschaften auch immer besonders hoch bewertet. Eine solche Z u s p itzung d«r finanziellen Situation bis unmittelbar an den Rand des Zusarnmenbruches war nur durch jahrelange schwere Versäumnisse aller Kontrollinstanzen möglich. Vom Reichsaufsichtsamt wurde in einer Be. sprechung gesagt, daß es„brav und bieder* bemüht gewesen sein soll, nach dem Buchstaben des Gesetzes die Kontrolle auszuüben. die sich infolgedessen ausschließlich auf die formell« Gesetz- Mäßigkeit des reinen Versicherungsgeschästes beschränkt haben wird. Welchen Zweck kann aber schließlich eine Staatskontrolle noch haben, die sich nicht auch um die materielle Sicherheit der Forderungen und Verpflichtungen aus dem Dersicherungsgeschäft insoweit kümmert, daß auch kontrolliert wird, was mit den Ver- sicherungsgeldern geschieht, ob das Versicherungsvermögen nicht mit schweren, versicherungsfremden Risiken belastet wird, und die nicht prüft, ob solche Absatzfinanzierungs- und Bankfinanzierungsgeschäfte im großen, wie sie hier gemacht worden sind, überhaupt geduldet werden können. Die Bilanzen der Frankfurter Allgemeinen und ihrer Tochtergesellschaften können in den letzten Jahren nicht in Ordnung gewesen sein. Die im Aufsichtsrat der Frankfurter Allgemeinen vertretenen Banken, die heute unter Umstanden dazu bereit sind, die Frankfurter Allgemeine zum Konkurs zu treiben und damit Zehntausende von Versicherungsglaubigern zu gefährden, können ihre Pflicht als Aufsichtsräte nicht erfüllt haben. Obwohl im Monat August der Zusammenbruch da ist, wurden im Juni»och 12'� Pro z. Dividende beschlossen. Wie ist da» möglich? Es ist noch völlig unklar. was aus dem Frankfurter Versicherungskonzern werden wird. Die Allianzhatzwar an geboten, die Garantie für das gesamte reine Versicherungsgeschäft der Frankfurter Allgemeinen zu über- nehmen. Wenn das geschehen soll, muß der Konkurs unbedingl vermieden werden, der die Forderungen der Gläubigerbanken mit denen der Gläubiger aus der Feuer-, Unfall-, Transport- und Haft- Pflichtoersicherung in einen Topf wirst und daraus zum Nachteil der Bersicherungsgläubiger und zum Vorteil der Banken und Aktionäre eine Konkursmasse macht. Ist der Konkurs nicht zu verhindern. so wäre nur die Lebensversicherung nicht bedroht, weil allein die Lebensversicherung einem besonderen Schutz des Staates unterstellt ist, der die Gläubiger der Lebensversicherung im Falle eines Konkurses bevorrechtigt. Aber auch bei der Lebens- Versicherung ist die Frage offen, was dann geschieht, wenn die sie betreibende Untergesellschaft des Konzerns mit ihren Reserven KaruteUla-gcist bei Rheuma, olliB S Ischias, Hexenschuß, Nerven- und Erkäl- - M'im..,- Mu-!...>« Zfe., tungsschmerzen. In Apo- � PrMi- und RoSmAria-Okl, 18,14»<*>.„, 2�...; j;, coo loo 2Böb-- theken iL Drogenen errjaitL nicht völlig intakt bleibt und auch für den Zweig der Lebens- Versicherung die Illiquidität eintritt. In Frankfurt und in Berlin ist jetzt schon zwei Tage lang ohne Ergebnis beraten worden, und niemand weiß noch, wie die Krise des Frankfurter Konzerns gelöst werden soll. Es scheint uns notwendig, daß angestrebt wird, das Versicherungsgeschäft unter allen Umständen intakt zu hallen, die Banken und Aktionäre, die die entscheidend« privatwirtschaflliche Verantwortung trifft, die Verlust« aus den versicherungsfreniden Geschäften tragen zu lasten und auf diesem Wege unter allen Umständen den Konkurs zu vermeiden. Das Ergebnis eines solchen Verfahrens, das an sich schon ziemlich lange Zeit erfordern wird, wird dann im ganzen nur die zweifellos sehr beträchtliche Stärkung des Allianz-Konzerns sein, der die Versicherung der Frankfurter Zlllgemeinen übernimmt. Die Frage der verstaailichung wird immer dringender. Es wird aber auch eine andere, sehr ernste Frag« aufgeworfen. Seit Jahrzehnten schon ist der Gedanke in der Oeffentllchkeit lebendig, daß das ganze Versicherungsgeschäft wegen der dafür erforderlichen Garantie in die Hand des Staates gehört. Das Staatsmonopol für Versicherungen ist praktisch schon auch durch- geführt worden und hat sich bewährt. Der Frankfurter Skandal mad# die Frage der Verstaatlichung des Versicherungswesens im