Morgenausgabe 7lr. 395 A 199 46. Jahrgang Wöchentlich SV Pf, monatlich 3.50 M. tm voraus zahlbar. Postbezug<32 M. einschließlich SO Pfg. Poftzeitungs- 12 Pfg. Postdestellgebühren. Ausland«» abonnemem 6.— M. pro Monat. Der.vorroürts� erscheint wochentSg. lich zweimal. Sonntags und Montag, einmal, die Abendausgaben für Berlin und ,m Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Deilagen.Boll und Zeit" und.Kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen. stimme"..Technik"..Blick in di, Bücherwelt" und.Iugend-Dorwärt»" irG> m Berliner voltsvlatt Son�abenb 24� August 4929 Groß-Äerlin'iV ps. Auswärts 45 Z)f. St««tnlpolttg« Nonpare�.'zeU, 80 Pfennig. Reklame'.eile 5.— bieiu,«. mark.„Kleine An�eigen� da?'enge. druckt« Wort 25 Pfennig lzuläss«� zwei f'ttoedruckte Worte), fede» weitere Won 2 Pfennig. Stellengesuch» da« erste Won IV Pfennig, jedes weitere Won 10 Pfennig. Wotte über Iv Buchstaben zählen für zwei WoNe. Arbeitsmark» Zeile SO Pfennig. Familienanzeigen Zeil, 40 Pfennig. 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Ter Havasvertretrr berichtet aus dein Haag: Wie ich aus Kreisen der Konferenz erfahre, hat der englische Außenminister Henderson an Dr. Stresemann ein Schreiben gerichtet, in dem er die Absicht der briti- sche» Regierung bestätigt, die britischen Truppen aus dem Rheinland in allernächster Zeit und u n> abhängig vom Schieksal des?)oung«n sich die Staatsmänner in den letzten drei Wochen so oft mit derartigen.letzten Worten" und Ankündigungen festgelegt, und sie bald danach dementiert, daß man diese Erklärung nicht allzu wärt- lich zu nehmen braucht. Ueber di« S a ch l i e f e r u n g e n scheint man schon eher zu einem Kompromiß mit England zu gelangen. Um die letzten Einzelheiten dieser Einigung festzustellen, wurde nach dem Galabankett, das die Königin von Holland am Freitag äbend zu Ehren der Hauptdelegierten veranstaltete, mit den beiden Ministern E u r H u s und H i l f e r d i n g um Ist Uhr abends ver- handelt. Was endlich die dritte englische Forderung be- trifft. hinsichtlich eines Anteils an dem ungeschützten Teil der deutschen Zahlungen, so soll Deutschland helfen. Nachdem die bisherige Kombinationen über diese Teilfrag« ge- scheitert sind, wird eine neue Lösung besprochen, dt« schon eher für Deutschland erträglich wäre und deren Grundgedanke ist: Sn�den ersten 20 Iahren soll die ungeschützt« Annuität um Zst bis 40 Millionen jährlich erhöht werden— natürlich ohne Er- höhung der Gesamt-Iahresleiftungen—, dafür soll sie in den letzten 17 Jahren entsprechend vermindert werden, so daß ein Aus- gleich geschaffen wäre. Indessen würde eine Einigung über diese beiden letzten englischen Forderungen nichts nützen, wenn in der ersten Frage keine Berständigung erreicht wird. In ihrer Der- legenheit versuchen die Franzosen ein plumpe- Manöver. Durch den Mund Loucheurs erklärten sie. daß es nun a n D e u t s ch- land sei, ein Opfer zu bringen, um auch diese Hauptschwierig- keft aus dem Weg«$0 räumen, sonst würde schließlich die Der- a n t w o r t u n g für das Scheitern der Konferenz doch noch auf Deutschland fallen. Von offizieller deutscher Seite ist man dieser Stimmungsmache sofort mit aller Energie entgegengetreten. Im übrigen erklären die Engländer ebenso kategorisch, daß sie nicht daran denken, einem Cinigungsvorschlag aus Soften Deutschlands oder der kleinen Mächte zuzustimmen. das Rheinland. iese Absicht brieflich. Die großen Gläubiger müßten selbst Opfer bringen, nachdem sie sich in Paris ayf Kosten Englands Vorteile uerschasft hätten. Jede andere Lösung würde England als Beleidigung zurückweisen. Dieser nochmalige deutliche Wink an die Adresse Italiens ist bisher von der italienischen Delegation mit Aus- flüchten und Scheinangeboten beantwortet worden. Wenn die Dele- gation bis zum Montag keinen neuen Befehl aus Rom von Mussolini erhalten wird, dürfte die Konferenz nicht mehr zu retten sein. Aber es ist ousgefchlosien, daß Deutsckiland, das aus jenen Gebieten, wo Zugeständnisie möglich und erträglich sind, seinen guten Willen be- wiesen hat, sich auch noch dazu hergibt, eine Erhöhung seiner Ge- samtlost sich erpressen zu lassen. Ein solcher Versuch, Deutschland zu einer Erhöhung seiner Annuftöt zu bewegen, ist am Donnerstag abend versucht und von Curtius und hllserding mit solcher Entschiedenheit abgelehnt worden, daß man seitdem nicht mehr darauf zurückgekommen ist. Was über die politischen Fragen jetzt weiter zwischen den Außen. miniftern am Freitag mittag unter dem Vorsitz Hendersons verhan- delt worden ist, darüber äußert sich Henderson nach der auffallend kurzen Sitzung von knapp% Stunden optimistisch: er hoffe. daß es gelingen werde, in der Räumungsfragc die Ansichten Frank- reichs und Deutschlands in Einklang zu bringen. Einstweilen steht das Problem der neuen Vergleichskommission im Vordergrund, die auf Grund eine« gemeinsamen Entwurfs der Juristen geschaffen werden soll. Doch sind neue Schwierig- keiten ousgetoucht, und zwar vor allem innerhalb der beut- schen Delegation. Von Wiesbaden aus benutzt der Parteivorsttzend« des Zentrums Dr. Koos den Reichsminister Dr. WIrlh als Stürmbock gegen den neuen , Vorschlag, den. Stresemann und die übrigen Delegationsmit. glieder offenbar als durchaus erträglich ansehen, vorausgesetzt natürlich, daß er eine wirklich baldige Gesamt- r ä u m u n g zur Folg« hat. Der Entwurf, dem Ministerialrat Dr. Gaus grundsätzlich zugestimmt hat, sieht die Vereinigung der beiden in Locarno geschaffenen deutsch-belgischen und deutsch-franzö-- fischen Schiedsgericht« in eine einzige Schiedskommission vor, in d�b drei Neutrale gegen einem Deutschen, einem Franzosen und einem Belgier unter neutralem Vorsitz tagen würden. Dagegen wird nun von Zentrumsseit« und auch von der volkspartei- lichen.Kölnischen Zeitung" eingewandt, daß die in Locarno vorgesehenen Kommissionen für Konflikte in der entmilitarisierten Rheinlandzone nicht zuständig seien, während die neue Kommifston speziell für solch« Fragen geschaffen werden soll. Das ist u. E. nur eine unhalibare Haarspalterei, und man muß diesem an Monomanie grenzenden Versuche, jede Einigung mit Frankreich in dieser Frage zu verhindern, entschieden entgegentreten. Wenn wir als Ergebnis der Haager Konserenz ein« Regelung der Reparationsfrage im Sinne des Poung- Planes sowie die völlige und wirtlich schnelle Gesamt'räumung des besetzten Gebietes heimbringen könnten, so müßten wir zufrieden sein und brauchen uns dieser neuen Schieds- kommifston wegen kein« Gewissensbisie zu machen. Einstweilen sind wir aber noch nicht so weit und können daher di« Diskussion über die Bedeutung der in Aussicht genommenen Dergleichskommission getrost zurückstellen. * Die Finanzbesprechung nach dem Goladiner war um 11.40 Uhr beendet. Sie galt wieder den Sachleistungen, besonders den Kohtenlieferungen, unter Berücksichtigung de, Falles eines Moratoriums für die deutschen Zahlungen. Die Besprechung wird morgen vormittag/ 11.13 Uhr, fortgesetzt. Die Gturmfahri des Zeppelin. Das Lustschiff„Graf Zeppelin" geriet 35M«rad Nord und U7Vj Grad Ost in ein Schlechtwettergebiet und mußte ei» schweres Gewitter über sich ergehe« lasse«. Mehrere Minute« lang war das Luftschiff von Blitze« umzuckt.„Graf Zeppelin" überstand jedoch das Gewitter gut und hatte unmittelbar nach dem Passtere« des Schlechtwettergebietes eine Stunden» geschwindigkeit von 146 Kilometer. Die Radiostatio» Cordova auf Alaska fing drei Stunden«ach dem Start des„Graf Zeppelin" eine« Funkspruch von Bord deb Schiffes an eine japanische Radiostation anf. Hiernach ist das Luftschiff„Graf Zeppelin" in der Sturmzone über dem„Stillen" Ozean zwar stark ge» schüttelt worden, jedoch entstand weder Schaden am Schiff,«och Unruhe unter den Fahrgäste«. Die Diktatur der Generöse. Die Belgrader Gewaltherrschast. Südslawiengrenze. Mitte AftKust. Es ist Kirchhofsruhe in Jugoslawien. Die Parteien sind tot, das Parlament ist tot, die Presse ist tot. Unumschränkt, von Maribor bis Monastir, reicht die Gewalt der Diktatur Es gibt keine Widerrede, keine Zwischenrede. Niemand vermag die Aktionsfähigkeit und die Tatkraft der Regierung zu hemmen, zu hindern, zu erschweren. Gewiß, das davon- gejagte Parlament war nur noch ein Gassenspott, bar aller Achtung und alles Vertrauens. DieSünden-derDemo- kratie haben der Diktatur den Weg geebnet; hat sie doch in den sieben Monaten ihres Bestehens nicht eine einzige der brennenden innen- und außenpolitischen Fragen zu lösen verstanden. Die Lebensfrage Südslawiens ist die Versöhnung von Serbien und Kroatien. Weil sie dem parlamentarischen Regime nicht gelang, glaubte sich die Diktatur berechtigt, aus den Plan zu treten. An jenem 6. Januar, als die zentra- listische Verfassung in Fetzen flog, wurde in Kroatien laut gejubelt. Matschek und Pribitschewitsch klatschten dem König Beifall. Und heute? Nie vorher war in Zagreb die Erbitterung, war der Haß gegen Belgrad, war die Staats- Müdigkeit so groß als heute. Die Diktatur ist drauf und dran, den letzten Funken des staatlichen Zusammen- gehörigkeitsgefühls auszutreten.„Das Volk und der König" war die Parole Raditjchs, und die Krone galt den Kroaten als Anker und Hoffnung. Seit Monaten ist ein Besuch des Königs in Zagreb angekündigt. Alexander kann es nicht mehr wagen, die kroatische Hauptstadt zu betreten. Derart hat die Diktatur gehaust, gewütet und Schiff- bruch erlitten. Es genügen einige Beispiele über die Methoden des Systems Schivkowitsch, um die verheerenden Wir- kungen des Säbel- und Zuchthausregimes zu verstehen Am 0. Juni konstituierte sich in Zagreb die Anwalts- kammer. Bei der Debatte über die Huldigungsadresje an den König beantragte Rechtsanwalt T s ch a n i t s ch, den Satz hinzuzufügen: der König möge dem Volke die Verfassung wiedergeben. Tschanitsch und drei ihm zustimmende Advokaten wurden verhaftet. Am 27. Juni verurteilte der Staatsgerichtshof den Antragsteller zu sechs Monaten Gefängnis, feine drei Kollegen wurden verwarnt. Wie wir erfahren, find feit dem 6. Januar allein in Zagreb 3060 Menschen wegen politischer Vergehen ver- haftet worden und durch die Gefängnisse gewandert. In den Tagen vor dem 1. August mußten sogar Diebe und andere wegen kleinerer Vergehen Inhaftierte entlassen werden, um den neueingelieferten politischen Häftlingen Platz zu schaffen. In den Gefängnissen wird in der unmenschlichsten Weise geprügelt und gefoltert. Am offenen Tag haben wir in Zagreb, r"? einer mitten in der Stadt gelegenen Klinik, einen Gefängniswagen vorfahren sehen, aus dem ein von drei Polizisten begleiteter Häftling ausstieg, dem das Blut durch einen dicken Verband hindurch an vielen Stellen am Kopfe herunterlief. Ziemlich oft wird amtlich gemeldet. Gefangene hätten sich durch Fenstersprung getötet; sie sind dann meist t o t a e p r ü g e l t worden. Nicht alles ist zu kon- trollieren. Das Schlimmste ist jedoch: das Volk glaubt jede Erzählung und es ist dazu berechtigt. Die' a mt l i ch e n Stellen lügen, die Presse ist mundtot und was an Schandtaten verbürgt ist, genügt, um einem die Haare zu sträuben. Das in der Nacht vom 6. August verübte Bomben- attentat gegen die Zagreber Gendarmeriekaserne, deren In- sassen als besonders grausam verschrien sind, redet eine deut- liche Sprache. Bekannt ist das Schicksal der an der österreichische« Grenze tot aufgefundenen jungen Kommunisten, des Handels- angestellten Etschimowitsch und des Arbeiters P a w l o- witsch. Es ist festgestellt, daß die beiden bereits inZa- greb halb totgeprügelt und dann aus dichtester Nähe erschossen worden sind. Die Leichen wurde darauf zur Grenze geschleift, damit der Polizeibericht diesen brutalen und feigen Doppelmord in die Worte kleiden konnte: auf der Flucht erschossen! Nicht viel besser ist es in der Nacht vom 27. Juli den Brüdern Oreski und dem jungen M i s ch i t s ch er- gangen. Sie sind am folgenden Morgen im Dorfe Samobor bei Zagreb in einer Stube tot aufgefunden worden. Die Polizei sagte: einer ist im Feuergefecht gefallen, die beiden anderen haben sich, als sie keinen Ausweg sahen, selbst er- schassen. Durchaus glaubwürdige und angesehene Männer erklären: es waren drei junge Leute aus Zagreb. Sie haben als die Führer der kommunistischen Jugend gegolten. Zwei- mal gab es bei ihnen Haussuchungen. Sie wußten, die Polizei ist ihnen auf den Fersen. Weil sie sich nicht mehr sicher fühlten, übernachteten sie in Samobor. Dort sind sie von besoffen gemachten Gendarmen aufgestöbert und in den Betten er-. schössen worden!„Wir sind unseres Lebens nicht mehr sicher", sagen mir Leute von Ruf und Namen, Männer, die alles andere sind als„Kommunisten" und„Freunde Moskaus", womit das System seine Schandtaten zu rechtfertigen versucht. Es ist die Revolver- und Säbeldiktatur, die die Menschen mit Gewalt in das kommunistische Fahrwasser treibt Die militärischen und zivilen Stellen streiten darüber, ob die Agitatoren von Rom oder von Moskau bezahlt, ob die Attentate von Italien oder von Eine Raumann-Gedenkfeier findet Montagabend, den 28. August. - im früheren Hervenhaus statt. Oskar Meyer. Theodor Heuß und Erich Koch werden sprechen. Deulsch-polnischer Luftverkehr. Nach Berlin sind zu Besprechun- gen über den Abschluß eines deutsch- polnischen Flupabkommens polnische Sachverständige abgereist. Die neue Arbeitslosenversicherung Beschluß der politisch-gewerkschastlichen Arbeiiervertretung Dl« Vorstände der Sozialdemokrakischen Partei, der sozlaldemo- kraklscheu Reichs tagssraktion und de» Allgemeinen Deutschen Ge- werkschafksbunde» hecken am Freitag über die Reform der Arbeitslosenversicherung berate«., Die bisherige Haltung der sozialdemokratischen Vertreter bei den interfraktionellen Verhandlungen wurde in allen Teile» gebilligt und der Wille zu einer Verständigung der hinler der Regierung stehenden Parleien bekundet. Räch der ein- mutigen Auffassung der Vorstände muß das Ziel sein, die Reichs- austalt für Arbeilslosenverjicheruog und Arbeiisvermiltlung in ihrer finanziellen Tragfähigkeit zu erhallen, ohne ihren sozialen und wirtschaftlichen Zweck zu gefährde«. Eine Kürzung der allge- meinen Versicherungsleistungen, wie sie nach dem Gutachten der Sachverständigemnehrheit durch Eiuführuug einer Relation zwischen der höhe der Arbellslosenunterstühung und der Dauer der Anwart- schast bewirkt werden würde, wäre mit diesem Ziel nicht in Ein- klang zu bringen. Ebenso kann der vorgeschlagenen v e r l S n g e- rung der Warlezeit nicht zugestimmt werden. Im übrigen wurde der bisher eingenommene Standpunkt der sozialdemokratischen Reichstagsfraktiou nochmals bestätigt, wonach die Beseitigung nachweislich vorhandener Mißstände in der Arbeikslosenversichernng nicht zu einem allgemeinen Abbau der Leistungen führen dürfe. Sie Äeraiung im Reichstagsausschuß. In der sortgesetzten Beratung de» Reichstagsausschusses für Soziale Angelegenheiten erklärt« Ministerialdirektor Dr. Weigert auf Anfrage des Abg. Gerlach(Soz.), daß durch die Borschrift, wonach als Vertreter einer öfienttichen Körperschaft nur berufen werden kann, wer weder Arbeitgeber noch Arbeitnchmer ist, jemand, der im Hauptamt besoldeter Vertreter einer öffentlichen Körperschaft ist, in keiner Weise betroffen werden soll. In einer Erörterung über den Meldezwang offener Stellen, den einzuführen der Minister ermächtigt werden soll, spricht Reichsarbeitsminister Wisiell fein Erstaunen über den Widerstand gegen die Reglerungs-' faffung aus, di« gerade dazu dienen soll, hervorgetreten« Mißstände, wie widerrechtlichen Bezug der Arbeitslosen- Unterstützung durch Umgehung des Arbeitsnachweises zu ver- hindern. Hier handelt es sich doch gerade um die Meldung besetzter Stellen: die Freiheit des Arbeitsmarktes werde dadurch doch nicht beschränkt. Voltspartei, Deutschnationate und Demo- k r a t e n widersprechen einer solchen Vorschrift. Kommunisten und Sozialdemokraten verteidigen demgegenüber den Meldezwang. Das Zentrum ist gleichfalls gegen den Meldezwang beiderlei Art:§ 65a sei nicht durchführbar. Schwarzarbeit werde, namentlich bei der Heimarbeit, dadurch nicht verhindert. Schließlich wird diese Ermächtigung von ollen Bürgerlichen gegen die Sozial- dcmokraten und Kommunisten abgelehnt. Unter Ablehming der Regierungsfassung wird eine Fassung des 8 69 angenommen, wonach für den Fall der Ackeitstafigteij verflchert ist, „wer auf Grund des Angeftelltenversicherungsgesetzes pflichwer- sichert ist und der Pflicht zur Krankenversicherung nur deshatb nicht unterliegt, weil er di« Verdienstgrenze überschritten hat: wer als Angestellter in leitender Stellung auf Grund des An- geftelltenversichcrungsgefetzes pflichtversichert ist, sofern er nicht nach den ßß 70, 75c, 80, 208 und 209 von der Versicherungspslicht ausgenommen ist". Weitere Beschlüsse zielen darauf hin, die Beschäftigung in Rebenbetrieben der Land- und Forstwirtschaft. z.V. Vureauarbeit in der Gulsverwaltnog. nicht als Landoder Forstarbeit gelten zu lasten. § 71 Abs. 3 erhält folgenden Wortlaut:„2>i« De rsi ch e-c rungsfreiheit erliW: 1. in den Fällen des Abs. 1 Nr. 1 sechs Monat« vor dem Tage, an dem das Arbeitsverhältnis durch Zeitoblauf endet, sofern nicht vorher entweder die Dauer des Arbeits- Vertrages mindestens ein weiteres Jahr verlängert oder der Ab- schluß eines Arbeitsvertrages des Arbeitnehmers mit einem an- deren Arbeitgeber nachgewiesen wird, der die Voraussetzungen der Abs. 1 und 2 erfüllt und dessen Dauer sich unmittelbar an die des oersicherungsfreien Vefchäftigunstsverhältnisses anschließt: 2. in den Fällen des Ws. 1 und 2 mit dem Tage, der auf die Kündigung des Arbeitsverhältnisses folgt." 