Abendausgabe Jlr. 390, Bi94 �ö.Iahrgang KStt. rnsnatn« 8,00 K. Im n Brau» Jaljlbar. Paftd«»», 4.82 TO. «Inlchlirßlich 80 Psz. 8? aftzrininz,» und 72 VIg. Paftbrftellgedülir«». ilualand«» abonntmtnl TO. pro Monat. » Sn.Samftrta*«lOttm wach-nliz. Itd) zweimal. Sonntags unb Montags ainmal, die Sbcnbausgabtn für Derlii, unb Im fianbel mit dem Titel.Der ilb-nb" Illustrierte Beilagen„Boll und Zelt' unb.jkinberfreunb'. Ferner .Unterhaltung unb Willen"..Frauen. stimme'.Technik'..Dlii» In bie Buchetwelt' unb.Jugenb'Larwärts' H. Berliner VoltSblaii Mittwoch 21 August 1929 IC Pfennig ßt»•tatpanigü Stonpar»?llezeiK» 80 P'ennlg. Reklameze't» 6.— Reich»« mar!.Kleine Anzeigen" Da» fettgedruckt» Wort 25 Piennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), sedes weitere Wort 12 Lsenntg Stellengesuche dae erst» Wort 15 Psennig.«ede» weiter» Wo« 10 Pfennig Dort» übe» 15 Buchstabe» zählen für zwe« Worte LrdettsmarV Zeile«0 Psenntg. �amilienanzetgen Zeil» 10 Pfennig. Anzeigenannahme tmf)aupt« , elchäst Livdenstratz» Ä wochentäglich ®on&l/t bif U Übt. Jentralovgan der«Sozialdemokratischen Oaviei Detttfchlanos Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 222— Z97. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwaris-Verlag G. m. b. H. Posischeckkonto: Berlin 3/532— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr.vö. TiSkonto-Gesellschaft, Dcpositenkasie Lindenstr. 3. Schutz den Arbeitslosen Oer Kampf um die Versicherung/ Auseinandersetzung im Ausschuß Im Sozialen Ausschuh des Reichslages wurde heule die Besprechung der Regierungsvorlage über die Aenderung der Arbeitslosenversicherung durch eine Red« des Rcichsarbeitsminislers w i s s e l l eingeleitet. Der Minister begründete im wesentlichen diejenigen Punkte der Regierungsvorlage, in denen sie von dem Mehrheitsgutachten des Sachverständigenausschusses abweicht und die von besonderer finan- zieller Tragweite sind. An Stelle der vom Sachoerständigenausschuß vorgeschlagenen Beziehung zwischen Beitragswochen und Unter- stützungshöhe für alle Versicherten enthält die Regierungsvorlage «in« solche Regelung nur für die Saisonarbeiter. Die da- durch erzielte Ersparnis wird mit 21 Millionen Mar? geschätzt. Die Berlängerung der Wartezeit füx Arbeitslose ohne zuschlagberechtigte Angehörige auf zwei Wochen soll 25 Millionen Mark Ersparnisse bringen. Die Anrechnung der Renten- und Wartegelder wird mit 16 Millionen beziffert. Di- Kürzung des Beitrags an die Kranken- Versicherung ist in der Regierungsvorlage aus 36 Millionen Mark erhöht worden. Da nach den vom«achoeritändigsli.ausichuß vorgelegten Be- Rechnungen«in Gesamtdcfizit von 27? Millionen Mark pro Jahr zu decken ist, die vorgesehene Beitragserhöhung um Proz. den Betrag von 146 Millionen Mark bringt, so müßten durch Ersparnisse 139 Millionen Mark aufgebracht werden. Die in der Regierungs- vorlog« vorgesehenen Ersparnisse sind, wie schon erwähnt, mit 92 Millionen Mark errechnet, so daß noch 47 Millionen Mark un- gedeckt bleiben. Es wird die Aufgabe des Sozialpolitischen Aus- jchusses sein, eine Balanciernng herbeizuführen. In der allgemeinen Aussprache ninunt zunächst Abg. Gratzmann(Soz.) das Wort. Er wendet sich einleitend entschieden gegen die Hetze, wie sie in den letzten Monaten gegen die Sozialversicherung im allgemeinen, gegen die Arbeitslosenversicherung im besonderen be- trieben worden ist. Es ist bezeichnend, daß man monatelang mit maßloser Uebertreibung über die vorhandenen M i ß- stände geredet und geschrieben hat, während man jetzt, da umfang- relche Dorschläg« zur Beseitigung der Mißstände vorliegen, darüber hinaus den materiellen Abbau der Unterstützungsleistunger» verlangt. Die heute vorhandene finanziell« Anspannung der Reichsanstalt ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß die von der Sozialdemokratie rechtzeitig verlangte Erhöhung der Beiträge bisher unterblieben ist. Der Redner wendet sich dann den Einzelvorschlägen zu. Der Dorschlag, künftig die Unierstützungshöhe in ein« Relation zu den zurückgelegten Beitragswochen zu bringen, müsse die Sozial- demokrati« als ein gefährliches Experiment ablehnen. Hier würden die kurzfristig beschäftigten und dadurch häufig arbeits- losen Versicherten, also die in schlimmster Not befindlichen Personen, am härtesten getroffen. Eine solche Regelung würde auch vor allem die älteren Arbeiter und Angestellten, dkBen nur kurzfristig« Arbeit möglich ist, entrechten, ganz abgesehen davon, daß, wenn diese Methode erst in der Arbeitslosenversicherung«ingetreten ist, ihre llebertragung auf die Kranken- und sonstigen Sozialversicherungen befürchtet werden muß. Ein Abbau der materiellen Leistungen müsse abgelehnt werden. Der Reichstag solle lediglich prüfen, auf welchem Weg« ejne Neuregelung der Saisonarbeitersürsorge unter sozialen Gesichtspunkten möglich ist. Aus den erwähnten Gründen wendet sich die Sozialdemokratie auch gegen die geplante Verlängerung der Wartezeit. Es brauche hier nur auf die vom Deutschen Städtetag gegen eine solche Maßnahme vorgebrachten Argumente verwiesen werden. Eine Anrechnung der Sozialrenten aus die Arbeitslosenversicherung wider- spreche den Bersicherungsgrundsätzen, nach denen bisher die Mit- glieder der einzelnen Sozialverficherungszweige dort ihre Beiträg« geleistet haben. Mit einer Anrechnung der Wartegelder erklärt sich der Redner einverstanden, ebenso mit einer Kürzung des Beitrages der Arbeitslosenversicherung an die Krankenkassen. Die Sozialdemokratie lege das Schwergewicht ihrer Mitarbeit bei der Reiorm der Arbeitslosenversicherung auf die gründ- l.che Beseitigung der vorhandenen Mißstände, und sie bietet damit auch ein Gewähr für die Sanierung der Reichs- anstalt. Die Sozialdemokratie werde ober nicht bereit sein, eine Balancierung des Etats durch eeistungsabbau mitzuverankworlen. Graßmann verweist zum Schluß aus einen Vorgang, der deutlich zeigt, daß die Führer der bürgerlichen Gewerkschaften von dem Standpunkt der Rechtsparteien wesentlich abweichen. Vergebliche Rechenkünste. Keine Zinanzeinigung im Haag. V. 8cb. Haag, 21. August.(Eigenbericht.) Mb Finanzexperten der Gläubigermächte haben am Dienstag abend ihre Arbeiten mit einem negativen Ergebnis ob- geschlossen. Man hat zwar von der ursprünlichen Absicht Abstand genommen, die Uneinigkeit in zwei verschiedenen Berichten, einen Mehrheit?» und«ine» Minderheitsbericht, zu dokumentieren, aber der Einheitsbericht, der als Endresultat dieser Leratungen heraus- gekommen ist. offenbart Gegensätze ebenso deutlich, wie es zwei verschiedene Berichte getan hätten. Denn dieser Einheitsbericht vermag nur ganz wenig« Punkt« aufzuzählen, in denen eine all- gemeine Uebereinstimmung erzielt worden ist, und das sind gerade die nebensächlichsten, �in allen Haupt'ragen muß her Bericht offen feststellen, daß zwei, ja. sogar drei verschiedene Auffassungen über den Ziffern- mäßigen Goldwerl des Angebots der vier Mächt« bestehen. In einigen Punkten haben sich zum Beispiel die japanischen Sachverständigen von den französischen, italienischen und belgischen getrennt und die englische Bewertung unterstützt oder ihre eigene Bewertung niedergelegr. Man ist sich also in der Sache kaum nähergekommen. Dennoch war die Stimmung am Dienstag abend, etwas freundlicher, weil die Begegnung zwischen Briand und Snowden bei Adatschi auf alle Beteiligten«inen günstigen Eindruck hinterlassen hat und weil die lleberzeugung fehl allgemein ist. daß niemand bewußt zum Bruch treibt. Das Interesse konzentriert sich heute vollständig auf die von Deutschland beantragte Besprechung der sechs einladenden Mächte, die am Nachmittag, unmittelbar nach der Zusammenkunft der vier Außenminister, angesetzt sst. Louchcur erklärte am Diensiach abend bei einem Empfang der sranzösischen Presse, daß Frankreich die deutsche Initiative durchaus billige. In französischen Kreise» ist man jedoch auffallend bestrebt, dem deutschen Schritt den Sinn eines Druckes auf Snowden zu unterstellen und ihn mit dieser Begründung zu unterstützen. Demgegenüber muß festgestellt werde», daß diese Aufsassung, die man seltsamenveise auch in der deutschnationalen Presse von heute wiederfindet, durchaus irrig ist. Deutschland benötigt Klarheit, nicht nur hinsichtlich des finanziellen, sondern auch wegen des politischen Teiles der Haager Konserenz. und dazu werden sich sowohl die Engländer auf der einen wie auch die Franzosen auf der anderen Setze äußern müssen. Vertagung unvermeidbar? Wiedersehen in Genf. Paris, 21. August.(Eigenbericht.) Die französische Presse veröffentlicht heute im wesentlichen gleich- lautende Berichte ihrer haager korrespondzpten die alle die v o l l- ständige Ergebnislosigkeit der mit so großer Spannung erwarteten Unterredung Snowden— Briand betonen. Räch dem „Petit Parisien" habe sich die Besprechung überhaupt nur noch größtenteils um die Frage getrcht, was nach einem ergebnislose» verlaus der haager Konserenz geschehen soll.„ITCalin" und„Echo de Paris" wissen zu berichten, Snowden habe nochmals versucht, Vriand zu veranlassen, er solle die Italiener zum Rachgcbcn be- wegen, was aber Vriand glattweg abgelehnt habe. Die Erklärung de» italienischen Delegierten Moskony/Iter nochmals jedes weitere „Opfer" abgelehnt hat. sei die Antwort an Snowden gewesen. 3)ammbruchan derjannotvitmbrücke Belm Van der neuen llntergrundbahnstrecke Reukölln— Gesundbrunnen hat sich am Unlergrundbahnhos Iannowiß- brücke ein Unfall ereigne«, bei dem aber zum Glück keine ZNenschen zu Schaden kamen. Da» Wasser der Spree. da» am Abend über den fertiggestellten Teil de» Tunnels hinübergeleitet werden sollte, ist, da die Sperrwand brach, vorzeitig in den Vau hineingeslüzt. al»«och eine Anzahl von Arbeitern ans der Docke de» Schachts be- schästigt waren. 5le konnten sämtlich rechtzeitig flüchten. Das ,,!lnkoflenkonn einem für das deutsche Versicherungswesen verhältnismäßig großen Rahmen mit befreundeten Bank- und Banklersirmen umgeben habe, ohne daß ein eigentliches Bedürfnis dafür er- kennbar sei. Bei den vielseitigen Gesellschaften des Versicherungskonzerns könnten solche Banken möglicherweise ja nützlich sein, aber man könne nicht erkennen, welch« anderen Finanzoperationen dauernd oder gelegentlich über dieses Konto geleitet würden. Die vorstehenden Feststellungen genügen wohl als Beweis dafür, daß das Reichsaufsichtsamt nicht einmal die Zeitungen gelesen lzat, obwohl es in jeiner Erklärung die Press« als-Informationsquelle ausdrücklich zlklekt. Wenn jetzt das Reichsaufsichtsamt sich etwa auf die Ausrede zurückzieht, daß ja die Autoversicherung nicht dem Reichsaufsichtsamt unterstehe, so ist darauf hinzuweisen, daß ja die Frankfurter Allgemeine schon auf verschiedenen Gebieten des Abzahlungskredites im ungünstigen Zusammenhang genannt worden ist. A c r l u st e aus dem Bank- und Absatzsinanzierungsgeschäft der Frankfurter Allgemeinen wurden bekannt, als die N ä h m a s ch i n e n f i r m a Gerster in Reutlingen zusammenbrach. Ebenso wurde von Verlusten der Frankfurter Allgemeinen gesprochen, als es bei der Auto- mobilfirma Mertlich u. Grün in Köln zur Aufdeckung großer Betrügereien kam. Ebenso war die Frankfurter Allgemeine in den Zusammenbruch der Perser-Teppich-Handelsgejelljchait, Frankfurt a. M., verwickelt. Von all diesen Tatsachen hat das Reichsaufsichtsamt nichts ge- merkt. Es ist dringend notwendig, die innere Organisation des Reichsaufsichtsamtes und ihre gesetzlich umschriebenen Funktionen einer gründlichen Revision zu unterzielzen. Der Fall der Franksurter Allgemeinen ist wieder ein Beweis dafür, wie notwendig es ist, daß die Versicherung der Verstaatlichung«ntgegengeführt wird. Xurt Heinig. Stichflammen aus dem Straßenpflaster Ein Arbeiter schwer verbrannt. Bei den Bauarbeiten auf dem W o r i h p l a tz ereignete sich heute früh, wenige Minuten nach 8 Uhr. ein eigenartiger Unfall. Aus dem Erdreich schlugen plötzlich mehrere lange Stichflammen hervor und verletzten den an dieser Stelle beschäftigten Polier Waller K o h s aus Dall- w i h bei hoppegarten schwer. Zuerst war das Gerücht verbreitet, daß infolge eines Bruches der H a u p t g a s l e i t u n g eine Explosion erfolgt sei. Wie die späteren Ermittelungen der Feuerwehr jedoch ergeben haben, ist die Ursache aus einen Kurzschluß durch Zertrümmerung eines elek- irischen Kabels des Lichtnetzcs der Bewag zurückzuführen. Der Polier K. hatte mit einer Brechstange das Stromkabel, das etwa % Meter im Erdreich lagert, getroffen und zerstört. Es entstand Kurzschluß, und im nächsten Augenblick schlugen mehrere Stichflammen hervor. K. erlitt schwere Verbrennungen im Gesicht: er mußte In« Urbankrankenhaus überführt werden. Die alarmierte Feuerwehr erstickte das Feuer durch Auf- werfen von Sand. Nachdem das Kabel stromlos gemacht worden war, konnte sofort die Auswechslung der zerstörten Leitung vorgenommen werden. Die G a s r o h r e, die in weiter Entfernung parallel zu den Stromkabeln laufen, blieben völlig unbeschädigt. Der gesamte Straßenbahn- und Fuhrwerksver- kehr vom Moritzplatz in Richtung Jannowitzbrücke mußte von 8.20 bis 9.40 Uhr umgelenkt werden. -i- Im Metall werk Laue in der Refidenzstr. 