allerhöchsten Maß« dringlich. Es darf nicht an Aettanschaulichen Vorurteilen eine für die gesamte Volkswirtschaft dringend not- wendig« Wirts chastsreform scheitern. Es handelt sich beim Ver- sicherungsgeschäft immer mehr, besonders auch nach der möglichen Verschmelzung der beiden größten deutschen Konzern«, um ein M o n o p o l g« s ch ä f t, das in die Hände des Staates gehört, sowohl au» Gründen der Sicherheit als auch aus Gründen der wirtschaftlichen Vernunft. Frankfurt nimmt das Angebot an. Aus Aranksurt wird gemeldet, daß der Aufsichtsral der Frank- surfet Allgemeinen da» Alllau zangebol angenommen hat. Damit ist lm Augenblick da, weikerarbeikeu gesichert. Die Vermeidung des Konkurses hängt aber von den immer noch beratenden Banken ab. ob das Verflcheruug»geschäfl vau den verlustgeschäfkeu frei- gehalten wird. Berliner Betriebs«Kredit«Gesellfchast schließt. Als erst« Fern Wirkung des Frankfurter Zusammenbruches ist di« vorläufig« Einstellung der Absatzkreditfinanzierung durch die Allgemein« Betriebs-Kreditgesellschaft Berlin anzusehen, die für den Einzelhandel in acht Großstädten arbeitet und die durch den Frankfurter Zusammenbruch auf die Sundenwechsel jetzt kein Lankengeld erhält, well di- Bürgschafts- Unterschrift fehlt. Verluste kommen hier nicht in Frag«. Monopol für den Tonfilm. Bei AEG., Siemens, J. G. Farben. Di« wenigst«» Deutschen haben bisher einen Tonsilm gesehen oder gehört, und schon ist der ganze deutsche Tonfilm das Monopol von drei Großfirmen, nämlich der AEG., des Siemenskonzerns und des I. S. Farbentrusts. In der deutschen Klangfilmgesellschaft, die von?lEG. und Siemens zu je 45 Proz. beherrscht wird— beteiligt ist noch die Polyphon A.-G. mit 10 Proz.—> werden die Aufnahme- und Wied«rgabeapparate infolge der Patentinonopole allein produziert. Das von der I. G. Farben in der Hauptsache beherrschte Tonbildfyndikat(Tobis) verwaltet über 600 Tonfilmpatente und hat dadurch das Monopol für die Ausnahme von Tonfllmen. Jetzt haben die Klangsilmgesell- schaff und die Tobis mll dem DeutfchenLichtbildsyndikat, in dem über 800 deutsch« Lichtspielcheater vereinigt sind, eine Interessengemeinschaft abgeschlosteu. die auch di« deut- scheu Lichtspieltheater, wenn sie Tonfilm« vorführen wollen, unter die Botmäßigkeit der drei beherrschenden Konzerne bringt. Das Tonbildsyndikat läßt das deutsche Lichtblldsyndikat dadurch an dem Monopolgeschäft tellnehmen, daß das letztere den Vertrieb der Tobis- Wiedergabeapparate durchführt. Sämtliche deutschen Filmtheater werden infolgedesten ausschließlich von den Monopolfirmen beliefert. Auch hier scheint die Herausbildung von Monopolen in erster Linie dazu zu führen, daß mehrere Syndikate mit einem riesigen Berwaltungsapparat in den Monopolgewinne» sich die Hände waschen und da, ganze Filmwesen unerhört verteuert wird. Reichstag und Gemeindeverwaltungen werden daran denken müssen, wenn die Filmtheater und di« Filmindustrie demnächst wieder ihr« Klagelieder darüber anstimmen werden, daß die Lustbark ellssteuer sie erdrostelt. Die überwundene Waggonkrise. Görlitzer Waggonfabrik wieder �0 proz. Dividende. Die Gefchäftsabschlüst« der Waggonbauindustrie lasten erkennen, daß di« schwere Beschäffigungskrise in dieser Industrie überwunden ist. Zu den Werken, die zu ihrer Sanierung einen scharfen Kapital- schnitt vornehm mußten, gehörte auch die Waggon- und Maschinenbau A.-G. in Görlitz. Da» von 12,0 suf 2h Mill. M. zusammengelegt« Kapital konnte bereits 1926/27 mit 8 Proz. verzinst werden, während das inzwischen aus 6,0 Mill. M. erhöhte Kapital für das Betriebsjahr 1927/28 sogar eine Dividende von 10 Proz. erhiell. Di« gleich hohen Aktionärs- gewinne wurden auch für das jetzt abgeschlossene Betriebs» jähr 1928/29 verteilt. Der ausgewiesen« Reingewinn von 0,67 Will. M. ist zwar erheblich geringer als im Vorfahr, doch ist dies nicht allein auf einen Rückgang der Betriebsgewinne, sondern auch auf die von 0,76 auf 0,83 Mill. M. heraufgesetzten Abschreibungen zurückzuführen. Bemerkenswert ist, daß die Betriebsunkosteu erheblich von 4,3 auf 3,8 Mill. M. gesenkt wurden, auch die Steuern und Sozialabgaben sich verringert