Morgenausgabe Donnerstag XiW46'313�"9 j.. V// 22. August 1.929 �MU MOU» U�OO» �: kwichtt-ßlich«o P,g. P°sizeitu»g,. WG IJJji« n Hn HB rc m&» BB8 RH H rag 7/ kW r rtfSF&Py/ <2 Big. Postdksi-llg-dübrrn. Au-Iand», �sSKSSS tf�WB Hl Hl B8'S) BW WM BBi 188 DW BSB Lk HB ösS p'// «bonntmtnl 6.— TO.#ro TConu, ffM W N W WWW NW K�W KI Ii«eVomV.U�-Ä * V�gafi I KM NW WM WM WM MW! WR MM r« NW MW � marb., Kleine Antigen' bat iel>n» .-r KS# I HEn aa Wffl JHBk J�B\ WM SHS brückt« Werl 25 Pscnmg(julälltg zwei ß«.Sonuär» enchei« wschenttz. DM I BS JH. HU �mHK> UPM iMll J«™ MMv HB �W/�B srNgedruckl« W°ne>. i-d-s we!,««? ÄZaN «ich zwemau e-nn!°g- und M�itog» VH> �M �W/�Wy� �BBr>. Z' HB 12 Vfenntq. 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Diese Erklärung war schriftlich fixiert, weil— so hebt die deutsche Delegation hervor— „es sich um«in Dokument handelt, das für die Zukunft wichtig werden könnte�. Man geht wohl in der Annohme nicht fehl, daß das verlesene Dokument mit aller Eindringlichkeit jenen Standpunkt entwickelte. der im„Vorwärts" schon gestern dargelegt wurde: Die Pariser Sachverständigen haben im Poung-Plan einstimmig festgestellt, daß die neuen Zahlungen der Leistungsfähigkeit Deutsch- lands entsprechen. Sie haben also implizite anerkannt, daß die D a w e s- Lasten di« Leistungsfähigkeit Deutschlands über- steigen. Auf den gleichen Standpunkt haben sich alle Gläubiger- mächte gestellt, vier von ihnen, indem sie für die unveränderte An- nähme des Doung-Planes im Haag«intreten, die fünfte, indem sie zwar Kritik an einzelnen Stellen des Sachverständigenberichtes übt und deren Abänderung erstrebt, ober gerade hinsichtlich der deutschen Jahresleistungen erklärt hat, daß sie mit deren Höhe einverstan- den ist.'Unter'diesen Umständen hat Deutschland einen unzweifel- haften moralischen Anspruch auf Ermäßigung der Dawes-Lasten im Sinne der Leistungen nach dem Poung-Plan. Ein automatisches Weiterlaufen des Dawes-Planes ist daher moralisch unhaltbar. Weiter übte Dr. Stresemann scharfe Kritik an dem bisherigen Verlauf der haager Konferenz sowie an den verhandlungsmelhoden; er besprach den sehr unbefriedigenden Fortgang der politischen De- sprechungen über die Rheinlandräumung und stellte.feft, daß weder in den finanziellen noch in den politischen Fragen wirkliche Fortschritte in diesen zwei Wochen erzielt worden sind. Was Snowdcn und Briand auf diese Darlegungen Strese- nianns geantwortet haben, ist nicht zu erfahren. Aber es scheint, daß es nicht sehr erfreulich für uns war. Ohne den moralischen Anspruch Deutschlands auf die er. mäßigten Lasten des Young-Planes an sich zu bestreiten, scheint Snowdea das Hauptgewicht seiner Aussührungen auf die unveränderte finanzielle Forderung Englands gelegt und sich deshalb auf den formaljuristischen Standpunkt gestellt zu haben. Falls die Young-Konferenz scheitere, würde England Anspruch auf seinen durch den Dawes-Plan vorgesehenen Anteil erheben. Briand vertrat mit aller Entschiedenheil die Auffassung, daß der Dawes-Plan selbstverständlich weiterlaufen müsse. Di« ganze Debatte wurde in einer sehr nervösen und ge. reizten Stimmung geführt, die besonders dadurch gesteigert wurde, daß schließlich auch di« Frage der Schuld an dem vor. aussichtlichen Scheitern der Konferenz zwischen Snowden und Briand mit aller Schärf« diskutiert wurde. Es war höchst- Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Zeit, daß die Beratungen gegen 8 Uhr abgebrochen wurden, denn mit jeder weiteren Minute wurde die Verständigung immer aussichtsloser. Ob durch die deutsche Aktion die ganze Konferenz doch noch einen neuen Antrieb erhalten wird, bleibe dahingestellt. Sicher ist aber, daß eine Entscheidung über das Schicksal der Kon- ferenz in allernächster Nähe gerückt ist. Bielleicht wird sie schon in der Fortsetzung der Debatte am Donnerstag vor- mittag fallen. Morgen nachmittag ist eine neue Aussprach« der vier Außen- minister, da die heutige Beratung bei henderson ergebnislos war. Briand hat feine Termine noch immer nicht nennen wollen, weil die Finanzfragen noch schweben. Freitag soll die Politische Kommission vollzählig wieder zu- samnientreten--- nach einer Pause von fast l4 Tagen'. Die Hoffnungen auf eine finanzielle Einigung haben durch das negative Ergebnis der letzten englisch-italienischen Besprechungen einen neuen Stoß erhalten. Aus der Unterredung zwischen Briand und Snowden am Dienstagnachmittag hatte man den bestimmten Eindruck gewonnen, daß Frankreich und Belgien zu einem weiter- gehenden Angebot bereit wären, falls Italien ein entsprechendes Opfer bringen würde. P i r e l l i, der heute Snowden besuchte, begnügt« sich ober damit, dem britischen Schatzkanzler auseinander- zusetzen, daß Italien auf der Pariser Konferenz nicht zuviel, sondern eigentlich sogar zu wenig erreicht Habel Nur hinsichtlich der Kohlenfrage war er zu einer scheinbaren Konzession bereit. Snowden antwortete, daß alle ihm von PIrelli vorgetragenen Ziffern falsch seien. Italien hätte von England ein noch günstigeres Schuldenabkommen erziest als von den Bereinigten Staaten(Pirelli hatte das Gegenteil behauptet). Denn während die Vereinigten Staaten Italien einen Schuldennachloß von 80 Prozent gewährt hätten, hätte England so- gar 86 Prozent Italien zugestanden. Dieser Nachlaß sei von Churchill gewährt worden auf Grund der ausdrücklichen Per- pilichtung Italiens, alle feine Einnahmen aus den Reparationen für die Zahlung seiner Kriegsschulden zu verwenden, um so sonderbarer sei es, daß Italien jetzt auf der Pariser Konferenz dennoch Sondervorteile auf Kosten Englands erstrebte. Pirellis einzige Konzession an Snowden war das Angebot, daß sich Italien verpflichten wolle, auf 2-Z Jahre jährlich eine Kohlenmenge aus England zu beziehen, die dem Durchschnitt der letzten vier Jahre entspreche. Snowden bemerkte darauf iro- nisch, daß dieser Durchschnttt besonders niedrig fei infolge der englischen Bergarbeiteraussperrung 1926, die fast 10 Monate dauerte und den Export der englischen Kohle völlig lahmlegt«. Dieses Angebot Pirellis würde bedeuten, daß Italien künftig nur noch SO Prozent der Kohle aus England be- ziehe, die es vor dem Krieg« von dort bezogen habe! Die SechSmächie'Konferenz. Di« Sitzung begann um UM Uhr und wurde kurz vor 20� Uhr auf Donnerstag 10 Uhr vertagt. An ihr nahmen aus» schließlich die Hauptdelegierten und einige Uebersetzer teil. Weder di« Staatssekretäre noch Pressechefs, nicht einmal die amtlichen Stenographen wurden zugelassen. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angcstelllcn vnd Beamten, Wallstr. 65. DiZkonto-Gesellschaft, Depositcnkasic Lindcnstr. 3. Wedef Krieg noch Frieden. 3m Osten nichts Neues... Von Peter Q-arwy. Weder Krieg noch Frieden... Mit dieser sakramen- talen Formel, mit der seinerzeit Trotzki die Brest-Litowsker Unterhandlungen abgebrochen hat. kann man am besten die gegenwärtige Lage im Fernen Osten kennzeichnen. Der russisch-chinesische Konflikt scheint stabilisiert, das mit drei Tagen befristete Ultimatum der Sowfetregierung hat sich in einen langfristigen Notenwechsel verwandelt. Es scheint, als ob die Friedenssicherungen unserer Zeit, Kellogg- Pakt und Völkerbund, bereits wirksam geworden wären. Leider ist dies Bild ziemlich trügerisch. Der stabilisierte Konfliktzustand ist kein Friedenszustand. Gerade weil die öffentliche Meinung der ganzen Welt jetzt nach dem Haag abgelenkt ist, ist das heraufziehende Kriegsgewitter im Fernen Osten von einer besonderen Gefährlichkeit. Der unsichere Zu- stand zwischen Krieg und Frieden kann nicht lange dauern. Dabei hört man einstwellen nichts, weder vom Völkerbund, noch vom Kellogg-Pakt... Die diplomatischen Beziehungen zwischen Moskau und Nanking bleiben abgebrochen. Die Vermittlungs- initiative der Vereinigten Staaten ist durch die Sowjet- regierung schroff abgelehnt. Ebenso sind bis jetzt auch die mehrmaligen Bersuche der Nankingregierung, den Konflikt auf dem Wege der direkten Unterhandlungen mit Moskau beizulegen, infolge der ablehnenden Haltung der Sowjet- regierung gescheitert. Auf beiden Seiten der Grenze— Kriegspsychose, Truppenmobilisierung, Kriegsvorbereitungen. Beide Seiten üben sich in den gemeinsten Beschimpfungen und Kriegslügen. Es ist ein Austand, wie wenn die Flinten von selbst zu schießen be- ginnen. Darin liegt eine große Gefahr. Bald meldet China einen russischen Angriff, bald Sowjet- rußland einen chinesischen. Beide dementieren und provo- zieren in einem Atem, um die Kriegsschuld nötigenfalls dem Gegner zuzuschieben und freie Hand für den„Berteidigungs- krieg" zu haben. Sicherlich sind beide Seiten in der Tat wirtschaftlich unfähig, einen ernsten Krieg auf die Dauer zu führen, ohne Gefahr zu laufen, eine verblüffende Nieder- läge davonzutragen. Aber man darf nicht vergessen, daß es sich im Fernen Osten um zwei Diktaturen handelt, die Gefangene ihrer eigenen Militärcliquen werden können.« Die Bildung einer besonderen„Armee für den Fernen Osten" mit dem volkstümlichen Bürgsrkriegsgeneral Blücher an der Svitze legt beredtes Zeugnis davon ab, wie weit schon die Kriegspsychose in die Regierungskreise in der Sowjetunion eingedrungen ist. Sicherlich ist der ganze Kriegstaumel im hohen Grade ein inner- wie außenpolitischer Bluff. Immerhin ein kriegsgefährliches Soldatenfviel Der Stellungskampf der sowjetistischen und chinesischen Diplomaten droht also durch den Stellunaskrieg der Generäle beider Länder abgelöst zu werden. Beide Revolutions- regierungen pendeln zwischen Krieg und Frieden. Es scheint mitunter, als ob das national-bürgerlich konsolidierte China, äbnlich wie Japan im Jahre 1904, vor der Versuchung stehe, sich durch einen siegreichen Krieg mit dem geschwächten und isolierten Rußland seine Weltgeltung zu erobern. China ist aber jetzt in einer ganz anderen Situation als Japan 1904. Es braucht vor allen Dingen Frieden, sonst wird seine kaum erlangte Staatseinbeit und fein beginnender wirtschaftlicher Aufbau noch einmal gesprengt. So scheint der ostchinesische Effenbahnkonflikt nicht unbeträchtlich dazu beigetragen zu haben, daß die bekannte Note des chinesischen Außenministers Dr. Wang mit der Bitte über die Abschaffung der Erterri- torialität von den Bereinigten Staaten gerade jetzt mit einem höflichen aber festen Nein beantwortet worden ist. Auch in der Ostpolitik der Sowjetmacht kämpfen zwei Tendenzen gegeneinander. Die weltrevolutionären Berech» nungen des Kreml in bezug auf China scheiterten kläglich, die national-staatlichen Bestrebungen beginnen dagegen die Oberhand zu gewinnen. Indessen zwingt die geschichtlich unvermeidlich? Umstellung der imperialistischen Politik der Großmächte in China, die auf die Ablösung der K a n o n e n d i p l o m a t ie durch die Dollardiplo- matie hinausläuft, auch Sowjetrußland zur entsprechenden Umstellung seiner Chinapolitik. Aber das verarmte Sowjet- rußland ist für den finanzwirtschaftlichen Wettbewerb mit anderen Großmächten in China noch weniger vorbereitet, als für die Fortsetzung der vom Zarismus ererbten Militär- politischen Expansionspolitik. Die Sowjstregierung klebt auch deswegen so fest an der Ostchinabahn, weil diese sowohl ein militärpolitischer, als auch ein ökonomischer Machtfaktor in der Mandschurei ist. Bei dem gegenwärtigen Stand der' russischen Wirtschaft ist sie der einzige Machtfaktor Ruß- lands im neuen China. Der Verzicht auf diesen gleichzeitig militärpolitischen und wirtschaftlichen Stützpunkt bedeutet für Rußland auf absehbare Zet seine Ausschaltung aus dem Kreise der Großmächte, die das neue China'finanzwirtschaft- lich und politisch beeinflusien werden. Für eine radikale Die deutsch-polnische Grenze. Aeußerungen von Or. Breitfcheid. Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagsfrattion. Dr. Rudolf Breitscheid weilte dieser Tage in den Randstaaten. In Riga äußerte er sich gegenüber einem Vertreter der„Iau- nakas Sinas"(.Neueste Nachrichten"), wobei er u. a. auch das Der- hältnis zwischen Deutschland und Polen streifte. Breit- scheid führte nach dem genannten Platt unter anderem ans: „Politisch ist die Frage der Grenzrevision zwischen uns und Polen die allerdelikateste und allerschwiengste. So geschlossen Deutschland die wirtschaftlichen Schwierigkeiten erkennt, die durch di« Grenzziehung im Osten entstanden sind, so geschlossen lehnt Polen eine Grenzrevision ab. Aber diese Ablehnung der Grenz- revision ist z.B. in Frankreich keineswegs einheit- lich. Wiederholt haben sich einflußreiche Franzosen über die Un- Haltbarkeit dieses Zustandes geäußert: darüber will man allerdings in Warschau nichts hören. Aber seder Ausländer, der über den Korridor nach Deutschland kommt, findet diesen Zustand, wo ein großes Land in zwei Teile zerschnitten wird, un- haltbar. Zugegeben, daß die überwiegende Mehrheit der Be- völkerung im Korridor polnisch ist. Das wäre an sich kein Grund, diesen Zustand zu verewigen. Die Bevölkerung im Korridor könnte genau so eine Minderheit im Deutschen Reiche sein wie die polnische Bevölkerung in Deutsch-Oberschlesien. Sie hat wie dies« Recht und Anspruch auf Pflege des nationalen Eigen- l e b e n s und auf eine Kulturoutonomie. Wir hoffen, daß sich m einer späteren Zukunft irgendeine Modifikation, die be- stimmt im Interesse beider Staaten ist, wird herbeiführen lassen. Die Schaffung des Freistaates Danzig kann ich nur als eine Torheit bezeichnen. Danzig ist eine urdeutsch« Stadt mit einer fest gcschlosienen deutschen Bevölkerung und man hat daraus ein lebensunfähiges Gebilde gemacht. Ich darf aber gleich mit aller Bestimmtheit hinzufügen, daß Deutschland nie» mals mit Waffengewalt eine Revision der Grenzen ver- suchen wird. Was ein paar unverantwortliche deutsche Studenten und Gymnasiasten über Revanche im Osten und Westen faseln, ist vollständig bedeutungslos. Die deutsche Arbeiterklasse— und darauf kommt es cm— wird keinen Krieg mehr führen." Oawes-plan soll bleiben! Großes Durcheinander im Haag. Umstellung von bei.- vererbten militärisch.:: Machtpolitik?u einer Politik des Friedens und der wirtschaftlichen Au- sammenarbeit fühlt sich Rußland zu schwach. Dieses Schwäche- gefühl führt zu Unsicherheit und zu Schwankungen. Vom ersten Tag des Konflikts behauptete die Sowjet- presse einstimmig, daß hinter der Nankingregierung, der jede eigene Initiative abgesprochen wird, eine fremde imperia- listische Macht stehe, nämlich Japan. Gegen Japan war ■ der entfesselte Kriegstaumel gerichtet. Japan sei Ruß- ' lands Rivale in der Mandschurei. Japan versuche mit der Hand der Nankingregierung die Ostchinobahn sich gewaltsam anzueignen, um seine Hegemonie in der Mandschurei zu be- haupten.. Japan, behauptete die„Prawda" schließlich, bemühe sich, die beginnende Annäherung Sowjetrußlands mit Amerika zu sprengen. Das Bild hat sich aber wie durch ein Wunder plötzlich geändert, als Amerika seine Vcrmittleraktion einleitete. Die Sowjetregierung hat diese Vermittlungsinitiative glatt abgelehnt. Seitdem wird das Mißtrauen des russischen Volkes statt gegen Japan gegen Amerika gelenkt. Hinter der Nantingregieruna, behauptet zum Beispiel die „Prawda" vom 17. August, steht das amerikanische Kapital, das in der Form einer angeblich geplanten I n t e r n a t i o- n a l i s i e r u n g der Ostchinabahn ihre Amerikanisie- r u n g herbeizuführen suche und zu diesem Zweck auch Frank- reichs Hilfe anstrebe, das bekanntlich seine finanziellen An- spräche auf die Ostchinabahn nicht aufgegeben hat. Welch eine Wendung! Trotzdem ist sie begreiflich. Gleich Sowjetrußland arbeitet Japan in China immer noch zum großen Teil mit den veralteten militärpolitffchen Methoden und widersetzt sich der finanzkapitilistischen amerikanischen Politik der„offenen Tür". Beide Nachbarstaaten Chinas haben in der Mandschurei gemeinsame, wenn auch entgegen- gesetzte, imperialistische Interessen, die sie gegen jeden „Außenstehenden" zu verteidigen suchen. Nicht umsonst be müht sich jetzt die Sowjetregierung, die provinziale Mulden regierung gegen die zentrale Nankingregierung auszuspielen, nur um die mit Japan gemeinsame„Einflußsphäre" zu retten. Außerdem braucht die Sowjetregierung für den Kriegsfall mit China wenigstens die wohlwollende Neutrali- tät Japans. Ein Krieg gegen die vereinigten Oftmächte ist im voraus verloren. Sichersich verfolgt auch Amerika gleich anderen Groß- mächten eine imperialistische Politik in China. Aber— keine Eroberungspolitik. Die Bolschewisten selbst haben bis in die allerletzte Zeit mit Nachdruck betont, daß Amerika zum Unter- schied von den anderen Großmächten in China eine Politik verfolgt, die die nationale Konsolidierung und den Wirtschaft- l chen Aufbau Chinas am meisten begünstigt. Die Sowjetregierung droht jetzt im Fernen Osten mit Kanonen, um die Ostchinabahn und mit ihr die vom Zarismus vererbte Einflußsphäre in der Mandschurei zu retten. Diese Kanonenpolitik der Sowjetregierung wird keineswegs da- durch richtiger und annehmbarer, daß auch Amerika in China eine ausgesprochene imperialistische, und zwar eine Dollar- Politik verfolgt. Die Kanonenpolitik Englands und Japans hat bereits 1925/26 völlig oersagt. Auch die Rotkanoncn- Politik wird versagen. Die Sowjetregierung wird da- der am besten tun, wenn sie den veränderten Ber- bältnissen im Osten Rechnung tragen und den einzig gang- baren Weg der Berständigung mit Nanking be- schreiten wird. Auf diesem, aber n u r auf diesem Wege wird sie auch die Unterstützung der öffentlichen Meinung des Aeltproletariats finden, um welche sie jetzt mit ihren verkappten rotmilitaristischen Methoden vergebens wirbt. Mussolinis Londoner Lügenbotfchast. Oeffentliche Brandmarwng vor England. Als der italienische Sozialist Carlo Rosselli vor wenigen Nochen von der Teufelsinsel L i p a r i geflüchtet war, wurde seine Gattin, eine Engländerin von Geburt, im Montblancgebiet v e r- hastet und trotz ihres leidenden Zustandes und ihrer Schwanger- schast gezwungen, eine Nacht in der Polizeistation Aosta zu ver- bringen. Erst am nächsten Morgen erhielt sie die Erlaubnis, in einem Hotel zu wohnen, mußte sich jedoch verpflichten, Aosta nicht zu verlosten. Die italienische Botschaft in London dementierte nicht nur diese Angaben, sondern auch die Verhaftung. Auf dieses Denienti hat Rostelli jetzt mit folgendem Brief an die Londoner „Daily News" geantwortet: „Der faschisti daß Srgnora Ros belästigt worden ische Botschafter in England hat Ihnen mitgeteilt, elli weder verhaftet worden noch sonst irgendwie ____,_____ sei; Signa ra Rostelli sei vollkommen frei, und es sei nicht der geringste Versuch gemacht worden, ihre volle Bewe- gungsfreiheit zu unterbinden. In Wirklichkeit ist meine Frau am 31. Juli in Courmayeur verhaftet, sofort nach Aosta gebracht worden und hat dort eine Nacht und«inen Tag im Gefängnis verbracht: sie befand sich in einer gemeinsamen Zelle mit Prostituierten und anderen unglücklichen Frauen der gleichen Schicht. Da sie an Herzschwäche leidet und schwanger ist, hat der Polizeipräsivent auf Grund dringlicher Darstellungen meiner Mutter erlaubt, daß meine Frau im Hotel della Corona, Aosta, wohnen durste. Sie lebte dort noch am 