BERLIN SomierStag 22. August 1929 10 Pf. Nr. 392 B195 46. Jahrgang. erschetattiglich a»terG»n«tas«. � f So,etsen»rei«:Dle tinfpattlzt N-npareilltitkl« Zugleich Abendausgabe de«.VorwSrtt'. Bezugipreit f fj f\f..*'.7. so Pf., Reklameteil« S M. Ermäßigungen nach Tarif. beide Auggaben 85Pf. proWuche, S.soM. pro Monat.. ftfi/ji iX{J/7 IlOX»m lUyiTiArfl JlrQA Postscheckk-nt»- Dorwirtt-Verlag®. m.b.H.. Redaktion und Lrvedition-, Berlin SM 6S,LindenSr.» // nr f WV Vvf TV Terlio Nr.»7b36. Fernsorccher: Dönhoff 2S2 big 29? Die Krise der Konferenz Kein Grund, die deutsche Außenpolitik zu ändern! In diesem Augenblick muß mit dem Zusammenbruch der Haager Konferenz gerechnet werden. Deutschland ist nach dem Haag gegangen mit dem doppelten Ziel, den Dawes-Plan ab 1. September durch den immerhin leichter zu tragenden Aoung-Plan zu ersetzen und die Räumung des noch besetzten Gebietes binnen kürzester Frist zu erwirken. Dieses Ziel ist noch nicht erreicht, die Trümmer der Haager Konferenz liegen auf dem Wege. Was folgt daraus? Daß man die Trümmer fortschaffen und in derselben Richtung wie bisher weitennorschieren muß. Von einem„Zusammenbruch der deutschen Außenpolitik" zu sprechen, wie es die Rechtspresse aus parteipolitischen Gründen tut, ist einfach lächerlich. Die Haager Kon- ferenz bleibt trotz ihres Fiaskos für Deutschland immer noch insofern ein Erfolg, als sie gezeigt hat, daß die Minderung der Dawes-Laften im Sinne des Boung-Plans und die Räu- mung des besetzten Gebiets grundsätzlich überhaupt gar nicht mehr bestritten werden. Wenn nun der Dawes-Plan noch über den 1. September hinaus weiter funktionieren soll, weil sich die Gläubiger über ihre Anteile an den deutschen Zahlungen nicht einigen kopn- ten, so bedeutet das für Deutschland eine Verlegenheit. Wir haben aber in den letzten zehn Jahren noch ganz andere Situationen erlebt und ihre Schwierigkeiten gemeistert! Außenpolitik und Finanzpolitik werden vor keiner unlösbaren Aufgabe stehen, wenn sie in gemeinsamer Arbeit den Schmie- rigkeiten einer Uebcrgangszeit zwischen Dawes-Plan Und Boung-Plan begegnen wollen. Auf der anderen Seite bedeutet das Streben der eng- lischen Arbeiterregierung nach einer selbständigen, von Frank- reich unabhängigen Außenpolitik für Deutschland nicht Ver- lust, sondern Gewinn. Denn die neue englische Politik Hilst die Grundlage schaffen, auf der allein eine wirkliche deutsch- französischeVerständigung möglich ist: nämlich die Grundlage vollkommener Gleichberechtigung. Gegenüber dieser Verbesserung der außenpolitischen Lage bleiben Terminfragen— wann geräumt wird und wann der Doung-Plan in Funktion gesetzt wird— Fragen zweiten Ranges, zumal es sich ja nur um Verschiebungen iür ganz kurze Frist handeln kann. Daß der Poung-Plan, ein- mal in Kraft gesetzt, mit rückwirkender Kraft ab 1. September d. I. funktionieren muß, scheint uns notwendig und erreichbar. Die Lage, in der sich Deutschland nach dem Scheitern der Haager Konferenz befinden wird, bietet also nicht den ge- ringsten Grund zur Nervosität. Je kaltblütiger sie betrachtet wird, desto leichter wird es gelingen, das Beste aus ihr herauszuholen. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß man sich durch das ohrenbetäubende Gebrüll, das sich von rechts her erheben wird, nicht irremachen läßt. Schon ist die Verwirrungsparole ausgegeben:„B r i a n d st ü r z t S t r e s e m a n n." Nein, nicht Briand stürzt Strese- mann, aber es gibt in Deutschland Leute, die hoffen, Stresemann jetzt mürbe zu krieg-en, wobei sie seinen körperlichen Zustand nach den Anstrengungen und Auf- regungen der letzten Wochen mit in Rechnung ziehen. Wir glauben nicht, daß Stresemann ihnen den Gefallen tun wird, außerdem würde ihnen das kaum nützen. Denn ihr Versuch, Deutschland von seiner bisherigen Außenpolitik weg auf die Pfade eines ungewissen Abenteuers zu locken, würde a n dem härtesten Wider st and der Sozialdemo- kratischen Partei scheitern. * V. Seh. Haag, 22. August.(Eigenbericht.) Schrecken die Mächte doch noch in letzter Stund« vor einem ergebnislosen Abbruch der Konferenz und vor der großen euro- päischen Keife zurück, die.dann unabwendbar wäre? Gestern abend war die Stimmung in allen Delegationen äußerst gedrückt und verworren. Mgn hatte in der Sitzung der sechs Mächte sogar wiederholt mit den Fäusten aus den Tisch geschlagen und sich gegenseitig die Schuld an allen kommenden Katastrophen zugeschoben. (Fortsetzung auf der 2. Celle.) Die Arbeitslosenversicherung. Veratungen im Ausschuß— Oeuischnationale Manöver. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags setzte heute unter dem Vorsitz des Abg. Esser(Z.) die allgemeine Aus- spräche über die„Reform der Arbcitslosenvcrsiche- r u n g" sort. Abg. Schneider-Berlin(Dem.) erkennt an, daß die Regierung»- vorläge einige Verbesserungen bringe: unbefriedigend sei sie indes, weil sie die Sanierung der Reichsanstalt nicht bringe. Diese Sanie- rung brächten aber auch die Vorschläge der Deutschen Volkspartei nicht. Für einen Abbau der Versicherung seien seine Freunde nicht zu haben, weil dieser gerade die lange Jahre ver- sicherten älteren Arbeiter und Angestellten um die Früchte ihrer Beiträge bringen werde. Die Sanierung sei auch mit den vorge- schlagenen Verminderungen der Leistung nicht möglich, es sei denn, daß man die Erhöhung der Beiträge dauernd beibehalten werde. Dagegen beständen aber große Bedenken. Man komme zu keiner Sanierung, wenn man nicht die Berufseigenort und dos Berufs- risikd noch mit berücksichtige. Abg. Riesener(Z.) fordert gegenüber der Kritik an den unlieb- snmen Erscheinungen die Anerkennung der guten Wirtun- gen des Gesamtkomplexes der Arbeitslosenpolitik, der Arbeitsnach- weistätigkeit, der Arbeitsbeschaffung und der Regelung des Arbeits- Marktes, die etwa achtzehn Millionen deutsche Men- s che n umfasse. Die lieblose Kritik daran errege den Argwohn der Arbeiter, sei es nun, daß sie aus Verständnislosigkcit oder aus Mangel an praktischer Erkenntnis entspringe. Ein solches Werk für achtzehn Millionen Menschen müsse sich erst einleben. Die Vor- kriegszeit habe sich an eine so große Aufgabe nicht herangemacht. lWiderspruch.) Mindestens seien die Nachkriegsleistungen auf sozial- politischen� Gebiet denen der Vorkriegszeit nicht gleichzustellen. Voll- kommen sei das Ztzcrk noch nicht. Konstruktionsfehler könnten und müßten beseitigt werden. Auswüchse gebe es ja, aber auf beiden Seiten, beim Arbeitgeber wie beim Arbeitnelmer. (Zurufe.) Wäre die Vorlage schon im Juli erledigt worden, dann würde die Anstalt jetzt besser dastehen. Die Frage der Saisonarbeiter werde zu einseitig behandelt. Wir sehen allerdings die Frage der Arbeitslosen mit dieser Vorlog« noch nicht als erledigt an. Wir denken besonders an die Arbeitsbeschaffung, die beste Arbeitslosen- Versicherung. Abg. Freidel(Wirtschaftsp.) bedauert, daß schon jetzt ein solches Fürstlichkeiten. neues Gesetz wieder geändert werden müsse und daß diese Vorlag« keine vollständige Vorlage sei, weil sie keine vollständige Sanierung der Reichsonstalt bringe. Die Saisonarbeitersrage könne nicht aus dm Gesetz herausgenommen werden, schon, weil das Baugewerbe noch stark unter der Zwangswirtschaft leide. .Für den beleidiaten Landqerichtspräsidenten muß der Prinz zur Lippe ZOO Mark blechen." »Da fiel wohl strafmildernd ins Gewicht, daß er nichts anders gelernt hat!" Sanierung durch Zertrümmerung! Oeutschnationales Aushöhlungsmanöver. Die Dsutschnationalen stehen an der Spitze jener Schreier, die die Vorschläge der Regierungsvorlage zur Reform der Arbeits- Versicherung als völlig ungenügend zur Sanierung der Reichsanstolt bezeichnen. Dieses Geschrei enthüllen sie jetzt selbst als eine bei, spiellose Heuchelei. Im Ausschuß für soziale Angelegen» heiten des Reichstags haben sie letzt einen Gesetzentwurf eingebracht, der auf die völlige Zertrümmerung der Reichsanstalt hinausläuft. Im Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversiche» rung soll ein besonderer Abschnitt vorgesehen werden, der den Reichsarbeitsminister verpflichtet, den wirtsckaftlichen Ver- «inigungen von Ange st eilten auf ihren Antrag die Er- richtung einer E r s a tz k a s s e für ihre arbeitslosenversicherungs- Pflichtigen Mitglieder zu genehmigen. Es soll auch die Errichtung einer gemeinsamen Ersatzkasse für mehrere wirtschaftliche Vercini- gungen der Angestellten oder der Zusammenschluß von mehreren Einrichtungen zulässig sein. Damit nun auch die Herausnahme dieser in den Angestelltenver- bänden organisierten Angestellten aus der einheitlichen Versicherung tatsächlich erfolgt, sollen die wirtschaftlichen Vereinigungen der Angestellten sogar das Recht erhalten, durch ihre Satzungen den Mit- gliedern die Versicherung bei einer Ersatzkasse zur Pflicht zu machen.' Auf diesem Wege würden der Reichsanstalt vielleicht rund anderthalb Millionen Beitrag/s zahler entzogen, so daß sich die Einnahmen der Reichsanstalt um rund 100 Millionen senken würden. Aber nicht genug damit. Der Reichsanstalt wür- den zwar die Beiträge entzogen, die Auszahlung der Unter- st ü tz u n g bliebe ihr jedoch in den ersteix 26 Wochen erhalten. Denn also bestimmt der deutschnationale Sanierungsantrag:„Die Lei- stungspflicht der zugelassenen Ersatzkasse beginnt nach dem Ein- tritt des Versicherten erstmalig spätestens nach Ablauf der gesetzlichen Anwartschastszeit: bis dahin bleibt die L e i st u n g s p f l i ch t des Arbeitsamts nach Maßgabe der gesetzlichen Vorschriften bestehen." Der deutschnationale Entwurf würde, wenn er Gesetz würde, aber nicht nur die Sanierung der Reichsanstalt verhindern, er ist seiner ganzen Tendenz nach auf eine Zertrümmerung der Reichsanstalt gerichtet. Zu Ende gedacht, will er an Stelle der ein- heitlichen Versicherung, die den bestmöglichen Risikoausgleich ge- währleistet, zahlreiche Versicherungsträger auf berufsständische Grundlage setzen und damit jeden ausreichenden Arbeits- losen schütz und jede sozial« Arbeits Marktpolitik durch eine einheitliche Arbcitsmarktorganisation oerhindern. In dieser Tendenz sind sich die Lambach-Hugenberg ausnahmsweise einmal einig. Um so dringender ist es, auf sie mit aller Deutlichkeit hinzuweisen. Die produktive Fürsorge. Di« wertschasfcndc Arbeitslojenfürsorge war gestern Gegenstand einer Besprechung von Mitgliedern des Sozialpolitischen und des Volkswir�chaftlichen Ausschusses und Ver- tretcrn der interessierten Ressorts unter Leitung des Reichstags-' abgeordneten Esser. Im wesentlichen handelte es sich dabei um die Frage, ob Mittel zur Fortführung und Beendigung von Arbeiten der wertschafsenden Arbeitslosenfürsorg« bereitgestellt wenden können. Die Notwendigkeit und Dringlichkeit