8 74 Abf. 3 lautet fortan so: „Die Dersiche rungsfreiheit ertischt zwölf Monate vor dem Tage, an dem das Lehrverhältnis durch Zeitablouf endet. Dabei werden als Mindesten taelt 6 Mark wöchentlich oder 25 Mark monatlich angenommen. Eingefügt wurden folgende Bestimmungen, teilweise unter Ab- änderung der Regierungsvorlage:' 8 74a:.Land- und forstwirtschaftlich im Sinne des 8 70 Abf. 1, des 8 71 Abs. 1, des 8 72 und des 8 74 Abf. 2 fft eine solche Beschäftigung, die ihrem beruflichen Wesen nach der Land- und Forstwirtschaft angehört und m der Hauptsache dort ausge- übt zu werden pflegt. Wird sie nicht in der Land- und Forst- Wirtschaft ausgeübt, so bewendet es bei den allgemeinen Vor- schriften." § 74b:.Aersicherungs frei ist eine Beschästiaung, solang« der Arbeitnehmer noch volksschulpflichtig ist." Schließlich wird im 8 75a bestimmt, daß geringfügige Beschäftigungen, di« nicht von Personen, die berufsmäßig über- wiegend als Arbeiter tätig zu fein pflegen, berufsmäßig ausgeübt werden, versicherungs f r e i find; geringfügig ist eine Beschöstigung, wenn sie auf nicht mehr als 24 Arbeitsstunden in einer Kalenderwoche entweder nach der Natur der Sache beschränkt zu sein pflegt oder im voraus durch den Arbeitsvertrag beschränkt ist, oder wenn für sie kein höheres wöchentliches Arbeits- entgelt als 8 Mark oder monatlich nicht inehr als 35 Mark ver- «inbart oder ortsüblich sind. Eine Beschästiguilq. die nur deswegen unter diesen Grenzen bleibt, weil der Arbeiter in einer Kaleicker- wach« die in seiner Arbeitsstätte übliche Zahl von Arbeitsstunden nicht erreickt(Kurzarbeit), ist nicht als germglügiz anzusehen. Weiterberatung Sonnabend. Gtreeruwitz will Ruhe schaffen. Der mitschuldige Bezirkshauptmann abberufen. Wtta, 23. August. heut« wurde der Bezlrkshauptmana von Bruck au der Mur von der fleierlschen Landesregierung nach Graz gerusn. um sich wegen seines vielsach bemängelten verhallen» am vergangenen Konnlag zu rechtfertige n. Der vezirkshanpkmann hol zu- gleich einen Urlaub augelrelen, von dem er n i ch t mehr auf seinen Posten zurückkehren wird. Die» erfolgt im Auftrag de» gestrigen Ministerrat». Waffenstillstandsverhandlungen in Wien. Wien, 23. August. Wie die»R. fr. Presse" erfährt, hat die Regierung in den lehlcn Tagen mit den Führern der verschiedenen Sclbstschutzverbände verhandelt. Vertreter de» Heimatschuhes und des Republikanischen Schuhbundes haben mit dem Vizekanzler S ch u m y die vom Ministerrat beschlossenen Maßnahmen eingehend erörtert. Der Vize- kanzler hat daraus hingewiesen, daß diese Maßnahmen, die sich selbstverständlich nicht einseilig gegen eine Partei richten, ebenso sehr der Verhütung bedauerlicher Vorfälle für die Zukunst al» auch der Hintanhaltung schädlicher Auswirkungen besonders In wirtschaftlicher Beziehung dienen. Eine Lokalkorrespondenz meldet, daß die Regierung sich mit dem Plan beschäftigt, nach Bruck a. d. Mur Militär zu ver- legen. Igttaz Geipel als Kriedensredner. Eine Reihe pazisistischer Vereine in Wien, darunter auch der Bund religiöser Sozialisten, protestieren in einem Schreiben an die Tagung katholischer Jriedensoerein« in Frankfurt a. M. dagegen, daß Dr. Scipel dort als Referent auftrete. Der Protest wird u. a. folgendermaßen begründet: 1. Dr. Scipel hat 1926 ein internationates Manifest gegen die allgemeine Wehrpflicht unterzeichnet, ist jedoch trotzdem in der Sitzung des österreichischen Nationalrotes vom 8. Januar für die allgemeine Wehrpflicht durch Einführung des MilizsystemZ in die Wehrvcrsassung der Republik eingetreten. 2. Dr. Seipcl Hot seit mehreren Jahren in Oesterreich in keiner pazifistischen Versammlung gesprochen, hingegen wiederholt öffent- lich gegensätzliche Stellung bekundet. So z. B im Februar 1929 in Graz, wo er sich zu einer militaristischen Organisation politi« ichen Charakters(Heim wehr) bekannte, deren Mitglieder am l. August 1928 eine Versammlung der Kriegsdienstgegner mit brutaler Gewalt gesprengt hatten, wobei u. o. der Referent Rajendra P r o s a d, ein Mitarbeiter Gandhis, blutiggefchla- gen wurde. 3. Vor dem kritischen 7. Oktober 1928(Heinnvehr-Aufmarsch in Wiener Neustadt), da ein blutiger Zusammenstoß der militärischen Parteiarmecn den Staat in furchtbare Wirren zu stürzen drohte, hat die Arbeitsgemeinschaft österreichischer Friedensvereine vergeblich den damaligen Bundeskanzler Dr. Seipel Öffentlich dringend gebeten, militärische Ausmärschc irregu-ärer Formationen zu unter- sagen. Vorher und nachher sind unvergleichlich harmlosere Ver- anstaltungen als gefährüch für die öffentliche Ruhe verboten war- den, aber in diesem Falle nicht! Nur unter einem ganz ungewöhn» lichen Ausgebot von Gendarmeriemassen und Heerestrvppe»«orbe damals die Gefahr schwerer bluttger Konflikte gebannt. 4. Gerade in den letzten Monate« ist die Gefahr eine» Bürgerkriege s größer al, je geworden, dennoch hat Dr. Seipel in dieser Zeit jede Gelegenheit benühl. um nicht pt' sagen: gesucht, um sich offen zu einer illegalen mMlärischea kampforganisalion zu bekennen und sich für sie eiuznseßea.! obwohl Führer und publizistische Organe dieser Sampsorgaalfo. Non direkt und indirekt mit versossungswldrlger Gewaltauwe».] dang drohen. f Noch vor einigen Wochen hat Dr. Seipel tu einem feiner vi« lest Vorträge der illegalen Heimwehr wieder sein« Sympathien ans« gesprochen und hinzugefügt:.Sie werden bald noch mehr vost den Heim wehren hören!" Nun, wir haben e« gehört, Am letzten Sonntag Ist in Steiermark von Bürgern Bürgerblnt vergossen worden. Dr. Scipel hat den Beweis erbracht, daß ihm jede Leattiosattoq fehlt, in einer Versammlung von Friedensfreunde»«in Referat zu führen.- Aeue Heimwehrdrohung. Wie«, 23. August.(Eigenbericht.)' I» Donawih bei Leoben in Steiermark, wo die Alpine Montnngesellschaft die Heimwehre« besonders züchtet, scheint für Sonntag wieber eine Aktion bey H c i m w e h r bevorzustehen. In einer Betrlebsratssitzung des Donawitzer Hütten« wertes, die sehr stürmisch verlief, habe» bl« der Heim» wehr angehörenden Betriebsräte offen gedroht, baß die Heimwehr ein sozialdemokratisches Fest, das für Sonntag angesagt ist, mitGewaltfPrengen werben. Der Bezirkshauptmann wurde von dieser Absich» sofort unterrichtet. Ter Bürgermeister von Tonawitz hat dem Bezirkshauptmann erklärt, daß wieber eine Katastrophe drohe, wenn die Heimwehr ihre An- kündigung wahr mache und nicht genügend Sicherheits- organc bereitständen. Dank an die Republik. Wie man ihn in Garh versteht. Der„Demokratische Zeitungsdienst" schreibt: Bei einem Stahlhelmtag in Görtz a. d. Oder war das Rat- Haus mit fchwarzweißraten Fahnen von der Stadt- Verwaltung geschmückt. Das ist bemerkenswert, denn als die Stadt Gartz durch einen Brückenein stürz tz, schwere Bedrängnis kam, war es dann besonders der Initiative des demokratischen Reichstagsabgeordneten Ernst Lcmmer zu danken, daß die zer. störte Brücke durch Beihilfen und langfristige Kredite der Republik wieder aufgebaut wurde. Der Dank der Stadt Gartz ist auf ein« immerhin eigenartige Weise abgestattet worden. Wenn die Stadt- Herren die Fahnen der Republik nicht zeigen wollen, dann mögen sie auch darauf verzichten, das 0 e l d der Republik zu nehmen. In Hugenbergs Küche. (Die veutschnationalen stimmten im Sozialpolitischen Aus- schuß gegen den Antrag ihres Kraktionskollegen Lambach.) Mi dem Kind man de Valette, et eßt fe ja nich?" Rosl und der liebe Sepp. Gn Briefwechsel zwischen Moskau und Untermenzing. Rosa Aschenbrenner, bayerische Lanbtagsabgeord- nete, ist nach rechts abgewichen und unter Beibehaltung des Mandats aus der Fraktion ausgeschieden. Josef Eisen» b e r g e r, ihr ehemaliger Fraktionskollege, sitzt linientreu in Moskau und schreibt an die Abtrünnige: Frau Landtagsabgeordnete Aschenbrenner, München. Rost! Noch einmal, zum letzten Male, nenn« ich Dich so. wie wir dich in der Partei nannten, mit Deinem Vornamen! Wir haben ja doch ziemlich eng zusammengearbeitet, und Du hast mich auch im Gefängnis besucht. Nun bist Du ausgetreten aus der Partei. Aus unserer Partei, die gerade deshalb von den Klassenfeinden gehaßt wird, weil sie durch keine vorübergehenden Niederlagen, durch kein« Fehler, durch kernen Verrat in den eigenen Reihen kleinzukriegen ist.... Du stellst Dich— welche Anmaßung!— als k l 2 g e r hin als die leitenden Instanzen der Partei, die doch unter Führung der Komintern die Erfahrung des Klassenkampfes der ganzen geschicht- lichen Entwicklung verkörpern. Du machst bayerische Kirchturms- Politik gegen die Weltpartei der proletarischen Revolution... Werden wir an Dich denken? Ja, ich glaub«, wir müssen an Dich denken, so wie man jener gedenkt, die zu den schwersten Schäd- lingen der Partei geworden sind. Zu ihnen gehörst Du jetzt. Denn Du hast Fahnenflucht verübt. E» gibt Soldaten, die mitten in Friedenszeiten aus der Armee desertieren. Das sind Disziplinar- fälle. Und es gibt Soldaten, die mitten im Aufmarsch der Klassen- front, vor großen Entscheidungskämpfen desertieren. Das sind be- wußte Verräter! Ihr Schritt ist«in Akt der bewußten Konter. revolution— der dem Klassenfeind hilft, ein Akt, der die Reihen der Klassenfront des Proletariat» zu öffnen und die Reihen der Partei zu zerfetzen und wankend zu machen verfucht. In diesem Sinne muß und wird jeder revolutionäre Arbeiter an Dich denken, zusammen mit der Rommunistischen Partei, wenn sie die Reihen schließen werden, um weiter fortzufahren auf dem opfer- reichen Weg der proletarischen Revolution, die von Verrätern zwar gehemmt, aber nicht aufgehalten werden kann. Moskau, 4. Juli 1929. '■" 1 Eifenberger. Der.Klassenfeind� ist in diesem Falle die rechtskommu» »istische Gruppe Brandler-Thalheimer. Im übrigen ist dieser Josef Eisenberger nicht ganz so einfältig, wie er scheinen will; er hat seinen Brief nämlich für noch Einfältigere geschrieben, für die Leser der kommunistischen Presse, in der er abgedruckt wird. Aber Rosl, auch nicht faul, setzt sich hin und schreibt: Untermenzing. IS. Juli 1929. Werter Gen. Effenbergerl Al» Elnleiwng und Antwort zu Deinem Schreiben folgendes: Ich sprach einmal Götz und Braxenthaler, und beide sagten:„Ei, Lisenberger, der wird doch von niemandem ernst genommen!'... Mit Dir, lieber S«pp, rechte ich nicht darüber, wer sich öfter geirrt hat: Du oder ich. Zum Glück habe ich noch alle Deine Briefe, die Du mir, weit vom Schuß, geschrieben hast. An stand dieser könnte ich Dir gar vi«l sagen, was ich lieber in Deinem eigenen Interesse unterlasse. Aber eines sage ich Dir, wenn Du ein Tänzlein wagen willst, ich bin bereit. Run für heut« Schluß.' j 1. August 1929. Mein Schreiben habe ich uuterbrvcheu mit der bestimmten Absicht, erst dann weiterzugehen, wenn Dein Schreiben an mich in der kommunistische» Press» erscheinen wird. Daß dos kommt, war mir ganz klar. Ich schreib« an Dich, was Du mir«in- mal geschrieben hast:„Ich durchschaue alle nicht reinen Gedanken!' Du hast da. Schreiben in einer ganz bestimmt«» Absicht ge- schrieb«» und an die BL. gesandt, aber Du irrst auch da wieder. Es ist immer noch kein„ftampfposten' für Dich frei. Deine Spekulation war falsch. Zum Kampf gegen die oppositionelle Rost, da sind schon ein paar robuste Leutchen da, die auch Dir da» Leben schon einmal heiß ge- macht haben. Außerdem, Sepp, Du bist suspekt. Eine ganze Zeitlang bast Du mit Brandler und Tholheimer gespielt, bist mit ihnen durch dick und dünn gegangen. So lange, wi« mir nun scheint. nls Du geglaubt hast, daß Ruth und M a s l o w nur«ine kurze Zeitlang am Ruder bleiben werden. Ich habe den Brief noch, in dem Dn mich ersuchtest. Gewehr bei Fuß zu stehen, denn die frechen Zndenbengel Ruth, Käß und Schalem werden bald abgewirtschaftet haben. Als Dir die Zeit dann doch zu lang wurde, da bist Du(wir Du mir damals schriebst) besserer Einsicht geworden, Host Deine früheren Freunde verraten und die von vir zuerst mit Iudenbengel Bezeichneten waren mm auch Deine Götter. Dann will ich Dich noch an ein paar Geschichten erinnern. Als Du Dich seinerzeit bei uns in Menzing aufhieltest(bei Deinen Eltern in München wolltest Du nicht Aufenthalt nehmen, weil Du immer in der Furcht lebtest, daß die Münchener Polizei Dich verhaften wird, obwohl das Strafverfahren gegen Dich längst ein- gestellt war), da hast Du dich über die derzeitige Zentrale geäußert: „Das sind kttne Leute, die es ehrlich mit der Arbeiterschaft meinen, Gesinnungslumpen sind an der Führung. die die Revolution nicht wollen'(die Du damals wieder für das nächstfolgende halbe Jahr vorausgesagt hast). Insbesondere über Thälmann und Remmele erzähltest Du mir und m«in«m Mann verschiedene Interna-, unter anderem auch über ihr Perhalten in Moskau. Und nun fällst Du über mich her, weil ich der Meinung bin, der Du damals warst.... Und noch eine Frag«: Was hindert Dich denn, nach Deutschland zu gehen? Allerdings' oh n« Parteio, Stellung. Müßtest Dir halt auch Arbeit und Verdienst suchen wi« Tausende von anderen Ge- nassen. Gor nichts hindert Dich, Deine revolutionäre Krajt einzusetzen. Oder doch, hast vielleicht auch, wie sich ein führender Ge- nasse geäußert haben soll, drei Gründe:«ine Frau und zwei Kinder. Fast scheint mir'« so. Vor ungefähr einem Jahr, als die Situation zwischen Polen und Rußland sehr gespannt war, Host Du in einem Brief an Deine Schwester geschrieben: Meine Fron muß jetzt in Deuffchland bleiben, denn Im Fall de» Falle» ist die Fürsorge für sie und die Kinder dort besser als hier. Da- hast D» geschrieben, obwohl Du im selben Brief die Polizei- gehtru» gefürchtet Host. Du warst Dir der Tragweit« dessen, wa» Du I damit zum Ausdruck gebracht hast, wi« mir scheint, gar nicht be- wüßt.... Damit Du gar nicht im Zweifel bist, habe ich Dein« Eltern bereits darauf vorbereitet, daß, wenn Dein Brief an mich etwa an die Oeffentlichkeit kommt, ich mich nicht scheuen werde, auch mein Schreiben an Dich an die Oeffentlichkeit zu bringen. Die Fahne der Revolution habe ich nicht verlassen und werde sie nicht verlassen. verlassen habe ich eine korrrvplc Parteiführung, deren polittk Intrige und Cliquen«vi rtschasl ist. RosaLschendrenner. Aus diesem Brief, den die rechtskommunMsche Presse abdruckt, ersieht man, daß der liebe Sepp besser getan hätte, mit der Rosl nicht anzubinden. Dieser Josef Eisenberger, wie sie ihn schildert, scheint uns berufen, in der Geschichte fort- zuleben, denn er ist mehr als eine Einzelgestalt— ein Typ! Fabrikant gesinnungstüchtigen Schwulstes und Anwärter auf einen angemessen honorierten.