ersibetat täglich aaterGonntag«- Zugleich Abendausgabe de«.SJormärti*. Bezugtrecit beide Au«gaben SSPf.»r» Woche, oro Monat. Redaktion und Expedition; BerliiiSW66.?indenSr.S £(>n> etgenoret«. Die einspaltige NonpareMeieN, so Pf.. Reklame>eile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vvrwärls-'V erlag G. m.b.H.. Berlin Nr. S7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? BERLIN Sienstag 20. August 1929 10 Pf. Nr. 386 B 193 46. Jahrgang. Das Los der Arbeitslosen. Die Giädie-Vertreier warnen. SBeppelins nächftes SEiet Sie nordamerikanifdie Stadl Xo* Angeles, die.Graf SEeppelin" nach feiner Abfahrt von Vokio sunächft su errre'ichen fliehen will. Die Ratten verlassen das Schiff. Frankfurter Konzemdirekior verschwunden. /Vermutlich im Flugzeug geflüchtet. Der Sozialpolitische Aus schuh des Reichstags trat am Dienstag zur Beratung des A r b e i t s l 0> e n v e r s i ch e- r u n g s g e s e tz c s zusammen. Ministerialdirektor Weigert teilte«inleitend mit. daß das Reichs- kadinett die Borlage am Montag verabschiedet und sie dem Reichsrat sowie dem Sozialpolitischen Ausschutz des Reichstags zugeleitet hat. Nach den authentischen Mitteilungen des Regierungsvertreters hat der Reichsarbeitsmimster diejenigen Beschlüsse des Sachverständigen- Ausschusses sast restlos in die Borlage übernommen, die ein« B«> seitigung der nachweislich vorhandenen M i ß st ä n d e be> zwecken. Bei den übrigen Gegenständen des SachverfiSadigengul- achtens, die von besonderer finanzieller Tragweite sind, weicht jedoch die Regierungsvorlage von den Mehrheitsbeschlüsse» der Sachoer. ständigen in wesentlichen Punkten ab. Di« Vorlage hat aus dem Sachverständigengutachten die solgenden Dorschläge übernommen: l. Verlängerung der Wartezeit für Arbeitslose ohne Zuschlagberechtigte Angehörige auf zwei Wochen: 2- Anrechnung von W 0 r t« g e ld, Ruhegehalt und Sozial- »enton:' 3. Kürzui«! der Beiträge in der ikr a n k e n v e r si che ru ng. Dagegen ist di« von, Sachvrrstaichigenausschutz vorgeschlagen« Staffelung der Unterstühungshöhe nach der Läng« der Anwartschaft für die G e s a m t h e i t der Versicherten in die Regierungsvorlage nicht tlüt aufgenommen.worden. Vielmehr ist in der Regierungsvorlage eine solche Staffelung nur für die. Saisonarbeiter vorgesehen. Für die Beiträge sieht die Vorlage eine Erhöhung um W P r 0 z. vor. Noch den Mitteilungen Weigert? würde sich durch die Annahm« der Re- gicrungsoorschlägc das errechnete Defizit von 279 Millionen auf 47 Millionen Mark vermindern. Vorsitzender Esser schlägt vor, die Generaldebatte über die Vorlag« auf M i t t w 0 ch v 0 r m i t t a g 1l Uhr festzusetzen und jetzt die Vertreter des Deutschen Städtetages zu hören. Präsident Elsaß vom Deutschen Städtetag gibt alsdann eine ausführliche Darstellung über die allgemeine B e- laftung der Kommungn durch die Wohlfahrtsousgaben und insbesondere über diejenige Belastung, die durch ungenügend« Lei- stungen der Arbeitslosenversicherung uiü> der Krisensürforge ent- standen ist. Heber 40 Prozent des gesamten gemeindlichen Zuschuß. bedarfs entfällt aus die lvohlsahrtssürsorgc. Nicht weniger als 154 000 ausgesteuerte Erwerbslos« waren auf kommunale Hilfe an- gewiesen, daneben hatte die gemeindliche Wohlfahrt an 150 000 von der Rcichs.anstalt ungenügend unterstützte Personen.A u satz» le istungen zu gewähren. Eine Sanierung der Reichsanstalt durch Ersparnisse allein sei unmöglich, wenn iricht mir eine Lösten- Verschiebung auf die Gemeinden herbeigeführt werden solle. Den Vorschlägen des Sochverständigenausschusses könne in wesentlichen Punkten zugestimmt werden. Eine Verlängerung der Wartezeit für ledige Arbeitslose auf 2 Wochen würde praktisch diese Personen Z Wochen ohne Unter st ützung belassen, da die Auszahlung in der dritten Woche«rst nachträglich erfolgt. Eine allgemeine Staffelung der Unterstützungzhöhe nach der Länge der Anwartschaft bezeichnet Elsaß als unmöglich und er wendet sich gegen die starke Nivellierung. die duch die Voschläge der Sachverständigen für die qualifizierten Arbeiter und Angostell- ten hätte eintreten müssen. Di« Anpassung der Unterstützungssätze an das Lohnniveau des Wohnortes wird das Gegenteil der beab- sichtigten Wirkung hoben. Allgemein müßte jede Reform der Arbeitslosenversicherung, die eine ausreichende Hilfe für die notleidenden Arbeitslosen außer acht läßt, zu einer stärkeren, die Finonzkrast der Gemeinden übersteigenden finanziellen Belastung führe« und die sofortige Neuregelung des Finanzausgleichs notwendig machen. Frau Abg. T e u f ch(A.) fragt noch der Stellungnahme der Städte zur produktiven Erwerbslosenfürsorge, worauf Vei- geordneter Sp« n ra t h- Köln näher« Angaben über die dort getroffenen Maßnahmen macht. Beigeordneter S ch w e n g- Köln , berichtet über dos auffallende Anwachsen der Wohlfahrtserwerbslosen in ollen Städten Westdeutschlands. Er hält für ein« Sanierung der Arbeitslosenversicherung die Erhöhung des Beitrags um 16 Prvz. für unzureichend. Der Frankfurter Vertreter Dr. Michel meist nach, daß die Sätze der Arbeitslosenunterstützung bis zur Gruppe VI II» n t e r den Sätzen der Wohlfahrt liegen. Eine Verlängerung der Wartezeit für di« alleinstehenden Arbeitslofen müsse sich katastrophal auswirken. Er berichtet als Beispiel, daß bei dem letzten großen Wirtschostskompf in der chemischen Ändustrie die Wohlfahrt zuerst bei den Kinderreichen und den Ledigen eingreifen mußt«, die im fremden Haushalt wohuen. Abg. Dr. Pfeffer p. versucht die Berichte der Städte- Der gänzliche Zusammenbruch bei dem privaten Frank- surier Versicherungskonzern wächst stch zu einem der groß. ien Finanzskandale der Nachkriegszeit aus. Um zu verhindern, daß die schuldigen Direktoren sich der ver- aniworiung durch die Fluchi entziehen, wäre ein schnelles Eingreifen der Behörden unseres Erachten» drin- gend erforderlich. Wie jetzt aus Frankfurt gemeldet wird, ist der Konzern- direktor Franz Sauerbrei seit Sonntag früh spurlos aus Frankfurt a. M. verschwunden. Sauerbrei, der im Frank- surter Dersicherungskonzern sprunghaft avanciert« und e» durch per- sönliche Protektion mit noch nicht 28 Jahren zu einem verantwort- lichen Direttorposten gebracht hatte, war in erster Linie für di« Dankgeschäste des Konzerns verantwortlich. Man behauptet, doß Sauerbrei durch sehr gewagte eigene Spekulationen auf Kosten des Unternehmens an der finanziellen Zerrüttung der Gesell- ichaft in erster Linie beteiligt gewesen sei. Dieser junge Mann konnte stch aus Grund seiner enormen Einnahmen einen auffallend verschwenderischen haushall in Frankfurt leisten, hiell sich außerdem eine zahlrei che Dienerschaft und kaufte sich— wahrscheinlich in Vorahnung kommender Ereignisse— erst vor wenigen Wochen e i n F l u g z e u g. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß Sauerbrei Vertreter durch zahlreich« Fragen zu entkräften, wird ober erneut dahin widerlegt, daß tatsächlich die Wohlfahrtssätze in großem Umfang über der Arbeitslosenversicherung liegen. Abg» Gerlach (Soz.) bemerkt, daß zur Beurteilung dieser Frage nicht die Sätze der Ledigen, sondern der Verheirateten angezogen werden müssen. Für diese Arbeitslosen liegen die Wohlfahrtssätze bis zur Gruppe VII Über den Sätzen der Arbeitslosenversicherung. Seine Angaben werden durch die Städteoertreter bestätigt. Damit ist die Besprechung mit den Städtevertrctern beendet. Der Ausschuß wird Mittwoch, vormittags 11 Uhr, wieder zusammen. trete«. mit diesem Flugzeug setzt den heißen Boden Deutschlands ver» lassen hat und nach dem Ausland geflüchtet ist. Unterdessen sitzen in Berlin die großen Bankiers mit dicken Köpfen beisammen und halten Sanierungsberatungen ab. Welche Bedeutung das Bankkapital dieser Skandalasfäre beimißt, geht daraus hervor, daß zu den heutigen Beratungen in den Räu- men der Disconto-Gesellschaft auch Vertreter von den Banken hinzugezogen wurden, die von den Verlusten der Frank- furter Allgemeinen nicht direkt betroffen werden. Schließlich sind auch di« 20 Millionen Bankengelder, die jetzt bei der Frankfurter Allgemeinen verloren stich, kein Pappenstiel. Ein neuer Vankskandal. heule vormittag wurde aus Veranlassung der Urbar. wachungsabtellung einer Berliner Großbank der Bantdireltor und Aktionär der Berliner kredttbank A.-G. Theodor Rodlke in der vlohreostraße 9 unter der Beschuldigung des Scheck- betrüge» verhoskel. Bor einiger Zeit tauchten im Verkehr Schecks, die auf Dollars ausgestellt waren, auf. Sie erregten die Aufmerksamkeit der Ueberwachungsobteilung der Berliner Großbank. Ein Detektiv der Bank wurde mit den Ermittlungen beauftragt, und schon nach kurzer Zeit konnte das betrügerische Trio, das äußerst raffiniert arbeitete, überführt werden. In einem Eafc in der Fried- richstraße wurden zwei Manier verhaftet, di« vordatiert« Schecks, die auf Dollars lauteten und umgerechnet 80 000 M. betrugen, bei stch führten. Der Akzeptant sollte eine New Aorker Bankfirma Ladenburg, Thalmann u. Eo. sein. Eine sofortige Nachfrage ergab jedoch, daß dem amerikanischen Bankhaus von der ganzen Angelegenheit nicht das geringste bekannt war. Radtke, der allein zeichnungsberechtigt ist, konnte ungehindert und in beliebiger Menge Schecks ausstellen, die er durch seine Mittelsmänner in den verkehr brachte. Radtke ist noch aus der Waldenburg. Affgr« bekannt. Ad«« ein« Roll« jptelte. Rechenfehler im Haag. Vriand und Enowden beim Tee. V. Sch. Haag, 20. August.(Eigenbericht.) Z:t Expertencmsschuß berät noch immer. Gestern nacht arbci- ictcn säst all« bis 1 Uhr morgens, heute früh ist er um 10 Uhr zu- jammengetretcn, um die Mittagsstunde war er noch immer ver- sammelt, ein Leichen, daß es nicht gerade leicht ist, den Wert des Angebotes der vier Mächt« an England zu fixieren. Die Mei- nungsoerschiedenheiten bei dieser Bezifferung waren nach der Nacht- sitzung noch so stark, daß man schon davon sprach, einen Mehrheit-- und einen Minderheitsbericht zu verfassen, wobei die Mehrheit den Wert mit 4Z Millionen beziffern würde, während die Engländer dqbei verbleiben, daß er nur 30 Millionen betrage. Heute früh allerdings verlautet gerüchtweise, daß man auf dem Wege zur Einigung sei, werl man irzzwisdhen auf französtscher Seite entdeckt hatte, daß die bisherige Schätzung des französischen Finanzministers aus einem Rechenfehler beruhe? Auch sonst sind Bemühungen im Gange, die Gegensätze aus- zugleichen. Um überhaupt zum ersten Mal« Briand und Snowden zusammenzubringen, hat der holländische Außenminister van Blokländ sie heute früh zum Frühstück eingeladen. Inzwischen hat man aller- dings auf englischer Seite gesunden, daß«in Frühstück mit be- sonderem intimen Charakter vielleicht doch etwas verfrüht sei angesichts der maßlosen Beschimpfungen, denen Snowden in der ganzen französischen Presse gegenwärtig ausgesetzt ist. Deshalb ist mittlerweile das Frühstück zu einem Tee zusammengeschmolzen, zu dem heute beide Minister bei van Blokland erscheinen sollen. Es scheint, daß die Einigung, die sich zwischen den Gläubigern anbahnt, insofern doch auf Kosten Deutschlands erfolgen soll, als sie selbständig über eine Summe verfügen wollen, die laut dem Uoung-Plan Gegenstand einer Vereinbarung zwischen den Gläubigern und Deutschland sein sollte. Es handelt sich um eine Summe von etwa 300 Millionen Mark, die sich aus den Mehrzahlungcn Deutschlands in den ersten Monaten des Doung- Planes ergeben, in denen noch der Dawes-Plan in Kraft bleibt. Wieviel von dieser Summe tatsächlich Deutschland ver- bleiben sollte, ist allerdings strittig: fest steht aber, daß man nach dem Bericht der Sachverständigen, mit Deutschland darüber verhandeln sollte, während man gegenwärtig nur unter den Gläubigern darüber verhandelt und Deutschland vor ein« voll- endet« Tatsache zu stellen versucht. Dagegen wird sich aber die deutsche Delegation zur Wehr fetzen und zwar sehr energisch. Sie hat durch ihren Protest jedenfalls schon jetzt erreicht, daß heute nach- mittag auch die deutfchen Finanzexperten zu den Beratungen der Gläubigerexperten hinzugezogen werden. So lange die finanziellen Fragen nicht geklärt sind, wird auch die Räumungsfrag« und was damit zusammenhängt, nicht ent- schieden werden. Die plötzlich« leichte Erkrankung von Ministerial- direktor G a u ß hängt offenbar damit zusammen. Man ver- sichert nämlich, daß sich das Zuristenkomitee über den Entwurf einer Kommission bereits so weit geeinigt haben soll, daß nur die Unterschristen der .Juristen dazu sehten. Dieser Entwurf soll aus der Grundlage der Locarnoverträg« beruhen. Bekanntlich sind in Locarno besondere Schieds- geeichte«ingesetzt worden, die übrigens noch nie in Tätigkeit ge- treten find,«in deutsch-belglsches und«in deutsch-französisches Schiedsgericht. Es soll nun ein neues gemischtes Schiedsgericht ge° schaffen werden, bestehend aus dr«i Neutralen, einem Deutschen, einem Franzosen und einem Belgier. An sich wäre eine solche Instanz für uns durchaus annehmbar, aber man muß«rst den Wortlaut dieses Entwurfes kennen, ehe man«in endgültiges Urteil darüber abgibt. Man muß insbesondere wissen, ob und in- wieweit dieses Schiedsgericht Jnvestigationsbefugnlsse be- sitzen würde. � Gchulz-Königsberg| Wie wir kurz vor Redaktionsschluß erfahre», ist der sozialdemokratische Abgeordnete Hermann Schulz- Königsberg(Pr.) in der letzten Nacht in einem hiesigen Hotel plötzlich am Herzschlag verstorben. Schulz, der am 2ä. August 59' Jahre alt geworden wäre, war Bezirksparteisekretär für Ostpreußen. Er gehörte seit langem dem Reichstag an. Gestern abend kam er nach Berlin und stieg wieder in dem Hotel in der Dorotheenstraße ab, wo er regelmäßig zu wohnen pflegte. Er klagte bereits bei feiner An- kunft über Unwohlsein und legte sich früh schlafen Heute früh wurde er tot in seinem Zimmer aufgefunden. Vier Tote in St. Lorenzen. Sin Schuhbündler am Hintertopf getroffen. Wien, 20. August.(Eigenbericht.) Die Zahl der T o d e s o p f e r bei den Vorfällen in St. Lorenzen hat sich inzwischen nach einer amtlichen Verlautbarung auf vier erhöht. Darunter befindet sich ein Schuhbündler, der u. a. auch am Hinterkopf eine Schußwunde hat. Sin amtlicher Bericht. Wien, 20. August. In einer Darstellung, die über die gestrigen Vorgänge in St. Lorenzen beim Bundeskanzleramt«ingelausen ist, wird u. a. amtlich mitgeteilt, daß ein genügend rasches Eingreifen der Gendarmerie im Augenblick des Zusammenstoßes nicht möglich war. weil diese nur zum kleinen Teil im Ort konzentriert, sonst ab«r an den Anmarschlicnien verteilt war, und w«d«r die Besetzung des ursprünglichen Festplatz«s durch die Heimwehr noch die Zerlegung der sozialdemokratischen Versammlung auf den Kirchplatz von der Polizei vorausgesehen werden konnte. Die Gendarmerie wurhc dann jedoch so schnell als möglich zusammengezogen und stellte mit einer mittlerweile«ingetroffenen Verstärkung die Ordnung und Ruhe wieder her. Ueber die Parteizugehörigkeit der schwerverletzten Personen wird noch berichtet, daß sich unter 30 Schwerverletzten 28 Heimwehrleute und unter den 22 Leichtverletzten 20 Heimwehrleute und zwei Mitglieds' des ReVtiblikschutzSundes befinden. (Sieben Tote bei Autokatastrophe. An der marokkanischen Küste. Nach einer Meldung auä Rabat stürzte bei T e f i a t an der marokkanischen Küste ein vollbesetztes Reise- a u t o S eine« Abhang hinab und begrub sieben Tote und siebe« verletzte unter sich. Zeppelin Die Weiterfahrt zur dritten(Z Mit erheblicher Verspätung tnssi siugem«« Bericht aus Tokio ein: Bei wundervollem Sommerwelter traf.