von Maßnahmen, um dem Bersall wirtschaftlicher Wert« vorzubeugen, wurde einmütig zu- gegeben. Das Reichsarbeitsministerium wurde gebeten, baldmöglichst eine Zusammenstellung solcher Arbeiten vorzulegen, deren Fort- führung wegen Mangel an Mitteln in Frage gestellt ist. Bestimmte Beschlüsse wurden schon in Rücksicht auf die mißliche Finanz- läge des Reiches nicht gefaßt. Doch Zwischenlösung? s(Fsrtsetzung von der 1. Seite.) Aver in der Nacht scheinen sich die Nerven etwas beruhigt zu haben. Zur ollgemeinen Ueberraschung dauerte die Fortsetzung der Die- kussion am heutigen vormittag nur eine Stund« und als die Delegierten herauskamen, waren sie wie verwandelt. Es soll ein letzter Versuch unternommen werden, die Konferenz zu retten oder wenigstens zu einem vorläufigen Abschluß zu bringen, der für alle Beteiligten«instweiten erträglich ist und eine baldige Fort- s e tz u n g an anderein Orte und unter anderen, besseren Be- dingungeu ermöglicht. Zunächst beklagte sich Snowden in der heutigen Sitzung über die eigene und die holländische Press«, die sein gestriges Auftreten in verzerrter Form geschildert und ihn als besonders unver- s ö n l i ch hingestellt habe, was ja gar nicht der Fall sei. Briand ergriff nun das Wort und meint«, der deutsche Antrag erscheine ihm doch als gar zu verzweifelt. Nach seiner Ueberzeugung sei«s aber gar nicht so ausgeschlossen, daß man sich schließlich doch noch einige. Jaspar schlug daher vor, die Beratung über die deutsche Forderung einer Notlösung für di« Zeit ab 1. September einstweiten zu vertagen und die privaten Besprechungen sofort wieder aufzunehmen, und zwar nicht nur unter den Gläubigern, sondern auch unter Hinzuziehung deutscher Finanz experten. Stresemonn erklärte sich damit einverstanden, vorausgesetzt, daß man vor Abschluß der Konferenz, falls sie zu keinem befriedigenden Ergebnis führe, eine öffentliche Vollsitzung am Sonn- abend abhalte, um Deutschland Gelegenheit zu geben, seinen Stand- punkt vor aller Welt zu verkünden. Henderson unterstützte diese Anregung und teilte mit, daß er und Snowden spätestens am Sonnabend wleder heimfahre« müßten. so daß bis dahin hoffentlich«in Ergebnis— so oder so— erzielt werden würde. Wie dies Ergebnis aussehen wird, läßt sich noch nicht übersehen. Nach dem großen und gefährlichen Eklat von Mittwoch abend besteht jetzt auf allen Seiten der Wunsch, die Konferenzkatastroph« abzuwenden. In welcher Fovm das geschehen kann, bleibt abzuwarten. Man rechnet damit, daß, falls die Konferenz sich über die allgemeinen Grundlagen einer Wsung einigen kann, die Organisattonskomitees eingesetzt werden und ihre Tätigkeit zunächst noch tm Haag beginnen. Ebenso würden verschiedene Uebergangsausschllsie und sonstige schon bestehende Kommissionen im Haag bleiben und ihre Arbeiten auf. nehmen bzw. fortsetzen. Zugleich würden die Hauptdelegierten am Sonnabend abreifen und die Haager Konferenz wäre damit offiziell abgeschlossen. Aber sie würde. sich gewissermaßen als Wanderzirkus etablieren. Erste Fortsetzung in Genf und Umgebung, wo die meisten der hier anwesenden Minister sowieso in acht Togen eintreffen müssen und wohin ihre Delegationsstäbe nachfahren würden. Ob man schon in Genf zu einer definitiven Regelung gelangen wird, ist jedoch noch keineswegs sicher: dann müssen eben die Hunderte von Menschen, die zur Konferenz gehören, sich einen neuen Tagungsort aus- suchen, je noch den politischen Bedürfniss«n und nicht zuletzt je nach d»r Jahreszeit und den klimatischen Verhältnissen „Fliegende Rettungskolonne" Der Leiter der Allianz über den Garantievertrag. Die Bremshebel in dem Frankfurter Berficherungs- s k a n d a l sind jetzt angesetzt, wie wir schon gestern mit- teilten, ist das sogenannte Slillhaltekonsorlium der Banken gebildet und der Garanlievertrag der Allianzversicherung mit der zusammengebrochenen Frankfurter Allge- meinen Versicherung perfekt geworden Ueber die Notwendigkeit und di« Technik des Einspringens der Allianzversicherung machte heute der Leiter dieses Konzerns, General- direkter Schmidt, nähere Ausführungen Er betonte, daß der jetzt in Kraft getretene Garantievertrag ohne jede Klausel von der Allianz abgeschlossen sei, weil seiner Meinung nach die Oeffentlichkeit in diesen bewegten Tagen keine vertraglichen W i n k e l z ü g e vertragen hätte. Die Allianz hat also damit die volle Garantie für die Leistungen an alle Der- sicherten der Frankfurter Allgemeinen übernommen. Do es mit dem Garanlievertrag allein noch nicht getan sei, sei man sofort zu der Gründung der„N e u e n F r a n k f u r t e r D e r- sichern ngsgesellschaft" geschritten, die als eine Art Auf- nahmeposition gedacht sei. Die Allianz habe vorläufig von einer Uebernahm« der Frankfurt abgesehen, weil sie selbst mit der Stuttgarter Bersicherung noch in einer wirtschaftlichen Der- schmelzungsorbeit stecke. Don heute ab habe die Neu« Frankfurter Versicherung bereits die Geschäfte wieder ausgenommen. Besonders wichtig sei es gewesen, einen tüchtigen Stamm von Direk- toren und Technikern in die Verwaltung nach Frankfurt zu schicken, damit die Vertrauensatmosphäre wieder hergestellt und der schwer erschütterte Kredit der Gesellschaft möglichst schnell wieder aufgebaut werden könne. In den Aussichtsrat der„Neuen Frankfurter" ist der General- direttor der Münchener Rückoersicherung, sowie der Aussichtsrats- Vorsitzende� der Allianz. Herr G e o r g i, und als Vorsitzender General- direktor Schmidt, der Leiter des Allianzkvnzerns, eingetreten Zu der Frage einer Beteiligung der Versicherungskonzerne an dem Stützungskonsortium der Banken, erklärte der Leiter des Allianz- ton zerns, daß der Reichsoerband der Prioatversicherungsgesellschaften Zu dieser Anregung der Banken erst heut« nachmittag Stellung nehme. Ohne daß sich der Redner bereits jebt festlegen wollte, fügt« Jherc Schmidt hinzu, daß bei der grundsätzlichen Ab- l e h u u n g der Versicherungsgesellschaften gegenüber Bankgeschäften eine Beteiligung an dem Bankkonsortium natürlich sehr f r a g- l i ch sei. Den Versicherungskonzernen sei bei dieser Affäre eine ganz klare Grenzlinie mit dem Einspringen für die Versicherlen gezogen. Man müßte unbedingt die grundsätzlichen Bedenken der Versiche- rung-konzerne gegen ein« Beteiligung an dem Bankkonsortium be- greifen. Denn mit einer Teilnahme würden die Versicherungen in die gleichen Geschäfte hineinsteigen, an denen in erster Linie die Frankfurter Gesellschaft gescheitert ist. Zusammenbruch der„Volksoper". Am l. Septemb«r sollte die Bolkeoper im Wallner-Theoter unter der Direktion de» Herrn Stolzenberg eröffnet werden. Das ganze Unternehmen war auf ein Geldoersprechen eines Herrn Köllen- berg«r aufgebaut, der dazu 200 000 holländische Gulden herzugeben versprach. Es blieb aber beim Versprechen. Obwohl die finanzielle Grundlage fehlte, sind«ine Reihe künstlerischer Kräfte verpilichtet worden, die nun durch den Zusammenbruch in eine sehr üble Lage kommen. Der Direktor Stolzenberg soll sogar junge Kräfte engagiert haben, von denen er sich einen Vorschuß geben ließ! Tagung des Reichsstädtebundes. -1500 Kommurtalverlreter in Kiel versammelt. Siel, 22. August.(Eigenbericht.) Am Donnerstag begann in Siel die Tagung des Reichs- städtebnndes, dessen Vertreter sich bereits am Mittwoch abend als Gäste der. Stadl Siel zu einem vegrüßungsabend zusammenfanden. Im Mittelpunkt der Konferenz, an der neben Vertretern der Reichs- und Länderregierungen etwa 1S00 Kommunalvertreter teilnehmen, werden Referate des Reichsministers a. D. K o ch- Weser und Dr. Steffens- Marienburg über die sozialen und kulturellen Ausgaben der Gemeinden und weitere Referate des Prof. Dr. Hör- n e f f c r und Dr. Voigt über die Bedeutung der mittleren und kleinen Städte für VÄk und Staat stehen. Bereits in den Begrüßungsreden klangen die im Augenblick am meisten umstrittenen Probleme, insbesondere di« große Umgc meindung im Westen und die Forderungen des Reichsstädtebundes in finanzpolitischer Hinficht deut- lich an. O Die mehr als 300 Köpfe zählenden sozialdemokratischen Stadt- oertreter hielten im festlich geschmückten Saal des Gewerkschafts- Hauses eine Sondertagung ab, tvo st« vom Genossen F e ch n« r im Name» der kommunolpolitischen Vereinigung und des Partei- Vorstandes, sowie auch vom Parteioorstand Groß-Kiel und dem Be- zirksvorstond begrüßt wurden. Die Fraktion beschloß einstimmig, dem Reichs st ädtetag eine Resolution zu unterbreiten, in der gegen eine Verschlechterung des Arbeitslose nvcr- sicherungsgesetzcs protestiert wird. * Das erst« Referat über„Die sozialen Aufgaben der Gemeinden" hielt Erster Bürgermeister Stall(Fürstenwalde), der u. a. folgendes ausführte: In einer Zeit, in der di« sozialen Einrichtungen von Reich, Staat und Gemeinden mehr als je unter dem Kreuzfeuer der Kritik stehen, erkennen die deutschen Mittel- und Kleinstädte trotz aller Finanznöte die Pflicht an, ihre soziale Funktion zu er- füllen. Das Kernstück des sozialen Aufgabenkomplexes der Ge- meinden ist die Wohlfahrtspflege, die von alten Begriffen ab- gekommen ist und die die soziale Pflichterfüllung anerkennt. Die öffentlich-rechtliche Wohlfahrtspflege ist schon der Kontrolle wegen gegenüber der privaten, so dankenswert diese ist, der überlegene Grundsatz. Die ehrenamtliche Tätigkeit der Wohlsahrtspfleger(Be- zirksoorsteher) innerhalb der gemeindlichen Wohlfahrtspflege ist zu fördern und auszubauen. Der Vorwurf, daß die gemeindliche Wohlfahrtspflege zu schcma- tisch, zu wenig individuell sei, trifft für die Wittel- und Klein- slädle, in denen sich die Menschen persönlich kennen, nicht zu. Die Gefahr einer mißbräuchlichen Benutzung der wohlfahrts- einrichlungen ist auf ein Windestmaß beschränkt. Die durch die Fürsorgepslichtverordnung vom 13. Februar 1SZ4 getroffene Regelung, die den Landkreis mit 70 Proz. an den Fürforge- aufwendungcn beteiligt, ist zu begrüßen. Ueber„Die kulturellen Aufgaben der Gemeinden" fprach dann Landtagsabgeordneter Dr. Steffens, der u. a. etwa folgendes sagte: Die mittleren und kleinen Städte sind besonders zu kultureller Betätigung berufen, da in ihnen sich noch die unmittelbare Ber- bundenheit der Bevölkerung und ihr« Beteiligung an den kulturellen Bestrebungen voll auswirken kann. Durch ihre bisherigen bs- deutenden Leistungen, besonders für das Schulwesen, haben sie dem Staate große Aufgaben abgenommen und sind klein« Kulturzentralcn geworden, die auch für das umliegende Gebiet, ferner aber als Mittler zwischen diesem und den Großstädten eine kulturell und staatspolitisch wichtige Aufgabe erfüllen. Die daraus erwachsenden Lasten sind aber vielfach für die Städte untragbar geworden. Wenn sich wirtschaftlich« Kreise häufig der kulturellen Betätigung der Städte widersetzen, so geschieht das begreiflicherweise unter dem Druck der überspannten städtischen Realsteuern, die ober die Städte unter der Last immer neuer Aufgaben nicht zu mildern vermögen. Anderseits jedoch aus einer falschen Einstellung zur Kulturpolitik überhaupt. Zur Förderung der Kultur sind die finanziellen Kräfte einer aufsteigenden Wirtschaft erforderlich. Der treugellbten Pflichterfüllung der Städte müssen auch Rechte entsprechen. Die Feststellung der Kompetenzen von Staat und Städten im Schulwesen muß neu, und zwar im gegenseitigen Per- trauen erfolgen. Di« Selbstverwaltung ist gerode für kulturell« Be- tätigung nötig. Das letzte Ziel der städtischen Kulturpolitik muß im Sinne Steins Erziehung zum Gcmei istinn, zum Bürgersinn im Dienste der Gesamtheit sein. Autobusunglück im Vogtland. TS Verlehte.