�ampfposten', Weltrevolutio- när und besorgter Familienvater, der„im Fall der Fälle' Frau und Kinoer doch lieber in der dreimal oerfluchten „5)indenburg-Republik" weiß als im„sozialistischen Vaterland aller Werktätigen'— es lebe die Weltrevolution, aber sicher ist sicher— dieser Josef Eisenberger läuft in Hunderten von Exemplaren in der Kommunistischen Partei herum. Und darum ist es ja auch so schwer, diese Partei e r n st zu nehmen. Wie lange noch wird es Arbeiter geben, die das tun? llwMilMÄ d! WIM m Sonntag, dem 25. Angnst, nachmittags Die Gewerkschaftsmitglieber mit ihren Familienangehörigen treffen sich in nachstehenden Lokalen. Etablissement Knappe(früher Zcnner): Einheitsverbaad der Elsenbahner.— Allgemeiner Deutscher veamleobnnd.— Zentralverband d«r Dachdecker.— Zentraloerband der Steinarb eiler. — Allgemeiner Schweizerbund.— Deutscher Tabakarbeiier- verband.— Deutscher hularbeiier-verband. Spreegarten: verband der Gemeinde- und Slaatsarbeiter.— Deutscher Verkehrsbund. Abtei: verband der Deutschen Buchdrucker.— Verband der Luchbinder.— verband der graphischen Hilfsarbeiter.— verband der Lithographen und Sieindrucker.— Deutscher BeNeidung»- arbeiier-verband. Schloß Treptow: verband der Fabrikarbeiter Deuffchland« (keramischer Bund). Sonnenwende: Deutscher vaugewerksbund.— Verband der Maler.— Zenlralverband der Zimmerer. Paradiesgarten: verband der Nahrungsmittel, und Getränke- orbeiter.— verband deutscher v erufsseuerwehrwänner.— Zentralverband der Holel-, Restaurant- und Caföangestelltrn.— Deutscher Musiker-Verband.— Arbeiinchmerverband des Friseur- und Haargewerbes.— Verband der Sattler und Tapezierer.— Zenlralverband der Schuhmacher.— Deutscher Lederarbeiter- Verband.— Deutsche Filmgewerkschast. Großes Eierhaus und Altes Eierhaus: Veuffcher Metall- arbeitcr-Verband.— Zentralverband der Maschinisten und Heizer.— verband der Kupferschmiede.— Deutscher holz- arbeiter verband.— Verband der Gärtner.— Deutscher Land- arbeiier-verband.— Deutscher Textilorbeiter-Verband. » Darbietungen: Konzert, Gesang, Kinderbelustigungen, RiesentonÄiolen, großes japanisches Tagesfeuerwerk, gigantisches Brillantfenerwerk nach Eintritt der Dunkelheit. Kasseneröffnung um 2 Uhr. Eintrittspreis für Erwachsene 30 Pf., für Jugend- l i ch e und Kinder 2ö Pf. Für Erwerbslose und deren Familienangehörigen ist der Eintritt frei. vi« Eintritts karte» berechtige« zu« Besuch aller Lokal«. Kommunistische„Enthüllungen". Ein neuer Lügenfeidzug. Die„Rote Fahne' macht in„Enthüllung«»'. Da wir in dem Kampf um die Arbeitslosenversicherung, und auch sonst. Wichtiger«? zu tun haben, als jeden Schwindel des Bolschewiftendlottes entsprechend zu kennzeichnen, zumal ja kein vernünftiger Mensch mehr das bolschewistische Geschwafel ernst nimmt, wird unser Schweige» als„Beweis' angeführt. Mr wollen ausnahmsweise feststellen: Der Parteivorstand hat niemals eine Anweisung oder Mit- teilung herausgehen lassen, des Inhalts, mit dem Abbau der Strisenunttrftüstung müsse gerechnet, der Abbaueniwurs auch durch- gepeitscht werden. Demzufolge ist auch niemals im Bezirks- vorstand dazu Stellung genommen worden. Di« kommunistischen „Enthüllungen' stnd vom ersten bis zum letzten Wort erlogen. . Der angebliche Kampf, den die KPD. in der Frage der Arbeitslosenversicherung noch sechsmonatigem Schlaf or- ganisieren will, entpuppt sich als die Fortsetzung de» Lügenfeldzuges gegen die Sozialdemokratisch« Partei. In diesen Lügenfeldzng paßt auch die neueste Abhandlung über eine Rede, die Genosse L i t k e„kürzlich in einer Mttgliederversammlung' der Partei gehalten haben soll. Do wurde dem Genossen so HoHnebüchener Unsinn über die Stellung der Porte: in den Mund gelegt, daß es eine Versündigung wäre, daraus näher einzugehen. Was die Sozialdemokratie tut, ist bekannt genug. Daß die Kommunisten den Kamps um die Positioi>en der Soziolvcrsiche- rung durch ihr blödes Verhalten in allen Lagen nur erschweren, ist gleichfalls bekannt. Aber dos Los der Erwerbslosen ist ja die ge- ringst« Sorge der KPD. Koriführung von Rotfront. Da wird die Mönchener Polizei energisch. München, 2Z. August. Nach einer Meldung der kommunistischen„Neuen Zeit' nahm die Polizei gestern abend eine Reihe komnrunistischer Funktionäre fest, heute morgen folgten nach dem gleichen Blatt Haus- suchungen in den Wohnungen der meisten Verhafteten. Die Polizeidlrektion teilt dazu mit: Am 22. August abends wurden in einer Gastwirtschost 12 Funktionär« des aufgelösten Roten Front- kämpferbundes festgenommen, die diesen Bund verbotswidrig unter der Flagge eines Sport- und Wanderbundes fortführten. Sie haben sich durch Ausstellung von Posten vor polizeilichem Zugriff zu schützen gesucht. Einer der Festgenommenen wurde dem Gericht übergeben, während die übrigen noch Vernehmung wieder entlassen wurden. Türkisch-Mussolinien. Sozialistenhoß der Keittol�Tiepiiblik*. konstanlinopel, 23. August.(Eigenbericht. Der Oberste Gerichtshof Hai die drakonischen Urleile In dem Sozialistenprozeß b e st ö i I g i und die Uebersührung der verur- kellten in da» Gefängnis von Slweret versügt. hier werden Im allgemeinen nur Schwerverbrecher untergebracht, weil das Ge- sängnis in einer äußerst ungesunden Gegend liegt. Inzwischen sind in Konstanlinopel wieder zwei Arbeiter ver- haftet worden, die unter ihren Kollegen sozialistische Propaganda getrieben haben sollen. Beide wurden«ach Smyrna iransporttert, wo ihnen schon in den nächsten Tagen der Prozeß gemacht werden soll. Meiches Ausmaß die Sozialistenhoh angenommen Hot. zeigt ein Strasoerfahren gegen die Monatsschrift„Ressimli Ai' wegen Verössenllichung eine» angeblich sozialistische Ideen propagierenden Artikels. Das Blatt ist in Wirklichkeit nationalistisch und hat den Ruf. die sozialen Bestrebungen der Arbeiterschaft entschieden zu bekämpfen. Die Zudenverfolgung der Araber In Ierusalem dauert an. Am Freitag kam es hier wieder zu blutigen Zusammenstößen zwischenIuden und Arabern. Drei Personen wurden getötet, 50 verletzt. Di« britische Polizei hat sämtliche Z u- aangsstraßen nach Ierusalem wegen des befürchteten Zuzug» von Arabern gesperrt, Ikeatsk', l-iclitspisls usv/. Aasls-lllier vnter 6. Linden Womd! Staals-Oper Am Pl.d.Republ. Gesdilciiünl StaatLScblller-1 Sonnab., 24. 8. siam Oper Bismarckstr 8 Uhr Turnus IV Die sdiwarze flfüiideo Staatl. Sdiaosph. am Gendarmenmarkt Gesdilossenl Winter * Garten* | 8 Uhr« Zenir. 2819» ßanffien erlanhl Internat. Varietd» Jmmer neu. immer gut i Sonnabend u. Sonntag Je 2 Vorstellungen und � Uhr. kleine Preise. Dealer, Ctiarith. Rose- Theater, Gro�eFrankfarterStr.lSl, Täglich 8.15 Uhr Der kleine Kuppler Lustspiel i.3Akt.v.Armontu.Gerbidon Garteabahne 530 Uhr Konzert und bunter Teil 8.15 Uhr „Bis früh um lOnle* Werden Sie Abonnent des aose-Tneeten Verlangen Sie kostenlose Zusendung der Abonnements-Bedingungen Geschlossen. SV, Uhr Barb. 92S6 * 1 OP)g.-anierikanische Rwaiiers usw. Sonnabend u. Sonntag Ja 2 Vorstellungen 5 u. SVs Uhr.— S Uhr ermäßigte Hr. [ Tägl. 5 U.»15 Sonnt. 2. Sn 8 u | Alex. E. 4. 8066 [INTERNAT, VARIETE CAS I NO-THEATER Lothringer Strafe 57. TAgllcfa SVi Uhr Der neue Erottnungs- Schlager Wem Beliört mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Lesen Cutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 Sessel 1.75 M.. Sonstige Preise: Parken u. Rang 0.80 M. i» i: i> Heule, Sonnabend FILMZIIUBER Das groOe Sommerfest der Fllmweit Eine Revue von Ober 100 PROMINENTEN des Films. Ein Programm von nncrhftrtcr RrtcCilialtigrkfilt. Vorverkautauch im Pavillon der Rein hardtb Ihnen, Kurfürstendamm, Ecke UhlandstraBe Bismarck 448/449 Deotsdies Theater D.I. Norden 12310 8Uk Ende gegen 11 Die Fledennaas Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg L. Kainer Die Komödie J1 Bismck.2414/7516 SVaU.. Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie: Leontine Sagau Lesslng-Theater Norden 10846 Qrnppe fnnger Sdiauaplelcr Täglich SV. Uhr lakibovskl- Drama von Eleonore Kalkowska Reichshalien.Thealer [T] Uhr. Stettiner sanger Sonntag, 25. August: Fr I. fiadimliiaos-Vorstellimg , zu halben Preisen mit vollem Piograinm i '""öohott- Bretti; Variete Konzerl Tanz HontaiiZgjnj�� tti-tr Sänger »GOOOSOOOGG«O«OOOOOOß Sommer-Garten-Theater Berliner Freier N 58, KasL-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 fiasisplel Bssttl Btct. Bratet Ullsn Die lustige Witwe Operette von Franz Lehär Oazn der grobe VarielitelL Anfang Konzert 4.30. Burleske u, Varietd 8 Ukl. Operelte 8.30. proOer Veit ledeo Donnerstag qroBer Volkstag. |ed. Mittw. xtndertest a. Vertossnn Metropoi-Th. Tägl. 8V. Uhr Sonntags 4 u. SV. Blaubarl Operette von Offenbach Grete Finkler, SUeber-WaUer Bamovsky- Bahnen Theater in dar Küniggrätzer Streß» Täglich 8V, Uhr Rival en Komödianhaua Täglich 8V, Uhr Hodtzeitirelie mit Georg iluaodei Kleines Tbeat. Merkur 1624 Täglich SV. Uhr über 1000 X Max Adalbert in Clubleute Max Landa, Ferry Sikla, Ellen Frank. Tknt. im Kolik. Cor Koftb. Str. 6 Tägl.«Uhr Elite- 'Sänger Die August- Sensation $tripi»ke's in der Sommerfrische Tclcpl A Lostspielbaos Täglich 8»A Uhr Du wirst mich hairatenl Rundfunkhörer halbe Preise. GEOßGE BANCROFT Evalyn Brant William Powatl Protfaktlen und Reglai Josef von Sternberg Perartvounf Nim dar Parufamat Wochentags: 7" 9" Sontag: 5" 7" S" schiM UFA- PAL AST am ZOO Varverkaul von 12 PI, 2 Ukr m Utapaiast am Zoe(Barfeareaaa»771) and kW k. WaraaM VsmSrts 1 zieaiuu Doiiwvusn•=w«ir=a Neues Wohnen für Veomte.-Ärbeiter und Angeftellle. Nach des Tages Mühe erwartet uns das h>eim. Behaglich und prottisch ousge» stattet, gilt es ollen Familienmitgliedern als dos Ziel der Wünsche. Gerode die kleinere Wohnung will mit Verständnis an'estattet sein, zumal Kosten und An. schassunasbedingungen mitsprechen. Ein Wegweiser für olle Werktätigen ist die Ausstellung.Neues Wohnen' in dem Möbelhaus der Firma B.Feder,Drun nen- stroße 1 u.2,die unter Leitung des bekonnten Innenorchiketten Professor Wolter Gropiu» durchgeführt wird. Diese Aus» stellung zeigt Ihnen, wie auch dos klein, Heim mustergültig und preiswert aus- gestattet werden kann Sollte die Ans- stellung nicht such für Sie sehen». wert sein 7 M# 0»« W/tö, fort ff"«"»-». ff"'f a,f - L-I�fro., SS/ 1 1®06hunfl i UN» 'n. I'* 3»OB. Maße I ! Des. P'e/fr BRUNNENSTR.1 UJt w BROSCHÜREN KOSTENUB Ar AilerbequemsteZahlungsbedingungen Herbst�BaumesseJ�� Besucht die Halle STAHLBAU Direktion Dr. Robert Klein Deatsehes Künstler-Thealer Barbarossa 3937 Donnerstag, 29. Aug. 7V. Ohr Dtsch. yraufführ. Die andere Seite von R C Sherritl Regie: HeinzHilpert Der Vorverkauf ist eröffnet Theat.o. Westens Täglich 8V. Uhr Sonntag 4 u. 8Vt Franz Lchart Wellerlolg f Friederike Lotte Carola Hanns Wilhelm hon Steinplatz 0931 u. 5121 — am Zoo• Vtrßat ladiiimthii* Sinti B.S BarbarossaS578 16 V* Uhr StamblUo du Sommert I8>/.U. Von Pol zo Pol am Sternenhlmmal 20V. Uhr Der Slulkali dar Sonn» Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf. Kinder 25 Pf. Wir geben Ihnen bekannt, daß wir durch Vertrag mit der „Frankfurter Allgemeinen Versicher ungs-Aktien-Qesellschaft" die Garantie für alle Verpflichtungen aus deren Versicherungsverträgen in folgend.Versicherungszweigen übernommen haben: Feuer-, Wasserleihingsschaden-, Einbruch-, Diebstahl-, Aufruhr-, Glas-, Transport- cinsdhtLValoren- und Schmucksachen- Versicherung, Kraftfahrzeug', Unfall-, Haftpflicht- und Regenversicfaerung; außerdem auf dem Gebiet der Kredit-, Kautions- u. Garantieversicherung, Bürgschaften für gestundete Zölle, Steuern, Abgaben, Frachten, Spritmonopolkaufgelder, Lieferungs- und Leistungskautionen, Prozeßkauiionen, Holzkautionen, Kohlen- kaufgelder und Exportkreditversicherung. Nicht von der Garantie erfaßt sind alle übrigen Kreditversicherungen, also insbesondere die mit der Absatzfinanzierung zusammenhängenden Geschäfte, Hypothekenversicherungen, Finanzgarantien usw sowie Rückversicherungen jeder Art Der gesamte von uns garantierte Versicherungsbestand wird von der heute von uns gegründeten „Neue FranUfiirter Allgemeine Versidierunüs- Ahlten- Geseilsdialt" mit unserer Garantie übernommen. Berlin, den 21. August 1929. Allianz und Slulfgarier Verein Versicfacrungs-Akficn-Gcscllschaff Dr. Schmitt. Dr. Heß Nr. S9S» 46. Jahrgang 01*�6� Sonnabend, 24. August 4S29 Ln Sturm und Gewitterregen. „Graf Zeppelin" hat schwere Fahrt. Ei« Funkspruch an die Rabiostation i» Ochischi von Bord des„Graf Zeppelin" teilt mit. daß das Luft- schiff nach seinem Abflug von Kasnmigaura in eine« Sturm mit Gewitterregen geriet, der es heftig schüttelte. Es herrschte jedoch keine Unruhe au Bord. Die Stnrm- Zone wurde gut durchfahren. 23. August 17 lthr. Tokio, 24. UugufL Um i Uhr morgens hiesiger Zeit(17 Uhr de» 23. August ET.(E. Z.) gab der„Graf Zeppelin" durch Funkspruch deu folgenden Standort an: 3 6. Grad nördlicher Ereile, ISl. Grad östlicher Lauge. Diese Position befindet sich etwa 620 Meilen östlich von Sasumigaura uad deutet an. daß das Luft- schiff der Dampferroute nach Seattle folgt, vi« vurchfchnllt». geschwindigkeil betrögt bisher 36 Sluudeukilometer. wenn das Luftschiff diese Geschwindigkeit beibehält, wird e» Los Angeles etwa Dienstag um 2 Uhr morgens erreichen. Wie aus San Franziska von der Radiocorporation of America berichtet wird, ist die Posttionsmeldung auch von dem Dampfer„Astral" aufgefangen worden. Wie die Positionsangabe anzudeuten scheint, ist Dr. Ecken« sofort ostwärts auf das offene Meer hinausgesteuert, statt zunöchst einen nördlichen Kurs einzuschlagen. Wahrscheinlich geschah da» in der Absicht, einem lokalen Sturmgebiet auszuweichen. Stach den Wetter» berichten waren für den ersten Teil des Pazifikfluges leichte Rückenwinde zu erwarten, und Dr. Eckener hoffte, falls st« andauern sollten, in Los Angeles innerhalb 86 Stunden anzu- kommen, d. h. daß er am Sonnlagabend die amerikanische Küste bei Seatlle erreicht und in Los Angeles etwa um 6 Uhr morgens pazifischer Zeit am Montag«intrifft. Oie Wetterlage. Sau Jnmjisfo, 23. August. Die hiesige Wetterwarte übermittelt« dem Luftschiff „Graf Zeppelin" durch Funkspruch einen Wetterbericht, der die Entwicklung einer u n g ü n st i g e n Wetterlage über der Groß-Zirkelrout« andeutet. Der Meteorologe Reed von der hie- sigen Wetterwarte erklärte, daß das Barometer westlich des 186. Me- ridians rasch falle, lieber dem Golf von Alaska entwickle sich ein« neue Störung, deren Zentrum südöstlich der Insel K o d i a k liege. Ausläufer der Störung erstreckten sich von den A l e u t e n- Inseln bis zu den Kurilen nördlich von Japan. Vorbereitungen in Los Angeles. TTew Bort. 23. August.(T.U.) In Los Angeles werden alle Vorbereitungen zum Empfang d«s* Lüskfchiffs„Graf Zeppelin" getroffen. Ein Ankermast ist bereits errichtet, und die Marinetruppen sind schon eingetroffen. Außerdem ist«in großes Soldatenaufgebot nach Las Angeles beordert worden, um die Aus chauermengen vom Landungsplatz abzuhalten. Aus San Franziska wird gemeldet, die dortige Wetterwarte rechnet mit günstigen Wetterbedingungen für die Fahrt über den Stillen Ozean, wenn dos Luftschiff den Weg auf dem größten Kreise einschlage. Eckener Hot an den Kommandanten des Flughafens Kasumigaura, Vizeadmiral E d a h a r g, einen Funkspruch ge- richtet, in, dem er seinen Dank für die gastfreundlich« Aufnahme und Z3s copxrißbt 1929 by Gustav Kiepenbeucr 0erlag A-G., Berlin In der Nacht erreicht man ein mitgenommenes Nest unfern Bapaume. Man ist völlig ausgepumpt nach einem Marsch von siebzehn Stunden. Aber wo die ausgeleierten Beins niederlegen? Der Ort ist überfüllt wie am Vorabend zu großen, lockenden Festlichkeiten. Schließlich findet man einen Stall, der so brüchig und halbmeterhoch mit ange- stautem Mist ohne Stroh überschwemmt ist. daß niemand ihn haben wollte. Hier legt man sich, in Mantel und Zeltbahn gehüllt, mitten auf den Kot und ganz eng nebeneinander, denn die Nächte ziehen schon kalt, und die Ratten, in über- legener Zahl, spüren und pfeifen weniger dreist zwischen zu- sammengeschlossenen Körpern umher und über sie weg, als wenn man einzeln gelagert ist... Voll wie zu Festlichkeiten— ja, und unruhig garend wie auf dem Lande im Herbst nach der Ernte, oder wenn .Viehmarkt ist. Auch Illumination ist da. Revolverkanonen werfen ein glimmendes Band von Geschossen nach Flug- zeugen in den Nachthimmel. Und so zahlreich brausen hier die feindlichen Flieger,.daß etliche sogar getroffen werden. mit brennendem Benzin blutend auflohen und weiter dahin- schießen durch Finsternis, immer mehr zum Glutschiff werdend— oder zum glühenden Riesenbügelstahl, der zischend über den schwarzen Samt des Himmels plättet und platzend niedergeht— Abschluß eines Schaustückes, kühn erdacht für staunende Gaffer von einer unbedenklichen Pyrotechnik. Der nächste Morgen schon bringt den Einsatz des Re- giments. Ohne daß sie zur Besinnung kämen, sollen sie hineingeschmissen werden mitten ins Gebrodel. Man scheint sie da draußen in der Linie mit brüllender Ungeduld zu er- warten. Wer erwartet sie? Die„Abgekämpften"— womit die Zerstampften, die innerlich Heulenden, die von Schwache Geschüttelten gemeint sind? Oder wartet einfach auf sie der große Töter und Leiberzerreißer, wie er schon Zehntausende erwartet und empfangen hat? � � Lippe geht mit seinen Sanitätsleuten auf einen Verband- platz bei Bapaume. Er reicht Funk die Hand.