„Gras Zeppelin" nach leinet hundertstündigen Fahrt über dem Rlarkneflugplah Kasumi- gaura ein. geleilel von vielen Marine, und Zwilslugzeugen, dar- unter auch Hünefelds„Europa". Das Luftschiff wurde erwartet von den Mitgliedern der Deutschen Volschoft. zahlreichen Vertretern der japanischen Behörden und Zehnlausenden. Die Ankunft des silbernen Luflriesen hinterließ den liessten Eindruck. Räch der Ankunft über dem Flugplatz trat das Luftschiff eine Rundfahrt über Tokio. gokohama und das Seebad H a y a m a an. Gegen 6 Uhr kehrte das Luftschiff nach kasumigaura zurück. Es war ein unvergeßlich schönes Bild, als der Sonnenball glutrot hinter dem Schiff unter- ging, während der aufgehende Vollmond es silbern von vorn be- strahlte. Räch der Landung brausten immer neue Beifallsstürme der Zufchauermenge über das Feld. Dank der glänzend vorbereiteten Marineableilungen wurde der„Graf Zeppelin" In kürzester Zeit in die Halle eingebracht. Wie aus Tokio gemeldet wird, find Dr. E ck e n e r nach der Landung des„Graf Zeppelin" unzählbare Glückwunschtelegramme aus aller Well zugegangen. Eckener meinte dazu:„Verschafft uns zunächst einmal guten Schlaf und etwas Gutes zum Rauchen." Di« Blätter sind das Lobes voll über die Haltung der Mannschaft des deutschen Luftkreuzers und unterstreichen die Zurückhaltung ihres Führers, der aber trotzdem den großen Ehrungen und Festlichkeiten. öle eine bewundernde Nation ihm geben wolle, nicht entgehen könne. Im Anschluß an den Tee-Empfang im kaiserlichen Palast wird Dr. Eckener Gast des Verkehrsministeriums sein. Einen weiteren Empfang plant der japanisch« Pfadfinderbund, zahlreiche andere Verbände werden folgen. Die jaapnischc Zeitung„Asahi" will den Gowjeiruffen im Konzentrationslager. Plänkeleien nn der Chinagrenze. Moskau, 20. August.(Amtlich.) Räch Meldungen aus Eharbin erklärte der Kommandeur der mandschurischen Garnison General Tschanghsucliang, die chinesischen Behörden würden sich mit Verhaftungen und Ausweisungen von Sowjetbürgern nicht begnügen: sie beabsichtigten, entschiedenere und strengere Mahnahmen zu treffen. Das für die verhafteten Sowjetbürger eingerichtete Konzentrationslager hat sich als zu klein erwiesen, so daß die Einrichtung eines zweiten Konzentrationslager» in der Altstadt von Eharbin nolwendig wurde: auch dieses Lager fülll sich rasch mit verhafteten. Die Direktion der Ostchinabahn in Eharbin erhielt von den chinesischen Behörden der Station Mandschurlen ein Telegramm. welches dte Rachrlchlen von einer Ueberfchreilung der Grenze durch Sowjeliruppen dementiert. Nach Meldungen der Charbiner Presse entsandte das chinesische Oberkommando zu den Bahnstattonen Mandfchurien und Pogra- nitfchnafa einige Tanks, zehn Flugzeuge und groß« Mengen Kriegs- ausrüstung. Eine Gruppe chinesischer Generalstabsosfiziere ist an Sen genannten Bahnstationen«ingelrofsen. Die chinesischen Behörden gestatteten den Weißgardisten, neue Truppenteile zu bilden, die an die Grenze gebracht werden. Nach Meldungen aus Blagowschtschenst beschossen chinesische Truppen und Weißgardisten einen sowjetrussischen Monitor auf Sem Amur ISO Kilometer nördwestlich von Blagoweschtschensk. In der- selben Gegend sowie in der Nähe des Hankasees und der Station Pogranitschnaja beschießen Truppen auf �chinesischer Seite an- dauernd Abteilungen der Sowjetlruppen und die friedliche Bevölke- rung. Allen Versuchen der Chinesen, auf sowjetrusstsches Gebiet einzudringen, wurden durch das entschlossene Eingreifen der Truppen der Roten Armee Schranken gesetzt. China verstärkt Westfront. Ranking, 20. August. Außenminister Wang bestätigte, daß die Regierung im Hinb.ick auf die drohend« Haltung und die Grenzüberschreitungen von Sowjettruppen Tschanghsueliang befohlen hat, 60 000 Mann zu defen- sioen Zwecken an die mandschurische Front zu schicken. Wang fügte hinzu, die Regierung sei zur Entsendung weiterer Verstärkungen bereit, falls sich die» als notwindig erweisen sollte. Wie aus Mukden gemeldet wird, ist Tschanghsueliang davon unterrichtet worden, daß die Nationalregierung ein« bedeutende Streitmacht von Pukau nach Norden geschickt habe, und daß diese seinem Oberbefehl unterstellt werde. Sie sei für den Fall, daß es nötig sein sollte, zum Ehrsatz in der Mandschurei bestimmt. Schwerindustrie und Zentrumspreffe. Aufkauf der„Kölnischen Volkszeitung"? Es ist bekannt, daß der G ö rr e s h au s- Gjn b H.-Derlag der „Kölnischen Dolkszeitung", des großen rheinischen Zentrumsblattes, sich schon seit längerer Zell in Schwierigkeiten befindet. Wie jetzt die„Frankfurter Zeitung" unter Vorbehalt mitteilt, ist die Sanierung des Verlages beschlossen worden. Nach den Infor- mationen dieses Blattes sei die weitere Einflußnahme auf die„Kol- msch« Volkszeitung' In dem Kampf zwischen Wirtschaft und Klerus zugunsten der Wirtschaft entschieden worden. Es sei die Gründung einer Akttengesellschast mll 4,2 Millionen Mark Stammkapital und 1.8 Millionen Mark Vorzugsaktien in Aussicht genommen. Die Hauptgeldgeber für die 4,2 Millionen Stammaktien sind Peter Klöckner, Paul Silverberg und Otto Wolfs. Trifft diese Nachricht in vollem Umfange zu, so wird eines der größten und bedeutend st en Zentrumsblätter Deutschlands kiinfttg unter schwerindustriellem Einfluß stehen Peter Klöckner, Stahlmagnat und Zechenbesitzer, ist der breiteren Oeffentlichkeit und besonders auch der Zentrumsarbeiter- schast durch sein« sozialreaktionären Kapuziner» predigten nur zu gut bekannt. Herr Paul Silverberg ist der König im rheinischen Braunkohlenbergbau. Otto Wolfs ist einer der sinslußreichst«» Männer Im rheiillsch-westsälischen Stahl- trust, in, dessen Verwaltung er mll dem rechtsradikalen Fritz Thyssen zusammen die«rst« Geige spielt. Di« neuen Machthaber im Verlage der„Kölnischen Dolkszeitung" werden also für die Zentrumspolitik ein« nicht unerhebliche Belastung bilden. Der 13. Znternalionale Psychologen-k angrcß ist am Montag i» Earnbridge(Massachusetts) eröffnet worden. Der Kongreß, welcher zum ersten Male in Amerika tagt, ist von über tausend Delegierten, darunter etwa 80 deutschen Aerzten, besucht. in Japan. tappe erfolgt am Donnerstag. Zeppslinleuten«in riesiges Festessen geben. Am Mittwoch findet der große Empfang durch die japanische Regierung statt. Die R a d i o o n s p r a ch e, die Dr. Eckener nach der Landung zur Begrüßung des japanischen Volkes hielt, lautete wie folgt: „Ich freue mich. In Japan gelandet zu sein. Ich hatte stets den Wunsch, das Land der aufsteigende» Sonne und der Kirschblüten zll besuchen. Es ist dies ein Wunsch, der allen Deutschen eigen ist. Mein Plan, nach Kasumigaura zu fliegen, stand fest, nachdem ich wußte, daß die Halle groß genug war, um das Luftschiff aus- zunehmen. Der Flug über die Wüsten Sibiriens, wo so viele deutsche Gefangene im Kriege im Exil lebten, wird uns unvcrgeß« lich bleiben. Die wundervollen und kultivierten Felder Japans übertrafen alle unsere Erwartungen. Ich wünsche dem japanischen Volk meinen herzlichsten Dank für sein Willkommen zu übermitteln." Dr. Eckener schloß seine Rede mit drei Banzais auf den Kaiser. Aus Tokio hier vorliegende Meldungen bestätigen, daß„Graf Zeppelin" bereits am Donnerstag weiterfliegen wird. Tokio. 20. August. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" ist auch weiterhin der Mittel» punkt des öfsentlichen Interesses. Sofort nach seinem Einbringen in die Luftschiffhalle wurde begonnen, die Brennstoff- und Traggasvorräte wiederauszusüllen. Man rechnet damit, daß dies« Arbeiten morgen beendet sein werden. Wenn das Wetter günstig ist. wlld das Luftschiff am Donnerstag früh zur dritten Etappe seiner Weltreise starten. Inzwischen werden Offizieren und Mannschaften dos„Graf Zeppelin" die Sehenswürdigkeiten der Stadt gezeigt und Unterhaltungen geboten. Der Kaiser hat durch den Berkehrsminister Dr. Eckener und den elf Mann seiner Besatzung silberne Becher überreichen lassen. Rumänisches Fort explodiert. Man befürchtet den Tod der ganzen Besahung. Nach einer Meldung aus Bukarest wurde dort gesteru nach 22 Uhr ein gewaltiges Getöse vernommen. Der Be- völkerung bemächtigte sich eine große Panik» da bald bekannt wurde, daß das Fort Domuesti» das etwa 6 Kilometer von Bukarest entfernt liegt» in die Luft geflogen ist. Es war dort ausrangierte» schad» hafte Artilleriemunition aufgestapelt» die na» brauchbar gemacht werden sollte. In dem Fort befanden sich etwa SS Soldaten und einige Arbeiter» die mit der Unbrauchbarmachung beschäftigt wurden. Das Fort bildet zur Stunde ein einziges Flammenmeer. Die aufgebotenen Truppen konnten dem Brandherd noch nicht näherrücken, da ständig neue Explosionen erwartet werden. Es wird befürchtet, baß die gesamte Besatzung sowie die Arbeiter ums Leben gekommen sind. Langfireckenflug der„Romar". Vorbereitungen für den Atlantikflug. Im Rohmen eines planmäßigen Erprobung sprogtamms ist in der Rocht zum Dienslag das von der Deutschen Lust- Hansa vor einiger Zeit übernommene Rohrbach- Romar- See- slugzeug zu einem Laugstreckenslug in Lübeck-Travemünde gestartet. Di«„Roniar", die mit drei BMW.-Motoren von j« 550 PS ausgestattet ist, hatte in aller Still« am 10. August einen S e e f l u g nach Stockholm und zurück ohne Zwischenlandung gemacht, bei dem die Maschinenanlagen einer ersten Prüfung unterzogen wurden. In der vergangenen Nacht verließ die Moschine bei völliger Dunkel» hell Travemünde und nahm zuerst Kurs auf Holland, um dann nach England zu fliegen. Um 0.30 Uhr befand sich die ..Romar" über Hull, wo sie mehrere Schleifen zog und dann mit dem Kurs auf Norwegen weiterflog. Die Führung der Maschine hat auch diesmal wieder Flugkapitän Kießner, während die Leitung des Gesamtfluges in den Händen des Bezirksleiters Bertram liegt. Wie wir weiter erfahren, beabsichtigt die Lufthansa in den nächsten Wochen in einer Reihe weiterer Langstreckenflüge über See, deren Dauer sich jedesmal steigern dürste, die Leistungen der „Romar" immer weiter zu erhöhen Die Flüge, die vorläufig nur über die Nord- und Ostsee gehen, haben jedoch den Zweck, allmählich den Plan der Lufthansa zu verwirklichen, mit geeigneten Seeflug- Maschinen einen Flugdienst noch Südamerika über die Kanarischen Inseln einzurichten. Allerdings wird man in diesem Jahr wohl nicht mehr damit rechnen können, daß die Verbindung Europa— Amerika Mit deutschen Flugzeugen— zunächst versuchsweise— hergestellt wird, doch ist anzunehmen, daß im nächsten Frühjahr bereits die Ueberquerung des Atlantiks mit der„Romar" durchgeführt werden wird. Kordon um Ängarn. Absperrung durch Güdsiawien und Rumänien. Budapest, 19. August. Wie der Pester Lloyd meldet, liegen sowohl aus N u m ä n i e n als auch aus S ü d s l a w i e n Nachrichten vor. nach denen die dortigen Behörden aus Anlaß des in Budapest stattfindenden St. Stephanstages, zu dem aus allen Teilen der Welt zahl- reiche Fremde eintreffen, Verfügungen getroffen haben, durch die die in Südslawien und Rumänien lebenden Ungarn an der Ein- rei sle nach-Budapest verhindert werden sollen. So hoben d'« Südstawen. wie bereits gemeldet, die Grenze nach Ungarn auf die Dauer von mehreren lagen gesperrt, und zwar in der Nacht vorn 17. auf den 18. August. Der gesamt« Verkehr ist da» durch ins Stocken geraten. In Rumänien wird das Ausreiseverbot damit begründet, daß die irredentlstischen Bestrebungen der Ungarn im Keim« erstickt werden mühten. Besonders scharf werden die Grenzwache» angewiesen, nach Beendigung der St. Stephans- ieierlichkeitei! die Zurück». �j ntcn an der Grenze einer strenge» Leibesvisitation zu unterziehen, damll keine irredentistischen Flugschriften und sonstiges Propagandamaterial ins Land ein- geschmuggelt«erden könnten. Eine Verunglückte klagt. Oer Arbeitgeber wird gesucht und muß zahlen. Eine Rsinmachefrau, die im Hause des Hasen Dohna- La uik beschafliflt war, sollte bei ihrer Zlrbeit eine Stehleiter benutzen. Die Frau äußerte Bedenken, denn die Leiter schien ihr zu schwach und sür die betresfendc Arbeit auch z» kurz zu sein. Der Gros erklärte ober, die Leiter sei lurz vorher von Ziehleuten und von Gosorbeitern benutzt worden, also werde sie die Frau auch obne Gefobr gebrauchen fönen. Die Fräu folgte zu ihrem Unglück der Weisung des Grasen. Die Leiter brach, die Frau stürzt« beruntet. erlitt einen Beinbruch und eine Venenentzünn d U N g. Ifi Wochen lag die Bedauernswerte im Krankenhaus. Die Kur kostete 67? M. Davon hat die Krankenkasse HG) M. bezahlt. 17? M. soll die Frau aus eigenen Miteln bezahlen. Außerdem hat sie 2W> M. ausgegeben sür eine Auehilse, die den Haushalt des Mannes der Verunglückten versorgte, während diese im Krankenhaus lag. Die E r st a t t u n g der Kosten— Z7Z M.— fordert die arme Frau von dem Grasen Dohna-Louck, denn sie hat ja den schweren Unfall in seinen Diensten erlitten und die gefahrbringende Leiter aus seine ausdrückliche Anordnung bestiegen. Aber der Graf w e i g e r t s i ch, z U z a h l e n. Die Fräu verklag! ihn deshalb beim Arbeitsgericht. Der Graf erscheint nicht. Die Ladung konnte ihm nicht zugestellt werden. Die Post konnte ihn nicht finden. Der Graf wird wiciderholt aufs neue gs- lad�n. Immer mit dem gleichen negativen Ergebnis. Es ist frag- lich, ob die Findigkeit der Post versagt hat oder ob der Graf so findig war, sich vom Gericht nicht finden zu lassen. Seine Adresse hat die Klägerin richtig angegeben. Er wohnt in einer Pension in der Nürnberger Straße. Di« Klägerin ist ihm öfter»uf der Straße Ach wie bald— schwindet Ansehn und Gehalt. Deim Nehmen der Anstandshürde im.preis der Republik" kam der Herrenreiter Freiherr von Mirbach schwer zu Fall. begegnet, sie tonnte ihm die Ladung selbst übergeben. Aber einer solchen Ladung braucht der Graf nicht ZU folgen, denn sie wäre ja nicht auf amtlichem Wege bewerkstelligt Der amtliche Weg Ladung durch die Post mit Austelluugsurkunde— � versagt regelmäßig. Für die Post war der Graf Nicht zu finden. Monatelang hat sich der Prozeß hingezogen. Monatelang wartet die arme Frau auf Erstattung ihrer Kurkosten. Schließlich hat da» Arbeitsgericht dem Grafen die Ladung durch einen G e- -richtsvollzieher zustellen lassen. Der hat Ihn dann auch ge- funden und so erschien der Graf endlich vor dem Arbeitsgericht. Aber zahlen wollte er nicht. Er brachte«inen Bertreter einer Versicherungsgesellschaft mit, bei der er sein Personal gegen Unfall versichert hat. Die Dersicherungegesellschast will höchstens 200 M. zahlen. Aber damit ist die Klägerin nicht zufrieden. Mit ZOO M. würde sie sich begnügen. Aber die„Noblesse" de» Grafen reichr nicht so weit, zu dem von der Bersicherungsgesellschaft b«. willigten Betrage 100 M. zuzulegen und so den Streit durch einen Vergleich beizulegen. Dos Gericht verurteilte den Grafen, der Klägerin d I e geforderten 373 M. zu z a h'l e n. Das Urteil stützt sich azif § 618 de» Bürgerlichen Gesetzbuchs, welcher sagt:„Der Dienstbe- rechtigte hat Räume, Vorrichtungen oder Gerätschaften, die er zur Verrichtung der Dienste zu beschossen hat, so einzurichten und zu unterhalten und Dienstleistungen, die unter seiner Anordnung oder Leitung vorzunehmen sind, so zu regeln, daß der Verpflichtete gegen Geiahr sür Leben und Gesundheit so weit geschützt ist. als die Natur der Dienstleistung es gestattet." Gegen diese Bestimmung, sagt das Urteil, hat der Beklagte verstoßen, indem er der K ägerin trotz der von ihr geäußerten Be- denken eine zu schwach« Leiter zur Benutzung gab. Oer alte Kampf. Streikenpr gegen(Streikbrecher. Marion sltord-karosina), 10. August. 