haben, di« Hand- lungskosten dagegen stabil geblieben sind. Offenbar ist die Rationatisierungsbewegung vor den Zimmern der Direktoren und höheren Beamten, deren Gehälter und Tantiemen einen nicht unbedeutenden Teil der Handlungsunkosten ausmachen, gestoppt worden. Der Geschäftsbericht weist auf die Stockungen im Pro- duktionsprogramm hin, die infolge der ruckweisen Auf- ttagsvergebung der Reichsbahn im Laufe des letzten Jahres ein- traten. Die Maschinenbetriebe sind durch die Pariser Reparation»- Verhandlungen und die Geldknappheft im Frühscchr ungünstig be» einflußt worden. Trotzdem läßt sich der Umsatz bei dem Unter- nehmen, der im Vorjahr etwa 28 Mill. W. betragen hat, auch für 1928/29 aus etwa 2S Mill. M. schätzen. Die Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr sieht die Verwaltung infolge des 100-Mill.-M.-Kredit- geschästes mit der Reichsbahn und der Neuregelung der Reparation»- frage so optimistisch an, daß sie ihren Aktionären höhere Gewinne in Aussicht stellt. Die Gesellschaft hat jetzt von der serbischen Regierung einen Reparationsauftrag im Werte von 5 Mill. M. erhalten._ Oer Arbeiismarki in Brandenburg. Roch weiter leichte Besserung. Di« Arbeits Marktlage im Bereiche des Landesarbeitsamts Brandenburg zeigte in der Woche zum 10. August eine weitere Belebung. Die Zahl der Hauptunterstützungsempsänger ging um weitere 3818 Personen zurück. Der Kräftebedarf der Land- Wirtschaft war weiter unvermindert stark. Braunkohlenbergbau und die Industrie der Stein« und Erden hatten im ganzen noch immer befriedigend zu tun. Weniger günstig war die Ar- beitsmarktlage der Berliner M e t a l l i n d u st r i«. di« in fast allen Zweigen für die männlichen Berufe ein- rückläufige Bewegung aufwies. Unbefriedigend mit Arbeit versehen waren di- chemische Industrie, das Holz- und Schnitzstossgewerb« sowie die Papier- und die Lederindusttie. Das Spinnstossgewerbe hat den uneinheitlichen Beschäftigungsgrad beibehalten. Weiterhin ungünstig blieb die Lage des Stellenmarktes für Angestellte In der Berichtswoche stieg die Zahl der Arbeitsuchenden um 939 auf 216197, d. h. um 0,44 Proz., gegenüber einer Abnahm« von 8113 gleich 3,63 Proz. in der Vorwoche. Di- Arbeitsuchenden verteilten sich auf Berlin mit 184 724, auf die Pro- vinz Brandenburg mit 30 117 und auf die Grenzmark Posen-Wesi- preußen mit 1336 Personen. Die Zahl der Hanptunter- stützungsempfänger in der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung betrug 109 166, in der Krisenunter- st ü tz u n g 20 951. zusammen 130 117 Personen. Von den Haupt- uMerstützungsempfängern in der Arbeitslosenversicherung enffieleu auf Berlin 89 621. Seil dem 22. Zum, der ersten sommerlichen Abschwächung, ist die Zahl der hauplunkerstützlen in Brandenburg noch von 117 612 auf 109166 zurückgegangen. was ist mil den Fleifchwareuwerkeu In Königsberg los? Aus den Mitteln des landwirtschaftlichen Notprogramms wurde auch di« vstpreußifche Fleischwarenwerk« A.-G. in Königsberg gegründet, die dazu beitragen soll, durch inländische Weiterverarbeitung und Export von Fleischwaren die deutsche Vieh- Wirtschaft rentabler zu machen. Die Gesellschaft legt eine Bilanz für 1928 vor, aus der sich ergibt, daß bis zum Ende des vorigen Jahres schon eine Meng« Geld ausgegeben worden ist, di« Gebäude aber erst bis zum Sockel ausgeführt sind und es noch lange dauert, bis der Betrieb aufgenommen wird. An sich ist es schon im höchsten Maß: fraglich, ob die Subventionen für die Errichtunjf von Fleisch- wareusabriken irgend etwas nützen werden. Jetzt wird aber bekannt, daß der Direktor Ho f f m« i st e r fristtos aus dem Vorstand a u s g c- schieden ist, nachdem vor kurzem bereits der Direktor Dahlander plötzlich ausgeschieden war. Roch bevor dos Werk in Betrieb ist, scheint also schon manches faul zu sein. Hat das Rcichsernäh- rungs Ministerium sich schon um die Dinge gekümmert? Der Lokomokioenbestaud der Deutschen Reichsbahn. Nach den Mitteilungen des Vereins deutscher Ingenieure betrug der L o kxr- m o t i v e li b e sta n d d e r Ä eu t s ch e n R e i ch s b a h n Ende Juni dieses Jahres 25 438 Stück gegenüber 27 253 Stück im Jahre 1926 und 25 936 Maschinen im Jahre 1927. Hiervon entfielen tnrf Dampft lokomotivcn 23 983, der Rest aus elektrische Lokomotiven und Triebwagen. B« t r i eb ss ä h i.g waren von den Dampflokomotiven 18 839 Maschinen, während sich der Rest in Reparatur befand.