Morgenausgabe Tit. 393 A 198 46. Jahrgang W ich n> sich 85 51, mmawch 5.6# J*. im Dorau» zahlbar. Postbezug CM M. einschließlich 80 Psg.Postzeitu«fl». mch ]2 Psg Poftdeftellgedühreit- Xueianb» »bonnemeiu 6.— M. pro Monat, f er„Bormirt»* erscheint machen!»,. sich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Sb«ndav»gabe» für Berlin und im chandei mit dem Titel.Der vbend». Illustrierte Beilagen.Boss uno Zeit' und.Kindersreund'. gerner .Unterhaltung und Wissen'..Frauen» stimme»..Technik»..Blich in di, BucherweU' und»Jugend-Lorwärt»' Berliner VoltSblaii Zreitag 23. August 1929 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Vw 5tonpair(SeufU SO Pfennig. ReName�eile 5.— Reich«» mart„Kleine Antigen' da» fettg» v ruckt» Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), fede« wettere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» da» erst« Wort 15 Pfennig« jedes weitere Wort Ii) Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pfennig. Fawilienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. 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Gegen 7 Uhr fuhren Hilferding und Curtius wieder zu einer Sitzung der Finanzminister oller Gioublaermächte außer Englands, die gegen 8J? Uhr beendet war. Alle Beteiligten verweigern ober jede Auskunft und teilten nur mit, daß man über das Verhältnis des geschützten zum ungeschützten Teil sowie über die Sachlieferungen gesprochen hätte. und daß die Beratungen darüber am Foestag vormittag westergehen werden. Alle folgenden.Einzelheiten können daher nur unter Bor- behalt wiedergegeben werden. Es handelt sich anscheinend darum, den ungeschützten Teil der deutschen Aunuilölen zu erhöhen. und zwar in folgender Form: Nach dem Doung-Plan sollte der ungeschützte Test 660 Millionen Mark betrogen, wovon bercsts fest nerieilt waren 500 Millionen an Frankoeich, 42 Millionen für Italien, ZO Willionen für Belgien und die übrigen kleinen Gläubiger und 88 Millionen für den Ains- und Tilgungsdienst der Daw«s>Anleche. Nun soll diese letzt« Summe von 88 Millionen herausgenommen und zu dem geschützten Teil zugeschlagen werden— natürlich ohne daß sich> die gesamten Jahresleistungen D e ü t fch lg n d s in irgendeiner Welse oder zu einem Zeitpunkt erhöhen.- Die Summe von 88 Millionen verringert sich übrigens von Jahr zu Jahr durch die Tilgung der Dawes- Anleihe und sie sinkt nach 20 Jahren, schließlich aus 64 Millionen Mark. Nach dem Ablauf von 20 Jahren ist die Dawes-Anleih« ge- tilgt, so daß diese Summe vollkommen verschwindet. Es fragt sich nun. welche Kompensationen man Deutschland für ein. etwaiges Entgegenkommen gewähren würde. Kompensationen sowohl finanzieller wie politischer Natur. Ob und inwieweit ein solches Opfer wirklich praktische Bedeutung besitzen würde, das müssen die Finanzleute entscheiden. Einstweilen ist sicher, daß es«ine innerpolitische Bedeutung haben würde, weil alle Gegner des Doung- Planes und der Reichsregierung Lärm schlagen werden. Zunächst wird allerdings noch darüber verhandelt Man hat bisher mit den Engländern über diesen Punkt noch nicht gesprochen und will es erst tun, wenn die grundsätzliche Einigung in dieser Frage perfekt ist, also vermullich am Freitag mittag. Die Engländer würden damit den Teil ihrer Forderungen befriedigt sehen, der sich auf einen genügenden Anteil an den ungeschützten deutschen Zahlungen bezieht. Aber selbst wenn dies« eine britische Forderung befriedigt wäre, so ist doch keineswegs gesagt, daß das andere britische Verlangen erfüllt sein würde, das für sie mindestens ebenso wichtig ist, nämlich die Erhöhung der gesamten an Großbritannien sollenden Reparationssumme um 48 Millionen Mart jährlich. Front- reich ist angeblich zu einem solchen Opfer bereit, aber Italien er- klärt noch wie vor. daß es keinerlei Konzessionen machen werde. Wenn sich Italien nicht eines anderen besinnt, würde also auch die in Slussicht genommene deutsch« Konzession hinsichllich des un- geschützten Teiles die Konferenz nicht zu retten vermögen. Das Kompromiß, das m den gestrigen Verhandlungen angebahnt worden ist. beruht auf der Teilung der deutschen Reparationsleistungen in den„geschützten" und den ,mnge- schützten" Teil.„U n g e.s ch ü tz t" ist der Test der Repa- rationssummen, für den kein Transferschutz gilt: das ist die Summe von 660 Millionen Mark, die aus den Ueberschüssen der Reichsbahn fließen und für die Deutschland kein Mora- torium soll beantragen dürfen. Nur die Jahresleistung, die über diese Summe h i n a u s g e h t. soll„geschützt" sein: für sie kann Deutschland im Notfall ein Transfer- und ein Auf- bringungsmoratorium beantragen. Die Engländer haben sich nun dadurch besonders de- schwert gefühlt, daß ihnen von den 660 Millionen Mark, die Deutschland unter allen Umständen zu bezahlen hat. von den Sachverständigen kein Anteil bewilligt worden tst, sondern sie sich mit einem Anteil an den geschützten Reparationen, deren Zahlung Deutschland aufschieben und einstellen kann, begnügen sollen. Der zurzeit zwischen Deutschland und vier seiner Gläubiger erörterte Kompromißvorschlag sieht nun vor. daß E n g l a n d einen Anteil von den ungeschützten Repa- rationen erhält. Da die anderen Mächte aber von ihrem Anteil nichts aufgeben wollen, wird zurzeit das Kompromiß auf dem Wege gesucht, daß die Verzinsung und Tilgung der Dawes-Anleihe von 1924 dem geschützten Teil der Repara- tionen statt dem ungeschützten entnommen werden soll. Reue phafc. V.Sch. Haag, 22. August.(Eigenbericht.) Am späten Abend wird behauptet, daß die ob«ll angegeben« Kombination infoCge des Widerstandes von Curtius und Hilfer- ding aufgegeben wurde und daß hier eine neue Möglichkeit erörtert wird, die ungeschützte Summe von 660 Millionen würde den Zinsen- und TUgungsdienst der Dawes-Anleihe auf eine Durchschnittssumme von 56 Millionen fixieren, die man auf die vollen 58 Jahre berechnen würde, die der Voung-Plan dauern soll. Die Neuerung würde lediglich darin bestehen, daß während nach dem Ioung-Plan die ungeschützten Zahlungen mit 37 Jahren aushören und in den letzten 2l Jahren von 1966— 1988 nur noch geschützt« Reparationen zu zahlen waren, die lediglich dem Betrag der interalliierten Schulden an Amerika entsprechen, man ein« Ark ungeschüßteo Teil in höhe von 56 Millionen Mark bis zum Zohre lSSS neu schassen würde. Allerdings wird gegen diesen neuen Plan eingewendet,: daß die Engländer einen ähnlichen Vorschlag bereits abgelehnt haben und daß überdies dieses System eine Aenderung der Be- dingungen darstellen würde, unter denen die Dawes-Anleihe im Jahre 1924 emittiert wurde, also eine Zustimmung Amerikas dazu erforderlich wäre. Jedenfalls handelt es sich um äußerst schwierige Pro- b l e m e, die zwar in kürzester Zeit gelöst werden müssen, die aber eingehender Verhandlungen nicht nur mit den Gläubigermächten. sondern auch innerhalb der deutschen Delegation bedürfen. Trotzdem laßt sich bereits seit heut« nachmsttog unter den hiesigen Vertretern der deutschen Rechtspresse beobachten, wie ein p l a n m ö ß i- ger A ng r i f f a uf b e st i m m t e Mitglieder der deut- schen Delegation eingesetzt hat. So wurde van dieser Seite das Gerücht lanciert', Hilferding habe den Gläubigern eine Er- höhung der ungeschützten deutschen Zahlungen um 100 Millionen Mark angeboten.(!) Dabei weiß jeder, daß alle deutschen Mimster sich gegen neue Zugeständnisse mit der denkbar größten Entschiedenheit gewehrt haben und daß sie jetzt, wenn sie durch die Gegenseite auf diesen Weg gedrängt werden, es sich für sie nur darum handeln kann, in überaus heiklen, verantwortungsvollen und zähen Verhandlungen das meiste für Deutschland herauszuholen und noch Schlimmeres für Deutschland zu verhüten. Sonnabend Konferenzschluß. Snowden und Ärland kündigen Abreise an. Paris, 22. August. Der haager Korrespondent der Ageulur„havas" berichtet: Das hauplereignis, das sich aus den Vorgängen des Heuligen Tages er- gibt, ist die Tatsache, daß eine Entscheidung unwiderruflich am Sonnabeud fallen wird. Die Führer der Delegationen der einladenden Mächte haben sich heute darüber geeinigt, daß sie ihren Aufenthalt im Haag nicht über diesen Zeitpunkt hinaus aus» dehnen wollen. Sie haben die beiden einzigen Eventualitäten ins Auge gefaßt, denen sie jetzt noch gegenübertreten wollen und von denen übrigens die eine ebenso wahrscheinlich ist wie die andere: Entweder lehnt Snowden die letzten Vorschläge seiner Kollegen ab. in diesem Falle hätte die Konferenz nur noch den M I ß e r- folg ihrer Arbelle« In einer letzten össentlichen Sitzung f e st z u. stellen, oder der Poung-Plan wird schließlich vom englischen Schahkanzlcr angenommen. Dann wären nur noch aus Grund des Plan, die K o m l l e e» zur Regelung seiner Anwendungsm»- dalitäten einzusehen, denen es überlassen wäre, die Stadt In der sie arbeiten wollen, selbst zu bestimmen. Snowden und henderson haben bereits offiziell bekanntgegeben, daß sie den Haag am nächsten Sonnlag verlassen werden, um nach London zurückzukehren. Briand beabsichtigt gleichfalls an diesem Tage nach Paris abzu. reifen, wo am Montag ein Ministerrat stattsinden wird, in dem er der Regierung über die Haager Verhandlungen Bericht erstatten wird. Rreitscheid und Schacht im Haag. Haag, 22. August. Reichstagsabgeordneter Dr. B r e i t s ch e i d trifft heute abend im Haag ein: morgen vormittag wird auch Reichsbankpräsident Dr. Schacht hier erwartet. Heute ab«nd fand ein Diner bei der englischen Delegation statt, an dem die Führer der deutschen Delegation teilnahm««. Zeppelin am Start verhindert. Tokio, 22. August.(Associated Preß.) Der zuletzt für 5 Uhr 40 Min. angesetzte Gtart des „Graf Zeppelin" ist nunmehr auf unbestimmte Zeit der» schoben worden, da sich infolge der fortdauernden n n» günstigen Windverhaltnisse das Herausbringen des Luftschiffes aus der Halle sehr schwierig gestalte« würde. Was hinter der Heimwehr steckt. Bayerisch-österreichischer Faschismus. Von Major a. v. Karl Mayr. Die Vorgänge von St. Lorenzen am letzten Sonntag, die sich mit offensichtlicher Duldung der Vureaukratie ab- gespielt haben, und die von einzelnen provokatorischen Ge- waltakten anderwärts begleitet waren, bekommen gerade vom außenpolitischen und großdeutschen Standpunkt aus ein noch ernsteres Gesicht, wenn man die persönlichen uni? organisatorischen Zusammenhänge beachtet. Die Heimwehr-Organisation ist numerisch schwächer als der Republikanische Schutzbund. Die am besten durchgebildete und stärkste Teilorganisation ist di: st e i e r m ä r k i s ch e, die wiederum im engeren Zusammen- halt mit den Heimatschützlern in Kärnten steht. Die steirische Heimwehr besteht zu einem guten Drittel aus gepreßten oder gekauften Berg- und Metallarbeitern, die nach solcher Ver- leugnung ihrer Klassenzugehörigkeit den Weg in das sozial- demokratisch-freigewerkschaftliche Lager kaum mehr finden können, weil sie für ihr ganzes Leben das Brandmal des Verräters tragen. In diesem„Arbeiterteil" sind in Obersteiermark noch eingefügt sämtliche Beamte und Ingenieure der Berg- und Hüttenwerke und einige hundert Studenten der Bergakademie Leoben, die ein- fach nichts„werden" können, wenn sie nicht bei den Fa- schiften organisiert sind: dazu treten politisch unaufgeklärte bäuerliche Volksteile. In Steiermark und Kärnten macht sich noch«in Großgrundbesitz breit, unter dessen Schutz und Schirm zahlreiche ehemalige Berufsoffiziere als Führer und Unterführer der Heimweh? eingeteilt sind. In Kärnten hat sich eine Zeitlang der Gehilfe Luden- dorffs beim Hitler-Putfch 1923, der bayerische Oberst- leutnant a. D. Kriebel betätigt. Seitdem er eine lohnen- dere. Landsknechtbeschäftigung gefunden hat, nämlich als „Stabschef" in chinesischen Diensten, als Nachfolger des jahrelang mit Moskau in engster Verbindung gestandenen und vor kurzem verstorbenen Oberst a. D. Bauer, ist Haupt- drahtzieher der steiermärkifchen und kärntischen Heimwehr der bayerische Hauptmann a.D. Freiherr v. P r a n t h. Prankh diente früher im Infanterie-Leibregi- ment und ist der besondere Vertrauensmann des Haken- kreuzgenerals v. E p p. Der ist übrigens auf dem Nürn- berger Hitler-Kongreß dauernd in der ihm bei seinem Ab- schied„verliehenen" Reichswehruniform herumge- laufen. Wie sich bei dem faschistischen Aufmarsch im Oktober 1928 zu Wiener-Neustadt deutlich gezeigt hat, ist die steier- märkische Organisation die militärisch best gedrillte. Die Abteilungen sind dort in beinahe vorkriegsmößiger Vollen- dung zum Kadavergehorsam gedrillt. Der Baron Prankh unterhält ständige Verbindung mit Bayern und München und insbesondere mit v. E p p und durch ihn zum Münchener Hakenkreuzlager. Prankh sitzt auf einer steirischen Besitzung der bayerischen Prinzessin- Witwe Arnulf, deren Verwaltung(große Waldungen mit Schloßgut) ihm anvertraut ist. Da ihr einziger Sohn im Krieg gefallen ist, hat Prankh auch Ausficht auf die Erb- fchaft. Prankh steht in engster Verbindung mit der Fa- milie Wittelsbach und besonders mit dem Kabinetts- sekretariat Rupprechts, sowie zu dem„Protektor" des „Heimat- und K ö n i g s b u n d e s", dem Wittelsbacher Adalbert. Der Grundzug der Wittelsbacher Außenpolitik bleibt aber, wie die Enthüllungen des Fuchs-Machhaus-Pro- zesses 1923 deutlich gezeigt haben, die Herbeiführung eines Zustandes, wie er bis 1866 im„Deutschen Bund" verkörpert war, mit der Abänderung höchstens, daß Bayern als Mittel- punkt eines Donaubundes erhöhtes Gewicht bekommt. Ueber das Projekt der Donaukonföderation ist in den ver- gangenen zehn Jahren, feit dem Herbst 1918. wo der da- malige Führer des bayerischen Zentrums die Eventual- parole ausgegeben hat, nötigenfalls müßten die bayerischen Ratten„das sinkende deutsche Schiff" verlassen, oft genug gesprochen worden. Natürlich haben die Wittelsbacher und die Interesienten einer Donaukonföderation mit hohen Tönen ihre deutsche Treu« betont, wenn es zu blamabler öffentlicher Erörterung kam: deswegen bleibt das groß-bayerische Projekt im Rahmen einer losen deutschen Gemeinschaft dennoch der eigentliche Leitfaden dieser dynastisch bestimmten Politik. Da seit 192? die Franzosen endlich das gute Ein- sehen gehabt haben, nach rücksichtsloser Opferung ihres da- maligen Präsidenten Millerand, ihre jahrhunderlange Unter- stützung separationslüsterner süddeutscher Hauspolitik aufzu- geben, ist als Rückhalt und Hauptnutznießer einer auf inner- deutsche Zersetzung und Schwäche aufgebauten europäischen Neugliederung das Land des sacro egoismo aufgetaucht. Gegenüber diesen Zusammenhängen treten die Figuren des Dr.' S t e i d l e- Innsbruck und des Dr. P f r i e m e r- Graz an Bedeutung weit zurück. Der Major a. D. P a b st hat sich als echter Landsknecht ganz auf süddeutsche Mentalität eingestellt: um so enger und vertrauensvoller kann fein Zusammenspiel mit den bayerischen Drahtziehern kitt. Das wurde im Mai 1928 eindeutig bewiesen, als von Bayern aus(besonders unter Mitwirkung des Polizei» obersten v. S e i ß e r- München) eine stärkere Bereithaltung von Teilen der bayerischen Schutzpolizei an der österreichi- schen Grenze erfolgte, damals als die Heimwehren zu Wiener» Neustadt aufzutrumpfen versuchten. Wenn in der letzten Zeit das führende Organ der Bayerischen Volkspartei, der ,.Bayerische Kurier", wieder einmal kräftige Worte gegen die Hakenkreuzlerei gefunden hat, so hat er doch charakteristischerweise ernstlich vermieden, auf diese per- sanellen Zusammenhänge einzugehen. Er hätte dabei auch vermerken müssen, daß noch jedesmal, wenn der selbst der Bayerischen Volkspartei angehörende deutsche G e» sandte Graf Lerchenfeld in den letzten Iahren in Innsbruck erschienen ist, der Major a. D. P a b st es ver- standen hat, sich an ihn zum Gesprächsaustausch heranzu- machen.(!) Es ist unbestreitbar, daß Pabst noch 1928 zu- sammen mit dem Heimwehrführer Dr. Steidle(im Kriege Etappenapotheker in Hall bei Innsbruck!) beim deut- schen Gesandten zu Wien vorgelassen worden ist.(!) Es wird sich damals wohl darum gehandelt haben, daß sich die Heimwehrleitung wegen ihrer falschen Nachrichten, in die auch der Name des Gesandten hineingezerrt war, entschuldigte. Aber dem Gesandten der deutschen Republik wäre wohl dringend zu empfehlen, solche Individuen zu meiden. So ist dem„Bayerischen Kurier" und der bayerischen Regierung unter nochmaligem Hinweis auf die bestehenden Zusammen» hänge deutlich zu sagen, daß es mit kräftigen Worten dann nicht getan ist, wenn das Haus schon beinahe zu brennen an- fängt. Diese Methode macht ganz verflucht den Eindruck, daß man sich vorsorglich rechtzeitig ein moralisches Alibi zu verschaffen trachtet. Es ist kein Zweifel, daß um die Lorbereitung des ganzen * Heimwehrterrors die Hatenkreuzlerzentral« in München ge- wüßt hat. Bei der Nürnberger Hakenkreuzlertagung ist in aufdringlichster Weife zwischen Hitler und Epp auch ein be- > sonders legitimierter Vertreter des römischen Faschismus aufgetreten. Die bayerische Regierung und ihre Polizei " hätten wohl so viel politischen Takt aufbringen können und , müssen, diesem politischen Geschäftsreisenden das Auftreten zu verhindern. Die faschistische Regierung hat sich nie ge- niert, mißliebige deutsche Journalisten über die Grenze abzu- > schieben! All diesen möglichen Entwicklungen gegenüber darf man allerdings mit gutem Recht kaltes Blut bewahren. Die deutschösterreichische Arbeiterschaft, die in vorderer Front den demokratischen Gedanken und die großdeutsche Idee ver- techigt, Ist aus einem ganz anderen Holz geschnitzt als das italienische Proletariat und die italienischen Demokraten, die 1920 im panischen Schreck widerstandslos auseinanderliefen, als die Maschinengewehr« faschistischer Horden in unbe- waffnete antifaschistische Demonstranten hineinfegten. In Italien ist auch 1920/21 die Haltung der Armee von An- fang an eine feig abwartende gewesen. In Deutschösterreich ist aber ein gründlicher Umsturz, solange der R e p u b l i k a» nisch« Schutzbund in so vorbildlicher Weise kaltes Blut bewahrt, kaum denkbar, wenn das Bundesheer in seiner Gesamtheit nicht„mittut". Trotz aller Eeßler-Politik des Ministers V a u g o i n ist auch heute noch und wohl auf Jahre hinaus mindestens eine gewichtige Minderheit im Heer im'gegebenen Falle entschlossen und bereit, zusammen Mit der demokratischen Arbeiterschaft die Verfassung nötigenfalls mit der Waffe zu verteidigen, auch dann, wenn ein Großteil der aus Bauernrekruten systematisch aufgefrischten Truppe es zu den„Hahnen» schwänzlern" halten sollte. Diese Minderheit dürste um so gewichtiger sein, als besonders die mehr Intelligenz im Mannschaftsstande voraussetzenden technischen Truppen größtenteils bei dieser starken Minderheit stehen. Diese Min- derhxit ist stärker, als die oerfälschten Vertrauens- männerwählen zu zeigen scheinen. Dieses Rechen- cxempel könnten sich auch die reaktionären Drahtzieher inner- halb und außerhalb Deutschösterreichs vor Augen halten— dann mürbe das blutige Herumexperimentieren rasch genug aufgesteckt werden; es wird dadurch gefährlich, daß an der Grenze fremde faschistische Helfershelfer lauern! Ministerrai in Wien. .Nein Grvnd zu Besorgnissen.� Me«, 22. August.(Eigenbericht.) Der Ministerrat, der sich mit den Vorfällen in St. Loren- z-n und Erlaa beschäfti'gte, hat nach amtlicher Mitteilung zu«in- stimmigen Beschlüssen liber Maßnahmen geführt,„die geeignet sind, neue Störungen der öffentlichen Ordnung in zuverlässiger Weis« zu verhindern". Dabei sei die einmütige Auffassung zum Aus- druck gekommen, daß zu irgendwelchen Besorgnissen wegen weite- r e r Ruhestörungen kein Anlaß vorliege und die verschiedenem alarmierenden Gerüchte jeder Begründung entbehren. Die bürgerlichen Abendblätter deuten an, daß die Regienacg vor allem eine Verstärkung der Gendarmerie plane. -» Die Polizei verhastete zwölf Wiener, in deren Besitz Waffen gefunden wunden; zehn sind wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Republikanische Schutzbund teilt dazu mit, daß co sich um zwölf Schutzbündler gehandelt habe, die den Auf- trag hotten, Kinderfreunde-Baracken in ländlicher Ein- samkcit vor II eberfällen der Heiniwchr zu schützen. Die für den kommenden Sonntag von der Heimwchr geplanten Demonstrationen in Niederösterreich sind mit Rücksicht auf die Opfer des vergangenen Sonntags abgesagt woiben. Lleberfall in Graz. Graz. 22. August. Räch Mitteilung der Polizeidirektion wurde heute abend ein Arbeiter der Waitzer Waggonfqbrik, Mitglied des Heimat» lchuffes beim Verlassen der Fabrik von einem anderen Arbeiter der Fabrik überfallen und zu Boden geschlagen. Es sammelten sich sofort etwa 200 Personen an, die die Fabrik, i» die sich der Ver- letzte geflüchtet hatte, belagerten. Die Sickierheitswache nahm den Ueberfallenen in Schutz. Die Menge wurde von der Polizei zerstreut. Die Polizeidirektion hat Vorkehrungen getrosfen, um weitere Zusammenstöße zu verhindern. Di« Nachforschungen nach dem Täter sind im Gange. 