62/69 in Reinickendorf-Ost entstand gestern abend gegen 1§11 Uhr in einer Ab Freitag dieser Woche erscheint im»Abend« die spannende (tadiclte eines Tischlerinngen Von Wilhelm Mitschke Zinkkammer eine Schaldecke ein Brand. Die Feuerwehr konnte «ine größere Ausdehnung verhindern und löschte den Brand in etwa lUsiündiger Tätigkeit. Der entstanden« Schaden ist durch Versicherung gedeckt. In der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr brach im rechten Seiten- flllgel des Grundstücks Marienburger Str. 25 aus noch nicht festgestellter Ursache im Dachgeschoß ein Brand aus, der durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr bald gelöscht werden konnte, ehe er größeren Umfang annahm. Der Sachschaden ist nur gering. Bluttat im Dorfe. „Wenn nur der da draußen kaputt würde." Oberkochen �Württemberg), 21. August. Die beiden Brüder Joseph und V i n c e n z Dürr, die hier verheiratet sind und als ruhige, stille Menschen gelten, be- suchten ihren in Elchingen wohnhaften Schwager, den Stallschweizer Weber, um von ihm die Herausgabe einer 14jahrigen Sties- t o ch t e r zu verlangen, die dieser fortgesetzt mißhandelt«. Joseph Dürr, der den im Bett liegenden Schwager zuerst allein in seiner Kammer aufsuchte, erhielt von diesem nach kurzem Wortwechsel init einem schon bereitgehaltenen Stilettmesser einen so wuchtigen Stich, daß Magen und Leber durchbohrt wurden. In dem darauffolgenden Handgemenge trug auch der inzwischen zu Hilfe geeilte Bruder Vincenz fünf Stiche, die ihn schwer ver- letzten, davon. Trotz der schweren Verwundungen eillen die beiden Brüder auf die Straß« und wollten wieder auf Weber eindringen, als dieser im Hemd und mit dem Messer in der Hand unter der Haustür erschien. Joseph Dürr erhielt bei dieser Gelegenheit noch einen Bauchstich und wurde dann von seiner ihn bcgleilendcn Frau weggezogen. Er brach nach kurzer Zeit aus der Straße zu- samme» und starb noch in der Rächt im Krankenhaus. Die Ber- letzungen seines Bruders sind schwer, doch nicht lebensgefährlick>. Der Täter wurde festgenommen und äußerte bei der Abführung: /.Wenn nur der da draußen(gemeint war der in einem Bauernbcnis liegende Joseph Dürr) k a p u t l würde," Der Verstorbene war erst vier Wochen glücklich verheiratet. Georg Springer. Ort der Nacht von gestern zu heute ist Georg Springer, der langjährige Erste Vorsitzende der Berliner Freien Volksbühne im Alter von 57 Jahren gestorben. Seit Jahren leidend, hatte sein Zustand in letzter Zeit sich so verschlimmert, daß er bereits seit einigen Monaten an den Sitzungen der Volks- bühnenoerwaltung nicht mehr teilnehmen konnte. Ein jkuraufenthalt während dieses Sommers in einem thüringischen Sanatorium hat dem Schwcrleidenden nicht mehr die erhoffte Heilung gebracht. Mit Georg Springer hat die Berliner Volksbühne einen Führer verloren, dessen unermüdliches, von tiefer Begeisterung getragenes Wirken, gepaart mit grenzenloser Opferwilligkeit sie nicht nur zu einer Masseninstitution und zu ihrer künstlerischen Bedeutung erhob, sondern dem vor allem auch die Erbauung des eigenen Theaters am Bülowplotz zu danken ist. Die finanztechnische Fundierung. dieses aus Arbeitergroschen geschaffenen, der geistigen Erhebung der Berliner Arbeiterschaft dienenden großen schönen Hauses ist Georg Springers Werk gewesen, der all die damit ver- bundene jahrelange schwierige Arbeit noch neben der eigenen Berufs- arbeit leistete, Tag und Nacht tätig, nie ermüdend, immer allen Zweifeln am Gelingen des kühn begonnenen Werkes mit froher Zuversicht entgegentretend—, und all dies« rastlose Tätigkeit ehren- amtlich ausübend! Georg Springer hatte nach schwerverbrachter Jugend Buch- Händler gelernt. Es gelang ihm in Dresden, eine eigene Verlags- buchhandlung zu schaffen, die später von der Union Deutsch« Verlags- gesellschast übernommen wurde, als deren Direktor der Berliner Ab- teilung Georg Springer dann in leitende Stellung trat, die er bis zu seinem Tode inne hatte. On die Verwaltung der Neuen Freien Volksbühne kam er im Oahre 1908, an Stelle von Karl Henckell, dem kürzlich Verstorbenen. 0m Oahre 1911. als Nachfolger Dr. Oosef Ettlingers, wurde er dann erster Vorsitzender des Vereins. Später war er ein eifriger Förderer der Vereinigung der damals bestehenden beiden Berliner Volksbühnen, die dann sich zu einem Verein verschmolzen, dessen Leitung Georg Springer bis zuletzt gehabt hat. Georg Springer, ohne je öffentlich hervorgetreten zu sein, hat in schwersten Oahren das Beispiel eines Mannes gegeben, der. von innerem Feuer für die kulturelle Befreiung des Volkes erfüllt, seine ganz« Kraft in deren Dienst stellte, nie zaudernd, immer anspornend, dabei selbstlos und nie nach öffentlicher Anerkennung strebend. Bei denen, die ihn gekannt, die diesen Mann in seinem Wirken jahrelang sahen, war die ihm in der Volksbühne entgegengebrachte stille Ver- ehrung selbstverständlich. Als zweites leuchtendes Denkmal seines Wirkens erhebt stch nun der der Berliner Arbeiterschaft gewechte Theaterbau am Bülowplatz. Ohne Georg Springer wäre er nicht geschaffen worden. Ulbert Weidner. Kyrill L: Zar aller Reußen. Monarchistenfinanzierung durch Ordensverleihungen. Der Operetten-Zar Kyrill I. residiert in St. Briac. Er residiert nicht nur— er regiert. Er hat in den letzten drei Monaten 361 Er- lasse unterschrieben— über Beförderungen, Versetzungen und Ent- lassungen. Auch Neuaufnahmen in die Armee und Flotte Seiner Majestät fanden statt: der Mietropolit Antonius wurde zum Mitglied des kaiserlichen Rates ernannt, der geschäftsführende Leiter des Korps Seiner Majestät, Generalmaior Apuchin, zum Generalleutnant. Ein allerhöchstes Reskript beauftragte den Großfürsten Nikita Alepandrowitsch mit der Herstellung einer ständigen Verbin- dung zwischen Seiner kaiserlichen Hoheit und dem Obersten monacchi- stischen Rat. 0a, auch einen neuen Orden hat der Operetten-Zar gestiftet— den Orden des„Wundertätigen Nicolai". Es ist dies«in Kreuz aus weißem Metall, auf der Brust zu tragen, und zeigt die Aufschrift„Der große Weltkrieg 19. Ouli 1914— bis zum 1. März 1917". Dazu gchört natürlich das weißgelbschwarze Romanow-Band. Die kaiserlichen Untertanen nichtchristlichen Glaubens erhalten den Orden ohne die Abbildung des Heiligen— natürlich ist auch eine besondere Prägung des Ordens sür Zivilpersonen vorgesehen. Dekoriert werden mit ihm laut§ 1 der Staturen alle diejenigen, die bis zum 1. März 1917 der kaiserlichen Armee und Flotte angehört haben— also bis zur Februarrevolution. Auch die im Weltkrieg« Gefallenen können laut Z 2 noch jetzt nach dem Tode mit dem Orden ausgezeichnet werden. Er ist auch erblich und geht in gerader Linie an den Aeltesten des Geschlechts über; die besonderen Rechte und Privi- legien, mit denen die Orden verbunden sind, sollen erst nach der Rückkehr nach Rußland von einer besonderen, auf Grund eines kaiserlichen Erlasses ernannten Kommission bestimmt werden. Das amüsanteste bei der ganzen Geschichte ist aber die Art, in welcher die würdigen Träger dieses Ordens auserwählt werden sollen. Die Reflektanten haben ein kurzes Gesuch an eine besondere Kom- Mission zu richten unter Beifügung einer von dieser Kommission bestimmten Summe Geldes. Da liegt also der Hund begraben! ZarKyrillbraucht Geld: Geschäftstüchtigkeit wird man ihm nicht absprechen können. Damit der Laden auch geht, sind in Finnland, Ougoslawien, Bulgarien,>m Fernen Osten, in New in Frankreich und auch in Deutschland 2 mal Moskau. («nlSstlich des russischen Klottenbesuches.) -(Uft 7 r VOLKS- begehren (SEGEN t�mJeden� PAW2ER- KREUZERJ /tfV rmKfD ■*'-■6'*K3g J 1928;.Nieder mit den panzerkreuzersozialisten!" 1929:.Sin Hoch der deutschen Flotte!" spezielle O r d e n s v« rl e i h k o m m i s s i o n« n ernannt worden. Man wird also demnächst in Berlin die Ehre und das Vergnügen haben kyrillordcngeschmückte Brüst« russischer Emigranten zu be- wundern Was ein richtiger Zar ist, muß sich aber auch seinen Untertanen zeigen und darf nicht in der Weltabgeschiedenheit eines Briac untätig dahinleben. Also erteilte vor kurzem Sein« Kaiserlich« Hoheit mit- samt seiner erlauchten Tochter Kyra Kyrillowna den Getreuen in Paris eine Massenaudienz. On den drei Prunkräumen des mcdi-mischen französisch-internationalen Zirkels hatten sich laut Be- rlcht er offiziösen zaristischen„Bekanntmachungen mehr als 400 „Persönlichkeiten"' eingefunden, darunter die Mitglieder des kaiser- lilbrn Rates, die obersten Spitzen der kaiserlichen Behörden, die Mitglieder des legitimen monarchischen Verbandes— es gibt auch kalblegitime und ganz illegitime Monarchisten, die sür den Zaren Kyrill wenig übrig haben—, die Vertreter des oberen monarchischen Rates usw. Natürlich gab es auch Ansprachen und Antworten aus allci höchstem Munde. Der Vertreter Seiner Kaiserlichen Hoheit in Paris, der geheime Staatsrat Baschmakow, feierte den„legitimen Nachfolger Nicolous II. im Namen der treuen Untertanen, die beglückt feien, ihren Zaren in ihrer Mitte zu sehen. Seine gesühls- durchzitterte Rede schloß er mit den Worten der russischen National- Hymne „Gott schütze den Zaren" und dann erscholl aus einigen hundert monarchischen Kehlen wifchtig die Nationalhymne.„Wie«in Traum verflog die Zeit", sagt der Bericht. Der Zar aber schritt die Reihen seiner treuen Offiziere ab und sagte zum Abschied:„Das aufrichtig« Gefühl, das Sie mir, der zur Rettung de» Daterlandes das Bonner der historischen Monarchie erhoben hat, mir. der Euer zukünftiger Zar sein wird, entgegengebracht haben, hat mich aufs tiefste gerührt..." Zar Kyrill erscheint al» ein vorzüglicher Dorwurj für«ine komische Operette:„Gott schütze den Zaren." „Mutierliebe." Atrium. Der gifttgste, mißgünstigste Frauenblick muß es der Henny Porten zugestehen, daß sie noch immer fabelhaft aussieht. Und wie wandlungsfähig diese Schauspielerin ist, die— als'steter Liebling des Publikums— den Weg vom Kintopp zum oerinnerlichten Film ging, das ist ein Kapitel für sich. Ohr neuester Film wurde nach einem Vorkommnis aus dem Leben ziemlich kintoppdramatisch gestaltet. Er ist„Mutter- liebe" betitelt, obwohl er„Der Schrei nach dem Kinde" heißen müßte.