BERLIN Mittag 26. August 1929 10 Pf. Nr. 395 B195 46. Lahrgang. erscheint tt»Ncha»ßerS»»»tas«. Zugleich Abendausgabe de».Vorwärts'. Betugsprei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. S.soM. pro Monat. Kedaktioo und Expedition; BerlinSWSS.Lindenßr.» y,\JoiWwd& i azeisendreitiDie einspaltige NonpareMeiekl« 80 Pf., KeNamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Ppstscheckkonte: DvrwärtS-Verlag G. m. b. Berlin Nr. S7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 297 Zeppelin über Kalifornien. In 6? Stunden über den Stillen Ozean./ Landung in Los Angeles. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" hat die dritte Etappe seines Weltslnges von der japanischen Haupt- ftadt Tokio nach Los Angeles an der kaliforni- fchcn Küste glücklich vollendet. Es hat die etwa IZOOV Kilometer messende Strecke über dem Stillen Qzean von Küste zu Küste in 67 Stunden durchfahren, wozu noch etwa Sstündiges Kreuzen über dem Festland kommt. Die ganze Fahrzeit vom Ausstieg bis zur Landung beträgt demnach etwa 75 Stunden. Los Angeles, 26. August. „Gras Zeppelin" ist um 1.16 Uhr nachts pazifischer Zeit über Los Angeles eingetroffen. New gort, 26. August. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" erreichte um 17.4S Uhr pazifischer Zeit(2,43 Uhr MEZ.) Point Rayes, nördlich von San Jranjlsfo. Um 18.10 Uhr(3.10 Uhr MEZ.) wurde das Luftschiff über der Bucht von San Franziska gesichtet. Es überflog bei sinkender Sonne Golden Gate am Eingang der Bucht und kurze Zeit darauf bei hereinbrechender Dämmerung die Stadt. Das Luftschiff befand sich in etwa 330 Meter Höhe. Das Erscheinen des Luftschiffes über der Stadt wurde durch Kanonendonner begleitet. Es verschwand dann in südlicher Richtung, begleitet von 14 Militärflugzeugen. Degrüßung im Morgengrauen. San Franziska, 26. August. Das Luftschiff wurde an der amerikanffchen Küste mit allen mag- lichen Ehren empfangen. Ein Fluggeschwader der omerikani- schen Marine gab ihm das Ehrengeleit. Der amerikanische Staats- Präsident hat seinen Sohn in einem Sonderflugzeug nach Los Angeles entsandt, um Eckener seine Glückwünsche für die erfolgreich« Fahrt darbringen zu lassen. In einem Marineflugzeug wird der SohnHoovers das Luftschiff in der letzten Etappe begleiten und durch Radio eine nähere Beschreibung des Schiffes auf 68 ameri- konische Sender übermitteln. „Graf Zeppelin" verfolgte während seiner Fahrt über den Stillen Ozean seit Sonnabend hauptsächlich die Pazifik- Dampferroute. Er stand sowohl mit zahlreichen Dampfern als auch mit den in der Nähe der Aleuten- Inseln stationierten amerikanische� Zollkuttern in ständiger Radioverbindung. Die Aleuten-Jnseln wurden südlich passiert. Den anfänglichen Kurs auf Seattle mutzte„Graf Zeppelin" wegen ungünstiger Wetter- Meldung aufgeben. In einem Telegramm an die Stadtverwaltung bedauert Dr. Eckner, datz er zu diesem Kurswechsel gezwungen war. Um 13.20 Uhr MEZ. wurde durch den Berliner Funk mitgeteilt. datz man in Los Angelos das rote Licht des„Zeppelin" gesichtet hat. Man erwartet die Ankunft des Luftschiffes über der Stadt von Minute zu Minute. Der Flugplatz ist überfüllt: die Begeisterung ist grotz. Berlin hört Los Angeles. Zwei technische Wunder arbeiten hier Hand in Hand. Los Angeles, in der Luftlinie mindestens 12 000 Kilometer von Berlin entfernt, ist mit uns so nahe verbunden, datz wir. mit Hilfe der amerikanischen Radioübermittelung, die einzelnen Nach- richten über die Manöver des Zeppelins in oller Deutlichkeit ver- nehmen können. Eine ungeheure Menschenmenge wartet trotz nächt- lichem Dunkel auf den geschichtlichen Augenblick. Etwa um 12)4 Uhr mittags mitteleuropäischer Zeit versichert der amerikanisch- Radiosprecher, datz das Luftschiff wegen der Dunkelheit noch immer an der wunderschönen Küste entlangfahr«, um, wie er sich scherzhaft ausdrückt, sich die wunderbare Küsten- landschaft genauer anzuschen. Eine Unzahl amerikanischer Flug- zeuge umkreisen den Zeppelin. Bon unten kann man im nächt- lichen Dunkel die Lichter dieser Flugzeuge erblicken, die Motore dieser Flieger verursachen ein ungeheures Mo ssenger Züsch. Di« Menschenmenge, die den Zeppelin erwartet, harrt ununterbrochen aus. Das Wetter ist ausgezeichnet, aber Eckener scheint mit dem Landen absichtlich zu warten, bis sich der amerikanische Morgen nähert, und damit eine bessere Sicht eintritt, dann aber auch hofft er darauf, datz die Menschenmenge sich ein wenig lichtet, um den Landungsvorgang um einiges gefahrloser zu machen. Zahlreiche Berliner Hörer werden, während diese Zeilen in Druck gehen, noch immer an ihren Apparaten verfolgen wollen, wie pch der Amerikaner auf den Weitfechrer Zeppelin fzatn, pariser Expreß entgleist. Zwischen Aachen und Köln.—-15 Toie, 18 Schwerverletzte. Eine furchtbare Schncllzugkatastrophc hat sich in den frühen Morgenstunden des Sonntag zwischen den Bahnhöfen Düren und Buir auf der Strecke Aachen und Köln zugetragen. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Buir kurz hinter Düren entgleiste der Schnellzug Paris—-Warschau mit der Lokomotive und fieben Wagen. Zunächst wurde die Zahl der Toten auf acht beziffert. Wie amtlich bekannt- gegeben wird, find aber im Laufe der Nacht in den Trümmern des gestern verunglückten Schnellzugs »och weitere vier Tote gefunden worden. die noch nicht identifiziert werden konnte«. Damit hat fich, da auch der schwerverletzte Lokomotivführer inzwischen im Krankenhaus seinen Verletzungen er- legen ist, die Zahl der Todesopfer auf 13 erhöht. Die Ursache der �Entgleisung des Zuges ist, den amtlichen Feststellungen zufolge, übermäßig schnelles Durchfahren einer abzweigen- de» Weiche an der Einfahrt des Bahnhofs Buir. Ein Augenzeugenbericht. Ein Augenzeuge des schweren Eistnbohnunglücks von Buir erzählt, daß er im Seitengang eines Wagens am Fenster ge» standen habe, als die Katastrophe hereinbrach. Ihm fei die schnell steigende Fahrgeschwindigkeit des Zuges auf- gefallen. Plötzlich habe sich der Wagen zur Seite geneigt. Er sei mit dem Kopf gegen das Fenster geschlagen und habe dann noch ge- sehen, wie die Lokomotive zur Seite abrutschte. Nachdem er wieder zu sich gekommen sei, sei er auf das Dach des Wagens geklettert, von allen Seiten hörte man die Schmerzensschreie der Verwundeten. Aus der umgestürzten Lokomotive schlugen hohe Flammen. Die unverletzt gebliebenen Passagiere leisteten die e r st« Hilf« und brachten d'e Verwundeten auf das neben der Bahnlinie befindliche Stoppelfeld, wo aus Getreidegarben ein Lager errichtet wurde. Ole Ltnglücksstätte. Düren. 26. August. Der bei Buir verunglückte Schnellzug V 23 war mit Reisenden bi» auf den letzten Platz besetzt. Die Unfallstelle liegt etwa 500 Meter von der Station Buir entfernt. Auf der Strecke werden Gleisarbeiten vorgenommen, so datz der Verkehr auf ein Nebengleis umgelegt werden mußie. Der Lokomotiv» führer soll in Düren schriftliche Weisung erhalten haben, auf dieser Strecke langsam zu fahren. Augenzeugen berichten aber, datz die Stundengeschwindigkeit schätzungsweise 90 Kilometer betrogen habe. Die Unfallstelle selbst bietet«in Bild grauenhafte� Wnrn KalK <921Rn Zur D*Zugkatesf-fopfföd&kölln Zerstörung und unbeschreiblichen Durcheinanders. Die Maschine� die aus den Schienen geworfen ist, liegt mit dem Tender neben der. Strecke. Der Pack- und Postwagen sind eine acht Meter hohe Böschung hinaufgeworfen und ineinander geschachtelt. Der nächste Wagen. ein wagen zweiter Klosse. ist vollständig zertrümmert: die folgenden wurden mehr oder weniger beschädigt, während der Schlafwagen quer über den Schienen steht. Die Türen wurden mit Schweißapparaten geöffnet. Soweit dies nicht gelang, wurden die Dächer dir Wagen aufgerissen und auf diese Weise die Toten und Verletzten geborgen. Sanifäts- wagen aus Köln und Aachen, über 60 Beamte und 100 Sanitäter sowie die Bevölkerung der Umgebung beteiligten sich an der Hilss- aktion. Bekannt wird, daß der Führer des verunglückten Zuges, eine Dienstfrau und ein Packmcister getötet wurden, Der Heizer rettet« sich durch rechtzeitiges Abspringen. Das Kranken- haus in Buir vermocht« die Toten und Verletzten nicht alle aufzu- nehmen. Di« Leichtverletzten wurden daher in die Krankenhäuser der Umgegend, zum Teil sogar nach Köln geschafft Die Ver- ständigung mit den Verunglückten ist dadurch erschwert, datz die meisten nur ihre Landessprache beherrschen. E» handelt sich zum überwiegenden Teil um Franzosen und polen. Unter den sran- Sie Krümmer ItäUe der Sbigkaiajirapbe. Mschen Fahrgästen befanden sich auch Mitglieder eines Pariser Schwimmklubs, die zu Wettkämpfen nach Berlin und Warschau oerpslichtet waren. Einem van ihnen wurde ein Bein abgequetscht, während die übrigen mit dem Schrecken davonkamen. Die Streck« ist für V-Zugverkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Euskirchen. Der Personenzugverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Man rechnet damit, daß e» einer zweitägigen Zlrbeit bedarf, bis die Strecke wieder befahrbar ist. Oie erste Liste der Opfer. Im Krankenhaus in Buir befinden sich von den Opfern der Eisenbahnkatastrophe die folgenden: Tol: Adrienne G a s s o r w s k i aus Paris, Leopold P a l t o w s t i aus Krakau, Packmeister G. Roderburg aus Aachen, eine Wartefrau, Namen noch unbekannt, ein Joseph Wißmann, Wohnort noch unbekannt, hatte ein Visum nach Paris, Lokomotiv- führ« Nordhau» aus Hamm, der Führer des verunglückten Zuges. Schwer verletzt: Ein Herr Kohn, auf der Fahrt nach Warschau begriffen, Herr L e d e r m a n n, auf der Fahrt von Marseille nach Polen begriffen, ein Leopold L c w t o w aus Poitiers,«ine Frau Meyer, Wohnort unbekannt, ein Wilhelm Ruprecht, Wohn- ort unbekannt, ein Zugführer vom Lehrter Bahnhof in Berlin, eine Maria®inc« aus Posen, sowie ihr Kind, da» leicht verletzt ist. Leicht verletzt: Ellers, Oberpostfekretär, Köln, Jean G a ff o r w- s k i aus Paris,«in Peter Meyer, Oberpostsekretär aus Köln, ein Oberpostsekretär aus Köln,, chckj Ss kB s H, ZijmOll( Rudolf Meyer aus Reoal, der eine» Diplomatenpaß der estländifchen Republik besitzt, eine Frau Romana Karra miewska, Wohnort unbekannt,«ine Agathe Stadtnic aus Polen,«in« Frau Lüne aus Berlin, Juli Kuoaltscic aus Prezmifl und Fräulein Margarethe Renan aus Schweden sowie ein Rudolf F« l z« r. Die Zahl der Schwerverletzten bei den, Eisenbahnunglück von Buir hat sich aus lS erhöht. Neben Frau Maria G i n k o aus Posen ist auch deren Kind als schwerverletzt zu melden, ebenso Luden B r u g n o t aus Paris. Im Bürgerhospital von Köln haben folgende vier Schwerverletzt« Aufnahme gefunden: Reiniar Bloch, Wiera Pieprakiewicy, Helene W o i c i k o d s k a und Rachel R e i n d- sinn, sämtlich aus Polen. Zu schnell über die Weiche gefahren. Die von der Reichsbahngesellfchaft eingeleitete Untersuchui� bestätigt angeblich die erste Meldung, daß der verunglückte D-Zug Paris— Warschau dadurch aus den Schienen geworfen worden ist, daß der inzwischen verstorbene Lokomotivführer hinter dem Bahnhos Buir mit zu großer Geschwindigkeit in das Ueberholungsgleis hineingefahren ist, das er befahren mußte, da auf der vor ihm liegen- den Streck« im Hauptgleis Reparaturen vorgenommen wurden. Die Schuld an der furchtbaren Katastrophe dürste demnach also den Loko- motioführer treffen. Der Wärter des Stellwerks 2 in Buir, der die Katastrophe fast als einziger unbeteiligter Augenzeuge miterlebt hat, bekundet gleichfalls, daß der Paris-Warfchau-Expreß mit ziemlich starker Geschwindigkeit und nicht, wie vorgeschrieben im Id-Kilo- mcter-Tempo in das Ueberholungsgleis eingebogen ist. Bon der Reichsbahngesellschaft sind bei Ausbesserungsarbeiten auf.den Gleisen ein� Reihe von Sicherungsmaßnahmen vorgesehen. Bon dem S3 000 Kilometer langen Streckennetz der Reichsbahn müssen nämlich jährlich etwa 7 Proz. der Gleise ausgebessert oder erneuert werden, �owie Ausbesserungsarbeiten auf. eurer Strecke oorge- nommen werden, wird dem Lokomotivführer und Zugführer sowie den sonst in Frage tomnrenden Stellen in einem Dienstbefehl genau der Umfang und'Ort der Ausbesserungsarbeiten bekanntgegeben und ihnen außerdem vorgeschrieben, an welchen Stellen mit besonderer Vorsicht gefahren werden muß. Außerdem bekommt der Zug- und Lokomotivführer einen schriftlichen Dienstbefehl, der ihm aus dem vor der Ausbesserungsstelle liegenden Bahnhos ausgehändigt wird. In diesem Dienstbefehl wird ihm genau vorgeschrieben, an welchen Stellen er in das Ueberholungsgleis hineinfahren muß und daß dies nur mit 30 Kilometer Geschwindigkeit geschehen darf. Einen solchen Dienstbefehl soll der Lokomotivführer des Unglückszuges, Nordhau», auch auf dem Bahnhof Düren erhalten haben. Da der Lokomotiv- führer sich selbst unter den Todesopfern befindet, wird sich nur über- au» schwer feststellen lassen, auch welchem Grund« er dem Befehl, in das Ueberholungsgleis mit verminderter Geschwindigkeit hinein. zusahren, nicht nachgekommen ist. Ein neuer Wahlsieg. Vorläufer zum 17. November. Bergedors, 26. August.(Eigenbericht.) Die aus zwei Landgemeinden zusammengesetzte Gem«ind« Loh- brügg« in Schleswig-Holstein wählte am Sonntag ihr Ortsparlament. Das Ergebnis ist insofern bemerkenswert, als es sich bei dieser SBahl um«inen Vorläufer der preu- ßischen Kommunalwahlen handelt. Di« Sozialdemokratie «rrang die absolute Mehrheit. Sie«rhielt 2328 Stimmen gegen 1375 der Bürgerlichen und 526 Stimmen der Kommunist«». Im Vergl«ich zu dem Ergebnis der Wahlen vom Mai 1924 hat die Sozial- demokratie 500 Stimmen gewonnen, während die Bürgerlichen 200 und die Kommunisten 100 einbüßten. An Man- baten erhalt«» die Sozialdemokrat«» 11, die Bürgerlichen 8 i nd die Kommunisten 2. Dieses Ergebnis wurde erzielt, trotzdem in d«n letzten Stunden von bürgerlicher und kommunistischer Seite wüste Verl« um- düngen gegen die Sozialdemokratie ausgestreut wurden! Säuglingsheim oder Offizierstaflno. Pari», 26. August.