3n Jerusalem versucht« die Polizei das Leichenbegängnis eines jüdischen Opfers der jüngsten Zusammenstöße an der Klagemauer zu sprengen. Wiederum kam es zu blutigen Zwischenfällen. Es wurden 28 Personen verwundet. Der Ullstein-Korrespondent Dr. Wolfgang Weisl wurde oerhasteh Der rote Flottenbesuch. Verlegenheiten für deutsche Kommunisten. Wie schon vor einigen Tagen gemeldet wurde, lief«, am letzten Sonntag mit zehnstündiger Verspätung dierussischenKreuzer „Awrora"(Kommandeur Leer) und„Profintern"(Kommandeur Gusnzeff) in den Hafen von Swinemünde ein. Das deutsch« Linienschiff„Elsaß" und deutsche Tor- pedobootc nahmen Paradeaufstellung und grüßt«, in der vorgeschriebenen Weise den fremden Marine&ofuch. Stadt- und Kurverwaltung von Swinemünde sowie der Amtliche An» zeiger für Swinemünde und Usedom-Wollin feierten die sowjetistischen Gäste in Trinksprüchen und langen Leitartikeln. Ander« Ostseebäder, wie z. B. A h l b e ck, gaben durch Anschlag bekannt, daß für die Badegäste Gelegenheit gegeben fei, die russischen Schlachtschiff« zu besichtigen. Rur aus diesem Grunde wurden besondere Segel- und Motorboots ahrten nach Swmemünd« veranstaltet. Ueberall, so können wir es in der bürgerlichen Press« der pommerschen Ostseebäder lesen, hat der russische Flottenbesuch nicht nur Beachtung und größtes Interesie ausgelöst, sondern darüber hinaus wird„größte Ordnung und Disziplin" gewahrt. So stellt« die„Swinemündcr Zeitung" mit Genugtuung fest: „Keine Kundgebungen oder Versammlungen oder sonst etwas, was irgendwie den Verkehr stören oder unliebsames Aufsehen erregen könnte. Eine arge Enttäuschung erleben die Swinemündcr K o m n, u n i st e n(von auswärts sind kein« gekommen!), die von dem Russenbesuch eine Propaganda für chr« Sache oder gar ein« Kundgebung in diesem Sinne erhofft hatten." Und an einer anderen Stelle läßt sich dos gleich« Blatt wie folgt aus: „Von einem angekündigten tommuiiistischen„Massenaufgebot" war aber nichts zu merken. Zu irgendwelchen Kund- gedungen ist es nicht gekommen. Rur ein mit einigen Männern, Frauen und Kindern(!) besetztes winziges Motorboot ,mt roter Fahne zog beim Einlaufen der Sowjetschisfe auf der Swine sein« einsame Bahn. Es wurde kaum beachtet, am oller- wenigsten von den Russen." In den Berichten über die zu Ehren der russischen Gäste ver- anstalteten Feiern und offiziellen Empfänge wird besonders die große Herzlichkeit und Freundschaft erwähnt, die in den gewechselten Trinksprüchen zum Ausdruck kam. Als Sozialdemokraten nehmen wir sonst nicht viel Notiz, wenn Mlitärdelegationen anderer Mächte oder ausländische Kriegsschiffe bei deuffchcn behördlichen.Stellen einen sogenannten internationalen Höflichkeitsbesuch abstatten. Das ist im Leben großer Völker und Nationen ein jahrhundertealter Brauch uivd wird auch in Zukunft aus dem internationalen Völkerleben nicht verschwinden. Aber der Besuch der russischen Kriegsschiff« in einem Hafen der deutschen Republik und noch dazu der erste russische Alarinebesuch nach dem Weltkriege ruft doch«in größeres Interesie hervor. Uns interessiert vor allen Dingen der Inhalt der A n s p r a ch« n, die sowohl von deutscher als auch von rusiischer Seit« gehalten worden sind, und darüber hinaus das bisherig« Verhalten der Kommunistischen Partei Deutsch- lands zur deutschen Republik und ihrer Außenpolitik wie aber auch zur deutsch«, W-hnnacht. Da ist zuerst die Red«, die der Qberbesehlshaber der deutschen OstseestreibDräft«, Mmtiral Gladltfch, auf die russischen Gäste gehalten Hot! Was werden unsere Kommunisten dazu sagen, wenn sich der deutsch« Admiral u. a. wie folgt ver- nehmen läßt: „Dieser Kriegsschifsbesuch, der«inen sichtbaren Ausdruck freundschaftlicher Beziehungen darstellt, ist eine Fortsetzung der zwischen der deutschen Seefahrt und der Sowjet» seefahrt bereits bestehenden engen Verknüpfungen." Und an einer anderen Stelle:„Wir nehm«, lebhaften Anteil an der vorwSrtsstrebcndcn Aufbauarbeit der Sowjetflotte." Der kommunistische Admiral Kall daKtt« dem deut« schen und schloß mit einem hoch auf Deutschland! Auf dasselbe Deutschland, das die deutschen Gesinnungskameraden Rolls tagtäglich auf das unflätigst« beschimpf«,! Bei einem Begrüßungsabeird im Kurhaus hiekt der Swine- münder Bürgermeister Dr. Leschke ein« Rede, die in chrnn Wortlaut wiedergegeben sei: ,Im Namen der Stadt Swinemünde heiß« ich die Besatzung der Sowjetischen Kreuzer herzlich willkommen. Wir haben Sie eingeladen, ein«, Sommerobenb in unserem Kurhausgarten mit uns zu verleben, in der Art, wie unsere Bade- gaste bei Musik und Tanz zu feiern pflegen. Ein Volk, das wie Deutschland schwer« jkriegstribute zahlt und fremde Besotzungstruopen im Lande hat. kann kein reiches Fest bieten. Dafür sollen Sie diesen schlichten Wend in der Mitte der Vürgerschaft verbringen, im kreise der Männer, die nach deutschem Recht durch freie Wahl der Bürger zur demokrakscheu Selbsloerwaltuug der städtischen Angelegenheiten berufe» sind. Früher haben wir viele Badegäste aus unserem östlichen Nach- varstaote bei uns gesehen, groß« Schiffe Hab«, uns Waren ge- bracht und Waren geholt. Wir wünschen un» ein« neue Eni- wicklung dieser Verlündung, ein neues Aufleben des Verkehrs und des Warenaustausches. Denn wir wissen, daß nur durch friedliche Arbeil jede» Volke« und frenndschoslliche Zusammenarbeit der Völker der Wohlstand und die Versorgung gedeihen kann, auf die nach der Verfassnag der deutschen Republik jeder arbeitende Staatsbürger ein An- recht hat. Di« harmlose Unterhaltung dieses Abends, so hoffen wir, wird unser gegenseitiges Verstehen fördern. Und wir wünschen, daß Sie angenehm« Tag« auf unseren landschaftlich schönen Inseln Usedom-Wollin verleben. Und daß Sie schöne Er- innerungen mit nach Hause nehmen an ein arbeitsames und friedliebendes, ausrechtes und gerades Volk, das Ihnen als Roch- barn am freien Meer zu gemeinsamer Arbeit die Hand bieten will. Diesem Wunsche wollen wir Deutsch« Ausdruck geben, indem wir ein dreifaches Hoch auf unsere sowjetffchen Gäste in Swinemünd« ausbringen." Bemerkenswert ist, daß diese Rede wiederholt von l�hastem Beifall unterbrochen wurde. Offenbar haben die Sätze, wo von der demokratischen Selbstverwaltung und der Verfassung der deut- schen Republik die Red« war, den Russen besonders gut ge- fallen! Abermals nahm der russisch« Admiral Rall dos Wort und dankte für die freundliche Aufnahme. Aber der ruffisch« Offizier sprach den deutschen Vehörden nicht nur den Dank aus, sondern in derselben Rede gab er seinem Wunsch dahin Ausdruck, daß recht bald deutsche Kriegsschiffe Rußland einen Besuch abstatten möchten. Und er knüpfte daran die Erwartung, daß dl« deuffcho Marine dieser Einladung bald Folg« lefften möge. Was werden jetzt d!« deutsch«, Kommunisten sagen? Bisher haben sie in Wort und Schrift behauptet, daß die Reichswehr und Marine im Verband« der westeuropäischen, imperialistischen Mächte zum Kampf gegen Sowjetrußland gedrillt werde. Wollen sie jetzt, nach den Aeußerungen ihres russischen Genossen Rall, bei dieser blöden De Häuptling bleiben? Oder wallen sie im kommenden Frühjahr den Wehretat b« welligen?.Wenn die deutsibe Mann« der russischen Einladung Folge leisten soll� rft doch Voraus- setzung, daß die dazu benötigten Mittel bewilligt werden. Dos werden doch schließlich, wenn es ihnen auch schwer fällt, selbst die deuffchcn Kommunisten begreisen müssen. Wir werden nicht verabsäumen, die Kommunisten an Herrn Rall und seinen Besuch noch öfter zu erinnern. Xne läppischen Ausreden der Komnm nistenpresse, die Sowjefflott« sei die„Flotte des siegreichen Proletariat»"(Flosipro) und biete den„Imperialisten" die Stirn, werden ja doch von niemand ernst genommen. Franz Künstler, j Li Das Adelsbegehren. Hugenbergs Augenpulver. Die schönsten patriotischen Spruche und die längste Namenliste wirklicher und angeblicher Unterzeichner können das Adelsbegehren des Herrn Hugenbsrg nicht volts- tumlich machen. Zudem stellt sich immer mehr heraus, daß ein Teil der bisher veröffentlichten Unterschriften widerrechtlich genannt worden ist. In der Zeitung des Iunadeutschen Or- dens wird jetzt sogar von dem„Krach im Reichsaus- s ch u ß" gesprochen und die ganze Unterschriftensammlung kritisch unter die Lupe genommen. Da heißt es: Wer die politische Kampftaktik des Hugenberg-Kreises kannte, der sah sich als erstes die Unterschriften und die Namen der aufgeführten Verbände an, die diese„Große Rechte" bilden sollten. Und da stellte sich dann folgendes heraus: Die Verbände und die Elnzelpersönilchkeiten. die unterschrieben hatten, waren, von Ausnahmen abgesehen, genau dieselben, die auch schon früher Immer alles unter einen Hut bringen wollten— unter einen Hut, von dem auch früher schon niemand außer den Drahtziehern wußte, wem er gehörte____ Im Land« weiß jeder, daß der Stahlhelm zum größten Teil aus Deutschnationalen besteht, und daß diejenigen Stahlhelmer, die nicht Mitglieder oder Wähler der Deutschnationalcn Volkspartei sind, als solche entweder bei den National- s o z i a l i st e n oder bei den christlich-nationalen Bauern usw. stehen, vielleicht abgesehen von einem kleinen Teil, der bisher der Deutschen Voltspartei nahestand. Im Lande weiß jeder, daß die Mitglieder des Landbundes größtenteils sowohl beim Stahlhelm sind wie bei der D eu ts ch na t l o na l« n Dollspartei. So waren also im großen immer dieselben Leute, die dreimal organisiert, einmal als Deuffchnalioualc, einmal als Stahlhelm«:, einmal als Londbund- Mitglied«', jeweils mit einem anderen Abzeichen versehen, auf- traten.... Und nun erst die VVVD. Ihr gehören l i st« n m ä ß i g eine Anzahl von Verbänden an. Diese Verbände, von denen die allermeisten gar keine Bedeutung haben, sind einmal dem Reichsausschuß als VVVD. beigetreten, und zum zweitenmal sind dieselben Leute als Angehörige ihres engeren und kleineren Vereins mit den Unterschriften ihres Vereins im Reichsausschuß noch einmal vertreten, und zum dritten gehört wiederum die Mehr- zahl dieser selben Leute sowieso schon entweder der Deutschnatio- nalen Volkspartei oder dem Stahlhelm oder dem Landbund an. Dl« vielen schöne« llnkerscheifie» i« der Liste de» Reichsansschusie, sind also nur ein Augenpulver, da» dem staunenden Volke in die Augen gestreut wird. Man muß anerkennen, daß„Der Iungdeutsche" die Dinge richtig gesehen und plastisch dargestellt hat. Die künstliche Ver- nebelung, das„Augenpulver" Hugenbergs, soll dem Volke einen nationalen Löwen vortäuschen. Aber schließlich merkt auch der Blinde, daß nur ein bedeutungsloser Schreiner Schnock unter dem„großen Hut" des vermeintlichen Löwen steckte. Schnock an Stresemann. Der durch den„Iungdeuffchen" so trefflich analysiert«„Reichs- ausfchuß" hat sich erlaubt, an den Außenminister Stresemann e:n Telegramm zu schicken, in dem er die bisherige Außenpolitik in Grund und Boden verdammt und großspurig hinzufügt: „Deutschland kann für die Zukunft durch die Ergebnisse einer solchen Politik nicht gebunden werden, zumal die Welt weiß, daß das wirkliche und gesunde deutsch« Volk nicht hinter ihr steht." Herr Schnock, der Schreiner, glaubt, durch sein telegraphisches Gebrüll irgendeinen Einfluß im Haag ausüben zu können. Aber da befindet er sich wieder auf einem falschen Pfade. Mussolini schleichi zum Kardinal. Erste Konkofdatffverhandlungen schon 1923. Rom. 22. August. In einem offenen Brief an den Direktor des„Popolo dl Roma" bestätigt Senator S o n t u c c i> Florenz die Tatsache einer Zu» sommenkunst Mussolinis mit dem Kardinal-Staatssetretär G a s p a r r i im Jahre 1S23 zur Vorbesprechung des Frieden» zwischen Staat und Kirche. Die Begegnung der beiden Staats- männer habe In der Wohnung des Senators ln der Dia del Gesu im Palazzo Guglielmi beim Vatikan stattgefunden. Beide Staat»- männer seien durch verschiedene Eingänge in den Polast gelangt. Diese«sie Vorbesprechung zu den Lateran-Verträgen sei über sechs Jahre vollständig geheimgeholten worden. Nunmehr dürft« es angemessen sein, dies« Tatsache zu veröffentlichen, Freiheit in Mussolim'en. ,Signora Rosselli ist vollkommen frei. Es ist nicht der geringste Versuch gemacht worden, ihre volle Bewegungsfreiheit zu unterbindend (Italienisches Dementi über die Verhaftung der Krau des geflüchteten Sozialisten Ztoffelli.) Demokratische Republik. Ist die Tschechoslowakei noch eine? Die Porte!vertr«iung der sudeiendeutschen Sozialdemokratie hat während des großartig»erlaufenen Reichsarbeitertages in Karlsbad folgende Kundgebung befchloffen: „Die Parteivertretuno der deutschen sozialdemokratischen Ar- beiterpartei stelll mit Empörung fest, daß die politische Reaktion in der Tschechoslowakei ihren Kurs verschärft hat und daß ein schrankenloses Polizeiregim« die letzten Reste der ohnehin arg verkümmerten Freiheit der Meinungsäußerung, der Vereins- und Verfammlungs-, der Pressefreiheit,' der parlamentarischen m m u n i t ä t, kurz olle Grundlagen der politischen Freiheit völlig zu vernichten droht. Versammlungsver- böte, Konfiskationen, Zeitungsein st ellungen, Verhaftungen ohne richterlichen"Befehl häufen sich in einem bisher nicht dagewesenen Ausmaße. Es. kann unseren Standpunkt nicht im geringsten beeinträchtigen, daß sich die Verfolgungen in erster Linie gegen die kommunistische Partei richten. Die Verfolgung unserer Jugendlichen, das Ver- bot sozialdemokratischer Antikriegskundgebun- gen, die Konfiskation sozialdemokratischer Zeitungen, die unerhört« Mißhandlung eines sozialdemokratischen Arbeiters durch die Gablonzer Staatspolizei zeigt, daß dieses Terrorsystem in seiner Konsequenz die ganze Arbeiterbewegung trifft. Und in dieser Situation kehrt sich die kommunistische Partei, die sich rühmt, die stärkste Arbeiterpartei des Landes zu sein, nicht gegen die Polizei- maßnahmen der Regierung, sondern Hilst dem Bürgerblock und seiner Regierung, indem sie den Rest ihrer Kraft zur Bekamp- fung der Sozialdemokratie verwendet! So bleibt di« sozialdemokratische Partei allein in der Be- kämpfung der bürgerlichen Reaktion, die ihren politischen Bankrott durch Rochahmling faschistischer Unterdrückungsmaßnahmen zu ver- bergen sucht. Di« Partei fordert die gesanite Arbeiterklasse aus, sich an dem Kampf gegen das Polizeiregime mit zäher Eni» schlösse nheit zu beteiligen. Es gibt keine Demokratie bloß für «inen Teil der Bevölkerung: Es gibt keinen Ausnahmezustand, der sich auf die Dauer bloß gegen«inen Teil des Proletariats wendetl Aufhebung der Demokratie bedeutet die Zerstörung des Bodens, auf dem allein die Arbeiterklasse ihren politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kampf erfolgreich jühren kann. Di« Parteioertretung fordert daher die sofortige Auf- Hebung aller Ausnahmemaßnahmcn. Sie'beaustragt die parlamentarischen Klubs, aus den ehesten Zusammentritt des Parlament» hinzuwirken und auf parlamentarischem Boden all« zweckdienlichen Kampfmittel gegen dos Berfolgungs- system«inzusetzen. Sie wendet sich auch an die Parteimitglieder, an die gesamte klassenbewußte Arbeiterschaft mit der Hoffnung, der neuesten Reaktionswelle ihre um so größere Entschlossenheit zur Wiedercrhöhung der zerstörten Demokratie entgegen- zusetzen!" Die Mißhandlung, die hier erwähnt ist, betraf den Genossen Budjarek.«inen ruhigen und zu jeder Provokation unsähigen Arbeiter aus �Hennersdorf bei Hohenclbe. Auf einer Ferienreis« war er an dem kommunistischen Demonstrationstog des l. August nach Gablonz gekommen, wurde plötzlich mit anderen Passanten von knüppelschwingenden Staatspolizistcn gejagt, rief gleich anderen „Pfui!", wurde darauf festgenommen, auf der Wach« so b« st i a l i s ch geschlagen, daß die Striemen noch nach zehn Tagen zu sehen waren und obendrein noch mit Geld bestraft. Ebenso waren noch ein« ganze Anzahl Leute behandelt worden. Di« Sudetendeutschen haben solche Methoden weder in Altösterreich noch in der Tschechoslowakei vor Aufzwingung der Staatspolizei erlebt, di« Erregung ist um so größer und von Prag her hat man schließ- lich«in« Untersuchung versprochen. Durch die Einführung der Staatspolizei hat man den deutschen Städten landesfremde tschechisch« Polizisten ausgezwungen. Di« Tschechoslowakei ist nach ihrer Verfassung eine demokratische Republik; die tschechisch-deutsche Bürgerregierung zieht ollerding» vor, das Parlament möglichst wenig hineinreden zu lassen. Die Zustände legen aber die Frage an das tschechische Volk nah«. ob es mit seiner bekannten und bewährten freiheitlichen Gesinnung «in« solch« Entwicklung für vereinbar hält. Ein völkischer Schimpfbold. Drei Monate Gefängnis, die ersten fünf Monate blieben erfolglos. Vor der Großen Strafkammer w Stade wurde am Mittwoch die Berufung des Druckereibefihers. Herausgebers. Schriftleiters und verantwortlichen Redakteur» de»- als välki. fcho» Hetzblatt bekannten„Harburger Kreisblakt" Paul Baum aus Tostedt gegen ein am 26. März d. Z. vom Schöffengericht Harburg. milhclmsburg gefälltes Urteil ver» Handell. Auf Grund des Republikschutzgesetzes hatte 58. wegen eines am Ist. fstovember 1328 in feinem Blatt erschienenen Artikels eine Ge- fängnisstraf« von 3 Monaten erhalten, ferner wegen Uebertretung einer preßgesetzli6)en Bestimmung eine Geldstraf« van lst M. Der Angeklagte hatte in dem von ihm als„unparteiisch" bezeichneten „Harburger Kreisblatt" folgendes geschrieben: lOJohreRepublik. Das Staatseigentum verschoben und verscheuert! ZZermögen der Allen und Schwachen ergaunert! Treu und Glauben oerlumpt und verludert! Die deutsche Wirtschaft am Verenden! Haus und Hof, Grund und Boden sind in Verfall! Erwürgen des väterlichen Erbes durch Verschuldung! Schreckensregiment unsichtbarer Mächte, denen die Volksvertreter in Dawes-Fron und Dawes. Schmach willig Tefolgfchast leiste». Es kommt zur Sprache, daß Baum im Jahr« 1320 bereits«ine Strafe von 5 Monaten Gefängnis verbüßt hat wegen ganz unflätiger Beschimpfungen des ersten Reichspräsidenten E b« r t und de» damaligen Konzlers Bauer. Oberstaatsanwalt Fittfchen äußert sich zu dem vergehen gegen das Preßgesetz ganz kurz, die kleine formale Strafe müsse gegen das Preßgesetz ganz kurz, die kleine, formal« Straf« müsse be- stehen bleiben. Die Beschimpfungen haben eine äußerst r o h e, v« r- werfliche Form, so daß die von der Vorinstanz verhängt« Strafe von 3 Monaten Gefängnis u m sowenig« r zu hoch genannt werden kann, als ja di« frühere Straf« von 5 Monaten für das gleiche Vergehen offenbar bei dem Angeklagten ohne Wirkung geblieben ist. Das Gericht verkündete folgendes Urteil:„Die Berufung des Angeklagten wird auf sein« Kosten verworfen für beide Fäll«. In der Begründung folgt« der Vorsitzende im wesentlichen den Ge- dankengöngen des öffentlichen Anklägers. Oeutschnaiionale Heuchelei. Ver Lambach-Antrag im Ausschuß abgelehnt. In der Verhandlung des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags über di« Vorlage zur Zteform der Arbeitslosenversiche- rung bemängelte Abg. Schwarzer(Bayer. Vp.) die Regierungsvor. Inge, die noch«in ungedecktes Defizit von 47 Millionen Mark aufweise, ohne auch nur den Versuch zu machen, zu zeigen, woher das Gell» genommen werden soll«. Der Redner ist nicht für ein« Her- ausnähme und Sonderbehandlung der Saisonarbeiter, dagegen tritt er für die Staffelung der Versicherungsleistungen ein je nach der Dauer der Arbeit, die der Versicherte hinter sich hat. Frau Arendsee(Komm.) wendet sich gegen den Dersicherungs- gedanken. Di« Unternehmer als die eigenllichen Beherrscher des Ärbeitsmarktes müßten die Lasten der Tlrbeitslssenversichenwg tragen. Abg. Agena(Dnat.) ist der Meinung, daß manch« Bestimmun. aen der Regierungsvorlog« die Kreis« der Kleinbauern und der Kleingewerbetreibenden in der Landwirtschaft stark belasten. Man solle sich überlegen, ob man dies« Kreis«, die eigentlich gar nicht tn den Rahmen der Versicherung hineinpassen, nicht besser ganz aus der Versicherung herausnehme. Ein Vertreter des Reichssinanzministerium, erklärte, daß bei der gespannten Lage der Reichsfinonzen an«in« Deckung des Defizits von 47 Millionen Mark aus Reichsmitteln nicht zu denken fei. Aufhävser(Soz.) kennzeichnet« die Heuchelei der Deutsch- nationalen, die angeblich um die Balancierung der Reichsanstalt besorgt sind, aber gleichzeitig«inen Antrag auf Zulassung von Ersatzkassen einbringen, der die Versicherung schädigen mutz. Graßmann(Soz.) bemerkt gegenüber dem Abg. Agena, daß die Sozialdemokratie für die Zeiten anormaler Arbeitsmorkbo erhält- niss« nicht auf jede Reichshilf« für die Versicherung verzichten werde. In der Einzeldebatt« wird zunächst der deutschnotionale Antrag auf Zulassung von Ersatzkassen für die Angestellten von Abg. Lambach begründet. Es soll« der Eigenart der AngesteMen Rechnung getragen werden. Abg. Esser erklärt für das Zentrum, daß in der kurzen Zeit des Bestehens der Arbestslofenversicherung noch nicht genügend Erfahrungen vorliegen, um die Frage jetzt schon zu entscheiden. Die Abgg. Schneider(Dem.) und Dr. Psesscr (D. Dp.) schließen sich dieser Auffassung an. Aufhäüser(Soz.) weist »ach, daß die von der deutschnationalen Fraktion gestellten Sanlerungsonträge in erster Linie die Unter st ützungsbezüge der Angestellten kürzen. Wenn e» den einzelnen Berufsgruppen wahlweise überlassen wird, Ersotzkassen zu bilden, so ver» bleiben schließlich nur di« ungünstigen Risiken in der staatlichen Versicherung. DI« Sozialdemokratie wird sich gegen «ine solche Zerschlagung der Arbeitslosenversicherung wenden. Zn der folgenden Abstimmung wird der deulschaaklanale Antrag gegen di« Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Die weiteren lSeratungen werden auf Freitag. 9'A Uhr, vertagt. Raiionales Minderheitenrecht. Tagung der auslandsdeutschen Minderheiten. München. 22. August.(Eigenbericht.) In mehrtägigen nichtösfenllichen Sitzungen hielt der Ver- band der deutschen Volksgruppen in Europa, in dem die organisierten deutschen Minderheiten von zehn Staaten ver- treten sind, seine Jahrcstagung ob. Zum Vorsitzenden wurde der gewesen« Abg. U l i tz, Kattowift, gewählt. Der V-rbondsoorsitzende B randsch- Rumänien dankte in seiner Erössnungsansprache den- jenigen Mitglied«« des Völkerbundsrates, die Verständnis für die Minderheitenfrage gezeigt haben. Er begrüßte vor allem die preußische Sch u l v e r o r d n u n g, die für die Polen den Ge« dackken des Rechtes und die kulturell« Entwicklungsarbeit einen bedeutsamen Fortschritt darstellt. Bei Besprechung der Vorgänge im Völkerbund wurde bedauert, daß die grundsätzlichen, für die Ordnung und den Frieden Europas lebenswichtigen Fragen des Nationalitätenproblems nicht behandelt worden sind. Gegenüber den Abänderungen des Verfahren» mit Minderheitsbeschwerden in Genf wurde festgeMU. daß klar« Verfahrensrecht« damit nicht geschaffen seien. Man dürfe aber hoffen, daß in Zukunft der Völkerbundsrat von den Möglichkeiten eines wirksamen Minder- heitenschutzes Gebrauch macht, die durch die neuen Bestimmungen ge- zeigt worden sind. Der Vorstand wurde beauftragt, u. a. auch dem Reichs- oußcnminister den Dank des Verbandes für das«armherzige Eintreten zugunsten von Verbesserungen im Minderheitenschutz zu übermitteln. Oer Ltnsug der Splitterkassen. Vottswohlfahrtsminister stößt eigene Entscheidungen um. Die sozialdemokratisch« Fraktion Hot im Preußischen Landtag folgende große Anfrage eingebracht: „Die Dachdeckerinnung in Wiesbaden bemühte sich um di« Errichtung einer Jnnungskronkenkosse. Das Oberversicherungs- amt in Wiesbaden erteilt« zur Errichtung einer Jnmingskrankenkosse für das Dachdeckergewerb« die Genehmigung. Der Voltswohl. f a h r t s m i n i st e r Hot aus Grund einer Beschwerde den Beschluß des Obcrversicherungsomtcs aufgehoben und die Genehmigung zur Errichtung dieser Jnnungskrankenkasse ver- sagt. Die Ortstran kenkasse glaubte damit die Angelegenheit im Interesse der Versicherten als erledigt betrachten zu können. Kurz- Zeit nackidem erhielt jedoch die Kasse die Nachricht, daß aus Grund erneuter Prüfung die Errichtung einer Jnnung»kass« für das Dach- deckergewcrlJe in Wiesbaden nunmehr genehmigt sei. Das Lor- gehen der Aufsichtsbehörden, besonders der Ausstchtsinstanz im Wohlfahrtsministerium, muß als eine schwere Gefahr für die Interessen der Versicherten bezeichnet werden. Wir fragen daher: Woraus erklärt sich die veränderte Stellung- nähme der Aufsschtsinstanz, nachdem der Herr Minister für Volts- Wohlfahrt bereits persönlich sein« Entscheidung getroffen hatte?" Australien hat der englischen Regierung mitgeteilt, es sei nicht bereit, einem Vertrag mit Aegypten zuzustimmen, solange nicht für «inen angemessenen Schutz de» Suez-Kanal» gesorgt sei. ver Gebieter der M-wdschuret hat die Gesamtmobilmochung angeordnet, die«m Heer von 1300000 Man« ergeben soll, Lohnkürzung durch Schiedsspruch. Entscheidung im englischen Vaumwollfireit. London, 22. August.(Eigenbericht.) Der zur Ealscheidung über die Forderung der Baumwoll- Unternehmer nach einer 12.S2proz. Lohnherabsetzuug in. Lebe» gerufene Schiedsgerichlshos hat am Freitag nacht seinen Spruch gefällt. Die Entscheidung de» Schiedsgerichts fleht eine Lahn- kürzung in höhe von 6.41? r o z. vom 14. September ab vor. Den Unternehmern ist damit di« hälst« der vor der Aussperrung geforderten Lohnherabsetzuug zugebllligl war. den. Der Schiedsspruch ersolgie einstimmig. Der Vorsitzende des Schiedsgerlchlshoses. welcher außer dem Präsidenten aus zwei uicht der Industrie zugehörigeu Vertretern der Arbeitnehmer und Unternehmer bestand, erklärte, daß die Uuler- nehmer während der Untersuchung in der Lage gewesen seien, ihre Forderung nach einer Lohnherabsehung zu begründen. E» Hobe sich gezeigt, daß sich die Industrie augenblicklich l» einem überaus schlechten Zustande besiade. Der Gerichtshof fei se- doch der Auffassung, daß eiuc Lohnherabsehung kein«»- weg, das einzige Mittel für eine Besserung der Lage 1» der Industrie darstelle. Der Gerichtshof mar vielmehr der Meinung. daß irgeud etwas geschehen müsse, um die unhaltbare Loge sofort zu erleichtern.' Beide Parteien habe« sich bekanntlich vor Beendigung* der Aussperrung verpflichtet, den Schiedsspruch au zu- nehmen. .» Durch diesen Eigenbericht ist die MTV.-Meldung im Gewert- schaststeit überholt. Deutscher Wahlersolg iu Pommerellen. Warschauer Chauvinisten» blätter verzeichnen mit großer Empöruirg, daß bei den Stadtverord» netenwahlen in Neustadt in Pommerellen neun Deutsche und nur 15 Polen gewählt worden sind. Die polnische Wakstbetelligung Hab« nur 35 Pros, betragen, während bei den Deutschen 30 Proz.■ gewählt hätten. Nur so sei es zu erklären, daß die zahlenmäßig ge- ring« deutsche Emwohnerschast gegen füns polnische Liste« erfolgreich Hab««ckämpsen können. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. Preise für Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat, Mengenabgabe eorbehalten. Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt Moritzplatz tSHIige HehettsttttUel Wursiwctren Dampfwurst P'und 0.90 Leberwurst HauÄ1.25 Fleischwurst"Ä 125 Mettwurst 1.45 Hildesheimer pmnd 1.45 Filetwurst•..piund 1.65 Schinkcnpolnischcl.65 Feine Leberwurst 1.85 Teewurst..rtund 1.85 Zcrvelatu. Salami. Ä. Holsteincr, Hiund 1*0� Zervelatwurst»-A Im Felldarm. Pfund XJO Speck roaÄ 165 ieii 1.30 Schinkenspeck 0 OA l-Pfund-Slück Könlgitr.. Rosenthaler Str.. Moritzplatz» Knoblauchwurst 1.20 Jagdwurst...Pwnd 1.40 Lierwurst...Pwnd 1.60 Käse u. Feite Rahmkäse voiitcn, st. 0.22 Kümmelkäse 8CÄ 0.52 Limburger AllÄ-, halbfctl 0.58 voUfetl 0.90 Stcinbusdier balblett, Pfd. 0.65 vollfett 0.95 Edamer und Holländer halbie;i, Pld 0.68 vollfeli 0.98 Tilsiter Art... ohne Rinde, halbfett, Pfund" Schweizer Art ohne Rinde, aas. dreiviertelfelf, Pfund A. Vollfetter Tilsiter... Pfund von U.OOan Schweizer n AA ohm, dreiviertelfelf, Pfund U.04 bayr., vollfelt, Pfund von 1.28 au Margarine-Pfund 0.50-» Kokostclt.. Pfund 0.50 an Molkcreibuttcr Pfd. 1.58 Grasbutier... pu. 1.78 Tafelbutter... pw. 1.88 Dän. Butter... Pfd. 2.00 Häucßerwaren Räucherheringe n ÜtUA 0.15 U.1Z Fettbüddinge 0.24 0.32 Makrelen... Pfund 0.30 Seelachs f» stucken. Pfd. 0.40 Sprottbücklinge�O�S Aa1#> bund v, 0.32 an Pfd.v. 2.65°» Matjesheringe von 0.10«» LadlS>. Sick. Pfund v. 1.45 an Konserven 1 1 Dose Brechbohnen A n a« junge U.03 U.öü Junge Erbsen■•. 0.70 Kaiserschoten■■. 1.65 V« Dos» Pflaumen....... 0.68 Mirabellen...... 1.00 Saure Kirschen �,1*1.45 Kalif. Pfirsiche..■ 1.40 Frisches Fleisch Rindcrkamm u.'Brust Pfund Querrippe pfd. 0.80 Gulasch pii Schmorfleisch mltKnÄ 1.10 Ä Roastbeef mit Knochen....... Pfund Gehacktes ptd 0.80 Liesen Pfd. Schweinebauch"•'"�uag». pfm-d Schweinekamm"• ptund Kalbskamm u.'Brust.. Pfund Kalbsnierenbraten...... pmnd Kalbskeule ond bU" � Kaller mild gesalzen......... Pfund 0.85 0.95 1.30 1.10 0.80 1.18 1.26 0.95 0.98 1.08 1.40 Kalbsschnitzel........ p'nnd 2.20 Frische Rinderzungen Pfand 1.15 Prima Oefriarflelsch Hammel dicke Rippe 0'B�d 0.88 Hammelrücken......... Pfand 0.95 Rinderkamm u. Brust...ptund 0.80 Geflügel u. Wild Suppenhuhner flf«o>».. ptund v«- 0.95»- Junge Gänse....... ptund von 0.98» Rchbjätter......... ptund ,»» 1.20» Hirschfleisch....... Pfund von 0.48» Fische SeeladlS»'»»• Kopf, ganu Fisch», Pfund 0.15 Merlan ptd. 0.18 Steinbutt 0.18 0.38 Goldbars otm» Kopt........ ptund 0.20 Fischfilet............ ptund»» 0.27» Obs! u. Gemüse Tomaten... Pfund o.t2 Pflaurnenv-rd 040 V.t5 Kochbimen �ov- 0.18 Musäptel... Pfund 0.12 Ramduräptcl Pfund o.20 Pfirsiche pfund 0 28 0.38 Weintrauben 0.30 0.40 Schmorgurken 3 Pfd. O'tO Mohren gewasetu, Pfd. 0.05 WeiHkohi holntelne» 0.07 Rotkohl hoIISnd.. Pfd. 0.09 Blumenkohl K von 0.08 an Zwiebeln.. 3 Pfund 0.25 Kartoffeln PtLnd 0.35 0.42 Kolonialwaren Grüne Erbsen Pfd. 0.28 Gelbe Erbsen Äd 0.30 Vikloria-Erbs.&nfe 0.34 Linsen...... Pfund 0.34 Weihe Bohnen pm 0.44 Bruchreis groBkplj",n� 0.20 Tafclreis poliert, pfd. 0.24 Tafclreisunpoiiert.Pfd. 0.28 Eier-Scfanittoudeln 0.40 Makkaronisruch.Pfd. 0.40 frisch gebrannt, eigene Rösterei BnanBaasssREZssaaB 7:-;? p:�-. Kaffee Konsum-Mischung................. p'nnd 2.10 Spczial-Mischung i0OM BohnenS 0.65 1.05 KonßtUren Apfelsinen- u. Zitronen-Schnitte..... Pfund 0.75 Goldbonbons><- 0.75 Ertrischungswaffcln 0.90 BorkenSCfaokoladc Schmelz Pfd. 1,20 Vollmilch, Pld. 1.60 Wein vom Faß Renetten- Apfel WC in sUddculscher........ Uler 0.60 Johannisbeerwein»tis. reintonij.......... uter 0.85 1928 Maikammerer guter Tisckwein........ uter 1.20 Tarragona kranig» Quainat...............uter 1.20 Wermutwein-ua, kräutcrrelcft............ Uler 1 ,40 1928 Glciszeller Kirchberg anxeuehm sllMs... 1.00 San Antonio ri-ch-kotwein............... 1.00 1928 Nitteler pikanter Mosel.:'........... 1.30 1 926 Licbfraumilcfa blaue Kapael, bestechend, mild;. 1.50 ydfmtK, ydfTTPhy ydflWHy C AS I NO-THEATER Lothringer Strohe 37. | lägt. 5 u.«Ii Sonn!. 2. 5 n 8 12 \ Alex. E. 4. SOSt 1 INTERNAT, VARIETE Eao— ♦oaaawaea—c Sommer-Garten-Theater Beritnar Prater N SS, Käst-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 asispiei Gosiel Beei. Ereiei Ulian Die SustSae WSSwe Operette von Franz Lehär W Dazu der grotje VarlctdteiL tiffang Konzert 4.S0. Burleske u S Varietd 6 Uli. upereile 8.30. Z efitiu Oonntrsiac ereilei Volksiau. g, |ed Mittw Kinflcrtgsi u. Veriasunp � »«»«HOSHGGSGSSÄSÄSSS» TSgllch«'/. Uhr Der neue Eronnunss-scniager Wem geftört mein Mann! I 8 Uhr> 2»Nif. 281»• lianfflen erlanhi Internat. Varietl» Jmner nee, irnntr gilt Sonnabende. 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August 192g In der Vormiltagszichung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 6 Sewinn« j« 10000 HL 67162 147017 239662 2©vtginn» in 5000 M. 222028 10»eoinn»|u 3000 M. 176084 182849 210005 314544 378387 26®«mnne«u 2000 M. 57412 69213 85343 103136 130683 204213 247513 249809 281290 294401 348112 354806 361303 42©eminn« nu 1 000 TU. 24422 34819 67428 88587 98363 101198 104597 126935 149938 193332 213592 221494 228897 242379 261 695 293009 303051 320371 330525 371807 331609 102 s-winn.«n 500 M. 2399 9823 11977 12983 16388 28634 31831 38035 45674 49844 50021 55305 65083 74269 74410 96862 102527 120101 122172 124799 131267 147668 150227 159201 159379168173 171537 176004 190711 192935 206031 224006 233379 246939 247295 251925 258083 262822 268860 269401 284833 306300 309170 310202 331687 339692 339778 375201 393994 396788 397339 232 OcBinn, ,» 300 M. 3860 11434 12784 13236 24575 24690 25341 2737828082 3124231306 31530 31943 33268 38747 38948 41013 45665 46642 48784 49698 56151 59866 61116 64028 64078 66489 69033 73070 73823 75215 79058 82899 86000 86899 90906 92474 93082 93531 94135 94778 99739 108649 109182 119087 120397 123068 129529 134182 138893 144486 157916 171699 176661 180320 182701 183130 186116 188168 190035 194032 195064 195727199282 200283 200712 203879 204455 205507 210779 212714 219330 220392 221337 224155 228248 229046 229742 231461 238616 245056 245350 246796 262064 272835 278670 279314 280659 298496 297751 300903 301992 303700 304398 309519 311926 318693 319717 325367 330583 335015 347857 349796 352300 353359 363596 366656 372644 374076 374427 390862 391163 393393 394280 395627 399687 Ln der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 159 M. gezogen 2®«Blnn« tu 1 0000 M. 285899 2»«toinn« tu 5000 931. 266579 8©etoinue tn 3000 HL 12 Gewinn» z» 2000 M. 377321 40 Gewinn« tn I 000 931. 187279 194723 334738 376356 113364 273864 286549 311193 322942 2394 8247 11328 34969 61718 67057 70606 83373 103703 120766 126074 166824 172104 178115 163242 288415 305,774 319581 322233 338799 340976 367077 379811 58 G-winn» tn 500 9N. 24144 34935 42325 64933 69614 71458 74132 78941 88915 118488 120175 131397 137935 150226 159349 174843 192064 204979 209637 216643 230517 266602 309383 315846 340030 348706 357611 334121 393536 162 Gewinne tu 300 M. 2562 17957 18033 25911 32669 35383 33784 41545 54037 59882 83533 71902 76195 77901 90816 91711 91985 962129702098025 102011 103021 110247 112498 118383 124348 133307 138463 143204 146067 146223 159934 164121 165484 174837 178834 178884 181365 183182 191357 192964 193465 202451 205721 210592 224758 230851 231579 23334 3 245310 257812 260020 260182 261313 262983 274864 275313 275443 275848 276715 280792 290461 297242 299539 301294 311140 311971 320728 322588 334896337426. 346358 352793 358920 367634 370083 371806 383103 385111 385223 395783 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 300000, 8 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 200000, 2 zu je 100000, 4 zu je 75000, 4 zu je 50000. 4 zu je 25000, 52 zu je 10000, 82 zu e 5000, 230 zu je 3000, 438 zu je 2000, 1096 zu je 1000, 2722 zu 1« 500, 6366 zu je 300 M. Nr. S9A» 46. Iahrgong'fi. � Freitag, 23. August 4929 « Sin Mick in die »Juhrer durch Berlins Nachtlokale:(Ein gründlicher Wegweiser durch das nächtliche Berlin vom frühen Abend bis zum fpäten Morgen. Unentbehrlich für Fremde, nützlich für Einheimische, interessant für Zedermann." Ein Büchelchen, das mit einem anfeuernden Zitat beginnt und mit einer Anpreisung von Strahls Magenbitter, von Qiatnbres gernics und mit einem zarten Hinweis auf eine Broschüre über Schwöchezustönde endet. Es ist ein sehr lustiges und interessantes Büchelchen, ein kleiner Beitrog zur Sittengeschichte Berlins. Wo„man" stch heut« im nächtlichen Verlin amüsiert, weiß man ja. Der Werktätige kommt nicht dahin. Für einen Teil der Werktätigen ist dieses„Berlin bei Nacht" mit angestrengtem Schassen verbunden, und der andere Teil ruht sich aus, um sich für die Arbeit des kommenden Tages zu stärken. Und so wird es wohl auch schon vor sechzig Iahren gewesen sein, wenngleich der alte „Führer durch Berlins Nachtlokale" davon nichts zu melden weiß. Ilber er weiß so viel anderes zu melden, was viele Berliner inter- «isieren wird, daß wir ihm manche Ungenauigkeit nicht nachtragen wollen. Rede also erst mal der Mentor unsrer Großväter. „Wer an eins jener runden Orakel tritt, welche ihrer zwei- bis dreihundert an der Zahl auf allen öffentlichen Plätzen und in den belebtesten Straßen in Masse stehen, um Auskunft zu geben den vergmigungsdurstigen Seelen, wo sie den Abend, ja die Nacht zu- bringen sollten und möchten, jene Orakel, deren Priester Herr Litt- faß ist, der sie einrichtete, um einem tiefgefühlten Bedürfnisie ab- zuhelfen und dafür, wenn auch erst viel später, der überkommenen Verpflichtung nachkam, jene kleinen Tempel zu bauen, welche jetzt die Neugierde des Fremden erregen und welche einem noch viel tiefer gefühlten Bedürfnisie, einem Bedürfnisie in des Wortes ver- wegenster Bedeutung abhelfen, wer an eins jener Orakel tritt, sagen wir— man staune, daß wir noch immer nicht aus der Construction gefallen sind— der wird gewiß den Kopf sehr häufig und sehr heftig schütteln. Denn es kann ihm nicht entgehen, wie die Affichen, so mannigfach sie im übrigen sein mögen, doch alle nichts anderes find, als Variationen über dasselbe Thema, und dieses Thema ist ein unendlich einfaches, aus vier Zeichen setzt es sich zusammen und lautet: Ball! Beruhige dich, Fremdling, jenes Vorurteil, welches die Littfaß-Säul« dir beibringt, ist in den factifchen Verhältnissen nicht begründet, jenes runde Orakel giebt dir falsche Oräkelsprüche. Jener Ball nömLch. den dir der Zettel ankündigt, ist nur eine Maske, gleichoiel ob er als Maskenball sich ankündigt oder nicht, gleichviel od es ein deutscher Ball ist, ob ein aus Frankreich ein- gewanderter, und wenn von letzterer Sorte, ob er Cdampetre rnebile oder pars mit Vatersnamen heißt. Plötzlich blickst du triumphierend auf: du hast der Sphinx die Maske heruntergerisien, die sie aufgefetzt um unkenntlich zu sein, hast erkannt, daß jene Zottel nichts anderes als das Schild einer erborgten Firma, denn allerhochstens find diese Bälle aufzufasien als Mittel zum Zweck, sonst aber nur die choreographische Schaustellung der Priesterinnen der Lenus. Nicht also ist eine unbezwingliche Tanzleidenschaft, die ollabendllch hunderte in diese Lokale führt, sie gehen nur dahin, wo die Börse ist für Schönheit und Liebe, die hier stark angeboten werden, wo aber die angebotenen Gegenstände niemals steigen, sondern immer fallen, sie gehen dahin, wo das Hallali erschallt der Prostitution die hier den Angriff aus das zahme Wild unternimmt." Die Krone aller Ballhäuser war damots das vrpheum in der Alten Jakobstr. 32. Diese Haupt- iehenswürdigkeit Berlins bestand aus drei Teilen: dem großen Ball- ioal mit einer Spiegeldecke, einem kleinen illuminierten Garten und l vor 60 Jahren Vergangenheit einem, mit natürlichen Bäumen bepflanzten Wintergarten. Dos Orpheum war ein Repplokol größten Stils. Dort wurden die Ka- valiere gerupft, daß ihnen Hören und Sehen verging. Als der De- sitzer, der doch hauptsächlich von den Halbwelchamen lebte, auf die geschmacklose Idee verfiel, einen besonderen Eingang für„anständige Familien" bauen zu lasien, kam es natürlich innerhalb des Eta- blissements zu Reibereien. Die Prostituierten fühlten sich in ihrem Wirkungskreis beengt und hatten durchaus nicht den Ehrgeiz, Schauobjekte für lorgnonbewaffnete Bürgerfrouen zu fein. Das Ballhaus in der Joachim st raße war zwar nicht so luxuriös eingerichtet, wie das Orpheum, ober es befaß zwei groß« Vorzüge: es war gemütlicher und billiger. Jeden Freitag fand in der Joachimstraße ein besonderer Ball statt, bei dem alle Damen Hosen trugen. Es würde zu weit führen, hier alle damals bestehenden Ball- lokal« und ihre Eigenarten aufzuzählen. Eins der interessantesten war aber sicher Schäfers Etablissement in der Albrecht- straße. In diesem Lokal kostete' der Eintritt nur 2H Silbergroschen, und der Tanz war dort vielfach nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern Selbstzweck. Bei Schäfers tanzte der Grenadier neben dem Handwerker, dem Kaufmann und dem Studenten. Es herrschte ein friedliches Nebeneinander der käuflichen und nichtkäuflichen Lie�e. Wer nun damals hartnäckig genug war, den Lockungen des weiblichen Geschlechts zu widerstehen, der konnte seine Schritte nach Titelbild zu einem Berliner Führer aus dem Jahre 1869. 32) Copyright 1929 by Gusuv Kiepenheuer Verlag A-G„ Berlin Funk ist für den Moment jenseits aller Vorsicht und kein Untergebener mehr. Er fühlt, daß er wohl nichts zu fürchten hat. Jetzt ist er es. der ablenkt.„Ich habe ihr zwei Mark geschenkt, lügt er.«Und wieviel haben Herr Oberstleut- nant—?" „Fünf." sagt der, befriedigt davon, rn gutem Abstand voraus zu fein, wie es sich gehört. Da hast du ihr dreimal weniger gegeben als ich. denkt Funk. In diesem Augenblick wird die Tür geöffnet, und Lipps gelber Schädel g-lstert herein. Er macht sofort meckernde Verbeugungen gegen von Pummer.„Ich höre sprechen hier drinnen beim Funk." entschuldigt er sich,„und sage mir, da mußt du doch mal nach dem Rechten schauen Ja, Herr Stabsarzt, ich kann nicht schlafen trotz Ihrer schlecht schmeckenden Tabletten. So bin ich ins Schwatzen ge- kommen hier mit unserem Philosophen." „Hoffentlich haben sich Herr Oberstleutnant gut unter- halten." wünscht Lipp servil-,.„ „Wir haben uns— eigentlich ausgezeichnet unterhalten. so alles in allem, was, Funk?" sagt der Kommandeur etwas angespannt und etwas zu laut, grüßt burschikos, zwinkert mit dem rotgcränderten Auge und geht. 21. An gepolsterte Abteile, in den die Offiziere sitzen, schließen sich Güterwagen, in die man die Manüschast gepfercht hat. Sie rollen lange. Manchmal schleicht der Zug, dann wieder scheint er sich zu einem Dahinjagen aufraffen zu wollen— um kurz darauf gänzlich still zu stehen. In solchen Pausen bewegen sick die Offiziere den Bahnkörper entlang. Die Mannschaft darf die Wagen nicht verlasien. Fürchtet man, es könnte sich einer in die Büsche Ichlagen? Lipp tritt an den Viehwagen» in dem fein Diener und ftnf verstaut stnd.«ch bestes Sftirftftftwn halb offenstehen. „Mögts ein Taferl Schokolade?" lächelte er und reicht es hinauf. Er entblößt freundlich und breit fein falsches Ge- biß, das bei solchen Extravaganzen manchmal ins Wanken gerät. Er ist voll versöhnlicher Stimmungen, beinahe gütig, beinahe onkelhaft. Funk sagt sich, dies Gehaben darf man sogar für echt ansprechen, es entquillt der Erkenntnis, den festen Sitz im Sattel von Fournes vertauscht zu haben mit einer höchst ungewissen Zukunft, die das Niveau des kamerad- schäftlichen Aufeinanderangewiesenseins wieder mächtig her- stellt. Zudem: weshalb sollt« nicht auch Lipp warmer Re- gungen fähig sein? Kein Mensch ist bekanntlich ganz kalt und schlecht. Schon deshalb nicht, weil er sonst unmenschlich vollkommen wäre, nach einer Seite hin.. Sie fahren wieder. Eine Nacht hindurch, ein« nicht endende. Willst du auf einer der schmalen Bänke, die wüst im Viehwagen durcheinanderstehen, ausgestreckt einnicken, so fällst du bestimmt nach links oder rechts hinunter, noch ehe du schläfst. Im Morgengrauen werden sie ausgeladen. Eine Feld- küche ist mitgerollt und serviert fertigen Kaffee. Auch die Offiziere, fröstelnd zu so früher Herbststunde, lassen ihn sich in den Trinkbechern ihrer Diener reichen. Aber der Abscheu, mit dem sie diese Mannschaftsbrühe, nur weil es etwas Heißes ist, hinunterschlucken, wird von ihnen recht unvollkommen ver- borgen. Dann marschieren sie. Wo sind sie wohl? Das Wort „Somme" ist nicht mehr gefallen, aber sollte es deshalb aus dem Programm gestrichen sein? Ist es nicht so, daß nur ein jeder es vermieden hat und ferner vermeidet? Sie ziehen in Trüppchen. Das Regiment maischiert nicht in einer großen Heerschlang«. Man täte sonst spionierenden Fliegern, die neuerdings mit Maschinengewehren die Land- straßen abpfeffern, zu viel Gefallen. Mit den Leuten vom Regimentsstab, und was so drum und dran hängt, bewegt sich Funk- Vor ihnen reiten der Kommandeur, Lipp und andere Herren. Der Stabsarzt, dem Pferderücken ganz entfremdet, nur ans Wagerl gewöhnt, das im Augenblick Gott weiß wo ist, macht nach fünf, sechs Stunden ein sehr bitteres Gesicht; offen- sichtlich hat er Schenkelschmerzen: dennoch, sobald der nach innen brennende Blick den Augen Funks begegnet, lächelt er. Der Wille, gut zu sein, hält an. Es kommt wirklich ein Flieger querüber; niedrig heran- schmetternd, in brausendem Tempo, ganz unbehelligt taucht er hierbei wie aus einem Hinterhalt, kreuzt die gepflasterte Landstraße mch stuert. daß die Lt-i« vlitte». drei Uhr in eins der drei Kellerlykale in der Friedrichstraße lenken. In Kühneis Keller an der Jäger st raße befanden sich unter den Besuchern fast gar keine Frauen. Bei Kühnel nahmen die Studenten die letzte Schanze in Gestalt eines Knickebein oder sie hatten schon den Schluckauf und stierten nur noch vor sich hin. Bei Kühnet saßen Auch Journalisten und Schauspieler, und manch guter Witz wurde" diesem Keller aus der Wieg« gehoben. Natürlich hatte die Friedrichstvaße auch ihren Verbrecherteller. Ueber den weiß unser Mentor aus dem Jahre 1869 folgendes zu berichten:„Hier findet sich alles zusammen, was Berlin an weiblicher und männlicher Hefe besitzt. Der Hehler reicht hier dem Dieb, der Louis dem Vagabond die bieder« Rechte, und die Prostituierte und die Landstreicherin bilden die schönere Hälfte in diesem edlen Cirkel. Die Polizei hat stets ein wachsames Auge auf diesen Keller und läßt daselbst manche Razzia vornehmen. Wer der Gefahr, heftigen Eonflicten entgegenzugehen, muthig ins Auge sieht, der mag hier wohl, wenn auch nie allein, einmal hingehen, denn da? Lokal ist der charakteristischen eines." Neben Weinstuben und Bierlokalen gab es damals in Berlin auch Nochtkonditoreien, die meistens erst um 1 Uhr ihrc Pforten öffneten. Diese Konditoreien befanden sich hauptsächlich in der Nähe der Ballokale und waren sozusagen noch eine Station auf dem nach Hause oder ins Hotel führenden Wege.— Zum Schluß bietet der tapfere Führer selbstverständlich einen Adressennachweis von Absteigequartieren, als die auch eine große Anzahl von Wein- kellern anzusprechen waren, die aus kleinen Zimmern bestanden, in denen sich ein Tisch, ein Sopha tmd zwei Stühle befanden. Aller- dings stellt der Mentor die Wirte dieser Weinkeller als ganz ruch- lose Schurken hin, die sich nicht scheuten, denen, die sich an der Liebe berauschen wollten, den miserabelsten Wein vorzusetzen, der je aus Grüneberg kam. Dieser kleine Abstecher in die Sittengeschichte Berlins läßt in uns gewiß kein Gefühl des Neides hochkommen. Unsere heutige Jugend, vor allen Dinge» unsere werttätige Jugend, kennt bessere A u f en t h a l t s r ä u m e als Ballokale und dunstige Kellertneipen. Sie bringt ihre Nächte draußen zu, unterm Zelt oder unterm blauen Himmel, sie verlebt ihren Sonntag draußen, in den Wäldern«der auf den Seen. 40 Millionen für soziale Aufgaben. lvie neue Inlandsanleihe der Stadt Berlin. Die Verhandlungen der Siadt Berlin mit dem sogenannten Berliner Konsortium unter Führung der preußischen Staatsbank(SeeHanMung) und der Deutschen Bank über ein« neu« Berliner Znlandsanleihe find im wesentlichen abgeschloffen. Die neu« Anleihe wird in höhe von 4 0 Millionen Reichsmark aufgelegt, rückzahlbar zu pari nach 4 Zahren. Die Verzinsung beträgt« proz« der Zeichnungskurs SS proz. � Als Zeichnungsfrist ist die Zeil vom Z. bis 12. September in Aussicht genommen. Die Einzahlungen auf die Zeichnungen haben bis zum 5. Oktober zu erfolgen. Die Anleihe dient nicht für Zwecke der städtischen Gesellschaften, sondern zur Finanzierung von einmaligen Aus- gaben verschiedener Art, die in den letzten Jahren von den städti schen Körperschaften beschlossen wurden und wegen ihrer besonderen Dringlichkeit durchgeführt werden mußten, insbesondere aus dem Gebiete des Schulwesens, der Gesundheitspflege, der Tiefbauverwaltung(für Brücken, Ueberführungen usw.) und des Wohnungsbaues. Unter den Anleiheoerwendungs- zwecken befindet sich u. a. auch ein Teil des Restkaufgeldes für den Dauerwald. Die Anleihe läuft auf 4 Jahre, im Gegensatz zu den Anleihen der Stadt Köln und Frankfurt, die aus 3 Jahre abge- schlössen sind. Dadurch stellt sich die effektive Verzinsung für die Stadt trotz des um 1 Proz. niedrigeren Zeichnungskurses etwas günstiger als für Köln und Frankfurt. Dex Anleihebetrag ist mit Ehe das Häuflein Auseinanderspritzen kann, ehe man noch überblickt, daß er keinen Schaden angerichtet hat, ist er schon wieder verschwunden. Aber der hell und scharf tickende Prall des Metalls auf den Stein, war ein böses Signal., Es kommen weitere SignciVe.