— Vor Radfahrerin ausgewichen. Plauen, 22. August. Bei Wernesgrün im Vogtland hat sich heute früh kurz vor 7 Uhr ein schweres Autounglück ereignet. DaS TtaatSauto der Linie Plauen— Eiben stock stürzte bei Wernesgrün eine etwa IS Meter tiefe Böschung hinab und wurde vollständig zertrümmert. Die Insassen wurden herausgeschleudert; 1» Personen sind teils schwer, teils leicht verletzt wor» den. Staatsanwaltschaft und Sachverständige haben sich sofort an die Unglücksstelle begeben, um die Ursache des Unfalls festzustellen. Es wird angenommen, daß die Schuld eine Radfahrerin trifft, die aus der ver> kehrten Straßenseite fuhr und dadurch den Autobus- führer zum plötzlichen Ausweichen veranlaßte. Die Schweizer Ozeanflieger verloren? Vergebliche Rachforschungen. New B o r k, 22. August. Ueber den Verbleib der Schweizer Ozean- s l i e g e r hat man bis zur Stunde immer noch keinerlei Nachrichten. In Fliegerkreisen hat man alle Hoffnung ausgegeben, daß die Flieger gerettet werden könnten. Vi» jetzt sind bereits 50 Stunden feil ihrem Start in Lissabon verflossen. Auf der höhe von Neufundland und Neuschottland sind di« Witterungsverhältnisse noch ungünstiger geworden. Be- onders der Nebel hat zugenommen, so daß auch die Nach- Forschungen, die eingeleitet worden sind, nur mit großer Blühe durchgeführt werden können. Sämtliche Schisse, sowohl Kriegs- als auch handelsschisfe, haben den Befehl erhalten, nach den Schweizer Fliegern auszuschauen. Auf dem Flugplatz Roosevell Field waren alle vorberei- tungen getroffen. Die Scheinwerfer waren fünf Stunden über die Höchstzeil hinaus, in der die Flieger die Küste hätten erreichen können, in Tätigkeil. Die„Banausen" wehren sich. Christlich-nationale Bauern« und Landvolkpartei gegen Schiele-Raumburg. Der Pressedienst der Christlichnationalen Bauern- und Landvolkpartei berichtet: „Am Mittwoch, dem 21. August, trat in Hall« di« Reichspartei- leitung der Christlichnationalen Bauern- und Landoolkpartei zu- ämmen. Neben der Behandlung einer Anzahl wichtiger organisa- torischer Fragen nahm sie Stellung zu den von dem deutsch- nationalen Landesverbandsvorsitzenden Dr. Schiele- Naumburg gegen die Christlichnationale Bauertz- und Landoolkpartei in einem Rundschreiben gerichteten Angriffe. Obwohl dieses Rund- chreiben mit den schärfsten sachlichen und persönlichen An- griffen gegen die Partei und einzelne ihrer Vertreter seit einer Woche fast in der ganzen deutschen Presse behandelt wird, hat die deutschnationale'Parteileitung für diese Angriffe ihres Londesverbandsvorsitzenden bisher g e s ch v i e g e n. Die Parteileitung der Landoolkpartei erwarret. daß die deutschnationalc Parteileitung umgehend öffentlich in angemessener Form von diesen Angriffen abrückt, damit Klarheit darüber geschaffen wird, ob die Angriffe gegen die Landvolkpartei und einzelne ihrer namhaften Vertreter nur die Entgleisung eines einzelnen sind oder ob die deutschnationale Parteiteitung den Standpunkt von Dr. Schiele-Naumburg teilt und damit die in der Landvolkpartei zusammengeschlossenen Bauern als Banausen betrachlet, die vielleicht gut genug find als Stimmvieh s ll r politische Zwecke. Sollte das letztere der Fall fem und— das bisherige Schweigen der deutschnationalen Parteileitung spricht dasür— dann wird es der Landvolkpartei bei allem Bestreben, die nationale Front nur zu stärken, außerordentlich erschwert, gedeihlich mit der Deutschnationalen Bolksportei zusammenzuarbeiten." Dieser Standpunkt ist deutlich. Herr Hugenberg wird reden müssen. Ein Klaggenschänder freigesprochen. Die Justiz in Vorpommern. Am 12. Mai 1929 wurde die aus Anlaß des Regimentssestes der 42er in G r e i f s w a l d bei der Feier in der Stadthalle ge- zogene Reichsflagge von einem Stahlhelmer heruntergerissen. Dieser begab sich mit der Fahne in die Garderobe der Stadthalle und warf den Garderobenfrauen das Fahnentuch vor die Füße mit den Worten:„Was soll der Mist, den brauchen wir hier nicht!" Wegen dieses Tatbestandes hatte di« Republikanische Beschwerde- stelle Berlin bei dem Oberstaatsanwalt in Greifswold ein E r m i t t- lungsverfahren beantragt, welches zu einer Anklage gegen einen Händler Johann Lange in Greifswald führte. Das Schöffengericht hat jedoch am 8. August 1929 den Täter ohne Be- weiserhebunz freigesprochen. Der Stahlhelmer entschuldigte sich mit Trunkenheit, serner mit der Angabe, daß der offizielle Teil des Festes beendet gewesen sei und er deshalb die Fahne in der Garderobe abgeben wollte. Dos Gericht begründet« den Frei- lpruch damit, daß das Republikschutzgesetz ein„temporäres" sei, daß die Erneuerung des Gesetzes im Jahre 1927 schon mehr eine Frage der politischen Zweckmäßigkeit gewesen wäre und die Verhältnisse sich inzwischen geändert hätten. Die Republikanische Beschwerdestelle hat den Oberstaatsanwalt gebeten, Berufung einzulegen. Heute noch Zeppelin«Start. Dritte Weltflugetappe Tokio-Los Angeles Tokio, 22. August. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" wird voraussichtlich am heutigen Donnerstagnachmittag zur drit» ten Etappe des Weltfluges starten. Eine genaue Unter» suchung der Motoren hat ergeben, daß sie nnbeschä» d i g t geblieben sind. Lediglich die Streben der hinteren Motorengondel müssen durch vorhandene Ersatz- teile ergänzt werden. Die japanische Marine leistet jede Unterstützung. Der Vorfall beim Ausbringen des Luftschiffes aus der Halle hat in ganz Japan allgemeines Bedauern ausgelöst. Ueberall kommt die Freude darüber zum Ausdruck, daß das Luftschiff nur eine leichte Be- schädigung erlitten hat. Die Zahl der Besucher des„Graf Zeppelin" ist inzwischen auf rund 300 000 gestiegen. Die Ausbesserung des Schadens an der Gondel des„Graf Zeppelin" dürste beendet sein. Die Menschen, die in ungeheuren Scharen die ganz« Nacht hindurch auf dem Flugplatz zugebrocht hatten, um bei dem Antritt des dritten Fahrt- abschnites des„Graf Zeppelin" zugegen zu sein, waren über das Mißgeschick, das dem Lustschiff zugestoßen war und ihre Hoff- nungen vereitelt hatte, bitter enttäuscht. Viele von ihnen harren aber auch noch weiter aus und hoffen, daß ihre Geduld innerhalb der nächsten 24 Stunden belohnt werden w'rd. In der Gepäck- kabine des Lustschiffes wurde gestern abend wieder ein blinder Passagier entdeckt, der sich trotz der größten Vorsichtsmaß- nahmen der Wachmannschaften hatte einschleichen können. Er war, als man ihn aus seinem Versteck herausholte, halb erstickt und wurde nach ärztlicher Hilfeleistung den Behörden übergeben. Der Landcsho»pl>n-"'n no-'"irol hol, um«inen Druckfehler in der Wiedergabe der Nelc von Seift m der heutigen Mvrgenaus- gäbe zu korrigieren, sich nicht nur zur Heimwehr bekannt, er hat auch gesagt, daß sie den staatlichen Organen mindestens Hilss» dienste zu leisten habe. Das Großfeuer im Fen'enheim Oer Gesamtschaden durch Versicherung gedeckt. Lüneburg, 22. August.(Eigenbericht.) Dos gestern durch ein Grohseuer vernichiete Jetten- heim Z m in e n h o s der Arbeiterwohlsahrl ist. wie uns noch berichtet wird, im �ohre 1910 von dem homburger Dr. Götze als Erholungsheim errichtet worden. Es war im mederlochsischen Stil mit einem Strohdach erbaut, sehr gut eingerichtet und land- schastlich inmitten der Heide an bevorzugter Stelle gelegen. Bor einigen Jahren war das heim vom hauptausschntz der Zlrbeiterwohlsahrt in Berlin übernommen und als Berufserziehiingshcim verwandt worden. Es bot zurzeit sechzig jungen Mädchen, die leider nichts von ihrer habe gerettet haben, Aufenthalt. Es ist niemand zu Schaden gekommen. Bei Ausbruch des Feuers stand das Haus sofort in hellen Flammen. Als Entstehungsursachc wird Funkenflug aus dein Serienheim Smmenhof, das in der Lüneburger Heide gelegene Erholungsheim der Arbeiterwohlfahrt, ist am Mittwoch einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen. Die im heim wellenden Berliner und ham- burger Ferientinder konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Schornstein vermutet. Der Schaden ist sehr beträchtlich, da das hello mit allen Einrichtungen der Neuzeit versehen war. Es ist allerdings hoch versichert, so daß der Schaden voll gedeckt ist. Es ist als ein Glück zu bezeichnen, daß die fiinderabteilmtg, die gleichfalls für gewöhnlich in dem heim untergebracht und normalerweise mll dreißig Kindern belegt ist, zur Zeit des Unglücks wegen Scharlach geschlossen war. Das Verhalten der Erzieher und der gesamten Belegschaft war tadellos. Di« dem heim zur Erziehung anvertrauten jungen Mädchen und Kinder sind gut untergebracht worden. Geschesbrecher. Zwei Betrüger an öffentlichen Kassen. Auch hierin, wie überall, gibt es verschiedenerlei Be- trüger: slllche aus Not und solche aus Böswilligkeit. Die einen kommen gewissermaßen durch eine unglückliche Verkettung von Umständen zu ihrem Betrug: sie glaubten sich nicht anders helfen zu können. Die andern gehen einfach darauf aus, auf Kosten öffcnt- licher Gelder ein gutes Leben zu führen. Zwei, die sich nicht anders zu helfen wußten. Der eine war Kutscher, der andere Kraftwagenführer. Beide waren in einem Fuhrgefchäft angestellt. Solange der Fuhrherr lebte, wickelte sich ihre Arbeit reibungslos ab. Die Frau des Fuhr- Herrn legte sich aber einen Freund zu, ließ sich diesen etwas kosten, das Fuhrgefchäft ging bergab, der Fuhrherr nahm sich aus Gram dos Leben. Jetzt wollte das Geschäft gar nicht mehr gehen. Kutfcher und Kraftwagenführer wurden entlassen. Dieser erhielt selbst seine Kaution nicht zurück: beide kamen um einen Teil ihres Lohnes und, was noch schlimmer war, sie mußten ohne ihre Papier« ziehen. Diese befanden sich nämlich im Geldschrank, der g e p f ä n- d e t war; also konnte er ohne Kosten nicht gepffnet werden. Kutscher und Kraftwagensührer waren nun erwerbslos. Erwerbslosenunter- stützung erhielten sie nicht, da ja ihre Papiere nicht in Ordnung