— Wie wir hören, beabsichtigt die Deutsche Reichsbahn, die feit ändert halb Iahren die Aufträge an die Lokomotivindustrie so gut wie gänzlich abgestoppt hatte, im nächsten Monat den ersten Aus trag von etwa 60 Maschinen zu vergeben. EPE au-öTdeißrtiäsdie Hta Sie.zu Mittefn' greifen, ifererf Wirkung Sie nichtkennen, versuchen Sie es immer mit einem harmlosen Bfekhmittel Henkels Sil. eignet.sich für die Behandlung hefleckter und stark beschmutzter wasche hervor« tagend, und ist dabei vbllig'ünschadlich in Anwendung und Wirkung. Oiensiag 20. August 1929 Unterhaltung und ÄVlssen Beilage des Vorwärts o. Mmiy: ffioman auf der Pährc An der Straßenecke, in den Bächen menschlichen Zuflusses und Abflusses stcknd der Mensch aus Noemi— ungerührt wie Granit. Polarsonne hatte sein Gesicht dunkelbraun gebrannt. Die Augen hatten den grausamen Abglanz der Gletscher behalten. Er war lebendig wie ein Fuchs, hart wie«in Kotelett vom kanadischen Hirsch und ungeheuer wie die Mitternachtssonne. Er band an der Ecke, bespritzt von einem Niagara von Lauten— dem Heulen der Bahn, dein Rasseln der Autos, dem Rollen der Räder und den Flüchen der Chauffeure und Fuhrleute. Nachdem er den goldenen Sand des Nordens für 100 000 Dollar eingetauscht und im Laufe einer Woche von den Lüsten des New-Iorker Lebens gekostet hotte, seufzt« der Mann aus Noemi auf bei dem Gedanken an die Notwendigkeit der Rückkehr nach Chilcot, in das Land, wo es weder Straßenlärm noch süßen Apfelmost gab. Durch die Sechste Avenue, mit dem Hausen der noch Hause eilenden plaudernden, fröhlichen Menschen, ging ein Mädchen aus dem Warenhaus Seebar-Mason. Unwillkürlich mußte der Mann aus Noemi ihr ferne Aufmerksamkett zuwenden, schien sie ihm doch ungewöhnlich schön. Gleich darauf bemerkte er, daß sie in jenem selbstsicheren Gang dahin schritt, mit dem die Schittenkufen unter dem Polarkreis über die schneeige Glätte dahineilen. Und plötzlich . erglühte er in unbezwinglichem Verlangen— schnell nämlich wer. den die Begierden der Männer aus Noemi geboren. Im Uebrigen hatte er in Kürze nach dem Norden zurückzukehren, mußte also vom Platz weg handeln. Hunderte von Mädchen kamen aus dem Warenhaus Seebär- Mason. All« waren einem Mann« gefährlich, der viele Jahre lang keine anderen Frauen gesehen hott« als Indianerinnen. Dennoch bewahrte der Mann aus Noemi der ersten, die die in ihm schlum- mernden Gefühle erweckt hatte, die Treue. Indessen ging sie mit der Koketterie einer marmornen Diana, ohne sich umzusehen, durch die 23. Straß«. Ihre schönen dunklen L>aare waren glattgekämmt: die reine Bluse und der sorgfällig ge- bügelte Rock zeugten schmeichelhaft von Geschmack und Sparsamkeit. Zwanzig Schritte hinter ihr drängt« der Mann aus Noemi, von plötzlicher Leidenschaft durchdrungen. Miß Clariball Colby, Arbeiterin im.Seebar-Mason", wohnt« auf der Insel Persey. Sie trat auf den Landungssteg und eilenden Schrittes, mit besonderer Host, lief sie zur Fähr«, die gerade vom '.Her abstieß. In drei Sprüngen durchmaß der Mann aus Noemi die sie trennende Entfernung und sprang gleich nach ihr auf die Fähre. Miß Cokby nahm«wen abgelegenen Platz an der Reling ein. Die Nacht war warm. Das Mädchen wollte den neugierigen Nicken und zudringlichen Anreden der Posiagiere ausweichen. Sie war un. pemein schläfrig und müde. Die Nacht vorher war sie auf dem oll- jährlichen Ball im Klub der Fischhondelsangestelllen gewesen, und vom frühen Morgen an hatte sie im Warenhaus gearbeitet. Obendrein war der Tag besonders unruhig gewesen: die Kun- h?n waren ausnehmend gereizt und launisch gewesen, und die beste Freundin Miß Colbys war mit einer anderen Kollegin zum Mittag- clien gegangen. Das Mädchen vom.Seebar-Mason" war in jener weichen Stimmung, die so oft selbständig«, arbeitende Mädchen überkommt. In jener Stimmung, die für Anbeter so bequem ist. da man noch oleichgültig welchem Wandel im bisherigen langweillgen Ablauf des Alltagslebens dürstet. Da man nach Trost. Hilf«, einer starken Hand, Ruhe, vor allem Ruhe verlangt. Nach alledem wollte Miß Clariball Colby schlafen. Und da trat jetzt, den Hut in der Hand, dieser starke Mann rit dem bronzenen, von Winden abgebrannten Gesicht zu ihr. Nun gut, ober er war einigermaßen nachlässig gekleidet. „Lady," sagte er..ver.zeihen Sie, daß ich mich an Sie wende. aber ich habe sie schon auf der Straße erblickt." .Lasten Sie mich in Ruhe," erwiderte das Mädchen in kühlem Ton.