(Eigenbericht.) In der französischen Stadt Saint-Maix«nt haben die lieber- griffe des militärischen Platzkommandanten Anlaß zu einem ung«- wöhnlichen Skandal gegeben. Da» Kriegsministerium hatte zu Be- ginn des Jahres die Mittel für di« Errichtung eines Offiziers- k a s i n o s bewilligt. Es war dafür di« Erwerbung«ine» Haus«» in Aussicht genommen. Die Verhandlungen hatten sich jedoch in . de Länge gezogen, da man sich über den Preis nicht einig zu werde» vermochte. Inzwischen hat ein Philantrop das Hau» in feinen Besitz g«bracht, um es der Stadt als Mutter, und Säuglingsheim zur Bsrsügung zu stellen. Der General g«- riet darüber in Entrüstung. Er s«tzte stch mit dem reaktionären Bürgermeister in Verbindung, und dieser brachte e» fertig, da» noch in der Einrichtung begrifsen« Säuglingsheim zu enteignen, un e. der Militärbehörde zur Verfügung zu stellen. Gegen diesen frnki ndigen Amtsmißbrauch hat nunmehr die sozialistische Fraktion 'es Stadtrotes die schärfste Verwahrung eingelegt und di« Rechts- Gültigkeit der Enteignung angejoch�n. Llm Italiens Befreiung! Einigung der Sozialdemokraten./ Anschluß an di« Internationale./ Freiheit als Voraussetzung des Klassenkampfes. In Ihrer nächsten Nummer wird die„Rinascito Soda- lifia", da» Halbmonatsblatt der italienischen Einheitssozialistischen Partei, ein vokumenk von höchster Wichligkeil für die italienische sozialistische Bewegung publizieren. Da» Dokument bedarf keines Kommentares. Es genügt, wenn man sagt, daß dieses Schriftstück, das schon einige Monate alt ist. bis jetzt im Ausland nicht veröffentlicht worden ist, um die illegale Verbreitung in Italien nicht zu hemmen. Aber diese ist nunmehr erfolgt und die„Rinascita Sodaliffa" veröfsentlicht diesen Text, der ein V e r d a m m'u n g s- urteil über die Spaltung zwischen Maximolisten und Uni- (ädern darstellt. Die Spaltung erfolgte 192? lediglich durch die Manöver der Agenten Moskaus, die in der ita- lienifchen Partei Zellen bildeten. Nachstehend geben wir den Text im Worlaot wieder, der der Beschluß einer„iiiegalen" Versammlung ist, die vor einigen Monaten in dner Stadl Norditaliens nach einer ebenfalls illegalen Reise eines im Ausland lebenden politischen Jluchlliags durch Italien abgehalten wurde. „Die Personen, di« an der Versammlung teilgenommen haben, beschließen, sich als eine(illegale, Anm. d. Red.) Vereinigung zur Verbreitung der Ideen und Ziele des Sozialismus in Italien zu konstituieren. Sie beschließen, sich aus folgender Grundlage zu organisieren: Einen Vorstand, der in Verbindung mit den Ber- trauensmännern ist, die ihrerseits mit Hilfe von lokalen Delegierten die Aktion durchführen. Antifaschistische Front. Nach Prüfung der allgemeinen politischen Lage erklär! die Versammlung: daß die reattioäre Bewegung, die der Faschismus darstellt, nachdem sie der Bourgeoisie als Instrument ihrer„venäetts" (Roche) gedient hat, sich nunmehr im Gegensatz zu den Interessen der Bourgeoisie selbst befindet: und daß«» gegenüber einer solchen Bewegung zwei Hauptziele gibt: I.Eroberung eines Minimums an politischer Freiheit: 2. die Wied« rausnahm« des Klassenkampfes zur Befreiung der Arbeiter. Obwohl das Einverständnis über die Bewertung dieser beiden Ziele nicht einmütig ist, anerkennen alle Anwesenden einstimmig, daß die Organisation der Klassen nur unter einem Regime wenigsten» verhältnismäßiger Freiheil möglich ist, und daß infolgedessen der Kampf gegen den Faschismus auf einer möglichst ausgedehnten oppositionellen Front zu führen sei. Sozialistische Einheit. Die sozialistisch« Einheit ist die notwendige Voraussetzung für das Wiederaufleben d«r sozialistisch«» Bewegung in Itali«n. In dieser Bewegung ist von nun an kein Platz mehr für die Kam- munistische Partei, da dies« ihr Vertrauen auf gewagte Gewalt- aktionen von Minderheiten setzt. Der Sozialismus hing«gen bringt nur d«r gesamt«« Arbelterklass« Vertrauen entgeg«», deren Aktion, se nach den historischen Notwendigkeit«», revolutionär oder reformistisch ist. Es ist daher unmöglich, auf die beiden Methoden zu verzichten, die immer di«jenigen der italieni- schen Partei gewesen sind. Es gilt deshalb, zur unilarischen Auffassung zurückzukehren, die dos Leben unserer Partei von 1892 bis 1921 bestimmte. Die Spaltung kennzeichnet« die Stunde der Niederlage. Die Versamm- lung fordert daher die Einigung von zwei Ströwungen— der revolutionären und der reformatorifchen— die wie in der Ver- gangenheit zu wirken haben, indem sie sich mit Hilfe der demo- kratischen Organisation der Partei gegenseitig kontrollieren. Internationale Frage. Was die Internationole anbelangt, so hat sich ein« große Zahl derjenigen, die an der Versammlung teilnahmen, in der Vergangen- heit gegen die Sozialistifch« Arbeiter-International« ausgesprochen. Selbstverständlich klagten sie die Sozialistische Arbeiter-InternMio. nale nicht als die.Internationale des Krieges� an— die Namen Adler, Macdonal, Treves genügen, um diese Anklag« zu wider- leg«n—, aber sie glaubten damals an die Einheit mit den Kam- muniften und daß letztere auf den Boden des Sozialismus zurückkehren würden. Aber nachdem dies« Illusion überwunden ist,'st es sich auch die italienisch« sozialistisch« Partei schuldig, sich der SAI. und damit der anerkannten Wahrheit anzuschließen. Unmittelbare Ziele. Die Freiheit zurückzuerobern: das ist die gebieterisch« Not- wendigkeit angesichts der italienischen Situation. Und diese Situation ist«in« äußerst zugespitzte. Ein Nichts kann sie ins Wanken bringen. In der antifaschistischen Front haben die am weitesten rechts stehenden Kräfte eine besondere Bedeutung erlangt. eben deshalb, weil sie eine liberale Revolution begünstigen. Die Sozialisten haben sich solchen Kräften nicht entgegenzustellen, und es ist nicht die Aufgabe der Arbeiterbewegung, die Bourgeoisie durch demagogische starke Worte zu erschrecken, die am allersicherflen zu einer Erstarkung der Diktatur führen würden. Es ist unsere Aufgabe, alle Bestrebungen zu fördern und ein« Organisation vorzubereiten, di« fähig ist, di« italienische Revolution, so weit wie möglich zu jenen Zielen vorwärts zu treiben, di« di« unsrigen sind."(Weiter folgen Beschlüsse, die sich aus Ernennungen, die Organisationen usw. beziehen.) E« genügt, den Text zu lesen, den wir veröffentlicht haben, um zu verstehen, daß derselbe keineswegs beabsichtigt, ein Programm im allgemeinen Sinn« des Wortes und auf der Grundlag« einer «ingehenden Prüfung der Ereignisse aufzustellen. Di« Dersamm- lung, gewünscht und beherrscht von den Jungen— es ist gut, dies zu wissen—, hatte nur«inen einzigen Zweck und nur eine einzige Aufgabe: Di« Wiederherstellung der italienischen sozialistischen E i n h e i t aus der Grundlage der gemeinsamen Aktion, worin eine Einigung in Italien zwischen Maximolisten und Uni- tariern sozusagen bereits bestand. Beide Teile waren auch in der, Versammung vertreten. Da« ist der Grund, warum es genügt hat. sie zu versammeln, um sie zu«inigen. � Unsere Genossen der Einheitssozialistijchen Partei im Ausland arbeiten im gleichen Sinne. Alle unser« Wünsche begleiten ihre Arbeit. Das Angebot an England. Oie Gonntagsarbeit im Haag.— Briand nicht nach Paris gefahren. Haag. 26. August.(Eigenbericht.) » Dos neu« und hoffentlich letzte Angebot, daß Snowden verlangt hat, ist m stundenlangen Verhandlungen am Sonntag zwischen den vier übrigen Gläubigern formuliert worden. Deutschland nahm nur vormittag» an diesen Verhandlungen teil. Es wurde auf» neu« versucht, auf C u r t i u s und H i l f e r d i n g zu drücken, da- mit sie sich an dieses Angebot beteiligen. Sie lehnten abermals die ihnen zugemutete Mehrbelastung Deutschlands ab und verließen nach einer Stunde die Sitzung. Dann verhandelten die Vertreter der vier Gläubiger allein bis zur Mittagspause, weiter in den Nachmittagsstunden und schließlich noch während des ganzen Abends, um ihr Angebot schriftlich zu formulieren. Auch Briand war zeitweilig bei diesen Verhandlungen anwesend. Angesichts des entscheidenden Charakters dieser Verhandlungen und besonders der am heutigen Montag zu erwartenden Antwort Snawdens hat sich nämlich Briand entschlossen, entgegen dem Wunsch des Präsidenten Doumergue zu der heutigen Kabinellssihung nicht nach pari» zu fahren, fondern im Haag zu bleiben. Auf französischer Seite äußert man sich sehr optimistisch. Man versichert, daß man das frühere Ange- bot nunmehr um volle 8 Millionen jährlich erhöht habe, so daß es jetzt über 30 Millionen betrage, also 75 Prozent der englischen Forderungen erfülle, und daher von Snowden nicht mehr abgelehnt werden könnte. Da» letztere muß allerdings abgewartet werden. Insbesondere wird sich zeigen, ob der Vorschlag wirtlich aus eigenen Opfern beruht, oder nur, wie bei den bisherigen Angeboten, auf Kosten der»einen Gläubiger und Deutschlands was Snowden stets kategorisch abgelehnt hat. Mit 75 Prozent seiner Ansprüche würde sich der britische Schatzkanzler zweifellos begnügen, aber es müssen wirklich 75 Prozent fein, die die Hauptgläubiger selbst ousbdnger und nicht etwa, wie bi»h«r, aus Kosten anderer. Deshalb ist bis zuletzt gegenüber allen optimistischen Versicherungen von Frank- reich und Italien Vorsicht am Platze. Snowden ist nun einmal ein Mann, der ebensowenig blufft, wie er sich seGst blufsen läßt. Wenn er wieder zu dem Ergebnis kommt, daß man ihn aufs neue beschwindeln will, so wird er trotz aller Stimmungsmache dem Aeberbringer des Abgebole». Iolpar. zum dritten Male hinauskomplimentieren. ohne mit der Wimper zu zucken. Er selbst äußeit« am Sonnabend, er werde„die Geduld de? alten Job" an den Tag legen, die Un- geduld der anderen läßt ihn ganz kalt. Die Nachrichten, daß Mac- donald und andere Kabincttsmitglieder nach dem Haag kommen würde», um an einem regelrechten Ministerrat in der Endentschet- dung teilzunehmen, bewahrheitet sich nicht, obwohl am Sonn- abend in englischen offiziellen Kressen tatsächlich mit dieser Möglich- keit gerechnet wurde. Briand hat am Sonnabend nachmittag franzosischen Presse- Vertretern empfohlen, Deutschland wegen seiner Ablehnung einer Beteiligung an diesem neuen Opfergang nicht allzu scharf zu kriti- sieren, indem er selbst darauf hinwies, daß es für die Reichsregie- rung schwer zu tragen und ihm im übrigen nicht viel gedient wäre, salls Snowden bei seiner Erklärung verbleibe, daß er ein Angebot auf Deutschlands Kosten nicht akzeptiere. Ständig und harmlos. Haag. 26. August. Bon gut unterrichteter französischer Seite verlautet am Sonntag abend, daß in der Frage der Vergleichs- und Feststellungs- kommission eine grundsätzlicheEinigung zustande gekommen sei. Frankreich und Deutschland sollen sich danach unter Zustimmung Englands aus folgendes geeinigt haben: Die im Locornovertrag vor» gesehenen deutsch-französischen und deutsch-belgischen Schiedsgerichts- kommissionen werden in eine Kommission zusammengefaßt, die au» einem Franzosen, einem Belgier, einem Deutschen und sechs Neu- traten, somit aus insgesamt neun Personen, bestehen soll. Die Kommission wird amtlich Vergleichskommission genannt und besitzt kein« eigenen Initiativrechte. Sie hat auch keine Befugnisse, irgendwelche Untersuchungen, Kontrollmaßnahmen oder dergleichen vorzunehmen. Die Kommission wird ausschließlich auf Antrag der deutschen, fran- zösischen oder belgischen Regierung tätig sein. Sie trägt einen stön- digen Charakter, und ihre Zuständigkeit erstreckt sich auch auf di« entmilitarisierte Zone. Falls bei einem Zwischenfall«ine Berftändigung auf diplomatischem Wege zwischen den betreffenden Regierungen nicht zustande kommt, soll die Dergleichskommission ol» erste Instanz einschreiten. Wenn innerhalb der Kommission keine einheitlich« Auffassung zustande kommt, soll als zweite Instanz ein internationales Schiedsgericht«ingesetzt werden. Von fran- zöslscher Seite wird ferner mitgeteilt, daß die deutsche Regierung bereits grundsätzlich ihre Zustimmung zu diesem Vorschlag den übr'gen Abordnungen übermittelt haben soll. Eine Btstät:gunq dieser Mitteilung von deutscher Seite liegt bisher nicht vor. Mossenplünderung in Mexiko. Dis Orsschaft San Juan Guadolp« im Staate Durongo wurde von 125 bewaffneten Ban« diten überfallen vrd m''ir-r Zeit völlig ausgeplündert. Der Polizcichcs und mehrere Cvl"•.'trrV«r n den von den Banditen getötet bzw. schwer verlem- Die Tor« der Ortsgesängnisse wurden geöffnet. Alle Gefangenen entflohen. Di« Regierung hat sofort Militär eingesetzt, da» die Verfolgung der Verbrecher ausnahm. Jahrmarkt der Eitelkeit. Von Paul Mochmann. ..w«il man an dles«m Ort von Unterschied nicht» weiß," steht dicht am Eingang de» Inneren Neu- städter Friedhofs zu Dresden in einem moralisierenden Gedicht unter dem steinernen Totentanz, der vom Georgentor des ehemaligen Residenzschlosses hierher verpflanzt worden ist. Wenn genannter Ort der Friedhof sein soll, so stimmt der Vers nicht. Alle Menschen sind vor dem Tode gleich, aber nicht all« Tote vor den Menschen. Das niertt man sehr bald, wenn man zwischen den Grabstötten umherwandert. Denkmäler in den verschiedensten Stilen. Größen und Preislagen: Inschriften, boroekumschnörkelt gotisch gespreizt oder in klarer Antiqua: mancherlei Zierat au» Erz und Stein, zuweilen bemalt und vergoldet: Blumen und Kränze: das alles sind Waffen des Menschen in seinem Kamps gegen die Gleichmacherei de» Todes. Läßt sich leider nicht hindern, daß unter dem Rasen sich Fürst und Arbeiter, Lump und Ehre:»- mann bald zum Verwechseln ähnlich werden über der Erde sollen die Unterschied« der früheren Leben deutlich erkennbar bleiben. Darum auf vielen Mälern neben den Nomen die Adels- prädikote, Titel und Würden, die sieben- und achtzackigen Kronen, die Wappenschilder, Orden und Ehrenzeichen. Sie sollen dem Vorübergehenden bezeugen: Der hier ruht, war einst etwas Besseres als der Tote gegenüber oder nebenan. Denn nicht bloß gegen das Vergessenwerden überhaupt sträubt sich der Mensch, man soll ihm auch noch, wenn er selber nichts mehr davon merkt, die Achtung zollen, deren er sich im Leben erfreute. Und die Hinterbliebenen, die ja meist, aber durchaus nicht immer, die Monumente setzen und die Grabinschristen verfassen, prunken gern mit einem„teuren Verstorbenen". Auch von dem kleinsten Rühmchen, und sei«s nur ein Ober- vor dem Sekretär, fällt ja noch ein Schimmer auf sie. So wird der Friedhof zu einem Jahrmarkt der Eitel- k« i t. Nur die Begräbnisstötten auf den Schlachtfeldern machen eine Ausnahme. Da sieht ein Hügel, ein Kreaz wie alle anderen aus, da gibt es so wenig Unterschiede wie zwischen den Gsallenen, aus, da gibt es so wenig Unterschiede wie zwischen den Gefallenen, kommt man erst zur rechten Würdigung des„Kriegermals", das sich auf dem Neustädter Friedhof in unmittelbarer Näh« des Totentanzes erhebt. Es handelt sich um ein pompöses Monument aus schwarzem geschliffenen Granit, unter dem zwei Generationen einer Familie liegen. Aus einer Art steinernen Schranke? mit Fensterscheiben guckf die Marmorbüste einer Militärperson in irgendeiner verschollenen Uniform. Auf den Grüften lasten mächtige Steinplatten. Eine davon trägt die Inschrift: „Johann Samuel T. Kgl. Sächs. Armee-Oberroßarzt. 