waren. Sie schafften sich Rot, indem sie sich solche selbst ausstellten und mit dem Namen der Frau ihres früheren Fuhrherrn unter- schrieben. Die Erwerbslofenunterftützung wurde ihnen anfangs auegezahlt, dann kam aber die Urkundenfälschung an den Tag, eine An klag« blieb nicht aus. Also standen sie vor dem Schöffengericht. Unterdes hatten sie mit chilfe des Arbeitsgerichts sowohl ihre ordnungsmäßigen Papiere als auch den ihnen zukam- Menden Lohn herausbekommen, sie erhielten auch Erwerbslosen» Unterstützung. Die Sache war aber nicht mehr rückgängig zu machen. Der Staatsanwalt beantragte je einen Monat Ge- f ä n g n i s, das Gericht verurteille den eigentlichen Fälscher zu 70 Mark und den andern zu 40 Mark G e l d st r a f e. Die Kaution von 200 Mark hat der Kraftwagenführer bis heute noch nicht. Das Un folgendes Schreiben eines Mitgliedes des Deutschen Lederarbeiterverbandes: „In folgendem will ich aus eigener Erfahrung meine Unter- b r i n g u n g, Entlohnung und Behandlung als Arbeit- suchender bei Landwirten in Pommern schildern. Mit Rücksicht auf meinen Gesundheitszustand(Lungenleiden und Blutarmut) wünsch- ten meine Eltern, daß ich mein bisheriges Arbeitsverhältnis in der Gerberei aufgeben sollte. Ich nicldctc mich bei dem Arbeitsamt Mülheim-Ruhr für landwirtschaftliche Arbeiten nach Pommern. Do mir das Arbeisomt oersicherte, die Stellen wären in jeder Hinsicht einwandfrei, nahm ich die mir zugewiesene Stelle bei einem Land- wirt in K ä s l i n an. Mein Arbeitgeber versprach mir einen Monats- lohn von 30 Mark bei freier Kost und Wohnung. Charakteristisch für meine Unterbringung war. daß ich in einem Pferdestall mit ausgeschüttetem Kiesboden schlafen mußte. Die Möglichkeit, meine Wäsche und sonstigen Bekleidung?- stücke in einem Schrank unterzubringen, war nicht vorhanden, und mußte ich diese Sachen an einen Nagel hängen, an dem die Pferdegeschirre befestigt waren. Da auch die Beköstigung sehr viel zu wünschen übrig ließ, war ich gezwungen, bereits am anderen Tage das Arbeitsverhältnis zu lösen. Ich war nun völlig mittellos und bemühte mich sofort um andere Arbeit. Am 2. Mai d. I. erhielt ich bei dem Landwirt E. Falk in Repzien, Kreis Schicvelbein, eine neue Stelle. Obwohl ich vorher von einigen Landarbeitern des Ortes gewarnt worden mar, vertrat ich die Auffassung, daß hier nur persönliche Differenzen vorliegen und habe, der Not gehorchend, die Arbeit aufgenommen. Bei freier Berpslegung und Unterkunst sollte ich einen Monotslohn von 20 Mark erhalten. Das Essen war in den ersten drei Tagen in jeder Hinsicht einwandfrei, wurde jedoch von Tag zu Tag schlech- ter, so daß ich mich bei meinem Arbeitgeber beschwerte. Dach hotte ich in dieser Hinsicht keinen Erfolg. Meine Wäsche in Ordnung bringen zu lassen, wurde von diesem Landwirt abgelehnt, obwohl dies ausdrücklich vereinbort worden war. Ein im gleichen Dienst stehendes Mädchen hat mir dann aus Mitleid meine Wäsche gc- waschen und in Ordnung gebracht. Obwohl mir mein Arbeitgeber bei Antritt des Dienstverhält- nisses versicherte, ich würde, als 2. Kutscher beschäftigt, mußte ich bei Wind und Wetter von frühmorgens bis spät abends die Kühe und Schafe hüten. Diese Arbeit habe ich auch Sonntags nach- mittags verrichten müssen. Ich habe diese Zustände meinen Eltern mitgeteilt und mit ihrem Einverständnis das Dienstverhältnis nach fünfwöchiger Beschäftigung gelöst. Bei Meinem SBeggang erhielt ich keinen Pfennig Lohn. Die Beiträge zur Sozialversicherung waren ebenfalls nicht e n t- richtet worden. Den Weg von Repzien bis Mülheim-Ruhr habe ich teils zu Fuß, teils auch"mit der Bahn zurückgelegt. Das Fahr- geld habe ich mir erbetteln müssen. Völlig erschöpft kam ich zu Hause an und wurde von meinem früheren Arbeitgeber wieder eingestellt. Durch das energische Eingreifen unserer Organisation war es mir möglich, meinen rückständigen Lnho in Höhe von 24 Mark van dem Landwirt zu erholten. Nach einigen Tagen erhielt ich von dem Arbeitsamt Mülheim- Ruhr die Aufforderung, den Betrag von 27,50 Mark für Fohrgeld und Reisespesen in Wochenroten von 3 Mark zurückzuzahlen. Ferner wurde mit mitgeteill, ich hätte das Arbeitsverhältnis ohne berechtigten Grund ausgegeben. Jeder vernünftige Mensch wind mit mir darin übereinstimmen, daß auf Grund dieser Zu- stände von einem freiwilligen Aufgeben des Arbeitsverhältnisses nicht die Rede sein kann. Meine Darlegungen sind keme beweis- losen Behauptungen, sondern entsprechen der Wahrheit." In der Tat, idyllische Zustände! Der Pferdestall als Wohnraum, ein Nagel als Schrank und schließlich, nach fünfwöchiger Arbeit, keinen Pfennig Lohn. Hat das Arbeitsamt Mülheim-Ruhr die Arbeitsverhältnisse nachprüfen lassen? Oder hat es lediglich auf Grund der Behauptung des menschenfreundlichen Unternehmers ent- schieden, daß die Arbeitsstelle ohne berechtigten Grund aufgegeben wurde? Bon seinem Lungenleiden wird der Arbeiter wohl nicht, bestimmt aber von der Sehnsucht, auf dem Lande zu arbeiten, geheilt sein._ Wer ist Metmeyer? Warenschvindel nach bewährtem Muster. Auf einen Waren- und. Kreditschwindler fahndet die Berliner Kriminalpolizei. Jin Juni d. I. wurde ein großes Kolonial- Warengeschäft in Frankiurt o. d- L>. zum Derkauf ausgeschrie- den, weil die bisherigen Inhaber sich zur Weiterführung zu alt erschienen. Als Bewerber meldete sich ein Berliner Kaufmann, der sich R i e t m e y c r nannte. Er übernahm die Finna zunächst zur Probe und zahlte nichts an. Den Lieferanten gegenüber machte er sich als neuer Inhaber bekannt und erhielt auch Waren auf Kredit, da mcm den guten Ruf der bisherigen Inhaber kannte. Wie festgestellt wurde, ließ der angebliche Rietmcyer die Sachen auf Lastautos in den Abend- und Nachtstunden nach Berlin schaffen. Bei einem Kaufmann R. in der Lothringer Straße hatte er zwei Unterstellräume abgemietet. Eines Tages war„Rietmeyer" spur, los verschwunden, ohne an Bezahlung gedacht zu haben. Als man jetzt in den Lagerräumen nachforschte, ergab es sich, daß von den Waren nichts mehr da war. Der Schwindler, der nack) dem Muster des berüchtigten Stohmonn gearbeitel hat, hatte sie ver- schleudert. Geschädigt sind besonders Lieferanten von Kon- fernen, Mehl, Butter und Fleischwarcn. Der Schaden wird aus ungefähr 25 000 M. geschätzt. Wer sich hinter dem Namen Rietmeyer verbirgt, ist noch nicht bekannt. Es ist möglich, daß es sich um einen ehemaligen Mitarbeiter des Stohmann-Konzerns handelt, der auf eigene Faust den alten Schwindel weiter betreibt. vomierstsx. 22. August. Berlin. I6.no Berta Pally: Frauen-Rudern. 16 30 Rechtsanwalt Dr. Friti Weinberi: Mietsallerlei. 16.55 Berta Kiurina und Joseph Schmidt(Bildfunk). 17.05 Friedrich Raft liest aus eigenen Werken. 17.30 Konrert. Anschließend Unterhaltungsmusik.. Anschließend Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 19.00 Dr. Richard Huelsenbeck; Der Kampf um die Eisenbahn in der Mandschurei. 19.30 Artur Holitischer-Slunde. I. Ueber den Dichter. 2. Bruchstücke an» seinen Werken(gelesen von Qerhar» Pohl). 20.00 Sendespiel;„Robert der Teufel". Oper von Meyerbeer. Nach den Abendmeldungen bis 0.30 Tanzmusik. Wihrend der Pause Bildfunk. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Welter; Kind und Musik. 16.30 Arnold Findeisen liest aus eigenen Werken. 18.00 Maximilian Mülier-Jabusch: Weltpolitische Stunde. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Zivilingenieur Cohn-Wegner; Qualitätserzeugung in dem Forst und ihre wirtschaftliche Verwendung. 19.20 Dr. Hähnlein: Fußpflege. 20.00 Ans;„Von Ihr und ihm" von Rudolf Presber. 21.00 Auf vier Klavieren.(Erstes Klavier-Quartett; A. Qelbtrunfc, L. Mittmann, J. Pomcranc, A. Zakin.) »etoiittnortl.'ilr die Sfboftion:«nlfa-ng«chwar,. Berlin: Än, eigen: Th.»locke. Berlin. Berla«: Borwdrls Berlog®. m. b, S.. Berlin. Druck: Vormdru Sud). bruckerei unb BctlaaccnRoll Paul Singer& Co.. Berlin 623 68. Lindenlirake 3. Hierzu 1 Beilage. Staats-Oper Unter d. Linden üetüilosseol Staats-Oper Am Pl.d.Republ. Oetdilflssßo! Donnerst., 22.8. StSdL Oper Bismarcks tr. 7Vj Uhr Turnus IV Der Mailoiil Sfaatl.Sdiauspti. am Gendarmenmarkt OetditoD! Staatl.SebillerMr.Charltti. Geschlossen. «'/, Uhr Barb. 9256 * orig.-amerikanitoiM Ravaliara usw. PLAZA Tägl. S Ii. SIS J Sonnt. 2, 5 ö ß" | Alax.E.4.8066 INTERNAT, VARIETE Rose- Theater, Gro$e Frankfurter Str. 152. Täglich 8.15 Uhr Der Kleine Lustspiel i.3Akt.v.Armontu.äerbidon Gartenbohne 5.30 Uhr Konzert und bunter Teil 8.15 Uhr .Bis früh um IUnfeu Werden Sie Abonnenl des Bose-Theafcrs Verlangen Sie kostenlose Zusendung der Abonnements-Bedingungen OS«SOSSO»»IOSSOSSOSSS Som mer-Garten-Theater Berliner Prater N 58. Kast.-Allee 7-9. Tel. hb. 2246 Gastspiel Gnstei Beer. Grafel Lilien Die lustlae Witwe Operette von Franz Lehär Dazn der grobe Varictetrll. Anfang Konzert 4.30, Burleske u. Variete I Utl. UpereNe 8.30. Icdea Bnnnerstan Großer Volkslag. jed. Mittw. Rindertest». Verlosnno w eeeeeeeeeeieeeeeeeeee Reichshallen-Theater [TJ Uhr. Stettirier Sänger Söfintajt, 25. August: L Nadnnlttags-Tönieilaag zu halben Preisen mit votl em Prögraiti m T tvönhoff- Brettl: �VtrteU Konzert Tanz M6nl«j.2.9.[söj-Jahf-Feiw i, StcttiurSäsgrr CASINO-THEATER Lothringer Strafe 57. Tltflfd» 8V« Uhr Der neue Eronnungs- Schlager Wem neliört mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Lesen Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M, Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Planelarinm am Zoo Vkrliij. ludiimttbile Unit B.S Barbarossa 5578 16'VUhr Storabildai dt» Sommers 18/« Franz Lebaro Welterfolg! Friederike Lotte Carola Willy Thunis, Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 »ii in Freitag, den 23. nadun. 3 Uhr Winter * Qorten* 8 IN»» Zenlr. 2819» Bsofflen erlanDi Internal. 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Der erste Satz darin heißt: „Die Staatsgewalt geht vom Volke ans." Wir hoben ober manches in unserem Staat, was noch nicht so ist. wie es sein sollte. Daraus glaubt nun mancher den Schluß ziehcn zu dürfen, die ganze Verfassung sei purer Schwindel. Was noch nicht ist, muß werden. Der oben angeführte Satz enthält«ine Auf- gäbe. Wenn in unseren Händen die Staatsgewalt liegt, dann müssen wir uns um den Staat und seine Einrichtungen küiymern. Wir müssen uns für den Staat verantwortlich fühlen. An diese Verantwortung müssen wir uns früh gewöhnen. Darum haben wir auf der schönen Rheininfel Namedy wahrend der großen Ferien eine Kinderrepudlik aufgebaut. 2000 Kinder sind da zusammen- gekommen, aus Berlin, aus Kiel, aus Hannover, aus Hamburg, ja sogar aus Belgien, und haben 4 Wochen zusammen gelebt und gewirtschoftet. 