BERLIN Zrettag 23. August 1929 10 Pf. Nr. 394 B196 46. Jahrgang. erscheiattiglich aoterSonnt-g«. Zugleich Abendausgabe de«.DorwSrt«'. Dezugsprei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, S.SvM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW SS, Lindenstr.s yiV)fV>Wf4b Latetgenpeei«: Die einspaltige Noupareillejeil« so Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: DorwärtS-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.»7 MS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Lieber dem Stillen Ozean. „Graf Zeppelin" zur dritten Etappe heute früh in Tokio gestartet. Wie aus Tokio gemeldet wird, ist das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Freitag früh kurz nach 7 Uhr fMEZ.) zum Fluge über den Stillen Ozean gestartet. Wie aus Tokio gemeldet wird, überflog„Graf Zeppelin"«m 7.3K Uhr(MEZ.) die Stadt Mit», sv Kilometer nördlich von Kasumiganra. Oer Abschied von Kasumiganra. Trotz des zunächst recht ungünstigen Wetters hatten sich schon in den frühen Morgenstunden des Freitag auf dem Flugfeld von Kafumigaura groß« Menschenmengen eingefunden, um dem Abflug des„Graf Zeppelin" beiwohnen zu können. Der Befehl zum Ausbringen des Luftschiffes aus der Halle wurde ge- geben, nachdem sich der heftige Wind gegen Mittag gelegt hatte. Mit äußerster Vorsicht schleppten die japanischen Marinemannschaften den Zeppelin ins Freie, der vorher noch einmal von Dr. Eckener und seinen Offizieren genau besichtigt worden war. Als der Bug des Luftschiffes im Hallentor sichtbar wurde, brach die Menge in Banzol- Rufe aus. Der Start erfolgte bei b e w ö l t t e m H i m m e l. Er ging glatt und ohne jeden Zwischenfall vonstatten. Wenige Sekunden nach dem Kommando„Taue los" erhob sich„Graf Zcp> pelin" in die Lüfte. Mit großer Schnelligkeit stieg er auf etwa bvü Meter Höhe, wahrend die Passagiere aus der Gondel die letzten Abschiedsgrüße winkten. Nach einer kurzen Schleif« entschwand das Luftschiff, von einigen japanischen Flugzeugen begleitet, am Horizont. Tokio. 23. August. Die Wetterlage, die heute früh noch so ungünstig war, daß ein baldiger Wiederausstieg des„Graf Zeppelin" nicht in Frage zu kommen schien, besserte sich in den ersten Nachmittagsstunden. Die Windstärke nahm plötzlich ab, und Dr. Eckener beschloß mit Rück- sicht darauf, daß bei längerem Verweilen in dieser Jahreszeit, in der die Taifune besonders zahlreich austreten, der Sturm wieder auf- frischen könnte, den Vorteil des ruhigeren Wetters wahrzunehmen und die Weiterfahrt anzutreten. Fahrgäste und Besatzung erhielten die Weisung, sich an Bord des Luftschiffes zu begeben, „Verflucht sei Zeppelin!" Heiteres in ernster Zeit. In der kommunistischen Provinzpresse steht es noch gefährlicher um die Intelligenz als in der Zentrale. So finden wir in der „Arbeiterstimme" in Dresden eine Abhandlung über die.Zeppelin". Fahrt, die wert ist, sie auch weiteren Kreisen bekanntzugeben. Also wird da feierlich verkündet: Die Reise des„Zeppelin" ist ein neuer Vorstoß des kriegs- hungrigen deutschen Imperialismus in den Nahen und Fernen Osten, den er schon vor 1914 als feine eigentliche Domäne betrachtete. Die frech«, herausfordernde Erklärung Eckeners, er könne„aus Wetterrücksichten" nicht Moskau Lbetfliegen, die sorgfältige Vermeidung des Fluges über irgendeine große Sowjetstadt, zeigt geradezu demon- strativ den imperialistisch-sowjetfeindlichen Cha» r a k t e r dieser Erpedition. Ergänzt wird dieses Bild durch die Nachricht, daß'der„Zepelin" bei feinem Flug über das Sowjet- gebiet mit Maschinengewehren und Kriegswaffen ausgerüstet war. Er wird auch nicht wenige Photographen- apparote und sonstige optische Spionagcmittel an Bord mitgeführt haben. Daß die Reise des„Zeppelins" nur imperialistischen Zwecken dient, wird weiter dadurch bekrästigt, daß Eckeners erste Tat nach seiner Landung in Tokio die war, ein dreifaches„B a n z a i" aui den japanischen Kaiser auszubringen. Die deutsche Arbeiterschaft Hot kein Wort der Begrüßung sür die erfolgreiche Fahrt des„Zeppelins" übrig. Sie verflucht den„Zeppelin" in den Händen der Aus- bsuter. Ein dreifaches„Banzai" dem tüchtigen Mann, der so dem Eckener den Marsch bläst. Leider verpufft der in der Dresdener Enge, während Zepp über dem Stillen Ozean fliegt. Aber vielleicht bekommt er die Epistel doch noch mal zu Gesicht und dann wird er sich bessern müssen... Inzwischen könnten sich die„Arbeiterstimm«" und die„Rote Fahne" einmal erkundigen, warum die Kapelle der Sowjet- kreuzer in Swinemünde nach der demokratischen Rede des Türgermeisters„Deutschland. Deutschland über allesl" spielte und warum die kommunistischen Matrosen dabei demonstratio salutierten. Darüber liest man in der deutschen Sowsetpress« bisher leider nichts. Eigentlich hätte die Kapelle doch die Melodie„Ver- flucht sei das imperialistische Deutschland" spielen müssen. Oder xtwa nicht? ?vi Die Ruinen des Jmmenhol Ton dem fchönen Qcbäude des Ferienheims Jmmenho} in der JCÜneburger Steide, das ein Staub der Flammen wurde, find jelxl nur noch Stuinen übrig Zahlt hohe Löhne. Oer amerikanische Gewerkschaflspräfideni an die deutschen Ltnternehmer. Di«„Deutsche Allgemeine Zeitung", jetzt wohl das aus- gesprochenste Unternehmerblatt Berlins, hat ihr Freitagmorgenblatt mit einer Sonderbeilag«„Amerika-Deutschland" ausgestattet. Prominente beider Länder kommen da zu Wort, um sich ihre gegen- festige Hochachtung zu bezeugen und für die Festigung der amerikanisch-deutschen Freundschaft ein gutes Wort«inzulegen. Di« „DAZ." hat es dabei begreiflicherweise auch nicht unter- lassen können, den Präsidenten der„Americsn Fedcration of Labor", der amerikanischen Gewerkschaften, Williani Green zur Mitarbeit aufzufordern. Green verweist in seinem Beitrag auf die herzlichen Beziehungen zwischen den Arbeiterbewegungen der Wer- einigten Staaten und Deutschland und sährt dann wörtlich fort: Unsere Arbeiterbewegung ist lebhaft an der Gcwerkschasts- bewegung in Deutschland interessiert. Unsere Hoffnung ist darauf gerichtet, daß die Lebensführung der Arbeitenden«ine höhere wird, und unser« Arbeit gilt den Lohnempfängern Deutschlands und der ganzen West. Wir glauben, daß hohe Löhne und dadurch bedingt«ine hohe Lebensführung der Lohnempfänger notwendig für das sozial« Wohlergehen und wirt- schaftlich« Blüte sind. Produktion ist begrenzt durch die Möglichkeit. Käu, er ,» finden. Massenproduktion kann nicht andauern ohne eine Masse, die kauffähig ist. Di« Industrie muß in den Lohnen, pfängern den Massenkäuser sehen. Um sür die durch den technischen Fortschritt ermöglicht« große Steigerung der Produktion einen Markt zu sinden, müssen die Lohnempfänger«in entsprechendes Einkommen haben, um Dinge zu kaufen, die das Leben angenehm machen. Die„American FcderaHon of Labor" empfichll den Arbeitgebern Deutschlands die Doclrin der hohen Löhne, die sie bKcits den deutschen Gewerkschaften anempsohlen hat. Vergrößerung des Einkommens der Massen eines Volkes wird die Kräfte stärken, die ein« geschäftlich« Blüte bedingen. Die Ausführungen William Greens sind in der„DAZ." not- wendiger als in unserem Blatte, wo ähnliche? schon oft zu lesen war— aber sie werden unseren Lesern viel besser gefallen als denen der„DAZ.". Darum geben wir sie hier wieder. Lohnkürzung kein Hilfsmittel. Zum englischen Baumwollschiedsspruch. London. 2Z. August. Do» Schledsgecichl im Lohnstreit in der Baumwollspinnerei- Industrie erklärte in der Begründung feines Spruches, der eine Lohn- kürzung bon MI Proz. anstatt der von den Unternehmern geforder- te« Lohnkürzung von 12.82 Proz. vorsieht, es sei keineswegs davon überzeugt, daß eine Lohnkürzung ein hilfv- m i t t« l bei dem augenblicklichen Stand der Sache fei; es sei jedoch davon überzeugt, daß sofort etwas geschehen müsse, um die Lage zu erleichtern. Die Erleichterung solle zunächst durch die Kürzung gewährt werden. Bach Aussassung de» Gerichts sei es höchst wünschenswert, daß der vom INinisterpräsidenten ernannte Unterausschuß zur Prüfung der Lage und Aussichten der Industrie sich mit der finanziellen Lage so rasch wie. möglich befasse. w T B. hat seine Falschmeldung, die der„Borwärts" heute im Gewerkschaststeil brachte und die durch eine nach INittcr- nacht eingetrossene Uleldung unseres Londoner Korrespondenten im Hauplblall richtiggestellt wurde, nicht berichtigt. Konferenz der Konferenzen. Sin Wirrwarr von Sinzelbesprechungen. V. Zcb. Haag, 23. August.(Eigenbericht.) Die Haager Konserenz besteht jetzt nur noch aus einem Wirr» warr von Besprechungen, in dem sich selbst die Delegier- ten nur schwer zurecht finden. Besprechungen politischer Art über Räumungstermine, Besatzungskosten, Vergleichskommission, Bc- satzungsschäden, Besprechungen finanzieller Art, abwechselnd mit Deutschland und ohne Deutschland, m i t England und ohne Eng- land usw. Wenn man diesen Wirrwarr von Einzelbera- t u n g e n noch Konserenz nennen kann, so geht diese Konferenz weiter, allem Anschein nach sogar wird sie trotz der zunächst bc- stimmt für Sonnabend angekündigten Abreise Hcndcrsons auch noch in der nächsten Woche fortgesetzt werden. Diesen Eindruck erhielt man aus einer kurzen Mitteilung über eine zweistündige Aussprache der vier Außenminister, die erst noch 1 Uhr beendet war und in der die Rheinlandräumung und die künftige Vergleichskommission be- raten wurden. Es stand auch die Frage der B e s a tz u n g s k o st e n und -schäden zur Debatte, denn zum ersten Male nahm an dieser Bc- ratung auch der französische Finanzministsr Chöron teil. Diese Beratung wird am Nachmittag fortgesetzt werden. Die in Aussicht genommene Sitzung der sechs einladenden Mächte ist auf morgen verschoben. Diese Verschiebung ist auf das negative Ergebnis der neuen Verhandlungen zwischen den Gläubigern und England zurückzuführen. Von einer abschließenden Plenarsitzung, die für den Fall des Scheiterns der Konferenz am Sonnabend stattfinden sollte, wird aber ebenfalls augenblicklich nicht mehr gesprochen. Sündenbock gesucht. Rheingeneral soll wohlwollend prüfen. Paris, 23. August.(Eigenbericht.) Endlich hat di« französische Rechtspresse den„Sünden» o t" für-«inen ergebnislosen Verlauf der Haager Konferenz g«> sunden. Man höre:„Falls die deutsch« Antwort(auf die Aufforderung der Vier. Deutschland müsse seinen ungeschützten Anteil erhöhen) negativ ausfalle, so werden alle Anstrengungen der anderen Mächte vergeblich sein und Deutschland hat«in« schwere Verantwortung auf sich genommen." Dieses Zitat des„Petit Journal" ist typisch für das demagogische Bild, das die französische Rechte heute von der Situation im Haag zu geben weiß. Andere Blätter zeigen ein ähnliches Bestreben, die Dinge auf den Kopf zu stellen. Andererseits läßt man wohl durchblicken, daß, falls Deutsch- lond sich zu neuen finanziellen Opfern bereit erklärt, in der Rheinlandfrage gewisse Konzessionen gemacht werden könnten. So erklärt der„Matin", daß General Guilleaumat. der im Haag eingetroffen sei, ersucht worden sei, die Modalitäten der Räumung so„wohlwollend als nur möglich" nochmals nach- zuprüfen. Snowden gegen Oawes-plan. London, 23. August. Reuter meldet über die Lage im Haag: Es wird offiziell von der britischen Delegation dementiert, daß Snowden in der gestrigen Sitzung die Ansicht Vriands unterstützt habe, wonach Deutschland vom 1. September weiter die Dawes-Zahlungen und nicht die Zoung-Zahlungen leisten solle. Ferner berichtet Reuter, aus französischer Quelle verlaute, die französische Delegation sei der Ansicht, daß Deutschland einen Teil der Opfer tragen sollte, die die vier Glöubigennächte zu bringen bereit seien, um Großbritanniens Zustimmung zum Poung- plan zu sichern. Reuter schließt, im allgemeinen sei die Stimmung heute abend hoffnungsvoller, morgen werde sich zeigen, ob diese Auffassung berechtigt sei. Macdonald spricht mit Snowden. London, 22. August.(Eigenbericht.) Der britische Mini st erpräsident hatte am Donners- lag von seinem Urlaubsort aus eine längere telephonische Unterredung mit der britischen Delegation im Haag. Es oerlautet, daß ein für den Ministerpräsidenten besUmmter oertraulicher Bericht aus dem Haag unterwegs ist. Macdonald wird am Sonnabend nach London zurückkehren, von wo aus er sich Ende der komnienden Woche n a ch G e n s begeben wird. In einem Kommentar zu den Vorgängen im Haag stellt der „Daily Herald" gegenüber anderen Pressestimmen fest, es sei im höchsten Maße ungerecht, Snowden für die französische Haltung gegenüber der Rheinlandräumung verantwortlich zu machen. Dies hieß« die Totsachen völlig entstellen. Ebenso falsch sei es, Snowden «inen Bruch sozialistischer Grundsätze vorzuwerfen. Snowden habe ikn Gegenteil zu Beginn der Haager Verhandlungen in unmihver- ständlichen Worten die grundsätzliche sozialistisch« Stellungnahme zur Frage der Kriegsschulden und Repa» rationen entwickelt und sich für die völlige gegenseitig« Streichung ausgesprochen. Er habe sich während der VerHand- lungen lediglich geweigert, anderen Nationen, die diesen grund- sätzlichen Standpunkt nicht teilen, einen ungerechten Anteil an den Reparationszahlungen zu sichern. Zu der bevorstehenden Reise des englischen Premierministers Macdonald wird erklärt, daß Macdonald am 31. August London verlassen wird. Seine Teilnahme an den Genfer Beratungen dürfte jedoch auf zwei bis drei Tage beschränkt bleiben. Nach der Abreife des englischen Premierministers in Genf wird Außenminister Henderson als Chef der englischen Delegation fungieren: Mac- donald hat gestern nachmittag drei volle Stunden hindurch mit der englischen Delegation im Haag in telephonischer Verbindung ge- standen. Oer Weg zur See-Einigung. England«! Seepolizeitreuzer. Washington, 23. August.