18.M— 18KS." Dos ist der Soldat in der Vitrine. Für einen Elfjährigen sieht er recht entwickelt aus. Oder sollte bei dem Mann das Leben sozusagen erst angefangen haben, nachdem er Medizinmann oller sächsischen Gäule geworden war, und darum nur diese Periode auf dem Grobstein vermerkt sein? Geradezu wie Hohn ober wirkt, was in großen goldenen Lettern auf dem Granitdeckel eines Grabes aus dem Kriegs- jähr 1917 steht: „Hier ruht vr. pstil. Ernst Eduard T., Oberroßarzt der Kgl. Sächs. Armee a. D-, seit 1904 als Korpsstabs- Veterinär a. D. geführt.—" Folgen Geburts- und Sterbetag, daim heißt es weiter: „Herausgeber des Buches, betitelt„Das Pferd", von I. S. T. also dem Mann im Glaskasten), 1864. Verfasser der Schrift: „Offener Brief an die Pferdebesitzer aller Stände" 1902." Dieser in Stein gegraben« Nachruf kennzeichnet genauer als den Verstorbenen die Kaste, der anzugehören er und seine Familie sich wahrscheinlich noch zur Ehre rechneten. Die ganze Grabanlage aber ist das groteskeste Denkmol menschlicher Eitelkeit. Typhuserkrankungen in Berlin. Kein Grund zur Beunruhigung. Ein Berliner vormiltagsblall bringt heute die Nachricht von einem„beinahe schon epidemisch zu nennenden Aus- treten von Typhus" in der Aronkfurler Allee. Iu dieser alarmierenden Meldung, die dazu angetan ist, größte Beunruhigung unter der Bevölkerung des Stadlviertels hervor. zurufen, wird folgendes mitgeteilt: Vor etwa acht Tagen starb im Haufe Frankfurter Allee 319 der 46jährige Kaufmann Gustav G a N d unter typhusvsrdächtigen Erscheinungen. Der behandelnde Arzt setzt« sich sosort mit dem Bakteriologischen Institut in Verbindung, das Typhus einwandfrei feststellte. Kreis- und Stadtarzt des Bezirks Lichtenberg wurden von dem Untcrtuchungsbefund unverzüglich in Kenntnis gesetzt, die sogleich alles Notwendige veronloßten. Vom Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin wurden alle Mahnohmen ergriffen, um«in Umsichgreifen der gefährlichen krank- heit zu verhindern. Vier weitere Erkrankte, zwei Erwachsene und zwei Kinder, wurden ins Krankenhaus übergeführt und dort streng isoliert. Zahlreiche Personen, die mit den Erkrankten in Ve- rührung gekommen waren, wurden schutzge'mpft. Auch fönst sind alle erdenklichen Sicherungs- und Schutzmaß. nahmen getroffen worden, so daß nach der augenblicklichen Lage der Dinge Anlaß zur Beunruhigung keineswegs vorliegt. Inzwischen ist von den Behörden nach der Ursache des Typhushcrdes geforscht worden. Nach dem Untersuchungs- ergebni» des Bakteriologischen Instituts ist der Typhusbaz'llus in irgendeinem Nahrungsmittel vorhanden gewesen. In dem Hause, in dem die Erkrankungen aufgetreten sind, befindet sich eine sog. „Eisdiele", und es wird zunächst vermutet, daß h'er der Ausgangs- Punkt der Krankheit zu suchen ist. Die Untersuchung, die mit größter Sorgfalt betrieben wird, geht weiter. Wie weiter gemeldet wird, ist auch'n der L ü ck- und Wolf- gang st roß« in Lichtenberg sowie in K a r l» h o r st je ein Fall von Typhusoerdocht zu verzeichnen. Es handelt sich jedoch um l e i ch t« r« F ä l l e: die Ueberführung d" Erkrankten in da» Krankenhaus ist sofort veranlaßt worden. Verkehrsunfätte des Sonntags. Ein Toter und zahlreiche Schwerverletzte. Am gestrigen Sonntag ereignete sich wieder eine Reihe von schweren Verkehrsunfällen. Auf der Oranienburger Chaussee, dicht bei Frohnau, stieß der 30jährige Motorradfahrer Ernst M e n d e aus der Rothenburger Straß« 9, der auf dem Soziussitz den 25jährig«n Walter Grunow aus der Schulzendorfer Straß- 2 S mit sich führte, in vollem Tempo mit einem P r i- v a t a u t o zusammen. Mende wurde in hohem Bogen auf das Chausseepflaster geschleudert, wo er mit zertrümmertem Schadet liegen blieb. Sein Begleiter erlitt lebens- gefährliche Verletzungen: er fand im Dominikus- Stift in Hermsdorf Aufnahme. In Weißens««, an der Eck« Garten- und Lichten- berger Straß«, wurde gestern gegen 18 Uhr ein mit acht Ausflüglern besetztes Fuhrwerk von einem Straßen- bahnwagen der Linie 8 gerammt und umgeworfen. Sämtlich- Insassen des Fuhrwerks erlitten mehr oder minder erheblich« Verletzungen. Di« Feuerwehr brachte die Ver- unglückten ins städtische Krankenhau» Weißensee. Während sechs Personen, darunter auch der Lenker des Gespanns, der das Unglück auch verschuldet haben soll, nach Anlegung von Notverbän- den in ihr« Wohnungen entlassen werden tonnten, mußten die 14jährige Gerda K r a u s i ck au» der Langhaersstraß« 22 und der 51jährige Händler Paul Rauh aus der L a n g h a n s st r. 23, die schwere Verletzungen«rlstten hatten, imKrankenhausver- bleiben. Ein eigenartiger Autobusunfall, der leicht noch schlimmer bä»t« auslaufen können, trug sich vor dem Haus« Kurfür st en« dämm 76 zu. Ein Autobus der Linie 2 geriet dort plötzlich ins Schleudern und kam dabei zu dicht an die Bordschwelle. Das Verdeck wurde von einem starten Baumast giftreist undab- gerissen. Drei Fahrgäste, der 37jährig« Dreher Andrea» Haas« aus der Rigaer Straß« 76. sein« Z3jährige Frau Elisa- beth und seine 11jährige Tochter Erika, wurden durch Glas. splitter erheblich verletzt. Die übrigen Fahrgäste kamen glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Der Autobus mußte au» dem Verkehr gezogen werden.— Bei einem Zu- fammenstoß zwischen einer A u t o d r o s ch k« und einem Motor- r a d Unter den Linden wurde der Führer des Rades, der 31jährige Fabrikant Karl Voigt au» Köpenick, auf den Fahrdamm geschleudert und schwer verletzt.— Am Sonntag nachmittag wurde auf dem F a h r d a m m in der K u r i s ch« n Straße der 61 Jahre alte Heizer Karl Barth aus der W i ch e r t st r a ß e 70 schwerverletztn-benseinemFahrrad aufgesunden. Man nimmt an, daß B. von einem Auto überfahren und von dem Chauffeur hilflosllegengelassen wurde. Der Verunglückte wurde in» Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Bei dem Beiwagen- Motorradrennen in Ruh- leben ereignete sich gestern ein schwerer Unfall. Infolg« Reißens de, Handriemen» wurde der Mitfahrer S ch i« l a d t in einer Kurv, herausgeschleudert. Sch. erlitt«inen doppelten Schädelbruch: er wurde ins Westend-Krantenhaus gebracht.____ Auiounglück in der Heide. Bier Tot,, ein Schwerverletzt«-. Luchholz. ZS. August. An der Straß-ukr-uzung der Provinztalstraße von Sollau nach Hamburg bei wlalermoor in der Lüneburger Heide Hai der um Zl.S« Ahr am Sonntag abend au» Soiiau nach Luchholz fahrende Personenzug da, Auto de» Arzte» vr. Brinkmann an, Soltau übersah««, wobei der Chauffeur, zwei Frauen und ein Sind getötet und der Arzt schwer verletzt wurden. An der Unglücksstelle mußte der Zug eine Stunde hallen, bi» die Gleise ausgeräumt waren. General Limon von Sander», der im Jahr« 1913 al, deutscher Ossizier in die Dienste der türkischen Arme« trat und sie reorga- nisiert«, ist 75jährig, gestorben. Er war deutscher Oberkomman- dierender in der Türkei während de» Weltkriege». Sein größter militärischer Erfolg war vi« Verteidigung der Dardanellen gegen ds» Englander. Bezirkskonzert in Werder. An einem der schönsten Punkte des Havellandes, auf der „F ri e d r i chs h ö he" in Werder mit feiner wunderbaren Rundsicht, sangen diesmal die Arbeitersänger der Umgegend von Potsdam in edlem Wettstreit. Imponierte der Xlll. Bezirk in B e e s k o w durch«in« Anzahl wuchtiger, leistungsfähiger Chöre, der IV. in Velten durch die groß«, künstlerische Wirkung seiner Massenchöre, so erfreut« hier vor allem das gute Niveau des Durch- schnitt», des„Mittelstandes". Schon das Platzkonzert auf dem Marktplatz, dem der große Umzug folgte, war ein würdiger Auftakt zu dem Konzert, das begrüßenswerter Weise im Saale stattfand. Chöre wie die oereinigten Loltschör« von Werder und Kaputh (Chormeister Beyer). Frauenchor Nowowe»(S ch r ö e r). Ge- mischter Chor Glindow(D a l ch o w),„Gutenberg" Potsdam(U n- g« w i t t e r), Dolkschor Ketzin(Böhm e),„Freie Sänger" Beelitz (L e m m e),„Junger Chor" Nowaroe»(M e s s e r s ch m i d i), die oereinigten Chöre von drei Orten unter M« h l m a n n konnten sich trotz mancher gesanglicher oder musikalischer Mängel sehr wohl hören lassen. Die Palm« aber gebührte unstreitig dem„Volkschor Potsdam" unter Bezirkschormeister Rohrbach, der auch mit den Massenchören der Männer- und gemischten Chöre Vorbildliches schuf. Im allgemeinen wurde also Tüchtiges geleistet. Um so mehr muß bei den gemischten Chören fast durchweg eine besiere Gesangs- kultur der Frauenstimmen erstrebt werden. Auch straffer«,«nergi- scher« Zusammenraffung täte da und dort not. Bezirksvorsitzender Hahn und für den Gau Engels begrüßten das in angeregtester Stimmung sich befindende Publikum. Letzterer fordert« mit einem deutlichen Wink an die Regierung gleiches Recht für alle. Bei den Sängerfesten in Wien(Bürgerlich«) und in Hannover(Arbeiter- sönger) hatten die Bürgerlichen die zehnfach« Unterstützung von feiten de» Staates. Ein scharfer Appell von ihm an die„Jungen", denen er das anfeuernde Beispiel der in ihrer Jugend west un- günstiger gestellten„Alten" und auch der heutigen Frauen gegen. überstellte, wird hoffentlich sein Echo finden. Ein« angenehme Ueberraschung brachte der Schluß des Konzerts mit„F a n f a r e n m ä r s ch« n", von Mitgliedern des ASB. aus- geführt. Acht Naturtrompeten, sechs einfache, zwei Schlagzeug«, mehrere kleine und«in« große Trommel schmetterten eine so fröh- liche Angrifssstimmung in die erstaunten Massen, daß selbst di« zu- fällig in Werder anwesenden Hitler-Leute vor lauter Angst sich wie zivilisierte Mitteleuropäer benahmen. H. M. Kruchieis statt Lebertran. Wie ungern haben wir als Kinder den Lebertran genommen, den uns die vorsorglich« Mutter einflößte! Di« Jugend von heute hat e» besser: sie darf sich an süßem, leckerem Fruchteis erlaben. Die junge Vitaminforschung hat nämlich, wie m der Frankfurter Wochenschrift„Die Umschau" berichtet wird, in dem Fruchteis ein vortreffliches Heilmittel gesundem das auch die segensreichen Wirkungen de» Lebertrans erhalten kann. Freilich darf es nicht das Speiseeis aus Wasser sein, das oft im Straßenhandel ver- kaust wird, sondern das gute Sahneneis, das etwa 10 Proz. Fett enthält. In diesem Milcherzeugms findet sich da» Vitamin A, der Wachstumsfaktor in bedeutenden Mengen. Auch Vitamin B bleibt der Sahn« erhatten, wenn sie zu Eis gefriert. Amerikanisch« Ge- lehrt« haben nun festgestellt, daß sich auch das Bitamin D, das Heilmittel gegen Rachttis. in dem Sahneneis, wie es in den Ver- einigten Staaten vertauft wird, vorfindet, wenn das Eis nur 15 Sekunden lang mit ultravioletten Strahlen belichtet wird: wird die Bestrahlung auf 10 Minuten ausgedehnt, so finden sich darin bedeutende Mengen des Vitamins. 2|et Versuchen mfi Ratten, die mit dem bestrahlten Eis gefüttert wurden, wurde völlig« Hellung der Rachitis durchgeführt, während das gleich« Eisprodukt ohne Bestrahlung kein« Heilwirlkung z«gte. Man kann also den Kindern setzt das wohlschmeckend« bestrahlte Fruchteis statt des Lebertran» eingeben. Der fischartig« Geruch, der wohl bei längerer Bestrahlung durch Ozonbildung hervorgerufen wird, läßt sich bei kurzer Be> strahlung von höchstens zwei Minuten vermeiden, ohne daß dadurch die Heilwirkung wesentlich vermindert wird. Kinder al» Schupo. Di« Polizeiverwattung in Detroit hat zwecks Wahrung der Ordnung auf den Spielplätzen der Stadt durch das städtische Wohlfahrtsamt ausgewählte Kinder damit beauftragt, den Ordnungsdienst zu versehen. 3000 Knaben und Mädchen, in zwei Halbtagsschichten totig, mit riesigen Blechmarken ausgestattet, führen«inen strena aeregellen Dienst, dessen Machtbefugnisie sich sogar bis auf Ausschluß einzelner Kinder, denen ungehöriges Ae- nehmen nachgewiesen wird, von dem Spielplatz erstreckt. „Polizei". Uraufführung im Ufa-Palast am Zoc Der Regisseur Joseph von Sternberg erscheint am Schluß der Vorstellung, verneigt sich gerührt, ein paar Tränen in den schönen Augen und stammelt ergriffen, er sei über diesen Erfolg überrascht, denn er könne sich dieses Filmes, den er vor Iahren in Hollywood gedreht hatte, kaum noch entsinnen. Vielleicht ist das«ine schöne Pose, vielleicht verfügt er wirklich über«in schlechtes Gedächtnis. Jedenfalls verdient es der Film, daß er nicht in den Abgrund der Vergessenheit gerät. Technik und Ausbau sind hervorragend, und die sacharinierte Liebesgeschichte muh man in Kauf nehmen, wenn man überhaupt nicht entschieden die Einstellung der Amerikaner diesen Dingen gegenüber ablehnen will. Amerika macht Reklame auf filmischem Weg« für alle möglichen und unmöglichen Institutionen, und des- halb muß ein Polizist, der im Dienste einer radikalkapitalistischen Wirtschaftsordnung steht, neben seinem Intellekt und seiner Energie noch über ein butterweiche» Herz verfügen. Die Maske- starrer Pflichterfüllung allein gilt nicht. Lyrische Moment« müssen hinzu- treten, wenn das Publikum von der Menschlichkeit eines Polizei- beamten überzeugt werden soll. Der Film ist Kolportage, aber eine fabelhast inszenierte Kolportage, die den Zuschauer bis zur letzten Szene restlos fesselt. „Unterwelt" war besser, es fehlte die Süßlieblichkeit, die hier stellen- weise überwuchert. Trotzdem bietet die Leistung des genialen Schauspielers Georges Bancrvft Ersatz für alle Unzulänglich- leiten. Er ist ein Mann von einer blühenden. Vitalität. Man kann jedoch einen Kriminalsilm anders aufziehen, man braucht nicht nur Schemen in Schwarzweißzeichnung zu geben. Der große menschlich und rationell fundierte Kriminalfilm fehlt noch immer.