„Wenn wir seine Bewunderung für die ausgezeichnete» Anordnung« und die unübertrefflich« Tatkraft und Geschicklichkeit des Flughafen- Personals ausdrückt. Dr. Eckener erklärte wörtlich: Niemand von Ihrem bewunderungswürdigen Personal trifft ein V e r- schulden für das Mißgeschick, das sich gestern früh er» eignete. Keine Funkverbindung! Sau Franzi, ko. 23. August. vi« Fuakstaklon« an der amerikanisch« Küste find bisher « i ch i imstande gewesen, Fnnkverbludungenmlk dem„Gras Zeppelin" herzustellen. Auf ihre fortwährenden Anrufe Hab« sie noch keine Antwort erhalten. Man hofft, daß nur e l e k- irische Störungen, die zwischen dem Standort des Last. schiffe» nnd der amerikanisch« Küste llegeu, die Funkverbindung verhindern. Am Sonnabendabend wird der„Graf Zeppelin' voraussichtlich dm 186. Meridian, die internationale Datumsgrenze in der Mitte de» Stillen Ozeans, überfliegen. Dabei wird das Luftschiff ein« Tag g e w i n» e n, so daß die Passagiere also Sonnabend n a ch t zu Bett geh« und nach Perlauf der Nacht am Sonn- abendmorgen wieder aufwachen. Wieder eine Schülerin verschwunden. Sie wird seit Dienstag vermißt. Schon wieder beschäftigt da» verschwinden einer fünfzehnjährigen Schülerin die Kriminalpolizei. Es handelt sich um die löjährige Tochter Rosemarie des Konsuls O. aus der Kl e i st st r a ß e. Das junge Mädchen de» suchte«ine Handelsschule in derBabelsbergerStraße. Am Dienstag, nach Schluß des Unterrichts, äußerte sie zu befreun- det« Mitschülerinnen, daß sie nicht mehr nach Hause zu- rückkehren wolle. Da Rosemaric keineswegs ein gedrücktes Wesen zur Schau legte, sondern l e b h a f t u n d l u st i g wir immer war, maß man dem kein« besondere Bedeutung bei. Seit dieser Stunde fehlt jedoch von der Schülerin j e d e S p u r. Wie mitgeteilt wird, war sie sehr vertrauensselig, und es besteht der Verdacht, daß sie o e r s ch»l e p p t worden ist oder gar einem Verbrechen zum Opfer gefallen fft. Jedenfalls liegt ein offensichtlicher Grund für ihr Verschwinden nicht vor. Rosemarie O. ist 1,76. Meter groß, für ihr Alter sehr ent- wickelt und hat braunes Haar. Sie war mit einem Gummi- mantel bekleidet, trug eine rote Russenbluse, einen grauen Rock und blaue Halbschuhe mit Kreppsohl«. Sie führte«inen klein« ledernen Stadtkoffer bei sich. Me Mitteilung« werden an die Bermißtcnzentrale des Poljzeipräst- d i u w s erbeten. Vom eigenen Gespann totgefahren. Auf tragische Weise ist gestern nachmittag der 48jährsge Fuhrhalter August Jumps aus der L e h d e r st r. 12 in Weißen- fee ums Leben gekommen. I. hielt mit seinem Wogen an der Eck« Trelleborg- und Westerland st raß«, um an der Deichsel etwas in Ordnung zu bringen. Dabei scheuten plötzlich die Pferde und gingen durch. Jumps wurde überfahren und so schwer oerletzt, daß der Tod eintrat, noch bevor der zu Hisse gerufene Arzt zur Stelle war. uns diesmal wiedersehen, mein Lieber, können wir beide von Glück reden." Er ist sehr bleich, die schwarzen, starren Raub- vogelaugen hinter dem gekrümmten Nasenschnabel haben noch nie so viel Menschliches gehabt. Funk druckt ihm die Finger und liebt ihn beinahe. Er und Fähnlein bleiben im Ort. Sie sollen Verband- zeug nachschicken, Fühlung nach rückwärts mit Division und Sanitätskompagnie halten, sie sollen vor allem Leichtkrvnk« auffangen und irgendwie kurieren. Ueberflüssige Belastung der Lazarette, in die mit breitem Strom unablässig zerstörtes Fleisch fließt, muß durchaus vermieden werden. Fähnlein und Funk— sie wählen notgedrungen den mistüberladenen Stall als Krankenraum. Es findet sich nichts anderes. Ein paar Malade sind schon in ihren Händen. Sie nageln den weißen Deckel einer Schuhschachtel ans Scheunen- tor mit einem mit Rotstift gemalten roten Kreuz, schreiben auf einen zweiten Deckel daneben: Revier des soundsovielten Infanterieregiments und sind installiert- Aber nicht einmal hier dürfen sie bleiben. Ehe die Nacht kommt, haben«in paar fremde Offiziere mit ihren Pferden und Burschen sie hinausgeworfen. Ihr Protest Hilst gar nichts.„Sucht euch was anderes. Ab. Glaubt ihr, wir wollen unsere Gäule im Freien stehen lassen?" Sanität ist.Nebensache für die, die noch hell« Knochen haben. Funk und Fähnlein ziehen umher mit ihrer kleinen Schar von Fiebernden und Hinkenden. Die preußische Ortskommandantur, belagert von Peten» ten, fieberhast telephonierend, zuckt nur die Achseln. Kein Platz.„Da hätten eure Aerzte, ehe sie weiter sind, besser für euch sorgen müssen." Zudem handelt es sich um Bayern, die stehen ihnen sowieso ferner, sie sollen sich selber helfen. Fähnlein entdeckt eine geräumige Nische unter einem Torbogen. Miserabler Platz, es zieht, und eine Zeitlang scheint er als Latrine benutzt worden zu fein. Fähnlein läßt ihn einigermaßen säubern durch die sehr widerwilligen Hände der Kranken— da kommt der Wagen einer Maschinengewehr- kompagnie und behauptet, hier wohne er, hier habe er immer gewohnt, und jetzt rücke er wieder ein. Abermals spricht ein Offizier ein Machtwort, und Fähn- lein muß weichen. Es dunkelt schon, er geht, gedrängt von den Umständen, unbedenklicher vor, bricht einfach in Häuser ein, klinkt einfach Türen auf und entdeckt, eine leere Stube, «inen sauberen großen Raum mit nichts als ein paar Tischen und Stühlen. Das übrige Drumherum ist längst zusammen- geschossen und verkommen. Ein unerhörter Glücksfall! Er dirigiert die Semen hier- „Dein Sohn lebt." Milde Strafe für einen niederträchtigen Betrug. Ein« häßlich« Betrug hatte der Angestellte Zacob B o r o w s k i begang«, der dem S7jährigen voter jeincs gefall«« Freundes 11. unter der Vorspiegelung, daß sein Sohn lebe und zu ihm zurückzukehren wünsche. Geld abgenommen hatte. Das Schöffengericht Berlin-Vli'!- verurteilte Borowski daher gestern wegen schwerer IX'- kundensälschung und Betrug zu neun Monaten(Sc- fällgut». Dies« Sachverhalt lag dem Urteil zugrunde: Kurz nach Krieg?- ansbruch fiel der junge U. öuf einem östlichen Kriegsschauplo!-. Den Eltern und Bekannten war er zunächst nur als„vermiß>" gemeldet ward«, erst später bestätigte sich sein Tod. Sein Jugend- freund Borowski, der au» dem gleichen kleinen Dorfe stamm:?, ging nun von der Annahme aus, daß der alte Bater immer noch auf die Rückkehr seines Sohnes warte und schrieb daher im vorig« Jahr einen Brief dorthin unter dem Namen seines Freundes U. Er schrieb, daß er erst jetzt aus der Gefangenschaft zurück- gekehrt sei und durch besonders oerwickelt« Umstände so Kinos feinem Vaterlande ferngehalten worden fei. Er freue stch aber: sein« Dater wiederzusehen und bitte ihn daher um das Reisegeld. Der hocherfreute Greis schickte sofort 26 M. und wurde erst durch die nächsten Briefe mißtrauisch, in denen er immer um mehr Geld gebeten wurde. Da ihm inzwischm auch amtlich schon längst der Tod seines Sohnes bestätigt worden war, antwortete er dem Briefschreiber, daß er sich doch an Vcr- wandte in Berlin wenden möge. Darauf antwortete der„Sohn", daß er ein Krüppel geword« sei und keine Beine mehr hätte. Durch Recherchen von Verwandten wurde dann der Angeklagte als der Schreiber festgestellt. In der Gerichtsverhandlung erzähl'« Borowski große Märchen. Er behauptete, daß U. wirklich noch lebe und sich nur verstecken müsse, da erstrafbareHant- lungen begangen ihätt«. Geschrieben hätte er die Briefe oiss Wunsch seines Freundes, dessen Hände verstümmelt seien. Da cr aber wieder in anderem Zusammenhang erzählte, daß sein Freund U. in die Fremdenlegion«intreten wollte, wurden ihm durch viel« Widersprüche die Unglaubhastigteit feiner Schilderung nachgewiesen. Der Staatsanwalt beantragte für die gemeine Handlungsweise ein Jahr Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Dos Gericht gewährte jedoch dem Angeklagten, der bis heute noch nicht bestraft ist, gegen den aber schon wieder andere Verfahren schweben, mildernde Umstände. Klostermauer fürWilmersdorferSchule Die Ienstalschulverwaltung muß eingreifen. An der Ecke der U h l a n d- und Ga st einer Straß« befindet sich in Wilmersdorf da» Viktorie. Luise- Lyzeum, ein schöner Vau, der um die Jahrhundert- wende errichtet wurde. Der Hof der Schule liegt an der stillen Gasteiner Straße und war bisher von einem Zaun umgeben, der es d« Vorübergehend« gestattet, auch einmal einen Blick auf d« Echulhof zu werfen. Run turnen die Schülerinnen sellsswerständkch auch während der Unterrichtsstunden auf diesem Hof. Irgendein muffiger Moralschnüffler«tdeckte nun plötzlich, daß zuweilen einige Pasfanten den Mädchen bei ihren turnerischen llebungen zuschauten. Das Wilmersdorfer Bezirksamt hielt diesen Zustand plötzlich auch für unerträglich und— begann an Stelle des alten, gediegenen Zaunes eine 2,26 VTeler hohe und etwa 35 Zenli- meter starke Mauer in Auftrag zu geb«. Im Augenblick sind bereits rund 25 Meter der Mauer fertiggestellt. Man vergegenwärtige sich: seit Bestehen der Schule dient der Hof gleichzeitig als Turnplatz, in all den Jahr« hat niemand an dem harmlosen Tu«« der Mädchen her, deren schon weniger geworden sind, denn ein paar Kranke haben es vorgezogen, auf eigene Faust nach Unterschlüpfen zu suchen. Was er hier wolle mit seiner Hammelherde? Hier werde ein Kasino eingerichtet und heute noch in Betrieb genommen Er solle sich schleunigst verziehen mit seinen Drückebergern?— Ein Verpflegungsoffizier steht da und verwehrt ihm den» Eingang. Funk und Fähnlein geben es auf. Sie ziehen zum Wagenpark und legen ihre Kranken zwischen die Räder der Sanitätskästen. Da liegen sie feucht, kalt, ohne Decken, manche haben nicht einmal einen Mantel. Funk und der Feldwebel verbringen die Nacht sitzend auf der Wagendeichsel: sie schlafen gegen Morgen trotzdem ein und entdecken beim Wachwerden, daß die meisten ihrer Schützlinge sich vekkrümelt haben. Es kommen neue, von draußen hierher geschickt, aber sie finden schon gar nicht dieses fliegende Revier, und wenn sie doch darauf stoßen, bleiben auch sie nicht lange. Sie gehen eigenmächtig wieder. Wohin? Es bleibt dunkel. Infolge- dessen ist kaum etwas zu tun für Funk. Er schweift in der Nähe des Wagenparks umher. Fähnlein und er lösen ein- ander ab in der„Sprechstunde". Die hintere Wand des Pflasterkastens ist aufgeklappt wie die Platte eines alten Schreibsekretärs. So werden die Schubfächer frei, in denen einige brauchbar« und viel unbrauchbare Dinge pedantisch verwahrt sind. Za-ghaste Dinge, viel zu zimperlich für die Tilgung der Spuren, die hier von den Faustgriffen der Tob- sucht geprägt werden: Baldriantinktur und Aqua destillata: milde Salben in vielfacher Zusammensetzung und Kamillen- päckchen: wer benötigt eine Präzisionswage, mit der man genau nach Gramm dosieren kann, wo nicht fern Eisen tausendzentnerweise explodierend verabreicht wird? Fähnlein verarztet wenig Leute des eigenen Regiments und viel fremd« Soldaten, die im Gequirl dieses Vorraums zur Hölle vorbeigetrieben werden: Humpelnde mit zerschabten Zehen, geschwollene Knie, krampfhaft sich entleerende Därme, eiternde Finger, tiefende Augen. Er hat nicht die Macht, sie ins Hinterland in irgendein Bett zu schicken, er kann sie nur ambulant behandeln. Wenn ein Fall ihm lebensgefähr- lich erscheint, übermittelt er ihn einigen Aerzten, die in der Kirche des Ortes eine Sammelstelle für schlimmstes Elend eingerichtet haben. Von da schaffen Vehikel unablässig zurück, was gerade noch lebend den zermalmenden Kiefern des vor- wärtssressenden Angriffs entrinnt., (Fortsetzung folgt.1 J i Anstoß genommen. Jetzt aker umgibt man l>«n ganzen Platz WS' einer dicken Klostermauer, weil zufällig irgendwelche lebensfremde Stubenhocker Einfluß im Wilmersdorfer Bezirksamt besitzen. Der Auftrag war übrigens erteilt worden, che die Zustimmung der Bezirksverordnetenversammlung vorlag. Wie wir erfahren, hat man jetzt den Weiterbau bis zur Beschlußfassung durch die Bezirksverordneten unterbrochen. Nach Schätzungen eines Fachmannes betragen die Kosten für die Anlegung einer solchen Mauer ungefähr III l)C)l) bis 12 000 Mark. Scheinbar hat man im vornehmen Wilmersdorf keine andere Verwendung für dieses Geld. Unserer Meinung nach sollte sich die Berliner Zentralschulver waltung schnellstens um den Fall kümmern. Es muß verhindert werden, daß in Berlin ein in seiner Mehrheit schwarzweißrot orientiertes Bezirksamt ver- sucht, finstere bayerische Methoden nachzuahmen. Der Z�aubübersall in Wilmersdorf. Geheimnisvolles Verschwinden des Gartenarchitekten. Aus geheimnisvolle Weise ist seil gester« der 4S jährige Gartenarchitekt Emil Schubert, aus den in der Nacht zum Freitag, wie wir berichteten, der schwere R o o b- Überfall verübt worden war, verschwunden. Gestern wurde zur Aufklärung des nächtlichen Raub- Überfalls eine eingehende Besichtigung des Tat- ort es durch die Kriminalpolizei vorgenommen. Das Gartengelände enthält einen Mustergarten, und dicht an dem kleinen Häuschen ist ein betonierter G o l d f i s cht e i ch. In dem Kies waren noch deutlich die Schleifspuren erkennbar. Be- veits vor 14 Tagen wurde schon einmal in das Häuschen ein- gebrochen, den Dieben fielen aber nur«ine Lederjacke und eine P i st o l e in die Hände. Man glaubt, daß es sich um Mit- glieder derselben Bande handelt, die in der vergangenen Nacht den Besitzer fesselten, knebelten und dann in den Teich warfen. Bei dem Sturz hat der Ueberfallen««in« Kops- Verletzung erlitten, die aber zum Glück nicht gefährlich ist. Der Ueberfall ist jetzt durch das plötzliche Verschwinden des Gartenarchitekten noch rätselhafter geworden. Schubert hatte gestern vormittag seine in der Gasteiner Straße gelegene Wohnung verlassen und sein Grundstück aufgesucht. �»r ist dort auch von seinen Angestellten gesehen worden; er ist dann fortgegangen und seitdem nicht wieder ausgetaucht. Man nahm zuerst an, daß die Verletzung doch schwererer Natur war, als es zuerst den Anschein hatte und Schubert aus diesem Grunde«inen Arzt oder ein Krankenhaus aufgesucht chabe. Das hat sich aber nicht bestätigt. Auch Nachfragen der Angehörigen bei Verwandten und Geschäftsfreunden sind bisher ergebnislos verlaufen. Für das geheimnisvolle Verschwinden des Mannes fehlt bisher jeder Anhalt. Wie von den nächsten Angehörigen erklärt wird, liegt nach ihrer Meinung für einen etwaigen Selbstmord nicht der ge- ringste Anlaß vor. Feuer in einer Garage. Zwei Arbeiter verletzt. Gestern abend ereignete sich in einer Garage in der karlstraße 4Z/4Z ein schweres L randunglück, bei dem zwei Arbeiter erhebliche Brand- Verletzungen erlitten. Im ersten Stockwerk der Garage, in dem sich die R e p a r a t u r- werlstätt« befindet, waren d«r LSjährige Klempner Fritz R e g n« r au« der Gr«llstraße 18 und der 40jShrig« Dreher Otto Lang« aus der Liebenwalder Straß« S7 mit dem Entl«eren des Benzintank»«ines in Reparatur stehenden Privatautos beschäftigt. Plötzlich zersprang der Zylinder «in«r brennenden Grubenlampe und die Benzin- dämpfe entzündeten sich explosivartig. Im Augen- blick stand das Auto in Flammen. Die beiden Arbeiter liefe« mit brennenden Kleidern ins Freie; hinzueilend« Arbeitskollegen er- stickten die Flammen. Di« Verunglückten wurden in die Charitö gebracht. Während Lang« nach Anlegung von Not- verbänden in seine Wohnung übergeführt wurde, mußt« Regner im Krankenhause verbleiben. Der Brand konnte nach kurzer Zeit gelöscht werden. Auf dem Grundstück Chaussee st raße 27 in Buckow geriet gestern nachmittag das Obergeschoß eines Stallgebäudes in Brand. Die Feuerwehr bekämpfte die Flammen mit drei Schlauch- leitungen. Das Feuer ist durch Unvorsichtigkeit entstanden. Rechtsanwalt Wolff zum Gedächtnis. Bei der Eisenbahnkatastroph« auf der Tauernbahn ist. wie wir schon meldeten, auch der Berliner Rechtsanwalt Dr. Hans Erich Wolff tödlich verunglückt. Er stand erst im 34. Lebensjahr, seine fachlichen Leistungen, besonders sein ausgezeichnete» Werk über das Urheberrecht gestatten die nun so betrüblich« Vermutung, daß ihm noch eine große Zukunft bevorstand. Er war Syndikus und feit einem halben Jahr auch Geschäftsführer des S ch u tz v e r- bandes deutscher Schrift st eller. Die Tochter des vor einem halben Jahr verstorbenen Hermann Kienzl war seine Frau. Seine große Liebe zu Deutschösterreich macht« ihn zu einem begeisterten Mitarbeiter der Anschlußbewegung. Seit sieben Jahren gehörte er dem Hauptvorstand des Oesterreichisch-Deutschen Volksbundes als eines seiner tätigsten Mitglieder an. Boxkämpfe im Sportpalast. Die gestrigen Boxkämpfe im neueröffneten Sportpalast brachten einige sensationelle Ergebnisse. Der deutsch« Meister im Welter- gewicht, Hans S e i f r i e d, konnte seinen Titel gegen den Heraus- forderer Otto Lauer nur dadurch retten, daß Lauer in der achten- Runde ein Tiefschlag unterlief, der Seifried zur Aufgab« zwang. Der bisherige Amateur PiAtulla komite den ringerfahrenen H ü l j e b u s glatt auspunkten. Der sechzehnjährige Engländer Nipper Pat D a l l y schlug unseren deutschen Fliegengewichtsmeister Karl Schulze glatt in der fünften Runde k. o. Zum Frankfurter versicherungskrach. Wir weisen darauf hin, daß im Anzeigenteil der Allianz-Konzern seine Erklärung veröffentlicht, in welchem Umfang der Allianz- Konzern in das Versicherungsgeschäft der Frankfurter Allgemeinen Dersicherungs-A.