1600 Ausständige derseitmehrsrenWvchen geschlossenen Clinchfield Boumwollsabrik versuchten heute«ine Anzahl von Nichtorganisierten Arbeitswilligen an der Wiederaufnahme der Ärbsit und an dem Betreten der Fabrik zu verhindern. Es kam ZU einem schweren Zusammenstoß, bei dem mehrere Per- sonen oerletzt wurden. Truppen der Staatsmiliz sind von Nafh- oille nach Marlon beordert worden. Das Unternehmertum hetzt so Arbeiter gegen Arbeiter und sichert so seinen Profitinteresien die Unterstützung durch Pollzoi und Militär. Michael Tomskij ist zum Mitglied des Präsidiums des vbersten Poltswirtschaftsrates ernannt worden. Radrennen auf dem Rummelplatz Von Hans Bauer. Dos menschlich Packendste, was ich in den letzten Monaten er- lebt habe, das hat sich im verräucherten Innern einer schlecht b-setzten Bude aus einem Rummelplatz abgespielt. Unten, im Zuschauerraum, aus den kahlen, rohgezimmerten Sitzbrettern, befand sich ein wenig anspruchsvolles Publikum aus jungen Burschen, aus Hausmütlerchen »nd aus Männern in der Arbeitsjacks. Oben, auf der Bühne, strampelten zwei Radfahrer, zwei Arbeitslose wahrscheiillich, für die diese Fahrerei einen primitiven Behelf der Existenzfristung bedeutete, auf Homc-Troiner-Apparaten, auf jenen beweglichen Rollen also, auf die die Schnelligkeit der Rüder übertrogen und von denen sie o.nf die Zeiger einer großen Uhr weitergeleitet wird, an der man die von den Fahrern jeweilig zurückgelegten Strecken ablesen kann. Der eine der Radfahrer war„der Herr aus dem Publikum", der sich draußen gemeldet hatte, der andere,„der Vertreter des Hauses", der Angestellte des Budenbesitzers. Das Rennen war im Hang. Es sollte sich über zehnmal 1000 Meter erstrecken und der dritte Kilometer war zurückgelegt. Da machte der Besitzer der Bude dem Publikum einen Borschlag: Nach Art der Gewohnheiten bei den Sechstagerennen sollte dos Publikum. zur Belebung des Rennens, demjenigen der Fohrer, der fortan die vollen Kilometer zuerst postierte, eine Prämie stiften. Der Besitzer nahm seinen Hut und ging werbend durch die Reihen. Nach einer Weile sprang das erste Groschenstück in den Hut, dann solgte ein Fünfpfennigstück, dann noch eins, dann wieder ein Zehner.... Als er die Bänke abgeschritten hatte, hatte er sechzig Psennige gesammelt. Er sprach den Wunsch aus, daß der Betrag doch möglichst auf eine Mark aufgefüllt werde. Er bat, er slehte. Er beschwor. Es tröpfelten noch fünfzehn Psennige in den Hut. Mehr war nicht heraus- zuholen. Er gab das Resultat bekannt: 73 Pfennig Prämie für den Sieger des vierten Kilometers. Die beiden vorn hatten drei Kilometer und 600 Meter zurück- gelegt. In ziemlich gleichmäßiger, wenig forcierter Fahrt. Unter dam Eindruck der Worte des Besitzers beschleunigten sie das Tempo. Bei 730 Meter setzten sie zum Spurt an. Wie dumpfdonnerndes Grollen brauste das Rattern der Rollen durch die Bude. Die Zeiger be- gannen kleine Sprünge zu machen. Die Fahrer preßten die Lippen aufeinander. Ihre Beinmuskeln traten weit hervor. Sie troffen von Schweiß. Man sah, daß sie das Letzte hergaben. Das war kein Kampf mehr der Muskulaturen gegeneinander, das war eine der Lebensenergien. Hier ging es nicht, wie bei den Sechstagerennen, um einen Preis, hier ging es um Brot. Ein Kampf ohneglcicheu war entbrannt. Ein Kampf um das Brat, dos man für 73 Pfennig kaufen kann. Sechstagerennen: Da toben sich trainierte Körper gegeneinander aus, die Kräste einzusetzen und Kräfte zurückzuhalten wissen. Da geht es um Sieg oder Niederlage. Dies hier war grenzenlos mehr. Hier rangen primitive Willcnstrofte, die von ihrem Schweiß, von dem sie genug hotten, gar nichts und von dem Brot, von dem sie so wenig hatten, das Aeußerste hielten. Hier jagten sich Urkräfte, die es an dem Einsatz des Letzten gewiß nicht scheitern lassen wollten, damit ihnen 73 Pfennig in den Schoß sielen. 030 Meter: Ein grandioser Endspurt zweier Radfahrer— Rad- sahrer? Nein, zweier Hungerleider, die es wußten, daß die Gelegen- heit so bald nicht wiederkehren würde, in wenigen Sekunden den Wert einer Arbeitsstunde zu verdienen. Ein prasselndes Poltern, ein surrendes Zischen, eine unerhörte' Hingabe an die Pedale: 1000 Meter!! Der Herr aus dem Publikum stößt mit einem Strich Vorsprung durchs Ziel: hinein in die 73 Pfennig. Auf sein Gesicht legt sich die tiestnnere Befriedigung eines, der kämpfte und gewann. Das Spiel klang ab. Die Fahrt Versangsamte sich. Der Besitzer unternahm einen Neuen Versuch, auch sür den nächsten Kilometer eine Prämie zusämmenzubekommen. Aber die Spendefähigkeit des Publikums war erschöpft. Es war kein Geld mehr aufzutreiben. Das Rennen wurde nun eintönig. Zuletzt, nach dem 0. Kilo- meter, kam noch einmal ein wenig Bewegung in die Fahrt. Es gab einen Preis von 3 Mark zu gewinnen. Aber mit diesem Gelde war das nun so eine Sache. Es war ein imaginärer Preis, den der Budenbesitzer dem Herrn aus dem Publikum für den Gewinnfall ausgesetzt hatte. Es war ein Retlamepreis, ein vorgespiegelter. Im letzten Spurt siegte der Budenangestellte. Es hatte damit nicht viel auf sich. Das Ergebnis waren die 73 Pfennig. Der Kamps um sie war der ehrlichste, den ich in meinem /Teben gesehen habe. Es war einer gewesen, bei dem es sich nicht um bie Erringung eines Prestiges gc- hanbelt hatte und in den keine bc�ifflichc Phrase mit hineingespieit hatte. Es war ein wilder, elementarer Kampf zweier Magen gegen- einander gewesen. Die eingefleischtesten Berufssportler, welche Ama- teure waren sie in jenen Augenblicken gegen diese beiden Dilettanten des«ports gewesen, die gezwungen waren, einen Berus aus ihm zu machen. Meisterwerke der Kamera. llfa»paviI1on am Rollendorfplotz. Unter diesem Titel werden drei Filme von Eigenort und Be- deutung gezeigt. „In griechischen Meeren" komme» wir durch die Augen des Pariser Malers Andrä Sauoage zu einem Erleben der Landschaft. Doch sieht er von seinem kleinen Segeiboot aus nicht nur die oft grotesk anmutende Natur, sündern auch das Wesen der Städte, die aus Vulkanen thronen. Er bemerkt das Malerische in diesen ineinandergeschachtelten Häuserzügen und ganz unberechenbar verliebt er sich plötzlich in irgendein« Kleinigteü. Da wird er auf einmal ein besessener Schilderer der Windmühleckslügel von Mykenos. Doch vergißt er auch nicht die Menschen und hin und wieder sieht man gerade den Typ, der in die Landschaft gehört. Wahrhast bedeutungsvoll ober ist er in seiner Schilderung von Paris. Wenn einer, dann kennt er diese» Paris, und doch ist ihm das Ansichtsposttarten-Paris gleichgüiig. Das elegante Paris der genießenden Männer und der liebestüchtigen Frauen ist für einen Andre Sauvage viel zu abgeschmackt. Er zeichnet kleine Ding«, die wahr sind, ohne Wahrzeichen der Stadt zu sein. Auf einem Schlepper kriechen wir mit dem großen Photographen durch die unterirdischen Kanäle der sogenannten Lichtstodt. Hier in dieser Unterwelt sind Bcleuchtungsessekte, die wir uns kaum träumen ließen. In dem Kapitel„Arbeit" schildert er uns das proletarische Paris. Hier sieht man nichts von Glanz und Prunk, hier bemerkt man nur Mühe. Last und ein schuftendes Volt und weit über ihre Kräste ous- genutzte Pferde. Das Künstlerviertel ist für ihn. den Künstler. weniger ein Aufenthaltsort für Künstler als die Stätte der Per- gnügungsindustrie und der Fremden. Alles was er zeigt, ist von ungeheurem Reiz, denn kein Bild ist gestellt, ein jedes ist gesehen. Der dritte Film, der unter der Regie von Ing. C. I. Bricht a entstand, heißt„Demänova". Er erschließt im Nieder-Tatra- ge'oirge Wunder der Unterwelt, die der Lehrer Alois Kral im August 1013 Im Dolinatal entdeckt«. Dort verschwindet Nämlich die Lucanka unter mächtigen Felsen in«ine unbekannt« Welt. 1021 endlich erschloß der Lehrer diesen unterirdischen Weg des Flusses, der durch einen eigenartigen Höhlenkomplex geht. Was hier an Tropfsteingebildcn zu sehen Ist. wirkt märchenhaft und bizarr. Und filmisch ist es«ine Tat, solch« Anblicke der Allgemeinheit zu über- Mitteln._ e- b- Oer schwarze Oomino. Titania-Pasast. Nach der gleichnamigen Oper wurde, ganz aus optisch« Wirkung eingestellt, ein an sich recht gutes Filmnmuustript geschrieben. Nach- dem das Publikum sich über die Trottelwirtschast der geschäfts- tüchtigen kleinen Gesandtschaft genügend betustigt und� der Attache sich derart ausgetobt hat, daß er Im gut bürgerlichen Sinn« ehereif ist, dstömmt er die Tochter-des Vorgesetzten. Das glückliche Po« sind der so außerordentlich gut tonservtert« Filmltebhaber Harry Liedtk« und die ganz auf Jugend und Blondheit stilisierte Vera Schmttterlöw. Hans Junker- mann, Ernst Berebes und Hermann Picha hingegen sind die Trottel ganz großen Formats. Der Regisseur Victor I a n s o n hat die Leichtigkeit und die Grazie der Auberschen Musik im Rhythmus des Films beibehalten Er liefert« ein schmissiges Wert, mit der Spekulation auf gut« Kritiken in Berlin und ein Bombengeschäft in der Provinz. Die B ü h n e n s ch a u ist aber aus jeden Fall origineller als der Fil. Ado n o s zeigt, daß man nicht Äkostelli heißen muh, um ein vorzüolicher Jongleur zu sei» und Frank, ein eigenartiger Turner, ist«in Mensch mit gelenkigem Körper, hartem Schädel und einem überhaupt nicht zu erschütternden Glelchgewichtsgesühl. _— g. Oer slämlsch« ftornponlff Jranf van der stucken ist in Hamburg im ?llter von 71 Jahren ft e N o r b r n Er�war ein SchNler von Peter S-enoit von der moderne» släMiiNie» schule und ist von ftranz Üifjt gefördert worden Er hat mehrere Opern und släiNilchc t!i«der tomponiert. lim vorigen Winter halte er noch grotz« Srsolg« aus etner Konzertreise In ffimfrikfl. Oiagileff. Der Schöpfer und Leiter des waltberühmten russischen Balletts, Sergei Diagileff, ist am Lido von Venedig g e st o r b« n. Wir haben unsere Stellung zum Dioglleff-Ballett hier wiederholt festgelegt. Zum letztenmal im Frühiwhr dieses Jahres gelegentlich des Russengastfpiels im Rahmen der Berliner Festwochen Diagileff war ein ausgezeichnet energischer und geschickter Or- ganisator, der es verstand, den endgültig abgelebten Ballettkünsten durch Hinzufügung von allerhand tanzfrsmden Würzen und Saucen neue Reize zu geben: durch schöne und efsektvolle Dekorationen und Kostüm«, durch musikalisch� Finessen usw. In seiner Glanzzeit ge- hörten die Pawlowa titijz die Karsawina seinem Ensemble an. Diagileff hat in allen Erdteilen eine Fülle von Ruhm und Gold geerntet. Eine Förderung der Tanzkunst bedeutet sein Lebenswerk nicht. I. S. „Das Plakat." Münchener Internationole Ausstellung. Die im Münchener Ausstellungspark aus Anregung des deutschen Reklameverbandes, Ortsgruppe München und durch den Bund deutscher Gebrauchsgraphiker im Anschluß an den Weltreklame- kongreß Berlin zustande gekommene internationale Schau„Das Plakat" gewährt mit ihren 1300 Nummern eine gut« Orientierung über den gegenwärtigen Stand der angewandten Kunst aus dem Gebiet der Relläme. Etwa drei Dutzend Staaten hat dos Auswärtige Amt in Berlin zu dieser Ausstellung herbeiziehen können: Deutsch- land, Schweiz, Oesterreich, Italien, Spanien, Frankreich, England, Belgien, Dänemark, Rußland, Ungarn, Türkei. Bulgarien, Griechen- land, Rumänien, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Finnland, Lettland, Estland, Polen, Schweden, Norwegen, Union, Argentinien, Brasilien, Chile, Mexiko, Japan Und China Die Heimal der Reklame, Amerika, macht sich selbst in exotischen Ländern spürbar. Es ist bedauerlich, wie Ostasien gute Troditiono- aufgaben vernachlässigt und amerikanischen Einflüssen unterliegt. Dagegen versteht das türkische Plakat mit seiner ornamentalen Schrift günstig zu arbeiten. DI« Union prangt mit Riesenplataten, weniger aber durch Orginalltät. Rußland bereitet Enttäuschungen, indem es Nichts von seiner einzigartigen Volkskunst vermittelt und nichts vom neuen Geist, wie er zum Beispiel in der russischen Theaterdekoration hinreißend spürbar wird. Eklektisch wirkt auch das südamerikanische Plakat, und gegen alle Erwartung versagen die europäischen Kleinstaaten, wo man ous nationale Unterschiedlichkeiten gefaßt war. Nüchtern und sachlich spricht das englische Plakat, etwas derber das Schweizer. An der Spitz« der Retlametunst marschieren die Franzosen, bei denen der Geist eines Toulouse Lautrec, der als erster das Plakat zur Kunst erhob, seine segensreiche Wirkung übt. Kubistische und expressionistische Phasen haben hier den eleganten Schwung und den Sinn für rekiamehafle Uebertreibung besonders geschliffen. Wir heben Cassandre, Dongen und Paul Eollin hervor. In der deutschen Abteilung beansprucht natürlicherweise da» Münchener Plakat den größten Raum. Zu den Speziallsten Hohl- wein, Glaß und Lietara gesellen sich prominent« Zeichner wie Th. Th. Heine, Kreidig und Preetorius und viele Gebrauchsgraphiker, die in einer Sönderabtellung untergebracht sind. Die Ausstellung, die sich nur auf Arbeite» ous den letzten fünf Jahren erstreckt, entbehrt viele, für die Plakatkunst wesentlich« Leistungen, bleibt aber trotzdem durch die Beteiligung aller Kultur- staoten eine Sehenswürdigkeit von verlockender Anziehungskraft. � Alfred Mäyer. Abnahm« der Rundfunkhörer. Während am 1. April 1929 die Zahl d« Rundfunkteilnehmer in Deutschland 2 837 894 betrug, stellte sie sich am 1. Juli aus Nur 2 826 628 und ist somit um 11 266 zurück- gegangen. Dieser Im Sommer bisher regelmäßig beobachtete Rück. gang wurde In früheren Jahren durch den Teilnehmerzugang aus- geglichen, den die Erschließung neuer Rundfunkgebieto mit sich brachte. Nachdem aber der Ausbau des deutschen Rundfunksonde- netzes vorläufig beendet ist, tritt der Rückgang der Teilnchmcrzshl-' in den Sommermonaten in diesem Jahre zum ersten Male In r' scheinung. Oer Mord an Hilde Zepernick. Eine kriminalistische Beirßchtung./ Von Hans Hyan. ulian hat einen wundervollen, geradezu idealen Part und .»mderspielplog angelegt draußen am Sachsenplatz, wo das Ver. brechen an der kleinen Hilde Zepernick geschehen ist. Aber es ist eine alte Erfahrung, solange ringsum noch Baugelände und sreie Felder find, solange vernachlässigen die Kinder den gepflegten und vom Wärter betreuten Spielplatz. Hilde Zepernick war elf Jahre alt, ober sie sah aus wie dreizehn, vierzehn und soll sich viel auf dem Neubau oder auf dem Baugelände, dos diesen an der Ecke des Sachsenplatzes und der Westcndallee gelegenen Bauplan umschließt, aufgehalten haben. Sie hat, soweit ich erfuhr, nicht etwa nur für die Bauarbeiter gelegentlich