„Ach, es ist unmöglich, sich der Zudringlichkeiten zu er- mehren. Ich Hab« schon verschiedene Mittel versucht— ich habe Knobloch gegesten imd im Hut lange Nadeln getragen. Gehen Sie ihrer Weg«, Sir!" .Ich gehöre nicht zu diesen Leuten." sagte der Mann au» Noemi.„Ich geben Ihnen mein Wort darauf, daß ich nicht dazu- gehöre Wie ich schon sagte, habe ich sie auf der Straß« erblickt i.nd sofort gefühlt, daß ich Sie kennenlernen, daß ich Ihnen nach- gehen muß. Ich befürchtete, daß ich Ihnen in dieser großen Stadt nicht mehr begegnen könnte. Darum war ich so kühn, Sie anzu- spreeben." Miß Colby bettachtete ihn aufmerksam im undeutlichen Licht der Fähre. Er hatte weder das gespielte Lächeln noch die schamlose Frechheit der Don Iuana von der Straße. Das bronzene Antlitz rtmete Ehrlichkeit und Bescheidenheit aus. Sie verspürte irgendein unbewußtes Vertrauen zu dem Unbekannten und erwiderte artig. ein Gähnen mit dem Handteller verbergend: .Sie können sich setzen. Aber, wenn Sie sich irgend etwas er- louben, werde Ich gleich den Wächter holen." Der Mann aus Noemi setzte sich neben sie. Entzückt sah er sie an. nein, mehr als entzückt. Sie war dem Frauenideal so ähnlich, dos er bisher vergeblich gesucht hatte! Ob sie ihn wohl lieben könnte? Man mußte es gleich erfahren. Sich jedenfalls»m ihre Freund- schaft bemühen. „Ich heiße Bladen," sagte er,.Henry Bladen." „Sind Sie sicher, daß Sie nicht Johns heißen?" fragte sie mit bezaubernder Ironie, wobei sie sich zu ihm hinneigte. „Ich bin aus Noemi," setzte er ernsthaft fort.„Ich habe dort eme Menge Sand gesammelt und ihn mit mir hergebracht. „Mein Gott, wie interestant." platzte sie heraus, immer noch svottend.„Sie sind also erst vor kurzem gekommen? Es schien mir. als hätte ich Sie schon irgendwo gesehen." „Sie haben mich heute auf der Straße gesehen." „Ich schaue mir Männer auf der Straße niemals an." „Aber ich habe Sie angeschaut: ich habe bisher noch keine so schöne Frau gesehen. Ich nehme an. daß Sie mich für einen dick- bäutigen Bauern halten, aber wahrhaftig: Im Verhältnis zu ge- liebten Menschen kann ich sehr herzlich sein. Ich habe schwere Zeiten durchlebt dort im Norden, aber jetzt habe ich das Ziel erreicht. Ich habe fast 5000 Unzen Sand durchgewaschen." „Mein Gott!" rief sie voll Mitgefühl,„war er denn so schmutzig?" Dann schlosten sich ihre Lider. Die ernste, fast salbungsvolle Stimme des Mannes aus Noemi klang so eintönig. Ueberdies, was war das doch langwellig, über Sand zu sprechen! Sie lehnte den Kopf an die Reling. .Miß," sagte der Mann aus hloemt und seine Stimme wurde immer ernster und monotoner,„niemals noch habe ich ein Geschöpf gettoffen, das mir gleich so gefallen hätte wie Sie. Ich weiß, daß sie mich nicht gleich lieben können, aber darf ich wenigstens hoffen? Werden Sie mir gestatten, Sie näher kennenzulernen? Mit der Zeit werde ich vielleicht ihre Gegenliebe erringen." Der Kopf des Mädchens rutschte vom Geländer auf den Arm des Mannes aus Noemi. Süßer Schlaf hatte sie umfangen, sie sah sich wieder auf dem alljährlichen Ball der Fischhandelsangestellten. Der Gentleman aus Noemi zog sie nicht in seine Arme. Dabei fiel es ihm nicht einmal ein, daß sie schlafen könnte. Aber er war zu klug, um ihre Bewegung für ein« Kapitulatton zu halten. Er erbebte nur vor Freude, da er in dieser sanften Zärtlichkeit den ersten Boten der Liebe sah. Ein Gedanke nur verdunkelte seine Freude: ob er nur nicht zu offen über sein Vermögen gesprochen hatte? Er wollt«, daß sie ihn ohne Intereste, nicht seines Geldes wegen liebe. .Ich möchte Ihnen sagen, Miß," setzt« er fort,„daß'Sie sich auf mich verlassen können. Man kennt mich in ganz