(Eigenbericht.) In einer amtlichen Meldung bestätigt Präsident Hovver den bevorstehenden Besuch des englischen Ministerpräsidenten M a c d o- nald im Oktober. Angesichts dieses Besuches sollen die provi» svrischen Londoner Bespr«ck>ung«n über die Abrüstung zum Abschluß geführt werden. Das in Aussicht genommene.Abkommen soll nach einer amtlichen Verlautbarung auf der Basis der P a r i t ä t der beiderseitigen Kreuzerstärke erst lgen. England soll jedoch berechtigt sein, kleine Kreuzer für Seepolizeizwecke zu bauen. Amerika dürft«, nach einer halfÄmllichen Meldung, auch in U-Booten und Zerstörern besonderes Entgegenkommen beweisen. „Totenschiff" auf dem Atlantik. Die Mannschaft gerettet. Rem park, 23. August.(Eigenberichl.) Die Besahung de» Dampfers„Ouimistan", derbrennend auf dem Atlantik treibt, ist durch den Dampfer„Präsident harrison" ausgefischt worden. Das amerikanische Marineamt hat einen Zerstörer abgeschickt, um das brennende wrack, das die Schiff. fahrt gefährdet, zu versenken. „Die„Ouimistan" war ein„T o l e n s ch i f f", ein richtiger Seelenverkäufer. Sie war S8 Zahre alt. Die Mannschaft, die zuerst für die llebersahrt angeheuert war. verließ das Schiff kurz vor dem Auslaufen. Die Mannschaft die setzt gerettet wurde, war erst im letzten Augenblick angeheuert worden. Rew park. 23. August. Der Kapitän des amerikanischen Dampfers„Präsident Harrison". der die Mannschaft des deutschen Dampfers„O u i m i st a n" gerettet hat, sandte an die„Associated Preß" folgenden Funkspruch: Die„Ouimistan" war unterwegs von Norfolk nach Genua. Der Dampfer wurde am 18. August 3 Uhr 30 Minuten nachmittags leck. Noch einem vergeblichen Versuche, das Schiff zu retten, mußte die Mannschaft die sinkende„Ouimistan" am nächsten Morgen 3.ö5 Uhr auf 30, rufen en Vertreter der Nation, nicht aber die Angehörigen eines abgesonderten Standes! * Es gab übrigens auch humorigc Generale. Exzellenz o. Lö» w e n f e l d, aus der Garde hervorgegangen, vor dem Kriege zeit» weife kommandierender General des 10. Armeekorps, trug ein riesengroßes Einglas. Viele der jüngeren Herren aus seinem Korps taten desgleichen. Nach einer Parade sagt« er bei der Kritik:„Meine Herren! In dem Armeekorps, das zu komman- dieren ich durch Allerhöchste Gnade gewürdigt bin, gibt es nur einen Offizier, den ein Einglas kleidet, und das bin i ch. Ü- Di« Generalität regierte uns vor dem Kriege in weitgehendem Maße, und sie regierte uns fast ausschließlich während des Krieges. Sie hat 1913 kapitulieren müssen, weil sie bankerott gemacht hatte. Sie hinterließ uns einen Trümmerhausen, wir. das Volt, und vorzüglich die Arbeilerschaft. sind berufen, neu zu bauen, Die Generale haben uns viel abzubitten: aber wir wollen deshalb nicht ungerecht fein. Es gab unter ihrkn Menschen mit ehrlichstem Wollen und anständigstem Fühlen. Ich erinnere mich au» vielfachen Schilderungen und persönlichem Schauen zum Beispiel eines Gene- rals v. K., dem nichts so sehr am Herzen lag wie das Wohl des Soldaten, und ich habe Aehnlichcs vielfach gehört. Wir Sozialisten neigen nicht zur Hetze, wir achten den anständigen Menschen auch dann, wenn er anderer Gesinnung ist als wir. * Doch wir wollen die Herrschaft der Generale nicht wieder! Wir müssen das Elend, das durch sie über uns gekommen ist, ertrogen und überwinden. Aber wir sagen ihnen: Nie wieder! Von ganz edlen Verbrechern. „Manoleseu" im Gloria-palast. Nach Casanova, Cagliostro und Schinderhannes ist jetzt M a- n o l e s c u, der„König der Diebe", von der Filmindustrie ab- geschlachtet worden. Der Prozeß vollzieht sich in derselben Art wie bei den anderen. Früher, zu Lessings Zeiten, suchte man zu Unrecht verlästerte Schriftsteller in ein moralisches Varnpfbad zu stecken, damit sie engelrein herauskämen. Nachdem die Klassiker denselben Jdealisierungsprozeh mit problematisch«« Helden der Weltgeschichte, wie TcU, Egmoitt oder Wallenstein gemacht hotten, nachdem Bernhard Shckw dos Menschlich-Allzumenschlich« in wohlrenommierten Heroen entdeckte, sucht der Film den Verbrechern bekannten Charak- ters ein lilienweißes Kleidchen anzuziehen. Es find überhaupt keine Verbrecher oder Hochstapler. Es sind gute, liebe und brave Bürger, di« durch einen tückischen Zufall aus der Bahn des Gewohnten herausgeschleudert worden sind. Der Cagliostro Stüwes könnte bestimmt«inen prachtvollen Registrator abgeben, und auch Varrymoores Don Giovanni und Mosjoutins Casanova würde unter keinen Umständen ein« höhere beamtete Der- wattungskarriere verschlossen bleiben. Aber der edelste, reinste und anständigste in dieser Galerie schöner Männer bleibt Manolescu, der in der Wirklichkeit an Format bestimmt nicht seine großen Kollegen aus dem Heldenzeitaller des Abenteurertums erreicht. HansSzekely hat eine Novelle über Manolescu geschrieben und Robert Liepmann zog sie mit bewährter, dem Schema treubleibender Routin« als Filmmanuskript auf. Man denke sich einen netten jungen Mann, der wie seine Alters- und Zeitgenossen vom nichtstuerischen Leben in Pariser Klubs verkehrt, Schulden macht und weder Geld noch Neigung hat, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Dieser junge Mann lernt auf einer Fahrt nach Monte Carlo ein« dämonisch inszenierte Frau kennen, die übrigens Brigitte Helm in eng anliegende, nochthemdähnliche Gewänder hüllt, im Stil der Greta Garba.„Jeder Mensch hat halt a Sehnsucht." Den blonden Vampyr sehen und lieben ist da» Wert eines Augenblicks. Doch Brigitte Helm erklärt, sie brauche ein außer- ordentlich luxuriöses Leben. Und so entschließt sich Manolescu, Hoch- stapler zu werden. Allerdings bekommt er dauernd moralische An- fälle und schreit: Wäre ich doch ein anständiger Burger geblieben. Ja. ja, so treibt es das Gewissen! Jeder Mensch, der etwas auf sich hält, bekommt natürlich einen Vampyr, besonders, wenn er noch blond ist und in dämonischer Grazie einen Lebenszweck erblickt, ent- schieden über, und so segelt dann Manolescu in di« Arme der brünetten und hausfraulichen Krankenschwester Dita Parlo. Man lebt oben in einem kleinen verschneiten Schweizerdorf, hat sich standesamtlich trauen lasten, und macht in Eheglück. Da erscheint die Polizei, und mit einem rührenden wilden Abschied schließt der Film. Was soll dieser saul« Zauber? Man gebraucht einen bekannten Namen und stellt einen Menschen hin, der mit dem Vorbild auch nicht das geringste zu tun hat. Diese Liebesgefchicht« ist Repertoirestück im Film aller Nationen. Eine Frau macht einen noch halt» loseren Mann zum Verbrecher, ein« ander« sucht ihn, moralisch zu haben. Damit ist jedoch der Fall nicht erschöpft. Damit ist eine komplizierte Seeleneinstellung kindlich vereinfacht worden. Hier, wie auch in Cagliostro hätte gezeigt werden sollen, wie die Sehnsucht nach einem geordneten, nebenbei gejagt trotzdem sehr pompösen Leben, sich diagonal mit der Freud« am Wenteurerium und am Verbrechen schneidet. Nicht eine Frau verführt den Mann, sondern der Mann wird durch sein zweites Ich, also durch sein Selbst ver- führt. Schworzweißzeichnung für das traut« Heim des Kleinbürgers, Ueberfehen seelischer Kompliziertheit, Preis auf die schönst« aller Welten, d. h. Preis auf dos Bürgertum! Dos alles bedeutet eine falsche Perspektive, bedeutet eine alberne Verkleinerung. Iwä» Mosjoukin spielt den Manolescu. Da die Hand- lyng in die Gegenwart verlegt worden ist, braucht er sich nicht zu kostümieren und desizalb ist er reicher im Ausdruck, als wenn er Uniform oder Kostüm trägt. Mosjoukin wirkt meistens wie ein beim Film gelandeter Opernsänger, der über sabelhast elegante und musika- tische Bewegungen verfügt. Ein tänzerisch beschwingter Schauspieler, der jedem Problem der Menschengestaltung am liebsten aus dem Wege geht. Auch jetzt ist er elegant, routiniert, spielerisch, man glaubt ihm nicht recht die Sehnsucht nach dem trauten Heim mit Erbssuppe und Würstchen, Aber hinter weltmännischer Haltung klopft stellenweise ein menschlich gerührtes Herz. Der elegante Mosjoukin bekommt es fertig, überzeugend zu weinen. Die Regie Turjanskys und die Photographie Karl H o f f m o n n s sind hervorragend. Rein Dekoratioes verbindet sich mit ausdrucksstarken und schauspielerisch vollendeten Szenen.?. L. . Oer Ursprung der Bantus. Ein« italienische Expedition unter der Leitung dez Anthropologen G a t t i hat die Rassenfroge bei den afrikanischen Bant»- st ä m m e n untersucht und festgestellt, daß alle Bantus Buschmann» blut in ihren Adern haben, wie sich aus Messungen und aus den Merkmalen des Haares, des Gesichts, der Füße, Hände und Haut- färbe ergibt. Andere Eigenheiten dieser Stämme aber sind einer fremden Rasse zuzuschreiben, di« zu verschiedenen Zeiten nach Afrika kam. Die Form der Nase spricht für semitischen Ursprung, und ebenso weist das Haar, besondere bei den sehr jungen und d-n sehr alten Menschen, gewisse semitische Eigentümlichkeiten auf. Die Bantus stellen also«in« Mischung zwischen Buschmännern und Se- miten dar, und die verschiedenen Unterschied» zwischen den einzelnen Stämmen sind aus dem schwankenden Verhältnis herzuleiten, in dem sich der semitisch« Einfluß bemerkbar gemacht hat. Franz Erich Wölfs tödlich verunglückt. Unter den Verunglückten auf der Tauernbahn befindet sich Rechtsanwatt Franz Erich Wolfs aus Berlin Wolfs, der im 34. Lebensjahre stand, ist Syndikus und Direktor des S ch u tz ve r h a nd e s D e ut f ch e r Schriftsteller. Er leitete den Berbonh seit Jahren als Syndikus mit besonderem Eiser und oußerordentticher Umsicht, was in einer, yus stark ausgeprägten Individualitäten bestehenden Gewerkschaft, wo weltanschauliche und politische Gegensätze hart aufeinanderprallen, häufig mit großen Schwierigkeiten vorknüpft war. Seiner Initiative ist di« vor etwa Jahresfrist erfolgte Grün- dung de? Reichsverbandes des deutschen Schristtumes und der „Natgememschoft" zu danken. Durch Neigung und Verwandtschaft- liche Beziehungen war Wolfs der Literatur verbunden. Sein Schwiegervater war der bekannte doutschösterreichische Schrfftst-'' Hermann Kienzl. „Mutter glaubt noch an Koteletts!" Oer Oiätkampf gegen Lupus und Tuberkulose. Wir erwarteten einen guten Freund zum Abendbrot. Befriedigt sah ich mir noch mal den Tisch an: Er sah wirklich einladend aus: eine richtige Ausschnittplatte hotte ich uns geleistet, zweierlei Käse, Radieschen— unser Freund Kolpin. der immer so gern non oer- schiedenen Platten naschte, würde nichts vermissen. Ach— da schlug die Flurklingel an, er kam pünktlich: ich konnte gleich den Tee auf- brühen. Als ich ins Zimmer trat, stand unser Freund mit bedauerndem Kopfwockeln vor unserem schönen Abendtisch.„Tje, tje— hoffentlich haben Sie das nicht etwa eirtra für mich gemacht, Madam... ich darf gar nicht mithalten, ich komme für solche umfangreichen Abendbröter gar nicht mehr in Betracht.. Das war wirklich ein« Neuigkeit für uns, denn unser Freund gehörte zu den Menschen, die sich in den �ungerjahren des Krieges geschworen hotten, die Butter in kommenden guten Zeiten mit d«m Teelöffel zu essen und keinen guten Bissen auszulassen: Außerdem glaubte er das aber auch seiner Gesundheit schuldig zu sein. Er schleppte sich seit Kriegsi�de mit einer Tuberkulose herum, so einer gutartigen, die ihm erst gar nicht viel Beschwerden gemacht hatte. Run aber hatte sie sich„ausgewachsen" und halte schon mehrfach daran erinnert, daß auch die„gutartigst«»" Tuberkeln ganz unange- nehme Gäste des menschlichen Körpers sind. Daran dachte ich, als ich ihn nun fragte:„Ja, Menschenslind, worum sind Sie denn mit einem Male gegen gutes Abendessen, und wovon wollen Sie denn nun bei uns leben?" „Na, verhungern brauche ich ja nicht... da ist ja weißer Käse und Radieschen und vielleicht haben Sie noch eine Tomate draußen. Die Sache ist nämlich so: Mein Arzt behandelt mich jetzt nach einer neuen Methode, die ein Doktor Gerson erfunden hat, und damit will er die verdammten Tuberkeln um die Ecke bringen. Das ist eine ganz neue Art, mit den Dingern umzugehen: Bloß Diät, meistens Rohkost— und gar kein Salz. Doktor Gerson führte Tuber- kulose und viele andere Krankheiten, denen wir bisher ganz hilflos gegenüberstanden, auf aus eine Unordnung im ZUineralstosswechsel des kranken zurück und sein Ziel, mit dem er auch in vielen oerzweifelten Fällen die Heilung erreicht hat, ist die Umformung eben dieses Mineral- stosfwechsels. Das wichtigste Mittel hierzu ist die Einhaltung einer ganz und gar kochsalzfrcien Diät. Der kranke Körper hält das Kochsalz zurück. Gelingt es, dieses Kochsolz auszuscheiden, dann heilten plötzlich viele Krankheiten, denen nicht einmal das Messer des Chirurgen beikommen könnt?,„von selbst". Nirgends hat sich das auffälliger gezeigt als beim„Lupus, der doch eine Tuberkulose der Haut ist. Wurden