— Sie stoßen an einer Wegbiegung auf eines ihrer Bataillone, das in gemuldeter Wiese, von Bäumen umstanden, rastet und Essen faßt. Sie sind halbwegs gegen Sicht geschützt oder glauben es zu sein. Hier, während sie aus dem Feldkessel die ewige Rollgersten- suppe mit faserigen Fleischbrocken, die wie Pappe schmecken, herauslöffeln— hier horchen auf einmal alle auf: der Himmel sängt zu rollen an. Wie? Rein, kein fernes Gewitter. Anders. Ein Wasserfall, der weit dort hinten den ganzen Horizont umspannt— er donnert nieder. Es ist ein pausen- loses, emsiges, beinahe weiches Poltern, ein rauschendes Ge- pumper, ein Sturz von gewaltiger Ausdehnung im unab- lässigen Schwung. Es ist das Trommelfeuer im Raum der Somme. Die Soldaten lasten den Löffel sinken und sehen einander an. Ihre Blicke befragen sich, ihre Augen schleichen vorbei anein- ander, ihre Münder bleiben stumm. Sie erinnern sich daran, wie der Engländer vor Monaten bei Fromelles getrommelt hat. Es war Kinderei, spielerisches Beginnen auf einer Puppenbühne. Hier jetzt vibriert die Luft, nach welcher Seite man sich auch«endet, jedes Baum- blatt, jeder Grashalm vibriert. Die Erde selber trommelt Die Erde ist eine Scheibe geworden, an deren Rand Stürze von Wasser, die aus Esten sind, niedergehen. Es hilft nichts, man muß einen Fuß vor den anheren setzen und diesem Eisensturz entgegen. Hier zum«rstenmat verschwinden ein paar. Sie gehen verloren. Sie drücken sich. Sie unterliegen dem Zwang: nur nicht dorthin,, nur nicht vorwärts! Sie brechen aus wie scheuende Pferde vor dem Hindernis. Ach, sie kommen nicht weit. Wo sollten sie auch bleiben? Sie irren umher, niemand füttert sie, niemand gibt ihnen Obdach. Ein paar Tage schlagen und schleichen sie sich so durch, schlafen auf Bäumen, in denen sie sich fest- binden, versuchen zu betteln oder zu stehlen. Dann werden sie aufgegriffen oder haben genug und lasten sich aufgreifen. werden dem Regimentc nachgeschafft und ausgeliefert, und wenn gerade Zeit und Ruhe herrscht, werden sie abgeurteilt und bestraft, nicht ohne vorher ärztlich untersucht und für das Desertieren voll verantwortlich gemacht zu werden. �(Sjorffetziaig fofel)" Eisenbahnunglück in Oesterreich. Züns Tote, zwanzig Verletzte. Rücksicht auf die notwendig« Schonung des Kapitoftnarttes auf den Betrag von 40 Millionen Reichsmart beschränkt worden. Die Schwäche des Inlandsmarktes hatte die Stadt auch vor reichlich einem Jahre veranlaßt, die damalige Emission von Schatz- anweisungen auf den Betrag von 25 Millionen zu beschränken. Außer dieser einen Emission von 25 Millionen im April 1928 hat die Stadt seit 1926 überhaupt keine Inhabcranleihen im Inlands mehr aufgenommen. In der Aufnahme von Auslandsanleihen ist die Stadt Berlin zurzeit durch die Beratungsstelle außerordentlich be- schränkt worden, indem für sie im Vergleich zu anderen Großstädten unverhältnismäßig niedrige Beträge für AuslaDdsanleihen zugelassen wurden, und zwar für 1927 ein Betrag von 80 Millionen Mark, der in englischer Valuta aufgelegt, und im Jahre 1928 ein Betrag von 60 Millionen Mark, der in amerikanischer Valuta emittiert wurde, während 1928 anderen Großstädten, wie z. B. München, Frankfurt, Köln, Zluslandsanlcihen n>it Beträgen von 30 bis 40 Mil- lionen Mark zugebilligt worden sind. Von den städtischen Gesellschaften hat lediglich die Bewag bis- her«igen« Anleihen aufgenommen. Zwischen sechs und stehen. Wer hat Hilde Zepernick in diesen Abendstunden gesehen? Gegen den Bauwächler Schulz, der. wie gemeldet. am Mittwochabend dem Vernehmungsrichter vorgeführt wurde, ist im Laufe des Donnerstag nach längerer Vernehmung Haftbefehl erlassen worden. Die Kriminalpolizei Berlin teilt hierzu noch folgendes mit: Das an. dem unglücklichen Kinde verübte Verbrechen hat die Kriminalpolizei vor eine schwierige Aufgabe— vor allem aber eine außerordentliche Verantwortung gestellt. Auf einer Seite der berechtigte Anspruch der Oeffentlichkeit mif schleunige Klärung des Falles, andererseits— wie sehr häufig— die Gefahr, daß eine zufällige Verkettung scheinbarer Verdachtsmomente unter Umständen auch einen Schuldlosen in den verdacht der Täterschaft bringen kann. Die kriminalistische Entscheidung der Frag«, ob der Wächter Schulz vorläufig festzunehmen— ob diese polizeilich« Haft aufrechterhalten und der Wächter dem Richter vorzuführen sei, mußte in einem Stadium des Verfahrens erfolgen, in dem eindeutig? Klarheit. Gewißheit über die Person des Täter» noch in keiner weise besteht. Sie muhte erfolgen unter Berücksichtigung der oben hervorgehobenen beiden Gesichtspunkte. Keine Gewißheit also— kein etwa jetzt schon zu einer Verurteilung ausreichendes Material—, aber doch ein Ver- dacht, der nach menschlichem Ermessen ein dringender ist. Dieser Auffassung hat sich auch die Staatsanwaltschaft ihrerseits angeschlosien und ausdrücklich Antrag auf Erlaß des Haftbefehls gestellt. Das Grab in jcnein K e l l c r r a u m spricht eine sehr deutliche Sprache. .hat ein fremder Täter in einem derartigen Fall gleich nach der Tat nur das ein« Bestreben, zu flüchten, so wird hier dem Opfer mit vieler Mühe und Gründlichkeit geradezu ein Begräbnis bereitet. Nicht ous Pietät— die Leiche sollte für immer ver- schwinden. lind tatsächlich war es ja nur ein Zufall, daß sich nicht schon bald darauf eine Betondecke über dem Grabe wölbte. Der Toter wußte— dieser Rückschluß ergibt sich zwingend—, daß die Auffindung der Leiche und damit die Entdeckung der Tat sofort den Verdacht auf ihn lenken würde. Ein fremder Täter• wurde sich auch wohl nicht gerade jenen, von allen Sellen umschlossenen Baublock als Tatort ausersehen haben. Seine Fluchtmöglichkeiten! waren danüt sehr weitgehend eingeschränkt. Die Slnwesenheit des von einem Hund begleiteten Wächters bedeutete für den fremden Täler eine stgndige Gefahr. Woher sollte ein Fremder auch sofort missen, wo der Boden noch nicht zementiert war— woher hatte er den Spaten und dergleichen. Einem fremden Manne wäre das Kind wohl auch kaum auf den Bau gefolgt. Für denjenigen, der eine solche Tat plante, wäre es übrigens auch sehr gefährlich ge- wesen, sich vorher in Gesellschaft des Mädchens zu zeigen. Am Mordlage(Montag, den 12. August) war die Arbeit auf dem Baugelihide gegen'Ab Uhr nachmittags beendet. Einige Arbeiter hielten sich noch in der Kantine auf. Die letzte Gruppe verließ den Bau— von dem Wächter begleitet— gegen 1-7 Uhr. Der Wächter erklärt selbst, daß er nachdem niemand mehr auf dem Baugelände gesehe» habe. Dagegen will er gelegent- iich eines von ihm in der Zeit vor A7 Uhr unternommenen Rund- ganges zwei Gruppe» von Kindern, die auf dem Gelände spielten — darunter die kleine Schwester von Hilde—> vom Platz gewiesen haben. Hilde selbst hat man zuletzt gegen 6 Uhr auf der Straße unweit des Baues gesehen. Schon gegen 7 Uhr wurde man auf ihr Fehlen aufmerksam. Das Kind dürfte das Baugelände bald nach dem Weggange der letzten Arbeiter- gruppe betreten haben. Von den'zahlreichen auf dem Baugelände verkehrenden Kindern ist dem Wächter Schulz nur Hilde ihrem Vornamen nach bekannt gewesen. Schulz beteuert seine Unschuld und bezeichnet sich als das Opfer des Zusammentreffens Unglück- licher Umstände. Aechisanwali als Angeklagter. Dr. Schah vor dem Schöffengericht Lichterfelde. Vor dem Schöffengericht Bcrlin-Lichterfeld« hatte sich gestern der Rechtsanwalt und Regierungsrat a. D. Dr. Johannes Schag zu verantworten. Die Anklage gegen ihn lautet auf Urkunden- f ä l s ch u n g, Untreue, sortgesetzten Betrug und versuchter Gebührenerhebung. Es handelt sich hauptsächlich um zehn Fälle, in denen der Angeklagt« in den Jahren 1926 bis 1928 Betrügereien verübt haben soll. Dr. Schatz war, früher als Regi«rungsasiessor tätig. Während seiner Tätigkeit in Oelo schwebten Untersuchungen gegen ihn, in denen ihm Trunksucht und unerlaubtes Vorgeh«» gegen Unter- gebene vorgeworf«» wurden. Später kam er dann als Regierungsrat zu der Finanzverwaltung nach Berlin, wo er im Jahre 1926 auf eigenen Antrag ausschied. Aber schon bevor«r diesen Schritt unter- nahm, soll er die Praxis eines verstorben«» Anwalts übernommen haben. Seine eigentliche Zulasiung als Rechtsanwalt erhielt«r erst später. D!«se Praxis soll, wie der Angeklagte in seiner heutigen Acrnchmung aussagte, sehr schlecht gewesen sein, so daß er in große pekuniäreSchwierigkeiten geriet und schon im Jahre 1927 einen Offenbarungs«id leisten mußte. Der erst« ihm zur Last ge- legte Betrug betrifft einen Wechsel üb«r 100 M.. den er seinem Bureauvorsteher als Gehaltzahlung übergeben hatte, obgleich er wissen mußte, daß er ihn zum fälligen Termin nicht einlösen konnte. Dr. Schatz erklärte, daß«r sich auf die Einzelheiten seiner Handlung nicht mehr besinnen könne. Er wäre damals durch seine Ehescheidung vqllkommen mit den Nerven zusammengebrochen gewesen. Zu der heutigen Verhandlung, die sich bis zum späten Abend hinzi-hen .wird, find 32 Zeuge» gelade». Wie». 22. August. Auf der Tauernbahu stieß heute mittag um IIA Uhr der Schnellzug V 115 mit dem Personenzug 71k auf freier Trecke zwischen de« Bahnhöfen Schwarza ch- St. Veit und Loifaru zusammen. Nach den vor- liegenden ersten Meldungen sollen bei dem Unfall fünf Personen getötet und etwa 2« verletzt worden sein, darunter mehrere schwer. Die Ursache des Zusammen- stoßes dürfte, soweit bisher bekannt, in einem Fehler bei der Abfertigung des Personenzuges liegen. Die N a m eu der zu Tode gekommenen Reisenden sind: Rechts- anmalt Wolf aus Eharlottenburg. Gustav Richard Raabe aus Aue im Erzgebirge. Zda Wagner aus Aussig a. d. Elbe und Zanka vieneafeld aus Wien. Die Feststellung der Identität der Schwerverlehlen ist bisher noch nicht durchgeführt. Ein llmsteigeverkehr ist eingerichtet. Bis morgen mitlag wird der durchgehende Verkehr wieder ausgenommen werden können. Schwerverletzt wurden: Hans Iprg-Raimer aus Berlin- Grunewald, Dr. Bernhard Müller, Mittelschullehrer in Köln, Kaufmann Heinrich Köhlen, Krefeld am Rhein, Schriftstellerin Erika W i l b r u ch, sowie die Iouralistin Ella L e r n e r, Wien. Zu den Schwerverletzten gehören noch drei Schaffner und drei Post- beamte. Die Toten und Schwerverletzten wurden nach Schwarzach- St. Veit gebracht. Die Tauernbahn ist um die Jahrhundertwende von Altösterreich zur direkten Verbin- dung Süddeutschlands mit dem AdriatischenMcer über Salzburg-Triest gebaut worden. Sie führt in kühnen, höchst kunstvollen Bauten von Schwarzach-St. Veit an der Hauptlinie Bischofshofen— Innsbruck nach V i l l a ch in Kärnten, wo sie in die Zeppelin startei erst heute! Ungünstige Wetterlage. Tokio, 22. Aug. Mcldg. der„Associated Preß". Kurz vor Mitternacht(japanische Zeit) wurde bc- kannt, daß der Start des Luftschiffes wegen ungünstiger Winde gegen alle Erwartung wieder verschoben werden muß. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, daß der Ab- flug voraussichtlich frühmorgens erfolge» dürfte. Auf der neuen Fahrt wird das Luftschiff IN Passagiere an Bord haben. Außerdem kommt auch Lberingenieur Bäuerle, der die Neufüllung des Luftschiffes in kasu- migaura vorzubereiten und zu überwachen hatte, für den Rest der Fahrt an Bord, so daß die Kopfzahl der Be- satzung sich von 41 auf 42. erhöhte •'-''■* Los Angeles. 22. August. Auf dem hiesigen Flugplatz sind alle Vorbereitungen für die Ankunft des„Graf Zeppelin" getroffen. Der kleine Ankermast ist nahezu fertiggestellt. 350 Matrosen treffen aus San Diego für Lanidungshilf« ein. Eine Reihe öffentlicher Veranstaltungen stnd für Dr. Eckener, die Besatzung und die Passagiere geplant. „Zu handeln pflegen die Juden"... Antisemitische Flegeleien einer württembergischen Behörde. Welche wundervollen Blüten zuweilen der A n t i s e m i t i s- mus heute noch b«i amtlichen Stellen treibt, zeigt ein Brief- Wechsel, den kürzlich ein Berliner Arzt mit dem württembergischen Oberamt Freude�, st adt führen mußte. Der Arzt war kürzlich mit seinem Motorrad auch durch Freudenstadt ge- fahren, wo sein Motor nach Ansicht der Freudenstädter Polizei„m übermäßiger— das Publikum belästigender Weise— Rauch und üblen Geruch«ntwickelte*. Er erhielt daraufhin«ine polizei- liche Strafverfügung mit der Aufforderung,«ine Geld- st r a fe in höhe von 10,60 Mark zu zahlen. D«r Kraftfahrer glaubte zu Unrecht bestraft zu sein, teilte d«m Oberamt jedoch gleichzeitig mit, daß«r nur bitte, ihm die Hälfte des Betrages bis zum 1. September zu stunden. Das Oberamt Freudenstadt verstand scheinbar kein richtiges Deutsch imd schrieb:„Si« wollen den Straf- betrag von 10 Mark auf 5 Mark herabgesetzt wissen. Zu handeln pflegen die Juden bei ihren Geschäslen: die Polizeibehörd«» sind aufs Handeln nicht eingestellt." Darauf erwiderte der Be- strafte: er wolle ja die nach seiner Ansicht Ungerechte Strafe auf sich nehmen und fügte dann hinzu:„Ick) bin kein Jude, glaube aber doch verpflichtet zu sein, dem württembergischen In nenministerium Ihr offizielles Antwort- schreiben mit der offensichtlich gehässigen antisemiti- schen Aeußerung zur Verfügung stellen zu müssen." Die forsche Antwort aus Freudenstadt sah so aus:„Wenn Sie übrigens glauben verpflichtet zu sei», mein Schreiben vom 30. Juli 1929 dem württembergische» Innenministerium mitzuteilen, so steht das durchaus in Ihrem Belieben. Ich werde die Worte„zu handeln pflegen die Juden bei ihren Geschäften' zu v e r a n t- .warten wissen." Zu der ersten groben Ungehörigkeit tritt also nun eine kaum zu überbietende Ungezogenheit. Zwei Todesopfer des �ahrdammes. Gestern nachmiltag ereigneten sich wieder mehrere töd- liche S t r a ß e n ii n f ä l l e. Dicht am Bahnhof Westend wurde ein etwa 30jährigcr, bisher noch unbekannter Mann von einem Privatauto überfahren und getötet. — Im Norden Berlins, vor. dem hause R a m l e r st r. 2 9, wurde gestern gegen 16 Uhr der 50jährige Arbeiter Gustav Menzel aus der R a m l e r st r. 10 von einem A n t o erfaßt und überfahren. Die Räder gingen so unglücklich über den Mann hinweg, daß der Tod auf der Stelle eintrat.— In der groben st raße � niurde der achtjährige Schüler Erwin W i t t st o ck aus der F r o b c n- stroße 17 von einem Auto angefahren. Mit einem Schädel- bruch wurde das Kind ins E l i s o de t h- K ra n k e n h o u s übergeführt.— In der Porkstroßc geriet der zehnjährige Horst Lehmann aus der K r e u z b e r g st r o ß c beim Spielen unter citz'Zju t 0. Der Junge erlitt einen s ch w c r c n Schädelbruch: er fand im Urbantrankenhaus Aufnahme. Bahn nach Trieft einmündet. Die Tauernbahn hat das welpberühmte Bad Goftein leicht zugänglich gemacht: hinter der nächsten Station Böckstein beginnt der große Tauerntunnel, der den thauptstock dieser mächtigen Zentralalpenkette durchbohrt, herrlich ist die Fahrt auch aus der Südseite, meist an der Drau enllang, der man sast vom obersten Lauf bis in ihr breites Tal folgt. Die Bahn ist nur eingleisig, da an vielen Stellen kaum ein« größere Breite des Bahn- dammes möglich wäre._ Taifun vor Hongkoncz. Zahlreiche Schiffe in schwerer Gefahr. Hongkong. 22. August. Ein schwerer Taisun. desien Stundengeschwindigkeit nach An. gäbe der hiesigen Wetterwarte im Maximum über 190 kilomekcr betrug, fegte heute nachmittag an der südlichen weich bildgrenze von Hongkong entlang. Im Hasen bildeten sich wahre Wellenberge. Dampfer und Kriegsschiffe mußten schleunigst Stellen aufsuchen, wo sie der Ge» walt des Sturmes weniger ausgesetzt waren. Der Passagierdampser „Tyndareus wurde von seinem Anker losgerissen und entging mit knapper Not dem Schickfal, an die Küste geworfen zu werden. Eine Reihe von Schleppdampfern war eifrig tätig, gefährdete Schiffe, die vor Anker trieben, in Sicherheit zu bringen. An Land ist nach den bisljerigen Nachrichten außerordentlicher Schaden nicht angerichtet worden; allerdings sind starke Bäume entwurzelt worden und an manchen Stellen Erdrutsche erfolgt. Der Straßen- bahn-, Omnibus- und Fährdien st war den ganzen Tag über unterbrochen und das Geschäftsleben lahmgelegt. Der Orkan tobte fünf Stunden mit größter heftigkeitz es folgten ihm wolkenbruchartige Regengüsse. Das gefälschte Testament. Ilm das Erbe des Jockeis Kurzawa. Bei einem Rennen in Bremen verunglückte im August vorigen Jahres der Jockei Waclaw K u r z a w a tödlich. Er war mit einer Summe von 10 000 Mark versichert, die noch seinem Tode an seine Ehefrau zur Auszahlung gelangen sollte, wenn sie erb- berechtigt war. Als sie nun beim zuständigen Amtsgericht w Alt-Landse b e r g einen Erbschein beantragte, wurde er ihr verweigert, weil inzwischen ein Testament eingegangen sei. in dem aber nicht sie, di: Ehefrau, sondern der D a t e r des verunglückten Jockeis, der Schuhmacher Leo Kurzawa, zum Erben eingesetzt war. Das Schriffftück hatte der Vater des Jockeis eingereicht, das der Tote geschrieben haben sollte. Die Ehefrau bemerkte sofort, als sie des Testaments ansichtig wurde, daß es gefälscht sein mußte. Es wurden Schriftstücke von dem Toten herbeigeholt und ein Schriftsachverständiger zur Untersuchung des Testaments beauftragt, der rfiit Bestimmtheit feststellte, daß das Testament tot» sächlich nicht ckiis der Feder des verunglückten Iokeis stammte, fondern g e f ä l s ch t sst. Auf Grund dieser Indizien wurde gegen den Schuhmacher Leo Kurzawa ein Verfahren wegen Tcstaments�älschung ein- geleitet, mit dem sich gestern das Erweitert« Schöffengericht Lichtenberg zu befassen hatte. Räch eingehender Beweisaufnahme ver- urteilte das Gericht den Angeklagten zu drei Monaten Gefängnis wegen schwerer gewinnsüchtiger Urkundeiffäffchnnz. Die Aolgen eines verbrecherischen Unfugs. Durch das Ger ü ch t von einem schweren Zugunglück auf dem Bahnhof Grunewald wurde gestern nachmittag die Feuerwehr und das Städtische Rettungsamt in' Alarm versetzt. Kurz nach V-ii Uhr lief plötzlich die Meldung ein, daß auf dem Bahnhof Grunewald zwei Personenzüge zusammengestoßen und dabei niehrere Wagen in Brand geraten seien. Diese Meldung— von der jetzt niemmii weiß woher sie überhaupt stammt— setzte den städtischen Rettun g.sapparat augenblicklich in Bewegung: zahlreiche Rettungswagen der Feuerwehr und des Städti- schen Rettungsamtes, sowie mehrere Aerzte eilten nach dem Grunewald hinaus. Drcußen war von dem angeblichen Zugunglück überhaupt nichts bekannt und die Fahrzeug« konnten sogleich wieder umkehren. Man ist bemüht, den Unfug st ist er, der die Falschmeldung telephonisch durchgab, zu ermitteln. „Wie sich ein Pfarrer benahm". Zu den unter dieser Ueberschrift kürzlich van uns verösfent- lichten Ausführungen schreibt uns Herr Pfarrer Pfordts von der Trinitatiskirche:„Der Artikel im„Vorwärts" vom 17. d. M. darf nicht unwidersprochen bleiben. Ehe von staatlicher oder kirchlicher Seite irgendeine Bitte oder Anregung.zur Ehrung des Verfassung-- tagcs kam, setzte Trinitatis von sich aus die Befloggung der Kirche fest. Der Reichsinnemninister bat später um ein ein- h e i t l i ch e s Geläut. Von Flaggen wurde nichts gesagt. Der Superintendent des Kirchcnkreijcs bat auch um«in e i n h e i l- l i ch e s Vorgehen in der Sache. Demnach glaubte ich richtig zu handeln, wenn ich sinn- und wunschgemäß an Stelle des Flaggens das Geläut treten ließ. P f o r d t e, Pastor." Wir stellen mit Genugtuung fest, daß in diesem Falle der evangelische Pastor sich energisch gegen den Vorwurf zur Wehr setzt, den Versassungstag übergangen zu haben. Creme Leodor —----------—— � Vier wichtige Verwendungsmöglichkeiten: Bfii Sonnenbrand ist Creme Leodor ein wundervoll kühlendes Mittel gegen schmerzhaftes Brennen der haut. Bei Insektenstichen verhindert Creme Leodor, dick aufgestrichen, schmerzhaftes Anschwellen und Juckreiz. 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Seine heimeligen Gossen hören heute noch dos nerlockcnde Plaudern blonder, blauäugiger Winzerinnen, deren chönc, um den Köpf gedrehten Zöpfe noch nicht alle der Schere zum Opfer gefallen sind. Trotz der Pneumatiks spielt dort der Dorf- tchwied noch seine befchlagende Rolle— und gerade dies« Ahrweiler Docsschmiede in der Röhe des Kanoneniurmes ist ein« so stille, �scheiden«, unenldccktc Sehenswürdigkeit, daß sie als„Sonder. obteilung" des vorzüglichen Ahrgau-cheimolmuseums gelten muß. Lustig gluckst ein emsig murmelnder Bach durchs alte Städtchen in die rauschende, oft neckisch launig« Ahr. Alte Linden stehen dort voch vor den Stadttoren und nur«ins fehlt:— Diese Tor« müßten abends noch geschlossen werden.— Der Zauber des lö. Lahr- Hunderts wäre permanens. Denn Nachtwächtertypen Hot dieses ..Rheinische Rotenburg" wie sie im Buche stehen. Freundlichst driicksn diese alle beide Augen zu, wenn«in Kurgast noch in spoter stunde bei St. Peter in Walporzheim oder sonst in einer trauten 3rube den„Ahrdoktor" konsultieren mußt«. Ahrweiler träumt im Schatten Bad Neuenahrs. Sein Berg ist die„Bunte Kuh", indes die Londskron«, das Wahrzeichen des unteren Ahrgous, über Bad Reuenahr und Bodendorf, das neue Badedörfchen mit vorzüglicher Mineralquelle, beherrschend und verleihungsvoll hinausragt. Eltville. Uralter,«feuumrankter Potrizierzauber: Städtchen wohl- erhaltener Edelhöfe hochbegiilertcr Geschlechter, die Kulturträger waren olles dessen, was hier wachsend wurde. Nicht weit von hier reist jetzt der i?29«r Rauenthaler einer guten Areszens entgegen. lrltvillc träumt im Wcltbadglanz« Wiesbadens seine beschaulichen Tag« am Rhein« dahin und spiegelt siä) im eitlen Vorwitz im ölten Strom, wie ein Winzermädel etwa, das hinausschaut in s'in« klargrün« Tiefe, die goldleuchtende Krone zu erspähen da unten aus dem Grund.— Noch Kloster Eberboch geht's von hier aus und hinaus nach Schlangenbad, dem vielbesuchten Taunus- blaue Blumen. städtchen. All die bekannten Weinorte des Rheingaues reihen-sich um diese stille.Heckenrose, deren seine klein« Dornen den Besucher öster derart bestechen, daß er gewöhnlich länger hier verbleibt als er eigentlich vor hat und dann immer— immer wiederkehrt.... Bai» Münster am Stein. Bad Kreuznach liegt vor seinen Taren. Bad Kreuznach mit dem großangelegten stattlichen Kurhaus und den ja.geschmackvollen Werbeplakaten, mit dem herrlichen Salinental und dem weiten, vielgrünen, tauschenden Bergwald. Bad Münster am.Stein. ruht in seinem Schatten, wie eine Rose ,m Strauchwerk der checke, und hat— seine eigenen Vorzüge. Kühl war es dort in der chitzs der letzten Sommertage, denn die hohen Gradierwerks sorgten für an- genehmen Tcinpcratnrausgleich. Ganz besonderen Reiz"bietet dieses intim verlockende Nahe-Städtchen in den Stunden, da die ganze Lichtfülle der Morgenionn« den Rhelngrafenstein in leuchtendes Porphyrfeuer taucht. Und jetzt reifen an der Nahe die Trauben. Die besten des Landes kommen in Münster am Stein auf den Markt, und eine Traubenkur dort im alten, still schönen Städtchen verjüngt Leib und eeelc. Und wer bedürfte nickit dieser Dcrjüngnng d. h. eines solchen Leichter- und Fröhlicherwerdens?! Mehlem am Rhein. Versteckt liegt's zwischen Königs winter und Bad G o de s b e r g, überragt voin auswuchtenden Dracheizfel», her vom anderen Ufer herüber diesem ausstrebenden Gartendörflein das Gepräge gibt, chotels und Villen parodieren die groß« Rheinsront entlang vor markantesten und einprägsamsten aller Rheinischen Berge, der� seinerseits wiederum stille steht vor unseres Reiches heiligem Strom. Einen herrlichen D r a che n st« i n p a,r t. schuf sich dieses ruhige„abseits" liegende Nestchen dessen Zstkunst mnhl an den hängen des Rodderberges, des alten Aulkans liegen dürfte, weil dies« die herrlichste Aussicht auf die sieben Berge gestatten. Mehlem, die Heckenrose im Kranz der.Sieben Berg«, beginnt zu erwachen im Lichte Bad Godesbergs. Sein Schatten fällt auf Rolands eck. Wer aber an diesen Heckenrosen der großen Der- kehrsstrahen vorübergehen möchte und mehr abseits lieber„D> blaue i Blumen" sucht, der findet sie draußen m den Wiesentälern der so herrlichen, teils vom modernen Verkehr noch gänzlich un- berührten Eise!. Viele Namen iühren die'« blauen Blumen. Eine heißt Gemünd, eine andere Daun und Kyllburg. Schleiden, Münster- eisel, Nideggen, Manderscheid, Monreal. Adenau, Monschau, Prüm, Gerolstein liegen verstreut dort hinten zwischen Bergen und Wäldern, wo noch der Habicht kreist und die Füchse in alten ver- sallenen Ruinen ihre Burgen bauen.„Wanderer nehmt den Stab zur Hand/ Es blühen viel blau« Blumen— im Eifelland." Schlecht belohnte Wohltaten. Hedwig Mangel vor dem Arbeitsgericht. jzcdryig Mangel, die Schöpferin der segensreichen Gefangenen. mrsorge, mußte dieser Tage selbst vor den Schranken des Gerichts erschcinep. Einer ihrer Schützling«, dem sie Wohltaten erwiesen und dem sie den Lebensweg ebnen wollte, hotte'sie vor das Arbeits» gericht Berlin zitiert. Der Kläger war schon mehrfach vorbestraft und gerade wieder aus der Strafanstalt entlassen, als sich Hedwig Mangel seiner onnahui. Zunächst nahm sie ihn in ihrer Gefangcnenfürsorye aus und beschäftigte ihn dort später mit kleinen Arbeiten. Der eheinalige Straigesangene wurde in Kontorarbeiten und Buch- führu ng ausgebildet und erhielt«in Monatsgehalt von ZW. M. Zweifellos hätte er später«in brauchbares Mitglied der Gesellschaft werden können. Statt besten zog er es vor, Erpressungen bei seiner Wohltäterin uz versuchen. Da er überdies unverschämt wurde und auch seine Arbeiten sehr zu wünschen übrig ließen, sah sich Hedwig Wange! schließlich veranlaßt, ihn zu entlassen. Er lief daraufhin zum Arbeitsgericht und klagte dort noch sein Gehalt bis zum 30. September ein. Hedwig Mangel hatte dem Gericht die an sie gerichteten Er- presserbriese überreicht, die von Gemeinheiten strotzten, so daß der Vorsig-nde in der öffentlichen Vekhandlung die Schriftstücke nur auszugsweise vorlesen tonnte. Trotzdem der Kläger ganz in» Unrecht war, erklärte sich Hedwig Mangel bereit, im Wege des Ver- p I« i chs noch 170 M. an ihn zu zahlen. Sie wollte vermeiden, daß der Kläger infolge des Fehlens von Geldmitteln möglicherweise wieder versucht«, sich durch Unredlichkeiten durchzuschlagen. Hedwig Mangel wollte vermeiden, daß man ihr später Hartherzigkeit und fehlendes soziales Verständnis vorwerfen würde, wenn der ehe- moliac Strafgefangene wieder zum Verbrecher würde. Einen anderen Grund, nochmals«ine recht ansehnliche Summe an den Mann zu zahlen, gab es nicht. Der Kläger aber war �unverständig. Er pochte auf sein eingebildetes Recht und lehnte ab, in die ihm von seiner Wohltäterin dargebotene Hand einzuschlagen. Nach ganz kurzer Beratung kam dos Gericht zum Urteil, das bei der klaren Sachlog« nicht anders als auf Abweisung der Klage lauten konnte. Keine Weihnachfszensuren in Berlin. Mit sofortiger Wirkung hat soeben das Berliner Provinzial- schulkollegium eine Verordnung«rlasien, nach der die W e i h- nachtszensuren aufgehoben werden. Dieser Beschluß ist sehr zu begreifen, wird doch nun endlich wenigstens in Berlin mit einer Maßnohme aufgeräumt, die in die meisten Familien gerode zu den Festtagen Unruh« und Aufregung brachte. Easino-Theoter. Sozusagen: Eröffnung der Wintersaison. Die Sommerpause wurde zu allerhand Verschönerungen unid Neue- rungen des äußeren Bühnenbildes vern-endet. hübsche, nagelneue Prospekte geben einen wirksamen Hintergrund für die auftretenden Künstler, deren Reigen eine kleine Kesie. Wally Waletti, mit lustigen Moritaten aus dem Hinterhaus eröffnet. Ein Stepptanzduetl. Two Hallweys, zeigt ulkige, tänzerisehe Verrenkungskünste, und der Aceardeon-Lirtuose Enrieo Eolani musiziert auf mannigfache Art: er spielt, pfeift und singt mit Humor und sehr guter Technik. Dann yeht's ins Lachkabinett', dem Lustspiel„Wem gehört mein Mann?" Das Thema mit der Pseudo-Gattin, die aushilssweise gegen Gehalt geheiratet wird und daher von dieser Angelegenheit weiter keinen Gebrauch mache» darf, ist nicht gerade neu, bietet aber immer wieder Stoff zu herzlichem Lachen. Doppelter Lohn erwartet denn auch diesmal wieder das standhafte Kino, denn außer der Enlschädi- gung erhält sie schließlich auch noch das herz ihres reichen Auftrag. geberz samt allen sonstigen angenehmen Zutaten. Viktor und k-dith Litzet als Pseudo-Ehepaar machten ihre Sache gut und Svi KoiiMiiid Nervenschmerzen bei Rheuma. Gicht. Ischias u. Erkältungskrankheiten, haben sich Togal- Tabletten hervorragend bewährt. Togal kann mit vollem Vertrauen genommen werden. Mehrere hundert Aerzte betonen neben prompter Wirkung besonders die llnschädluhteit des Togal und über 5000 Aer.zte baden lieh>. notariell. Beftätiq anerkennend über Togal geäußert! Ein Versuch überzeugt! Fragen Sie Ihren Arzt. In all. Apoth. Mk. 1.40. 