kleine Besorgungen gemacht, sondern sie war überhaupt eins jener gefälligen Kinder, die gern, auch ohne Entgelt, für andere einen Weg machen. Ob ihr das verhängnisvoll geworden ist, steht dahin... Der K e l bc r, in dem der arm«, kleine Leichnam gefunden wurde liegt an der Bordersront des großen Neubaues nach dem Sachsendamm zu. Er ist aber, wenn man nicht durch das nur kleine Fenster von der Straßenseite her hineinkriechen will, nur mit einem großen Umweg um die Hinterfront zu erreichen. Insofern ist er abgelegen. Und da sollte ich meinen, mühte doch vor allen Dingen die Frage aufgeworfen werden: wie kommt Hilde Zepernick in diesen schwer zugänglichen Keller? Dos Verbrechen niuß etwa um 7 Uhr abends päfsiert.sein. Denn um 6 Uhr holte der Bruder die Schwester noch gesehen und zwischen 7.und 8 Uhr, also zum Abendbrot, war Hilde schon nicht zu finden. Bis 8 Uhr ist es jetzt noch hell. Und es handelt sich k e i n e s- w e g s um eine unbelebte Gegend. Der dem Neubau gegen- überliegende Park am Sachsenplatz ist bis in den späten Abend hinein van Menschen belebt. Die andere Front des halbfertigen Haufes geht aber nach der Westendallee, die ihrerseits in longer Zeile von Siedlungshäusern bestanden ist. Hier gibt es lauter Kleinwohnungen und entsprechend viele Mieter. Ein um 7 Uhr abends begangenes Gewaltvcrbrechcn auf offenem Gelände unter freiem Himmel ist hier gänzlich ausgeschlossen. Das Kind muß also seinem Verführer und Mörder in den Keller gefolgt sein. 4 Man kann sich viele Vorspiegelungen und Listen denken, mit denen der Mann die kleine Hilde verlockt hat. Aber die einfachste Kombi- Nation hierfür liegt auf s« x u e l l e m G e b i« t.' r Es ist«in von den meisten Eltern geglaubter und noch mancher Richtung verhängnisvoller Irrtum, wenn diese meinen, ein elf- jähriges Mädchen sei von erotischen Regungen noch unberührt. Das Gegenteil ist der Fall. Wohl gibt es Kinder, weibliche mehr als männliche, die infolge ihrer noch jchlummarnden Sinne ein« kaum glaubliche Harmlosigkeit atmen. Häßliche Worte, bei den Kleinen ebensowenig selten wie bei den Großen, werden von den jüngen Geschöpfen dieser Art gar nicht verstanden. Eine ausgesprochene Gleichgültigkeit, ja Abneigung gegen olles, was mit Sinnlichem zusammenhängt, macht sich bei solchem Individuen bemerkbar. Und diese Menschenkinder, denen— wissenschaftlich gesprochen— eine gewisse Infantilität lebenslang anhaftet, fühlen sich in ihrem kindhaft«» Zustande meist sehr froh und glücklich und werden so auch von den anderen empfunden. Aber der größer« Teil der Menschheit ist auch schon im Kindesalter anders geortet. Da treten früh die dunkl«n Sehnsüchte, die versteckten Leidenschaften und schamhaft verhaltenen Begierden auf. Der kindliche Mensch, wohl wissend, daß die Aelteren absolut« Un- schuld und Unkenntnis dieser Dinge verlangen, verbirgt se-ne schon wachen Wünsche scheu in der Scelenticse. Das gelingt ihm überall da, wo nicht Begierden noch ihm züngeln, die, als unerlaubt, ja auck) wieder vor fremden Augen versteckt werden müssen. Aber die Erwachsenen, die leichtsinnig genug oder so triebmäßig veranlagt sind, daß sie auch vor einer Entwicklungsgrenze nicht Holt machen, die finden mit einem fabelhaften Instinkt das geheime Be- gehren der Unentwickelten heraus und benutzen es. So etwa ist der Komplex der Wollustverbrechen an Kindern. Ich erinnere mich an den auf ganz ähnliche Art begangenen Mord an der fünfzehnjährigen Margaretc Clfe aus Lindow. Auch da ein Mord an Hellem Tage, sozusagen unter den Augen der auf dem Felde beschäftigten Landleute. Und den Leichnam fand man ziemlich weit ab von der Chaussee mitten in einem Kornfelde. Wie kam Margarete Elfe in das Kornfeld und wie ist H'lde Zepernick in den Keller gekommen? Der Verdacht, daß einer von den Arbeitern des Neu- baus am Sochsenplatz der Töter ist, liegt nahe. Aber man sollte nicht mit einer allzu großen Bestimmtheit daran festhalten. So wie früher die auf leerem Baugelände stationierten großen Möbelwagen eine beliebte Nachtherberge der Obdachlosen und sich vor polizeilicher Meldung fürchtenden Elemente waren: so wie damals und heute leerstehende Lauben dem gleichen Zweck dienten, so verkriechen sich auch heule noch die, die am Abend uichl wissen, wohin ihre müden Ausze sie tragen sollen, in unfertige Häuser, aus Bodenwinkel und in die gegen den Regen geschützten Keller. Ferner: nicht der allein ist mit den Oertlichkeiten eines Neubans vertraut, der augenblicklich darauf arbeitet, sondern ebensogut der andere, der vielleicht vor vierzehn Tagen dort gearbeitet hat und entlassen wurde, oder aber der, der auf einer ähnlichen Baustelle unter ähnlichen Verhältnissen tätig war. Es ist ganz richtig, wenn die Behörde jeder der am Sachsenplatz beschäftigten Arbeiter aus Herz und Nieren prüft, wenn man ver- sucht, den Personentreis der in Frage kommenden noch Mäglichke-t zu verengern. Aber man darf dabei nicht vergessen, daß außer- halb dieses kleinen Kreises ein ungeheueres Feld von Möglichkeiten sich ausdehnt. Ich habe mich gerade mit Ptordverbrechen an Kindern viel und eingehend beschästigt hnd habe bei diesen meinen Be- mühungen immer wieder den Eindruck gewannen, daß man vor allen Dingen die Atmosphäre um das Kind herum stels von neuem durchsuchen muß. Die Familie in ihrer weiteren Ausdehnung, die Freundschaften, die Bekannten, hier zum Beispiel die Leute, für die Hilde Besorgungen gemacht haben soll, überhaupt alles, was mit der kleinen Blonden in nähere Berührung kam. In diesem Milieu finden sich meist irgendwelche Spuren, die von einem klugen Beobachter benutzt und weiter verfolgt, am ehesten zum Erfolg führen... lind noch eine Erwägung, die mir nahezuliegen scheint: Ich setz- den Fast, daß ich einem Verbrechen nachspüre und den richtigen Töter eruiert zu haben glaube. Was tue ich nun?— Verhaste ich ihn?— Die Beantwortung dieser Frage hangt davon ob, ob der Mann, den ich im Auge habe, die Möglichkeit und den Mut.hat, zu flüchten. Hot er diese nicht, wird er zum Beispiel als verheirateter Riann und Familienvater, eventuell als Angestellter oder gut de- schäftigter Mann durch vielerlei Bindung am Orte sestgehallen, fehlen auch die Mittel zur Rrise, und die Kenntnis, wohin er sich wenden soll,— so holte ich es für ä u ß« r st unklug, s o l ch c n M e n- schen zu verhaften. Selbst eine gewisse Fluchtnwglichkeit würde ich in den Kauf nehmen bei der großen Schwierigkeit, die heute auch der bemittelte Flüchtling hat. zu entkommen. Ja, ich würde sogar alles vermeiden, was dem Beargwöhnten Anlaß geben könnte, sich beobachtet und unter Verdacht stehend zu fühlen. Wenn es einem Verbrecher gelingt, eine derartige Tat ohne Blutvergießen, das heißt ohne Besudelung seiner/ Kleider und Wäsche durch diesen ganz besonderen und immer nachweisbaren Sast auszuführen: wenn er bei solcher ja stets in einen, Sc x n a l r a»s ch begangenen igt ohne Verletzung, ohne Kratzwunden und Hautabschürfungen davon- kömmt, und bei der Tot selbst non niemanden gesehen worden ist. so wird alles davon abhängen, ob seine Nerven fest genug sind, daß sie dem Kreuzverhör standhalten, ohne daß er ins Wackeln kommt und sich zum Geständnis herbei läßt. Ich erinnere mich an eine ganze Anzahl von Fällen, wo zum Teil noch sehr junge Leute trotz der schwersten Indizien, trotzdem eigentlich ein Zweifel an ihrer Schuld nicht mehr bestand, durch nichts zum Geitändnis zu bringen waren. Dieselben Menschen hätten sich un- weigerlich früher oder später selbst verraten, wenn polizeilicher Uebercifer mit seinem Triumphbcdrüfnis sie nicht in den Käfig gc- sperrt und gerade dadurch diese hartsinnigen Leute zu einem immer nichr sich steigernden Widerstand, zu dem iinmer fester werdenden „Nein getrieben hätte...» Der Polizeikommissar im„Raskolnikow" läßt dem verhungerten Studenten feine Freiheit. Und der Mörder wird am Ende seines Dornenweges zum freiwilligen Büßer. Zbn Saud greifi an. Englische Abwehrrüstung in Transjordanien. Amman, im August.(Eigenberichts Die Entwirrung der durch die imperialistische Oricntpolitik der englischen Konservativen völlig verfahrenen Verhältnisse in Ära- bien und seinen Grenzgebieten wird das diplomatische Geschick der britischen Arbeiterregierung vor schwere Ausgaben stellen.. Infolge des bisherigen Doppelspiels der britisch«» Kolonial- bureaukratie haben sich besonders die Gegensätze zwischen Jbn Saud und seinen Rivalen derart zugespitzt, daß' sie einein offenen Konflikt entgegenzutreiben drohen. Jbn Saud verdächtigt den Emir Abdallah von Trans» jordanien der Begünstigung seiner Gegner im Innern Arabiens und beabsichtigt, durch einen Vorstoß auf die transjordanische Haupt- stadt Amman, wo seiner Meinung nach die Fäden aller gegen ihn gerichteten Konspirationen zusammenlaufen, den Intrigen gegen ihn mit einem Schlage ein Ende zu machen. Er hat deshalb den Be- fehl zu einer Offensiv« gegen T r a n s s o r d a n> e n erteilt, die angeblich feine in der Gegend von Kuweit am Persischen Golf gegen Rebellen kämpfenden Anhänger entlasten soll. In Wirtlich- keit hat der Angriff, für den 3000 Reguläre und etwa 10000 Irre- guläre bereitgestellt sind, die tronsjordanische Grenzstadt M a a n als erstes Ziel. Ein Teil dieser Kräfte soll einen U m g e h u n g s- marsch durch die syrische Wüst« nach Osten vornehmen. um von dort her direkt auf Amman vorzugehen. Das Bekanntwerden dieser Pläne hat in der englischen Berwal- tuiig des mittleren Ostens große Bestürzung hervorgerufen, da sie England in eine höchst unangenehme Lage bringen und ihm in dem Augenblick die Notwendigkeit einer kriegerischen Aktion aufzwingen, in dem es aus der arabischen Halbinsel zu einer Politik der Verständigung und der ehrlichen Vermittlung zwischen den streitenden Parteien übergehen will. Zur Verhütung eines blutigen Konflikts treffen die Militär?» schen Stellen umfassende Vorbereitungen, um durch das Vorhanden- fein einer genügend starken Rüstung Jbn Saud vor Unbesonnen- Helten zurückzuhalten. Der Oberkommondierende der englischen Streitkräfte in Transiordanien Pick Pascha ist telegraphisch von seinem Urlaub aus London zurückberufen worden. Er wird sich so schnell wie möglich auf ein Kriegsschiff bis Akabah und von dort auf seinen Posten begeben. Gleichzeitig hat die englische Militär, Verwaltung eine Kolonne P a n z e r a u t o m o b i l e, 10 Tanks, ein« große Anzahl Kampfflieger sowie M a s ch i n e n g e- wehr abteilungen aus Aegypten noch Transjordanifn dirigiert, um Jbn Saud einzuschüchtern und die wahobitischc Offensive nötigenfalls an der Grenze abzufangen. Die Situation ist sehr kritisch, doch hesteht Hoffnung, daß Jbn Saud Realpolitiker genug ist, um sich nicht in ein aus- fichtsloses kriegerisches Abenteuer einzulassen, und daß«s noch in letzter Stunde gelingen wird, den durch das jahrelang betriebene Spiel mit dem Feuer drohenden Brand von unabsehbaren Konse» giienzen für den gesamten mittleren Osten noch in letzter Stunde zu erstick.-n. * Der I m a n I a h i o,«in selbständiger Herrscher in Arabien, hat einen Freundschaftsvertrag mit Sowjetrußland geschlossen, Oer Oauerstreik in Kalkutta. � London, 20. August. 1 In den Jute sp i n n o r e ic n in Kalkutta ist die Arbeit am Montag wieder a u f g c n o in m c n. worden. In fünf Be- trieben wallten die während des Streiks entlassenen Arbeiter ihre Arbeitsplätze wieder einnehmen, die bereits mit anderen Kräften besetzt waren. Es kam zu Auseinandersetzungen, die dazu führten. daß die gesamten Belegschaften dieser süns B e, triebe wieder in den Streit traten. Die„anderen Kräfte" waren also offenbar von den Unter» nchmcrn irregeführt worden. Wetter für Berlin: Trocken und zeitweise heiter, Temperatur«» wenig verändert: schwache Lustbewegung.— Für Deutschland: Im größten Teile des Reiches beständiges, mäßig warmes Wetter, auch im Süden Besserung. Perannvortl.<>ir die Redaktion: Wolkgong!. Berlin. Lerlag: Borwärt» Verlag®. m. b. 6., Berlin. Drna druckcrel und Verlagoanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SB 68, Linden Itraße 3. Kicrju 1 Beilage. Berlin: Anzeigen: Th.»locke. ck: Vorwärts Buck- isgi.» u. eis Sonnt. 2. 5 o 8U _ AUx. C. 4.8066 INTERNAT. VARIETE ReUhBliallen-ThMtBr AUnbendlldi[T] Uhr. stettiner Sänger Sonntag, Ii. Auoust: Eni» Kadminngs-VontnUino ru halben Preisen mit vollem Programm> lOonhoft- Brettl: (Saal und Garten) Variete_ Tanz— Konzert Heute Eintritt 50 Pfennig Kinder Irel Brillant-Feuerwerk rLORCSCU's Motaliomlla Tsdeslalinea. CASINO-THEATER Lothrtoiler StreSe»7._ Sommer-Garten-Theater Berliner Freier N 58. Kast-AUee 7-0. Tel. Hb. 2245 Gastspiel finstei Beer. Grntci Uilen DI« lustls« Witwe Operette von Franz Lehär D«ru der prope VarieMteU. Anfang Konzert 4.80. Burleske u. Variet« g UM. Operette 8.90. Inden Dnnnersieo ornter VoiesHa. jed. Mittw. Klodertesl n. Teflosnog leeeee— eea— e— eeeee Rose- Theater, GrofeFraakfarier Str. 192. TSfüch S.15 Uhr Der Hinins Kuppler Lustspiel MAkt.v.Amtont u.Oerbidon C.rtenbdhne.VdO Uhr Konzert und bunter Teil 8.15 übt „Bis iron um tanfa" Werden Sic tbonnsnl das Bnsc-Tlealnn Verlangen Si* kostenlost Fusfrrriimg der Aportnrnients-tzeäinguBgen> TtgUdt SV, Ohr Dar neue ErOtmungs-seliiager Wem gehör) mein Maej) Dazu ein erstki. bunter Teil. für unsere Lesen Outschein<0r 1—4 Personen Fauteuil nur M., Sessel>.75 M- Sonstige Preise: Parkett u. Rang OSO dl. Vorverkauf auch im Pavillon der Rein- hardtbühnen, Kurfürstendamm, Ecke L'hlandstrasse Ociittdie! IUeater D.I. Norden 12310 8 LL, Ende gegen U Die neäerinaos Musik v.Job. Straufi. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korn; Apsstattg ■ungold. L. Kainer Sannvskj-BllbiHi Theater I. der KBniggritzer StrfBB Tjiglich 8'/. Uhr Rivalaa Komödi.nhau. Täglich 8"/> Uhr Bodueitwlse mit Gaarg OdWdnr ilelnes Theat Merkur 1624 Täglich«V- Uhr Max Adalbert in NafiwiirTrodiei? Tncai.amKoiin.Tor KoUb. Str. 6 Tägl.BUhr Elite- Sänger Die August- Sensation Shrippke'* In der Somqiertrisebe pmneiarlain mmm am Zoo w Mm. JodiatlMar Unit B.5 BarbarossaS57S I5>. Uhr StaraWIder d« Sommer» IS'/.U. Vn Psl zu Pol am Steramklmmel 20'/, Uhr Ort Blutboll Tägl.»Uder Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder SO.Pt Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder« PI T- LnstafialhaBS Täglich 8Vj Uhr Du wirst ml» r 2«tp»rt, Staclia Jf», Seile««« feWMt kt% aBflemrtiw*©nrtfäot SeweökschaftSbmwe»._ Die Stärke in diesem Kampfe, die ihm ein hartes Leben ge- geben hatte, war, daß er sich n i« m o l s einschüchtern ließ und niemals die Ruhe verlor. Auch dem Gegner imponierte er durch die Krast seiner Sachlichkeit. Er mar kein glänzender Redner, ober einer, der zu überzeugen vermochte. Im Wortkompse war er stets schlagfertig, in der Sache oft sehr eigensinnig und halsstarrig. Was er für recht erkannt hotte, daran hielt er rücksichtslos fest. Ihm war das Selbstbewußtsein eigen, dos jeder Führer besitzen mutz, wenn er Vertrauen gewinnen und Erfolg höben will. Oft verletzte er selbst die besten Freunde durch die beißende Ironie, mit der er widersprechenden Meinungen entgegentrat. Aber der Zynismus und Sarkasmus und die Menschenverachtung, die er so oft an den log legte, waren nur der Schutzponzer, mit dem er seine im Grunde weiche Natur nach außen wappnete. Seine Freund- schaft und sein Vertrauen waren schwer zu gewinnen, aber auch schwer zu verlieren, wenn der Freund sich durch sein äußerlich Hortes Wesen nicht irremachen ließ. Carl Legien ist unverheiratet geblieben. Aber nicht,«eil er ein Frauenseind war. Im Gegenteil, er fühlte sich oft mehr zu den Frauen als zu den Männern hingezogen und verstand es gut, auch die Frauen mit ernsten Gesprächen zu unterhalten. Daneben fehlte ihm übrigens der Humor nicht, obwohl er sich zum Spatz- wacher nicht eignete. Im Alter von 27 Jahren hotte er in Hamburg «ine Annäherung an«ine der Schwestern Theodor Leiparts ver- sucht. Als er nach langen Bemühungen keine Gegenlieb« erwecken konnte, war er einem seelischen Zusammenbruch nah«. Ein Brief vom Juli 1888 zeigt dies:„Du sagst, Du bist mein Freund, kannst Du fühlen, was mich eben bewegt? Ist es Wahnsinn, was in meinem Kopfe arbeitet? Das bohrt und dreht sich. Du genießt Liebe, ich habe keinen, der mir Liebe entgegenbringt..." Sein« Sehnsucht nach einem Heim und noch einer liebenden Seele spricht aus Versen, die er in ein Notizbuch eingetragen hatte: Was dir da draußen immer fehl.:, Leicht trägst du, was dich härmt und kränkt, Weißt du daheim nur eine Seele,. Die dein in Lieb' und Treu' gedenkt. Doch willst das Glück du draußen finden, Und war' dein Heim«in Goldpolast: Es wird im Augenblick entschwinden,. Kommst du nach Haus als fremder Gast. Das schrieb der harte, stachlige, rücksichtslose Carl Legien. Sa weich und so erfüllt von Sehnsucht nach Liebe war dieser Mann, der eben aus seiner Einsamkeit heraus Ersatz suchte in der täglichen Arbeit für seine Klasse. Im Juli 1994 schrieb er üher seine Vor- stellung von einer glücklichen Ehe:„E i n g l ü ck l i che s Heim, wem man sich nach allen Richtungen hin vorsieht, sich gegenseitig ergänzt und aus teiner Liebe, ohne Nebenabsichten geheiratet hat, ist sicher besser als alle angeblichen Herrlichkeiten des Junggesellen- lebens. Mir ist es ja bis jetzt wenig glücklich dabei gegongen, dach es kann sich ja noch ändern, noch ist es Zeit." Die Hoffnung, die aus dem letzten Satz spricht, hat sich nicht erfüllt. Ein eigene» glückliche» heim hat Legien sein Leben lang enk- behren müssen. Man hat Carl Legien einen Trinker genannt. Man tut ihm darin Unrecht. Die große Arbeit, die gewaltige Leistung seines Lebens sprechen J|egen diese Annahme. Immerhin hatte«r eine bemerkenswerte Schwäche gegenüber dem Alkohol. Leipart führt sie auf erbliche Belastung zurück. Sollte seine Neigung nicht vielleicht doch mehr zu erklären sein durch eben dieses Gefühl des Alleinseins, das ihn immer verfolgte und quälte? In seinem Buch Reisebericht über Ainerika schreibt der sonst etwas trockene Mann mit Humor bei dem Thema Eiswasser:„Ein Urteil über die Qualität des Wassers oermag ich nicht abzugeben, weil ich es trotz oftmals sehr harter Durstesnat nichl gekostet habe... Seit ich mir im Jahre 1886 in Hamburg mit dem Wasser den, Typhus in den Bauch getrunken hatte, wobei ich nur knapp mit dem Leben davonkam, habe ich dem Wasser zum innerlichen Gebrauch entsagt, und diese Entsagung immer und überoll durchgeführt." Karl Legien war ein einfacher schlichter Mensch. Im Essen war er immer anspruchslos und nicht wählerisch. Seine Lieblingsspeise war Pellkartoffeln und Hering, und es war erstaunlich, welche Menge von Kartoffeln er dabei verspeisen konnte, während er sonst kein starker Csser war. In jüngeren Jahren hatte er auch an Theater, Kunst und Literatur Freude. Als dann aber sein Leben von den Aufgaben des Gewerkschaftsführers und Politikers ganz erfüllt war, ist dieses Interesse sehr bald abgestumpft. Um sich ernstlich mit diesen Fragen zu befasse», fehlte ihm ja auch die Zeit. So eifersüchtig er über die Ehre und das Ansehen der großen Be- wegung, die er zu vertreten hatte, stets gewacht Hot, für sein« eigene Person war er weder ehrsüchtig noch eitel. Folgender Vorfall ist typisch: Man saß in einer Tafelrunde. Legien erzählte van seinen Erlebnissen. Fräulein S., eine große Idealistin unter den Zuhörern, war ganz begeistert uird sogt«:„Herr Legitm. was ibäre wohl aus der Gewerkschaftsbewegung geworden, wenn Sie nicht wären?" Darauf antwortete Legien freundlich lächelnd: „Liebe» Fräulein, die Gewerkschaftsbewegung wäre, was sie ist, auch ohne mich. Aber wo» wäre ich ohne die Gewerkschaften?" Bis in dos Mannesolter hinein legt« Legien großen Wert darauf, seine Körpeikräftezupflegenundzu stählen. Er war»in fleißiger und guter Turner. Sobald er in seinen Wander- jähren in einer Stadt Arbeit gesunden hatte, war es sein erstes, dem Turnverein beizutreten. Di« Mitgliedskarte van den Turnvereinen in Eisenach, Erfurt, Deutz und Hamburg, wo er al» jungei: Drechsler gearbeitet hatte, hat er aus Liebe und Anhänglichkeit bis zu seinem Tode aufbewahrt. Eine Liste vom Gauturnfest in Hamburg 188 9 verzeichnet unter 67 Wettutnern Earl Legien als den 15. Sei den Hebungen am Reck steht er an zweiter, im Gewichtheben an dritter Stelle. Auch das Wandern, das Baden, da» Schwimmen liebte er leidenschaftlich und übte in dieser Hinsicht aus Freunde und Kallegen einen starken Einfluß aus. So schrieb er an Leipart im Jahr« 1888 nach Berlin:„Run möchte ich aber wissen, ob Du auch regelmäßig baden gehst? Und ob Du im Turnverein bist, und auch regelmäßig turnst? Beides verlange ich direkt von Dir, denn das soll vor ollem dazu dienen, daß Du als ein freier Mensch dereinst wieder heimkehrst. Rur der Mensch kann sich frei suhlen, der im vertrauen auf sein«. Kraft ein unbesiegbare» Selbstgefühl hat." In dem Soldbuch, das dem Rekruten Carl Legien im Alter von 20 Jahren ausgestellt wurde, ist seine Statur folgender- niahen bsschriebsn:„Größe 1,64 Zentimeter, Gestalt klein, Kinn spitz, Nase und Mund gewöhnlich, Haar schwarz." Zlls er 1886, also nur fünf Jahre später, nach Hamburg kam, waren seine Haare jedoch nicht mehr schwarz, sondern bereits stark ergraut. Ungefähr rrnch zehn Jahre später sind sie schneeweiß gewesen. Aber die bis zuletzt klug und jugendlich blickenden grauen Augen, die zu der weißen Färbung des Haares in so lebhaftem Gegensatz standen, ließen eine Täuschung über sein wirkliches Alter und über die Jugend, die in seinem Inneren lebendig war, nicht zu. Legien war von seiner Geburt her mit reichen Gaben äusge- stattet. Es ist ihm deshalb auch verhältnismäßig leicht gefallen, sein Wissen zu bereichern und sich so weit über den Durchschnitt der Volks» schulbildung herauszuheben. Er hat— besonders im Anfang seiner A\x QeneraUtbursche 1883 öffentlichen Wirksamkeit— mit dem größten Eifer in zähem Selbst- studium an seiner Fortbildung gearbeitet. Bezeichnend für den Ernst, den er hierbei an den Tag legte, ist, daß er sich noch 1896. also in vorgeschrittenem Mannesalter, bei der humboldt-Akademie in Berlin als Hörer eintragen ließ, um dort in den Freistunden nach den Sitzungen des Reichstages an rechtsphilosophischen Vorlesungen teilzunehmen. Ein nachgelassenes Schreibheft zeugt dafür, daß er diesen Vor- lesungcn mit dem größtem Interesse gesolgt ist. Im Juni 1889 schrieb er an einen erkrankten Freund:„Nun sei ein Kekl und fürchte Dich'nicht vor ein bißchen Kranksein. Der Leichnam hat doch keinen Wert." Carl Legien war Zeit seines Lebens ein Kerl, ein ganzer Kerl, der sich vor nichts fürchtete. Er bejahte das Leben, und diese Lcbcnsbejahung für seine Klassen- genossen und für sich selbst war ein gutes Stück Teil jener Kraft, die ihn befähigte, das zu leisten, was er geleistet hat. Ein andermal schreibt er:„Es ist ja Sitte, daß man seinem Freunde zum Geburtstag ein Zeichen gibt, daß man an ihn denkt. Wünschen will ich Dir selbstverständlich nichts. Pekuniär erreichen wir doch nichts. Demnach ist das Einzige, was wir tun können, daß wir in der Arbeit für unsere Bewegung eine gewisse Genugtuung suchen und so auch wenig Zeit behalten, an andere Sachen zu denken, auch nicht an die eigene elende Lage."> „Die Arbeit für unsere Bewegung"— das war der große Inhalt seines Lebens. Die Einigkeit der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung in Deutschland zu erhalten, darauf war bis zuletzt dos Streben Legiens gerichtet.„Die Störung der Einigkeit der gewerk- schaftlichen Organisationen führt die Arbeiter- klaffe ins Elend," rief er aus seiner innersten Ueberzeugung heraus auf dem letzten Gewerkschaftskongreß aus, an dem er teil- nahm. Möchten doch olle diejenigen, die an Spalten und Zerklüften denken, sich diese, man möchte sagen, Abschiedsworte des bedeutenden Organisators und Führers der Gewerkschaftsbewegung merken, möchten sie danach handeln! Es war am letzten Tage des Jahres 1920, als in« Berliner Ge- werkschaftshaus die Totenfeier für Earl Legien stattsand. Der Reichspräsident Friedrich Ebert erwies durch sein Erscheinen dem toten Führer der Geworlschastsbewegung die letzte Chre. In der A b s ch i e d s r e d e hieß es:„Legien ist groß geworden mit der Gewerkschaftsbewegung, und sie Ist nicht zum wenigsten gr»ß ge- morden, weil er von ihrer Zukunft überzeugt war. An diese Zutrunft glaubte er schon zu einer Zeit, wo Zagheit sich nicht recht heranwagt« an die Arbeit, auf deren dreißigjähriges Er- gebnis wir nun zurückblicken können. Seine Usberzeugung verstand er wie kaum ein zweiter einem anderen einzuimpfen. Wer auf ihn baute, behiest recht, denn der Erfolg gab Legien fest stets recht. Den Geist der Disziplin oerstand er zu verbreiten, den Geist der Treue gegen den anderen, weil er beides übte wie kaum ein anderer. Wie uns heute die Gewerkschaftsbewegung als knarrige Eiche, den Äürmen trotzenh, erscheint, so erscheint uns auch Lrg'en als die knorrige Eiche: rauh und«etterhort, im Kampf erprobt und gestählt." Damals schrieb der„Vorwärts" als Nachruf für den Taten: .„Legien konnte ein Führer sein: weil er in seinem Wesen„Masse" blieb, weil er dest Typ des deutschen Pröletöriers verkörperte Üstt seinem glühenden Befreiungsdrang, mit seiner Beständigkeit und Zähigkeit im Festholten des als richtig Erkannten, mit seinem klaren Wirklichkeitssinn. Nur darum tonnte Legien so überragenden Ein- fluß gewinnen, weil hunderttausende und Millionen in ihm ihr eigenes Wesen auf einer Stufe gehobener Geistigkeit erkonnten. Dös Bich seiner Persönlichkeit steht in diesem Augenblick, in dem sein Körper zerfällt, Aar und hell vor uns als das Bild eines deutschen Arbeiters im böchsten und besten Sinne dieses Wortes. D c r M � N n geht, das Werk bleibt, denn die deutschen Arbei- t« r b l e i b e n. Sie werden es fortsetzen und werden es öerteidigen. wenn es nottut." Wir werden es fortsetzen und verteidigen! ; äcaaing Dadcntadt. ROMAN VON KWRENCE H Copyright hy Merlin-Verlag Ci.m b.H., Baden-Baden (SS. Fortsetzung) „Ich halte diese entsetzliche Spamrung nicht länger aus. Calvin. Diese cipig« Angst." „Sei nicht kindisch- Was soll mir geschehen?" Fast hätte Diana Langtreq herausgeschrien: „Dir? Was liegt an dir? Aber David Gordon! Mit jedem Tag senkt sich her Schatten des Todes tiefer Über ihn." Laut sagte sie nur: „Ich fahre aus jeden Fall. Bekonnte haben mir au? Miami ge» schrieben, ich soll hinkommen." In Calvin Füller erwachte die Eifersucht. „Bekannte? Wo? für Bekannte?" „Eine Freundin, die mit ihrem Bruder eine Reise durch die Staaten macht. Es sind alte Freunde von mir." „Wann m>llst du reisen?" „In drei Tagen. Kamm mit, Calvin." „Wir morden sehen." „Borher will ich noch ein Abschiedsfest geben. Wenn du willst. Calvin, können wir bei dieser Gelegenheit unsere Verlobung.. „Er riß sie in seine Arnie. „Endlich, Diana! Und wenn ich mitkomme, in Miami..." Sie lachte leise. „Es gibt dort wohl einen Friedensrichter, Calvin.. Calvin atmete tief aus. „Eigentlich hast du mich besiegt, nicht die Vereinigung, nicht der Streik. Wir werden zusammen reisen, Diana!" Am folgenden Morgen wurde die Stadt durch zwei Nachrichten in Aufregung versetzt: David Gordon war in der Nacht nach Columbus übergeführt worden, und Calvin Füller hatte sich bereit erklärt, die Delogierten seiner Arbeiter zu empfangen. „Das bedeutet den Sieg des Streiks." sagte Ben Hall zu den Freunden, ober seine Stimme klang keineswegs heiter, und sein Gesicht war traurig. „David muß es noch erfahren," rief Mamie Botton. Dieses„noch" bewies deutlich, daß das Verteidigungskomitee alle Hoffnung aufgegeben hatte. Nur zwei Menschen glaubten noch an die Möglichkeit einer Rettung, Brian O'Kcefe und Diana Lang- trey. Tommy hatte in dem großen Filmatelier einer bekannteir Filmstadt wahre Wunder vollbracht. Der Film, dag Werkzeug des „dritten Grades", war vorzüglich gelungen. Sogar die Eingeweihten vermochten chn nicht ohne Schaudern zu sehen. Welche Wirkung mußt« er erst bei den Schuldigen haben! Diana Langtrey suchte Gamaliel Birch auf, um ihn zu ihrem Abschiedssest zu laden. Der alle Sünder, der nie ein Kostverächter gewesen war, klopfte ihr sreundschaftlich aus die Schulter: „Natürlich tonime ich. Werde auch, meine Tochter mitbringen. Sie ist heute, zusammen mit ihrem Mann, dem Gouverneur, in der Stadt eingetroffen." „Da? wird mich ganz besonders freuen." Diana Langtrey. hie feit Wochen fopiel lügen mußte, sprach nun endlich wieder einmal pie reine Wahrheit. Nichts konnte er- wünschtcr fein, als die Anwesenheit des Gouverneurs. Verriet sich Calvin Füller vor ihm, dem höchsten Beamten des Staates, so konnte das nicht unbeachtet gelasien und vertuscht werden. Der alte Gamqliel betrachtete wohlwollend das schone Mädchen. „Schade, Fräulein Langtrey, daß Sie dermaßen mit diesem Idioten, mit Cqloin Füller, befreundet sind. Sonst würde ich Sie fragen, ob Sie nicht Lust hätten, die vierte Frau Birch zu werden. Meine drei Frauen haben alle ein glückliches Leben geführt." Diana Langtrey lächellc- „Sie sind zu gütig, Herr Birch..." „Sin so schönes Mädchen wie Sie,.. und dieser Kerl, der höchstwahrscheinlich ein Mörder ist! Nehmen Sie sich in acht. Gott weiß, wozu er imstande wäre, wenn er einmal eisersüchtig würde!" „Sie glauben also wirklich, daß..." Diana sprach die verhängnisvollen Worte nicht zu Ende. Etwas im Ton ihrer Stimme schien den schlauen alten Fuchs mißtrauisch zu machen. Er zuckt« die Achseln. „Die Familienangelegenheiten der Füllers gehen mich nichts an. Mich interessiert nur, daß der verdammte Kerl sich endlich mit seinen Arbeitern einigt. Wissen Sie, was mich seine Dummheit ichon gekostet hat? Heute waren meine Arbeiter bei mir, und ich habe mich verpflichten müssen, nur noch Organisierte einzustellen. Bei Gott, es war mir unangenehm genug, aber was sollte ich tun? Das Gesindel hat augenblicklich die Oberhand. Ich kann mir keinen Streik in meinen Betrieben leisten." Er grinste boshaft. „Die anderen werden meinem Beispiel folgen müssen, auch Calvin Füller. Fullersville ist eine Stadt der offenen Werkstatt gewesen." Das war ein durchgreifender Sieg für das Proletariat von Fullersville� ein' Sieg, errungen durch die Solidarität und die un?' orfchütterkiche Entschlossenheit einer Masse, die von den Unter- nehmern bisher verächtlich das„unwisiende ausländisch« Gesindel" genannt worden war. Diana Langtreys Augen füllten sich mit Tränen: wenn David Gordon das wüßte, es würde ihm das Sterben erleichtern. Der alte Birch mißverstand die Ursache ihrer Tränen. „91a. na, weinen Sie doch nicht," meinte er begütigend.