die Kranken auf kochsalzsreie Diät gesetzt, so stellten sich spontan Entzündungen der erkrankten Hautpartien ein— Entzündungen, die nach ihrer Abheilung neue und gesunde .Haut zurückließen. Ebenso fabelhafte Erfolge erzielte Doktor Gerson wie auch Professor Sauerbruch bei der Knochen- und Weichteil- tuberkulöse. Bei der Lungemuberkulose steht es nun freilich nicht so tritt, daß der Tod schneller ist. als jede Hilfe. Die„g a- loppierende Schwindsucht" heißt sie im Lolksmund. Gegen p i e r« n d e Schwindsucht" heißt sie im Volksmund. Gegen die hat bisher noch kein Mittel geholfen, keine Operation, kein Aufenthalt in besonders günstigem Klima, kein Heilmittel, lind darin: Jede Lungentuberkulose braucht Jahre zu Ihrer Ausheilung: Ich habe mich auch schon verschiedene Male für ganz gesund gehalten, weil ich monatelang frei von Beschwerden war, nach langen Ruhe- Perioden, noch einem Sommeraufenthalt in frischer und reiner Luft: eines Tages aber spuckte ich doch wieder Blut... Eine langjährige Beobachtung ist notwendig, ehe man so einen Kronken wirklich als geheilt bezeichnen kann. Sehen Sie, darum tut es mir so leid, daß die salzlose Kost setzt Plötzlich als ein Allheilmittel ousgeschrien worden ist. Mein Arzt hat es mir erzählt: Ohne erst mit dem Arzt, der sie behandelte, Rücksprache zu nehmen, kommen die Leute jetzt zu den Herren, die ihnen durch d-ie Veröffentlichungen bekanntgeworden sind— sie kommen zu ihnen, wie zu einem Wunderdoktor, sie verkauften ihr Letztes, um die Reise zu ermöglichen und dann— zu sterben. Neulich tom ein Bergmann zu Professor Sauerbruch, im letzten Stadium einer ganz bösartigen Tuberkulose: Er hatte seine Kuh verkaust, um das Reisegeld zu haben. Am nächsten Tag ist er hier gestorben... Und all die vielen Ungeduldigen, die da erwarten, daß sie die neue schon in den ersten acht Tagen heilen soll! Die Kur muß aber wachen-, manchmal monatelang fortgesetzt werden: merken die wrn nicht sofortige Besserung, widersteht ihnen die salzlose Nahrung im Anfang oder glauben sie, auf so ein bißchen Mogelei käme es ja nicht an und merken sie drum nichts von einer Besserung— dann geben sie sie auf und sind nicht nur um eine 5iofsnung ärmer, sondern sind durch das Fehlschlagen dieser Hoffnung in ihrem ganzen Genesungs- und Lebenswillen so schwer geschädigt, daß sie die aller- schlimmsten Rückfälle erleben. Sie sind es dann vor allem, die die neue Heilmethode verketzern und verdammen, weil sie von ihr Wunder verlangten..." „Ja, wie geht es denn Ihnen aber nun selbst?" „Sehen Sie. ich darf auch gar nicht darüber reden, ich bin selbst so ein Fall. Mutter glaubt eben noch immer an Koteletts und Rührei, gut„abgeschmeckt" natürlich, und so was kann man nach ihrer Meinung ohne Salz nicht. Ich muß von Hause weg. denn die alt« Dame wird wohl nicht mehr umlernen, lind doch ist das gar nicht so schwer, es gibt sogar schon ein richtiges Kochbuch für die neue Diät: „Praktische Anleitung zur kochsalzfrcien Ernährung Tuberkulöses" heißt es und ist bei Joh. Ambrosius Barth in Leipzig erschienen. Denn die kochsalzfreie Kost muß natürlich besonders sorgfältig zu- bereitet werden, wenn sie dem Geschmack nicht widerstehen soll. Es ist aber sehr viel Abwechslung möglich, daß man sich ganz gut daran gewöhnen kann. Verboten sind vor allem: Kochsalz, Kon- scroen, geräuchertes und gewürztes Fleisch, Wurst und Schinken, geräucherte und gesalzene Fische, Bouillonwürfel, Suppenwürzen und Extrakte. Aber erlaubt ist eine ganze Menge: Vollkorn- brot und Pumpernickel, Zwieback und salzloses Brot, Nudeln und Makkoroni, Zucker(am besten brauner Kandis) und Bienenhonig, Pfeffer, Essig und Liebigs Fleischextrakt. Malzbier darf man trinken und auch Kaffee, Tee und Kakao— natürlich nicht zu viel, und 6M Gramm frisches Fleisch sind in der Woche erlaubt. Bis 1K Liter Milch kann man täglich zu sich nehmen, als saure Milch oder Milchkokao, und wenn sie ganz einwandfrei ist, auch roh. Dazu Sohne, Kefir, Rohm, weißen Käse, überhaupt salzarmen Käse. Ge- müse ist erlaubt, es soll aber nicht abgebrüht werden, sondern bei der Zubereitung in Butter gedämpft sein. Eier sind erlaubt, ge- kocht, in der Mayonäse, im Brei. Ungesalzene Butter, Oel, Schmalz sorgen für die nötige Abwechslung. Alle Kost, die nicht roh ge- gessen wird, darf aber genau nur so lange gekocht werden, wie zu ihrer Zubereitung unbedingt nötig ist.. und so was lernt meine alte Dame im Leben nie, auch nicht, daß sie mir das gute Essen nicht mal auswärmen darf. Und dann gibt Gemüsesäfte: der Kranke soll mit Vitaminen geradezu„überfüttert" werden: die Säfte müssen jeden Tag neu ausgepreßt werden, 1 bis 1)t> Liter täglich sind erlaubt. Wenn eine tüchtige Frau will, kann sie die ganze Sache leicht lernen, uich es ist ja der Vorzug der neuen Heil- .methode, daß sie keinen Sanatoriumsaufenthalt erfordert und zu Haus ebenso angewendet werden kann, ebenso wirksam ist wie in irgendeiner Anstalt. Nur darf weder der Krank« noch die Köchin „mogeln"— dann kann die Kur ja keine Wirkung haben. Und unter die Kontrolle des Arztes gehört der Kranke natürlich nach wie vor. Der Arzt bestimmt die Dosis„Mineralogen", die der Kranke tag- lich nehmen soll, ebenso wie die Menge an Phosphorlebertran oder kochsalzfreiem Vitamincxtrakt. Nur wenn der Arzt, die Köchin und der Kranke mit gleicher Ehrlichkeit und gleicher Geduld zusammen- arbeiten, kann die mue Heilmethode in den Fällen, in denen es noch nicht für jede Hilfe zu spät ist, wirklich den Segen bringen, den man von ihr erwartet— und auch da nur in den Fällen, für die sie geeignet ist. Auch sie heilt nicht olles und auch für sie gibt es ein„zu spät". Und das ist das Allerschlimmste, daß so viele das nun nicht mehr glauben wollen. Es wäre besser, man hätte nicht so viel und nicht so früh von der neuen„Wunderkur" ge- schrieben..." „Aber trotz alledem: vielen ist neue Hoffnung gegeben: es ist ja nicht nur die Lungentuberkulose, die vielleicht in vielen Fällen geheilt werden kann. Lupus kann b e st i m m t gehei't werden, die Lupusheilstätte Gießen ist schon zu salzfreier Kost über- gegangen, und jedes Fünkchen ist für uns Kranke kostbarstes Ge- schenk. Wenn bloß die verdammten Journalisten nicht so über- mäßiges Geschrei gemacht hätten! Die neue Heilmethode war auf dem besten Wege, Gemeingut der Aerzte zu werden— und die wußten am besten und konnten in Ruhe und unter guter Kontrolle ausprobieren, in welchen Fällen man sie mit einer anderen Be- Handlung kombinieren muß und welche Fälle von vornherein ganz hoffnungslos sind.... Die„galoppierende Schwindsucht" reitet noch immer schneller, als ihr der Arzt folgen kann. Jede Hoffnung aber, die zu Unrecht erweckt wurde, jeder„Versager", an dem nicht die neue Methode sondern ihre unzureichende Ausführung oder die falsche Auswahl des Patienten schuld ist, wird dem neuen Heilver. fahren angekreidet werden und so wird dann, als Gegenausschlog des Pendels, ein verketzern des neuen Verfahrens einsetzen, um so stärker, je schrankenloser vorher der Wunderglaube war, An Wunder dürfen wir nicht mehr glauben— aber an die Wissen- schast. Und ich glaube daran, daß sie auch mir vielleicht noch helfen kann. Ich darf es— denn auch mein Arzt gab mir die Hoffnung." Und vor seinem ernsten Gesicht begriffen wir, wie leichtfertig es gewesen war, die Hoffnungen, die noch von den Händen der Aerzte gepflegt werden sollten, auf den Markt der„öffentlichen Meinung" zu werfen, ehe sie wurzclkrästig und stark genug waren. Rose Lvralä. Betrug bei einer Raiffeisen-Kaffe. tlnterfchlagungen blieben jahrelang unenideckt. Schwerin, 21. August. wie dem„R o st o ck e r Anzeiger" aus Grünow iu wecklea. burg-Strclih berichtet wird, sind bei der dortigen Raisfeisen- lasse Unterschlagungen ausgedeckt worden, die bereits drei Zahre zurückliegen und sich nach den bisherigen Feststellungen auf rund 24 000 vl. belaufen. Der Täter der Unterschlagung ist der Ortsgeistliche von Grünow. Pastor Stoppel, der im Nebenamt die Raiffeisenkasse oerwaltete. Er betrieb seine Veruntreuungen in der Weise, daß er für Lieserung von Düngemitteln vereinnahmte Gelder nicht an die Zentrale des Roifseisenverbondes abführte und durch Falschbuchungen jahrelang die Mitglieder des Verbandes schädigte. Die S t a a t s a n wo l t s ch a s t hat sich jetzt der Angelegenheit ange- nommen. Vom Oberkirchenrat ist der Pfarrer seines Amtes e n t- choh en worden. v Wie weiter berichtet wird, hat er sich auch der Pfand- Unterschlagung schuldig gemacht. wetker für Berlin: Meist wolkig und mäßig warm, keine er- heblichen Niederschläge. Südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden und Osten des Reiches heiter und warm, im übrigen Deutschland meist wolkig und mähig wann. Niederschläge nur an der Nordsee. Deranttvortl.'llr die Redaktion: Woltgaag Schwär,. Berlin; An, eigen: Th. Stocke, Berlin. Verlag: Vorwärt, Verlag<5. m. b.$., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindcnstrake 3. Sterin 1 Beilage. Staats-Oper Unter d. Linden GesAlOMDl Staais-Oper Am Pl.d.Rcpubl. fiesdilosssD! Freitag, 23. 8. Stadt. Oper Bismarcks tr. 8 Uhr Turnus IV Staat). SdHupli. am Sendarmenmarkt GesAlosseDl Staat). Sehiller-Tlieater.Charitb. Geschlossen. CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. Täglich»l/. Uhr Der neue Eronnungs- Schlager Wem poliört mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 Sessel 1.75 ftL, Sonstige Preise: Parkett u. Rang(kSO M Rose- rbcatcr, Gro$e Frankfurter Sir. 132. Täglich 8.15 Uhr Der kleine Kuppler 1 Lustspiel i.3Akt.v.Armontu.Gerbidon Gartenbohne S.30 Uhr Konzert und hunter Teil 8,15 Uhr .Bis Iran um tume1 Werd in Sie ADonnem des Bose-Tbeelers Verlangen Sie kostenlose Zusendung der Abonnements-Bedingungen Vorverkauf auch im Pavillon der Reinhard tbühnen, Kurfflrsfendamm. Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 Deottdi« Theater D.I. Norden 12310 8U> Ende gegen 11 Die Fiedermaos Musik v. Joh. StrauS. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Die KomSdle jl Bismck. 2414/7516 8'/» U-, Ende geg. 10 Am Sonntag, dem 25. August Zum 25. Male Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie: Leontioe Sagan Lessing-Theater Norden 10846 Gruppe langer Schauspieler Täglich 8',« Uhr losel laknbovskl-DniiDa Von Eleonore Kalkowska Lustspielbaus Täglich SVj Uhr Du wirst mich heiraten I Rundfunkhörer halbe Preise. Metropol-Tli. Tigl. 8V< Uhr Sonntags 4 u. 81/» Blaubarf Operette von Offen bach Grete Finkler, Stleber-WaUcr tmZEBH<�FEE*im-PAlAST*mAREn-BAQ STEINMEIER FPIEDßlCHS mASSE96• AM BAHNHOF- Tägl. S ii. 8» , sonm.J.Sfl 8" ' Alan. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE »•••••••••«••••••••SO Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58. KasL-Allee 7-9i Tel. Hb. 2246 Gastiiilti Egitt) Betr. Grete) Ullen s Die lustlse Witwe Operette von Franz Lehär Duo der grobe V.ricfctell. Anfang Konzert 4.80. Burleske u Variet« 0 Ulli. Operette 8.80. Itden Oonnersiag oroBer Toiksioo. Jed. Mittw. Klnoertest o. Verlosnng »•eeeeeeeeieeeeeeeeee «Vg Uhr Barb.«266 .* | orig.-«inepiMnl»cli« oeaeiiers iraw. Reichshallen-Thealer [Ö] Uhr. Stettiner sanger Sonntag, 25. August: L Nadunlttans-Vorslellcno zu halben Preisen mit vollem Programm! ""•önhoff- Brotti: VmxieU Konzert Tanz Winrer ck Garten* 8 Uhr- zemr. 2818 Itter nat, Variete Randieii erimmi bcu. immer gut Sannabaad u. Sonntag J. 2 Voretellungan •t»- und- Uhr. k kleine Preise. speiial Behandi. nurtOr Isdrias w HQnen. GesBI und Dein, wenn omuntotsieiii In 13 Tagen sind severe FOlle htseltlai worden. Unaninsthare HeUctloloe. Uesioilouno und Ueterensen. Orztnoli emptsniaii. inTalldenstraBe 108. o—ti.l—«. Soontti ie— it. lacoor. Direktion Dr. Roberl Klein Deulsebis KOnstier- Theater Barbarossa 3937 Donnerstag, 29. Aug. l>h Uhr Dtsch. Urauffiihr. Die apdere Seite von R C Sherriff Regie: HeinzHilpert Der Vorverkauf ist eröffnet Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8V« Uhr Ober 1000 X Max Adalbert in Clubleute Max Landa, Ferry Sikia, Ellen Frank. Barnowsky-BDIineii Thaatar in dar KSniggritznr StraBa Täglich 8'/. Uhr Rivalen Komödionhaua Täglich 8>ö Uhr Bodueifsreiie mit finaro Aimnder Theat. d. Westens Täglich 8'li Uhr Sonntag 4 u. 8!