0,«b com. iijb Lith. 7« Ac«. sctl Ml. ii 100 AmyU humorig: Frieda Waller, die ursprüngliche präsumtive Herzens- freundin, die später abgesägt wird, kreischte und schmollte ab- wechselnd in glaubhaften Tönen, und Ewald Fister, der Scheidung!- anwolt, dessen Kanzleipraxis durch den ewigen Wandel der Gefühle glänzend floriert, braehte für diese Figur alles. Erforderlich« mit. In einer netten Episode des Ehekrüppels, der nach 30 Iahren merkt, daß ihm seine Frau„nicht sympathisch" ist, gefiel hgns Berg. Auf der Bühne und im Zuschauerraum gab es prächtige Laune. Schweres Autounglück in Böhmen. 14 Personen verletzt. Ig lau lDeulschböhmen), 22. Avgusl.(Eigenbericht.) Aus ttf Straße l.gi Rzcezkowih fuhr«m mit 27 Personen besetzte? Lastauto mit dem Personenwagen des Baumeister» Z e l i n e k au» O e l» zusammen, das nicht abgeblendet hatte. Der Personenwagen wurde vollständig zertrümmert, das Lastauto stSrzte in einen tiefen Straßengraben. Die vier Znsasien des Personen- wagens, Zelinek, seine Frau und seine beiden Kinder, wurden lebensgefährlich verletzt. Aus dem Lastauto wurden zehn Personen, meist schwer, verwundet. Oer kranke Leuchtturmwächter. Hilfeleistung eines Hapag-Dampfers. Hamburg, 22. August. Am Morgen des 9. August sing der zwischen Homburg und den Häsen der afrikanischen Ostküste verkehrende Dampfer„Tan- g a n j i k a" der Hamburg— Amerika- Linie im Roten Meer die Funk- Meldung eines italienischen Dampfer» aus. daß die Leuchtturmmann- schast der v r ü d e r i n s« l n für einen erkrankten Kameraden dringend ärztliche fjilse benötige. Das iicilienischc Schiif hatte mit dem Leuchtturm in Flaggen- signalvcrkchr gestanden, jedoch selber keinen Beistand leisten können, Rudolf Presbers nicht übermäßig scharf charakterisierende, sber gefällige Dialoge„Zwischen ihr und ihm" sind infolge der streng eingehaltenen Zwiegesprächssorm für das Mikrophon ae- eignet. Sie boten den Hörern schon mehrfach«me freundliche Unterhaltung, auch an diesem Abend, an dem so gute Sprecher wie Paula. Knüpfer und Bictor Schwanneck« sich dafür einsetzten.— Auf vier Klavieren konzertierten A. Gelbtrunk. L. Mitt» Li- Pomeranc, A. Zok in. Sie boten virtuose Leistungen: auf die meisten der einsallsarmen Jeizzkompositionen hätte man allerdings gern verzichtet.— Ob es die Mühe lohnte, Meyerbeers für jede Theaterbühne unmögliche Werk„Robertder Teufel" für die Sendebühn« einzustudieren, ist mindestens fraglich. Immer- hin blendeten den Hörer einige glänzende musikalisch« Edelstein«— neben-sehr vielem Talmi: die dunkle Pathetik des W«?t«s dürste auch auf manchen Eindruck gemacht haben. Und daß bestimmt kein Hörer den Zusammenhang des Textes verstand, gereichte der Aus- führung nur zum Nutzen. Stimmlich ausgezeichnet waren Joseph Schmidt in der Titelroll« und Berta K i u r i n a.— Fußpfleg« ist eins der wichtigsten hygienischen Gebot«: leider eins, das viÄ- fach noch sehr wenig beachtet wird. Der moderne Mensch bean- sprucht im Arbeitsieben seine Füße so stark, daß diese oft gegen die lleberanstrengung durch allerlei Krankheitssympiome protestieren. Vernünftige Fußpflege, täglich« Fußbäder, passendes, festes Schuh- werk mit Absätzen, die nicht zu hoch und nicht zu niedrig sind, nicht allzu vieles Stehen und— besonders bei schwachen Füßen— gelegentlich am Tag« wagerechte Ruhelag«, und all die zahlreichen Krankheitserscheinungen verschwinden. Sehr wichtig war der hin- weis Dr. Hähnleins In seiner„Unterhaltung über die Fußpflege", daß noch viel zu viel Arbeit gewohnheits« mäßig stehend verrichtet wird. Der Strahenbahnsührer könnte sitzen, ebenso der F a b r I k a r b e i ie r an der Maschine, die Hausfrau bei zahlreichen Arbeiten. Manches schwere Leiden. das die davon Befallenen frühzeitig arbeitsunsähig macht, ließ« sich bei richtiger Fußpflege vermeiden. Der Vortragende hätte viel- leicht noch darauf hinweisen können, daß unerträglich« sogenannte „Rheumatismusschmerzen" sich bei der ärztlichen Untersuchung pst als etwas ganz anderes erweisen, nämlich als die Folgen eines .stark ciüunckclten Senkfußes. Th weil« keinen Arzt(!) mit sich führte. Die„Tanganjika" war beim Empfang der Nachricht etwa 90 Kilometer von den Brüder. Inseln entfernt. Sie hielt sofort aus diese zu und traf dort auch am Nachmittag desselben Tages ein. Ein Boot mit dem Schiffsarzt Prof. Dr. S! e b u r g, dem Heilgehilfen und der Schiffs- fch wester wurde sofort zum Leuchtturm entsandt. Da die Untersuchung die Notwendigkeit einer Ueberführung in «in K r a n k e n h a u s ergab, wurde der erkrankte Leuchtturmwächker unverzüglich auf die„Tanganjika" gebracht und dem Hospital in Suez zugeführt._ v-, volksblldungsamt Utilmeisdaef n-ranstallet am Sonntag, dem 2ö. Zlugnft IS'2g. 1:2-13 Ub>. IM Preutzenbcrk Wilmersdorf ein Platzkonzert. das aiiSgeiübrt wird von der Muiikkapclle der Feuerwehr unter Leitung des PrandmcistcrS E. Schulz. Sport. Rennen zu Karlshorst am Donnerslag. dem 22. August. 1. Rennen, l. MenclaoS kUhll. S. VeunuSlochter, S. Frintrop. Toto: 10: 10. Motz; 12,14:10. Ferner li-i: Colibri Z. Rennen. I. Abt. 1. IIcllhal tHutter), 2.«Sarwbal, 3. Pricvlusa. Toto: tZ: 10. Platz: 15. 22. 24: 10. Ferner Uesen: Minne. Ostsee. Herzens. sreude, Singida. Franeesco, Obacbl. i-eoravka.— 2. Abt. 1. Lehnsherr fPrlntenf. 2. Prohibition. 3, ÄrnSgräsin. Toto: 76; 10. Platz: 20, 15, 97: 10. Ferner Uesen: EangeSkönigin, Europa, Pclarde, Till Eulensptcgel, Briholder, Tiesensurt, Corvx. 3. Renne n. 1. Alslcrstcrn tWmllf. 2. Der Mick. 3. Sonntagmorgen. Toto: 37:10. Platz: 15. 14. IS: 10. Ferner Uesen: Thea, Mossuk, Mentor, Caslor, Kahren, Kurzschluh, Minky. Knnbilda. 4. Renn c n. 1. Mvron so. EckorlSberg), 2. Fmuiclwann, 8. Gerwin. Toto: 24:10. Platz: 45. 26: 10. Ferner lie': T'vpek. 5, Rennen. 1. Slif Kis sWolss), 2. Wildsaiig. 3. Senouifi. Toto: 53: 10. Platz: 18, 14. 48:10. Ferner liefe»! Rosciipriiiz, Trafniner, LebenS- Wonne, Laokoon, Antim. Gnadenfrisl. 6. Rennen. 1. Don Il.so. Holtcq). 2. Cbisonie. 3. Ter Zukünstige. Toto: 25:10. Platz: 16. 24:10. Ferner liefen: Chcri, Girant. 7. Rinnen. 1. Bici sOerteli, 2. Dirschau, 3 Hella X. Toto: 27:10. Platz: 17, 26:10. Ferner Uesen: Komm voran, WinSta, Holdrio. Vorträge,VereineundVersammlungen. a Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". SelckSil» Hell«: Berlin L 14. iöebaftianltr. 57/38, Kol 2 Zr. Zreitaq. 25. Sluguft. Zricdcichehain. Kameradschaft Bitfchlna. IS'. Uhr Kameradioxrflsoersaminninli bei Blawert, Weberftr. S4-. Referot. Zreptoni«Kameradschaf!). I» Uhr Eplrlen des«ungbanncrs auf der Treowiver Wieg. Köocnick. Schutzfvort. Trainina auf dem Stildt. Sportpiaie an der Wendenfchlotzftrnße.— Eonnabcnd, 24. Auftnst. Tempelh-I. Hanbbal!. foieler treffen gm lf!>'l Uhr Kaiferin.Auausta.SIrnßk ,ur Fahrt nach Neu. firel�i. Abfahrt fg'.z Uhr Stettiner Bahnhof. Reinickendorf lOrtsverein). Zur Damoferfahrt lBoldnrf sammeln sich die Kameraden von 19-2» Uhr im Frei. Hafen Teael, llierstraße. Adfahri oiinkilich 5» Uhr.— Köpenick. Sporlabtei. flipp. Sonntap, 25. Augi'si. II Uhr. üandhallsp'el der f. und II. Mann. sckait auf dem eipenen Erartpiaii in Sirichparie».— Neulitlln-Britz. 1. Käme. radsehafi. Monlaa. 2>>. XuflUit, 20 Uhr. Kameradichaitsverfammlung in der Siollbuffcc Klaute, Kotilnifser Tamm»0. Bortraa des Kameraden Scna'». vraghevt Br. Grotzman».- Reivickendarf-West. Freito«, 2». Aupuft, 20 Uhr, Baritandsgttiina im Verkehrs'nfal.— Mitte. Iunananner. Sonnabend, 24. Au. pusl, fitz», Uhr. Zr-f/puntt öteitiner Bahnhof lur Wanderfahrt nach dem Schwärze see. Tohr«e!d 1,4a Marl._ ZIeichotartkll Senuhlil. Sonnion, 23. Auqufl, Sportplatz Friedrichoielde. Bon 14-12 Uhr schießen die Ortsvereine Reinickendori und Weddinn. Von. 12—17 Uhr Kreuibern und Pienisauer Bern. Die folgenden Tage bis sin. fchließfich Zreitag Hieiben tili d e genannien Ortsvcreine gleichfalls frei. »epenick fOr-svcreini. Ab g>0 Uhr Uebungsschgeßc» im Sportlokal Wilhelms. Hof. Ttndmsiraße 3 Heute. Freilag. 19 K Ahr: Noiuickelldors-vst: Tagespolitisch« Tragen.— Aekonaplatz: Schule Elisabeth- schaften".— Aru»walder Platz orirag: : Herrn Raste nburger Ecke Wehlauer Straße. Bortrag: �Zolk und Justiz".— Zalkplatz II: Schul« Eonnenburger Str. 20, Ummer 3. Vortrag:.Bolschewismus, Sundikalismus. AnarHismus".— Helm- holtzplatz: Heim Danziger Str. 62, Baracke 2. Vortrag:.Arbeiterwohlfcchrt'. — Hnmaaaplatz: Heim Scherenbergstr. 7. Bortrag:.Arbeitersport".— Nordost: Heim Donziger Str. 62, Baracke Z. Vortrag:„Was wollen hie freien Gr- w-ickschosten?"— Wörther Platz: Heim Kalianienalle« 62. Bortrag:.Sexuelle Tragen'.— Andreasplatz: Heiu: Broinrnuftr. 1. Glaßbrenner-Abeitd.— Westen I«nd II: Evrechchorprobe in her Schulaula Waldenserstr. 20. Trefs- punkt 1814 Uhr. Bahnhof Blllowstraße.— Barschauer Biertel: Heim Li bau er Straße 18. Bortrag m Fortsetzung von.Arbeiterjugend und Sexuelle Trage — Schöneberg I: Heim Hauptstr. Ii. Vortrag:„Die Frau im Bürgerliairv Gesetzbuch".— Schö-eberg IV: H-im Hauptstr. 15(Ostmarkz immer). Aussprache: „Unsere Serbstfeier".— Eharlottenburg-Tiid: Seim Svbelstr. 2. Bortrag:..Ar. beftersport".— Marieudorf: Schule Dorfstr. 7. Bortrag:„SA?, und Reichs. bannet".— Britz II: Ebausseestr. 48 lRatbaus). Vortrag:.Warum lesen wir?" — Köpenick: Heim Dahlwitzer Straße. Vortrag:„Torm und Inhalt der Reichs. Verfassung und ihre Bedeutung für die Sozialistisch« Arbeiteriugcv.d".— Riederschöneweide: Schule Berliner Str. LI. Tagespolitische Arbeitsgemei». schaft".— Treptow: Heim Elsenstr. 3. Vortrag:.Di« Gewerkschaften".— Aarflgwald«: Schul««onradstraße. Tragelastenabend.— Weißens««: Vortrag: .Die Presse".— Dahlem(R.-ff.): Baden. Treffen 1914 Uhr Rotc-T-ilkcn-Ecke. iitbrin _____ g-Rord: Lustiger Abend. Instrumente mitbrwgen..__ Werbebezirk Tiergarten: Sprechchvrprobe 1914 Uhr in der Schulaula Wo?» denserstr. 20... Werbebezirk Renkölln: Heut«. Treitag. Ueben des Sprechchor» IM Heim Kanner Straße.__ Briefkasten der Redaktion. W. K. Steglitz. Ihrer Schwiegermutter muß Elternrcnt« gewährt werden. Der Antrag aus Gewährung der Rente ist an das Berstcherungsamt in Bet lin, General-Papc-Sträße, zu richten. Die Eltcrnrent« beträgt 30 Proz. her Bollrente des Versicherten.— Rl. 4. Gegen den ablehnennden Bescheid kann Berufung«ingelegt werden. Nach Vollendung des 15. Lebensiabres wird d" Waisenrente nur dann weiter gewährt, wenn das Kind sich in der Schul- oder Berulfsausbildung befindet. Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: S. Slingclhöser: Gerarkschaftsbewegung: Z. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokale« und Eonstiaes: Fritz Karftädt: Anzriarn: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärtz-Berlag G. m. b. H.. Berlin Druck: Vorwärt s-Buchdruckrrri und Verlaasanstalt Paul Dinger u. Eo. Berlin 638 68. Lindenstraße£ Hierzu 2 Beilage»,.Unterhaltung und Wissen" und.Stadt beiloge". 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August 4929 Mgemeines zum Krankfurter Krach Von Fritz Zlaphtali Die Vorgänge, die zum Zusammenbruch des zweitgrößten deutschen privaten Versicherungskonzerns, der Frankfurter Allgemeinen Versicherutigs-A.-®., geführt haben, sinb -auch heute in ihre» Einzelheiten für den Außenstehenden noch schwer übersehbar. Aber schon heute ist es notwendig, einige allgemeine Betrachtungen anzustellen und Schlüsse zu ziehen. Die Kreditschädigung. Wenn ein Unternehmen von der Bedeutung der Frankfurter Allgemeinen seine Zahlungen einstellt, so trifft das nicht nur die unmittelbar beteiligten Gläubiger und Aktionäre, sondern darüber hinaus die gesamte Wirtschaft, weil ein« Schädigung des Kredites eintritt. Dies« Schädigung kann sich besonders fühlbar machen in einer Zeit, in der zahlreich« deutsche Unter- nehmungen auf das Vertrauen ausländischer Geldgeber angewiesen sind, wenn, wie im Fall« der Frankfurter Allgemeinen, auch das Ausland zu den gefährdeten Gläubigern gehört. Es hilft nun einmal nichts, auch die begeisterten Anhänger der privaten kapitalistischen Wirtschaftsform können nicht leugnen, daß bei der Kapitalzusammenballung, die in den großen Konzernen unserer Wirtschast stattfindet, das Schicksal dieser Konzerne nicht mehr«fne reine Privatangelegenheit bleibt, sondern zur Gemeinfchafts- fach« wirh. Di« Frankfurter Allgemeine hat, wie verlautet, im Ausland 40 Millionen Mark gepumpt. Ein« Summe, deren Gefährdung schon einig« Beunruhigung im Kreise der ausländischen Kredit- geber hervorrufen kann, eine Summe, bei der man auch die Frage oufwerfen muß�z u welchem volkswirtschaftlich zu rechtfertigenden Zweck wurde sie unter Kenntnis der zahl- reichen Vertreter führender Banken im Aufsichtsrot aufgenommen? Zweifellos ein« schwere Fehlleitung eingeführten Kapitals. Solch« Fehlleitungen müsien bekämpft werden, aber felbstverftänd- lich liegt es uns gänzlich fern, den Fall der Frankfurter Allgemeinen dahin zu verallgemeinern, daß ihre Art, Auslandskredite aufzunehmen, für die deutsche Privatwirtschaft tennzeichnend wäre. Man muß das ausdrücklich betonen, weil in der Debatte über die Kontrolle der Aufnahme von Auslandsanleihen durch öffent- liche Körperschaften jeder Fall, in dem die Produktivität ihrer Verwendung auch nur zweifelhaft erscheinen konnte, ausgenutzt wurde zur Begründung der Notwendigkeit von Sonderkontrollen gegenüber der öffentlichen Wirtschaft, die gegenüber der privaten Wirtschaft unnötig seien. Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat in einer Ver- nehmung vor dem Enqueteausschuß, wie man in desien Bericht über die Reichsbonk auf Seite l8S nachlesen kann, seine Auffassung, nach der die öffentliche Wirtschaft in der Aufnahm« von Auslands- krediten beschränkt, die private Wirtschaft aber unbeschränkt sein soll, wie folgt begründet: „Bei den privatwirtschoftlichen Anleihen wird von vorn- her«in angenommen werden dürfen, daß hier die P.rodu k ti v> t.ät im wesentlichen gesichert ist. Für solche privotwirtschafllichen Anleihen kommen ja meist auch nur große Konzerne in Frage, die die nötig« volks- wirtschaftliche Uebersicht haben. Ferner wissen die prioatwirtschaftlichen Unternehmungen, daß sie die Anleihen aus ihren eigenen Mitteln zu verzinsen urch zu tilgen haben, während die öffentlich-rechtlichen Körperschaften st« ja einfach aus Steuer- mittel« tilgen.* Der Konzern der Frankfurter Allgemeinen mit seinem Aufsicht»- rat von„Wirtschaftssührern*. über den weiter noch einiges zu sogen sein wird, war sicherlich besonders geeignet, das Vertrauen in „die nötige volkswirtschaftliche Uebersicht* und die Gewissenhaslig- keit zu stärken! Sicherlich ist auch die Finanzierung des Verkaufs von Automobilen und Perserteppichen an Stotterer— von denen offenbar eine ganze Anzahl ganz verstummt sind— in seiner Produktivität viel einwandfreier als etwa die. Finanzierung von Wohnungsbauten oder Sportplätzen durch Kommunen! Wir wollen, wie gesagt, den Fall der Frankfurter Allgemeinen nicht als typisch für die privatwirtschaftlich« Kreditaufnahme be- zeichnen, aber wir wünschen, angesichts dieses prioatwirtschaftlichen Krachs, daß man auch damit aufhört,«ine irgendwo in viel kleinerem Maßstab vorgekommene Fehlleitung in der öffentlichen Wirtschaft zur Begründung der Drosselung ihrer Kredite heranzuziehen. Wir glauben, daß volkswirtschaftliche Einsicht und Verantwortung». gefühl in den demokratisch kontrollierten öffentlichen Körperschaften stärker ausgebildet sind als in vielen„wirtschaftsaristokrotisch* be- herrschten privaten Konzernen. Wir erwarten nicht, daß dies« Ansicht von den Gegnern der öffentlichen Wirtschaft geteill wird. Wir oerlangen aber mindestens, daß nach dieser neuen Erfahrung mit privatkapitalistischer Mißwirtschaft— es ist ja nichi der erst« große Fall, Stinnes-Konzern. Pfälzisch« Bank und die zahlreichen l92S/26 mit Reichsmitteln sanierten Gruppen sind noch in frischer Erinnerung— man damit aufhört, Schwarz und Weiß in der Art zu verteilen, daß man all« Unsolidität und Unfähigkeit glaubt in der öffentlichen Wirtschaft finden zu können, während man alle wirtschaftliche Weisheit und Solidität bei den privaten Konzernen verherrlicht. Ein bißchen mehr Zurückhaltung in der Apologie der privaten Wirtschaftsführung scheint nach dem Frankfurter Krach angebracht, vielleicht auch für den Herrn Reichsbankpräsidenten. Die �Wirtfchafisführer" im Aufsichtsrat. Der Begriff des Wirtschaftsführer», wie er in der deutschen kapitalistisch eingestellten Oeffentlichkeit gebraucht wird, ist nicht scharf umgrenzt. Im allgemeinen aber wird man wohl das Richtige treffen, wenn man sagt, daß diejenigen, die e'n Jahre». «inkommen von mehr al» 200 000 Mark beziehen. schon aus Grund dieser Tatsache von sich und anderen als Wirtschaft»- führer angesehen werden. Daß der Generaldirektor der Frankfurter Allgemeinen. Herr Becker, nach dieser Sprachweise seit langem ein großer Widtschaftsführer war, ist nicht zu bezweifeln Aber auch der Aufsichtsrat enthält neben einigen in der Oeffentlichkeit weniger bekannten Namen«in« große Zahl sehr prominenter, das heißt sehr viel verdienender Wirtschoftsführer. Es ist ganz angebracht, auch, um die Möglichkelten der finanziellen Rückgriffsmöglichkeit zu beurteilen, die Anonymität des Aufsicht». rats zu lüften und einige seiner Mitglieder hier aufzuführen. Wir finden dort z. B. Herrn Siegmund Bodenhei m e r. Geschäfts- inhaber der Darmstädter und Nationalbank, Mitglied in Z3 Aufsichts- räten, Herrn Moritz Freiherr von Bethmann. Inhaber des Frankfurter Bankhauses Gebr. Bethmann, der nur stehen Aufsichtsräten angehört, Herrn Willy Dreyfus, Inhaber des Berlin-Frankfurter Bankhauses I. Dreyfuß u. Co. und Mitglied in ll Aufsichtsräten, Herrn Dr. Albert Hahn, Direktor der Deutschen Effekten- und Wechselbonk in Frankfurt a. M., Herrn Max Hesse, Direktor der Diskonto-Eesellschaft in Mannheim, Mitglied in 20 Aufsichtsräten, Herrn Richard Pohl, Direktor der Hardy u. Co. G. m. b. H. in Berlin, Vorsitzender des Berliner Börsenvorstandes, Mitglied in 20 Aufsichtsräten, Herrn Eduard Rothschild, Direktor der Deutschen Bank in Frankfurt a. M., Herr vr. b. c. Curt Sobernheim, Direktor der Commerz- und Privatbank, Mitglied in 59 Aufsichtsräten, und Herrn Dr. Paul Stern, Inhaber des Frankfurter Bankhauses Jakob S. H. Stern. Wenn diese Aufsichtsratsmitglieder mit ihrem Privatvermögen haften würden, so wäre schon eine Kreditgrundlage für«ine ganze Reihe von Millionen gegeben. Aber so pflegt es ja nicht zu kommen. Regreßansprüche an einen so prominenten Aufsichtsrat werden gewöhnlich schon im Sanierungsprozeß erledigt. Das hindert aber nicht, die Frage nach der Verantwortung des Aufsichtsrates gründlich aufzurollen. Man weiß längst, daß in den modernen Großunternehmungen und Konzernen der Auffichtsrat die Kontrollpflichten, die ihm das geltende Aktienrecht eigentlich auferlegt, im einzelnen gar nicht zu erfüllen imstande ist, und daß er sich nur durch die Einschaltung berufstätiger Kontrolleure eine gewisse Uebersicht über den Stand der Unternehmungen verschaffen kann. Wieweit da» hier geschehen ist, mutz nachgeprüft werden. Aber viel wichtiger ist es, daß hier die «affcheidendea Schritte der Gefchöftspolitik. die zum Ruin geführt haben, sich ja gar nicht ohne Kenntnis und Zustimmung de» Aufsichtsvats vollzogen hoben können. Der Aufsichtsrat muh schließlich die Gründung von Tochtergesell- schoften, die sich aus oersicherungssremdes Gebiet begeben haben, gesehen haben. Er muß die Aufnahme der großen Auslandskredite gekonnt haben. Er muß das Ueberfpringen des Versicherung»- konzerns ins Bankgeschäft um so mehr überschaut haben, als ihm ja vorwiegend Bankdirektoren und Bankiers angehören. Cr muß auch die merkwürdigen Gemeinschaftsgeschäfte zwischen der Gesellschaft und einigen ihrer Direktoren ge- kannt hoben, die offenbor noch dem auch an anderen Stellen nicht ganz unbekannten, nur in seinem ersten Teil von der griechischen Philosophie abgeleiteten Motto„Erkenne dich selbst, be- laste die Bank* geführt worden sind. Man kann sich nicht vorstellen, daß keinem von den oben ausgeführten Wirtschoftsführern im Aufsichtsrat dabei unheimlich zu Mute geworden ist, daß keiner daraufhin sich veranlaßt sah, näher zu prüfen. Aber wahrscheinlich hat es allen zusammen an Mut gefehlt, dem selbstherrlichen Generaldirektor energisch entgegen- zutreten. Denn Versicherungsgesellschaften sind auch große Geld- geber und Kunden der Bänken und Bankiers/ und wenn man den Direktor durch Mißtrauen ärgert, so kann man bei vorkommenden Geschäftsmöglichkeiten leicht gegenüber dem sanfteren und schweigsameren Konkurrenten im Aufsichtsrat benachteiligt werden. Und so gern man einem Aussichtsrat angehört, man tut es doch nicht, um sich geschäftliche Chancen zu verderben. Dieser Gefahr gegenüber ist es schon das geringere Uebel, wenn nachher die Aktionäre Geld verlieren. Eine ziemlich blamable Angelegen- heit, wenn es zum Krach kommt, ober noch einiger Zeit, wenn man sein Vermögen behalten Hot, und das Einkommen weiter über der 200 00v-Mart-Grenze bleibt, und nur andere Leute Geld verlieren, wird das Ansehen alz„Wirtschoftsführer* durch den peinlichen Vor- fall nicht viel gelitten haben. Reform des Aktienrechts und der Reichsaufsicht. Finanzkrache gehören zur kapitalistischen Wirtschast wie das Amen zum Gebet. Wir haben deshalb auch nicht die Illusion, daß man sie durch Gesetzcsänderungen unmöglich machen kann. Das schließt aber nicht aus, daß man sie soviel wie irgend möglich erschweren muß. Deshalb wird auch der Fall der Frankfurter All- gemeinen vor ollen Dingen nach seiner näheren Durchleuchtung wertvolles Material für Reformen auf zwei Gebieten darstellen. Erstens auf dem Gebiet de» Aktienrechts, dessen Reform ohnodies auf der Tagesordnung steht, zweitens auf dem Gebiet der Der- siche ru ng sauf ficht. Bei der Reform des Aktienrechts werden die Frankfurter Vorfälle geeignet sein, die Bestrebungen zu unterstützen, die auf «in« wirksamere Abgrenzung und Durchführung der Derantwort- lichkeiten der Mitglieder des Aufsichtsrats gerichtet find. Vor allem ober werden sie Anlaß geben, die Forderungen nach V c r s ch ö r- fung der Publizitätsvorschriften zu erfüllen. Kurt Heinig hat im„Borwätrs* bereits die Zitate aus der„Frank. furter Zeitung" wiedergegeben, die zeigen, daß man an dieser kritischen Stelle die Unklarheiten des Frankfurter Verficherungs- konzerns geahnt hat, daß man aber einen kontrollierenden Einblick nicht gewinnen konnte, weil der Geschäftsbericht der Frankfutter Allgemeinen über die Tätigkeit ihrer neugegründeten Tochter- gesellfchaften schwieg und schweigen durfte, ohne daß jemand dagegen einschntt. Auch bei den Besprechungen des Geschäftsberichts