14. August unter strenger polizeilicher Ueberwachung, wurde von zwei Polizeiinspektoren ständig ausgefragt und durfte weder Briefe empfangen noch solche absenden. Obwohl sie eine tapfere und hochherzige Frau ist, war sie, beson. ders mährend der letzten� Tage, infolge der vielen Verhöre er- nnidet und dcpremiert. Seit dem 14. August habe ich kein« Nachricht... Falls Sianor Bordonaro(der Botschafter) die Stirn haben sollte, meine Feststellungen zu dementieren, so bin ich bereit, einem Forum engliscker Gentlemen unwiderlcg- l i ch e Beweise für mein« Behauptungen zu unterbreiten... Carlo Rostelli. Es ist bekannt, daß der Faschismus sich seiner Gegner mit allen Mitteln zu entledigen sucht: daß dag amtliche Italien seine Geineinheiten bestreitet, gehört notwendig dazu. Oie Gozialistenverfolguug in Litauen. Königsberg, 21. August. Wie aus Kowno gemeldet wird, wurden dort der Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung„Darbo Bastas", der Student Danis, sowie einige Mitglieder der bereits aufgelösten Sozialdemo- k atischen Partei verhastet. Die verhafteten Personen sollen Be- Ziehungen zu den P l e sch k a i t i ste n in Wilna unterhalten haben. Das neue Arbeitslofenrecht. Wichtige Bestimmungen der Regierungsvorlage. FränzSsische Geschwaderslüge. In einigen Tagen werden je ein Geschwader französischer Militärslugzeuge Propagandaslug nach Polen und Afrika unternehmen. Der Flu� nach Polen wird von 1b Jagdflugzeugen ausgeführt, und zwar auf dem Wege über Straß- bürg und Prag. Die Genehmigung zum Ueberflicgen deutschen und tschechischen Gebiet» ist beantragt worden. Das Geschwader wird nur in Prag und in Warschau landen. Wir �'uben bereits darauf hingewiesen, daß die Regierungs- vorwge zmr Reform der Arbeitslosenversicherung den finanziellen Ausgleich der Reichsanstalt neben einer Beitragserhöhung durch folgende Maßnahmen zu erreichen sucht: Verlängerung der Warte- zeih, Anrechnung von Renten, Wartegeldern und Ruhegehältern, Aenberung der Unterstützungssätze für Saisonorbeiter in der Zeit der berufsublichen Arbeitslosigkeit und Neufestsetzung der Beiträge für- die Krankenversicherung von Unterstützungsempfängern. Die letztere Frage hat mit dem Krankengeld, das der Arbeitslose im Falle der Krankheit zu bekommen hat, nichts zu tun: darin tritt keine Aenderung ein. Weitere Borfchläge sehen eine Vereinfachung des Zlbrechnungsverfahrens mit den kranken- tasten für die Krankenversicherung der Arbeitslosen vor. Es wird außer- dem der Reichsanstalt zur Pflicht gemacht, die Beitragsabführung fiir die Arbeitslosenversicherung, die durch die Krankenkasten zu erfolgen hat, nachzuprüfen. Außerdem wird der Vorstand verpslichtet. die Dienststellen der Reichsanstall durch besondere Prüfer laufend nachprüfen zu lasten. Dieser Teil der Dorschläge hat den Zweck. durch schärfere Kontrollen den Beitragseingang zu erhöhen und die Ausgaben dahin zu überwachen, daß die gesetzlichen Bestimmungen auch innegehalten werden. Es ist außerdem vorgesehen, daß der Reichsarbeitsminister nach Anhörung des Berwaltungsrats der Reichsanstott anordnen kann, daß Arbeitgeber die Arbeitsstellen, die ste mit einem Arbeitnehmer besetzen, dem zuständigen Arbeitsamt anzeigen. Es hondelt sich hier um eine wichtige Ergänzung der im Gesetz bereits vorgesehenen Meldepflicht offener Stellen. In beiden Fällen handelt es sich um arbeitsmarktpolitisch bedeutsam« Möglichkeiten, die m ihrer Auswirkung auch zu einer finanziellen Entlastung beitragen können, weil sie ermöglichen sollen, den Ar- beitslosen in Arbeit zu vermitteln. Die weiteren Aenderungen der versicherungsrechttichen Bestimmungen scheu zunächst eine Erweite» rung des Personenkreises vor, in dem klargestellt wird, daß angestellten versicherungspflichtige leitende Angestellte auch orbeitlosenversicherungspslichtig sind. Di« jetzigen Bestimmungen weisen hier eine Lücke auf. Die bereits bestehende Versicherungsfreiheit bei la nd- und forst- wirtschaftlicher Beschäftigung soll nicht von einer An- zeige abhängig sein. Es wird außerdem klargestellt, daß die sonst!- gen in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigten zum versicherten Personenkreis gehören. Außerdem ist vorgesehen, daß die Beitrags- pflicht der Lehrlinge bereits 12 Monate, statt wie jetzt 6 Monate, vor Ablauf des Lehrverhällnisjes begimrt. Don erheblicher Bedeutung sind die vorgeschlagenen Aenderungen über die versichernngsfreiheit bei geringfügiger BeschSfNgung. Als geringfügig soll dabei eine Beschäftigung gelten, die nicht mehr als 24 Arbeitsstunden in einer Kalenderwoche beträgt, oder wenn für sie kein höheres wöchentliches Arbeitsentgelt als 8 M. oder kein höheres monatliches Entcell als 25 M. vereinbart oder orts- üblich ist. Falls es sich jedoch um Kurzarbeit handelt, so soll dies« nicht darunter fallen. Für jcie Ärheitgebcr besteht aber auch in den Fällen geringfügiger Beschäftigung die Beitragspflicht, soweit diese Beschäftigung noch der Krankenversicherung unterliegt. Reben diesen Veränderungen in dem versicherten Personenkreis ist vorgc- sehen, daß grundsätzlich auch die unständig Beschäftigten herausgenommen werden sollen. Allerdings erhält der Berwaltungsrat der Neichs- anftalt das Recht, mit Zustimmung des Reichsarbeitsminister» an- zuordnen, daß unständige Beschäfttgungen oerstcherungspslichtig sind. Die Anordnung kann sich auch auf solche unständigen Bcschästt- gungen erstrecken, die genngsügig sind. Um die Durchführung dieser Anordnung abzuwarten, ist im Arttkel 4 des Entwurfs vorgesehen, daß bis zum Erlaß dieser Anordnungen, späteste»» jedoch bis zum 1. November 1930, zunächst alle unständig Beschäftigten verstche- rungspflichtig bleiben. Die geltenden Bestinmmngen sehen vor, daß der Berroaltmigsrat für die unständig Beschäftigten für die Erfüllung der Anwartschast wie über die Berechinmg des Arbeits- entgeits, nach dem sich die Unterstützung bemißt, Sonderbestirn- mungen erlösten kann. Der Entwurf sieht vor, daß der Dcrroal- tungsrat mit Zustimmung des Reichsarbeitsministers für unständig Beschäftigte, für hausgnverbekrelbend« und Helmarbeiter. Vorschriften ertasten kann, die von den allgemeinen Unterstützung»- bedingungen abweichen. Einschneidende Aenderungen steht auch die Borlage hinsichtlich des Perfonenkreifes bei den Heimarbeitern und Hausgewerbetreibenden vor. Die Tätigkeit von Z w i f ch e n m« i st e r n, die»richt den überwiegenden Teil ihres Berdieriftes aus ihrer eigenen Arbeit am Stucke beziehen, soll ver- stcherungssrei sein. Der Berwaltungsrat der Reichsanstalt erhält das Recht, mit Zustimmung des Reichsarbeitsministers die Tätigkeit weiterer Gruppen von Hausgewerbetreibenden und von Heimarbeitern von der Versicherungspflicht zu befreien. Er kann ferner mit Zustimmung des Reichsarbeitsministers die Bersicherungspflicht von Hausgewerbetreibenden und Heimarbeitern, die gemeinschaftlich arbeiten, abweichend von den sonstigen Bestimmungen dieses Ge- fetzes regeln. Damit will man anscheinend erreichen, den Unter- stützungsbezug in diesen Familien nach oben zu begrenzen, wem» diese Familie aus mehreren verficheruirgspflichttgen Personen besteht, die irlsgesamt oder teilweise arbeitslos werben. Ein rvciterer Vorschlag geht dahin, den Begriff der Arbeiislosigkelt näher zu bestimmen. Er will sicherstellen, daß nur wirkliche Ar- beitnshmer die Unterstützung in Anspruch nehmen können und dem Mißbrauch durch selbständige Landwirte oder Gewerbe- treibende vorbeugen. Es wird weiter vorgeschlagen eine Aenderung der Sperrfristen, da- heißt Entzug der Unterstützung, der über den Arbeitslosen ver- hängt werden kann, wenn er gegen gesetzliche Bestimmungen verstößt. Die vierwöchige Sperrfrist soll auf zwei Wochen abgekürzt uxrden können, wenn die Lage des Falles eine mildere Beurtei- long rechtferttgt, in schwereren Fällen, insbesondere im Wieder- holungsfalle, soll sie bis auf acht Wochen verlängert werden können. In Vorschlag wird außerdem gebracht eine Verlängerung der Ankwarlschasl in Jollen kurzer Arbeitszeit. Wenn dies« nicht mehr als 24 Stunden in der Kalenderwoche be- tragen hat, so sollen zwei Arbeitstage für einen gerechnet werden. Das gleiche gilt, wenn das BeschäftigungsverhMnis nicht»vöhrend der ganzen Kalenderwoche bestanden und die Arbeitszeit nicht mehr als 4 Stunden am Tage betragen hat. Hat der Arbeit- nchmer gleichzeitig in mehreren BsschäftigungsverchAtiriffen gestanden, so sind die Arbeitszeiten zusammenzuzählen. Don ein- schneidender Bedeutung ist auch der Vorschlag, daß ein Arbeits- loser, der mehr als die Hälfte der Beschäftigungszeit, die für die Zugehörigkeit zu einer Lcchnklasie maßgebend ist. in einem anderen Orte verbracht hat als dem Ort, in dem die Unterslützimg zu gewähren ist, die Uulerslühung nicht höher sein darf, als ste nach de» Lohn- Verhältnissen des Unierfiützungsortes«wre. Di« Derwaltungsau» fchüsi e der Arbeitsämter haben für die Durch- führung dieser Bestimmimg Richtlinien aufzustellen. Eine weitere Bestimmung sieht eine Neuregelung der Norschriften über die An- rechnung von Gelegenheitsarbeit, die Uitterfttitzungssmp- länger verrichten, vor. Diese Anrechnung soll in weit größerem Umfange erfolgen als bisher. Weitere Bestimmungen sehen eine Verschärfung der Kontrolle der Arbeitslosen vor. Außerdem werden Vorschläge zur Vereinfachung des Spruchver- fahrens gemacht. Diese summarisch« llebersicht der wichtigsten Dorschläge zeigt. daß die Regierungsvorlage in vielen Punkten einen tief ein« schneidenden Eingriff in das geltende Derstcherungsrecht ent- hält, der mit der Beseitigung von Mißbräuchen nichts zu tun hat. Es wird nottvendig sein, be» den Beratungen im Sozialpolitischen Ausschuß diese Bestimmungen den sozialen Erfordernissen besser anzupassen. Im Sozialpolitischen Ausschuß. Die gestrige Sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags begarm mit einer Rede des Reichsarbeitsministers, der eine kritische Betrachtung der Vorlage durch Grahmann(Soz.) folgte, lieber beide Reden ist bereits berichtet. Rädel(KPD.) verteidigte das geltende Arb«itslosen»>ersiche- rungsgcsetz, das die Kommunisten seinerzeit als„schlimmsten Ar- beiterverrat" gekennzeichnet hatten, in einer langatmigen Rede und kündigte am Schluß den Aufstand aller Werktätigen gegen die neue Vorlage an. Dr. Pfeffer(D. Vp.) erklärte, daß sein« Fraktion mit der Dor- lage in»velentlichen Punkten nicht einversta»»d«n sein könne. Die Reichsregierung hätte es i>ermeiden sollen, ein« solche unfettige Vorlage cm den Ausschuß zu bringen. Die Deutsche Volkspattei könne die Vorlage nach ihrem Gesrnntinhalt als gegen sich g e- richtet empfinde»». Man habe zwar die Beitragserhöhur� auf- "gcnomme»», dagegen die vom Sachverständigenausschuß verlangte wichtigst« Aenderung in den Leistungen herausgelassen. Die Sanierung der Versicherung»»»erde sich auch ohne Beitrags- erhöhung erreichen lassen, wenn das vom Sachverstäirdigenaus» schuß vorgeschlagene Verhältnis zwischen Bettragsleiswng und llnterstützu»»gshöhe angenommen»vird. Ohne die Festlegimg einer solchen Rclatton sei die Sanierung»»»möglich. Die Kürzung des Deittags an die ffrankenversicherunz könne noch über 30 Millionen Mark h!na»»s durchgefühtt werden. Der Dolkspatteiler empsohs, das Angebot einer privaten Versicherungsgefekl- schaft(!) cinzicholen. Auch bei der produktiven Enverbslosen- fiirsorge seien noch Ersparnisse möglich Haßlacher(Dnat.) vetteidigt« die AbkxmantrSg« sein« Fraktion und»nacht« eine Rechnung auf. lvonach das gesamte Defizit ohne jede Beitragserhöhung lediglich durch Ersparnisse an den Leistun- gen gedeckt»Verden solle»». Der Aussch»iß vertagte sich sodann ans Doimerstag 10 lkhr. Gorgen btr Kleinstädte. Tagung NeichSstädiebmideS." � kiel, 2L August. Die Tagung de» Reichsstädte bände» wurde am Mittwoch vormittag mit einer Sitzung des Gssamworstondes und des Reichsstädtetnmdes im Sitzungssaal des Kieler Rathauses eröffnet. Der Bundespräsident. Bürgermeister Dr. Bell an. hiev«inen Vortrog, in welchem er zu aktuellen Fragen der Sommurralpolitik Stellung nahm. Unter anderem wurde über die»reuen Plane des preußischen Inilenministeriums verhandelt, die dahin gehen, den Städten bis zu 5000 Eimvohneru da» Recht zum selbständigen Erlaß von Polizei Verordnungen zu»«hnren»rnd ouf den La nd rat zu übertragen. Zu dieser Frage nahm der Gesamt- vorstand eine Entschließung an, in der festgestellt wird, daß eine Regelung in der geplanten Form keine Bereinsachurig, sondern eine Komplizierung und Erschwerung der örtlichen Polizeiverwaltung bedeuten würde. Bei dem engen Zusammenhemg zwischen Otts- polizei und Stodwenvaltuirg gebiete dos Interesse der Selbstver- wallung, von jedem ELpettrneirtteren in dieser Richtung abzusehen. Nicht durch s che matt sche Ausschaltung der Ottspolizeibehörde, sondern nur durch Einschränkung der Zahl der Polizeiverordnungen bei allen zuständigen Stellen töime da» Ziel einer Vereinfachung erreicht«verde». Die.Herausgabe eines Polizeistrafgesetz- b u ch e s, das alle grundlegsskdeu Bestimmungen entHallen könne, würde zu diesem Zlvecke dienlich sein. Die ergänzenden Vorschriften blieben dann der Ottspolizei am besten direkt vorbehollen. ohne daß der Landrat als störmbe Zwsscheninstanz eingeschaltet werde. Des»vciteren befaßt« sich der Vorsta»»d mit der Tatsache, daß wesentliche Bestimmungen des Reichsbesteuerungsgesetzes von» 10. August 1925 bis heute noch nicht durchgefühtt worden seien. Das Gesetz sehe vor, daß die Reichsbahn den Gemeinden, in denei» Eifenbahnwerkstätten usw. ihren Sitz haben, sogenannte Dertval- tungskoste»»zuschösse zahlt, da die Ge»r»einden in der Regel gerade umfangreiche Aufwendungen zugunsten der Reichsbahn leisten n»üsscn. Die Reichsbahn habe sich bisher geweigert, dieser gesetz- lichen Verpflichtung nachzukommen. Für die bettoffenen Gemeinden bedeute das eine schwere finanzielle Schädigung. In einer Ent- schließung legt der Reichsstödtebund Verwahrung dagegen ein, daß ein Rcichsgcsetz in fünf Iahren noch nicht durchgeführt worden ist. In dem in Preußen jetzt endlich beschlossenen Lastenausgleich zugunsten der Städte mit kommunaler Polizei wird ein Fortschritt erblickt. Der Gesamtvorstand erwartet jedoch, daß dieser Ausgleich nicht erst 1932, sondern bereits 1931 voll in Kraft tritt. keine Grenzsperre gegen Ungarn. Die Budapester Meldungen über die Sperre der südslawischen Grenze gegenüber Ungarn' werden dementiert. Auch die südslawische Gesandtschaft in Budapest demen- tiert diese Meldungen. Die Budapester Züge und die Post find normal in Belgrad eingettosfen. Eiwas derart Blödes... MückeS Llrteil über die Hitlerei. Der frühere Kapitänleutnant von Miüke war ein heroischer Kämpe im Lager der Hitlerleute. Bis er vor kurzem plötzlich diesen Gesellen den Rücken kehrte und— vorläufig— parteilos wurde. Er hatte nach den sächsischen Neuwahlen an die sozialdemokratische Landtagsfraktion die schriftliche Frage, im Einverständnis mit Hitler, gerichtet, in welcher Form ein Zusammenarbeiten mit den Nationalsozialisten bei der Regie rungsbildung möglich sein könnte.. Diese Frage hat, als sie bekannt wurde, den tapferen Adolf Hitler bewogen, sein vorheriges Einverständnis ab- zuleugnen. Daraufhin hat Mücke seinen Austritt erklärt. Jetzt gab er dem„Jungdeutschen" Gelegenheit, in den Briefwechsel Einblick zu nehmen, den er mit Hitler geführt hat. Darin fällt er über die Hitler-Fraktion im Sächsischen Landtag folgendes harte Urteil.- „Etwas derartig Blödes wie das Verhalkea der Frakkiou im Landtags bei der Regierungsbildung, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen... so weiter gearbeitet, würde der National- sozialismus zum Gespött... hat zur Vorbedingung Säuglingseinskellung als Politiker und als Folge moralischen Tod. Ich glaube es aussprechen zu müsien, daß je weniger die Landtags- abgeordneten in der Lage sind, selbständig zu handeln, um so mehr klare und scharfe Befehle sie von oben erhalten müsien... ich kann daher nur meinen dringenden Rat wiederholen: Geben Sie in den schärfsten Formen bedingungsloseste Be- fehle..." Fraktiousführer der Hitlerleute in Dresden ist Manfred von Killinger, einer der Bcrüchtigsten aus der„Organisation Eonsul" des Ehrhardt. Bon diesem Killinger erzählt Mücke dem„Jungdeutschen": „2lm 7. Juni suchte mich Herr Hitler in meiner Dresdner Wohnung auf, in der Hauptsache, um die Angelegenheit Kil l i n g e r zu besprechen. Denn ich hatte bereits am 25. April 1923 meine Streichung in den Listen der RSDAv. gefordert mit der Begründung, daß ich mit einem Menschen, der mich wider besseres Misten in der gemeinsten Art und Meise verleumdet hatte, nicht in einer Partei sein wollte. Herr Hitler hatte sich damals geweigert, mich zu streichen. Daraufhin wiederholte ich meine Forderung am 2. März Ilm dies« Frage zu klären, kam Herr Hitler nach Dresden." Hitler hat die Gemeinschaft mit Killinger der Gemeinschaft mit Mücke vorgezogen. Jetzt hat er auch noch die Arbeits- gemeinschaft mit Hugenberg geschlosten. Man sieht, er ist wiklich auf dem besten Wege, die Intelligenz der sächsischen Hitlerfraktion auf das ganze Reich auszudehnen.„So etwas Blödes...!'_ Oer Gchimpfprinz verurteitt. Beleidigungsprozeß gegen Prinz zur Oppe. Glogau, 21. August.(Eigenbericht.) Vor dem Erweiterten Schöffengericht in Glogau fand heute ober- mals ein Beleidigungsprozeß gegen Friedrich Wilhelm Prinz zur Lipp« auf Trogclwitz statt. Dieser hatte, wie erinnerlich. im Verfolg seines ersten Prozssies folgenden beleidigenden Brief an den Landgerichtspräsidenten gesandt: Werter Herr Landgerichtspräsident! Wie au? der Republikanischen Beschwerdestelle nahestehenden Kreisen verlautet, steht Ihr« Beförderung zum Ober-- landesgerichtspräfidenten von Jerusalem bevor. Als Kriminalkommisiar soll Ihnen Assessor Pietrkowski beigegeben werden, der bevorrechtete Mann in Sachen der Frau Müller. Es freut mich besonders, daß ich als erster fi« dazu beglückwünschen kann. Mit besonderem Händedruck und Wertschätzung Ihr Prinz zur Lipp«. In der ersten Verhandlung gegen Lippe wegen Beschimpfung der Republik und ihrer Abgeordneten hotte die deutschnoiionalc Stadtverordnete Frau Justizrat Müller als Schöffin mitgewirkt. Eh« sich das Gericht damals zur Urteilsbegründung zurückzog, ging sie aus den Angeklagten zu, verbeugte sich ehrfurchtsvoll vor ihm und drückte ihm die Hand. Dann erst ging sie in das Beratungszimmer hinein, um unparteiisch über ihn zu Gericht zu sitzen. Wegen dieses Vorkommnisses hatte auf ausdrückliche Beschwerde der Landoerichis- Präsident eine Untersuchung eingeleitet. Wöhrend diese noch schwebt«, schickte Lippe ihm den unverschämten Brief. In der jetzigen Ver- Handlung wegen Beleidigung konnte man feststellen, daß Lippe heute noch von der Deutschen Republik«ine Hauptmannspension von217MarkproMonat bezieht! Trotzdem ober beschimpft er die zahlende Republik und ihre Beamten aufs bösartigste. Der Anklagevertreter Staotsanwaltfchoftsrat Pipping erklärte, er habe anfänglich an eine Mystifikation geglaubt, denn er hielt es für aus- osschlossen, daß ein gebildeter Mensch derartiges schreiben könne. Der Angeklagte habe hier einen hohen Juftizbeomten aufs verwerf. lichste beleidigt. Der Strafantrag lautet auf 1000 Mar? Geldstrafe. Das Schöfsengericht verurteilte den Schimpfprinzen mir— zu ,100 M. Geldstrafe oder 30 Tagen Gefängnis. Oie„Banausen" aniworten. Und stellen Beengungen. halle, 21. August. Heute nachmittag trat hier die Reichsparleileiwng der Christlich- nationalen Bauern- und Landvolkpartei zusammen. Neben organisatorischenn Fragen nahm sie Stellung zu den van dem Landesverbondsoorsttzenden der Deutschnotionale n, Dr. S ch i e l e, in einem Rundschreiben gegen die Ehristlich-nationale Bauern- und Landvolkpartei gerichteten Angriffen. Die Partei- leitung der Landvolkpartei erklärt, daß sie eine umgehende .Klarstellung darüber erwartet, ob die deutschnationale Parteileitung den Standpunkt Dr. Schieles teilt. Wenn das der Fall fei, würde es der Landvolkpartei. unbeschadet ihres grundfätz- lichen Kampfes gegen unerträglich« TribuUastsn, außerordentlich erschwert werden, weiterhin im R-ichsausschuß für das Volks- begehren mit der Deutschnationalen Volkspartei gedeihlich zusammenzuarbeiten. So, nun wird Hugenberg Schiele rüffeln müsien und die „Banausen" dürfen dam: weiter das Adelsbegehren unterstützen. Trebilsch Lincoln gesucht. Die belgisch« Polizei fahndet eifrig nach T r e b i t s ch Lincoln, der kürzlich aus Holland ausgewiesen wurde. Trebitsch Lincoln war u. a. liberales Unterhausmitglied, dann Pressechef der„K a p p- Regierung", später Mönch in einem chinesischen Biiddhistenklostcr, Agent in Afghanistan u. vgl. m. Selbstbsstimmungsrecht für Eupen-Rlalmedy und St. Vish fordert im Interesse der deutsch-belgischen Zusammenarbeit«in Aufruf, den die gesamte deutsch« Presse dieses Gebiets vcröffentlläst, Oer europäische Friede. .