> On ihm erlebt man durch Henny Porten den Leidensweg der kinderlieben, kinderlosen Frau. Henny Porten ist die fraulichste Darstellerin des deutschen Films, und in ihrer neuen Rolle ist sie, ohne Mutter zu sein, eine der reifsten und vorzüglichsten Mutter- darstellerinnen der ganzen uns bekannten Filmproduktion. Ohre Leistung war von außerordentlich großer Wirkung auf die Tränen- drüsen der Zuschauerinnen und nach der Uraufführung wurde in erhöhtem Maße Puder in Anspruch genommen, um die Tränen- spuren zu verwischen. Neben Henny Porten wirkten als Staffage Gustav Dicsfel, der Vollblutschauspieler ist, Hilde Mar off, der man bald eine größere Rolle anvertrauen sollte, und Elisabeth Pinajeef, die diesmal nicht mißsiel, da sie als unbeseeites Mannequin für ihr« Roll« genügte. Der Regisseur Georg Oacoby arbeitete für das teutsche Gemüt und den amerikanischen Export. Henny Porten wurde im Theater vom Beifallsorkan umtobt, und auf der Straße hatte die Schupo es schwer vor dem Wall der Henny-Porten-Sehnsüchtigen, den Verkehr zu regeln.«. d. Hugh Losting an die Jugend. Hugh Lofting.der weltberühmte Verfasser der Dr.-Dolittle- Tierbücher, sprach im Friedrich-Werder-Gymnasium, in einer Sonder- Veranstaltung der Deutschen Liga sür Menschenrechte, über.Lugend und Frieden". Schon zu der festgesetzten Anfangszeit war die Versammlung wegen Ueberfüllung geschlossen, und darum mußten leider sehr viele vor der Tür wieder umkehren. Hugh Lofting sprach englisch und sein Vortrag wurde Satz für Satz übersetzt, was ihn sowohl wie die Zuhörer stark belastete. Er führt« u. a. aus, daß durch Unaufrichtigteit die meisten Kriege ver- urjacht würden. Onfolge unserer falschen Erziehung wären wir ge- wohnt, alle anderen Völker nach Schablonen zu sehen. Daher er- lebten wir in fremden Ländern stets die größten Ueberraschungen. Alle Völker aber wären gleich, wenn sie die gleichen Lebens- bedingungen hätten. Der Krieg von heute sei nichts weiter als eine wissenschaftliche Berechnung, er sei«in Vertllgen der Völker vom Erdboden, er sei ein Unternehmen, an dem kein Volk etwas ge- winnen könne. Daher sei es ganz unverständlich, daß noch Minister, Heerführer und etliche kleine Kinder so gerne mit Soldaten spielen. Wir brauchten keine Heere und Flotten, wir brauchten eine international« Polizei und eine internationale Gerichtsbarkeit. Warmherzig bat«r die Ougend, das Leben neu zu bauen und in keinem Lande auf die Reaktion zu hören, die den Fortschritt hemmen will und den Zeiger der Zeit zurückstellen möchte.—g. Moderne Prosa als Gchullettüre. On Verfolg der vor einiger Zeit herausgegebenen Richtlinien des preußischen Kultusministeriums, der dogmatischen Bevorzugung der„Klassiker" auch Lektüre moderner deutscher Literatur entgegen- zusetzen, sind vor einiger Zeit bereits u. a. einige Dramen Gerhan Hauptmanns als Schullektüre herausgegeben worden. Von dem gleichen Verlag, S. Fischer, werden jetzt auch Schulausgaben einiger neuerer Prosaautoren veranstaltet. Bisher sind vier neue Bändchen erschienen, und zwar von Jacob Wassermann:„Adam Urbas" und zwei andere Geschichten: von Hermann Hesse:„Der Zyklon" und andere Erzählungen; von Thomas Mann:„Sieben Aufsätze"; ferner ein Band„Dichtung von Dichtern gesehen", vier Esiays von Hof- mannsthal, Lörke und Heimann. Zurzeit läßt sich über die Onanspruchnahme dieser Hefte als Schullektüre durch die einzelnen Schulen naturgemäß noch nichts sagen, da sich die Hauptanschaffung neuer Schulbücher sür das Ver- lagsgeschäft erst iin Herbst auswirken kann. Auch von einer Reihe anderer Verlagsanstalten wird eine Serie Schullektüre vorbereitet, so vom Verlag Philipp Reclam und der Deutsche« Verlagsonstalt Stuttgart. Ein neuer Führer durch die Nattonalgalerie. Dem oielbenutzlen Führer„Deutsche Malkunst im 19. Jahrhundert", den der Direktor der Nationalgaleri« Geheimrat Ludwig Ousti geschrieben hat. läßt jetzt sein Mitarbeiter. Dr. Paul Ortwin Rav«,«inen Führer zu den Bildwerken folgen, unter dem Titel„Deutsche Bildner-Kunst von Schadow bis zur Gegenwart"(gleichfalls bei 0. Bard in Berlin). Raves eindringend« Beschreibungen wollen das Auge des Galerie- befuchers zum Erfassen des künstlerisch Bedeutsamen erziehen und einen Einblick in die Entwicklung der deutschen Bildhauerkunst geben, die von den frühen Klassizisten, dem Goethe-Portrötisten Klauer, dem Schadowlehrer Tassaert bi» zu Lehmbruck und Barlach. Scharst und Belling führt. Das Kest desLnsekienhörens. Wenn die Passagiere des„Grafen Zeppelin" jetzt in Tokio an Land gehen, da kommen sie gerade zurecht, um neben den anderen Sehenswürdigkeiten der japanischen Hauptstadt auch on einem eigen- arttgen Fest teilzunehmen, das um diese Zeit von den Garten- freunden in der spätsommerlich blühenden Natur begangen wird. 0m japanischen Garten sind wildwachsende Blumen sellen, und so erfreut man sich denn besonders an den„sieben Gräsern", die um dies« Zeit den Garten zieren. Diese„Gräser", sind der japanische Buschklee, das Pampasgras. Pfeilwurz, wilde Nelke, chinesischer Mennig, Winde und maiden llovver. Wenn diese Gräser ihre Pracht entfalten, dann feiert man noch heute wie vor Hunderten von Oahren das seltsame Fest des„Onsektenhörens". von dem Marie Luis« Gotheim in der„Gartenschönheit" erzählt:„Das Summen der On- selten, besonders der Heimchen und vieler anderer, erfüllt die Seele des Oapaners mit Poesie und Sehnsucht. On den Tagen, wenn die sieben Gräser blühen, glaubt man, daß es am schönsten klingt. So sieht man in jener Zeit Tempelgärten. Parks und Privatgärten erleuchtet von den zierlichen, oben offenen, Papierlatcrnen, den bombori: in dem sanften Licht, das sie nach unten über Sträucher und Blumen ergießen, sammeln sich überall befreundete Gruppen, die gespannt der kommenden Lust entgegensehen. Oeder trägt näm- lich in der Hand einen ganz kleinen Käfig, in dem die Onsekten eingesperrt sind. Sic wurden vorher nach Liebhaberei gefangen oder in den öffentlichen Gärten von Händlern gekauft, die sie in Mengen feilhalten. Nun kommt der feierliche Augenblick der„Befreiung der Onsekten": die Käfige werden geöffnet, die kleinen Gefangenen fliegen dem Licht entgegen, das oben hell aus zahlreichen Laternen strömt, und atemlos schaut der Besitzer seiner kleinen Schar nach, wie sie, ihre neue Freiheit genießend, das seinem Ohr so wohlklingend«, fröh- liche Summen ertönen läßt. Ernste Männer und Frauen vereinen sich so zu einer Feier, die schon im 11. Oohrhundert erwähnt wird. Eine deutsche Volksbühne für Ehicago. Bon den deutschen Vereinigungen in Chicago ist eine Sammlung in die Wege geleitet worden, die die Schaffung eines deutschen Theaters für Chicago zum Gegenstand hat. Das Theater soll als Abonnementstheater nach dem Muster der Dolksbühnenorgani- fationen aufgebaut werden. Gesammelt wird zunächst ein Grund- stock von 30 000 Dollar als Vereinsvermögen. Nach den vielfachen Mißerfolgen, die das deutsche Theater im. letzten Oahrzehnt in den amerikanischen Großstädten zu verzeichnen hotte, ist dies« neue Onitiatioe, dem amerikanischen Deutschtum ein siändioes Theater zu schaffen, doppelt zu begrüßen. Zeiiungsausstellung in Baku. Vor kurzer Zeit ist in Baku am Kaspischen Meer eine Zeitungsaus st ellung eröffnet worden, die vor allem dadurch Onteress« erweckt, daß in ihr die Zeitungen der primitivsten Völker der Erde in einer bisher noch nicht erreichten Vollständigkeit zu- saminengeb rächt worden sind. Man sieht dort Zeitungen, durch welche bei den Zulukoffern und den Papüanegern die Neuigkeiten des Tages verbreitet werden, weiterhin große Palmblätter, auf denen sich die Neger Onnerofrikas wichtige Mitteilungen zusenden, und selbst von den zerstreut liegenden Südseeinseln und aus Polynesien sind Zeitungen vorhanden. Diesen mehr oder weniger periodisch erscheinenden Blättern, die aus 167 verschiedenen Ländern stammen und in 143 oerschiedmen Sprachen geschrieben sind, ist noch eine be» sondere Abteilung angegliedert, die ausschließlich Einzelblätter und besondere Seltenheiten enthält, wie etwa unter den letzteren die erste in Afghanistan«rschienene Zeitung. Unter den Einzeldrucken sind besonders die vielen in Geheimdruckereien hergestellten Flug- blätter von Wert, die, der Natur ihrer Entstehung entsprechend, meist einen aufrührerischen oder revolutionären Onhalt besitzen. Rom als Millionenstadt. Rom hat nach der neuesten Zählung bereits bedeutend mehr als 900 000 Einwohner, so daß es bald die Millionengrenze überschritten haben dürste. Das künftige Otalien wird dann drei Städte mit mehr als einer Million Einwohner besitzen, nämlich Mailand, Rom und Neapel. Nur einmal im Verlaufe ihrer langen Geschichte ist die „ewige Stadt" von ebenso viel Menschen bewohnt worden wie jetzt: das war vor fast 2000 Oahren unter Augustus. als Rom üper eine Million Einwohner zähste. Om Mittelalter ging die Bevölkerung immer mehr zurück, und al» der Papst zu Aoignon residierte, betrug sie nur noch 17000 Seelen. Dann nahm die Einwohnerzahl nur ganz langfani zu und stieg erst rasch an, als Rom die Hauptstad» des geeinten Otaliens wurde. 1870 zähste man 226 000. 19":; 462000, 1924: 736 000 Einwohner. Uleta Seinemeyer, die jugendliche dramatisch« Sängerin der Dresdener Oper, ist im Alter von 33 Oahren an den Folgen einer Grippe g e st o r b e n. Sic war eine geboten« Berlinerin und begann ihre künstlerische Laufbahn im Deutschen Opernhaus. Wenige Tage vor ihrem Tode hatte sie sich mit dem Kapellmeister Weiß- manu verheiratet. Llm©ein und Werden. Vom SS. Deutschen Krankenkassentag. Nürnberg. 2l. August. Am drittrn Verhandlungstag« ergriff Herr Dr. vendix. Chef- orzt der Anrbulotorien des Berliner Krankenkofsenverbandes das Wort zu seinem Referat „Sexuolberatung und Krankenversicherung". Cr ging von den Folgen der Ueberfruchtbarkeit. d. h. der zu häufigen Geburten für die Arbeiterfrau und die Arbeiterkinder aus. In Deutschland würden 9 Proz. aller Kinder unehelich geboren. Im Alter zwischen 20 und 33 Iahren seien 4 Millionen Personen u n- verheiratet. In Frankfurt a. M. in den städtischen Ent- bindungsanstalten stammen von 100 unehelichen Geburten 36 von nicht Eingeborenen, ein Beweis für dos Abschieben der unehelich Geschwängerten i n d i e Stadt. Die Sterblichkeit in Frynk- furt sei auf 100 ehelich erstgeborenen Kindern 3,75 Proz., bei 100 unehelichen 13,3 Proz. Der Redner wies dann auf die Folgen nicht fachgemäß vor- genommener Abort«, auf die späteren Entbindungen bei Frauen hin und zitierte dabei ruffifche Feststellungen. Dann berichtete er von Untersuchungen im Jahresbericht der AOK. Berlin, daß bei Familien, die zwei Stuben und«ine Küche bewohnen, erst jede 23. Familie einen Kin-destodesfall Hab«, während bei Wohnungen aus einem Raum, wo zwei Personen wohnen, auf sechs Familien ein Kindertodesfall, bei neun Personen pro Raum schon auf OB Familien ein Kind stirbt. Die wohlhabenden Frauen haben nur die Hälft« der Geburten der Arbeiterfrauen, während diese eine dreifache Kindersterblichkeit hoben. In M ü n ch e n gab es 1926 durchschnittlich auf eine Ehe 1,8 Kinder, bei 725 Familien mit durchschnittlich 3,4 Kindern fanden sich jedesmal mehrer« schwachsinnige Kinder. Die große soziale Bedeutung der Ehe- und Sexualberatung besteht nach dem Referenten darin, daß durch die Pröventiomittel die kriminellen Abort«, die ganz besonders die Gesundheit der Arbeiterfrauen be- drohen, vermieden werden. Daß die Frauen, wenn sie«ine Ehe- berotungsstelle aufsuchen, einen Schutz vor einer ungewünschten Schwangerschaft wünschen, beweist das Versagen vieler Eheberatungsstellcn in Großstädten, wo nur 50 Personen im Jahre kamen, weil dort keine Schutzmittel vcr- abfolgt wurden. Außer in Berlin wird noch, im Einklang mit der Reichsverstcherungsordnung, wonach die Krankenkassen vor- beugende Fürsorg« treiben sollen, von den Ortskrankenkaffen in Dresden. Leipzig, Frankfurt a. M. Sexualberatung getrieben. Das offizielle Organ der sächsischen A-rzteschaft hat zu dein Beschluß der Leipziger Ortskrankenkassen an die weib- lichen Mitglieder Schutzmittel auszugeben, geschrieben: „Dieser Beschluß betrifft hoffentlich nur die verheirateten Mitglieder, da es ja sonst eine Begünstigung der Unzucht darstellen würde." In Berlin bestehen zurzeit bei den Ambulatorien sechs Be- rawngsstellen, die im Berichtsjahr von 1500 Patientinnen aufgesucht wurden. Davon verlangten 80 Proz. Mittel zur Geburtenverhütunz. 