/i Franz Lehars Welterfolg I Friederike Lotte Carola Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 u. 51 21 Thmi.nuiKotui.Tar Kotfb. Str. 6 Tägl. 0 Uhr Elite- 'Sänger Die August- Sensation Strippke's In der Sommerfrische znr Miete W50, Ansbacherst r. I PUmelartnm i am Zoo Virliat. ludiimsthaln Irat« B.S Barbarossa 5578 I6V< Uhr Starnbllder da» Sammart 18V. U. Von Pol zu Pol am Sternenhimmel 20V. Uhr Oer Blutball dar Sanne Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk„ Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 Pf. fi. L-]uergens Alexanderplatz Neue Könlgslr. Neu eröffnet! Gneisenaubad Gncisenausir 3 Sämtliche Bäder, Kurbäder. Licht- bäder und Massagen Kassenmitglieder. Geöffnet 8—8, Sonntags 10-01. Einlache Wannenbäder 1 Mk. obel-Noltei Scblafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer. Einzel-Möbel, KScben, Sofas, Rabebetten gacli gegen 24 Monatsraten SciiOnhaiucr Allee 141 a (Bodmatui oonztRer strafte) Verlangen Sie Vertreter besuch. äüeilage Freitag, 23. August 1929 SprÄbnid SfiÄlaulQaJU Ja �rWwi Deutsche Fürsten als ZKenschenhänöler Vergebliche Mohrenwäsche durch die reaktionären 4crbpächter deutscher 4-hre Der blühend« Soüdatenhciitdel, durch den sich die deutschen Despoten des 18. Jahrhunderts bereicherten» ist noch heute ein Schandmal auf den deutschen Namen, denn zehn Jahre, nachdem der ganze Fürstcnplunder verdienter- maßen auf den Mist gefegt wurde, finden sich noch Deutsch«, die jenes verächtliche Qk'schmeiß und seinen verächtlichen Menschen- schacher zu rechtfertigen unternehmen. So verwahrte sich unlängst ein Dr. chans Braun, Borsitzender des„Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde in Hamburgs gegen die„Lüge von den verkauften Landeskindern", die ein Artikel der.Hamburger Nach- richten� enthalten habe, und ein Dr. Rudolph Körner hatt«, gleich- falls letzthin, die Stirn, im.Deutschen Adelsblatt" zu behaupten, „daß man von Menschenhandel nicht reden darf, ohne die Ehre des deutschen Namens zu beeinträchtigen!" An den Tatsachen freilich ist nicht zu rütteln. Von der Mitte des 1Z. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war Deutschland der große INenschenmarkl, auf dem sich durch Anwerbung von Soldknechten alle Feftlonidstaaten für ihre Kriege mit Soldaten versorgte» Als sich nach dem Dreißig- jährigen Krieg die vom Reich so gut wie unabhängigen Territorial- staaten herausbildeten, entwickelte sich der Kleinbetrieb zum Groß- betrieb: die einzelnen verkauften sich nicht mehr selber, indem sie Handgeld nahmen, sondern wurden von ihren Landesherren auf dem Wege der Subsidienverträge in Massen verkauft: die stehen- den Heere der Fürsten des 18. Jahrhunderts waren, wie es ein Militärwissenschaftler von Ruf, der preußische Generalstäbler I ä h n s, ausdrückt, nichts als„Gegenstand der G« l d s p e k u- l a t i o n". Die Hochkonjunktur für die fürstlichen Seelenverkäufer brach an, als England 1773 zur Niederwerfung des Aufftandes seiner amerikanischen Kolonien Truppen brauchte und auf das eigene Mcnschenreserooir nicht zählen konnte. Schon auf die erste Kunde, daß die Briten als Käufer im Großen in Frage kämen, drängten sich die deutschen Fürsten gewinngierig herzu. Stempelt die„völ- kischc" Lehre die Schmierigkeit im„Anreißen" zu einer Eigenschaft des Ostjuden, so Hot sich der schmunigste galizische Kaftan nie schmieriger,„anreißerischer", aufdringlicher benommen als diese tcutjchen Gottesgnodcnmänner arischen Geblüts und christlichen Be- kenntnisfes beim Anbieten ihrer lebenden Ware. Der Markgraf von Anspach schrieb an den britischen Außenminister:„Nichts in der Welt kommt dem Eifer gleich, womit ich Seiner Majestät nützlich zu sein wünsche", und der Fürst von Waldeck betonte in einem Brief an den gleichen Lord, er werde es stets als große Gunstbezeugung Seiner Majestät ansehen,„wenn sie ein Regiment von liflO Mann annimmt, das wie sein Fürst vor Verlangen brennt, sich für Seine Majestät zu opfern"— bar Geld lachte! Die eng« lischc Regierung aber schickte einen kühlen Fachmann, den Obersten William F a u c i t t, aufs Festland, der über die Güte der Ware zu befinden und dann Verträge mit den Verkäufern von Menschen- fleisch abzuschließen hotte. Binnen kurzem war er mit sechs Rcichsfürsten im reinen. Die sofort in Marsch gesetzten Truppen und den zur Auffüllung der Lücken nachgeschickten Ersatz zusammengerechnet, lieferten der Her- zog von Braun�schweig 5723 Mann, der Landgraf von H c s se n- K a s se l 16 992, sein Sohn, der regierende Graf von Hessen-Nassau, 2422, der Markgraf von Anspach 2338, der Fürst von W a l d e ck 1225 und der von Anhalt-Zerbst 1160 Mann: dos waren insgesamt 29 875 Mann! Erhielt Judas Jscharioth für seinen Berrat 30 Si'berlinge, so strich der deutsche Serenissimus für jeden Untertanen, den er an England losschlug, im Durchschnitt 30 Kronen Werbegeld und außerdem STA Kronen jährliche Subsidie ein. In Summa machte dos an die sechs Millionen Pfund Sterling oder 120 Millionen Mark, nach dem Geldwert von heute das Mehrfache aus. Wo es nur ging, suchten, Muster unreeller Geschästsleute, die Bertäufer den Käufer übers Ohr zu hauen. Unter der zweiten Division Braun- schweiger fand F a u c i t t viele alte Männer und „viele halbausgewachsene Zungen, die kaum stark genug sind. das Gewehr zu tragen". desgleichen in dem Waldecker Kontingent„halbwüchsig« Jungen, die noch nicht alt und stark genug für den sofortigen Dienst find", ebenso in dem hessischen Nachschub von 1777„viele sehr alt, viele bloße Jungen und ander« wieder du-'chaus unbrauchbar". Der Herzog von Braunschweig, der für sein« Kebsweiber Vermögen ver< geudete, schickte das Kanonenfutter so mangelhaft ausgerüstet auf die Fahrt, daß die Mannschaften in Portsmouth zerlumpt und zer- rissen ankamen, und wenn der Landgraf von Kassel zur Bedingung mochte, daß die Löhnung nicht durch die englischen Kriegszahl- meister an seine Hessen unmittelbar gezahlt, sondern ihm einge- händigt werde, geschah es, um für Leute dos Geld einzustecken, die zwar in den Listen, doch nicht unter den Fahnen standen. Den Gipfel der Gemeinheit ober erklomm wieder der Herzog von Braunschweig: Als sich bei Saratoga 2000 Mann seiner Truppen dem amerikanischen General Gates ergeben mußten, richtete der„Mäzen" L e s s i n g s die schleunige Bitte nach London, sie im Fall eines Austausches ja nicht »ach Deutschland zurückkehren zu lassen:„Sie werden natürlich mißvergnügt sein, und ihr« Uebertreibungen werden ebenso natür. lich von jeder ferneren Beteiligung an Ihrem amerikanischen Krieg abschrecken"— zum Teufel mit ihnen, sie verderben Durchlaucht das Geschäft! Schon diese Besorgnis des Welfen um seinen Prosit offenbort den wahren Wert der Behauptung jenes Dr. Braun, die Ver- kauften hätten sich freiwillig und vergnügt nach der neuen Welt aufgemacht:„Jeder freut« sich, einen Verdienst zu bekommen." Nicht ander- steht es mit der Beteuerung des gleichen gelahrten Herrn:„Die Anwerbung der Truppen durste nicht auf erpresserische Art stattfinden." Zwar vermeldete ein Gedicht im Moritotenstil, das 1776 ein ungenannter Fürstenknecht in Kassel als„Gedanken eines hessischen Grenadiers" drucken lieh: Hessens Friedrich zu dem Ende, Daß er seine Truppen sende, Wird von Georg drum ersucht. Chatten sind zum Krieg erzogen, Friedrich winkt— und alle zogen Schnell dahin, wo Ruhm sie sucht, aber zum Winken benutzt« der Landgraf etwas allzu deutlich den Zaunpfahl. Ein bedeutender deutscher Dichter, Johann Gott- fried Seume, fiel damals den hessischen Werbern in die Hände und erzählte über die Zeit vor seiner Verfrachtung nach Amerika: Wir lagen lange in Ziegenhain, ehe die gehörige Anzahl der Rekruten vom Pfluge und dem Heerwege und aus den Werbe- ftädten zusammengebracht wurde. Die Geschichte und Periode ist bekannt genug: niemand war damals vor den Hand- langern des Seelenverkäufers sicher: Aeberredung. List, Betrug, Gewalt, alles galt. Man fragte nicht nach den Mitteln zu dem verdammlichen Zwecke. » Fremde aller Art wurden angehalten, eingesteckt, fortgeschickt. Da die Hälfte des gesamten, an England verschacherien Kanonenfutters derart gepreßt war, entsprach dem die„freudige" Stimmung, lieber die Anspocher berichtete der englische Gesandte an den Minister Suffolk:„Lauter schöne Leute! Wenn sie nur »ich: so abgeneigt wären, nach Amerika zu gehen!" Nicht unbegründet war denn die Furcht der sürstlichen Menschen- Händler, Desertionen könnten sie um einen Teil des Sündenlohnss prellen. Bei Aushebung der zweiten hessischen Division entliefen die Untertanen des Landgrafen in hellen Haufen in die Nachbar- staaten: das waldecksche Regiment wurde wie eine Schar Sträflinge von berittenen Landjägern an die Grenze bis auf die Weserfchiffe geleitet: nicht anders marschierten die Anspocher unter Eskorte: zur Bedeckung einer braunschweigischen Nachjchubobteilung von 250 Rekruten waren 100 Mann Infanterie aufgeboten, und dos Bay- rcuther Regiment meuterte in Ochsenfurt, bis Serenissimus Hals über Kopf herbeieilte, mit geladener Flinte vor dem Schiff Wache hielt und den Transport Main und Rhein abwärts bis zur Ab- lieferung der Ware begleitete. Der Widerwille der schmählich Der- schacherten gegen den amerikanischen Krieg war nicht von unge- fähr, denn wenn S c u m e 1782 aus Halifax schrieb:„Wir leben hier ein Leben, das der Galeerensklave nicht beneiden wird", so starben die deutschen Soldaten, Folge der Anstrengungen und Em- behrungen und des ungewohnten Klimas wie die Fliegen. Von einem hessischen Grenadicrrcgiment erlagen binnen weniger Wochen des Frühlings 1777 300 Mann dem Faulsieber. Niemols kostete eine Schlacht annähernd so viel Opfer, aber von den nmd 30 000 Mann, die nach Amerika verladen worden waren, sahen nur 17 313 die Heimal wieder! Zu versichern, daß sich dieser unsagbar schmutzige Schacher mit Glück und Gesundheit, mit Fleisch und Knochen lebendiger Menschen, dem„Geist der Zeit" entsprechend, unter Zustimmung der„öffent- lichen Meinung" vollzogen habe, steht den Braun und Körner wohl an. Aber wenn es in Deutschland damals kein« Organe der öffentlichen Meinung gab, so nahm doch das Ausland kein Blatt vor den Mund, um den fürstlichen Seelenverkäufern tiefste Verachtung zu bezeugen. Bei Beratung der Subsidienverträge im britischen Parlament erklärte nicht als einziger Redner der Herzog von R i ch m o n d das Abkommen für einen nichtswürdigen Handel, um eine Anzahl Mietsknechte in Dienst zu nehmen, die gleich so- undsoviel Stück auf die Schlachtbank geführt werden sollten, und Mirabeau sagte in einer Flugschrift: Jst�es dahin gekommen, daß die braven Deutschen, die ihre eigene Freiheit so verzweifelt gegen die Eroberer der Welt ver- teidigten und den römischen Heeren Trotz boten, gleich elenden Negern verkauft werden und ihr Blut im Jnteresie der Tyrannen zu verspritzen suchen? Wo es möglich war, in Deutschland die Stimme des Dalles zu vernehmen, drückte«s sich nicht sänftiglicher aus. Der Stadt- kommandant von Zerbst, General v. Rauchhaupt, beschwert« sich in einem Garnisonbefehl, die Bürger redeten den Soldaten zu, daß sie doch nicht marschieren möchten, da sie schnöde verkauft wären und elendiglich umkommen müßten. Anderwärts konnten Deserteure ebenfalls auf die unbedingte Hilfe der Bevölkerung rechnen, und noch zwanzig Jahre später hörte der Magister Laut- h a r d die Hersfelder am Stammtisch aus ihren„Herrn Land- grasen" schelten,„der nun abermals seine Landeskinder als Solda- ten, zum Behuf« des Franzosenkrieges, oerhandelle und für den Landbau und andere Gewe.'be weiter nichts zurückließe als Kinder, Weiber. Krüppel und Greise". Auch drückte ein nicht unterzeichneter Brief an den Markgrafen von Anspach mit der Ankündigung, daß man „ihn als Blenschen verköusser nnler den Elendesten der Verbrecher setzen" werde, eine verbreitete Meinung aus, denn selbst«in Minister dieses Miniaturdespoten. Freiherr von Gemmingen, obgleich Handlanger des Schachers, nannte die Katze eine Katze: „Ich bin im ollgemeinen der abgesagte Feind eines derartigen Handels mit Menschen"- von den hessischen Offizieren sagte ein Bericht aus Amerika, sie redeten mit unziemlicher Freiheit von ihrem Landgrafen, er habe kein Jnt«lesse bei diesem Kriege und verkaufe das Blut seiner Untertanen, das in Amerika vergoss«» werde, um das Geld auf seine Vergnügungen zu verwenden, und Friedrich II. von Preußen entrüstete sich in einem Brief an Voltaire über den hessischen Sklavenhändler:„Wäre der Land- gras aus meiner Schule hervorgegangen, so hätte er den Engländern nicht seine Untertanen verkauft, wie man Vieh verkausl, um es auf die Schlachtbank zu schleppen." Erst recht hielten die Führer deutschen Geistes mit ihrer De-. achtung für die gefürsteten Händler mit Meirfchenfleisch nicht zurück. Karoline Michaelis, die Egcria der Romantiker, fand an der hessischen Hauptstadt Gefallen, nur machte sie der Gedanke unwillig, „daß der Landgraf in Münden Menschen verkaufte, um in Kasse! Paläste zu bauen", und Herder gedachte des deutsch«» Kanon«»- futters in Amerika mit wuchtigen Versen: Sie sind in ihrer Herren Dienst So hündisch treu, sie lassen willig sich Zum Mississipi und Ohiostrom, Nach Kanada und nach dem Mahrenfels Verkaufen. Stirbt der Sklave, streicht der Herr Den Sold ein, doch die Witwe darbt, Die Waisen ziehn den Pslug und hungern. Nun, Das schadet nicht, der Fürst braucht einen Schatz. Die leidenschaftlichste Anklage aber erhob der junge Schiller in„Kabale u n d L i e b e", da der Kammerdiener auf die Frage der Lady Milford, unter den gestern nach Amerika gegangenen Land«skindern seien doch keine gezwungenen, mit messerscharfer Ironie antwortet: O Gott, nein! Lauter Freiwillige! Es traten wohl etliche vorlaute Bursche vor die Front und fragten den Obersten, w i a teuer der Fürst das Joch Menschen verkauft? Abtr unser gnädigster Landessvrst li«ß oll« Regimenter auf dein Paradeplatz aufmarschieren und die Moulaffen niederschießen. Wir hörten die Büchsen knallen, sahen ihr Gehirn aufs Pflaster spritzen. und die ganze Armee schrie: Zuchhe! Nach Amerika! Die s>errlichk«it hättet Ihr nicht versäumen sollen, wie uns die gellenden Trommeln verkündigten, es ist Zeit, und heulende Waisen dort einen