„Calvin Füller wird selbst Hann, wenn er den Tarif zahlt, ein reicher Mann bleiben. Sie werden keine Not leiden." Diana Langtrey begann zu lachen: es fiel ihr schwer, aufzu, boren, die überreizten Nerven wollten ihr nickt gehorchen. Sie lachte und lachte, während ihr Tränen über tie Wangen kiesen. Der alle Birch holte aus seinem Geheimschrank seinen besten geschmuggelten Kognak hervor und goß ihr«in Glos voll- „Me Weiber sind hysterisch," dacht« er bei sich. E« ist vielleicht doch gut, daß die da nickst die vierte Frau Birch«erden kann!" D'e ganze„gute" Gesellschaft von Fullersville hotte Fräulein Diana Longtrevs Einladung angenommen: unter den Gästen be- fanden sich auch der Distrtttßstaatsanwalt und der Richter, der bei junge Kanadier, in dessen Brieftasche die Alkoholbestellungen der Holben Stadt lagen. Auch ein zweiter Landsmann der Hausfrau hatte sich eingefunden. Herr Davis, ein bekannter Professor von der Universität Oxford, ein schlanker, grauhaariger, graubärtiger alter Herr mit unglaublich jungen, lebhaften Augen. Fräulein Diana Langtrey stellte ihn als Freund ihres Vaters vor. Anscheinend litt Herr Davis unter her sprichwörtlichen Zer- strsutheit des Professors, denn er fragte Diana Langtrey, eh« d>e übrigen Gäste gekommen waren: „Um Gottes wisian, Diana, wie heißt das blöd« Buch, dos ich geschrieben habe?" „Eine Studie über die perwandten Züge der babykamichen und indiichen Kultur." „Das soll ein Mensch sich merken!" Aber beim Diner sah Diana Langtrey, die den Professor mit einer gewissen Unruhe beobachtete, daß er sich völlig in seinem Element befand und seiner Tischdame, Frau Duleie Merryman, an- scheinend die interessantesten Ding« über die babylonische Kultur erzählte. Nachdem die Gesellschaft den schwarzen Kaffee eingenommen hatte, erhob sich die Gastgeberin und sagte: „Ich habe eine kleine Ueberraschung für meine lieben Gäste. Es ist mir gelungen,«inen noch nie aufgeführten, äußerst originellen Film zu bekommen, der Sic alle bestimmt sehr interessieren wird- Wollen Sie mir in mein Atelier folgen?" Im Atelier angelangt, wies sie den Gästen die Plätze an. „Hier, Herr Gouverneur, Calvin, fetz' dich neben den Gouver? neur, Herr Staatsanwalt, biste, neben Herrn Füller. Und dann Sie, Herx Birch..." Der Saal wurde dunkel. Der Profesior aus Oxford und der elegante Kanadier standen an der Tür- Diana Langtrey sagte mit leicht zitternder Stimme zum Operateur: „Bitte anfangen!" Die Leinwand blieb dunkel, ober aus der einen Ecke d«? Saales lönie plötzlich eine dumpfe Stimme auf. „Ein Mörder wird gesucht!" „Ein Kriminalfilm," meinte der alte Birch schmunzelnd.„Das hob' ich gern, viel lieber als di« dummen Liebesgeschichten." Nun brüllten aus allen vier Ecken des Saales dumpfe Stimmen im Cbor: „Ein Mörder wird gesucht! Ein Mörder wird gesucht!" Dann surrt« der Projektionsapparat. Aber die Leinwand blieb noch immer dunkel. Ein greller Lichtstreifen fiel in den Saal, auf einem breiten Band standen die Worte: „Bist du der Mörder?" Das Band bewegte sich, machte über den Köpfen der Gäste halt, schien jeden einzelnen zu fragen: „Bist du der Mörder?" „Mein Gott, wie originell!" flüsterte Frau Duleie Merrymon, von einem köstlichen Schauder erfaßt. Abermals wurde es dunkel. Die Leinwand erhellte sich: auf ihr wurde ein elektrischer Stuhl sichtbar. Der Text zu diesem Bild lautete: „Der elektrische Stuhl wartet auf den Mörder!" Die Zuschauer fühlten sich wohl: ein Film gegen die Roten. Der Distriktsstoatsanwatt flüsterte Calvin Füller zu: „Aeußerst geschickt, Wissen Sie. wo der Film gedreht wurde? Er wäre bestimmt sehr gut bei einer Wahlkampagne zu verwenden." „Ich weiß es nicht." Calvin Füllers Stimme klang heiser und gepreßt. Aus der Leinwand erschien das Bild einer Landstraße: es schien Nacht zu sein, einige Latenten verbreiteten ein trübes Licht. Es schneite heftig. Ein großes Auto kam gefahren. Aus einer Ecke des Saales schlug eine Uhr mit schweren Tönen dreimal. „Es ist unerträglich heiß hier," flüsterte Calvin Füller dem Gouverneur zu.„Zluherdem kann ich das Kino nicht leiden. Ob ich mich nicht drücken kann?" Aber er faß in der vordersten Reihe, konnte nickst, ohne?luf- sehen zu erregen, den Saal verlassen. Das Auto verschwand von der Leinwand, Nun ragten in der öden Winterlandschast drei knorrige Eichen zum Himmel empor, in der Nähe war verschwommen ein Häuschen zu sehen. „Bei Gott!" rief der aste Birch verdiüsst.„Ist denn der Film hier aufgenommen? Das sind doch die drei Eichen beim Häuschen der alten Crock!" Auf der Leinwand erschien ein zweites Atsto, ein kleiner schwarzer Zweisitzer. Am Steuer saß ein Mann. „Jack!" schrie eine Mächdenstimme aus.„Dos ist ja Jack Füller!" Eine unheimliche Spannung bentächtigte sich der Zuschauer. Was ist das für- ein Fistn? Was soll das Ganze bedeuten? In der allgemeinen Ausregung bemerkte niemond, daß der Professor aus Oxford lautlos den Türschlüssel im Schloß umdrehte und ihn in die Tasche steckte(Foriiegung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. aiuiiinuiiiiiiiiiiniiniiiniimiitiniiHiiniuiiiiiiiiuRniniitniugiiiiiinnnnniiniiiuinnninnmiiiiiniiiminiiHiiiiiiuiiuinmuiiiiiiiiiiiuuiiuiiiMiiiiiiummuiuiiiiiiiiiuiiiuiiiiiiiwuiiD IjM» kfil# Nntitardi; Der Steplianstaj In Budapest. 18„V1 Franfftsjsch dir rortaeschrjdene. David Gordons Pros-ß den Vorsitz geführt hatte, sowie der elegante KZ LWS.«' N'ar*"'k Die Straße der zwei Väter. Das Motiv des„heimkehrenden Gatten", das feit Homer« Odyssee in der Dichtung eine so große Rolle spiest, hat bei uns durch die Erlebnisse des Westkrieges neue Anregung erfahren, und immer wieder wird uns im Drama und Film, im Roman und in der Erzählung das Schicksal des Heimkehrers porgeführt, der feine Frau mit einem anderen verheiratet findet. Die Poesie hat darin stets einen tragischen Äonslltt gesehen, aber das Leben ist Phantasie- reicher als die Dichtung und gestaltet ihn wohl auch einmal in glück- lich-idyllischer Form. Eine solche Geschichte wird in der Comoehig erzählt. Eine Bäuerin aus dem französischen Departement Eure- et-Loir, deren Gatte während des Krieges als vermißt gemeldet worden war, hatte sich, als auch nach dem Friedensschluß nichts mehr von ihrem Mann« zu hören war und dieser offiziell für tot erklärt wurde, mit einem anderen verheiratet und erzog die Kinder, die sie aus ihrer ersten Ehe hatte, friedlich zusammen mtt denen, die sie ihrem zweiten Mann« schenkte. Nun ist der erste Gatte aus Rußland zurückgekehrt. Er war in deutsch« Gefangenschast geraten, dann mit russischen Gefangenen nach deren Heimat geflohen, war während der Revolution als Franzose gefangen gesetzt worden, hatte jahrelang in den verschiedensten Gefängnissen gesessen und war schließlich von einem Mitgefangenen, einem französischen Ingenieur, befreit worden. Nun war er also wieder da. Die Frau konnte nicht wegen Bigamie angeklagt werden, da ja ihr Mann für tot erklärt worden war. Der Heimgekehrt« verlangte auch gar nicht die Gattin für sich allein, sondern er begnügte sich mit einem Platz am häuslichen Herd neben dem anderen Mann. Der zweite Gatte, ein praktischer Bauer, sah in dem Neuankömmling eine wertvolle Arbeitshilfe und war mit seinem Bleiben durchaus einverstanden. So lebt also die Frau mit ihren beiden Männern in Frieden und Freundschaft: beid« werden von allen Kindern ohne Unterschied „Papa" angeredet, und um diesem Zusammenleben gleichsam ein offizielles Siegel aufzudrücken, hat der zweite Mann an dem Fuß» steg, der von dem Hquse nach der Scheuer führt, eine Tafel an- gebracht mit der Aufschrist„Straße der zwei Väter". Dienstag, 30. August. Berlin. 16.00 Dr. Hgns Bollmann: Sportschau. 16.30 Stande mit Büchern: Reiseberichte.(A® Mikrophon; Pr. Arno-Schiro- kaucr.) 17 06 Orchesterkonzert. Dir.: Bruno Seidier-Winkler. I. Smetana: Ouvertüre zu„Der JCuj".?. Dvcräk: Der Wassermann. 3. Rimsky. Korssakow; Zar Saltan, Suite.< Qriep: Slnfonle-Tinze op. 64. 5. Qlinka: Valse Fantasie. 6. Verdi: Fantasie aus„La Traviala". 7. Berlio?; Ungarischer Marsoh.(Berliner Funk-OrehesteT.) Anschließend Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.30 Prof. Dr. Fürhrinscr(Bildfunk). 19.06 rirbringei; Wandlungen In der Heilkunde In den letzten fünfzig Jahren- 19.36 Schlager. 30.00 Höfel Kaiserbof: Unterhaltungsmusik. 30JO Sendospiele:„Die fremde Frau", Schauspiel in vier Akten von Alesandre Bissau. AnschlieDend Piosss-Umscjuu.(Am Mikrashon: Pr. Josef RSuscher) Mach den Abendmelduagan: Bildfunk. K6nigsvusi«rhausea. 16.00 Lclyer Kretsohmann. Holheek: Berthoid Ottosohe Unterrlchtsgromlsütze. 16.30 Hofer: Die Rokahooper. 17.60 Von I eipaig: Nachniillagskonzcrt. Eisenbahn London— Kapstadt? Di« spanische Regierung beschäftigt sich ernsthaft mit einer Arbeit des Hauptmannes Ieoenois, die eine Untertunnelung der Straße von Gibraltar vorsieht. Dar Tunnel, der also Europa mit Afrika verbinden würde und als Gegenstück zum Aermelkanol- Tunnel geplant ist. soll an der spanischen Seite in der Nähe von Tarifa beginnen und an der afrikanischen Küste bei Punta Altaris herauskommen. Er soll ZZ Kilometer lang werden, so daß ein elek- irischer Zug 30 bis 40 Minuten von Eurcpa nach Afrika brauchte. Ein Priester als Erfinder. Wie aus London berichtet wird, macht die irländische Südbahn- gesellschaft gegenwärtig Versuche mit einer neuen Art elektrischer Batterie, von der behauptet wird, daß mit ihr ein Aug 60 Meilen ohne Aufenthalt zurückzulegen imstand« ist. Obwohl diese Versuche sehr geheimgehalten werden, weiß man doch, daß es sich um einen Akkumukator handelt, den der spanische Priester Almeida konstruiert hat. Dieser befand sich in der letzten Zett in London, wo er in einer kleinen Werkstatt seine Experimente mit Unterstützung englischer Finanzleute, die sich sehr viel davon versprechen, durchführte. Die Moral der Bankräuber. Haben da einig« Diebe eine Filiale der Natipnalbank von San Salvador um 420 000 Pesos erleichtert. Ihr Glück währie aber nicht lange, sie wurden ergriffen und in das Gefängnis von Cor- rientcs eingeliefert. Bei ihrer Vernehmung erklärten die Bant- räuber, sie wollten nur ihr« Familien glücklich machen, von einer Schädigung der Bank könne keine Rede sein, da ihr« Deut« nicht einmal OL Proz. des Bankgewinnes von 1028 ausmache! Die Kröte gehört zu bftt Tieren, die unter einem ganz ungerechtsertigiem Borurteil der Menschen zu leiden haben. Dabei ist diese? harmlose Geschöpf ein seh? nützlicher Hausgenosse, der sich leicht zähmen läßt, sich an feinen Herrn gewöhnt und still seine Arbeit tut. Diese Arbeit besteht im Fressen, denn die Kröte hat einen fast unersätt- lichen Hunger nach Insekten. Man hat berechnet, daß eine Kröte in drei Monaten 10 000 Insekten verspeist, und darunter befinden sich sehr viele, wie Fliegen, Moskitos, Pflanzenläufe und ähnliches Ungeziefer, die großen Schaden anrichten. Die Kröte dient in Hof und Garten als Polizei gegen diese Verbrecher der Kleintierwclt. Auch dje Meinung, daß man, wenn man eine Kröte berührt. Warzen an der Hand bekäme, ist vollkommen irrig. Ruckganz der Atpengletscher, Die Schweizer Gesellschaft sür Naturwissenschaften stellt in ihrem letzten Jahresbericht fest, daß 1928 von den Gletschern>er Schweizer Alpen 81 Proz. im Rückgang begrissen waren, 5 Proz. unverändert blieben und nur 14 Proz. angewachsen waren. „Wer war zuerst auf der Welt?" fragt Bim,„der Arzt oder der Architekt?" B o m:„Selbstverständlich der Arzt, denn es steht geschrieben: Gott schuf aus Adam» Rippe das Weib Wäre solch ein operativer Einorisf ohne«inen tüchtigen Chirurgen möalich aeweien?" Bim:„Es steht aber vorher geschrioben: Gott schuf da« Welt- ge''"de aus dem Chaos Alis war ein Architekt eher da!" B o m:„Dann m�h aber yor dem Architekten»in anderer dagewesen sein?" Bim:„Nanu?" Vom:„Bedenke, Bim, wer soll das Chaa? gemacht hoben?" Bim.„Da muß also ein Bolschewist als erster dagewesen sein!" Das ist keine sozialdemokratische Bosheit, sondern einer der politischen Witze, die hie Heiden bekanntesten russischen Clowns auf Mostaver Bühnen erzählen. rJh(yrturiole Spitz? innehält Bei 800 Meter hat Götk« bei einem Borsprung von 15 Meter vor Poriser die erst« Gruppe erreicht. Diese bleibt bald zurück und bei 1200 Meter gelingt e? Pariser an Götke heran- zukommen. Für den Rest der Strecke liegen beide Kops an Kops und nur durch schnelleren Anschlag kann Götke Pariser schlagen. Während des Schwimmens zeigten mehrere Springer gut gelungene Sprünge von der Bavmbrücke, die ebenso wie das W a s s e r b a l l s p i e l der Städtemannschaft Stettin-Neptun-Weißensee, das die Weihenseer mit 15:3 Toren siegreich sah, starken Beifall fanden. Am Nachmittag tand dann in der Parnitzbadeanstalt ein Schwimmfest statt, auch hier siegten wieder in allen Konkurrenzen die Berliner. * Der„D e r e i n i g t« n Turnerschaft Burg" war zu ihrem Sportsost. an dessen Teilnahm« infolge des in Berlin statt- findenden„Rast" nur der Sportbezirk„Ostring" der Freien Turner- fchast Groß. Berlin verpflichtet weiden konnte, ein poller Erfolg be- schieden. Große Wirkung und lebhafte Anteilnahme bei der Pe- völkeriing rief der über 800 Mann starke Festzug der Teilnehmer hervor. Viele rote Fahnen gaben dem Aug ein imposantes Gepräge. Die chauptkämpfe begannen vor einer stattlichen Zuschauerzahl und wurden eingeleitet mtt dem ZOOG-Meter-Lauf der Männer, den Friednchs-Gardelegen knapp vor Kittler-Oftring in guter Zeit ge- Winnen tonnte. Im 100-Meier-Lauf der Männer(.�-Klasse) hatten sich drei Berliner für den Endkauf qualifiziert und der Kampf lag mir zwischen diesen. Traxel gewann den Lauf in 11,6 Set. vor seinen Vereinskamsraden Eicke und Stall. Wilde-Benneckenbeck vollbrachte im chochfprung ein« gute Leistung: er bewältigte die -OfiHe von 1,78 Meter. Dia 4X100-Meter-Staf?tts brachten die V-ttincr in 45,7 Sek. an sich, ebenso überlegen auch die Schweden- o-'sette in 2:09,4 Min.— Die Leistungen der Jugendlichen und -Frauen zeitigten teilweise ebenfalls gute Ergebnisse. Resultate vom RAST. Guie Leistungen in allen Disziplinen Der Schilderung des Festzuges, des Auftnarsches und das oll- gemeinen sportlichen Verlaufes des Rcichsarbettersporttages in den Redbergen im Sportteil des„Abend" pom Montag lassen wir heute kie Einzelresuttate der Sporrkämpf« folgen: Lelcht.htelik. Ivo M-tcr Männer: Wieniikc lALa.l UZi llischnian« WSS-I 11,9; C-mnou,(«Ortrlngl 1?.— 100 Meter Iuaeni>: IRnlJn(StÄtenbeM) UU; Seidel i Äeddinal(2,5: öetmsherf 13,6.-- 100 Meter tT-oueti: Raa lBeddinai Ii! sicul l3!otbcn1 14,1: Schul, lAScl.l 14,1.- 1000 Mctcr Iue-nd!«et. mann(ffleiSenfeel 8:84: lilbietfe fälDcdeinn) Zu«.»: WiM-r(«otbtinil 8:06�; Srfilatt(gSpcnttf)?.-06,g. 3000 Meter Männer: Scnnert(Rardrinal 10:4L: Köpmna lvennillsdarO 10:3.7:»asipia lTempelhoO 10:14.».~ 4>100 Me:«r ältere Spart l»� ASS. 53,*: W eddin« MJ: Oberspr.« 53.2. � 4 ¥100 Meter grauen: Deddin« 57.1: Köpenick 58,4: Süden 53.7. 4X10 Meter Männer: ZtST. 1 46L: NorOrino 1 40.1;«äpenick 1 48,8.