2550 aus Süddeutschland sind jetzt da und bauen unser Werk weiter aus. In unserer Republik hieß der oberste Grundsatz: „Die Staatsgewalt geht vom Kinde aus!" An der Spitze unserer Republik stand der Berliner Schulrat Dr. Kurt Löwen st ein. Das war unser Präsident. Als wir nun zu 2000, Kinder und Helfer, auf der Insel an- kamen, mußten Anordnungen getroffen werden, daß all« unter- kamen. Wir hatten große Zelte mitgebracht, in denen wir schlafen wollten. Stroh mußte geholt werden. Es mußt« ordnungsmäßig verteilt werden. Da muhten wir Führer haben, die olles ein- teilten. Wir kannten uns aber untereinander nicht, wußten nicht, wer unter uns zum Führer geeignet war. Darum wurden die Führer von Kurt zunächst bestimmt. So rtwas nennt man D i k- t a t u r. Aber wir hätten durch«in« Wahl ja doch nicht die richtigen Führer herausfinden können. Darum war diese Diktatur berechtigt. Schön ist es ober nicht, wenn einem die Führer so mir nichts dir nichts vor die Nase gesetzt werden. Darum wurden nach einer Woche Wahlen ausgeschrieben. Die 2000 Kinder lebten inlODörfern zusammen. Für jedes Dorf sollte nun ein Bürgermeister gewählt werden. Darum wurden Vollversammlungen einberufen. Da mußren oll« Kinder, die im Dorf wohnten, auf dem Dorfplatz zusammenkommen. Drei Kinder wurden in den Wahlvorstand gewählt. Die mußten die Wahl vorbereiten, Wahllisten anfertigen, für die Wahlurne sorgen und die Wahl leite«. Nun wurden Kandidaten ausgestellt, zuerst für den Bürgermeister. In den Dörfern, wo der von Kurt auf- .gestellte Führer tüchtig gewesen war, wurde er zum Bürgermeister vorgeschlagen. Er wurde Kandidat. Es wurden mehrere Kandidaten aufgestellt. Außerdem sollten aber auch Abgeordnete für das Por- l a m c n t gewählt werden. Das ganze Lager war doch viel zu groß, als daß alle in einer Vollversammlung hätten zusammenkommen und allgemeine Angelegenheiten besprechen können. Sie hätten sich ja nicht einmal verstanden, wenn sie auch noch so laut gebrüllt hätten. Darum mußten Sprecher aus den einzelnen Dörsern ge- wählt werden. Die bildeten eben das Parlament. Hier konnten alle Wünsche besprochen werden. Erkannte die Mehrheit die Wünsch« an, so wurde«in Gesetz gemacht. Das galt dann für all«, auch für die, die gegen das Gesetz gestimmt hatten. Die Minderheit mußte sich der Mehrheit fügen. Also: auch die Parlamentarier mußten gewählt werden. Auch hier mutzten Kandidaten aufgestellt werden. Für 30 Dorf- bewohner durfte immer«in Abgeordneter gewählt werden. Unser Dorf durfte 8 wählen. Kandidaten waren natürlich mehr ausgestellt worden. Jeder hatte die vorgeschlagen, die nach seiner Meinung die besten waren. Er wollte nun, daß diese tüch- tigsten auch wirtlich die meisten Stimmen bekamen und ins Parla- ryent entsandt wurden. Darum wurde Wohlpropoganda gemacht. Plakate wurden gemalt: wähl, diese achte. dann wird es fchnasle! (Hier folgten nun die Nomen der 8 angeblich Tüchtigsten.) Auch um den Bürgermeister tobte der Wahlkampf: Wählt aus dl« Dauer nur tolle knauer! Die Kandidaten mußten Wahlreden holten, mußten sagen, was sie für die Kinderrepublik tun wollten. Jeder Wähler hörte zu und machte sich ein Bild, was er von dem einzelnen zu halten hatte. Am anderen Tage wurde gewählt. Morgens»m 8 Uhr de- gyn» die Wahl. Um 10 Uhr war Schluß. Alle Dorfbewohner sind zur Wahl gegongen. WahlschlcpCer(das sind solche, die d!c Säumigen zur Wähl heranholen) haben wirnichtgebrauch t. Um 10 Uhr wurde der Wahlakt geschlossen. Mit größter Spannung wurden die Stimmen ausgezählt- In unserem Dorf wurde der bis- berige Führer wiedergewählt. Kurt hat doch eine feine Nase go- habt, wen dos Dorf an seine Spitze hoben wollte, nicht wahr? Ins Parlament kämen die 8, die die meisten Stimmen hatten. Das Parlament, also die Kinder selbst, hat nun die restlichen drei Wochen alles bestimmt, was zu tun war. Dort hat man aus» gedacht, welche Feiern man gestalten wollte. Und es ist sehr fein gewesen. Wir haben gesehen, daß so ein Parlament von Kindern sehr wohl imstande war, eine so große Republik von 2000 Kindern zu ordnen und zu leiten. Manchmal sind allerdings auch Gesetze gemacht worden, die dem einen oder anderen nicht gepaßt haben. Aber da? ist nun einmal so: in einem großen Staat können nicht die Wünsche jedes einzelnen berücksichtigt werden: Der Wunsch der Mehrheit wird Gesetz. In Namedy haben Kinder eine Republik aufgebaut und geleitet. Und sie haben sie gut gebaut! Hier hoben Kinder in vierwöchiger ernster Arbeit sich bemüht, ihren Mann zu stehen für ihre rot« Re- publik. Sie werden später, wenn sie erwachsen sind, fähig sein. die große Republik so auszubauen, daß die Verfassung wirklich recht hat, wenn sie sagt: „Die Staatsgewalt geht vom Volte aus." Die Kinderrepublik war ja nur ein Abbild der großen, deren 10. Ge- burtstag wir jetzt feiern. Und dieses Versprechen gibt jeder Re- publikaner von Namedy: „Wir wollen gute Republikaner werden, damit die deutsche schwarzrotgoldene Republik einmal unsere„Rote Republik" werde!" Freundschaft! tfleilage Donnerstag, 22. August 1929 Die Problematik öer Schulaasfiage So« vr. Stto Seeimg Die Schulousflüge waren bis zur Reform des Schulwesens nach der Revolution eine zwar üblich«, aber freiwillige Leistung der Bolksschulc. Irgendwelche Mittel standen— von vereinzelten Ausnahmen abgesehen— nicht zur Verfügung. Durch diesen Umstand schon entfiel die Möglichkeit, mehrtägige Wanderungen in dem Um- fange zu machen, daß auch das arm« Volksschulkind daran teil- nehmen konnte. Die Zahl der Ausflüge war eine sehr beschränkte. In Berlin wurde gewöhnlich«ine gemeinsame Dampfer- fahrt gewacht, d. h. eine Fahrt sämtlicher Schüler, die in der Mehr- zahl der Fäll« von den Eltern begleitet wurden. An einigen fort- geschrittenen Volksschulen fanden auch schon Lehrousflüge im modernen Sinne statt. Für Berlin war seit Jahrzehnten der Be- such des Zoologischen Gartens und später auch der des Aquariums obligatorisch, d. h. vorgeschrieben. Die Schulreform hat das B'.ld von Grund auf geändert, ohne jedoch die vielfach vorhandenen Probleme gelöst zu haben. Zunächst wurde die Wanderung als turnerische Einrichtung betont und die Klassenlehrer durch einen besonderen Ministerialerlaß(vom 29. März 1920) verpflichtet, bei der Durchführung der Wandertage die Turnlehrer zu unterstützen. Vom 6. Schuljahre ab ist alle vier Wochen ein Ganztag innerhalb der Unterrichtszeit einer turnerischen Wanderung zu widmen. Vom 4- Schuljahr« ob soll so- wohl für die weibliche wie für die männliche Schuljugend ein H ä l b- l a g zu einer Wanderung benutzt werden. Die Reichkhauptstadt stellt reichliche Mittel zur Verfügung, so daß auch d«m ärmsten Kinde die Beteiligung an der Wanderung möglich ist. Welches sind nun die angedeuteten Probleme? Zunächst herrscht «in Streit der M«inungcn darüber, ob man mit der rücksichtslosen Forderung, daß all« Kinder an der doch immerhin anstrengenden Wanderung teilnehmen sollen, hygienisch das Richtige getroffen hat. Es gibt Kinder, die ohne jeden Einschlag von Drückebergerei von einer Ganzwonderung eher geschwächt als gestärkt heimkehren. Es haben sich auch schon in der Welt der Schulärzte Stimmen ge- funden, die das Problem der Schülerwanderung nicht so günstig beurteilen, wie man im Zeitalter stark betonter Leibesübungen an- zunehmen pflegt. Di« angedeutete Tatsache mag wohl auch der Grund sein, weshalb sich trotz mancherlei Gegnerschaft(z. B. durch Dr. Faltz in Berlin) die Dampferäusflüge so großer Beliebtheit erfreuen. Freilich stellt auch der Dampferausflug«in nicht leicht zu lösendes Problem dar. Gewöhnlich wird er so gemacht, daß die Schul« für einen bestimmten Tag zu einem bestimmten Preise auf eigenes Risiko einen oder zwei Dampfer mietet. Wenn das Wetter lchön ist, besteht die Gefahr, daß noch am Margen des Ausfkugstages Teilnehmer zu Dutzenden sich melden. Wenn sich die Schulleitung „erweichen" läßt, dann kann leicht eine unangenehme Heber- f ü l l u n g des Dampfers die Folge sein. Es ist auch wiederholt hervorgehoben worden, daß bei einem Dampferausfluge die Kinder zu wenig wandern und zuviel f i�,c: denn bei dem Umfapg des Berliner Weichtzildes dauert min einmal eine Dampferfahrt bis ist die..urwüchsige" Waldzone 2 Jsts 3 Stunden. Wer nun da die Absicht hat, den Kindern einmal das herrlich gelegen« Ferch zu zeigen, der wird nun gar 4 bis. 5 Stunden für die Hinfahrt ansetzen müssen. Um den angedeuteten Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen, ist der Versuch gemacht worden, einzeln« Schulklassen ohne die Begleitung der Eltern durch den Klasienlehrer mit einem der vielen Tourendampfer fahrplanmäßig zu befördern. Die einzelne Fahrt wird da- durch wohl etwas billiger, aber die Schulklasse als solche wirkt auf einem schon reichlich befetzten Dampfer mit Privatausflüglern wie ein Fremdkörper und ist wenig wohl gelitten. Bei der Heimfahrt finden die Kinder gewöhnlich keinen Sitzplatz, da gelegentlich der Rückfahrt die Zahl der Privatpersonen eine größere ist als bei der Ausfahrt aus Berlin. Wie gesagt, all das Problematische an den Dampferfahrten hat ihre Beliebtheit in nichts beeinträchtigt. Des- halb wird es auch nicht gelingen, durch unausgesetzte Angriffe ein- zelncr Gegner, die zugleich nicht selten auch Gegner der Grundschule sind, die gemeinsamen Dampserausflüge aus dem Berliner Schul- leben zu verdrängen. Sie haben übrigens den großen Vorzug, daß die Gefahr,«in Kind aus der Masse zu verlieren, viel geringer ist als bei einem Transport der gleichen Schülerzohl in einem Eisenbahnzuge. Nun etwas über die Fußwanderungen. Nach den geltenden Vorschriften würden jährlich 11 Wandertage notwendig sein, nämlich in jedem Mostat(Juli ausgenommen) eine. In Wahrheit werden wesentlich weniger Wanderungen veranstaltet. Auch bei den eifrigen Befürwortern der Sache kommen aufs Jahr 8 Wondertage. Um die unausgesetzten Störungen zu vermeiden, die sich dann ergeben, wenn die«ine Klasse heute, die andere aber morgen und übermorgen wandert, sind viele Schulen dazu übergegangen, durch Konferenz- beschluß die Wandertage der einzelne» Klassen aus denselben Monatstag zu legen, d. h. an einem Tage iin Monat statt des lektionsplaninäßigeii Unterrichts zu wandern. Merkwürdigerweise sträubt sich ei» nicht kleiner Teil der Ellern gegen die Innehaltung der bestehenden Vorschriften. Die Eltern bemängeln insbesondere, daß ihnen durch den Wandertag acht- bis elfmal im Jahr« ihr Kind weit über die Schulstunden hinaus aus der Familie ferngehalten wird. Aber auch die Lehrerschaft ist nicht in allen Teilen voll von ' Heller Begeisterung. Man kann es auch verstehen, daß im Dienst ergraute Lehrkräfte nicht gern den doppelt schweren und doppelt so langen Dienst aus sich nehmen, besonders dann, wenn' die zu be- aufsichtigende Schülerzohl 40 und mehr beträgt. Das Ideal wäre ja, wenn, wie es ursprünglich von der Aufsichtsbehörde gedächt war, die Wanderung vom Turnlehrer bzw. von der Turnlehrerin gemacht würde. Das größte Problem ist es nun aber, die so oder so hinaus- beförderten Kinder auf eine billige und gut« Weise zu verpflegen Man muß es fast als unverschämte Gaunerei betrachten, wenn ein Wirt in der Umgebung Berlins Proletarierkindern für«ine Zitrone nlimonade(2 Scheiben Zitrone in einem Viertelliter Wasser und drei Stück Zucker) 50 Pf. ahnimmt und außerdem den Aufschlag von 10 Proz.