Klondyke und den Pukon entlang. Viele schlaflose Nächte habe ich in jenen Gegenden zugebracht. Wie ein Sklave habe ich drei Jahre gearbeitet, aber nie habe ich aufgehört, mir die Frage zu stellen: werde ich der Frau begegnen, die mich lieben wird? Nicht für mich habe ich den Sand gesucht. Ich dachte, ich würde schließlich das Mädchen meiner Träume finden. Und siehe da, jetzt haben sich meine Träume unversehens erfüllt! Es ist gut, Geld zu besitzen, aber besser noch— ist die Liebe eines geliebten Weibes. Was verlangen Sie von einem Mann, der ihr Gatte werden will?" „Kassa! Kasta!" Laut und deutlich kamen diese Worte aus dem Munde Miß Colbys. Allem Anschein noch ttäumte sie, daß sie hinter dem Pult Im Warenhaus Seebar-Mason stehe. Plötzlich sank ihr Kof zur Seite. Sie erwachte, streckte sich und rieb sich die Augen. Der Mann aus Noemi war verschwunden. „Da hast du's! Ich glaube, ich habe geschlafen," flüsterte Miß Colby,„aber wo ist der Unbekannte hingeraten?" Maraui Spider: Ton de Schiffskohle Es ist Mittag: brennend glüht die Sonne vom wolkenlosen Himmel und überschüttet mit sengendem Glänze das glitzernd« Meer, die Schiffe, den Hafen. Das Gleißen raubt den Farben chre Intensität: Alles wirkt matt-hell... Langsam fährt die„Duchessa D'Aosta" in Port Said ein. Tumull entsteht am Schiff, Geschrei und Hast. Ein vorbeispringender Matrose warnt mich, selbst das geringste Eigentum unbewacht zu lassen, da gleich der Generaldiebstahl beginnen werde. Und richtig, kaum ist das Schiff verankert und von Sanitäts» und Hafenpolizei freigegeben, als auch schon ein Heer zerlumpt- fetziger Araber, die in großen Ladebooten angekommen sind, herauf- stürmt. Ein Ameisenhaufen wild schreiender und«rregt gestikulieren- der, hager-fehniger, schwarzer Gestalten... Ohne zu wissen wie, fehlt mir im nächsten Augenblick mein« Feldflasche, die ich, trotz Warnung, unvorsichtigerweise an den Boden stellt«. Ich bin ver- blüfft, was mir jedoch wenig hilft. Diese Araber stehen in Diensten von Großkausleuten, müssen die Waren auf- und abladen und sind für den Transport ver- antwortlich. So nebenbei lassen sie alles, was nicht niet- und nagelfest ist, mitgehen. Ihre Behendigkeit ist berühmt, nicht nur im Verladen. Die Schiffskrane arbeiten ununterbrochen in schwebender Takt- Mäßigkeit. Und ununterbrochen schwirrt das dünn« Geschrei der Verlader durch die heiße, flimmernde Luft. Rhythmisiert, fast schon monowne Melodie. Nun ziehen vom Hafen her Schlepper riesig« Kohlenkähne. An den Seitenwänden der„Duchessa D'Aosta" werden unterdessen die Kohlentüren geöffnet. Unzählige kleine Boote, mit Arobern und großen Tragkörben besetzt, begletten die schwarze Munition. Lang- jam rückt sie näher. Bevor noch die Kähne an unserem Schiff« liegen, wimmeln sie von den schwarzen Gesellen, die mit ihren Körben cäsarenhaft fuchteln, als ob der Teufel in sie gefahren wäre. Im Nu sind breite Bretter auf die Kohl« und in die Ladeöffnungen gelegt, und schon rennen die ersten Kohlenträger wie besessen darüber hinweg. Fortwährend schreiend, singend, mit ihrer schweren, schwarzen Last. Wie von bösen Geistern gehetzt laufen sie mit den großen gefüllten Körben■ über den Steg, leeren sie aus, springen zurück, um die bereitstehend« Kohle in Empfang zu nehmen. Fort- während, ohne Unterbrechung. Und dabei glüht die Sonn« infernalisch nieder und tteibt den Kohlenträgern den Schweiß in Strömen aus ihren Körpern, die nur mit einem grauen, schlepparttg bis zu den Fersen niederbaumelnden Lendentuch bekleidet sind. Nach wenigen Minuten hat der aus gewirbelte heiße Kohlenstaub diese Menschen fürchterlich verzerrt: die Kohle, ihr Schicksal, hat sie vollständig bedeckt, oll« Poren verstopft, aus denen nur mühsam der befreiende Schweiß herausbricht und in schwarzen Bächen ab- wärt» rinnt. Unwillkürlich erscheinen sie mir mit ihren hastig- sprunghaften Bewegungen, ihrem schrillen Gekreisch und in ihrer grotesken Kleidung, die nun auch kohlschwarz ist und rückwärts wie ein langer, schwarzer Schwanz aussieht, als Teufel, die in bestialischem Ingrimm ein riesenhaftes Feuer entfachen wollen, das bestimmt ist, die ganze Welt zu