4 Proz. Sexualberatung, die übrigen suchten aus anderen Gründen Rat und Hilfe. Diese 1500 Frauen hatten 4660 Schwangerschaften hinter sich, aus denen 2500 lebende Kinder resultieren. Di« 200 Un- perheirateten hatten 94 Schwangerschaften, davon lebten 36 Kinder. Häufig handelt es sich nur um zeitliche Geburtenverhütung wegen Fehlen der Wohnung, Arbeitslosigkeit und ähnlichen Rot- ständen. In allen Beratungsstellen sind Aerztinnen tätig, die durch eine Untersuchung den anatomischen Bau der Organ« feststellen, dann den Frauen die entsprechenden Mittel geben und sie im Gebrauch unterrichten. Daß leider noch keine Idealxiittel cxistteren, beruht zum Teil auf dem mangelnden Interesse der staatlichen Institut« an so- zialen Fragen. Allen Gegnern der Ehe- und Sexualberatungs- stellen sei gesagt, daß heutzutage fast jede Frau, die kein Kind aus- tragen will, die Möglichkeit zur Abtreibung findet. Da leider hier viele Kommunen versagen, haben die Kran- k e n k a s f e n als die berufenen Hüter der Gesundheit der breiten Massen die Aufgabe, bahnbrechend im Interesse der Arbeiterfrauen zu handeln.. Im Anschluß kam es noch wegen der Satznngsäirderung zu einer großen Debatte, die mit einem Dcrtogungsantrog endete. * Das Interesse der Versammlung an allen gesundheitlichen Fragen und die Leitung und Vorbereitung der Tagung durch die Genossen Ahrens, Lehmann, Kirchhoff, Bohlmann und O k r a ß beweisen von neuem, daß der Hauptverband deutscher Krankenkassen ein Stützpfeiler im Kampf der Arbeiterschaft für die gesundheitliche und kulturelle Hebung ist. Dr. med. Norbert Marx. Arme Teufel vor Gericht. Bilder aus Moabit. Die armen Teufel vor Gericht sind die Bedauernswertesten. Ihre Vergehen sind meist geringfügig. Und wie sie sich in ihr kümmerliches Schicksal fügen, so fügen sie sich auch in die Strafe. Ist diese klein. so sind sie dem Richter nicht weniger dankbar, als wenn er sie frei- gesprochen hätte. Sie sind derart an Rackenschläge des Schicksals gewöhnt, daß seine Gunst sie innerlich fast unberührt läßt. Er wollte ihn nur wecken. Man hat dem Mann wirklich unrecht getan: er wollte ihn ja nur wecken! Man beschuldigte ihn aber des Diebstahls von sechs Rasiermessern und brachte ihn vor den Schnellrichter. Sein Strrs- registcr weist 13 Vorstrafen auf: acht für Hausfriedensbruch, eine sür Bettelei, zwei für Glücksspiele und nur eine für versuchten Diebstahl. Auch damals hat er einen Schlafenden anscheinend„nur wecken" wollen. Diesmal bestimmt! Ein Schupobeamter beobachtete ihn, wie er sich zu einem Schlafenden setzte und mit der Hand in dessen innere Rocktasche fuhr. Es war zwar Nacht, die Beleuchtung nicht erstklassig, der Wachtmeister hatte aber ganz genau hingesehen. Als er den Ucbcltäter fassen wollte, lief dieser davon, stolperte und wurde eingeholt. Dem Schlafenden, der unterdes geweckt worden war, fehlten sechs Rasiermesser. Er war Friseur. Bei dem der Tat Verdächtigen fand man sie nicht. Er habe sie auch nicht genommen, erklärte er: im Gegenteil, er habe beobachtet, wie sich kurz vorher zii?ei andere Leute bei dem Schlafenden zij schaffen gemocht hätten. Gerade das fei der Grund gewesen, weshalb er den Mann habe wecken wollen. Er fei ihm auch gar nicht in die Tasche gefahren. Der Staatsanwalt beantragte fünf Tage Gefängnis wegen versuchten Diebstahls. Der Richter sprach den Mann frei: man könne nicht wissen, vielleicht habe er ihn doch nur wecken wollen. Diesmal war es ein weiser Richter. Er wollte nur etwas zu essen finden. Der Mann trägt den hübschen Namen Nikodemus und ist aus Polen gebürtig. Seine Vergangenheit zeigt eine Strafe von sieben Monaten für schweren Diebstahl und ein Paßver- gehen. In Deutschland ist er seit 1914. Zwischendurch arbeitete er, öfters aber hungerte er. So drückte er sich eines Tages um einen Eiswogen herum. Stundenlang stand er an den Zaun gelehnt und las in einer Zeitung. Plötzlich war er am Eiswagen.„Er ist in Ihrer Kasse drin", sagte eine Frau zu der Eishändlerin. Er war rat- sächlich drin. Die Frau holte den Wachtmeister und der Mann mußte vor den Schnellrichtcr. Was er in der Kasse wollte?„Ich wollte was klauen zum Essen."„In der Kasse zum Essen?"„I a, zum Essen." Der Staatsanwalt beantragt 14 Tage wegen versuchten Diebstahls. Ob er noch was sagen wolle, der Staatsanwalt habe 14 Tage beantragt.„Ja, ja", meint Nikodemus. Dann er, geht dos Urteil: 2 Wochen Gefängnis. Er weiß von nichts. Zwar fand man in seinem Rucksack elf geschlachtete Hühner, und zwar waren diese Hühner in der gleichen Nacht gestohlen— er erklärte aber: ich weiß von nichts. Man glaubte chm nicht und bracht« ihn vor den Schnellrichter. Womit er sich beschäftige? Er sei Ge- legenheitsarbeiter und verdiene 4 bis 6 Mark am Tage.„Sa brauchen Sie doch keine Hühner zu stehlen?!"„Habe auch keine gc» stöhlen." Allerdings ist dieser Achtundvierzigjährige vorbestraft. Ein- mal wegen einfachen Diebstahls im Jahre 1921 und sieben Jahrs später wegen Diebstahls und Unterschlagung zu sechs Wochen Ge- fängnis. Die Polizei bezichtigt ihn auch der Pagobondage, da er sich trotz wiederholter Aufforderung kein« Wohnung besorgt hatte. Eine Wohnung besitzt er wirklich nicht— das gibt er ohne weiteres zu, aber Hühner gestohlen?! Nein, auch das hatte er nicht. Wie kam er aber zum Rucksack? Ja, ein Bekannter, den er so von der Gelegenheitsarbeit her kenne, hatte ihn zu ihm auf die Bank gelegt, ihn gebeten, ein wenig nach ihm zu schauen. Er war eigenickt, und als er aufwachte, erfuhr er, daß im Rucksack gestohlene Hühner seien. Wie hätte er das früher ahnen sollen! So blieb dem Staatsanwalt nichts anderes übrig, als Freispruch zu beantragen, und dem Richter, entsprechend zu verfahren. Aus dem Z 361 Abs. 8 wurde der , Lühnerdieb" wegen Bagabondage zu 5 Tagen Haft verurteilt. Er bat. daß man ihm die drei Tage, die er im Polizeigewahrsam ge» sessen hatte, anrechne.„Das wird vielleicht noch dem neuen Gesetz möglich sein," meinte der Richter,„im Augenblick sei es aber unmöglich."._ Oer Streik der Bauschloffer. Heute SchlichtongsverhanVlungen. Heut« vormittag waren im Saalbou Friedrichshain etwa 1500 streikende organisierte Bau- und Geldschrankschlosser versammelt, die schon seit vier Wochen im Kampf um die Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingwigen stehen. Die Versammlung hotte nur rein informatorischen Charakter. Ein Mitglied der Streikleitung berichtet« über das Ergebnis der am Montag mit dem Schutzverband Berliner Schlossereien ge- führten Einigungsverhandlungen. Wie im„Vorwärts" bereits mitgeteilt, haben die Verhandlungen wegen der ungenügenden An- geböte der Unternehmer trotz siebenstündiger Dauer zu keiner Ver- ftändigung geführt. Die Halsstarrigkeit der Unternehmer ging so- weit, daß' sie die weit hinter der ursprünglichen Lohnforderung von 13 Pf. pro Stunde zurückbleibenden Gegenangebote der Verhond- lungskommifsion der Bauschlosser glatt zurückwiesen und mit lächer- lich geringen Zugcstondissen auswarteten. Der Berichlerstytter wies schließlich auf die heute vormittag von Amt» wegen«ingeleiteten Verhandlungen hin, von deren Verlauf er sich angesichts der Ergebnisse der bisherigen Verhandlungen wenig versprach. Infolge der völlig veränderten Situation durch dos amtliche Eingreifen des Schlichtungsausfchufses be- schloß die Versammlung gegen eine Stimme, von jeder Diskussion über den durch die Entwicklung überholten Bericht abzusehen und erst den Ausgang der heutigen Verhandlungen ab- zuwarten. Die nächste Vollversammlung der streikenden und ausgesperrten Bau- und Geldschrankschlosser, die zu dem Ergebnis der Schlichtungs, Verhandlungen endgültig Stellung nehmen soll, wird am Freitag vormittag 10 Uhr im Saalbäu Friedrichs Hain abgeholten. Losziehung beim„Sturmvogel". Die Losziehung des„Sturm- vogel". Flugoerband der Werktätigen e. B., mußte aus technischen Gründen auf Sonnabend, den 24. August, vormittags 8 Uhr, ver- tagt werden. Sie findet in den Geschäftsräumen des Zentrolfliig- Hafens statt. Die Bekanntgabe der Gewinne wird Anfang nächster Woche in unserem Blatt erfolgen. Wetter für Berlin: Wolkig, zeitweise aufheiternd, noch ziemlich kühl ohne erhebliche Niederschläge.— Für Deutschland: Im Nordosten noch einzelne Regensälle, im jibrigen Reiche langsame Besserung. Sie»,« 1 Beilage. .. Glocke, orwerlz Bück. Lindenstrab« 3. Rose- Thealer, Grofic Ffanlrfuricr Str. 132. Täglich S.15 Uhr Der Kleine Kuppler LoStcpi«! i. 3Akt. v.Armont u.Gerbidon Gartenbohne 5.30 Uhr Konzert und bunter Teil 8.15 Uhr „Bis früh um(UnfeM Wem«» SU Ahonaent oe: Base-Thon rs Verlängert Sic kostenlose Zusendung der Abonnements-Bedingungen Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8V* Uhr NaBoderTrofficn? Tlini.amiiDiu.Tor Koltb. Str. 6 Tägl.tUhr Elite- 'Sänger L Die August- Sensation Strippkc'o in der Sommerfrische Lustspielhaas Täglich 8'/> Uhr Du wirst mich heiraten I Rundfunkhörer halbe Preise. Vorverkauf, auch im Pavillon der Reinhard tbühnen. Kurfflrstpndamni, Ecke Uhlandstrfsse OeDlidi« TUeatei 0.1. Norden 12310 SUs Ende gegen II Die Fiedennans Musik v.Joh. StrauB. Reche: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E-W. Korngold. Ausstattg. L, Kainer Reichshallen-Theater AUabendUdi[ä] Uhr.; stettiner Sänger Sonntag, 25. August: Eni* tladmUttaas-Vorstsllana zu halben Preisen mit vollem Programm; OfSnhotf- Brette (Saal und Garten) Variete— Ton*— Konzert ••»■■■■■■iiaaeiMB—t Sommer-Qarten-Theater Berliner Prater N 58, Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 eiiupici Gosui bmi, sreui uiun DI« lustlse Witwe Operette von Franz Lohär Dazu der grobe Varleteteil. Anfang Kwizert 4. 30. Burleske u. Variet« B IUI. Opcrellc 8.30. ItBn Donnrntio ander Valksiag. Jed. Mittw. mauertest e. Verlosano CASINO-THgATEil Lothringer Strohe 91. Täglich»-.Uhr Oer neue Eronnungs-schieger Wem oeäört mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Leser: Outschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 AU, Sessel 1.75 M- Sonstige Preise; Parkett u. Rang oso M- Mctropol-Th. Tägl. 8'/. Uhr Sonntags 4 u. 8V< Blaubart Operette von Olfen bach Grete FinUer. SHeher-Wollcr Die Komödie II B|tmck.24I4/7S16 8'/. U., Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie: Leontine Sagan Lessing-Dieater Norden 10846 Gruppe langer Sdmnspieier Täglich SV. Uhr losel UkiMvikl-DniiBa Von Eleonore Kalkowska TneaL d. Westens Täglich 8-i. Uhr Sonntag 4 u. SV. Franz Lchars Welterfolgi Friederike Lotte Carola Willy Thums, Telephon Steinplatz 6931» 5121 Winter * Garren* 3 Uhr. Zemr. 2819 taltrut. Vsriot« Baomeo arlaukt lukt H ÜJ «'/, Uhr Barb. 8256 —----* { orH.