-- und hat er geschworen, er meint es ehrlich mit mir!" Die Hauptstadt und die Heimwehr Eine l�ede des Bürgermeisters Karl Geitz. In der Wiener Vertrauensmänneroersammlung am Montag- abend, über die wir berichtet haben, war in der Debatte u. a. der Hinouswurf jener städtischen Arbeiter und Angestellten gefordert worden, die Heimwehrler sind. Als letzter Redner ging Karl S e i tz, der Vorsitzende unserer Bruderpartei und Bürgermeister von Wien, auch auf dieses Verlangen ein. Die Rede unseres Freundes ist aber auch sonst so aufschlußreich, daß wir sie wieder- zugeben für notwendig halten. Von der Versammlung stürmisch begrüßt, führte Seitz aus: . Was ist die Ursache, daß wir so verschiedene Meinungen haben über die«in,zusck>log«ndc Taktik: ob man Gewalt anwenden soll oder Vernunft, ob man appellieren soll an den Staat, an die Regierung? Das ist darauf zurückzusühren, daß wir hier unter Verhältnissen leben, in der die bisherigen Kompfformen zwischen Boar- geoisie und Proletariat nicht mehr anwendbar sind. Bisher war es so, daß man um Ideen, um Seelen gerunnen hat. daß man Menschen gewonnen hat, sie in die Organisation geführt, diese in den Dienst der Wahlbewegung stellte und daß die W a h l dann entschied. Im Bürgertum war man sich darüber klar, daß dieser Weg unweigerlich.zi: irgendeiner Zeit dazu führen muß. daß die Sa z i o l- demokrakte siegt. Mit der sozialdemokratischen Verwaltung in Wien vor Augen mußten sich die bürgerlichen Parteien sagen: Was wird dann geschehen, wenn auch im Staat dietse Parier regiert� Gewiß /»ibt es im Bürgertum Leute, und nicht wenige, die auf dem Boden der Demokratie stehen und parlamentarisch regiert wissen wollen: die auch wissen, daß die parlamentarische Regierung»- form und die Demokratie die einzigen Mittel sind, um Oesterreich für die Zeit zu hallen, die das Schicksal ihm bestimmt hat. Aber es gibt im Bürgertum auch Lev.te, die das nicht vertragen und zu jedem Mittel entschlossen sind, um dos Aussteigen der Arbeiter- klasic, der Sozioldcmokrgtie, zu verhindern. Für solche Leute gibt es eigentlich nicksts anderes als die Heimwehr. Sic können uns nicht die Macht der Argumente oder die Macht der Zahl entgegensetzen, daher versuchen sie es mit der rohen Gewalt, mi? dem Terror. Wer aber den Gedanken hegt, daß polllisch verantwortliche Faktoren, Regierungen, Behörden, sich zur Heimwehr und all ihren Praktiken bekennen sollen, der ist wahrlich ein Verbrecher an der Republik.(Zwischenruf: Ein katholischer Priester!) Denn das ist klar, wenn diest Bewegung um sich greift und wenn sich solche Vorfälle wie am«onntag wiederholen, so sühri das zu einer Gefahr für das Wirtschaftsleben, für das Proletariat, zu einer Gefahr sür die Bourgeoisie, sür die Republik, vor allem für die Stadt Wien. Es ist hier gesagt worden: Geben wir das Aufmarschverbol für Wien auf. Ich halte den Zeitpunkt für nicht gegeben.(Sehr richtig!) Wir haben mit diesem Ausmarschverbot bis zu einem großen Grade Wien befriedet. Es mag vorkommen, daß einmal einer mit einem verbotenen Stahlheln, marschiert, daß einmal ein« Gruppe irgendwo marschigrt: im großen und ganzen wird dieses Aufmarschocvbot eingeholten. Es ist nicht abzusehen, �was geschähe, wenn wir es aufhöben. Es wäre vielleicht sogar«in Flammen- zeichen. Ich weiß nicht, ob in einem Monat die Aufhebung zweckmäßig sein wird. Aber heute ist dieses Verbot gut, man soll daran nicht rütteln, und ich rate dem Landeshauptmann von Wien, nicht daran zu rütteln.(Heiterkeit.) Gestern hat der Landeshaupt. mann von Tirol sich nicht zur Heimwebr bekannt, er hat auch gesagt, daß sie den staallichsn Organen mindestens H i l f s d i e n st e zu leisten habe. Es wäre sehr naheliegend, daß der Landcshoupt- mann von Wien sich auch so eine Parteigarde suchte. Aber wir dürfen nicht in die Fehler unserer Gegner verfallen. Es läge auch nahe, daß man, wie das hier angedeutet worden ist, mit der brutalen Gewalt des Unternehmers gegen andersdenkende Angestellte oder Arbeiter vorgeht. Ich holte das für höchst unzweckmäßig und würde meine Hand n i e da-u bieten. Wenn jemand �sich eine Verfehlung zuschulden kommen läßt, so muß dafür Sühne geschaffen werden. Aber jemanden von vorn- herein wegen semer politischen Einstellung in seinem Berus verfolgen, ist nicht nur nicht gerecht, sondern praktisä) nicht möglich. Wenn dem Genossen irgend etwas bekannt ist von einer Verfehlung eines Bcamien oder Angestellten bei der Straßenbahn, sei es der höchste oder der unterste, so möge er es mir mitteilen. Und wenn das ein zu verfolgendes Delikt ist. so wird der Bc- treffende verfolgt werden. Wenn aber jemand sagt: Du sozialdemokratische Sladtvcrwal. tung. verfolge den oder jenen, denn er hat die oder jene Ge. sinnung. und wenn jemand mich zu einer solchen Handlung zwingen wollte, so würde Ich an diesem Tag« meinen Posten verlassen. (Lebhafter Beifall.) Das heißt nicht, daß irgendein Vergehen unge- sühnt bleiben soll, aber es muß gesühnt werden in den normalen Formen des Rechts und nicht mit Unrecht. Weh« uns. wenn wir auf das Niveau der Luegersi himmterfteigen wollten!(Der christlichsoziale Bürgermeister Dr. Lueger hat Andersdenkende rück- sichtslos entlassen, so auch den Lehrer Karl Seitz. Red. d.„Vorm.") Weh« der Arbeiterschaft, wenn der Grundsatz einmal ein» risse, daß jeder Unternehmer seine Angestellten nach der G e s i n» nung behandelte! Wenn so etwas irgendwo geschieht, haben wir uns dagegen zu wehren, aber wir haben nicht das gleiche zu hm. Eines müssen wir dem Bürgertum und auch der Regierung sagen: So rubig, so besonnen die österreichische Arbeiterschaft auch ist- diese Arbeiterschaft mit ihrer Tradition aus den Zeiten der finstersten Reaktion wird nie niedergerungen werden, wie es anderswo geschehen ist. Sie mit Gewalt niederringen wollen, hieße alles, was überhaupt hier an Werten besteht, gefährden.(Stürmischer Beifall.) Wenn sich alles geändert Hot in Oesterreich, die Arbeiterschaft und der gute Geist der Abwehr, der Kampsgeist und der Mut der Arbeiter, das alles ist heute, wie es vor dreißig Jahren war. Ich glaube, wir werden in der nächsten Zeit ein sehr ernstes Wort zu reden haben mit allen Verantwortlichen und allen jenen. die die Heimtvehrbeweglmg mi! Reden und oicherswie unterstützen. Sie haben in der Heimwehr Leute aus den allertiefsten Niederungen gesammelt, v o m Fürsten bis zum Lumpen- Proletarier, aber nicht der arme Teufel, der nimmt, ist der eigentlick?« Verbrecher, sondern die Geldgeber. Man kann kein« Programme entwerfen gegen einen solchen Gegner, der selbst kein Programm hat. Man muß nur in jedem Augenblick gewappnet sein. den Schutzbund stark machen, bereit sein zur Abwehr. Die beste Taktik ist die gut« alte: den Kampfgeist, den M u t in der Ardeiterscbaft erhalten, die Gegner zur Heber, zeugung zu bringen, daß die Zlrbciterschaft mit oller Kraft verteidigen wird, was sie zu verteidigen hat.(Stürmischer, anhaltender Beisoll.) Der Messerstecher von Erlaa. Wien, 21. Zlugust.(Eigenbericht.)' Der wegen der B l t t o t bei E r l a a verhaftete Oskar Seid! ist 21 Jahre alt und hat früher in Wien gewohnt. Im August übersiedelte er mit seiner Mutter nach dem nahen Vasendorf, wo seine Mutter einen Kleinhandel mit Gemüse betrieb. Tws(Befristist der Mutter geht sehr gut, so daß sie als wohlhabend gilt. Der Sahn lieh sich von seiner Mutter erholten und hat trotz seiner 24 Jahre nie einen ordentlichen Beruf ausgeübt. Die Zentralleitung des Republikanischen Schutzbundes veröfsentlicht folgende Erklärung:„Die Bundes» führung der Heimwehr behauptet in einem Aufruf, daß der Heim» wehrmonn Franz Jonisch ren„verhetzten Mitgliedern des Republi. konischen Schutzbundes auf tierische Weis« ermordet" worden ist. Demgegenüber erklären wir, daß der Oskar Seidl, der die tödlichen Messerstiche gegen Ionisch führte, niemals Mitglied des Republikanischen Schutzbundes gewesen ist. Er hat wohl vor 8 bis 6 Wochen um Ausnahme in die Schutz» bundgruppe Bösendorf narizgesucht, ist aber von der dortigen Gruppenleitung sofort energisch abgewiesen worden, weil er ihr als Trunkenbold und Raufbold bekannt war. Die gegenteiligen Behauptungen der Bundesführung der Heimwehr sind leicht- fertige Lügen." Oie Anfchlußbewegung. Amerikanische presseleute in Wien. Eine größere Reisegesellschast von Journalisten englischer und deutscher Blätter in USA. besuchte vor kurzem auf ihrer Deutsch» landreise auch Wien. Im Sitzungesaal des Nicderästerreichischcn Landtages, von dem 1848 die Revolution ausging und wo 1918 im November die Rcichsratsobgeordneten der deutschen Wahlbezirke Altösterreichs als Vertretung Deutschösterreichs dieses Land als demokratische Republik und Bestandteil der Deutschen Republik proklamierten, sprachen zu den Gästen der Vizepräsident des Bundesrates, llniversitätsprofessor Dr. Hu gelmann und der erste Kanzler der Republik, unser Freund Dr. Karl Renner über Geschichte, Wesen und Selbstbestimmungsrecht Deutsch- Österreichs. Renner berichtete u. a., daß die neuen Gesetze und Gesetzkommentare Deutschösterreichs nicht mehr ge- druckt werden, weil die Auflage dafür zu Nein ist! Di« Gäste aus USA. versicherten, wie tief sie die beiden Vor- tröge ergriffen haben und daß sie fortan in dem Land Woadrow Wilsons für die Gewährung des von ihm verkündeten Selbst- bestimmungsrechtes der Völker auch für Deutschösterreich eintreten werden. Verkürzt die Arbeitszeit! Oie Rationalisierung schafft Arbeitslose. Trier, Zt. August. Die Zigarettenfabrik Haus Iteuerburg hat eine Vetriebs- Umstellung derart vorgenommen, dah in der Löserei. In der mehrere hundert Arbeiterinnen beschäftigt waren, lZ neue Maschinen in der vorigen Woche aufgestellt wurden. Durch diese Umstellung mußten 2 0 0 Arbeiterinnen, von denen ein Teil erst kürzlich eingestellt worden war, entlassen werden. Durch diese Entlassungen wird die Lage aus dem hiesigen Arbeitemarkt weiter verschärft. SM Also 12 Maschinen eingestellt, 200 Arbeiterinnen entlassen. Folge: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschärft sich. Ist das ein besonderer, ein Ausnahmefall? Jedermann weiß, daß es sich dabei um einen fast alltäglichen Torgang handelt. Was ist dagegen zu tun? Die Unternehmer sagen: Die Arbeits- losenunterstützung abbauen. Wohl um den durch die Maschinen brot- los gemachten Arbeiterinnen ihre„Arbeitsscheu" auszutreiben. Die Arbeitsmoral muß gestärkt werden, sagt die Vereinigung der Arbeit- gebernerbände. Die 12 Tabaklösemaschinen und die vielen anderen neuen Ma- schincn erzeugen, noch bevor ein Rad sich gedreht hat, Arbeits- lose, belasten also— wenn man es rein rechnerisch ausdrücken will— die Finanzen der Reichsanstalt. Selbst die Sachverständigen haben die sechs unteren Lohnfwfen der Arbeitslosenversicherung, in denen zweifellos die 200 entlassenen Arbeiterinnen rangieren, von dem Abbau verschont. Helfen kann also hier, wie es die Eni- schließung des Bundesausschusses des ADGB. vorschlägt, zunächst nur eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit. Der Ab- bau der Unterstützung führt in eins Sackgasie. Unterbringung der Arbeitslosen, Erhaltung und Erhöhung der Kaufkraft sind die«in- zigen Lösungen des Problems. Arbeitslosigkeit in der LandWirtfchast. Selbst in der Hochiaison, D i e deutscheSandwirischaft hat Arbeitskräfte genug. Noch den amtlichen Zahlen vom End« April, also zu einem Zeitpunkt, wo die Arbeit in der Landwirtschaft in vollem Gang war, gab es 38 524 männliche, 16 473 weibliche, insgesamt 55 997 verfügbare Arbeitssuchend« in der Landwirtschaft. Eine erstaunlich hohe Zahl! Schiedsspruch im Bauschlofferstreit. Nach langwierigen Verhandlungen. Wie wir bereits gemeldet haben, fanden gestern aus TJeran- lastung des Vorsitzenden des Schlichlungsausschuffes Verhandlungen im Vanfchlosser streik statt. Acußerft hartnäckige und langwierige Verhandlungen! Am 9 Ahr vormittags begonnen, endeten sie erst am späten Nachmittag um 19>3 Uhr mit einem Schiedsspruch. da eine Einigung zwischen den Parteien nicht zu erzielen war. Der Streik geht bekanntlich in der Hauptsache um Löhne und Arbeitszeit. Der Schiedsspruch erhöht die Löhne in der Spitze um 6 Pf. und ab l. April 1930 um weitere 2 Ps. Zu der Arbeits- zeit, die die Unternehmer auf 48 Stunden verlängert haben wollten. bleibt es bei 461- Stunden die Woche. heute abend 17 Uhr nehmen zunächst Zcotralstreikieitung und Dranchenkommission, um 19(7) Uhr die Vertrauensmänner au» dea ausgesperrten und bestreikten Velrieben im Verbandshaus des Bietallarbeiterverbandes zu dem Schiedsspruch Stellung. Am Frei- lag vormittag lO Uhr versammeln sich die Streikenden im Saalbaa Friedrichshain, Die Lehren eines Streiks. In Vereilschast sein ist alles. Eine Versammlung der organisierten Klempner nahm am Dienstag abend in den.Llndreassälen" zu dem Abschluß des Streikes der Bau-, Gas» und Wasterklempner Stellung. Der Branchenleiter. Genost«.H e n f est, schildert« zunächst nach einmal die Ursachen dieses Streikes und wandte sich gegen die während der Bewegung vereinzelt laut gewordene Auffassung, daß es möglich gewesen wäre, den Streik zu vermeiden. Di« Untenrehmer waren nicht dazu zu bewegen, ihre Absicht, den Manteltarif erheblich zu verschlechtern, aufzugeben, so daß es für die Bauklempner kein Umgehen des Abwehrstreikes mehr geben konnte. Die Beteiligung an dem Streik war über Erwarten gut. Di« Bronchenleitung hatte es selbst nicht für möglich gehalten, daß infolge der betrieblichen Zersplitterung in diesem Gewerbe die Streikparole so gut befolgt werden würde. Es waren im Durchschnitt rund 1400 bis 1300 Bau-, Gas-, und Wasterklempner an dem Kampf beteiligt, die sich aus etwa 360 Betriebe verteilten. Wenn die Forderungen der Streikenden auch nicht restlos durchgesetzt werden konnten, so muß doch gesagt werden, daß der S t r e i k e r s o l g k e in geringer ist. Die Unternehmer haben jedenfalls eine erhebliche Niederlage erlitten. Die Bauklempner haben mit diesem Kampf aber auch gezeigt, daß sie nicht nur um Lohupfennige zu kämpfen bereit sind. sondern daß sie auch mit sinonziellen Opfern und Entbehrungen verbundene Kämpfe führen, bei denen es weniger um materielle Vorteile als um ein Prinzip geht. Nach diesem Komps darf sich aber kein einziger Bauklempner auf den Kampfeslorbeeren ausruhen. Aller Voraussicht nach dürste es auch bei den Lohnverhandlungen im nächsten Jahr zu ernsten Disferenzen mit den Unternehmern koinnien. Jedenfalls gilt es, für neu« Kämpfe zu rüsten. Es ist deshalb notwendig, die noch nicht organisierten Berussairgehörigen von der Notwendigkett des straffen gewerkschaftlichen Zusammenschlusses zu überzeugen und auch den durch den Streik stark in Mitleidenschaft gezogenen Branchenfonds wieder aufzufüllen. Die Diskussion war im ollgemeinen sehr sachlich. Es wurde an einnzelnen Maßnahmen der Streikleitung Kritik geübt und von die-ser auch die Richtigkeit verschiedener kritischer Ausführungen anerkannt. Fast ausnahmslos wurde der Branchen- bzw. der Streik- leitung das Zeugnis ausgestellt, daß sie ihr möglichstes getan Hobe. um den Streik zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Die Ver- sammlung beschloß ferner gegen wenige Stimmen, daß jeder Branchenangehörige verpflichtet ist, zur Auffüllung des Branchen- fonds fünf Branchenfondsmarken zu je 1 M. zu entnehmen und mit allen Kräften für die restlose Durchführung dieses Beschlusses einzutreten. Oeffentliche Aufforderung. vie KPO. quittiert über ihre Niederlage. Die Kommunisten können sich noch nicht trösten über ihre katastrophale Nieder lag« bei der Wahl zur Betriebs- krankenkast« der Berliner Verkehrs-A.-G. Sie hatten noch Moskau einen großen Sieg bei der Betriebsräiewahl gemeldet und ihren Geldgebern die Ueberzeugung beigebracht, daß die Berliner Verkehrs- A.-G. ein„revolutionärer S t ü tz p u n 1 1" der Boljchewisten sei. Nun Hot sich herausgestellt, daß dieier„revolutionäre Stütz- punkt' auf Flugsand gebaut war. Wer ist also schuld, daß die Jllle greigewerksclmfter am 25. Jtugusi im Treptower&ark! „renoliiiionären Unorganisierten' fluchtartig die Sowjetfahne ver- lassen hoben? Hören wir, was das Berliner osfizielle Volschervisten- blott meldet: „Die„Rote Fahne' erhielt in diesen Tagen ein« Reihe Zuschriften von Arbeitern der Berliner Verkehrsbetriebe, die zeigen, daß die Reuter. Brolat und Kompagnie zusammen mit den Leitungen der Berliner Sozialdemolrone und des Reichsbonners dabei sind, in der Verkehrs-A.'G.«ine Korruptions- und Terror- wirtschast auszuziehen, wie sie raffinierter und brutaler selbst die größten Scharfmacher der Berliner Metallindustrie mit ihren gelben Werkoereinen, Betriebsgruppen des Stahlhelm und der Nationalsozialisten nicht durchführten' Also„eine Reihe Zuschriften von Arbeitern der Berliner Ver- kehrsbetriebe' hat d!«„Rote Fahne' erhalten. Das sonst bei Zu- schriften nicht sehr wählerische Blatt schreibt ober zum Schluß: „Wir richten deshalb die öffentliche Aufforderung an olle Arbeiter der Betriebe der Verkehrs-A.-G., uns alle Fälle mitzuteilen: wie und mit welchen Methoden die Direktion, die SPD.-Detriebsräts und.Funktionär« die Säube- rung des Betriebs von den klassenbewußten Arbeitern durchführen; mit welchen Methoden versucht wird, die Velegschasl zu korrumpieren; wie die Arbeitsvermittlung organisiert ist; wie die Arbeitsbedingungen verschlechtert, werden,, uiw...... Briese sind möglichst persönlich unter der Adresse: Wilhelin Pieck, Stich- wort:„Betr. Verkehrs-A.