-G. eintritt. Behrenstraße— Köpenick— Gchmöckwiß Di« eng« Verbundenheit von Köpenick mit Berlin spricht sich in der großen Zahl der Straßenbahnlinien au», die nach der am Zusammenfluß von Spree und Dahme gelegenen alten Stadt führen. Di« Linien 87 und 187 gehen von der Behrenstraße aus— 95 kommt von Schöneberg, 83, 84, 86 find dagegen Verbindungen in der Richtung Nord-Süd, und zwar von Bahnhof Mahlsdorf bis nach Schmöckwitz. Nach letzterem Ort bringt uns die 86, die wir in Köpenick, Lindenstraße, besteigen, um mit dem gleichen 20-Ps.- Fahrschein die Fahrt fortzusetzen. Nehmen wir z. B. 87 und dann 86 als unsere Tour an, so fahren wir rund 30 Kilometer für den genannten Preis. Man vergleiche damit die„billigen" Vorort- tarife der Reichsbahn: der Preis würde sich auf 60 Pf. belaufen, und bei Fernverkehr auf 1 M. Man sieht, wie verschieden die An- schauungen über Verkehrserleichterung sind. Die Linie 86 hat ihre eigene Trasse; sie läuft auf große Strecken durch Wald und längs des Waldes mit schönen Blicken auf die Müggelberge und aus die klassischen Gewässer des Berliner Rudersports. Freibad Grünau macht einen gepflegten Eindruck; in Karolinenhof grüßt uns eine lustig« Kolonie kleiner und kleinster Häuschen, und S ch m ö ck- w i tz selbst gewährt an einem schönen Tage den Anblick eines Heer- lagers von Booten aller Arten, aller Größen. Der kleine Ort hat aber auch einen guten Ruf als Sommerfrische und als Standort für Partien zu Fuß wie— vornehmlich!— zu Wasser ist er un- vergleichlich. Ein solches Dorado auch dem flüchtigen Besucher zu- gänglich gemacht zu haben, ist das große Verdienst unserer BVG. Als Plan gibt Karte 9 des Ausflugsführers das Gebiet nördlich von Schmöckwitz, also die Gegend der Müggelberge, des Müggelsees — einsvKarte des südlichen Gebiets, das durch das Dreieck Schmöck- witz, Wernsdorf und Königswusterhausen bestimmt ist, würde sicher Ruderern wie Touristen«ine willkommene Gabe sein. Wir bauen die Wasserwerke aus. Täglich'l Million Kubikmeter Waffer für Berlin. Die Finanz- und Sleuerdepukalioa hak dem vom Auf- sichtsrat und der Direktion der Berliner Städtischen Wasserwerke Aktiengesellschaft vorgelegten v a u p r o- gramm über die Erweiterung der Wasserwerksanlagen in den Jahren ISZO-ZZ zugestimmt. Das letzte von den Berliner Städtischen Wasserwerken AG. vorgelegte Bauprogramm erstreckte sich auf die Jahr« 1928 und 1929 und bezweckte den Ausbau der Wasserwerk« auf eine tägliche Spitzenleistung bis zu 900 000 Kubikmetern. Die in dieses Bau- Programm entfallenden Bauvorhaben sind trotz der durch die un- gewöhnlich lange Kälteperiode herbeigeführten Arbeitsunterbrechung im Sommer dieses Jahres im wesenllichen fertiggestellt worden. Die Steigerung des Wasserverbrauchs, die im Jahre 1928 den Höchstkonsum von durchschnittlich 225 Litern je Kopf und Tag erreichte, zwingt aber zu neuen Erweiterungen der Wasserwerke, um in die kommenden Jahre mit einer genügend gxob«n Wasserreseroe hickeingehen und einem eventuell eintretenden weiteren S. eigen des Kopfverbrauchs entsprechen zu können. Das Bauprogramm zerfällt nach Art der auszuführenden Bauten in vier Gruppen: erstens in solche Bauten, die zwecks Schaffung neuer Wassermengen auszuführen sind. Hierbei ist besonders an eine Erweiterung des Werkes W u h l h e i d e und den Ausbau des Werkes Tegel gedacht. Ferner gehört zu dem Bauprogramm der Ausbau und die Errichtung von Sammelbrunnen, Filter- anlagen, Reinwasserbehält«rn, Entmanganungs- und Maschinen- anlagen in den vorhandenen Werken, drittens die Crweiterung vor- hanidener und die Herstellung neuer Werkstätten- und Unterkunft«. räume. Schließlich umfaßt das Bauprogramm die Erweiterung des Rohrnetzes im gesamten Stadtgebiet und die Beilegung neuer Hauptleitungen. i Durch die in diesem Bauprogramm enthaltenen Bauausführungen soll die Leistung der Sesamtwasserversorgnng der Berliner Städtisch« Wasserwerke AG. und die Fortleitungs- und Abgabemöglichkeit auf rund 1 Willion Kubikmeter pro Tag als Spitzenleistung erhöhl werden.'| Nachdem die Höchstförderung im Jahr« 1S29 einschSeßlich der Wasserversorgung von Schöneberg und Steglitz am 23. Juli auf 808 000 Kubikmeter gestiegen war, ist bei dem Ausbau auf 900 000 Kubikmeter pro Tag nach dem vorigen Bauprogramm eine Re- ferne pro Tag von nahezu 100 000 Kubikmetern vorhanden, die bei der Erweiterung nach dem vorüeg enden Lau» Programm auch bei wefterem Steigen des Tagesverbrauchs um weitere 100000 Kubikmeter erhalten bleiben wird. Diese Reserve ist dann ausreichend, um auch unvorhergesehenen Steigerungen des Wasserverbrauchs mit Sicherheit begegnen zu können. Die Aus- führung des neuen Bauprogramms erfordert im ganzen 21 Milljp- nen Mark, die aus laufenden Mitteln der Wasserwerke ohne Inanspruchnahme von Anleihen und ohne Tarif- erhöhung aufgebracht werden solle». Taschenkrebse vor dem Affenhaus. Die Enten schnatterten fürchterlich. Ausregende Erlebnisse halte gestern ein kriminal- b e a m t e r von der Dienststelle C. 3, der mit seiner Familie dem Zoo einen Besuch machte, vor dem Affenhaus drängten sich, wie täglich und stündlich, groß nnd Nein, um sich an den Kapriolen der Vierhönder zu ergötzen. Besonders zwei Männer, offenbar Ausländer, konnten an die spaßhaften Tiere gar nicht dicht genug herankommen und schubsten die anderen Besucher. Ein« ganz« Stunde harrten die beiden, wie der Kriminalbeamte beobachtete, vor dem Affenkäfig aus. Als sie sich dann mit lächelnden Mienen entfernen wollten, kam dem Beamten die Sache doch verdächtig vor. Er benach- richtigte«inen Wärter, und jeder nahm«inen der Besucher in Obhut. Der, den der Kriminalbeamte neben sich hatte, riß sich auf einmal los, klettert« über das Gitter und stürmte unter dem leb- haften Protest der vielen Enten und anderen Wasseroögel am Teich entlang. Weiter ging es, von dem Beamten stets verfolgt, über einen Zaun nach dem Garten der Villa Heck. Hier mar- kierte der Gestellte, der nun nicht weiter konnte, einen„Krampf- a n f a l l" und stieß und schlug wie rasend um sich. Endlich gelang es dem Beamten, den Wüterich zu überwältigen. Die Hausangestellte des Direktors Heck hatte mittlerweile einen Schupobeamten herbeigeholt, so daß der Festgenommen« abgeführt werden konnte. Tatsächlich handelt es sich um Taschendiebe, um sogenannte „T a s ch e n k r e b s«". Unterwegs zerriß er seinen Paß und warf auch zwei gestohlen« Brillantenringe von sich, doch wurde alles fein säuberlich wieder aufgesammelt. In der Hetzjagd der Verfolgung hatte sich der Kriminalbeamt« nicht um den zweiten Mann kümmern können. Es ergab sich, daß dieser dem Wärter e n t- schlüpft war. Der Ertappte wurde nach dem Polizeipräsidium ge- bracht. Sem Paß lautet auf einen Camilla Jeszo aus Palermo; ob diese Personalien aber richtig sind, ist zweifelhaft. Seinen Bundesgenossen will der Verhaftete selbstverständlich nie gesehen haben. Nach ihm wird noch gesucht. Sauerbrey pflegt feine Nerven. Frankfurt a. M.. 23. August. Das Rätsel um das Verschwinden des Direktors Sauerbrey der Südwestdeutschen Bant A.-G., die als Hausbank der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-A.-G. ebenfalls zusammengebrochen ist, hat nunmehr seine Lösung gefunden. In einem Brief, der bei der Schwester des Verschwundenen eingetroffen ist, teilt dieser mit, daß er infolge der Vorkommnisse der letzten Tage einen vollständigen Nervenzusammenbruch erlitten habe. Um Ruhe zu finden, habe er sich in ein S a n a t o ri u m begeben. Gleichzeitig teilt Sauer- brey mit, daß er sofort wiederkommen werde, sobald seine Aerzte ihm zu arbeiten erlaubten. Wegen einer Brotkarte ins Zuchthaus. Strafvollzug nach-12 Jahren. Im Gerichtsgefängnis zu Duisburg sitzt zurzeft ein Mann mit Namen Hermann B. Er ist im Jahr« 1917 zu IM Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Was hat er getan? In dem Hungerjahr 1917 hat er sich B r o t k a r t e n verschafft, diese zum Teil für sich ver- braucht, zum T«il an andere Hungernde verkauft. Das Gericht sah deshalb die Tat als äußerst schwerwiegend au und verurteilte B., obwohl er erst 18 Jahre alt war. zu der hohen Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten. Ein Jahr hat er verbüßt. Inzwischen hat Hermann B. sich verheiratet, ist ein ordentlicher Mann geworden,«r ernährt sich und seine Familie redlich. Da fällt es dem Landgericht Elberfeld ein, daß dieser Mann noch sechs Monate Zuchthaus zu verbüßen hat. Jedermann weiß, daß 1917 die zugeteilten Lebesmittel keines- wegs ausreichten. Dazu ist besonders interessant eine Verfügung der früheren Königlich Bayerischen Postverwaltung an all« ihre Postangestellten, wonach-Lebensmittelpakete an den damaligen Reichskanzler Grafen H e r t l i n g ohne Kontrolle der dazu ge- schaffenen Instanzen den Adressaten zu erreichen haben. Es wurde den Beamten streng untersagt, dies« Paket« anzuhalten. Der hungernde achtzehnjährige Hermann B. aber wurd«, weil er sich etwas mehr Brot verschaffen wollte, IM Jahre ins Zuchthaus geschickt! Wir erwarten, daß dieser Appell den preußischen Justizminister zu sofortigem Eingreifen veranlassen wird. Harakiri mit dem Taschenmesser. Ein Kaufmann aus Bystrowan(Deutschböhmen) zog sich nackt aus, legte sich auf den Boden und schlitzte sich mit dem Taschen- Messer den Bauch aus. Er wurde in einer Blutlache als Leiche auf- gefunden. Schon früher oersuchte er einmal di«fe gräßliche Selbst- mordart, wurde aber davon abgehalten. Der Sturmvogel, Fluggemeinschaft der Werktätigen, fliegt am Sonntag, dem 25. August, 15 Uhr, vom Platze am Waldkater auf der Chaussee Bernau— Wandlitz aus. Am 16. Augut d. J, beginnt, wie alljährlich, der Obst-, Gemüse- und Karteffelverkauf auf dem Oulshofe in Berlin-Rosenthal. Verkanftzeil 8-11 and 2-6 Uhr. Berliner Sladtgüler G.m.b.H. Gutsverwaltung Blankenfelde. s-ouen-und Nerven/e/c/en0®� deck die m ,.. Radium- EmanotorU� u..die. städtische Badverwaltung. „Laß dich doch nichi festnehmend Noch ein Nachspiel zum i. Mai. _ Vor dem Sihössengericht Neukölln wurde gestern gegen den zweiundsechzigjährigen Zemenlurbeifer Johann Marx verhandelt, dem vorgeworfen wurde, am 1. Mai Polizei- beamteu Widerstand geleistet zu haben. Der Angeklagte, der sich am I- Mai auf dem Vorderperron eines an der Voddinftraße haltenden Straßenbahnwagens befand, wurde Zeuge, wie ein junger Radauheld, der die Scheiben eine? Elektrischen eingeworfen hatte, verhaftet wurde. Er geriet in Erregung und rief vom Straßenbahnwagen herunter:.Laß dich doch nicht festnehmen!" Der zweimaligen Aufforderung des Polizei» leutnants, den Vorderperron zu verlasien, kam er nicht nach. Er letzte seiner Verhaftung Widerstand entgegen und wurde daher von Mmgen Beamten mit dem Gummiknüppel geschlagen. Der Angeklagte wollte sich auf sein« Aeuherung nicht mehr be- sinnen können. Die Polizeibeamten und der Straßenbahnführer sagten aber ziemlich übereinstimmend aus, daß der Angeklagte ab» fällige und aufreizende Bemerkungen gemacht hatte. Der Vertreter der Anklag« beantragte unter Berücksichtigung der politischen Erregung, die am 1. Mai herrschte, und im Hinblick auf die makellos« Vergangenheit des Angeklagten eine Geldstrafe von 100 Mark. Das Schöffengericht verurteilte Herrn Marx antragsgemäß. Unserer Ansicht nach wäre eine geringere Geldstrafe in diesem Falle durchaus am Platze gewesen. SozialistischeArbeiterjugendGr.-Verlin Wlsozlal! 1 Sivsaidimge» Striin<5256 fär Mtfe dtnWf aarerangs-A..G. in Wien wurde vom Reichsaufsichtsamt mit ErlaB vom 22. Dezember 1928 genehmigt Versicherungsnehmer, die bis Ende 1923 bei einer der beiden Gesellschaften auf alte Reichswährung(Mark) lautende Versicherungen abgeschlossen hatten, oder deren Rechtsnachfolger werden aufgefordert, spStestens bis znm ZI. Dezember 192» die Policen unter Bekanntgabe der genauen Adresse des Bezugsberechtigten an die Direktion der Gisela, Deutsche Lebens- und Ausstcuer-Versicherungs- Aktiengesellschaft in München, Rindermarkt 10, Aufwertungsabteilung, einzusenden. Entwicklung der Bauwirtschast. periodische Berichte der Deutschen Bau- und Bodenbauk. Planvoll« Wirtschaftsbeobachtung ist die wichtigste Voraussetzung zu planvoller Wirtschaftspolitik. Planvoll« Wirtschasts- Politik wirb auch im kapitalistischen System um so notwendiger, je stärker die Marktbeherrschung zunimmt und je größer die Macht einzelner Unternehmungen und marktbehrrschender Unternehmer verbände in einzelnen Gewerbegweigen wird. Im Baugewerbe setzt sich die Zusammenballung der Macht immer stärker durch. Das Bau- gewerbe ist zudem noch ein von der Saison sehr stark abhängiges Gewerbe, trotz aller Bemühungen, durch Veränderungen der Bau- Methoden vom Wetter unabhängiger zu werden. Es ist in hohem Mahe erfreulich, daß die Deutsch« Bau- und Bodenbank A.-G., Berlin, jetzt damit begonnen hat, eine zusammenfassende Darstellung der deutschen Bauwirtschaft zu geben, die durch periodische Wiederholung«in« dauernd« Beobachtung der gesamt«» Bouwirtschaft ermöglichen soll. Der erste Versuch der Deutschen Bau- und Bodenbank, ,L>ie Entwicklung der deutschen Bauwirtschaft im erste« Halbjahr ISA', ist um so erfreulicher, als es stch um die Veröffentlichung einer Bank des Reiche« handelt, akso eine« öffent- lichen Institutes, bei dem die Befürchtung einer einseitigen Dar- stell-ung zugunsten besonderer privater Interessen wegsallen darf. Im ersten Haldjahr 1S2g hat der Wohnungsbau durch da« Wetter sehr stark gekitten. In Preußen sind 96 500, im Reiche ungefähr 126 OOS Wohnungen aus dem Jahre 1928 in da« Jahr ISA zur Bauvollendung hinübergenommen worden. In 96 Groß- und Mittelstädten wurden w den ersten fünf Monaten ISA 51 171 Wohmmgsbauerloubnifie erteilt gegen 40129 in der gleichen Zeck des Vorjahres. Interessant ist die Feststellung, daß der Baubeginn in der Regel in einem Abstand von drei Monaten(im Herbst von zwei Monaten) der Bauerlaubnis folgt. Obwohl der Katastrophen- winter den Wohnungsbau schwer behindert hat, lagen im ganzen im ersten halben Jahr die Baubeginne noch 22 Proz. über denen de» Borsahres. In Berlin wurden von Oktober 1S2S bis Mai 1929 21 396 van- rrlaubnissc erteilt gegen nur 13 583 in der gleichen Zeit de» vor- jahres von Januar bis Mal 1929 wurden in Berlin 11 842 TDoh. nungs bauten begonnen gegen 7SS9 in der gleichen Zeit de» Jahres 1928. Recht interessant und neu ist eine Zusammenstellung, die das Verhältnis der von privaten nnd öffentlichen Bauherren errichteten Wohnbauten ertennen läßt, von öffentliche« Kör- perschajten wurden 1928 A44 Wohnbauten mit 11460 Wohnungen. von gemeinnützigen Baugenossenschaften 13 912 Wohnbauten mit 58 152 Wohnungen errichtet, während insgesamt auf die p r i> vaten Bauherren 14 446 Wohnbauten mit 51986 Wohnungen entfielen. 