lebendigen Vater verfolaten, und hier eine wütende Mutter lief, ihr säugendes Kird am Bajonette.zu spießen, und wie man Braut und Bräutigam mit Säbelhieben ausein- onderriß. und wie Graubärte verzweislungsvoll dastanden und den Burschen noch zuletzt die Krücken nachwarfen in die neue Welt! Die Fülle solcher Zeugnisse heftet dem Unternehmen der Braun und Körner und wie die Verteidiger der größten In» famie der deutschen Fürstengeschichte heißen mögen, den Fluch der Lächerlichkeit an: die edelsten Geister der Welt haben über den Menschenhandel der Despoten von Kassel, Hanau, Braunschweig und ihresgleichen nicht anders gedacht als die Nachwelt. Aber wenn Friedrich Kapp, übrigens der demokratische Vater des Putsch» Kapp von 19Ä>, bei Veröffentlichung seines Werkes„Der Sol» d a t e n h a n d c l deutscher F ü r st c n nach Amerika" den Eindruck hatte, das Verbrechen an unserer nationalen Ehre sei noch ungejühnt und loste auf jedem politisch zurechnungsfähigen Deutschen wie eine persönliche Schmach, so gilt dP annähernd 1929 ebenso wie 1864: Solange sich noch Deutsche, ohne daß ihnen die Schamröte in die Stirn schlägt, zu Verteidigern jener Niedertracht aufwerfen, ist die dynastische Schande des 18. Jahrhunderts zum Teil wenigstens auch unsere Schande. Hermann Wendel. Energiegewinnung aus Tropenmeeren Das schwerwiegende Problem, die Cnergievorräte, die uns die Sonne in früheren Erdperiaden als Kohle und Erdöl aufgespeichert bat, zu st r e ck e n, zwingt uns zur Erschließung neuer Energie- quellen, für die natürlich in letzter Linie immer nur d'e Sonn« in Betrocht kommen kann. Wichtige und weittragende Versuch« sind in den letzten Iahren gemacht worden, um Energie aus tropischen Meeren zu gewinnen. In der Pariser Akademie der Wissenschaften haben die Franzosen Claude und B o u ch e r o t kürzlich ihr« Berechnungen dazu vorgetragen, die großes Aufsehen erregten. Ein wenig abweichend von den französischen Vorschlägen und ein- facher als diese, ist die schon früher gefundene Lösung des Problems durch den deutschen Forscher Dr. Bräu er, der nachwies, daß die Gewinnung von Energie mit Sicherheit wirtschaftlich durchführ- bar ist, wenn mindestens 14 Grad Temperaturdifferenz zwischen der warmen Oberflächenschicht des M«erwassers und dem kalten Wasser in der Tiefe besteht: bei 20 Grad Temperaturdifferenz sollen solch« Kraftanlogen den günstigsten Großwasseranlagen in den Anlage- kosten gleich werden. Dies« Aussage ist von größter Tragweite: denn vorausgesetzt, daß die Berechnungen stimmen— und diese sind vielfach nachgeprüft und richtig befunden worden—, so mühten jene Anlagen sich allen Wasserwerken an Flüssen überlegen«rwei- sen, da sie ja naturgemäß an den großen Verkehrsstraßen, dcn Küsten des Weltmeeres, liegen würden. Die Produkte der hier ge- wo-nnenen Energie würden sich durch Billigkeit auszeichnen, da ihr Preis nur die billige Seefracht, keine Landfracht, wie etwa die Alpenwasserwerke, zu tragen hätten. Der Weg der Umwandlung des Wärmevorrates in Energie ist der denkbar einfachste: man benutzt das warme Wasser zum Heizen von Dampfkesseln, die mit einer niedrig siedenden Flüssigkeit, Ammoniak oder Kohlensäure, gefüllt sind: der erzeugte Dampf treibt orbeiUeistend« Turbinen und wird hernach mittels des kalten Wassers in Oberflächenkondensatoren niedergeschlagen, dann das Kondensat den Kesseln wieder zugeführt, wie das mit Wasser in gewöhnlichen Dampfkraftanlogen geschieht. Ein wichtiger Umstand, der in den Tropen sehr ins Gewicht fällt, ist ferner, daß dos Kaltwasser sich in den„Dampfmaschinen" verhältnismäßig nur geringfügig erwärmt und daher noch für ander« Kühlzwecke dienstbar gemacht werden kann. Eine weite Aussicht für tropische Gegenden, in d«n«n Wasser von-st 10 Grad schon eine er- giebige Kältequelle bedeutet— und Kälte ist, technisch gesehen, teurer als Wärme. L. H A u f zu Meister Timm! Einen Schmied und einen Windmiillcr gab es jchpn jeit Menschengedenken in Neuhof. und die alte Schmiedewerkstatt wie auch die Windmühle oererbten sich vom Vater auf den ältesten Sohn. Ein Tischler hatte sich vor etlichen Iahren eingeheiratet, aber auch bei dem war schon der rechtmäßige Nachfolger vorhanden. Zwei Maurer und«in Zimmermann waren zwar auch da, jedoch hielt man diese nicht für vollwertige Handwerker. Die Maurer waren nebenbei Musikanten und bestellten ihre kleine Zlckcrwirtschast, und dem Zimmermann pfuschte ein jeder ins Handwerk, denn mit Säge, Hammer und Zange verstanden alle Neuhofer Männer not- dürftig umzugehen. Die Bauern waren froh, wenn dos Osterfest nahte und einer ihrer Buben endlich soweit war, einen ftnecht ersetzen zu können. Die kleinen Leute dagegen begonnen sich um die Zukunft ihrer Jungen zu sorgen. Sie besprachen die Sache zuweilen auf dem Kirchwege oder im Krug beim Glase Gutgemengten. Jedoch immer kamen sie zu dem Ergebnis: ein Schneider fehlt in unserem Dorf. Ein Schneider?— ja der fehlt— ober dazu gehört doch irgendein Gebrechen, dachten sie— wer soll einem gesunden Jungen ein solches Handwerk zumuten— Schuster?— ja, das klänge schon männlicher, forscher. Und Holzschuhe trugen nur noch die ganz Alien, die immer still saßen und deren Füße sich nur in Stroh und Holz warm hielten. Burschen warfen am Sonntag sogar ihre Schaftstiefel in die Ecke und ließen sich Schuhe mit Gummieinsatz anfertigen. Und Mädchen zogen blanke Schnallenschuhe den alt- modisch geschnürten vor. Ja, das wäre für einen tüchtigen Jungen noch eine Zukunft Und Heinrich fühlte sich zum erstennial vom Ernst des Lebens durch- schüttelt, als der Vater eines Tages mit ihm sprach wie mit einem verständigen erwachsenen Menschen. Er fühlte sich erhoben, ja, man setzte ihn mit ein in die Rechnung der Dorfbewohner. Und wie rücksichtsvoll, gar nicht, als ob der Vater seine Ansicht für die allein richtige hielte und als ob er ein« gegenteilige Aeußcrung er- warte, so sprach er mit seinem Jungen. Vor Erregung war es Heinrich ganz unmöglich, einem klaren Gedanken Ausdruck zu geben. Es klang fast verstockt, als er hervorstieß, daß er Tischler werden wolle. Alle Erwägungen, die nun Vater Schwarzbach an diesen Ent- schluh knüpft«: es bestände keinerlei Aussicht, auf dieses Handwerk einmal in Neuhof Meister zu werden: auch gehör« dazu sehr viel Geld— alles das lag unserem jungen Freunde so fern, wie wenn der Pastor in der Konfirmationsstunde vom Jüngsten Gericht sprach Meister Fröhlich? Werkstatt grenzte an Schwarzbachs Gehöft. Wenn die Säge kreischte und Späne wie weiße Bänder pfeifend au» des Meisters Hobel schössen, dann zog der würzig frische Harzgeruch Heinrich hinüber zum offenen Fenster, um ein Weilchen hineinzuschauen. „Wirst halt mal anfragen müssen beim Iröhlichtischler", sagte Mutter Schwarzboch zu ihrem Mann.„Siehst ja, der Junge oer- gißt Arbeit und Essen, wenn er den Hobel pfeifen hört." Vater Schwarzbach kratzt« sich hinterm Ohr. Das ging ihm wider den Strich. Ein Handwerk, das keine Aussicht aufs Meistsr- werden bietet, ist doch ein Unsinn— lernen, in die Fremde gehen und Stromer werden?...„Na, ich werd's versuchen. Aber ich glaub', der lehnt es ab", fügte er, mit geheimem Wunsch auf eine Absage, hinzu. lind richtig. Doch nun erst recht! Mutter Schwarzboch stand jetzt ganz auf Heinrichs Seite. Dutzenderlei Gründe hatte der Meister gegen das Anlernen des Jungen vorgebracht.„Angst hat der: Heinrich könnt sich ihm mal vor die Nase setzen. O, ich wcrd schon«inen Meister ausfindig machen." Und als Heinrich bereit war, auch weit weg in die Stadt zu ziehen, da erhob sich der Mutter Stolz: Ihr Junge hatte Mut, unter fremde Leute zu gehen und seinen Willen durchzusetzen. Dagegen waren seine Schulkameraden reine Memmen: Die nicht aus väterlichen Höfen bleiben konnten, verdingten sich als Knechte und Gutsorbeiter oder gingen als Handlanger zur Stadt.— Und ihr Heinrich?— ein sauberer Handwerker— hoch, noch dem werden sich die Bauernnmdel mal den Hals verdrehen. Es war an> Neujahrsmorgen, als Vater Schwarzboch mit seinem Aeltesten durch frostig quiekenden Schnee die Lorfstraß« entlang stapfte. Aus den mit Streu dicht versetzten Ställen drang hin und wieder ein gedämpfter Hahnenschrei, den neuen Tag ver- kündend. Sonst lag das Dorf noch in nächtlicher Stille. Ob's gut tut? ging's ihm durch den Sinn, wobei er sich öfter nach Heinrich umwandte, denn gern hätte er auch dessen Innerste Regungen erforschen mögen. Ja, er hatte sich nun einmal dem Willen von Weib und Kind gefügt, trotz wohlgemeinter Warnungen von Freunden und Nachbarn. Jedoch bei weiterem Nachdenken erschien es ihm von neuem wie ein Unr:cht: heut am heiligen Neu- jahrstag, bei fußhohem Schnee, mit dem Jungen vier Stunden weit in eine ihm selber unbekannt« Stadt ziehen, ihn auf vier Jahre an jemanden verhandeln, dessen Namen sein Weib von einem Hausicr«r erfahre» hatte. Nein! das ging ihm wider sein Derantwortungs- gefllhl. Ja, wenn es hier wäre, dachte Schwarzbach weiter, als sie die Hauptstraß« in Neusalz durchschritten, wo Lehrbuben und Dienst- mädchen l)«iter plaudernd frische Schneebahn fegten. Hier ließe sich an Markt- und Kirchtagen mal nach dem Rechten sehen. Bemüht hotte sich Mutter Schwarzbach auch hier bei diesem und jenem Meister, jedoch leider ohne Erfolg. Als die beiden Wanderer die Stadt hinter sich hatten, begann es zu tagen. Starr log die weite Ebene vor ihnen, und schneidender Wind fegt« ihnen entgegen. Unendlich schien die gerade Straße, von steifgefrorenen Obstbäumen flankiert, auf der nur hin und wieder«in Schlitten mit Milchkannen zur Stadt bimmelte, deren Kutscher in dicken Pelzen neben den dampfenden Pferden einher- trabten. Nach stundenlanger Wanderung trat Meister Schwarzbach rechts seitwärts und klopfte mit dem Krückstock an«inen schwarzweih- gewundenen Pfahl. Er wies hinauf zur Tafel, die ein dicker Strich in zwei Hälften teilte.„Jetzt geht's Über die Gremze". sagt« er,»in wenig stolz auf die weite Wanderung. Denn hier im Grün- berger Kreise war er selber unbekannt wie in einem fremden Lande. Und Heinrich war zumut, uls versperr« ein Tor den Weg zurück zur Heimat Aber vorwärts ging es wieder. Gedämpftes Läuten kam ihnen entgegen, und in weiter Fern« zeigten stch die ersten Häuser von Deutsch-Wartenberg. Ein massig eckiger Turm wuchs immer höher über die schneeigen Dacher und ließ sein volles Glockengeläute breit ms weite Kirchspiel hinaustönen. Kirchgänger bogen aus Landwegen in die Heerstraß« ein. Alle trugen neben dem Gesungbuch den Rosenkranz in den Händen. Vor der Brücke, die über die Ochel führt, knicksten sie artig, schlugen das Kreuz und die Männer lüfteten ihre Kopfbedeckung, als sie am Heiligen Repomuck vorübergingen. „Die sein andern Glaubens", flüsterte Vater Schwarzbach seinem Jungen zu, der«in Weilchen anhielt und verwundert dem Gebaren zuschaute. Zwar kannte er die Glaubensunterschiedc nicht so genau, aber daß der katholische minderwertiger war als der seine, stand für ihn fest. Hinter der großen Wassermühle neben dem Teich, an dessen Rädern trockenes Schilf frostig zittert«, lugte ein Holzkirchlein mit schmächtigem Türmchen hervor, dessen Glöcklein in das mächtige Geläute der anderen Glocken kläglich hineinbimmelte, wie das Meckern von Ziegen in das Brüllen einer Rinderherde. Ganz selten löste sich jemand aus den Reihen der Kirchgänger und bog hinüber zur armselig dastehenden Kapelle, in der Vater Schwarzbach die Kirche seines Glaubens vermutete. Er bedauerte, daß hier so mächtige Massen noch dieser Irrlehre anhingen.— Ei der Tausend! schoß es ihm plötzlich durch den Sinn. Niemond, weder fein Weib noch er, hatte daran gedacht, danach zu fragen, wes Glaubens nun wohl der Meister Timm sein mochte. Er schrak förmlich aus seinen Gedanken auf, als Heinrich still- stand, hinauf zur Hausfront blickte und vom breiten Firmenschild halblaut vorlas: Bau-, Möbel- und Sargtischlerei von Adolf Timm." „Komm. Ich muß erst Gewißheit haben", sagte Vater Schwarzbach und schritt über den Marktplatz, dem Gasthof zum goldenen Stern zu. Die Wirtin warf erst einig« Holzscheite in den Ofen, ehe sie sich den Gästen zuwandte. Schweigend musterte sie die beiden Fremden, als sie ihnen das Glas Kirschbranntwein vorsetzte. Schwarzbach erschien es unpassend, so ganz unvermittelt nach dem Glauben des Meisters zu fragen. Nachdem auch Heinrich an dem Glase genippt hotte, goß der Voter den Rest hinunter und oer« langte ein frisches, wobei er aufs Geratewohl ein Gespräch beginnen wallt«. Doch die Wirtin kam ihm nun zuvor, indem sie nach dem Woher und Wohin fragte. Und als sie die Absicht Schwarzbachs erfuhr, fragte sie, die Fremden ein Weilchen anschauend:„Seid ihr lutherisch?" „Lutherisch— lutherisch?" Schwarzbach sann über die Bezeich-| mntfl nach. Dann fuhr er tn scharfem Ton auf?„Ach was, kutherifch! Christen find wir, genau wie Sie!" „O heiliger Joseph! Genau wie wir. Und da liegt Ihnen das Seelenheil Ihres Kindes nicht a biss'l am Herzen?" Schwarzbach, dem dos Mißverständnis der glaubenseifrigen Wirtin ganz entgangen war, wollte sich in keinen Religionsftrcit hineinreden lassen: zumal er ohne Mühe erfahren hatte, daß Meister Timm nicht katholischen Glaubens war. Und fo fuhr er der Frau barsch in die Rede:„Ach was, Seelenheil! Dos lassen Sie meine Sorge fein. Tischler soll mein Junge werden. Und darum möcht ich wissen, ob Sie den Meister kennen: ich mein', in welchem Ruf er steht und fo." „Aber verstehen Sie mich doch recht, Mann! Eine Togesreisc weit wollen Sie sich von Ihrem Kinde trennen und es dem Timm anvertrauen?" Schwarzbach räusperte sich voller Unruhe.