-amTihimsche Baueiiw» usui. piAza Tägl. 5 u. SU Sonnt. 2, 5 a B" | Alox. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE Barnowskj-EObnen Theater in der KBniggritzer Straße Täglich SVi Uhr Riva I en Komödienhaus Täglich 8-h Uhr Rodizeittreise mit Haara AlaiaaUar Planetartnm i ii nm Zoo— firiinj. Jgadiasttiin Itnli 8.5 Barbarossa 5578 16-/. Uhr Sterneilger des Sommer. 1SV.U. Von Pol zu Pol om Sternenhimmel 20", Uhr vor Glutboll der Sonne Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 Pf. Berliner lllk-TrlO Naukölln. W Laiuutr. 74 TS A Bäckerei/ Konditorei/ Cafe Paul Köhler fionlardstr. 3/4, bei der Zeniral-Markthalle Beilage Mittwoch, 21. August 1929 SprÄbmd Shälaaigaße Ja tburäsA Reiche Leute Woher das Vermögen der Millionäre Deutschlands kommt Unmittelbar nach den elf reichsten Leuten Deutschlands kommt «in« Dome, Frau Klara verwitwete Kommcrjänger Josef Schwarz, vordem verheiratet gewesene Silken auf dem Landsitz Mariahalden in Boden-Baden, deren erster Mann, der Kaffeehöndler Silken, Begründer und Houptinhaber einer der ersten Kassee-Engros-,standliingen in New Dork war, nomlich der Firma Silken u. Crotzmann. Ungefähr zehn Jahr« vor dem Weltkriege nahm Herr Silken seinen Hauptwohnsitz in Baden-Baden, baute sich die Villa Mariahalden und stiftete der Stadt Boden-Baden sehr erhebliche Geldmittel zur Berschönerung ihrer Parkanlagen. Nach- dem er einig« Jahre nach Beginn des Weltkrieges gestorben war, heiratete seine Witwe Klara im Jahre'l92l den Kommersänger Schwarz, der am lO. November l926 starb. Herr Silken hat ein vermögen von mindesten» 100 Millionen Mark hinterlassen und ist in Baden nach dem Fürsten zu Fürstenberg die reichste Person gewesen. Die nun folgenden reichsten Personen Deutschlands sind unter de» Hauptaktionören der I. G. Forbenindustrie A.-G., den Teil- habern des Bankhauses Mendelssohn u. Co. in Berlin, sowie des Bankhauses M. M. Warburg in Hamburg, unter den Mitgliedern der Familie Haniel und ihrer Nochkommen, sowie unter den Groß- grundbcsitzern zu suchen, deren Besitz auf eigener Kohl« liegt, oder die eigen« Kohlenbergwerk« besitzen. Zu denjenigen Großgrundbesitzern, die am wenigstens unter dem Krieg« und der Instation gelitten haben dürften, gehört der Herzog Engelbert von Arenberg, der an der Schwelle des Krieges 80 000 Morgen in den Provinzen Hannover, Westfalen und Rheinlande zusammen besaß neben nicht unerheblichem Grundbesitz« in Belgien und Frankreich In Preußen besaß er ollein 80 000 Morgen, unter denen zum Teil die beste Steinkohle lagerte und er war der Regolherr. In dem Band West- falen meines„Jahrbuchs der Millionäre" kurz vor dem Krieg« habe ich berechnet, daß der Herzog von Arenberg im Jahre l912 an solchen Bergwerksteuern beispielsweise von dem Steinkohlenberg- werk Graf Bismarck und der Hibernia insgesamt 2 Millionen Mark eingenomemn hat. Der Herzog versteuerte im Jahre 1912«in Vermögen von 63 Millionen Mark und ein Einkommen von 3 Millionen Mark. Sein Ver» mögen war von 28 Millionen Mark im Jahre 189S hauptsächlich dank seiner engen Verbindung mit der Kohlenindustrie als Regal- Herr auf 63 Millionen Mark schon bis zum Jahre 1911 gestiegen und ist bis zum Kriege wahrscheinlich auf mehr als 66 Millionen Mark angewachsen. Die Kohlen stiegen während des Krieges und uach dem Krieg« gewaltig im Preise und die Förderung ist in der Gegenwart nicht geringer als vor dem Krieg«. Als Bergherr hat der Herzog während des Krieges und nach dem Kriege, wo nur Sachwerte volle Geltung hatten, sein Vermögen ohne Zweifel be-� . deutend vermehrt. In dem dichtbevölkerten Ruhrgebiet wird er den Morgen oder richtiger den Quadratmeter heule sicher zu viel höhedem Preis« verkaufen als vor dem Kriege, wenn er überhaupt verkauft. Als Mitglied des Aufsichtsrats der D i s c o n t o- G« s e l l s cha f t hat es ihm nie an finanzieller Erfahrung gefehlt. Früher residierte er meist auf seinem Schlosse Nordkirchen, Regierungsbezirk Münster, und gegenwärtig lebt er meist in Ölckenbarneveltk�am, (lravenbaxe(Holland). Das Einkommen des Herzogs war von 1 100 000 Mark im Jahre 1892 auf genau 3 OOS 000 Mark im Jahr« 1912 gestiegen. In dem von dem Herzog im Jahre 1911 versteuerten Vermögen von 63 Millionen Mark war der Grundbesitz des Herzogs im Auslande, insonderheit in Belgien und Frankreich, nicht xnt- holten. Da» vermögen des Herzogs von Arenberg ist also auf mindstens 66 Millionen Mark und fein jährliche» Einkommen auf Z Millionen Mark zu schätzen. Von allen Bankiers im Deutschen Reich dürfte Franz von Mendelssohn. der Seniorchef des Bankhauses Mendelssohn u Co., Berlin W. 56, IL g erst r a ß e 4 9/S 2, der reichste sein, und zwar aus dem Grunde, weil schon während des Krieges und nach den, Kriege das Reich in erheblichem Ilmfange durch das Haus Mendelssohn u. Co. und insonderheit durch die während des Krieges gegründete Filiale dieses Bankhauses in Amsterdam unter Leitung von Fritz Mannheimer finanziert worden ist. Der Krieg und die Jnslation, die der Gesamtheit zum Verderben wurden, wurden für das Bankhaus Mendelssohn u. Co. eine Quelle steigenden Reichtums, und der Teilhaber dieses Hauses, Dr. Fritz Mannheimer, zählt heute zu den reichsten Männern von Amsterdam und ganz Holland, wie mir von zuverlässiger Seite aus Amsterdam mitgeteilt worden ist,. Der am 29. Juli 1865 geborene Franz von Mendelssohn ist der jüngere Bruder des am 21. August 1917 gestorbenen Robert von Mendelssohn und wurde bereits am 5. Mai 1888 von dem Kaiser Friedrich geadelt, während sein am 25. Dezember 1909 ver- storbener Vetter Ernst von Mendelssohn- Bartholdy. Wirklicher Geheimer Rai, Exzellenz, erst am 17. Februar 1896 von Wilhelm II. in den erblichen Adelsstand erhoben wurde. Ernst von Mendelssohn hatte seit Einführung der modernen Einkommensteuer im Jahr« 1892 immer ein größeres Ein- kommen und Vermögen als der einzelne seiner veiden Vettern und Teilhaber. Im Jahre 1892 versteuerte Gerson von Bleichröder in Firma S. Bleichröder ol« der reichste Mann von Berlin «in Einkommen von 3,3 Millionen Mark. Der zweitreichste Berliner. Ernst von Mendelssohn-Bartholdy, versteuerte 1892«in Einkommen von 2 Millionen Mark, der drittreichst«, Adolf von Hansemann. Seniorches der Disconto-Gesellschaft, oersteuerte ein Einkommen von 1.8 Millionen Mark. Der am 6. Dezember 1892 verstorbene Werner von Siemens versteuerte in dem gleichen Jahr« ein Einkommen von etwas mehr als einer Million Mark und ebenso in dem gleichen Jahr« der Mitinhaber des Hauses S. Bleichröder. Julius Leopold Schwabach. Zm Zahre 1908 war der wirkliche Geheime Rat Ernst von Mendelssohn-Bartholdy der reichst« Mann in Berlin und versteuerte«in vermögen von 43 Millionen Mark und ein Einkommen von 3,2 Millionen Mark, während sein Vermögen im Jahr« 1895 nur 25 Millionen Mark betragen hatte. Aber Ernst von Mendelssohn hinterließ insgesamt �sechs Kinder, nämlich zwef Söhne und vier Töchter, so daß sein ältester Sohn Paul von Mendelssohn-Bartholdy, geboren den 14. November 1875, Rittergutsbesitzer auf Börnicke bei Berlin, Teil- Haber von Mendelssohn u. Co., selbstverständlich«in geringeres Ver- mögen besitzt als sein Onkel Franz van Mendelssohn. Dank der große» Filiale in Amsterdam ist heute die Stellung des Bankhauses Mendelssohn u. Co. bereits weit stärker als vor dem Kriege, wo die Finanzminister des russischen Weltreiches auf die Verbindung mit Mendelssohn u. C. den größten Wert legten. Die übrigen Teilhaber des Hauses Mendelssohn u. Co. sind Rudolf Löb, Dr. Paul Kempncr, Sohn des verstorbenen Justizrats Maximilian Kempner und Schwiegersohn des Geheimen Kommerzienrats Franz von Mendelssohn, sowie Frau G u i l« t t o von Mendelssohn, die Witwe des verstorbenen Generalkonsul Robert von Mendelssohn, welche zugleich die Interessen der beiden Kinder Roberts, Eleonore und Franz jr.. in, Aussichtsrat wahr- nimmt, ohne natürlich oertretungsbercchtigt zu fein. Obgleich also dos Bankhaus sechs Teilhaber und noch mehr indirekte Besitzer hat, muß das vermögen des Seniorchefs Franz von Mendelssohn allein auf etwa 50 Millionen und sein Einkommen auf etwa 5 Millionen geschätzt werden. Die I. G. Farbenindustrie A.-G. in Frankfurt a. M. hat heut« «in Aktienkapital von 1,1 Milliarden Mark und übertrifft also die Vereinigten Stahlwerk« A.-G. in Düsseldorf noch um 300 Millionen Mark. Wer van den Hauptaktionären der I. G. Farben ist der reichst«? Die reichsten Leute der Welt verdanken das Vollmaß ihres Reichtums zum erheblichen Teil ihrem hohen Alter, beispielsweise der 90jährige Rockcseller. Unter den Hauptaktionären ist unzwei'ol. hast der älteste, der Geheime kommerzieurat Leo Gans in Frankfurt o. M., Borckhausstroße 14, Mitglied des Aufsichtsrai�. wenn auch wegen seines hohen Alters nicht der Verwaltungsrates, der I. G. Farben-Industrie A.-G. L«o Gans war bis zum Jahre 1904 Mitinhaber der offenen Handclsgesellschost Leopold Cossella u. Co., die sich im Oktober 1904 in eine G. m. b. H, umwandelt« und eine Interessengemeinschaft mit den Höchster Farbwerken einging. Ich habe sein Vermögen vor dem Krieg« auf 23 Millionen Mark und sein Einkommen auf 1,7 Millionen Mark in meinem„Jahrbuch der Millionäre" geschätzt. Bei der ungeheuren Vermehrung des Aktienkapitals der I. G. Farhen-Jndustrie A.-G., bei dem Steigen der Kurs« und Dividenden ist das Vermögen dieses in der Oeffent- lichkeit sonst nicht hervortretenden Rentiers voraussichtlich aus mehr als 50 Millionen Mark und sein Einkommen aus mehr al» 6 Millionen Mark gestiegen. tZlachdriuk, auch im Auszug verboten.) Ruckolk dcksrtin. Macys Parade. Reklame in USA. So selten, und wohl auch kaum erlaubt. In Deutschland Paraden und Umzüge, so beliebt und variationsfähig sind sie in Amerika. Im Frühjahr ist fast jede Woche eine andere ziehende Schau durch die Hauptstraßen der Cich zu verfolgen— einmal als„Knabenwoche", dann als„Sicherheitsparade",„Muttertag",„Polizeiwoche" und, last not least, lausen dazwischen immer wieder Reklame- A»» lKauflums Itannamaker in llew Uork im grofien Peftfchmuck anläßlich einer StcMame ltodte umzügc großer Kaufhäuser, Wcrbepolonaisen mit Mummenschanz und Wagenpracht, Musik, Lustballons und sonstigem uns faschingsmäßig anmutendem Drum und Dran. Dieses bunte Straßenbild hat man ost, sehr oft, denn in den Vereinigten Staaten gibt es t e ine bindenden Gesetz- b estimmun gen für Umfang, oder Zeitdauer von Sonderange- boten, Weißen Wochen, Spezialragen und wie der Namen reiche Zahl weiter lauten und sich entwickeln mag. Das hat auch sein Gutes. In unseren Tagen des schnellen Wechselns aller Ding«, die der Mode unterworfen— und was gehört nicht dazu, vo« der Grammophonplatte über Teppichmuster zum Wandleuchter—, muß sich ein Warenlager schneller überholen, öfters umsetzen. Man kann hier nicht mit starren Paragraphen den Laus der Dinge, die Ent- wicklung des Tempos aufhalten, man versuche vielmehr sinngemäß den Anforderungen entgegen zu kommen. Jedes Warenhaus hat seinen Eigencharakter, kennt seine Kundsckzast, jedes hat andere Dispositionen zu treffen, andere Punkte in Anschlag zu bringen. Dadurch, daß kein« Pauschalgesetzc den Kanal zum Publikum nach Allgemeinschema leiten oder gar verstopfen, kciinte das amen- kanisch« Kaufhaus wie Detailgeschäft seinen großen Aufschwung nehmen. Lediglich zwei Gesichtspunkte sind ausschlaggebend: wi« ge- winne, erhalte, befriedige ich mein Kauspublikum, wie arbeite ich rationell, ausbauend, gut verdienend. Auf welchem Wege und mit welchen Mitteln dies erreicht wird— ja, das ist amerikanischer business-spirit, Geschäftsgeist. Jeder