„Polizei" ist eine Station auf diesem Wege, aber«ine Station, di« noch zu sehr nach hinten zu liegt. F. S. Die Rückkehr nach 200 Jahren. Was fast tausend in bitterstem Elend der Fremd« schmachtenden Schweden durch zwei Jahrhundert« als Hoffnungsziel vorgeschwebt hat. ist nun Erfüllung geworden: die Nachfahren jener Männer, die im Gefolge von Karls Xll. abenteuerlichem Rußlandzug in di« weiten Einöden jenes Landes verschlagen worden sind und nach der Schlacht bei Poltawa schließlich die Kolonie Alt°Schwedendorf am Dnjepr begründet haben, sind nun auf der Rückkehr in ihr Vaterland. schwer hat das Schicksal auf ihnen gelastet, all« Schrecken des Krieges, der„roten" und der„weißen" Revolution. Plünderungen. Hungersnot und Elend haben ihre Zahl dezimiert, so daß heute nur 885 Ueberlebende unter ihrem Führer Gustav Haas heimkehren, während sich noch kurz vor Ausbruch des Weltkrieges ihre Anzahl auf 1200 belief. Es war ein glücklicher Tag für alle, als sie endlich von der Sowjetregierung die Erlaubnis zur Rückkehr nach Schweden erhielten, wo ihnen von ihrer Regierung Grundbesitz zugeteilt wird und sie in dem malerischen kleinen Städtchen Joenkoeping angesiedelt werden. Als sie am Schwarzen Meer von einer Delegation des schwedischen Roten Kreuzes in Empfang genommen wurden, da be- grüßten sie ihre Landsleute mit Tränen der Freude und mit schwe- dischen Liedern, die sie ebenso wie ihre Sprache in den langen. schweren Iahren der Verbannung als ihr teuerste« Gut bewahrt und ihren Kindern überliefert haben. Ihr Zug durch Rumänien, Ungarn und Oesterreich gestaltete sich zu einem einzigen Triumphzug: überall begrüßten sie wehende schwedische Fahnen, und die Bevölkerung konnte sich nicht genug tun in Liebesgaben, mit denen sie die Heim- kehrer überschüttete. Den großen Gegensatz zwischen ihrem gegen- wärtigen Glück und ihrem durchlebten Leid und alte ihr« Zukunfts- hoffnungen faßte der Führer der Schar in Wien in den Worten zusammen:„Wir lernen endlich wieder menschlich«, Mitleid und menschliche Behandlung kennen, nachdem wir bereits den Glauben an ihre Existenz verloren hatten. Wir ersehnen mir. nie mehr etwa» von Parteien und Politik hören zu müssen und wieder zu ehrlicher Arbeit zurückkehren zu können!" LoSma Gelim gestorben. Iosma Selim, di» Gattin de» Komponisten Ralph Benatzty, ist an Lungenentzündung plötzlich gestorben. Sie ge- hörte zu den Größen des deutschen Kabaretts und war ein« Kunst- lerin, die tatsächlich hellere Laune faszinierend um sich verbreiten konnte. Benotzky entdeckte Iosma Selim vor ungefähr zehn Iahren im„Simplizzimus" in W i e n. Er heiratet« sie und machte sie zu einer Kabarettgröße ersten Ranges. Ihre größten Erfolg« erzielten st« auf gemeinsamen Tourneen durch Suropa. Das Berliner Gewerkschastsfest. Starke Beteiligung, glänzender Verlauf. TU. b«richiet heute über ein Arbeitersommerfest in T r e p t o y,. Nicht etwa über unser Gewerlschaftsfest. vielmehr über das des Verbandes evangelischer Arbeiter- und Volksoereine Graß- Berlins, wo von einem gewaltigen Ringen um die geistig«, Wirtschaft- lich« und politische Macht die Rede war, das zwischen der christlich- nationalen Minderheit und dem Bolschewismus und dem Marxismus ausgetragen werde. Leider vermissen wir die Angabe des Lokals in Treptow, in dem sich dieses Ereignis abgespielt hat. Wenn seine Veranstalter sich einmal auf der Wasserseite umgesehen hätten, dann wäre ihnen zweifellos das Gefühl ihrer hoffnungslosen Minderheit zu deutlichem Bewußtsein gekommen. Nicht nur das Wetter, auch die KPD. hatte es gut gemeint mit unserem Gewerkschastsfest, indem sie ihre„Opposition" in die Rehberge dirigierte. Gegen 3 Uhr nachmittags war noch viel Platz zu finden in den Gärten, doch keiner mehr am Wasser. Aber dann füllten sich die Lokale rasch, und die erste Abwechslung brachten die freudig begrüßten Wassersportler aller Gattungen mit ihrer Promenade auf der Spree. Oer Massenstrom nach Treptow. Di« Stadtbahn, Autobusse und Straßenbahnen brachten ununter- brachen Tausende sonntäglich gekleidete Menschen heran, die den Treffpunkten ihrer Organisationen zustrebten. Bald boten die Straßen dos aus den Vorjahren bekannte Bild: Menschenmassen fluteten hin und her und die Lokale füllten sich zusehends. Bis nach 4 Uhr hielt der Zustrom der Tausende und Zehntausend« un- unterbrochen aiu Nirgendwo merkte man das Fehlen der„oppo- sitionellen" Gewerkschaftsmitglieder. Sie lieferten so den Beweis schwer. Aber wir glaubien, sehr fröhliche Menschen unken gesehen zu haben, die ihre Gemeinschaft, ihre Solidarität feierten, und wenn wir uns nicht läuschen, oben von der höhe aus, so sahen wir auch Gruppen, die ernsthast zusammenstanden und debattierten. Aber eines sahen und erkannten wir genau, und wir freuten uns darüber: die Stärke und Geschlossenheit der Berliner Gewerkschaften. Dieser Flug hat sich wirklich gelohnt, und wir danken unserem„Sturm- vogel". Die freudige Einigkeit der Gewerkschaften, die wir vom Flugzeug aus miterleben dursten, zu erhalten, das ist deine und meine Ausgabe! Gegen 6 Uhr herrscht nicht nur in den Lokalen, sondern auch auf der Straße vor ihnen ein geradezu beängstigendes Gedräng« und Gewimmel von Menschen. Unaufhörlich strömt die Menge von einem Etablissement in das andere, entweder um zu v«rsuchen, noch irgendwo einen besseren Platz zum Feuerwerk zu erhaschen, oder um alte Bekannte oder Familienangehörige zu treffen, die bei ihren engeren Berufsgenossen saßen. In jedem Lokal, überall das gleich« frohe Treiben, d:« gleiche Füll«. Endlich, nachdem die Dunkelheit hereingebrochen ist und nur noch die Konturen der Abteibrückc und der auf der gegenüber liegenden Spreefcit« befindlichen Häuser zu erkennen sind, beginnt das ersehnt« Feuerwerk, und zwar mit Rücksicht auf die Pflichten am nächsten Morgen, weit früher als soirst. Das Geprassel und Zischen der Raketen setzt ein, Sonnenrädcr drehen sich, Goldregen fließt wie ein Gobirgsbach von der Abteibrücke in die Spree. Ein künstlicher Radfahrer auf der Brücke, wo die Pyrotechniker geschäftig hin und her laufen, macht in Flammenschrift auf das Unternehmen der Arbeiterschaft aufmerksam:„Alles fährt Angst vor der Welle. Radioverbot für polnische Grenzdevtsche Die Grenzen Polens sind gleich mit der Entstehung des Staates verbarrikadiert worden. Felder, Wälder und Fluren, die hüben und drüben von derselben Beschaffenheit sind, sind durch Draht oder Grenzsteine in feindliche Gebiete getrennt. Weh« dem, der sie ohne die Haupterrungenschaft staatlicher Weisheit, den Paß, mitcin- ander verwechselt! Nur der Lust konnte man nichts anhaben. Jetzt kommt auch sie an die Reihe. Sie ist mit einem Male staatsgefährlich gewor- den. Denn sie ist die Trägerin der Radiowellen. In Polen sieht es mit der Entwicklung und Verbreitung des Rundfunks ziemlich traurig aus. Die besten Radioapparate kommen aus dem Ausland, die paar Sendestationen bieten ein mageres Programm: kein Wunder, daß selbst die größten Patrioten lieber ausländische Stationen hören. Aber da erhielten verschiedene polnische Staatsbürger deutscher Nationalität folgendes— natürlich polnische— Schreiben: Post- und Telegraphendirektion. Brombcrg, den 25. Juli 1929, Nr. 4273/Vin. Herrn............. Im Einverständnis mit§ 1 Punkt 9 der Verordnung des Mi- nisters für Handel und Gewerbe vom 31. Juli 1926, bekannt- gemacht im„Dziennik Ustao" Nr. 87 vom Jahre 1926, zieht die Post» und Telegraphendirektion Brombcrg die Ihnen erteilte E r- laubnis zur Benutzung einer Radioanloge hiermit zurück. In Verbindung mit Obigem webden Sie ersucht, den Erlaubnis» schein an das Post- und Telegraphenamt Könitz zurückzureichen, die Antenne abzunehmen und die gesamte R a d i o a n- läge abzumontieren. Im Falle Sie sich an diese Verordnung nicht halten, werden Sie zur gerichtlichen Verantwortung im Sinne des Artikels 28, Gesetz vom 3. Juni 1924 über Post, Telegraphic und Telephon zur Verantwortung gezogen. Der Präsident. IV.: Bedernik. Die mit obigem Schreiben bedachten Deutschen haben das Pech, in Orten wie Könitz, Zempelburg usw. zu wohnen: also im 15- Kilometer-Grenzstreifen, der unter Zlusnahmerecht steht. Der Staat ist in Gefahr, wenn diese Leute deutsche Sendungen hören, aus denen jedes agrefsive Wort gegen irgendeinen Staat verbannt ist! politische Banditen. In Kongreßpolen meidet die sozialistische Presse häufig und auch in den letzten Tagen Ueberfälle auf Parteigenossen. Die Täter gehören der von der PPS. abtrünnigen„Revolutionären Fraktion" des Herrn Moroczewski, das heißt der Pilsudjki-Schutztruppe, an, die man allgemein„BBS." nennt. Das Geld gewinnt den Wahlkreis. Ein Rothschild wird Senator. 3)ie Abieibrüche mit dem Zeuerrterk. dafür, wie bedeutungslos sie doch zahlenmäßig und moralisch in der Berliner Gewerkschaftsbewegung sind. Ueberall freudig gestimmte Menschen. Alle die Gewcrkschafts- genossen, die tags über an der Werkbank angespannt schaffen und abends noch in Sitzungen, Versammlungen der Partei und Ge- werkschaften für ihre und ihrer Familie Existenz und Zukunft wirken, saßen hier mit Gleichgesinnten beisammen, enieuerten die Bande der Freundschaft und Brüderlichkeit, kommen sich einander noch näher und sühlen, wie schicksalsverbunden alle miteinander find, ob sie nun als Metallarbeiter, Transportarbeiter, Textilarbeiter oder Beamte ihr Brot erwerben. Es war ein Fest der Arbeit und der Solidarität. � Musiker, Artisten und Arbeit«rsänger und-sportler sorgen für die Unterhaltung ihrer Gesinnungs- und Klassengenossen. Im Deut- schen Musikerverband organisierte Musiker und Chöre des Arbeiter- sänger-Bundes bringen abwechselnd Kampfeslieder der Arbeiterschaft und unterhaltende Musik zu Gehör. Die Artistengruppe des „A r b e i t e r s p o r t k l u b s Einigkeit 1 926" bot beachten»- werte Leistungen. Für die Unterhaltung der Kleinen sorgen die Kasperle- Theäter und das am Spätnachmittag veranstaltete japanisch« Feuerwerk, dessen groteske Figuren außer Jugend, auch die Aeltercn und Aeltesten belustigen. Gegen 5 Uhr wenden sich alle Blicke nach oben, von woher Motorengeknattec ertönt. Ein Flug- zeug des„Sturmvogel",>des Flugoerbandes der Werktätigen, stattet den Festteilnehmern einen Besuch ab. Das an den Farbe» der Republik kenntliche Flugzeug fliegt in geringer höhe mehrere Schleifen über die Fcstlokale. Die Menge erwidert freudig bewegt die Grüße, die ihr aud der Kabine des metallenen Bogels zuge- winkt werden. Im„Sturmvogel" über Treptow. Das Fest der Arbeit, das Fest der Berliner Gewerkschaften vom Flugzeug aus gesehen! Ruhig und sicher lenkt un» der treffliche Freund vom„Sturmvogel", dem Flugverband der werktätigen, und schenkt uns ein herrliches Panorama. Häuser, Brücken, Dampfer und Boote wirken wie kinderspielzeug, und die Menschen sind Zwerge. Aber es ist ein Heer von Zwergen, und wir wissen, daß dieses Heer von Zwergen, das wir von oben herab schauen, in Wahrheit ein Riese ist. Daß es eines der wertvollsten Glieder der deutschen Arbeiterschaft darstellt: die Berliner Schaffenden, die Berliner Gewerkschaften. ,. Man grüßt und winkt herunter, und man grüßt und winkt herauf, denn die Kollegen dort unten, die in Treptow seiern, haben die schwarzrotgoldenen Zeichen an unserem Flugzeug erkannt. Auch wir oben in den Lüften können deutlich an den Segel- und Motor- booten das Schwarzrotgold erschauen. Der Kollege neben mir sagt: „weißt du. da sieht man wieder, wie unrecht die Sachverständigen 1919 halten, als sie behaupteten. Schwarzrolgold wäre als Handels- flagge nicht zu verwenden, weil es nicht zu erkennen wäre." Aber im ganzen freilich Überweg gestern bei weitem d a» R o t. da» Rot der Sozialdemokratie, das Rot der Gewerkschaften, das Rot der inlernalioualen Arbeiterbewegung. Der Eindruck war groß, und ihn 4m einzelnen zu schildern. Ist Lind cor". Eine andere Mahnung fordert auf, den„Vor- wärts" zu lesen. Zum Abschluß ficht es in großen roten Buchstaben aus der Brücke: hoch die freien Gcwerk- schaften! Die Musikkapellen intonieren die Internationale, üntcr deren Klängen die Massen zum Ausbruch rüsten. Das Fest der Arbeit, das Fest der Berliner freien Gewerkschaften ist für dieses Jahr vorbei. Es war schön und imposant! Die KPD. in den Rehbergen. Der kommunistische„Rote Sport- und Kulturtag" ,m Bolkspark in den Rehbergen am gestrigen Sonntag ist von der Kleinen Alexanderstraße zu einer Demonstration für die K o m m u nistische Partei gegen die Gewerkschaften mißbraucht worden. Bei vielen der in den„oppositionellen" Sportvereinen be- findlichen Sportler überwog das gewerkschaftliche Pflichtgefühl. so daß sie noch Treptow zu den Feiern ihrer Orzani- s a t i o n c n gingen und die Drahtzieher' in den Rchbergen allein ließen. Daher auch die aujsallend geringe Beteiligung an den sportlichen Darbietungen: kaum die Hälfte des Programms wurde durchgeführt. Die Zuschauer belustigten sich in den aufgebauten Buden mit revolutionärem Würfelspiel und konter- revolutionärem Schießbudensport und schließlich wurden Rasen- flächen und Spielplätze in einem Zu stände hinter- lassen, daß das Gartenamt Wedding alle Mühe haben wird, alles wieder in Ordnung zu bringen.'Große herausgerissene Rasenstücke und Wagenladungen von Stullenpapier zeugen heute am Montag von kommunistischer„Kultur". Hauptgewinne der �Sturmvogel''- Tombola. Der„Sturmvogel". Flugverband der Werktätigen, veran- staltete zum Verfassnngstag eine Tombola. Die Hauptgewinne entfallen auf: Nr. 99 328: 1 BMW.-Auto: Nr. 28 635: 1 Zeppelin- fahrt: Nr.: 38 179: 1 DKW.