69 500 gemeinwirkschaftlich errichteten Wohnungen stehen also nur 52 000 von privaten Bauherren errichtete Mahnungen gegenüber. Dies« Ziffern gelten für die deutschen Groß- und Mittelstädte. Daß der Anteil der privaten Bauherren an der Gesamtzahl der Bau- Herren um so geringer wird, je größer die Städte werden, ist eine besonders interessante Feststellung. Während nämlich in Gemeinden unter 2000.Einwohnern der Anteil der pri- vaten Bauherren am Wohnungsbau im Jahre 1928 noch über 86 Proz. beträgt, sinkt dieser Anteil bei Städten zwischen 10 000 und 20 000 Einwohnern bereits auf rund 53 Proz., um bei Städten über 100 000 Einwohner nur rund 43 Proz. zu betragen. Im ersten Halbjahr ISA hat die Auflösung von Baugenossen- schasten die Zahl der Neugründungen überwogen, woraus die Deutsche Lau- und Lodenbant auf«ine Konsolidierung und Ratio» natisierung der Baugenossenschafte» schließt. Mit Sorgen wird über die EZohnungsbaufinanzleruag berichtet. Sparkassen hoben im erste» Halbjahr schätzungsweise rund 400, ver- sicherungsträger rund 100, öffentliche Kreditanstalten rund 50, private Hypothekenbanken rund 150 Millionen Mark für erst« Hypotheken zur Verfügung gestellt, das ist ein Achtel weniger als etwa in der gleichen Zeit des Vorjahre«. Bei der Verwendung von Länder- und Genreindeanleihen für den WohnungÄxm zeigt sich im ersten Halbjahr ISA ein Aussall von über 15 Proz. Dabei find die Wohnungsbaukredit« teurer geworben. Als Nettoverzinsung für erste Hypotheken wurden nach der Deutschen Bau- und Bodenbank im zweiten Quartal ISA 10,50 Proz. verlangt gegenüber 10,01 und 8,21 Proz. in den gleichen Quartalen der vorhergehenden Jahre. Daß Hugenbergs fluchwürdige Hetze gegen die deutsche Währung während der pariser Verhandlungen dem deutschen Wohnungsbau ebenfalls geschadet hat. zeigt die Feststellung, daß von März bi» Mal der monakllche Zmoach» der Spareinlagen im Deutschen Reich von IN aus 40 MMoaea gesunken ist. während im Jahre vorher nur ein Rückgang von 166 auf 138 Millionen erfolgte. Wohl zum ersten Male ist auch eine Zusammenstellung des Standes der Bausparkassen in Deutschland versucht. Bei vier Vausparkassen— weitaus die größte davon die Gemeinschaft der Frelinb«— find rund 63000 Dausparer erfaßt, die für über 700 Millionen Mark Bausparverträge abgeschlossen haben, auf die wiederum rund 75 Millionen Mark eingezahlt stick». Der Bericht sckjließt mit der pessimistische» Feststel- l u n g, daß die jetzt so schlechten Finanzierung« Möglichkeiten für die deutsch« Dauwirtschaft stch erst dann bessern werden, wenn die inter- nationalen Geldmärkte wieder billiger lverden, was allein auch für Deutschland eine Zinsverbilligung und neuen Kapitalzufluß bringen kann. Kohlenkartell in England. Die Zechenbesiher unter Ziegierungsdrock. Seit der Beendigung des großen Bergarbeiterstreits im eng- tischen Steinkohlenbergbau steht die Bildung eines Kohlen- s y n d i k a t s in England zur Debatte. Da« jahrelang« Hin nnd Her und die vielen erfolglosen Verhandlungen in dieser Frag« hoben gezeigt, welche großen Widerstände stch der Syndikatsbildung inner- halb der einzelnen Kohlendistrikte und auch bei den Zecheimnt» nehmern«ntgegenstemmten. Für die Labour-Regieruug ist das Kohlenproblem ein« der schwierigsten Fragen der inneren Politik. Es ist bekannt, daß sich die britische Arbeiterpartei seinerzeit in der Opposition verpflichtet hat, den von der konservativen Regierung eingeführten Achtstunden- tag auszuheben und die bis zu dem großen Streik 1926 geltende sieben stündige Arbeitszeit wieder einzuführen. ?lbgeschcn von der Gefahr, daß die Labour-Regierung hierfür im Parlament kein« Mehrheit findet und gestürzt wird, muß der Wieder- einführung der siebenstündigen Arbeitszeit zweifellos eine durch- greifende Reorganisation des in viele hundert Einzel- Unternehmungen zersplitterten Bergbaus vorangehen. Zur Beschleunigung der Syndikatsbildung hat die Labour- Regierung daher den Zechenbesitzern angedroht, die Bildung eines Zwangssyndikats für den gesamten englischen Berg- bau vorzunehmen, falls die Unternehmer von stch au» nicht im absehbarer Zeit diese Frage selbst lösen können. Diese Drohung der Labour-Regierung Hot ihre Wirkung auf die Zechenunternehmer nicht verfehlt, und die Vorarbeiten zur Bildung eines Kohlensyndikats sind jetzt endlich in Fluß gekommen. Als Vorbild für die Gründung des englischen Kohlensyndikats wird die Organisation des rheinisch-westfälischen Syn- d i k a t s, wenigstens in seinen wichtigsten Teilen, genommen. So wird für die einzelnen Zechen eine Quote nach einem noch zu bestimmenden Schlüssel festgesetzt und eine Umlage für jede ge- förderte Tonne zum'Ausgleich von Exportverlusten erhoben werden, während für die Ausfuhr eine einheitliche Export- organisation geschaffen wird. Da in den einzelnen Bergbaudistrikten Englands die Syndikatsbildung in letzter Zeit erhebliche Fortschritte gemacht hat, so kann mit einer endgültigen Kohlensyludi- zierung bis zumIahresende in England gerechnet werden. Damit wäre die Grundlage für die so notwendige i n t e r n a t i o- nale Kohlenverständigung geschassen, die bisher immer daran scheiterte, daß den straffen Kohlensyndikaten auf dem europäischen Kontinent ein in jeder Hinsicht zersplitterter Bergbaubetrieb in England gegenüberstand. Dagegen bleibt die Frage der Arbeitszeit im Bergbau noch eine harte Ruß für die Labour-Regierung. Die Bergarbeiterorganisationen haben bisher keinen Zweifel daran getassen, daß sie an der Erfüllung dieser Forderung grundsätzlich festhalten und es muß daher damit gerechnet werden, daß sich aus dieser grundsätz- lichen Frage noch schwerwiegende innerpolitische Konilikte in England ergeben., letztes zum Krantfurter Krach. Wir registrieren zum Frankfurter Verstcherungskrach kurz fol- gen de Neuigkeiten: Zwischen den Banken wurde eine Einigung darüber erzielt, drei Monate lang mit den Forderungen gegenüber dem Frank- furter Konzern stillzuhalten. Der A l l i a n z- K o n z e r n soll auch die Frankfurter Lebensversicherungs-A.-G., das ist die Westdeutsche Lebensversicherungs-Gesellschaft des Frankfurter Konzerns, sich an- schließen wollen und deshalb Verhandlungen führen. Di« Justiz- Pressestelle der Frankfurter Staatsanwaltschaft hat mit- geteilt, daß man in einem Vorstadium der Untersuchungen wegen des Frankfurter Versicherung-traches eingetreten sei, daß aber noch »eine Handhabe bestehe, um die Untersuchung gegen bestimmte Per- sönüchteiten leiten zu können. Direktor Sauerbrey von der Südwestdeutschen Batk A.-G, von dem es hieß, er sei im Flugzeug geflüchtet, teilte rn einem Brief an Berwandte mit, daß er in einem Sanatorium seine Nerven heilen müsse. Die in Karls- ruh« versammellen badischen und mittelrheinischen Genossenschaften haben der Landesgewerbebant für Süd- «estdartfchland A.-G. in Karlsruhe, die in losen Beziehungen zum Frankfurter Konzern stand, ihr Vertrauen ausgesprochen. Die Er- Haltung und der Ausbau der Derbandskasse dieser städtischen Ge- nossenschoften können um so mehr erfolgen, als die Preußische Zentrnlgeuofsenschaftskasse nnd andere Bmckkreise ihr« Mlthkff« in Aussicht gestellt hätten. Oesterreichisches Getreidemonopol? Der itandwirtschastsminister verlangt es. Aus Wien kommt die wichtige Nachricht, daß der österreichische Landttrirtschoftsminister Födermayr im Kabinett die Errichtung eines Getreidemonopols neben anderen handelspolitischen Maß- nahmen zur Besserung der Verhältnisse der österreichischen Land- Wirtschaft verlangt hat. Diese Meldung ist auch für Deutschland von ganz besonderem Interesse. In Oesterreich wurde nämlich erst im vorigen Herbst und Winter außerordentlich hart um die Erhöhung der Getreidezölle und der Zölle für Speiseöle, Speisefette und Margarine gekämpft. Oesterreich hatte bis dahin eine verhältnismäßig zurückhaltende Zoll- Politik getrieben und glaubt«, der Landwirtschast durch höhere Zölle helfen zu müssen. Das geschah. Aus der Forderung des öfter- reichischen Landwirtschaftsministers wird man aber wohl schließen dürfen, daß diese Erhöhung der Getreidezölle in Oesterreich wieder die Wirkung nicht gehabt hat, die man erwartete, und daß Oesterreich jetzt zu derselben Monopolisierung gezwungen ist, die noch Ende Juni in Deutschland nach schweren Kämpfen verhindert wurde, obwohl sämtliche Sachverständigen die Einführung eines deutschen Getrei�ehandelsmonopols für die ograrpolitisch allein richtige Maßnahme erklärte. Die. Einführung des Getreidemonopols ist in Deutschland in erster Linie am Widerstand des Reichsernährungsministers D i e t- rich gescheitert, in dem sich der Widerstand der industriellen Verteidiger der freien Wirtschaft und der Privatinteressen der Mühlen und des Handels vereinigte. Daß jetzt sein öfter- reichischer Kollege, der kein Sozialist ist, sondern ein bürgerlicher Minister, das Getreidehandelsmonopol beantragt, sollte den deutschen Agrarpolitikern und besonders Herrn Dietrich zu denken geben. Die Borgänge in Oesterreich bsweisen, daß wir mit großer Wahrscheinlichkeit auch in Deutschland bald wieder vor der Rot- wendigteit stehen werden, die Frage des Getreidemonopols politisch zu diskutieren. Die südwestdeutsche Ferngasversorgung Verhandlungen in Oarmstodt. Im Zuge der Verhandlungen über die Gasfernversorgung der in der Hekoga zusammengeschlossenen HSssischen Gemeinden und Gemeindeverbände haben in Darmstadt unter dem Vorsitz des hessi- schen Innenministers Besprechungen zwischen den verschiedenen Berbraucher- und Gaslieferantengruppen stattgefunden. Zur Er- örterung stand die Frage, inwieweit jetzt, nachdem die Berhand- langen zwischen der Hekoga und der Ru-hrgas-AG zu einem ge- wissen Ergebnis gediehen sind, eine Plattform für die gemeinsame Gasversorgung im gesamten Rhein-Main-Gcbiet gesunden werden kann. Zur Erzielung des höchsten wirtschaftlichen Nutzeffektes wird dabei der Plan erwogen, das Fernleitungssystem von einer ge- mischtwirtschaftlichen Geselllchaft betreiben zu lassen, an der die Berbrawhervrganksationen«inschkietzllch der Länder sowie die lieferanten beteiligt sind. Nachdem es Mitte Juli in Bonn zwischen der Nuhrgas-AG. uick» den in der Ferngas.Geselljchast Saar zusammengeschlossenen Gruppen zu einer Verständigung über die Dersorgung Südwest- deutschlands mit Ferngas gekommen sst, wurde ferner erörtert, wi: diese Abmachungen praktisch im Hekoga-Gebiet durchgeführt werden können, damit der Saar die Teilnahme an der Gasversorgung ge- sichert wird, was für die künftige Entwicklung des gesamten©aar- gebietes und seiner Rückgliederung in die deutsche Wirtschaft von größter Bedeutung wäre. Die Verhandlungen, an denen neben dxn Borständen der Hekoga, der Ruhrgas-AG. und der Ferngas-Gesellschaft Saar auch Vertreter des preußischen Handelsministeriums bc- teiligt waren, sollen in absehbarer Zeit fortgesetzt werden. Emil Heinicke auf fünf Lahre beschästl�i. Ein 30 Millionen-Aostrag aus Poris. Da« Berliner Bauunternehmen, die Emil Heinicke A.-G. konnte für da» Geschäftsjahr 1928 wieder die gleich hohe Dividend- von 8 Proz. ausschütten. Die Gesellschaft, die für das laufend- Jahr noch recht gut beschäftigt ist, und zwar sowohl im Berliner Wohnungsbau wie auch im Ladenbau, hat jetzt einen Riesenauftrag für die Stadt Paris auf Reparationskonto er- hallen. Für den endgültigen Abschluß dieses Auftrages steht nur noch die Gegenzeichnung des französischen Finanzministeriums aus. Es handell stch hierbei um den Bau von 3000 Häusern für Beamte und Angestellt« städtischer Gesellschaften in Paris. Der Gesamtwert diese» Austrages wird von der Verwaltung mit 30 Mil- lionen angegeben, ivährend die Durchführung etwa fünf Jahre in Anspruch nehmen wird. Die Gesellschaft, die für das lausende Jahr mindestens die gleich hohen Gewinne wie im Vorjahr erwartet, weist in ihrem Geschäftsbericht auf die bedenklichen Folgen der Kapitalknappheit auf dem Barnnarkt hin. Der ungesunde Zustand, der gegenwärtig«ruf dem Baumarkt herrsche, habe zur Folge, daß die Hälfte des Auftrages auf die Fabrikation und die andere Hälfte auf die Finanzierung entfalle und das Bauen«n! sprechend verteure. Diese Berhällnisse könnten erst dann geändert werden, wenn es den Bauunternehmern wieder möglich sei, sich auf dem Kapitalmarkt oder auch durch hypothekarische Beleihungen di- notwendigen Mittel zu angemessenen Bedingungen zu verschaffen. Preußische Erolevorschähuug 1929. Unter allen Lorb ehalten (die Ernte ist zeitlich gegenübe 1928 zurück) gelten nach dem Statisti- schen Landesamt folgende Hettarschätzungen in Doppelzentnern: Winterweizen 19,9(23,4 1928). Roggen 17,3(18,5), Gerste 20,3(1 (23,2), Hafer 20,3(20,9), Sommerweizen 20,0(20,4), Wintergerste 18,4(25,6), Frühtartofseln 112,0(122,7), Sommerroggen 14,0(13,9). Im ganzen— Wintergerste ausgenommen— fällt der Vergleich auch mit dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre nicht ungünstig aus. Verantwortlich Ntr Politik: Richard«er-yei»: Wirtschaft:».«N»»-ASler: Gevierkschaftsbewegung: I. Stet»«; Feuilleton: De. Ioj» Schikowski; Lokales und SonNims� ifrid«arstädt: Anweisen: Th. Slocke: sämNich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwarts.Buchdruckcrkt und Verlagsanstolt Paul Singer u. Co., Berlin EW. KS, Llndinstraße!. Hierzu 1 Beilage und»Unterbaltnag und Willen. Verkäufe Slnolenm. Ezillat, Noloniestrage S.* Bidleidijnqssliickf. Wasche US« ««»ig getragene Herrengarderobe. teil» aut Seide, verkaufe spottbillig. Zackettanzllge, D-drockanzllgr, Smoking. anzllae. Frackanzllge, Paletots, Ulster, Beinkleider sowie erstklassige neue Ear- deroben. Ersatz fllr Matz. Spezialitiit Bauchan,»ge. Verleih von Geselllchosls- anzltgen. Psandlcibe Weingarten. Prinzcnstratze SZ. 10 S>-iIon.Au»»ertauf»tage bei Stein. Beginn 19. August: so viel Vorrat. 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Um dies« Zeit also stand vor den Schaukästen der Druckerei ein altes Frontschwein, zermürbt, müde und existenz- los und verschlang mit den Augen die Zeitungsartikel, die von .'iriegsgewinnentzug, Erbschaftssteuer und Bodenenteignung sprachen. Litto Scrazutti las zwei-, dreimal, und es loderte ein Feuer in seiner Brust: Man halte diesem Benito doch unrecht getan. Sein Programm ging zogen die Bedrücker und Ausbeuter, er wollte Befriedigung der Kriegsopfer und Beseitigung der regierenden Bürokratie. Und so war Bilto Scrazutti nicht einer der letzten, die dem Faschio Treue schwuren. Auf der Mailänder Straße„der Versöhnung" wurde die erst« Barrikade errichtet. Scrazutti stand obenauf. �Lerft den Sandsack hierher!-- Rudolphe— den Stachel- droht!—— Macht weiter, Kameraden— in zehn Togen geht es los!" Rudolphe wischt sich den Schweiß und spuckt dem Kommandanten der Centurio die Wort« ins Besicht: .Laß du hier immer so schreien mußt! Wir sind nicht an der Front!" „Und ob wir an der Front sind!" Scrazutti dringt ihn mit einer chandbewegung von der Barrikade herunter. „Rudolph«, bring Stacheldraht und halt dein Maul! Ueberlasse das Denken jenen, die schon«in bißchen Praxis haben im Bau solcher Revolutionsarchitekwren!" Der ander« geht. Als er wiederkommt, brennt ihm der Schweiß, und er öffnet n«u«rlich den Mund. „Was ihr euch wohl einbildet auf euer Schießen an der Front! Ihr glaubt wohl, daß die Revolution für euch gemacht wird. Da lauschst du dich, Ditto! Der Faschio geht von uns aus: von uns— von der Jugend!" Bitto wird ein wenig rot im Gesicht. Dreckzeug, kleines— laß dir die Rase putzen!— Wir werden den Kapitalismus zertrümmern, und wenn dabei etwas für dich abfällt, dann darfft du es behalten. Und jetzt geh, dummer Junge — und bring Stacheldraht!" Rudolphe ist hartnäckig wie«in Neines, verbissenes Tier. Er wirft eine Rolle rostigen Kriegsmaterials auf die Mauer und schleudert die Worte hinterher: „Wer hat dir das erzähtt, daß es gegen den Kapitalisnius echt?