einzelne sucht und findet Wege, die sich ost verschieben und umgestalten, die heut« vielleicht vortrefflich und morgen schon überholt sind. Darum kann und läßt sich der Amerikaner nicht von allzuviel Bestimmungen schwarz auf weiß Vorschriften machen: nur die praktische Erfahrung, seine Erfahrung ist der Lehrmeister und-führt ihn zum Erfolg. Der Geschäftsmann weiß, mit welch ehrlicher, kindlicher Freude er sogar selbst groß aufgemacht« Attraktionen verfolgt— darum wird er auch seinen Kunden und denen, die es werden sollen, diese Freude bereiten. Im Kaufhaus selbst? Das sowieso, das ist ganz selbstverständlich, aber die Kaufkräftigen sind ia gar nicht drin— sind noch auf der Straße! Also muß man ihnen zuerst etwa» Aussehenerregendes, Imponierendes(Amerikaner stich ja so ein dank- bares Publikum) dort vormachen. Als großartigstes und populärstes Ereignis gilt Macys Um- zugparade. Sie suchet alljährlich mindestens einmal ftätt und zeigt— so unglaublich es erscheinen mag— immer neu« kurios« Sonderheiten. Alt und jung drängt sich auf den Straßen— Macy, das Haus mit jährlichem 72-Millionen-Dollar-Umsatz. dos Haus mit 9000 Angestellten, das fast einzige Haus, das keinen Krchit gibt, Macy, das Haus mit der Parole:„Wir geben Ware, keine Unter- Haltung"— es hopst fröhlich aus feinem Gleis und belustigt sich und die Umwelt in buntem Allerlei. Ob wir diese Methode(die eigentlich gar kein« ist) deutsch- kritisch als„Reklamerummel" kcnnz«ichn«n, oder ihr mildernde (amerikanische) Umstände zubilligen— gleichviel. Was für die Kölner der Faschingszug, was für die Münchener die Oktoberwies« und die Leipziger ihr« Messe mit Sang und Klang— das ist für die New-Uorker Macys Umzug durch die 5. Aveuu«— quer zum Broadway downtown. Dabei wird alles übernommen, was Alt-Europa an Wirk- samem und Lustbarkeit von Venedigs Karneval bis zum Bremer Fre'imarkt erprobt, und mit einem guten Schuß„Vsnlces spirit", amerikanischen Geist und Geschmack, durchzogen. Es mangelt nicht an Fahnen, nicht an schneidigen Umformen und lzahngespreizten Leutnantführern(nach englischem System), die geschniegelt und steif gepanzert wie auf Eiern einherschreiten. Auch Riesenplakate, Luftballons und Faschingsleiterwagen treiben ihr aktives oder pafswes Unwesen. Ein Riesenkicbitz streckt seine Stelzbeine in die Menge, die chrerseits zu seinen kopfgroßen Kugelaugcn luftig be- wundernd ausschaut. Ein Nilpferd windet sich bauchkriechend.m Schneckentempo voran,«in elefantcnarkigcs Ungetüm mit zwei Köpfen folgt der Gala-Kapelle mit Husarenhelm. Und der sonst so umstrittene Schutzmann zu Pferde bändigt sich und sein Roß, um ebenfalls dem belustigenden Schauspiel zuzustimmen. New Uork, sachlichste der Städte, Steinwüste der Zweckmäßig- keit— wie gut tut dir solch erleichternder, schwingender Rhythmus, der— wenn auch nur sür kurze Stunden— Motor-, Wallstreet- unb Busineß-Herrschaft überwindet und an sich reißt! Der Erfolg läßt auch nicht auf sich warten— er ist da. Dys Publikum läßt sich begeistern— mithinreißen zu der Stätte des Verkäufers. Selbstverständlich darf es jetzt nicht enttäuscht werden, der große Pomp auf der Straße sollte ja erst verkünden, was im Hause los i st. Die Außenfrontcn sind mit Riesenslaggen be- spannt, die für festtägliche Stimmung, außergewöhnliche Einkaufsmöglichkeiten, die nie wiederkehren werden, bürgen. Nun denn, das darf man sich nicht entgehen lassen— und schon ist man im Bosement. Wie festlich mutet hier der überreiche Fahnenschmuck an! Und tatsächlich, was die dort draußen versprachen, wird hier gehalten. Dabei werden keine Ladenhüter angeboten, sondern stets nur dos y 3)er große Reklame llmxug vom Otaufhaus macy in llerr york durch die 5. Avenue. Letzte und Neueste. Da unten schimmelt nichts, es kommt nicht mal zum Stillstand. Rasch überschlagen, eingekauft, ausgekauft, rasch an- geboten, mit geringem Nutzen für das einzelne— wenn irgendwo, so macht es hier die Masse— rasch wieder geräymt und aufgeräumt— dos Nächste! Umsatz. Umsatz und nochmal Umsatz! Ohne Reklame, ohne Sensationstrubel kann er nicht erzielt werden. Doms« Diel. xtPi ROMAN VON WRENCE H. DESBERR� Copyright by Merlin-Verlag G.m.b.H., Baden-Baden (30. Fortsetzung.) duf der Leinroand erschien ein neues Bitd. Jenseits des chäus- chens stund, in dem Schotten der Nacht verschwindend, dos große Auto. Ein Mann entstieg ihm und tat einige Schritte vor. In der Dunkelheit konnte man sein« Züge nicht unterscheiden. Der kleine Zweisiger wurde sichtbar. Der Mann trat vor. Hab die Hand. Der Zweisitzer stoppte. In diesem Augenblick dröhnten zwölf dumpfe Uhrschläge durch den Saat. Der Mann hob abermals die Hand. Drei Revolverschüss« zerrissen die Lust. Es roch plötzlich im ganzen Saal nach Pulver. Der Mann im Zweisitzer sank über das Steuer. Der Mörder sprang auf den Zweisitzer, durchsuchte die Taschen des Toten, holte aus ihnen zwei Dokumente hervor. In Riesenlettern leuchteten auf den Dokumenten die Worte: „Testament." „Schenkungsurkunde." Der Mörder oerschwand eilends in den Schotten. Die Tür des Häuschen öffnete sich, ein« kleine Frauengestalt kam herausgelaufen. Abermols verdunkelte sich die Leinand. und dumpfe Stimmen riefen im Chor: „Ein Mörder wird gesucht! Em Mörder wird gesucht!" Auf der Leinwand raste ein großes Auto in wildem Tempo dahin. In der Ferne sah man einen Park. Der alte Birch bewegte schnuppernd die Nüstern, wie er dies zu tun pflegte, wenn ihm plötzlich ein Gedanke kam. Er legte dem Distriktsstaatsanwolt die Hand auf die Schulter und flüsterte ihm etwa? zu. Nun erschien auf der Leinwand ein Bild, dos an und für sich völlig harmlos war. das aber einem der Zuschauer kalten Schweiß auf die Stirn trieb. Nebeneinander standen fünf Uhren in ver- jchiedenen Größen. Eine gepflegte Männerhand richtete die Uhren um eine Stunde zurück. Bei der sünften unterließ sie es. Der Text flammte auf: „Dos Alibi!" „Der Mörder oergißt die fünfte Uhr wieder vorzustellen!" „Ein blödsinniger, langweiliger Film." flüsterte Calvin Füller dem Distriklsftaotsanwalt zu.„Woher Diana ihn nur genommen hat?" „Er erinnert an die Filme, die beim.dritten Grad' verwandt werden," lautete die Antwort. Abermals Dunkel, dann die Stimmen im Chor, jetzt aber ttiumphierendr „Der Mörder Ist gesunden! Der Mörder ist gefunden!" Und dann auf der Leinwand von neuem, riesenhaft, drohend der elektrische Stuhl. Eine Gittertür öffnete sich. Der Verurteilte tritt herein. Er halt den Kopf gesenkt, so daß man seien Züge nicht ' unterscheiden kann. Er setzt sich auf den elektrischen Stuhl, wird festgeschnallt. Nun endlich hebt er den Kopf. Starrt mit von Todes. angst verzerrten Zügen geradewegs in den Saal. Großaufnahme! Bor den Zuschauern erscheint auf der Leinwand Calvin Füllers Gesicht. Und im gleichen Augenblick brüllt der unsichtbare Chor: „Du bist der Mörder! Du bist der Mörder!!" Ein gellender Ausschrei, wie das Gebrüll eines in die Falle geratenen wilden Tieres. Im Saal flammen die Lichter auf. Calvin Füller steht totenblaß mit perzerrten Zügen da, starrt wild um sich Macht eine Bewegung, gl, wollte er fliehen. Aber die Eisenarme des alten Goldgröbers aus Alaska halten ihn fest. Ringsum sieht er nur feindliche Gesichter. Er sucht Diana Langtrey. Sie steht neben der Tür, das Gesicht in den Händen verborgen. Und plötzlich scheint Calvin Füllers ganze Kraft zu schwinden. Dieser Abend sieht seine zweite Niederlage. Um sechs Uhr ist er auf alle Bedingungen seiner Arbeiter eingegangen, ist dann zer- mürbt, mit zum Reißen gespannten Nerven hergekommen. Nun fühlt er, daß es für ihn keine Rettung mehr gibt. Das Bild mit den Uhren hat ihm bewiesen, daß jemand alle Einzelheiten der Mordnacht kennt. „Ja," schreit er auf.„Ich habe meinen Bruder getötet, well er ein Roter war. Alle Roten müssen getötet werden. Deshalb muß auch David Gordon sterben. Ich habe eine gute Tat getan. Jack war ein Roter, ich fjabe ihn getötet." Nun find alle vor dem Tobenden zurückgewichen, nur der Gouverneur, der Distriktsstaatsanwalt. Gamaliel Birch, der Pro- fessor aus Oxford und der Kanadier stehen neben ihm. Der Gouverneur ist totenblaß, der Staatsanwalt wendet sich an Calvin Füller: „Wissen Sie auch, was Sie sagen? Gestehen Sie, den Mprd an Ihrem Bender begangen zu haben," „Ja." Der Professor aus Oxford tritt einen Schritt vor. „In diesem Falle ist der verurtellte David Gordpn unschuldig. Soviel ich weiß, soll die Hinrichtung übermorgen vollzogen werden. Sie, Herr Gouverneur, müssen daher sofort Schritte unternehmen." Der Gouverneur nickt. „Ich werde sogleich an die Gefängnisdirektion telegraphieren." „Wenn Sie erlauben, werde ich selbst das Telegramm beför- dern," sagte der liebenswürdige Professor aus Oxford. Er verläßt zusammen mit dem Gouverneur den Saal. „Ich telephoniere die Polizei an." erklärt Gamaliel Birch. Er Hot die erste Erschütterung bereits überwunden.„Ich habe so immer behauptet, daß Calvin der Mörder ist. Einem Füller ist alles zu- zutrauen." Calvin Füller hört die letzten Worte, und sein totcnölasses Gesicht färbt sich dunkelrot. „Stur einem Füller?" schreit er.„Nur einem Füller? Ihr seid alle um kein Haar bester als ich. Als in Ihren Betrieben ein Streit ausbrach, vor fünf Jahren, Birch, wurde der eine Organi- sator eines Nachts zum Krüppel geschlagen: von Ihren Leuten. Wer hat als erster die Zeltlager der Streiker mit Petroleum begießen und anzünden lasten? Sie, Harrijon, der Milde, der Sanfte, waren mit dabei, als in Ketchian zwei I. W. Ws. an ein Automobil ge> bunden und zu Tode geschleift wurden. Sie haben es mir selbst er« zählt. Aber ihr hobt eure Mord« nie selbst begangen, nur ich hatte dazu den Mut. Ich klage euch an: Herr Staatsanwalt..." Aber der Staatsanwalt hotte schon bei Calvin Füllers ersten Worten fluchtartig den Saal verlosten: hier wurden Wort« g«- sprachen, die er nicht hören durfte. Er hing von den Leuten ob, denen diese Verbrechen vorgeworfen wurden und hott« gar kein Interesse daran, ihre Untaten zu erfahren. Noch einer von Diana Langtreys Gästen verließ den Saal, Brian O'Keefe. Er mußte dem Verteidigungskomitee sofort die gute Nachricht bringen. Sieg, Sieg auf der ganzen Linie! Die Polizoi kam: Calvin Füller wurde an Händen und Füßen gefesselt abgeführt. Er ließ willenlos alles mit sich geschehen. » Durch die Nacht trug der elektrische Draht David Gordons Rettung nach Columbus, durch die Nacht trug er die Kunde weiter, durch ganz Amerika, unter den Wellen des Ozeans flog sie nach Europa. Vor den angeschlagenen Telegrammen in den großen Städten stautkn sich die Menschen. In allen Sprachen riefen die Arbeiter einander die Freundenbotschaft zu: „David Gordon ist gerettet!" Dem Morgen entgegen. Der erste Sieg war errungen, und wahrlich, es war kein kleiner Sieg: in einer Stadt der offenen Werkstatt hatten die Arbeiter die Einstellung organisierter Arbeiter und außerdem noch ihre Lohn- forderungen durchgesetzt! Aus dem Verzweiflungskampf einer ver- hältnismäßig kleinen Schar war der Kampf des ganzen Füllers- viller Proletariats geworden. Drei Tage hindurch hatte es, ohne die Hand zu rühren, die Stadt beherrscht. Die Unternehmer hotten eine Lektion erhalten, die sie sobald nicht vergessen würden. Freilich würde es noch harte, erbitterte Kämpfe geben; aber eine Masse, die einmal den Sieg errungen hat, weiß, daß sie wieder siegen kann, siegen wird. Manne Bolton verlieh diesem Gefühl Ausdruck, als zwei Tage nach dem Generalstreik die Fabriksirenen, am Morgen gellend die Luft durchschrien: „Unsere Betriebe rufen! sagte sie, zwischen Lachen und Weinen. Martin Ballon, bereits im Türrahmen stehend, lächelte gutmütig über seine junge Frau. „Noch nicht, Mamie, aber in einigen Jahrzehnten vielleicht." „Unsinn! So lange wollen wir nicht warten. Ich gebe euch noch zehn Jahre Zeih dann muß mein Sohn alle Möglichkeiten haben, die heute nur den Kindern der Reichen geboten werden." Nebenbei bemerkt war der Sohn, von dem Mamie sprach, noch gar nicht auf der Well und tonnte ebensogut ein« Tochter sein. Martin Bolton wurde ernst. „Du hast recht, Mamie. Unsere Kinder müssen in einer freien Welt aufwachsen. Dafür kämpfen wir, dafür werden wir siegen." Die Leute, die dem Ruf der Fabriksirenen zur Arbeit folgten, schienen wie verwandelt. Das war nicht mehr das„unwissende ausländische Gesindel", das waren Menschen, denen die Zukunft gc- hörte und die sich ihrer Macht bewußt geworden waren. Calvin Füllers sensationelles Geständnis war den Behörden in die Glieder gefahren. Sie empfanden nur den einen Wunsch: Ruhe, keinen Skandal mehr. Die politischen Gefangenen wurden ebenso unoermittelt und un- begründet freigelassen, wie sie verhastet worden waren. Noch«in Mensch hotte einen heilsamen Schrecken bekommen, der Notar, Herr Eversley. Am Tage, nachdem der alte Jim Gordon freigelassen worden war, erschien er im Heim der Gordons, zw«'. Dokumente in der Tasche. „Stellen Sie sich vor. Herr Gordon." erklärte er mit lieben?