-Motorrad: Nr. 49657: 1 Fahrrads Nr. 19118: 1 Freiflug Deutsche Luft-Hansa Berlin— Frankfurt am Main: Nr. 75 815: 1 Freiflug Deutsche Luft-Hansa Berlin— München: Nr. 88 135; 1 Freiflug Deutsche Luft- Hansa Berlin— Breslau: Nr. 50 466; 1 Freiflug Deutsche Luft- Hansa Berlin— Amsterdam: Nr. 49 756: i Freiflug Deutsche Lust-Hansa Berlin— Kopenhagen: Nr. 38654: 1 Freiflug Deutsche Luft-Hansa Berlin— Wien: Nr. 15458: 1 Reisegrammophon. Sämtliche anderen Gewinne sind am Dienstag im Bureau des„Sturmvogel", Flugplatz Tcmvelhof,«in.zusehen. Explosion bei Saarbrücken. Fünf Menschen kot, viele Verletzte. Köln- 26. August. lEigenbericht.) Heute vormittag ist in einem Sauer st offwerk bei Dersweiler in der Nähe von Saarbrücken ein großer S a u e r st o f f k e s s e l bei Montagearbeiten in die Luft geflogen. Nach den bisherigen Feststellungen wurden S Personen getötet. Ein Arbeiter wurde schwer, zahlreiche andere wurden leichter verletzt. ■ Poris, 26, August.(Eigenbericht!)-N Die am Sonntag im Departement hautes AlpcS stattgesundenrn Ersatzwahlen zum Senat führten zu einem Erfolg des reaktionär**! Barons von Rothschild. Der einzige Gegenkandidat, ein So- zialist, fiel durch, obwohl die bürgerlichen Linksparteien beschlossen hatten, für ihn zu stimmen. Rothschilds Geld zog wieder einmal mehr als die Gesinnung seines Gegenkandidaten. Im ersten Wahl- gong ging er mit 196 gegen 137 Stimmen durchs Ziel. Ein Wahl- kreis, der seit Jahren im Besitz der Linken war, fiel damit an die Reaktion. Doppellustmord in Düsseldorf. Zwei Kinder tot. Düsseldorf, 26. August.(Eigenbericht.) I« Tüsseldorf-Flehe entdeckte ein Wirtschasts« gehilfe am Sonntag vormittag auf dem Wege zur Kirche zwei in einem Gemüsefeld liegende ermordete Kin» der. Es waren die vermißt gemeldete sechsjährige Ger- trud Hammacher und die bei deren Eltern in Ferien weilende 13jährige Luise L e n tz e n. Beide Leichen wiesen am Halse schwere Schnittwunden auf, die alH Todesursache zu betrachten sind. Bon dem Täter fehlt bisher jede Spur. Die Er- regung ist groß. mmsm JßuHgymnaslik in Vempelhof. gestern nachniHlag fand auf dem SBerliner Zenlralflughafen ein Slugfefi flau, das fehr gute fllegerlfehe Teistungen und arllfllfehe Vorführungen hol. Unter anderen aelgle Oskar Stmpfel an einemr halten. Einige Weinreisende steigen mit mir aus und gar bald brachte mich«ine rüstige Portugiesin, meinen Koffer wie ein Tablett auf ihrem Kopf tragend, in ein sauberes, kleines„Holel", dem einzigen Gasthof des Ortes.' Es dauerte«ine Weil«, vis ich meiner Wirtin verständlich machte, daß ich hier einig« Tage schlafen und efsen wollte und daneben etwas malen. Nun war ich also„hinter den Bergen' — manchmal würde ich lieber sagen:„hinter dem Mond«'. Die Portugiesin, an und für sich noch stark an das Haus gebunden(allein reisen wäre verpönt!), hält eine alleinreisend« Ausländerin für ein« umstürzlerische Natur. Nun gar in dieser Gegend, fern vom Fremdenverkehr! Bon Tag zu Tag eröffneten sich mir neu« Schönheiten. Es ist das Eigenartig« hi«r: lebt man in Portugal, so umgibt einen überall der Geist der Bergangenheit. Durch die geographisch« Lag««twas abgejchlosjen, Kaden di« hier wohnenden Menschen viel- fach durch Jahrhunderte hindurch ihre eigene Kultur erhalten, ihr« Selbstverwaltung gewahrt, kleine Republiken gebildet. Es ist ein gesundes, gutmütiges Volkselement, das viel« schöne Mädchen aufzuweisen hat. Die Vegetation ist wie die am Douro, Oliven- Hain«, hin und wieder Eukalyptusbäume, dazwischen Pinienwälder, Eichengruppen, zuweilen bereits Korkeichen, die erst im Süden des Wasserträger. Landes häufiger werden. Die umliegenden Abhänge tragen aus- gedehnte Weinanpflanzungen. Schwer ist es oft, die mit starkem Geröll bedeckten Hänge zu beackern, und eigenartig nimmt es sich aus, wenn«in kleiner, braunhäutiger, zerlumpter Junge hinter dem primitiven Pflug«inhergeht, der seinem Bau nach aus dem Alter- tum stammeb könnte. Leider wissen die Bewohner dieser Gegend den Erzgehalt ihrer Berge nicht auszunutzen. Stark eisen- haltiges Gestein, das in der Sonne wie Diamanten glitzert, bedeckt den R e b o r e d o und den Cabeco da Mua und könnte dem Lande großen Reichtum bringen, wenn di« Frachtkosten das Erz nicht so stark verteuern würden. Das SÜraßenleben dieses Oertchcns zeigt ein recht bewegtes, buntes Bild. Di« Waren, wie fast immer im Süden, liegen zur Ansicht vor dem. Laden. Da flattern Stoffe, da liegt Brot und Gebäck, dort wieder Obst, Melonen oerkä.uferinnen, die ihren Platz am Markt Tag und Nacht nicht verlassen und neben ihren Melonen schlafen. An der anderen Ecke wieder Kastanien- rösterinnen. Liebliche Bilder zeigen sich einem am Brunnen: mit welcher Anmut sah man da oft die Frauen und Mädchen ihre Krüge auf dem Kopf tragen. Von weit und breit kamen die Bäuer- lein mit ihren Eseln, Maultieren. Ochsen und Schweinen. Malerische Typen sah man da wohl unter den Hirten, die mit Hunderten Melonenverkäuferin vor dem Gefängnis in Moncorvo. ihrer Zöglinge fern von den Bergen in di« Stadt gekommen waren. Hin und wieder begegneten un» auch wohl schwarzhaarig«, dunkel- äugig« Frauen, mit grellfarbigen Tüchern bekleidet. Sie sahen stolz, wie eine Madonna mit einem Kindlein an der Brust, auf einem Maulesel: ein älterer Junge führte diesen. So ritten sie tagelang, mit Proviant eingedeckt, zum bevorstehenden Markttage nach Moncorvo. Originell ist auch das Gefängnis des Ortes. Es liegt un- mittelbar am Markt, an der übersichtlichsten Stelle. Große, weit gesperrte Stäbe in offenem quadratischen Fenster, trennen den Ver- breche? von dem Leben und Treiben draußen Frauen und Mädchen sieht man häufig Speise und Trank durch die Stäb« reichen und manch«in Handel wird zwischen ihnen abgeschlossen.„Reparaturen werden angenommen.' Der Schweroerbrecher wohnt im ersten Stock und übersieht von einem bequemen Stuhl aus das Leben der Stadt, in keiner Weise vom öffentlichen Leben abgeschlosien. Ein langanhaltendes kreischendes Geräusch läßt uns das Heran- nahen eines Ochsenkarren vermuten. Er ist das besondere Merkmal des portugiesischen Straßenbildes. Sein Bau ist ganz primitiver Art. mit Vollrädern, di« beim Fahren einen sehr schrillen Ton von sich geben. Er ist heute kaum anders als vor 2000 Jahren und beherrscht den gesamten Lastverkehr. In der Perjonenbesör- derung macht ihm der„Ford'-Omnibus bereits erheblich« Kon- kurrenz. Ein gemeinsames Joch vereinigt das stark behörnte Ochsen- paar, es ist meist reich geschnitzt und bunt bemalt---«in Stück Volkskunst.'Oft sieht man sie mit schweren Weinfässern oder Steinen (Material von den neuen Steinbrüchen) durch die Straßen fahren. So vergingen die Tage unter tausenderlei Eindrücken. Nach heißen Tagen folgten Abende der Entspannung. Aus ihren primitiven Gesteinshütten kamen die Bewohner heraus. Ein Stückchen Weißbrot oder der ewige Stockfisch, der di« Hauptnahrung der niedrigen Bevölkerung ist. gab die Abend- mahlzeit. Teils di« Hitze, teils das Ungeziefer, zwingt die Leute, oft vor, statt in ihren Hütten zu schlafen. Nun kommt auch die Musik zu ihrem Recht, ohne die ein Portugiese nicht zu denken ist. Nicht allein, daß die Mädchen den ganzer» Tag bei der Arbeit vor Brunnen in Moncorvo. sich hinsummen, in sich oft wiederholenden, langgezogenen Tönen — abends kommen die Lieder der Burschen dazu. Die Sonne wirft nochmal ihre letzten, sengenden Strahlen auf das Dach der Käthe- drale(eine Erinnerung an Portugals große Zeit), scharf zeichnet sich dort oben jene Zypresse an Bergrücken ab, von dem flammenden Rot, das jetzt den Himmel erglühen läßt. Leise hüllt die Dämmerung das Tal ein und irgendwo hören wir einen Mandolinenspieler feiner Scnpra ein Ständchen bringen. Text und Kreidezeichnungen von L. Amft An fremden Tischen Unappetitliche Geschichten von H. Hemmer i. Triefend naß nach einem Marsch im platzeirden Tropenregen landeten wir mit schützenden Palmblättern auf unseren Tropen- Helmen vor der Menschenfresserhäuptlingshütte(im Innern einer Fidschiinfel). Wir werden herzlichst hereingebeten. Und nehmen Platz an der langen Familientafel, das heißt Matt« auf dem Fuß- boden. Einige kotbeschmutzte schwarz« Schweine, kleine Hühner und räudige Köter laufen über diesen gedeckten Tisch. K a k o t a t a b u richtet uns den Ehrentrunk. Er nimmt eine halbe Kokosnußschale, zerkaut eine merkwürdige Wurzel und spuckt sie m die Schale hin» ein. Dann reicht er sie dem Zweitwürdigsten, der nimmt den Brei heraus, kaut ihn wiederum und spuckt ihn zurück. So wandert di« Schal« um den ganzen Tisch herum, bis sie mit feinst zermahlener Wurzel wieder vor dem Häuptling landet. Zur Ergänzung der nun etwa noch fehlenden Flüssigkeit mischt Kaiotatabu noch ein wenig gegorenen Pslanzensaft hinzu, und nun müssen wir trinken. Da hilft kein Schreien. Man weiß, was«in« Verletzung des Gebrauchs in dieser Gegend zu bedeuten hat. Die strafenden englischen Kanonenrohre waren weit, was hätten sie mir nützen sollen, wenn ich bereits aufgefressen wäre. Wir tranken bis zur Neige. Es schmeckte wie laues, schleimiges Seisenwasser. Katotatabu strahlte Liebenswürdigkeit aus, nahm die geleert« Kokosnußschale aus meinen Händen, putzte mit seinen dunkelbraunen Fingern den öligen Rest heraus und wischte damit, Behagen grunzend, seine Magengegend. Ich össnete nunmehr unser ihm zu- gedachtes Geschenk, eine Fiafche deutschen Exportbiers, die er zu- mindest ebenso steptisth betrachtet« wie wir den uns gereichten Ehrentrunk. Die ganze Tafelrunde kostete mit zugekniffenen Augen. Als letzter ich. Wieder ein Dil.emma. Werde ich nicht gegen Katotatabus Hofzeremoniell verstoßen? Ich wisch also die letzten Tropfen' Bier aus meiner Schale und reib« damit, Behagen grunzend, meine Magengegend. Es geht doch nichts über eine gute Kinderstube. Ich habe immer gefunden: den feinfühligsten gesellschaftlichen Takt braucht man im Verkehr mit Kannibalen. ll. Dreißig Gänge ließ der reick)« Herr a h F u h servieren, mit tausend Entschuldigungen, daß er nicht mehr offerieren könne als l�eses kleine Gabelfrühstück. Entenzungen. Fischmägen und Laubsrösche waren da, Würste und Haschees von seltenen exotischen Tieren, ein Makkaroni: nein. Regenwürmerauslauf. Lotoswurzeln und Chrysantheinenspinat. schwarz« Eier, die jahrelang unter der Erde oergraben waren, und weiß Gott was noch alles. Nachdem wir vier Stunden lang gegesien hatten und die finale famos« Vogelnestsuppe aufgetragen werden sollte, begann ich schrecklich zu husten und zu schnaufen. Ein« Hai- fischgräte war mir im Halse stecken geblieben, und ich dachte, es sei aus und geschehen mit mir. Plötzlich sprang di« Gräte mit einem schrecklichen glucksenden Geräusch wieder heraus. Ich wollt« mich eben entschuldigen, da machte der Wirt dasselbe Geräusch des Auf- stoßens, sich höflich gegen mich verneigend. Da verstand ich Ich hatte unversehens: Mahlzeit! gesagt. Und mein Gastgeber rülpste »ir laut und vernehmlich: Mahlzeit! zurück. (2. Forts egung.). Großartig wäv's, erlernte der Heinrich alle diese Künste, dachte Boter Schworzbach, indem er mit seinen dicken Fingern die Teil« eines zerlegten Uhrwerks berührte. Timm kratzte die ölige Staubschicht von einem Rädchen.„Da wundern sich die Leute, wenn ihr alter Freund den Dienst oersagt, obwohl sie immer öfter mit der Baumölfeder in sein Inneres hin- einfahren. Doch geben Sie mal acht." Er warf die vor Schntutz und Grünspan klebrige Gewichtskett« in ein Gefäß, streute Schlemm- kreide darüber und goß«ine säuerlich riechende Flüssigkeit hinzu, wonach es wie kochend brodelte und zischt«. Dann nahm er die Kette mit einer Zange heraus, rieb sie in Sägemehl trocken und breitete sie goldglitzernd auf die Hobelbank. „Potztausend!' Schwarzbach stieß mit dem Stock auf. Das ist ja die rein« Zauberei, dachte er und bereut« im stillen sein voreiliges Urteil gegen die abseitsliegenden Künste des Meisters. „Adchen, Adchen!" Der graue Kopf der Meisterin schob sich durch den Türspalt.„Nickelbauers Amandus und dessen junge Frau warten auf dich. Sie wollen in die Lebensversicherung." Hagel-, Feuer-, Trichinen- und Lebensoersicherung: Uhrmacher-, Glaser-, Maler-, Stockmacher-, Schlosserarbeiten und weiß Volt was noch alles hier getrieben wird— wirbelte es Dater Schwarzbach durch den Sinn, als er mit der Hand über den goldslammenden Glanz eines Birkenschrankes fuhr. „Ja, gewiß," sagte Timm noch rasch ergänzend, als habe er Schwarzbachs Gedanken erraten,„so etwas lernt er selbstverständlich hier auch. Ein solch umfangreiche« Handwerk läßt sich eben in so kurzer Zeit nicht erschöpfend erklären." Schnell fuhr er mit dem Handfeger über Schürze und Stiesel. Dann ging es hinüber zur guten Stube. Nach einem kurzen Imbiß wies der Meister auf den umrahmten Spruch über seinem Schreibtisch, den Heinrich laut vorlesen mußte: Beweget Frohsinn dein Gemüt, Geschick und Fleiß ein jedes Glied Beim Hobeln und beim Sägen, Blüht's Glück dir allerwegen. Danach mußte Heinrich mit den Männern zur Befiegelung dauernder Freundschaft ein Gläschen Branntwein leeren. „Beim Hobeln und beim Sägen", ahmte Schwarzbach nach, als beide auf die Straße traten. Davon hatte der Meister fast nichts erwähnt, und darauf kam es doch an. Jedoch beruhigte er sich auch darüber. Denn eigentlich erschienen ihm nun diese Hantierungen so selbstverständlich für einen Tischler, daß sie weiterer Erörterungen nicht bedursten. Und im übrigen konnte er sich auf den gesunden Sinn seines Jungen verlassen. Die er st« Arbeit. „Siehst du. Di« erste Bedingung für gediegene Arbeit hättest du erfüllt." Der Meister griff eine Handvoll Holznägel aus der Kift«, die auf Heinrichs Hobelbank stand.„Wenige Gesellen können das." Heinrich blickte den Alten erwartungsvoll an Bier Wochen lang stand«r nun schon, den rechten Fuß aus den Bankknecht gesetzt, das lange Heft des Schnitzers aufs rechtwinklige Knie gelegt, und säbelte mit der haarscharfen Schneid« Span um Span von fingerlangen Stäbchen.„Ich glaub's schon, mein Junge, möchtst Abwechslung." Der Meister bohrte zwei Probelöcher verschiedener Größe in ein Brett und trieb die Holznägel hindurch.„Gut so. Tadellos. Etwa fünftausend von jeder Sorte, dann halten sie einige Jahr« vor. Aber kannst es selbstverständlich mal versuchen, wenn du dich stark genug fühlst. Bold brauchen wir Stuhlholz, da wird es den Josef freuen, wenn du ihm die Kloben vorrichtest. Auf einen Span mehr kommt«« dabei nidst an: daran kannst du dich üben." Der Alte begann von einem der Klafterscheite, die hoch- geschichtet in einer Ecke lagen, mit dem Handbeil die gröbsten Un- ebenheiten abzuhauen. Spielend l«icht«rschi«n es Heinrich, als der Meister Zug um Zug kringelnde Späne herunterschrubbte und ihn dabei belehrte:„Immer gerodedurch, ein Stoß neben den anderen, nicht im Bogen, wie beim Grasmähen.