— cheda! was denkst du, werden die Foschistengenerale Gustavs Fara, de Bona, Gando Checherini und Zamboni, werden die gegen l.n Kapitalismus marschieren?" Scrazutti ist erstarrt. Tr gleicht für einen Moment einem Schreckensbild aus Granit. Dann aber reißen seine Fäuste den Jungen hinauf und pressen sich an sein« Gurgel. „Was soll das heißen— du Lausekerl? Sprich, gegen wen gcht es?— sprich!— oder ich reiß« dir die Zunge heraus!" Aber bevor Rudolphe noch ein Wort herausbringt, ist ihm«in Dutzend Kameraden zu chilfe gekommen. Die entwinden den l�cängsl igten aus den Fäusten des Kriegers und ziehen ihn mit s ch fort. Ein paar stchen um Scrazutti herum, nicht feindlich und nicht freundlich. „Dos geht nicht. Scrazuttii Laß den Jungen; für tleine Reibereien ist jetzt nicht Zettl" Bitto sucht Nit flackernden Augen die Gesichter in der Runde. „Die Kröte hat da etwas von geänderten Zielen gesprochen. Die ttSahrheit möchte ich wissen: Gegen wen geht es?" Einer saßt ihn unter den Arm. „Das alte Programm. Scrazutti! Das alt« Kampfprogramm gegen Kriegsgcwinn, Bürokratie und gegen alles, was uns in diesem Kämpfe hindern wird." „Also auch gegen da, Militär?" .Ja, wenn es——* „Gut also! Aber wen» da«in paar Arbeiter dahinterstehen— o?er"wenn so ein Generalstreik der Gewerkschaften dozwischensährt — was ist dann?" „!l!>cr geh! Scrazutti, wer wird auf einer Barrikade Probleme i"älz'e'n? Das Unwahrscheinlich« kommt hier gar nicht in Betracht! Wenn cs so weit sein soll, dann geht unser Kampf natürlich auch ivgen die Gewerkschaftsführer. Und das sind doch diese Kerle, die mit Automobilen fahren und tausend Lire im Monat in die Tasche s.ccken. Oder kennst du dies« Protzen nicht?" Im Kopfe des Bedenklichen kreist ein Mühlenrad. Das Pro- gramm scheint ihm zu weit nach rechts gerückt. „Run gut! Ich kenne zwar keinen Gewertschaftssekretär. der im Automobil fährt: und unser Vertrauensmann in Roscatto b«. zieht kein« tausend Lire. Ich Hab ihm vor dem.Krieg«ine chose aeschenkt. und die wird er heut- noch tragen. Aber das eine weiß ich daß dieser Kampf gegen etwas Unbestimmtes auch ein Kampf regen uns fein wird. Und dies ist nicht mein« Sache! Adieu. Kameraden!" Scrazutti springt von der Barrikade und schlendert, den Kopf roll Enttäuschung, der Easa dal Faschio zu. Er weiß noch nicht. was er jetzt beginnen wird. Da plötzlich steht ein Schatten auf seinem Weg und rührt sich nicht. Und als Scrazutti aufsieht/ erkennt«r ihn, den„Eapo che precede", den„Führer, der voran geht. Die hündische Seele erschrickt und versteckt sein« Gedanken. Nicht so Scrazutti. Seine Fäuste bohren sich in die Hosentaschen, sein flacher Helm sitzt ein bißchen schief, aber das Wort läuft gerade heraus: � „Benito, wir sind zwei alte Frontschweine, du und ich! Eine besondere Leidenschaft hatte ich nie für dich. Schon wegen deinem Kriegsgeschrei von 191S. Und wenn ich da eine Centurio von dir übernommen habe, so war es deshalb, weil ich die Jungen gegen d-n Kriegsgewinn und für die Bodenenteignung auf die Barrikaden führen wollte Nicht dir zuliebe und nicht der dummen Jungen wegen, sondern weil ich dabei eine Art Privatvergnügen habe, meine Frontjahre mit in Rechnung zu stellen und mit meinem Maschinen- gewehr auf den Bäuchen der Kapitalisten diese Rechnung zu quittieren. Aber da ist so ein dummes Gerede— Benito! Man spricht hier, daß«s gegen die Gewerkschaften geht, und da tu ich nicht mit! Wer jahrelang durch den Dreck gezogen wurde, der wird sich nicht gegen die letzte Hoffnung seines Lebens stemmen— gegen die Gewerkschaften. Ich wollt«— Benito, ich wäre wieder in meinem Steinbruch in Roscatp! Da sind dreißig Kerl«, einer wie der andere. Und dann ein Maschinengewehr, ein Eott oder ein Maxim— mir wär's egal, und zwanzig Gurten. Du könntest dann eine Armee deiner Grasaffen auf mich loslassen, bei Gott, es würde sich klären, gegen wen es geht! So! Und nun, Benito, kannst du mich von»»einer eigenen Centurio erschießen lassen. Aber sieh dich vor, Eapo! Ich bin nicht allein: Italien hat eine runde Million solcher Kerle, die nicht mit einer schlecht gezielten Gewehrkugel auf eimnal abgetan werden können!" Scrazutti hatte ausgesprochen und erwartet« nu» den berühmte» „vernichtenden" Blick des großen Mussolini. Wer der kam nicht. Im Gegenteil. Der„Capo che precede" nahm ihm sacht« den Sturm- Helm herunter und betrachtete den Menschen von seinem schweiß- verklebten Haar bis zu den ausgefransten Wickelgamaschen—«ingehend und sorgfältig. «Das ist der alte Scrazuttii Madonna!— Du bist noch inuner der rabiate Kerl!— Kannst du dich noch erinner», Ditto, als wir Zwei in der Schlucht des Vrsig in einem Granattrichter lagen-- ein« halb« Gurte Patronen— keinen Tropfen Wasser und kein« Möglichkett zurückzukommen?— Und weißt du noch, wie der SaNdri aus Ferrara, du und ich au» der Stellung am Monte ftuk jede Nacht zu den Oesterreichern hinüb«rtrochen und eine» Höllenspektakel aufführten? Scrazutti, denk an diese Zeit und an das, was ich dir j«tzt sag«. Es geht gegen die Dürokratte, gegen das alle Gesetz und gegen die Regierung. Die Gewerkschaften stehen bei uns, da» kannst du mir glauben. Von Pisa bis Civitavecchia, von Perugia bis Monterotondo halten sie Gewehr bei Fuß und warten auf das SMschlageni Die Gewerkschastshäufer sind Kasernen, die Soziakdemokrot«» singen die „Giovinezza", di« Hymne das Faschismus. Bitto— übernimm dein« Centurio, und ich w«rd« de» Jungen die Köpf« waschen. Vitto— A noi!" Bon solcher Rede läßt sich viel Erfolg versprich«»: speziell dann, wenn man die Tatsachen verschweigt und die Menschen mit seinen dunklen Plänen hintergeht. Was brauchte es auch Scrazutti zu wissen, daß Benito eine Viertelstund« früher die Meldung empfing: Di« Gewerkschaftshäuser in Lrcona, Rimini und Castellmara sind niedergebrannt und die Vorbandsvorstände und Sekretäre wurden erschossen!— Aus dieser Meldung hätte Scrazutt seil« Konsequenzen gezogen und hätte sich vielleicht den Heldentod erspart. Aber dieck hätte nicht der geschichtlichen Entwicklung des Faschio entsprochen, und so muß Scrazutti wie ein Amokläufer die letzte Streck« s«in«s Lebens zurücklegen. » Run nähert sich das Verhängnis. Di« eine Kotze schleicht heran, und der, den es angeht, merkt es nicht und steht wie im Traum vor der Fata Morgans seines wässerigen Zieles. Man möchte ihm zurufen, er solle die Finger lassen von Dingen, die nicht sauber sind: man will ihm ins Gedächtnis prägen, daß aus seinem Leben, Kämpfen und Sterben ein Strick gedreht wird, welcher der menschlichen Entwicklung aller Arbeitenden den Hals abschnüren soll,-- es ist umsonst! Scrazutti steht mitten im Lärm der brüllenden Straße. Die Straße tobt! Rauchwolken hängen an zerschossenen Fensterstöcken, Handgranaten fliegen, und irgendwo wird ein Riesenfaß von Erbsen auf«in Blech geschüttet:— es beißen die bleiernen Zähne der Maschinengewehr« ins Pflaster. Im Getöse taucht hie und da«in verlorener Schrei auf oder ein Seufzer— und vergeht. Hinter einem Berg von Schutt und zerfetztem Holz bringt Scrazutti sein Maschinengewehr in Stellung und richtet es auf«in schräg gegenüberliegendes Haus. Da oben irgendwo— man weiß es nicht genau, hockt eine Abteilung Carabinieri und überschüttet den Platz mit einem Kugelregen. Kein Mensch konnte über den Platz laufen— flitz! packte ihn der eiserne Hund am Genick und warf ihn aufs Pflaster. Aber Scrazutti wollt« diesen Polypen ein« Suppe einbrocken. Cr zieht«ine Gurte mit Einschußpatronen durch und koppell«in« zweite, lind dann läßt er die Bohnen hinüberasseln, daß die Ziegel fliegen. Neben ihm reißt etwas Unsichtbare» klein« Splitter vom Ver- schlag. Einmal, zweimal, dreimal— näher und entfernter. „Ah! dos geht auf mich!" Seine Augen suchen dos Dach. laufen Ziegel um Ziegel die Reihe ab. �Höll« und Teufel!— da oben steckt dieses Schwein!" Er sieht den Gewehrlauf blinken und wartet den nächsten Schuß ob. Dann aber hämmert ein feuriger Strahl im steilen Winkel di« Dachrinne, zersplittert die Ziegel zu einem wirren Haufen und bellt einige hundertmal in«in gähnendes Loch, an dessen Holzkranz wenige Gehirnfetzen hängen. Und dann wieder runter! Das Maschinengewehr wird eine Säge und schneidet«inen Erter auf, verbeißt sich wütend ins Mauerwerk, bis es drüben still« u»ird und der eisern« Hund mit Bellen aufhört. Ein Sturmtrupp fegt über den Platz, stürmt die Häuser und wirst die Leichen der Soldaten und Polizisten auf die Straß«. Scrazutti hat ganze Arbeit geleistet. Er hockt auf dem Schutt- berg und schleudert seinen Stahlhelm zur Seit«. Di« Straße ist frei: nun kann es losgehen. Er ist nur ein bißchen müde, verkrampft vom Hocken und will sich vorerst Bewegung machen. Die Fäuste in den Hosentaschen, di« Stirne fr«i. das Haar schweißverklebt— jeder Zoll ein selbstbewußter Kämpfer, so lächelt er den abziehenden Rauchschwaden nach und schreitet auf und ab. Nur ein Momentch«n, so lange nur, bis die Jungen aus den Häusern zurückkommen. Dann aber geht es wieder vorwärts, Scrazutti wird den Kapitalisten die Bäuche mit blauen Bohnen tätowieren, er nnrd nach allem Kampf ein Stückchen Land bekommen und Staatshilfe:«r wird dann Kartoffel bauen und Hühner züchten und wird ein zustiedener Mensch sein. Scrazutti lächelt vor sich hin und baut in die Luft«in Schloß. Oben in den Häusern stürmen die Jungen durch die Zimmer. Sie reißen di« Bilder von den Wänden und werfen mit Hand- granaten auf eine Pendeluhr. ,Laut den Dreck zusammen, das ist ein« Sozialistenbude!" Das kann zwar niemand bestätigen, aber der Befehl wird befolgt, obzwar ihn einer der jüngsten gegeben hat. Sie stürmen in di« Küche und zertrümmern das Geschirr. Einer schlägt mit einem Hammer den Wasserleitungshahn ab. Dann, wieder im Zimmer, entdeckt Rudolphe ein Gefäß unter dem Bett. „Ein Nachttopf! Das war bestimmt ein dreckiger Sozialist, der sein« Notdurst im Zimmer verrichtet!" Und«in anderer drängt in wilder Freud«:„Rudolphe, schmeiß ihn zum Fenster heraus!" Und das geschieht. Nun muß man aber wissen, daß so ein massives Gefäß gut z»>ei Kilo schwer ist. Und wenn«s vom vierten Stock in die Tiefe saust »»d auf«inen unbedeckten Schädel prallt, so ist hundert gegen eins zu wetten, daß wohl beide Teil« in Trümmer gehen. Scrazutti trug den«inen Teil— seinen Kopf— traumverloren einer besseren Zukunft entgegen, als der zweite Teil dieses werdenden Dramas durch die Luft fliegt. Ein kleiner Klatsch—«in brüllender Aufschrei-- leises Splittern von Scherben, und ein Nebel legt sich über die aufgerissenen Augen Scrazutti?. Kartoffeln, Hühner und Kapitalisten verschwinden in einer un- bestimmten Ferne, das Luftschloß zerrinnt-- ein müdes Aechzen -- ein leises Zucken-- und Scrazutti hat ausgekämpft. Haar« schwimmen im Blut-- der Schädel klafft— das Hirn zuckt in winzigen Teilchen am Pflaster. Ausgekämpft— Ende. Di« kriegerische Zeit verhüllt sich in Scham. Sie tötet durch Pulver und Blei, mit Gas und Gift, Brand und Wasser, sie tötet und läßt dem Kinde dieser Zeit den Ausweg offen:„Hurra" zu schreien. Sie läßt allen Helden di« Pose des Sterbens und die Theatralik eines Heldentodes. Den Tod des Vitto Scrazutti aber wird sie negieren— beiseite schieben. Sie wird ihn verleugnen und sich seiner schämen, weil dieser Heldentod gar kein« Agitationskraft besitzt. Deshalb also wird dem Sterben des Vitto Scrazutti wenigstens hier ein Denkmal gesetzt. Und vielleicht will es einmal das Spiel de» Zufalls, daß der Faschismus den„unbekannten faschistischen Soldaten" ausgräbt und dabei auf den entseelten Körper des Vitto Scrazutti stößt. Vielleicht wird ihm, den niemand kennt, ein« Ruhm«shalle gebaut, in der Messen gelesen und Krokodilstränen geweint werden. Und ein frommer Spruch wird in Marmor ge- meißell:„Wunderbar sind des Herrn Wege, wenn er den Menschen zur Schlachtbank treibt." 3>er unfUtiiche Diaffeegenuft Dos ist nicht etwa ein Scherz, sondern einmal Tatsache gewesen. Sittlich bedeutet ja„der Sitte gemäß", und unsittlich ist alles, was gegen di« Sitte oerstößt: daher ist«s das Schicksal alles Neuen und Ung« wohnten, für unsittlich erklärt zu werden und gegen di« durch Ueberlieferung und Religion geheiligten Gebräuche verstoßend. Wir haben ja selbst erlebt, wie gegen kurze Haare bei Frauen, g«gen das Tragen anfangs fußfreier, später kniefreier Röcke als anstößig und die Sitten verderbend geeifert worden ist, ja die letzteren haben sich auch heute noch nicht völlig durchgesetzt und ihre Trägerinnen werden besonder» von kirchlichen Eiferern noch immer in Acht und Bann getan. Mit der Wandlung der Sitten und Gebräuche wandeln sich «den notwendig auch die Anschauungen über das, was„sittlich" ist. Daher können wir uns nicht wundern, daß auch der Kaffeegenuß, als er erst im Aufkommen begriffen war, für unsittlich erklärt wurde. Di« ursprünglich« Heimat des Kaffeestrauches, der sog. eoffea arabica', ist das a bessinische Hochland, von wo die Pflanz« und die Zubereitung des Getränkes erst zu Ansang des 13. Jahrhunderts nach Arabien kam. Als das anregende Getränk sich verbreitete und in Mekka selbst in der Moschee während der Gebetstunden Kaffee getrunken wurde und bald auch Kaffe«häus«r entstanden, ereiferten sich die Frommen im Lande gewaltig gegen di« Sittenverderbnis, und im Jahre 1311 berief der Statthalter Kha'ir Beg«ine Synode, di« sog. Kasfeesynod«, die unter seinem Vorsitz den Genuß des Kaffees als berauschend und dem Wein ähnlich und daher den religiösen Geboten widersprechend völlig verbot. Noch 20 Jahre später wurden in Kairo, wohin der Kaffee zuerst von Arabien ge- kommen war. von aufgehetzten Volksmassen Kaffeeläden geplündert und ihre Besitzer mißhandelt. Trotzdem verbreitete sich das wegen seiner anregenden Wirkung so angenehme Getränk von Aegyten aus über Europa und die ganze Welt. Allerdings dauerte es sehr lange, bis der Kaffee zu einen: Volksgetränkt wurde: in Deutschland war er noch in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein Genuß, den sich nux vornehm« und reich« Familien leisten konnten. Friedrich II. von Preußen z. B. monopolisiert« den Kaffeehandel und verteuert« chn in der ausgesprochenen Absicht, seinen Genuß nicht ollgemein werden zu lassen. Aber wie der Kaffeegenuß trotz alles Eiferns und oller Schikanen sich durchgesetzt hat. so ist es mit vielem Neuen gegongen und wird auch in Zukunft ebenso gehen. Wenn„der Mensch auch die Ge- wohnheit sein« Amme nennt", so gewöhnt«r sich doch allmählich immer an Anderes und vielfach Besseres— man braucht beifpiels- weise nur an das gemeinsame Freibaden der Geschlechter zu denken. Den Fortschritt verbürgen nicht die im allen gewohnten Trott Dahin- lebenden, sondern diejeigen, welche ohne Scheu der Sitte zuwider das zunächst„unsittliche" Neue propagieren. Dr. Bruno Borchardt. 