«instreicht, selbst wenn die Kinder aus Spar- samkeitsgründen den Labetrunk sich direkt am Ausschank geben liehen. Gastwirte, die unseren Volksschülern in ausreichendem Maß««nt- gegenkommen, sind so selten wie weiße Raben. Run ist es zwar gestattet, aus den zur Verfügung gestellten Wandergeldern arme Kinder während des Wandertages zu ver- pflegen. Da taucht aber zugleich die schwierige Fpage auf, wer bei den im angedeuteten Sinne knappen Mitteln verpflegt werden kann pder soll und wer nicht. Und schließlich macht in solchen Fällen der Nachweis des Verbleibs der Wandergclder nicht geringe Schwierig. leiten. Di« Problematik der Schulausflüge wird nicht geringer da- durch, daß die Zahl der schon reichlich ergangenen Verfügungen wächst, sondern ollein dadurch, daß man Spielraum läßt für die Lösung der Probleme näch Lage der Umstände von Fall zu Fall. Solle« wir mtö verkriechen? Zum Thema„Republik uud Schule" Wir hoben wiederholt Fälle behandelt, aus denen heryorgeht, wie häufig republikanische Lehrer auf dem Lande unter der Bös- willikeit solcher Instanzen zu leiden haben, die die Republik zwar als Futterkrippe betrachten, sie im übrigen ober sabotieren, wo immer sie es können. Die Republikaner hinauszuekeln, ist die Devise solcher Leute. Da ist es denn ergötzlich, im„Deutschen Philologenblatt"(Ausgabe B Nr. 32 vom 7. August 1929) folgende Kundgebung zu finden: Mißbrauch mit der Bezeichnung der Slaatsfor«. Der M a g i ft r a t Brandenburg(Havel) schreibt äffen!- lich ein« Studienratsstelle für Mathematik, Chemie und Physik aus und schließt mit der Ausforderung: „Republikaner wallen die Bewerbung mjt Leben». laus, Zeugnisabschristen und Lichtbild umgehend ait un» ein. reichen." Man sollte doch besser gleich die Einsendung der Mitgliedskarte der erwünschten Partei fordern, da ja wohl im allgemeinen weder d«r eingeforderte Lebenslauf noch die Zeugnisie oder das Licht- bild den verlangten Beweis zu erbringen vermögen. Kommt der ausschreibenden Stelle nicht der Gedanke, daß sie durch diese kaum verhüllte Form einer parteipolitischen Ausschreibung die Bewerber zu einer Würdelosigkeit oder zu einer G e- sinnungsheuchelej zwingen? Di« Dreistigkeit, die aus diesen Zeilen spricht, ist erstaunlich. Sollen sich die Republikaner etwa verkriechen, um den Schädlingen der Republik Platz zu mächen? Das Deutsche Reich ist noch der Berfasiung, die sich da, deutsche Volk gegeben hat, eine Republik. Eine der wichtigsten Aufgaben' der Schule ist es, di e Kinder im Sinne dieser Verfassung zu erziehen. Und da kommt nun dieses Philologenblott und stellt an die Schulbehörden di« Forderung, die schwarzrotgoldene Flagge zu streichen, jenen Ele- menten zulieb«, die ihre Kinder bestimmt nicht im Sinne der Ver- fassung beeinflussen! Das Philologenblott scheint vergessen zu haben, daß der alte Staat niemanden anstellt«, der sich zu gewissen Parteien be- kannte oder dessen Verwandte es taten. Es wird gewiß Kenntnis davon haben, daß zum Beispiel sogar Eugen Richter nicht als Bürgermeister einer rheinischen Stadt bestätigt wurde, weil er demokratisch gesinnt war. Und wie lautet doch die Bestallungsurkunde eines preußischen Oberlehrers im königlichen Preußen? Da hieß es: „Wir verpflichten ihn hierdurch zur unverbrüchlichen Treue gegen Seine Majestät den König... und hegen das Ver- trauen zu ihm, daß er der Zugend überall mit gutem Beispiel «»rangehen und überhaupt, soviel an ihm liegt, durch Wort und Tat dazu beitragen werde, daß ein de» Gesehen und Zwecken de, Staate, entsprechender Geist die Schüler beseele." Es ist das mindeste, mqs ein Staat von feinen Beamten ver- langen kann, daß sie ihr AiNt im Sinne des Staates ausfüllen. Oder sollen sich vielleicht Vorfälle wie die, die sich bei der gemein- samen Verfassungsfeier der Schulen in Potsdam abgespielt haben, einbürgern? Hier pfiff ein höherer Schüler während der Fcstred« auf der Zigarettenspitze, eine Klasse wollte noch vor dem eigentlichen Festakt durch«inen.Seitenausgang vom Festplatz abrücken: sie beteiligt« sich nicht am Hoch auf das Vat«r» landi vom Reichsbanner verteilte schwarzrotgolden« Fähnchen wurden mit Pfuirufen beschimpft und zerrisien. Und als«in« Potsdamer Zeitung sich erlaubte, dieses Verhalten zu kritisieren, zogen ob«ndr«in 200 bis 300 höhere Schüler vor das Redaktions- gebäude, um zu randalieren! Derartige Vorfälle wie auch dos Vorgehen staatsfeindlicher Element« gegen staatstreue Lehrer auf dem Lande beweisen, daß man bisher mancherorts eine Toleranz'hat walten lassen, die durch- aus schädlich ist. Der Magistrat Brandenburg war deshalb recht berat«», wenn er sich in seiner Ausschreibung ausdrücklich an die Republikaner wandte. Wer nicht Republikaner ist, taugi ni-�t zum Erzieher der Republik! Dänische Arbeiterbildung. In E» b j« r g in Dänemark ist jetzt di« e r st« dänische Arb«it«r-Hochschule gegründet worden. Gründer de« Schule sind zunächst di« Gewerkschaften und di« Sozialdemokratische Partei in Esbjerg, dann der Arbeit«rblldungsver«in, dem die Sozjoldemo- kratische Partei Dänemarks als Mitglied angehört. Di« Schule er- hält vom dänischen Staat di«selb« Unterstützung wie all« anderen Volkshochschulen. Vorsteher der Schyle wird Genosse Paul Hansen, bisher Lehrer an der Internationalen Volkshochschule in Helsingör. Ich hatte Gelegenheit, mit Genoffen Hansen zu sprechen. „Woll«n Si« etwas über Ihr Leben erzählen?" „Ich muß ehrlich gestehen, daß ich nicht gern über mich selbst spreche. Ich bin'1897 geboren. Mein Fach war die Möbel- (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Copyright by MerliivVerlag G.m.b.H., Baden-Baden (Schluß.) Diese Kinder spielten bereits in Brian O'Keefcs Leben eine be- dentsamc Rolle. Frau Jenny Calmer hatte erklärt, daß sie nur sür die beiden Zwillinge sorgen könne, und der Reporter hatte sich in der ersten Rührung über John Calmers Tod hinreißen lassen. die nier Halbwaisen zu sich zu nehmen. Nun saß er mit vier Kin- dern da. von denen das älteste, die kleine Paggy, zehn Jahre zählte. „Erhalten kann ich sie ja/ erklärte er Diana Langtrey.„Aber man muß sie doch auch füttern und baden, und was weiß denn ich..." Diana lachte. „Du wirst heiroten müssen. Brian, den Kindern zuliebe." „Die eine Frau, die ich heiraten möchte, kann sich dazu nicht entschließen, liebt ihre Freiheit mehr als mich. Und eine andere will ich nicht* In diesem Augenblick sah Diana, wie der kleine Anthony Calmer. der aus deni Rebenzimmer hereingekommen war, in Brian O'Keefes Zigarettenschachtel griff, eine Zigarette herausholte und an ihr zu kauen begann. „Schau doch, was das Kind treibt. Brian!" rief sie. „Das macht er immer," entgegnet« Brian O'Keefe düster.„Ich kann lagen, was ich will, er gehorcht mir nicht." Diana nahm dem Kleinen die Zigarette fort und gab ihm ein anderes, weniger gesundheitsschädliches Spielzeug. „Komisch," meinte Brian O'Keefe,„wenn ich das tue, brüllt er wie am Spieß. Bon dir läßt er sich alles gefallen." Diana zog den kleinen Sünder auf ihren Schoß. Ihre veilchen- blauen Augen lachten. „Ein jeder von uns muß um der guten Sache willen Opfer bringen. Ich bin bereit, es ebenfalls zu tun. Brian, den Kindern zuliebe werde ich dich heiraten." Auf diese Art erreichte Brian O'Keefe ein Ziel, um dos er be- reits seit vier Iahren vergeblich kämpfte. Der einzige Leidtragende in dieser Angelegenheit war der Brofessor Davis aus Oxford, alias Tommy Anderson, mußte er doch während der Heimreis« nach England unentwegt die nier Calmer-Kinder betreuen. Frau Diana O'Keefe und ihr junger lllatte, der Reporter vom„Stern der Freiheit", waren richtige Hoch- zeitsreisende und hatten nur füreinander Zeit. » Calvin Füller hatte im Gefängnis reichlich Zeit, über die Un- treue seiner einstigen Freunde nachzudenken. Sie hatten ihn fallen- gelassen, wie ein glühendes Stüet Kohle. Waren froh, einen Sünden- bock gefunden.zu haben, auf den sie alles abwälzen konnten. Calvin Füller fürchtete nicht den elektrischen Stuhl: er wußte, daß noch nie ein Millionär auf ihm Plaß genommen hatte, ober zwanzig, fünfzehn Jahre Zuchthaus würden kaum zu vermeiden fein. Uni) das konnte er nicht ertragen! Er, der Herr von Fullersville, in der Tracht des Zuchthäuslers, zusammengeworfen mit dem Ab- schäum der Menschheit,— nein, es war nicht auszudenken. Er blickte sich in der Zelle um. Gab es denn keine Möglichkeit, dieser Schmach zu entfliehen? Ein gefälliger Wärter ließ sich her- bei. einen Brief aus dem Gefängnis zu schmuggeln, den ersten Hilferuf, den Calvin Füller in seinem ganzen'Leben ausgestoßen hatte. Der Brief war an Herbert 5)orrison gerichtet, und Calvin Füller hatte richtig geahnt, daß der alte Bankpräsident der einzige war, von dem er Hilfe erwarten durfte. Herbert Harrison glaubte an seine Klasse, sie mußte unter ollen Umständen verteidigt werden, was auch immer der einzelne be- (Fortsetzung von der I.Seite.) tischleret: aber ungefähr im Jahre 1920 war es für mich un- möglich, trotz meiner bisherigen ununterbrochenen Beschäftigung, Arbeit zu bekommen." „Standen Sie auf einer schwarzen Liste?" „Bielleicht! Da ich mich verschiedene Mol« an Reformversuchen beteiligt«, wurde damals, als ich durchaus keine Arbeit bekommen konnte, allgemein angenommen, daß ich auf der schwarzen Liste der Arbeitgebervereinigung stände. Ich habe dann zwei Jahre long die Volkshochschule besucht: dann wurde ich Schüler der dänischen Kunstgewerbeschule: dann besuchte ich die International« Volkshochschule zu Helsingör, wo ich besonders Geschichte hörte und Gelegenheit bekam, Fremd- sprachen zu erlernen." „Sind Sie auch im Auslande gewesen?" „Ich war Schüler der Fircraft-Schule bei Birmingham und besuchte gleichzeitig die Universität zu Birmingham. Nachdem ich dann noch an einem Sommerkursus an der Bolkshochschule zu Askov teilgenommen hatte, wurde ich Lehrer an der Internationalen Volkshochschule zu Helsingör." „Welches ist Ihr Spezialfach?" „Ich will nicht gerade von einem Spezialfach reden: aber das Studium der Genossenschaftsbewegung ist das, was mich am lebhaftesten interessiert. Ich habe«in Examen an der kooperativen Hochschule in Manchester