der Südwestdeutschen Bank wurde in der„Frankfurter Zeitung" im Jahr« 1929 und schon früher nach der Gründung im Jahre 1928 kritisiert, daß„über Bürgschaften und sonstige Geschäfte, bei denen die Bank mit ihrem Mutterkonzern in Verbindung stand", im Be- richt nichts mitgeteilt wird. Selbstverständlich hätten schon diese Hinweise das Aufsichtscmtftn Bewegung setzen müssen. Aber vor allem ergibt sich die zwingende Lehre, daß der Publi- zttätszwang im Aktienrecht, insbesondere aus dem Gebiete der Beziehungen zwischen verschachtelten Gesell- schasten, der Erweiterung bedarf. Als ein besonders gefähr- liches Moment der Verschleierung hat sich auch in diesem Falle wieder erwiesen, daß die Gesellschaften nicht verpflichtet sind und nicht angehalten werden können, in ihren Bilanzen sämtliche Bürgschafts- und Giroverpflicht«xn g e n aufzu- führen. Vom Stand einer Gesellschaft weiß man gär nichts, wenn man diese von ihr indirekt eingegangenen Verpflichtungen nicht kennt. In der öffentlichen Diskussion, u. a. auch in den Vernehmun- gen vor der Wittlchafts-Enquet« über Akttenrechtsfragen, wurde es von Interessenten sehr oft so hingestellt, als ob das Verlangen nach stärkerem Publizitätszwang nur eine Liebhaberei unbefriedigter Handelsredakteur« fei. Der Fall der Frankfurter Allgemeinen beweist in drastischer. allerdings auch etwas kostspieliger Form, wie sehr es sich um ein öffentliches Interesse bei dieser Forderung handelt. Mögen es auch tn erster Linie einige tüchtig« Wirtschaftsredakteuro sein, die das publizierte Material kritisch benutzen— fünszigsach« Aufsichtsräte hoben dazu natürlich kein« Zeit— fo wird doch eben dadurch. daß den Wirtfchaftsredakteuren echtes Material als Grundlage ihrer Arbeiten zugänglich gemacht wird, die öffentlich« Warnung ennög- licht, und die Mißwirtschaft abgeschreckt. Hier liegt die Hauptaufgabe, die bei der Reform des Aktienrechts gelöst werden muß, und zwar in einem etwas schnelleren Tempo, als es bisher die Referenten des Reichsjustizminifteriums in dieser Angelegenheit angeschlagen haben. Daneben wird gründlich zu prüfen sein, welche Reformen im einzelnen aus dem Gebiet der Dersicherungsaufficht sich als not- wendig erwiesen haben. Zwei Punkte kann man schon heute übersehen; erstens, die versicherungsar fficht darf nicht aus bestimmt« Zweige de» Versicherungsgeschäftes beschränkt bleiben, sondern sie muh die G c s a m t t ä t i g k e i t der Persicherungs- Unternehmung«» umfassen, zweitens, das Aufsichtsamt muß aus feiner Derfchlafenheit erweckt werden. Das ist zum Teil vielleicht ein« Persomnfrog« des Beamtenapparates, zum anderen -Teil aber bestimmt ein« Fra hällnisse nicht in der Lage, derartige Ueberstundcnzahlungen zu leisten, noch ist sie imstande, weitere Erhöhungen der Krankengelder zu tragen. In gleicher Weis« kann der Arbeiterschaft auf die Dauer eine derartig« Menge von Kronkenoertvewngen nicht zugemutet werden und weitere Erhöhungen der Krankengelder wird auch sie kaum tragen können. Es liegt im eigensten Interesse jedes einzelnen Arbeiters, die- jenigen Kollegen, di« einen derartigen Srankheitsschwindel treiben, aufs schärfste zu überwachen. Wir unsererseits werden uns gezwungen sehen, zum Schutze unserer Finna und mit Rücksicht auf unsere gute Arbeiterschaft in Zukunft rücksichtslos gegen derartige Krankheils, und Unfallschwindler vorzugehen. Eine Liste der besonders auffällig oft kranken Leute wird künftig zur allgemeinen Orientierung ausgehängt werden.... Leute, die durchschnittlich im Jahre 2 bis 3 Monate krank sind, sind in einem Betriebe wie dem unsrigen nicht verwendbar." « Die Firma unterhält ein« eigene Betri ebskranken- k a s s e und stellt nur gesunde Arbeiter ein. Anstatt den Dingen nachzugehen, gesundheitsschädigende Wirkungen des Arbeitspro- zesies und etwaiger Betriebs mängel abzustellen, wird hier den Arbeitern unterstellt, daß sie sich tank melden, ohne krank zu sein und sich absichtlich Unfälle zuziehen. Das müßten sanderbare Aerzte fem, die nicht im Laufe der Zest wirkliche Erkrankungen von vorgeblichen unterscheiden könn- ten, und es müßten recht törichte Arbeiter sein, di« aus Zeiwer- treib sich mit den Krankenunterftützung'geldern begnügten, anstatt mit ihren doch wohl auch in der Bautzener Papierfabrik etwas höheren Löhnen. Die Betriebskrankenkofse wird hier Selbst. zweck. Sie ist wohl gut zur Kontro�ierung der Arbeiter, ober sie darf nicht belastet werden. In raffinierter Weise wird hier A r- beiter gegen Arbeiter ausgespielt. Der gesunde Ar. better soll gegen den krank gewordenen Arbeiter ausgespielt werden durch die Drohung eines höheren Krankengeldbetrags. Der krank gewordene Arbeiter ober soll mit der ziemlich unverblümten Drohung seiner Entlassung davon abgeschreckt werden. die Betriebskrankenkasie in Anspruch zu nehmen und sich arbeits- unfähig zu melden.« Die angekündigte„Liste der besonders auffällig oft tranken Leute" wurde totsächlich mit ausgehängt. Es ist«in langes Namens- Verzeichnis all der armen Teufel, die in den letzten Iahren im Dienste der Profitmühl« krank geworden waren oder sich gar den Luxus eines Unfalls leisteten. Damit nicht genug, erhielt jeder am schwarzen Brett ange- prangerte Krankheits- und Unfallsünder einen grünen Brief fol gendcn Inhalts: „Me Sie selbst au» der ausgehäugten Liste ersehen können, sind Sie seil dem Zahrc... bis heute... Tage krank gewesen, d. h. im Durchschnitt jährlich... Tage. Mr machen Sie ausdrücklich daraus aufmerksam, daß es die außerordentlich augefpaunte Wirtschaftslage uus nicht mehr ermkiglichk, Sie iu unserem Betriebe zu behalten, s o f e r u sm Sonntag in Treptow versammeln sich at GmkscIialMilMr! nicht eine völlig grundlegende Aenderung Ihres Gesundheitszustandes eintritt. Sollten Sie daher wiederum erkranken, so haben Sie zu ge- wäriigen. daß wir an Ihre Stelle sofort Ersah einstellen und Ihnen selbst kündigen müssen. B a u h e n. den 22. 3 tili 1929. Unterschriften. Die Ausgaben der Krankenkasse werden seit l92ä aufgezähU und aus ihren Ziffern Durchschnittszahlen gezogen, wonach auf jeden Arbeiter 24,1 Krankheitstage im Jahre entfallen, also jeder nur 11 Monate arbeite und einen vollen Monat krankheitshalber der Arbeit fernbleibe. Dieser Zustand sei unhaltbar. Die hohe Direktion sucht aber die Ursache nicht in ihrem Betriebe, sondern lediglich b e i den Arbeitern. Ganz so, als wollte sie sich aus diese Weise ein Alibi sichern, um die M i ß st ä n d e im Betriebe aus alle Fälle zu bemänteln. Bei diesem ihrem Vorgehen hat die Direktton weder Vorstand noch Ausschuß ihrer Betriebskrankentass« befragt und den Betriebs- rat als Lust behandelt. Die Direktion der Bautzener Papierfabrik hat hier an einem Schulbeispiel gezeigt wie das Unternehmertum sich die Sozial- Versicherung vorstellt und weshalb«s ihren Abbau fordert anstatt ihren Ausbau. Für die F a b r i k i n s p e k t i o n bietet dieser' Fall ein« dank- bore Ausgabe, die wirklichen Ursachen der häufigen Krankheitsfälle und Unfälle klarzustellen. Di« Arbeiter aber müssen sich sagen lasten, daß bei starker politischer und gewerkschaft- licher Organisation man sie nicht derart am schwar.zen Brett beschimpfen und bedrohen könnt«, wie«s hier geschehen ist. Der englische Schiedsspruch. Im Baumwollkonflitt. Manchester, 22. August. Das mit der Beilegung des Konfliktes in der Baun»- Wollindustrie betraute Schiedsgericht hat entschieden, daß die Forderung der Arbeitgeber nach einem Lohnabbau von 12 H Proz. berechtigt sei. Die verminderte« Löhne sollen am Zahltag der am 14. September d. I. endenden Woche in Kraft treten. Dieser Ausgang der Schlichtungsattion befremdet um so mehr, als der Entscheidung die nachstehende Meldung voraufgegangen war. London, 22. August. Der Präsident der mit der Schlichtung des Konfliktes in der Bnumwollindustri« beauftragten Kommission, Richter S w I s t. schlug beiden Parteien vor. sie möchten selb st versuchen, eine gemeinsame Grundlage für die Beilegung der Meinungsverschiedenheiten zu finden, und erklärte, es sollte nicht der Kommission uberlassen werden. In dieser Frage zu entscheiden. Die Kommission veriagte ihre Sthungen. Zwischen den Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeiter fand eine Besprechung statt. Da beide Parteien zuvor erklärt hatt«n, sich einem Schieds- spruch zu unterwerfen, dürste damtt der Konflikt in der englischen Baumwollindustrie zum Nochteil der Arbeiterschaft beendet sein. Zum Gewerkschastsfest am Sonntag. .Im Zeichen der wachsenden Einheit...* Tagtäglich werden die„revoluiionären oppositionellen" Ge- werkschastsmitglieder in den Spalten des Moskgublattes bestürmt, dem„großen Kaffeeklatsch in Treptow" fernzubleiben. In einer Zeit des rücksichtslosen Abbaues der Sozialoersicherungen, der wachsenden Erwerbslosigkeit und der gesteigerten Ausbeutung im Betrieb, führe der Ortsausschuß des ADGB. statt einer Kampf- demonstration„einen gemütlichen Rummel" durch. Um so erfreulicher sei es, daß die oppositionellen Gewerkschastrr — den Anweisungen der KPD. folgend— zur Beteiligung an der kommunistischen Sportveranstaltung aufforderten, von der gesagt wird, daß fl« im Zeichen der wachsenden Einheit der revolu- tionären Arbeiterschast stehe. Es liegt uns fern, gegen das kommunistische Sportfest etwa« zu sogen, noch gegen die etwas aufdringlichen und verzweifelten An- strengungcn, um für das nötig« Publikum zu sorg««, das die Reh- berge an diesem Sonntag füllen soll. Wir haben auch nichts da- gegen, w«nn dieses Sportfest als eine Kampfdemon- st r a t i o n ausgegeben wird. Das„Zeichen der wachsenden Einheit" der„revolutionären" Arbeiterschast ist jedoch nur als«ine Umschreibung zu werten für die Spaltung der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft durch die KPD. Wenn uns ab«r für das Gewerkschaftsfest am Sonntag in Treptow in Aussicht gestellt wird, daß es von kommunistischen Ouertreibereien samt Scholmcikapellen verschont bleibt, so können wir dies nur begrüßen. Denn viele Gewerkschaftsgenosien, insbesondere die älteren Genossen, die unrer Kamps und Kampfdemonstration etwas anderes oerstehen als den per- sönlichen Kampf von Arbeitnehmer gegen Ar- beitnehmer und sich deshalb bei solchen Gelegenheiten fern- hielten, werden es daraufhin wagen, mit ihren Familienangehörigen am Sonntag nach Treptow zu kommen. Bietet doch das olljährliche Gewerkschastsfest di« einzige Ge- l«genheit in Berlin, alle Gewerkschaftsgsnosfen und -genossinnen samt ihren Familienmitgliedern zusammen- zuführen und einander näherzubringen. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit wird dabei bestärkt, neue Fäden werden geknüpft, und je ungestörter der Verlauf des Gewerkschafts- fest«?, dcstobesserderErfolgfürdieGewerkschafts- bewegung. „Revolutionäre" Aktion. Die KPD. züchtet Denunzianten. Bcretts im„Borwärts" vom Donnerstag zeigt«« wir. wie di« „Rote Fahne" in ihrem Kampf gegen die Berliner Berkchrsaktien- gesellschoft zu einem letzten verzweifelten Mittel greift, indem sie die Arbeiter der BVG. ersucht, Borkommmss« aller Art aus dem Betriebe zur V«röffentlichiing zu melden. Das System der Arbester- korrespondenten hat sich also nicht bewährt, man versucht nunmehr alle Arbeiter z» Spitzel- und Denunziantendiensten l>cronzuziehen. Was dabei herauskommen wird, können wir schon heute an zwei Fällen zeigen, die das Bolschewistenblolt sich vor einigen Tagen aus der BVG. melden ließ. Ein Bahnhofsvorsteher Hot angeblich in betrunkenem Zustande die Kassenalarmvorrichtung in Betrieb gesetzt und dabei die Arbeiter mit den gröbsten und gemeinsten Schimpfworten belegt. Tatsächlich Hot der Varsteher pflichtgemäß die Alarm- anlage probiert: in einigen Teilen des Betriebes funktionierte sie nicht. Di« deshalb ausbleibenden Arbeiter geben selbst an, daß sie weder angeschnauzt wurden, noch daß der Vorsteher betrunken war. Fall 2: Die BBG. soll«inen Wiener, nur weil er Sozial- demokrot ist, sofort als Arbeiter«ingestellt haben. Das ist so ge- logen wi« alle Schlußfolgerungen, die die„Rote Fahne" daran knüpft, ersundcn sind. Tatsach« ist allerdings— und dos wird von gewerkschaftlich organisierten Arbeitern der BVG. besonders betont— daß neue Arbeiter auf ihre gewcrlschaftliche Organisation hin geprüft werden, weil nur mit starken Organisationen gute Tarifverträge abzuschließen und durchzuführen fkrd. Daß sich darüber die Verlreier der„revolutts, nären Unorganisierten" ärgern, können wir verstehen. Dos ganze Angebersystem der„Roten Fahne" ist ein« letzte Aktion von Leuten, die in Berlins größtem kommunalen Betrieb abgewirtschaftet haben und nun nicht davor zurückschrecken, jede zugetragene Lüge und jede Verleumdung zu veröffentlichen, wenn sie nur ihren dunklen politischen Zwecken dienlich scheint., � Angefiellienforderungen in Oberschlesien. Gieiwitz, 22. August. Nachdem der Reichsarbeitsminister die Verbindlichkeitserllärung des letzten Schiedsspruches für die Angestellten in der oberschlesrscheu Schwerin du st rie abgelehnt hat, haben sich jetzt die Angestcll- tenorganisationen an den Arbeitgeberverband gewandt, um neue Verhandlungen einzuleiten. Die Angestelltenorganisationen haben vorgeschlagen, ihnen ein Viertel des Gehalts einmalig zu zahlen, um ihre Forderungen bis Ends dieses Jahres abzugelten. Die Angestelltenverbände haben ferner den Tarif für die ober» schlesischen chandelsang« st eilten zum 30. September gekündigt und fordern eine Gehaltserhöhung von 13 Proz. Zu Tarifverhandlungcn wird es am Ansang des nächsten Monats kommen._ Straßenbahnerstreik in Lille. Paris, 22. August.(Eigenbericht.) Die Stroßenbahnführer und-fchaffner in Lille sind nach einer am Donnerstag früh- abgehaltenen Versammlung in den Streik getreten. Der Streik wurde beschlossen, da die Stadtverwal» tung sich weigerte, eine Lohnerhöhung von vier Franken zu bs- willigen und nur zwei Franken zuzulegen bereit war. Was ist daran wahr? New Jork. 22. August.' Nach Meldungen aus Buenos Aires wurde in Rosa- rio von streikenden Dockarbeitern«ine Bombe gegen einen Straßenbahnwagen geworfen. Der Wogen wurde zur chälfte zerstört. Der Führer und zwei Fahrgäste wurden schwer verletzt. Bei Buenos Aires veranstalteten streik eiBWe Arbeiter einer Ä u t o f a b r i k einen Umzug durch die Stadt. Dabei übergosien sie die ihnen begegnenden Autos mit Petroleum und st eckten sie in Brand. Präsident I r i g o y e n sandte den A r b e i t s m i n i st e r zu einer Vermittlungsaktion nach Rosa- rio. Der Minister wurde jedoch von den Streikenden mit Bs- leidigungen und Beschimpfungen überschüttet. Entweder handelt es sich hier um unsinnige„reooluttonäre" Aktionen oder aber um eine grobe Stimmungsmache. Streikende Arbeiter, di« mit derartigen Mittelchen ihr«r Sache zu dienen versuchen, wären schlecht beraten und gewerkschaftlich un- geschult und undiszipliniert._,....... „Um Sie iKuljc wieberherzustelten." Ren» Park. 22. August. Wie aus Mexiko gemeldet wird, ist es in der Gegend von Ouintana zwischen Plantagenbesitzern und i n d i a n i- schen Landarbeltern wegen der schlechten Arbeit»- bedingungan zu Kämpfen gekommen, in deren Verlauf mehrere Personen getötet und zahlreiche verletzt wurden. Di« Regierung hat T r u p p« n in das Gebiet entsandt, um di« Ruhe wiederherzustellen., Die Ruhe ist in diesem Falle von den Plantagenbefitzern ge-, stört worden, fcur6> ihre unverschämte Ausbeutung der Land-.' arbeiter. Die chcrren verfügen über Schußwaffen. Di« Regierung?- truppen aber werden gegen die Arbeiter geschickt, um den Plantagenbesitzern vor den Arbetterfordeningen Ruhe zu verschaffen. Zu den Toten und Verletzten kommen bei der Ruheherstellung durch Militär erfahrungsgemäß eine größere Reihe Tote und Verletzt« hinzu. Der Ordnung halber! Arbeiiswilligenfchutz in Argentinien. Buenos Aires. 22. August. Di« meisten argentinischen Gewerkschaften haben den Streik proklamiert. Truppen sind aufgeboten worden, um die nicht gewerkschaftlich organisierten Arbeiter zu schützen. * Die Parteinahme für das Unternehmertum scheint in Argen- tinien noch ziemlich stark ausgeprägt, wenn das Militär schon zum Arbeitswilligenschutz eingesetzt wird, bevor der Streik begonnen Hot. Die Reichssektion Gesundheitswesen im Verband der Gemeinde- und Slaatsarbeiier hat im Laus« der letzten zehn Jahre sich prächtig gehalten. Ihr Mitgliederbestand betrug 1919 43077 Mitglieder. Er konnte bis 1922 auf 48 312, d. h. um 12 Prozent gesteigert wer- den. Die Jnslation, die Stabilisierung, di« Beschränkung aller ösfent- lichen Ausgaben und der dadurch bedingte Personalabbau, dazu der Zerstörungskampf der Kommunisten gegen die Gewerkschaften führt« zu einem Rückschlag auf 29 297 Mitglieder am End« de? Jahres 1924. Allen Schwierigkeiten zum Trotz wurde jedoch mit Eifer und mit erfreulichem Erfolg im letzten Jahr- fünft die Organisattonsarbeit in Angriff genommcn und durchgeführt. Die Mitgliederzifser stieg von 29 297 aus 41843, d. h. um 42 Prozent. Die Reiefcssektion ist damit di« ausschlaggebende Gewerkschaftsorganisation des Personals im Gesundheitswesen geblieben.__ iIZd»FreieGewer?scha?is-Iuaenö Verlin. Nchwa«! Leute Abrechnung der noch ausgeljenden Damvlerkarlei, i» bet Jugend, entrale.— Leute, greitag. ISZ, Uhr, tenen ine©rapu-n; Aordring: Jugendheim, Echule Lonoenburger£lr. 20.?v!k-°wirtlchgit- liche Plaudereien.— Sharlottcnbnrg: Iug-ndheirn Spreelir.»?. L-scahend.— gepoelinpl-t,! Jugendheim dl, Brvrt.-amt» Vedding. Graun,«icke Larzbrg. ltraße. Portrag:„Pas modern« Theater".— H«riuo->n»l»t>! Gruvoenhenn. lougendheim. Eanderstr. It.©che Lohrechtsiroße. Lichtdilderoor rag:»Die Sirch« in der Peiritatur".—©irden. TLdmehrn: errnrp-nhe'm Nogertorslr. S. r>. rart. Portrag:.M'hrer der Arbeiicrbemegung: Siugust Bebel".— Sansa. Ichulenmeg: Jugendheim chrnftflr. Ifi. Poe, rag:„Äuiqaben und.Ziel» der>7©3-' — Zentrum: Spaziergang durch die iiiehherge. Treffen 10 Uhr Ptiir-r, Sitf Seestraße.— Mir spieien ab JH Uhr: Sndsfte»! Auf dem Sparipioi» am Urban.— Weißeasecr Im Stadion am hauten Cee.— Oglrei«: Air bad'N ab 18 Uhr im Nußbad fllingrnbcrg. 1 Iuaendaruvve des Zenirawerkondes der Anaestellie» --„a? Leute, ssreijag. finden folgend? Peranffaltungen lii-U: Panloni-Sichrr. fchönhaulen: Jugendheim sörschftr. ll(groß»» Iimmer). Portrag:„Tg» Tentsche Reich«inc Rcpublil". Rekerent: Pachonv— vberlpre«: Iuge od. heim Laufener Slr. 2. tiÄtbilderva-traa:„Pie dcutlchen Aloen". Ne'er?ni: Georg Seilbrunn.— ftiipeaidi Jugendheim Grünauer Str. Z..Zimmer I. Vor. trag:„Die deutsche Reichsocrfassung". Nckercn!: Mann.— Südmeft: Jugend' heim de» Ort»bureaus Belle. Allianec. Str. 7—10. Seimabend.— Spiel na» Sport! Volkspark NeukSlln ab IS Uhr, Spielplaß Bremer Straß« ab 18 Ubr. Treptower Park. Diese 7. ob 20 Uhr. Oberg, dl man nnr dem Ra-daa,» de, Den, Ich?» Mulikeroerdande». Berlin. Kom- mandanlenilr. 63,51 Dönhoff 3277-74 BeschSflszetl 9—5. Sonntag, 10— J Uhr. Auf Wunsch; Pertreterdesuch. Freitag 23. August 1929 Unterhaltung unö Wissen Beilage des Vorwärts mardy Worm: ÄM' gllflllHifcIlllll Sherlock Holmes junior sah in seinem Arbeitszimmer und dachte angestrengt nach. Das war seine gewohnt« Beschäftigung Um seinen Gtist anzuregen, steckte er etwas Radiergummi und ein« kleingeschnittene Käserinde in die glimmende Shagpseife und machte einige kräftige Züge. Plötzlich schrillte die Korridorklingel. Die Nasenflügel des Welt« detektivs begannen zu flattern. Aber er erhob sich nicht um zu offnen. Das überlieh er seiner Wirtschafterin. Sherlock Holmes oernahm einen aufgeregten Wortwechsel. Hell schrillte die Stimme der Wirtschafterin:„Nein, ich sage Ihnen doch, daß der Meister nicht zu sprechen ist. Er denkt nach. Er weiß nicht, wohin er seine Steuererklärung gelegt hat." Daraus die tiefe Stimme eines Mannes:„Ich muß ihn aber unbedingt sprechen. Es geht auf Leben und Tod." Ein befriedigtes Lächeln zuckte um die Mundwinkel des De- t?ktios. Eine klein« Mordaffäre kam ihm gerade recht. Sherlock Halmes zog seinen vorzüglichen Browning aus der Tasche und schoß in den Kronleuchter. Das war ein veoabredetes Zeichen, einen Besucher zu empfangen. Eine Sekunde darauf öffnete sich die Tür und Miß Buttler reicht« eine Bisitenkarte herein.„Joe Sunlight" stand daraus. Wester nichts. Ein elegant gekleideter Herr trat ein. Seine Miene drückte äußerste Bestürzung mm. Im linken Knopfloch trug er einen Meerrettig. „Bitte, nehmen Sie Platz, Mr. Sunlight!" sagte Sherlock Holmes gewandt. Er verfügte, je nach Bedarf, über die Manieren der vornehmen Welt. Der Besucher siel überrascht in den Klub- sesscl.„Woher kennen Sie meinen Namen?" stominette er erstaunt. „Woher ich das weiß? Ich bin Sherlock Holmes. That's alll* Er sprach natürlich alles englisch, weil das seine Muttersprache war. „Also, Mr. Holmes, ich muß Sie in einer dringenden An- gclegcnheit sprechen."„Ich weiß", sagte der Weltdetekttv.„Was macht übrigens die Lissy vom Hotel„Continental"? Der Besucher starrte Holmes mit offenem Munde an.„Sind Sie allwissend?" Der Detektiv spritzt den Inhalt eines Tintenfasses auf den Perser Teppich.„Eine verdonimte Hitze heute. Tinte saugt die Wärme auf." Mr. Sunlight ahnte nicht, welche Absicht Holmes mst dem Tinteverspritzcn verfolgte. Er kannte nicht die Hilfsmittel moderner Kriminalistik. „Woher ich weih, daß Sie im Hotel„Eonttnental" logiert haben? Ich weiß sogar noch mehr. Sie kommen in der An- aokezenheit eines Gummischuhs." Der Leser kann sich dos Ent- setzen des Mr. Sunlight ausmalen. Der war einfach baff, platt, um vulgäre Ausdrücke zu gebrauchen. Holmes fuhr mit metallisch klingender Stimme fort:„Passen Sie auf: Die Sohle Ihres linken Schuhes trägt die mst Kreide ge- schriebene Zahl 621. Sie haben also in einem Hotel logiert: außer dem„Continental" gibt es keins, das über so viele Zimmer ver f'igb Weiter: Auf Ihrem Rockkragen befindet sich ein goldblondes 'Haar. Es gibt im ganzen Hotel kein Zimmermädchen, außer Lissy, das über solche Haarfarbe verfügt." Der Detektiv hielt einen Augen. blick inne. Ein träumerischer O-Zug fuhr über sein Gesicht und blieb in den Nasenwinkeln wie vor einem Prellbock stehen. Dann fuhr er fort(nicht der D-Zug, sondern der Detektiv):„Auf Ihren: rechten Fuß befindet sich ein Gummischuh, während der link« einen solchen vermissen läßt." Mr. Sunlight sprang auf.„Sie haben recht. Jetzt weiß ich, daß ich an der richtigen Quelle bin. Sie werden mir wieder zu meinem Eigentum verhelfen." Holmes sagte teilnahmsvoll:„Sie scheinen sehr an Ihrem Gummischuh zu hängen?" Mr. Sunlight fuhr sich mit dem Taschentuch über die hellblauen Augen:„Ich hob« sie von meiner Frau zu Weihnachten geschenkt bekommen." „Ziehen Sie Schuhe und Strümpfe aus. Ich muß Ihre Schuh- große feststellen". Mr. Sunlight tat das mir ungern. Er hatte dringender Ge- schäfte wegen vier Wochen lang nicht gebadet. Aber der Detektiv war Leichengeruch gewöhnt.„So— und nun treten Sie mit Ihrem barhäuptigen Fliß in diesen Tintenfleck. Fest auftreten, bitte!" Jetzt wurde dem Besucher klar, warum der Detektio die Tinte verspritzt hatte. Er war ganz hochachtungsvoll ergebenst. Aber der Detektiv war ein Mann der Tat. Er breitete ein Stück Papier auf dem Schreibtisch mis und bat Mr. Sunlight. seine tintengetränkte Fußsohle auf das obengenannte Stück Papier, das noch in einem späteren Band eine große Rolle spielen wird, ab- zudrücken. Nachdem diese wichtig« Prozedur erledigt war, photographierte der große Meister den Fuß des Mr. Sunlight und blitzte einmal unheilvorkündend mit seinen Augen.„Wo hat Ihre Frau die Gummischuhe gekauft?" fragte der Detektiv inguisstorisch. Mr. Sunlight dachte einen Augenblick nach. „Ich entsinne mich, von der Firma Butterfly eine Rechnung über 16 Schilling darüber empfangen zu haben." Sherlock Holmes lächelte verständnisinnig.„Kommen Sie heut« abend um 6 Uhr zu mir. Sie werden dann Ihren fehlenden Gummischuh in Empfang nehmen können." Mr. Sunlight ver- beugte sich„Ich habe gewußt, daß Sie mir helfen würden." In den nächsten Stunden war der Meisterdctektio geheimnis- voll tätig. Er benutzte ein Auto und fuhr zu der Gummiwaren- fabrik Butterfly.