- würdigem Lächeln.„Ich habe gestern abend diese Dokumente ge- funden. Herr Calvin Füller hatte sie mir. zusammen nnt anderen Schriften, in einem versiegelten Umschlag zur Ausbewohrung übergeben. Sie können sich mein Entsetzen vorstellen! Es war un- glaublich rücksichtslos von Herrn Füller, mich in eine derart peinlicke Lage zu versetzen. Sobald Herr David Gordon aus Columbus kommt, werde ich ihm die Dokumente aushändigen." Der alle Gordon lachell« über die Ehrfurcht, mit der Herr Eoersley den Namen seines Sohnes aussprach. Schließlich sind zwei Millionen Dollar zwei Millionen und vermögen einen bisher verachteten„Roten" in einen Gentleman zu verwandeln. „Ich bin gerne bereit, Herrn David Gordon bei der In» vestierung des Geldes behilflich zu sein," fuhr der Notar fort. .Dielleicht versteht er sich noch nicht gut auf derlei Dinge." Das Lächeln des allen Gordon wurde zu einem Grinsen. Die Sorge für die Gelder würde die Workers Party und die IAH. auf sich nehmen müssen, David wird keinen Cent anrühren: nur eine kleine Summe sollte für die Pflege und Erziehung von John Calmers Kindern zurückgehalten werden. (Schluß folgt.) dllttvocti. 21. August. Berlin. 16,00 Dr. Ernst Cohn-Wiener: St. Peter in Rom. 16.30 W. B. Sachs; Der Silberfachs als Modetier und Zadltobiefct. 17.00 Seereisen von Colnmbus bis heute. 17.30 Unterhaltanesmusik.. 19.00 Admirai Brünlndiaus und Dr. Julius teber. M. d. R.(Bildfunw. 19.10 Ein deutsches Wehrproiramm.(Aussprache zwischen Admirai Briining- haus und Dr. Julius Leber. M. d. R.) 20.00 Momentaufnahmen mit dem Mikrophon.(Eine Uebertragungsioige.) 21.00 Sinfonischer Jazz. I. Lange: Blue shadows Fantasie. 2. Lnigini: Egyptian Echoes(tzlack). 3. Toch: Der Jongleur, Burleske. 4. Kacsoh; Heimweh des Ungarn. 5. Dohninyi: Ungarisches Erntefest. 6. Wiedoeft: Waltz Licweilyn(gespielt von P. Romby, Saxopbonsolo). 7. Buileriast: Zwei Stücke für sinfonischen Jazz(Uraufführung): a) Andante elegiaco: h) Allegro giocoso.«. Orosz: Jazzband(gespielt von Sascha Farnes. Vlolin-Solo). 9. Gershwin: Rhapsodie in Blee(gespielt von Alexander Zckin. Klavier-Solo. Hans Schindler und sein Orchester). Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Wihrend der Pause Bildfunk. KSnigswusterhausen. 16.00 Oberstud.-Dir. Prof. Werner; Klassische Dramen In der Qegehwait. 16.30 Franz Fromme: Die neuere plattdeutsche Ballade, 77.00 Von Hamburg: Nachmittagskonzerf. 18.00 Konrad Gomoll: Was Jugoslawien dem deutschen Kaufmann zu bieten hat. 18.30 Spanisch für Anfänger. 20.00 Kammermusik. J. Mozart: Streichquartett A-Dur(K. V. 464). 2. Schön. berg: Streichquartett D-Moll, op. 7, 21.00 Marcel Salzer liest ans Wilhelm Busch. Rätsel'Bcke des„Abend", Kreuzworträtsel. W a g e r e ch t: 2. Vogel; 4. Verwandte: 5. Mädckienname: 7. Baum; 11. Beleuchtungskörper: 14. Flächenmaß: 15. Niederschlag: 17. freudiger Ausruf: 20. Monat: 23. Flächenmaß: 25, Daumteil: 27. Moll-Tonstufe: 28. isignalgeben: 30. Europäer; 34. Blasinstrument: 35. Sumpfland: 36. österreichisches Land.— Senkrecht: 1. Gebirge zwischen Europa und Asien: 2. oolkst. Ausdruck für Unglück: 3. Klebemittel: 4. kurzer Windstoß: 6. Weltraum: 8. weibl. Schwein: 9. currentis, abgek.: 19. franz.:„und": 11. Weh- laut; 12. Fluß in Italien: 13. Bündnis: 16. Stadt in Frankreich; 18. noch nicht gebraucht: 19. Knabenname: 21. Nachtvogel: 22. Staatenvereinigung: 24. Amsterdamer Pegel, abgek.; 25. Ver» hältniswort: 26. Telegraphen Union, abgek.; 27. Firmenbezeichnung: ?8. Kopfbedeckung: 29. Haushaltsplan; 31. Ziffer; 32. ungekocht; 33. Brennmaterial. ok. Buchstabenrätset. Aus den Buchstaben aaaaabcdddeeeeefgh iiiillllmnnnoooorrrsttttuu» smd IS Wörter von je drei Buchstaben zu bilden, deren Anfangsbuch» stoben aneinandergereiht den Namen eines Vorkämpfers der deutschen Sozialdemokratie nennen.— Die Wörter bedeuten: 1. Märchengestalt: 2. Selten; 3. weibl. Vorname; 4. griechischer Buchstabe: 5. Fluß in Rußland; 6 Farbe: 7. Nebenfluß des Rheins: 8. Ziegeniederart: 9. Kopfbedeckung: 10. Hohcrpriester: 11. schlecht« Lebenslage: 12. Antilopenart: 13. bibl. Frauengcstalt: 14 Anerkennung: 15. Spottname für Amerikaner.— kr.— Magisches Quadrat. Die Buchstaben sind so zu ordnen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleich- lautend folgendes ergeben: 1. Weiblicher Vor- name; 2. Wort für Kummer: 2. Münze; 4. Biblischer Name. or. Zahlenrätsel. An Stelle der Zisfern sind in den Schlüsselwörtern Buchstaben zu setzen, so daß Wörter der angegebenen Bedeutung entstehen. Verfährt man in gleicher Weise bei den tieferstehenden Zahlenreihen, so erhält man einen Ausspruch von Eduard Poung.— Schlüsselwörter: 1 2 3 4 5 Knabenname, 6 7 8 Betriebsstoff, 9 10 11 12 13 Teil einer Blüte. 14 15 16 Pöbel, 17 18 19 20 schlimm, schmerzhaft.— Ausspruch: 17 10 19 19— 20 10 2— 5 10 13 19 4 10— 4 10 3 11— 20 10 8— 10 11 10 19 20 8— 20 7 8— 6 10 l f8 10 13 11 4— 17 3 2 20— 6 10 8 10 13 10 19— 17 18 10 2 20 10— 8 15— 14 18 10 8 8 4 10— 18 19 8— 20 3 10 8 10 2— 7 19 16 11 3 12 9— 14 3 4— 6 2 7 18 8 10 19— 20 18 2 12 13 20 2 3 19 6 10 19—. ak. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Mtsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wogerecht: 1. Masse: 5. Limes: 9. Osten; 10. Raste; 11. Dante; 12. Lio: 14. Ente; 17. Terz: 19. Arsenal: 20. Krug; 22. Tier; 25. Tee: 27. Ruebe: 29 Kabel; 31. Oesel; 32. Ester: 33. Liste.— Senkrecht: 1. Marne; 2. Alaun; 3. SOS.: 4. Esel; 5. Leda; 6. Ina; 7. Euter; 8. Spelz: 13. Iren«; 15. Tau: 16. Erg: 17. Tat; 18. Eli; 20. Karre: 21 Reuß; 23. Eberl; 24. Rille; 25. Teer; 26. Ekel; 28. Bo«: 30. Ali. Derwandlungsaufgabe: Mond, Mund, Hund, Hand, Hans, Hau», Maus, Mars. Buchstabenrätsel: 1. Fee. 2. Rot. 3. Eli. 4. llll, 5. Lee. 6. Ilm, 7. Gpu, 8. Rat. 9. As«, 10. Tee, 11. Hag.— Freiligrath. Schieberätsel: Marggraf, Bunsen, Fulion, Heilmann, Franklin, Sobrero, Miethe, Marconi, Hughes.— Gutenberg. Magisches Quadro': 1. Ulan: 2. Leder; 3. Aden; 4. Nana. Silbenrätsel: 1. Miiereu: 2. Rathenow: 3. Beduine: 4. Eichelhäher; 5. llakob; 6. Talent: 7 Engelhaas: 8. Rouleau: 9. Peronne: 10. Airedaleterrier; 11. Recherche: 12. Thurgau: 13. Elentier: 14. Ismen«: 15. Gablonz: 16. Eberesch«: 17. Nagasaki: 18. Offset: 19. Sorou: 20. Satinieren: 21 Eisenberg.—„Arbeiter! Parteigenossen! Werbt für eure Zeitung!" Schieberätsel: Nemitz, Roßmann. Feldmann, Lirk«. Severing, Bender, Landsberg, Marum, Kuhnt. Wurm.— Molken- kruhr. Uhor/ünc/oJ/ZLel Der Steher- Wclhneister. Paillord» Frankreich schlägt Sawall und Krewer. Gestern Hot Walter Sawall seinen 1328 in An dopest errungenen Titel als Weltmeister der Steher in Zürich an Frankreichs Meister Georges P a i l l a r d abgeben müssen. Der zweite Vertreter Deutschlands in diesem Komps um die höchste Würde des Berufs- radsports, Paul Krewer-Köln, kam über den dritten Platz nicht hinaus! Der erst im Anfang der 2t>er Jahre stehende neue Titel- Holter siegte als der weitaus beste Mann. Schon wenige Runden noch Beginn erkämpfte er sich die Spitze und gab diese nicht mehr ob. Von den beiden deutschen Vertretern spielte der Titelver. leidiger Walter Sawall eine sehr untergeordnete Rolle. Vom 4l>. Kilometer ab büßt« er eine Runde nach der anderen«in, oerlor später durch Defekt noch mehr Platz und gab schließlich in der 235. Runde, 18 Bahnlänoen hinter Paillard liegend, den aussichtslose� Kamps auf. Paul Krewer wurde schon nach wenigen Run!>n non Paillard und Linart passiert und mußt« sich darauf beschrä'/ken, Bcnoit in Schach zu halten. Der Kölner kam über den dritte� Plast nicht hinaus. Ergebnis der Zsteltmeisterschaft: 1. Georges Ptaillard- Frankreich(Schrittmacher Guerin> 1:Z8:S3:: 2. Viktor Lina�-Belgien 1:23:3,5,4: 3. Paul Krewer-Deutfchland 1:30:30: 4- Beyoit-Belgien 1:30:37,2. Sawall aufgegeben. Im Länderklassement oller fünf Weltmeisterschaften steht Frankreich an erster Stelle n»it 11 Punkten, vor Italien mit 10. Belgien mit 9, Holland mit 7, die Schweiz. Luxemburg, England je 3, Dänemark und Deutschbind je 2 Punkte Amateur Gilgen? Die am Sonntag wegen Regen abgesagten Rennen der Orts- gruppe B e rl in der Deutschen R a d f ah r e r- U n i o n auf der Rütt-Arena konnten gestern ausgefahren werden. Der Besuch ließ zu wünschen übrig. Die Rennen selbst oerliefen interessant. Der Schweizer Gilgen, der mit seinem Landsmann S ch l u e p eine zweite Heimat in Deutschland gesucht hat, stellte sein großes Können wieder einmal mehr unter Beweis. Er war im Hauptrennen de» Wends, im 75-Kilometer- Mannschaftsfahren, mit Schluep nicht zu schlagen. Das Runden-Rekordfahren bildete infolge der ungünstigen Windverhältnisse eine mäßig« Angelegenheit. Gilgen sichr mst 16,2 Sek. die beste Zeit. Auch in der Meister- s chaft über 1000 Meter wußte der Schweizer zu dominieren. Das 30-Runden-Punktefahren sicherte sich Rouhut mit großem Punktvorsprung._ Freie Sc�lerjugend beim Landsport. Wcchrend sich am letzten Sonntag eine Delegation des Freien Seglerverbandes am Rast beteiligte, fand für die Jugend des Kreises Berlin ein Sportfest statt, das auf dem Gelände des »Wasselsportvereins 1321"' einen guten Verlauf nahm Zwölf Der- eine der Gruppen Ost und West hatten etwa 130 Jugendmitglieder bis zu 18 Jahren zu dem Treffen entsandt, damit sie ihr Können im Schwimmen, Faust- und Handballspiel. 10<>°M«ter-Lausen, Sta- fettenlaufen und anderen leichtathlettschen Uebungen zeigen tonnten. Bor dem Hafen des gastgebenden Vereins war für die Schwimmer f« ein» Bahn von 50 und 100 Meter. Die jugend- liche» Segler zeigten gerade beim Schwimmen, daß sie mit dem nassen Element voll und ganz vertraut find und Furcht vor dem Wasser nicht kennen. Besonders die Jugendlichen unter 16 Iahren des Gastoerems boten im 80-M«ter-Schwimm«n ganz beachtliche Leistungen, wahres bei den 100 Metern der„ST. 1919" in Front ging. Moser«st« Teil des Programms verlief bei strahlendem Soirnenfchein, doch beim nun folgenden Rasensport verfinsterte sich der Himmel, emd mitten im Faustballspiel ging ein woltenbruch- artiger Regen nieder, der auch die Spieler verscheuchte. Aber gleich nach dem Guß ging es fröhlich weiter. Beim 100-Meter-Laus siegte bei den Jugendlichen über 16 Jahren Wassersportvercin Erossinsee überlegen mit 12 Sekunden, unter 16 Iahren.