abgelegt." „Sind Sie denn auch Lehrer in England gewesen?" „Ja, aber nur kurze Zeit. Ich war drei Monate lang Lehrer für das Arbeiterbildungswesen in Schottland." „Hat die Tätigkeit auf der Internationalen Volkshochschule große Bedeutung für Ihre Entwicklung gehabt?" „Die Zusammenarbeit mit dem Vorsteher Manniche und das Eingehen auf die Eigenarten der Schüler aus den verschiedensten Nationen sind für meine inner« Entipicklung von der größten Be- deutung gewesen." „Wollen Sie auch noch etwas über Ihre zukünftige Arbeit sagen?" „Ebenso wie in der alten Bauernhochschule Dänemarts, muß in der Arbeiterhochschule Rücksicht genommen werden auf die persönliche Eigenart der Schüler.' Ich glaube ober doch, daß hier die nationalen Interessen vor den sozialen und internationalen Strömungen zurück- treten müssen. Für mich ist es selbstverständlich, daß ich, wie ich es üsher auch getan habe, als Leiter einer Arbeiterhochschule der Ar- -iterbewegung und der Partei die Treu«»«wahre." W. Heidn. gangen haben mochte. Kein Slngehöriger dieser Klasse durfte wegen Mord vor Gericht stehen: dieser Skandal mußt« vermieden werden. Herbert Harrison kam um die Erlaubnis ein, den Gefangene» zu besuchen Sie wurde ihm gewährt. Freilich durfte er mit Calvin Füller nur in Gegenwart des Wärters sprechen, aber er hatte ihm ja auch nichts zu sagen, wollte ihm. nur die Hand drücken. Der Händedruck erfolgte beim Abschied, und zehn Minuten dar- auf war Calvin Füller ein toter Mann: Zyankali ist ein rasch und schmerzlos wirkendes Gift. Selbstverständlich gelang es nicht, herauszufinden, wer dem Gefangenen das Gift gegeben hatte, aber vom Gouverneur abwärts atmeten alle Behörden erleichtert auf: ein peinlicher Skandal, der den besitzenden Klaffen sehr geschadet hätte, war vermieden worden. » An einem stürmischen Märztag, erfüllt vom Geruch der früh- lingsfrischen Erde, als sich an den Bäumen bereits die ersten Knospen zeigten, lehrte David Gordon nach Fullersville zurück. Die furchtbaren Erlebnisse der letzten Monate waren nicht spur- los an ihm vorübergegangen. Sein Haar war an den Schläfen ergraut, sein Gesicht eingefallen, seine Gestalt von fast erschrecken- der Magerkeit. Aber aus seinen leuchtenden Augen und seinen ent- schlossenen Zügen sprachen der alt« Mut und die alte Energie. Der Dahnhof war überfüllt, alle wollten den Führer und Freund begrüßen, der seine Treue für die Sache des Proletariats fast mit dem Leben bezahlt hatte. Es gab soviel zu berichten, Frohes und Trauriges. David Gordon war zumute, als stürze eine Sturm- flut über ihn herein. Am Abend fand eine große Versammlung statt. Auch das be- deutete einen Sieg des Fullersviller Proletariats, die Behörden hotten nicht gewagt, die Versammlung zu verbieten, und die Poli- zisten, die für Ruhe und Ordnung sorgen sollten, benahmen sich äußerst zurückhaltend und bescheiden. David Gordon sprach, einfach und klar. Er redete über den Streik, der, als wilder Streik beginnend, große Dimensionen ange- nommen und die Macht der Unternehmer gebrochen hatte. „Heute," führte er aus,„schaffen in den Betrieben von Füllers- oille nur noch organisierte Arbeiter, die nach dem Tarif bezahlt wer- den. Die Idee der Organisation und der Solidarität hat abermals ein großes Stück Boden erobert. Und was ihr hier im kleinen seht, ereignet sich im großen Maßstab in der ganzen Welt. Euer festes Zusammenhalten, euer unerschütterliches Vorgehen hat hier für alle günstigere Lebensbedingungen geschaffen. Ihr habt gelernt, woraus es ankommt. Aber glaubt nicht, daß nicht weitere, vielleicht noch erbittertere Kämpfe bevorstehen. Auch in diesen Kämpfen werdet ihr die gleichen Waffen verwenden müssen: Solidarität, unerschütter- liche Entschlossenheit. Dos Proletariat von Fullersville muß eins stin mit dem Weltproletariat, ein ungeheures Heer, gegen das das Weltkapital nichts auszurichten vermag. Die folgenden Jahr« werden an allen Enden der Erde große Streiks bringen. Fallt den ausländischen Genossen nicht in den Rücken, laßt euch weder durch höhere Löhne verlocken, noch durch Drohungen einschüchtern. Werdet nicht zu Streikbrechern! Jeder Sieg des Proletariats eines Landes bedeutet einen Sieg des Welt- Proletariats. Jeder Schlag, der gegen die Genossen in anderen Ländern geführt wird, trifft auch euch. Ich stehe nun vor euch. Genossen, ein Mensch, der dank eurer Hilfe dem Tode entronnen ist. Aber in den Kerkern der ganzen Welt leiden unsere Genossen und ersehnen den Tag der Befreiung. Konnte der eine gerettet werden, können es auch die anderen. Ihr Hilferuf dringt zu uns, wir dürfen sie nicht im Stich lassen. Es ist euch gelungen, zumindest für kurze Zeit, Löhne durchzu- setzen, die eure Kinder vor dem Hunger bewahren, aber in England hungern und leiden die Kinder der erwerbslosen Bergleute, und in ganz Europa werden Betriebe geschlossen, Arbeiter ausgesperrt. Was da hungert und leidet, Genossen, ist euer eigenes Fleisch und Blut, ihr dürft nicht zugeben, daß es zugrunde geht. Ich weiß, daß ihr aus dieser Versammlung ein Freudenfest machen, den Sieg des Streiks und meine Befreiung feiern wolltet. Dennoch müssen wir auch der Opfer gedenken, die in unserem Kampf fielen, der vierzehn Menschen, denn auch Jack Füller und John Calmer gehören zu ihnen, die für die Sache des Proletariats starben. Laßt uns bei ihrem Andenken und beim Andenken oller Arbeiter des Klassenkampfes schwören, zusammenzuhalten, nicht zu ruhen und zu rasten, bis der letzte Sieg erkämpft ist." Tausende von Händen flogen hoch. Tausende von Stimmen, alte und junge, Männerstimmen und Frauenstimmen riefen: „Wir schwören!" Der Frühlingssturm fing die Stimmen aus und trug sie weiter. Sie schienen seine Kraft zu steigern. Ungestüm rüttelte er an dem Gefängnis, an den großen Banken und Geschäftshäusern von Fullersville, so daß ihre Fenster klirrten und ihre Mauern zu wanken begannen. Er trug den Schwur der Arbeiter auf seinen Flügeln durch das ganze Land. Er peitschte den Ozean auf, daß seine Wellen das Ufer überschwemmten, ein Sinnbild der gewaltigen, un- oushaltsamen Flut, die die alte Welt fortschwemmen wird. Dann legte sich der Sturm. Am FrLhlingshimmel erschienen die ersten Sonnenstrahlen. Sie fielen hell mit verklärendem Schimmer auf die Gesichter der Menschen, die in geschlossenem Zug. ein siegreiches Heer, die Versammlung verließen und strahlend in der Fahne der Freiheit, die dem Zug voran wehte. «« «« FÜR DEN KLEINGÄRTNER. uiiuiuiuimuuHiiinnniiiiumiiuiiiiniiuuiiiinmiiiiiiiiiiiniiiiiiiiuiiiiiuiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiimiiiiuiuiuuiiiniiniiiiiiiiimiiiiiiiiiiuiiiuiuuiiuiiiiuiiiuiiiiiiuiuiuuiuiiiniiuiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii>H Autbewahrung der Dahlien-Knollen. Wenn auch nicht der Städter, so hat doch der draußen auf dem Lande Wohnende die böse Erfahrung gemacht, daß schon im September eine kalte Nacht unter den Dahlien gewaltig z«r- störend aufräumt. Ein viertel Grad Kälte genügt, um die an- scheinend so strotzenden Stiele und die farbenprächtigen Blumen schwarz werden zu lassen. Wochen milden Wetters folgen dann meist, aber sie können wohl die robusteren Blumen und Gemüse günstig beeinflussen, dem Dahlienflor ist nicht aufzuhelfen. Wenn trotzdem die Dahlien in den letzten Jahren eine groß« Beliebtheit gewonnen haben, so liegt dies an der einfachen Kultur. Man kauft eine Knolle(mit Augen natürlich), setzt sie ins Land: nachdem der Blütentraum durch Frost vernichtet ist, nimmt man die, fast immer stärker gewordene Knolle wieder heraus. Meist läßt sie sich sür das neue Einpflanzen tollen, so daß man zwei, drei Pflanzen im nächsten Sommer hat. Von Krankheiten bleibt die Dahlie so gut wie verschont, als eine reine Frelluftpflanze kennt sie nicht die Sorge, die Anzucht nn warmen Kosten usw. macht. Der Berufsgärtner freilich treibt die Knollen rechtzeitig im Winter an, um Vermehrungs- stecklinge zu erhalten, deren Pflege ungefähr der von Chrysanthemum- stecklingen gleicht. Da die Ruheperiode der Dahlienknollen eine ziemlich lange Zell umfaßt, so dürfte es geboten sein, der Unterbringung der Dahlienknollen im Winter zu gedenken. Man nehme nach dem Frost die Knollen heraus, d. h., es ist weder not- wendig noch geboten, diese Arbeit gleich am nächsten Morgen vor- zunehmen; da meist weitere milde Tage und Nächte folgen, wird man die Knollen lieber noch einige Zell im Boden lassen und stärkeren Frost abwarten. Ist das Wetter verhältnismäßig mild aber regnerisch, so ist Fortnahme besser, damit die Knollen nicht etwa Neigung zu neuem Sprießen erhallen. Man bewahre die Knolle sro st sicher und trocken auf. Zunächst ist es zweckmäßig, die herausgenommenen Knollen etwas„abtrocknen" zu lassen, namenllich bei moorigem Boden kommt dies in Frage, um etwaiger Fäulnis entgegenzuarbeiten. Das Teilen der Knollen erfolgt besser im Frühjahr, falls die Knolle nicht von selbst beim Herausnehmen sich teill. Ueber die prattifche Art j>es Aufhebens sind die Meinungen geteilt: der eine bevorzugt Stellagen im Keller, der andere hält Einschlagen in Torferde sür vorteilhaft, der dritte hängt sie am Bindfaden auf usw. Als Hauprbedingung muß ge> fordert werden, baß der Aufbewahrungsraum wirklich froftfrei ist — der letzte Winter hat leider vielen Dahlien das Leben gekostet — und daß er als trocken anzusprechen ist. Man wird der Tors- erdebedeckung wohl die meisten Chancen zuerkennen dürfen— namentlich wegen des im Frühjahr zu erwartenden Austreibens. Artischocken. Wer als Soldat im Wellkrieg in Frankreich und Belgien war, hat dort sicher die Artsschocke kennen gelernt, jene eigenartige ober unzweifelhaft wohlfchmecksnde Gemüsepflanze, von deren Lllltenkörben der Boden und die Basis der Hüllfchuppen genossen werden. Man kann sie auch bei uns heranziehen, in einjähriger Kullur, wenn man die Samen im Frühjahr wann ausjät und die Pflanzen erst in Töpfe, dann Ende Mai in die Erd« bringt die sehr nahrhaft sein muß. Wiederholte flüssige Nährstofflösung wivd mit Vorteil gegeben und der Boden recht locker gehalten. Bei zweijähriger Kultur zieht man vor Frosteintritt die Pflanzen behutsam heraus und schlägt sie im Keller ein oder man umgibt die Pflanze mit einem schützenden Ilmbau Alte Pflanzen sollen nur zwei bis drei Triebe haben. Die Namen der Artischocken: Laon, Provence, Bretagne weisen auf die Herkunft hin. Tomaten. Die Anzucht von Tomaten im Freien hat in manchen Iahren stark unter Nässe und Mangel an Sonnenschein zu leiden gehabt: in diesem heißen Sommer dürfte es kaum jene„grün" geernteten Früchte geben, die als„R«in«clouden"-Ersatz eingeweckt wurden. Eher dürfte das fehlende Wasser Schäden verursacht haben. Ge- rade die Tomate oerlangt neben einem warmen Standort recht reichliche Bewässerung. Sollten doch spät gepflanzte Stauden ihre Früchte nicht zur Reis« bringen, so pflücke man diese nicht gleich in grünem Zustande, sondern reiße die ganzen Pflanzen heraus und hänge sie an einem warmen Orte auf. Ein Teil der Früchte wird sich schön rot särben, der Rest kann grün verarbeitet werden. Jedenfalls beugt diese Methode einer Fäulnis der Früchte eher vor als das dichte Neben- und llebereinanderliegen der unreifen Früchte in einem warmen Raum. Nadelhölzer. Von der Ferienreise wird der Großstädter, namentlich dos Kind, einen besseren Begriff von den Unterschioden in der Familie der Koniferen mit nach Haufe bringen. Noch immer sogt man: wir gehen in den Tannenwald oder in die Fichten, während das märkische Land meist mit Kiesern bedeckt ist. Die Tann«(Abics), wie sie im Mittelgebirge, Thüringen, Schwarzwald vorkommt, hat breite, unterseittg hellgeförbte Nadeln, die Fichte(?