— So. Wenn du's satt hast, greifft du wieder zum Schnitzer." Sogleich nicht, dachte der Junge. Denn das Hobeln, Sägen, Stemmen war es ja. was ihn zum Tifchlerhandwerk hinzog, wohin- gegen das andauernde Nägelschneiden ihm große Enttäuschung be- reitet«. Alle Wetter! Das macht warm! Heinrich trocknete sich das schwitzend« Gesicht. Zlber gleich legte er wieder los. Was der Alt« kann, das muß auch ich schaffen, dachte er. Doch immer wieder verstopfte sich der Hobel: mir selten schoß«in Span stracks aus dem Lach. Bald griff er zum Schlichthobel, um die Fläch« zu glätten, doch dieser gebürdete sich noch eigensinniger. Nie faßte das Eisen in ganzer Breite. Und war einmal Aussicht auf einen derben Span, dann oersagte Heinrichs Kraft im halben Stoß und der Hobel faß fest wie ein Wagen im Sonde. Wandt« er den Kloben um, dann ließen sich zwar di« rauhen Stellen mühsam glätten, dafür zeigten sich aber die glatten desto widerspenstiger. Aeste widerstanden gar wie störrische Böcke und stießen ihn förmlich hintenüber. So sehr er sich indessen abmühte, beim zweiten Kloben mußte er sich ergeben, denn schon zeigten sich schmerzhaft« Schwielen an den Handflächen. Widerwillig legt« er den Hobel beiseite, stellt« den Bankknecht zurecht und trennte wieder Span um Span von den vierkantig gespaltenen Stäbchen. Dabei blickte er hin und wider zum Werk- zeugrahmon auf und stellte Betrachtungen an. wieviel Müh und Sorgen ihm wohl jedes Stück noch bereiten werde. Da waren di« beiden Rauhbänke, der Doppel-, Putz-, Sims-, Schiff-, Grat- und Zahnhobel, neben Stemmeisen, Bohrern, Feilen und vielen anderen. Und sede» dieser Werkzeuge hatte sozusagen seinen«igenen Sinn, den er erst unter seinen Willen zwingen mußte. Und das war nicht leicht, dessen war er heut Inn« geworden. Sein Blick haftete«in Zwilchen auf der vor ihm hängenden Säge, di« er wegen ihres widerspenstigen Wesens ganz besonders haßte. Brachte sie ihm doch neulich, als er dem Josef beim An- schneiden der Zapfen und Schlitze helfen nnißte, rein zur Berzweif- lung. indem sie in ihrer Unbändigkeit bald rechts, chald links über den haarscharfen Riß hinweggriff. Und es schien beinah, als stünde sie mit dem Gesellen im Bunde, der ihm In seiner Wut einmal über das andere den Beweis seiner absoluten Unfähigkeit zum Tischler- Handwerk an den Kopf warf. Dabei dacht« er an die Einfachheit anderer Berufe: Ein Schneider braucht Nadel, Schere und Bügel- eisen, ein Maurer Hammer mck» Kell« und ein Bäcker knetet und formt gar all«s mit bloßen Händen. Ein Ruf der Meisterin stört« ihn aus seinen Betrachtung«,. Als er in die Küche eintrat, schob ihm die Alte einen Apfel hinter den Schllrzlatz.„Lauf geschwind, der Meister braucht's nicht wissen", flüsterte sie, ihm einen verschnürten Karton überreichend. Heinrich griff die Turmfchlüssel vom Brett und eilt« zur Post. Nichts umsonst, dachte er, fest in den Apfel beißend. Man gut, heut mußte er ohnehin die Stadtuhr mit der Postuhr vergleichen, so ließe sich der Meister täuschen. Schuster-Paul, den Heinrich schon wiederholt am Marktbrunnen traf, verlieh feinem Abendgruß durch einen Rippenstoß den nötigen Nachdruck. Ein Paar lange Schachtstiefel für den Braumeister hingen über seiner Schulter. Neugierig nach Heinrichs Paket greifend, las er, es van ollen Seiten beschnuppernd: An den Sergeant Theodor Timm, 3. Pionier-Botaillon in Glogau.„O Junge, da ist Geld drin!" Doch Heinrich versetzte ihm«inen festen Stoß, als«r es ihm zur näheren Untersuchung entreißen wollte.„Bist'n feiger Affe!" sagte er verächtlich.„Ich wollte der Alten Geiz schon belohnen. Weißt wohl noch gar nicht, daß das Betrug ist, der bestraft werden muß. Und ich sag dir, wenn wir's rausklau'n, erfährt kein Mensch etwas.— Aber du bist ja zu dämlich." „Und du bist gemein!" versetzt« Heinrich und schritt fest aus. Doch der andere hielt ihn zurück.„Mensch, was rennfte d«nn so? Du mußt doch Spaß verstehn." Schuster-Paul lacht gezwun- gen.„Du dachtest wirklich?— Re, das hob ich nicht nötig. Einen halben Taler Hab ich schon beisamm'. Es vergeht fast kein Tag, wo ich nicht einen Groschen verdien«. Und Sonntags beim Schafkopf- spiel gewinn ich auch immer.— Du, mich mußte«rst kenn' lern': ich weiß Bescheid.— Komm man heut abend raus zum Gefchkemüllsr. da ist Hochzeit. Du, da gibt's ordentlich einen.— Warst woh noch gar nicht besoffen, was? Rauchen kannfte auch noch nicht? Mensch, bist« dumm od«? fromm oder beides zufamm'?" Lachend bog der Schuster in den Brouhof ein. Der große kräftig« Junge war mit seinem Bater vorher ein Jahr auf Zicgeleiarbeit gegangen, eh« er in di« Lehre trat: dabei hatt« er manches gelernt, was unserem jungen Freunde noch fremd war. Pfui Teufel, ist der gemein, dachte Heinrich, als er allein war. Schnapstrinken, Kartenspielen und obendrein Stehlen.— Und das tollste ist, er bildet sich wunder was«in darauf und hält jeden, der WAS DER T mimMmimrammmiiimMiiuunnwmiMimuiwainmniuuimimumniiiimuinmwi Der Kampf ums Hemd. Im Schnellzug Bodenbach— Prag. Ich will in den Speisewagen gehen. Es ist heiß und ich habe mir die Jacke ausgezogen, bilde mir aber ein, daß ich mit Oberhemd, Kragen und Schlips sehr anständig aussehe. Kaum habe ich mich hingesetzt, als der Kellner an meinem Tisch erscheint:„Wollen Sie sich bitte den Rock anziehen?!" „Ja, aber weshalb denn?"—„Das ist so Vorschrift!"—„Hat sich denn jemand beschwert?"—„Das nicht, aber es ist eben Vor- schrift!"—„Rufen Sie mir doch bitte den Kontrolleur!" Der Kontrolleur kommt und bestätigt, daß es in den Speise- wagen der Internationalen Speisewagen-Gesellschaft taffächlich eine derartige unsinnige Vorschrift gibt. Ich bin in mein Abteil zurückgegangen und habe darauf ver- zichtet, mir für den Besuch des Speisewagens extra den Rock an- zuziehen. Als ich wieder in Deutschland war und den Speisewagen der Mitropa im Oberhemd aufsuchte, fragte ich den Kellner, ob b«i ihnen auch eine derartige Borschrift bestünde und ob ich auch hier meinen Rock anziehen müßt«. Aber diese deutsche Speisewagengefellschast scheint vernünftiger zu sein:„Rur, wenn sich jemand darüber be- schwert, müßten wir Sie ersuchen, Ihren Rock anzuziehen!" Bei einigem guten Willen geht es also doch! Verbrecher sind in den Adelsstand zu erheben I Wie wir wissen, herrschte der Adel bis zum Jahr« 1848 in Deutschland uneingeschränkt und absolut. Mit den„bürgerlichen Eanaillen", wie die Aristokraten damals alle nicht adligen Bolls- genossen nannten, wollten sie nichts zu tun hoben und machten daraus nirgends ein Hehl. Das Boll pfiff zwar auf die Wert- fchätzung des Adels und sein« Arroganz, aber es seufzt« unter den mannigfachen Schikanen, denen es allenthalben durch die Aristo- kraten ausgefetzt war. Es fühlte sich mit Recht in feinet Entwick- lung gehemmt und unterdrückt, und es kann daher niemand wunder- nehmen, wenn es sich im Jahre 1848 endlich an seinen Peinigern rächen wollte. In Wien hängt« man den verhaßten Kriegsminister Latour an die Laterne, und in Deutschland stellten Volksvertreter Anträge auf Aushebung de« Adels uizd feiner sämtlichen Vorrechte, und«in Antrag ging sogar soweit, allen Ernstes vorzuschlagen, daß man die Berbrecher in den deutschen Gefängnissen und Zuchthäusern in Masse adeln soll«. Nach ihm sollten lebenslängliche Zuchthäusler zu Grafen, gewöhnliche Zuchthäusler zu Baronen und Gefängnis- insossen zu einfachen Adligen ernannt werden. Auf dies« eigen- artige Weis« hoffte der Antragsteller, den Adel in Deutschland für ewige Zeiten zu erledigen. Der Antrag, der übrigen» keinesfalls ironisch aufgesaßt sein wollte, befindet sich angeblich noch heute in Akten der Frankfurter Nationaloersammlung. Die Hölle der Filmateliers. Die größte Plage bereitet den Filmdarstellern die außerordent- liche Hitze, die während der photographischen Aufnahmen in den Ateliers herrscht,«ine Unbequemlichkeit, die mil dem Auftreten des Tonfilms noch ungleich größer geworden ist. Aber das Schlimmste scheint den Filmdorstellern noch bevorzustehen, denn Sachkundige versichern, daß bei der Aufnahme von Photographien in natürlichen Farben die Temperaturen im Atelier noch ein« weitere Erhöhung erfahren werden, da es, um farbig« Ausnahmen zu machen, einer doppelt so starken Beleuchtung wie bei den Schwarzweißbildern be- darf. Als die amerikanische Hundstagstemperatur ihr Maximum erreicht hatt«, stieg die Hitze In den Ateliers oft genug bis zu 27 Grad Celsius. nicht mitmacht, für einen Dummkopf. Am liebsten hätte er ihm fä feine Meinung sogen mögen, doch die Frechheit der Burschen schüch- tertc ihn ein und außerdem war er aucki viel stärker als Heinrich. Die Turmuhr. Es begann z» dunkeln, als Heinrich sich des Postauftrags ent- ledigt hatt«. Im Laufschritt klappte er mit seinen Holzpantinen die Straße hinunter zur Kirche. Die klein« Tür zum Kirchaufgang war nur angelehnt. Die Holzpantinen in der Hand, lief er in Strümpfen di« kleine Wendel- treppe im Nebentürmchen hinauf..Lesses Maria!" Es war das klein« Hausmädchen d«s Kantors, das zum Abendläuten ging, dos Heinrich im finsteren Gange, der zum großen Turm führt, beinah überrannt hätte.„Gott behüt' mich! Du bist es Timm-Heinrich! — Kommst angeschlichen wie ein Gespenst!" Doch Heinrich stürmte ohne Erwiderung vorbei zur Balkenkaminer. „Du sollst nicht!" Si« stieß ihn weg, als der Bursche nach einem der herabhängenden Taue griff.„Wenn's jemand erfährt, geht es dir schlecht", drohte sie. Doch Heinrich ließ sich nicht ver- drängen. Mit ein paar kräftigen Zügen brachte er di« Abendglocke in Schwung. Es machte ihm heillosen Spaß, tausende Menschen bis weit ins Land hinaus zur Andacht auf die Knie zu zwingen und allen Männern, vom Bürgermeister bis zum Nachtwächter, die Mütze vom Kopf zu läuten.„Gott nein, so hör doch endlich auf! Willst gleich ein Morgenläuten draus machen?" Sie stieß ihn energisch beiseite und ließ sich am Tau auf und nieder schwingen, bis der letzte Glockenton verklungen war. „Hoho, den letzten sollst du haben!" Heinrich jagte ihr im Dunkeln nach und gab ihr den Klapps zurück, den er als Gutenacht- grüß erhielt. Indes noch flinker hotte er den Schlag wieder, die Tür zum Außenturm flitzte zu und lachend sprang die kleine Läuterin die Wendeltreppe hinunter. Gleich am ersten Sonntag hatten sich beide im Turm getroffen. Si« stieg mit ihm hinauf zur Uhr: weil es zum Abendläuten noch zu früh war, wollte st« sich dieses mächtige Wert auch mal betrachten, das größer als der Webstuhl ihrer Mutter sein sollte. Sie half Heinrich die schweren Granitblöcke, die als Gewichte an langen Tauen tief im Schacht hingen, in die Höhe winden. Dann stiegen sie hinauf zum Glockenstuhl. Fledermäuse flatterten piepsend umher, und Tauben räusperten sich im schweren Gebälk. Nachdem beide gemeinsam die Glocke in Schwung gebracht, überließ sie Heinrich das Läuten allein. Unterdessen hüpft« sie von einem Schalloch zum anderen, bis sie zu dem gen Westen gelegenen suchend hinausspähte. Während der von der Abendsonne golden überhauchte Glocken- stuhl noch vom Geläute nachtlang, lehnten sich di« beiden Kinder über di« Brüstung der Turmmauer und hielten Ausschau noch ihren Heimatdörfchen. Mariechen jauchzt« freudig auf. Ganz klar lag das ihrige an der Berglehne mit seinen schneeigen Dächern. Suchend wie» auch Heinrich linksseitig über Neusalz hin. wo er, in graue Dämmerung gehüllt, sein Dörfchen vermutete.„Da ist doch der Freystädter Kreis.— Bist wohl evangelisch?" fragte sie rasch. Hein- rich bejahte. Danach zog sie ihr Köpfchen schnell zurück und rannte mit kurzem Gruß die Treppen hinunter. lForlsetzung folgt.) AQ BRINGT. Flugzeuge mit Fliegenpapier. Bei der Bekämpfung der schädlichen Insekten hat dos Acker- bauamt der Vereinigten Staaten jetzt ein neues Derfahren eingeführt. Um das Auftreten und die Bewegungen der Infekten festzustellen, deren Larven so furchtbare Verwüstungen in den Baumwollfeldern von Texas und Mexiko anrichten, werden Flugzeug« mit großen Streifen von Fliegenpapier oersehen. Fliegt nun die Maschine über die gefährdeten Gebiete, dann fangen sich zahlreiche Fliegen und ander« Insekten an diesen Papieren. Aus dem Alter der auf dies« Weise gefangenen Tiere, den Verhältniszahlen der Geschlechter, der Richtung des Fluges und der Höh«, in der sie gesangen werden, lassen sich nun wertvolle Anhaltspunkte gewinnen, um sich über das Aus- treten der gefährlichen Larven schon vorher zu unterrichten, so daß bereits zur rechten Zell Maßnahmen zur Bekämpfung getroffen werden können. Wo ißt man am meisten Fleisch? Der Fleischverbrauch, umgerechnet auf den Kopf der Bevölke- rung, weift naturgemäß in den verschiedenen Ländern sehr erheb- liche Schwankungen auf. Zu den Ländern mit dem größten Fleisch- verbrauch gehört Australien. Hier wurden allein an Rind- und Kalbfleisch je Kopf der Bevölkerung 132 Pfund verzehrt, entgegen 64 Pfund in den Vereinigten Staaten von Amerika, 32 Pfund in Großbritannien und 32 Pfund in Deutschland. Aber auch im �on- sum von Hammel- und Lammfleisch steht Australien bei weitem an erster Stelle. Hier kommen 48 Pfund, in Großbritannien 21 Pfund, in Kanada knapp 3 Pfund, in den Vereinigten Staaten etwa 4 Pfund und in Deutschland 1� Pfund aus den Kopf der Bevölkerung. Der Schweinesleischverbrauch ist dagegen in Deutschland mit 44 Pfund je Kopf der Bevölkerung am größten, beträgt beispielsweise in Australien noch nicht«in Viertel davon(etwa 10 Pfund). Journalismus zu Cüsars Zeiten, Ausgrabungen von Mauertafeln, di« in Ostia, dem Hafen des alten Rom angebracht gewesen sein dürften, geben Aufschluß über das Nachrichtenwesen zu Cäsars Zeit Auf diesen Mauertaseln sind nämlich die verschiedensten Nachrichten nicht nur lokaler Art, sondern auch solch« aus dem Ausland, über Schlachten usw. ein- gegraben. Die Tafeln wurden in der Hauptstadt angeschlagen, von wo die Nachrichten in