„Ich möchte ein Paar Gummischuh, Größe 48. Aber ein bißchen schnell, denn ich bin Sherlock Holmes." Der Detektiv bekam natürlich Prozente. Er war in ganz Lon- dem bekannt. Wieder in seinem Arbeitszimmer angelangt, nahm Holmes den linken Gummischuh und rieb die Sohle mit Sand- popier ab. Er(der Gummischuh) machte jetzt einen abgenutzten Eindruck. Punkt 6 Uhr öffnete sich die Tür und das erwartungsvoll« Gesicht des Mr. Sunlight tmichte im Türrohmen ernf. Der Detektiv faß fest in feinem Stuhl. Wie ein deutscher Außenminister.„Bitte, hier ist Ihr Gummischuh!" Der Besucher riß Mund und Nase auf, so daß seine Goldplomben zu sehen waren. Beglückt preßte er den Gummischuh an sein Herz. Eherlock Holmes sah ihn triumphierend an.„Wer bin ich?" fragte er bescheiden. Mr. Sunlight riß eine hohe Banknote aus der Tasche und schob sie dem Meisterdetektio unter den Teppich. Aber das Auge von Holmes war scharf. Als der Besucher das Zimmer verlassen hatte, zog der Detektiv feinen Revolver und schoß dreimal in die Kommode. Das war zwischen ihm und der Wirtschafterin das verabredete Zeichen, dos Abendbrot ziirechtzu- machen. tinflup der Sonnenftecke Der auf einer Bolkssternwarte die Aufgabe hat, die Besucher in die Wunder der Sternenwelt einzuführen, wird sehr häusig un- gläubigem Staunen begegnen, wenn er unter anderem berichtet, daß die Sonnenslecken. diese scheinbar winzigen„Schönheitsfehler" aus dem Antlitz unseres Zentrolgestirns, einen großen Einfluß auf irdische Verhältnisse und Erscheinungen haben.„Die Sonne ist löO Millionen Kilometer von der Erde entfernt", so heißt es,„wie sollen da die Sonnenflecken sich noch auf der Erde bemerkbar machen köynen". Was sind eigentlich diese merkwürdigen Sonnenslecken? Als einer der ersten syh sie Galilei im Jahre 1616 mit dem damals kaum erfundenen Fernrohr. Unabhängig von ihm wurden die Flecken 161 l von Johann Fabriciu» und dem Icsuitenpatcr Scheiner ausgesunden. Letzterer hielt sie anfangs für zufällig vor der Sonne stehende kleine Planeten. Man darf aber annehmen, daß diese Erklärung Scheiners auf den Einfluß seiner kirchlichen Umgebung zurückzuführen ist. da die Sonne, das Urbild der Reinheit, mit Flecken der scholastischen Philosophie sener Zeiten widersprach. Die Beobachiung zeigte aber bald, daß sich die Flecken auf der Sonne in der Richtung von Westen nach Osten bewegten. Tauchte solch ein Fleck am Ostrand« aus, dann bewegte er sich langsam vorwärts, verschwand nach zwölf bis vierzehn Togen am Westrande und erschien dann häufig nach ungefähr vierzehn Tagen wieder im Osten. Scheiner. der als erster diese Bewegung der Flecken genauer verfolgt, schloß daraus sehr richtig aus«ine Rotation der Sonne um eine Achse innerhalb 25 Tagen. Auf Photographien von der Sonne, die auf astrophysi- kalischcn Observatorien täglich gemocht werden, erkennt man zunächst. daß die Flecken aus einem dunklen Kern und einem weniger dunklen Hof, der„Penumbro". bestehen. Die Flecken sind aber in Wirt- lichkeit durchaus nicht so dunkel: sie erscheinen so durch die ungeheure große Helligkest der Sonnenscheib«. Die Oberfläche der Sonne ist mit unzähligen hellen und dunklen Pünktchen übersät. Aus vor- läufig noch unbekannter Ursache entsteht in diesem körnigen Gewirr »in größerer dunkler Punkt. Dieser ist sozusagen ein Embryo eines in Bildung begriffenen Sonnensleckens. Die Flecken können unter Umständen solche Dimcnsivnen annehmen, daß sie sogar dem un- bewaffneten Auge sichtbar werden. Durch Messungen sind Gruppen bis zu 100«« Kilometern Durchmesser nachgewieftn worden. Sie sind aber sehr veränderlich. Bor 1S0 Iahren hielt man diese Flecken allgemein für Schlacken, die auf der Oberfläche der sogenannten Photosphäre schwämmen. Im Jahre 1771 äußerte der Wllrttemberger Schülen die Ansicht, daß die Flecken trichterförmig« Vertiefungen In der Sonnenoberflöche seien, indem der Kern viel tiefer liege als die leuchtende Oberfläche. Diese Anschauung fand in neuerer Zeit« eine große Stütze durch die Resultat« der Untersuchungen, die Hol« mit dem Spektroheliographen erzielt hat. Danach tonn man heute mit ziemlicher Sicherheit an- nehmen, daß die Sonnenslecken elektrisch geladen« Wirbel auf dem Glutball des Sonnenkörpers sind, sogenannte,„magnetijche Stürme". Interessant ist nun die Tatsache, daß sich die Fleckentätigkeit der Sonne auch auf der Erde sehr deutlich bemerkbar macht. Bei großen Fleckengruppen haben wir sehr starke Polarlichterscheinungen und zu gleicher Zeit zucken auf der ganzen Erde sämtliche Magnetnadeln. Am 31. Oktober 1903 stockte aus diesem Grunde in ganz Frankreich der Telegraphenbctrieb. Bei durchaus seßbaftcn Vögeln, den sibirischen Tannenhähern, hat man beobachtet, daß sie zu manchen Zelten von einer seltsamen Unruhe gepackt werden, die sie zwingt, ihre Brut« Heimat zu verlassen und sich in gewaltigen Mengen plötzlich aus die Wanderung zu begeben. Die großen Wanderungen dieser Vögel fallen gewöhnlich mit Sonnen sleckenperioden zusammen. Es ist heute mit absoluter Sicherheit bekannt, daß außer Sonnen- licht und Sonnenwärme auch gewisse Strahlen der Sonne auf die Erde einwirken, die Veränderungen komplizierter Art in den höheren Luftschichten hervorrufen und besonders den elektrischen Zustand der Lufthülle ändern. Wenn nun infolge besonders starker Sonnen- fleckenansammlung die Strahlung der Sonne gewissermaßen schwankt, so muß auch«ine Aenderung im Zustand unserer Erdatmosphäre eintreten. Ernten. Wetter und das ganze Wohlergehen der Menschen sind davon abhängig. Die Einwirkungen können, wie Beobachtungen gezeigt haben, katastrophal sein. Regengüsse zerstören Brücken und Bahndämme, Wirbelstürme große Städte und an manchen Stellen wird die ganze Ernte vernichtet. Schon der große Astronom Herschel Hot die Ernten mit der Sonnenfleckentötigkeit in Zusammenhang gebracht und in den Aufzeichnungen der Londoner Getreidebörse tat- sächlich eine Widerspiegelung des Einflusses der Flecken auf die Ernten gesunden. Man kann also eine gerade Linie ziehen von den Sonnenslecken zu den zeitweisen Hungersnöten auf der Erde. Merkwürdig ist die Periodizität der Flecken. Die sorgfältigen Beobachtungen der Sonnenslecken während des letzten Jahrhunderts haben deutlich vor allem eine elfjährige Periode erkennen lassen. Aufgezeichnete Kurven von Sonnensleckentätigkeit, Häufigkeit der Polarlichter, Abweichungen der Magnetnadel usw. zeigen ein« voll- kommen« Uebereinstimmung. Das letzte Sonnensl«ckenmaximum war z. B. in den letzten Jahren 1927 bis 1928, das durch große Unwetter, Stürme und viel«? andere noch heute in unangenehmer. Erinnerung ist. Man darf aber sogar mit aller Wahrscheinlichkeit annehmen, daß nicht nur von der Sonne, sondern auch vom Mond und von den anderen Himmelskörpern die irdische» Verhältnisse zum großen Teil beeinflußt werden. Viele Fragen sind unbeantwortet, und manches Rätsel muß noch von der Wissenschaft gelöst werden, um ein klares Bild von diesen komplizierten Erscheinungen vermitteln zu können. Wir er- kennen aber mehr und mehr, daß wir großen, ehernen Gesetzen unter- warfen sind, daß wir Erdgcbundcnen eigentlich nur die Rolle von Bakterien aus unserem Erdball spielen, der ein Pilger im Universum ist, ein Spielball ckosmischcr Kräfte, Erich Krug. ZKabareU in tlordafrika Die Hafenstädte zeichnen sich auf der ganzen Welt durch zwei Ding« aus: einmal sind sie alle reichlich schmutzig, und dann haben sie den internationalen Zug. Was für ein buntes Gemisch von Leuten aller Länder trifft hier zusammen? Die schmutzigsten Hafen- städte sind nach meiner Ansicht Genua und Marseille. An der nord- afrikanischen Küste ist Algier, das ehemalige Raubnest der Mittel- meerkorfarcn, dagegen noch blitzblank. Dafür hat es aber manchmal einen Dölkermischmasch im Hafen, der grotesk sein kann. Maßstab dafür ist die Schiffsliste des Tages. Mit dem Verzeichnis der an- gekommenen Dampfer. Einmal waren folgende Dampfer ein- getroffen: zwei Italiener, ein Däne, eine englische Torpedoboots- flottill«, zwei Spanier,«in Grieche, ein Deutscher, zwei tunesische Küstenfahrer und zwei amerikanische Touristendampfer mit Ver- gnügungspnblikum. Als ich am Nachmittag diesen Völkerbrei studierte und über- legte, wo man wohl die besten Menschenstudien machen könnte, kam ich auf das einzige Kabarett von Algier und ging am Abend hinein. Meine Rechnung war richtig auf allen Rängen ein Vielerlei von ver- schiedenartigen Ai�llgcn, Mützen und— Sprachen. Im Parkett englische und amerikanische Offiziere und Touristen, entweder im Smoking oder in Uniform. Ferner französische Offiziere der Garnison mit ihren Frauen. Dazwischen reiche Araber aus der Stadt, in wallenden Gewändern, mit Turban oder Fez. Der weihe Burnus oft mit Gold bestickt. Vereinzelt in den Rängen auch Em- geborene, meist Bauern aus der Umgegend von Algier, die einmal einen guten Tag verleben wollten. Und all« Sprachen von Schang- Hai bis Treuenbrietzen, von Rcikjavik bis Kapstadt. Die erst« Nummer war eine Sängerin. Es ist immer peinlich, wenn eine Frau mit fünfzig Iahren, wenn sie auch noch so aus- gedonnert ist, Jugendlichkeit mimen will. Das erst« Lied ging vor- über, aus den Galerien erhob sich ein wildes Pfeifen und Gegröle. Mit Rücksicht auf die vielen anwesenden Engländer und Amerikaner sang dann die Frau ein Liedchen aus der amerikanischen Schmalz- operette„Roseniarie". Ihre Stimme war brüchig und die hohen Töne gerieten ihr nur kreischend. Die reichen heimatbegeisterten Leute aus Amerika im Parkett klatschten wie toll, während die Galerie und die Ränge unter Führung der Spanier und Griechen tobten. Gleich werden sie sich teilen, dachte ich, aber es ging noch vorüber, obwohl die französischen Ossiziere im Parkett drohend nach oben blickten. Als zweite Nummer trat ein Verwandlungskünstlerchepaar auf. Nun scheint aber eine auf der ganzen Welt verbreitete Verwand- lungsnummer der„spleenige Engländer" zu sein und richtig:— die Nummer kam. Die Engländer im Parkett waren etwas betreten. aber die Galerie tobte nach Herzenslust. Und brüllte die tollsten Dinge noch unten, die von unten schrien wieder zurück, und so war denn ein solcher Tumult im Gang, den die Kapelle vergeblich z? übertönen versucht«. Bis die nächste Nummer austrat. Das waren dressiert« Hunde. Aus der internationalen Basis der Anerkennung erreichter guter Dressurleistting einigten sich Galerie und Pdrkett im Geknatter der Apploussalven, Bei allem Spektakel hatten die Eingeborenen am besten ihre Ruhe bewahrt. Sie hiellcn die derben Stöcke zwischen den Knien und rauchten gelassen ihre Zigaretten. Es folgte dann im Programm ein Zauberkünstler, dessen Ztame natürlich italienisch aus-ini aus- lautete. Grund genug für die faschistisch angesäuselte italienische Schisssmannschaft, ihre Hymne zu singen,«benso prompt stimmten die anwesenden Franzosen die Marseillaise, die Amerikaner„Parckee Doodle" an. Nur die Engländer blieben ruhig, und die wenigen Deutschen wagten sich nicht hervor. Doch auch dieser Krach hörte auf, nachdem die verschiedenen Nationalhymnen zu Ende gesungen waren, und es trat dann ein Akrobatentrio auf. Ein Neger, ein Russe und ein Deutscher. Die drei Gummimänner sprangen durch die Luft, hierin, dorthin, durcheinander, ouseinander, obendrüber, »ntendurch, daß mir schon beim Zuschauen schwindlig wurde. Und in dos Beffallgebraus am Schluß der Nummer mischte sich von einem Rang aus der schön« deutsche Ruf:„Dat mokt die keener noch, min Jung!" Sicher ein fixer Hamburger Jung, der seine Begeiste- rung austobt«. Den Schluß des Programms machte dann wieder ein« Sängerin, die zwar jünger als die erste war, dafür aber so moger, daß man sie schon mit«inigen gepfefferten Zurufen empfing. Sie fang ein Seemannslied. Von dem Schiffer, den das Meer nicht wieder zurückgibt, während feine Frau sehnsüchtig am Strand auf ihn wartet. Di« Frau sang mit„wahrem Gefühl und falscher Stimme". Was sie an Zurufen erdulden mußte, war einfach unerhört. In allen Sprachen rief es durcheinander:„Lieber im Meer versoffen. als so eine Wachtel zur Frau! Wecke uns mch uff mit dein Gesinge. wir schlafen so schön hier! Polizei! Polizei! Die Olle raus- schmeißen, sie tötet uns den Nerv!" Nur das Parkett im Bewußtsein seiner besseren Erziehung bewahrte Haltung und applaudierte zum Schluß. Und als dann die Sängerin das Lied von dem betrogenen Husaren als Zugabe sang. dessen Mädchen verheiratet ist, als er aus dem Krieg zurllckkommr, erst da fühlten wohl auch die Rangplatz- und Galerieinhaber, daß Kabarett schließlich ein Broterwerb ist und gaben schüchternen Beifall. Bielleicht waren sie auch gerührt, weil die Sängerin bei den Zurufen in Weinen ausgebrochen war und trotzdem die Zugabe sang. Es war immerhin Ueberwindung. Dann war der Spuk zu End«. Die englischen Soldaten und sämtlich« Schiffsmannschaften zogen durch die verbotenen Straßen, die Touristen taten desgleichen, doch in der besseren Preislage. Sechs Keilereien fanden statt, sieben Raubüberfäll« und zwei Matrosen wurden verwundet. Der Polizeibericht machte dos am andern Tag mit zwei Druckzeilen ob. Es war eine für algerische Hosenverhältniss« ruhige Nacht.____ B. Krü g e r. £cidtenfeier mit Feuerwerk Einen merkwürdigen Scherz mit seinen Hinterbliebenen leistete sich der japanische Dichter Jtku, der vor hundert Iahren starb. Ikku war wegen seiner unzähligen Schalkstreich« im ganzen Land« berühmt und berüchtigt. Als sein Testament oerlesen wurde. fand sich die Bestimmung, daß seine Leiche nicht gewaschen werden dürfe, sondern auf der Stelle verbrannt werden müsse. Mit diesem sonderbaren Wunsch hatte es seine eigene Bewandtnis. Ikku hatte nämlich von«inem ergebenen Diener allerlei Feuerwerkskörper unter sein Sterbehemd verbergen lassen. Als sich nun die Leid- trogeyden versammellen, um bei der Einäscherung zugegen zu sein, krachten plötzlich hunderte von Schwärmern und Fröschen los, und die feierlich« Versammlung löst« sich, weniger In Wohlgefallen, als in Entsetzen auf. Jkkus Wunsch, den Menschen noch im allerletzten Augenblick einen ordentlichen Schabernack zu spielen, war in Er- füllung gegaugen,; u. f. K nnm ENS M G E TT HdggtBitfrt«— WfcfOTdk«.s.n«p.pfd. 98?,. j Kalbskeule bi»»» d.»chv«. Pfd. 1 ,08 Schweinebauch ahn«B«ii»,pfd.1,22 Schweineschulterblatt»and 1 ,26 Schweineschinken......»andl ,34 i Schweinekamm..-Schuft»d. 1 ,48 Schweinekotelett....... Pfand 1 ,58 Rückenfett bntfertic,o.SchTv»d. 98pf. j Eisbein»N»Mk»!..»«pvk.. t. s. Pfd. 72» Schwelnertppen»«x»k«iL ptd. 1,12 Kalbsschnitzel............ Pfand 2,20 SUPPenfleiSCh frisch,»d. vea 78?,. an GuldSCh gemieebt............ Pfand 1,08 SChmOrfieiSCh ahncKnochen, Pfd.1 ,30 Schabefleisch............ Pfand 1,30 Hackepeter mit Oawdn,»andl ,30 Hammeivorderflelsch»d.T.1 ,1 6an KaSSler mild etsalzcn...»and 1 ,40 Kalbsroulade v«roiit..Pfand 1 ,58 Rinderleber............»and 98». Rinderzungen fr.m. sckiiigij.»d.94pr. Schmorfleisch«. rnach«, Pfand 1 ,22 GulaSCh ahn« Knoehts...... Pfand 98pL Suppenfleisch......»and V«n88»an Hammeivorde rf lelschpfd.v. 88pf.aa Rinderlungen fruch........ Pfand 32rt Gefvievsleisch Rinderherzen frisch........»and 58». Rinderbacken Mach....... Pfand 58». Euter frisch...................»and 24» Schweinenieren Mach.... Pfand 1,18 Rinderschwänze tri.ch... Pfand 76pl Schweineköpfe m.F«tthaeke, Pfd. 50» Fische und NSucheewaeen 'Makrelen................. Pfand 16pl 'SeelaChS ahn« KapL Im gsnMn, Pfd.1 5pl 'GOldbarS ahn« E«;t....... Pfand 20». 'KabljaU ohne Kopf, la ginnen, Pfd. 28». 'Schellfisch.................»�30» 'Grüne Heringe........»»nndSS» Bücklinge.................. Pfand 24?,. Makrelen................... Pfand 30» Bundaale.................... Band 32». Schellfisch................. Pfand 35». ROtbarS..................... Pfand 45». SeelaChS ger«nch«rt........»und 40 Pf. ['Zander g«fror«n.......»and 58».| Neue Schotten> Herlnge75tä°t50i f| Thunfisch m o«i........ d«« 75pi] Norweg. Heringe m Tomiten... 78?,. *) Rar Itlpilgor 5fr., llixtndar,!., Frankfurtir 511««, Kstttus. Duam, Bslt«-5lllue«-StrH Wilmersdorfsr Str. Mllise Älugeboie unsevev LVeittabieUung IWerlllielkzmille�slkWmerei' 0 lnÄ 1K8«r OhermoMler...... 1927er Hambacbar Fe.tr. Tirrtg..«, rot.......... "Himbeeroder Kirsch-Saft� 25 v 10K1. 1927 er fr.ri.rtr SBmtrpfid....\ Vi Kl. WPl. 2 12»«MOO 1927er Mlerjtci.tr Oamtri..... J 185 4I*50 I I■<& Feiner rller Sherrr.......... II I# Erdbeer- Saft gute Qualität.............. Orangeade In bekannt guter Qnalit&t. Insel Samos 160"»50 t Liter# Vi Plasche 150 10 Fl. 14,1 «ortlert elneclilicesU fleeclio Tonttglicha QniHtit, mit Ii Bafd- nado«ingeliecht. ViChampadner-». 10 Fl U.OO' Liter Speziai- Apfelwein Itr Knr- K A A25 sweck», Ltr, 3Upf, 5 Ltr. X Prette ohne Flanehel Douro- Portwein Liter 2a8 5 Liter 1000 Dr. Aosnst Oetker- Fabrikote Arrak- Aroma....................... IOpl Backin-Backpuhrer................ IOpl Backöle Bittennandd, Zltrena, Boa« (siehe«ach Bnm- and Arrak-Aroma)«VPL Dlbona• Cremespelsa Yantii«..... IS». Dlbona• Cremaspals« sohokoiade ISpl ElnmachahOlfa....................... 7pl Clala-Schokelad.-PuddInspulver ISpl Qeleepulver sortiert................ SSp, Götterspeise mit Zaek«r,«ortlert.. 35pi Qrless- Flammeri.................. IOpl Qustln 225........................... 37pl Haus-Natron......................... 3». Krokant-Puddingpulver........... 30» Makronen-Puddingpulver........ 30» Mandelkern-Puddingpulver...... 30». Puddingpulver sortiert............. IOpl Regina* Blettgeleilne weis« and rot 73». Rote-OrützepulverinFaltechachteln 13» Rum-Aroma......................... 10» Sossenpulver........................ Schokoladenspelse■. ptsett sudsii SSpi. VanllHnzuckcr......................... 5» Rezeptbuch P...................... 13» Schulkochbuch C................... 30». Puddingpulver mit Arrakgeschmack 33». Puddingpulver mltBamgeschmack.. 3Sp(. Sortiments........................... 1,00 Puddingpulver mit Schokoladen-__ streassel and Vantllegeacbmack...... mW» Wurstwaren Sülze....................»and 45» Sülzwurst.................. Pfnnd 85». Dompfwurst.................»and 88» Hausmacher-Leberwursl Pfand 98» Spfickwurst..................»and 98» Berliner Mettwurst........»und 95». Feller Speck................. ptnnd 1,18 Fleischwursf.................»and 1,20 Jagdwurst.................... Pfand 1,20 Mettwurst nach Brannechw. Art, Pfd. 1 ,30 Schinkenpolnische....... Pfand 1,35 Feine Leberwurst.... M....»und 1,45 Zervelatwurst...............»and 1,65 Salami........................ Pfand 1,65 Schinkenwursl............. pfnnd 1,80 Teewurst..................... Pfand 1,80 Kalbsleberwurst........... Pfand 1.80 Mausschinken............... Pfand 2,20 Kolonialwaren Bruchreis..................... Pfand 1 6» Burma-Reis...................»and 19» Moulmain-Reis............. Pfnnd 26» Bluerose-Reis............... Pfnnd 34» Harlweizengrless...........»nnd 25» Eiersdinitlnudeln............ Pfand 40». Eierfadennudeln............ Pfand 42» Harfgriessmakkaroni...... Pfand 40». Schokoladenpulver i»««... Pfand 95». Kakaopulver................ Pfand 65». Gerste gebrannt...,........... Pfand 22». Kaffee frisch gebrannt, Pfnnd von 1,90 an Konfitüren Schokolade........ srafein t icftg 88». Bensdorp-Kakao..........»nnd 85» Borkensdiokolade..... v, Pfand 60» Gebrannte Mandeln..v, Pfand 48» Pfefferminzmorsellen..v, Pfnnd 35» Bonbonmischung Uthfrebtrier.Pfd. 45pl Goldbonbonmischung...Pfund 75» Herrenkringel' ,rto»d 48pf. Diabetiker-Brot nach Dr. Senf tner bearbeitet Roggenbrot................. stuck 45» Weizenbrot.................. stuck 50». ErdnUSSÖi........ VirUter-FUsebe 25». ',Vl.-fi.80pl vrL.-»1 ,00 V.-L.-PL1.85 Ital. Olivenöl Olio Cal«, Vi Kanister 80pf. Portugiesische Oelsardinen 4 Port-A C 2 Vt-Klnb- Q C oh.Or5t. Q C Bosen V3pt. dosen O 3». Ds.ÖJPl Russische Fischkonserven MskralsnOO Ksfal OQ Schub OO in Oel OOPL inOeiOOPL Inlom.OOFL Nopöl Eieeenflaaebe. 95 ». ScDenertflcterst25, 35, 50». Poliertilctier «ehr gros» Stück 25,35,, 190 Fenslerleiler.... s«ck 95wT51' MetfliiPBiZ grosse' Flasche 25, 5 Opf, 2- Ptnnd- QKa PPL Dom.... �n#» Hocbleine Toilette-Fettsetle ea 200 g, Stück 35» J Stück 95 PL' •w f i'■''T- W (D cv HERMANN TIETZ Ltipzlgir Sb* lUziidtrplatz$ Frankfurter UIh* WUnenitorler Str. o Belis-AIIIanci-Str.$ Kottboser Damm» Brunnenstr. ♦ öndreasstr. MORMÄRTS Nutzen der Gemeinwirtschast. Was man sür den kommenden Wahlkampf wissen muß. Mit der Veröffentlichung des nachstehenden iluffahe» er- öffnen wir eine Artikelserie, die unseren Lesern für den kommenden Kommunalwahlkampf wichtiges Mate- rial über das kommunalpolitische Leben der Reichshauptstadt vermitteln wird. Diese Aufsähe werden unseren Genossen sür die kommenden Auseinandersetzungen mit den Gegnern der Gemeinwirtschast wertvolle Fingerzeige geben können. Der Kampf um die öffentlichen Betriebe ist. trotzdem die öffentliche Wirtschaft an Umfang und Bedeutung immer mehr zugenommen hat, bis zum heutigen Tage noch nicht abgeschlossen Man wirst den in öffentlicher Hand befindlichen Betrieben immer wieder vor. daß sie selten so rationell und wirtschaftlich zu arbeiten vermögen wie der Privatwirtschaftsbetrieb. Wäre diese Behauptung richtig, so würden die öffentlichen Betriebe nicht mehr bestehen tonnen. Verlustbetriebe haben kein Lebensrecht und verdienen es zu verschwinden. Die Wirklichkeit aber lehrt, daß die in offen:- l-cher Hand befindlichen Unternehmungen sehr wohl lebensfähig find, ja, daß sie bei der heutigen Steuergesetzgebung in Deutschland eines der wesentlichsten Mittel sind, auf das die Gemeinden beim. Ausgleich ihrer Etats zurückgreifen. Alle Gelder der öffent- ljchen Betriebe fließen wieder an die Allgemeinheit zurück. Alles das, was die Gemeinde tut, tut sie für ihre Einwohner. Schon diese Ueberlegung allein spricht sür die Berechtigung des öffentlichen Betriebes. Vielfach übernehmen die öffentlichen Betriebe die Ausführung von Anlagen, deren Wirtjchaftlichkeit nicht von vorn- herein feststeht, aber in der Z u k u n f t zu erwarten ist. Sehr interessant ist der Vergleich zwischen der Leistungsfähigkeit kommunaler und privater Betriebe in Berlin. So kostet z. B. das Wasser der Slädlischen Wasserwerke je Subik- meker l5 Pfennige. Die privaten Eharlottenburger Wasserwerke dagegen, die einen Teil des südlichim Berlin» versorgen, verlangen von ihren Sleinabnehmern 34 Pfennig je Kubikmeter. Dazu kommt, daß der privat« Betrieb noch eine vierteljährliche Ver- waltungsgebühr fordert, die zu dem an sich schon so hohen Wasser- pr'cis hinzukommt. Wenn jemand z.B. ZU Kubikmeter Wasser verbraucht, so bezahlt er bei den Charlottenburger Wasserwerken an reinem Wassergeld zunächst 30 X 34 Pfennige= 10,20 RM. Dazu kommt eine Berwaltungsgebühr von 4,76 RM., daß er insgesamt 14,96 RM., fast 15 SlM. aufzubringen hat. Für die gleiche Wasser- lieferung zahlt er an die Berliner Wasserwerke nur 30 X 15 Pfennige - 4,50 RM Er hat rund 10,50 RM. gespart, weil er das Glück hatte, von einem der in öffentlicher Hand befindlichen Werke bedient zu werden. Etwas Aehnliches zeigt sich bei der Elektrizitäts- belieferung durch die Bewag. Der Lichtstrompreis beträgt in Berlin 16 Pfennige je Kilowattstunde. Dazu kommt eine Grund- gebühr, die für 8 bis 10 Brennstellen 80 Pfennige im Monat beträgt. Di» sogenannte Zählermiete wird vielfach als etwas Unangenehmes empfunden, sie ist aber berechtigt, wenn man bedenkt, daß Elektri- zität für den Abnehmer beschafft werden muß, auch dann, wenn der Betreffende keinen Strom entnimmt. Mit dieser Grundgebühr wird eben ein« gewisse Peserve der Stromliefcrung bezahlt. Die Rheinisch. Westfälischen Elektrizitätswerke dagegen fordern je Kilowattstunde iSÜt Pfennig und nehmen eine Zählermiete von monatlich 50 Pfennig. Der rein« Strompreis ist also hier, bei dem privaten Wert, fast doppelt so hoch wie bei der in öffentlicher Hand befindlichen Bewag. Und auch bei den Gaswerten zeigt es sich, daß die Tarife der in kommunaler Hand befindlichen Gaswerke billiger find als die der privaten Werke. Der Gasprcis schwankt in Deutsch- land zwischen 12 und 30 Pfennige für den Kubikmeter. Trotz ständig unkender Verkaufspreise haben die Berliner Werke folgende Brutto- Überschüsse erzielt, die der Stadt zu geflossen sind. 1924 1925 1926 1927 Gaswerke a». M. m.