-G.', im Karl-Liebknecht-Haus, Kleine Alexanderstraße 28, abzugeben," Womit das Blatt eingesteht, daß die Behauptung von den vielen Zuschriften, die es vorgibt, erhalten zu haben, ein a u f g c- legter Schwindel ist. Gewöhnlich macht es die kommunistisch« Gewerkschaftszentrole so. daß sie an ihre Mitglieder schriftlich« Zlus- forderungen schickt, wie und was der Aufgeforderte zu berichten habe. Di«„revolutionären Stützpunkte" in der Berliner Verkehrs-A.-G. scheinen sich aber so vollständig verflüchtigt zu haben, daß die„Rote Fahne" gezwungen ist, die Flucht in di« Oeffentlichkest zu ergreisen und di«„Sympathisierenden" und sonstigen„revolutionären Iln- organisierten" auszusordern, ihr Brief« zu schreiben' über„das schamlos« Treiben des Sozialsoschismus in der Berliner Ver- kehrs-A.-G". Woraus wir mit Vergnügen entnehmen, daß die„Korrupiions- und Terrorwirtschaft" in der Dertehrs-A.-G, für die bolschewistischc Demagogie sehr ungesund ist. Die öffentliche Aufforderung ist in Wahrheit eine Quittung über die Niederlage der KPD. Die Arbeiter der Reichsanstalt. Negelun? ihrer Lohnbedingungen. Als die Arbeitsämter noch der Schaffung der Arbeitslosen- Versicherung von den Kommunalverwaltiingen aus die Reichs- anstalt übergingen, traten auch einige hundert Arbeiter aus dem G e m« i n d« d i e n st in die Reichsanstalt über. Dabei ergab sich, daß die L ö h n e, die die Arbeiter in den Gemeinden bezogen hatten. in fast allen Orten wesentlich höher lagen als die Löhne der Reichsarbeiter, die künstig für die Arbeiter der Reichsanstalt An- wendung finden sollen. Die Verhandlungen zur Ausräumung der Differenzen führten zu einer Vereinbarung, durch die zunächst den Arbeitern ihre früheren Bezüge gesichert wurden. Daniit war jedoch noch keine Möglichkeit gegeben, den in Frage kommenden Arbeitern in den nächsten Jahren irgendwelche Lohnerhöhungen zu verschaffen. Dieser Mißstand ist nunmehr durchSchlichtungsversohren behoben worden, bei dem in der Schlichterkammer erfreulicher- weise einstimmig folgender Schiedsspruch gefällt wurde: „Für alle Arbeiter der Reichsanstall für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung sinden grundsätzlich die Lohnsätze des TAR. Anwendung. Arbeiter, di« auf Grund des§ 228 AVAVG.«ine Ausgleichszulage erhalten, nehmen mit Wirkung vom 1. April 1929 ab an Lohnerhöhungen der TAR.-Arbeiter mtt 50 Proz. teil, wobei ein halber Pfennig nach oben abzurunden ist. Die Bestimmungen über den Mantellarisvertrag bleiben der Bereinbarung der Parteien vorbehalten." Man darf damit rechnen, daß der Schiedsspruch von der Reichs- änstalt angenommen wird. Es ist nun zu wünschen, daß setzt auch recht bald zum Abschluß eines Manteltarifverirages ge- schrillen wird, damit für die Arbeiter in der Reichsanstall künftig ein klares Arbeitsrecht vorhanden ist. Chemisch gereinigt. Oie Kaltstellung Tomstis. Moskau, 21. August. Tomskl, der ehemalige Dorsitzende des Zentralrots der Gewerk- schasten der Sowjetunion, ist zum Mitglied des Präsidiums des Obersten Volkswirtschaftsrats und zum Letter der Chemie- Abteilung derselben Sowjetbehörde ernannt worden. Wegen seiner Hinneigung zur Rechtsopposition ist Tomski be- kanntlich vor einigen Monaten seines Postens als Letter der Gewerk- schasten enthoben worden. Die Aemter, die ihm jetzt neuerdings anvertraut werden, sind rein wirtschaftlich und geben ihm nicht die Stellung, die er früher auf seinem auch politisch sehr einflußreichen Posten eingenommen hat. Er ist kaltgestellt und sozusagen chemisch gereinigt worden._ Die Arbeitsdisziplin im Sowjetstaat. Verhastet- arbeitslos- exmittiert. Moskau, 20. August. Das Arbettskomwissariai hat mit dem Zsntralrat der Gewerk- schasten eine neues Gesetzprojekt vereinbart, welches strengere Maß- nahmen im Kampf gegen die Disziplmlosigkett, das Rowdytum und die Trunksucht unter den Arbeitern und Angestellten vorsieht. Dem Gesetzentwurf zufolge sollen alle Personen, die wegen derartiger Vergehen verhaftet werden, spötetens drei Tage nach der Verhaftung von ihren Fabriken oder anderen llnternehnrnngen entlassen werden. Falls sie eine Dienslwohirung innehaben, werden sie sosart ausgesiedelt.(Die deutschen Kommunisten können ihr Geschick preisen, dah sie nicht in Sowjetrußland leben.) Der Wollkamps in England. Oie Unternehmer scheuen ein Schiedsgericht. London. 21. August. Die verhandlmrgcu über deu Lohnstreil in der Wollindustrie im Gebiet von Bradford sind durch die Ablehuuug einer Lohnkürzung durch die Arbeitnehmer zum Silllsiand gekommen. Ein Antrag der Zlrbeilerverbände aus schiedsgericht. liche Entscheidung des Streites wurde von dea Unter- aehmern abgelehnt._ Staatstruppen schuhen Streikbrecher. Wer schuht die Streikenden? New Zork. 21. August.(Eigenbericht.) In der Baumwollsabrik Clinchfield in Marion(Nord- k o r o i in o). wo— wie im gestrigen„Abend" berichtet— seit Wochen 1600 Arbeiter streiken, ist die Arbett mit Unorganisierten unter dem Schutz von Stootstr Uppen ausgenommen worden. Bei den Beratungen mit dem Sireikkomitee halten die Behörden erklärt, daß keine auswärtigen Streikbrecher herangezogen werden dürsten, damit wettere Zusammenstöße vermieden würden. lOOiK) Streikende in Kalkutta. Verfrühte Frledensmeldung. •- Kalkutta. 21. August Ueber London war berichtet worden, daß die Arbett in den Iutespinnereien am Montag wieder ausgenommen worden sei, bis auf fünf Betriebe. Inzwischen kam es jedoch über die vor- gesehene Regelung des allen Streits erneut zu Differenzen, so daß am Dienstag erneut 70 000 Arbetter der Iutespinnereien die Arbeit niederlegten. Generalsireikörohiing in OombroVa. Llm den Achtstundentag. Dombrowo. 21. August. Die Bergarbeiter des Dombrowaer Industriegebietes haben an die Arbeltgeber die Forderung auf Einführung der achtstündigen Arbeitszeit einschließlich Ein- und Ausfahrt gestellt. Verhandlungen in dieser Richtung blieben bisher erfolglos. Die Arbetter stellten darauf die strikte Forderung, den Achtstundentag in der gewünschten Form einzuführen, andertrsalls am 24. August der Generalstreik der Bergarbeiter einsetzen werde. Die Streikstimmung ist ziemlich stark, da bereits jetzt Teilstreiks zu verzeichnen sind. Die Kollegen der Firma Stock Motorpflug A.-G., verlin- Niederschöneweide, die am 11. Februar 1929 im Betriebe be- schästigt waren, werden ausgesordert, ihren ausgefallenen Lohn von 5(4 Stunden(wegen Kältestrcik) im Lohnbureau abzuholen. Der Betriebsrat. �FreieGewerkschafts-Zuqend Berlin. Heute. Donnerstoa, 19'-, Uhr, tagen die Truppen: Lichtcnberft und Reu-LiHtenuerft: ßugcndhetni Haunstraße, an der Lcssingstraße. Vor- " trag:„ttnigges Umgang m-t Menschen".— Sesnudbruancn: Jugend- heim Äiotc Schule, Eetenburger Str. 2. Neihcnvortrag:»Tenossensckiastliche, öffentlick)« und private Unternehmungen.— Schönewcidc: Jugendheim Oder. schön eweide. Laufener Str. 2(oberes hinteres Zimmer). Heitere?orlcsui>gcn. — Söpeoi«: Teuppenheim. Jugendheim, Trttnauer Str. b. Vortrag:„Crfie Sitte bei UngTUefsfailfn".— Moabit: Städt. Jugendheim Lehrter Str. 18—19. Luftiger Abcied. Hein» Darthel kommt.— Südosten: Truppenheini Neichenberger Strohe tiS(Zeuerwehehm-s). Ter Truppenabend teilt ans. Wir besuchen die Neuköllner im Vsik-park Hasenheide.— Tiwpelhof: Gruppenheini, Ln»eu:n Germaniastr. 4—6. Vortraa:„TewerkschaftliS-» Fragen".— Wedding: Stadt. Jugendheim Trthftr. 10. Humor, Frohsinn und Heiterkeit.— Wir sp-elcn ab 16 Uhr:«reis Obcrfp-e«: Wiese 8 im Treptower Varl.— Nordring: Plag 11 v. Sportplatz Tantianstratze Iuaenvarupve des'ZenkraivertandeS der AnaesteMen. Seute, �onnerstag, finden folgende VeranstcNunaen statt: O?en: Ilmenddeim Litauer Ctr. 18. Vortraxl:„Versassungsfraaen". Reicrent: Derkow.— Treptov: Jugendheim Wildenbru6 str. S3 fftiflana von der(Sraetz. straße in Treptow). Lichtbildervortrag:..Afrika: Tierwelt, Vegetation", �efe. rnt*: Georg Keilbrunn.— Sck'iwebero: Jugendheim Aanvtstr. 13 sKoigebäude, Thllringen»'mmer). Vortrag:„Ans Bebels Leben". Referent: Schreiber.— Spiel und Sport: Sportplat, Olbersstrakc fam Bahnhof Iunfffernheide), ab 20 Uhr und Sportplaft Humboldthain ab 18 Uhr. Verantwortlich kii? Volitik: Ricard Derr.steiu; Wirtschaft:®. Klingelhöfer; Geo�rtschaflsbewegung: Z. Stetuer: Feuilleton: Dr. John Gchltowaklz Lokales und Soirflincs.!7rtti Karstadt: Aiuctacn: Tb. G!o6e: sämtlich in Verlin. Verlag: Vorwärts.Verlag G. m b. H. Berlin Druck: Vorwärks.Buäidruckcrct und Ver.'aasanstalt Paul Singer u. Co., Berlin LW 68, Lindenstrake 3. ftierga 1 Beilage..Uuterbaltuno und Wissen" und.Frauenstimme� VER L EY igarelten siMN Nr. 391* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 22. August 1929 2U Slunden Später. T erichiehimg des„SEeppelin"-Startes in Japan. Wie vom japanischen Flugplatz Kasumigaura ge- meldet wird, wurde bei der Vorbereitung zum Aufstieg des Luftschiffes zur vorgesehene» Startzeit die Hintere Motorengondel durch Berührung mit dem Boden anscheinend leicht beschädigt. Da Dr. Eckener erst genau festgestellt wissen wollte, ob durch diesen Aufschlag die Sicherheit des Schiffes gefährdet sein könnte, wurde der Abflug des..Graf Zeppelin" um 24 Stunden hinausgeschoben. Tokio, 21. August. Obwohl man damit rechnet, daß der Flug über den Pacific nur drei bis vier Tag« dauern wird, nahm der„Graf Zeppelin" ge- nügend Proviant an Bord, um die 20 Passagiere und 41 Mann der Besatzung sechs Tage lang voll verpslegen zu können. Auch eiserne Rationen für den Notfall sind ausgenommen worden. Der Proviant ist in Metallbehälter oerpackt und wird durch Trockeneis srischerhalten. Der Postschlußtag erhielt durch die An- Wesenheit des„Graf Zeppelin" ein« besondere Bedeutung. Zahl- reiche Privatpersonen und Geschäftsfirmen fertigten noch die letzte Post für das Luftschiff ab, das im ganzen S700 Postsachen für Amerika und Europa mitnimmt. Die Wettermeldungen vom Pacific und aus Japan lauten bisher günstig. Wie die Tokioter Meteorologische Wetterstation meldet, befindet sich über Japan augenblicklich«in Tiefdruckgebiet. Dr. Eckener fürchtet aber dieses Tief nicht, sondern hofft, die w e st- l i ch e n Wind« für seinen Flug ausnutzen zu können. Es ist also anzunehmen, daß der„Graf Zeppelin" programmäßig seinen Welt- slug fortsetzen wird. Zurzeit ist das Luftschiff mit der Ber- proviantierung beschäftigt, nachdem die Ausfüllung der Traggas- zellen und die Uebernahme von Betriebsstoff bereits gestern be- endet wurde. Die Mannschaften sind von den Japanern überreich befchenkt worden, so daß sie die Geschenke nicht alle im„Zeppelin" mitnehmen können und gezwungen sind, sie mit gewöhnlicher Post nach Hause zu schicken. Welchen Weg der„Zeppelin" einschlagen wird, steht noch nicht endgültig fest. Es wird jedoch angenommen, SEur 3ahri des«Graf Zeppelin' Vokio-Xos Angeles. daß er den k ü r z s st e n W e g, also die Dampferrout« wählen wird, d. h., daß er die Hawai-Jnseln voraussichtlich nicht ansteuern dürfte. Der Weg von Tokio nach Los Angeles hat«ine Länge von rund 8500 Kilometern. Bei einigermaßen günstigen Wetterverhält- nissen kann der„Zeppelin" diese Streck« in 84 Stunden zurücklegen, während die großen Passagierdampser bei einer Geschwindigkeit von 20 Seemeilen für die gleiche Strecke 17 Tage benötigen. Interessant ist, daß der„Zeppelin" auf seiner Fahrtroute die sogenannte Datumsgrenze, den 480. Längengrad, passieren wird. Das hat zur Folge, daß er bei Erreichen der Grenze, also voraussichtlich 24 Stunden nach seiner Abfahrt von Tokio,«inen Kalendertag zweimal erlebt. Je nach der Zeit, zu der er die Datums- grenze überfliegt, wird er also, da er berests an einem Donnerstag (nach japanischer Zeitrechnung) gestartet ist, entweder den Donners- tag oder den Freitag doppelt erleben. Er darf also«inen Tag lang seinen Kalender nicht abreißen. Japan— Deutschland. Anläßlich der Landung des„Gras Zeppelin" in Japan hat der der japanische Ministerpräsident an den Reichskanzler nachstehendes Telegramm gerichtet: „Anläßlich der sicheren Ankunft des„Graf Zeppelin" in Japan auf seinem Flug rund um die Welt habe ich die Freude, Ihnen und durch Sie dem deutschen Volk Japans herzlichste Glückwünsche zu übermitteln. Das ganze japanische Volt heißt das gewaltig« Luft- schiff mit einer der geschichtlichen Bedeutung des Ereignisses ent- sprechenden ungeheuren Begeisterung willkommen, und es wünscht ihm ein aufrichtiges„Fahrwohl" für die kommende Bezwingung des Pazifischen Luftozeans, der bisher durch kein Flugzeug überquert worden ist. Das Werk deutschen Genies und Unter- nehmungsgeistes hat unsere beiden Völker sicherlich nicht nur in dem räumlichen Abstand, sondern auch in Freundschaft und Geist ein- ander näher gebracht, und ich ergreife gern die Gelegenheit, dem deutschen Volk Glück und Gedeihen zu wünschen." Das Antworttelegramm des Reichskanzlers an den japanischen Ministerpräsidenten Hamaguchi hat folgenden Wortlaut: „Für die so überaus herzlichen Glück- wünsche, die Sie anläßlich der Ankunft des Luftschiffes„Graf Zeppelin" dem deutschen Volke und mir persönlich gesandt haben, spreche ich Ihnen meinen wärmsten Dank aus. Die be- geisterte Anteilnahm«, die das japanische Volk an dem Fluge bekundet, und die von Herzen kommende Gastlichkeit, mit der das Luftschiff und sein« Besatzung in Japan aufgenommen wurden, finden in Deutschland freudigen Wider- hall und dankbare Würdigung. Mit dem ganzen deutschen Volke telle ich Ihre Zuversicht, daß die Ueberwindung des Raumes durch die Luftfahrt dazu beitragen wird, unsere Völker einander näher zu bringen und ihre Freundschaft weiter zu ver- tiefen. In herzlicher Erwiderung Ihres Grußes an Deutschland bitte ich meinen aufrichtigen Wunsch für die glückliche Zukunft Ja- p a n s entgegennehmen zu wollen." Ferienheim niedergebrannt. Alle Insassen— Berliner Kinder- in Sicherheit. Da» Heim Zmmenhof der Arbellerwohlfahrt bei Hützel in der Lüneburger helde ist gestern von einem Großfeuer heimgesucht worden. Alle Sinder konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Di« Flammen griffen mit großer Schnelligkeit um sich, trotzdem war es gelungen, sämtliche Insassen des Heimes, zum großen Teil junge Mädchen aus Berlin und Hamburg, recht- zeitig in Sicherheit zu bringen. Die freiwillige Orts- feuerwehr und die Wehren der umliegenden Ortschaften hatten stundenlang mit der Bekämpfung des Brandes zu tun. Obgleich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verflicht wurde, den Flammen Einhalt zu gebieten, brannte das Haupt- und Schlasgebäude des Helme» bis aus die Grundmauern nieder. Der außerordentlich heftige Wind erschwerte die Löschattion in erheblichem Maß«. Wie uns aus I mm e n h o f mitgeteilt wird, wurden schon beim Ausbruch des Feuers sofort alle Mahnahmen ergriffen, um die Kinder in angrenzende Gebäude zu bringen. Es sind all« Insassen, lange bevor für den einzelnen über- Haupt eine Gefahr bestand, in Sicherheit gewesen. Um so seltsamer mutet deshalb die sensationell ausgemachte Nachricht eines Berliner Spätabendblattes an, in der geschildert wird, daß Berliner Ferienkinder„in Lebensgefahr" waren. Zur Beruhigung können wir mitteilen, daß all« Insassen des Heimes mit größter Ruhe das Haus verlassen konnten. Ein In der Nähe liegendes Ferienheim der Stadt Berlin, das etwa 400 bis 600 Kinder beherbergt, ist von dem Großfeuer verschont geblieben. Die durch die Feuersbrunst zurzeit obdachlos gewordenen Kinder haben sogleich in den benachbarten Ortschaften Hützel und I s p i n g e n Unterkunft gefunden. Der Gesamtschaden ist durch Versicherung voll gedeckt. Französische Lugend im Arbeiterbezirk. Das Bezirksamt Prenzlauer Berg empfing 4 5 franzöfifcheFerienschüler.die in Birkenwerder mit deul- schen Jungen vier Wochen zusammengelebt haben und vor der Heini. reise nun noch 8 Tag« Berlin kennenlernen sollen. Kein Empfang wie sonst üblich, mit offiziellen Reden, gerade um der Form zu genügen. Dafür aber sehr viel warme Herzlichkeit und von Ansang an ein jo freundschaftliches Ber- stehen, ein so fröhliches Beieinander, wie es wohl selten erreicht werden kann. Nach einer munteren Kaffeetafel machte man zunächst in einem von der BVG. zur Verfügung gestellten Dreiachsbus eine Rundfahrt durch den Bezirk. Die Jungen sahen die Herr- lichen Sport- und Spielanlagen, die aus einer Sandwüst« geschaffen worden sind, lernten das Ambulatorium für knochentuberkulöfe Kinder kennen, bewunderten das Afyl für Obdachlose in seiner pein- tichen Sauberkeit und Großzügigkeit, ließen sich die Gasgewinnung in den Gaswerken erklären und standen staunend vor den groß- artigen Siedlungen und Neubauten des Bezirks, besonders vor der gewaltigen Großbaustelle der Gehag, auf der in wenigen Monaten zirka 1000 Wohnungen aus der Erde wachsen. Der Kontakt zwischen Gästen, Freunden und Gastgebern war durch dies« Fahrt bereits hergestellt: seinen Höhepunkt erreichte er nachher in dem gemütlichen Beisammensein, wobei aller Herzen ganz von selbst auf- gingen. Bürgermeister Genosse Ostrowski gab bei dieser Ge- legenheit dem Gefühl der fröhlichen Verbundenheit beredten Aus- druck. Er knüpfte an die Zeit vor etwa 25 Jahren an, als er als junger Student und erster Austauschlehrer in französischen Schulen mit französischer Jugend lebte. Damals mußte man sich das Ver- trauen erkämpfen. Heute schicken Franzosen ohne Mißtrauen und 81 j Copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A-Q„ Berlin „Dafür wasche ich Ihre Wäsche sehr fein, oh bluten- weiß," verspricht sie dankbar. Er yersichert, sie morgen zu bringen, und beschleunigt den Abschied, denn der Gedanke an„morgen" und das Fer- nere verjagt alle Freude. Es ist leichter, in ein Parterrefenster hinein- als aus ihm herauszusteigen. Wie sie es endlich vollendet haben—- er hat voranklettern müssen, mit dem Rücken gegen die Straße— und sich umdrehen, steht da im Finstern eine glimmende Zigarre. „Funk—" sagt der Kommandeur halblaut.„Schau mal an!" „Herr Oberstleutnant!" ruft Funk aus, in dienstlicher Haltung. �„ „Ssss." macht Pummer. als sei e r der Ertappte. Die Kleine wittert den höheren Offizier und will sich eilig davonmachen.,, ..Hall!" kommandiert Pummer verstopft,„�altlä! tyn TITPI" Kann er's nicht besser? Was will er eigentlich? Wenn er mich verdonnert, so genügt es doch. Wozu braucht er das Mädchen? Oder will er sich über uns lustig machen? zweifelt Funr Er und die Kleine suchen Zuflucht beieinander. Geteiltes Pech-ckst halbes Pech. „Seid S' vor allem gedämpft, sonst sind wir zu dritt blamiert." äußert der Kommandeur unverständlich und in einer erregten Freundlichkeit. Er kommt näher heran, er riecht nach seinem geliebten Rotwein.— Als gehöre er zu uns. als wolle er sich zum Spießgesellen machen, empfindet Funk. „Ich Hab' auch nicht schlafen können," beginnt der andere. „Weiß der Henker, was einem bevorsteht. Sie haben ja recht gehabt, Funk. Morgen geht's nämlich schon weiter. Wie— was? Am Ende wird einmal jeder von uns noch dran glauben müssen in diesem endlosen Tanz. Am Ende diesmal — dort unten an der Somme— was?" „Herr Oberstleutnant, ich bitte gehorsam um Verzeihung. Ich bin seit über einem Jahr im Feld, ich habe auf Urlaub verzichtet, ich—" „Geschenkt! Es ist ja«ine Unverschämtheit, was Sie da gemacht haben, und«ins noch größer«, sich von mir er- wischen zu lassen, aber nett ist der Käfer, soweit ich sehe, man kann Ihren Schritt verstehen.