3)as Stäifel des SHilgin-Sees Der auf der russischen Insel K i l g i n gelegene Maghilnoje- se« macht den Gelehrten der im äußersten Norden Rußlands zwischen den Felsklippen versteckten biologischen Station M u r n i a n nicht geringes Kopfzerbrechen. Dieses historisch wie biologisch gleich bemerkenswerte Gewässer umfaßt nämlich, obwohl es nur 12 bis 13 Meter tief ist, mehrere übereinandergelagerte Wasserschichtcn. Die oberste Schicht besteht aus reinem Süßwasser ünb beherbergt die übliche Süßwasserfauna. Darunter befindet sich eine Zwischenschicht halbsalzigen Wassers, die den Uebergang zu einer Wasserschicht mit dem vollen Salzgehalt des Meere» bildet. Hier findet man denn auch eine Reih« von Lebewesen, wie sie gemeinhin geringe Seetiefen bewohnen, und unter denen selbst der Kabeljau nicht fehlt. Da der See indessen fest undenklichen Zeiten durch die Erhebung der Insel vom Meere getrennt ist, haben sich diese Kabeljaue und die anderen Seetiere zu Varietäten herausgebildet, die sich von den verwandten Arten des benachbarten, von dem See nur durch eine schmale Sand- düne getrennten Meeres so wesentlich unterscheiden, daß sie als besondere Spielarten angesehen werden müssen. In der untersten, mit schwefelsauren Basen gesättigten Wasserschicht kann kein Lebe- wesen existieren. Ein purpurfarbener Wasserstreifen scheidet diese Schicht von der des Salzwassers. Diese Färbung des Wassers ist auf die Anwesenheit gewisser purpurfarbener Mikroben zurückzuführen. die die Eigenschaft besitzen, die schwefelsauren Basen vollständig mit Sauerstost zu durchsetzen und damit ein organisches Leben in den oberen Wasserschichten zu ermöglichen. Rubinglos bekommt leine prächtige Färbung dadurch, daß echte» Gold in denkbor feinster, kaum mikroskopisch erkennbarer Weis« dem Glosfluß beigemischt wird. Arbeiter gegen Arbeiter. Niederkirchners �revolutionärer Klassenkampf." solche Anwärter nicht hinreichend vor- und ousgebilbet find Von der Reichsiegierung und dem Reichstag erwartet die Konferewi die #in» bzw. Wiedereinführung der achtstündigen täglichen Dieirst�vt D>e im Metallarbeüerverband orgamfierteu Rohrleger und chelfer beschäftigten sich in ihrer Branchenversammlung am Donner». tag abend in den Sophiensälen mit dem von Niederkirchner inszenierten Streit der Rohrleger und Helfer seiner „Vereinigung", angeblich zur Erzwingung besierer Lohn- und Arbeitsbedingungen als sie vom Metollarbeiterverband vor kurzem vereinbart worden sind. Wie vom Branchenleiter der Rohrleger, Kollegen Friedrich, ganz richtig ausgesprochen wurde, handelt es sich bei diesem Streik »veniger um die Durchsetzung der radikalen Forderungen als darum. von den Unternehmern alsTarifkontrahentenanertannt zu werden, also endlich ins Geschäft zu kommen. Gleichzeitig ist es Niederkirchners Absicht, die Mitglieder des Metallarheiterverbandes und die seiner Bereinigung gegeneinander ausznspiele«. indem er die im Metallarbeiterverband organisierten Rohrleger und Helfer, die infolge des Tarifvertrages der Organisation genau wie die Unternehmer zur Tariftreue verpflichtet sind und seiner Streikparole nicht folgen können, von vornherein als„Streik- d recher" bezeichnet. Es ist bestimmt anzunehmen, daß die Mitglieder der Bereinigung aus den Baustellen oersuchen werden, die verbandstreuen Rohr- leger und Helfer durch Terror zum Anschluh an di« Streikbewegung zu zwingen. Die Branchenleltung er- wartet von den Verbandsmitgliedern, daß sie dem Gefolge Nieder» kirchner, nicht das Feld räumen, sondern zu den von der Organ!» sation festgelegten Tarifbestimmungen weiterarbeiten. Eine Organi- salion. die von den llnkernehmern Tariftreue verlangt, kam» es»ich« zulassen, daß vou ihren Mitgliedern der Tarif als ein Fetzen Papier bekrachtet wird, weil der Organisation fernstehende und ihr feind- lich gesinnte Leute das so befehlen. Wenn sich die Berbandsmitglieder der Streikparole Niederkirchners widersetzen und weiter auf den Baustellen oerbleiben, so ist das kein S t r e i k b r u ch. In den Betrieben, wo es angesichts der Mehrheitsoerhältnisie sinnlos wäre, weiterzuarbeiten, sollen sich die Berbandsmitglieder arbeitslos melden und die Organisation benachrichtigen, di« dann das wettere veranlassen wird. Jedenfalls können die verbandstreuen Rohrleger der Entwicklung dies« neuesten„Aktion" Niederkirchner» mtt der größten Ruhe entgegensehen. Diese Bewegung wird den gleichen Mißerfolg haben, wie bisher alle gegen den Metall- arbeiterverband von Niederkirchner inszenierten Unternehmungen. Der..F i n a n z i e r u n g s p l a n" der Vereinigung für diesen „Streik" rief bei der Versammlung schallendes Gelächter hervor. Sollen doch die Streikenden in der ersten Streikwoche gar keine Unterstützung«halten und in den wetteren Wochen eine Unterstützung, die je nach Maßgabe der vorhandenen Ge l d e r von der Zentralstreiklettung festgesetzt wird. Des weiteren sollen die Rohrleger und Helfer, deren Betriebe nicht in den Streit «inbezogen werden, wöchentlich zwei Stundenlöhne an die Streit- leitung abführen und die Arbeiter der Betnebe, in denen di« Forde- rungen anerkannt worden sind, drei Stundenlöhne, wozu noch die üblichen Sammellisten kommen. Bon fast ollen Distussions- rednern wurde zum Ausdruck gebracht, daß die im Metallarbeiter- verband organisierten Rohrleger und Helfer das Theat« Nieder- tirchners nicht mitmachen und sich an die Anweisungen ihrer Branchen leitung bzw. Organisation halten werden. « Und wreder d«„revolutionäre Klasienkainpf" des Sowjetangestellten Niederkirchners beginnen. Es ist nicht ein Kampf gegen die Unternehmer— die werden sich ins Fäustchen lachen—% sondern ein Kampf von Arbeitern gegen Arbeiter. Niederkirchn« weiß, daß seine„Vereinigung" dem Tod« geweiht Ist. In seiner ohnmächtigen Wut will er aber den Versuch machen, sich an dem Metallorbeiterverband zu rächen. Wenn auch Hundert« von Arbeitern dadurch ins Elend kommen: für Niederkirchner ist bei der Handelsgesellschaft d« Sowjetunion reichlich gesorgt. Oer Bauschlofferstreik beendet. Keine Mehrheit für Fortführung des Streiks. Der Streik d« ZZetllner Bau- und Geldschrankschlosscr ist gestern beendet worden. Die geheime AbsUmmuag. die in d« Versammlung am Freilag vormittag lm Saalbau Friedrichehain vorgenommen wurde, ergab nlchl die statu- tausch notwendige Dreiviertelmehrheit aller ausgesperrten und streikenden organisierten Bau. und Geldschrankschloss« für die Forkführung deo Kampfes, so daß der Schiedsspruch, dessen mesentlichen Inhalt wir im„Vorwärts" bereits mitgeteilt hoben, von den Arbeit«» als angenommen gilt. Di« Versammlung im Saalbau Friedrichshain nahm zunächst einen Bericht da? Bevollmächtigten de» Metallarbeiterverbandes. Genossen U rich, entgegen, m dem dieser die Schwierigkeiten der Schlichtungsverhandlungen schilderte, bei denen sowohl um jede Ab- bauforderung der Unternehmer als um jeden Beickesserttngsantrag der Arbeiter heftig gestritten wurde. Wenn auch dl« Forderungen d« Bauschlosser nur zu einem geringen Teil durchgesetzt wurden, so ist es doch gelungen, die Verschlechterungsabsichten der Unternehmer restlos zurückzuweisen. Genosse Urjch wies ferner darauf hin, daß es unklug gewesen wäre, wie es die Branchenleitung und die Branchenversammlung zuerst beschlossen hatten, an den Schlichtungsverhandlungen nicht teilzunehmen. Die von Amts wegen«ngelelteten Verhandlungen hätten trotz dieser Weigerung stattgefunden, und zwar mit amtlich ernannten Beisitzern, die schließlich nicht über die Fachkenntnisse verfügt hätten wie die Beisitzer, die nunmehr durch die Dranchenkommission gestellt morde» sind. Von einein Druck aus die Zentral st reitleitong. von dem— wenn auch nicht offen, so doch versteckt— geredet worden ist, kann gar nicht gesprochen werden. Für das Ver- hallen der Ortsverwaltung find lediglich die Verbandstagsbeschlüsse und di« Statuten sowie Vernunftsgründe maßgebend gewesen. Die Ortsoenvaltung lehne es auch ab. vor der endgültigen Abstim- mung über den Schiedsspruch eine Empfehlung nach dieser oder jener Richtung hin zu geben. Die Branchenkommission und die Ver- trauensleut« haben den Schiedsspruch abgelehnt, die Versammlung habe frei« Hand, durch den Stimmzettel zu entscheiden, ob sie den Kampf auf der Grundlage des Schiedsspruch« abbrechen oder ihn fortsetzen will. Entscheidet sich die Bersammlung für di« Fort- führung des Streiks, dann wird ihn die Ortsverwaltung nach wie vor mit allen Kräften unterstützen. Noch ein« verhältnismäßig kurzen Diskussion wurde die ge- Heime Abstimmung vorgenommen, deren Ergebnis eingangs mit- geteilt ist. Di« Arbeit wird voraussichtlich am Montag wieder auf- genommen werden. zteBt«»» wir alle zum GmUttst in«len ¥reiBiower Parle Tagung der Krankenpfleger. halle, 23. August.(Eigenbericht.) Di« Reichssektion für Gesundheitswesen im Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter hat am Donnerstag und Frettag in Halle ihr« R« i ch, k o nf er« nz abgeholten. lieber 200 Delegierte waren eingetroffen. D« Vorsitzende der Kon- iichUch« Regierung»- und Mediginalrat Dr. Lustig vom Berliner Polizeipräsidium sprach über da» Thema.�rrenpfleae ist Krankenpflege". Sein Dortrag gipfelte w d« Forderung nach Errichtung besonderer Kr a nkenp fleg e sch ul en in den Irrenanstalten. Im Grundsatz erklärte sich Lustig für die staatliche Prüfung: er betonte jedoch, daß auch ohne Prüfung die Anertennung als Jrrenpfleger statthaft sein muß, wenn d« Udo- »»erb««in« fünfsährig« ersolareiche und nicht mehr als durch»vei Jahre ununterbrochene Tätigkett nachweisen kann. Heb«.�Seomtenfragen" sprach David S t e 1 1« r vom Gemeinde- und Steatsarbeit erverband. Sein Vortrag riß die Kon- f«enz zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die Idee d« Ein- heitsfront aller Arbeit«, Angestellten und Beamten hin. Di« Ausführungen Lustig s und Stetters fandm chren Niederschlag in einer einstimmig angenommenen Entschließung. DI« Reichskonferenz erklärt darin, daß die Neuregelung des Besol- dungswesens von 1328 und die mangelhafte Jnillative der Gesetz- gebung in allen beamtenrechtlichen und sozialen Fragen die Bildung eines modernen republikanischen Berussbeamten. tu ms erschwere. Sie fordert daher: als besonders dringlich die Reform der Besoldung der handwerksmäßig vorgebildeten und technischen Beamten. In der Verwendung der Versorgung sanwärter bei der Pslegerlausbahn sieht die Konferenz«ine Gefahr, solange Neben der Entschließung werden drei Anträge angenommen, wonach da« in Hell- und Pflegen»stalten tätige Personal wie die Übrigen Beamten auf Lebenszeit angestellt, eine Krankenversicherung eingerichtet und ein Beamtenrätegesetz für die in den Anstalten beschäftigten Beamten geschaffen werden soll. lieb«„Arbeitstherapie" sprach Professor Dr. I a c o b i, Direktor der Thüringischen Landesheilanstalten. Er wandte sich scharf gegen die unärztliche Auffassung, eine Krankenanstott durch Arbeit von Kranken rentabel zu machen. Di« Organisationsfragen behandelle der Sektion,- Vorsitzende Schulz- Berlin. Er tonnte ein« erfreuliche Zu- nahm« des Mitgliederbestandes melden. Di« Mit- gliederzahl beläuft sich im Augenblick auf rund 44 000. Ein großer Teil de» Pflegepersonals steht bereits im Tarisoertrags- Verhältnis. Für einen erheblichen Teil— 24 000— besteht bereits der Achtstulioentog. Schuh kritisierte scharf di« Agitation dcr freien und religiösen Ordenspflege. Der Verbandssekretär Levy sprach über: Ausbildung. Arbeitstherapie und Unfallversicherung. Er wies auf die geringe Zahl der Krankenpflegeschulen hin und kritisierte scharf die Aufnahmebedingungen einzelner dieser Schulen. Di« Auswüchse der Arbeitstherapie wurden von Levy an Hand bemerken?- werter Feststellungen beleuchtet. In der größten Pflegeanstalt Berlins befinde sich ein Kartonnagenbetrieb, der täglich 8000 bis 10 000 Kartons fabrikmäßig herstellt und In dem hauptsächlich Geisteskranke beschäftigt werden! Kein Wunder, wenn sich in den Anstalten die Unfälle, auch die tödlichen Unfälle, häufen. Die Errichtung pfleg«loser Stationen sei nichts anderes als ein Stoß gegen die Gewerkschaften. Die Unfalloersicherung erfasse nicht die vielen Berufskrankheiten, unter denen das Pflegepersonal zu leiden habe. In einer Anstatt mit 589 Köpfen Belegschaft seien nicht roeniger al» 140 tuberkulosekrank. Oskers Enklassung. Auch vom Landesarbeitsgericht gebilligt. Gegen das Urteil des Arbeitsgerichts, welche, die fristlose Entlassung de» damaligen Vorsitzenden des Arbeiterrats der Berliner Verkehr», A.-T.. Deter und Krüger, als berechtigt erklärt, haben die Der- urteillen Berufung beim Landesarbeitsgericht eingelegt. Die Entlassung ist bekanntlich erfolgt,»eil Deter und Krüger, obgleich ihnen bekannt war. daß die Direktion gemäß einer Vereinbarung mit den Gewerkschaften die Aufrechterhaltung de» Verkehrs am 1. Mai angeordnet hatte, den Versuch gemacht hatten, den Verkehr am l. Mai still- zulegen. Das Landesarbettsgericht unter Vorsitz des Landgerichts rots Dr. Seil hat die Berufung der Kläger zurück- Je wiesen und damit das Urteil der ersten Instanz bestätigt. ie Urteils gründe sind im wesentlichen folgende: Die Kläger haben ihr« Pflichten au» dem Arbettsixrtrage verletzt, indem sie die Arbeitnehmer der Bertehrsgesellschaft. eines lebenswichtigen Betriebes, zur Arbeiteruhe am 1. Ma: auffordertev. Sie haben dadurch einen nach§ S2ö des Bürgerlichen Gesetzbuches wichtigen Grund zur fristlosen Entlassung gegeben. Wenn di« Kläger einwenden, sie hätten durch Propagierung der Arbettsruh« ani 1. Mai ihr politisches. Recht ausgeübt. was ihnen nicht beschränkt werden dürfe, so ist anzuerkennen, daß die Kläger natürlich die voll« Freiheit der politischen Betätigung haben. Aber di, Pflichten, die ihnen der Arbeitsvertrag auferlegt, dürfen durch die polttsschs Betätigung nicht verletzt werden. Da der 1. Mai kein gesetzlicher Feiertag ist, so ist di« Aufforderung, an diesem Tag« di« Arbeit ruh« zu lassen, eine Aufforderung zum Vertragsbruch. Zwar fallen die Verkehrsbetrieb« nicht unter die Gewerbeordnung, doch stellt die Aufforderung zum Vertragsbruch nach der Rechtsprechung des Reichsgericht» einen Grund zur fristlosen Entlassung auch aus §123 de r Gewerbeordnung dar. flddFreieGewerkfchafis-Iugend Verlin. |«cht»»«, vir»» ffiantcfl,«.« Verbandsbaus««, Zugendabteilungen der ?«». Sru volkabithi n» ab. � Iugendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten. l Leute, Eannabend, Luicl und Lvort auf dun Tevrtplatz im Luw- boldtbain ab 18 llbc. /An 20. August verschied nach längerer Krankheit im Alter von 57 Jahren der veriagsdirektor Georg Springer Fast 20 Jahre hindurch verwaltete er das Amt des 1. VorsiUenden der Volksbühne E. V. Was er während dieser Zeit unermüdlich, selbstlos und hingebend für die Entwicklung des Vereins, für die Errichtung und Führung des Theaters am Bülowplatz. was er für die Förderung einer von wahrhaft sozialem Seist erfüllten Kunstpflege Setan hat, das wird immer unvergessen bleiben. Ein großer Teil von ein, was die Berliner Volksbühne wurde, ist ihm su danken. Wer ihn kannte, wer sein Wirken sah, wird erschüttert einen unersetz- lichen Verlust beklagen. Vorstand und Verwaltung der Volksbühne E. V. Die Einäscherung findet am Montag, dem 26. August, pünktlich 14,45 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße, statt. ffin» Danksagung, Für du zahlreichen Beweis« licher Teilnahme bei der Sicherung meiner liebe» Frau Clara Qienke sage Ich alle» Verwandten und Be» lannlen, sowie den Mietern des Sauses Niederdarnimsir. 8 meinen herzlichsten Dank. Max Gicnkc. Die Beisetzung der Äsche findet am Montag, tfm 26. August, nachmittag» 2 licht van der Leichenhalle de» gentralfriedhofes Friedrichs- seid» Natt. ülllUllllgs-.ladstt- ll.fieklamemsrlleii zegen Nachahmung gesetel. gesch. fertigt seit 4S Jahr als Spezialilit. Conrad Nftller Ldpzir- Schkeuditz Durch das plötzliche Hinscheiden unteres Herrn Direktor» Georg Springer sind wir in tiefste Betrübnis versetzt worden- Wir verlieren in ihm einen wahrhaft sozial gesinnten, zu Rat und Hilfe stets bereiten Chef, dem das Wohl seiner Angestellten jederzeit wie sein eigenes am Harzen lag. In seiner unermQdlichen Schaffenskraft, seinem Pflichteifer und seinem gütigen Verstehen für die Leiden und Freuden anderer wird er uns allen ein leuchtendes Vorbild bleiben- Sein Andenken werden wir In hohen Ehren halten. Berlin SW 19, KrausenstraBe 35/36. Das Ge*amtpenoI>a'«fer Finna Union Dcnltcbe Vcrlagtgesellsdiafl Zweigniederlassung Berlin. da» föhr ende deutsche NordwebaJ Kurkarteninhaber Seebad freil Am 22. August 1929, nachmittags VI, Uhr, verstarb nach kurzem, schwerem I-olden meina liaba Frau, unsere gute Hntter, Schwieger- und Großmutter, Schwester und Tante Emilie Kotzke im 59. Lebensjahre. Dies zeigt an in tiefer Trauer Franz Kofzke, M. d- R., Gauleiter im Deutschen Textilarbeiter- Verband Albert Kolzke und Frau Frllz Kienke und Frau, geb. Kotske Günther Kienke. als Enkel. v>« Beerdigung findet»m Montag, dem 26. August 1929, nach- '■ Hall« des Zentralfrledhofes in Llehtenherg- mittags IV« Uhr, von der H Friedrichsleide aus statt- eröffnet. varKaol: wochentses vorm. 7-12, nachm. 2-7 Uhr KraftomnihnsTcrkebr ab Bahnhof Llcblerfelde-Ost bis tum Kottor Butaverwanung csflort Telephon Lichterielde 0-3, 4634 DitsteitatoMtet-Waiiä Montag, Den 20. tfugoft. aheahs Z Ahr. in parlereesool des Oetbanbshoufea. Clnienflrabe SSM Branchenvursammiungder Eiektromontuure und Keifer Tageserdnung t. Die Reerganiiatien in der SlrdeU»- nermiMung und ihre Auswirkung auf di, Branchen. S. Verdantsa-tg-Iegenheito»»nd ver- fchiedenes. zahlreiche» Erscheinen ist unbedingte Pflicht vi« Ortsverwalttsng. K?."' Betten Ä™ ■ Kinderbetten Feiner, SAUfztetmer. Chebw