di« Provinzstädt« gelangten. H oliän disch e Hima la ja-Expediti on. Der holländische Gesondtschaftsattachä Ph. E. Bisser begibt sich auf eine Forschungsreise in das schwer zugängliche Gebiet von Karakorum in den Regionen des Himalaja. Ausgangspunkt der Expedition ist Kaschmir, von wo man über den westlichen Himalaja nach Chinesisch-Turkestan gelangen will. Die Expedition beabsichtigt, dort den Winter zu verbringen, um im Sommer 1SI0 die For- schungen im westlichen Kunhun-Gebirge fortzuführen und von dort auf einem neuen Wege nach Indien zurückzukehren. In der Te- gleitung Bissers befinden sich ein Zoologe,«in Geologe, ein indischer Topograph und zwei Bergführer. Die entschleierte Frau, Die Abschaffung des Schleiers in Persien hat auf di« dortigen jungen Männer eine eigenartige Wirkung ausgeübt. Si« scheinen durch den ungewohnten Anblick weiblicher Gesichter derart fasziniert zu sein, daß keine unoerschleiert« Frau sich aus der Straß« sehen lasten kann, ohne sofort von den liebebedürftigen Verfolgern be- lästigt zu werden. Das Unwesen hat derart überhand genommen. daß die Stadtverwaltung von Teheran besondere Beamte zu:'! Schutz« der Frauen angestellt hat, deren Zahl jedoch bei weitem»ich: genügt, um auch nur einen Teil der Unzuträglichieiten aus diesem Gebiete zu verhindern. FTQB. fährt zum Gewerkschaftsfest. Am gestrigen Sonntag durchzogen 66 Boote der Freien Turnerjchast Groh-Berlin, festlich geschmückt mit den Bundesabzcichen, vielen Wimpeln und Flaggen, auf dem Land- wehrkanal die Stadt. Fallboote, Einer- und Zweier-Paddler wech'elten mit den Mannschaftz-Vierern der Frauen und Männer. Die Ausfahrt erregte nicht nur an den Brücken berechtigtes Auf- sehen, auch eine stattliche Zahl von Zuschauern begleitete diesen Zug wettergebräunter Wassersportler am User entlang. Die große Anzahl der Boote bewies, daß auch der Arbeiter imstande ist, Wassersport zu treiben, wenn er daraus verzichtet, die kost- spieligen Sitten der feudalen bürger- lichen Klubs nachzuahmen. Die Fahrt führt« bis zur Tier- garten-Schleuse, wo in kurzer An- spräche auf die Bedeutung des Wassersportes auch für die arbeitend« Bevölkerung hingewiesen wurde Große Transparente kündeten gleich- zeitig das große Jubiläums- S p o r t f e st der Freien Turner- schaft Groß-Berlin an, das am Sonnabend. 31. August, und Sonn- tag, 1. September, im Poftstadion stattfindet. Kurze Rast unter schatti- gen Bäumen, und zurück geht die Fahrt, um nochmals im Urbanhafen geschloffen aufzufahren. Dann geht's- im flotten Tempo zum Gewerk- s ch a f t s f e st in den Treptower Lokalen. Vom Boot au- wird in treffenden Worten auf die innige Bcrbindung der Arbeitersportler mit der Gewerkschaftsbewegung hingewiesen. Wie die Wasser- fportler den Menschen zu einem gesunden arbeitsfreudigen und tat- bereiten Mitstreiter und Kämpser erziehen wollen, so sind es gerade die freien Gewerkschaften, die durch Lerbesserung unserer Wirtschaft- lichen Lage unsere Bewegung in ganz erheblichem Maße unter- stützen, hinein in die freien Gewerkschrsten, hinein in die Vereine des Arbeiter-Turn- und Sportbundes! Mehrtausendsaches Frei Heill klingt über di« weite Wasserfläche, um vom jenseitigen User in verstärktem Echo zurückzuschallen. Unter Beifallklatschen und wiederholten Frei-Heil-Rusen fahren die Ruderer und Kanufahrer der Freien Turnerschaft Groß-Berlin ihrem Endziel« zu. Ruder- und Kanusport ist nicht mehr ein Vor- recht der Besitzenden, Wassersport ist Arbeitersport, wenn darauf gesehen- wird, auch dem Anfänger in hilfsbereiter Weife Rudern, Kanu- und Faltbootfahrcn zu ermöglichen. Was ist mit Sawall? Wieder hält Maronnicr den Exwcltmeisier! Gestern trafen sich auf der O l y m p i a b a h n neben Ihollem- beet, Manera, Saldow und Hille zwei starke Rivalen: Sawall und Maronnier! Man war gespannt, ob der Exweltmeister seine im„Blauen Band" durch Maronnier erlittene Niederlage wieder wettmachen würde. Vorweg gesagt: auch gestern wußte der Frangos« im großen Rennen über 75 Kilometer über Sawall zu dominieren. Die Reihenfolge war ausgelost mit Maronnier vor THollem- beek, Sawall, Saldow, Hille und Manera. Maronnier? Schrittmacher legte ein flottes Tempo vor und führte seinen Steher sehr schnell an Hille, Saldow und Manera vorbei. Bald lag der Franzose hinter Sawall. Es schien, als sollte sich nichts weiter besonderes ereignen, als Manera zum Vorstoß ansetzte und mit Thollemdeet den führen- den Maronnier von der Spitze verdrängt«. Der Franzose jagte so- fort hinterher und auch Sawall drehte voll auf. Während Maronnier die Führung wieder eroberte, vermocht« Sawall auf den an dritter Stelle liegenden Thollembeek aufzulaufen, doch ohne vorerst vorbei- gehen zu können. Der Belgier kämpst« mit ganzer Kraft und gab erst bei, al» etwa zwei Drittel des großen Laufs bedeckt waren. Dann erst ließ er Sawall und gleich darauf Maronnier passieren. Der Kampf Thollembeek— Sawall brachte Manera«inen dritten Platz ein. War doch der Belgier von diesem Zweikampf viel zu sehr mit- genommen, um noch groß mitreden zu können. Wohl versuchte Sawall noch Platz auszuholen, doch hielt Maronnier jedes Tempo überlegen. Alle anderen Fahrer wurden von Maronnier und Sa- wall in regelmäßigen Abständen überrundet.— Vorher gab es u. a. noch den„Kleinen Preis von Carlshof", der über 25 Kilometer ging und in Manera einen so starken Spitzenführer hatte, daß auch hier Sawall sich mit einem zweiten Platz begnügen mußte. Resultate: Preis von Carlshof(25 Kilometer): 1. Ma- nera 20:47,6: 2. Sawall 50 Meter: 3. Maronnicr 116 Meter: 4. Thollembeek 296 Meter: 5. Saldow 886 Meter: 6. Hill« 3656 Meter zurück.— Großer Preis von Berlin(75 Kilometer): 1 Maronnier 1:61:39,4: 2. Sawall 296 Meter: Manera 3616 Meter: 4. Thollembeek 3750 Meter: 5. Hille 6920 Meter: 6. Saldow weit zurück.— Amateur-Mannschaftsfahren(7566 Meter): 1. Excelsior-Dresden mit Maidorn, Wend, Groß, Mayer: 2. Concordia-Berlin 36 Meter zurück.— Punktefahren: 1. Gröning-Derlin 13 Punkte: 2. Maidorn-Dresden 12 Punkte: 3. Gangcl-Berlin 5 Punkte: 4. Zimmermann-Berlin 4 Punkte. — Vorgabefahren: 1. Patan-Berlin-Schöneberg: 2. Kopple: 3. Lehmann. Deutsche Saalsport'Meistcrsdiaftcn. Der Bund Deutscher Ra d f a h r e r brachte am Sonntag im Sportpalast die Deutschen Saalfportmeisterschasten zur Durchführung. Die Meisterschaft im Zwcier-Radball und auch die im Dreier-Radball sichert- sich ,.Wanderlust".Frantfurt a. Main. Im Zweier-Radball hatten Haas«— Schulz von der Chemnitzer Rad- sport-Vereinigung beim Seitenwechsel einen Aorsprung von 5:4 gegenüber Blecher— Schreibe? aus Frankfurt, und auch nachdem folgte auf beiden Seiten bei vollkommen ausgeglichenen Leistungen Tor aus Tor. Das hochinteressante Spiel wurde schließlich von .Wanderlust".Frantfurt mit 11: 16 Toren gewonnen. Eine große Ueberraschung ergab dos Dreier-Radball, schied doch der mehrmalige Meister Erfurter Turnerschaft ebenso wie Concovdia-Berlin schon in den Vorspielen aus. Das Endspiel sah wiederuni den RV. „Wanderlust"-Frankfurt a. M. mit den Dresdner Wanderfalken im Kampf. Beim regulären Spielschluß stand das Spiel 1:1, so daß eine Verlängerung Platz greifen mußte, in der die Süddeutschen den Sieg mit 3:2 Toren sicherstellen konnten. Da» Kunst. fahren brachte folgende Ergebnisse: Einer-Kunstfahren: 1. G. Heidenreich(Adler-Breslau): 2. A. Seifscrt(Wanderer- Görlitz). Zweier-Kunstfahren: 1. Adler-Reuwerk(Adrian-Sieben): 2. Flottweg-Kasscl(Ruhn-Unsinger). Achter-Kunstreigen: 1. Blitz- Neukölln: 2. Breslauer Radfahrer-Verein. Sechser-Kunstreigen: 1. Wanderlust-Heilbronn: 2. Flottweg-Kassel. Motorc in Ruhleben. Fast populärer als Pferderennen. Di« jetzt stark in Mode gekommenen Motorradrennen auf Sandbahnen waren auch für die Trabrennbahn Ruh- leben ein voller Erfolg. Annähernd 18 666 Zuschauer hotten sich zu den au, allen Teilen des Reiches stark beschickten Rennen ein- gefunden. Obwohl die Lahn weich war, wurden dennoch außer- ordentlich schnell« Zeiten erzielt. Besonders spannend verlief das Rennen der 350« Maschinen. Hier lieferten sich die beiden Münchener Brand(UT. Jap) und R. Klein(Sunbeam)«in Duell, in dem die übrigen nichts zu bestellen hatten. Im Hunderter-Tempo fegten beide, immer dicht zusammenliegend, um die Bahn; Brand gewann schließlich mehr als knapp mit dem ausgezeichneten Durchschnitt von 161,6 Stundenkilometer, nachdem er sich vorher schon dos Rennen der 250« Maschinen geholt hatte. Einen bedauerlichen Unfall gab es im Be'iwagenrennen der 356er Maschinen. Der Mlfahrer des Berliners Schneider flog auf der gcg>enüb«rlieg«nden Seite aus dem Fahrzeug und mußte mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Im Rennen der 666er Beiwagen geriet die Maschine des Berliners Walter Gens in Brand, konnte aber schnell abgelöscht werden, ohne daß irgend jemand zu Schoden kam. Die beste Leistung zeigt« R. Klein-München dann im Rennen der Halblitermaschinen, das er mit dem fabelhaften Durchschnitt von 168,4 Kilometer als über» legener Sieger beendete. Der Zweikampf der beiden Beiwagen- Spezialisten Schoth-Berlin und Möritz-München sah letzkeren mit einem Stundenmittel von 95,4 als leichten Sieger. 25 Jahre Arbeitersportler. Im Moabiter Schützenhaus feierte gestern einer der besten Arbeiterathletenoereine, der Sportklub„A l t- W e d d i n g 18 8 3", das 25jährige Sportjubiläum seines zweiten Vereinsvorsitzenden August P« t r i unter lebhafter Anteilnahme der Freunde de» Arbeitersportgedonkens. Den sportlichen Teil des Programms be- stritten Mitglieder der Freien Turnerschaft Groß-Berlin sowie die prächtige Heberiege des Sportklubs„Alt-Wedding", die von dem bei» fallsfreudigen Publikum für die schönen, ausgezeichneten Leistungen stark applaudiert wurden. Der sehr reichhaltige V a r i« t e t e i l bracht« in seiner bunten Fülle nur Gutes. Der heute noch aktive Jubilar zeigte im Kraftkombinationsakt der Original 3 Petris einige seiner altbewährten, prächtigen Leistungen, die wieder sehr starken Applaus fanden und für die dem„Alten" mit riesigen Blumensträußen gedankt wurde. Kreissportwart Fischer würdigte in feiner Ansprache an den Jubilar die Lausbahn des erfolgreichen, immer jugendlichen Sportlers und wünschte zum Schluß, daß noch recht lange solche fairen Sportler der Sportbewegung erhalten bleiben mögen. Der von all den Ehrungen ganz überraschte Jubilar ließ durch den Mund des Vorsitzenden seinen Dank aussprechen. Gymnastik unterm Flugzeug. Kunstflüge in Tempelhot. Im Gegensatz zu den Prinzen vom Hause Hvhenzollern, deren Beschäftigung darin besteht, Paraden über repubiikseindliche Ler- bände abzuhalten, Hot der Prinz Eugen zu Schaumburg-Lippe einen etwas gefahrvolleren Beruf ergriffen: er ist Flieger geworden und zeigte gestern im Rahmen eines von der Flughafengesellschaft Tempelhof veranstalteten Kleinflugtages einige gut ge- lungene Kunftfiguren, Loopings, Rollen, Trudeln, Rückcnfliegen und Steilkurven. Die Sensation des Tages war der Düsseldorfer Artist Oskar Dimpfel, der an einem am Flugzeug besestigtcn Trapez gym- nastisch« Hebungen machte und aus den Tragflächen der vorüber- sausenden Maschin« Herumturnte. Nach dem Ballonrammen und dem Abschuß eines Fesselballons führte die Fallschirmpilotin Char- lotte Tri ebner, die Gattin des vor zwei Jahren abgestürzten Fliegers, ihren 116. Absprung aus. Auch der Pilot Graf Schaum- bürg zeigte verschieden« elegante Kunstflüge. Nebenher veran- staltete der„S t u r m o og e l" und die Lufthansa aus modernen Verkehrsflugzeugen v e r b i l l ig t e Rundflüge, eine begrüßen,- werte Einrichtung, die sich bei den Berlinern regen Zuspruchs er- freut und außerordenllich viel zur Popularisierung des Flugsportes beiträgt. Den Abschluß des Kleinflugtages bildete ein großes Höhen- f euer werk. Der Besuch war sehr gut. Handhall und Tennis. Arbeiterspieler im Humboldthain. Die Spielbcwegung des Zlrbeiter-Turn- und Spartbundes iührre gestern im Humboldthain ihre S t ä d t e s p i e l e bei gutem Besuch durch., Im Handball standen sich die Mannschaften vor, Berlin und Halle gegenüber. Halle hatte Anwnrf, Berlin nahm aber den Ball ab und spielte erfolgversprechend los. Schon in der 4. Minute konnte der Rechtsaußen von Halle das Führungstor erringen. Flott und abwechselnd ging jetzt das Spiel weiter, aber von beiden Mann- jchaften wurde viel daneben geschossen. In der 15. Minute vollführte Hall« einen schnellen Durchbruch, der zum zweiten Tor führte. Glesch nach dem Anwurf fiel Tor drei, dem jetzt in schneller Folge noch vier weitere Tore folgten. Erst kurz vor der Paus« konnte der Berliner Mittelstürmer das erste Tor buchen. In der zweiten Halbzeit wurde die Berliner Mannschaft etwas bester, was sich sofort im Tempo ausdrückte. Trotz starker Abwehr konnte Berlins Halblinker das zweite Tor schießen. Durch leichtfinnige Fußabwehr des Berliner Tor- Hüters errang Halles Mittelstürmer des achte Tor, dem wieder in schneller Folg« zwei weitere Tore folgten. Berlin drittes Tor kam bald danach, während Halle Tor N und gleich nach dem vierten Tor Berlins das 12. und 13. erringen konnte. Berlin war durch gute» Abspielep noch zweimal erfolgreich. Halle siegtS also mit 13: 6(7: 1). Die Ueberlegenen waren die Hallenser, die ab« nicht hätten so hoch gewinnen können, wenn der Berliner Torwächter etwas mehr Inter- est« gehabt hätte, hatte er doch fünf Tore auf dem Gewissen, die er ohne jede Abwehr durchließ. Nur zum Ansang und am Schluß zeigte et gute Abwehrleistungen. Die Verteidigung versagte auch und war im Abdecken nicht auf dem Posten, Halle konnte mehrer« Tore freistehend schießen. Gut arbeitete wieder der Mittelläufer. In der Mannschaft selbst viel Nervosität. Di« Hallenser Mannschaft war dagegen gut im Zusammenspiel. Torwächter und Verteidigung waren gut auf dem Posten.— Die Resultate der weiteren Spiele sind: Männer: Erkner gegen Nowawes 3:11(1: 4), Wilmersdorf 1. gegen Kaulsdorf 2:4(6:3), Wilmersdorf 2. gegen Friedrichsthal 2- 0:2(6:0), Luckenwawe-Turnerinnen gegen FTGB.