— Komm her, du, laß dich anschauen." AngÄique versteht offenbar so viel Deutsch, daß sie weiß, was gemeint ist- Sogleich tritt sie zu dem Offizier. Er hebt ihr das Kinn hoch.„Süßer Racker," sagt er. Man sieht im Schein der heftig aufglühenden Zigarre seine breitlächelnden schönen Zähne. Pause. Pummer hält immer noch die Hand an der Wange des Mädchens- Was nun? Wie soll es weitergehen? Ist man festgefahren? Die Kleine möchte ein Ende machen. Sie dreht mit sanfter Wendung ihr Gesicht aus der Männerhand und will sachte davon, als lasse sie Schlafende zurück— aber der Kommandeur hält sie am Arm. „Funk, Sie können nur straffrei bleiben," sagt er ge- walffam und in einer unmöglichen Mischung von Streng« und Ulk,„wenn Sie nichts vor mir voraushaben. Verstehen Sie mich? An die Somme wollen Sie gehen, gestreichelt und getröstet von einem solchen Prachtvögelchen, während ich— nein, das gibt's nicht." Funk ist erstarrt. „Sie halten mich für verrückt, wie? Vielleicht sind wir alle nicht mehr normal," sagt der andere leise und heftig, fast wie aus einem Fieberschlaf heraus. Da kann Funk ohne weiteres zustimmen, das kann er einsehen. „Haben Sie sie bezahlt?" erkundigt Pummer sich vor- sichtig. „Ich glaube, sie läßt sich nicht bezahlen. Aber ich habe ihr etwas geschenkt— auf ihre Bitte hin." „Dann ist alles in Ordnung. Helfen Sie dem Weiberl hinein in Ihr Zimmer. Sie werden hier— warten auf mich— auf uns. Allans!" flüstert er heiser gegen das Mädchen. Funk kommt nicht dazu, sich über das alles zu wundsrn- Er muß Angälique dort hinaufheben, von wo er sie eben heruntergeholt hat. Dann turnt der Fünfundfünfzigjährige behend seiner Sehnsucht nach. Funk geht lauter, als es angebracht ist, unter dem Fenster hin und her. Er will nicht hören, was drinnen sich abspielt. Ich bin noch nie auf Wache gezogen, denkt er, dies ist die erst«, seit ich beim Militär bin... Nachher ist es so, daß nur Angälique aus dem Fenster schwebt, von Männerarmen hinausgehoben, von Männer- armen unten aufgefangen. „Revoir," haucht sie ein wenig bedrückt ihrem Funk zu, ehe sie flüchtet.„A dernain!" .Kommen Sie herein, Funk," verlangt, der Komman- deur mit gewohnter, lauter Stimme. Er steht am Fenster, er hakt den Kragen der Litewka zu. Er ist sehr aufgekratzt, er dreht das elektrische Licht an, er hat das Bedürfnis, alles sehr hell und laut zu hoben. Kaum steht Funk wieder vor ihm, sagt er laut:„Was, wenn sie nun einen strammen Soldaten zur Welt bringt, weiß sie nicht einmal, von wem sie ihn verehrt bekommen hat." Er scheint für den Augenblick vergessen zu haben, wer ex ist und wer der andere. „Einen strammen Soldaten, der ein Franzose wäre, also einen Feind. Wir hoben einen Feind erzeugt." Pummer ist trotz dem eigenen scherzhaften Ton auf ein- mal peinlich berührt.„Nicht gesagt," rettet er sich.„Bielleicht bleibt Lille und alles drum herum deutsch" „Das wäre— ein besonderer Glücksfall in unserer An- gelegenheit," meint Funk mit undurchdringlicher Ironie. „Viel eher ist anzunehmen, daß wir leichtsinnig dem Gegner einen Vorteil verschafft haben. Das wärt Landesverrat." „Hören Sie auf! Geistreich zu faseln ist nur Ihr Zivil- beruf," lacht der Alte, beinahe zornig. „Ich meine es vollkommen ernst," sagt Funk still pnd feierlich. Der Oberstleutnant lenkt kurzerhand ab.„Sie haben vor- hin erzählt, Sie fahten nie in Urlaub. Warum nicht?" „Weil ich nicht wiederkäme, wenn ich einmal heraus wäre aus diesem— diesem—" er findet nicht das passende Wort. „Sie enthüllen sich heute von schönen Seiten." höhnt Pummer. Und plötzlich herrisch, plötzlich orientiert über dos für ihn Unmögliche der Situation:„Passen Sie auf, daß Sie's nicht zu weit treiben!" tFortsetzung folgt.) Bedenken ihre Kinder zu tuu und mtr 30 chue». Cteer vertraut restlos dem anderen sein bestes, seine Jugend, an! Die herzliche T-meinschast zeigte sich so recht, als dann deutsche und französische Lieder gemeinschaftlich unter Beteiligung aller Besucher gesungen wurden. Der Führer der fron- zösischen Schüler, M. Iourdan, dankte in französischer Sprache und drückte die Erwartung aus, daß die junge Generation Frank- reichs zur gegenseitigen Verständigung beitragen werde. In den 10 Tagen, die die französisch»« Austauschschüler noch als Gäste der Stadt Berlin hier verbringen, lasten es sich die städtischen Behörden ganz besonders angelegen sein, den jungen Gästen möglichst viel zu zeigen. Es regnet nur so Ein- lodungen, Empfänge und Besichtigungen, und jeder Tag ist voll aus- gefüllt mit Neuem und Interessantem. Nachdem die jungen Fran- zosen am Dienstag Gäste des Bezirksamts Prenzlauer Berg waren, war gestern das Bezirksamt Mitte der Veranstalter eines fröhlichen und gleichzeitig interessanten TageSj Um 3 Uhr trafen sich die jungen Franzosen und einig« ihrer deutschen Kameraden, die sich für diesen Tag Urlaub von der Schule erbeten hatten, mit ihrer Lehrerschaft in der Stadtbücherei Brunnenstraße 181, wo sie vom Hausherrn, Bürgermeister Genosse Dr. Schneider, empfan- gen und herzlich begrüßt wurden. Sie besichtigten die B i b l i 0- t h e k, die hübschen!- Lese- und Aufenthaltsräume, dar- unter das sogenannte Märchenzimmer, in dem sich die junge Ge- meindc des Bezirks Mitte um«inen runden Tisch zu versammeln pflegt, um den Erzählungen der Märchentante oder des Märchen- onkels zu lauschen. Um zu erproben, ob das Märchenfluidum auch auf die jungen Söhn« Frankreichs übersprang, improvisierte einer der Lehrer solche Märchenstunde, indem er einen der jungen Gäste zum Märchenerzählen aufforderte. Das gelang auch sehr gut, upd der wackere Stegreifdichter wurde mit großem Beifall ausgezeich- nct. Nachher gab es bei Tietz ein« fröhliche Vesperstunde mit Kaffee und Kuchen, und dann entführte Dr. Lederer, der bekannte Berliner Chronist, die Schüler nach Alt-Berlin und seinen Sehenswürdig- leiten. Ein Besuch der Barieteoorstellung im Wintergarten beschloß den fröhlichen Tag. Raubmörder verhastet. Eine Gutsbesitzerin erschlagen und beraubt. Vor einigen Tagen wurde die SSjährige Gutsbesitzerswitw« S t ö ck c l, abends zwischen 18 und 19 Uhr, im Wohnzimmer ihres Anwesens in Helmsgrlln bei Gera ermordet aufgefunden. Frau St. war den Nachmittag über allein auf ihrem Gehöft und die Leute waren sämtlich auf den Feldern mit der Ernte- arbeit beschäftigt. Als ein Landarbeiter heimkehrte, fand er feine Arbeitgeberin mit eingeschlagenem Schädel in einem Schuppen, unter Stroh versteckt, vor. Dicht bei der Leiche lag ein großer Hammer, mit dem die tödlichen Schläge geführt worden waren. Der Arbeiter alarmierte sofort die Gen- d a r ni e r i e, die alsbald mit mehreren Beamten am Tatort erschien. Die Untersuchung ergab, daß die Wohnräume durch- sucht worden waren, und daß der Täter 150 Mark in Hartgeld erbeutet hatte. Des Mordes dringend verdächtig war ein früherer Knecht der Gutsbesitzerin. Auf seine Ergreifung war eine Belohnung von 599 Mark ausgesetzt worden. Durch Polizeifunk waren alle zuständigen Behörden be- »achrichtigt worden, und gestern nachmittag ist es auf Grund der gegebenen Personalbeschreibung gelungen, den Täter,«inen 20jährigen Max Schi ff el aus Bayern, zu v e'r h a f t e n.' Er wurde in Greiz im Vogtland, dicht bei Plauen, von der Polizei ermittelt und festgenommen. Man sagte ihm die Tat auf den Kopf zu und er legte sogleich ein Geständnis ab. Der Mörder wurde in das dortig« Amtsgerichtsgefängnis eingellefert. Wie verschwand der Hüiiendirektor? Eine verdächtige Lebensversicherung. Wie wir berichteten, wird seit dem 16. August der ehemalige hütter.direktor Wilhelm Vögel au» Essen vermißt. Der Fall scheint eine interessante Wendung zu nehmen. Sonderbar mutet an, daß Böget erst, in den letzten Monaten sich selbst für 699 999 Mark versichern ließ, wovon 59 999 Mark auf Lebensversicherungen abgeschlosten waren. Weiter gibt zu Bedenken Anlaß, daß bei vorgefundenen Papieren Bogels sich nicht der Reisepaß befindet, den Bogel bestimmt vorher im Besitz gehabt hat, und der mit dem Visum von Holland ver- sehen war. Die Vernehmung der beiden Herren, mit denen Böget wegen der NeugrLndung eines Unternehmens verhandelt hat, ergab, daß Bogel von einem französischen Kaufmann Leromt« sprach, der die ganzen Geschäfte finanzieren werde. Die beiden Herren haben jcdoch diesen Finanzier niemals zu Gesicht bekommen. Ein Spaziergänger fand am Kölner Rheinufer verschiedene auf den Namen. B ö g e l lautende Papiere. Die Nachforschungen der Polizei haben zu keinem endgültigen Ergebnis geführt. Vögel, der am 13. und 14. August mit zwei Herren in Köln Zu- sonimenkünfte gehabt hatte, ist zuletzt am l-t. August um Mitternacht in einem Kölner Restaurant gesehen worden. Bögel war ohne Begldtung. Oer Wächter vor dem Ltnterfuchungsrichter. Seine Kleidung wird chemisch untersucht. Gestern nachmittag ist der Wächter Sch.. der unter dem dringenden verdacht de» Morde» an der elfjährigen Hilde Zepernick steht, dem llatersuchungsrichler vor- geführt worden. Nach dem jetzt ziemlich abgeschlostenen polizeilichen Unter- suchungsergebnis sind alle Voraussetzungen wegen dringenden Tatverdachtes, gegeben, die ein« Vernehmung durch den Untersuchungsrichter und den darauf zu erwartenden Hastbefehl rechtfertigen. Di« Kleidung des Wächters, die er am Mordtage trug, ist inzwischen sichergestellt und dem chemischen Laboratorium der Staatlichen Nahrungsmitteluntersuchungsanstalt zur m i k r 0- sk�pischen Untersuchung über das Vorhandensein von etwaigen Blutspritzern usw. übergeben worden.— Der Wächter selbst bestreitet immer wieder seine Schuld. Auch die«ingehende Vernehmung durch den U n t e r s u ch u n g s- r i ch t e r hat den mysteriösen Mordfall nicht weiter klären können. Der Wächter blieb dabei, daß er mit der Mordtat nicht dos ge- r i n g st c zu tun habe. Man wird die mikroskopische Unter- suchung der Kleidungsstücke des Wächters abwarten müssen, um auf Grund dieses Ergebnisses weitere Maßnahmen zu ergreifen. pJV -iiuiUSHW y�nregamgr ixnöC Skandal mit der JCundelteuer. Man schreibt aus Leserkreisen: Daß man im allgemeinen für «inen Hund Steuern zahlen muß, dürste bekannt sein. Daß die Steuerbehörde für einen Hund ober gegebenenfalls für ein Quartal mehrmals Steuern einziehen kann, wird den wenigsten bekannt sein. Folgende Erfahrung eines Hunde- befitzers dürste die Oeffentlichkeit, vor allem aber alle Hundebesitzer interessieren. Bei einem mir verwandten Geschäftsinhaber, der ein Lebensmittelgeschäft besitzt, wurde eingebrochen. Um sich vor eventueller Wiederholung des unfreiwilligen Besuches zu schützen, erwarb er sich einen Hund und bezahlt« die Hundesteuer, wie üblich, für ein Quartal im voraus. Nach einiger Zeit war er ge- zwungen den Hund zu verkaufen und hatte, wie immer, für das letzte Vierteljahr die Steuer im voraus entrichtet. Er wandte sich an die Steuerbehörde und bat um Rückerstattung der Steuer für die zwei im voraus bezahlten Monat«.„Einmal gezahlte Hunde- steuern werden nicht zurückerstattet," lautet die Aus- tunft des Beamten. Auf die Frage des Geschäftsinhabers, ob die Steuern für die voraus gezahlten zwei Monat« dem neuen Besitzer angerechnet werden, bekommt er die Auskunft, daß der neu« Be- sitzer vom Tage des Erwerbs an Steuern zu zahlen hat. Da die Steuern für ein Vierteljahr 15 M. betragen, oerdient die Stadt in diesem Fall 19 M. anscheinend unberechtigterweis«. Run kann es aber vorkommen, daß der Hund innerhalb eines Quartals mehr- mals verkauft wird. Durch dieses System fühlen sich natürlich Käufer und Verkäufer eines Hunde» von der Stadt übervorteilt. Ein« Aenderung dieses seltsamen Steuersystems wäre im Interesse der Allgemeinheit dringend erwünscht. Die leere �uppenfabrik. Die Reichsbahn sorgt von Zeit zu Zeit durch Sonder- z ü g e, daß der Berliner sein„Weekend" an der Ostsee, im Riesen- gebirge, in der Sächsischen Schweiz, ja auch an der Nordsee be- gehen kann. Freilich wird für die wiederholte Ausnutzung dieser billigen Züge da« Portemonnaie der Mehrzahl der Weltstadtbewohner nicht genügend gefüllt sein— aber einmal im Sommer die Sehnsucht nach der See, dem Meere, lcher nach Bergen, die höher sind als die Müggelberge, zu befriedigen, ist doch einer größeren Schar möglich. Einer schönen und leicht erreichbaren Landschaft ist bisher die Beglückung durch die Reichsbahn versagt geblieben: es ist Thüringen, jenes Kulturland, das mit dem preußischen Sachsen von der Elbe an, wie an einer Schnur auf- gehängt, uns dem Namen nach sehr vertraute Städte wie Halle, Merseburg, Weimar, Erfurt, Gotha. Eisenach darbietet. 399 Kilo- meter von Berlin entfernt, für den rasenden D-Zug eine Kleinigkeit, für den Nachtsonderzug mit den auffrisierten ehemaligen Wagen 4. Masse gerade die richtige Entfernung. Und nicht nur diese Städte, die reich an Bauten, aber auch wertvoll sind durch politische und kiinstteriich» Aergongsnheit und kommerzielle Gegen- wart, können den Gesichtskreis des Besuchers erweitern, sondern das Bergland Thüringen kann— im Eiltempo freilich— genommen werden, dank den Autobussen, staatlichen wie privaten Kraftwagen. Sie schrauben fick), auf die höchsten Kuppen empor und die im privaten Dienst wechselnden Preise sind zuweilen nicht erheblich, was bei richtiger Organisation ebenfalls zu erzielen fein dürfte. Es besteht aber noch ein besonderer Grund für die Anregung,.Berlin mit Thüringen enger zu verknüpfen. Die öko- nomische Situation der vereinigten Zwergreiche ist nicht glänzend, die Industrie zum Teil lahmgelegt, so namentlich in der Puppen-, Spielwaren- und Korbwarenbranche. Welches Mädchen spielt heute noch mit Puppen? Der Wald, dessen Tannen, Fichten und Kiefern, 29— 39 Meter hoch und anders gerundet als unsere dünnen Hölzer, uns mit ehrfürchtigem Staunen erfüllen, gehört den ehemaligen Landesvätern— die Bergorte haben wenig oder gar keinen Wald- besitz. Der Fremdenverkehr geht fein« launischen Wege: der Wohlhabende durchfährt im Auto das Land und fetzt die Luxus-Luftkurorte nicht in Nahrung, und für die Masse der Nicht- reichen sind die kleinen Ortschaften noch nicht recht eingerichtet. Wi« kann eine Familie sich wohlfühlen, wenn der Bezug von Milch, Obst, ja Gebäck von Zufällen abhängt. Diese Umstellung auf eine vernünftige Ferienpreispolitik würde durch Massenbesuch von der Weltstadt aus erleichtert werdn: mancher wird, gleich entzückt von der lllatur, wie von der Kultur, gern zu längerem Aufenthalt wiederkehren. Wochenend- und Ferienprobleme hängen eng miteinander zusammen und Berlin hat nun emmal die Macht, darum auch die Pflicht, auf diesem Gebiete bahnbrechend vorzu- gehen. Sonderbar berührt e» de» Berliner, die Puppenfabrve» leerstehen zu sehen. Wieviele Berliner Kinder könnten hier in heilkräftiger Natur untergebracht werden! Jdifll auf der 3>faueninfet Man schreibt uns: Sonntags mittags zwischen 12 und 13 Uhr! Brütend« Hitze über dem Wasser! Der knurrende Magen veranlaßt mich, mit meinem Paddelboot ruhesuchend«ine schattige Bucht aufzusuchen. Ich lande am Südufer der P f a u« n i n s e l. Eine halb« Stunde bereits habe ich mich der idyllischen Ruhe erfreut und verwundert das quirlende Treiben an der anderen Seite des Havelufers betrachtet. Auf der Pfaueninsel selbst— kaum eine lebende Seele. Friedlich schmort bei den einzigen Menschen, die äußer mir hier lagern, da» Essen in der Pfanne. Auf einmal naht freundlich und freude- strahlend auf seinem Rade der Vertreter der hohen Obrigkeit heran. Der gedrehte Schnurrbart, die grün« Uniform— beides läßt mich Schreckliches ahnen. Und richtig:„Die Pfaueninsel ist Naturschutzgebiet, das Anlegen von Boote» ist hier ver- boten und wird bestraft. Darf ich um Ihren Namen bitten?" Ich weise darauf hin, daß kein Schild hier vor verbotenen Handlungen warnt.„Ja, das ist abgebrochen worden! Sie sind übrigens schon der 52.(Z w e i u n d f ü n f z i g st«). den ich heute nottere."— Und er strahlt über das ganze Gesicht ob feiner Tüchtigkeit. Miß- mutig rapple ich mich auf und„steche in See". Meinen Rachbars- leuten hat die„Obrigkeit" wenigstens gestattet, da» Mittagbrot im verbotenen Gebiet zu Ende zu kochen. Solang«»»artet sie geduldig ab, dann schwingt sie sich mit Feuereifer auf» neue i» die Arbeit. Wieviel ahnungslose Ruhesuchende mag er wohl votiert habe», der gute Wachtmeister von der Pfauemnsel, am Sonntag, dem 18. August 1929? Hoffentlich reicht das Ergebnis der Razzia dieses Tages zur Anschaffung der Verbottafeln aus. Oder sollt« man in irgendeiner Behörde keinen Wert auf Abschaffung dieser, anscheinend ergiebigen Einnahmequelle legen? dileinigkeilen. Hat da im Norden ein Bauherr den guten Gedanken gehabt. den alten stuckbeladenen 4-Etagen. Häusern«in modernes, einfach gegliedertes, aber durch Verschiedenheit in der Tönung, teils grau, teils gelb, zu einer gewissen Momumentalität emporgediehenes Haus aufzuführen, das als Eckhaus zwei Straßenfronten beherrscht. Daher zwei Eingangsportale, die in rötlichen Ziegelsteinen mit weiß verputzten Zwischenräumen etwas Warmes haben und an traute alte holländisch« Bauten«rinnern. Sie beleben die beiden Fassaden aufs glücklichste. Doch siehe da: auf der einen Tür- Umrahmung sind zwei massive schwarzweiß« Schilder angebracht: für jeden feineren Geschmack ist die Stimmung brutal zer- schlagen. Wäre«s nicht möglich gewesen, den Schlldern neben der Tür Plätze anzuweisen und sie in Form und Ton mit dem. ganzen Baucharakter in Uebereinstichmuyg. zu Dringen, rnofati dje Forderung guter Lesbarkeit- sicher auch" erfüllt werden kann? Kleinigkeiten— wixd der und jener denkenf aber aus solchen Kleinigkeiten setzt sich das Straßenbild schließlich zusammen. Der Architekt des Ganzen ist sicher bei diesem Detail nicht zu Rate gezogen worden. So'n blaken Sratmöfifch.... ... is wunderschön— aber wenn es an falscher Stell« steht und außerdem noch unrichtig geschrieben ist—, dann sagt sich der Gast aus Frankreich oder England: hier ist eine unnatürliche Entente geschaffen, die Berlin als Weltstadt nicht zur Ehre gereicht. Es war zwar mir in einem Bicrrestaurant, aber es witzd dort«in Bier verfchönkt(bitte nicht zu drucken: verschenkt— der Liter kostet 1,29 M.)— also in jenem Lokal liegt eine Speisekarte auf, die herrlichste Delikatessen aufweist— nicht gerode Seltenheiten, aber die landesüblichen Speisen in einer Aufmachung, di« der feinsten Hotelküche Ehre machen würde. Wir wählten Hammelrippchen mih— Strohkartoffeln— ober natürlich stand es nicht so nackend deutsch dort verzeichnet, sondern es, trug den stolzen Namen mouUothcKop, das heißt gemeint war wohl das allen Englandfahrern brannte niutton-diop, von mutton: Hammelfleisch. Aber der Oberst« der Ober, der für die Speisekarte verantwortlich ist, hatte wohl auch von mouton, französisch Hammel, gehört, und so schuf er da» Wort mouttou. Bei anderen Gaststätten mögen ähnliche aus Unkenntnis und Verlangen nach— Feinheit geborene fehlerhaft« Bezeichnungen sich vorfinden— sicher nicht zum Vorteil« des Rufe» von„Berlin als Weltstadt".» Orel unbekannte Tote. Auf den Gleisen der Straßenbahn wurde gestern gegen 22 Uhr vor dem Haus« Müller str. 51, etwa 29 Meter von der Halte- stelle entfernt, ein unbekannter Mann bewußtlos auf- gefunden: er wurde nach dem Paul-Gerhard-Stift gebracht. Er starb, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben, an den Folgen eines Schädelbruches. Es scheint, daß der Unbekannte von einem Stiaßenbahnzug während der Fahrt ab- gesprungen ist und sich dabei die tödlichen Verletzungen zu- gezogen hat. Der Tote, der nach dem Schauhaus gebracht wurde, ist etwa 35— 49 Jahr« alt und trug dunkles Jackett und eine ge- streifte Hofe.