vernichten. Unheimlich-gespenstische, visionäre Silhouetten auf gleißendem Sonnenhintergrund... Und plötzlich reißt mich die Wirklichkeit mit blutigem Griff aus meiner Entrückung: mitten auf dem Steg ist ein Araber zusammen- gebrochen. Der volle Kohlenkorb entgleitet feinen dürren, kraft- losen Händen und patscht ins Wasser. Der Araber sinkt lautlos nach vorn über, schüttelt sich einige Male heftig und speit dann, mit weit vorgestrecktem Kopf, helles Blut aus, das über das Holz ins Meer fließt. Einen Augenblick stoppt der irrsinnig« Kohlenlauf. Einen Augenblick ist es stiller. Einen Augenblick nur: der Schwerkrank« wird von zwei Schicksalsgenossen fortgetragen. Gleich darauf beginnt der Teufelstanz von neuem: rennen, abladen, rennen und schreien... Der Krank« ist in dem Gewimmel spurlos verschwunden. Als ob ihn der Moloch Kohle verschluckt hätte. Mit einem Male weiß ich auch, warum dies« Menschen so schreien: es ist der Haß gegen die Kohle, ihren unerbitllichen Dämon: Und dann, um ihren Schmerz zu übertönen, sich ihn au» Leib und Seele zu brüllen. Deshalb schreien dies« armen, gequälten Kerle so. Und alles wegen der Kohle. Aber sie ist wichtig für die Schiffe, denn diese müssen hart arbeiten und ankämpien gegen schweres Wasser. Wer aber könnte ohne kräftig« Nahrung solche Arbeit leisten? Was liegt schon daran, wenn ein Araber, deren es ohnehin zu viele gibt, sein elendes Sklavenleben läßt?! Wenn nur die„Duchessa D'Aosta" ihre Kohle hat... Es ist Abend geworden. Lautlos gleiten wir in den Suezkanal. Das Leben ruht. Wie«ine groß« Blutlache leuchtet die versinkende Sonne am fernen Horizont. Wie der Feuerschein eines Riesen- brande»... Planigraphie' Der Wunsch, neben der«infachen Photographie auch ein plasti- sches Abbild zu besitzen, ist weit verbreitet, aber wenn man nicht in der Lage ist, einen Künstler mit der Anfertigung einer Porttätbüste zu beauftragen, so blieb bisher nur das all« Verfahren, sich in Gips lebend abgießen zu lassen, und dieses hatte feine großen Schrecken. Es wurden Luftröhrchen in die Nasenlöcher gesteckt, durch die das Modell atmen tonnte, die sich aber beim Gipsaufttagen leicht ver- schoben und Angstzuständ« bei dem Modell hervorriefen: auf die stark gefettete, beim Bart und bei den Augenbrauen mit Oel ge- tränktem Papier überdeckt« Haut wurde Gips aufgetragen, und wenn das Opfer es gor nicht mehr aushalten konnte, versuchte man die schwer« Gipsmaske auf dem Dedrängten zu zerschlagen. Erst nach vieler Mühe war es in jedem Fall möglich,«ine Maske aus diese Weise abzunehmen und den Modellierten von den großen Gipsstücken, die ihm immer noch an Bart, Augenwimpern und Kopf- haaren hingen, zu befreien. Es ist begreiflich, daß sich nur wenige Menschen diesem Verfahren unterziehen wollten; aber allen denen, die den Wunsch nach ihrem plastischen Bilde haben, ist jetzt geholfen durch«in neues Verfahren, das Bruno Zwiener in einem Aufsatz der illustrierten Wochenschrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik„Die Umschau" in Wort und Bild schildert. Bei dieser„Plastigraphie", wie die Technik genannt wird, wird der Auftrag des Porträtnegatios durch Aufspritzen einer mit Aether gebundenen Masse so gleichmäßig erreicht und die Lustzufuhr so bequem geregelt, daß keine Unannehmlichkeit mehr damit ver- bunden ist. Zunächst wird aus einer starten Pappe die Auhenlinie des Kopfes vor den Ohren ausgeschnitten und über den Kopf des zu Porträtierenden gesetzt, um der Maske einen Abschluß nach hinten zu geben und die Haare vor dem Bestäuben zu schützen. Das Modell setzt sich dann ruhig hin, schließt Augen und Mund, atmet ruhig durch die Nase, und der Modelleur stäubi nun mittels eines Zerstäubers oder einer Spritze die flüssig« Mass« auf das Gesicht des Modells, Dort erstarrt sie rasch, worauf noch mehrere Schichten auf- geblasen werden, die nach kurzem fest und starr als fertige Negativ- maske vom Gesicht angehoben werden können. Dieses Negativ kann in Ton, Gips oder Bronze ausgegossen werden. Das Positiv bedarf besonders an Bart und Nase noch einiger Korrekturen: auch müssen die am Modell geschlossenen Augen geöffnet modelliert werden. Es ist anzunehmen, daß