>cea) weist runde, spitze, stechende Nadeln auf, die Kiefer(Linus) endlich lange Nadeln zu je zwei, drei oder fünf in einer Scheide Anpflanzung vpn Koniferen wird am besten Ausgang Sommers, A u g u st/S eptember, vorgenommen: die Pflanzen haben dann noch Zeit, bis zum Eintritt der Winterkälte anzuwurzeln. Die Pflanzen sollen so gefetzt werden, daß sie ebenso tief in die Erde kommen wie sie gestanden haben, doch kann man ihnen eine Streu von altem Dung oder Laub geben, was gegen Austrocknen schützt und etwas mehr Nahrung bietet. Bei trockenem heißen Wetter und bei lallen trockenen Winden leiden junge Nadelhölzer sehr; durch Gießen und Bespritzen, evtl. auch durch Beschatten muh man ihnen die gewünschte Feuchtigkeit zuführen refp. erhalten. Wo feuchte Luft und auch«in etwas feuchter Untergrund vorhanden ist, wird man stets auf freudiges Wachstum rechnen können: der Boden soll locker und durchlässig sein: sogenannter schwerer Boden ist wenig günstig. Gegen frischen Urin(z. B. von Hunden) ist die Konifere sehr empfindlich, daher evtl. Schutz durch Drahtgeilecht. Gut verrotteter animalischer Dünger ist dagegen von Nutzen. Wird der sogenannte Leittrieb entfernt, so ist die Pflanze aufs schwerste geschädigt. Man sollte daher Baumfrevlern, die die Konileren- spitzen abschneiden und als Kranzmaterial verkaufen, gründlich das Handwerk legen. Straßenstaub gegen SchSdlinge. Man hat die Beobachtung gemacht, daß Obstbäume an den Straßen meist sehr fruchtbar sind. Sie geben den Vögeln auch im Winter Deckung, und so werden viele Insekten usw. von den Meisen Buchfinken und Sperlingen sowie von den Fledcrmärs n oertilgt. Da die Straß-nbäume mit ihren Wnrze'n bis in'e Straßengräben reichen, ist auch für genügende Nah-u-g u d Wasserzufuhr gesorgt. Endlich stehen du Bäume an den Str ßcn auch freier als die in den Plantagen. Aber noch eine an'-re Quelle des besseren Gedeihens ist in dem Strakensta:v entdeckt worden: gegen den feinen„staubtrockenen" Staub sinn alle Schädlinge sehr empfindlich. Wenn nun die Straßen durch Teeren staubfrei gemacht werden, fällt dieses kostenlose Dekämpsungsmlllel fort— ein technischer Fortschritt ist ja meist mit einer Berkümme- rung der Naturkräfte verknüpft. zJh&rfunolLinien. Die Mannschasten bestehen aus je ach Spielern, von denen.je vier die ersten Angriffsreihen bilden, während die restlichen Spieler dohintergcstellt zur Unterstützung der Angreifer und zur Verteidigung der Tore dienen. Es gilt im Spiel den Ball M Verband Voiksgesundheil Proletarische Gesundheitssudler. €t Der„Verband V o l k s g e s u n d he i i" ist eine Zentral- organisation für Gesundheitspflege, Heilkunde, Lebensreform und Freikörperkultur. Er ist über ganz Deutschland mit etwa 90 Orts- gruppen verbreitet. Als eine auf dem Boden der sozialistische» Weltanschauung stehende Zlrbeiterorganisation ist der Verband Mitglied der Zentralkommission jür Arbeitersport und Körperpflege. Der Verband Volksgefundheit ist auf kein besonderes Heiljystei» «ingeschworen. Er oertritt die Auffassung, daß auch die freien Volks- Heilwersen(Naturheilkunde, Biochemie, Homöopathie) im Interesse der Menschheit gefördert werden müssen und ist der Anschauung, daß stch mit der fortschreitenden Erkenntnis und der Aenderung der wirtschaftlichen Verhältnisse die Ansichten über Heilkunde wandeln. Die Umgestaltung der wirtschaftlichen Zustände bedingt«ine Revolutionierung der medizinischen Wissenschaften. Vor allen Dingen ist der Verband bestrebt, in der Arbeiterklasse die Erkenntnis zu wecken, daß ihr Krankheitselend hauptsächlich in den sozialen Verhältnissen begründet ist, und er versucht im Sinne der Besserung die Gesetzgebung zu beeinflussen. Der Verband setzt sich insbesondere für di« Anerkennung der freien Heilweisen, für di« Verbeamtung des gesamten Heilpersonals, für die Aushebung des Impfzwangs, für Geburtenregelung und für die Beseitigung des Abtreibungsgesetzes ein. Zur Förderung dieser Aufgaben und Belehrung seiner Mitglieder gibt der Verband eine gut illustrierte Monatsschrift„Volksgesundheil", Agitationsschriften, Flugblätter usw. heraus und läßt in den Orts- gruppen Vorträg«, Gymnastik-, Spielleiter- und Unterrichtskurse über Gesundheitspflege, Heilkunde und Kinderuntersuchungen ab- halten. Es wird aber nicht nur versucht, gesundheitlich« Aufklärung zu verbreiten, sondern auch den Arbeitern die Möglichkeit zu bieten, praktische Gesundheitspflege zu treiben. Zu dieseili Zweck« leihen die Ortsgruppe» ihren Mitgliedern nicht nur Geräte zur Gesundheit»- und Krankenpflege, sondern unterhalten selbst An- logen mit Schrebergärten, Wochenendsiedlungen, Spielplätze», Licht-, Luft- und Wasserbädern. Im Jahre 1928 wurden allein die An- lagen der sächsischen Vereine von 437 267 Erwachsenen und 254 349 Kindern und Jugendlichen besucht. Di« Pflicht jedes Nassenbewußten Arbeiters ist es, die bürger- lichen Gefundheitsoereine aller Art zu meiden und im Verband „Volksgefundheit" für die Besserung der hygienischen Verhältnisse des arbeitenden Vplkes zu kämpfen. Nähere Auskunft gibt die Ge schäftsstelle: Dresden A I, Marienstrahe 13. Sportfest in Hennigsdorf. Der Arbeiterturnverein in Hennigsdorf veransiattet sein diesjähriges Sportfest am 24. und 25. August. Pas Programm bringt am Sannabend ab 17 Uhr Handballspiele, unr 18 Uhr findet ein Werbelauf durch den Ort statt. Der Festabend mit Bühnen- turnen beginnt um 20 Uhr im Lokal Brose. Am Sonntag sind sportlich« Einzel- und Mehrkämpfe, geweinsames Baden der Kinder in der Badeanstalt. Um 13 Uhr Festzug und anschließend turnerische und sportliche Kämpfe. Der im llLalde gelegene Doppelsportplatz mit seiner Rundbahn, Zuschauertribünen und allen modernen Sport- anlagen, gibt allen Teilnehmern Gelegenheit, sich wunschgemäß zu betätigen. Schwer hat der Verein am Orte zu kämpfen, weshalb alle bundestreuen Genossinnen und Genossen zur regsten Teilnahme aufgefordert werden. Alle Meldungen und Anschristen sind zu richten nn A. Deutschmann, Hennigsdorf, Rathenaustr. 14. Allersriegen Faustballmannschaften. Sonnabend. 17 Uhr, Sportplatz Rehberge. Nach dem Spielen Sitzung und geselliges Beisammensein mit Frauen in der Hochschulbrauerei, Seestraße. Ecke Amrumer Straße. Gäste willkommen. wieder Abendrennen in Mariendorf. Die beiden bevorstehen- den Beranstastungen auf der Trabrennbahn Mariendorf werden wieder bei künstlicher Beleuchtung vor sich gehen. Am Freitag, 23. August und Montag, 26. August, beginnen die Rennen um 18 Uhr. Mit den Stalleuten hat man sich geeinigt! Arbeilerradsahrerverein Graß-Berlin. Sonntag, 25. August, 5 Uhr, Streifzüge durch die Duberow. 13 Uhr Eichwalde, Wichert, Gesell- schaftshaus. Start Waldemorstraße Ecke Mariannenplotz. Gäste willkommen. i�us der Industrie. In oierzehntägiger„Nonstopfahrt" bewältigte Eheiredakteur Buchli-München auf„Adler-Faoorit"(zwei Liter, Vierzylin- der) die Fahrt von Frankfurt nach Biredjik am Euphrat in Klein- ästen an der Grenze von Kurdistan-Mesopotamien-Anatoljen und zurück nach St. Moritz. Er legte rund 8200 Kilometer auf teilweise vollkommen unwegsamem Gelände zurück, was einer Tagessahrt- leistung von fast 600 Kilometer entspricht. Fahrer wie Maschine waren den unerhörten Anforderungen völlig gewachsen, doch konnte Buchst erst einige Stunden noch Schluß der Zielkontrolle eintreffen, da er infolge eines türtischen Nationalfeiertages eine Zwangspause von 26 Stunden einlegen mußte, die er bis auf 5 Stunde» aufholen konnte. Trarige»»««!»„Sic zc»t«lc Bio. Abt. Chorl-ttobnci,: ffrcitag. A. August, 20 Uhr, Snmlir. 30: Heiterer Abend. Instrumente mit. bringen. Sonnlog Bogens»«. Abfahrt Sonnabend. Uebernachten bei Sommer. Sabeburg.— Abt. Sfibosi: Ireitag. 23. August, 20 Uhr. Briher Sir. 27:..Unsne Dbgel".— Abt. Tregtow: greitag. 23. August. 20 Uhr, Elsen sie. 3: Mnsii. geschichtliches.— Abt. Bebding: Freitag, 23. August, 20 Uhr, Seestr. 4�: Uieber. ist« Iugeni chait: Mn-ioa, 20. August, "usmachung des Lichtbildes' ikriegskur....... 20 llbr. chroh« frankfurter Str. 10, Saal:„Sie Arth: Montag, 20. August, 20 Uhr, abend. Instrumente mitbringen.— Ingendgrnp»«: Sonnabend, 24. August. Iugendgrugpen»ur Antitriegskundgebung am lledersee.— Pd-iogemein. .. c-.-- � llbr.»"------'——--— E haustee str.' 40: Liederabend.— Mallunftgeweinschost? Montag" 36. August. 20 Uhr:„Saltisches Erfassen der Umwelt".— Iagendgrappe Osten: Montag, 20. August. 20 Uhr. Scharnweberftr. N: Heiterer Abend. «portdcMrk vstring. ssreita«. 23. August. 30 Uhr, Abteilung»«ersamm- lung bei Wegner, slrankfurter Allee 230. Die noch wenigen Trainingslage. Dienstags und Sonnerstog». im Lichtenberger Stadion müssen von aste» Mitgliedern besucht»erben, da wir»um dundesoffenen övortfrst der ITEB. am Sl. August und 1. September hundertpro»ent!g«nlreten. Freier BaAspielseneiu weiheasee. streit«,». 23. August, MitgNederversamm- lung bei Wing«, Lothringer Str. 32. 20ZZ Uhr Alle stutbaster sowie Inter- essenten unserer Bewegung stnd freundlichst eingeladen. startest für Arbeitersport nn»»Srprrpsleg« Lichtenberg. Wir ersuchen die »ortelloerein«.»um Sammeltag de, Arbeiter�Zamaritrr-Bundes Helfer und Srlferinnen iiir den 20. August und 1. September an Emil Deckert. O. ll!. stestestr. 10,»u melden. wald August, Eber». _________________________ stroitag, 33. August. 20 Uhr,...Zur Eiche", Vcrlin.ReukMn. Saale. Ecke staiser�Zriedrich�Ztraste. Käste willkommen. Mitglieder w-rdrn ausgenommen. Anschrift: Georg Dcwald, Berk« SO. SO. Zticfholistr.«0. (ßefchäfts iftnjuigur föeziwfc Jlowden-Cfien. MSB fswinemflnderl �eselisdialfshan� Inhaber: A. KALUES Säle frei! Wcddingplatz, Miillerstraße 174 Prenzlauer Allee 204 J. Andermann Ges. m. b. H. 0 34. Memeler StraSe SO. fernspr. 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