— In einem von Potsdam nach Erkner fahrenden Stadtbahnzug erschoß sich kurz vor 1 Uhr nachts unweit des Bahnhofs Charlottenburg ein unbekannter junger Mann mit einem T e f ch i n g. Seine Leiche wurde dem Ehar- lottenburger Schauhause zugeführt. Der Selbstmörder ist etwa 29— 25 Jahre alt.— Kurz vor 3 Uhr morgens fanden Passanten vor dem Hause Bayreuther Str. 41 eine Frau auf, die anscheinend von Krämpfen befallen war. Ehe noch ein Arzt helfen konnte, war sie bereits verstorben. Es wurde festgestellt, daß sie wahrscheinlich Gift genommen hat. Die Frau ist etwa 25— 39 Jahre alt, ist nur 1,69 Meter groß und hat langes dunkel- blondes Haar. Was die Verolina für Sorgen macht. Da die Wiederaufstellung der Berolina an der in Aussicht genommenen Stelle im Plänserwald an der Obersvree einschließlich der Hcrrichtung des Platzes und der umgebenden Anlagen sünszig- bis siebzigtausend Mark Kosten verursachen würde, so beschloß der Magistrat, die Frage der Wiederherstellung vorläufig zu 0 e r t a g e n. Es soll noch ein- mal»achgeprüft werden, ob sich die Kosten� vermindern lassen. Hochwafferkatasirophe in perfien. 5000 Häuser zerstört,-100 Menschen tot. Teheraa. 2t.»ug»st. Durch Hochwasser wurde« in TS bris S0 0v Häuser zerstört, IVO Personen solle« ums Lebe« gekommen sein. Durch Blitzschlag geiötet. Bei dem Versuch, den Montblanc zu besteigen, tvurden zwei französische und ein Schweizer Alpinist vom Unwetter überrascht. Ein Blitzschlag tötete den Schweizer, toährend di« beiden Franzosen längere Zeit bewußtlos lagen. Die Leiche des Schweizers konnte noch nicht gefunden werden. Eine zweite Gruppe Alpinisten, die kurz« Zeit später die beiden Franzosen einholte, berichtete, einer der ihren sei ebenfalls vom Blitz getroffen worden und einen 35 Meter tiefen Abgrund abgestürzt. Er habe schwere Verletzungen am Kopfe davon- getragen. Die Schweizer Ozeanflieger vermißt. New Aork, ZI. August. von den Schweizer OzeanfNegern Käser und Löscher, die bereits gestern In Neufundland hätten einkreffen müssen, lieg« feil 26 Stunden keine Nachricht mehr vor. Da die Wetter- bedlngungen, abgesehen von einem Gebiet dichte» Nebel» vor Hallfax, als günstig bezeichnet werden müssen, beginnt man. sich über das Schicksal der Piloten Sorge zu machen. Ein vielseitiges Unternehmen. ,/Ehebtmd, Organisation des Gichfindens." Im Südosten von BerNn stoße lch eines Tages auf ein merkwürdiges P l a k a l, das vor einem Aeilerladeo hängi: „Ehebund. Organisation de» Slchfinden». Seine Ehevermittlung, sondern diskrete persönliche Be- arbeitung". •(Ein oierblättriges Kleeblatt und zwei engverschlungsne wohl- gepflegte Hände illustrieren die verlockende Ankündigung. Der findige Unternehmer betätigt sich aber gleichzeitig auch als Wohnung-- vermittler und Grundstücksmakler und oereinigt so in icjner Hand auch die weiteren Phasen des von ihm eingeleiteten Produktionsprozesses. In schreiend bunten Bildern wird den von ihm zusammengeführten Ehepaaren die„Eigene Scholle" verheißen. „Dein Heim" wird dir als nettes Landhäuschen gezeigt. Die Erfüllung des schönen Traums ist natürlich abhängig von der Höhe der Bezahlung, die du leisten kannst. Du kannst dein Glück aber auch aus Teilzahlung erwerben. Natürlich sehll auch nicht die eigen- ortige Zusicherung, die die meisten Wohnungsvermittler ihren Kunden machen:„W ohnungsberechtigungsscheine werden prompt beschaf st". Auch dieser Dienst wird dir nicht aus Menschenliebe geleistet, sondern gegen gutes bares Geld. Die Wohnungsämter, von d«NM diese Schein« den«ingetragenen Wohnungssuchenden oft*erft nach jahrelangem Warten ausgestellt werden, sollten sich um diesen sicherlich recht einträglichen Handel ge- legentlich einmal kümmern. „Diskrete persönliche Behandlung" heißt es auf dem«inen Plakat. Nun, ich bin nicht abgeneigt, mich einmal per- sönlich behandeln zu lasten. Ich suche also die Sprechstund« für Ehe- siandskondidaten am Abend auf. Im Vorzimmer sitzt«ine Reihe ,. bester«" Herren und Damen gesetzten Alters, die meine in diesem Kreise recht jugendlich« Erscheinung mit kritischen Blicken mustern. Alle ob« machen den unv«k«nnbaren Eindruck des ewigen Klein- bürgers, besten Id«al es ist,„versorgt" zu sein. Nach einigem Warten fragt mich noch meinem Begehr ein wohlgenährter Herr stein Geschäft scheint sich zu lohnen.) Nachdem ich meinen Wunsch nach persönlicher Behandlung vorgetragen habe, hält er mir eine schwungvolle Rede. Ich werde darüber aufgeklärt, daß es sich hier um eine durchaus gemeinnützige Organisation handest. die schon über ein Jahr mit dem besten Erfolg arbeitet— dabei werfe ich einen Blick auf die hoffnungslos«», resignierten Gesichter der h«um- sitzenden„besteren" Damen und Herren.„Sie können die Mitglied- schaft zunächst für sechs Monate erwerben. Das tostet natürlich eine Kleinigkeit(aha!), nämlich zehn Mark im Monat. Sie sehen, wir sind billiger als alle die unreellen, sogenannten Heiratsver- mittler." Ich frage bescheiden, was ich nun für«eine zehn Mark monat- lich erhalte.„Sie tragen d« Dame, die Ihre Angelegenheit be- arbeiten wird, Ihre Wünsche vor und übergeben ihr ein Lichtbild sowie die nötigen Angaben über Vermögen, Stand usw." Da öffnet sich gerade die Tür zum Nebenzimmer, ein kleiner. sorgfällig aufgeputzter Herr mit seidenem Taschentüchlein und Blumcnsträußchen im Knopfloch, von der steijen Haltung des kleinen Beamten, verobschtedet sich und erhäll einen Reklameprospekt des ebenfalls gemeinnützigen Unternehmens„Eigene Scholle, Dein Heim" in die Hand gedrückt, das er mit sorgenvoll gc- furchter Stirn studiert. Inzwischen gelingt es mir, durch die ge- öffnete Tür einen Blick der Dame zu erhaschen, der die persönliche Behandlung obliegt. Sie ist von demselben Typ wie ihre Kundinnen: Gesetzteren Alters, mit vieler Mühe auf„fein" herausgeputzt und offensichtlich unverheiratet. Bei ihr scheint sich also die persönliche Behandlung weniger gut zu bewähren. Der rundlich« Herr fährt mst seiner Belehrung fort:„Sie er- halten dann fortlausend eine Liste der für Sie geeigneten Domen, mit denen Sie. ahne ihren Namen zu erfahren, durch unsere Der- mittlung briefliche Verbindung anknüpfen können. Sagt Ihnen eine der Damen zu, so können Sie von uns, natürlich gegen eine weitere Gebühr, Namen und Bild Ihrer Erwählten erhallen, und nach Zustandekommen der ersehnten Verbindung liquidieren wir eine weitere, mäßige Gebühr." Ich hatte genug von der„Gemeinnützigkeit" des Unternehmens gehört und verzichtete darum auf die weitere„persönliche Behand- lung". Beim Abschied erhielt ich auch den R e t l a m e z e t t e l der Wohnungs- und Grundstücksabteilung des„gemeinnützfgen" Unternehmens und war nun über das Vermögen im Klaren, das zur Erlangung des irdischen Glücks mit Hilfe des wohlgenährten Menschenfreundes nötig ist. Um dieses Vermögen zu erwerben, müßte ich allerdings erst selbst«in so einträgliches Geschäft betreiben wie den„Ehebund" und die„Eigene Scholle". Von seinem Standpunkt aus handelt dieser erfindungsreiche Unternehmer allerdings nur konsequent, wenn er die Ehe als das auffaßt, was sie in der kapitalistischen Gc- sellschaft und besond«rs in den Kreis«n des„guten" Bürgertums und des Kleinbürgertums vielfach ist, nämlich als ein Geschäft, von dem er allerdings den Rahm abschöpft. Den Charakter, den das Sakrament der Ehe heute trägt, zeigen auch die langen Spalten der Heiratsinserate der mehr oder weniger gut bürgerlichen Zei- tungen, von der„M o r g e n p o st" bis zum„L o k a l o n z e i g e r", ja bis zum„Völkischen Beobachter", mit dessen Hilf« sich di« germanischen Edelinge auf solider geschäftlicher Gnindlage rein- rassig paaren. Der Standpunkt dieses Unternehmers ist dabei der- selbe wie der— des Heiratsschwindlers. Ltm die Gas-Entgistung. Wie das Äerliaer Gas zusammengesetzt ist. Vor kurzem beschäftigte sich eine Berliner Zeitung in einem .Artikel mit der. Beschaffenheit des Berliner Gases und es .uzmroe 11. a. behauptet, bah bas Berliner Gas viel tohken?5�b- balliger und dadurch viel giftig« sei, als das Leuchtgas anderer Städte, befand«» des Ruhrgebietes. Die Berliner Städti- f ch- n Gaswerke nehmen jetzt zu diesen Behauptungen Stellung und bestreiten vor allem, daß die Berliner Bevölkerung durch die Deschaitenheit des Gases wesentlich größeren Gefahren ausgesetzt sei als die Bewohner anderer Gegend««. Die Berliner Städtischen Gaswerke verweisen gegenüber der Behauptung, daß die Zahl d« Gasunfälle in Berlin bisweilen auf acht und noun pro Tag steigen, nus die letzte amtlich« Statistik für das Jahr 1ll27. die ein er- h'blich anderes Bild zeig«. Danach haben sich in Berlin im Jahre 1927 insgesamt 122 Gasunfälle ereignet, also nur 8.S Proz. sämt- l cher Unglückssälle innerhalb Groß-Berlins. Die amtlichen Sto- t stiken über die gesamten Unfälle im Deutschen Reich ergeben für 1927 nur einen Satz von 2 Proz. durch Leuchtgas hervorgerufene Unglücksfälle, woraus hervorgeht, daß die Gefahr des Leucht- aases keineswegs so groß ist. Die Zahl der Vttkehrsunfälle ist übrigens fast zehnmal so groß. Nach Ansicht der Gaswerk- würde sich der Prozentsatz der Unfälle durch- Leuchtgas noch erheblich weiter h-rabdrllcken, wenn die Bevölkerung, wie es bei allen Errungenschaften d« modernen Technik notwendig ist. immer dl« erforderliche Sorg. sali an den Tag legen würde. Die Bemühungen, das Leuchtgas von seinen giftigen Bestand- teilen immer mehr zu befreien, sind durch die Leitung der Gaswerke stets mit besonderem Nachdruck betrieben worden, um so die Möglichkeit von Unfällen immer weiter herabzuniindern. Die Berliner Gaswerke haben bereits vor längerer Zeit die Ar- beiten zur Entfernung des Kohlenoxydes. also des giftigen Be- ftandteiles, aus dem Leuchtgas aufgenommen. Die Lösung dieses Problems ist jedoch nicht so«insach, wi« vielfach angenommen wird. Wenn auch die Laboratorium, versuche durchaus e r- folg reich waren, so ist immerhin zu berücksichtigen, daß der Weg der Uebertragung einer Laboratorwmsmethode auf den Groß- betrieb außerordentlich w e I t ist. Es kommt nicht nur darauf an, dem Gas das Kohlenoxyd zu entziehen, vielmehr muß das ge- reinigte Gas di« gleichen Brenneigenschaften wie das heutige be- sitzen, damit der Verbraucher nicht gezwungen ist. seine Gasgeräte abändern zu lasten. Ebenso wichtig stt aber auch, daß der Preis des kohlenoxydfreien Gases den heutigen Gaspreis gar nicht oder nicht nennenswert übersteigt. Ferner wird bcstrillen, daß da» Gas heute giftiger- sei als früher und betont, daß es nicht 21 Proz. Kohlenoxyd, sondern im Durchschnitt nur etwa 1? bis 14 Proz. entholte. Neue Klugleistung Sdzords. Der Bremer Chefpilot Edzard, bekannt au» seinem bei den Iunkerswerken aufgestellten Dauerflug von 52 Stunden, hat am Dienstag im Focke-Wulj-Leichtflugzeug„Kiebitz" den im Jahre 1928 von den tschechoslowakischen Fliegern Hermansky und Machard. zek mit 1500 Kilometer in geschlossener Bahn aufgestellten Welt- r e k o rd mit 1601,2 Kilometer überboten. Dos Flugzeug wurde durch einen 70?8-Siemens-und-Halske-Motor angetrieben. Di« Flugzeit betrug 18 S t u n d« n u n d 33 M i n u t e n. Der Flug ist dem Luftrot Berliit zum Weltrekord angemeldet. Areikovzctke im Lpotlpiirk Tempelhof« Jeld. Am Sonntag, dem L5. August vcranilallet das Reichsbanner non Vi, bi« 9 Uhr das zweite F-.ühkonze't. Am gleichen Tage gibt die Neuköllner Lieder- t a j c l von 17 bis 18 Uhr ein GeiangStonzert. Der Photogroph muß sehen können, wenn er durch Moment. aufnahmen irgendein« interessante Situation festholten will. Hätten solche„Photographen" die„M omentaufnahmen mit dem Mikrophon" geleitet, so wäre diese Uebertragungsfolge wahr- schcinlich unterhaltend und lehrreich geworden. S o wurde sie nur langweilig. Statt knapper, plastisch geschilderter Ausschnille aus dem Großstadtleben empfing der Hörer eine Fülle qualvoll herunter- gehetzter, unklarer Vorträge, die mit Fachvokabeln und schlich- tem Deutsch gespickt waren. Verhällnismäßig anschaulich waren noch die Bild« aus der Autofahnschule und d«m Stellwerk der Unter- grundbahn Wlltenbergplatz, obgleich auch hier di« Situationsbilder viel zu sehr übersehen wurden.— Marcell Salzer las im Deutschlondsender Verse von Wilhelm Busch. E» war ein« ganz heitere Stunde, trotzdem Salzer eigentlich vom Publikum auch ge- sehen wetden muß, da er mindestens so sehr durch sein« pfiffige Mimik wi« durch seine Rezitationen wirkt.— Ein vollkommener G e n u tz war das Kammerkonzert des H a v e m a n n-Q u a r t e t t s, das ebenfalls vom Deutschlandsender verbreitet wurde. Auch H a n» Schindlers Orchester erfteute— wenn auch natürlich in ganz anderer Art— die Hörer mit seinem symphonischen Jazz. Tes. Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW 68, Linden.traße 3, parteinachnchten für Groß-Nerün stet» an da» Bezirlisekretarla« 2. Hof. 2 Trevvcn rechts, ZN richte». Aus dem 2. Kreis haben die Abteilungen 10, 11 und 13 noch immer nicht die vor nenn Wochen angeforderten Adressen ein- geschickt.— Das muß nunmehr aber schleunigst nachgeholt werden, wenn die Genossen ihre Beschlüsse überhaupt durchführen wollen. I. 21.: Alex Pagets. 4. strei« Prcrzlauer Dcrg. tzrcitog, 23. August. 18 Uhr. rcckinen alle M>- trilungstassicrrr sämtiiS'e Stallen vorn Reichsarbkitersvorttag und die Ovrrnkartc» beim Stassierer, Genossen Fran, Eeelbinder, Rhinomer Straße 4, bestimmt ab. 11. Jtrei» Tchouebera. Tie für Beu'e, Gonnerstag, vorgeseben« Besprechung des Streisvorstandes mit den Abteilungslettern findet nicht statt. Nächste Borstandsstiiimg am Dienstag, 27. August, 1914 Uhr, bei Will. Maritn- Luther. Str. 89. Morgen, Freilag, 23. August: 85. Abt. Tcmpelbof. 29 Uhr bei Pommerening, Berliner Str. 100, Sitiung des erweiterten Borstandes. 131. Abt. RiederschZrbaalen. Die Arbeitsgemeinschaft der lungen Genossen versammelt stch um 20 Uhr im Lokal Gretb, Bismarckplaß, Ecke Linden- straße. Thema:„Arbeiterdichtung-'. F rauenoeransialwu gen. 2.»tei» Tiergarten, ssreita«. 23. August. 1814 Uhr. wichtig« ffunktio- nSrinnenstßuna bei Trttmvsr, sslensburgcr Etr. 8. 104. Abt. Rieberfchlincweid«. Heute. Donnerstag, 22, August, Ausflug nach Tricdrichshaaen, Restanrant„Müggelfchlößchen-'. Treffpunkt 1314 Uhr an der Haltestelle Brücken» Ecke Berliner Straße. Arbeitcrwohlfahrt. 7.»rei, Tharlotteninrg. Treitag, 23, August, A Uhr, Rathau», Stimmer l. Si�unfl aller in der WodlfahrtsVfleqe tätigen Genossinnen und Geiwssen. Dortrag drs Genossen Iudrian über„Arbeitslosenversicherung�. Züngsozialisten. Gruppe Tempelbos-Marlendors. Wir beteiligen uns heute all« an der Saeeo.Banzetti.ffeier im Jugendheim Jorckstr, 11 um 20 Uhr. Referent: Mar Bottlißer, W-rbeb-zirk Süden, Sente. Donaer-iag, 22. August, 20 Uhr. t» Jugendheim«orckftr. 11, Sedenkseier für Saeeo und Banwtti. Sie«c nafirnncn und Senoffen alle« Gruppen sowie TAI. und Parteigeuoisen W find dazu«ingeladen.— Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groft-Verlin. i1ri«d-i«»h-gen sOrtsgruppe». ssreitog. 28, August. 17 Uhr, Sprechchor. llbung im Heim. Erscheinen aller ist Pflicht. Sonntag, 8 Uhr, Tunnel. Wir treffen nn» mit Gruppe Bohnsdorf zur Eprechchorllbung, Rückkehr 12 Uhr. »wn Neukölln, Heute, Donnerstag, von 17—18 Uhr, Sprechstunde in der Baracke Ganghoferstraße, ,, �euope Landsberger Blaß. Donnerstag, 22, August, ssür sämtliche Gruppen. ttnder Basteln im llugendbeim von 18—20 Uhr. Es mögen nur die Stinder kommen, die tatiächlich basteln wollen,— Trcitag, 23, August, Tllr Rote und Zungsalken im Jugendheim von 18—20 Uhr Spielabend.— Achtung. ElternI es wird ersucht, die rückständigen Beiträge zu bezahlen. Möglichkeit ist gegeben am ssreitag von 18— 20 Uhr im Jugendheim. Geburkslage, Jubiläen usw. 2?. Abi llnfetei Genossin Martha Ehemniß zu ihrem KZ. Gebnrtitage vi« herzlichsten Glückwünsche der Parteigenossinnen und-genoffen. Die Abtei lungstelteein. «--i5* Unserem bewährten Neben Genossen Lchnlz und feiner Gottin, Reichenberger Str.£9, zu ihrem 50, Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. Sozialistische Arbeiterjugend Gr.-Verlln Einsendungen für diese Rubrik«ur an da< Iugendsekreiarlat Verlin SW68. �tndenftraje 3 tieule. Dounerslag. 19 H Ahr. SfcOplat U Seim Sonneiiburge« Str. 20. Boetrag:„ffrauenrecht oder sirauenschickfal'.— Schönhauser Vorstadt: Seim Souncnburger Str. 29. Bor. trag:„Sozialismus und Religion",—»öpenicke« viertel: Seim Wrongel- ftraß« 128. Lortrog:„Was ist Reformismus?"—»ottbuster Tor: Seim Brißer Str. 27—30, Borlrag:„Zweck und Ziel der freien Gcwerkfchafts- bcwegun«.— Wilmersdorf: Heim Wilhelmsaue 128, Zimmer 2, Bortrag: „Jugend und Recht".— Wittenau: Leim Rosenthaler Str. IZ, Bortrag:„Gr. ziebuligsfkagen.- Pankow III(R-i?.): Seim Kissingen. Eck-, Granißstraße. Borstag:„Wsrum Dewerkschosten?"— Schöneber« II: Seim Hauptstr. 15 lLudetenlandzimmeri Kartenkunde,— Zehlenbors: Rordschule Potsdamer Straße 5—7. Außerordentliche Mitgliederversammlung. Erscheinen ist nn. bedingt notwendig,— Nordosten 17: Keim Danziger Str. 82 sBarocke 3). Bor. trag:„isreikorperkultur".— Wörther Platz: Knnktionärfitznng beim Genossen -iurt Loger, bei Tietze, Straßburger Str. 40. Werbeiiezirk Neufölln: Heute, Donnerstag, Sitzung be» engeren Werbe» bezirisvorstande» mit den Abteilungsleitern im Parteibnrean Zuldaftraße, Alle Srnvv-n müssen vertreten sein. «erbeb«, irk Reinickendorf: Heute. Donnerstag, 1914 Uhr. Werbebezirks. Mitglieberverfammlung im städt. Zugendheim Tegel, Schönederger Straße. Erscheinen Pflicht.*« Werbebezirk Wedbirg:.Tambour. Kapelle!" Leute Uebung im Zugendheim 312. Gemeindeschule, Eeestr. 84. Lehrbücher nicht vergessen, B«w«gnng»chor, unter Leitung von Martin Glcißncr. Danziger Str. 23. Schule. Vorträge, Vereine undVersammwngen. Reichsbanner„Schwarz Rot Gold". Gefchüftsstelle: Berlin S l4, LebaManftr, Z7/Z8, Ho' 2 Tr. Krenzberg nnb NenIZlln. Achtung! Der Ouartiergeber von Johann lZriebfchall, Wien, Mitglied des Republikanischen Schutzbundes, wird gebeten, sseb sofort im Gaubureau zu melden.— Prenzlauer Beea. Kamerad- schaft Nordkap, Donnerstag, 22. August, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Golbschmidt, Stolvische Etr, 86. Bortrog des Kameraden Willige.— Nieltgg, 23.«ngn«, Neinlckenboef-Ost kKameradschafi). 20 Uhr Mitgliederversammlung de, Kiehne. Resttenzstr, 9, Erscheinen Pflicht. Marineabteilnng. 20 Uhr Ufer. straße 1, Schwimmen und Rudern,— Krenzberg. Donnerstag, 22, August. Sportabend auf der Treptowev Spielwiese 9,— ffri-drichshäin. Kamerad- I, Treitag, 23. Auaust, 19!4 Uhr, Kamcradschaftsvcrsammlung bei Blawert, Weberstr. 