®. Brutloüberfchuß- 19 838 819 24 179 759 25126 930 27 977 440 Abgabe an d Stadt 2 957 466 3 241 986 6 327 349 6 852 318 Elsklrizitätswerke Brultoüberfchuß 33 401 498 39 246 873 45 016 740 37 866 86,3 Abgabe an d. Stadt 3 702 017 11 693 319 15 518690 18 653761 Wasserwerke Brutloüberfchuß 8856412 11 467 588 10815049 11 827199 Abgabe an d. Stadt 873 732 1 894 974 2 695 584 2 970 401 Auch bei den kommunalen Verkehrsbetrieben erkennt man neben ständiger Steigerung der Leistungen das Bestreben, einen möglichst niedrigen Fahrpreis im Interesse der Allgsmeinheit zu erreichen. Während die öffentlichen Verkehrsbetriebe fast durch- weg zum Einheitstarif gekommen sind, finden wir bei privaten Betrieben den oft sehr teueren Zonentarif, der es gerade der ärmeren Bevölkerung oft unmöglich macht, die Stadt zu verlassen und Aus- flöge in die Umgebung zu machen. Gerade die Tarffpolitik der Berliner Derkehrs-Aktiengesellfchaft muß als vorbildlich be- zeichnet werden. Jeder Fremde, der nach Verlin kommt, ist erstaunt über die weiten Strecken, die er für 20 Pfennig auf einem Verkehrs- mittel der Berliner Verkehrsgesellschast zurücklegen kann. Und um- gekehrt ist der Berliner immer sehr erstaunt, wenn er in andere deutsche Städte kommt und hier für relativ kurze Straßenbahn- usw. Fahrt Preise zahlen muß, die weit über die in Berlin üblichen hinausgehen. lleberall da, wo die Interessen der weitesten Bevölkerungs- schichten in Frage kommen, haben sich die öffentlichen Betriebe gul bewährt. Ihre Beweglichkeit ist durch ihre Organisation gewahrt, so daß sie genau so schlagkräftig sind wie private Gesellschaften, und schsießlich ist ja nur noch ein kleiner Schritt von der Aktiengesellschaft zum AcMiiDg!■»«artelweterairenf Am Sonnabend, dem 24. Antust, 19 Uhr, im Saal 4 des..Gewerkschaftshauset", Engelufer 24-25 ZuscaBnmmifiunfitf der Parteigenossinnen und Partefgenosten, mit Ihren Familien, die vor und während des Sozialislengeselzet für die Partei tätig waren:: Mntikalisdie Vorträge usw. Wir bitten um reckt rege Beteiltgung I. A.: W. Gründel. öffentlichen Betriebe. Schon die Aktiengesellschaft ist ja bereits eine unpersönliche Form der Unternehmung. Der Privatbesitzer, von dessen Initiative ursprünglich das Wohl und Wehe seines Betriebes abhing, ist ersetzt durch eine unbekannte Anzahl von Aktientäufern, die aus der Generaloersammlung ihre Ansicht über die Betriebs- führung äußern können und durch die Direktion, die Angestellte des Betriebes sind. Im kommenden Wahlkampf werden die Gegner der Gemein- Wirtschaft in altbekannter Weise versuchen, die öffentlichen Betriebe Berlins zu diskreditieren. Wir werden solchen Angrissen gegenüber auf den großen Aufschwung hinweisen können, den die in öffentlicher Hand befindlichen Unternehmungen genommen hoben. Den Arbeitern unh Angestellten aber vollen wir immer wieder zeigen, in wie starker Weise sie selbst an dem Ausbau der kommu- nalen Betriebe interessiert find und wie sie sich selbst dienen, wenn sie am 17. November sozialdemokratisch wählen. Kür den-17. November gerüstet Ein Vorschlag zur Bereinigung der Wählerlisten. Die bevorstehenden Kommunalwahlen in Groh-Berlin werfen bereits ihre Schatten voraus. Bekannt sind die Bestrebungen der bürgerlichen Parteien, gegen die Sozialdemokratie«inen festen Bürgerblock zu bilden, der versuchen will, unseren unaufhaltsamen Vormarsch und wachsenden Einfluß in der Verwaltung der Hauptstadt zu hemmen. Nun, diefer Kamps wird uns gerüstet finden! Bei jeder Wahl spielt auch der technische Apparat eine große Rolle. Schon immer bei einer Wahl häuften sich die B e- sch werden von Wählern, daß sie trotz jahrelang gleicher Adresse nicht in die Wählerliste aufgenommen wurden und so schließ- lich ihres Wahlrechtes leider verlustig gingen. Tragen sie auch zum Teil selbst Schuld, weil von ihnen die Wählerliste während der Auslegungszeit nicht eingesehen worden ist, so muß doch das Bestreben der städtischen Ver- waltung darauf gerichtet fein, rcsllds olle Wahlberechtigten in ihren Karteien unter richtiger Adresse zu führen, um so in kurzer Frist möglichst fehlerfreie Wählerlisten herstellen zu können. Leider ist es mit dem Bestreben nach bisherigem Schema allein nicht getan, um diesen Endzweck zu erreichen. Allzuoiele Umzüge von außerhalb nach Berlin, von einem Bezirk zum anderen, von In- hobern möblierter Zimmer, Schlafstellen, von Hausangestellten, Studenten usw. erfordern eine Riesenarbelt, von der der Außenstehende kaum«ine Ahnung hat, die zahlreiche Fehlerquellen in den Karteien trotz sorgfältigster Arbeit erschließen. Diese Fehler- quellen zeigen sich trotz aller Revisionen, weil nur mit knappstem Personal gearbeitet werden darf, dann in aller Oeffentlichkeit zum Schluß in den Wählerlisten. Allseitige Unzufriedenheit ist die Folge. So war es bisher schon immer. Jede Partei kann hiervon ein Lied singen. M u ß das a b e r f o b l e ib en? Müssen durch jdic vorhandenen Fehler in den Karteien Taufende orn Wahlern ur- chr heiligstes politisches Recht, wenn auch unabsichtlich, gebrachi werden? Nein, es geht auch anders! Die Berwolwn) der Stadt möge sich entschließen, auch in dieser Angelegenheit groß zügig ihre Vorbereitungen zu treffen und rechtzeitig die Wähle? selbst zur Ausmerzung der Fehler in den Wahlkorteien heran ziehen. Wie soll das geschehen? Sehr einfach Einig« Wochen vor Anfertigung der zur Auslegung bestimmten Wählerlisten veräffent licht der Magistrat in allen Tageszeitungen gleichlautend von feiner Pressestelle aus«inen instruktiven, populär gehaltenen A r- titel, der evtl. wiederholt werden kann, über die kommend? Kommunaiwahl, der zum Schluß jeden Wähler auffordert, unter Benutzung eures von dem Artikel abzutrennenden Schemas seinem zuständigen bekanntzugebenden Wahlamt feine Adresse mitzuteilen. Dieses Schema enthält: Bpr- und Zuname, wann und wo geboren, wo wohnhast, kurz die Angaben einer Polizei- lichen An- oder Abmeldung. Gleichzeitig erfolgt auch mehrmals durch Rundfunk die Aufforderung(unter Wiederholung des In- Halts des Artikels) an die Wähler, ihre Adresse dem zuständigen Wahlamt sofort einzusenden. Die interessierten Wähler aller Parteien werden gern dem Ansuchen nachkommen, um sich Aerger zu ersparen. Jede Tages- zeitung wird gern kostenlos ihre Spalten dazu zur Verfügung stellen: der Rundsurrt sich auch. Jedes Vezirkswahlamt wird mit Feuereiser nach den einlaufenden Adressen die Fehler in den Kar- teien rechtzeitig beseitigen, so daß zum Beginn der Auslegungs- f r i st, am 12. Oktober d. I., die Wählerlisten möglichst wenig Anlaß zu Beanstandungen geben, die durch die erfolgende Aus- legung und Einsichtnahme ebenfalls noch erledigt werden können. Alles dies ist durch obige einfache Maßnohme bestimmt zu erreichen. Die Zeit drängt. Es wäre gut, wenn sich der Magistrat einen Gedanken, der nicht am grünen Tffch entstanden ist, zu eigen machen würde. All« politisch interessierten Wähler, das sind die besten seiner Bürger, wenden es» ihm danken. Roch mehr aber erringt der Magfftrat die Zufriedenheit der ehrenamtlich schwer tätigen Wahlvor stände, denen am Walsi- tage ihre verantwortliche Arbeit dann wesentlich erleichtert wird. Julius Bethge. Neukölln sorgt sür die Bedürftigen. Täglich 4000 porttonen Essen. Di« Schul-, Mütter- und Kleinkinderspeisung im Berwoltungs- bezirk Neukölln wurde auch während des Rechnungsjahres 1928 uneingeschränkt durchgeführt. Im Durchschnitt sind an jedem Schultage 4000 Portionen gekocht und verausgabt worden. Di« Herstellung des Essens besorgte die städtische Zentralküche. Jede Portion bestand aus einem halben Liter Essen und einem Kuchen- brötchen und mußt« mindestens 500 Kalorien enthalten. Di» Auswahl der an der Speisung teilnehmenden Schulkinder erfolgte nach den vom Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin herausgegebenen Richtlinien. Die Hälfte der Portionen kam als Freistellen den Kindern zahlungsschwacher Eltern zugute. Für die Mütter, und Kleinkinderspeisung bestehen zwei Speisestellen, und zwar im Rathaus«(Eingang Donaustraße) und in der Hermann- straße 29. An werdend« Mütter wurde das Essen vom fünften Monat der Schwangerschaft ab, an stillende Mütter bis zum fünften Monat nach der Geburt de» Kinde» und an Kleinkinder vom zweiten bis sechsten Lebensjahre verabfolgt. Auch hier wird bei vorliegender Bedürftigkeit das Essen unentgeltlich verabreicht. Die Bewag beschäftigte 7355 Erwerbslose. Die Berliner Städtische Elektrizitätswerk« Akt.-Ges. beschäftigte in der Zeit vom I. Juli bis einschließlich 4. August(5 Wochen) in ihren Betrieben und bei den damit ver- bundenen Bauvorhaben wöchentlich 1355 Erwerbslose, und zwar mit Kabelverlegungen 635 Erwerbslose, mit Bau. arbeiten 9, und in ihren Kraftwerken 711 Erwerbslose. Im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen über die Bekämpfung der Erwerbslosennot kommen demnach„4 0 650 Tagewerke" in Frage. Davon sind etwa 60 Proz. als direkte Notstands- arbeiten anzusehen, während es sich bei den übrigen 40 Proz. um normal« betriebsnotwendige Arbeiten Handel. Die Hauptstrasse in Schöneberg wird verbreitert. Der längst geplanten Verbreiterung der Hauptstraße in Schöneberg stand bisher die noch nicht erfolgt« Enteignung des Grundstückes Hauptstraße 20 entgegen, das der Firma Arnold Obersty A.-G. gehörte. Jetzt hat der Magistrot der Firma«in rechtsverbindliches Angebot gemacht, worüber der Stadtverordneten- Versammlung«in« Vorlage zugegangen ist. Durch den Vertrag soll das eingeleitete Enteignungsverfahren beendet werden. Die Bezirkskörperfchasten und der Grundeigentumsausschuß haben de« Angebot zugestimmt. > Prüfen LI« einmal unsere Preise und unsere Qualitäten u, überzeugen Sie sich von unserer Billigkeit und Leistungsfähigkeit. Sie werden wie Hunderttausende ebenfalls unser treuer Kunde werden DRUNNENSTBASSE 1 u. 2 FRANKFURTER ALLEE 350 KOTTBUS ER DAMM 103 WILMERSDORFER STR. 165 Oer Berliner und seine Gewässer. Technik und Verkehr haben die Sehnsucht des Grohstadtmenschen nach der Natl�r nicht verdrängen oder täten können; im Gegenteil. elementar und triebhaft sucht der Großstädter des Sonntags und in den wenigey Feiertagen den Weg ins Freie, um den Großstadtstaub ous den Lungen sortzuatinen, um in den Freibädern Lust, Sonne und Wasser an seinen Körper heranzulassen, um im Laubengarten sich einige Blumen selbst anzupflanzen, um zu wandern und sich an den Seeufern und Flußläusen zu erfrischendem Bad und erquickender Ruhe niederzulassen. � Abgesperrte Seeufer. Ts ist ein trauriges Kapitel: Der Großstädter und seine Ge- mässer! Di« Ufer der Seen, Flüsse und Bäche sind ein beliebtes Dbjekl für Grundstücksspekulationen geworden. So wurde ein Teil des S ch a r m ü tz« l fe e s der Oesfentlichkeit geraubt, so wird jetzt der Tief« See bei P r i e r o s in der Mark, ein beliebtes Aus- flugsziel,„für Siedlungszweck« erschlossen", so ist der Rangs- dorfer See im Süden Berlins in Gefahr, so sind die Hovel- und S p r e e u f e r aus weite Strecken nicht mehr der Oefsentlich- keit zugänglich. Es gibt kaum noch einen See außerhalb Berlins, dessen Ufer nicht gefährdet sind,«elbst bis in die entserntesten Wandergebiete erstreckt sich der Landhunger der Bodenspekulanten. So werden z. B. in den W a n d e r g e b i e t e n um Ebers- roalde, wie inoffiziell bekannt wird, von Grundstücks- firmen große Land st recken erworben, die heute noch dem Wanderer offenstehen, morgen aber vielleicht schon als Erholung?- gebiete ausscheiden müssen! Diese„Erschließung der landschaftlich schönsten Gegenden für Siedlungszwecke" soll nach den wunderschönen Prospekten der Grund- stücksgesellschasten von ungeheurer Wichtigkeit für die Erhaltung und Hebung der Volksgesundheit sein: Großstädter, die Tag für Tag in den Steinhöhlen der Stadt leben und arbeiten müssen, werden zu dauerndem Aufenthalt in die frei« Natur gebracht. Das klingt zunächst bestechend und könnt« sogar mit der Bebauung so vieler Seeufer versöhnen, wenn nicht bei näherem Zusehen die ganz« Herr- l'chkcit wie eine Seifenblase zerplatzte. Für wen werden denn diese Wohnsiedlungen an den Sceufern und Flußläufcn angelegt?— Etwa für Arbeiter und Angestellte, um ihnen endlich menschenwürdige Wohngelegenheiten zu verschaffen?— Nein, für eine Verhältnis- mäßig kleine Schicht, die sich außer der Stadtwohnung auch noch den Luxus einer Landvilla oder eines Wochenendhauses fern vom Getriebe der Großstadt leisten kann, die sich aber auch Freude und Erholung schaffen kann, ohne daß ihretwegen auch nur ein Seeufer der Oesfentlichkeit entzogen werden brauchte! Der dritte deutsche N a t u r,s ch u tz ta g, der kürzlich in Dresden stattfand, beschäftigte sich u. o. auch ausführlich mit derFragedcrllfer- g e st a l t u n g, wobei außer der naturkundlichen und technischen Seite des Problems vor allem auch die soziologische Seite behandelt wurde. Der Naturschutztag nahm dazu eine Entschließung an, in der die notwendigen Maßnahmen auf die denkbar kürzeste Formel gebracht wurden: Infolge der Uferbebauung und Ufer- obsperrung wird an den deutschen Seen der natürliche Strand vsr- nichtet und die Allgemeinheit von den Ufern ausgeschlossen. Der dritte deutsche Naturschutztag fordert daher eine planmäßige Fe st legung der Ufer st recken, die unbebaut bleiben und offengehalten werden müssen." Wenn das Grundwasser sinkt! Neben dieser Bebauung der Seeufer spielen zwei andere Mo- mente eine Rolle, die viel« Gewässer als Erholungsgebiete- des Großstädters ausscheiden. Das ein« ist die A b s a u g u n g des Wassers und die Senkung des Grundwassers innerhalb weiter Gebiete, die häufig zur völligen Austrocknung weiter Landstrecken führen. Erinnert sei an die Anlage der Wasserwerke in K a r l s h o r st und in Kaulsdorf-Süd, durch deren Arbeit die W u h l h e i d e und der.Kaulsdorfer Busch schwer ge- litten haben. In der Wuhlheide sind große Teile der alten Baum- bestände, die sich den neuen Wasscrverhältnissen nicht mehr anpassen konnten, eingegangen. Der Kaulsdorfer Busch, ein äußerst interessantes Moorgebiet, wie man es in und um Berlin kaum noch findet, wurde trockengelegt, parzelliert und an Kleinsiedler abgegeben, die heut« völlig entwerteten Boden haben. Der in Kaulsdorf-Süd gelegene K ö n i g s s« e mit einer großen und beliebten Badeanstalt ist dabei auch still und heimlich verschwunden. Wo vor IS Iahren noch Badelcben herrschte, ist heute ein« Sandwllste. Das andere Moment ist die B e r u n- reinigung der Seen und Flußläufe durch die Ab» wässer industrieller Betriebe. Wäschereien Fär- b e r e i e n, M e t a l l w e r k e usw. die sich an den Ufern niedergelassen haben, leiten ihr« Abwässer einfach in die Seen und Fluß- läufe. Das Wasser wird verschmutzt, oft schwimmt eine dicke Oel- schicht auf der Oberfläche, der Fischbestand geht zurück, viele Wasser- pflanzen können nicht mehr gedeihen: alles Dinge, die die Freude des Großstädters an seinen Gewässern keineswegs erhöhen! Die Großstadt zwingt ihr« Einwohner viclsach zu naturwidriger Lebensweise. Wenn der Großstadtmensch nicht körperlich und geistig zugrunde gehen soll, muß ein Gegengewicht geschaffen werden, das die Schäden, die durch das Leben in der Großstadt entstehen, aus- gleicht. Turnen, Spiel und Sport sind solche Ausgleichsmöglichkeiten. Eine der wichtigsten aber ist auch das Wandern in Licht, Luft und Sonnel Und diese Möglichkeit muß dem Großstädter in vollem Umfange erhalten bleiben. Sie darf nicht zugunsten einer kleinen Schicht kapitalkräftiger Spekulanten eingeengt werden. Das Wohl der Gesamtheit geht vor die Interessen des ein- zelnen! Wann wird endlich Vorsorge getroffen, um dem Berliner auch außerhalb der Grenzen Groß-Berlins die Gewässer, die Ufer an Seen und Flüssen zu erhalten? Im Gebiet von Groß-Berlin wird es bereits den Spekulanten unmöglich gemacht, ihrem Egoismus zu frönen. Sollte das nicht auch in der Provinz möglich sein? , Warum kein viertes Krematorium?� Auf einen in der Nr. lg des„Vorwärts" veröffentlichten Artikel. der sich mit dem unfertigen Krematorium in der Diestelineyerstraße beschäftigte, erhalten wir folgende Zuschrift: „Die Grundlage für den Bau eines vierten Krematoriums muß «in dringendes Erfordernis fein, um die Wirtschaftlichkeit des Krematoriums zu gewährleisten. In den drei Krematorien finden zusanmien jährlich etwa 14 000 Einäscherungen statt, während 30 000 geleistet werden können. Di« gespannte Finanzlage der Stadt läßt es leider zurzeit nicht zu, daß alle dringend not- wendigen Arbeiten auf kulturellem Gebiet durchgeführt werden. Ganz abgesehen davon, daß die Krematoriumsanlage in der Diestel- meyerstraße, deren Projekt aus dem Jahre 1917 stammt, den heutigen Ansprüchen in bezug auf Größe und Lage selbstverständlich in keiner Weise gerecht wird, kann der Bau in der Diestelmeyer- straße aus finanziellen Gründen nicht zu End« geführt werden. Die Zahl der Einäscherungen in den einzelnen Krematorien richtet sich nach der Zahl der vorhandenen Oefen und Einfegnungshallen, deren es in Wilmersdorf eine, in der Gerichtstraßc zwei und in Treptow sogar drei gibt. Es trifft somit nicht zu, daß in der Gerichfftraße täglich IS Stunden für Feiern gehraucht werden. Die Stadtverordnetenversammlung wird sich gelegentlich der Beratung über die Neuorganisation des gesamten Bestattungs- wesens mit der Verwendung des unvollendeten Baues und des Ge- ländes in-der Diestelmeiierstraße bcschästigcn." Iung-Krankreich am Wannseestrand. Im Reigen der von der Stadt Berlin zu Ehren ihrer jungen französischen Gäste veranstalteten Einladungen besuchten am gestri- gen Nachmittag hundert junge Franzosen mit ihren deutschen Käme- raden das städtische Freibad Wannsee. Es sind dies jene Austaufchschüler, die in Berliner Familien Gastfreundschost ge- nießen und die schon oft an dieser Stelle erwähnt wurden. Das völkerverbindende Werk ist der persönlichen Initiative der Frau Leroi-Heidelberg zu danken, einer jener stillen gütigen Frauen, die von Menschenliebe und Mütterüchkeit durchsonnt sind. Helle Begeisterung malte sich auf den Zügen der jungen Gäste, als sie den großangelegten Badebetrieb sahen. An einer in den Farben beider Nationen geschmückten Kasfeetnfe! begrüßte Genosse K a w e r a u im Namen der Stadt Berlin und Stadträiin W e q l im Namen des Landesjugendamtes die junge Gesellschaft. Dann sprach Frau L e r o i einige liebe, tiesenipjundene Worte über das Austausch- werk. Nach dem Kaffee hieß es: Wer Badelust oerspürt, der inelde sich zum Empfang einer Badehose, und das ließen sich die Jungen auch nicht zweimal sagen. Gchlechies Gtraßenpflaster. Diele Straßen von Berlin sind für den Verkehr der Auto» omnibusse infolge ihrer ganzen Bauart nicht geeignet. Zu diesen Straßen gehört auch die Margareten st raße(zwischen der Aittoria-»nd der Potsdamer Straße). In dieser Straße verur- sachen die Autobusse, zumal wenn sie in schnellem Tempo fahren. eine so starke Erschütterung der anliegenden Häuser, daß besonders in den Wohnräumen des Kellergeschosses dos Wohnen ganz unerträglich wird. Dieser an sich schon unleidliche Zustand wird noch dadurch verschlimmert, daß das S t r a ß e n p f l a st e r in der M a r g a r e t c n st r a ß e nicht in Ordnung ist. Di« Bewohner des Hauses Margaretenstraße 7 haben sich daher an die zuständige Stelle mit der Bitte um sofortige Ausbesse- rung des Straßenpflasters gewandt. Nachdem die Ein- gäbe einen großen Umweg gemacht hat, verhieß schließlich das B e- zirtsamt Tiergarten, eine Ausbesserung des Pflasters zu veranlassen. Leider ist es aber bis heute bei dieser erfreulichen Aussicht geblieben. Taffächlich sst nichts unternommen wor- den: weder ist das Psaster ausgebessert noch hat die zuständige Stelle des Berliner Magistrats auf die Autobusgesellschaft finge- wirkt, um das schnelle Fahren der Autobusse abzustellen. Zweifellos leiden unzählige Einwohner der Stadt unter den gleichen Miß- ständen._ Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeii. Der Reichsausschuß für sozialistisch« Pildungsarbeit veranstaltet gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehre« und Lehrerinnen Deutschlands eine Sozialwisjenschaft» liche Schulungswoche für Gewerbelehrer, und zw« in der Zeit vom 1. bis 7. Oktober im Haus des Volkes i» Probstzella, Thüringen(in der Nähe von Saalfeld). Das Pro- gramm des Kursus lautet wie folgt: 1.„Beruf und Erziehung"(Entwicklung und Gegen, wartsprobleme). Reierentin: Prof. Dr. Anna Siemfev 2.„Die Wirtschaftslage der Gegenwart." Referent: Prof. Dr. Hermberg. 3.„Gegenwarts- und Zukunstsfragen der Be» r u f s s ch u l«." Referentin: Dr. Adelheid Torhorst. Die Leitung des.Kursus ist Dr. August Siemsen-Jena übertragen worden. Die.Teilnehmer werden im„Haus des Volk«»", das hierzu geeignete Räumlichkeiten hat, verpflegt und untergebracht. Dafür ist ein Tagessatz von 5,50 M. einschließlich Trinkgeld vereinbort. Außerdem ist eine Teilnehmergebühr von 5 M. für den Kursus zu zahlen. Die Anmeldungen zum Kursus sind bis spätestens 13. September an den Reichsousschuß für sozialistische Bildungsarbcit, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu senden._____ Dellerberlchk der öffenNichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend kNachdr. vcrb.) Änsanas trübe und regneriich, später wieder zeilweise aus- heiternd. wenig Därmeändcrung.— Jnr Deutschland: Im Süden und Osten regnerisch, in Mitteldeutschland nach Regcnsällen vorübergehende Besserung. im Westen wollig, zeitweise aushciterud, ohne wesentliche Niederschläge und Tcmperaturänderung. Gerold-Stube am Zoo. Die Firma Gerold Hot ihre bekannten Weinstuben, die mit dem Berliner Stadtbild seit langem verwachsen sind, um eine vermehrt. Mit der Eröffnung dieser Stube in der I o a ch i m s t h a l e r Straße, an der Ecke der Kantstraße, feierte sie zugleich ihr 12 3 jähriges Jubiläum. Der üblichen Schankstube sind hier im ersten Stock noch andere Räume angegliedert, die auch ivarnrs Küche führen. Man sieht einen Raum im Stil des Grürrdungs- jahrcs der Firma, 1804, der mit Wandgemälden von Prof. Pellon geschmückt ist. Am vorteilhaftesten präsentiert sich die modern« Swbe 1929, geschmückt mit Zeichnungen des Malers P. Kuhfuß. Das kräftige Schwarzweiß der Bilder, luit Motiven aus Italien, ordnet sich auf dos glücklichste der Architektur, und Farbigkeit des Raumes ein und geben ihm einen wahrhaft festlichen Charakter. m»n ist nur so alt, wie man aussieht, deshalb benutze man da* veltberflhmte„ExlapB na". Oibt grauen Haaren die Jugendfarbe wieder. Färbt nach und nach. Vollständig unschädlich. Seit 30 fahren Weltruf. Von lausenden Aerzten, Professoren usw. gehraucht und empfohlen. Preis M. 7,—. Für schwarze Haare„Extra stark M. 12.—. Erhältlich in Parfümerien, Friseurgesch., Drog. usw„ wo nicht, zu haben Partflmeriefabrik„Exlepäng", nur Berlin SO. 90, Muskauer Straße 9. Eilige Beste Hangen— mündliche, schriit- Uche a. telefonische — werden durch die L• b• n s m i 1 1• I• BcslaHannahme anigenommen and wunschgemäß erledigtl 3Btir|tft»arett Cerveiat d. Salami Pw.. 1.68 Ben. harte mettwursipM. 1.35 Fielschworst... �1.00 Streichmettwurst!ate 1.28 Leher-o. 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Pfund 0.65 Sultaninen.... pw-d 0.35 «vsi ttno Rotkohl... uiirsingkoni. zwlehem.... schmorgurken. Bananen... ptirslche.. Johannisheeren Preiselbeeren. Honigpflaumen. itai. utelntrauhen Gemilfe Pfund 0.08 Pfund 0.12 0.22 0.10 0.38 0.28 0.16 0.20 0.10 0.35 8 Pfund , 3 Pfund . Pfund Pfund Pfund . Pfund . Pfund rtfl. Pfund Konfttiire« messlna-Drops. �15� sahne-Bonhons...•/.ph. 18-, Pleriermlnz-Praiinenv.pfd.18� Sultaninchen-» �?�35� Weine vom Faß % Fl.- Fl. Apfelwein S 0.55 2.50 JotoDDitlMiDl 0.85 4.00 """" Weißwein 0.95 4.50 Bonhonlllilschung piund 39�| gotwein Pfälzer *l*;r Tarragona 1.05 5.00 „...nd 1.10 5.25 -== �-= Im Cic&Wof: vorgezeichneter Handarbeiten PiliitfliiiiiiiwIiOlil wie Kissen' decken, Küchengarnituren und Tischdecken zu staunend billigen Preisen?