-Neukölln 3:6 und Nowawes-Schüler gegen Süden 2:6(1:3). Anläßlich de» Spieltages im 1. Kreise wurde zwischen„Tennis- Rot Groß-Berlin" und dem Tennisbezirk d« FTGB. ein Ver- einswettkampf ausgetragen. FTGB. nahm die Spiele auf die leichte Schulter, trat schlecht an, so da st sie hoch geschlagen(18: 1) die Spielfelder verließen. Trotz des ungünstigen Resultates für die FTGB. gab es sehr interessant« Kämpfe. Nachstehend geben wir die Resultat« der ausgetragenen Spiel«: Gllntber(£..*.); Mllller tlVTTB.) 6:1, 6:2: siilcher(£.-3.): Schiller 6:0, 6:2.— gtoticii.ftlmcl: KohUr lT.-R.i: 3>'Mkr 6:1, 6:0; Sobinirfi(E.-S.l; fflotfefl 3:6, 2:6; Roack(£..«.); Semmicr (ira®».) 6:1, 6:1: SUntlnr(T.Zl.l: Koliman» igTtbB.) 6:6, 6:2.- Ränxer. Ä»»p«l: Diutschtron. Nobler ll.-R.): MLll-r.SchüIcr«;2,»:«.- Höhere Sdiüler im Stadion. Der Berliner Turnlehrer-Verein brachte am Sonnabend im Grunewald-Stadion das Herb st fest der höheren Schulen Berlins zur Abwicklung. Von der Vielseitigkeit der Darbietungen waren Elternschaft und Ehrengäste, darunter Oberbürgermeister Döß, Ministerialrat Dr. Ottendorf, der Vizepräsident des Provin- zial-Schulkollegiums Dr. Grimme, in gleichem Maße entzückt. Die Pflege der Leibesübungen an den Lehranstalten hat sehr gute Fort» schritte gemacht. 1666 Drelkämpser, 3566 Frei» Übungsturner, 62 Schulen im Schulmehrkampf, das sind nur einige Zahlen über die Beteiligung. Vielen Beisoll fanden auch hc44c ScwH&.isteine H444f die ZZorführungcn d«r Mädchen� Hauptbestandteile des umfang- reichen Programms waren die Schulmehrkampfe. Bei den Voll- onstalten gewann Stabila-Lichterselde den Ehrenschild der Stadt Berlin vor der Oberrealschule Wilmersdorf und der Oberrealschule Spandau. De» Ehrenschild des Jugendamtes der Stadt Berlin für Realschule» sicherte sich, wie schon im Vorjahre, die chindenburg- Rcalschule-Charlottenburg vor der Mcnzel-Realschnle und der Real- schule Steglitz. In den drei Klassen des Dreikampfes holten sich Sieler(Oberrealschule Lichterfelde), chübner(Siemens-Oberrealschule) und Adam(Stabila) den ersten Preis: die 4 X M-Meter- Brustschwimmftaffel sah bei den Bollanstalten Stabila und bei den Realschulen die Men.fel-Oberrcalschule siegreich. Das Wasserspringen gewannen Kohlert(5. Oberrealschule) und Lange(Rea'gymnasium Wcißensee) und die Grotze Schulstasscl im Lausen sicherte sich die Tiemcns-Obcrrsr.lschule. Am 4. September geht ein gleiches Turn- und Sportfest der Berliner Bolksschule» aus der Treptower Spielwiese vor sich. 1"<)cie5stur� beim Training zum Schncider-Pokal-Fiicgen. Die Eeschwindigkeitsraserei hat ein neues Opfer gefordert: Der italienische Hauptmann M o t t a ist mit seinem für de» Schneider-Pokal bestimmten Wasserslugzeug beim Training aus ge- ringer Höhe fast senkrecht in den Gardasee gestürzt und fand dabei den Tod. Ueber die Ursache des Unglücks wird nian wohl erst»ach Auffinden des Apparates Klarheit erhalten. Vielleicht ist Motto, ähnlich wie der Amerikaner Lt. Williams, durch das Einatmen giftiger Auspuffgase ohnmächtig geworden und hat die Gewalt über die Maschine verloren. Eine andere Möglichkeit wäre die, daß das Flugzeug beim Laudungsversuch durchgesackt ist und bei einer Flughöhe von nur kW Meter nicht mehr abzufangen war. Einige der italienischen Wasserflugzeug« besitzen sehr schmale Tragflacheii, so daß das Niedergehen aufs Waissr mit Verhältnis- niäßig hoher Geichwindigkeit erfolgen»iiiß. Die Italiener haben unter Hinweis auf den Unglücksfall um eine Verlegung des Aus- tragungstcrmins nachgesucht, doch ist dies nach dem Reglement nicht möglich. Die englische Marineleitung hat dann auch bekaimtgegeben, daß das Renne» am 7. September in Portsmouth auf jeden Fall stattfinden wird.» Rennen zu Karlshorst. goufrfKtin.Äütbenwnncn: 1. Polydor«g. Elchhorn): 2. Ailskar? 3. Wende- lin.?oto: Platz: 73, 77/70. ferner liefen: Persianer(acf.) Ekliptik-Iagdrenne»: 1.-j- Aad'.o(Wurst): 7 t(goldener frieden(Walt. .�curr); 2. Turmalin. To'o: 27:10(Rad'o): 10:70(Goldener Frieden). Platz: 70. 7 7:10. Ferner liefen: Li6)tstrahl, Nordsee(gef.). Fritz.Fromm. Jagdrennen: 7. 5.orniak(v. Gütz): 2. O.�cma: 3. Schlehblüte. Tolo: 78:70. Platz: 72, 74:10. Ferner liefen: Erdferkel: Ardoritin. Kauv4. Jagdrennen: 1. Helnan(Li-marct): 2. Vigor: Z. Oper. Tolo: 73:10. P.'atz: 73, 16, 30:13. Ferner liefen: Ltaroste: Nnton; Raphael; Trutzig(gef.). Indus-Flachrennen: 7. Faulpelz(o. Mellenthin): 2. Panier: 3. Vers. Tolo: 44:10. Platz: 28, 60:70. Ferner liefen: Quo vadis; Weltwandercr; Opar. LoShähnchen-Iagdrennen: 7. Liebeszauber(Pinter): 2. Leuchtturm: 3. Neuer Ulster. Toto: 27:70. Platz: 16, 22. 26:70. Ferner liefen: Hidigeigei; Kang Chi, Telmach: Kurzschluß: Variante; Wupeifu: Mithridatcs. Erla-Sürden-Ansgleich: 1. Kndlich(Moritz): 2. Colibri: 3. Connenlicht. Toto: 84:10. Platz: 2l, 18. 30:10. Ferner liefen: Periander; Mulatte: Praxedis: Lieblos. Der Fifchmarkt brennt! esenfeuer in Hütt. London, 26. August. Aus bisher ungeklärte weise brach in hull aus dem soeben fertiggestellten neuen Jifchrnarfk ein Jeuet aus, das in kurzer Zeit riefige Ausmaße annahm. Beinahe der gefamle Markt wurde zerstört. Die E n t la de b rück e. sieben neue Hochfecfischercidampfer. 200 Bureaus der Fischhändler und ISO Wage» für den Fischtrans- port verbrannten vollkommen. Daneben wurden große Mengen Verpackungsmaterial ein Opfer der Flammen. Die Dampfer waren erst am Sonnabend abend mit einer größeren Ladung zurückgekehrt und hatten an der Brücke festgemacht. Di« Mannschaften hatten sich bis auf einen Wachtposten nach Haufe begeben. Die Feuerwehr, die mit Untecktiitzung von Arbeiern und Schleppern arbeitete, konnte nur mit Mühe des Feuers Herr werden. Der Schaden wird auf fünf Millionen Mark geschätzt. Man befürchtet, daß das Feuer eine größer« Arbeits» l o s i g k e i t zur Folge haben wird. Oer Stralauer Kischzug. Die Berliner Oktoberwiese. I» der ganzen vergangenen Woche stand der Osten Berlins im Zeichen der Feststinmrung: der Stralauer Fifchzug wurde gefeiert, diese oolkstllmlickz-historifche Begebenheit, um die sich im Laufe der Zeiten ein ganzer Sagenkranz gebildet hat. So soll o o r etwa 500 Jahren«in Pfarrer diesen Fifchzug erfunden haben! Dieser Idee hätte aber ein recht materielles Jniereffe zugrunde gelegen: Jahrelang hatte der Pfarrer von feiner Gemeinde für feine Tätig- keit keinerlei Entgelt erhalten und da habe er den Fifchzug arran- giert, von dessen Ertrag seine Gemeindekinder dann auch ihren Pfarrer bezahlen konnten. Tatsache soll es dagegen fein, daß im Jahre 1Z74 die Eröffnung der Fischerei auf den Bartholomäustag, den 24. Auglust, festgelegt wurde. 1873 wurde, dann der Stralauer Fifchzug wegen schwerer Ausschreitungen polizeilich verboten und erst iin Jahre 1922 haben Stralauer Bürger den Fifchzug zu neuem Leben erweckt. Wie die Münchener ihre Oktoberwiefe und die Breiner ihren Freimarkt haben, so hat Stralau in diesen Tagen seinen Fifchzug mit all feinem bunten Leben und Treiben. Jahr- marktsbiiden, Karuffel, Wafferkorfo und Riefenfeuerwcrk. Ein Festzug, in dem der traditionelle Riefenfifch, der Waffergott Neptun lind der große weiße Schwan symbolisch prangten, bildete in den Straßen von Stralau de» Auftakt der Fest- lichkeiten: im Zuge gingen Herolde und Pagen, dann kam die alte Fifchergilde und die schwarzgelbe Postkutsche aus Großvaters Zeiten. ?lm Wochenende, ani Sonnabend, fand dann der eigentliche Fisch-, zug auf der Spree statt, der eine reich« Beut« ergab, die sofort an Ort und Stelle verkauft wurde. Wafferkorfo und Riefenfeuerwerk beschlossen am Sonntag den Reigen der Festlichkeiten. Inder in Berlin.' Außer den chinesischen Kleinhändlern und manchen sonstigen Bürgern Asiens lebt auch eine Anzahl Inder in unserer Stadt. wenn auch so wenige, daß sie noch immer auffallen, wenn si« irgendwo auftauchen. Die europäische Kleidung, die ja sogar schon in Asien die Volkstracht verdrängt, kann die rotbraune bis blaßgelds Hautfarbe der vielen Völker Indiens nicht unsichtbar machen. Nun hatten wir auch Gelegenheit, ihre vokalreichen Sprachen und ihr fremdartig harmonisches Nationallied„Hindostan ist«in Garten" zu hören. Es wurde nämlich in der Uhlandstraße, nördlich des Kur. fürftendamms, ein deutfch-indifcher Klub eröffnet, der diesen Fremden Gelegenheit geben soll, ihre deutschen Freunde auch bei sich zu sehen. In der Eröffnungsfeier legte ein feit acht Monaten hier wohnender Schuldirektor aus Indien diesen Zweck des Klubs dar, ohne daß er oder die folgenden Redner auch nur«ine politische Andeutung gemacht hätten. Das selbstverständliche Streben der Völker Indien- nach Unabhängigkeit ist ja auch so bekannt genug. es braucht nicht erst betont zu werden. Montag, 26. August' Berlin.'M 16.05 Oberresieranssret Dr. Bocusat:„Modetorheiten**. 16.30 Novellen verfaßt und gelesen von Arnold Zvcif. 17.00 Unterhaltungsmusik. 19.00 Slawische Unterhaltungsmusik. 19.30 Jugoslawische Reisebilder(Wilhelm Konrad Gomoll). 20.00 Orchesterkonzert. Dir.: Selmar Meyrovitr. I. Ramean-Mottl; Ballettsuite. 2. Mendelssohn: Italicnische Sinfonie. A-Dur, op. 90. 3. Dvorak: Ouvertüre ,,In der Natur". 5. Volkmann: Serenade, op. 69. 6. Wagner: Ouvertüre zu„Tannhäuser"(Berliner Sinfonie-Orchester). Nacl/ den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Während der Pause Bildfunk, K ö n i g s w u s t e r h a n s e r.»- 16.00 Französisch(kulturkundlich-literarische Stunde). 16,30 Hofer: Die Rokoko-Oper. 18.00 Krammcr: Kulturgeschichte des Reiscns. 18.30 Englisch für Anfänger. 18.55 Administrator Hopf: Vorbereitungen für die Herbstbestellung. 19.20 R. Oite: Das Automobil und seine Behandlung. 20.00„Der Feldprediger", Operette von Karl Millöcker. L Wetter für Berlin und Umgebung: Beständiges und vorwiegend heiteres Wetter ohne wesentliche Temperaturänderung. Schwache Lustbcwegung. Für Deutschland: Ueberall trocken und ziemlich heiler, kühl« Nacht, am Tage mäßig warm. Vtrannvortl.'Itr di« Redaktion: Wolkoaxg Schwär», Berlin: Anzecaen: Tl>. Stocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. t>. H., Berlin. Druck: Borwärt» Buch. druckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW KS. Lindenftrag« 2. Hierzu l Beilage. a-ler. Lidtispiele usw. Q —' l.r--- crj--Trra*L. Slaals-Oper Unter d. Linden Qesdilossenl Staats-Oper Am Pl.d.RepubI. GesdiM Montag, 2-; 8. Stadl. Oper Bismarckstr. 7''s Uhr Volksvorstcllg. Der Staatl.Sdiaospb. im Kcndarmenmuld OetdiM Staad. Sehilier-Theater.Charitii. Geschlossen. «Vs Uhr Barb.»256 * 1 oris.-ameriHantscM Dewllers mw. Haute 2 Vorslallungan l» u. 8' j Uhr.— 8 Uhr ermäBigte Pr. Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Lesen' Gutschein für 1—4 Personen Fautcuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M- Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. | Tigl. S>i.«IS 1*881.2.$ 8 8» _ I»••«. E. 4. 8066 | INTERNAT. VARIETfe Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, Kast.-Allee 7-9. Tel. Hb. 224$ Gasisplel Gusltl Beer, Breie) Lilieo Wiener Blatt Operellc von Johann StrauB Daxn der groHe Varlet«iell. Anfang Konzert 4 Ubr. Burlesken. Variete 5.30. üperetle 8 UM. leiten Oonnentaa grauer Volksug. )ed. Mittw. K'ndcrlesi n. Verlosono — e—eee— teeeeeeeeee Reichshailen.Theater Abend[T] Sonntag Nacfam.[T] Stettiner Sänger Machmittags halbe Preisel Montag, den 2. September restvoriteilonB zor 0 lolr- lelcr der Sicillner Sltger Dönhoff- Brettl: Varlelt Konzerl Tanz Rose- Theater, Gro£e Frankfurter Str. 192, Täglich 8.15 Uhr; Der Kleine Kuppler Lustspiel l.3Akt. v.Armont u.Gerbidon Gartenbohne 5.30 Uhr Konzert und bunter Teil 8.15 Uhr: Die Scheidungsreise Verden Sie Abonnent des Dose-Thealers Verlangen Sie kostenlose Zusendung der Abonnements-Bedingungen CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. TStflicfa ft' i Uhr Der neue Eronnungs- Schlager Wem gehört mein Mann! maf.amKoitli.Tor Kottbusser Str. 6 rägl. 8 Uhr auch Sonnt. nachm. 3 v, Eilte- Sänger i wie immer der oroBe Erlolgf Enrttose Lachstürme Theal. d. Westens Täglich 8'/. Uhr Sonntag 4 u. 8';. Franz Lehart Wcllerlolgl FriedcrIKe Lcitte Carola Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Direktion Dr. Robert Klein Deutsches KOnsller- Thealer Barbarossa 3937 Donnerstag, 29. Aug. 7,/t Uhr Dtsch. Uraufführ. Die andere Seite von R C Sherriff Regie; HeinzHilperl üerliner Ilieater CharlottenstraBe 90 Dönhoff 170 Dienstag, 3. Sept. 7' 2 Uhr Dtsch.Uraufführung Zwei Krawaltee von Georg Kaiser Musik: Mischa Spoliansky Regie: Forster Larrinaga Der Vorverkauf ist eröffnet. Barnowsky-BDIinen Thaatar ia dar KSniggritzar StraBa Täglich 8'/. Uhr Rival en Komddlenhaua Täglich 8'b Uhr Hodizeittreise mit Seoni Aluaader Lustspielhaus Täglich 8'lj Uhr Du wirst mich heiraten! Rundfunkhörer halbe Preise. Netropol-Th. Tägl. 8Vi Uhr Sonntags 4 u. 8V- Blaubarl Operette von Offen bach Grete Finkler, Stieb er- Walter Achtung beim Möbeleinkauf Wenn Sie Wert auf wirklich gute Tischlerarbeit legen, besichtigen Sie vorher meine große Ausstellung kompletter Zimmer, Einzelmöbel und Küchen. 24 Monate Kredit, trotzdem billigste Kassenpreise. Leser erhalten bei Kasse 50/n Rabatt Julius Apelt, Adalbertstraffe 6 am Kottbusser Tor Berliner lllk-TrlO Naukölln. W Lahaztr.TlTpl Frankfurter Allee 313 Vom 23. bis 26. 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Abänderung der Satzung is vom Obeeverstchcrungsamt genehmigi worden. Geändeti find die 10 und 20 Die Aend.nung des 4 10 feilt mit dem l 7. ISA. die de»§ 20 mit dem heutigen Tage in Riaft. Drnckffiicke der Aendcrung find ad 2. 9. 1929 im Kassenlofai erhältlich. Oer Vorstand: Brandenburger Michel Borsitzender. Schriftführer Planetarium —> am Zoo— Virliffg. Joadiimithi'irjtraft- B. 5. Barbarossa 5578 16 bis 19 Uhr Bilder Ausstellung 19bist$V»iJhf 0«r Abendhimmel 201/« Uhr Da« Weltall im Lichtbild Inserate im A Vorwärts Schern Erfolg! «8drai>. ki»e> Ersafilelle Pralsllsti gratis KoblanLCo. Pumpenfabrik BERUH H 88 Rilritkentirfr Str. 95 ' MBtaii- s Holt- Betten SSSi*.. X Kinderbetren, Polster, SchUfzimmer, Chaise- mm Ion ju es an Private, Ratenzahl«. KatalN 267 fr sEisenmobenabriM sunt(Thür.) Verkäufe Bekleidungsstück«. Wasche Tis« 1« Saifon.AusoerfouisIoge bei Stein. Beginn 19. Äuguft: so viel Vorrai. 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