24». Referat. awr,fchri,t»-reln Ehorlottenburg e. P. sEinhelt-kurzsschristi. Dienstag und Freitag, 1914—2114 Uhr, Anfänger-, fortgeschrittenen.. R«d-schrIft.Lehrqänge. Siemens-Oberrealschul«, Schloßstr, 27. freie Arbeiter.Esperavio.Bereinignnq Berlin. Sämtlich« Mitglieder werden hierdurch zu unserer heute, 20 Uhr, stattfindenden Monatsversammlung ein- geladen. Aus der Tagesordnung steht ein Bericht des Genossen Pahlke über den Sal.ÄongMft In Leipzig. Erscheinen daher Pflicht. „EnKilth Co eersatlonal Cind founded 1878 u Meetings every Friday 8 p m, Ctie Josty, Potsdamer Plate Lecturen Mr. Hoog on:„Adrenisemcnts": Ouests, Ladies& Gentlemen, are welcome. wrilerbericht der iffenllichen Wetterdienststelle LrrNn und llmgcgrnd lRachdr. vrrb.i Wollig, zeitweise heiter, noch ziemlich kühl, keine nennend- werten Niederschläge, Ichwache sodwrstlichr Winde.— Ziir ürotfchland: Im Nordwesten etwas veränderlich, w Mittel- und Ostdeutschland Wetlcibesserung, zeitwellige Aufheiterung, überall wenig Wärmeänderung. t&eiHvorfi&l ÄchsrHayMft htp,tfckt'a0er ALU 6 INGEN ENTHAinN KUNSTVOLL cirfSwrEMÜNZBIlOER�ANOERi 6RiUJNG*MASl(ENl KOLIBRI M> B£6 ATTA 6art«»erten 1. Lebende Tiere..... 12 598 1 492 2. Lebensmittel und Getränke. 407 033 44 571 3 Rohstoffe u. halbfert. Waren 613 314 243 933 4. Fertige Waren..... 197 065 810126 Reiner Warenverkehr... 1 230 010 1 100 122 davon Reparations- Sachlieferungen...— 68 958 5. Gold und Silber..... 203 222_ 4 007 Zusammen...... 1 433 232 1 104 129 Die im Vormonat fast ausgeglichenen Einfuhr- und Ausfuhrzahlen haben sich also im Berichtsmonot nicht unerheblich verschobcn. Der Einfuhrüberschuß beträgt 130 Millionen und ohne Einrechnung der Reparatipnssacklieserungen sogar fast 200 Millionen Mark. Dabei hat sich die Ausfuhr zu gleicher Zeit um 21 Millionen Mark erhöht— die Mehrausfuhr an Fertigwaren beträgt allein 23 Millionen Mark und hat ihren bisher schon erfreulich hohen Stand noch verbessert. Der Gesamtumsatz des deutschen Außenhandels ist gegen- über den beiden letzten Iahren weiter gewachsen. Während im Monatsdurchschnitt 1927 der Auße»Handelsumsatz 2.08 Milliarden betrug,|m Jahre 1928 sodann aus 2,19 Milliarden stieg, hat sich der Gesamtumsatz von Januar bis Juli 1929 auf 2,24 Milliarden Mark im Monatsdurchschnitt gesteigert. In der E i n f n H r ist der monatliche Durchschnitt mit 1,15 Ml- liarden gegenüber 1,17 und 1,18 Milliarden in den beiden letzten Iahren etwas zurückgegangen. Dagegen übertrifft die Ausfuhr mit durchschnittlich 1,09 Milliarden monatlich die Ergebnisse von 1928 um 6,5 Proz. und die des Borjahres sogar um rund 21 Proz. Besonders erfreulich ist die Entwicklung des wichtigsten Aktiopostens der deutschen Ausfuhr, des Fertigwaren- e x p o r t e s. Dieser übertrifft wieder im Monatsdurchschnitt mit 788,6 Millionen die Ergebnisse des Vorjahres, die schon als sehr g ü n st i g anzusprechen waren, noch um fast 9 Proz. und die Ergebnisse von 1927 sogar um 22 Proz. Beruhigung über Krankfuri. Die Herrschast der Allianz.— Wer trägt die Verluste? Nachdem am Dienstag die beiden wichtigsten Entscheidungen zur Rettung des Frankfurter Versicherungskonzerns, die Annahme des Garantieangebots der Allianz und die Bildung der beiden Bank- konsortien gefallen sind, ist inzwischen«ine Beruhigung über den Frankfurter Krach eingetreten. Die Allianz hat nach dem von ihr veröffentlichten Kommunique sämtliche direkten Versicherunge- geschäft« übernommen, und zwar aus der Feuer», Wasserleiwngs- schaden-, Einbruchdiebstahl-, Aufruhr-, Glas-, Transport-, Kraft- fahrzeug-, Unfall-, Haftpflicht, und Regenversicherung. Dazu auf dem Gebiet d«r Kreditversicherungen die Bürgschaften für gestundete Zölle, Steuern, Frachten. Kaufgelder. Lieferungs. und Leistung»- kautionen, Prozeß, und Holzkautionen. Von der Garanti« nicht erfaßt sind insbesondere die mit der Absatzsinanzierung zusammen- hängenden Geschäfte, Hypothekenoersicherungen und Finanzgaran- tien. Das sogenannte Stillhaltekonsortium der Banken dürste für einen Betrag von rund 70MillionenMark zunächst ein Moratorium gewähren müssen, bis beim Frankfurter Konzern ausreichende Zahlungen einlaufen. Dem Garantiekonsor- tium, das bekanntlich insbesondere für die 40 Millionen Mark Auslondschulden geschasf«n werden mußte, gehört von den Groß- danken ollein die Dresdner Bant nicht an. Damit sind die Voraussetzungen für ein« ruhige Abwicklung der Geschäfte des Frankfurter Konzerns gegeben. Das gesamte Ver- sicherungsgeschäft wird in eine neu« Gesellschaft übergeführt: die.Neue" Franksurter Allgemeine Versicherungs-A.-G., mit einem Kapital von 5 Millionen Mark, die sehr bald gegründet sein wird. Das gesamte Kapital der neuen Gesellschaft wird in die Hände des Allionz-Konzeriis kommen. Der gesamte Apparat des Frankfurter Konzerns wird damit seine Arbeit fortsetzen können. Für die Süd- westdeutsche Bank A.-G. ist ein Vergleichsverfahren mit den Gläubigern beantragt worden. Erfreulicherweise b e st ä t i g t es sich nicht, daß für die mittelständlerischen Genossen- schaften Badens größere Schwierigkeiten eintreten werden; die Kreditgarantien, die bisher vom Frankfurter Konzern gegeben waren, werden von anderer S«ite gestellt. Wer die Verluste tragen wird, ist immer noch offen. Die mit gefährdeten Krediten beteUigten Banken haben schon bald nackz Bekanntwerden der Verlust« den Reichsverbond für Privatversichc- rungen dazu aufg«fordert, eine Garantie im Betrage von 20 Mil- lionen Mark zu übernehmen. Nachdem der Reichsverband dieses Ansinnen abgelehnt hat, weil die Verluste nicht im Versicherung-- geschäft entstanden seien, haben sich die Banken an den Allianz- Konzern gewandt, der freilich noch weniger Lust bezeigen wird, die geforderte Garantie auf sich zu nehmen. So werden die beteUigten Banken wohl oder übel für einen großen Teil der im Feuer stehenden Kredite in den sauren Apfel beißen müssen, womit ihnen frellich recht geschieht, nachdem die Bankenvertreter im Au' sichtsrat bei der Kontrolle der Konzerngeschäfte vollständig versa-" haben. Der Arbeiismarkt im Zteich. Reichsanstalt meldet leichte Verschlechterung. Der Arbeitsmarkt war für die Woche vom 12. bis 17. Augus- nach dem Bericht der Reichsanstalt wieder von den gegensätzlichen Bewegungen des Auf. und Abstiegs beherrscht: es scheint, als ob zum erstenmal die ungünstigen Einflüsse schwach über- wiegen. Im einzelnen war die Richtung sehr uneinheitlich. In Brandenburg trat noch eine spürbare Entlastung ein: auch in Ost- preußen und Pommern ging die Arbeitslosigkeit nach weiter zurück. Sonst aber meldet die Mehrzahl der Laßdesarbeitsämter eine rück- läufige Bewegung. In Sachsen drückt vor allem die ungünstige Lage in der Metallindustrie und im Spinnstoffgewerbe auf den Markt. Die Zahl der Hauptunter st ützungsempsänger wird für Mitte August auf etwa 714 000(Ende Juli 710 000- geschätzt. Aeue Macht für Lvar Kreuger. Ein Holzkonzern für den Schwedentrust. Der schwedische Zündholzkönig Ivar Kreug«r hat seinen macht vollen Konzern jetzt auch sehr umfangreiche Holz- und Zellulose interessen angegliedert. In Gemeinschaft mit der Svenska-Handels danken werden durch eine Dachgesellschaft, die der Aktiengesellschaft Kreuger u. Kroll unterstellt sein wird, zehn nordländische Holzgesellschaften zusammengefaßt werden, deren Aktien mehrhest für 50 Millionen schwedische Kronen vom Kreuger-Trust erworben worden ist. Der neue Holzwarenkonzern soll 450 000 Tonnen Gesamtproduktion an Zellulose- und Holzmasse und zirka 150 000 Tonnen Holzwaren mit einem gesamten Exportwert von 110 Millionen schwedischen Kronen kontrollieren. In einer Hand wird also«in sehr großes Angebot auf dem Wellmarkt jetzt bereit stehen, das für die Stabilisierung der Preise, frellich nach Möglichkeit nach oben, sich ebenso auswirken kann wie eine tartellmähig-- Organisation. Oer Kamps um den LlGA.-Zotliarif. Der Kampf um den amerikanischen Zolltarif wird in Wo- shington zwischen der republikanischen und der demokratischen Par tei noch sehr scharf weitergeführt. Der demokratischen Partei wirb von ihren Gegnern vorgeworfen, daß ihre Anträge auf Zollherab- sctzungen wesentlich aus agitatorischen Gründen gestellt seien Immerhin scheint das Finanztomite« des Senats sehr g r o ß c Aenderungen in dem Entwurf des Repräsentantenhauses, de' den Cntrüstungssturm in Europa hervorgerufen hat, vorgenomme'- zu haben; jedoch läßt sich noch immer nicht die Tragweite dies«" Aenderungen übersehen. Gegenüber dem ursprünglichen EMwur schlägt die republikanische Mehrheit des Frnanzkomitees im Senc 430 Aenderungen vor. und zwar 177 Erhöhung«>' und 253 Herabsetzungen. 13 Prozent der Erhöhunger kommen allein auf landwirtschaftliche Produkte, für Roheisen sol' der Zoll auf 1,50 Dollar und für Spiegeleisen auf 1 Dollar pro Tonne erhöht werdei. Jedenfalls wird man von der herrschenden Partei, von der im Senat alles abhängt, bei ihrer hochschutzzöll tierischen Einstellung nicht allzuviel für die Milderung des Zoi' tarifentwurfes zu erwarten haben. Glückliches Frankreich— es kennt keine Arbeilslosiokelt. Frank reich ist ein glückliches Land, das von den Sorgen und Lasten der Arbeitslosigkeit so gut wie gänzlich verschont geblieben ist. Nack einer jetzt bekannt gegebenen Statistik umfaßt die gesamte Ar beitslosigkeit hn Lande nicht mehr als 419 Per fönen, davon 288 Männer und 131 Frauen. Dabei ist der Bc darf an Arbeitskräften in Frankreich so groß, daß der Zuzug aus ländischer Arbeiter im gleichen Maße wie in den letzter Iahren anhält. Allein in der ersten Augustwoch« sind fast 8000 ausländisch« Arbeiter neu in Frankreich eingewandert und haben sofort Beschäftigung gefunden, während nur 850 ausländische Ar beiier Frankreich in der gleichen Zeit verlassen haben. Das deutsche Berasteinmonopol wird demnächst in der Hani- der Preußischen Bernsteinmanufaktur, einer Unternehmung dr preußischen Staates, liegen. In den letzten Iahren sin nacheinander fünf größer« Firmen dieser keineswegs sehr rentable' Industrie vom preußischen Staat erworben worden und jetzt ist di' letzt« der selbständigen Firmen, die Bernsteinfabrik B" rantewitz u. Co. in Swlp, gefolgt. Der Stolper Betrieb soll st i l- gelegt werden, die gelernten Leute der Belegschaft werd:n in di- übrigen Betriebe übernommen. Stollwerk zahlt wieder 9 Vrozent Dividend«. Die Schokolade" sabrik Gebr. Stollweri A.-G. in Köln hat wieder ein setr gutes Geschäftsjahr hinter sich. Brachte schon das Vorjahr eine bedeutend« Ausdehnung des Absatzes, so hat sich der Umsatz u" Geschäftsjahr 1928/29 noch erheblich günstiger«»twickel? Sämtlich« Abteilungen des Kölner Werkes waren das ganze Iah- über voll beschäftigt und teilweis« mußten zur Auitragr erledigung sogar die Berliner Betriebe einspringen Die D i v i d e n d« wird wie im Vorjahr auf 9 Prozent festgesetzt. Filmatelier» aus Reparalionskaulo. Die französische Filir' iiidustrie verhandelt mit deutschen Firmen über die Errichtun- großer Filmateliers in Süds rankreich, di« rn Reparationskonto errichtet wenden sollen. Die Berliner Baufirm' Emil H e i n i ck e A.-G. soll die Bauten ausführen. Auch T o n filmatelier? sollen eingerichtet werden. Der Wert des Aus träges soll 30 Millionen betragen, eine fast unwahrscheinlich höh- Summe. Der Deutsche Landwlrtschastsrat wird am 18. und 19. Septembe in der Stadtholle zu Münster in Wsstfalen seine 59. H a u p t o e r sommlung abhalten. Präsident Dr. Brandes wird über de Ren�obilitatsprogramm der deutschen Landwirtschaft. Dr. Soly?ssen>Berlin über Doui, g-Plan und Agrarpolitik Dr. Münzinger über Agrarkrise und kleinbäuerlicher Betrieb, Graf vor Baudissin über Landwirtschaft und Resorm der Arbeitsloscnoersichc rung, Oekonomierat Keiser über das Reichsmilchgesetz, und Prosessa• Gerland über die westfälische Landwirtschaft sprechen. Donnerstag 22. August 929 Unterhaltung unü ÄVissen Vellage des Vorwärts Axel Arheus: Sin UMäharadfcha Dar kurzem also begab es sich, daß ein Regisseur, eine Film- dioa, ein Schauspieler und ein Operateur in Berlin ein Auto be- stiegen, um nach München zwecks Zlufnahme zu fahren, als nn letzten Augenblick der Direktor einer befreundeten Firma gelaufen kam und den Regisseur bat, doch einen Koffer nach München mit- nehmen zu wollen. Das ging leicht, denn das Gepäck war bereits einen Tag vorher mit dem Hilfsregisseur und anderen Darstellern per Bahn vorausgefahren. Als wir nun kurz vor Leipzig sind, gibt es eine Panne. Zwei Stunden Aufenthalt. In Leipzig wird festgestellt, daß die Ma- schine immer noch nicht ganz intakt ist. Die Reparatur soll min- bestens drei Stunden dauern. Was tun? Mit dem Zug weiterfahren? Da muh man auch ein paar Stunden warten— und dann wozu? Also bleiben wir über Nacht in Leipzig. Es ist mittags 1 Uhr. Ein kleines Dejeuner zu Vieren im ?lstoria-Hotel, dann jeder in sein Zimmer. Was kann man auch in Laipz'ch besseres machen? Etwa um halb vier ertönt aus dem Nebenzimmer eine flö- tende Stimme:„O, wie wohl ist mir am Aabend..., mir am Aabend, wenn..." Ich Kümmere an die Wand. „Ja?...' „Goldkind, du weißt, deine Großaufnahmen sind herrlich. Nee, ohne Spaß. Aber die Stimme... natürlich auch ganz wunder- voll... bloß noch nicht so richtig ausgebildet. Und außerdem möchte ich gern schlafen.' „Bäh...' Ich sehe ordentlich, wie sie die Zunge raussteckt und ein Ge- sicht schneidet. Eine halbe Minute später tritt sie durch die leider unver- schlossene Tür, angetan mit einem etwas sehr luftigen, hellseidenen Pyjama,-- und schüttet den Inhalt eines Glases über meine ach so müden Augen. „Mistviech!...'—„Danke.' Und sie läßt sich nieder auf dem Koffer, den der„Herr Filmdirektor' uns mitgegeben hat. „Wenn ich nicht schlafen kann, mußt du auch nicht schlafen. Das gehört sich so. Punktum!' Darauf ich:..Biest!' Nach einer Weile sogt sie:„Was ist in dem Koffer da drin?' Sie öffnet die beiden Schlösser, die nur eingeschnappt waren. Sehen was drin ist, und den Inhalt auf den Boden kippen, sind eins. Und dann umarmt sie mich wohl einige dutzendmal, knudelt mich ab und stößt zwischendurch hervor: „Ich weih was! Junge, ich weiß was!' » Abends so gegen dreiviertel sieben durchschreitet würdig und abgemessenen Schrittes die Halle des Hotels der Maharadscha Gu- Narrao Oll-Naes aus dem hinteren Indien, weiß gewandet und beturbant, gefolgt von seinen beiden indischen Dienern, devot ge- grüßt vom Portier und beglotzt vom Publikum. Er besteigt einen innen hell erleuchteten Wagen, und während der eine Diener neben dem ebenfalls indisch bekleideten Chauffeur Platz nimmt und der andere aus das Trittbrett springt, setzt sich dos Auw in Bewegung und fährt, ohne sich auch nur im geringsten zu beeilen, durch die halbe Stadt, um vor dem Schauspielhaus zu halten. Gemächlich schreitet Gu-Norrao Oll-Naes durch das Vestibül die Treppe hinauf und läßt sich unbeweglichen Gesichts in einem Sessel seiner reservierten Rangloge fallen. Beide Diener, seines Rufes gewärtig, hinter ihm, mit verschränkten Armen und eherner Miene. Und das Parkett explodiert vor Neugier. Operngläser werden auf die Loge gerichtet: ein allgemeines Raunen geht durch die Reihen. „Na nu. gucke mol!' „Woo d'n?' „Na. da oben, du Lulaatsch. du lang'r du!' ./Egal wech, n richt'ger Maharadscha!' „Tjah... und die zw« dahint'r, des sin sicher die Sklaven- hält'r.' „Nu freilich! Was d'n sonst?' „Ree, nee und de Ringe in de Ohren..., un de Stab- wSdel uff'm Kovpe!' „Nu nedierlich, des tragen se doch immr... de Eunuchen!' Die Direktion ist in Heller Aufregung, es gibt hinter der Bühne kleine Kämpfe um das Guckloch im Vorhang. Die Salondame ichubst den Beleuchter beiseite, der jugendliche Held die komische Alle. Endlich— mit zehn Minuten Verspätung— hebt sich der Vorhang, aber Publikum und Komödianten sind nicht bei der Sache. Alle Sekunde aehen Blicke hinauf und verstohlene Ge- bürden zu Gu-Narrao Oll-Naes. dem Mann- mit dem„Todernst !m dunklen Aug«'. Und in der großen Pause, nach dem zweiten Akt. erhebt sich der Maharadscha, gefolgt von seinen beiden Dienern, die in ändert- halb Meter Abstand hinter ihm gehen, und wandelt zur Freude des ehrfürchtigen Volkes im Foyer einmal auf und nieder. Dann hebt„Er' die Hand. Und der Diener, der links hinter ihm steht, eilt wortlos ans Büfett, verlangt in gebrochenem Deutsch, das etwas sehr reichlich an nissischen Jargon erinnert, ein Vier, zahlt mit einer Hundert- pesetennote. bedeutet dem Ausschankfräulein, dos Geld morgen auf der Bank wechseln zu lassen... und kehrt mit dem Glos zurück zu seinem Herrn, der„ebenso stehend, wie mit todernstem Gesicht des Bieres harrt, das da kommen soll.' Und er nimmt fenes Glas Helles und trinkt es leer in einem Zuge, auf daß kein Tröpfchen des edlen Nasses mehr gesehen ward. Während nun der erste Diener das Glas zum Büfett zurück- trägt, reicht der zweite seinem Herrn ein reich bemaltes Taschen- tuch, das— ganz langsam geführt— den Schaum von Mund und Kinn wischt. Dann setzen sich die Drei abermals in Bewegung, umkreisen das Foyer und verschwinden in der Logentür, so wie sie gekommen. In respektabler Entfernung aber erstarrten die Untertanen Leipzigs in Ehrfurcht und Staunen. Diele Frauen sah man mit gefalteten Händen und selig verklärten Augen, viele Männer mit Brust raus und Hacken zusammen. Knie ordentlich durchs-drückt. So richtig wurde es erst nach Schluß der Vorstellung. Da sperrte Polizei mit größter Mühe den Zugang zum Maharadscha- lichen Auto ab, harrt bedräut von der sich quetschenden Volks- inenge. Und„Er' kam? Wieder mit jenem finster verschlossenen Gesicht, das ja seit Jahrhunderten den Maharadschas oller Länder zu eigen ist. Der Diener riß gerade den Schlag auf. als sich eine sehr hübsch« Frau— sie konnte sehr gut eine prorninente Schauspiele- rin von außerhalb sein— durchdrängte und den Maharadscha um etwas bat. Kaum, daß er ein wenig lächelle, nahm er den ent- gegengehaltenen Bleistift und das Programmheft und schrieb. So- fort hatte die Meute es heraus: dort konnte man Autogramme ergattern. Und es begann«in Drängen und Stoßen, ein Schubsen und Boxen auf Biegen und Brechen, daß die Polizei machtlos war. Dutzende von Händen bewaffnet mit Postkarten, leeren Zei- tungseckchcn, Programmheften, alten Kuverts... oder gar mit Röllchen und anderen taissend schönen Dingen, streckten sich dem Häutpling entgegen— und mit der Gelangweiltheit eines Well- nrannes schrieb er auf alles Dargebotene, so deutlich es ging. Gu-Narrao Oll-Naes. Als er endlich abfuhr, mußte sich der verhaltene Jubel des Volkes Luft machen. Und sie schrien: Heil! aus angeschwellter Brust Und schwenkten Hüte und Tücher. Er aber dankte gnädig. der Monarch... mit lässiger Handbewegung aus dem erleuchteten Auto heraus. Dann sah man den Wagen an der nächsten Straßenkreuzung verschwinden, auf dem Trittbrett links den indischen Diener. Da stand nun mitten in der begeisterten Meng« ein altes Mütterchen, sicher. um die siebzig herum.... ein paar Hängetränen vor Aufregung in den Augen, und sprach folgenden Satz: „Nee, nee..., is des scheene..., also egal grod so wie beim Film. So hob ich den Conrad Veidt aach schon mal gesehe!' Das hat Gu-Narrao Oll-Naes leider nicht mehr gehört. Aber die reizende Frau, die, wie gesagt, sehr gut eine prominente Schau- spielerin von außerhalb sein konnte, hat es ihm und den beiden anderen unter schallendem Gelächter nachher erzähll, als sie schon wieder im Hotelzimmer die weißen Maharadscharöcke in den be- wußten Koffer packte. 