„Na, ist er denn ein Fälscher, Betrüger, ein Ehebrecher oder gar ein Zuchthäusler, oder lft er in seinem Handwerk ein Pfuscher?" „O beschütz mich, heil'ger Vater, vor übler Nochred'. Ein gut Handwerk wird er den Jungen schon lehren, o ja— aber was wird aus dessen alleinseligmachendem Glauben? Sonntag sür Sonntag geht's mit Sack und Pack zur Schindelkirch.— Na, ihr habt ja sicher- lich das kümmerliche Ding gesehn.— Ein kräftiger Wind, und sie liegt im Mühlteich. Und genau so elendiglich ist auch der lutherische Glaube. Da seht!" Sie wies durchs tauend« Fenster über den Markt, hinüber zum grauen, wuchtigen Granitbau.„Als wär's der Herrgott selber. Und ich glaub', die steht so bis zum Jüngsten Tag!" sagte sie, mit fester Zuversicht auf ihre Kirche blickend.„So mein' ich holt, das beste wär, ihr geht nach der Kirch' miteinander zu unserm Herrn Pfarrer, der euch gern eine» tüchtigen Meister anweisen wird und gibt auch gleich seinen Segen dazu." „Zu eurem Pfarrer? Zum Kuckuck noch eins, was geht uns denn der an?" versetzte Schwarchach ungeduldig, jedoch innerlich froh wegen der guten Auskunst über den Meister. „Der geht euch nichts an? O heil'ge Mutter!" Die Wirtin senkte den Blick, schlug das Kreuz und begann, ihren Irrtum er- kennend:„Nichts für ungut, lieben Leut'. Und fallt ich a Wört'l zuviel geredt hab'n, dann will ich's gern bei all'n Heil'gen abbitten und für euer beider Seelenheil eine Fürbitt bestell'»." „Tut nicht nötig. Wir dürfen noch selber mit unserm Herrgott sprech'n." Schwarzbach trank seinen Branntwein aus. Und schon waren beide zur Tür hinaus. Nun standen sie inmitten des Marktplatzes und betrachteten Meister Timms Haus, dos eins der ansehnlichsten war.— Ja, sein Handwerk muß er aus dem ff verstehen, wenn ihn solche Feinde loben, dachte Schwarzbach, indem er noch einmal den Blick hinüber zum„Goldenen Stern" wandte. Die in der Morgensonne glänzenden Zeiger am dicken Kirchturm standen erst auf Zehn. So blieb noch Zeit, um das Städtchen ein wenig zu besehen. Beide bogen in ein Gäßchen, das auf den Kirchplatz führt«. Da stand sie, wie aus einein mächtigen Steinriesen gemeißelt. Stärker als am Haupttor des Neuhofer Schlosses waren die grob- geschmiedeten Eisenbänder, die sich wie muskulöse Arme über die eichene Tür spannten.(Fortsetzung folg?.) WAS DER TAG BRINGT. Groß-Tokio, die Weltstadt von morgen. Das Tokio von heute hat mit dem Tokio von gestern nichts mehr gemein. Die furchtbare Erdbebenkatastrophe, die die japanische Hauptstadt im September 1923 heimsuchte, ist ihr zum Segen aus- geschlagen. An der Wiederherstellung Tokios sind sowohl Stadt wie Magistrat beteiligt. Neue Straßen werden gelegt, neue Brücken gebaut. Kanäle gegraben und Partanlagen errichtet. Um den groß- zügigen Plan einer vollständigen Erneuerung der Stadt durchzu- führen, müssen noch 1(50 009 Gebäude abgerissen werden. Die Zahl der Neubauten ist staunenswert hoch. 154 Brücken werden vom Staat und 323 Brücken von der Stadtverwaltung gebaut. Elf Kanäle sollen vertieft werden und drei große Partanlagen neu er- stehen. Hierfür sind 600 Millionen Jen ausgeworfen. Tokio, dos Zentrum der japanischen Finanzwelt, oerfügt über die erforderlichen Mittel. Schon heute nennt man die werdend« Weltstadt„Groß- Tokio". Alle neuen Häuser werden im StU der Wolkenkratzer aus Eisenbeton gebaut. Allerdings zählen diese japanischen Wolkenkratzer höchstens neun Stockwerte, erscheinen jedoch neben den kleinen japanischen Kortenhäusern riesengroß. Der Baustil ist vorwiegend europäisch, wobei die neuesten Errungenschaften der modernen Bau- technik verwertet sind. Zwei riesige Warenhäuser könnten die Kon- kurrenz mit den besteingerichteten Warenhäusern Ncw Uorts getrost aufnehmen. Musterbeispiele der neuen Baukunst sind der Zentral- bahnhof, ein gegenüberliegendes Bürohaus und ein Gebäude, dessen Säle ausschließlich sür festlich« Veranstaltungen— Empfänge ausländischer Gäste, Banketts und Gesellschaftsabende— benutzt werden. Hochbohnlinien durchziehen die Stadt, und der Verkehr in den Straßen wächst von Tag zu Tag. Autobusse werden von weib- lichen Schaffnern bedient. Es gibt auch schon eine Untergrundbahn- lini«. Die Zahl der Radioantennen fällt auf, und wenige Städte Europas können, was Lichtreklame bettifft, mit Tokio konkurrieren. Die Erneuerung der Stadt ist aber noch lange nicht beendet. Ueberall wind eifrig gearbeitet. Freltaz. 23. August. Berlin. 16.00 Kirl Lerapeüus: Die deutsche Gas-Fcrnvcrsorgunj. 16.30 Aus dem KroII-Oarten: Konrcrt. 18.20 Orientlerungskartc der Rupplner Schweiz(Bildfunk). 18.30 Atz vom Rhyn: �ur Rupplner Schweiz« 1�.00 Violinvorträge. 1. Mozart: Sonate Q-Dur. 2. a) Brotkicwicz: Berceuse; h) BulIcrUn: Melancholie; c) Hubay; Papillon(Nicolas Lambinon, Violine und Theodor Mackeben, Flügel). 19.30 Wovon man spricht(Redner ynd Thema werden durch Rundfunk bekanntgegeben. 20.00 Walser.(Berliner Funk- Orchester.) Nach den Ahendmeldungen: Bildfunk. Könlgswüsterhauseu. 16.00 Studienrat Friebel. Dr. Würzburger: Probleme der Schülfuntoncthodik« 1630 Mersmann: Einführung in Sonate und Sinfonie." 17.00 Von Leipzig: Nachmittagskonzert. 18.00 Reg.- Rat Dr. Fischer: Das Washingtoner Arbeitsreitabkommcn. 18.30 Englisch für Fortgeschrittene. 18.55 Müller-Freienfcls: Vom Erlebnis zum Dichtwerk. 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. Brieftauben im Dienste von Erpressern. Die New-Porker Polizeibehörde ist einer Erpresjerbaiche auf der Spur,-die als eine Neuheit in der Anwendung verbrecherischer Mittel Brieftauben verwendet. Das Opfer erhält in einem Post- paket eine Brieftaube zugeschickt, die in einem Beutel um den Hals den Befehl überbringt, eine Anweisung auf eine bestimmte Summe in dem Beutel zu deponieren und die Taube unverzüglich in Freiheit zu lassen. Trotz aller Nachforschungen der Polizei ist es bisher nicht gelungen, den Bestimmungsort dieser Tauben festzustellen. Die Polizei schätzt die Einnahme dieser Erpressergesellschaft bisher auf über 500 000 Dollar. Hund, Schlächter und Rechtsanwalt. Ohne die Aufschrift„Privat" zu beachten, stürzt ein aufgeregter Schlächtermeister in das Sprechzimmer des Rechtsanwalts und fragt den am Tisch sitzenden Advokaten:„Wenn ein Hund ein Stück Fleisch von meinem Ladentisch stiehlt, kann der Eigentümer des Hundes für den Schaden hostbar gemacht werden?"—„Aber selbstverständlich!", sagte der Rechtsanwalt.„Nun schön, Ihr Hund hat eben ein Stück Filet im Wert von einem halben Dollar ans meinem Laden gestohlen und aufgefressen!"—„So?", schmunzelte der Rechtsanwalt,„dann brauchen Sie mir nur noch einen halben Dollar zu zahlen, und Sie haben das Honorar für die Konsultation beglichen." / Mann=/ Dori. Aus der schweizerischen Gemeinde Bahn waren alle jungen Leute nach und nach ausgewandert und die älteren sind im Laufe der Jahre gestorben. So kommt es, daß jegt nur noch ein einziger Mann dort wohnt, der Bürgermeister, Gemeindediener, Feuerwehr- Hauptmann, Ortspolizist und Borsitzender des Verschönerungsvereins zugleich ist. Die Kantons-Regierung konnte jedoch die Häufung der Aemter auf den schwachen Schultern des alten Herrn nicht mehr mitansehen und hat jetzt selber die Gemeindeverwaltung über- nommen. Der Stärkere. Vor seiner zweiten Amerikareise betrat Schmelnig in Hamburg ein Restaurant. Er bestellt« bei dem Kellner eine Zitrone in natura. «in Glas Wasser und Zucker. Beim Ausdrücken der Zitrone wird er von einem der mit am Tisch sitzenden Gäste angesprochen, die:hn erkannt haben: „Na, Herr Schmeling, wo Sie zerdrücken, bleibt sicher kein Tropfen in der Zitrone?" Schmeling entgegnet lachend:„Wetten, kein Tropfen?" „N««. mit Ihnen wetten wir lieber nicht." Da wendet sich«in Gast vom Nebentisch, der dein Gespräch zu- gehört hat, an den berühmten Kämpen:„Bielleicht halten der Herr die Wette mit mir, wie hoch soll sie gelten?" „Was Sie belieben. 100 Mark." Schmeling hat mit einem Ruck die beiden Zittonenhälften aus- gedrückt. Der andere Partner nimmt sie, drückt— und drückt tatsächlich aus jeder Schale noch einen Tropfen. Verwundert zieht Schmeling feine Brieftasche und überreicht als Verlierer die 100 Mark. „So etwas ist mir auch noch nicht vorgekommen Darf ich viel- leicht fragen, mit wem ich die Ehre habe?" Der andere entgegnet pfiffig:„Nein, Herr Schmeling, ich bin kein Voxer. Ich bin aber— Steuererheberl" 'Jfv�rtxjj�oJfiLel Die«Opposition" als Zutreiber gegen die Gewer kscfaaiten. Die aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund Ausgeschlossenen sind in der Zwickmühle: Sie haben eine wilde Ehe mit der KPD. geschlossen und sollen nun für die Moskauer Porolenschuster die Alimente zahlen! Die Tholinänner haben ein neues Attroktions- slück: Komps gegen die Gewert schasten! Da müssen die oppositionellen Arbeitersportler an die Front! Das oppositionelle Kartell gibt bekannt: Wir stehen geschlossen hinter den Losungen der„revolutionären" Arbeiterschaft, um gleich hinterher zu gestehen: Ein Teil unserer Mitglieder ist durch„Swrtverpslichtungen" in der Provinz verhindert, und die gesamten Ruderer und Schwimmer sind in Köpenick! Dos Hot seine eigene Bewandtnis! Gegen die Gewerkschaften! Als die KPD. diesen Schlachtruf zum 25. August ausgab, gab es Sturm. Die ausgeschlossenen Vereine sind zum Teil jahrzehntelang im Bund gewesen. In diesen Iahren haben sie die Gewerkschaften als stabile und dringend notwendige Säule der sozialistischen Arbeiterschaft kennengelernt. Sie weigern sich, jetzt als Zutreiber für die Zerstörung der Gewerkschaften durch die KPD. zu dienen. Mehrere Vorortvereinc und auch Abteilungen von„Fichte" treiben Obstruktion gegen diese KPD.- Parole. In einigen Dereinen wird bereits offen die Frage ventiliert, wieder in den Arbeiter-Turn. und Sport. bund einzutreten! Schon beim kommunistischen„Kreisfest" gab es arge Mißstimmung, weil die KPD. ungebeten und aufdring- lich ihre Parolen propagierte. Es gab scharfe Proteste. Die neue Hetzkampagne zum 25. August öffnet ollen Gewerkschaftsmitgliedern die Augen. Sollten die Mitglieder gegen ihre eigen« gewerkschaftliche Organisation Hetzen? Gegen die Gewerkschaften! Der Berliner Ableger der„Prawda", die„Rote Fahne", überschlägt sich förmlich in haßerfüllten Schimpf- Worten gegen die Gewerkschaften! Die Gewerkschaftler sind„Sozial- saschisten, Zutreiber des Kapitals, Vorräter, Lakaien der Bourgeoisie, Arbeiterinörder und Agenten, die die Arbeiter an dos Großkapital verkaufen". Das ist nur eine kleine Blütenlese. Anderseits werden die Unorganisierten als die richtigen„revolutionären" Ar- beiter in den Moskauer Himmel gehoben. Die in den Gewerkschaften organisierten Sportler, auch die Oppositionellen, lehnen die Hetz- kampagne ab, sie werden sich die Gewerkschaften nicht durch die Moskauer Agenten verekeln lassen. Wie sagte doch Sinowjew 1323: „Wenn es eine Frage gibt, in der die Komintern i h pe n Kopf einbüßen kann, so ist das die Gcwerkschaftsfrage!" Alle Zlrbeitersportler, aber auch die gesamte klassenbewußte sozial!- stischc Arbeiters chajt, haben das größte Interesse daran, die Worte Sinowjews wahr zu machen. Die geschlossene Front der Gewerkschaften lassen wir nicht zer- trünrmern. Der Arbeitersport rechnet es sich zur Ehre nn, Hüter und Wahrer der gewerkschaftlichen Kampfverbände zu sein. Wenn die Moskauer daran rütteln und dabei ihren„Kopf einbüßen", so ist da- kein großer Schaden. Die Arbeiterschaft kann dabei nur ge- Winnen! Oie Europaflug-Preisträger. Morzik-Deutsdiland an erster Stelle. Die allseitig mit großer Spannung erwartete Ergebnisliste für den ersten„Europäischen Wettbewerb für Sportflug. zeuge" ist endlich am Donnerstag in Paris bekanntgegeben worden. Wie man in Fachkreisen richtig vermutete, fiel der erste Preis im Werte von 100 AXI französischen Franken an den Deutschen Fritz M o r Z i k, der den Wettbewerb mit einer der Deutschen Verkehrs- fliegerschule gehörenden Konstruktion der Bayerischen Flugzeugwerke (18/70 PS Siemens-Motor) bestritten hatte. Den zweiten Preis in Höhe von 50 000 Franken erhielt der Engländer Kapitän B r o a d auf de Havilland(85 FS Gipfy-Moth-Motor), der sich den Gesamtsieg dadurch verscherzte, daß er zwischen St. Raphael und Turin zusam- men mit noch zwei anderen Konkurrenten verbotenes Terrain über- flogen hatte, wofür ihm Strafpunkte in Anrechnung gebracht wurden FTGB. auf dem Wasser. Die Freie Turncrschaft Groß-Berlin veranstaltet mit ihren RuderernundKanufahrernam Sonntag. 