dies« Plastigraphie wie die Photographie sich ihren Weg bahnen wird. mihrobenfreie Qegend Mehrer« Expeditionen, die in den letzten Iahren die Arktis durchforscht haben, stellen einmütig fest, daß die Polartzegend in allen ihren Bretten und Längen vollkommen mikrobenfrec ist. So macht« ein« norwegische Expeditton einen interessanten Versuch, indem sie an einem Ort in zwei Kilometer Entfernung von ihrem Zell einige unbedeckte Teller mit Agar-Agar hinstellt«. Agar-Agar, eine ostindische Pflanze, dient in geleeartiger Form als Nährboden bei bakteriologischen Arbeiten, Es ist ein ideales Nahrungsmittel für jede Art von Mikroben. Dieser Versuch wurde zweimal gemacht, einmal im Sommer und einmal im Winter. Beide Male ergaben die mikroskopischen Untersuchungen auch nicht die mindeste Spur von Mikroben. Zum Vergleich sei gesagt, daß ein Teller Agar-Agar in einer Großstadt auf einer belebten Straße an einem Sommertag innerhalb 10 bis 12 Minuten restlos mit Mikroben bedeckt ist, und zwar mit solchen von fast ollen existierenden Arten, Dieselben Resultate ergab ein anderer Versuch, indem man ein Stück Fleisch an einen hohen Mast befestigte und stehen ließ. Nach 8 Monaten hotte man das Fleisch wieder— es war vertrocknet, aber keine Spur von Fäulnis. Das Wetter auf der Arktis ist also sauber im absoluten Sinne. Es wäre der ideale Kurort für Kranke, besonders für Lungenkranke._ JCieber verbrannl als verralen Ein belgischer Erfinder hat einen Kasten konstruiert, dessen Schloß, wenn es von unkundiger Hand geöffnet wird, automatisch ein Feuerzeug in Brand setzt. Geschäftsleute, die aus wirtschaftlichen Gründen gewiss« Dokumente unbedingt vor fremden Einblick schützen wollen, können nun sicher sein, daß diese Papiere eher vernichtet, als von Unbefugten gelesen werden können. Einführung des Jllkoholverbols in England? Im Programm der englischen Arbeiterregierung wird eine Revision der englischen Alkoholgesetzgebung angekündigt. Zum Teil sind bereits prakttsche Maßnahmen getrofsen worden. Der neu er- nannte Generalpostmeister sieht eine Verfügung vor, wonach nach Ablauf der gegenwärtig noch gülttgen Verttäge alle in englischen Postämtern aushängenden Alkoholplakat« entfernt werden sollen. Desgleichen ist von dem jetzigen Schatzkanzler Snowden eine Steuer- erleichterung abgelehnt worden, die von Churchill dem Alkohol- gewerbe in Aussicht gestellt war. ZUR EINSEGNUNG SakkoanzGge aus vorzüglichen Stoffen, sorgfältig verarbeitet Brustweite 52 cm 51214 Kräftiger dunkelblauer Cheviot dnrcihig 36/ zweireihig 3S/ 5303 Dunkelblauer reinwollener Cheviot einreihig 53/ zweireihig 56/ 5310 Reinwollenes dunkelblaues KamiQgarn, zweireihige Form 65/ 5 305 Reinwollener dunkelblauer Meltoncheviot, einreihige Form 71/ Pieek& Cloppenburg BERLIN OERTRAVPTBNZTII, 2a.37 DUSSELDORF SCHAOOWSTR. 31-M OOSSSOOS»ISSOSOOOOOO Sommer-Qarten-Theater BerEiner Prater N», Kast-Allee 7-1 Tel. Hb. 2246 Castipiei Gauel loa». Greiei Uilee Operette von Franz Leber Dexa der grobe VarteiäeU. Anfang Konzert Uli. Burleske o, Variete« Ohl. Operette 8.30. leden Donnerstag groher Tolksiag. jed. Mittw. Ktnderlest o. 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Albred Peter» nnd Frau Ida geb. Balzer. Theo Peter». Die Trauerleier stndei statt am Dvnnerelog, dem 22. August, 15 Uhr, im Kremaivrium Baumfchulenweg. Kiefhalgstr. 221. Kondalenidesuche und Kranzspenden danlend verdeien. Leihhaue»vrihplah OSe.»erkauf von lavalier-Sarderooe, teils auf Seide, stge, Gabor» »ahUStpec V. Jrellug. den 23. MugaR. nachm. 2 Ahr, im Sibnagefaal des Aerdundehnnses, CinienRc. 83/83 Hobler, Bohrer, Steher, Fräser, Schnitt- ardettrr, Walzwerfardriter, Gold- nnd SilderardeUrr. Mechaniker, Optiker, «r, Werfzeugmacher, Schars» schletser. Arbeiterinnen. Tagesordnung! wnhl der Veleglerleu zur aieuernl. >g um 2. September 2020. gutritt Hoden nur diejenigen Mitglieder. die im Berdandsduch die Berniadezeich. nung Hoden, für wekche die Versamm» Imzaon«uilaeruken ffnd. Ohne Mitgliedsbuch und Ardeltslosen. fett« feinen zutritt. Die d-rode. V-liiiacken 50,—, Pelzmäntel 95,—, Spottpeije 85,—. Gehpelze 100,—. 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