�fratermtas" mit 14,2 Sekunden. Auch der Stafettenlauf, der dreimal über 100 Meter ging, sung/a zum Bundcssest. Aber schon auf der Rückfahrt hieß es: Das Nücpberg für das ganze Reich war, das ist der„Rost", den wir vor Mdpsge« Togen im Beisein von Zehntausenden verlebten, für Berlin. Aber alle diese zum großen Ganzen vereinigten Veranstaltungen sind nicht durchführbar, wenn nicht schon innerhalb der einzelnen Lundcsvercine gute Vorarbeit geleistet wird, die in diesen Vereinen durchgeführte Werbearbeit dient dem Bundesinteresse. Kommt doch hierbei am besten zum Ausdruck, daß alle Beteiligten eben durch ihre Mitgliedschaft dem Arbeiter-Turn- und Sportbund die Treue holten wollen. Wie nun die bisherigen Veranstaltungen Zeugnis ablegten von der Größe und der Bedeutung der Arbeitersportbewegung, so ist dies im gleichen Maße der Fall bei Vereinsveranstaltungen. Eine dieser Veranstaltungen, die sür Berlin ebenfalls von Bedeutung ist. ist das Jubiläumssportseft der Freien Turnerschaft Groß-Berlin am 31. August und 1. September im P o st st a d i o n, Lehrter Straße. Di« FTGB., die seit zehn Iahren in unermüdlicher Kleinarbeit für den Bundesgcdanken hier in Berlin gewirkt und geschasst hat, muhte dieses Iubiläumssportfest in den Spätsommer oerlegen, um die Vorarbeiten zu den bisherigen Festen nicht zu gefährden. In aller Stille haben die eingesetzten Ausschüsse inzwischen gearbeitet. Galt es doch ein Fest vorzubereiten, das alle bisherigen Veronstalwngen der FTGB, übertrcsfen soll. Das FTGB,-Iubiläumssportfest ist von der Bundeslcitung als bundes- offen genehmigt. Die bis jetzt eingegangenen Vonneldungcn lassen darauf schließen, daß es nur bei genauester und pünktlicher Inn«- Haltung möglich fein wird, das Riefenprogramm, das olle Gebiete der Bewegung umfaßt, abzuwickeln. Als Auftakt zum 31. August und 1. September im Poststadion werden die F T G B.- W a s s e r s a h r e r beretts am Sonntag, 23. August, eine Wcrbefahrt durch Berlin veranstalten, die vor- mittags beginnt und beim Gewerkschaftsfeft nachmittags mit einer Auffahrt vor der Abtei, Treptow, endet. Kunsttlieger in Tempelhof. Etwas tür starke Nerven. Di« Einschränkungen de» Etat» der Deutschen Lufthcuija wirken sich für die Flughäfen in einer wesentlichen Hcrabmindcrung der Einnahmen aus Siart- und Landegeldern aus Die Leitungen der Flughäfen trachten infolgedessen danach, außerhalb des herabge- minderten regelinäßigen Luftverkehrs durch Heranziehung von Attraktionen bei volkstümlichen Eintrittspreisen den Besuchern Neues vorzuführen und sich zusätzlich« Einnahmequellen zu er- schließen. Entgegen lommt den Flugplatzdirektionen hierbei die fort- schrittliche Haltung des preußischen Ministeriums sür Handel und Gewerb«, die den Kunstfliegern und selbst der Lufiakrobatik ein größeres Betätigungsfeld als bislang gestattet, Erstmalig wird nun die Direktion der Berliner Flug- ha f s n g e f ells cha s t aus dem Flughafen Tempelhof am Tonntag, 23. August, ob 16.30 Uhr, dem Kunstflieger Prinz Eugen zu Schoumburg-Lippe, der schon in West- und Süddeutschland einen guten Namen als Kunstflieger hat, G«legenl)«it geben, sich der Berliner Bevölkerung mit dem Luftakrobaten am Flugzeugtropez, Oskar Dimpfel, und der Fallschirmpilotin Triebner vorzustellen. Dezeigt werden: Degrüßungsflug, Luftgymnastik an, Trapez unter dem Flugzeug. Kunstslüge, Ballonrammen, Lust- gymnastik auf dem Flugzeug, Abschuß eines Fesselballons und Fallschirmabsprung der Frau Triebner. Das vom Prinzen benutzt« Flugzeug ist«in Sxerber-Doppeldecker mit Sieniens-Stern- motor. Er fliegt damit all« Kunstfiguren: Looping, Turns, Rückenflüge, Schrauben, Trudeln. Luftgqmnastiker Oskar Dimpfel klettert vom vorderen Passagiersitz auf die Tragfläche durch das Fahrgestell an das drei Meter unter dem Flugzeug hängende Trapez. Lediglich an den Zähn«n hängend, entledigt sich Dimpsel seiner Kleidung bis auf ein Trikoj: anschließend zeigt Dimpfel dann die Hohe Schul« der Gymnastik am fliegenden Trapez. Während des Loopings sitzt er auf der Fläch« de» Flugzeugs oder steht auf dem Rumpf. Sollten die Vorführungen den Beifall des Berliner Publikums finden, fo werden sie an anderen Tagen, die wir noch bekanntgeben, wiederholt werden. Bei schlechter Witterung findet die erste Vorführung nicht am 23. sondern einem der daraiiffolgendcn Wochentage statt, Die Leute mit dem krummen Rucken! Der Bund deutscher Radfahrer, dieses kleine Ver- bändlein mit dem großen Namen, ist selbstverständlich, wie alle bürgerlichen Sportverbände, politisch völlig„neutral". Ein hübsches Beispiel dieser„Neutralität" hat er in diesen Tagen gegeben:„Die 27 Teilnehmer der Alte-Herren-Wandersahrt des BDR. haben sich nack) D o o r n aufgemacht und wurden dort am 3. August vom Kaiser empfangen. Jeder erhielt vom Kaiser als Geschenk das Buch„Der Kaiser" und eine Photographie mit seiner Unterschrift." So lautet die offizielle Pressenotiz. Wir wollen den Alten Herren ihr Vergnügen nicht stören, jeder muß ja wissen, wohin er gehört. Aber«s ist bezeichnend für die O r g u n l sa t i o n, daß sie ihre „Wandersahrer" noch Doorn gehen läßt und ihrer„politischen Reu- tralität" eine solche Auslegung gibt. Feeie«lb«i4e,.Schach»«ie>»ia»og, Abtcilungsspielleiicr: Vi»»um 24, August müssen bte Äelbunaen ,u de» Mannschaftgiampfen unb zur Bor, rund«»um Meisterturnier an Hans Grob, Charlottenburg. Ztostnenstr. 6, ab, geaeben sein. „CstitaiHät*. vrt«grupve Slchtenberg. Mittwock. 21. August, 20 Uhr. Sitmng der Motorradsahrer bei strige, Jung- tkck« Oderftratzc, Tihung der Radfahrer bei Pudbrink, Alt-Frledrichsfelve. 98, Sdste«»Nommen, Freie F.Itbaotsahrer Berlin. Mittwoch. 21. August. Funktionitroersomm- tu»«..„Zur Linde-, Userstr. 16. Tonnrrsta«, 22. August, Zusammeniunit im Sophien. Ln»eum. Weinmeisterstr. 16—17, um 20 Uhr. Tagesordnung:..Au' obcrbanerischen und österreichische» WUdslüssen". Sonntag. 25. August, gvosc humoristische Aeguatoriaule am Hölzernen See. sPflichweranftaltu»«.) Benuht werden folgende Züge ad«örlister Bahnhof: am Eonnabend 12.40. 14.56, 15.56, 17.60 und 18.42: am Sonntag 6.50 und 7.« bi« Zeudttl-Sroh.Aöris. Söst« will. somnien. vockenspieler! Freitag. 23. August, 20 Uhr, Wernenchener Schlog. Slbingir Stragr 87. wichtige Sitzung. Alle Vertreter und Spieler der Siädtemaniischasi müssen erscheinen, vuoriiermeldungen an Albert Conipagnini, v. 34, Weide», �FTSB.. veeeinotechoiker und«I« Festauischutzmitglieder! 3ur 19-Jahr- Feier Sitzung Donnerstag. 22- August. 19 Uhr. im voststadlon. Die KFD. am 25. August. Man führt die Sportler gegen die Gewerkschaften 1 Alles ist der kommunistischen Parteileitung Mittel zum Zweck. Zu welchem Zweck, das bestimmen in Moskau die Führer der Kom> munistischen Internationale, der kommunistischen Gewerkschaftsinter- nationale und andere. Es interessiert hier besonders der kommunistische Kamps gegen ti« freien Gewerkschaften. Das Ziel dieses Kampfes ist gekennzeichnet durch die Ausführungen von Losowski, dem Führer der kommunisti- Ichen Gewerkschastsinternotionale: „Jawohl, unsere Anweisung bedeutet Spaltung. Wir befinden un« in einer Sackgasse, aus der wir nur durch die Spaltung der reformistischen Verbände herauskommen." Daß die Kommunisten durch die Spaltung der freien Gewerk- schasten dem Unternehmertiim Wasser ans ihre arbeiterfeindlichen Mühlen schaufeln, das kümmert sie nicht: sie tun, was ihnen nach russischem Rezept verschrieben ist. Dazu gehören natürlich Störungen von Veranstaltungen der freien Gewerkschaften und Gegendemon- strationen verschiedenster Art. Am 25. August findet in Berlin das Gewertjchastsfost der freien Gewerkschaften statt. Die KPD.-Leitung hat nichts Eiligeres zu tun, als eine Gegenaktton einzuleiten. Da ihre Demon- strations- und Streikparolen ganz besonders in den letzten Wochen sehr wenig Anklang fanden, wird zum 23. Tlugust ein anderer Dreh versucht. Man Hot ja die Sportler offiziell zu sich bekommen, sie müssen also herhalten. Da sich unter ihnen aber«ine Reihe befindet, die sich nicht so ohne weiteres gegen die Gewerkschaften mißbrauchen lassen wird, wird die Zweckbestimmung der kommunistischen Aktion am 23. August verschleiert. Mit den Führern der kommunistischen Sportler wird die KPD. schon leichter fertig. Sie hoben als Partei- Mitglieder die Anweisungen der Parteileitung durchzuführen, sonst werden sie unter Druck gesetzt und fliegen. Die Vorgeschichte für den 23. August ist folgende: Die„Rote F a h n e" berichtete am 3. August über das kommunistische Anti- lriegstomitee, daß man sich in ihm scharf gegen das SPD.-Werbefest (GeVertschaftsfest) am 2-5. August wandte und für ein« starke Unter. stützung des am gleichen Tage stattsindenden„Arbeitersport- und Kulturtages" sprach. Am 4. August brachte die„Rote Fahne" den Ausruf zum„Arbeitersport- und Kulturtag" mit allen möglichen wohlbekannten kommunistischen Begründungen und Kampfansagen. Wohlweislich ist in dem Aufruf kein Wort über das am gleichen Tage stattfindende Gewerkschaftsfest gesagt. Man ver- schwieg, daß der„Arbeitersport- und Kulturtng" das Aushängeschild ist für eine kommunistische Aktion gegen da» Gewerkschaftsse st der freien Gewerk- schasten. Daß die kommunistischen Sportler nicht selbst über die Ab- Haltung einer Sportveranstaltung zu beschließen haben, ist bei den Kommunisten selbstverständlich. Den Sportlern ist bei den An- Weisungen der diktatorischen KPD.-Parteileitung nicht recht wohl. „Gegen den Strom", das Blatt der KPD.-Opposition, schreibt darüber und über den Einfluß der KPD. folgendes: „Am 29. Juli war das Fest noch gar nicht perfekt. An diesem Tage fand die Berliner Sportfraktionssitzung statt, in der leb- hafte Bedenken dagegen geäußert wurden. Obgleich dort lein oppositioneller Parteigenosse gesprochen hat, wurde vor einem Mißbrauch der Arbeitersportler gewarnt. Selbst der Kreisvorsitzend« des ausgeschlossenen 1. Kreises, � Alwin N i e tz s ch k e. warnte vor einem 2. Kreissest in so kurzer Frist und vor der Ueberlastung der Sportler. Aber die Dahlem-Thäl- mann-Führung in der Partei schlägt die gutgemeinten Ratschläge der Funktionäre im Arbeitersport einfach in den Wind. Sie tut das, obgleich das Berliner Kreissest verschiedene und starte Miß- stimmuiigen über die allzu starke Einmischung der Partei bzw. das Ausdrücken des KPD.-Stempels auslöste. Es ist auch nicht unwichtig, daß ausgerechnet der bekonnte Bergmann seine Bedenken gegen ein zu schnelles Tempo in der Bindung der oppositionellen Arbeiterfportbewegung an die Partei äußerte. Mit Recht sagt« ein Genosse, daß die Berliner Arbeitersportler deshalb in chrer Mehrheit zu dem alten Kartell standen, weil sie gegen die diktatorisch« Eiistnischung der SPD. waren.(? Red.) Heute sehen wir nun. daß die Thälmönner ganz mechanisch die oppositionelle A r b e i t e r s p o r t b e w c g u n, als ein« Abteilung de» ZK. der KPD. betrachten. Sie fassen Beschlüsse und treffen Anordnungen, die von den Sportlern durchgeführt werden sollen, ganz gleichgültig, ob das zum Borteil oder Nochteil der Arbeitersportbewegung ist." Kommentar dazu ist überflüssig. Es geht alles seinen Gang, wie er von un» oorhergesagt wurde. Der„Arbeitersport- und Kulturtag" am Sonntag. 23. August, in den Rehbergen ist also nicht eine Per- cnstastung von Sportlern, sondern«in« Gegenaktion der Kam- munistischen Partei zum Gewerkschaftsfest in Treptow. k �(fafchäfte-Jbtyriger /r�o Steztrk füden- Frisier- Salon Sladtbad Neukölln Erstklassige Bedienung Pcinlidie Sauberkeit 20% Rabatt bei Abgabe d. 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