25. August, eine Fahrt„Quer durch Berl in". Bereits um 9.30 Uhr wird nach dem Schleusen an der Oberen Freiarchenbrücke der Landwehrkonol erreicht. Im Zuge desselben werden passiert: die Thielen- und Hobrechtbrücke, die Kottbusser Brücke und der Urbanhafen. Dann werden die Wassersportler nach der Bärwald- und Watcrloobrücke das Hollesche Tor erreichen. Der Zug wird in dieser verkehrsreichen Gegend sicher viel Aufmerksamkeit eregen und auf diese originelle Weise für den Arbeiterwassersport Propaganda machen. Aber das ist nicht der einzige Zweck dieser Wasserwanderung. Die Wasier- sportler wallen gleichzeitig für das große Jubiläum ssport- fest der Freien Turncrschtist Groß-Berlin, das am 31. August und 1. September in> P o st st a d i o n, Lehrter Straße, stattfindet, werben. Darum geht die Fahrt auch weiter zur Großbeeren-, Möckernbrllcke durch den Hafen am Schöneberger Ufer zur Pots- damcr Brücke, um schließlich nach der Potsdamer, Lützow-, Eornelius- und Lichtensteinbrücke die Tiergartenschleuse um etwa 1? bis 13 Uhr als Wendepunkt zu erreichen. Dann fahren die Ruderer und Kanufahrer auf demselben Wege zum Gewerkschasts- fest in Treptow._ Um die Amafcur-Boxmeisterschaff. In der letzten Vorrunde um die Amateurboxmeisterschoft trafen Heros und Westen vor 3000 Zuschauern zusammen mit dem Ergebnis, daß sich die Westenleute 10: 6 geschlagen bekennen mußten Heros hat demnach oll- Chancen auf den Meistertitel, da dem Gegner für die Endrunde eine geringere Bedeutung beizumessen ist. Bei der Begegnung Heros— Westen gab es recht interessanten Spott. Im Schwergewicht sielen die Punkte kampflos an Westen, da der Heros-Vertreter für zu leicht befunden wurde. Vom Fliegengewicht aufwärts siegten nach Punkten: Both(Westen) über Klomp(Heros), Ziglarski(W.) über Christmann(H.), Moehl(H. über Leopold(W.), Bächler(H.) über Hünnekens(W.), Volkmar(H.) über Kostrewfki(W.). Gennat(H.) über Schindler(W.) und Sabottke(H.) über Heinz(W.). Die Endrunde zwischen Tennis-Borussia und Heros wird am 81. August auf dem Nobden-Nordwestplatz ausgetragen. Oer umgebaute Sportpalast. Neue Herren in der Potsdamer Straße. Gestern wurde der umgebaute Sportpalast von seinen neuen Besitzern einem geladenen Publikum gezeigt. Die seinerzeit pleite gegangene Sportpalastgesellschaft ist von einem Finanzkonsor- tium erworben worden, das mit den besten Vorsätzen das Geschäft neu eröffnet. Durch den Einbau einer feststehenden Bestuhlung im Parterre und im Rang sind 10 000 numerierte Sitzplätze geschaf» fen. Der Innenraum der Halle wurde zu den Kurven hin erhöht. Im Parterre und im 1. Rang stehen nunmehr 7 Tribünen mit 9 resp. 7 überhöhten Sigrechen. Diese Tribünen können bei gesell- schaftlichen Veranstaltungen, Versammlungen, Vorträgen usw. zur Tischbestuhlung umgewandelt werden. Beim Einbau der Laut- sprecheranlage wurden die Gesetze der Akustik genau beachtet; es können nunmehr rednerische, gesangliche und musikalische Dar- bietungen zur vollen Auswertung kommen. Die W i r t s ch a s t s- betriebe, die von der gleichen Regie geführt werden, sind neu aufgebaut. Für die Bewirtschaftung im Hause sind 18 elektrisch be- trieben« Speisenaufzüge, eine Rohrpostanlage für 60 Reviere sowie eine Kellner-Rufanlage für die gleiche Anzahl geschaffen worden. Das Kasino des Sportpalastes bietet durch vollständigen Umbau 500 Personen die Möglichkeit schnellster und bester Verpflegung. Keinerlei Druck bezüglich der Art der Bestellung wird auf das Publikum ausgeübt. Eine Sodafontäne nach amerikanischem Muster, die die in letzter Zeit so beliebt gewordenen antialkoholischen Ge- tränke in sauberster und raschester Art herstellt, wird besonders von allen den Sportpalast besuchenden aktiven Sportlern begrüßt werden. In hygienischer Hinsicht ist durch verbesserte Entlüftung, Heizung und durch neu hergerichtet« Waschräume bestens gesorgt. Bei Betrieb der Eisanlage wird durch„Briistungsheizung" ein Wärmeschleier geschaf- fen, der den Zuschauern Behaglichkeit geben wird Der Sportpalast will sürderhin nicht mehr als Speku- lationsobjekt angesehen werden, sondern er will auf sauber geführter kaufmännischer Grundlage, d. h. auf geregelten und nor- malen Einnahmen wirtschaftlich gesichert, fortan seinen Betrieb auf- rcchterhalten. Sportprogrammatisch wird der Sportpalast in großem Umfange neben dem Berufssport dem Amateur- und Volks- s p o r t, aber auch den Kultur orgnnisationen dienen. Es sind den einzelnen Sportarten und den kulturellen Organisationen im Winter 1929/30 etwa 30 Veranstaltungen zugedacht. WerfflUoH Das Reisebureau des Touristenoereins„Die Naturfreunde" veranstaltet vom 1. bis 4. Septembe» eine Reise durch die Sächsische Schweiz. Der Verlauf der Fahrt ist folgender: v-Zugfahrt bis Schandau, Wanderung nach Königstein,?lutofahrt noch Schweizermühle, Tyssaer Wände, Dampferfahrt nach Herrns- kreischen, Kahnfahrt durch die Edmundsklamnt, Schmilka, Schramm- steine, Rückfahrt von Schandau. Die nächste Wochenendfahrt findet Sonntag, 25. August, statt. Die Fahrt geht noch Chorin(Besichtigung der Kloster- ruine), daran anschließend eine Wanderung durch das schöne Natur- schutzgebiet des Plagefenn. Gehzeit etwa 6 Stunden. Gelegenheit zur Einnahme von Mittagessen ist n i ch t vorhanden.— Vom 7. bis 8. September findet eine Fahrt zur Heideblüte in den Fläming statt. Bahnfahrt über Belzig nach Niemegk. Sonntagswanderung durch die Neuendorfer Rommel» und Garreyer Kessel zur Burg Rabenstein, die besichtigt wird, Abstieg nach Raben— Mittag- essen— und Wanderung nach Belzig. Gehzeit etwa 6 Stunden. Anmeldung zu dieser Fahrt mindestens eine Woche vorher. Teil- nehmerkarten sind erhältlich in der Geschäftsstelle des Touristen- Vereins„Die Naturfreunde". Berlin N 24, Iohonnisstr. 14/15, täglich außer Sonnabends von 17 bis 20 Uhr, oder bei Schmidt, W50, Rankestr. 30, Walter, Berlin-Reukölln, Siegfriedstr. 35, Meckelberg (Vorwärts-Spedition), Berlin-Treptow, Graetzstr. 50, Sinn, N20, Stettiner Str. 30, Thomas, N 63, Luxemburger Straße 1. Die Abteilung Mitte der Naturfreunde fährt Sonntag, 23. August, zum Uedersee. Abfahrt Sonnabend, 24. August, 20,40 Uhr, ab Stettiner Bahnhof bis Biesenthal. Abfahrt für Nachzügler Sonn- tag 3,30 Uhr ab Stettiner Bahnhof bis Melchow. im Uhr Arbciler.hockeyspieler! Die Stadtmannschast von Leipzig trifft morgen, Sonnabend, 16.09 Uhr, auf dem Anhalter Bahnhos ein. Die Berliner Hockeyspieler werden ersucht, sich zahlreich zum Empfang einzufinden. Kreisleitung der Handballspieler. Arbeiter-Radsahrer-Derein Groß-Berlin. Die gestern „Abend" angezeigten Touren fallen aus. Dafür Sonntag 5 nach der Dubrow, 13 Uhr zum Gewerkschaftsfest in Treptow. Arbeitcr-SchLfteiibuild. gr-ita«, Ig'.-i Uhr, Doqcnschirhcn in griehrichz» leibe. Die Nilstrinfahrer treffen sich Connabcni> N.li) Uhr Eingang Schlesiicher Bahnhof. Tonniagsrllckfahrkarte bis Nllftrin-Ncuftadt Ibfc». Sportdreß ist erforderlich. Freie Schwimmer Sroh. Berlin S.V. Gruppe Reulölln: G..A..Sitlung Dienstag, 27. August, 20 Uhr, Eommerbad. Gruppenverfammlung Freitag, zo. August, 20 Uhr, ebenda.— Gruppe Lichtenberg: Gruppenverfammlung Sonnabend. 24. August. 20 Uhr, bei Wegener. Franlfurter Allee 236.— Gruppe Ritte: Borstandssthung Dienstag, 27. August, nach dem Baden in der Sport» klaufe. Lehrter Straße. Gruppenverfammlung Donnerstag. 29. August. 20 Uhr, ebenda.' Arbeiter. Rod. und Nraftfahrerbund„Solidarität", Ortsgruppe Groß, Berlin. Gefchästsstelle: Robert Rothborth. SW. 11, Echönebcrgcr Str. 17». Wir fordern unsere Bundcsgenostcn auf. am Sonntag am Gewerkfchaftsfcst in Treptow teilzunehmen.— Abt. Mahlsdorf: lgl/h Uhr Start zum Gcwerkfchaftsfest in Treptow. Bahnhof Mahlsdorf.— Abt. Naulodorf: Sonnabend, 21. August. Sommernachtsball bei Efchrifch. Führerschein oder nicht? Wie sind die Fahrbedingungen zu erleichtern? Gin Aütomvbilfachmann spricht sich im folgenden Auffaß für Er» leichterungen bei der Erwerbung eine» Autofllhrerscheins aus. Äir geben feinen Ausführungen gern Raum, obgleich wir ihm nicht in allem jlustimmen. lRed. des„Abend".) Wer auf öffentlichen Wegen und Plätzen ein Kraftfahrzeug führen will, muß dazu eine besondere Erlaubnis haben, die von der zuständigen Verwaltungsbehörde ausgestellt ist und als Führer- schein bezeichnet wird. Für die Erlaubniserteilung, ein Kraft- sahrzeug zu führen, ist die Erfüllung bestimmter Voraussetzungen notwendig, Unter anderem wird die Erlaubniserteilung von einer Prüfung abhängig gemacht, die sich auf das theoretische und prak- tische Wissen des Bewerbers erstreckt. Zu dieser Prüfung wird der Bewerber nur zugelassen, wenn er den schriftlichen Nachweis vor- legen kann,, daß er bei einer amtlich ermächtigten Person oder Stelle den Fahrdienst erlernt hat. lieber die Notwendigkeit der Lehr- bescheinigung sowohl als auch die eingehendster technischer Kennt- nisse ist man sich sehr im Zweifel, ja, es werden sogar Stimmen laut, die sich für Abschaffung des Führerscheins aussprechen. Gerade in letzter Zeit mehren sich die Angrisse gegen das bestehende Prüfungssystem, und da erscheint es am Platz zu sein, sich mit dieser Frage zu beschäftigen und dabei die Gepflogenheiten der anderen Länder heranzuziehen. Der Führerschein ist zur Förderung der öfjentlichen Sicherheit geschaffen worden. Es sollte vermieden werden, daß' jeder, ohne die notwendigen Führcrfähigkeiten zu haben, einfach darauslos fährt und das Leben anderer Menschen(und auch das seine) gefährdet. Soweit die öffentliche Sicherheit in Frage kommt, wird jeder ein- sichtige Mensch damit einverstanden sein, daß die Erlaubnis zum Fahren von einer praktischen Prüfung abhängig zu machen sei und von einer theoretischen insoweit, als sie sich auf die Erfordernisse der öffentlichen Sicherheit bezieht. Schwer verständlich erscheint es der Allgemeinheit, daß von dem Bewerber theoretische und technisch« Kenntnisse verlangt werden, die in keiner Weise in bezug auf die Sicherheit des öffentlichen Lebens notwendig sind. Was hat z. 35., so fragt man sich, die Kenntnis von Viertakr und Zweitakt, Diffe- ivntial usw. mit dem praktischen Fahren zu tun? Wozu wird die Kenntnis technischer Einzelheiten vom Bewerber verlangt und das arme Opfer gezwungen, große Abhandlungen auswendig zu lernen mit dem Resultat, daß in die Materie absolut nicht eingedrungen und alles Gelernte schleunigst vergessen wird? Die Prüfung wird dadurch bedauerlicherweise erschwert und schreckt eine ganze Reihe von Leuten ab, sich um den Führerschein zu bewerben Dazu kommt noch, daß der berusstätige Mensch gar nicht die Zeit aufwenden kann, sich mit den technischen Einzelheiten zu befassen. Auf der anderen Seite reiten die Prüfenden häufig das technische Gebiet als Steckenpferd und bringen die Kandidaten durch Fragen in ärgste Bedrängnis. Es dürfte als feststehend zu betrachten sein, daß die unnötige Erschwerung der Prüfung und die Voraussetzung eines langwierigen Studiums der technischen Einzelheiten eine Unzahl von Leuten abhält, den Führerschein zu erwerben, was wieder zur Folge hat, daß viel weniger Automobile gekauft werden, als es sonst der Fall wäre. Nur wenige Menschen sind heute in der Lage, einen Chauffeur anzustellen. Würde man die Prüfungsbedingungen erleichtern, so würde der Kreis des kaufenden Publikums erheblich erweitert werden. Talsache ist, daß überall da, wo die Erlangung eines Führerscheins von keiner oder nur von einer leichten Prüfung abhängig gemacht wird, viel mehr Autmiobile ge- kauft werden als in den Ländern mit schweren Bedingungen. Durch das ausgebaute Netz von Reparaturwerk- stätten und Garagen, sowie die Möglichkeit, allerorts Hilfeleistung herbeizurufen, ist heute kaum jemand bei Betriebsstörungen auf sich selbst angewiesen, so daß also umfassende Kenntnisse des Fahrzeugs und seiner wichtigsten Teile nicht mehr vorausgefetzt zu werden brauchen. Dazu kommt, daß die Betriebssicherheit des heutigen Kraftfahrzeugs gegen früher wejenllich erhöht ist. Wer als Selbstfahrer sein Fahrzeug liebt und unterwegs nicht liegen bleiben will, wird sich außerdem schon selbst so weit mit seinem Fahrzeug beschäftigen, daß er die notwendigen Reparaturen allein ausführen kann. Das aber ist seine rein persönliche Angelegenheit, die mit dem Führerschein, noch dazu im Sinne der Sicherheit des öjfentlichen Verkehrs, gar nichts zu tun hat. Die Amerikaner denken darin sehr praktisch und geben in vielen Staaten beim Kauf des Wagens die Erlaubnis mit, den Wagen ai- solchen überall jähren zu dürfen. An«ine Prüfung des Fahrers ist gar nicht zu denken. Fährt der Käufer sein Auto zu Bruch, so ist das seine Sache, bringt er jemand in Gefahr, so wird er — und zwar gehörig— bestraft, zwei gewichtige Tatsachen, die jeden des Fahrens Unkundigen zwingen, entweder mehr als vorsichtig das Fahren zu probieren oder aber das Fahren vorher zu erlernen. In E n g la n d wird in der Regel ein Führerschein oerlangt, doch ist ein Examen nicht obligatorisch. Das gleiche gilt für Belgien sowie für den Privatfahrer in Aegypten. In Aegypten wird nur ein Führerschein, nach erfolgtem Examen, von dem Fahrer der öffentlichen Verkehrsmittel verlangt. Auch Griechenland sieht von der Ausgabe eines Führescheins ab. In F r a n k r e i ch wird der Führerschein verlangt, doch bezieht sich das Examen nur auf das rein Fahrtechnische. In vielen anderen Ländern ist man zum gleichen Resultat gekommen. Ganz einfach gestaltet sich die Erwerbung eines Führerscheins in der Schweiz. 