•-» Jtisluewerfrn Männer: gdormaner lAsT.I 33,15 Meter:!srin,el lZelilendorf) 30L0 Meter: tiasder oerenick 30.02 Meter. Weitsprunn guacnd: Müller sNordrlnal 5,60 Meter: M3Ner lLicktenberal 5,37 Meter: Äennzdorf 5.25 Meter.— Sochspruna grauen: Wk'dlina«Moabit: 1„25: Bleut tosten): Kirsch<«Sp«nick1. Bichrin!, tNäpenick) 1 50 Meter.— Monnschafts.Hochspriina Männer: AST, 4.7» Meter; Süden ?iitnet 4.56 Meter: Obertpre« 4,41 Meter. � 10X75 Meter Vendetstatette für Kinder: Nordost?:0S,4: Köpenick 2:06,3 t Lchüser): Nordost 2:17.0: AST, 2:310 tSchütertnncnl,— Schwedenstaffes Zupend: Weddinp 8:16 3:«TT. 8:17,»! Lsten 2 22: Köpenick 2:22,3. � lOx'.i Runde Männer: AST. 4:13,1: Seddin« 4:13.7; Rerdrin« 4:22,— Speerwerfen grauen: Schul, sAST.I 30.26 Meter: oeitel '�>edd:nal 2704 Meter.— Epeerwersen guaend: Baut«Käp-ni«0 47.S2 M-fer: Ptonropki tAST.1 40.20 Meter: Sohn tRüderodorN 45,00 Meter.— T»»»t». t�-ttkä-npse, grouen-Doppel: KohIer.E-tnib-I!?..«,): Ki-mei.Mtill«r sgTivB.t 6-?. 6:1; gran,.gran, tZi.R.ls Lohmonn-Semmler tgTSB.) 6:l, 6:0; gohrner. K-oncki».SobtnskI s?.-R.) 2:6, 0:6; Gllnther.Kohn tT..«.), Richier- T-ds„c tg?6VBz 0:6, 1:6.— Männ-r.Z-ovpel: Kubrqu.gischer sT-R.::(»erder. s»- � 6:1. 6:0: Sllnther.Kohler sT,.R.l! SchUler.Miiller tgS-S«,! 6:8. 6 0! Schneider-Krüper!?..«.): Schutt.Bommerich sT,.R.1 0:6, 5:?: Kohn.Bieth t"-..-!».)! Verendt-Koderlinq tg?t6B.1 8:6, 7:5: Kamtcher»K,inr>ch IT,.«,!: vr eo.chrohmann!«uchartl!. e-itnihee s?,.»». t 8:4. Ii«, Schubel.Hamtcher so..«,): Ktenier.Schvler«gTSB.l 61, 6:2: D-utlchkron. Köhler s?..R.l! MüNer-Müller 6:1. 6:4: stefckckc. st ran,«T.-R.l: Sodinlki�udwia s?,»R.) 2>6. 5:6, Schmen-Tompaanini sT..«.): Streu. stran, t?,.«,) 6:4. 6:3: Schnelder-Noack lT,.N.): Raack.Dommerich sx,.«,) 6:2. 6:2; Nadke-Standschus k?..?I.l! Schul,-?ran«olat sT.-N.) 2:6, 4:6. Oer Mop, bellt den Mond an! Die Riesenbeteiligung von bundestreuen Arbeitersport- lern und Zuschauern beim Rast am Sonntag hat den kammu, vistischen Blättern Berlins die Sprache verschlagen.„West am Abend" und„Berlin am Morgen" brachten nicht ein« Zeil«! erst in der„Roten Fahne" von heute morgen muht« sich irgendwer einen Iammerqrtikel abquälen. Uns mit dem Bolschewistenblall auseinanderzusetzen haben wir keine Veranlassung! nur eines möchten wir sagen: Die Massenbetelli. gung ist nicht Phantasie eines modernen Reporters, sie ist vielmehr auf den Bildern und Filmen unzähliger Photographen fest, zustellen. Das genügt!_ Radiportlidics Allerlei. De» Entscheidungolauf der Steherwektweisterschost konnte auch am Montag picht ausgefahren werden. Dos regnerisch« Wetter führte zur Verlegung auf heute. Die erste Weltmeisterschqfts. revonche der Berufsflicger ging auf der Pariser Lufsalobahn vonstatten. Den ersten Laus gewann M o e? k v p S mit zehn Zentimeter Dorsprung vor Michord, in den beiden anderen Läusen behielt jedoch der Weltmeister jedesmal mit einer Läng« über den Holländer die Oberhand. D«r neue Amateurwoltmoister M a z a i r a o. Holland stellt- stch d«r Kölner Eportgemeind« t« zwei vtenne» hinter Aweisttzerführung vor. Im ersten Lauf, den der Belgier van Mossenhovc gewann, hatte der Holländer unter Rad- schaden zu leiden, dafür holte er sich aber den zweiten Laus in über- legen»? Haltung und blieb auch im Gesamtergebnis Sieger.-—In Verbindung mit der klassischen Fernfahrt„Rund um Berlin" gelangt am Sonntag. ZS. August, die M e i st e r s ch o f t von Deutschland im Einerstreckenfahren über Z56 Kilometer zum Austrag. Hierzu sind 45 Meldungen eingegangen, während am eigentlichen Rennen„Rund um Berlin" wettere Z70 Fahrer teilnehmen werden. Der Start erfolgt in Pichelsdorf, das Ziel befindet sich In Kkein-Mochnow. Internationale beim SCC. Bürgerlicher Rckordspori. D«? Internationale Sportfest de? Sportklub? Ehar, lottenburg? hotte eine hervorragend« Besetzung erfahren', di« Leistungen waren nicht minder glänzend. Vor allem gespannt war man auf da? Laufen des vielgerühntten Negerprinters T o 1 a n, der auch wirklich hielt, was man von ihm vorausgesagt hatte. Er wüsche Doppelsieger über Runden und 290 Meter. Es ist erstaun- lich, mtt welch ungeheurem schnellen Schritt dieser kleine, muskel- bepackte Amerikaner dle Strecke durcheilte. Verzweifelt kämpfte der Frankfurter Elchracher, ober dieser Leisung war er nicht gewachsen. Mit eineinhalb Meter Vorsprung siegte Tplan über 109 Meter. Bei Z90 Meter hatte er jedoch Mühe, den Frankfurter Eldrachcr zu schlagen. Ein weiterer hervorragender Mann der Amerikaner war der 499-Meter-Meister Bowen. Es gelang ihm, über 399 Bards einen neuen Weltrekord mit 39,4 Sekunden aufzustellen. Dem Deutschen Büchner reichte es noch zu der Zeit von 34,2, was dem alten Rekord HoubeNs gleichkommt. Das 899,Meter-Lausen gab P e l tz« r(Stettin) erneut Gelegenheit, sein« zurzeit hervor- ragend« Form uitter Beweis zu stellen. Noch beim Eingang in die Zielgerade lag er zehn Meter hinter dem führenden Engelhardt, doch nach einem unbeschreiblichen Endkampf war er am Schluß glatt« 8 Meter vor Kaufmann(Hannover). Di« Zeit von 1: 56,4 ist als hervorragend zu bezeichnen. Ein» schön« Leistung»ollbrachte der Hannoveraner D i« ck nzv n n über die deutsche Mette. In spielend leichter Schrittart lieh er olle seine Gegner Hinter stch und bracht« mit 23,26 Minuten«ine neu« Höchstleistung heraus, die 15 Sekunden unter der der alten liegt. Auch die beiden Nächsten, Petri(Hannover) und Helber(Stuttgart), konnten den alten Re- kovd noch unterbieten. Der schärfst» Kampf d«? Tages aber spielte stch beim?99-Meter-Hürd«nlauf ab. Der hervorragende Frank- furter W i ch m a n n, der Spezialist auf dieser Strecke geworden ist, schlug den Italiener Fadilli und war mit Fußbreit« hinter dem Amerikaner Rockaway Zweiter in der neuen deutschen Rekord- zeit von 24,5. Im 1599.Vet«r-Laufen hatte der Amerikaner Ler- man nicht» zu schlagen: der überraschend gut laufende Ttettiner Helphand wurde Zweiter. Zeit des Sieger, 4: 9,44. Der«in- leitende Kampf über 119 Meter Hürden wurde ein scharfe? Rennen zwischen dem Amerikaner Rockaway und dem Italiener F a e e 1 l i. Beide liefen die sehr gute Zeit von 15,1. was für den Italiener einen neuen Landesrekord bedeutet. Der Stabhochsprung brachte ein« Enttäuschung. Der vielgerühmte Amerikaner S p u r d y, der sonst immer über 4 Meter springt, schafft« knapp 3,89 Meter. Trotzdem reicht- es dem Deutschen Wegner mtt 3.79 Meter mir zum zweiten Platz. Im Diskuswersen blieb H o f s m e i st e r mit 45,18 Meter vor dem Berliner Hähnchen mtt 42,19 Meter siegreich. Die Zuschauer waren nicht allzu zahlreich erschienen, was er- N«u1 beweist, daß eine Rekordüberkultur in der Leichtathletik dein Sport nur geschadet hqj._ Wettstreit der Athleten. Am t« September. Am Sonntag. 1. September, veranstalten die Hund«»- treuen Arbeiter-Athketen ihren alljährlich stattfindenden Ringer, und Heber-Wettstreit, an dem sich die Mit, glieder des gesamten Arbeiter-Achletenbunde? beteiligen können. Da die Meldungei, bis zur Stund« schon zahlreich eingelaufen sind, so daß mit einer Teilnehmerzahl von 399 bis 499 Athleten zu rechnen ist, wird dieser Wettstreit einer der größten sein. Die Leitung hat sich demzufolge eines der größten Gartenlokal« Berlins. das Moabifer Schützenhaus, für die Abhaltung des Wett- streites gesichert. Auf vier Matten werden die Sportler aus Ost und West. Nord und Süd Kämpfe liefern, dl» alles bisher dagewesene in d-n Schatten stellen. Um auch an diesem Tage der Oesfentlichkeit etwas ganz Besonderes zu bieten, wird auch die A rt i st e n s p a rt e von 16 Uhr ab«in Artistenprogramm zur Abwickelung bnngen, das sich gettost mit einem der großen Aorietebühnen messen kann. Wir bitten daher schon jetzt die Freund« des Arbeitersports, sich den 1. September für den Wettstreit vorzumerken und die Arbeiter- sportler durch ihren Besuch zu unterstützen. Freiquartier« für die auswärtigen Sportler vermittelt Karl Frohne, Berlin O. 34, Gubener Str. 59, Telephon Königftadt 4559. Arbeiter. Schachspieler Spandau»! Vielfachen Wünschen folgend. wird von der Freien Arbeiter-Schach-Vereinigung Groh-Berlin ein» Spandauer Abteilung gegründet. Alle Arbeiter-Schachspieler und Interestenten treffen sich Mittwoch, 21. August. 201$ Uhr, im Lokale von Bvendemühl. Myritzstraße. Ecke Augustoufer. Los Angeles rüstet! Amerikanische Sportvorbcrcilungen.« Bekanntlich wirb Los Angeles 1932 der Schauplog der 10. Olympischen Spiele sein. Im nachstehenden seien einig« interessante Einzelheiten über die neuerbaute Statte der Olympischen Spiels berichtet. Der neu« Riesen-Stadianbau liegt»litten im Weichbild der Stadt, kaum zehn Minuten vom Zentrum entsernt. Damit ist die heikle Zusahrtssrage glatt gelöst. Aus breiten Alleen kann man mtt dem Wagen bequem(?) hingelangen. Das Stadion saßt ins- gesamt 125 999 Zuschauer, also dreimal so viel als in Amsterdam, die alle auf Sitzplätzen untergebracht werden. Alles>st einjach und zweckmäßig gehalten. Di« Architektur hat nichts Uebertriebenes oder Kolossales. Ueberall wurde der Koinsort über die Linien- führung gestellt, so daß der Europäer vielleicht hie und da„Schön heitsfehler" entdecken wird. Das Ganz« ist in runder Ellipsensorni gebaut. D>e Brennpunkte, auf denen die Torstangen stehen, sind nahegcrückt. Auf drei Seiten steigen die Tribünen mit unzähligen Sitzplätzen empor: sie werden fast alle gedeckt, da es auch iu Kall formen gelegentlich regnet. Ein römischer Torbogen in der Mitte dient als Haupteingang. In unmittelbarer Nähe des Stodioi»? ist ein« S ch w i m m- hall« mit einer 199-)t)ards-Bahn und doneben die Halle für Boren, Ringkamps und Fechten. Eine Neuerung bilden die vargeiehcne» fahrbaren Tribünen für Ruder- und Ssgelwettkämpsc. Der nur 35 Kilometer entfernte Hafen von San Pedro weist eine Rennstrecke von 4999 Meter Länge auf. Längs des Ufer? ver- kehren während der Kämpfe Autobusse mit stusenariig nngcord Veten, dem Meer zugekehrten Sitzplätzen als wirkliche Tribünen Bisher wurden insgesamt 3 Millionen Dollar jiir die Bor- bereitungen der Spiele verausgabt. Hinzukommen weiter« zw«! Millionen, von denen die Stadt Los Angeles allein eine Millioil bewilligt hat. Die ander« Mililon wird von der kalifornischen Regierung gestiftet. Man erwartet«inen«normen Fremden- zustrom, der der Stadt gute Geschäft« bringen soll. Zwischen den einzelnen Häusern liegen vielfach große sreie Platze, sogenannte .Luftschöchte". Da werden transportable Hotels und Garagen ausgestellt. In acht bis zehn Togen steht so ein vier- stöckiges Haus, das 299 Zimmer besitzt, sein in Beton ausgesührt. Wird es nicht mehr gebraucht, so ist es in drei Tagen wieder ab- gebrochen und die Eisengeriiste sind in zwei Eisenbahnwaggons verpackt. Das Olympische Komitee hat einen riesigen Reklameseldzug begonnen, doch rechnet man mit keinem finanziellen Erfolg. Besten soll? können zwei Millionen Dollar Einnahmen erreicht werden, die kaum die Hülste der Ausgaben decken würden. Aber Amerika ist reich und läßt sich die Olympischen Spiele etwa- kosten! Deutsche Segler in Amerika siegreich. Der insgesamt fünf Wettfahrten umfassende d e u t s ch- a m e r>- konische Segelwettkamps mit 39-Ouadratmeter-Schäre»- kreuz«rn auf der Reede von Mardlehead Hat mtt dem glatten Siege der Deutschen geendet. Die bessere Placierung unserer Boote gab zugunsten Deutschlands mit. 57:48 Punkten den Aus- schlag. Damit fiel den Deutschen der von Prösidenl Hoover gestiftete Pokal zu, außerdem wurde„Kickerle" vom Berliner Jachtklub mit dem Sonderpreis des dortigen Segleroereins für das beste deutsa:» Boot ausgezeichnet. Berliner Sport in der Halle. Fleißige Hände rühren sich in der Potsdamer Straße, um Berlins populärste Sportstätte in verschönter Form ihren eigeni- lichen Zwecken wieder dienstbar zu machen. Der neue Herr des Hauses, Richard Mueck, hat das sportliche Programm der nächst«» Monat« bereits in großen Zügen festgelegt. Am 23. August erfolgt die Eröffnung des Sportpalastes mit einem Boxkampf- abend, der Gühring— Rudi Wagner, Seifried— Lauer, Karl Schulze— Nipper Pol Daly, Pistulla— Hülsebus und ein fünftes Paar in den Ring bringen wird. Zwei Tage später, am 25. August, veranstaltet der Bund Deutscher Radfahrer in der Slrena seine Deutschen Saalsport-Meisterschaften. Für den 4. Oktober ist wieder ein Boxkampfabend pargemerkt. und dann beginnt am 6. Oktober die R a d r e n n s a i s o n. Mindestens sechs rsdsportliche Veranstaltungen bilden das Vorspiel zum Scchstage- rennen, dessen Termin für die Zeit vom 1. bis 6. November festgelegt ist. Dom Ist. November bis Mitte Dezember herrscht der Eissport, der wieder große Eishockeytämpfe bringen wird. Ob nach Neujahr noch einmal eine Radrennsaison stattfindel, steht noch nicht fest. Die zweit« Ianuarhylste und der Februar gehören wieder dem Eissport. Von den großen H a l l e n s p o r t f e st e n sind bis jetzt vorgesehen das des Vereins Deutsche Sportpresse für den 29. Oktober, das des VBAV. für den 19. Januar und das d»-- Polizei für Anfang März. Herbsttest der höheren Schulen. Der Berliner Turnlehrerverein veranstaltet, wie in de» Vor- jähren, am Sonnabend, 24. August, das Herbft-Turn- und Sportfest der höheren Schulen Berlins im G r u n e w a l d- S t a d i o n. Die Tsilnehmerzahl überschreitet die 19 999. Zum erstenmal wird der Versuch gemocht, auch Mädchenschulen in die Wetttämpse elnz-t- gliedern: bisher waren sie nur mit Vorsührungen beteiligt I-musUunerriu„Sic Natursrcnndcr. Zentrale Wien. Abt. Friedlichehai... Z>ien»ta«, 20.«tuauft, 20 Uhr, Litauer Str. 18:„t&taKbrnntmte»". Sdt. Norden: Sienstop, 20. Äugutl, 30 Uhr, Sanncuiurtfcr Str. 20:„Lallalle und Bebel"(«etettnt®t. Mar Schutte).— Abt. Webdina- Dienstaq, 20. Auzuft. 20 Uhr. Iugendaruppe. Eeeltr. 04: Liederabend.— Abt. Treptow: Diensta-,. 20. August, Spielen in Treptow. Wiese».— Abt. Pank»»,: Dienstag, 20. August. 20 Utr, Gorschli,. 14:„Wir verioende ich«Mint fferienl"-» Seluadbrii>>»«»: Dienstag, 20. August. 20 Uhr. Tchänstedtstr. 11: Unter an».— Abt. Mi! Diene*«». SO. August, SO Uhr, Zphannisstr. 