9ltnrt Seierich: S)lc fllflfel 81. �tlOmÜS Ingu!— Ingu! läßt der junge elegante Funkoffizier den Taster der Radioanlage ticken. I n g u I es ist die drahtlose Visiten- karte unseres Schiffes. Das Telegramm„Ingu'!, anlaufe morgen St. Thomas bunkere IM To. Kohle!' knistert die Drähte zu den Masten hinauf und rast durch Aetherwellen davon. Radio- station St. Thomas— Dirgin— Islands, USA., bestätigt summend mit kurz— lang— kurz und lang— lang— kurz den Empfang des Funkspruches. Draußen poltern Wogen über die Back, zerschmettern ihre Kräfte an den Ankerwintschen. Zehn bis vierzehn Tage, je nach Stärke des Windes, durchftompfen die Schiffe mühselig Seemelle auf See- melle des Weges von Colon nach St. Thomas. Immer braust es von Osten und pestscht weiße'Wunden in das rollende Meer. In seinen dienstfreien Stunden hört der Funkoffizier, er ist jung und elegant, sagte ich, den neuesten Radio-Charleston aus New Park, Boston oder Philadelphia. Seine Beine zucken in wildem Rhythmus lockeirder Saxophone, zu denen vielleicht elegante Paare, 5000 Seemeilen entfernt, trocken« Schuhsohlen über blank gebohnertes Parkettholz schleif««. „Ltripes and stars' nennen die Seeleute das, was am nächsten Tage von unserem Fockmast weht. Das Sternenbanner der Union und di« blauweißrote Flagg« Jugoslawiens grüßen die Insel St. Thomas. Halb auf den Klippen vor depi Hafen liegt ein Wrack und hat noch keinen dreieckigen Nachruf in der himmelblauen Karte.„Es war ein Engländer, er liegt erst drei Tage da, Prostl' sagt d«r Lotse, dann gluckst goldener Dalmntinerwein durch seine Kehle. Möge er sich an der Mixtur von USA.-Prohibition und SHS.-Dalmatiner nicht den Magen verderben! Aber er wird es gewöhnt fein, bugsiert er ja viele Schiff« in diesen Hafen. Wirklich viele! denn St. Thomas ist der Kohlenplatz fast aller Dampfer, die von Miitelamerika kommen, Kurs nach Osten haben. Die Inlel liegt so günstig zwischen den Großen und Kleinen Antillen, fast genau aus dem Schiffahrtswege von Panama nach Europa und Afrika, daß amerikanischer Busineßgeist einige Millionen Dollars springen ließ und sie von Dänemark kaufte. Langsam läuft„Nemanja' in den Hafen„Charlotte A m a l i a' ein. Eigentlich ist er nur eine natürliche Bucht, dieser Hafen,.mit einer etwas zu schmalen und darum nicht ungefährlichen Zugangsstraß«. Zum Zeichen dessen steht auch auf der Karte ein Dreieck neben dem Eingang, da drüben an Backbord ist es in natura zu bewundern, einstmals war das ein Viermastschoner. St. Thoma? ist schön. Eine Kohlenstation zwar, aber das nur auf einer Landzunge. Di« Stadt selbst ist Kurort, ein Palm- b e o ch, wie an der Küste Floridas, ein Kolberg oder Swinemünde ins Tropische übertragen. Zuckerrohr wächst auf den Feldern, Ananas und Tabak. Palme säumen die Ufer. Hügelan liegt die Stadt, Hotelpaläste. Villen, weiße Straßen, adrett und nett: über ihnen scheint die Scnne. Ein Schutzmann mit Cowboyhut kommt an Bord und plombiert das Alkoholreservoir. „USA. steht auf den Plomben. Unser Lotse hat noch rechtzeitig ..Prost' gesagt., Neger kommen an Bord, die Nachkommen der Sam und Tornm unserer Iugendromane aus dem westindischen Sklavendasein. Aber sie tragen nicht mehr rotweiß gestreiste Hosen und bunte Hemden. sondern Kakianzüge, und sie handeln mit riesigen Seesternen, Ko- rallenästcn. Schildpatt und Kakteen. Große Muscheln haben sie schauerlich mit sturnrumwobten Schiffen bemalt und mit englischen, dänischen, deutschen oder amerikanischen Fähnchen. Je nach Natio- nalität des einlaufenden Dampfers w«rden nun die entsprechenden Muscheln angeboten. Frauen und Kinder kommen mit Früchten herbei. Mangos, Papeyas(eine melonenartig« süße Frucht), Ananas und Bananen werden verhandelt, Bayrumflafchen und Camel- Zigaretten. Dann wird Kohle gelmnkert. In knapp zwei Stunden muß das erledigt fein, denn die Börse in London will, daß wir es eilig haben. Aber w i e es erledigt wird, ist ein trauriges, beschämendes Kapitel. Da komm eine Schar Menschen zum Kohlenplatz, hager, zermürbt und elend. Und diese Menschen sind Negcrweiber! Alte, junge, kräftige, schwache, gesunde und kranke. Die Fron ihres Tagewerkes hat ihre bitteren Runen in harte Gesichter geschnitten. Auf ihren Köpfen schleppen sie die Kohlenkörbe über den Laussteg! Hinter- einander! immer im Trab! Drei Cent für di« Kiepe! Schleppen, traben, unermüdlich, Kohlenstaub mischt sich mit Schweiß, macht doe Gesichter mit den Tonpfeifen und den breiten Negernasen zu fürchterlichen Kratzen, aus denen das Weiß der Augen blitzt.' d e r Augen, von denen man meint, daß sie nur Anklagen auf uns und unsere Kultur zu schauen vermögen. Schleppen, schuften, traben! Drei Cent für die Kiepe! Was kümmert's die United States, daß es alte brüchige Weiber sind. Wer fragt nach dem Leben eines Negers in Westindien. Jeder Amerikaner auf St. Thomas kennt die Kohlenweiber. Ist keinem, nicht einem einzigen die Schamröte ins Gesicht geschossen, als er sie hat arbeiten sehen? Wo bleibt hier Freiheit und Kultur und Menschenrecht der neuen Welt, und vor allem, wo bleibt dabei die Ehre der weißen Rasse? Drüben an der Pasinbeach bimmeln sich unzählige Iosephine Bakers im flachen Wasser.„Welcome!" grüßt ein Plakat aus einem Landungssteg, fast genau wie daheim in Wannse« oder Grünau. Aus Liegestühlen erdulden amerikanische Ladys Foltern« der Lange- weile und wippen mit eleganten Fußspitzen yder Sonnenschirmen in die wimmernden Bandiomelodien eines schlanken Niggerboys. Ein alter Mann reiht rote Korallenästchen zu eiiier Kette. Zwei Stunden sind schnell verronnen. Wir fahren davon— müde Kohlenweiber glotzen uns nach. Schon rollt die beginnende Dünung den ersten Brecher über das Deck. Di« Insel versinkt in> Meer. Freunde in der Heimat werden bald Briefe erhalten, auf denen der Poststempel„St. Thomas" steht, in den Kabinen liegen die erhandelten Seeungeheuer und Korallenäste herum, von denpn man noch nicht genau weiß, wie man sie unbeschädigt in die Heimat transportieren soll, in den Taschen klimpern Münzen, die inan nie mehr gebraucht und die im Raritätenkosten eines Neffen aus der Untertertia ein geruhsames Ende finden werden. Und die Er- innerung bleibt an eine schöne Insel und an elende schwarze Weiber... 3fr In rieh Jfrmnter: Sndiiches StoUwmo Im Nebenzimmer, aus dem ich jedes leiseste Geräusch oernehm« K>ie Zimmerwände des Bungalows reichen, um einen Luftzug zu ermöglichen, nicht bis zur Deck«), schläft ein englischer Lord und schnarcht wie«in« Bretterfäge. Der Lord spricht nur in gedämpftem Tone und legt ein äußerst diskretes Benehmen an den Tag: wenn die Nacht hereinbricht, tränkt er eine Flasche Whisky und versällt in einen tiefen, dröhnenden Schlaf. Ich warte, bis der Lord zu schlafen beginnt, dann gehe ich zu Bett und folge dem Tempo seiner Atemzüge. Nur so findet mein dampfender Körper Schlaf in der dumpfen Atmosphäre unterm Moskitonetz. Mitten in der Nacht wurde ich einmal aus dem Schlummer geschreckt. Das Unerhörte hatte sich ereignet: der Lord schnarchte außer Takt. Sein Atemmechanismus stampfte wie eure Schiffs- maschine im Sturm. Ein langgedehitter Klagelaut— Totenstille. „Der arme Lord", denke ich,„das hat er von seinem Whisky: jetzt hat ihn der Schlag getroffen." Ich krabble aus dem Netz und eile, dem Nachbar zulieb«, auf den Korridor. Vor der Tür des Lord sitzt ein junger Hindu, ein Bein über das andere geschlagen, die Punkaschnnr um die große Zehe ge- wickelt. Diese Schnur läuft über Rollen und durch Luken in das Schlafzimmer und letzt dort eine Punka genannte, kurze, plissierte Tücherreih« über dem Bett in Bewegung, die dem Schläfer Kühle zufächett und die lauernden Moskitofchwärme von ihm fernhält. Eine Punka ist angenehmer als ein Moskitonetz, aber solange sie nicht mechanisch betrieben wird, ist sie nicht so verläßlich wie ein Moskitonetz. Zwar hat dieses meist«in Loch, das muß man finden, die eingedrungenen Moskitos töten und es zubinden, eh« man Ruhe findet, aber dann ist sie gesichert, ist definitiv. Wenn aber die Punka stille steht, fallen die Moskitomassen, die, wie ge- sagt, auf so einen Vorfall lauern, über die Schläfer her und zapfen ihm sein Blut ab. Die große Zehe des Hindus ragte starr in die Lust: der arme Bursthe schlief. Da öffnet sich hinter ihm die Tür. Drohend erhebt sich der zerstochene Arm des Lord, saust auf den schlafenden Boy herab und versetzt ihm eine schallende Ohrfeige. Der schüttelt nur den Kops und sofort setzt sich wieder dos übergeschlagene Bein in Bewegung und geht langsam und wie eine Maschine auf und ab, auf und ab. Ich krieche wieder unters Moskitonetz. Der Lord schnarcht wieder regelmäßig, bald ruh' ich auch. Sin fchirediidtes SieitmeU-JDorf In Dag in der schwedischen Provinz Ostgotland wird ein Steinzeitdorf aus dem Sumpf aus Tageslicht gebracht. Die Arbeiten werden nach einem Bericht der Frankfurter WochensdAift „Die Umschau" von dem Stockholmer Archäologen Floedi» auf Kosten der Regierung geleitet. Es ist schwer zu erkennen, warum die Stadt gerade in Sumpf angelegt wurde, so daß die Häuser auf schwerqn Holzböden ruhen mußten, wahrscheinlich war diese Oertlich- keit aber zu einer erfolgreichen Verteidigung gegen Angriffe geeignet. Der einzige Verbindungsweg mit dem festen Lande bestand aus einer schmalen Brück«, die nach Belieben eingezogen werden konnte. Der größer« Teil der allen Siedlung war von einer mit flack- Steinen gepflasterten Straße durchzogen. 0 /rrjtn\/ ( K Metropol-Tö. Theater, Lichtspiele usw. i ) Blanttarl ,ÄfÄ»?'°m Uossenl Bismarckstr. 7i®©e»se®©ö»o«««® ReIchshallen«Theater [5] Uhr. stenmer sanger Sonnlag, 25. August: I. Nadunmnos-Vontelliug zu halben Preisen mit vollem Programm j Oönhoff- Brettl Variete Konzert Taaz BastagZa. �-lidi-kei« d.Stiltir.trSSnggr Vorverkauf auch Im Pavillon der Rein hardtböhnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstrasse ßgDtjötes lüsater 0.1. Norden 12310 SU., Ende gegen II Die Fledenoans Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstang. L. Kainer Die Komödie 1 1 Bismck.2414/7S16 !■/, U., Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regle; Leoniine Sagan Direktion Dr. Robert Klein Oentsehes lanstler- Thealer Barbarossa 3937 Donnerstag, 29. Aug. 70s Uhr Dtsch. Urauftühr. Die andere Sei e von R C Sherriff Regie; HeinzHilpert Der Vorverkauf ist eröffnet TheaL fl. Westens Täglich 8V« Uhr Sonntag 4 u. 81, Franz Lehan Welferfolgl Friederihe Lotte Carol Willy Thunis, Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Sommsr-Qarten-Theater Barliner Prater .1 58, Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 aasisalai En:;«! Emir, oreiei Lilien Bis iuseisse Wlüwe Operette von Franz Lehär Oazo der grobe Varieleicll. Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Varietd U Ulli. Dgerolte 8.30. inüsa Caanerstafl nroBer VcUtstaa. Jed. Mittw. KlnfleHesi u- Veriosnnn Rose- | Theater, Grob« Frankfurter Str. UZ. Täglich 8.15 Uhr Der Kleine Kuppler I Lustspiel i.3Akt.v.Armontu.Gerbidon Garien bahne 5-50 Uhr Konzert und bunter Teil 6.15 Uhr .Bis Iran um fünle" WerEitn Sl« Aßonneni Oes Eose-TBealtrs Verlangen Sie kostenlose Zusendung der Abonnements-Bedingungen ■Sten Sareowsky Theater in der Xfinigqrätzer Straße Täglich SV« Uhr SZSva Jen Komödionhaus Täglich 8% Uhr ifldiißitsrgijs mit CBatq liMMütr Kleines Theat. Merkur 1524 Täglich 81, Uhr Siax Adalbert in ModcrTrodum? Lessing-Theater Norden 10846 Grappe funger Schaosptder Täglich SV« Uhr vesef likoDSTskl- Drama Von Eleonora Kalkowska T iisai. am Koim.ior -> Kotlb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr Eiite- Sänger Die August- Sensation Strlppke's in dar Sommerfrische PtanetaiHun — am Zoo» Valliz. isidrnrthala SMi 8.5 Barbarossa 5578 >61« Uhr StarnBüder das Sommers 18>/,U. Von Pal zu Po sm Starneohimmal 201/, Uhr Oer BlutBall dar Saana Tägl.auBer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mt. Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PL, Kinder 25 PI ■Vospeisimaii' ftuf d.UUUST Nur GroB-Berlin AlexÄndcrnlA** StObUMMIUi 5.«lasi, 33. Preubilch-Süddeutlch« Rlafieu-Lotterie. Obne Gcw.idr Nachdruck verbften Aus tede gezogfne Nummer sind zwei gleich Hohe Gewinn» gefallen, und zwar je einer ans die Lose gleicher Rümmer in den beiden Abteilungen I und II 1�. Wehtingslag 21. August 1929 ön der Bormittagsziehling wurden Gewinne über 159 M. gezogen 4 ,» 10000 98. 62412 233958 2 gfetutnn« ,n 8000 9K. 300577 6«»min», z» 3000 M. 141 120 164900 252803 10»«»hm« j» 2000 M. 115024 269360 260058 839112 382163 82»«mnii. im 1000 98. 15921 26002 36540 47536 61438 68727 70792 75101 81197 165632 191344 194516 194706 216001 227894 230473 241904 257797 284031 202198 208181 339026 352449 360878 374460 394144 80»r»inn« m 500 9K. 12344 13809 19402 19799 22856 29713 82506 83768 05284 111416 114005 138459 143181 149291 161763 176523 160169 190934 201491 Q1Ü221 232254 261035 264350 254616 267931 288052 271623 282086 291614 301236 316250 335324 339851 845136 373082 374626 389336 394650 394668 396405 210«tBim.« ro 300 M. 488 1243 3431 3996 5721 11093 11948 14368 10979 28886 30639 31627 44754 46733 50768 61222 63110 63766 86784 68663 61343 63764 66057 68201 69774 76022 77219 79001 79469 80344 83632 87257 86795 96747 97071 106106 115764 118217 116406 122700 124800 134039 150816 163063 158804 159317160249 167446 171730 175627 181645 184511 189720 191696 201253211616 513790 215261 517293 227138 229386 237008 239118 239200 247240 253725 256609 259542 269969 275116 283020 28-1663 285183 286045 287749 289201 297392 297748 302354 304202 307485 309920310033 319204 321313 322028 325730 333681 336502 337890 339697 341850 347721 349575 336261 357423 300749 361269 374137 377696 383561 884808 390433 390505 305584 3n der Nachmittagsziebung wurden Gewinne über ISO M. gezogen 2»«»Inn« m 10000 W. 221 194 2 Gewinn««u 6000 M. 1 16035 2®e»;tm«»» 3000 DL 358623 12»eoini.«»u 2000 W. 43425 85415 67284 294276 328266 364709 46»«Winne ,» 1000 W. 9035 25016 51497 61012 64765 86600 135655 155634 156023 159863 166726 217053 238884 245571 246867 284137 272011 281160 322773 342207 344416 361916 388863 58»ewinne 500 DL 20679 29343 31353 32679 34120 34687 38721 65858 82548 86599 39936 931 11 130336 149732 162950 221610 241923 271437 272742 276360 279224 292501 303101 307331 312403 327488 362539 368057 390977 183 Gewinne»n 300 DL 4786 12236 17974 13064 21711 22246 33617 49565 52653 58722 61447 63664 67071 71 451 72530 76270 76562 81 572 61986 642S4 85009 86529 96409 97320 111592 112478 114163 119754 121106 1 25554 125624 125329 126338 127762 129551 143584 144442 161811 154556 158178 100571 164444 165135 166164 169733 160993 170834 172729 181663 186573 188469 198925 206883207800 209890 217462 220268 229965 232887 235256 239192 241875 245741 246054 246789 249748 255408 268517 269938 271899 279164 279436 299334 301290 309388 312355 323410 324462 328796 334989 333005 337173 342619 349718 350749 352711 365313 361162 37)929 375708 379574 381935 396427 399868 U jt 600000, 100000, 4 zu Im Gewinnrade oerblieben: 2 Prämien zu 2 Gewinne zu je 600000, 2 zu je 200000, 2 zu je 1 t 75000, 4 zu je 60000. 4 zu je 26000, 60 zu je 10000, 86 zu « 5000. 248 zu. 8000,476 zu je 2000, 1184 zu je 1000, 2882 zu [t 600t 6760 zu je 800 M Tägl. SV« Uhr Sonntags 4 u. SV« Operette von Offenbach Grefe FlnWer, Stf eher- Waller Lastsplelhaus Täglich SV« Uhr Du wirst mich hulralunl Rundfunkhörer halbe Preise. Hennen zu jtarMorst Donnerstag, den 22. August nachmittags 3 Uhr, Dentscbes Jagdrennen. Alaxanderplatz Neue Konigstr,43 VAUE# 6esundheitepFeife Schont Herz und Lunge llnbedenkIRauch«n!Äidlidi eniDfbhlen i Plötzlich und unerwartet verschied heute mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Schwager Otto Günther im Alter von 62 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Minna Günther, geb. Qnuschke. Gertrad Gnnkcl, geh Günther. Heinz GankeL Bln.-Lichtenberg, Düsseldorf, 18 August. 1924. Die Trauerfeier findet am Freitag, dem 23- Aug. 1424, 171/, Uhr, im Krema oriam Bau.nsciiule:;- weg, Kielholzstraße, statt. MWDMMMWU *4 BANK und SPARKASSE ALLER ARBEITNEHMER ÜT' DIE BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN UND BEAMTEN, A.-G. BERLIN S 14, WALLSTRASSE 65 SPARKASSENSTUNDEN VON S BIS S. 4 BIS O UHR, SONNABENDS s BIS 1 UHR ZAHLSTELLEN IN ALLEN STADTTEILEN AUSKUNFT BEI DEN ORTSAUSSCHÜSSEN DES AOQB. Am Montag, dem 14 August, r-z- schied nach lnzzem, fchmerem Letden j im S0. L-bensjahz« mein Ifebez Mann uitb freufotaenaet Vater. Stuber. Echtvager und Onkel, der Schnnmache; Paul Schlumm Dies zeigt an Lolac Schlamm, gek. Weih". � nebst Kindern Die Slnäfichcrung ftnbet am Freitag s beut 2L August, mittags 1 Ul)r, itr> Sfrematorhim SBumtrsbacf statt.' Mir noch bis 31, August Apfelwein,»08, In............. Liter 0.T5 Johannisbeer,»00, R».»»»»»»,»»> Liier 0.80 Stachelbeer,»08, la..»».»»,»»., Liter 0.80 Kirsch wein,»Oft, In....,.»»»,.. Liter O.SS Echte Sudweine(unversdmUtcn) Tarmarona,»OB, rot, 16%.»»»»»». Liter 1.05 Tnrrnjzona,»00, extra..»»»,»». Liter 1.35 Malasa, dnnkel,»OB, 16»/«.»»»»»». Liter l.SO Nalafra,»OB, extra............ Liter 1,60 Griechenwein, rot,»OB.......... Liter 1.40 Echter Pepsinwein fOr Kranke...'/, Liter l.SO TdeallllcSr, 32°/».......... Liter 3.95, PI. 3.15 Weinbrand Verschnitt..... Liter 3.00, FI. 2.80 Echter Weinbrand........ Liter 4.40, Fl. 3.40 Echter welBer Bordcanx,»OB....... Fl. 1.45 Echter roter Bnrsonder.......... Fl. 1.25 jtim'tfficiiTOii Kostproben virmmnFnrnms gratis BanpttesdUlfl: BERLIN N, Brnnnenstr. 42 Berlin N.......... MaileratraOe 144 Berlin ChnusscestraOe 70 Berlin'S, Prenrlnner Alle« 50 Berlin. KoppenstraOe 87 Berlin O.ka»»ui»i»a. Pelersbnrgrcr StrnOe 60 Berlin SO Grünauer StraOe 15 Berlin SO Köpenicker Straße 121 Berlin W Martin-Lnificrstraße 8ö Neukölln••»»»»»»». Berliner Straße 13 Stesllta..»»»..»», Schloßstraße 121 Moabit»Wilenacker Straße 25 Pankow.."WoUankstraße 98 Schöneberff. Kolonnenntraße 8—# Tempelb of..»»»»»»Berliner Straße 152 Ucbtenber�r Wfsmarplatx 1 Charlotten bnrur..... Wllmersdorfer Str. 157 Spandau.........»PotMdamer Straße 23 OberschöneTcelde.... �ViibeIniinenhot«tr. 40 >Veißensee........ Berliner Allee 247 Korbflaschen, Flaschen n.». w. werden srclichen. Erben gesucht!! In einer üthangelegenheit wirb die lebige Marie Dreget ober deren Sohn Seorg Dteyer gesucht. Die Dreyer mar nach Berlin, Ivachimstchaier Etz 26 und von da weitet am 30 9. 1Ü0S nach Friedenau. Eindentauchstr. 41 abgemeldet. In der I exten Wohnung war fie nicht zu ermitteln Wer fann über den Ansentbait der Dreger oder deren Sohn Dcorg rlwas mitteilen? Der NachlaKvfleger: eofolrlchtcr»ehdnfnedit O-Isnih L v. Bat Dienstag verschied unerwartcl j mein lieber Mann, unser tvnig. geliebter Bater und Cchmtcgeroa:rr, der Paricisetretär üermsnn Schulz SSLb.« Die Einäscherung findet am Mon'aa. dem 26. August, um ib Uhr, im lirrm»- torium Eerichtstr. statt. Im Nomen der trauernden Dinstr- biicdenen blartlis 5