5)ier kann jede Person, die das 18. Lebensjahr überschritten hat, für 50 Cent«inen Erlaubnisschein erwerbe», der einen Monat Gültigkeit hat und den Inhaber berechtigt, innerhalb dieser Zeit Versuchsfahrten vorzunehmen. Die einzige Bedingung, die daran geknüpft wird, ist die, daß er von einer Person begleitet sein muß, die den Führerschein besitzt. Mehrere Male in der Woche finden Prüfungen, die sich auf das rein Praktische beziehen, statt, und der Führerschein gelangt nach Absolvierung der Prüfung gegen eine Zahlung von 15 Franken zur Ausgabe. Man sieht aus vorstehenden kurzen Beispielen, daß man sich in den meisten Ländern bemüht, die P r ü f u n g s b e d i n g u n g e n so einfach wie m ö g l i ch z u gestalten, um die Erlangung eines Führerscheins zu erleichtern. Von den amerikanischen Verhältnissen abgesehen, die wir beim besten Willen wohl nicht aus Deutschland übertragen wissen wollen, erscheint es notwendig zu sein, auch bei uns in Deutschland die Bedingungen zu revidieren und allen unnützen Ballast, der nicht mit der Sicherheit des öffentlichen Lebens zu tun hat, in Fortfall zu bringen. Ob nian sich zu dem Schweizer Muster bekennen wird, dürft« mindestens fraglich sein. Selbst wenn man von der sogenannten Lehrbescheinigung absehen würde, blieben die Fahrschulen für das Erlernen des Fahrdienstes eine Notwendig- keit, da Privatpersonen kaum die Zeit dazu haben werden, andere in die Fahrkunst einzuweihen und zudem keine Lust verspüren, ihre Fahrzeuge aufs Spiel zu setzen. Wir können noch allen Erfahrungen des Führerscheins nicht entraten, schon deswegen nicht, weil seine Entziehung eine schützende Strafmaßnahme und zugleich ein Erziehungsmittel darstellt. Das schließt aber nicht aus, daß wir die Prüfungsbedin- gungen in bezug auf technische und theoretische Fragen w e s e n t- lich erleichtern können. Viel eher könnt« man geneigt sein, der Erschwerung der praktischen Prüfung das Wort zu sprechen und«ine gikundliche praktische Ausbildung zu verlangen, die jetzt häufig für die ungeheuren Anforderungen, die der Verkehr stellt, als zu oberflächlich erscheint. In einem weiteren Aufsatz sollen Kraftfahrzeugunfäll« und deren Verhütung behandelt werden. �.rtnr Vierex?. Serniprecher auf der -Landstraße lleuerdings irird der Ter fach gemacht, an der-Land ftrafie Jernfprechanlagen anzubringen, durch die Jtulomobiliften, nenn fie eine Panne haben, fehlen nigfl Stilfe herbeirufen Aas nennt man sozialistischen Ausbau. Alie und junge Ingenieure im(Sowjetrußland. Eben erst parodierte Sowjetrußland mit dem Tag der Industrialisierung. Sämtliche Sowjetblätter priesen in allen Tonarten das Tempo des sozialistischen Zlufbaus.„Wir", hieß es da,„find auf bestem Wege, selbst die fortgeschrittensten kapitalistischen Länder zu überholen." Diagramme veranschaulichten den Aufschwung der sowjetrussischen Wirtschaft und die Entwicklung für die nächste«' fünf Jahre. Was erzählt aber der sowjetrussische Alltag? Da werden bittere Klagen geführt über den ungeheuren Mangel an Ingenieuren, ohne die ein wirtschaftlicher Aufbau natürlich unmöglich ist. So liest man in der„Roten Zeitung" Nr. 162: hochqualisizierle Spezialisten verlassen die Arbeil, die sie J-ahrzehnte hindurch geleistet haben... Es handelt sich in diesem Falle um die Ingenieure der P ermschen Eisenbahn im Ural. Das gleiche Bild findet man aber vielerorts. Allein im legten Halbjahr haben 2 3 leitende Ingenieure ihren P o st e» verlassen. Ein Ersatz konnte siir sie nicht gefunden werden. Weshalb verlassen sie die Arbeit? Die„Rote Zeitung" gibt daraus die Antwort. Die Stationsvorsteher, die Leiter des Wagenparks, die technischen Arbeiter usw. wurden immepzu in den Anklagezustand versetzt: es wurden ihnen Verbrechen der verschiedensten'Art zur Last gelegt, die alle mehr oder weniger aus eine Schädigung des Transports hinausliefen. Natürlich verhastete man sie, natürlich saßen sie Monate im Gefängnis, um letzten Endes freigesprochen zu werden. Von 40 Ingenieuren, die im Laufe des letzten Jahres vor Gericht erschienen, wurden nicht mehr als zwei oder drei verurteilt, und diese nur bedingt. Oft war es erst die Berufungsinstanz, die hier dem Recht zum Siege verhalf. Die Ingenieure konnten aber mitunter bis eineinhalb Jahre in Untersuchungshaft bleiben. Aus welch nichtigen Gründen Verfahren eingeleitet wurden, beweist z. B. der Fall, wo ein Untersuchungsrichter beantragte, das Verfahren zu eröffnen, weil der Ingenieur geduldet habe, daß die Lokomotive ein« größere Geschwindigkeit entwickelt als vorgesehen. Selbstverständlich kehren die Ingenieure nicht zu ihrer früheren Arbeit zurück. Die Folge davon ist, daß sich die Zahl der Eisenbahnkatastrophen um 66 Proz. vermehrt hat. Wie steht es aber mit den jungen Ingenieuren? Darüber weiß sowohl die„Leningrader Rote Zeitung" als die Moskauer„K o m- niunistische Jugendprawda" zu erzählen.„Unsere jungen Ingenicure," schreibt die„Rote Zeitung",„bedürfen der Praxis so notwendig wie der Lüst. Womit werden sie aber beschästigt? Zweitausend junge Ingenieure sitzen in den Kanzleien herum und registrieren Papiere, indes es in den Betrieben ebensoviel unbesetzte Jngenieurstellen gibt. Die Direktoren stöhnen wegen des katastrophalen Mangels an Inge- nieuren, sie fürchten aber den Nachwuchs zur Arbeit zuzulassen, weil diesen die Praxis fehlt. „Für einen alten Ingenieur wäre mir kein Gehalt zu hoch,� sagte ein roter Direktor, und tatsächlich werden geradezu märchen- hafte Gehälter gezahlt. Die Betriebe überbieten einander und locken wo sie nur können die alten Ingenieure zu sich herüber. Allerdings passiert es selbst alten Ingenieuren, daß sie bloß mit Kanzleiarbeit beschäftigt werden. Wenn sie es schließlich nicht aushallen und davongehen, dann werden sie als A r b e i t s d e s« r- teure zurückgeholt Bezeichnend sind die Zahlen, die die„Kommunistisch« Jugend- prnwda" bringt. Eines der größten Werke, der„Rote Profintern", zählt auf je 166'Arbeiter 1,4 Ingenieure. In Wirklichkeit arbeiten aber in den Betrieben auf je 166 Arbeiter nur 6,39 Ingenieure. Nach schlimmer ist das Ergebnis, wenn man die Verteilung der technischen Kräste in den einzelnen Abteilungen berücksichtigt. So findet man in der mechanischen Abteilung auf 766 Arbeiter keinen ein- zigen Ingenieur oder Techniker: in der Abteilung für schwere Güterwagen auf 646 Arbeiter 2 Techniker. Nicht vic> besser stehen die Dinge auf den Lsudinowschen Maschinenwcrken. In de,, Abteilungen arbeiten nur 13 Spezialisten, in der Verwaltung jedoch 65; in der(Bußabteilung gibt es auf 1606 Arbeiter 1 Ingenieur. Auf den Gußwerken von Pesotschni arbeitet von 4 Spezialisten, die der Betrieb besitzt, kein einziger in den Abteilungen. Die Haupt- Ursache dieser eigentümlichen Erscheinungen erblickt das Blatt in den schlechten Beziehungen, die zwischen den alten und jungen Inge- nieuren herrschen. Jene lassen diese einfach nicht an die Arbeit heran. Auf den Werten der„Roten Profintern" sind von 70 jungen Ingenieuren und Technikern nur 16 im Betriebe beschäftigt, die übrigen arbeiten in den Kanzleien. Aus den Lsudinowschen Werken von 38 nur Z. Die„Kommunistische Jugendprawda" glaubt, daß der Grund für diesen Zustand in der Böswilligkeit der alten Ingenieure zu suchen sei. In Wirklichkeit ist es wohl so, daß die Borbereitung der jungen Ingenieure nicht ausreicht und sie einfach nicht imstande sind, dep Forderungen zu genügen, die an sie gestellt werden. Nicht umsonst beklagen sich die Sowjctblätter immer wieder, daß die Hörer der Technischen Hochschulen während ihrer Studienzeil viel zu wenig praktische Hebungen haben. Sie werden nämlich auch dann zur richtigen Arbeit nicht zugelassen. Eine vorzügliche Illustration liefert in dieser Beziehung eine Notiz der„Roten Zeitung" vom 23. Juli, in der es heißt: In Odessa werden die Chemiestudenten, die als Praktikanten in den Unternehmungen des Lebensmitteltrusts beschäftigt sind, vcr- anlaßt, die Fußböden zu waschen, vom 3. Stockwerk schwer« Säcke mit Mehl zu schleppen, von einer Tonne in die andere Wein zu pumpen. Ihre Arbeit müssen sie unter Aufsicht eines Lehrbuben verrichten. Unter solchen Umständen dürfte es ein schöner sozialistischer Aufbau werden und die kapitalistischen Länder haben zweifelsohne allen Grund, zu befürchten, von dem bolschewistischen Rußland über- holt zu werden. In Wirklichkeit weiß man nur allzu gut, daß man ohne die Ingenieure der kapitalistischen Länder nichr fertig werden kanüi deshalb sollen neuerdings wieder Erleichterungen für deren Betätigung geschaffen werden. Schiedsspruch für die Elbe- Schissahri. Hamburg. 23. August.(Eigenbericht.) Die Schlichtungskammcr sällte am Donnerstag abend für die in der Elbe-Schissahrt beschäftigten Arbeitnehmer folgenden Spruch: „Der Lohn des Deckmannes und Heizers wird ab 30. September um 2,50 211 art und ab>. Januar 1929 um weitere SO p s. erhöht. Die Löhne der übrigen Schiffsbesatzung erhöhen sich dem- entsprechend prozentual." Der Schiedsspruch ist unbefriedigend und es ist fraglich, ob der- selbe von den Schiffsbesatzungen angenommen wird. ..Volt und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauslage bei. für die Zeit vorn 23. bis 26. August KIMO-TAFEii I' RO G R AM M für die Zeit vom 23, bis 26. August I CDOG Potsdamer Strafe 35 Adlen Mascotie mit Lilian Harvcy Das gute Beiprogramm Rheinstratje 14 KaMhe) Der Narr seiner Liebe mit Dolly Davis Schnccsamhbandiicn(7 Akte) Odeon, Potsdamer Str. 75 Das närrische Glück mit Maria Pandler Schlachtenbummler(6 lustige Akte) Turmstra�e 12 Kolonne H mit Reinhold Schfi&el Der Draufgänger mit Syd Chaplin Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Aufruhr im Jnnggesellenheim Die Benfe der Bankräpbcr n Sehflwbera 0 Alhambra Be�vÄV3U Schöneberg, Hauptstr. 30 Frldericus Rex mit Otto Gebühr I. u. II. Teil in einer Vorstellung Bühnenscfaau Titania(uu sÄb«*) Hauptstraße« Beginn ab 630 Uhr Adieu MascoUe mit Lilian Harrey Das gute Beiprogramm Welt-Kino Alt-Moabit 99 Aasdiln� um Mitteraadsl Morgenröte mit Wemcr rOllrj CS Schlüter-Theater Schlüte rstr. 17 W. 7 u. 9.15 U, S. ab 3 U. Submarine Sündig und iü$ mit Anny Ondra Atrium Beba-Palasl Kaiserallec, Ecke Berliner Straße Beginn 7, 9.15, Sonntags auch 15 Uhr Uraufführung: Mutterliebe mit Henny Porten Bühne: KammertSnger Walter Kircfaboft ■■ Titania-Palast Steglitz, SchIoBstr.5, Ecke Gutsmuthsstr. Nur noch bis Sonntag: Der schwarze Domino mit Harry Liedtke, Junkermann W UchtwfW-Wat W Wochentags 6.30, 9 Uhr Stg. 5, 7, 9 U, Stg. 3U.J.-V. Hi-Li Hindenburgdamm" 58a Pcler, der Matrose mit R. Schünzcl Bobby, der kleine Defektiv Bühnenschau W Südwesten Fflm-Paiast Kammcrsälc Teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. Peter, der Matroae mit R. Scbünzel Der raaende Ritt Beiprogramm Mf_ T 4 Mariendorter ria-L>l Lichtspiele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Nachtlokal mit EveL Hott Sklarin einer Ehe mit Dolore* del Rio Bühne: Welntraubs Syncopators Silden Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 4.30 Uhr Tragödie der Liebe m. E, Janntngs Stürme mit Lilian Gish Filmeck Beginn: Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Der sensationelle Tonfilm; Submarine Gute Bfihnensdian Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45. 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7. 9 Uhr SOS. Sdiitf in Not Affentheater mit Syd Chaplin Varietesdian Primus-Palast Hermannplatz Die Fludit in die Fremdenlegion mit Hans Stüwe, Louis Ralph Das ansgevlhUe Beiprogramm Auf der Bühne: La/o* Szendy, Parodie am Flüge). Da* Zimmer der Lüge � Wledar»ehönawcn_ W Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Rosenmonlag Auf der Bühne Violinvirtuose Film- und Bühnenscfaau Schönhauser Allee 123 Wegen Renovierung geschlossen: Wicdererö fnung 24. August: Adieu, Mascottc! m. Lilian Harvcy Alhambra Müllerstraße. Ecke Seestraße Adieu, Mascottc m. Lilian Harvey Bühne: Revue der Artisten F ortuna-T ageskino Müllerstraße 12 c ßeg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt Produktion Metro-Palast Chausseestraße 30 Revolution der Jugend Die Rcgimcntstocfatcr m. B. Balfour Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 5 U., Stg. 5 U Stg. 3 U.[ucendv Adieu, Mascoife m. Lilian Harvcy Kampf um Pari* Ab heute Beginn der Winteispiel zeit täglich 5 Uhr „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Tragödie der Liebe m. E. Jannings Beiprogramm— Bühnenscfaau Vmcta-Kino Vineuplatz 3, Ecke Wolliner Straße Der Sdilanberger mit N, Shearer Die Komödiantin Da* grobe Beiprogramm �aialnlclcend orf-O*« p Bürgergarten-Lichtsp. Hauptstraße 51 Unter falcchem Namen Mldel,»ei lieb I m. Collccn Moore Bübnäuchan Ventärkte» Ord>e*ter M Alhambra" Badstraße 58 Der Tag der Vergeltung Das Gesetz der schwarzen Berge Bühnenscfaau Ballschmicder- Lichfsp. Badstraße 16 Kolonne X m. Reinhold Scfaünzel Der Draufgänger m Syd Cfaaplln GroHe Bühnenscfaau Humboldt-Theater Badstraße 16 Die Tochter Napoleons m.Lla Mara Die Liebe des Sheriff Norton GroHe Bühnenscfaau Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Aufruhr im JnnggerellenheizR Bühne: Frühlingszanber Große Bühnenscfaau Pankow Palast-Theater Breite Straße 21 a Die Hölle der Heimatlosen Hoxkampt Scfamelipß— Paolino Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Tempo-Tempo mit L. Albertinl Beiprogramm— Bühnen* dtan Film-Palast Blankenburger Straße 4 Der letzte Befehl nv Emil Jauiad* Der Raub der Sahiacrlnncn