15: Ben großer Fahrt. »litte: Holländer Radreige der Ludcenwalder Ar beiierradtahrer bein RAST Der SS. Krankenkassentag. Geschästsbericht und Referate. Den Geschäftsbericht gab Genosse vohlmann, G c- schästsführer b«s Hauptoerbandcs. Die abjallcndc Konjunktur der Wirtschaft, die schlecht- Witterung und lange Dauer des Winters brachten den Krankenkassen einen erhöhten Krankende st and. Zu dieser Belastung kommt nach die G e- fahr, die den Krankenkassen durch die Reorganisation der Arbeitslosenversicherung droht, inoem man bestrebt ist. den Krankenkassen 3 0 Millionen abzunehmen. Es sei unmöglich, bei niedrigen Eingängen höher« Leistungen zu er- reichen. Der Referent verlangt« wie jchon im vergangenen Jahre .in Breslau Erhöhung her Einkommensgrcnze für die Krankeiwersicherung. Durch die Erweiterung der linsalli>crsichcrung wurden auch die Betriebe der Krankenkassen, wie Röntgeneinrich- tungen, Laboratorien, Zahnkliniken usw. der Unfallversicherung unterstellt. B o h l m a n n mußt« sich ebenfalls über mangelndes Verständnis des preußischen Wohlfahrts Ministers Hirtfiefcr beklagen, der bei den Innungskrankenkassen hinsichtlich der Gesund- heiisfürsorge ein« Leistungsfähigkeit nicht für notwendig erachtete. Er wies ferner auf die neue Praxis des Wohlfahrtsministeriums hin, daß in Krankenkossenfragen. nachdem einmal eine Frage entschieden war, von der gleichen Instanz ein« neue Entscheidung gesällt wurde. Auch bemängelte er, daß von Oberrcgierungsrat H o f f m a n n des preußischen Wohlfahrtsministeriums, der Sachbearbeiter ist, ein privates Rechtsgutachten sür 200 M. erstattet wurde. Auf eine Anfrage im Landtag wurde dieses Verfahren vom Wohlfahrts- minister nicht gebilligt. Nicht mit dem Sinn der Krankcnversiche- rung in Einklang zu bringen ist die Zulassung der privaten Krankenversicherung sür die im Ausland aus Reparationskonlo beschäftigten Arbeiter. Besonders die Gedag-Kasse wirbt bei den Versicherungs- pilichtigen und zahlt den Vermittlern für eine gemachte Aufnahme 1,50 M.. bei zehn Aufnahmen 20 M. usw. Seit 1028 bestehr eine Art Burgfrieden zwischen dem .stauptoerband und der Leipziger Zlerzteorganisation. Doch entgegen diesem Abkommen wurden von der Aerzteschast Presse- notizen verbreitet, in denen die Krankenkassen angegriffen wurden. Mit dem Reichsverband der Zahnärzte besteht durch die planmäßige Boykottierung der Kassenzahnkliniken ein ge- spannte? Verhältnis, das durch eine der Dozentenvereinigung gefaßte Entschließung, die sich gegen die Errichtung von Zahnkliniken wendet, noch verschärft wurde. Dem Verlangen des Hauptoerbandes und der örtlichen Kronken- Fassen nach Fahrpreisermäßigung für die Verschickung von Mitgliedern in Genesungsheime hat die Eisenbahnverwaltung nicht entsprochen, auch die Ermäßigung.für Kindertransporte soll abgelehnt werde». Das Abkomme» über Anstnusch freiwilliger Mit- g l i e d e r, das vom Hauptverband aufgestellt und dem ein großer Teil der Verbandskassen bpigetretcn ist, bezweckt die Ileberweisung von einer Kasse an die andere bei Wohnungswechsel und'st ein großer Vorteil sür den Beteiligten. Im Interesse der Volks- gesundheit und Volksaufklärung unterhält der Haupt- verband eine Wanderausstellung und gibt einen Bilder- d i e n st bei seiner Krankenkassenkorrespoudenz heraus. Leber t die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten im Rahmen der Richtlinien jür Gesundhcitsjürsorge berichtete Genosse ökrah, Berlin. Er ging auf die soziale und gejelljchost- liche Bedeutung der Geschlechtskrankheiten für die Allgemeinheit ein und verlaugte eine Erweiterung des zu betreuenden Psrsonenkreises. Da die Geschlechtskrankheiten alle Kreise ergreifen, müssen all«, so- weit es nur irgend geht, erfaßt werden. Im Mittelpunkt steht die Beratungsstelle. Die Kosten derselben werden bis zu 50 Proz. von den Krankenkassen übernommen. Das Abkommen Zwischen den Versicherungsträgern stellt natürlich wie alle Abkommen ein Kompromiß dar. Dr. Teschendorf, Köln, referiert« über die„Bedeutung der Röntgendiagnostik und Strahlentheorie und der Sozialversicherung'" und schilderte die neuen Verfahren. Gerade in der vorbeugenden Fürsorge erlangt die Röntgendiagnostik immer größere Bedeutung. Auch ein negativer Röntgenbefund ist häufig von großem Wert. Prof. Liepmann, Berlin, Leiter des Deutschen Instituts für Fraucnkunde, wies auf die Leistungen des Berliner Kasfenverbandes hin, der der von ihm geleiteten Klinik. im Cäcilienhaus, die derzeit lW Betten umfaßt, 300 Milligramm Radium zur Verfügung stellte, während ein Berliner Krankenhaus mit mehr als 1000 Betten nur 150 Milligramm zur Verfügung Hot. Gerade die Blutungen bei den Frauen in den Wechseljahren, die früher die Kassen 8t M. pro Patient kosteten, können heute sür 55 M. geheilt werden. Das Schlußreferat hielt Arau Dr. Bollnhols. Leiterin der Schwangerensllrsarge des Berliner Kasseiwerbandes. Sie führte aus, daß noch jährlich in Deutschland 5000 Frauen bei der Geburt und im wochenbetl sterben. Von allen Frauen in Deutschland, zwischen dem 16. und 2 0. Lebensjahr sind drei Viertel erwerbstätig, von denen zwischen 25 und 30 Iahren. also dem Hauptgebär- alter, noch die Hälfte und von denen zwischen 30 und 60 Iahren noch ein Drittel. Dies« Zahlen beweisen schlagend die Bedeutung einer planmäßigen Schwangerenfürsorge bei den Krankenkassen. Als Aufgaben der Schwangeren für- sorge stellen stellte sie folgende Leitsätze auf: Hygienische Unter- Weisung der werdenden Mutter, ärztliche Untersuchung, Rechtsaus- kunft und fürsargerische Beteuerung. Wenn mit der ärztlichen Be- ratung Behandlung verbunden werden kann, so werden dadurch un- nötige Wege für die werdende Mutter erspart und die Frühbehand- lung wird gefördert. Dr. med. Norbert Marx. Oer zahlungsfähige Hausbesiher. Vor und hinter den Kulissen. Die bei Ladendorff organisierten Hausbesitzer schreien bekannt- lich bei jeder passenden und unpasienden Gelegenheit über ihre be- drückte finanzielle Lage. Man braucht nur einmal die„Deutsche Hausbesitz er-Zeitung", das Organ des Zentroloerbandes deutscher Haus- und Grundbesitzervereine, durchzublättern,»m zu erkennen, daß die Hausbesitzer vor dem völligen Bankrott stehen. So liest man wenigstens in dem offiziellen Teil des Organs der Hausbesitzer. Wie sie ihre wirtschaftliche Lage aber in Wirklichkeit einschätzen, wenn sie nicht zur Oeffentlichkeit sprechen, das zeigt ein Schreiben, das Ende Juli bis Anfang August an alle Kur« b ä d e r und Verkehrsämter gerichtet wurde. In diesem Zirkular wurde zum Inserieren in der„Deutschen Hausbesitzer-Jeitung" ein- geladen. Eine Begründung dafür, warum gerade in dieser Zeitung inserieit werden soll, zeigt folgender schöne Satz des Schreibens: „Eine solche Insertion kann schon deshalb kein Mißgriff sein, weil gerade die Hausbesitzer in der Lage sind, zu reisen, und sich bei ihrem Aufenthalt in fremden Städten einen größeren Luxus leisten können als andere kreise. Sie bestreuen mit In- seratcn in der„DHZ." den am meisten kapitalkräftigen Teil des Rkitlelstoudes. Laden deii z a h l u n g s f g h i g. e n Haus- b e s i tz e r im ganze» Deutschen Reiche zu einem Besuch Ihrer Stadt, ein." Diese wenigen Zeilen, die hinter den Kulissen der Haus- befitzerbewegung niedergeschrieben wurden, sagen mehr als alle Argumente, mit denen sich die Mieteroereine gegen eine Herauf- setzung der Miete wenden müssen. Mittelstädte im Volksganzen. Tagung des �steichsstädtebundes. Der Reichs st ädteb und hält seine diesjährige Houptver, sommlung in den Tagen vom 21. bis 23. August in Kiel ob. Das Hauptthema bilden die sozialen und kulturellen Aufgaben der Ge- meiiiden, die von Bürgermeister Stall- Fürstenwaldc und dem preußischen Landtogsabg. Dr. Steffens- Morienburg behandelt werden sollen. Ferner wird die Bedeutung der mittleren und klei- nen Städte für Volk und Staat von Universitätsprofessor Dr. Peters und dem Vizepräsidenten des Reichsstädtcbundes, Dr. Voigt, Berlin, dargelegt werden. Dem Reichsftädtebund gehören kleine und mittlere Städte aus allen deutschen Ländern, mit Ausnahme von Württemberg, als Mitglieder an. Sämtliche preußischen Mitgliederstädte sind un- nnttelbare Mitglieder, ebenso eine große Anzahl von Städten aus den anderen Ländern. Die Mehrzahl der Städte aus den außer- preußischen Ländern gehört dem Reichsstädtebund durch die Landes- verbände als mittelbare Mitglieder an. Ende März d. I. zählt« der Reichsstädtebund 1060 unmittelbare und 457 mittelbare Mitglieder- städte. Die Gesamtmitgliedcrzahl betrug also 1517 Städte mit über 9 Millionen Einwohnern. Anläßlich der Jahresversammlung bringt die Zeitschrift des Bundes,„Der Reichsstädtebund", beachtliche Ausführungen des preußischen Finanzministers Dr. H ö p k e r- A s ch o f f über die kommende F i n o n z r e f o r m. Der Minister führt aus, daß in den letzten zehn Iahren die wechselseitige Bedingtheit von Staat, Wirffchaft und�Fingnzsystem häufig nicht die richtige Würdigung gefunden habe. Die Folgen des Finanzausgleichs, wie er im wesentlichen seit 1920 bestehe, dürften nicht unterschätzt werden. Sie führten einerseits zu einer bedenkenfosen Ausgabenpolitik und schwächten andererseits das Verantwortungsgefühl, ohne das eine lebendige und fruästbare Selbstverwaltung nicht denkbar sei. Um dem wirtschaftlichen Gedanken zur notwendigen Anerkennung zu verhelfen, sei eine Aenderung des Tarifs der Einkommensteuer er- forderlich, und Zwar so, daß die Grenze für dos steuerfreie Existenzminimum heraufgesetzt und die Staffelung der Tarife in den oberen Estikommensgruppen auscinandcrgezogen werden müsse. Kischesterben in Mecklenburg. Tausend Fischer brotlos. Ribnitz. 20. August.(Eigenbericht.) Durch dos Absterben des Zanders und des Bleis in dem auf mecklenburgischem Gebiet liegenden Ribnitzer Binnen- see und den an der Ostseeküste liegenden preußischen Bodden- g e w ä s s e r n sind etwa 1000 Fischer in die unmittelbare Gefahr gebracht, daß ihre Existenz in kurzer Zeit völlig vernichtet ist. Schon in den letzten Iahren war eine Ertragsorrminderung festzustellen. jedoch hat noch nie eine so radikale Abnahm« der Fische, wie in diesem Jahr, stattgefunden. Ein Sachverständigenausschuß, dem namhafte Fischereisachverständig«, wie der Direktor der Lyndes- anstalt für Fischerei in Berlin-Friedrichshagen, Prof. Dr. Wunsch und Geheimrat Prof. Dr. Schimens angehören, hat nunmehr in viertägiger Untersuchung festgestellt, daß sich an den' Flanken und Kiemen der genannten Fischarten P a ra i j te n in großer Zahl befinden und das Sterben der Fische verursachen. Eine der Haupt- Ursachen des Fischfterbeus ist aber buch nach den Untersuchungen die Verstopfung des natürlichen Abflusses in die Ostsee bei Prerow. die schon im Jahre 1874 erfolgt ist. Infolge der Zujchüttung hat ein.zu geringer Wnsscrausgleich stattgefunden. In nächster Zeit werden ?lbgeordnete der verschiedenen Parteien des Mecklenburgischen und Preußischen Landtags in das betreffende Gebiet eine B e- sichtigungsfahrt unternehmen, um sich an Ort und Stelle zu überzeugen und gegebenenfasis Abwehrmaßnahmen gegen das Massensterben der Fische tresfen. für die Zeil vom 20. bis 22. Augusi KINO-TAFEL PROGRAMM für die Zeit vom 20. bis 22. August OOQ Potsdamer Strafe 35 Der Mann, 4er nidii Hebt Wochenend'Ehcn mi tMonly Baaks Rheinstrafjc 14 �.�l-bei Drei machen ihr Glfick mit Renate Hüller« fxfts Schale Um Mitternacht mit Loa Chaney (7 Akte) Odcon, Potsdamer Str. 75 Buddenbrooks m. Mady Christians Bob. der Boxercowboy(5 Akte) Turmstrafjc 12 Familie Schlmek mit Olda Tschecfaowa ddilachteabammler(6 lustige Akte) Alexandersir. 39-40 (Passage) . Dtn ganzen Tag geöffnet! Die Frao, n.di der man»Ufa acbnl m- Marlene Olrfndi. Fritz Kerteer Scfalacfaienbaomler(6 lustige Akte) V SahOiiaisara■ Alhambra&,VIS v Schöneberg, Hauptstr. 30 gefaneczdiabbaadUcB mit PearfUdüer Duell in den Ukften mit Mady ChrUtlan» ttOhnsnidban Titania(v.. sÄb.rg) Haupts traSe 49 Beginn ab 6J0 Uhr Da» CebelBBU de* Abb« X Die Ben!« der Baakrtaber Nordwesten Welt-Kino Alt-Moabit 99 Da» grobe, bekannt gute Programm W Chertöttemsurg S chlüter-Theatcr Schill terstr. 17 W. 7 u. 9.1! U, S. ab 4 U Irrwege der Leldenscfaaft (nach Tolstoi) Ein MSdcl mit Tempo Titania-Palast Steglitz, SchloSstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung: Der schwarze Domino mit Harry Liedtke, Jankerman Wochentags 6.30. 9 Uhr Stg, ,s. 7.90. Stg. 3U.J.-V. Hl-Li Hindenburgdamm S8a In den Hlndan der Polizei mit Loa Chaney Die Totfater de« Sdieifc Bfibnemcbaa »adwesten Süd er» FUm-PaUst Kammersäle Teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. Um Frauen und Geld mit Waller Rilla Der DraufgSnger mit Betty Balfonr MarlenderF VC— ¥{ Marlendorfer l ia-»*vl Lichtspiele Chausseestraße 30S Stg. 3 Uhr jug.-V. SündcniaU Zwiscfaen Liebe and Pflkfat Th. am Moritzplalz Beginn; W. ab 6.13 Uhr, Stg. ab«JO Uhr Die sdsOnsfe Fron d. labrhnndert» Riff und Raff, die Franenbeldcn W SQdosten j Filmcck Beg,nn:W-|Ä Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Der sensationelle Tonfilm: Snbmaiinc Grate Bühnenschao Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5. 7, 9 Uhr Rausch(Großer Sittenfilm) Die Schmugdlcr ▼. Del'Vlits Bühneoschau > Wuköllw 1 Primus-Palast Hermannplatz DtmentratfOdie mit Aata Nielsen Das auigcnrlhlie Beiprogramm Au' der Bühne: PbllippU aBTcrglcicbL Dressuren Elysium CÄSuf) Hasselwerderstraße 17 VarUdderne mit Lina Boitin ette Die Boddenbrooks mit M. ChrUttan» Varlettsdran WdJBana«« Schloßpark I Berliner Allee 303— 310- Film> Bühne Ostdll Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Hingabe(Weib am Kreuz) mit Marcella Albani Gnies Beiprogramm Grobe VarUtsdban Beginn der ersten Vorstellungen Wochentags 6 Uhr, Sonntags 3 Uhr Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Durchs Brandenburger Tor mit Kampers Der Held des Tages mit(xlcn Tryon Gnro£c BtthaensChan Concordia-Palast Andreasstraße 61 Die Liebe der Brüder Rott mit Twfaechowa Ein Tag in Sow)elrn|laBd Bflbnensdkaa Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Der Graf von Monte Christo M) Filmstadt Hollywood Bübn ensebau Jugendliche haben Zutritt( W PrfdiKBaMddd�k Kino Dusch Alt-Friedrichsfeld« 3 Hell In Frauensee Rosen ans dem Süden mit H. Porten Nordosten Nord nn Skala-Lichtspielc Schönhauser Allee 80 Kurier des Zaren mit Iran Mosfakin Bühne: W. Birmann, Humorist Collosscum Film- und Bühnensdiaa Schönhauser Allee 123 Wegen Renoricrang geschlossen: Wiedereröffnung 24. August; Adieu. Mascotte I m. Lilian Harvey Alhambra MUHerstraße, Ecke Seestraße Flucht In die Fremdenlegion Bühne: 9 gro�e Varleteattraklionen Fortuna-Tageskino MQIIerstraße 12c Beg. 10 U- vorm. Das fflhrende Tageskino ab 10 Uhr spleli nur SpUzcnfilmc der Wclt- produktion Metro-Palast Chausseestraße 30 Tempo-Tempo mit L. Alberfln) Tenre Heimat(S, machen ihr Gluck) „Elysium" Ja, ia, die Fran'n sind meine icfarracbe Seite Eine peinliche SUnailen Prentlauer Allee 36— Film und Böhne Ein kielner VorscbM auf die Seligkeit mit D. GraUa Bahne; Noadc's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 6 U-, Big 3 U. Stg. 3 U. JUgendv. Frauenraub in Marokko mit Claire Rommer Pamir „Rialto" Film u. Böhne fteinickendorler Str. 14(am Wedding) Hotel Polen» kin Audi ein Mädchen kann sieb irren Bühnenschao Vincta-Kino Vinetaplate 3. Ecke Wolllner Straße Die Grogstadt lockt Zimmer Nr. 13 AlTtag des Rennpferdes g RnlnicRnndorf-Oat Bürgcrgartcn-Lichtsp. Hauptstraße 31 3 gr. Schlager: Verirrte Jugend Der Herr vom Finanzamt » VcnUrUes Orthesterl ,s Alhambra" Badstraße 38 Das große Doppelprografnm: Die Insel der Liebe Jimmys Millionen Bühnenschao Ballschmiedcr- Ucfatsp. Badsiroße 16 Die reichste Frau der Welt Das Mllllonenbalsband mit Rln-Tin-Tin Grobe Bühnenschao Humboldt-Theater Badstraße 16 Ritt and Raff, die Fraaeabcldea Lebendig begraben mit Marco Gro�e Bühnensdiaa Kristall-Palast Prinrenallee 1—6 Submarine Beiprogramm, Bühnenschao M Pmnuöw■ Palast-Theater Breite/Straße 31 a Alraune mit Brigitte Helm, Faul Vegoe» Grobes Beiprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 37 Nfu, die unverstandene Frau mit EOLUibetb Bergner Ein__ Seligkeit Bühncnschan Vorschub auf diu Film-Palast Blankenburger Straße 4 Ein kleiner Vorschng auf dla Ptna Gratia